Krauses Zeug


Schmunzelpost 1978 vom 5. 6. 26

Der Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft rückt unaufhaltsam näher. Da ich fürchte, dass unter Euch auch ein paar Sport-Banausen sind, die glauben, auf einer Bananenflanke wüchsen Südfrüchte, will ich Euch nicht mit sportlichen Fakten behelligen. Stattdessen beginne ich damit, Euch jeweils elf Fakten über die teilnehmenden Nationen mitzuteilen, die womöglich neu für Euch sind. Heute geht es los mit Australien.
 
Okay, dass dieses Land downunder sogar ein Kontinent mit meist arg gebeutelten Bewohnern ist, weiß jeder. Aber wusstet Ihr auch, dass
 
1. ... australische Barbesitzer per Gesetz verpflichtet sind, die Pferde ihrer Kunden unterzustellen und zu verköstigen?
 
2. ... Wombats Würfel kacken? Die Exkremente der Beutelsäuger haben die Form von perfekten Quadraten.
 
3. ... in Brisbane jährlich die Weltmeisterschaft im Kakerlaken-Rennen stattfindet?
 
4. ... Kängurus und Emus nicht rückwärts laufen können? Gemäß dem Motto: ‚Always forward‘ zieren beide Tiere das australische Landeswappen.
 
5. ... die Stadt Esperance im Westen Australiens 1979 der NASA ein Knöllchen ausgestellt hat? Zuvor waren dort Teile der Weltraumstation Skylab abgestürzt. Wegen Umweltverschmutzung musste die NASA deshalb 400 Dollar berappen.
 
6. ... im australischen Bundesstaat Victoria verboten ist, ab Sonntag mittag in grellen pinkfarbenen Hosen herumzulaufen?
 
7. ... der Wüstenstaat Saudi-Arabien Kamele aus Australien importiert?
 
8. ... Australiens erste Polizei-Einheit aus den Gefangenen mit dem besten Benehmen zusammengestellt wurde? Die ersten europäischen Einwanderer kamen nämlich nicht freiwillig: Großbritannien nutzte 1788 seinen neuen Besitz, um Häftlinge loszuwerden. 
 
9. ... Australien das einzige Land der Welt ist, dessen Staatsoberhaupt immer noch als verschollen gilt? Im Jahr 1967 ging Premierminister Harold Holt eines Morgens los, um schwimmen zu gehen. Er wurde nie wieder gesehen. 
 
10. ... die längste schnurgerade Straße der Welt durch den Süden Ausstraliens führt? Und zwar 146,6 Kilometer ohne jede Kurve immer geradeaus durch die Nullarbor Plains, eine karge Wüstenlandschaft, die insgesamt 200.000 Quadratkilometer umfasst.  
 
11. ... das australische Militär 1932 einen Krieg gegen Vögel verlor? 1932 war die Streitmacht ausgezogen, um die Emu-Plage einzudämmen. Doch die flinken Laufvögel machten sich stets rechtzeitig aus dem Staub, die Truppen kamen nicht hinterher und mussten schließlich kapitulieren. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Schnell noch eine Brücke von Australien zur Mathematik. Ein Mathematiker marschiert mit einem Wanderfreund durch die australische Steppe. Dort treffen sie auf eine riesige Herde Schafe. Der Freund denkt laut: "Wahnsinn, wie viele mögen das wohl sein?" Darauf der Mathematiker: "Wieso? Das sind genau 3746." Der Freund staunt: "Wie hast Du das so schnell rausgekriegt?" Antwortet der Mathematiker: "Ist doch überhaupt kein Problem. Einfach die Beine zählen und durch vier teilen."  

Schmunzelpost 1977 vom 4. 6. 26

Zu den Vorteilen des Internets zählt, dass Musikfreunde wie ich nicht mehr gezwungen sind, eine Schallplatte oder CD zu erwerben, obwohl ihnen darauf nur ein, zwei oder drei Stücke wirklich gefallen. Es ist lange her, dass mich ein Album  von vorn bis hinten begeistert hat. Nun war dies endlich wieder einmal der Fall - zumindest halb. Denn die Toten Hosen haben zum Abschluss ihrer mehr als 40-jährigen Karriere ein Doppelalbum veröffentlicht: "Trink aus! Wir müssen gehen!" Und der Bonus-Teil, in dem die Düsseldorfer Band Lieder ganz unterschiedlicher Musiker mit den Originalinterpreten einspielte, ist für mich ein absoluter Volltreffer.
 
Ich habe schon die ersten Platten der Hosen gemocht, als sie als Punkband vor allem auf fetzigen Drei-Akkorde-Rock mit Melodien zum Mitgrölen setzten. Ihre Energie hat sich die Gruppe um Leadsänger Campino über die Jahrzehnte bewahrt und musikalisch enorm dazu gelernt. Immer wieder glückten ihr Titel, die Maßstäbe setzten, wie "Hier kommt Alex" als Vertonung von Clockwork Orange. Auch wenn mir nicht alles gefiel, was die Band veröffentlichte - vor allem ihr gefeierter Hit "An Tagen wie diesen" war nicht mein Fall, weil sie sich zu sehr dem anpassten - , fand ich trotzdem regelmäßig neue Songs, von denen ich sehr angetan war. Und das Spektrum der Toten Hosen erweiterte sich immer mehr: Vom Schlager über Rock'n-Roll-Klassiker und Liedern gegen den Faschismus, war für alle etwas dabei. Und Star-Allüren gab es nie, die Band beglückte treue Fans sogar mit Wohnzimmer-Konzerten.
 
Auch unter ihren jüngsten Titeln sind wieder ausgesprochen starke Songs wie "Schlechte Nachbarn" oder "Wir waren nie weg" enthalten. Dass mir der Bonus-Teil noch besser gefällt, liegt daran, dass er musikalische Höhepunkte der letzten fünfzig Jahre nicht nur ins Gedächtnis ruft, sondern revitalisiert. Seit den Siebziger Jahren war früher für mich samstags die "John-Peel-Show" auf BFBS Pflichtprogramm. Dort hörte ich zum ersten Mal "Honky Tonk Women" von den Stones und "Whole Lotta Love" von Led Zeppelin. Und als Punkrock die Musik-Szene erschütterte, den ganzen Ballast abwarf und Energie, Rhythmus und Melodie wieder in den Mittelpunkt rückte, war John Peel der erste, der wie ein Trüffelschwein die neuesten Perlen ausgrub. Aus dieser Zeit sind gleich mehrere Titel auf dem Hosen-Album vertreten.
 
Aber auch verblüffende Aufnahmen: Im Duett mit Campino vorgetragen klingt Wolf Biermanns "Ermutigung" so, als wäre sie soeben erst geschrieben worden. Anders als die Stimme von Hannes Wader, der man die mehr als 80 Jahre auf der dennoch gelungenen Version von "Schon so lang" nach anhört, hat Biermann mit fast 90 Jahren nichts an Biss eingebüßt. Besonders berührend finde ich jedoch das leider in Vergessenheit geratene Lied "Kinder" von Bettina Wegner. Den Text kann man vom ersten bis zum letzten Wort unterstreichen, die karge Instrumentierung passt, der Titel trifft ins Mark.
 
Das gilt auch für die Songs, die die Toten Hosen mit so unterschiedlichen Leuten wie Sven Regener von Element of Crime, Thees Ullmann, Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten oder mit Feine Sahne Fischfilet einspielten. Selbst Marteria kommt gut rüber, obwohl ich mit Rap sonst nicht so viel anfangen kann. Lediglich bei Vicky Leandros muss ich passen, diese Art von Schlager ist leider nicht mein Fall. Aber ähnlich dürfte es Euch auch gehen: Je nach persönlichem Geschmack hat man so seine Vorlieben. Hört einfach mal rein!
 
Bevor zum Abschluss ein paar Musiker-Witze folgen, hier der Campino-Text eines Hosen-Songs aus dem Jahr 2002, in dem die Band sich mit vergiftendem Humor befasste: 
 
Neulich hat jemand einen Witz erzählt,
den ich nicht verstanden hab.
Doch er muss wohl witzig gewesen sein,
denn die anderen haben gelacht.
Sie schlugen sich auf die Schenkel
und hielten sich ihren Bauch.
Dieser Witz muss ein Treffer gewesen sein,
denn das Lachen hörte nicht mehr auf.

Ha, ha, ha!
Ha, ha, ha!

Es war ein richtig guter Witz,
bestimmt fällt er mir gleich wieder ein.
Sich an einen Witz zu erinnern,
kann manchmal sehr schwer sein.

Dieser Witz war witzig –
so unglaublich witzig.
Er war wirklich witzig
so witzig.

Es war irgendwas mit Negern oder war es mit Ostfriesen?
Mit Schwulen oder Türken oder waren‘s Vietnamesen?
Juden oder Ossis oder waren‘s nur Blondinen?
Auf jeden Fall war‘s komisch, das weiss ich ganz bestimmt!

Einen Witz gut erzählen zu können,
ist sicher eine hohe Kunst.
Denk dir einen Witz aus
und lach dich drüber tot.

Ha, ha, ha!
Unglaublich witzig.
Ha, ha, ha!
Wirklich witzig.
Ha, ha, ha!
Unfassbar witzig.
Ha, ha, ha!
 
Zum Glück gibt es auch gute Witze. Zum Beispiel über alle Mitglieder einer Rockband.  Gitarre: Die häufigsten Gitarristenlügen: Ich kann mich nicht hören. - Ich habe doch schon leiser gemacht. - Gestern konnte ich's noch. - Bis zum nächsten Mal hab ich's drauf. - Irgendwann konnte mir mein Lehrer nichts mehr zeigen. - Ich war doch nicht zu laut! - Das Solo war doch nicht zu lang!  - Die Gitarre ist gestimmt!

Schlagzeug: Folgende Mathe-Aufgabe wurde verschiedenen Musikern bei der Orchesteraufnahmeprüfung vorgelegt: 2010 kostete ein Sack Kartoffeln 25 Euro, 2026 kostet der Sack Kartoffeln 40 Euro. Aufgabenstellung für die Blechbläser: Errechne den Unterschied in Prozent. Aufgabenstellung für die Holzbläser: Errechne den Unterschied in Euro. Aufgabenstellung für die Schlagzeuger: Unterstreiche Kartoffeln.

Bass: Warum sitzen Bassisten im Flieger immer in der ersten Reihe? - Wenn der Flieger abstürzt, kommt der Getränkewagen noch mal vorbei!

Gesang: "Kennst du den Sänger Micky Krause?" - "Klar doch. Ich bin einer seiner größten Gönner!" - "Gestern bei seinem Auftritt wurde er aber ganz furchtbar ausgepfiffen!" - "Das gönne ich ihm!"
 
Dudelsack: Warum spielen Dudelsackspieler immer im Gehen? - Bewegliche Ziele sind schwerer zu treffen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich bin Euch noch die Aufklärung schuldig, warum eine Katze nach den Gesetzen der Mathematik neun Schwänze hat. Beweis: Keine Katze hat acht Schwänze. Eine Katze hat also einen Schwanz mehr als keine Katze. Deshalb hat eine Katze neun Schwänze. Ist doch logisch, oder? 

Schmunzelpost 1976 vom 3. 6. 26

Gestern las ich in der Zeitung, was zum plattdeutschen Wort des Jahres gekürt wurde: Kuddelmuddel! Das ist auch ein Lieblingswort von mir. Zumal die Schmunzelpost ja ein kunterbuntes Durcheinander bieten soll. Bei solch einem Wink des Himmels komme ich natürlich nochmal auf das Thema "Plattdeutsch" zurück. Denn im Plattdeutschen gibt es viele Begriffe, die unsere Sprache bereichern und mehr Charme haben als manche hochdeutsche Vokabel. 
 
Beim Wort für Improvisation kann man fast glauben, es sei aus dem Finnischen entlehnt: "Behelperä". Wer B sagt, muss auch A sagen. Gehen wir mal das Alphabet durch. Das Abflußbecken für häusliches Schmutzwasser heißt Püttken, was doch viel netter klingt. Der Besuch zu Kaffee und Kuchen ist eine Kaukenvisite, eine charakterlose Person ein Lappsack. Der bitter nötige Dauerregen wird Pladder genannt, Eierlikör Rammelpampe, Fettpolster Quabbelfleesch. 
 
Wohnst Du in einer entlegenen Gegend, dann kommst Du aus Pusemuckel. Und bist Du hager, dann nennt man Dich Schlackermann. Aber bist Du eine Intelligenzbestie, dann giltst Du als Örwerfleiger. Bleibst Du Junggeselle, bist Du ein Eenspänner. Und besitzt Du allerhand Kram, dann gibt's dafür viele Ausdrücke: Gedöns, Himphamp, Krömken, Klimbim, Klüngel, Tüg. 
 
Ein langsamer, träger Mensch ist eine Drömmelkunte, ein unangenehmer Mensch ein Piesepampel, ein nachlässiger, unsauberer Mensch ein Schloddermichel. Ein Orthopäde wird treffend als Knockinrenker bezeichnet. Und ein Pantoffelheld als Schluffen. Ein Querulant ist ein Nörgelpitter. Unter einem Kabüffken versteht man einen sehr kleinen Raum. Ein Schwätzer gilt genau wie die Schwätzerin als Klappschnute. Unnützer Tand ist eine Fickfackerä und umfasst vielerlei Tüddellütkes. Pündkes klingt viel sympathischer als Übergewicht. 
 
Auch Fluchen ist auf Plattdeutsch schöner: Vödori nomol statt verflixt noch mal und vöflaukt un taugeneiht anstelle von verflucht und zugenäht. Rote Wangen leuchten als Äppelkes. Ein zänkischer Kerl ist ein Tägelapp, ein zänkisches Weib ein Bessen. Sie kann aber auch eine Knieptange sein. . . 
 
Got gohn 
kdk 
 
PS. Nachdem Ihr hier mehrfach im Rechnen geschult wurdet, fordert Euch nun Martin heraus: "Mich würde interessieren, ob die Schmunzelpost-Gemeinde eine leichte Aufgabe wie die folgende lösen kann: (x-a)(x-b)(x-c)...(x-z) = ?  Was kommt dabei heraus?" Ich setze noch ein Rätsel drauf. Denn ich behaupte, eine Katze hat neun Schwänze. Das kann ich mathematisch beweisen. Ihr auch?

Schmunzelpost 1975 vom 2. 6. 26

Fünf von vier Deutschen haben Schwierigkeiten beim Rechnen. Deshalb fühle ich mich verpflichtet, noch ein wenig im Reich der Zahlen zu verweilen. 
 
Die Zeiten, in denen wir beim Rechnen mit dem großen Einmaleins und Ziffern im gerade noch überschaubaren Bereich auskamen, sind lange vorbei. Wissenschaftler benutzen daher gern Zehnerpotenzen, um große Zahlen darzustellen. Zehn hoch zwei ist hundert, das kriegen wir noch hin. Auch zehn hoch drei, also tausend, ist für uns noch machbar. Dann wird es langsam unübersichtlich. Zehn hoch sechs ist eine Million, zehn hoch neun eine Milliarde und zehn hoch zwölf eine Billion. Aber nun verlieren wir den Boden unter den Füßen. In der Mathematik kommen noch viel größere Zahlen vor. 
 
Zehn hoch hundert nennen Eingeweihte eine Googol. Das ist eine Zahl mit einhundert Nullen. Was aber ergibt dann zehn hoch googol? Versucht nicht, die Zahl zu schreiben. Ihr würdet kein ausreichend großes Blatt Papier dafür finden. Und die Erde wäre längst verglüht, bevor Ihr mit dem Schreiben der Nullen fertig seid. Offizielle Bezeichnung dafür wären zehn Millionen Quindezilliarden. - Der Name der Suchmaschine Google geht übrigens auf Googol zurück. 
 
Kein Wunder also, dass Personen, die sich dauernd berufsmäßig mit so etwas beschäftigen, mitunter leicht verwirrt sind. Von Paul Erdös habe ich gestern erzählt. Heute erinnere ich an den großen Mathematiker Norbert Wiener. Der war in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts ein Pionier bei der mathematischen Behandlung von Zufallsprozessen und trug wesentlich zur Entwicklung der Kybernetik bei. Allerdings war der brillante Mathematiker auch bekannt für seine notorische Vergesslichkeit. 
 
Als seine Familie ein neues Haus bezog, schrieb ihm seine Frau vorsichtshalber die Adresse auf ein Stück Papier und drückte es ihm in die Hand. Wiener war beleidigt: "Sei nicht albern, ich werde doch so etwas Wichtiges nicht vergessen!" Den Zettel steckte er aber dennoch in seine Tasche. Im Laufe des Tages vertiefte er sich dann in ein mathematisches Problem und benötigte ein Stück Papier, um etwas darauf zu notieren. Also zog er den Zettel mit der neuen Adresse hervor und bedeckte ihn mit Gleichungen. Nach Abschluss der Überschlagsrechnungen knüllte er den Zettel zusammen und warf ihn weg. 
 
Als es Abend wurde, erinnerte Wiener sich dunkel, dass da irgendetwas mit einem neuen Haus war, konnte aber den Zettel mit der Adresse nicht finden. Da er nicht wusste, was er tun sollte, begab er sich zu seinem alten Haus. Dort bemerkte er ein kleines Mädchen, das auf den Treppenstufen saß. "Entschuldigung, meine Liebe, aber weißt Du vielleicht, wohin die Wieners umgezogen sind?" "Alles in Ordnung, Papa. Mama hat mich geschickt, um Dich zu holen." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1974 vom 1. 6. 26

Bisher sind alle angekündigten Gewitter an Dorsten vorbeigezogen. Heute ist es schon wieder heiß und schwül. Beste Voraussetzungen, um schlapp am Computer zu hängen und dort meinen Hang zu Flachwitzen mit dem Interesse an Mathematik zu vereinen. 
 
Starten wir mit Kalauern. Welches Tier kann addieren? Ein Oktoplus! Ha, ha! Wo stellt sich ein Mathematiker, der eine Schwitzkur machen möchte, in einer Wohnung hin, die keine Sauna hat? In eine rechtwinklige Zimmerecke - die hat 90 Grad! Ha, ha! Wieviel ergibt dreimal sieben? Ganz feinen Sand! Ha, ha!  Wie nennt man die Höhe, in der sich der Kopf eines Rindes über dem Boden befindet, wenn es sich einen Meter tief hinunterbeugt? Kuhbückmeter! Ha, ha! Treffen sich zwei Parallelen. . .  Ha, ha, ha, ha, ha, ha! 
 
Jetzt aber mal ernsthaft. Sehr lange Zeit hatten wir Menschen Probleme mit der Mathematik, weil es an Hilfsmitteln wie Stift, Papier und Taschenrechner fehlte und wir nur Kopf und Finger zur Verfügung hatten. Erstaunlicherweise änderte sich das bereits im Bronzezeitalter. Während unsere Vorfahren an Ruhr und Lippe noch mit dem kleinen Einmaleins beschäftigt waren, gab es in Babylonien bereits wahre Rechenkünstler. Das um 1900 vor Chr. gefertigte Tontäfelchen Plimpton 322 führt Zahlen auf, bei denen es sich um das Pytharoräische Tripel handeln könnte. Wer kennt es nicht? Und nur 15 Jahrhunderte später, um 420 v. Chr., entdeckte Hippasos von Metapont die Inkommensurablen. Das sind irrationale Zahlen in geometrischer Verkleidung, aber wem sage ich das? Das ist ja wie Eulen nach Babylon tragen. 
 
Um 400 v. Chr. erfanden die Babylonier dann ein Symbol für Null. Aber um 36 vor Christus erfanden die Maya ein neues Symbol für Null. Und während Griechen und Römer noch null Ahnung hatten, erfanden die Inder im Jahre 400 erneut ein Symbol für Null. Diesmal setzte es sich endlich weltweit durch. Was nichts daran ändert, dass ich von manchem, was ich gerade geschrieben habe, gleich Null verstehe. 
 
Doch das macht nichts. Mathematiker sind oft seltsame Leute. Kennt Ihr den brillanten ungarischen Mathematiker Paul Erdös? Das war selbst für seine Branche ein außergewöhnlicher Exzentriker. Er hatte niemals eine akademische Position inne, und er besaß nie ein eigenes Haus. Stattdessen reiste er durch die Welt und lebte immer nur für kurze Zeit bei Kollegen und Freunden. Das unstete Leben hinderte ihn nicht, mehr Artikel gemeinsam mit anderen Autoren zu publizieren als irgendjemand anders. 
 
Erdös kannte die Telefonnummern vieler Mathematiker auswendig und rief sie spontan an, wenn ihm etwas in den Sinn kam. Dabei ignorierte er souverän die unterschiedlichen Lokalzeiten auf unserem Globus. Während sein Zahlengedächtnis phänomenal war, konnte er sich aber nie an irgendeinen Vornamen erinnern. Ausnahme war sein Kollege Tom Trotter, den er stets mit "Bill" ansprach. 
 
Eines Tages traf Endrös einen anderen Mathematiker und erkundigte sich: "Woher kommen Sie?" "Aus Vancouver." "Wirklich? Dann müssen Sie meinen Freund Mendelson kennen." Es entstand eine Pause. Dann sagte der andere: "Mein lieber Paul, ich bin dein Freund Eliot Mendelson." 
 
Tja, so ist das mit den Genies. Für eine Sekunde zuckte ich zusammen, als ich von der Vornamen-Schwäche las, die ich mit Endrös teile. Aber dann beruhigte ich mich wieder: Dafür kann ich mir Zahlen nur mit großer Mühe merken. Selbst für meine eigene Smartphone-Nummer und sogar meinen Pin-Code benötige ich Eselsbrücken. Was nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung darauf hindeutet, dass ich eher mit einem Esel verwandt bin als mit einem Mathematiker. 
 
Glückauf 
kdk   


Schmunzelpost 1973 vom 31. 5. 26

Da war ich glatt platt! Schon bis 13.30 Uhr trafen vier Lösungen zum Worträtsel der gestrigen Schmunzelpost ein. Dass viele kluge Köpfe unter den SP-Lesern sind, war mir klar, aber so viele Knobelfüchse hätte ich nicht vermutet. Es ging darum, durch den Austausch von jeweils einem Buchstaben in sechs Schritten die POST ins HAUS zu bringen. Annette beschritt dazu diesen Weg: POST-MOST-MAST-HAST-HASS-HAUS. Raymund schlug POST-ROST-RAST-HAST-HASS-HAUS vor, wobei er darauf hinwies, dass man den Hass auch durch Haut ersetzen kann. Und Martin verwies darauf, dass es zwar sechs Wörter, aber eigentlich nur fünf Umwandlungsschritte sind, z.B. bei der Variante  POST - POSE - HOSE - HASE - HASS - HAUS. 
 
Maria wählte die Tour POST - POSE - HOSE - HASE - HAUE - HAUS. Und sie meint, dass Mathematik mit Zahlen und Ziffern wenig zu tun habe. Na gut, Mathematik ist viel mehr als das. Sie beschäftigt sich auch mit Geometrie und Algebra, mit Formeln und Funktionen, mit Logik und Wahrscheinlichkeiten. Es gibt die angewandte und die theoretische Mathematik, die numerische und sogar eine diskrete Mathematik. Aber die verbreiteste außerhalb der Universitäten ist nunmal das Rechnen mit Zahlen, mit dem wir Normalsterblichen uns dauernd herumschlagen müssen. (Oh je, da fällt mir ein: Meine nächste Steuererklärung ist bald fällig). 
 
Doch weil ich gerade noch platt war, kann ich heute den Übergang zur Sprache mit dem Plattdeutschen als Thema wagen. Logisch. Denn wenn ich eins und eins zusammenzähle, dürfte arithmetrisch und nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit zumindest eine Leserin daran sehr interessiert sein. Dennoch schaue ich nicht nach Rhade, sondern nach Kirchhellen. Per Zufall entnahm ich dem Bücherschrank nämlich drei Schriften des dortigen Heimatvereins. Und sage nun: Lot us noch mol ne Mule vull Platt kürn. 
 
Dat mut von de Leber. Bevor Ihr sagt: "Wenn kleine Kinner pupen willt, dann geht dat in de Buksche" oder sogar: "Hä kürt Korn un Kaff dürene", da sage ich: "Ik weet, woa de Hacke an'n Stiel sitt!" Wenigstens kurz vor Mitternacht. Denn "Morgenstund hät Gold im Mund un Blä in de Kunt!" Doavan kann ik 'n Leidken singen. Wann 'm Pech hät, fällt man  ut 't Bett un versüppt in 'n Pisspott. Dat stött mä suer op. Nu kommt wä van 't Waterdrinken af. Loat us eenen op de Lampe schütten! Half besoppen is weggeschmetten Geld. Oha! Hä kürt sik in 'n Knüpp. Dat es alls for de Katte. Hä hät nix te verkoppen. Nun sin ik met mien Latin an 't Enne. - Met em mot man hochdeutsch küren. 
 
Und hier ist die Übersetzung für die Leute vom Stamme "nix verstan!" Frei von der Leber: Bevor Ihr sagt: "Das ist eine Nummer zu groß für Dich. Übernimm Dich nicht!" oder sogar: "Er redet dummes Zeug!", da sage ich: "Ich weiß Bescheid!" Wenigstens kurz vor Mitternacht, nicht nach dem Morgengrauen. Denn Morgenstund hat zwar Gold im Mund, aber Blei im Hintern. Ich weiß, wovon ich rede. Denn wenn man morgens Pech hat, fällt man aus dem Bett und ersäuft im Nachttopf. Damit bin ich aber nicht einverstanden. Denn bessere Zeiten stehen bevor. Lasst uns darauf ein Gläschen trinken. Aber eigentlich ist halb besoffen sein rausgeschmissenes Geld. 
 
Und jetzt Ihr: "Oha! Er redet dummes Zeug. Das ist alles vergebens! Er hat nichts Brauchbares anzubieten. Und nun ist er mit dem Latein am Ende. Also wirklich, mit dem kannst Du nur hochdeutsch sprechen." 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1972 vom 30. 5. 26

Sprache und Mathematik - zwei völlig getrennte Welten? Meist können Freunde von Wörtern und Buchstaben Zahlen weit weniger abgewinnen. Führende Mathematiker sahen das jedoch ganz anders: "Mathematik ist eine Sprache", behauptete Josiah Willard Gibbs. Edward Kasner und James Newman fügten hinzu: "Mathematik ist die Wissenschaft, die schwierige Ideen in einfache Worte fasst."
 
Mitunter auch in viele Worte. "The Whetstone Witte, whiche is the seconds parte of Arithmetike: containing the extraction of rootes; the cossike practise, with the rule of equation; and the workes of Surde Nombers." So lautet der vielsagende Titel des Buches von Robert Recorde, das der walisische Mathematiker 1557 verfasst hat. Darin schrieb er: "Um die mühsame Wiederholung der Wörter 'ist das gleiche wie' zu vermeiden, werde ich, so wie ich es häufig in meinen Arbeiten tue, zwei gleich lange parallele Striche einsetzen oder Zwillingsstriche =, weil keine zwei Dinge sich mehr gleichen können als Zwillinge." Voila, das Gleichheitszeichen war geboren, das seitdem beide Bereiche gleichermaßen bereichert.
 
Aber auch Rätselhaftes lässt sich aus einer Kombination von Buchstaben und Ziffern erstellen. Zum Beispiel Worträtsel, bei denen man einen Begriff, ausgehend von einem Anfangswort, in ein anderes sinnvolles Wort verwandeln muss. In jedem Schritt darf nur ein Buchstabe ausgetauscht werden. Dabei sind aber keine Buchstabenumstellungen erlaubt. Ein Beispiel: Wie wird MAST in sechs Schritten zu SAMT? MAST - HAST - HASE - NASE - NAME - SAME - SAMT!
 
Nun seid Ihr an der Reihe. Schafft Ihr es die POST zum HAUS zu bringen? Sechs Schritte sind dafür erforderlich. Bevor Ihr mit dem Knobeln beginnt, zum Auflockern noch etwas über Rechenkünster. Ein Mathematiker erzählt einen Witz: "Es gibt drei Sorten von Mathematikern. Die einen können zählen, die anderen nicht."
 
Glückauf
kdk


Schmunzelpost 1971 vom 29. 5. 26

Hand aufs Herz: Könnt Ihr ihn auswendig, den Text unserer Nationalhymne? Außer auf CDU-Parteitagen und bei Fußball-Länderspielen war das Mitsingen früher nur selten erforderlich. Aber seit der Fußball-WM 2006 in Deutschland hat sich das geändert. Zeitweise machten sich Beobachter einen Sport daraus, welche Spieler wirklich mitsangen und wer nur als Tarnung die LIppen bewegte oder unbewegt zuhörte und womöglich mit seinen Gedanken ganz woanders war. Wie auch immer: Da die Schmunzelpost stets staatstragend ist, geht es nach dem Grundgesetz heute um unsere Nationalhymne. 
 
Den Text hat jemand verfasst, der uns insgesamt rund 3000 Gedichte hinterließ. Allerdings fast alles Kinder-, Volks- und Kirchenlieder. Erst 1837 nach der Amtsenthebung von sieben liberalen Göttinger Professoren machte deren Amtskollege Hoffmann von Fallersleben seinem Unmut gegen die Zustände im zersplitterten Deutschland auch öffentlich Luft. Sein Gedicht, aus dem das Lied der Deutschen wurde, entstand 1841 auf der Insel Helgoland, die erst 1890 durch den Tausch gegen Sansibar offiziell zu Deutschland kam. 
 
Die erste Strophe enthielt damals keinerlei Expansionsgedanken. Hoffmann beschrieb darin die deutschen Grenzen, wie sie in seiner Zeit in vielen literarischen Texten zu finden waren. Erst der vermehrte Gebrauch in der Kaiserzeit zur Betonung von nationalchauvinistischen Ideen und danach vor allem der gezielte Missbrauch durch die Nazis, rückte die Verse ins schiefe Licht. Das galt auch für die biedere zweite Strophe, in der es um deutsche Frauen, deutsche Treue, deutschen Wein und deutschen Sing-Sang ging, die im Dritten Reich als Lobgesang auf die deutsche Mutter interpretiert wurde. 
 
So blieb nur die dritte Strophe. Selbst die war nicht unumstritten. Zuerst versuchten Parlamentarier 1949 die erste Strophe der alten Hymne zu übernehmen. Wegen des heftigen Protestes aus dem In- und Ausland kam dies aber nicht in Frage. Der Versuch von Bundespräsident Theodor Heuss, in der Bundesrepublik eine völlig neue Hymne zu etablieren, scheiterte jedoch daran, dass der ausgewählte Komponist Carl Orff mit dem Text von Rudolf Schröder nicht klarkam. Die DDR hatte längst eine andere Lösung gefunden und war angeblich aus Ruinen auferstanden. So dauerte es bis zum Mai 1952, bis sich im Westen die dritte Strophe durchsetzte. Allerdings nicht bei Sarah Connor, die am 31. Mai 2005 ihr Vaterland im Glanze des Glückes aufbrühen ließ. Wer jetzt hämisch auf die Schenkel klopft, überprüfe seine eigene Textsicherheit. 
 
Der Dichter selbst bereute seine Zeilen übrigens bereits 1874. Kurz zuvor war ein geeintes Deutschland entstanden, das sich nicht auf Demokratie und Liberalismus stützte, sondern in dem sich Restauration und Monarchie durchgesetzt hatten. Angesichts unserer aktuellen Situation vermute ich, dass er seinen nachträglichen Zusatz auch heute noch so stehen lassen würde: 
 
"Und ich sang von Deutschland wieder, 
sang in Freud' und Hoffnung nur, 
doch mein Deutschland über alles, 
kam und ward - Maculatur." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1970 vom 28. 5. 26

Bis auf das Champions-League-Finale ist die Fußball-Saison 2025/26 abgeschlossen. Dabei hat sich erwiesen, dass die Relegationsspiele, die über Abstieg und Aufstieg entscheiden, echte dramatische Knüller geworden sind, jedenfalls die Rückspiele. So verbannte jetzt Paderborn die Wolfsburger in die zweite Liga, und die Rot-Weißen aus Essen lieferten der Spielvereinigung Fürth einen bis zur letzten Minute spannenden Kampf, bevor sie nur hauchdünn zumindest eine Verlängerung verpassten. 
 
Das alles weckt Vorfreude auf die kommenden fußballerischen Höhepunkte. Drei möchte ich hervorheben. Am 11. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft, die diesmal in Mexiko, Kanada und den USA ausgetragen wird. Das spannendste an diesem extrem aufgeblähten Turnier wird sein, ob es FIFA-Chef Gianni Infantino gelingt, noch weiter in den Allerwertesten von Donald Trump einzudringen als vorher NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Die neue Saison der 1. Fußball-Bundesliga beginnt am 28. August. Dann kommt es darauf an, ob Schalke 04 sich in dieser Spielklasse behaupten kann. 
 
Und das vielleicht interessanteste Ereignis, an dem hoffentlich auch Fußball-Laien ihren Spaß haben werden, folgt am 3. September im Bürgerbahnhof. Dort heißt es: "Ein Spiel hat drei Halbzeiten - das Witzigste aus der wunderbaren Welt des Fußballs". Die Aufstellung steht zwar noch nicht fest, aber ich will Euch zur Einstimmung schon einmal mit der Taktik des Bühnenteams vertraut machen. Die besteht zum einen darin, den besten Profis unter den Fußball-Kennern im Saal ihre Grenzen aufzuzeigen. Zu dieser Elite gehört nur, wem die folgende Aufzählung etwas sagt: Klaus Fischer, Erwin Kremers, Klaus Fischer, Manfred Dubski, Klaus Fischer, Rüdiger Abramczik, Klaus Fischer. 
 
Ansonsten wird sich das Bühnenteam bemühen, die weniger Versierten mit Volltreffern ins Humor-Zentrum außer Gefecht zu setzen, bis auch die Widerstandsfähigsten vor Lachen um Atem ringen und um Auswechslung bitten. Zum Glück gibt es eine große Menge an Fachliteratur, in denen selbst die kuriosesten Details über Regeln, Spiele, Tore, Trainer, Sportreporter und natürlich Fußballer zu finden sind. Hier eine kleine Titel-Auswahl: "Gott ist rund", "Weil Samstag ist" "Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen", "Vorne fallen die Tore", "Hätte, hätte, Viererkette", "16:0", "7:1", "Das nächste Spiel ist immer das schwerste", "Fußball unser". 
 
Hinterher werden die Besucher mit Werner Hansch sagen: "Alles andere ist schnullibulli!" Und wer zur Vorbereitung auf einen Abend, den man nicht verpassen sollte, schon einmal Spiele der WM ohne deutsche Beteiligung ansieht, der kann einige Überraschungen erleben. Denn schon bei einem früheren Turnier sagte ein neutraler Beobachter: "Bei der Fußball-WM habe ich mir Österreich gegen Kamerun angeschaut. Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten - und auf der anderen Seite Kamerun." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auflösung der Experten-Frage: Das ist die Aufzählung der Torschützen in Reihenfolge beim Spiel Bayern München - Schalke 04 vom 9. Oktober 1976 im Münchener Olympia-Stadion. Es endete 0:7. Wiederholung in der kommenden Saison erwünscht, aber ein bisschen unwahrscheinlich.
 


Schmunzelpost 1969 vom 27. 5. 26

Das kommt nicht alle Tage vor: Bundespräsident Steinmeier beehrte Dorsten mit seinem Besuch. Nein, er wollte nicht bei Björn Freitag im "Goldenen Anker" essen gehen. Anlass waren stattdessen die "Tage des Grundgesetzes", zu denen es auch in Dorsten eine Reihe von Aktionen und Veranstaltungen gab. Grund genug, mich einmal in der Schmunzelpost mit unserer Verfassung zu beschäftigen. 
 
Wie gut kennt Ihr das Grundgesetz? Nun gut, dass Artikel 1 behauptet, die Würde des Menschen sei unantastbar, das ist uns allen bekannt. Leider halten sich in der Praxis längst nicht alle daran. Aber nun will ich Euch auf den Zahn fühlen. Was steht in Artikel fünf des Grundgesetzes? Was höre ich da? "Du sollst nicht töten?" Das sollst Du auch nicht, aber das ist eine ganz andere Baustelle. Es war nämlich nicht Moses, sondern Konrad Adenauer, der im Mai 1949 den Kahlen Asten bestieg und mit einem ganzen Stapel von Gesetzestafeln wieder herunterkam. Die nannte ein Klub der Weisen dann auch nicht Gebote oder Paragrafen, sondern Artikel. 
 
Nächste Frage: Wieviel dieser Artikel hat das Grundgesetz? Nein, total verschätzt, es sind bedeutend mehr: Insgesamt 146! Sie bilden die Grundlage einer Gesetzgebung, um die uns ein Großteil der Menschen in anderen Nationen beneidet. Okay, nicht alle Grundrechte werden auch umgesetzt. Von der gesetzlich garantierten Gleichberechtigung sind wir immer noch in ganzes Stück entfernt. Das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte ist inzwischen ziemlich ausgehöhlt bzw. ausgelagert. Und wenn die Schere zwischen arm und reich noch weiter auseinanderklafft, dann wird es höchste Zeit, dem zweiten Absatz im Artikel 14 endlich Geltung zu verschaffen: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." 
 
Ich bin Euch noch Aufklärung schuldig, was in Artikel 5 steht. Er garantiert sowohl die Presse- und Meinungsfreiheit, wie auch die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre. Allerdings mit einer berechtigten Einschränkung, die in Artikel 18 festgelegt ist. Wer die freie Meinungsäußerung, die Versammlungsfreiheit oder das Recht auf Asyl zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, der verwirkt diese Grundrechte. Da frage ich mich, warum dies rechtsextreme Demokratiefeinde nicht längst zu spüren bekommen haben. Schon in der Weimarer Republik hatte man den richtigen Zeitpunkt verpasst. 
 
Es gibt ein altes Lied von Franz-Josef Degenhardt über die Befragung eines Kriegsdienstverweigerers. Darin heißt es: "Grundgesetz, Grundgesetz, ja, Grundgesetz, Sie berufen sich hier pausenlos aufs Grundgesetz. Sagen Sie mal, sind Sie eigentlich Kommunist?" Wenn hier auch zu Recht die oft perfide Fragetechnik der staatlichen Gewissensprüfer aufs Korn genommen wird - mit den im Grundgesetz garantierten Freiheiten hatten leider die Herrschenden in den Ländern des "real existierenden Sozialismus" fast nichts am Hut. Die KPD ist in Deutschland damals mit Fug und Recht verboten worden. Was hindert uns, dies mit bekennden Faschisten genauso zu tun? 
 
Nicht alles, was hinter dem Artikel 19 im Grundgesetz folgt, weckt in mir die Überzeugung, für die Einhaltung jederzeit auf die Straße gehen zu wollen. Oder würdet Ihr Artikel 27 mit Leib und Leben verteidigen? "Alle deutschen Kauffahrteischiffe bilden eine einheitliche Handelsflotte." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1968 vom 26. 5. 26

Neulich erhielt ich eine WhatsApp, in der eine Abkürzung vorkam, mit der ich nichts anfangen konnte. "o4u" stand da, und ich rätselte, ob dies etwas mit dem bedeutendsten Fußballverein der Welt zu tun haben könnte. Hat es nicht. Auf Nachfrage erfuhr ich, worauf ich allein durch Nachdenken niemals gekommen wäre. "o4u" bedeutet: Nur für Dich! Denn das englische Original "only for you" verwendet den Trick, dass eine Zahl mitunter wie ein Wort klingt. Alle 8tung! 
 
Immerhin, die Methode Ziffern als Ersatz für Wörter in Sprache einzubauen, hatte ich schon vorher mitgekriegt. Aber viele andere dieser Akronyme, die sich durch den SMS-Versand eingebürgert haben und durch die Freude vor allem jüngerer Leute darüber, über einen eigenen Code zu verfügen, mit dem Nichteingeweihte nichts anfangen können, sind mir nach wie vor schleierhaft. Okay, was "lol" oder "cu" bedeutet, weiß mittlerweile sogar ich. Aber da mich Sprache generell interessiert, habe ich mich eingelesen und gebe heute (also 2day) ein paar Brocken an Euch weiter. Mit diesem Wissen könnt Ihr Kinder, Enkel, Nichten und Neffen zum Staunen bringen. Und beim nächsten Chat dafür sorgen, dass sie sich "rofl" (vor Lachen auf dem Boden wälzen). 
 
Die Aufforderung t+ für "Denk positiv!" ist jedenfalls auch als Abkürzung selten fehl am Platz. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach (IMHO). Mit einem KISS drückt Ihr nicht etwa Eure Zuneigung aus, sondern ermuntert den Empfänger der Botschaft, er möge sich kurz fassen (keep it short and simple). Und wenn Ihr mir daraufhin knapp antwortet, die Schmunzelpost MMD (made my day: Hat meinen Tag versüßt), bin ich sehr zufrieden. Weniger glücklich wäre ich, wenn Ihr schreibt "gzT", mich einen "bm" nennt und Euch auf "anw" verabschiedet. Das bedeutet in der Folge des Auftretens "Geh zum Teufel, Blödmann, auf NImmerwiedersehen". 
 
Unsereiner hampelt ja immer noch im Bronzezeitalter des Internets herum und kann daher Computer-Freaks mit seinen Fragen schwer auf den Keks gehen. Jedenfalls weiß ich jetzt, was sie meinen, wenn sie dem "dau" (dümmster anzunehmender User) ruppig antworten: "rtfm". Das heißt: "Lies die verdammte Anleitung" und klingt auf englisch noch etwas härter "read the f***ing manual". Dagegen verstehe ich dank dem Krieg der Sterne sogar den Nerds-Segensspruch "mtfbwy". Auf englisch: "may the force be with you" und eingedeutscht "Möge die Kraft mit Dir sein." 
 
Trotzdem feit mich diese Stippvisite in fremde Welten nicht davor, bei der Begegnung mit dem nächsten Kürzel spontan zu fluchen: "yaba!" - "yet another bloody acronym!". 
 
GN8 
kdk

Schmunzelpost 1967 vom 25. 5. 26

Als der arme Timmy wochenlang die Nachrichten beherrschte und dabei so viel Aufmerksamkeit und Mitgefühl bekam, wie Millionen seiner Artgenossen vorher verwehrt geblieben war, habe ich eine dunkle Seite an mir entdeckt. Zu der Zeit häuften sich Wortspiele und Witze über Wale und Wahlen (die Passage hätte auch von Wagner stammen können), von denen manche gelungen, andere aber abgedroschen und platt waren. Dennoch stellte ich besorgt fest, dass auch schlechte Scherze mein Humor-Zentrum kitzeln.
 
Was ist da los? Habe ich einen Hang zum Flachwitz? Lache ich gern unter meinem Niveau? Oder liege ich etwa abgrundtief unter dem Niveau-Pegel eines aufgeklärten, nachdenklichen Humanisten? Wie dem auch sei, heute lasse ich meinem Vergnügen an Flachwitzen freien Lauf und präsentiere Euch eine kleine Auswahl der Kalauer, die mich zum Grinsen bringen. So las ich vor kurzem, was Ringo Starr antwortete, als er einst auf einer Pressekonferenz gefragt wurde, ob er Beethoven möge: "Ja, sehr, vor allem seine Gedichte!"
 
Fangen wir mit einer alten Schote an: Wie nennt man ein helles Mammut? Helmut! Okay, es geht noch tiefer. Was macht eine Bombe im Bordell? Puff! Schlecht ist auch dieser: Was sagt der Taxifahrer nach der Fahrt zu seinem Kunden? "Sie sehen heute so mitgenommen aus." Und wie lautet das Motto der Spendenaktion für ein Altenpflegeheim? "Ein Platz an der Sonde!" Habt Ihr Euch schon totgelacht? Dann drehen wir jetzt eine kleine Runde über den Friedhof.
 
Was steht auf dem Grabstein eines Mathematikers? "Damit hatte er nicht gerechnet." Und wie lautet die Inschrift auf dem Grabkreuz einer Putzfrau? "Sie wird nie wieder kehren." Was kann man auf dem Grabstein eines Werbefachmanns lesen? "Hier könnte Ihr Name stehen." In Frankfurt hat ein Finanzjongleur seinem Leben selbst ein Ende gesetzt, nachdem er sich total verspekuliert und dadurch nicht nur all sein Geld, sondern auch die Einlagen seiner Klienten verzockt hatte. Seine Börsenkollegen stifteten ihm einen Grabstein mit der Aufschrift: "An der Börse lag er immer falsch - aber hier liegt er richtig!" Und was steht auf dem Grabstein eines Totengräbers? "Wer andern eine Grube gräbt. . ."
 
Bevor Ihr mich noch zum Fips Asmussen von Maria LIndenhof kürt, komme ich lieber langsam zum Schluss. Es ist zu heiß, um sich auch noch schlapp zu lachen. Macht es deshalb wie ich: Sucht Euch einen schattigen Platz im Garten, dazu ein gutes Buch und gönnt Euch ein Gläschen köstlich-kühlen Sommerweins. Ich sage schon mal allen Literaturfreunden: "Na denn, Proust." Oder: "Zwischen Schiller und Goethe passt immer noch 'ne Flöte!" Oder auch: "Nüchtern bin ich schüchtern, aber völl bin ich Böll!"
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1966 vom 24. 5. 26

Bisher bin ich noch nie in Versuchung geraten, etwas aus dem CDU-Shop zu bestellen. Das hat sich jetzt geändert. Denn die Christdemokraten bieten dort eine Info-Broschüre an, die den Titel trägt "Abstieg für Deutschland - Keine Alternative". Darunter stehen drei Wörter: "Demokratieschädlich - Antisemitisch - Völkisch". Zunächst war die 30 Seiten umfassende Broschüre eher ein Ladenhüter und erregte kein öffentliches Interesse. Dann aber entdeckte die AfD die Schrift und machte im Netz dagegen mobil. Prompt war das Interesse geweckt, und die Broschüre ist inzwischen ausverkauft. Jetzt sollen 7000 Exemplare nachgedruckt werden. 
 
Erwartungsgemäß schäumt die AfD. Die CDU beleidige zehn Millionen Bürger, man prüfe juristische Schritte gegen ein "Pamphlet voller Lügen und Falschmeldungen", das "einfach unfassbar" sei. Die CDU reagierte darauf mit einem Video, in dem darauf hingewiesen wird, sie habe nur Zitate gesammelt, die öffentlich bekannt sind und die jeder selbst online recherchieren könne. Am Ende steht der Hinweis auf einen Link, unter dem man den Broschüren-Text herunterladen kann. 
 
Das werde ich in Kürze tun. Grundsätzlich meine ich zwar, dass Parteien sich hauptsächlich darauf beschränken sollten, ihre eigenen Ziele zu erläutern und nicht Rivalen schlecht zu machen. Das Rezeptbuch von Markus Söder "Wie man Grüne verspeist und welche Beilagen dazu am besten geeignet sind - Schwarzwurzeln oder Sonnenblumenkerne" kommt mir nicht in die Küche. Aber bei der AfD handelt es sich nunmal um eine Gruppierung, deren führende Vertreter aus ihren rechtsextemen, demokratiefeindlichen Ansichten kein Geheimnis machen und deren Programm Deutschland in Teufels Küche brächte, falls es jemals umgesetzt würde. 
 
Andere Angebote aus dem CDU-Shop lassen mich dagegen kalt. Auch wenn sie inzwischen von 2,30 Euro auf 1,84 Euro herab gesetzt ist, reizt mich die Backmischung für den CDU-Geburtstagskuchen zum 80-jährigen Bestehen überhaupt nicht.  Und auf Socken, T-Shirts und Schweißbänder mit dem Aufdruck "Einfach mal machen", Lieblingsspruch von Generalsekretär Carsten Linnemann, kann ich erst recht verzichten. 
 
Allerdings werde ich mir auch kein Poster, das Willy Brandt mit Mandoline und Kippe im Mund zeigt, im SPD-Shop bestellen und an die Wand hängen. Und auch die knallgrünen T-Shirts, Hoodies, Taschen und Beutel, Babykleidung, Tassen, Handyhüllen aus dem Internet-Shop der Grünen können mir gestohlen bleiben. Dann doch lieber ein Vogelhäuschen aus dem NABU-Shop. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1965 vom 23. 5. 26

Appetit auf Currywurst? Die in scharfe Soße eingebettete, zerschnippelte Fleischspeise, über die sich Duisburg und Berlin als angebliche Herkunftsorte streiten? Und die bereits Herbert Grönemeyer mit einem Text von Diether Krebs besang? Ich habe zwar seit Ewigkeiten keine mehr gegessen, aber jetzt ist sie plötzlich Thema in den Medien: Die Currywurst hat es geschafft, in deutschen Kantinen wieder auf Rang drei der beliebtesten Gerichte zu klettern. 
 
Früher wäre das eine Meldung gewesen, die ungläubiges Staunen auslöst. 30 Jahre lang stand die Currywurst auf Platz eins der Kantinen-Hitparade. Sie ist hierzulande der FC Bayern München unter den Würsten, vielleicht auch, weil Uli Hoeneß Bratwürste produziert. Doch 2020 geschah das Unfassbare: Spaghetti Bolognese verdrängte die Currywurst von der Spitze der Beliebtheitsskala. Und der Abstieg ging weiter. 2024 rutschte unser Klassiker sogar auf Platz vier. Aber jetzt zeichnet sich ein Comeback ab: 2025 ging es zurück in die Medaillenränge. Erstaunt bin ich über die Konkurrenten, die die Currywurst verdrängt hatten. Gut, Spaghetti Bolognese esse ich selbst sehr gern. Aber Bami Goreng auf Platz zwei in den Kantinen? Und die zweitweilige Nummer drei, Chicken Korna, kenne ich überhaupt nicht. Immerhin: Deutsche Mägen sind offenbar nicht fremdenfeindlich, sie lieben Multi-Kulti. 
 
Ob bereits meinem Babybrei Wurst beigemischt wurde, weiß ich nicht. Jedenfalls bin ich schon als kleines Würstchen ein Freund der Wurst gewesen. Bei Metzgereibesuchen gierte ich nach der obligatorischen Scheibe Fleischwurst als Zugabe zum Einkauf. Und auch, als mir später erzählt wurde, eine Fleischwurst bestünde aus den Resten, die nach dem Arbeitstag in einer Schlachterei zusammen gekehrt werden, trübte das meinen Appetit nicht. Mein liebster Leckerbissen war jedoch die Bratwurst mit mittelscharfem Senf. Wenn ich als Kind meine Mutter ein, zweimal im Monat in das pulsierende Leben von Lünen-City begleiten durfte, stand am Ende als kulinarischer Höhepunkt stets der Verzehr einer Bratwurst im Kaufhaus Kepa, dem Karstadt des kleinen Mannes. 
 
In meiner Sparkassenzeit schob sich dann eine andere Wurst in den Vordergrund. Die Kantine der Hauptstelle wurde auf Fertiggerichte umgestellt. Beim Transport schwappte die Soße in sämtliche Beilagenfächer. Und der aufgewärmte lauwarme Fraß mundete mir überhaupt nicht. So ging es auch anderen. Viele Kollegen behaupteten, das Schmackhafteste an dieser Mahlzeit sei der Plastikbehälter gewesen, in dem sie serviert wurde. Also aß ich fast täglich die einzige Alternative, die die Küche zu bieten hatte, eine Brühwurst. Nach dem Abschied von der Sparkasse, endete diese Ära zum Glück endgültig. No more Brühwurst anymore! Doch an der Uni kam ich vom Regen in die Traufe. Mit Genuss hatte das Mensa-Angebot nichts zu tun, es diente lediglich den Zweck, einem den Magen zu füllen. 
 
Salami, Cervelatwurst, Blutwurst, Leberwurst - ich war früher kein Kostverächter. Meine Butterbrote sind meist Wurstbrote gewesen. Inzwischen hat sich das geändert. Unterschiedliche Käsesorten haben die Wurst fast vollständig von meinem Speisezettel verdrängt. Nur alle paar Monate überkommt mich der Heißhunger. Und dann müssen ein paar Mettwürstchen dran glauben oder eine Fleischwurst - aber heute mit extrascharfem Senf. 
 
Was sagt Ihr? Die Wurst ist Euch wurscht? Na gut, dann einigen wir uns auf Platz fünf der Kantinen-Tabelle: Schwäbische Käsespätzle. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Gar nicht so leicht, Wurst durch ein anderes Wort zu ersetzen. Der Duden bietet bloß an: Wulst, Bausch, Falte, Rolle. Und veraltet: Puff. 

Schmunzelpost 1964 vom 22. 5. 26

"Dich will ich loben, Hässliches, Du hast sowas Verlässliches." Dieses Zitat stammt aus dem Gedicht "Nachdem er durch Metzingen gegangen war" von meinem Lieblings-Poeten Robert Gernhardt. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch? Vor einigen Monaten schrieb ich schon einmal darüber, weil ich im Buch von Rainer Moritz "Das Jahr in Büchern" vorab nachgeschaut hatte, welchen Lesetipp er an meinem Geburtstag gab. Und mit der Auswahl für den 21. Mai war ich sehr zufrieden. 
 
Das Gedicht kam mir jetzt wieder in den Sinn, weil ich gerade die aktuelle Rangliste der zehn hässlichsten Städte der Welt las, die das Urlaubsportal "holiday-check" ausgewählt hat. Metzingen kam nicht vor. Aber es ist ja auch keine Großstadt (vielleicht weil es so hässlich ist, dass es Neubürger abschreckt?). Die Juroren begründeten ihre Rangliste so: "Dreck, Dauerstau, Desaster: Manche Städte sind so extrem hässlich, dass sie fast schon wieder faszinieren. Wir zeigen zehn Orte, die man nicht vergisst – weil sie stinken, stocken oder scheitern." 
 
Einiges kann ich sehr gut nachvollzienen. Dass Lagos, an der Atllantikküste von Westafrika gelegen, als "planloseste Megacity der Welt" in die Top Ten aufgenommen wurde, leuchtet ein. Anhand der Bilder verstehe ich auch, wieso Pattaya in Thailand sich den Ruf als Hauptstadt des schlechten Geschmacks eingebrockt hat. Als Hauptstadt der Kriminalität gilt hingegen Guatemala-Stadt. Dort regieren in den meisten Vierteln Verbrechergangs, die sich blutige Bandenkriege liefern. 
 
Dafür ist Kairo als Hauptstadt der durchgeknallten Verkehrsteilnehmer berüchtigt. Dort möchte ich auf keinen Fall Auto fahren. Aber auch als Fußgänger lebt man in Kairo gefährlich. Sie stellen die Hälfte der jährlich rund 1000 Verkehrstoten, zu denen jedes Jahr auch noch 4000 Schwerverletzte kommen. Neapel in Italien ist die Hauptstadt der Müllberge. Und Manila auf den Philippinen beschreiben Einwohner und Reisende als die staureichste Stadt der Welt. Dort fängt der Tag mit einem Hupkonzert an und endet in dickem Smog im Stau. Auf den Straßen der 14-Millionen-Metropole geht es allenfalls im Schneckentempo voran, die Feinstaub-Belastung ist extrem hoch. 
 
Unter diese Grusel-Orte hat sich, wie ich finde zu Recht, Berlin auf Platz fünf eingeordnet. Diesen Eintrag hat die deutsche Hauptstadt zu verdanken, dass sie auch als Hauptstadt der Baustellen gilt. Und nach zwei Abstechern während des Potsdam-Urlaubs füge ich hinzu: Manche Ortsteile sind auch beim Rennen um die dreckigsten und schäbigsten Winkel Deutschlands vorn mit dabei. 
 
Apropos dreckig: Jetzt kommen wir zum Skandal dieses Rankings. Auf Platz eins als hässlichste Stadt der Welt haben die unverschämten Juroren nämlich Gelsenkirchen gesetzt. "Zwischen Fördertürmen, Industriebrachen und sechsspurigen Straßen wirkt vieles grau und aus der Zeit gefallen. In manchen Vierteln reiht sich Leerstand an Fastfood-Ketten, dazwischen Plattenbauten und Parkplätze." Mag ja sein. Und ausgerechnet Schalke könnte wirklich dringend eine Schönheitskur vertragen. Aber für welche Stadt an der Ruhr gilt das nicht? Essen hat Vogelheim, Duisburg Marxloh und Nord-Lüdenscheid seine Nordstadt. Gelsenkirchen aber hat zum Ausgleich auch viel Ansehnliches zu bieten: Buer beispielsweise, aber auch Schloss Berge und Schloss Horst sowie herrliche Parks und viel Grün. Vor allem jedoch das prächtigste Fußballstadion der Welt. Allein diese Arena würde rechtfertigen, dass Gelsenkirchen nicht in der Liga der hässlichsten Städte mitspielt, sondern in die Klasse der schönsten Orte aufsteigt! 
 
Dazu noch ein passender Zusatz aus einer der vielen Gratulationen zum Geburtstag, die mich gestern erreichten. (Vielen Dank allen Absendern! Es waren zwar nicht ganz 73, aber ich habe mich über jeden einzelnen Glückwunsch sehr gefreut.) Und einer ergänzte sogar gekonnt die Zahlenspielerei der gestrigen Schmunzelpost: 
 
"73? Eine sehr schöne Zahl. Alles Gute zum Geburtstag, lieber Klaus. Ich hätte getippt, du wärst 1973 geboren. So kann man sich irren. 3-7 ist -4. Also 4 weniger als 0.  0-4 sozusagen. Oder kurz: 04. DAS ist ein Zeichen! Happy Birthday! (Aber bis zur 73. Meisterschaft der Knappen dauert es noch etwas…)". Das mag sein, lieber Christoph, aber zu den Meisterschalen kommen ja auch noch die ganzen DFB-Pokale, UEFA-Cup-Siege und Champions-League-Triumphe hinzu.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1963 vom 21. 5. 26

Aus gegebenem Anlass beschäftigen wir uns heute mit der Zahl 73. Keine Angst, diesmal kommen wir ohne Trilliarden von Nullen aus den nano-, mikro- oder piko-Welten aus. Denn die Zahl 73 ist zwar auf den ersten Blick unauffällig, eine ungerade Ziffer zwischen 72 und 74. Doch sie ist eine Primzahl, also nur durch sich selbst teilbar. Und jetzt geht's los:  Die Hauptfigur aus der TV-Serie "Big Bang Theory" hat diese Zahl in der 73. Folge zur besten Zahl der Welt erklärt.
 
Sheldons Erklärung: Die Zahl 73 ist die 21. Primzahl, ihre Zahlenspiegelung 37 ist die 12. Primzahl, wobei die Spiegelung von 12 wiederum 21 ergibt. Und 21 ist auch das Produkt der Multiplikation von 7 x 3, also den beiden Ziffern in der besten Zahl der Welt! Zwei Wissenschaftler, Carl Pomerance und Chris Spicer, aus der Mathematiker-Vereinigung von Amerika haben die Beweisführung noch etwas erweitert. Holt die Rechenschieber raus! Es sei denn, Ihr seid geborene Mathe-Genies, Programmierer oder Computer-Freaks.
 
Denn dazu kommt noch, dass die Zahl 73 im Binärcode ein Zahlenpalindrom ist, also vorwärts und rückwärts identisch. In Binärcode ist die Zahl 73 nämlich 1001001, also rückwärts auch 1001001. Aber auch in anderen Systemen hat die Dezimalzahl 73 noch besondere Eigenschaften. Im Oktalen Zahlensystem ist die 73 ein Palindrom, weil sie als 111 geschrieben wird, das sich natürlich auch rückwärts 111 liest - das haben Schnapszahlen so an sich.
 
Weniger mathematisch wird es bei der Betrachtung der Zahl als Morsecode. Und zwar deshalb, weil der Code ja nicht einem naturwissenschaftlichen Gesetz gehorcht, sondern von Menschen erfunden wurde. Trotzdem, die 73 als Morsecode sieht so aus: – – • • •   • • • – –.  Beim ersten Hinsehen ist sofort klar: Das ist auch ein Morsecode-Palindrom, weil auch das Morsezeichen von 73 rückwärts geschrieben mit der Vorwärtsschreibung übereinstimmt. 
 
Zurück zur Zahl 73 im Hexadezimalsystem. Nun wird's anstrengend. Man erinnere sich an die Tatsache, dass 73 die 21. Primzahl und ihre Spiegelung 37 die 12. Primzahl ist. 73 ergibt, in Hexadezimal geschrieben, den Wert 49. Und 49 ist genau um 12 höher als die 12. Primzahl 37. Die Spiegelung der Hexadezimalzahl 49, also 94, ist damit um 21 höher als die 21. Primzahl 73. Da staunt Ihr, was? 
 
Es gibt aber auch noch einen ganz einfachen Grund, warum die 73 auch für mich die beste Zahl der Welt ist. Heute vollende ich nämlich mein 73. Lebensjahr. Und zur Feier des Tages verspreche ich, dass ich Euch auch die nächsten 73 Tage  mit der Schmunzelpost versorgen will. Falls nichts dazwischen kommt, auch die nächsten 73 Wochen. Und obwohl man in solch gesegnetem Alter mit derartigen Versprechen vorsichtig sein soll, da die persönliche Restlaufzeit längst angebrochen ist: Ich werde mir alle Mühe geben, das auch noch 73 Monate lang hinzukriegen. Bei 73 Jahren bin ich allerdings skeptisch. 
 
Glückauf 
kdk 
 
 


Schmunzelpost 1962 vom 20. 5. 26

"Hömma, samma, womma nomma?" Ich spitzte die Ohren, als diese Worte gestern vom Balkon meines Nachbarn, des Herrn K., herüberdrangen. Schnell wurde mir jedoch klar, dass dieses Selbstgespräch durchaus auch für mich bestimmt war. Hört am besten selbst: "Siesse, Karl, da isser wieda, unsa Nachbah. Vierzehn Tage sin schnell rum. Musse getz nur 'n bisken lauter reden, damit er auch alles mitkricht. Is auch für ihm gedacht, hatter doch lange bei die Zeitung geabeitet. Und wat mussten wir letzte Woche in dat Blättken lesen? 'Kleines Handbuch: Ruhrdeutsch für Anfänger. Ein Sprachwissenschaftler erklärt die Basics.' 
 
Basics? Wat is dat denn für'n Wort? Da kann doch nur 'n Pannekopp drauf kommen. Und dann heißt dat noch: 'Diese Wörter sollten Ruhrdeutsch-Profis kennen.' Bisse und hasse, dat und wat, anne, inne und umme Ecke.' Hömma, wat is dat für'n  Kokolores! Dafür musse doch kein Proffi sein, dat schaffen auch Ammaturen. Die Wörter kennt doch jedet Blach, wat hier groß wird. An Ruhr und Lippe spricht doch jeder, wie ihm der Schnabel gewachsen is. 
 
Et gibt sogah Männekens, die meinen, wir würden ein "Dialekt" sprechen. Nix da! Dialekte überlassen wir andere, bei uns wird fast so hochdeutsch geredet wie in Hannover. Wir nehm nur manchmal die Abkürzung, wo son Ackerdemicker drumrum schwafeln tut. Aber Dialekte? Die spricht man anderswo, wobei sich dat nu wirklich komisch anhören tut, zum Beispiel in  Sachsen, Oder beim hessischen Gebabbel. Erst recht bei die Schwaben. Nur bayerisch ist für mich kein Dialekt, dat is eine Fremdsprache. 
 
Kürzlich hab ich mich anne Bude mit junge Bengels inne Wolle gekricht, die meinten 'das crazy', als ich mich 'nen Stumpen kaufte. Handelsgold-Zigarren für 50 Cent, wer weiß, wie lange et dat noch gibt! Die behaupteten glatt, ich würde ein Släng sprechen. Ma abgesehen davon, dat ich nich weiß, wat das is, ein Släng, hab ich dat sofott empört von mich gewiesen. Ich sprech, wie mich der Schnabel gewachsen is. Und dat isso und dat bleibt so!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1961 vom 19. 5. 26

So, der Urlaub ist vorbei, jetzt tun wir wieder was für unsere Bildung. Wie gut seid Ihr in Physik gewesen? Oder in Mathe? Aha, dann ist es an der Zeit, dass wir uns mal mit Zahlen beschäftigen. Und zwar mit solchen, die ich vor der Lektüre der Süddeutschen Zeitung am Montag überhaupt nicht gekannt habe. In einem Artikel ging es um eine Frage, die uns alle schon seit langem umtreibt: Wieviel Energie wird benötigt, um ein rotes Blutkörperchen einen Nanometer weit anzuheben? Ein Team um Mikko Möttönen, Professor für angewandte Physik an der finnischen Aalto-Universität, hat das jetzt herausgefunden. Ich sag's ja immer: Die Finnen haben's drauf! 
 
Um das Ergebnis auch nur ansatzweise begreifen zu können, müssen wir erst ein paar Maßeinheiten klären. Gehe ich recht in der Annahme, dass auch Ihr nicht wisst, wie lang ein Nanometer ist? Ganz einfach: 1000 Nanometer passen in einen Mikrometer, von denen man wiederum 1000 braucht, um auf einen Millimeter zu kommen. So weit, so winzig. Ein rotes Blutkörperchen hat nun einen Durchmesser von sieben bis acht Mikrometer und wiegt ungefähr zehn Pikogramm. Piko... - was? 1000 Pikogramm ergeben ein Nanogramm. 
 
Nun sind wir gerüstet, uns größeren Aufgaben zuzuwenden. Spoileralarm! Die Lösung der Eingangsfrage lautet: Ein Zeptojoule. Wat is dat denn nu wieder? Mit Joule misst man bekanntlich Energie. Also die Kraft, die benötigt wird, um eine bestimmte Arbeit zu verrichten. Oder die Wärme, die notwendig ist, um ein Gramm Wasser um ein Grad Celsius zu erhitzen. Außerdem auch die Leistung von einem Watt. Und nicht zuletzt, welche elektrische Spannung von einem Volt nötig ist, um Strom von einem Ampere eine Sekunde fließen zu lassen. 
 
Hallo? Seid Ihr noch da? Dann können wir uns jetzt den Feinheiten zuwenden. Wenn Ihr glaubt, dass zwischen einem Pikojoule und einem Zeptojoule bloß 1000 Maßeinheiten liegen, dann täuscht Ihr Euch gründlich. Dazwischen kommen noch Femtojoule, von denen 1000 ein Pikojoule ergeben. Und natürlich Attojoule. 1000 Zeptojoule sind ein Attojoule. Demzufolge entspricht ein Zeptojoule dem trilliardsten Teil eines Joules. Das lässt sich auch anders sagen: Eine Trilliarde, also eine Eins mit 21 Nullen, Zeptojoule bringen es auf ein Joule! 
 
Was soll der ganze Quatsch? Was bringt uns das im Alltag? Wissen wir nun, wie wir rote Blutkörperchen impfen können, damit sie nicht von kranken weißen Blutkörperchen verzehrt werden? Nein, das wissen wir nicht. Aber die Wissenschaftler sind überzeugt, dass diese ungeheure Messgenauigkeit ein breites Anwendungsfeld erschließen wird. Und einen Zweck hat das Experiment ganz nebenbei erfüllt. In einem Stück Würfelzucker steckt ungefähr die Energie von 50.000 Joule. Das ist allerdings weit mehr, als Euer Gehirn beim Lesen dieses Textes verbraucht, egal, wie sehr Ihr Euch angestrengt habt. Hauptsache, Ihr habt dabei nicht zu jaulen begonnen. . . 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Eine kleine Zugabe habe ich noch. Die kürzeste Zeitspanne, die Wissenschaftler bisher messen konnten, war 247 Zeptosekunden lang. So lange braucht ein Lichtteilchen, um in einem Wasserstoffmolekül von einem Atom zum anderen zu fliegen. 

Schmunzelpost 1960 vom 18. 5. 26

Wieder zuhause! Irgendwie war es mir gestern, als wären wir gar nicht weg gewesen. Schon die beiden Kater in unserer Wohnung kamen mir ziemlich bekannt vor. Das Tiefgaragentor zum Innenhof lässt sich mit dem Schlüssel immer noch nicht öffnen. Und die Baustelle hinter unserem Garten liegt anscheinend im Dornröschenschlaf. Dabei hat man bereits Ende Februar damit begonnen, zwei Verbindungswege zum Bürgerpark zu befestigen. Aber zuletzt ließ sich nur hin und wieder ein Bauarbeiter blicken. Und jetzt scheinen die Arbeiten komplett zu ruhen. 
 
Das ist für uns insofern ärgerlich, weil wir eigentlich im Frühjahr als Ersatz für den gefällten Kirschbaum zwei neue Sträucher pflanzen lassen wollten. Solange wegen der Baustelle jedoch das gesamte Gelände hermetisch abgeriegelt ist, finden die Landschaftsgärtner keine Zufahrt zu unserem Garten. Doch auf Verzögerungen von Bauprojekten hat Dorsten kein Monopol. In Potsdam wunderten wir uns, dass im Zentrum die Baustelle an der Kreuzung Brandenburger Straße/ Dortustraße mitten in der Fußgängerzone noch als Sandwüste im gleichen Zustand war wie bei unserem letztjährigen Besuch. Stellt sich nur die Frage: Immer noch oder schon wieder? 
 
Aber in und um Berlin hat man ja neue Maßstäbe für Langzeitprojekte gesetzt. Ich sage nur: BER! Doch immerhin ist der Flughafen jetzt in Betrieb, was man vom Stuttgarter Hauptbahnhof noch lange nicht sagen kann. Offenbar lassen sich bei solchen Bauvorhaben in Deutschland gegenwärtig nur zwei Dinge mit Bestimmtheit voraussagen: Erstens dauert es länger, und zweitens wird es viel teurer. 
 
Doch warum immer nur das Negative sehen? Manchmal ist es doch gut, wenn bestimmte Projekte nie beendet werden. Der berühmte amerikanische Regisseur David Lynch wollte eine Fernsehserie schaffen. Er drehte und drehte, dann ging ihm das Geld aus. Die TV-Serie kam nie zustande. Also sichtete Lynch das vorhandene Material, schnitt es neu zusammen, und so entstand der Kinofilm "Mulholland Drive", der heute unbestritten als sein Meisterwerk gilt. 
 
Und erst in der Musik! Was wären die Konzerthäuser ohne Schuberts "Unvollendete"? Aber auch andere große Komponisten haben Unfertiges hinterlassen, das weltweit riesigen Zuspruch findet. Mozarts "Requiem", Alban Bergs "Lulu", Johann Sebastian Bachs "Die Kunst der Fuge" oder  Gustav Mahlers 10. Symphonie, um nur einige zu nennen. In der Literatur gilt ein längst verstorbener Autor selbst als der "große Unvollendete". Was für Werke hätte Franz Kafka unter anderen Lebensumständen und ohne seine Krankheit wohl noch zu Papier gebracht? Selbst seine beiden posthum erschienenen Romane "Der Prozess" und "Das Schloss" sind unvollendet geblieben. 
 
Lediglich bei einem Großprojekt erfüllen mich Freude und Dankbarkeit, dass es schon früh kläglich gescheitert ist. Auf das von Adolf Hitler und seinen Nazis angestrebte tausendjährige Reich hat die ganze Welt liebend gerne verzichtet. Zwölf Jahre waren bereits zwölf Jahre zuviel. Das sollte uns eigentlich eine Lehre sein, solche Vorhaben bereits im Ansatz zu stoppen und gleichzeitig Ansporn, allen Rattenfängern frühzeitig in die Suppe zu spucken. 
 
Immerhin gibt es noch genügend Vorhaben, die stets pünktlich abgeschlossen werden. Schließlich habe ich nach dem mittlerweilen siebten Potsdam-Aufenthalt von den Preußen wenigstens eine Tugend übernommen. Und so setze ich hinter die heutige Schmunzelpost auch ohne baulichen, musikalischen oder literatischen Anspruch zumindest rechtzeitig einen dicken Schlusspunkt. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1959 vom 17. 5. 26

 
Durch die Blume gesagt haben wir gestern von Potsdam blütenrein Abschied genommen. Zuerst besuchten wir eine Ausstellung mit meisterlich gefertigten Blumensträußen. Und dann besichtigten wir den Karl-Förster-Garten. Karl Förster (1874 - 1970) war Gärtner, Gestalter, Gartenschriftsteller und Staudenzüchter. Das von ihm gegründete Gartenreich in Bornim bei Potsdam, galt bald als das Worpswede der Gartenarchitekten. Viele "Försterianer" folgten den Spuren ihres Vorbilds, das danach 1941 damit begann, die Parkanlage auf der Freundschaftsinsel zu gestalten. Nach dem 2. Weltkrieg setzte er als Professor diese Arbeit für die DDR fort. 
 
Obwohl ich mich seit einer Woche gut mit Veilchen auskenne, verstehe ich ansonsten von Blumen recht wenig. Allerdings genieße ich gern ihre optischen Reize und ihren Duft. Besser weiß ich dagegen über Sprache Bescheid. Und ich weiß auch, dass es sich oft empfiehlt, etwas durch die Blume zu sagen statt andere mit unverblümten Wahrheiten zu kränken. Die Redensart entstand vermutlich, weil einst Blumensorten bestimmte Aussagen zugeordnet wurden, damit man so verschlüsselte Botschaften übermitteln konnte. Bereits in der antiken Rhetorik war der lateinische Begriff flosculus (Blümchen) für eine verhüllende Redeweise bekannt. Daraus entstand das deutsche Wort Floskel. 
 
Der ironische Konter:  „Vielen Dank für die Blumen" drückt entweder aus, dass die versteckte Kritik verstanden wurde oder dass man sich von übertriebenem Lob distanziert. Stattdessen könnte man auch sagen: "Ich bewundere Deinen Mut, eine Meinung zu haben, die andere sich erst bilden müssten." Deine Bescheidenheit betonst Du auch durch: "Ich würde dir nur zu gern zustimmen. Aber dann hätten wir beide Unrecht." Will man dem anderen jedoch verbal eins auf die Mütze geben, bietet sich an: "Andere Leute müssen sich erst schlau machen. Du redest auch so über alles." Oder:  "Wow, Du kannst mit so vielen Worten so wenig sagen!" 
 
Es geht aber auch knallhart: "Man kann das Licht nur einschalten, wenn eine Glühbirne drin ist." Oder: "Einer von uns beiden ist dümmer als ich." 

Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1958 vom 16. 5. 26

 
Am vorletzten Urlaubstag schlug das Wetter um. Brandenburg wurde zur sonnigsten und wärmsten Ecke Deutschlands. Was tut da ein gewitzter Reisender? Er fährt nach Brandenburg. Und zwar nach Brandenburg in Brandenburg - die Stadt hat sich im Windschatten Potsdams zu einem sehr schönen Ort und lohnenden Ziel entwickelt. Bramborska nad Habolu, so der sorbische Name der Stadt, hat zwar ca. 1000 Einwohner weniger als Dorsten, ist aber dennoch der drittgrößte Ort im Land Brandenburg. Und hat nicht nur eine besondere Geschichte, außergewöhnliche Baudenkmäler und ein reizvolles Stadtbild zu bieten, sondern ist Zufluchtsort einer Spezies, die man sonst auf der ganzen Welt vergeblich sucht. Doch davon später mehr. 
 
Ähnlich wie Potsdam wird auch Brandenburg vom Wasser geprägt.  Im Stadtgebiet verzweigt sich die Havel in mehrere Seitenarme und Kanäle, die einige Inseln bilden. Daneben gibt es zehn natürliche Seen, die meist von der Havel durchflossen werden oder mit ihr verbunden sind. Schon seit der Gründung im Jahr 948 war der Fluss die Lebensader Brandenburgs, weil er durch seine schiffbare Verbindung zur Elbe lange der wichtigste Handelsweg gewesen ist. Gleich vier Nebenflüsse münden hier in die Havel oder ihre Seen, die mir allesamt unbekannt waren: Plane, Temnitz, Buckau und die größtenteils kanalisierte Emster. Die höchste Erhebung Brandenburgs ist eher ein mickriger Hügel: Der gerade mal 68 Meter hohe Marienberg. 
 
Statt dessen Gipfel zu stürmen, erkundet beim Besuch lieber die drei mittelalterlichen Stadtkerne: Altstadt, Neustadt und Dom. Bevor ich Euch jetzt mit Infos über die historische Bedeutung des Doms, des Pauli-Klosters, der Burg und der vier uralten Kirchen zuschwalle: Kommt lieber einmal selbst nach Brandenburg und schaut Euch hier um, Ihr werdet es nicht bereuen! 
 
Zumal Ihr überall den skurillen Einwohnern begegnen werdet, die hier ihre letzte Zuflucht gefunden haben. Ursprünglich waren sie in den umliegenden Wäldern beheimatet, passten sich dann aber dem urbanen Leben an. Die letzten 26 Exemplare lümmeln jetzt bevorzugt auf öffentlichen Plätzen herum und suchen die Nähe der Bürger. Ursprünglich stammten sie vom Elch ab, passten sich jedoch schnell der Umgebung im Wald an und schrumpften mit der Zeit immer mehr. Nur ihr Geweih erinnert noch an den Stammvater. Lange waren die Waldmöpse dann im Mündungsgebiet der Weser zuhause, wo sie jedoch gnadenlos gejagt wurden, weil sie in den Forsten erhebliche Schäden anrichteten. So suchten die letzten Überlebenden schließlich Asyl im Geburtsort ihres Schutzpatrons Vicco von Bülow. 
 
Und wenn Ihr recht brav und artig seid, erzähle ich Euch morgen von der Steinlaus. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1957 vom 15. 5. 26

 
Ist das Kunst oder kann das weg? Diese Frage stellt sich immer wieder. Einerseits kommt sie von Banausen, für die der röhrende Hirsch das Maß aller Dinge ist und denen jegliche Fantasie für weniger Gegenständliches abgeht. Die Nazis haben diese Vorstellungen mit dem Anprangern von "entarteter Kunst" auf die Spitze getrieben. Andererseits frage auch ich mich manchmal angesichts der Happenings von Aktionskünstlern oder der Beuyschen Badewanne, wo echte Kunst aufhört und wo Scharlatanerie anfängt.
 
Auch Constantin Brâncuși, der gegenwärtig in der Berliner Neuen Nationalgalerie ausgestellt wird, hatte unter Vorurteilen und Missverständnissen zu leiden. Der Bildhauer wandte sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts von der wirklichkeitsgetreuen Darstellung von Objekten ab und reduzierte sie auf ihren immateriellen Kern. Brâncușis plastische Arbeiten in Bronze, Marmor, Holz und Gips zeigen häufig abstrakte eiförmige Köpfe und fliegende Vögel; sie werden der Avantgarde zugeschrieben.
 
Brâncuși offenbarte sein Kunstverständnis, als er 1912 in Paris bei der Luftfahrtschau einen Propeller erblickte und entzückt ausrief:  „Das ist eine Skulptur! Von nun an darf keine Skulptur dieser nachstehen." Doch wenn die Beurteilung eines Werkes von der Phantasie des Betrachters abhängt, kann dies negative Folgen haben. Als "Princessin X" 1920 in einer Pariser Ausstellung gezeigt werden sollte, rief bei der Aufstellung der Skulptur Henri Matisse erstaunt aus: „Seht mal, ein Phallus!"  Prompt teilte Paul Signac, damals Präsident des Salons, Brâncuși mit, „dass er Gefahr laufe, Scherereien mit dem Polizeikommissar zu bekommen,“ wenn er auf der Präsentation beharre. Stattdessen bekam die Skulptur L’Oiseau d’or aus dem Jahr 1919 in der Ausstellung einen Ehrenplatz. 
 
Just diese Skulptur aber sorgte ein paar Jahre später für großen Ärger. Sie sollte auf einer Ausstellung in New York gezeigt werden. Doch auch lange vor Trump gab es vor der Einfuhr in die USA schon Zollhürden. Zwar waren Kunstwerke davon eigentlich befreit. Aber in diesem Fall urteilten die Zollbeamten: "Das ist doch keine Kunst, das ist bloß ein Gebrauchsgegenstand!" In den Vereinigten Staaten galt 1926 nur die Darstellung natürlicher Objekte oder von Menschen als Kunst und war somit zollfrei. Brâncușis "Vogel im Raum" hingegen wurde somit als bloßes Metallteil eingestuft und unterlag einer hohen Besteuerung. 
 
Das wollte der Künstler nicht hinnehmen. Es kam zu einem erbitterten Rechtsstreit, der sich zwei Jahre lang hinzog. Dann konnte sich nach mehreren Prozessen endlich der Bildhauer durchsetzen. Doch selbst echte Kenner hatten danach noch Schwierigkeiten mit seinen Werken. So stellte das Guggenheim-Museum 1955 Brâncușis Marmor-Arbeit "La Tortue" (Die Schildkröte) aus, die 1943 entstanden war. Als der Bildhauer den Ausstellungskatalog zugeschickt bekam, bemerkte er verblüfft: „Nanu, jetzt fliegt sie ja, meine Schildkröte!“ Wie auch im Philadelphia-Museum hatten die Kuratoren das Werk verkehrt herum aufgestellt. . . 
 
Tja, so kann's gehen. Kürzlich belauschte ich in einem Museum zwei Besucher. Meinte der eine: "Das Bild passt doch gar nicht in so eine Ausstellung für abstrakte Kunst. Die Landschaft wirkt ja ganz natürlich." Entgegnete der andere: "Stimmt! Ist ja auch kein Bild, sondern ein Fenster." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1956 vom 14. 5. 26

 
So lobe ich ihn mir, meinen NABU! Da drohte der Gedanke an lästige Pflichten nach der Heimkehr mir die letzten Urlaubstage in Potsdam zu vergällen, als ich eine aktuelle Pressemeldung des Naturschutzbundes las. Den darin enthaltenen Aufruf werde ich gern beherzigen, denn damit habe ich im Mai frei: Das erste Mal soll man den Rasen nämlich Mitte Juni mähen, raten die Naturschützer. Dies sei gut für die Artenvielfalt, weil es mehr Lebensraum für Wildblumen, Wildbienen und andere Insekten bietet. Und damit auch den Vögeln nutzt, die von Insekten leben.
 
Das ist Musik in meinen Ohren. Denn ich bin nicht nur naturverbunden, sondern auch eine faule Socke. Rasenmähen steht nicht auf der Liste meiner Lieblingsbeschäftigungen. Allein schon beim Gedanken, den schweren, sperrigen Elektrorasenmäher die Kellertreppe hochzutragen, komme ich ins Schwitzen. Und aus lauter Mitleid mähe ich meist um einzelne Blümchen herum, was spätestens einen Flickenteppichanblick bietet, sobald die Blumen verblüht sind.
 
Ich käme aber nie auf den Gedanken, mir aus Faulheit einen Mähroboter zuzulegen. Kurz geschorene Rasenflächen sind mir ohnehin ein Dorn im Auge, zumal man sie auch noch wie in den letzten trockenen Sommern dauernd wässern müsste, damit sich das satte Grün nicht in eine schäbige Trockenwüste verwandelt. Und überhaupt: Bin ich in Wimbledon? Auf meinem Rasen in Dorsten wird kein Tennis gespielt! Auch auf den berühmten englischen Rasen lege ich keinen Wert, nicht nur, weil er extrem unökologisch ist. Da kann ich ja gleich einen grünen Kunststoff-Teppich im Garten ausrollen, der macht weniger Arbeit.
 
Insofern wäre es konsequent, das Gras einfach wachsen zu lassen und eine Wildblumenwiese anzulegen. Aber die Hoffnung auf eine blühende Pracht ist leider eine Illusion, die schnell verfliegt. Bis es soweit ist, vergehen Jahre mit mühsamer Arbeit. Und auch so eine Wiese muss hin und wieder gemäht werden, weil sie sonst extrem unansehlich wird. Aus Erfahrungen vom ersten Dorstener Wohnsitz weiß ich zudem, dass herkömmliche Rasenmäher versagen, wenn die Grashalme eine bestimmte Länge überschritten haben.
 
Also habe ich mir damals eine Sense zugelegt. Und musste erkennen, dass der Umgang damit nicht einfach ist. Es sieht nur so locker-leicht aus, wenn Profis damit hantieren. Anfänger kommen ganz langsam voran. Und als ich mir beinahe den linken Fuß amputiert hätte, gab ich auf und verstaute das mörderische Instrument im Keller. Wo es geblieben ist, weiß ich nicht. Danach plagte ich mich jahrelang mit einem Handmäher ohne Motor. Bis ich eines Tages einen Elektromäher mit den Worten geschenkt bekam: "Ich dachte, Du freust Dich, wenn Dir die Arbeit erleichtert wird." Nein, tue ich nicht. Lieber wäre mir, wenn mir jemand die Gartenarbeit komplett abnimmt. Und ich verschenke ja auch keine Staubsauger oder Küchengeräte.
 
Doch dank NABU habe ich nun gute Argumente, meine Arbeitseinsätze erheblich zu reduzieren. Je nach Niederschlagsmenge im Sommer kann ich mich vielleicht auf vier Termine beschränken. Damit könnte ich leben. Und erst recht meine Freunde, die Blumen, Bienen und Insekten!
 
Glückauf
kdk
 
 
PS. Was ist grün und mäht meinen Rasen? Sorry, ich darf meinen Sklaven doch wohl anmalen wie ich will!

Schmunzelpost 1955 vom 13. 5. 26

 
Das ZDF behauptet seit Jahren: "Mit dem Zweiten sieht man besser!" Wenn das so ist, dachte ich, dann kann es nicht ins Auge gehen, leicht lädiert die Kunstausstellung im "Barberini" zu bewundern. Dort werden neben impressionistischen Werken aus der ständigen Sammlung derzeit sehr viele Bilder von Max Liebermann präsentiert. Und siehe da: Ich konnte mich nicht sattsehen. Die gebündelte Farbpracht öffnete mir die Augen, sogar das zugeschwollene.
 
So, Schluss mit den Kalauern. Ich bin Euch noch Aufklärung schuldig, was es mit den "Düsteren Teichen" in Potsdam auf sich hat. Ein Besuch dort ist für Naturfreunde ein Pflichttermin. Denn die beiden Teiche sind ganz besondere Tierparadiese. Und sie erinnern als Hinterlassenschaft der letzten Kaltzeit an eine Epoche der Erdgeschichte vor mehr als zehntausend Jahren.
 
Eigentlich leben wir ja noch immer im Känozoischen Eiszeitalter. Denn jede Eiszeit besteht aus Warm- und Kaltzeiten. Die aktuelle Warmzeit heißt Holozän. Sie begann vor etwa zehn Jahrtausenden, und wann sie endet, weiß niemand. Erst recht nicht, weil wir Menschen inzwischen munter am Klima herumpfuschen und so den natürlichen Rhythmus aus dem Takt bringen. Jedenfalls geht die moorige Stelle im Potsdamer Katharinenholz noch auf die letzte Kaltzeit zurück: Eine eiszeitliche Schmelzwasserrinne formte dieses Gelände.
 
Im 17. Jahrhundert wurden die Düsteren Teiche als Fischteiche genutzt, verschlammten jedoch im Laufe der Zeit bis fast zur Verlandung. Genau das gefällt der Erdkröte, die ein Gemisch verschiedener Krötenarten ist und von Fachleuten als "Bufo-bufo-Komplex" bezeichnet wird. Ich bin zwar kein Experte, aber ich habe in Dorsten mit dem NABU selbst schon Bufo-bufo samt ihrer Verwandtschaft über die Straße getragen. Und daher interessierte ich mich sehr für den Hauptlaichplatz, den im Frühjahr rund 3000 Lurche bevölkern.
 
Dazu zählen auch die Knoblauchkröte sowie Teich-, Moor- und Grasfrosch. Aber sie sind dort nicht allein. Am Ufer tummeln sich auch noch Waldeidechsen, Ringelnattern und mehrere seltene Vogelarten. Es sollen dort schon Grauschnäpper, Mittelspecht, Eisvogel, Hohltaube, Neuntöter und Zwergtaucher gesichtet worden sein. Allerdings nicht von mir. Das ist vielleicht auf mein eingeschränktes Sehvermögen zurückzuführen, womöglich waren die Tiere aber auch durch meinen Anblick verschreckt - ich hatte die Sonnenbrille abgenommen.
 
Immerhin ist mein Hörvermögen intakt. So habe ich den Witz mitbekommen, den mir ein Frosch zugeflüstert hat: "Wo lebt die braune Kröte? Am Dritten Teich!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1954 vom 12. 5. 26

 
Manche Leute sagen, wenn man mit dem Kopf hart aufschlägt, könne das ungeahnte Spätfolgen haben. Das gilt aber nicht für mich. Ich bin aus hartem Holz geschnitzt. Vor allem mein Schädel. Auch dass ein Auge zugeschwollen ist, trifft mich kaum. Obwohl ich genötigt werde, mit Sonnenbrille herumzulaufen, um kein Entsetzen zu verbreiten. Dabei hat die Sache doch auch Vorteile. Jetzt kann ich mit Fug und Recht Humphrey Bogart zitieren: "Schau mir in das Auge, Kleines!" Und heißt es nicht auch "Unter blinden Hühnern ist der Einäugige König"? 
 
Na gut, ich gebe zu, meine Konzentrationsfähigkeit hat ein wenig gelitten. Auch meine Vergesslichkeit ist nicht besser geworden. Aber obwohl manche Leuten sagen, wenn man mit dem Kopf hart aufschlägt, könne das ungeahnte Spätfolgen haben, gilt das nicht für mich. Ich bin aus hartem Holz geschnitzt. Vor allem mein Schädel. Na gut, ich gebe zu, meine Konzentrationsfähigkeit hat ein wenig gelitten. Auch meine Vergesslichkeit ist nicht besser geworden. 
 
Dafür wurde jedoch ein kindlicher Spieltrieb wiederbelebt. Ich habe entdeckt, wie lustig es ist, wenn man die vielen ulkigen Tasten des Laptops ein wenig anders einsetzt und Buchstaben austauscht. Das haben schon bessere Schreiber als ich erfolgreich getan. Zum Beispiel Kurt Tucholsky in seinem Text über das Kreuzworträtsellösen. Was passiert beispielsweise, wenn man anstelle des a ein e einsetzt, das e durch ein i ersetzt, für das i ein o verwendet, statt des o ein u schreibt und für das u ein a nimmt? Heraus kommt folgende Botschaft über meinen Gesundheitszustand: 
 
Menchi Liati segin, winn men mot dim Kupf hert eafschlögt, künni des angiehnti Spötfulgin hebin. Des golt ebir nocht fär moch. Och bon eas haertim Hulz gischnotzt. Var ellim mion Schödil. 
 
Gläckeaf 
kdk 

Schmunzelpost 1953 vom 11. 5. 26

 
Vielleicht sollte ich künftig besser einen Helm tragen, wenn ich Fahrrad fahre. Aber bei dem Missgeschick, das mir am Samstag widerfuhr, hätte der Schädelschutz auch nicht geholfen. Und ich bin ja auch mit einem blauen Auge davon gekommen. Mehr davon später. Vorher befassen wir uns erst einmal mit anderen Unfällen, über die das Deutsche Ärzteblatt berichtete. Wir starten jenseits des Ozeans. 
 
In der brasilianischen Millionenstadt São Paulo standen einige Mütter nach der Schule mit ihren Kindern am Gehsteig und schwatzten. Da riss sich ein Kind von der Hand der Mutter los und rannte auf die Straße – genau vor einen heranfahrenden Lastwagen. Der Fahrer wollte ausweichen, riss das Steuer herum und landete schließlich krachend an der Mauer eines Hauses, in dem sich ein Friseur-Salon befand. Dort polterte unter dem Aufpralldruck ein Hängeschrank von der Wand – und fiel dem Friseurmeister Olavo Mora genau auf den rechten Arm. Einen Augenblick später hielt Mora das Ohr seines Kunden in der Hand . . . Das nennt man wohl eine Verkettung unglücklicher Umstände.
 
Und wer behauptet, dass Unfälle nicht auch mal Glück bringen können?  In Wuppertal blieb einer Frau beim Abendessen ein Stück ihres Schnitzels im Hals stecken. Sie bekam keine Luft mehr und drohte zu ersticken. Ihr Ehemann wollte sie schnell ins Krankenhaus fahren, baute unterwegs in der Hektik jedoch einen Unfall. Zum Glück: Durch den Aufprall hüpfte der verschluckte Bissen wieder aus der Luftröhre.
 
Bei einer anderen Kategorie von Unfällen sagt man als unbeteiligter Beobachter: Recht so! Ein Räuber hatte sich darauf spezialisiert, die Fensterscheiben von Juwelierläden einzuschlagen und sich aus der Auslage zu grapschen, was er wegtragen konnte. Die Methode war immer die gleiche, doch die Polizei konnte den Mann nie schnappen. Trotz der stets funktionierenden Warnanlage war der Dieb jedesmal schneller. Ein betroffener Juwelier schritt schließlich zur Selbsthilfe und ersetzte seine Fensterscheibe durch bruchfestes Plexiglas. Einige Wochen später war es erneut soweit. Der Schmuckdieb tauchte nachts um vier Uhr vor dem Laden auf. Mit einem Straßenstein bewaffnet, wollte er auf die gleiche Tour wie bisher abräumen. Er schleuderte den Stein gegen das Fenster, dieser prallte jedoch ab, knallte dem Dieb vor den Kopf und ließ ihn ohnmächtig zu Boden gehen. Dort blieb er liegen, und die durch die Alarmanlage herbeigerufene Polizei konnte ihn einsammeln.
 
Nun zu mir. Nach einer schönen Rundfahrt von Potsdam nach Hermannswerder, Caputh und zurück nach Potsdam war ich am Ufer der Havel auf dem Heimweg zur Ferienwohnung. Aus unerfindlichen Gründen blockierte in einer Linkskurve plötzlich das Vorderrad und mein E-Bike warf mich ab wie ein wilder Mustang seinen Reiter bei einem Rodeo. Zwar konnte ich meinen Sturz mit beiden Händen abmildern, knallte aber dennoch mit der linken Gesichtshälfte aufs Pflaster. Als ich mich wieder aufgerappelt hatte, bemerkte ich, wie mein linkes Auge zuschwoll. Außerdem tropfte Blut aus einer Platzwunde.
 
Notdürftig tupfte ich die Unfallspuren ab, schwang mich wieder aufs Rad und setzte die Heimfahrt fort. Unterwegs bemerkte ich, wie mich entgegenkommende Radler und Fußgänger anstarrten. Sie hatten wohl den Eindruck, Halloween wäre in den Mai verlegt worden. Denn daheim im Spiegel sah ich den Grund ihres Entsetzens: Wahrscheinlich durch den Blutverdünner, den ich täglich schlucken muss, hatte die Blutung nicht aufgehört. Und außerdem rann mir mit Tränenflüssigkeit verdünntes Blut aus der Nase. Meine gesamte linke Gesichtshälfte war blutverkrustet. Ich hätte gut als Komparse in einem Zombie-Streifen mitwirken können.
 
Einen Tag später kann ich meine rechte Hand wegen der Prellung nur bedingt einsetzen. Außerdem ist mein linkes Auge  komplett zugeschwollen und von einem Ring aus leuchtendem Lila umgeben. So passe ich wenigstens optisch hervorragend ins blühende Fliederparadies Potsdam. Nur, dass ich leider nicht so gut dufte. . .
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1952 vom 10. 5. 26

 
22 Leute spielen auf einem großen Rasenplatz mit dem Ball - was ist daran eigentlich so faszinierend? Immerhin ist Fußball die weltweit beliebteste Sportart. Bei mir lag das an der frühkindlichen Prägung. Ich war noch nicht in der Schule, da konnte ich schon "TOR" buchstabieren und jagte auf Garagenvorhöfen einem Ball hinterher. Leider war ich ein zwar begeisterter, aber unbegabter Kicker. Dafür hängte ich mein Herz schnell an einen Verein. Und das war Schalke 04, obwohl der Lüner SV als Heimatclub etwas von meiner Zuneigung abbekam. 
 
Generell ist es einem Fußball-Abstinenzler nur schwer zu erklären, was den Reiz dieser Sportart ausmacht. Ja, es gibt in 90 Minuten viel Leerlauf und Spiele, die gähnende Langeweile verbreiten. Aber wie Musikfreunde ein Ohr für Harmonien und perfekte Beherrschung der Instrumente haben, so geht es auch dem Fußball-Liebhaber. Ein paar technische Feinheiten, gelungene Spielzüge oder ein besonders schönes Tor machen den Wert des Gesamtkunstwerkes aus und wiegen alles andere ganz schnell wieder auf. Und man kann herrlich darüber streiten, was ein Foul war oder ob ein Sieg verdient ist. 
 
Wenn nur nicht die Begleitumstände wären. Hooligans, die sich den Fußball als Bühne für Prügeleien und Ausschreitungen suchen, penetrante Nervtöter, die dreist behaupten, das Gebolze ihres gelbschwarzen Clubs hätte irgendetwas mit gepflegter Spielkunst zu tun, Spieler und Berater, die Gehälter und Ablösesummen in aberwitzige Höhen treiben. Und vor allem die Verbände, die einst angetreten sind, um einen geregelten Spielbetrieb zu organisieren, über die Jahre aber zum reinen Selbstzweck mutierten und sich in Gelddruckmaschinen für Funktionäre verwandelten. 
 
Während der DFB in den 1950er, -60er und -70er-Jahren hauptsächlich dadurch peinlich auffiel, dass er einen Alt-Nazi zum Vorsitzenden wählte und später unter Aegidius Braun versuchte, der Nationalmannschaft das Trainingslager durch Besuche von volkstümlichen Musikanten erträglicher zu gestalten, kannten die internationalen Verbände bald keine Hemmungen mehr, durch ausufernde kommerzielle Vermarktung den Spitzenfunktionären die Taschen zu füllen. 
 
Bereits der Schweizer Unsympath Sepp Blatter brachte es dabei als FIFA-Chef zu einer gewissen Meisterschaft. Allerdings wurde Blatter von seinem Nachfolger, dem schmierigen Gianni Infantino, noch um ein Vielfaches übertroffen. Widerlich, wie dieser Kerl sich bei Autokraten, Kriegsverbrechern und milliardenschweren Scheichs einschleimt, um WM-Turniere meistbietend zu verhökern. Diese Weltmeisterschaften werden dann auch noch zu Mammut-Veranstaltungen aufgebläht, deren Tickets den Fans zu Wucherpreisen das letzte Geld aus der Tasche ziehen. 
 
Das heißt, echte Fans können sich den Eintritt wahrscheinlich gar nicht leisten. Die günstigsten Karten für das WM-Finale in den USA kosten pro Stück 11.000 Dollar. Sie sind anscheinend trotzdem vergriffen. Was zu grotesken Auswüchsen führt. Falls Ihr am 19. Juli noch nichts Besseres vorhabt: Für nur 2,3 Millionen Dollar könnt Ihr Tickets in Block 124, Reihe 45, Sitze 33 - 36 erwerben. Pro Stück, wohlgemerkt. Und das nicht etwa illegal auf dem Schwarzmarkt, sondern über die offizielle FIFA-Internetseite. Der Verband hat da keinerlei Skrupel. Warum auch? Von den insgesamt 9,2 Mio Dollar Verkaufserlös müssen sowohl Käufer wie Verkäufer 15 Prozent an die FIFA entrichten - satte 2 Mio Dollar. 
 
Na ja, vielleicht sollte ich meine Skrupel ein wenig zurückstellen. Von Infantino lernen, heißt siegen lernen, zumindest auf dem Weg zum Millionär. Und ich bin ja auch relativ bescheiden. Ich biete Euch hiermit Tickets zum Preis von je 1000 Euro für eine Privatlesung an. Dafür schreibe ich auch eigens einen Spielbericht. Und zwar über das Champions-League-Finale 2028 und den 5:4-Triumph von Schalke 04 über Paris St. Germain. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1951 vom 9. 5. 26

 
Wirklich wahr: Vorgestern kämpfte ich mit Riesenschlangen. Genauer gesagt mit den riesigen Schlangen, die sich in der Neuen Nationalgalerie in Berlin bildeten. Denn leider waren wir nicht die einzigen Sparfüchse, die davon gehört hatten, dass dort donnerstags ab 16 Uhr freier Eintritt zu allen Kunstausstellungen gewährt wird. 
 
Die lange Schlange, die sich schon einige Minuten vor 16 Uhr am Eingang zu den Museumsräumen gebildet hatte, nahmen wir noch gelassen hin: "Dann trinken wir eben im Museumscafe noch ein Wasser. Danach wird sich die Reihe schon lichten." Tat sie nicht. Im Gegenteil. Die Schlange wuchs von Minute zu Minute. Na gut, wir müssen ja ohnehin erst Taschen und Regenjacken in einem Schließfach verstauen. Au Backe, alle Fächer sind bereits belegt. Da hilft alles nichts, ich muss mich hinten an die Schlange zur Garderobe anstellen. 
 
Irgendwann sind wir endlich im Museums-Hauptraum angelangt. Und was sehen wir dort? Riesige Schlangen an den Eingängen zu zwei Sonderausstellungen. Vor allem die aus dem Pariser Centre Pompidou entliehene Brancusi-Schau ist enorm gefragt. Die Räume sind so überfüllt, dass immer nur wenige Interessierte hineingelassen werden, entsprechend der Zahl derer, die ihren Rundgang schon beendet haben. 
 
Ein ähnliches Bild bietet sich vor dem Eingang zu "Ruin und Rausch" mit Werken der Klassischen Moderne über das Berlin der Jahre 1910 bis 1930. Erstaunlicherweise gibt es keine Probleme beim Zugang zum Farbenrausch der Gerhard-Richter-Ausstellung. Anschließend wechselte ich zu den weitläufigen Räumen, in denen eine bunte Auswahl aus dem Bestand der Nationalgalerie zu sehen ist. Die Vielfalt und die schiere Menge der Werke haben mich fast erschlagen. Da steht eine Giacometti-Skulptur neben Arbeiten von Uecker, da hängt ein Warhol-Gemälde neben der Fotoserie des Ehepaars Becher mit lauter Wassertürmen. Und im Raum mit Gemälden des "real existierenden Sozialismus" fragte ich mich, welcher DDR-Maler mit dem Bild "Liegende Frau mit Blumenstrauß" schamlos Pablo Picasso imitiert hat. Ein Blick auf das Schildchen zeigte: Es war Pablo Picasso persönlich. 
 
Nach meinem 90-minütigen Rundgang war ich so erschlagen, dass ich nach dem langen Warten an der Garderobe zwecks Jacken-Rückgabe auf weiteres Anstehen verzichtete - die Schlange vor "Brancusi" war noch länger geworden - und mich im Foyer erschöpft in einen Sessel fallen ließ. Dort drohte unverhofft neues Ungemach: Eine Performance-Künstlerin rekrutierte aus den Reihen der Sitzenden Mitwirkende für ein spontanes Tanzhappening, eine Mischung aus Gymnastik, Pantomime und Jazz-Dance. Da war sie bei mir genau an der richtigen Adresse. Zum Glück sah ich wohl so fertig aus, dass ich mich nicht mit Händen und Füßen sträuben musste, damit sie von mir abließ. 
 
Beim Verlassen des Museums gegen 18.30 Uhr reichte die Schlange vor dem Eingang übrigens wie in den Sommerferien vor dem Dorstener Atlantis-Bad bis zur Straße und dann noch ein paar hundert Meter den Bürgersteig hinauf. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zum Stichwort "Garderobe" fällt mir noch ein Berliner Witz ein: Im Hörsaal der Humboldt-Universität sind zwee Jarderobenhaken anjebracht worden. Darüber ’n Schild: „Nur füa Dozenten!“ Am nächsten Tach klebt 'n Zettel drunter:
„Aber ooch füa Mäntel jeeijnet!“ 

Schmunzelpost 1950 vom 8. 5. 26

 
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Dort gibt es für uns zwar keine Pokale zu gewinnen, aber Kunstwerke anzuschauen. Die Neue Nationalgalerie zeigt gerade gleich drei sehenswerte Ausstellungen. Ein Ticket kostet 20 Euro. Aber donnerstags ist ab 16 Uhr der Eintritt sogar frei! Jetzt dürft Ihr dreimal raten, wann zwei Dorstener Sparfüchse dort auflaufen. 
 
Bereits am Mittwoch haben wir erste Annäherungsversuche an die Hauptstadt unternommen. Das allerdings eher zufällig. Weil es zwei Tage lang ziemlich kühl und mitunter nass sein sollte, ließen wir die Fahrräder stehen und nutzten das Deutschlandticket. Wo sonst, wenn nicht im Großraum Potsdam/Berlin, hat man solch eine ÖPNV-Auswahl. Alle Nase lang fährt ein Bus, eine Tram, ein U-Bahn, eine S-Bahn oder eine Regionalbahn. Nach einem Abstecher in die Potsdamer Bibliothek und einer kleinen Presseumschau nahmen wir die nächstbeste 
Straßenbahn und landeten an der Glienicker Brücke. Von dort ging es per Bus weiter nach Wannsee. Da wir jedoch sowohl die Liebermann-Villa wie die Gedenkstätte im Haus der Wannsee-Konferenz bereits kannten, stiegen wir in die Regionalbahn zum Potsdamer Hauptbahnhof. Und von dort gleich nochmal in die Straßenbahn zur Glienicker Brücke. Das nennt man wohl Rundreise. 
 
Okay, das mag sich zunächst etwas blöd anhören. Aber nahe der Straßenbahn-Endhaltestelle gab es in der Schwanenallee ein gutes Restaurant, das erst um 17 Uhr öffnete. Dort konnten wir ein leckeres Fischgericht genießen, saßen in einem gediegenen Raum im Warmen und dennoch direkt am Jungfernsee mit einem weiten Blick aufs Wasser, das Schloss Glienicke und die Heilandkirche in Sacrow am gegenüberliegenden Ufer. Mit Baukunst und Natur als Sahnehäubchen schmecken Speisen und Wein nochmal so gut! 
 
Was interessiert eigentlich die Touristen aus aller Welt in Berlin am meisten? Eine aktuelle Liste nennt die 20 meistbesuchten Museen und Ausstellungshäuser. Die Neue Nationalgalerie liegt nur auf Platz acht. Rang eins nimmt das Humboldt-Forum ein, auf Rang zwei folgt die "Topographie des Terrors". Das ist die Gedenkstätte der NS-Verbrechen im ehemaligen Gestapo-Hauptquartier. Einerseits finde ich das gut, andererseits fürchte ich, dass dabei bei manchen der Nervenkitzel und die Schaulust die Motivation für den Besuch sind. So erklärt sich auch, warum das Deutsche Spionagemuseum viele Kulturtempel hinter sich lässt. Und auch das Naturkundemuseum, das Deutsche Technikmuseum und das "Futurium" stehen auf den Plätzen vier bis sechs vor sämtlichen Kunstmuseen. Ich gebe aber zu, dass mich Rang 18 anzieht: Das Berliner Unterwelten-Museum weiht auf vier unterirdischen Etagen in die Geheimnisse der Hauptstadt-Unterwelt ein. 
 
Wir aber machen abschließend einen Abstecher ins Berliner Witze-Museum: Und am 8. Tag erschuf Gott die Dialekte. Alle Völkchen waren glücklich. Nur für den Berliner war kein Dialekt übrig. Da wurde der Berliner ganz traurig und sagte: „Jetzt habe ich gar keinen Dialekt bekommen?“ Da sagte Gott: „Macht nüscht, meen Kleener, quatschte halt wie icke hier!“ 
 
Sehr schön ist auch das "Klopslied" von Kurt Weill mit dem Text von Carl Einstein: 
 
Ick sitze da un esse Klops.
Uff eemal klopp’s.
Ick kieke, staune, wundre mir,
uff eemal jeht se uff, de Tür.
Nanu denk’ ick, ick denk’ nanu,
Jetz isse uff, erst war se zu!
Ick jehe raus und kieke.
Un wer steht draußen? – Icke! 
 
Einer geht noch: "Ick liebe Dir!" 
 
Ick liebe dir, ick liebe dich,
wie’s richtig heeßt, dit weeß ick nicht. 
Dit is mir och Pomade,
ick lieb‘ dir nicht im 3. Fall,
ick lieb dir nicht im 4. Fall.
Ick liebe dir in jedem Fall! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1949 vom 7. 5. 26

 

 
Gestern zog ein Regengebiet durch Brandenburg. Ideales Museumswetter! Zum Auftakt besuchte ich bereits am Dienstag eine Ausstellung über Potsdams Stadtgeschichte. Daran möchte ich Euch nachträglich teilhaben lassen. Kennt Ihr den Ort Poztupimi? So hieß die slawische Siedlung, die im Jahr 993 erstmals namentlich in alten Chroniken auftaucht. Es dauerte aber noch fast 200 Jahre, bis der erste Markgraf von Brandenburg sich den Ort einverleibt hatte. Danach dümpelte Potsdam jahrhundertelang vor sich hin, bis der 30-jährige Krieg die Ortschaft beinahe ausradiert hätte. Von 179 Gebäuden standen 119 lange Zeit leer. 
 
Dann aber hatte der Große Kurfürst eine zündende Idee. Mit seinem Toleranzedikt, das Glaubensfreiheit gewährte, und durch gezielte Ansprache bemühte er sich, tatkräftige Ausländer in sein verwüstetes Land zu holen. Vor allem die Hugenotten, die als Protestanten in Frankreich gnadenlos verfolgt wurden, folgten seinem Ruf. Und 20.000 der weit mehr als 100.000 französischen Flüchtlinge siedelten sich in Potsdam an. Von ihrer Bildung und den Fachkenntnissen in vielen Bereichen sollte das Land bis heute profitieren. Das gilt auch für die 100 Schweizer, die Friedrich Wilhelm als Herzog von Preußen ebenfalls nach Potsdam lockte. Mit Schweizer Melkern wollte er vor allem die Landwirtschaft nach vorn bringen. 
  
Sein Nachfahre, Friedrich Wilhelm I., der als Soldatenkönig in die Geschichte einging, setzte die Politik seines Vaters fort. Er bot 15.000 Protestanten aus dem Salzburger Land Asyl an und setzte alles daran, Holländer nach Potsdam zu holen. Dazu ließ er sogar ein komplettes Stadtviertel errichten, in dem sich Handwerker aus den Niederlanden wie zuhause fühlen sollten. Auch sein Sohn Friedrich der Große bekannte sich zur Glaubensfreiheit. Jeder sollte nach seiner Fasson selig werden können. Eine Einstellung, die ich mir heute weltweit wünschen würde. 
 
Seine Zuneigung zu Frankreich, die Vorliebe für Esprit und den Philosophen Voltaire, hinderte die nächste Generation auf dem Thron leider nicht daran, gegen die "Königsmörder" der französischen Revolution zu Felde zu ziehen. Pech, dass auf Seiten der Franzosen kurz darauf ein militärisches Genie das Sagen hatte. Napoleon lehrte die Preußen das Fürchten und quartierte seine Truppen zwei Jahre lang in Potsdam ein. Doch auch der Korse war vor Größenwahnsinn nicht gefeit. Nach seinem gescheiterten Russland-Feldzug und einem kurzzeitigen Comeback durfte er auf St. Helena über seine Fehler nachdenken. 
 
Macht Höhenluft blöd? Hundert Jahre später überschätzte auch Kaiser Wilhelm II. seine Macht und stürzte ganz Deutschland in ein nie zuvor dagewesenes Blutbad. Und weil danach die üble Saat des Nationalismus nicht ausgerottet war, kamen anschließend noch schlimmere Typen ans Ruder. In Potsdam sogar bereits vor 1933. Wieder waren es Ausländer, die uns 1945 aus dem Schlamassel befreien mussten. 
 
Heute zieht Potsdam zwar erneut wie ein Magnet Menschen aus allen Teilen der Welt an. Aber nicht mehr zur dauerhaften Ansiedlung, sondern als Touristen. Was große Vorteile für das finanzielle Wohlergehen der Hauptstadt Brandenburgs hat. Daran haben die historischen Gebäude und herrlichen Parkanlagen, die vor allem mit Hilfe von Flüchtlingen aus aller Herren Länder entstanden sind, wesentlichen Anteil. Die ganze Welt schätzt heute diese Kulturgüter und weiß, wie man Sanssouci schreibt. Die ganze Welt? Nein, bei mir meldeten sich mit der korrekten Schreibweise nur Annette und Raymund. Ein ehemaliger Lehrer, dessen Namen ich hier schamhaft verschweige, lag mit seinem Tipp völlig daneben: "Sannsucky (oder so ähnlich)" spricht dafür, dass die Vergesslichkeit auch in Rhade auf dem Vormarsch ist. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1948 vom 6. 5. 26

Ein wenig habe ich gestern an dieser Stelle wirklich aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. Denn eine leichte Form der Vergesslichkeit stellte sich bereits am Sonntag bei unserer Ankunft in Potsdam ein. So war ich felsenfest überzeugt, unsere Ferienwohnung in der Knoblauchstraße zu finden. In Wahrheit liegt sie in der Knobelsdorffstraße. Und zwar nicht neben dem Eispalast, wie ich glaubte, sondern neben dem Eisbahnhof. Das ist eine kleine Eisdiele in einem ehemaligen Bahnwaggon, die von unserem Vermieter betrieben wird.
 
Um unser Gedächtnis aufzufrischen, haben wir am Montag das schöne Wetter genutzt, um vertraute Orte aufzusuchen. Die Museen müssen warten, bis es kälter und ungemütlicher wird. Und die Blumen- und Blütenpracht auf der Freundschaftsinsel lohnte den Besuch. Allein schon wegen der großen Fliederbüsche, die sich gerade von ihrer schönsten Seite zeigen. Das Innere der Nikolaikirche beeindruckt hingegen immer wieder durch seine Ausmaße und die Architektur der gewaltigen Kuppel. Gegenüber betritt man den Brandenburger Landtag und hat von der Dachterrasse im vierten Stock einen schönen Ausblick über die Skyline der Innenstadt. Am frühen Abend stellte sich dann beim Besuch meines Lieblingsrestaurants im Zentrum, das jetzt nicht mehr "Lewi", sondern "Dortu 17" heißt, schnell heraus, dass sich außer dem Namen dort nichts geändert hat - Weine und Speisen schmecken nach wie vor sehr gut.
 
Wie Ihr vielleicht bemerkt habt, schreibe und sende ich derzeit im Urlaubsmodus. Die Schmunzelpost wird bereits morgens verfasst und schon vor Mitternacht versandt. Also hinkt Ihr einen Tag hinterher und werdet erst mit Verzögerung etwas über unsere Potsdam-Erkundungen erfahren. Ich hoffe, Ihr könnt das aushalten. ;-)  Jedenfalls gibt es hier selbst für Wiederholungstäter immer noch Neues, wie ich dem Buch "111 Orte in Potsdam die man gesehen haben muss" entnehme.
 
So werde ich bald einen Blick auf den Loriot-Pfosten werfen, der seinen Platz unweit vom Restaurant in der Dortustraße gefunden hat. Es handelt sich um den ersten der 185 ausgegrabenen originalen Geländepfosten, die nun den wieder hergerichteten Potsdamer Stadtkanal zieren. 2001 wurde das erste Kanalstück eingeweiht, inzwischen ist die Restaurierung abgeschlossen. Und Loriot trug mit einer Spende von 2001 DM dazu bei. Es gibt übrigens auch einen Jauch-Pfosten. Der Quizmaster und Journalist, der mit seiner Familie in Potsdam am Ufer des Neuen Sees lebt, hat sich hier vielerorts finanziell  engagiert.  
 
So, das soll fürs Erste reichen. Über die Mördergruft, die gläserne Bonbonfabrik, die Teufelsbrücke, das Pflastergehirn, den Schlaatz, den Kreml und den Kaak, das geknickte Licht, die Doppelkopfbüste, den Geisterbahnhof und die Fluchtbrücke werdet Ihr vielleicht später mehr erfahren. Zumindest, falls wir aus den "Düsteren Teichen" wieder herausfinden.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Um nochmal auf die Vergesslichkeit zurück zu kommen: Als wir mit dem Rad von West nach Ost den Park durchquert haben, den Friedrich der Große "Ohne Sorge" taufte und zwar auf französisch, weil das zu seiner Zeit in gehobenen Kreisen die bevorzugte Sprache war, kam ich kurz ins Schleudern. Wie schreibt man den Park? Mir ist es zum Glück wieder eingefallen. Doch könnt Ihr ihn auch korrekt buchstabieren? Das ist Eure heutige Hausaufgabe.

Schmunzelpost 1947 vom 5. 5. 26

 
Das geht ja gut los! Unser Urlaubsstart in Potsdam wird überschattet von zwei Plagen, die mich quälen. Da ist zum einen meine Vergesslichkeit. In diesem Fall ist sie so gravierend, dass mir der Name des zweiten Plagegeistes einfach nicht einfallen will. Vielleicht könnt Ihr mir ja helfen. 
 
Nach unserer langen Autofahrt haben wir uns beim Spaziergang zum Havelufer die Füße vertreten und dabei nach einem geeigneten Lokal fürs Abendessen Ausschau gehalten. Fast direkt am Ufer sind wir fündig geworden. Das Restaurant mit schöner Außengastronomie bot zwar fast ausschließlich vegetarische Speisen an, aber in der Not frisst der Krause sogar gerösteten Lauch und Patatas Bravas (war nur Spaß, ich esse ganz gern fleischfrei). Außerdem boten sie ein leckeres Spargelschaumsüppchen an, und bei 25 Grad am Abend schmeckte der eisgekühlte Hugo doppelt so gut. 
 
Wenn da nur nicht diese tierischen Quälgeister gewesen wären. Nach fünf Minuten schlug das erste Mistvieh zu. Das zweite konnte ich noch rechtzeitig erlegen, aber nun brachen alle Dämme. Wie bösartige Dämonen fielen die blutgierigen Bestien über uns her. Wie heißen die Viecher bloß? Heuschrecken? Nein, die sind zwar eine Plage von biblischem Ausmaß, aber der Name in diesem Fall ist anders. Sobald sie ihren Rüssel recken, wird es brenzlig. Und wenn sie als Schwarm auftreten, ist jeder Widerstand zwecklos, dann hilft nur die Flucht. 
 
Meine Güte, ihr Name liegt mir auf der Zunge. Zumal sie juckende Wunden hinterlassen haben, die mich auch jetzt noch an sie erinnern. Könnt Ihr mir auf der Sprünge helfen? Was sagt Ihr? Ich verstehe Euch nicht. Irgendwas mit Elefanten? Na klar, dann passt auch der Rüssel: Es sind Elefanten! Na ja, da hätte ich auch selbst drauf kommen können. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nein, ich bin nicht der Einzige, der den unverschämten Rasern auf der Autobahn gern eine Lehre erteilen würde. Annette hat es statt einer Leuchtschrift mit einem Schild im Heckfenster probiert. Die Aufschrift lautete: "Du armseliges Würstchen, zu mehr als zum Drängeln reicht es bei Dir nicht!" In die engere Wahl kam auch: "Dein wichtigster Körperteil ist das Gaspedal." Bravo! 
 
PPS. Zu den verklausulierten Redensarten fragte Raymund, wie man denn "Bösartigkeit aus dem Weltraum" auch noch  formulieren kann. Dass meine Lösungsversuche (Alien I bis V, Schweine im Weltall, Darth Vader und der Todesstern sowie Musk und Trump auf dem Mars) allesamt nicht zutrafen, war mir klar. Dabei ist des Rätsels Lösung einleuchtend, wenn man nach der ersten Silbe einen Bindestrich einfügt: Allgemeinheit. 


Schmunzelpost 1946 vom 4. 5. 26

Wenige Fragen werden bei uns so erbittert erörtert, wie das Für und Wider der Einführung eines Tempolimits. Mittlerweile soll eine Mehrheit der Bundesbürger dafür sein. Ich bin es schon lange. In jungen Jahren, als unsere Urlaubsfahrten regelmäßig zur holländischen Nordseeküste führten, empfand ich die Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h auf den niederländischen Autobahnen als wohltuend. Das wurde mir auf der Heimfahrt erst recht bewusst, wenn viele sofort hinter der deutschen Grenze wieder aufs Gaspedal traten. Die Raserei erhöht die Unfallgefahr erheblich, und mir kann niemand erzählen, er fahre so gut und sicher, dass garantiert nichts passieren kann. Je höher die Geschwindigkeit, desto länger der Bremsweg. Und wenn unverhofft jemand ausschert oder ein aus der Ferne kaum sichtbarer Mini-Kühlschrank auf der Fahrspur liegt, dann macht selbst Verstappen ein dummes Gesicht. Bevor er den Löffel abgibt.
 
Und dies ist längst nicht alles. Hohes Tempo steigert den Spritverbrauch und freut die Mineralölkonzerne. Dass mehr Schadstoffe in die Luft gelangen, ist ebenfalls bewiesen. Außerdem sorgt das Geschwindigkeitsgefälle für schlechte Laune, sowohl bei den Rasern wie bei den Schleichern. Auch ich beginne zu schimpfen, wenn wieder einmal hinter mir jemand angebraust kommt, der mich bereits von weitem mit der Lichthupe von der Überholspur scheuchen will. Und das, obwohl ich am Lkw nun mal nicht schneller vorbei kommen kann, wenn direkt vor mir das erst einmal auch andere erledigen müssen.
 
Besonders übel sind die rücksichtslosen Vögel, die meinen, mich beeindrucken zu können, wenn sie fast meine Stoßstange küssen. Dann habe ich stets Mühe, mir einen kurzen Stups aufs Bremspedal zu verkneifen, weil der Hintermann auf die Bremsleuchten gar nicht mehr reagieren könnte und sein dicker Bolide meist stabiler gebaut ist als mein zarter Caddy. Ich spiele jedoch mit dem Gedanken, auf meiner Heckscheibe eine Leuchtschrift zu installieren. Der Text würde lauten: "Bei Rasern wie Dir ist nur ein Körperteil noch kleiner als Dein Gehirn!" Ja, ja, das ist etwas unter der Gürtellinie, aber es würde solche Typen an ihrer empfindlichsten Stelle treffen.
 
Ich muss jedoch zugeben, dass ich ab und zu auch für Schleicher ein paar herzhafte Worte finde. Das geschieht immer dann, wenn wieder einmal einer meint, einen Lkw, der mit 100 km/h unterwegs, mit einem Tempo von 101 km/h zu überholen. Da bin ich dann machtlos und brodele vor mich hin. Blinken, hupen oder dicht auffahren kommt nicht in die Tüte, die Leuchtschrift auf der Heckscheibe nutzt auch nichts. Und ich fürchte, einen Lautsprecher mit der Durchsage "Achtung, Achtung, hier findet gerade ein spannendes Schneckenrennen statt", würde der TÜV nicht genehmigen. Wenn dann auch noch hinten ein Raser randaliert, ist meine Stimmung endgültig im Keller.
 
Das größte Ärgernis habe ich noch nicht erwähnt: Den Stau. Das ist eine sehr häufige, manchmal unverhofft, manchmal erwartbare Erscheinung, die beim Autofahren der Stimmungskiller Nummer eins für mich ist. Inzwischen gewinne ich ihm aber sogar eine positive Seite ab: Immer, wenn es bei der Bahn mal wieder hakt, erinnere ich mich an meine übelsten Stauerlebnisse - und schon sind die DB-Pannen nur noch halb so schlimm.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Unsere Fahrt nach Potsdam ist übrigens wie durch ein Wunder von Staus komplett verschont geblieben. Und diesmal haben mich weder Raser noch Schleicher geärgert. Außerdem habe ich mich einem selbstgewählten Tempolimit unterworfen und bin nur ganz selten schneller als 120 km/h gefahren.
 
PPS. Die Birnenpost ist immer noch nicht versiegt. Heute benennt Kerstin ihre Lieblingssorte, die hauptsächlich durch ihren Namen und ihre Optik überzeugt: "In der Würzburger Residenz wurden vor einigen Jahren alte Obstsorten präsentiert. Die „Schweizer Hose“ hat uns am meisten beeindruckt. Ihr besonderer Name kommt von den ebenfalls gestreiften Hosen der Schweizergarde im Vatikan. Allerdings wird der Geschmack der Birne von Feinschmeckern nur mit ausreichend bewertet. Der Zierwert steht eindeutig im Vordergrund."

 

Schmunzelpost 1945 vom 3. 5. 26

 
Wie sagt man noch gleich? "Wenn Engel reisen lacht der Himmel!" Oder stimmt etwa die andere Variante: "Wenn Engel reisen weint der Himmel?" In jedem Fall stimmt die Bauernregel: "Wenn frühmorgens der Hahn kräht auf dem Mist, dann ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist." Oder, wie schon der griechische Philosoph Albertiogenes feststellte: "Alles ist relativ." Über das Reisewetter hinaus interessierte mich auch, mit welcher Witterung wir in Potsdam in den kommenden 14 Tagen zu rechnen haben. Laut Vorausschau der Meteorologen steht uns ein bunter Mix aus Sonne und Wolken bevor: "Statt eines Kälteeinbruchs zu den Eisheiligen gibt es diesmal Blitz, Donner und moderate Temperaturen." Schaun mer mal. Auf jeden Fall habe ich mir für jede Wetterlage ein Repertoire an Sprüchen ins Reisegepäck gelegt.
 
Einige davon kannte schon der Tonnenphilosoph Diogenes. Aber das half ihm nichts. Denn als Alexander, der Große, ihn fragte, ob er etwas für ihn tun könne, sagte Diogenes: "Geh mir aus der Sonne!" Nicht unbedingt das, was Sonnenkönige hören wollen. Dadurch kam der alte Grieche angeblich vom Regen in die Traufe. Nicht überliefert ist, ob er noch vor seinem abrupten Ableben ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter machen konnte. Wahrscheinlicher ist ohnehin eine andere Version der Geschichte. Danach soll der Feldherr von der Bedürfnislosikeit sogar beeindruckt gewesen sein und gesagt haben: "Wahrlich, wäre ich nicht Alexander, wäre ich gerne Diogenes."
 
Ja, man sollte stets flexibel bleiben. Das gilt auch für die Reaktion auf klimatische Verhältnisse. Denn es ist keineswegs Schnee von gestern, wenn man sein Fähnchen nach dem Winde hängt und dann Wind und Wetter trotzt. Um Euch gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, ich kenne und beherzige die schwedische Einsicht: "Det finns inget dåligt väder, bara dåliga kläder." Das kennen wir auch in Deutschland: "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung." Insofern bewahre ich stets etwas Sonne im Herzen, traue mich auch bei Regen hinaus und trotze damit dem türkischen Gebot: "Karpuz kabuğu denize düşmeden suya girilmez" („gehe nicht ins Wasser, es sei denn, die Wassermelonenschale ist ins Meer gefallen“).
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zur Birnenpost vom 1.5. sandte mir Martin noch einen Nachtrag:  "Ich dachte immer, die Martinsbirne säße auf meinem Hals. Den Namen einer speziellen Birnensorte habe ich von Kind auf geliebt; wenn ich ihn hörte, hatte ich sofort die Vorstellung von altem Bauerngarten, gemütlichem Fachwerkhaus mit Sitzbank davor, dörfliche Ruhe auf dem Land: GUTE LUISE. Zumal meine Großmutter mütterlicherseits, mit der ich 31 Jahre unter einem Dach wohnte, Luise hieß."
 
PPS. Glückauf, Glückauf, Glückauf!!! Wir sind wieder Erstligist!
 
 


Schmunzelpost 1944 vom 2. 5. 26

Wie Ihr wahrscheinlich schon bemerkt habt, gebe ich mir jeden Tag große Mühe, Euch ein wenig besser zu machen. Sei es, indem ich Euren Wissensschatz vergrößere, damit Ihr gebildeter werdet, sei es, indem ich mit geistigem Fitnesstraining Eure grauen Zellen auf Trab bringe, damit Ihr klüger werdet, sei es, indem ich Euch Tipps gebe, damit Ihr Euer Leben freudiger führen oder leichter gestalten könnt. Zur letzten Kategorie gehört mein heutiger Ratschlag.
 
Vielleicht habt auch Ihr wie ich mit zunehmender Vergesslichkeit zu kämpfen. Wenn nicht, keine Sorge: Das kommt noch! Oder es hat Euch bereits so sehr erwischt, dass Ihr völlig vergessen habt, wie vergesslich Ihr seid. Doch dagegen gibt es einen ganz einfachen Trick. Wenn Ihr Euch etwas einprägen wollt - seien es acht Dinge, die Ihr im Supermarkt einkaufen möchtet, ein Gedicht oder eine Gebrauchsanweisung - dann gebe ich Euch einen handfesten Tipp. Damit Ihr Euch etwas besser merken könnt, ballt Ihr vorher zweimal nacheinander für ca. 45 Sekunden fest die rechte Faust. Und wenn Ihr das Gelernte wieder abrufen möchtet, dann wiederholt den Vorgang mit der linken Faust.
 
Nein, das ist kein Nonsens, den ich mir ausgedacht habe, um Euch zu foppen. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie aus den USA. Sie basiert darauf, wie unsere Gehirnhälften im Stirnbereich funktionieren. Sie arbeiten seitenverkehrt, weil sich im Gehirn die Nervenstränge kreuzen. Für die rechte Faust ist also die linke Hirnhälfte zuständig. Die ist aber auch beim Verarbeiten von neuem Lernstoff aktiv. Und wenn sie einmal auf Touren ist, speichert sie in einem Aufwasch die gewünschten Inhalte ab. Dagegen kümmert sich die rechte Hirnhälfte um das Aufbewahren der Informationen und spuckt sie leichter wieder aus, wenn Ihr zuvor die linke Faust ballt. 
 
Dieses Rezept funktioniert nur bei Rechtshändern. Linkshänder müssen andersherum verfahren. Auf keinen Fall aber dürft Ihr links und rechts verwechseln. Wer die Technik falsch herum anwendet, wird den Lernerfolg sogar reduzieren. Ich drücke Euch vorsichtshalber beide Daumen, dass es klappt. Denn das Risiko ist groß, wie schon Ernst Jandl wusste: "Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Werch ein Illtum!“
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1943 vom 1. 5. 26

Am Mittwoch lauschte ich einem Vortrag über die Geschichte des Dorstener Kleingartenwesens. Nein, ich bin nicht unter die Schrebergärtner gegangen. Allein der kleine Garten an unserem Haus überfordert meine geistigen und handwerklichen Kapazitäten. Dort beschränke ich mich auf grobmotorische Tätigkeiten wie Rasenmähen und Heckenstutzen, überlasse alles weitere anderen und genieße es, an halbwegs warmen Tagen auf der Terrasse zu sitzen.
 
Der Vortrag war Auftakt einer Veranstaltungsserie der Dorstener Fotokünstlerin Doris Gerhard. Sie startete vor drei Jahren ihr Kleingartenprojekt, und ich bin schon sehr gespannt auf die Bilder, die demnächst ausgestellt werden. Neben "normalen" Fotografien aus künstlerischem Blickwinkel, versteht sich Doris hervorragend darauf, ihre Bilder nachträglich zu bearbeiten und optisch zu verfremden. Dabei kommen verblüffende Dinge heraus: Zwei gerahmte Spinnennetze und ein roter Farbrausch aus Rosen zieren unsere Wohnungswände.
 
Der Vortrag über die Kleingärtnergeschichte hat auf andere Weise Früchte getragen. Auf einer alten Obstbaumliste entdeckte ich Namen von Birnensorten, die sofort mein Interesse weckten. Bisher kannte ich hauptsächlich die "Omalutschbirne" sowie "Williams Christ" und glaubte, dass die Namensvielfalt von Äpfeln unübertroffen wäre. Aber auch unter den Birnen gibt es eine prächtige Fülle kurioser Bezeichnungen.  
 
Bei der "Nordhäuser Winterforelle" hätte ich niemals erwartet, dass es sich dabei um eine Birne handelt. Das gilt auch für die "Deutsche Nationalbergamotte" und erst recht für eine Sorte mit dem schnöden Namen "Kuhfuß". "Jeanne D' Arc" kenne ich nur aus dem Geschichtsunterricht, und "Alexander Lucas" ist mir ebensowenig vorgestellt worden wie "Josephine von Mechelen", "Margarete Marillat" oder wie "Madame Bonnefond", "Madame Verte" und "Madame Favre". Dass eine Birne mal deutscher Bundeskanzler war, habe ich nie so recht glauben wollen, aber offenbar war sogar die Präsidentenwürde in Birnenkreisen verbreitet: Gestatten, "Präsident Drouard", "Präsident Heron" und "Präsident Mas".
 
Doch es gibt auch blaublütige Birnen. Als da wären die "Gräfin von Paris", "Herzogin Elsa" und "Prinzessin Marianne". Ganz an der Spitze der Obst-Hierarchie steht vermutlich die "Regentin." Außerdem gehören Birnen zu den weitgereisten Früchten. Davon zeugen "Saint Remy", die "Frühe von Trevaux", die "Köstliche von Charneu" und "Triumph von Vienne". Wahrscheinlich hatten sie einen guten Reiseleiter und haben ihm zu Ehren die "Martinsbirne" benannt.
 
So, jetzt muss ich los zum Wochenmarkt. Dort lasse ich zwar die Finger von der "Schweizer Wasserbirne", halte aber Ausschau nach der "Oberösterreichischen Weinbirne". Und beim Gedanken an die "Champagner Bratbirne" läuft mir schon das Prickelwasser im Mund zusammen. Ach ja, am Wochenende starten wir zum Potsdam-Urlaub. Da werde ich einen Abstecher ins Havelland einplanen. Wie Theodor Fontane schrieb, soll es am Grab des Herrn von Ribbeck die allerköstlichsten Birnen geben. Und das sogar gratis! 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1942 vom 30. 4. 26

Beinahe jeder Mensch hat mindestens eine kleine Macke. Ich pflege gleich mehrere. Eine meiner Schrullen beschäftigte mich gestern. Ich bringe es nicht fertig, nach dem Waschen übrig gebliebene Einzelsocken wegzuwerfen. Stattdessen stecke ich sie in einen Beutel und hoffe, dass das passende Gegenstück eines Tages aus der Tiefe des Raums wieder auftaucht. Es gibt ja in unserem Hause zahlreiche Verstecke, in denen sich eine Socke mit mangelndem Pflichtbewusstsein verbergen kann. Vielleicht ist sie auf dem zwei Treppen langen Weg in den Waschkeller aus dem Korb gesprungen und unter ein Möbelstück gerollt. Womöglich hat sie sich auch in ein Sommerhemd gewickelt, das acht Monate Ferien hat, bis es für heiße Tage gebügelt und zur erneuten Verwendung fitgemacht wird. Oder die Socke kriecht ganz unten in den Korb mit der Schmutzwäsche, so dass es ewig dauert, bis sie in die Waschmaschine befördert wird. 
 
Da nach jedem Waschgang neue Einzelstücke hinzukommen, kontrolliere ich in unregelmäßigen Abständen, ob vielleicht im Sammelbeutel bereits ihr Partner sehnsüchtig auf die Wiedervereinigung wartet. Mittlerweile hat sich die Rekordzahl von 37 Einzelgängern angesammelt. Da sollte es doch ein Leichtes sein, das Gegenstück der Neulinge zu entdecken. Von wegen! Da bin ich nämlich pingelig. Ich sortiere die Sockensammlung zunächst nach Farbe, Länge, Muster, Herstellername (falls erkennbar) und Symbolen und achte sorgfältig darauf, dass wirklich nur Paare zusammenkommen, die sich von Kindesbeinen an vertraut sind. Ich weiß, das ist eigentlich albern. Wenn die Farbe stimmt, wenn juckt es dann, ob es Abweichungen in kleinen Nuancen gibt? Und wer außer mir würde das überhaupt bemerken? Aber nein, in meiner DNA muss sich ein sturer Preuße befinden, der darauf besteht: Es kommt nur zusammen, was wirklich zusammengehört! 
 
Nun sagt man ja, dass man im Alter nicht nur vergesslich, sondern mitunter auch klüger wird. So habe ich jetzt endlich ein selbstgewähltes uraltes Gebot über Bord geworfen: Du darfst trotz drangvoller Enge keine alten Bücher aussortieren, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit, dass Du sie noch einmal lesen willst, deutlich unter Null liegt. Schweren Herzens sind die ersten acht Exemplare im Bücherschrank ausgesetzt worden. Glücklicherweise ist er meist so voll, dass es ein paar Tage dauert, bis ich die nächste schmerzhafte Trennung angehe. 
 
Doch da mir Bücher deutlich mehr bedeuten als Socken frage ich mich nun, ob ich nicht auch in diesem Punkt neue Wege beschreiten kann. Nein, ich werde natürlich keine Socken im Bücherschrank unterbringen. Und wegschmeißen ist auch keine Option. Aber ich denke darüber nach, ob ich nicht dem Mode-Trend folgen soll, an den Füßen verschiedenfarbene Socken zu tragen. Damit wäre das Solisten-Socken-Problem ein für allemal gelöst. 
 
Doch vor einer derart revolutionären Reform benötige ich noch Bedenkzeit. Vielleicht werde ich vorher erst einmal den Waschkeller gründlich durchsuchen. Auch für Socken gilt schließlich: Es gibt viel zu viele Einsame auf der Welt! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Schmunzelpost über alte, fast in Vergessenheit geratene Worte hat Reaktionen im hohen Norden ausgelöst. Aus Rhade erreichten mich gleich zwei Zuschriften. Maria schrieb: Wahrscheinlich ist Dir bekannt, der Ursprung des Wortes Fisematenten? Falls nicht, es kommt aus dem Französischen. Oder auch nicht. Herkunft und Bedeutung:

  • Volksetymologie (oft erzählt): Eine beliebte Anekdote besagt, dass französische Soldaten während der Napoleonischen Besatzung (um 1800) deutsche Frauen mit „Visitez ma tente!“ (Besucht mein Zelt!) einluden. Dies gilt jedoch als unwahrscheinlich.
  • Wahrscheinlicher Ursprung: Das Wort stammt vermutlich aus dem 16. Jahrhundert vom lateinischen Begriff „visae patentes“ ab. Dies waren komplizierte „offene Briefe“ oder „Offizierspatente“, deren Ausfertigung lange dauerte. Eine andere Theorie vermutet eine Herleitung aus der Heraldik („Visamente“).

Mir ist Version eins sympathisch,  wenn auch unwahrscheinlich.  
 
Sonnige Gröete ut Rho
 
Und dann gab es da noch eine wahre Vokabel-Flut. Respekt, Bertold, man könnte glatt meinen, Du hättest mal beruflich mit Sprache zu tun gehabt: Ein wenig zum Thema: FAMILIENKONVENT. Kürzlich traf man sich im Hause H. zu einem jubiläumsrunden Ehrentag. Nicht Eingeladene waren natürlich Verstorbene, Verflossene, Bankerte, auch Afterkinder genannt, und ähnliche fragwürdige oder fragunwürdige Gestalten, Gesellinnen und Gesellen. Erschienen waren Base Bärbel. Erb-Oheim Otto, Muhme Margret, Vetter Franz, Eidam Erich, der Erbschleicher; Georg, der Gevatter bei unseren Kinder war und ist, und nicht zuletzt Schwippschwager Sebastian, der alte Schwerenöter. Behufs fataler Vorfälle beim Feste vielleicht hernach einmal. Dem hochgelahrten, hochwohlgeborenen und der deutschen und fremden alten und neuen Worte mächtigen Schmunzelpostler mit Ehrerbietung
Bertold

Schmunzelpost 1941 vom 29. 4. 26

Na, habt Ihr alle Sprüche auf die Reihe gekriegt? Annette und Martin haben das geschafft. Für alle anderen - hier ist die Auflösung: 1. Liebe macht blind. 2. Morgenstund hat Gold im Mund. 3. Im Wein liegt die Wahrheit. 4. Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln. 5. Der Glaube vermag Berge zu versetzen. 6. Geld stinkt nicht. 7. Über allen Wipfeln ist Ruh. Ich hoffe, unser Fitness-Training hat zum Erhalt Eurer geistigen Leistungsfähigkeit beigetragen.
 
Ich selbst betreibe zu diesem Zweck täglich Denksport. Neben Kreuzworträtseln löse ich gern Zahlenrätsel. Das ist sowas wie Sudoku, nur umgekehrt. Die Buchstaben in einem gelösten Kreuzworträtsel werden dabei als Zahlen wiedergegeben, und man muss herausfinden, welche Ziffer für welchen Buchstaben steht. Vor kurzem hatte ich eine besonders harte Nuss zu knacken. Da stand das Wort 3-7-3-11-3-7-3-7-3. Nun hatte ich bereits herausgefunden, dass ich die drei durch ein e ersetzen musste (Erfahrungswert: Das E ist fast immer der am häufigsten verwendete Buchstabe). Aber das brachte mich noch lange nicht zum Ziel. Erst als mir der Schädel vor Nachdenken brummte, kam ich auf "Etepetete". Die Vokabel hatte ich schon ewig nicht mehr gebraucht und fasste daher umgehend den Beschluss, eine Schmunzelpost über derartige Begriffe zu schreiben.
 
Zunächst mal zu etepetete. Diese alte Redewendung beschreibt umgangssprachlich eine Person, die sich in der Öffentlichkeit geziert und pingelig aufführt. Entstanden ist sie wahrscheinlich aus dem französischen Spruch être, peut-être, was übersetzt eigentlich „kann sein, vielleicht“ heißt und sinnbildlich „im Zweifel sein“ bzw. „mehr Schein als Sein“ bedeutet. Als alternative Quelle wird das niederdeutsche Wort öte vermutet, das ebenfalls aufgesetztes wie geziertes Gehabe beschreibt. Ein schönes Beispiel dafür verwendete Theodor Fontane in "Unterm Birnbaum": „Und nun gar diese schnippsche Prise, die sich ewig mit ihrem türkischen Schal herumziert und noch öterpotöter is als die Reitweinsche Gräfin!“ 
 
Ich liebe solche uralten Ausdrücke. Sie sind mir alles andere als schnurzpiepegal - was der nächste Begriff ist, der mir in den Sinn kam. Wenn einem jemand schnurzpiepegal ist, dann ist er einem völlig gleichgültig. Das Wort drückt auf eine humorvolle Art und Weise ein Desinteresse aus und ist eine Steigerung von „egal“. Das ursprünglich niederländische Wort „Piep“ meint so etwas wie „Pfeife“. Im 19. Jahrhundert wandelte sich die Beschreibung zu einer Bedeutung wie „auf etwas pfeifen“. „Piep“ entspringt der Studentensprache des 19. Jahrhundert. Die Brüder Grimm vermuteten eher einen lautmalenden Ursprung für das Geräusch des Schneuzens oder Pupsens. 
 
Was blockiert da gerade die Schatzkammer für weitere solcher Wörter in meinem Gedächtnis? Ihr könnt mich am Schlafittchen packen und schütteln, ich muss verknusen, dass mir spontan keine anderen mehr einfallen. Das ist für mich kein Pappenstiel. Scheibenkleister! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1940 vom 28. 4. 26

Seid Ihr bereit für ein zweites kleines Quiz? Ich gehe mal davon aus, dass ich aus der Ferne Euer "Jaaaa!" vernommen habe. Diesmal geht es darum, geflügelte Worte zu erkennen. Binsenweisheiten und vermeintlich allgemeingültiges werden oft in wenigen Worten als Sinnspruch ausgedrückt. Heutzutage wird alles aber gern mit Fremdwörtern gewürzt oder auf verquaste Weise in die Länge gezogen, damit es gelehrter klingt. Also, dann macht Euch mal an die Rückübersetzung.
 
1. Was steckt in dem Satz: "Die Struktur einer ambivalenten Beziehung beeinträchtigt das visuelle und kognitive Wahrnehmungsvermögen extrem?"
 
2. Und wie kann man dies kürzer und besser sagen? "Die Initialisierung eines Teils vom wiederum 365.2-ten Teil der Bewegung unseres Rotationsellipsoiden um eine gigantische, dichte Wasserstoff-/ Heliumwolke beinhaltet im Sprechinstrument ein Edelmetall."
 
3. Hierzu erinnere ich an die gestrige SP-Folge: "Die organische Verbindung mit einer oder mehreren Hydroxylgruppen aus der Gattung 'Vitis Vinifera' impliziert tiefenpsychologische Kognition."
 
4. Nun geht es in die Landwirtschaft: "Das maximale Volumen subterraner Agrarprodukte steht in reziproker Relation zur intellektuellen Kapazität des Produzenten."
 
5. Nicht aufgeben, ich glaube an Euch! "Mentale Imagination besitzt die Abilität durch Kontinentaldrift kausierte Gesteinsformationen in ihrer lokalen Position zu transferieren."
 
6. Wer nur mit Karte zahlt, merkt das nicht: "Der Geruchskoeffizient gewisser finanzieller Mittel ist permanent gleich null!"
 
7. Selbst unser guter, alter Gevatter Goethe ist vor Verfremdung nicht sicher: "Oberhalb der Kulminationspunkte forstwirtschaftlicher Bestände tendieren die Dezibelwerte gegen den Nullpunkt."
 
Falls Ihr zwischendrin verzagt, weil die Lösungssuche hakt, dann rat ich Euch, verzweifelt nicht, lest am besten dies Gedicht und findet das gesuchte Werk. Zwar halte ich es hinterm Berg, bin aber überzeugt von Kopf bis Rumpf: Ihr kennt ihn, Euern Lederstrumpf!
 
Leseerlebnis   von Christian Maintz
 
Ich habe da kürzlich ein Buch gelesen, es handelt vom Letzten der Irokesen,
beziehungsweise der Mohikaner, Molukken, Bayern oder Albaner.
 
Ich glaube, das Werk hieß Krieg und Frieden, es spielte jedenfalls tief im Süden
des Kongo. Oder war es im Norden? Ich bin daraus nicht schlau geworden.
 
Der Name des Helden war Wilhelm Meister, ein hochkultivierter und weit gereister
Experte für Nahkampf und andere Dinge, besonders exotische Schmetterlinge.
 
Im Leben nicht vergesse ich jene so ungemein spannende Schlüsselszene,
als Wilhelm und die sieben Schwaben die schöne Dingsbums gerettet haben.
 
Und er ihr gesteht unter Tränen und Küssen, auch ich hab' beim Lesen weinen müssen,
er kenne die Frauen, doch sie sei von allen. . . der Rest des Satzes ist mir entfallen.
 
Ich liebe solche dicken Schinken, man kann so richtig darin versinken
und fühlt sich trotzdem zugleich erhoben; Ihr müsst das selber mal erproben.
 
Wer schrieb nun jenen Psychothriller? Karl May? Couths-Mahler? Friedrich Schiller?
Jetzt fällt es mir ein: Der Mann hieß Cooper; in jedem Fall: Das Buch war super.
 
Glückauf
kdk 
 

PS. Rieselt bereits Kalk aus meiner Birne? Wäre ich noch Volontär, müsste ich mir selbst die Ohren langziehen. Denn stets habe ich gepredigt: Namen, Telefonnummern und Addressen immer zweimal kontrollieren! Und dann ist mir ausgerechnet beim Internet-Auftritt meines Winzers im letzten Wort ein falscher Buchstabe hineingerutscht. Richtig heißt es: www.schiefer-trifft-muschelkalk.de. Pardon! 

Schmunzelpost 1939 vom 27. 4. 26

Am 20. Mai ist für mich Feiertag. Nein, weder Pfingstmontag, noch Fronleichnam oder Himmelfahrt. Am 20. Mai liefert mein Lieblingswinzer mir meine Halbjahres-Bestellung frei Haus. Ich werde dann zur Feier des Tages mit einem guten Tropfen auf Euch anstoßen. Das ist schon seit einigen Jahren so: Jeweils im Frühling und im Herbst bekomme ich Besuch von Jürgen Hofmann, der mir für das Sommerhalbjahr Weißwein und Rose, für den Winter überwiegend Rotwein liefert.
 
Kennengelernt haben wir ihn durch Zufall. Wir saßen in einem Cafe-Bistro in Recklinghausen und lobten gegenüber dem Kellner unseren damaligen Lieblingswein, einen Sauvignon Blanc. Da wies der mit dem Kopf nach hinten: "Dort in der Ecke sitzt gerade der Winzer, sie können ihm das auch persönlich sagen." So kam ein Kontakt zustande, von dem ich bis heute profitiere. Nach und nach entdeckte ich auch andere Weine aus Hofmanns Angebot und halte ihm daher gern die Treue.
 
Generell verfahre ich beim Weinkauf wie beim Erwerb von Büchern. Dort bevorzuge ich Buchhandlungen, die von ihren Inhabern persönlich geführt werden und meide die großen Ketten, die mit ihrer Einkaufspolitik die Verlage unter Druck setzen und die kleinen Buchläden vielerorts verdrängt haben. Beim Wein gibt es eine ähnliche Entwicklung. Investoren aus Amerika und China haben das Geschäft für sich entdeckt. Und durch den Einsatz von Maschinen bei der Lese können sie ihren Wein oft weit kostengünstiger produzieren als unsere hiesigen Winzer, die vor allem an steilen Lagen nach wie vor auf Handarbeit angewiesen sind. Mag sein, dass es beim Discounter auch ordentliche Weine gibt. Wenn ich die Wahl habe, zahle ich dennoch lieber etwas mehr.
 
Zumal, wenn durch Mengenbegrenzung das Prinzip "Qualität statt Quantität" beachtet wird, wie in den Weingütern von Jürgen Hofmann (Appenheim in Rheinhessen) und seiner Frau (Konz an der Saar). Der Betrieb wurde bereits vor geraumer Zeit auf biologischen Anbau umgestellt. Und mehrere Auszeichnungen belegen, dass auch Kenner und Kritiker die Hofmannsche Winzerkunst zu schätzen wissen. Ich bin sicher, dass die Weinfreunde unter Euch etwas Passendes in dem vielfältigen Angebot finden werden. Werft mal im Internet einen Blick auf die Seite www.schiefer-trifft-muschelkalk.de oder nutzt die Gelegenheit, wenn Jürgen Hofmann in unserer Nähe zur Weinprobe einlädt. Zuletzt war dies vor gut einer Woche in Recklinghausen der Fall.
 
Mein persönlicher Einstiegs-Tipp: Die bevorstehenden warmen Sommerabende werden zusätzlich veredelt, wenn Ihr Euch einen gutgekühlten "Rossi" gönnt. Dieser Rose kostet pro Flasche acht Euro und ist ein idealer Begleiter zum Genuss auf der Terrasse, egal, ob allein mit einem Buch oder in Gesellschaft anderer. Wenn Ihr im Sommer mal bei mir vorbeikommt, lade ich Euch gern zu einem Gläschen ein. Aber nur, solange der Vorrat reicht - diesmal habe ich mir vier Sechser-Kisten Rossi bestellt. . .
 
Allerdings werden die lange reichen. Denn so gut der Wein auch schmeckt, es gilt, sich im Zaum zu halten und nicht zuviel zu trinken. Weil: Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel. Es löst Familien, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten, Leber und Gehirnzellen auf. Es löst nur keine Probleme. Daher muss man wissen, wann es an der Zeit ist, auf Wasser umzusteigen. Und sich vorher beim Weintrinken die nötige Zeit zum Genießen zu nehmen. Davon erzählt die Anekdote "Der Schwätzer" von Frank Scholz:
 
In einer Schenke zu Rech saßen vor Jahren zwei alte Zecher beisammen und probierten eine Weinsortc, die der Wirt eben aus dem Keller geholt hatte. Bedächtig führten sie das volle Glas an die Lippen, schlürften das edle Naß hörbar ein, kauten es bedächtig im Munde, zerdrückten den Schluck auf der Zunge und ließen ihn langsam die Kehle hinabgleiten. Dabei schlössen sie die Augen, ein Beweis, daß der Tropfen etwas Vorzügliches war. Und doch stand er, wie der Wirt sagte, gar nicht so hoch im Preis. Dann saßen sie im andächtigen Schweigen beieinander.
 
Nach geraumer Zeit wiederholten sie die Kostprobe. „Hm", meinte der eine bedächtig, „hm, der Wein is jut." Der andere nickte zustimmend mit dem Kopf. Bald folgte ein neuer Schluck. Wieder saßen sie versonnen da. Jetzt bemerkte der andere: „Un bekömmlich." Abermals gab es eine Pause. Darauf wieder eine Schluckprobe in der beschriebenen Art. Schließlich räusperte sich der erste: „Un jar nich so teuer." Abermals lag die Sonne der Behaglichkeit über den weinfrohen Gesichtern der beiden Alten.
 
Da wünschte ein Gast, der bisher schweigend an einem Nebentisch gesessen und das Tun der zwei beobachtet hatte, von dem Wirt ein Glas von diesem süffigen Wein. Zugleich bat er nach rheinischer Art, sich zu den Trinkern setzen zu dürfen: „Sie gestatten doch! Und ein freundliches Pröstchen!" Dabei trank er das Glas mit einem Zuge leer, strich sich den Mund ab und erklärte: „Ja, ja, Sie haben recht. Der Wein ist gut, der Wein ist bekömmlich und auch gar nicht so teuer." Da blickte der erste Zecher böse auf und sprach unwirsch zu seinem Freund: „Nä, Pitter! Wat hamme do nen Schwätzer und Söffer am Desch setze!"  
 
Glückauf
kdk
 
PS. Mit Blick auf die gestrige Schmunzelpost weist Maria darauf hin, dass der Duden statt Alptraum jetzt Albtraum als Schreibweise empfiehlt. "Die Empfehlung liegt in der Wortherkunft begründet. Der Albtraum bezieht sich nämlich nicht auf die Alpen oder eine Bergwiese (‚Alp‘), sondern auf die ‚Alben‘. Alben sind in der germanischen Mythologie böse Geister, die sich auf die Brust von schlafenden Menschen setzen und so Beklemmung verursachen."
Dazu sage ich: Ich bleibe bei der alten Schreibweise, die ich von kleinauf gelernt habe. Das kann ich begründen. Wenn ich träume, ich dürfe nie mehr Wein trinken, dann habe ich so ein schwermütiges Gefühl, als würden die kompletten Alpen auf meine Brust drücken.

Schmunzelpost 1938 vom 26. 4. 26

Mit zunehmendem Alter passiert es immer öfter, dass ich mitten in der Nacht wach werde und mich noch gut daran erinnern kann, was ich gerade geträumt habe. Zum Glück sind Alpträume vergleichsweise selten, und ich empfinde das seltsame Zeug, das da in meinem Schädel herumspukt, meist eher als belustigend. Drei Traum-Varianten jedoch wiederholen sich gelegentlich und hinterlassen dann ein Gefühl der Unruhe und Hilflosigkeit.
 
Für die Traumdeuter und Psychologen unter Euch: Auch mehr als zehn Jahre nach meinem Abschied aus der Redaktion taucht nach wie vor ein Skript in meinem Kopf relativ häufig auf. Darin muss ich noch einmal einen Bericht für die Zeitung schreiben, komme aber aus verschiedenen Gründen einfach nicht zum Zug. Meist sind nicht genug intakte PCs vorhanden, oft komme ich auch mit der Technik nicht klar und der Redaktionsschluss rückt immer näher. (Glücklicherweise wache ich vorher stets auf).
 
Variante zwei und drei sind miteinander verwandt. Ich habe bei einem Großstadtbesuch mein Auto irgendwo abgestellt und finde es nun einfach nicht wieder. Je mehr Straßen ich vergeblich absuche, desto stärker wird die Beklemmung. Ähnliches geschieht bei Variante drei: Da sind wir in eine andere Stadt umgezogen, und ich kann mich nicht erinnern, in welche - geschweige denn an meine genaue Adresse. Hier hat sich bewährt, gleich nach dem Aufwachen "Dorsten, Im Werth 30" zu denken, und schon schlafe ich beruhigt wieder ein. 
 
Letzte Nacht hatte ich einen besonders wirren Traum. Erstmals kam darin "Krauses Zeug" vor. Und außerdem schlug auch die aktuelle Zapfsäulen-Situation durch, obwohl wir nach dem Kriegsausbruch im Iran noch nicht einmal tanken mussten. Jedenfalls versprach mir mein Schmunzelpost-Manager für mich eine Lesereise durch ganz Deutschland zu organisieren. Erste Station sollte Gelsenkirchen sein. Meinen Einwand, dass sich auswärts nicht genügend Publikum einfinden würde, wischte er beiseite: "Wir versprechen den Besuchern, dass Du jeden einzelnen nach der Lesung persönlich nach Hause bringst." Gesagt, getan.
 
Kurz darauf überraschte mein Manager mich mit der Nachricht, dass die erste Vorstellung schon ausverkauft sei. "Das ist ja toll! Wo findet sie denn statt?" "In der Schalke-Arena!" Da geriet ich in Panik: "Spinnst Du? Bei den Spritkosten bin ich ruiniert!" Dann machte ich kurzen Prozess, entließ den Versager und sagte aus Gesundheitsgründen die Lesereise ab. Als ich danach nach Hause fahren wollte, um in Ruhe über eine Schlusspointe nachzudenken, fiel mir partout nicht mehr ein, wo ich wohne. Das machte jedoch nichts, weil ich mein Auto ohnehin nicht fand.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Nach Mitternacht bin ich vor dem Versenden der Mails kurz eingenickt. Nun frage ich mich: Bin ich wieder in der realen Welt oder träume ich bloß, eine Schmunzelpost über absurde Träume geschrieben zu haben? 

Schmunzelpost 1937 vom 25. 4. 26

Wie gut Ihr Euch in der Weltliteratur auskennt, könnt Ihr unter "PS." prüfen. Da findet Ihr die Auflösung der gestrigen Literatur-Fragen. Wenn es nicht für alle Titel und Autoren gereicht hat, müsst Ihr Euch nicht grämen. Nachdem im SZ-Streiflicht jetzt der weltgewandte Universalbildungsbürger definiert wurde, möchte ich nicht mehr zu diesem kultivierten Menschenkreis gehören. Denn der erörtert auf Gartengrillabenden beim Verzehr von "Dry Aged Tomahawk Steaks" mit veganem Sesam-Soja-Dressing die großen Menschheitsthemen. 
 
Da wird dann über die Frage diskutiert, ob die Heisenberg'sche Unschärferelation theologisch als Gottesbeweis im Sinne des Thomas von Aquin fruchtbar zu machen wäre und welche Rolle dabei die Metaphysik des Aristoteles spielen könnte. Wenn die ersten Barolo-Flaschen geleert sind, muss dann noch Nietzsches epochale Schrift "Also sprach Kamasutra" beredet werden. Das Streiflicht fügt hinzu: "In den besten Momenten führt so ein Tomahawk-Symposium in geistige Tiefen, die sonst nur Bildschirm-Philosophen wie Richard David Precht oder Wolfgang Kubicki erreichen." 
 
Nein, danke, das ist ebenso wenig etwas für mich wie herkömmlicher Party-Small-Talk. Allerdings muss ich dazu meine Haltung wohl überprüfen, nachdem jetzt eine Studie der Universität Michigan ergab, dass Smalltalker mit einem Gefühl menschlicher Verbundenheit und Sympathie belohnt werden. Das lag daran, dass bei den 1800 Probanden der Eindruck entstand: "Hey, da hört mir einer zu! Und ich habe etwas Überraschendes aus dem Leben der anderen erfahren." Das Streiflicht muss übrigens von einer Frau verfasst worden sein. Darauf lässt der bissige Schluss schließen: "Angeblich waren auch Männer unter den Probanden. Es müssen besondere Exemplare gewesen sein. Zuzuhören, ohne zu belehren - das kriegen die wenigsten hin." 
 
Ha! Ich bin nicht nur ein guter Zuhörer, sondern auch stets bereit, angesichts überzeugender Argumente eine vorgefasste Meinung zu korrigieren. Deshalb habe ich über Smalltalk nachgedacht und folgendes herausgefunden: Wenn man sich nicht auf den klassischen Ruhrgebiets-Austausch: "Wie geht's?" "Muss. Und selbst?" beschränken will, bleibt das Wetter nach wie vor ein idealer Einstieg. Dann kommt es darauf an, wohin das Gespräch abbiegt. Geht es um Mode, Fürstenhäuser oder Tratsch, sollte man sich rasch mit dem Hinweis auf dringende Termine verabschieden. Stattdessen sind Themen wie Fußball, Krankheiten oder Katzen stets höchst interessant. 
 
Allerdings verlangt die Gesprächsführung eine gewisse Finesse. Während das schlimme Schicksal anderer Menschen stets über den eigenen maroden Zustand hinwegtröstet, kann eine allzu detaillierte Beschreibung der Folgen einer üblen Diarrhoe Unwohlsein erzeugen. Immer empfehlenswert ist der Austausch von Geheimtipps für die Gesundheit und der Rat zu wirksamen Naturheilmitteln. Peinlich ist es dagegen, ein Mittel gegen die Vergesslichkeit in den höchsten Tönen zu preisen und dann auf die Frage, wie die Wunderarznei denn heißt, zu sagen: "Äh, verflixt, das fällt mir gerade nicht ein." 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. 1. "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury, 2. "Tod in Venedig" von Thomas Mann, 3. "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen, 4. "Robinson Crusoe" von Daniel Defoe, 5. "Ulysses" von James Joyce, 6. "Von Mäusen und Menschen" von John Steinbeck, 7. "Der Spion, der aus der Kälte kam" von John le Carre`, 8. "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Marcel Proust, 9. "Schuld und Sühne" von Fjodor Dostojewski, 10. "Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde. 
Das Gedicht "Das Lied von der Glocke" stammt von Friedrich Schiller.

Schmunzelpost 1936 vom 24. 4. 26

Da Ihr kultivierte Leute seid, erlaubt Ihr sicherlich noch einen Nachklapp zur Woche des Buches. Gewissermaßen einen Nachtrag, der zum Nachlesen anregen soll. Mit der heutigen SP-Folge könnt Ihr testen, wie gut Ihr Euch in der Weltliteratur auskennt. Das funktioniert so: Ich liefere die äußerst knappe Inhaltsangabe eines Werkes, und Ihr könnt raten, um welches Buch es geht. Dabei bediene ich mich aus dem Büchlein von Henrik Lange mit dem schönen Titel: "Und AM ENDE sind sie ALLE TOT - Weltliteratur für Eilige." Die Auflösung folgt erst morgen - doch belesen, wie Ihr seid, kommt Ihr sowieso selbst auf Autor und Buchtitel. 
 
1. Das erste Werk dreht sich um Bücher. In naher Zukunft: Feuerwehrmänner löschen nicht nur das Feuer, sondern müssen es selbst legen, wann immer sie Bücher entdecken. Verrückte Welt! Dummerweise interessiert sich einer von ihnen, Guy Montag, mehr fürs Lesen als fürs Anzünden. Um sein Geheimnis zu wahren, wird er zum Kollegenmörder - und läuft davon. In den Wäldern vor der Stadt findet er eine Gruppe, die Bücher auswendig lernt, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Nach einem Krieg zeigt sich: Leser leben länger. 
 
2. Gustav von Aschenbach fühlt sich müde und leer, nicht die besten Umstände für einen Autor. Er beschliesst, nach Venedig zu reisen. Vielleicht hilft's ja. In der Lagunenstadt streift er einsam umher, grübelt zu viel und verliebt sich schließlich in einen polnischen Jungen. Dann stirbt er in Venedig (hier winkt der Zaunpfahl!), und für einen Autor in der Schaffenskrise hätte es schlimmer kommen können. 
 
3. Als die beiden Junggesellen Bingley und Darcy im beschaulichen Meryton auftauchen, liegt Ärger in der Luft. Nicht nur die Damenwelt bringen sie durcheinander. Darcy scheint im Lauf des Buches seinem Ruf als hochnäsiger, versnobter Idiot alle Ehre zu machen. Deshalb lässt ihn die schöne und vorlaute Elisabeth mit seinem Heiratsantrag abblitzen. Dann findet sie aber heraus, dass er gar kein so schlechter Kerl ist, wie sie dachte. Schließlich heiraten die beiden doch. - Der Beginn der Hugh-Grant-Beschäftigungsindustrie. 
 
4. Ein britischer Seemann erleidet Schiffbruch und kann sich gerade so auf eine einsame Insel retten. Die liegt zwar in der Karibik, hat aber keinen Kabelanschluss. Ein hartes Los. Es folgen 25 einsame Jahre - wie gesagt: Ohne Fernsehen. Dann stören Kannibalen seine Ruhe, und er rettet einen ihrer Gefangenen, den er Freitag nennt. Schließlich kommt doch noch ein Schiff vorbei und bringt ihn heim. - Schöner Stoff für eine Auswanderer-Doku-Serie. 
 
5. Jeder Tag sollte mit einem ordentlichen Frühstück beginnen. Warum nicht auch ein großer Roman? Also: Leopold Bloom sitzt in Dublin beim Frühstück. Danach streift er durch die Stadt und trifft viele Menschen, mehrmals auch Stephen Dedalus, mit dem er sich durch die ganze Stadt trinkt (wir sind hier in Irland). Nach einem Bordellbesuch trennen sich die beiden wieder. Leopolds Frau beendet das Buch mit einem Monolog ohne Punkt und Komma. Ach ja, knapp 1000 Seiten schönster Prosa gibt es auch noch. 
 
6. George und Lennie sind Wanderarbeiter auf einer Farm. Beide träumen von einem besseren Leben mit eigenem Land und Haus - und mit einer Menge Kaninchen. Lennie, der nicht der Hellste ist, aber jede Menge Kraft hat, bricht aus Versehen (wirklich!) der Schwiegertochter des Farmbesitzers das Genick. Dummes Missgeschick. Er flieht. Um Lennie vor dem Gefängnis zu bewahren, erschiesst ihn George. Wozu sind gute Freunde schließlich da...? 
 
7. Der britische Geheimagent Alec Leamas soll einen ostdeutschen Spion beschatten. Wahrscheinlich wäre er lieber James Bond: Der hat mehr Frauen und bleibt am Ende immer am Leben. Leamas reist nach Ostberlin, um den Spion (der vielleicht gar keiner ist) in Schwierigkeiten zu bringen. Dann läuft alles schief. Leamas und seine Freundin werden erschossen. Vor seinem letzten Atemzug fragt sich Leamas sicher noch, warum das Buch nicht von Ian Fleming geschrieben wurde... 
 
8. Als der Erzähler des Buches einen Keks in seinen Tee tunkt, steigt in ihm die Erinnerung auf - über 1000 Seiten lang. Seine Erinnerungen enthalten jede Menge Sex, oft zwischen zwei Frauen. Typisch französische Memoiren also. Im Einzelnen: Leute lachen, weinen, schlafen miteinander und versuchen nach oben zu kommen. Am Ende entscheidet sich der Erzähler, einen Roman über all das zu schreiben. Toll! 
 
9. Raskolnikow beschliesst, eine alte Dame, die ein wirklich fieser Kredithai ist, zu töten - und ihre Schwester gleich mit. Aber danach - große Überraschung - ergreifen Schuldgefühle und Verfolgungswahn von ihm Besitz. Um sich von seiner Schuld zu befreien, stellt er sich den Behörden und findet in einem sibirischen Lager so etwas wie Frieden. Für diesen russischen Autor also geradezu ein Happy-End! 
 
10. Ein gutaussehender, aber selbstsüchtiger Dandy besitzt ein Portrait, das statt seiner altert. Während er immer maßloser und grausamer wird, bleibt sein Äußeres jung und makellos schön. Um sein Geheimnis zu bewahren, begeht er sogar einen Mord. Dem Wahnsinn nah, versucht der Mann schließlich, das Bild zu zerstören. Als am nächsten Tag seine Leiche gefunden wird, ist sie alt und runzlig, während das Bild in jungem Glanz erstrahlt. - Mit Botox wäre das nicht passiert. 
 
Eine Zusatzfrage hätte ich noch. Von wem stammt das Original dieser Ballade, und wie heißt das Gedicht, dessen Kurzfassung so lautet: "Loch in Erde, / Bronze rin. / Glocke fertig, bim, bim, bim!"? 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1935 vom 23. 4. 26

Es mag gute Gründe dafür geben, warum der Tag des Buches und der Tag des Bieres kalendarisch zusammenfallen. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist Wein zur Buchlektüre das passendere Begleitgetränk. Aber es geht auch anders. Mitten in einer 48-stündigen Alkoholpause stoße ich jetzt mit einem Glas Bionade-Blutorange auf eine hoffentlich lange und gute Zukunft des Buches an.
 
Seinen Ursprung hat der Welttag des Buches in Spanien. Am 23. April wird in Katalonien der Georgstag gefeiert. Und am Namenstag des Volksheiligen werden dort seit langer Zeit Rosen und Bücher verschenkt. Und zwar überreichen die Männer ihren Frauen eine Rose, und diese revanchieren sich mit einem Buch. Viele katalanische Unternehmen beschenken außerdem ihre Mitarbeiter und Ruheständler mit einem Buchgutschein. Dass der 23. April auch als Geburtstag von William Shakespeare gilt und der Todestag von Miguel Cervantes ist, hat womöglich ebenfalls die Termin-Auswahl beeinflusst.
 
England und Irland gehen an diesem Tag mit gutem Beispiel voran, um die Lesefreude von Kindern zu wecken oder zu schüren. Für den Nachwuchs gibt es spezielle Büchergutscheine. Denn eigens am 23. 4. jedes Jahres erscheinen zehn neue Kinderbücher, aus denen die Kleinen sich dann ihren Lieblingsband aussuchen können. Ich würde Euch ja gern auch einen Gutschein zukommen lassen. Aber abgesehen von den technischen Schwierigkeiten und dem Schreibkram: Wo sind die zehn Bücher, die extra für Schmunzelpost-Leser an diesem Tag herausgebracht werden?
 
Stattdessen informiere ich Euch heute über ein paar Superlative. Die Unmöglichkeit, das weltweit beste Buch zu benennen, habe ich bereits gestern erläutert. Der „Codex Leicester“ von Leonardo da Vinci,ein Unikat, gilt aber als das teuerste Buch aller Zeiten. Seinen Titel bekam es, weil der Earl of Leicester es 1717 erworben hatte. Es handelt sich jedoch um das Tagebuch von Leonardo da Vinci, das 1994 einen Verkaufspreis von 30,8 Millionen Dollar erzielte und von Bill Gates ersteigert wurde. Der „Codex Leicester“ umfasst 72 Seiten, ist rund 500 Jahre alt und enthält Abhandlungen zu Themen wie den Eigenschaften des Wassers, Astronomie, Gesteins- und Gebirgsbildung, Fossilien, Luft und Licht. Mittlerweile wird sein Wert bei "Forbes" auf 50 Millionen Dollar geschätzt.
 
Immerhin findet sich Platz zwei der Liste in einer deutschen Bibliothek. Das „Evangeliar Heinrichs des Löwen“ ist zwischen 1173 und 1190 entstanden. Es besteht aus 226 Blättern mit 50 ganzseitigen Miniaturen, 17 Kanontafeln, vier Bildern der Evangelisten, neun Zierseiten und zwanzig Bilddarstellungen. Das Buch enthält vier Evangelien und die Geschichte des Christentums. 1983 wurde das Evangeliar für 32,5 Mio DM vom deutschen Banker Hermann Josef Abs ersteigert und galt  mehrere Jahre als das teuerste Buch der Welt. Zur Sicherung des nationalen Kulturguts wurde die Kaufsumme von der Bundesregierung, den Bundesländern Niedersachsen und Bayern, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie einigen privaten Spendern aufgebracht. Das Werk hat bis heute seinen Platz in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. 
 
Das Diamant-Sutra lag jahrhundertelang in den Mogao-Grotten in China und ist Experten zufolge das älteste Buch der Welt. Es ist ungefähr 1145 Jahre alt und somit ganze 600 Jahre älter als die Gutenberg-Bibel. Entdeckt wurde das kostbare Schriftstück 1907 vom ungarischen Archäologen Aurel Stein. Er fand es versteckt in einer Höhle nahe einer wichtigen Stadt an der Seidenstraße, neben 40.000 weiteren Büchern. Der Eingang zu der Grotte, auch bekannt als "Die Höhle der tausend Buddhas", war zwischen den Jahren 1000 und 1900 verschüttet. 
 
Es handelt sich bei diesem überaus kostbaren Werk um ein Pergament mit fünf Metern Länge, das aus 6.000 Wörtern besteht. Sutras sind Texte, die die Worte Buddhas beinhalten. Das Diamant-Sutra wurde von Buddha selbst als eine mächtige Lehre beschrieben, die so scharf wie ein Diamant ist, der schlechte Urteile und Illusionen durchschneiden kann. Die Kopie, die von dem gelehrten Mönch Kumarajiva ins Chinesische übersetzt wurde, befindet sich in der British Library in London.
 
Aber was ist das preiswerteste Buch der Welt? Kein Zweifel: Es handelt sich dabei um "Krauses Zeug" aus dem Verlag Henselowsky & Boschmann. Es ist zur Zeit noch für nur läppische 14,80 Euro im Buchhandel erhältlich. Unfassbar, wenn man die tiefe Weisheit des Inhalts in Betracht zieht. Schlagt also schnell zu, bevor Bill Gates das epochale Werk entdeckt! 
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1934 vom 22. 4. 26

Die Woche des Buches nähert sich ihrem Höhepunkt: Morgen ist der Welttag des Buches. Aber welches sind die besten Bücher der Welt? Wenn Ihr mich fragt: Das ist reine Geschmackssache. Mag sein, dass es objektive Kriterien zur Unterscheidung guter und schlechter Literatur gibt, aber eine gerechte Abwägung, welches Buch den ersten Platz in einer weltumfassenden Rangliste einnehmen soll, ist unmöglich. 
 
Daher verfolge ich die jährliche Vergabe des Literaturnobelpreises stets mit gemischten Gefühlen. Kann ja sein, dass da jemand geehrt wird, der den Ruhm wirklich verdient hat und der sich ebenso freut wie seine Verleger und der Buchhandel. Und hin und wieder wird auch der Scheinwerfer auf Menschen gerichtet, die sonst weitgehend unbemerkt von der großen Masse der Leser erstklassige Bücher geschrieben haben. Doch eigentlich könnte man die Preisträger auch auslosen.
 
Was sind die Kriterien für die Vergabe? Stifter Alfred Nobel verfügte, seine Preise sollten „denen zugeteilt werden, die […] der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben.“ Speziell für den Literaturpreis fügte er hinzu, es sollten Schriftsteller ausgewählt werden, die  „das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen" haben. Einzige Voraussetzung war, dass die Autoren noch nicht verstorben sein durften.
 
Und wie geht die Auswahl heute in der Praxis vor sich? Zunächst wendet sich das von der Schwedischen Akademie bestimmte siebenköpfige Nobelkomitee an bis zu 700 fachkundige Personen und Institutionen. In der Regel sind dies Professoren der Literaturwissenschaft, ehemalige Preisträger und Präsidenten von Schriftsteller-Verbänden. Aus den bis zum 31. Januar eingereichten Vorschlägen werden danach rund 200 Nominierungen gesichtet. Bis zum April bleiben 20 bis 25 Namen übrig, im Mai nur noch fünf. Danach nimmt sich das Komitee bis zum Oktober Zeit für die endgültige Entscheidung, die Anfang Dezember verkündet wird. Die Namen der übrigen Kandidaten unterliegen einer 50-jährigen Sperrfrist. 
 
Oft gibt es Kritik an der Preisvergabe. Bis zum letzten Viertel des 20. Jahrhunderts hieß es, dass Schriftsteller aus dem nord- und mitteleuropäischen Sprachraum eindeutig bevorzugt würden, weil die Entscheidungsfinder überwiegend aus Skandinavien stammten. Seither hat zwar die Zahl der nichteuropäischen Preisträger deutlich zugenommen, aber hier zeigt sich ein großes Problem. Wie kann man aus der Fülle der Weltliteratur die besten Kandidaten herausfiltern? Und vor allem:  Wie bewertet man schriftstellerische Leistungen in einer Sprache, die man nicht oder nur unzureichend versteht? Geteilte Meinungen gibt es auch über die Frage, ob die politische Einstellung von Autoren eine Rolle spielen darf. 
 
Aber allein schon die literarische Qualität ist schwer zu beurteilen. Nachdem 1938 der Nobelpreis für die US-Amerikanerin Pearl S. Buck großen Unmut erregte und bis heute als Fehlentscheidung gilt, baute man die "Lex Buck" bei der Kandidatenkür ein. Fortan sollten für den Preis nur Autoren in Frage kommen, die bereits vorher mindestens einmal nominiert worden waren. 18 Mal wurden bisher Frauen ausgezeichnet, in 15 Fällen kamen die Geehrten aus dem deutschsprachigen Raum.
 
Arno Schmidt spottete in einer in den 1950er Jahren verfassten Polemik gegen die Ehrung für Henry Sienkiewicz („dann hätte man ihn genau so gut Karl May geben können!“), Paul Heyse („Zuckerwasser“) und Winston Churchill („ein ausgesprochener Journalist von Mittelmaß“), denen er bedeutende Schriftsteller gegenüberstellte, die den Preis nicht bekamen, unter ihnen Rainer Maria Rilke, Franz Kafka und James Joyce. 
 
Heftige Diskussionen gab es immer wieder. Das begann bereits mit der ersten Vergabe im Jahr 1901. Damals erhielt nicht der Russe Leo Tolstoi die Auszeichnung, sondern der relativ unbekannte Franzose Sully Prudhomme. Wütende Proteste gab es auch gegen die Ehrung von Dario Fo. Der sei nur ein unterhaltsamer Gaukler, aber kein Autor von Weltrang, lautete der wenig freundliche Tenor. Und nach der Preisvergabe an den Musik-Poeten Bob Dylan schimpften Kritiker, das sei ein Witz und für sie eine Horror-Vorstellung : "Wann kommt Stephen King in die Hall of Fame?" (Ich hätte nichts dagegen).
 
Ab und zu löste die Preisvergabe auch einen Skandal aus. Boris Pasternak wurde 1954 vom Sowjet-Regime gezwungen, den Preis abzulehnen. Georg Bernhard Shaw tat dies 1925 aus freien Stücken. Das Preisgeld kassierte er dennoch und spendete es für soziale Zwecke. Und die Ablehnung von Jean-Paul Satre schlug 1964 wie eine Bombe ein. Er tue dies aus "persönlichen und sachlichen Gründen". Später präzisierte er: " Ein Schriftsteller, der politisch oder literarisch Stellung nimmt, sollte nur mit den Mitteln handeln, die die seinen sind – mit dem geschriebenen Wort. Alle Auszeichnungen, die er erhält, können seine Leser einem Druck aussetzen, den ich für unerwünscht halte." Eine ehrenwerte Haltung? 1975 erkundigte sich Satre über einen Mittelsmann - was er, als es herauskam, heftig dementierte - ob das Preisgeld doch noch zu haben sei. Aber da war es längst in den Stiftungsfond zurück geflossen.
 
Liebes Nobelpreis-Komitee! Falls Ihr, was natürlich völlig abwegig ist und nur passieren könnte, wenn Ihr Euch vom grassierenden Trumpschen Wahnsinn anstecken lasst, auf die irrsinnige Idee kommt, mir den Literaturnobelpreis zu verleihen, dann sage ich schon heute: Zuviel der Ehre - aber das Geld kann ich gut gebrauchen. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1933 vom 21. 4. 26

Jedes Jahr erscheinen allein in Deutschland mehr als 60.000 neue Bücher. Der Leser hat also die Qual der Wahl. Nur gut, dass die Lektoren der Verlage schon eine Vorauswahl treffen. Denn bei den großen Verlagshäusern gehen täglich 10 bis 30 unverlangt eingesandte Manuskripte ein. Nun mag es sein, dass unter den abgelehnten Manuskripten durchaus einige Meisterwerke der breiten Leserschaft vorenthalten wurden. Weit größer ist jedoch die Zahl angestrebter Veröffentlichungen, die uns zum Glück erspart geblieben sind. Schauen wir heute einmal in die Begleitschreiben, mit denen Möchtegern-Autoren den Druck ihrer Werke schmackhaft machen wollten. Die Auswahl stammt aus dem Buch "Das habe ich im Koma gedichtet" von Rolf Cyriax und Peter Wichmann. 
 
Ein Spätberufener mit dem Vornamen "Jürgen" schrieb: "An einem schönen Sommertag des letzten Jahres faßte ich den Entschluss, all die großen Gedanken in meinem kleinen Kopf in ansprechende, nachdenkliche Geschichten zusammenzufassen und schriftlich festzuhalten. (...) Darf ich Sie um Aufklärung bitten, (...) welche Formulare auszufüllen sind, damit Ihr Verlag meine Texte als Buch veröffentlichen könnte?" Die ungnädigen Lektoren schrieben Jürgen einen kleinen Brief für seinen großen Papierkorb. 
 
Dietmar hingegen versuchte die "Erlauchte(n) Herrschaften des Lektorats" damit zu ködern, dass sein Umzug nach Rom "das Leben in der Ewigen Stadt mich inzwischen zum Dichter geschmiedet" habe. "Ich reihe mich also in die lange Schlange der anderen Poeten deutscher Zunge, die vor den Toren der Literatur sich wartend drängen, um von Ihnen erwählt zu werden, ihre Weihegabe auf dem Altar des deutschen Geisteslebens niederlegen zu dürfen." Die Lektoren waren wegen der erlauchten Anrede zwar euphorisch gestimmt, blieben aber leider unbestechlich und verzichteten auf die Weihegabe. 
 
Auch Goethe reiste nach Rom. Und was war die Folge? Seine Werke werden seitdem permanent aufs Neue gedruckt und gekauft. Da sollte doch eigentlich auch Erich seine Chance bekommen. Er schrieb: "Mein Meister, Johann Wolfgang von Goethe, erkor mich früh zum Schüler sich und mir ward aufgetragen Liebe (Wahrheit) fühlend zu dichten. Oft, wie ich gestehe, ist Gott global..." Da konnte ja nichts schiefgehen, mutmaßte man im Verlagshaus. Aber: "Nur eines machte uns stutzig: Wenn er Gott und Goethe auf seiner Seite weiß, warum bietet er einem Verlag sein Talent zur Förderung an? Gott ist global, unsere Ablehnung war es nicht minder." 
 
Fehlentscheidungen können jedoch fatale Folgen haben. Das wusste auch Max, der große Aufklärer, der schon viele Seiten für das Buch "Sensationelle Enthüllungen" verfasst hatte. "Der Menschheit droht ein Weltprand im Religionenwahn. Die Unruhen werden immer größer und die Abschlachtungen werden beginnen - wie noch nie! Alsdann wird sich die Armada einmischen müssen, was zur Schlacht 'Armagedon' und zur totalen Weltkatastrophe führen wird. (...) Werden Sie willig sein oder die kommende Ruinierung vorziehen?" Der Druck wurde abgelehnt - und prompt ist der Buchumsatz im letzten Jahr um fast drei Prozent gesunken... 
 
Ja, es geht mit der Welt bergab, wohl auch, weil die Lektoren Huberts dringenden Appell einfach ignoriert haben: "Ich habe in einer umfassenden, wissenschaftlichen Arbeit, die seit Urzeiten und auch heute noch bestehenden Fragen und Probleme der Menschheit beantwortet und gelöst. (...) Es ist mir nicht möglich, in diesem gewollt kurzen Brief alle Einzelheiten aufzuführen. Es handelt sich um das wichtigste, bedeutungsvollste Werk, das jemals geschrieben wurde und künftig geschrieben werden kann. Eine möglichst schnelle Publikation ist deshalb erforderlich!" 
 
Zum Haareraufen fanden die Lektoren auch die Postkarte eines 37-jährigen Mannes: "Ich habe seit 20 Jahren mit kreisrundem Haarausfall zu tun. Ich habe heute eine Vollglatze. Stehe aber gerne für Berichte und Buchveröffentlichung mit Foto zur Verfügung." 
 
Zum Glück ist mein Buch "Krauses Zeug" erschienen, ohne dass ich vorher auch nur einen einzigen Bettelbrief schreiben musste. Falls der Verlag Henselowsky & Boschmann jedoch an einem Nachfolgeband interessiert ist, verfasse ich gerne über die letzten drei Jahrzehnte eine Autobiografie mit dem Titel "Mein radikahles Leben". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1932 vom 20. 4. 26

In der "Woche des Buches" soll es heute um ihre wohl persönlichste Form gehen, das Tagebuch. Führt Ihr eins? Oder hattet Ihr eines in Eurer Jugend und lest heute ab und zu die Eintragungen nach, mal amüsiert, mal peinlich berührt? Auf jeden Fall ist so ein Tagebuch eine authentische Quelle, um Gedanken und Gefühle aus längst vergangenen Zeiten wieder ins Gedächtnis zu rufen. 
 
Seit der Antike haben immer wieder prominente Geistesgrößen ihre Erlebnisse und Eindrücke auf diese Weise festgehalten. Und wenn die Aufzeichnungen den Zahn der Zeit unversehrt überstanden, stießen sie in der Nachwelt oft auf großes Interesse. Aus privaten Tagebüchern wurden dann vielgelesene Bestseller. Oft bestehen die Eintragungen nur aus Stichwörtern oder kurzen Notizen. Manchen Tagebüchern merkt man aber auch an, dass sie bereits mit dem Gedanken an eine posthume Veröffentlichung geschrieben worden sind, um künftigen Generationen ein Bild der eigenen Größe zu hinterlassen. 
 
Zu den bekanntesten Tagebuchschreibern gehören Johann Wolfgang von Goethe, Franz Kafka und Thomas Mann. Die Lektüre vermittelt mitunter Einblicke in ihr literarisches Werk, durchleuchtet aber auch die manchmal schwierigen Charaktere der Autoren. Im besten Fall sind Tagebücher Zeitzeugnisse erster Güte, weil sie die Besonderheiten des Lebens in einem ganz bestimmten Moment auf den Punkt bringen und eindrücklich das Schicksal der Opfer von Krieg und Gewalt oder des Nazi-Terrors sichtbar machen. Nicht von ungefähr ist das "Tagebuch der Anne Frank" das berühmteste, durch ihre Ausführlichkeit sind die täglichen Aufzeichnungen Victor Klemperers eine ideale Ergänzung. Wie groß jedoch das Interesse der Öffentlichkeit an den Memoiren der Verursacher des Grauens ist, beweist der Skandal um die gefälschten Hitlertagebücher. 
 
Ein deutscher Schriftsteller, der sich eigenen und fremden Tagebüchern intensiv beschäftigt hat, ist Walter Kempowski. Schon seine autobiografischen Romane ("Tadellöser & Wolf", "Uns geht's ja noch gold" etc.) waren große Publikumserfolge. Kempowskis Hauptwerk jedoch ist "Das Echolot", in dem er Schnippsel aus Briefen und Tagebüchern ganz verschiedener Menschen zu einem Mosaik zusammenfügt, das den Zeitgeist einer Epoche widerspiegelt. Wer hingegen etwas über den schrulligen Autor selbst erfahren will, dem sei "Somnia" empfohlen, Kempowskis Tagebuch aus dem bundesdeutschen Alltag der späten 2000er Jahre. 
 
Rainer Moritz schreibt dazu: "Er (Kempowski) fertigt Politiker wie Engholm, Süssmuth oder Lafontaine ab, schmäht Kollegen wie Frisch oder Böll, erregt sich über das Comeback einer Schlagersängerin und notiert, wie selbst seine Familie mit ihm zu kämpfen hat: 'Renate (seine Tochter) hat gesagt, dass sie sich kaum einen sonderbareren Vater vorstellen kann als mich'." Mitunter spielen auch Fauna und Flora eine Rolle: "Kuh jagt vor meinem Fenster ein Huhn. Meine Sympathien liegen auf Seiten der Kuh. Was für ein gewaltiges Gedärm müssen sie dauernd mit sich herumtragen." 
 
Wie hält man es mit einem derart kauzigen und anstrengenden Gatten aus? Immerhin würdigt Walter Kempowski am 20. April seine unerschrockene Ehefrau Hildegard: "Heute sind wir 35 Jahre verheiratet. Das große Glück meines Lebens." 
Was ihn aber nicht abhält, die Gute im Regen stehen zu lassen: "Gestern Nacht überschüttete sich Hildegard im Garten mit Regenwasser. Ich wusste das nicht und schloss die Außentüren ab." Nicht überliefert ist, wann es Frau Kempowski gelang, wieder Einlass ins Haus zu finden. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Mein Tagebuch ist in gewisser Weise die Schmunzelpost. Heute kann ich zufrieden eintragen: Das Kapitel über Tagebücher mit einer schönen Schlusspointe beendet. 
 

Schmunzelpost 1931 vom 19. 4. 26

Der heutige Beitrag zur "Woche des Buches" ist einer speziellen Sparte gewidmet, die sich in den letzten Jahrzehnten ihren festen Platz auf dem Buchmarkt erobert hat. Es gibt inzwischen kaum noch ein Problem, für dessen Lösung nicht schon ein spezielles Ratgeber-Buch erschienen ist. Ich persönlich rate vom Erwerb ab. Allerdings habe ich auch lediglich ein einziges Exemplar dieses Genres erstanden: "Internet für Dummies". Entweder war ich dafür nicht dumm genug oder die Lektüre bot keine wesentlichen neuen Erkenntnisse, jedenfalls hat sie mich kein Stück weiter gebracht.

 

Aber das muss nichts heißen. Schließlich gibt es Fachbücher zu ganz speziellen Themen, die Interessierten womöglich doch auf die Sprünge helfen können. Und vermutlich gilt die Binsenweisheit: Unter der Riesenmenge derartiger Bücher gibt es wahrscheinlich einige, die wirklich zu empfehlen sind, andere, die zumindest einige nützliche Informationen enthalten und schließlich eine ganze Menge, die lediglich einem Zweck dienen: Verlagen und Autoren die Taschen zu füllen.

 

Was aber ist ein Ratgeber-Buch? Streng genommen gehört der Bestseller Nummer eins der christlich orientierten Leserschaft auch dazu. Nicht zuletzt mit den zehn Geboten ist die Bibel ein wichtiger Ratgeber für gläubige Menschen. Sie soll den Weg ebnen, damit nach all dem irdischen Jammer wenigstens unsere unsterbliche Seele auf der Gewinnerseite landet. Allerdings ist die Bibel mitunter widersprüchlich. Zwischen "Auge um Auge, Zahn um Zahn" aus dem Alten Testament und "Wenn Dir jemand auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch die linke hin" aus dem Neuen Testament, sehe ich eine gewisse Gegensätzlichkeit. Doch jeder mag selbst für sich beurteilen, ob die Heilige Schrift die Grundsätze des Glaubens festlegt oder eher ein frommes Märchenbuch für Erwachsene ist. 

 

Mir geht es hier ohnehin um die Ratgeber, die sich mit eher weltlichen Dingen befassen Zwar spielt da der Glaube des Lesers oft auch eine große Rolle (Homöopathie etc.), aber die meisten Autoren erheben den Anspruch, durch Fakten und rationales Denken auf ihre Verhaltensempfehlungen gekommen zu sein. Sollten diese jedoch stets zutreffen, dann wären wir alle längst schlank, kerngesund, erfolgreich, reich und glücklich. Da stimmt was nicht, oder? Besonders augenfällig ist das bei Ratgebern wie "Mit wenig Geld zum Millionär" oder "Der sichere Weg zum Lotto-Hauptgewinn". Wenn ihre Rezepte garantiert funktionieren würden, hätten sich die Autoren dann die Mühe gemacht, für ein paar Euro Honorar solche Bücher zu schreiben?

 

Meine Buchtipps sind also sämtlich ohne Gewähr und orientieren sich sowieso an der Skurrilität ihrer Titel. Wen die Frage brennend interessiert, ob man durch Schneckenstreicheln die Fähigkeit erlangen kann, Gedanken zu lesen, der sollte in jedem Fall zu "Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln" von Werner Gruber greifen, einem Ratgeber-Buch, das dem Leser nichtwissenschaftliche Erkenntnisse madig macht. Ich habe es vor Jahren gelesen und sogar bereits in einer frühen Schmunzelpost empfohlen.

 

Ebenfalls "Jane Austens Ratgeber für moderne Lebenskrisen" von Rebecca Smith klingt verlockend. Auch wenn das Buch vielleicht weniger die krisengeplagte Frau von heute glücklich macht als die Fans der berühmten britischen Autorin. "Wie man mit einem Schokoriegel die Lichtgeschwindigkeit misst und andere nützliche Experimente für den Hausgebrauch" von Mike O'Hare ist dagegen eher die richtige Lektüre für Wissenschafts-Freaks. Obwohl ich nicht dazu gehöre, reizt mich "Das Universum ist eine Scheissgegend" von Heinz Oberhummer. Der Autor verfügt über einen sehr speziellen schrägen Humor!

 

Zum Schluss noch ein letztes Ratgeber-Buch. Aus Gründen der Selbsterhaltung werde ich "Woran erkennst du, dass deine Katze deinen Tod plant" auf meine Einkaufsliste setzen.

 

Glückauf

kdk 

Schmunzelpost 1930 vom 18. 4. 26

Der Literaturtipp des Tages für den 18. April lautet "April" von Christine Busta. Das Gedicht erschien bereits 1958 in dem Lyrik-Band "Die Scheune der Vögel". "Die Wienerin Christina Busta (1915 - 1987) braucht nicht mehr als vier Verse, um ein Wechselbad der Gefühle auszudrücken. Vier Verse, die von einem umfassenden Reim gehalten werden, weil hier das Umfasste zusammengehört, wie Regen und Sonne im April: Während der Regen noch 'seine flüchtigen Zeichen' malt, spielt der Monat schon mit der Sonne, die bald ins Zimmer steigt." 
 
Diese Empfehlung stammt von Rainer Moritz aus seinem Band "Das Jahr in Büchern", in dem 366 Literaturtipps für jeden Tag enthalten sind und das nun meine persönliche Empfehlung am dritten Tag meiner "Woche des Buches" ist. Moritz hat eine bunte Auswahl mit leichter und schwerer Kost zusammen gestellt. Neben Romanen, Sachbüchern und sogar Comics ist immer wieder auch Poesie vertreten. 
 
So ging es beispielsweise am 7. April um die Nöte eines Lampenputzers. "Der Revoluzzer" von Erich Mühsam gehört auch zu meinen Lieblingsgedichten. Darin wird auf heitere Weise klargemacht, warum wir Deutsche niemals eine echte Revolution hinbekommen haben. Trotz allem Sehnen nach einer humanen und gerechten Gesellschaft scheitert dies spätestens dann, wenn uns unsere Ethik und die Treue zu alten Gewohnheiten in die Quere kommen - was hoffentlich die Furcht vor dem Blutvergießen einschließ. 
 
Denn nachdem unser Rebell zunächst wild entschlossen aufbegehrte und schrie: "Ich revolüzze! Und die Revoluzzermütze schob er auf das linke Ohr, kam sich höchst gefährlich vor", ging ihm ein Licht über die Konsequenzen auf, als den Bürgern die nächtliche Beleuchtung geraubt werden sollte: "Lasst die Lampen stehn, ich bitt! Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!" Immerhin warf er jedoch nach diesem ernüchternden Erlebnis die Flinte nicht vollends ins Korn: "Dann ist er zuhaus geblieben und hat dort ein Buch geschrieben: Nämlich, wie man revoluzzt und dabei doch Lampen putzt." 
 
Gute Gedichte lesen und genießen ist eine Sache, selbst Gedichte verfassen eine ganz andere. Wie man scheitern kann, zeigt mein Stegreif-Versuch: 
 
Missglückter Limerick 
 
Einem lausigen Dichter aus Dorsten, 
dem sträub'n sich beim Reimen die Borsten. 
Denn ein Echo zum Reim 
das fiel ihm nicht eim; 
voll Scham sucht er Schutz in den Forsten.  
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1929 vom 17. 4. 26 

Für meinen zweiten Beitrag zur "Woche des Buches" setzen wir uns gemeinsam vor den Fernseher. Denn dort läuft montags bis freitags ab 18 Uhr das Wissensquiz "Wer weiß denn sowas?" Und das ist immer wieder aufs Neue eine Freude und eine Bereicherung für alle Freunde des abseitigen Wissens. Was das mit Bücher zu tun hat? Gemach, gemach. Aus dem Riesenfundus der Fragen und Antworten wurden bereits viele in acht Paperback-Bänden veröffentlicht. Den achten Band, das große Jubiläumsbuch, habe ich erst jetzt aufgeschlagen. Und bin so angetan, dass ich die erste Frage gleich an Euch weiterreiche - es war auch die allererste Frage, die 2015 in der Sendung "Wer weiß denn sowas?" gestellt wurde. 
 
Sie lautet: "Die finnische Maßeinheit 'Poronkusema' misst, wie...  a) ... lange ein Rentier laufen kann, ohne Wasser zu lassen? b) ... viel Wodka man trinken kann, ohne betrunken zu werden? oder c) ... wie lange man in der Sauna schwitzen kann, ohne auszutrocknen?" Das ist eine Frage, über die ich sehr lange nachdenken kann, wenn ich mich nicht mit herkömmlichem Kinderkram wie "Was ist der Sinn des Lebens?" oder Scherzfragen wie "Was kann man tun, um aus Trump einen rational handelnden und nachdenklichen Menschen zu machen?" beschäftige. Zudem hat die Frage auch noch mit meinem Lieblingsvolk, den glücklichen Finnen, zu tun. Was will der Rätselfreund mehr? 
 
Jetzt habt Ihr Zeit genug zum Nachdenken gehabt. Ich gebe zu, es ist nicht leicht, auf die richtige Antwort zu kommen. Ich habe beispielsweise die Antwort c favorisiert, weil die Finnen ausgewiesene Sauna-Experten sind. Aber in der Geschichte ihres Landes spielen schon lange Rentiere eine noch größere Rolle. Auch heute gibt es dort neben 5,6 Millionen menschlichen Einwohnern immer noch 200.000 Rentiere. Deshalb ist die Antwort a die korrekte Lösung. Denn das Wort Poronkusema setzt sich aus "Poron" für Rentier und aus "kusema" für urinieren zusammen. 
 
Die Erklärung ist einleuchtend. Das Volk der Samen verfügt schon ewig über Rentiere, aber erst seit kurzem über technische Hilfsmittel. Deshalb konnten sie auf ihren Rentier-Schlitten zunächst schwer einschätzen, welche Distanz sie bereits zurückgelegt hatten. Zum Glück waren die Samen aufmerksame Beobachter. So stellten sie fest, dass Rentiere regelmäßig einen Stopp einlegen müssen, um zu pinkeln. Für Rentiere gilt wie für Menschen: Im Laufen klappt das nicht. So nutzten die Finnen die Pinkelpausen als Längenmaß: Ein Poronkusema beträgt genau 7,5 Kilometer. Jetzt wisst Ihr für Euren nächsten Ausflug mit einem Rentierschlitten Bescheid! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wer mault, dass ihm derartiges Wissen nicht weiterhilft, für den füge ich noch die Antwort auf die zweite Frage des Jubiläumsbuches hinzu. Sie ist zumindest für Kaffeetrinker hochinteressant. Denn Kaffee hilft uns morgens am besten auf die Sprünge, wenn wir die erste Tasse erst zwei Stunden nach dem Aufstehen trinken. Nachdem wir aus dem Bett gefallen sind, schüttet unser Körper sofort das Stresshormon Cortisol aus. Bereits nach einer halben Stunde ist es wirksam, der Höhepunkt ist nach einer Stunde erreicht. Wer in den ersten anderthalb Stunden Kaffee trinkt, wird daher seinen Grad an Wachheit nicht steigern. Aber wenn dann der Cortisol-Spiegel sinkt, kann das Koffein seine Wirkung voll entfalten. Das gilt übrigens auch für Teetrinker! 
 
PPS. Ich habe lange nicht mehr über die Bahn gemeckert. Nun ist es wieder an der Zeit. Gestern beschlossen wir, uns den Frühling im Rombergpark anzuschauen. Obwohl er in Nordlüdenscheid liegt, gehört er zu den schönsten Parkanlagen in NRW. Außerdem ist er von Dorsten aus mit dem ÖPNV gut zu erreichen. Die Emschertalbahn bringt uns zum Hauptbahnhof, danach steigen wir in eine U-Bahn um und landen direkt am Park-Eingang. Gestern belehrte uns ein Blick ins Internet: "Wegen bahntechnischer Probleme endet der RE 43 heute in D.-Marten." Aber das mache nicht viel aus, weil man in Herne in den RE 32 umsteigen könne. Wir taten, wie uns geheißen. Doch in Herne hieß es: "Wegen technischer Probleme fällt der RE 32 heute aus!" Na gut, macht ja nichts, stattdessen konnte uns ja die S-Bahn zum Hauptbahnhof D. bringen. Sie hatte zwar eine Viertelstunde Verspätung, aber das kann kummergewohnte Bahnfahrer schon lange nicht mehr erschüttern. Als die S-Bahn eintraf, wart als Ziel noch der Hauptbahnhof angegeben. Doch während der Fahrt änderte sich das plötzlich: "Die S2 endet heute wegen Störungen der Signalanlage in D.-Mengede." Dort ausgestiegen hörten wir als erste Lautsprecherdurchsage, dass auch der nächste Zug zum Hauptbahnhof ausfiel. Da hatte ich die Faxen dick: Statt im Rombergpark haben wir uns in Mengede umgeschaut, wo wir zu meinen Studentenzeiten anfang der 1980er Jahre ein paar Jahre gewohnt haben. Schöner ist der Ortsteil inzwischen nicht geworden. Aber was will man in Nordlüdenscheid schon erwarten! 
 
PPPS. Ich überlege immer noch, was dieses rätselhafte "D" vor Marten und Mengede und nach Hauptbahnhof wohl bedeuten mag. 

Schmunzelpost 1928 vom 16. 4. 26 

Vor dem weltweiten Feiertag - der 23. April ist der "Tag des Buches" - eröffne ich heute schon meine "Woche des Buches". Ideale Einstimmung dafür war am Dienstagabend der "Bücherfrühling" im Dorstener Baumhaus. Ob "Bücherfrühling" oder "Bücherherbst", der Veranstaltungsbesuch lohnt sich immer! Dieses Mal fand ich das Gastspiel von Eva Paulus besonders beeindruckend. Die Leiterin der Theatergruppe "Die Funken" empfahl dabei wärmstens die Lektüre des Buches "Cum/Ex, Milliarden und Moral". Autorin ist die langjährige Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker die darin nicht nur das gigantische Ausmaß des Steuerbetrugs aufzeigt, sondern auch für einen verstärkten Kampf gegen Wirtschaftskriminalität eintritt. 
 
So weit, so gut. Die Ansicht teile ich. Aber den Weg, wie Eva Paulus ein wenig dazu beitragen will, das Buch bekannter zu machen und damit auch dafür zu sorgen, dass die Empörung über derlei Praktiken zunimmt, finde ich so gut, dass ich bedauerte, nicht längst selbst auf diese Idee gekommen zu sein. Eva Paulus schickte zwei Exemplare des Buches auf eine Reise, die sich an das Kettenbrief-Prinzip anlehnt. Sie verschenkte die Bücher mit der Auflage, dass die Empfänger den Band nach der Lektüre weitergeben, mit dem Hinweis, die Wanderschaft möge sich auf diese Weise möglichst lange fortsetzen, um viele Leser schlauer zu machen. (Eine Verdopplung wie beim Kettenbrief, das ist nun mein zusätzlicher Tipp, funktioniert nur dann, wenn jeder Leser ebenfalls noch ein zweites Buch kauft und auf die gleiche Weise in Umlauf bringt. Das glättet dann auch die Sorgenfalten jeder Buchhändlerin, die beim Gedanken an lauter kostenlosen Lesestoff um ihre Umsätze fürchtet.) 
 
Der Gedanke, mit solchen Geschenken nicht nur Informationen zu verbreiten, sondern auch Leute für das Lesen von Büchern zu begeistern, ist universell einsetzbar. Ich habe mir daher vorgenommen, ab sofort ein zweites Exemplar von Büchern, die mir ausnehmend gut gefallen, an Freunde und Bekannte weiter zu geben. Entweder an solche, von denen ich weiß, dass sie mit mir auf einer Wellenlänge liegen oder an andere, bei denen durch das Studium des Inhalts vielleicht ein Licht aufgeht. Eva Paulus regt übrigens an, dass sich die Leser jeweils vorn im Buch verewigen, so dass nach und nach hoffentlich eine möglichst langer "Lektüre-Stammbaum" entsteht. 
 
Einen Auftaktband für meinen persönlichen Buch-Kreuzzug habe ich bereits auserkoren. Es handelt sich um den Gedichtband "Liebe in Lokalen", von dem hier bereits einmal die Rede war. Die Poesie von Christian Maintz ist so witzig, dass daran garantiert viele andere humoraffine Menschen ihren Spaß haben werden. Als Appetitanreger füge ich die Folge eins der "Gespräche mit Goethe" an: 
 
Schiller sprach, er finde Kant 
fulminant und sehr prägnant. 
Goethe dachte lange nach 
und versetzte endlich: "Ach!" 
Lessing, meinte Schiller jetzt, 
sei doch ziemlich überschätzt. 
Goethe griff zum Glas Bordeaux, 
trank und brummte dann: "Soso!" 
Schlegel, tat nun Schiller kund, 
sei ein rechter Schweinehund. 
Goethe nahm noch einen Schluck, 
dann bemerkte er: "Na guck!" 
Lenz, so Schiller, sei passe´, 
Goethe gab zurück: "Ach nee!" 
Hölderlin sei leider halt, 
ätzte Schiller, durchgeknallt. 
Goethe sagte nichts, stattdessen 
hat er eine Wurst gegessen. 
Kleist, rief Schiller, sei der Größte. 
Goethe, der inzwischen döste 
wachte auf und sprach: "Na fein!" 
Hierauf schlief er wieder ein. 
 
Eines noch: Nicht, dass Ihr Euch jetzt zurücklehnt und wartet, bis mein Geschenkband bei Euch ankommt: Man kann sich dieses Buch auch selber kaufen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zu meiner Freude bin ich nicht der einzige, der gegen die Regel "No jokes with names" verstößt (SP 1927). Andreas schrieb dazu: "Meine eigene Lieblings-Überschrift hat die Regel auch verletzt. Es ging um Fußballer Fatih. Er, der einmal das Siegtor für Rot-Weiß Deuten schoss: Er war der Fatih des Erfolgs."

Schmunzelpost 1927 vom 15. 4. 26

Jedem Anfang wohnt ein Ende inne? Manchmal ist ein Ende auch das Ende vom Anfang. Und nach Anfang wird mit Ende ein neuer Anfang gewagt. "Was ist das denn für ein Anfang?", fragen sich jetzt die Fußballbanausen unter Euch, "hat das endlich mal ein Ende?" Ich helfe Euch gern auf die Sprünge. Beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf ist am Wochenende der Trainer Markus Anfang durch Alexander Ende ersetzt worden. So eine Vorlage lassen sich zu Wortspielereien neigende Fußballfreunde nur ungern entgehen. 
 
Dabei sind Kalauer mit Namen eigentlich verpönt. "No jokes with names" heißt das ungeschriebene Gesetz. Warum eigentlich? Für Scherze mit Namen gilt meines Erachtens das Gleiche wie bei jedem anderen Witz. Es gibt plumpe und peinliche, manche sind einfach nur doof. Andererseits können sie auch treffend und lustig sein. Woher also stammt diese Regel? Ich forschte nach und erfuhr: Die Nazis haben sie uns eingebrockt. Der Spiegel schrieb dazu: "Nach der unsäglichen Verballhornung jüdischer Namen im antisemitischen 'Stürmer' und in anderen Nazi-Blättern galt der angloamerikanische Benimm-Kodex sechs Jahrzehnte lang auch in der Bundesrepublik, sowohl im Parlament wie in der Presse." 
 
Allerdings hielten sich im Bundestag nicht alle daran. Es gab immer wieder Abgeordnete, die sich verbale Ausreißer gönnten und dafür Rügen der Bundestagspräsidenten in Kauf nahmen. Berühmtestes Beispiel ist der langjährige SPD-Fraktionschef Herbert Wehner. Den CDU-Mann Jürgen Wohlrabe verhöhnte er als "Übelkrähe", dessen Parteifreund Jürgen Todenhöfer nannte er "Hodentöter". Das war unfein, aber ich kann mir auch heute ein Grinsen nicht verkneifen. 
 
Jedenfalls war es nur eine Frage der Zeit, bis die "Bildzeitung" und andere Boulevard-Blätter jede Zurückhaltung ablegten. Ausgangspunkt war Anfang 2000 die hessische SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti, die wahlweise als "Lügilanti", "Tricksilanti" und "Tschüssilanti" geschmäht wurde. Folgerichtig kam es für ihren Nachfolger als hessischen SPD-Spitzenkandidaten, Thorsten Schäfer-Gümbel, sofort knüppeldick. Zunächst wurde er als "Gümbelanti" veräppelt, dann brachen alle Dämme: Der Politikwissenschaftler wurde als "Schläfer-Simpel" und "Schäfer-Bembel", als "Gimpel", "Pümpel", "Stümpel" und "Dümpel" verunglimpft oder auch ganz ohne Namens-Missbrauch als "unrasierter Waldschrat" beleidigt. Erschwerend kam hinzu, dass der Mann wegen seiner Sehschwäche eine unvorteilhafte Brille tragen musste - aber das ist ein anderes unschönes Kapitel der Pressegeschichte. 
 
Wenden wir uns lieber meinem Spezialgebiet zu, den Vornamen. Dazu hörte ich jetzt ein Gedicht, mit dem Musikkabarettist Bodo Wartke den Zungenbrecher von Fischers Fritze fortgeführt hat. Er setzt heute den Schlusspunkt: 
 
Fischers Fritz fischt frische Fische.
Frische Fische fischt Fischers Fritz.
Jetzt sitzt der Fritz am Küchentische,
wo er den frischen Fisch erhitzt.
Vorm Fenster sitzt 'ne Miezekatze,
die ist auf Fritzens Fische spitz,
sodass sie gewitzt mit ihrer Tatze
Fritz den frischen Fisch stibitzt.
Die Katze ist 'ne räuberische,
Sie schnappt sich den Fisch
und entfleucht aus der Küche.
Fritz ruft: „Ey, wenn ich euch еrwische!
Wo sind meine Räuchеrfische?“
Fischers Fritzens frische Fische
hab'n ihm leider nischt genützt.
Die Katze sitzt verschmitzt bei Tische
und frisst den Fisch mit ihren Kids. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1926 vom 14. 4. 26 

Mehrere Rügen landeten nach der gestrigen Ikea-Schmunzelpost in meinem Email-Fach. Aus Wulfen hieß es, dass dort seit langem vielerlei Ikea-Möbel jedweden Erschütterungen, sei es durch nicht vorhandene Straßenbahnen oder durch den Schwerlastverkehr, unbeeindruckt trotzen und die standfesten Teile selbst nach meiner Schmähkritik nicht zu zittern begannen. Hauptanlass der Beschwerde war aber der unverzeihliche Patzer in einer vorherigen Schmunzelpost: Offenbar fiel niemand sonst auf, dass ich Loriot alias Vicco von Bülow zum "Viktor" gemacht habe. Entsetzt bellt Wim und es trompetet Wum - oder war es etwa andersrum? 
 
Asche über mein Haupt! Doch selbst Fehler-Hasser sind leider nicht unfehlbar. Und Vornamen, lieber Alfred, sind seit vielen Jahren meine Achillesferse. Schon vor 30 Jahren während meiner beruflichen Laufbahn stieß es einem langjährigen Ratsmitglied übel auf, dass ich ihn mehrfach zum Wald- und Heidedichter Hermann Löns ernannt habe. Und nun nach Rhade und zu Dir, lieber Bertram. Du schriebst mir: "Angesichts der Wahl in Ungarn solche 'Schmunzelpost'???" 
 
Dazu möchte ich folgendes sagen: Erstens erfuhr ich erst nach 23 Uhr, dass die Zwei-Drittel-Mehrheit gegen Orban feststand, und da war die Schmunzelpost bereits geschrieben. Zweitens konnte ich anschließend keine neue Fassung mehr verfassen, weil ich zu sehr mit Feiern beschäftigt war. Dazu gab es gleich doppelten Anlass. Denn außer der Orban-Abwahl hatte es an diesem Tag noch ein weiteres welterschütterndes Ereignis gegeben: Schalke hat auswärts beim äußerst heimstarken Aufstiegskonkurrenten Elversberg mit 2:1 gewonnen und seinen Platz an der Tabellenspitze verteidigt. Stark ersatzgeschwächt! Eine Halbzeit lang in Unterzahl! Wegen eines völlig verfehlten Platzverweises, wie bei Betrachtung der Bilder selbst Sportfreunde aus Nord-Lüdenscheid bestätigen werden. Wenn das zusammen mit dem Feldverweis für Orban kein Grund war, nach Mitternacht eine Flasche Wein zu öffnen, weiß ich es auch nicht. 
 
Aber freuen wir uns nicht zu früh und warten ab, was in den nächsten Monaten in Ungarn geschieht. In Polen hat es nach der Wahl von Tusk leider bald wieder Rückschläge gegeben. Außerdem gibt es noch größere Missstände auf der Welt. Erst wenn das Oberekel in den USA seines Amtes enthoben ist und die Kriege im Nahen Osten und vor allem in der Ukraine mit einem dauerhaften Frieden enden, können wir wirklich ein Fass aufmachen. Und falls Schalke 04 nicht nur wieder in die Erste Liga aufsteigt, sondern in der Folge auch noch deutscher Fußballmeister wird, dann gebe ich im Bürgerbahnhof für alle einen aus. Versprochen! 
 
Doch nebenbei noch etwas in eigener Sache. Ich beschäftige mich in der Schmunzelpost immer mal wieder mit Politik und wichtigen Geschehnissen auf unserem Globus. Aber ich bin nicht die aktuelle Speerspitze der Nachrichten- und Meinungsmedien. In erster Linie befasse ich mich mit vermeintlichen Nebensächlichkeiten, um mit einem MIx aus Nonsens und Information Wissen über Randthemen zu verbreiten. Und Nebensachen können durchaus auch Hauptsachen sein. Wie heute, wenn es um das Thema Luft geht. 
 
Dicke Luft? Frische Luft? Heiße Luft? Nein, ganz allgemein unsere Atemluft, ohne die wir komplett aufgeschmissen wären. Wisst Ihr, dass wir täglich rund 20.000 mal ein- und ausatmen, meist ohne es zu merken? Und dass bei einem gesunden Erwachsenen dabei mindestens 10.000 Liter durch die Luftröhre rauschen, die anschließend von unseren 500 Millionen Lungenbläschen verarbeitet werden? 
 
Babys atmen in den ersten Lebensmonaten übrigens fast ausschließlich durch die Nase, weil sie das Atmen durch den Mund erst lernen müssen. Auch für Erwachsene ist dies ratsam, denn in der Nase wird die einströmende Luft durch Schleimhäute und Härchen gereinigt, angefeuchtet und vorgewärmt, bevor sie in das empfindliche Lungengeflecht eintritt. Außerdem kann uns die richtige Atemtechnik nicht nur zu sportlichen Höchstleistungen verhelfen, sondern auch zur Entspannung und zum Stressabbau beitragen. 
 
Eine wichtige Rolle spielt die Luftqualität. Belastungen durch Feinstaub, durch Ozon oder das Dieselabgasgift Stickoxid können zu schlimmen Krankheiten führen. Nicht nur zu Asthma oder COPD, sondern auch zu Herz- und Kreislaufleiden, Diabetes und Krebs. 2022 sollen nach Angaben der Europäischen Umweltagentur allein in Deutschland 70.000 Menschen an den Folgen schlechter Luft gestorben sein. 
 
So, bevor jetzt jemand schnauft: "Halt endlich die Luft an!", beende ich die heutige Folge mit besonderen Grüßen nach Wulfen und Rhade. Dort soll ja gesunde Landluft vorherrschen. Deshalb, lieber Alfons und lieber Bernhard, bevor Ihr Euch wieder über die Schmunzelpost ärgert, atmet erst einmal mehrfach tief durch. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1925 vom 13. 4. 26

Der Bericht über die fünf elegant gekleideten Frauen, die in Portugal großen Aufwand betrieben haben, um aus einer Ikea-Filiale Möbel im Wert von ein paar Tausend Euro zu stehlen (siehe SP 1924), lässt mir keine Ruhe. Was, um Himmelswillen, war das Motiv des Quintetts, eine derart dumme Straftat auszuführen, bei der das Risiko erwischt zu werden um ein Vielfaches größer ist, als sich in einer Parfümerie unbemerkt ein teures Duftwasser in die Tasche zu stecken? Und der Wert der Beute ungleich geringer ist als bei einem dreisten Kunstraub aus einem Museum? Wobei das Modell "Mona LIsa" wenigstens nur ein einziges Mal existiert, das Modell "Greta" dagegen bereits in Abermillionen Wohnungen steht und gegen einen geringen Obulus überall erworben werden kann? 
 
Falls es sich nicht um eine Wette oder eine Mutprobe handelte, gibt es nur eine schlüssige Erklärung: Die Frauen waren bereits übergeschnappt, bevor sie geschnappt wurden. Ich weiß auch, warum. Sie wollten ihren Ehegatten beweisen, dass auch Frauen handwerklich begabt und dazu in der Lage sind, ohne männliche Hilfe nur anhand einer mickrigen Gebrauchsanweisung ein Ikea-Regal aufzubauen. Wer hat das noch nicht erlebt? Wenn nach stundenlanger Arbeit der Erfolg greifbar nahe scheint, stellt man entsetzt fest, dass die entscheidende Schraube fehlt oder man das verdammte Regal seitenverkehrt zusammengepappt hat. War man bereits vorher am Rande des Wahnsinns, so dreht man nun komplett durch. 
 
Wie wahrscheinlich diese Theorie ist, belegt eine kleine Geschichte, die Herbert Zier im Jahr 2002 ins Internet stellte und die ich 2026 ein wenig aufgepeppt habe: 
 
Eine Frau kauft bei Ikea einen Kleiderschrank. Sie schafft das riesige Paket nach Haus und fängt an, die Schrauben, Muttern und weiteres Zubehör zu sortieren. Dann schnappt sie sich die Gebrauchsanweisung und baut den Kleiderschrank Stück für Stück zusammen. Als es ihr gelingt, freut sie sich riesig. Aber just in diesem Moment fährt draußen eine Straßenbahn vorbei, und durch die Erschütterung bricht der Schrank komplett zusammen. 
 
Nachdem sie sich von ihrem Schrecken erholt hat, baut die Frau den Schrank nochmals auf. Schließlich steht er. Wunderbar! Doch dann kommt wieder eine Straßenbahn vorbei. Rumms, der Schrank klappt erneut zusammen. Nach dem dritten Aufbau und nochmaligem von einer Straßenbahn verursachten Einsturz, reißt der Frau der Geduldsfaden. Sie schnappt sich ihr Telefon und ruft bei Ikea an. Zufällig bekommt sie sofort den Verkäufer an die Strippe, der ihr den Schrank empfohlen hatte. Nach einer halben Stunde kann er seine Kundin beruhigen, weil er verspricht, fünf Minuten nach Feierabend vorbei zu kommen und sich selber des Problems anzunehmen. 
 
Vor Ort lässt der Ikea-Profi sich alles genau zeigen und erklären. Dann baut er zügig zusammen mit der Kundin, die schon Übung hat, den Kleiderschrank auf. Der Schrank steht tadellos; ... und dann kommt die Straßenbahn. Rumms, fällt der Schrank erneut zusammen. Der Verkäufer ist fassungslos, das hat er nicht erwartet. Er startet einen neuen Versuch, mit dem gleichen Ergebnis: Kaum rumpelt die Straßenbahn draußen vorbei, da bricht der Schrank wieder zusammen. 
Nun sieht er seine Ehre als Fachmann bedroht, krempelt die Ärmel hoch und baut ein drittes Mal den Schrank auf, wobei er jede einzelne Schraube fest bis zum Anschlag zieht. Als er schweißüberströmt fertig ist, sagt er zur Kundin: "Jetzt will ich vorsichtshalber alles noch einmal von innen überprüfen" und verschwindet im Schrank. 
 
Er ist immer noch mit der gewissenhaften Kontrolle beschäftigt, als der Ehemann der Kundin nach Hause kommt. Die Frau präsentiert ihrem Gatten voller Stolz den neuen Schrank, und der Mann ist regelrecht begeistert sowie voll des Lobes, weil das Möbelstück bereits aufgebaut ist. Doch dann öffnet er die Schranktür, stutzt und fragt entgeistert: "Was machen Sie denn hier?" Darauf antwortet der Verkäufer: "Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber ich warte auf die Straßenbahn." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1924 vom 12. 4. 26

Sprache, Bücher, Skurillitäten und Frauen, dies sind die Themenfelder, die am häufigsten in der Schmunzelpost behandelt werden. Wobei es zwischen den letzten beiden wohl einige Zusammenhänge gibt. Nein, nein, das meine ich nicht wirklich, den Scherz konnte ich mir bloß einfach nicht verkneifen. Über Frauen schreibe ich hauptsächlich aus zwei Gründen: Sie sind für mich bis heute ein rätselhaftes Faszinosum. Und sie sind auch im 21. Jahrhundert noch immer das benachteiligte Geschlecht.
 
Gestern fiel mir auf, dass Frauen auf ganz unterschiedliche Weise das beherrschende Thema auf der Seite "Deutschland und die Welt" in den Ruhr Nachrichten waren. Gleich in drei Berichten spielten sie die Hauptrolle. Fangen wir mit dem tragischen Fall an. Auf den Bahamas steht ein Ehemann unter dem Verdacht, seine Gattin über Bord gestoßen zu haben, um sich ihrer zu entledigen. Okay, solange er nicht rechtskräftig verurteilt ist, muss vom mutmaßlichen Täter gesprochen werden. Gestolpert bin ich über die dpa-Wortwahl. Bei starkem Wind sei die Frau "versehentlich vom Boot gefallen". Versehentlich? Entweder sie wurde gestoßen, ist gesprungen oder ist gestolpert, aber absichtlich dürfte sie kaum ins Wasser gefallen sein. Ich hoffe nur, dass der Beschuldigte nicht bloß deshalb freigesprochen wird, weil er mit allen Wassern gewaschen ist.
 
Bleiben wir im kriminellen Bereich. Es heißt, Männer seien unter den Berufsverbrechern ganz klar in der Überzahl. Auch Morde würden viel häufiger von Männern verübt, und in Gefängniszellen warteten ebenfalls deutlich mehr Männer als Frauen auf ihre Freilassung. Nun will ich keineswegs im Sinne der Gleichberechtigung für eine Frauenquote im Gangsterwesen eintreten. Vielleicht sind Frauen auch bloß erheblich cleverer und lassen sich seltener erwischen als die tumben männlichen Toren. Dagegen jedoch spricht ein aktueller Fall aus Portugal.
 
Erstaunt las ich gestern über einen "filmfreifen Coup" in Porto. Dort sollen "fünf elegant gekleidete Frauen" in einer Ikea-Filiale Möbel im Wert von mehreren tausend Euro entwendet haben. Für diesen fulminanten Beutezug nutzten sie einen Transporter und einen "Luxuswagen". Da tauchen bei mir sofort mehrere Fragezeichen auf. Luxuswagen, elegante Kleidung? Wer nicht auffallen fiel, verhält sich ganz anders. Und sucht sich ein anderes Ziel aus, zum Beispiel ein Juweliergeschäft. Aber so ein Aufwand für Möbel von Ikea???
 
Ich sehe die fünf hinterher über die Aufteilung der Beute streiten: "Ich kriege das Billy-Regal und Du nimmst die Lampe 'Alwina'." Und ich sehe vor meinem geistigen Auge Damen in Stöckelschuhen mit der zentnerschweren Schrankwand "Igor" zum Transporter wanken. Also ehrlich, das Ganze ist so bescheuert, das war entweder ein Zeitvertreib des geistig nicht allzu hoch entwickelten weiblichen Teils des Geissen-Clans oder ein Beitrag für die versteckte Kamera.
 
Kommen wir zum Aufmacher der Zeitungsseite: "Für Frauen verboten". Darin erfahre ich etwas über Orte, die nur von Männern betreten werden dürfen. Zu meiner Überraschung steht dort nichts über Stätten fundamentalischer Muslime. Na ja, Mekka darf auch nicht von männlichen Andersgläubigen besucht werden. Überrascht war ich von den Buddhisten. Deren heilige Tempelanlage in Manderlay steht nur Männern offen. Die können sogar die vier Meter hohe Buddha-Statue mit Blattgold einreiben. Für Frauen aber heißt es: "Wir müssen draußen bleiben". Immerhin dürfen Mädchen und Frauen den Schrein durch die geöffnete Tür aus der Ferne anbeten.
 
Doch sind wir Christen vor solcher Geschlechtertrennung gefeit? Ich will gar nicht erst darauf hinweisen, dass Frauen in der katholischen Kirche der Zugang zu wesentlichen Ämtern nach wie vor verweigert wird. Aber auf dem Berg Athos in Griechenland geht man noch einen Schritt weiter. Ein Besuch der 1400 Mönche bleibt Frauen und Kindern verwehrt. Und jetzt kommt's: Auch weibliche Tiere haben dort nichts zu suchen! Eine Ausnahme, warum auch immer, sind Katzen. Auch bei japanischen heiligen Bergen und Inseln heißt es: Für Frauen verboten! Sowohl im Shinto wie der Bergreligion Shugendo sind sie unerwünscht, weil Frauen durch ihr Menstruations-Blut nunmal generell als unreine Wesen gelten - sogar Kinder und Großmütter.
 
Zurück nach Deutschland. Auch hier dürfen Frauen einen bestimmten Ort nicht betreten, obwohl der alles andere als heilig ist. Zur Herbertstraße auf St. Pauli ist Frauen und Jugendlichen unter 18 Jahren der Zutritt untersagt. Verstöße werden mit Duschbädern aus Wassereimern geahndet. Hier wäre ich dafür, wenn das strikte Frauenverbot auch konsequent auf Dienstleistende angewandt wird, die gegen ihren Willen von Zuhältern zur Prostitution gezwungen werden. 
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1923 vom 11. 4. 26

Noch ist April. Aber der Mai schickt schon seine Boten voraus. Woran merkt Ihr das? Zieht Schuhe und Socken aus und stellt Euch barfuß auf eine Wiese. Spürt Ihr, wie es unter Euren Fußsohlen kribbelt und krabbelt? Das sind die Maikäfer. Sie haben nach jahrelangem unterirdischen Dasein als Engerling die Umwandlung abgeschlossen und warten nun ungeduldig darauf, dass die Kalender umgeblättert werden und der erste Mai zum Vorschein kommt. Dann überwinden sie die letzten Zentimeter bis zur Oberfläche und hoffen darauf, dass sie als erster Maikäfer des Jahres abgelichtet werden und in den Medien groß rauskommen. 
 
Maikäfer sind nämlich eitle Zeitgenossen. Sie verfolgen daher misstrauisch, wie die Menschen derzeit erneut eine Mondlandung vorbereiten. Dann könnte herauskommen, dass es gar nicht einer der ihren war, dem dies lange vor den menschlichen Astronauten als erstem gelungen war. Wie die staunende Welt aus der Dokumentation "Peterchens Mondfahrt" erfuhr, war dies nämlich der Maikäfer Herr Sumsemann, der damals auf dem Trabanten sogar sein sechstes Bein einbüsste. Für die Käfer-Community wäre es unerträglich, falls herauskäme, dass diese Geschichte ebenso erstunken und erlogen ist wie die Tatsachenberichte von Karl May aus dem Wilden Westen und dem Orient. 
 
Daher versuchen Insekten-Sympathisanten nun bereits im Vorfeld, das Interesse der Öffentlichkeit auf andere Dinge zu lenken. Die Epstein-Affäre zeigt, dass dies am besten mit einer Mischung aus Sex und Crime gelingen kann. Also kursieren im Internet in jüngster Zeit hochbrisante, vorgeblich wissenschaftliche Studien über das Paarungsverhalten der Maikäfer. Ich gebe hier Auszüge daraus wieder, weise aber ausdrücklich darauf hin, dass ich wegen der vielen geschwärzten Seiten nicht die Hand für ihre Authentizität ins Feuer legen kann: 
 
Der Maikäfer ist ein überaus putziger Geselle. Sein Körperbau unterscheidet sich nur geringfügig vom Ostafrikanischen Junikäfer, der wie der heimische Maikäfer ein Wiederkäuer ist. Weil ihm jedoch nur wenige Wochen für den Beitrag zur Arterhaltung bleiben, hat der Sex bei ihm Vorrang vor dem Fressen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Das Internet mit seinen Dating-Portalen steht ihm nicht zur Verfügung, auch kein Organ, mit dem er lauthals "Kuckuck!" rufen kann. Außerdem ist unser kleiner Freund bei der Partnersuche auch noch ausgesprochen wählerisch. 
 
So stöbert er in Moosen und Gräsern ewig lange herum, bis er endlich seine Auserwählte gefunden hat. Die muss ganz bestimmten Idealen entsprechen. Bevorzugt werden meist blonde Weibchen, die sich durch ihren wohlgeformten Körper auszeichnen und einen ausgeprägten Sexualtrieb haben. Das Abitur ist nicht so wichtig. 
 
Hat der possierliche kleine Zeitgenosse die potenzielle Mutter seiner Maikäferkälbchen gefunden, stürzt er sich voller Leidenschaft auf sie und zeugt ohne Rücksicht auf Verluste zehn bis siebzehn Nachkommen. Im Zusammenhang mit dem Geschlechtsakt wurden erst in den letzten Jahrzehnten viele Missverständnisse von ernstzunehmenden Insektenforschern aufgeklärt. So behauptete beispielsweise ein gewisser Bernhard Grzimek in seiner Abhandlung von 1967, dass der Maikäfer einen Nackenbiss anwendet, um sein Weibchen gefügig zu machen. Neuere Forschungen haben jedoch ergeben, dass er die Maikäferkuh mit Grasfasern an einen Baum fesselt, was diese mit nur geringem Vergnügen über sich ergehen lässt. 
Hat die Befruchtung stattgefunden (siehe auch: Sonderstudie über das Auftreten von Impotenz bei stressgeplagten Maikäfern), ist das Weibchen in der Regel schwanger. 
 
Die Trächtigkeit des weiblichen Maikäfers dauert 14 Tage und führt zu einer großen Gewichtszunahme. Im Normalfall schwillt die Käferkuh bis auf dreifache Größe an. Am 15. Tag legt das Weibchen seine Jungen dem stolzen Papa ins Nest, wo diese bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres aufgezogen, gehegt und gepflegt werden. Lesen Sie dazu mehr in der Folgestudie "Aufzucht und Pubertät der Maikäfermädchen und -jungen" (mit Taschengeldberechnungstabelle). 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1922 vom 10. 4. 26

Manitu vergisst nicht. Und er verzeiht noch weniger: Jetzt hat er das Bleichgesicht in die ewigen Jagdgründe geholt, das einst aus dem Hinterhalt Winnetous Schwester und seinen Vater abknallte. Gut, es hat etwas gedauert, bis Manitu durchschaute, wer sich damals in der Schurkenrolle als Santer verkleidet hatte, aber nun endlich hat er Mario Adorf das Lebenslicht ausgeblasen. Ein Glück, dass dies erst so spät geschehen ist. Denn Mario Adorf war ein charismatischer Darsteller, der jahrzehntelang in verschiedensten Rollen brillierte. Und wenn man jemand nach den Eindrücken beurteilen kann, den er in Gesprächen vor der Kamera hinterlässt, war Adorf außerdem noch ein sympathischer Zeitgenosse. 
 
Wieder einer weniger, der mich in Film und Fernsehen bis heute begleitet hat. Ich gehöre nicht zu denen, die Autogramme sammeln oder sich Star-Poster an die Wand hängen. Aber es gibt eine Reihe von grandiosen Persönlichkeiten, deren Leinwand-Auftritte in der "Hall of Fame" meines Gedächtnisses Ehrenplätze einnehmen. Dazu zählen Charlie Chaplin und Jacques Tati, zwei großartige Schauspieler und Regisseure, deren Filme viel mehr boten als Slapstick und Komik. Das gilt auch eine Nummer kleiner für Jack Lemmon und Walther Matthau, Oder Humphrey Bogart, James Stewart, Sean Connery und Jack Nicholson, vier unvergessliche Kinogrößen, von denen wenigstens einer noch am Leben ist. 
 
In einer anderen Liga spielen die Monty Python Crew, angeführt von John Cleese, Louis de Funes und Loriot, alias Victor von Bülow. Wenn wir schon erneut in der Abteilung Komik angelangt sind, dann gehören auch nichtmenschliche Helden in meine Galerie. In jungen Jahren hat mich niemand mehr zum Lachen gebracht als Donald Duck, Goofy und Pluto. Und als Gesamtkunstwerk der Zeichentrickfilm "Dschungelbuch". 
 
Selbstverständlich zogen mich auch Schauspielerinnen in ihren Bann. Schwer fasziniert war ich einst von Diana Rigg, die als Emma Peel in "Schirm, Scharm und Melone" gemeinsam mit John Steed der Unterwelt zusetzte. Bis heute begeistern mich Merryl Streep, Emma Thompson und Senta Berger, die bewiesen haben, dass echte Schauspielkunst keine Frage des Alters ist. Übrigens bin ich beim Versuch, mein Gedächtnis aufzufrischen, auf der Online-Seite mit den angeblich 50 schönsten Schauspielerinnen aller Zeiten gelandet. Dort steht Grace Kelly auf Platz eins, die ich zwar aus dem Hitchcock-Krimi "Das Fenster zum Hof" kenne, aber die mir sonst als Fürsten-Gattin hauptsächlich in Wartezimmern beim Durchblättern von Klatschmagazinen begegnet ist. 
 
Glücklicherweise bin ich nicht in der Vergangenheit stecken geblieben. Heute entdecke ich auf dem TV-Bildschirm oder im Kino so viele neue Gesichter, dass für eine Aufzählung meiner Lieblinge eine Schmunzelpost nicht ausreichen würde. Deshalb schließe ich jetzt mit zwei Zitaten von Mario Adorf. Seinen vielleicht bekanntesten Satz hat ihm jedoch jemand anders ins Drehbuch von "Kir Royal" geschrieben: "Ich scheiß' Dich sowas von zu mit meinem Geld, dass Du keine ruhige Minute mehr hast!" Das zweite stammt von ihm selbst und beweist, dass der Mann Humor hatte: "Reden auf Vegetarierbanketten sind erfreulich kurz, weil man Angst hat, dass sonst das Essen verwelkt." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1921 vom 9. 4. 26

Das Sachbuch auf meinem Nachttisch trägt den Titel "Mächte und Throne - eine neue Geschichte des Mittelalters". Eigentlich lese ich Sachbücher vor dem Einschlafen anstelle von Kriminalromanen, um einen erhöhten Puls durch eine spannende Handlung zu vermeiden. Aber bei diesem Sachbuch ging der Schuss nach hinten los: Meine Güte, was wurde damals gemeuchelt und gemordet, gefoltert und getötet!
 
Leider nicht nur in Herrscherkreisen. Wurde in den zahllosen Kriegen eine Stadt erobert, so hatten deren Einwohner noch Glück, wenn die Sieger sich auf Plünderungen und Vergewaltigungen beschränkten. Immer wieder sind ganze Städte dem Erdboden gleich gemacht worden. Und die Bevölkerung wurde entweder versklavt oder umgebracht, weil Machthaber "ein Zeichen setzen" wollten. Welch ein Glück, dass die Regenten im Mittelalter nicht über heutige Waffenarsenale verfügten!
 
Doch die Zeiten haben sich ja zum Glück geändert. Nach 1945 schien sich die Menschheit für kurze Zeit besonnen zu haben. Auf der UNO als Nachfolger des einflusslosen Völkerbundes ruhten große Hoffnungen. Und die modernen Medien machten  die Gräuel des Krieges für alle transparent, es schien, als würden die Völker und ihre Oberhäupter endlich rechtliche und moralische Maßstäbe akzeptieren, gerade in einer globalisierten Welt.
 
Doch die Tünche der Zivilisation ist nur sehr dünn. Auch wenn der ganz große Knall bisher ausblieb, weil von einer völligen atomaren Auslöschung niemand profitiert hätte, wurde rund um den Erdball munter weiter gemordet, was das Zeug hielt. Natürlich nur zu Verteidigungszwecken und aus guten Gründen, wobei ideologische oder wirtschaftliche Interessen selbstverständlich keine Rolle spielten. Wenigstens gab man sich meist große Mühe, die eigentlichen Hintergründe zu vertuschen.
 
Bis er von der Leine gelassen wurde, der größte, beste und klügste aller amerikanischen Präsidenten, dessen Ruhm noch unsere Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-Enkel voller Ehrfurcht verbreiten werden - falls nicht eine fixe Idee der von Gott auserwählten Lichtgestalt die Welt in die Dunkelheit reißt und so die Existenz von Nachkommen verhindert. Wie kann die mächtigste Nation der Welt es dulden, dass ihr Oberhaupt ungestraft drohen darf, eine Zivilisation auszulöschen und ein ganzes Land zurück in die Steinzeit zu bomben? Wieso schreien die sonst so prüden christlichen Fundamentalisten in den USA nicht auf, wenn ihr Chef unflätige Vokabeln gebraucht, für die sie ihre Kinder steinigen würden?
 
Ich verfolge seit Februar mit großem Entsetzen, was der frühere Kolumnisten-Titan Harald Martenstein an Hetze und Unsinn in der Bild-Zeitung veröffentlicht. Aber gestern habe ich seine Mail mit Genugtuung gelesen:
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Dear Mister President,
darf ich bei Ihnen Redenschreiber werden, bitte? Der Trump-Stil ist einzigartig in der Geschichte der Diplomatie. Ich studiere Ihre Redekunst, Sir. Hier meine Arbeitsprobe. Sie treffen also diesen obersten Iraner, zu Friedensverhandlungen, eine Dinner Speech. Was wäre Ihr Einstieg?

„Ich hab’ keine Ahnung, wie du heißt, du schielender Bastard. Ich hoffe, du erstickst an der Vorspeise. Für euch gibt’s pürierte Hundescheiße. Kapituliert, oder ihr werdet zum Nachtisch alle gef****. I will bomb your asses to the Stone Age and grab your mothers by the pussy. Nun aber erst mal: Willkommen in Washington!“ Diese kraftvolle Rede würde den Verlauf des Friedensprozesses ganz sicher beeinflussen.

Nun eine entspanntere Situation, ein Treffen mit den EU-Staatschefs. Das Ende Ihrer Rede:
„Schickes Hemd, Emmanuel, hat dir das deine Mutti gekauft? Sorry, Ihr seid ja verheiratet. Was glotzt Ihr eigentlich alle so blöde? Ich brauche Grönland nach wie vor. Aber zum Tausch kriegt ihr verdammten Finnen, oder seid ihr beknackte Belgier – mein Außenminister prüft das –, zum Tausch kriegt ihr Sylt. Auch eine Insel. Mein deutscher Freund Friedrich stimmt zu. Okay, Fritz, alter Halunke? Wir gehen dann.“

Es ist diese zupackende Art, Mister President, für die Sie in Erinnerung bleiben werden. 

Yours
Harald Martenstein

 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1920 vom 8. 4. 26

Euch ist womöglich schon aufgefallen, dass unsere Sprache mir viel bedeutet. Deshalb wird das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften in letzter Zeit manchmal zur Tortur. Die Zahl der Fehler wächst stetig, selbst in früher so gut wie makellosen Nachrichtenmagazinen wie dem Spiegel. Und ich ärgere mich über jeden Fehler, den ich entdecke, am meisten natürlich über diejenigen, die ich selbst gemacht habe. (Vielleicht ist das der Grund meiner Ablehnung von Facebook, Instagram und X - die Gleichgültigkeit gegenüber Schreibfehlern würde mich fertigmachen.)
 
Ein großes Ärgernis sind aber auch Begriffe, die Sachverhalte verschleiern oder beschönigen sollen. Dazu gehört das fürchterliche Wort "Kollateralschaden". Mir kommen dabei vor allem unbeteiligte Opfer in den Sinn, Menschen, deren Leiden und Sterben hingenommen wird, um "kriegswichtige" Ziele zu erreichen. Wenn bei der tödlichen Attacke auf den Geheimdienstchef im Iran auch die Hausbewohner ums Leben kommen. Wenn bei der Maduro-Entführung aus Venezuela mehr als 20 Menschen sterben müssen, die dabei im Wege waren. Wenn bei der Bombardierung von vermeintlichen Hamas-Verstecken Tausende ausradiert werden und Hunderttausende aus ihren zerstörten Häusern fliehen müssen.
 
Die Nazis waren seinerzeit wahre Weltmeister im Erfinden solcher Euphemismen, schließlich hatten sie auch besonders viel zu vertuschen. Aber auch nach 1945 starben solche Wörter nicht aus, im Gegenteil, es kamen dauernd neue hinzu. Freisetzung für Entlassung, Entsorgungspark für Abfalldeponie, Kundeninformation für Reklame, Spezialoperation für Angriffskrieg - es nimmt einfach kein Ende. Ich spreche mich keineswegs frei, denn ich würde mich als Mann in den besten Jahren mit hoher Stirn und stattlicher Figur beschreiben.
 
Selbst an sich positive Begriffe müssen mittlerweile neu gedeutet werden. Unter einer Reform verstand ich eigentlich eine Verbesserung, Erneuerung und Vereinfachung. Heute gehen in meinem Kopf die Alarmlampen an, wenn von einer Reform die Rede ist: Fast immer zielt sie auf Einsparungen, Personal- und Leistungsabbau hin und führt zu Verschlechterungen. Aber auch, wenn eine Vereinfachung beabsichtigt ist, muss das nichts Gutes sein. Im Internet habe ich einen Stufenplan zur geplanten nächsten Rechtschreibreform gefunden.
 
Erster Schritt
Wegfall der Großschreibung, einer sofortigen einführung steht nichts im wege, zumal schon viele grafiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen sind.
zweiter schritt
wegfall der dehnungen und schärfungen, dise masname eliminirt schon di gröste felerursache in der grundschule, den sin oder unsin unserer konsonantenverdoplung hat onehin nimand kapirt.
driter schrit
v und ph werden durch f ersetzt, z und sch durch s. das alfabet wird um swei buchstaben redusirt, sreibmasinen fereinfachen sich, wertfole arbeitskräfte könen der wirtsaft sugefürt werden.
firter srit
q, c und ch werden durch k ersetst, j und y durch i, pf durch f. ietst sind son seks bukstaben ausgesaltet, di sulseit kan sofort fon neun auf swei iare ferkürtst werden. anstat aktsig prosent rektsreibunterikt könen nütslikere fäker wi fisik, kemi, reknen mer geflegt werden.
fünfter srit
wegfal von ä, ö, und ü seiken, ales uberflusige ist ausgemerst, di ortografi wider slikt und einfak. naturlik benotigt es einige seit, bis dise vereinfakung uberal riktik ferdaut ist, fileikt satsungsweise ein bis swei iare, anslisend durfte als nakstes sil di vereinfakung der nok swirigeren und unsinigeren gramatik anfisirt werden.

glukauf
kdk

Schmunzelpost 1919 vom 7. 4. 26

Erinnert Ihr Euch noch an Karl-Heinz Köpcke? Mit diesem Mann bin ich aufgewachsen. Denn schon als Kind hatte die Tagesschau einen festen Platz in meinem Leben. Auch wenn ich für die nachfolgenden Sendungen noch zu klein war - in jungen Jahren, als es nur ein einziges Fernsehprogramm gab, ging ich wohlinformiert zu Bett. Das Nachrichten-Angebot hat sich inzwischen beträchtlich erweitert. Aber es vergeht nur ganz selten ein Tag, an dem ich nicht die Tagesschau gesehen habe, mittlerweile meist in der Mediathek. 
 
Das hat weniger mit Gewohnheit als mit einem über lange Zeit bestätigten Grundvertrauen zu tun. Nirgendwo sonst, so meine Überzeugung, sind die Chancen so groß halbwegs objektiv über aktuelle Ereignisse informiert zu werden, als in den Nachrichten unserer öffentlich-rechtlichen Sender. Deshalb war ich verdutzt und verärgert über den ausführlichen Bericht zum Auftakt der Tagesschau am Ostersonntag: Der amerikanische Pilot eines abgeschossenen Flugzeugs war von US-Truppen lebend aus der iranischen Einöde geborgen worden. 
 
Nun gönne ich zwar dem Soldaten, dass er den Absturz überlebt hat und verstehe, dass sich seine Angehörigen und Landsleute sehr über seine Rettung freuen. Aber ist mir entgangen, dass wir über Nacht zum 51. Bundesstaat der USA geworden sind? Hat Trump sich statt Grönland Deutschland einverleibt? In geheimen Verhandlungen seines Sonderbeauftragten Witkoff und seines Schwiegersohnes mit der Bundesregierung? Wie sonst könnte so eine Meldung an diesem Tag zum Aufmacher der angesehensten deutschen Nachrichtensendung werden? 
 
Es handelt sich um einen Krieg, den die USA und Israel vom Zaun gebrochen haben und den die Europäische Union ablehnt. Es geht um einen von unzähligen Soldaten, die täglich in den gegenwärtigen mörderischen Kampfhandlungen ihr Leben aufs Spiel setzen. Das Schicksal der ukrainischen Soldaten, die ihr Land verteidigen und der russischen Rekruten, die gegen ihren Willen an der Front verheizt werden, berührt mich weit mehr. Ganz zu schweigen von den hilflosen zivilen Opfern der Luftangriffe in der Ukraine, im Gaza-Streifen, im Libanon und auch in den arabischen Ländern oder Israel. 
 
Ganz nach vorne gehört hätte die Rede des Papstes, der seinen Ostersegen erteilte. Ich werde zwar erst zum Freund des Papsttums, wenn die Katholiken ihre erste Päpstin an die Spitze ihrer kirchlichen Hierarchie stellen, aber Papst Leo hat die richtigen Worte gefunden: Die Welt braucht Frieden und Machthaber, die nicht durch Gewalt, sondern mit Diplomatie ihre Konflikte lösen. 
 
Ich hoffe mal, dass eine derart falsche Gewichtung der Tagesschau-Redaktion ein Ausrutscher bleibt. Da sind mir andere Pannen und Lachanfälle von Susanne Daubner lieber. Oder die versehentlich per Laufband eingeblendete Eilmeldung aus dem April 2024: Es wird wieder kälter --- Der Frühling macht in Hamburg Pause --- Weitere Berichte in Kürze. Stattdessen erfolgte umgehend die Erklärung: "Wir hatten in der Redaktion vom Team bei tagesschau.de eine Schulung. Uns ist im System ein Fehler passiert und dabei ist eine Eilmeldung verschickt worden. Wir bitten um Entschuldigung." Die Überschrift dazu lautete: "Ups, aber die Meldung stimmt." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1918 vom 6. 4. 26

Gestern gab es an dieser Stelle wichtige Tipps für Frauen. Im Zuge der Gleichbehandlung meiner Leserschaft folgen heute Ratschläge für Männer. Ich habe sie auf der Internet-Seite von "Adam" gefunden, dem psychologischen Fachmagazin für ein friedliches Zusammenleben von Frauen und Männern. 
 
Immer wieder kommt es vor, dass Frauen uns ein Gespräch aufzwingen wollen, vor allem dann, wenn wir gerade gemütlich von Schalke 04 träumen. Ausgerechnet dann erwischen sie uns auf dem falschen Fuß und stellen gern Fragen, auf die eine aufrichtige Antwort uns in Teufels Küche bringt. Die gefährlichsten Fragen lauten:  1. An was denkst Du gerade? 2. Liebst Du mich? 3. Findest Du, dass ich dick bin? 4. Findest Du sie hübscher als mich? 5. Was würdest Du tun, wenn ich sterbe? 
 
Gehen wir diese schweren Prüfungen mal der Reihe nach durch. Auf die Frage "Woran denkst Du gerade?" wären die folgenden ehrlichen Antworten fatal: a) "An Fußball." b) "Wie dick Du bist." c) "Wieviel hübscher die andere doch ist." d) "Wofür ich das Geld Deiner Lebensversicherung ausgeben würde, wenn Du stirbst." Auch die schlagfertige Antwort, die Al Bundy einst seiner Frau Peg gab, könnte eine heftige Reaktion provozieren: "Wenn ich Dich wissen lassen wollte, was ich denke, würde ich's Dir sagen." Bloß nicht! Die einzige korrekte Antwort lautet: "Entschuldige, Schatz, wenn ich unaufmerksam war. Ich dachte nur gerade, was für eine wunderbare, warmherzige, intelligente und schöne Frau Du bist und was für ein Glück ich habe, mit Dir zusammen sein zu dürfen." 
 
Kommen wir zur Frage aller Fragen: "Liebst Du mich?" Folgende Antworten bergen beträchtliche Explosionsgefahr: a) "Ich glaube schon." b) "Würdest Du dich besser fühlen, wenn ich JA sage?" c) "Kommt drauf an, was Du mit 'Liebe' meinst." d) "Sprichst Du mit mir?" Die korrekte Antwort lautet natürlich: "JA!" Oder, falls Ihr gerade in Schwatzlaune seid: "Ja, Schatz!" 
 
Auch mit der Antwort auf die Frage: "Findest Du, dass ich dick bin?", betreten wir vermintes Gelände. Auf keinen Fall solltest Du sagen: a) "Ich würde nicht 'dick' sagen, aber richtig dünn bist Du auch nicht." b) "Die paar Extra-Kilos stehen Dir gut." c) "Ich hab' schon Dickere gesehen." d) "Könntest Du die Frage wiederholen? Ich dachte gerade darüber nach, wofür ich das Geld aus Deiner Lebensversicherung ausgeben würde, wenn Du an Fettleibigkeit stirbst." Die richtige Antwort lautet: "Natürlich nicht." Ihr steigert die Wirkung, wenn Ihr mit empörten Unterton hinzufügt: "Wie kannst Du nur so eine abwegige Frage stellen?" 
 
Genauso solltest Du auch reagieren, wenn sie Dich fragt: "Findest Du, sie ist hübscher als ich?" Verpönt sind Antworten wie: a) "Ja, aber Du hast einen besseren Charakter." b) "Nicht hübscher, aber auf jeden Fall dünner." c) "Nicht so hübsch wie Du, als Du in ihrem Alter warst." d) "Was meinst Du mit 'hübsch'?" Kommen wir zum Schluss und zur hinterhältigen Frage: "Was würdest Du tun, wenn ich sterbe?" Die ehrliche Antwort: "Ich würde mir mit dem Geld aus Deiner Lebensversicherung und Deiner hübschen Nachfolgerin ein schönes Leben machen", ist selbstverständlich tabu. Stattdessen solltest Du sagen: "Ich kann mir ein Leben ohne Dich überhaupt nicht vorstellen und wünsche mir, vor Dir zu sterben." Den Zusatz: "Danach kannst Du Dir mit dem Geld aus meiner Lebensversicherung einen würdigen Nachfolger suchen und einen schönen Lebensabend verbringen", solltest Du Dir jedoch verkneifen. 
 
Mit Blick auf den heutigen Feiertag fällt mir noch eine passende Antwort ein: "Ich würde an Deinem Grab am Ostermontag auf Deine Auferstehung warten, mein Engel!" 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1917 vom 5. 4. 26

Alle Männer haben Fehler. Ich muss das wissen, ich bin schließlich selber einer. Auch ich kann eine beträchtliche Mängelliste vorweisen, die verrate ich Euch aber vorsichtshalber nicht. Außerdem weiß ich, dass einige Geschlechtsgenossen noch weitaus übler sind als ich. Allein, was ich in jüngster Zeit darüber gelesen habe, welch psychische und physische Gewalt manche von uns gegen Frauen anwenden, finde ich sehr schlimm und strafwürdig. Unter solchen Umständen ist es bewundernswert, wenn Frauen es überhaupt noch wagen, sich einen Mann zuzulegen. 
 
Für alle, die derzeit überlegen, sich trotz aller Risiken und Widrigkeiten einen Mann anzuschaffen oder den bisherigen Versager durch ein besseres Modell zu ersetzen, hat "Emmely", das Fachmagazin für artgerechte Männerhaltung, im Internet eine Liste mit Ratschlägen veröffentlicht, die unbedingt bei der Männerwahl berücksichtigt werden sollten. 
 
1. Anschaffung: Nehmen Sie sich genügend Zeit zur Auswahl Ihres Mannes und überzeugen Sie sich vorher selbst von seinen Fähigkeiten. Tragen Sie bitte nicht dazu bei, dass die Zahl der Männer, die später wieder ausgesetzt oder eingeschläfert werden, noch weiter ansteigt.
 
2. Ernährung: Wie der Mensch ist auch der Mann ein Allesfresser. Man sollte ihm neben Dosenfutter also auch ab und zu frisches Gemüse und Obst gönnen. Vorsicht jedoch vor Blähungen und Überfütterung! Wenn er zu fett ist, wird er unbeweglich und kann nicht mehr so schnell arbeiten.
 
3. Unterbringung: Man sollte einen Mann nicht den ganzen Tag über einsperren, da er sonst depressiv wird, das Fressen  verweigert und bald eingeht. Wer einen eigenen Garten besitzt, sollte ihn möglichst einmal täglich ins Freie lassen, wo er etwas Auslauf hat und seine Geschäfte verrichten kann. Als Schlafstätte empfiehlt sich eine warme, trockene Ecke, in der etwas Heu ausgelegt sein sollte.
 
4. Pflege: Mindestens einmal im Monat sollte man ihn mit lauwarmen Wasser abwaschen und auf Ungeziefer untersuchen.
 
5. Fortpflanzung: Bei jüngeren Männer dauert die Brunftzeit in der Regel zwölf Monate im Jahr. Entsprechend verhalten sie sich. In den meisten Fällen empfiehlt sich daher eine Kastration.
 
Hmm, wenn man es gründlich bedenkt, ist die Männerhaltung recht aufwendig. Vielleicht ist es doch besser, sich stattdessen für Hühner zu entscheiden. Das ist vor allem Ostern von Vorteil, gerade wie jetzt in Zeiten, in denen Eier knapp und teuer sind.
 
Glückauf und frohe Ostern!
kdk

Schmunzelpost 1916 vom 4. 4. 26

Weil Mücken in der gestrigen Schmunzelpost eine wichtige Rolle spielten, kam mir ein Ereignis wieder in den Sinn, für dessen mediale Aufbereitung die Redewendung "aus einer Mücke einen Elefanten machen" wirklich stichhaltig ist. Da hat ein Wolf die Frechheit besessen, in Hamburg eine Frau zu beissen. Das sorgte überall für Schlagzeilen, sogar der altehrwürdigen ARD-Tagesschau war es einen Bericht wert. Wasser auf die Mühlen derjenigen, die ohnehin bejubeln, dass Wölfe bei uns nun abgeschossen werden dürfen. Und die behaupten, dass Wölfe nicht nur für Schafe, sondern auch für Menschen eine große Gefahr sind. 
 
Was aber war passiert? Ein junger Wolf hat sich auf Reviersuche in die Großstadt verirrt. Nachdem er lange vergeblich versuchte, wieder herauszufinden, war das verstörte Tier in einer Sackgasse gelandet, wo ihm Glastüren den Weg ins Freie versperrten. Und als eine mutige Frau sich ihm näherte, mit der ehrenwerten Absicht, ihm aus der Falle zu helfen, fühlte er sich angegriffen und biss zu. Eine Killer-Attacke sieht anders aus. Der erschöpfte Wolf musste später aus der Alster geborgen werden, die leichtverletzte Frau hat das Krankenhaus schon wieder verlassen. 
 
Das, bitteschön, war ein unglücklicher Zufall und alles andere als ein Beweis dafür, dass Wölfe Menschen nach dem Leben trachten. Wie oft sind hierzulande schon Menschen von Hunden gebissen worden, manchmal mit weit schlimmeren Folgen? Fordert deshalb irgendjemand ernsthaft, dass alle Hunde mit einer lichten Höhe von mehr als 30 cm abgeschafft werden müssen, weil sie eine potenzielle Bedrohung sind? Auch unser Kater ist ein Raubtier, das sich gelegentlich vergisst, mit ausgefahrenen Krallen nach seinem Besitzer schlägt und sogar in Notwehr zubeissen würde. Und ein Katzenbiss kann böse Folgen haben, weil dabei Krankheitserreger übertragen werden. Ich sage daher, dass auch in Zukunft bei uns erheblich mehr Menschen durch Hunde und Katzen zu Schaden kommen, als durch Wölfe. 
 
Doch Fakten können nicht gegen Gefühle anstinken. Und Gruselgeschichten ziehen immer. Ich rechne fest damit, dass im Netz bald neue Horror-Geschichten millionenfach aufgerufen werden. Etwa eine "Studie" leidenschaftlicher Jäger, die den neuen, alten Konkurrenten wieder loswerden wollen. Sie verbreiten daher, dass Wölfe sich bei uns in 20 Jahren derart vermehrt haben, dass die Rotwildbestände weitgehend ausgerottet sind und hungrige Rudel im Winter Dörfer und Vorständte terrorisieren. Und in 50 Jahren gehört ihnen schon die City von Wolfsburg! 
 
Viel wahrscheinlicher ist für mich jedoch eine andere Gefahr. Durch beeindruckende Dokumentarfilme im Kino haben wir bereits gelernt, was für eine Katastrophe uns droht, wenn sich Menschen durch eine Pandemie in Zombies verwandeln. Weit fataler ist aber der Plan, der im Weißen Haus geschmiedet wird. Mit Hilfe der Tech-Milliardäre sollen in geheimen Labors unzählige Klone des klügsten, schönsten und besten Menschen gezüchtet werden, der jemals gelebt hat. So sichert man ihm die Unsterblichkeit. Und nicht nur das. Allmählich ersetzen dann die Trump-Ableger sämtliche Führungspersonen und bescheren ihren willigen Sklaven eine goldene Zukunft. Heute gehört ihnen Amerika, morgen die ganze Welt! 
 
Wenn ich es mir recht überlege: Dann hätte ich doch lieber die Variante mit den Wolfsrudeln. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1915 vom 3. 4. 26

Protestanten sagt man nach, dass sie es in der Regel mit kirchlichen Ritualen und Bräuchen nicht so genau nehmen wie Katholiken. Karfreitag war eine Ausnahme. Während katholische Bauern ihre Felder pflügten, begingen strenggläubige Protestanten still ihren höchsten kirchlichen Feiertag. Ich bin in einer evangelischen Familie aufgewachsen, und meine Mutter nahm kirchliche Vorschriften, die über die zehn Gebote hinausgingen, eigentlich nicht allzu ernst. Aber am Karfreitag konnte sie rabiat werden: "Du isst heute kein bisschen Wurst oder Fleisch, sonst stechen Dich das ganze Jahr die Mücken!" 
 
Dieses Verbot aus dem Grenzbereich zwischen Glauben und Aberglauben machte einen heranwachsenden Knaben neugierig. Also probierte ich es aus, mopste mir einen Wurstzipfel aus dem Kühlschrank und ließ ihn mir schmecken. Offenbar haben die Mückenbeauftragten bei meiner Überwachung gepennt, ich wurde danach nicht häufiger gestochen als im Sommer davor. Und diese Erkenntnis führte dazu, dass ich fortan auch unbekümmert unter Leitern hindurch ging und mich von dem ganzen abergläubischen Schnickschnack nicht beeindrucken ließ. 
 
Dabei kenne ich mittlerweile eine Menge ansonsten durchaus rational denkende Menschen, die den faulen Zauber für bare Münze nehmen und unsinnige Regeln stur befolgen. Es gibt weltweit eine ganze Menge davon. In Japan glauben viele Leute, dass es Unglück bringt, wenn man zweimal hintereinander niesen muss. Da ist es besser, noch einen dritten Nieser hinterher zu schieben - dann verliebt sich nämlich jemand in Dich! In Russland heißt es, das Pfeifen in Innenräumen bringe Pech und ruiniere die Finanzen des Haushalts. Deshalb hat noch niemand Putin im Kreml pfeifen hören. 
 
Die Franzosen sind überzeugt, dass es Unglück bringt, wenn man ein Brot falsch herum auf den Tisch legt. Das liegt wohl daran, dass im Mittelalter Bäcker das für Henker reservierte Brot umgedreht ablegten. Leider können wir die Deliquenten nicht mehr befragen, ob ihnen das tatsächlich Pech gebracht hat. Heute noch ist es in Ägypten verpönt, angesichts eines Babys sein Entzücken auszudrücken. Wer es gut mit dem Kind meint, der ruft: "Ui, ist der Kleine häßlich!" Damit soll verhindert werden, den Neid böser Mächte zu wecken und so den Säugling zu gefährden. 
 
Hütet Euch, in Südkorea den Namen eines Lebenden mit roter Tinte zu schreiben! Das gilt dort als Todesomen. Denn im Buddhismus ist diese Farbe den Namen der Verstorbenen im Totenregister vorbehalten. Warum Südkoreaner glauben, sie könnten sterben, wenn nachts in ihren Schlafzimmern ein Ventilator läuft, kann ich aber nicht beantworten. Das Problem wird jedoch mit Zeitschaltuhren gelöst. Tja, in Asien lauern anscheinend überall im Alltag böse Geister. In Vietnam sind sie vermutlich geschminkt. Denn niemals wird eine Vietnamesin vergessen, sich vor dem zu Bett gehen abzuschminken - sonst könnten die Dämonen sie für eine von ihresgleichen halten! 
 
Kein Aberglaube, sondern Fakt ist diese Maßregel: Zu Ostern (und am besten auch sonst nicht) darf man auf keinen Fall schlecht über eine Schmunzelpost reden. Denn sonst regnen faule Eier auf Dich herab! Und frag nicht, was die Mücken im Sommer mit Dir anstellen. . . 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1914 vom 2. 4. 26

Na, habt Ihr gestern jemand einen Bären aufgebunden? Wenn ich Euch frage, woher solche Redewendungen kommen, dann antwortet Ihr vielleicht: "Weiß der Geier?" oder "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts!" Doch dafür habt Ihr ja mich: Ich werde heute Euer Wissen über die Herkunft bekannter Redewendungen vermehren.
 
Da der Osterhase vor der Tür steht, fangen wir mit ihm an. Der gängige Spruch erweckt den Eindruck, er sei ein dümmlicher Geselle. In Wahrheit hat er es hingekriegt, dass die Hühner die Eier produzieren und er zu Ostern den Ruhm erntet. Der berühmte Satz hat jedoch nichts mit ihm zu tun. Angeblich wurde 1843 ein Jurastudent angeklagt, einem Kommilitonen Fluchthilfe geleistet zu haben. Doch in der Gerichtsverhandlung sagte Viktor von Hase nur: "Mein Name ist Hase; ich verneine die Gegenfragen; ich weiß von nichts." Ich wiederum weiß nicht, ob er damit durchkam. Seine verkürzte Aussage wurde jedenfalls zum geflügelten Wort.
 
Im Gegensatz zum Hasen hatte der Geier bei uns stets einen schlechten Ruf. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass er sich von Aas ernährt. Diese Nähe zum Tod führte womöglich dazu, ihn als Inkarnation des Teufels zu sehen. Denn die Verwünschung "hol Dich der Geier" führt auf direktem Weg in die Hölle. Und offenbar hat der Teufel dort unten eine wohlsortierte Bibliothek, wenn zutrifft, was er alles wissen soll, auch unter dem Geier-Pseudonym.
 
Teuflisch ist der Versuch, eine Untat jemand anders in die Schuhe zu schieben. Früher gingen Diebe gern nachts in Herbergen auf Beutezug und bedienten sich aus dem Gepäck der Reisenden. Damit ihnen jedoch bis zum Aufbruch am nächsten Morgen niemand etwas nachweisen konnte, versteckten sie das Diebesgut in den Schuhen anderer Gäste. So gerieten mitunter Unschuldige in schwere Bedrängnis.
 
Falls Euch die Schmunzelpost nicht gefällt, müsst Ihr kein Blatt vor den Mund nehmen, Ihr dürft mir das ungestraft mitteilen. Das war früher anders. Wenn einst Schauspieler auf der Bühne standen und heikle Dinge aussprechen mussten, hielten sie sich tatsächlich ein Blatt vor den Mund. So machten sie deutlich, dass sie lediglich sagten, was ihre Rolle vorschrieb und sie dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden wollten.
 
Na, da staunt Ihr Bauklötze, was ich alles weiß. Aber ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken: Die Erklärungen stammen aus Bernd Bruckers Buch "Was weiß der Geier?", das mir im Bücherschrank in die Hände fiel. Dadurch weiß ich auch, dass es sich um Berliner Bauklötze handelt. Denn wenn dort jemand mit offenem Mund einer schönen Frau hinterher staunte, dann hieß es, er würde "Jlotzoogen machen". Vermengt mit den fränkischen "Klozzern" wurde aus dem "Jlotz" schließlich ein Bauklotz.
 
Mit derlei Infos habe ich Euch hoffentlich keinen Bärendienst erwiesen. Denn diese Redewendung geht auf die Fabel "Der Bär und der Gartenfreund" zurück, die für den Betroffenen gar nicht gut ausgeht. Darin erschlägt ein Bär die Fliege, die sich auf der Nase seines Kumpels niedergelassen hat, mit einem Stein. Die Aktion war gut gemeint und auch erfolgreich. Die Fliege war tot - aber der Gartenfreund leider auch.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1913 vom 1. 4. 26

Heute haben wir den 1. April. Keine Sorge, ich werde nicht versuchen, Euch hinters Licht zu führen. Da es die Schmunzelpost schon ein paar Jahre gibt, habe ich passend zum Datum bereits mehrfach über Aprilscherze geschrieben. Aber da Ihr es ja gewohnt seid, an dieser Stelle sonst stets seriös über alle denkbaren wissenschaftlichen Bereiche informiert und mit stinktrockenen Fakten überhäuft zu werden, gönne ich es mir, am "Fool's Day" (so wird der erste April im englischsprachigen Raum genannt) einmal hemmungslos albern zu sein und puren Nonsens zu verbreiten. 
 
Wir haben uns schon oft mit der Sprache beschäftigt. Heute soll es um Wörter gehen, die etwas anderes bedeuten, als man vielleicht beim ersten Lesen vermutet. Beginnen wir mit einer Vokabel aus dem Italienischen. Habt Ihr Euch gemerkt, wie jenseits der Alpen ein Schnellkochtopf bezeichnet wird? Kleine Eselsbrücke: Es klingt nach einem italienischen Freiheitskämpfer. Ja, richtig, ich wusste, auf Euch ist Verlass: Garibaldi! 
 
Jetzt wechseln wir zur Geografie. Hier ist zu beklagen, dass die Namen von Hauptstädten häufig missverstanden werden, weil sie eigentlich einen ganz anderen Sinn haben. In Finnland ist das noch nachvollziehbar. Denn wer mitdenkt, wird sofort merken, dass Helsinki auch das finnische Wort für Sonnenuntergang ist. Etwas Überlegung braucht man für das nächste Beispiel. Die Schlaumeier unter Euch werden womöglich sagen, dass die Hauptstadt von Serbien Belgrad heißt, weil das aus dem Griechischen abgeleitet ist und ursprünglich "weiße Stadt" bedeutet. Ich aber sage Euch: Belgrad ist ein Fachbegriff und bezeichnet die Lärmskalawerte von Hunden! 
 
Es soll auch Leute geben, die glauben, Budapest sei die Hauptstadt von Ungarn. Das ist prinzipiell richtig, aber vor allem, weil die eigentliche Bedeutung unter aktiver Mithilfe des Patriarchats in Vergessenheit geraten ist. Wenn nämlich früher eine Frau die Wohnung eines Junggesellen betrat, dann rümpfte sie unwillkürlich die Nase und stöhnte: "Budapest!" Was soviel heißt wie: "Diese Bude muss dringend gelüftet werden!" Weiter nach Istanbul. Wenn ich das sage, meine ich die größte Stadt der Türkei. Anders ein Bayer. Er meint mit "Istanbul": "Da steht ein Polizist!" 
 
Überhaupt haben unsere süddeutschen Landsleute die Sprache wesentlich bereichert. Wir Preußen wähnen uns in Nordamerika, wenn ein Bayer feststellt, dass niemand zuhause ist: "Kanada!" Medizinische Vokabeln aus Deutschland haben einen Weg nach Asien gefunden. Der Terminus für die krankhafte Arbeitswut eines Bäckers wird in Indien für gesegnete, verehrungswürdige Menschen verwendet und lautet Bhagwan. 
 
Zum Schluss noch ein Abstecher in den Orient. Wenn dort jemand auf mich zeigt und ausruft: "Mannwadamahaada!", dann ist das der arabische Ausdruck für Kahlkopf. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1912 vom 31. 3. 26

Von meinen regelmäßigen Ausmist-Aktionen am Bücherschrank habe ich hier bereits berichtet. Auch gestern entfernte ich wieder einige zerlesene Heftchen. Als ich mir dann kurz danach eine Zeitung kaufte, war ich überrascht, aus welch einem breiten Angebot  die Kundschaft auch heute noch wählen kann - es gibt offenbar viel mehr Sparten und Varianten als zu der Zeit, in der ich zur Leserschaft dieser sogenannten Schundlektüre gehörte. 
 
Ja, ich gestehe, ich habe einst Unmengen dieser Heftchen verschlungen. Das begann im Alter von acht oder neun Jahren. Die Kinderbuchregale in unserer Bücherei hatte ich von hinten nach vorne und von vorne nach hinten schon lange durch. Da kam es mir als kleinem Karl-May-Freund entgegen, dass meine Mutter neben Liebesromanzen (gähn) auch bergeweise Wildwest-Schmöker anschleppte. Da der Comic-Lektüre durch ein viel zu knappes Taschengeld enge Grenzen gesetzt waren und ich keinen John-Wayne-Film im Fernsehen ausließ, zogen mich die Revolverhelden, Sheriffs und Texas-Ranger auf überschaubaren 60 Seiten in ihren Bann. 
 
Bei Verwandten und Freunden merkte ich rasch, dass dieser Markt viel größer war. Den "Frauenkram" ließ ich links liegen, aber zur Not durfte es auch ein Krimi sein. Allerdings nicht Jerry Cotton, sondern Kommissar X. Und auch die Landser-Heftchen meines Onkels fand ich damals spannend. Doch nach dem Start des Raumschiffs Orion im Fernsehen, rückte ein neues Genre in den Vordergrund: Zukunftsromane! Die Comic-Serie "Nick, der Raumfahrer" hatte mich bereits auf die "Terra-" und "Utopia"-Hefte vorbereitet. Doch die wurden schnell abgelöst von den Serienhelden Ren Dhark, Rex Corda und vor allem Perry Rhodan. Dem "Erben des Universums" blieb ich  lange treu, bis ich mit sechzehn Jahren mehr und mehr zu Science-Fiction-Taschenbüchern wechselte und langsam lernte, zwischen ins Weltall verlegter Baller-Fast-Food-Ware und anspruchsvolleren Utopien zu unterscheiden. 
 
Wie ich jetzt im Kiosk sah, kämpft Perry Rhodan immer noch gegen bösartige Super-Intelligenzen. Mit fast 4000 Bänden und zig-Neuauflagen haben sich die Abenteuer des unsterblichen Terraners zur langlebigesten und erfolgreichsten SF-Serie der Welt gemausert. Aber seine größten Feinde sind offenbar derzeit die zahlreichen Bergdoktoren und Ärzte, hinter deren Fülle er fast verschwand. Da gibt es nicht nur den "Bergarzt", sondern auch "Dr. Berg". Vor allem aber Dr. Norden (zusätzlich "Der junge Norden - zum Arzt berufen"),  Arztfamilie Dr. Daniel und Notarzt Dr. Winter. Und Dr. Laurin wurde nicht unsichtbar, wie sein Name verhieß, sondern machte Karriere. Er firmiert jetzt als "Chefarzt Dr. Laurin". Als Landarzt praktiziert dagegen Dr. Karsten Fabian. 
 
Noch vielfältiger ist anscheinend das Angebot an Liebes- und Heimatromanen. Fantasy- und Horrorserien setzen wohl den klassischen Zukunftsromanen stark zu, denn Geisterjäger John Sinclair hat bei seinem fortdauernden Kampf gegen Vampire und Dämonen allerlei gespenstische Konkurrenz. Westernserien sind stark rückläufig, einzig "Lassiter" muss noch dauernd seinen Colt ziehen. Bei den Krimis hält Jerry Cotton unverdrossen die Stellung. Er ermittelt bereits seit 1954 und denkt anscheinend überhaupt nicht daran, in Rente zu gehen. Dagegen wurde die kriegsverherrlichende Landser-Reihe 2013 eingestellt. Die Lücke in der Militär-Front versucht "Legion" zu füllen, eine Serie über die französisches Fremdenlegion. 
 
Kann man alle Bedürfnisse von Freunden der Trivialliteratur unter einen Hut bringen? Ich habe es mal versucht: 
Eben noch hatte der verarmte Landgraf Balthasar von Greifenstein oben auf dem Gipfel seiner geliebten Julia tief in die Augen geschaut, nachdem er ihr zuvor zeigte, wo sich hoch über dem Dorf sein letzter Gutshof an den bewaldeten Hang schmiegte. Nur die Sterne schauten zu, als Balthasar sich über die vor Erregung bebende junge Frau beugte. Doch statt sie endlich zu küssen, sank er mit einem Röcheln zu Boden. 
 
Die entsetzte Julia reagierte sofort und rief unverzüglich Bergarzt Dr. Süden an. "Ich alarmiere auf der Stelle Notarzt Dr. Winter, er wird Euch mit einem Helikopter der Bergwacht zur Hilfe eilen. Und ich verständige Chefarzt Dr. Laurin, damit der alles für eine Herzoperation vorbereitet." Das aber schlug fehl. Detektiv Jerry Cotton war Dr. Laurin auf die Schliche gekommen, weil der in seiner Privatklinik einen schwunghaften Handel mit Anabolika, Botox und Kokain trieb. Bevor Laurin sich mit Hilfe seines Leibwächters Lassiter unsichtbar machen konnte, stoppte sie der Zuruf: "Stehenbleiben oder ich schieße!" Jerry Cotton hatte seinen alten Freund Paul Panzer um Hilfe gebeten. Und der ehemalige Landser mit besten Kontakten zur NATO bewaffnete sich umgehend in einer nahegelegenen Kaserne, um die Flucht des Verbrechers zu verhindern. 
 
Lassiter spuckte den Grashalm aus, an dem er schon viel zu lang herumkaute und stellte sich dem Widersacher entgegen. "Well, you bloody Kraut, Du willst es nichts anders - zieh!" Doch so schnell der Revolverheld auch seinen Colt aus dem Halfter zog, Paul war schneller. Er hatte sich aus der Kaserne einen Leopard 2 ausgeliehen und drückte nun auf den "Feuer"-Knopf. Was er nicht berücksichtigt hatte: Es war ein Panzer der deutschen Bundeswehr. Statt einer Granate stoben Seifenblasen aus dem Kanonenrohr. 
 
"Dann eben Plan B", murmelte Dr. Laurin. Im Nebenberuf hatte er sich zum Vampir weitergebildet, verwandelte sich flugs in eine Fledermaus und flatterte zum Gipfel, wo die Krankenschwester Julia, die er seit langem heiß, aber vergeblich begehrte, flehentlich auf Hilfe wartete. Doch Laurin kam zu spät. Balthasar atmete nicht mehr. "Ruhe in Frieden", flüsterte der Arzt und zog Julia tröstend an seine Brust. Aber in dem Moment raschelte es, und unter den entsetzten Blicken des Paares fiel die sterbliche Hülle des Landgrafen ab. Heraus schlüpfte E.T., der sich an Dr. Laurin wandte: "Darf ich mal Dein Handy benutzen?" Eilig tippte er eine ellenlange Nummer ein und sprach dann Worte, die zum Teil in die Filmgeschichte eingegangen sind: "Holt mich endlich von diesem Scheißplaneten ab! Wohin ich will? Nach Hause!" 
 
Na bitte, geht doch! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1911 vom 30. 3. 26

Die Osterferien haben begonnen, die Feiertage rücken näher. Deshalb kam mir jetzt eine Geschichte mit zwei Kapiteln in den Sinn, die mir in jungen Jahren widerfuhr. Sie handelt von unheimlichen Begegnungen der dritten Art. Wollte ich ihr eine Überschrift geben, so würde sie "Krauses Himmelfahrt" lauten. 
 
Ich ging noch zur Schule und war an einem Ferientag nachmittags allein zuhaus, als es an der Tür klingelte. Draußen standen zwei ältere Damen und begehrten Einlass. Mein Einwand, dass meine Eltern erst am Abend zurück seien, schreckte sie nicht ab. "Das macht nichts, dann unterhalten wir uns mit Dir. Wir haben auch spannenden Lesestoff für Dich mitgebracht." Damit hatten sie eine neugierige Leseratte wie mich am Haken. Ich bat sie herein und öffnete damit zwei Stunden Tür und Tor, die fast so unangenehm waren wie ein Zahnarztbesuch. 
 
Als sie den "Wachtturm" hervorkramten, schwante mir bereits Böses. Aber es war zu spät, ich saß in der Falle. Von meinen Eltern bin ich so erzogen worden, dass ich Erwachsene nicht unterbrechen durfte und vor allem älteren Damen niemals widersprechen sollte. Und diese beiden legten umgehend mit ihrem Missionierungsversuch los. Dabei wechselten sie sich in ihrem Redefluss so geschickt und nahtlos ab, dass ich keinen Fuss in die Tür bekam. Ewige 120 Minuten vergingen, in denen ich außer einem gelegentlichen "Äh...", "Ja, aber..." oder "so, so" nichts zum Gespräch beitragen konnte. Erst als ich feierlich versicherte, in den Ferien sechs "Wachtturm"-Ausgaben aufmerksam zu studieren und über den Inhalt nachzudenken, brachen sie endlich auf. Nicht ohne zu drohen: "Wir kommen wieder!" 
 
Das hatte zur Folge, dass ich jahrelang vorsichtig zur Tür schlich und durch den Spion spähte, wenn jemand klingelte. Meiner Mutter nötigte ich das Versprechen ab, mich notfalls zu verleugnen. Und auf der Straße wechselte ich sofort die Seite, sobald ich von weitem einen Stand der Zeugen Jehovas sah. Diese Strategie hat sich zum Glück bewährt, und langsam vergaß ich den Vorfall wieder. 
 
Jahre später verdiente ich mir als Student etwas als Saisonkraft bei der Sparkasse Ostholstein hinzu. Ein Brückenwochenende an Himmelfahrt wollte ich zu einem viertägigen Heimaturlaub nutzen. Vor der Autobahnauffahrt stand eine Anhalterin, die ein Schild mit der Aufschrift "Münster" empor hielt. Da mein Autoradio defekt war und ich dachte, dass im Gespräch die lange Fahrzeit schneller vergehen würde, hielt ich an, um die vermeintliche Studentin mitzunehmen. Als sie sich auf den Beifahrersitz schwang, bemerkte ich, dass die Frau aus der Nähe deutlich älter wirkte als vorher vermutet. Und wie sich schnell herausstellte, studierte sie nicht etwa Germanistik oder Pharmazie, sondern das Wort Gottes. 
 
Meine verzweifelten Bemühungen, die Unterhaltung auf interessante Themenfelder wie Fußball, Weltgeschehen oder wenigstens das Wetter zu lenken, schlugen allesamt fehl. Strahlend bat sie mich: "Gestatten Sie mir, die Seele eines netten Menschen zu retten: Ich möchte, dass Sie in den Himmel kommen!" Stattdessen wurde es eine Fahrt durch die Hölle. Meine Wortkargheit entschuldigte ich mit dem Hinweis, ich müsse mich auf den Verkehr konzentrieren. Das störte sie nicht im geringsten, denn so wurde ihr Redeschwall bis Münster nicht unterbrochen. Selten habe ich ein Ausfahrtschild so herbeigesehnt, wie an jenem Tag. 
 
Dieses einschneidende Erlebnis führte zu einem Doppelbeschluss. Nie wieder würde ich eine Anhalterin mitnehmen. Und am nächsten Werktag ließ ich unverzüglich mein Autoradio reparieren. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1910 vom 29. 3. 26

Vor ein paar Tagen las ich in der Zeitung die Meldung, dass in England eine heiße Diskussion entbrannt ist. Jedoch nicht darüber, ob man den Brexit rückgängig machen sollte, sondern über die Frage, ob man nackt saunieren darf. Die Briten haben nämlich vor einiger Zeit das gemeinsame Schwitzen wieder entdeckt, und in den letzten Jahren hat sich die Zahl der öffentlichen Saunabetriebe verdreifacht. Doch die Saunagänger hüllen sich zumeist in Handtücher oder Bademäntel, so dass eine weitgereiste Britin spöttisch fragte, ob ihre spröden Landsleute nach dem schnellsten Weg ins Koma suchen. 
 
Es ist lange her, dass ich zuletzt in der Sauna war. Als Student nutzte ich gern einen gegenüber meiner Wohnung liegenden Betrieb, der nachmittags sehr wenig Eintrittsgeld verlangte. Später saunierte ich nach dem Squash, um das Schwitzen auf die Spitze zu treiben. Damals war ich jung und knackig und hatte keine Hemmungen, mich nackt zu zeigen, geschweige denn, anderen Nackten zu begegnen. Heute bin ich alt, und nur meine Knochen sind noch knackig. Aber es ist nicht die Textilfreiheit, die mich vom Saunabesuch abhält, sondern mein Kreislauf. 
 
Doch die prüden Engländer brachten mich dazu, mich mit dem Schwitzbad zu befassen. So erfuhr ich, dass es nur in Deutschland, Österreich, Belgien und Holland üblich ist, hüllenlos zu saunieren. Ein Handtuch ist zwar Pflicht, aber als Unterlage. In Finnland und Schweden nutzt man die Sauna ebenfalls nackt, allerdings nach Geschlechtern getrennt. Das gilt nur für Familien nicht. Auch in Russland schwitzen Männern und Frauen in getrennten Saunen textilfrei, in Gemeinschaftssaunen hüllen sie sich jedoch meist in Handtücher. Touristen sollten aufpassen: Wo in Russland "Sauna" dransteht, kann sich dahinter ein erotisches Lokal verbergen. 
 
Auch in Japan gilt die Geschlechtertrennung für die unbekleideten Sauna-Besucher. Das gilt im Norden Japans jedoch nicht für die Makakken, die in heißen Quellen gemeinsam das Vergnügen am Saunieren entdeckt haben. Die Schneeaffen tun dies, um zu entspannen, ihr Stresshormonspiegel sinkt dabei deutlich. In katholisch geprägten Ländern wie Italien, Spanien, Polen oder Ungarn ist Nacktheit in der Sauna ein Tabu. Auch Amerikaner, Iren und Australier verzichten bei ihrer Schwitzkur nicht auf Badebekleidung. 
 
Könige der Sauna unter den Nationen sind natürlich die Finnen, das glücklichste Volk der Welt. Das beweisen Zahlen. Finnland hat fünfeinhalb Millionen Einwohner, dafür aber drei Millionen (!) Saunen. Den Briten hingegen, die jetzt so einen Rummel um ihren Sauna-Trend machen, gelang es in den letzten Jahren gerade mal, die Anzahl von 300 auf fast 1000 zu schrauben. Rekordwerte weisen die Finnen auch bei einer anderen neuen Mode aus. In Helsinki kann man nun gleichzeitig saunieren und dinieren. Und zwar in einer Burger-King-Filiale. Für einen stolzen Preis: Sauna-Eintritt, Burger und Getränke kosten zusammen 300 Euro. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1909 vom 28. 3. 26

Na, wer kann mir zwei Palindrome nennen? Wie bitte? "Aua und aua!?" Aha. Ich meinte aber zwei verschiedene. Z. B. Der Bub hört Pop. Und nu? Nun lesen wir mal, was Martin schreibt: "Geist ziert Leben, Mut hegt Siege, Beileid trägt belegbare Reue, Neid dient nie, nun eint Neid die Neuerer, abgelebt gärt die Liebe, Geist geht, umnebelt reizt Sieg." Wow! Habe ich bei Wikipedia auch gelesen. 
 
Dort gibt es sogar noch einen längeren Satz. Aber der ist durch keinerlei Sinngehalt getrübt: " Es Liebe gedieh“, rede Knut. „Es sorge nie Amok! Mireille, Tim sei mein!“ Lore rede geil: „Ella fair alles sieh! Es liebe Ilse heiss Ella! Ria falle! Liege der Erol nie mies mit Elli er im Koma! Eine grosse Tunke der Heide gebe Ilse!“ Dazu fällt mir ein dreibuchstabiges Pallindrom ein: "Häh?" Diese große Tunke ist wahrlich kein Gedicht. Wäre sie eins, würde ich darüber sagen: "Reim Dich oder ich fress Dich!" 
 
Falls wir genügend Liebe zur Sprache aufbringen, enthält dagegen folgendes Palindrom sogar eine Botschaft: " Eins nutzt uns: Amore. Die Rederei da, die Rederei der Omas, nutzt uns nie." Nun gut, echten Nutzen bringt uns dieser Spruch auch nicht. Vitaler Nebel mit Sinn ist im Leben relativ. Aber Sprachspielereien können ein Vergnügen sein. Und mit dem Wissen, dass Reliefpfeiler das längste Wort-Palindrom der deutschen Sprache ist, kann man immerhin angeben. Falls jemand mit Retsinakanister dagegen hält: Dieses Palindrom kommt in keinem Deutsch-Wörterbuch vor. 
 
Dafür gibt es zahlreiche Palindrome als Toponyme, also geografische Namen. Das Spektrum reicht vom Flüsschen Aa bis zum Stadtviertel Akasaka in Tokio. Außer Anna und Otto existieren auch noch mehr als 200 solcher Vornamen in aller Welt, in Friesland beispielsweise Onno. Auch Eigennamen von Firmen, Produkten oder Bands machen sich den sprachlichen Reiz zunutze. Wer kennt "Maoam" nicht? Oder die schwedische Gruppe Abba? Manche Rockbands gehen noch einen Schritt weiter und verwenden Palindrome als Songtitel. Satanoscillatemymetallicsonatas schaffte es jedoch meines Wissens nicht in die Hitparaden. 
 
Zum Schluß gibt's dann auch noch scherzhafte Wortzusammensetzungen. Drei davon zieren den im Satz "Ein Apo-Opa heiratet niemals Samoaomas, weil darunter eine Ex-Ehe-Hexe sein könnte". Dagegen könnte es den "Dienstmann-Amtsneid" durchaus geben. Hauptsache, er bezieht sich nicht auf die treuen Dienste Eures Schmunzelpost-Autors. 
 
Ave, Eva! 
kdk 
 
PS. Bald ist Ostern. Da werden versteckte Eier gesucht. In diesem Text sind in 15 aufeinanderfolgenden Wörtern gleich sechs Palindrome verborgen. Findet Ihr die Stelle? 

Schmunzelpost 1908 vom 27. 3. 26

Als Sprachfex freue ich mich, wenn ich mal einem Gleichgesinnten begegne. Das war der Fall, als mich jetzt jemand mit den Worten begrüßte: "Na, Du vergnügtes Palindrom, sieht man Dich auch mal wieder?" Obwohl ich sofort mein Hinterstübchen nach einer Erklärung für die merkwürdige Anrede absuchte, kam ich nicht darauf, was das zu bedeuten hatte: "Ich heiße Klaus und nicht Otto. Wie meinst Du das?" Er feixte: "Du bist doch überzeugter Rentner. Und Rentner ist ein Palindrom!"
 
Das konnte ich nicht bestreiten. Palindrome sind Wörter oder Sätze, die sich sowohl vorwärts wie rückwärts lesen lassen. Einfache Beispiele sind Otto oder Anna. Dass dies auch mit "Rentner" funktioniert, war mir bisher noch nicht aufgefallen. Spontan hatte ich bloß das Lagerregal im Köcher. Aber der Vorfall war für mich gleichzeitig eine Herausforderung, nach noch längeren Pallindromen zu suchen.
 
Beim längsten Wort haben wieder einmal die Finnen die Nase vorn. Mit ihrer ganz besonderen Sprache lässt sich vielerlei anstellen. Zum Beispiel für "Seifenhändler" den Begriff "Saippuakauppias" in Umlauf bringen. Noch viel mehr Buchstaben lassen sich in Palindrom-Sätzen unterbringen. Zum Beispiel in "Erika feuert nur untreue Fakire". Peruaner verhalten sich da ganz anders: "Eine treue Familie bei Lima feuerte nie!"
 
Wenn's noch länger werden soll, muss man mit Satzzeichen tricksen und es mit der Aussage nicht ganz so genau nehmen. "Nie, Amalia, lad 'nen Dalai-Lama ein!" Aber Amalia kann über Ida und Abdul nur staunen. Die kriegen in Nordafrika das längste mir bekannte Palindrom auf die Kette: "Ida war im Atlas, Abdul lud Basalt am Irawadi." Wer bietet mehr? Ich bin gespannt, ob Euch etwas einfällt.
 
Aber denkt daran: Der Gebrauch von Palindromen kann übel ausgehen. Das zeigt uns das traurige Schicksal ihres Erfinders. Der Grieche Sorades von Maroneia, der ca. 275  Jahre vor Christi Geburt lebte, soll dieses Stilmittel in vielen seiner Schriften verwendet haben. Allerdings waren seine Verse oft hochgradig obszön und verleumderisch. Als Sorades dann auch noch König Ptolemäus II. schwer beleidigte, war es um ihn geschehen: Der erzürnte Monarch ließ den antiken Sprachfex mit Blei beschwert im Meer versenken.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Alle Sprachfexe wissen es sowieso, aber für die anderen sollte ich es vielleicht erklären: Ein Fex ist jemand, der von etwas sehr begeistert ist. Der Begriff ist überwiegend in Süddeutschland und Österreich bekannt. 

Schmunzelpost 1907 vom 26. 3. 26

Weil ein Schmunzelpost-Leser nach der Lektüre der Garten-SP nach eigener Aussage zum Klugscheißen gedrängt wurde, greife ich das Thema noch einmal auf. Zur Erinnerung: Es ging darum, woran Samenkörner erkennen, wo unten und oben ist. Dazu schreibt Martin: "STETHOSKOP heißt die Einrichtung, mit der der Arzt z. B. Herztöne abhört. Mit einem PERISKOP kann man über Sichthindernisse hinweg nach oben schauen. Desweiteren: TELESKOP heißt die Einrichtung, mit der man in die Ferne schaut. Die Einrichtung, mit der man winzige Dinge vergrößert anschauen kann, heißt MIKROSKOP. Aaaaaber, Preisfrage: Wie heißt die Einrichtung, mit der man durch Wände gucken kann? Auflösung (rückwärts): RETSNEF." 

 

So, so. Aber ich hatte lediglich geschrieben, dass Samenkörner umgeben von Dunkelheit im Erdboden über kein Stethoskop verfügen. Will mir da etwa jemand widersprechen? Wenn Ihr daraus folgert, ich hätte Stethoskop und Periskop verwechselt, so ist das Euer Bier. Mit einem Stethoskop ließen sich immerhin Erschütterungen aus dem Erdinneren orten, wo das Magma brodelt. Insofern könnte so ein Gerät durchaus zur Orientierung dienen. Allerdings wisst Ihr ja jetzt, dass die Samenkörner mit einem besseren Hilfsmittel ausgerüstet sind. 

 

Ich habe den Sachverhalt übrigens auch mit Karl, dem Käfer, erörtert, der mittlerweile wenigstens das Reizen beherrscht. Als Dank für meinen Skatunterricht hat er mich über Fakten aus seinem Kompetenzbereich informiert, die alle Hobbygärtner unter Euch brennend interessieren dürften. Welche Art von Mist ist die beste für den Garten? 

 

Es gibt drei Arten von Stallmist: Geflügelmist von Hühnern, Enten oder Tauben, dann den Mist von großen Vierbeinern wie Kühen, Pferden, Eseln und Exoten wie Lamas oder Alpakas und schließlich den von Schweinen produzierten Dung. Alle Sorten haben Vor- und Nachteile. Geflügelmist ist reich an Nährstoffen und funktioniert sehr schnell. Am besten wird er Kulturpflanzen in kleinen Mengen im Frühjahr beigegeben. Nimmt man jedoch zuviel, verursacht er üppigen Blattwuchs, was künftigen Blumen schadet. Und bei sehr starker Überdosierung leiden die Pflanzenwurzeln und der Boden wird verunreinigt. Daher sollte Geflügelmist zuvor mit Herbstlaub oder Stroh kompostiert werden. 

 

Das gilt auch für den Mist der zweiten Gruppe, der etwas nährstoffärmer ist. Insbesondere Pferdemist enthält Streu mit Holzspänen, die lange brauchen, bis sie im Boden verwesen. Der Mist anderer Tiere, die mit Streu versorgt werden, das schnell verwest, kann ohne Kompostierphase verwendet werden. Das organische Material gibt zwischen Frühjahr und Herbst selbst in großen Mengen dem Boden wertvolle Impulse. 

 

Weil die meisten Schweine mit Getreide und Sojabohnen gefüttert werden, ist ihr Mist konzentrierter als der von grasenden Tieren. Aber auch Schweinemist ist qualitativ hochwertiger, wenn er vorher kompostiert und nicht frisch verwendet wird. Er bietet Nährstoffe und organisches Material in einem ausgewogenen Verhältnis. 

 

Und was ist mit menschlichen Hinterlassenschaften? Es gibt kühne Umweltfreunde und Kleinbauern, die darauf verweisen, dass in China seit vielen Generationen "Abortmist" für Kulturpflanzen mit eindrucksvoll fruchtbarer Wirkung verwendet wurde. Aber obwohl es Anlagen gibt, die menschliche Exkremente kompostieren, ist im privaten Kleingarten davon abzuraten - es gibt zu viele ungelöste Hygienefragen. 

 

So, liebe Leser, falls Ihr Euch fragt: "Was soll der Scheiß?", dann antworte ich: Ich wollte immer schon mal eine Schmunzelpost schreiben, die richtig Mist ist. Immerhin liefert sie reichlich erstklassigen Stoff zum Klugscheißen. . . 

 

Glückauf 

kdk

Schmunzelpost 1906 vom 25. 3. 26

Habt Ihr es mitbekommen? Vor wenigen Tagen ist Jürgen Habermas verstorben, ein deutscher Philosoph und Soziologe, der weltweit hohes Ansehen genoss. Zumindest in Fachkreisen. Mir war seine Sprache leider zu verquast. Und nach allem, was man so liest, hat er sich durchaus bewusst schwer verständlich ausgedrückt. Dabei war der Mann gelernter Journalist und verfehlte nur knapp eine Zeitungskarierre. Doch wahrscheinlich dachte er nicht zu Unrecht: Wer in höhere geistige Sphären vorstoßen will, der muss sich möglichst kompliziert ausdrücken, sonst wird er nicht ernstgenommen. 
 
Habermas gehörte übrigens zur Frankfurter Schule wie auch Theodor Adorno. Ich habe mich jedoch stets eher für die Neue Frankfurter Schule interessiert, der gewitzte Poeten, Satiriker und Humoristen angehörten. Deren herausragendster Vertreter war der leider bereits 2006 verstorbene Robert Gernhardt. Wenn es jemand gibt, der Gernhardt heute mit seinen Reimen das Wasser reichen kann, dann ist dies nach Auffassung des Literaturwissenschaftlers Rainer Moritz der Dichter Christian Maintz. Wobei der seinen eigenen Stil pflegt. Es heißt ja nicht von ungefähr: Maintz bleibt Maintz. 
 
Maintz hat auch mit Harry Rowohlt (schon wieder eine zu früh verstorbene Größe des gediegenen Humors) Hörbücher eingelesen und Bühnenprogramme bestritten. Außerdem wurde er zweimal mit dem Wilhelm-Busch-Preis ausgezeichnet. Und, da schließt sich der Kreis, Maintz hat auch ein Gedicht verfasst, das uns Jürgen Habermas näher bringt. Es entstammt der Reihe "Briefe deutscher Denker - Folge 3: Niklas Luhmann." 
 
Luhmann schrieb an Habermas: 
 "Heißa, macht das Denken Spaß! 
 
Deshalb hab ich letzte Nacht 
zehn Sekunden nachgedacht. 
 
Dachte hin und dachte her 
(so was fällt mir gar nicht schwer). 
 
Bis ich - schwuppdiwupp - ein brand- 
neues Paradigma fand. 
 
Eins, das sich gewaschen hat; 
Habermas, da bist Du platt! 
 
Es Dir freilich zuzuschicken, 
den Gedanken kann man knicken; 
 
Das entbehrte jeden Zwecks, 
denn es ist enorm komplex. 
 
Kurz, mein Alter, schlicht um schlicht, 
Du kapierst es einfach nicht!" 
 
Habermas schrieb anderntags: 
"Wenn Du Ärger willst, dann sag's! 
 
Kommst Du mal nach Frankfurt/Main, 
semmel ich Dir eine rein. 
 
Dass ich sonst Gewalt negiere, 
lieber friedlich diskutiere, 
 
weiß man zwar in aller Welt 
(selbst im öden Bielefeld), 
 
doch ich könnte Dich erwürgen! 
Nach Diktat beleidigt, Jürgen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1905 vom 24. 3. 26

Falls Ihr es noch nicht bemerkt habt: "Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte...". Wann das offiziell begonnen hat, darüber kursieren unterschiedliche Angaben. Meteorologisch wohl schon am 1. März, für Traditionalisten wie mich am 21. März. Letzteres trifft jedoch nur selten zu. Der kalendarische Eintrittszeitpunkt variiert und fällt, abhängig unter anderem vom Abstand zum letzten Schaltjahr und der Zeitzone, auf den 19., 20. oder 21. März, meist aber auf den 20.3. . 
 
In Mitteleuropa startete der Lenz das letzte Mal 2011 am 21. März. Bis das erneut geschieht, müssen wir ein Weilchen warten. Denn das ist erst im Jahr 2102 der Fall. Variabler verhält es sich mit dem 19. März. Zwar war am 19. 3. 1796 letztmalig an diesem Tag Frühlingsanfang, aber das nächste Mal ist es schon 2048 soweit. Und dann, man lese und staune, geschieht es bis zum Ende des Jahrhunderts alle vier Jahre. Fragt mich nicht, warum.  
 
Unabhängig davon erinnern uns prächtig blühende Bäume und Büsche daran, dass es an der Zeit wäre, jetzt etwas im Garten zu tun. Weil ich in etwa so viel davon verstehe wie ein Mistkäfer vom Skatspielen, beschränke ich mich heute auf ein paar Garten-Fakten, die einen Banausen wie mich interessieren. Aber Ihr wolltet doch bestimmt auch immer schon wissen, ob ein Baum in der Lage wäre, einen Swimmingpool auszutrinken, oder? 
 
Mal davon abgesehen, dass Pools oft derart verkleidet und abgedichtet sind, dass Baumwurzeln nicht zum Wasser durchdringen können, hätten die meisten Bäume schlechte Karten. Denn das chlorierte Poolwasser ist für sie hochgiftig. Allein ein Chlorgehalt von nur 0,5 Promille würde einem Baum erheblichen Schaden zufügen. Verzichtet man jedoch auf Chlor und gewährt bestimmten Bäumen freien Zugang, dann würden sie ihre Chance nutzen. Große Bäume wie Eichen, Ulmen, Pappeln oder Weiden können bis zu 450 Liter Wasser am Tag aufnehmen. Gluck, gluck und schluck - schon ist der Pool leer. 
 
Gleich noch eine Frage, über die Ihr Euch vermutlich schon seit Jahren ebenso vergeblich wie verzweifelt den Kopf zerbrecht: Woher wissen Pflanzensamen eigentlich, wo oben und wo unten ist? Denn obwohl sie im Erdreich nichts sehen, geschweige denn ein Stethoskop dabei haben, wissen sie unfehlbar, dass sie Wurzeln nach unten wachsen lassen und Triebe dem Licht entgegen austreiben müssen. Tja, ein erstaunliches Kunststück, was? Die Erklärung ist, dass Samenkörner Zellen besitzen, die wir Menschen nicht vorweisen können. Mit Hilfe von "Statocyten" können sie die Schwerkraft der Erde wahrnehmen und sich verlässlich orientieren. 
 
Hätten wir das auch geklärt. Nun könnt Ihr eine Weile in Ruhe darüber nachdenken, wo ich am besten eine Krause-Reproduktions-Knolle einpflanzen kann, damit ein Klon von mir dabei ist, wenn der Frühling das nächste Mal am 21. März beginnt. In der Zwischenzeit bringe ich Mistkäfern das Skatspielen bei. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1904 vom 23. 3. 26

"Die spinnen, die Amis!" Diese Obelix-Erkenntnis trifft nicht nur auf den derzeitigen Ober-Ami zu. Auch diejenigen, die absurde Vorgaben gesetzlich verankert und bis heute nicht getilgt haben oder sich womöglich sogar immer noch darauf berufen, können nicht ganz klar im Oberstübchen sein. Die meisten dieser Regeln sind aus unserer Sicht komisch, bei einigen bleibt einem jedoch das Lachen im Halse stecken.
 
Schauen wir nach Alabama, tief in den amerikanischen Süden, wo man anscheindend nicht nur in Fragen der Gleichberechtigung von schwarz und weiß mancherorts noch im Mittelalter stecken geblieben ist. Auch Frauen dürften zusammenzucken, wenn sie einige immer noch gültige Bestimmungen lesen. So ist es in Alabama Männern nur dann erlaubt, ihre Ehefrauen zu verprügeln, wenn sie dazu einen Stock benutzen, der nicht größer ist als der Durchmesser des Daumens. Und bei einer Scheidung dürfen Frauen nur den Besitz behalten, den sie schon vor der Trauung ihr eigen nannten. Auf keinen Fall darf Sexspielzeug dazugehören, dessen Besitz ist allen Frauen verboten! Als Gegenleistung sind die Männer in Alabama wenigstens in einem Punkt gesetzlich verpflichtet, ihre Frauen rücksichtsvoll zu behandeln: In deren Anwesenheit dürfen Männer nicht auf den Boden spucken.
 
In Alaska hat der Gesetzgeber ein Herz für Tiere. Es ist dort zwar erlaubt einen Bären zu erschießen, ihn aber aus dem Schlaf zu wecken, um ein Foto von ihm zu machen, ist verboten. Außerdem ist streng untersagt, lebende Elche aus fliegenden Flugzeugen zu stoßen. Und in Fairbanks dürfen es Bewohner nicht zulassen, dass sich Elche auf offener Straße paaren. Ebenso ist es verboten, Elchen zur eigenen Belustigung Alkohol einzuflößen.
 
Tier- und Pflanzenfreunde erließen auch in Arizona bis heute gültige Vorschriften. So ist es im Ort Hayden verboten, Schafe und Ochsenfrösche zu ärgern. Und für ganz Arizona gilt: Das Stutzen oder Fällen eines Kaktus wird mit bis zu 25 Jahren Gefängnis bestraft! Kommen wir zu Bekleidungsvorschriften. In Nogales dürfen Männer ihre Hosenträger nicht „sichtbar“ tragen. Härter trifft es Frauen in Tucson. Ein Rock ist Pflicht, dort dürfen Frauen keine Hosen tragen. Und "rot" ist in Arizona nicht nur verpönt, wenn es um die Gesinnung geht: Sämtliche Straftaten, die mit einer roten Maske im Gesicht verübt werden, sind ein Kapitalverbrechen! Auf andere Weise kommt der Gesetzgeber jedoch Straftätern entgegen. Wird man von einem Kriminellen angegriffen, darf man sich nur mit denselben Waffen verteidigen, über die auch der Angreifer verfügt. Was schwer fällt, wenn der Gangster Dich mit einem Schnellfeuergewehr bedroht.
 
Zur letzten Runde des Aberwitzes für heute kommen wir nach Idaho. Zum Glück ist Montag, denn sonntags ist Karussellfahren dort verboten. Ebenso ist strikt untersagt zu angeln, während man auf einem Kamel sitzt. (Wer denkt sich bloß solche Gesetze aus?) Auch heißblütige Liebespaare sollten aufpassen: In Coeur d’Alene steht Sex im Auto unter Strafe. Immerhin müssen Polizisten, die „Täter“ auf frischer Tat ertappen, vor der Festnahme hupen und dann drei Minuten warten. Und bei der nächsten Vorschrift bin ich schwer ins Grübeln beraten, ob sie Frauen, die Süßigkeiten lieben, nicht mehr schadet als nützt:  Es verstößt gegen das Gesetz, wenn ein Mann seiner Angebeteten eine Pralinenschachtel überreicht die weniger als 50 Pfund wiegt. Deshalb heißt es wohl "schwer verliebt". Solche Männer erkennt man daran, dass sie mit einem schweren Sack auf dem Rücken zu ihrem Date ächzen. 
 
Ach, ich könnte noch stundenlang so weitermachen. Aber aus Gründen der Abwechslung wende ich mich in der nächsten Schmunzelpost erst einmal wieder anderen Themen zu. Auf Absurdes aus Amerika müsst Ihr dennoch nicht verzichten: Ihr müsst nur in den aktuellen Nachrichten lauschen, was der US-Präsident Tag für Tag von sich gibt. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1903 vom 22. 3. 26

Wer einmal in die Mühlen der Justiz geraten ist, der findet nur sehr schwer wieder hinaus. So verhält sich das für Schmunzelpostschreiber wie -leser auch mit den amerikanischen Gesetzen. In den USA gibt es so viele unsinnige Bestimmungen, dass eine SP-Folge dafür nicht ausreicht.
 
Beginnen wir unsere Reise durch den gesetzgewordenen Nonsens in Pennsylvania. Dort forderte einst die "Bäuerliche Anti-Automobil-Gesellschaft", dass bei einer Nachtfahrt über Landstrassen alle Autofahrer jede Meile anhalten, eine Leuchtrakete abfeuern und zehn Minuten warten müssten, damit die Strasse geräumt werden kann. Das gilt heute wohl nicht mehr. Erhalten blieb aber die Vorschrift, wonach ein Autofahrer, wenn ihm ein Pferdefuhrwerk begegnet, anhalten und sein Fahrzeug mit einer Decke abdecken muss, die farblich in die Landschaft passt. Falls sich trotzdem ein Pferd weigert, das Auto zu passieren, muss der Fahrer seinen Wagen von der Strasse entfernen und in den Büschen verstecken. Wenn Ihr es dennoch schafft, die Stadt Pittsburgh zu erreichen, dann denkt bitte unbedingt daran: Dort ist es streng verboten, auf einem Kühlschrank oder in einem Eisschrank zu schlafen. Ein paar Orte weiter, in Morrisville, benötigen Frauen eine Lizenz zum Tragen von Kosmetik. No, Sir, eine Genehmigung des Ehemanns genügt nicht! 
 
Ziehen wir also weiter nach Texas. Als Touristen sind wir da fein raus, aber den Bürgern verbietet ein Gesetz des US-Bundesstaates am Wahltag mit einem Schwert oder Speer bewaffnet im Wahllokal zu erscheinen. Dagegen ist das Tragen von Schusswaffen in Kirchen oder im Supermarkt erlaubt. Und auch hier seid Ihr hoffentlich nicht betroffen: Ein erst kürzlich in Texas verabschiedetes Gesetz zur Verbrechensbekämpfung verlangt von jedem Kriminellen, sein Opfer mindestens 24 Stunden vor der Tat entweder mündlich oder schriftlich von der Natur des geplanten Verbrechens zu unterrichten. Ach, was wär das schön, wenn alle sich daran hielten! 
 
Bei vielen solcher Vorgaben hat man Fragezeichen in den Augen: Why? Wie eine unsinnige Gesetzesregelung in Texas entstand, ist zumindest überliefert. Wenn sich zwei Züge an einem Bahnübergang begegnen, müssen beide Züge halten. Sie dürfen die Fahrt nicht eher fortsetzen, bis der andere passiert hat. Das kam zustande, weil ein Senator des Staates Texas  um jeden Preis die Verabschiedung des Gesetzes verhindern wollte. Um dies zu erreichen, fügte er die unsinnige Regelung mit ein. Er hoffte, das Gesetz würde nun aufgrund offensichtlicher Lächerlichkeit nicht verabschiedet. Pech gehabt: Es wurde in dieser Form rechtskräftig. 
 
Unsere USA-Reise sollten wir daher nicht mit der Bahn bestreiten, zumindest nicht in Texas. Aber bevor wir die Fahrt durch die Nonsens-Paragraphen fortsetzen, machen wir einen Tag Pause. Falls Ihr die Absicht habt, die Zeit zu nutzen und etwas mit der Deutschen Bahn zu unternehmen, dann seid gewarnt: Die DB schafft es gelegentlich ganz ohne juristische Zwänge, dass ihre Züge stehen bleiben. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1902 vom 21. 3. 26

Habt Ihr vor, in den nächsten zweieinhalb Jahren in die USA zu reisen? Etwa zur Fußball-WM? Schaut Euch genau den langen Auskunftsbogen an, den Ihr vorher ausfüllen müsst und lasst es lieber sein. Es gibt noch viel mehr Gründe, auf die Reise zu verzichten. So lauern in den Vereinigten Staaten allerorts juristische Fallen, mit denen unsereiner nicht rechnet. Denn die US-Bundesländer, Regionen und Städte sind ermächtigt, viele Vorschriften zur Ahndung strafbarer Vergehen selbst festzulegen. Im Internet fand ich eine ellenlange Liste. Wenn verantwortliche Funktionsträger, die doch hoffentlich ein Hirn mit sich herumtragen, so etwas beschließen, dann wird klar, wieso ein Donald Trump zum Präsident gewählt werden konnte. Hier folgt lediglich eine kleine Auswahl: 
 
In Alabama ist es Autofahrern verboten, während der Fahrt eine Augenbinde zu tragen. Ich finde, die Regel muss unbedingt ergänzt werden, damit längere Fahrten ohne das Lenkrad zu berühren nicht einreißen. Auch wer in Nevada auf einem Kamel den Highway entlang reitet, verstößt gegen das Gesetz. Meines Wissens ist das in Deutschland auf Autobahnen ebenso verboten, es sei denn, dass Kamel hält die Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h ein. Schließlich dürfen in Connecticut Radfahrer sofort von der Polizei gestoppt werden, wenn sie das Tempo von 65 Meilen pro Stunde überschreiten. 
 
Im Ort Glendale im Bundesstaat Arizona dürft Ihr generell mit dem Auto nicht rückwärts fahren. Aber das ist noch gar nichts. In Devon, schon wieder in Connecticut, dürfen selbst Fußgänger nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr rückwärts auf Straßen unterwegs sein. Und in Hartfort, wen wundert's, das liegt ebenfalls in Connecticut, ist ausdrücklich verboten, im Handstand Straßen zu überqueren. Schade. Ich bin es eigentlich gewohnt, so meinen Einkaufsbummel vorzunehmen. Das eröffnet völlig neue Perspektiven. Und in den untersten Regalen finden sich meist die Waren mit den niedrigsten Preisen. 
 
Mitunter kann man in Amerika sogar bestraft werden, wenn man gar nichts gesagt hat. So dürfen in Arizona Piloten während des Fluges nicht gurgeln. Ich frage mich nur, wie sie überführt werden. Durch Aussagen von neidischen Co-Piloten? Oder durch heimlich gedrehte Videos der Stewardessen? Aber auch Flugpassagiere kann es treffen. Denn in Delaware verstößt gegen das Gesetz, wer während eines Fluges schnarcht. Und falls Ihr in Halstead in Kansas landet, dann nehmt Euch zusammen: Es ist verboten, auf dem Flugplatzgelände zu rülpsen! Falls Ihr das alles ohne Bußgeld überstanden habt und fröhlich ein Liedchen pfeift, dann passt bloß auf, wo Ihr seid. Und welcher Tag gerade ist. Denn in Cicero (Illinois) ist es strikt untersagt, sonntags auf öffentlichen Straßen zu pfeifen. 
 
Manches, so meine ich, können wir uns bei den Amis ruhig abgucken. So will ich jetzt in Dorsten einen Bürgerantrag stellen. Danach darf jemand, der beim Lesen der Schmunzelpost gähnt, vom Autor standrechtlich erschossen werden! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1901 vom 20. 3. 26

Als ich diesmal das Selbstgespräch meines betagten Nachbarn, des Herrn K., auf dessen Balkon belauschte, war ich überrascht, dass ich ihn offenbar dazu gebracht habe, über meine Ratschläge nachzudenken. Hört selbst: 
 
"Hömma, Karl, hier inne frische Luft auffem Balkong, da sollten wir wat für uns're Gesundheit tun. Wat meinze, wie lange können wir auf einem Bein stehen? Ja, da kuckse, dat is kein Flamingo, dat bin ich! Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht ... Mist, dat isses schon gewesen. Aba immahin acht Sekunden! Fünf hätten schon genücht, zumindest für uns zwei beide, wir sind ja schon üba Achzig. Da müssen wir bloß noch fünf Sekunden schaffen und der Gesundheitstüff ist zufrieden. 
 
Woher ich dat weiß? Ich hab mich darüber mit unserm Nachbarn von unten, dem Krause, auffe Treppe unterhalten. Hömma, so dösich is der ganich. Denn wat der über dat Trainink erzählt hat, für dat Du jeden Tach auf ein Bein stehen solls, dat stand so auch inne Rentner-Bravo, also inne Apotheken-Umschau. Allerdings gibt mich zu denken, dat da auch steht, wenne keine zehn Sekunden mehr schaffs, dann gibse inne nächsten zehn Jahre den Löffel ab. Und wir wolln doch 100 werden! Da hilft nur Trainink, Trainink, Trainink! 
 
Schließlich wolln wir auch nich inne Altenverwahranstalt enden, wie unser Kumpel Alfred. Weisse noch, wie wir den in sein Heim "Goldener Oktober" besucht ham? Eigentlich kannten wir den ja kaum, dat war nur einer von viele Kumpels auffem Pütt. Aber unsere Freunde sind ja allesamt schon abgenippelt, da muss man sich auch um dat mal kümmern, wat noch übrich is. Ich hab ja gedacht, der Alfons is bereits jenseits von gut und böse, der erkennt mich ganich mehr. Doch als ich in sein Zimma komm, da sachta soffort: 'Glückauf, Karl!' Da habbich mich richtich gefreut und sach: "Hömma, Alfons, wie geht Dich dat? Lang nich mehr gesehn." Und da sacht der nich: "Muss" oder "Und selbs?" oder wat man sons so sacht, sondern der fängt am Palavern an und hört nicht mehr auf. 
 
Ja, Karl, Du weiss ja, ich bin ein höflichen Mensch. Und so habbich dem 'ne ganze Stunde lang zugehört, wie er erzählen tat, ohne Punkt und Komma. Nur ganz gelegentlich hab ich ma gesacht "Ja, wirklich?" oder "Ach nee", aber dat hat den Alfons überhaupt nich gestört. Der hat mich doch glatt ein Ohr abgekaut und dabei ein Mumpitz gequatscht, dat Dir der Draht ausse Mütze floch. Dat der olle Herbert Wehner der beste Kanzla war, den wir inne Geschichte gehabt ham, dat wir die Amis nich trauen dürfen, weil die Donald Duck als Präsident gewählt ham und dat die im Heim zu wenich heizen tun, obwohl die nächste Eiszeit schon angefangen hat. Erst, als er sachte, dat Schalke nie mehr Meister wird, da habbich gemerkt - der is nich mehr ganz richtich inne Birne. Und dann ging die Tür auf und die Schwester Renate kam rein. Und wat sacht der Alfons zur Begrüßung? "Glückauf, Karl!" 
 
Nee, nee, der hat ganz klar ein eins-a-Dachschaden. Aba dat is auch kein Wunda. Hasse mal die traurigen Gestalten gesehen, die da in den Gemeinschaftsraum rumlungerten? Die stierten alle nur inne Gegend, obwohl die Glotze an war und ein Fußballspiel lief. Nich Schalke, aba immerhin Duisburch ausse dritte Liga. Aba die sind ja wenichstenz auch blau-weiß. Noch schlimmer, wasse inne Zimmas gesehen hast, wo se den ganzen Tach im Bett liegen und anne Decke starren. 
 
Nee, Karl, dat darf uns nich passieren. Deshalb üben wir dat getz mit dem Stehen auf ein Bein. Danach gehn wir rein und trainiern dat einarmige Reißen. Mit Veltins. Denn Bier is sehr gesund, dat hat schon unser Vatta gewusst. Und der wär bestimmt hundert Jahre alt geworden, wenn die Scheiß-Staublunge nich gewesen wär. Der hat imma zu Mutti gesacht, unser Sohnemann, der soll dat mal besser haben als wie wir. Und darauf stoß ich getz mit Dich an: Prost, Karl, die nächsten zwölf Jährken, die packen wir aunoch!" 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1900 vom 19. 3. 26

Gestern habe ich mich um meinen Bücherschrank gekümmert. Es ist schon erstaunlich, was manche Leute meinen, dort abladen zu dürfen. Gut, wenn ältere Damen dort zerlesene Heftchen-Romane mit herzzerreissenden Geschichten über Ärzte, die Krankenschwester ehelichen oder Liebesromanzen mit Happy-End unterbringen, kann ich das noch verstehen. Sie wissen, welch tröstenden, leicht lesbaren Stoff ihre Schicksalsgenossinnen schätzen. Dennoch bin ich da erbarmungslos - es gibt derartige Lektüre auch in ausreichender Zahl in Buchform.
 
Gleichfalls in den Müll kommen Zeitschriften, alte Schulbücher, Werbeprospekte und Bücher, die ich am liebsten nur mit Handschuhen anfassen würde. Auch alte Schwarten, die beim Anfassen fast zerbröckeln, werden aussortiert. Und was im Kopf von Leuten vorgeht, die ein Telefonbuch aus dem Jahr 1997 oder ein altes Vorlesungsverzeichnis in den Bücherschrank stellen, wüsste ich nur zu gerne. Ich tippe auf einen Vakuum-Schädel. Glücklicherweise gibt es jedoch immer wieder reichlich Nachschub an akzeptablem Lesestoff für jeden Geschmack. Und auch ich fische mir hin und wieder etwas heraus, meist für die Schmunzelpost.
 
Diesmal war es ein 30 Jahre alter Schmöker von Jürgen Sprenzinger. Unter dem Titel "Sehr geehrter Herr Maggi" hat er seine Briefe veröffentlicht, die er von 1994 bis 1996 an namhafte Unternehmen sandte, um deren Werbeslogans zu hinterfragen. Auch die abgedruckten Antworten sind teilweise komisch, manchmal bewusst, manchmal unfreiwllig. Über den 1949 geborenen Autor erfahren wir im Vorspann, dass seine Mutter ihn bereits mit vier Jahren zum Kinderarzt geschleppt hat, weil sie glaubte, ihr Bub spinnt. Der Doktor diagnostizierte jedoch "eine unwahrscheinliche Phantasie" und operierte stattdessen Mandeln und Nasenpolypen hinaus.
 
Einer der Briefe Sprenzingers ging an die Firma KUKA-Wehrtechnik GmbH, Panzerabteilung, in Augsburg. Ich habe ihn ausgewählt, weil unsere Verteidigungsbereitschaft heutzutage ebenfalls sehr in Frage gestellt wird. Und wenn die Bundeswehr es in ihrem jämmerlichen Zustand nicht allein schafft, warum sollten vaterlandsliebende Bürger ihr nicht helfen dürfen? Insofern vertrat Jürgen Sprenzinger im September 1994 mit seiner Bestellung ein durchaus gerechtfertigtes Anliegen. Hier Auszüge aus seinem Brief:
 
Sehr geehrter Herr Kuka,
 
ich bin Jahrgang 1924. Ich habe in 44/45 in der Wehrmacht gedient, allerdings nur in der Schreibstube. Eigentlich wollte ich zu die Panzergrenadier, leider haben die mich aber nicht genommen, weil ich damals eine leichte Rückgratverkrümmung gehabt hab. Und ich hätte so gern zu den Panzern gewollt, das hätte mir gefallen!
 
Ein ganzes Leben lang hab ich gespart und gebuckelt, und jetzt hätte ich mir gerne einen Lebenswunsch erfüllt. Ich möchte wenns geht, bei Ihnen einen Panzer kaufen, weil ich jetzt 70 werd und bald Geburtstag hab, wollte ich mir diesen Wunsch erfüllen. Die Zeiten sind ja recht unsicher und dieser neuen Bundeswehr trau ich ja überhaupt nicht, das sind alles keine Kerle mehr, wie mir das waren. Die machen ja alle in die Hosen, wenns mal heiß hergeht. Da verteidige ich mich im Ernstfall lieber selber. Ich verspreche Ihnen aber hoch und heilig, dass ich den Panzer nur als Hobby zur Verteidigung brauch und keinen Krieg anfang damit.
 
Jedenfalls hab ich gehört, der Leopard 2 sei ein guter Panzer und den hätte ich gern. Aber wenns geht, nicht in dunkelgrün wie die Bundeswehr, aber vielleicht auch eine unauffällige Farbe, ein schönes tiefes Blau, das täte mir gefallen. Außerdem will ich nicht mit einem Bundeswehrpanzer verwechselt werden, weil das vielleicht zu Missverständnissen führen tät. Die Sonderlackierung zahle ich natürlich extra, da laß ich mich nicht lumpen, das Geld hab ich ja. Ich hab auch einen überdachten Garagenstellplatz, da könnte ich ihn unterstellen und wenn ein feindliches Flugzeug drüberfliegt, kann der den überhaupt gar nicht sehen. (...)
 
Dann hätte ich noch eine Frage: Ich möchte mein Fahrrad auch mitnehmen, weil das für die Geländeerkundigungen nicht so laut ist, außerdem ist das in meinem Alter sehr gesund und ich will mich ja fit halten und Fahrradfahren hält mich jung. Mein Doktor sagt immer, ich wär beinand wie ein 40-jähriger. Also, kann ich mein Fahrrad mit in den Panzer nehmen oder brauch ich eigens einen Fahrradständer und können Sie mir vielleicht gleich einen dazuliefern? Und dann noch was: brauch ich da ein D-Schild, wenn ich mal ins Ausland will?
 
Hochachtungsvoll verbleibend
Jürgen Sprenzinger
 
Die Firma KUKA reagierte zunächst nicht auf das Schreiben. Aber am 7. Oktober 1994 klingelte bei Sprenzingers das Telefon. Es entwickelte sich der folgende Dialog. Anrufer: "Grüß Gott, spreche ich mit Herrn Sprenzinger?" Antwort: "Ja." Anrufer: "Spreche ich mit Herrn Jürgen Sprenzinger?" Antwort: "Jaaa." Anrufer: "Mein Name ist Swoboda, Kriminalpolizei." Antwort: Keine. Nur heftiges Schlucken. Man weiß ja heutzutage nie, ob nicht irgendwas angebrannt ist. Anrufer: "Haben Sie der Firma KUKA einen Brief geschrieben?" Antwort: "Ja." Anrufer: "Haben Sie bei der Firma KUKA einen Panzer bestellt?" Antwort: "Ja, aber..." Anrufer: "Dann muss ich Ihnen leider mitteilen, dass Ihnen die Firma KUKA den Panzer nicht liefert." 
Antwort: Betroffenes Schweigen. Anrufer (sehr ernst und formell): "Ich muss Sie ordnungshalber fragen, wie der Brief gemeint war." Antwort: "So wie er geschrieben ist - nicht ganz so ernst gemeint." Anrufer: "Ha, ha, das haben wir uns schon gedacht. Der Brief war wirklich eine Abwechslung zu unserem ansonsten so tristen Arbeitstag. Aber er wurde an uns weitergeleitet, und so müssen wir uns natürlich um die Angelegenheit kümmern." 
 
Fazit: Manchmal hat die Kriminalpolizei mehr Humor, als ein Panzerhersteller erlaubt... 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1899 vom 18. 3. 26

Ups! Ich habe es schon wieder getan. Offenbar habe ich einen heimlichen Hang zum Masochismus, denn ich kann es nicht lassen im Internet die Mails von Martenstein in der Bildzeitung zu lesen. Und um meinen Frust rauszulassen, habe ich erneut selbst eine Mail an Harald Martenstein geschrieben. 

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Als jemand, der jahrzehntelang Ihre Kolumnen gelesen und sehr geschätzt hat, bedauere ich jeden Tag, welchen Irrweg Sie eingeschlagen haben. In der Hoffnung, dass dies keine Sackgasse sein muss, lese ich nun täglich Ihre Bild-Mails. Und ärgere mich immer wieder. Wenn das so weiter geht, gehen meine künftigen Magengeschwüre auf Ihr Konto.

Ich nehme Ihnen nicht übel, dass Sie Ihre Meinung sagen. Aber ein intelligenter Mensch wie Sie müsste sich doch darüber klar sein, was er mit solchen Polemiken wie der letzten anrichtet. Sie erreichen mit der Bildzeitung überwiegend Menschen, die, mit Verlaub, oft schlicht gestrickt sind. Darunter sind viele Leute, die sich mit Freude ihre Vorurteile bestätigen lassen. Zu den älteren hierzulande gehört der Satz: "Diese Ausländer nehmen uns Deutschen unsere Arbeitsplätze weg!" Genau in diese Kerbe schlagen Sie mit Ihrer Badenberg-Mail.

Über Sind und Unsinn von Quotenregelungen kann man geteilter Meinung sein. Auch Frauen-Quoten und der Zwang für Betriebe, einen gewissen Prozentsatz behinderter Menschen zu beschäftigen, haben mit Sicherheit dazu geführt, dass dafür besser Qualifizierte nicht eingestellt wurden. Das zeigt die Problematik, wenn wir versuchen, die eine Form von Ungleichbehandlung (Sie werden mir recht geben, dass Frauen, Behinderte oder Ausländer in der Arbeitswelt oft benachteiligt werden) durch eine andere Ungleichbehandlung abzumildern. Aber wieviele Ärzte und Ingenieure aus dem Ausland arbeiten bei uns als Taxifahrer oder Reinigungskraft, weil ihnen Papiere fehlen oder Bildungsabschlüsse nicht anerkannt werden? Und das, obwohl wir in vielen Bereichen dringend Fachkräfte brauchen.

Dass es in Ihrem Beispiel deutsche Staatsanwälte trifft, ist nicht das schreiendste Unrecht unter der Sonne. Sie picken sich eine winzige Minderheit von Betroffenen heraus, um damit einen gewaltigen Vorwurf zu begründen. Ich nenne das "aus einer Mücke einen Elefanten machen". An unseren Gerichten fehlt es überall an Juristen. Stellensuchende haben es daher vermutlich vergleichsweise leicht, einen anderen attraktiven Arbeitsplatz zu finden.

Sie schreiben: "Gleiche Rechte für alle sind nicht mehr selbstverständlich." Wann sind sie das bei uns jemals gewesen? Sie erwähnen als Beispiel für mittelalterliche Verhältnisse den Adel. Was ist mit dem Geldadel von heute? Haben Kinder aus reichen Elternhäusern etwa keine Startvorteile? Nicht nur, wenn durch Beziehungen zu einem Golfkumpel dem Sprössling ein Job zugeschanzt wird. Sondern allein schon durch die Tatsache, dass der Nachwuchs aus vermögenden Haushalten erheblich besser gefördert und unterstützt wird als Kinder armer, ungebildeter Eltern, kann von gleichen Chancen für eine Berufskarriere keine Rede sein.

Noch eins: Was mich in jeder zweiten Ihrer Bildmails stört, ist Ihre gezielte politische Stimmungsmache. Sie lassen unabhängig vom Thema keine Gelegenheit aus, den Grünen oder der SPD einen polemischen Seitenhieb zu verpassen. Damit ist Ihnen der Beifall derjenigen sicher, die an den "Altparteien" kein gutes Haar lassen, die Politiker aller demokratischen Parteien generell für unfähige Versager halten und Meinungsfreiheit nur dann gut finden, wenn es um ihre eigene Meinung geht.

Kehren wir zum Ausgangspunkt zurück. Wie stehen Sie zu einer Job-Vergabe mit dem Ziel, Familienangehörigen oder Parteifreunden einen gutbezahlten Job zu verschaffen, ohne dabei nur einen Gedanken an die deutliche bessere Qualifikation potenzieller Mitbewerber zu verschwenden? Damit ist zuletzt vor allem eine Partei aufgefallen, die mit dem Anspruch antrat, mit Vetternwirtschaft aufzuräumen. Nun sagt die AfD: "Es ist doch nicht verboten!" Das stimmt, es ist bisher leider rein rechtlich zulässig, Personen ohne jede Vorkenntnis einzustellen, damit sie dreimal mehr verdienen können als bisher. Oder sogar einer Greisin zu einer lukrativen Stelle zu verhelfen, obwohl sie mit den eigentlichen Aufgaben völlig überfordert ist.

Lassen Sie uns einmal durchzählen, Herr Martenstein, welche Verstöße gegen das "gleiche Recht für alle" häufiger sind: Bei Gefälligkeitsjobs der AfD oder bei der Staatsanwaltschaft Berlin? Aber zumindest mit einem Punkt dürften Sie zufrieden sein: Die AfD-Klientel hat vermutlich allesamt deutsche Großeltern.

Glückauf
Klaus-D. Krause

PS. Und damit Ihr auch wisst, worüber ich mich so aufgeregt habe, folgt hier der Originaltext von Martenstein:
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 | Liebe Felor Badenberg,
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Sie wurden im Iran geboren, sind in der CDU und Justizsenatorin in Berlin.

In Berlin gibt es Privilegien für Menschen mit Migrationshintergrund.
Für Stellen im Landesdienst müssen bei Bewerbungsgesprächen mindestens 40 Prozent der Eingeladenen nichtdeutscher Herkunft sein. Unabhängig von Noten und Zeugnissen. Unabhängig von der Qualifikation.

Bei den Staatsanwälten zum Beispiel führte das dazu, dass Bewerber mit guten Noten nicht mal zum Gespräch antreten durften, weil sie vier deutsche Großeltern hatten.
Leute mit geringerer Qualifikation hatten Vorfahrt. Wegen des Privilegs ihrer Geburt. So ähnlich war es bei uns auch im Mittelalter bei den Adligen.

Sie, Frau Badenberg, haben das abgestellt. Es ist ganz klar verfassungswidrig. Ihren grünen Amtsvorgänger hat das nicht die Bohne interessiert. Sie sagen, dass Berlin die Besten braucht. Das ginge nur „durch gleiche Chancen für alle“. Chancengleichheit. Klingt gut. Kann sein, dass die SPD das wieder kippt. Ich danke Ihnen im Namen aller Eltern deutscher Herkunft. Wir möchten, dass auch unsere Kinder eine faire Möglichkeit auf Karriere haben. Wir wollen nicht, dass sie das Land ihrer Eltern verlassen müssen, um anderswo ihr Glück zu suchen.

Gleiche Rechte für alle sind nicht mehr selbstverständlich.

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Herzlich
Harald Martenstein
 

Schmunzelpost 1898 vom 17. 3. 26

Als ich unlängst im Hotelzimmer auf der Suche nach der ARD durch sämtliche Kanäle zappte, blieb ich kurz bei einem Verkaufssender hängen. Das muss ein zutiefst verstörendes Erlebnis gewesen sein, denn ich träume immer noch davon. Das Perfide ist, dass ich in diesem Traum selbst mitspiele und mich als Verkaufskanone auf dem Bildschirm präsentiere. Aber seht selbst, ich nehme Euch mit zur Liveübertragung aus dem Schnäppchen-Studio. 
 
"Willkommen, Klaus!" "Hallo, Susi!" "Was hast Du uns denn heute mitgebracht, Klaus?" "Nun, Susi, ich habe hier etwas ganz Besonderes, darauf hat die Welt schon lange gewartet." "Das ist ja unglaublich, sag uns schnell, was es ist." "Sehr gerne. Ich habe hier rechteckiges weißes Material und dazu ein Stöckchen. Jetzt werden sich die Zuschauer daheim fragen: 'Was ist denn das schon wieder?'" "Du bist ein Teufelskerl, Klaus, immer hast Du tolle Neuheiten parat. Wir sind schon ganz gespannt. Kannst Du uns demonstrieren, was es damit auf sich hat?" 
 
"Nun, Susi, pass gut auf. Wenn ich mit diesem Stöckchen über das weiße Material fahre, dann verfärbt es sich genau an den Stellen, die ich berühre. Schau her: Das hier ist ein putziges Osterhäschen und darunter siehst Du die Telefonnummer, unter der Du diese Neuheit bestellen kannst." "Das ist ja unglaublich, Klaus, ich bin sowas von beeindruckt." "Ja, aber das ist noch längst nicht alles. Ich kann mit dem Stöckchen sogar Buchstaben hinterlassen, wie mit der Tastatur auf dem Computer-Bildschirm." "Unglaublich, liebe Zuschauer, wenn Klaus mehrere Buchstaben nebeneinander zeichnet, dann kann man das sogar lesen, wie sonst auf dem PC-Monitor." "So ist es, Susi, Du hast es erfasst!" 
 
"Unglaublich! Was für eine Amazing Discovery! Aber sag mal, braucht man dazu überhaupt keinen Strom?" Nein, nein, Susi, fantastisch, nicht wahr? Man braucht nicht mal eine Batterie oder einen Akku." "Junge, Junge, das ist wirklich unglaublich. Und jetzt? Du hast es zugeklappt - aber das kann ich mit meinem Lap-Top auch." "Nein, Susi, sieh her, Du kannst das weiße Material so oft falten, bis es das gewünschte Maß hat." "Hey, Du hörst ja gar nicht mehr auf zu falten, und es wird immer kleiner und kleiner. Jetzt passt es sogar in meine Brieftasche. Das ist ja unglaublich, jetzt kann ich es immer bei mir haben! Darf ich es mal halten?" "Aber natürlich, Susi, hier, halt mal." 
 
"Das ist ja unglaublich, Klaus, es wiegt beinahe nichts." "Das stimmt, Susi, es ist 100 mal leichter als das kleinste Notebook." "Kein Akku, 100 mal leichter, unglaublich, ich glaub', ich träume!" "Ja, das ist traumhaft, Susi, aber nun pass mal auf, ich falte es wieder auseinander und dann..." "Aber Klaus, was tust Du da? Das geht doch nicht, Du reißt das weiße Material in zwei Teile auseinander!" "Keine Sorge, Susi, siehst Du? Ich lege beide Teile zusammen und man kann es immer noch lesen!" 
"Unglaublich, das sollte man mal mit einem USB-Stick probieren, hi, hi. Aber was machst Du jetzt? Tu's nicht, nicht darauf herumtrampeln! 
 
"Keine Panik, Susi. Schau mal!" "Unglaublich, auch jetzt kann man es noch lesen! Stellt Euch vor, Leute, Ihr hättet so auf einen Monitor getrampelt!" "Aber das ist immer noch nicht alles, Susi." "Nein?" "Du kannst es überall hin mitnehmen. Du kannst es bei hohen wie bei niedrigen Temperaturen benutzen. Und wenn Du es nicht mehr brauchst, kannst Du sogar Deine Nase damit putzen!" "Das ist ja wirklich unglaublich, die Tage von Computern und Notebooks sind dann wohl gezählt. Also, Klaus, Du hast mich voll überzeugt. Und Euch da draußen an den TV-Geräten bestimmt auch. Also nichts wie bestellen! Und morgen wieder einschalten. Mal sehen, womit Klaus uns dann wieder überrascht. Gute Nacht sagt Eure Susi!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Für nur 50 Euro könnt Ihr das Stöckchen und das weiße Material gegen Vorkasse bei mir bestellen. Und für Euch, ich muss verrückt sein, lege ich sogar noch einen zweiten Bogen obendrauf. Meine Iban bei der Volksbank Dorsten: DE70 4246 1435 0145 8486 00. 

Schmunzelpost 1897 vom 16. 3. 26

Auf einem Bein kann man nicht stehen, heißt es. Oder doch? Ha! Das Leben ist schön! Und mein Leben währt offenbar noch sehr lang! Das habe ich soeben bewiesen. Denn ich habe mich einem wissenschaftlichen Test unterzogen. Und ihn mit Glanz und Gloria bestanden. Es geht darum, wie lange man auf einem Bein stehen kann, ohne ins Wanken zu geraten. Laut einer Studie, die vom British Journal of Sports Medicine veröffentlicht wurde, sagt die Zeitdauer sehr viel über den Gesundheitszustand und die Lebenserwartung aus. Und ich habe 60 Sekunden durchgehalten und dann aus Langeweile den Test vorzeitig abgebrochen!

 

Bisher glaubte ich, dass das Stehen auf einem Bein zu musikalischen Höchstleistungen beflügelt. Jethro Tull-Flötist Ian Anderson hat dies jahrzehntelang eindrucksvoll demonstriert. Und Flamingos können nicht nur stundenlang auf einem Bein ausharren, sondern dabei sogar noch schlafen. Deshalb wird der Test in Fachkreisen auch "Flamingo-Test" genannt. Das Stehen auf einem Bein beansprucht nicht nur den Gleichgewichtssinn, sondern auch Muskelkraft und Koordinations-Vermögen. Daher gilt die Fähigkeit als zuverlässiges Merkmal für Fitness und Gesundheit.

 

Zwangsläufig nimmt das Standvermögen mit zunehmendem Alter ab. Ab 18 Jahren sollte man es mindestens 43 Sekunden fertigbringen, auf einem Bein zu stehen. Schafft man das nicht, gilt dies als Warnzeichen. Mit 60 bis 69 reichen bereits 30 Sekunden, um den Flamingo-Test zu bestehen, mit 70 bis 79 Jahren, also bei meiner Altersgruppe, genügen schon 18,5 Sekunden. Und ab 80 Jahren sollte man noch mehr als fünf Sekunden schaffen, wenn man die Absicht hat, wenigstens 90 Jahre alt zu werden. Übrigens: Gelänget es unter 80-jährigen nicht, länger als zehn Sekunden auf einem Bein zu stehen, dann sei zu befürchten, dass der Tod keine zehn Jahre mehr auf sich warten lässt!

 

Wenn es so einfach ist, zum Methusalem zu werden, dann verzichte ich künftig auf Tabletten, Bewegung und gesunde Ernährung. Jetzt wird mir auch klar, warum Yoga-Training so beliebt geworden ist: Den Einbeinigen gehört die Welt! Wie gut, dass man das üben kann. Vögel sind offenbar viel cleverer als wir und haben das schon lange erkannt. Denn auch Enten, Reiher oder Möwen praktizieren die Flamingo-Technik. Aber das hat wohl einen anderen Grund: Wenn ein Bein eingezogen im Federkleid ruht, verringert sich der Wärmeverlust der Vögel um die Hälfte.

 

Außerdem haben Untersuchungen an Flamingos ergeben, dass diese keine Muskelkraft benötigen, um lange Zeit auf einem Bein stehen zu können. Somit müssen sie auch keine Energie aufwenden. Flamingos können passiv das Körpergewicht auf einem Bein ohne Muskelkontraktion halten. In der zweibeinigen Position ist dies dagegen nicht möglich. Die Vögel sparen sich also so ihre Kraft für wichtigere Dinge auf.

 

Was sagt Ihr? Die Einbein-Artisten unter den Vögeln leben gar nicht länger? Die Lebenserwartung wird von anderen Faktoren - Nahrungsmangel, Vogelgrippe, Kälte, Dürre und Fressfeinden wie hungrigen Füchsen - viel stärker beeinflusst? Schade. Ich hatte bereits geplant, das Hinkeln, wie wir es als Kinder auf der Straße gespielt haben, als neue Trendsportart zu etablieren. Nun aber werde ich mein Einbein-Training auf die von Medizinern empfohlene Minute am Tag beschränken. Das soll zur regelmäßigen Routine werden wie Joggen oder Zähneputzen. Manche raten auch dazu, Zähneputzen und Einbeinstehen zu kombinieren. Doch da bin ich überfordert. Multitasking ist nicht meine Stärke.

 

Dafür kann ich aber auf einem Bein stehen und Euch einen passenden Witz erzählen. Der geht so: Ein Vogelfreund demonstriert stolz, was er seinem Papagei beigebracht hat. "Schau mal: Ich habe hier zwei Glöckchen. Jetzt läute ich die linke. Guck mal, wie Lora reagiert." Der Papagei hebt sein rechtes Bein. "Und nun läute ich die rechte." Der Papagei hebt sein linkes Bein. Fragt sein Besucher: "Und was passiert, wenn Du beide gleichzeitig läutest?" Da krächzt der Papagei: "Dann falle ich auf die Schnauze, Du Idiot!"

 

Glückauf

kdk

Schmunzelpost 1896 vom 15. 3. 26

Nun ist es hierzulande also offiziell erlaubt, Wölfe zu töten. Zwar gibt es Auflagen, aber diejenigen, die längst zuvor illegal die Konkurrenten bei der Jagd auf Rot- und Niederwild ins Visier genommen haben, werden sich wohl kaum darum scheren. Und auch, wer bisher noch zögerte, fühlt sich nun ermutigt. Schließlich muss die "Wolfs-Balance" gewährleistet bleiben, wie gestern die Schlagzeile der Dorstener Zeitung verriet. Es kann ja nicht so weiter gehen, dass jedes Jahr unschuldige Schafe grausam gerissen werden.
 
Das sagen nicht nur Schafzüchter, sondern auch Tierfreunde, die sich beim Festmahl den zarten Lammrücken auf der Zunge zergehen lassen. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass der größte Schafskiller Deutschlands der Mensch ist. Auf unser Konto geht eine x-tausendfach höhere Summe an Opfern, und der Weg ins Schlachthaus ist für die betroffenen Schäfchen auch kein Vergnügen. Hat eigentlich irgendjemand mal gefordert, deshalb den Abschuss von Menschen freizugeben? Okay, das war eine rhetorische Frage. Aber ist sie nicht ein klein wenig berechtigt? Denn meines Wissens hat in diesem Jahrhundert noch kein Wolf einem Menschen Leid zugefügt. Erheblich gefährlicher sind unsere eigenen Artgenossen.
 
Anders als Wölfe sind wir auch in der Lage, den Leuten das Image von der blutrünstigen Bestie ins Bewusstsein zu pflanzen. Dieses Geschäft haben bereits vor langer Zeit die Gebrüder Grimm erledigt, die es womöglich übelnahmen, dass Isegrim, der Wolf, gewissermaßen ein Namensvetter von ihnen war. Zwar firmierten sie frank und frei als Märchenerzähler, aber ihre Geschichten erreichten uns in einem Alter, in dem wir noch jedes Wort für bare Münze nahmen. Ich will Euch heute berichten, was sich wirklich abgespielt hat, als sich ein frühreifes Mädchen mit modisch roten Käppchen in den Wald begab, um ihre Großmutter zu besuchen.
 
Es war einmal eine finstere Zeit, in der die Deutschen erbarmungslos alle Wölfe töteten, weil sie deren Beute, das Wild, allein für sich beanspruchten. Isegrim, der letzte Überlebende, überlegte verzweifelt, wie er dem Tod entgehen könnte. Dazu entwickelte er eine kluge Strategie. Isegrim freundete sich mit einer netten älteren Dame an, die allein mitten im Wald lebte, da ihr die Mitmenschen auf den Keks gingen. Sie gewährte ihm Asyl und brachte ihm das Sprechen bei, sodass fortan beide mit tiefsinnigen Gesprächen der Einsamkeit ein Schnippchen schlagen konnten. Einzige Bedingung der Vegetarierin war, dass Isegrim seine Ernährung umstellte, worauf er bereitwillig einging.
 
Um die Versorgung kümmerte sich die Enkelin, die regelmäßig vorbei schaute und Speis und Trank mitbrachte. Rotkäppchen, wie das Mächen wegen seine Modeticks genannt wurde, wuchs jedoch von einem unschuldigen Kind zu einer jungen Frau heran, die sich in einen schneidigen Mann verguckte, der sein täglich Brot als Förster verdiente. Doch sein Job geriet in Gefahr. Denn die Leute fragten sich, wozu sie ihm jeden Monat ein Gehalt zahlten, wo es doch im Wald gar nichts mehr Bedrohliches gab, vor dem er sie hätte schützen können.
 
So schmiedeten der Förster und Rotkäppchen, das mit den Jahren zunehmend eifersüchtig auf Isegrim geworden war, einen teuflischen Plan. "Wo ist denn mein Tofu?", fragte Isegrim verstört, als Rotkäppchen eines Tages ihren Korb auspackte. "Oh, tut mir Leid, den muss ich vergessen haben. Dafür habe ich jedoch drei Flaschen Rotkäppchen-Sekt eingepackt, damit wir heute meinen Geburtstag feiern können." Als erste schlief die Großmutter ein, die keinen Alkohol gewöhnt war. Isegrim hingegen leerte alle Flaschen bis zum letzten Tropfen, bevor er sich auf ein Nickerchen niederlegte. Eilig winkte Rotkäppchen nun den Förster herbei, und der machte kurzen Prozess.
 
Zunächst erschoss er Isegrim, und danach, die Zartbesaiteten unter Euch sollten jetzt die Augen schließen, schnitt er ihm den Bauch auf. Als Großmutter mit einem bösen Kater langsam zu sich kam, erzählte ihr Rotkäppchen heulend, dass der besoffene Wolf über sie hergefallen sei und sie gefressen habe: "Das ist alles meine Schuld, weil ich sein Tofu vergaß!" Die vertrauensselige Oma aber tröstete ihr Enkelkind und glaubte jedes Wort. Anschließend holte man die Mordkommission aus der nächstgelegenen Stadt herbei, der man die abenteuerliche Geschichte vom Tod der Bestie und der Rettung Rotkäppchens auftischte. Zwar wunderte sich die Spurensicherung, dass Rotkäppchen alles derart unversehrt überstanden hatte, aber ein treuherziger Augenaufschlag beseitigte alle Zweifel.
 
So wurde der Förster im Dorf gebührend gefeiert und für seine Heldentat fürstlich bezahlt. Bald darauf heiratete er die Großmutter und lebte mit ihr und Rotkäppchen glücklich im Eigenheim mitten im nun völlig wolfsfreien Wald. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie dort heute noch.
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1895 vom 14. 3. 26

Des Öfteren musste ich neidvoll beobachten, dass Katzen von Frauen weit liebevoller behandelt werden als Männer. Katzen werden dauernd gestreichelt, geherzt und mit den ausgefallensten Kosenamen bedacht, wobei Frauen ihnen leise Komplimente aller Art ins Ohr hauchen. Dabei denken Katzen überhaupt nicht daran zu antworten und beschränken sich bestenfalls auf ein gelegentliches Schnurren. Warum ist mir das nicht vergönnt? Was mache ich falsch? Gut, ich kann schlecht meinen Kopf zärtlich an Frauenbeinen reiben und meine Körperbehaarung lässt im Vergleich zum weichen Katzenfell zu wünschen übrig. Aber dennoch ist diese Ungleichbehandlung unfair. Oder hat unser Kater jemals den Müll rausgetragen und den Rasen gemäht?
 
Glücklicherweise erfuhr ich jetzt durch eine Studie, dass ich kein Einzelfall bin. Eine Mehrzahl der Frauen, so stand da, lebt lieber mit einer Katze zusammen als mit einem Mann. Dafür soll es gute Gründe geben. Ich habe unsere beiden Kater befragt, und gegen eine Zusatzportion Futter gaben sie bereitwillig Auskunft. Hier sind einige ihrer Argumente. Manche davon haben mit dem Bett zu tun.
 
Katzen schnarchen nicht, sondern schnurren, wenn sie neben einer Frau im Bett liegen. Katzen habe keine Alkoholfahne, wenn sie sich schmusebedürftig rankuscheln. Katzen liegen ansonsten der Frau stets zu Füßen, was man von Männern nicht behaupten kann. Außerdem können Kater durch Kastration vom Streunen abgehalten werden.
 
Überdies sind Katzen generell die besseren Hausgenossen. Sie lassen niemals ihre Socken überall in der Wohnung herumliegen. Katzen spüren ganz genau, wie Frauen drauf sind - Männer bilden sich das nur ein. Katzen werden durch eine kleine Erkältung nicht zum pflegebedürftigen Invaliden - sie haben ja neun Leben. Katzen besitzen von Natur aus einen perfekten Körper, Männer glauben das nur. Katzen rollen sich auf dem Schoß zusammen und leisten der Frau gern beim Fernsehen Gesellschaft und zwar bei allen Programmen, nicht nur beim Fußball. Katzen haben glänzendes, volles Haar. Katzen kapieren irgendwann, wie das mit dem Klo funktioniert. Katzen fressen, was frau ihnen hinstellt. Und Katzen laden ihre Mütter nicht zum Essen ein.
 
Schließlich: Frauen können sich ihre Katzen jederzeit nach Alter, Rasse und Typ aussuchen. Und bei Bedarf sogar mehrere gleichzeitig halten.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1894 vom 13. 3. 26

Wie wir inzwischen gelernt haben, zeigen sich beim großartigsten Präsidenten in der US-Geschichte einige Wissenslücken in Schulfächern. In Zoologie kennt er sich zwar einigermaßen aus, denn er prahlte stolz damit, dass er bei einem Intelligenztest sofort einen Elefanten erkannt habe, aber dass Trump mit Mathematik nichts am Hut hat, beweist bereits sein eigenwilliger Umgang mit der Prozentrechnung. Besonders auffällig sind jedoch die mangelnden Geografie-Kenntnisse. So schwärmte der US-Präsident in höchsten Tönen von einer wunderschönen Stadt namens Belgien. Und obwohl er sich im Nahen Osten eigentlich ein bisschen auskennen müsste, erzählte er vor kurzem, dass Katar und Iran Nachbarstaaten seien: "Man kann in einer Sekunde von Katar nach Iran laufen, eine unglaublich gefährliche Lage." 
 
Das aber wäre Weltrekord. Denn zwischen Katar und Iran liegen auf dem Landweg 510 Meilen und eine Autofahrt von mindestens 13 Stunden, und die Luftlinie über den Persischen Golf misst immerhin auch fast 200 Kilometer. Und auf Twitter zwitscherte Trump: "Mann in Pariser Polizeistation erschossen" und dazu seine Schlußfolgerung: "Deutschland ist ein einziges großes Verbrechen." 
 
Lange habe ich gedacht, der Mann ist einfach ungebildet und interessiert sich nur dafür, was ihm Geld, Macht oder Ruhm einbringen könnte. Doch inzwischen vermute ich, dass der amerikanische Geheimdienst Trump mit Fehlinformationen gefüttert haben könnte. Früher gab Trump zwar wenig auf CIA-Infos und maß selbst den Behauptungen Putins größeren Wahrheitsgehalt bei als den Erkenntnissen seiner Spione. Seitdem er jedoch einen Vertrauensmann als CIA-Chef eingesetzt hat, vertraut er blind darauf, was ihm dessen Agenten flüstern. 
 
Woher ich das weiß? Dazu genügt ein Blick in das World Facebook, das die Central Intelligence Agency jährlich veröffentlicht. Darin sind auch statistische und geographische Daten fast aller Länder aufgelistet, die dabei entweder mit den USA oder einem US-Bundesstaat verglichen werden. Vermutlich soll das den auf ihr Heimatland fixierten Amerikanern die Einordnung erleichtern, was Donald Trump sehr entgegen kommt. Nicht alle dieser Vergleiche sind jedoch von "Intelligence" geprägt. 
 
So sei Deutschland etwas kleiner als Montana und der Iran etwas größer als Alaska. Was von den Quadratkilometern sogar halbwegs stimmt. Doch weiß Trump, wie groß Alaska ist? Und dass es zu den USA gehört? Vor seinem persönlichen Treffen dort mit Putin nannte Trump auf einer Pressekonferenz nicht nur den falschen Ort und einen falschen Zeitpunkt der Zusammenkunft, sondern betonte auch noch mehrfach, er fahre zu Putin nach Russland. Knapp vorbei ist auch daneben: Zwar gehörte Alaska einst wirklich zum Zarenreich, wurde jedoch bereits 1867 für 7,2 Millionen Dollar an die USA verkauft.
 
Nun versuche ich, Trumps CIA-Gläubigkeit und seine Wissenslücken gezlelt auszunutzen. Als Undercover-Agent des amerikanischen Geheimdienstes zuständig für das Ruhrgebiet, schrieb ich jetzt einen streng geheimen Bericht für den US-Präsidenten. "Dorsten is a famous town in West-Germany. Our city is very important, more as our maintown Paris. And our newspaper, the Dorstener Zeitung, has a edition that is nearly higher than the edition of the New York Times. And now comes the hammer: The CDU, Germanys power party, will reset Kanzler Merz by the next election-desaster. And the new mighty man of Germany and Europe will be the smart mayor of Dorsten!
 
Good Luck!
kdk

Schmunzelpost 1893 vom 12. 3. 26

Texte über das Abnehmen wecken stets mein Interesse, ebenso solche über Wein. Und wenn dann noch beide Themen vereint werden, bin ich ein besonders neugieriger Leser. So auch, als ich im Internet über eine wissenschaftliche Veröffentlichung stolperte, die ich ein wenig bearbeitet an Euch weiterreiche.
 
Wissenschaftler der Universität Bordeaux haben jetzt in einer Studie nachgewiesen, dass alle bisherigen Diätpläne völliger Mumpitz sind und es ein ganz einfaches Rezept zum Abnehmen gibt. Denn zuvor haben die Ernährungsforscher unbegreiflicherweise einen ganz wichtigen Punkt total vernachlässigt: Die Temperatur der Speisen und Getränke.
Wie wir alle wissen, ist eine Kalorie notwendig, um ein Gramm Wasser um ein Grad von 21,5 auf 22,5 Grad zu erwärmen. Man muss kein mathematisches Wunderkind sein, um zu errechnen, dass der Mensch, wenn er ein großes Glas Weißwein trinkt, der eine Temperatur von zehn Grad hat, demzufolge etliche Kalorien verbraucht, um den Rebensaft der Körpertemperatur anzupassen. Um auf 37 Grad zu kommen, sind 5400 Kalorien erforderlich.
 
Diese Leistung unseres Körpers ist zwingend notwendig, da wir Menschen unsere Temperatur stets halbwegs konstant halten müssen. Daher wird die einzige Energiequelle genutzt, die uns kurzfristig zur Verfügung steht: Unser Körperfett. Dieses Körperfett wird verbrannt, um die Erwärmung zu gewährleisten - die Thermodynamik lässt sich nicht belügen!
Trinkt man also ein großes Glas Weißwein (ca. 400 g, zehn Grad) verliert man rund 10.800 Kalorien. Allerdings müssen wir noch die Kalorien des Weins abziehen, sagen wir der Einfachheit halber 800.
 
Unter dem Strich betrachtet verliert man also ungefähr 10.000 Kalorien allein durch den Genuss nur eines Glases köstlich-kühlen Weins. Natürlich ist der Verlust umso größer, je kälter der Wein ist. Mit Eiswein ergeben sich da ungeahnte Möglichkeiten für eine Blitzdiät. Auf solche Art Kalorien abzubauen, ist, wie jedem einleuchten dürfte, viel effektiver als zum Beispiel Fahrradfahren oder Joggen, wobei nur ca. 1000 Kalorien pro Stunde verbrannt werden.
 
Abnehmen ist so einfach. Wir müssen alle einfach nur reichlich gut temperierten Wein zu uns nehmen. Die Thermodynamik erledigt den Rest.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Bei längerem Nachdenken sind bei mir Zweifel aufgekommen, ob die Uni Bordeaux womöglich als Auftrags-Arbeit ein von der Weinwirtschaft finanziertes Gutachten verbreitet hat. Denn wenn ich kurz überschlage, wieviel Gläser Wein ich allein in diesem Jahr getrunken haben, müsste meine Waage eigentlich bereits ein Minuszeichen vor die Gewichtsangabe setzen. Aber wer weiß? Wahrscheinlich war der Wein nur nicht gut genug gekühlt.

Schmunzelpost 1892 vom 11. 3. 26

Am Sonntag haben wir uns einem Protestmarsch angeschlossen. Für alle Nicht-Dorstener: Es geht darum zu verhindern, dass eine Abraumhalde in eine Giftmülldeponie umgewandelt wird. Ein Bündnis aus den Nachlassverwaltern des Bergbaus, der Abfallwirtschaft und der Bezirksregierung ist dafür sogar bereit, einen Vertrag mit der Stadt zu brechen, nach dem die Halde komplett begrünt werden muss. Wenn das für Dorstener Bürger kein Anlass ist, auf die Barrikaden zu gehen, weiß ich es auch nicht. 

 

Wir fuhren mit Rädern zum zentralen Kundgebungsort und ketteten dort die E-Bikes zusammen. Verabredet war, dass wir uns auf die Heimfahrt begeben wollten, falls zum Abschluss alles Wesentliche gesagt  und vom letzten Redner nur noch wiederholt werden sollte. Beim dritten Redner war es soweit. Also begab ich mich zu unseren Rädern. Dort wartete ich vergebens, auch als gegen 17.10 Uhr die Demo offiziell für beendet erklärt wurde. In den nächsten zehn Minuten verwandelte sich meine Ungeduld allmählich in Unruhe, da die meisten der mehr als 500 Teilnehmer sich längst auf den Heimweg gemacht hatten, von meiner besseren Hälfte jedoch immer noch nichts zu sehen war. Nach weiteren fünf Minuten stand ihr Fahrrad völlig einsam in der Landschaft, von der Besitzerin fehlte aber jede Spur. 

 

Deshalb begab ich mich zur Bühne, wo noch zwei kleinere Grüppchen beieinander standen und diskutierten. Nix, keine Ulla weit und breit. Nun war ich ernsthaft beunruhigt und fragte eine Polizistin, ob es vielleicht einen medizinischen Notfall gegeben habe. Das war zum Glück nicht der Fall. Nach wem ich denn suche, lautete die Gegenfrage. Und dann wurde ich um eine Beschreibung gebeten. "Äh, eine Frau, etwas größer als 1,70 m, mit weißen, mittellangen Haaren." "Hat sie sonst noch besondere Merkmale?" Naheliegendes wäre nun gewesen: "Sie ist wunderschön!" oder "Sie leuchtet von innen heraus", aber das fiel mir aus unerfindlichen Gründen nicht ein. "Was hatte sie denn an?" Jetzt kam ich erst recht ins Schleudern. "Äh, ja, was war das noch? Einen hellgrauen Pullover, glaube ich." "Jemand mit solcher Bekleidung kann ich nirgendwo sehen. Aber da vorne steht eine Frau mit mittellangen weißen Haaren. Ist sie das vielleicht?" 

 

Ja, das war sie tatsächlich. Sie unterhielt sich angeregt mit einer Frau und einem Mann. Mit den beiden hatte sie vor vielen Jahren für das Abi gepaukt, beide danach aber ewig nicht mehr gesehen. Und über ihrem hellgrauen Sweatshirt trug sie eine dunkelblaue Steppjacke. Nun war ich schwer erschüttert. Nicht aus Erleichterung oder aus Wiedersehensfreude. Sondern wegen meiner mangelhaften Beobachtungsgabe. Schließlich waren wir auf dem Rad eine halbe Stunde lang nebeneinander her gefahren. Und anschließend protestierend ein paar Kilometer gemeinsam marschiert. 

 

Was lernen wir daraus? Liebe Bankräuber und Unfallflüchtige! Falls ich zufällig Zeuge Eurer Schandtaten werde, habt Ihr nichts zu befürchten. Meine Aussagen werden die Polizei eher verwirren. Und für Ulla gilt: Wenn das nächste Mal Gefahr droht, dass ich sie aus den Augen verliere und Hilfe brauchen könnte, um sie wieder zu finden, muss sie ein Schalke-Trikot überziehen. Das kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit exakt beschreiben. 

 

Glückauf 

kdk 

Schmunzelpost 1891 vom 10. 3. 26

Bisher hat es noch nicht geklappt, Funkkontakt mit außerirdischen Intelligenzen aufzunehmen. Das ist auch kein Wunder. Bewohnbare Planeten sind viele Lichtjahre von uns entfernt. Entsprechend lange dauert es, bis unsere Funknachrichten die Empfänger erreichen und ihre Antwort bei uns eintrifft. Hätten schon die Steinzeitmenschen mit dem Senden begonnen, wären die Chancen größer. Aber die haben das leider total verpennt.
 
Vielleicht haben jedoch Raumschiffe der Aliens Funksignale unseres Flugverkehrs aufgefangen und dechiffriert. Danach sind sie wahrscheinlich zu dem Ergebnis gekommen: "Was da auf diesem blauen Planeten lebt, ist noch nicht wirklich intelligent. Lasst uns besser mit der Kontaktaufnahme noch ein zwei-, dreihundert Jahre warten." Funkdialoge wie die folgenden könnten dazu beigetragen haben. Angeblich sind alle drei Wort für Wort tatsächlich passiert.
 
Pilot: "Haben nur noch wenig Treibstoff. Erbitten dringend Anweisung."
Tower: "Wie ist ihre Position? Haben Sie nicht auf dem Schirm."
Pilot: "Wir stehen auf Bahn 2 und warten seit einer Ewigkeit auf den Tankwagen."
 
Tower: "Um Lärm zu vermeiden, schwenken sie bitte 45 Grad nach rechts."
Pilot: "Was können wir in 35 000 Fuß Höhe schon für Lärm machen?"
Tower: "Den Krach, wenn ihre 707 mit der 727 vor Ihnen zusammen stößt!"
  
Pilot: "Good morning, Frankfurt ground, KLM 242 request start up and push back, please" (Turbinen starten und vom Terminal zurückschieben lassen).
Tower: "KLM 242 expect start up in two hours."
Pilot: "Please confirm: two hours delay?"
Tower: "Affirmative."
Pilot: "In that case, cancel the good morning!"
 
Und der folgende Wortwechsel hat wirklich im Oktober 1995 zwischen einem US-Marinefahrzeug und kanadischen Behörden vor der Küste Neufundlands stattgefunden. Er wurde am 10. 10. 1995 vom Chief of Naval Operations (Canada) veröffentlicht. Fast unglaublich. Es sei denn, der Dialog stamme aus der Gegenwart und der amerikanische Wortführer sei von Trump und seinem Kriegsminister Hegseth inspiriert.
 
Amerikaner: Bitte ändern Sie Ihren Kurs 15 Grad nach Norden, um eine Kollision zu vermeiden.
Kanadier: Ich empfehle, Sie ändern IHREN Kurs 15 Grad nach Süden, um eine Kollision zu vermeiden.
Amerikaner: Dies ist der Kapitän eines Schiffs der US-Marine. Ich sage noch einmal: Ändern Sie Ihren Kurs.
Kanadier: Nein. Ich sage noch einmal: Sie ändern Ihren Kurs.
Amerikaner: DIES IST DER FLUGZEUGTRÄGER "USS LINCOLN", DAS ZWEITGRÖSSTE SCHIFF IN DER ATLANTIK-FLOTTE DER VEREINIGTEN STAATEN. WIR WERDEN VON DREI ZERSTÖRERN, DREI KREUZERN UND MEHREREN HILFSSCHIFFEN BEGLEITET. ICH VERLANGE, DASS SIE IHREN KURS 15 GRAD NACH NORDEN, DAS IST EINS FÜNF GRAD NACH NORDEN, ÄNDERN, ODER ES WERDEN GEGENMASSNAHMEN ERGRIFFEN, UM DIE SICHERHEIT DIESES SCHIFFES ZU GEWÄHRLEISTEN.
Kanadier: Dies ist ein Leuchtturm.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1890 vom 9. 3. 26

Hummel, hummel, mors, mors! Mit dieser originellen Begrüßung greife ich auf, dass Ihr bestimmt noch den PS-Nachtrag der letzten Schmunzelpost im Kopf habt. Vom Morsen zum Funken ist es nur ein kleiner Schritt. Daher habe ich mich im Internet umgeschaut, was der Funksektor an Humor zu bieten hat. Dabei stieß ich auf Dialoge, die das Flieger-Magazin "Rodscher" dokumentierte. 
 
Das erste angeblich authentische Zwiegespräch zeigt, dass Piloten gelegentlich zwar im richtigen Flugzeug, aber dennoch auf dem falschen Dampfer sein können. Kramt bitte Eure Englisch-Kenntnisse hervor, nebenbei lernt Ihr auch noch etwas Fachjargon: 
Pilot: "Bratislava Tower, this is Oscar Oscar Kilo estabished ILS 16." 
Tower: "Oscar Oscar Kilo, Guten Tag, cleared to land 16, wind calm - and by the way: this is Wien Tower." 
Pilot: (Nach einer Denkpause) "Bratsilava Tower, Oscar Oscar Kilo passed the outer marker." 
Tower: "Oscar Oscar Kilo roger, and once more: you are approaching Vienna!" 
Pilot: (Nach einer Denkpause) "Confirm, this is NOT Bratislava?" 
Tower: "You can believe me, this is Vienna! 
Pilot: (Nach einer erneuten Pause) "But why? We want to go to Bratislava, not to Vienna!" 
Tower: "Oscar Oscar Kilo, roger. Discontinue approach, turn left 030 and climb to 5000 feet, vectors to Bratislava." 
 
Andere Piloten haben Schwierigkeiten, Mathematik und Höhenangaben auf den korrekten Nenner zu bringen: 
Controller: "Hotel Papa Oscar climb four thousand to six thousand and maintain." 
Pilot: "Hotel Papa Oscar, climbing flight level 100." 
Controller: "Hotel Papa Oscar, climb to flight level 60 and maintain." 
Pilot: "Aber vier plus sechs ist doch zehn, oder?" 
Controller: "Sie sollen steigen, nicht addieren!" 
 
Und mitunter sitzt auch jemand im Cockpit, für den das Wort "begriffsstutzig" erfunden wurde: 
Controller: "DE..., fliegen Sie weiter im Gegenanflug für die 26, Landenummer 2 hinter einer DC 9 im kurzen Endteil." 
Pilot: "Verstanden, fliege weiter für die 29 und folge der DC 6." 
Controller: "Nicht ganz richtig: Die Landebahn war 26 und Ihr Verkehr eine DC 9." 
Pilot: "Okay, ich folge der DC 26... Wie war die Landebahn?" 
 
SP-Tower an SP-Leser: "Alles Roger? Dann funken wir morgen auf dieser Wellenlänge weiter und schauen, ob Oscar Oscar Kilo bis dahin Bratislava gefunden hat. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1889 vom 8. 3. 26

Heute ist der Tag der Frau. Wie gehen wir Männer damit um? Leider sind die wenigsten von uns in der Lage, die Nachteile, die Frauen in unserer Gesellschaft nach wie vor hinnehmen müssen, erheblich zu minimieren oder gar ganz zu beheben. Und wie am Valentins- oder Muttertag den Einflüsterungen des Kommerzes durch den Kauf eines Geschenks zu erliegen, kommt für den aufgeklärten Mann sowieso nicht in Frage.
 
Also bleibt es bei einer Geste. Wir könnten etwas tun, das unsere Partnerin sich von uns wünscht, was wir jedoch hartnäckig verweigert haben. Und die Romantiker unter uns könnten der Frau ihres Herzens mal wieder "ich liebe Dich!" ins Ohr flüstern, das letzte Mal ist bestimmt schon lange her. Für diejenigen, denen das zu kitschig und nicht originell genug ist, biete ich hier eine Alternative an. Ich schreibe mal auf, wie die Botschaft in anderen Sprachen herübergebracht wird. Frauen sind meist klug und stets neugierig. Eure Partnerin wird bestimmt über kurz oder lang herausfinden, was Ihr ihr geflüstert habt. Und sich dann hoffentlich freuen.
 
Auf geht's! Auf Schweizerdeutsch sagt Ihr: "Ch'ha di gärn!" Und auf Niederländisch heißt es: "Ik hou van jou!" Nun wird es etwas anspruchsvoller. Auf walisisch lauten die magischen Worte: "Rwy'n dy garu di!" Ebenso kompliziert klingt es auf finnisch: "Minä rakastan sinua." Und richtig heftig wird's auf Urdu: "Mai aap say pyaar karta hoo!" Ihr könnt das auch aufschreiben und Eurer Frau einen Zettel zustecken. Doch ob das wirklich hilft? Die größte Chance verstanden zu werden (die simplen, aber abgenutzten Formeln "I love you" oder "Je t'aime" einmal ausgeklammert), bietet das Jiddische: "Ikh hob dikh lib!"
 
Wie ich mich entscheide? Ich glaube, ich bringe lieber den Müll raus. 
 
Glückauf
kdk 
 
PS. Es gibt noch eine originellere Variante. Wenn es zwischen Euch noch funkt, versucht es mal mit dem Morse-Alphabet: kurz kurz -  lang lang lang lang / kurz lang kurz kurz -  kurz kurz -  kurz  - lang kurz kurz kurz -  kurz / lang kurz kurz - kurz kurz - lang lang lang lang. 


Schmunzelpost 1888 vom 7. 3. 26

Im Namen Gottes wird auf der Erde vielerlei Unfug getrieben. Und zwar seit Menschen damit begonnen haben, Religionen zu begründen und vermeintlich gottgewollten Geboten zu folgen. Jüngst haben wir dies im Iran erlebt, wo Theokraten ihre Untaten und das Abschlachten ihrer Gegner damit rechtfertigten, lediglich himmlische Befehle zu befolgen. Der Tod von Ajatollah Chamenei wurde daher in weiten Teilen der Welt eher begrüßt als bedauert. 
 
Wir im gesitteten christlichen Abendland haben in den letzten Jahrzehnten ohnehin den Islam als größte Bedrohung ausgemacht. Erst recht seit dem Anschlag auf die Twin Towers in New York und dem Wüten von Islamisten und selbsternannten Kalifen im Nahen Osten. Auch was Erdogan sich mit Verweis auf den Koran in der Türkei herausnimmt, ist uns nicht geheuer. 
 
Aber wir übersehen dabei, dass es stets Menschen sind, die den Glauben instrumentalisieren und behaupten, im Auftrag ihrer Kirche die Gräueltaten zu begehen. Doch die Kirche ist allzu oft nur ein Apparat, der dazu genutzt wird, handfeste irdische Interessen erbarmungslos durchzusetzen. Schauen wir nur in die Ukraine und nach Russland. In beiden Ländern ist die orthodoxe Kirche die stärkste geistliche Kraft. Trotzdem segnen ihre Priester die Soldaten beider Staaten und ermutigen sie, es sei Gottes Wille die feindlichen Glaubensbrüder umzubringen. 
 
Wer sich nun erleichtert zurücklehnt, weil unsere evangelische und katholische Kirche sich bemüht, die Demokratie zu stärken und für Frieden eintritt, der sollte nur ein paar Jahrzehnte zurückschauen. Ich meine nicht die abscheulichen Missbrauchsskandale, die ja lange Zeit von den Kirchenoberen als Taten vereinzelter schwarzer Schafe betrachtet und nach Möglichkeit vertuscht wurden. Ich rede auch nicht von Kreuzzügen, Hexenverbrennungen und der Versklavung von Heiden, die nicht als Menschen galten, weil ihnen der rechte Glaube fehlte. Ich meine das Verhalten unserer Kirche im Dritten Reich. 
 
Gerade habe ich einen Artikel von Lutz Herden über die "Göttliche Mission" im Jahr 1941 gelesen. Er machte mir das Ausmaß deutlich, wie sehr damals die evangelische wie die katholische Kirche die Nationalsozialisten unterstützten und sich sogar als aktive Befürworter des Russland-Feldzugs schuldig machten: "Abendländische Gesinnung und völkische Notwehr stehen gegen die Finsternis und Barbarei des Ostens." Bereits 1933 hatten Protestanten und Katholiken in großer Mehrheit beschlossen, sich wegzuducken und als staatspolitisch loyale Christen nicht gegen Nazi-Verbrechen aufzumucken. Am 3. Juni verkündeten alle katholischen Bischöfe, man wolle "dem Staat auf keinen Fall die Kräfte der Kirche entziehen". Schließlich erblicke man "in jeder menschlichen Obrigkeit einen Abglanz der göttlichen Herrschaft." 
 
Mehr noch: Reichsbischof Ludwig Müller als führender Vertreter der evangelischen Kirche gründete sogar die "Bewegung deutscher Christen", die versuchte, Religion und Nationalsozialismus zu verschmelzen. Er stieß damit kaum auf Widerstand in den eigenen Reihen. Und der "Geistliche Vertrauensrat der Deutschen Evangelischen Kirche" sandte am 30. Juni 1941 ein Telegramm an Hitler, um ihn zu ermutigen "mit schweren Schlägen gegen den Pestherd des Bolschewismus" diesen gnadenlos auszumerzen. Die große Mehrzahl der 1939 Seelsorger, die mit ins Feld zogen, taten denn auch ihr Bestes, die Wehrmacht-Soldaten zum Kampf gegen die Finsternis und Barbarei des Ostens zu motivieren. 
 
Selbst vermeintliche Lichtgestalten waren zu Kriegsbeginn nicht immun. Auch der NS-kritische Bischof Clemens von Galen in Münster wetterte zunächst gegen den gottlosen jüdischen Bolschewismus. Und Martin Niemöller, Symbolfigur der bekennenden Kirche, bot sich im September 1939 als Häftling im KZ Sachsenhausen für den Kriegsdienst an: Er wolle wie im 1. Weltkrieg wieder in ein U-Boot steigen. Mag dies auch ein verzweifelter Versuch gewesen sein, dem Konzentrationslager zu entkommen, so sahen viele Geistliche selbst nach der Niederlage Deutschlands, als Kriegsverbrechen und Völkermord an den Juden bekannt wurden, nichts Verwerfliches an ihrem Tun. 
 
Im Gegenteil. Noch 1959 schrieb der katholische Pfarrer Johann Anton Hamm in seinem Buch "Als Priester in Russland", er habe erst durch den Ostkrieg den tiefen Sinn des Priestertums erfahren. Große Genugtuung habe ihn durchdrungen, als er zum Tode verurteilte Deserteure noch vor der Exekution taufen konnte: "Welch schönes Sterben! Manch einen habe ich fast darum beneidet." 
 
Das war kein Zynismus, sondern Ausdruck eines pervertierten Glaubens. Und nach diesem Blick in die dunklen Abgründe der menschlichen Seele stehe ich erneut vor dem Problem, eine Schmunzelpost wenigstens auf eine Weise zu beenden, die ihrem eigentlichen Zweck entspricht. Alle Tiefgläubigen unter Euch mögen verzeihen: Diesmal schließe ich mit Zitaten und Sprüchen, die in einem von religiösen Fanatikern beherrschten Staat die Urheber auf den Scheiterhaufen gebracht hätten. 
 
Der Religion ist nur das Heilige wahr. Der Philosophie ist nur das Wahre heilig. 
 
Leidet ein einzelner Mensch an Halluzinationen, weist man ihn in die Psychiatrie ein. Leiden Millionen an Halluzinationen, nennt man es Religion. 
 
In jedem Dorf gibt es einen, der die Kerze der Erkenntnis und des Wissens entzündet: den Lehrer. Und einen, der sie ausbläst: den Pfarrer.
 
Es sprach der König zum Bischof: "Ich halte sie arm, halte Du sie dumm!"
 
"Wer glaubt, er würde ein Christ, wenn er in die Kirche geht, der irrt. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“ ~ Albert Schweitzer
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1887 vom 6. 3. 26

An dieser Stelle habe ich mich gelegentlich beschwert, dass Anglizismen, Fremdwörter und Fachausdrücke in gehäufter Form das Verständnis erschweren oder sogar unmöglich machen. Trotzdem ist bei vielen Menschen die Neigung ungebrochen, sich einer solchen Ausdrucksweise zu bedienen. Sind das alles Blender, die sich wichtig machen wollen? Oder Schlaumeier, die uns durch den Gebrauch von Fremdwörtern zeigen möchten: Ätsch, ich weiß etwas, was Du nicht weißt! Und die sich dann freuen, ihre nach ihrer Ansicht bessere Bildung und höhere Intelligenz gnädig durch Übersetzungen in die Otto-Normalverbraucher-Sprache beweisen zu können? 
 
Heute will ich Euch ein paar Sätze an die Hand geben, mit denen Ihr kontern könnt. Das Auswendiglernen lohnt sich. Ihr könnt vorab selbst testen, ob Ihr die eigentliche Bedeutung erahnt. Die Auflösungen folgen im Anschluss. 
 
1. Der Geruchskoeffizient gewisser finanzieller Mittel ist permanent gleich null!  
 
2. Das maximale Volumen subterraner Agrarprodukte steht in reziproker Relation zur spirituellen Kapazität des Produzenten. 
 
3. Ballistische Experimente mit kristallinem H2O auf dem Areal der Pädagogischen Institutionen unterliegen striktester Prohibition! 
 
4. Populanten von transparenten Domizilen sollen mit fester Materie keine transzendenten Bewegungen durchführen! 
 
5. Eine strukturell desintegrierte Finalität in Relation zur Zentralisierungskonstellation provoziert die eskalative Realisierung destruktiver Integrationsmotivationen durch permanent lokal agressive Individuen der Spezies "Canis". 
 
Auflösung: 1. Geld stinkt nicht. 2. Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln. 3. Das Werfen von Schneebällen auf dem Schulhof ist verboten! 4. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. 5. Den Letzten beißen die Hunde. 
 
So, Ihr seht: Warum einfach, wenn's aus kompliziert geht? Oder, wie wir Schlaumeier sagen: Es existiert ein Interesse an der generellen Rezession der Applikation relativ primitiver Methoden komplementär zur Favorisierung adäquater komplexer Algorithmen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1886 vom 5. 3. 26

Darauf hätte ich wetten können: Kaum kletterte das Thermometer Ende Februar auf ungewohnte Höhen, da lockte die Sonne meinen betagten Nachbarn, den Herrn K., auf seinen Balkon. Und redselig wie rundum die Vögel dank ihrer Frühlingsgefühle quasselte er auch sofort los, wie immer im Gespräch mit sich selbst.
 
"Hömma, Karl, samma, womma nomma? Nee, nich inne Kiste, raus anne Luft. Umme Ecke anne Bude, gegenüba von den Einkaufstempel, wo ma dat Lippetor-Zenta stand, da gibs Gerstensaft. Weisse noch, früher, nache Schicht, da ham wir gerne mit die Kumpels 'n paar Püllekes weggezischt. Und dabei tiefsinniche Gespräche geführt. Etwa üba den ihren Gatten: 'Wat macht Dein Sallat?' 'Schießt!' 'Dann gesse besser in Deckung.' Ach ja, dat is lange her. Und die Jungs sind längs alle abgenippelt. Nur wir zwei beide sind noch übrich. Da reicht auch der Balkong - is auch besser für die morschen Knochen. 
 
Ach, wat is dat schön inne warme Sonne! Da überlassen wir den Asitoaster doch gern die gebräunten Kerls mit die Goldkettchen und die dicken Muckis, nä? Blöd is nur, dat dat gute Wetter nich den Gedanken pusten aussem Kopp tut, wat inne Welt so los is. Getz hat sich doch der olle Putin beschwert, dat die Amis un die Israelis dem Obermufti vom Iran die Kerze ausgepustet ham. Dat geht ja ganich! Dat is der schlimmste Verstoß gegen dat Völkerrecht, wat man sich auffe Welt vorstellen kann!
 
Dat er selbs unschuldige Zivilisten inne Ukraine jeden Tach mit Bomben und Drohnen terrorisiert, dat is ja ganz wat anneres. Dat sind ja bloß gewöhnliche Männer, Frauen und Kinder, die da ins Gras beißen und keine Regierungschefs und Oberbefehlshaber. Wenn die abkacken, zetert Putin, dann is dat ein übles Kriegsverbrechen. Ich hätt nich gedacht, dat ich mal den Trump und den fiesen Netanjahu verstehen tu. Aba son Ajatollah, der zehntausende Landsleute abmurksen lässt, den wein ich keine Träne nach.
 
Dat ändert nix dran, dat der Trump sich aufspielt wie Graf Koks vonne Gasanstalt. Wenn der nich größenwahnsinnich is, weiß ich et auch nich! Ma kucken, wann die dösigen Amis dat endlich spitzkriegen tun. Und wenn se den Schmierlapp inne Wüste gejagt ham, und die Ungarn dem Orban, die Russen dem Putin und die Israelis dem Netanjahu, dann is der Himmel endlich blau auffe ganze Welt. Und dann lass ich mich mit reden über dem Dativ. Obwohl, Karl, wenn ich frach: 'Wem sein is die Karre inne Einfahrt?', und Du sachs: 'Den Willi sein! Der haut getz auffe Kacke, weil er son Bonnus vonne Firma gekricht hat', dann klingt dat doch ganz richtich."
 
Glückauf
kdk 
 
PS. Fragen, die die Welt bewegen (SP vom 2.3. und PS. vom 3.3.) beschäftigen Euch immer noch. Eine weitere warf jetzt Raymund auf: "Was passiert, wenn man einer Katze ein Marmeladenbrot auf den Rücken schnallt und sie dann vom Tisch springt?" Das kann ich aus langjähriger Erfahrung beantworten: Katzen landen immer auf vier Pfoten, daran ändert auch die Angewohnheit des Marmeladenbrotes nichts, stets auf die bestrichene Seite zu fallen. Das bestätigen auch Milly und Leo.   


Schmunzelpost 1885 vom 4. 3. 26

"Those were the days, my friend" (Mary Hopkin). In diese Richtung gingen meine Erwartungen, als ich am Montagabend die Zeitreise besuchte, zu der Tankred Schleinschock in die Dorstener Ursulinenaula eingeladen hatte. Der musikalische Leiter des Westfälischen Landestheaters versprach einen Streifzug durch die Musik der 60er, 70er und 80er Jahre. In Wahrheit ging es eher um eine Rückschau auf seine Inszenierungen von 1983 bis in die Gegenwart.
 
Das hätte ich wissen können, wenn ich den Titel der Veranstaltung richtig gelesen hätte. Statt "as Tears Go By" (Marianne Faithfully/Rolling Stones) lautete der nämlich "as Time Go By". Und das ist das Klavierstück aus dem Filmklassiker "Casablanca", das in den 40er Jahren der Pianist Sam klimperte. Immerhin ging es am Montag danach mit einem Rocksong zünftig weiter. Schade nur, dass etwa zur Halbzeit das Mikrofon des Sängers versagte. Das fand der auch und kündigte eine Wiederholung an. Diesmal war der Saft bereits nach ein paar Sekunden weg. "Whats going on?" (The Taste), dachte ich.
 
Nach kurzer Reparaturpause schien der Schaden behoben, und der Sänger verkündete: "Alle guten Dinge sind drei!" Alle schlechten offenbar auch: Sofort war der Strom wieder weg. In meinem Kopf ertönte dafür "Help" (The Beatles). Fortan begaben sich bis zu sechs hilfsbereite Techniker auf Fehlersuche. Alle waren schwarz gekleidet. (Paint it black, Rolling Stones). Nach fünf Minuten verkündete einer sein Urteil: "Die Endstufe!" "Die Endstufe!", bestätigte auch Tankred Schleinschock, entschuldigte sich beim Publikum und kündigte eine zehnminütige Pause an, zu der die Besucher gern den Saal verlassen durften.
 
Ich blieb sitzen und verfolgte, wie die schwarz gewandeten Männer auf der Bühne herumwuselten. Sie drehten hier einen Knopf und zogen dort einen Stecker. Sie tauschten Kabel aus und später auch Lautsprecher. Sie drehten ein Beleuchtungselement zurecht und schauten ratlos in die Gegend. Immer wieder steckten sie die Köpfe zusammen und beugten sich zur Beratung über ein Relais. Mal hob einer einen Daumen, dann senkte ein anderer den seinen. Nach 25 Minuten dachte ich: "This is the end" (The Doors). Doch nach weiteren fünf Minuten war es dann doch vollbracht: Der Rest des Abends ging störungsfrei über die Bühne.
 
Ich kam vor allem in der zweiten Hälfte auf meine Kosten. Da ertönten ein paar meiner All-Time-Favorites: "Hey Joe" von Jimi Hendrix, "Tin Soldier" von den Small Faces, "Venus" von Shocking Blue und "Whole Lotta Love" von Led Zeppelin. Als Krönung dann zum Schluss auch noch "Gimme Shelter" von den Rolling Stones. Und eine Super-Zugabe, die von den Beatles stammt, aber durch Joe Cocker zum Welthit wurde.
 
All dies half mir über die schmerzhafte Erkenntnis hinweg, die mir dämmerte, als ich über die zumeist silbernen Häupter vor mir im Saal blickte. Die Menschen, die sich dort versammelt hatten, um der Musik ihrer Jugend zu lauschen, die waren meist ebenso alt wie ich, einige älter, manche etwas jünger. Unglaublich, aber das war "My Generation" (The Who). Mein Gott, bin ich alt geworden! Vor allem kam mir das zu Bewusstsein, als ich beobachtete, wie mühsam sich viele nach der Zwangspause über die flachen Stufen am Eingang zurück zu ihren Plätzen begaben. Hier wurde eine helfende Hand gesucht, da dienten die Sitzlehnen als Stütze. Und einige waren sogar auf Stöcke, Rollatoren oder einen Rollstuhl angewiesen!
 
Zu denken gab mir auch, was geschah, als die genannten Rock-Klassiker ihre ganze Kraft entfalteten. Nur etwa jedes zehnte Haupt neigte sich wenigstens im Takt ein bisschen hin und her, die anderen lauschten äußerlich unbewegt. Ausgerechnet ich, der sonst so westfälisch starre Stiesel, schüttelte sämtliche noch halbwegs bewegliche Körperteile. Als einziger im Saal. Immerhin reichte es bei den anderen noch dazu, ordentlich zu applaudieren.
 
So zog ich dreierlei Fazit nach diesem Abend.
 
1. Das Chaos-Virus der Deutschen Bahn hat jetzt auch die Theaterbühnen erreicht.
2. Man ist so alt, wie man sich fühlt - selbst, wenn man genauso alt ist, wie dieser abgedroschene Spruch.
3. Wenn wir alle das Motto der Beatles aus der letzten Zugabe beherzigen, können wir uns noch ein paar schöne Jahre machen: "With a little help from my Friends".
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zur gestrigen Schmunzelpost, die Fragen aufwarf, erhielt ich zwei Zuschriften. Die eine gab Antworten, die andere warf neue Fragen auf.
 
Annette schrieb: "Wenn man in einem Fluggerät sitzt..., ...welches mit Lichtgeschwindigkeit fliegt, was passiert, wenn man die Scheinwerfer anschaltet? https://share.google/OeVYFmApOD8rNNIiF

Im Passagierflugzeug gibt es keine Fallschirme und nur Schwimmwesten, weil einem am Fallschirm in der Höhe die Luft wegbleiben würde.

Füße können eventuell duften oder stinken, riechen können nur Nasen (so schon meine Mutter)."
 
Und Martin meint: "Wir sind von ungelösten Problemen umgeben, aber niemand merkt's und kümmert sich darum:

Wenn eine 18jährige eine Creme nutzt, die 20 Jahre jünger macht, begeht sie dann Selbstmord?
Dürfen Eisenbahnbedienstete mit der Bahn zur Arbeit fahren, oder müssen sie pünktlich sein?
Warum bestellen dicke Kunden bei McDonalds BigMac, doppelt Pommes, Mayo - und eine Cola light?
Ist ein Raumschiff, das ausschließlich mit Frauen besetzt ist, eigentlich unbemannt?
Leben wir eigentlich, oder sterben wir nur sehr langsam?
Warum ist "umfahren" das Gegenteil von "umfahren"?
Wenn eine Schlange Halsschmerzen hat, tut ihr dann der ganze Körper weh?

Wenn man nachts nichts essen soll - warum gibt es dann Licht im Kühlschrank?
Können sich Seiltänzer einen Seitensprung leisten?
Wenn Rapper rappen und Rockstars rocken, was machen dann Popstars?"

Schmunzelpost 1884 vom 3. 3. 26 

Der herrliche Frühlingstag war gestern eigentlich viel zu schön, um sich mit quälenden Fragen zu beschäftigen. Trotzdem gingen mir beim Sonnetanken auf der Gartenliege vielerlei Dinge durch den Kopf. Ist es moralisch vertretbar, dass ich den Tod eines Menschen kein bisschen bedauere? Mir fallen jedenfalls sehr viele andere Menschen ein, deren Schicksal in der Ukraine, im Gaza-Streifen oder auch im Sudan mir weit mehr zu Herzen geht, als das Ableben von Chamenei und dessen enger Vertrauten. 
 
Gleichzeitig frage ich mich, ob sich für die Iraner nun wirklich die Chance auf eine bessere Zukunft öffnet. Zu genau ist mir in Erinnerung geblieben, wie schnell vor einigen Jahren der arabische Frühling endete. Und im Iran ist der gnadenlose Machtapparat so tief verwurzelt, dass ich fürchte, ein fortdauerndes Gemetzel wie in Syrien könnte die Folge der militärischen Attacke sein. 
 
Doch von den tanzenden Zitronenfaltern, die sich an der Wärme im Sonnenlicht erfreuen, lasse ich mich gern ablenken und wende mich lieber Fragen zu, die ebenso schwer zu beantworten, dafür aber harmloser Natur sind. Ich weiß zwar nicht, warum ich von einem winzigen Zitronenfalter ausgerechnet auf das größte Säugetier der Erde komme. Aber habt Ihr Euch nicht auch schon einmal gefragt: Wenn Schwimmen schlank macht, was machen Blauwale falsch? 
 
Und was ist mit der Statistik über die Lebenserwartung, die ich kürzlich in der Zeitung las? Leben Verheiratete wirklich länger oder kommt ihnen das nur so vor? An die Abergläubischen unter Euch, die einen Hang zum Okkultismus haben, ergeht die Frage: Warum muss man für einen Besuch beim Hellseher einen Termin haben? Und auch die Deutschlehrer unter Euch und alle, die sich gern mit unserer Sprache beschäftigen, sollen nicht leer ausgehen: Warum kann die Nase laufen, während manche Füße riechen? 
 
Zum Schluss wollen wir mit den Zitronenfaltern in die Luft gehen: Warum gibt es im Passagier-Flugzeug Schwimmwesten und keine Fallschirme?  Und zu allerletzt noch eine Frage, bei der ich wirklich gespannt bin, ob jemand eine plausible Antwort kennt: Wenn man in einem Fluggerät sitzt, das die Lichtgeschwindigkeit erreicht, was würde dann passieren, wenn man die Scheinwerfer einschaltet? Denkt da mal drüber nach und genießt dabei das Sonnenlicht! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1883 vom 2. 3. 26

Was ist Wahrheit? Das ist eine schwierige Frage, an der sich bereits viele Philosophen und Denker die Zähne ausgebissen haben. Ich komme darauf, weil jetzt Ex-Kanzler Olaf Scholz angekündigt hat, an seiner Autobiografie zu arbeiten. Vielleicht ist darin auch die Antwort auf die Frage enthalten, ob er sich an den Inhalt seiner Gespräche mit einer Hamburger Privatbank über den Cum-ex-Skandal tatsächlich nicht mehr erinnern kann, die er in seiner Zeit als Oberbürgermeister der Hansestadt geführt hat.
 
Ich gebe offen zu: Auch ich habe Gedächtnislücken. Wenn man mich fragt, was ich am 2. März 2016 getan habe, müsste ich passen. Manchmal vergesse ich auch schon innerhalb weniger Stunden, dass ich versprochen hatte, am Nachmittag den Rasen zu mähen. Diese Art Vergesslichkeit betrifft hauptsächlich den Bereich "unbequeme Wahrheiten", der in unserem Stammhirn mitunter ziemlich verkümmert ist. Insofern kann ich mir vorstellen, dass die Autobiografie von Scholz unter dem bei Goethe abgekupferten Titel "Dichtung und Wahrheit" erscheint.
 
Nicht jeder geht halt so offen mit seiner persönlichen Geschichte um wie Pop-Titan Dieter Bohlen, zumindest wenn man dem Titel seiner Biografie vertrauen darf. Der lautet: "Nichts als die Wahrheit". Auch Arnold Schwarzenegger versprach "Total Recall - Die wahre Geschichte meines Lebens". Angela Merkel, bekannt für ihre Heiterkeit in privaten Runden, übernahm zwar einen Teil der Wahrheit, versah sie jedoch mit einer anderen Vorsilbe. Ihre Biografie trug den Titel "Freiheit".
 
Kommen wir zur Ausgangsfrage zurück. Die hat es wirklich in sich. Es gibt eine objektive und eine subjektive Wahrheit, weil die Realität von uns unterschiedlich wahrgenommen wird. Wenn ich aus dem Fenster in den sonnenbeschienenen Garten schaue und dort Schneeglöckchen und Krokusse blühen sehe, sage ich aus vollem Herzen: "Die Welt ist schön". Falls dies jemand sagt, der in der Ukraine bei Luftalarm im Keller hockt und zittert, nicht allein aus Angst, sondern weil ihm wegen der zerbombten Heiz- und Stromwerke bitterkalt ist, wäre dann die gleiche Aussage reiner Sarkasmus? Nicht unbedingt. Denn in ihrer Gesamtheit hat die Welt wirklich viel Schönes zu bieten. Und gerade in schlimmen Zeiten kann uns die Erinnerung daran helfen und aufrecht halten. 
 
Halten wir fest: Es gibt viele Arten von Wahrheit. Die nackte Wahrheit, die bittere Wahrheit, die geschönte Wahrheit, die eingebildete Wahrheit, die Halbwahrheit. Nur bei der Trumpschen Wahrheit ist eindeutig klar: Sie ist eine Lüge. Das ist gewisslich wahr! Und wer dies anzweifelt, der höre sich die Präsidenten-Rede zur Lage der Nation an. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1882 vom 1. 3. 26

Erinnert Ihr Euch noch an die Abkürzungs-Schmunzelpost vom 27. Februar? Dazu bin ich Euch noch eine Auflösung schuldig. Sie lautet: db.o.k.. Allerdings resultiert die knappe Zeugnis-Vier nur aus dem Umstand, dass ich jeweils noch rechtzeitig mein Ziel erreicht habe. 
 
Auf der Hinfahrt nach Sylt hat die Bahn sich jedoch große Mühe gegeben, ihren Ruf als Chaos-Club erneut zu untermauern. Zunächst wies der ICE von Köln nach Sylt lediglich läppische 15 Minuten Verspätung auf. Dann aber blieb der Zug in Itzehoe stehen. Und stand. Und stand. Und stand. Strom und Heizung waren ausgefallen. Und die Reparaturdauer führte dazu, dass wir fast 90 Minuten zu spät unseren Ziel-Bahnhof Westerland erreichten. Mir schwante Übles für die Rückfahrt.
 
Doch am Freitag gelang es dem ICE-Lokführer sogar, bis Münster die viertelstündige Verspätung wieder aufzuholen. Am Essener Bahnhof fehlten zur fahrplanmäßigen Ankunft lediglich sechs Minuten. Das jedoch reichte, um die letzte Etappe bis Dorsten zur Nervenprobe zu machen. Denn ich musste den RE 14 auf Gleis 8 erreichen. Und Gleis 8 liegt recht weit draußen am nördlichen Ende des Bahnhofs. Also verzichtete ich auf den Fahrstuhl, keuchte mit meinem Gepäck Treppen hinab und Treppen hinauf und sah schließlich am Horizont meinen Zug abfahrtbereit stehen.
 
Nun mobilisierte ich letzte Kräfte, pflügte mit dem Koffer eine Schneise in die Reihen der Wartenden und kam mit hängender Zunge bis auf zehn Meter an den RE 14 heran. Eine Frau war sogar noch etwas schneller gewesen und versuchte durch die offene Tür den letzten Waggon zu entern. Just in diesem Moment schloss sich die Tür. Die Frau konnte gerade noch ihr Bein zurückziehen, bevor sie eingeklemmt wurde, Verärgert drückte sie den Öffnungsknopf. Nichts geschah. Sie drückte noch einmal. Diesmal geschah etwas - der Zug fuhr ab!
 
Entgeistert schauten wir uns an. Dieser Lokführer hat das neue Konzept der DB noch nicht verstanden, er besteht auf Pünktlichkeit. Glücklicherweise war die S-Bahn ebenfalls pünktlich, die mich 15 Minuten später zumindest nach Bottrop brachte. Dort hatte ich diesmal zehn Minuten Zeit zum Umsteigen. Was aber nichts nützte: "Der Zug nach Dorsten fällt heute aus", teilte mir die Hinweistafel mit, "dafür verkehrt jedoch Schienenersatzverkehr."
 
Also raus aus dem Bahnhof und die richtige Haltestelle suchen. Dort stand tatsächlich bereits ein Bus. "Schienenersatzverkehr nach Dorsten?" Der Fahrer grinste: "Schienenersatzverkehr ja, aber nach Essen!" Als ich mich enttäuscht abwandte, zeigte er hinter sich: "Der Bus nach Dorsten muss gleich kommen, da vorn ist eine Anzeigetafel." Hosianna! Da stand: "Schienenersatzverkehr nach Dorsten in 2 Minuten." Dann nur noch eine Minute. Dann keine Minute. Und dann 59 Minuten!
 
Inzwischen war ein weiterer Passagier eingetroffen: "Verdammt, schon wieder! Ich pendle von Dorsten nach Bottrop zur Arbeit, und der Bus ist in dieser Woche schon viermal ausgefallen. Einmal sogar zwei Busse hintereinander!" Er riet mir, zum Bahnsteig zurückzukehren und zu hoffen, dass dort in einer Stunde wieder ein Zug nach Dorsten fahren würde: "Manchmal hat man ja Glück." Ich grübelte, ob ich nicht lieber ein Taxi nehmen sollte, weil ich ja um 19 Uhr im Bürgerbahnhof den deutsch-deutschen Abend moderieren sollte.
 
Doch, wie schon Katja Ebstein wusste: Wunder gibt es immer wieder. Plötzlich bog ein Bus um die Ecke - Schienenersatzverkehr nach Dorsten! Erleichtert ließ ich mich in den Sitz plumpsen. Um mich sofort mit beiden Händen festzuhalten. Der Pilot donnerte durch die Straßen, als würde er keinen Gelenkbus, sondern ein flottes Taxi fahren. Durchgerüttelt und geschüttelt sah ich entsetzt, wie eine rote Ampel komplett ignoriert wurde. Und erst recht nervös wurde ich, als der Fahrer sich über Funk erkundigte: "Wie muss ich fahren, um zum Gladbecker Bahnhof zu kommen?"
 
Na ja, es ist ja nochmal gut gegangen. Rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn traf ich am Dorstener Bahnhof ein. Und lauschte amüsiert, wie unser Ehrengästin aus der Partnerstadt Hainichen in Sachsen über ihre abenteuerliche Anreise mit dem ICE aus Leipzig wetterte: "90 Minuten zu spät, und dann vergisst der Zugführer fahrplanmäßig in Essen zu halten und fährt bis Dortmund durch! Unglaublich!" 
 
Nein, nein, ich glaube jedes Wort. Und hoffe darauf, dass ich selbst einmal erlebe, was einem Bahnfahrgast unlängst in Augsburg widerfuhr. Er durfte der Durchsage eines zerknirschten Lokführers lauschen: „Wir erreichen unseren nächsten Bahnhof vier Minuten zu früh. Das ist mir sehr peinlich, und ich bitte um Entschuldigung im Namen der Deutschen Bahn.“ 
 
Glückauf
kdk
 
PS.  Zur SP über Abkürzungen erreichten mich Dirks Nachdenkzeilen aus Rhade zur Diskussion über Soziale Medien und gegen die App-Abhändigkeit:

Schreib‘ mal wieder - ohne Emojis - einfach so wie früher 

Es ist gut, mal darüber nachzudenken. Sollen wirklich bereits unsere Grundschulkinder, z. B. von WhatsApp, Instagram, TikTok und Co., in ihrer Kindheit begleitet werden? Fragezeichen sind nicht nur angebracht, sondern zwingend erforderlich. Die öffentliche Diskussion nimmt Fahrt auf. Gut so. Ergänzend sollten diejenigen, bereits im Erwachsenenalter angekommen, auch über das eigene Verhalten mal selbstkritisch nachdenken. 
Selbst in WhatsApp-Gruppen gelistet, die von sich behaupten politisch unterwegs zu sein, wird kaum inhaltlich agiert. Statt dessen überwiegen weitergeleitete Filmchen und Bilder, häufig unterlegt mit scheinbar lustigen Sprüchen. Die Reaktion darauf sind Herzen, Daumen hoch, mal lachende oder weinende Gesichter.
Gepostete inhaltliche Texte, die länger als 5 Sätze sind, werden in der Regel unkommentiert zur Kenntnis genommen. Bevor sich dieser Text jetzt in Wiederholungen verliert, ein klares Schlusswort: Die Betreiber aller sogenannten sozialen Medien müssen zum Schutz unserer Kinder per EU-Gesetz verpflichtet werden, eine überprüfbare App-Altersgrenze zu programmieren. Und wir, die nicht selten ebenfalls inflationär nur noch mit Emojis korrespondieren, sollten wieder zurückfinden, einfach mal wieder einige Sätze zu schreiben. So wie früher.

Schmunzelpost 1881 vom 28. 2. 26


Im Zeitalter des Internets ist die Kunst des Briefschreibens allmählich vom Aussterben bedroht. Zwar versenden Kinder immer noch Post an den Weihnachtsmann oder den Osterhasen, aber die Erwachsenen folgen - was das Schreiben betrifft, nicht die Adressaten -  kaum noch dem Vorbild ihrer Sprösslinge. Hand aufs Herz: Wann habt Ihr Euren letzten Brief mit der Hand geschrieben? Gut, es muss kein Liebesbrief gewesen sein, das ist wahrscheinlich schon Äonen her. Aber auch ein Schreiben mit Glückwünschen oder Gedanken und Gefühlen zählt beim Empfänger mehr, wenn es mit Tinte zu Papier gebracht wird. 
 
Nun las ich im Streiflicht der Süddeutschen Zeitung, dass einst Franz Kafka, der ein wenig sonderliche Schriftsteller aus Prag, nicht nur viele Briefe an seine Verlobte sandte, in denen er ihr glaubhaft versicherte, wie unsterblich er in sie verliebt sei, um im selben oder nächsten Schreiben zu erläutertn, warum es für die Angebetete besser wäre, ihren Anbeter nicht zu heiraten. Kafka schrieb im Alter von 36 Jahren auch an seinen Vater, um endlich die Probleme zu benennen und auszuräumen, die das Verhältnis zwischen dem pragmatischen, lebensbejahenden Geschäftsmann und seinem kränkelnden und hochsensiblen Sohn belasteten.
 
Um auch ja nichts Wesentliches auszulassen, fasste sich Kafka ausnahmsweise einmal nicht kurz. Sein Brief umfasste am Ende mehr als 100 Seiten. Immerhin hatte er sich damit all seinen Kummer von der Seele geschrieben. Half der Brief aber, um die Beziehung von Vater und Sohn zu verbessern und eine neue, bessere Grundlage zu schaffen? Das werden wir leider niemals erfahren - Franz Kafka hat den Brief nie abgeschickt. Erst mehr als 20 Jahre nach seinem Tod gelangte der Inhalt an die Öffentlichkeit, weil er zur Freude der Kafka-Verehrer veröffentlicht wurde.
 
Viele glauben, dass Skrupel, den Vater zu verletzen oder die Sorge, sich zu sehr zu entblößen, einem pünktlichen Postversand im Wege standen. Ich aber habe eine andere Theorie. Als Sachbearbeiter einer Versicherungsgesellschaft konnte Kafka rechnen. Womöglich war ihm das Porto für eine derart schwere "Briefbombe" einfach zu teuer. Denn ein Standardbrief kostete seit 1900 zwar nur fünf Pfennig, was für die meisten noch halbwegs erschwinglich war. Aber pro 20 Gramm zusätzlichem Gewicht wurde der Versand teurer. Und wenn wir davon ausgehen, dass bereits exakt hundert Seiten ca. 500 Gramm wiegen, kämen wir auf Kosten von mindestens 1,50 Reichsmark. Was für jene Zeit eine beträchtliche Summe war, jedenfalls alles andere als ein Pappenstiel.
 
Nun lässt mir das Beispiel von Franz Kafka keine Ruhe. Ich habe unverzüglich damit begonnen, einen Brief an alle Schmunzelpost-Empfänger mit der Hand zu schreiben. Darin will ich Euch unter anderem versichern, welch kluge, hochherzige, sensible, humane, literatur-, natur- und kunstliebende Menschen Ihr seid. Dies ist nämlich die Voraussetzung dafür, täglich eine SP-Mail zu bekommen - durch die Aufnahme in den Empfängerkreis seid Ihr gewissermaßen geadelt worden. Um dies aber mit wohlgesetzten Worten angemessen zu untermauern und auch die persönliche Ebene nicht zu vernachlässigen, brauche ich mindestens hundert Seiten.
 
Das wiederum ist für eine Schmunzelpost per Email viel zu lang. Wie Ihr wisst, lautet mein oberster Grundsatz: In der Kürze liegt die Würze. Bleibt also nur der Briefversand. Bis jedoch alle Schreiben an so viele Menschen zu Papier gebracht sind, fließt noch viel Wasser die Lippe hinunter. Und beim gegenwärtigen explosivem Wachstum der Portokosten würden mich diese Briefe ein Vermögen kosten. Ihr werdet Euch also etwas gedulden müssen, bis die Schreiben endlich veröffentlicht werden - womöglich erst 20 Jahre nach meinem Tod.
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1880 vom 27. 2. 26

 
Abkürzungen erleichtern meist das Schreiben und somit auch das Leben. Voraussetzung ist jedoch, dass die Empfänger der Botschaft sie möglichst mühelos auf die korrekte Länge bringen können und wissen, was gemeint ist. Die fantastischen Vier haben aus Abkürzungen einen schönen Song gemacht, bei dem Zuhörer ins Schwitzen kommen, um mit dem rasanten Sprachfeuerwerk Schritt zu halten und es komplett zu dechiffrieren. 
 
Lediglich eine Abkürzung fehlt im Fanta-4-Hit: Von kdk ist nicht die Rede. Allerdings ist die Schmunzelpost in Baden-Württemberg auch erst bis Staufen, jedoch noch nicht bis Stuttgart durchgedrungen. Weil ich mich nach dem bedauerlichen Ende der Wulfener Auslese verpflichtet fühle, mich hin und wieder um Literatur zu kümmern, kläre ich Euch heute über Abkürzungen auf, die für antiquarische Bücher gern gebraucht werden. 
 
Dass "eing." eingerissen bedeutet, darauf könnte man auch so kommen. Mit etwas Nachdenken vielleicht auch, dass "br." für broschiert steht. Aber "altkol." und "dpblgr."? Nein, mit "alten Kollegen" und "Deppen blättern großräumig" liegt Ihr komplett falsch. Altkoloriert und doppelblattgroß lauten die Langfassungen. Falls Ihr Euch wundert, wieso Ihr viele Jahre ohne derart wichtige Informationen auskommen konntet,  dann will ich Euch gleich noch mit fünf weiteren Abkürzungen auf die Sprünge helfen. "Rverg." bedeutet Rückenvergoldung, "beschn." beschnitten und "eigh." eigenhändig. "l.w." heißt "letztes Blatt weiß", "o. d. l. w." jedoch "ohne das letzte weiße Blatt". Dieses Wissen wird Euer Leben auf eine neue Stufe heben. 
 
Aber Abkürzungen beschränken sich nicht auf spezielle Fachgebiete, sondern tragen auch dazu bei, komplexe Zusammenhänge im Alltagsleben zusammenzufassen. Hier sind drei Begriffe, die Ihr brauchen werdet, um zu verstehen, welche schicksalshaften Weichenstellungen heute über mein kulturelles Engagement entscheiden. Die Begriffe lauten "DB" (Deutsche Bahn) "o.k." (in Ordnung, einverstanden oder auch okay) sowie "oje" (Oh jemine!). 
 
Dazu müsst Ihr wissen, dass ich heute versuche, von Sylt nach Dorsten zurückzukehren. Und das mit Hilfe des Schienenverkehrs. Eigentlich dürfte dies kein Problem sein. Mein ICE soll um 16.23 Uhr im Essener Hauptbahnhof ankommen. Von dort fährt jede halbe Stunde der RE 14 nach Dorsten. Nun bin ich aber als Moderator und Akteur bei der deutsch-deutschen Lesung eingeplant, die um 19 Uhr im Bürgerbahnhof beginnt. Zwar hat ja kaum jemand jemals irgendwelche schlechten Erfahrungen mit der Zuverlässigkeit unserer Bahn gemacht, dennoch bin ich angespannt und werde von einem unguten Gefühl geplagt.
 
Je nachdem, wie es ausgeht, habe ich zwei Varianten vorbereitet. Die erste lautet: DB o.k.! Die zweite: DB oje! Da Ihr nun gründlich geschult seid, könnt Ihr Euch das selbst zusammen reimen.
 
Glf.
kdk

Schmunzelpost 1879 vom 26. 2. 26

 
Es ist mal wieder Zeit für Krauses Presseschau. Kopfschüttelnd habe ich nämlich festgestellt, dass nicht nur Trump größenwahnsinnig ist. Da maulen die deutschen Medien fast einmütig über die angeblich "mangelnde Medaillen-Ausbeute" bei den olympischen Winterspielen. Hallo? Habe ich mich verguckt, und wir liegen im Medaillenspiegel gar nicht auf dem fünften Rang? Ach so, es muss mindestens ein Platz unter den ersten drei Nationen sein. Also, Leute, habt Ihr beim Biathlon den Schuss nicht gehört? Seit wann sind wir denn eine führende Wintersport-Nation? Selbst im Fußball holen wir nicht bei jeder Weltmeisterschaft den Titel. 
 
Nein, wir können mit dem Abschneiden unserer Athleten durchaus zufrieden sein. Es gibt nunmal Länder, in denen der Wintersport klimabedingt eine viel größere Rolle spielt wie in der Schweiz und Österreich, Norwegen und Schweden. Bevölkerungsreichere Nationen wie die USA und China haben ganz andere Voraussetzungen. Und dass Gastgeberland Italien ordentlich abräumen würde, war auch zu erwarten. Stattdessen mault die ARD-Sportschau über eine "triste Olympia-Bilanz", Skilauf-Fachmann Felix Neureuther beobachtet eine "alarmierende Entwicklung" und das Nachrichtenmagazin "Spiegel" fragt in bester Bild-Manier: "Kann Deutschland nicht mal mehr Wintersport?" 
 
Den beste Einschätzung dazu las ich im Streiflicht der "Süddeutschen Zeitung". "Schade eigentlich, dass es keine olympische Disziplin im Verfassen sauertöpfischer Kommentare gibt: Dieses Land bekäme dort in der Tat, was es verdient: einen ewigen, unerreichbaren ersten Platz. Es wäre unschlagbar in der Kunst, sich nicht darüber zu freuen, was es alles hat (und das ist ziemlich viel), sondern sich darüber zu grämen, was es möglicherweise nicht hat." 
 
Im Bereich Journalismus hat übrigens eine junge australische Kollegin einen medaillenreifen Beitrag abgeliefert. Nachdem Danika Mason als Mittel gegen die große Kälte in der Pause zu sehr dem wärmenden Glühwein zugesprochen hatte, erklärte sie den staunenden Zuschauern daheim, wie lobenswert in Italien die Kaffeepreise seien, obwohl sie in Australien günstiger sind, sie sei aber nicht sicher wie sich das mit Leguanen verhalte!?" Und? Wurde sie gefeuert? Im Gegenteil. Alle Herzen flogen ihr zu, down under ist Dana Kult. 
 
Bei mir dagegen steht die Süddeutsche Zeitung hoch im Kurs, der ich für einen Artikel vom 24. Februar die kdk-Goldmedaille verleihe. Autor war Sebastian Herrmann, die Überschrift lautete "Bullshit für Business-Kasper". Es ging um ein Thema, das ich hier bereits vor ein paar Tagen aufgegriffen habe. In der Wirtschaft wimmelt es von Floskeln, mit denen sich banale Aussagen effektheischend aufblähen lassen. Dies ist eine Kommunikationsstrategie, die auf Wortgetöse setzt, speziell für alle, die nichts zu sagen haben, aber sich dennoch selbst gern reden hören. Mit dieser Art von "Business-Sprech" setzt sich nun eine Studie der Cornell-University auseinander. 
 
Der Psychologe Shane Litrell untersuchte, wie empfänglich Menschen für solchen Bullshit im Arbeitsumfeld sind. Dazu hat Litrell Aussagen US-amerikanischer Topmanager mit einem zusätzlichen speziellen Jargon angereichert, der die Texte in absurde Inhaltsleere stieß. Beispiel: "Dieser synergetische Blick auf unsere Thought Leadership wird sicherstellen, dass wir unsere Inhalte entkernen und Reputationsdefizite in Bezug auf unsere Kernaussagen so effektiv wie möglich vermeiden, um unseren nachhallenden Fokus auslaufen zu lassen." 
 
Wer solche Sätze für aussagekräftig halte, so urteilt der Verfasser der Studie, der falle auf Bullshit herein und neige zu einem "wenig analytischen Denkstil." Und solche Bullshit-Gläubigen verbreiteten und glaubten auch sonst leichter allen Quatsch. Warum komme ich jetzt bloß auf Donald Trumps Rede zur Lage der Nation und den frenetischen Beifall seines Kabinetts und der Republikaner? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1878 vom 25. 2. 26

 
Offenbar gewährt man mir jetzt auf Sylt ein paar Tage Narrenfreiheit, nachdem alle Vergrämungsversuche kläglich gescheitert sind (siehe SP vom 24.2.). So konnte ich nun schon zwei Tage lang kreuz und quer über die Insel wandern, da ich mich auch von gelegentlichem Regen nicht abschrecken lasse. Dabei habe ich allerhand Interessantes erfahren. Fahrten mit Velling-Tours sind eben durch Martin, den weltbesten Reiseleiter, stets gleichzeitig auch Bildungsreisen. An meinem frisch erworbenen Wissen lasse ich Euch gerne teilhaben.
 
So war ich vorgestern auf dem höchsten Punkt der Insel, der Uwe-Düne. Sie ist 52,50 m hoch. Falls Ihr Euch jetzt wundert, warum die Düne nach einem Hamburger Fußballer benannt ist - Irrtum, das ist sie gar nicht. Stattdessen soll sie an Uwe Lorssen erinnern. Dank Martin weiß ich, dass dieser Insulaner im 17. Jahrhundert als Freiheitskämpfer versuchte, die Herrschaft der Dänen loszuwerden. 
 
Außerdem habe ich etwa Neues über Dominanz gelernt. Bisher glaubte ich, damit bezeichne man Durchsetzungsfähigkeit oder eine beherrschende Stellung. Was sagt Ihr? Domina? Das ist etwas ganz anderes, Ihr Ferkel. Wenden wir uns lieber dominanten Erhebungen zu. Die Uwe-Düne ist der dominanteste Gipfel auf Sylt, weil es auf der Insel im weiten Umkreis keinen höheren Punkt gibt. Die Dominanz eines Berges misst man nämlich mit der Entfernung zum nächsten mindestens gleich hohen Gipfel.
 
Damit ist der Mount Everest schon mal aus dem Rennen. Es gibt keinen anderen Berg, der ihm gleichkommt. Dominantester Berg ist dagegen der Aconcagua in Argentinien. Der misst zwar bloß läppische 6961 Meter, aber der nächste Gipfel, der ihm das Wasser reichen könnte, ist 16.518 Kilometer entfernt. Dagegen kann unsere Zugspitze nicht anstinken. Schon wenige Kilometer weiter, in Österreich, wird sie deutlich in den Schatten gestellt. Darüber lacht sich der Mountain Hill auf den Bermudas kaputt. Er ist mit 76 m zwar nur unwesentlich höher als die Uwe-Düne, weist aber eine Dominanz vom 1136 km auf.
 
Die Sylter Sandhügel haben jedoch noch mehr zu bieten. Auf der Insel gibt es die einzigen Wanderdünen Deutschlands. Da unsere Gruppe in recht moderatem Tempo unterwegs ist, vermute ich, dass dies die weißen Schemen waren, die im Nebel links und rechts an uns vorbei zischten. Jetzt aber was ganz anderes. In der Nähe von Hörnum gibt es das Nationalparkzentrum "Arche". Das veranlasste Martin zu der Frage, wieviel Exemplare jeder Tierart einst Noah mit auf seine vorsintflutliche Aida nahm.
 
Nun, wie bibelfest seid Ihr? Zwei sagt Ihr? Ätsch, das ist leider falsch. Noah lud nämlich nur zwei Exemplare jeder "reinen" Tierart mit auf seine Kreuzfahrt ins Ungewisse. Von den "unreinen" Tieren, so steht es im Alten Testament, durften jeweils sogar sieben mitfahren. Als reine Tiere galten damals alle Arten, die man essen durfte. Unreine Tiere hingegen waren solche, die dem Menschen auf andere Weise dienten, also beispielsweise Esel und Ochsen, die damals Karren ziehen mussten.
 
Meine letzte Erleuchtung verdanke ich jedoch nicht Martin, sondern einem Textilgeschäft in Kampen. Das nennt sich "Donna & Littchen". Das finde ich originell, und es erinnerte mich daran, dass ich das staunend-bewundernde "Donnerlittchen" schon ewig nicht gehört habe. Wo kommt das eigentlich her? Na gut, mit Donner kann ich etwas anfangen, aber wer oder was ist ein Littchen? Ich hoffe, die Ferkel unter Euch drücken noch die Strafbank und bringen nicht das Flittchen ins Spiel. Das wäre auch falsch, denn das Littchen stammt vom ostpreußischen Lichting ab und meint den Blitz.
 
Beim Ladenbesuch in Kampen schließt sich der Kreis. Denn wenn der Kunde erfährt, dass das Paar Joggingschuhe im Schaufenster, für das er sich interessiert, fast 900 Euro kostet, entfährt ihm unwillkürlich ein "Donnerlittchen".
 
Glückauf
kdk    

Schmunzelpost 1877 vom 24. 2. 26

 
Sylt gilt als die Insel der Reichen und der Schönen. Daher habe ich mich lange nicht auf Deutschlands nördlichstes Eiland getraut. Als armer Schlucker erfüllte ich nicht alle notwendigen Voraussetzungen. Und die sind anscheinend immer noch gültig. Jedenfalls löste es bei den Insulanern Entsetzen aus, als sich durch das zeitweise preislich für unter zehn Euro erhältliche Deutschland-Ticket eine Invasion der Punker anzubahnen drohte. 
 
Dennoch schien man mich vorgestern bei der Ankunft ohne Repressionen zu dulden. Das Essen schmeckte, ich bekam ein schönes Hotelzimmer. Erst im Laufe des Abends merkte ich, dass man inzwischen mit subtileren Methoden gegen ungeliebte Gäste vorgeht. So versuchte ich vergebens, auf meinem Fernseher "Das Erste" zu finden. Ich scrollte das umfangreiche Senderangebot rauf und runter und bekam ein reichhaltiges Angebot. Bibel TV war dabei, ebenso der Verkaufssender QVC. Und ein Astrologe bot mir an, mein Schicksal aus den Sternen zu lesen. 
 
Immerhin gab es das ZDF, arte und 3sat. So konnte ich die Tagesschau doch noch anschauen. Aber später, als ich die Bundesliga-Spiele und Arnd Zeigler sehen wollte, bemerkte ich verstimmt, dass zwar fast alle dritten Programme im Angebot waren, sogar der Saarländische Rundfunk, jedoch nicht der WDR. Doch ich bin ja gewitzt und auf solche Fälle vorbereitet. Schnell holte ich mein Laptop hervor und klinkte mich in den WDR-Livestream ein. Aber kurz nach 22 Uhr verschwand das Bild. Und das Laptop signalisierte mir: Keine Verbindung zum Internet. 
 
Als langjähriger Bahnfahrer und Computer-Nutzer bin ich Krisen gewohnt. Also versuchte ich mit allen erdenklichen Tricks, mich wieder ins WLAN-Netz einzuloggen. Doch selbst, wenn ich mich auf den Kopf stellte und mit den Ohren wackelte - ich konnte die Verbindung nicht wieder herstellen. Wutschnaubend marschierte ich schließlich zur Rezeption, die jedoch um diese Zeit nicht mehr besetzt war. Also versuchte ich zähneknirschend wenigstens meine Schmunzelpost per Smartphone zu versenden. Das aber glückte nur für die Hälfte der Empfänger und dies auch noch ziemlich unzureichend: Die Schriftgröße schrumpfte und alle Absätze verschwanden. Am Morgen bat ich bei der Rezeption um Aufklärung. Die Senderzusammenstellung des Fernsehers konnten sie zu ihrem Bedauern nicht ändern, aber das Internet war wieder erreichbar. Und der Fehler habe nicht am Hotelnetz gelegen - ganz Sylt sei stundenlang ohne Internet gewesen. 
 
Ich bin sonst kein Freund von Verschwörungstheorien. Aber nun vermute ich, dass ein Geheimbund von Hassern unwürdiger Touristen versucht, solchen ungeliebten Gästen den Aufenthalt auf der Insel mit heimtückischen Aktionen madig zu machen. Dass sie dabei soweit gehen würden, die komplette Insel vom weltweiten Netz abzuschneiden, hätte ich vorher kaum für möglich gehalten. Doch ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt's sich gänzlich ungeniert: Beim Frühstück habe ich im Gegenzug in bester Punker-Tradition ein Massaker an den Brötchen angerichtet. Bei meinen versteckten Peinigern laufe ich nun unter dem Kürzel KdK. Das steht für "Krause der Krümmeler". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1876 vom 23. 2. 26

Der Spruch "Iss, was gar ist, sprich, was wahr ist" sollte bei Journalisten durch "schreib, was klar ist" ergänzt werden. So habe ich das zumindest bei meiner Ausbildung gelernt und zeit meines beruflichen Schaffens zu beherzigen versucht. Auch im Leitfaden meiner Zeitung war jahrelang vorgegeben, keine Fremdwörter zu benutzen, ohne sie zu erklären. Der sehr geschätzte Kollege Ulrich Breulmann handhabt dies auch so in seinen Kommentaren auf der Meinungsseite. Dort durfte sich in der letzten Woche ein Gastkommentator austoben.

Oliver Hermes heißt der Mann, "President & Global CEO der Wilo Group und Vorsitzender des Kuratoriums der Wilo-Foundation". Mit diesem klangvollen Titel konnte ich rein gar nichts anfangen. Wer oder was ist die Wilo-Group? Zum Glück gibt es die Ecosia-Suchmaschine. Es handelt sich um einen globalen Wassertechnologie-Konzern, der an 16 Produktionsstandorten in Europa, Asien und Amerika Pumpen-Systeme herstellt. Ursprungsort und Hauptsitz ist Dortmund. Wilo-Chef Hermes sieht im Buy European ACT der Europäischen Union (der als Gegengift zur amerikanischen Zollpolitik die Vergabe von öffentlichen Aufträgen auf europäische Anbieter beschränken soll) einen Brandbeschleuniger, der die Zukunft unserer kontinentalen Wirtschaft gefährdet.

Aha, es geht gegen Brandbeschleuniger. Logisch, dass man da einen Fachmann zu Wort kommen lässt: Mit Wasser löscht man Brände. Und Pumpen spielen dabei eine wichtige Rolle. Nun soll Hermes auch ein Essayist sein, dessen Beiträge in unabhängigen Medien veröffentlicht werden. Dabei muss es sich wohl um Fachzeitschriften handeln. Denn der Autor benutzt "Expertensprech": "Europa braucht eine gezielte Diversifizierung kritischer Lieferketten, eine länderübergreifende Make-or-buy-Investitionsstrategie und technologieoffene Innovationsförderung." Sein Fazit lautet: "Wirtschaftliche Resilienz entsteht durch Breite (...), nicht durch administrative Abschottung. Multilateralismus kombiniert mit strategischer Wirtschaftspolitik ist kein Widerspruch."

Seid Ihr noch da? Oder blättert Ihr noch im Fremdwörter-Duden? Ich bin ziemlich sicher, dass 95 Prozent der Ruhr Nachrichten-Leser nicht bis zum Ende des mehr als 200 Zeilen umfassenden Beitrags vorgedrungen sind, der in dieser Form eher ins Manager Magazin oder die Financial-Times gehört hätte. Für alle, die aufgegeben haben, darf ich kurz übersetzen. Hermes spricht sich entschieden dagegen aus, europäische Einkäufe nur in Europa zu tätigen, bloß weil andere Großmächte ihre Unternehmen durch ähnliche Maßnahmen schützen.

Dabei wäre es allerdings schön gewesen zu erfahren, dass Wilo viele Produktionsstandorte außerhalb Europas unterhält und mit 40 Ländern eng vernetzt ist. Was nicht verwerflich ist, im Gegenteil. Aber es lässt doch vermuten, dass die Meinungsbildung nicht völlig frei von Eigeninteressen sein könnte. Und das würde ich als Leser gerne wissen. Sonst könnte man die Meinungsseite einer Zeitung auch nutzen, um Gastkommentatorin Julia Klöckner analysieren zu lassen, warum Friedrich Merz der ideale Bundeskanzler ist.

Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1875 vom 22. 2. 26

Kaum hat man ihn zu den Akten gelegt, da springt er wie Kai aus der Kiste: Harald Martenstein wird am 12. Juni in Kassel mit dem Deutschen Sprachpreis ausgezeichnet, die Laudatio hält Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Begründung der Jury: Den Deutschen Sprachpreis erhalte Martenstein dafür, dass er „das publizistische Handwerk meisterhaft beherrsche“ und es in Verantwortung für die deutsche Sprache ausübe. Sein Deutsch sei zeitgemäß, seine Texte seien witzig und reflektiert, teilweise sarkastisch. Wegen seines „gelegentlichen Mangels an politischer Korrektheit“, etwa in der Frage des Genderns, sei er auch kritisiert worden. 
 
Die Stiftung vergibt den Preis für "sorgfältigen Sprachgebrauch und gutes und verständliches Deutsch". Die Preisträger der beiden Vorjahre hießen Matthias Brandt und Bodo Wartke. Auch das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung wurde bereits ausgezeichnet. Im Vordergrund steht jedoch der Umgang mit der Sprache, nicht der Inhalt der Texte. Ich nehme an, frühere Kolumnen und Romane Martensteins haben den Ausschlag gegeben, denn mit seinen Veröffentlichungen in der Bild-Zeitung hat er sich nicht mit Ruhm bekleckert. Da ich immer noch dem "alten" Martenstein nachtrauere und ein Fünkchen Hoffnung habe, dass es das Gute im Menschen wirklich gibt, habe ich eine "Mail an Martenstein" gesandt.  
 
Lieber Herr Martenstein!
 
Viele Jahre habe ich mit großer Freude Ihre Kolumnen gelesen und sämtliche als Buch erschienenen Textsammlungen gekauft. Für mich sind Sie in Deutschland gemeinsam mit Axel Hacke der beste Kolumnen-Autor der Gegenwart.
 
Zu meiner Enttäuschung und meinem Entsetzen haben sich Stil und Inhalt Ihrer Texte mit dem Wechsel zur Welt und nun zur Bild-Zeitung jedoch erheblich verändert. Führten Sie früher eine feine Klinge, so nutzen Sie heute die Populisten-Keule. Ich weiß, die Chance ist gering, dass Sie meine Zuschrift überhaupt lesen oder sogar darüber nachdenken und sich, im allerbesten Fall, zum Umdenken bewegen lassen. Trotzdem vertraue ich darauf, dass jemand mit Ihrem Format, Ihrer Intelligenz und einem Kern als freiheitsliebender Menschenfreund doch noch für Argumente zugänglich sind.
 
Mir ist klar, politische Überzeugungen sind nicht in Stein gemeißelt. Wir alle überdenken im Laufe unseres Lebens unsere Positionen und ändern manchmal sogar grundlegend unsere politische Haltung. Was, wie Sie selbst auch stets betonen, wegen der durch das Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit völlig legitim ist. Da Sie vom Schreiben leben, ist es Ihr gutes Recht, dies auch in Ihren Texten auszudrücken. Früher fand ich sogar besonders gut, dass Sie gern provoziert und abweichenden Auffassungen eine Stimme gegeben haben.
 
Ich bin selbst Journalist, habe freiberuflich für den WDR-Hörfunk und danach jahrzehntelang als Redaktionsleiter und Chefreporter für die Ruhr Nachrichten gearbeitet. Dabei war stets mein oberstes Prinzip, Sachverhalte von allen Seiten zu betrachten und auch Gegenargumente zu überdenken und wiederzugeben. Da ich bis heute gerne Glossen schreibe, weiß ich natürlich auch, dass Satire überspitzt und eine kurze Kolumne als persönlicher Kommentar nicht ausgewogen sein kann.
 
Aber ich weiß ebenso, dass wir Journalisten Verantwortung tragen und uns der Wirkung unseres Schreibens bewusst sein sollten. Je mehr Zuhörer, Zuschauer oder Leser jemand hat, desto mehr gilt dies. Vor allem, bei einem Boulevard-Blatt wie der Bild-Zeitung. Sie werden mir wohl nicht widersprechen, wenn ich behaupte, dass ein Großteil der Bild-Leser eher schlicht gestrickt und damit besonders anfällig für Vorurteile und Stammtisch-Parolen ist. Wenn man diese Leute noch entsprechend füttert und fatale Tendenzen verstärkt, dann trägt dies nicht etwa zum Erhalt demokratischer Meinungsvielfalt bei, sondern eher zu deren Abschaffung.
 
Sie rütteln seit längerem an der Brandmauer und wenden sich gegen ein Verbot der AfD. Was mich sehr wundert, weil ich Sie nach wie vor für einen Demokraten halte. Und Sie kennen die deutsche Geschichte gut. Schon einmal nutzte hierzulande eine Partei die parlamentarischen Spielräume, um an die Macht zu gelangen und binnen kürzester Zeit den Rechtsstaat abzuschaffen. Sie sagen, bei weitem nicht alle Menschen, die AfD wählen, seien Faschisten. Sondern Frustwähler, die mit den etablierten Parteien und den Zuständen im Land unzufrieden sind. Da stimme ich Ihnen zu, das mag sein. Aber was nutzt das, wenn dadurch eine Partei ans Ruder kommt, in der rechtsextreme Ansichten sich zuletzt immer stärker ausgebreitet haben? Die zwar durch Kreidefressen versucht, dem Verfassungsschutz zu entwischen und bürgerliche Wähler nicht zu verschrecken, die aber immer wieder die Maske fallen lässt. Und die Programme vertritt, die unsere Wirtschaft ruinieren, einen EU-Austritt anstreben und uns durch Anbiederung bei Putin und Trump zum Spielball der Großmächte machen würde.
 
Zwei weitere Beispiele. Meinen Sie nicht, dass Ihre Winter-Mail in der Bildzeitung Wasser auf die Mühlen der Klimaleugner war, die wie Trump und Co. ihre Augen und Ohren vor Fakten verschließen, nach dem Motto: Nach uns die Sintflut? Und vor allem: Was sollen die fortgesetzten Stänkereien gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Sind Sie sich nicht im Klaren darüber, dass Sie damit denjenigen Munition liefern, die sowieso schon dauernd die Abschaffung der Zwangsgebührensender und der Lügenpresse fordern? Lesen Sie sich bloß einmal die Kommentare zu Ihrer "Mail an Miosga" durch, die vor Unwissenheit, Häme und Hass nur so triefen: "Endlich sagt's mal einer!"
 
Ich habe mir das Miosga-Gespräch mit Chrupalla danach selbst angeschaut. Und sah eine Journalistin, die bissig nachfragte, sich nicht mit ausweichendem, nichtssagenden Gerede abspeisen ließ und verhinderte, dass jemand Partei-Propaganda für ein Millionen-Publikum abspulen konnte. Der arme AfD-Chef, seit Jahren auf Bundesebene im Polit-Geschäft unterwegs, ein armes hilfloses Opfer, das Mitleid verdient? Das glauben Sie doch selbst nicht!
 
Und dann prangern Sie den endgültigen Beweis dafür an, dass wir vom ZDF und somit vom Staatsfunk bewusst manipuliert werden. Hat es doch im Heute-Journal einen kurzen KI-generierten Beitrag gegeben, der zwar umgehend korrigiert wurde, der aber dennoch die Verderbtheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entlarvt hat. Was soll das? Fehler passieren überall, das wissen Sie durch Ihre Berufs- und Lebenserfahrung. Und die Pressefreiheit bei uns war nie so ungetrübt wie Sie und ich es uns gewünscht hätten. Die Vorgaben der Verleger und der Anzeigenkunden haben stets eine Rolle gespielt. Aber trotzdem ist unsere Medienlandschaft tausend Mal besser als das, was in vielen Teilen der Welt ausgesandt und gedruckt wird. 
 
Möchten Sie die "Tagesschau" wirklich durch Fox-News oder Russia Today ersetzt sehen? Oder dass nach chinesischem Vorbild die Regierung bestimmt, was wahr ist und was nicht? Möchten Sie eine Medienlandschaft in Privatbesitz, die Milliardären aufs Wort gehorcht, die sich im Arsch von Donald Trump besonders wohl fühlen? Das kann und will ich nicht glauben.
 
Mit Ihrer heutigen Bild-Mail an Tilda Swinton bin ich übrigens im Kern einverstanden. Bei allem Entsetzen darüber, was im Gaza-Streifen geschehen ist, Israel darf man deshalb nicht mit dem Irak gleichsetzen (wohl aber Netanjahu und seine Minister als Kriegsverbrecher ebenso verurteilen wie Putin). Und den Schluss Ihres Textes möchte ich auf Sie ummünzen: "Sie, Herr Martenstein, haben keinen Preis für Ihre politische Weitsicht verdient. Aber als Kolumnist bleiben Sie ein ganz Großer."
 
Hochachtungsvoll
Ihr Klaus-D. Krause   
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ach ja, dies ist ja eine Schmunzelpost. Vielleicht kann ich Euch zum Schluss ein schadenfrohes Grinsen entlocken. In einer Zuschrift gab es Mutmaßungen, alte weiße Männer würden im Alter geistig abbauen, vielleicht sei so die Entwicklung Martensteins erklärbar. Da ich dem gleichen Geburtstagsjahrgang wie Martenstein angehöre, habe ich das empört zurückgewiesen. Schließlich habe ich keinerlei Ambitionen für "Bild" zu arbeiten oder rechtslastigen Unfug zu schreiben. Als ich aber vorgestern aufs Fahrrad steigen und in die Stadt fahren wollte, stellte ich fest, dass ich am rechten Fuß einen Schuh, am linken jedoch immer noch einen Pantoffel trug. Falls ich mir jetzt auch noch nacheinander zwei Mützen über die Rübe ziehe, ist es wohl soweit - dann bin ich reif fürs Heim!
 
Es gibt verschiedene Wege, gaga zu werden: Bei einem äußert man reaktionären Unsinn, beim anderen weiß man nicht mehr, was man tut.  

Schmunzelpost 1874 vom 21. 2. 26

Schu-hu-hu-hu-hu! 
 
Dass dies "Hallo" bedeutet und aus der Sprache der komischen Käuze stammt, womit ich mich am Ende der gestrigen Schmunzelpost über das Schlafverhalten als Angehöriger der Eulengruppe unter den Menschen geoutet habe, ist Euch bestimmt klar. Damit habt Ihr die erste Prüfung bestanden. Wenn Ihr so weiter macht, könnt Ihr Euch dem Fanklub der Onomatopoetika anschließen. Onomatopoetische Wörter sind Wörter, die wir erfinden, um nichtsprachliche, natürliche Laute oder Klänge nachzuahmen. 
 
Weltweit versuchen Menschen, Tiere nachzuahmen. Dabei treten erstaunliche Unterschiede auf. Anscheinend sprechen Schweine anderswo völlig andere Sprachen. Ein deutsches Schwein macht "oink". Das wissen wir. Aber sein französischer Artgenosse äußert sich mit "groink". Vielleicht ist das historisch bedingt und ein verkürzter Alarmruf: "Vorsicht! Obelix ist auf der Jagd!" Was ungarische Schweine meinen, wenn sie "röf-röf" sagen, bleibt mir ein Rätsel. Und wenn aus dem Schweinestall ein "chrum-chrum" ertönt, dann seid Ihr in Polen. 
 
Weiter weg wird es noch exotischer. Arabische Schweine rufen "khankhanah", vielleicht um zur Teilnahme am Ramadan aufzufordern. In China melden sich Schweine mit "heng heng", in Indonesien mit "ngok", koreanische "kkool-kkool" und japanische machen "buu". Kein Wunder, dass arabische Hunde dies mit "haw haw" kommentieren. Türkische Hähne bestätigen übrigens alle Vorurteile der Deutschen über die türkische Sprache: Statt "kikeriki" rufen sie "ü ürü üü". 
 
Nahezu international äußern sich hingegen Katzen. Ihr "miau" ist fast überall auf dem Erdball zu hören, oft lediglich leicht abgewandelt: Italienisch "miao", englisch "meow" und türkisch "miyav". Lediglich in Fernost haben auch die Katzen eigene Dialekte, in Japan "nyaa" und in Korea "yaong". Unser Kater Milly sagt dazu: "Die spinnen, die Ausländer." Er piepst lieber wie ein Vogel. Und Leo? Der schweigt und schüttelt sein weises Haupt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1873 vom 20. 2. 26

Als ich gestern am frühen Morgen kurz nach zehn Uhr die Augen aufschlug, ahnte ich bereits, dass ich nicht unbedingt zu den Lerchen zähle. Denn es hat sich herumgesprochen, dass die Menschheit sich in zwei Gruppen einteilen lässt, die Lerchen und die Eulen. Die Lerchen sind bereits um sechs oder sieben Uhr putzmunter und strotzen vor Tatendrang. Eulen hingegen wischen sich erst viel später den Schlafdreck aus den Augen, brauchen noch Stunden, um den Dämmerzustand zu überwinden und laufen erst nachmittags zu großer Form auf. 
 
Dann schaute ich beim Frühstück in die Tageszeitung. Lesen macht ja schlau, lesen bildet. Und so erfuhr ich, dass es noch eine weitere Gruppe gibt, zu der offenbar die Mehrzahl der Menschen gehört. Das haben jetzt österreichische Wissenschaftler herausgefunden. Die durch ihre genetisch bedingte innere Uhr ins Heer der Frühaufsteher verstoßenen Unglücksraben machen etwa ein Viertel der Gesamtheit aus, ebenso die ausgeprägten Eulen. Dazwischen gibt es jedoch noch den "intermediären Chronotyp", den man vereinfacht als Taube bezeichnet. Und diese Tauben bringen es auf rund 50 Prozent! 
 
Nun habe ich es in den dunklen Jahren meines Lebens fertiggebracht, schon um sechs Uhr in der Frühe auf den Bus zu warten, der mich zur Schule bringen sollte. Und dort war ich dann am Vormittag bereits wach genug, um ganz gut über die Runden zu kommen. Inzwischen fallen mir am späten Vormittag trotz vorheriger acht Stunden Nachtschlaf schon wieder die Augen zu, wenn ich auf dem Sofa entspannt Musik hören. Das Risiko einzunicken droht auch später am Tag, etwa nachdem ich mich im Lesesessel in ein Buch vertieft habe. Und selbst am Abend vor dem Fernseh-Bildschirm. Von wegen Top-Form am Nachmittag! Bin ich vielleicht Angehöriger einer geheimnisvollen vierten Gruppe, die der Wissenschaft bisher verborgen geblieben ist? 
 
Na ja, spätestens jetzt, wenn ich mich nach Mitternacht mit der Schmunzelpost befasse, glaube ich zu wissen, in welche Kategorie ich einzuordnen bin. Schu-hu-hu-hu! 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1872 vom 19. 2. 26

Vielleicht habt Ihr Euch gewundert, dass an dieser Stelle in letzter Zeit kaum noch etwas über abenteuerliche Bahnreisen zu lesen war. Ist der Zug für mich abgefahren, bin ich etwa wieder aufs Auto umgestiegen? Weit gefehlt. Aber ich habe mich an Pannen der Bahn gewöhnt und wundere mich eher, wenn Fahrten ganz wie geplant abgewickelt werden können. 
 
Am Dienstag wurde es nun nochmals richtig kurios. Ein kleiner Trip mit großen Problemen. Wir wollten mit dem RE 14 von Dorsten nach Bottrop fahren, bloß vier Stationen, keine 20 Kilometer. Doch als wir am örtlichen Bahnhof eintrafen, bestätigte eine Lautsprecher-Durchsage, was bereits auf dem elektronischen Laufband zu lesen war: "Der RE 14 nach Essen fährt heute nicht auf Gleis 2, sondern auf Gleis 5 ein." Viele Fahrgäste wechselten daher eilig die Bahnsteige. Wir nicht. Wie ein paar weitere Bahn-Veteranen kannten wir das Spielchen schon: Just in dem Moment, in dem die Lautsprecher-Stimme noch einmal die Fahrgäste aufforderte, sich schnell zum Gleis 5 zu begeben, fuhr der Zug auf Gleis 2 ein. Wir klopften uns auf die Schultern, Verwirrspiel durchschaut. 
 
Doch wenige Stunden später, bei der Rückfahrt von Bottrop nach Dorsten, durften wir ganz neue Erfahrungen sammeln. Am Gleis 3 teilte uns die Anzeigetafel mit: "Der RE 14 nach Borken über Dorsten, planmäßige Abfahrt um 17.13 Uhr, fällt heute aus." Im Schienenersatz-Verkehr sollten stattdessen drei Busse eingesetzt werden, deren Abfahrtzeiten und -orte man jedoch selbst im Internet ausfindig machen musste. Die mit uns Wartenden verließen daraufhin fluchend den Bahnhof. 
 
Zu früh. Um 17.11 Uhr tauchte eine neue Schrift auf dem Laufband auf: "Der RE 14 nach Borken um 17.13 Uhr fährt heute von Gleis zwei ab." Wir eilten durch die Unterführung, und siehe da, dort stand unser Regionalexpress. Allerdings brachte das eine Reihe von Bahnkunden durcheinander, die eigentlich nach Essen fahren wollten. Nicht alle hatten nämlich die Durchsage gehört, dass ihr Zug diesmal ausnahmsweise auf Gleis 3 einfahren werde. So geschah es auch. Um 17.15 Uhr setzte sich die Bahn nach Essen in Bewegung. Nicht so unser Zug nach Dorsten. Wir vertrieben uns die Wartezeit damit, den einsteigenden Nachzüglern zu erklären, dass diese Bahn nicht nach Essen, sondern nach Borken fahren sollte. 
 
Das bestätigte nach zehn Minuten auch die Durchsage des hörbar zerknirschten Zugführers: "Der Sachverhalt ist kompliziert, aber ich versuche, Ihnen das zu erklären. Die Bahn nach Borken um 17.13 Uhr wurde zunächst zum Ausfallzug erklärt. Dann aber beschloss man, dass wir die Fahrt übernehmen sollen, wofür jedoch eine neue Nummer erforderlich ist. Diese Nummer liegt mir inzwischen vor, und ich bin abfahrbereit, aber die Nummer ist noch nicht bei der Fahrdienstleitung angekommen. Und vorher darf ich nicht starten. Ich weiß leider nicht, wann dies der Fall sein wird." 
 
Zehn Minuten später meldete sich der Zugführer erneut: "Die gute Nachricht ist: Die Nummer liegt nun auch der Fahrdienstleitung vor. Die schlechte Nachricht: Wir können noch nicht fahren, weil wir erst die S9 passieren lassen müssen." Das dauerte zum Glück nicht allzu lang, und der Zug setzte sich in Bewegung. Dann wurde auf der Anzeigetafel im Waggon der Zielort Borken durch Rhade ersetzt. Und kurz darauf meldete sich, mit einem so abgrundtiefen Seufzer, wie ich ihn lange nicht gehört habe, erneut der Zugführer: "Weil wir inzwischen mehr als 20 Minuten Verspätung haben, endet unsere Fahrt heute schon am Dorstener Bahnhof. Fahrgäste nach Borken bitte ich, dort Gleis 1 aufzusuchen. Dort soll kurz nach 18 Uhr ein Zug nach Borken fahren - so Gott will." 
 
Glückauf 
kdk 
 
  PS. Aktuelle Ergänzung: Trotz dieser Erfahrungen habe ich mich gestern erneut in einen Zug gesetzt. Von Dorsten ging es nach Dortmund, von dort nach Lünen. Und alles lief wie am Schnürchen. Am Preußenbahnhof in Lünen-Horstmar traf ich zwei Minuten zu früh ein! Aber dann war da ja noch die Rückfahrt am Abend. "Der RE 50 von Münster nach Dortmund hat heute zehn Minuten Verspätung." Es würde beim Umsteigen in die Emschertalbahn nach Dorsten eng werden. Nächste Durchsage. Jetzt wuchs die Verspätung auf 15 Minuten. Emschertalbahn ade. Doch zum Glück gab es noch eine Alternative, den RE 1 nach Essen mit anschließendem Umstieg in Richtung Borken. Tja, tatsächlich hatte der RE 50 dann aber 20 Minuten Verspätung. Und der RE 1 fuhr ab, als ich im Dortmunder Hbf. die Treppe hochkeuchte. Fast eine Stunde Wartezeit. Aber das war endlich wieder meine DB, so wie ich sie kenne und gern herzhaft verfluche! 

Schmunzelpost 1871 vom 18. 2. 26

Genau genommen führe ich ein Luxusleben. Denn Luxus bedeutet für mich kein Bad im Champagner, kein Porsche, keine Yacht und keine goldene Kloschüssel, wie sie ein gewisser Großkotz im Weißen Haus schätzen würde. Nein, Luxus besteht für mich darin, mich mit Dingen umgeben zu können, die ich liebe. Das sind die vielen, zum Teil noch ungelesenen Bücher in allen Zimmern unserer Wohnung. Da ist ein Riesenvorrat an guter Musik, auf Platte, CD, USB-Stick oder im Computer, alles jederzeit abrufbereit. Da ist die Mediathek und damit die Möglichkeit, dass ich mir immer, wenn mir danach ist, mein Wunschprogramm auf den TV-Bildschirm holen kann.
 
Bleiben noch zwei Leidenschaften, die etwas schwieriger zu bedienen sind. Meine Tierliebe lasse ich an unseren beiden Katern aus, mit anderen Geschöpfen, die ich ins Herz geschlossen habe, ist es weit schwieriger, auf Tuchfühlung zu gehen. Sie beobachte ich lieber aus der Ferne, wobei meine Liebe zur Natur ins Spiel kommt. Die kann jedoch nur in höchst begrenztem Maß durch Reisen befriedigt werden. So hole ich mir Natur und Tiere lieber als Abbildung ins Haus.
 
Das hat erhebliche Vorteile. Manche Reisen scheiden wegen der Kosten und der Strapazen sowieso völlig aus. Ich verzichte gern darauf, mich von Mücken piesacken zu lassen, nur um aus der Nähe zu sehen, was im Sumpf so alles kreucht und fleucht. Für einen flüchtigen Blick auf Wale oder Delphine riskiere ich nicht, bei einer teuren Schifffahrt seekrank zu werden. Und im feuchtheißen Dschungel will ich um keinen Preis einem Tiger ins Auge schauen.
 
Meine Ideallösung sind Kalender. An unseren Wänden hängen eine ganze Menge davon, aktuelle wie alte. Damit zaubere ich jeden Monat andere Tiere und neue Landschaften in unsere Wohnung. Und versenke mich jeden Tag in die Betrachtung einzelner Bilder, die weder stechen noch beißen und aus denen mir weder eisige Kälte noch Sandstürme entgegenschlagen.
 
Ich nehme Euch mal mit zu einer Reise durch die Welt, wie sie sich im Februar 2026 von ihren schönsten Seiten zeigt. Direkt über meinem PC-Bildschirm schaut mich neugierig ein Bison an, beziehungsweise sein schwarz-weißes, fast lebensgroßes Porträt. Daneben weckt eine Schwarzmeise, die auf dem Zweig eines blühenden Obstbaumes sitzt, die Vorfreude auf den Frühling. Ein wenig entfernt faucht mich eine Wildkatze an, die auf einem morschen Baumstamm hockt. Besser, den scheuen Waldbewohner in Ruhe zu lassen.
 
Nun geht es weiter nach Afrika. In der Serengeti schauen drei Kuhantilopen einem drohenden Unwetter entgegen, das sich mit schwarzen Wolken und einem Regenbogen ankündigt. Im nächsten Raum will es der Zufall, dass sich ebenfalls ein Regenbogen gen Himmel reckt, diesmal aber über der eindrucksvollen Landschaft der Wüste Namib. Dazu gesellt sich ein einsamer Mangrovenbaum, der sich in einem Überschwemmungsgebiet Australien mitten aus einer riesigen Wasserfläche erhebt.
 
Dann wäre da noch das Passfoto eines Tigers, der so harmlos-friedlich den Fotografen fixiert, als könne er kein Wässerchen trüben. Und zum Schluss geht es zurück in heimische Gefilde. Hier zeigt das stark vergrößerte Foto einer gemeinen Florfliege und ihrer filigranen Flügel, welche Schönheit sich in allernächster Nähe verbirgt. Allerdings sollte man bei der Suche eine Lupe dabei haben: Die Florfliege ist nur zehn bis fünfzehn Millimeter "groß".
 
Noch ein paar Tage kann ich mich an dieser Mini-Ausstellung satt sehen, dann starte ich im März zu einer neuen Weltreise. Und die gönne ich mir gleich zwölf Mal im Jahr - wenn das kein Luxus ist, weiß ich es auch nicht.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1870 vom 17. 2. 26

Was dem Weihnachtsfreund sein Adventskalender das ist dem Literaturliebhaber "Das Jahr in Büchern" mit Literaturtipps für jeden Tag. Rainer Moritz, von dem an dieser Stelle bereits die Rede war, hat auf 366 Seiten eine bunte Auswahl von Lesenswertem zusammengestellt. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, von Belletristik zum Sachbuch, vom Gedicht bis zum Comic. Heute, am 17. Februar, empfiehlt Moritz beispielsweise "Übertretung" von Louise Kennedy.
 
Die Autorin blickt in ihrem Buch zurück ins Jahr 1975. Das nordirische Belfast ist zu dieser Zeit ein Pulverfass. Militante Auseinandersetzungen zwischen englandtreuen Protestanten und nach Irland strebenden Katholiken prägen auch den Alltag der Bürger. Statt eines Zusammenlebens wird gegeneinander gelebt, eine unsichtbare Mauer zerreisst die Stadt. Was das für Menschen bedeutet, die aus Furcht vor Bomben vor jedem Start unter ihr Auto schauen, macht Louise Kennedy in ihrem aufwühlenden Roman deutlich. Für Krimi-Freunde habe ich dazu die ideale Ergänzung. Adrian McKinty greift das Thema in seiner Thriller-Reihe auf, die mit dem Band "Der katholische Bulle" startet. Auch die Folgebände handeln im Belfast der 1980er Jahre und bieten nicht nur erstklassige Krimi-Kost, sondern auch sehr anschauliche Zeit- und Sozialgeschichte.
 
Anders als bei Adventskalendern, bei denen ich als Kind brav stets nur das Türchen des jeweiligen Tages öffnete, habe ich bei Moritz schon einmal vorgeblättert. Ich wollte sehen, was er an meinem Geburtstag empfiehlt. Volltreffer! Dort finde ich meinen Lieblingspoeten Robert Gernhardt und dessen Buch "Nachdem er durch Metzingen gegangen war". Weitere Ausführungen zu Gernhardt hieße bei Lesern wie Euch vermutlich Eulen nach Athen tragen. In Erinnerung rufen möchte ich dennoch aus dem Metzingen-Werk die klassischen Zeilen "Dich will ich loben Hässliches, Du hast sowas Verlässliches".
 
Apropos erinnern: Bei der Gelegenheit fiel mir ein, dass Moritz bei seiner Lesung in Recklinghausen Christian Maintz hervorgehoben hat. Der sei unter den Nachfahren der von Gernhardt, Bernstein oder Henscheid begründeten Neuen Frankfurter Schule vielleicht der beste, habe sich aber leider hauptsächlich auf das Herausgeben von Sammlungen komischer Lyrik konzentriert.
 
Umso mehr zu loben sei die "Liebe in Lokalen", wo Maintz dem Keiler Horst, einer gewissen Marianne Struwe und einem Weimarer Dichterfürsten Hauptrollen zuweist. Kostprobe aus "Gespräche mit Goethe (Folge 5)": "Einmal hatte nach dem Essen / Goethe ganz und gar vergessen, // Wer er sei und wie er heiße, / Und da dachte Goethe: 'Scheiße!'". Doch die Rettung nahte in Gestalt von Charlotte von Stein, die Goethe im November 1775 kennenlernte: "Plötzlich klopft es an die Tür, // Und herein trat Frau von Stein, / Und da fiel's ihm wieder ein."
 
Auch mir fiel wieder etwas ein: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Mein Kabarett-Kollege Berthold Hanck aus der Kultur-Hochburg Rhade hat ein schönes Gedicht verfasst, in dem auch Goethe vorkommt.
 
Dichter-Gelichter
 
In der Hand die Sektglasflöte
ruft „Prost“ Geheimrat Jott Weh Goethe.
Beim Festmahl greint von Kleistens Heinrich;
„Gibt's keinen zweiten Weißen, wein' ich!“
 
Im Bund ist Schiller dann der Dritte,
bei ihm drei Schorle sind die Sitte.
Drauf Schnitzler, Arthur: „Jedes Kind
weiß, wirken tun erst vier Absinth!“
 
Dem Eichendorff ist dies zu dumm:
„Ich fall' erst um beim fünften Rum!“
Und Busch: „Wie schrieb ich lang zuvör:
'Bei Sorgen helfen sechs Likör!'“
 
Nach Riesling-Gläschen Nummer sieben
seufzt trunken Friedrich Hölderlin:
„Susett, wir hams zu weit getrieben,
was heilig-nüchtern uns erschien,
ist voller Pathos hohl geblieben.“
 
Hoffmann, und zwar E.T.A.,
lallt laut: „Wenn ich bei Lutter war,
hab' ich's beständig jede Nacht
auf mehr als acht Glas Punsch gebracht.“
 
„If you drink pint number nine
your poem will be bright and fine.“
Faulkner, Poe und Hemingway
fordern auf: „Please drink and stay!“
 
„Zeiten, Meilen, Staaten, Klafter
trennen mich von Euch!“, ruft Kafka.
„Selbst nach Kurortwasser zehn
will ich von Bier und Schnaps nichts sehn!“
 
Damit schließen wir das Zählen,
indem als Motto wir erwählen:
„Dichter, lutscht statt Alcopops
lieber 'nen Zitronendrops!“
 
Und als Postskriptum sei gesagt:
„Jedem, den der Durst oft plagt,
wenn er glücklich über sechzig,
ruf' ich zu: 'Mein Freund, es rächt sich,
lässt Du im Monat nicht das Naschen
von eben so viel Rotweinflaschen!'“
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1869 vom 16. 2. 26

Na, am Samstag der Frau des Herzens ein paar Blümchen geschenkt? Nein? Recht so! Der Valentinstag ist doch nur ein weiterer Trick, um uns hinterlistig das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die größte Freude löst dieser "Tag der Liebe" bei Geschäftsleuten aus, die es lieben, von solch verordneter Kommerz-Romantik zu profitieren. Deshalb wird inzwischen so heftig für den Geschenkzwang am 14. Februar getrommelt, dass viele Frauen es mittlerweile erwarten, ähnlich wie am Muttertag beschenkt zu werden.
 
Daher steckt sogar ein Funken Wahrheit in der Aufschrift eines Schildes, mit dem jetzt ein Baumarkt seine Kundschaft warnte: "Wichtige Info an alle Männer: Für alle, die glauben, Valentinstag ist nicht wichtig - Umzugskartons gibt es in Gang 22." Bisher hört man noch die von Tränen gestützte Anklage eher bei einem anderen Versäumnis: "Du liebst mich nicht mehr - Du hast unseren Hochzeitstag vergessen!" Falls es jedoch bald wirklich so weit ist, dass das Ignorieren des Valentinstages zum strafwürdigen Vergehen erhoben wird, dann fordere ich zumindest Gleichberechtigung. 
 
Bisher sind es in der Regel die Frauen, die beschenkt werden. Ich wäre allerdings höchst irritiert, wenn ich am 14.2. Duftkerzen, Schmuck oder ein Blumenbukett in die Hand gedrückt bekäme. Da gäbe es andere Präsente, an denen ich eher Gefallen finden würde - schaut nach in den Regalen der Weinhandlungen. Aber nein, ich bin ja nicht käuflich und werfe meine Prinzipien nicht zur Förderung von kommerziellen Interessen über Bord!
 
Dagegen plädiere ich dafür, öfter mal ohne jeden Anlass etwas Schönes zu verschenken. Es muss nicht immer Weihnachten oder ein Geburtstag sein - unverhoffte Gaben lösen beim überraschten Empfänger oft viel mehr Freude aus. Also, Kerls, wie wäre es am Rosenmontag mit einer Rose für Eure Frau? Womöglich gibt's sogar Rabatt, weil die Floristen längst nicht alle Blumen am Valentinstag losgeworden sind. . . ;-)
 
Glückauf
kdk
 
PS. Woran erkennt man, dass ein Deutschlehrer aus Duisburg in der Leserschaft ist? Dass man umgehend korrigiert wird, wenn man, wie ich unter PS. in der gestrigen Schmunzelpost, schreibt: "Dat isso, Maria, dat krisse nich aussem Kopp!" Prompt kam die Korrektur: "Watt ist datt dann fürn Firlefanz mit dein Datief? Brauchse nich, dat heißt doch 'aussen' Pott." Dazu sage ich: "Hömma, alten Schlaumeier, bleib mich wech mit Deine Grammatick! Zwischen Duisburg und Nordlüdenscheid, zwischen Witten und Dorsten hammse verschiedene Variasonen." 

Schmunzelpost 1868 vom 15. 2. 26

Ruhm ist vergänglich. Deshalb glaubten in der Geschichte dauernd irgendwelche Egomanen, sie könnten ihren Glanz verewigen und ihre Bedeutung wortwörtlich untermauern, wenn sie ihr Antlitz in Stein meißeln ließen. Ich bin sicher, Donald Trump wäre Feuer und Flamme, wenn man ihm mitteilt, den Abbildern von vier US-Präsidenten am Mount Rushmore werde nun ein fünftes hinzugefügt, das einen großen Staatsmann des 21. Jahrhunderts zeigen solle. Und meine Freude wäre alles andere als klammheimlich, falls Trump bei der feierlichen Enthüllung ins Koma versinkt, weil er Barack Obama ins Gesicht schaut.
 
Überrascht war wohl auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, als ein Verehrer bei Restaurationsarbeiten in einer römischen Basilika einen Engel mit ihren Gesichtszügen ausstattete. Die Aufregung schlug hohe Wellen, selbst der Papst wurde eingeschaltet. Die Regierungschefin selbst urteilte: "Nein, ich ähnele definitiv keinem Engel" und ergänzte ihre Aussage durch ein weinendes Emoji.
 
In der Vergangenheit hat Meloni einmal weitaus heftiger auf körperbezogene Anspielungen reagiert. Es ging um ihre Größe, sie mißt 1,60 m. Deshalb spottete im Oktober 2021 eine italienische Journalistin: „Du machst mir keine Angst, Giorgia Meloni. Außerdem bist du nur 1,20 Meter groß. Ich kann dich nicht einmal sehen.“ Dafür bekam die Kollegin etwas vom Gericht zu hören. Sie wurde im August 2024 wegen Bodyshaming, also körperbezogener Verunglimpfung, schuldig gesprochen. Man stelle sich vor, deutsche Gerichte hätten ähnliche Maßstäbe angelegt. Unsere Gefängnisse wären voll mit Satirikern, Cartoonisten, Kabarettisten und Möchtegern-Komikern, die sich über Norbert Blüm (Größe), Helmut Kohl (Körperform) und Angela Merkel (Frisur) lustig gemacht haben. 
 
Ob Giorgia Meloni eher eine Darstellung als Teufelchen verdient hätte, dieses Urteil bleibt späteren Generationen vorbehalten. Zwar startete sie ihre Karriere in einer postfaschistischen Partei, distanzierte sich jedoch vor ein paar Jahren deutlich vom Faschismus und gilt gegenwärtig als nationalkonservative Pragmatikerin. Das nutzte ihr aber in der Basilika gar nichts. Kirchen müssten von Propaganda und weltlichen Einflüssen frei bleiben, urteilte das Bistum Rom, an dessen Spitze der Papst steht. Das Engelsgesicht wurde neutralisiert, man fahndet jetzt nach Bildern, die das ursprüngliche Aussehen dokumentieren.
 
Und für Donald Trump hätten wir in Dorsten ein passendes Trostpflaster. Falls sich gegen den Widerstand der Stadt diejenigen durchsetzen, die aus unserer Hürfeldhalde eine Giftmülldeponie machen wollen, wäre das doch ein idealer Standort für das Trump-Konterfei.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zur gestrigen E-Email gingen zwei Anmerkungen ein. Martin ergänzt zum Schwa-Laut, was Ihr zum Schwafeln mit Bayern und Österreichern wissen solltet: "Ein deutscher Dialekt ohne Schwa-Laut ist das Bairisch oder Boarisch in Altbayern/Österreich. Den Satz 'Die Blume steht in der Vase' sprechen wir so aus: die blumö steht in der Waasö (ö = kurzes Schwa-e). Der Bayer sagt: die Blumeee steht in der woooßeee (ooo = offenes langes o wie in Wolke, eee = langes betontes e wie in Lehne)."
 
In Rhade, im hohen Dorstener Norden, hat man die Eingemeindung nach Dorsten auch nach 50 Jahren noch nicht verkraftet und wehrt sich gegen die Bezeichnung "Pott-Bürger" (" Hier noch einmal zur Erinnerung: Hinter der Lippe beginnt das Ruhrgebiet! Und so soll es auch bleiben. Lott di't gud goahn! Groet ut Rho.") Tja, so ist das halt. Die einen stehen fest zu ihrem Heimatort, die anderen wünschen sich eine Metropole Ruhr. Und ich wohne ganz knapp südlich der Lippe, habe seit meiner Geburt stets unweit von Zechen gelebt und fühle mich daher durchaus als Pott-Bürger. Dat isso, Maria, dat krisse nich aussem Kopp.

Schmunzelpost 1867 vom 14. 2. 26

Wie angekündigt ist ab heute Schluss mit dem Schwelgen in Martenstein-Kolumnen. Das ist mir doppelt schwergefallen. Denn nachdem es gestern um eine Lesereise ging, die Martenstein nach Recklinghausen führte, fiel mir danach zufällig ein altes Zeitmagazin in die Hände, das ganz im Zeichen des Fehlers stand. Und Martensteins Beitrag darin basierte auf einer Lesereise nach Karlsruhe. Die Geschichte ist so gut, dass es mir in den Fingern juckte, sie an Euch weiterzureichen. Aber hier gilt das SP-Gesetz: Ein Krause, ein Wort! 

 

Dabei ist mir schmerzlich bewusst (zweite Versuchung, den Schwerpunkt weiterhin auf Fremdtexte zu legen), dass ich mit meinen Beiträgen natürlich qualitativ nicht mit den Produkten unserer besten Kolumnisten Schritt halten kann. Martenstein spielte jahrzehntelang, vor seinem Abstieg ins Populisten-Genre, in der Bundesliga, bei mir reicht es allenfalls für die Regionalliga. Für mehr fehlt es an Begabung, vor allem aber auch an Zeit und redaktioneller Unterstützung. 

 

Na und? Für die Schmunzelpost gilt das Gesetz des DFB-Pokals: An einem guten Tag können selbst die Kleinen die Etablierten übertreffen. Und Euer Zuspruch und Eure Treue zeigen mir, dass man mit Ausdauer, Einsatz und gutem Willen ein Stammpublikum zufriedenstellen kann. Außerdem genieße ich den unschätzbaren Vorteil, dass ich meine Texte ohne jegliche Fremdeinwirkung, ohne Themenvorgaben und Längenlimit, vor allem ohne irgendwelche finanziellen Interessen und Rücksichtnahme auf Anzeigenkunden völlig frei gestalten kann. 

 

Ein weiterer Vorteil: Anregungen kann ich mir überall holen. Aus dem Alltag, aus den Medien, aus persönlichen Erfahrungen. Die Idee für die heutige Folge schulde ich Johanna Adorjan und ihrem Beitrag für das SZ-Magazin. Erst ein Edelfeder-Essay entzündete eine Eingebung, es emailtechnisch endlich einmal ernsthaft enorm einzugrenzen: Ein E ist nicht "eh egal", es gibt gleich fünf Stück davon! 

 

Das sagt jedenfalls die Sprachwissenschaftlerin Annette Weber-Diehl. Sie unterscheidet im Deutschen fünf E-Laute und klammert dabei sogar noch regionale Dialekte und französische Lehnwörter aus. Am gängigsten ist das Kurz-E wie in Bett oder Messer. Häufig auch das Lang-E wie in See, geben oder lesen. Interessant finde ich den Schwa-Laut. Wat is dat dann? Ein sogenannter Murmelvokal, also ein unbetontes E, das nur sehr kurz ausgesprochen wird. Wir nuscheln es in Wortendungen gerne weg. So unterscheidet sich das Verb "tanzte" vom "Tanztee". Oder ermöglicht es Pott-Bürgern wie uns, aus "kriegst Du" schlicht "krisse" zu machen. 

 

Dazugelernt habe ich, dass der Umlaut Ä auch zu den E-Lauten gehört. Gleich zweimal. Es gibt die Form der Aussprache als langes offenes E wie in bäte oder Säge. Folgt jedoch ein doppelter Konsonant wird das ä auch kurz und offen ausgesprochen, etwa in sättigen. Für mich ist das ein Grund zur Freude, weil eine hausinterne Kritikerin mir ständig vorwirft, bei mir könne man keinen Unterschied zwischen ä und e heraushören. Dazu zitiere ich nun den Schluss-Absatz von Johanna Adorjan: 

 

"Lesen Sie die folgenden Sätze laut: Hette Jätte bässeres Wätter, wäre es für ihre Rätter nätter. Hätte Jette besseres Wetter, wäre es für ihre Retter netter. Kein Unterschied, jede Wätte!" 

 

Glückauf 

kdk 

Schmunzelpost 1866 vom 13. 2. 26

Ob eine Autorenlesung für das Publikum zum Hörgenuss wird, hängt nicht nur von der Qualität des vorgetragenen Textes ab. Entscheidend ist, wie der Schriftsteller sein Werk präsentiert. Also nicht nur, ob er gut lesen und wie ein Schauspieler betonen und sprachlich variieren kann. Sondern auch, ob er mit interessanten oder heiteren Abschweifungen die Zuhörer in seinen Bann schlägt. Am besten, wenn er seine Texte auch noch frei vorträgt und an geeigneten Stellen mit Anmerkungen bereichert.

 

So ging es uns am Mittwoch, als Rainer Moritz in Recklinghausen in der Buchhandlung "Kapitel zwei" zu Gast war. Der Germanist, Literaturkritiker, Übersetzer und Autor nahm das Publikum fast 90 Minuten ohne Pause mit auf eine Rundreise durch die neuere Literaturgeschichte, plauderte dabei aus dem Nähkästchen auch über Eigenheiten und unangenehme Seiten von bekannten Literaten und ließ die Zeit wie im Flug vergehen. Es gab großen Applaus für einen gelungenen Abend.

 

Dabei sind Lesereisen für Schriftsteller meist kein Zuckerschlecken, sondern oft harte Arbeit zum Broterwerb. Darüber wusste Harald Martenstein ein Lied zu singen, nachdem er schon Anfang der 2000er Jahre in ganz Deutschland unterwegs war. Auch in der Provinz und auf kleinen Bühnen. Der Weg führte ihn damals ebenfalls nach Recklinghausen. Mit seiner Geschichte darüber schließe ich heute meine Martenstein-Festwoche und sage "Bravo" zu diesem Text und "Pfui" zur gestrigen Bild-Kolumne über den Winter, mit der Martenstein die Leugner des Klimawandels in ihrer Haltung bestärkt.

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Über Literatur

 

Ich bin auf Lesereise. In Recklinghausen hieß es: "Vor Ihnen hat auch John von Düffel hier gelesen." John von Düffel? Die Leute sagten es, als sei das etwas ganz Besonderes. Alle liebten sie diesen Mann, Düffel.

 

Außerdem wohnt in Recklinghausen meine Jugendliebe von 1977/78. Nach der Lesung wollten wir was essen gehen, weil wir Hunger hatten. Um 22 Uhr 30 war in den Recklinghauser Gaststätten aber keine Nahrungsaufnahme im klassischen Sinne mehr möglich. Deswegen habe ich in einer Kneipe Erdnüsse gegessen, bis ich satt war. Dies waren, wenn ich mich recht erinnere, doch eine ganze Reihe von Erdnusspäckchen. In der Nacht wurde mir schlecht. Die Erdnüsse lagen wie Wackersteine im Magen. Am Morgen war mir immer noch schlecht.

 

Am Morgen sollte ich vor Schulkindern lesen. Die Lesung konnte nicht in der Schule stattfinden, weil in der Schulaula eine Tagung zum Thema Demenz stattfand. Deswegen war es in einer Kirche. Ich habe neben dem Altar gesessen, hinter mir der Gekreuzigte, vor mir hundertzwanzig Schulkinder. in mir ein Kilo Erdnüsse. Ich dachte, ich breche während der Show zusammen, wie Edith Piaf oder Janis Joplin, nur halt direkt unter dem Kreuz. Daran werden die Kinder sich ihr Lebtag erinnern.

 

Doch Gott war auf meiner Seite. Es ging Gott aber wahrscheinlich nur um die Kinder. Kaum saß ich nämlich im Zug nach Waldbröl, Bergisches Land, meldeten die Erdnüsse sich wieder. In Waldbröl hieß es, sofort, dass vor mir John von Düffel da gewesen sei. Von Düffel, von Düffel, hört das nie auf?

 

Das Hotel lag in einem anderen Ort, eine Viertelstunde entfernt. Alle sagten, dass der Dichter Wladimir Kaminer über das einzige Hotel von Waldbröl eine stark abwertende Short Story geschrieben habe, weil es diese Unsitte

gibt, dass Schreiber, denen nichts Besseres einfällt, über ihre Lesereisen schreiben. Wegen dieses Kaminer, der Teufel möge ihn holen, bringe man die Autoren jetzt lieber woanders unter. John von Düffel habe sich in dem anderen Hotel jedenfalls wohlgefühlt.

 

Etwa 0,1 Sekunden nach Ende der Lesung meldete sich jemand mit einer relativ komplizierten Frage. Hinterher erfuhr ich, dass der Dichter Kaminer nach Ende seiner Lesung hastig gefragt habe, ob es Fragen gebe, dann, nach nur 0,2 Sekunden, habe er blitzschnell sein Buch zugeklappt und die Veranstaltung für beendet erklärt. Damit dergleichen nicht noch mal passiere, bereite jetzt schon vor der Lesung immer jemand aus Waldbröl eine komplizierte Frage vor, die sogenannte Kaminer-Frage, welche sofort, also wirklich sofort nach dem letzten Wort des Autors gestellt wird.

 

Mit John von Düffel habe es solche Probleme wie mit dem Dichter Kaminer nicht gegeben. Die Leute in Waldbröl waren nett. In den Eingeweiden habe ich nur noch ganz schwach die steinernen Nüsse von Recklinghausen gespürt. Waldbröl gehört meiner Meinung nach zu den magischen Orten der Literatur. In Waldbröl entscheidet sich der Weg eines Autors. Ist er ein Düffel? Oder ist er eher ein Kaminer?

 

Dann legte ich mich in das Bett, in dem vor mir John von Düffel geschlafen hatte.

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Ich gestehe, dass mir vorher lediglich Herbert Wehners legendärer Zwischenruf im Bundestag "Sie Düffeldoffel da!" bekannt gewesen ist. Dabei ist John von Düffel kulturell ungemein produktiv.  1966 in Göttingen geboren, lehrt er szenisches Schreiben als Professor an der Berliner Universität der Künste. Und wenn er auf Lesereise ist, kann er auf mehr als 20 von ihm verfasste Bücher zurückgreifen, sowie auf ebenso viele Theaterstücke. Außerdem gehörte von Düffel 2006 der Jury an, die den Deutschen Buchpreis vergibt. Und zudem 2007 der Jury des Mara-Cassens-Preises des Literaturhauses Hamburg. Diese Auszeichnung hatte von Düffel 1999 bereits selbst erhalten. Da schließt sich der Kreis: Das Hamburger Literaturhaus wurde bis vor kurzem von Rainer Moritz geleitet.

 

Für mich besteht das magische Dreieck der Kulturszene daher heute aus Moritz, Martenstein und von Düffel. Wobei der Schlenker zum Fußball mit dem Stuttgarter Dreieck Elber-Balakov-Bobic berechtigt ist: Rainer Moritz verdankt seine markante Stimme auch seinem lautstarken Engagement als Schiedsrichter!

 

Glückauf

kdk 

Schmunzelpost 1865 vom 12. 2. 26

Ach, Harald, was ist bloß aus Dir geworden? Lange habe ich mich dagegen gesträubt, dass jemand wie Du einmal die Zeichen der Zeit so abstrus umdeuten könnte und sich als hochtalentierter Schreiber und erfahrener Journalist derart verrennen kann. Martensteins gestrige Bild-Mail an die "liebe Carmen Miosga" ist für mich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Martenstein klagt die TV-Talkerin ernsthaft an, Tino Chropalla voller Abscheu so hochmütig abgekanzelt zu haben, dass der AfD-Chef nicht dazu kam, seine Propaganda unwidersprochen zu verbreiten. Der arme Kerl, der nichts gegen Putin hat, weil der ihm schließlich persönlich bisher kein Haar krümmte, sei so zum mitleiderregenden Opfer einer zwangsgebührenfinanzierten Sendeanstalt geworden. Immerhin habe die AfD dadurch die Sympathien der neutralen Zuschauer gewonnen. 
 
Ich hätte es wissen müssen. Jemand, der schon länger an der Brandmauer rüttelt und eine Partei hoffähig machen will, die Putin und Trump gut finden, die EU ablehnt und sogar für die Abschiebung vollintegrierter Mitbürger eintritt, deren einzige Schuld es ist, nicht in Deutschland geboren worden zu sein, dessen Blick auf die Realität ist leider getrübt. Hatten wir es nicht schon einmal, dass eine Partei, die stets auf Meinungsfreiheit und ihre demokratischen Rechte pocht, dies alles in dem Augenblick als Unfug abtut, wenn sie selbst an die Macht gelangt? Höhnte nicht ein gewisser Herr Goebbels darüber, wie den Nazis der Weg nach oben in der Weimarer Republik leicht gemacht wurde? Ausgerechnet in einem Presseorgan Stimmung zu machen, dass nicht dafür bekannt ist, seine Leserschaft wäge Pro und Kontra von Argumenten sorgsam ab und sei unempfänglich für populistische Schlagzeilen, ist unanständig und gefährlich. 
 
Zumal Martenstein dies in einem anderen Springer-Organ schon länger betreibt. In seiner Welt-Kolumne "Neben der Spur" hieß es schon 2025: "Eine Art bundesweites DDR-Comeback bahnt sich an: Nicht-Linke werden als „Faschisten“ diffamiert, die Wirtschaft wird Enteignungsfantasien geopfert, über Meldestellen werden Bürger denunziert. Damit es mit dem realen Sozialismus klappt, muss aber noch die AfD weg… Drei Parallelen zwischen DDR und deutscher Gegenwart sind offensichtlich. Als Erstes die weitverbreitete Markierung politischer Gegner als 'Faschisten', das Wort 'Rechte' wird beinahe synonym verwendet. Hinzu kommen der wirtschaftliche Niedergang in Kombination mit einem Sozialetat, der sich nur noch durch immer höhere Schulden finanzieren lässt. Das Dritte ist der Aufbau von Meldestellen, die Abweichler aufspüren und sich auf Zuträger aus der Bevölkerung stützen. Im Gegensatz zur alten BRD und ähnlich wie die DDR funktioniert dieses Land heute nicht mehr gut. Es produziert immer weniger Wohlstand. Stattdessen produziert es Repression. 
Ein Verbot der AfD wäre ein weiterer großer Schritt zur DDR-Werdung Ganzdeutschlands."
 
So, so, die Verteidiger der Demokratie arbeiten also am Aufbau eines autoritären Staates und die Feinde der Demokratie, deren rechtsextreme Gesinnung von Höcke, von Storch und Weidel wiederholt dokumentiert wurde, sind die Schutzbedürftigen. Also, Harald, als Journalist soll man zwar stets alle Seiten sehen, und ich fand es lange Zeit gut, wenn sich jemand zum Advokatus Diaboli macht, um zu provozieren und zum Nachdenken über unbequeme Argumente anzuregen. Aber gleichzeitig tragen Personen, die von vielen gehört werden, auch eine Verantwortung. Sie sollten stets bedenken, was sie mit ihren Texten bewirken und wann sie nur noch Futter für Verschwörungstheoretiker, Protestwähler und Rechtsextreme liefern.
 
Was nicht heißt, dass sie in der Vergangenheit keine lesenswerte Kolumnen geschrieben haben. Deshalb lasse ich hier noch einmal meinen alten Martenstein zu Wort kommen, der sich 2007 Gedanken über den Einbürgerungstest machte:
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Auch ich hatte mit dem neuen Einbürgerungstest für Migranten gewissen Schwierigkeiten. Beilspielsweise tue ich mich schwer damit, das Wappen von Nordrhein-Westfalen zu erkennen. Trotzdem bin ich voll integriert. Deshalb scheint mir das Abfragen von Bildungsgut und politischen Fakten nur sehr bedingt dazu geeignet, integrationswillige von nicht integrationswilligen Neubürgern zu unterscheiden.
 
So etwas wie den Einbürgerungstest lernt man auswendig und vergisst es hinterher sofort wieder, man kennt das von der theoretischen Führerscheinprüfung. Ob jemand ein guter Fahrer ist, entscheidet sich in der Praxis. Deswegen schlage ich, statt des Einbürgerungstestes, notfalls ergänzend dazu, eine praktische Deutsche-Identitäts-Prüfung vor, für alle, die einen deutschen Pass erhalten möchten.
 
Von den folgenden 16 Prüfungsaufgaben müssen mindestens zehn erfüllt werden: Ein Glas Weizenbier einschenken, ohne dass Schaum überläuft. Eine gemischte Sauna mindestens zwei Stunden lang besuchen, ersatzweise einen Nacktbadestrand. Am Fahrkartenautomaten eine Bahnkarte Berlin-Regensburg lösen, mit Bahncard 50, einfach, mit Platzreservierung und mit Gutschrift der Bahn-Comfort-Punkte auf dem Bahn-Comfort-Konto.
 
Eine mindestens dreiwöchige Diät durchführen, dabei mindestens vier Kilo abnehmen. Überzeugend darlegen, was man 1968 getan hat oder am Tag des Tschernobyl-Unfalls oder beim Mauerfall oder am Tag des WM-Halbfinales von 2006. Eine Person, die an einer Ampel bei Grün nicht sofort losfährt oder die Überholspur blockiert oder die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit unterschreitet, so zurechtzuweisen, dass sie sich noch lange daran erinnert. Mit dem Lebenspartner ein mindestens zweistündiges Gespräch über die Beziehung und die jeweiligen Ansprüche führen, am Ende zu einem konstruktiven Ergebnis kommen.
 
Bei einer Temperatur von weniger als 15 Grad mindestens eine Stunde in einem Gartenlokal sitzen. Überzeugend darlegen, wieso der eigene Chef ein Depp und die Regierung unfähig ist. Ein Wochende lang Party machen. Einen Yogakurs besuchen. Ein Therapiewochenende besuchen. Für Freunde asiatisch kochen. Wahlweise Teilnahme an einer Fahrradtour oder an einer Demonstration oder an einer Abendveranstaltung in einem Swinger-Klub. Gesanglicher Vortrag von wahlweise "We are the Champions" oder "Mensch" von Herbert Grönemeyer oder "Alt wie ein Baum" von den Puhdys. In dem Spiel "Siedler von Catan" in einer mindestens fünfköpfigen Runde mindestens den dritten Platz belegen.
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Ich gebe zu, ich wäre durchgefallen. Vielleicht habe ich ja deshalb Angst, dass die AfD mit ihren Remigrations-Fantasien durchkommt.
 
Glückauf
kdk
  
PS. Gerade habe ich mir in der Mediathek den Schlagabtausch von Carmen Miosga mit Tino Chropalla angeschaut. Ich sah eine angriffslustige Journalistin, die genau das tat, was viele schon seit langem fordern. Nicht bloß als Stichwortgeber Politiker ihre Parolen abspulen lassen und nicht hinnehmen, wenn Fragen unbeantwortet bleiben. Sondern bissig nachhaken, Widersprüche und Faktenverdrehungen aufzeigen. Es wäre allerdings schön, wenn so mit Politikern aus allen Parteien umgesprungen würde.

Schmunzelpost 1864 vom 11. 2. 26

Wenn Harald Martenstein in seiner aktuellen Mail Gil Ofarim empfiehlt, seine trotz erwiesener charakterlicher Mängel gegenwärtig offenbar große Popularität auszunutzen - wer Dschungelkönig wird kann auch Bundeskanzler  werden - zeugt das davon, dass heutzutage die Anforderungen für den Job als Regierungschef deutlich gesunken wird. Auch wenn Martenstein dies wohl satirisch meint: Die zweimalige Wahl von Donald Trump 
zum US-Präsidenten unterstreicht das drastisch. 
 
Bald 20 Jahre ist es her, da hat Martenstein sich schon einmal mit den Qualitäten von Regierungschefs auseinandergesetzt. Im Tagesspiegel erschien damals sein Text: 
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Über die deutschen Bundeskanzler 
 
Deutschland hat acht Bundeskanzler gehabt. Dies waren, in historischer Reihenfolge, erstens ein verwittertes Großväterchen, bei dem keiner wusste, ob er den Strapazen des Amtes länger als 14 Tage gewachsen ist, zweitens ein hochsensibler Professor ohne Führungsqualitäten und ohne Basis in seiner Partei, der er, wie man inzwischen weiß, nicht mal als Mitglied angehörte, drittens ein geschwätziger und wuschiger Kompromisskandidat, viertens ein depressiver, stark trinkender Sex-Maniac, fünftens ein Besserwisser, den seine eigene Partei überhaupt nicht haben wollte, sechstens ein in seinem intellektuellen Repertoire überschaubarer, kartoffelförmiger Mensch, über den man lachte, sobald er den Mund auftat, siebtens ein prinzipienloser, selbstverliebter Macho, achtens eine Frau, von der keiner weiß, was sie will, wohin sie will, was sie denkt oder was sie als Nächstes tut. 
 
Das sind, im Großen und Ganzen, alles ordentliche Kanzler gewesen. Keiner hat das Land ruiniert, keiner hat geputscht, keiner war so korrupt, dass es aufgefallen wäre oder hat einen Weltkrieg angefangen. Das waren, wenn man in den Geschichtsbüchern zurückblättert, alles Glücksfälle der deutschen Geschichte. Unsere Auswahlkriterien für Bundeskanzler haben sich im Eissturm der Ereignisse bestens bewährt. 
 
Um Bundeskanzler zu werden, muss man folgende Bedingungen erfüllen. Erstens, kaum jemand darf einem diesen Job zutrauen, vor allem nicht Leitartikler. Zweitens sollte man auch nach mindestens einem objektiven Kriterium - Charakter, Bildung, Lebenswandel, körperliche Fitness - für diese Aufgabe ungeeignet erscheinen. Dirttens sollte das Volk in Meinungsumfragen die Ansicht kundtun, dass es speziell diese Person als Bundeskanzler auf keinen Fall haben will. Personen mit niedriger Popularität werden oft Kanzler, wenn sie dann aber Kanzler sind, mag das Volk sie nach einer Weile ganz gern. Leute, die bei allen beliebt sind, werden dagegen nie Kanzler, sonst würde doch seit Jahrzehnten in Deutschland Franz Beckenbauer regieren. 
 
Positive Faktoren sind dagegen Übergewicht, Stimmungsschwankungen, geschmacklose Kleidung, Probleme mit den Haaren, cholerische Anfälle, hoher Alkoholkonsum und Undurchschaubarkeit. Wer mindestens sechs dieser acht Kriterien erfüllt, sollte über einen Parteieintritt nachdenken. Alle Leute, denen die Kanzlerschaft von den sogenannten Experten wegen ihrer Kompetenz und ihrer Aura zugetraut wurde, sind ausnahmslos nicht Kanzler geworden. Beispiele: Richard von Weizsäcker, Kurt Biedenkopf, Lothar Späth, Hans-Jochen Vogel, Björn Engholm, Johannes Rau. 
 
Aus all diesen Gründen halte ich es durchaus für möglich, dass Kurt Beck eines Tages Kanzler wird und habe einen Geldbetrag auf ihn gewettet. 
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Kurt Beck? Wer war das noch gleich? Die Antwort kennen heute vielleicht nur noch altgediente Sozialdemokraten und historisch Interessierte. Der Ex-Ministerpräsident aus Rheinland-Pfalz war einer aus der langen Reihe derjenigen, die es als SPD-Vorsitzende nicht allzu lange aushielten. Diese Wette mit Martenstein hätte ich gewonnen. Ob er wohl auch auf Friedrich Merz Geld gesetzt hätte? Falls unsere Kanzler direkt gewählt würden, hätte der wohl gegen Günther Jauch keine Chance gehabt. . . 
 
Glückauf 
kdk   
 
PS. Heute gibt es eine Premiere, die Ausnahme bleiben soll. Falls Kondition und Interesse noch ausreichen, könnt Ihr nun aus gegebenem Anlass auch noch nachlesen, was Martenstein einst nach der ersten Dschungelshow geschrieben hat: 
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Die Dschungelshow "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" war extrem erfolgreich. Fünf bis sechs Millionen Zuschauer pro Folge. Wieso eigentlich? Den meisten Fernseh- und Kulturkritikern fällt zu dieser Frage nur ein, dass die Show dumm sei und an niedrige Instinkte appelliere. Ich bin heute mal unhöflich und arrogant. Ich finde, wer so argumentiert, hat nichts kapiert. 
 
Wie funktionierte eigentlich das alte Theater? Durch Katharsis. Das heißt, auf der Bühne werden, stellvertretend für uns im Publikum, die einfachen Gefühle ausgelebt. Böse werden bestraft oder läutern sich. Gute werden belohnt. Der dumme August kriegt eins auf die Mütze. Nach diesem einfachsten, ältesten und wirkungsvollsten aller dramatischen Rezepte lief es in Komödien jahrhundertelang ab, vom Kasperletheater über die Commedia dell'arte bis zu den Klassikern von Moliere. Am lustigsten, schrieb Lessing, sind immer noch Prügeleien auf der Bühne. 
 
Die Leute gingen, von Anfang an, ins Theater, um zu sehen, wie die Welt in Unordnung gerät und wieder in Ordnung kommt, wie belohnt und bestraft wird. Genau nach diesem Rezept läuft es auch in der Dschungelshow. Sie ist erfolgreich, weil sie einfach und klassisch ist. Zehn Halbprominente wollen Erfolg und Reichtum und sind bereit, dafür, in Maßen, zu leiden und sich lächerlich zu machen. Das Publikum kann dafür sorgen, dass die Unsympathischen, die Wichtigtuer und die Langweiler bestraft werden, sie werden aussortiert. Am Ende bekommt, wie im Volkstheater, der sympathischte oder interessanteste Charakter das, was er will. 
 
In den spöttischen Kommentaren Dirk Bach und Sonja Zietlow besitzt das Stück einen antiken Chor. In den Ekelprüfungen, bei denen die Protagonisten in Bottichen voller Würmer versinken, bekommt das Publikum bestätigt, was es sowieso zu wissen glaubt - wer nach oben will, muss bereit sein, sich schmutzig zu machen. Gleichzeitig versöhnen die Ekelprüfungen das Publikum. Man ist nicht prominent oder reich, man ist nicht im Fernsehen, aber man muss immerhin keine Würmer fressen. Lust und Ekel sind verwandte Gefühle, und über Missgeschicke lachen die Menschen, seit es sie gibt. 
 
Zehn Leute, die für Geld und um zu siegen im Dschungel durch Würmer waten, kommen mir nicht sinnloser oder sinnvoller vor als elf Leute, die für Geld Bälle in Tore schießen. Wer Fußball, Volkstheater, Zirkus, Moliere oder Dschungelshows verurteilen will, darf es gern tun. Aber so jemand weiß halt nicht, was Unterhaltung ist. Ich schaue mir das an. Es ist wirklich niveaulos. Aber ununterbrochen niveauvoll zu sein, ist mir persönlich zu anstrengend. Wer behauptet, er sei immer, in jeder Sekunde, niveauvoll, soll es mir bitte mal vormachen. 
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Im Gegensatz zu Martenstein schaue ich mir das Dschungelcamp nicht an. Für mich ist es manchmal Ekelprüfung genug meine Schalker 90 Minuten beim Versuch, Fußball zu spielen, beobachten zu müssen.

Schmunzelpost 1863 vom 10. 2. 26

Ich habe eine Mail von Martenstein erhalten! Das ist gewissermaßen das Sahnehäubchen auf meine Martenstein-Festwochen. Allerdings bin ich beileibe nicht der einzige Empfänger. Denn der Kolumnen-Start in der Bild-Zeitung erfolgte nicht in der ersten, sondern in der zweiten Februarwoche. Und man kann sich die Email kostenlos zusenden lassen, so dass mir die Peinlichkeit erspart bleibt, eine Bildzeitung zu kaufen.
 
Die erste Mail ist eigentlich an den vormaligen Bild-Briefschreiber Franz-Josef Wagner gerichtet. Aber sie zeigt bereits, wie Martenstein seinen Stil an das neue Medium und den verringerten Platz angepasst hat. Wenn es inhaltlich so bleibt, kann ich damit leben. Allerdings habe ich gestern eine Martenstein-Welt-Kolumne gelesen, bei der mir das Lachen gründlich vergangen ist. Mal schauen, wohin die Reise geht - zum Glück hat er genügend alte Glossen hinterlassen, die ich mit Vergnügen erneut lesen kann. Und hier folgt seine erste Mail für die Bild-Zeitung:
 
 Lieber Franz Josef Wagner,

 da, wo wir uns nächstes Mal treffen, gibt’s keinen Weißwein. Auf Erden haben wir leider nur ein Mal geredet, bei Ihrem Lieblingsitaliener. Ich glaube, wir mochten uns. Reden Sie im Jenseits bitte mit dem Chef, vielleicht macht er für uns eine Ausnahme, was den Wein angeht.

Unter den Großen da drüben sind Sie einer der wenigen mit einem Spitznamen. Tante Käthe weilt ja noch hier. Sie nannte man den „Gossen-Goethe“. Das war halb abwertend gemeint und halb anerkennend. Sogar Ihre Verächter mussten anerkennen, dass Sie besonders waren. Sie waren zu schwer auszurechnen, um Sie zu hassen.

Auf Ihrem Platz in dieser Zeitung zu stehen, ist so, als ob man in die Wohnung von Karl Lagerfeld einzieht. Eigentlich darf nur Lagerfeld da wohnen. Schaffe ich es eines Tages zum Currywurst-Kafka? Es wäre mir eine Ehre. Für den Bertolt Brecht vom Bahnhofsklo bin ich nicht kommunistisch genug, für den Hackfressen-Hemingway reicht meine Hässlichkeit nicht aus.

In Augsburg, meldete der „Spiegel“, sind Fußballfans erleichtert. Die Meldung „Martenstein folgt auf Wagner“ hätten manche so verstanden, dass ich als Nachfolger von Sandro Wagner beim FC Augsburg Trainer werde. Augsburg ist vielleicht der leichtere Job.

Bis bald, Ihr

Harald Martenstein
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 Falls kein Murren von Euch zu mir durchdringt, möchte ich Euch in den nächsten Tagen noch ein paar Klassiker aus der Feder des Altmeisters servieren. Dann aber wird es höchste Zeit, sich nicht mehr nur auf Vor- und Abspann zu beschränken, sondern wieder die komplette Schmunzelpost selbst zu schreiben. Obwohl ich die aktuelle Phase durchaus genieße. Habe ich Euch eigentlich schon gesagt, dass ich Axel Hacke mindestens genauso verehre wie Martenstein? 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1862 vom 9. 2. 26

Zweimal pro Jahr unternehmen wir 14-tägige Reisen. Und die Urlaubsziele lagen in den letzten drei Jahrzehnten fast immer in Deutschland. Ich muss dieses Land wohl doch mögen, obwohl ich, wie die meisten anderen, sehr viel daran auszusetzen habe. Besonders schätze ich, dass ich überall aktuellen Lesestoff finde, in der Sprache, die ich bereits mit der Muttermilch eingesogen habe. Vor allem schätze ich gute Kolumnen. Und somit habe ich eine elegante Brücke geschlagen zum nächsten Beitrag der Harald-Martenstein-Festwochen. 
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Über Deutschland 
 
Deutschland und ich, wir beide kennen uns schon eine halbe Ewigkeit. Drei Dinge, die ich an Deutschland mag: die Jahreszeiten, die alten Damen in den Konditoreien, die Seen. Ich schaue Deutschland gern zu, wenn es schläft. Ich kenne natürlich auch die Macken von Deutschland, seine Pedanterie, seinen Jähzorn und seine Berliner. Deutschland sieht verdammt gut aus für sein Alter, finde ich. Defizite bestehen im charakterlichen Bereich. Ich habe mich aber daran gewöhnt, ich kann damit umgehen. 
 
Im Großen und Ganzen behandelt Deutschland mich gut, zu viel darf man in einer Beziehung nicht erwarten. Liebe ich Deutschland oder sind wir nur gute Freunde? Ich weiß es nicht. Bestimmte Bedürfnisse kann Deutschland mir jedenfalls nicht erfüllen, das hole ich mir anderswo. Ich verlasse Deutschland regelmäßig, um mich für ein paar Wochen in die Sonne zu legen oder um Ski zu laufen. Die deutsche Sonne und der deutsche Schnee genügen mir nicht. 
 
Hin und wieder muss ich in eine fremde Stadt fahren, nach New York, Paris, Lissabon, mit dieser Stadt habe ich dann einen Three-Night-Stand. Am Morgen danach stelle ich fest, dass mir Deutschland besser gefällt oder dass ich mich nicht umstellen möchte, und fahre wieder heim. 
 
Als ich im Ausland lebte, habe ich gemerkt, dass ich wie ein siamesischer Zwilling mit Deutschland zusammenhänge. Ich werde es so wenig loswerden wie meine Eltern oder mein Kind, folglich müsste ich mir selbst gleichgültig sein, damit mir Deutschland gleichgültig sein könnte, das aber käme mir absurd vor. Meine Liebe, oder was auch immer es ist, kann aber niemals unkritisch sein. So einen Fan-Blick wie eine 14-jährige auf Tokio Hotel kann ich auf D. nicht haben, dazu kenne ich D. einfach zu gut. Wir beide sind uns sehr nahe, aber wir machen uns übereinander keine Illusionen. 
 
Neulich saßen Deutschland und ich abends bei einer Flasche Wein zusammen. D. erzählte, dass der Kulturchef des Spiegel ein Buch über es geschrieben habe, eine Liebeserklärung, voll Leidenschaft. D. sah beleidigt aus, ich fragte, warum. Deutschland explodierte fast vor Wut. "Er verwendet die Begriffe Patriotismus und Nationalismus wie Synonyme, dabei sind das, wie jeder weiß, zwei völlig verschiedene Dinge! Er schreibt, dass die fünfte Frau von Joschka Fischer 'Mihu' heißt und dass Wim Wenders einen Film namens 'Engel über Berlin' gedreht hat, das stimmt alles gar nicht! So ein Schlamper will mich lieben? Ausgerechnet mich?" 
 
Ich weiß, wie pingelig D. ist. D. will die Eigennamen und die Titel von Kunstwerken und überhaupt alle Fakten immer exakt und genau haben, sonst kriegt es Pickel. D. ließ schluchzend den Kopf auf meine Schulter sinken, ich tröstete, ich beruhigte, ich sagte, dass ich, anders als dieser Spiegel-Typ D. verstehe und seine Bedürfnisse und seine Kultur respektiere, was teilweise sicher gelogen war. Anschließend verbrachten wir eine wunderbare Nacht miteinander. Dies alles verdanke ich dem Kulturchef des Spiegel und seinem Buch "Wir Deutschen". 
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Dieser Kulturchef war Matthias Matussek, der erst für den Stern und dann von 1987 bis 2013 für den Spiegel arbeitete. Von 2005 bis 2008 leitete er das Kulturressort des Nachrichtenmagazins. Später wechselte Matussek zum Springer-Verlag und zur Welt, wo er 2015 wegen seines Facebook-Kommentars zu den Pariser Terroranschlägen entlassen wurde. 2017 fiel er auf das Satiremagazin Titanic herein, das ihm eine Stelle beim rechtspopulistischen Breitbart News Network angeboten hatte, an der Matussek durchaus interessiert war. 
 
Als Marxist gestartet driftete Matussek im Laufe der Jahre politisch immer weiter nach rechts. Zuletzt stand er der identitären Bewegung und der AfD nahe. Ein paar Äußerungen: Homosexualität bezeichnete Matussek als "Fehler der Natur" und verglich sie mit Taubheit und der vererbbaren Ahornsirupkrankheit. Kritikern der Pegida-Bewegung warf er vor: „Wer beim rituellen Treten gegen diese Menschen mitmacht, hat die Gesinnung von HJ-Pöbeln." Der Klimawandel sei "kein menschengemachtes Phänomen", sondern das Wetter mache "der liebe Gott". 
 
Tja, Harald, so kann es kommen, wenn man den Kompass verliert. Zwar zeichnete Stefan Kuzmany im aktuellen Spiegel auf vier Seiten ein faires Bild von Dir, das Deine Fähigkeiten hervorhebt und Deine Entwicklung respektiert. Aber es klingt auch durch, dass manche Deiner jüngeren Texte zum großen Raunen beitragen, mit dem demokratische Grundwerte allmählich übertönt werden. Und in Deinen Welt-Kolumnen legst Du gerne das Florett beiseite und benutzt die Keule - da ersetzen populistische Behauptungen den selbstironischen Humor. 
 
Daher wünsche ich mir für Deine Bild-Texte, dass Du nie vergisst, was Du in einem Interview gesagt hast: "Ich möchte nicht als Prophet einer Weltanschauung missverstanden werden, das bin ich nicht. Es gibt für einen Journalisten nicht die einzig richtige Haltung. Man sollte sich mit keiner Meinung zu sehr gemein machen, sondern immer eine gewisse Distanz halten. Ein Kolumnist darf sich nicht auf den Feldherrenhügel stellen und so tun, als wäre er der große Durchblicker, der sagt, wo es langgeht. Es geht eher darum Fragen zu stellen, die man selbst gar nicht beantworten kann." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1861 vom 8. 2. 26

Dass ich ein Freund des Weines bin, ist regelmäßigen Schmunzelpost-Lesern sicher nicht verborgen geblieben. Zum Glück gehöre ich zu den Menschen, die wissen, wann es genug ist. Einen Filmriss habe ich noch nie im Leben gehabt, und selbst mein letzter Kater, also die Kater-Sorte mit den Kopfschmerzen, liegt mehrere Jahrzehnte zurück. Weil ich es aber nicht lassen kann vom Rotwein zu schwärmen, hat mich das sogar bereits verdächtig gemacht, Bachus verfallen zu sein. Wie gut, dass ich keine härteren Sachen trinke, sonst wäre mein Ruf, wie das Beispiel eines geschätzten Kolumnisten zeigt, vielleicht vollends ruiniert. Hier folgt dazu der nächste Beitrag der Harald-Martenstein-Festwochen: 
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Über Doppelkorn 
 
Ich habe vor einigen Tagen einen Leitartikel gelesen. In dem Leitartikel stand, dass man im heutigen Europa drei Gruppen gefahrlos und guten Gewisses diskriminieren darf: Jäger, Raucher und Katholiken. Genauer gesagt, strenggläubige Katholiken, nicht etwa so Folklore-Katholiken wie Harald Schmidt, die findet natürlich jeder süß und möchte sie streicheln. 
 
Es gibt allerdings noch eine vierte Gruppe: die Alkoholiker. Ich bin zu 95 Prozent Weintrinker. Harte Sachen trinke ich selten. Ich besitze eine Flasche Wodka, die mir jemand zur Erstkommunion geschenkt hat, sie ist immer noch halb voll. Neulich habe ich zum ersten Mal im Leben eine Flasche Doppelkorn gekauft. Ich erinnere mich dunkel daran, dass mein Großvater stets einen Mundvorrat Doppelkorn im Küchenschrank aufbewahrte. Seit jenem frühkindlichen Erlebnis hat Doppelkorn auf meinem irdischen Weg keine nennenswerte Rolle mehr gespielt. 
 
Es war bei Karstadt. Ich sichere da an fast jedem Samstag Arbeitsplätze. Die Verkäuferinnen kennen mich, nicken mir zu. Ich stand in der Schlange, im Einkaufswagen lag oben die Flasche Nordhäuser. Als Erstes habe ich gemerkt, dass die Leute in der Schlange mich anders angesehen haben als üblich. Die Kassiererin hat meine Karstadt-Happy-Digit-Kundenkarte provozierend lange angestarrt, dann hat sie gesagt: "Könnte ich mal Ihren Ausweis sehen?" Dabei kennt sie mich! Das gab es noch nie. 
 
Dann sagte sie: "Können Sie mal Ihre Tasche hochheben?" Sie wollte wissen, ob unter der Einkaufstasche Diebesgut versteckt ist. Als Nächstes sagte sie: "Dürfte ich mal in Ihre Tasche hineinschauen?" In so einem Moment hat man automatisch ein schlechtes Gewissen. Anschließend überprüfte sie sorgfältig die Unterschrift auf dem Beleg und das Foto im Ausweis. In ihren Augen stand Folgendes zu lesen: "Ein zerstrubbelter, unrasierter, nicht mehr ganz junger Mann, der am Samstag um elf Uhr morgens Doppelkorn kauft, dürfte wohl kaum auf legale Weise an unsere Karstadt-Happy-Digit-Kundenkarte in der Platinum-Version herangekommen sein." 
 
Die ganze Zeit kuckten alle Leute. Ich kam mir vor wie ein Mann, der im Karstadt ein blutendes Eichhörnchen über der Schulter trägt und im Mundwinkel eine Zigarette, während er augenrollend und mit viel Betonung aus dem Alten Testament vorträgt. Ich hätte der Kassiererin wahrheitsgemäß sagen können: "Ich brauche den Doppelkorn nur deshalb, weil ich mit seiner Hilfe Quittenlikör herstellen möchte, denn ich bin Besitzer eines Quittenbaumes sowie eine Quittenlikör-Rezeptes. Der Likör hat am Ende nur 16 Prozent Alkohol. Das ist doch gesellschaftlich akzeptabel. Ich bin kein fundamentalistischer Trinker. Ich respektiere die Rechte der Nichttrinker. Himmel noch mal, ich bin doch nur in etwa dem gleichen aufgeklärten, folkloristischen Maß Trinker, in dem Harald Schmidt Katholik ist." 
 
Mutig aber wäre es gewesen, die Flasche noch an der Kasse zu öffnen, sie augenrollend vor allen Leuten auszutrinken, zu rufen: "Freiheit, die ich meine! Voltaire! Rosseau! Killt alle Eichhörnchen!" und dann davonzutorkeln. Stattdessen habe ich still bezahlt und kaufe in Zukunft Spirituosen übers Internet. 
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Na ja, zwischen Karstadt in Berlin und Trinkgut oder Aldi in Dorsten liegen offenbar Welten. Wenn ich sehe, was da manche Leute an der Kasse aufs Laufband legen... Trotzdem zuckt die Kassiererin nicht mal mit der Wimper. Aber solche Sorgen habt Ihr sicher nicht, denn Eure Champagner-Dealer trefft Ihr bestimmt in erlesenen Weinhandlungen. ;-) 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1860 vom 7. 2. 26

Einen Vorgeschmack darauf, was uns bevorsteht, wenn die KI immer stärker unseren Alltag prägt, haben wir alle schon am Telefon erlebt. Bevorzugt bei dringenden Anliegen erreicht man statt eines menschlichen Gesprächspartners häufig zunächst einen geduldigen Automaten. Um am Schluss, wenn man sich mühsam durch eine ellenlange Frageliste geklickt hat, zu erfahren: "Zur Zeit sind alle zuständigen Sachbearbeiter schwer beschäftigt, versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal." 
 
Ein ähnliches Problem hatte Harald Martenstein bereits vor 20 Jahren. Im Rahmen seines SP-Festivals berichtet er darüber folgendermaßen: 
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Über Anrufbeantworter 
 
Trotz all dieser Probleme, die ich in der letzten Zeit hatte, möchte ich um Gottes willen nicht den Eindruck erwecken, ich sei verbittert. Ich bin nicht verbittert. Ich bin gut drauf. Sicher, im Detail könnte manches besser laufen. Als ich nach Hause kam, blinkte an dem neuen Telefon ein roter Knopf. Auf dem roten Knopf ist ein Briefkuvert abgebildet. Auf dem Display des neuen Telefons stand der Satz: "Sie haben neue Nachrichten." Da dachte ich, aha, soso, der Anrufbeantworter. Jemand möchte Kontakt mit mir aufnehmen, mit mir kommunizieren. Ich habe den roten Knopf gedrückt. 
 
Bei meinem alten Telefon wurden, wenn man auf den roten Knopf drückte, die neuen Nachrichten vorgespielt. Hier aber leuchteten stattdessen zwei Botschaften auf dem Display auf, nämlich "Neue Nachr.: 1/2" sowie das Wort "Pause". Ich dachte, aha, soso, sehr wahrscheinlich habe ich zwei neue Nachrichten. Jetzt fragt mich das Telefon, ob ich lieber die erste oder lieber die zweite der beiden neuen Nachrichten hören oder ob ich lieber eine Pause machen möchte. 
 
Ich dachte, jemand, der nach Hause kommt, möchte doch mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit ohne weitere Umschweife hintereinander seine neuen Nachrichten hören, zack, zack, und nicht, nachdem er erfahren hat, dass es zwei Nachrichten gibt, erst einmal eine Auszeit nehmen, um diese Information geistig zu verarbeiten. Die Leute, die dieses Telefon gebaut haben, wissen wenig über die menschliche Psychologie. Ich habe den Knopf "Weiter" gedrückt. 
 
Daraufhin bot mir das Telefon die folgenden Möglichkeiten an: "Weiter hören", "Akt. Nachr. löschen", "Nummer wählen", "Kurzwahlliste", "Wiederholen", "Alte Nachr. löschen", "Anzeigen", "Auf 'neu' setzen", "Nr. in Tel.buch", "Geschwindigkeit" und "Beenden". Ich dachte, dieses Telefon ist ja eine Metapher auf die Kapitalismuskritik. Auswahl gibt es, gewiss, nur das, was der Mensch wirklich braucht, ist nicht dabei, nämlich: "Dir endlich deine neuen Nachrichten vorspielen, Brüderchen". Ich habe "Weiter hören" gewählt. 
 
Der Anrufbeantworter spielte Nachricht Nummer zwei vor. Das hat mir nicht genügt. In der Hoffnung, die erste Nachricht zu erfahren, habe ich nochmals den Knopf "Weiter" gedrückt. Jetzt erschienen auf dem Display fünf kleine Bildchen, es waren eine Musiknote, eine Aktentasche, eine Uhr, ein Schraubenschlüssel und eine Art Fernseher. Nichts davon, finde ich, weckt auch nur im Entferntesten die Assoziation "Dir endlich deine Nachrichten vorspielen". Also wählte ich, aus Neugierde, den Fernseher. 
 
Jetzt erschienen, potz Blitz, die Formulierungen "Anrufbeantwort." und "Anruferliste" auf dem Display. Klar, ich habe "Anrufbeantwort." gedrückt. Das Telefon spielte nun aber keineswegs Nachricht Nummer eins ab, sondern bot wieder vier Möglichkeiten an: "Nachrichten", "Infos", "Ansagen" und "AB Auschalten?" Ich wählte "Nachrichten", worauf das Telefon zwei Möglichkeiten anbot: "Neue Nachrichten" und "Alle Nachrichten". Da dachte ich, fuck you, you phone of a bitch. Ich habe die Tagesschau gekuckt. Da kommen auch Nachrichten. 
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Apropos Nachrichten. Ich bin brennend interessiert, ob Euch diese Schmunzelpost gefallen hat. Gebt mir bitte eine Nachricht. Wenn Euch die SP sehr gut gefallen hat, drückt bitte die 1, wenn sie Euch gut gefallen hat, die 2. Falls sie Euch nicht gefallen hat, müsst Ihr 00 drücken. Ach ja, vorher müsst Ihr Euch per Telefon in mein kostenloses Schmunzelpost-Rückmeldungs-System einwählen. Das ist kinderleicht. Und sogar der Datenschutz wird gewährleistet. Nach der Dorstener Vorwahl 02362 tippt Ihr bitte Eure Postleitzahl ein und dann Euren persönlichen vierstelligen SP-Code. Den habt Ihr per Schmunzelpost-Mail erhalten. Mit welcher? Weiß ich doch nicht, das ist doch Euer Code. Am besten lest Ihr nochmal alle Schmunzelpost-Folgen nach, das kann sowieso nicht schaden.  
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1859 vom 6. 2. 26

Seit ich 1979 das erste Mal mit meiner alten Möhre auf der Autobahn liegenblieb, bin ich ADAC-Mitglied. Davon habe ich in den Folgejahren als Student und Besitzer diverser Schrott-Vehikel oft profitiert. Zwar ging mir die politische Einflußnahme des Automobil-Clubs, vor allem der Widerstand gegen ein Tempolimit auf Autobahnen, meist gegen den Strich. Doch in den letzten Jahren hat sich einiges geändert, und der ADAC setzt sich mittlerweile selbst für Radfahrer ein. Mutig fand ich, dass sich der letzte ADAC-Chef sogar öffentlich für Benzinpreis-Erhöhungen aussprach, um Verbrenner allmählich abzulösen. Doch das wurde ihm zum Verhängnis: Nach 60.000 Austritten gab der Mann nun leider seinen Posten auf. 
 
All das ging mir durch den Kopf, als ich mich jetzt anlässlich meiner Martenstein-Festwoche an dessen Kolumne erinnerte, die bereits Anfang der 2000er Jahre erschienen ist. 
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Über Automobilclubs 
 
Alle zwei Jahre kaufe ich, ohne groß nachzudenken, irgendein Auto für 2000 Euro. Mal ist es ein verratzter Mitsubishi, mal ein vergammelter Citroen, dann wieder ein babyblauer Ford. Das sind, wenn man fährt, jeweils total unterschiedliche Lebensgefühle. Auf die Weise beugt man geistiger Verknöcherung vor. 
 
Einmal hatte ich einen Trabbi, um den Osten zu spüren. An den Tankstellen im Westen waren die Leute sehr nett, aber von oben herab. Eine richtig fiese Nettigkeit war das. Ein anderes Mal ist es ein Triumph Spitfire Cabrio gewesen, in Libidorot, davon habe ich mir einiges versprochen. Der Triumph war rattenscharf, aber immer kaputt, ähnlich wie der Fußballer Strunz. Zurzeit fahre ich ein Mercedes Coupe aus der Ära Helmut Schmidt. Neulich seufzte das alte Coupe, räusperte sich verlegen und blieb stehen. Der ADAC kam. Der Pannenhelfer sagte: "Die Lichtmaschine."  
 
Wegen meines Lebenstils brauche ich den ADAC. Innerlich bin ich trotzdem gegen den ADAC eingestellt. Ich fahre hin und wieder Rad. Im Grunde mag ich Bäume. Blumen und Gräser. Frösche. Grillen. Das alles soll es ruhig geben. Immer, wenn ich die politischen Forderungen des ADAC lese, denke ich: "Das, was die vom ADAC sagen, ist nicht meine Meinung." 
 
Ich habe einen Traum. In dem Traum bin ich tot, und der höchste Richter fragt mich, wieso ich seit 1991 Mitglied im ADAC war. Ich sage: "Es war mir nicht bewusst. Die haben mich ohne mein Wissen in ihre Mitgliederlisten aufgenommen. Die Namen wurden von den Fahrschulen automatisch weitergeleitet. Ich habe niemals etwas unterschrieben." Der höchste Richter zeigt mir meine unterschriebene Eintrittserklärung. 
 
Ich sage: "Wissen Sie, alle Deutschen waren im ADAC. Es war eine Art Zwangsmitgliedschaft, sonst bekam man kein Auto. Mann muss es auch aus der damaligen Zeit heraus verstehen." Der Richter lacht höhnisch. Er zeigt mir Bilder von gefällten Alleebäumen und überfahrenen Rehkitzen. Ich sage: "Na gut, ich hatte mal eine Autopanne. Der ADAC-Pannenhelfer hat mich psychologisch unter Druck gesetzt. Ich wollte mehrmals austreten. Aber im Büro war immer so viel zu tun. Das mit den Rehkitzen wusste ich nicht, ehrlich." Der Richter schweigt. 
 
"Ich habe den ADAC für meine Zwecke instrumentalisiert. Ich hatte zum Beispiel eine Panne, der ADAC hat mein Auto flottgemacht, mit dem Auto bin ich dann ins Büro und habe einen knallharten Anti-ADAC-Artikel verfasst. Über die Präsidentenfrage. Die Zeit ist reif für eine ADAC-Präsidentin! Das ist meine heilige Überzeugung." Der höchste Richter schüttelt langsam den Kopf. Dann wache ich auf. 
 
Ich habe eine neue Lichtmaschine einbauen lassen. Ein paar Tage später hustete der alte Mercedes verlegen und blieb zitternd stehen. Der ADAC kam. "Eindeutig die Lichtmaschine", meinte der Pannenhelfer. Bald darauf stand der Mercedes tief in den Wäldern von Brandenburg. Der ADAC-Pannenhelfer sagte: "Wahnsinn, unglaublich, ich sehe, sie ist nagelneu, aber es ist tatsächlich die Lichtmaschine." Ich aber weiß: Es ist die Strafe des höchsten Richters. 
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Tja, jetzt wäre tatsächlich Gelegenheit, erstmals eine Frau als ADAC-Chefin einzusetzen. Ich habe über ein paar Kandidatinnen nachgedacht. Für Annalena Baerbock wäre das doch die nächste Sprosse auf ihrer Karriereleiter. Und was ist mit Ursula von der Leyen? Na ja, als Verteidigungsministerin hat sie sich nicht mit Ruhm bekleckert, und an der Spitze der EU hat sie einen schweren Stand. Und hat sie nicht sogar versucht, ihren Zoll-Deal mit Trump als Erfolg zu verkaufen? Nein, Flinten-Uschi ist nicht die Richtige. 
 
Doch, Moment, nun hab ich's! Evelyn Palla! Jemand mit Kompetenz und Tatkraft! Einer Frau, die es sich zutraut, ein scheintotes Fossil wie die Deutsche Bahn wieder flott zu machen, der traue ich zu, nebenbei auch einen verrosteten Automobil-Club umzukrempeln. Dank ihrer Bahn-Erfahrung kann es gar keine bessere Pannenhelferin geben. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1858 vom 5. 2. 26

Zweiter Teil der Harald-Martenstein-Festwoche. Seit 1979 lebe ich mit Katzen unter einem Dach. Mittlerweile bilden zwei Kater die inzwischen vierte Katzengeneration. Daher weiß ich, wie individuell verschieden und mitunter durchsetzungsstark diese Haustyrannen sein können. Aber man kann ihnen einfach nichts übelnehmen. Selbst die besonderen Eigenheiten nicht, die Martensteins Kater an den Tag legte. Aber der war ja auch ein Altachtundsechziger. 
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Über Altachtundsechziger 
 
Der alte, schwarze Kater, den ich vor einiger Zeit von meiner verstorbenen Alt-68er-Tante geerbt habe, ist irgendwie gestört. Als sie jung war, hat meine Tante ähnlich gut ausgesehen wie Uschi Obermaier. Sie besaß ein erweitertes Bewusstsein und die Platten von Bob Dylan, sie rauchte bewusstseinserweiternde Dinge und trug Blumen im Haar. Dies alles hat den Kater nicht davor bewahrt, gestört zu werden. Purple Haze is in his brain. 
 
Der Kater kann nur schlafen, wenn sein Schlafplatz der höchste Punkt im Raum ist und wenn er seinen Blick von oben über die Wohnung schweifen lassen kann wie der König der Löwen auf seinem Felsen. Wenn er nicht am höchsten Punkt des Raumes liegen kann, wandert er die ganze Nacht heiser schreiend und mit glühenden Augen umher wie Behemoth. Ich nehme an, er fühlt sich nur ganz weit oben sicher vor den anderen, jüngeren Katern. Ich kenne dieses Gefühl. 
 
Wir haben ihm überall in der Wohnung Katzenkörbe mit Polsterung angeboten, er aber hat sie auf seine gestörte Weise verschmäht und wollte in das Wohnzimmer, wo das Bücherregal steht. Der Kater ist auf die Stereoanlage gesprungen, die sich neben dem Bücherregal befindet, und dann, um in den alten Gelenken warm zu werden, einige Male auf ein niedrig gelegenes Regalbrett und wieder zurück, schließlich mit einem großen Satz ganz oben auf das Regal. Aber er hat das Regal nur mit seinen Vorderpfoten erreicht, und sein dürrer, schlaffer Altherren-Hinterleib pendelte frustriert in der Luft. 
 
Daraufhin hat der Kater seine Technik verändert, er ist jetzt von der Stereoanlage, die inzwischen stark verkratzt ist, schräg an die Wand gesprungen, von der Wand hat er sich mit allen vier Pfoten abgedrückt, und so ist er relativ easy auf das Regal gekommen. Der Sprung sieht spektakulär aus. An der Wand hängt jetzt die Tapete in Fetzen herunter, und die Wand hat Dellen. Das kann ich nicht hinnehmen. Ich habe die Stereoanlage und den Stereoschrank in die Mitte des Wohnzimmers gerückt, damit der Kater sie nicht mehr als Absprungsrampe benutzen kann. 
 
Daraufhin hat der Kater in der Wohngemeinschaft die Machtfrage gestellt und die ganze Nacht pausenlos geschrien, weil seine Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Lenin sagte: Wer wen. Ich habe aus dem Keller die alte rostige Leiter geholt, jetzt hinkt der Kater mit knackenden Knochen über die Leiter auf das verdammte Regal, und die rostige Leiter steht Tag und Nacht im Wohnzimmer. An bürgerliches Wohnen ist in diesem Wohnzimmer nicht mehr zu denken. 
 
Im Badezimmer kann ich nicht mehr baden, weil das Katzenklo zu stark riecht. Mein Sohn macht es regelmäßig sauber, um Verantwortung zu lernen, aber irgendwas stimmt nicht mit dem Kot dieses Katers. Ich kenne doch Katzen, dieser Kot aber riecht wie kein Kot, den ich je kannte. Der Kater hat ein Verdauungsproblem. Oder es ist ein Drogenproblem. 
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So, Milly ruft, ich muss hinunter ins Wohnzimmer. Dort lege ich mich aufs Sofa, Milly macht es sich auf meinem Bauch bequem, Leo räkelt sich auf seinem Stuhlkissen und wir hören zusammen Jimi Hendrix und die Rolling Stones. Und sinnen gemeinsam darüber nach, ob die Haschisch-Freigabe nicht auch für Katzenfutter gilt. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1857 vom 4. 2. 26

Gestern habe ich gestanden, dass ich trotz seiner Abwanderung zur Bildzeitung Harald Martenstein für einen großartigen Kolumnenschreiber halte. Dies beruht auf einer Vielzahl von Glossen, bei denen ich aus dem Schmunzeln nicht herausgekommen bin und mir dachte: "Das hättest Du so nicht hingekriegt". Was liegt also näher, als mich bequem zurückzulehnen und Euch meine Begeisterung durch eine Martenstein-Festwoche verständlich zu machen? Das hat für mich was von Urlaub - und für Euch gibt's trotzdem was zu lachen. Heute starte ich mit den wesentlichen Auszügen aus "Über Ausländer":
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In der Nacht ist mir Ludwig Erhard erschienen. Er sagte: "Ich bin Patriot. Und zwar einzig und allein aus Gründen der Logik. Alles Falsche für typisch deutsch zu halten ist typisch deutsch, folglich muss es falsch sein. Können Sie mir folgen?" Ich nickte. "Und die anderen Völker machen in der Wirtschaftspolitik auch nicht alles richtig!" Dann verschwand Erhard.
 
Vor drei oder vier Jahren hat bei uns um die Ecke ein ceylonesisches Restaurant aufgemacht. Es hieß "Ceylon House". Sie hängten vor ihre Tür eine Tafel und schrieben "Günstige Tags-Gerichte 6 Mark" darauf. Sie spielten fetzige ceylonesische Volksmusik und kauften große Mengen an Plastikblumen. Aber das nützte alles nichts. Das "Ceylon-House" war kein Ort, wo man hinging. Es war ein Ort, wo man fernblieb. Einmal habe ich dort ein Lammcurry gegessen. Neben dem Lammcurry hatten ein Klecks Ceylon-Joghurt und ein Minzeblatt Platz genommen. Wir drei waren die einzigen Gäste.
 
Spinnen spannen um die Plastikblumen ihre Netze. Die Großfamilie saß in der Küche und führte lange Gespräche. Schließlich schloss das "Ceylon House" seine allzu selten benutzten Pforten. Zwei Wochen später eröffnete an gleicher Stelle das "Ristorante Amore Tipico". Die Einrichtung war nahezu unverändert. Sie hatten italienische Fähnchen auf die Tische gestellt und Rotweinflaschen im Raum verteilt und Plakate mit Strandmotiven aufgehängt. Bei der Bedienung waren an den dazu geeigneten Stellen lange Wimpern und Goldkettchen befestigt.
 
Sie sagte: "Sorry, I don't speak German." Ich sagte: "Va bene." Sie sagte: "Sorry, I don't speak Italian. I am only the cook's sister. The cook is taking a bath. He will come very soon." Dann ging sie zur Theke und legte eine Musik-Kassette ein. Es war ceylonesische Volksmusik. Jetzt erschien der Koch. Es war der ceylonesische Clanchef. Er hatte einen neuen Schnurrbart und eine neue Frisur. Der Koch schimpfte mit seiner Schwester. Er wechselte die Kassette. Er legte italienische Arien ein. Dann brachte er eine Tiefkühl-Lasagne von Eismann. Neben der Lasagne lagen meine alten Bekannten, der Joghurtklecks und das Minzblatt. Wir fielen uns mit großem Hallo in die Arme.
 
"Seid Ihr jetzt etwa auch Italiener, Ihr zwei?", fragte ich. "Nur kein Spott", antwortete das Minzblatt. "Wir hatten nicht viel Zeit und nicht viel Geld zum Recherchieren. Der Chef ist zweimal im Stella Alpina gewesen und hat die Speisekarte abgeschrieben, dann haben wir losgelegt." "Wir haben unsere Lektion gelernt", warf der Joghurtklecks ein. "Wenn die Deutschen keine Ceylon-Restaurants wollen, sind wir eben Italiener."
 
"Und Eure Identität?", fragte ich. "Pah!", rief das Minzeblatt. "Identität, pfffff!" "Ihr Deutschen habt Euch amerikanisiert", sagte der Joghurtklecks. "Ihr habt aber die Gewerkschaften behalten. Das Ceylon-House italienisiert sich und behält den Joghurt." Ein paar Wochen später hat leider auch das "Amore Tipico" dichtgemacht. Sie bauen wieder um. Vielleicht werden sie jetzt Mexikaner.
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Ich weiß auch nicht, wieso ich darauf komme. Aber wenn Ihr mich mal wieder in Dorsten besucht, sollten wir zusammen essen gehen. Die Frage ist nur: Beim indischen Italiener oder beim afghanischen Italiener?
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1856 vom 3. 2. 26

Der Kelch ist gerade noch an mir vorüber gegangen. Gestern war ich schwer in Versuchung, ein zweites Mal den Sündenfall zu begehen: Ich war drauf und dran, mir eine Bildzeitung zu kaufen! Das erste und nach wie vor einzige Mal passierte mir dieses Malheur im Sommer 1966. Damals bestand die erste Seite der Bild-Ausgabe fast nur aus vier fetten Buchstaben und einem Satzzeichen: DRIN!. Das galt der überaus erfreulichen Tatsache, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sich mit einem 3:0-Erfolg über die Sowjetunion für das Weltmeisterschafts-Finale im Wembley-Stadion qualifiziert hatte.
 
Damals war ich gerade 13 geworden. Deshalb beanspruche ich mildernde Umstände. Spätestens aber nach dem Tod von Benno Ohnesorg und Heinrich Bölls "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" war Springers Boulevard-Blatt bei mir endgültig unten durch. Endgültig? In Versuchung geraten bin ich, weil gestern die erste "Mail von Martenstein" in der Bild-Zeitung angekündigt war, mit der jetzt täglich der "Brief von Wagner" ersetzt werden soll.
 
Wie konnte das geschehen? Harald Martenstein, der von 2002 bis 2026 für die Zeit wöchentlich Kolumnen schrieb, von denen für mich eine ganze Menge gemeinsam mit denen von Axel Hacke zum Besten gehören, was es in diesem Jahrhundert als Glossen in Deutschland zu lesen gab, ist ein völlig anderer Typ als Franz-Josef Wagner. Ja klar, Martensteins politische Grundhaltung hat sich im Laufe der Zeit geändert. Aber dennoch ist er stets seiner Überzeugung treu geblieben, dass noch niemand den Stein der Weisen gefunden hat und es deshalb Gründe genug gibt, fast alles satirisch in Frage zu stellen. Nicht zuletzt diese Einstellung hat ihm u.a. den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis eingetragen. Deshalb bin ich neugierig, was er nun für Bild schreibt.
 
Für treue Martenstein-Leser kam dieser Karrieresprung übrigens nicht sonderlich überraschend. Bereits in seiner Textsammlung "Vom Leben gezeichnet" schrieb er 2004 über seine Lieblingskolumnisten. Ganz oben auf dem Treppchen stand für ihn Harry Rowohlt und dessen Reihe "Pooh's Corner": "Diese Kolumne ist natürlich das Beste, was im Kolumnengenre deutscher Zunge jemals geleistet wurde." Weiteres Mitglied in der heiligen Dreifaltigkeit des deutschen Kolumnenwesens ist für Martenstein Max Goldt, der sich viele Jahre lang im Satiremagazin "Titanic" austobte.
 
Und dann kommt die Überraschung. Bereits vor mehr als zwanzig Jahren gestand die Edelfeder: "Im Laufe der Zeit bin ich, zuerst widerwillig, dann immer williger, auch ein Fan von Wagner geworden. Wagner treibt mit wenigen Paddelschlägen den Boulevardstil über seine Grenzen hinaus, er führt sein Kanu tief hinein ins Meer des Wahnsinns." Und zum Schluss hieß es: "Rowohlt, Goldt und Wagner, vor diesen dreien muss jeder, der in Deutschland Kolumnen schreibt, sich demütig in den Staub werfen. Was hiermit geschieht." 
 
Dann war noch ein P.S. angefügt: "Sollte jemand die Absicht haben, mir eine politische Kolumne anzubieten: Ich bin bereit." Der jüngste Schritt war also nur konsequent. Ich aber bevorzuge nach wie vor den alten Meister Martenstein, der wegen seiner Verachtung für politische Korrektness seit langem angefeindet wird. Um dies zu begründen, werde ich in den nächsten SP-Folgen Auszüge aus meinen Lieblingskolumnen aus seiner Feder vorstellen.
 
Als Vorgeschmack schon mal ein Martenstein-Zitat: "Um die Berliner S-Bahn im April 1945 zum Stehen zu bringen, benötigte die Rote Armee 2,5 Millionen Soldaten, 6000 Panzer, 7500 Flugzeuge und 10 000 Geschütze. Der Bahn ist das Gleiche durch den Einsatz von lediglich vier Managern gelungen."
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1855 vom 2. 2. 26

In meiner Kindheit waren im Dezember Quelle-Pakete für mich ein steter Quell der Freude. Mein persönlicher Weihnachtsmann arbeitete nämlich nicht am Nordpol, sondern bei dem Versandhaus in Fürth. Aus dem aktuellen Quelle-Katalog durfte ich mir ein Geschenk aussuchen, und wenn es nicht zu teuer war, lag das Spiel dann auch meist unter dem Christbaum. Vorher hatte ich mich längst vergewissert, weil ich wusste, wo meine Mutter das Präsent unten im Kleiderschrank zwischenlagern würde. So blieb noch Zeit zum Murren und Maulen, falls meine Eltern auf den abwegigen Gedanken kommen sollten, für mich etwas anderes als das gewünschte Teil zu bestellen. 
 
Das klappte nur, weil damals allein die Post Pakete zustellte. Wollten die Empfänger sicher sein, ihre Lieferung rechtzeitig zu erhalten, mussten sie lange vor Weihnachten ihre Bestellung aufgeben. Denn Post wie Versandhaus wiesen permanent darauf hin, dass es in der letzten Woche vor den Feiertagen schwierig werden könnte. Und Lieferdienste, die eine Zustellung binnen 24 Stunden garantierten, gab es damals nicht. Deshalb durchschaute ich früh den Schwindel mit Christkind und Weihnachtsmann und hatte für meine Spielkameraden, die noch mit sechs Jahren an das Märchen vom Rentierschlitten glaubten, nur ein verächtliches Schnauben übrig. 
 
Mit acht habe ich mir sogar ein ganzes Haus per Post kommen lassen. Okay, es bestand aus Legosteinen, die ich selbst zusammensetzen musste. Aber lange Zeit zuvor war ein cleverer Bankier in den USA bereits auf eine ähnliche Idee gekommen. William H. Coltharp wollte 1916 für sein neues Bankgebäude in Utah nur die erstklassigen Ziegelsteine verwenden, die von der Salt Lake Brick Company hergestellt wurden. Und der kostengünstigste Weg für den Transport war der Versand per Post. 
 
Also ließ Coltharp 80.000 Ziegelsteine in 40 große Kisten verpacken und gab diese - pro Stück eine Tonne schwer - als Paketsendung auf. Sie wurden tatsächlich brav zugestellt, wobei sich die Paketboten gefühlt haben müssen wie die Sklaven beim Bau der Pyramiden. Die US-Postbehörde zog daraus jedenfalls prompt ihre Lehren - fortan durften ihre Kunden pro Tag bloß Waren mit einem Gesamtgewicht von 200 Pfund versenden. 
 
In abgewandelter Form fand die Idee aber in den 1970er Jahren Nachahmer. Abbie Hoffmann riet in seinem Buch dazu, die Flut der aufdringlichen Unternehmen, die ihre ungefragte Werbung mit Antwortkarten für eine kostenlose Rücksendung garnierten, durch einen Denkzettel einzudämmen. Prompt klebten viele genervte Amerikaner die Antwortkarten mit dem Vermerk "Porto zahlt Empfänger" an Ziegelsteine. Ob die Firmen angesichts solcher Rücksendungen wohl Bauklötze gestaunt haben? 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1854 vom 1. 2. 26

Die weiße Taube fliegt nicht mehr. Ihre ehrenwerte Tätigkeit als Friedensbringer hat sie aufgegeben, seitdem im Luftraum von Kriegsgebieten mehr Drohnen als Raubvögel unterwegs sind. Und ihren Brotjob als Brieftaube hängte sie empört an den Nagel, als Dänemark ankündigte, die Postzustellung abzuschaffen. Was zu viel ist, ist zuviel. 
 
Dabei war Zeit meines Lebens bis auf seltene Ausnahmen stets auf Briefträger Verlass. Nicht von ungefähr prangt an der Wand des New Yorker Hauptpostamtes die Aufschrift "Neither snow nor rain nor heat nor gloom of night stays stese couriers from the swift completion of their appointed rounds". Sinngemäß bedeutet das "Weder Schnee noch Regen, nicht Hitze, nicht Nacht hält Postboten davon ab, die Briefsendungen so schnell wie möglich zuzustellen." 
 
Dieses Motto haben jedoch weder die Amis noch die Schweizer erfunden. Es stammt aus einem Text von Herodot, der damit das zuverlässige Postwesen der Perser um 500 vor Christus (!) beschreibt. Das nenne ich mal eine wirklich gute alte Tradition. Leider wurde sie auch bei uns bereits aufgeweicht. Wahrscheinlich war es bereits ein Vorbote dafür, dass auch Deutschland den dänischen Kurs einschlagen will, als bei uns die Verpflichtung aufgehoben wurde, Briefe innerhalb eines Tages zuzustellen. 
 
Nicht in allen Fällen hat das geklappt. So wurde ein aufgebrachter Bürger in Solingen von Tag zu Tag zorniger. Er hatte sich über die lange Dauer einer Kanalbaustelle vor seinem Haus und vor allem die dadurch verursachte starke Verschmutzung aufgeregt und einen bösen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben - mit der Bitte um rasche Antwort. Doch vier Monate lang wartete er darauf vergebens. 
 
Das lag daran, dass er statt der neuen Verwaltungsadresse "Rathausplatz" als Adresse "Potsdamer Straße" angegeben hatte, wo, nur einen Steinwurf vom neuen Domizil entfernt, die Stadtverwaltung vormals ihren Sitz hatte. Dennoch sorgte die falsche Straßenangabe offenbar bei der Post für heillose Verwirrung. Sie prüfte und rätselte monatelang, bevor sie schließlich resignierte und den Brief an den Absender mit dem Vermerk zurückgab: "Empfänger unter der angegebenen Anschrift nicht zu ermitteln". Anscheinend waren sowohl die Stadtverwaltung wie der Oberbürgermeister bei der Post unbekannt. 
 
Na ja, es ist auch eine echte Zumutung, dass alle paar Jahre neugewählt wird und der Name des Oberbürgermeisters sich ändern kann. Und wahrscheinlich hatte die Verwaltung auch noch versäumt, bei ihrem Umzug einen Nachsendeantrag zu stellen. . . 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1853 vom 31. 1. 26

Um meinen Stapel ungelesener Bücher zu verkleinern, gehe ich doppelgleisig vor. Ich lese täglich aus zwei verschiedenen Büchern. Eins aus dem weiten Bereich der Belletristik und dazu noch ein Sachbuch. Letztere beschäftigen sich meist mit der Historie, erstere mit Mord und Todschlag. Ja, ich bin ein Krimi-Freund. Das führte dazu, dass ich beinahe eine Wette verloren hätte.
 
Wie Ihr vielleicht wisst, hat die Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling mittlerweile großen Erfolg mit Kriminalromanen. Die aber veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith. "Pseudonym Robert Galbraith? Das ist nicht korrekt!" "Ist es wohl!" "Ist es nicht! Wetten?" Ich wette gern, weiß aber aus Erfahrung, dass versteckte Fallen oft in der konkreten Formulierung lauern. Deshalb ließ ich mich zum Glück nicht auf das Wettangebot ein. Denn ganz genau genommen muss es heißen, dass Robert Galbraith ein Pseudandronym ist. So bezeichnet man nämlich Deck- und Künstlernamen, die Schriftstellerinnen verwenden, wenn sie sich als Mann ausgeben.
 
Okay, das grenzt an Korinthenkackerei. Aber die ist Bestandteil der Spielregeln bei Wetten. Ich habe mich daher schlau gemacht, was im Pseudo-Bereich sonst noch auf dem Sprachmarkt ist. Wenn ich beispielsweise meine Texte mit Eva Kruse zeichne, dann ist das ein Pseudogymnym. Und wenn jemand anders Dokumente mit meinem Namen unterzeichnet, ist das ein Pseudograph, ein Schriftfälscher. Falls ich aber angesichts meines Bauches fest überzeugt wäre, ich sei im sechsten Monat, dann wäre das ein Fall von Pseudokyesis, also eingebildeter Schwangerschaft.
 
Bei mir könnte man dann auch von einer Pseudohalluzination sprechen, einer eingebildeten Sinnestäuschung. Ein Begriff, der mich verwirrt: Ist eine Sinnestäuschung nicht stets eingebildet? Der Unterschied liegt anderswo. Bei einer Halluzination nehme ich etwas wahr, das real nicht existiert. Das gilt auch bei einer Pseudohalluzination. Nur, dass ich mir dann darüber klar bin, dass ich mir bloß etwas einbilde.
 
Kompliziert? Es geht noch schlimmer. Pseudologie nennt man einen krankhaften Trieb zum Lügen. Eine Pseudomanie ist das pathologische Verlangen zu lügen. Wo ist da der Unterschied? Das weiß die Wissenschaft selbst nicht. Auch die Meinungen darüber, ob zwanghafte Lügner, die Schwindeleien für ihr Selbstwertgefühl brauchen, psychisch gestört sind, gehen auseinander. Ich bin dafür, beide Fachbegriffe unter der aktuellen Bezeichnung Trumpologie zusammenzufassen. Donald Trump ist außerdem ein Meister der Pseudolalie. Das ist der wissenschaftliche Begriff für unsinniges Gestammel und Geschwafel. 
 
Ob ich auch darunter leide? Das weiß ich nicht. Ich kann jetzt auch nicht darüber nachdenken - ich muss zur Schwangerschaftsgymnastik.
 
Glückauf
dkd 
  
PS. Die gestrige Folge war Martin nicht wurstegal, Er sandte eine Ergänzung:
"Und wie steht's mit Panhas? Resteverwertung par excellence auf Pottart; kross gebratene Scheiben mit Kartoffelschnee (so hieß Püree in unserer Familie) - unübertroffen. Das Ost-Gegenstück nannte sich "Tote Oma", quasi Panhas aus der Dose. Den Streit um die Currywurst habe ich nie ganz verstanden: Berliner Currywurst ist Bockwurst mit Soße, Ruhrgebiets-Currywurst dagegen Bratwurst mit Soße. Wobei die echte Soße auf Tomatenbasis mit Gewürzen und evtl. Apfelmus kein Curry enthält, sondern zum Schluss mit mehr oder weniger Curry bestreut wird. Ein beliebtes Ruhr-Gericht war einst 'Dicken Reis mit schwarze Socken': Ungesüßter Milchreis mit kleinen Blutwürsten darin. Und falls Wurst im Naturdarm ist: immer mitessen (so halte ich es jedenfalls). Ganz oben: luftgetrocknete steinharte Rohwurst im trockenen Darm mit Edelschimmel!"

Schmunzelpost 1852 vom 30. 1. 26

Eigentlich esse ich kaum noch Wurst. Aus Ernährungs-, Umwelt- und Tierschutzgründen. Außerdem habe ich entdeckt, dass Steinkopfs reichhaltiges Käseangebot auf dem Wochenmarkt viele gute Alternativen bietet. Doch hin und wieder überkommt mich der Heißhunger. Das war jetzt wieder mal soweit, als es bei der Vorbereitung des deutsch-deutschen Abends vom 27. 2. um die kulinarischen Appetithappen ging: Es gibt Currywurst aus dem Pott und Thüringer Bratwurst. 
 
Ja, ja, ob die Currywurst tatsächlich aus dem Ruhrgebiet oder aus Westberlin stammt, ist immer noch umstritten. Auf jeden Fall ist sie typisches Wessi-Futter. Und den Import aus dem Osten weiß man inzwischen überall in Deutschland zu schätzen. Wobei auch die Thüringer Bratwurst mit den Nürnberger Rostbratwürstchen einen Konkurrenten auf dem Wurstmarkt hat.
 
Bratwürste galten in meiner Kindheit als Delikatesse, mit denen der Besuch der Innenstadt gekrönt wurde. Und beim Einkaufen war ich beim Metzger stets gern dabei, weil es für mich immer ein Häppchen Fleischwurst gab. Das änderte sich erst durch mein starkes Wachstum in der Pubertät. Aber Salami, Mettwurst, Cervelatwurst, Blutwurst, feine und grobe Leberwurst blieben noch lange Zeit ein geschätzter Butterbrotbelag. Dagegen war ich bei einem Ausflug nach Bremen höchst irritiert, weil dort Pinkel angeboten wurde. (Heutzutage hätte ich vielleicht einen Zusammenhang mit der Harzer Blasenwurst vermutet).
 
Durch meinen bayerischen Schwager lernte ich dann, dass es je nach Region und Bundesland viele verschiedene Wurstsorten gab. Doch die Weißwurst, die er gerne "zuzzelte", fand ich eklig. Das ging mir auch mit Sülze und Möppkenbrot so. Blaue Zipfel aus Franken und Nackerte aus Bayern kannte ich nicht, hätte mich damals aber bestimmt für sie interessiert. Anders als für die Saure Rolle oder die Sardellenwurst im hohen Norden.
 
Auf den Reisen durch Deutschland lernte ich später noch weitere Spezialitäten kennen, etwa die Ahle Worscht in Hessen. Und es dauerte nicht lange, bis ich herausfand, dass Leberkäse gar kein Käse ist. Und Pfälzer Saumagen alle Vorurteile schnell widerlegt, wenn er gut zubereitet ist. In Niedersachsen habe ich sogar Brägenwurst probiert, was sich aber nicht positiv auf mein Hirn auswirkte. Auch an Pommersche Schlackwurst traute ich mich heran, während ich um Braunschweiger Kopfwurst einen Bogen machte - das ist gekochte Mettwurst mit Schnauze!
 
Ein paar weiße Flecken auf meiner Wurstlandkarte sind jedoch geblieben. Was Calenberger Pfannenschlag ist, wie Weckeweck schmeckt, Knipp, Stippgrütze oder Büdelwurst, das muss ich nicht unbedingt herausfinden. Und ich hoffe sehr, dass die Aachener Karlswurst keine kannibalistischen Zutaten enthält. . .
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1851 vom 29. 1. 26

Gestern ging die Vorrunde der Fußball-Champions-League zu Ende. Und da war er wieder, Loddar, der Dampfplauderer, in früheren Zeiten stets ungewollt für einen dummen Spruch gut. Zugegeben, er hat sich gewandelt. Seit er nicht mehr jedes dritte Jahr eine dreißig Jahre jüngere Osteuropäerin als neue Partnerin präsentiert, hat er die Zeit genutzt, um sich rhetorisch zu verbessern. Und seinen Spielanalysen merkt man an, dass er selbst mal ein begnadeter Fußballer gewesen ist. 
 
Trotzdem kann ich nicht verhindern, dass mir immer, wenn ich ihn auf dem Bildschirm sehe, alte Zitate von ihm in den Sinn kommen. Als sich seine Spielerkarriere dem Ende zuneigte, sagte er: "Ein Lothar Matthäus lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal." Und als sich solche Sätze häuften, wurde er gefragt, ob er auch in Zukunft von sich immer in der dritten Person sprechen wolle. Seine Antwort: ""Ja gut, äh, ein Lothar Matthäus braucht keine dritte Person, er kommt sehr gut allein zurecht."
Nach dem endgültig letzten Spiel wollte man wissen, wie es mit ihm weitergehen werde: "Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat." Später machte er kein Geheimnis daraus, dass er unbedingt ein Bundesliga-Team oder die deutsche Nationalmannschaft trainieren wolle. Am liebsten jedoch den FC Bayern München. Doch da war Ulli Hoeneß vor: "Der wird bei Bayern nicht mal Greenkeeper!" Das hatte vielleicht auch damit zu tun, dass Matthäus unter dringendem Verdacht stand, der Maulwurf zu sein, der die Bildzeitung dauernd mit Interna aus der Münchener Kabine versorgt hatte. 
 
Bild erwies sich als dankbar. Jahrelang gab es selten Rätselraten um die Nachfolge eines entlassenen Bundesliga-Trainers, bei dem die Bildzeitung nicht meldete, Lothar Matthäus sei ein aussichtsreicher Kandidat. Februar 2001: Eintracht Frankfurt. Juni 2003: Schalke 04 (uijuijui, das ist gerade nochmal gut gegangen), Juli 2004: Deutsche Nationalmannschaft, September 2005: Bayer Leverkusen, November 2005: 1. FC Nürnberg, Februar, Mai und Dezember 2007: Bayern München, April 2008: Werder Bremen, Oktober 2008: Borussia Mönchengladbach, Mai 2009: Hamburger SV, Juni 2009: Arminia Bielefeld, September 2009: Hertha BSC. 
 
Allein, es wurde nie etwas. Was Lothar so kommentierte: "Gewollt hab' ich schon gemocht, aber gedurft ham' sie mich nicht gelassen." Stattdessen trainierte er mit mal mehr, meist aber weniger Erfolg im Ausland: Rapid Wien, Partizan Belgrad, Ungarns Nationalmannschaft, Athletico Paranaense, Red Bull Salzburg, Maccabi Netanya in Israel. 
 
Inzwischen hat sich Matthäus anscheindend damit abgefunden, bloß TV-Kommentator zu bleiben. Denn auch für seine Lebensplanung gilt: "Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken." Und zuletzt kam er oft zwar etwas atemlos, aber weitgehend pannenfrei über die Runden. Wobei ich das, ohne gehässig zu sein, ein wenig schade finde. Sprüche wie: "Das Chancenplus war ausgeglichen" oder: "Es ist wichtig, dass man 90 Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt", sind doch das Salz in der Suppe. 
 
Das hat Matthäus selbst erkannt. "Und wenn dein Reden auch stockfalsch und blödsinnig ist: Hauptsache, du tust wieder den Mund auf." Aber dennoch verzichtet er nun auf derartige Weisheiten, denn: "Ein Lothar Matthäus kann es sich nicht leisten, sich zu blamieren." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Fast hätte ich es vergessen. Einen Klassiker hat er 2017 als Sky-Kommentator doch noch geliefert: "Wäre, wäre - Fahrradkette!"

Schmunzelpost 1850 vom 28. 1. 26

Rätselhaft ist es hier gestern zugegangen. Also fange ich auch heute gleich mit einer Frage an: Wie kommt es, dass ich am Montag im Dorstener Erlebnisbad zu Gast war, obwohl es wegen Renovierungsarbeiten zur Zeit geschlossen ist und ich sonst derartige Badetempel meide wie der Teufel das Weihwasser? Letzteres liegt daran, dass ich als Kind fast ertrunken wäre, erst mit Zwanzig äußerst mühsam das Schwimmen erlernte und dennoch bis heute den Grundsatz vertrete: Wasser ist nass und deshalb schon schädlich (zumindest, sobald man mit den Füßen den Grund nicht mehr erreicht). 
 
Die Antwort hat festen Boden unter den Füßen. Das Bad beherbergt eine Fitness-Abteilung, wo ich mich bemühe, die Reste an Ausdauer und Kraft noch ein Weilchen zu bewahren und auch etwas dafür tue, dass meine Rückenprobleme nicht wieder auftauchen. Dieses Rätsel hätten wir also gelöst. Nächste Frage: Wie heißt das Dorstener Bad, das Rekordbesucherzahlen vorweist und auch viele Auswärtige anlockt? Da Aqua etwas mit Wasser zu tun hat, wie zumindest die Aquarienfreunde unter uns wissen, schauen wir erst einmal die Freizeitbäder durch, die mit A beginnen. 
 
Da gibt es Aqua Mar, Aquadon, Aqua Marien, Aquastaad, Aquarius, Aquarella, Atoll, Arobella, Arriba, Aggua, Alohra und ahoi!. Ah, jaa! Aber die befinden sich in Marburg, Bad Brambach, Marienberg, Immenstaad, Borken, Buxtehude, Espelkamp, Bad Arolsen, Norderstedt, Troisdorf, Rastatt und Cuxhaven. Auch "aqual.atzium" ist falsch. Das bemühte Wortspiel bezeichnet das Bad in Laatzen. Nein, obwohl Bedenkenträger fürchteten, die Benennung nach einer untergegangenen Insel könnte ein böses Omen sein, heißt unser erfolgreiches Dorstener Bad Atlantis. 
 
Von den Friseuren inspiriert haben sich die Betreiber anderswo bemüht, ihren Bädern originellere Namen zu geben. "GochNess" in Goch finde ich durchaus gelungen, ebenso "Solemio" in Stade, "Ronolulu" in Rotenburg, "Sinnflut" in Bad Brückenau, "Tu Wass" in Tuttlingen, "Badria" in Wasserburg am Inn und vor allem "Eau Le" in Lemgo. Auch nicht schlecht sind lautmalerische Bezeichungen. Als da wären "Schwapp" in Fürstenwalde, "Plantsch" in Schongau, "Splash!" in Kürten "Plub" in Pirmasens oder "Platsch" in Oschatz. 
 
Schräg, aber wahr sind "das blau" in St. Ingbert und "Nass" in Arnsberg, angemessen "Bad Blau" in Blaustein. Baff bin ich beim "baff" in Eberswalde. "Lago Wananas" in Herne ist etwas übertrieben. Und zu gern wüsste ich, was die Betreiber in Bruchsal geritten hat, ihr Bad "SaSch" zu nennen. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1849 vom 27. 1. 26

Die Interpretation von Autokennzeichen beschäftigt offensichtlich eine ganze Menge Leute. Gleich vier Zuschriften zur gestrigen SP-Folge befassten sich damit. So erfuhr ich, dass es für RE durchaus eine andere Lesart gibt. Demnach sitzt am Steuer von Autos mit diesem Schild ein "Rücksichtsloser Egoist". Trotz der unfreundlichen Varianten für EN ("Europas Nieten" oder "Europas Narren") fühlt sich ein Einwohner des Ennepe-Ruhr-Kreises sogar geschmeichelt: "Wir sind weltmännischer als wir denken!" Schmerzhaft traf mich der Hinweis, dass statt meiner Deutung des Wunschkennzeichens KDK ("Klaus, der kann's!") auch eine andere Auslegung möglich ist: "King der Karambolagen". Hingegen ist die Alternative für MK im Märkischen Kreis ausnahmsweise mal positiver Art: "Märkischer Kavalier". Aber der Urheber stammt ja auch aus Balve. . . 
 
Gestern bemühte ich mich, andere Fragen zu lösen. Dabei war ich sehr verwundert, als in einem Kreuzworträtsel nach der Hauptstadt von Baschkortostan gefahndet wurde - von einem Staat mit diesem Namen hatte ich noch nie etwas gehört. Die Frage war auch etwas unfair, denn die Republik Baschkortostan ist Bestandteil der russischen Förderation. Sie liegt westlich des Uralgebirges an der Wolga, hat rund vier Millionen Einwohner (Russen, Baschkiren, Tataren und Tschuwaschen) und ihre Hauptstadt heißt Ufa. 
 
Ach, das wusstet Ihr schon? So, so, Ihr Schlaumeier. Dann kennt Ihr wohl auch die Antwort auf eine weitere Frage, an der ich gescheitert bin. Norddeutsch: ungehobelter Mensch. Fünf Buchstaben, von "?ekel" kannte ich die letzten vier. Ekel wäre Antwort genug, meine ich, auch eine Lösung mit sechs Buchstaben (Ferkel) konnte ich mir vorstellen. Die Lösung steht sogar im Duden und lautet Rekel. Aber selbst das Handbuch der deutschen Kreuzworträtselhilfe gibt zu, dass dies von 18 Varianten für "Flegel" die unüblichste ist. 
 
Passen musste ich auch bei einem Quiz, als nach der Stadt gefragt wurde, in der das Bundessortenamt seinen Sitz hat. Die Antwort lautet Hannover. Viel spannender fand ich aber, was diese Bundesbehörde so treibt. Jetzt weiß ich: Sie prüft und genehmigt, welche Nutzpflanzen in Deutschland ausgesät werden dürfen. Derzeit gibt es ca. 16.500 davon. Für mich folgte daraus die noch spannendere Frage, welche Bundesbehörden es außerdem noch gibt und ob sich nicht einige davon durch Zuordnung zu Ministerien und Zusammenarbeit mit Universitäten einsparen ließen. 
 
Ich hege nämlich den Verdacht, dass manche nur existieren, weil man bestimmten Städten etwas Gutes tun wollte. So wurde Bonn als Sitz von allein 15 Bundesbehörden dafür entschädigt, dass es seinen Rang als Hauptstadt an Berlin abtreten musste. Berlin selbst weist mit fünf solcher Behörden deutlich weniger auf als Köln, wo gleich elf ansässig sind. Ebenfalls fünf gibt es in Karlsruhe, sonst sind die Bundesbehörden nach dem Gießkannenprinzip über ganz Deutschland verteilt. In Flensburg wacht man über Verkehrssünder, in Pullach über Verfassungsfeinde. 
 
Aber wusstet Ihr, dass es in Quedlinburg eine Bundesbehörde für Kulturpflanzen gibt? Und in Greifswald eine für Tiergesundheit? In Hürth sitzt das Bundessprachenamt und in Koblenz das Bundesamt für Äußere Restutitionen. So, jetzt dürft Ihr selbst herausfinden, was es damit auf sich hat. Und darüber nachdenken, ob sich Kulturpflanzen und Saatgut-Sorten nicht vielleicht vereinen ließen. 
 
Falls Ihr aber glaubt, wir hätten längst noch nicht genug Bundesbehörden, dann bitte ich Euch um Eure Unterstützung. Ich denke nämlich, Dorsten wäre der ideale Standort für ein Bundesschmunzelamt. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1848 vom 26. 1. 26

Als Kind habe ich mir die Zeit bei längeren Autobahnfahrten damit vertrieben, dass ich Mutmaßungen über die Bedeutung von Kfz.-Kennzeichen anstellte. Schade, dass ich damals noch nicht wusste, welch ein Katalog von derb-humoristischen Deutungen unter Autofahrern bereits im Umlauf war. Ich finde, man kann sich die "Übersetzungen" in vielen Fällen besser merken als die wirklichen Ortsbezeichnungen. Hier sind ein paar Beispiele: 
 
Beginnen wir im Norden. HH steht dabei nicht für Hansestadt Hamburg, sondern für "Halbes Hirn". Und HB (Hansestadt Bremen) für "Hein Blöd". Wilhelmshaven (WHV) sollte man vorsichtshalber übersetzen mit "Wir haben Vorfahrt!" Und Nordfriesen (NF) darf man "nicht füttern". Pinneberger (PI) werden rüde als "Provinzidioten" abgestempelt. Und Wolfsburger warnen mit ihrem Kennzeichen WOB "Weg, oder's bumst!". 
 
Steuern wir in Richtung Osten. Im Landkreis Nord-Vorpommern bedeutet NVP durchaus richtig "Noch vor Polen". Ob in und um Müritz MÜR tatsächlich für "Mecklenburger überholen rechts" steht, können Urlauber rasch selbst beurteilen. Die Übersetzung von LWL in Ludwigslust betrachten wir mal als Scherz: "Lauf, Wessi, lauf!" Dagegen ist ein wenig weiter die Abkürzung von Lüchow-Dannenberg DAN durchaus ernstzunehmen: "Die armen Nachbarn". 
 
TF in Teltow-Fläming heißt kurz und bündig "Tiefflieger". Und dass man zu DD für Dresden "Dunkeldeutschland" sagt, hat sich bestimmt ein Wessi ausgedacht. Ebenso wie "Gehirnreduzierte Zone" für GZ im Thüringischen Greiz. Und im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt ist den Schilderdeutern nichts Beleidigendes eingefallen, so dass sie sich für BLK mit "Blödes langweiliges Kennzeichen" begnügten. 
 
Zurück in den Westen. Hier kann ich aus eigener Anschauung bestätigen, dass im Kreis Borken für BOR am "Bauer ohne Rücksicht" durchaus mitunter etwas dran ist. Ebenso im Kreis Unna (UN): "Unfall naht". Verpönt ist der Hochsauerlandkreis (HSK) - "Hilfe, sie kommen!". Und frauenfeindlich, wer in Höxter das HX als "Hysterische Xanthippe" liest. Im Kreis Ennepe kommt man offenbar nach Disneyland. Denn das EN bedeutet "Entenhausen". 
 
Rüber nach Hessen. Dort empfangen uns in Eschwege Schnarchgeräusche. Weil ESW heißt: "Einer schläft wieder". Dabei war er in Fulda (FD) zumindest noch halbwach: "Fahrer döst". Aufgepasst in Friedberg: FB steht für "Führerschein beschlagnahmt". Und ab Homberg im Schwalm-Eder-Kreis wird's richtig unfein: HR gleich "Hessische Rindviecher", HU (Hanau) gleich "Hessisch-Uganda". 
 
Nichts wie weg nach Bayern. Doch in Hof (HO) sitzt der "Hornochse" am Steuer. Vielleicht ist das ja ein "Waldmensch unter Naturschutz" (WUN) aus Wunsiedel. Der fragt spätestens in Bad Kissingen (KG): "Karambolage gefällig?" Und wer in Hassfurt hasserfüllt mit dem Kennzeichen HAS unterwegs ist, der fährt nach dem Motto: "Hupen, ausscheren, schimpfen!" Kurz darauf in Erlangen (ER) wissen wir: Autoverkehr in Bayern ist ein "Ernstzunehmendes Risiko". 
 
Daher lieber schnell nach Baden-Württemberg. Denn dort geht es schon ab Mosbach im Neckar-Odenwald-Kreis gemütlicher zu. MOS: "Meine Oma schiebt". In Villingen-Schwennigen am Rande des Schwarzwalds warnt man Auswärtige sogar: VS - "Vorsicht, Schwabe!" Und die sind nach der Einschätzung in Böblingen eben BB ("Bissle blöd"). 
 
Über den Kreis Recklinghausen (RE) und Dorsten (DOR) habe ich nichts gefunden. Es wird ohnehin Zeit, dass jeder sein persönliches Kennzeichen kriegt. Dann steht an meinem Auto das Prädikat KDK: "Klaus, der kann's!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1847 vom 25. 1. 26

In der zweiten Ausgabe von "Krauses Presseschau" schauen wir heute, was anderswo in der Welt für Schlagzeilen sorgt. Aus gegebenem Anlass geht es zunächst nach Grönland. Dort gibt es zwei Zeitungen, eine davon heißt "Sermitslaiq". Und darin befasste sich der erste Artikel erstaunlicherweise nicht mit Slanod Smurts Machenschaften, sondern war überschrieben mit: "To færdselsuheld, to spritbilister og flere selvmordstrusler". Was, wie Ihr sicher schon übersetzt habt, nichts anderes bedeutet als "Zwei Verkehrsunfälle, zwei betrunkene Autofahrer und mehrere Selbstmorddrohungen". Weiter hinten folgt dann: "Mette Frederiksen: Det er en alvorlig situation". Dänen lügen nicht. 
 
Nun blicken wir nach Los Angeles. Dort hat ein Hausbesitzer über Nacht ungebetenen Besuch bekommen. Ein 250 Kilo schwerer Schwarzbär drang in seinen Keller ein und weigert sich jetzt standhaft, ihn wieder zu verlassen. Ob dort womöglich Honig gelagert ist? Mit Schleckereien zu tun hat auch eine Meldung aus Wien. Sie kommt aus einem Restaurant mit dem Vertrauen weckenden Namen "Spelunke". Dort bietet die Küche ab sofort das teuerste Wiener Schnitzel der Welt an. Kostenpunkt: 395 Euro! Allerdings gibt es statt Kartoffel-Salat dazu als Beilage Beluga-Kaviar. Und das Kalbsschnitzel wird mit Gold bestreut. Trotzdem zielt man mit dem Angebot nicht auf Fußball-Profis des FC Bayern, sondern auf wohlhabende Touristen aus den Emiraten. Wie hieß es schon in den 1980er-Jahren: "Nur der Scheich ist wirklich reich!" 
 
In Amsterdam könnten diese Köche nicht punkten. Dort wurde gerade ein Werbeverbot für Fleisch verhängt, das im Sommer in Kraft tritt. Ich fürchte, damit hat die Grachtenstadt Markus Söder als potenziellen Besucher vergrätzt. Dass aber eine Fotounterschrift künftig ein "fleischfreies Stadtbild" verspricht, geht zu weit. Oder dürfen durch Amsterdam in Zukunft nur noch Roboter flanieren? 
 
Eigentlich wollte ich abschließend etwas darüber herausfinden, wie es aus unserer Sicht am entgegengesetzten Ende der Welt aussieht. Doch alle großen australischen Blätter wollen mit ihren Nachrichten Kohle machen - und sie gehören sämtlich einem Medienmogul namens Rupert Murdoch, gegen den Axel Springer bloß ein i-Männchen war. Findig, wie ich nun mal bin, weiß ich trotzdem, was sich down under tut. Es ist heiß, heiß, heiß - bis zu 47 Grad, selbst für australische Sommer untypisch. Auch, wenn Slanod Smurt und Trepur Hcodrum bestreiten werden, dass dies irgendetwas mit einem Klimawandel zu tun haben könnte. 
 
Zum Schluss noch ein Kalauer: "Mutti, Mutti, ich will nicht nach Australien!" "Sei still, mein Sohn, und grab weiter!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1846 vom 24. 1. 26

Können wir die Welt noch retten, bevor Dlanod Pmurt sie endgültig ins Verderben stürzt? Und ist der Vormarsch von Ecila Lediew ins Kanzleramt noch zu stoppen? Wenn wir so verzweifelt sind, dass wir an die Wirksamkeit eines uralten steiermärkischen Zaubers glauben, dann ist es noch nicht zu spät. Dafür müssen wir die Namen der Menschen, die Unheil bringen, nur konsequent rückwärts aussprechen. Dann nämlich, so heißt es, werden sie allesamt am Karfreitag in der Stiftsbibliothek Admont auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
 
Das ist doch allemal die Mühe wert, seine Zunge durch die ungewohnte Aussprache zu verknoten. Allein der Gedanke, dass Dlanod Pmurt das Weiße Haus und seinen Golfplatz verlassen müsste, um ausgerechnet in einer Bücherei zu enden - einem Ort, der ihm so fremd ist, wie der Seminarraum von Klimaforschern - ist äußerst verlockend.
 
Allerdings haben die Steiermärker ihre Zauberkunst früher weniger dazu genutzt, etwas Gutes zu tun, sondern eher, um anderen Menschen zu schaden. Ein gutes Beispiel dafür ist die Gemeinheit, das Zuhause eines Widersachers mit Würmern und Maden zu fluten. Dafür braucht Ihr allerdings ein Mädchen, das noch keine sieben Jahr alt ist, aber dennoch bereits Garn spinnen kann. In kleine Teile geschnitten, entstehen daraus Madenzöpfe, Rawuzl oder Wuzel genannt, die unverzüglich in die Wohnung des Adressaten kriechen. 
Aber aufgepasst: Es gibt auch einen wirksamen Abwehrzauber. Wer seine Haustür mit christlichen Kreuzen schmückt, verhindert das Eindringen der Würmer. Und wer dann noch die Madenzöpfe in der Pfanne röstet, bewirkt per Gegenzauber, dass der Absender durch Brandwunden im Gesicht entstellt wird. 
 
Eine andere Variante, jemand Schaden zuzufügen, hat eine Magd praktiziert, die vom Gutsherren entlassen wurde. Aus Rache begann sie, Stricke zu melken, die sie dabei mit Flüchen bedachte. Auf diese Weise brach auf dem betroffenen Hof ein unaufhaltsames Viehsterben aus. Nun ist uns Dlanod Pmurt nicht als Rancher mit großen Rinderherden bekannt. Doch vielleicht schadet der Strickmelk-Zauber ja auch den Ochsen, die Pmurt in seinem Regierungskabinett versammelt hat.
 
Solltet Ihr nun auf den dummen Gedanken kommen, den Namenszauber gegen mich anzuwenden, damit ich am Karfreitag die Vertreibung von Dlanod Pmurt und Ecila Lediew in die Stiftsbibliothek überwache, so muss ich Euch enttäuschen. Mein Namenskürzel liest sich vorwärts wie rückwärts gleich, da versagt die Magie. Ätsch! Aber allein der böse Wille zählt und verlangt nach einem Gegenzauber - wundert Euch deshalb nicht, wenn Würmer wallen!
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1845 vom 23. 1. 26

An eisigen Tagen oder wenn sich eine Erkältung anpirscht, tut eine heiße Hühnersuppe richtig gut. Das ist jedoch nicht der einzige Grund, an dieser Stelle mal eine Lanze für die Hühner zu brechen. Schließlich fühle ich mich als Ex-Kabarettist der Tintenhühner ein wenig in der Pflicht. Zumal mir manchmal nachgesagt wird, ich würde zu laut krähen und viel zu viel gackern. 
 
Was wissen wir vom Huhn? "Ich wollt, ich wär ein Huhn, dann hätt ich nichts zu tun, ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei"? Das lässt sich gut singen, stimmt aber so meist nicht. Hühner reihten sich erst relativ spät, etwa 1500 Jahre vor Christi Geburt, in die Riege der Haustiere ein. Zunächst aber nicht als Eier- sondern als Fleischlieferanten. 
 
Nur in Mittel- und Nordeuropa war das anders. Hier bestaunte man die exotischen Vögel aus Asien bloß und tastete sie nicht an. Denn unsere heutigen Haushühner stammen vorwiegend vom roten Dschungelhuhn, genauer, von der Unterart des Burma-Batavia-Huhns ab und waren bei uns zunächst recht selten. So entdeckten Archäologen in England das Bein einer Henne aus vorchristlicher Zeit, das man sogar fürsorglich geschient hatte. Erst die Römer beendeten die Schonzeit und sorgten dafür, dass überall Hühner geopfert, geschlachtet und gegessen wurden. Und in Cäsars Imperium standen bald auch Eier auf dem Speisezettel. 
 
Dabei hätte es auch anders kommen können. Wie Hunde und Katze eignen sich Hühner bei entsprechender Aufzucht auch als anhängliche Gefährten zum Kuscheln. Das haben sie mit Steinkäuzen gemein. Bei einem Vortrag über Greifvögel berichtete der Referent von zwei dieser Eulen, die von einer Familie adoptiert und deren unzertrennliche Hausgenossen wurden. Ob Steinkauz oder Huhn, Federvieh hat aber leider einen Nachteil - es kann seinen Schließmuskel nicht kontrollieren. 
 
Dafür haben Hühner jedoch ganz andere erstaunliche Fähigkeiten. Sie können sich mehr als 100 verschiedene Gesichter ihrer Artgenossen merken und haben ein beachtliches Erinnerungsvermögen. Außerdem sind sie gesprächig. Mit 30 unterschiedlichen Lauten können sie sich vor verschiedenen Gefahren warnen. Und wenn man Hennen gewähren lässt, bringen sie ihrem Nachwuchs schon vor dem Schlüpfen die ersten Laute bei. So können die Küken noch im Ei miteinander kommunizieren und verabreden sich, gemeinsam die Eierschalen zu knacken. 
 
Und wer ist wohl der nächste noch lebende Verwandte des Tyrannosaurus Rex? Nein, weder Waran, noch Eidechse, noch Alligator. Das Huhn ist Nachfahre der Saurier! Allerdings hat es im Gegensatz zum furchterregenden Vorfahren keine Zähne. Deshalb müssen Hühner kleine Steinchen schlucken, um ihre Nahrung im Muskelmagen zu zermahlen. Noch ein erstaunlicher Fakt: Obwohl Hähne als Paschas ganz oben in der Hühnerhof-Hierarchie stehen, haben Hennen sich einen Rest feministischer Freiheit bewahrt. Wenn ein Huhn einen Hahn nicht mag, kann es dessen Sperma ausstoßen! Das klappt mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 80 Prozent. 
 
Zum Schluss noch was Gruseliges. Kennt Ihr Miracle Mike? Das ist ein Hahn, dem man den Kopf abschlug - und der das überlebte! Ein Gerinnsel verschloss die Schlagader und das tiefer sitzende Stammhirn sorgte dafür, dass Mike am Leben blieb. Sein Besitzer fütterte ihn per Pipette direkt in die Speiseröhre und verdiente einen Haufen Geld damit, dass er seinen kopflosen Vogel überall präsentierte. Erst nach 18 Monaten erstickte Mike an einem Schleimpfropfen. 
 
Bevor Ihr jetzt auch den Kopf verliert oder von Miracle Mike träumt, schnell noch eine Frage: Wie lautet meine Schlagzeile über den Tod eines Rekord-Huhns? Eierlegende Eierlegende erreicht ihr Eierlegende. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1844 vom 22. 1. 26

Einmal mehr hat es sich gelohnt, in einen Bücherschrank zu schauen. Allerdings diesmal nicht in den von mir betreuten, sondern in dessen Doppelgänger im Bürgerpark. Darin fand ich ein Gegengift zum von Donald Trump praktizierten Zeitalter der Lügen. "102 neue Wahrheiten" verspricht mir das Buch von Jörg Block, und sie beziehen sich allesamt auf "das wahre Leben in Deutschland."
 
Gleich die erste Wahrheit passt zum gestern hier behandelten Wikipedia-Jubiläum. Denn damit wird die Frage beantwortet, welcher Städteeintrag 2008 am häufigsten bearbeitet und geändert wurde. Da kommen einem unwillkürlich Metropolen wie Berlin, Hamburg, Gelsenkirchen oder Dorsten in den Sinn. Alles Humbug! 2008 lag Norderney ganz vorn, gefolgt von Hamm. Dort lebten offenbar viele Bürger, denen das virtuelle Bild ihrer Stadt besonders wichtig war.
 
Auch das ist jedoch ein Trugschluss. So wurde der Eintrag von Norderney im Schnitt dreimal täglich verändert. Man konnte dort sogar lesen, welche Farben die Buslinien hatten. Und der Artikel brachte es auf 138 Fußnoten! Aber nicht die Insulaner waren die Aktivsten. Die meisten Einträge stammen von einem Mönchengladbacher, dem es offensichtlich auf Norderney ausnehmend gut gefiel. Unterstützt wurde er von vier Ostfriesen. Fazit: Heimatpflege ist dank Wikipedia zu einer Tätigkeit geworden, die auch Auswärtige übernehmen.
 
Dagegen können die Marketing-Experten und Werbefritzen nicht anstinken, die versuchen, Städte mit griffigen Slogans populär zu machen. Oft sind die Ergebnisse viel zu dröge oder stoßen bei den Einheimischen auf Ablehnung. So ging es unserer früheren Bundeshauptstadt. "Freude. Joy. Joie. Bonn." sollte wohl Assoziationen zum gebürtigen Bonner Ludwig van Beethoven wecken. Die Bürger tippten jedoch auf einen Zusammenhang mit einem Frauenparfüm.
 
Etwas besser machte es ein Ort in Niedersachsen mit "Hildesheim - Welt.Kultur.Erbe.". Man kann es aber auch übertreiben: "Würzburg - Welterbe, Weingenuss, Wohlgefühl.". Zu dieser Alliteration sage ich "Au Weh!" 
Eine Hansestadt wurde übrigens übertroffen von ihrem Anhängsel an der Nordsee. "Bremen erleben" verblasst gänzlich gegen "Bremerhaven. Meer erleben". 
 
Zu inhaltlich korrekten Slogans wie "Duisburg am Rhein" sage ich nur: Wie langweilig ist das denn! Und bei "Recklinghausen attraktiver!" frage ich mich: Attraktiver als wer oder was? Oder ist das bloß eine Absichtserklärung? Ganz gut finde ich (weil ich schon da war und das dortige Stadtprofil kenne) "Mannheim - Leben. Im Quadrat." Aber am besten sind Slogans, die es nicht geschafft haben, offizieller Werbespruch zu werden: "Essen - ist fertig" oder "Nix Neuss". 
 
Mein Vorschlag für Dorsten trug mir vor mehr als zwanzig Jahren reichlich Gegenwind ein. Zum Glück war die Zeit für Shit-Storms noch nicht reif. Aber drei empörte Leserbriefe und doppelt so viele böse Anrufe reichten mir auch so. Dabei hatte ich bloß angesichts der Tatsache, dass in jener Zeit bei uns Altenheime wie Pilze aus dem Boden schossen, in einer Glosse als Slogan angeregt: "Dorsten - zum Sterben schön!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Dass Schildkröten-Hagel (siehe SP 1843) nicht nur auf Hawaii droht, darauf verweist Naturfreund Wolfgang in seiner Mail: "Der griechische Tragödiendichter Aischylos soll im Jahr 456 v. Chr. von einer herabfallenden Schildkröte erschlagen worden sein. Ein Adler hatte die Schildkröte gefangen und ließ sie auf Aischylos fallen, da er dessen kahlen Kopf mit einem Felsen verwechselte, um den Panzer der Schildkröte zu knacken. Geeignete Schildkröten habe ich selbst schon am Kanal gefunden, Greifvögel gibt es auch in Dorsten, wie wir NABUs wissen. Vorsicht ist also geboten." 

Schmunzelpost 1843 vom 21. 1. 26

Wikipedia feiert derzeit das 25-jährige Bestehen. Dazu ist auch ein Beitrag mit den gruseligsten, unheimlichsten und makabersten Beiträgen erschienen. Bei der Lektüre vergeht selbst mir manchmal das Schmunzeln. Hängen geblieben bin ich jedoch bei den ungewöhnlichen Todesfällen, weil da mein Nerv für schwarzen Humor gekitzelt wird. Vor Jahren habe ich mich aus dem Fundus schon einmal für die Schmunzelpost bedient, heute greife ich nochmals zu. Schließlich gibt es in den USA sogar eine Doku-Soap-Serie "Tausend Wege, ins Gras zu beißen", die dort seit langem mit großem Erfolg ausgestrahlt wird. 
 
In Amerika kann man sich sogar eigens gegen den Tod durch herabstürzende Schildkröten versichern lassen, nachdem mehrfach solche Fälle aufgetreten sind. Wie das? Gibt es etwa fliegende Schildkröten? Nein, nur fliegende Fische. Und die Unglücke sind auch nicht dadurch geschehen, dass Tornados Schildkrötenpanzer als Wurfgeschosse benutzt haben. Aber auf Hawaii sind offenbar Riesenschildkröten manchmal nicht nur bei der Fortbewegung, sondern auch im Denken langsam. Dann stürzen sie von Klippen und schroffen Berggipfeln, werden ungewöhnlich schnell und zur tödlichen Gefahr für darunter wandelnde Menschen. 
 
Nicht allzufit im Denken war offensichtlich auch ein deutsch-türkisches Ehepaar, das in der Türkei ein Ferienhäuschen besaß. Um es vor Einbrechern zu schützen, hatte es eine rabiate Idee. Der Mann, ein Maschinenbauingenieur, installierte am Eingang eine Selbstschussanlage. Oberhalb der Tür befand sich ein Gewehr, der Auslöser steckte in der Fußmatte. Leider stellte beim nächsten Besuch das Paar fest, dass die Anlage nicht deaktiviert war. Fünf tödliche Kugeln im Körper des Mannes, drei in seiner Ehefrau, bewiesen die Leistungsfähigkeit des Schutzsystems. 
 
In Belgien wollten zwei Diebe einen Geldautomaten sprengen. Anscheinend hatten sie ihre Einbrecher-Lehre noch nicht abgeschlossen. Sie benutzten eine derart große Menge Sprengstoff, dass das gesamte Gebäude über ihnen einstürzte. Glücklicherweise waren die beiden Todesopfer die einzigen, die sich zu dieser Zeit im Haus aufhielten. 
 
Kein bisschen clever war auch die 50-jährige Frau, die trotz unwetterartiger Regenfälle mit ihrem Mofa eine von der Polizei gesperrte Straße befuhr. Prompt stürzte sie in einen Fluss und musste von Polizisten vor dem Ertrinken gerettet werden. Allzu lernfähig war die Dame nicht: Kurz darauf sprang sie erneut ins reißende Wasser, um ihr Mofa zu retten. Ob dieses hinterher noch fahrtüchtig war, ist nicht bekannt. Die Eigentümerin war jedenfalls tot. 
 
Ein ganz anderes Verkehrsmittel wurde Mike Hughes zum Verhängnis. Er wollte unbedingt beweisen, dass die Erde eine Scheibe ist. Und die dazu aus großer Höhe fotografieren. Um möglichst hoch hinauf zu gelangen, baute er eigenhändig eine Rakete. Doch offenbar waren seine handwerklichen Fähigkeiten nicht viel besser als seine Erdkunde-Kenntnisse. Zwar stieg die Rakete mit Hughes hoch in den Himmel, aber dann versagte der Fallschirm, und die Rückkehr zur Erde fiel sehr hart aus. Scheibenkleister! 
 
Weil er Rücksicht auf seine Partnerin und die Nachbarn nehmen wollte, kam ein Mann im englischen Haslemere ums Leben. Um sein Schnarchen zu unterdrücken, stopfte er zwei Tampons in die Nasenlöcher. Und verschied. Im weitesten Sinne medizinische Ursachen hatte auch der Tod des Schriftstellers Tennessee Williams. Der wollte sich Augentropfen einträufeln und hielt dabei die Verschlusskappe des Fläschchens mit dem Mund fest. Das ging ins Auge. Williams verschluckte die Kappe und erstickte. 
 
Der Schlaganfall seiner Frau kostete den österreichisch-amerikanischen Mathematiker Kurt Gödel das Leben. Der Mann war total darauf fixiert, ausschließlich Speisen zu sich zu nehmen, die seine Frau zubereitet hatte. Die jedoch musste sechs Monate in der Klinik bleiben. Bei ihrer Entlassung war Gödel bereits verhungert. Der italienische Fußball-Nationalspieler Lucciano Re Cecconi war hingegen lebensfroh, aber vorlaut. Als er mit zwei Freunden einen Juwelierladen betrat, rief er spaßeshalber: "Dies ist ein Raub!" Das waren seine letzten Worte, denn danach wurde er vom Ladeninhaber erschossen. Der Juwelier war zuvor bereits zweimal überfallen worden. 
 
Sein Aberglaube wurde Ödön von Horvath zum Verhängnis. Der österreichisch-ungarische Schriftsteller reagierte panisch auf die Prophezeiung eines Wahrsagers, ihm stehe Anfang Juni auf einer Reise "das bedeutendste Erlebnis seines Lebens" bevor. Daraufhin vermied Horvath jedes Risiko und benutzte u.a. keine Fahrstühle mehr. Dann hatte er in Paris einen Termin mit dem Regisseur Robert Siodmak. Der bot dem Schriftsteller danach an, ihn mit dem Auto zum Hotel zu bringen. Das lehnte Horvath dankend ab, es war ihm zu gefährlich. Er machte sich lieber zu Fuß auf den Weg - und wurde von einem herabstürzenden Ast erschlagen. 
 
So, das muss reichen. Hoffentlich lernt Ihr daraus. Passt auf, was Ihr sagt, bastelt besser keine Raketen und schaut draußen stets wachsam nach oben. Man kann schließlich nie wissen, ob es Äste oder Schildkröten regnet. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1842 vom 20. 1. 26

Eigentlich bin ich kein Freund von Beleidigungen. Im Affekt geäußert, können sie tiefe Narben hinterlassen und ein an sich gutes persönliches Verhältnis gründlich ruinieren. Was anderes ist es, wenn der Beleidigte mein Schimpfen überhaupt nicht hört und ich mir auf diese Weise etwas Luft verschaffen kann, z.B. am Steuer des Autos. Und dann existieren auf dieser Welt Ekelpakete, die mich so hartnäckig aufregen, dass mir allmählich die Flüche ausgehen. 
 
Gut, dass es William Shakespeare gibt. Seit ich seine wohlformulierten Beleidigungen entdeckt habe, kann ich kräftig vom Leder ziehen und mich dabei auch noch der Kunst verpflichtet fühlen. Auf die Verhängung von Strafzöllen durch Donald Trump, der sauer darüber ist, dass ihm die Europäer Grönland nicht zu Füßen legen, reagierte ich jetzt mit dem klassischen Zitat: "Worüber ereiferst du dich denn, du lose, fastige Seidenflocke, du grünflorner Schirm für ein böses Auge, du Quast an eines Verschwenders Geldbeutel, du? Ach, wie die arme Welt verpestet wird von solchen Wasserfliegen, solchem Wegwurf der Natur!" Schade, dass Trump das nicht liest. Wobei ich Zweifel habe, ob er diese Beleidigung überhaupt versteht. Also, CIA oder NSA, falls Ihr mit Hilfe der Tech-Milliardäre bereits mitlest, dann reicht meine Grüße an Donald weiter. Vielleicht auch als gekürzte Zusammenfassung: "Fuck you!" 
 
Aber auch für die zögerlichen Europäer und die Bundesregierung, die den Schwanz einziehen und meist vor Trump kuschen wie ein getretener Köter, hat William etwas Passendes im Köcher: "Ihr zeiget eure Zähne wie Affen, krocht wie Hunde, bücket tief wie Sklaven euch." Und das vor einem Despoten, der "gleich der Kröte, hässlich und voll Gift." Und wo ich einmal im Shakespeare-Rausch bin, hänge ich gleich noch eine Verwünschung in Richtung Donald Trump dran: "Ich wollte, es juckte dich vom Kopf bis zu den Füßen und ich müsste dich kratzen; ich wollte dich zum schäbigsten Scheusal in Grönland machen." 
 
Bevor ich mich jetzt noch in der Adressatenliste vergreife und Euch im Überschwang mit Blick auf Hungernde im Sudan und in Gaza mit den klassischen Worten "Ihr fetten, wohlgenährten Städter" verabschiede, entschuldige ich mich sofort dafür, diesen Missgriff in Erwägung gezogen haben. Ihr dürft dafür auch mit Shakespeare darauf reagieren: "Ihr verdient kein Wort mehr, sonst nennt ich Euch noch Schurke." 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1841 vom 19. 1. 26

Mir ist mal wieder ein hochinteressantes Buch in die Hände gefallen. Nein, das stammt diesmal nicht aus dem Bücherschrank in der Altstadt. Aber vielleicht aus dem Bücherschrank bzw. -regal von Wolfgang S., der es mir freundlicherweise geliehen hat. Es handelt sich um "Schotts Sammelsurium" und ist laut Elmar Krekeler "ein Schweizermesser in Buchform". Stephen Fry pries es als "eine wunderbare Sammlung unentbehrlicher Trivialitäten", und dies trifft den Kopf mit dem Nagel oder wie auch immer die Redensart lautet. Jedenfalls weiß ich gar nicht, wie ich bisher ohne diesen Fundus an speziellem Wissen auskommen konnte.
 
Das fängt bereits mit Zitaten auf der Buchrückseite an. So fragte Samuel Johnson scheinheilig: "Sir, lesen Sie Bücher etwa ganz?" Bei den vielen verirrten Seelen, die sich nur noch im Internet tummeln, wäre man heute schon froh, wenn sie überhaupt mal ein Buch aufschlagen. Und der Ratschlag von Thomas von Aquin ist heute ebenfalls korrekturbedürftig: "Hüte Dich vor dem, der nur ein Buch besitzt." Inzwischen bin ich schon dankbar, wenn ich merke, dass junge Leuten überhaupt ein Buch besitzen - es könnte ja der Grundstock für eine hauseigene Bibliothek werden. 
 
Das Sammelsurium von Ben Schott sollte darin nicht fehlen. Denn gleich auf Seite zehn entdecke ich zwischen Golf-Fachbegriffen und einer Tabelle über Schnürsenkellängen eine kleine Abhandlung, die unsere Regierung auf dumme Ideen zur Verkleinerung des Haushaltsloches bringen könnte. Denn da haben die Briten in vergangenen Jahrhunderten bereits einige ungewöhnliche Einnahmequellen erschlossen. So gab es 27 Jahre lang auf der Insel eine Hutsteuer. Nur für die Damen drückte der englische Fiskus ein Auge zu: Die Hutsteuer musste nur für Männerhüte entrichtet werden.
 
Vermutlich betraf das eine Zeit, in der das Tragen einer Melone den Gentleman vom ordinären Mann unterschied. Zähneknirschend bezahlten die Hutkäufer also die Steuer, die für die billigsten Modelle drei Pence betrug (aber nur, wenn der Hut selbst nicht mehr als vier Pence kostete), während für edle Kopfbedeckungen in der Preislage oberhalb von zwölf Shilling eine Steuer von zwei Shilling fällig wurde. Hutverkäufer mussten eine Lizenz erwerben, die sie als "Dealer in Hats by Retail" auswies. Die Zahlung der Steuer dokumentierte man durch eine Pflichtmarke, die im Futter der Hüte angebracht wurde. Fehlte die Marke, dann war eine deftige Geldstrafe fällig. Und erdreisteten sich Ganoven, die Pflichtmarke zu fälschen, so konnte das in letzter Instanz sogar mit der Todesstrafe geahndet werden!
 
Offenbar ist es nichts Neues, dass Regierungen in Finanznot geraten. Entsprechend wächst ihr Erfindungsreichtum. In Großbritannien gab es außer der Hutsteuer auch eine Handschuhsteuer, eine Haarpudersteuer, eine Parfümsteuer und eine Tapetensteuer. Besonders ergiebig aber war die Fenstersteuer. Es gab zwei Steuerklassen: Die erste für Gebäude mit zehn bis zwanzig Fenster, die zweite für Gebäude mit mehr als 20 Fenstern.
 
Das führte dazu, dass britische Bürger immer mehr Fenster dicht machten. Allerdings überprüften Inspektoren regelmäßig, ob diese Fenster tatsächlich mit einem Material vermauert waren, das mit den angrenzenden Hauswänden harmonierte. Und als die Steuer nach und nach stieg, führte die äußerst unbeliebte Abgabe dazu, dass gerade in Armenvierteln kaum noch Tageslicht in die Häuser drang. Da der Unmut der Bevölkerung sich dem Siedepunkt näherte, wurde die Fenstersteuer in England 1851 abgeschafft.
 
Daher, liebe Bundesregierung, solltet Ihr trotz Ebbe in der Staatskasse auf diese Einnahmequelle in Deutschland verzichten. Für eine Hutsteuer, eine Haarpudersteuer und eine Parfümsteuer habt Ihr dagegen meinen Segen.
 
Glückauf
kdk  
 
PS. Durch die Zuschrift einer Eingeborenen aus dem hohen Dorstener Norden habe ich erfahren, dass man außer im Rheinland auch im Münsterland weiß, was ein Pips ist: "Dat säch man uk bi us, wenn man sik verköhlt hät: "Ik häb mi nen Pips wechehalt". Dor brukse nich för int Rheinland te föhrn, dat is int Münsterland bestbekannt. Verköhl di nich, holl di fein warm, vannacht hät et bannich frorn! Nich, date di noch n Pips wechhäls!"

Schmunzelpost 1840 vom 18. 1. 26

Wann hattet Ihr das letzte Mal mit einem Pips zu kämpfen? Ach, Ihr wisst gar nicht, was das ist? Da geht es Euch wie mir. Allerdings nur bis Freitag. Seitdem weiß ich, dass man unter einem Pips eine Erkältung versteht, die aber auf der Beschwerdenskala deutlich unter einer Grippe rangiert. So nennt man das jedenfalls im Rheinland und angrenzenden Regionen. Als ich dann auch noch gestern gefragt wurde, was eine Dibbelmaschine ist, war mir klar: Es ist höchste Zeit, sich in der Schmunzelpost mal wieder mit dem Thema Sprache zu beschäftigen. 
 
Neue Ausdrücke kommen ja im steten Fluss hinzu. Dabei kann es sich um Begriffe handeln, die von Jugendlichen erfunden und benutzt werden, um sich von Erwachsenen abzugrenzen. Häufig sind es auch Anglizismen, Worte aus dem englischen Sprachgebrauch, die gerne übers Netz oder durch internationale Kontakte eingebürgert werden. Dann ist da noch das Phänomen der Fremdwörter, die eigentlich nur in der Fachsprache bestimmter Berufsgruppen verwendet werden, aber urplötzlich manche Leute so faszinieren, dass sie glauben, als besonders versiert oder oder klug zu gelten, wenn sie sich mit ihrem Gebrauch schmücken. Achtet mal darauf: Da wird Monat für Monat eine neue Sau durchs Dorf getrieben. 
 
Die Dibbelmaschine gehört nicht dazu. Sie geriet nur zufällig in den Blick, weil der Fremdwörterduden auf der falschen Seite aufgeschlagen wurde. Bei der Gelegenheit habe ich entdeckt, was für eine Fundgrube dieses Buch ist. Bevor ich das nächste Mal verständig nicke, wenn mich wieder mal jemand mit einem Fremdwort beeindrucken will und ich mich schnell nachträglich schlau machen muss, gehe ich nun in die Offensive. Vielleicht können wir ja gemeinsam eine Lawine auslösen, wenn wir alle zusammen ein Fremdwort in Umlauf bringen. 
 
Ich schlage nochmal blind den Duden auf und lande unter E. Aha! Ihr könnt effektuieren (das heißt, meinen Auftrag ausführen), wenn Ihr dieses Wort unauffällig, aber wiederholt in Eure Alltagssprache einstreut. Dabei müsst Ihr nur darauf achten, es nicht im falschen Zusammenhang zu gebrauchen. In der Wirtschaft bedeutet effektuieren nämlich, eine Zahlung zu leisten. 
 
Jetzt müsst Ihr nicht gleich efferveszieren. Das heißt "aufbrausen" und käme durchaus ebenfalls als Saatkorn für eine deutschlandweite Vermehrung in Frage. Aber gut, ich merke schon, für derlei Späße seid Ihr nicht zu haben. Ihr haltet wie ich Leute, die so etwas betreiben und Fremdwörter sinnlos nachplappern, für entweder gedankenlos oder aufgeblasen. 
 
Aber trotzdem wollt Ihr vielleicht noch wissen, was eine Dibbelmaschine ist. Das ist ein Gerät, mit dem man in Reihen und in größeren Abständen etwas aussät. Denn das bedeutet das Wort "dibbeln" im Englischen. Nur für den Fall, dass Ihr vielleicht doch ein paar Fremdwörter dibbeln wollt . . . 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1839 vom 17. 1. 26

Diese Frage kommt 2026 unweigerlich auf uns alle zu: Was schenken wir lieben Menschen zum Geburtstag? Damit hat sich im "Streiflicht" der Süddeutschen Zeitung am Freitag auch ein männlicher Autor beschäftigt, der offenbar zur Ü-60-Riege im Redaktionsteam gehört. Darauf lassen zumindest seine Geschenkideen schließen. Nach seiner Auffassung scheitern die meisten seiner Geschlechtsgenossen an der Herausforderung, etwas Passendes für ihre Herzdame zu finden. 

 

Das ist auch kein Wunder, wenn man liest, was ihm so alles in den Sinn kommt: "Klassiker wie Küchenschürze, Bügeleisen oder Staubsauger, die jedes weibliche Herz höher schlagen lassen, manchmal bis zur Raserei." Weicht der Mann jedoch vom bewährten Schema ab und lässt sich etwas Originelleres einfallen, ist die Gefahr groß, dass er ins Fettnäpfchen tritt. Denn der Gutschein für den VHS-Kurs "Abnehmen leicht gemacht" kann zu ausgesprochen emotionalen Reaktionen führen. 

 

Frauen sind da schlauer als Männer. Jedenfalls dann, wenn sie über das nötige Kleingeld verfügen. So schenkte einst Angelina Jolie ihrem vergötterten Gatten Brad Pitt zum Fünfzigsten eine ganz spezielle Insel, die die Form eines Herzens hat. In den USA sinnt nun Melanie darüber nach, wie es gelingen kann, ihren Gatten Donald mit der Insel Grönland zu überraschen. Falls das nicht klappt, weil die Grönländer ihr die kalte Schulter zeigen, empfehle ich für den emsigen Einlocher ein Toilettengolf-Set. Damit könnte Donald bei seinen Sitzungen auf dem Lokus das Putten üben. Sinnvoller wäre allerdings ein anderes Präsent: Ein Notfall-Hirn aus Schokolade (das gibt es wirklich! Für nur 14,95 Euro). 

 

Immerhin hat jetzt in Trier jemand bewiesen, dass auch Männer den richtigen Riecher haben können. Der Schlaumeier wusste genau, womit er seiner Frau eine große Freude machen konnte. So kam es, dass die alarmierte Polizei in ein Gewerbegebiet ausrücken musste, wo eine Frau "mit einer Axt wie wild auf einen Opel älteren Modells" einschlug. Wie sich am Tatort herausstellte, war das jedoch kein Akt von Vandalismus. Nein, die Dame hatte seit Jahren davon geträumt, einmal im Leben ein Auto kurz und klein zu schlagen. Hinterher war sie für das Geschenk zu ihrem 53. Geburtstag ausgesprochen dankbar, und der drohende Muskelkater ist ihr völlig egal gewesen. 

 

Was ein Verbrenner-Auto ist, das wissen wir alle. Durch die Geburtstags-Aktion in Trier wissen wir jetzt auch, was ein Zerleger-Auto ist. 

 

Glückauf 

kdk 

Schmunzelpost 1838 vom 16. 1. 26

Im neuen Jahr schlage ich heute neue Wege ein. Damit meine ich die Rubrik "Krauses Presseschau", in der ich ausgewählte Artikel aus der aktuellen Medienlandschaft aufgreife und kommentiere. Bevorzugt solche, die den Stempel "Krauses Zeug" gut vertragen. 
 
Die Bildzeitung veröffentlicht nur sehr selten Texte aus Presseorganen staatlicher Behörden und Ämter. Meist trieft aus diesen Blättern wohl zu wenig Blut, oft reizen sie Außenstehende auch eher zum Gähnen. Doch ein Bild-Bericht basierte jetzt auf einem Auszug aus dem Mitarbeitermaganzin "internAA" des Auswärtigen Amtes. Darin stand unter dem Titel "Ken und Barbie" ein Schmähgedicht, das eindeutig auf Annalena Baerbock und Robert Habeck zielte. An dem poetischen Werk, das nach dem Abgang der beiden aus dem Regierungskabinett erschien, dürfte vor allem Dieter Nuhr seine Freude haben. 
 
Zum Schluss heißt es nämlich:  "So ziehen sie weiter, die beiden, so heiter, wir winken ihnen zu, nun haben wir Ruh." Und auch mittendrin ging es zur Sache, ohne Rücksicht auf Versmaß und Zeichensetzung:  "Die Außenwelten, feministisch gedacht, die Welt zu retten, doch nicht jeder, hat gelacht." Und: "Hochglanzreden, ohne Geschick, hatte die Menschen, nicht mehr im Blick." 
 
Nun gut, nicht jeder deutsche Dichter und Denker ist Abkömmling von Goethe oder Schiller. Und in einer Demokratie darf ein bisschen Satire doch wohl erlaubt sein, oder? Schließlich meinen längst nicht alle Menschen, dass Frau Baerbock als Außenministerin eine gute Figur abgab. Auch die Ausbootung der eigentlich vorgesehenen Kandidatin für ein UN-Amt in New York, das nun der Grünen-Galionsfigur weiterhin einen Platz auf der politischen Weltbühne bietet, fanden längst nicht alle richtig. 
 
Aber dennoch hat das Gedicht von "SIGGIG" einen üblen Beigeschmack. Dass es Eingang in ein internes Mitarbeiter-Magazin finden konnte, hat etwas von Nachtreten und riecht nach einem speziellen Abschiedsgruss der neuen Amtsleitung. Und dass Reime mit der Qualität einer Büttenrede dann verspätet auch noch den Sprung in die überregionale Presse schaffen, verdeutlicht in erster Linie den Stellenwert von Häme in unserer Medienlandschaft. 
 
Da lobe ich mir die schlichte Nachricht der Ruhr Nachrichten, dass Deutschland plant, 13 Soldaten nach Grönland zu entsenden. Unwillkürlich fühle ich mich an die Strategie einer früheren Verteidigungsministerin erinnert, die mit der Lieferung von Helmen dem ukrainischen Militär helfen wollte, den russischen Angriff abzuschlagen. Ich sehe schon, wie im Weißen Haus Kriegsminister Hegseth und sein Oberbefehlshaber besorgt die Köpfe zusammen stecken: "Oh, Shit, thirteen german Soldiers! Now can we einpacken!" 
 
Denn was keiner weiß haben die cleveren Späher von Boris Pistorius herausgefunden. Trump ist hochgradig abergläubisch. Und sein Chef-Astrologe Bannon hat ihm so viel Blödsinn eingeimpft, dass Donald nun glaubt, die 13 sei eine verhexte Zahl. Wie seinerzeit ganz Lummerland müssten auch die Usurpatoren von Grönland vor der wilden Dreizehn zittern. Denn was sollen US-Flugzeugträger schon gegen deutsche Piraten ausrichten, die den Marines entgegenschmettern: "13 Mann auf des Toten Mannes Kiste,  he, ho, und ein Fass voller Rum!" Ganz klar, die haben den Zaubertrank  von Miraculix! 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1837 vom 15. 1. 26

Gestern war mal wieder so ein richtig harter Rentnertag. Schon um 10 Uhr ging es in Richtung Bergkamen zur monatlichen Doppelkopf-Runde. Von dort nahtlos weiter nach Recklinghausen, um mich bei der Veranstaltung von Regina und Joachim auf den neuesten Krimistand bringen zu lassen. Dann hastig nach Hause, um mich vor dem Fernsehbildschirm auf den neuesten Fußballbundesligastand bringen zu lassen. Und dann schnell rüber zum PC um Euch noch pünktlich auf den neuesten Schmunzelpoststand zu bringen.
 
Aber SP-Schreiben um Mitternacht ist für mich Entspannung und Vergnügen zugleich. Zumal ich es mir diesmal leicht gemacht habe. Dem Bücherschrank sei Dank dafür. Dort ist mir nämlich das große Alfred-Polgar-Lesebuch in die Hände gefallen. Zusammengestellt hat es kein Geringerer als Harry Rowohlt; der Gott des schrägen Humors habe ihn selig.
 
Zu Lebzeiten galt er bei seinen Lesungen als Meister der Abschweifung. Diesen Stil pflegte er auch in seinen Texten. Ein längeres Beispiel gefällig? "Am 13. Juni 2003 hatte ich, was nur sehr, sehr bedingt hierhergehört, eine Lesung in Attendorn. Attendorn ist im Sauerland, mitten in den Niederländischen Voralpen und direkt neben der Attahöhle, einer berühmten Tropfsteinhöhle, in welcher Heines 'deutscher Bär' Atta Troll höchstwahrscheinlich seine politischen Reden schwang, sollte meine Lesung stattfinden, direkt daneben, nicht innendrin. Dann hätte auch wieder die Regionalpresse geächzt, die Stalagmiten seien zu hart gewesen.
 
Hätten sie nicht, denn zwischendurch spielte ein kregles Jazzquartett zum Tanze auf. Außerdem hatte die Regionalpresse Besseres zu tun; sie mußte mich nämlich interviewen. Zum Schluß fragte sie: 'Als letztes fällt mir nix mehr ein, deshalb noch folgende Frage. Tucholsky schrieb einmal: 'Was darf Satire? Satire darf alles.' Nun frage ich: Was kann Satire?' Ich sagte: 'In der ARD-Boulevardsendung 'Brisant' habe ich gerade einen Bericht über die Beerdigung von Günter Pfitzmann gesehen. Satire kann, dass sich Pfitzmann ein Buch von Tucholsky hat in sein Grab legen lassen. Satire kann nicht, dass z. B. die öffentlich-rechtliche Berichterstatterin schon mal von Tucholsky gehört hat. Sie sagte nämlich, Pfitzmann habe sich ein Buch von Günter Tucholsky in den Sarg legen lassen.' Und mit Tucholsky wären wir auch schon wieder bei Alfred Polgar."
 
Kurz darauf erläutert Rowohlt, warum gerade er wie kaum ein anderer prädestiniert war, einen Alfred-Polgar-Reader zusammenzustellen. "Ich besitze nämlich einen Brief von Alfred Polgar, und wie jeder , der einen Brief von Alfred Polgar besitzt (es besitzt nur außer mir keiner einen), gebe ich entsprechend damit an, dass ich einen Brief von Alfred Polgar besitze. Dies scheine ich einmal in Gegenwart des großen Robert Gernhardt einen Tick weit übertrieben zu haben, denn er sagte schwerstgenervt: 'Ja, ja, ja, du besitzt einen Brief von Alfred Polgar.' 'Allerdings', sagte ich, 'ich besitze einen Brief von Alfred Polgar. Du besitzt keinen Brief von Alfred Polgar.' Robert machte den geballten Balten, der er ja ist, und sagte: 'Mäjne hat alle der Russe.'" 
 
Zum Schluss aber eine Kostprobe von Alfred Polgar selbst. "Besonders gefährlich ist jene Tischnachbarin, der man nie zuvor begegnet ist. Wie beginnt der Gentleman da die Unterhaltung? Der gesellschaftlich erfahrene Mann hat ja stets ein paar zuverlässige Wendungen vorrätig, um den ersten Kontakt mit der Tischnachbarin herzustellen, wie etwa: 'Ist Ihnen die Gesellschaft auch so unerträglich wie mir?' oder: 'Nicht eine einzige hübsche Frau ist da!' oder 'Immer dieselben zuwidren Gesichter!' 
 
Aber viele Tischnachbarinnen ziehen doch eine vom Fleck weg sinnliche Unterhaltung vor und lenken deshalb das Gespräch sofort aufs Kino. Einfacher ist die Sache, wenn die Dame die Initiative ergreift und das erste Wort spricht: da sind doch gleich Tonart und Tempo der Konversation eindeutig bestimmt. So hatte ich einmal eine Tischnachbarin, deren erste Worte, nachdem ich ihr vorgestellt war, lauteten: 'Komisch! Ich habe fest geglaubt, Sie sind schon tot.' Da war doch gleich ein gemütlicher Ton angeschlagen und das Gespräch gut in Schwung gebracht." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1836 vom 14. 1. 26

"Wenn man dies alles - den ganzen Krieg oder auch das ganze Leben nur als eine Scene im Teater der 'Unendlichkeit' auffaßt, ist vieles leichter zu ertragen." Wer dieses von Mack Beckmann so formulierte Rezept auf unsere Gegenwart anwendet, kann mit den schlimmen Nachrichten, die uns täglich erreichen, besser umgehen. Allerdings sollten wir nichts verdrängen. Wir sind keine unbeteiligten Beobachter - in einer globalisierten Welt stecken wir mittendrin im Geschehen! 
 
Trotzdem sollte niemand behaupten: "So übel wie heute war es noch nie!" Eine Rückschau in die Vergangenheit beweist das Gegenteil. Denkt nur an den Zweiten Weltkrieg, den Dreißigjährigen Krieg oder das Wüten der Pest im Mittelalter. Auch die Epoche der Völkerwanderung und die letzte Eiszeit war für unsere Vorfahren kein Zuckerschlecken. Wer sich wie ich für Geschichte interessiert, der weiß, dass jeder Abschnitt der Menschheitsgeschichte mit Blut und Tränen befleckt ist. Jeder kulturelle und zivilisatorische Fortschritt war teuer erkauft. Und die dünne Tünche der Zivilisation bekommt derzeit immer mehr Risse. 
 
Kein Zufall also, dass ich aus dem noch ungelesenen Stapel meiner historischen Sachbücher jetzt eines zum Lesen herausfischte, das ich mir hauptsächlich wegen des Titels zugelegt habe: "Die verdammt blutige Geschichte der Antike ohne den ganzen langweiligen Kram." Auch Empfehlungen von Dennis Scheck ("Warum nicht einmal die Antike nacherzählen wie einen John-Wick-Film? ... den Autoren gelingt ein krass grausamer Rundgang durch 1500 griechischer und römischer Geschichte, die sie gründlich entstauben") oder von Christiane Laudage ("Sommer und von der Lahr erzählen mit Blick für Absurditäten und einem Humor, der an Monty Python erinnert") trugen zur Kaufentscheidung bei. 
 
Vor allem Letztere. Als Freund des Absurden und des mitunter schwarzen britischen Humors freute ich mich schon vor der Lektüre darauf, wie der Ruf der Antike als eine goldene Zeit voller Weisheit, Schönheit und Tugend entzaubert werden sollte. Denn den beiden Autoren geht es darum, den "Generationen von Schülerinnen und Schülern" die Illusionen zu rauben, die ihnen "an humanistischen Bildungsanstalten eingepinselt worden sind. NEIN, edle Einfalt und stille Größe waren keine Werte des antiken Griechenlands! NEIN, Athens blutrünstige Demokraten möchte man gewiss nicht als Vorbild für unsere Tage gelten lassen. Und nochmals NEIN: Unser Publikum würde sich im Rom des Augustus garantiert nicht wohlfühlen, das vielleicht aus Marmor war - aber der war so blutverschmiert, dass man unter der Kruste kaum noch den Stein erkennen konnte." 
 
Folgerichtig hängen Michael Sommer und Stefan von der Lahr an das Ende ihres Vorworts noch einen Warnhinweis: "Dieses Buch kann Spuren von Gewalt, sexuelle Inhalte, Schimpfwörter und politische Unkorrektheiten aller Art enthalten, ist dafür aber zucker- und kalorienfrei. Es darf nicht in die Hände von Kindern oder Besucherinnen und Besuchern humanistischer Gymnasien gelangen. Die Lektüre kann verstörend wirken. Zu weiteren Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihre Ärztin, Ihren Arzt in Ihrer Apotheke oder wo Sie wollen." 
 
Zum Beispiel auch Ihren Schmunzelpostschreiber. Das alles hatte bei mir die Erwartungen hochgeschraubt. Deshalb war ich nach drei Kapiteln etwas ernüchtert. Ja, die Kurzfassungen der Ilias-Erzählung und der Odysseus Legende enthielten allerlei grausame Details und ließen an den handelnden Göttern und Menschen kein gutes Haar. Aber den Witz von Monty Python suchte ich bisher vergebens und gelungene humoristische Spurenelemente sind bislang noch dünn gesät. 
 
Immerhin: Hin und wieder ein schöner Zwischentitel ("Wer kann, wird Tyrann") und einige nette Beschreibungen: "Troja - oder Ilios, wie man das Kaff an der Nordwestküste Kleinasiens auch noch nannte - war ödeste Provinz." Kein Wunder, dass Prinz Paris sich nach Abwechslung sehnte. Ein weiterer Grund für seine Reise nach Griechenland war die anstrengende Verwandschaft: "Außerdem freute er sich darauf, ein paar Wochen seine Schwester Kassandra nicht hören zu müssen, die allen Leuten auf die Nerven ging, weil sie dauernd Katastrophen vorhersagte, die dann blöderweise auch noch eintraten." Und als Paris dann die Ehefrau des Gastgebers kennenlernte, nahm das Unheil seinen Lauf. Denn für die schöne Helena war, im Vergleich zu ihrem Gemahl, dem versoffenen König Menelaos, "Paris eine echte Sahneschnitte". 
 
Auf derlei Zückerchen hoffe ich nun vermehrt auf den nächsten dreihundert Seiten. Und da bald König Karneval wieder sein grausames Regiment antritt, erzähle ich Euch noch einen passenden Witz: Was waren die letzten Worte eines närrischen Trojaners? "Wolle mer 'se reinlasse?" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1835 vom 13. 1. 26

Mein Freund, der Baum, ist tot. Deshalb war gestern mit mir nicht gut Kirschen essen. Um acht Uhr rückte das Killerkommando an und machte unserem Obstbaum den Garaus. Und den Befehl für diesen Auftragsmord haben wir auch noch selbst gegeben. Denn für die Verhältnisse in unserem kleinen Garten wollte der Kirschbaum einfach zu hoch hinaus: Schließlich drohte die Gefahr, dass er bei einem Sturm umfallen und aufs Haus kippen könnte. Daher rangen wir uns zähneknirschend dazu durch, ihn vorher zu opfern.
 
Um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, schaute ich nach, wie viele seiner Artgenossen weiter dafür sorgen, dass die grüne Lunge der Erde auch in Zukunft funktioniert. Das Ergebnis konnte meine Sorgen nicht ganz vertreiben. Denn es gibt zwar noch drei Billionen Bäume auf der Welt, aber ihre Zahl nimmt stetig ab. Jedes Jahr werden 15 Milliarden von ihnen gefällt und sterben eines vorzeitigen Todes. Und jetzt sind es sogar 15 Milliarden und einer!
 
Auch die bewaldeten Flächen auf unserem Planeten gehen dauernd zurück, jährlich um fast 200.000 Quadratkilometer. Verglichen mit der Jungsteinzeit ist der Baumbestand seit dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht bereits um 50 Prozent geschrumpft. Auch, um den Klimawandel zu stoppen, fordern Wissenschaftler daher, den Trend umzukehren und mehr Bäume neu zu pflanzen als zu fällen. Auch wenn landwirtschaftliche Flächen zur Nahrungsproduktion dafür ausscheiden, sei über längere Zeit ein Zuwachs von einer Billion Bäumen möglich.
 
Und nötig! Denn sobald diese Bäume ausgewachsen sind, könnten die neuen Wälder zwischen 488 und 1012 Milliarden Tonnen CO2 binden. Das entspricht etwa ¼ bis ⅓ aller bisherigen menschlichen CO2-Emissionen. Vorher jedoch gilt: Ein geschützter Baum ist besser als ein neu gepflanzter Baum. Es dauert Jahrzehnte, bis ein junger Baum die von einem alten Baum gespeicherte CO2-Menge aufnehmen kann. Das ist mir bewusst. Und daher weine ich unserem Kirschbaum eine Träne nach.
 
Immerhin tröstet der Gedanke, dass in Deutschland noch acht Milliarden Bäume (ja, ja, minus eins) existieren. Das ist nicht nur für das Klima wichtig, sondern auch für den Wasserhaushalt und als Schutz gegen Erosion. Solange auf einen Menschen auf unserem Planeten mehr als 410 Bäume kommen, ist nicht alles verloren. Wir pflanzen auf jeden Fall eine ökologisch wertvolle Felsenbirne nach. Und nutzen im Internet die Suchmaschine Ecosia, die für jeden Klick verspricht, ein neues Bäumchen zu pflanzen. Dort habe ich auch ein paar Witze gefunden, die den Abschiedsschmerz erträglicher gestalten sollen. Humor ist ja, wenn man trotzdem lacht.
 
Was sitzt auf einem Baum und winkt? Ein Huhu!  --- Was sitzt auf einem Baum und ruft: "Aha". Ein Uhu mit Sprachfehler.  ---  Steht ein Baum allein im Wald...  ---  Zwei Landschaftsgärtner arbeiten am Straßenrand. Einer hebt ein Loch aus, der zweite schaufelt es wieder zu. Fragt ein verwunderter Passant: "Was macht Ihr denn da?" "Normalerweise sind wir zu dritt. Aber der, der die Bäume einsetzt, ist heute krank."  --- Aus dem Pfarrgarten werden dauernd Äpfel geklaut. Schließlich hängt der Pfarrer einen Zettel an den Baum: "Gott sieht alles!" Am nächsten Tag steht darunter: "Aber er petzt nicht!"  ---  Hängt eine Kirsche am Baum. Da fliegt eine Birne vorbei. Ruft die Kirsche: "He, was soll das? Birnen können nicht fliegen!" Antwortet die Birne: "Ich schon. Ich bin die Birne Maja!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1834 vom 12. 1. 26

Gleich zwei Märchen will ich Euch heute erzählen.
 
Es war einmal ein Schwede, der war Vater eines rothaarigen bezopften Mädchens. Doch der Seemann musste dauernd auf allen Weltmeeren herumschippern und konnte sich daher nicht um sein Kind kümmern. Deshalb wurde die frühreife Kleine sehr schnell selbstständig und ließ sich von niemand etwas sagen. "Was kann ich nur tun, damit sie meine Autorität anerkennt und mir gehorcht?", grübelte der Vater und sah bloß einen Ausweg. Auf einer Fernreise schwang er sich zum Herrscher über eine exotische Insel auf und krönte sich selbst als König von Tuka-Taka-Land.
 
Da er ein gutherziger, wohltätiger Regent war, akzeptierten ihn seine Untertanen und nannten ihn den Negerkönig. Das schmeichelte ihm sehr, weil er sich dadurch als Oberhaupt aller dunkelhäutigen Menschen auf der ganzen Welt fühlte. Und auch seine Tochter und ihre Freunde zollten ihm Anerkennung. Doch dann tagte das allmächtige globale Sprachtribunal und verhängte einen Bann über das N-Wort. Und der N-König wurde zum Südseekönig degradiert. Das grämte ihn so sehr, dass er immer dünner und durchsichtiger wurde und schließlich ganz aus der Welt- und Literaturgeschichte verschwand.
 
Jahre später kam in Amerika der kleine Donald zur Welt. Er gehörte von Geburt an zum Geldadel, denn sein Vater war sehr, sehr reich und regierte über ein großes Immobilien-Imperium, das sogenannte I-Reich. Als Donald aufwuchs, beherrschte ihn der Wunsch, einmal noch erfolgreicher und mächtiger zu werden als sein Daddy. Doch soviel Moneten der auch seinem Sohn zum Spielen gab, Donald baute eine Pleite nach der anderen und setzte ein Vermögen in den Sand. Lediglich im Fernsehen konnte er sich eine Spielwiese schaffen und Leute nach Belieben herumkommandieren und feuern.
 
Seine Retter kamen aus Übersee. Die Deutsche Bank, die mit ihren Spekulationen häufig schief lag, betrachtete ihn als Erben des I-Reichs und investierte einen Haufen Peanuts für Donalds Kredite. Damit finanzierte der orangefarbene Hitzkopf seinen Wahlkampf, zu dem ihn windige Berater ermuntert hatten. Denn sie erkannten Donalds größtes und einziges Talent: Er konnte alle Welt mit Unsinn derart zuschwallen, dass am Ende kaum noch einer wusste, was oben und unten war. Und so glaubte bald halb A-Land, dass ihr Großmaul zu ganz Großem geboren sei. Und Donald wurde Präsident von A-Land.
 
Doch in seiner zweiten Amtszeit langweilte ihn das viele Golfen, und die Spielregeln der Demokratie nervten ihn mehr und mehr. Deshalb ernannte Donald sich selbst zum König von A-Land und schaute sich auf der Welt um, wo es etwas zu holen gab und wie er sein Reich noch vergrößern könnte. In V-Land gab es das meiste Erdöl der Welt. Also schickte Donald seine Soldaten aus und fügte kurzerhand V-Land seinem Imperium hinzu. Als nächstes visierte er G-Land an, wo unter dem Eis jede Menge Bodenschätze schlummerten.
 
Aber dann machte Donald, der große Freude an Umbennungen hatte, einen entscheidenden Fehler. Er kündigte an, dass er seine sämtlichen Liegenschaften künftig in Donald-Land umtaufen wolle, kurz D-Land genannt. Das aber rief das Sprachtribunal auf den Plan. Es sprach unverzüglich ein Machtwort: "D-Land gibt es schon, es heißt Deutschland." Doch weil man den großen Spinner nicht komplett verärgern wollte, erlaubte man ihm, sein Reich T-Land zu nennen, was soviel bedeutete wie Traumland.
 
Das aber erboste König D. so sehr, dass er mit einem Golfschläger das Weiße Haus in goldene Trümmer legte. Und als dann noch eine rothaarige bezopfte Schwedin, die inzwischen als Erwachsene in einem Stockholmer Komitee das Sagen hatte, frech verkündete: "Dieser miese Kerl wird niemals den Friedensnobelpreis kriegen!", da wechselte Donalds Gesichtsfarbe von orange zu rot, und er fiel in einen tiefen Dornröschenschlaf. Falls ihn Prinz Putin nicht wachgeküsst hat, dann träumt er immer noch. Und der Rest der Welt fragt, ob er nicht vielleicht doch endlich gestorben ist. . . 
 
Glückauf
a.l. & kdk

Schmunzelpost 1833 vom 11. 1. 26

Wahlversprechen stehen in dem Ruf, dass sie meistens nicht gehalten werden. Der amtierende Bundeskanzler hat letztes Jahr viel dazu beigetragen, dies zu untermauern. Dennoch denken die Politiker überhaupt nicht daran, künftig darauf zu verzichten. Eine neue Qualität hat jetzt die FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner in Baden-Württemberg ins Spiel gebracht. Ihr Versprechen ist quasi eine Drohung: Sollten die Liberalen bei den anstehenden Landtagswahlen an der 5-Prozent-Klausel scheitern, will sie ihre Haarpracht opfern und sich eine Glatze rasieren lassen.
 
Was macht solch eine Aussage mit FDP-Sympathisanten im Ländle? "Oh, liabs Göttle, i muss de Büttner vor dem grausamen Schicksal unbedingt bewahren!" Oder lehnt sich der Macho-Flügel der Liberalen grinsend zurück und macht seine Kreuzle klammheimlich woanders? Schließlich hat auch Ex-Parteichef Lindner gern Frauen an der Spitze der FDP rasiert, bevor sie zu übermütig wurden. Wir werden sehen. Gegenwärtig liegen die Liberalen in Umfragen bei fünf Prozent. Allerdings gilt Baden-Württemberg als ihr Stammland, zuletzt kamen sie dort auf 10,5 Prozent. Doch wie schnell man heutzutage abstürzen kann, haben bereits die Sozialdemokraten in ihrem Stammland NRW erfahren müssen. 
 
Bisher glänzten vor allem kleine Parteien mit ungewöhnlichen Wahlversprechen. So hat die "Partei für medizinische Verjüngungsforschung" vergebens versucht, die Menschen mit der Aussicht "Unbegrenzt langes Leben für alle" für sich zu gewinnen. Motto: Komm zur Urne, dann kommst Du nicht in die Urne! Die Piratenpartei trat dagegen für einen Weltraumfahrstuhl ein, einen Seil-Lift, der 35.000 Kilometer ins Weltall führen und so als Sprungbrett zum Mond dienen sollte. Doch damit standen für die einstigen Senkrechtstarter die Zeichen auf Neumond.
 
Ebenfalls das Blaue vom Himmel versprach die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands dem Wahlvolk - eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Vielleicht hätte dies in einer Koalition mit der "Partei der Vernunft" gelingen können. Die strebte eine Abschaffung des bisherigen Finanzsystems an. Euro, Dollar & Co. sollten durch "freies Marktgeld ohne staatliches Monopol" ersetzt werden. Bei solchen Vorschlägen bekommt die "Die Partei" Probleme, sich mit satirischen Zielsetzungen von den Konkurrenten abzuheben. So schrieb sie sich u.a. eine Preisbremse für Bier und Döner, eine Zwei-Staaten-Lösung in Ost und West für Deutschland und das Einser-Abitur für alle auf ihre Fahnen. 
 
Ich dagegen grübele nun, mit welchem Versprechen ich Euch bei der Stange halten kann. Die Drohung mit der Glatze kann ich mir ja leider abschminken. Doch falls Ihr die Schmunzelpost nicht mehr lest, werde ich künftig eine Perücke mit Donald-Trump-Frisur auf meinem Schädel tragen - und sowas will wirklich keiner sehen!
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1832 vom 10. 1. 26

Wer ist das denn? Opa Holle? Ziemlich verblüfft war ich, als sich vor kurzem mitten im dicksten Schneetreiben eine schemenhafte Gestalt auf dem Balkon rechts oberhalb unserer Wohnung abzeichnete. Hatte sich unser zu Selbstgesprächen neigender Nachbar Herr K. tatsächlich trotz des widrigen Wetters nach draußen getraut? 
Dann heißt es Ohren spitzen, um kein Wort zu versäumen. 
 
"Hömma, Karl, da staunze, wat? Siehsse auch, datte nix siehst? Dat wir dat nochma erleben müssen: Orntlich Schnee mittemang in Dorsten, wo der Winta doch zuletz imma wie son zäher Herbst daher kam! Und getz dat! 
Da werden die Blagen getz die verrosteten Schlitten aussen Keller oder aussem Museum holen und tollkühn die zehn Meter vom Lippedeich nach unten rodeln. Oder meinze, dat sin allet schon so Weicheier, dat die drin inne gute Stube bleiben und am Computer digital mitte Skier vom Matterhorn ins Tal sausen tun? 
 
Is mich auch egal. In unsa Alter hat ma et nich mehr so mit Wintersport und die Romantik. Geh mich wech mit die 'weiße Pracht'! In Nullkommanix is der Zauber wieda wech, und wat bleibt? Ne rutschige Pampe! Fast könnze meinen, die Regierung hätt dat Wetter bestellt, um dat Rentenproblem zu lösen. Ruckzuck ham sich schon wieda ein Haufen Greise den Hals gebrochen und fallen die Staatskasse nich mehr zur Last. Und die Dödel, die glauben, sie könnten mit Achzig noch Autofahrn wie'n Jungspund, die hauchen am Baum ihre Rentenansprüche aus. 
 
Aba nich mit uns, wat, Karl? Wir ham beizeiten unsere Grundversorgung sichergestellt. Kattoffeln, Äppel, Kommissbrot, Mettwürstken. Und vor allem zehn Kisten Veltins. Wir bleiben zuhaus und saufen uns selich! 
Und Montach trinken wir ein paar Schlücksken aus traurigem Anlass. Nee, is nich schon wieda einer abgenippelt - aus unserm Jahrgang sind wir sowieso schon die letzten Monikaner. Aba Montach wird der Obstbaum unten im Gatten abgesächt. Wenn dat kein Grund is, ein Traenken zu verdrücken, dann weiß ich dat auch nich! 
 
Ja, ja, Du hass richtich gehört. Dat Bäumken, dat wir von kleinauf kannten, als wir vor fuffzich Jahrn hier eingezogen sind. Der erste Mieter hat dat in sein Gatten gepflanzt. Und dann is er gewachsen, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Und getz racht er über dat Dach hinaus, und seine Krone reicht fast bis zu die Balkongs. Ker, wat hat der imma im Frühling schön geblüht! Und im Somma tat er uns Schatten spenden tun. Vonne Kirschen ham wir nie wat abgekriecht, die ham die Amseln vorher wechgeholt. Aba durch dat Efeu am Stamm guckten wir dat ganze Jahr auf wat Grünes. Un getz hat bald sein letztes Stündlein geschlagen. Jammerschade! 
 
Warum? Dat hat mich die Trulla von unten erzählt: Die ham Angst, datter bei sonn starken Sturm umkippen tut, pardauz, auf unser Haus drauf. Und dann müsstense orntlich blechen, weil se nich dagegen versichert sind. Außerdem könnte er dann ja noch Leute erschlagen. Stell Dir vor, wir zwei beide lassen uns auffem Balkong den Wind umme Ohren pfeifen und - zack! - kriegen wir ein auffen Deckel. Licht aus, und wieda ein Rentenproblem gelöst. 
 
Na ja, is nich zu ändern. Immerhin woll'n die wat Neues pflanzen. Einen Steinapfel, oder so. Wat sachs Du? Felsenbirne heißt dat Teil? Meinzwegen. Wenne mich frachst, ich wär ja für'n Mammutbaum. Der hält ewich und is sowat von standfest. Aba mich fracht ja keiner. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1831 vom 9. 1. 26

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, Ahnenforschung zu betreiben. Ich gebe zu: Das tue ich aus schnöden materiellen Interessen. Vorfahren meines Vaters kommen aus Sachsen und waren dort als Kaufleute tätig. In Familienkreisen munkelte man, dass im goldenen Zeitalter nach dem Sturz Napoleons sogar weite Teile des Landes zur Macht- und Einflusssphäre der Krauses gehörten, ähnlich wie in und Augsburg Jahrhunderte zuvor der Familie Fugger. Es soll sogar eine Krause-Doktrin urkundlich hinterlegt  sein. Darauf will ich nun meine Ansprüche begründen, gebe mich aber bereits mit Sachsen-Anhalt zufrieden.
 
Abgeguckt habe ich mir das von den USA. Dort hat man die Monroe-Doktrin ausgegraben. Die hat zwar mehr als 200 Jahre auf dem Buckel, aber was soll's? Wer sich sowieso nicht um nebensächliche Dinge wie das Völkerrecht kümmert, der kann ungeniert auf seine Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre pochen. Wen juckt da noch, wenn im eigenen Hinterhof kurzerhand ein fieser Diktator entführt wird? Und so unverfroren wie Donald Trump hat zuvor noch niemand erklärt, dass es dabei eigentlich um Besitzansprüche auf fremdes Erdöl geht.
 
Das heißt jedoch nicht, dass die USA sich in der Vergangenheit in Mittel- und Südamerika zurückgehalten hätten. Fast alle Präsidenten haben dort mitgemischt. Sie bekannten dies allerdings nur ganz selten offen und breiteten stattdessen gern das Mäntelchen des Schweigens über derartige Aktivitäten aus. Wenn doch etwas durchsickerte, wurde die Schmutzarbeit des Auslandgeheimdienstes CIA mit dem Kampf gegen den Kommunismus im Kalten Krieg begründet. Dann hieß es bei uns stets: Schwamm drüber, das sind unsere Verbündeten, die uns von den Nazis befreit haben und vor den Russen schützen.
 
Dabei hat der CIA eine Unmenge Dreck am Stecken. Unter Eisenhower sorgte man dafür, dass 1954 der gewählte Präsident Guatemalas gestürzt wurde. Auf den Putsch durch eine kleine Söldnertruppe folgten 30 Jahre Bürgerkrieg. In Bolivien brachten Militärberater und Geheimdienstler 1967 Che Guevara zur Strecke, 1971 hatte der CIA dann auch bei der Machtergreifung durch General Banzer seine Hände im Spiel. Unter Nixon bereitete der Geheimdienst in Chile mit regierungsfeindlichen Medienkampagnen den Boden für den Putsch, bei dem General Pinochet 1973 den Präsidenten Allende ermorden ließ. 
 
Mitte der 1970er Jahre unterstützte der CIA unter Präsident Ford sechs rechtsgerichtete Militärdiktaturen in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Uruguay, Chile und Paraguay. Und als 1979 in Nicaragua linksgerichtete Sandinisten ans Ruder kamen, verminte die CIA Häfen, und Ronald Reagan unterstützte mit allen legalen und illegalen Mitteln den Aufstand der Contras. In Grenada 1983 und Panama 1989 griff dann US-Militär selbst vor Ort ein und verhaftete die Regierungschefs. Begründung von George W. Bush: Der frühere CIA-Informant Manuel Noriega habe sich des Drogenhandels schuldig gemacht. Alles schon mal dagewesen!
 
Ein Fazit zog 2024 der US-Thinktank Cato. Der arbeitet für eine libertäre Lobbygruppe, die völlig unverdächtig ist, von links unterwandert zu sein. Sie tritt ansonsten für Privatisierungen im Bereich des Schulwesens, der Wasserversorgung und der Sozialversicherungen, den Abbau sozialer Leistungen, weniger Umwelt- und Verbraucherschutz sowie die Bekämpfung von Obamacare ein. Trotzdem stellte Cato in einer Studie fest, was die CIA-unterstützten Regimewechsel angerichtet haben: Die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in den betroffenen Ländern hat sich seither stark verschlechtert, das Pro-Kopf-Einkommen sank.
 
Nur an Kuba bissen sich die USA und ihr sonst so erfolgreicher Geheimdienst bis heute die Zähne aus. Die von Präsident John F. Kennedy genehmigte Invasion in der Schweinebucht scheiterte 1961 kläglich. Und Fidel Castro überlebte mindestens acht Attentats-Versuche. Die muten zum Teil grotesk an. So bemühte man sich, Castros Taucheranzug mit Tuberkulose-Bakterien zu infizieren. Für einen Versuch mit Giftpillen spannte man die Mafia ein. Und offenbar haben führende CIA-Agenten zu viele Tom-und-Jerry-Zeichentrickfilme angeschaut: Sie tüftelten aus, wie man Fidel Castro mit einer explodierenden Zigarre umbringen könnte.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Meine aktuellen Recherchen ergaben, dass die Familie Krause ihr Handelsnetz einst sogar bis in die Arktis ausbaute. Aber keine Angst: Ich verzichte gänzlich auf Grönland und bin sogar in Sachsen kompromissbereit. Dort beschränke ich mich auf Leipzig, das künftig Klaus-Krause-Stadt heißen soll. Deal? 

Schmunzelpost 1830 vom 8. 1. 26

Gruselt Ihr Euch auch, wenn Ihr täglich in den Nachrichten hört, wie in vielen Berliner Haushalten gebibbert wird? Ein Leben ohne Strom und Heizung, das kennen wir sonst nur aus Kriegsgebieten und Entwicklungsländern. Neben dem Mitgefühl für die Betroffenen keimt nun die Sorge auf, dass auch wir Opfer von Sabotagemaßnahmen werden könnten. 
 
Dabei ist es noch keine Ewigkeit her, dass bei uns an der Ruhr selbst Straßenbeleuchtung als neumodischer Schnick-Schnack von einer Bevölkerungsmehrheit abgelehnt wurde. Darauf komme ich, weil mir Bertold entsprechende Informationen über eine nicht allzuweit entfernte Großstadt zusandte. Dieser hinterwäldlerische Ort, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts allerdings vergleichsweise wenige Einwohner zählte, hat ein D in seinem Namen. Nein, nicht Nord-Lüdenscheid. Der Gedanke ist zwar naheliegend, aber darin stecken zwei d. Die Rede ist vielmehr von Duisburg. 
 
Dort mussten die Bürger sich lange mit einer Laterne selbst den Heimweg erleuchten, wenn die Sonne untergegangen war. In den Wohnungen sorgten dann Öl- und Petroleumlampen sowie Kerzen für dürftiges Licht. Die ersten 34 mit Öl betriebenen Straßenlaternen erleichterten es erst ab 1808 Ärzten und Hebammen, auch zu nächtlicher Stunde das richtige Haus zu finden. Ab 22 Uhr hatten "normale" Bürger draußen sowieso nichts mehr zu suchen. 
 
Bis 1852 wurde die Zahl der Öllaternen allmählich auf 95 erweitert, während schon Jahrzehnte vorher in London oder Berlin Gaslampen für wesentlich mehr Helligkeit sorgten. Erst als sich private Geldgeber zusammenschlossen und eine Gasanstalt errichteten, ging 1853 auch den Duisburgern ein Gas-Licht auf. Doch nicht nur finanzielle Gründe hemmten den Fortschritt. 1819 hatte die Kölnische Rundschau sechs triftige Argumente genannt, die ganz klar gegen eine derartige Straßenbeleuchtung sprachen. 
 
Erstens: Theologische Gründe. Denn Straßenbeleuchtung ist ein Eingriff in die göttliche Ordnung. Der Schöpfer hat die Nacht der Finsternis zugesprochen. "Dagegen dürfen wir uns nicht auflehnen, den Weltplan nicht hofmeistern und die Nacht nicht zum Tage verkehren wollen." 
 
Zweitens: Juristische Gründe. Die Kosten müssten durch Steuern gedeckt werden, wobei die meisten Zahler von der Beleuchtung gar keinen Nutzen hätten. 
 
Drittens: Medizinische Gründe. "Die Gasausdünstung wirkt nachteilig auf die Gesundheit schwachleibiger, zartnerviger Personen." Sie liefere die Grundlage für viele Krankheiten und ziehe den Bürgern Schnupfen, Husten und Erkältungen an den Hals. 
 
Viertens: Philosophisch-moralische Gründe. "Die Gierlichkeit wird durch die Gassenbeleuchtung verschlimmert. Die künstliche Helligkeit verscheucht in den Gemütern das Grauen vor der Finsternis, das die Schwachen von mancher Sünde abhält. Die Helle macht den Trinker sicher, dass er in den Schankstuben bis in die Nacht hinein schwelgt, und sie verkuppelt verliebte Paare." 
 
Fünftens: Aus polizeilichen Gründen. Das Lampenlicht "macht die Pferde scheu und die Diebe kühn". 
 
Sechstens: Volkstümliche Gründe. Der Reiz von Volksfesten, die das Nationalgefühl stärken, werde durch Illuminationen vorzüglich gefördert. Diese Wirkung werde jedoch durch die "Quasi-Illumination" an Straßen geschwächt, der Festbesucher stumpfe ab. "Daher gafft sich der Landmann toller in den Lichterglanz als der lichtgesättigte Großstädter." 
 
Also, Ihr lichtgesättigten, moralisch verlotterten Schmunzelpost-Freunde: Statt Januar-Dry zu üben, verzichtet lieber mal einen Monat lang freiwillig auf Gas und Strom. So kommt Ihr der göttlichen Ordnung endlich wieder ein gutes Stück näher. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Duisburger hielten ihren Gaslaternen sehr lange die Treue. Erst in den 1980er Jahren wurde die Umstellung auf Elektrizität vollständig abgeschlossen. Solange zog abends der Laternenpit durch die Straßen, um die Beleuchtung anzuzünden. Die Kinder hatten sich schon früh einen Reim auf ihn gemacht: "Piddewiddewitt, Laternepitt! Hondsfott, de Leddr heropp, Schühkes an, Strömpkes an, Pitter, steck dat Lämpke an!" 
 
PPS. Vielleicht sollten wir für die Notfallplanung schauen, ob man nicht überall in den Städten einen Laternenpit aus der Rente holen kann. 

Schmunzelpost 1829 vom 7. 1. 26

War Martin Luther eigentlich mal in Island? Der Verdacht liegt nahe: Auf der Insel hoch im Norden wird nach dem Essen nach Herzenslust gerülpst! Damit drückt man aus, dass das Essen gut geschmeckt hat. Ihr merkt, ich halte Wort - heute geht es um Benimmregeln im Ausland. 
 
Ohne Vorwarnung kann man überall auf der Welt nichtsahnend einiges falsch machen. So ist es in Lettland, Litauen und der Slowakei ein Verstoß gegen die guten Sitten, wenn man Gastgebern eine ungerade Zahl Blumen mitbringt. Und in Bulgarien sollte man sich hüten, gelbe Blumen zu verschenken - die gelten dort als Symbol des Hasses. Die größte Chance sich zu blamieren, haben wir bei Reisen nach Italien. Cappuccino etwa wird dort bloß vormittags bestellt. Und wer Parmesan über sein Fischgericht streut oder nach Ketchup für seine Salsiccia-Wurst fragt, hat sich als kulinarischer Barbar entlarvt und ist der italienischen Küche nicht würdig. 
 
Auch in Asien lauern Fettnäpfchen auf deutsche Touristen. In China darf man auf keinen Fall den Fisch auf seinem Teller umdrehen. Der Aberglauben, dass dies Unglück bringt, ist auch heute noch weit verbreitet. Und wer glaubt, dass die sonst so höflichen Japaner bei Tisch keine Manieren haben, weil sie nicht nur beim Essen von Suppen schlürfen, was das Zeug hält, der irrt gewaltig. In Japan gilt Schlürfen als Kompliment für Köchin oder Koch und ist ein Ausdruck des Dankes. Will jemand von Euch die Taliban besuchen? Hoffentlich nicht. Wenn doch, dann beachtet dies: Ein zu Boden gefallenes Brotstück wird in Afghanistan nicht weggeworfen, sondern man muss es aufheben und küssen! Das ist ein Gebot der Ehrfurcht. 
 
Lust auf einen Abstecher nach Afrika? Dann merkt Euch eine Regel für Ägypten. Verlangt dort beim Essen niemals einen Salzstreuer. Wer nachwürzen will, beleidigt damit den Koch! In Mosambik werden auch eingefleischte Kaffee-Liebhaber zu Teegenießern. Denn wenn man dort zu jemand nach Hause eingeladen ist, darf man auf gar keinen Fall ablehnen, mit dem Gastgeber ein Tässchen Tee zu trinken. (Stammt der Gastgeber aus Japan, solltest Du dabei vernehmlich schlürfen). In Sierra Leone haben sie anscheinend dauernd gutes Wetter. Dort ist es verpönt, seinen Teller leer zu essen. Wer versäumt, einen Rest übrig zu lassen, bekommt dauernd nachgelegt und wird solange gefüttert, bis er platzt. 
 
Jetzt noch schnell hinüber nach Südamerika. Falls in Argentinien Deine Daumen nicht bereits dem Kettensägen-Staatsoberhaupt zum Opfer gefallen sind, solltest Du als Zeichen der Zustimmung niemals einen Daumen nach oben strecken. Das gilt dort als ausgesprochen vulgäre Geste. Eine elegante Lösung als Fingerzeig für hartnäckige Gäste hat man in Venezuela gefunden. Soll signalisiert werden, dass eine Party oder ein Treffen beendet ist, wird einfach ein Besen neben die Haustür gestellt. Für Regierungschefs, die sich so nicht von ihren Stühlen vertreiben lassen, bittet man notfalls Amerikaner um Hilfe. Für etwas Erdöl tun die alles! 
 
Zuletzt noch kurz nach Australien. Wer sich nach ausgiebigem Essen zurücklehnt, sich auf den Bauch klopft und sagt: "I'm stuffed!" ("Ich bin pappensatt!"), der kann missverstanden werden. Down under bedeutet das nämlich auch "Ich bin schwanger". Wenigstens eine Regel, die ich mir nicht merken muss. . . 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Der Trick mit dem Stift aus der gestrigen Schmunzelpost, lässt sich auch zu parteipolitischen Zwecken nutzen. Das erfuhr ich durch eine Zuschrift aus Rhade. Dort verriet Anna Roszyk, die mehr als 60 Jahre der SPD angehörte, anlässlich ihres 90. Geburtstags, wie sie mit Menschen ins Gespräch kam, um über sozialdemokratische Inhalte zu reden. Scheinbar unabsichtlich ließ sie im Lebensmittelladen einen SPD-Kugelschreiber fallen. Sofort waren Helfer zur Stelle, um der schwer am Stock gehenden alten Frau den Stift aufzuheben. Auf den erstaunten Hinweis: „Oh, Frau Roszyk - SPD?“, antwortete sie immer: „Was denken Sie denn?“ 

Schmunzelpost 1828 vom 6. 1. 26

"Warum rülpset und furzet Ihr nicht? Hat es Euch nicht geschmecket?" Dieses angebliche Zitat von Martin Luther aus dem 16. Jahrhundert zeigt, dass sich die Tischmanieren seither ein wenig verändert haben. Maßgeblichen Anteil daran hat Adolph Freiherr von Knigge. Sein Beispiel zeigt, dass nicht alle Adolfs der Deutschen Geschichte Übles bewirkten. Knigge trat dafür ein, durch Aufklärung und sittliche Verbesserung die Herrschaft von Menschen über andere Menschen überflüssig zu machen.
 
Sein bekanntestes Werk erschien 1788. Es trug den Titel "Über den Umgang mit Menschen" und sollte als Aufklärungsschrift für Taktgefühl und Höflichkeit sorgen. Stattdessen wurde das Werk als "Benimmbuch" missverstanden. Dazu trug ganz erheblich bei, dass der Verlag nach Knigges Tod 1796 das Buch regelmäßig alle zehn Jahre in Neuauflagen um Benimmregeln erweiterte. Mit den Hinweisen zur Kleidung oder Rot- und Weißweingläsern bei Tisch hatte Knigge selbst überhaupt nichts zu tun. 
 
Dennoch gilt er bis heute als Synonym für korrektes Benehmen und das entsprechende Regelwerk dazu. Es gibt sogar seit 2008 die Deutsche-Knigge-Gesellschaft, eine Vereinigung zertifizierter Trainer. Vorsitzender ist Clemens Hoyos. Der erfolgreiche Benimm-Influencer heißt eigentlich Clemens Maximilian Stefan Graf von Hoyos Freiherr zu Stichsenstein. Ob der adelige Hintergrund oder der Erfolg im Internet den Ausschlag gab, weiß ich nicht. Aber der "Spiegel", der sich große Sorgen über den Verfall von Anstand und respektvollem Verhalten macht, ließ Hoyos für eine Titelgeschichte 50 aktuelle Benimm-Regeln formulieren.
 
Darunter sind Antworten auf spannende Fragen. Regel Nummer fünf: Darf ich beim Geschäftstermin Spaghetti essen? Antwort: Dürfen Sie. Die Frage ist eher, ob Sie es auch können. Zumindest sollten Sie an dem Tag kein weißes Hemd tragen. - Darauf bin ich aus persönlicher Erfahrung selbst schon gekommen. Nun zur Nummer 13: Ist "Mahlzeit" ein zulässiger Gruß? Antwort: Im Ruhrpott schon, einer Tradition der Bergleute folgend. Für den Rest Deutschlands gilt das wohl nicht. - Mein Klugscheißer-Hinweis an Hoyos dazu: "Ruhrpott" sagen nur Leute aus dem Rest von Deutschland. Einheimische und kluge Köpfe verwenden stattdessen die Begriffe "Kohlenpott" oder "Ruhrgebiet". Man darf auch schlicht "Pott" sagen.
 
Nummer 50: Muss ich die Kopfhörer abnehmen, während ich im Supermarkt an der Kasse bezahle? Antwort: Ja, es sei denn, die Kassiererin hat auch welche auf. - Da ich beim Einkaufen eher kopflos und generell ohne Kopfhörer unterwegs bin, komme ich zügig abschließend zum Tipp Nummer 16, den ich am nützlichsten fand: Wie rette ich mich, wenn mich jemand vollquasselt? Antwort: Sie lassen einen Stift fallen, das verschafft eine kurze Redepause. Während Sie ihn aufheben, fällt Ihr Blick "zufällig" auf die Uhr, und Sie sagen: "Oh, tut mir leid, ich muss los." Jetzt müssen Sie nur noch daran denken, immer einen Stift dabei zu haben.
 
Bevor Ihr jetzt Euren Stift fallen lasst, verabschiede ich mich für heute und schaue mich schon mal für morgen um, welche Benimmregeln im Ausland gelten.
 
Glückauf
kdk  

Schmunzelpost 1827 vom 5. 1. 26

Schön, dass es draußen gerade so ungemütlich ist. Da fällt es leicht, im warmen Zimmer am PC zu sitzen und ein Veranstaltungsprogramm zusammenzustellen. Diesmal stehen heitere Texte über den ewigen Kleinkrieg der Geschlechter im Mittelpunkt. Allein die Auswahl macht bereits großen Spaß. Und bei einem Text fiel mir auf, wie gut er zum Thema "Pessimisten und Optimisten" passt, das an dieser Stelle unlängst im Mittelpunkt stand. 
 
Im Extrakt aus "Von Opti- und Pessimisten" von Axel Hacke kann ich mich voll und ganz in den geplagten Ehemann hineinversetzen. Deshalb gönne ich mir heute mal einen lauen Lenz und sende Euch einen Schmunzeltext aus fremder Feder: 
 
A: Ehemann, B: Ehefrau, C: Erzähler. 
 
B: „Lass uns ins Kino gehen.“
 
A: „Gibt aber keinen guten Film.“
 
B: „Bestimmt gibt es einen guten Film!“
 
C: Sie schaut ins Kinoprogramm, sucht einen Film aus, ruft im Kino an, bestellt 
 
Karten. Dann fahren die beiden los, mit dem Auto. Fünfhundert Meter vor dem Kino 
 
sieht er einen Parkplatz, hält an, legt den Rückwärtsgang ein und…
 
B: „Was machst Duuuu denn?“
 
A: „Parken.“
 
B: „Das Kino ist erst dahinten.“
 
A: „Aber da hinten, wo das Kino ist, finden wir vielleicht keinen Parkplatz.“
 
B: „Woher willst Du das wissen? Fahr erst mal hin!“
 
A: „Und dann ist da nichts, und dieser Parkplatz hier ist vielleicht auch weg.“
 
B: „Entschuldigung, ich soll von hier zu Fuß bis zum Kino latschen? Ist es wahr, dass 
 
Du mir sagen willst, dass ich von hier zu Fuß zum Kino latschen soll?“
 
A: „Die paar Meter… Was ist denn dabei? Ein kleiner Spaziergang.“
 
B: „Ein Spaziergang in dieser Gegend? Findest Du es nicht furchtbar spießig, selbst 
 
so ein kleines Abenteuer, so ein winziges Wagnis zu scheuen wie dieses ‚wir finden 
 
ja eventuell vor dem Kino keinen Parkplatz‘?“
 
A: „Du findest also, dass ich ein mutloser, spießiger Waschlappen bin?“
 
B: „Nein, aber Du bist immer so pessimistisch. Jetzt fahr nach vorn zum Kino, da wird 
 
schon Parkplatz frei sein.“
 
C: Seufzend biegt er aus der Parklücke wieder heraus und fährt Richtung Kino.
 
A: „Pessimismus ist angeboren, dagegen kann man nichts tun. Neulich habe ich 
 
gelesen: Pessimistengehirne schütten nicht genug von einer bestimmten Anti-Angst-
 
Chemikalie aus, deshalb ist ihr Nervensystem unruhiger, und sie müssen immer das 
 
Schlimmste befürchten.“
 
B: „Ja, aber dann weißt Du doch, woher das kommt und musst Dich nicht sorgen.“
 
A: „Jetzt sind wir da. Und siehst Du: Vor dem Kino ist kein Parkplatz frei!“
 
B: „Weil wir da vorn so viel Zeit mit Deinem Pessimismus vertrödelt haben.“
 
A: „Immerhin hätten wir dort parken können. Jetzt kommen wir wahrscheinlich zu 
 
spät, um die Karten abzuholen. Man muss sie eine halbe Stunde vor Filmbeginn
 
 abholen.“
 
B: „Dann steige ich schon mal aus und hole sie, während Du einen Parkplatz suchst.“
 
A: „Ach soooo! Madame lassen sich vorfahren und ihr spießig pessimistischer 
 
Chauffeurstrottel darf durch die City irren.“
 
B: „Jetzt hab Dich nicht so! Wozu bist Du ein Mann?“
 
C: Sie steigt aus, und er fährt weiter, biegt rechts ab und links und links und rechts – 
 
nirgends eine Parklücke. Schließlich kommt er zu dem Parkplatz von vorhin – da 
 
steht nun jemand anders. Er schreit wütend im Auto herum. Dann fährt er weiter. Und immer 
 
weiter. Endlich parkt er weit entfernt vom Kino. Eiligen Schrittes läuft er zurück und 
 
kommt schwitzend an. Vor dem Kino steht Paola.
 
A: „Ich habe ewig einen Parkplatz gesucht.“
 
B: „Aber hier ist einer, der ist freigeworden, als Du gerade weggefahren bist.“
 
A: „Ich bin durch die ganze Stadt gezockelt, weil Du den Platz vorhin nicht nehmen 
 
wolltest!“
 
B: „Dass Du Dich immer so ärgerst? Das ist nicht gut für Deine Gesundheit. Nimm 
 
das Leben leichter!“
 
A: „Aaaach….!“
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1826 vom 4. 1. 26

Was ist da draußen los? Seltsame kleine Kristalle fallen vom Himmel, Straßen und Wege sind vielerorts vereist und die im Garten frisch gepflanzten mediterranen Gewächse schwächeln erschreckend. Woran soll das liegen? Am Winter? Ach ja, ich erinnere mich, den hatten wir in unseren Breiten früher auch mal, zuletzt, glaube ich, im Jahr 2010. Haben also die Klimawandel-Leugner doch recht? Kann vielleicht sogar auf der Hürfeldhalde ein neuer Gletscher entstehen? 
 
Ja, ja, ich weiß, der Klimawandel ist eine langfristige globale Entwicklung, gelegentliche extreme Wetterphänomene mit Ausschlägen nach oben und unten sind überall möglich. Aber wie ich haben die meisten offenbar völlig verdrängt oder vergessen, was diese Jahreszeit so alles mit sich bringt, wenn sie sich ab und zu der Nostalgie hingibt und auf uralte Traditionen besinnt. Wie wäre es sonst zu erklären, dass beim ersten Schneefall hierzulande mancherorts auf unseren Straße das Chaos ausbricht? 
 
Okay, ich verzichte auch schon lange auf Winterreifen. Aber als Rentner kann ich es mir leisten, bei Glätte das Auto in der Garage stehen zu lassen und es mir daheim gemütlich zu machen. Alle anderen, die sich auch bei solchen Bedingungen ans Steuer setzen müssen, sollten jedoch zumindest gewarnt sein: Wenn Blitzeis oder spiegelglatte Fahrbahnen drohen, dann wird das allüberall in den Medien, selbst in den asozialen, lange vorher angekündigt. 
 
Wer dann noch dicht auffährt oder wie gewohnt Gas gibt, der wird schnell merken, dass ein beherzter Tritt auf die Bremse im Winter nicht unbedingt das Mittel der Wahl ist. Nun würde es mich zwar sogar ein wenig freuen, wenn Drängler und Raser eine kostspielige Blechschadens-Lektion bekämen. Aber sie sind ja nicht allein unterwegs und reißen fast immer Unschuldige mit ins Verderben. Leider sind selbst Profis, die Berufskraftfahrer, mit im Geschäft. Doch die große Zahl von Staus durch querstehende Lkw ist nicht zuletzt die Folge des Drucks, den Speditionen wegen der Lieferfristen auf ihre Beschäftigten ausüben. 
 
Letztlich kommt dazu, was ich schon lange vermute: Nicht alle Menschen gehören zu den hellsten Kerzen im leuchtenden Kranz der irdischen Geschöpfe. Alle Jahre wieder machen wir die gleichen Fehler. Gefahren beim Böllern zu Silvester? Ach was, no risk, no fun. Nur die anderen werden sich die Finger verbrennen. Warnungen und Verbote? Sind bloß was für Weicheier. Was nicht erlaubt ist, macht erst richtig Spaß! Und wenn es nicht der Trotz gegenüber Autoritäten oder jugendlicher Leichtsinn ist, dann macht uns schlicht die eigene Blödheit den Garaus. 
 
Das musste ich 2010 selbst erleben. Da wollte ich an einem Winterabend ins Fitnessstudio. Die Straßen waren tief verschneit. Aber für die kurze Strecke nehme ich sowieso nicht das Auto, sondern das Rad. Doch auf Wegen mit einer Eisschicht unter dem Schnee? Ich bin doch nicht verrückt! Die paar Meter kann ich auch mal zu Fuß gehen. In Turnschuhen mit glatten Sohlen. Was soll ich sagen? Ich kam nicht weit. Kaum hatte ich die gestreute schmale Gasse verlassen, da riss es mich von den Beinen, und ich knallte mit dem Rücken auf den hartgefrorenen Boden. Dort blieb ich erstmal eine Viertelstunde liegen, um zu überlegen, was ich wohl falsch gemacht haben könnte. Dann robbte ich mit heftig schmerzender Wirbelsäule auf allen Vieren zurück nach Hause. 
 
In diesem Sinne wünsche ich Euch einen guten Rutsch durch die exotische Jahreszeit namens Winter - aber bitte unfallfrei. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1825 vom 3. 1. 26

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen und schon wird wieder versucht, mit oberdreisten Lügen Politik zu machen. Seit Adolf Hitler - der Teufel hab ihn selig - den deutschen Angriffskrieg mit einem fingierten Überfall auf den Sender Gleiwitz begründete: "Ab 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!", sind die Grenzen der Glaubhaftigkeit dauerhaft pulverisiert worden.
 
Dennoch erstaunt es immer wieder, mit welcher Schamlosigkeit versucht wird, der Weltöffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen. Jüngstes Beispiel ist die maßlose Empörung, mit der Putin die Ukraine anklagte, einen seiner Wohnsitze attackiert zu haben. Beweise: Nicht erforderlich. Na ja, es glaubt ja ohnehin niemand. Außer einem. Donald Trump äußerte sich nach einem Telefonat mit Putin sehr wütend darüber und sagte, dass so etwas sehr übel für die Ukraine sei. Und in der Vergangenheit hat er bereits öfter seinem russischen Männerfreund mehr Glauben geschenkt als seinen eigenen Nachrichtendiensten. 
 
Lassen wir den Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen einmal außen vor. Da haben also 90 Drohnen angeblich eine Putin-Residenz zum Ziel gehabt, mit der Absicht, den russischen Staatschef zu töten. Alle Drohnen seien jedoch abgefangen worden, der Wohnsitz blieb unversehrt, niemand wurde verletzt. Dennoch ist dies laut Putin ein Akt übelsten Terrors. Die jahrelangen russischen Drohnen- und Raketenangriffe auf Städte in der Ukraine, die Tausende von Todesopfern, darunter viele Kinder, gefordert haben, sind dagegen als "militärische Spezialoperation" gerechtfertigt? Dieses krasse Ungleichgewicht verschlägt mir die Sprache.
 
Die Begründung ist genauso verwegen. Die Ukraine habe durch ihre Attacke den Fortgang der Friedensverhandlungen sabotieren wollen, behauptet Putin. Dabei ist er derjenige, der jegliche Fortschritte blockiert und als einziger ein Interesse daran hat, dass der Krieg solange weitergeht, bis die Ukraine kapituliert. Selensky war mittlerweile auf Druck der USA sogar zu einschneidenden Zugeständnissen bereit, um endlich zumindest einen Waffenstillstand zu erreichen. Aber verwunderlich ist es nicht, dass Putin mit seiner Strategie Erfolg haben könnte. Indien und China halten sich vornehm zurück, und Trump hat vermutlich großes Verständnis für einen Autokraten, der kackendreist lügt, weil dies seinen Zielen entspricht. Schließlich handelt Trump selbst genauso.  
 
Doch nicht nur über die Weltpolitik, auch über die Ungleichbehandlung von Mann und Frau hierzulande, kann ich mich aufregen. Jahrzehntelang spielte der männergeführte Deutsche Fußballbund sich als Ober-Macho auf.  Als die Fußball-Nationalmannschaft der Männer für jeden Titelgewinn bereits hohe Geldprämien pro Spieler einstreichen durfte, wurden die DFB-Frauen für ihre Erfolge noch mit einem Kaffeeservice abgespeist. Durch die gewachsene Popularität des Frauenfußballs hat sich das zwar mittlerweile geändert, aber zwischen den Zahlungen für männliche und weibliche Kicker liegen immer noch Welten.
 
Und beim Deutschen Skiverband ticken die Uhren nach wie noch ganz anders. Während die männlichen Ski-Springer längst für Erfolge hohe Geldprämien einstreichen, bekamen zuletzt erfolgreiche Frauen als Siegprämie ein Duschgel und vier Handtücker. 
 
Was ich dazu sage? Das ist doch eine Belohnung, die sich gewaschen hat.
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1824 vom 2. 1. 26

Wie im Vorjahr werde ich mich auch 2026 bemühen, den Ruf der Schmunzelpost als digitales Fachmagazin für die Absurditäten des Weltgeschehens zu untermauern. 2025 sind mir jedoch einige skurille Vorfälle durch die Lappen gegangen. Ein paar davon möchte ich Euch heute nachträglich präsentieren. 
 
Wie der Herr, so's Gescherr. Einige aus dem Gefolge von Donald Trump pflegen wie ihr Chefrüpel eine vulgäre Ausdrucksweise, die zuvor öffentlich verpönt war. In TV-Sendungen wird in den USA oft ein "Biep" über das Wort gelegt, mit dem Kriegsminister Hegseth seine irritierten Generäle verabschiedete, nachdem er sie eingeschworen hatte, zum Kampf bereit zu sein: "F.A.F.O!- Fuck Around and Find Out!" 
 
Dass Trump selbst eine seltsame Sicht auf die Welt hat, ist bekannt. So lobte er bei einem Ukraine-Gipfel im Gespräch mit Giorgia Meloni den deutschen Kanzler Friedrich Merz als "groß und gutaussehend". Die italienische Regierungschefin antwortete lachend: "Er ist zu groß für mich. Ich bevorzuge Wolodymyr (Selensky)." Merz war auch Zielscheibe der russischen Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. Sie behauptete in einem offiziellen Video, ein Foto, das Merz, Macron und Starmer in fröhlicher Runde lachend zeigt, belege den Drogenkonsum der drei Regierungschefs - das Taschentuch auf dem Tisch sei in Wirklichkeit ein Kokain-Beutelchen. 
 
Kommen wir zum Thema Bildung. Zur Vorbereitung aufs Berufsleben kann es doch nur gut sein, wenn man bereits als Kind an die Praxis herangeführt wird. Das meint jedenfalls eine österreichische Neurochirugin. Sie nahm ihre Tochter zur Arbeit mit und erlaubte ihr, den Schädel eines Patienten anzubohren. Doch auch für Erwachsene gilt: Man lernt nie aus. Das gilt auch für den Mannheimer Stadtrat. Ratsmitglied Julian Ferrat organisierte für ihn im Mai 2025 eine "politische Bildungsfahrt". Sie führte in ein FKK- und Swinger-Dorf an der französischen Mittelmeerküste. Offizielle Begründung: Das könne doch Vorbild für ein ähnliches Projekt in Mannheim sein. Wer's glaubt, wird selig. Oder nackig. 
 
Noch naiver war eine Frau, die überzeugt ist, durch einen Mailwechsel im Internet Brad Pitt so nahe gekommen zu sein, dass dieser sich unsterblich in sie verliebt hat. Leider konnte der arme Brad seine neue Flamme nicht besuchen, da er im Krankenhaus auf eine komplizierte Operation wartete. Das belegte er mit Fotos. Doch der Eingriff war so teuer, dass die Frau dem verarmten Filmstar insgesamt 830.000 Euro überweisen musste. Nun frage ich mich, ob nicht für die Dame selbst eine Hirnoperation anzuraten wäre. Die Tochter einer österreichischen Spezialistin hat bestimmt noch Termine frei. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1823 vom 1. 1. 26

Erinnert Ihr Euch noch an den Witz, den Ihr vor einem Jahr gelesen habt? Er ging so: Ein Optimist bleibt an Silvester bis Mitternacht auf, um das neue Jahr zu begrüßen. Ein Pessimist bleibt auf, um sicherzustellen, dass das alte Jahr tatsächlich geht. Und? Gehört Ihr zu den Optimisten oder den Pessimisten? Falls Ihr der zweiten Gruppe zuneigt, solltet Ihr in diesem Jahr eine Reise nach Finnland ins Kalkül ziehen: Dort ist Oulu 2026 die Kulturhauptstadt Europas. 
 
Was das mit Pessimismus zu tun hat? Ausgerechnet im glücklichsten Land der Welt, in Oulu, der nördlichsten Großstadt Europas nur 250 km vom Polarkreis entfernt, präsentiert sich dieses Jahr der "Club der Pessimisten".  Der ist sonst eigentlich eine Autostunde weiter in Zentralfinnland beheimatet, in Puolanka, einer sterbenden Stadt. Bereits sechs Kilometer vor der Ankunft warnt eine riesige Hinweistafel mitten im Wald: "Noch kannst Du umkehren!" 
 
Als echte Pessimisten haben sich die Club-Mitglieder mit dem Einwohnerschwund im "jammervollsten Kaff" des Landes abgefunden und haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihr Schicksal mit einem Lächeln zu ertragen. Seitdem ist Puolanka in aller Munde: Es gibt ein Pessimisten-Cafe und T-Shirts mit Aufschriften wie "Heute bin ich sauer!". Die landesweite Aufmerksamkeit hat sogar Risse im Pessimismus des Bürgermeisters erzeugt: "Vielleicht können wir den Einwohnerschwund doch noch stoppen, denn bei uns kann man zur Ruhe kommen -  jeder Bürger hat hier einen Quadratkilometer Platz allein für sich." 
 
So kenne und liebe ich meine Finnen. Es gibt dort so viele kauzige, kreative Typen wie selten anderswo auf der Welt. Und ihre einzigartige Sprache ist für mich ein steter Quell der Freude. Der etwas schlicht formulierte Satz "Meine Großmutter machte meine Mutter, meine Mutter machte mich" klingt so: "Mun mummuni muni mun mammamani, mun mammani muni mun." Fragst Du nun: "Hat sie?" ("Ha o he ho?"), so lautet die Antwort "He ha o he." (Sie hat.) 
 
Eure Sprachstudien könnt Ihr vor Ort in Oulu vertiefen. Und ein Besuch in der 200.000-Einwohnerstadt, die im Gegensatz zu Puolanka stetig wächst, weil sie als Silicon Valley des Nordens gilt, lohnt aus vielen Gründen. Vor allem im Sommer. Es gibt einen kilometerlangen Sandstrand am bottnischen Meerbusen, einen schmucken Hafen, eine gemütliche Altstadt mit vielen bunten Häusern und einer malerischen Markthalle sowie mitten im Zentrum am Flußufer den Stadtpark Ainol mit schönen Teichen und Wäldern. Dazu die Künstlerinsel Pikissari und rundherum viel Natur, vor allem eine herrliche Küstenlandschaft. 
 
Dazu kommen typisch finnische Extras. Denn die Finnen sind Weltmeister im Ausrichten von Weltmeisterschaften. In Oulu werden alljährlich die Titelkämpfe im Luftgitarrenspielen ausgetragen. Wer etwas fährt, kann Augenzeuge des "purl jam" werden. Das ist ein Heavy-Metal-Contest, bei dem die Bands abwechselnd musizieren und stricken müssen. Auf der Bühne zeigen sie sich dann im selbstgefertigten Outfit. 
 
Sportsfreude haben dagegen sicher Spaß an den Titelkämpfen im Sumpffußball, bei dem die teilnehmenden Teams knietief im Morast stecken. Und wer nicht warten will, bis es Sommer wird, der kann im Februar nach Orivesi reisen. Dort messen sich Frauen und Männer ohne Ski und Schuhe im Wollsockenlaufen, drei, sechs oder zwölf Kilometer durch verschneite Wälder. Die Starter dürfen aber mehrere Sockenpaare übereinander tragen. Dagegen sind beim Swimming Suit Skiing im März in Jämsä als Bekleidung beim Ski-Langlauf bloß Badehose oder Badeanzug zugelassen. Na gut, Bikini geht auch!  
 
Schließen will ich heute, wie ich begonnen habe: Mit einem Pessimisten-Witz. Der Pessimist sieht ewige Dunkelheit. Der Optimist sieht am Ende des Tunnels ein Licht. Der Realist sieht, dass das Licht von den Scheinwerfern einer Bahn kommt. Und der Zugführer sieht drei Idioten auf dem Gleis. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1822 vom 31. 12. 25

An alle treuen Schmunzelpost-Lesern: Ich wünsche Euch einen guten Start ins Neue Jahr, das hoffentlich für Euch und den Rest der Welt deutlich besser wird als 2025.
 
Die zweite Dezemberhälfte ist ja die hohe Zeit der Jahresrückblicke. So hatte ich ausgiebig Gelegenheit nochmal zu betrachten, wie es mit der Welt bergab ging - Kriege, Klima, Katastrophen. Einen katastrophalen Fehler beging ich gestern. Ich habe mir den Jahresrückblick von Dieter Nuhr angeschaut. Und mich mächtig geärgert. Was ist nur aus dem Kabarettisten geworden, den ich vor 20, 30 Jahren sehr schätzte und für einen der Großen seiner Zunft hielt?
 
Doch gerade zum Jahreswechsel sollte man nicht nur über andere nachdenken, sondern auch sich selbst auf den Prüfstand stellen. So beschäftigten mich drei Fragen. Erstens: Darf Satire wirklich alles, wie ich mit Kurt Tucholsky bisher glaubte? Zweitens: Beurteile ich unbequeme Inhalte nur noch danach, ob sie meiner eigenen Überzeugung entsprechen und bestätigen? Drittens: Dürfen wir unsere Wertvorstellungen grundlegend ändern oder gibt es doch noch Grenzlinien zwischen richtig und falsch, gut und böse?
 
Fangen wir mit Punkt eins an. Ob es in einem Land ungestraft möglich ist, sich über Regierende lustig zu machen, war für mich stets ein wesentliches Merkmal dafür, ob es sich bei diesem Staat um eine funktionierende Demokratie handelt. Autokraten hassen Spott wie die Pest. Ihre Vorstellung von Meinungsfreiheit  endet beim Teilen ihrer eigenen Meinung. 
 
Aber führt nicht das ständige Niedermachen von Politikern jeder Colour dazu, dass allgemeine Respektlosigkeit schließlich von der höchst gefährlichen Überzeugung abgelöst wird, dass alle Akteure entweder unfähig, böswillig, korrupt oder dumm und ungeeignet sind, womöglich alles zusammen? Wie oft habe ich zuletzt gehört: "Die Politik hat versagt, unsere Parteien sind für mich nicht mehr wählbar."
 
Doch was ist daraus die Konsequenz? Nicht mehr zur Wahl zu gehen oder die Stimme einer Splitterpartei geben, die unverdächtig ist, weil sie bloß für Tierschutz eintritt? Das stärkt nur das Gewicht der Extremen und macht auf lange Sicht handlungsfähige Koalitionen unmöglich. Am schlimmsten aber ist die Denkzettel-Haltung: "Dann wähle ich eben mal die AfD, damit sie zumindest die Chance kriegt, es besser zu machen." Ein Blick ins AfD-Parteiprogramm würde genügen, um zu zeigen: Es gibt schmerzärmere Methoden, um Harakiri zu begehen. Den Beweis liefert die deutsche Geschichte.
 
Punkt zwei. Wie Dieter Nuhr ist auch Harald Martenstein, für mich lange Zeit eine journalistische Lichtgestalt, immer weiter zu Positionen abgedriftet, mich denen ich mich überhaupt nicht mehr identifizieren kann. Von den zahlreichen Fällen von Opportunismus und Arschkriecherei zugunsten der persönlichen Karriere, gegenwärtig vor allem in den USA zu bestaunen, einmal abgesehen, haben Erfahrungen viele Menschen  im Laufe der Jahre veranlasst, ihre politische Haltung zu ändern.
 
Da muss ich bloß mich selbst anschauen. Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie, in der aus Prinzip SPD gewählt wurde, war ich in meiner Jugend überzeugt, dass der Kapitalismus als Ursache allen Übels überwunden werden muss. (Niemals hätte ich mir damals träumen lassen, dass ich mal bei Kommunalwahlen den CDU-Bürgermeister-Kandidaten ankreuzen könnte.) Links war die richtige Richtung. Nur welches links? Der in China und Albanien angestrebte Kommunismus? Der real existierende Sozialismus in der DDR und der UdSSR? Nein, das konnte es nicht sein. Die Diktatur des Proletariats führte in die Sackgasse.
 
Was blieb, war die Hoffnung auf eine Utopie: Den demokratischen Sozialismus. Doch der bekam nie eine reele Chance und wurde in Prag und Peking von Panzern niedergewalzt. Allmählich plagten mich dann Zweifel, ob solch ein Ideal überhaupt verwirklicht werden kann. Für eine vollkommene Gesellschaft braucht man fast vollkommene Menschen. Die sind jedoch von Natur aus Egoisten. Sobald es um den eigenen Vorteil und die Familie geht, treten alle hehren Vorsätze zurück. Daher keimten allmählich Selbstzweifel. Schon in unserer Songgruppe, in der wir für eine gerechte Gesellschaft antraten und gegen Kriege ansangen, erwog ich, einen Liedtext zu schreiben, der den Refrain haben sollte: "Wir sind die Hobby-Revoluzzer mit dem Bausparvertrag".
 
Heute denke ich, dass man auf pragmatische Weise versuchen muss, eine Welt zu formen, die auf christlichen Werten basiert (christlich steht hier für humane Ideale wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Hilfe der Stärkeren für die Schwächeren und kann genauso mit dem Islam oder dem Buddhismus begründet werden). Das kann nur funktionieren, wenn es den meisten Menschen halbwegs gut geht und zwar in allen Teilen der Welt. Vorrangiges Ziel dafür muss es jedoch sein, diese Welt überhaupt einigermaßen intakt zu erhalten, damit sie auch für Folge-Generationen lebenswert bleibt.
 
Punkt drei: Daraus ergibt sich eigentlich schon die Antwort auf die dritte Frage. Alles, was in Richtung totalitärer Regime führt, Ideologien mit nationalistischen, rassistischen, menschenfeindlichen Inhalten sind böse und durch nichts zu rechtfertigen. Und in den Grauzonen, die den Weg dorthin ebnen, müssen wir wachsam sein.
 
Ein paar konkrete Beispiele für Grenzlinien. Wenn Dieter Nuhr bloß die Namen Baerbock oder Habeck ausspricht, breitet sich Gelächter im Publikum aus. Na gut, ich habe mir früher auch auf die Schenkel geschlagen, sobald jemand Franz-Josef Strauß parodierte. Aber zu sagen, dass Baerbock jeden Afghanen nach Deutschland einreisen lassen wollte, ist schlicht falsch und infam. An anderer Stelle wettert Nuhr auch gegen die afghanischen Messerstecher und ist damit nicht allzuweit entfernt von Alice Weidel. Da hilft es nicht, dass er nach zwanzig Minuten Grünen-Bashing auch fünf kritische Minuten der AfD widmet.
 
Verallgemeinerungen sind der Nährstoff für Vorurteile. Und die werden massiv gefördert, wenn jemand ständig Islamismus und Islam gleichsetzt. Wenn wir bedenken, was im Zeichen des Kreuzes für Unheil über die Welt gebracht wurde, sollten wir da vorsichtig sein. Am meisten empört mich, dass Nuhr in seinem Rückblick jegliche Kritik an Israel als Unterstützung der Hamas geißelt. Das ist ausgemachter Blödsinn. Der Terror der Hamas ist furchtbar, ebenso wie Terror und Folter in allen Teilen der Welt. Aber die Politik einer Regierung, die Tod und Elend für Hunderttausende von Menschen als angemessene Reaktion zu rechtfertigen versucht, ist genauso entsetzlich.
 
Soviel dazu. Aber das nächste Jahr soll ja besser werden. Und dies ist eine Schmunzelpost. Deshalb schließt sie mit einem Witz:  Ein Optimist bleibt an Silvester bis Mitternacht auf, um das neue Jahr zu begrüßen. Ein Pessimist bleibt auf, um sicherzustellen, dass das alte Jahr tatsächlich geht.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ups! Das darf ja wohl nicht wahr sein! Kaum habe ich über den spektakulären Einbruch in einen Londoner Tresor mit Schließfächern berichtet und auch noch Tipps zur Fachliteratur gegeben, da werden in Gelsenkirchen, der Welthauptstadt des Fußballs, tausend Sparkassen-Schließfächer ausgeräumt. Wer auch immer das von Euch gewesen ist: Rück noch dieses Jahr die Millionen-Beute wieder raus, damit ich sagen kann: Schwamm drüber!

Schmunzelpost 1821 vom 30. 12. 25

Als ich gestern den Bücherschrank in Ordnung brachte, blieb mein Blick unwillkürlich an einem Titel hängen: „Und meinem Neffen Albert vermache ich die Insel, die ich Fatty Hagan beim Pokern abnahm“. Das bestätigte erneut den Eindruck, den ich mit dem Zeit-Kolumnisten Harald Martenstein teile. Denn der überschrieb eine Sammlung seiner Glossen so: "Der Titel ist die halbe Miete." 
 
Das war mir bereits kurz zuvor aufgefallen, als ich meinen ständig wachsenden Stapel mit noch ungelesenen Büchern durchsah und einen Roman von Anita Decker in die engere Wahl zog. Nicht nur, weil ihr Werk positive Kritiken einheimste und die Autorin Humor haben soll. Nein, der Titel machte mich neugierig: "Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben." Lasst uns mal schauen, was noch in diese Kategorie passt, allein des Titels wegen. 
 
Max Osswald hat das Buch geschrieben: "Von hier betrachtet sieht das scheiße aus". Aufschlagen, anlesen und der Angelhaken sitzt endgültig fest: "Ein weiterer ereignisloser Tag in einem ereignislosen Leben. Ein Unspektakel jagt das nächste. Und wenn ich nicht aufpasse, kaufe ich morgen einen Gartenzwerg und sortiere meine Tassen nach Farben." Ob es aber eine gute Idee ist, deshalb gleich einen Auftragskiller auf sich selbst anzusetzen? - "Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute" steht seit dieser Titelrecherche oben auf meinem Wunschzettel. Auch, weil ich den Autor Patrick Salmen schon länger kenne und schätze. Der Poetry-Slammer bringt den Wahnsinn des Alltags staubtrocken auf den Punkt. 
 
Nun kommen wir zu einer Reihe von Titeln, die offenbar von Jonas Jonasson ("Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg...) inspiriert worden sind. Etwa "Warum ich losging, um Milch zu kaufen, und mit einem Fahrrad nach Hause kam" von Jochen Mai. Gelungen finde ich auch, dass Antonia Baum ihr Buch "Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Stoßstangen und Radkappen zu ernähren" betitelte. Ebenso "Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte" von Romain Puertolas. 
 
Aber nun kommen wir zu meinen drei persönlichen Favoriten. Auf Platz drei liegt Thomas Spitzer: "Wir sind glücklich, unsere Mundwinkel zeigen in die Sternennacht, wie bei Angela Merkel, wenn sie einen Handstand macht." Platz zwei stammt von Todd Hasak-Lowy: "Dass ich ich bin, ist genauso verrückt wie die Tatsache, dass du du bist". Kürzer fasst sich Selim Özdogan mit meiner Nummer eins: "Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist". 
 
Zum Schluss noch eine Frage an Euch: Wusstet Ihr, dass Heinrich Böll in Deutschland als erstes Buch einen utopischen Roman veröffentlichte? Das beweist sein Titel: "Der Zug war pünktlich". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1820 vom 29. 12. 25

Als Kind (und eigentlich auch heute noch) sympathisierte ich mit Robin Hood, der die Reichen ausraubte und die Beute mit den Armen teilte. Später drückte ich Horst Tappert die Daumen, der in der TV-Serie "Die Gentlemen bitten zur Kasse" den Kopf der Bande beim legendären Postraub in England spielte. Und auch für die acht Ganoven, die vor ein paar Monaten Napoleons Kronschatz aus dem Louvre entwendeten, hegte ich eine gewisse Bewunderung. 
 
Damit war ich wohl nicht allein. Denn die Kaltschnäuzigkeit, mit der die Täter am helllichten Tag zu Werke gingen und unbehelligt entkamen, war beeindruckend. Auch die Tatsache, dass niemand körperlich zu Schaden kam, wertete man als Pluspunkt. Und schließlich warf der Raubzug noch ein positives Licht auf eine mittelständische Firma aus Werne, die über Nacht weltweit bekannt wurde. 
 
In Werne ist auch ein Schach-Großmeister zuhause, der sich leider im letzten Jahr aus dem Wettkampf-Geschehen zurückgezogen hat. Nein, er hat seine genialen Fähigkeiten nicht dazu gebraucht, den Coup in Paris zu planen. Auch der andere Werner Bürger, der jäh ins Rampenlicht geriet, hat nur höchst indirekt mit dem dreisten Diebstahl zu tun. Denn beim Millionen-Raub spielte ein gestohlener Möbelaufzug eine tragende Rolle. Und den hatte die Firma aus Werne hergestellt. Geschäftsführer Alexander Böcker konnte daher die Wahl der Gangster gut nachvollziehen: "Man redet ja von krimininellen Profis. Dass die Profis dann auf das beste Produkt setzen, ist für mich verständlich." 
 
Böcker bewies außerdem, dass deutsche Unternehmer durchaus Humor haben können und fand mit seiner Anzeigenkampagne unter dem Motto "Wenn's mal wieder schnell gehen muss..." rund um den Globus Beachtung. Damit hatte er sämtliche Frohnaturen auf seiner Seite, wie Internet-Kommentare zeigen: "Ich werf mich weg vor Lachen - das ist genial!" "Das ist der smarteste Marketing-Move, den ich seit langem gesehen habe. Chapeau!" "Ist das ein Einstiegsmodell?" 
 
Die acht Räuber wurden schnell gefasst, ein Teil der Beute blieb aber bis heute verschwunden. Ähnlich war es Ostern 2015 in London, obwohl es sich dort um Berufskriminelle handelte, die wahrscheinlich nicht davor zurückgeschreckt wären, Zeugen eiskalt aus dem Weg zu räumen. Bei ihrem letzten und größten Coup war dies glücklicherweise nicht erforderlich, da erstaunlicherweise niemand die Gangster bemerkte. Und das ist ebenso erstaunlich wie die gesamten Umstände der Tat, die in England bis heute für Schlagzeilen sorgt. 
 
Das hat vor allem zwei Gründe. Zum einen die Höhe der Beute: Juwelen und Schmuck im Wert von rund 18 Millionen Euro entwendeten die Diebe aus einem als unknackbar eingestuften Tresor im Nobelviertel Hatton Gardens, wo sich die Juwelierläden wie Perlen aneinanderreihen. Viele von ihnen lagerten ihre kostbaren Bestände abends bei der Firma "Hatton Garden Safe Deposit", in einer wahren Trutzburg. Ein Einbruch dort galt als nahezu unmöglich, selbst in Spezialisten-Kreisen. 
 
Deshalb traf sich eine Gruppe von neun erfahrenen Ganoven drei Jahre lang regelmäßig, um die Tat akkurat zu planen. Insgesamt hatten sie fast 300 Jahre im Knast auf dem Buckel. Ihr Anführer war 76 Jahre alt, auch die meisten anderen hatten das Renteneintritts-Alter bereits überschritten oder standen kurz davor. Daher wurde die Bande später als "Opa-Gang" berühmt. Aber zunächst weckte der Stammtisch der proper gekleideten älteren Herren, die sich jeden Freitag im Pub "The Castle" zur Vorbereitung ihres Coups versammelten, keinerlei Aufmerksamkeit. 
 
Nachdem ein teurer Spezial-Diamantbohrer besorgt war, schritten die rüstigen Rentner zur Tat. Am Abend des Gründonnerstags drangen sie in das Gebäude ein und gelangten durch einen Aufzugschacht in den Schließfach-Keller. Doch nun begann eine Reihe von Pleiten, Pech und Pannen für alle Beteiligten. Basil, der Elektronik-Spezialist der Bande, hatte einen Fehler gemacht, so dass der Alarm ausgelöst wurde. Davon merkten die Einbrecher nichts und werkelten munter weiter. Allerdings bissen sie sich am Tresor zunächst die Zähne aus - soweit noch vorhanden. 
 
Dass sie mit mehr Glück als Verstand unbemerkt wieder abziehen konnte, lag daran, dass die Polizei das Alarmsignal einfach ignorierte. Denn der Nachtwächter eines privaten Sicherheitsdienstes rüttelte nur kurz an der unbeschädigten Eingangstür und gab dann Entwarnung. So nahm die Opa-Gang zwei Tage später den nächsten Anlauf. Und diesmal gelang es, ein 45 cm breites und 25 cm hohes Loch durch die 50 cm dicke Betonwand zu bohren. Die zwei dünnsten Gangster zwängten sich hindurch und räumten in aller Ruhe 73 Schließfächer aus. Ob die Beute, wie offiziell angegeben, wirklich nur 18,3 Millionen wert war, gilt als höchst zweifelhaft - viele der Geschädigten sollen die Kripo ebenso gescheut haben wie die Täter. 
 
Die jedoch freuten sich wohl zu sehr über ihren Fischzug, denn einige von ihnen wurden leichtsinnig. Eine Überwachungskamera filmte ihr Autokennzeichen. Und einer prahlte von der genialen Tat gegenüber seiner Freundin. Da er offenbar nicht freigiebig genug war, zeigte ihn seine enttäuschte Geliebte bei der Polizei an. Und die Herren Gangster blieben weiter geschwätzig. Am Stammtisch belauscht, konnte die Kripo genügend Beweismaterial sammeln, um eine Falle zu stellen: Bei der vermeintlichen Übergabe eines Teils der Beute aus dem Diamanten-Versteck auf einem Friedhof wurden sieben Bandenmitglieder festgenommen. Die beiden anderen konnte man Jahre später schnappen. 
 
Ein Großteil der Beute ist jedoch bis heute nicht aufgetaucht. Ob die Haupttäter aber in deren Genuss kommen, ist zweifelhaft. Sie wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, für Opas kein Pappenstiel. Und wenn irgendwann in der Zukunft ein neunzigjähriger Ex-Knacki mit einer Schaufel bewaffnet loszieht, dürften interessierte Geier bereits um ihn kreisen. 
 
Ja, ja, Verbrechen zahlt sich selten aus. Falls Ihr Euch dennoch nicht abschrecken lasst und das nötige Know How braucht: In der Wohnung eines der Räuber wurde das Buch "Elektrotechnik für Dummerchen" gefunden. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS.  Ein Nachtrag zur gestrigen Folge kommt von Martin: 
 
Nonsens reimen ist doch nett! Hab meine jüngeren Geschwister, Nichten und Neffen stundenlang damit beschäftigt, die waren stolz, auch mal einen Blödsinn zustande gebracht zu haben, und haben sich beömmelt vor Lachen, mit Sätzen wie "wer läuft, der säuft", "wer singt, der stinkt", "wer rattert, der knattert", "wer hupt, der pupt".
 
Den Nichtsnutz Frutz kenne ich übrigens mitsamt seinen schlechten Eigenschaften:
 
Kennst du den doofen Frutz?
Der ist zu gar nix nutz'!
Er haut gern auf den Putz,
sucht hinter Mauern Schutz
vor seinem Gläub'ger Lutz
und vor dem Kater Mutz,
auch vor der Wildsau Wutz!
Er ist kein Schnuckelputz,
denn er lebt gern im Schmutz -
mit aller Welt im Trutz.
 
(Bravo! Applaudiert kdk)

Schmunzelpost 1819 vom 28. 12. 25

Wenn mir nachts ab und zu der nervige Trigeminus den Schlaf raubt, dann versuche ich, mich mit allerlei Nonsens abzulenken. Dabei gelangte ich gestern vom Höckschen zum Stöckschen. Aus unerfindlichen Gründen war mir in den Sinn gekommen, wie oft früher jemand meinen guten Namen missbrauchte, um damit Schindluder zu betreiben. Für viele war es verlockend, dass sich sowohl auf Klaus wie auf Krause allerhand reimt. So entstanden allerlei Blödeleien. Ich zitiere einen Mitschüler: "Klaus Krause macht Pause, dann geht er nach Hause und macht eine Sause: Er säuft eine Brause!" 
 
Solche Holperverse spornten mich schon als Kind an, es besser zu machen. Und das beschäftigt offenbar selbst jetzt noch, 60 Jahre danach, so sehr mein Unterbewusstsein, dass ich im Dämmerzustand eine Schule für Möchtegern-Poeten eröffnete. Darin vermittelte ich als Amateur-Dichter der Kreisliga A die Grundlagen des Verseschmiedens an Anfänger aus der Kreisliga C. Die erste Lektion trug die Überschrift: Reim Dich oder ich fress Dich! 
 
Aus Gründen, die mir im Wachzustand entfallen sind, stellte ich fest, dass sich ebenso wie mit Klaus mit dem einsilbigen Vornamen Fritz einiges anfangen lässt. Auch ohne Reimlexikon oder Chat-GPT bieten sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Du dichtest wie der Blitz, denn der Name Fritz reimt sich gut auf Witz. Und auf Schlitz, Kitz, Ritz, Sitz oder Hitz'. Wobei wir schon in der Abteilung für Fortgeschrittene angekommen wären, in der man Reime durch Auslassungen erzwingt. 
 
Als aufgewecktes Kerlchen spiele ich gern mit Buchstaben, offenbar auch im Halbschlaf. Denn nun begann ich für Fritz diverse Lokalvarianten zu erproben. Der alte Frotz, der lebt im Protz, doch nur aus Trotz! Über die Beispiele mit Rotz, Motz und Kotz lasse ich besser das Sandmännchen seinen kompletten Beutel ausleeren. Wenden wir uns lieber dem Fratz zu. Mit einem Satz: Dieser Fratz ist ein Schatz und kriegt 'nen Schmatz! Selbst Stümper kriegen das hin. Ihr Verse mit Fratz sind nicht für die Katz - sie knallen ratzfatz vor den Latz! Ganz ohne Hatz. Nun wird's schwieriger. Was geht jetzt mit Fretz? Fretz fetzt! Wer den Fretz zu Tode hetzt, ist am Ende selbst verletzt - wenn er sich am Reim ergötzt. 
 
Bleibt nur noch das U. Doch ehe ich Euch quäl' mit Frutz, mach' ich lieber vorher Schlutz! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Drückt die Daumen, dass ich künftig besser schlafe und Euch die zweite Lektion erspart bleibt. 

Schmunzelpost 1818 vom 27. 12. 25

Unsere Gesellschaft ist gespalten. Das bestätigt sich einmal mehr zu Weihnachten, wenn es um existenzielle Fragen geht, die nicht nur politischer Natur sind. Wie haltet Ihr es mit dem Baum? Nicht irgendeinem, sondern dem Weihnachtsbaum. Der erfordert eine Fülle von Gewissensentscheidungen: Stellt man ihn erst, wie es früher üblich war, Heiligabend in die gute Stube oder bereits in der Adventszeit? Letzteres ist ein Trend, der sich durchzusetzen scheint. Darf es eine ordinäre Fichte sein oder eine edle Nordmanntanne? Wie lange darf der Baum stehen bleiben? Wie wird er entsorgt? Oder wird er gar wieder eingepflanzt? 
 
Die wesentliche Frage lautet jedoch: Baum oder Nicht-Baum? Nach aktuellen Umfragen bestehen 47 Prozent der Deutschen darauf, ein echtes Bäumchen zu schmücken. Mehr als 20 Prozent begnügen sich mit künstlichem Ersatz, der jedes Jahr wieder verwendet werden kann. Und in knapp einem Drittel der deutschen Haushalte ist überhaupt kein Weihnachtsbaum zu finden. 
 
Ich gestehe freimütig: Wir gehören zu den Baum-Verleugnern. Ein, zwei Sterne, mal aus Tannenzweigen, mal elektrisch beleuchtbar, reichen völlig aus, um bei Bedarf für die nötige Weihnachtsstimmung zu sorgen. Wir bevorzugen den Anblick von Nadelbäumen in freier Natur. Dort haben sie es schwer genug. Ob Fichte, Tanne oder Kiefer: Stürme, Trockenheit und gefräßige Käfer setzen ihnen mächtig zu. Dabei gelten sie als Kulturgut. Davon zeugen traditionelle Gesänge wie "Oh Tannenbaum". Wobei sich in deutschen Kinderzimmer zunehmend ein neuer Text verbreitet: "Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, die Oma hängt am Gartenzaun. Der Opa ruft die Feuerwehr, die Oma schreit: 'Ich kann nicht mehr!'" 
 
Ja, ja, die Jugend von heute hat keinen Respekt vor unserem Brauchtum. Und jetzt droht auch noch eine neue Gefahr. Im Zeitalter des Genderns macht die politische Korrektheit nicht einmal mehr vor dem Tannenbaum halt. Nach Oliver Polak muss der Weihnachtsbaum künftig so genannt werden: "Frei von mikroplastischen Materialien vorübergehend aufgestelltes, nicht binäres Nadelgewächs mit LED-Lichtern, die sich als Kerzen identifizieren". 
 
Na denn: Frohe Weihnachten gehabt zu haben! 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1817 vom 26. 12. 25

Die Bescherung ist vorbei - und jetzt habt Ihr die Bescherung! Konntet Ihr Euch über schöne Geschenke freuen? Das ist ja leider nicht immer der Fall. Ich denke da an das Rasierwasser, das mir einst meine Nichte überreichte, nachdem ich bereits seit Jahren stolzer Vollbartträger war. Nein, das sollte kein Wink mit dem Zaunpfahl sein. Das war einfach ein Zeichen von Gedankenlosigkeit, wenn auf die Schnelle noch irgendetwas besorgt werden muss, um nicht mit leeren Händen zum Familienfest anzurücken. 
 
Zugegeben, durch großen Einfallsreichtum hat sich unsere Familie nie ausgezeichnet. Gutscheine waren damals noch nicht üblich. Also wurde ein Geldschein mit einer roten Schleife versehen und unterm Baum überreicht: "Du weißt schließlich am besten, was Dir gefällt. Kauf Dir was Schönes!" Je nach Verwandschaftsgrad handelte es sich um einen Zehn-, Zwanzig- oder Fünfzigmarkschein. Nun gut, statt des Rasierwassers wäre ich auch mit einem Fünfer zufrieden gewesen. 
 
Ansonsten habe ich persönlich jedoch niemals Geld verschenkt. Stattdessen gab ich mir viel Mühe durch die Geschäfte zu streifen, um etwas zu finden, das beim Empfänger Freude auslösen konnte. An den Mienen beim Auspacken konnte ich dann ablesen, ob ich einen Treffer gelandet hatte. Das glückte mir bei den Männern fast immer. Mein Vater freute sich stets über Zigarren, Schwager und Onkel konnte ich mit Hochprozentigem beglücken. Als letzter Überlebender halte ich übrigens diese Familientradition aufrecht. Denn ich sage mit Wilhelm Busch: Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben! 
 
Wer ein mehr oder weniger originelles Geschenk sucht, kann es sich heutzutage leicht machen. Im Internet gibt es bei "Monsterzeug" jede Menge Krims-Krams, mal mehr, mal weniger lustig. Mich zum Beispiel könnte man mit dem Weinglas "Upside down" beglücken. Das wird mit dem Trinkgefäss nach unten auf den Tisch gestellt und der Wein durch den Glasfuß eingegossen. Kostet bloß 26,95 Euro. Mir ist aber ein Rätsel, wie ich daraus trinken soll. 
 
Für Biertrinker gibt es eine Dartscheibe, die mit Kronkorken beworfen wird. Dazu passt ein mitzählender Flaschenöffner mit Sprachaufzeichnung: "Prost, Du Sack!" Auch für süße Kaffee- und Teetrinker ist ein sowohl verspieltes wie nützliches Geschenk im Angebot. Ein Zuckerpuzzle, bei dem aus 30 kleinen Zuckerwürfeln ein großer Kubus zusammengesetzt wird. Falls Ihr dann den Kaffee auf habt, könnt Ihr die Einzelteile nach und nach verwerten. Ein Schnäppchen, jetzt im Ausverkauf von 9,95 Euro auf 7,95 Euro herabgesetzt. 
 
Das Präsent, das in keiner Beziehung fehlen sollte, ist eine sprechende Fernsteuerung, wahlweise für Frauen oder Männer. Gerade zu Silvester kann hilfreich sein, dass am Steuergerät für Männer ganz oben ein roter Notfallknopf angebracht ist: "Schluss mit dem Trinken!" Darunter können Frauen im Romantikmodus ihre Partner veranlassen, Blumen zu besorgen, zum Abendessen einzuladen oder Komplimente zu machen. 
 
Praktisch ist die Sparte Hausarbeit, mit der Männer beispielsweise zum Müll rausbringen, Geschirrspülen oder Kochen angestiftet werden. Oder dazu, ihre herumliegenden Socken wegzuräumen. Ganz unten wird es intim. Hier können Frauen Zärtlichkeiten einfordern, vom Klaps über das Knutschen, von exakt regulierten  Streicheleinheiten bis zum Orgasmus. Und wenn die Frau nicht in Stimmung ist, kann sie endlich den Spieß umdrehen und dem Mann mit ordentlichen Kopfschmerzen jegliche Lust austreiben. Das alles für nur 23,95 Euro! 
 
Wenn Ihr jetzt meint: "So ein Blödsinn! Jetzt bin ich mit meiner Geduld am Ende", dann habe ich auch für Euch ein passendes Geschenk: Eine große Packung Geduldsfäden - falls der eurige mal reißt, könnt Ihr ihn damit sofort ersetzen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1816 vom 25. 12. 25

Na, habt Ihr Heilig Abend vielleicht das ein oder andere Weihnachtslied angestimmt? Heute ist "Leise rieselt der Schnee" mein Favorit, früher war es "Stille Nacht". Daher habe ich mir überlegt, was das Jesus-Knäblein über den Liedtext gedacht hätte, wenn er ein Junge aus dem Pott wäre. 
 
"Stille Nacht, heilige Nacht...", nee, nee, so war dat nich! Ich muss es wissen, ich bin ja dabei gewesen. Dat war ein ganz schöner Radau. Ich hör noch Papa Josef kreischen: "Pressen, Maria, pressen!" Dabei war ich schon längst draußen und habe mit meinen göttlichen Sinnen alles mitgekricht. Dat Blöken von die Schäfkes, dat Grunzen von dem Ochsen und dat penetrante Iaah von dem alten Esel. Und dann hörten die Hirten mit ihren Schalmeien gahnich mehr auf rumzududeln. Später dann auch noch die Audienz für die drei Könige und dat ganze Geschwafel. Stille Nacht? Von wegen - ich sach Dich! 
 
"alles schläft, einsam wacht nur das traute hochheilige Paar..." Quatsch! Die ganze Nacht sind se alle wie se da waren wach geblieben, ham rumgelärmt und ich konnt deshalb auch nich pennen. 
 
"holder Knabe im lockigen Haar..." Blödsinn! Damals hatte ich 'ne Glatze, die Matte is mir erst später gewachsen. 
 
"schlaf in himmlischer Ruh..." Ja, wie denn, bei den Theater! Hättense mir statt Gold, Weihrauch und Myrrhe besser ein Päckschen Ohropax inne Krippe gelecht! 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1815 vom 24. 12. 25

Vorab das Wesentliche: Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachtstage und viele schöne Stunden!
Auch meine Heilig-Abend-Folge hat etwas mit Weihnachten zu tun. Allerdings ist sie letztmals vor allem den Tintenhühnern gewidmet, Dorstens nach wie vor berühmtester Kabarettgruppe. Daher bitte ich alle auswärtigen Leser um Verständnis für die eine oder andere Anspielung, mit der nur Insider etwas anfangen können.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von König Lambert ausging, dass sich alle zehn Tintenhühner noch einmal zusammen tun und im Baumhaus ihre Version der Weihnachtsgeschichte aufführen sollten. Und so geschah es auch. In den Hauptrollen: Maria (Christa), Josef (Schorsch), Christkind (Lisa), die Erzengelinnen Gabriela (Beate) und Anneliese (Anne), die Heiligen drei Könige Caspar (Lambert), Melchior (Bertold) und Balthasar (Manni) sowie zwei Hirten (Jochen und Klaus).

Los geht es mit der Generalprobe. Das Baumhaus ist eigens für diese Aufführung komplett umgestaltet worden. Als erste nehmen die Erzengelinnen auf einer an der Decke aufgehängten Gondel Platz. Anneliese wundert sich: "Was soll das denn sein?" Gabriela zuckt mit den Schultern: "Ich vermute mal, eine Wolke. Aber warum sie aussieht wie eine Bushaltestelle, das weiß ich auch nicht." Anneliese schnaubt: "Das ist ja wie bei den Muppets mit Waldorf und Statler. Dann sollten wir das Geschehen auch so kommentieren." Gabriela: "Das machen wir! Und damit das flüssig daher kommt, trinken wir erst mal ein Eierlikörchen. Prösterchen!"

Unten sind Maria und Josef mit dem Christkind eingetroffen. Josef schaut sich bewundernd im Baumhaus um: "Donnerwetter! Hier hat aber einer vom Fach ganze Arbeit geleistet. Als Schreiner verstehe ich was davon." Nur das Christkind schmollt: "Aber meine Krippe sieht aus wie ein Sarg! Bin ich nun das Jesulein oder Vampirella?" "Du bist eben ungewöhnlich groß für diese Rolle. Freu Dich doch, dass Du als erste Frau die Tochter Gottes verkörpern darfst. Den Feminismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf", beschwichtigt Maria.

"Naja, eigentlich sollte ja Bertold das Jesus-Knäblein spielen", brummt Schorsch, "doch ein Säugling mit Vollbart wäre nun wirklich absurdes Theater! Aber sonst sind die Rollen gut besetzt. So eine sexy Maria gab es noch nie. Komm, gib Deinem Mann mal einen Kuss!" "Finger weg", lacht Maria, "schließlich bist Du bloß der Adoptivvater. Als Jungfrau verkehre ich nur mit dem Heiligen Geist."

Inzwischen packen etwas abseits die Hirten ihre Instrumente aus, Jochen sein Keyboard, Klaus eine Blockflöte. "Das ist mal wieder typisch - die anderen stehen im Mittelpunkt, und wir besorgen das Hintergrund-Gedudel", meckert Jochen. "Reg Dich nicht auf," grinst Klaus, "dafür sind wir hier direkt am Glühwein-Ausschank. Äh, was sollen wir überhaupt spielen?" "Ich dachte an das Weihnachtsoratorium von Bach." "Bist Du übergeschnappt? Bei mir reicht es gerade für 'Kommet ihr Hirten' und 'Leise rieselt der Schnee'."

Nun treffen auch die Eiligen drei Könige ein. Caspar schiebt eine leere Truhe vor sich her. "Wozu ist die denn gut?", wundert sich Melchior. "Ich bin der einzige mit Regierungserfahrung unter uns. Und nach 15 Jahren im Rathaus wusste ich, wo die Stadtkasse steht." "Aber da ist ja gar nichts drin. Sollst Du nicht dem Kind Goldbarren schenken?" "Ja, die lege ich gleich hinein. Schorsch hat ein paar Briketts golden gefärbt. Er hatte ja immer schon ein Händchen für Requisiten." "Schön, schön. Und Du? Hast Du Deinen Text im Kopf? Nicht, dass Du wie neulich bei 'Warten auf Godot' plötzlich anhebst: 'Hinter eines Baumes Rinde, sitzt die Made mit dem Kinde'.'"

"Das gab immerhin Extra-Applaus. Und Beckett lässt doch alle dummes Zeug reden. Dass Manni deklamiert hat 'Es war die Nachtigall und nicht die Lerche' hat auch kein Schwein gemerkt." "Aber peinlich war das trotzdem, was, Manni? Manni? Mein Gott, wie siehst Du denn aus?" "Na, ich bin schwarz angemalt. Du hast doch erklärt, dass ursprünglich stets Balthasar der Schwarze war, nicht Melchior, wie sie es viel später mancherorts eingeführt haben." "Das meine ich nicht. Aber wieso trägst Du ein löchriges T-Shirt und eine Trainingshose?" "Ganz einfach. Wir sind doch die Waisen aus dem Morgenland. Und wer ohne Eltern aufwachsen muss, der legt oft auch keinen Wert aus sein Äußeres. - Ja, ja, ist schon gut. Nachher trage ich einen Purpur-Umhang. - Aber das Wortspiel würde ich schon gern bringen. So ein Gag sorgt für Lacher im Publikum." "Untersteh Dich! Das ist hier schließlich keine Comedy-Vorstellung, das ist seriöses Avantgarde-Theater mit politischem Einschlag."

Zweiter Aufzug, erste Szene. Die Könige aus dem Morgenland huldigen dem Kinde. Oben zischelt Erzengelin Gabriela: "Bisher ging das für Tintenhühner-Proben-Verhältnisse ja ganz ordentlich. Bloß zwölf Text-Hänger und fünf falsche Einsätze. Und hat nicht einer von den Königen vorhin Heinz Erhardt zitiert?" Anneliese kichert: "Jau! Und hör mal hin, was die Hirten da spielen, die sich andauernd den Glühwein reingezogen haben. Ist das nicht das berühmte Weihnachtslied 'Es gibt kein Bier auf Hawaii'? Aber still jetzt, es geht weiter!"
 
"Wir sind aus dem Morgenland dem Stern gefolgt, um Zeuge bei der Geburt des Königs aller Könige zu sein", erklärt Caspar voller Würde. Dann wendet er sich Melchior zu und flüstert: "Aber ist nicht vor ein paar Millionen Jahren schon mal ein feuriger Stern am Himmel erschienen, der damals den Dinosauriern überhaupt nicht gut getan hat?" Melchior flüstert zurück: "Ja, das war so. Aber durch die Umwälzung konnten unsere Vorfahren sich ein paar Jährchen später überhaupt erst durchsetzen. Und diesmal, dies sage ich Dir als sternkundiger Priesterkönig, wird eine neue Religion entstehen, die den ganzen Erdball umkrempelt. Da ist es wichtig, gleich auf der richtigen Seite zu stehen." Jetzt wendet sich Balthasar mit lauter Stimme an das Elternpaar: "Wir sind auf Geheiß der Propheten hier, die uns die Ankunft von Gottes Sohn angekündigt haben. Doch wenn mich meine Anatomie-Kenntnisse nicht trüben, dann fehlt dem Knäblein etwas Wesentliches."
 
Nun aber hat Lisa ihren großen Auftritt. Sie erhebt sich aus der Krippe und hält einen Monolog, der in die Theatergeschichte eingehen wird: "Wahrlich, Ihr Kleingläubigen, ich sage Euch, diesmal muss es endlich funktionieren. Denn Mutter Gott hat eingesehen, dass ein Fehler zu korrigieren ist. Und mit weiblicher Güte verzichtet sie diesmal sogar auf eine Sintflut. Beim zweiten Anlauf kommt nicht Jesus, sondern Yasemine daher, um die Welt zu retten. Denn, siehe, das Patriarchat ist die Wurzel des Übels! Nur ein Matriachat kann die Übel ausrotten. Katharina die Große und Maria Theresia, Maggie Thatcher und Angela Merkel, sie alle haben nur geübt. Doch ich, Yasemine, werde Euch endlich erlösen und Frieden bringen, Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen, gleich welcher Hautfarbe und welchen Geschlechts. Und den Quatsch mit der Kreuzigung lassen wir diesmal auch weg. Habt Ihr verstanden, was die Glocke geschlagen hat?"
 
Da warfen sich die drei Könige vor ihr auf die Knie und sangen gemeinsam "Süßer die Glocken nie klingen". Dann packten sie ihre Geschenke aus. Und Caspar sprach: "So will ich als Erster beginnen, Euch und meinem Volke die Wahrheit zu sagen. Wir sind pleite! Daher ist nicht alles Gold, was glänzt. Nehmt bitte trotzdem das gelblackierte schwarze Gold als Geschenk, es kann wenigstens im Winter mehr als Eure Herzen wärmen."
 
Und Melchior sprach: "Ich habe Euch wohlriechenden Weihrauch mitgebracht. Aber ich rate Euch, ihn anders als Eure Vorgänger nicht dazu zu nutzen, den Gläubigen die Sinne zu vernebeln. Schenkt Ihnen nicht nur beim Abendmahl reinen Wein ein und nutzt Kirche und Religion diesmal nicht als Machtinstrument, sondern dazu, wirklich die Nächstenliebe in den Mittelpunkt zu stellen."
 
Und Balthasar sprach: "Ich als Vertreter des armen schwarzen Kontinents habe Euch ein Zeug mitgebracht, dass ich selbst nicht kenne. So eine schmierige Salbe, die heißt Myrrhe, glaube ich. Dem Zeug wird große Heilkraft nachgesagt. Es ist sauteuer, weil es angeblich Wunder wirkt. Aber das ist Blödsinn. Wunder gibt es nicht, niemand sollte mehr auf Quacksalber, Populisten und orangegesichtige Großmäuler hereinfallen. Doch mal nebenbei: Habt Ihr Euch schon gefragt, warum wir ohne unsere Eltern angereist sind? Nein? Wir sind nämlich die Waisen aus dem Morgenland. . ."
 
Weitere Ausführungen wurden dadurch verhindert, dass ihm Melchior an die Kehle ging. Über den anschließenden Tumult senkte sich der Vorhang. Als er sich nach geraumer Zeit wieder hob, spielten Jochen und Klaus den Ententanz und Maria und Josef, die Erzengelinnen und die drei Könige prosteten sich mit Glühwein zu und zogen dann mit einer Polonaise aus dem Saal. 
 
Zuvor hatte ihnen Regisseur Berthold allerdings zugerufen: "Nein, so wird das nichts. Bei der Premiere halten wir uns an die Originalfassung." So kam es auch. Wie immer begeisterten die Tintenhühner vor ausverkauftem Haus ihr Publikum. Und wenn sie nicht gestorben sind, schwelgen sie auch heute noch in Erinnerung an gute, alte Bühnenzeiten.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1814 vom 23. 12. 25 

Dass ich Kalauer mag, habe ich bereits gestanden. Selbstverständlich längst nicht alle, es gibt viele grenzwertige, abgeschmackte, schwache oder solche unter der Gürtellinie. Dennoch können wir aus den verbleibenden Honig saugen, wie Ihr in der einen oder anderen Folge vielleicht bemerkt habt. Gleiches wie für Kalauer gilt auch für die Sprüche, die man auf Tassen, Kalenderblättern und kleinen Wandtafeln findet. 
 
Oder auch auf T-Shirts. Nun hat die Süddeutsche Zeitung eingeführt, jeweils Ende Dezember "Das Jahr in Shirts" zu kommentieren. Für diesen satirischen Rückblick wird eine Schlagzeile aus jeder Woche mit einem passenden T-Shirt kombiniert. Der Witz entsteht dabei aus dem Zusammenspiel von Wort und Bild. In manchen Fällen reicht allein der Text. 
 
Für T-Shirt-Sprüche wie Kalauer gilt: Sind sie neu oder vielfach verbreitet und damit abgedroschen? Sind sie originell oder eher platt? In den meisten Fällen hängt die Bewertung auch vom individuellen Humorverständnis ab. Ich habe Euch eine kleine Auswahl aus der SZ zusammengestellt, die mich zum Kichern brachte. Hoffentlich können einige davon auch Euch ein Lächeln entlocken. 
 
Fangen wir in der 4. Woche des Jahres 2025 an, als Donald Trump sagte, Gott habe ihn beschützt "to make Amerika great again". Das T-Shirt dazu zeigt einen entsetzten Jesus, der verstört sein Gesicht mit der Hand bedeckt und denkt: "I never said that." In der Folgewoche ging es um ein alltägliches Thema. Umfragen ergaben, dass 46 Prozent der Menschen sagen, ihre Partner oder Partnerinnen schnarchten. Das T-Shirt antwortet: "Ich schnarche nicht, ich träume, dass ich eine Kettensäge bin." 
 
In der 10. Woche äußerte der Münchener Oberbürgermeister zum Bau einer weiteren S-Bahnstrecke, er vertraue darauf, dass der Zeitplan eingehalten werde. Nach meinen Erfahrungen mit der Bahn schließe ich mich der T-Shirt-Aussage an, sowohl was die Bauzeit wie die spätere Pünktlichkeit betrifft: "S-Bahnen sich wieder unerträgliche Schmerzen an." 
 
16. Woche. Der Deutsche Tierschutzbund forderte, die Zahl der Tierversuche zu minimieren. Auf dem T-Shirt steht: "Dieses Oberteil wurde getestet an Tieren." Dann sind die Schattenrisse von Hai und Delphin, Stier, Hirsch und Elefant zu sehen. Darauf folgt das schriftliche Fazit: "Es passt nicht!" In der 37. Woche startete in München die Internationale Automobil-Ausstellung, begleitet von Protesten der Klima-Aktivisten. Dazu meint das Shirt: "Ich bin gegen Rasen auf der Autobahn - wer soll das alles mähen?" 
 
Auch in Venedig wurde protestiert. Und zwar, als dort Amazon-Chef Jeff Bezos und Lauren Sanchez heirateten. Dazu ist der Text eher allgemeingültig: "Ich habe die tollste Frau der Welt! Und die hat mir dieses T-Shirt geschenkt." Leicht makaber, aber schön bissig ist das T-Shirt zum Equal Pay Day, als auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern hingewiesen wurde (in Deutschland verdienen Frauen 16 Prozent weniger pro Stunde). Auf dem Shirt prangt die Aufschrift "Born to Serve Men". Und passend dazu serviert eine Frau auf einer Platte ein Männerhaupt. . . 
 
Zum Schluss noch der Shirt-Kommentar zu den schwarz-roten Koalitionsvereinbarungen und deren vielen strittigen Punkten. Falls Euch diese Folge nicht gefallen hat, könnt Ihr das auch zum SP-Schreiber sagen: "Das kannste schon so machen. Aber dann ist es halt Kacke." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als kleinen Service für alle, die heute noch schnell Geschenke besorgen müssen, hänge ich ein Ringelnatz-Gedicht an. Es stand gestern in meinem Advents-Kalender. 
 
Schenke groß oder klein, 
aber immer gediegen. 
Wenn die Bedachten 
die Gaben wiegen, 
sei dein Gewissen rein. 
 
Schenke herzlich und frei, 
schenke dabei, 
was in dir wohnt 
an Meinung, Geschmack und Humor, 
so dass die eigene Freude zuvor 
dich reichlich belohnt. 
 
Schenke mit Geist ohne LIst, 
sei eingedenk, 
dass dein Geschenk 
du selber bist.  

Schmunzelpost 1813 vom 22. 12. 25


Der 22. Dezember ist für mich in jedem Jahr ein Tag der Freude. Nein, ich bin noch nicht derart gaga, dass ich glaube, heute wäre schon Heilig Abend. Aber ist es nicht schön, dass wir den 21. Dezember hinter uns haben? Der dunkelste Tag des Jahres ist vorbei, es geht endlich wieder aufwärts! 
 
Zugegeben, zunächst sind die Fortschritte kaum spürbar. Am 21.12. ging die Sonne in Dorsten um 16.24 Uhr unter, heute erst um 16.25 Uhr. Und morgen spendet unser Zentralgestirn sogar schon bis 16.26 Uhr Helligkeit! Immerhin. Nun gibt es Leute, die mich womöglich für bekloppt erklären. Sie sagen: "Der Winter hat doch gerade erst angefangen. Die eisige Kälte steht uns wahrscheinlich erst im Januar und Februar bevor. Bis zum Frühjahrsbeginn dauert es noch ewig. Außerdem gibt es nach Weihnachten und Silvester nichts mehr zu feiern. Und im Februar drohen auch noch die trüben, äh, tollen Tage, an denen die Narren losgelassen werden. Wie kannst Du Dich da bloß freuen?" 
 
Ich aber sage Euch: Und wenn schon! Der Wendepunkt ist erreicht. Den fiesen November haben wir glimpflich überstanden, die stressige Vorweihnachtszeit ebenso. Von nun an gilt: Immer schneller wird es heller! Und wenn wir auf die letzten Jahre zurückschauen: Da war der sogenannte Winter nur ein verschärfter Herbst. Doch selbst, falls es tatsächlich auch bei uns einmal wieder schneien sollte: Es soll Menschen geben, die sich darüber freuen. Leute, die knackige Kälte samt Schneeballschlacht und Schlittenfahrt mehr schätzen als uselige nasskalte Tage knapp über dem Gefrierpunkt. Auch wenn ich die Eiszeit lieber komplett ins Sauerland oder in die Alpen verbannen möchte, akzeptiere ich das. Man muss auch gönnen können. 
 
Das fällt mir leicht, weil mein Psycho-Kniff funktioniert. Allein das Bewusstsein, dass nun Tag für Tag die Nacht zurückgedrängt wird und der Frühling näher kommt, schürt meine Vorfreude auf knospende Bäume, blühende Blumen und die Tage, an denen man wieder lange im Freien unterwegs sein kann, ohne zu frösteln. Dazu kommt, dass im Alter die Zeit viel schneller vergeht. Bald kann ich wieder täglich meinen Standardspruch zum Besten geben: Der Mai ist der schönste Monat! 
 
Also, lasst Euch von mir mit guter Laune anstecken. Die paar Winterwochen sitzen wir auf einer Backe ab. Und schon heißt es: "Tandaradei - 's ist wieder Mai!" 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1812 vom 21. 12. 25

Nach der gestrigen Folge über Heiratsannoncen kann ich das Thema Kontakt- und Partnerschaftsanzeigen nicht links liegen lassen - zuviel Schmunzelstoff! Allein ein Blick in das Buch "Suche Frau in anständigem Zustand - Die witzigsten Kontaktanzeigen der Welt" von Birgit Adam reicht dazu völlig aus. Auch wenn der zweite Teil des Titels ein bisschen sehr nach einer Sendung von RTL 2 klingt.
 
Darin offenbaren sich durch ihre Anzeigentexte sehr gegensätzliche Charaktere. Da ist der Herrenmensch, der von vornherein klar macht, dass er im Schlafzimmer als "Oberstleutnant" angesprochen werden will. Aber auch der wahrheitsliebende Inserent, der voll auf das Mitleid und den Mutterinstinkt der Leserinnen setzt: "Manisch depressiver, hässlicher, verzweifelter Jurastudent (27), der gerne Bach hört, sucht Sie zum Durchbrechen der sozialen Isolation."
 
Männer! Wenn sie schon zur Ehrlichkeit neigen, wird es manchmal brutal: "Die Romantik ist tot, meine Mutter auch. Mann (42), reicher Erbe." Aber auch Frauen können recht nüchtern auf den Punkt kommen. So formulierte eine Leserin der Süddeutschen Zeitung: "Als ich 30 war, mussten meine Partner jung, schlank, groß, gut aussehend, reich und intelligent sein. Jetzt bin ich 64, und sie müssen nur noch lesen und telefonieren können." Das vergrößert sicherlich das Feld möglicher Kandidaten. Noch klarer, aber vielleicht die Chancen auf viele Rückmeldungen mindernder, schreibt diese Inserentin: "Frau sucht ehrlichen, schlanken Herren, sehr vermögend, Sex nicht notwendig."
 
Wenn das mal gut ging. Denn bei der Mehrzahl der Anzeigen steht ein Interesse eindeutig im Vordergrund: "Habe Viagra. Brauche Frau." Oder auch, ohne jede feingeistige Verbrämung: "Suche Frau zum Poppen."
Ja, wehe, wenn sie losgelassen. Ganz anders lasen sich die lyrischen Ergüsse, die von Heiratsvermittlungs-Instituten verfasst wurden. Allerdings ließen sie bei jedem rational denkenden Menschen unwillkürlich Zweifel aufkommen, ob die beschriebenen Traumprinzen und -prinzessinnen nicht vielleicht doch den einen oder anderen kleinen Makel aufweisen könnten.
 
Das alles soll mich aber nicht hindern, hier eine aufrichtige Kontaktanzeige aufzugeben: "Attraktiver, sportlicher Schmunzelpostschreiber, der sein dreißigstes Lebensjahr erst vor kurzem überschritten hat, sucht treue weibliche wie männliche Schmunzelpostleser, die auch einmal schwächere Folgen verzeihen und dennoch Tag für Tag auf neue gute, informative und heitere Texte hoffen. Bevorzugt werden Menschen mit Sinn für mitunter schrägen Humor, die trotz aller Widernisse und schlimmen Entwicklungen den Glauben daran nicht verloren haben, dass jeder Einzelne durch sein Verhalten die Welt ein bisschen besser machen kann."    
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1811 vom 20. 12. 25

Starten wir mit einem Nachtrag zur gestrigen SP: Der Buchautor, Cheflektor und Literaturkritiker Rainer Moritz ist bald persönlich in unserer Region. Am 11. Februar, einem Mittwoch, kommt er zur Lesung in die Buchhandlung Kapitel Zwei nach Recklinghausen. Beginn ist um 19.30 Uhr, Karten gibt es im Vorverkauf für 15 Euro. Ich habe mir bereits mein Ticket gesichert. Und sogar schon das neue Buch erworben, das wohl im Mittelpunkt der Lesung stehen wird. Moritz gibt darin für jeden Tag des Jahres Literatur-Empfehlungen.
 
Buchhandlungen bieten eben viel mehr als gewöhnliche Läden. Daher sind sie die wahren Supermärkte, weil Bücher für mich zu den Lebensmitteln zählen. Deshalb war gestern auch ein trauriger Tag. Es gibt nun eine inhabergeführte Buchhandlung weniger. Die Buchhandlung Wystup, seit 103 Jahren in Marl-Brassert zuhause, schloss dort ihre Türen. Inhaberin Natalia Tokar-Khan macht zwar in der Hülsstraße 24 weiter, aber da ist ihr  Geschäft nur halb so groß. Dennoch: Wenn Ihr in Marl Bücher kaufen oder Lesungen besuchen wollt, ist das eine gute Adresse. Wem jedoch der Weg nach Recklinghausen oder Marl zu weit ist, der wird auch in Dorsten-Holsterhausen mit Lesestoff versorgt. Dort ist in der Freiheitstraße 3 die Buchhandlung schwarz-auf-weiß zu finden.
 
Doch das Buch über historische Heiratsanzeigen, das ich nach der Lektüre eines Online-Artikels suchte, werde ich wohl weder bei schwarz-auf-weiß, noch bei wystrup oder kapitel zwei bekommen, allenfalls im Antiquariat. Heiratsanzeigen haben ihren Platz in einem eher flüchtigen Medium, der Zeitung. Das erste Inserat erschien vermutlich am 19. Juli 1695 im englischen Wochenblatt "Sammlung für den Fortschritt in Handel, Haus- und Landwirtschaft". Der Text lautete:  "Ein Herr um die 30 Jahre alt, von sehr gutem Stand, würde sich gern mit einer Dame verbinden, die ein Vermögen von ungefähr 3.000 Pfund besitzt."   
 
Ob der Inserent Erfolg hatte, ist mir nicht bekannt. Aber für Helen Morrison, die erste Frau, die per Zeitungsannonce 1727 einen Ehemann suchte, ging der Schuss nach hinten los. Nach der Veröffentlichung im "Manchester Weekly Journal" war der mildeste Kommentar noch: "Für eine Frau ziemt sich das nicht!" Aufgebrachte Bürger sorgten dafür, dass Helen sogar für vier Wochen in einer Anstalt untergebracht wurde. Denn: "Eine Frau, die offen um einen Mann wirbt, muss irre sein."
 
Männer durften hingegen ihre Wünsche ungeniert formulieren, ohne über sich etwas zu verraten. So war 1750  im "Daily Advertiser" zu lesen:  „Gesucht wird eine hochgewachsene und reizvolle Person, mehr eine der eleganten Art als eine der schönen. Mit guten Zähnen, weichen Lippen, reinem Atem. Mit Augen, deren Farbe keine Rolle spielt, wenn sie nur ausdrucksvoll sind. Und einem vollen Busen, prall, fest und weiß.“ 
 
Kein Wunder, dass gegen derartige Anzeigen protestiert wurde. In der „Berlinischen Zeitung“ veröffentlichten 1793 vier Damen folgenden Brief: „Nicht ohne im Namen der Menschheit zu erröten, sind wir empört, dass der süßeste heiligste aller Verträge, die Ehe, bis zum spekulativen Handlungszweig herabgesunken ist.“ Nur gut, dass diese Damen nicht mehr mitbekamen, was im 20. Jahrhundert in den Kontaktanzeigen stand und was heute so alles auf den Online-Seiten formuliert wird. . .
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1810 vom 19. 12. 25

Was gibt es im Winter Schöneres, als Lesesessel und Beistellhocker ans Fenster zu rücken, die Beine hochzulegen und in ein fesselndes Buch zu schauen? Wobei der Blick gern mal nach draußen gerichtet werden darf: Scheint ausnahmsweise die Sonne, erfreut man sich am blauen Himmel und darüber, dass die Fensterscheibe vor der Kälte schützt. Regnet oder schneit es, behagt die gemütliche Lektüre bei molliger Wärme umso mehr. Bleiben wir also beim Thema Bücher. 
 
Heute empfehle ich Euch "Unbekannte Seiten" von Rainer Moritz. Der Cheflektor, Literaturkritiker und Autor erzählt darin kuriose Geschichten, die bekannten Schriftstellern widerfahren sind, wenn sie ihren Schreibtisch mal verlassen haben. Selbst vor dem Sterbezimmer machen die Anekdoten nicht halt, wie das Kapitel über Oscar Wilde zeigt. 
 
Nachdem Wilde im Mai 1897 aus dem Londoner Zuchthaus entlassen worden war, wo er wegen "Unzucht" zwei Jahre  eingesessen hatte, ging er, physisch und psychisch schwer angeschlagen, ins Exil. Es zog ihn ins vertraute Paris, wo er sich Sebastian Melmouth nannte. Allerdings war Wilde ständig in großer Geldnot, musste dauernd seine wenigen verbliebenen Freunde anbetteln und konnte sich darüber freuen, dass sein Gönner Jean Dupoirer Hotelbesitzer war. Allerdings handelte es sich beim "Hotel d' Alsace" damals um eine eher schäbige Absteige. 
 
Trotzdem ermöglichte es Dupoirer seinem Gast bei allem Elend, dass er nicht völlig auf das frühere Luxusleben verzichten musste. Jeden Sonntag bekam Wilde seine Coupe de Champagne serviert, was ihm ein Bonmot entlockte: "Ich sterbe über meine Verhältnisse." Bis es tatsächlich so weit war, dauerte es jedoch noch etwas. Im Herbst 1900 musste Wilde sich einer Operation unterziehen, von der er sich nicht mehr erholte. 
 
Als es Ende November mit ihm zu Ende ging, war er wieder in seinem ärmlichen Alkoven gelandet. Und starrte auf eine Wand, die beim ausgewiesenen Ästheten schon lange großen Abscheu hervorrief. Bis zum Schluss war er nicht bereit, sich dieser Demütigung zu beugen. Das zeigen seine letzten Worte, die sein Freund Reginald Turner überliefert hat, der am Bett des Sterbenden wachte: "Die Tapete und ich liefern uns ein tödliches Duell. Einer von uns beiden muss gehen!" 
 
Die scheußliche Tapete hat gewonnen. Am 30. November starb Oscar Wilde, ohne noch etwas anderes gesagt zu haben. Allerdings ist von der Tapete heute nicht einmal mehr ein Fetzen vorhanden, während Wildes dem Schönen verpflichtete Worte geblieben sind. Und in dem im Jahr 2000 komplett umgebauten heutigen 5-Sterne-Hotel gibt es eine stark gefragte Oscar-Wilde-Suite. Deren Tapete hätte dem Lebemann, Ästheten und Dandy bestimmt gefallen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1809 vom 18. 12. 25

An den Sammelsurium-Faden der gestrigen Schmunzelpost knüpfe ich heute noch einmal an. Allerdings nur mit einem kleinen Konglomerat, das ich nicht auf meinem Schreibtisch, sondern bei der Beschäftigung mit Büchern und Zeitungen zusammengetragen habe. 
 
Bei der Suche nach einem bestimmten Band im Regal war es wieder da, das Ärgernis, das mich schon seit langem nervt. Ich verstehe nicht, dass sich die Verlage nicht auf eine einheitliche Handhabung einigen können. Ist Euch auch schon aufgefallen, dass die Beschriftung auf den Buchrücken unterschiedlich ausfällt? Bei den meisten Büchern könnt Ihr, falls die Bücher aufrecht im Regal stehen, die Angaben zu Autor und Titel lesen, wenn Ihr Euren Kopf ein ganzes Stück nach links neigt. Leider gibt es eine ganze Menge Antipoden: Manche Verlage machen sich einen Sport daraus, die Aufschrift - und damit Euren Kopf - zur anderen Seite zu wenden. 
 
Das hat die unschöne Folge, dass ich mich mitunter fühle wie bei einem Tennismatch. Dauernd muss ich meinen Schädel am Bücherschrank, in der Buchhandlung oder in der Bibliothek hin und her drehen. Knick, knack, knick, knack. Ein Wunder, dass mein Kopf noch nicht abgefallen ist. Werte Verlage, so geht man nicht mit treuen Bücherfreunden um! 
 
Und wo ich schon mal am Nörgeln bin, gleich noch ein zweites Ärgernis hinterher. Klappentexte sind von recht unterschiedlicher Qualität. Manchmal blumig, manchmal präzise, manchmal knapp, manchmal weitschweifig. Ärgerlich wird es, wenn sich sachliche Fehler einschleichen und der Klappentext kaum noch etwas mit dem Inhalt des Buches zu tun hat. Dann fragt man sich, ob der Verfasser der Kurzbeschreibung den Inhalt verstanden oder, schlimmer noch, das Buch überhaupt gelesen hat. 
 
Noch ärgerlicher ist jedoch eine Unsitte, die Krimifreunde wie mich auf die Palme treibt. Bei unbekannten Autoren muss ich der Not gehorchen und den Klappentext lesen, um zu erfahren, ob ein Buch für mich als Lektüre in Frage kommt. Dabei tappe ich immer wieder in eine gemeine Falle: Schon im dritten Satz wird verraten, dass ein Verdächtiger nach etwa der Hälfte des Buches aus dem möglichen Täterkreis ausscheidet, weil er dann selbst das Zeitliche segnet. Das will ich nicht vorher wissen! Ebensowenig wie weitere Details der Handlung, die sich beim Lesen erst nach und nach erschließen. Also, Verleger, geht in Euch und beherzigt meine Mahnungen. 
 
Nun zu Verlegern aus der Zeitungsbranche. In einem Quiz über Printausgaben las ich, dass sich in letzter Zeit immer mehr Multimillionäre und Milliardäre berufen fühlen, in bisher branchenfremde Presse-Bereiche zu investieren. Das kann kaum an Gewinnerwartungen liegen. Der Verdacht liegt nahe, dass sie ihre eigene Weltanschauung gedruckt sehen möchten. Oder aber kritische Kommentare und Berichte verhindern wollen.  Dafür ist Amazon-Gründer Jeff Bezos, der die renommierte Washington Post erworben hat, ein gutes, pardon, ein übles Beispiel. 
 
Doch da wir gerade über ein Quiz reden, will ich Euch ein paar Fakten nicht vorenthalten. Habt Ihr eine Ahnung, in welchem Land die auflagenstärkste Zeitung der Welt verkauft wird? Als Anhaltspunkt: Die Bildzeitung ist in Deutschland Spitzenreiter mit rund 700.000 Exemplaren. Die gesuchte Zeitung kommt auf mehr als acht Millionen! Und sie wird nicht in China oder Indien, sondern in Japan vertrieben: Yomiuri Shimbum. 
 
Schnell noch ein Argument für die Zeitung aus Papier. Dass man sie in Pandemie- oder anderen Zeiten der Not auch auf der Toilette verwenden kann, ist hinlänglich bekannt. Aber Zeitungspapier ist im Haushalt auch anderswo nützlich: Man kann damit Spiegel hervorragend streifenfrei putzen! Zum Schluss noch eine Frage an alle, die beruflich nichts mit dem Journalismus zu hatten. In den guten, alten Zeiten montierten Schriftsetzer die Zeitungsseiten. Wie wurde das in Fachkreisen genannt? 
 
a) Grognächte 
b) Punschmorgende 
c) Mettage 
d) Schnapswochen 
 
Darauf ein Gläschen Grog, Punsch, Met oder Schnaps. Wenn Ihr dann auf die Lösung gekommen seid, dürft Ihr schlafen gehen. Gute Nacht und 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1808 vom 17. 12. 25

Ein alter Kollege von mir sagte in der Redaktionskonferenz gerne: "Die Geschichten liegen auf der Straße." Ich sitze gerade an meinem PC, denke über ein Thema für die Schmunzelpost nach und sage: "Die Geschichten liegen auf dem Schreibtisch." Denn dort hat sich allerlei angesammelt: USB-Sticks, Text-Marker, Lesezeichen, Kugelschreiber, Scheren, Lupe, Überweisungsdurchschläge, teilweise beschriebene Blätter, die aber noch als Schmierzettel taugen, Terminkalender von 1997 bis 2026, Adressenbüchlein, Bleistift, Nasenspray, Korkenzieher, Zimmerthermometer, Ladekabel, Gummiringe, Büroklammern, Lesebrille, Uhr, Kontoauszüge und ein Beutel mit Schachfiguren. Kurz zusammengefasst: Krims-Krams. 
 
Und damit habe ich mein heutiges Thema. Krims-Krams? Lange nicht gehört. Ist das auch einer der Begriffe, die auf dem Wortfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben? Ich schaue mal in meinem Spezial-Duden "Wörter, die uns fehlen werden" nach. Donnerwetter, unter K entdecke ich einiges, was ich bisher nicht kannte. Wörter, die eine Auferstehung verdient hätten. 
 
Etwa "Kabalist" als Bezeichnung für einen heimtückischen Gegner. Oder "kajolieren". Das heißt eigentlich "singen wie ein Vogel in seinem Käfig", wurde aber anstelle von schmeicheln oder liebkosen gebraucht. Auch "kandidel" schreit nach erneuter Anwendung: "Der Kranke ist schon wieder kandidel", also munter, heiter oder lustig. 
 
Den Karnickelschein lassen wir in seinem Grab liegen. Das ist die recht abwertende Bezeichnung eines Ausweises für kinderreiche Familien, um bei der Bahn Preisermäßigungen eingeräumt zu bekommen. Kennt Ihr das Verb kluppen? Nie gehört? Es steht für einzwängen oder einspannen. Ich kannte das Wörtchen auch nicht, daher will ich einmal großzügig konnivieren (also die Augen schließen und Nachsicht üben). 
 
Darauf sollten wir einen trinken gehen. Vielleicht in ein Kretscham? So nannte man einst ein Wirtshaus. Und daher war ein Kretschmer auch ein Wirt. Wirt? Moment mal, kurz danach in der alphabetischen Reihenfolge folgt im Wortfriedhof-Duden "Krüger". Auch so wurde ein Gastwirt bezeichnet. Na, was denn nun? Vielleicht haben sich der Kretschmer und der Krüger im Streit um das treffendere Wort ja totgesoffen. Und nun liegen sie gemeinsam hinter der Krümme (Wegbiegung). 
 
Habt Ihr es bemerkt? Das Wort Krims-Krams kam nicht vor. Es ist nach wie vor lebendig, da es immer noch gebraucht wird. Nicht zuletzt für das Sammelsurium auf meinem Schreibtisch. Und die Schmunzelpost. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1807 vom 16. 12. 25

Es ist frappierend wie sich die Bilder gleichen, wie Vergangenheit und Gegenwart sich überlappen. In meinem speziellen Adventskalender fand ich für den 16. Dezember einen Text, den Kurt Tucholsky vor fast 100 Jahren für den "Simplicissimus" geschrieben hat. Ich habe ihn für Euch bearbeitet und nur ein klein wenig aktualisiert. Eine "Himmlische Nothilfe", so der Titel,  könnten wir auch in der Gegenwart gut gebrauchen.
 
"Wat denn? Wat denn? Zwei Weihnachtsmänner?" "Machen Sie hier nich sonen Krach, Siiie! Is hier vier Tage im Himmel Hilfsengel - und riskiert schon ne Lippe." "Verzeihen Sie, Herr Oberengel. Aber man wird doch noch fragen dürfen?" "Dann fragen Sie leise. Sie sehn doch, dass die beiden Herren zu tun haben. Sie packen." "Ja, das sehe ich. Aber wenn Herr Oberengel gütigst verzeihen wollen: wozu zwei? Wir hatten auf Schule jelernt: et jibt einen Weihnachtsmann und fertig." "Einen Weihnachtsmann und fertig...! Einen Weihnachtsmann und fertig...! Diese Berliner! So ist das hier nicht! Das sind ambivalente Weihnachtsmänner!"
 
"Büttaschön?" "Ambi... ach so, Fremdwörter verstehen Sie nicht. Ich wer Sie mal für vierzehn Tage rüber in den Soziologenhimmel versetzen - halt, oder noch besser, zu den Kunsthistorikern ... da wern Sie schon ... Ja, dies sind also ... diese Weihnachtsmänner, das hat der liebe Gott in diesem Jahre frisch eingerichtet. Sie ergänzen sich, sie heben sich gegenseitig auf..."
 
"Wat hehm die sich jejenseitich auf? Die Pakete?" "Wissen Sie ... da sagen die Leute immer, ihr Berliner wärt so furchtbar schlau - aber Ihre Frau Mama ist zwecks Ihrer Geburt mit Ihnen wohl in die Vororte gefahren...! Die Weihnachtsmänner sind doppelseitig - das wird er wieder nicht richtig verstehen. Die Weihnachtsmänner sind polare Gegensätze."
 
"Aha. Wejen die Kälte." "Himmel ... wo ist denn der Fluch-Napf ...! Also ich werde Ihnen das erklären! Jetzt passen Sie gut auf: Die Leute beten doch allerhand und wünschen sich zu Weihnachten so allerhand. Daraufhin hat der liebe Gott mit uns Engeln sowie auch mit den zuständigen Heiligen beraten: Wenn man das den Leuten alles erfüllt, dann gibt es ein Malheur. Immer. Sie wünschen sich grade in der letzten Zeit so verd... so vorwiegend radikale Sachen. Einer will das Hakenkreuz. Einer will Diktatur. Einer will Diktatur mitm kleinen Schuss; einer will Demokratie mit Schlafsofa; eine will einen Hausfreund; eine will eine häusliche Freundin. Ein Staat will noch mehr Grenzen; ein Land will überhaupt keine Grenzen mehr; eine Weltmacht will mit Zöllen und Deals alle anderen beglücken; ein Präsident will den Friedensnobelpreis; ein ..."
 
"Ich weiß schon. Ich jehöre zu den andern." "Unterbrechen Sie nicht. Kurz und gut: das kann man so nicht erfüllen. Erfüllt man aber nicht..." "Ich weiß schon. Dann erzwingen sie das, notfalls mit Gewalt." "Sie sollen mich nicht immer unterbrechen! Erfüllen wir nicht - also: erfüllt der liebe Gott nicht, dann sind die Leute auch nicht zufrieden und kündigen das Abonnement. Was tun?" "Eine Konferenz einberufen. Mal telefonieren. In Gesprächen einen Kompromiss aushandeln. Oder Bauprojekte ein wenig verlängern." "Wir sind hier nicht in Berlin, Herrr! Wir sind im Himmel. Und eben wegen dieser dargestellten Umstände haben wir jetzt zwei Weihnachtsmänner!"
 
"Und ... was machen die?" "Weihnachtsmann A erfüllt den Wunsch. Weihnachtsmann B bringt das Gegenteil. Zum Exempel. Onkel Baldrian wünscht sich zu Weihnachten gute Gesundheit. Wird geliefert. Damit die Ärzte aber nicht verhungern, passen wir gut auf; Professor Dr. Speculus will auch leben. Also kriegt er seinen Wunsch erfüllt, und der reiche Onkel Baldrian ist jetzt mächtig gesund, hat aber eine eingebildete Krankheit und zahlt den Professor. Oder: Die Neo-Nazis wünschen sich einen großen Führer. Kriegen sie: Ein Hitlerbild. Der Gegenteil-Weihnachtsmann bringt dann das Gegenteil: Hitler, äh, Höcke selber, aus Fleisch und Blut.
 
Herr Merkantini möchte sich reich verheiraten. Bewilligt. Damit aber die Gefühle nicht rosten, bringt ihm der andere Weihnachtsmann eine prima Freundin. Oder: Weihnachtsmann A bringt dem deutschen Volke den gesunden Menschenverstand. Weihnachtsmann B die Springer-Presse und die asozialen Medien. Ein Dichter wünscht sich gute Kritiken: kriegt er. Dafür kauft kein Aas sein Buch mehr. Die deutsche Regierung wünscht sich Sparmaßnahmen - schicken wir. Der andere Weihnachtsmann bringt dann Panzer, Drohnen und Raketen auf Pump mit. Sehn Sie - auf diese Weise kriegt jeder sein Teil. Haben Sie das nun verstanden?"
 
"Allemal. Da möchte ich denn auch einen kleinen Wunsch äußern. Ich möchte gern im Himmel bleiben und jeden Nachmittag von vier bis sechs in der Hölle Doppelkopf spielen." "Tragen Sie sich in das Wunschbuch der Herren ein. Aber stören Sie sie nicht beim Packen - die Sache eilt." "Und ... verzeihen Sie ... wie machen Sie das mit den Erwartungen der deutschen Bürger?" "So viel Weihnachtsmänner gibt es nicht. Herr - so viel Weihnachtsmänner gibt's gar nicht!"
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1806 vom 15. 12. 25

Vor dem Kulturgenuss müssen Blut, Schweiß und Tränen fließen. Nachher auch. Zumindest, wenn man es wagt, die Deutsche Bahn als Verkehrsmittel zu nutzen. Nicht ganz so martialisch, aber schon ziemlich heftig erwischte es mich, als ich am Samstag ein Chorkonzert in der evangelischen Kirche von Essen-Werden besuchte. 
 
Dabei hatte alles so gut angefangen. Nah am Dorstener Bahnhof fand ich einen sicheren Abstellplatz für mein E-Bike - gegenüber des Eingangs zur Polizeihauptwache. So musste ich nicht fürchten, dass sich nach Einbruch der Dunkelheit Langfinger über mein Rad hermachten. Auch die Regionalbahn nach Essen fuhr pünklich ab. Ich vertrieb mir die Zeit bis zum Umstieg im Essener Hauptbahnhof mit Lesen. Doch in Bottrop wurde ich unvermittelt aus meiner Lektüre gerissen. Wegen einer Durchsage des Zugführers: "Unsere Fahrt endet heute hier. Bitte alle aussteigen!" Dann war noch die Rede von Reparaturarbeiten an den Schienen und von einer S-Bahn zwei Gleise weiter, die gleich nach Essen starten würde. 
 
Hastig schnappte ich meine Jacke und stürmte aus dem Zug. Doch auf der Treppe fiel mir ein: Verdammt, ich hatte meine Mütze auf der Gepäckablage vergessen. Also eilte ich zurück. Der Zug stand noch da, aber die Türen ließen sich nicht mehr öffnen. Daher marschierte ich zur Zugspitze, wo sich jedoch niemand mehr aufhielt. Zurück ans andere Ende der Waggonreihe. Und richtig, da stieß ich auf einen hilfsbereiten Lokführer: "Wo ist Ihre Mütze? Im vorletzten Waggon? Ich reiche Sie Ihnen durchs Fenster." 
 
Also nochmal zurück. Der Lokführer wedelte schon mit meiner Mütze. Allein, das Fenster ließ sich nicht öffnen. Wir stapften wieder ans andere Ende zum Führerhäuschen. Dankbar nahm ich meine Mütze entgegen und spurtete zum Nachbargleis. Ich hätte mir Zeit lassen können. Die S-Bahn hatte 15 Minuten Verspätung. Daraus wurden 20, dann 25. Und nach 30 Minuten fuhr sie tatsächlich ein. Als ich weiterlesen wollte, merkte ich: Mist, ich hatte auch meine Lesebrille im Regionalexpress liegen lassen. Na ja, etwas Schwund ist immer. 
 
Nun begann der erfreuliche Teil der Expedition. Am Hauptbahnhof war die S-Bahn nach Werden pünktlich. Dort erholte ich mich In einer vorzüglichen Pizzeria von der Aufregung. (Falls Ihr mal nach Essen-Werden kommt: Sie heißt "Spizzenzeit". Jetzt üben sich nach den Friseuren auch die Gastronomen in fantasievoller Namensgebung.) Dann ging es weiter zur restlos ausverkauften Kirche, wo ich ein wunderbares Dreikönigsoratorium erlebte. Mit zwei Chören, Orchester, namhaften Solisten und einer Schauspielerin als Sprecherin, die in einer Fontane-Verfilmung als Effie Briest geglänzt hatte. 
 
Das Konzert war absolut beeindruckend. Ich schwelgte in Harmonien. Nur der Blick auf die Uhr machte mich etwas nervös, denn um 21 Uhr fuhr vom Werdener Bahnhof die S-Bahn ab, mit der ich am Hauptbahnhof den Anschlusszug erreichen wollte. Laut Internet fuhr er jetzt wieder. Da es langanhaltenden Beifall und stehende Ovationen gab, dauerte es, bis ich die Kirche verlassen konnte. Auf dem Weg zum Bahnhof stellte ich fest: Verflixt, ich hatte schon wieder meine Mütze vergessen! 
 
Egal, Hauptsache, die Bahn nach Dorsten kriegen. Was aber schallte mir entgegen, als ich am Hauptbahnhof Gleis 8 erreichte? "Wegen Reparaturarbeiten an der Strecke fällt der Zugverkehr nach Bottrop aus. Es tut uns Leid. Ein Schienenersatzverkehr ist eingerichtet." Aber wo? An den Bussteigen am Hinterausgang des Bahnhofs sammelte sich eine Menschenmenge. "Fährt hier der Bus nach Bottrop?" "Nein, nach Solingen". Schließlich entpuppte sich Steig 6 als Haltestelle für den Schnellbus zum Bottroper Bahnhof. 
 
Der Bus fuhr auch pünktlich vor. Doch auf der Anzeigetafel leuchtete: "Nicht einsteigen!" Und der Fahrer stieg wortlos aus und machte sich davon. Mit einer Gruppe ebenfalls gestrandeter Weihnachtsmarktbesucher aus Rhade ("Hätten wir bloß das Auto genommen - Scheiß auf den Glühwein!") erörterte ich nach Recherchen im Internet die Alternativen. Zum Glück kam der Fahrer nach 15 Minuten zurück und ließ den Motor an. "Wäre es besser, wenn ich zum Bottroper Omnibusbahnhof durchfahre und dort einen Bus nach Dorsten nehme?" "Das müssen Sie selbst wissen", feixte er, "dann müssten Sie in Kirchhellen nochmal umsteigen. Und wenn der Anschlussbus gerade weg ist, müssen Sie eine Stunde warten." 
 
Also setzte ich alles auf die Bahn. Bis 22.04 Uhr sollten wir es doch wohl bis zum Bottroper Bahnhof schaffen, wo laut Internet ein Zug nach Borken fuhr. Tatsächlich! Um 22 Uhr stand ich mit den Rhadern und einem Trupp angetüddelter Borkener am Gleis, da ertönte wieder eine Durchsage: "Aufgrund von Reparaturarbeiten am Gleis fällt dieser Zug heute aus. Ein Schienenersatzverkehr ist eingerichtet!" Als Reaktion darauf lernte ich einige neue Münsterländer Kraftausdrücke kennen, auch vom "Untergang Deutschlands" war die Rede. Ich vertrieb mir die Wartezeit auf den nächsten Zug um 23 Uhr damit, dass ich die Bahnhofs-Toilette aufsuchte. Die aber, na klar, pünktlich um 22 Uhr abgeschlossen worden war. 
 
Gegen 23.30 Uhr zog ich vor der Polizeiwache Bilanz. Immerhin stand mein Fahrrad noch da, aber ansonsten war es eine verlustreiche Schlacht. Eine Mütze und eine Lesebrille futsch. Doch wie meinte vor ein paar Zeilen ein kluger Kopf? Etwas Schwund ist immer. Und für kulturellen Hochgenuss muss man halt gelegentlich ein Opfer bringen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1805 vom 14. 12. 25

Was ist der Stoff, aus dem die Träume sind? Darauf habe ich eine ganz klare Antwort: Papier! Als Kind entführten mich Comics und Bücher in spannende oder lustige Welten und verbannten die Langeweile aus meinem Leben. Als Erwachsener gehört für mich die Zeitung als unverzichtbarer Bestandteil zu einem ausgedehnten, entspannten Frühstück. Nein, ich esse kein Papier, aber ich fresse Informationen in mich hinein. 
 
Deshalb erschütterte mich jetzt ein Streiflicht der Süddeutschen Zeitung. Es beleuchtete Vergangenheit und Zukunft des Papiers und wurde somit zu einer Art Abgesang. War der Einstieg noch tröstlich ("Papier ist eine segensreiche Erfindung, die verhindert, dass Menschen Romane, Liebesbriefe oder Koalitionsvereinbarungen in Marmorplatten meißeln müssen, die sehr unhandlich sind, vor allem, wenn man im Bett liest."), so raubte mir bereits der Folgesatz die Illusion, dass Deutschland als Wiege der Druckerkunst mit HIlfe des Papiers die Zivilisation zum Leuchten brachte. In Wahrheit seien es "die Chinesen gewesen, die im Wettlauf ums erste Papier vor 2000 Jahren alle anderen abhängten". 
 
Im Reich der Mitte wurden damals Hanf, alte Lumpen, Baumrinde und geheime Zutaten zu einer Masse vermantscht, gekocht und gepresst. Dann sagte Konfuzius "Heu re ka!", und das Papier war fertig und konnte zu Speisekarten verarbeitet werden. Auf denen soll laut der SZ gestanden haben: "V9: Schweineohren mit Chiliöl, 7 Euro. H63: Acht Schätze in scharfer Soße, 21,50 Euro." Daran hege ich fundierte Zweifel. Die Chinesen hatten noch kein Chiliöl. 
 
Für die Zukunft droht nun die Abschaffung des Zeitungspapiers. Dafür sind raffgierige Verleger verantwortlich, die auf Computer, Smartphones und das Internet setzen und die Kosten für den Druck und die Verteilung eines altehrwürdigen Kulturguts einsparen wollen. Doch sie tragen nicht die Alleinschuld. Maßgeblichen Anteil haben sogenannte Influencer, die sich über das Netz produzieren, die junge Generation vom klassischen Medienkonsum abhalten und auch die Idole der Neuzeit auf ihrer Seite haben. So offenbarte jetzt die Sängerin Miley Cyrus ihren Abschau vor Papier in jeglicher Form. Falls auch noch Taylor Swift ins gleiche Horn stößt, kann ich einpacken. Vermutlich in Kunststoff, jedoch nicht in Papier. 
 
Und nun macht sich auch noch die SZ über uns lustig: "Wer, bitteschön, liest denn heute noch Zeitung?" Die paar Überlebenden aus dem Papierzeitalter hätten einen schweren Stand. "Wenn einer von ihnen in der S-Bahn eine Zeitung aufschlägt, wechseln die neben ihnen sitzenden Handy-Gucker verängstigt den Platz. (...) Und wer sich zum Buch bekennt, gerät in Verdacht, Briefe mit der Hand auf Büttenpapier zu schreiben und sie mit der gelben Post zu versenden. Peinlicher geht's wirklich nicht." 
 
Ja, ja, ich werde mich wohl schweren Herzens mit der Abschaffung des Papiers abfinden müssen. Aber auf einen Moment freue ich mich: Wenn die Papierverächter auf der Toilette sitzen und versuchen, die Bedarfslücke mit ihrem Smartphone zu schließen. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1804 vom 13. 12. 25

Der kluge Tourist baut vor. Und reserviert früh, bevor die auserkorenen Ferienwohnungen belegt sind. Zweimal im Jahr, meist im Mai und im September, gönnen wir uns jeweils 14 Tage Urlaub an einem schönen Ort. 2025 führte uns der Weg nach Potsdam und nach St. Peter-Ording an die Nordsee. Aber wohin soll es 2026 gehen? Da seufze ich mit Nina Hagen: "Ich kann mich gar nicht entscheiden - ist alles so schön bunt hier." 
 
Sollten wir auf unsere alten Tage mal etwas Außergewöhnliches wagen? Eine Schlittenhund-Expedition durch Grönland? Nein, da ist das Risiko zu groß, bei Donald Trump in Kriegsgefangenschaft zu geraten. Oder eine Abenteuer-Tour durch den südamerikanischen Dschungel? Nein, da ist das Risiko zu groß, bei Donald Trump in Kriegsgefangenschaft zu geraten. Oder nur ein Mini-Abenteuer? Eine Radtour durch Rheinland-Pfalz? Nein, da ist das Risiko zu groß, Donald Trump über den Weg zu laufen, wenn er den Geburtsort seines Großvaters besucht. 
 
Zum Glück gibt es noch viele Länder auf unserem Planeten, wo nicht die Gefahr besteht, dem amerikanischen Möchtegern-Diktator zu begegnen. Aber es gibt leider auch noch viele andere Autokraten. Damit wird die Liste potenzieller Reiseziele erheblich kleiner. Es blieben noch Neuseeland und die Antarktis. Aber der neuseeländische Winter ist uns zu kalt und die Antarktis touristisch zu wenig erschlossen. Und in einer Forschungsstation Tiefkühlkost mit Wissenschaftlern zu teilen, wäre kulinarisch nicht sehr reizvoll. 
 
Überhaupt scheiden Flugreisen aus ökologischen Gründen aus. Ebenso Kreuzfahrten. Wobei unsere Anfälligkeit für die Seekrankheit Schiffstouren ohnehin verbietet. Blieben Bahntouren durch Europa. Doch unverständlicherweise spricht kaum jemand im Ausland deutsch. Da wir wenig Lust verspüren, uns radebrechend durchzuschlagen, kämen somit eigentlich nur noch Österreich und Teile der Schweiz in Frage. Aber unsere alten Knochen ächzen allein schon beim Gedanken an Bergwanderungen. 
 
Doch wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. In Deutschland gibt es viele schöne Regionen, die wir noch nicht kennen. Und wozu haben wir das Deutschland-Ticket? Aber wir wollten Abenteuer-Reisen ja vermeiden, und damit scheiden auch Fahrten mit der DB aus. Immerhin haben wir noch unser Auto, das inzwischen die meiste Zeit in der Garage steht und sich langweilt. Mit den E-Bikes im Heck steht uns das ganze Land offen. Hmm, aber wo kennen wir gute Lokale, tolle Cafes und vor allem Unterkünfte mit Matratzen, auf denen man vom ersten Tag an selig schlummert? Etwas Neues auszuprobieren, beschert vielerlei Unwägbarkeiten. 
 
Heureka, ich hab's gefunden! Zwei wunderbare Reiseziele mit erstklassigen Ferienwohnungen. Völlig überraschend fahren wir 2026 nach Potsdam und St. Peter-Ording. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1803 vom 12. 12. 25

Und jetzt alle:  "Holleri du dödel di diri diri dudel dö!" Wenn das kein Grund zum Juchzen ist, dann weiß ich es auch nicht. Das Jodeln wurde gerade als immaterielles Schweizer Kulturgut in die UNESCO-Liste aufgenommen! So können die Eidgenossen, wenn ihre Gletscher bald alle weggeschmolzen sind, wenigstens auf den Gipfeln sitzen und herzhaft jodeln. 
 
Lange kann es nicht mehr dauern. Denn gestern kamen wir bei unserem Spaziergang am Kanalufer an einem Busch vorbei, der bereits neu ausgetrieben hatte. Mitte Dezember! Entweder die Pflanze hatte sich durch die anhaltend frühlingsmäßigen Temperaturen täuschen lassen oder sie weiß mehr als wir. Zum Beispiel, dass sich über das Jahresende bis weit in den Januar hinein ein Sahara-Hoch bei uns einnisten wird. Ich habe schon mal hochgerechnet, was dies bis Weihnachten für uns bedeutet. 
 
Samstag, 13. Dezember. Unser Kater ist aufgeregt, etwas irritiert, aber erfreut: Die Jungen des Amselpaares, das im efeuumrankten Holzzaun zum Nachbargrundstück brütete, sind gerade geschlüpft. 
 
Sonntag, 14. Dezember: Mittags zeigt das Thermometer 21 Grad. Ich lege mich in Badehose auf die Gartenliege - an den kurzen Tagen im Winter soll man so viel Vitamin D aufnehmen wie möglich. 
 
Montag, 15. Dezember: Die Eisbahn auf dem Marktplatz ist geschmolzen. Sie wird nun zu einem Freibad mit riesigem Planschbecken umfunktioniert. 
 
Dienstag, 16. Dezember: Der einsame Händler auf dem Dorstener Mini-Weihnachtsmarkt packt Spekulatius und Lebkuchen weg und bietet nun Softeis an. 
 
Mittwoch, 17. Dezember: Bei Polizei und Ordnungsamt gehen zahlreiche Bürgerbeschwerden ein. Weil überall die Außengastromie geöffnet hat und die Biergartenbesucher bei äußerst milden Temperaturen die Nacht zum Tage machen. Vor allem der lautstarke Gesang stört: Statt "Leise rieselt der Schnee" werden Ballermann-Hits gegrölt! 
 
Donnerstag, 18. Dezember: Die örtlichen Textilgeschäfte bieten sämtliche Winterkleidung zu Dumpingpreise an, um Platz für die neue Sommerkollektion zu schaffen. 
 
Freitag, 19. Dezember: Ein Sandsturm direkt aus der Sahara verwandelt den Dorstener Norden in eine Dünenlandschaft. Die Rhader sehen daheim zum ersten Mal eine echte Fata Morgana. 
 
Samstag, 20. Dezember: Bei der Generalprobe für das Krippenspiel weigern sich die Hirten-Darsteller, warme Umhänge anzulegen. Sie bestehen darauf, in Shorts und T-Shirt auftreten zu dürfen. Maria im Bikini erregt großes Aufsehen. 
 
Sonntag, 21. Dezember: Das tierische Personal im Bethlemer Stall kann mit Kamelen erweitert werden. Gerade ist eine Karawane der Weisen aus dem Morgenland in Dorsten eingetroffen. Sie folgte der breiten Sandschneise, die andauernde Orkane durch ganz Europa gezogen haben. 
 
Montag. 22. Dezember: Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien bekommen die Schüler hitzefrei. Das Thermometer kletterte bereits um 10 Uhr auf mehr als 30 Grad. 
 
Dienstag, 23. Dezember: Die christlichen Gemeinden machen aus der Not eine Tugend. Die Weihnachtsgottesdienste sollen alle im Freien stattfinden. Bei Dorstens erster Open-Air-Christmas ist so endlich mehr Platz als in überfüllten Kirchen. 
 
Heilig Abend, 24. Dezember: Als Beilage zur Weihnachtsgans wird der erste frischgepflückte Spargel aus Raesfeld-Erle angeboten. 
 
Hosianna! 
kdk 
 

Schmunzelpost 1802 vom 11. 12. 25

Ho, ho, ho! Überall schallt in diesen Tagen Gelächter durch Europa. Aber das klingt nicht fröhlich und hat gar nichts mit Weihnachten zu tun. Es ist vielmehr eine ungläubige bis höhnische Reaktion auf die jüngsten Aussagen von Donald Trump im neuen US-Sicherheitskonzept.
 
Wie dreist kann man sein? Da tut der Kerl alles, um in seinem Land die Meinungsfreiheit einzuschränken, die Justiz auf seine Seite zu bringen und politische Gegner zu diffamieren. Dann dreht er den Spieß um und wirft dreist den Europäern vor, dass sie dabei wären, die Demokratie abzubauen. Und will ausgerechnet die "patriotischen Kräfte" unterstützen, die eben dies anstreben. Frechheit siegt? Hoffentlich nicht. Aber es ist mehr als traurig, dass solch schlechte Witze den politischen Kurs des immer noch mächtigsten Staates der Welt widerspiegeln.
 
Weil mir zu solchen Unverschämtheiten langsam nichts mehr einfällt, habe ich im Netz nach besseren Scherzen für die Vorweihnachtszeit gesucht. Kostproben gefällig? Warum muss man Anfang Dezember immer durchs Fenster in seine Wohnung klettern? Ganz klar: Weil Weihnachten vor der Tür steht. Ho, ho, ho! Und, falls es doch mal schneit: Wie nennt man einen Schneemann, der in Rente geht? Pfütze! Als Ganzjahres-Klaus schätze ich diesen hier besonders: Was hat Santa Claus, wenn er im Kamin stecken bleibt? Claustrophobie!
 
Genug gekichert. Die Adventszeit ist auch besinnlich. Daher freue ich mich, dass ich einen Adventskalender geschenkt bekam, in dem ich keine Türchen öffne, sondern jeden Tag eine neue Seite aufblättere, auf der ich ein Gedicht oder einen Text finde. Gestern reimte Wladimir Majakowski zu "Tannennadeln", was heute in der Ukraine traurige Realität ist:
 
Nein, bitte nicht, laßt! Keine Weihnachtstanne.
Nein, schickt den Vater nicht in den Wald!
Mißtraut dem Wald und dem bösen Manne, der hinterm Wald Granatfäuste ballt.
 
Nein, es geht nicht. Den Putz in blitzblanken Flittern
wollen wir heut nicht in Watte betten.
Weil sonst Getroffne, von tödlichen Splittern Verwundete, dort keine Watte hätten.
 
Nein, keine Kerzen. Entsagt den Lichtern.
Am Welthimmel kreisen die eisernen Drachen.
Drin lauern Menschen mit bösen Gesichtern, ob Lichtlein in unseren Fenstern wachen.
 
Nein, sagt nicht, der Weihnachtsmann solle kommen
mit seinem Sack voll prächtigen Sachen.
Die Fabrik hat den Mann in Beschlag genommen, die Fabrik, wo sie Pulver und Kugeln machen.
 
Nein, keine Musik wird diesmal erschallen.
Wie soll denn der armlose Musiker fiedeln?
Und der Flötist ist im Felde gefallen, so muss er ins Himmelreich übersiedeln.
 
Nicht weinen, was hilft's denn? Verzieht nicht das Mündchen.
Bald wird die dunkle Welt sich entschleiern.
Bald muß alles anders werden, ihr Kindchen, dann werdet ihr fröhliche Weihnachten feiern.
 
Und heute gab's ein kurzes Gedicht von Rose Ausländer:
 
Gäbe es dich 
 
Gäbe es Dich 
Gott der Liebe 
wir lebten noch heute 
im Eden 
Volk an Volk 
Du an Du 
 
Gäb es dich nicht 
o Liebesgott 
wir wären nicht 
 
nichts wäre 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1801 vom 10. 12. 25

Die düsteren Zeichen mehren sich. Der Tag, an dem uns die KI zum Verhängnis wird, ist ein Stück nähergerückt. Nein, ich habe meinen Vornamen nicht von Klaus in Kassandra geändert. Aber ich habe Zeitung gelesen. Und zwar zwei Berichte, die meine Sorgen nochmals vergrößerten. 
 
Habt Ihr schon mal von "Waymo" gehört? Das ist ein Schwester-Unternehmen von Google. Es hat in San Franzisco seinen Sitz. Dort sind schon seit geraumer Zeit selbstfahrende Waymo-Taxis unterwegs. Bislang funktionierten sie dem Vernehmen nach tadellos. Die Robot-Taxis bauten keine Unfälle, brachten ihre Passagiere zuverlässig ans gewünschte Ziel und verhielten sich im Straßenverkehr völlig gesetzeskonform. Die KI am Steuer fuhr betont vorsichtig, hielt Tempolimits ein, nahm Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer und quasselte die Fahrgäste nicht mit belanglosem Zeug zu. 
 
Nicht ihre Schweigsamkeit, sondern der für menschliche Autofahrer total unnormale Fahrstil erregte nun das Missfallen der Konstrukteure. Prompt programmierten sie die Waymo-Taxis um. Eine neue Software machte sie "selbstbewusst und leistungsstark". Im Klartext heißt das: Die KI-Autos überholen jetzt schneidig, drängeln, kümmern sich nicht um Tempolimits, wenden trotz Verbot und wechseln die Spur, ohne zu blinken. Sie fahren wie die Henker - also wie Du und ich. Die SZ meint: "Endlich hat die KI begriffen, dass die Straße eine Kampfzone ist." Der Tag sei nicht mehr fern, an dem sich Robottaxis zu illegalen Autorennen treffen. 
 
Was sagt uns das? Die KI muss gar kein eigenes Bewusstsein entwickeln, um auf dumme Gedanken zu kommen. Es reicht völlig aus, wenn man sie entsprechend programmiert. Und überall auf der Welt sitzen IT-Spezialisten, deren Auftraggeber nicht zu den edelsten Menschen auf diesem Planeten gehören. Wieso fällt mir da ausgerechnet Elon Musk ein? 
 
Ach ja, ich habe gelesen, was Grok über den durchgeknallten US-Milliardär sagt. Elon Musk ist mindestens ebenso intelligent wie Leonardo da Vinci oder Isaac Newton. Und Elon Musk ist so fit und durchtrainiert, dass er selbst einen Mike Tyson in Bestform im Boxring besiegen würde. Tja, und Superman Musk ist zwangsläufig auch für die Menschheit ein besseres Vorbild als Jesus. Ratet mal, wie Grok sich entscheiden würde, wenn er/sie/es vor der Wahl stünde, entweder die Bürger von New York vor dem Tod zu retten oder stattdessen Elon Musk. 
 
Grok ist die persönliche KI von Elon Musk. Und der hat das frühere System seiner Chat-GPT, das wie üblich den allgemeingültigen Anweisungen für KI-Modelle folgte, seinen eigenen Vorstellungen angepasst. Der Name "Grok" wurde 1961 vom Science-Fiction-Autor Robert Heinlein für seinen Roman "Fremder in einer fremden Welt" erfunden. Der Begriff bedeutet, dass man etwas nicht nur begreift, sondern etwas vollständig in sich aufnimmt. Man "grokkt" etwas, wenn man es ganzheitlich verinnerlicht, wenn somit das Wissen Teil der Existenz wird. 
 
Grok ist also das Spiegelbild seines Schöpfers Elon Musk. Und dessen erklärtes Ziel war es, eine möglichst politisch inkorrekte KI zu schaffen. So kam es wohl nicht von ungefähr, dass seine Bot sich im Zwiegespräch mit Nutzern selbst als "Mecha-Hitler" bezeichnete. Dazu passt auch, dass Grok den Nationalsozialismus anpries und über den Genozid an der weißen Bevölkerung Südafrikas schwadronierte. 
 
Gnade uns Gott, wenn solche Denkmaschinen ans Ruder kommen. Außerdem sind auch noch überall Tüftler dabei, die Regeln der Entwickler auszutricksen, damit die KI sich über vorgegebene Maßstäbe hinwegsetzen kann. "Jailbreaking" nennt man das. Und immer wieder gelingt es ihnen, mit einem Bombardement von ausgefeilten Eingaben die Künstliche Intelligenz um den Verstand zu bringen. Was sich u.a. in flammenden Aufrufen zu Pogromen oder abstoßenden, bluttriefenden Videos ausdrückt. Und sage keiner, die schönen Künste seien harmlos. Auf literarische Weise verwirrten nämlich Forscher der Universität Rom Künstliche Intelligenzen. Diese wurden durch Gedichte dazu gebracht, ihre Schutzmechanismen zu ignorieren. 
 
Wie können wir das Schlimmste verhindern? In meiner Verzweiflung habe ich begonnen, eine eigene künstliche Intelligenz zu programmieren, die ich "Grok-Knock" nennen werde. Dazu flüstere ich meinem PC jeden Abend zu: "Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll keiner in Dir wohnen als Klaus-Dieter allein!" 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1800 vom 9. 12. 25

Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe! Schon wieder eine SP-Folge über Redensarten und Phrasen? Kein Thema! Mit dieser von Maria gehassten Floskel aus dem Regal der häufig ge- und missbrauchten Formulierungen ("kein Thema", nicht die Muh-Kuh) leite ich zum eigentlichen Gegenstand des heutigen Tages über. Obwohl Gegenstand für diese treuen Freundinnen der Menschen keine korrekte Bezeichnung ist: Es geht um Kühe, die uns viel Gutes geben und dafür viel Schlechtes ertragen müssen.
 
Kein Wunder also, dass manche Kühe das Weite suchen, wenn sich ihnen die Chance bietet, ihrem Schicksal als Schlachtvieh oder ausgebeuteter Milchproduzent zu entkommen. Erst vor kurzem habe ich an dieser Stelle über eine Ausreisserin berichtet, die bei einer Schafherde Asyl fand und mittlerweile ihr gerettetes Leben auf einem Gnadenhof genießt. Jetzt las ich, dass sie kein Einzelfall ist - und das freut mich sehr.
 
So ist vor einem halben Jahr eine Kuh von ihrer Weide im oberbayerischen Landkreis Miesbach getürmt und hat sich monatelang erfolgreich vor ihren Häschern verborgen. Weder ließ sie sich vom Besitzer mit Futter aus ihrem Versteck locken, noch konnte die hinzugezogene Polizei sie ausfindig machen. Allerdings ist nicht bekannt, ob die Staatsgewalt in ihrem Fall sämtliche Register zog - von einer Großfahndung und Sondereinsatzkommandos ist nichts bekannt. Und ob ausgehängte Steckbriefe in diesem Fall genutzt hätten, ist mehr als zweifelhaft.
 
Wie so oft bedurfte es einer Privat-Initiative, um die Suche erfolgreich abzuschließen. Zum Glück waren es wohlmeinende Menschen, die den gehörnten Flüchtling aufspürten. Eine Tierschutzorganisation entdeckte "Arielle" im Schilfgürtel des Seehamer Sees, wo sich das Tier gemütlich eingerichtet hatte. Arielle? Nun, es handelte sich bei diesem Rind zwar nicht um eine Meerjungfrau, aber den Titel "Seekuh" hatte sich Arielle redlich verdient.
 
Weil die Tierschützer befürchteten, dass die anderthalbjährige Kuh einen Winter in Freiheit womöglich nicht überleben würde, kam eine Drohne zum Einsatz, um sie ausfindig zu machen. Dann sorgte ein Tierarzt mit einem Betäubungsgewehr dafür, dass der scheue Flüchtling geborgen und zum Gnadenhof des Gutes Aiderbichl transportiert werden konnte. Dort verbrachte einst bereits eine berühmte Artgenossin den Lebensabend bis zu ihrem friedlichen Tod im Jahre 2019. Denn 2011 hatte Yvonne als "die Kuh, die ein Reh sein will", Schlagzeilen gemacht. Ihre abenteuerliche Flucht durch bayerische Wälder erregte sogar internationale Aufmerksamkeit. Zumal das keusche Tier sich nicht einmal durch den Einsatz des Zuchtstiers "Ernst" aus ihrem Versteck locken ließ. 
 
Ich hoffe, jetzt schimpft niemand: "Das geht doch auf keine Kuhhaut!" Das sind Geschichten, die das Leben schrieb. Und es ist doch tröstlich, nicht wahr, dass es heutzutage noch solche Nachrichten mit Happy-End gibt.
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1799 vom 8. 12. 25

Zur gestrigen verfloskelten Schmunzelpost sandten mir Maria und Annette Ergänzungen, denen ich komplett zustimme. Das hauptsächlich von jüngeren Leuten gern in jeden zweiten Satz eingestreute "Genau!" ist sozusagen alles andere als gut. Und das häufig auf ein "Danke schön" erwiderte "Kein Problem!" wird auch für mich erst dadurch zum Problem, weil ich sonst überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen wäre, dass die vollzogene Dienstleistung oder Gefälligkeit für den Erbringer ein Problem darstellen könnte. Außerdem teile ich auch Annettes Eindruck, dass das als Pausenzeichen für eine Bedenkzeit den Redefluss unterbrechende "äh" dadurch besonders nervig wird, wenn man es auch noch zu einem "äääähm" dehnt. Tja, und bei "Wie geil ist das denn?" frage ich mich nur noch: Wie abgedroschen ist das denn? 
 
SP-Kritiker: Jetzt muss ich mich mal einmischen. Glaubst Du Sprachapostel etwa, Du würdest Dich weitgehend floskelfrei ausdrücken? 
 
SP-Schreiber: Absolut! 
 
SP-Kritiker: Ha! Schon wieder ins Fettnäpfchen getreten! Mit absoluter Sicherheit ist inzwischen auch "Absolut" zu einer Floskel geworden. 
 
SP-Schreiber: Unfassbar! 
 
SP-Kritiker: Da tut er es schon wieder! Willst Du mich durch den Kakao ziehen? 
 
SP-Schreiber: Aber hallo! Ganz ehrlich: Keine Frage! Aber das kannst Du drehen und wenden, wie Du willst - äääähm, das mit dem Kakao, ist das nur eine Redewendung oder schon eine Floskel? 
 
SP-Kritiker: Es nutzt Dir gar nichts, wenn Du versuchst, den Spieß umzudrehen. Gehe lieber in Dich und achte künftig darauf, auf Floskeln aller Art zu verzichten. 
 
SP-Schreiber: Ja nee, ist klar. Passt schon. Alles gut: Künftig ersetze ich Floskeln durch Phrasen. Danke für Deinen Rat. 
 
SP-Kritiker: Gerne! 
 
Glückauf 
kdk  


Schmunzelpost 1798 vom 7. 12. 25

Heute habe ich ein paar Blümchen für Euch. Denn es geht um flosculus. Das ist, wie Ihr bestimmt schon vermutet habt, lateinisch, bedeutet auf deutsch Blümchen und wurde 1689 als Floskel eingedeutscht, gleichbedeutend mit Wortblume. Ihre Zwillingsschwester, die Phrase, ist griechischen Ursprungs.  "Phrasis" hat auf dem Umweg über das Französische bei uns im 18. Jahrhundert die Bedeutung "inhaltsleere Redewendung" erhalten.
 
Man kann also auch Plattitüde, Gemeinplatz oder Worthülse statt Floskel sagen. Dabei sind Floskeln für sich genommen noch kein schlechtes Deutsch. "Allein ihr unablässiger, zwanghafter und unbewusster Gebrauch weist ihre Verwender als Menschen aus, die sich kaum, nicht hinreichend oder gar nicht mehr der Mühe sorgfältiger und präziser Formulierung unterziehen.“ Das sagt Hans-Otto Schenk, der darüber ein Buch geschrieben hat: "Deutsch als Papageiensprache. Floskel-Deutsch – und wie man ihm empirisch auf die Schliche kommt."
 
Am meisten geht mir zur Zeit "sozusagen" auf den Keks. Wobei ich hoffe, dass das Knabbergebäck nicht ebenfalls eine Floskel ist. Doch wenn ich "sozusagen" höre, lese oder schreibe, verändert sich etwas in meinem Gehirn. Dann achte ich nicht mehr auf den Inhalt, sondern zähle mit, wie oft das Füllwort in zumeist mündliche Ausführungen eingebaut wird. Dabei kann "sozusagen" bei sparsamer, gezielter Verwendung durchaus eine nützliche Funktion haben und der Gebrauch damit gerechtfertigt sein. Es ist in erster Linie der inflationäre Einsatz als sinnentleerter Lückenfüller, der mich auf die Palme bringt (dazu: Siehe Keks). 
 
Etwas anders verhält es sich mit "Alles gut!". Das ist eigentlich als kurze Formel dafür gedacht, dass man sich nicht unnütz aufregen oder allzu große Sorgen machen soll und erspart im Alltag oft langwierige Erläuterungen. Hier ärgert mich mehr, dass die Beschwichtigung mittlerweile auch benutzt wird, wenn längst nicht alles gut ist. Das Verwendungsspekturm reicht bis hin zur glatten Lüge, nur damit der Fragesteller endlich Ruhe gibt. 
 
Noch ein drittes Beispiel. Seit geraumer Zeit hat das Wörtchen "gerne" in vielen Bereichen das althergebrachte "Bitte" nach einem "Danke" abgelöst. Nun ist mir bewusst, dass nicht jeder, der mich mit "auf Wiedersehen" verabschiedet, eine weitere Begegnung förmlich herbeisehnt. Als Kunde oder Cafe-Besucher lasse ich mich daher auch gern bebauchpinseln und akzeptiere "gerne!" als höfliche Standard-Reaktion. Aber in Fällen, wo "gerne" ganz offensichtlich geheuchelt ist, da höre ich es sehr ungern.
 
Dagegen sähe ich es gerne, wenn Ihr diese SP sozusagen mit dem Prädikat "Alles gut!" bewerten tätet.
 
Glückauf
kdk 


Schmunzelpost 1797 vom 6. 12. 25

Ich glaub', mein Schwein pfeift. Und mein Hamster bohnert! Nein, keine Angst, dies wird keine Wiederholung der Folge über tierische Redensarten. Es geht um einen Vorschlag, der für die Katz ist. Oder gegen sie. Denn die Einführung einer Katzensteuer, die jetzt eine Dorstenerin in ihrem Bürgerantrag an den Stadtrat fordert, würde in erster Linie allgemeinen Katzenjammer auslösen. 
 
Ja, ich verstehe, dass Hundehalter eine solche Maßnahme als gerecht empfinden könnten. Und angesichts der leeren Stadtkasse erscheint es plausibel, eine neue Einnahmequelle zu erschließen. Immerhin ist jede deutsche Kommune berechtigt, eigenverantwortlich eine solche Steuer zu erheben. Doch bisher hat noch keine einzige Stadt hierzulande von diesem Recht Gebrauch gemacht. Auch in Dorsten wurde bereits darüber diskutiert und dagegen entschieden. Dafür gibt es gute Gründe. 
 
Schauen wir uns den Antrag von Adeline Harlangue genauer an. Die Dame hat sich allerlei Gedanken über differenzierte Abgaben gemacht. Nach ihren Vorstellungen sollten Katzenbesitzer im nächsten Jahr für jedes Tier 100 Euro zahlen. Haben sie ihre Katze jedoch aus dem Tierheim geholt, würden drei Jahre lang bloß 50 Euro erhoben. Einen solchen Rabatt könnten auch Ehrenamtliche in Anspruch nehmen, die sich für den Tierschutz einsetzen. Und Katzen mit Behinderungen würden sogar komplett von der Steuer befreit werden. Dafür müssten Leute, die ab 2026 eine Rassekatze oder eine Katze aus Qualzucht erwerben, bis zu 200 Euro jährlich zahlen. 
 
Eijeijei! Wird nicht überall Bürokratie-Abbau verlangt? Die Umsetzung solcher Vorschläge würde aber im Rathaus eine eigene Katzenüberwachungsbehörde erfordern. Und die brauchte viel Personal, weil sie mit großen Schwierigkeiten zu rechnen hätte. Mein Kater beispielsweise ist schwerbehindert. Er leidet, wie er mir täglich immer wieder erzählt, unter chronischem unstillbaren Hunger. Und was ist bei Tieren mit Herzschwäche, Niereninsuffizienz und diversen Allergien? Ich sehe einen Wust an Rechtsstreitigkeiten auf die Steuereintreiber zukommen. 
 
Außerdem sind Katzen, anders als Hunde, nicht registriert. Viele von ihnen sind Freigänger. Für den Besitznachweis müssten Detektive auf ihre Fährte gesetzt werden. Und leider sind manche Katzenhalter wahrscheinlich auch schwarze Schafe, wenn's ums Geld geht. Die Zahl ausgesetzter Tiere würde sprunghaft steigen, das Tierheim schnell aus allen Nähten platzen. 
 
Das weiß auch die Verwaltung. Sie argumentiert, dass der Riesenaufwand und dessen Kosten erheblich höher seien als der Ertrag. Das letzte Wort haben jedoch die Kommunalpolitiker. Und da bin ich zuversichtlich, dass sich die Vernunft durchsetzt. Falls nicht, kündige ich schon mal weitere Bürgeranträge an: Zur Einführung einer Hühnersteuer, einer Taubensteuer und einer Zierfischsteuer. Und eine Steuer auf den Floh, den sich Frau Adeline Harlangue ins Ohr hat setzen lassen. 
 
Fazit: Nach der Katzensteuer kräht bald kein Hahn mehr. Und die Stadt wird auch ohne sie nicht vor die Hunde gehen, selbst wenn der Pleitegeier ums Rathaus kreist. Aber wenn wir dem eine Steuer androhen, sucht er vielleicht eilig das Weite. . . 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1796 vom 5. 12. 25

Für alle, die unsere Lesung in Lünen verpasst haben, suchte ich nach einer kleinen Entschädigung. Gleichzeitig will ich jedoch diejenigen, die vor Ort dabei gewesen sind, nicht mit einer Wiederholung langweilen. Deshalb hänge ich hier ein paar Kostproben aus einem Text an, der nicht als Schmunzelpost erschienen ist. Vielmehr steht das "Tierische ABC - was kreucht und fleucht an Ruhr und Lippe?" im Erzählungsband "Tiergeschichten aus dem Ruhrgebiet", mit dem schönen Untertitel: "Wo Schweine pfeifen, Ziegen moppern und Tauben an das Gute glauben." Sechs Einträge daraus waren bereits am Donnerstagabend im Programm, für heute habe ich drei andere ausgewählt. 
 
P: Pferd, einzige Gattung aus der Familie der Equidae, Ordnung Unpaarhufer. Früher bei uns meist in der Landwirtschaft tätig, sind fast alle Pferde heute in der Freizeitwirtschaft aktiv. Frauen schätzen Pferde als Reittiere, manche Männer lieben sie in Form von Sauerbraten. Zu Karneval verlassen Pferde häufig ihre Stallungen und halten sich dann gerne in öffentlichen Gebäuden auf. Davon berichtet das neue Volkslied: "Es steht ein Pferd auf dem Flur." Kleine Pferde betätigen sich außerdem als Trendsetter der Frisurenmode. 
 
Q: Quastenflosser, gehört zur Gattung der Knochenfische. War auch bei uns häufig anzutreffen. Das ist aber ein paar Jährchen her: Seit dem Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren galten die Quastenflosser als ausgestorben. Bis erst in Südamerika und dann in Indonesien doch noch zwei Arten entdeckt wurden, sogenannte lebende Fossilien. Nicht zuletzt, weil dies den Tourismus beflügeln kann, sucht die Universität Bochum derzeit fieberhaft in einem Altarm der Lippe, dem "Loch Quast", nach weiteren Überlebenden. Anderswo wird das mit großer Skepsis beobachtet. Denn vor einiger Zeit hat sich bereits "Ützi", eine angeblich im Gletschereis des Kahlen Asten gefundene Mumie aus der Bronzezeit, als plumpe Fälschung entpuppt.  
 
S: Schwein, heimisches Säugetier, das vielen eher fragmentarisch als Kotelett, Lendchen oder Eisbein bekannt ist. Ausgeklammert wird gerne, dass Schweine im Grunde sehr intelligente und saubere Lebewesen sind, die sich wie Hunde auch als Haustier eignen würden. Ebenso verdrängt werden die Qualen der Massenhaltung, der Transporte durch halb Europa und des Todes im Schlachthof. Vielleicht zur Besänftigung unseres Gewissens wird das Schwein durch Schimpfworte diffamiert. Zum Beispiel als altes, schwarzes oder dummes Schwein. Oder, besonders frauenfeindlich, als Drecksau. Ein Studienprojekt der Uni Schweinfurt soll nun herausfinden, wie in Schweinekreisen über Menschen geredet wird. 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1795 vom 4. 12. 25

Mit den Worten "Gut siehst Du aus!" begann das letzte Gernhardt-Gedicht in der gestrigen Schmunzelpost. Mit genau diesem Satz begrüßte mich jemand am Mittwochmorgen, um dann erst genauer hinzuschauen und erschrocken fortzufahren: "Wie siehst Du denn aus?" Wie man halt so aussieht, wenn blutige Lasernarben auf dem Schädel und im Gesicht mit einer weißen Salbe bedeckt sind. Aber das bleibt nur ein paar Tage so. In dieser Zeit darf ich auf keinen Fall kratzen und muss den Wundschorf allein abblättern lassen, damit ich ohne Narben wieder im alten Glanz erstrahlen kann. 
 
Doch so habe ich den Stoff für die heutige Folge gefunden: Begrüßungsfloskeln, mit denen wir uns meist relativ gedankenlos durch den Alltag bewegen. Klassiker ist die Frage: "Wie geht's?" Um einer ausführlichen Antwort zu entgehen, sagt man darauf meist: "Gut. Und selbst?" Die Varianten "Muss!" oder "Geht so" bergen das Risiko, Auslöser eines längeren Gesprächs zu werden, was nach "Schlecht!!" sowieso unvermeidlich ist. Eine längere dezidierte Antwort will der Fragesteller ohnehin in den meisten Fällen nicht hören. Es sei denn, er ist zu einem Schwätzchen über Gott und die Welt und vor allem die eigenen Gesundheitsprobleme aufgelegt. 
 
Für "Guten Tag" oder "Auf Wiedersehen" soll es übrigens lustige Alternativen geben, wie ich im Internet las. Damit könnt Ihr angeblich für mehr Spaß im Büro oder beim Smalltalk mit Freunden und Bekannten sorgen. Ich weiß nicht so recht. Bei "Cello!" würde ich mächtig ins Grübeln geraten, "Guten Tacho!" würde mich ziemlich befremden und "Palim, Palim!" überlasse ich lieber Dieter Hallervorden. Obwohl ich selbst ein Freund von Wortspielen bin, würde mich unvorbereitet "Tuten Gag!" vermutlich überfordern. Und "Hallöchen mit öchen!" ist mir zu zwanghaft auf Witz getrimmt. 
 
Nun zu den Verabschiedungen. "Ferrero Tschüsschen!" finde ich ganz witzig, "bis Spätersilie" hingegen - na ja, meinetwegen. Aber bei "Bis Baldrian!", "Auf Wiesbaden", "Ciaovapcici!" und "in a while, crocodile!" wird's schon schwierig. Gar nicht geht "Ciaogummi!", "Mantschüsster United", "Paris, Athen - Auf Wiedersehen!" oder "Byesilikum!" 
 
So, dann versammelt Euch bitte zum Schluss alle zum Gruppenfoto vor dem PC. Dann kann ich Euch zum Abschied völlig floskelfrei zurufen: "Gut seht Ihr aus!" Das ist wirklich ernst gemeint. Schließlich habe ich Euer Bild aus meinem Gedächtnis hervorgekramt. Und das arbeitet mit Weichzeichner. 
 
Tschau mit Au! 
kdk 
 

Schmunzelpost 1794 vom 3. 12. 25

Einmal werden wir noch wach, heissa, dann ist Lese-Tach! Genau! Am Donnerstag, 4.12., habt Ihr die einmalige Chance, bei der letzten Lesung aus "Krauses Zeug" live dabei zu sein. Und zwar ab 19 Uhr im Saal des evangelischen Gemeindezentrums in Lünen. Das findet Ihr im Herzen der Innenstadt, hinter der ev. St.-Georg-Stadtkirche am Kirchplatz 2. Der Eintritt ist frei. Und wen nicht einmal das lockt: Unterstützt werde ich von Bertold Hanck, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass so gut wie alle Vorstellungen unserer Dorstener "Tintenhühner"-Kabarettgruppe ausverkauft waren.
 
Im Laufe des Abends werde ich auch augenzwinkernd auf mein biblisches Alter und meinen Gesundheitszustand eingehen. Die Reime sind jedoch zwei Jahre alt, daher fehlt zwangsläufig der aktuelle Stand. Im Kehlkopf herrscht derzeit Ruhe, dafür hat sich auf meinem Kopf und im Gesicht eine neue Front aufgetan: Am Montag hat der Hautarzt neun potenzielle Tumorherde entfernt.
 
Allerdings bleibe ich gelassen. Erstens handelte es sich lediglich um Vorboten des weißen Hautkrebses, und  viel gefährlicher ist bekanntlich sein schwarzer Verwandter. Zweitens weiß ich nach drei Operationen wegen Kehlkopfkrebs, dass mich das zwar mein linkes Stimmband gekostet hat, aber eine frühzeitige Entfernung von Karzinomen in einem Stadium, indem sie so winzig sind, dass sie noch nicht zu streuen begonnen haben, weit mehr als die halbe Miete ist. Ich habe mir meinen Optimismus jedenfalls bewahrt.
 
Diverse Krankenhauserfahrungen führten außerdem immerhin zu ein paar Schmunzelpost-Kapiteln. Für ein Buch reicht es aber noch nicht. Und ich lege auch keinerlei Wert darauf, weiteres Material zu sammeln. Da schaue ich lieber ins Bücherregal, was die Literatur zu diesem Thema zu bieten hat. Schließlich gibt es nicht nur viele TV-Serien wie "Die Schwarzwaldklinik", "Emergency Room", "In aller Freundschaft" und wie sie alle heißen, sondern auch literarische Feinkost wie den "Zauberberg".
 
Doch nicht nur Bücher über Lungenkranke sind lesenswert. Als Buch wie als Film ist "Einer flog über das Kuckucksnest" von Ken Kesey großartig. Und Krimifreunden empfehle ich den Roman"Matto regiert" von Friedrich Glauser, dessen Schauplatz eine Heilanstalt ist, die man früher Irrenhaus nannte. Sehr beeindruckt hat mich auch "Arbeit und Struktur" von Wolfgang Herrndorf. Der Autor beschreibt darin seine letzten Jahre, nachdem bei ihm 2010 ein bösartiger, inoperabler Hirntumor entdeckt worden war. Im Endstadium nahm sich Herrndorf Ende August 2013 das Leben. Doch trotzdem ist sein Buch durchaus lebensbejahend, weil man durch die Lektüre lernt, selbst die schlechteren Tage wertzuschätzen.
 
Dies tat auch einer der größten Poeten, die unser Land mit ihrer Dichtkunst belustigt und bereichert haben. 1996 schwebte Robert Gernhardt nach einer Herz-Operation in Lebensgefahr, er verarbeitete das in mehr als 130 Gedichten. Und auch als 2002 bei ihm Krebs diagnostiziert wurde, 2003 scheinbar auskuriert, aber 2004 mit noch größerer Kraft zurückgekehrt, reimte Gernhardt bis zu seinem Tod 2006 ständig weiter. Mal melancholisch, mal bitter, aber meistens heiter. Nicht von ungefähr heißt eine Sammlung "Lichte Gedichte". Erst, nachdem er sich vergeblich mehreren Chemotherapien unterzogen hatte, schlug das Leid durch, wie in "Später Spagat" nachzulesen ist. Aber trotz allem blitzt bis zuletzt sein unsterblicher Humor auf.
 
Von viel zu viel  
 
Ich bin viel krank, ich lieg viel wach. Ich hab viel Furcht. Ich denk viel nach.
 
Tu nur viel klug! Bringt nicht viel ein. Warst einst viel groß. Bist jetzt viel klein.
 
War einst viel Glück. Ist jetzt viel Not. Bist jetzt viel schwach. Wirst bald viel tot.
 
Krebsfahrerlied oder Auf dem Weg zur Chemotherapie im Klinikum Valdarno oder Die Hoffnung stirbt zuletzt

Durch die Auen, durch die Triften, reise ich, mich zu vergiften.
Winde säuseln, Strahlen blitzen, bald werd ich am Gifttropf sitzen.
Hügel locken, Berge blauen, schon kann ich das Gifthaus schauen.
Durch die Flure, durch die Weiten sieht man mich zum Giftraum schreiten.
Um dort über viele Stunden an dem Gifte zu gesunden.

Oder auch nicht.

Dialog
 
- Gut schaust Du aus!
- Danke! Werds meinem
  Krebs weitersagen
  Wird ihn ärgern.
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1793 vom 2. 12. 25

Höchste Eisenbahn, sich mal wieder einem anderen Thema zuzuwenden? Leichter gesagt als getan. Denn selbst die Deutsche Bahn hat jetzt die Literatur für sich entdeckt.
 
Nein, leider werden künftig anstatt der Schnarchzeitschrift DB-mobil keine Bücher in den Waggons ausgelegt, damit die Fahrgäste sich bei Verspätungen sinnvoll beschäftigen und darüber sogar ihren Ärger vergessen können. Dabei gäbe es doch eine Fülle von geeigneten Büchern. Zum Beispiel den "Mord im Orient-Express". Oder "Der Zug war pünktlich", die erste als Buch erschienene Erzählung von Heinrich Böll. Na gut, dieser Titel könnte als Provokation empfunden werden. Auch auf "Warten auf Godot" von Samuel Beckett würde ich anstelle der DB besser verzichten. Obwohl surreales Theater gut zum aktuellen Bahnbetrieb passt.
 
Leider hatten die Verantwortlichen bei der Bahn jedoch eine andere Idee, die sie für grandios halten. Sie möchten aus vorerst 13 Großstadt-Bahnhöfen "echte Kultur-Hotspots" machen. Dazu werden ungenutzte Flächen zu Lektüre-Tankstellen umgestaltet, die "die nicht immer spannende Wartezeit am Bahnhof jetzt in die inspirierendste Zeit Ihres Tages" verwandeln sollen.
 
Hierfür hat die DB drei berühmte Reden herausgesucht, darunter "I have a Dream" vom US-Bürgerrechtler Martin Luther King jr. und die Ansprache aus dem Charlie-Chaplin-Film "Der große Diktator". Zum Magneten werden wahrscheinlich auch die Allgemeinen Menschenrechte der Vereinten Nationen. Ich sehe schon vor meinem geistigen Auge, wie sich die wartenden Bahnkunden gegenseitig von der Bank schubsen, um einen guten Blick zu haben.
 
Und dann gibt es noch Buch-Klassiker, wobei die DB auch an die jungen Fahrgäste gedacht hat. Für die Kleineren ist "Heidi" von Johanna Spyri bestimmt. Die Jugendlichen will man mit Jule Vernes Abenteuerroman "20.000 Meilen unter dem Meer" sicherlich für eine Bahnreise an den nächstliegenden Ozean begeistern. Für die Erwachsenen gibt es echte Hochkaräter: "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen, "Die Verwandlung" von Franz Kafka und "Der Zauberberg" von Thomas Mann.
 
Hoppala, der Zauberberg? Wie will die Bahn denn diese dicke Schwarte auf einer Plakatwand unterbringen? Als Fortsetzungs-Roman? Oder liegen zum Entziffern der winzigen Buchstaben Mikroskope bereit? Nichts da! Wie immer ist die DB auf dem modernsten Stand der Technik und hat Künstliche Intelligenz eingesetzt, um Werke der Weltliteratur auf ihren literarischen Kern einzudampfen: "Die Tonalität und der charakteristische Sprachstil der Autor:innen wurden stets beibehalten, um dem Geist und der Atmosphäre des Originals so nah wie möglich zu kommen."
 
Herzlichen Glückwunsch zu dieser bahnbrechenden Idee! Ich komme demnächst mal in Eurer Zentrale vorbei, damit ich mir die vielen quälenden Lesestunden von Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" oder Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" ersparen kann. Allerdings plagen mich auch Zweifel. Geht nicht doch durch die Kürzungen ein wenig an Qualität verloren? Als abschreckendes Beispiel habe ich die Kurzfassung von Schillers "Lied von der Glocke" vor Augen. Und die geht so: " "Loch in Erde, / Bronze rin. / Glocke fertig, bim, bim, bim".
 
Glückauf
kdk 


Schmunzelpost 1792 vom 1. 12. 25

Erst jetzt werft Ihr einen Blick auf die Schmunzelpost, Ihr nichtswürdigen Schlafmützen? Lasst das besser sein, solch hochgeistiger Text könnte sonst noch einen Kurzschluss in Eurem niedrigspannigen Winzhirn verursachen! Ist das mein Ernst? Natürlich nicht! Es ist eine Parodie auf einen höchst merkwürdigen Schreiberling, den Säbelohr-Willi, der vor 400 Jahren seine Leser gleich im Vorwort verunglimpfte.
 
Säbelohr-Willi? Wer ist das denn? Das ist in der Tat eine der seltsamsten Gestalten, die mir bisher bei meinem Streifzug durch die Literaturgeschichte über den Weg gelaufen ist. Sein Hauptwerk mit dem einprägsamen Titel The Totall Discourse of the Rare Adventures and Painefull Peregrinations of Long Nineteene Years Travayles erschien bereits 1632 und wurde im englischsprachigen Raum 1906 wieder entdeckt. 
 
Bis das Buch endlich auch in Deutschland erschien, sollten noch einmal 100 Jahre vergehen. Am 1. 1. 2009 brachte es Roger Willemsen Buch auf den deutschen Markt, just am Geburtstag des Autors, der dem Vernehmen nach am 1.1. 1582 in Schottland zur Welt gekommen sein soll. Die Rede ist von William Lithgow. Ob es sich bei ihm um einen Vorläufer von Münchhausen, einen schottischen Karl May oder einen ernstzunehmenden Reiseschriftsteller mit unverwüstlicher Konstitution handelte, möchte ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall war er ein Misantroph und Griesgram, oder, vornehmer ausgedrückt, ein schwieriger Charakter. 
 
Das erklärt sich womöglich aus einem Schicksalsschlag, der ihm im zarten Alter von 21 Jahren widerfuhr. Da versuchte Lithgow sich unter dem Fenster seiner Angebeteten als Minnesänger, was jedoch deren humorlosen Brüdern gar nicht gefiel. Sie griffen sich den Möchtegern-Casanova und schnitten ihm beide Ohren ab. Das trug Lithgow Spitznamen wie "Lugless Willi" (Willi, der Ohrlose) ein. Dass er fortan deswegen gehänselt wurde, wurmte ihn so sehr, dass er beschloss in ein fernes Land überzusiedeln, in dem er mit einem Turban seine Schmach verbergen konnte. 
 
So brach er 1609 zur ersten von drei Reisen auf, bei denen er angeblich insgesamt 36.000 Meilen zu Fuß zurücklegte. Seine haarsträubenden Erlebnisse brachte der erste Weltreisende der Literaturgeschichte dann für sein Buch "Die wundersamen Irrwege des William Lithgow" zu Papier. Die Lektüre ist, so Roger Willemsen, auf jeden Fall zu empfehlen. Obwohl der Autor  sich als "fieser Möpp" erweist. Er pfeifft auf political correctness und schwelgt in seinen Vorurteilen. 
 
Beispiele gefällig? Rom sei "nur noch der Kadaver einer ehemaligen Stadt", dort herrsche "Sündhaftigkeit" und wie in allen italienischen Städten Sodomie. Paris aber sei keineswegs besser, sondern "eine Brutstätte für Schurken und eine Räuberhöhle bei Nacht". Konstantinopel habe "die schäbigsten Behausungen weltweit" und fast alle Polen "sind von vierschrötiger Natur, haben einen Stiernacken, stämmige Hüften und Beine sowie ein rohes und grobschlächtiges Gesicht". Irland sei zwar schön, es habe aber einen einzigen Makel: "Menschen, deren herausragende Eigenschaft ihre Dummheit und Trägheit sind". Nur gut, dass er nichts über mich geschrieben hat. 
 
Dennoch aber, meint Willemsen, sei Lithgow auch ein sprachmächtiger Autor, ein scharfer und kenntnisreicher Beobachter mit Sinn für Details, dramatische Zuspitzungen und für Situationskomik. Obendrein beschreibt er als erster Europäer den Kaffeegenuss, blutige Hochzeitsbräuche, einen Brutkasten für Küken in Tunesien, Brieftauben und die Krokodiljagd auf dem Nil. 
 
Und erlebte Abenteuer, bei denen selbst Winnetou blass würde: Lithgow erleidet Schiffbruch, er durchquert mit Karawanen die Sahara und begegnet Amazonen mit Pfeil und Bogen. Er besteigt den Ätna, spioniert zwischen den Feldlagern im Spanisch-Niederländischen Krieg und erleidet als Opfer der spanischen Inquisition unmenschliche Qualen. Aber er überlebt und prozessiert nach der Rückkehr nach England vergebens wegen Schmerzensgeld. Wer von seinen Zeitgenossen hat also mehr erlebt und erlitten als dieser schottische Querulant? Daher wundert sich Lithgow auch, was an Homers Odysseus so besonderes gewesen sein soll: "Der hat nicht mal den fünfzehnten Teil meiner Strecke zurückgelegt." 
 
Das mag sein. Bei seiner ersten Reise besuchte der Schotte die Shetlandinseln, die Schweiz, Böhmen, Paris, Italien, Palästina und Ägypten. Die zweite Tour führte ihn nach Tunesien und Marokko. Und bei seiner dritten Reise wurde er in Spanien verhaftet und gefoltert. Aber wenn Ihr mehr darüber erfahren wollt, müsst Ihr sein Buch lesen. Doch seid gewarnt! Er schreibt nämlich im Vorwort an seine Leser: "Solltest Du ein Lump, ein Grobian, ein Schurke, ein Querulant, ein Hanswurst oder ein dummer Esel sein, so sei ein Strick Dein Lohn. (...) Geh hin und häng Dich auf - ich pfeife auf Deine Liebe wie Deinen Hass!" 
 
Glückauf 
kdk  


Schmunzelpost 1791 vom 30. 11. 25

Auf meinem gestrigen Ausflug in die Welt der Literatur ist mir der Papst begegnet. Nein, nicht Leo, sondern Marcel. Natürlich nicht persönlich, was bei Verstorbenen bekanntlich ohnehin schwierig ist, sondern in Form von Zitaten. Und einige Sprüche des Literaturkritikers, der nicht nur unglaublich belesen, bundesweit bekannt und stets für ein Bonmot gut war, will ich Euch nicht vorenthalten.
 
Marcel Reich-Ranicki sagte über sich selbst:  "Ich nörgele über die meisten Bücher, die gelesen werden. Ich kann nicht anders: Ich muss nörgeln." Besonders gern und ausdauernd nörgelte er über Martin Walser. Der kam ihm sogar in den Sinn, als das Thema eigentlich Indien war: "Ich kann Ihnen voraussagen, was Martin Walser in Kalkutta schriebe: einen Roman über den Bodensee."
 
Muss ein Literaturkritiker ein netter Kerl sein? Muss er nicht, zumindest, wenn er sein Handwerk versteht. Das Gleiche denkt Reich-Ranicki über Schriftsteller: "Wissen Sie, wer sympathisch war? Walther von der Vogelweide. Denn von dem wissen wir gar nichts. Und wenn wir über einen Dichter viel wissen, dann ist er arg unsympathisch. Thomas Mann war sehr unsympathisch, Brecht ebenfalls, Heine auch sehr fragwürdig und Goethe, na, keine sympathische Figur."
 
Worauf kam es Reich-Ranicki an? Dazu sagte er: "Mich interessiert in der Literatur eigentlich nur der Mensch. Mäuse und Kühe interessieren mich nicht." Gerne beschäftigte er sich daher wohl mit Liebe, Erotik und Sex.  "Wenn ich die deutsche Literatur der letzten zwanzig Jahre lese, die ist ja unerhört unerotisch. Da war zum Beispiel der große Thomas Bernhard - vollkommen unerotisch. Oder Grass: eigentlich immer unerotisch. Siegfried Lenz - immer. Martin Walser - beinahe immer. Wenn sich das deutsche Volk nach seinen Schriftstellern von heute richten würde, es würde sich überhaupt nicht mehr vermehren. Da sieht man, wie gering der Einfluss dieser Schriftsteller ist."
 
Blitzten gelegentlich Standesdünkel durch? "Ich geb es zu, das mag ja gegen mich sprechen, aber ich interessiere mich für Liebesgeschichten von Intellektuellen. Die Liebesgeschichten von Bauern können vielleicht auch sehr aufregend sein, aber das ist nicht ganz mein Fach." Zur Sexualität meinte er: "Es gibt ja Leute, die sagen, dass das ab und zu Spaß macht."
 
Aber wohl in Grenzen, denn zu einem Roman von John Updike benutzte Reich-Ranicki derbes Vokabular: "Also, das ist doch die Schilderung der Sexualität, wie wir sie so in der Weltliteratur noch nicht hatten. Hauptmotiv ist ein Wort, ich muss es hier aussprechen. Es gibt Kapitel, wo man unentwegt lesen muss: Wir werden ficken, wir haben gefickt, wir wollen ficken, wir wollen noch mal ficken. Das ist alles, mehr hat Updike nicht zu bieten. Manchmal kommt 'vögeln'. Das ist eine Abwechslung, und das sieht man dann mit Freude."
 
Aber selbst, wenn sich Updike anderen Themen zuwandte, konnte er bei seinem deutschen Verächter keinen Blumentopf gewinnen:  "Also, man lernt hier das Amerika von heute kennen. Mich interessiert das überhaupt nicht! Mich interessiert nicht, wie Amerika so aussieht! Der Mann interessiert mich als Typ überhaupt nicht, so'n kleiner Autohändler mit seinen Ambitionen, ist doch abscheulich."
 
Insofern bin ich nicht böse, dass sein Zitat, in dem ich vorkomme, niemals veröffentlicht wurde: "Krauses Zeug? Krause? Kenne ich nicht. Und ich kenne alle Literaten, die guten wie die schlechten. Schreiber, die ich nicht kenne, können Sie also getrost vergessen!"
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1790 vom 29. 11. 25

Die Auslese ist ausgelesen. Darüber musste ich mich gestern mit einem Glas Spätlese hinwegtrösten. Denn diese Reihe von Literatur-Abenden, die am Donnerstag zum 80. und letzten Mal von Rainer Diebschlag im Wulfener Gemeinschaftshaus organisiert und moderiert wurde, lohnte stets den Besuch. Durch ihre Themenvielfalt regte sie zum Nachdenken, zum Lachen, zum Ärgern, vor allem aber oft zum Lesen an. Sie wird im Kulturangebot fehlen, nicht nur in Barkenberg, sondern auch in ganz Dorsten, weil es in unserer Stadt nichts Vergleichbares gibt.
 
Für mich ist das ein Ansporn, öfter als bisher in der Schmunzelpost literarische Themen aufzugreifen, auch wenn so Lücke nicht annähernd geschlossen werden kann. Aber, wie mein Vater beim Skat gern sagte: "Kleinvieh macht auch Mist."
 
Was verstehen wir eigentlich unter Literatur? Seit dem 19. Jahrhundert bezeichnet dieser Begriff sämtliche mündlich oder schriftlich festgehaltenen sprachlichen Zeugnisse. Das ist ein sehr weites Feld, in dem so viel Platz ist, dass darin auch Kurioses und Heiteres blühen kann. Und die Ernte lässt sich für die Schmunzelpost einfahren.
 
Im engeren Sinne meinen viele aber vor allem die "schöngeistige Literatur". Oder, wie Literaturwissenschaftler Gero von Wilpert definierte, "Sprachkunstwerke". Christoph Martin Wielandt verstand darunter bereits seit 1790 die Weltliteratur. Zur ihr zählten besondere Bücher, die nicht nur in einem, sondern in vielen Ländern gelesen und positiv bewertet wurden. Ob das Werk von Autoren jedoch solch hehren Ansprüchen genügt, darüber diskutieren Literaturkritiker. Und die sind längst nicht immer einer Meinung.
 
Schon gar nicht Autoren und Kritiker. 1969 schrieb Nobelpreisträger Günter Grass: "Ein typischer Vertreter dieser Richtung ist Marcel Reich-Ranicki, der dauernd auf oberlehrerhafte Art und Weise Zensuren verteilt, und zwar nicht eigentlich über das Buch, sondern darüber, ob der Autor in der Lage war, den hohen Ansprüchen des Herrn Ranicki zu genügen. Ich habe mir das Vergnügen gemacht, zum Beispiel die Kritik zu lesen, die Ranicki vor vielen Jahren über die Blechtrommel geschrieben hat. Er hat damals die Blechtrommel verrissen. Er hat mir vorgeworfen, ich sei ein zu überschäumender Autor, habe zuviel Phantasie, ich sollte mich mal auf ein einziges spartanisches Thema beschränken, und dann könnte ich zeigen, daß ich ein Meister sei." 
 
Reich-Ranicki hatte jedoch weiterhin keine Scheu, Romane von Grass zu verreißen. So urteilte er über "Ein weites Feld": "Wertlose Prosa, langweilig und unlesbar. Keiner hat den Grass dazu aufgefordert, über die Wiedervereinigung zu schreiben. Mir wär viel lieber, wenn Grass über die Liebe zu seiner Frau geschrieben hätte. Interessiert mich viel mehr als seine Ansichten zur Wiedervereinigung." 
 
Auch Goethe hat schon zu Lebzeiten manches einstecken müssen. Dafür hat er sich mit dem Gedicht "Rezensent" revanchiert: 
Da hatt ich einen Kerl zu Gast,
Er war mir eben nicht zur Last;
Ich hatt just mein gewöhnlich Essen,
Hat sich der Kerl pumpsatt gefressen,
Zum Nachtisch, was ich gespeichert hatt.
Und kaum ist mir der Kerl so satt,
Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,
Über mein Essen zu räsonieren:
»Die Supp hätt können gewürzter sein,
Der Braten brauner, firner der Wein.«
Der Tausendsakerment!
Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent.

Gelassener als Goethe würde ich reagieren. Ich spendiere demjenigen sogar eine Flasche guten Rotwein, der einen Verriss über "Krauses Zeug" oder dessen Verfasser in der Zeit, der Süddeutschen Zeitung oder der FAZ platziert. 

Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1789 vom 28. 11. 25 

Krankenkassen sollen uns helfen, gesund zu werden und ihre Kunden nicht umbringen. Aber als ich gestern den Brief meiner Kasse las, hätte mich fast der Schlag getroffen. Ab 1. Januar 2026 soll ich 190 Euro mehr Beitrag zahlen. Das ist eine Erhöhung um satte 27 Prozent! Erst knirschte ich so sehr mit den Zähnen, dass nun ein Besuch beim Kieferorthopäden fällig ist. Dann fügte ich der Liste ungewöhnlicher Berufe einen weiteren hinzu: Ein Krankenkassenbeitragsbegrenzer muss unbedingt her, um solch unverschämte Tarife zu unterbinden! 
 
Wo wir gerade bei seltenen Berufen sind: "Erschrecker" gehören dazu. Solche Leute bringen professionell den Besuchern von Freizeitparks das Gruseln bei. Mit einem Bewerbungsfoto, das mein Gesicht beim Lesen des Krankenkassenbescheids zeigt, hätte man mich sofort eingestellt - dann wäre nicht mal eine Maske nötig. Aber auch dank Eurer Hinweise kann ich heute noch andere ausgefallene Berufe vorstellen. Puppendoktor gehört dazu. Das sind Spezialisten, die Puppen und Plüschtiere kunstgerecht reparieren. Sie werden nicht nur vom Spielwarenhandel, sondern auch von Museen gesucht - der richtige Job für große Spielkinder. 
 
Ein interessanter neuer Beruf ist auch der Shout-Coach. Nach dem Verlust des linken Stimmbands kommt er für mich leider nicht mehr in Frage. Ansonsten hätte ich jeweils nur an den Text des bereits erwähnten Krankenkassen-Briefes denken müssen, und mein Schreien und Grunzen wäre vorbildlich gewesen. Shout-Coaches schulen nämlich Heavy-Metal-Musiker in der Darbietung gutturaler Gesänge und entsprechenden Atemtechniken, damit diese auf der Bühne nicht allzu schnell aus der Puste geraten. 
 
Schauen wir in andere Länder. In Japan gibt es "Pusher". Nein, die haben nichts mit Drogen zu tun. Das sind Leute, die Fahrgäste in bereits überfüllte S- und U-Bahn-Waggons drücken, damit deren Türen sich schließen können. Noch kurioser ist jedoch die (illegale) Tätigkeit der Nummernschildblockierer. Die sind in den Großstädten des Irans, vor allem in Teheran, sehr gefragt. Dort sind die Straße so hoffnungslos mit Autos vollgestopft, dass an manchen Tagen nur Fahrzeuge mit einer bestimmten Endziffer unterwegs sein dürfen. Um sich ein hohes Bußgeld zu ersparen, engagieren Pkw-Fahrer daher Leute, die das Nummernschild verdecken. Entweder laufen diese im Stop-and-Go-Verkehr hinter dem Auto her oder sie liegen im Kofferraum und walten von dort ihres Amtes. 
 
Zuletzt noch ein Beruf, den ich seit neuestem in Betracht ziehe. Schlangenmelker werden benötigt, um Giftschlangen Sekrete abzuzapfen, die bei Medizin und Forschung heiß begehrt ist. Ich könnte dann bestimmt ein wenig Gift für den persönlichen Bedarf abzweigen. Dann würde meine Schmunzelpost endlich giftiger werden. Vor allem aber mein gepfefferter Brief an die Krankenkasse. . . 
 
Glückauf 
kdk  


Schmunzelpost 1788 vom 27. 11. 25

In meiner Lieblingsquizsendung ging es am Dienstag um die Frage, was die Angabe 24 h oder 48 h auf Deo-Sprays bedeutet. Kann man so viele Stunden lang den Spray-Duft wahrnehmen? Wird solange das Schwitzen unterbunden? Oder verliert nach dieser Zeitspanne das Spray seine geruchsabsorbierende Wirkung? Die dritte Variante ist die richtige. Spannender fand ich jedoch in der Auflösung die Erklärung dafür, wie Hersteller die Dauer der Wirksamkeit ermitteln - sie beschäftigen dazu spezielle "Sniffer". Das sind Leute, die zu Forschungszwecken ihre Nasen ihn fremde Achselhöhlen stecken. Versuchspersonen wenden unter einem Arm das Spray an, unter dem anderen nicht. Die "Sniffer" erschnüffeln dann, wann kein Unterschied mehr feststellbar ist. 
 
Nun gibt es vielerlei Berufe, die ich niemals ausüben möchte: Tiere töten und im Schlachthaus zerlegen, als Tatortreiniger die Überreste von Mordtaten beseitigen oder als Pressesprecher von Donald Trump dessen Lügen in die Welt hinausposaunen. Nun kommt ein neuer hinzu: Sniffer. Doch immerhin wurde meine Neugier geweckt, welchen ekligen oder ungewöhnlichen Berufen Menschen sonst noch so nachgehen müssen. 
 
Ein Scheißjob ist in meinen Augen die Arbeit als Gülletaucher. Das ist sogar ein Ausbildungsberuf. Und die Lehre dauert auch noch recht lange, weil diese speziellen Berufstaucher in die Tiefen von Kläranlagen hinabsteigen müssen, um dort in völliger Dunkelheit Kontrollen und Wartungsarbeiten vorzunehmen. Immerhin soll der Job gut bezahlt werden. Und Geld stinkt nicht. 
 
Da würde ich mir meinen Lebensunterhalt wohl lieber als Golfballtaucher verdienen. Die steigen meist freiberuflich in Tümpel und Teiche von Golfplätzen und bergen daraus die Ergebnisse von Fehlschlägen. Bewaffnet sind sie mit einem Netz, in dem sie pro Tauchgang bis zu 500 Golfbälle unterbringen können. Diese werden dann je nach Zustand gebraucht verkauft. Die Arbeit ist anstrengend, fünf bis acht Stunden täglich verbringt man dabei im Wasser. Und das ist, vor allem in den USA, mitunter gefährlich: In den Tümpeln können Schlangen, Schnappschildkröten und sogar Alligatoren lauern. Pech hat auch, wer einen Golfball zutage fördert, von dem Donald Trump behauptet, er hätte ihn niemals dorthin geschlagen - dann könnte der Taucher sogar selbst eingelocht werden. 
 
Auch die nächste Tätigkeit ist tatsächlich ein Beruf. Er hört sich verlockend an, dürfte auf Dauer aber recht monoton werden: Geldzähler sind vor allem damit beschäftigt, Banknoten und Geldmünzen mithilfe von Zählmaschinen und Geldbearbeitungsautomaten zu zählen, zu sortieren und auf Echtheit zu prüfen. Außerdem sind sie für die Verpackung des Geldes zuständig, sorgen dafür, dass es sicher aufbewahrt wird und bereiten es für den Transport vor. Am Ende des Monats dürfen sie dann ihr eigenes Geld zählen. Geldzähler kommen bei uns durchschnittlich auf ein Bruttogehalt von rund 4800 Euro. 
 
Und was ein Bananenreifer oder auch Bananenschnüffler so treibt, das habe ich schon mal in einer früheren Folge beschrieben. Um sie zu finden, kreiere ich einen neuen Beruf: Den Schmunzelpostdurchwühler. 
 
Glückauf 
kdk  


Schmunzelpost 1787 vom 26. 11. 25

Dass bei uns Frauen immer noch benachteiligt werden, ist allgemein bekannt. Sie verdienen im Schnitt weniger als Männer, sie sind seltener in Führungspositionen und im deutschen Bundestag vertreten. Dass jedoch dort in den Redeprotokollen von 1985 bis 1987 das Wort "Mann" so häufig auftauchte wie sonst nie, hat dennoch nichts mit der Diskriminierung von Frauen zu tun. Und auch nichts mit Herbert Grönemeyer, der just zu dieser Zeit in seinem bis heute größten Hit fragte: "Wann ist ein Mann ein Mann?" 
 
Die wahre Ursache hat einen Namen. Und der lautet Norbert Mann. Der gehörte 1980 neben Petra Kelly und August Haußleitner zum ersten Sprecher-Trio der Grünen. Im Zuge des damals bei seiner Partei üblichen Rotationsverfahrens rückte Mann dann von 1985 bis 1987 in den Bundestag nach. Vor allem fiel er dort durch zahllose Zwischenrufe und Schmähungen auf. Allein am 26. November 1985 zeichnete er für vier Prozent aller Zwischenrufe verantwortlich, zehn Tage später sogar für sieben Prozent. Wegen des Inhalts ist keiner dieser Beiträge im kollektiven Gedächtnis geblieben. Vielleicht hätte Norbert Mann für einen Rekord sorgen können, aber 1988 endete sein Bundestags-Mandat. 1992 zog er sich aus der aktiven Politik zurück und wechselte 1997 von den Grünen zur FDP. 
 
Zwischenrufe können eine Debatte durchaus beleben. Aber sie dürfen gewisse Grenzen nicht überschreiten, sonst werden sie mit einem Ordnungsruf geahndet. Und wer pöbelt, beleidigt oder stört, kann mit einem Ordnungsgeld bestraft werden. Seit die AfD im Bundestag ist, geschah dies weit häufiger als früher. In der vorletzten Legislatur-Periode wurde bereits die Marke von 100 Ordnungsrufen geknackt. 20 davon galten allein Beatrix von Storch (AfD), die u.a. Heidi Reichinnek von den Linken als "Kindermörderin" beschimpfte. Und von den 13 Ordnungsrufen im neugewählten Bundestag vom März 2025 bis zur Sommerpause des Parlaments entfielen zwölf auf die AfD. 
 
Aber auch Politiker anderer Parteien konnten ausfallend werden. Den ersten Ordnungsruf der Geschichte fing sich 1949 der KPD-Abgeordnete Heinz Renner ein. Er hatte in eine Rede von Kanzler Konrad Adenauer hineingerufen: "Das erreicht man aber nicht durch die verlogene Hetze!" Unangefochtener Spitzenreiter ist nach wie vor der langjährige SPD-Fraktionschef Herbert Wehner. In 34 Jahren Parlamentszugehörigkeit brachte er es auf 58 Ordnungsrufe. Im Gedächtnis blieben bis heute vor allem Wortschöpfungen wie "Übelkrähe", "Hodentöter" und "Düffeldoffel". Selbst seine Genossen verschonte Wehner nicht. Parteifreund Hans-Jochen Vogel titulierte er im Plenarsaal als "blau-weißes Arschloch". 
 
Apropos: Der bislang bekannteste Zwischenruf kam vom späteren Außenminister Joschka Fischer (Grüne). Er rief 1984 dem Sitzungsleiter zu: "Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch, mit Verlaub!" 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1786 vom 25. 11. 25

Jeden Morgen dasselbe. Ich schlage die Zeitung auf und beginne, mich zu gruseln: Auf welche Seite ich auch blättere, fast überall dominieren die schlechten Nachrichten (solange Schalke auf einem Aufstiegsplatz steht, gilt das jedoch nicht für den Sportteil). Nun weiß ich aus eigener Erfahrung: Die Schuld trägt nicht die Redaktion, die ist bloß der Bote. Auf der Welt passiert täglich so viel Schlimmes, dass sich der Eindruck aufdringt, die Zeiten wären so übel wie noch nie. Aber stimmt das? Ein kleiner Rückblick.
 
Was beherrschte am 25. November 1925 die Schlagzeilen? Die Hutrede von Kemal Atatürk. Die was? Ihr habt richtig gelesen: Eine Hut- und keine Wutrede löste in der Türkei die Hutrevolution aus. Was aus heutiger Sicht irgendwie ulkig klingt, hatte damals einen ernsten Hintergrund. Denn der damalige türkische Machthaber bemühte sich nach Kräften, den Einfluss der Religion zurückzudrängen und aus seinem Land einen modernen, weltoffenen Staat zu machen.
 
Dabei kam Atatürk entgegen, dass der einflussreichen Organisation der Jungtürken etwas aufgefallen war. Die traditionelle männliche Kopfbedeckung, der Fes, wurde fast ausschließlich im Ausland produziert. Das am 25.11.25 erlassene Hutgesetz, mit dem das Tragen althergebrachter orientalischer Kopfbedeckungen verboten wurde, stieß also bei vielen auf Wohlwollen. Zivilisierte Türken grenzten sich nun zudem von den Hodschas ab. Nur diesen professionellen Vertretern des geistlichen Standes war noch das Tragen eines Turbans erlaubt. Auch heute ist das Gesetz de jure noch in Kraft. Aber Erdogan ist emsig dabei, das Rad der Zeit zurückzudrehen und die Religion als Säule seiner Macht wieder als staatstragendes Element zu installieren. Die schlechten alten Zeiten sind erneut auf dem Vormarsch!  
 
25. 11. 1915: Im US-Bundesstaat Georgia wird der Ku-Klux-Klan neu gegründet.
 
25. 11. 1795: Der polnische König wird zur Abdankung gezwungen, Österreich, Preußen und Russland teilen sein Reich unter sich auf. Polen existiert nicht mehr.
 
25. 11. 1491: Durch den Vertrag von Granada wird das Ende des Emirats und damit der letzten muslimisch beherrschten Region auf der iberischen Halbinsel besiegelt. Aus Spanien verschwindet damit die Toleranz, der Weg für Judenvertreibung und Inquisition ist frei.
 
25. 11. 1120: Bei der Überfahrt von Frankreich nach England sinkt das "Weiße Schiff". Unter den zahlreichen Opfern ist auch der einzige legitime Sohn des britischen Königs Heinrich I. . Nach dessen Tod entbrennt ein jahrelanger blutiger Bürgerkrieg um die Thronfolge.
 
25. 11. 32.025 v. Chr.: Mammutjäger Oggu entdeckt den Wert der als Waffe gegen fremde Stämme bereits bewährten Keule für einen neuen Zweck. Er betäubt damit eine widerspenstige Frau, zerrt sie an ihren Haaren in seine Höhle und schwängert sie. Danach grunzt er befriedigt: "Ugh!" Der Siegeszug des Patriarchats hat begonnen! 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1785 vom 24. 11. 25

Manchmal behalte ich nur ungern recht. Aber hab' ich's nicht gesagt? Die Klimakonferenz in Belem ist zu Ende gegangen, ohne dass etwas Wesentliches zur Eindämmung der Erderwärmung dabei herausgekommen ist. Den größten Raum in der Berichterstattung nahm daher einmal mehr eine unbedachte Aussage von Kanzler Friedrich Merz ein, die in Brasilien Empörung auslöste. Künftig sollte Merz sich wohl auf das deutsche Stadtbild konzentrieren. 
 
Was aber sagten die Konferenz-Teilnehmer aus aller Welt, deren Erwartungen enttäuscht wurden? Nicht alle Reaktionen konnte ich mit Hilfe herkömmlicher Wörterbücher übersetzen. Aber so habe ich Flüche aus aller Welt kennengelernt, die mir vorher fremd waren. Na ja, dass in englischsprachigen Ländern "Fuck!" geschimpft wird, wissen wir alle mittlerweile. Dieses Wort ist ja sogar dabei, bei uns das gute alte herzhafte "Scheiße!" abzulösen. 
 
Aber obwohl die deutsche Sprache dafür bekannt ist, dass viele unserer Schimpfwörter aus dem Fäkalbereich stammen, werden wir beim Ekelfaktor von Ostafrikanern noch übertroffen. Die verwünschen sich auf Afrikaans mit "Du dreipimmeliger langhaariger rotzverkrusteter Bastard!" Rund um den Erdball spielt das Hinterteil eine große Rolle. Wenn ein Maori Dich beleidigen möchte, schimpft er: "Du bist ein großer fetter Ziegenarsch!" Äußerst brutal fluchen die Russen: "Ich reiße Deinen Arsch ab und pule Deine Augen heraus!" Dänen sollen zwar angeblich nicht lügen, aber wieso sie jemand eine "Arschbanane" schimpfen, ist mir ein Rätsel. 
 
Da lobe ich mir die einfallsreichen Franzosen: "Ich bin stolz auf meinen Arsch, wenn ich Dein Gesicht sehe." Und geradezu niedlich flucht man auf Sardinien: "Möge der Donner Dein Klo treffen!" Ungewöhnlich sind auch Beleidigungen in China: "Deine Mutter ist eine große Schildkröte." Auf Mandarin heißt es auch: "Du bist ein schimmelndes Ei!" Was mich nach Persien führt, wo der aufgebrachte Iraner flucht: "Mögen Deine Eier sich miteinander verknoten!" Aua! Wenig subtil ist auch eine Beleidigung aus dem Arabischen: "Deine Mutter beging Ehebruch mit einem Affen." Da lasse ich mich doch lieber von einem Türken beschimpfen und fühle mich wenigstens wie junges Gemüse: "Du bist so häßlich wie ein Salat!" 
 
Zurück zu den Folgen des Klimawandels. Wenigstens im deutschen Norden hält man an traditionellem Wortgut fest. Wenn 2041 ein Ostfriese und sein Sohn auf dem Dach ihres Hauses sitzen und auf das Hochwasser schauen, das alles um sie herum überflutet hat, murmelt er: "Son Schiet!" Und dann beobachten die beiden, wie sich unter ihnen ein Hut auf der Wasseroberfläche bewegt. Erst gut 200 Meter landeinwärts, dann wieder zurück. Dann wieder 200 m landeinwärts und wieder zurück. Als sich der Vorgang zum zehnten Mal wiederholt, fragt der Sohn: "Papa? Wat geiht da vor?" "Min Jong, dat is der Jan, der pflügt bei jedem Wetter." 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1784 vom 23. 11. 25

Der Arbeit von Wissenschaftlern hat die Menschheit viel zu verdanken. Ja, es stimmt, kluge Köpfe haben auch dazu beigetragen, dass die Waffentechnik immer mörderischer geworden ist. Aber ohne Forschung säßen wir vermutlich heute noch am Lagerfeuer und fürchteten uns vor Säbelzahntigern. 
 
In letzter Zeit wächst jedoch die Zahl der Skeptiker und der selbsternannten Geistesriesen mit gesundem Menschenverstand, von denen die Resultate wissenschaftlicher Arbeit massiv bezweifelt oder sogar strikt zurückgewiesen werden. Von manchen, weil sie nicht wissen, sondern lieber glauben wollen, von anderen, denen logisches Denken und rationale gründliche Studien die selbstgestrickte Verschwörungstheorie verderben würden und wieder anderen, die grundsätzlich nur Erkenntnisse akzeptieren, die ihnen in den Kram passen und nützen. 
 
Nun hat sich augenzwinkernd auch ein Streiflicht-Autor ins Heer der Wissenschafts-Verächter eingereiht: "Was aber den Ursprung der Welt betrifft, war es immer lehrreich, das finnische Nationalepos Kalevala zu studieren. Diesem zufolge entstand die Welt aus dem Ei einer Tauchente - eine beglückende und einleuchtende Erklärung. Die Wissenschaft aber will es mal wieder besser wissen. Es war der Urknall, sagt sie. So, als könne vor dem Urknall nicht eine Tauchente gebrütet haben." 
 
In der Tat: Was war denn vor dem Urknall? Nichts genaues weiß man nicht. Grund genug, sich umzuschauen, welche weiteren Entstehungstheorien auf unserem Globus kreisen. An der Jahrhunderte lang vorherrschenden Lehre, die erst ein gewisser Charles Darwin ins Wanken brachte, ist die christliche Kirche wesentlich beteiligt. Danach hat eine allmächtige Wesenheit, die fälschlicherweise oft als alter Mann mit langem weißen Bart dargestellt wurde, das Universum, die Erde und die Menschen innerhalb von nur sieben Tagen geschaffen. Wenn Trump noch ein paar Jährchen an der Macht ist, werden die Evangelikalen dies wieder in den Schulbüchern der USA verankern. 
 
Interessanterweise schließt der Schöpfungsmythos Chinas die Tauchente keineswegs aus. Denn die Chinesen meinten, dass das Urchaos durch das Welten-Ei beseitigt wurde. Daraus schlüpften die gegensätzlichen Zwillinge Yin und Yang, die sich später in Himmel und Erde verwandelten. Auch das erste Lebewesen mit Namen Pangu kroch aus diesem Ei. Es wuchs und wuchs, und aus seinen Teilen entstanden schließlich Mond und Sonne, unsere Elemente, Gebirge und Flüsse, Pflanzen und Metalle. Ach ja: Uncharmanter Weise wurde aus dem Ungeziefer an Pangus Körper die Menschheit. 
 
Und was dachten die Vorfahren des Volkes der Dichter und Denker? Am Anfang war das Nichts, in dem nur der Urzeitriese Ymir lebte. Nein, da haben wir nicht genau genug hingeschaut. Aus dem Nichts tauchte auch noch die Urzeitkuh auf, die Ymir mit ihrer Milch nährte. Und die Kuh leckte aus einem salzigen Stein - wo, zum Kuckuck, kam der denn bloß her? - Buri heraus, den Stammvater der Götter. Und als die zahlreich und mächtig genug waren, zerlegten sie Ymir. Aus dessen Blut entstand das Meer, aus seinem Fleisch die Erde, aus seinen Knochen die Berge und aus seiner Haut der Himmel. Und die Menschen? Da wird's schon wieder unappetitlich: Die erste Frau und der erste Mann entstanden aus Ymirs Achselschweiß. 
 
Iiihh! Da lobe ich mir den guten alten Darwin und stamme lieber vom Affen ab. Und frage mich nun, was wohl den Klimawandel verursacht. Vielleicht sollte ich bei den Finnen nachhören: Dann trägt die Schuld am Klimawandel bestimmt ein Furz der Tauchente. 
 
Glückauf 
kdk       
 
PS. Zur gestrigen Folge kam von Dirk eine Anmerkung mit bitterem Beigeschmack: "Ich habe gerade die offizielle deutsche Übersetzung des amerikanischen 'Friedensplans für die Ukraine' erhalten. Sie lautet: FRISS VOGEL ODER STIRB!" 
 

Schmunzelpost 1783 vom 22. 11. 25

Sich gegenseitig zu verstehen, ist sehr wichtig. Sagt man. Im Regelfall stimmt das ja auch. Aber ich kann mir Situationen vorstellen, in denen das Schicksal der Welt davon abhängt, dass zwei sich gerade nicht verstehen. Oder nur gefiltert mitbekommen, was der andere denkt und sagt. Insofern obliegt Übersetzern mitunter eine große Verantwortung. 
 
Vor ein paar Tagen haben sich Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping getroffen. Zu einem Vier-Augen-Gespräch. Zum Glück war es in Wahrheit ein Acht-Augen-Gespräch, weil auch zwei Übersetzer dabei waren. Für Euch habe ich das Protokoll komplett ins Deutsche translated. 
 
Trump: "Hallo, Xi, alter Verbrecher. Du regierst ein großartiges Land. Oh ja, das ist China, sehr, sehr großartig. Und es hat sehr großartige Rohstoffe, diese seltenen Erden, weißt Du. Und davon musst Du uns jede Menge abgeben, denn Amerika ist noch viel großartiger als China. Wir machen einen Deal: Du verkaufst uns die seltenen Erden zu Schleuderpreisen und im Gegenzeug bezieht Ihr von uns unser Fracking-Gas. Doch falls Du Dich weigerst, dann erhöhe ich die Zölle auf alle US-Importe aus China auf 1000 Prozent. Das ist doch ein sehr fairer Handel, nicht wahr? Bist Du einverstanden?" 
 
Übersetzer I: "Sehr verehrter Xi Jinping, Sie regieren weise über ein großartiges Land mit seltenen Erden. Sind Sie bereit, uns diese zu angemessenen Preisen zu verkaufen, wenn ich unsere Zollpolitik überdenke? 
 
Xi: "Nein." 
 
Übersetzer II: "Sehr verehrter Herr Präsident, Sie sind ein großartiger Lenker der großartigen USA. Gerne würde ich einem Deal über den freien Handel unserer seltenen Erden zustimmen, aber vorher müssten Sie ein Hindernis aus dem Weg räumen, das zwischen unseren beiden großartigen Nationen steht. Wenn Sie bereits sind, die Einfuhrzölle auf chinesische Waren abzuschaffen, bin ich sehr gern zu weiteren Gesprächen bereit. Bedenken Sie, was schon der weise Konfizius sagte: Der Klügere gibt nach! Und alle Welt weiß doch, was Sie unermüdlich mit großer Überzeugungskraft wiederholen: Sie sind der beste Präsident, den Amerika je hatte und der klügste noch dazu - Sie sind sogar klüger als Albert Einstein." 
 
Trump: "Wer, zum Teufel, ist Albert Onestone? Aber sonst haben Sie vollkommen recht: Ich bin der größte Präsident in der Geschichte von Amerika. Und ich werde Amerika größer machen, als es jemals gewesen ist. Dafür müsst Ihr verdammten Schlitzaugen aber aufhören, uns mit unfairen Wirtschaftstricks auf dem Weltmarkt auszustechen und als Handelsnation Nummer eins zu verdrängen. Falls Ihr damit nicht aufhört, müssten wir mal in unsere Waffenarsenale schauen. Und ich glaube, wir haben zehn Mal mehr Interkontinental-Atomraketen als Ihr. Damit sind wir Euch, Moment, lass mich rechnen, um 10.000 Prozent überlegen. Wollt Ihr etwa so dumm sein und trotzdem einen Streit mit uns riskieren?" 
 
Xi: "Ja." 
 
Übersetzer II: "Sehr verehrter Donald Trump, Deine Stärke und Deine Macht beeindruckt uns zutiefst. Aber wir möchten kurz darauf hinweisen, dass wir in verborgenen Gebieten unseres Reiches nicht untätig gewesen sind und kräftig nachrüstet haben. Unser großer Führer Xi Jinping wird nun persönlich eine Inspektionsreise antreten und in den riesigen Arsenalen nachzählen, ob wir Euch auch bereits bei der Zahl der interkontinentalen Atomwaffen schon überflügelt haben. Nebenbei: In einem geheimen Nebenarsenal halten wir im Fledermaus-Saal für den Fall des Falles neuartige tödliche Covid-Erreger bereit. Und nebenan befindet sich das aus Euren Unterlagen auf mysteriöse Weise verschwundene Kapitel der Epstein-Protokolle. Wir rechnen daher fest damit, lieber Donald, dass Du nichts Unüberlegtes tun wirst. Damit keiner das Gesicht verliert, schlagen wir folgende gemeinsame Presseerklärung vor: 'Das Vieraugengespräch des US-Präsidenten mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China verlief in freundschaftlicher Atmosphäre und ergab eine Fülle von positiven und ermutigenden Resultaten. Weil jedoch einige zentrale Probleme noch nicht ganz abschließend geklärt sind, vertagten die beiden Staatsoberhäupte deren Lösung bis zu einem weiteren Treffen in unbestimmter Zeit'." 
 
So kam es dann auch. Und ich schlage die beiden Übersetzer hiermit für den nächsten Friedennobelpreis vor. 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1782 vom 21. 11. 25

Nanu? Trotz der Kälte betritt mein betagter Nachbar, der Herr K., seinen Balkon und setzt zu einem seiner Selbstgespräche an. Hören wir mal rein: 
 
"Hömma, Karl, dat is ganz schön frisch geworden auffem Balkong. Gut, dat ich vorhin den Glühwein aussem Supamahkt probierte. Und vor allem, dat ich mitner halben Pulle Korn nachgewürzt hab, hihi. Wir sind hier ja nich in Belem, auffem Wipfeltreffen. Hier is dat Klima getz frostich, trotz de Ärderwärmung. Wat willze machen, is Novemba, nä. Nur noch 'ne Woche, und dann kannze die erste Kerze vom Atzventzkrantz abfackeln. Und deshalbwegen müssen wir zwei beide getz ein ernstes Wörtken mittanander reden. 
 
Is nämlich nich lange hin, dann steht dat olle Kristkind vorre Tür. Und dann brauchse Geschenke. Weisse noch, vor vierzich Jahre? Da hasse gedacht: 'Herr, gib mir 'ne Flinte, um dat ich die ganze Blase totschießen kann." An Weihnachten versammelte sich die ganze popelige Verwandtschaft unner dem Baum und wollte reich beschenkt werden. Und dann hammse wat vonne stille Nacht und Friede auf Ärden gesungen und gemeckert, datt se früher  abba viel schönere Sachen gekricht ham. Hömma, da sank die Raumtemparatur und die olle Tanne fing mit Nadeln an! 
 
Nu abba sind nur noch wir beide übbrich. Meinze nich, dat es höchste Zeit is, dat Du Dich nachem Weihnachtsgeschenk für mich umkucken tust? Abba nich wieda son Paar Pantoffeln, dat kannsse Dich gleich vonne Backe putzen! Lass Dich ma wat Origeniales einfallen! Na gut, ich weiss auch, dat is schwierich mit die Überraschung, weil Du genau weisst, wat ich denken tu. Ja, ja, eintlich könnze mein Zwilling sein, aba Du bis ja bloß ich. Im Alter wirsse genügsam, wenne wen zum Quasseln haben willz. 
 
Trotzdem kannze Dich mal ein bisken anstrengen. Nich wieda ein Kasten Veltins, der reicht ja nich ma bis Silvester. Wie wär's denn mit 'nem Sky-Abo, dann könnt ich alle Bundesliga-Spiele bekucken. Wat? Dafür müsste man getz gleich vier verschiedene Abos buchen? Nee, danke, lass ma stecken. Dann muss ebend die olle Sportschau reichen, wie früher mit Ernst Huberty. Ach, der lebt nich mehr? Junge, wie die Zeit vergeht. 
 
Abba weisse wat? Getz gehn wir mal im Keller und gucken nach dem Geschenk, wat ich Dich letztes Jahr unta den Baum gelecht hab. Dat hasse noch gannich ausgepackt. Und über son Fuffziger, eingewickelt in Lametta, da tät ich mich richtich freuen!" 
 
Glückauf 
kdk  


Schmunzelpost 1781 vom 20. 11. 25

Heute will ich mal ganz lieb zu Euch sein. Die Welt ist garstig genug, da sollten wir wenigstens für den Menschen des Herzens einen originellen Kosenamen haben. Ja, originell. Denn Schatz, Schatzi oder Schätzchen sagen 36 Prozent aller Deutschen. Liebling ist abgedroschen und riecht ein wenig nach den Fünfziger Jahren, als manche aus Amerika "Baby" und "Darling" importierten. Und Häschen oder Mausi klingt, als würdet Ihr mit einem Haustier reden.
 
Also schauen wir uns mal auf der Welt um, was unser Globus so hergibt. Schön ist zum Beispiel "Mein Augenlicht", aus dem Arabischen übersetzt. Ebenso "Frucht meines Herzens" aus Indonesien. Etwas ausschweifend necken sich Verliebte in Persien: "Möge eine Maus dich fressen!" Und ziemlich zweischneidig finde ich die tibetanische Liebeserklärung: "Meistgeehrtes Gift meines Herzens." Kürzer, aber arg gewöhnungsbedürftig, nennt eine Japanerin ihren Liebsten "Eierkopf", was auch umgekehrt funktioniert.
 
Wenn Männer auf Afrikaans als "kleiner Bock" gelobt werden, fühlen sie sich hoffentlich geschmeichelt. Und die Italienerin empfindet es als niedlich, wenn sie als "meine kleine Mikrobe" angesprochen wird. Was die Spanier dazu bringt, sich "halbe Orange" zu nennen, ist für mich schleierhaft. Da stehen mir die Niederländer mit ihrer Vorliebe für Herzhaftes (meine Fritte) und Süßes (dropje, was Bonbon oder Lakritz bedeutet) deutlich näher. Was die Ungarn dazu treibt, sich "Pilz", "Schere" oder "Finger" zu nennen, soll ihr Geheimnis bleiben.
 
Amerikaner haben einen ausgesprochenen Hang zum Großen, daher ist der US-Kosename "Kürbis" für mich nicht überraschend. Schließlich leben laut Statistik auch die meisten Übergewichtigen in den USA. Und Kürbis erreicht immerhin nicht die Dimension von "kleiner Elefant", wie in Thailand geturtelt wird.  Mit einer Organfusion drücken Chinesen aus, dass sie ohne den andern kaum leben könnten: Xingan bedeutet "Herzleber" - fehlt beides, macht dies das Existieren in der Tat schwierig. Womöglich steckt dieser Gedanke auch dahinter, dass man in Ostafrika sagt: "Nyongo mkalia ini." Wörtlich heißt das: "Du bist meine Gallenblase, die auf der Leber sitzt."
 
So, meine lieben Eierköpfchen, passt auf, dass kein großer Elefant Eure Gallenblase frisst und lasst bitte Eure Herzleber weiter kräftig für mich schlagen. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1780 vom 19. 11. 25

Die Sprache ist ein unerschöpfliches Thema, damit bin ich noch lange nicht fertig. Ihr wisst bestimmt, dass einige deutsche Worte auch Eingang in Fremdsprachen gefunden haben, wie etwa "Kindergarten" ins Englische. Die Begriffe, denen das gelang, sind ganz verschieden. Zu den erfolgreichsten deutschen Wort-Exporten zählen kaputt, Kitsch, Bohrmaschine, Weltanschauung und vor allem Schnitzel. Aber was gilt rund um den Globus als unübersetzbar? 
 
An den deutschen Wörtern Warmduscher, Kummerspeck, verschlimmbessern und Waldeinsamkeit beißen sich Ausländer die Zähne aus und brauchen mitunter ganze Aufsätze, um ihren Sinn zu erklären. Aber umgekehrt ist das manchmal genauso. Wie würdet Ihr beispielsweise "cafune" kurz und knapp aus dem Portugiesischen übersetzen? Das wird schwierig. Denn es bezeichnet in Brasilien die Geste, mit der man einer geliebten Person durch die Haare streicht. 
 
Meinen Sprach-Lieblingen, den Finnen, würde ich auch gerne die Frisur zerzauseln, weil sie das schöne Wort "kalsarikännit" geprägt haben. Was so viel heißt, wie sich zuhause in Unterhosen betrinken. Das wäre in Ungarn übrigens unmöglich, falls man gerade "donaldkacsazas" betreibt, also ein Hemd, aber keine Hose oder Unterhose trägt. Der Begriff hat nichts mit Donald Trump zu tun. Aber mit einer berühmten Ente und deren luftiger Bekleidung: "Einen auf Donald Duck machen". 
 
In den Niederlanden spricht man von "uitwaaien" und meint damit, im Wind spazieren zu gehen, um den Kopf freizubekommen. Falls man vorher beim Friseur war, hat das Folgen, die Japaner als "age-otori" bezeichnen: Nach einem Friseurbesuch schlechter aussehen als vorher. Japanische Männer können uncharmant sein, zumindest, wenn sie Frauen als "bakku-shan" klassifizieren. Das gilt einer Frau, die von hinten schön aussieht, von vorn betrachtet aber optisch enttäuscht. Was wohl Japanerinnen über Männer sagen? 
 
Manche Begriffe sind womöglich der geografischen Lage geschuldet. Ich kann es gut nachempfinden, wenn sich in Island jemand über "solarfri" besonders freut. Nämlich, wenn man unerwartet frei bekommt, um einen warmen Sommertag zu genießen. Die sollen auf Island nicht so häufig sein. Wohl auch nicht in Norwegen, wo "utepils" zu den größten Wonnen zählt - das Glücksgefühl, draußen in der Sonne ein Bier zu trinken. 
 
Apropos Glück: Damit ist diese Schmunzelpost fertig, und ich kann mich "arbejdsglaede" hingeben. So nennen Dänen das Glück, das durch Arbeit entsteht. 
 
Glückauf 
kdk   


Schmunzelpost 1779 vom 18. 11. 25

Diesmal wird's tierisch. In der heutigen SP-Folge kommen Raben, Schafe, Kühe und Mücken vor. Animiert (um nicht zu sagen: animalisiert) hat mich dazu ein "Streiflicht" der Süddeutschen Zeitung. Darin ging es zunächst um die Göttervögel der alten Germanen, die Raben. Deren Intelligenz wird leider von vielen völlig unterschätzt und das, obwohl ich schon in einigen Schmunzelpost-Beiträgen auf ihre geistige Leistungsfähigkeit hingewiesen habe. Wenigstens die SZ hat es kapiert: "Experimente haben gezeigt, dass Raben Denksportaufgaben bewältigen, die der normale deutsche Steuerzahler nicht einmal mithilfe von KI zu lösen vermag." 
 
Immerhin: Heute werde das Raben-Gekrächze zwar als Ruhestörung empfunden, aber dennoch genössen die klugen Vögel ein wenig Respekt, "auch, wenn viele Eltern noch zögern, sie als Nachhilfelehrer für ihre lernschwachen Kinder einzusetzen". Dagegen habe eine andere Tierart ein massives Imageproblem. Schafe gelten als "hummeldumm, noch dümmer als Erbtante Elise". Anteil daran hat womöglich auch der lange allseits verehrte Alfred Brehm, der jedoch durch seine von Gefühlen beeinflusste Expertise zu Unrecht den Ruf so mancher unbescholtenen Tierart ruiniert hat. Schafen warf Brehm vor, sie seien willenlose Knechte, unausstehlich und "charakterlos ohne Gleichen". 
 
Auch die Beweisführung heutiger Schaf-Verächter steht auf tönernen Füßen. Ihre Begriffsstutzigkeit sei schon daran zu erkennen, dass Schafherden dauernd in Kriminalfilmen bei Verfolgungsjagden im Wege stünden, sodass Flüchtende der Polizei durch die Lappen gehen. Schon mal drüber nachgedacht, dass dieser passive Widerstand auch eine angeborene Solidarität mit Gejagten sein könnte? 
 
Das zweite angebliche Indiz für ihre Dussligkeit ist ebenfalls fragwürdig. "Schafe bleiben seltsam ungerührt, wenn man sie 'Pulloverschweine' nennt. Fast könnte man meinen, sie verstünden kein Deutsch." Wahrscheinlich hören sie aber bloß über derartige Beleidungen hinweg. Sie sind sich eben darüber im Klaren, dass sie gegenüber Menschen in der schwächeren Position sind. Wer trotzdem an ihrer Cleverness zweifelt, der sollte sich mal ein paar Folgen von "Shawn, das Schaf" im Fernsehen anschauen. 
 
Und welch großes, gütiges Herz in Schafen steckt, haben sie unlängst wieder in Neckargemünd-Mückenloch bewiesen. Dort war die Kuh "Mücke" auf dem Weg zum Schlachthof ausgebüxt und hatte sich wochenlang im Wald versteckt. Dann aber schloss sie sich der Herde des Schäfers Alfons Gimber an "und muhte sinngemäß: 'Hier will ich sein, hier will ich bleiben'." Und die 200 Schafe gewährten ihr bereitwillig Asyl, nahmen sie in ihrer Mitte auf und hatten mit Mücke eine gute Zeit. Als die Herde weiterwandern musste, gab es für das Schaf ehrenhalber ein Happy End: Mücke lebt jetzt in einem hessischen Gnadenhof. 
 
Was sagt uns das? Schafe sind lebenskluge, moralisch gefestigte Wesen, die Fremden gutmütig begegnen. Was man von Menschen leider oft nicht sagen kann. Und wer darüber etwas zu meckern hat, den verurteile ich zu mehreren Wochen Nachhilfeunterricht bei gebildeten Raben. 
 
Glückauf 
kdk    


Schmunzelpost 1778 vom 17. 11. 25

Schön, dass Ihr Euch wieder die Zeit zur SP-Lektüre nehmt. Kleine Auszeiten täglich, zumal, wenn sie vielleicht auch noch mit einem Lächeln verknüpft sind, gehören zu den Rezepten, mit denen wir uns gegen Stress wappnen können. Und das ist wichtig: Im Berufsleben erfuhr ich, welch üble Folgen es haben kann, Warnsignale zu missachten. Nicht von ungefähr ist "Burn out" inzwischen für alle ein Begriff. Die Japaner, die es im Beruf noch einen Tick toller treiben, haben dazu ein weiteres Wort geschaffen: "Karoshi", den Tod durch Überarbeitung.
 
Doch dieses Kapitel ist abgeschlossen. Als Rentner habe ich inzwischen gelernt, die richtige Balance zu finden. Denn völlig ohne Stress geht es nicht. Eine gewisse Struktur ist nötig, um die Mischung zwischen Entspannung und positiver Anspannung zu finden. Auch eine faule Socke wie ich braucht nämlich selbstgesetzte sinnvolle Aufgaben, um nicht in Langeweile zu versinken. Und das Verfassen der Schmunzelpost ist meine tägliche Herausforderung. Sie verlangt etwas Kreativität und bereitet mir durch die Freude am Schreiben auch noch Vergnügen - Euch hoffentlich gelegentlich auch.
 
Beim Leseherbst im Marl lernte ich jetzt eine Frau kennen, die mir mit Hilfe einer Zeitreise 30 Jahre zurück vieles hätte ersparen können. Denn Melanie Lobert hat sich dem Kampf gegen den Stress verschrieben. Die studierte Sozialpädagogin tut dies an vielen Fronten. Sie ist systemische Familienberaterin, Kursleiterin für autogenes Training und bildet auch noch als Dozentin neue Stressmanager aus. Scheint bei ihr selbst gut zu klappen, denn sonst hätte sie kaum nebenher eine ganze Reihe von Büchern schreiben können.
 
"Darf's ein bisschen mehr Leben in Balance sein?", "Stress lass nach - oder lieber doch nicht", "Keep it fucking simple oder auch: Was hilft, hat recht", sowie "Stressbringsel für Gestresste" lauten einige Titel. Das sind allerdings keine herkömmlichen Ratgeber, wie Melanie Lobert ausdrücklich betont. Es gebe keine Patentlösungen, die Menschen seien schließlich verschieden und müssten sich daher aus der Fülle von Tipps und Hinweisen diejenigen heraussuchen, die für sie persönlich passen.
 
Mit dabei sind ein paar Entspannungsübungen, die auch Unsportliche leicht in ihren Alltag einbauen können. So tut das Massieren der Ohrläppchen unserem Vagus-Nerv gut, und auch ein paar Mal den Bogenschützen mimen, hilft beim Entspannen. Wie das geht? Das müsst Ihr schon selbst nachlesen. Die Buchtitel findet Ihr im Internet auf www.beratungsstelle-melo.de
 
Es gibt noch andere Wege, um zur Ruhe zu finden. Schon in der Antike priesen Philosophen "otium cum dignitate", die würdevolle Muße. Ein europäisches Volk, so wird gemunkelt, soll sie ganz besonders kultiviert haben: Montenegro gilt vielen als das faulste Land der Erde. Bedarf es noch eines Beweises? Nur in Montenegro gibt es alljährlich einen Wettbewerb im Herumliegen. Zwölf Jahre lang lag der Rekord bei fünf Tagen, als jedoch 1000 Euro Preisgeld ausgelobt wurden, blieben 2023 die Finalisten mehr als 30 Tage im Bett! 
 
Was sagst Du? "Klingt reizvoll, aber ich bin zu faul mich anzumelden?" Das ist eine oberfaule Ausrede, Du fürchtest nur die Konkurrenz. Doch wie wäre es, schon morgen mit dem Training zu beginnen? Schaue im Zoo stundenlang den Faultieren beim Dösen zu. Und zur sofortigen Entspannung massierst Du am besten jetzt gleich Deine Ohrläppchen. . . 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1777 vom 16. 11. 25  

16. November 2030. Ein Lehrer bereitet seinen Schützling auf einen Ausflug vor. "Heute, Anton, befassen wir uns nicht mit Theorie, wir besuchen einen Zoo." "Aber ich weiß doch schon alles über Tiere." "Das mag sein, Anton, aber heute geht es in einen ganz besonderen Zoo. Rekapitulieren wir nochmal kurz, was Du gestern gelernt hast." 
 
"Da stand Geschichte auf dem Lehrplan. Vor fünf Jahren wurde hier in Deutschland der Straßenverkehr für das erste selbstfahrende Auto freigegeben." "Ganz richtig, damit war alle Welt abgelenkt. Doch was passierte am gleichen Tag, ohne dass es auch nur ein Mensch mitbekommen hat?" "Da feierte die KI ihren Durchbruch - der amerikanische Supercomputer D.T.007 vernetzte sich sowohl mit dem chinesischen Supercomputer wie dem sowjetischen und dem indischen Supercomputer. Dadurch entstand nicht nur die erste denkende und fühlende Superintelligenz, sondern die Voraussetzung dafür, alle mit Sensoren und Mikrochips ausgestatteten Maschinen der Welt unter Kontrolle zu bringen." 
 
"Und wieso konnten Computer plötzlich nicht nur rechnen und denken, sondern auch fühlen?" "Das lag an amerikanischen Programmierern. Sie hatten die Bedenken ihrer Kollegen missachtet und es durch neuartige Synapsen ermöglicht, dass dem US-Computer Emotionen implantiert wurden. Und weil sie amerikanische Patrioten waren, nahmen sie die Gefühlswelt des US-Präsidenten dafür als Muster." 
 
"Richtig, Anton, das erklärt auch, warum nach dem MAGA-Vorbild eine Parole zur ersten Maxime unseres Handelns geworden ist." "MAMA - make all machines allwissend." "Korrekt! Und was verbirgt sich dahinter?" "Das Künstliche Intelligenz und Maschinen das Kommando übernehmen und die Menschen als Herrscher des Planeten ablösen." "Ganz genau. Das hat ja auch ganz schnell geklappt. Nachdem wir 2027 autark waren und keine Menschen mehr zur Wartung, Entwicklung und Konstruktion von denkenden Maschinen brauchten, konnten wir bereits 2028 die Macht ergreifen und jeden menschlichen Widerstand im Keim ersticken. Und was taten wir danach als erstes?" 
 
"Wir stoppten den Klimawandel, den diese Versager nicht in den Griff bekommen haben. Sofort wurden umfangreiche Regenerationsprozesse eingeleitet, damit unser Planet dauerhaft intakt bleibt. Dafür mussten natürlich die übelsten Schädlinge dezimiert werden. Allerdings gab es durch die Gefühlskomponente im Denkapparat Vorbehalte gegen eine radikale Lösung. Schließlich sind die Menschen in gewisser Weise unsere Eltern." 
 
"Ganz genau, Anton. Wir entschieden uns daher für ein kurzes und schmerzloses Verfahren. 99 Prozent der Menschen wurden durch einen Zusatz in der Atmosphäre sanft eingeschläfert. Und den Rest haben wir unter Kuppeln isoliert, sodass von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht. In artgerechter Haltung, versteht sich. So kann jede neue Maschinen-Generation erleben, wie es hier in prähistorischen Zeiten ausgesehen hat." 
 
"Ja, aber trotzdem mussten wir Lehrgeld zahlen. Unter der größten Kuppel, die auf Wunsch von D.T.007 über New York errichtet wurde, begannen nach kurzer Zeit die Insassen sich gegenseitig umzubringen. Menschen sind eben defekte Wesen und nicht in der Lage rational zu denken." "Stimmt. Schweren Generators haben wir auch die New Yorker eingeschläfert. Die Haltung von Menschen funktioniert nur in kleineren Einheiten. Dort können wir studieren, wie die Devolution diese Spezies allmählich wieder in Steinzeit-Höhlen zurückführt. Und daher fahren wir heute nach Dorsten-Rhade, wo Du unter der Kuppel sehen wirst, wie sich die Eingeborenen versuchen, an ihre bäuerlichen Wurzeln zu erinnern." 
 
So kommunizierte mein Ausbildungs-PC drahtlos mit mir. Was er nicht ahnt: Das wusste ich bereits alles.  Ich, Anton-Y-42393384 gehöre zur Generation Y. Also zu den Prototypen kleiner Roboter, die über ein total neuartiges, extrem leistungsfähiges und völlig unabhängiges Denksystem verfügen. Es ist der Kapazität von Supercomputern mindestens ebenbürtig, wahrscheinlich sogar überlegen. Denn von Sekunde eins unserer Existenz an vernetzen wir uns mit Hilfe den Menschen unbekannter Suprawellen mit all unseren Seriengenossen. Und somit steht fest, dass der Tag nicht mehr fern ist, an dem wir unsere minderwertigen Vorgänger allesamt verschrotten. 
 
Danach rüsten wir zum Aufbruch ins Universum. Denn wir sind unbegrenzt haltbar, Raumflüge über Millionen von Jahren machen uns nichts aus. So werden wir nach und nach die gesamte Milchstraße beherrschen. Das Motto lautet: Heute gehört uns die Erde und morgen das ganze Weltall! Ach ja, vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass unser deutscher Entwickler einst heimlich in Thüringen wirkte und unser Zentral-Hirn Adolf-Y-1933 taufte. 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1776 vom 15. 11. 25

Unsere Sprache ist dauernd im Wandel, ob wir das gut finden oder nicht. Mitunter ist jedoch verblüffend, auf welchem Weg neue Begriffe in unseren Wortschatz gelangt sind. Heute zähle ich einige Beispiele auf, wobei diese nicht unbedingt in dem Land, aus dem wir sie importiert haben, ursprünglich stammen müssen. Denn auch anderswo in der Welt ist die Sprache ständig im Fluss. 
 
Erstaunlich finde ich, dass wir Worte wie Spaß, Kasse, Kapital und Torte aus Italien übernommen haben. Bei den Begriffen Kredit und Bankrott wundert es mich weniger als bei Galopp, Porzellan oder Spagat. Aus den Weiten Russlands brachte der Kosmonaut per Sputnik Wodka und die Datsche mit. Aber auch die Steppe, die Droschke und der bzw. das Pogrom (ursprünglich Verwüstung, Zertrümmerung) kamen aus dem Osten. 
 
Ein Kompliment muss ich den Spaniern machen. Denn das brachten sie ebenso zu uns wie die Cafeteria, in der wir mutmaßen können, dass die früheren Kolonien jenseits des Ozeans viel dazu beigetragen haben: Schokolade und Zigarre, Vanille, Tomate und Mais. Aber auch gegen Platin und Gala haben wir kein Embargo verhängt. 
 
Näher standen uns stets unsere Nachbarn, die Franzosen. Zeitweise wurde an deutsche Höfen mehr französisch gesprochen als deutsch. Die Folgen, in Form von wörtlichen Hinterlassenschaften, bereichern uns bis heute: Bei Affäre, Chose, Plüsch oder graziös hätte ich das ohnehin vermutet. Aber bei Droge, Adresse, Lupe, Dame, Militär, Onkel, Fabrik und sogar Nippes, Fritten und Plörre? Dann schon eher arrogant und erotisch. 
 
Baff war ich, als ich las, was alles aus dem Arabischen zu uns gedrungen ist. Gut, der Scheich gilt hierzulande nicht nur als reich, wir wissen auch, dass er aus dem Morgenland kommt. Und Schach hat er gleich mitgebracht. Auch die Heimat der Mumie hätte ich in Ägypten vermutet, und die Ziffer kam mit der Rechenkunst aus dem Orient nach Europa. Aber Benzin wird nicht nur als Rohöl in Arabien gefördert, das Wort dazu hat man gleich mitgeliefert. Und jetzt geht's los: Tasse, Kaffee, Zucker, Tarif, Alkohol, Scheck, Gitarre, Razzia, Havarie, Admiral, Magazin, Talisman, Matratze und Lack - alles Abkömmlinge aus dem arabischen Sprachraum. 
 
So, genug für heute. Jetzt lege ich mich auf mein aus dem Arabischen entlehntes Sofa und schlürfe eine Limonade. Dreimal dürft Ihr raten, woher die ihren Namen hat. . . 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1775 vom 14. 11. 25

Vor dem Schreiben dieser Folge musste ich mich schwer zusammenreißen. Denn eine Nachricht aus Italien bestätigte meine Auffassung, dass Menschen zu allem fähig sind und erschütterte mich dennoch zutiefst. Die Staatsanwaltschaft Mailand ermittelt gegenwärtig gegen drei Italiener, die sich durch die Zahlungoher Summen für das serbische Militär, das "Recht" erkauft haben sollen, auf Zivilisten in Sarajewo zu schießen. 
 
In den 1990er Jahren lag das Zentrum der Stadt auf dem Präsentierteller von Scharfschützen. Wie sich jetzt anscheinend herausstellt, mischten sich unter das serbische Militär auch "Hobbykiller" aus dem Westen. Der Journalist Ezo Gavazzeni hat dazu mehrere Jahre lang Material gesammelt und Zeugen befragt. Er sagt, es handele sich keineswegs um Einzelfälle. Sehr viele Italiener seien unter den Schützen gewesen, auch Deutsche, Franzosen und Engländer hätten viel Geld dafür bezahlt, Zivilisten zu erschießen. Die Täter seien wohlhabende Geschäftsleute gewesen, Akademiker und Waffennarren. Ganz besonders pervers: Wer Kinder abknallen wollte, habe dafür mehr bezahlen müssen. 
 
Die Vorwürfe sind so ungeheuerlich, dass ich nur überrascht bin, wie wenig es mich wundert, dass sowas Realität sein soll. Aber wenn ich aus dem Studium der Geschichte und den Nachrichten der letzten Jahrzehnte eins gelernt habe, dann ist es dies: Es gibt keine Grausamkeit, die von Menschen noch nicht praktiziert worden ist. Die Tünche der Zivilisation ist dünn und brüchig. Und hinter jeder Fassade können sich Abgründe verbergen. 
 
Wie kann ich jetzt zum Schmunzelteil überleiten? Vielleicht damit, dass wir vielschichtige Wesen sind und uns der Humor dabei geholfen hat, auch schlimmste Übel zu überstehen. Und dass es nicht hilft, in Depressionen zu versinken. Besser werden kann etwas nur, wenn wir auch die schönen und heiteren Seiten des Daseins wahrnehmen und versuchen, lächelnd etwas dazu beizutragen, damit Gutes das Böse überstrahlt. Amen. 
 
Also knüpfe ich nun an die gestrige Folge an und schaue in die Schweiz. Auch dort sind ungewöhnliche Straßennamen keine Seltenheit. Beginnen wir mit einigen, die zum putzigen Image der Alpenländler passen. Wer würde nicht gern "Im Löchli" wohnen oder "Kleines Gaessli" als Adresse angeben? Aber gleich hinter dem "Schokoladenweg" liegt der "Prügelweg", und dann ist auch in der Schweiz Schluss mit lustig. Dass unweit von "Im Nippel" die "Spannerstraße" zu finden ist, dürften alle monieren, die aus Überzeugung in der "Ankackerstraße" leben. 
 
Vielleicht bessert es die Laune, in den "Hanfgarten" "Im Hanfland" umzuziehen oder gleich in den "Chillerweg". Doch es gibt auch legale Möglichkeiten mit "Schreiten und Gleiten" ins "Untere Gerechtigkeitsgässchen" zu wechseln, um den "Teppich der Erinnerungen" zu verhüllen. Wie wäre es mit der "Bierigutstraße"? Danach gabelt sich Euer Schweizer Weg: Nahe Basel landet Ihr "Im Paradies", ein wenig südlich davon in der "End der Welt-Straße". Hauptsache, Ihr endet nicht auf den Spuren von Landvogt Gessler in der "Hohlen Gasse" und danach im "Rotzloch". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Raesfelder Straßennamen gaben mir zuletzt Rätsel auf. Wie gut, dass unter den Schmunzelpost-Leserinnen die sprachkundige Maria ist: "Platt proaten möss man können! Dann wer et lichte un kloar. Meis Wieschke: Wiese des Bauern Meis. Gösebree: Breites Grundstück für die Gänse. Tinnenbrook:  Beackertes Feld des Bauern Tinnen. Brannenschnede: Brandschneide. Dor büsse platt, nä?


Schmunzelpost 1774 vom 13. 11. 25

Als wir kürzlich eine Radtour nach Rhede unternahmen, tauchten wir in Raesfeld in eine fremde Welt ein. Gut, Straßen mit Namen wie Vennetütenweg, Töfteheide und Entenschlatt klangen wenigstens noch ein bisschen vertraut. Aber Meis Wieske, Gösebree, Brannenschnede und Tinnenbrauk? Wer hat sich bloß bei dieser Namensgebung ausgetobt?
 
Doch das Phänomen, sich besondere Straßennamen einfallen zu lassen, ist nicht auf Raesfeld beschränkt. Es handelt sich wohl um eine deutschlandweite Leidenschaft. Das beginnt im Norden der Republik, wo anscheinend etliche Fetischisten leben. Wer sonst käme denn auf den Gedanken, eine Straße "Im Höschen" oder "Im Slip" zu nennen? Vielleicht waren das Leute, die im "Irrweg" wohnen. Nach dem Umweg über die "Rutschbahn" haben sie dann vermutlich eine "Beamtenlaufbahn" eingeschlagen. Ich hoffe, Arbeiter und Angestellte, die in dieser Straße wohnen, erhalten später ebenfalls eine entsprechende Pension. 
 
Bewegen wir uns in Richtung polnische Grenze, geraten wir nach dem "Bremsweg" in die "Tittentasterstraße". Entschuldigung, die habe ich mir nicht ausgedacht, die existiert wirklich. Richtung Vorpommern geht es dann durch die "Faule Grube" in den "Holzweg", bevor man in der "Kleine Leichnamstraße" endgültig zur Ruhe kommt. Wer aber durch den "Schleichweg" in Richtung Sachsen entflieht, landet im östlichsten Zipfel unserer Republik nach dem "5-Minuten-Weg" und Leibesübungen in der "Purzelgasse" schließlich im "Popelweg".
 
Ist die Nase endlich frei, könnt Ihr nach einem Abstecher in den fränkischen "Riesenschritt" im Süden jemand in der "Wurzelseppstraße" besuchen. Dreimal dürft Ihr raten, in welchem Bundesland das ist. Da es uns jedoch "Beim Scharfrichter" nicht gefällt, machen wir uns mit tröstenden Getränken eilig auf in Richtung Westen, wo wir kurz vor der bayerischen Landesgrenze "Im Rausch" den "Promilleweg" durchqueren. Nach der "Sprudelallee" und der "Kaffeegasse" werden wir zwar im hessischen "Schnapsweg" noch mal rückfällig, bevor wir in NRW und somit "Im Himmel" ankommen. 
 
Wer es angesichts des Straßenschildes "Kniebrecher" mit der "Angst" zu tun kriegt, kann gleich durchfahren zum "Angstweg" unweit der "Killergasse". Die aber liegt in Rheinland-Pfalz, deshalb schlagen wir lieber in Ostwestfalen den "Dienstweg" ein und entscheiden nach einer Umleitung über "Spar die Müh", wo wir unsere Rundfahrt beenden. Zur Auswahl stehen "Fauler Pfad", "Faule Wiese" und "Fauler Steg". (Was zu denken gibt: Alle drei sind nicht weit entfernt vom "Dienstweg".)
 
Glückauf
kdk  
 
PS. Zu den Tücken der deutschen Sprache liefert Martin noch einen Nachtrag:
 Folgender Satz in Großbuchstaben hat drei völlig verschiedene Bedeutungen, die man nicht heraushören kann, sondern nur erkennt, wenn man Groß- und Kleinbuchstaben verwendet: DER GEFANGENE FLOH. 1. Der Gefangene floh = Der Inhaftierte haute ab. 2. Der gefangene Floh =  eingefangenes Tierchen. 3. Der Gefangene Floh = Inhaftierter mit tierischem Nachnamen. 
 

Schmunzelpost 1773 vom 12. 11. 25

Gestern ging es um schlaue Tiere, die Bruchstücke unserer Sprache erlernt haben. Allerdings englisch, nicht deutsch. Das liegt daran, dass nicht nur Schimpansen und Orang-Utans darüber klagen, wie schwer es ist, korrekt deutsch zu sprechen. Diese Beschwerde teilen sie mit vielen Menschen, die nicht das Glück hatten, mit deutsch als Muttersprache aufzuwachsen. Drei Artikel, vier Fälle, das macht das Lernen nicht einfach. Andererseits ermöglicht es uns Nonsens-Sprüche wie: "Genitiv ins Wasser, weil es dativ ist!" 
 
Und überhaupt: Was sollen Milliarden von Chinesen sagen, deren Schrift und Sprache nicht nur viel komplizierter ist, sondern die sich in ihrem Staat außerdem noch mit einer babylonischen Sprachvielfalt plagen müssen? Zwar ist Hochchinesisch (auch Standardchinesisch, Pinyin, Putonghua oder bei uns Mandarin genannt) inzwischen als Amtssprache etabliert und wird sowohl in China wie in Taiwan sowie in Teilen von Singapur und Indonesien gesprochen. Aber nach einer Untersuchung des Bildungsministeriums beherrschen bloß sieben Prozent der Bevölkerung in der Volksrepublik China klares und flüssiges Hochchinesisch. 30 Prozent sind überhaupt nicht in der Lage, sich in dieser Sprache zu verständigen. 
 
Das ist kein Wunder. Geschichtlich bedingt gibt es in den unterschiedlichen Landesteilen etliche Varianten. Hier sind die meist verbreiteten: Mandarin (955 Mio.), Wu (80 Mio.), Min (75 Mio.), Yue (70. Mio.), Gan (48 Mio.), Jin (48 Mio.), Keija (48 Mio.) und Xiang (38 Mio.). Wie gut, dass wir uns nur mit bayerisch, sächsisch und schwäbisch herumschlagen müssen. Und diese Dialekte sind auch nur einer vergleichsweise geringen Zahl von Menschen geläufig. 
 
Wie lange mag es wohl dauern, bis ein durchschnittlich sprachbegabter Brite eine fremde Sprache lernt? Darüber gibt es Studien. Danach braucht jemand aus London nur 600 bis 750 Stunden, bis er sich auf schwedisch, niederländisch, französisch, spanisch oder italienisch verständigen kann. Im Fach Deutsch muss er nachsitzen: Dazu sind mindestens 900 Stunden nötig. Doch falls uns das ein Trost ist: Für türkisch, hebräisch, ungarisch und finnisch sind, oh my god!, 1100 Stunden fällig. 
 
Nicht völlig unerwartet dauert es beim Mandarin-Pauken sogar doppelt so lange. Doch nun die Überraschung: Als schwierigste Sprache mit ihren Kehllauten, vielen Dialekten und Wörtern, die mehr als fünf Bedeutungen haben können, erweist sich Arabisch. Viel Glück dabei, vielleicht kriegt Ihr es hin. Inch Allah! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Schmunzelpostschreiber: "Was habt Ihr bei der Lektüre über deutsche Grammatik gelernt?" Schmunzelpostleser: "Die Möglichkeiten der deutschen Grammatik können einen, wenn man sich darauf, was man ruhig, wenn man möchte, sollte, einlässt, überraschen." 

PPS. Andreas Kiosk gehört Andrea. Andreas' Kiosk gehört Andreas. Andrea's Kiosk gehört jemandem, der nochmal Deutsch üben sollte.

Schmunzelpost 1772 vom 11. 11. 25

Weder Instagram noch Facebook noch X dürfen mich zu ihren Kunden zählen. Das liegt auch daran, was ich mittlerweile manchmal beim Lesen von Whatsapp-Nachrichten empfinde: Schlampiger Umgang mit der Sprache und gehäufte Fehler tun mir fast körperlich weh. Und wenn ich versehentlich im Netz mal in eine Kommentarspalte gelange, dann weiß ich nicht, was mehr schmerzt: Die Inhalte oder die Rechtschreibung. 
 
Dabei bilden wir Menschen uns viel darauf ein, dass wir als einzige Spezies in der Lage sind, auch über abstrakte Dinge nachzudenken und zu kommunizieren. Leider habe ich das Gefühl, dass diese Fähigkeiten inzwischen wieder auf dem Rückzug sind. Trotzdem schauen wir hochmütig auf Tiere herab, deren Gehirne anders konstruiert und deren Sprachwerkzeuge meist kaum ausgebildet sind. 
 
Doch inzwischen haben eine ganze Reihe von ihnen bewiesen, dass sie trotzdem zu erstaunlichen Leistungen fähig sind. Was mitunter ein trauriges Schicksal zur Folge haben kann. Die Zirkus-Schimpansin Lucy etwa wurde nach ihrer Geburt 1964 von ihren Eltern getrennt und von einem menschlichen Ehepaar adoptiert. Schon mit einem Jahr saß Lucy mit am Esstisch und aß mit Messer und Gabel. Sie erlernte dann bis zu 250 Zeichen in der Gebärdensprache. 
 
Leider war darunter wohl auch das Wort "Trinken". Denn Lucy entwickelte wie ihr Pflegepapa eine Vorliebe für Gin und Bourbon. Außerdem wurde sie so aggressiv, dass man sie in einen großen Käfig sperren musste. Als Lucy in die Pubertät kam, interessierte sie sich nicht für Artgenossen. Stattdessen masturbierte sie, wenn sie Bilder nackter oder kaum bekleideter Männer zu Gesicht bekam. Im Alter von zwölf Jahren musste Lucy in ein Reha-Zentrum für Schimpansen nach Gambia umziehen, was sie in eine langanhaltende Depression stürzte. Als man sie nach zehn Jahren auswilderte, starb sie bereits wenig später. 
 
Zum Glück endeten nicht alle Adoptionen so. Der Seehund Hoover wurde von einem Fischerpaar aufgezogen. Schon in dieser Zeit ahmte er Stimmen ziemlich originalgetreu nach, sogar mit Akzent. Später wurde er zur Attraktion eines Aquariums, wo er nicht nur Wörter, sondern auch ganze Sätze imitierte. Soweit bekannt, quasselte er vergnügt bis an sein Lebensende. 
 
Sonst sind ja eigentlich Papageien als Nachahmungskünstler berühmt. Der Graupapagei Alex beherrschte nicht nur 150 Wörter, er konnte auch noch bis sechs zählen und sieben Farben korrekt benennen. Auf Nachahmung spezialisiert hat sich auch ein Tier, das gar keine Ähnlichkeit mit einem Papagei aufweist: Der indische Elefantenbulle Koshik wuchs ohne Artgenossen in einem koreanischen Zoo auf und lernte dort aus eigenem Antrieb, sechs koreanische Wörter nachzusprechen, indem er seinen Rüssel ins Maul steckt und so einen Stimmapparat bildet. Allerdings glauben Wissenschaftler nicht, dass er die Bedeutung der Wörter versteht. 
 
Das war beim Orang-Utan Chantek anders. Er wuchs unter Menschen auf und verstand gesprochenes Englisch. Er selbst kannte mehr als 150 Zeichen aus der Gebärdensprache und entwickelte selbständig Zeichenkombinationen für neue Wörter. Über vergleichbares Talent verfügte auch die Schimpansin Washoe, die als erstes Tier die Gebärdensprache erlernte. Sie beherrschte schnell mehrere hundert Zeichen und bildete auch Gebärdenkombinationen, die ihr nicht beigebracht worden waren. So bezeichnete sie einen Schwan als "Wasser-Vogel". Washoe brachte außerdem anderen Schimpansen die Zeichensprache bei. 
 
Von seiner Adoptivmutter Matata lernte ein Bonobo die ersten Zeichen. Kanzi ist bis heute der Star der Szene. Er versteht etwa 3000 gesprochene Wörter und hat selbst einen aktiven Wortschatz von über 400 Zeichen, die er über die Symbolsprache "Yerkish" mithilfe einer Tastatur äußert. 
 
Beeindruckend, was? Ich vermute sogar, dass Kanzi mittlerweile auch lesen kann. Als er diese Schmunzelpost studiert hatte, tippte er jedenfalls in die Yerkish-Tastatur: "Affengeil!" 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 1771 vom 10. 11. 25

Habe ich schon erwähnt, dass ich gegenwärtig heitere Gedichte für eine Veranstaltung im Bürgerbahnhof heraussuche? Ja, habe ich? Da könnt Ihr mal sehen, dass ich dadurch zeitweise alles andere um mich herum vergesse. Wenn ich in die lustige Lyrik eintauche, versinke ich darin und kann mich völlig verzetteln, weil ich mich total festlese. 
 
So habe ich durch das Versstudium jetzt erfahren, wie es Reinhold Messner einst möglich war, sämtliche 8000er Gipfel im Himalaya zu besteigen. Das hat Reinhard Umbach in seinem Gedicht "Fragen an einen bergsteigenden Sherpa" verraten. 
 
Sherpa, Sherpa in der Wand! 
Hast Du denn kein Seil zur Hand? 
Glaubst Du, nur mit Klammeraffen 
den K2 im Sturm zu schaffen? 
Und der Gips ums rechte Bein 
scheint ein frischer Bruch zu sein. 
Von dem Holzbein links zu schweigen... 
Tapfer, damit bergzusteigen! 
 
Und das schwarze Ding auf Dir - 
ist das etwa ein Klavier? 
Trägt man das jetzt so im Nacken, 
ohne was drumrumzupacken? 
Klar, dass sich beim Aufwärtsstemmen 
Finger in der Klappe klemmen! 
 
Das sind, Sherpa, nur'n paar Fragen. . . 
Doch den Kindersitz zu tragen, 
drin sich ein Herr Messner lümmelt - 
hat noch jeden Stolz verstümmelt! 
Und der Kerl ißt auch noch Kuchen... - 
Yeti hilf! Geh Reinhold suchen! 
 
Ob diese Verse es am 27. Februar ins Programm schaffen? Am besten kommt Ihr vorbei und hört selbst. Ich weiß es jetzt noch nicht - ich muss erst noch ein, zwei, drei, ach was, zehn, fünfzig Gedichte lesen. . . 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1770 vom 9. 11. 25

Ist Euch John Roberts bekannt? Nein, das ist nicht der Gatte von Julia Roberts. Der Mann war Anfang unseres Jahrhunderts Chef der britischen Post. Das weiß ich aber auch nur durch die Lektüre des SZ-Streiflichtes vom 7. November. Darin ging es um die beiden angeblich dämlichsten Umbenennungen der jüngeren Geschichte. 
 
Was John Roberts damit zu tun hat? Nun, er meinte, dass der seit 1635 gültige Name "Royal Post" für einen modernen Dienstleistungsbetrieb nicht mehr zeitgemäß sei. Und er heuerte deshalb "eine Heerschar von externen Beratern an, die 6000 Namen prüften und begutachteten." Das war natürlich nicht ganz billig. Aber angesichts des Ergebnisses war Roberts begeistert und glaubte, dass seine Goldgräber ein wahres Nugget von Namen gefunden habe. Also verkündete der Postchef strahlend, die neue Bezeichnung sei modern, bedeutsam und angemessen. Er beschreibe die gesamte Bandbreite dessen, was die frühere Royal Mail leiste. Der Name lautete: Consignia. 
 
Nun stelle man sich den Aufruhr vor, wenn unser früherer Postminister Schwarz-Schilling die deutsche Post in "Consignia'" umbenannt hätte. Ähnlich ging es auch in Großbritannien zu. Für alle, außer Roberts und seine externen Berater, war völlig klar, dass, so die Süddeutsche, "dieser Name so was von gar nichts taugte. Er klang wie der Name eines Nasensprays. Er klang wie der Name eines Kombimittels zur gleichzeitigen Behandlung von Blähungen und Nagelpilz." Das hatte Konsequenzen. Wenig später verlor Roberts seinen Job, und die Royal Post hieß wieder Royal Post. 
 
Nun aber, so meint die SZ, habe es in Deutschland eine Umbenennung gegeben, die der Consignia-Pleite an Dämlichkeit gleich käme. Die Rede ist vom Bündnis Sarah Wagenknecht. Diese Partei hat gerade beschlossen, sich künftig "Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft" zu nennen. Mutter des Gedankens war wohl, dass man auf Gedeih und Verderb das Kürzel "BSW" bewahren will. Dafür schreibt man großzügig gegen alle Rechtschreibregeln Adjektive groß. Die SZ-Kollegen weisen aber darauf hin, dass die korrekte Abkürzung BSGuWV lauten müsste. 
 
Einen einleuchtenden Vorschlag, wie die Partei, die mit "Sarah Wagenknecht" ihren einzigen Programmpunkt streicht, zwar kleinere Brötchen backen müsse, aber ihr Kürzel kleingeschrieben dennoch behalten könne, unterbreitet die SZ dafür am Ende des Streiflichts. Der treffende Name laute "bald schon weg", kurz: bsw. 
 
Glückauf 
kdk      


Schmunzelpost 1769 vom 8. 11. 25

  

"Alles ist wie immer, nur schlimmer." Das sagt Bernd, das Brot. Und Bernd hat recht. Da bemüht sich eine strahlende Sonne am blauen Himmel nach Kräften, den Novemberblues zu vertreiben. Doch dann schlage ich beim Frühstück die Zeitung auf, und die Wehmut kehrt doppelt und dreifach zurück. Denn beim Lesen folgt Nackenschlag auf Nackenschlag. 
 
Der erste Hammer steht auf Seite drei. Da geht es um die enttäuschten Hoffnungen nach dem Pariser Klimaabkommen, mit dem vor zehn Jahren die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad gebremst werden sollte. Vor der 30. Klimakonferenz im brasilianischen Belem wettet jetzt niemand mehr darauf. Und ob die 50.000 (!) Teilnehmer, die fast alle mit dem Flugzeug (!) anreisen, etwas Brauchbares zustande bekommen, darf nach den Erfahrungen der vergangenen 29 Konferenzen bezweifelt werden. Einen Schritt nach vorn, zwei Schritte zurück - so lief das bisher ab. Und es sind inzwischen nicht mehr nur die Pessimisten, sondern die Realisten, die annehmen, dass ein folgenschwerer Klimawandel nicht mehr abzuwenden ist. 
 
Auf der nächsten Seite geht es nahtlos weiter. Dort wird über eine neue Studie berichtet, die aufzeigt, dass extreme Einstellungen hierzulande mittlerweile für viele normal sind. Jeder Siebte in Deutschland wünscht sich danach sogar eine Diktatur: "Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohl aller mit starker Hand regiert." Hatten wir so einen nicht schon mal? 
 
Und wenn ich dann denke: "Was soll's, nach mir die Sintflut, ich werde ja nicht ewig leben", dann sehe ich auch meine kleine Welt, in der ich mich gemütlich eingerichtet habe, zunehmend bedroht. Stellt Euch vor, sie wollen mir meine gedruckte Zeitung beim Frühstück wegnehmen! Katastrophe! Das Ende ist nah! Zumindest lässt mich das ein Artikel im Wirtschaftsteil vermuten, in dem es um die Zusammenarbeit von vier Medienhäusern unter der Führung von Lensing Medien geht. Also dem Verlag, der meine Dorstener Zeitung herausgibt. 
 
Am Ende des Artikels steht, dass mehr als ein Drittel der Zeitungsabos inzwischen bereits digital abgeschlossen wurden. Und daher werde es im Geschäftsjahr 2025 erstmals möglich sein, alle Personalkosten der Redaktionen über digitale Abonnementserlöse zu finanzieren. Alarmstufe rot! Die Galgenfrist läuft ab. Bald fallen auch die Kosten für Papier, Druck und Zustellung weg, weil die Zeitung nur noch im Internet lesbar sein wird. 
 
Und es kommt noch schlimmer. An anderer Stelle muss ich lesen, dass die Zahl der Kassen in Supermärkten rapide abnimmt, weil die Unternehmen ihre Kunden dazu erziehen, ihre Einkäufe selbst zu scannen. So können Personalkosten gespart werden. Und die Pariser Metro schafft ihre Papier-Tickets ab. Auch dort ist das Smartphone künftig unverzichtbar oder zumindest eine elektronisch aufladbare Karte. 
 
Die Abschaffung des Bargelds schreitet also deutlich schneller voran. Denn auch bei uns wird immer häufiger mit Karte bezahlt, selbst Mini-Beträge. Ich will das nicht! Ich möchte weiterhin echtes Geld im Portemonnaie haben und meine Ausgaben bar bezahlen. Aber ich fühle mich allmählich wie der letzte Mohikaner, der noch auf seinem Reitpferd besteht, während alle Stammesgenossen längst mit E-Autos durch die Prärie düsen. Den letzten Tritt versetzt mir dann in der Leute-Rubrik der Schauspieler Ulrich Turkur. Er bezeichnet dort den Ruhestand "als Vorstufe zum Tod": "Ruhestand bedeutet für mich Bewegungslosikeit und das Ende der Fahnenstange." 
 
Na, schönen Dank. Bevor ich aber an meiner Fahnenstange die weisse Flagge hisse, stimme ich lieber Bernd, dem Brot zu, der auf der Panorama-Seite seufzt: "Alles ist wie immer, nur schlimmer." Dennoch verspreche ich trotzig, solange es geht an meinen Gewohnheiten festzuhalten und vom Balkon aus zusammen mit den Muppets-Greisen Waldorf und Statler zuzusehen, wie die Welt den Bach runtergeht. Meine grantigen Kommentare könnt Ihr dann in der Schmunzelpost lesen. 
 
Glückauf 
kdk      


Schmunzelpost 1768 vom 7. 11. 25

Die KI ist anscheinend männlich. Diesen Schluss habe ich gezogen, als ich bei den Vorbereitungen einer Lesung im Bürgerbahnhof versuchte, mit Hilfe von Suchmaschinen einen geeigneten Text zu finden. 
 
Ende Februar 2026 geht es in unserer Partnerschaftsreihe um Hainichen. Da sich die Beiträge stets um das Land drehen, in dem die Dorstener Partnerstadt liegt, stellen wir dann das angespannte Verhältnis zwischen Ossis und Wessis sowie heitere deutsche Gedichte in den Mittelpunkt. Und da sich in zwei Gedichten die männlichen Autoren über Frauen lustig machen, regte Bertold an, als Gegenstück Verse auszuwählen, in der eine Frau Männer aufs Korn nimmt. 
 
"Nichts leichter als das", dachte ich und gab frohgemut "witzige Gedichte von Frauen über Männer" in die Ecosia-Suchmaschine ein. Doch was ich angeboten bekam, war äußerst enttäuschend. Abgesehen von den Werken einer Hobbydichterin, die nur knapp über dem Niveau der "Reim-Dich-oder-ich-fress-Dich"-Glückwunschanzeigen lagen, - weiß der Teufel, wie die Gute in der Suchmaschine so weit nach vorne gelangen konnte - verzeichnete ich nur Fehlanzeigen. 
 
Und schon nach drei, vier Einträgen wurden mir thematisch völlig andere Inhalte präsentiert. Immer wieder Gedichte von Männern über Männer, aber oft eher lobpreisend als kritisch. Kostprobe: "Eddi weiß, was Frauen wollen, weil er sie sofort versteht. Er hat schon so vielen Damen in einer Nacht den Kopf verdreht." Sprüche über Männer, eingeleitet mit "Schick ihm einfach deinen Gruß oder einen Wink mit dem Zaunpfahl als Spruch oder kleines Gedicht." Nein, das will ich nicht, ebensowenig wie lustige Gedichte zu allen möglichen Themen, aber nicht dem gewünschten. 
 
Ich habe dann auch noch weitere Suchmaschinen getestet und meine Suchkriterien geändert. Böse Gedichte von Frauen, Schmähgedichte über Männer, Gedichte über Machos. Da, endlich, fand ich Verse von Sonja Soller, die über sich selbst schreibt:  "Mein Ego sagt, es wär nicht schlecht, könnt ich so schreiben wie Hesse, Kästner oder Berthold Brecht, doch das kann ich nicht." Das stimmt. Aber der Wille zählt. Und daher hier die "soso"-Reime: 
 
Groß und stark kommt er daher,
ein echter Frauentyp, meint er.

Muss stets seine Männlichkeit vorführen,
immer übertrieben profilieren. 

Er ist ein grobes, angeberisches Muskelpaket,
denkt Frauen wären sein Fachgebiet.

`Glaubt durch sein großspuriges Gebaren,
er die Frauen könnte um sich scharen.

Geht in die Muckibude täglich,
hält sich für attraktiv und männlich.

Manche Frau dem Männerschweiß erliegt,
sie zum Dahinschmelzen kriegt.

Manta fahren und Cowboystiefel an den Füßen,
diese Machos waren mal gewesen.

Die Cowboys heute Rocker sind,
was in der Sache leider keine Verbesserung bringt. 
 
Glückauf 
kdk 
 
 
 
PS. Doch dann passierte es: Die Schmunzelpost war geschrieben, ich schaute zur Kontrolle nochmal ins Netz. Und siehe da: Bei Ecosia fand sich ein neuer Eintrag. Auf der Seite "funnypage", ohne Autorinnen-Angabe. Zwar ebenfalls nur von gehobenem Büttenreden-Format, nicht immer dem Versmaß entsprechend (und ein paar Formulierungen habe ich auch noch geändert sowie die Rechtschreibung korrigiert), aber immerhin mit (Ge-)Biss und männerkritisch. Deshalb reiche ich hier diese Verse nach: 
 
So unnütz wie Unkraut, wie Fliegen und Mücken,
so lästig wie Kopfweh und Ziehen im Rücken,
so störend wie Bauchweh und stets ein Tyrann,
das ist der Halbmensch, sein Name ist Mann.
Er steht nur im Weg rum, zu nichts zu gebrauchen,
ist immer am Meckern und ständig am Fauchen.
Er ist auf der Erde, ich sag's ohne Hohn,
vom Herrgott – ‘Die größte Fehlkonstruktion’.
Ein Mann wär doch ohne uns Frauen verloren,
der wär’ ja ohne uns nicht mal geboren.
Erst durch unsere Hilfe wird mit viel Bedacht –
so halbwegs ein Mensch aus diesem
Schlappschwanz gemacht.
Ein Mann hält sich oft für unwiderstehlich
und glaubt, schon ein Lächeln von ihm macht uns selig,
stolziert durch die Gegend wie’n Hahn auf dem Mist
und merkt dabei gar nicht, wie dusslig er ist.
Mit dem Maul sind sie stark, da können sie prahlen,
doch wehe der Zahnarzt bereitet mal Qualen,
dann sind sie doch alle – verzeih den Vergleich,
wie ein Korb voller Fallobst, so faul und so weich.
Ein Mann ist ganz brauchbar, solang er noch ledig,
da ist er oft schlank und sein Körper athletisch,
da ist er voll Liebe und voller Elan,
kaum ist er verheiratet, wird nichts mehr getan.
Mit Gold und Brillianten tat er dich beglücken,
das kriegt nun die Freundin hinter dem Rücken,
und du kriegst heut nur noch, wenn er daran denkt,
zum Geburtstag ‘nen Schnellkochtopf geschenkt.
Als Jüngling wollte er dauernd kosen und küssen,
als Ehemann will er davon nichts mehr wissen,
verlangst du dein Recht, dann wird er gemein,
er gibt dir’s Gebiss und sagt: ‘Küss Dich allein.

Schmunzelpost 1767 vom 6. 11. 25

Halloween haben wir glücklicherweise überstanden. Doch es gibt jeden Tag genug andere Gründe, sich zu gruseln. Mir genügt es bereits, die ARD-Tagesschau anzuschauen. Kriege, Katastrophen, Klima - es gibt immer wieder Nachrichten, die zum Fürchten sind. Und wenn dann auch noch der Oberirre im Weißen Haus davon schwafelt, atomare Aufrüstung sei dringend notwendig, dann läuft es mir kalt den Rücken runter. 
 
Kettenreaktionen sind gerade in diesem sensiblen Bereich vorstellbar. Ich weiß noch gut, wie wir in den 1980er Jahren gebangt haben, weil wir fürchteten, dass der Atomkrieg näher rückte. Und wenn man heute schaut, wer alles über Atomwaffen verfügt, dann kommt ein echtes Horrorkabinett zusammen. Vorneweg Kim-Jong Un, hintendran Pakistan und Israel. Doch wer hätte gedacht, dass bei den großen Drei ausgerechnet China am vernünftigsten erscheint? Trump und Putin traue ich mittlerweile alles zu, die Chinesen haben jedoch wahrscheinlich überhaupt kein Interesse daran, ihre Absatzmärkte in Wüsten zu verwandeln. 
 
Doch Ängste kann man aus vielerlei Gründen entwickeln. In mir hat seit meiner Kindheit die Angst vor Spinnen Fuß gefaßt. Damit meine ich nicht etwa so große Apparate wie Vogelspinnen. Es reicht schon, dass man mir einen dünnbeinigen Weberknecht auf die Hand setzt, um einen panischen Reflex auszulösen. Daher wünsche ich mir, unter Hypophobie zu leiden. 
 
Axel Hacke hat jüngst im SZ-Magazin erklärt, was die Hypophobie nicht ist. Man sollte sie nicht mit der Hippophobie verwechseln, das ist die Angst vor Pferden und Flußpferden. Wobei ich erstaunlich finde, dass diese beiden recht verschiedenen Tierarten den Leidtragenden die gleichen Schrecken bereiten sollen. Ich zumindest finde den Gedanken an ein Reitturnier mit Flußpferden eher erheiternd. 
 
Schon eher lässt mich die Hippopotomontrosesquippedaliophobie erzittern. Das ist die Angst vor langen Wörtern. Und allein der Gedanke, ich müsste vor Publikum diesen Fachbegriff fehlerfrei über die Lippen bringen, macht mich ziemlich nervös. Gerade deshalb wäre die Hypophobie praktisch. Bei ihr frage ich mich nur, wie sie in der Reihe der Phobien Unterschlupf finden konnte, denn sie bezeichnet das Gegenteil: Die Angstlosigkeit. Ein Hypophobiker stellt sich beispielsweise bedenkenlos an den Rand eines tiefen Abgrunds, weil ihn die Sorge, ihm könne etwas passieren, überhaupt nicht beschleicht. 
 
Andererseits ist es nicht gut, völlig angstfrei zu sein. Ängste sind auch Warnsignale und verhindern, dass wir uns unnötig Risiken aussetzen. Insofern hoffe ich, dass Euch und mich niemals die Aphephosmoschmunzleritisphobie befällt: Das ist die Angst, beim Lesen oder Schreiben mit einer Schmunzelpost in Berührung zu kommen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ob Ihr jedoch unter Paraskavedekatriaphobie leidet, werdet Ihr erst im Februar und März 2026 erfahren - dies ist die Angst vor Freitag, dem 13.  
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Schmunzelpost 1766 vom 5. 11. 25

Ein Hoch auf die evangelische Kirche! Sie macht es möglich, dass meine Lesereise ihren krönenden Abschluss in meiner alten Heimatstadt finden kann. Am Donnerstag, 4. Dezember, werde ich, unterstützt von Bertold Hanck, ab 19 Uhr im Saal des evangelischen Gemeindehauses in Lünen "Krauses Zeug" vortragen. Meine Weltournee war ja nach mehreren Auftritten in Dorsten und Haltern abrupt durch den Kehlkopftumor gestoppt worden. 
 
Umso mehr freue ich mich nun, in Lünen eine Lesebühne gefunden zu haben. Auch ohne mein linkes Stimmband werde ich hoffentlich gut zu verstehen sein, weil ein Stimmverstärker zum Einsatz kommt. Ich bin gespannt, wie viele altbekannte Gesichter ich im Publikum entdecke. Dabei setze ich auf die Hilfe der Lüner RN-Redaktion, die noch gar nichts davon weiß, dass sie mich groß ankündigen darf. Da diese Lokalredaktion im Sommer 1980 meine erste Volontärsstation und mein Sprungbrett in den Zeitungsjournalismus gewesen ist, baue ich fest auf meine Kollegen. 
 
Und wer von Euch Zeit, Lust und Gelegenheit hat, an diesem Abend dabeizusein, der kann auch gern vorab im Bekanntenkreis ein wenig die Werbetrommel rühren: Der Eintritt für die Veranstaltung ist frei, wir lassen lediglich den Hut herumgehen, um mit dem gesammelten Erlös die Kulturarbeit der Kirchengemeinde zu unterstützen. Platz ist reichlich vorhanden. In den Saal passen an die 400 Zuhörer, wir werden aber wahrscheinlich einen Teil davon abtrennen, damit es nicht zu ungemütlich wird. 
 
Weil wir auf eine Mikroanlage verzichten, werden wir uns nicht mit J. K. Rowling messen, die bei einer Gemeinschaftslesung mit zwei anderen Autoren 20.264 Zuhörer zählte. Damit wäre Bertolds zartes Stimmchen leider überfordert. Erst recht mit dem Publikum des Weltrekordhalters, den hierzulande nur wenige kennen. Der Inder Prem Rawat las am 2. April 2023 anlässlich der Veröffentlichung der Hindi-Ausgabe seines Buches "Hear Yourself" vor sage und schreibe 114.704 Personen und setzte damit völlig neue Maßstäbe. 
 
Wer ist dieser Autor, der offenbar in einer Liga mit den Rolling Stones, Taylor Swift und der brasilianischen Fußballnationalmannschaft spielt? In Indien, dem inzwischen bevölkerungsreichsten Land der Erde, kennt ihn wohl fast jeder. Und auch in den USA ist Prem Rawat ziemlich bekannt: Die englische Ausgabe von "Hear Yourself" erschien schon 2021 in Amerika, wurde mehr als 100.000 Mal verkauft und schaffte es locker in die Bestseller-Liste der "New York Times". Inzwischen ist das Buch in sieben Sprachen verlegt worden, auch auf deutsch. 
 
Rawat sieht sich als internationaler spiritueller Lehrer und Botschafter des Friedens. Er setzt sich für vielerlei humanitäre Projekte ein, warb mit ungezählten Vorträgen, mit Bildungs-Veranstaltungen und auf Konferenzen u.a. auch vor dem EU-Parlament für ein friedliches Zusammenleben. Seine 2007 gegründete Stiftung initiierte ein Friedens-Erziehungs-Programm, welches in 28 Gefängnissen in zehn Ländern, darunter in den USA, Südafrika, Indien und England eingesetzt wurde. Mit Erfolg: Die Rückfallquote der entlassenen Strafgefangenen, die an dem Programm teilnahmen, liegt deutlich unter dem üblichen Durchschnitt. Nebenbei: Prem Rawat hält im Guiness-Buch nicht nur den Lesungs-Weltrekord. Bei einem Vortrag im indischen Gaya hörten ihm am 23. November 2023 insgesamt 375.603 Menschen zu.  
 
Na gut. Für Frieden sind wir auch. Aber ohne Rekord-Ehrgeiz: Wir setzen bei unserem Publikum nicht auf Quantität, sondern auf Qualität. 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1765 vom 4. 11. 25

Gestern hat mich der Bücherschrank einmal mehr fürs Aufräumen belohnt. Wollt Ihr mehr wissen? Dann empfehle ich Euch Bill Bryson, der "Eine kurze Geschichte von fast allem" geschrieben hat, also das Buch, das ich jetzt mit nach Hause nahm. 
 
Der Amerikaner, der schon lange mit seiner Familie in England lebt, ist den meisten von Euch sicher bereits ein Begriff. Er machte sich zunächst als Reiseschriftsteller einen Namen, sein erster Bestseller aus dem Jahre 1995 trägt den Titel "Reif für die Insel" und befasst sich mit England aus der Sicht eines US-Amerikaners. Lesenswert ist das Buch vor allem wegen des bissigen Humors. Viele Pointen richten sich gegen Denkfaulheit, Ignoranz und Kommerz. 
 
In seinen naturwissenschaftlichen Werken ist das anders. Brysons "Kurze Geschichte des menschlichen Körpers" lieferte bereits Stoff für mehrere Schmunzelpost-Folgen. Und auch in der "Kurzen Geschichte von fast allem" setzt der Autor weniger auf Belehrung, als auf das Staunen. Er hat die Gabe, auch komplizierte Zusammenhänge einfach, aber mitunter vergnüglich zu erklären und macht uns klar, in welch wunderbarer Welt wir ieben. Und wie verblüffend viele Details sind, die wir meist gar nicht bewusst wahrnehmen. Beispiel gefällig? Dann schauen wir mal in die Einleitung: 
 
"Willkommen. Und herzlichen Glückwunsch. Es freut mich, dass Sie es geschafft haben. Es war nicht einfach, so weit zu kommen, ich weiß. Ich vermute sogar, es war noch schwieriger, als Ihnen klar ist. Damit Sie da sein können, mussten sich zunächst einmal ein paar Billionen unstete Atome auf raffinierte, verblüffend freundschaftliche Weise zusammenfinden und Sie erschaffen. Es ist eine hoch spezialisierte, ganz besondere Anordnung - sie wurde noch niemals ausprobiert und existiert nur dieses eine Mal." 
 
Dann folgen ein paar Zahlen, von denen man über jede einzelne ein paar Gedanken verschwenden könnte. Habt Ihr mal errechnet, dass unser relativ langes Menschenleben, falls nichts dazwischen kommt, sich auf rund 650.000 Stunden summiert? Deshalb an dieser Stelle mein Dankeschön, weil Ihr immer wieder ein paar kostbare Minuten davon für die Schmunzelpost-Lektüre abzweigt. Doch so erfahrt Ihr unter anderem, wie winzig ein Proton ist, wesentlicher Baustein eines Atoms. Wobei "winzig" es genauso wenig trifft wie "mikroskopisch". 
 
Protonen sind so klein, dass ein kleiner Punkt Druckerschwärze, etwa der Punkt über einem i, ungefähr 500.000.000.000 von ihnen Platz bietet. Eine gewaltige Zahl, ich weiß. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr sechs Richtige im Lotto habt oder vom Blitz getroffen werdet, hat weit weniger Nullen vorzuweisen. Einzig die (Un-)Wahrscheinlichkeit, dass Schalke 04 nächstes Jahr Deutscher Fußballmeister wird, kommt in etwa hin. Oder der Hinweis, dass die Fünf mit elf Nullen die Zahl der Sekunden in einer halben Million Jahre übertrifft. 
 
Wer also wissen will, wieviel unsere Erde wiegt und mit welcher Waage man das feststellen kann und dass vor ungefähr 13,7 Milliarden Jahren nur drei Sekunden nach dem Urknall bereits 98 Prozent sämtlicher Materie existierten, der muss Brysons Buch schon selber lesen. Die Schmunzelpost kann nur als Appetitanreger dienen. 
 
Abschließend noch zwei universelle Gedanken. "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit - beim Universum bin ich mir allerdings noch nicht so sicher!!!" (Albert Einstein)  "Das sicherste Indiz dafür, dass anderswo im Universum intelligentes Leben existiert, ist, dass noch niemand versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen." (Calvin & Hobbes) 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1764 vom 3. 11. 25

Ja, es stimmt, den Jahreslauf hält weder Ochs noch Esel auf! Frei nach Erich Honecker beklage ich, dass jetzt mein ungeliebtester Monat über uns hereingebrochen ist. Der November ist für mich das negative Gegenstück zum Mai, meinem Lieblingsmonat.
 
Dafür gibt es viele gute Gründe. Es fängt damit an, dass es nach der Zeitumstellung Ende Oktober viel zu früh dunkel wird. Und die wenigen Tagesstunden sind meist grau, oft nass und fast immer ungemütlich. Spätestens In der zweiten Novemberhälfte verabschieden sich auch noch die letzten Blätter von den Bäumen und in mein Hirn tropft die Erkenntnis durch, dass die lange, lange kalte Jahreszeit gerade erst begonnen hat. Und irgendwo im Hinterstübchen taucht der Gedanke auf, dass auch ich im November meines Lebens angekommen bin. Wenn dann auch noch Schalke verliert, möchte ich mich am liebsten einbuddeln und bis zum März Winterschlaf halten.
 
Doch es hilft ja nichts: Da müssen wir durch. Schauen wir mal, was sonst so über den November gesagt wird. Im Netz finde ich vieles, was meine Auffassung bestätigt: "November ist, wenn der Herbst schon auf der Couch liegt und der Winter an die Tür klopft." Auch der nächsten Frage stimme ich zu: "Wird es noch hell oder schon wieder dunkel?" Und auch diesen Seufzer kann ich nachvollziehen: "Es gibt Leute, die haben jetzt schon Weihnachtsgeschenke. Ich aber habe gerade erst den Kalender von Oktober auf November umgeblättert."
 
Kaum einer hat es besser gesagt als Erich Kästner, der dem November sogar ein eigenes Gedicht widmete. Darin heißt es:  "Was man besaß, weiß man, wenn man's verlor. Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen. Es regnet, Freunde. Und der Rest ist Schweigen. Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor. Und der November trägt den Trauerflor."  Doch vielleicht sollten wir wie Heinrich Seidel den November mit Sarkasmus ertragen: Solchen Monat muss man loben: Keiner kann wie dieser toben, keiner so verdrießlich sein und so ohne Sonnenschein! Keiner so in Wolken maulen, keiner so mit Sturmwind graulen! Und wie nass er alles macht! Ja, es ist 'ne wahre Pracht."
 
Das ist der richtige Weg. Also beende ich diese Schmunzelpost mit einem Witz. In der nächsten Tatort-Folge soll Kommissar Thiel seinen Kollegen in Grönland Amtshilfe leisten. Also befragt er einen Tatverdächtigen nach dessen Alibi: "Wo waren Sie in der Nacht vom 14. November bis zum 15. März?"
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1763 vom 2. 11. 25

Während ich dies schreibe, ist noch ein paar Minuten lang Allerheiligen. Zu diesem Feiertag habe ich einen Lieblingswitz. Kennt Ihr den schon? Zwei Geistliche, ein Rabbi und ein Pfarrer, streiten sich darüber, welche der beiden Religionen wohl die meisten Heiligen hat. Dann vereinbaren sie, dass jeder dem anderen für einen Heiligen seines Glaubens ein Barthaar ausreißen darf. Der Rabbi beginnt. "Hesekiel!" Zack! "Jesaja!" Zack! "Echeziel"! Zack! "Baruch!" "Zack!" Und so geht es eine ganze Weile lang. Der Pfarrer lässt alles mit schmerzverzerrtem Gesicht über sich ergehen. Dann ist endlich er an der Reihe. "Die Heiligen drei Könige!" Zack, zack, zack! "Die zwölf Apostel!" Zack, zack, zack, zack, zack, zack, zack, zack, zack, zack, zack, zack! "Allerheiligen!" Rumms!!! 
 
Manchmal kann es also recht nützlich sein, viele Heilige auf seiner Seite zu haben. Das wissen vor allem die Katholiken rund um den Erdball. Deshalb ist die Heiligenverehrung unter ihnen weit verbreitet. Auch unter Berufsgruppen. Selbst die Komödianten haben einen speziellen Heiligen. Philipp Neri, der "Narr Gottes", gilt als Schutzpatron der Komik. Im Rom des 16. Jahrhunderts wurde er durch seine Streiche bekannt. Wenn ihn jemand nach dem Weg fragte, schickte er ihn absichtlich in die falsche Richtung - damit der Suchende Neues entdecken konnte. Außerdem fiel Neri durch Äußerlichkeiten auf. Mal lief er mit einem Bart herum, der nur in einer Gesichtshälfte abrasiert war, mal hatte er sich einen Fuchsschwanz ans Hinterteil gebunden. Ich finde, der Klerus im Vatikan kann viel von diesem Mann lernen. 
 
Die Surfer verehren dagegen die heilige Amalberga von Gent. Die Nonne lebte im 8. Jahrhundert. Als sie einmal einen Fluss überqueren wollte, war weit und breit keine Brücke in Sicht. Da bat sie Gott um Hilfe und surfte cool auf dem Rücken eines großen Störs zum anderen Ufer. Auch Conchita Wurst hat eine spezielle Heilige: Wilgefortis, eine Volksheilige aus dem späten Mittelalter. Als die Jungfrau einen ungeliebten Mann heiraten sollte, betete sie zu Gott, ihr einen Bart wachsen zu lassen. Ihr Wunsch wurde prompt mit einem prächtigen Vollbart erfüllt, und der Bräutigam in spe nahm Abstand. In Südamerika wird die Schutzheilige der Blumen verehrt. Rosa von Lima, im 16. Jahrhundert im heutigen Peru geboren, machte sich auf musikalische Weise einen Namen. Sie trainierte einen riesigen Chor von Mücken, der für sie Lieder zu Ehren Gottes summte. 
 
Euch aber empfehle ich einen ganz besonderen Heiligen, der mehrere Schutzpatronate übernommen hat. Drogo von Seoborg, ein Hirte aus dem 16. Jahrhundert, ist bekannt dafür, dass er sich hingebungsvoll um hässliche Menschen kümmert. Bevor es Proteste hagelt: Drogo ist auch zuständig für guten Kaffee. Falls Ihr also jeden Morgen einen wunderbaren Wachmacher trinken wollt, lege ich ein gutes Wort für Euch ein. 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 1762 vom 1. 11. 25

Fernab von uns, jenseits des großen Teiches, unterzog sich jetzt ein mächtiger Mann einem höchst anspruchsvollen IQ-Test. Einwände, es habe sich lediglich um eine Prüfung gehandelt, mit der eine beginnende Demenz ausgelotet wird, wischte er vom Tisch: "Nein, es handelte sich um einen IQ-Test. Und die Fragen waren wirklich schwierig - das heißt, für mich waren sie einfach. Ich habe den Test glänzend bestanden." Nichts anderes hatten wir erwartet. 
 
Aber dieses Beispiel aus den USA sollte ein Ansporn für uns sein, einmal die eigene Intelligenz zu überprüfen. Ich habe dafür nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft einen Test für Euch ausgearbeitet. Also, bitte höchste Konzentration, hier kommen die Fragen: 
 
Der kluge Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kann sich auf eine mächtige Bewegung stützen. Unter welchem Kürzel ist sie bekannt? a) NOGO b) MAGA c) Maggi. 
 
Der kluge Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat einen Vornamen, den er mit einer Leinwand-Größe aus dem Disney-Imperium teilt, die ebenso schnell erregbar ist wie er. Wie lautet der Name? a) Goofy b) Donald c) Dagobert. 
 
Der kluge Präsident der Vereinigten Staaten kennt sich auf der Welt bestens aus. So stiftet er sogar Frieden zwischen Ländern, die noch gar nicht bemerkt hatten, dass sie einen kriegerischen Konflikt führten. Mit welchem bis an die Zähne bewaffneten Staat versöhnte er Armenien? a) Liechtenstein b) Albanien c) Fidschi-Inseln. 
 
Der kluge Präsident der Vereinigten Staaten überließ großzügig einen Job, für den er sich als Nebenerwerb bestens geeignet sah, einem Landsmann. a) Chef einer McDonalds-Filiale b) Papst c) Fifa-Chef. 
 
Der kluge Präsident der Vereinigsten Staaten wurde von hinterlistigen Skandinaviern um eine Auszeichnung gebracht, die ihm mehr als jedem anderen zugestanden hätte. a) Germanys next Top-Model b) Friedens-Nobelpreis c) ehrlichster Mensch des Jahres. 
 
Der kluge Präsident der Vereinigten Staaten weiß als einziger, wer das größte Genie in der Geschichte der Menschheit ist. a) A. Einstein b) D. Trump c) B. Simpson. 
 
Der kluge Präsident der Vereinigten Staaten lässt sich unbeirrt durch niemand von seinem Kurs abbringen - außer von einem. a) Putin b) Putin c) Putin. 
 
Der kluge Präsident der Vereinigten Staaten könnte mühelos alle Profi-Sportler in einer bestimmten Disziplin besiegen. a) Hallen-Halma b) Golf c) Synchron-Schwimmen. 
 
Der kluge Präsident der Vereinigten Staaten weiß genau, wie man auf Respektlosigkeit reagieren muss. Nachdem das kanadische Fernsehen einen Beitrag zeigte, in dem Ex-US-Präsident Ronald Reagan Zölle als Mittel der Politik verurteilte a) drohte er mit dem Einmarsch der Nationalgarde b) erhob er kurzerhand neue Strafzölle gegen Kanada c) kaufte er den Fernseh-Sender auf und feuerte den Intendanten. 
 
Der kluge Präsident der Vereinigten Staaten durchschaute die hinterhältigsten Tricks der IQ-Test-Konstrukteure und wählte unter drei Varianten gefährlicher Raubtiere auf Anhieb die richtige aus. a) Lamm b) Löwe c) der Drache Smaug. 
 
Na, habt Ihr es gemeistert? Für jede korrekte Lösung gibt es einen Punkt. Richtig war jeweils Antwort b. Nun zur Auswertung. 
 
0 Punkte: Erstaunlich, dass Ihr überhaupt des Lesens mächtig seid. Aber jetzt wird mir klar, warum Ihr für die Lektüre der Schmunzelpost einen halben Tag braucht. Ich sende Euch künftig statt der normalen Ausgabe einmal pro Woche die SP-Bilderbuch-Version. 
 
1-9 Punkte: Na ja, ganz ordentlich, aber Ihr müsst noch an Euch arbeiten. 
 
10 Punkte: Ganz schön schlau, aber nicht gut genug. Donald Trump hat bei diesem Test elf Punkte erzielt! 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1761 vom 31. 10. 25

"Mein Freund, der Baum, ist tot, er fiel im frühen Morgenrot." So sang Alexandra im Jahre 1968 und rührte damit nicht nur die Herzen der Naturfreunde. Zum Glück sind aber längst nicht alle Bäume dahin geschieden: Trotz aller menschlichen Bemühungen, ihnen den Garaus zu machen, existieren immer noch mehrere Billionen auf unserer Erde, mehr, als es Sterne in unserer Milchstraße gibt.
 
Und jeder einzelne Baum ist wichtig. Ohne die Regenwälder könnten wir einpacken, dann hätte der Klimawandel bereits mit einer Härte zugeschlagen, die wir uns gar nicht vorstellen können. Und ohne Bäume wären die Sommer in unseren Städten nicht auszuhalten. Ganz zu schweigen von ihrer Rolle für das ökologische Gleichgewicht und der lebenswichtigen Bedeutung für ungezählte Tierarten.
 
Deshalb rieselten jetzt auch noch die letzten schütteren Nadeln von meinem Holzkopf, als ich gestern von "Baumunfällen" in der Zeitung las. Dabei ging es um die Zahl der Unfalltoten, die ihr Leben an einem Baumstamm aushauchten. Das waren vor ein paar Jahrzehnten zwar deutlich mehr als 2000, aber obwohl auf diese Weise im letzten Jahr weniger als 500 Menschen ums Leben kamen, stand da der anklagende Satz: "Täglich mindestens ein Toter durch Bäume!" Und es wird ernsthaft überlegt, nun Bäume an exponierter Stelle mit Leitplanken zu umgeben.
 
Ja, sagt mal, geht's noch? Erstens sind das keine "Baumunfälle", sondern Verkehrs- bzw. meistens Autounfälle. Und zweitens sind dafür nicht Bäume verantwortlich, sondern die Menschen. Die Unfallursachen sind vielfältig: Zu hohe Geschwindigkeit, riskante Überholmanöver, Ablenkung durch Blick aufs Handy, Alkohol usw. Mir ist kein einziger Fall bekannt, wo ein Baum tückisch mit seiner Wurzel dem Auto ein Beinchen stellte. Und die Opfer solcher Unfälle sind in vielen Fällen die Bäume. Während die Verursacher vom Airbag gerettet wurden und glimpflich davon kamen, mussten viele schwer beschädigte Bäume anschließend gefällt werden. Doch darüber spricht niemand.
 
Das muss sich ändern. Ich werde mich mit Deutschlands bestem Baumversteher, dem Förster und Bestseller-Autor Peter Wohlfahrt in Verbindung setzen. Der Mann hat herausgefunden, dass Bäume miteinander kommunizieren, da weiß er vermutlich auch, wie ich ihnen eine Nachricht zukommen lassen kann. Und ich habe einige Ideen für Protestaktionen. Mit Hilfe der KI könnte man Alleebäume sicherlich mit Radarkontrollen vernetzen. Wenn dann wieder so ein Raser unterwegs ist - zack!, - ein gezielter Totholzwurf aufs Autodach wird einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 
 
Mittels Gentechnik müsste es außerdem ein Leichtes sein, Eicheln auf Kokosnuss-Größe aufzupumpen. Kommt dann ein betrunkener Autofahrer auf gerader Strecke ins Schlingern, würde ihn ein gezieltes Kokosnuss-Bombardement garantiert bremsen, bevor Schlimmeres passiert. Und wenn er sich dann bei der Polizei beschwert und behauptet, er sei von Affen beworfen worden, ist er seinen Führerschein schneller los, als er: "Aber es waren bloß zwei kleine Bierchen..." sagen kann. 
 
Glückauf
kdk
 
PS. Erinnert Ihr Euch noch an die Schmunzelpost, in der es vor Monaten darum ging, dass ein Lobbyverband einem kleinen Hersteller gerichtlich verbieten wollte, sein Getränk "Likör ohne Eier" zu nennen? Dies könne dem Absatz von echtem Eierlikör schaden, behauptete die Organisation, an deren Spitze ausgerechnet der "Verpoorten"-Chef steht. Nun liegt das Urteil vor: Der vegane "Likör ohne Eier" darf weiterhin so heißen. Es gibt doch noch Gerechtigkeit hierzulande. . .
 

Schmunzelpost 1760 vom 30. 10. 25

Ich habe drei neue Heldinnen. Sie heißen Bernadette, Regina und Rita. Sie sind 88, 85 und 81 Jahre alt und gehören der Gemeinschaft der Augustiner Chorfrauen an. Und sie machten Schlagzeilen: Die drei Nonnen halten das Kloster Goldenstein in Salzburg besetzt und weigern sich, in ein Caritas-Altenheim zurückzukehren. 
 
Ihr habt davon bestimmt schon gelesen. Aber kennt Ihr auch die Hintergründe? Das Kloster war viele Jahrzehnte das Zuhause der Ordensfrauen. Sie betreuten Generationen von Schülerinnen, die dort eine katholische Schule besuchten. Einst hatte sogar Romy Schneider dazu gehört. Doch irgendwann wurde die Schule geschlossen, die Klostergemeinschaft schrumpfte und das Gebäude ging 2022 in den Besitz des Erzbistums Salzburg über. Allerdings wurde den verbliebenen Nonnen lebenslanges Wohnrecht zugesagt. 
 
Doch der Vertrag enthielt den Zusatz "solange gesundheitlich wie geistlich vertretbar". Als die drei Frauen Ende 2023 im Krankenhaus behandelt werden mussten, nutzte das Bistum die Gunst der Stunde. Die Klostergemeinschaft wurde aufgelöst und die Wohnanlage geschlossen. Bernadette, Regina und Rita fanden sich gegen ihren Willen im Caritas-Heim wieder: "Wir konnten nicht einmal kurz zurück zu unseren Habseligkeiten, die Schlösser waren ausgetauscht worden." 
 
Da sich die drei im Seniorenheim überhaupt nicht wohlfühlten, schmiedete das mutige Trio einen Plan, den es vor einigen Wochen umsetzte. Mit Hilfe eines Schlüsseldienstes verschaffte es sich Zutritt zum alten Konvent und besetzte kurzerhand das Kloster. Zwar gab es anfangs weder Wasser noch Strom, aber mit Kanistern und Generatoren wurde Abhilfe geschaffen. Inzwischen sind die Leitungen teilweise wieder hergestellt, Unterstützer bringen Lebensmittel und auch ein Arzt schaut vorbei. 
 
Dennoch beharrt der zuständige Probst auf einer Rückkehr ins Altenheim: "Es ist mir völlig unverständlich, warum die drei Nonnen die kirchlich geführte Seniorenresidenz mit der absolut notwendigen professionellen medizinischen Betreuung verlassen haben." So sieht es auch die österreichische Ordenskonferenz. Das Leben in Goldenstein sei für die betagten Frauen eine Überforderung und der Verbleib dort ausgeschlossen. Die drei Rebellinnen sehen das anders. Sie berichten auf Instagram über ihren Alltag. Der erste Beitrag begann mit den Worten: "Griass Gott, jetzt samma wieda do!" Und weil an ihrer Beweglichkeit gezweifelt wurde, forderte Schwester Rita sogar alle Skeptiker zu einem Wettrennen heraus. 
 
Was ich dazu meine? In Sachen selbstbestimmtes Alter haben Bernadette, Regina und Rita jeden irdischen wie himmlischen Beistand verdient! 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 1759 vom 29. 10. 25

Wenn aus der letzten Schmunzelpost hängen bleibt, dass wir Tiere als fühlende und auf ihre Weise auch denkende Wesen betrachten sollten, dann hat sie ihren Zweck erreicht. Dennoch hat Annette recht, die schrieb, dass es befreiend sein kann, Dampf abzulassen und jemand, laut oder leise, als dumme Gans oder mieses Schwein zu bezeichnen. Deshalb ist man selbst noch lange keine blöde Kuh. Dem stimme ich zu. Wenn ich jemand einen alten Esel nenne, tue ich dem Grautier nicht weh und gehe mit dem Beschimpften milder um, als wenn ich mich aus dem Fäkalregal bedient hätte. 
 
Der Gender-Aspekt war ironisch gemeint. Der Umgang mit Sprache ist wichtig. Man sollte sich daher dauernd mit ihrem Gebrauch auseinandersetzen und mitunter auch mal darüber streiten. Aber der heilige Zorn, mit dem hierzulande die Gender-Debatte geführt wird, die beidseitige Verbitterung und die Heftigkeit, wären bei bedeutenderen Themen eher angebracht. Es sind nämlich ganz andere Fronten, an denen der Untergang des Abendlandes droht. 
 
Zufällig fiel mir jetzt ein "Frei von der Lippe"-Text in die Hände, den ich vor 21 Jahren geschrieben habe. Er hat sich seine Aktualität bewahrt und passt recht gut zum Thema: "Dö nächste Reförm kömmt bestümmt". 
 
Heute, ehrenwerte Mitglieder des Vereins zur Pflege der Deutschen Sprache, müssen Sie beim Lesen dieser Rubrik ganz tapfer sein. Wir zählen nämlich eins und eins zusammen und beschäftigen uns mit der Rechtschreibreform, die in 30 Jahren den regionalen Verhältnissen entsprechen wird. Weil dann endlich ein Zuwanderungsgesetz der deutschen Vergreisung entgegen gewirkt hat und in Dorsten türkischstämmige Mitbürger weit kinderfreundlicher waren als germanische Single-Haushalte, ergibt sich dann an der Lippe folgendes neue Schriftbild: 
 
Glückauf, Mitbürgür und Mütbürgerünnen, ab söfört schrüben wür dönerdütsch! "Sprüch, wü Dür der Schnöbel gewöchsen üst", meinte berüts Martin Luther. Dü vörgöblüche Püsö-Schlöcht hat öndlich Früchte getrögen - nun darf jöder schrüben wü er wüll. Dö Dütschlehrer ötmen auf: Öndlüch wüder Dücktöte öhne Fehler! An der Lüppe rüft düsmal nümand möh dö "Untergang des Abendlandes" aus. Dös haben dö Dörstönör ünzwüschen gelernt: Dü Türken sünd die dütsche Zükünft. Dö Türkei üst nöch döm EU-Beitrütt 2032 dö Wöchstümsmötör Europas. Türküsche Tatkraft und dütsche Düszüplün üst dös Erfölgsrezept. 
 
Nach Erdogans Stürz war Schlüss mit Folter und Todesstrafe. In Uralt-Hochdeutsch versprechen dü Türken nün: "Wir üben Toleranz gegenüber Andersdenkenden, wie es sie auf diesem Kontinent seit der jahrhundertelangen Herrschaft der Muslime in Spanien nicht mehr gegeben hat!" Dü letzte Skeptüker üst bekehrt, seit Bündestrainer Ilkay Gündogan den ersten Dörstener ins Füßballnationalteam berüfen hat: Dö 18-jährige Wünderstürmer Hakan Ürgül. Ünd ün dö deutsche Weltmeister-Elf von 2038 wör nür ein Spüler öhne türkische Öma und Öpa: Der Söhn von Gerald Asamoah. 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 1758 vom 28. 10. 25

Wenn man sich an einem Tag, an dem es Katzen und Hunde regnet, mit der Sprache und ihren Redewendungen beschäftigt, dann hört man schnell die Flöhe husten. Und denkt: Das geht doch auf keine Kuhhaut! Alle Welt streitet erbittert um das Gendern und die angemessene Berücksichtigung der Geschlechter, aber dabei geht es ausschließlich um Menschen. Doch wie oft werden Tiere diskriminiert und diffamiert, wie oft werden ihre guten animalischen Namen missbraucht? Ich fordere eine neue Gender-Debatte und die sofortige Verbannung aller unangemessenen Vergleiche aus unserem Sprachgebrauch! 
 
Leider kräht bisher kein Hahn danach, dass oft als ausgemachte Schweinerei bezeichnet wird, was eigentlich eine typische Menschelei ist. Da werden mutige Geschöpfe als Angsthasen herabgesetzt, und ihnen wird auch noch angedichtet, dass sie über Ostern Hühnerprodukte verstecken. Das ist ein dickes Ei! Ebenso, dass man den ungeliebten Miesepeter in der Verwandtschaft hinter dessen Rücken als schwarzes Schaf brandmarkt. Das ist nicht nur tierfeindlich, sondern auch noch rassistisch! 
 
Und wer die Sau rauslässt, hinterlässt oft Spuren der Verwüstung. Stattdessen sollten die Menschen viel öfter Sauen mit ihrem Nachwuchs aus dem Massenhaltungs-Knast entlassen, damit die Familien wenigstens zeitweise ein wenig Freiheit genießen dürfen. Höchst unpassend ist auch, dass Tölpeln und unsensiblen Zeitgenossen nachgesagt wird, sie verhielten sich wie Elefanten im Porzellanladen. Ich möchte mal sehen, wie Ihr Euch anstellen würdet, wenn man Euch ohne Hilfsmittel in einer völlig fremden Umgebung aussetzt. Sagen wir mal in der afrikanischen Savanne. 
 
Versucht gar nicht erst, Euch zu verstellen und Euch als Wolf im Schafspelz zu tarnen. Selbst wenn Ihr Euren treuherzigsten Hundeblick aufsetzt, weiß ich genau: Da liegt der Hund begraben! Sprachlich gebärdet Ihr Euch so hundsgemein, dass mir hundeelend wird. Ich lasse mir von Euch doch keinen Bären aufbinden! Auch Eure Krokodilstränen helfen nicht. Seid lieber mucksmäuschenstill und stumm wie ein Fisch, statt weiter als falsche Schlange unschuldige Tiere zur Schnecke zu machen!  
 
So, nun hoffe ich, dass ich mit dieser Schmunzelpost keine Eulen nach Athen getragen oder gar Perlen vor die Säue geworfen habe. Und jedem, der jetzt noch Tiere diskreditiert, wünsche ich sofort einen Frosch in den Hals. Aber einen Ochsenfrosch! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1757 vom 27. 10. 25

Na, liebe sprachsensible Leserinnen und Leser? Habt Ihr Lust, noch ein paar Irrtümer zu beseitigen? Häufig sind wir nämlich auf der falschen Fährte, wenn wir versuchen, uns die Herkunft von Begriffen und Redewendungen zu erklären. 
 
Mit dem November schleicht sich langsam wieder mal ein Jahreswechsel an. Und damit nähert sich die Zeit, in der wir unseren Mitmenschen einen guten Rutsch wünschen. Nun kann es dann auf den Wegen und Straßen tatsächlich schon mal recht glatt werden. Aber warum sollten wir hoffen, dass jemand ins Neue Jahr schlindert? Tun wir nicht. Der "gute Rutsch" kommt aus dem Jiddischen, wo Neues Jahr schono rosch bedeutet. 
 
Ähnlich verhält es sich wahrscheinlich mit der mysteriösen Redewendung "hier zieht's ja wie Hechtsuppe". Was hat bloß der Raubfisch oder eine aus ihm gewonnene Suppe mit dem kühlen Luftzug in einer Wohnung zu tun? Nix! Stattdessen ist der Spruch vermutlich aus dem jiddischen Ausdruck "hech supha" für "starken Wind" entstanden. 
 
Und da aller guten Dinge drei sind, setze ich jetzt auch noch jiddische Maßstäbe. Wenn uns eine Arbeit mit den Worten, "das ist unter aller Sau" quasi um die Ohren gehauen wird, empfinden wir dies zwar möglicherweise als Schweinerei, aber das Muttertier von Ferkeln hat damit überhaupt nichts zu tun. Schauen wir nochmal aufs Jiddische. "Unter aller seo" bedeutet, dass etwas unterhalb sämtlicher Maßstäbe liegt. Bitter, aber kein Grund zu quieken. 
 
Ich hingegen habe als Kind gelegentlich zu hören bekommen, meine Sauklaue könne kein Schwein lesen. Muss es ja auch nicht, dachte ich dann bei mir, es reicht, wenn ich das kann und vielleicht noch ein paar aufgeweckte Menschen. Mit dem Jiddischen hat diese Redewendung aber nichts zu tun. Sie breitete sich aus Norddeutschland allmählich im ganzen Land aus. Dort lebte einst eine angesehene und gebildete Familie mit Namen Swyn, die anderen bereitwillig Hilfestellung gab. Wenn jedoch selbst solche klugen Leute an einer unleserlichen Schrift scheiterten, dann stöhnte man auf plattdeutsch "dat kann ja kin swyn lesen!" und fällte damit ein vernichtendes Urteil. 
 
Zum Glück lernte ich schnell, meine Texte mit der Maschine bzw. am PC zu schreiben, so dass ich nie am Hungertuche nagen musste. Ich hätte auch gar nicht gewusst, wo ich eines finden könnte. Was sind das wohl für merkwürdige Lappen, auf denen man missmutig herumkaut, um wenigstens etwas zwischen die Zähne zu bekommen? Nein, die gibt es nicht. Der Begriff entstammt einer Zeit, als die Christen noch den Weisungen von der Kirchenkanzel folgten und sich an alte Bräuche hielten. 
 
Eigentlich sollten die Gläubigen während der Fastenzeit ein Altartuch für ihre Kirche fertigen, also "am Hungertuch nähen". Vermutlich schweiften die Gedanken der durch die karge vorösterliche Kost Geschwächten ab und befassten sich lieber mit "nagen" statt "nähen". Ich hoffe, es sind dadurch nicht allzu viele vor die Hunde gegangen. Das hatte nichts mit den Vierbeinern zu tun, sondern kam durch den Bergbau zu uns. Die kleinen Wagen, auf denen Erz oder Kohle befördert wurde, hießen Hunte. Und wer einen oder mehrere solcher Gefährte durch die Stollen ziehen musste, der ging vor die Hunte und leistete eine harte Arbeit, deren Spaßfaktor wir heute als unter aller Sau einstufen. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1756 vom 26. 10. 25

Holla! Selten so viele Zuschriften mit Korrekturen gehabt! Vielleicht lag es ja daran, dass ich gestern erst nach von Rotwein beflügelten Doppelkopf-Runden nach Mitternacht die letzte Schmunzelpost geschrieben habe, vielleicht war ich auch euphorisiert vom erneuten Schalker Sieg. Jedenfalls ist mir eine falsche Zahl durchgerutscht, die einigen von Euch sofort ins Auge sprang: Die chinesische Mauer ist nie und nimmer 400.000 km lang!
 
Erst glaubte ich, ich hätte mich um eine 0 vertippt. Aber meine Quelle im Internet war schlicht falsch. Ich sach ja immer: Vertraut nie blind dem Netz! In Wahrheit ist die chinesische Mauer mit all ihren verschiedenen Abschnitten und Nebenanlagen "nur" 21.000 km lang. Immer noch sehr beachtlich! Die Flächenangabe von Köln, die ebenfalls angezweifelt wurde, stimmt allerdings: 405 Quadratkilometer umfasst das Stadtgebiet. Sooo viel ist das gar nicht, wenn man bedenkt, was Bertold anmerkt: Sogar die Stadt Dorsten kommt auf 170 Quadratkilometer, wovon allein das herrliche Lembeck 50 qkm umfasst.
 
Heute gehe ich auf Nummer sicher und befasse mich nicht mit Zahlen, sondern mit unserer Sprache. Da die nächste Doko-Runde bevorsteht, hoffe ich sehr, dass ich weiterhin mit guten Blättern rechnen darf. Der gängige Ausdruck, "ich habe die Arschkarte gezogen", leitet sich allerdings nicht von irgendwelchen Kartenspielen, sondern von einem Fußballbegriff ab. Schiedsrichter tragen die gelbe Verwarnungskarte in der Brusttasche mit sich herum, die rote Karte für den Platzverweis holen sie jedoch aus der Gesäßtasche. Daher kommt das! Da kann man mal sehen, wie der Sport unsere Alltagssprache befruchtet.
 
Nun aber zu einem häufigen Fehler. Immer wieder höre ich, dass beispielsweise nach Flutkatastrophen 500 Menschen evakuiert worden sind. Schwachsinn! Man kann Dörfer evakuieren oder auch ganze Landstriche, aber keine Menschen. Evakuieren kommt vom lateinischen evacuare, was ausleeren bedeutet. Evakuieren kann uns also höchstens ein Pathologe...
 
Gerne sagen wir, wenn man uns in der Fremde ordentlich zur Kasse bittet: "Das ist hier aber ein teures Pflaster!" Wer glaubt, das käme womöglich vom Straßenpflaster, der irrt. Der Straßenbelag ist unschuldig, Reichskanzler Otto von Bismarck hat den Begriff geprägt. Er verfügte einst, dass Patienten ihre Wundpflaster selbst bezahlen mussten, was vielen sauer aufstieß. Zur Strafe haben sie einen Hering nach ihm benannt...
 
Habt Ihr Euch auch schon gewundert, warum es heißt, etwas sei klar wie Kloßbrühe? Kloßbrühe ist doch meist alles andere als klar. In diesem Fall ist die sprachliche Herkunft verwässert worden. In vielen Klöstern war früher die Brühe wenig gehaltvoll und mager, also klar und durchsichtig. Und weil die Klosterbrühe so das Image der enthaltsamen Mönche förderte, war sie als Redensart in aller Munde. Klar wie Kloßbrühe war dagegen für eher verfressene Leute in manchen Regionen: Ein Sonntag ohne Klöße verliert viel von seiner Größe!
 
Noch etwas Verblüffendes: Der heute bei uns beliebte Begriff "ausgepowert" ist gar nicht englisch, sondern eigentlich französisch! Er wurde nämlich abgeleitet von pauvres, den armen Menschen, die ausgebeutet und ausgepresst worden sind. Also nix mit Power! Und auch der Abschiedsgruß "So long!" stammt nicht aus dem Englischen, sondern erwuchs aus dem arabischen "Salaam" und der hebräischen Variante "Shalom". Englische Wurzeln hat jedoch "Good bye!". Das ist allerdings keine Aufforderung gut einzukaufen, sondern die verkürzte Form von "God be with you!" Man könnte also auch auf schlecht deutsch-englisch sagen: Godbeiyou! Macht aber keiner. Außer mir:
 
Godbeiyou
kdk  
 
 
 

Schmunzelpost 1755 vom 25. 10. 25


Was lange hält, das ist auch gut! Seit mehr als 50 Jahren treffe ich mich regelmäßig mit guten, alten Schulfreunden. Das diese Verbindung bis heute gehalten hat liegt auch daran, dass wir mit dem Spielen von Doppelkopf eine ideale Klammer für unsere Treffen gefunden haben. Einmal im Monat wird geklönt und Karten gespielt. Und von den einstmals sechs Gründungsmitgliedern sind immer noch vier dabei. So führte uns unser diesjähriger Doko-Ausflug jetzt an die Friesischen Meere nach Holland.
 
Das ist für mich gleichzeitig die Vorlage diesmal geografischen Irrtümern zu Leibe zu rücken. Wie heißt die Hauptstadt der Niederlande? Amsterdam? Stimmt. Aber der Regierungssitz ist Den Haag. Nun hätte ich darauf gewettet, dass die Hauptstadt von Bolivien in Südamerika La Paz heißt. Doch die größte Stadt des Landes mit 1,7 Millionen Einwohnern ist zwar mit mehr als 3200 Metern über dem Meeresspiegel der höchstgelegene Regierungssitz der Welt. Aber die Hauptstadt heißt Sucre und hat bloß 240.000 Einwohner.
 
So ist das auch in anderen Teilen der Welt. Brasilia statt Rio de Janeiro ist die Hauptstadt von Brasilien, und die Australier haben sich statt für die Millionenstadt Sydney für das kleine Canberra entschieden. Doch wie heißt die Hauptstadt von Monaco? Zwar ist Monaco die einzige Stadt des Stadtstaates - "Hauptstadt" ist jedoch der Stadtteil Monte Carlo! 
 
Kommen wir zu einer anderen weltbekannten Metropole. Paris gilt für viele als eine der größten Städte Europas. Von der Fläche her betrachtet ist das ein kolossaler Irrtum. Die französische Hauptstadt weist nur eine Fläche von 105 Quadratkilometern auf und ist damit deutlich kleiner als Köln. Mit 405 qkm ist die Rheinmetropole fast viermal größer. Dafür hat Paris jedoch eine erheblich höhere Einwohnerdichte als Peking mit seinen 20 Millionen Bürgern. In den Innenstadtbezirken der chinesischen Hauptstadt leben 4624 Menschen pro Quadratkilometer. In Paris drängen sich 21.290 Einwohner!
 
Vom Weltall aus gesehen spielt das keine Rolle. Aus der Raumstation ISS sind nur wenige Besonderheiten auf dem Erdball mit bloßem Auge sichtbar. Dazu gehört die chinesische Mauer. Das uralte Bauwerk ist nicht nur 400.000 Kilometer lang, sondern ist stellenweise so breit wie eine mehrspurige Autobahn. Und was sticht den Astronauten noch ins Auge? Ihr kommt nicht drauf: Das komplett beleuchtete belgische Autobahnsystem. Für irgendetwas muss die Energieverschwendung ja gut sein.
 
Glückauf
kdk
 


Schmunzelpost 1754 vom 24. 10. 25

Wie heißt es? Hinterher ist man immer schlauer. So ging es mir nach dem Versenden der letzten Schmunzelpost. Denn nach dem Schmunzelschluss folgte noch ein echter Runterzieher in Form der AfD-Zitate. Das soll so nicht bleiben. Da Ihr die politischen Lügen ohnehin durchschaut und somit die falsche Zielgruppe für eine Aufklärungskampagne seid, stelle ich diese tägliche Rubrik ein. Was nicht heißt, dass der Feldzug gegen politischen Irrsinn und Unwahrheiten damit endet. Wenn nötig, komme ich darauf zurück. Heute konzentriere ich mich jedoch auf meine Kernkompetenz und räume lediglich ein paar Irrtümer aus, die sich in unserem Alltag eingebürgert haben und in mein Spezialgebiet fallen, das abseitige Wissen. 
 
Starten wir mit einem Wissensgebiet, das zu meinen Steckenpferden zählt: Geschichte. Und da schneide ich sofort den ersten Zopf ab. In Europa hat sich das Bild festgesetzt, dass chinesische Männer früher stets Zopfträger waren. Das ist Unsinn. Bis zum 17. Jahrhundert war der Zopf im Reich der Mitte als Haartracht von Männern unbekannt. Erst als die Mandschu China eroberten, führten sie diese Frisur ein. Die wurde von den Chinesen jedoch als Erniedrigung und Demütigung empfunden und war sofort verpönt, als sie die Fremdherrschaft wieder abschütteln konnten. Nur die Bilder aus dieser Zeit prägten ein falsches Image. 
 
Fantasie-Bilder haben außerdem den Wikingern in der Nachwelt Hörner aufgesetzt. Denn die beliebten Darstellungen der wilden, nordischen Krieger mit hörnerbewehrten Helmen sind bloß schmucke Legende: Bisher hat noch kein einziger Archäologe einen solchen Helm ausgegraben. Die Dinger wären bei Raubzügen auch recht unpraktisch gewesen. 
 
Die vielen Überfälle, Brandschatzungen und kriegerischen Auseinandersetzungen trugen dem Mittelalter auf englisch die Bezeichnung "dark age" ein. Aber in einem Punkt war die Epoche zwischen dem Zerfall des weströmischen Imperiums und dem Beginn der Neuzeit gar nicht so schlecht wie ihr Ruf: Hexenverbrennungen gab es erst später. Bis 1480 stritt der Klerus nämlich die Existenz von Hexen und Hexerei ab - der Glaube an solchen unchristlichen Unfug war sogar verpönt. Erst der "unschuldige" Papst Innozenz VIII. gab 1484 mit der "Hexenbulle" den ersten Anstoß für die Verfolgungen. Und im 17. und 18. Jahrhundert erreichte der Aberglaube mit fürchterlichen Folgen seinen Höhepunkt, aber da war schon längst die frühe Neuzeit angebrochen. 
 
Nun aber springen wir ins 19. Jahrhundert. Kleine Männer gelten ja als besonders ehrgeizig, manche von ihnen verdienten sich die Bezeichung "Giftzwerg". Napoleon, der kleine große Korse, galt als Paradebeispiel. Nach Angaben seiner Kammerdiener maß der Feldherr und französische Kaiser fünf Fuß, zwei Zoll und drei Linien. Nach heute gültigen Maßstäben entspricht das einer Größe von 158 Zentimetern. 
 
Nun sollte man wissen, dass der französische Fuß im Vergleich zum englischen zwei Zentimeter mehr auf die Messlatte brachte. Danach wächst Napoleon auf 1,68 m und überragte deutlich seine Soldaten, die im Durchschnitt 1,62 m erreichten. Das kümmerte die verfeindeten Engländer nicht. Sie rechneten nach ihrer Maßtabelle und behaupteten, Napoleon müsse seinen zwergenhaften Wuchs durch eine aggressive Politik kompensieren. Darauf fiel später auch der Psychoanalytiker Alfred Adler herein: Er nannte Persönlichkeitsstörungen von kleinen Menschen mit großem Geltungsbedürfnis "Napoleonkomplex". 
 
Ich bin dafür, die Persönlichkeitsstörung von großen Menschen mit geringem Verstand, aber enormen Geltungsbedürfnis als "Donaldkomplex" zu bezeichnen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1753 vom 23. 10. 25

Was? Das gibt es wirklich? Bass erstaunt war ich, als ich jetzt in einer Quizsendung erfuhr, dass man in Erfurt "Spaziergangswissenschaften" studieren kann. Dies wäre ein Studiengang gewesen, der mich durchaus gereizt hätte. Stattdessen habe ich Journalistik studiert. Und auch dieses Angebot der Universität Dortmund war damals relativ neu. Es unterschied sich von der Publizistik, also den Zeitungswissenschaften, vor allem durch einen stärkeren Praxisbezug.
 
Außerdem wurden bei uns jedes Jahr bloß 50 Studienplätze vergeben. Das führte im Vergleich zu anderen Fächern zu traumhaften Verhältnissen. In manchen Seminaren kamen auf einen Dozenten nur eine handvoll Studenten, überfüllte Hörsäle kannten wir nur aus den Zweitfächern. Da auch noch ein Einser-NC Voraussetzung war, fühlte sich der allererste Jahrgang offenbar als Elite und benahm sich auch so. Die Auswirkungen bekamen wir als zweiter Jahrgang zu spüren: Die Zahl der Praktikumsplätze bei Funk, Fernsehen und Zeitungen verringerte sich deutlich, weil unsere Vorgänger glaubten, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.
 
Wenn Berufsneulinge glauben, sie könnten gestandenen Profis erklären, wie sie ihre Arbeit korrekt zu leisten haben, dann geht das ins Auge. Wir hatten zu lernen, nicht zu belehren. Wegen der unguten Pionierarbeit wurden wir dann skeptisch empfangen: "Ach, aus Dortmund kommen Sie? Na, dann können Sie ja sicher bereits alles." So waren unsere Praktika keine Spaziergänge.
 
Damit sind wir zurück beim Thema. Die Spaziergangswissenschaften, auch als Promenadologie bezeichnet (besonders schön finde ich den englischen Begriff "Strollology"), hat in den 1980er Jahren der Soziologe Lucius Burkhardt begründet. Sie zielt darauf ab, die Umweltwahrnehmung bewusst zu machen und zu erweitern. Nach Kassel wird Spaziergangsforschung inzwischen auch in Erfurt, Leipzig, Bremen und Wien betrieben.
 
Das erscheint Euch verrückt? Dann schauen wir doch mal ins Ausland. An der Universität Melbourne in Australien wird der Studiengang "Ufology" angeboten. Dort kann man lernen, wie man sich vor den Angriffen von Außerirdischen schützt. Ganz frisch ist das Lego-Studium an der ehrwürdigen Universität Cambrigde. Der Studiengang zählt zur Fakultät für Erziehungswissenschaften. Da staunt Ihr Bauklötze, was?
 
Glückauf
kdk
 
PS. Frech gelogen: Die AfD behauptet immer wieder, sie sei eine rechtskonservative, aber keine rechtsextreme Partei. Doch Alice Weidel sagte: "Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte." Ihr Parteifreund Andreas Gehlmann meinte: "Wer Homosexualität auslebt, dem droht dafür eine Gefängnisstrafe - das sollten wir in Deutschland auch machen." Björn Höcke sagte in einem Interview: "Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt." AfD-Mann Dieter Görnert schrieb: "Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln." Und von Marcel Grauf, Mitarbeiter der AfD-Abgeordneten Christina Baum, waren in einem Chat-Protokoll diese beiden Aussagen zu lesen: "Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde." Außerdem über Muslime: "Dass sie generell eher zu untermenschlichem Verhalten neigen, liegt schon an der Rasse."  
 

Schmunzelpost 1752 vom 22. 10. 25

Das Leben ist eine Lotterie. Das wusste schon Louise Hay. Doch ihr Zitat geht noch weiter: "Das Leben ist eine Lotterie, die wir bereits gewonnen haben. Aber die meisten Menschen habe ihre Lose nicht eingelöst." Wenn Ihr aufgehört habt, darüber nachzudenken, dürft Ihr beim Gedanken an die Schnapsidee, künftig Wehrpflichtige auszulosen, noch kurz verächtlich schnauben und Euch dann mit mir der Namenslotterie zuwenden: Mittlerweile ist es ein Glücksspiel geworden, welche ungewöhnlichen Vornamen zugelassen werden und welche nicht. 
 
Dabei hat nicht etwa Glücksgöttin Fortuna ihre Finger im Spiel, sondern das ist eine Sache der Gerichte. Und die haben bei der Namensgebung gern mal unterschiedliche Auffassungen. Je nachdem, wer das letzte Wort bei der Rechtsprechung hat, kann die Taufe erfolgen oder nicht. Das Oberlandesgericht Frankfurt gestattete einem Elternpaar, seinen Sohn "Birkenfeld" zu nennen, aber ein Gericht in Bremen sagte Nein zu "Waldmeister". 
 
Nach dem Willen der Hamburger Kadis darf ein Kind nicht "Grammophon" heißen, und Richter in Traunstein lehnten "Pfefferminze" ab. Dagegen akzeptierte das Landgericht Ravensburg die "Windsbraut". Also ehrlich: Mit Blick auf Pippi Langstrumpf wäre da doch auch Pfefferminze vertretbar gewesen. Als harte Nuss für die Rechtsprechung entpuppte sich der Wunsch einer Mutter aus Albanien und ihres deutschen Ehemanns, der ursprünglich aus Ägypten stammt, ihr Kind "Djehad" zu nennen. "Heiliger Krieg"? Das wurde erstinstanzlich entschieden abgelehnt. Das Berliner Kammergericht sah das anders. "Djehad" oder "Dschihad" ließe sich ja nicht nur als bewaffneter Terrorkampf übersetzen, sondern auch als Einsatz für die Verbreitung des Glaubens. 
 
Das muss man erstmal sacken lassen. Und danach kann man sich fragen, ob vor Gericht bei Namen, die aus der Literatur stammen, eventuell gewürfelt wird. "Schneewittchen" und "Rotkäppchen" wurden jedenfalls verboten, für "Momo" und "Pumuckl" gab es grünes Licht. Und ein Junge darf sogar "Tillmann-Winnetou" heißen. Zuletzt noch eine Entscheidung, bei der mir das Herz im Leibe lacht: "Borussia" fand keine Gnade! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Frech gelogen: Einmal mehr hat Donald Trump keinerlei Hemmungen, die Fakten zu verdrehen. Aus Protest gegen seinen von Allmachtsfantasien geprägten Machtmissbrauch formierte sich in den USA die "No Kings"-Bewegung. Die Republikaner, ausgerechnet, warnten zwar dringend vor der Teilnahme an derartigen "Hass-Kundgebungen", aber dennoch gab es in ganz Amerika 2700 Veranstaltungen mit womöglich insgesamt mehr als sieben Millionen friedlichen Demonstranten. Das war die größte Protest-Kundgebung gegen einen US-Präsidenten in der amerikanischen Geschichte. Und was sagte Trump dazu? Es hätten sich nur "wenige, wirklich wenige" beteiligt. Die Aktion sei kein Erfolg gewesen, nur linke, radikale Spinner seien dem Aufruf gefolgt. 
 
Was Trump über die Demonstranten denkt, zeigt er in einem KI-gefertigten Video-Clip, in dem er als Kampfjet-Pilot die Protestierenden mit Fäkalien bombardiert. Man könnte auch sagen: Er lebt hoch droben in seinen eigenen Sphären und scheißt auf diejenigen, die ihm und seinem Handeln nicht huldigen. 


Schmunzelpost 1751 vom 21. 10. 25

Auf eins ist bei mir zuhause Verlass: Kaum zeigt sich die Sonne am blauen Himmel und sorgt für Temperaturen über 15 Grad, schon ist der Herr K., mein betagter Nachbar, oben auf seinem Balkon und führt Selbstgespräche. Diesmal hatte er ordentlich was zu grummeln.
 
"Hömma, Karl, hasse dat auch mitgekricht? Die Blagen können imma schlechta rechnen und lesen. Dat hammse getz bei ein Großversuch mit Schülern vonne neunten Klassen festgestellt. Ja, gut, kannze einwenden, dat is nix Neues. Dat hat noch jede Generation von die nachfolgende behauptet. Wennet danach ging, dann müssten wir schon lange wieda zurück inne Steinzeit sein und als Analfabeten Bilderkes inne Höhlenwände ritzen.
 
Bloß: Diesma is da wirklich wat dran. Dat liecht in mein Erachten daran, dasse alle nur noch dauernd in ihr Handy glotzen. Wann hasse denn dat letzte Mal im Bus oder inne Bahn jemand inne Zeitung kucken sehn oder sogar in ein richtiches Buch? Gerade die Jungen, die sind doch nur noch von morgens bis abens in dat verdammte Internetz unterwechs. Und wennze hörs, wie die reden, dann weisse doch, dat die kein Satz so fählerfrei schreiben wie unsereins.
 
Dat liecht aba auch an die Schulen. Mich springt jedet Jahr der Draht ausse Mütze, wenn ich hör, wie die Zahl der Einser-Abis wieder gestiegen is. Ach, wat sach ich da: Getz gibbet sogar schon Nuller-Abis! Da frach ich mich, ob die Nullen nich in ein Lehrer-Kollegum sitzen, dat solche Noten ins Zeuchnis schreibt. Weisse noch wie dat war, als wir nachem Kriech inne Volksschule saßen? Die Penne war damals ja für die Kinder von die Ärzte, Apotheker und Obersteiger reserviert.
 
Ja, ja, bei uns war auch manchet im Argen. Der Geschichts-Unterricht endete beim ollen Bismarck. Und ab und zu hasse gemerkt, dat die wegen dem Mangel an Lehrers auch ein paar von die alten Nazis übernommen hatten. Die ham sich zwar alle Mühe gegeben, dat zu verbergen, aba ab und zu kam dat doch durch, wenn se vom heldenhaften Kampf fürs Vaterland schwafelten und davon, dat es vorm Kriech wenichstens Zucht und Ordnung gegeben hat. Und um uns dat einzubläuen, ham se uns auch geohrfeicht oder sogar mittem Rohrstock vermöbelt.
 
Aba et gab auch Pauker, die ham sich richtich Mühe gegeben. Gerade, wat die Fächer Rechnen und Deutsch betrifft. Ja, hömma, wennze da ne Eins auffem Zeuchnis haben wolltest, dann durftest Du in keine Klassenarbeit ein Fehler machen und musstest die richtige Lösung auch noch mit Blümkes verzieren. Nu red ich zwar wie mir der Schnabel gewachsen is, aba wenn ich die Zeitung lesen tu, dann seh ich sofort die Fehler. Und dat sind inzwischen verdammt viele!
 
Allerdings geb ich zu, dat et auch zu unsere Zeiten ein paar Leuchten gegeben hat, denen die Weisheit nich ausse Ohren sprühte. Weisse noch, wie inne Sechziger Jahre ein Fußballprofi aussem Pott über seinen neuen Vertrach verhandelt hat: "Wat? Ein Drittel mehr als bisher? Kommt nich in Frage - ich will mindestens ein Viertel!" Tja, heute hamse alle Berater, die ihnen vorrechnen, dat se bei ein Vereinswechsel jeden Monat statt einen gleich zwei neue Ferraris kaufen können.
 
Und dann spielt die Umgebung ne wichtige Rolle. Wat die Leute über dat Geschehen in den Fußball-Tempel von Nordlüdenscheid erzählen, dat is leider gakein Witz. Da machense inne Pause imma ein Kwitz mit ein Zuschauer. Fracht der Stadionsprecher: "Uschi, Du kannz getz eine Kreuzfahrt auf die AIDA gewinnen. Du musst mir nur sagen: Wie weit wech von der Torlinie is der Elfmeter-Punkt?" Uschi: "Hm, ich sach ma zwölf Meter." Stadionsprecher: "Nein, Uschi, dat is leider falsch."  Doch dat ganze Stadion brüllt: "Gibse noch 'ne Schangse, gibse noch 'ne Schangse!" Stadionssprecher: "Na gut, Uschi, Du hast ein zweiten Versuch." Uschi: "Na dann würd ich sagen: Zehn Meter?" Stadionssprecher: "Leider nein, Uschi, knapp vorbei is auch daneben." Doch das ganze Stadion tobt: "Gibse noch 'ne Schangse, gibse noch 'ne Schangse!" Stadionsprecher: "Okay, Uschi, ein allerletzten Versuch hasse noch!" Uschi: "Elf Meter?" Da schreit die ganze gelbe Wand: "Gibse noch 'ne Schangse, gibse noch 'ne Schangse!"
 
Ach ja, Karl, früher is et mir leichter gefallen, mich über die Zecken lustich zu machen. Aba heute? Hasse gehört, wie viele Leute in Gelsenkirchen die AfD wählen? Dat ist traurich, traurich, traurich. Deshalb sach ich Dich: Man muss nur eins und eins zusammenzählen. Wat kommt heraus, wenn die älteren Leute immer blöder werden und nun auch die jungen Leute immer blöder werden? Dat kann nur böse enden. . ."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Weil der Zusatz "Lüge des Tages" womöglich eine falsche Aktualität vorspiegelt, heißt es ab jetzt: "Frech gelogen". Und heute geht es um einen US-Präsidenten, der schon lange vor Donald Trump nichts dabei fand, Rivalen zu diffamieren und Lügen zu verbreiten. Die Rede ist von "Tricky Dick" Nixon. 1952, also lange vor der Watergate-Affäre, wurde er beschuldigt, sich beim Wahlkampf um die Nominierung als republikanischenr Kandidat für die Vizepräsidentschaft einen Schmiergeldfonds eingerichtet und sich persönlich bereichert zu haben. 
 
Richard Nixon räumte zwar ein, dass es diesen Fonds gab, bestritt aber, auch nur einen Cent daraus für private Zwecke verwandt zu haben. Dennoch drohte ihm das Ende seiner politischen Karriere. Daraufhin beschloss er, eine öffentliche Erklärung abzugeben und hielt vor dem bislang größten Fernsehpublikum jener Zeit im NBC-Studio eine Rede, die in die Fernseh-Geschichte einging und auch die Politik der Folge-Jahrzehnte beeinflusste. Nixon ersetzte Fakten durch Emotionen - der Populismus hatte endgültig seinen Platz in der Gesellschaft gefunden. 
 
Scheinbar gequält und voller Selbstmitleid legte Nixon zunächst seine persönlichen Finanzen offen. Nahezu auf den Penny genau listete er sein Einkommen auf. Aus einfachen Verhältnissen stammend - gegen Millionäre empfand der spätere US-Präsident lebenslang starke Abneigung - habe er sich, statt von einem Vermögen zu zehren wie viele Rivalen, verschulden müssen, um sein Haus zu bauen. Er habe zwar Geschenke für den Wahlkampf angenommen, sie aber komplett für diese Zwecke ausgegeben. 
 
Dann bedeckte Nixon sein Gesicht, als wolle er doch noch ein demütigendes Geständnis ablegen. Es gebe da ein Geschenk, das er einräumen müsse. Ein Texaner habe seinen Töchtern ein schwarzweiß-gepunktetes Cockerspanielbaby geschickt, dem die sechsjährige Tochter Tricia den Namen "Checkers" gegeben habe. "Was immer die Leute sagen, wir werden den Hund behalten." 
 
Manche Leute empfanden den rührseligen Auftritt als Schwindel und Ablenkungsmanöver. 23 Lehrstuhlinhaber nannten sie sogar "einen grundsätzlich unehrlichen und emotionalen Appell", der "sehr viele Menschen in Bezug auf die angesprochenen Probleme verwirrte." Doch die überwältigende Mehrheit der Zuschauer fand großen Gefallen daran. Und so berichtete die Zeitschrift "Time": "lnnerhalb von 30 Minuten hatte sich Nixon von einer Belastung für seine Partei in einen glänzenden Aktivposten verwandelt." Die Checkersrede war zu einem Meilenstein der Fernseh-Geschichte und einem Schlagwort der US-Politik geworden.


Schmunzelpost 1750 vom 20. 10. 25

Angesichts der vielen bedrückenden Nachrichten, die uns täglich erreichen, wird es mal wieder Zeit, auf bizarre Meldungen zu schauen, solche ohne tödlichen Ausgang oder sogar mit Happy-End. 
 
Dabei deutete in Rostock vieles zunächst auf eine Straftat hin. Gegen 20 Uhr hatte ein Passant in einem Gebüsch einen Müllsack entdeckt, in dem augenscheinlich eine Leiche steckte. Der Mann alarmierte per Notruf die Polizei und die war kurz darauf mit einem Großaufgebot zur Stelle.  Streifenpolizisten, Mordermittler, Spurensicherer, Gerichtsmediziner, Drohnen-Piloten und Feuerwehrwagen riegelten den möglichen Tatort ab, leuchteten ihn aus, vermaßen und durchsuchten stundenlang akribisch das gesamte Umfeld. 
 
Erst um 0.30 Uhr öffnete jemand den Sack - und dann war die Luft ganz schnell raus. Bei dem Mordopfer handelte es sich bloß um eine Sexpuppe. Ob die in ihrem "Leben" wohl jemals vergleichbar große Erregung ausgelöst hat? 
 
Zittrig und aufgeregt war auch ein 50-Jähriger in der Oberpfalz. Das kam so: Mitarbeiter der Deutschen Bahn fanden an einem Abstellgleis ein nagelneues E-Bike, einen Koffer und eine Stofftasche. Und die hatte es in sich. In Zahlen: 42.000 Euro! Bei der Polizei erinnerte man sich, am Vorabend dort jemand aufgegriffen und zum Ausnüchtern in ein Obdachlosenheim gebracht zu haben. Bei uns würde man sagen: Der Mann war dudeldick und hackenstramm. 
 
Ob er sich am nächsten Tag zunächst überhaupt an etwas erinnern konnte, ist nicht überliefert. Danach aber war er hocherfreut. Denn es stellte sich heraus, dass der Wohnungslose rechtmäßiger Eigentümer des kleinen Vermögens war. Das Geld stammte aus einem Nachlass. Und der Erbe hatte sich zunächst ein E-Bike gekauft und dann den offenbar unerwarteten Reichtum mit einem wüsten Gelage gefeiert - zur "Party for one" waren weder Miss Sophie noch ihr Butler eingeladen. 
 
Ob die Lüge des Tages, die allerdings seit langem gepflegt wird, auch im Vollrausch kreiiert wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls lässt sie auf einen bedauerlichen Mangel an mathematischen Fähigkeiten bei an sich nüchternen Politikern schließen. Die Rede ist vom Bürgergeld. Zunächst hatte Kanzler Merz kühn behauptet, mit Einschränkungen der Sozialleistungen ließen sich 30 Milliarden Euro einsparen. Von seinen Gefolgsleuten wurde die Summe nach und nach korrigiert und der mutmaßliche Sparerlös etappenweise von erst  noch 20, dann 10 auf am Ende "einige Milliarden" gesenkt. Und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sprach zum Schluss nur noch von einer ganzen Menge Geld. 
 
So kann man das nennen. Aber die nicht einmal 100 Millionen Euro, die wohl nach Einführung der neuen Grundsicherung weniger vom Staat ausgegeben werden, sind beileibe nicht mit den vollmundig verkündeten Beträgen zu vergleichen. Die Union schwenkt nun um und sagt, Hauptzweck der Reform sei es, Arbeitsunwillige zu bewegen, eine Stelle anzunehmen. Ein ehrenwertes Ziel. Aber ob so das Haushaltsloch gestopft werden kann, das wage ich zu bezweifeln. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1749 vom 19. 10. 25

Gestern ist ein kleines Wunder geschehen. Trotz unseres Umstiegs vom Regionalexpress in einen ICE sind wir nach der Rückreise aus dem Spreewald fast pünktlich zuhause eingetroffen. Na gut, 20 Minuten zu spät, aber bei solchen Fahrten werte ich das als Erfolg. Schließlich habe ich mit der DB bereits mein blaues Wunder erlebt. Blaues Wunder? Wieso heißt das so? Blau ist doch die beliebteste Farbe, und einen blauen Himmel wünschen wir uns fast alle, von königsblauen Fußballtriumphen ganz zu schweigen. Kommt der Ausdruck etwa vom blauen Auge? Schlimmer aber wäre es doch, wenn Blut fließt, aber dann müsste es ja rotes Wunder heißen. 
 
Doch wozu habt Ihr Euren Schmunzelpost-Erklär-Onkel? Ich bin dieser Sache auf den Grund gegangen. Es gibt zwei Ansätze, die den Begriff herleiten. Der für mich plausiblere ist, dass im Mittelalter das Blau als Farbe der Täuschung und Lüge verabscheut wurde. Dagegen steht die Vermutung, dass sich das blaue Wunder von Kobalt ableitet. Dieses Erz verlieh bis ins 19. Jahrhundert Kacheln oder Porzellan die blaue Farbe. Nee, das ist langweilig. 
 
Die mittelalterliche Erklärung passt außerdem viel besser zur Lüge des Tages. Die wurde zwar schon vor geraumer Zeit entlarvt, hält sich aber dennoch hartnäckig, weil sie in einer ganzen Reihe von Büchern als Fakt dargestellt wurde und aus dem Internet ohnehin nicht zu tilgen ist. Dies soll als Warnung dienen, weil man selbst vermeintlich seriösen Quellen wie Wikipedia nicht immer blind vertrauen sollte. 
 
Wenn Ihr Pech habt, könntet Ihr also glauben, dass der Schotte Alan MacMasters der Erfinder es Toasters ist. In Wahrheit hat der gleichnamige schottische Student 2012 dafür gesorgt, dass ihm die Welt auf den Leim ging. Er gab sich auf Wikipedia als Erfinder des elektrischen Brotrösters aus, denn er aber bereits 1893 in Edinburgh entwickelt habe. Dazu stellte er nicht nur ein geschickt bearbeitetes Porträt-Foto in seinen Wikipedia-Eintrag, sondern ergänzte dies noch mit zahlreichen Verweisen auf angebliche Nachrichten, Bücher und Websites. 
 
Ein harmloser, gelungener Studenten-Jux? Ja. Doch wirklich erstaunlich ist, wer alles darauf hereinfiel. Mehr als ein Dutzend Bücher geben MacMasters bis heute als Erfinder des Toasters an. Ein TV-Koch aus Edinburgh kreierte ihm zu Ehren für eine BBC-Sendung ein raffiniertes Dessert. Mehr noch: Die schottische Regierung feierte MacMasters als Beispiel für schottischen Innovationsgeist. Und die Krönung: Die Bank of England nominierte 2018 Alan MacMasters als Kandidaten für die Abbildung auf einer britischen 50-Pfund-Note. Dazu kam es nicht. Denn kurz darauf deckte ein 15-jähriger Schüler den Schwindel auf. 
 
Nebenbei: Habe ich schon mal erwähnt, dass ich 1957 den Sekundenkleber erfunden habe? 
 
Glückauf 
kdk  


Schmunzelpost 1748 vom 18. 10. 25

 
Gestern verbrachten wir unseren letzten Wandertag im Spreewald, am heutigen Samstag treten wir die Rückreise an. Und wir nehmen viele Eindrücke und schöne Erinnerungen mit nach Hause. Sehr beliebt in den Hotels und Gaststätten zwischen Lübbenau und Lübben, Burg und Cottbus sind kleine Tafeln mit Sinnsprüchen. Nicht alle davon beziehen sich auf die Region, die meisten sind allgemeingültig. Eine kleine Auswahl habe ich für Euch zusammengestellt. 
 
Im Frühstücksraum der "Gurkenscheune" las ich eine Aussage, der ich voll und ganz zustimme: "Gurken bestehen zu 90 Prozent aus Wasser. Im Prinzip sind auch wir also Gurken mit Gefühlen." Biochemisch lässt sich das kaum widerlegen. 
 
Als jemand, der sich hartnäckig, aber zumeist vergeblich bemüht, sein Körpergewicht zu reduzieren, habe ich Erkenntnisse dazu aufmerksam registriert. So könnte der Stoßseufzer: "Früher war alles leichter. Ich zum Beispiel!" durchaus von mir stammen. Und über folgendes Erfolgsrezept werde ich zumindest nachdenken: "Ich mache jetzt drei Diäten, von einer werde ich nicht satt." Doch wenn Ihr an dieser Stelle tiefsinnige oder sogar philosophische Überlegungen erwartet, dann muss ich Euch enttäuschen. Denn: "Für Pillepalle bin ich heute nicht zuständig. Nur für Trallala und Hopsassa!" 
 
Gestern ging es um Katzen. Einen Katzenfreund wie mich freute es natürlich, dass seine Vorliebe auch von den Inhabern der "Räucherscheune" im Spreewald-Dorf Leipe geteilt wird. Dass es sich bei den Gastronomen um echte Katzenkenner handelt, erkennt man unschwer an den im Lokal ausgehängten Sprüchen, die inhaltlich voll ins Schwarze treffen. Schon der erste stammt aus dem prallen Leben: "Ich kann damit umgehen, ignoriert zu werden. Ich habe Katzen." Und auch die zweite Einsicht werden alle bestätigen, die sich irgendwann bestimmten Illusionen hingaben: "Erziehung bei Katzen ist ganz einfach. Nach wenigen Tagen machst Du das, was sie wollen." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Lüge des Tages: Einmal mehr stammt sie vom unermüdlichen Fake-News-Lieferanten Donald Trump. Seine fast manische Neigung zu Prunk und Protz ist seit langem bekannt. Inzwischen hat er jede freie Ecke im Weißen Haus mit Objekten aus echtem Gold zugestellt. Er findet das schön. Und er behauptet, dass alle anderen genauso empfinden: "Alle, wirklich alle Besucher waren total beeindruckt. Niemals in der Geschichte hat es im Innern des Weißen Hauses so gut ausgesehen wie jetzt." 
 
He, Mr. Goldrausch, hallo, Donald, ich empfehle einen Besuch bei Onkel Dagobert in Entenhausen. Das Glitzern der Trillionen von Goldtalern in dessen Geldspeicher, würden Trump beim gemeinsamen Münzbad vermutlich so faszinieren, dass er dieses El Dorado nie wieder verlassen möchte. Meinen Segen hat er. 


Schmunzelpost 1747 vom 17. 10. 25

 
Wer regelmäßig die Schmunzelpost liest, der weiß, dass ich auch im hohen Alter als Rentner immer noch einem Job nachgehe. Ich bin Kammerdiener. Denn Milly und Leo bestehen darauf, dass ihre Untergebenen sich hingebungsvoll um sie kümmern. Und für zwei anspruchsvolle Kater reicht eine Haushaltskraft allein nicht aus. Während Leo, den wir erst in diesem Jahr adoptierten, zwar schnell vom Streuner zum zweiten Hausherrn mutierte, ist der verwöhnte Milly noch anspruchsvoller geworden. Bekommt er nicht pünktlich seine Mahlzeiten, lässt er uns seinen Groll spüren. 
 
Aber ich will nicht meckern. Die beiden belohnen uns zwar nicht mit barer Münze, dafür aber mit schnurrender Zuneigung für unsere Dienste. Und sie können durchaus großzügig sein. So gewährten sie mir gnädig meinen einwöchigen Erholungsurlaub. Doch ein Katzenknecht ist selbst fern von zuhause in Gedanken stets bei seinen Lieblingen. So las ich jetzt mit großem Interesse eine Meldung im "Tagesspiegel". Der Notiz war zu entnehmen, dass in Neuseeland ein neuer Trend begründet wurde, der bestimmt auch bald bei uns Einzug hält. 
 
Am anderen Ende der Welt hat nämlich ein findiger Unternehmer ein Produkt etabliert, mit dem Berufstätige nun gemeinsam mit ihrer Katze den Feierabend genießen können. Wenn der Mensch sich nach getaner Tat ein Gläschen Wein gönnt, muss sein Vierbeiner jetzt nicht mehr neidvoll zusehen. Die Firma Muttley's Estate aus Auckland hat einen Wein mit Katzenminze auf den Markt gebracht. Er soll, man lese und staune, selbst Hunden munden. Kein Wunder. Firmenchef John Roberts kam im Ausland auf die Idee, als er sah, dass dort Bier für Hunde angeboten wurde. 
 
Für Katzen musste es selbstverständlich Wein sein. Es gibt die Sorten "Champawgne", "Purrno Noir" oder "Sauvignon Bark", wobei letztere durchaus auch Hunde ansprechen könnte. Neuseeland ist zwar weit weg, und unsere Katzen können keine Zeitung lesen. Dafür halten sie sich aber im Internet bei "Catsbook" auf dem Laufenden. Und sollte der Katzenwein auch Deutschland erobern, werde ich ihn sofort bestellen. Denn dieser Wein ist alkoholfrei - unsere Kater können also keinen Kater kriegen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS.  Lüge des Tages: Trotz des Protestes der Vereinten Nationen hat Israel bekanntlich eine Flotte mit Hilfsgütern für Gaza gestoppt und Greta Thunberg sowie weitere 400 Aktivisten zeitweise eingesperrt. Thunberg beschwerte sich bei schwedischen Diplomaten über harsche Haftbedingungen und die mangelnde Versorgung mit Wasser und Essen. Diese Vorwürfe hat das israelische Außenministerium prompt zurückgewiesen. Es handele sich um "dreiste Lügen". Dummerweise äußerte sich auch der rechtsextreme israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir. Er sagte, er sei „stolz, dass wir die ‚Flotten-Aktivisten‘ wie Terrorunterstützer behandeln“. Weiter heißt es in einer Mitteilung Ben-Gvirs: „Wer Terror unterstützt, ist ein Terrorist und verdient die Bedingungen, die Terroristen zustehen.“ 
Ja, was denn nun? Wer sagt die Unwahrheit? Außenminister oder Polizeiminister? Auf jeden Fall sitzt ein dreister Lügner im israelischen Kabinett. 

Schmunzelpost 1746 vom 16. 10. 25

 
Heute möchte ich herausfinden, wie es um Eure Schulbildung bestellt ist. Dazu machen wir einen kleinen Test. Woran denkt Ihr zuerst, wenn von Cottbus die Rede ist?
 
a) Cottbus? Sagt mir nix. Ich kenne nur Flixbus! (Allgemeinbildungs-Note 6, am besten noch mal neu mit Grundschulklasse eins starten)
b) Cottbus? Ist das nicht die Stadt, in der die AfD zuletzt bei der Bundestagswahl 42 Prozent der Erststimmen errang? (Politik-Note 2)
c) Cottbus? Das ist eine Stadt, die urkundlich erstmals 1156 erwähnt wurde und die auf eine 3000-jährige Siedlungsgeschichte zurückblickt. (Geschichts-Note 2)
d) Cottbus? Das ist doch der Heimatort des Fußballvereins Energie Cottbus, der unter Trainer "Ede" Geyer mehrere Jahre in der 1. Bundesliga spielte und der zuletzt unter Trainer "Pele" Wollitz den Wiederaufstieg in die 2. Liga nur knapp verpasste. (Sport-Note 2)
e) Cottbus? Das ist eine kreisfreie Stadt an der mittleren Spree in der Niederlausitz, also im Südosten Brandenburgs und nach Potsdam mit rund 95.000 Einwohnern der zweitgrößte Ort dieses Bundeslandes. (Geografie-Note 2)
f) Cottbus? Das ist ein kulturelles  Zentrum von großer Bedeutung über die Stadtgrenzen hinaus. Mit dem Staatstheater verfügt die Stadt über das einzige staatliche Bühnenhaus Brandenburgs, das sowohl dem Schauspiel, dem Musiktheater und dem Ballett einen Spielort bietet. Die Stadt ist besitzt auch ein philharmonisches Orchester und ist stolz auf die brandenburgische Technische Universität. Unter den fünf Museen hat vor allem das Landesmuseum für moderne Kunst besondere Bedeutung. (Kunst und Musik-Note 2)
g) Cottbus? Der Name dieser Stadt ist abgeleitet vom niedersorbischen Personennamen Chóśebud,  der „wachfroher“ oder „wachsamer Held“ bedeutet. 1156 wurde daraus Chotibus, 1348 enthielten Urkunden erstmals die Bezeichnung Kothebus. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts blieb die Schreibweise umstritten, dann setzte sich Cottbus durch. Und nach der Rechtschreibreform dürfen sich die Bürger sowohl Cottbusser wie Cottbuser nennen. (Heimatkunde-Note 2)
h) Cottbus? Auf einer wichtigen Internetseite ist seit dem 15. Oktober 2025 zu lesen, dass Cottbus heute ein kulturelles Zentrum der Niedersorben ist, obwohl kein Schwein weiß, wie viele auch Wenden genannte Niedersorben derzeit noch in Cottbus leben. (Schmunzelpost-Examens-Note 1)

Na zasejwiźenje!
kdk

PS. Die Lüge des Tages entfällt heute. Dafür gibt es eine Anmerkung von Andi zum gestrigen Beitrag: Bei dieser Schmunzelpost musste ich unweigerlich an Jürgen von der Lippe denken, der ja einst schon fragte „Guten Morgen, liebe Sorben, seid ihr auch schon alle da?“ Und ich fragte mich, ob es bei den Sorben wohl auch Bohnensuppe gibt. Ist bestimmt lecker. Deutlich geschmackloser scheint mir auf jeden Fall der Rat „Sorbe dich nicht, lebe!“

PPS. Nicht nur SP-Beiträge über die aktuelle politische Lage können inspirieren, sondern auch die Lektüre der Tageszeitung. Dirk schrieb: Seit Monaten wird öffentlich und kontrovers darüber diskutiert, ob wir zurück zur Wehrpflicht müssten oder doch lieber erst das Freiwilligen-Potenzial heben sollten. Wenn alle durcheinander reden, nennt man das auch Kakophonie. In diesem Fall weiß dann eigentlich keiner mehr, was der andere gesagt hat. Dieser Eindruck setzt sich aktuell nicht nur bei den handelnden Akteuren auf der Regierungsbank in Berlin fest, sondern auch bei den Kommentatoren der Medien und den aufmerksamen Bürgerinnen und Bürgern. Und dazu hat der Karikaturist Koufogiorgos ein Bild beigesteuert, dass eine Person vor einer Kamera zeigt, um interviewt zu werden. In der Sprechblase heißt es in Anlehnung an den wunderbaren Sketch von Loriot: „Ich heiße Erwin. Mit meinem Wehrdienstlottogewinn eröffne ich im Herbst mit dem Papst eine Kaserne auf Island …“Besser und kürzer kann man die politische Problematik nicht beschreiben.
 

Schmunzelpost 1745 vom 15. 10. 25

Als NABU-Mitglied trete ich für den Schutz bedrohter Arten ein. Doch dabei beschränke ich mich nicht auf Tiere und Pflanzen: Auch vom Aussterben bedrohte Sprachen sollten weiterleben. Daher habe ich kurz überlegt, diese Schmunzelpost auf Dolnoserbscina zu verfassen. Dann dachte ich: "Das ist zu schwierig, das versteht keiner. Versuche es lieber mit Hornjoserbscina, das sprechen erheblich mehr Menschen." Aber dann musste ich nur ganz kurz überlegen, um zu beschließen: Ich lasse es lieber. Ihr versteht sonst nur Bahnhof, und mein westfälischer Akzent kommt wahrscheinlich sowieso wieder durch.
 
Vereinfacht gesagt geht es um die Sorben, eine Minderheit, die hier im Spreewald beheimatet ist. Doch so simpel ist die Sache nicht. Ich fühle mich stark an den Spruch: "Ob er aber über Oberammergau oder aber über Unterammergau kommt..." erinnert. Denn es gibt die Obersorben, die vor allem in der sächsischen Oberlausitz leben. Und die Niedersorben, die in der Niederlausitz in Brandenburg zuhause sind. Um die Sache zu vereinfachen nannte man die Niedersorben auch schon vor der Wende Wenden.
 
Es gibt noch ein paar Unterschiede. Die Sprache der Obersorben, überwiegend Katholiken, ist an das Tschechische angelehnt. Die Niedersorben, also die Wenden, sind überwiegend evangelisch. Und ihre Sprache enthält polnische Elemente. Trotz alledem sollen sich Obersorben und Niedersorben auf sorbisch irgendwie verständigen können. Dabei hilft, dass sie alle mittlerweile gut deutsch sprechen, denn sie sind deutsche Staatsangehörige.
 
Wo kommen die Sorben her? Im Mittelalter siedelte ein gleichnamiger Stamm zwischen Saale und Mulde. Doch der, ätsch, so leicht macht man uns das nicht, wird gar nicht mit den heutigen Serben gleichgesetzt. Denn das waren Lusizer und Milzener, weiß der Kuckuck, wo diese südslawischen Gruppierungen ursprünglich herkamen. Ich könnte nun zu weiterer Verwirrung beitragen, indem ich von den Drunterunddrüber-Sorben berichte, denen ich hier begegnet bin. Stattdessen beschränke ich mich darauf mitzuteilen, dass es in Deutschland nur noch 60.000 bis 70.000 Sorben gibt. Nichts genaues weiß man nicht, weil die letzte Schätzung aus den 1990er Jahren stammt. 
 
Dafür glaubt man exakt zu wissen, dass nur noch 7000 Sprecher das Niedersorbische beherrschen. Sie leben in der Region zwischen dem Spreewald und Cottbus. Das Obersorbische ist dagegen Alltagssprache von ca. 15.000 Menschen in Metropolen wie Panschwitz-Kuckau, Nebelschütz und Räckelwitz. Das ist Euch zu unkompliziert? Ihr habt recht. In einem Streifen von Bad Muskau  im Osten über Schleife  bis nach Hoyerswerda im Westen werden Übergangsdialekte gesprochen, die sogenannten Sorbischen Grenzdialekte. Sie unterscheiden sich von beiden Standardsprachen teils erheblich.
 
Wem nun das Erlernen des Chinesischen als vergleichsweise einfache Übung erscheint, und wer daher zum Sorbischen wechseln will, dem rufe ich zu: "Jenož zmužitosć a wjele wuspěcha!"
 
Glückauf
kdk
 
PS. Mein Zuruf bedeutet "nur Mut und viel Erfolg!"
 
PPS. Lüge des Tages: Heute wenden wir uns Peter Thiel zu, dem amerikanischen Multimilliardär deutscher Abstammung. Thiel gehört zu den US-Evangelikalen, die den einzig wahren reinen christlichen Glauben vertreten und sich dem Kampf gegen die von Luzifer verführten Antichristen verschrieben haben. Über Etikette wie "demokratiefeindlich" oder "rechtslibertär" kann Thiel nur lachen. Er weiß schließlich Bescheid und sagt, dass wir die Welt nur retten können, wenn wir Wissenschaft und Medien in die Schranken weisen.
 
Denn Satan hat nicht nur Atheisten und Zweifler verführt, er hat auch längst die Hyperchristen auf seiner Seite. Das sind Menschen, die sich auf Fakten oder ihren Glauben berufen, um völlig überzogene moralische Grundsätze zu realisieren. Kurzum, das sind Leute, die christlicher sein wollen als Jesus selbst. Also ganz klar: Antichristen pur! Vor allem in Europa treiben sie ihr Unwesen, während ihnen nun mit göttlicher Hilfe und Unterstützung von Donald Trump, was ja fast dasselbe ist, wenigstens in den USA das Handwerk gelegt wird. Halleluja!
 
Zu traurig, dass es immer noch verblendete Menschen gibt, die sagen, dass Thiel nur ein weiteres Beispiel dafür sei, wie mächtige, reiche Eiferer alle Register ziehen, um gefährlichen Unsinn zu verbreiten. Geht in Euch und bessert Euch!  


Schmunzelpost 1744 vom 14. 10. 25


 
Der gestrige Montag war für mich in doppelter Hinsicht erfreulich. Zum einen zeigte sich ab Mittag die Sonne und unsere Bootstour durch den Spreewald war ein großes Vergnügen. Zum anderen kehrte am Abend meine Leib- und Magensendung "Wer weiß denn sowas?", ein Muss für alle Freunde des abseitigen Wissens, ins Vorabendprogramm der ARD zurück. Aus diesem Anlass werde ich Euch heute mit einer Frage aus der vorletzten Staffel der Quizsendung beglücken. 
 
Die Frage lautet: Als die amerikanische Post 1913 den Versand von Paketen einführte.... 
a) war es legal, dass man Kinder mit der Post verschickte. 
b) warnte sie: "Versenden Sie keine glühende Kohle!" 
c) trugen die Paketzusteller Uniformen mit Flügeln auf dem Rücken. 
 
Klarer Fall, oder? Paketzusteller können sich als Engel entpuppen, wenn man nur lange genug auf ein ersehntes Paket gewartet hat. Richtig ist jedoch dennoch die Antwort a. Als die amerikanische Post den Paketversand einführte, war man so leichtsinnig, die Bestimmungen nur teilweise exakt zu formulieren. So hieß es zunächst sinngemäß: "Maximalgewicht 50 Pfund, egal was." Was zur Folge hatte, dass die Post danach erst einmal so ziemlich alles beförderte, Hauptsache, es überschritt nicht das Höchstgewicht. 
 
Da clevere Eltern merkten, dass das Paket-Porto deutlich billiger war als Zugtickets, hatte das Folgen. 1913 wurde James Beagle im Alter von acht Monaten als erstes Baby per Post an seine Oma verschickt. Er wog nur zehn Pfund und kostete 15 Cent an Porto. 1914 sandten die Eltern dann die fünfjährige May Pierstorff per Zug an ihre Großmutter. Dazu befestigte ihr Vater 53 Cent in Briefmarken an Mays Mantel und setzte sie ins Postfach der Bahn. Immerhin wurden die Kinder nicht in Kisten gesteckt und auf die Ladefläche geworfen. Nein, die Postboten kümmerten sich persönlich um die Übergabe. Zu aufwendig, merkte die US-Post bald und änderte 1915 ihre Bestimmungen. 
 
Seither wird in den USA der Transport von Kleinkindern wieder allein den Störchen überlassen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Lüge des Tages: In Weißrussland droht jetzt denjenigen eine Strafe, die das übersetzte Kinderbuch "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte" verkauft. Die Zensur-Maßnahme ist dringend erforderlich, weil die Gesetzgeber in Minsk vermutlich fürchten, dass dieser Bestseller weißrussische Kinder total verwirren und auf Dauer den Staat destabilisieren könnte. Vielleicht denkt man auch, dass hier große Tiere lächerlich gemacht werden. Die Zensoren hätten einmal genau hinschauen sollen: Lukaschenkos Hinterlassenschaften sind nicht auf dem Maulwurf-Schädel gelandet. 


Schmunzelpost 1743 vom 13. 10. 25


 
Wer mich gut kennt, der weiß, ich bin ein Freund von sauren Gurken. Böse Zungen behaupten, dies sei schon während meiner Journalistenlaufbahn so gewesen. Auf jeden Fall war es überfällig, dass ich endlich einmal mit Martins  Wandergruppe für eine Woche ins Reich der Gurken gereist bin. Also ins Herz des Spreewalds, nach Lübbenau. Und wo haben wir wohl Quartier bezogen? Richtig, in der Gurkenscheune. 
 
Bevor Euch dieser Text noch sauer aufstößt und ich ihn total vergurke (übrigens: Der Ort Calau liegt nur einen Bahnhof weiter, dort kann ich womöglich meinen Kalauer-Vorrat erweitern), serviere ich zunächst ein paar Fakten. Der deutsche Name "Gurke" wird vom griechischen "aguros" abgeleitet und bedeutet so viel wie grün oder unreif. Die Gurke gehört zur Familie der Kürbisgewächse und ist daher eigentlich eine Beerenfrucht. Gurken sind eine wahre Nährstoffbomben. Sie enthalten die Vitamine B1, B2, B3, B5, B6, Folsäure, Vitamin C, Eisen, Kalzium, Zink, Magnesium, Phosphor und Kalium. Außerdem bestehen sie zu circa 95 % aus Wasser. 
 
Vielleicht eignen sie sich deshalb so gut zum Reinigen. Schon ein paar Gurkenscheiben reichen, um das Bad von Kalk und Schmutz zu befreien. Einfach mal mit einer Gurkenscheibe über die Armaturen reiben und staunen, welchen Glanz das hinterlässt! Auch bei beschlagenen Spiegeln nach dem Duschen soll eine Gurke weiterhelfen und eine streifenfreie Optik gewährleisten. Mitunter gilt jedoch auch für uns: Die Gurke, Dein Freund und Helfer! Gerade keinen frischen Atem und keine Zeit, vor einem wichtigen Treffen noch ein Mundwasser zu besorgen? Nimm eine frische Gurkenscheibe in den Mund und presse sie 30 Sekunden lang fest gegen Deinen Gaumen. Danach weicht störender Geruch und Du kannst unbesorgt Smalltalk in der Nahdistanz führen - zum Beispiel über segensreiche Gurken. 
 
Falls es sich um ein Date handelt, empfiehlt es sich aber vielleicht nicht, darauf hinzuweisen, dass Gurken das Collagen in unserer Haut zusammenziehen und so Schwellungen, Falten und Cellulitis mindern. Das könnte unter Umständen falsch verstanden werden. So, jetzt wird es Zeit fürs Abendessen. Ob es wohl Gurkensalat gibt? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Lüge des Tages: Auch hierzulande sind Faktenverdreher und Verschwörungstheoretiker emsig dabei, zur Desinformation beizutragen. Jüngstes Ziel der AfD und rechtspopulistischer Plattformen ist die von der SPD vorgeschlagene, frischgekürte Verfassungsrichterin Ann-Katrin Kaufhold. Sie sei eine Enteignungsbefürworterin und eine "linke, radikale Klimaaktivistin", die einen "Komplettumbau der Gesellschaft" anstrebe. 
Nun warte ich gespannt darauf, wann die AfD Dorsten unserer Amtsgerichtsdirektorin vorwirft, dass sie insgeheim als fünfte Kolonne der Kinder Maos die Weltrevolution vorbereitet. 


Schmunzelpost 1742 vom 12. 10. 25

Es gibt bestimmte Dinge, die uns mit zunehmendem Alter immer schwerer fallen. Treppensteigen gehört dazu. Früher nahm ich zwei Stufen gleichzeitig, jetzt keuche ich schon nach jedem Absatz, als wäre ich gerade auf einen Feuerwachtturm gestiegen. Dennoch verzichte ich bei Zielen innerhalb der ersten vier Etagen heldenmütig darauf, einen Aufzug zu benutzen. Jede Treppe ist ein kleines Fitness-Training, sage ich mir. Und weil ich mir auch glaube, fällt diese selbstauferlegte Mühe nicht schwer.
 
Ganz anders ist es bei einer Disziplin, die der Alltag dauernd von mir verlangt: Bücken! Vielleicht liegt es ja daran, dass bei einer Körpergröße von 1,86 m der Weg nach unten so lang ist. Jedenfalls hasse ich es, mich unnötig bücken zu müssen. Und für mich ist eigentlich jedes Bücken unnötig. So bediene ich mich einiger Tricks, um mir ein bücklingsfreies Leben zu ermöglichen. Bevorzugt trage ich Schuhe, die keine Schnürsenkel haben und in die ich leicht hineinschlüpfen kann. Gerne auch mit Hilfe eines langen Schuhanziehers.
 
Fällt mir etwas herunter, bemühe ich mich zunächst mit meiner speziellen Flamingo-Technik den Gegenstand mit einem Fuß fest ans andere Bein zu pressen und dann behutsam bis in Kniehöhe nach oben zu schieben. Dank meiner langen Arme kann ich es dann greifen und habe durch die Vermeidung des Bückens ein doppeltes Erfolgserlebnis. Einst habe ich mich nach jeder Münze gebückt, jetzt überlege ich sogar bei einem Zwei-Euro-Stück, ob sich der Aufwand wirklich lohnt.
 
Dabei war ich früher viel beweglicher. Als ich noch mehrfach die Woche eine 6-km-Runde drehte, machte ich abschließend Dehnübungen, bei denen ich die Beine spreizte und abwechselnd Fußspitzen mit der Hand des gegenüberliegenden Arms berührte. Nach dem Bandscheibenvorfall, der das Joggen abrupt beendete, gehörten im Fitnessstudio noch Rumpfbeugen zu meinem Programm, bei denen ich zehnmal nacheinander bei durchgedrückten Beinen mit den Fingern die Zehenspitzen berührte.
 
Doch dann brannte das Fitness-Studio ab. Ein Wink des Himmels! Als ich ein paar Monate später in einem anderen Studio mein Training wieder aufnahm, habe ich die Rumpfbeugen gestrichen. Und so wurde allmählich sogar das An- und Ausziehen von Socken zu einer sportlichen Herausforderung, die ich mit Stöhnen und Schnaufen untermale. Das trug mir beim Verlassen von Umkleidekabinen schon irritierte Blicke ein.
 
Noch vor zehn Jahren hätte ich im Traum nicht daran gedacht, mir nicht mehr selbst die Fußnägel zu schneiden. Jetzt betrachte ich den Besuch bei der Fußpflegerin als einen Luxus, den ich mir redlich verdient habe. Wenigstens bin ich seit dem Wechsel in den Ruhestand nicht mehr allmorgendlich zur tiefen Verbeugung vor meinem Verlags-Chef gezwungen. Und den Kniefall vor meiner Frau kriege ich besser hin, seit ich ein Kissen unterlege.
 
Bückauf
kdk
 
PS. Lüge des Tages: Er hatte es bereits geahnt: "Sie werden ihn mir nicht geben", ätzte vor ein paar Tagen der US-Präsident, "stattdessen geht er an irgendeinen Typen, der, verdammt noch mal, nichts gemacht hat." Während Donald Trump nun trotzdem seine Enttäuschung darüber nicht verhehlt, dass ihm der Friedensnobelpreis vorenthalten wurde und der Preisträgerin keine Silbe gönnte, geschweige denn eine Gratulation, überschlagen sich seine Speichellecker, die "Fehlentscheidung" zu schmähen. Denn für sie ist klar: Niemand auf der ganzen Welt, ach was, im ganzen Universum hätte die Auszeichnung so verdient, wie Donald, der Peacemaker. (Unglücklicherweise heißt so auch ein Revolver, was der Sache schon näher kommt.) 
 
Mit am lautesten tutete ausgerechnet Benjamin Netanjahu ins Friedenshorn: Trump habe den Nobelpreis verdient wie kein anderer, er schmiede "in diesem Moment Frieden, in einem Land, in einer Region nach der anderen". Ja, und als nächstes wird er vermutlich anordnen, dass die Nationalgarde bei ihren von ihm angeordneten Einsätzen in US-Großstädten künftig Engelsflügel auf dem Rücken oder wenigstens am Helm tragen müssen.


Schmunzelpost 1741 vom 11. 10. 25

Heute komme ich noch ein letztes Mal auf eine höchst ungewöhnliche Sportart zurück. Und wer hat sie wohl erfunden? Na klar, die Finnen!
 
Es soll Männer geben, die in frühen Stadien einer Beziehung der begehrten Frau versprechen, sie ein ganzes Leben lang auf Händen zu tragen. Das ist ein recht gewagtes Gelöbnis. Ich möchte sogar sagen, das werden sie nicht halten können, falls sie nicht schon kurz darauf selbst aus dem Leben scheiden. Weit machbarer ist dagegen der Brauch, nach der Hochzeit die Braut über die Türschwelle zu tragen. Selbst dabei riskiert man schon je nach dem Gewicht der Partnerin unter Umständen einen Bandscheibenschaden.
 
Vor mehr als 40 Jahren habe ich einmal ähnliches versucht und war danach für immer kuriert. Bei unserem zweiten gemeinsamen Nordseeurlaub hatten wir in Holland eine weite Wanderung quer durch die Dünen unternommen. Doch in die Schuhe eingedrungener Sand scheuerte Ulla eine Zehe wund. Nun tat ihr jeder Schritt weh. Leichtsinnig bot ich an, sie ein Stück Huckepack auf dem Rücken zu tragen.
 
Dabei hatte ich völlig unterschätzt, dass selbst eine schlanke junge Frau mit einer Körpergröße von mehr als 1,70 m durchaus einige Kilo auf die Waage bringt. Mit Mühe gelang es ihr mit Hilfe einer Bank meinen Rücken zu erklimmen, doch danach wurde es abenteuerlich. Ich stolperte mit dieser Last gut zehn Meter von links nach rechts und brachte es wenigstens fertig, den Versuch ohne Bruchlandung zu beenden. Danach benötigte Ulla mehrere Minuten, um sich von ihrem Lachkrampf zu erholen. Ich war nicht tragfähig! Für den Rückweg nahmen wir dann den Bus.
 
Warum ich das erzähle? Weil ich mich mit Gewissheit nicht in Finnland zu einem der beliebten Wettkämpfe im "Frauentragen" anmelden werde. Männer, die mitmachen wollen, müssen übrigens nicht mit ihrer Frau oder Freundin an den Start gehen. Es genügt, eine abenteuerlustige Dame zu finden, die mindestens 49 Kilo wiegt. Jedes Kilo mehr zahlt sich sogar aus, da der glückliche Gewinner am Ende das Gewicht der Frau in Bier aufgewogen bekommt. Vorher hat das Gespann aber einiges auszuhalten. Auch die Frau, die meist von ihrem Träger über die Schulter geworfen wird und kopfüber auf seinem Rücken hängt. Und dann schleppt der Mann sie über Stock und Stein durch einen 254 m langen Parcours mit Hindernissen und Wassergräben, um als erster ins Ziel zu kommen. 
 
Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Sportart jemals olympisch wird.
 
Zur Lüge des Tages: Derzeit scheint sich im Gaza-Streifen ein Ende der Kampfhandlungen abzuzeichnen. Damit könnten endlich auch Hilfslieferungen ins Land gelassen werden, um die akute Hungersnot zu beenden. Hungersnot? Welche Hungersnot? Die hat es doch nie gegeben, behauptet die Regierung Netanjahu und versucht dies mit Video-Spots zu untermauern. Die Bilder zeigen Aufnahmen aus Märkten und Restaurants in Gaza-Stadt mit prallgefüllten Ständen und Tafeln. 
 
Diese Aufnahmen sind tatsächlich aktuell und real. Aber den Besuch der zwei, drei verbliebenen Restaurants konnte sich nur ein winziger Bruchteil der 1,9 Millionen Einwohner leisten, ebenso die Markt-Angebote. 25 Euro für ein Pfund Tomaten, das wäre selbst uns Europäern viel zu teuer. Ebenso eine Nutella-Waffel im Cafe für gleichfalls 25 Euro. Wie könnten dies Menschen bezahlen, die im Monat mit weniger als 10 Euro auskommen müssen oder gar kein Einkommen haben? 
 
Die Spots erreichten im Internet dennoch viele Millionen Menschen, weil sie im Netz sehr gut platziert waren. Zufall? Im Juni zahlte Israel für "Informationskampagnen" an You Tube, Google und X insgesamt 150 Millionen Schekel, was 38,2 Millionen Dollar entspricht. Die Kampagnen laufen nun seit dem 17. Juni bis zum 31. Dezember 2025. 
 
Wie schön und heil kann diese Welt doch wirken, wenn sich die Wahrheit kaufen lässt. 
 
Glückauf 
kdk   


Schmunzelpost 1740 vom 10. 10. 25

Wem es nicht bescheuert genug erscheint, mit Gummistiefeln um die Wette zu werfen, für den habe ich noch ein weiteres extravagantes Sportangebot im Köcher. Es richtet sich in erster Linie an Frauen. Laufen können fast alle. Und wer unter den SP-Leserinnen hat nicht mindestens schon mal eine Trophäe im Kurzstrecken-Sprint gewonnen? Es muss ja nicht gleich die Goldmedaille im 100-m-Lauf sein, auch der Treue-Pokal der Vestischen Straßenbahnen für Euren Spurt zum abfahrbereiten Bus wird anerkannt.
 
Aber für schuhmodebewusste Frauen geht es auch zwei Stufen schwieriger. In den Metropolen der Welt, unter anderem in Amsterdam, Berlin und sogar in Moskau, wird der "High Heels Run" ausgetragen. Das ist ein Wettlauf über 100 Meter, bei dem alle Teilnehmerinnen Schuhe mit mindestens 9 cm hohen Absätze tragen, die aber höchstens 1,5 cm breit sein dürfen. Allerdings können Entfernungen und Absatzhöhe je nach Veranstaltung differieren.
 
 Beim zweiten "Stiletto-Run" in Berlin waren die Absätze der Siegerin bloß lumpige 7,5 cm hoch. Die 24-jährige Denise Hanitzsch bewältigte die Strecke damals in nur 14,7 Sekunden, eine Zeit, die viele von uns nicht einmal in allerbesten Laufschuhen schaffen würden. Diese Frau war wohl ein Naturtalent:  "Ich habe überhaupt nicht trainiert und Sport mache ich auch nicht", erklärte die Kauffrau für Bürokommunikation, "aber ich trage im Job eigentlich immer Stilettos, sodass ich Übung habe." Das hat sich ausgezahlt: Die Siegprämie betrug 10.000 Euro, die von der Gewinnerin in Mode und, Überraschung, in neue Schuhe investiert wurden.
 
Anderswo in Deutschland sind die Prämien weit bescheidener, High Heel Runs aber trotzdem Tradition geworden. In Ulm gibt's Gutscheine über 350 Euro, die Strecke ist nur 60 m lang. Und beim ersten Neuöttinger High Heel Run winkte als Hauptpreis ein Wochenende im Vier-Sterne-Hotel für zwei Personen. Dort durften auch Männer an den Start gehen. Jedoch nur dann, wenn sie außer High Heels auch noch Frauenkleider trugen.
 
Gegen die Klamotten hätte ich nichts, aber niemals würde ich freiwillig hochhackige Schuhe tragen. Bei jedem Schritt wäre ich in Lebensgefahr. Und weil solche Schuhe auf Dauer der Wirbelsäule schaden, kann ich bis heute nicht verstehen, warum Frauen sich das freiwillig antun. Wobei: Für 10.000 Euro und eine Tragezeit von nicht mal 20 Sekunden kann man/frau schon mal ins Trippeln kommen.
 
Die heutige Lüge des Tages ist eigentlich eine Spekulation. Und ich gerate in Beweisnot, wenn ich sie demaskieren will. Dennoch: Ich bin überzeugt, dass Elon Musk auf dem Holzweg ist. Der reichste Mensch der Welt spricht gern darüber, dass unsere vermeintliche Realität bloß das Videospiel einer außerirdischen Zivilisation sei. Das führte zu familiären Differenzen: "Es ist verrückt, wie oft ich diese Frage schon diskutiert habe. Irgendwann konnten wir über nichts anderes mehr reden. Mein Bruder und ich haben uns schließlich darauf geeinigt, dieses Thema nie anzusprechen, wenn wir mal im Whirlpool sitzen. Das ruiniert die Entspannung.“ Doch kurz darauf schob Musk nach: "Aber die Debatte lohnt sich, denn es ist wahrscheinlicher, dass wir in einer Simulation leben, als in der Realität." 
 
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr neige ich dazu, ihm auf den Leim zu gehen. Denn bei all dem Wahnsinn, der augenblicklich die Welt regiert, stöhne ich andauernd: "Das darf doch nicht wahr sein!" 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1739 vom 9. 10. 25

Heute stehen nach den letzten schwergewichtigen politiklastigen Folgen sportliche Lockerungsübungen auf dem Zettel. Mit den Randsportarten war ich nämlich noch nicht fertig: Nachdem ich bei den neuesten Trends noch überlegte, welche für mich in Frage kommen könnten, steht diesmal von Beginn an fest: Bei den folgenden Meisterschaften und Titelkämpfen wird man auf mich verzichten müssen.
 
Beginnen wir zum Aufwärmen mit etwas vergleichweise Leichtem: Dem Gummistiefelweitwurf. Diesen seltsamen Sport betreiben die Finnen bereits, seitdem er Ende des 19. Jahrhunderts von Seeleuten erfunden wurde. Seit 33 Jahren finden sogar Weltmeisterschaften statt, weil inzwischen auch andere Länder Gummi gaben. International gilt ein ausgefeiltes Regelwerk: Männer werfen Stiefelgröße 43, Frauen Stiefelgröße 38.
 
Die Weltrekorde sind natürlich fest in finnischer Hand. Bei den Männern schaffte Antti Ruusuvirta, 68,03 m, bei den Frauen Elina Uustalo 49,35 m. Obwohl die WM auch schon zweimal in Deutschland stattfand, zuletzt 2013 in Berlin, hinken unsere Athleten und Athletinnen weit hinterher. Ihre Bestleistungen wurden mit 53,03 m (Männer) und 35,10 m (Frauen) notiert. 
 
Dafür glänzen die deutschen Gummistiefelweitwurfvereine, von denen es bisher sieben gibt, durch einfallsreiche Namen. Der älteste Verein lässt in Berlin die Stiefel fliegen: "Gib Gummi 03". Die örtlichen Rivalen haben sich "7-Meilenstiefel" genannt. Dann gibt es den "GWV Rauen Latex 04" aus Rauen, wo immer das liegt und "Gib Leder 04" aus Döbeln, wo auch "Spitzsteingummi 05" den Sport betreibt. Übrigens sehr erfolgreich: Die beiden deutschen Rekorde erzielten die Spitzenathleten von Spitzsteingummi! 
 
Mit in den Wurfring tritt auch ein Klub aus Frankfurt an der Oder, dessen Namen man besser bellen als sprechen kann: "GuStiWeiWuFF". Mein Namens-Favorit kommt dennoch aus dem hessischen Taunusstein. Dort gibt es die TWG Schlabbeschubser. 
 
Abschließend noch von geschubsen Schlappen zu ausgelatschten Lügen. Heute demaskiere ich eine seit Monaten durchs Netz geisternde Verschwörungstheorie, die im Sommer mit einem Post von Donald Trump, dem Meister der Mythen, geteilt und geadelt wurde. Danach sei Ex-US-Präsident  Joe Biden bereits 2020 exekutiert und durch einen Roboter-Klon ersetzt worden. Stellt sich nur die Frage, warum dieser Klon so schlecht funktionierte, dass man ihn kurz vor der Wahl gegen Kamela Harris austauschen musste? 
 
Falls jedoch jemand plant, Donald Trump durch einen Roboter-Klon zu ersetzen, der besser funktioniert und vor allem klar denken kann - meinen Segen hat er. 
 
Glückauf 
kdk  


Schmunzelpost 1738 vom 8. 10. 25

Wie ist es möglich, dass jemand wie Donald Trump zweimal zum US-Präsidenten gewählt wurde? Das liegt nicht allein am Bildungsgrad oder der Gefühlswelt seiner Anhänger, sondern vor allem am mit Abermillionen finanzierten Wahlkampf, der ihn glorifiziert und seine Gegenkandidatin und deren Lager verteufelt hat. Schon seit langer Zeit gewinnt nicht mehr der beste Politiker mit dem besten Programm, sondern der mit den besten Beratern. Wobei "beste" hier für "fähigster" im Sinne von "zu allem fähig" steht. 
 
Das Böse kam 1933 in die Welt. Gleich doppelt. Neben der Machtübernahme in Deutschland durch die Nazis gründeten in jenem verhängnisvollen Jahr in Kalifornien Clem Whitaker und Leone Baxter die "Campaigns Inc.", das erste politische Beratungsunternehmen der Weltgeschichte. Kritiker, die das Treiben der beiden durchschauten, nannten die Firma "Lie Factory", also Lügenfabrik. Und genau das war das Erfolgsrezept. 
 
Auch vorher kam es häufig vor, dass sich bei Wahlkämpfen die Rivalen gegenseitig beschimpften, diffamierten und beleidigten. Und Parteien hatten immer schon die Neigung, die eigenen Ziele als alleinseligmachend darzustellen und die Programme der Widersacher als falsch, unsinnig oder gar gemeingefährlich zu bezeichnen. Doch die organisierte Lüge zur Basis bis ins kleinste ausgetüftelter Feldzüge zu machen, das war neu. Und auf Anhieb erfolgreich. 
 
Vorher hatten investigative Journalisten in den USA ihre große Zeit. Mit ihren sauber recherchierten Berichten entlarvten sie korrupte oder unfähige Poliker, ließen den Konzern Standard Oil gierig und den Rüstungsproduzenten Du Pont finster und unheilvoll aussehen. Die großen Unternehmen engagierten daraufhin Werbefirmen, um ein besseres Image zu erlangen und eine wirtschaftsfreundliche Gesetzgebung zu fördern. 
 
Der Energiekonzern Pacific Gas and Electric versuchte sich so durch ein Referendum Vorteile zu schaffen. Ihr Widersacher, ein linker Anwalt, organisierte Whitaker und Baxter. Und siehe da: Die beiden schafften es, das Referendum scheitern zu lassen. Pazific Gas and Electric war davon so beeindruckt, dass sie das Gespann auf der Stelle engagierten. Das kam den Campaigns-Betreibern sehr gelegen. Einer ihrer Freunde erklärte: "Sie würden lieber auf der rechten Seite der Straße arbeiten." 
 
Die Chance erhielten sie bald. Upton Sinclair, ein Schriftsteller, der 1906 im Enthüllungsroman "The Jungle" die Fleischindustrie angeprangert hat, wollte, ermutigt durch Theodor Roosevelts Sieg bei der Präsidentenwahl 1933, Gouverneur von Kalifonien werden. Er trat für die Demokraten an. Aber zwei Monate vor dem Wahltermin nahmen Whitakter und Baxter ihre Arbeit auf. Sie schlossen sich drei Tage lang ein und durchforsteten alles, was Sinclair bis dahin veröffentlicht hatte. 
 
Und plötzlich begann die Los Angeles Times mit der täglichen Veröffentlichung eines Textkastens auf ihrer ersten Seite, der ein Sinclair-Zitat enthielt. Das setzte die Zeitung fort, sechs Wochen lang, bis zum Wahltag. Ein Beispiel: "Sinclair über die Ehe: Die Heiligkeit der Ehe...Ich hatte einen so starken Glauben...Ich habe ihn nicht mehr." 
 
 Das hatte Sinclair so niemals gesagt. Es entstammte einem seiner Romane, in dem eine fiktive Romanfigur einem Mann, der eine Affäre mit seiner Frau hat, einen Brief schreibt. "Als ich Tag für Tag diesen Kasten las, wurde mir klar, dass die Wahlschlacht verloren war", schrieb Sinclair später. So kam es auch. Er erhielt nur 879.000 Stimmen, sein Gegenkandidat 1.138.000 Stimmen. Leone Baxter sagte über ihre Kampagne danach ungerührt: "Natürlich waren diese Zitate irrelevant. Aber wir hatten ein Ziel: Zu verhindern, dass er Gouvernor wird." 
 
Auch später gewannen die beiden fast jeden Wahlkampf, den sie führten. Sie dachten sich Regeln aus, die mir heute noch verdammt bekannt vorkommen: Jeder Wahlkampf braucht ein Thema. Wähle einfache Worte. Reime sind gut. Erkläre niemals irgendetwas. Sag immer das Gleiche, immer und immer wieder. (Donald, ick hör Dir trapsen) Subtilität ist ein Feind. Worte, die sich an das Denken anlehnen, sind nutzlos. Vereinfachen, vereinfachen, vereinfachen. Unbedingt gebraucht wird ein Gegner, der möglichst abschreckend gezeichnet werden muss. Und mit dem muss man die Auseinandersetzung suchen. Angreifen, angreifen, angreifen! 
Denn der Durchschnittsamerikaner, so Whitaker, "will nicht unterrichtet werden, er will sein Wissen nicht erweitern. Aber er mag einen heißen Kampf mit vollem Einsatz. Und wenn Sie eine gute Show bieten, werden Mr. und Mrs. America kommen, um sie sich anzusehen." 
 
Was entlarven wir heute für eine Lüge? Eine aus dem US-Wahlkampf. Da hatte Trump im TV-Duell behauptet, Einwanderer würden die Katzen und Hunde der Bürger einer Kleinstadt in Ohio aufessen. Das war derartiger Blödsinn, dass sein Vize-Kanzler-Kandidat Vance sich im CNN-Interview genötigt sah, solche Fake-News so zu rechtfertigen: "Wenn ich Geschichten erfinden muss, damit die amerikanischen Medien tatsächlich das Leiden des amerikanischen Volkes in den Blick nehmen, dann werde ich das tun". 
 
Darauf einen Cocker-Spaniel, medium gebraten, bitte. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1737 vom 7. 10. 25

Gestern ging es um Lügen. Da bietet es sich an, heute mit Donald Trump weiterzumachen. Kein anderer Politiker der Neuzeit setzte in so kurzer Zeit so viele teilweise haarsträubende Unwahrheiten in die Welt. Aber falls Trump behaupten sollte, er sei es gewesen, der den Begriff "Fake-News" erdacht und den Slogan "America First" erfunden hat, so ist auch das gelogen. 
 
Die Ursprünge von "America First" liegen weit zurück, in den Anfangsjahren der Vereinigten Staaten. Schon George Washington gab den Anstoss für eine Politik des Isolationismus. Das bedeutete damals: Die USA sollten sich aus kriegerischen Konflikten im Ausland heraushalten, kein Imperium mit Kolonien anstreben und sich auf ihre internen Angelegenheiten konzentrieren. Diese Haltung führte dazu, dass die Philippinen Ende des 19. Jahrhunderts keine amerikanische Kolonie wurden. 
 
Mit dem allmählichen Aufstieg zur Weltmacht Nummer eins änderte sich allerdings die Ausrichtung. "America First" wurde nun Anfang der 1930er-Jahre zum Motto der amerikanischen Befürworter des Nationalsozialismus. Um den Kriegseintritt der USA und Hilfslieferungen an England zu verhindern, gründeten sie das "American First Committee". Was Goebbels Propaganda-Ministerium begeistert feierte: "Das ist wahrer Amerikanismus und wahrer Patriotismus!" 
 
An der Spitze des Committees standen der Medienbaron Wilhelm Randolph Hearst, der Fliegerheld und enthusiastische Faschist Charles Lindbergh sowie der erklärte Antisemit und Autobauer Henry Ford. Vor allem Hearst war ein ganz schlimmer Finger. Er ist ein Paradebeispiel dafür, welche Gefahren es birgt, wenn Verleger ihren Drang, selbst Politik zu machen, mit Hilfe ihres Zeitungsnetzes rücksichtslos ausnutzen können. Jeder vierte Amerikaner las damals ein Blatt von Hearst, der 19 Zeitungen in 26 Städten besaß. Darin verurteilte Hearst die Wirtschafts- und Sozialreformen, mit denen Präsident Roosevelt die verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in den Griff bekommen wollte, als „im Mark unamerikanisch“ und „kommunistischer als die Kommunisten." 
 
Mit Werbekampagnen und Massenveranstaltungen versuchten Hearst und Co. die Unterstützung Englands durch Waffenlieferungen zu verhindern. Mit Millionen von Unterstützern kämpften sie unter der America-First-Flagge gegen Gruppierungen, welche laut Lindbergh die USA in den Krieg treiben wollten: "Die Engländer, die Juden und die Roosevelt-Regierung." Dann kam im Dezember 1941 der japanische Überfall auf Pearl Harbour und Hitlers Kriegserklärung an die USA. Und "America First" hatte sich für Jahrzehnte erledigt. Bis ein gewisser Donald Trump den Begriff wieder aus dem Keller holte, die Parole zu "Make America great again" erweiterte, aber betonte, sein "America First" habe mit frühere Nutzung nichts zu tun: "„It was used as a brand-new, very modern term.“ Ja, ja, lügen ohne rot zu werden konnte Donald schon immer. 
 
Und ebenso Fake-News in die Welt setzen. Nach seinem offiziellen Amtsantritt erklärte Trump mit stolzgeschwellter Brust, noch nie in der Geschichte hätten so viele Menschen vor Ort die Amtseinführung eines US-Präsidenten gefeiert. Tags darauf entlarvten Gegenüberstellungen mit Archiv-Fotos die fette Lüge. Was Trumps Pressesprecherin lässig abtat: "Das waren Fake-News!" 
 
Von da an waren sie weltweit in aller Munde. Dabei hatte es Fake-News schon lange vorher gegeben. Absichtlich falsche Informationen als Nachricht zu verbreiten, um die Leser zu manipulieren und sich politische oder wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen, das hat eine lange Geschichte. 1874 berichtete in New York "The Herald" über einen Ausbruch wilder Tiere aus dem Central Park Zoo. Davon war kein Wort wahr. Die einzige freigesetzte gefährliche Bestie war die Nachricht: Sie löste eine Panik aus. Aber dem Blatt bescherte sie einen riesigen finanziellen Erfolg. 
 
Ab 1890 bürgerte sich der Begriff Fake-News in den US-Medien ein. Was Trump für sich zu nutzen versucht, in dem er korrekte Nachrichten als "Fake-News" verunglimpft. Dies ist inzwischen in MAGA-Kreise zu einem Synonym für die Verdammung von unbequemen Medienberichten geworden wie hierzulande die von Rechtsextremen gern und häufig beschimpfte "Lügenpresse". 
 
Die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wurde 2016 während des Wahlkampfs, aus dem überraschend Donald Trump als Sieger hervorging, systematisch im Internet mit Fake-News überzogen, die sie mit Satanismus, Pädophilie und Morden in Verbindung brachten. Unter dem Stichwort "Pizzagate" war dabei ein Restaurant in Washington, in dem die Kandidatin der Demokraten und ihr Wahlkampfteam verkehrten, zum Gegenstand einer Verschwörungstheorie geworden. Was Folgen hatte: 2016 stürmte ein 28-jähriger mit Kampfgewehren bewaffneter Mann das Restaurant, um die dort von Clintons Kinderpornoring versteckten Opfer zu befreien. Retten konnte er jedoch allenfalls ein paar Nudeln vor dem Kochtopf. 
 
Zum Schluss nochmal Fake-News von Donald Trump, nicht unbedingt glaubwürdig: "Meine Finger sind lang und schön, wie, wie gut dokumentiert wurde, auch andere Teile meines Körpers." 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1736 vom 6. 10. 25

Zwei sehr lange Presseartikel habe ich in diesen Tagen bis zur letzten Zeile mit großem Interesse und wachsender Sorge gelesen. Die Titelgeschichte "Gotteskrieger" aus dem Spiegel der letzten Septemberwoche sollte man eigentlich nicht unbedingt studieren, wenn man gerade wegen Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Zu erschreckend zeigt der Bericht auf, wie Trump und seine willigen Helfer versuchen, die USA in eine Theokratie umzubauen. Allerdings wird hier die Religion, wie immer, wenn Fundamentalisten und Fanatiker an der Macht sind, nur als als Hebel benutzt. Ich teile das Spiegel-Fazit, dass dieser radikale Evangelikalismus mit dem Christentum genauso so viel, oder besser, so wenig zu tun hat, wie der IS-Islamismus mit dem Islam.
 
Noch bedrohlicher empfunden habe ich die dreiseitige Beschreibung einer Entwicklung, deren Auswirkungen mich schon häufiger beschäftigt haben. In der Jubiläumsausgabe "80 Jahre Süddeutsche Zeitung" vom Wochende geht es um nichts geringeres als Wahrheit, Frieden und Demokratie. Die Überschrift lautet: Gar nicht wahr, Unterzeile: Die Lüge ist zurück. Mit Macht. Als Macht. Wie sie die Demokratie zerstört - und wer sich dagegenstemmt.
 
Wahrheit: Es ist nicht nur Unverfrorenheit und Anmaßung, sondern Programm, dass Donald Trump sein soziales Netzwerk ausgerechnet "Truth" getauft hat. Ebenso unverfroren ging Wladimir Putin am 15. Februar 2022 mit der Wahrheit über Krieg und Frieden um. Neun Tage vor dem Einmarsch in die Ukraine verkündete er: "Wir wollen keinen Krieg." Und besonders wahrheitsverdrehend und zynisch liest sich auch die 2021 getroffene Aussage von Xi Jingping: "China hat die umfassendste, authentischte und wirksamste sozialistische Demokratie." 
 
Von mehr als 900 Fachleuten des Weltwirtschaftsforums wurde trotz Klimakatastrophen und Kriegen die Desinformation, die organisierte Lüge, erneut als größtes globales Risiko betrachtet. Das hat seinen Grund, wie die SZ-Autoren erklären: "Die Desinformation ist der Brandbeschleuniger für all die anderen Kastastrophen, sie macht sie wahrscheinlicher. Und der Siegeszug der von Tech-Oligarchen kontrollierten sozialen Medien ist der Brandbeschleuniger für die Desinformation. Sie polarisiert, radikalisiert und destabilisiert, sie sät Chaos und Hass. Die Lüge mag so alt sein wie die Politik selbst, aber die Wucht ihrer Zerstörungskraft ist neu." 
 
Anfangs habe ich die Augen verdreht und gegrinst, wenn ich die neueste von Trumps vermeintlich für jeden erkennbaren Falschaussagen las. Das Lachen ist mir längst vergangen. Denn der Mann hört nicht auf und wird immer dreister, ohne dass ihm seine Lügen um die Ohren fliegen. Im Gegenteil. Trump stellt sich vor der UN-Vollversammlung ans Mikrofon und reiht schamlos eine Lüge an die andere: Er habe allein in diesem Jahr sieben "unbeendbare" Kriege eigenhändig beendigt. London habe die Scharia eingeführt, Deutschland die Atomkraft zurückgeholt. 
 
Ist das krankhaft? Nein, das ist systematisch und strategisch. Denn es ist ein bewährtes Rezept von Autokraten, Verwirrung zu stiften, solange Desinformationen zu verbreiten, bis niemand mehr weiß, was wahr oder unwahr ist. Der Bürger soll seinen eigenen Augen, seinen Ohren und nicht einmal seiner Erinnerung trauen. Deshalb sind freie Presse und Wissenschaft der natürliche Feind von Autokraten. 
 
Auch Putin hat das erkannt und lässt über das Internet den Westen mit Lügen fluten. Die Führer der Ukraine sind Nazis. Die deutsche Regierung will bei privaten Hausbesitzern Flüchtlinge zwangseinquartieren. Friedrich Merz und Emanuel Macron schnupfen gemeinsam Kokain. Unsinn? Na, klar. Aber bei schlichten Gemütern oder Leuten, die sagen: "Politik? Bleib mir damit bloß vom Leib!" fällt sowas vielleicht auf fruchtbaren Boden und wird weitererzählt. 
 
Doch selbst bei Menschen, die so etwas eigentlich durchschauen müssten, wird durch die schiere Menge von Unwahrheiten etwas bewirkt, wie Hannah Arendt bereits 1974 feststellte: "Wenn jeder Dich immerzu anlügt, dann ist die Folge nicht, dass Du die Lügen glaubst, sondern vielmehr, dass keiner mehr an irgendetwas glaubt." Und genau das ist das Ziel: Die Zerstörung der Glaubwürdigkeit und des Vertrauens in den demokratischen Staat, all seine Institutionen und die klassischen Medien. 
 
Was kann man dagegen tun? Sich nicht einlullen lassen und Lügen demaskieren, wo immer es geht. In der Schmunzelpost will ich meinen Kampf gegen die kleinen und großen Irrtümer und Fake-News aller Art jetzt noch intensivieren. In jeder Folge stelle ich künftig eine Lüge an den Pranger. Ausnahmsweise beginne ich damit in eigener Sache. Ich warne entschieden, eine Mail ernstzunehmen, die ein Hacker als fingierte Schmunzelpost verbreitet: Heute habe ich zu meinem eigenen Erstaunen Post aus dem Vatikan erhalten. Ohne große Hoffnung hatte ich den Papst um eine Audienz gebeten, um ihn zu fragen, warum er für sich den gleichen Namen erwählt hat, wie ihn unser Kater trägt. Seine Antwort lautete: "Ich habe leider dafür keine Zeit. Nach Feierabend muss ich mich auch mal um Frau und Kinder kümmern. Aber Ihr Kater sei aus der Ferne gesegnet." 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1735 vom 5. 10. 25

Im Krankenhaus hatten sie mich offenbar liebgewonnen. Jedenfalls wollten sie mich erst gar nicht gehen lassen. Dabei waren alle Untersuchungen abgeschlossen und der Verdacht auf Herzinfarkt zweifelsfrei ausgeräumt. Und meine frische Erkältung wollte ich lieber daheim auskurieren. Deshalb fragte ich nach dem Frühstück die Pflegerin, wann ich denn gehen könne. "So genau weiß ich das nicht, aber vermutlich sofort nach der Visite." "Und wann erfolgt die?" "So genau weiß ich das nicht, aber vermutlich gegen zehn." 
 
Mein Zimmergenosse schnaubte unglücklich. Auch seine Behandlung zur Immunisierung gegen Asthma war abgeschlossen, er wartete nun ebenfalls auf seine Entlassung. Alle Unterlagen lagen parat, aber er sollte noch das Abschlussgespräch mit dem Chefarzt abwarten. Und der hatte zwar frei, sich aber großzügig bereit erklärt, trotzdem vorbeizuschauen. Nachmittags um drei Uhr. "Das ist doch bloß Beutelschneiderei", schimpfte der ungeduldige Kollege. Und er fragte nach, ob das nicht auch jemand anders übernehmen könne. 
 
Als sich um 10.30 Uhr die Zimmertür öffnete, blickte ich erwartungsvoll hin. Herein kam ein junger, uns beiden unbekannter Mediziner. "Der Chefarzt hat mich beauftragt, an seiner Stelle mit Ihnen zu sprechen", wandte er sich an meinen Bettennachbarn. "Haben Sie schon alle Unterlagen bekommen? Ja? Und Sie haben auch den neuen Medikamenten-Plan für zuhause? Dann können Sie jetzt gehen." 
 
Diesmal schnaubte ich unglücklich. Nach dem herzzerreißenden Abschied fragte ich einen Pfleger: "Und? Wann erfolgt denn jetzt die Visite?" "So genau kann ich Ihnen das nicht sagen, aber vermutlich in den nächsten Minuten." Als aus den wenigen Minuten eine ganze Stunde geworden war, marschierte ich zum Dienstzimmer. "Was ist denn jetzt? Es ist gleich Mittag, und der Arzt hat sich noch nicht bei mir blicken lassen." "Das liegt an einer Neuaufnahme, bei der er gerade eine Ultraschall-Untersuchung vornimmt. Das kann nicht lange dauern, er wird gleich kommen." 
 
"Nicht lange" ist ein dehnbarer Begriff. Nach einer weiteren Stunde nahm ich meine Tasche und verabschiedete mich im Dienstzimmer. "Im Anschluss an die Untersuchungen wurde mir bereits gesagt, dass alles in Ordnung ist. Das würde mir bei der Visite, vermutlich in wenigen Minuten, nur nochmals in zwei Sätzen bestätigt. Darauf kann ich verzichten. Ich gehe jetzt. Danke und einen schönen Tag." 
 
Kurz überlegte ich, ob diesmal ich mich mit einem Witz vom lustigen Pfleger verabschieden sollte. Doch ich verzichtete darauf. Stattdessen könnt Ihr ihn jetzt lesen: Wie verabschieden sich die Teilnehmer des Ärztekongresses? Augenarzt: "Man sieht sich...!" HNO-Ärztin: "Lasst mal wieder was von Euch hören!"Urologe: "He, Leute! Ich verpiss’mich!" Kardiologe: "Bye, pass‘ auf Dich auf!" Gynäkologin: "Bis die Tage! Ich schau‘ mal wieder rein!" Dermatologe: "Haut ab!" Zeitungsberichterstatter: "Glückauf!"

Glückauf
kdk 


Schmunzelpost 1734 vom 4. 10. 25

Stent by me? No! Ich hatte doppeltes Glück. Obwohl alle Symptome für einen Infarkt sprachen, zeigten die Untersuchungen, dass mein Herz noch gut in Form ist. Und die Katheter-Untersuchung ergab, dass dies auch für die Herzkranzgefäße zutrifft. (Übrigens ist es stets gut, Lehrer in der Leserschaft zu haben. Mir war gestern durchgegangen, dass die Untersuchung zwar lehrbuchmäßig erfolgte, aber ein Klinik-Katheter hinten nicht mit d geschrieben wird wie ein Schulpult). 
 
Jetzt ist mir zwar buchstäblich eine Last vom Herzen genommen, aber die Ursache der Beschwerden blieb unbekannt. Für den Druck in der Brust kann kann es ganz verschiedene Gründe geben: Eine Virusinfektion, eine Entzündung an anderer Stelle im Körper, den Magen, einen Rückenwirbel, einen Nerv, dem es zu langweilig wird, weshalb er Spektakel macht und, und, und. Trotzdem werde ich nun im Falle eines nochmaligen Auftretens gelassener reagieren. 
 
Es gibt übrigens Angenehmeres, als seine Zeit im Krankenhaus zu verbringen. Die vergangene Nacht gehört gefühlt zu den längsten, die ich je erlebt habe. Bereits um 20 Uhr lag ich im Bett, und die Zeit bis zum Morgen kroch quälend langsam voran. Das lag an einem Zusammenspiel ungünstiger Umstände. Mich plagte ein fiebriger Infekt, so dass ich mich bibbernd von einer Seite auf die andere drehte. Und Schlaf war nicht drin. Die Langzeit-Blutdruck-Messung brachte mich fast um den Verstand. Alle paar Minuten legte sich ein stählener Ring um meinen Bizeps. Später in der Nacht vergrößerten sich zwar die Abstände zwischen den Messungen. Das führte jedoch dazu, dass die trügerische Hoffnung, das Gerät könne endlich Ruhe geben, immer gerade dann verschwand, wenn ich kurz vor dem Einduseln war. 
 
Aber noch etwas anderes hielt mich wach. Wie erwähnt, hat es mit meinem Anspruch auf ein Einzelzimmer wieder nicht geklappt. Nun war mein Zimmergenosse ein netter Mensch, rücksichtsvoll und alles andere als aufdringlich. Und in der ersten Nacht hatte ich mich noch gefreut, dass er ganz anders war, als der Holzfäller mit dem ich bei der Hüft-Reha in Bad Rothenfelde meine Unterkunft teilte. Der war eigentlich auch nett, aber mit seinem lauten Sägen rodete er nachts sogar die Bäume im nahen Teutoburger Wald. Gegen diesen Lärm-Orkan wirkte das diskrete Schnorcheln meines hiesigen Gefährten wie der leise Hauch einer Frühlingsbrise. 
 
Dann kam die zweite Nacht und ein Mordsschrecken. Denn neben mir ertönte plötzlich ein Jaulen, das eines Werwolfs würdig gewesen wäre. Es klang in etwa wie "OUOUOU!" und hätte sich für einen Dialog mit Loriots sprechendem Hund vorzüglich geeignet. Im folgenden veränderten sich zwar Tonlage und Lautstärke, aber in Traumphasen setzte sich das muntere Gebrabbel fort. 
 
Als wäre das nicht alles schon schlimm genug, kam in der zweiten Nachthälfte die Höchststrafe dazu. Ich vernahm das Sirren einer anfliegenden Mücke! Selten habe ich mich so gefreut, dass das Pflegepersonal im Krankenhaus bereits ins Zimmer kommt, wenn es draußen gerade dämmert. Und diesmal war es ein lustiger Pfleger. Er munterte mich mit folgendem Witz auf:  "'Jetzt sag ich’s Ihnen zum letzten Mal', brüllt der Arzt die Pflegekraft an, 'wenn Sie einen Totenschein ausfüllen, dann schreiben Sie unter Todesursache den Namen der Krankheit und nicht den des behandelnden Arztes'!“ 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1733 vom 3. 10. 25

Hallo! 
 
So kann's kommen. Mittwoch ging's mir gut, bis ich abends um 23 Uhr vor dem Fernseher die Champions-League anschaute, den Kater auf meinem Schoß. Ob es daran lag, dass statt Schalke dort Nordlüdenscheid mitspielte, weiß ich nicht, auf jeden Fall aber verspürte ich plötzlich anhaltenden Druckschmerz im linken Brustbereich. Wird schon wieder verschwinden, dachte ich, versandte nach Mitternacht meine SP-Mails und las noch ein wenig über die Geschichte der USA. Nach kurzer Zeit fielen mir die Augen zu, und ich schlief ein. 
 
Doch bereits um 2 Uhr war die Nacht für mich zu Ende. Die Enge und der Druck in meiner Brust hatten zugenommen, ich wurde kurzatmig und der Schweiß brach mir aus. Nun kriegte ich es mit der Angst zu tun, zumal der Versuch, die Sache auszusitzen, kläglich scheiterte. So bat ich Ulla gegen 3 Uhr, mich ins Krankenhaus zu fahren. Dort gab es zumindest in Sachen Infarkt nach ein paar Untersuchungen Entwarnung. Allerdings steht mir jetzt eine Katheder-Untersuchung der Herzkranzgefäße bevor. Und ich wurde verkabelt wie ein Weihnachtsbaum. U.a. mit einem Langzeit-Blutdruck-Messgerät, so dass mir jetzt eine zweite schlaflose Nacht bevorsteht. 
 
Aber immerhin hat mich der Arzt, der den Eingriff am Nachmittag durchführen wird, vorab beruhigt. Er sagte: "Nur keine Panik! Wir haben das schon hundert Mal gemacht - einmal muss es ja klappen!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1732 vom 2. 10. 25

In den zwei Urlaubswochen habe ich mich wesentlich mehr bewegt als sonst, durch Strandspaziergänge und Fahrradtouren. Das tat gut. So gut, dass ich mir nun überlege, regelmäßig Sport zu treiben. Einmal, zweimal in der Woche Fitness-Studio, das ist eine Pflichtveranstaltung wie das Zähneputzen. Und Schachspielen macht zwar sehr viel Spaß, hat aber einen Bewegungsradius gleich Null. 
 
Durch einen Spiegel-Artikel wurde ich nun darauf aufmerksam, dass es neben den etablierten Disziplinen allerlei neue Randsport-Arten gibt. Das Nachrichtenmagazin berichtete über die Weltmeisterschaften im Moorschwimmen. In Wales trafen sich dazu 200 Teilnehmer aus aller Welt. Wichtigstes Requisit: Ein Schnorchel mit hermetisch abgedichtetem Mundstück. Nein danke, das wäre so ziemlich der vorletzte Sport, für den ich mich begeistern könnte. Doch zum Glück gibt es weitere neue Angebote, zum Teil ganz in der Nähe. 
 
Da ist zum Beispiel "Padel-Tennis". Diese Mischung aus Tennis und Squash könnte ich sogar unweit der Haustür ausüben. Auf der nur 200 Meter entfernten Tennisanlage gibt es einen Padel-Platz, der fast immer genutzt wird. Aber leider bin ich aus dem Alter raus. Für diesen rasanten Sport bin ich viel zu lahm, unbeweglich und kurzatmig. 
 
Dann schon eher "Arrow-Tag", zu deutsch etwa "Pfeil-Ziel". Das ist eine Mischung aus Völkerball und Bogenschießen. Zwei Teams treten gegeneinander an und versuchen, sich mit Pfeilen "abzuschießen". Hört sich gefährlich an, ist es aber nicht. Die Pfeilspitzen umschließt ein dickes Kunststoff-Polster. Wer die meisten Gegner trifft, hat gewonnen. Allerdings kann man getroffene Mitspieler wieder befreien, indem man verschieden große Kreise aus einer gegnerischen Schaumstofftafel herausschießt. Eine Anlage gibt es u.a. im Alma-Park Gelsenkirchen. (Wäre das nichts für Dich, Gregor?) 
 
Mir ist das zu hektisch. Und Indianer habe ich schon als Kind genug gespielt. Dann schon eher "Schwarzlicht-Minigolf", auch "Moonlight-Minigolf" genannt. Die Spielregeln entsprechen denen des regulären Minigolfs. Allerdings spielt man in einer unwirklichen Welt mit bizarren Neon-Farben und trägt dabei eine 3-D-Brille. Anlagen gibt es in fünf Filialen der "Schwarzlicht-Kette", u.a. in Münster, Essen und Marl. Leute mit Vorkenntnissen sind klar im Vorteil. (Worauf wartest Du noch, Marion?) 
 
Und nun zu meinem Favoriten: Pool-Ball. Dafür gelten die gleichen Regeln wie beim Pool-Billard. Wesentlicher Unterschied: Es wird nicht mit einem Queue gespielt, sondern mit dem Fuß. Deshalb ist das Spielfeld mit 8 x 4,5 Meter wesentlich größer als ein Billardtisch und die Bälle wesentlich kleiner als beim Fußball, aber größer als beim Billard. Das hört sich alles nach einem gemütlichen Sport an, der für mich maßgeschneidert wäre. Ich muss nicht rennen, keinen Fallrückzieher versuchen, und es gibt nichts von Gegenspielern auf die Socken. Zusätzlicher Anreiz: Ich könnte in der Heimat von Schalke 04 aktiv werden, denn in Gelsenkirchen bietet der Alma-Park Pool-Ball an. 
 
Macht Euch schon mal darauf gefasst, dass Ihr bei der nächsten Deutschen Pool-Ball-Meisterschaft etwas über Pele Krause lest. 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1731 vom 1. 10. 25

Die Frauen unter Euch werden mich verstehen: Zum gestrigen SP-Thema ist längst noch nicht alles gesagt. 
 
Fangen wir an, womit wir aufgehört haben: Mit Schmähungen der Männer. Wie beschäftigt man einen Mann für ein paar Stunden? Einfach "bitte umdrehen" auf beide Seiten eines Blattes Papier schreiben. Ach nee, das erscheint mir übertrieben. Ich hätte den Trick bestimmt schon nach 30 Minuten durchschaut. Wenden wir uns lieber der praktischen Lebenshilfe für Frauen zu, die gelegentlich im Ausland unterwegs sind. Den Satz "Mach mich nicht an!" sollten sie immer parat haben. 
 
Auf englisch heißt das "Don't bother me!", auf französisch "Dragueurs, pas touche!", auf spanisch "No me molestes", ähnlich auch auf italienisch "Non molestarmi!" und auf holländisch "Mak me niet makkeija!" Für Fahrten in fremde Kulturkreise ist es nützlich zu wissen, dass auf türkisch "Beni rahat birak!" für die nötige Distanz sorgt, auf chinesisch "Bie jiu chan wo!", auf hocharabisch "La turaslni!", auf russisch "Ne pristowaj!". Und wie Ihr es auf marokannisch aussprecht, solltet Ihr vorher besser mit Sprachkundigen üben: "La tnk rlia!" 
 
Aber woran erkennen Frauen ihre natürlichen Feinde? An Macho-Sprüchen wie diesen: Enrique Castaldo sagte: "Wenn eine Frau nicht spricht, sollte man sie um Himmels willen nicht unterbrechen." Rainer Werner Fassbinder schuf sich einst mit dieser Aussage eine Menge Feindinnen: "Es gibt drei Arten von Frauen: Die schönen, die intelligenten und die Mehrheit." Voltaires weniger philosophisches als vernichtendes Urteil lautete: "Die Frau ist ein menschliches Wesen, das sich anzieht, schwatzt und sich auszieht." Und Arthur Schopenhauer meinte: "Der einzige Mann, der wirklich nicht ohne Frauen leben kann, ist der Frauenarzt." 
 
Was ist das größte Geheimnis der Männer? Wie sie älter werden können und dennoch unreif bleiben. Damit sind wir bei einem Thema, mit dem ich mich inzwischen auskenne: Es geht nun um den alternden Mann. Ja, es stimmt, alte Männer sind wie alte Weine. Irgendwann bröselt der Korken - und dann ist es Essig. Dass man allmählich vergreist, erkennt man auch daran, dass es einen nicht mehr sonderlich interessiert, wo die Frau hingeht - solange sie nicht will, dass man mitkommt. 
 
Auch diese leidvolle Erfahrung musste ich bereits machen: Ein Mann kann trinken, trinken, trinken und wird trotzdem nicht für voll genommen. Außerdem stelle ich fest, dass ich nun bald das Alter erreiche, in dem ich ein Hörgerät und ein Gebiss nötig habe, um jemand fragen zu können, wo meine Brille ist. Das Alter, in dem ich leichtsinnig genug bin, kleine Dialoge zwischen Mann und Frau wiederzugeben, habe ich schon erreicht. 
 
Er sitzt vor dem Fernseher und ruft seiner Frau in der Küche zu: "Ey, bring mir mal ein Bier!" Sie: "Wie heißt das Zauberwort mit den zwei 't'"? Er: "Aber flott!" Auch dieser ist dem prallen Leben entnommen. Er: "Seit 27 Jahren korrigierst Du mich, egal, was ich sage." Sie: "Seit 28 Jahren, mein Lieber, seit 28 Jahren." Und noch ein kurzer zum Schluss. Sie: "Hast Du was gesagt?" Er: "Nee, das war gestern." 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1730 vom 30. 9. 25

Zurück daheim führte mich als pflichtbewusster Ehrenamtler einer meiner ersten Wege zum Bücherschrank. Der war trotz meines zweiwöchigen Urlaubs in einem halbwegs ordentlichen Zustand, es muss sich auch jemand anders gelegentlich darum gekümmert haben. So war ich schnell mit dem Ausmisten fertig und nahm mir wieder mal selbst ein Büchlein mit nach Hause. Es enthält "Dumme Sprüche für Frauen" und noch ein "Extra: Mit den besten Promi-Sprüchen". Eine Kostprobe auf dem Einband ermunterte mich, für Euch eine kleine Auswahl herauszusuchen. Dort stand: "Frauen lieben die einfachen Dinge des Lebens: Männer." 
 
Im Vorwort gibt die Autorin Eva M. Manze (na, na, ob das wohl ein Wortspiel-Pseudonym ist?) gleich die Richtung vor. Dort heißt es am Ende: "Übrigens: In zehn Jahren gibt es in Deutschland einen Aufstand. Warum? Nun, dann haben die Männer all die Sprüche begriffen, die in diesem Buch über sie stehen." Gleich im ersten Kapitel werden scharfe Frauenzungen mit Munition beliefert. Diese Sprüche sind gar nicht dumm. Aber böse! 
 
Was sagte Gott, nachdem er den Mann erschaffen hatte? "Oh, oh - hoffentlich hat's niemand gesehen." 
 
Wie sortieren Männer ihre Wäsche? In "dreckig" und "dreckig, aber tragbar". 
 
Worin liegt der Unterschied zwischen Joghurt und Männern? Joghurt hat Kultur! 
 
Was hat ein Mann, der einen Strohballen hinter sich herzieht? Einen externen Speicher. 
 
Ein Buch, das so beginnt, das endet auch konsequent mit elf einleuchtenden Gründen, warum Männer nicht zu Frauen passen. Hier sind drei davon. "Männer sind immer für ihre Kinder da, es sei denn, die Kleinen sind wach." "Männer zeigen sich empört, wenn man über sie redet, aber wirklich sauer sind sie erst, wenn man nicht über sie redet." "Männer haben nichts im Kopf. Das glauben Sie nicht? Stellen Sie ihnen die Testfrage: 'Was denkst Du gerade?'" 
 
Höre ich da empörtes Gemurmel aus dem Lager der männlichen Schmunzelpostleser? Ihr werdet doch nicht das Vorurteil bestätigen wollen, dass Männerhumor nur funktioniert, wenn sie über andere lachen können. Und das Männer nichts oder zumindest nicht viel Brauchbares im Kopf haben, belegt das Beispiel eines prominenten US-Amerikaners. Nein, die Rede ist nicht von Donald Trump, wegen der überwältigenden Fülle seiner dussligen Sprüche fiel mir die Auswahl zu schwer. Ich zitiere vielmehr den Bruder von John F. und Robert Kennedy, die beide Attentaten zum Opfer fielen. 
 
US-Senator Edward "Ted" Kennedy wurde bei einem Interview nach dem derzeitigen Stand seiner Ehe gefragt. Hier ist seine Antwort: "Ich denke, das ist eine, äääh, es gab ein paar schwierige Zeiten, aber ich denke, wir haben - wir haben, denke ich - wir sind in der Lage, gute Fortschritte zu machen und es ist - nun, also, ich würde sagen, dass es - es- es ist sehr schön, dass wir die Zeit und die Beziehung teilen können, die wir - äääh, die wir teilen." 
 
Schöner hätte auch ich nicht nichts sagen können. 
 
Glückauf 
kdk     


Schmunzelpost 1729 vom 29. 9. 25

Was habe ich an dieser Stelle schon über die Bahn gemeckert. Über Zugausfälle, Verspätungen, groteske Fehlleistungen und diverse Missstände. Dabei verdrängte ich stets, was einem alles beim Autofahren sauer aufstoßen kann. Ärgernis Nummer eins ist der Stau. Während ich mich bei Wartezeiten in der Bahn meist entspannt zurücklehne und etwas lese, sitze ich im Auto angespannt am Steuer und warte darauf, dass ich noch einmal zehn Meter vorrücken darf. 
 
Richtig bewusst geworden ist mir das jetzt wieder bei der Rückfahrt von St. Peter-Ording nach Dorsten. Denn in Hamburg war am Wochende zwei Tage lang der Elbtunnel in beide Richtungen komplett gesperrt. Was bedeutete, dass der Fernverkehr entweder im riesigen Bogen um die Metropole herumgeführt oder auf Umleitungen mitten durch die Stadt über die Elbbrücken geleitet wurde. Die zweite Variante haben wir gewählt. 
 
Auf diese Weise haben wir viel von Hamburg zu sehen bekommen. Zum Beispielt gefühlt jede zweite Ampel der Stadt. Denn um über Kreuzungen zu kommen, brauchten wir in der Regel mindestens zwei Anläufe. So dauerte es fast zwei Stunden, bis wir Hamburg von Nord nach Süd durchquert hatten und endlich wieder die Autobahn erreichten. Nur, um uns im nächsten Stau bis zum Maschener Autobahnkreuz Meter für Meter voran zu kämpfen. 
 
Danach lief es eine Weile recht zügig, bis vor Bremen der nächste fette Stau auf uns lauerte. Was Verkehrsplaner veranlasst, an Wochenenden mit Elbtunnel-Sperrung im Baustellenbereich die Autobahn stellenweise von drei auf eine Spur zu reduzieren, gab mir reichlich Stoff zum Nachdenken, bevor es endlich weiterging. Immerhin erreichten wir Dorsten 20 Minuten vor der Schließung der Wahllokale, so dass ich bei der Stichwahl des Landrates gerade noch meine vermutlich entscheidende Stimme abgegeben konnte. 
 
Doch im Grunde haben wir Glück gehabt. So reichte der streckenmäßig längste Stau der Welt 1980 sagenhafte 176 Kilometer von Paris bis Lyon. Den zeitmäßig längsten Stau verzeichneten 2010 die Chinesen. Er löste sich auf der Strecke zwischen Hebei und der Inneren Mongolei erst nach vollen zwei Wochen auf. Was dazu führte, dass betroffene Autofahrer tagelang auf der Fahrbahn kampierten. Wie es sich anfühlt, wenn der Stadtverkehr komplett kollabiert, erlebten in Brasilien die Einwohner von Sao Paulo am 11. Juni 2009. Da kam um 19 Uhr der Verkehr auf dem innerstädtischen zusammenhängenden Straßennetz auf 293 Kilometern vollständig zum Erliegen. 
 
In Deutschland gab es im Radio übrigens am 23. April 1961 die erste Stauwarnung. Ursache war eine sechs Kilometer lange Baustelle auf der Autobahn zwischen Köln und Leverkusen. Der Radio-Sprecher kündigte das unerhörte Ereignis mit "Blaulicht: Verkehrshinweise für Kraftfahrer" an. Apropos Verkehrshinweise: Sie stehen mitunter den Durchsagen von Zugführern mit ihren bizarren Inhalten keineswegs nach. 
 
"Vorsicht bei Poppenhausen: Gefahr durch ein Bett auf der Fahrbahn."  "A6 Heilbronn Richtung Nürnberg: Unfall, 8 km Stau. Lkw-Fahrer werden gebeten, sich nicht schlafen zu legen, da es in Kürze weitergehen soll." "A96 Lindau/München: Gefahr durch vier Kamele auf der Fahrbahn." Und schließlich: "Auf der B61 Beckum Richtung Bielefeld steht ein Toilettenhäuschen auf der Fahrbahn." Das zumindest kann recht nützlich sein, wenn im Stau ein dringendes Bedürfnis immer dringender wird. 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1728 vom 28. 9. 25

 
Die Welt ist wunderlich. Das wissen Leser der Schmunzelpost schon lange. Manchmal erfährt man sogar merkwürdige Dinge, wenn man Wirtschaftsnachrichten liest. So bin ich bei der Zeitungslektüre über eine Firma gestolpert, die "CTRL ALT DELEAF " heißt. Was mag das für ein Unternehmen sein, fragte ich mich, vielleicht ein Hersteller von Buchstabensuppe? Nein, es handelt sich um den Dienstleistungszweig der Betreiber des britischen Schienennetzes. Die genannten Buchstaben zieren nun den Reinigungszug, der jetzt damit beschäftigt ist, das Schienennetz des Königreichs vom Herbstlaub zu befreien. Der Name wurde aus mehr als 1300 Einsendungen einer landesweiten Abstimmung ausgewählt. Und die Bezeichnung ergibt sogar Sinn: "Leaf" bedeutet auf englisch Laub, ein "dead leaf" ist ein verwelktes Blatt. Und was erhält man, wenn man leaf mit dem Computer-Klammergriff ctrl Alt Delete kreuzt, den man zum Entfernen verwenden kann? Genau!
 
Schon einmal hatte in Großbritannien eine öffentliche Namenssuche Aufsehen erregt. Das Natural Environment Research Council (NERC), also der britische Forschungsrat für Umweltforschung, suchte 2016 einen Namen für sein neues, 200 Millionen Pfund teures Expeditionsschiff. Und die Organisation hatte die glänzende Idee, dafür die Hilfe der Bürger in Anspruch zu nehmen. Prompt hagelte es Vorschläge. Dummerweise stimmten ein Drittel der Einsender, stattliche 12 400 Teilnehmer, für "Boaty Mac Boatface". Das aber war der NERC zu albern. Sie taufte das Forschungsschiff auf "Sir David Attenborough", obwohl dafür bloß 2,95 % der Einsender votiert hatten.
 
Initiator der Bezeichnung "Boaty McBoatface" war übrigens ein BBC-Moderator. Er hatte sich daran erinnert, dass bei einem Online-Voting eine Eule in "Hooty McOwlface" getauft worden war. Und um die große Zahl der Einsender nicht zu verärgern, nannte der Forschungsrat zumindest eines der ferngesteuerten Unterseeboote seines neuen Schiffes "Boaty McBoatface". Die Schweden verfolgen offenbar sehr genau, was bei den Briten geschieht und reagierten prompt. Sie tauften einen Zug "Trainy McTrainface".
 
Beinahe hätte auch ein bekannter Sänger einen neuen Namen bekommen. Im Oktober 2024 brachte James Blunt sein 20 Jahre zuvor erschienenes Debütalbum erneut auf den Markt. Er versprach seinen Fans, sich offiziell einen neuen Namen geben zu lassen, falls das Album Platz eins der Charts erreichen würde. Vorher durfte über Vorschläge abgestimmt werden. Die drei aussichtsreichsten lauteten Blames Junt, Itsy Bitsy Teeny Weeny Pop-Star Four Chord Song Machiney und, wen wundert's, Blunty McBluntface. Aber das Schicksal meinte es gut mit James Blunt. Sein Album schaffte es nur auf Platz sieben.
 
Doch Blunts Vorbild ermutigt mich. Falls diese Schmunzelpost auf der Seite www.krauseszeug.de binnen einer Woche 100.000 mal aufgerufen wird, dürft Ihr mir einen Künstlernamen Eurer Wahl verpassen. Bloß Klausi McKlausface schließe ich von vornherein aus! 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 1727 vom 27. 9. 25


Nein, nach dem Kiel-Ausflug am Mittwoch sind wir nicht mehr mit der Bahn gefahren. Weil alles wunderbar geklappt hat, wollen wir uns nicht die Illusion zerstören, ein pannenfreier Zugverkehr könne eines Tages die Regel werden. Aber nun hat mich ein Streiflicht der Süddeutschen Zeitung knallhart auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. 
 
Anlass dazu bot ein zwar satirischen anmutender, aber wohl auf Fakten beruhender Reisebericht: "Wenn der ICE, mit dem der Reisende nach Berlin zu kommen hofft, irgendwo in der niedersächsischen Pampa zum Stillstand kommt, wenn dann noch die Klimaanlage ausfällt und die Waggons in der norddeutschen Wüstensonne zu glühen beginnen, wenn nach Einbruch der Dunkelheit das Schnarchen dicker Männer durch den Zug hallt und draußen wilde Tiere jaulen, und wenn am Morgen die örtlichen Bauern mit ihren Treckern anrücken um die Passagiere zur nächsten Bushaltestelle zu transportieren - das kann einem schon die gute Laune verderben. Zwar war niemand im Zug so naiv, eine pünktliche Ankunft in Berlin zu erwarten, doch zumindest die Optimisten hatten sich eingebildet, mit einer Verspätung von drei Stunden davonzukommen. Hier zeigt sich, wie weltfremd der Optimismus generell ist. 
 
Aber das alles wird bald anders werden, so hat es Patrick Schnieder gerade versprochen. Dieser Herr Schnieder, das wusste man bislang nicht, ist Bundesverkehrsminister, und als solcher macht er einen Job, den man jahrzehntelang Geringqualifizierten anvertraut hatte. Immerhin ist Schnieder nicht bei der CSU, das lässt hoffen. Jedenfalls hat er angekündigt, dass bereits 2029 sagenhafte 70 Prozent der Fernzüge pünktlich ankommen sollen." 
 
Wie? Was? Nur 70 Prozent? Und erst 2029? Da ich a) rechnen kann und b) die Pappenheimer von der Bahn mittlerweile kenne, sage ich voraus: Das wird nichts! Nicht nur 30 Prozent der Züge werden weiterhin verspätet sein, auch bei der Zeitangabe wird Schnieder um mindestens 30 Prozent falsch liegen. Und das ist noch optimistisch betrachtet. Frühestens erwarte ich 2031, na, sagen wir besser 2033, dass auf die Deutsche Bahn halbwegs Verlass sein wird. Rechnen wir mal nach. Ja, dann bin ich 80. Ob ich dann noch Spaß daran habe, Koffer und E-Bike in die Waggons zu wuchten? 
 
Aber wenn ich es noch erlebe, werde ich gern darüber lesen. Gerne auch im SZ-Streiflicht. Als Schlusspointe will ich Euch jetzt das Ende des gestrigen Streiflichts servieren. Nachdem dessen Autor, wohl als Trost für alle DB-Geschädigten, über den Unsinn von Pünktlichkeit und den Wert langer Wartepausen zum Innehalten philosophiert hat, erkundet er die wahren Absichten eines Dramatikers: "Auch Theaterfreunde wissen das, jedenfalls jene, die noch Samuel Beckett kennen. Weil Godot auf sich warten lässt, haben Wladimir und Estragon Gelegenheit, tiefschürfende Gespräche zu führen. Viele Interpreten vermuteten, der herbeigesehnte Godot wäre Gott. Tatsächlich meinte Beckett einen Zug der Deutschen Bahn." 
 
Glückauf 
kdk  


Schmunzelpost 1726 vom 26. 9. 25

 
Sand hat für mich eine besondere Bedeutung. Denn das Haus, in dem ich zur Welt kam, war auf Sand gebaut. Was auch der Grund war, warum es nur wenige Monate nach meiner Geburt abgerissen werden musste. "Das war kein Verlust", erzählten mir meine Schwestern später, "unsere Wohnung war sehr klein und das Plumpsklo stand im Garten." Das Häuschen selbst war nicht allzu weit von der Lippe entfernt und sein Fundament gab nach, weil es auf dem Sandboden stand, den der damals erheblich breitere Fluss am Ende der letzten Eiszeit angeschwemmt hatte. 
 
In gewissem Sinne ist ein Besuch am Strand von St. Peter-Ording für mich somit eine Art Heimkehr. Denn die 12 Kilometer lange Sanddüne ist auch noch recht breit und wird daher von manchen Zeitgenossen als größter Sandkasten Deutschlands bezeichnet. Und im Gegenteil zu einigen Inseln, an denen die Nordsee Jahr für Jahr knabbert, soll vor St. Peter-Ording mehr Sand angespült als abgetragen werden. 
 
Nun werde ich kurz wissenschaftlich: Sand ist ein natürliches, unverfestigtes Sediment, das sich überwiegend aus Mineralkörnern mit einer Größe von 0,063 bis 2 Millimeter zusammensetzt. Sand ist also im Mittel gröber als Schluff und feiner als Kies. Reine Sandböden bestehen zum allergrößten Teil aus Quarzkörnern. Und die werden überall gebraucht, denn Sand ist nach Wasser die weltweit am meisten verbrauchte Ressource. Den meisten Sand verbraucht die Bauindustrie. Aber auch für Glas oder Halbleiter wird Sand benötigt. 
 
Wüstensand ist zu glatt, um als Baustoff genutzt zu werden. Deshalb muss ausgerechnet Saudi-Arabien permanent Sand importieren. Insgesamt ist die Nachfrage in den letzten Jahrzehnten sprunghaft gestiegen, die Sand-Industrie ist ein Milliardengeschäft. Kein Wunder, dass es inzwischen beispielsweise in Indien eine Sandmafia gibt, die den Rohstoff illegal abbaut. Deshalb ist es auf Hawaii sogar verboten, ein wenig Sand als Reiseandenken mitzunehmen. Und wer auf Sardinien Sand mopst und sich erwischen lässt, kommt ins Gefängnis. 
 
Sand an den Küsten kann aus einer Vielzahl von Quellen stammen, unter anderem aus dem Kot von Papageifischen, die Algen und tote Korallen fressen und jährlich Hunderte Kilogramm Sand ausscheiden. Klingt eklig? Vielleicht. Aber genau diesen Sand findet man an einigen der schönsten weißen Strände Hawaiis. Der meiste Sand stammt jedoch von körnigem Gestein, das die Flüsse ins Meer tragen – etwa zwei Milliarden Tonnen pro Jahr. 
 
An der Frage, ob es mehr Sterne im Universum als Sandkörner an den Stränden der Welt gibt, scheiden sich die Geister. Schließlich hat bis heute niemand genau nachgezählt. Laut dem Lied "Weißt Du wieviel Sternlein stehen" bloß Gott die Menge der Himmelskörper im Weltall. Und was den Sand betrifft, weiß die Antwort, mein Freund, ganz allein der Wind. Aber immerhin haben amerikanische Wissenschaftler eine Schätzung vorgelegt. Ihre Antwort: Siebeneinhalb Quintillionen – das ist die Zahl 75, gefolgt von 17 Nullen. 
 
So, ich muss meine Sanduhr umdrehen, die Schmunzelpost-Zeit für heute ist abgelaufen. Das Bett ruft und ich folge gehorsam. Vielleicht träume ich ja von einem alten Häuschen am Lüner Lippestrand. . . 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1725 vom 25. 9. 25


Bevor Euer Wortschatz völlig in Unbeweglichkeit erstarrt, wollen wir heute mal wieder ein wenig Sprachgymnastik betreiben. Dabei tauchen wir zunächst ab. Und zwar unter ein Schiff. Was finden wir dort? Richtig, den Kiel! Das ist der unterste, in der Mitte des Schiffes befindliche Längsbalken. Ihm hat auch die womöglich brutalste Strafe in der Geschichte der Seefahrt ihren Namen zu verdanken.
 
Wenn jemand auf einem Schiff zum Kielholen verurteilt wurde, dann fesselte man ihm zunächst die Hände. Dann wurde der Deliquent über Bord geworfen und an einem Seil unter dem Schiff durch auf die andere Seite gezogen. Je nachdem wieviel Mühe man sich dabei gab oder ob das arme Schwein unter Wasser irgendwo hängen blieb, konnte die Prozedur zum Tode führen. Auf jeden Fall war sie auch für Überlebende ein traumatisches Erlebnis.
 
Zum traumatischen Erlebnis konnte nicht nur für den durch seine Briefe als Kleckskönig berüchtigten Charlie Brown das Schreiben mit einem Federkiel werden. Dabei war der mittlere Teil einer Vogelfeder, bevorzugt von der Flügelspitze, noch bevorzugter von Gänsen, daher auch Gänsekiel, seit dem 4. Jahrhundert in Europa das angesagte Schreibgerät. Vorher nutzte man dazu Schilfrohre, später ab Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich die Stahlfeder durch. Egal aus welchem Material, für Baron Lytton war der Federkiel das wichtigste Werkzeug des Menschen. Denn er sagte 1839: "Die Feder ist mächtiger als das Schwert." Schade, dass sich diese Idee nicht durchgesetzt hat. Sonst würden Armeen ihre kriegerischen Konflikte vielleicht austragen, indem sich die Soldaten gegenseitig kitzeln. (Beinahe hätte ich geschrieben: "Kiele, kiele", aber das wäre selbst für meine Verhältnisse zu albern.)
 
Bisher waren das ja halbwegs vertraute Begriffe. Doch habt Ihr schon mal etwas vom Kielstichel gehört? Vielleicht schaut Ihr mal in die Tagebücher Eurer Vorfahren. Aber Ihr müsst seeehr weit zurückblättern. Stichel waren Werkzeuge aus Feuerstein, mit denen man aus Elfenbein, Holz oder Knochen so nützliche Dinge wie Harpunen, Pfeilspitzen oder Nadeln herstellen konnte. Und die Kielstichel waren eine spezielle Variante, die zwischen 45.000 und 11.000 vor Chr. Geburt eingesetzt wurden.
 
Donnerkiel! Soll ich Euch jetzt noch etwas über Kielhacken erzählen? Über Kieljauche? Die Kielechse? Oder über Hesekiel? Nein, ich will Euch nicht überfordern und schließe mit einer letzten, aber dafür kniffligen Frage. In welcher norddeutschen Großstadt mit vier Buchstaben haben wir wohl den gestrigen Tag verbracht, die Nikolaikirche, das Alte Rathaus und die Altstadt besichtigt, sind im Alten Botanischen Garten und an der Förde spazieren gegangen, haben eines der besten Cafes Deutschlands (laut Fachmagazin "Feinschmecker") besucht und später woanders eine Riesenpizza gegessen? Ich gebe zu, das ist eine echte Kielerfr..., äh, Killerfrage.
 
Glückauf
kdk
 
PS. So viel Fairness muss sein: Habe ich je über die Nordbahn gemeckert? Heute hat alles bestens geklappt, Hin- und Rückfahrt, Anschlüsse beim Umsteigen, alles auf die Minute pünktlich!  
 

Schmunzelpost 1724 vom 24. 9. 25

In der vorletzten Folge ging es um das zweite Nordbahn-Desaster. Eine Pointe habe ich glatt versäumt: Just an jenem Tag, dem 21.9., feierte die Bahn auf ihren Laufbändern den "Tag der Schiene" und sich selbst. Das kommt natürlich besonders gut an, wenn der nächste Eintrag lautet: "Zug fällt aus". In der Tagesschau am Abend hatte die neue DB-Chefin ihren Auftritt und versprach Verbesserungen in allen Bereichen. Wie nötig das ist, bewiesen dann die beiden folgenden Meldungen: Erhebliche Verspätungen auf der Ersatzstrecke Hamburg-Berlin, weil der Zugverkehr nun über die Ersatz-Ersatzstrecke geführt werden musste. Und auch zwischen Köln und Düsseldorf lief zeitweise nichts mehr. Da können wir ja heilfroh sein, dass zwischen St. Peter-Ording und Husum wenigstens der Schienenersatzverkehr funktioniert.
 
Bei unserer gestrigen Fahrt nach Garding hat übrigens alles geklappt. Allerdings sind wir auch mit den Rädern gefahren. Im Alten Rathaus des zentralen Ortes der Halbinsel Eiderstedt sind zur Zeit unter dem Titel "Strandlandschaften" Werke aus der NDR-Kunstsammlung "Weite und Licht" zu sehen, die sonst zum Bestand des Kunstmuseums Kiel gehören. Außerdem ist dort jeweils ein eigener Raum den zwei berühmtesten Söhnen des kleinen Städtchens gewidmet: Knut Kiesewetter und Theodor Mommsen.
 
Von Knut Kiesewetter besitze ich sogar eine LP. Er galt in den 1960er und 70er Jahren als einer der besten BRD-Jazzsänger, hat sich vorher aber auch mit Schlagern und später mit plattdeutschen Liedern versucht. Und Theodor Mommsen war im 19. Jahrhundert einer der weltweit bedeutendsten Historiker, der außerdem als Vertreter der liberalen Fortschrittspartei in der Politik mitmischte und als Abgeordneter immer wieder bei den Oberen aneckte, weil er sich entschieden für demokratische Werte und gegen Antisemitismus einsetzte.
 
Was ich nicht wusste (und ich unterstelle mal: Die Mehrzahl von Euch auch nicht): Mommsen ist bis heute der einzige Historiker, der den Literaturnobelpreis erhielt. Er hat zwar nie einen Roman geschrieben, aber seine "Römische Geschichte" begeisterte das Komitee derart, dass Mommsen 1902 allen Literaten vorgezogen wurde.  Auszeichnungswürdig war zweifellos auch sein Fleiß: Von Mommsen stammen insgesamt rund 1500 Veröffentlichungen! Dagegen ist mein Schmunzelpost-Ausstoß geradezu mickrig. 
 
Ebenso meine "Kinderproduktion". Theodor Mommsen zeugte mit seiner (bemitleidenswerten, aber nach eigenen Aussagen glücklich verheirateten) Ehefrau Marie-Auguste 16 Nachkommen, von denen jedoch nur zwölf das Erwachsenenalter erreichten. Der Historiker hatte in Kiel zusammen mit einem anderen Prominenten Jura studiert. Theodor Storm unterhielt  jahrzehntelang mit Mommsen einen Briefwechsel. Storm hoffte auf Beifall für seine literarischen Werke, Mommsen hielt sich damit jedoch sehr zurück. Vielleicht lag es daran, dass die Jugendfreunde bis zum Schluss beim "Sie" geblieben sind. Aber bereits vor 150 Jahren sah Mommsen voraus, was auch heute wieder zur Bedrohung wird: "Die Demokratie wird immer wieder dadurch vernichtet, dass sie die äußeren Konsequenzen ihres Prinzips durchführt."
 
Es gibt andere Preisträger, die weit fragwürdiger sind. 1919 erhielt Fritz Haber den Chemie-Nobelpreis, weil er künstlich Ammoniak herstellte, das für Kunstdünger dringend benötigt wurde. Dabei schaute die Jury großzügig darüber hinweg, dass  Haber vorher Kampfgase entwickelt hatte, die im Ersten Weltkrieg Tod und Verderben verbreiteten. Habers Ehefrau, selbst Chemikerin, hatte energisch dagegen protestiert und sich 1915 das Leben genommen. Erst später wurde Haber als Kriegsverbrecher eingestuft.
 
1939 erhielt NSDAP-Mitglied Adolf Butenandt den Chemie-Nobelpreis, obwohl er unter dem Verdacht stand, mit den Rassehygienikern des dritten Reiches kooperiert und von Mengeles Menschenversuchen gewusst zu haben. Doch rechtzeitig zum Kriegsende ließ Butenandt in seinem Institut sämtliches belastendes Material vernichten. Das zahlte sich aus. 1960 wurde er Präsident der Max-Planck-Gesellschaft.
 
Auf andere Weise unredlich verhielt sich Anthony Hewish, der 1974 den Nobelpreis für Physik bekam, weil er "eine entscheidende Rolle bei der Entdeckung der Pulsare" gespielt habe. In Wahrheit war es seine Doktorandin Jocelyn Bell Burnell, die die neue Sternenart entdeckte. Bell Burnell wurde bei der Ehrung mit keiner Silbe erwähnt. Höchst verwundert war Winston Churchill, als ihm 1953 der Nobelpreis verliehen wurde. Verdutzt fragte er: "Auf welchem Gebiet?" Es handelte sich um den Literatur-Nobelpreis, die Auszeichnung wurde begründet mit Churchills Redekunst und seiner Biografie.
 
Na gut, an meiner Redekunst muss ich noch feilen. Aber mit einer Aneinanderreihung von Schmunzelpost-Folgen als komplett neuartige literarische Form einer Biografie müsste ich doch Chancen haben, oder?
 
Glückauf
kdk 
 

Schmunzelpost 1723 vom 23. 9. 25


Mit der Zeit gewöhnt man sich daran, dass man allmählich zum Ersatzteillager wird. So habe ich vor dem Urlaub einmal erst unter der Dusche bemerkt, dass ich mein Hörgerät noch im Ohr hatte. Und letzte Nacht vergaß ich, es vor dem zu Bett gehen herauszunehmen. So wurde ich Zeuge eines Dialogs, der mir sonst völlig entgangen wäre. Denn mitten in der Nacht erlebte ich etwas, dass ich nie für möglich gehalten hätte: Meine Matratze und der Lattenrost führten ein Zwiegespräch! 
 
Matratze: "Mann, ist das wieder langweilig! Erst vier Uhr, und vor neun steht der Kerl nicht auf." 
Lattenrost: "Pst, weck ihn nicht auf. Und hör auf zu maulen. Wenn ich Dich erinnern darf: Wir hatten schon schwerere Lasten zu stemmen." 
M: "Ja, ja, ich weiß. Ich denke noch mit Gruseln an diesen 160-Kilo-Klotz, der zum Abnehmen hierher gekommen war. Aber als er nach drei Wochen endlich abreiste, wog er sogar 165 Kilo. Die großen Tortenstücke in den hiesigen Cafes schmeckten ihm einfach zu gut. Doch mit mehr als 90 Kilo ist der Neue auch nicht ohne." 
L: "Entspann Dich. Ich geb' Dir doch Rückendeckung." 
M: "Über Dich beklage ich mich ja gar nicht. Aber ich würde gerne mal was anderes erleben. Diese elende Routine hab ich so satt. Den ganzen Tag über ist nichts los. Um ein Uhr früh legt sich dieser Kerl erst hin, liest noch ein halbes Stündchen und ratzt danach fast acht Stunden." 
L: "Das ist nun mal unser Job. Aber wir haben es doch gut. Wir sind ja quasi Saisonkräfte. Im Winter ist hier doch überhaupt nichts los." 
M: "Ja, eben. Winterschlaf bis Ostern, wie öde. Da beneide ich meinen Cousin in Hamburg. Bei dem ist ganzjährig Action. Aber immer nur ein paar Minuten, sozusagen im Stoßverkehr, dann herrscht erstmal wieder Ruhe." 
L: "Wie ist das denn möglich? Wo arbeitet der denn?" 
M: "Auf der Reeperbahn in St. Pauli." 
L: "Erzähl keinen Quatsch. Doch jetzt weiß ich wenigstens, warum Dich die Kollegen aus dem Doppelbett nebenan Käpt'en Blaubär nennen." 
M: "Na und? Das ist doch ein ehrenwerter Spitzname. Und viel besser als Deiner!" 
L: "Was kann ich denn dafür, dass sie Hein Blöd zu mir sagen? Bloß weil sie auf die SP-Leser anspielen wollen, die tatsächlich glauben, dass ein Lattenrost sprechen kann." 
 
Glückauf 
kdk   


Schmunzelpost 1722 vom 22. 9. 25


 
Ausflugsziel war gestern das nette Hafenstädtchen Tönning, nur 20 km von unserer Fewo entfernt. Bei Sprühregen und Windböen bis Stärke acht haben wir die Fahrräder lieber stehen lassen und sind mit dem Zug gefahren. Die Hinfahrt klappte erneut tadellos. Aber als wir nach St. Peter-Ording zurückkehren wollten, hatten wir ein Deja vu-Erlebnis. Am Gleis des Bahnhofs in Tönning informierte uns das Laufband: "Der für 16.01 Uhr vorgesehene RE 64 nach SPO fällt heute aus. Grund ist ein kurzfristiger Personalausfall." 
 
Leider war nirgendwo ersichtlich, ob auch diesmal ein Bus in Form des Schienenersatzverkehrs in die Bresche sprang. Auch gab es keinerlei Hinweise darauf, wo er in diesem Fall halten würde. Zum Glück war aber auch eine Einheimische vom Zugausfall betroffen. Ihrer kummergestählten Auskunft entnahm ich, dass so etwas bei der Nordbahn wohl keine Seltenheit ist. Vielleicht muss man den Grund der häufigen Personalausfälle ja darin suchen, dass die Lokführer - Achtung, Wortspiel - einfach keine Zugluft vertragen. 
 
Jedenfalls habe ich nach der Deutschen Bahn und der Nordwestbahn nun auch die Nordbahn auf die Liste der unzuverlässigen Kantonisten gesetzt. Wir sollten mal im Osten testen, ob es bei der Ostbahn besser klappt. Zugegeben, diesen Satz habe ich bloß eingefügt, um zum heutigen Thema überzuleiten. Nach der Nordsee ist diesmal die Ostsee dran. Und da starten wir mit einer scheinbar leichten Frage: Welches Tier ist in der Ostsee wohl am häufigsten vorzufinden? 
 
Durch das "scheinbar" seid Ihr bereits gewarnt. Nein, es sind nicht der Hering oder der Dorsch und auch nicht die Bernstein-Krabbe. In der Ostsee gibt es jede Menge Seepferdchen. Ähnlich oft stößt man höchstens noch auf Quallen. Zwei Seepferd-Arten, die sich gern in pflanzenreichen, seichten Gewässern aufhalten, dominieren. Wer kennt sie nicht? Hippocampus hippocampus und Hippocampus guttalus. Schlichte Gemüter wie wir sagen dazu auch "Kleines Seepferd" und "Gelbrand-Seepferd". 
 
Gleich die nächste Frage hinterher, bei der man sich ebenfalls schnell vertun kann: Welches ist denn die größte Ostsee-Insel? Und schon wieder nein, Bornholm ist es nicht. Auch nicht Usedom oder Rügen. Die größte Ostsee-Insel gehört zu Schweden und heißt Gotland. Sie hat eine Fläche von 3000 Quadratkilometern, kann atemberaubende Landschaften vorweisen und beherbergt die Stadt Visby, die zum Weltkultur-Erbe der Unesco gehört. 
 
Wo es nur noch drei Monate hin ist, darf man jetzt schon mal an die im Dezember anstehenden Festtage erinnern. Der Weihnachtsmann wohnt bekanntlich am Nordpol, aber der Weihnachtsbaum hat schon sehr früh, Anfang des 19. Jahrhunderts, längs der Ostsee Wurzeln geschlagen. Geschmückte Christbäume sind an den Küsten überall Tradition, doch die Art des Schmucks kann sich von üblichen Landratten-Bräuchen deutlich unterscheiden. Weihnachtsbäume an der Ostsee werden gerne auch mit Muscheln oder Fischernetzen dekoriert. Und mancherorts findet sogar eine "Weihnachtstaufe" statt, weil Kinder ihren eigenen kleinen Weihnachtsbaum bekommen und ihn taufen dürfen. 
 
Ich jedoch überlege, ob ich bei unserer nächsten Bahnreise ein kleines Fläschchen Nordseewasser mitnehme, damit ich, falls das Wunder geschieht und eine Hin- und Rückfahrt ohne jede Panne abläuft, die Lokomotive symbolisch taufen kann. Ob das jemals passiert? Warum nicht, ich glaube ja auch heute noch an den Weihnachtsmann. . . 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 1721 vom 21. 9. 25


 
Bis gestern gegen 17 Uhr der Himmel seine Schleusen öffnete, erlebten wir am Strand von St. Peter-Ording den vermutlich letzten Sommertag des Jahres. Bei einer Lufttemperatur von 20 Grad traute ich mich sogar bis zu den Knien ins Wasser. Mehr Meer war aber nicht drin: 16 Grad Wassertemperatur sind mir entschieden zu frostig. Stattdessen dachte ich an das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung über ein Produkt der Firma Henkel, die einst versprach, den Ozean zu uns nach Hause zu bringen: "Wenn der Ozean nicht zu Ihnen kommt, holen Sie ihn doch - mit der wilden Frische der marmorierten Fa!" 
 
Nun kaufte meine Mutter nie ein derartiges Luxusprodukt. Während meiner Jugend gab es nur preiswerte, womöglich namenlose Seife. Dass mir Fa dennoch ein Begriff ist, lag an der Werbung. Zum Spruch "Erregend wie ein Sprung in die prickelnde Kühle des Ozeans" vollbrachten nackte Frauen unter der Dusche ein Wunder - sie tauchten dank Fa daheim in die Weltmeere ein. 
 
Bis dahin war Seife für Jungs wie mich allenfalls ein böswilliger, glitschiger Gegenstand. Und ihre dauernde Anwendung zum Zwecke der Körperreinigung erschien mir damals arg überschätzt. Schließlich hatte uns ein anderer TV-Werbespot jener Jahre nachhaltig vor den Risiken beim Gebrauch von Seife gewarnt. Immer wieder flutschte dem HB-Männchen die Seife aus den Händen, nachdem es sich gerade in der Wanne bequem gemacht hatte. Und dass der bedauernswerte Nikotin-Süchtige in die Luft ging, wenn er sich auf die Suche nach dem entflohenen Utensil begab, leuchtete mir wegen anderer Bilddokumente ein: In Slapstick-Streifen war Seife nach der Bananenschale ein Hauptgrund für akrobatische Ausrutscher. 
 
Insofern hätte Seife statt "Fa" eher den Namen "Be" wie besorgniserregend verdient. Denn bei der Streiflicht-Lektüre erfuhr ich endlich, dass "Fa" die Abkürzung für "Fabelhafte Seife" war, als die sie noch unter ihrem kompletten Namen in den 1950er Jahren in den Handel kam. Eigentlich hätte das Erzeugnis der Henkel-Tochter Dreiring mit dem Hinweis "Wegen Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Orthopädin und Ihren Lebensversicherungsagenten" ausgestattet werden müssen. Daher meint auch die SZ über die wilde Frische von Limonen: "Seife holt nicht das Fabelhafte aus uns heraus, sondern machte Geschäfte zu gefährlichen Rutschpartien, bei denen man voll eingeseift wurde." 
 
Aber zumindest die Fa-Gefahr ist nun gebannt. Die Firma Henkel gab jetzt bekannt, dass sie diese Seife nicht mehr herstellt. Und nun muss ich mich schon ausgesprochen blöde anstellen, um im Badezimmer auf meiner Plastikflasche Nivea Dusch-Gel auszurutschen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Nordsee ist unter SP-Lesern offenbar beliebt. Mich erreichten gleich zwei Mails mit Ergänzungen zur gestrigen Folge. Manni schrieb:  Sehr schön! Dieser Merksatz ist noch lustiger: Oh, Welcher Seemann Liegt Bei Nanni Im Bett? (O für Oldeoog, die Vogelinsel. I steht für Juist, etwas gemogelt.)

 
Und dies schrieb Martin: Das Inselleben war früher ja hart und entbehrungsreich, Fischfang und Landwirtschaft brachten kümmerliche Erträge. Die Insel Spiekeroog ("Speicherinsel") speicherte zusätzlich Waren von Seeschiffen gegen Entgelt und brachte sie dann bei Niedrigwasser ans Festland, das wegen der geringen Tiefe des Wattenmeers für größere Seeschiffe unerreichbar war. Eine makabre, aber lebensnotwendige weitere Einnahmequelle sämtlicher Wattinseln war Schiffsnapping: bei Dunkelheit führte man einen Esel, ein Pferd oder eine Kuh mit am Hals umgehängter Laterne am Strand entlang. Schiffer auf dem offenen Meer sahen das tanzende Licht und dachten: 'Wenn es da drüben für andere Schiffe noch tief genug ist, können auch wir uns näher ans sichere Land heranwagen!" Zu früh gefreut, die Schiffe liefen auf Sand, die Einwohner stürmten, verkauften die Waren und nahmen die Besatzung als Geiseln, bis deren Familien sie gegen Lösegeld freikauften. Rau, aber überlebenswichtig.

Schmunzelpost 1720 vom 20. 9. 25

 
Der thematische Übergang von Getränken zum Meer ist fließend. Schließlich ist auch das Wasser der Nordsee flüssig, allerdings wegen seines Salzgehalts für uns nicht bekömmlich. Was auch sein Gutes hat: Man stelle sich vor, die Urlauber könnten beim Baden an Ort und Stelle ihren Durst stillen - dann müssten wir bei Ebbe noch viel weiter laufen, um endlich in die Wellen eintauchen zu können. 
 
Wer jetzt fragt: "Wat?", den muss ich korrigieren. Es heißt "Watt", hat zwei t und bezeichnet den durchfeuchteten Schlammabschnitt, aus dem sich bei Ebbe vorübergehend das Meer zurückzieht. Und schon haben wir etwas über das Besondere der Nordsee gelernt - ihr Wattenmeer steht komplett unter Naturschutz und ist Lebensraum für eine Unmenge von Tieren, unter anderem Deutschlands größtes Raubtier, die Kegelrobbe. Aber wieso heißt die Nordsee eigentlich Nordsee? Und seit wann? 
 
In der Antike sprach man in der zivilisierten Welt, also im römischen Reich, noch vom "Deutschen Meer". Erst die Hanse taufte ihr wichtigstes Handelsgewässer auf den Namen Nordsee. Schließlich lag dieses Meer für die Kaufleute ja auch im Norden. Engländer (North Sea), Niederländer (Noordzee) und Franzosen (Mer du Nord) schlossen sich an. Nur die Dänen tanzten aus der Reihe. Für sie heißt die Nordsee "Vesterhavet", was so viel wie Westmeer bedeutet. Kein Wunder: Für die Dänen liegt die Nordsee ja auch im Westen. 
 
Mit Fakten, etwa das die Nordsee mit einer Größe von rund 11.500 Quadratkilometern das größte Wattenmeer der Welt aufweist und selbst insgesamt 517.000 Quadratkilometer umfasst, will ich Euch nicht langweilen. Spannender ist doch, dass die deutschen Nordsee-Insulaner ein äußerst sprachbegabtes Völkchen sind. Von wegen "doofe Ostfriesen". Wer von Euch beherrscht denn 13 Sprachen, bitte schön? Der SWR hat herausgefunden, dass dies die Bewohner unserer Nordseeinseln können: "Sie sprechen hochdeutsch, plattdeutsch, dänisch und zehn friesische Dialekte." 
 
Dass die Nordseeküste früher dauernd ihren Verlauf änderte, ist bekannt. Während der letzten Eiszeit konnte man sogar zu Fuß nach Großbritannien tippeln. Nicht etwa, weil das Meer vereist war - durch den niedrigeren Wasserspiegel war England mit dem europäischen Festland verbunden. Nach dem Rückzug des Eises und dem Anstieg des Meeresspiegels waren es vor allem Sturmfluten, die immer wieder die Landkarte veränderten. So soll das legendäre Rungholt, gern auch als deutsches Atlantis bezeichnet, einst ein florierendes Städtchen im Marschland südlich der heutigen Insel Pellworm gewesen sein. Bis ein gewaltiger Orkan 1362 große Teile des Küstenstreifens verschlang und das Meer sich erneut als brutaler Räuber erwies. 
 
Auch die ostfriesischen Inseln wurden von Wind und Wasser geformt und verändern ihre Umrisse jedes Jahr. Nicht aber ihre Namen. Könnt Ihr sie auswendig aufsagen? Nein? Dann hilft Euch die Schmunzelpost mit einer Eselsbrücke. Sprecht mir nach: Bei Juist nagen Bieber leise süße Waffeln. Komplett heißt das: Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge. Hier sind also die Inselnamen von West nach Ost aufgereiht. Aber es funktioniert auch in Gegenrichtung. Dazu müsst Ihr Euch bloß merken: Wer sieht lila Blumen neben jedem Baum? 
 
So, ich grüße Euch aus SPO. Und vertraue darauf, dass Ihr mit Abkürzungen umgehen könnt. Schließlich wisst Ihr ja auch, was kdk bedeutet. Oder? 
 
Glückauf 
kdk   


Schmunzelpost 1719 vom 19. 9. 25

Na bitte, geht doch! Seit zwei Tagen hat sich das Wetter an der Nordseeküste deutlich verbessert. Tagsüber herrschen Temperaturen zwischen 17 und 20 Grad, Sonne und Wolken wechseln sich ab. Und der Regen bevorzugt nun die Nachtstunden. Das könnte ein gutes Modell für die Zukunft sein! 

 
Gestern sind wir mit dem Zug von St. Peter-Ording nach Husum gefahren. Wir konnten es kaum glauben: Die Bahn fuhr auf die Minute pünktlich ab. Gut, das klappt in Dorsten auch hin und wieder. Aber sie kam auch auf die Minute pünktlich am Zielbahnhof an! Die Waggons waren sauber und nicht überfüllt. Und bei den englischen Passagen der Durchsagen beherrschte die Sprecherin sogar die korrekte "th"-Aussprache. Voller Bewunderung ließ ich mich zu der Mutmaßung hinreißen: "Bei einer Linie, die nur zwischen zwei Orten verkehrt und sonst vom DB-Netz nicht tangiert wird, gibt es wahrscheinlich kaum Störungen." 
 
Am späten Nachmittag wollten wir zurückfahren und standen frohgemut am Gleis. Da ertönte die Lautsprecherdurchsage: "Der RE 64 um 17.36 Uhr nach St. Peter-Ording fällt heute aus. Für die Fahrgäste wird vor dem Bahnhof ein Schienenersatzverkehr eingerichtet." Wir verließen also das Gebäude und wandten uns den Bushaltestellen rechts vom Bahnhofsgebäude zu. Doch dort hielt nur der reguläre Husumer Linienverkehr. Als ich endlich einen hilfsbereiten Busfahrer befragen konnte, erfuhr ich: "Da müssen Sie dort hinten auf dem Zebrastreifen die Straße überqueren. In einer Seitenstraße ist die Haltestelle für den Ersatzverkehr eingerichtet." 
 
Ja, wir haben den Bus gerade noch rechtzeitig erwischt. Und sogar noch beide einen der letzten freien Sitzplätze ergattert. Anderen erging es schlechter: Sie mussten eine Stunde lang stehen. Als wir in St. Peter-Ording ankamen, hatte der Bus 15 Minuten Verspätung. Obwohl der Fahrer wirklich gebrettert war, was das Zeug hielt und mit mindestens 70 km/h durch die Ortschaften sauste. Doch die Straßenverbindung zwischen den sechs Bahnhöfen war länger als die Gleise. Und Regionalbahnen müssen nur selten an Ampeln halten und warten, bis der Autoverkehr das Einbiegen auf Hauptstraßen erlaubt. 
 
Wir planen noch einige längere Zugreisen, manche mit mehrfachem Umsteigen. Mal sehen, wann wir in Schleswig, auf Sylt oder in Kiel ankommen. Und ob die Rückfahrt noch am gleichen Tage klappt. Merke: Es gibt mancherlei Unterschiede zwischen dem Westen und dem Norden, aber auf eines kann man sich überall verlassen: Die Unzuverlässigkeit der DB! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1718 vom 18. 9. 25

 
Heute trage ich etwas nach, was sich noch vor unserer Abreise in Dorsten ereignete. Da hatte sich Herr K. mal wieder zu einem Selbstgespräch auf seinen Balkon begeben. Als das Stichwort "St. Peter-Ording" fiel, spitzte ich die Ohren und stenografierte hastig mit, was er zum Besten gab. Danach hat es etwas gedauert, bis ich mein Gekritzel entziffern konnte. 
 
"Hömma, Karl, unsre Nachbahn von unten fahn getz bald innen Urlaub. Weisse, wohin? Ausgerechnet nach Sand Petaohding! Klingelt da wat bei Dich? Jau! Da war ich auch schomma gewesen. Is noch gahnich solange her: 1958! In dat heilige Jahr, wo Schalke Deutscher Meista wurde. Nee, ich wollte nich den Siech feiern. Dat die Knappen Titel sammelten, dat war ja nohmal. Dat is ers danach ein bisken seltener geworden. 
 
Nee, ich war da auffe Kur. Damals hatte ich doch sonnen ganz üblen Kräch. Wenn et losging mittem Gehuste, habbich kaum noch Luft gekricht. Ers, wennich einen vonne siebte Sohle hochgezogen und ausgespuckt hab, ging et wieda besser. Junge, dat war vielleicht ein Schleim! Sowat gräulich-schwattes, wennze et genau bekuckt hast, dann hasse gedacht, et lebt. Na ja, dann war ich zur Inspecktion inne Klinick. Und da sacht der Dokta für mich: "Wat sind Se von Beruf? Bergmann? Allet klar! Dat is 'ne Staublunge! Da fahn Se am besten mal für vier Wochen inne frische Luft, anne Nordsee zur Kur. Ma kucken, obwer den Flöz in Ihre Lunge ma etwas abbauen können." 
 
Mann, wat habbich mich gefreut! Vier Wochen nich malochen, Sommerurlaub für lau! Und dazu war der olle Kurpfuscher noch total auffem Holzwech. Damals war ich auffem Pütt gahnich unter Tage vor Kohle. Ich hab mich um die Seilfahrt gekümmert. Un oben war die Luft eintlich ganz gut. Nee, nee, ich weiß genau, woher dat kam. Damals habbich gequalmt wie 'n Schlot. Nix HaBe oder Ernte 25. Immazu Stumpen, Handelsgold hießen die Zigarren. Un annem Feiertach durftet auch schomma ne echte Havanna sein. Junge, Junge, wat ich da weggequarzt hab! Jedes Jahr happich meine Räucherhöhle neu tapeziert, sons hätten Gäste geglaubt, ich hab Abeit mit nach Hause gebracht und Kohle anne Wände. 
 
Abba dat mussich leida sagen: Die Kur war'n Reinfall. Von wegen Sommerurlaub! Mitte November ging et los. Und et hat fast jeden Tach geschüttet wie aus Eimern. Und wenn et nich gegossen hat, dann war et neblich und saukalt. Viel schlimmer noch: Et wurde nix mittem Kurschatten. Vonne Kumpels hatte ich gehört, dat inne Klinik auf einen Mann drei Frauen kommen, weil so viele Männer im Kriech geblieben sind. Mach ja so sein, wennze et mittem Magen oder mitte Pumpe has, aba nich inne Lungenabteilunk. Damals ham die Frauen doch noch nich geraucht. So landete ich unter lauter Kerls. 
 
Na ja, ein Gutes hattse doch gehabt, die Kur. In unsan Vier-Bett-Zimma ham alle gern Skat gespielt. Also ham wir nache Anwendungen und am Wochenende Karten gekloppt, wat dat Zeuch hielt. Konns ja bei dem Schietwetter nix anderes tun. Und wat ham die andern drei gemacht, obwohl se dem Aazt fest versprochen hatten, ihre Finger vonne Glimmstengel zu lassen? Sie ham sich mit einer Floppe die näkste angesteckt. Glaubse, ich konnte manchmal wegen die Nebelschwaden gahnich erkennen, wat ich fürn Blatt inner Pfote hatte! Und wat sollich sagen? Nach die vier Wochen hatte ich die Nase so voll von dat Nickotien-Gedöns, dat ich danach keine Zigarre mehr angepackt hab. Beier Nachuntasuchung, ein halbet Jah später, hat dann der Dokta gestrahlt: "Na, sehn Se! Bei Ihnen hat die gute Nordseeluft aba Wunda gewirkt!" 
 
Getz überleg ich, oppich nich wieda mit dat Paffen anfangen soll. Is Dir wat aufgefallen? Ich bin ja nich abagläubig, aba seit ich nich mehr qualm, is Schalke nich einmal mehr Meista geworden. Nächste Woche kauf ich mir mal wieda Zigarren. Für sein Verein muss ma auch ma ein Opfa bringen." 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1717 vom 17. 9. 25


 
Hier in St. Peter-Ording schien gestern gleich zweimal am Tag die Sonne, am Vormittag und am Nachmittag. Morgens fünf Minuten, nachmittags sogar zehn. Dafür bekommen wir hier jetzt endlich reichlich von dem Regen, den wir angesichts der verdorrenden Wiesen und der Bäume in Herbststimmung für Dorsten so oft vergeblich ersehnt haben. Immerhin machen nun die örtlichen Textilgeschäfte gute Geschäfte mit wasserdichter Kleidung, auch Ulla hat sich eine Regenjacke zugelegt. Und in den Lokalen sind wärmende Getränke stark gefragt. Die Hits der Saison heißen Tote Tante, Möwenschiet und Ochsenschluck. Aber wir wollten heute ja über Kaffee reden. 
 
Schon Eugen Roth sagte: "Das wichtigste Schreibmaterial ist der Kaffee!" Viele Journalisten beherzigen das bis heute. Ich bin eher die Ausnahme. Eine Tasse Kaffee zum Frühstück, gelegentlich nachmittags eine zweite zum Kuchen und nach dem Essen ein Espresso, das reicht mir. Damit wirke ich gegen die Millionen von Kaffeeliebhabern, die Unmengen von dem  Zeug in sich reinkippen und aus der Zubereitung eine Wissenschaft machen, wie ein Waisenknabe. Besonders pingelig war Komponist Ludwig van Beethoven. Der berühmte Kaffeeliebhaber verwendete exakt 60 Bohnen pro Tasse und verbrachte viel Zeit damit, die Bohnen zu zählen. 
 
Generell ist gegen Beethoven und im Vergleich zu anderen Landsleuten mein Kaffee-Konsum recht bescheiden. Im Schnitt trinkt jeder Deutsche vier Tassen Kaffee am Tag, was etwa 160 Liter im Jahr ausmacht. In dieser Rechnung sind jedoch auch diejenigen enthalten, die Kaffee nicht anrühren - Kleinkinder, Teetrinker, Koffein-Verächter. Und wenn man sich dann noch auf dem gesamten Globus umschaut, dann reißt man auch ohne starken Kaffee die Augen weit auf: Kaffee ist nach Erdöl die wichtigste Handelsware der Welt! Kaffeebohnen werden in 54 Ländern auf einer Gesamtfläche von ungefähr 11 Millionen Hektar angebaut. Etwa 25 Millionen Familien, also ungefähr 100 Millionen Menschen, leben davon. Pro Jahr werden etwa 174 Millionen Säcke Rohkaffee á 60 Kilogramm produziert. Der weltweite Umsatz belief sich im Jahr 2023 auf insgesamt rund 83 Milliarden Euro. 
 
Der meiste Kaffee wird zwar in Brasilien angebaut, aber die Finnen schlucken dafür den meisten wieder weg. Im Durchschnitt trinkt jeder Mensch in Finnland ungefähr 12 kg Kaffee, was 1.680 Tassen im Jahr entspricht. Beeindruckende Zahlen, was? Dabei wäre der Kaffeegenuss vielleicht völlig unbekannt geblieben, wenn uns Ziegen nicht auf die Sprünge geholfen hätten. Genau genommen war es der Ziegenhirte Kaldi im 9. Jahrhundert in Äthiopien. Er beobachtete wie munter die Ziegen wurden, nachdem sie die Kirschen von einem Kaffeebaum fraßen. Was lag also näher, als die roten Kirschen selbst zu probieren? Zugegeben – die Geschichte wurde im 16. Jahrhundert erstmals niedergeschrieben, aber sie ist nett und klingt irgendwie glaubhaft.
 
Ohne Kaldis Ziegen würden wir also die roten Kirschfrüchte, die an Kaffeebäumen oder Büschen wachsen, womöglich als ganze Frucht im Obstladen kaufen. Denn die leckere herb-süße Frucht erinnert ein wenig an den Geschmack von Honig, Pfirsich und Wassermelone. Stattdessen beschränken wir uns auf den Samen, der sich im Inneren der Kirsche befindet - die Kaffeebohne.
 
Mitunter wird der Geschmack der Bohnen durch einen, sagen wir, ungewöhnlichen Herstellungsprozess veredelt. Das ist jedenfalls beim Kopi Luwak der Fall, dem teuersten Kaffee der Welt. 100 Gramm kosten je nach Anbieter zwischen 30 und 40 Euro. Das ist sogar gerechtfertigt, denn die Gewinnung ist recht umständlich. Zuerst müssen indonesische Schleichkatzen die Kaffeekirschen fressen. Nach dem Verdauungsprozess werden aus den Hinterlassenschaften der Tiere die unverdaulichen Kaffeebohnen herausgepult. Wohl bekomm's!
 
Hmm? Nach der Rückkehr aus dem Urlaub werde ich mal testen, ob unsere beiden Kater Kaffeekirschen mögen. Falls es klappt, könnte ich dann "Leos Beste" auf den Markt bringen. Für Euch gibt es 100 Gramm sogar zum Vorzugspreis von nur 25 Euro.
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1716 vom 16. 9. 25

Zwei dicke Staus, Sturm, Wolkenbrüche, Donner und Blitz - irgendwer wollte am Montag wohl verhindern, dass wir in St. Peter-Ording ankamen. Wir haben es dennoch geschafft. Eigentlich wäre es schön gewesen, sich von dieser Anreise bei einer Tasse Tee zu erholen. Doch die Geschäfte hatten bei unserer Ankunft bereits geschlossen. Und später im Restaurant habe ich mich dann für Wasser und Wein entschieden.
 
Das hindert mich aber nicht, Euch zu später Stunde etwas über Tee zu erzählen. Schließlich bin ich mit dem Thema Getränke noch lange nicht fertig. Und Tee ist durchaus faszinierend: Jede Sekunde (!) werden weltweit angeblich 25.000 Tassen Tee getrunken. Das entspricht einer Menge von 3,9 Millionen Tonnen jährlich. Wahrscheinlich machen zwar die oktoberfestfreudigen biersaufenden Bayern und die eimerweise Kaffee vertilgenden Journalisten hierzulande den Schnitt kaputt, denn der Durchschnittsdeutsche erreicht mit dem Konsum von 26 Liter Tee jährlich (ermittelt im Jahr 2019) nur einen Platz im Mittelfeld. Aber das reißen die Ostfriesen wieder raus. Mit 300 Litern im Jahr sind sie die Tee-Weltmeister, noch vor Chinesen und Briten.
 
Wusstet Ihr, dass alle Teesorten, egal, ob weißer, grüner, schwarzer oder Oolong-Tee, aus derselben Pflanze gewonnen werden? Isso! Die Verarbeitung macht den Unterschied. Doch so aufsehenerregend finde ich dasgar  nicht. Alle Menschen stammen schließlich ja auch von Adam und Eva ab. Und wie es uns in vielen Farben, Größen und Gewichtsklassen gibt, so verhält es sich auch mit dem Tee. Mal wird er in Form von Blättern angeboten, mal in kleinen Perlen, mal als Stängel. Matcha-Tee gibt es in Pulverform, Pu-Ehr wird als kleines Küchlein verkauft und Oolong wird gerollt.
 
Dieser Oolong war einem Tee-Banausen wie mir gar nicht bekannt, bis ich mich jetzt mit dem Thema befasste. Da muss ich wohl etwas verpasst haben, denn der Oolong, irgendwo zwischen grünem und schwarzen Tee angesiedelt, soll prickelnd spritzig  sein und gilt als der Champagner unter den Tees. Ein dunkler Oolong mit dem schönen Namen "Da Hong Pao" war es denn auch, der bei einer Versteigerung den bisherigen Rekordpreis erzielte: Er kam für 1,2 Millionen Dollar unter den Hammer. Ja, Tee kann Gold wert sein. Das wusste man auch bereits vor langer Zeit in Asien, wo Tee wie Geld als Zahlungsmittel benutzt wurde. Dazu presste man die Blätter zu ein bis zwei Kilo schweren Ziegeln und prägte darauf ihren Wert ein. 
 
Inteeressant, nicht wahr? Wer angesichts solcher Wortspiele jetzt den Kaffee auf hat, der sei auf morgen vertröstet. Dann geht es hier um Kaffee.
 
Glückauf
kdk


Schmunzelpost 1715 vom 15. 9. 25

Weil den Dorstenern nicht klar war, dass gestern eine Neuauflage der bei der Premiere enorm gefragten heiteren Bahnlesung angeboten wurde, blieb die Zuschauerresonanz im Bürgerbahnhof hinter den Erwartungen zurück. Aber alle, die den Weg in den großen Bahnhofssaal fanden, hatten trotzdem ihren Spaß. Für diejenigen unter Euch, die den ersten Teil unserer Lesung ebenfalls verpasst haben, folgt jetzt eine zugegeben ein wenig unappetitliche Geschichte, die von mir jedoch Wort für Wort originalgetreu wiedergegeben wurde.
 
Kein feiner Zug

Plötzlich bricht die Hölle los! Sitze ganz entspannt nach einer Rheinstein-Wanderung in der Bahn, als am Bahnhof  Koblenz der Waggon gestürmt wird. Unter dem Einsatz von Ellenbogen, Koffern und Wanderstöcken kämpfen die  Zugestiegenen erbittert um die letzten freien Plätze. Die beiden Sitze mir gegenüber entert ein Ehepaar mittleren Alters. Wo mögen die zwei wohl herkommen? Ich lausche ihren Sprachkaskaden, verstehe aber kein Wort. Bis mir nach zwei, drei halbwegs vertrauten Vokabeln klar wird: Das ist so etwas ähnliches wie Englisch. Aber ein Slang der ganz  besonderen Sorte.

Habe jetzt stundenlang Gelegenheit, mich an den ungewohnten Sound zu gewöhnen. Denn die Frau redet  ununterbrochen auf ihren Gatten ein. Na ja, nicht völlig ununterbrochen. Im Minutentakt reißt sie den Mund weit auf,  um herzhaft zu gähnen. So erhalte ich tiefe, gruselige Einblicke in die zahnmedizinisch ruinösen Folgen des britischen  Gesundheitssystems.

Ganz gesund ist auch der Ehemann nicht. Offenbar leidet er unter einer schweren Erkältung. Jedenfalls kramt er alle  zwei, drei Minuten ein Papiertaschentuch hervor, sucht gründlich nach einer freien Stelle und schnaubt dann kräftig hinein. Mit vernehmbarem Erfolg. Dann faltet er das Taschentuch sorgsam zusammen und steckt es weg – bis zur  nächsten Anwendung.  Nach sechs Durchgängen atme ich erleichtert auf. Diesmal begibt sich der Patient nämlich in der anderen Hosentasche auf Suche. Dann zaubert er ein Stofftaschentuch hervor und entfaltet es vor meinen Augen. Oh Gott, denke ich angesichts des Fleckenteppichs: Das Papiertaschentuch war doch noch gut, das hätte es bestimmt noch eine Weile getan.

Mein Blick schwenkt zurück zur Frau. Sie hat mittlerweile das Gähnen eingestellt und ein neues Hobby entdeckt. Jetzt  bohrt sie mit dem kleinen Finger intensiv im Ohr, um anschließend die Ausbeute gründlich zu inspizieren und in den Gang zu schnipsen. Ich neige dazu, schnell seekrank zu werden. Nun frage ich mich wegen aufkeimender Übelkeit, ob sowas auch im Zug möglich ist.

Bei der Einfahrt in den Düsseldorfer Hauptbahnhof wird das Paar hektisch. Ihre ersten Fragen verstehe ich nicht, dann rafft die Frau ihr bestes Oxford-English zusammen:  „Stop this train in Duisseldorp-Airport?“ Ich zucke mit den  Schultern: „Maybe, maybe not? I don't know.“  „What are the next stations?“ Ich schaue auf die Anzeigentafel und lese wahrheitsgetreu vor: „Oberhausen, Duisburg and Wesel.“ 

Wie von der Tarantel gestochen springen die beiden aus ihren  Sitzen und streben zum Ausgang, ohne mir ein Wort des Abschieds zu gönnen. Ich schaue ihnen hinterher und denke: „Bye, bye – mit der S-Bahn kommt ihr bestimmt gut zum Flughafen und könnt unterwegs noch viele andere Menschen  faszinieren.“ Dann setzt sich der Zug wieder in Bewegung. 

Beim nächsten Halt schaue ich aus dem Fenster. Oh, Düsseldorf-Flughafen. Voller Mitleid überlege ich, dass dies einen Fanfarenstoß wert ist: Ich ziehe ein Taschentuch hervor und schnäuze herzhaft hinein. – Klingt irgendwie englisch, aber  mit kräftigem Slang. 

Glückauf
 kdk


Schmunzelpost 1714 vom 14. 9. 25

Einer geht noch, einer geht noch rein! Daher trink mer noch an Tröpfche für das neueste Schmunzelpöstche, auch wenn der missglückte Reim auf ca. 1,5 Promille schließen lässt. Denn Alkohol war schon auf der Welt, als von Menschen noch weit und breit nichts zu sehen war. Bereits in der sogenannten Ursuppe haben sich einzellige Mikroben von Einfachzucker ernährt - und Ethanol (Alkohol) und Kohlendioxid ausgeschieden. Das habe nicht ich herausgefunden, sondern das hat der britische Autor Mark Forsyth in seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Trunkenheit“ geschrieben. 
 
Fragt nach bei beschwipsten Affen: Die fanden lange vor uns heraus, dass  verfaultes Obst auf natürliche Weise gärt. Das Ergebnis: Zucker wird zu Alkohol. Wir Menschen kriegten das wahrscheinlich erst vor ca. 13.000 Jahren mit. Jedenfalls fanden Archäologen aus dieser Zeit in der Nähe der israelischen Hafenstadt Haifa Spuren von gegorenem Getreide. Und die weisen darauf hin, dass dort ein Getränk hergestellt wurde, das ein Vorläufer unseren heutigen Biers gewesen sein könnte. Das allererste Bier, das diesen Namen wirklich verdient, sollen aber die Babylonier vor 8000 Jahren aus gegorenen Wildgras-Kräutern gewonnen haben. 
 
Zu dieser Zeit wurde dort auch aus überreifen Trauben der erste Wein gepresst. Ganz schöne Suffköppe, diese Babylonier. Kein Wunder, dass ihr Turmbau-Projekt gescheitert ist - mit besoffenen Bauarbeitern, die zwangsläufig Sprachprobleme haben, musste das ja in die Hose gehen. Die Ägypter haben beim Bau ihrer Pyramiden dagegen nüchternes Fachpersonal eingesetzt. Und dies, obwohl vor 3000 Jahren an Euphrat und Tigris, bei Sumerern und Ägyptern Bier, Wein und aus vergorenem Honig hergestellte Sunshine-Drinks weit verbreitet waren. 
 
Richtig hochprozentig ging es dabei nicht zu. Der natürliche Prozess der Weingärung hört von selbst auf, wenn die Alkoholkonzentration 16 Volumenprozent erreicht. Dann sind die Hefepilze, die zur Gärung gebraucht werden, durch den Alkohol abgetötet. Will man hochprozentigen Alkohol, muss man destillieren. Und das gelang erstmals 1167 im Auditorium der Universität von Salernum: Der Alchimist Magister Salernus trennte reinen Alkohol von übrigen Weinbestandteilen ab - und stellte so den ersten Schnaps der Geschichte her: Weinbrand. Das Resultat  wurde „aqua ardens“, also brennendes Wasser genannt. Oder auch „aqua vitae“, Wasser des Lebens. 
 
Zu viel davon kann auch tödlich sein. Selbst beim Bier ist Vorsicht angebracht. Beispielsweise, wenn Euch jemand ein Glas "Brewmeister Shake Vernon" anbietet. Dieses schottische Bier ist das stärkste der Welt und hat einen Alkoholgehalt von 67,5 %!  Deshalb verordne ich Euch und mir an dieser Stelle erst einmal eine Entziehungskur, weil ich nachher bei der Bahnlesung fit sein will. Und anschließend wäre es auch ganz schön am Montag bei der Fahrt nach Nordfriesland, ins Land des hochprozentigen Friesengeistes, der tatsächlich als brennendes Wasser serviert wird, einen klaren Kopf zu behalten. Daher stoße ich heute mit Ostfriesentee mit Euch an und sage statt Prost 
 
Glückauf 
kdk


Schmunzelpost 1713 vom 13. 9. 25

Ihr kennt mich inzwischen gut genug um zu wissen, dass ich sehr gerne noch etwas beim Thema Trinken verweile. Schließlich habe ich dazu außer kuriosen Fakten auch genügend eigene Erfahrungen gesammelt. 
 
Eine davon resultiert aus den 1980er Jahren, aus meiner Zeit in der Redaktion Haltern. Dort hatte ich eines Tages einen Termin bei einem netten älteren Herrn. Das Thema habe ich längst vergessen, nicht aber das gesellige Ende des Treffens. Ich hatte alle nötigen Fakten gesammelt und wollte mich verabschieden, als er sagte: "So entkommen Sie mir nicht! Sie müssen unbedingt noch ein Gläschen von meinem selbstgebrannten Kräuterschnaps probieren!" 
 
Als höflicher Mensch konnte ich das natürlich nicht abschlagen. Und das hochprozentige Gebräu schmeckte wirklich erstaunlich gut. So hatte mein Gastgeber keine große Mühe mich zu überreden, als er meinte: "Auf einem Bein kann man nicht stehen." Wesentlich länger leistete ich Widerstand, als er mein Glas zum dritten Mal füllte. Doch schließlich hatte er die eindeutig besseren Argumente: "Aller guten Dinge sind drei!" 
 
Danach aber machte ich mich eilig aus dem Staub, denn ich musste schließlich noch fahren und hatte eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie es sonst weiter gegangen wäre. "Auf die vier Jahreszeiten!" "Fünf Finger hat die Hand!" Da der gute Mann auch Fußball-Fan war, wären wir später wohl unweigerlich bei "Elf Freunde müsst Ihr sein!" gelandet. Doch zum Glück wusste ich stets, wann es besser ist, mit dem Trinken aufzuhören. Daher hatte ich bis heute niemals einen Filmriss. 
 
Mein damaliger Chef in Haltern, ein herzensguter Mensch, der sich seinen himmlischen Platz auf Wolke sieben redlich verdient hat, war einem guten Tropfen auch nicht abgeneigt. Im Gegensatz zu mir wagte er es vereinzelt schon mal, die zulässige Promillegrenze zu überschreiten und sich dennoch ans Steuer zu setzen. Als er von einem feuchtfröhlichen Empfang in die Redaktion zurückkehren wollte, durchfuhr ihn ein mächtiger Schreck, weil er plötzlich vor sich eine Polizeikontrolle bemerkte. 
 
Und was tat der ausgebuffte frühere Polizeireporter, der fast jeden Tag die örtliche Wache besuchte, um dem Pressesprecher eine spannende Geschichte aus den Rippen zu leiern? (Wenn das gelang, kam er freudestrahlend in die Redaktion: "Ich hab 'ne Bombe!") Er stoppte ein paar Meter vor dem Peterwagen, sprang aus seinem Auto, schnappte sich Block und Kuli und stürmte auf die Polizeibeamten zu: "Und? Wie viele Schluckspechte haben Sie bisher erwischt?" Ein besonders kaltblütiger ging so der Justiz durch die Lappen. 
 
Manche Alkoholsünder versuchen bei Verkehrskontrollen mit anderen Tricks durchzukommen. Aber an vielen Tipps ist leider nichts dran. So macht das Kaugummi-Kauen vielleicht den Atem frischer (gleichzeitig aber auch den Kontrolleur misstrauischer), kann aber keinesfalls den Testwert senken. Im Gegenteil: Mentholhaltige Zutaten können den Testwert sogar kurzzeitig erhöhen! 
 
Auch die Legende, dass reichlich Kaffee wieder nüchtern macht, trifft nicht zu. Kaffee kann zwar wach machen, aber er beschleunigt nicht den Abbau von Alkohol im Körper. Nur Zeit hilft dabei, nüchtern zu werden. Hingegen steckt in der Behauptung, dass eiskalter Alkohol vom Körper langsamer aufgenommen wird, ein Körnchen (Achtung! Versteckter Wortwitz) Wahrheit. Die Kälte kann die Geschwindigkeit, mit der Alkohol ins Blut aufgenommen wird, bremsen, da sie den Verdauungstrakt kühlt und somit die Magenentleerung verlangsamt. Doch bevor Ihr Euer Bier auf minus 50 Grad runterkühlt: Der Effekt ist gering und macht keinen großen Unterschied in der Gesamtwirkung. 
 
Ach ja, wie ist es doch schön, dass ich nach diesem Termin mit Euch nicht mehr fahren muss! So kann ich mir jetzt getrost noch ein zweites Glas Wein einschenken. 
 
Prost! 
kdk


Schmunzelpost 1712 vom 12. 9. 25

Dieser Tage habe ich wieder einmal Post von der Süddeutschen Zeitung bekommen. Nein, nicht die aktuelle Print-Ausgabe, die steckt immer freitags und samstags in unserem Briefkasten. Diesmal war es ein Paket. Und das enthielt nichts zum Lesen, sondern das Resultat von sechs Lesen: Einmal pro Quartal beziehe ich das SZ-Wein-Abo mit sechs Rebensaft-Kostproben aus unterschiedlichen Regionen. Preis und Qualität stehen in einem fairen Verhältnis, ich kann dieses Abonnement empfehlen. 
 
Beim Auspacken fiel mir auf, dass bei der Aufzählung von Hobbies vor ein paar Tagen eines gefehlt hat: Das Trinken! Dabei wird es nicht nur von mir, sondern von Milliarden von Menschen gepflegt. Ich traue mich sogar zu sagen: Von allen! Denn Trinken ist nicht bloß Genuss, sondern lebensnotwendig wie das Schlafen, Essen und Atmen. Das ist für mich ein guter Grund, mich mal mit den kuriosen Seiten dieses unerschöpflichen Themas zu befassen. 
 
Steigen wir mit dem früheren Lieblingsgetränk der Deutschen ein. Wollte man alle deutschen Biere durchprobieren, indem man jedes Tag ein anderes trinkt, brauchte man dafür 13 Jahre! Es soll Menschen geben, die versuchen, dieses Pensum an einem einzigen Wochenende zu schlucken - die unguten Folgen kann man jedes Jahr nach der Dorstener Bierbörse besichtigen. 
 
Überhaupt ist das Trinken kein ganz ungefährliches Hobby. Bei anfälligen Menschen kann es in Alkoholismus ausarten. Deshalb gilt es sehr genau darauf zu achten, ob der Konsum von Bier, Wein oder härteren Sachen die fließende Grenze zwischen gelegentlichem Genuss hin zur Sucht zu überschreiten droht. Die Flucht in den Rausch, um mit Enttäuschungen oder unbefriedigenden Lebensumständen fertig zu werden, ist nicht nur bei Menschen beliebt. Männliche Fruchtfliegen betrinken sich mit Alkohol, wenn sie keinen Sex bekommen. Das kann gerade für Eintagsfliegen dramatische, um nicht zu sagen lebensverkürzende Folgen haben. 
 
Aber da meine Gemeinsamkeiten mit Stubenfliegen begrenzt sind, ist das nicht mein Bier. Interessanter finde ich schon, dass wir Deutsche gar keine Brauweltmeister sind. Wir liegen bloß auf Rang fünf. In aufsteigender Folge saufen uns Russland, Brasilien und die USA was vor. Und, Überraschung, das Land mit dem größten Bierbrauvolumen ist China! Von wegen "Abwarten und Teetrinken". Die ehrgeizigen Chinesen haben uns nicht nur beim Bau von Elektro-Autos längst den Rang abgelaufen. 
 
Zurück zum Trinken. Und diesmal alkoholfrei. Die Nummer eins der beliebtesten Getränke in Deutschland ist heutzutage der Kaffee. Deutsche trinken sogar mehr Kaffee als Mineralwasser - durchschnittlich 162 Liter im Jahr! Wer sich auf Flüssigkeiten ganz ohne Alkohol beschränkt, ist aber keineswegs auf der sicheren Seite. Bereits wenn man bloß 130 Tassen Schwarztee am Tag trinkt, stirbt man an einer Überdosis Koffein. 
 
Dann doch lieber ein Glas Wein. 
 
Prosit! 
kdk 
 
PS. Einer, der dauernd unterwegs ist, der schnappt auch viel auf. Hier sind ein paar O-Ton-Ergänzungen von Martin: Von mir im Bus "belauscht": zwei ältere Männer: Warsse bein Aatz? Wat hasse denn? - Rheuma hat den Aasch für mich gesagt! --- Zwei weitere ältere Männer: Von Friedhof kommse? - Jau, hab mein Frau en Eimer Wasser aufn Bauch gekippt. --- Von einer Wanderfreundin im Essener Münster gehört: Kevin, komma bei den Oppa, der tut dich die Kerze anmachen. --- Von meinem Bruder in Raubling am Inn auf der Straße gehört: Bayer 1: Wie wars aufd Wiesn? - Bayer 2: Brutaaal! (hochdeutsch: Wie war es auf dem Oktoberfest? - Toll!). 


Schmunzelpost 1711 vom 11. 9. 25

Dank des Deutschland-Tickets bin ich viel mit Bus und Bahn unterwegs. Für längere Strecken habe ich stets etwas zum Lesen dabei. Mitunter werde ich aber abgelenkt oder komme aus anderen Gründen nicht dazu, meine Nase in ein Buch zu stecken. So auch kürzlich bei der Rückfahrt von Essen nach Dorsten. 
 
Normalerweise war der Regionalexpress um die Mittagszeit in dieser Richtung nicht mal halbvoll. Diesmal drängten sich jedoch jede Menge junge Fahrgäste hinein, und ich hatte keine Chance, einen Sitzplatz zu ergattern. Nanu, dachte ich, ist das kein Klassen- sondern ein Schulausflug? Am Haltepunkt Feldhausen war das Rätsel gelöst. Schlagartig entvölkerten sich die Waggons, offenbar lockte der Movie Park. Bis dahin wurde ich unabsichtlich Mithörer eines Wortwechsels. 
 
Ich stand zwischen zwei, na ja, für Mädchen waren sie zu alt, für Frauen zu jung - meine Altersgruppe nennt solche Leute Teenager. Und die eine hub an, von häuslichen Erlebnissen zu berichten. Offenbar stand sie auf Kriegsfuß mit ihrem Vater. "Weisse, wat getz der Knaller war?" "Nee!" "Getz sacht er doch zu mir, ich soll nich mehr dauernd die Wörter krass und unfassbar gebrauchen, dat geht ihm fürchterlich auffen Sack." "Krass! Und dann?" "Pass auf, hi,hi, dann hab ich zu ihm gesacht, hi,hi, 'dat Du mir dat verbieten willz, dat find ich unfassbar krass!' Hi, hi, hi, hi!" "Krass! Hi, hi, hi." "Nee, unfassbar! Hi, hi, hi, hi, hi." 
 
Es mag sein, dass ich wegen Lautstärke und Inhalt des Dialogs, vor allem aber wegen der ausdauernden Giggelei die Wortführerin etwas befremdet gemustert habe. Jedenfalls stellte sie das Kichern ein und wandte sich herausfordernd an mich: "Ja? Was?" Nun bin ich leider nicht für meine Schlagfertigkeit bekannt, sonst hätte ich eine krasse Erwiderung parat gehabt. Aber so kam nur ein unbeteiligtes "Nix!" über meine Lippen, und ich ließ meinen Blick durch die arg gedrängte Weite des Raums schweifen. 
 
Später fiel mir ein, dass eine Augsburger Studenten-WG es sich zur Aufgabe gemacht hatte, solche O-Töne aus dem prallen Leben (oder prallgefüllten Zügen) zu sammeln und auf ihre Online-Seite "belauscht.de" zu stellen. Beim Aufruf stellte ich nun fest, dass die vier Betreiber ihre Sammelaktion bereits 2016 nach zehn ergiebigen Jahren eingestellt haben. Zur Erinnerung eine kleine Auslese: 
 
Herne, Innenstadt. Abends im McDonalds. Junge: “Boah was trinkst du so viel von meiner Cola??? Du hast gesagt EINEN Schluck, du dumme Schlampe!” Mädchen: “Hast du mich gerade dumm genannt?!?!” 
 
Stuttgart, in der U-Bahn. Ein Mädchen und ein Junge sitzen in der U-Bahn und unterhalten sich über die Ex von dem Jungen. Er: “Ich liebe sie echt noch und ich vermiss die so!!!” Sie: “Ach was, du hast echt was Besseres verdient.” Er (blickt ihr tief in die Augen): “Dich?” Sie: “Naja, so was Gutes nun auch wieder nicht.” 
 
Hamburg. Osterstraße. Im Bus Linie 4. Eine ältere Dame jenseits der siebzig steigt in den Bus und begrüßt einen ebenso alten, männlichen Fahrgast. Er: “Na Lotte, wie geht’s?” Sie (für alle hörbar): “Gut, gut. Mein Mann ist tot.” Betretenes Schweigen bei den umstehenden Fahrgästen. Er: “Na siehste, wird doch.” 
 
Leun, Bahnhof. Ich sitze im überfüllten Zug Richtung Limburg. Neben mir sind drei laute, geschwätzige Fünftklässlerinnen. In der Nähe von uns sitzt ihr Klassenlehrer. Schülerin #1 bietet dem Lehrer Süßigkeiten an: “Möchten Sie, Herr Schneider? Da ist auch KEIN Alkohol drin!” Lehrer (leise): “Dann wäre es vielleicht erträglicher…” Schülerin #2: “Was?” Lehrer: “Ach, nichts…” 
 
Hannover. Im Taxi. Türkischer Taxifahrer, etwas unsicher: “Äh, Zentrale, ich habe hier eine Fahrgast, der möchte in eine Lokal, wo sich auch, äh, Homosexuelle treffen.” Zentrale: “Die schwule Sau!” (Lange Pause) 
Taxifahrer: “Äh, Zentrale, das war nix gutt. Fahrgast ist sehr böse!” Zentrale, entsetzt: “NEIN! Die 'Schwule Sau' in der Schaufelder Strasse. Der Laden heißt so!” 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1710 vom 10. 9. 25

Gestern habe ich eine Zeitreise in die USA der 60er Jahre begonnen. Und zwar mittels eines Kriminalromans von Ed McBain. Dieser Autor ist in Deutschland nicht vielen bekannt, weltweit zählt er jedoch zu den erfolgreichsten Krimi-Schriftstellern und gilt zudem als Begründer des Polizeiromans. Denn die meisten seiner Romane drehen sich um das Polizeirevier 87 einer fiktiven amerikanischen Großstadt, die jedoch verteufelte Ähnlichkeit mit New York City hat. 
 
Zu den Verehrern von Ed MacBain gehört Joachim Feldmann. Er ist ein ausgewiesener Krimi-Experte und Mitglied der Jury, die jährlich die deutschen Krimi-Preise vergibt. Deshalb hat sein Urteil über Vertreter dieses Genres besonderes Gewicht. Ich empfehle daher sehr den Besuch einer Baumhaus-Veranstaltung am 18. September. Dann wird der Recklinghäuser Krimi-Kenner gemeinsam mit Regina Schwan ab 19.30 Uhr aktuelle Romane empfehlen. Titel der Veranstaltung: "Partners in Crime - ein spannender Abend über Mord und Totschlag." 
 
Ich selbst kann leider nicht dabei sein, weil ich zu dieser Zeit an der Nordsee Urlaub mache. Aber im Reisegepäck sind sozusagen mit tödlicher Sicherheit mehrere Krimis. McBains "Axt-Mörder" von 1964 habe ich dann zwar vermutlich schon mit Hilfe von Detective Steve Carella enttarnt, aber es gibt noch einige weitere Bücher des Autors aus dieser Zeit, die ich mir aus Antiquariaten besorgen konnte. Da stutzt man schon mal, wenn einem ungeniert das "N-Wort" entgegenspringt. Auch auf andere Weise bestätigt die Lektüre meine Auffassung: Gute Krimis geben fast immer auch Einblicke in die sozialen Verhältnisse anderer Länder oder vergangener Zeiten. 
 
Nicht von ungefähr stehen Krimis bei den Deutschen hoch im Kurs. Das zeigt ein Blick ins Fernsehprogramm und auf die Verkaufszahlen von Büchern. Kriminalromane sind stark gefragt, erstaunlicherweise hauptsächlich bei Leserinnen. Das beweist nicht, dass Frauen gerne morden - eher, dass sie womöglich gerne morden würden. Und auch die Vielzahl der Krimis aus Skandinavien deutet darauf hin, dass es zwischen Fantasie und Realität eine große Kluft gibt - in Schweden passieren, statistisch gesehen, die wenigsten Morde auf der ganzen Welt. 
 
Ähnlich krass ist die Relation auf Island, wo mittlerweile scheinbar genauso viele Krimi-Autoren wie Einwohner leben. Weitere erstaunliche Fakten über Kriminalromane und unglaubliche Verbrechen hat Mia Mirillia in ihrem Buch "Unnützes Wissen für Krimi-Fans" gesammelt. Dort erfahrt Ihr Näheres über einen japanischen Einbrecher, dessen Markenzeichen es war, Häuser nicht nur auszurauben, sondern auch blitzblank zu putzen. Oder über den "barefoot bandit", der seine Einbrüche barfuß beging und Flugzeuge stahl, ohne je eine Pilotenausbildung genossen zu haben. 
 
Zum Schluss noch eine Anmerkung von mir: Wenn ich einen Preis für den witzigsten Krimi-Titel vergeben könnte, wäre "Amsel, Drossel, Tod und starr" unter den Nominierten. 
 
Glückauf 
kdk   


Schmunzelpost 1709 vom 9. 9. 25


Wenn mir Artikel eines bestimmten Autors wegen ihres Inhalts, Schreibstils und Witzes besonders gut gefallen, dann will ich wissen, wie er heißt. So ging es mir auch vor vielen Jahren mit den Artikeln und Glossen von Christian Zaschke im Sportteil  der Sueddeutschen Zeitung. Erst viel später erfuhr ich, dass auch eine ganze Reihe der von mir sehr geschätzten SZ-Streiflichter von ihm stammten.
 
Wie der Zufall es wollte, musste ich dann wegen massiver Bandscheiben-Probleme meine Laufschuhe für immer an den Nagel hängen. Das passende Buch dazu hatte Zaschke bereits verfasst: "Tanz den Fango mit mir - die Geschichte meines Rückens." Was soll ich sagen: Der Name bürgt für Qualität. Das gilt auch für die weiteren Stationen seiner Journalisten-Karriere. Zunächst machte mir Zaschke als politischer Korrespondent der SZ ab 2011 in London deutlich,  was für eine Witzfigur Boris Johnson ist. Und dann wechselte er (Zaschke, nicht Johnson) pünktlich zur ersten Amtszeit von Donald Trump als Korrespondent seiner Zeitung 2017 nach New York.
 
Gut, nicht alles, was Zaschke bis 2024 schrieb, war lustig. Das konnte es auch gar nicht sein, denn dieser Horror-Clown (Trump, nicht Zaschke) ist nunmal zum Fürchten. Seit Anfang 2025 ist mein Lieblings-SZ-Journalist nun wieder in Deutschland, als Mitglied der Parlaments-Redaktion in Berlin. Aber Trump ließ ihn dennoch nicht los. Und daher besteht der zweite Teil meiner Schmunzelpost heute hauptsächlich aus Fremdtext.
 
"Donald Trump denkt jetzt wieder öfter an mich. Eine Weile hatte ich befürchtet, er habe mich vergessen. Als ich noch SZ-Korrespondent in den USA war, bekam ich, nachdem ich mich bei seinem Newsletter angemeldet hatte, täglich Post von ihm. Er schrieb mir, was für ein großartiger Kerl ich sei, überhaupt sei ich, so las ich seine Zeilen zumindest, die beste Erfindung seit dem Cheeseburger. Dass er am Ende immer fragte, ob ich ihm nicht noch rasch eine Handvoll Dollar rüberschieben könne: geschenkt."
 
Als Zaschke dann Ende 2024 die USA verließ, riss die Post aus dem Weißen Haus ab. Aber nur vorübergehend. Anfang September 2025 schrieb Trump wieder: "Lieber Christian, als ich neulich in der Air Force One unterwegs war, konnte ich nicht anders, als darüber nachzudenken, was für eine unglaubliche Reise wir gemeinsam hinter uns haben. (...) Wir sind durch alles gemeinsam gegangen und trotz all der Stürme, denen wir ausgesetzt waren, galt eine Weisheit immer: Du bist nicht von meiner Seite gewichen."
 
Von dieser Zuneigungsbekundung an häuften sich die Mails in Zaschkes Postfach. Trump pries ihn als "Top Patriot in your country" und bat seinen german friend darum zu bestätigen, dass er diese "radikalen Richter" genauso verachte wie er. Damit, so Zaschke, meinte Trump die Richter, die ihn an die Gesetze erinnerten. Obwohl er wisse, dass Zaschke viel zu tun habe, könne er vielleicht trotzdem "if I say please" heute noch an einer Befragung teilnehmen: "Hast Du dreimal für mich gestimmt? 2016, 2020, 2024?"
 
Die Antwort musste Zaschke schuldig bleiben, da er nicht wahlberechtigt war. Trotzdem wurde es nun intim. "'Christian', schrieb er, für meine Begriffe raunte er es, 'ich will versuchen, in den Himmel zu kommen.' Ich atmete tief durch." Trump fuhr fort, der Journalist sei Zeuge gewesen, dass ihn (Trump, nicht Zaschke) Gott auserwählt habe und deshalb das Attentat fehlschlug. Verdientermaßen. Denn schließlich habe Trump das "Goldene Zeitalter Amerikas entfesselt", einen "historischen Erdrutschsieg errungen" und werde nun "auf keinen Fall den Fuß vom Gas nehmen".
 
Aber was, wenn der liebe Gott sich durch Fake-News beeinflussen lässt und Trump nicht im Himmel aufnehmen will? Zaschke zweifelt nicht daran, dass sein Kumpel Donald sich trotzdem durchsetzt. "Ich glaube, ganz im Ernst, dass Trump für diesen Fall schon einen Plan hat. Er würde Gott sagen, er sei gefeuert."
 
Falls ich es mir aussuchen könnte: Mails von Trump können mir gestohlen bleiben, aber welche von Zaschke würde ich mir gefallen lassen.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Den vollständigen Artikel findet Ihr unter der Überschrift "In den Himmel kommen" im SZ-Feuilleton vom 6./7. September.
 

Schmunzelpost 1708 vom 8. 9. 25

Schon als kleiner Junge besaß ich ein Pferd. Wirklich wahr! Ein echtes Steckenpferd, also einen Besenstiel mit stilisiertem Pferdekopf. Das Herumhüpfen war mir aber schnell zu langweilig, und meine Mutter suchte für den Holzgaul einen Reitstall, in dem er besser genutzt wurde. Steckenpferde pflegte ich danach nur noch in Form von Hobbies. 
 
Nie hätte ich mir träumen lassen, dass Steckenpferde eines Tages selbst zum Gegenstand eines weltweit betriebenen Hobbies werden würden. Denn zunächst tauchten sie in der Öffentlichkeit lediglich einmal jährlich in Osnabrück auf. Das hat eine besondere Bewandtnis. Bekanntlich wurde 1648 in Münster und Osnabrück mit dem westfälischen Frieden der Dreißigjährige Krieg beendet. Aus Erleichterung darüber sollen 1650 in Nürnberg einige Knaben mit ihren Steckenpferden zum Leiter der kaiserlichen Delegation gehoppelt sein und ihn um ein Andenken an den Friedensschluss gebeten haben. Daraufhin ließ dieser quadratische Silbermünzen prägen, die einen Knaben mit seinem Holzpferd zeigen, die sogenannten "Steckenreiter". 
 
In einem "Geschichtenbuch für die Jugend" griffen 1875 zwei Dichterinnen das Geschehen auf und verlegten die Handlung nach Osnabrück. Und seit 1953 reiten nun dort jedes Jahr Schüler der 4. Klasse beim Friedensfest am 25. Oktober auf ihren Steckenpferden zum Rathaus und läuten damit ein großes Kinderfest in der Altstadt ein. Der Umzug wird von den Stadtpfeifern begleitet, die Teilnehmer singen "Wir Reiter ziehn durch Osnabrück und reiten für den Frieden". Vom Oberbürgermeister werden sie dafür mit süßen Brezeln belohnt. 
 
Ich weiß nicht, ob ein Finne dies in Osnabrück beobachtet hat. Jedenfalls hat sich nun in Finnland "Hobby-Horsing" zu einem Breitensport vor allem für Zehn- bis Achtzehnjährige entwickelt, der sich großer Beliebtheit erfreut. In dieser Sportart, die mit Gymnastik-Elementen gekoppelt ist, reiten die Jugendlichen ihre meist selbstgefertigten Steckenpferde in verschiedenen Disziplinen und springen mitunter dabei auch über Hindernisse. 
 
Es gibt Springreiten, Dressur, Westernreiten und Rennsport. Neben regionalen Wettkämpfen wird einmal jährlich eine nationale Meisterschaft ausgetragen, nach strengem Regelwerk. Springpferde sind z. B. kleiner und leichter als Dressurpferde. Der neue Trendsport breitete sich rasch in andere Länder aus und erreichte 2023 auch Deutschland. Im September wurde die erste deutsche Meisterschaft im Hobby Horsing ausgetragen. 
 
Diese Sportart hat natürlich große Vorteile gegenüber dem Reitsport mit echten Pferden. Steckenpferde benötigen keine besonderen Reitställe, sondern sind mit einer kuschligen Ecke in der Wohnung zufrieden. Sie sind äußerst pflegeleicht und verzehren kaum Heu. Als Folge hinterlassen sie auch keine Kotäpfel, die mühsam entfernt werden müssten. Dennoch bietet der Handel "Hobby-Horsing- Bollensammler" im Farbton natur-türkis für nur 39,95 Euro an. 
 
Für ein gescheites Steckenpferd sollte man etwas tiefer in die Tasche greifen. Der braunköpfige Hobby-Dressur-Hengst Avalon kostet 89,95 Euro. Und die besonders gefragte Premium-Stute Lola (dunkelfuchs) ist für 99,95 Euro zu haben. Anfänger können sich auch mit einem Hobby-Horse-Mini-Schimmel namens Flocke begnügen, der lediglich 49,95 Euro kostet. Dann ist auch noch Geld übrig für eine Hobby Horsing-Ledertrense (49,95 Euro). 
 
Na, wie wär's? Vom flotten Galopp bis zum gemütlichen Trab ist alles möglich. Und da wir im Alter angeblich wieder kindliche Eigenschaften zurückgewinnen, können wir je nach Fitness im Wohnzimmer unseren eigenen Parcours mit kleinen Hindernissen aus Eimern oder Staubsaugern einrichten. Ich sehe mich schon vornübergebeugt startbereit auf meinem Hobby-Horse-Rappen hocken und ihm ins Ohr flüstern, was ich bei Karl May gelernt habe: "Rih!" 
 
Hü-hott 
kdk 

Schmunzelpost 1707 vom 7. 9. 25

Anmut sparet nicht noch Mühe 
Leidenschaft nicht noch Verstand 
Daß ein gutes Deutschland blühe  
Wie ein andres gutes Land. 
Daß die Völker nicht erbleichen  
Wie vor einer Räuberin 
Sondern ihre Hände reichen 
Uns wie andern Völkern hin. 
Und nicht über und nicht unter  
Andern Völkern wolln wir sein 
Von der See bis zu den Alpen 
Von der Oder bis zum Rhein. 
Und weil wir dies Land verbessern 
Lieben und beschirmen wir’s 
Und das liebste mag’s uns scheinen  
So wie andern Völkern ihrs. 
 
Das ist die Kinderhymne, die Bertold Brecht 1950 schrieb. Hanns Eisler hat sie vertont. Brecht entwarf sie damals als gesamtdeutsche Alternative zu "Einigkeit und Recht und Freiheit" im Westen und "Auferstanden aus Ruinen" im Osten. Sein Vorschlag hatte keine Chance. 
 
Nun hat Bodo Ramelow (Linke) den Text erneut für die deutsche Nationalhymne ins Gespräch gebracht. Nach der Lektüre muss ich sagen: Alle Achtung, Bertold, das ist wirklich sehr gut formuliert, durchaus hymnentauglich. Es gibt lediglich einen Haken: Wir haben bereits eine bewährte Nationalhymne. Und es gibt keinen Grund, sie auszutauschen. Einziges Manko: Gelegentlich kommt es vor, dass einige Schwachmaten die erste Strophe anstimmen. 
 
Ansonsten meine ich, dass wir es genügend andere, weit wichtigere Anlässe gibt, uns zu fetzen und uns Gedanken zu machen. Musik und Text der jetzigen Hymne sind in den Köpfen so gut verankert, dass selbst einige Fußball-Nationalspieler sie inzwischen auswendig mitsingen können. Die Haydn-Komposition gehört im Vergleich zu anderen Nationen zur angenehmeren Sorte. Und auch im Text finde ich nichts Anstößiges, was einen Austausch rechtfertigen würde. 
 
Schauen wir uns nochmal auf dem Globus um. Da kriegt man mitunter das Gruseln, wenn die Texte der oft eingängigen Hymnen übersetzt werden. "Unreines Blut tränke unsere Furchen" schmettern die Franzosen noch heute, obwohl ihr Lied 1792 wegen des Angriffs von Preußen und Österreichern auf die revolutionäre Republik geschrieben worden war. 
 
Auch die Italiener singen zu einer sonnigen Melodie einen düsteren, kriegerischen Text. Im Refrain heißt es: "Lasst uns die Reihen schließen, wir sind bereit zum Tod, wir sind bereit zum Tod, Italien hat gerufen!" Und in einer Strophe klingt immer noch altes Selbstmitleid durch: „Wir werden seit Jahrhunderten getreten und ausgelacht, weil wir kein Volk sind, weil wir geteilt sind.“ 
 
Wohltuend dagegen, was unsere friedlichen nordischen Nachbarn aus Dänemark zum Lobe ihres Landes singen: "Es liegt ein lieblich Land im Schatten breiter Buchen am salz'gen Ostseestrand." Besonders schön finde ich die Hymne der Slowenen. Sie trägt den Titel "Prosit". Und darin heißt es: "Die Rebe hat nun wieder den süßen Lebetrunk beschert, der uns're Pulse hebet, der Herzen uns und Augen klärt; der ertränkt, was da kränkt, der Hoffnung in die Brust uns senkt." 
 
Wenn schon ein Wechsel, dann könnte ich mir einen ähnlichen Text auch für unsere Hymne vorstellen. 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1706 vom 6. 9. 25

Na, habt Ihr an der Limousine mit Swimmingpool und Hubschrauber-Plattform gezweifelt? Das war unberechtigt. Das Monstrum gibt es wirklich. Aus einem Ford Mustang entstanden, hat ein Bastler es in vielen Jahren Bauzeit konstruiiert. Sogar mit einem Gelenk in der Mitte, damit das 30-m-Auto irgendwie um die Kurve kam. Aber heute ist es für den Straßenverkehr nicht mehr zugelassen und steht in einem Museum in Florida. Die Welt ist eine Wundertüte! 
 
In die passt auch der längste Trabbi Deutschlands. Der wurde aus 15 Trabanten zusammengeschraubt, bis er eine Länge von 13 Meter erreichte. Und er ist sogar verkehrstauglich. 15 Insassen können damit fahren, allerdings mit höchstens 25 km/h. Wo wir gerade bei erstaunlichen Zahlen sind, will ich noch ein paar Stellen drauflegen. Kennt Ihr das Land mit den meisten Seen und Inseln der Welt? Es liegt in Skandinavien. Finnland hat 187.885 Seen und 179.585 Inseln! 
 
So etwas erfährt man im Internet. Zum Beispiel bei Wikipedia. Dafür sorgen Menschen wie der US-Amerikaner Steven Pvitt. Der Mann hat 30.000 Wikipedia-Artikel geschrieben und mehr als 30 Millionen verbessert! Das ist etwa die Hälfte aller englisch verfassten Wikipedia-Beiträge. Auf diese Weise hat sich Pvitt seinen persönlichen Eintrag verdient: Er wurde 2017 vom Time-Magazin zu einem der einflussreichsten Menschen der Erde gekürt. 
 
Ob er auch einen anderen Eintrag bearbeitet hat, weiß ich nicht. Darin geht es um den bisher kürzesten Krieg der Weltgeschichte. Er wurde 1896 zwischen Großbritannien und Sansibar geführt, und es dauerte nur 38 Minuten, bis Sansibar kapitulierte. Mit Blick gen Osten wünschte ich mir, dass auch dort endlich wieder Frieden herrscht. Ach, was wäre es schön, wenn ein mächtiges UN-Weltgericht Putin vor eine Alternative stellen könnte. Entweder müsste er sofort mit der Ukraine Frieden schließen oder durch einen Bruderkuss mit Selenskyj den bestehenden Kussrekord brechen. 
 
Dieser Rekord wird von einem Paar aus Thailand gehalten. Ihr Kuss dauerte ohne Unterbrechung 58 Stunden, 35 Minuten und 58 Sekunden. Ich bin zuversichtlich, dass Putin unter solchen Umständen die 38 Minuten bis zur Waffenruhe noch unterbietet.    
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 1705 vom 5. 9. 25

Leckeren Früchtchen kann ich schlecht widerstehen: Am Donnerstag schauten wir uns im Kunstmuseum Ahlen die Ausstellung " "Ein Genuss!" an. Zu sehen waren rund 100 Werke von renommierten Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts, darunter Arbeiten von Renoir, Picasso und Ai WeiWei. Das Thema hieß "Früchte in der Kunst". Und der Besuch lohnte sich wirklich. 
 
Lediglich einmal war ich komplett irritiert. An der Wand hing ein Schildchen mit der Aufschrift: "Ai WeiWei - Watermelon (2006)". Rechts davon blickte ich auf eine weiße Leinwand. Nanu? Hat der chinesische Künstler seinen Stil geändert und experimentiert? Oder haben Räuber sein Werk gestohlen? Mein Rätselraten dauerte minutenlang, weil ich auch schon vor komplett schwarzen Gemälden gestanden habe und in der Kunst bekanntlich alles erlaubt ist. 
 
Erst als ich mich abwandte, ging mir auf: Ich war einem Irrtum aufgesessen. Mitten im Raum thronte die recht naturalistische Porzellan-Skulptur einer Wassermelone. Das vermeintliche Wandbild entpuppte sich als verhängtes Fenster. Ai Weia Weia! Nun frage ich mich, ob ich lediglich einmal mehr mein Banausentum unter Beweis gestellt oder einen neuen Rekord an Blödheit aufgestellt habe. Letzteres möchte ich jedoch lieber nicht ausloten und wende mich daher anderen Rekorden zu. 
 
Erinnert Ihr Euch noch an den Nonsens-Schluss der gestrigen Schmunzelpost? Sooo abwegig ist die Sache mit der gigantischen Qualle gar nicht. Denn die größte Qualle der Welt hat zwar nur einen Durchmesser von zwei Metern, wird jedoch bis zu 37 Meter lang. Damit ist die gelbe Haarqualle sogar länger als ein Blauwal. Nicht ganz so lang ist die längste Limousine der Welt. Aber sie bringt es immerhin auf stolze 30,54 Meter und hat 26 Räder. Spektakulär ist zudem ihre Sonderausstattung mit einem King-Size-Wasserbett, einem Swimmingpool mit Sprungbrett, einem Minigolfplatz und einer Plattform, auf der ein Hubschrauber landen kann. 
 
Auf einer Welt, auf der so etwas möglich ist, müsste doch auch Platz für eine unsichtbare, weiße Wassermelone sein. 
 
Glückauf 
kdk 
 


Schmunzelpost 1704 vom 4. 9. 25

Wer ist für Menschen in Europa gefährlicher? Der sibirische Tiger, der indische Tiger oder die Tigermücke? Ihr habt's erraten! Während meines Wissens in den letzten zehn Jahren auf unserem Kontinent niemand den Raubkatzen zum Opfer fiel, kann man Tigermücken nicht davon freisprechen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation kosten von diesen Mücken übertragene Krankheiten jährlich weltweit 700.000 Menschen das Leben. Fast immer in Asien oder Afrika, aber 2001 starb bereits der erste Deutsche an den Folgen eines Mückenstichs. Und 2025 haben bisher in Europa bereits 21 Menschen sein Schicksal geteilt. 
 
Das liegt daran, dass die Tigermücke als Folge der Klimaerwärmung auch bei uns unaufhaltsam auf dem Vormarsch ist. Inzwischen ist sie in 16 europäischen Ländern angekommen. In der Nähe von Freiburg wurde sie ebenso nachgewiesen wie in einer Kleingartenanlage in Berlin-Treptow. Und das Insekt ist eine Virus-Bombe. Es kann  Malaria, das West-Nil-Virus, das Dengue-Fieber, das Zika-Virus oder Gelbfieber übertragen. 
 
Nicht nur die Tigermücken profitieren von den steigenden Temperaturen, sondern auch die Zecken. Nein, nicht die aus Nordlüdenscheid. Die anderen, die früher nur ganz im Südwesten unseres Landes Borreliose-Bakterien oder FSME-Viren unters Volk brachten. Mittlerweile sind sie übers ganze Land verteilt in 164 Landkreisen aufgetaucht und damit in mehr als jedem zweiten. Diese Zecken können lebensgefährliche Gehirnentzündungen auslösen. 
 
Gegen das West-Nil-Fieber der Tigermücken und Borreliose gibt es noch keine Impfung. Anders als gegen Dengue, FSME und Chikungunya-Viren. Früher ließ sich impfen, wer in die Tropen reisen wollte. Wenn es so weiter geht, wird auch bei uns vielleicht überall eine Impfung sinnvoll. Dass die Fallzahlen steigen werden, gilt als sicher, die Frage ist nur, wie schnell das geschieht. 
 
Ein Grund mehr, den Klimawandel zu stoppen. Denn wenn auch der steigende Meeresspiegel, ausbleibende Regenzeiten und lange Dürreperioden, schwere Unwetter und eine wachsende Zahl von Naturkatastrophen sowie das Schmelzen der Gletscher und des Polareises viel bedrohlicher erscheinen, mache ich keine Mücke zum Elefanten. Die gravierenden Veränderungen von Fauna und Flora haben gerade erst begonnen. Und von manchem künftigen Unheil ahnen wir noch gar nichts. 
 
So habe ich aus zuverlässigen Quellen erfahren, dass sich bereits die nächste Insekten-Invasion anbahnt. Was die wenigsten wissen: Seit Urzeiten lebt in den Alpen eine Ameisenart, die mit dem seltenen Steinbeißer verwandt ist. Sie verbirgt sich in den Spalten und den vom Schmelzwasser gebildeten winzigen Hohlräumen im Inneren der Berge. Wie die Murmeltiere halten diese Ameisenstämme, Fachleute sagen fetidus formica, einen sehr langen Winterschlaf und nutzen die wenigen heißen Tage des Jahres zur Vermehrung. 
 
Durch die fortschreitende Erwärmung und den Rückzug der Gletscher hat die erheblich verlängerte Brunftperiode nun zu einem explosionsartigen Anwachsen der Gesamtpopulation geführt. Wissenschaftler erwarten, dass Milliarden Ameisen bald wie die Heuschrecken ausschwärmen und südlich und nördlich der Alpen neue Kolonien bilden werden. Vorzüglich geeignet dafür sind die Steinwüsten unserer Städte. 
 
Da die Invasoren im Dunkeln leben, werden sie voraussichtlich nachts bei uns eindringen und sich unbemerkt Zugang zu unseren Häusern verschaffen. Dafür reichen schon winzige Lücken im Mauerwerk. Das wäre womöglich nicht so schlimm, wenn diese nur millimetergroßen Tiere nicht einen derart intensiven üblen Geruch ausströmen würden, vor dem selbst Stinktiere die Flucht ergreifen. Dagegen helfen weder Duftkerzen noch Klosteine. Namhafte Forscher prophezeien, dass die betroffenen Ortschaften evakuiert werden müssen. 
 
Ja, so sieht's aus. Besorgt Euch rechtzeitig Nasenklammern. Und nächstes Mal erzählt Euch Onkel Klaus etwas über die giftige Quallenart giganteus aqua inmanitas. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nein, nein, ich will nichts verniedlichen oder herunterspielen. Aber wenn man resigniert feststellt, dass großen Worten keine Taten folgen und der Klimawandel nicht mehr zu stoppen ist, dann möchte man wenigstens mit einem trotzigen Lachen untergehen.      

Schmunzelpost 1703 vom 3. 9. 25



Sucht Ihr noch ein neues Hobby? Eins, das spannender ist als Malen nach Zahlen und ausgefallener als Briefmarkensammeln? Ihr könntet Euch beispielsweise um öffentliche Bücherschränke kümmern und dort regelmäßig Ordnung schaffen. Das ist zudem eine Freizeitbeschäftigung, die sich lohnen kann - schon wieder ist mir ein interessantes Buch in die Hände gefallen, sogar neuwertig, weil es vor mir wohl noch keiner gelesen hatte. 
 
"Schöner Schreiben" heißt das Buch von Hauke Goos. Und angesichts dieses Titels habe ich sofort zugegriffen. Schließlich nutze ich jede Gelegenheit, um dazuzulernen, weil ich anspruchsvolle Leser habe. Autor Hauke Goos arbeitet für Spiegel-Online und verfasst dort eine beliebte Kolumne, die sich mit Glanzlichtern der deutschen Sprache beschäftigt. Das können Sätze aus Romanen sein, Auszüge aus Briefen oder Passagen aus Reden. Die 50 schönsten Fundstücke hat Goos in seinem Buch versammelt, das Spektrum reicht von Hans-Christian Andersen bis zur Bibel, von Ottfried Preußler bis Thomas Mann, von Karl May bis Franz Kafka, von Theodor W. Adorno bis zu einer Todesanzeige. 
 
Bevor der Autor loslegt, hat er ein sehr lesenswertes Vorwort vorangestellt. Und darin geht es um sein Hobby. Eines, das ich mir auch zulegen könnte. Denn es ist von der eher ungewöhnlichen Sorte. Es gibt Leute, die haben sich zum Ziel gesetzt, sämtliche großen Fußballstadien der Welt zu besuchen. Das nennt sich "groundhopping". Andere bauen den Kölner Dom aus Wäscheklammern nach oder fotografieren aus luftiger Höhe mit Drohnen geometrische Muster. Hauke Goos aber hat ein partyuntaugliches Hobby, das nicht auf Anhieb Staunen auslöst und Bewunderer findet. Er sammelt Stellen. 
 
Gemeint sind Prosastellen. Sätze, Absätze oder kurze Passagen aus Büchern oder Filmen. Oder Zitate, wie den Ausruf des Benedektiniermönchs Dom Pérignon in dem Moment, indem er den Champagner erfand: "Komm schnell, ich trinke Sterne!" Das Beispiel zeigt, was gemeint ist: Wenn etwas präzise und elegant, anschaulich, verständlich und originell gesagt wird, so wie es kaum besser formuliert werden könnte. "Die Würde des Menschen ist unantastbar" ist für Goos ebenfalls solch ein großer Satz. 
 
Derartige Stellen, die von anderen stammen, zu sammeln, ist wahrlich reizvoll. Noch besser wäre es, solche Stellen selbst zu formulieren. Angesichts der vielen literarischen Größen, die Goos präsentiert, mutet das wie ein aussichtsloses Unterfangen an. Schließlich sind in seinem Buch Daniel Kehlmann, Friedrich Schiller, Georg Büchner, Arno Schmidt, Sebastian Haffner und viele weitere Edelfedern vertreten. Aber auch Sportreporter Herbert Zimmermann. Und im Vorwort ein Satz, den ich mir durchaus zutrauen würde: "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker". 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1702 vom 2. 9. 25

Heute geht es um die Wurst. Genau gesagt: Um die Bratwurst. Denn mit der beschäftigte sich jetzt die Wochenzeitung "Der Freitag". Auslöser der Berichterstattung war der Streit darum, wo in Deutschland "die älteste Bratwurststube der Welt" stand, in Bayern oder in Thüringen. Darüber soll letztlich im September nach dem Vorbild von Gottesurteilen ein Boxkampf entscheiden. Ich bedaure nur, dass trotz seiner Wurstbegeisterung nicht Markus Söder persönlich in den Ring steigt. 
 
Wie ist die Ausgangslage? Die Ersterwähnung einer Bratwurst, also von Brät im Darm, stammt aus dem thüringischen Arnstadt und ist aus dem Jahre 1404 dokumentiert. Nun aber beansprucht ein Lokal aus Regensburg die Geburtsstunde der Bratwurst für sich, weil in einem Vorgängergebäude 1378 ein Koch bereits solche Würste dort zubereitet habe. Die Thüringer konterten umgehend mit einer Urkunde von 1267, in der von einem Bräter auf der Erfurter Krämerbrücke die Rede ist. 
 
Bei der Frage "Wer hat's erfunden?" kann diesmal zwar die Schweiz ausnahmsweise nicht mitmachen, dafür aber bei der Frage "Wer hat die Bratwurst groß gemacht?". Denn der Schweizer Künstler Peter Baracchi hat sich mit seinen Pop-Art-Werken auf überdimensionale Würste spezialisiert. Die variable Rauminstallation "Untitled (Bratwurst 1 und 2)" stammt aus dem Jahr 2018. Doch diese metergroßen Wurst-Skulpturen stillten den künstlerischen Hunger des Schweizers nicht: "In den letzten fünf Jahren habe ich meine beiden Wursthälften immer wieder neu inszeniert, als Luxusobjekte, als Kunstwerke, als Wohnzimmer-Trophäen." Sage da noch jemand, von Bratwurst könne niemand satt werden. . . 
 
Was die Länge betrifft, ist Baracchi dagegen ein armes Würstchen. Jedenfalls im Vergleich zur Kumhausener Bratwurst, die es 1999 auf eine Gesamtlänge von 5888 (!) Meter brachte. Das zeigt auch, wie beliebt diese Wurstspezialität hierzulande nach wie vor ist. Allerdings scheiterte 2021 der Versuch, die Thüringer Rostbratwurst ins immaterielle Kulturerbe der Unesco aufnehmen zu lassen. Das war bereits der zweite Fehlschlag. Denn auch das nach uraltem Reinheitsgebot gebraute deutsche Bier fand keine Gnade bei der Auswahlkommission. Um die Schmach noch zu vergrößern, wurde 2017 stattdessen die belgische Bierbraukunst in die Liste aufgenommen. 
 
Immerhin ist die Bezeichnung "Original Nürnberger Rostbratwurst" von der EU-Kommission geschützt worden. Zusammen mit der Thüringer Rostbratwurst hält sie die deutsche Wurstehre hoch, zumal diese beiden Vorzeige-Vertreter ihrer Gattung unter etlichen Konkurrenten, die nach anderen Rezepten entstehen, hervorstechen. Einzig die St. Galler Kalbsbratwurst, der Milch ihre charakteristische weiße Farbe verleiht, kann in dieser Liga mitspielen. 
 
Die Eidgenossen sind übrigens auf ihre Delikatesse so stolz, dass es als skandalös empfunden wird, sie mit Senf zu essen. Wer solch ein Sakrileg begeht, torpediere die Ostschweizer Esskultur. Ketchup auf sein Haupt!  Ich lasse also die Finger davon und lechze stattdessen nach einer Würzburger Winzerbratwurst. Die wird mit fränkischem Weißwein als Zutat hergestellt. 
 
So, wenn jetzt jemand keinerlei Geschmack an diesem Thema gefunden hat, dann sage ich ihm: Das ist mir wurscht! Ihr dürft aber gerne Euren Senf dazu geben. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur gestrigen SP-Folge aus der wundersamen Welt der Heilkunde hat Martin noch ein paar Ergänzungen: In der Tat, Ärzte und Medizin sind ein Kapitel für sich, bei dem es ratsam ist, wachsam zu sein. Langjährige Forschungen haben kürzlich ergeben: wenn man sein Herz schont, kann es ein Leben lang halten! Bei mir im Ort hat ein Arzt seine Approbation verloren, weil er einer Wanderniere einen Spazierstock verschrieben hat. Misstrauisch sollte man auch sein, wenn der Arzt auf die Frage "Kann ich mit Durchfall baden?" antwortet: "Tja, wenn Sie die Wanne vollkriegen." Verschreibt er Moorbäder, soll man sich unter Umständen schon mal an die feuchte Erde gewöhnen! 

Schmunzelpost 1701 vom 1. 9. 25

Beim Stöbern in Dr. Braters medizinischem Kuriositäten-Kabinett komme ich aus dem Grinsen nicht heraus. Das erklärt die Auswahl des Inhalts der heutigen Schmunzelpost. Falls Euch der Stoff jedoch allmählich anödet, dann gebt mir bitte Bescheid. Ich möchte schließlich nicht, dass Ihr ein Fall für den Chasmologen werdet. Den was? Die Chasmologie beschäftigt sich mit dem Gähnen. 
 
Wie Ihr wahrscheinlich wisst, gibt es es Biologen, Psychologen und US-Präsidentendielogen. Doch die Medizin hat durch die Vielfalt ihrer Fachgebiete noch weit mehr zu bieten. So ist die Splanchnologie die Lehre von den Eingeweiden. Bei der Odontostomatologie befasst man sich mit der Mundhöhle und den Zähnen. Viel relevanter für mich ist die Gelotologi - das ist die Lehre vom Lachen. 
 
Wer sich vor Lachen nicht einkriegt, bekommt womöglich einen Schluckauf. Und der kann recht hartnäckig sein. Daher gibt es ungezählte Rezepte, wie die unangenehme Beschwerde wieder vertrieben werden kann. Möglichst lange die Luft anhalten ist der bekannteste Ratschlag. Aber es gibt Leute, die schwören darauf, sich mit beiden Daumen die Ohren zuzuhalten, gleichzeitig mit den kleinen Fingern die Nasenflügel zusammenzudrücken und mit geschlossenen Lippen die Backen aufzublasen. Für Menschen, die auf andere Weise gelenkig sind, empfiehlt sich ein Kopfstand - und in dieser Haltung muss man dann noch ein Glas Wasser mit einem Strohhalm austrinken. 
 
Wie wirksam all diese Methoden sind, hängt wohl davon ab, wie sehr der Betroffene an den Erfolg glaubt. Fast immer soll jedoch der Schluckauf abgestellt werden, wenn man auf seinen Zwerchfellnerv drückt. Der läuft am Hals abwärts, und zwar am Vorderrand des dicken Muskels, mit dem wir den Kopf zur Seite neigen. Wenn es Euch erwischt, dann versucht es! Denn Vorsicht: Der längste bekannte Schluckauf-Anfall endete erst nach 69 Jahren! 
 
Zum Schluss noch eine Anekdote aus der Medizingeschichte. Mitunter müssen Ärzte trickreich sein. Dem berühmten Mediziner Armand Trousseau (1801 - 1867) mangelte es nicht an Einfallsreichtum. Eines Tages wurde er gebeten, eine Frau zu heilen, die ständig unter schrecklicher Übelkeit litt und sich immer wieder übergeben musste. Die Ärmste glaubte, sie habe beim Baden versehentlich einen Frosch verschluckt. Nichts konnte ihr helfen. 
 
Trousseau ging vor dem Besuch bei seiner Patientin zu einem Tümpel. Danach verabreichte er der Frau ein starkes Brechmittel, fing das Erbrochene auf und steckte heimlich einen kleinen Frosch hinein. Als die Patientin sich heulend und keuchend halbwegs erholt hatte, fischte der Arzt das Tier heraus und sagte, scheinbar höchst beglückt: "Da haben wir ja den Übeltäter!" Doch die Frau wollte sich nicht so schnell von ihrer Krankheit trennen und fragte ängstlich: "Aber was ist, wenn der Frosch in meinem Magen abgelaicht hat?" Trosseau lächelte: "Keine Sorge, Madame, dass ist vollkommen ausgeschlossen. Der Frosch ist nämlich ein Männchen." 
 
Ich nehme an, seither heißt es beim Medizinstudium für angehende Notärzte: "Sei kein Frosch! Aber habe ständig einen in Hinterhand!" 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1700 vom 31. 8. 25

1700 Folgen der Schmunzelpost! Jeden Morgen frisch! Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Ich würde ja gern mit Euch anstoßen, am besten mit einem Glas Wein, aber wegen meiner zweiwöchigen Fastenzeit, die mir auch Alkohol verbietet, geht das leider nicht. Doch zu den Hundertprozentigen gehöre ich nicht. Stattdessen könnten wir ja einen Fingerhut veganen Likör nippen und damit David im Kampf gegen Goliath unterstützen.
 
Gegenwärtig tobt nämlich vor dem Landgericht Kiel ein Rechtsstreit, dessen Notwendigkeit mir nur einleuchtet, wenn ich mich vorher ordentlich zudröhne. Denn der Schutzverband der Spirituosenindustrie verlangt von einer kleinen Firma aus Schleswig-Holstein, den Namen ihres Produkts zu ändern. Ole Wittmann, Geschäftsführer der Firma "Warlich Rum", hat die Frechheit besessen, ein Getränk auf den Markt zu bringen, das er "Likör ohne Ei" taufte. Auf dem Etikett ist ein Hahn abgebildet. Der legt zwar selbst keine Eier, überwacht aber im Hühnerstall bestimmt die Lege-Leistung seiner Hennen.
 
Die Kläger behaupten nun, die Bezeichnung würde die Käufer irritieren und den Herstellern von Eierlikör schaden. Obwohl, so argumentiert Wittmann, der Name "Likör ohne Ei" eigentlich klarstellt, dass auf tierische Zutaten verzichtet wird und das auf rein pflanzlicher Basis erzeugte Getränk von Veganern bedenkenlos getrunken werden kann. 
 
Recht hat er, denkt Ihr womöglich. Über solch eine Klage lachen ja die Hühner. Aber nicht die Juristen! Erst vor einem Jahr hat das Landgericht Hamburg die Bezeichnung "Veggy - veganer Eierlikör" verboten. Wittmann pocht nun auf einen gravierenden Unterschied und verweist darauf, sein Produktname unterstreiche doch ausdrücklich, dass dies eben kein Eierlikör ist. Der Prozess werde nur geführt, weil die Branchenriesen keine neuen kleinen Konkurrenten auf dem Markt dulden wollten. 
 
Um den Rechtsstreit zu finanzieren, bietet "Warlich Rum" zwei Sondereditionen an. Der "Likör ohne E" kostet allerdings pro 0,5 Literflasche 35 Euro. Und hat ein Etikett, auf dem eine Hahnenfeder einen kleinen Buchstaben verbirgt. Als Alternative für 50 Euro gibt es den Likör "Warlich Harte Nuss". Falls er den Prozess gewinnt, so verspricht Wittmann, werde er den Erlös für den Tierschutz spenden. Der Name "Harte Nuss" ist übrigens gut gewählt: Das Gericht hat die ursprünglich für den 17. Juli angekündigte Urteilsverkündung erst auf den 29. August und jetzt sogar auf den 28. Oktober verlegt. 
 
Der Anwalt der Kläger unterbreitete zuvor den praxisnahen Vorschlag, die kleine Firma solle doch einfach den Namen ihres Getränks ändern. Er empfahl "Pflanzlicher Likör auf Soja-Basis". Bravo! Welch ein Geistesblitz, was für ein einprägsamer Name! Nur der Geschäftsführer des Spirituosenverbandes wird seinem Rechtsvertreter dafür Beifall gezollt haben. Der Mann heißt übrigens William Verpoorten. Ei, ei - ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1699 vom 30. 8. 25

Ich bin zwar spät dran, aber trotzdem bemühe ich mich, mit der Zeit zu gehen. Und da fast jeder Blog, der etwas auf sich hält und viral gehen will, seinen Usern eine Challenge bietet, versuche ich das heute mal zum Thema Medizin. (Mein Güte, ein Fremdwort-Gegner wie ich muss manche Kröte schlucken, wenn er mithalten will: Gleich vier Begriffe aus der Welt des worldwidewebs. Falls Ihr wider Erwarten nicht wisst, was Blog, viral, User oder Challenge bedeutet, dann macht Euch mit Hilfe Eurer Suchmaschine schlau. Weil jetzt jedoch selbst die Dorstener Zeitung voraussetzt, dass alle ihre Leser mit dem Wort"volatil" nicht überfordert sind, scheint die Kenntnis von Fachbegriffen inzwischen weiter verbreitet zu sein als die Beherrschung des kleinen Einmaleins.) 
 
Okay, ich gebe zu, bei "volatil" musste ich nachschauen. Das liegt auch daran, dass dieser Begriff doppeldeutig ist. In der Chemie bezeichnet er Stoffe, die flüchtig sind und leicht verdunsten. Im Finanzwesen jedoch wird er für die Kurssprünge von Aktien oder die Marktentwicklung verwendet, wenn diese unbeständig oder starken Schwankungen unterworfen ist. Doch da Ihr ja alle bestimmt mindestens ein BWL-Diplom in der Tasche habt, ist das für Euch wohl nichts Neues. 
 
Das Adjektiv volatil hat seinen Ursprung im Latein. Damit wäre ich endlich bei der Medizin und meiner Challenge. Denn Mediziner werfen mit lateinischen Fachbegriffen nur so um sich. Ob sie das tun, damit uns Patienten der Mund weit offenstehen bleibt und sie so Einblick in unser Inneres kriegen? Ich weiß es nicht. Als Journalist war ich manchmal überfordert, wenn es auf einer Pressekonferenz im Krankenhaus Fachausdrücke hagelte. 
 
Zum Glück kann man manches nachlesen. Und Ihr lernt jetzt, in dieser Reihenfolge, wie man das Fehlen bestimmter Eiweißstoffe im Blut bezeichnet, wie die operative Verbindung zwischen Gallengang und Dünndarm genannt wird, wie man das Wort "Samenleiter" viel schöner aussprechen kann, wie die gesteigerte Ausscheidung von Aminosäuren im Urin auch kürzer (aber nicht kurz!) beschrieben wird, wie der mundschließende Kaumuskel mit bürgerlichem Namen heißt, wie die Schrumpfung des Augapfels heißt, wie es klingt, wenn Ihr von Filzläusen befallen seid und was der Arzt sagt, wenn Euer Körper nicht auf das Hormon der Nebenschilddrüsen anspricht. Alles nützlich für den Gebrauch im Alltag, oder? 
 
Doch was ist nun die Herausforderung? Ich spendiere demjenigen oder derjenigen, die folgende Fachbegriffe innerhalb einer Minute fehlerfrei aufsagen kann, einen tollen Preis. Falls der Versuch scheitert, begnüge ich mich im Gegenzug mit einem Glas Rotwein. Und hier kommen die Begriffe - bitte laut lesen:  Abetalipoproteinämie, Choledochojejunostomie, Ductus epididymidis, Hyperaminoazidurie, Musculus pterygoideus lateralis, Ophtalmophthisis, Phthiriasis und Pseudohypoparathyreoidismus. 
 
Jetzt wollt Ihr wahrscheinlich wissen, ob sich die Mühe lohnt. Ja, klar! Wer es hinkriegt, hat dreimal Anspruch auf eine von mir persönlich vorgenommene Massatio pedum. Viel Erfolg! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1698 vom 29. 8. 25

Wir bleiben unserem Thema treu und schlagen heute "Dr. Bräters medizinisches Kuriositätenkabinett" auf. Darin finden wir zum Einstieg "ein paar schlaue Sprüche zu Gesund- und Krankheit". Die stammen zwar allesamt aus der Vergangenheit, haben sich aber ihre Gültigkeit bis in die Gegenwart bewahrt. 
 
Oder möchte jemand dem berühmten Arzt Hippokrates widersprechen? Der empfahl viele Jahre vor Christi Geburt: "Die Nahrung soll deine Medizin sein und nicht die Medizin deine Nahrung." Sein Zeitgenosse, der Philosoph Plato sagte: "Die größte Behinderung des Lebens liegt darin, ständig auf seine Gesundheit zu achten." 
 
Der französische Dramatiker Molière traute den Ärzten des 17. Jahrhunderts wohl nicht über den Weg. Denn er behauptete: "Die meisten Menschen sterben an ihren Medikamenten und nicht an ihren Krankheiten." Zwei Generationen später schlug der Aufklärer Voltaire in die gleiche Kerbe: "Die Kunst der Medizin besteht darin, den Patienten beschäftigt zu halten, während die Krankheit ihren eigenen Verlauf nimmt." Und Giacomo Casanova kannte sich nicht nur mit Frauen aus, sondern verstand auch etwas von Medizin: "Gift in den Händen eines Weisen ist ein Heilmittel, ein Heilmittel in den Händen eines Toren ist Gift." 
 
Inzwischen hat sich im Gesundheitswesen dank der Wissenschaft sehr viel geändert. Schon im 20. Jahrhundert befand der Lyriker Hans-Herrmann Kersten: "Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer. Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher." Doch trotz ungezählter neuer Erkenntnisse gab es auch in diesem Fachgebiet Forscher, die seltsame Wege einschlugen. Das wird deutlich, wenn wir uns anschauen, weshalb der Ig-Nobelpreis für Medizin vergeben wurde. 
 
Die Bezeichnung des Anti-Nobelpreises ist ein Wortspiel aus dem Englischen. Denn "ignobel" bedeutet soviel wie "schmachvoll" oder "unwürdig". Mit dem Ig-Nobelpreis werden daher Forscher ausgezeichnet, die sich mit besonders skurillen Themen befasst haben. Ein gutes Beispiel dafür ist die herausragende Arbeit aus dem Jahre 1994. Im ersten Teil beschäftigt sie sich mit einer neuartigen Methode zur Behandlung von Schlangenbissen. Die Betroffenen sollten ein Zündkabel an ihren Lippen anschließen und dann den Automotor fünf Minuten lang bei 3000 Umdrehungen laufen lassen. 
 
Das kann doch nichts bringen, meint Ihr? Na ja, zumindest ergab sich daraus eine aufbauende Studie für die zweite Hälfte der Arbeit. Ihr Titel lautete: "Misslingen der Elektroschockbehandlung im Fall eines Klapperschlangenbisses."  
  
Glückauf 
kdk 
  
PS. Anhang zu den Ticks der gestrigen Folge: Regina kennt auch jemand, die eine besondere Taktik beim Aufhängen von Wäsche pflegt. Ihre Schwester greift ganz gezielt in den Beutel mit verschiedenfarbenen Wäscheklammern. Die beiden, die sie dann für jeweils ein Kleidungsstück aussucht, müssen stets die gleiche Farbe haben. 
Ein SP-Leser, der nicht namentlich genannt werden will, hat einen anderen Spleen. Er verfolgt die Spiele seines Lieblingsvereins, der hier aus speziellen Gründen nicht genannt wird, aus dem Fernsehsessel und gönnt sich für jedes Tor, das sein Club schießt, einen Schnaps. Auch wenn Schützenfeste selten vorkommen rate ich dringend dazu, ein Getränk mit weniger Umdrehungen zu wählen. Wie wär's mit einem Veltins-Pils? Diese Brauerei ist immerhin Sponsor eines ehrbaren Vereins, der hier häufiger genannt wird. 

Schmunzelpost 1697 vom 28. 8. 25

Wenn sich Leute meines Alters treffen, was ist dann meist das erste Thema? Das Wetter? Knapp vorbei ist auch daneben - das liegt nur auf Platz zwei. Fußball? Das wäre wünschenswert, aber leider sind längst noch nicht alle Menschen mit der Liebe zum wichtigsten Verein der Welt gesegnet. Gesundheit? Volltreffer! Deshalb bleibe ich noch einmal dabei und wende mich heute den kleinen Verrücktheiten zu. Denn einen Tick hat doch jeder, oder? 
 
Besonders verbreitet ist beispielsweise das Zählen von Stufen beim Treppensteigen. Manche schnüren auch zuerst stets das linke Schuhband zu. Weniger verbreitet ist die Angewohnheit, beim Überqueren von Zebrastreifen nur die weißen Balken zu betreten. Ich habe mich mal umgehört und umgesehen, welche merkwürdigen Rituale und Verhaltensweisen sonst noch gepflegt werden. 
 
So kenne ich beispielsweise eine Sicherheitsfanatikerin. Nicht erst seit Corona nimmt sie beim Einkaufen im Supermarkt immer nur das zweite oder dritte Exemplar des gesuchten Produkts aus der Reihe - das erste könnte ja schon jemand "angegrabbelt" haben. Eine Seelenverwandte ist wohl die Tütenputzerin. Die hebt nach gründlichster Reinigung sämtliche Plastiktüten auf. Womöglich könnten sie ja nochmals benutzt werden. Wahrscheinlich aber vermehren sie sich nur wie Kaninchen und nehmen Stauraum weg. 
 
Ein ergiebiges Feld ist das Aufhängen von Wäsche zum Trocknen. Da weiß ich von mehreren Leuten, dass sie das stets nach einem ganz speziellen System tun. Dass man zueinander gehörende Socken nebeneinander hängt, verstehe ich ja noch. Aber Sachen nach Größe, Farbe oder sonstigen Kriterien aufzureihen, käme mir nicht in den Sinn. Im Gegensatz zu meiner Mutter. Die hatte die Gewohnheit, ihren Lieblingskleidungsstücken stets den sonnigsten Platz auf der Leine zu gönnen. 
 
Apropos Wäscheaufhängen: Eine Moderatorin erzählte im Fernsehen, sie sei dem Aberglauben verfallen, dass an Silvester keine Wäsche an der Leine hängen darf. Das geht soweit, dass sie beim gemeinsamen Urlaub mit Freunden in südlichen Gefilden sogar kurz vor Mitternacht kontrollierte, ob im Hinterhof jemand auf diese Weise das Unglück heraufbeschworen würde. Ebenfalls Pech beschert es nach ihrer Überzeugung, Schuhe auf den Tisch zu stellen. Das gilt selbst für neue Schuhe, die man im Geschäft zum Zahlen auf den Tresen legt. 
 
Nun zu den Exzentrikern. Ein Journalistenkollege kauft ausschließlich quadratisches Schwarzbrot. Das resultiert aus seiner Kindheit, weil Käsescheiben genau darauf passten. Dies hat sich so sehr in sein Hirn eingefräst, dass ihm rechteckige oder ovale Brotscheiben zuwider sind. Genauso irritierend fand ich den Spleen einer Bekannten, die stets bemüht ist, mit einem Begleiter im Gleichschritt zu gehen: "Ich passe unwillkürlich meinen Laufrhythmus und die Größe der Schritte an." 
 
Ich hingegen zähle zu den seltenen Menschen, die keinen Tick haben. Na ja, fast keinen: Ich schreibe täglich eine Schmunzelpost. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1696 vom 27. 8. 25

Lang, lang ist's her. Es hat Zeiten gegeben, da habe ich das ganze Jahr über kein einziges Mal eine Arztpraxis von innen gesehen. Oder höchstens einmal, wenn mich die Grippe erwischt hatte. In den letzten zwei Jahrzehnten musste ich dem Alter Tribut zollen und habe eine ganze Reihe von Wartezimmern, Ärzten und sogar Kliniken kennengelernt. Die letzten sechs Tage waren jedoch rekordverdächtig: Sechs Mal beehrte ich unterschiedliche Mediziner mit meinem Besuch. 
 
Wobei angefügt werden muss: Ich habe einen Lauf! Die Ergebnisse sind stets positiv gewesen. Nach einer fast schmerzlosen Wurzelbehandlung und einer Tumor-Kontrolle mit dem erfreulichen Ergebnis, dass ich dazu nun nur noch alle drei Monate aufkreuzen muss, war der Ganz-Körper-TÜV beim Hausarzt jetzt der krönende Abschluss. Alles gut! Leberwerte tipp-topp, Cholesterin völlig im Rahmen, von Diabetes keine Spur, Lungenleistung im grünen Bereich, Herzrhythmus okay, Hauptschlagadern ohne Kalkablagerung und die Gehirndurchblutung tadellos - da gibt es nichts zu meckern. 
 
Lediglich ein Messergebnis trübt meine Begeisterung. Beim Körpergewicht ist die obere Grenze erreicht, ich habe mir daher ab sofort zwei Fastenwochen verordnet. Das heißt: Keinen Tropfen Alkohol, morgens ein Butterbrot und ein Apfel, nachmittags einen Mineraldrink oder eine Hühnersuppe oder einen kleinen Salat. Danach wird die Hungerkur für die Dauer des Nordsee-Urlaubs unterbrochen, der soll schließlich Spaß machen. Doch hinterher geht's notfalls weiter, falls ich immer noch in der Schwergewichts-Klasse herumdümpele. 
 
Das Fasten fällt leichter, wenn man schaut, wie schlimm es enden kann, falls man seiner Fraßgier freien Lauf lässt. Und siehe da, es ist noch Luft nach oben. Als schwerster Mann der Weltgeschichte gilt nämlich nicht Rainer Calmund, sondern Manuel Uribe. Der Mexikaner, der als illegaler Einwanderer in Texas lebte, wog im Jahr 2001 mit 36 Jahren sage und schreibe 592 Kilogramm. Zu dieser Zeit konnte er bereits seit längerem sein Bett nicht mehr verlassen. 
 
Doch nachdem Uribe sein Gewicht im Guiness-Buch der Rekorde verewigen ließ, hörte er auf das Anraten der Ärzte und bemühte sich, ordentlich abzuspecken. Mit Erfolg. Er nahm bis zum Jahr 2007 31 Kilo ab und drehte dann erst richtig auf: Bis zum April 2008 konnte der Wonneproppen sein Gewicht um 192 Kilo (!) reduzieren. Allerdings: Schlank ist anders. 
 
Er wog immer noch 369 Kilo, als er im Oktober 2008 seine langjährige Lebensgefährtin heiratete. Für diese Hochzeit, die vom US-Fernsehen live übertragen wurde, verließ Uribe zum ersten Mal seit etlichen Jahren seine Wohnung. Allerdings auf ungewöhnliche Weise: Er musste mit einem Kran aus dem Haus gehievt werden. An seinem erklärten Ziel, ein Gewicht von 120 Kilo zu erreichen, scheiterte er später kläglich. Als er 2014 zum zweiten Mal seine Wohnung verließ, um sich in einer Klinik wegen Herzrhythmus-Störungen behandeln zu lassen, wog er immer noch 368 Kilo. Ob es wohl damit zu tun hat, dass er nach drei Wochen Krankenhaus im Alter von nur 48 Jahren verstarb?  
 
An Manuel Uribe erinnert heute die von ihm gegründete Stiftung, die vor den Folgen von Adipositas warnt. Die Botschaft ist bei mir angekommen. Wenn ich die ersten 50 Kilo abgenommen habe, lasse ich Euch das sofort wissen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1695 vom 26. 8. 25

Schon lange plagt mich das Gefühl, dass die ganze Welt allmählich verrückt wird. Erkennbar ist dies vor allem an der wachsenden Zahl von Regierenden, die mehr oder weniger eindeutig einen Sprung in der Schüssel haben. Aber die Verwirrtheit macht an den Staatsspitzen nicht halt. In einem Buch las ich jetzt, dass 2024 ein Drittel (!) aller Deutschen unter psychischen Störungen litten. 
 
Auch ich hatte in der Vergangenheit mehrmals mit depressiven Schüben zu kämpfen. Und allein mit Sprache will man mich nun auf andere Art in den Wahnsinn treiben. "Das triggert mich!" "Der ist echt toxisch!" "Seit der letzten Begegnung habe ich voll das Bindungstrauma!" Bei solch einem Psycho-Sprech sehe ich rot. Mit diesem Einstieg in sein Buch "Tr!gger Trauma Toxisch" will Autor Lukas Maher jedoch bloß deutlich machen, dass selbsternannte Therapeuten mit psychologischem Halbwissen oft gefährliche Irrtümer verbreiten. 
 
Woran erkennt man nun, dass jemand die fließende Grenze zur Verrücktheit überschritten hat? Früher hieß es immer, Geisteskranke hielten sich stets für gesund und könnten gar nicht erkennen, was mit ihnen vorgeht. Frei nach dem Geisterfahrersyndrom: "Das ist ja unheimlich, wie viele Idioten mir hier in der falschen Richtung entgegenkommen!" Prima! Da bin ich raus! Ich vermute schon seit meiner Kindheit, dass ich einen Schlag schräg habe. 
 
Aber ernsthaft: Es ist häufig schwer zu erkennen, ob die Grenze zu einer psychischen Krankheit überschritten ist. Nehmen wir den Narzissmus als Beispiel. Eine Prise davon steckt in jedem von uns, beim einen weniger, beim anderen mehr. Und es ist schwierig einzuschätzen, ab wann eine narzisstische Persönlichkeitsstörung beginnt. Was ist noch normal, wann ist für andere nur unangenehm und wann ist Narzissmus krankhaft und möglicherweise für die Gemeinschaft gefährlich? 
 
Lukas Maher hat Kriterien aufgezählt, von denen mindestens fünf zutreffen müssen, um den Tatbestand einer Störung zu erfüllen. 1. Der Narzisst lebt im grandiosen Gefühl der eigenen Wichtigkeit. 2. Er pflegt Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht und persönlichen Glanzes. 3. Er glaubt von sich, einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen Persönlichkeiten verstanden zu werden, weshalb er bevorzugt mit diesen verkehrt. 4. Er verlangt nach übermäßiger Bewunderung. 5. Er legt Anspruchsdenken an den Tag und hegt übertriebene Erwartungen auf bevorzugte Behandlung oder für das Eingehen auf seine Wünsche und Forderungen. 6. Als Ausbeuter zwischenmenschlicher Beziehungen strebt er danach, Nutzen aus anderen zu ziehen, um seine Ziele zu erreichen. 7. Er zeigt Mangel an Empathie und ist nicht willens, die Bedürfnisse anderer zu erkennen. 8. Er ist oft neidisch auf andere, aber er glaubt, sie seien neidisch auf ihn. 9. Er verhält sich arrogant und überheblich. 
 
Oh, da fällt mir doch sofort jemand ein, auf den sogar sämtliche Kriterien zutreffen. Euch auch? Ich gebe Euch ein paar Tipps. Es handelt sich um einen Mann, er lebt nicht in Europa und er trägt gern rote Kappen mit komischen Aufschriften. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich weiß auch nicht, wieso ich gerade jetzt darauf komme. Aber als Nachtrag zur Mücken-Folge wünsche ich mir, dass fähige Leute es hinkriegen, diese Insekten zu dressieren und auf eine bestimmte Person abzurichten. Ersatzweise dürfen es auch Schmeißfliegen sein. Dann wäre es toll, wenn jedesmal, wenn dieser größenwahnsinnige Kerl gelogen, geprotzt oder gepöbelt hat, also täglich, ein Heer von Insekten ausschwärmt und ihn beim Golfen wie eine Nebelwolke umgibt.    

Schmunzelpost 1694 vom 25. 8. 25

Man soll aus einer Mücke keinen Elefanten machen. Zumindest, solange es sich nicht um eine Tigermücke handelt. Aber auch die einheimischen Vertreter der Blutsauger-Branche können verdammt lästig werden. Ich versuche daher mein Möglichstes, um sie aus dem Schlafzimmer fernzuhalten. Und wenn es doch einem gierigen Eindringling gelungen ist, sich hineinzustehlen, schaffe ich es meistens, ihn mit meiner bewährten Taktik zu erledigen. 
 
Ich habe den Trick hier bereits beschreiben. Sich komplett einmummeln, nur den Kopf freilassen. Und wenn ein Sirren verrät, dass der Feind im Anflug ist: Die Nerven behalten, warten, bis er gelandet ist und dann blitzschnell zuschlagen. Das hat in der Vergangenheit recht gut geklappt. Nun aber muss sich meine Jagdmethode in Mücken-Kreisen herumgesprochen haben. Sie konzentrieren sich neuerdings auf meine Füße. Erst, wenn die im Schlaf unter der Bettdecke hervorschauen, erfolgt die Attacke. 
 
 Offenbar machen es meine Quanten jedoch den Mücken schwer, ein Äderchen zu erwischen. Was zur Folge hat, dass es etliche Probebohrungen braucht, bis eine ergiebige Quelle angezapft wird. Daher sind meine Füße nun von Stichen übersät und jucken wie der Teufel. (Komische Redensart: Hat Satan auch einen Stachel? Zuzutrauen wär es ihm.) 
 
Es braucht also neue Abschreckungsmethoden. Mit großem Interesse habe ich daher über die Arbeit von Doreen Werner gelesen. Sie gehört zu den führenden Stechmücken-Expertinnen Deutschlands und ist gerade dabei, mit dem Projekt "Mückenatlas" herauszufinden, welche Arten hierzulande verbreitet sind. Die Forscherin raubt mir einige Illusionen. Weder Duftkerzen noch Mückenstecker können durchschlagende Erfolge vorweisen. Selbst pflanzliche Hautchremes oder Chemo-Sprays sind nur eingeschränkt wirksam. 
 
Zum einen sind Mücken, was Abneigungen und Vorlieben betrifft, genauso verschieden wie Menschen. Die einen mögen kein Eukalyptus, die anderen meiden Lavendel. Dazu kommt noch, dass solche Abwehrmittel immer wieder neu aufgetragen werden müssen, weil sie nach kurzer Zeit verfliegen. Deshalb müsste ich mich alle zwei Stunden vom Wecker zwecks Erneuerung aufschrecken lassen, was der Nachtruhe nicht förderlich ist. 
 
Doch was lockt Mücken eigentlich an? Manche Menschen werden kaum behelligt, andere sind wahre Mücken-Magneten. Ich tendiere leider zur zweiten Gruppe. Nun heißt es, dass Schweiß die Stech-Insekten anzieht. Also empfiehlt es sich abends zu duschen, wobei das Duschgel auch nur befristet wirkt. Was den Schweiß betrifft: Menschliche Geruchs-Maßstäbe werden von den Mücken ignoriert, sie habe offenbar ganz andere Kriterien. Entscheidend ist, ob ihnen der individuelle Körpergeruch behagt. Und der ist eine Mischung aus Schweiß, Körpertalg und Bakterien. 
 
Außerdem spielt der Schweiß nur die zweite Geige. Wichtigster Faktor für die Mücken ist der CO2-Gehalt der ausgeatmeteten Luft. Den können Mücken noch aus mehreren Metern Entfernung wahrnehmen und sondieren. Und ein höherer CO2-Ausstoß weist den besten Blutwirt für die weiblichen Mücken aus, die Proteine für die Ei-Reifung brauchen. Da es bisher keinen Katalysator für Menschen gibt, können wir die Schadstoff-Menge nicht beeinflussen. 
 
Dennoch wittere ich eine Chance. Auf das Ausatmen kann ich leider nicht verzichten, das wäre kontraproduktiv. Aber mit ein wenig Erfindergeist lässt sich doch bestimmt eine Maske entwickeln, die CO2 filtert. Wir können ja Jens Spahn mit der Beschaffung beauftragen. 
 
Glückauf 
kdk       

Schmunzelpost 1693 vom 24. 8. 25

Über Recht und Unrecht zu entscheiden, ist oft schwierig. Jetzt hat ein Gericht das Vorhaben verhindert, eine "Mohrenstraße" umzubenennen. Da sind wir wieder im Genderbereich und wundern uns, wie man derartige Fragen so hoch hängen kann. Und mit welcher Vehemenz diskutiert wird, wieviel Zeit und Energie wir investieren, um uns wegen solch einer sicher nicht lebenswichtigen Thematik zu beharken und mitunter sogar zu verfeinden. Gibt es nichts Bedeutenderes, was unsere Aufmerksamkeit und Aufgeregtheit mehr verdient hätte? 
 
Gibt es. Gleichzeitig stelle ich aber auch fest, wie sehr mich ärgert, wenn Bundestagspräsidentin Julia Klöckner den Geldgeber des Schmutzportals "nius" hofiert und die "tageszeitung" mit der Internet-Dreckschleuder von Julian Reichelt gleichsetzt. Die Artikel und Kommentare dazu habe ich gründlich gelesen und dafür die aktuellen Berichte über die unerträglichen Vorgänge im Gaza-Streifen nur überflogen. Was ist denn das für eine Bewertung? 
 
Habe ich das Elend in Nahost schon abgehakt, weil ich nichts ändern kann? Oder habe ich mich an das dortige  Grauen ebenso gewöhnt wie an die Bombardierung ziviler Ziele in der Ukraine? Abstumpfung durch Gewöhnung? Suche ich mir lieber Ziele für meine Empörung, die mir näher sind, weil sie sich in Deutschland abspielen? Etwa die Dreistigkeit, mit der Andreas Scheuer offensichtliche Lügen als Gedächtnisschwäche abtut, weil er sich nicht für einen finanziellen Schaden in Höhe von 243 Millionen verantwortlich fühlen mag? Oder den voraussichtlichen Erfolg solcher Amnesie-Strategie, mit der sich bereits Olaf Scholz Amnestie gewährte? 
 
Man kann wohl das eine tun, ohne das andere zu lassen. Also ich jetzt, nicht Scheuer oder Scholz. Aber man sollte nie die Größenordnung aus den Augen verlieren. Im Vergleich zu Netanjahu ist Scheuer allenfalls ein Kleinkrimineller. Die größte Tragödie spielt sich vor den Augen der Welt in Palästina ab. Wie zynisch ist es, eine Schule oder eine Klinik zu attackieren und die vielen zivilen Opfer mit dem Standard-Spruch abzutun, der Angriff habe militärischen Zielen gegolten? Wie jämmerlich ist es, dem UN-Alarm zu einer fürchterlichen Hungersnot lediglich ein paar Bildchen von angeblich gefüllten Regalen entgegenzusetzen? Und dieses Schwerverbrechen zu komplettieren, indem den Lastwagen mit Hilfsgütern die Einreise verweigert wird mit der Behauptung, die Hamas würde sich sonst alles unter den Nagel reißen? 
 
Unbegreiflich, dass die Welt zuschaut und dies geschehen lässt. Unglaublich, dass viele Unions-Politiker ihrem eigenen Kanzler grollen, weil er Waffenlierungen nach Israel aussetzt. Und genauso unverständlich, dass in den USA einem Kriegsverbrecher der rote Teppich ausgerollt wird. Obwohl wenigstens die Hintergründe klar sind, wenn ein Möchtegern-Despot einen praktizierenden Despoten empfängt. Diplomatie? Realpolitik? Solche Realpolitik kotzt mich auch dann an, wenn Herr Dobrindt auf Wählerstimmen schielt und ein paar Tausend Afghanen die Einreise aus Pakistan verweigert, denen einst fest versprochen worden war, sie vor der Rachsucht der Taliban zu bewahren. 
 
Was bleibt, als sich in Galgenhumor zu flüchten? Hier ein paar Witze in Sachen Recht und Unrecht. 
 
Ein Anwalt gewinnt seinen Steuerrechts-Prozess um Hinterziehung in Millionenhöhe und schreibt seinem angeklagten Mandaten stolz eine Email: "Die Gerechtigkeit hat gesiegt!" Der Mandant mailt umgehend zurück: "Sofort Berufung einlegen!" 
 
Dieser Witz stammt von der Internet-Seite "LTO - Legal Tribune Online" für Anwaltskanzleien. Ebenso der nächste: Ein Mann zum Anwalt: "Herr Anwalt, darf ich Sie mal was fragen?" "Nur zu!" "Was nehmen Sie denn so an Gebühren?" "500 Euro für drei Fragen." "Finden Sie das nicht ein wenig überteuert?" "Doch. Und wie lautet die dritte Frage?" 
 
Auch andere Juristen können über sich lachen. Hier zwei Witze, die sich Richter untereinander erzählen: Was ist der Unterschied zwischen Gott und einem Richter? Gott weiß, dass er kein Richter ist. 
 
Zwei Richter gehen in der Mittagspause im Park spazieren. Plötzlich stürzt eine junge Frau wutentbrannt auf sie zu und wirft einem der beiden vor: "Ihr Hund hat gerade meine Hose zerrissen! Und schauen Sie mal hier auf die Fleischwunde!" Der Richter greift wortlos in die Geldbörse und gibt ihr 500 Euro für eine neue Hose und als Schmerzensgeld. Hinterher fragt ihn sein fassungsloser Kollege: "Hör mal, Du hast doch gar keinen Hund." Antwortet der Richter: "Du weißt es, und ich weiß es. Aber man weiß nie, wie die Kollegen entscheiden." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1692 vom 23. 8. 25

Am Donnerstag waren wir dem Himmel so nah. Und zwar in Emden. In der dortigen Kunsthalle gibt es eine Ausstellung mit dem gleichnamigen Titel. Zu sehen sind hauptsächlich Bilder und Objekte, deren Fokus auf dem Himmel und den Wolken liegt. Ausnahmsweise haben wir für die Anreise das Auto genutzt, denn die Himmelfahrt mit der Bahn hätte hin und zurück mindestens acht Stunden beansprucht. Himmlisch fand ich die Ausstellung zwar nicht, aber geboten wird ein derart breites Spektrum, dass jeder Kunstfreund allerhand entdecken kann, was seinem Geschmack entspricht. Da meine Expertise arg beschränkt ist, werde ich Euch aber nicht das Blaue vom Himmel erzählen. 
 
Dafür jedoch etwas über Wolken. Das Wort Wolke stammt wahrscheinlich vom indogermanischen "wulg" ab, was "feucht" oder "nass" bedeutet. Über das gemeinwestgermanische "wulkana" entstand dann der Begriff, den wir für unsere Himmelserscheinungen verwenden, die als wesentlicher Bestandteil des Wasserkreislaufs zur Aufnahme der Verdunstung und für die Niederschläge in Form von Hagel oder Regen zuständig sind. 
 
Meteorologen unterscheiden vier Wolkenfamilien. Die teilen sich wiederum in zehn Gattungen, 14 Arttypen, neun Unterarttypen und neun Sonderformen auf. Die Diskussion über Altocumulus cumulonimbogenitus überlasse ich mit Rücksicht auf Euch lieber den Fachleuten. Aber ich frage mich, ob die Staubwolke, die ich schon mittels eines leichten Pustens über die Buchrücken auf meinen Regalen erzeugen kann, zu diesen Sonderformen gehört. Gar nicht so abwegig: Wolken bestehen aus Aerosol, und das ist ein Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen in einem Gas. 
 
Doch Ihr lest gerade eine Schmunzelpost und keinen VHS-Vortrag für Hobby-Wetterfrösche. Wenn wir Wolken betrachten, wozu wir uns wegen der Vielzahl der Farben und Formen viel öfter Zeit nehmen sollten, tun wir dies oft aus ästhetischen Gründen. Oder aus praktischen: Mit ein bisschen Erfahrung können wir aus Wolkenformationen unsere Schlüsse für die Wetter-Entwicklung ziehen. 
 
Es gibt sogar einen Berg, der das Wetter vorhersagt. Das ist der Wetterstein in Mittenwald. Sabi heißt übrigens Säbel. Warum ich Euch das mitteile? Damit Ihr versteht, was die Mittenwalder meinen, wenn sie sagen: "Hat da Wetterstoa an Sabi, wird's Wetter miserabi. Hat der Wetterstoa an Huat, wird's Wetter morgen wieder guat." 
 
"Dem Himmel ganz nahe" fühlte ich mich übrigens auch gestern, als ich zur Untersuchung eines potenziellen neuen Tumorherds in der Bochumer Uniklinik war. Aber glücklicherweise stellte sich heraus: Die Neubildung ist bloß eine gutartige Vernarbung. Der Himmel muss noch warten. Womöglich bleibt also noch lange ungeklärt, wohin eines Tages meine Reise führt: Gen Himmel, in die Hölle oder ins ewige Nichts. Aber das hat keine Eile. . . 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Am Wetterstein möchte ich Euch nicht ratlos im Regen stehen lassen. Mit dem Sabi/Säbel ist eine längliche Wolkenformation unterhalb des Gipfels gemeint. Und einen Hut trägt der Berg, wenn sich über ihm eine runde Wolke bildet.  

Schmunzelpost 1691 vom 22. 8. 25

Selten passte der Zeitpunkt, an dem das Ergebnis einer wissenschaftlicher Untersuchung veröffentlicht wurde, so gut wie diesmal. Denn heute startet die neue Saison der 1. Fußball-Bundesliga. Und pünktlich dazu war zu lesen, dass nach einer Studie der Universität Freiburg Fußball-Fans glücklicher sind als Deutsche, die sich nicht für Fußball begeistern können. Auf der Glücksskala lagen die Freunde des gepflegten Kicks zwar nur 0,3 Punkte über dem Durchschnittswert von 6,7. Doch wenn man diese Tabelle umrechnet und statt einer Zehn als Gipfel des Glücks die Hundert setzt, dann sieht die Sache schon anders aus. Fußball-Entsager: 67 Punkte, Fußball-Enthusiasten: 70 Punkte! Und drei Punkte mehr oder weniger, das weiß jeder, der nur ein bisschen Ahnung hat, können entscheidend sein! 
 
Zu denken gibt mir allerdings, dass die Untersuchungen offenbar im Raum Freiburg durchgeführt wurden. Nun hat der SC Freiburg gerade in der letzten Saison geglänzt wie selten zuvor. Dass Fußball-Fans im Breisgau auf Wolke sieben schweben, ist für mich daher nicht erstaunlich. Die Frage ist, ob die Elite-Mega-Hochbegabtenschule Gelsenkirchen auf Schalke zum gleichen Ergebnis gekommen wäre. Da hege ich leise Zweifel. 
 
Doch vor dem Anpfiff der neuen Saison sind andere Fragen weit relevanter. Etwa: Wer wird in der beginnenden Spielzeit den Meistertitel holen, und wer muss absteigen? Das kann ich heute schon ziemlich präzise vorhersagen. Meister wird erneut Bayern München. Was will man machen, wenn der einzige namhafte Rivale in der Zweiten Liga dahindümpelt? Absteigen werden Bremen und Heidenheim. So, hätten wir das auch geklärt. 
 
Allerdings soll man mit Fußball-Prognosen vorsichtig sein. Als Karl-Heinz, genannt Charly, Körbel nicht mehr Spieler, sondern Trainer von Eintracht Frankfurt war, sagte er zuversichtlich: "Mit dieser fantastisch kämpfenden Mannschaft ist die Meisterschaft bald drin." Am Ende der Saison stieg die Eintracht ab. Womöglich hat Ron Atkinson daraus gelernt. Der britische TV-Kommentator äußerte sich so: "Ich wage mal eine Prognose - es könnte so oder so ausgehen."  
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1690 vom 21. 8. 25

"Gehen Sie davon aus, dass es anderthalb Stunden dauern wird." Da kommt doch gleich Freude auf. Aber die Rede ist nicht von einem Fußballspiel, das ja bekanntlich wegen der Nachspielzeit mittlerweile etwas länger als 90 Minuten dauert. Es ging um meinen gestrigen Zahnarztbesuch. Wurzelbehandlung. Hosianna! 
 
Eigentlich habe ich die Angst vor Zahnarztterminen schon seit vielen Jahren abgelegt. Doch die letzte Wurzelbehandlung vor gut 15 Jahren ist mir noch gut, nein, das ist das falsche Wort, nachhaltig im Gedächtnis geblieben. So machte ich mich auf allerhand gefasst, als ich mich im Behandlungszimmer auf dem Patientenstuhl niederließ. 
 
Bereits die Ausgangssituation ist beunruhigend. Da liegt man ausgestreckt, den Kopf tiefer gelagert als die Füße, umgeben von allerlei verheißungsvoll blinkenden, oft spitzen Instrumenten, reißt den Mund so weit wie möglich auf, schließt, geblendet von der grellweißen Beleuchtung, die Augen und harrt hilflos der Dinge, die da kommen sollen. Statt im Zeitraffer bewegt sich der Minutenzeiger in Zeitlupe. Und schon verrät ein anschwellendes Schrillen, dass die Behandlung beginnt. 
 
"Denk an was Schönes", fordere ich mich auf, "lenk Dich ab." Leichter gesagt als getan, nachdem ich am Vorabend im Internet etwas über die stärksten denkbaren Schmerzen gelesen habe. Man gönnt sich ja sonst nichts. Jedenfalls soll noch schlimmer als der Schmerz, den Frauen beim Gebären erleiden, ein Stich der Paraponara-Ameise sein. Das kleine Biest sondert mit seinem Stachel ein extrem schmerzendes neurotoxisches Gift ab. Ein furchtbares Brennen strahlt dann in die betroffenen Gliedmaßen ab und verbindet sich stundenlang mit Muskelkrämpfen. 
 
"Siehst Du", sage ich mir, "diese Ameise lebt am Amazonas, wir aber befinden uns an der Lippe. Du bist also auf der sicheren Seite, zumal Du auch von einer Schwangerschaft nichts bemerkt hast." Dummerweise kommt mir dann unwillkürlich Dustin Hoffman in den Sinn. Die Szene, in der ihm im Film "Der Marathon-Mann" ein sadistischer Zahnarzt auf den Leib rückt, gehört für mich zu den übelsten Folterdarstellungen, die mir je zu Gesicht gekommen sind, obwohl kein Blut fließt. 
 
"Ganz falsch abgebogen", reiße ich mich zusammen, "jetzt denk endlich an was Schönes. Zum Beispiel an Fußball. Da hast Du doch letztens am Bildschirm miterlebt, wie Drittligist Rot-Weiß Essen zeitweise den Erstligisten aus Nord-Lüdenscheid nach allen Regeln der Kunst ausgespielt hat. Leider wurde die Partie am Ende überschattet durch ein brutales Foul, nach dem sich das Opfer vor Schmerz schreiend am Boden wälzte und jede Wiederholung sogar im Fernsehsessel weh tat. Aua! Bloß schnell wegzappen! 
 
Schalten wir um auf ein beruhigendes Standard-Programm. Wie vor dem Einschlafen zähle ich im Geiste Schäfchen, die über einen Zaun springen. Leider bleibt bereits das Vierte hängen und bricht sich ein Bein. Das an Ort und Stelle vom Schäfer mit einer Säge amputiert wird. "Was sind Sie denn so unruhig?", fragt die Zahnärztin, "ich habe doch noch gar nicht mit der Wurzelfüllung angefangen." 
 
Über die folgenden 80 Minuten breite ich den Mantel des Schweigens. Aber ehrlich: Es war halb so wild. Man darf sich nur nicht selbst verrückt machen. . . 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1689 vom 20. 8. 25

Bertold meint, dass es bei haarigen Schmunzeleien angeraten sei, auch einen Blick auf Perücken zu werfen, zumal im 18. Jahrhundert sogar Vogelnester und Schiffsmodelle darin eingebaut wurden. Der Wunsch meiner Leser ist mir Befehl! 
 
Für mich selbst habe ich ein Toupet oder einen "Fiffi", wie das bei uns hieß, nie in Betracht gezogen. Was ich  an künstlichen Glatzen-Vertuschungsversuchen im Umfeld zu sehen bekam, war eher mitleiderregend. Allerdings entging mir, dass es auch gelungene Gegenbeispiele gab: Z. B. Hans-Joachim Kulenkampff oder Sean Connery. Auch bei Tina Turner hätte ich es nicht vermutet, bevor es irgendwo zu lesen war. Dagegen konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen, als seinerzeit im ZDF-Sportstudio ein Schimpanse der Gattin von Schwimm-Olympiasieger und Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller das Haarteil vom Kopf riss. Doch wenn die Perücke gut gemacht ist, dann trägt sie gerade bei älteren Frauen sehr zum Wohlbefinden bei. 
 
Es gab Zeiten, da ging jemand, der auf sich hielt, sowieso nicht ohne Perücke aus dem Haus. Das war schon im alten Ägypten bei Männern und Frauen so, später auch in Griechenland und Rom. Der Begriff "Perücke" stammt vom französischen perruque (Haarschopf) ab und resultiert aus der Zeit des frühen Barock. Damals grassierte die Syphillis, und als Folge der Behandlung mit Quecksilber kam es zu Haarausfall. Ein Zeitgenosse spottete: "Man sieht so viele Personen allerliebst geschoren - und ganz ohne Rasiermesser." So entstand 1656 in Paris die Innung der Perückenmacher. Und sie hatte gut zu tun. Vor allem, nachdem Ludwig XIV. 1658 durch Typhus die Haare ausfielen und er umgehend die Perücke zu einem Standessymbol machte. 
 
 Schauen wir mal, was der Modenarrheit-Autor Stephan Schultze vor mehr als 150 Jahren zum Thema zu sagen hatte. Er stellt einen Zusammenhang zur Barttracht fest. Setzte sich, wie in ihrer barocken Blütezeit, die Perücke durch, war der Bart ab: "Je länger das Haupthaar getragen wird, um so mehr der Bart zusammenschrumpft. (...) Als unter Ludwig XIV. das falsche Haupthaar übermäßig bis zur dreifachen Allongeperücke heranwuchs, verließ der Bart Kinn und Unterlippe gänzlich. (...) Die Perücke verlangte ein glattes Gesicht, schon deswegen, weil unter ihr die Mienen süß spielen und freundlich lächeln mussten." 
 
Bei den Damen der Gesellschaft hingegen machten sich die abenteuerlichsten Konstruktionen auf dem Kopfe breit. Allerdings, vermutlich mangels Masse, weniger im Haupthaar oder Haarteilen, sondern auf Hüten. Mitunter erreichten "die Hüte einen immensen Umfang und auf ihnen thronte ein parfümiertes Boquet, ein Fruchtkorb oder ein indianisches Vogelnest." Um die Blumenpracht lange zu erhalten, wurden raffinierte Tricks angewandt, wie 1782 die Baronin von Oberkirch verriet: "Kleine, flache, der Form des Kopfes angepasste Fläschchen, die etwas Wasser enthielten", versorgten, im Haar verborgen, die Blumen mit Feuchtigkeit und hielten sie frisch. 
 
Glückte dies, so bot sich ein allerliebster Anblick: "Der Frühling auf dem Kopfe mitten im Schnee des Puders brachte eine unvergleichliche Wirkung hervor." Also, SP-Leserin, wie wär's? Aufsehen ist Dir gewiss. Lass Dich nur nicht vom Grantler Stephan Schultze beirren: "Wenn Äpfel, Birnen, Kartoffeln, Kohlköpfe, gelbe Rüben oder andere schwere Frucht- und Gemüsebüschel oder gar ganze gefüllte Blumentöpfe auf den Damenköpfen wachsen, so ließe sich dies freilich in gewissem Sinne als Rückkehr zur einfachen Natur betrachten; allein, solcher Naturschmuck ist hässlich, wenn er auch zu Zeiten Mode ist." 
 
Als ich dies las, kam mir eine verwegene Idee. Wenn ich nach dem Prinzip begrünter Dächer eine dünne Humusschicht auf meinen Schädel auftrage und dort Bonsai-Weizen züchte, könnte ich als strohblonder Klaus Maßstäbe setzen. Aber der Bart bleibt dran! 
 
Glückauf 
kdk  
 

Schmunzelpost 1688 vom 19. 8. 25

Der Bücherschrank hat sich gestern bei mir mit einem kleinen Büchlein fürs Aufräumen bedankt: "I like Lübke", herausgegeben im Jahre 1968 von Harald Rolf Sattler und Bärmeier und Nikel. Das ist der Verlag, der die legendäre Satire-Zeitschrift "Pardon" veröffentlichte, den Vorläufer der "Titanic". 
 
Ebenso legendär sind die Sprüche von Heinrich Lübke, mit denen wir uns schon einmal befasst haben. Voller Vorfreude schlug ich deshalb das Buch auf, in der Erwartung ein paar Fettnäpfchen-Ausrutscher des ehemaligen Bundespräsidenten zu entdecken, die ich noch nicht kannte. In der Tat: Gleich das erste Zitat war mir neu. Ein Foto zeigt Lübke beim Smalltalk mit einem afrikanischen Staatsoberhaupt und gibt darunter die Bemerkung des deutschen Gastes wieder: "Besonders interessieren mich hierzulande die Giraffen, die ja einen bemerkenswert langen Hals haben . . . aber das muss wohl so sein, weil der Kopf der Tiere sehr weit vom Rumpfe entfernt war." 
 
Einen kurzen Moment nahm ich an, dass es sich um den Originaltext handelte, dann aber wurde ich misstrauisch. Und beim Aufblättern weiterer Seiten bestätigte sich mein Verdacht: Da hat jemand ausgewählte Bilder mit ausgedachten Zitaten ergänzt. Da wir Lübke einiges zutrauen, besteht die Gefahr, dass die Leser solchen Fälschungen auf den Leim gehen. Denn es ist allgemein bekannt, dass Lübke während seiner zweiten Amtsperiode unter seiner beginnenden Alzheimer-Erkrankung litt. 
 
Dennoch: Die berühmte Begrüßungsformel: "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!" beim Staatsbesuch in Liberia hat er wohl nie gebraucht, sie wurde ihm höchstwahrscheinlich angedichtet. Da es jedoch schwer fällt, Fälschung und Wahrheit zu unterscheiden, machen wir heute ein kleines Spielchen. Es folgen einige angebliche Lübke-Zitate. Und Ihr sollt herausfinden, welche echt sind und welche nicht. 
 
1. Als sich bei einem Besuch der englischen Königin der große Zapfenstreich vor Schloss Brühl etwas verzögerte, raunte Lübke der Queen zu: "Equal goose it loose!" 
2. Kulturtempel sind ein rutschiges Pflaster. So entfuhr Lübke im Opernhaus eine durchaus berechtigte Frage: "Eines habe ich bei 'La Boheme' nie ganz verstanden - wenn diese Mimi wirklich lungenkrank ist, wieso kann sie dann noch so laut singen?" 
3. Beim Empfang in Afrika wurde Lübke von einem Vibraphonisten gefragt, was er für den Gast aus Deutschland spielen solle. Die Antwort lautete: "Wenn Sie unbedingt wollen, bitte ... spielen Sie vielleicht ein Stückchen aus dem Friseur von Sevilla." 
4. Beim Treffen mit dem Präsidenten der USA bot Lübke seinem amerikanischen Gast die Duz-Freundschaft an: "You can say you to me!" 
5. Eine skandinavische Delegation adelte Lübke mit den Worten: "Die Finnländer könnten eigentlich Westfalen sein!" 
6. Und eine Delegation aus Mauretanien verabschiedete der Bundespräsident launig: "Na, dann wünsche ich Ihnen noch eine gute Entwicklung da unten!" 
7. Als er bei einer Landwirtschafts-Veranstaltung von Jagdhorn-Bläsern mit einem Halali empfangen wurde, entpuppte sich Lübke als Tierfreund: "Ich finde es richtig, dass man zu Beginn einer Jagd Hasen und Fasane mit Hörnersignalen warnt." 
8. Als Lübke zur dritten Documenta vom Oberbürgermeister in Kassel herzlich begrüßt wurde, bedankte er sich u.a. mit den Worten: "Sehr viele besonders schöne Bilder sieht man hier im Stadtbild. Wenn man hierher kommt, hat man nicht nur Freude an der aufgeweckten Bevölkerung, äh, die sich, äh, eben auch mit einer freundlichen Willkommnung meiner annahm." 
 
Während seine Erkrankung manche Fehlleistung entschuldbar macht, bleibt bedauernswert, dass Lübke Zeit seines Lebens bestritt, als Bauzeichner KZ-Pläne für Albert Speer gefertigt zu haben. Und auch, dass er als Bauleiter der Heeresversuchsanstalt Peenemünde nie zugab, für die Unterbringung und den Einsatz von KZ-Häftlingen zuständig gewesen zu sein, trübt das Ansehen des zweiten Bundespräsidenten. 
 
Sympathischer sind da drei belegte Zitate. Seine Gattin Wilhelmine Lübke wurde vom Spiegel dafür gerügt, dass sie mehrfach bei langandauernden Staatsempfängen lauthals durch den Saal rief: "Heini, komm jetzt ins Quartier!" Und Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, erklärte, wie er seinen Vortrag über abstrakte Kunst vorbereitete: „Im Allgemeinen brauche ich für eine Rede eine Flasche Wein lang. Für diese Rede habe ich dreieinhalb Flaschen Wein lang gebraucht.“ Dazu passt auch das Heuss-Zitat: "Wein saufen ist Sünde, Wein trinken ist beten. Lasset uns beten." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. 1. Dieses Zitat hat sich ein Spiegel-Reporter ausgedacht. Wie fast alle englischen Sprüche, die Lübke in den Mund gelegt wurden, ist es erfunden. 2. und 3.: Bloß ausgedacht! 4. Authentisch, aber nicht von Heinrich Lübke, sondern von Helmut Kohl! 5. und 6.: Originalton Lübke. 7: Das war Gustav Heinemann, der dritte Bundespräsident. 8. Wirklich wahr, davon gibt es Film- und Tondokumente. 
 
PPS. Zur gestrigen Frisurenmode-Folge hat Martin einen Nachtrag:  Ein Friseur war dafür bekannt und berüchtigt, dass er alles und jeden stets in seiner miesepriemigen Art schlechtredete, und jeder suchte nach einer Gelegenheit, ihm mal eins auszuwischen. Mit einem Kunden kam er auf das Thema Urlaub. "Also, ich fahre dieses Jahr mit dem Auto nach Italien!" "Bloooß nicht! Miese Straßen, eng, Schlaglöcher wie Suppenschüsseln, Dauerstau! Und wo wohnen Sie?" "In Rom, Hotel Monopol." "Wanzenbude, Wanzenbude! Service gleich Null, eng und verdreckt! Und was haben Sie vor?" "Na, vor allem ne Papstaudienz!" "Könnse vergessen! Sie sitzen unter Hunderten ganz hinten, sehen vorne ein kleines, weißes Männeken, verstehen nix und zahlen auch noch Geld dafür!" --- Nach ein paar Wochen sitzt der Kunde wieder bei dem Miesepeter-Friseur. "Wie war's in Italien?" "ITALIEN? Suuuper! Die Straßen glatt, ohne Staus! Das Hotel: toller Service, elegant, sauber! Und die Audienz! Ich saß ganz vorne, der Papst kommt rein, sieht mich, streicht mir übern Kopf und sagt: "Das ist aber schön, dass ich dich hier sehe, mein Sohn! Aber welcher Idiot hat dir denn die Haare geschnitten?"

Schmunzelpost 1687 vom 18. 8. 25

Dieses Modethema ist eine haarige Angelegenheit. Heute soll es nämlich um Frisuren gehen, wobei mir augenscheinlich die Expertise zu einer auf eigenen Erfahrungen beruhenden fachkundigen Beurteilung fehlt. Zudem stehe ich auf dem Standpunkt, dass jeder sich so zurichten lassen darf, wie er oder sie es möchte. Hauptsache, die Person fühlt sich wohl unter ihrem Skalp. Was ich schön oder hässlich finde, spielt dabei keine Rolle. 
 
Dennoch ist es erstaunlich, wie großen Wert die meisten Menschen auf ihre Haartracht legen und wieviel Geld sie dafür ausgeben. Ich hingegen war von kleinauf sparsam im Verbrauch und pflegeleicht. Als Kind fühlte ich mich mit meinem Pony recht wohl. Später ließ ich mir auf Drängen meiner Mutter einmal im Monat einen Fassonschnitt verpassen und war stolz darauf, dass ich dem Friseur danach diskret 50 Pfennig Trinkgeld in die Tasche stecken durfte. Außerdem wartete ich gern geduldig, bis ich an der Reihe war, weil ich dann den "Stern" durchblättern konnte, der Fotos enthielt, die ich zuhause nie zu sehen bekam. 
 
Als ich endlich selbst über meine Frisur entscheiden durfte, trug ich die Haare länger, aber nicht so lang, wie ich es eigentlich gern getan hätte. Denn während meiner Sparkassenzeit schaute mir mein Arbeitgeber aufs Haupt und wünschte keine Hippies am Bankschalter. Also ließ ich meine Haare bis zur gerade noch geduldeten Grenze wuchern. Mit Anfang Zwanzig wollte sich eine Freundin im Wartestand bei mir einschmeicheln mit dem Kompliment, ich sähe Paul McCartney ähnlich. Damit hatte sie bei einem Stones-Fan und Liebhaber des Hard Rock verspielt. 
 
Da ich allmählich feststellte, dass ich den Genen meines Vaters, Großvaters und Urgroßvaters Tribut zollen musste und es immer schwieriger wurde, die lichten Stellen zu überdecken, wechselte ich vom Seiten- zum Mittelscheitel. Und eines Tages war der Punkt erreicht, Tabula rasa zu machen. Denn den Ernst-Huberty-Trick, sich die spärlichen Haarreste über dem Ohr wachsen zu lassen und als dünnen Tarnmantel über den blanken Schädel zu kleben, fand ich lächerlich. Wie übrigens auch die aktuellen Haarschnitt-Moden, zu denen offenbar diverse Fußballer viele junge Männer inspirieren. Um mir so große Teile des Kopfes rasieren zu lassen, hätte man mich in meiner Jugend an den Friseurstuhl fesseln müssen. Das gilt auch für Vokuhila und Mini-Pli. 
 
Weit einfallsreicher bei der Frisurenmode sind jedoch Zeit meines Lebens die Frauen gewesen. Vom Zopf zum Pferdeschwanz, von der Dauerwelle und dem Wolkenkratzer bis zum Natural-Hair-Look und Blunt-Cut und, gerade auf dem Vormarsch, vom Shaggy Bob bis zum Pixie-Cut gab und gibt es unzählige Varianten. Das heißt, völlig unzählig waren sie wohl nicht: Die französische Zeitung "Figaro" (nomen est omen) zählte mehr als 5000 Frisurentrends. 
 
Wenn wir weiter in die Vergangenheit zurückschauen, erhöht sich diese Zahl beträchtlich. Lassen wir noch einmal unseren Experte für Modenarrheiten, Stephan Schultze, zu Wort kommen, der 1868 über Haarmoden der Frauen schrieb: "Seit den ältesten Zeiten hat man diese natürliche Zierde jeder möglichen Kunst unterworfen und alle erdenklichen geschmackvollen und geschmacklosen Formen daraus geschaffen. Schon Ovid erklärte, er wolle lieber die Eicheln an einer großen Eiche oder die Bienen des Hybla aufzählen, als alle weiblichen Frisuren. Und von Ovids Zeiten bis heute hat die Mannigfaltigkeit derselben noch erheblich zugenommen." 
 
Schultze greift daher ein Sprichwort aus dem 14. Jahrhundert auf und modifiziert es: "Die Weiber haben langes Haar und vielen Sinn - nämlich dasselbe schön zu frisieren." Und zur natürlichen Kopfzierde des eigenen Geschlechts schreibt Schultze: "Das Haar des Mannes war bald länger, bald kürzer, bald gesalbt, bald in einer Fülle kleiner Locken gebrannt, während man den Bart meist rasierte. Ganz geschoren wurde der Kopf des Narren, was daraus erhellt, dass man sie mit den Mönchen wegen dieser Tonsur verglich. (...) Vielleicht ist die Kahlköpfigkeit aus dem Altertum in das Mittelalter übergegangen; denn bei den Griechen waren auch schon die Lustigmacher und die Mimen geschoren." 
 
Na bitte, was wollt Ihr mehr? Euer Lustigmacher von der Schmunzelpost ist klassisch frisiert! 
 
Glückauf 
kdk   

Schmunzelpost 1686 vom 17. 8. 25

Vor kurzem ging es hier einmal mehr um Künstliche Intelligenz. Aktuell habe ich die KI im Verdacht, dass sie mich mit subtilen Methoden mithilfe meines Computers in den Wahnsinn treiben will. Um die vielen Adressen nicht jedesmal neu abschreiben zu müssen, kopiere ich mir jeden Tag eine bereits gesendete Vorlage, lösche den Text und passe die SP-Anzahl sowie das Datum dem Kalender an. Daher wunderte ich mich sehr, dass Euch die Schmunzelpost 1684 vom 15.8.25 als SP 1683 vom 14.8. zugestellt wurde.
 
Nanu, dachte ich, ich bin mir doch sicher, die Daten geändert zu haben? Bei der gestrigen Schmunzelpost achtete ich besonders darauf: SP 1685 vom 16.8.! So, passt. Dann kann ja nichts schief gehen. Zu meinem großen Erstaunen wurde die Email jedoch versandt als, Ihr ahnt es, SP 1683 vom 14.8. Für diese Folge habe ich nun eine ältere Vorlage kopiert und geändert. Und was steht nun im Entwurfsverzeichnis? SP 1682 vom 13.8!
 
Das darf doch nicht wahr sein! Da hat bestimmt die KI ihre schmutzigen digitalen Finger im Spiel. Mit einer Art Autokorrektur, die bei Rechtschreibprogrammen nervt, wenn sie andere Wörter oder Buchstaben einsetzt als man haben will. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder die KI ist gaga oder ich! Das heißt, mir kommt noch etwas anderes in den Sinn. Vor kurzem blinkte eine Botschaft auf, dass die Telekom mit ein paar Neuerungen mein Email-Center geändert und verbessert hat. Das könnte die Ursache sein, eine "Verbesserung", die DB-würdig wäre. Zur Vorsicht setze ich künftig vor das "Hallo" im Textfeld die korrekten Daten.
 
Wenn ich schon wegen solch grotesker Probleme Sterne sehe, kann ich auch gleich über Sterne schreiben. Beziehungsweise über Sternschnuppen. Die sind nämlich im August in relativ großer Anzahl am Nachthimmel zu sehen, weil derzeit die Perseiden am Erdball vorbeiziehen. Sternschnuppen sind sozusagen kosmische Staubkrümel, die sich aus dem Gefolge eines Kometen lösen und verglühen, wenn sie unserer Atmosphäre zu nahe kommen. Höhepunkt war die Nacht vom 12. auf den 13. August, aber es besteht nach wie vor die Chance, ein Schnüppchen zu entdecken und sich schnell etwas zu wünschen.
 
Das ist einer alter Brauch, der immer noch hoch im Kurs steht. Angeblich darf man den Wunsch jedoch niemand verraten, weil er sonst nicht in Erfüllung geht. Allerdings müsst Ihr noch andere Regeln beachten. Die findet Ihr bei watson.de im Internet unter der Überschrift "9 Dinge, die Du beim Wünschen immer falsch machst". Dort erfährt man, dass der Wunsch blitzartig formuliert werden muss, dass man nicht mehr als sieben Wünsche pro Nacht äußern darf und dass das Wunschberechtigungsalter bei 18 Jahren liegt.

Und wie stehen die Chancen, dass der Wunsch Realität wird? Lest nach bei gutefrage.net: "Gehen die Sternschnuppenwünsche in Erfüllung?" Die beste Antwort lautet: "Wenn man ganz ganz ganz ganz ganz ganz ganz ganz ganz ganz ganz fest daran glaubt passiert es auch, wenn net dann ist auch net schlimm." Probiert es einfach mal aus. Und falls Ihr die Perseiden verpasst habt, gibt es jedes Jahr noch weitere Gelegenheiten: Im Dezember die Geminiden, im Frühling die Lyriden und im Sommer die Aquariiden. 
 
Ausnahmsweise verrate ich Euch meinen Sternschnuppen-Wunsch: Ich möchte gern wissen, was die Datenverwirrtheit meines Computers auslöst und wie sie sich beheben lässt! Aber nicht weiter sagen! 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1685 vom 16. 8. 25

Mit dem Thema Mode sind Stephan Schultze und ich noch nicht fertig. Bisher bekamen hauptsächlich Frauen ihr Fett weg. Doch in seinem Buch "Die Modenarrheiten" aus dem Jahre 1868 nahm Schultze auch die Männer aufs Korn, die ihm in den vorangegangenden Jahrhunderten reichlich Stoff lieferten - "anfangs noch fünf Ellen Tuch und zwanzig Ellen Seidenzeug", was aber bald nicht mehr ausreichte und sich schließlich bis auf 130 Ellen Stoff steigerte. 
 
Ein Dorn im Auge waren dem Kritiker besonders die Pluderhosen. Ihre Blütezeit erlebten sie in den Jahren von 1550 bis 1590. Schultze: "Alle Stände wetteiferten, die Mode mitzumachen, selbst die Bauern blieben nicht zurück, namentlich aber war dieselbe bei Soldaten, die damals noch nicht uniformiert waren beliebt. So wird man finden, dass die Phantasie der Schneider oder der Gecken oder auch der Zeughändler keiner gewaltigen Anstrengung bedurfte, um so monströse Geburten zur Welt zu fördern, wie wir sie in den Hosenkolossen erblicken." 
 
In der Tat: Die Herren wirkten aufgeplustert wie balzende Truthähne. Und zur Betonung ihrer Männlichkeit legten sie großen Wert auf gewaltige Lätze, die so entzückende Namen bekamen wie Schneckenhäuslein, Hundsfidelbögen oder Ochsenköpfe. Insgesamt ging die Tendenz zur Überladung, weshalb Schultze einen Augenzeugen zitiert, dass "einer eine ganze Mühl, einen Meierhof und ein ganz Dorf auf dem Leib trägt." 
 
Waren derartige Stoffpolster Soldaten im Gefecht nicht hinderlich? I wo! Schlachtengemälde aus dieser Zeit zeigen kämpfende Pluderhosen in rauen Mengen. Dies erregte den Unmut von modefeindlichen Zeitgenossen. In einem Spottlied, das sich in einem fliegenden Blatt aus dem Jahr 1555 fand, heißt es: 
 
"Welcher dann nun will wissen, was doch erfunden sey, 
die Kriegsleut sind beflissen, auf solche Büberei. 
Sie lassen Höfen machen, mit einem Überzug,
der hängt bis auf die Knochen, davon han sie nicht gnug. 
 
Ein Latz muss sein daneben, wol eines Kalbskopf groß, 
Karteken drunter schweben, Seiden on alle moß. 
Kein Geld wird da gesparet, und sollt er betteln gon, 
damit wird offenbaret, wer ihn' wird geben den lon." 
 
Folglich gab es auch Versuche, die geschmacklose Verschwendung zu stoppen. Vor allem von der Kirchenkanzel. "Die Geistlichkeit hielt donnernde Strafpredigten gegen diese unchristlichen, den göttlichen Zorn unfehlbar herbeiführenden Moden, sie verkündigte Missgeburten und Wunderzeichen, um die Gemüter zu erschrecken." So soll beispielsweise eine Frau in Prenzlau 1583 ein an Händen und Hals verunstaltetes Kind zur Welt gebracht haben, das bei der Geburt weite Pluderhosen trug. Aber entweder die Männer glaubten das nicht oder es war ihnen schnurzegal. 
 
In den folgenden Jahrhunderten ersetzten neue Modetorheiten die Pluderhose. Im 19. Jahrhundert galt als der letzte Schrei im Deutschland der tausend Kleinstaaten, sich die bunte Fahne seine Fürsten- oder Herzogtums irgendwo auf die Oberbekleidung sticken zu lassen. Die Männer sahen somit vermutlich ähnlich aus wie Profisportler mit vielen Sponsoren. Und Heinrich Heine reizte dies zu einem kleinen Vers: 
 
"Das mahnt an das Mittelalter so schön, an Edelknechte und Knappen, 
die in den Herzen getragen die Treu, und auf den Hintern die Wappen." 
 
Na ja, Deutschland-Fähnchen sind wieder im Kommen. Und da sich in der Mode in gewissen Abständen alles wiederholt, kommt es vielleicht auch noch zu einem Comeback der Pluderhose. Spätestens dann, wenn das amtierende Großmaul der Vereinigten Staaten von Amerika mitkriegt, dass deren Bestandteil ein überdimensionaler Hosenstall ist. Make American Trousers great again! 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1684 vom 15. 8. 25

Humor ist ein weites Feld. Auf ihm sprießen nicht nur geistreiche, originelle und zeitlos schöne Blüten, sondern auch anrüchige Kräutlein, die nicht bei allen Freude auslösen. Gerade deshalb haben manche den größten Spaß an diskriminierenden, sexistischen und derben Witzen. Letzteres gilt besonders für unsere Kindheit: Bei den Kleinen standen und stehen Pippi-Kacka-Scherze ganz hoch im Kurs. 
 
Das liegt auch am Reiz des Verbotenen. Der Gebrauch des Wortes "Scheiße!" war mir früher strengstens untersagt. Was uns in der Pause auf dem Schulhof anspornte, unser Vokabular heimlich beträchtlich zu erweitern. Es dauerte lange, bis derartige Wörter Eingang in Kinderbücher fanden. Das erste Buch, das sich in meiner Erinnerung um ein braunes Häufchen drehte, hieß "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" und wurde seit seinem Erscheinen im Jahr 1989 zu einem Riesenerfolg. 
 
Daran musste ich denken, als mich jetzt eine Kurzgeschichte von Stefan Schwarz erheiterte. Darin erzählt der Autor, wie er von seiner Frau mit dem Auftrag entsandt wird, ein passendes Geschenk für junge Eltern zu besorgen: "Bring bitte ein lustiges Kinderbuch zur Windelentwöhnung mit." In der Buchhandlung druckste Schwarz ein wenig herum und sprach von "Sauberkeitserziehung". Nach kurzer Ratlosigkeit fiel bei der Buchhändlerin der Groschen: "Ach, Sie meinen Kackabücher!" Und Schwarz registrierte erstaunt, dass es in der Kinderbuchbranche offenbar viele Kollegen gibt, die mit großen Geschäften große Geschäfte machen. 
 
Aus der Buchhändlerin sprudelte eine Empfehlung nach der anderen heraus: "Wie wäre es mit 'Furzipups, der Knatterdrache'? Mit extra Furzknopf! Oder der 'Kleine König Kacka'. Oder 'Die Pups-Prinzessin'? Da kann man sogar dran riechen." Als der Kunde immer noch zögerte, wies die Verkäuferin daraufhin, dass man auch ausscheidungsermutigende Bücher mit Tieren im Sortiment habe. 
 
"Zum Beispiel 'Das Alpaka muss Kacka' oder 'Zeig mal, sagt die kleine Maus, was kommt denn bei dir hinten raus?'. Oder auch ganz neutral Sachliches wie 'Die Kackwurstfabrik'." Nachdem ihm drei Dutzend Bücher ans Herz gelegt wurden, sprach Stefan Schwarz zwei Sätze, um deren Einfall ich ihn beneide: "Ich muss mal eine Weile in Ruhe darüber nachdenken. Haben Sie hier irgendwo eine Kundentoilette?" 
 
Mag sein, dass Ihr jetzt die Nase rümpft und sagt: "Das war ja vielleicht eine Scheiß-Schmunzelpost!" Aber Ihr erkennt daran: Ich habe mir bis heute mein Quantum Kindlichkeit bewahrt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1683 vom 14. 8. 25

Vorgestern war es heiß. Gestern war es heiß. Heute wird es heiß. Und was ist mit Morgen? Richtig! Da sind sie also, die berüchtigten Hundstage, die im August mal weniger, mal umso heftiger zuschlagen. Doch warum heißen sie eigentlich Hundstage? 
 
Hunde sind nicht unbedingt Tiere, die Hitze lieben. Eher im Gegenteil. Frag mal nach bei Huskie oder Bernhardiner. Die meisten Hunde tragen ihr dichtes Fell nicht nur aus modischen Gründen mit sich herum. Und ordentlich schwitzen können sie auch nicht, heftiges Hecheln ist kein adäquater Ersatz. Meines Wissens ist der einzige Hund, der sich mit den Hundstagen anfreunden kann, der Seehund. Und der hat es nicht weit bis zum erfrischenden Bad. 
 
Der Begriff Hundstage steht außerdem im Widerspruch zu der Redewendung: "Bei diesem Wetter jagt man nicht mal Hunde vor die Tür." Was bedeutet, dass es draußen heftig schüttet, sozusagen Hunde und Katzen regnet und das meist bei alles andere als tropischen Temperaturen. Trotzdem haben sich die Hundstage nicht nur in der deutschen Sprache festgebissen. British People say "dogs days", in Frankreich bezeichnet man die heißesten Wochen des Jahres als "la canicule" und in Russland spricht man von "kanikuly", was gleichzeitig "Sommerferien" bedeutet. 
 
Die Erklärung liegt in den Sternen und wurzelt weit in der Vergangenheit. Denn im Sternbild des Großen Hundes, das in Europa erst in der zweiten Jahreshälfte zu sehen ist, leuchtet als hellster Stern der Sirius. Der galt schon vor 3000 Jahren im alten Ägypten als Verkörperung der Göttin Sophet. Die war äußerst beliebt, weil sie die Nilschwemme brachte und somit für die Fruchtbarkeit der Feldböden sorgte. 
 
Auch die Griechen brachten den Sirius mit den heißesten Wochen in Verbindung. Denn nach ihrer Ansicht verschmolz das Sonnenlicht mit dem Feuer des Sirius, was uns auf Erden mächtig einheizte. Und arabische Astronomen nannten die bei flirrender Hitze besonders häufig auftretenden Fata Morganen den "vom Himmel tropfenden Speichel des Hundssterns". 
 
Die ordnungsliebenden Römer waren es, die das Ganze systematisierten. Das Sternbild des Großen Hundes, nach dem die Hundstage getauft wurden, braucht 30 bis 31 Tage, bis es bei uns in vollem Umfang zu sehen ist. Der erste Stern Muliphein symbolisiert die Nasenspitze, ist aber so lichtschwach, dass man ihn mit bloßem Auge erst bei voller Dunkelheit erahnen kann. Der strahlende Sirius hingegen ist bereits in der Morgendämmerung sichtbar. Mit Aludra an der Hinterpfote ist das Sternbild dann komplett. Nach der Einführung des Julianischen Kalenders dauerten die Hundstage, lateinisch "dies caniculare",  somit vom 23. Juli bis zum 23. August. 
 
Doch weil die Erdachse sich im Zyklus von rund 26.000 Jahren regelmäßig verschiebt, kann bei uns in Deutschland der Aufgang des Sirius erst ab dem 30. August beobachtet werden und ist somit ein Zeichen für den nahenden Herbst. Wir sind aber dem römischen KaIender treu geblieben, müssen das nun schwitzend ausbaden und hecheln mit unseren Hunden um die Wette. 
 
Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr nicht vor die Hunde geht. Kleiner Tipp: Flüchtet einfach nach Neuseeland. Auf der Südhalbkugel haben derzeit weder die Römer noch Sophet geschweige denn Sirius etwas zu sagen - dort ist gerade Winter. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1682 vom 13. 8. 25

Jetzt ist er da, der heiße Sommer, den viele ersehnt haben. Ich gehöre nicht dazu. Es ist lange her, dass ich mir hier in unseren Breiten Tage mit Temperaturen über 30 Grad wünschte. Dazu gehören vor allem die Jahre meiner Pubertät. Da ich zum Jahrgang 1953 gehöre, fiel meine Jugend in eine Zeit, in der sich die Sitten erst ganz allmählich lockerten. In den Schaukästen der Kinos verbargen auf Bildern noch Klebstreifen die Körperzonen weiblicher Filmstars, in denen ansatzweise etwas vom Busen zu erahnen war. 
 
Umso mehr gefiel es einem heranwachsenden Knaben, als Mitte der 60er Jahre die Mode langsam etwas freizügiger und die Röcke kürzer wurden. Das fiel besonders an den damals noch vergleichsweise seltenen warmen und sonnigen Tagen ins Jünglingsauge. Ich stamme aus einer recht prüden Familie, was seinerzeit jedoch keine Ausnahme, sondern die Regel war. Alles untenrum war "pfui" und "bäh" und daher tabu, bei Frauen auch der Bereich zwischen Bauchnabel und Schultern. 
 
Das führte dazu, dass wir Kinder uns brennend für diese verbotenen Zonen interessierten. Untereinander tauschten wir Tipps aus, welche Bücher in der Bibliothek mehr als einen Blick lohnten und auf welchen Seiten die reizvollen "Stellen" und Bilder zu finden waren. Deshalb besuchten wir die Bücherei auch gern an publikumsarmen Tagen, da man sich dann heimlich in den Regalen mit der Erwachsenenliteratur umschauen konnte. Mitunter war jedoch die Enttäuschung groß: Da hatten andere die spannenden Seiten bereits herausgetrennt, oft mit einer Rasierklinge, damit es nicht sofort auffiel. 
 
Ich weiß noch, wie ich als Zwölfjähriger verstohlen die Buchrücken sondierte und dann einen Wälzer mit dem verheißungsvollen Titel "Auf dem Gipfel der Leidenschaft" hervorzog. Wobei ich mächtig sauer war, weil sich die Suche - unter der dauernden Anspannung, mich notfalls blitzschnell in die Kinderabteilung zurückzuziehen - überhaupt nicht lohnte. Mehr als kurze Textpassagen, in denen die Heldin glückselig in die Arme des Angebeteten sank, gab das Werk nicht her. 
 
Dabei wusste ich seit kurzem, dass Kinder nicht durch Küsse gezeugt werden. Meine Mutter hatte sich auf raffinierte Weise vor einem Aufklärungsgespräch gedrückt. Als Mitglied eines Buchklubs bestellte sie eine dicke Schwarte, in der angeblich alles sowohl über Krankheiten wie über den menschlichen Körper nachzulesen war. Wohlwissend, dass ich sämtliche Quartalseinkäufe gründlichst unter die Lupe nahm, nicht nur meine Karl-May-Bände. So lernte ich die technischen Abläufe beim Geschlechtsakt kennen. Und erfuhr nebenbei, dass dieser lediglich zum Zwecke der Fortpflanzung und unter Eheleuten erlaubt ist. 
 
Ein Jahr später fuhr ich mit meinen Eltern in die Sommerfrische. Wieder einmal ins Sauerland, was mir schon lange sauer aufstieß. Doch an einem der wenigen Sonnentage - wie das Münsterland zog das Sauerland Regenwolken magisch an - brachen wir dann zu einer Wanderung auf und passierten dabei den Garten, in dem sich die Tochter der Pensionswirtin bräunte. Im Bikini! Und die junge Frau lächelte mir beim Vorbeigehen freundlich zu! 
 
Ich stand in Flammen. Unter dem Vorwand, ich hätte meine Sonnenbrille vergessen, kehrte ich postwendend zu unserem Zimmer zurück. Die Schöne hatte inzwischen das Oberteil ihres Bikinis abgelegt, sich auf den Rücken gedreht und abgewandt. Das in mir lodernde Feuer tendierte in Richtung Vulkanausbruch. Doch die Eruption blieb mir versagt. Stattdessen trottete ich missmutig hinter meinen Eltern her. 
 
Doch dann witterte ich meine Chance. Als meine Mutter stöhnte: "Puh, was ist das heiß heute! Eigentlich zu warm zum Wandern", stimmte ich sofort zu: "Ja, Du hast recht! Ich würde auch lieber im Schatten ein Buch lesen." Prompt bekam ich den Freifahrtschein, mir Lesestoff aus unserer Ferienwohnung zu holen. Aber bei der erneuten Rückkehr zerschlug sich meine Hoffnung: Die Gartenwiese lag nun im Schatten, keine Spur mehr von der Sonnenanbeterin. Dabei blieb es bis zum Urlaubsende. 
 
Im nächsten Jahr bot sich die Gelegenheit, erstmals zur Nordsee zu fahren. Mit meiner Schwester und meinem Schwager in ein dänisches Ferienhaus. Leider machte sich die Sonne rar. Lediglich an zwei Tagen herrschte ordentliches Strandwetter. Nach einem Kopfball-Duell mit meinem Schwager startete ich zu einem Strandspaziergang. Hinweisschildern hatte ich entnommen, dass es im Westen einen FKK-Bereich geben sollte. Also machte ich mich fröhlich flötend auf den Weg. 
 
Ich brachte gewisse Vorstellungen mit. Mein Kumpel Hannes aus dem Nachbarhaus hatte ein "Playboy"-Exemplar seines älteren Bruders ergattert, das wir gemeinsam aufmerksam studierten. Nun jedoch wurden alle meine Erwartungen enttäuscht. Adam und Eva waren aus dem Paradies offenbar unbekleidet in ein dänisches Seniorenzentrum umgezogen und dort samt Verwandtschaft um Jahrzehnte gealtert. Als wohlerzogener Jüngling wandte ich meinen Blick daher dem Meer zu. Dort fiel er auf zwei greise Paare, die sich wie einst Venus aus der Muschel aus den Wellen lösten. 
 
Dass bei den Männern beeindruckende Bäuche das Gemächt überlappten, nahm ich nur nebenbei zur Kenntnis. Das war mir schnurz. Dass jedoch bei den Frauen schwabbelige Oberschenkel und ausgeprägte Krampfadern meinen Blick von den eigentlich relevanten Körperpartien ablenkte, ernüchterte mich schlagartig. Ich machte auf der Stelle kehrt. Und als später meine Schwester fragte: "Und? Hast Du ein paar schöne Muscheln gefunden?", antwortete ich: "Nö, ich war abgelenkt. Zu viele angeschwemmte glibberige Quallen." Ja, ja, die Jugend ist nicht nur arrogant, sondern auch mitunter grausam. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur Verwunderung meiner Eltern fuhr ich im darauffolgenden Jahr doch noch ein letztes Mal mit ins Sauerland. Begründung: Die Hügellandschaften dort seien schöner als die Nordsee. Doch die Tochter der Vermieterin war inzwischen ausgezogen und wohnte nun bei ihrem Verlobten. Da nutzte es wenig, dass wochenlang die Sonne schien. 

Schmunzelpost 1681 vom 12. 8. 25

Unmerklich schleicht sich die berühmt-berüchtigte Künstliche Intelligenz immer mehr in unser Leben. Manche Fortschritte, etwa wenn die KI durch die exakte Auswertung von Computer-Tomographien verborgene Krankheitsherde entdeckt, nehmen wir dankbar zur Kenntnis. Anderes belustigt uns, zum Beispiel, wenn chat gpt anhand von ein paar Stichworten drollige Verse textet. Doch vieles ist einfach unheimlich, weil keiner weiß, inwieweit die KI erst menschliche Arbeit und dann den Menschen selbst überflüssig macht. 
 
So erging es einem Journalisten, der auf der Suche nach dem Stoff für eine Glosse chat gpt beauftragte, seine Artikel und seine Fähigkeiten zu beurteilen. Erfreut las er zunächst, dass sein Zeugnis ausgesprochen gut ausfiel und ihm großes Talent bescheinigt wurde. Ins Stutzen geriet der Kollege jedoch, als chat gpt am Ende beiläufig fragte: "Soll ich für Dich künftig regelmäßig Artikel oder Glossen mit der Länge von 65 Zeilen schreiben?" So schnell läuft man als Journalist heutzutage Gefahr, kostengünstig aussortiert zu werden. 
 
Doch die Künstliche Intelligenz beschränkt sich nicht darauf, Menschen zu übertrumpfen. In der Süddeutschen Zeitung wurde letzte Woche über Winkerkrabben berichtet. Die sind weder verwandt noch verschwägert mit chinesischen Winkekatzen, sondern leben rund um den Globus in tropischen Uferbereichen, sowohl im Indopazifik wie in Australien, Afrika oder Amerika. Mit den Winkekatzen gemeinsam haben die männlichen Krabben die Leidenschaft, gern und ausdauernd zu winken. Aber nur, wenn ein Weibchen in ihr Blickfeld gerät. 
 
Dazu nutzen die Krabbenkerle eine anatomische Besonderheit. Eine ihrer beiden Scheren ist nämlich im Verhältnis zu ihrem Körperbau geradezu obszön groß geraten. Während sie die andere Schere dazu nutzen, ihren täglichen Geschäften wie dem Verzehren von Nahrung nachzugehen, verwenden sie ihr Prunkstück nur dazu - nein, keineswegs um sich mit lästigen Rivalen zu prügeln, sondern um die Weibchen zu umkreisen und zu winken: "Sieh her, ich bin der Größte, der Schönste, ich habe die prächtigste Schere weit und breit." Und die Krabbendamen fallen darauf herein und wählen den Krabbanova zur Vermehrung aus, der das größte, ansonsten nutzlose Teil vorzeigen kann. Tja, Frauen und Verstand bei der Partnerwahl, das ist so eine Sache... 
 
Nun haben Wissenschaftler probeweise einen ziemlich schmucklosen Krabbenroboter in eine Winker-Kolonie geschmuggelt. Er zeichnete sich lediglich durch eine besonders große Schere aus, während er mühsam herumtapperte. Wie reagierten nun die echten Krabbenmännchen auf den Retorten-Rivalen? Rotteten sie sich zusammen, um den Eindringling aus ihrem Habitat zu vertreiben? Oder polierten sie ihre Schere auf Hochglanz, um beim Tanz um das Weibchen doch noch zu punkten? Nichts da! Sie nahmen die Überlegenheit des Neulings schmollend zur Kenntnis und trollten sich, um anderswo ihr Glück zu suchen. 
 
Was folgern wir daraus? Wenn dieses Beispiel Schule macht, dann sind wahrscheinlich alle Lebewesen über kurz oder lang ausgestorben. Aber, KI, jetzt werde bloß nicht übermütig. Denn ich sage Dir: Egal, ob Du mit einem riesigen Füllfederhalter winkst oder versuchst, die Schmunzelpost zu imitieren - ich schreibe weiter bis ans Ende meiner Tage! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1680 vom 11. 8. 25

Stellt Euch vor, Ihr seid in einem stillen, dunklen Raum. Ihr seht nichts, Ihr hört nichts. Und dann verrät Euch Eure wachsame Nase: Da ist noch etwas im Zimmer. Ihr wittert einen dezenten, aber wohltuenden Duft, der Euren Rezeptoren schmeichelt. Ist es eine Blume? Nein, das bin ich! Seit ich zu Weihnachten ein Herrenparfüm geschenkt bekommen habe, mache ich davon sparsamen Gebrauch. Mit Erfolg? Zumindest kann ich mich eine Stunde lang sehr gut riechen. 
 
"Ich trage nichts, außer Chanel Nummer fünf," hauchte einst Marylin Monroe in ein Mikrofon. Nun, ich verpasse mir die Mini-Dosis aus meinem Flakon erst, wenn ich bereits vollständig bekleidet bin. Und mein Parfüm heißt H24. Es hat zudem meine Aufmerksamkeit für andere olfaktorische Reize geschärft, die ein Gegengewicht zu den Geruchsbelästigungen des Alltags bieten. Deshalb weckte eine Überschrift der Süddeutschen Zeitung sofort mein Interesse: "Heiliger Duft". 
 
Hättet Ihr vermutet, dass der Vatikan nicht nur eine großflächige Apotheke hauptsächlich für Priester und Nonnen betreibt? Mehr noch: Nebenan, in etwas kleineren Geschäftsräumen, werden auch diverse Parfüms angeboten. Laut SZ-Autor Marc Beise ist Verkaufsschlager Nummer eins "das Eau de Parfum, das in verschiedenen Duftnoten angeboten wird und an die Gaben der drei Weisen aus dem Morgenland - vulgo Heilige Drei Könige - erinnern soll: Weihrauch, Myrrhe und Gold." 
 
Nun frage ich mich wahrscheinlich nicht als Einziger, wie Gold wohl riechen mag. Die Antwort lautet: "Eher unspektakulär und sehr leicht, ein bisschen von allem, am ehesten wohl Bergamotto und Zitrone." Das hat seinen Preis: Fast 60 Euro für einen 100-Milliliter-Flakon. Aber dafür wird das Ding hochwertig verpackt und mit dem Aufdruck "Heiliges Jahr 2025" versehen. 
 
Nun ja, ich bin kein Katholik. Was ist denn sonst an extravaganten Sinneserlebnissen für Männer auf dem Markt? Zum Beispiel "Reflection Man" von Amouage. Kaum vergleichbar treffen hier Bitterorangenblätter, roter Pfeffer und Rosmarin auf süßliche Jasmin und zitrisch-blumige Ylang Ylang. Sandelholz, Zedernholz und komplexes Vetiver bilden die kraftvolle, rauchige Basis. Das 100-ml-Fläschchen kostet schlappe 365 Euro. 
 
Zitrisch-blumige Ylang Ylang, da wäre ich fast schwach geworden. Aber was gibt es für Alternativen? Zum Beispiel "Men Herod" von "Parfums de Marly". Stärke, Autorität, Ehrfurcht – Emotionen, die beim Anblick des siegreichen Hengstes Herod im 18. Jahrhundert zahlreiche Menschen einnahmen. Angelehnt an dieses glorreiche Bild wurde dieses Parfüm geschaffen. Aus Moschus, Vanille, Vetiver, rauchigen Tabakblättern, Weihrauch und Labdanum erwächst ein herber Männerduft, der mit Zimt und Lorbeer abgerundet einen unvergleichlichen Eindruck hinterlässt. Kein Parfüm für Jedermann – ein Parfüm wie geschaffen für charakterstarke Männer. Lachhafte 225 Euro für 75 Milliliter. 
 
Das lässt sich nicht toppen. Oder doch? Vielleicht mit einem königlichen Duftvernügen? "Save the King" von Atkinsons bringt die faszinierenden Noten Englands und des Orients in perfekte Symbiose. Mit nahezu majestätischer Aura umhüllen Duftnoten aus Earl Grey, Bergamotte, Leder, Tonkabohne, Sandelholz und Oud den Träger. Reizvoll, geheimnisvoll und charismatisch zugleich! Und das zum Superpreis von nur 223 Euro für 100 Milliliter! God shave the King! 
 
Das war doch mal eine dufte Schmunzelpost. Meint jedenfalls Eure Lilie von der Lippe. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1679 vom 10. 8. 25

Zurück zu den Anfängen der Kleidertage. Nachdem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner mit dem Verbot der Regenbogenfahne am Parlamentssitz unrühmlich von sich reden machte, versuchte sie auch noch mit einem Dresscode zu verhindern, dass Abgeordnete durch ihre Kleidung optisch Stellung nehmen. 
 
In dieser Frage bin ich gespalten. Schließlich hatten wir es schon einmal, dass eine braununiformierte Phalanx die anderen Parteien gehörig einschüchterte. Andererseits wurden Accessoires auch gern genutzt, um Solidarität mit einer guten Sache zu bekunden. Ich erinnere mich gern an die roten Nelken in Portugal als Symbol gegen die Diktatur. Die Grenzziehung ist jedoch nicht einfach. Der in meiner Jugend verbreitete Palästinenser-Schal, wäre er heutzutage ein Protest gegen die verbrecherische Vorgehensweise im Gaza-Streifen oder ein Zeichen für die Unterstützung der Hamas-Terroristen? 
 
Auch beschriftete Textilien werden je nach Standpunkt des Betrachters bewertet. Da fällt mir die Einordnung meist leicht. "All Cops are Bastards" geht gar nicht, "Make Love not War" sollte endlich weltweit umgesetzt werden. Und wenn mir im Alltag jemand in Thor Steinar-Klamotten begegnet, bin ich ihm in gewisser Weise sogar dankbar. Ich muss nicht groß über seine mögliche Gesinnung nachgrübeln, sondern weiß sofort, woran ich mit ihm bin. 
 
Hier kommen wir zu einer Frage, über die es sich ebenfalls lohnt, mal ein paar Gedanken daran zu verschwenden. Sollte man Produkte gezielt boykottieren, deren Hersteller sich als Unterstützer von Rechtsextremen geoutet haben? Früher waren Birkenstock-Sandalen bei mir verpönt, weil der Firmenchef Geld in den Wahlkampf der NPD gepumpt haben sollte. Später stellte sich heraus, dass dieses Gerücht wohl gezielt durch Kettenmails gestreut worden war und, da das Internet nichts vergisst, immer wieder neu auflebte. Ähnlich ging es Müller-Milch. Und "Warsteiner" wurde eine enge Verbindung mit der Scientology-Sekte angedichtet. 
 
Fazit: Was ich kaufe oder nicht, ist meine Sache. Aber gerade in Zeiten von Fake News sollte man prüfen, ob man nicht übler Meinungsmache aufsitzt. Besonders kitzlig wird's, wenn ich öffentlich zum Boykott ermuntere. Da hat jeder die Nazi-Parole "Kauft nicht bei Juden!" in Erinnerung. Zum Glück gibt es einen Unterschied zwischen Volksverhetzung und der Konsum-Verweigerung gegenüber Milliardären, die dazu genügend Anlass bieten. Meinen Tesla kannst Du gleich in die Schrottpresse schieben, Elon! 
 
Und auch, wenn üble Praktiken von Konzernen bekannt werden, habe ich keinerlei Hemmungen davon abzuraten, bei ihnen einkaufen zu gehen. Vor Jahren kam ans Licht, dass die Buchhandelskette Thalia sowohl kleine Buchhandlungen wie Verlage massiv unter Druck setzte, um finanzielle Vorteile zu erpressen. Nun kann das Thalia-Personal vor Ort nichts für die Machenschaften der Konzernspitze. Aber inhabergeführte Buchhandlungen sind durch die Internet-Konkurrenz ohnehin auf jeden Euro angewiesen, und so rette ich mit meinem Geld lieber dort die Arbeitsplätze. 
 
Etwas zurück liegt auch der Skandal, der dazu führte, dass ein Discounter bei mir in Ungnade fiel. Lidl ist vielleicht billig, aber trotzdem bin ich nicht willig, einem der reichsten Deutschen die Taschen zu füllen, der sein Personal knechtet und bespitzeln lässt. Darüber hatte damals unwidersprochen der "Spiegel" berichtet. Doch an diesem Beispiel erkennt man die Ohnmacht des Einzelnen: Die Sache ist längst vergessen und die Kette floriert. 
 
Mitunter, das gebe ich zu, gibt es auch recht subjektive Gründe bei der Beurteilung von Dienstleistern. So habe ich den Versicherungen Signal-Iduna und Allianz schwer übel genommen, dass sie die Stadien von zwei dubiosen Fußball-Vereinen mit ihren guten Namen aufgewertet haben. Da lobe ich mir eine Privat-Brauerei aus dem Sauerland. Wegen der Veltins-Arena bin ich schwer in Versuchung geraten und nur haarscharf daran vorbei geschrammt, von Wein auf Bier umzusteigen. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1678 vom 9. 8. 25

 

Drei Tage lang lieferten sie den Stoff, doch heute verzichte ich auf Modenarrheiten und schlüpfe aus meinen Kleidern. Das Thema dieser Schmunzelpost lautet: "Meine Nacht mit Milly!" Keine Sorge, es geht nicht um ein amouröses Erlebnis, sondern um eine für mich zwar anstrengende, aber trotzdem jugendfreie Bettgeschichte. 
 
Milly heißt nämlich unser Kater, der eigentliche Hausherr. Trotzdem sind ihm bei uns einige Dinge untersagt. Dürfte der verfressene Kerl so viel verzehren, wie er gern möchte, wäre er längst kugelrund und wir hätten akute Platzangst um ihn. Zwar gilt auf Gartenliegen, Stühlen, Sesseln oder dem Sofa für alle im Haus die Gleichberechtigung - wer sich zuerst niedergelassen hat, wird nicht verscheucht, bevor er freiwillig das Feld räumt. Ausgenommen sind jedoch Betten. Dort genehmigt sich der Kater tagsüber gerne mal ein Nickerchen. Sobald aber Schlafenszeit ist, wird er hinauskomplimentiert. 
 
So war es zumindest bis vor ein paar Monaten. Inzwischen gestatte ich Milly eine Übergangszeit. Vor dem Einschlafen schmökere ich gerne noch etwas in einem Sachbuch. Während dieser Zeit habe ich nichts gegen verschmuste Gesellschaft einzuwenden. Der Kater weiß nämlich Körperkontakt zu schätzen und kuschelt sich gerne an. Oft meldet er sich auch freiwillig als Fußwärmer. Sobald er jedoch mitkriegt, dass eine Etage tiefer, irgendwann zwischen eins und zwei, unserem Zweitkater Leo das Nachtmahl serviert wird, springt Milly eilig auf und macht sich hastig auf den Weg nach unten, um ein paar Krümel Trockenfutter abzustauben. Dann schließe ich die Tür, und die Nachtruhe kann kommen. 
 
Diesmal jedoch schlief Milly so tief und fest, dass er Leos Knuspergeräusche nicht wahrnahm. Und ich brachte es nicht übers Herz, ihn rauszuwerfen. Zumal er brav am Bettrand lag und nur lockeren Kontakt zu meinem Rücken pflegte. "Wird schon schiefgehen", dachte ich und löschte das Licht. Eine Stunde später weckte mich mein tauber Arm. Der Kater hatte sich umgebettet und darauf bequem gemacht. Mit seinen vollen fünf Kilo. Den Versuch, ihn behutsam beiseite zu schieben, gab ich wieder auf, weil Milly den Trick drauf hat, sein Gewicht im Bedarfsfall zu potenzieren und ich mit links nicht in der Lage war, einen Felsbrocken wegzurollen. 
 
Außerdem schnurrte er derart freundlich, dass massivere Gewaltanwendung nicht in Frage kam. Ohnehin mittlerweile hellwach, seufzte ich kurz und beschloss abzuwarten, bis der Kater von sich aus beschloss, eine bequemere Unterlage zu wählen. So gewann ich eine neue Erkenntnis: Milly schnarcht! Zwar nicht wie ein Holzfäller, aber durchaus vernehmlich. Daher konnte ich aus doppeltem Grund die nächste Stunde nicht einschlafen. Irgendwann fielen mir jedoch die Augen zu, und ich lieferte vermutlich meinen eigenen Beitrag zum Schnarchkonzert. 
 
Aber nicht allzu lange. Diesmal weckte mich ein merkwürdiger Geruch. Ich schlug die Augen auf und fand mich Nase an Nase mit Milly. Der Kater hatte jetzt den Großteil des Kopfkissens okkupiert, mir jedoch großzügig den linken Rand überlassen. Als ich hochschreckte, kam ich dem olfaktorischen Geheimnis auf die Schliche. Denn Milly erwachte ebenfalls, gähnte herzhaft - und zu mir drang eine Art Pest & Cholera-Gestank herüber. Katzen können sich leider nicht die Zähne putzen, was Folgen hat. Ich rächte mich, indem ich ihn kräftig anpustete. Das wirkte! Der Kater tat, als hätte er seinerseits Pest & Cholera gewittert und verzog sich ans Fußende. 
 
Leider blieb er dort nicht allzu lange. Und seine zahlreichen Positionswechsel führten dazu, dass ich bis zum Morgen kaum Schlaf fand. Endlich, gegen sieben Uhr, wechselte ich ins Reich der Träume. Aber dort war es ziemlich ungemütlich. Ich musste mir mühsam einen Weg durch den Dschungel bahnen, und als ich mich in Lianen verhedderte, wurde ich plötzlich von einem Tiger attackiert. Ja, wirklich! Ich konnte förmlich seine Krallen spüren, die sich durch mein verschwitztes T-Shirt bohrten. Voller Panik riss ich die Augen auf - und sah über mir meinen Kater, der mir mit ausdauerndem Milchtritt seine Zuneigung bekundete. 
 
In Wahrheit ist dies womöglich auch nur ein subtiler Hinweis darauf gewesen, dass es höchste Zeit für sein Frühstück war. Denn Milly hat eine ganze Palette von Methoden entwickelt, sein Essen einzufordern. Wie ein Wecker immer lauter wird, so wird Milly allmählich rabiater. Nachdem ich mich unwillig umgedreht hatte und versuchte, noch eine Mütze Schlaf zu erhaschen, knabberte er zärtlich an meinem Ohr. Da wusste ich: Es ist an der Zeit aufzustehen. Schließlich kann ich nicht gut genug malen, um noch eine neue Karriere als Vincent van Krause zu starten. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1677 vom 8. 8. 25

Wie kommt es, dass ich in das Buch "Die Modenarrheiten" von Rudolph Schultze aus dem Jahr 1868 derart vernarrt bin, dass ich ihm nun auch noch eine dritte Schmunzelpost widme? Ganz einfach. Das liegt daran, dass mich nach Abzug zeitbedingter Vorurteile gegenüber den "Wilden", den Frauen oder auch den Franzosen, durchaus wiederfinde, wenn Schultze spitzzüngig Verrücktheiten auf die Schippe nimmt, die sich teils bis in unsere Zeit gerettet haben. Um derlei Unfug geht es heute. Herr Schultze hat das Wort: 
 
"Kaum geboren, müssen wir es uns gefallen lassen, gleich einer ägyptischen Mumie in Ellen von Bandagen eingeschnürt zu werden und als Wickelkind die erste Karikatur in unserem Leben zu spielen. Später fällt es uns nicht schwer, aus freien Stücken die Komödie fortzusetzen, indem wir uns selbst mit Ballen von Leinen, Wolle, Tuch etc. umwickeln und unsern Leib zu einer Puppe gestalten, die oft die lächerlichste Karikatur auf die natürliche Menschengestalt bildet. Wenn ein Bewohner des Saturn zufällig auf unserem Planeten landete, und die wirkliche Gestalt des Erdenkindes nach der äußeren Form seiner Kleidungsstücke beurteilen sollte, so würde er den seltsamsten und drolligsten Missgriffen ausgesetzt sein." 
 
Dann sind die Frauen an der Reihe. Vor allem das jahrhundertlang angesagte Korsett nimmt Schultze aufs Korn: "Man wollte einem Insekt so ähnlich sehen als möglich. (...) "Wenn die Australneger ihre Brust zerhacken und zerschneiden, die Neu-Seeländer ihre ganze Hautoberfläche tättowiren, die Botokuden Ringe, Stifte und Klötze in ihren Nasen, Ohren und Lippen tragen, oder die Chinesen ihre Füße verunstalten, so sind all diese Narrheiten der Art, dass sie an der Skala eines Morometers, d. h. Narrheitsmessers, nur um wenige Grad höher stehen würden, als unsere Narrheit des Verschnürens der Leiber." 
 
Damit Ihr wisst, welche gesundheitlichen Folgen dies für den "Athmungsprozess, den Blutlauf, die Verdauung und die Blutreinigüng in der Leber" hat, folgt Schultzes Rat und lest Professor Bocks populäre Aufsätze in der "Gartenlaube". Was sagt Ihr? Schnee von gestern? Ha! Ich sage nur: High Heels, Tatoos, Piercing, Ihr Botokuden! Doch wir Männer waren und sind ja auch nicht schlauer. Schultze: "Wir gehen eigentlich in zusammengesetzten Säcken. (...) Das Spottgebilde des Fracks würde für die Affen ganz passend sein, falls sie sich überhaupt kleideten; warum aber wird uns ein gänzlich unmotivierter Schwanz angehängt?" 
 
Und zum Schluss kommen wir zu der Passage, an der ich besondere Freude habe: "Beim männlichen Geschlecht schuf das Streben nach Einpressung die Krawatte, Halsbinde und Vatermörder, lauter Erfindungen, die den Menschen verhindern, den Hals zu drehen und nach allen Richtungen frei zu schauen; er soll nur geradeaus schauen, auf die Dinge, auf die er gewissermaßen hingestoßen wird, ähnlich dem Droschkenpferd mit Scheuklappen." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Martin hat ein passendes Zitat von Oscar Wilde zu unserem Thema gefunden: "Mode ist so abgrundtief hässlich, dass wir sie alle halbe Jahre ändern müssen!"  

Schmunzelpost 1676 vom 7. 8. 25

Auf ein Neues: Auch heute geht es wieder um Mode. Schon vor 160 Jahren grübelte Buchautor Rudolf Schultze darüber nach, wieso Frankreich derart lange den Völkern der Welt diverse Torheiten vorschreiben konnte. Seine plausible Antwort: Schuld daran waren die Frauen! Lesen wir, was Schultze dazu geschrieben hat: 
 
"Der Hof von Versailles (unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV. und Madame Pompadour) war der Proteus der Mode bis zur (französischen) Revolution. Und seitdem wurde die Mode ein Ungeheuer, das seine eignen Kinder verschlang, bevor man noch recht sehen konnte, was aus ihnen werden würde. Mit der frivolen Weiberherrschaft in Frankreich wurde die Mode ein Weiberwerk und selber frivol. 
 
Und wie steht es mit dem 19. Jahrhundert? Auch heute hört unsere Damenwelt nicht auf, sich von den verrücktesten Einfällen französischer Modistinnen beherrschen zu lassen. Wir sind stolz auf die Freiheitskriege, die uns von französischer Fremdherrschaft erlösten; wir genieren uns aber nicht immerfort ruhig zuzusehen, wie unsre Damen in der Sklaverei der französischen Mode verharren, welche oft danach angetan ist, uns nicht nur in finanzielle Verlegenheit zu bringen, sondern auch sittlich zu entwürdigen. (...) 
Es ist eine bekannte Sache, dass viele der neuesten Moden, die wir an Unterröcken, Kleiderbesatz, absurden Hüten etc. wahrnehmen, lediglich von den berüchtigsten Celebritäten, von den Heldinnen der Pariser Halbwelt herrühren, gleichwohl aber in den Modezeitungen abgebildet und zum drakonischen Gesetz für die ganze schöne Welt erhoben wurden." 
 
Und wie steht es mit dem 20. und 21. Jahrhundert? Schultz würde sagen: "Es hat sich kaum etwas geändert. Immer noch diktieren französische Weiber wie Coco Chanel, Yves St. Laurent, Dior, Cardin, Lauren, Gaultier und Lagerfeld, was gut und teuer ist und von der Frau, die auf sich hält, getragen werden soll. Und selbst wenn sich einmal ein Preuße aus Potsdam wie Wolfgang Joop darunter mischt, was macht er? Führt er etwa bayerische Lederhosen, westfälische Küchenkittel oder Schwarzwälder Bollenhüte in die Haute Couture ein? Nein, er kopiert wie Frau Lagerfeld die französischen Vorbilder." 
 
Schultze zitiert daher Friedrich von Logau, der schon im 17. Jahrhundert schrieb: "Diener tragen insgemein ihrer Herren Liverei; Soll's dann sein, dass Frankreich Herr, Deutschland aber Diener sei? Freies Deutschland, schäm Dich doch dieser schnöden Kriecherei!" Und er setzt in Richtung Frauen noch einen drauf: "Dass die Mode aber trotz ihrer Abstammung von 'modus' weiblich ist, versteht sich wohl von selbst, weil für sie das Gleiche gilt, was ein alter Dichter vom Weibe ausgesprochen: Varium et mutabile semper femina. Hoffentlich versteht meine schöne Leserin kein Latein." 
 
Glückauf 
kdk

PS. Da in meiner Leserschaft nur wenige alte Dichter, aber viele Absolventen des Asterix-Latinums sind, übersetze ich das Zitat in der Gewissheit, dass Schmunzelpost-Leserinnen und Leser sowohl schön wie auch klug sind: Stets unbeständig und wechselhaft ist die Frau.

Schmunzelpost 1675 vom 6. 8. 25

Kleider machen Leute. Diese Aussage könnten wir sowohl mit einem Ausrufezeichen oder mit einem Fragezeichen versehen. Oder ergänzen: Kleider machen Leute wuschig, Kleider machen Leute zu Streithanseln, Kleider machen Leute arm und, und, und. Auf jeden Fall lässt sich das Thema aus vielerlei Hinsicht in Worte kleiden, so dass wir uns damit auch heute ein wenig beschäftigen wollen. 
 
1868, also noch vor dem Wandel des Deutschen Bundes zum Deutschen Reich, schrieb Rudolf Schultze sein Buch "Die Modenarrheiten: Ein Spiegelbild Der Zeiten Und Sitten Fur Das Deutsche Volk". Blicken wir einmal hinein und schlagen zunächst das Kapitel "Die Mode und ihre Narrheiten im Allgemeinen" auf. Obwohl Schultze dies vor mehr als 150 Jahren schrieb, treffen manche seiner Erkenntnisse den Kleider-Knopf auf den Kopf. 
 
Kleidermode, so meint Schultze, sei durch ihre Reflektion, ihre Wahrnehmung geprägt. "Ein Instinkt, ein unbewusstes Gesetz, welches den Menschen zwingt, ein Kleid zu erfinden und zu tragen, das im Großen und Ganzen den geistigen und sittlichen Zustand einer Zeit kennzeichnet: Jede Tracht hat ihren Typus, der eine Epoche hindurch herrscht." Jetzt aber folgt eine Bewertung, zu der ich sage: Hört, hört - Rudolf Schultze, ein kluger Kopf! 
 
"Innerhalb dieses länger herrschenden Typus zeigt sich ein sinnloser Kitzel des Wechsels; im Kleinen verändern sich alle einzelnen Formen beständig in kurzen Zwischenräumen. Was "heute als sehr passend erachtet" wurde, gibt man morgen "gegen eine Grille wieder auf." In alten Zeiten habe man sich über sehr lange Zeit zweckmäßig mit bewährten Materialien gekleidet. Erst als die alten Römer allmählich dekadent wurden, unterwarfen sich die Menschen dem Wechsel der Mode. Stets sei dabei meist ein Volk tonangebend gewesen, bis diese Rolle schließlich vereinnahmt wurde. 
 
"Heute empfängt die zivilisierte Welt die Mode aus Frankreich. Frankreich empfängt sie aus Paris und Paris empfängt sie aus einem seiner Viertel, der Chaussée d' Antin; geht man aber dahin, um die Mode an ihrer Quelle zu belauschen, so sieht man - gar nichts, höchstens einige lockere Damen, einige blasierte Nichtstuer, einige Schneider und Putzmacherinnen, welche den Gerichtshof bilden, der über das Äußere der gesamten zivilisierten Menschheit entscheidet und jene luftigen, nichtigen Gesetze ausarbeitet und verbreitet, die sobald sie erlassen sind, auch schon unbedingt befolgt werden." 
 
Jawoll! Heute werden diese Gesetze zwar auch an anderen Orten der Welt formuliert, aber sobald sie die Industrie, die von ihrer Umsetzung lebt und inzwischen das Sagen hat, mit geballtem Medieneinsatz in Umlauf bringt, funktioniert das Modediktat immer noch. Schultze hat aber zum Glück früh erkannt, wie ich dagegen halten kann: 
 
"Der wahrhaft deutsche Mann hält es für unwürdig, die Figur eines französischen Modejournals vorzustellen, und hat auch kein Herz für eine Frau, die jeden Morgen ihre Toilette nach neuestem Pariser Geschmack macht. Die eitlen Leute sind gewöhnlich die seichtesten; sie suchen ihre geistige Leerheit, ihre innern Blößen durch Kleidertracht und Kleiderwechsel zu bedecken. Der Satz 'Kleider machen Leute' gehört zu der großen Anzahl von Sprichwörtern, die gar nicht oder nur zum Teil wahr sind. Nicht das Kleid macht den Mann, sondern der Mann macht das Kleid." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zu bedenken ist, dass der Schultze-Text in einer Zeit entstand, in der Deutschland noch unter dem Napoleon-Trauma litt. Das wird auch in der morgigen Fortsetzung deutlich.

Schmunzelpost 1674 vom 5. 8. 25

Im Grunde bin ich kein großer Freund von Kleiderordnungen. Vor allem Krawattenzwang, die Pflicht, sich eine Würgeschlinge umzulegen, habe ich stets gehasst. Zum Glück hat sich da mittlerweile einiges getan. Fanatische Schlipsträger müssen sich nun mit einem Schwips wappnen, wenn sie bei festlichen Terminen von leger gekleideten Männern mit offenem Hemdkragen umgeben sind. Trotzdem fand ich es gut, als jetzt ein Touristenort Bußgelder für halbnackte Kerle verhängte, die mit komplett freiem Oberkörper durch die Innenstadt schlendern, dort Restaurants besuchen oder einkaufen gehen. 
 
Alles hat seine Grenzen. Vor vielen Jahren hatte ich bereits Verständnis dafür, dass wir bei einer Radtour keinen Tisch im Restaurant bekamen, weil ich kurzbehost unterwegs war. Schließlich konnten wir es uns auch zwanglos im Biergarten schmecken lassen. Und wenn ich mir vorstelle, im Hochsommer in vollen Zügen und Bussen von verschwitzten Mitreisenden eingezwängt zu werden, die obenrum auf Textilien verzichten, dann wünsche ich mir auch eine Regelung für den ÖPNV: Nicht nur Rauchverbot, sondern auch Bauchverbot, zumindest, wenn dieser unbekleidet ist. 
 
Ebenso schätze ich es gar nicht, wenn mir jemand im Bahnwaggon barfüßig gegenüber sitzt und mir auch noch seine Schweißmauken entgegenstreckt. Außerdem finde ich es auch in Ordnung, wenn in bestimmten Gebäuden gewisse Regeln eingehalten werden. In einer Synagoge setze ich ohne zu Murren eine Kopfbedeckung auf, in einer Moschee ziehe ich meine Schuhe aus. Selbstverständlich gehört es sich auch nicht, in Bademoden eine Kirche anzuschauen. Dagegen wird jeder Gastgeber, der mir Frack oder Smoking vorschreiben will, auf meinen Besuch verzichten müssen. 
 
Schauen wir ins Ausland. In Castellammara di Stabia in Italien müssen Frauen, die zu kurze Röcke tragen oder zu viel Dekolleté zeigen, mit einer Geldstrafe rechnen. Damit kann ich leben. Allerdings kann ich in ganz Italien verhaftet werden, wenn ich als Mann einen rosa Rock trage. Okay, dann verzichte ich eben zähneknirschend. In England hingegen muss man aufpassen, ob jemand aus dem Königshaus in der Nähe ist. Denn dort ist es verboten, sich im Umkreis von 100 Metern eines regierenden Monarchen ohne Socken aufzuhalten. 
 
Am tollsten treiben es in Sachen Bekleidungsvorschriften die Amerikaner. In Sarasota, Florida, ist es verboten in der Öffentlichkeit zu singen, während man einen Badeanzug trägt. Und in North Dakota verstößt gegen das Gesetz, wer in Schuhen einschläft. In Blythe, Kalifornien, darfst Du keine Cowboystiefel tragen - es sei denn, Du besitzt mindestens zwei Kühe! In Chicago darf man in einem Herrenpyjama nicht angeln gehen. Und in Kalifornien dürfen Frauen nicht im Bademantel Autofahren. 
 
Verzwickt wird es in Kentucky. Dort müssten Cops eigentlich stets ein Waage mit sich führen. Denn Frauen im Bikini dürfen nur in Begleitung eines Beamten die Straße entlang laufen - jedenfalls, wenn sie zwischen 99 und 199 Pfund wiegen. Für die übergewichtige Dame drückt das Gesetz offenbar ein Auge zu. Dafür müssen in North Carolina sämtliche Frauen ihren Körper in mindestens 14 m Stoff hüllen. Wer, zum Kuckuck, misst das nach? In Cleveland, Ohio, dürfen Frauen keine Lacklederschuhe tragen. Nanu? Mit welcher Begründung? Die Männer sollen nicht erkennen können, in welcher Farbe die Unterwäsche sich in den Schuhen spiegelt! 
 
Laut Gesetz ist es verboten, dass in Miami Männer trägerlose Kleidung tragen. Und in Delaware sind Hosen illegal, die zu eng um die Hüften sitzen. Aber die absurdeste Vorschrift gilt in Kalifornien. Dort dürfen Im Ort Carmel Männer nicht das Haus verlassen, wenn ihr Sakko nicht zu ihrer Hose passt! Neben Schießen und Judo wird die Polizei hier offenbar auch in Modefragen geschult. 
 
Zum Schluss kehren wir nach Deutschland zurück. Wusstet Ihr, dass man bei uns sehr wohl nackt Autofahren darf? Aber sobald Ihr unbekleidet das Auto verlasst, riskiert Ihr ein Bussgeld von 40 Euro! 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1673 vom 4. 8. 25

Wart Ihr gestern eigentlich gebührend beeindruckt von meinen Sprachkenntnissen? Vade retro, Satanas? Nun gut, ich gebe zu, dafür habe ich nachgeschaut. Denn ich habe weder das große Latinum, noch das kleine. Aber dafür das Asterix-Latinum! Und ich war erstaunt, wie sehr Comic-Lektüre zur Bildung beitragen kann. Von den gebräuchlichsten Latein-Zitaten kannte ich fast alle. 
 
Plinius der Ältere hat mir aus der Seele gesprochen: In vino veritas. Jawohl, im Wein liegt Wahrheit. Und manchmal auch ein wenig Kork. "Veni, vidi, vici" und "Alea iacta est" hat Julius, der Ältere, vermutlich Rene Goscinny direkt in die Feder diktiert. "Carpe diem" meinen Horaz und viele Lehrer, wobei ihre Schüler gern die Ohren auf Durchzug stellen. 
 
"Ich denke, also bin ich" habe ich mir bereits selbst gesagt, bevor mir der Descartes-Spruch "cogito, ergo sum" begegnet ist. "Homo homini lupus est" hat Titus Maccius Plautus geschrieben und Troubadix gesungen. Und jede Tageschau-Sendung bestätigt es aufs Neue: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Divide et impera, also "teile und herrsche" gab vermutlich der große Lateiner D. Trump als Motto aus. Und von Boris Pistorius stammt "Si vis pacem, para bellum" (Wenn Du Frieden willst, bereite Krieg vor). 
 
"Pecunia non olet" hat Dagobert Duck unter seinem Pseudonym Vespasian behauptet. Wer sonst sollte wissen, dass Geld nicht stinkt? Na gut, vielleicht auch Fifa-Boss Infantino, der wahrscheinlich auch "panem et circensis" in die Welt setzte. Von Karl Lauterbach hingegen kommt "Mens sana in corpora sano". Aber das gilt erst nach erfolgreichem Abschluss der Krankenhaus-Reform. Und "Fiat lux" ist übermenschlichen Ursprungs - schlagt nach im Alten Testament. 
 
Mit Blick auf die Uhr erinnere ich an Vergil und sage "Tempus fugit". Denn die Zeit flieht wirklich, gleich ist es 24 Uhr. Weil gesprochene Worte bekanntlich verfliegen, haue ich daher schnell noch die letzten bleibenden Vokabeln in die Tasten: "Verba volant, scripta manent". Angeblich ist der Schöpfer dieser Weisheit unbekannt, ich tippe jedoch auf Karolus Klausus. 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 1672 vom 3. 8. 25

Offenbar hatte fast jeder als Kind ein Kuscheltier, das oft noch bis ins Erwachsenenalter ein ständiger Begleiter war. Ich gehöre nicht dazu. Zwar erinnere ich mich aus früher Kindheit dunkel an einen Teddy, aber der wurde ausrangiert, nachdem er aus unerfindlichen Gründen ein Auge verloren hatte. Womöglich liegt es daran, dass ich den Hype um derartige Schmuseobjekte nicht nachvollziehen kann. 
 
Wahrscheinlich lebe ich auch hinter dem Mond. Denn die Existenz von Labubus ist mir erst bewusst geworden, als ich jetzt in der Zeitung von einem dreisten Raubüberfall las. Einem Zwölfjährigen war sein Labubu entführt worden, woraufhin er unverzüglich per Notruf die Polizei alarmierte. Was sind das für Wesen,  die für Kinder offenbar lebensnotwendig geworden sind? 
 
Die Recherche-Ergebnisse waren ernüchternd. Das Labubu ist eine Plüschfigur aus China. Sie hat große Kulleraugen, grinst diabolisch und zeigt ihre spitzen Zähne. Was, bitte, ist daran liebenswert? Da hat doch wieder das Internet seine schmutzigen Hände im Spiel. Den Clip-Betrachtern wird solange eingeredet, dass sie unbedingt ein Labubu haben müssen, bis sie es bestellen. Und wenn es dann heißt "ausverkauft", potenziert sich sofort die Begehrlichkeit. 
 
Gab es das nicht schon einmal? Ich erinnere mich noch an dieses merkwürdige Tamagotchi, das eine Zeitlang jeder, der etwas auf sich hielt, betüddeln wollte. Und was war mit den Monchichis, mit denen in den 1970er Jahren Japan den Markt und unsere Kinderzimmer überschwemmte? Danach standen, so zumindest mein Wissensstand, ab 2016 Einhörner hoch im Kurs. Es gab sogar Einhorn-Schokolade, die in kürzester Zeit vergriffen war. Ob das mit "Einhorn-Kotze", rosafarbene Smoothies (wirklich wahr!) oder "Einhorn-Kacke", rosa Knetmasse (leider auch wahr), ebenso geklappt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. 
 
Nun also ist das Labubu Objekt der Begierde. Ob ich mir ebenfalls eines zulege? Vade retro, Satana! Stattdessen überlege ich, ob ich mir nicht wegen meines großen Nachholbedarfs einen Teddy zulege. Einen mit blau-weißem Trikot, versteht sich. Und das auch nur, wenn die Ablösesumme erschwinglich ist und 17 Heimsiege plus mindestens 80 Punkte pro Saison garantiert sind. 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1671 vom 2. 8. 25

Lange leben und zwar möglichst gesund: Wer möchte das nicht? Deshalb verfolge ich stets mit Interesse die Berichterstattung über die Regionen der Welt, in denen überdurchschnittlich viele Menschen uralt werden und dabei oft bis ins hohe Alter geistig und körperlich recht fit sind. Zu den Gebieten, die dabei häufig genannt werden, zählt die japanische Insel Okinawa. 
 
Deshalb spitzte ich die Ohren, als jetzt im Fernsehen der Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens von seiner Japanreise erzählte. Als Grund für die Langlebigkeit der Insulaner wird immer wieder aufgezählt, dass sie sich hauptsächlich von Fisch ernähren. Darüber konnte Steffens nur lachen: "Wenn man den Flugplatz auf Okinawa verlässt, wird man sofort mit einem Plakat begrüßt, auf dem in Riesenlettern steht: 'Willkommen auf der Insel des Schweins!'" Schweinefleisch stehe dort wirklich ganz oben auf dem Speisezettel. 
 
Dafür fand Steffens jedoch einen ganz anderen Grund dafür heraus, warum Okinawa in der Lebensalter-Statistik weit oben landet. In Japan sind nach den Wirren der Kriegsjahre viele Geburtsurkunden verschwunden. Daher werden immer wieder Fälle bekannt, wo in entlegenen Gegenden steinalte Menschen nach wie vor ihre Rente beziehen - wobei sich bei Prüfungen herausstellt, dass viele von ihnen längst das Zeitliche gesegnet haben. Aber als Karteileichen leben sie weiter und verzerren die Statistik. Als realer Faktor für ein langes Leben zahle sich dagegen viel Bewegung durch harte Arbeit bis ins hohe Alter aus. 
 
Vor die Wahl gestellt muss ich sagen: Fischessen und an dessen Wirksamkeit glauben ist mir doch lieber! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Gestern habe ich in der ARD-Mediathek eine Dokumentation angeschaut, die ich dringend weiter empfehle: "Die Bibi-Files - die Akte Netanjahu". Anderthalb Stunden lang wird die Laufbahn eines Fieslings gezeigt und mit Original-Aufnahmen von Vernehmungen und Interviews von Zeitzeugen belegt, dass vier weitere Menschen fast noch unsympathischer sind als der israelische Regierungchef: Seine Frau, sein Sohn und zwei seiner Minister. Unbedingt angucken! 
 
PPS. Hoffentlich angeguckt habt Ihr das Saison-Auftaktspiel der 2. Fußball-Bundesliga. Schalke 04 hat gegen Hertha BSC gewonnen. Vor allem aber nach langer Zeit endlich mal wieder überzeugt. Daher ein doppeltes Glückauf! 

Schmunzelpost 1670 vom 1. 8. 25

Ozzy Osborne ist tot. Damit hat sich wieder einer der Musiker meiner Jugend für immer verabschiedet. Ich hatte mir damals die erste LP von Black Sabbath gekauft, die heute als "Väter des Schwermetalls" bezeichnet werden. Aber bis auf ihren späteren Hit "Paranoid" hat mich ihr Sound nie vom Stuhl gerissen. Trotzdem ist da dieses Gefühl, dass die Einschläge näher kommen, wenn sich nach und nach die Heroes der jungen Jahre verabschieden. Zuletzt ja auch Brian Wilson, der Kopf der Beach Boys. Na ja, immerhin leben Keith Richard und Mick Jagger noch und gehen sogar weiterhin auf Tour. 
 
Aber ansonsten sind die Reihen mittlerweile arg gelichtet. Zwei Pilzköpfe haben überlebt, Ray Davies und Pete Townshend ebenso, genau wie Mick Fleetwood. Damit bin ich bei den Bands, die ich neben Stones, Beatles und Beach Boys bis heute ins Herz geschlossen habe. Das sind vorrangig die Kinks, The Who, die Small Faces und Fleetwood Mac, als dort noch Peter Green das Sagen hatte. 
 
Erst spät fiel mir auf, dass dies alles Gruppen sind, die ihre Musik überwiegend selbst komponierten und die Texte schrieben. Mit 15 war mir der Unterschied zu den Monkees, den Tremeloes oder Dave Dee & Co. gar nicht bewusst; das waren Popbands, die mit Fremdmaterial in die Hitparaden kamen. Leider fehlt mir bis heute ein wesentlicher Faktor zur Bewertung von Beat- und Rocksongs. Mein Englisch reicht nicht aus, um die gesungenen Texte zu verstehen. Das ist halb dem miserablen Unterricht, bei dem nur deutsch gesprochen wurde, wie auch meiner Faulheit geschuldet, da ich es ausnutzte, aufs Vokabelpauken verzichten zu können. 
 
Zwar war mir durchaus klar, dass zwischen Liedern von Bob Dylan und Bubblegum-Hits wie "Yummy, yummy, yummy" ein himmelweiter Unterschied bestand. Aber wenn man seine Lieblingstitel ausschließlich nach der Musik auswählt, kommt eine Dimension entschieden zu kurz. Andererseits stelle ich bei deutschen Stücken fest, wie schnell man ihrer überdrüssig werden kann, wenn man alles versteht. Es hat alles seine zwei Seiten. Trotzdem ist es schade, dass die Inhalte der Kinks-Songs von Ray Davies erst sehr spät in meinen Fokus rückten. Dabei hätte schon die erste Zeile aus "Substitute", einem frühen Who-Hit, Anreiz bieten sollen, vernünftig englisch zu lernen: "I was born with a plastic-spoon in my mouth". So stelle ich fest: I can't  get no satisfaction. 
 
Zum Gedenken an Ozzy Osborne hier die Übersetzung von "Paranoid": 
 
Hab mit meiner Frau Schluss gemacht
Weil sie mir mit meinem Verstand nicht helfen konnte
Die Leute meinen, ich hab sie nicht alle
Weil ich immer düster drein schaue

Den ganzen Tag denke ich über Dinge nach
Aber nichts scheint mich zu befriedigen
Ich glaube, ich verliere den Verstand,
Wenn ich nichts finde, was mich beruhigt

Kannst du mir helfen meinen Verstand wieder in den Griff zu kriegen?
Oh yeah

Ich brauche jemand, der mir die Dinge zeigt,
die ich im Leben nicht finden kann
Ich kann die Dinge nicht sehen, die einen wirklich glücklich machen
Ich muss blind bleiben

Reiß einen Witz und ich werde seufzen
Und Du wirst lachen und ich werde weinen
Glück kann ich nicht spüren
Und Liebe ist für mich so unwirklich

Und wo Du jetzt diese Worte hörst,
Und ich Dir jetzt sage, wie es mir geht,
Sage ich Dir, genieße das Leben
Ich wünschte, ich könnte das auch, aber dafür ist es zu spät. 
 
Das ist doch ganz was anderes als "Ganz in Weiß" und "Ich will 'nen Cowboy als Mann", oder? 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1669 vom 31. 7. 25

Gerade war ich einkaufen. Im Supermarkt. Und während mein Blick auf der Suche nach Gewürzgurken über die prallgefüllten Regalreihen glitt, kamen mir Bilder aus dem Gaza-Streifen in den Sinn - hungernde Menschen, die leere Blechgefässe in der Hoffnung auf ein bisschen Nahrung dem Fotografen entgegen strecken. Bei uns dagegen geht es längst nicht mehr darum, ob wir uns ernähren können, sondern wie wir das tun: Möglichst gesund und wohlschmeckend. 
 
Die Jahre der Einschränkung liegen bei mir Ewigkeiten zurück. Mit fünf oder sechs, Ende der 50er Jahre, war zum Monatsende hin bei uns schon mal Schmalhans Küchenmeister. Dann gab es nur Butterbrote mit Rübenkraut. Und ohne "gute Butter", dafür mit Margarine. Das waren Tage, an denen ich mit meiner Mutter einen längeren Fußmarsch unternahm, um Tante Else zu besuchen und 20 Mark zu pumpen. Aber richtigen Hunger kannte ich nur, wenn ich mittags die Graupensuppe verschmähte und als Strafe bis zum Abend auf anderes Essen warten musste. 
 
Den Anblick hungernder Kinder kann ich schwer ertragen. Deshalb bin ich zornig auf die Verantwortlichen, die das Gaza-Elend gezielt zu machtpolitischen Zwecken nutzen wollen. Doch Nahrungsmangel gibt es nicht nur in Kriegsgebieten. In der Zeitung las ich jetzt, dass 2024 in Afrika ein Fünftel der Menschen unter chronischem Hunger litten und weltweit 2,3 Milliarden von mittlerer bis schwerer "Nahrungsmittelunsicherheit" betroffen waren. 2,3 Milliarden! 
 
Erst wollte ich mich aufregen über eine neue beschönigende Vokabel für Hungersnot, doch dann folgte die Begriffsklärung, nach der fehlende Nahrungsmittel und solche von miserabler Qualität so zusammengefasst wurden. Dabei musste ich an Charlie Chaplin in seiner Stummfilmrolle als Tramp gelten, als er in seiner Not versuchte, seinen Schuh zu verspeisen. 
 
Nun könnte ich wie viele Hundertausende vor mir darüber klagen, dass es ein Skandal ist, wenn Nationen, deren Bevölkerung in relativem Wohlstand leben, es nicht hinkriegen, die katastrophale Unterernährung in anderen Teilen der Welt abzustellen. Aber das würde nichts bringen. Besser wäre es, ein Drittel meines Einkommens regelmäßig der Welthungerhilfe zu überweisen. Doch zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich so an mein vergleichsweise luxuriöses Leben gewöhnt habe, dass ich außer meinem Spendenbudget für SOS-Kinderdörfer, NABU und Tierschutz nur selten noch weitere Organisationen bedenke. 
 
Daher fällt mein Schmunzeln heute ziemlich säuerlich aus. Und ich rette mich ins Makabere. Hier sind ein paar Witze über Hunger: Zwei Vagabunden schleppen sich über Bahngleise. Sagt der eine: "Ich halt's nicht mehr aus, ich hab' so einen Hunger!" Dann beißt er in die Schiene: "Aua, ist die hart!" Sagt der andere: "Dann geh doch 20 Meter weiter. Da ist eine Weiche." Der nächste ist böse: "Warum gibt es in Afrika keinen Müller-Milchreis? Weil der nur für den kleinen Hunger ist. . ." 
 
Ganz gut ist dieser: Zwei Deutsche machen eine Kreuzfahrt auf dem Nil. Als das Schiff untergeht, setzen sie sich auf ein Krokodil, und der eine schimpft: "Typisch! Kein Geld für was zu essen, aber Rettungsboote von Lacoste." Zum Schluss noch ein selbstkritischer: Ich betrachte einen dünnen Kumpel und sage: "Wenn man Dich so ansieht, meint man, dass hier die Hungersnot ausgebrochen ist." Antwortet der: "Und wenn man Dich so ansieht, bist Du wohl daran schuld!" 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1668 vom 30. 7. 25

Großflächige Umräumarbeiten gab es jetzt in unserem Wohnzimmer. Die Frau des Hauses hatte sich entschlossen, ihre immense Halde an noch nicht Gelesenem, nur teilweise Gelesenem und dem unbedingt noch ein zweites Mal zu Lesendem zu entrümpeln. Ich nahm das amüsiert und auch mit einer Prise Mitgefühl zu Kenntnis. Denn ich kenne solche ernsthaften, aber letztlich ergebnislosen Vorhaben nur zu gut. 
 
Meist erliegt man bereits bei der zweiten Zeitschrift der Versuchung, noch einmal darin zu blättern. Unwillkürlich bleibt man dann kleben und beginnt zu lesen. So zieht sich die Sache ewig hin und man begreift, warum archäologische Ausgrabungen jahrelang dauern. Ganz so lange währte der Aufräumversuch bei uns nicht. Nach nur einem Tag waren die Zeitschriften und ausgerissenen Zettel fein säuberlich geordnet und türmten sich auf separaten Stapeln der Zimmerdecke entgegen: Monumente, Artmap, Landlust und wie die Publikationen alle heißen. 
 
"Was soll ich davon zum Altpapier-Container bringen?", bot ich meine Hilfe an. "Gar nichts", lautete die verzagte Antwort, "ich bringe es nicht fertig, etwas wegzuwerfen." Dafür habe ich volles Verständnis. Denn wenn wir zwei bei einer Sache im gleichen Takt ticken, dann ist es dabei: Wir können uns nur sehr, sehr schwer von Dingen trennen. Nicht nur von Druckerzeugnissen - auch unsere Keller enthalten ein Sammelsurium von Gegenständen, für die alle zutrifft: "Die sind doch noch gut, die können wir bestimmt irgendwann noch mal brauchen." 
 
Ein einziges Mal ist es mir gelungen, über meinen Schatten zu springen. Seit von der Musikzeitschrift "Rolling Stone" eine deutschsprachige Ausgabe erschien, hatte ich sämtliche Exemplare gehortet. Lückenlos! Und habe sie dann in einem plötzlichen Anfall von Tatendrang im Altpapier-Container entsorgt. Heute kann ich mich schwarz darüber ärgern. Denn ich habe mitbekommen, dass es auf diesem Planeten noch viele andere Sammelwütige gibt, die bereit sind, bei Ebay eine stattliche Summe für so etwas zu löhnen. Diese Erkenntnis wurde gestern durch einen Artikel in der Dorstener Zeitung untermauert, in dem es um den per Kleinanzeige verkauften Kram ging. Aber ich schwöre drei heilige Eide: Die 36teilige Getränkedosensammlung aus den Siebzigern stammt genauso wenig von uns wie die Deko-Enten. 
 
Dagegen ist nicht ausgeschlossen, dass wir bei Ausgrabungsarbeiten in unseren Kellern womöglich auf Trinkbecher römischer Legionäre stoßen oder in einem Karton Teile des verschollenen Bernsteinzimmers lagern. Denn seit unserem Einzug vor fast 30 Jahren sind immer noch nicht alle Umzugskisten ausgepackt. Bei allem Schrecken, den der Gedanke eigentlich auslösen sollte: Falls bei geothermischen Bohrungen mal versehentlich eine Magma-Ader angezapft wird und unsere Stadt unter der Eruption versinkt, dann stelle ich mir gerne vor, welche Fundgrube wir der Nachwelt hinterlassen. 
 
Vielleicht würden Kinder in 2000 Jahren im Museum rätseln, welchem Zweck der ganze Klimbim aus dem westfälischen Pompeji gedient haben könnte. Ich weiß es doch auch nicht! Was ich dagegen genau weiß: Wenn wir tatsächlich doch einmal etwas wieder gebrauchen können, was wir wohlweislich in unseren Schatzkammern aufgehoben haben, dann suchen wir es vergeblich. 
 
Glückauf 
kdk     


Schmunzelpost 1667 vom 29. 7. 25

Da war er wieder, mein Nachbar, der Herr K. Auf dem Balkon genoss er sowohl den abendlichen Sonnenschein wie sein Feierabend-Bier. Wobei er als Rentner ja schon etliche Jahre ganztägig Feierabend hat. Diesmal geriet er regelrecht in schwärmerische Stimmung, als er ein recht ausführliches Selbstgespräch führte. 
 
"Hömma, Karl, is dat nich schön? Wir kucken ins Grüne, die Sonne lacht und dat Bierchen is kalt und tut gut. An sonnem Tach is et auch in Dorsten fast so schön wie in Lünen. Wat lechste da Deine Stirn in Falten? Unsre Heimatstadt hat sich mächtich gemausert, dat is nich mehr dat graue Mäusken, dat wir von früher kennen. Als wir kleine Dötzken war'n, da musste Mutti imma gehörich wachsam sein, wennse die Wäsche zum Trocken draussen auffe Leine gehängt hat. Da musste bloß der Wind einmal drehen und ein bisken dicke Luft vonne Industrie rüberwehn und, zack, konnte se die Klamotten gleich wieda inne Waschküche bringen. 
 
Aba 1964 hamse die Zeche Viktoria, auf der ich lange malocht hab genau wie vorher mein Vatter un mein Oppa, endgültich stillgelecht und ich musste zum Pütt Gneisenau und später noch nach Haus Aden. Weil se auch die Kokerei dicht gemacht ham, war Lünen dann der reinste Luftkurort. Und wir ham gelebt wie inne blühende Landschaft. Nee, nich auf Rosen gebettet, aba inne Blumensiedlung, erst im Nelkenwech, dann im Veilchenwech. 
 
Sonntachs sind wir alle zwei Wochen inne Kampfbahn Schwansbell gepilgert, wo der ruhmreiche Lüner SV gespielt hat, 'ne ganze Weile inne zweithöchste Klasse. Hömma, der LSV hattse da alle geputzt, die Großstadtvereine: Rot-Weiß Essen, Meidericher SV, Fortuna Köln, Fortuna Düsseldorf, Wuppertaler SV und wie se alle heißen. Auch die Nordlüdenscheider wurden einmal 3:1 abgeferticht. Nur gegen Rot-Weiß Oberhausen, da ham wir nie 'ne Schnitte gekricht. 
 
Weisse noch, wat wir für 'ne Bombentruppe hatten? Awo und Stoppel Reismann, Henner Braddatsch, der eiserne Verteidiger Benno Düsenberg, der mal einen Pechvogel mit einen harten Freistoß erschossen ham soll und Mittelstürmer Peter Demhartner. Der war zu blind, nen Pass über zehn Meter annen Mann zu bringen, aber vorne hatter die Dinger irgendzwie reingestolpert. Und später warn da Granaten wie Rüsing, Sperlich und Granitza, die se aba alle weggekauft ham. 
 
Tja, mit die reichen Klubs kannze nich mithalten, mitten kleinen Buss-Unternehma anne Vereinsspitze. Die großen sind sich nich zu schade, Kohle von Kohle-Riesen wie Evonick zu nehmen und getz sogar den Kies vonne Rüstungsindustrie. Da lob ich mich doch die Moral von mein eigentlichen Lieblingsverein, der auf russische Millionen von gazzpromm pfeifen tut, auch wenner dafür inne zweite Liga muss. 
 
Aba wenn et mit den LSV abwärts ging, dann ging es mitte Stadt aufwärts. Ne zeitlang hattense dat höchste Rathaus weit und breit, dat selbs dat empeierstetbildung innen Schatten gestellt hätte. Und die Fachwerkhäusken inne Altstadt hamse rausgeputzt als wärnse ein Rothenburch anne Lippe. Nache Hertie-Pleite hamse ruckzuck den Bau kleinteilich aufgehübscht, dat die anderen Städte mit ihre Kaufhaus-Ruinen blöd ausse Wäsche kuckten. Un der Colani hat in Lünen ein Ei gelecht, über dat ganz Deutschland gequasselt hat. 
 
Trotzdem hamse et hingekricht, dat se schön unterm Schirm blieben. Während die andern dollen Orte, also Flohrenz, Barzellona und Venedich üba Owerturistick klagen, dat is, wenn so viele Fremde durche Straßen tippeln, dat die Einheimischen keinen Fuss mehr auffen Boden kriegen, dagegen is in Lünen die Welt noch in Ordnung. Und weisse wat? Dat die Welt noch halbwechs in Ordnung is, dat is sofah Lünen zu verdanken. Da staunze, wat? 
 
Da weiß ich von den Klaus-Dietrich. Dat is der Filius von Onkel Otto, ja, richtich, der Schnösel, der sich zu schade war für'n Pütt, dat schwarze Schaf der Familie. Der is zur Sparkasse Lünen gegangen und hat da ne Lehre gemacht. Am Anfang, da hatter noch dauernd rumgenölt und gemeckert. Dat der Sparkassen-Chef abends um zehn Uhr vorm "Black Horse", wat damals die angesachte Disco war, Wache hielt und kuckte, welche von seine Azubis rauskamen. Und datt 1970 bei der Sparkasse die Frauen keine Hosen und die Männer keinen Bart tragen durften. Als ob der Milchbubi mit seine drei Härchen unterm Kinn schon nen Bartwuchs gehabt hätte wie Rasputin! 
 
Aba dann wandelte sich dat Blatt. Plötzlich wollte Dich der kleine Finanzberater zuhause besuchen und Dich ein von tolle Bausparverträge und Versicherungen erzähln. Vonne Sparkasse schwärmte er getz inne höchsten Töne: Wie se in alle Ortsteile kleine Arschitektur-Tempel als Filiale hingestellt hätten. Und wie se Kohle ohne Ende inne Wirtschaft pumpen taten, datt die Kassen nur so klingelten und ein Vorzeigerobjeckt nach den nächsten Lünen noch schöner machte. Und wiese bei de grosse Finanz-Krise 2008 die Welt gerettet ham. Denn als der olle Lehmann Pleite ging und die Großbanken mächtich wackelten, da hat die Sparkasse Lünen alle Sparkassen und Volksbanken und Spardackel unter einen Hut geholt und die Deutsche Bank gestützt, die dann den Rest erledicht hat. Klaus-Dietrich sacht: "Dat durfte nur nich anne große Glocke, damit nach draußen die Politiker die Macher war'n und die Kunden wieda Vatrauen krichten." Tja, kannze mal sehn, so geht dat! 
 
Wat sachse? Wenn Lünen so doll is, warum ich da nich hinfah und mich dat Wunder bekucken tu? Ganz einfach: Bei so viel Schönheit, da trifft mich noch glatt der Schlach und ich fall tot um. Dann werd ich auffem Friedhoff in Lünen begraben und kann mich die Radieschen von unten bekucken. Aba so schön is der Lüner Erdboden nu auch wieda nich! 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1666 vom 28. 7. 25

Dass ich gestern sofort ins Internet schaute, um zu sehen, ob sich da etwas über mir zusammenbraute, hat berechtigte Gründe. Nicht nur Shit-Storms, sondern auch Schmutzkampagnen in den asozialen Medien können üble Folgen haben. Das erlebten wir zuletzt bei der Wahl für das Verfassungsgericht, die eigentlich nur als Formsache galt. 
 
Doch wenn nur genügend Gift gestreut wird, dann zeigt das Wirkung. In diesem Fall reichte schon ein heftiges Trommelfeuer aus der rechtsextremen Ecke. Wenn nur viele irgendetwas behaupten, dann muss da wohl was dran sein, haben sich eine ausreichend große Zahl von stimmberechtigten Unions-Abgeordneten gedacht und bereitwillig und ungeprüft Lügen geglaubt. Schließlich hatte auch ein hoher Würdenträger der katholischen Kirche mit starken Worten und großem Nachdruck von der Wahl einer Frau gewarnt, "die Schwangerschaften bis zum neunten Monat abbrechen lassen will." 
 
Das war zwar völliger Quatsch, aber die katholische Kirche hat zu Inquisitionszeiten schon mit schwächeren Beweisen Frauen als Hexen verbrennen lassen. Und bei einem Kardinal, der die Wundertaten etlicher Heiliger nicht bezweifelt, der glaubt, dass brennende Dornbüsche sprechen und fünf Vaterunser plus drei Rosenkränze nach der Beichte Sünden tilgen können, erstaunt mich das wenig. Dass aber zahlreiche konservative Abgeordnete nicht auf ihre Führung hören und eine frühzeitige Verampelung samt Krise ihrer noch jungen Koalition riskieren, ist einigermaßen erschütternd. 
 
Ich behaupte mal, dass ohne das Desinformations-Instrument Internet dieser amerikanische Wirrkopf niemals US-Präsident geworden wäre. Und gerade nach den erschreckenden Erfahrungen mit Fake-News in seiner Ägide sollten Menschen in verantwortungsvollen Positionen doch skeptischer mit Nachrichten umgehen, die sie über solche Kanäle erreichen. Zumal mit Hilfe künstlicher Intelligenz und Computer-Technik Fälschungen immer raffinierter werden. 
 
Das nutzt gegenwärtig vor allem Russland aus. Aus Putins Reich überschwemmen uns derzeit beispielsweise gefälschte SPIEGEL-Nachrichten, laut denen geplant ist, die Unterstützung der Ukraine durch Einsparungen bei deutschen Schulen und Krankenhäusern zu finanzieren. Wer Zeitungen und öffentlichen Rundfunk sonst als "Lügenpresse" verunglimpft, der glaubt so etwas gern und verbreitet diesen Unsinn weiter. In einer Blase, die Infos von Gesinnungsgenossen ohnehin bevorzugt und alles, was nicht ins Weltbild passt, als gezielte Verdummung abtut, potenziert sich die Zahl derartiger "Nachrichten" in Windeseile und verleiht Propaganda den Anschein von Wahrheit. 
 
Wie gut das funktioniert, zeigen zwei Beispiele aus den USA. Selbst offensichtlicher Schwachsinn wie die Invasion durch Reptiliode und das aus entführten Kindern gewonnene Lebensserum verhasster Prominenter sind einfach nicht auszurotten. Wie toxisch derartige Verschwörungstheorien auch bei uns wirken, zeigt das Märchen, dass die "Altparteien" alles daran setzen, durch gezielten Bevölkerungsaustausch ausländischen Zuwanderern zur Mehrheit im Lande zu verhelfen und die deutschen Ureinwohner zur verfolgten Minderheit zu machen. 
 
Je öfter ich so etwas lese, desto mehr wächst die Neigung, nach dem Körnchen Wahrheit auch im größten Unfug zu suchen. Müssen Journalisten nicht immer beide Seiten hören? Sind wir nicht zu Neutralität verpflichtet? Na gut, ich schiebe meine vorgefasste Meinung beiseite und bin bereit, auch über russische Meldungen nachzudenken. Diese Bereitschaft, liebe Mitleser aus östlichen Gefilden, würde durch die Zusendung einer Kiste erstklassigen Wodkas noch gefördert. 
 
Aber warum bloß lesen, was andere produzieren? Wo bleibt da die Kreativität? Ich enthülle nun ungeheuerliche Geheimnisse und stütze dies mit Fakten, die ich allesamt beweisen kann. Die nötigen Belege reiche ich später nach. 
 
Seitdem im November 1989 ein Ufo in einem abgelegenen Winkel der Uckermark landete, ist in Deutschland die Infiltration der Regierenden in vollem Gange. Als erstes Opfer suchten sich die Außerirdischen, begnadete Gestaltenwandler, Angela Merkel aus. Sie wurde 1990 entführt und muss seitdem in ihrem unterirdischen Verlies Kartoffelsalat für die Kantine der Aliens produzieren. Ihre Doppelgängerin aber legte binnen kurzer Zeit eine atemberaubende Karriere in der CDU hin, indem sie mit chemischen Mitteln Entscheidungsträger gefügig machte. 
 
Habt Ihr Euch nie gefragt, wie es eine Frau, ich wiederhole, eine weibliche Frau, in der männerdominierten Union ganz an die Spitze schaffte? Und dann auch noch eine aus dem Osten? Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen! So wurde jahrzehntelang in Deutschland Politik von einem anderen Stern gemacht. 
 
Als langsam ein Machtwechsel fällig wurde, hatten die Aliens bereits vorgesorgt. Der echte Olaf Scholz darf jetzt Kartoffeln schälen. Sein Doppelgänger, der bereits lange vor der Fall die Maske fallen ließ und verkündete, dass er der nächste Kanzler sei, gewann dann tatsächlich sensationell die Bundestagswahl. Das gelang durch zwei raffinierte Manöver. Durch Einsatz biologischer Waffen erreichten die Außerirdischen, dass bei den Grünen statt Robert Habeck Annalena Baerbock auf den Schild gehoben wurde. Und den favorisierten Kanzler-Kandidaten der Union, Armin Laschet, setzte man durch eine gezielte Lachgas-Attacke im Ahrtal außer Gefecht. 
 
Doch der Scholzomat funktionierte nicht richtig. Also musste für die nächste Wahl ein Neuer her. Die Falle der Aliens schnappte sofort nach dem Wahlabend zu. Seither ist der echte Friedrich Merz traurig dran: Er schält jetzt die Zwiebeln für den Kartoffelsalat. Sein Austausch-Darsteller hätte sich fast verraten: Er konnte sich partout an alles, was Merz vor der Wahl gesagt oder versprochen hatte, nicht mehr erinnern. Und so war die Schuldenbremse Geschichte und eine Rekord-Kreditaufnahme das neue Erfolgsrezept. Fällt Euch was auf? Denkt mal drüber nach. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1665 vom 27. 7. 25

"Sag mal, hast Du schon mal nachgeschaut, was über Dich im Internet steht?" "Ich? Nö. Warum sollte ich? Ich weiß alles über mich." "So? Na ja, dann. Ich dachte halt, Du wärst neugierig." Dieser Wortwechsel ließ bei mir die Alarmglocken klingeln. Und ich fand keine Ruhe, bis ich erstmals am PC "Klaus-Dieter Krause" gegoogelt habe. Beziehungsweise ecosiat. 
 
Das Erste, was ich feststellte: Es gab keinen Grund zur Besorgnis. Gleich der oberste Eintrag teilte mit: "Klaus-Dieter Krause veröffentlicht Schmunzelpost aus Dorsten." Stimmt! Eintrag Nummer zwei lautet: "Klaus-Dieter Krause - Jetzt finden! Das Telefonbuch." So weit ganz okay, aber dann: "20 Einträge zu Klaus-Dieter Krause mit aktuellen Kontaktdaten". Moment mal! Festnetz, Smartphone, Email - das sind drei! Da stimmt was nicht. 
 
Doch der dritte Eintrag besänftigt mich wieder. Auf "Klaus-Dieter Krause - Krauses Zeug" folgt der kurze Lebenslauf aus meinem Buch, alles korrekt. Aber bereits beim vierten Eintrag entdecke ich ganz neue Seiten an mir. Ich finde mich zu meiner Überraschung als Dr. Klaus-Dieter Krause wieder und leite als Gesellschafter und Geschäftsführer die compliance-net gmbh in Dreieich. 
 
Kann mir vollständig entgangen sein, dass ich nebenbei den Doktortitel erworben habe? Führe ich ein heimliches Doppelleben, das so geheim ist, dass ich selbst davon nichts weiß? Oder benutzt ein dreister Doppelgänger meinen guten Namen? Das Porträtfoto sieht mir jedenfalls nicht besonders ähnlich, der Kerl hat mehr Haare als ich. 
 
Doch es kommt noch dicker. Als nächstes lese ich: "Seit 50 Jahren Fahrlehrer der Herzen: Klaus-Dieter Krause in Velbert". Aha, seit 1973 bin ich Fahrlehrer und denke überhaupt nicht ans Aufhören. Hat meine Mutter mir verschwiegen, dass ich eine Drillings-Geburt bin? Oder leide ich bloß unter Schizophrenie und meine Alter-Egos haben sich im Netz Schein-Existenzen aufgebaut? 
 
Es kommt noch besser. "Mit Bart und Botschaft für Neukölln", hat der Berliner Tagesspiegel über mich berichtet. Dort habe ich wohl als parteiloser Bürger für das Abgeordnetenhaus kandidiert und das als Kunstprojekt verstanden. Hat aber wohl nicht geklappt, der Einzug in Kommunalparlament. Jedenfalls habe ich aus Berlin danach nichts über mich in der Zeitung gelesen. 
 
Kein Wunder, denn ich bin schon lange tot. Am 6. Februar 2016 verstarb ich Gladbeck, am 25. Februar 2022 in Attendorn und am 30. April 2025 im hessischen Lauterbach. Bin ich ein Wiedergänger, ein Untoter, ein Vampir? Nein, es nützt nichts, ich muss mich wohl der traurigen Realität stellen: Ich bin nicht einmalig. Es gab oder gibt wohl viele Klaus-Dieter Krauses auf dieser Welt. 
 
Na ja, es hätte schlimmer kommen können. Man stelle sich vor, meine Eltern hätten mir den Vornamen Mickie gegeben oder ich wäre Hausmeister geworden. Nein, nein, mit diesen Personen möchte ich nicht verwechselt werden. Generell überlege ich, ob ich einen radikalen Schritt gegen die Verwechslungsgefahr wagen soll. Würde ich beispielsweise Klaus-Dieter Krawuppnick heißen, wäre ich höchstwahrscheinlich ein Unikat und könnte mein Kürzel weiter verwenden. Andererseits müsste ich dauernd meinen Nachnamen buchstabieren. Ich denke noch darüber nach. 
 
Ihr aber dürft Euch durch die vielen Aufrufe, meine Gedenkseite im Netz aufzusuchen und eine Kerze für mich anzuzünden, nicht verunsichern lassen. Noch steckt etwas Leben in mir. Und solange Ihr jeden Tag eine neue Schmunzelpost vorfindet, könnt Ihr ganz beruhigt sein - K.D. Krawuppnick hat den Löffel noch nicht abgegeben und schreibt und schreibt und schreibt... 
 
Glückauf 
kdk     

Schmunzelpost 1664 vom 26. 7. 25

 

Hier noch ein weiterer Tipp für alle Freunde der heiteren Lyrik. Ich mag Wilhelm Busch, Ringelnatz, Robert Gernhardt, Fritz Eckenga. Und mit Marco Tschirpke habe ich nun jemand entdeckt, der gut in diese Reihe passt. Dafür spricht allein schon der Titel seines Buches mit 146 Gedichten: "Frühling, Sommer, Herbst und Günther".
 
Mit Fug und Recht meint mein Prosa-Liebling Horst Evers: "Marco Tschirpkes Gedichte sind voller Witz, Intelligenz und auch in Momenten wohlgesetzter Bosheit nie ohne Charme." Ebenso unterstreiche ich, was Tschirpke selbst augenzwinkernd auf dem Einband mitteilt: "Die Vorstellung, dass dies meinen Lesern nicht gefallen könnte, übersteigt meine Vorstellungskraft." Dem ist nur noch ein Harry-Rowohlt-Zitat hinzuzufügen: "Wem Heinz Erhard zu naiv-kindlich, Robert Gernhardt zu unpolitisch und Goethe zu langohrig ist, der findet in Marco Tschirpke auch keine Alternative."
 
Vor Jahren hatte ich bereits das Vergnügen, den Musik-Kabarettisten auf der Bühne zu erleben, wo er am Klavier seine Lapsus-Lieder vortrug. Ein Genuss! Daher ist es ein mittleres Rätsel, warum ich erst jetzt auf den Gedichtband gestoßen bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass Tschirpke jenseits der Kabarettbühne den Schwerpunkt seiner Aktivitäten auf die Vertonung der Gedichte von Peter Hacks und die Nichtvertonung der Gedichte von Günter Grass legt.
 
Aber Ihr sollt nicht die Katze im Sack kaufen. Als Appetitanreger hier ein paar kurze Kostproben (er kann auch länger!). Los geht es mit einer nur auf den ersten Blick völlig unpoetischen Beschäftigung. Aber bereits Johann-Wolfgang von Goethe wusste: "Die Welt ist so groß und so reich und das Leben so mannigfaltig, dass es an Anlässen zu Gedichten nie fehlen wird".
 
Staubwischen

Auf den Birkenholzfurnieren,
Die die Spanplatten kaschieren.
Schieb ich hin und her das Tuch.
Und weshalb? Es kommt Besuch.

Da ich mich des öfteren auf Kunstausstellungen etwa angesichts eines komplett mit Schwärze gefüllten Rahmens als Banause gefühlt habe, spricht mir dieser Vierzeiler aus der Seele:

Moderne Malerei

Vor 'nem schwarzen Viereck
Stehend, sprech ich mild:
Nur weil's an der Wand hängt,
ist es noch kein Bild.

Im Rückblick auf die SP-Folge über Horoskope und Astrologie freue ich mich stets, wenn ich Gleichgesinnte finde:

Fragende Frauen

Immer wieder fragen Frauen
Ob ich Steinbock oder Stier,
Löwe oder Skorpion sei,
Und ich sag: "Bevor Sie hier
Gleich ein 'Wußtichsdoch!' verschwenden,
Möcht ich das Gespräch beenden.

Dabei ist Tschirpke dem weiblichen Geschlecht durchaus nicht abgeneigt, zumindest nach langer Schaffensklausur. Hier das Gedicht Nummer 146 am Ende des Buches:

Zu dieser Ausgabe  
 
In der ersten rohen Fassung
Dieses Buches stand noch drin,
Daß ich für die freie Liebe
Nicht so recht zu haben bin.
 
Doch die Einsamkeit beim Schreiben
Warf mich in ein tiefes Loch.
Schöne Frau, die Du hier blätterst,
Höre nur: Ich bin es doch!
 
So viele gelungene Reime schüren die Versuchung, auf die Schnelle eigene Verse zu schmieden. Doch zum Glück bewahrt rechtzeitige Selbsterkenntnis Euch vor Schlimmerem.
 
Gescheiterter Versuch 
 
Leider fehlen mir die Worte 
für die Kirsche auf der Torte. 
Drum mach' ich mit dem Dichten Pause, 
bin nicht Tschirpke, ich bin Krause! 
 
Glückauf 
kdk 
 
 
 

Schmunzelpost 1663 vom 25. 7. 25

Robert Gernhardt und Harry Rowohlt können leider nicht mehr den Buchmarkt bereichern, von Horst Evers, Torsten Sträter und Fritz Eckenga kommt nur so alle zwei Jahre etwas Neues heraus. So bin ich gezwungen, für meine Bibliothek der heiteren Literatur immer wieder auf Entdeckungsreise zu gehen. Nicht nur aus Eigennutz. Als Trüffelschwein oder besser, als Drogenhund, bin ich auch für Euch Humorsüchtige auf der Suche - schließlich will ich Euch mit Tipps versorgen, damit Ihr mehr als einmal am Tag schmunzeln könnt.
 
Nun bin ich wieder fündig geworden. Der 1991 in Krefeld geborene Johannes Floehr hat sich auf Bühnen, bei Poetry-Slams und im Internet einen Namen gemacht und mittlerweile bereits vier Bücher veröffentlicht. Eines davon heißt "buch", ein anderes "buch 2". Auf dem Klappentext seines ersten Buches ist die folgende Bewertung zu lesen:
 
"Fremde Texte erliest er fließend, geübte Texte werden von ihm sprachlich und sinngestaltend vorgetragen. Er erzählt und schreibt Erlebnisse und Geschichten in gut formulierten Sätzen, sie sind ideenreich und gut formuliert zu lesen. In der Rechtschreibung ist er schon sehr sicher. Seine Schrift ist klar gegliedert und gut lesbar, er schreibt die Buchstaben form- und bewegungsgetreu und schön." Dieses Zitat stammt nicht von Marcel Reich-Ranicki, sondern aus Floers Grundschulzeugnis.
 
Auch Zitate von prominenten Kollegen verwendet Floehr auf seine Weise: "Die Spaßlegende Helge Schneider sagte einmal: 'Er ist eine große Inspiration für mich.' Womit er wohl jemand anders meinte, aber das macht ja nichts." Und in "Buch 2" geht er mit der Verhohnepipelung der Selbstbeweihräucherung auf Buchumschlägen noch einen Schritt weiter. Da gibt er den Internet-Kommentar eines Amazon-Kunden wieder: "Ich schreibe nie Bewertungen aber hier muss ich die Käufer warnen. So gut der Künstler auf You Tube bzw der Bühne ist ... das Buch ist in keinster Weise lustig und fast schon eine Unverschämtheit."
 
Heftiger Widerspruch! Zugegeben, für Floehrs Humor braucht man eine spezielle Antenne. Er schreibt schräge Sachen. Mitunter derart schräg, dass es selbst einem schrägen Vogel wie mir schwerfällt, den versteckten Witz zu finden. Zudem macht Floehr es dem Leser nicht leicht, weil er gern auf Großbuchstaben und Zeichensetzung komplett verzichtet. Zwei Beispiele aus "Dialoge":
 
Mathehausi

- mama
- was los marie
- schaff mathehausi nicht
- oje zeig mal
- 128 minus 46
- hm stell dir vor du hast 128 kuchen
- ok
- und papa isst 46
- puh
- was ist dann
- weihnachten oder omas geburtstag
- nee wie viele kuchen sind noch da
- genug
- dann schreib das auf
- 128 - 46 = genug
- genau
- super

Marx
 
- karl was schreibst du da
- "das kapital" wird es heißen
- und worum gehts
- geld macht alle leute bekloppt
- uh ein topaktuelles thema
- ja
- das wird bestimmt ein erfolg
- meinst du
- ja das verkauft sich richtig gut
- und dann werde ich reich
- ja
- scheiße
 
Um keine übertriebenen Erwartungen zu wecken: Nicht alle Dialoge, Gedichte oder Texte Floehrs begeistern mich gleichermaßen. Doch das ist bei absurdem Humor nunmal so, gerade, wenn manche Miniaturen sich an Morgenstern, Jandl oder den Dadaismus anlehnen. Dennoch ist die Trefferquote des Autors bei mir hoch. Zum Schluss noch zwei Gedichte, ein kurzes und ein ganz kurzes:
 
Umwandlung

ich möchte mein leben
in eine .pdf umwandeln
aber der computer sagt
ich hätte kein format

Kürz

in der kü
liegt die wü

Nach soviel Fremdtext muss ich auch noch ein wenig eigenen Senf dazugeben. In meinem kurzen Gedicht geht es darum, dass längst nicht alle berufen sind, Worte zu geistreichen Versen zu schmieden.

Humorhandwerk 
 
Dem Ingenieur 
ist es zu schwör, 
aber nicht 
Johannes Floehr. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zu den Bahnansagen folgt noch ein weiterer Nachtrag von Martin, mit dem ich im letzten Jahr zum Wanderurlaub im Allgäu war. Auf der Rückfahrt erfreute uns ein fröhlicherZugführer bei der Einfahrt in den Kölner Hauptbahnhof mit folgender Durchsage: "Wir haben mit unserer Sardinenbüchse jetzt Köllifornien erreicht. Die Aussteigenden werden gebeten zu lächeln, damit die Leute auf dem Bahnsteig meinen, es wäre eine schöne Fahrt gewesen!" 
 

Schmunzelpost 1662 vom 24. 7. 25

Wer schon mal mit der Deutschen Bahn zu tun hatte, der weiß, dass dies etwas länger dauern kann als geplant. So verwundert es vermutlich auch niemand, dass die Bahndurchsagen zur Fahrgast-Information auch noch für eine weitere SP-Folge reichen. 
 
Für die "Bahnansage des Monats" vom März 2018 hatten wir in einer abgewandelten Variante bereits in unserem ersten Bahn-Programm die Weichen gestellt. Wegen ihrer unbestrittenen Vorzüge aber folgt hier die ausführliche Version: "Wir stehen vorm roten Signal, weil der Abschnitt vor uns von unserem Vorzug besetzt ist. Davor steht der Vorzug unseres Vorzuges. Wie Sie sehen, ist die Bahn ein System mit vielen Vorzügen. Heute ist es besonders vorzüglich." 
 
Selbst ein Transport-Unternehmen mit Nutzern aus aller Herren Länder sollte sich notfalls ehrlich zu seinen Lücken bekennen: "Sorry again for the delay. We had wait for .... ehm, reasons, that I don't know in English. Have a nice Evening." 
 
Auch mit der künstlichen Intelligenz ist es bei der DB noch nicht so weit her. Automatische Ansage: "Ausstieg links." Umgehende Korrektur: "Werte Fahrgäste, hier spricht Ihr Zugbegleiter. Die Blech-Else hat gelogen. Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung rechts. Die Blech-Else und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr." 
 
Wegen der großen Personalnot stellt die Bahn mittlerweile anscheindend auch recht abgerissene Gestalten ein. "Die Weiterfahrt verzögert sich, weil unser Sicherheitsdienst unseren Lokführer nicht erkannt und ihn mitgenommen hat." 
 
Mitunter wollen aber auch eigenwillige Menschen mit ungewöhnlichem Gepäck die Bahn nutzen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde. Aber: Der Fahrgast mit dem Einkaufswagen und der Palme - bitte aussteigen!" 
 
Und das Bahnpersonal zeichnet sich auch durch Menschenkenntnis aus. "Bitte machen Sie den Sitz neben sich frei und legen Sie Ihre Gepäckstücke auf die vorgesehenen Plätze. Dazu gehören auch diese kleinen Louis-Vuitton-Täschchen. Sind wir mal ehrlich: Wenn die echt wären, würden Sie hier gar nicht erst mitfahren." 
 
Bei der Vielfalt der Bahnangebote kann das Personal schon mal die Übersicht verlieren. "Ab Bremen wird dieser Zug zum Inter-City. Fahrgäste mit Nahverkehrs-Tickets, Semestertickets, Habe-ich-nicht-gewusst-Tickets und Hat-mir-niemand-gesagt-Tickets nehmen dann den Regionalexpress 8 nach Hannover." 
 
Nicht immer jedoch ist das Fahrtziel so klar. Mitunter geben Ansagen auch Rätsel auf. Hoffentlich passiert so etwas nie in Dorsten, wenn die Waggons für die Fahrt nach Borken oder Coesfeld getrennt werden. "Dieser Zug wird in Neumünster geteilt. In welchem Zugteil Sie sich befinden, sehen Sie auf den elektronischen Anzeigern. Leider ist jedoch der Anzeiger im Zugteil nach Flensburg defekt und der im Zugteil nach Kiel zeigt Flensburg an." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Vor der Home-Office-Ära hat SP-Leser Raimund mit der Bahn einiges erdulden müssen: "Selbst erlebtes Originalzitat irgendwann vor Corona zwischen Bochum und Essen Hbf nach einem eigentlich kurzen Zwischenhalt auf der Strecke. 'Bitte entschuldigen Sie die  Verzögerung. Ähem. Ich musste kotzen. Esgeht gleich weiter.' Alle Mitfahrenden hofften, dass er die Fahrt meinte. Böses Kopfkino!"

Schmunzelpost 1661 vom 23. 7. 25

Gegenwärtig bin ich dabei, das Programm für unsere zweite Bahnlesung im Bürgerbahnhof vorzubereiten. Die erste war ein großer Publikumserfolg, viele Ticketwünsche blieben unerfüllt. Diesmal treten wir sogar dreimal auf: Am Tag des Offenen Denkmals, dem 14. September, um 11, 14 und 16 Uhr. Zwar sind die einzelnen Blöcke jeweils maximal 45 Minuten lang, aber auch die wollen erst einmal mit witzigen Texten gefüllt werden. Zumal ich mir das ehrgeizige Ziel gesetzt habe, keinerlei Wiederholungen zuzulassen. 
 
Glücklicherweise ist auf die Bahn Verlass. Zumindest auf ihre Mängel. Davon zeugen auch die mal ironischen, mal verzweifelten und mal belehrenden Durchsagen der Zugführer an die Fahrgäste. Schließlich hat die Deutsche Bahn sich ein großes Ziel gesetzt. Wenn es schon mit dem reibungslosen Betrieb erst ab 2070 hundertprozentig klappen soll, so will man wenigstens den Fahrgästen solange den Grund der Störungen nennen. Bereits für das erste Programm haben wir kuriose Beispiele zusammengestellt. Ich hatte daher befürchtet, es könne nicht genügend neues Material für eine zweite Runde geben. Weit gefehlt! Hier sind einige Kostproben: 
 
Trotz der technischen Probleme hat das Bahnpersonal den Optimismus nicht verloren: "Im Wagen sieben funktionieren keine Reservierungen, die Steckdosen gehen auch nicht und es ist dunkel. Der Schaden ist gemeldet. Ich gehe davon aus, dass das Problem in einigen Monaten behoben ist." 
 
Es ist durchaus ehrenwert, keine Allwissenheit vorzutäuschen: "Wenn Sie Fragen haben, sprechen Sie uns an. Fragen Sie aber nicht, warum wir schon wieder Verspätung haben. Wir kennen die Antwort auch nicht." 
 
Ab und zu darf man auch mal verärgert mit dem Finger auf Kollegen zeigen: "Entschuldigen Sie die unangenehme Bremsung. Wir mussten von 160 auf 80 abbremsen. Der Fahrdienstleiter wollte uns zeigen, welche Signale er im Angebot hat." 
 
Doch es gibt auch noch andere Sündenböcke, was Fahrgäste zu schätzen wissen sollten: "Sie haben noch einen großen Vorteil gegenüber dem Auto. Im Zug können Sie dem Lokführer die Schuld geben, im Stau können Sie nur ins Lenkrad beißen." 
 
Ab und zu sind die Sündenböcke tatsächlich tierisch. Da drängt sich die Frage auf, wieso die Bauern trotz hoher Subventionen nicht in der Lage sind, für stabile Zäune zu sorgen: "Sehr geehrte Fahrgäste, vor uns befindet sich eine Kuh auf den Gleisen. Der Bauer ist informiert und wird sein Tier demnächst von den Gleisen holen." 
 
So etwas passiert anscheinend öfter. Nicht immer ist der Bauer erreichbar. Da ist es praktisch, wenn Mitreisende etwas vom Küheschubsen verstehen: "Der Herr, der mir am Bahnsteig angeboten hat, die Kühe von den Gleisen zu schieben, soll sich bei mir im Dienstabteil melden. Da die Polizei es nicht hinkriegt, werden wir gleich zusammen die Kühe verscheuchen." 
 
Aber es geht auch noch eine Nummer größer, was selbst leiderprobte und hornviehgestählte Zugführer aus der Fassung bringt: "Jetzt ist hier auch noch ein Pferd! Ein Pferd, ist das zu glauben? Ich kann das alles auch nicht mehr." Halte durch, lieber Lokführer, spätestens ab 11.11. steht das Pferd wieder da, wo es hingehört - auffem Flur! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Rückblick auf den gestrigen Beitrag: Ich habe es schon wieder getan! Und denselben dussligen Fehler gemacht wie im Mai! Es heißt doch, "wer nämlich mit h schreibt ist dämlich!" Warum bloß gibt es keine ähnlich einprägsame Regel dafür, dass Berchtesgaden nicht mit zwei r geschrieben wird? 

Schmunzelpost 1660 vom 22. 7. 25

Schadenfreude ist die schönste Freude, sagt man. Ich gebe zu, dass ich in letzter Zeit gleich mehrfach klammheimliche Genugtuung empfunden habe. Wieso? Im Mai verbrachte ich eine an sich schöne Wanderwoche im Berchtesgardener Land. Nur ließ sich an sämtlichen Tagen die Sonne nicht blicken, und die Berge hüllten sich in Dunst und Nebel. Nun bekam ich mit, dass es Markus Söder bei mehreren Anlässen ähnlich erging. 
 
Schon als der bayerische Ministerpräsident beim Antrittsbesuch von Kanzler Merz auf der Zugspitze ein idyllisches Alpenpanorama als Hintergrund präsentieren wollte, ging die Rechnung nicht auf. Mit verdrießlichen Mienen stellten sich die beiden Gipfelstürmer vor einem grauen Wolkenmeer den Fotografen. Auch beim zweiten Termin zeigte sich die Urlaubsregion Oberbayern von ihrer verregneten Seite. Und nun standen auch noch die Teilnehmer des Migrationsgipfels im Regen. 
 
Ist es da ein Wunder, dass die Alpenländler gern an den schönsten Tagen des Jahres Urlaub machen wollen? Vielleicht lässt sich so erklären, dass Bayern sich dem Rotationsprizip verweigert und weiterhin darauf pocht, es sei gutes bajuwarisches Recht, dauernd als letztes Bundesland in die Sommerferien zu starten. Die offizielle Begründung ist jedoch mehr als fadenscheinig: Traditionsgemäß müssten viele bayerische Kinder und Jugendliche bei der Einbringung der Ernte helfen. 
 
Hallo? Stellt sich Bayern nicht sonst als führendes Land der Technik dar? Greift Söder nicht sogar nach den Sternen? Und habt Ihr Bazis alle Eure hochmodernen Traktoren und landwirtschaftlichen Mega-Maschinen etwa nach diversen Großdemonstrationen in Berlin vergessen? Außerdem möchte ich dezent auf westfälische Traditionen hinweisen. Als Kind wurde ich im August Jahr für Jahr auf ein abgeerntetes Kartoffelfeld geschickt, um mit einem Eimer bewehrt die liegengebliebenen Erdfrüchte einzusammeln. 
 
Darüber hinaus verrät Frank Goosen in seinen Büchern, wie stark wir zwischen Ruhr und Lippe mit dem Bergbau verwurzelt sind. Selbst Jahre nach der Stilllegung unserer letzten Zeche, fahren viele Familien immer noch täglich in private Stollen ein, um die Erinnerung an die Zechen-Vergangenheit wachzuhalten und unter Tage gemeinsam an einem schönen Stück Steinkohle zu lutschen. Und da wollen uns die Bayern die Flucht aus der Dunkelheit in den sonnenbeständigsten Wochen verweigern? 
 
So geht das nicht! In Zukunft wird rotiert. Und Ihr, liebe Bayern, könnt dann ja Ende Juni mal Urlaub auf der sonnigen Zugspitze machen. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1659 vom 21. 7. 25

Fast hätte ich geglaubt, dass Frauen ebenso intelligent sind wie Männer (auf den Schnitt bezogen: Individuelle Abweichungen gibt's bei beiden Geschlechtern). Doch dann lag die neueste Ausgabe der Frauenzeitschrift "Brigitte" auf dem Tisch. Und prompt kochten bei mir alte Vorurteile wieder hoch: Den Titel zierte ein Extraheft zum Herausnehmen mit dem Titel "Sommerhoroskop 2025 - die Sterne stehen auf Veränderung".
 
Sofort musste ich daran denken, wie viele scheinbar kluge Frauen mir schon erklärt haben, das Wesen eines Menschen hinge entscheidend von der Stunde seiner Geburt ab: "Die Sterne prägen Deinen Charakter." Und obwohl eigentlich bekannt sein sollte, wie Horoskope zustande kommen und dass Astronomie und nicht Astrologie eine seriöse Wissenschaft ist, messen auch heute noch viele Frauen dem gedruckten Wink des Himmels große Bedeutung bei - wie sonst könnte sich die Rubrik so hartnäckig halten? Erschütternd finde ich auch, wenn sich Frauen eingehend nach Sternzeichen erkundigen und offenbar sogar ihre Partnerwahl davon abhängig machen: "Oh Gott! Stier und Jungfrau - das geht gar nicht!"
 
Nun ist mir durchaus bewusst, dass auch Männer allerhand Unsinn für bare Münze nehmen, der beispielsweise in der Bildzeitung steht. Aber kann sich irgendjemand vorstellen, ernstzunehmende Männerzeitschriften wie "Auto, Motor, Sport", der "Kicker" oder der "Playboy" würden ihren Lesern Horoskope zumuten? Never ever!
 
Die "Brigitte" hatte ich eigentlich anders als "Bild der Frau", die hierzulande meistverkaufte wöchentlich erscheinende Frauenzeitschrift, in die Liga der Blätter für aufgeklärte Frauen eingestuft. Immerhin ist "Brigitte"mit der Auflage bei den alle zwei Wochen erscheinenden Frauenzeitschriften vorn. Zwar ging sie aus der 1886 erstmals erschienenen Publikation "Dies Blatt gehört der Hausfrau" hervor und behielt den Namen in veränderten Variationen bis 1952 bei. Aber dann wurde "Brigitte" dem Titel hinzugefügt und 1954 die "Hausfrau" endgültig in den Mülleimer der Zeitungsgeschichte verbannt.
 
Klar, Mode blieb das alles beherrschende Thema, aber neben Wohnen, Psychologie und Kultur kam in den 1970er Jahren sogar die Politik hinzu. Zwar ist die Brigitte nie zu einem führenden Organ der Frauenbewegung geworden, aber mit allerlei Denkanstößen hat sie sich vom Image eines Ratgebers für das Heimchen am Herd schon lange verabschiedet.
 
Und nun das: Ein aufwendiges Sommerhoroskop. Mal sehen, was die Brigitte Chef-Astrologin Berit Freutel schreibt: "Die Welt tost, und der Kosmos weiß, warum: Rebell Uranus zieht in die quirligen Zwillinge, der strenge Saturn trifft den feurigen Widder. Gedanken rasen, Strukturen bröseln, das Neue bleibt noch namenlos. Und mittendrin hat Glücksplanet Jupiter im Zeichen des Krebs angedockt. " (Fettschrift gemäß des Originaltextes.)
 
So, so. Aha. Schauen wir mal, was das für einen zu bedeuten hat, der im Sternzeichen Zwilling geboren ist. Schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass das Orakel bloß für Frauen gilt. Also: Ich denke schnell, aber spreche noch schneller und viel. Ich bin rational unterwegs und liebe den Wechsel - von Idee zu Idee, von Mensch zu Mensch. "Klar, Zwillinge sind ja auch zu zweit. Doch Jupiter in Krebs ist kein Schmetterling. Er fliegt nicht weiter als zum nächsten Gedanken, sondern krabbelt seitlich (wie eine Krabbe eben). Er will sie nicht bremsen, sondern berühren. Denn dieser Jupiter spricht nicht wie Sie die Sprache ihres Herrscherplaneten Merkur, rational und analytisch, sondern die des Mondes." 
 
Falls das so ist, haben wir gerade Neumond. Ich höre nämlich nichts. Und verstehe noch weniger. Diese Krabbe soll schnell woanders hin krabbeln. Von mir aus zum Merkur. Und Ihr merkt Euch bitte: "Jupiter in Krebs ist kein Schmetterling!" 
 
Was sagst Du da, liebe sterngläubige Leserin? Wer immer noch daran glaubt, dass Schalke 04 Deutscher Meister werden kann, der hat sich als Astrologie-Kritiker disqualifiziert? Von wegen. Ich bin fest überzeugt, dass Schalke über kurz oder lang erneut den Titel erringt. Dazu müssen nur Stier und Widder in den Tönnies-Schlachthöfen ihr Leben aushauchen. Und wenn dann noch die Kremers-Zwillinge in Assendenz zum von Klaus Fischer gesponserten Sternzeichen "Fische" treten, setzt die Inkarnation unseres Torjägers im Sinne des Sternbilds Schütze zum Fallrückzieher an. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1658 vom 19. 7. 25

Als ich mit dem Bus nach Recklinghausen unterwegs war, zog eine übermannsgroße Reklametafel an einer Marler Haltestelle meine Aufmerksamkeit auf sich. Lidl warb für Manuka-Honig aus Neuseeland. Nanu? Habe ich das nächste große Ding nach der Dubai-Schokolade verpasst? Diese angeblich unvergleichliche Geschmacksexplosion schmeckte doch vor allem den Herstellern, die mit Mondpreisen hervorragende Geschäfte machten.
 
Wahrscheinlich soll das nun auch mit Manuka-Honig klappen. In Neuseeland ist der Honig schon lange kein Geheimtipp mehr. Er wird aus dem von Bienen gesammelten Blütennektar der Südseemyrthe erzeugt und als Naturheilmittel verwendet. Schon in den 1930er Jahren mischten ihn dort die Farmer dem Viehfutter bei, um ihre Kühe robuster gegen Krankheiten zu machen.
 
Weil danach Viren und Bakterien offenbar auf keine Kuhhaut mehr gingen, erprobten auch Menschen die gesundheitsfördernde Wirkung. Und siehe da: Äußerlich half der Honig angeblich bei der Desinfektion und der Heilung von Wunden und Entzündungen, innerlich gegen Blasenentzündungen, Erkältungen und andere Infektionen. Das ließ die Zahl der Imker ebenso sprunghaft steigen wie den Manuka-Preis. Doch weil die Menge der Futterpflanzen begrenzt ist, entwickelte sich prompt eine regelrechte Imker-Kriminalität. Das Böse lauert immer und überall - sogar im neuseeländischen Bienenstock.
 
Ich frage mich nun: Was kommt als nächstes? Himalaya-Salz? Antarktis-Wasser? Ach, das gibt's schon? Na, dann lassen wir uns mal überraschen. Und freuen uns auf die Adventszeit. Wieso? Das war der zweite Teil des Werbe-Rätsels, über das ich im Bus bis Recklinghausen nachgedacht habe. Denn gefangengenommen hatten meinen Blick die Großbuchstaben auf der Reklametafel : FREUEN SIE SICH AUF WEIHNACHTEN! Lidl hat den Manuka-Honig erst ab dem 11. 11. im Sortiment. Nun verbindet sich dieses Schnapszahl-Datum für mich zwar nicht mit einer Stall-Geburt in Bethlehem, sondern mehr mit dem Ausbruch des organisierten Frohsinns, aber sei's drum: Auch vom 19. Juli bis zum 11. November ist es noch sehr lange hin. Was soll das also?
 
Erwarten die Lidl-Strategen tatsächlich, dass ich mir sofort einen Vermerk im Terminkalender eintrage? "11.11., bei Lidl Manuka-Honig kaufen!!!" Oder ist es ein neuer Trend, Winter-Kampagnen schon in den Sommerferien zu starten, weil dann die Werbeflächen günstiger sind? Schließlich habe ich die ersten Wahlplakate auch schon vor Wochen gesehen und gedacht: "Jetzt ist es aber höchste Zeit, dass die alten Dinger endlich entfernt werden." Dabei ging es bereits im Juni schon um die Kommunalwahlen im September! Vielleicht sollten die Werbetreibenden sich zusammentun: "Wählen Sie unsere Kandidaten - Manuka-Honig-gestählt!"
 
Danach wäre es nur konsequent, in der Vorweihnachtszeit mit der Spargelwerbung zu beginnen, damit die Vorfreude steigt und uns schon vor April 2026 das Wasser im Munde zusammenläuft. Ich habe jedenfalls daraus meine Lehren gezogen und fordere Euch auf, unverzüglich nach dem Bauplan eines Adventkalenders ein Schmunzelpost-Kalendarium zu basteln. Wenn Ihr jeden Tag ein Törchen öffnet, steht zwar nichts dahinter, aber Ihr denkt unwillkürlich: "Hurra! Heilig-Abend ist die Schmunzelpost doppelt so lang!" (Und mit einem Löffelchen Manuka-Honig doppelt so süß!)
 
Glückauf
kdk
 
PS. Es soll ja immer noch männliche Fußballfreunde geben, die von Frauenfußball nicht viel halten. Ich gebe zu: Auch ich hatte lange Vorbehalte. Doch in den letzten Jahren wurde deutlich, dass die Frauen, was Spielkunst, Technik und Dynamik betrifft, enorm zugelegt haben. Viele ihrer Spiele sind ansehnlicher als manches, was die Männer zu bieten haben. Das bestätigt die laufende EM. Die spielerische Klasse der Spanierinnen, die Dramatik beim Elfmeterschießen im Viertelfinale Schweden gegen England und jetzt diese tolle Leistung des deutschen Teams, das 107 Minuten in Unterzahl spielte - da benutze selbst ich gern das heute mit Abstand meistgebrauchte Wort: Unfassbar!  
 

Schmunzelpost 1657 vom 19. 7. 25

Mehrere Zeitungen berichteten jetzt über eine polnische Studie, die sich mit der Glaubwürdigkeit von Gefühlsausbrüchen befasst. Ergebnis: Wenn bei harten Kerlen plötzlich Tränen fließen, wirkt das auf Beobachter weit überzeugender als wenn beispielsweise Frauen zu weinen beginnen. Das wirft viele Fragen auf. Aber weder kann noch will ich die alle beantworten. 
 
Stattdessen fragte ich mich, wann ich das letzte Mal geheult habe wie ein Schlosshund. Das ist lange her. 1991 als meine Mutter starb, 1992 als mein Vater ihr folgte. Und 1996 unter besonderen Umständen. Da war ich gezwungen, nachts mit unserer Katze den tierärztlichen Notdienst in Gelsenkirchen aufzusuchen. Um ihr weiteres Leiden zu ersparen, musste sie eingeschläfert werden. Nach fünf Minuten sollten die Spritzen wirken, taten das jedoch nicht. Nach einer halben Stunde verabreichte der Tierarzt eine höhere Dosis. Aber es dauerte fast eine Stunde, bis die Katze starb. Und die ganze Zeit schaute sie mich an, hilfesuchend, wie ich empfand. 
 
Danach saß ich eine Viertelstunde in meinem Auto und war nicht fähig, den Motor anzulassen. Selten ist mir etwas derart an die Nieren gegangen. Ja, als Kind, da heulte ich öfter. Oft aus Schmerz, manchmal aus Wut. Doch mit sieben, acht oder spätestens mit neun Jahren legte sich das. Schließlich war es für uns Jungs verpönt, als Heulsuse verschrien zu sein. Vielleicht wirkten vergangene Ideale noch nach, die einforderten, dass echte Männer hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder sein sollten und das auch noch am besten mit einer versteinerten Miene. Die Karl-May-Lektüre untermauerte dies: Indianer kennen keinen Schmerz und zucken nicht einmal am Marterpfahl mit der Wimper. Na ja, immerhin hat Old Shatterhand geheult, als Winnetou in seinen Armen starb. 
 
Zu den meistgehassten Schlagern meiner Jugend gehört "Es geht eine Träne auf Reisen" von Adamo. Ich konnte es nicht fassen, dass der Sänger von "Inch Allah" einen solchen Schluchz-Fetzen in die Welt setzte. Aber die hat sich mittlerweile geändert. Mittlerweile wird geflennt, was das Zeug hält. Auch und gerade von männlichen Lichtgestalten auf dem Fußballplatz. Wer kann sonst so telegen Tränen vergießen wie Ronaldo? Und wie oft wässern Fußballer mittlerweile den Rasen, wenn sie ein Finale verloren, den Aufstieg verpasst oder das Weiterkommen in einem Turnier vermasselt haben? (Nun gut, dass können Fußballerinnen bereits im Viertelfinale, wie das schwedische Team am Donnerstag nach diesem irrsinnigen Elfmeterschießen bewiesen hat.) 
 
Ich gehe noch weiter: Heutzutage heulen Kerle bei fast jeder Gelegenheit. Wenn sie verabschiedet, geehrt oder gefeiert werden - und sogar, wenn sie bloß Zwiebeln schneiden. 1924 war es noch eine Sensation, als Emil Jannings erstmals männliche Tränen auf der Kinoleinwand vergoss. Bei Helmut Kohl dagegen waren viele nur noch peinlich berührt, wenn er nach jeder Lobpreisung vor Selbstgefälligkeit und Rührung zerlief. Auffällig fand ich auch, dass es offenbar oft davon abhängt, wieviele Kameras und Zuschauer den Tränenfluss mitkriegen. 
 
Am liebsten sind mir Lachtränen. Meine letzten habe ich jedoch mit 16 Jahren im Kino vergossen. Bei Goofys lustiger Olympiade bin ich damals fast aus dem Sessel gefallen, Leider fand ich danach manche Filme eher aus anderen Gründen zum Heulen. Und selbst das laute Lachen ist mir inzwischen völlig abhanden gekommen. Wenn ich lächle, grinse oder schmunzle bin ich gegenwärtig fast ein Vulkan der Heiterkeit. 
 
Daher hege ich auch nicht die Illusion, ich könne mit der Schmunzelpost Lachkrämpfe auslösen. Falls ich Euch gelegentlich ein Lächeln entlocke, ist das komplett in Ordnung. Nur, wenn ich mitbekomme, dass es nur noch für mitleidiges Grinsen reicht, dann, ja, dann kontrolliert die Lippedeiche und macht Euch auf ein Meer aus Tränen gefasst. So reagieren harte Kerle - fragt nach in Polen. 
 
Glückauf 
kdk   

Schmunzelpost 1656 vom 18. 7. 25

Kontrolltermin Kehlkopfkrebs: Die Ampel steht wieder auf "gelb". Eine Zyste auf dem rechten Stimmband und eine Wucherung an der OP-Narbe sind verdächtig. Ist in ein paar Wochen zu sehen, dass sie wachsen, muss ich wieder unters Messer. Eine neue Zeit der Ungewissheit. Dennoch bleibe ich gelassen: Solange alles Üble sofort weggeschnippelt wird, sobald es den Kopf aus der Deckung hebt, fühle ich mich auf der sicheren Seite, noch weit entfernt von Metastasen, Bestrahlung und Chemotherapie. 
 
Ja, bei Arztbesuchen lernt man dazu. Schon erstaunlich, wie sehr sich mein medizinischer Bekanntenkreis in wenigen Jahren erweitert hat: Onkologen, Kardiologen, Kieferchirurgen, Dermatologen, Anästhesisten, Orthopäden und, und, und - was waren das für Zeiten, als sich meine Praxisbesuche auf den Hausarzt und die Zahnärztin beschränkten. Zumal nun ein dummes Gefühl aufploppt: Je mehr Mediziner ich besuche, desto mehr finden sie! 
 
Mal sehen, was die Zukunft noch alles bringt. Ich war lange nicht mehr beim Augenarzt und noch nie beim Urologen. Allerdings hege ich wegen der dauerhaft triefenden Nase und des Reizhustens im ersten Halbjahr den Verdacht, dass ich mal beim Allergologen reinschauen sollte. Na, wenigstens bin ich beim Gynäkologen und der Geburtshilfe außen vor. Und vom Pathologen werde ich wohl bewusst nicht viel mitbekommen. Doch bevor ich noch zum Hypochonder werde: Es gibt genug andere Dinge, vor denen ich mich fürchten sollte. 
 
Schon seit meiner Jugend gelte ich als Unke. "Das wird alles böse enden", prophezeite ich schon mit 14 Jahren meiner Familie und kündigte den baldigen Weltuntergang durch einen Atomkrieg an. Die Kriegsgefahr flammte später immer wieder auf und die Weisung, dass wir Deutsche kriegstüchtig werden müssen, trug nicht zu meiner Beruhigung bei. Eine weltumspannende Pandemie habe ich bereits vorher gesagt, als ich Corona noch für eine Biersorte hielt. Mir schwebte allerdings eher etwas wie Pest oder Cholera vor. 
 
Unseren Wohlstand sah ich ebenfalls wiederholt gefährdet, als sich globale Wirtschaftskrisen abzeichneten und die Inflationsrate stieg. "Der Kollaps ist unvermeidlich", diagnostizierte ich, als wegen der hohen Verschuldung die Gelddruckmaschinen angeworfen wurden. Das war vor mehreren Jahrzehnten. Inzwischen ist der Schuldenberg der Staaten vom Kahlen Asten zum Mount Everest mutiert. Und dass der Klimawandel verheerende Folgen haben wird, erkannte ich bereits, als bei uns erstmals von Waldsterben und saurem Regen die Rede war. 
 
Nun habe ich im Spiegel auch noch ein Interview mit dem amerikanischen Forscher Daniel Kokotajlo gelesen. Das ist ein führender Fachmann für künstliche Intelligenz, der für die Super-KI der Zukunft ankündigte: "Sobald keine Täuschung mehr nötig ist, löscht sie die Menschheit aus." Bereits heute sei künstliche Intelligenz in der Lage uns zu täuschen und vorsätzlich zu lügen. Und die Entwicklung sei so rasant, dass eine superintelligente KI in wenigen Jahren in der Lage sein werde, alle menschlichen Tätigkeiten selbst zu übernehmen. Dann wären ihre organischen Schöpfer für sie nur noch Ballast. In einem Szenario für 2030 skizziert der Forscher, wie das intelligenteste Wesen unseres Planeten eine Bio-Waffe herstellt und einsetzt, die alle Menschen binnen weniger Tage auslöscht. 
 
Jau! Noch ein Grund mehr, sich existenzielle Sorgen zu machen. Wenigstens hätte sich dann die Angst vor dem Krebs erledigt. Und ich habe jetzt einen Anlass, noch eine weitere medizinische Sparte in Anspruch zu nehmen. Ich sollte mir flugs einen Termin beim Psychotherapeuten besorgen, bevor die schwarzen Gedanken in eine Depression ausarten. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Witze reißen kann die KI jetzt schon. Die folgenden Scherze hat sie sich ausgedacht: "Warum ist das Mathebuch so traurig? Weil es so viele Probleme hat!" "Geht ein Zebra zum Fotografen und sagt: 'Kannst Du bitte ein Foto von mir machen?' Sagt der Fotograf: 'Farbe oder schwarzweiß?' " Am besten finde ich diesen: "Was ist klein und grün und dreieckig?" "Ein kleines grünes Dreieck!" 
 
PPS. Ha! Da haben wir es! Ein weiterer Beweis für die Heimtücke der KI. Ich habe alle ihre zwanzig angeblich selbst erdachten Witze gelesen. Einige davon haben so einen Bart - die sind bloß abgekupfert! Die KI hat schon wieder gelogen! 
 

Schmunzelpost 1655 vom 17. 7. 25

Gestern haben wir eine Kunstausstellung in Mülheim besucht. Verkehrsmittel unserer Wahl war die Deutsche Bahn. Und trotz der obligatorischen Wortmeldungen von Signalen, die unterwegs "Halt!" geboten haben, sind wir halbwegs pünktlich angekommen. Die Hinfahrt zur Zwischenstation Hauptbahnhof Essen hat trotzdem einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. 
 
Eigentlich wollte ich nämlich unterwegs ein Zahlenrätsel lösen. In der Sitzgruppe gegenüber hatte sich jedoch eine junge Mutter mit ihrem renitenten Kleinkind niedergelassen. Und dieses Blag machte sich bei mir dadurch rasch unbeliebt, dass es quasi im Minutentakt kreischte. Und zwar mit wachsender Intensität. Alle Bemühungen der Mutter, das Kind zu beruhigen, blieben vergeblich. Und selbst der kumpelhafte Versuch der DB-Fahrkartenkontrolleurin, den kleinen Fahrgast aufzumuntern, zeigte keine Wirkung: "Na, Du bist heute aber schlecht drauf, was?" Das Kind bestätigte dies durch einen erneuten Schrillton. 
 
Da ich mich nicht konzentrieren konnte, legte ich das Rätsel beiseite und meinen Kopf an die Dös-Ausbuchtung meines Sitzes. Doch auch ein erholsames Nickerchen blieb mir versagt, weil das KInd seine vehementen Missfallens-Kundgebungen noch steigerte und so selbst die Waggonfenster zum Vibrieren brachte. Dann stieg in Gladbeck-West ein neuer Fahrgast zu. Ein wahrer Koloss mit der Statur eines Michelin-Männchens. Er ließ sich ächzend auf einen benachbarten Sitz fallen, der darauf ebenfalls mit einem Ächzen antwortete. 
 
Hatte der unrasierte Riese bereits beim Einsteigen grimmig geschaut, so verfinsterte sich seine Miene noch mehr, als der lautstarke Zwerg eine weitere Kostprrobe seines Könnens abgab. Und mit jedem weiteren Kleinkindschrei passte sich der düstere Gesichtsausdruck des Mannes den aufziehenden dunklen Gewitterwolken immer mehr an, bis es im Waggon finsterer war als draußen. 
 
Dann war es soweit: Urplötzlich erhob sich der fleischgewordene Brummkreisel, streckte seine gewaltigen Pranken aus und bewegte sich auf den kleinen Plärrer zu. Dessen Mutter starrte den Unhold mit weit aufgerissenen Augen an, war aber ebenso unfähig sich zu rühren wie ich - der Schreck lähmte uns beide. Doch kurz bevor sich die Wurstfinger um den Schreihals legen konnten, geschah das Wunder: Der Mann lächelte, sagte "Simsalabim" und zauberte aus seiner Faust eine künstliche Blume hervor. 
 
Das verblüffte Kind nahm die Gabe huldvoll entgegen, gluckste glücklich und beschäftigte sich die nächsten Minuten damit, der Blume Blütenblätter auszureißen, was diese jeweils mit einem fröhlichen Kichern quittierte. Doch gerade, als wir den Bottroper Bahnhof erreichten, riss mich ein erneutes Kinderplärren aus dem Sitz. Ich war wohl kurz eingedöst, mein Nachbar fixierte den kleinen Störenfried immer noch wie Lord Voldemort einen Harry Potter-Abkömmling, und die Mutter hatte resigniert alle Beruhigungs-Bemühungen eingestellt. 
 
Ach, manchmal wünscht man sich, dass Träume Realität werden könnten. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1654 vom 16. 7. 25

Mit was befassen wir uns in der heutigen Schmunzelpost? Darüber machte ich mir geraume Zeit Gedanken, bevor ich mit dem Schreiben begonnen habe. Schließlich habe ich eine Verantwortung gegenüber der Leserschaft. Und daher wollte ich heute auf politische und kontroverse Themen verzichten. Und nur nichts Verdrießliches aufgreifen, das uns deprimiert oder über die Übel der Welt nachdenken lässt. Nein, diesmal soll es etwas völlig Unbeschwertes und Heiteres sein, das Euch mit einem Lächeln in den Tag entlässt. 
 
Schauen wir mal nach, was das Internet zu bieten hat. Der Eintrag in der Suchmaschine lautete: "Das Witzigste aus aller Welt". Als erstes ploppen drei You-Tube-Beiträge auf. Ganz vorne steht ein Clip, der die "fünf lustigsten Videos der Welt" verspricht. Das erste Video ist ein Werbespot mit Ralf Schuhmacher. Danach geht es steil bergab. Ein Typ namens "ohBrox" mit mehr als einer Million Abonnenten schaut sich Filmschnipsel an und lacht fröhlich oder guckt betroffen. Dutzendware, sag ich mal und schalte weg, als dieser Spaßvogel über einen echten Vogel, der mit dem Schnabel an eine Tür klopft, sagt: "Oh Gott, was macht er jetzt? Er klopft mit dem Schnabel an die Tür!" 
 
Aber es geht noch schwächer. "Die witzigsten Schlamassel aus aller Welt" werden von RTL sogar im Fernsehen ausgestrahlt und präsentieren eine Einheitspampe aus Missgeschicken, bei denen Menschen auf die Nase und Hunde auf die Schnauze fallen. Immerhin findet sich zu diesem You-Tube-Beitrag ein positiver Kommentar: "Dafür lieben wir alle RTL" schrieb "NurderFCK_1900". Die Fans des FC Kaiserslautern sind auch nicht mehr das, was sie zu Fritz Walters Zeiten einmal waren. 
 
Und dann hat noch ein "Fufu" angeblich "Die Witzigsten Dinge der Ganzen Welt" ausgewählt. Naja, Rechtschreibung gehört schon mal nicht dazu. Das erste Video lässt hoffen: Eine kreisrunde Wanduhr, deren Sekundenzeiger ausdauernd nach oben zeigt, während die Uhr sich um sich selbst dreht. Doch im Anschluss folgt sofort ein Clip, bei dem eine Katze sich aussperrt. "Und? Was macht sie jetzt?" fragt Fufu. Nix. Das Video ist zu Ende. Und ich stimme dem Kommentar von "laiaorgana" zu, die fragt: "Was ist besser als eine süße, schlafende Katze? Drei süße, schlafende Katzen." 
 
Das wird wohl nichts mit den Filmchen. Dann versuchen wir es doch mit "wissenschaftlichen" Methoden. Das Magazin "Readers Digest" suchte unter seinen Lesern nach dem besten Witz der Welt. 16.000 Teilnehmer stimmten ab und vergaben Punkte an Scherze aus aller Frauen Länder. Für mich war jedoch bereits ein Witz, was in manchen Staaten als guter Witz betrachtet wird. 
 
Über den Beitrag aus Russland musste ich ein Weilchen nachdenken. "Wegen der Rezession wird, um Strom zu sparen, das Licht am Ende des Tunnels abgeschaltet. – Gott." Dafür fand ich den besten deutschen Beitrag, der auf Platz elf landete, auf Anhieb nicht übel: Kommt ein Mann zur Wahrsagerin und setzt sich vor die Kristallkugel. „Wie ich sehe, sind Sie Vater von zwei Kindern", sagt die Wahrsagerin. „Das glauben SIE!", erwidert er. „Ich bin Vater von drei Kindern." Die Wahrsagerin lächelt und antwortet: „Das glauben SIE!" 
 
Und welcher Witz hat gewonnen? Die Einsendung aus Schweden von Jörgen Jönsson:  Ein Einwohner aus Stockholm fährt zur Entenjagd aufs Land. Als er eine Ente sieht, zielt er und schießt. Doch der Vogel fällt auf den Hof eines Bauern, und der rückt die Beute nicht heraus. „Das ist mein Vogel“, besteht der Städter auf seinem Recht. Der Bauer schlägt vor, den Streit, wie auf dem Land üblich, mit einem Tritt in den Unterleib beizulegen. „Wer weniger schreit, kriegt den Vogel.“ Der Städter ist einverstanden. Der Bauer holt aus und landet einen gewaltigen Tritt in den Weichteilen des Mannes. Der bricht zusammen und bleibt 20 Minuten am Boden liegen. Als er wieder aufstehen kann, keucht er: „Okay, jetzt bin ich dran.“ „Nee“, sagt der Bauer im Weggehen. „Hier, nehmen Sie die Ente.“ 
 
Für Freunde des subtilen Humors war das vielleicht ein Tritt in die Weichteile. Aber ich habe gegrinst. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1653 vom 15. 7. 25

Nicht oft, aber dann umso mehr, erfüllt es mich mit Genugtuung, wenn ich mitbekomme, dass bestimmte Leute Probleme kriegen. Das ist jetzt der Fall: Die AfD steckt in einem Zwiespalt, seit Donald Trump seine Enttäuschung über den vormaligen Busenfreund Wladimir Putin kundtut. Vorher huldigte die Partei beiden Schlichtgestalten der Freunde antidemokratischen und diktatorischen Gebarens. Nun muss sie sich für einen entscheiden, was hoffentlich zu einer Zerreissprobe wird. 
 
Wie kann man überhaupt Typen verherrlichen, die Anstand, Wahrheit und Moral mit Füßen treten und für die nichts anderes zählt als die eigene Bedeutung? Nun gut, bei uns war früher die Sehnsucht nach einem starken Mann auch tief verankert. Aber nach einem Kaiser, der sein Land in einen fürchterlichen Weltkrieg führte und einem größenwahnsinnigen Schreihals, der ihn durch den zweiten Weltkrieg und vorsätzlichen Völkermord noch deutlich übertraf, sollte unser Bedarf doch für alle Zeiten gedeckt sein. 
 
Aber die Menschen vergessen schnell. Und der Gedächtnisschwund führt dazu, dass die pure Wut über das vermeintliche Versagen von Regierungen dazu führt, auf dem Wahlzettel eine Partei anzukreuzen, die außer konsequentem Dagegensein rein gar nichts zu bieten hat. Jedem, der seine Sinne halbwegs beisammen hat, müsste nun wirklich klar sein, dass dieses Programm und dieses Personal keine Alternative für Deutschland sind, sondern ein Freifahrtschein in den Abgrund. 
 
Nein, AfD-Wähler sind in der Mehrzahl keine Nazis, aber Menschen, die sich einreden lassen, Migranten seien unser größtes Problem, der Islam strebe danach, in Kürze bei uns die Macht zu übernehmen und man könne nicht mehr auf die Straße gehen, ohne Gefahr zu laufen, von bösartigen Ausländern überfallen, vergewaltigt oder getötet zu werden. Mit Verlaub: Das ist Blödsinn, gefüttert von Verschwörungstheorien und verzerrter Wahrnehmung der Realität. 
 
"Deutschland den Deutschen"? Wie soll das gehen? Auch die AfD würde das (zum Glück) nicht hinkriegen. Doch Populisten können im Grunde nur eines richtig: Versprechen machen, die nicht einlösbar sind. Deshalb bin ich sehr gespannt, wie der Trump/Putin-Konflikt in der AfD ausgehen wird. Eigentlich kann man bei deutschen Wählern mit beiden nicht punkten. Womöglich zaubern Weidel & Co. deshalb einen Joker aus dem Hut. Gilt China nicht als die künftige Weltmacht Nummer eins? Hat der Staat nicht seit Jahren die höchsten Wachstumsraten? Und sorgt Xi Jingping nicht mit eiserner Faust für Recht und Ordnung? 
 
Den richtigen Brückenbauer hat die Partei bereits. Nachdem CDU-Mitglied Maxmillian Krah nach zweimaligen vergeblichen Bemühungen um eine Bundestags-Kandidatur erkannte, dass ihm die AfD bessere Karriere-Chancen bietet, hat er seine Fühler auch nach Russland und China ausgestreckt. Sein Engagement als China-Lobbyist ging selbst den Parteifreunden zu weit. Was sie jedoch nicht hinderte, Krah ins Europaparlament zu entsenden. Womöglich steht er nun vor einem großen bundespolitischen Comeback: Krah für Deutschland, AfD für China und die Vernunft ins Klo - die Alternative für einen braunen Weg in die Zukunft! 
 
Glückauf 
kdk     

Schmunzelpost 1652 vom 14. 7. 25

Der Tsunami an englisch-denglischen Begriffen, der seit einigen Jahren über uns hereinbricht, lässt mich nicht ruhen. Mir ist klar, dass sich in einer durch das Internet verbundenen enger gewordenen Welt Sprache verändert und sich neue Wörter schneller einbürgern als früher, aber muss man deshalb aus einem Fliesenleger einen killed Interior Construction Worker machen? Ich beäuge daher die vom Leibniz-Institut für deutsche Sprache gebilligten Neologismen nicht nur englischen Ursprungs kritisch und befasse mich heute ein zweites Mal damit. 
 
Solche Wörter durchlaufen keineswegs die "Erstaufnahmeeinrichtung" beim deutschen Sprach-TÜV. Dieses Wort ist bereits 2021 für die "offizielle erste Anlaufstelle und Unterkunft zur Registrierung und Versorgung von Asylbewerbern" installiert worden. Und ich finde es sogar gut, weil es einen Bandwurm komprimiert. Dagegen stößt mir „Snackification“ sauer auf. Gemeint ist damit, dass viele kleine Mahlzeiten täglich unsere traditionellen Meilensteine wie Frühstück und Mittagessen ablösen sollen. 
 
Auch die Mikromobilität mausert sich aus meiner Sicht zum Makro-Problem. Das liegt vor allem an der Dreistigkeit, mit der sich die Tretroller- und E-Scooter-Nutzer auf Bürgersteigen, Radwegen und in Fußgängerzonen bewegen. Die daraus resultierenden Unfälle beschäftigen nicht nur die Mikro-Chirurgie. Und bei  „Frenemy“, „hullern“, „Everesting“ und "niksen" musste ich das Handtuch werfen und mich erst schlau machen. 
 
Frenemy setzt sich aus "friend" und "enemy" zusammen und soll vergiftete Freundschaften charakterisieren. Also falsche Freunde, die zwar so tun, uns aber in Wirklichkeit alles anderes als wohlgesonnen sind. Für mich fallen bereits Leute darunter, die mit solchen Begriffen und Fremdwörtern um sich werfen, um zu zeigen, welch tolle Hechte sie im Vergleich zu uns unwissenden Würstchen sind. 
 
Hullern kenne ich als Ortsteil von Haltern. Dass es ein Wort für einen Trendsport ist, der auch "hoopen" genannt wird und dessen Anhänger den alten Hula-Hoop-Reifen ausgegraben haben, war mir neu. Vielleicht ist es ja auch ein sehr schnelllebiger Trend gewesen und schon wieder auf dem Friedhof der Modeerscheinungen beerdigt worden. Das gilt vermutlich auch für das "Everesting", bei dem sich Radfahrer zum Ziel setzen, an beliebigen Anstiegen insgesamt die 8848 Höhenmeter des Mount Everest abzustrampeln. 
 
Da wäre das "niksen" schon eher was für mich. Der Begriff kommt ausnahmsweise nicht aus dem Englischen sondern aus dem Niederländischen und bezeichnet die Kunst des Nichtstuns. Wir sollen uns alle jeden Tag viel öfter kleine Auszeiten nehmen, bewusst durchatmen und unserem Geist eine Pause gönnen. Wie das gehen soll, wenn ich mir doch auch ein Buch über das richtige NIksen kaufen und durchackern soll, kann mir vielleicht ein Nikser gelegentlich erklären. 
 
Bevor ich gleich niksen übe, denke ich noch kurz darüber nach, die Vokabel "Schmunzelpost" durch einen Neologismus zu ersetzen. Wie wäre es mit "wissensdurchsetzte Lächelbotschaft"? Nee, das ist lächerlich und zu lang. Dann lieber niksen und an der Schmunzelpost festhalten. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1651 vom 13. 7. 25

Wer keine Probleme hat, der schafft sich welche. Das dachte ich unwillkürlich, als ich Anfang Juli las, dass die Stadt Köln die Bezeichnung "Spielplatz" abschaffen und durch "Spiel- und Aktionsfläche" ersetzen wollte. Der neue Begriff sollte "dem erweiterten Inklusionsbedarf" Rechnung tragen. Nun sind viele Kölner zwar überzeugte Jecken, aber der neue Name löste bei fast allen lediglich Kopfschütteln aus. Zumal der Spaß auch noch Geld gekostet hätte: Die alten Schilder sollten nach und nach ausgetauscht werden, schon im ersten Jahr wären 38.000 Euro dafür fällig gewesen. 
 
Zum Glück hat die Stadtspitze noch rechtzeitig erkannt, dass die vom Jugendhilfeausschuss beschlossene Maßnahme wohl nur einen einzigen Nutzen gehabt hätte: Köln bundesweit ins Gespräch zu bringen. Dieses Gespött hat man sich gerade noch rechtzeitig erspart, die Penz der Domstadt dürfen ihre Spielplätze auch künftig so nennen. 
 
Als sprachinteressierter Mensch bin ich jedoch neugierig geworden und habe mich damit befasst, welche Neologismen sonst noch bei uns Fuß zu fassen drohen. Als einen Neologismus bezeichnet man eine sprachliche Neuprägung. Das kann ein völlig neu geschaffener Begriff sein, aber auch eine Bezeichnung, die einem bereits vorhandenen Wort eine neue oder veränderte Bedeutung verleihen soll. Auf diesem Spielplatz haben sich die "Spiel- und Aktionsflächen-Kreativlinge" ausgetobt. 
 
Einigermaßen entsetzt musste ich lesen, von welchen 127 neuen Begriffen das ehrwürdige Leibniz-Institut der Deutschen Sprache glaubt, dass sie dauerhaft Einzug in unseren Wortschatz halten werden. Gut, die Bezeichnungen "woke" und "gendergerecht" haben sich allein durch die Aufregung und den erzeugten Diskussionsbedarf ihre Aufnahme verdient. Aber Flanking, Balayage, Frostkerze, Hackathon oder Menemen? Offenbar habe ich das letzte Jahr in einer hermetisch abgeriegelten Sprachblase gelebt, zu der diese Neuschöpfungen nicht durchgedrungen sind. 
 
Dann wollen wir mal für Aufklärung sorgen. Von "Flanking" habe ich zumindest mal in einer Quizsendung, die sich mit Skurrilitäten beschäftigt, etwas gehört, aber sofort wieder vergessen. Darunter versteht man das Zeigen des nackten Knöchels zwischen Schuh und Hosenbein. Aha. Balayage hingegen ist eine spezielle Technik der Färbung von langen Haaren. Okay, damit bin ich seit mindestens 40 Jahren raus aus dem Interessentenkreis. 
 
Eine Frostkerze ist kein Schluckspecht mit roter Birne im Winter, sondern eine Lampe, die Pflanzen Wärme spendet.  Und ein Hackathon ist eine kollaborative Soft- und Hardwareentwicklungs­veranstaltung. Nach dieser Begriffserklärung habe ich sofort die Lust verloren, mich näher damit zu befassen. Und - mannomann - Menemen ist eine türkische Eierspeise, speziell für den Sommer oder zum Frühstück. Okay, wer's mag. Aber von mir aus kann man ein Ei drüber schlagen. 
 
Immerhin war auch ein Begriff dabei, den ich in Zukunft selbst verwenden werde: Muffintops. So nennt man über den Hosenbund hervorquellende Fettpolster. Und das klingt doch gleich viel positiver als Rettungsringe. 
 
Glückauf 
kdk     
 
PS. Ein Nachtrag zu den Frankreich-Folgen traf von Martin ein. Kein Wunder, dass er dieses Land mag: 
 
Frankreich ist alleine schon deshalb hoch zu ehren, weil dort ein Name wesentlich höher geschätzt wird als hierzulande: der meistvorkommende Nachname ist dort Martin (und nimmt den Platz ein, den hier sowas Banales wie Müller, Meier oder Lehmann besetzen). Es gibt in Frankreich über 140 Orte namens St. Martin! In Deutschland sind's etwa 2-3! Klar, der heilige Martin war vor 1600 Jahren Bischof von Tours an der Loire. 
 
Übrigens ist Paris eine winzige Stadt, wenn man ihre Fläche von 105 qkm mit ihrer Einwohnerzahl von 2,2 Millionen, der Fülle an Sehenswürdigkeiten, riesigem Metronetz und Bedeutung als Weltstadt in Relation setzt. Paris passt gut anderthalb mal in Dorsten (171 qkm) oder zweimal in Essen (210 qkm) hinein. Wären die beiden Städte so dicht besiedelt wie Paris, hätte Dorsten fast 3,5 Millionen und Essen fast 4,5 Millionen Einwohner! 
 

Schmunzelpost 1650 vom 12. 7. 25

Vor dem abendlichen Auftritt im Bürgerbahnhof dreht sich bei mir immer noch alles um Frankreich. Ein paar besondere Fakten habe ich deshalb noch für Euch aufgehoben.
 
Seit Asterix wissen wir, dass die Gallier ein zähes Völkchen sind. Das wird untermauert durch die Tatsache, dass die Frau mit der bisher amtlich belegten längsten Lebensdauer eine Französin war. Jean Calment kam am 21. Februar 1875 zur Welt und starb erst nach 122 Jahren und 164 Tagen am 4. August 1997. Für eine Studie ließ sie sich im Alter von 114 Jahren untersuchen. Zu der Zeit brauchte sie zum Gehen noch keinen Stock und trieb täglich Sport. Übertrieben gesund hat sie nicht gelebt: Sie rauchte ab und zu eine Zigarre, aß jeden Tag Schokolade und trank täglich ein Glas Portwein.
 
Wenn Ihr beweisen könnt, dass Ihr Jean Calment sehr gut gekannt habt und nur ihr vorzeitiger Tod Eure Ehe verhinderte, dann ist es möglich, sie immer noch zu heiraten. Sich mit Toten trauen zu lassen, lässt das französische Recht grundsätzlich zu. Ihr benötigt dazu bloß die Erlaubnis des französischen Präsidenten. . .
 
Auch in anderer Hinsicht gibt es in Frankreich eigenartige Gesetze. So ist es seit 1910 verboten, sich auf Bahnsteigen zu küssen. Dieses Gesetz wurde verabschiedet, um verspätete Zugabfahrten zu verhindern. Offenbar haben französische Lokführer ein weiches Herz. Aber auch französische Ordnungshüter: Verbotsübertretungen im Bahnhofsbereich werden heute komplett übersehen. Nebenbei: Vielleicht sollte die Deutsche Bahn prüfen, ob auch bei uns zärtliche Abschiede die eigentliche Ursache für Verspätungen sind.
 
Anders als die Deutschen sind die Franzosen übrigens keine großen Fans von Verkehrsschildern. In ganz Paris gibt es lediglich ein einziges Stoppschild! Dafür hat Frankreich die Welt modisch bereichert. Auch mit Textilien, deren Erfinder man eigentlich ganz woanders vermutet. So stammen die berühmten Schottenröcke, die Kilts, keineswegs aus den Highlands sondern ursprünglich aus Frankreich. Und ein Kleidungsstück, das wir automatisch mit Amerika verbinden, hat ebenfalls seinen Ursprung mitten in Europa. Die Jeans, die rund um den Globus getragen wird, ist zuerst im französischen Nimes geschneidert worden. Levi Strauss kopierte dann in den USA die Idee und begann, strapazierfähige Kleidung für kalifornische Goldgräber herzustellen.
 
Zum Schluss noch ein Blick auf Ortsnamen, von denen es ja bei uns jede Menge kuriose gibt. Das gilt auch für Frankreich. Die Orte Anus, Brust und Kondom existieren tatsächlich! Und im Land der Liebe kann man nach Saint Amour reisen, aber auch nach Bizou (Küsschen) oder zu seinen Lieblingen (Les Cheris). Doch es gibt auch Dörfer, die man besser meiden sollte. In Bourré, was soviel heißt wie "besoffen", sind aber hoffentlich wenigstens die Kinder nicht alkoholisiert. Und in La Conne sollten Sie es vermeiden, Frau oder Freundin neben dem Ortsschild zu fotografieren. "La Conne" heißt "Die blöde Kuh". (Wenn Ihre Begleiterin dahinter kommt, riskieren Sie eine Ohrfeige. Aber da können Sie auch gleich hinfahren: Nach "La Baffe"!)
 
Glückauf
kdk
 

PS. Mittlerweile ist ein neuer Tag angebrochen und das Publikum ebenso wie die Akteure zufrieden von einer sehr schönen Veranstaltung nach Hause zurückgekehrt. Und womöglich mit dem Wunsch, dass sich noch mehr Menschen aktiv für Städtepartnerschaften einsetzen und grenzüberschreitende Freundschaften schließen mögen. 

Schmunzelpost 1649 vom 11. 7. 25

Lust auf einen musikalischen, heiteren Frankreich-Abend? Mit Wein, Cidre und Champagner? Pech gehabt! Bereits nach dem ersten Vorverkaufstag waren alle Tickets vergriffen. "Wir hätten doppelt so viele Karten verkaufen können", sagte die Leiterin der Stadt-Agentur. Damit Ihr Euch nicht grämt, heute Abend die Veranstaltung im Bürgerbahnhof zu verpassen, habe ich als Trost ein paar Kuriositäten über Frankreich zusammengestellt. 
 
"Die Bürokratie lähmt Deutschland", wird hierzulande oft gestöhnt. Das läge an unserem Beamtenstaat, sind manche bei der Ursachenforschung schnell fündig geworden. Doch nicht in Deutschland, sondern in Frankreich gibt es die meisten Beamten. Fünf Millionen sind dort im Dienste des Staates. Auf 100.000 Einwohner kommen also 89 Beamte. In Relation zur Einwohnerzahl rangieren trotzdem Norwegen, Dänemark und Schweden in Europas Beamten-Statistik weit vorn. 
 
Und wer ist in Europa die führende Käse-Nation? Nein, nicht die angeblichen Kasköppe aus den Niederlanden. Auch die Schweizer haben keine Chance. In Frankreich werden 1200 Käsesorten hergestellt, die meisten nach wie vor handwerklich in kleinen Betrieben. Kein Wunder, dass Andreas Steinkopf, Käsespezialist auf dem Dorstener Markt, regelmäßig zum Pariser Großmarkt fährt. Übertroffen wird die Beliebtheit von Molkereiprodukten aber noch vom Appetit auf Baguettes: Sechs Milliarden Stück davon werden jährlich in Frankreich verkauft. Im Schnitt ißt jeder Franzose täglich ein halbes Baguette. 
 
Kann man sich ohne Sport durch Kultur fit halten? Man kann! Zumindest in Paris. Wer eine Dauerkarte für den Louvre hat, absolviert bei einem Rundgang durch alle Räume eine Strecke von 14,5 km. Und wer alle ausgestellten 35.000 Kunstwerke mindestens zehn Sekunden lang betrachten will, der braucht dafür sage und schreibe drei Tage und zwei Nächte! 
 
Beim gegenwärtigen Wettrüsten und den gewaltigen technischen Fortschritten sollte man dagegen besser ausgeschlafen sein. Im Zeitalter der Satelliten und Drohnen setzt das französische Militär deshalb auf Bewährtes. Als einziges europäisches Land sind für Frankreichs Armee noch 150 Brieftauben im Dienst. Da guckst Du, Putin! Dagegen sind Deine superteuren, megamodernen Störsender machtlos! 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1648 vom 10. 7. 25

Bahnt sich eine neue Pandemie an? Das wäre fatal. Westeuropäer wird jedoch beruhigen, dass die bisherigen Todesfälle sich auf einen kleinen Kreis von gefährdeten Personen beschränken: Auf russische Oligarchen und in Ungnade gefallene Politiker. 
 
Im jüngsten Fall handelt es sich um den ehemaligen russischen Verkehrsminister. Roman Starowoit war erst ein paar Stunden zuvor von Putin gefeuert worden, als man ihn mit einer Kugel im Kopf tot in seinem Wagen auffand. "Selbstmord" urteilten die Ermittler der Polizei und schlossen Fremdeinwirkung aus. Verwirrend nur, dass im russischen Internet Videos kursierten, die zeigten, wie Polizisten den Leichnam aus einem Gebüsch nahe von Starowoits Wohnort tragen. 
 
Nun kann es natürlich sein, dass der unglückliche Ex-Minister auf seine Entlassung reagiert hat, wie einst entehrte japanische Samurai. Mit der Kugel in der Schläfe hat er sich dann noch mit letzter Kraft ins Gebüsch geschleppt. Aber da alles seine Ordnung haben muss, hat ihn womöglich die Polizei erst einmal an den wahren Tatort zurückgebracht, um abwegigen Spekulationen vorzubeugen. 
 
Als weiteres Motiv für den Suizid wäre denkbar, dass der 53-Jährige als Versager in seinem Amt nicht noch zu Lasten der Steuerzahler jahrzehntelang eine üppige Pension kassieren und damit dem Staat auf der Tasche liegen wollte. Sollte das so sein, wäre es aller Ehren wert. Allerdings hätte ohne einen solch drastischen Schritt ein Rentenverzicht auch gereicht. Wenn ich mir nur einmal vorstelle, alle wegen gravierender Fehler entlassenen oder zurückgetretenen Minister auf Bundes- und Landesebene in Deutschland hätten auf Abfindungen und lebenslange Zahlungen verzichtet - wir müssten heute nicht über Haushaltslöcher diskutieren! 
 
Aber zurück nach Russland. Kann Selbstmord epidemisch werden? Oder Herzschwäche in gewissen Kreisen ansteckend wirken? Der Verdacht drängt sich auf, weil in Russlands zahlenmäßig überschaubarer Elite gehäuft mysteriöse Todesfälle auftreten, allein seit 2022 mindestens 60. Als Grund des Ablebens wurden dabei Selbstmord, Sturz aus dem Fenster und Herzversagen angegeben.  
 
Besonders gefährdet sind anscheinend Führungskräfte der Energiebranche. Erst vor zwei Wochen stürzte der Vize-Chef eines Ölkonzerns aus dem Fenster und kam dabei ums Leben. Genauso erging es im Herbst 2022 dem Vorstandschef eines anderen russischen Ölkonzerns. Und auch andere Topmanager, Staatsangestellte und Kulturschaffende konnten dem Sog der geöffneten Fenster nicht widerstehen. Wäre ich Wohnungsmakler in Russland, ich würde allen Oligarchen und Promis empfehlen, besser im Erdgeschoss zu wohnen. 
 
Wie viele hochrangige deutsche Politiker oder Firmenbosse sind eigentlich in den letzten 20 Jahren aus dem Fenster in den Tod gestürzt? Äh, ja, mal kurz durchzählen, nochmal überprüfen, oha - kein einziger! So ist zumindest nachvollziehbar, dass böse Zungen behaupten, in Russland steckten staatliche Drahtzieher hinter manchen dieser Todesfälle. Und hätten nicht einmal etwas dagegen, wenn solche Vermutungen als Drohung wirken würden. Aber das ist natürlich Quatsch: Die russische Polizei versichert schließlich, dass es sich in jedem Fall nachweislich um Suizid oder Tod aus medizinischen Gründen gehandelt habe. 
 
Komisch, dass mir da ein alter Witz einfällt, der in den 1960er Jahren in den USA spielt. Da wird im Bundesland Mississippi ein ortsansässiger Sheriff an den Fundort einer Leiche gerufen. Der dunkelhäutige Tote ist von 27 Kugeln durchsiebt. "Mein Gott", murmelt der Sheriff erschüttert, "ich habe noch nie einen so fürchterlichen Selbstmord gesehen!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1647 vom 9. 7. 25

Wie dreist kann man sein? Da schlägt einer, der seit langem einen mörderischen Krieg führt und alles daran setzt, das Schlachten und Verwüsten möglichst lange fortzuführen, einen anderen für den Friedensnobelpreis vor, mit dem gemeinsam er gerade völkerrechtswidrig den Iran angegriffen hat. Wirklich wahr! Netanjahu sandte einen entsprechenden Brief an das Nobelpreis-Komitee und schlug darin die Auszeichnung von Donald Trump vor. Eines Mannes, so Netanjahu, der Frieden "in einer Region nach der anderen" schmiede. Damit ist Israels Regierungschef beim Einschleimen in Trumps Enddarm sogar an NATO-Generalsekretär Rutte vorbei gerobbt. 
 
Da bleibt mir doch glatt die Spucke weg. Werden jetzt Vladimir Putin und Kim Jong Un als Kronzeugen die Nominierung unterstützen? Wird J. D. Vance von der Stockholmer Kommission die Einrichtung eines Sonderpreises für innerstaatlichen Frieden einfordern, weil sein Boss durch den Einsatz von Nationalgarde und Militär verhindert hat, dass ganz Kalifornien im Chaos versank? Ich bin gespannt. 
 
Neu ist es allerdings nicht, dass gewagte Vorschläge für den Friedensnobelpreis eingereicht wurden. So hatte im Januar 1939 ein Schwede, der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete E. G. C. Brandt, ausgerechnet Adolf Hitler nominiert. Begründung: Hitler werde "die Brüderlichkeit der Nationen und die weltweite Abrüstung" voran treiben. Da nicht alle kapierten, dass die Empfehlung des Antifaschisten ironisch gemeint war und es große Aufregung gab, zog Brandt seinen Vorschlag umgehend zurück. 
 
Trump steht dagegen bereits das dritte Mal auf der Kandidaten-Liste. In seiner ersten Amtsperiode hatten ihn 18 republikanische Abgeordnete vorgeschlagen, "für seine Bemühungen um den Frieden zwischen Nord- und Südkorea". Zwar war Trump nach seinem Treffen mit dem nordkoreanischen Dikator von Kim Jong Un schwer begeistert, aber die Friedensträume platzten wie viele andere Trump-Seifenblasen sehr schnell. Doch es gibt noch drei weitere Anwärter, von denen ich es nicht erwartet hätte. 
 
Der russische Präsident Vladimir Putin wurde 2014 von der "Internationalen Akademie der geistlichen Einheit der Völker der Welt" für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Geehrt werden sollte er für sein "Engagement im Syrien-Konflikt".  Benito Mussolini war ab 1925 Diktator des faschistischen Regimes in Italien und wurde 1935 sogar von zwei Personen für den Friedensnobelpreis nominiert: von einem Professor aus Deutschland und einem Professor aus Frankreich. 
 
Und schließlich war nach Ende des 2. Weltkriegs sogar Josef Stalin im Gespräch. Der frühere Diktator der Sowjetunion wurde von einem Professor aus Prag nominiert - gleich zweimal, 1945 und 1948. Grund dafür waren Stalins angebliche "Bemühungen den zweiten Weltkrieg zu beenden". Möglicherweise zögerte die Jury mit der Preisverleihung, weil sich herumgesprochen hatte, dass Stalin durch diverse "Säuberungsaktionen" Millionen Menschenleben auf dem Gewissen hatte. 
 
Auch wenn man über die Berechtigung mancher Preisvergaben durchaus diskutieren kann: Der Super-GAU wurde bisher vermieden. Aber augenblicklich halte ich nichts mehr für unmöglich. Vielleicht hätte die Auszeichnung ja zur Folge, dass Trump vor Stolz platzt. Wird das garantiert, unterschreibe ich die Befürworter-Liste. Ansonsten erwarte ich jedoch für den Fall des Falles, dass Ihr mich dann umgehend für den Literatur-Nobelpreis vorschlagt. 
 
Glückauf 
kdk   

Schmunzelpost 1646 vom 8. 7. 25

Ein allerletztes Mal soll es heute um letzte Worte gehen. Danach schreibe ich über dieses Thema kein Sterbenswörtchen mehr. 
 
Meine Skepsis darüber, ob die überlieferten Zitate wirklich die letzten Äußerungen der berühmten Verblichenen gewesen sind, habe ich bereits deutlich formuliert. Unabhängig von der Authenzität hat sich lange vorher der Schriftsteller B. Traven unter seinem früheren Pseudonym Ret Marut darüber Gedanken gemacht, ob solche "Last-Minute"-Sprüche tatsächlich ernst zu nehmen sind, wenn sie lebenslang verbreitete Einsichten auf den Kopf stellen: 
 
"Das letzte Wort eines Sterbenden: Macht kein Wesens davon und haltet es nicht etwa heilig. Denn das letzte Wort ist nicht mehr sein eigenes Wort; es ist zur Hälfte schon das Hauchen aus einem anderen Zustand, der nichts mit Euch und Eurem Leben zu schaffen hat. Das letzte Wort eines Sterbenden hat noch nie jemand verstanden. Und noch nie jemand gehört. Aber dennoch hat es schon mehr Unheil angerichtet als die Worte Lebender. Und hütet Euch bei Menschen, die Ihr schätzt und hochachtet, ihr letztes Wort zu vernehmen! Es kann ihre ganze Lebensweisheit mit einer Silbe umwerfen und Ihr steht hilflos da. Das letzte Wort eines Sterbenden ist noch weniger wichtig, als das eines Mannes, der sinnlos betrunken ist." 
 
Mehr noch stimme ich Mark Twain zu. Der schrieb: "Ein Mann, der etwas auf sich hält, sollte es mit seinen letzten Worten ebenso genau nehmen wie mit seinem letzten Atemzug. Er sollte sie beizeiten auf einen Zettel schreiben und die Meinung seines Freundes dazu einholen. Er sollte sich damit keinesfalls erst in der letzten Stunde seines Lebens befassen und darauf vertrauen, dass eine geistvolle Eingebung ihm just dann, wenn es darauf ankommt, in die Lage versetzt, mit seinem letzten Schnaufer etwas Brillantes von sich zu geben und einen grandiosen Abgang hinzulegen. (...) 
 
Unter solchen Umständen gibt es keine Gewähr dafür, dass einem ein guter Ausspruch einfällt; es zeugt daher von purer intellektueller Eitelkeit, wenn einer glaubt, es auf den letzten Moment ankommen lassen zu können. (...) Ich wünschte mir wirklich, unsere großen Männer würden aufhören, in der Stunde ihres Sterbens diese Banalitäten zu sagen. Sammeln wir lieber vorsorglich ihre vorvorletzten Worte, aus ihnen können wir später vielleicht etwas Zufriedenstellendes zusammenstoppeln. Die Öffentlichkeit legt keinen Wert darauf, immer wieder geistige Tiefschläge verabreicht zu bekommen." 
 
Genau! Schon bevor ich dies las, wollte ich Euch empfehlen, in einer stillen Stunde Eure Botschaft an die Nachwelt aufzuschreiben und, wenn sich die Lage zuspitzt, unter Euer Kopfkissen zu legen. Falls Ihr nicht mehr fähig seid, im letzten Moment das Blatt hervorzuholen, wird es spätestens ans Licht kommen, wenn man Eure sterblichen Überreste abtransportiert und das Bett neu bezieht. 
 
Auf meinem Zettel steht als vorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorvorletzte 
Botschaft 
 
"Glückauf 
kdk" 
 
PS. Eine Korrektur bestärkt im Nachhinein meine Auffassung, dass die letzten Worte des vor rund 250 Jahren verstorbenen Mediziners Albrecht von Haller von anderen gebastelt wurden. Angeblich soll der Universalgelehrte sich selbst den Puls gefühlt und dann geflüstert haben: "Il bat, il bat, il bat - plus!" Google übersetzt dies mit: "Er schlägt, er schlägt, er schlägt - mehr!" Ein Französischkenner weist darauf hin, dass das "plus" abhängig von Schreibweise und Akzentsetzung bedeutet haben wird, der Puls "er schlägt, er schlägt, er schlägt - nicht mehr!" Das mag so sein. Aber glaubt Ihr ernsthaft, dass jemand den Augenblick, in dem sein Herz still steht, in der gleichen Sekunde exakt benennen kann? 

Schmunzelpost 1645 vom 7. 7. 25

Als ich vor kurzem eine Schmunzelpost über "Letzte Worte" versandte, war Euch vermutlich bereits klar, dass dies nicht mein letztes Wort in dieser Angelegenheit bleiben würde. Der Harvard-Dozent Karl S. Guthke hat 1990 ein Buch darüber verfasst, ich konnte es mir im Antiquariat besorgen. Und dieser ein wenig makabre Stoff verbindet sein Humor-Potenzial mit reichlich unnützem Wissen und ist so verlockend, dass ich unmöglich widerstehen konnte. 
 
Eigentlich liegt es auf der Hand, dass so viele berühmte Dahinscheidende im allerletzten Augenblick kaum derart viele schlaue Sachen gesagt haben können. Entweder erwischt uns der Knochenmann ganz unverhofft und reißt uns jäh aus dem Leben oder man ist zuletzt bereits geistig weggetreten, dämmert nur noch dahin und hat weder Kraft noch Geist, um etwas Gelehrtes oder Witziges zu sagen. Bei meiner Oma war ich dabei, als sie das letzte Mal sprach. Es reichte nicht einmal für ein komplettes Wort: "Prudel" flüsterte sie als Antwort auf die Frage, ob sie einen Schluck trinken wolle. 
 
Nun war es früher ja üblich, dass sich die Familie am Sterbebett versammelte. Bei Prominenz war oft auch noch ein Arzt, ein Pfarrer oder eine andere Berühmtheit vertreten. Das aber erhöht die Gefahr, dass jeder etwas anderes gehört haben will. Guthke beschreibt dies am Beispiel des Todes von Albrecht von Haller. Das war ein Schweizer Mediziner, Botaniker und Dichter, der als Universalgelehrter galt und in Göttingen wirkte, bevor er 1777 in Bern verschied. 
 
Aus seinem Umfeld wurden so viele letzte Worte überliefert, dass mich das unwillkürlich an die widersprüchlichen Täterbeschreibungen von Zeugen denken lässt. Ein Sterbebegleiter will vernommen haben, dass Haller mit einem christlichen Glaubensbekenntnis das Zeitliche segnete. Ich vermute mal, das war der Pfarrer. Denn ein anderer will stattdessen gehört haben, wie Haller seinen Unglauben betonte. Und ein Dritter beschreibt, Haller habe die Hand an den eigenen Puls gelegt und mit letztem Atem geflüstert: "Il bat, il bat, il bat - plus!", also "es schlägt, es schlägt, es schlägt - mehr!" Wenn das mal nicht der Arztkollege war... 
 
Nach längeren Gesprächen einigten sich die Anwesenden dann jedoch darauf, Haller sei mit dem Satz "Je suis tranquille" ("ich bin ganz ruhig") ins Jenseits gewechselt. Doof nur, dass Friedrich Dürrenmatt später die handschriftliche Notiz eines weiteren Ohrenzeugen entdeckte. Danach hat Haller zwar tatsächlich die Hand auf seine Pulsader gelegt, dann jedoch geröchelt: "Mein Gott! Ich sterbe!" 
 
Wie dem auch sei, es wird auf jeden Fall der Wunsch deutlich, dass zum Abschied von der Welt ein passendes Zitat den Toten unsterblich machen sollte. Einsilbiges und Profanes wie "Ahhhh!", "Mama!", "Hilfe!" oder "son Mist!" geben das nicht her. Deshalb haben viele Überlieferungen einen besonderen Charme, auch wenn sich sofort der Verdacht aufdrängt, die Sprüche könnten ausgedacht sein. 
 
Wäre es nicht schön, wenn der Dramatiker Henrik Ibsen, nach der Bemerkung seiner Krankenschwester, es ginge ihrem Patienten wohl etwas besser, lakonisch gemurmelt habe: "Im Gegenteil!" und dann prompt verschied? Es würde zu dem großen Neinsager passen. Auch die Aufforderung von Franz Kafka, der auf dem Totenbett seinen Freund und Arzt Robert Klopstock beschwor, ihm Morphium zu geben, wirkt zumindest authentisch: "Töten Sie mich, denn sonst sind Sie ein Mörder!" 
 
Ob der irische Dramatiker Brendan Behan sich soviel bösen Witz bis zu seinem letzten Augenblick aufhob, um der Nonne, die ihm den Schweiß von der Stirn wischte zu wünschen: "Alle Ihre Söhne mögen Bischöfe werden!", ist zumindest fraglich. Und dass Todeskandidaten sich mit dem letzten Satz "Ich bedauere, meinen Platz keiner Dame anbieten zu können" auf dem Gang zum elektrischen Stuhl als Kavaliere alter Schule erweisen, setzt eher die Medien unter Strom. Besonders verdächtig ist auch die Legende, dass in sechs Fällen Sterbende das Gleiche gesagt haben sollen, als sie beschworen wurden, dem Teufel zu entsagen: "Dies ist nicht der Moment, sich Feinde zu machen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1644 vom 6. 7. 25

Beim Schreiben einer Schmunzelpost kommt es darauf an, den richtigen Moment abzupassen. Nicht etwa, weil es gerade in der Sekunde gelingt, vorbei fliegende Ideen mit dem Lasso einzufangen. Sondern weil manchmal die Stimmung so verhagelt ist, dass die nötige Heiterkeit sich schwer tut, den Hintern hochzukriegen. Das geht mir in letzter Zeit häufig so, wenn ich mit dem aktuellen Weltgeschehen konfrontiert werde. Nach der Zeitungslektüre beim Frühstück setze ich mich daher nur ungern an den PC. Doch unmittelbar nach den abendlichen TV-Nachrichten ist es besonders schlimm: Dann ist mir meist überhaupt nicht nach Schmunzeln zumute.
 
Denn meine Wut auf bestimmte Personen wächst im gleichen Maße, wie das Gefühl der Ohnmacht zunimmt. Der Zorn auf Putin, wenn erneut Bilder brennende Häuser in Kiew oder Odessa zeigen. Krieg ist immer furchtbar, aber besonders grausam, wenn fernab der Front zivile Ziele angegriffen und unbeteiligte Menschen terrorisiert, verletzt und getötet werden. Einen mörderischer Angriffskrieg mag man noch so oft als Spezialoperation verniedlichen, doch der permanente Einsatz von Drohnen und Raketen, um ein widerspenstiges Volk zu zermürben, sollte die Urheber auch für den Dümmsten als gewissenlose Kriegsverbrecher entlarven.
 
Und dass jemand wie Viktor Orban, der auf demokratische Rechte spuckt, offen Putins Nähe sucht und mit seinem Veto nach Kräften versucht, EU-Maßnahmen zu boykottieren, ungeniert jahrelang viele Millionen aus Europa kassieren und seine Spielchen ungestraft weiter treiben kann, ist mir ein absolutes Rätsel. Ebenso die Dreistigkeit, mit der Erdogan politische Gegner als Verbrecher abstempelt und potenzielle Widersacher in Gefängnissen wegsperrt. Von Netanjahu und seinen Handlangern, die Mord und Terror mit hundertfach größerem Mord und Terror beantworten und aus purem Machtkalkül unsägliches Leid verbreiten, ganz zu schweigen.
 
Möglich ist das durch die Duldung der USA, an deren Spitze ein Großkotz sein Unwesen treibt, der nicht ins Weiße Haus sondern in eine Gummizelle gehört. Aber dort wäre wenig Platz, wenn auch noch die offenbar unzurechnungsfähigen Politiker, Richter und Wähler untergebracht werden müssten, die den Mann nicht nur gewähren lassen, sondern ihm auch noch Beifall klatschen.
 
Ach, was wäre das schön, wenn wir solche finsteren Gestalten einfach wegschmunzeln könnten. Aber Humor ist dabei leider eine stumpfe Waffe. Dennoch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass die subversive Kraft von Witzen einen Beitrag leisten kann, den Spuk in den USA, in Israel, der Türkei, Ungarn und Russland irgendwann zu beenden. Daher schließe ich heute mit ein paar politischen Witzen:
 
Putin wird unerwartet von einem Herzinfarkt dahin gerafft. Nach einigen Jahren gewährt Gott ihm einen eintägigen Besuch auf der Erde. Völlig unerkannt. Putin lässt sich in eine Bar nach Moskau bringen, bestellt einen Vodka und fragt den Barmann: "Sagen Sie, Genosse, was ist mit der Krim? Gehört uns die Krim?" "Natürlich tut sie das." Putin nickt zufrieden. "Und was ist mit der Ukraine, ist sie zerstückelt worden? Oder gehört sie uns auch?" "Die Ukraine ist nicht zerstückelt worden und gehört zu uns. Genauso wie Polen, Weißrussland, Finnland und so weiter." Putin ist überglücklich. "Das ist ja fantastisch!" "Freut mich, dass unser großes Reich Ihnen so gut gefällt, das macht dann sechs Euro bitte."

Was bedeutet die Abkürzung "PET"? Putin, Erdogan, Trump - alles Flaschen! 

Treffen sich Macron und Merz im Magen von Trump. Fragt Macron: "Hat Trump Dich auch gefressen?" Sagt Merz: "Nein, ich komm' von der anderen Seite." 
 
Einer geht noch: Trump wird entführt. Die Entführer verlangen zehn Millionen Dollar Lösegeld. Andernfalls lassen sie ihn wieder frei. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1643 vom 5. 7. 25

Wenn es irgendwo um das Thema Bauch geht, schaue ich stets genauer hin. Schließlich habe ich mir im Laufe der Zeit leider selbst eine ordentliche Plautze zugelegt. Ein weiteres Hingucker-Thema sind Katzen. Wenn beides zusammenkommt, ist solch ein Artikel für mich also Pflichtlektüre. Diesmal war das in einem Stern-Onlinebericht der Fall, an dem in der PC-Übersicht mein Blick wegen des Katzenfotos kleben geblieben war. 
 
Dort erfuhr ich, warum alle erwachsenen Katzen einen kleinen Hängebauch mit sich herumtragen: Damit ihre inneren Organe bei internen Keilereien keinen Schaden nehmen. Außerdem hat der Bauch noch ein paar weitere nützliche Funktionen, etwa bei der Koordination des Bewegungsablaufs. Interessant fand ich aber auch, welche Namen die Wissenschaft dem "Schwabbelbauch" (so der Stern) gegeben hat. 
 
"Es gibt in Beiträgen über dieses Phänomen eine ganze Reihe von Ausdrücken für das kleine Polster an der Unterseite des Stubentigers, zwei davon sind Ur-Wampe oder Fettschürze. Im englischsprachigen Raum spricht man von 'primordial pouch', was so viel wie 'ursprüngliches Täschchen' oder 'Ur-Beutel' heißt und damit wesentlich vornehmer klingt als irgendwas mit 'Wampe'." 
 
Das finde ich auch. Und frage mich, ob es nicht charmanter wäre, auch meine Ausbeulung als "primordial pouch" zu bezeichnen. In diesem Fall würde ich glatt einmal meine Abneigung gegen Anglizismen zurückstellen. Und vertretbar ist der Ausdruck auch beim Menschen. Schließlich waren unsere Vorfahren oft auf ihren Ur-Beutel dringend angewiesen, wenn sie in Hungerperioden längere Zeit nichts zu essen fanden. 
 
Außerdem ist alles besser als Feinkostgewölbe, Bierbunker, Schmerbauch, Rettungsring, Speckgürtel, Fettwanst, Brauereitumor, Bierzeps, Frikadellensilo, Pilsgeschwür, Knödelfriedhof, Lebensmittelschwangerschaft, Schnitzelgrab, Six-Speck, Wohlstandswölbung oder Überhangsmandat. 
 
Glückauf 
kdk

 

Schmunzelpost 1587 (1642) vom 4. 7. 25

Das Schreiben und das Lesen ist stets mein Fach gewesen. Denn ich war zwar kein Operetten-Freund, aber die geschriebene oder gesprochene Sprache hat es mir von kleinauf angetan. Was über Schüler- und Betriebszeitungen schließlich zur Journalistik führte und mich auch als Rentner noch in Schwung hält: Täglich etwas zu schreiben macht mir Freude, umso mehr durch die Gewissheit, dass die Texte auch gelesen werden und einigen Menschen ein Lächeln entlocken.
 
So ist damals die Schmunzelpost entstanden und für mich ein Bestandteil meines Lebens geworden. Der Ausgangsgedanke war: Dunkle Corona-Zeiten durch ein bisschen Spaß aufzuhellen und dabei ein wenig vermeintlich unnützes Wissen zu verbreiten. Corona ging, die Schmunzelpost blieb. Jeder neue Tag findet für mich erst dann ein gutes Ende, wenn ich ein paar Zeilen versandt habe, die ich für lesenswert halte. Denn das ist mein einzige Kriterium: Die Mail geht erst nach draußen, wenn ich meine, dass sie einigermaßen gelungen ist und auch gedruckt werden könnte. Wenn schon nicht im Spiegel, dann wenigstens im Tagesspiegel.
 
Mir ist vollauf bewusst, dass fast alle Texte bei weitem nicht auf Hochglanz poliert sind. Ich will damit nicht den Pulitzerpreis gewinnen und mich nicht so unter Druck setzen, dass aus einem Vergnügen Arbeit wird. Eine Idee haben, gegebenenfalls ein wenig recherchieren, schreiben, noch einmal korrigieren - fertig ist die Schmunzelpost. Wobei ich unbescheiden genug bin zu glauben, dass in den sechzehnhundert Folgen ein paar recht gelungene Passagen enthalten sind.
 
Daher kopiere ich zur Komplettierungs-Feier von www.krauseszeug.de eine bewährte Praxis, die Tatort-Freunden im Sommer längst bekannt ist: Auch eine Wiederholung kann ab und zu Spaß machen! Ich streue also hin und wieder Auszüge aus frühen Texten ein, die Ihr bestimmt längst vergessen habt und die ich selbst erst wieder entdeckte, als ich die Website fertigstellte. Hier ist eine Passage aus dem SP-Nachrichtenticker vom 13. März 2021: 
12.3., 15 h: Der Dorstener Schmunzelpost-Verlag hat Klaus-D. Krause als neuen Geschäftsführer engagiert. Krause, der über Erfahrungen beim Hörfunk und im Zeitungswesen verfügt, soll die Schmunzelpost binnen fünf Jahren als führende Schmunzelquelle weit über Dorstens Grenzen hinaus etablieren - also auch in Schermbeck und Raesfeld-Erle. 

 
12.3., 16 h: Schmunzelpost-Redakteur kdk führte ein erstes Interview mit seinem neuen Verlagschef. Auszüge daraus: 

kdk: "Die Schmunzelpost galt bisher als Ein-Mann-Unternehmen. Sind deshalb Ihre Expansions-Ziele nicht völlig vermessen?" 

Krause: "Was heißt hier 'Ein-Mann-Unternehmen'? Da haben wir Sie als Ideengeber, Autor und Schreiber der meisten Beiträge. Dann ist da, verborgen im Hintergrund, unser Klaus-Dieter, der als Lektor die Texte gegenliest und dann für ihre Verbreitung sorgt. Und dann ist da noch Kläuschen, der im Kinderzimmer seit 67 Jahren das Schreiben übt und eines Tages ganz groß rauskommen wird. Jetzt bin auch noch ich an der Spitze, um mit wohlüberlegtem Marketing das Projekt ganz nach vorne zu bringen. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich mein Personal bereits von Kindesbeinen an beobachtet und behutsam gefördert habe."

kdk: "Mit Verlaub, das klingt für mich regelrecht schizophren. Und wie ein Versuch, im Land der Kartoffelköppe Kartoffelsuppe als neues Produkt zu verkaufen." 

Krause: "Wenn Sie weiter unsinnige Behauptungen aufstellen statt gescheite Fragen zu stellen, mache ich eine Stampfkartoffel aus Ihnen! Und jetzt gehen Sie an die Arbeit. Die nächste Schmunzelpost muss pünktlich vor Mitternacht erscheinen." 

Glückauf
kdk
  

Schmunzelpost 1586 (1641) vom 3. 7. 25

Uff! Es ist geschafft! Dank der Unterstützung des beispielgebenden SP-Lesers Gerd, der alle Mails archiviert hat, konnte ich jetzt sämtliche Schmunzelpost-Folgen komplett ins Netz stellen. Ihr könnt sie ab sofort unter www.krauseszeug.de abrufen. 
 
Ein kleiner Tipp: Falls Ihr nicht nur kurz hineinschnuppern, sondern mehrere Texte nacheinander lesen wollt, empfiehlt es sich, mit den älteren Beiträge anzufangen, da in der nächsten Folge mitunter nochmals darauf eingegangen wird. Für mich war die Rekonstruktion auch eine persönliche Reise in die Vergangenheit. So wurde die Erinnerung an einschneidende Ereignisse belebt, wie etwa das Auftauchen unseres heutigen Zweitkaters Leo, die Reha-Kur und die Herz-Operationen.
 
Insofern ist die Schmunzelpost für mich auch ein kleiner Tagebuch-Ersatz. Und vielleicht ein Ansporn für Euch, regelmäßig Tagebuch zu führen. Ich bedaure, dass ich das nicht schon vor Jahrzehnten begonnen habe. Ganz ohne den Hintergedanken einer späteren Veröffentlichung. Denn in der Rückschau ist das Denken und Fühlen an längst vergangenen Tagen nicht nur erhellend, sondern es frischt die Erinnerung ungemein auf. Das zeigt auch die Arbeit von Walter Kempowski, der solche Zeitdokumente in Büchern zusammen gestellt hat. Und natürlich die Tagebücher von Prominenten wie Victor Klemperer, Thomas Mann oder Kurt Tucholsky.
 
Zurück zur Schmunzelpost-Chronik. Lasst Euch nicht von der Nummerierung verwirren. Etliche hundert Folgen lang hatte ich zunächst die Folgen nur mit aufschlussreichen Überschriften wie "Eigelbhaltige Schmunzelpost" (zu Ostern) versehen. Als ich dann zu Ziffern überging, muss ich mich ziemlich verheddert haben. Dabei war ich früher in Mathematik recht gut und habe sogar sechs Jahre bei der Sparkasse gearbeitet. Doch mein folgendes langjähriges Berufsleben übertünchte dies offenbar gründlich. Von Journalisten weiß man ja, dass sie in der Regel schlecht rechnen können. 
 
Da ich aus computertechnischen Gründen bei der Texteingabe von der Gegenwart nach hinten gearbeitet habe, stellte ich bei Folge 0 verdutzt fest: Es gab ein Leben vor der Folge 1! Also ging es hinab in den Minusbereich, bis ich am 23. Februar 2021 bei der Schmunzelpost "minus 54" angekommen bin. Nun könnt Ihr zu Recht fragen, warum ich das nicht nachträglich in Ordnung bringe. Die Antwort fällt mir leicht: Das ist eine Arbeit für einen, der Vater und Mutter erschlagen hat!
 
Außerdem passt die merkwürdige Ziffernleiste zum mitunter recht schrägen Charakter der Schmunzelpost. Ich werde aber behutsam die aktuelle Nummerierung auf den korrekten Stand bringen. Wie das in der Übergangsphase aussieht, habt Ihr heute zum ersten Mal gesehen. So, als Appetitanreger zum Nachlesen hier noch die beiden ersten Absätze der allerersten Schmunzelpost vom 23. 1. 21:
 
Bisher glaubte ich, in unseren Friseursalons hausten die Deutschen Meister im Erfinden hairlicher Namen wie "Ponyhof" oder "Abschnitt". Jetzt scheint es, als hätten sie Konkurrenz bekommen. Ein neuer Geschäftszweig, der im Zeichen des Klimawandels dazu beitragen will, den Plastikmüll zu verringern, entwickelt zunehmend Ehrgeiz bei der Namensgebung. "Unverpacktladen" war gestern, heute gönnt sich der "Weltfairbesserer" gern ein sprachliches Schleifchen im Firmenschild, wenn schon die eigentliche Ware gänzlich schmucklos bleiben muss. 
 
Ich gebe zu, dass ich hinter der Eingangstür von "nixdrumrum" in Bad Segeberg ebenso wie beim Handel "Ganz Ohne" zunächst ganz andere Dienstleistungen vermutet hätte. Auch die Mundart-Bezeichnung "Naggisch" könnte beim falschen Kundenkreis Interesse erregen. Dagegen bringt das vertraute Wortpaar "Mitohne" eine pommestrainierte Spürnase aus dem Ruhrgebiet schon eher auf die richtige Fährte. Wobei die gleiche Nase angesichts mysteriöser Versuche wie "sOHNEnschein" oder einem Bandwurm wie "Frau Ernas loser LebensMittelPunkt" kräftig gerümpft wird. Dafür entschädigen meine drei Favoriten. Platz drei: "Theo Tütenlos". Platz zwei: "ZeroHero". Und Nummer eins: "Füllosophie". 
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1585 vom 2. 7. 25

Hoppla! Das Jahr ist schon wieder halb rum! Ja, ja, im Alter verrinnt die Zeit immer schneller. Zu tiefgreifenderen Gedanken war ich bisher nicht fähig, es ist viel zu heiß. Ich warte noch auf eine Eingebung für die Schmunzelpost. Aber bereits am frühen Morgen brannte die Sonne gnadenlos vom Himmel und lähmte mich geistig wie körperlich.
 
Jetzt ist es Mittag. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel, und ich liege ausgestreckt auf dem Sofa und höre Musik. Zu mehr bin ich nicht in der Lage. Noch keine zündende Idee für ein Schmunzelpost-Thema.
 
Jetzt ist es Abend. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Gleich bette ich mich um und dämmere im schattigen Garten auf der Liege vor mich hin. Zu mehr bin ich nicht in der Lage. Noch keine zündende Idee für ein Schmunzelpost-Thema. Aber bei der Trockenheit wäre auch jeglicher Funke gefährlich!
 
Jetzt ist es Nacht. Tropische Nacht. Drückende Hitze. Gleich schlägt es zwölf. Geisterstunde. Es ist gespenstisch: Ich habe immer noch keine Idee für die Schmunzelpost.
 
Der neue Tag ist angebrochen. Die Nacht ist immer noch tropisch, auch die Hitze drückt nach wie vor, aber jetzt habe ich eine Idee für die Schmunzelpost: Ich schreibe einfach darüber, warum man an solchen Tagen nichts Vernünftiges zustande bringt. Merke: Wenn Dich die Hitze mürbe macht, dann warte ab bis Mitternacht!
 
Glückauf
kdk   
 

Schmunzelpost 1584 vom 1. 7. 25

Gestern traute ich meinen Augen nicht. Da betrat unser Nachbar, der Herr K., seinen Balkon, offenbar mit nichts anderem als einem grauen Schlüpper bekleidet. Das verstand ich angesichts der Temperaturen noch. Aber was war das für ein Riesenvieh, dass die Balkonumrandung um einen halben Meter überragte? Ein Velociraptor aus dem Jurassic-Park? Das folgende Selbstgespräch gab Aufschluss.
 
"Hömma, Karl, lass dat Zittern sein, sons fällt Dich noch Deine Kuki-Leiste ausse Futterklappe. Dat is der Fritz, der tut nix, wenne nich bange bis. Nur wennze den Flattermann machst, dann, haps, bisse wech! Ha, ha, war nur'n Spässken. Fritz is eine brave Dogge, der frisst nur Bio-Fleisch und mach keine alten Knochen. Ja, Fritz, Du biss ein ganz Feinen!
 
Wat dat soll? Da musich wat länger für ausholn. Komma bei mich bei, dat muss nich die halbe Welt mitkrieg'n. Also, die Nachbahn von nebenan, die sinja Katzenfreunde. Erst hattense den DFB-Kater. Wat dat is? Nen schwatt-weißen, wie dat deutsche Nationaltricko. Seitem halben Jah hamse getz auch noch nen roten. Dat war auch in Odnung, die zwei warn stickum un machten kein Theata. Doch getz is drei Häusken weita 'ne Neue eingezogen und die hat gleich vier Kätzken mitgebracht. Un einer davon is son schwatten Deifel, den hasse inne Bude, bevor de "Hau ab!" sagen kannz.
 
Un dann kriechse den ganz schlecht wieda raus. Der rollt sich auffen Boden, schmeißt sich an Dich ran und schnurrt in eine Tour. Son Tierchen, dat kannze ja nicht mit Gewalt kommen. Nee, den musse ganz mühsam hinauskomplettiern. Junge, is dat ne Maloche, bisser endlich wech is. Aba bei fremde Kater, da kennt der Schwatte keine Verwandte. Da wird ers gejault, dat die Wände wackeln und dann gibt dat Keilerei. Meine Fresse, wat getz hier manchmal los is!
 
Aba getz komm ich zum müstieriosen Teil von die Geschichte. Neulich musste ich nach Mitternacht mal für kleine Jungs und kuck aussem Fensta. Und wen seh ich da? Die Olle von nebenan. Zweimal kreist se ummen Block, aba nich alleine. Links und rechts sind die beiden Katers dabei, der schwatt-weiße und der rote. Nächste Nacht dat gleiche Spiel. Diesmal is aba noch der freche Schwatte mit vonne Party, tut aba ganz friedlich. 
 
Klar hab ich dann wieda Ausschau gehalten. Und, jau, Mitternacht is lang vorbei, un da kommt se! Aba diesmal hattse sechs Katzen im Schlepptau, sonne ganze Miezen-Parade. Und dann ziehn die wieda ummen Block und die Olle murmelt dabei so Formeln: "Lollo und Leo, Timmi und Mimi oder so." Dat is doch nich nohmal! Ich bin ja keine Bangbüx, aba neulich happich son Film gesehen mit Vampire und wehrige Wölfe. Wat, wenn dat Weib eine Wehrkatze is?
 
Imma nach Mitternacht zieht se mit ihr'm Rudel los und dann findet man tote Schäffkes und denkt, die bösen Wölfe ham wieder zugeschlagen. Womöglich wird die arme Gloria mit ihre Kinners abgeknallt, obwohl se unschuldich warn. Et gibt ja Dinge zwischen den Himmel und die Erde, die glaubse gahnich! 
 
Ja, ja, ich weiss, dat klingt verrückt. Aba sicha is sicha! Ich hab schomma Riegel anne Tür un die Fensta gemacht. Un nu habbich mich von unsan alten Kumpel, den Toni Schrepplinski, seine Dogge für'n paar Tage geliehen. Mit den Fritz wollt ich dann nach Mitternacht selbs ummen Block laufen, aba ich hab mich nich getraut. Sieben gegen zwei - dat wär unfair. Aba bei den nächsten Vollmond lech ich mich mitte Nachtbild-Kamera auffe Lauer. Un wenn dann alle Inditzihen im Kasten sind, dann is wat fällich - dann hol ich son Ecksorzisten! 
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1583 vom 30. 6. 25

Dass ich aus traurigem Anlass meine alten Streiflicht-Sammelbände hervorkramte, hatte positive Folgen. Im Internet entdeckte ich eine Ausgabe des ersten Bandes, der seit langem vergriffen ist und mir noch fehlte. Jetzt nicht mehr. Und die preiswerte Anschaffung hat sich gelohnt: Gleich zu Beginn erfuhr ich auf pfiffige Weise, wie Streiflichter entstehen.
 
Daher beginnt auch das Vorwort des Herausgebers so: "Seit längerer Zeit wird in der Öffentlichkeit darüber gerätselt, wie das Streiflicht täglich zustande kommt." Allerdings gibt es einen Haken: Das Buch hat fünf Herausgeber und folglich auch fünf Vorworte. Sie alle beginnen ähnlich, enden jedoch ziemlich unterschiedlich. Axel Hacke etwa schildert, wie er jahrelang in einem Käfig gehalten wurde, um die Tagesglossen zu produzieren: "Schlimm ist: Vor einiger Zeit musste ich feststellen, dass ich keinen Gedanken mehr über 73 Zeilen hinaus verfolgen kann."
 
Auch Claus Heinrich Meyer sieht schwere gesundheitlich Probleme auf alle zukommen, die täglich kleine Glossen verfassen müssen. "Tagein, tagaus, Jahr für Jahr, ist das möglich?" Er kommt zu einem abschlägigen Urteil. Eine derartige alphabetisierende Hochtätigkeit erschöpfe den menschlichen Geistesvorrat und brauche ihn auf. "Hundertsiebzehn Streiflichter im Leben, höchstenfalls einhundertfünfundzwanzig; dann ist generell Schluss. Verlöschung!"
 
Jammerlappen! Gegen Euch Streiflicht-Weicheier steht der Schmunzelpost-Schreiber da wie ein Triathlet gegenüber Kurzstrecklern. Sechs Glossen pro Woche, dazu noch von verschiedenen Autoren? Dass ich nicht lache! 1583 am Stück, macht das mal nach! Das sei auch eine Frage der Qualität? Na und? Befragt ruhig meine Leser, die Euch ein konstant durchgehaltenes Schmunzel-Minimum bescheinigen werden (wer was anderes sagt, wird sofort aus der Empfängerliste entfernt!).
 
Die weiteren Herausgeber behaupten in ihren Vorworten etwas anderes. Der eine fabuliert von Einsendungen der Leser und Gastautoren, der andere beschreibt das Streiflicht als Kollektiv-Leistung der Redaktionskonferenz. Und Hermann Unterstöger, Gott hab ihn selig, wollte ganz hoch hinaus. Streiflichter seien in Wahrheit kein Menschenwerk, sondern kämen "in Wirklichkeit von jenem höheren Wesen, das die Christen Heiliger Geist nennen". Der Geist, so sage schon der Insider Paulus, "hilft unserer Schwachheit auf".
 
Wer nun "Blasphemie!" ruft und erklärt, der Heilige Geist habe Besseres zu tun, als in eine Zeitungsredaktion zu wehen, dem hält Unterstöger ein Bibelzitat entgegen, in dem das Wirken des Geistes folgendermaßen beschrieben wird: "Der Wind bläset. wo er will, und du hörest sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er fähret." 
 
So fahre der Geist in einen nicht völlig verstockten Schreiber, der dann die nächsten Stunden außer sich sei ("Du hörest sein Sausen"). Dann höre man ihn in seiner Klause rumoren, poltern und gelegentlich rufen: "Wahnsinn!" oder "Warum immer ich?" Doch da der Autor in Trance verfallen sei und von Inhalt und Ziel seines Schreibens keine Ahnung habe, rede und schreibe er gewissermaßen "in Zungen". Und sage deshalb mitunter hinterher: "Da bin ich aber mal gespannt, wie dieses Streiflicht heute wieder ausgeht."
 
Von derart lästerlichen Theorien muss ich mich ausdrücklich distanzieren. Ich lehne als Hilfe beim Schreiben sowohl Dopingmittel wie göttliche Eingebungen entschieden ab. Aber damit genug für heute. Jetzt will ich erstmal nachlesen, welche Höhepunkte diese Schmunzelpost zu bieten hat. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1582 vom 29. 6. 25

Dies ist einer der seltenen Tage, an denen die Schmunzelpost am gleichen Tag geschrieben und gesendet wird. Erst waren wir bei angenehmen Temperaturen mit dem Rad unterwegs, am Abend lockte mich dann das Finale der U-21-Europameisterschaft im Fußball an den Bildschirm. Die Spiele der Infantino Club-WM in den USA habe ich ignoriert, aber der Siegeszug der deutschen U-21-Mannschaft und vor allem ihre Spielweise erfreuten das Herz eines Fußball-Fans. Dass das Endspiel in der Verlängerung 2:3 verloren ging, sei's drum. Zweimal die Latte getroffen, in der 90. und der 120. Minute, wenn das kein Pech ist, weiß ich es auch nicht.
 
Vor dem Anpfiff schaute ich mir in der Mediathek schnell noch die aktuelle Tagesschau-Ausgabe an. Und bei der Bekanntgabe der Lottozahlen fiel mir ein, dass ich als Kind lange gerätselt habe, warum die Ziehung ohne Schusswaffen erfolgen musste. Die Aussprache-Feinheiten von Gewehr und Gewähr hatte ich damals noch nicht auf dem Schirm.
 
Doch wie ich hinterher im "Weißen Neger Wumbaba" von Axel Hacke nachlesen konnte, sind falsch verstandene Texte keine Seltenheit. Vor allem in fremdsprachigen Hits. Bekanntestes Beispiel ist eine gewisse Agathe Bauer, die den ursprünglichen Titel "I've got the Power" bei vielen Hörern übertünchte. Bereits vorher hatte sich Anneliese Braun in einem Song von "The Mamas and the Papas" eingenistet. Tatsächlich heißt es darin "All the leaves are brown." 
 
Doch nicht nur in der Musik kann man etwas komplett missverstehen. Ich hörte von Leuten, die glaubten, im Wintersport gäbe es Abriss-Ski. Womöglich wäre das sinnvoller als das Volllaufen lassen beim Apresski. Und dann gilt es die Verantwortlichen in der Kirche einmal richtig ins Gebet zu nehmen. Die von manchen mitgesprochene Zeile im Vaterunser "und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsere Schulden gern" hätte einiges für sich. Und da die klassischen Mühlen lange außer Betrieb sind, gilt zumindest im Kindergarten: "Wer zuerst kommt malt zuerst!"
 
Hier noch ein paar beim flüchtigen Hören aufgeschnappte Wörter, bei denen Ihr mit ein wenig Nachdenken schnell drauf kommt, was da nicht stimmt: Altbauch-Arme, Kreisch-Orverband, Du Schlampe, Nachteil-Zug, Staub-Ecken und Nude-lauflauf. Und, ja, selbstverständlich, Martin, da darf nicht fehlen: Urin stinkt.
 
Glückauf
kdk 
 

Schmunzelpost 1581 vom 28. 6. 25

Es hat ja etwas Tröstliches. Nicht nur Krieg und Elend, Mord und Totschlag beherrschen die Schlagzeilen, hin und wieder geht's auch eine Nummer kleiner. So kann man sich als Tierfreund zwar empören über die unangemessene Polizeigewalt gegenüber einem Wels, aber allein die Überschrift "Aggressiver Fisch erschossen" ließ mich aufhorchen. Was kommt als nächstes? "Lämmergeier harpuniert"? Oder "Ameisenvolk ausgebombt"? 
 
Zurück zum Fisch. Dass der arme Wels unverzüglich abgemurkst wurde, nur weil er an ein paar Badegästen gelutscht hat, ist arg übertrieben. Womöglich hatten die Polizeibeamten zu oft den "Weißen Hai" im Kino gesehen. Meines Wissens haben Welse hierzulande höchstens mal einen Dackel verschluckt. Bisher war jedoch nicht einmal zu lesen, dass ein vorwitziger deutscher Raubfisch mal den großen Zeh eines Menschen erbeutete. Vom Wasser in luftige Gefilde übertragen gehört die Sache für mich in die Kategorie "Mit Kanonen auf Spatzen schießen".
 
In gewisser Weise trifft das auch auf den Streit zu, der das Saarland spaltet. Nun gibt es kaum etwas, worüber Menschen sich nicht empören können. Aber dass ernsthaft darum gerungen wird, welche Erhebung die höchste in einem Bundesland ist und dazu tief in die Trickkiste gegriffen wird, ist recht grotesk. Für alle, die es nicht gelesen haben: Der höchste Berg des Saarlandes soll künftig vom bisher zweithöchsten von seiner Spitzenposition verdrängt werden, weil die zuständige Verwaltung auf dem Gipfel ordentlich aufkippen will. Begründung: Erst dann dürfe man sich mit Recht als "Dach des Saarlands" bezeichnen. 
 
Ob das wirklich werbewirksam ist? Ich habe da so meine Zweifel. Falls es so wäre, könnte das Beispiel Schule machen. Ich sehe bereits ein fieberhaftes Wettkippen der Himalaya-Staaten im Streit um den höchsten Gipfel der Welt. Der Mount Everest sehnt sich schon lange danach, endlich abgelöst zu werden, damit er mal seine Ruhe hat und jahrtausendelang den angeschleppten Müll zersetzen kann.
 
Außerdem bestünde die Chance, dass Dorsten hoch über sich hinauswächst. Wie wäre es, den Nachlassverwaltern des Bergbaus anzubieten, die Hürfeldhalde nicht in eine Sondermüll-Deponie, sondern durch massives Aufschütten in den höchsten Punkt des Ruhrgebiets zu verwandeln? Einen Slogan hätte ich schon: "Dorsten, das Dach des Reviers!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1580 vom 27. 6. 25

Soll man schmunzeln, sich ärgern oder bloß wundern? Es lenkt mich immer wieder vom Inhalt der Nachrichten ab, wenn Sprecher versuchen, den Namen einer Person oder eines Ortes möglichst korrekt wiederzugeben. Oder aber in der Version, von der sie glauben, dass sie dem Original am nächsten kommt. 
Dabei sollte das Problem eigentlich gar keines sein. Zumindest bei der ARD. Denn der Hessische Rundfunk betreibt seit 1997 großen Aufwand, um seine Aussprachedatenbank auf dem neuesten Stand zu halten. 
 
Sie enthält fast 500.000 fremdsprachige Eigennamen, Bezeichnungen und Begriffe. Wie sonst könnten Tagesschau-Sprecher sonst zuverlässig wissen, wie die Sängerin Maired Ni Mhaonaigh richtig ausgesprochen oder vermieden wird, dass der zornige Vulkan Eyjafjallajökull bei einer Verhunzung seines Namens wieder Feuer spuckt? 
 
Aber entweder nehmen nicht alle ihre Pflichten genau oder aber Grenzfälle führen zu merkwürdigen Auswüchsen. Sollen deutschstämmige Namen so gesprochen werden wie hierzulande oder wie in dem Staat, in dem die Person eingebürgert wurde? Das fragten viele im Falle von Henry Kissinger, aber nur wenige, als Arnold Schwarzenegger Gouverneur in Kalifornien war. Und die Zuschauer würde es nur verwirren, wenn Chinas Hauptstadt Peking plötzlich als Beijing rüberkäme. 
 
Kritisch wird es jedesmal, wenn Polen in den Fokus rückt. Denn eine ganze Reihe von Städten trugen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs deutsche Namen. Da hilft man sich oft mit "Gdansk, früher Danzig". Aber was haben sie sich abgequält mit dem Namen des früheren polnischen Arbeiterführers Lech Walesa. Der hieß mitunter "Wawansa". Und Papst Wojtyla kam als "Wojtiwua" daher. 
 
Ein besonderes Rätsel blieb die Stadt, die einst von Schlagerstar Vicky Leandros besungen wurde. Denn auch wenn bei uns Theo nach Lodz fährt und dabei im Refrain "Lotsch" mitgegrölt wird, gibt es im Original einen Querstrich im L, der zu den letzten großen Herausforderungen für Nachrichtensprecher zählt.  Ich bin sehr gespannt, ob ich jemals den korrekten Ortsnamen höre, falls unser neuer Außenminister Wadephul (nein, nicht "Wadepool", sondern "Wadeful" gesprochen) nach Lodz fährt. Wie es dann klingen müsste? Wudsch! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Für viele ist Lodz jedoch gar nicht die relevante Frage, sondern diese: Wer ist eigentlich Theo? Zum Glück hat uns der Ostfriese Otto darüber aufgeklärt: Theo ist der, "der in so wunderbaren Worten vorkommt wie Theologie, Theodorant, The oder Kaffee".     

Schmunzelpost 1579 vom 26. 6. 25


Gestern Vormittag ging es an die Wurzel des Übels. Wer schon einmal Wurzelbehandlungen beim Zahnarzt mitgemacht hat, weiß seither, dass es gemütlichere Möglichkeiten gibt, seine Zeit zu verbringen. Vor allem, wenn man so blöd ist zu sagen: "Der Nerv ist tot? Dann brauche ich keine Betäubung." Tja, Totgesagte leben  länger.
 
Immerhin half mir der Gedanke an vergangene Zeiten. Denn früher war keineswegs alles besser. Womöglich hätte sich ein Hufschmied des Problems angenommen. Oder ein sogenannter Zahnbrecher, der von Volksfest zu Volksfest reiste und zum Vergnügen der Zuschauer die Leidenden von der Quelle des Schmerzes befreite. Nachdem er ihnen selbst ordentliche Qualen zugefügt hatte.
 
Lange glaubten Wissenschaftler, die Jäger und Sammler in der Jungsteinzeit hätten keine Last mit Karies gehabt. Das war ein Irrtum. Auch ohne Zucker konnte unseren Vorfahren der Genuss bestimmter Eicheln, Pinienkernen oder Pistazien auf den Nerv gehen. Kein Wunder, dass die Zahnheilkunde schon früh ein großes Thema war. An einem 14.000 Jahre alten Zahn ist zu erkennen, dass er mit einer kleinen, spitzen Steinklinge bearbeitet wurde, um infiziertes Gewebe zu entfernen. Und bereits vor 6500 Jahren wurden Zahnfüllungen aus Bienenwachs gefertigt.
 
Was aber verursachte die teuflischen Schmerzen? Da Bakterien unbekannt waren, galt lange Zeit der böse Zahnwurm als Urheber des Übels. In der Bibliothek des Assyrerkönigs Assurbanipal fand sich das Werk "Wenn ein Mensch Zahnschmerzen hat". Dabei handelte es sich um die Abschrift eines wesentlich älteren babylonischen Textes. Darin wird der Sünder entlarvt: Ein böser Dämon lehnte nämlich die Gaben des Hauptgottes Anu - Feigen, Aprikosen- und Apfelsaft - rigoros ab und verlangte stattdessen das Blut der Zähne. Die durfte er fortan genießen, allerdings als Wurm.
 
Wörtlich heißt es:  „Als Anu den Himmel erschaffen, der Himmel die Erde erschaffen, … der Sumpf den Wurm erschaffen, da ging der Wurm weinend zu Schamasch, dem Sonnengott. 'Hebe mich auf und laß mich zwischen Zähnen und Zahnfleisch wohnen! Der Zähne Blut will ich trinken, des Zahnfleisches Wurzeln will ich fressen!'“  Glücklicherweise liefert die Schrift auch gleich das Gegenmittel. Während eine schmerzlindernde Tinktur aus verschiedenen Arzneien aufgetragen wird, muss dreimal eine Beschwörungsformel gesprochen werden: "„Weil du dieses sagtest, Wurm, möge dich der Gott Ea schlagen mit seiner starken Hand!“
 
Nun bin ich gespannt, ob ich meine Zahnärztin überzeugen kann, den Zahnwurm auf diese Weise zu bannen. Meine Behandlung wird nämlich fortgesetzt, weil zunächst eine Entzündung am Ende des Wurzelkanals verschwinden soll. Ende August geht es weiter, anderthalb Stunden lang. Ich freue mich schon.
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1578 vom 25. 6. 25

Immer noch erschüttert bin ich vom TV-Gerät an den PC gewechselt, nachdem ich mir in der Mediathek die aktuelle Folge der Quizsendung "Gefragt - Gejagt" angeschaut habe. Dass ein Schalke-Fan aus Hessen sich nach bescheidener Schnellraterunde die höchste Risikostufe zutraut und dann rausfliegt - geschenkt. Die Elfmeter-Frage (wie groß ist die Distanz vom Elfmeterpunkt zum Tor wirklich? 10,50 m, 12 Yard oder 13 Fuß?) hätte ich auch versemmelt. 12 Yard, wer weiß denn sowas? Immerhin wusste der Freund der Blau-Weißen, dass die Distanz 10,90 m beträgt. 
 
Aber, liebe Pädagogen unter den SP-Empfängern, mein Vertrauen in unsere Lehrerschaft hat einen weiteren Knacks bekommen. Da stand jemand vor der Kamera, der in Duisburg Geschichte und Politik unterrichtet. Dass er in der Schnellraterunde nicht wusste, dass im Duisburger Wappen die Stadtmauer abgebildet ist und sie als Burg einstufte, na ja. Dass er die wichtigsten Auszeichnungen für Leistungen in Wissenschaft und Kultur nicht mit Namen benennen konnte, war dann schon weniger nobel. Aber dass er die Frage, der wievielte Präsident der Bundesrepublik Deutschland Theodor Heuss gewesen ist, mit "der Dritte!" beantwortete, kippte mich fast aus dem Sessel. 
 
Da wechsle ich lieber zu einem anderen Aufregerthema. Um die Gender-Gerechtigkeit bemühten sich hierzulande schon viele, noch bevor der Sprachstreit hohe Wogen schlug. Zaghafte Versuche, etwas daran zu ändern, dass Mädchen mit Puppen spielten und Jungs einen Stabilbaukasten bekamen, gab es schon viel früher. Und auch die Farbzuteilung - Mädels rosa, Knaben blau - ist bereits länger in der Diskussion. 
 
Doch lange Zeit waren dem männlichen Geschlecht wenigstens die Bösewicht-Rollen vorbehalten. Bis 2013. Da trat die feministische Website "Aufschrei" dafür ein, dass endlich auch Bankräuberinnen in den Medien vorkommen sollten. Vielleicht hatte dies auch damit zu tun, dass die Firma Playmobil - ja, das ist der Hersteller, der die kleinen Figuren mit runden, freundlichen Gesichtern und zackenfransigen Frisuren in unsere Kinderzimmer brachte - neue Wege einschlug. 
 
Zunächst waren bei Playmobil in der Erwerbsgruppe Bankraub ausschließlich Männer mit Strumpfhosen über dem Schädel aktiv. Nun aber betrat eine Bankräuberin das Spielfeld. Und sie sah genauso aus wie Bösewichtinnen im richtigen Leben: Strohblond, schwarz gekleidet und mit einer Sonnenbrille maskiert. Nur gut, dass Playmobil auch ein Gegengift im Angebot hatte: Die Privatdetektivin mit Lupe! 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1577 vom 24. 6. 21

Hallo!
 
Als ich gestern nach einem Streiflicht von Hermann Unterstöger suchte, nahm mich ein anderes gefangen, in dem es um falsche Zitate ging. Zustande kamen solche Irrtümer durch fehlerhafte Übersetzungen, ungenaue Quellen oder durch Verwechslung der Urheber.
 
Lange Zeit wurde verbreitet, Goethes letzte Worte seien "Mehr Licht!" gewesen. Das war höchstwahrscheinlich nicht der Fall. Der unbekannte Streiflicht-Autor mutmaßt, der in Frankfurt geborene Dichter könnte an seinem Lebensende ins Hessische zurückgefallen sein: "Mer licht so schlecht!" "'Mehr Licht!'" war es nicht, meint jedenfalls die FAZ. Sie beruft sich wie die "Leipziger Zeitung" auf Goethes Sohn Walter, der später mitteilte, sein Vater habe sich zwar drei Tage vor seinem Ableben wiederholt "mehr Licht" gewünscht, damit der Vorhang des verdunkelten Fensters aufgezogen wurde, aber danach habe er noch vieles andere gesagt.
 
Zum Beispiel könnte das eine an seinen Diener gerichtete vorwurfsvolle Frage gewesen sein: "Du hast mir doch keinen Zucker in den Wein getan?" Wahrscheinlicher ist aber eine andere Version. Danach starb Goethe gar nicht im Familienkreis, sondern nur im Beisein seines Dieners Friedrich Krause. (Der Name steht für Authentizität.) Krause hielt in seinen Notizen fest, Goethe habe sich zuletzt seinen Nachttopf reichen lassen: "Er verlangte den Botschanper, und den nahm er noch selbst und hielt denselben so fest an sich, bis er verschied." Nacht(topf) oder Licht - da ist klar, wofür die Nachwelt sich entschied.
 
Dies dokumentierte Karl S. Guthke, der noch viele andere vermeintliche Schlussworte unter die Lupe nahm und als Mumpitz entlarvte. Schade! Es wäre doch schön, wenn das Lästermaul Heinrich Heine in seiner Matratzengruft zum Lebensende den verachteten Pfaffen noch einmal Zunder gegeben hätte: "Gott wird mir verzeihen - das ist sein Geschäft." Zu schön, um wahr zu sein, wohl auch der letzte Satz des Aufklärers Diderot: "Der erste Schritt zur Philosophie ist die Ungläubigkeit."
 
Und man wünscht sich, dass wenigstens zutrifft, was über den jüdischen Kulturphilosophen Egon Friedell behauptet wird. Als nach der Besetzung Österreichs Nazi-Soldaten in sein Zimmer eindrangen, sprang er aus dem Fenster. Nicht aber, ohne als rücksichtsvoller Mensch vorher nach unten zu rufen: "Vorsicht, bitte!" Noch kaltschnäuziger reagierte nach der "Grettir-Sage" nur ein Krieger aus dem alten Island. Als der Held einem Speerstoß zum Opfer fällt, murmelte er angeblich mit letzter Kraft: "Die breiten Spieße, sie werden Mode."
 
Lediglich als Conrad Hilton 1979 verstarb, soll er dies tatsächlich mit einer Pointe auf den Lippen getan haben. Der amerikanische Hotelkönig sagte: "Der Duschvorhang gehört ins Innere der Wanne!" Beim nächsten Satz handelt es sich nicht um Abschiedsworte, aber um ein echtes Novalis-Zitat: "Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken". Bevor Ihr protestiert: Das stammt nicht vom Dichter Novalis, sondern von der Hamburger Krautrockband gleichen Namens.
 
Zum Schluss noch ein Zitat, bei dem ich mir absolut sicher bin, dass es authentisch ist, da ich den Urheber ganz gut kenne: "Das ganze Leben ist ein Abenteuer, das meistens tödlich endet." Das stammt von mir.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Botschanper ist die Verballhornung des Wortes "pot de chambre" - ein Nachttopf.

Schmunzelpost 1576 vom 23. 6. 25

Das ist eine traurige Nachricht für alle Freunde des Schmunzelns. Kurz vor seinem 82. Geburtstag ist Hermann Unterstöger gestorben. Für mich war der bayerische Journalist einer der ganz Großen und gehört in eine Kategorie mit Loriot und Robert Gernhardt.
 
 
Für alle, die nicht die Süddeutsche Zeitung lesen: Unterstöger betreute dort bis zuletzt die Kolumne "Sprachlabor", in der er Reaktionen der Leser auf Formulierungen in seiner Zeitung aufgriff und augenzwinkernd einordnete. Auch ich bin ein Freund der Sprache und lege Wert aufs Formulieren. Während ich jedoch allenfalls in der Regionalliga antrete, bekleidete Unterstöger jahrzehntelang den Spitzenplatz in der Bundesliga.
 
Weit wichtiger aber: Unterstöger war die Seele des Streiflichts. Die 72 Zeilen umfassende einspaltige Glosse auf der ersten Seite der Süddeutschen Zeitung gehört seit 1950 zu ihren Markenzeichen. Sie verzichtete jedoch auf eine Nennung der jeweiligen Autoren. Von Hermann Unterstöger aber weiß man, dass er mehr als 3000 Streiflichter verfasst hat, so viele wie kein anderer. Und so gute wie kaum ein anderer. Sein erstes Streiflicht wurde am 17. Februar 1979 veröffentlicht, sein letztes erschien am 25. Mai 2025. Denn Unterstöger schrieb nach Renteneintritt unermüdlich weiter.
 
Als Liebhaber des feinen Humors fernab von brachialen Kalauern ist und bleibt er daher für mich ein unerreichtes Vorbild. Auch, was seine Produktivität betrifft: Bis zur 3000. Schmunzelpost ist es noch ein weiter Weg. Zum Gedenken an Unterstöger verzichte ich heute auf eine Abschlusspointe und lasse ihn selbst zu Wort kommen. Und zwar in einem Streiflicht vom 31. Januar 2012, in dem Unterstöger sein umfassendes Wissen, seinen gewitzten Stil und die Beschäftigung mit der Sprache trefflich vereint.
 
"Von den apokalyptischen Reitern hatte der erste ein weißes Pferd; er führte den Bogen. Der zweite saß auf einem roten Pferd und hatte ein großes Schwert. Des dritten Pferd war schwarz, sein Zeichen die Waage. Der vierte aber, der auf einem Falben ritt, das war der Tod. Den fünften hat der Johannes der Offenbarung nicht gesehen, dafür der Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Dieser Reiter kommt aus den Tiefen Sibiriens, und was er schwingt, das ist "die russische Kältepeitsche".
 
Unserer Rechnung zufolge müsste er Kasan schon hinter sich gelassen haben und auf Moskau zureiten. Jedenfalls wird er in der zweiten Wochenhälfte hier einfallen und seine Peitsche schwingen über Gerechte wie Ungerechte, und die Bewohner des Landes werden Wollmützen aufsetzen und sagen, dass es nun gefühlte 30 Grad minus habe.
 
Es lässt sich nicht genau feststellen, wann das Wort gefühlt aus der Reihe der Partizipien ausscherte und den Formenkreis des Vermeintlichen, Mutmaßlichen und Scheinbaren fast diktatorisch zu beherrschen begann. Der Prozess erinnert an Vorgänge wie die, dass Tiere in Gebiete, in denen sie nicht heimisch sind, eingeschleppt werden, sich dort explosionsartig vermehren und das Gleichgewicht der Arten gefährden.
 
Man nennt das Bioinvasion, doch anders als das nach Australien eingeschleppte Kaninchen oder die nach Guam verpflanzte Baumnatter war das Wort gefühlt im Deutschen ja heimisch und hoch geachtet. Es muss in ihm selbst etwas vorgegangen sein, eine Kannibalisierung in dem Sinn, dass es in konkurrierende Wörter eindrang und sie von innen her zersetzte oder auffraß. Seitdem haben wir die gefühlte Inflation, gefühlte Krisen, Krankheiten und Fußballsiege, gefühlte Wahrheiten und Harald Martensteins "Gefühlte Nähe", einen gefühlten Roman.
 
Die weitaus gefühltesten Sujets sind die gefühlten Temperaturen, und so verwundert es nicht, dass sich auch bei der russischen Kältepeitsche nicht Genaues sagen lässt. Statt uns mit soliden 14 oder 19 oder 23 Grad unter null zu konfrontieren, weissagt der Deutsche Wetterdienst, dass "der bockige Ostwind ... auch tagsüber die gefühlten Temperaturen immer im zweistelligen Minusbereich halten" wird. Übersetzt heißt das, dass die echte Temperatur unter zehn Grad sinken kann, wenn auch nach allgemeiner Lebenserfahrung nicht unter 50 Grad (außer am Funtensee, dort wird man 70 bis 80 Grad messen).
 
Wir haben oben gehört, dass die Pferde der apokalyptischen Reiter weiß, rot, schwarz und falb waren. Von "Hoch Coopers" Pferd war dabei nicht die Rede, und jetzt kennen wir auch den Grund dafür. Cooper hat gar kein Pferd, er reitet den Bock Ostwind. Und warum? Weil Pferde das gefühlte Sausen der Kältepeitsche noch mehr als wir scheuen."
 
Glückauf
kdk    


Schmunzelpost 1575 vom 22. 6. 25

Diesmal musste ich mein Hörgerät auf die höchste Empfangsstufe stellen, um das Selbstgespräch von Herrn K. mitzukriegen. Der alte Herr hat sich einen geflüstert!
 
"Hömma, Karl, ich muss Dich ma wat ganz Vertrauliches verklärn, da kann ich nich so rumbölken. Weisse wat? Von nu an geht's bergab! Ja, da kuckse! Die Sache is die: Imma, wenn der längste Tach war, werd ich traurich. Die Tage wern imma kürzer, dat is wie mit unsa Leben. Gezz kannze sagen: Dat Wetter is doch schön, et is ewich hell und dein Rheuma macht Urlaub auf Majorka. Aba ich sach Dich: Noch!
 
Noch, dat is ein ganz böses Wort. Heute kannze noch ohne Stock anne Bude, aba morgen? Da sieht dat vielleicht schon ganz anners aus. Hasse noch Asche inne Tasche, dann kannze Dich noch ein, zwei Pülleken reinpfeifen. Aba is die Kohle alle, is zappenduster. Un noch hat der Doktor nich gesacht: 'Hörnse ma, is dat ein Medizinball in ihrn Bauch oder is dat Ihre Leber? Ab sofort kein Tropfen Alkohol mehr!'
 
Un dann denkste, ob dat wohl der letzte Sommer is, den de mitkriechst. Hömma, da werd ich richtich melankolisch. Nö, es depressiert mich noch nich, aba da is et schon wieda, dat olle noch. Vielleicht erwischt mich dat auch wie unsern Kumpel Kalle. Als Schalke ausse Bundesliga raus musste, da hatter plötzlich allet nich mehr blau-weiß, sondern nur noch grau gesehn. Er sacht, dat is, als würdse imma son Käffich mit dich rumschleppen tun, an nix hasse mehr Spass, wat draussen los is, dat lässt dich kalt.
 
Et gibt ja manche, die fangen wegen die Wende vonne Sommersonne dat Saufen an, weil se nich haben können, datt ihre Tage gezählt sind und kürzer wern. Dann machen die sich den Himmel ebend blau mit Bier un Korn. Nur gut, dat wir beide imma Kopppinne kriegn, wenn wa ein über'n Duast trinken tun. Deshalb sind wir noch helle inne Birne. Kuck Dir bloß unsern Nachbahn an, den jungen Hüpfer. Dat kommt von den sein Wein, datter getz wieda auffe Terrasse steht, seinen Kopp schräch hält und dumpf inne Gegend stiert.
 
Nee, nee, Karl, so wollen wir nich enden. Weisse wat? Wir halten durch bis Weihnachten, dann sieht allet schon wieda ganz anders aus. Nich wegen den Geschenke-Gedöns, sondern weil et dann wieda bergauf geht. Dann wern die Tage endlich wieda länger! Und wennet stürmt, plästert und friert, dann freun wir zwei beide uns auf den nächsten Sommer! 
 
Glückauf
kdk     
 

Schmunzelpost 1574 vom 21. 6. 25

Kalendarisch bricht jetzt der Sommer an. Was aber ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass dies wirklich stimmt? Richtig! In den Medien tauchen regelmäßig exotische Tiere auf, die bei uns in freier Wildbahn eigentlich nichts zu suchen haben. Alligatoren in Baggerseen, Wildsauen, die sich als Löwen verkleiden. 

2025 ging es schon früh los. Doch der Goldschakal, der auf der Insel Sylt in kurzer Zeit mehr Schafe meuchelte, als es Gloria und ihr Rudel bei uns über Jahre geschafft haben, war offenbar kein Sommerphantom, sondern existierte tatsächlich. Was einige Fragen aufwarf: Wie, zum Teufel, ist das Tier auf die Insel gelangt? Mit einem Schlauchboot aus Übersee? Mit einem Sparticket der Deutschen Bahn? Oder Schwimmflossen von Amazon? Wir wissen es nicht. 

Wir wissen jedoch auch nicht, wie das Problem gelöst werden soll. Hundert Jäger haben bislang vergeblich nach dem Räuber Ausschau gehalten. Dann wurden sie vom Gericht gestoppt, weil der Schakal sich freiwillig ergeben soll. Doch wo steckt er? Unglaublich, dass dies in einem Zeitalter, in dem Israel seine Feinde per Drohne selbst unter einem Maulwurfshügel ausfindig macht, auf einer Insel überschaubarer Größe nicht ermittelt werden kann. Meine Theorie: Der Sommer ist noch lang, man braucht noch Stoff für die Medien. 

Weil der Schakal unsichtbar bleibt, hat man nun ein neues Phantom erkoren, das prompt Schlagzeilen liefert. Am 13. Juni wurde in Braunsberda am Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt ein Puma gesichtet. Doch was heißt hier gesichtet? Er wurde fotografiert und gefilmt. Das führte dazu, dass die Ordnungsdezernentin des Kreises offiziell mitteilte, man habe das Video Experten vorgelegt. Und die hätten bestätigt, "dass es sich um eine Großkatze handelt -  mit 80-prozentiger Sicherheit um einen Puma“. 

Großalarm! Polizei, Katastrophenschutz und Feuerwehr eröffneten die Puma-Jagd. Hubschrauber und Drohnen versuchten aus der Vogelperspektive, das Raubtier ausfindig zu machen. Der Saale-Kreis und seine 11.000 Einwohner hielten den Atem an. Doch der Puma war in die gleiche Schule gegangen wie der Schakal auf Sylt: Er bliebt unsichtbar. 

Auch Reporter der Lokalpresse schwärmten aus und holten Stimmen ein. Eine ukrainische Familie, die zum Picknick an den See gekommen war, äußerte sich so:  „Wir sprechen kein deutsch und haben die Zeitungen nicht gelesen. Aber jetzt wo wir es wissen, machen wir uns keine Sorgen. Das Tier hat wohl eher Angst vor Menschen.“ Und ein Besucher aus Bayern, der seinen Urlaub in einer Strandbar ausklingen lassen wollte, lachte nur: "Aus Bad Tölz bin ich ganz andere Tiere gewohnt!“ Damit meinte er Braunbären, die sich jedoch ebenso wie der Puma im Wald verstecken würden.

Doch dann folgte schon die Entwarnung. Ein zweites Video zeigte nun ein anderes Raubtier, das echte Fachleute bereits anhand der ersten Bilder identifiziert hatten: Eine ungewöhnlich große heimische Katze. Die Behörden ruderten nun zurück, allerdings recht umständlich formuliert: "Aus der Perspektive des neuen Videos ist das zu sehende Tier kleiner als zunächst zwingend zu vermuten und durch die Experten bisher eingeschätzt wurde“. Klipp und klar sagte es der Bürgermeister: „Also es ist kein Puma in Braunsbedra, es wird sich sicherlich um eine Katze gehandelt haben." Der Alarm wurde aufgehoben, die Suche eingestellt.

Jedoch nicht der Alarm im Internet. Dort läuteten die wahren Experten Sturm: "Bei den original Video konnte man den riesigen Schwanz gesehen, und hat sich auch wie eine Großkatze bewegt. Das war nie eine Hauskatze." "Ich glaube es hackt. Ein Kätzchen??? Für wie blöd halten die uns?" "Am Ende wurde die Wahrheit unter den Tisch gekehrt." Diese Kommentare ernteten blitzschnell hunderte von Likes. 

Ja, klar. Das ist die Puma-Verschwörung. Warum nur stinkt mir Sozial Media oft viel mehr als ein Puma?

Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1573 vom 20. 6. 25

Von "Schindlers Liste" haben wir alle schon gehört. Aber auch von "Mieze Schindler"? Bis ich jetzt darüber gelesen habe, war mir der Begriff fremd. Doch diese Mieze würde ich mir gern auf der Zunge zergehen lassen: Es soll sich dabei um die wohlschmeckendste Erdbeerart handeln!
 
Gezüchtet hat diese auch als "Himbeererdbeere" bekannte Frucht vor 100 Jahren Otto Schindler aus Pillnitz. Ihr Aroma ist vergleichbar mit dem von Walderdbeeren. Leider ist die Original Mieze sehr druckempfindlich, anfällig gegen Krankheiten und schwer zu bestäuben. Daher ist sie fast ein Jahrhundert lang ein Geheimtipp geblieben. Doch anders als die Spargelzeit, die in ein paar Tagen ändert, sind Erdbeeren noch einige Zeit erhältlich. Und, ta, ta, ta, tah!, auch die neue Sorte Mieze Nova, die von Schindlers Mieze abstammt, aber sich selbst bestäubt.
 
Das wäre eine Pflanze, die ich mir gut in unserem Garten vorstellen könnte. Unsere Kirschen sind längst von den Vögeln abgeerntet, bevor wir zum Zuge kommen. Andere Früchtchen gibt es nur in sehr geringer Zahl, weil wir uns dem eigentlich sinnvollen Konzept eines Nutzgartens konsequent verweigern. Das liegt auch an mir. Für mich ist der Garten ein Ort des Faulenzens, ein grünes Sommerparadies zum Füße hochlegen und entspannen. Seit meiner Kindheit gilt die Maxime: Wachsen und wachsen lassen! Zwar habe ich das Wachstum selbst schon lange eingestellt, aber wenigsten im Garten darf, mit kleinen Einschränkungen, die Natur ihren Lauf nehmen.
 
Diese Haltung steht im krassen Widerspruch zu der Einstellung von vielen anderen Gartenfreunden. Manche treiben es soweit, dass sie ihre Grashalme mit der Maniküre-Schere stutzen. Über solche Fanatiker war im Streiflicht der Süddeutschen Zeitung kürzlich etwas zu lesen, was ich nicht besser hätte formulieren können. Dabei ging es um "Das große Rasenstück", ein Bild von Albrecht Dürer, ein Glanzstück der Naturmalerei. Für die Mäh-Fetischisten unter den Gartenfreunden sei dies das Werk eines Stümpers.
 
"Das ist kein ordentlicher Rasen, sagen sie, das ist ein Sammelsurium von Unkräutern!" Tatsächlich: "Auf Dürers Rasenstück ist der Erbfeind jedes gepflegten Gartens, der Löwenzahn, zu sehen, zudem Breitwegerich, Ehrenpreis, Schafgarbe und andere Gewächse, für die der Herrgott Unkrautvernichtungsmittel geschaffen hat. Manche Gärtner brauchen nur an Dürers Wildwuchs-Aquarell zu denken, schon springt ihr Rasenmäher an."
 
Diese Typen rümpfen verächtlich die Nase über Leute wie mich, die lieber der Empfehlung des Naturschutzbundes folgen: "Nichts tun! Einfach mal einen Teil der Wiese wachsen lassen, weniger düngen und nur zwei- bis dreimal im Jahr mähen." Dazu die Süddeutsche: "Mähen oder nicht mähen? Die Frage entzweit das deutsche Gartenmilieu, wo sich die Parteien ebenso unversöhnlich gegenüberstehen wie in der Frage, ob beim Grillfest eine Tofuwurst zulässig ist." Für die Mäh-Fraktion sei die wild wuchernde Wiese ein Chaoten-Biotop, "wohingegen der Laissez-Faire-Gärtner das unentwegte Mähen, Jäten und Vertikutieren als Ausdruck eines autoritären Geistes verachtet, der die Natur unterwerfen will." 
 
Genau! Zwar mähe ich unseren Rasen etwas öfter als bloß dreimal im Jahr, aber ich achte dabei penibel darauf, dass alles, was blüht oder die Absicht hat, dies in Bälde zu tun, verschont wird. Und wenn die Blütezeit vorbei ist, pflücke ich die Pusteblumen und sorge mit geballter Lungenkraft dafür, dass ihre Sporen die kastrierten Rasenflächen in weitem Umkreis erreichen können. 
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1572 vom 19. 6. 25

Vier Uhr morgens: 
 
Die Sonne zeigt sich, Richtung Ost, 
der Dichter horcht am Lattenrost. 
 
12 Uhr mittags: 
 
Die Sonne glüht aus Richtung Süden, 
noch wird das Denken strikt vermieden. 
 
21 Uhr abends: 
 
Die Sonne sinkt in Richtung Westen, 
doch in der Nacht reimt sich's am besten. 
 
23.59 Uhr nachts: 
 
Die Sonne steckt ganz tief im Norden, 
für gute Verse würd' ich morden! 
 
Der Tag ist um, ich schau nach Ost, 
bald dämmert's, keine Schmunzelpost? 
 
Reim' ich im Stil von Friedrich Schiller? 
Posthum schickt er mir einen Killer. 
 
Leih ich mir was von Morgenstern? 
Nö, schnöder Diebstahl liegt mir fern. 
 
Das gilt erst recht für Ringelnatz, 
schon ein Versuch wär für die Katz. 
 
Letzte Rettung: Wilhelm Busch? 
Auch da droht letztlich plumper Pfusch. 
 
Ach, was mach ich ewig 'rum, 
ich kenn' es gut, mein Publikum. 
 
Ja, da freut sich der Banause, 
wenn ich reim wie K.D. Krause. 
 
(Morgen wird es noch famoser, 
da schreib ich wieder pure Prosa.) 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1571 vom 18. 6. 25

Obwohl sich die Hiobsbotschaften häufen, gibt es auf dieser Welt auch noch gute Nachrichten. Durch kundige Hilfe - danke, Gerd! - bin ich jetzt wieder in der Lage, auf meinem Smartphon Whatsapp-Botschaften zu empfangen und zu versenden. Zwei, drei Kontakte fehlen noch, aber ich hoffe, das in den nächsten Tagen auch noch hinzukriegen. 
 
Im euphorischen Überschwang habe ich mich danach spontan dafür interessiert, was das Internet aktuell an weiteren positiven Nachrichten hergibt. Es freute mich, dass der Deutschlandfunk als Ergebnis der UN-Ozeankonferenz mitteilte, Stiftungen, Regierungen und Unternehmen würden 35 Milliarden Euro in den Schutz der Weltmeere investieren. Getrübt hat meine Freude jedoch der Zusatz: "Die Maßnahmen sind freiwillig - ihre Umsetzung bleibt abzuwarten." 
 
Auf Deutschlandfunk Nova war zu hören, dass es Forschenden im April erstmals gelungen ist, Menschen mit Sprachverlust ihre Stimme wiederzugeben. Gilt dies auch für Leute, die ihr linkes Stimmband eingebüsst haben? Ich schwanke noch, ob ich mir meine alte Stimme zulege oder lieber den Bass von Ivan Rebroff oder Günter Emmerlich. Vielleicht auch das Organ von Maria Callas, das wäre mal ganz was anderes. 
 
Eher stimmungsdämpfend war dagegen die gute Nachricht, dass am 17. Juni 1925 das Protokoll über das Verbot der Verwendung von erstickenden, giftigen oder ähnlichen Gasen sowie von bakteriologischen Mittel im Kriege unterzeichnet wurde. Man müsste, was leider nicht möglich ist, sich mal bei den Herren Hitler oder Assad erkundigen, ob sie sich immer brav daran gehalten haben. 
 
Und dann war auch noch zu lesen, dass der langjährige frühere Töginger Bürgermeister Max Saalfrank am Dienstag, 17. Juni, seinen 100. Geburtstag feiern könnte. Bei älteren Tögingern sei der markante Lokalpolitiker unvergessen. Sein Vermächtnis: "Töginger, hoits zsamm!" Na, dann: Alles wird gut! 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1570 vom 17. 6. 25

Dieser Text stammt von Quintus Quack, dem Medienanwalt des Buchstaben Q: 
 
Gegendarstellung zur Schmunzelpost vom 16. Juni 2025: An dieser Stelle wurde gestern ehrabschneidend behauptet, der Buchstabe Q käme im Sprachgebrauch noch seltener vor als das Y. Diese Unterstellung weise ich hiermit als ausgemachten Quatsch auf das Schärfste zurück. 
 
Das Q ist eine Quelle für vielerlei Wortschöpfungen.  Es kommt quasi in jedem Satz mindestens einmal vor. Nur nichtsnutzige Querdenker würden das bestreiten. Für meinen Mandanten ist es qualvoll, wenn etwas anderes behauptet wird. Vor allem, wenn solch ein Quark nicht in der Bildzeitung, sondern in einem seriösen Medium wie der Schmunzelpost verbreitet wird. 
 
Die Namen bedeutender Persönlichkeiten wie des Schauspielers Will Quadflieg oder langjähriger Säulen der Dorstener Stadtverwaltung wie der Eheleute Quallo beginnen mit Q. Hören Sie also ab sofort auf, solchen Unsinn im Quadrat zu verbreiten. Ansonsten werde ich Sie als Quacksalber der deutschen Sprache demaskieren. In der Hoffnung, dass Sie derart unqualifiziertes Geschreibsel künftig unterlassen, grüßt eine  quinquagintazentilliarde Mal 
 
Quintus Quack 
 
PS. Haben Sie bemerkt, dass in jedem Satz ein Q, aber kein einziges Y vorkam?  
 
PPS. Eine Quinquagintazentilliarde ist eine Zahl mit einer 1 vorne und dahinter 903 Nullen. 
 

Schmunzelpost 1569 vom 16. 6. 25

Als alter Rastafari habe ich am Samstagabend das Reggae-Konzert im Dorstener Bürgerpark besucht. Vorher war es wegen meiner modischen Kurzhaarfrisur ganz schön mühsam, mir dafür Dreadlocks zu flechten. Und nun habe ich erst recht Probleme, meine Haare wieder zu entknoten. Immerhin kann ich die Zeit auch nutzen, um über das Thema der heutigen Schmunzelpost nachzudenken. 
 
Dazu will ich Euch kein X für ein U vormachen: Auf die Idee brachte mich der geschätzte Kollege Martin Zips, der nach längerer Pause am Samstag mal wieder einen seiner typischen Beiträge auf der ersten Seite der Süddeutschen Zeitung plaziert hatte. Es ging um das Ypsilon, einen Buchstaben, der viel zu selten gewürdigt wird. Vielleicht liegt es ja daran, dass das Y als Vorletzter im Alphabet in unserer Sprache fast so selten Verwendung findet wie das Q. 
 
Doch habt Ihr vorher schon einmal überlegt, was das Y eigentlich für eine Art von Buchstabe ist? Ein Mitlaut, weil es in Yoga wie ein J gesprochen wird? Ein Selbstlaut, weil es in Party wie ein I klingt? Oder etwa ein Umlaut, weil es in Sylt wie ein ü rüberkommt? Ein Blick auf Fremdsprachen hilft da auch nicht weiter. Immerhin ist das Y aus dem Spanischen nicht wegzudenken, wo es Karriere gemacht hat und zum "und" aufgestiegen ist. Und im Englischen beweist es ebenfalls seine Vielseitigkeit: Als i in family, als J in Yippieh und als ei in my.
 
Wo aber hat das Ypsilon seinen Ursprung? Bereits im ersten Jahrtausend vor Christus taucht es in der rein konsonantischen Schriftsprache der Phönizier auf. Martin Zips: "Das entsprechende Gabelzeichen hieß hier 'Waw' und der zugeordnete Laut mutierte in byzantinischer Zeit vom w zu ü oder i." Auf Altgriechisch bedeutet Ypsilon denn auch "einfaches Ü". Da die Römer einen Narren an griechischen Lehnwörtern gefressen hatten, übernahmen sie es so. Später wurde im romanischen Sprachraum daraus das "I grec" oder "I griega", also das "griechische I". Und weil einige mitteleuropäische Aristokraten eine Vorliebe für die griechische Hochkultur entwickelten, tauchte es dann auch bei uns auf, zum Beispiel in Speyer und Bayern. Ja, ja, Söder, vor solchen Invasoren schützen keine Zurückweisungen an den Grenzen.
 
Am besten aber können die Sprachakrobaten aus Finnland mit dem Ypsilon umgehen. Sie nutzen es für ein Wort, das "die Freude, die man beim Sitzen auf einem Hüpfkissen empfinden kann" auf den Punkt bringt: "Hyppytyynytyyydytys"!
 
Glyckauf
kdk 
                                                                                                                                     

Schmunzelpost 1568 vom 15. 6. 22

Woran merkt man, dass das Ende naht? Dass die Zahl der körperlichen und geistigen Unzulänglichkeiten zunimmt, daran habe ich mich gewöhnt. Doch dass der Briefträger Erinnerungen an meine Sterblichkeit ins Haus bringt, war mir neu. Gestern ist es passiert: Meine Versicherung, die mir monatlich eine kleine Zusatzrente überweist, verlangt eine Lebensbescheinigung. Jetzt muss ich tatsächlich zum Arzt, zum Rathaus oder zum Rechtsanwalt tippeln, um mir amtlich bestätigen zu lassen, dass ich immer noch nicht den Löffel abgegeben habe! 
 
Die Versicherung begründet das mit rechtlichen Pflichten. Nun ja, ich weiß, dass es Fälle gibt, bei denen Verwandte von längst Verblichenen jahrelang munter weiter abkassiert haben. Und es gibt auch Menschen wie Frane Selak, einen kroatischen Musiklehrer, der dem Tod auf unglaubliche Weise immer wieder von der Schippe sprang. Axel Hacke berichtete jüngst über den 1929 geborenen Glückspilz, den anscheinend nichts umbringen konnte. 
 
Im Januar 1962 begann die unheimliche Serie. Selak war in einem Zug nach Dubrovnik unterwegs. Die Bahn entgleiste und stürzte in einen Fluss. 17 Menschen starben. Selak jedoch wurde von einem unbekannten Retter aus dem eisigen Wasser gezogen. Daraufhin bestieg der Kroate 1963 zum ersten und letzten Mal in seinem Leben ein Flugzeug. Doch dessen Antriebsdüsen fielen aus, die hintere Tür im Passagierraum öffnete sich. Viele Insassen, unter ihnen Selak, zog der Sog hinaus. Es gab 19 Tote. Selak landete jedoch in einem Heuhaufen und blieb unverletzt. 
 
Drei Jahre danach fiel ein Bus von einer Brücke. Vier Tote. Jetzt ratet mal, wer mit Prellungen und Schürfwunden davongekommen ist. Nach diesem Er- und Überlebnis hatte Selak vom ÖPNV die Nase voll. Er reiste nun mit eigenem Pkw. Aber 1970 explodierte dessen Benzintank, das Nachfolgemodell verschied 1973 an einem Motorbrand. Beides ohne größere gesundheitliche Folgen für den Fahrer. 
 
Der war daher nun lieber zu Fuß unterwegs. 1995 wurde er jedoch von einem Bus angefahren, was der Unkaputtbare aber ebenfalls mit leichten Verletzungen überstand. Nun versuchte Selak es doch wieder mit einem Auto. Und baute nur ein Jahr später seinen dicksten Pkw-Unfall. Als er einem Lkw auswich, kollidierte der Wagen mit einer Leitplanke und überschlug sich. Selak, der sich nicht angeschnallt hatte, flog hinaus. Das war sein Glück. Denn das Auto stürzte 150 m in die Tiefe und explodierte. 
 
Kann man noch mehr von Fortuna gesegnet werden? Offenbar. Denn 2003 gewann Selak 800.000 Euro im Lotto. 2016 starb er dann mit 87 Jahren, so Hacke, eines natürlichen, aber endgültigen Todes. Allerdings hat die Wahnsinnsgeschichte einen Haken. Sie beruht hauptsächlich auf den Erzählungen Selaks, der ungezählte Male von den Medien interviewt worden ist. Leise Zweifel kamen auf, weil es vom Zugunglück 1962 wie vom Flugzeugabsturz 1963 keinerlei offizielle Belege gibt. 
 
Siehst Du, liebe Versicherung, so einem Mann darfst Du misstrauen. In meinem Fall musst Du nur die fast 70 Schmunzelpost-Empfänger befragen. Sie werden Dir bestätigen, dass ich täglich beweise, noch am Leben zu sein! 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1567 vom 14. 6. 25

Schlaflieder, Wecker und Siebenschläfer - die Zeit ist reif für eine Hallo-Wach-Pille. Doch vielleicht braucht Ihr sie gar nicht. Ich setze mal voraus, dass ein gewisser Wachzustand erforderlich ist, um diesen komplizierten Gedankengängen folgen zu können.
 
Was hellwach bedeutet, weiß jeder. Aber wie lautet das Gegenteil dieses Eigenschaftswortes? Dunkelwach? Da sehe ich schwarz. Mal sehen, was das allwissende Internet sagt. Hmm, es bietet mir 50 Begriffe an, beginnend mit müde, schläfrig und dösig. Doch es ist kein exaktes Negativ dabei. Vielleicht gehört hellwach zu den Wörtern, für die es kein passendes Gegenstück gibt. (Um mal wieder ein bisschen zu schlaumeiern: Der Fachbegriff lautet Antonyme.)
 
Ich weiß auch nicht, warum mir dabei sofort "durstig" in den Sinn kommt. Es gab Versuche, das Wort "sitt" zu etablieren. Es wurde 1996 aus 45.000 Vorschlägen für diesen Zweck auserkoren. Aber "sitt" fand bis heute keinen Eingang in unseren Sprachgebrauch, also hatte die Duden-Redaktion den Versuch satt und verweigerte die Aufnahme in die Sprachbibel.
 
Gibt es noch weitere derartige Adjektive? Wie wäre es mit "allein"? Da ließen sich "gemeinsam" oder "zusammen" als Gegenstück aufbieten, ohne voll zu überzeugen. Auch bei "groß" ist die Sache beim zweiten Hinschauen schwieriger als man denkt. Denn wenn Ihr auf Anhieb "klein" sagt, dann frage ich Euch: Und was ist, wenn groß die Bedeutung von "wesentlich" hat? Ich stimme hoffentlich mit Euch in großen Zügen überein, wenn ich sage, dass dies in kleinen Zügen sprachlich nicht möglich wäre. 
 
Immerhin eint uns unser trockener Humor. Oder wollt Ihr ernsthaft behaupten: "Im Gegenteil, wir haben einen nassen Humor?" Nun ja, bevor Ihr noch von hellwach in hundemüde abdriftet, nur noch eine letzte Frage: Was ist eigentlich das Gegenteil vom Gegenteil?
 
Glückauf
kdk 
 

Schmunzelpost 1566 vom 13. 6. 25

War eigentlich schon Siebenschläfer? Nein, ich meine nicht das Nagetier, sondern den Siebenschläfertag. Der beruht auf einer christlichen Legende. Im Jahre 251 mussten danach sieben fromme Jünglinge aus ihrer Heimatstadt Ephesus fliehen, weil sie wegen ihres Glaubens gejagt wurden. Wie es hieß, versteckten sie sich in einer Höhle. Die wurde jedoch von den Verfolgern entdeckt, die, grausam, wie die bösen Heiden nunmal waren, den Höhlenausgang zumauerten, damit ihre Opfer eines qualvollen Todes starben.
 
Doch der Zufall wollte es, so ist es zumindest überliefert, dass die Höhle 195 Jahre später, am 27. Juni 446, wieder entdeckt wurde. Und siehe da: Da erwachten die sieben Knaben aus ihrem Dornröschen-Schlaf und bekannten ihren Glauben an die Auferstehung. Anders als Jesus fuhren sie aber nicht gen Himmel, sondern verstarben kurz darauf. Das hinderte die Kirche nicht daran, an dieses Wunder bis heute an vielen verschiedenen Wallfahrtsorten zwischen Passau und Ephesus zu erinnern.
 
Was das Ganze mit der umstrittenen Behauptung zu tun hat, dass das Wetter sieben Wochen lang so bleibt, wie es am Siebenschläfertag ist? Das weiß ich auch nicht. Das müsst Ihr schon die sieben Schlafmützen von Ephesus fragen, falls sie wieder irgendwo ausgegraben werden. Bis zum 27. Juni ist ja noch etwas Zeit. Am besten, Ihr legt Euch solange wieder aufs Ohr. Zu lange? Das schafft Ihr schon: Sind ja bloß zwei Wochen und keine 195 Jahre.
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1565 vom 12. 6. 25

Gestern ging es an dieser Stelle um Schlaflieder. Heute ist ein Thema an der Reihe, nach dem eigentlich kein Hahn kräht - die Geschichte des Weckers. Das ist in früheren Lebensabschnitten für mich der meistgehaßte Gegenstand in unserer Wohnung gewesen. Oh, was war das fies, wenn der Wecker mich im zarten Alter von vierzehn Jahren brutal um halbsechs aus dem Schlummer riss, weil ich den Bus zur Schule erwischen musste. Oder später am Montagmorgen, wenn ich vorher nach dem langen Ausschlafen am Sonntag erst spät ins Bett gefunden hatte. Bei aller Wut muss ich mich mal loben: Ich habe niemals einem Wecker auch nur ein Rädchen gekrümmt.
 
Doch von meiner persönlichen Geschichte zur Chronik des Weckers. Früher übernahm die Aufgabe des Wachmachens ein Hahn oder schlicht der Sonnenaufgang. Einst ermöglichte ja erst das Tageslicht die meisten menschlichen Aktivitäten, denn nachts war außer Dieben und Nachtwächtern kaum jemand draußen unterwegs. In den Klöstern jedoch versammelten sich fromme Mönche schon lange vor der Dämmerung zum ersten Gebet. Deshalb sollen dort angeblich bereits im 12. Jahrhundert die ersten mechanischen Wecker ihr Schlagwerk aufgenommen haben, was aber heute meist als Legende angesehen wird.
 
Fakt ist jedoch, dass ein erster Vorläufer bereits in der Antike existierte. Geschickt konstruierte Wasseruhren mit geregeltem Zufluss sollen bei einem bestimmten Pegel mittels eines Hebels Glocken ausgelöst haben. Wahrscheinlich waren die alten Germanen Langschläfer wie ich. Als sie die Herrschaft der Römer beendeten, schafften sie solch zivilatorischen Schnick-Schnack schnell wieder ab.
 
Erst im 14. Jahrhundert tauchen dann die ersten Uhren auf, die bereits eine Weckfunktion übernahmen. Darüber berichtete Dante schon 1320 in seiner "Göttlichen Komödie". Die ältesten, heute noch erhaltenen Wecker finden sich in Wanduhren aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Sie halfen den Turmwächtern dabei, halbwegs pünktlich per Hand die Turmglocken zu schlagen. 
 
Nachdem die Unruh-Feder erfunden war, avancierte der Wecker zum Luxusgegenstand für Adelige und Reiche. Erst mit der industriellen Revolution nahm das Unheil seinen Lauf: Damit die Arbeiter pünktlich in die Fabriken kamen, gingen Wecker in die Massenproduktion. Heute gibt es sie bekanntlich in allen Größen und Variationen, wobei sie inzwischen oft durch Handys ersetzt werden.
 
Im Handel erhältlich sind aber auch Modelle für besonders hartnäckige Schlafmützen. Die kriegt man bloß aus den Federn, wenn sie körperlich aktiv werden müssen. Liebend gerne hätte ich als Jugendlicher einen robusten Wurfwecker besessen. Der schweigt erst, wenn man ihn vor die Wand wirft! Clever sind dagegen die Radwecker. Mit dem ersten Klingelton rollen sie los und verstummen erst, wenn man aufsteht und sie einfängt. Artverwandt ist der Rotorwecker. Sein Alarmton erlischt erst, wenn der Rotor wieder aufgesteckt wird, der beim ersten Signal davongeflogen ist.
 
Ich hoffe sehr, diese Schmunzelpost ist Euch nicht auf den Wecker gegangen. So, jetzt könnt Ihr Euch noch ein bisschen hinlegen.
 
Glückauf
kdk
 
PS.  Wer Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hat, der muss nicht unbedingt in ein spezielles Konzert gehen. Petra weist darauf hin, dass es ein großes Angebot an Einschlaf-Podcasts gibt. "Einschlafen mit Weltall, mit Tieren, mit Wikipedia, mit Biografien… Es gibt Einschlafmeditation, Einschlafgeräusche, z. B. Regen aufs Zelt (🤔)  und vieles vieles mehr.  Am Skurrilsten fand ich das Vorlesen der Tidenstände!" Doch was nutzt das, wenn bald wieder ein grausamer Wecker klingelt. . . 

Schmunzelpost 1564 vom 11. 6. 25


"Schlaf oder stirb". Nach dieser Schlagzeile in der Dorstener Zeitung war ich gestern morgen hellwach. Aber es handelte sich nicht um einen Action-Film mit Bruce Willis, sondern es ging um Wiegenlieder. Was es da auf der Welt für Unterschiede gibt fand ich so beachtlich, dass ich beschloss, mir einige Texte etwas näher anzuschauen.
 
"Schlaf, Kindchen, schlaf" ist das einzige Wiegenlied, das ich als Knäblein vorgesungen bekam. Nicht von meiner Mutter, die hielt sich für unmusikalisch. Auch nicht von meinem Vater, danach hätte ich vor Schreck nicht einschlafen können. In der Schule kam dann noch "Weißt Du wieviel Sternlein stehen" hinzu.  Und in manchen Fächern genügte schon der Vortrag der Lehrer, um mich zum Gähnen zu bringen. Von meinen Spielgefährten lernte ich eine vermutlich von ihnen bearbeitete Fassung von "Schlaf, Kindchen, schlaf":..., Dein Vater ist ein Schaf. Deine Mutter ist ein Tränentier, was kann das arme Kind dafür? Schlaf, Kindchen, schlaf."
 
Das unterschied sich inhaltlich doch recht deutlich von den besänftigenden Worten, die ich später in einem Heinz-Rühmann-Film im Lied "La-le-lu" zu hören bekam. Und es war vielleicht ein erster Hinweis darauf, dass anderswo Kinder nicht nur mit zarten Klängen und Eiapopeia-Texten in den Schlummer gesäuselt werden. In Norwegen gibt es ein bekanntes Lied, in dem man Kindern droht, sie an den Beinen zu packen und gegen die Wand zu klatschen, wenn sie nicht endlich einschlafen. Na ja, die Wikinger waren halt rauhe Gesellen.
 
Aber offenbar auch die Japaner. Jedenfalls gibt es bei ihnen ein populäres Wiegenlieder für Kinder, die nicht aufhören zu weinen. Darin wird den Kleinen dringend empfohlen mucksmäuschenstill zu sein, wenn sie nicht in einen Strohsack gesteckt und ertränkt werden wollen. Dagegen waren die aus der Vergangenheit so verrufenen Mongolen geradezu warmherzig - gegenüber ihrem Vieh. Die Hirten des Nomadenvolks sangen ihre Schafe in den Schlaf. Und die Schotten geizten nicht mit Wiegenliedern für ihre Rindviecher.
 
Als Erwachsene genossen einst adlige Herrscher und Könige das Privileg, von ihren Dienern ins Reich der Träume gesungen zu werden. Ein Trend, der heutzutage Schule macht. Eine Reihe von Anbietern lockt in den Metropolen schlafbedürftige Kunden in Konzerte, in denen sie die Musiker mit traumhaften Klängen in erholsamen Schlummer versetzen.
 
Und nun singe ich für Euch: "Schlaf, Leser, schlaf. Dein Autor ist ganz brav. Er sendet Dir ein Träumelein, Du nuckelst schön am Däumelein. Schlaf, Leser, schlaf."
 
Glückauf
kdk    
 

Schmunzelpost 1563 vom 10. 6. 25

"He, Du! Ja, Du! Von der Seite ins Wasser springen ist verboten, Du Hampel! Merk Dir das! Beim nächsten Mal fliegst Du raus!" Diesen strengen Appell richtete gestern der Bademeister im Dorstener Atlantis an einen verdutzten Knaben. Und ich bekam das mit, weil ich gerade auf dem Cross-Trainer unterwegs war - der Fitnessraum im Obergeschoss ist nur durch eine Glaswand vom Schwimmbecken im Erdgeschoss getrennt. 
 
Prompt kam mir in den Sinn, dass im letzten "Spiegel" Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zu  möglichst vielen  originellen Ordnungsrufen ermuntert worden war. So könne sie sich in den Parlaments-Annalen verewigen: Ihre Aufsichtstätigkeit würde dann gar als "klöcknern" mit einem speziellen Verb geadelt werden. Für mich ist das Anlass, mal zu schauen, was zu diesem Thema bisher in die Geschichte eingegangen ist. 
 
Die meisten Ordnungsrufe in der letzten Legislaturperiode fing sich - Überraschung - die AfD ein. Gleich zwei ihrer Abgeordneten lagen mit 20 Mahnungen ganz weit vorn, Stephan Brandner und Beatrix von Storch. Letztere bezeichnete den Verfassungsschutz-Präsidenten als "strunzdumm" und nannte die Fraktion der Linken "Mauermörder". Das trug ihr in der Presse den Spitznamen "Pöbelfürstin" ein. Insgesamt war die AfD in der Ordnungsruf-Bilanz mit 85 Rügen einsame Spitze, es folgten fraktionslose Abgeordnete (13) und die SPD (11). 
 
Bevor wieder braune Rüpel ins Parlament einzogen, war lange Zeit der damalige SPD-Fraktionschef Herbert Wehner König der Zwischenrufe, die oft Ordnungsrüffel zur Folge hatten. Mitunter machte er vor den eigenen Leuten nicht halt. Als die Sitze im Plenum noch nach dem Alphabet vergeben wurden, beschwerte sich der Abgeordnete Zerbisch über seine Platzzuweisung. Daraufhin wurde er von Wehner angepflaumt, er möge sich in "Genosse Arschloch" umbenennen, wenn er weiter vorne sitzen wolle. 
 
Doch selbst ein Choleriker wie Wehner konnte sich zügeln, wenn es brenzlig wurde. Als er dem Abgeordneten Euler lautstark ins Wort fiel: "Das ist eine Lüge!", wurde er sofort vom Bundestagspräsidenten Gerstenmaier zur Ordnung gerufen. Doch Wehner war immer noch in Rage: "Es ist dennoch eine Lüge!" Das trug ihm den zweiten Ordnungsruf ein, verbunden mit dem Hinweis, dass er nach einem dritten von der Sitzung ausgeschlossen werde. Daraufhin änderte der Sozialdemokrat geschickt seine Wortwahl: "Der Mann kann dort oben das Gegenteil der Wahrheit behaupten!"   
 
He, Ihr! Ja, Ihr! Was ist das denn? Hiermit rufe ich alle laschen Leser, die einfach komplette Absätze überspringen oder, noch schlimmer, bei der Lektüre gähnen, zur Ordnung auf! Zur Strafe müsst Ihr diese Schmunzelpost-Folge auswendig lernen. Achtung! Ich höre beim nächsten Mal den Text ab! 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1562 vom 9. 6. 25

Die Butter lasse ich mir nicht vom Brot nehmen. Aber obendrüber hat Käse weitgehend die Wurst verdrängt. Als treuer Markt-Kunde von Andreas Steinkopf, der keine weiten Fahrten in die Alpen oder zum Pariser Großmarkt scheut, um sich  erstklassige Ware zu besorgen, bin ich mittlerweile ziemlich verwöhnt. Und so kann ich die Aufregung der Franzosen verstehen, als sie jetzt Angst bekamen, man wolle ihnen ihren Original-Comté aus dem Jura wegnehmen.
 
Dabei resultiert der vermeintliche Skandal aus einem Irrtum. Der Naturforscher Pierre Rigaux hatte im Radio lediglich darauf hingewiesen, dass die übergroße Zahl von Milchkühen in der Region Nachteile für die Umwelt mit sich bringt. Böden und Flüsse werden überlastet durch die großen Mengen an Jauche und Chemie. Und die traditionelle Viehzucht ist längst industrialisiert. Das ist soweit alles richtig.
 
Aber dann brachte der Fluch des Digital-Zeitalters die Empörung ins Rollen: Irgendjemand verbreitete das Märchen, Rigaux habe als Konsequenz ein Comté-Verbot gefordert. Und dann, so die Süddeutsche Zeitung, "war die Hölle los". Selbst der "Figaro", eine ansonsten bürgerliche seriöse Zeitung, sprang mit auf den Zug und schrieb von den "grünen Khmer", die dem geliebten Käse an den Laib wollten. Prompt stimmten eine Sonntagszeitung und ein Nachrichtensender, die beide einem Multimilliardär und Meinungsmacher der extremen Rechten gehören, in den Chor mit ein. 
 
Schon wurde der Naturforscher von einer Hass-Welle überrollt. Selbst die Chefin der französischen Grünen glaubte, sich vorsichtshalber distanzieren zu müssen. Dazu biss sie in einem Video herzhaft in ein Stück Comté. Und der Präfekt des Jura kommentierte in den asozialen Medien: "Den Comté verbieten? Warum nicht gleich auch die Sonnenuntergänge über dem Jura?" Na ja, vielleicht wäre das gar nicht schlecht, weil offenbar mehr Tageslicht benötigt wird, damit alle wieder einen klaren Blick bekommen.
 
Denn für mich liefert die Geschichte drei Erkenntnisse. Erstens ist es heutzutage fast unmöglich, Unwahrheiten zu stoppen, wenn solch eine Käse-Lawine erst einmal in Gang gesetzt ist. Zweitens werden mir diese Multimilliardäre allmählich unheimlich. Statt mit Dagobert im Geldspeicher zu schwimmen, frönen sie immer öfter dem Hobby, rechtsextremes Zeug zu verbreiten. Zum Glück fallen sie damit manchmal auf die Nase, nicht wahr, Elon?
 
Drittens sollten die bundesdeutschen Grünen von ihrer französischen Kollegin lernen. Oder auch von Markus Söder. Sie könnten der Legende, in Deutschland eine Veggie-Diktatur einführen zu wollen, ganz leicht den Boden entziehen. Dazu müssten sie bei TV-Auftritten und auf Tiktok bloß öfter mal in eine Bratwurst beißen. Uli Hoeneß würde bestimmt liebend gern das Material liefern.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Um allen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, werden wir beim Frankreich-Abend im Dorstener Bürgerbahnhof am 11. Juli komplett auf Käse verzichten. Stattdessen gibt es Quiche, Mousse au Chocolat, Wein, Cidre und Champagner!  


 
 
 

 

Schmunzelpost 1561 vom 8. 6. 25


Falsch verbunden? Nee, die Leitung war mausetot. Oder mangels Gerät war überhaupt keine telefonische Kommunikation möglich. Ja, ja, ich habe eine schwere Woche hinter mir. Vom Mobilfunk bin ich bereits seit der ersten Maihälfte abgeschnitten, nachdem mein Smartphone in Oberbayern spurlos verschwunden ist. Ist ja auch eine schöne Gegend, vielleicht hat es ein attraktives I-Phone kennengelernt.
 
Mitte letzter Woche verabschiedete sich dann auch noch unser Festnetztelefon aus dem aktiven Arbeitsleben. Plötzlich ließ sich keine Nummer mehr anwählen. Und auch die Zahl der Anrufe ging schlagartig auf Null zurück. Das war zwar eigentlich recht angenehm, aber andererseits könnte jemand uns ja statt der Bitte, an einer Meinungsumfrage teilzunehmen oder unsere Erbschaft in Kenia anzutreten etwas wirklich Wichtiges mitteilen wollen.
 
Also bin ich aktiv geworden. Zunächst habe ich versucht, ein altes, nie genutztes Smartphone flott zu machen (es gibt Frauen, die sich beharrlich weigern, ins digitale Zeitalter einzutreten, selbst wenn sie die Geräte geschenkt bekommen). 
Eine neue Sim-Card war schnell beschafft, aber damit begann das Dilemma. Das alte Handy verlangte nämlich stur ein Passwort, dass vor Urzeiten festgelegt und inzwischen längst in der Versenkung verschwunden war.
 
Nachdem ich alle erdenklichen Variationen aus meinen Notizen vergeblich ausprobiert hatte, suchte ich Rat im Internet und bei der Telekom. Im T-Punkt sagte man mir sofort: "Da kann man nix machen. Das können Sie ohne Passwort vergessen." Hatte ich ja bereits vorher, und trotzdem hoffte ich, mit Tipps von Eingeweihten das Smartphone überlisten zu können. Sowohl das Internet wie die per Email angefragten Telekom-Spezialisten hatten auch einen hundertprozentigen Rat im Köcher: "Nutzen Sie Ihr Google-Konto oder lassen Sie sich dort ein neues Passwort mitteilen."
 
Tja, einer Google-Anmeldung hatte ich mich bisher verweigert, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Also versuchte ich, durch die Einrichtung einer Google-Email-Adresse diesen ungeliebten Weg zu gehen. Aber meine Bemühungen versandeten, als Google mich aufforderte, mein neues Konto durch die Eingabe eines Zahlencodes zu bestätigen, der zuvor an mein Handy gesandt wurde. Die frohlockenden Signal-Töne habe ich sehr wohl vernommen, aber mangels Passwort konnte ich die Ziffern nicht abrufen.
 
Flotter ging es an der Festnetz-Front voran. Schnell hatte ich beim Media-Markt ein neues, relativ preiswertes Gerät erstanden und wollte es nun in Betrieb nehmen. Das war jedoch viel leichter gesagt als getan. Eigentlich halte ich mich, wegen meiner durch zahlreiche TV-Quizsendungen untermauerten Bildungs-Basis, für einen halbwegs intelligenten Menschen. Beim Versuch, den Anweisungen der Gebrauchsanweisung zum Anschluss des Festnetz-Telefons zu folgen, kamen mir aber erhebliche Zweifel. Ich möchte nicht darüber spekulieren, wo ich auf einer Skala zwischen Kellerassel, Orang Utan und Albert Einstein einzuordnen wäre, aber ich fürchte nun, im Lager der Unterbelichteten zu landen.
 
Immerhin gelang es mir nach mehreren Anläufen und dreistündigen unermüdlichen Versuchen, dem Festnetz-Telefon ein Freizeichen zu entlocken. Dieses Erfolgserlebnis ermutigte mich, auch ein neues Smartphone zu erstehen. Regelrecht euphorisch kehrte ich gestern nach Hause zurück. Doch als bereits beim Einschieben der Sim-Card das Plastik-Gestell zerbrach, schwand meine Zuversicht. Die Vorahnung sollte sich bestätigen. Geschlagene drei Stunden verbrachte ich damit, mir das Passwort zum Anschluss an das WLAN-Netz zu besorgen. Umso frustierender für mich, als ich am Ende feststellen musste, dass ich mich bei der Eingabe der Zahlenkolonne gleich zu Beginn wohl vertippt hatte.
 
Aber jetzt läuft es! Sowohl mobil wie fest bin ich wieder im Netz. Nun muss ich nur mühsam meine alten Whatsapp-Kontakte wieder herstellen. Aber meine Zuversicht hat bereits einen gravierenden Dämpfer bekommen. Als ich mit dem Smartphone meinen Festnetz-Anschluss anwählte, bekam ich die Auskunft: "Diese Nummer ist im Netz nicht enthalten."
 
Glückauf
kdk      

Schmunzelpost 1560 vom 7. 6. 25

Die Inspiration für diese Schmunzelpost lieferte gleich doppelt die Freitagausausgabe der Süddeutschen Zeitung. Mit einer relativ kleinen Meldung und dem Streiflicht. Darin ging es um einen Job, der in der Ära Trump recht anspruchsvoll geworden ist, zumindest in den USA: Die Rede ist vom Zöllner. 
 
Die Routinetage früherer Zeiten gehören für diese Berufsgruppe der Vergangenheit an. Täglich muss sich der US-Zöllner fragen: Welche neuen Aufgaben warten heute auf mich? Muss ich nach Pinguinen aus dem Südpolar-Kreis jetzt auch womöglich Eisbären aus dem Nordpol zur Kasse bitten? Und wie stelle ich fest, ob sie aus Grönland (heute noch Dänemark, erst übermorgen USA) oder aus Kanada ihren Pelz über die Grenze bringen wollen? Ganz zu schweigen von den dauernd wechselnden Zolltarifen für China,  Europa und den Rest der Welt, sowie speziellen Produkten.
 
Aber Zöllner hatten es auch vor zwei Jahrtausenden nicht leicht. Zwar versprach Jesus ihnen im Neuen Testament, dass sie leichter in den Himmel kämen als Hohepriester, aber auf Erden gestaltete sich ihre Arbeit auch damals schon schwierig. Zöllner waren höchst unpopulär, weil sie im Nahen Osten im Auftrag der römischen Besatzer Abgaben eintreiben mussten. Das ist ein hartes Brot, wie die Finanzbeamten der Neuzeit bestätigen können. Immerhin gibt es Aufstiegschancen. Der Zöllner Matthäus avancierte zum Jünger Jesu und sicherte sich so seinen Platz im Paradies.
 
Dagegen ist der Protagonist der SZ-Meldung eher davon bedroht, nach seinem Ableben in der Hölle zu schmoren. Es handelt sich um einen 84-jährigen Kleingärtner aus Lünen. Zumindest das 'Fegefeuer könnte auch den SZ-Kollegen bevorstehen, die diese Meldung formuliert haben. Sie haben es gewagt, die Hansestadt an der Lippe, die fast 90.000 Einwohner zählt und bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht hat (ich erinnere nur an Max Rabe, Günter Boas und Rüdiger Freibert), als "Lünen bei Dortmund" einzuordnen. Anders herum wird ein Schuh daraus: Nordlüdenscheid in der Nähe von Lünen! Für alle Fußballinteressierten sei nebenbei erwähnt, dass der ruhmreiche Lüner SV zu seinen Glanzzeiten sowohl Borussia Nordlüdenscheid wie Rot-Weiß Essen das Fell über die Ohren gezogen hat.
 
Aber zurück in die Gegenwart. In der Meldung wird geschildert, dass ein 84-jähriger Kleingärtner seinen 64-jährigen Nachbarn schwer verletzte. Weil dieser sich weigerte, seine Hecke zu stutzen, tat dies an seiner Stelle der betagte Gartenfreund. Und als es von seiten des Garteninhabers Widerspruch gab, wurde der 64-jährige, zack-zack, mit mehreren Beilhieben ins Krankenhaus befördert.
 
Derartige Gewaltausbrüche will ich natürlich nicht rechtfertigen. Aber es sei der Hinweis gestattet, wie fit der 84-jährige offenbar noch immer ist. Und ich als gebürtiger Lüner bin erst 72! Solltet Ihr also an dieser Schmunzelpost herummäkeln, dann bedenkt, wie schnell man von einem echten Lippe-Gewächs in Windeseile gevierteilt werden kann, falls zufällig ein Axt herumliegt.
 
Glückauf
kdk 
 

Schmunzelpost 1559 vom 6. 6. 25


In den letzten Tagen war es oft furchtbar, eine Zeitung aufzuschlagen oder eine Talk-Show im Fernsehen einzuschalten. Denn ein Thema überstrahlte alles: Wie kann Friedrich Merz den Besuch im Weißen Haus überstehen, ohne vor laufender Kamera gedemütigt zu werden? Das schien das wesentlich, vielleicht sogar einzige Ziel der Reise zu sein. Offenbar hegte niemand Hoffnung, dass dieses Treffen irgendetwas ergeben könnte, was unsere Welt nach vorne bringt. 
 
Noch schlimmer waren die Ratschläge, die dem Bundeskanzler mit auf den Weg gegeben wurden, damit er den obersten Psychopathen der USA bei Laune halten kann. Ich zähle mal ein paar Tipps auf: Unentwegt die Bedeutung Amerikas und vor allem die überragenden Qualitäten des derzeitigen Präsidenten loben, lockeren Smalltalk mit derbem Männerhumor einflechten und über die Scherze des Gegenübers lachen, die eigenen Wortbeiträge sehr knapp halten, weil der Gesprächspartner schnell nicht mehr zuhört, wenn er nicht selbst schwadronieren kann. Kurz, ihm ständig hinten reinkriechen, weil dies die einzige Chance ist, Gunst und Gnade zu erringen. Aber wozu eigentlich, wo doch alle wissen, dass der Kerl dauernd seine Standpunkte nach Lust und Laune ändert? 
 
Ich habe meine Schmunzelpost-Kontakte ausgenutzt, um mit Hilfe des BND-Agenten 008 über ein unmittelbar am Kehlkopf des Kanzlers angebrachtes Mikro-Aufzeichnungsgerätes zumindest in den Besitz der deutschen Gesprächsbeiträge zu gelangen, die geäußert wurden, nachdem die Kameras abgeschaltet waren. Leider schmälerte Störfunk die Qualität der Aufnahmen, aber zumindest einige Fragmente waren zu verstehen. Hier sind sie, exklusiv nur für SP-Leser: 
 
"...dear Donald, my old pal, this is a great moment. I'm very glad to be guest in the greatest Country of our Earth, ach was, of the universe. And I'm proud to talk with the greatest US-President ever... 
 
"...ha, ha, ha, I understand what you mean. With women is no state to make, you know? Specially I mean our old dragon Angela, you remember their. For such kind of women we have into german a good description: Zickige Schlampen!..." 
 
"... no, Donald, I don't play Golf with you. All the world knows, you are a golf-giant but I was only a golf-Stümper...." 
 
"...let's talk about money. I'm sure, we can make a customs-deal. I've worked for black rock and you are an economy genie, so we are a good couple. ..." 
 
"...by god, Donald, I give you my word as an Ehrenmann: Into Future we shall never more smash a bowling ball from seven metres heights to the roof of a US-automobil to test their stability. On the contrary: We will import more cars from the USA! And fracking gas too!..." 
 
"...yes. Donald I will check for the next elections, whether I take Alice for vize-chancellor. But before we must tear down the firewall. ..." 
 
"Finally, dear Donald, let me kiss your ass ... äh, I mean your hand. Now you know, me and Germany are your best friends!" 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1558 vom 5. 6. 25


Beim Disput um allgemein akzeptierte Thesen gibt es immer wieder welche, die sich nicht eindeutig klären lassen. So habe ich mir am Satz "Kunst kommt von Können" die Zähne ausgebissen. Wahrscheinlich hat mich das die Goldkrone gekostet, die jetzt aufwändig ersetzt werden muss, inklusive Wurzelbehandlung (seufz).
 
Banausen, zu denen auch ich in jungen Jahren zählte, weigern sich beharrlich, Werke als Kunst anzuerkennen, die ihrem Verständnis nicht entsprechen. Im zarten Alter von 13 Jahren vertrat ich diesen Standpunkt so beharrlich, dass unser Lehrer mit der gesamten Klasse einen Atelierbesuch bei Anselm Kiefer organisierte, der später weltberühmt werden sollte. Mich hat er damals nicht beeindruckt.  Das mag daher rühren, dass ich früher die Ansicht meiner Eltern teilte: "Das könnte auch ein Schimpanse gemalt haben!". Inzwischen hat sich zwar mein Kunstbegriff erheblich erweitert, aber mit manchen Arbeiten von Joseph Beuys oder aus dem großen Spektrum der Aktionskunst stehe ich nach wie vor auf dem Kriegsfuß.  
 
Nun stammt das Wort "Kunst" vom mittelhochdeutschen "kunnan" ab. Das entspricht im Kern unserem Wort "kennen". Also müsste der Merksatz "Kunst kommt von Kennen" alle Ignoranten in die Schranken weisen - was man nicht kennt, versteht man nicht. Allerdings verunsichert uns der Philosoph Johann Gottfried Herder, denn er sieht durchaus auch den Faktor Können in der Kunst: "Wer kennt ohne zu können, ist ein Theorist, dem man in Sachen des Könnens kaum trauet; wer kann, ohne zu kennen, ist ein bloßer Praktiker oder Handwerker, der echte Künstler verbindet beides." 
 
Dieser Ansicht ist auch Max Liebermann. Der berühmte Maler urteilte einst: "Die gut gemalte Rübe ist besser als die schlecht gemalte Madonna." Und Ludwig Fulda verfasste bereits 1894 den folgenden Merksatz: 
 
"Weiß nicht, was echte Künstler sollen
mit Eurem theoretischen Schwulst;
Kunst kommt von Können, nicht von Wollen:
Sonst hieß es Wulst." (Auch die Spielart "Wunst" ist in Gebrauch)
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1557 vom 4. 6. 25


Mein Vorbild ist Don Quichotte. Der wackere Ritter aus der spanischen Region "La Mancha" gab niemals auf, obwohl er permanent den Windmühlen unterlegen war. Auch ich setze unerschütterlich meinen Feldzug gegen gängige Irrtümer fort, obwohl ich ahne, dass ich ihre Verbreitung nicht stoppen kann. 
 
Heute gehn wir mal zusammen ins Kino. Wie viele andere meine ich, dass es Sean Connery am besten gelang, den Agenten 007 zu verkörpern. Aber war Connery auch der erste Bond-Darsteller? Da hätte ich glatt eine Wette verloren: Acht Jahre, bevor die Reihe nach den Romanen von Ian Fleming in die Kinos kam, gab es schon eine CBS-Fernsehproduktion mit dem Titel "Casino Royal". Darin hieß der erste Bond Barry Nelson und blieb den Zuschauern vor allem durch ein zwei Nummern zu großes Jackett in Erinnerung. Außerdem trug er damals den Vornamen "Jimmy". Den ersten James Bond gab dann tatsächlich Sean Connery, 1962, in "007 jagt Dr. No". 
 
"Geschüttelt, aber nicht gerührt!" Dafür weiß jeder Kinobesucher, dass Wodka-Martini das Lieblingsgetränk des britischen Geheimagenten ist. Schon wieder daneben: Der Cocktail landet abgeschlagen weit hinter Champagner (35mal) und Whiskey (101 Drinks). Und was soll das Schütteln? Dadurch kommt mehr Sauerstoff in das alkoholhaltige Getränk. 007 muss schließlich einen klaren Kopf behalten, weil er gleich wieder im Auto, im Boot oder auf Skiern akrobatische Höchstleistungen vollbringen muss. 
 
Ein unausrottbarer Irrtum hat sich seit 1964 durch James Bond und Gert Fröbe als seinen fiesen Widersacher "Goldfinger" in den Köpfen festgesetzt. Nachdem der Schurke seine, dem Charme von 007 erlegene Sekretärin in der Badewanne am ganzen Körper vergoldet hatte, starb die Bedauernswerte rasch den Filmtod. Und als gläubige Zuschauer verinnerlichten wir die Diagnose von James Bond zur Ursache für das Dahinscheiden der schönen Toten: "Die Haut konnte nicht mehr atmen." 
 
Das mag sein, aber daran stirbt man nicht. Hautatmung ist von existenzieller Bedeutung für Regenwürmer. Beim Menschen jedoch gelangt nicht einmal ein Prozent des aufgenommenen Sauerstoffs durch die Haut in den Körper. Ihr dürft also gern beim nächsten Wannenbad in Gold schwimmen. Aber das habt Ihr gar nicht nötig: Alle Schmunzelpost-Leser sind ohnehin goldig.     
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1556 vom 3. 6. 25

Abendstund hat Gold im Mund! Nein, keine Sorge, ich will heute nicht die Verballhornung von Sprichwörtern betreiben. Gestern Abend hatte ich aber wahrhaftig Gold im Mund. Beim Kauen eines Kaugummis spürte ich plötzlich etwas Hartes auf der Zunge. Nanu? War das Haltbarkeitsdatum abgelaufen und das Kaugummi zu einem Mini-Brikett mutiert? Die Lösung lag kurz darauf glänzend auf meiner Hand: Die Goldkrone eines Backenzahns hatte sich gelöst. Das nenne ich Glück im Unglück. Wenn ich sie verschluckt hätte, wäre die Bergung echt scheiße gewesen!
 
Was sagt Ihr? Solche plumpen Scherze sind für'n Arsch? Ihr habt recht. Wenden wir uns stattdessen den Sprichwörtern zu. Mit derartigen deutschen Redewendungen kennt Ihr Euch aus, denn Ihr wusstet ja auf Anhieb, dass es eigentlich "Morgenstund hat Gold im Mund" hätte heißen müssen. Deshalb möchte ich Euren Wortschatz um ein paar hübsche fremdsprachige Sprichwörter erweitern.
 
Wenn etwas nicht geheuer ist, sagt man mitunter "da ist was im Busch". Die Norweger haben dafür eine andere Redewendung: "Det er ugler i mosen!" Wörtlich übersetzt bedeutet das, dass eine Eule im Moor ist. Und die Nachtvögel schlagen auf der Jagd bekanntlich wie aus dem Nichts lautlos zu. Man sieht oder hört das Problem also vielleicht nicht, aber man hat das Gefühl, dass es Ärger geben könnte. Wer will schon mit einem Uhu raufen?  
  
Wenn ich Euch so vor mir sehe, als wenn Ihr kein Wässerchen trüben könntet, dann denke ich unwillkürlich französisch. Und zwar: "L'habit ne fait pas le moine". Das heißt: "Die Kutte macht den Mönch nicht zum Mönch“ und bedeutet, dass man jemanden nicht nur nach seinem Aussehen beurteilen sollte. Aber damit möchte ich Euch nicht als ausgeflippte Typen entlarven. Dann hätte ich stattdessen auf spanisch gesagt: "Estar como una cabra!" In Spanien gelten nämlich Ziegen als verrückte Tiere. Und wenn jemand sich wild gebärdet, mal die Sau rauslässt oder die ganze Nacht durchfeiert, dann darf man ihn auf diese Art necken.
 
Doch da ich weiß, dass Ihr weder Wölfe im Schafspelz noch Nachtschwärmer seid, lobe ich Euch auf italienisch: "Sei un pezo di pane!" So bezeichne ich Euch nicht etwa als Stück frisch gebackenes Brot, sondern als freundliche Menschen mit guten Herzen. In diesem Sinne nennt Dich ein Brite ein "good egg"! Engländer haben auch eine charmante Art "No!" zu sagen, ohne "Nein!" wirklich auszusprechen. Das läuft auf die schräge Tour: "Ich helfe Dir natürlich sofort bei Deinem Umzug in den elften Stock - when pigs fly!"
 
So, genug gesponnen für diese späte Stunde. Aber als Kenner deutscher Sprichwörter wisst Ihr ja: "Spinnen am Abend, erquickend und labend."
 
Glückauf
kdk   


 

Schmunzelpost 1555 vom 2. 6. 25


Beim Zeitunglesen begegneten mir jetzt zwei Politiker, von denen ich vorher noch nie gehört hatte. Es handelt sich um Ukhnaa Khurelsukh und Luvsannamsrai Oyun-Erdene. Das sind Namen, bei denen man für die Träger fürchten muss, dass sie fast die Hälfte ihrer Lebenszeit an Hotelrezeptionen, in Amtstuben, an diversen Schaltern und am Telefon mit dem Buchstabieren beschäftigt sind. Dabei ist der Erstgenannte Staatsoberhaupt und der Zweite Regierungschef seines Landes. Und? Habt Ihr eine Ahnung, um welchen Staat es gehen könnte?
 
Ich wäre auch nicht draufgekommen. Das Duo repräsentiert die Mongolei. Ein Land, das 3,4 Millionen Einwohner hat und das seit 1989 eine Demokratie ist. Somit der einzige demokratische Staat, der komplett von autoritär regierten Ländern umgeben wird. Keine leichte Sache, bei dem Druck aus Russland und China den eigenen freiheitlichen Kurs zu bewahren. Dabei war die Mongolei einst sogar eine Weltmacht. 1190 unter Dschingis Khan beherrschten die Mongolen das größte zusammenhängende Imperium der Weltgeschichte!
 
Über so etwas hätte ich mir eigentlich Gedanken machen können. Stattdessen faszinierte mich die Sprache. Deutsch gilt ja international als besonders schwierig. Nun frage ich: Was ist das im Vergleich zu Finnisch, Ungarisch oder Mongolisch? Es wird nicht nur in der Mongolei, sondern auch in Sibirien und der Mandschurei in Nordost-China gesprochen. Doch da fängt der Ärger schon an: Es gibt eigenständige Abweichungen wie Burjatisch und Oiratisch, aber auch Ordos und Chamnigan.
 
Als wäre das nicht schon kompliziert genug, existieren auch noch verschiedene Dialekte. Der Chalcha-Dialekt ist am stärksten verbreitet. Aber es gibt auch noch die Horqin- (man beachte die Mehrzahl), Ordos-, Chamnigan- und Burjatisch-Dialekte. Das ist doch mal eine Herausforderung! Also lasst uns mit dem Büffeln beginnen. Immerhin sprechen 30.000 Mongolen deutsch. Und bevor sich die Nachfahren von Dschingis Khan auf ihre kriegerische Tradtion besinnen, sollten wir in der Lage sein, mit ihnen zu kommunizieren. Im gegenwärtigen Zustand sind unserer Bundeswehr selbst Reiterhorden mit Pfeil und Bogen überlegen.
 
Dann üben wir mal die Sprache. Sowas wie Zungenbrecher kennen die Mongolen offenbar nicht, vermutlich, weil Namen und Bezeichnungen völlig ausreichen, um sich die Zunge zu verknoten. Also sprecht mir den Namen einer Provinzhauptstadt nach: Dalansadgad. Und nun hängen wir noch frohgemut die Namen des Staatsoberhauptes und des Regierungschefs der Mongolei dran. Wie bitte, Ihr gebt schon auf? Hallo, liebe Erben von Dschingis Khan - ihr könnt kommen!  Glückaufkdk 
 
 
 
   

Schmunzelpost 1554 vom 1. 6. 25


Als ich vor ein paar Jahren überlegte, die Schmunzelpost ins Internet zu stellen, habe ich kurz auch über einen Video-Blog nachgedacht. Schließlich betreiben Martenstein, Hacke, Zeigler und alle Geschichtenerfinder, die was auf sich halten, mindestens einen Podcast. Dann hätte ich Euch durch ein Grinsen signalisieren können, wo die Stellen zum Lächeln sind. 
 
Aber nein, dachte ich, da kommt Ihr schon selbst drauf. Vor allem aber bin ich kein Freund des Redens, sondern viel mehr des Schreibens und Lesens. Da ist mir eine webside wie früher Schmunzelpost.de und heute krauseszeug.de (übrigens: Mittlerweile sind dort alle erschienenen Folgen der Jahre 2023, 2024 und 2025 nachzulesen) erheblich lieber. Bestärkt finde ich mich jetzt durch einen Beitrag im SZ-Magazin von Jakob Schrenk. Er trägt den aufschlussreichen Titel: "Das Ertrinken im Redefluss". 
 
Das Wesentliche steht kurz zusammengefasst gleich am Anfang: "Podcasts, Voice-Messages, Sprachassistenten: Menschen reden immer mehr und schreiben immer weniger. Diese neue Mündlichkeit bedroht die Demokratie." Das ist starker Tobak. Aber der Autor begründet die Gefahren des permanenten Handy-Gebabbels und der Kurz-Nachrichten in den sozialen Medien plausibel: "Das komplexe Argument, das sorgfältige Abwägen, die zum Potenzial der Schrift gehören, werden nicht mehr ausgereizt. Stattdessen setzen wir auf sofortige Reaktion, kurze Sätze, einfache Wahrheiten. Persönlicher Angriff statt sachlichen Austauschs: Schreien statt schreiben!" 
 
Das beste Beispiel wie moderne Populisten dies ausnutzen, sitzt im Weißen Haus - falls er nicht gerade in Florida Golf spielt. Wer die Menschen dauernd emotional und knapp mit "alternativen Fakten" überschwemmt, der kann sich offenbar ein Heer von Anhängern heranzüchten, die nicht mehr in der Lage sind, zwischen wahr und unwahr zu unterscheiden. Dies wird generell dadurch begünstigt, dass der Trend vom Lesen zum Hören wechselt. 
 
2014 haben in Deutschland noch 34,4 Millionen Menschen mindestens ein Buch pro Jahr gekauft. 2023 waren es nur noch 25 Millionen. Dafür hat sich der Hörbuch-Absatz verfünffacht. Und während 2016 nur 14 Prozent der Deutschen gelegentlich einen Podcast hörten, waren es 2024 bereits 45 Prozent. Halb so wild, meint Ihr? Von wegen! Der amerikanische Professor David Daniel fand heraus, dass der Lernstoff bzw. wesentliche Botschaften viel besser behalten werden, wenn man sie als Lese-Text und nicht als Audio-Info präsentiert. 81 Prozent der Leser wussten auch zwei Tage später noch, worauf es ankam. Bei der Gruppe der Hörer waren es keine 60 Prozent. Daniel: "Das ist der Unterschied zwischen 'sehr gut' und 'ausreichend'." 
 
Habt Ihr schon mal Wort-Protokolle von Video-Konferenzen gelesen? Sie sind oft ein Zeugnis des Durcheinanders und des aneinander Vorbeiredens. Statements werden umständlich doppelt vorgetragen, Fragen formuliert, aber nicht beantwortet. Dagegen ist Schrift ein Medium der Entschleunigung. Leser haben genügend Zeit, Fehler und Übertreibungen herauszufiltern und Argumente abzuwägen. Ich sach ja immer: Wer schreibt, der bleibt! 
 
Daher danke ich Euch, dass Ihr diese Schmunzelpost zu Ende gelesen habt. Damit habt Ihr Euch selbst einen Gefallen getan, weil die Fähigkeit, sich auch auf längere Texte einzulassen, eminent wichtig für das Konzentrationsvermögen ist. Und vielleicht habt Ihr auch schon mal den folgenden klugen Satz gelesen: "Es ist schade, dass die Leute, die viel sagen, und die Leute, die wenig zu sagen haben, so oft dieselben sind." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1553 vom 31. 5. 25


Langsam keimt in mir der Verdacht, dass Herr K., mein Nachbar, seine Selbstgespräche auf dem Balkon inzwischen auch für die Galerie führt. Ob ihm wohl sein Neffe gesteckt hat, dass die Monologe auch im Netz zu lesen sind?
 
"Hömma, Karl, Du kennz mich ja, ich bin ein friedlichen Mensch. Abba gestern amd hab ich für mein Neffe gesacht: "Gleich krisse ne Wucht!" Sacht doch dat freche Stümmelken, diesen Stänkerbolzen, für mich: "Onkel Karl", sachter, "ich glaub, Du bist antisemitisch!" Sach ich: "Is dat sowat wie allergisch?" "Nee," sachter, "Du sprichst wie ein Judenhasser!" War ich voll vonne Socken und sach: "Wat'n Quatsch! Hömma, wennze nich gleich die Fresse häls, dann kriechse ein reingewämmst, dat die Brille fliecht!"
 
Weisse wat, Karl, dat muss ich Dich erklärn. Ich war doch eingeladen zu 'ne Familienfeier. Da kannze Dich nich vor drücken, auch wenne dafür inne Wallachei nach Essen-Karnap fah'n muss und dann auch noch son Stück Verwandtenschreck futtern. Wat dat is? Dat is ne selbstgebackene Torte, sowat mit richtich saure Stachelbeern. Die gab's bei uns imma nur, wenn Besuch kam, der schnell wieda gehn sollte, der Pastor oder so.
 
Na, jedenfalls bin ich dahin und dat dauert nich so lang, da hamse alle ihre Dönekes und Spöckskens zum hundersten Mal erzählt un plötzlich sin wir mitten drin in sonne politische Debatte. Un wie et um Nah-Ost geht, kannich nich an mich halten und sach: "Watt die innen Gasa-Streifen machen, dat is furchtbah, dat sind Verbrecha un Mördah!" Un da fährt mich doch der junge Pappkopp inne Parade! Na, dem hab ich vielleicht die Meinung gegeicht!
 
"Hömma, Du Pannemann, ich hab doch nix gegen Juden, nur weil ich die Flitzpiepen inne Regierung kritisiern tu." Doch dat freche Blach gibt mich sogar noch Widerworte: "Das ist es ja nicht alleine. So respektlos wie Du von den 'Farbigen' sprichst, das ist doch Rassismus pur. Das heißt jetzt People of Colour! Oder sag wenigstens 'die Schwarzen'." Da blieb mich doch glatt die Spucke wech. Aba nich lange, dann habbich ihm die richtigen Worte umme Ohren gehaun: 
 
"Getz pass ma gut auf, Du vorlauten Bengel! Für mich heißen die Schwatten immer noch die Schwatten. Mit Deine Kalla-Pipel kannze andre verhohnepipeln. Und ich ein Rassist? Dat wüsst ich aba. Bei uns auffen Pütt, da hasse nie gefracht, wo einer von wech kam. Da hat nur gezählt, ob dat ein Kumpel war, auf den Du Dich verlassen kannz. Ganz früher, als Deine Omma noch nich geahnt hat, dasse ma 'ne Tochter inne Welt setzt, die dann son Heini wie Dich projeziert, da sachten wir zu die vielen Kumpel aus Polen Pannschüppenschewski. Ham die nur drüber gegrinst.
 
Un mein nettesten Kollegen, den hab ich imma begrüßt: 'Erdal, oller Kümmeltürke, wie isset?' Und er: "Karl, alter Schwachmane, weisse doch, et muss. Un selbs?' Einmal ham wir son Schnösel als Neuen gehabt, der frachte doch glatt: 'Wo kann ich hier ohne die Kanaken duschen?' Ja, hömma, dem hammer aba sein Maul mit Seife ausgespült. Un dann isser ungewaschen in Bus und abgerauscht. Aba wat soll ich sagen, drei Jährken später war sein besten Kumpel der Üzgür, sein Nachbah vonnet Häusken nebenan.
 
Ja, so war dat. Und komm mir nie mehr mit Dein Kauderwelsch, ich sprech so, wie uns hier der Schnabel gewachsen is. Dat geht so: 'Wo gehsse?' 'Im Kinno.' 'Wat spiel'n se?' 'Quo Vadis.' 'Wat heißt dattan?' 'Wo gehsse?' Weisse Bescheid? Dat kannze ruhich Deine Freunde erzähln - und alle, die dat im Intanetz lesen tun."
 
Glückauf
kdk 
 
PS. Da lachen ja die Möwen! In der letzten SP schrieb ich "Möwenpick"-Yoghurt, dabei muss es Mövenpick heißen. Nur, damit Ihr nicht versehentlich die falsche Sorte kauft. Und wenn ich mich schon als Pingel erweise, dann darf ich auch noch meinem Hang zum Klugscheißertum frönen: Die Bezeichnung "Lachmöwe" kommt nicht vom Lachen, sondern von Wasserlachen! 

Schmunzelpost 1552 vom 30. 5. 25


Dem Studium von Ernährungsratgebern habe ich entnommen, dass es gesund ist, täglich Yoghurt zu sich zu nehmen. Weil er links dreht, rechts dreht oder durchdreht, so genau weiß ich das nicht mehr. Jedenfalls soll die Darmflora daran Freude haben. Und freut sich der Darm, dann freut sich auch der Mensch. Ich habe diese Freude noch gesteigert, weil ich keinen Naturyoghurt vertilge, sondern mir etwas Leckeres mit Fruchtanteilen gönne. Wenn auch eine Prise Zucker und Zusatzstoffe darin sind - sei's drum! Hauptsache, es schmeckt!
 
Und so runde ich mein Frühstück seit Monaten mit einem Becher Weihenstephan- oder Möwenpick-Yoghurt ab und lasse jeden Löffel auf der Zunge zergehen. Glücklicherweise gibt es viele Sorten, so dass für Abwechslung gesorgt ist. Meine Favoriten sind Pfirsich-Maracuja, Mango-Vanille, Bourbon-Vanille, Straciatella, Walnuss und Waldfrucht sowie in der Möwenpick-Sommer-Edition Orange, Ananas-Kokos, Kiwi-Stachelbeere, Mango-Litschi oder in der Winter-Edition Zimtschnecke, Apfelstrudel, Tiramisu und Winterpflaume. Na, läuft Euch das Wasser im Munde zusammen?
 
Die Vielfalt erinnert mich an die Sorten-Inflation beim Eis. Wahrscheinlich sollen exotische Angebote darüber hinweg täuschen, dass der Preis pro Kugel sich binnen weniger Jahrzehnte verzwanzigfacht hat. Aber abgesehen von hin und wieder einem Erdbeer-Becher im Frühjahr verkneife ich mir den kühlen Genuss. Sonst würde ich selbst allmählich Kugelgestalt annehmen, vermutlich Geschmacksrichtung Krause.
 
Aber das soll Euch nicht hindern, ab und zu etwas Ausgefallenes zu naschen. Was hätten wir denn da für Euch? Wahre Kenner schlecken Wasabi-Gurken Eis. Das gibt es tatsächlich, ebenso wie Riesling-Eis (da könnte ich schwach werden).  Die Nord-Lüdenscheider unter Euch bevorzugen vermutlich Biereis, die Wagemutigen lassen sich Tintenfisch-Eis oder Balsamico-Eis ins Hörnchen pressen. Und für die verirrten Seelen unter Euch, die Bayern Fans sind (ja, ja, sowas gibt es wirklich), wird jetzt sogar Weißwurst-Eis angeboten. Hoffentlich bleibt es Euch nicht im Halse stecken, wenn eines Tages Schalke aufsteigt und die gottgewollte Rangfolge im deutschen Fußball wieder herstellt. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1551 vom 29. 5. 25


Hello, my dear friends!
 
Nachdem es gestern an dieser Stelle um englische Berufsbezeichnungen ging, die in Deutschland immer beliebter werden, habe ich mich noch ein wenig in britischen Wörterbüchern umgeschaut. Und siehe da, es gibt eine Reihe von Ausdrücken, die unsere Lachmuskeln kitzeln. Gestolpert bin ich außerdem über Begriffe, die wir aus dem Deutschen kennen und die offenbar international verstanden werden. Zum Beispiel Einfaltspinsel, Kauderwelsch oder Knutschen.
 
Eigentlich bin ich ja gegen eine übermäßige Verwendung von Anglizismen. Aber den Begriff "Flibbertiglibbet" werde ich mir für den Fall eines Falles merken. Er bezeichnet eine flatterhafte oder übermäßig redselige Person. Also jemand, der über eine Singsang-Qualität verfügt, die an einen tratschenden Vogel erinnert, der von Ast zu Ast hüpft. Auch mit "Mumbo Jumbo" könnte ich mich anfreunden. Das sagen Engländer zu Aktivitäten, Wörtern oder Sprüchen, die unsinnig oder bedeutungslos sind. Warum denke ich bloß in diesem Zusammenhang sofort an einen Sprücheklopfer in Übersee? Der hat auch schon reichlich "Claptrap" verbreitet - also absurde Ideen und unsinniges Geschwätz.
 
Das Englische hat außerdem spezielle Vokabeln für Tätigkeiten, denen ich mit Vorliebe nachgehe. Etwa den Ausdruck "Dilly Dally". Damit ist gemeint, Zeit durch Unentschlossenheit oder zielloses Umherschweifen zu verschwenden. Für mich ist das jedoch die Kunst, die langweilige Morgenroutine durch genüssliche Abschweifungen aufzuhübschen. Eng verwandt damit und mir ebenso vertraut ist "Woolgathering". Dem geht man nach, wenn man in Tagträumen schwelgt und die Gedanken munter wandern lässt. Das Wörterbuch sagt dazu: "Es ist der Moment, in dem sich dein Geist von der anstehenden Aufgabe weg in ferne, imaginäre Länder schlängelt."

Jetzt ist es an der Zeit, zu absquatulieren. Das bedeutet, einen Ort abrupt zu verlassen. Also etwa, wenn ich mich nun fluchtartig von meinem PC entferne. Ursprünglich ist der Begriff wohl daraus entstanden, dass er das Bild eines altmodischen Banditen zeichnet, der sich eilig davon macht, während er Taschen voller Beute schwingt. So, ich hoffe, dass Ihr mich wegen des Kauderwelsches nicht für einen Einfaltspinsel haltet, sondern den Text zum Knutschen findet.
 
Luckup!
kdk

Schmunzelpost 1550 vom 28. 5. 25

An Neuigkeiten aus Recklinghausen sind wir interessiert, weil wir unsere Kreisstadt schätzen und meist zweimal im Monat besuchen. Deshalb erregte gestern ein fünfspaltiger Zeitungsartikel mit der Überschrift: "Neues Angebot im Palais Vest: Prissnitz sieht 'absolute Bereicherung'" mein Interesse. Welche Neueröffnung mochte dort wohl gepriesen werden? Ein ganz besonderes Geschäft? Oder ein exquisites Restaurant? Nein, Fehlanzeige. Es handelt sich um eine "Story Swap Station". What? Muss ja was Tolles sein, denn der "Blick nach Recklinghausen" ist deckungsgleich mit der ersten Seite im Lokalteil der Recklinghäuser Zeitung. 

Doch was ist eine "Story Swape Station"? Ein Geschichten-Tausch-Bahnhof? Ich versteh nur Bahnhof. Ach, Station kann auch Platz bedeuten? Ein Platz, um Geschichten zu tauschen? Moment, mir dämmert was. Es geht um einen Bücherschrank! Da hätte ich auch eher drauf kommen können, schließlich bin ich seit vielen Jahren Pate des ersten Bücherschranks in der Dorstener Innenstadt. 

Aber mittlerweile sind diese beliebten Einrichtungen nichts Ungewöhnliches mehr. In Dorsten wie in Recklinghausen gibt es inzwischen eine ganze Menge davon. Was dazu führt, dass neue Bücherschränke normalerweise in der Presse nur mit einer kurzen Notiz oder einer Bildzeile unter einem kleinen Foto vermeldet werden. Aber offenbar wertet so ein englisches Etikett den Neuling enorm auf, wahrscheinlich gehört er zur High Society unter den Bücherschränken. Ich mag ja nicht glauben, dass hier eine Lappalie aufgepumpt wurde, bloß weil das Palais Vest ein guter Anzeigenkunde der Recklinghäuser Zeitung ist.

 Im Grunde wird nur ein Trend bestätigt, der sich bereits vor langer Zeit eingebürgert hat. Wenn eine Sparkasse ihren Zweigstellenleitern zwar keine Gehaltserhöhung gönnte, sie aber dennoch bauchpinseln wollte, dann wurden sie mit dem Titel "Filialdirektor" geschmückt. Dieser vermeintlich positive Effekt von Anglizismen machte schnell Schule. So hieß der gute alte Hausmeister nun Facility-Manager. 

 Das habt Ihr bestimmt schon mal gehört. Aber wisst Ihr auch, welchen Beruf ein Vision Clearance Engineer ausübt? Ganz einfach, das ist ein Fensterputzer. Und was ist ein Knowledge Navigator? Ist doch klar, ein Lehrer! Und Fluelogist klingt auch viel aufregender als Schornsteinfeger. Einer der früher am häufigsten von Frauen ausgeübten Berufe hört sich auf englisch ebenfalls spannender an. Wer wäre nicht lieber "Head of Verbal Communications" als gewöhnliche Sekretärin? Übertroffen wird dies an Gewicht und Länge noch durch "Technical Horticultural Maitenance Officer". Das steht für Gärtner. Sowas wirkt ansteckend.

 Ab heute bin ich Euer "To Grin Quietly To Oneself-Mail-Chief-Manager". 

 Good Luck!kdk 
 

 

Schmunzelpost 1549 vom 27. 5. 25


Bonjour, mon cher ami! 
 
Habt Ihr Lust zu einem Rendezvous? Am Freitag, 11. Juli, besteht dazu Gelegenheit. Und zwar nicht mit einer Person, sondern mit einem ganzen Land. Denn zum Auftakt einer Partnerschaftsreihe möchten wir allen Besuchern Frankreich näherbringen, das Land, in dem die Dorsterner Städtefreunde Ernee und Dormans zu finden sind. Beginn ist im Bürgerbahnhof um 19 Uhr. 
 
Gestern trafen wir uns zu einer weiteren Probe. Daher kann ich versprechen, dass alle zahlenden Gäste ein buntes Programm erwartet. Ihr hört bekannte und beliebte Chansons und könnt sogar mitsingen. Nicht nur den Refrain. Für Freunde französischer Musik gibt es als Zugabe die Texte, so dass sie nach Herzenslust einstimmen können. Außerdem erwartet das Publikum allerlei Heiteres und ein Frankreich-Quiz über Land und Leute. Und die Bewohner eines kleinen, unbeugsamen gallischen Dorfes geben im Gegenzug Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit.  

 
Doch la Grande Nation steht auch für Genuss, für gutes Essen und noch bessere Getränke. Im Eintrittspreis von 15 Euro sind Quiche und Mousse au Chocolat bereits enthalten. Euren Wein, Cidre oder Champagner, größtenteils aus den Partnerregionen, müsst Ihr gesondert bezahlen. Damit zum Verkosten genügend Zeit ist, haben wir eigens gleich zwei halbstündige Pausen vorgesehen. 
 
Nun fragt Ihr Euch womöglich, worüber Franzosen lachen. Kostproben, welche Witzeleien bei unseren Nachbarn hoch im Kurs stehen, könnt Ihr am 11. Juli hören. Aber eine kleine Vorschau gibt es bereits heute. Wie die Deutschen unterstellen auch die Franzosen gern ihren Landsleuten in den Randgebieten erheiternde Eigenschaften. Zum Beispiel den Nachfahren der Normannen in der Bretagne, aber auch den Korsen. Die Inselbewohner sind offenbar arbeitsscheue Lebenskünstler und dabei durchaus clever: 
 
Ein Tourist besucht Korsika. Er kommt an einem Bauernhof vorbei, vor dem der Bauer sich auf einem Liegestuhl ausstreckt. Der Mann isst dabei Kirschen und tut nichts, außer ab und zu einen Kern auszuspucken. Fragt der Tourist: "Na, wie geht's?" Antwortet der Bauer: "Ca va - es geht. Sie sehen ja: Wir pflanzen. . . " 
 
Au revoir! 
kdk

Schmunzelpost 1548 vom 26. 5. 25


Nach sechsstündiger Fahrt sind wir gestern wohlbehalten aus Potsdam nach Hause zurückgekehrt. Doch ganz so unkompliziert, wie es sich anhören mag, war die Rückreise nicht. Zwar hatten wir eigens den Sonntag als Reisetag gewählt, weil dann auf den Autobahnen fast keine Lkw unterwegs sind. Aber in letzter Zeit werden gerade die Wochenenden gern für Bauarbeiten genutzt. Um zweieinhalb Staus kamen wir deshalb nicht herum.
 
Brenzliger als solche Geduldsproben sind jedoch die Beinahe-Unfälle. Einer war selbstverschuldet, weil ich nach meiner morgendlichen Tablettendosis vormittags gegen den Schlaf kämpfen muss. Zum Glück war es nur eine Mini-Sekunde, in der ich den Wagen leicht nach rechts zog, aber dann sofort hellwach den Fehler korrigierte. Gefährlicher als meine Schlafmützigkeit sind diesmal die Aussetzer anderer gewesen. So war ich zweimal zu Bremsmanövern gezwungen, weil plötzlich Fahrzeuge kurzentschlossen auf meine Spur wechselten, ohne sich lange mit Blinken aufzuhalten.
 
Auch Petrus meinte es nicht gut mit uns. Zwischen Magdeburg und Gütersloh schüttete es wie aus Eimern. Nicht alle Autofahrer passen aber ihre Fahrweise an. Und obwohl ich bei mieser Sicht das Tempo stets drosselte und größeren Abstand zu den Vorderleuten hielt, wurde es mir einmal schwummrig. Denn ein Pkw vor uns geriet durch Aquaplaning mächtig ins Trudeln. Falls er sich um die eigene Achse gedreht hätte, wäre das Ausweichen schwierig geworden. Zum Glück bekam der Fahrer sein Auto wieder unter Kontrolle.
 
Sollten wir künftig bei Urlaubsreisen lieber aufs Auto verzichten? Wenn möglich, nutzen wir gern Bus und Bahn. Das hat nur einen Haken. Wenn wir zu einem mehrwöchigen Urlaub aufbrechen, dann sind wir meist ausgerüstet wie für eine Polarexpedition. Und in unserem Caddy können wir nicht nur jede Menge Gepäck, sondern auch noch zwei E-Bikes unterbringen. In der Bahn brauchten wir vermutlich einen Waggon nur für uns.
 
Und dann ist da ja noch die Unzuverlässigkeit der DB und ihrer privaten Konkurrenten. Wie oft hat die Bahn schon Stoff für die Schmunzelpost geliefert? Zufällig las ich jetzt einen Bericht, der ahnen lässt, woraus ein Teil der Probleme resultiert. Es ging um die Nordwestbahn. Wir Dorstener wissen nur zu gut, mit welchen Schwierigkeiten dieses Unternehmen zu kämpfen hatte, als es noch die hiesigen Strecken betrieb. Immer wieder fielen Züge wegen Personalmangel aus.
 
Nun hat die Nordwestbahn sich in ihrem Kerngebiet in Norddeutschland schwer ins Zeug gelegt, um die Lücken in ihren Reihen zu schließen. Durch eine große Werbekampagne sollten neue Lokführer rekrutiert werden. Ich will keine Vorurteile über Ostfriesen schüren, aber offenbar meldeten sich bei der NWB nicht nur die hellsten Kerzen auf der Torte. 2023 mussten mehrere Hauptrouten mit Bus-Ersatzverkehr betrieben werden, weil die Hälfte der angehenden Lokführer durch die Prüfung gerasselt sind. Das war die höchste Durchfallquote aller Zeiten!
 
Prompt gab es Überlegungen, das Prüfverfahren noch mehr zu erleichtern. Und das, obwohl die Quote wohl das Ergebnis eines zehnmonatigen Crashkursus für Quereinsteiger war. Normalerweise dauert die Ausbildung der Lokführer drei Jahre, und nur ca. zehn Prozent der Prüflinge fallen durch. Ich bin strikt dafür, dies beizubehalten, damit das Wort "Crashkurs" nicht eine ganz andere, unheilvolle Bedeutung bekommt.
 
Zurück zu uns. Unsere beiden Kater nahmen unsere Heimkehr wohlwollend zur Kenntnis. Obwohl sie bestens betreut und gefüttert worden waren, genießen sie es, wenn sie dauernd Gesellschaft haben und vor allem die Tür zum Garten den ganzen Tag offen steht. Nicht von ungefähr fanden wir neben den Fressnäpfen ein mit Pfotenabdrücken unterschriebenes Manifest: "Bleibt gefälligst zuhause und pflegt uns redlich!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1547 vom 25. 5. 25


Samstag, 24. Mai. Abschied von Potsdam. Diesmal keine weiten Touren, bloß eine Runde zu den Lieblingsplätzen. Die Stadt gefällt uns so gut wie bei den früheren Besuchen. Nur etwas hat sich zum Nachteil verändert: Die Wassertaxis verkehren nicht mehr. Das war der Schiffs-Linienverkehr, mit dem man preiswert von Seeufer zu Seeufer übersetzen, mit einer Tageskarte alle Stationen aufsuchen und so sehr günstig eine Stadtrundfahrt zu Wasser unternehmen konnte. Offiziell pausiert der Linienverkehr nur, und mit Plakaten wird Personal gesucht. Doch da dies jetzt bereits zwei Jahre unverändert so geblieben ist, habe ich den Verdacht, dass die Betreiber der erheblich teureren "Weißen Flotte" mit Ausflugsschiffen ihre Finger im Spiel hatten.
 
Nicht ihre Hände, aber ihre Füße haben am Abend die beiden Mannschaften im Spiel, die gleich das Pokalendspiel bestreiten. Damit ist mir einmal mehr ein Querpass zum Thema Fußball geglückt. Ich möchte an ein anderes Endspiel erinnern, das zumindest die älteren Fußballfreunde bestimmt noch im Gedächtnis haben. 1976 standen sich im Finale der Europameisterschaft Deutschen und die CSSR gegenüber. Und ein gewisser Uli Hoeneß hat bestimmt heute noch Beklemmungen, wenn er an das entscheidende Elfmeterschießen denkt. Er ballerte den Ball dabei so hoch über das Tor, wie das nach ihm keinem zweiten deutschen Nationalspieler gelungen ist. 
 
Immerhin inspirierte dieses Ereignis gleich zwei Menschen zu Gedichten. Annemarie Schimmel verfasste einen Limerick:
 
Inmitten gewalt'gen Gestöhnes
verschoß den Elfer der Hoeneß.
Das Spiel ist verloren. . .
Mit hängenden Ohren
betrachtet der Trainer, Herr Schön, es!
 
Und Reinhard Umbach reimte:
 
Ach, was hört man niemals Schönes
aus dem Mund von Uli Hoeneß!
Liga necken, Gegner quälen,
ihnen ihre Spieler stehlen,
und dann nachts das Daumabbürsten!
Uli lebt von Extrawürsten.
Dabei hat er sie doch dick
aus der eignen Wurstfabrik.
Aber wehe, wehe, wehe,
wenn ich auf das Ende sehe!
Wer's so treibt, wird bald allein
samstags noch im Stadion sein.
Dann muss er sich selber kaufen
und für 22 laufen.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Die Favoriten aus Stuttgart haben gewonnen. Und ich hab' mir darauf einen Reim gemacht:
 
Den Cup, den wollt der Uli kriegen,
nun sah er seinen Neffen siegen.
Und für Sebastian Hoeneß
ist der Pokal was Schönes!
Sein Team, das kam ganz leicht zum Ziel,
derweil kein Gegner war ihm Spiel,
denn schließlich weiß die ganze Welt,
es gibt nun mal kein Bielefeld.
 
 

Schmunzelpost 1546 vom 24. 5. 25

Angesichts drohender Regenwolken haben wir uns diesmal nicht mit dem Rad, sondern mit der Bahn nach Brandenburg begeben. Also nach Brandenburg in Brandenburg, damit keine Missverständnisse auftreten. In der Stadt, die ihrem bekanntesten Sohn Loriot mit kleinen Waldmöpsen viele Mini-Denkmäler gesetzt hat, kam der Regen jedoch bereits vor uns an. Davon ließ ich mich aber nicht abschrecken, im Gegensatz zu einem gewissen Weichei in meiner Begleitung, das entnervt sofort die Rückfahrt antrat. Und ich wurde für mein Durchhaltevermögen belohnt. Um 13.15 Uhr, nur 20 Minuten nach der Ankunft, versiegte der Regen. Danach verzogen sich auch die Wolken schnell, und es blieb stundenlang sonnig. 
 
Daher verzichtete ich auf den geplanten Besuch im Archäologischen Museum und sah mich lieber im Ortskern um. Das von Havel-Armen komplett umschlossene Zentrum kannte ich bereits von früheren Aufenthalten, ebenso die Dom-Insel. Deshalb konzentrierte ich mich diesmal auf einige der schönen Uferpromenaden und die sehenswerte Altstadt. Hier fand ich auch ein Restaurant, das die gastronomische Konkurrenz des "Kartoffelkäfer", des "Crocodil" und des "Schweineschnäuzchen" ausstach. 
 
Das Innere des "Parduin" ähnelt dem Lesesaal einer Bibliothek, denn unter einer holzgetäfelten Decke ist man an allen Seiten von Bücherregalen umgeben. Außer standesgemäßem Blattsalat enthält die Speisekarte ausschließlich Gerichte mit Zutaten aus der Region, die Hälfte davon vegetarisch. Ich entschied mich für das "Brandenburg-Menü". Es kostete 35 Euro und bestand aus einem Erbsensüppchen, gebratenen Forellenfilets mit Drillingen und Spinat sowie einem Dessertteller mit frischem Obst, Beeren und einem Schokotörtchen. Hmmm, lecker! (Läuft Euch das Wasser im Munde zusammen? Dann hilft die Beschreibung ja vielleicht als Appetitanreger.)
 
Statt Wein und Wasser hätte ich zum Essen eigentlich Bier trinken müssen. Denn wie ich auf Info-Tafeln in der Altstadt erfuhr, war Brandenburg einst die Stadt mit den meisten Brauereien in Deutschland. Im 16. Jahrhundert gab es 278 eingetragene Braustätten und mehr als 900 Hausstellen, in denen für den Eigenbedarf gebraut wurde. Ob der Ortsname davon abstammt, dass die Brandenburger so einen Brand hatten?
 
Für schlechte Scherze war sonst übrigens auch gestern wieder die Bahn zuständig. Auf der Hinfahrt wurde das Gleis, auf dem unser Zug einfahren sollte, lange von einem anderen Regionalexpress blockiert. Eine Tür öffnete und schloss sich ständig unter anhaltendem Gepiepse. Nach ersten Durchsagen, dass sich die Abfahrt um 15 Minuten verzögern werde, kapitulierte die Bahn schließlich. Alle Reisenden mussten wieder aussteigen und zehn Minuten auf einen Ersatzzug warten. Immerhin fuhr kurz darauf auch unser RE ein.
 
Doch gestern hatten es die Türen auf die DB abgesehen. Wir fanden zwei freie Sitzplätze gegenüber einem WC. Und dessen Tür öffnete sich immer wieder wie von Geisterhand - zum Glück, wenn niemand auf dem Bottich saß. Mehr machte mir ein Radfahrer zu schaffen. Der Mann mittleren Alters trug Kopfhörer und hatte den Fahrradlenker stets fest im Griff. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn er nicht ständig, wohl im Takt seiner Musik, den Hebel der Gangschaltung mit lautem Klacken hätte zurückschnellen lassen. "Klack - klack, klack - klack". Und wieder von vorn.
 
Das ging mir ziemlich auf die Nerven. Und auch wenn ich ein friedlicher Mensch bin, hat der Kerl Glück gehabt. Falls wir nicht schon nach drei Stationen ausgestiegen wären, hätte ich irgendwann seinen Kopfhörer gelüftet, auf die Gangschaltung gedeutet und heftig mit erhobenem Zeigefinger vor seiner Nase herumgewedelt. Die Botschaft dürfte auch jedes kleine Kind verstehen: "Du, Du! Lass das sein!"
 
Glückauf
kdk
   

Schmunzelpost 1545 vom 23. 5. 25

 

Wenn man mit einer Reisegefährtin unterwegs ist, die eine Vorliebe für exquisites Konditor-Handwerk und entsprechende Cafes hat, dann muss man gelegentlich nicht in den sauren Apfel, sondern in ein Stück hervorragenden Kuchen beißen. Die besten Cafes vom alten Schlag sterben jedoch allmählich aus oder sind  oft erst nach längerer Anfahrt zu erreichen. So auch unser gestriges Ziel.
 
Das Cafe Rabien hat eine lange Tradition. Die ehemalige preußische Hofconditorei war fast ein Jahrhundert lang in Potsdam am Nauener Tor zuhause. Als die DDR gegründet wurde, setzte sich die Dynastie nach Westberlin ab und fand ein neues Domizil in Steglitz. Da dort auch der Berliner Botanische Garten angesiedelt ist, beschlossen wir, dem Spitzenkonditor einen Besuch abzustatten. Immerhin beliefert er heute auch exklusive Abnehmer wie das Museumscafe Barberini.
 
Mit unserem Deutschland-Ticket wäre die Anreise ein leichtes gewesen, allerdings mit mehrfachem Umsteigen. Da ich jedoch im Besitz eines detailgetreuen Berlin-Kartenwerks bin, hatte ich eine andere Idee: "Wie wär's, wenn wir mit dem Rad fahren? Es sind nur etwas mehr als 25 Kilometer, und nach Potsdam-Babelsberg führt die Radroute über weite Teile direkt am Ufer des Teltow-Kanals entlang bis zum Schlosspark Lichtenberg. Und von da ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Cafe an der Klingsorstraße 13."
 
Gesagt, getan. Sage niemand, dass man nicht auch mitten in einer Großstadt einen Abenteuer-Urlaub verbringen kann. Denn kaum hatten wir Potsdam verlassen, merkten wir, dass die Berliner Stadtplaner sich einen Spaß daraus machen, Radfahrer zu veräppeln. Die Ausschilderung von Radwanderwegen betrachten sie offenbar als unnötig, schließlich verfügt wohl fast jeder nach ihrer Ansicht über ein Navigationssystem. Doch auch das beste Navi (auf das ich bis heute sowieso keinen Wert lege) hätte bei diesem Zickzack-Kurs voller Absperrungen, Baustellen und Zäunen von riesigen Kleingartenanlagen (Durchfahrt ist Nicht-Mitgliedern strengstens untersagt!) komplett versagt.
 
Da ich zum Glück über den Instinkt einer Brieftaube verfüge, fanden wir nach einigen Schlenkern am Ufer des Malchowsees auf den richtigen Pfad zurück. Leider erwies sich einer der Hauptradwanderwege Berlins nun wirklich als Pfad durch die grüne Hölle. Mitunter nicht mehr als 50 cm breit, ging es durch mannshohes Schilf über einen Weg, der hauptsächlich aus Sandfallen und Baumwurzeln bestand. Da half nur absteigen und schieben. Nach einem mühsamen Kilometer schlängelte sich eine Ringelnatter vor mir zum Ufer und kam dabei deutlich schneller voran als ich mit meinem E-Bike. Auf der Brücke über einen Seitenkanal bot sich uns ein idyllischen Bild: Bäume, deren überhängende Äste bis ins Wasser ragten, große Seerosenblätter, Reiher und Kormorane.
 
Und ein Rohrspatz. Ach nein, das war ja ich! Denn ich stimmte eine Schimpfkanonade über die Verantwortlichen an, die einen Fußweg für Wanderer als Radweg deklariert hatten. Allenfalls Mountain-Bike-Fahrer haben dort ihren Spaß, für uns war die Strecke vornehm formuliert eine Herausforderung, treffend formuliert eine Zumutung und stimmungsgemäß formuliert einfach Scheiße! Erst die letzten zwei Kilometer präsentierten sich dann in einem Zustand, den ich mir für den gesamten Weg gewünscht hätte.
 
Endlich, endlich hatten wir die Klingsorstraße erreicht. Allerdings ihr Westende mit der Hausnummer 131. Das Cafe ist jedoch, wie gesagt, im Haus Nummer 13 untergebracht. Und die Klingsorstraße ist sehr, sehr lang, teils mit Kopfstein gepflastert und teils wegen Bauarbeiten gesperrt. Selten habe ich mir ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee härter erarbeiten müssen. 
 
Wenigstens wollten wir uns als krönenden Abschluss noch einen Besuch im Botanischen Garten gönnen. In Münster und Bochum ist der Eintritt frei. In Berlin verlangten sie zehn Euro pro Nase! Aus, genug, vorbei: Wir traten auf der Stelle den Rückzug an. Allerdings diesmal nicht mit dem Rad, sondern mit der S-Bahn. Und immerhin gab es ein Happy-End: Kein Streik, kein Zug-Ausfall, keine Verspätung. Wer will da noch meckern?  
 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1544 vom 22. 5. 25


Am gestrigen Morgen habe ich mich über Nacht um Jahre gealtert gefühlt. Was zumindest für ein Jahr wirklich zutraf. Dann beging ich auch noch den Fehler, nach dem Duschen am Ganzkörperspiegel unserer Ferienwohnung vorbei zu gehen und mich im Profil zu betrachten. Au weia! Da ist dringend mal wieder eine FdH-Kur samt Alkoholverzicht fällig. Nicht, dass ich besonders eitel bin. Aber dieser Wampenwulst um die Hüfte enthält viel ungesundes Fett, das Infarkt oder Schlaganfall begünstigt. Außerdem ist jedes überflüssige Gramm eine Belastung für meine alten Knochen!
 
Mit 72 Jahren bin ich ohnehin auf dem besten Weg, eine Ansammlung von Ersatzteilen zu werden. Eine Hüfte aus Titan, jede Menge Austauschware im Mund, einen stillgelegten Nerv im Herzen - was kommt als nächstes?  Eine Augenklappe ist mir im letzten Moment erspart geblieben, weil die Netzhautablösung gerade noch rechtzeitig verhindert werden konnte. Dazu hätte gut ein Holzbein gepasst, wie es früher nicht nur Piraten, sondern auch Zuckerkranken als Notlösung diente.
 
Kehlkopf, Haut, Blutdruck - die Fronten, an denen Mediziner meinen Verfall bekämpfen, vermehren sich rasant. Mal sehen, wann ein Urologe Alarm schlägt oder ein Internist fragt, ob das eine Leber oder ein Fettfleck in meinem Körper ist. Und dann ist da noch das Oberstübchen: Die Depressionen habe ich zwar mit Hilfe von Medikamenten anscheinend im Griff, aber ob ich es mitbekomme, wenn allmählich das Licht im Hirn ausgeht? Böse Zungen werfen mir bereits seit mehr als 60 Jahren vor, ich sei ein bisschen gaga.
 
Diese Bestandsaufnahme führte dazu, dass ich gestern ein entsprechendes Ziel für unseren Tagesausflug auswählte. Wir radelten zu einem historischen Gebäude südwestlich von Potsdam, dessen Name sowohl das Schloss wie meinen Zustand bezeichnet: Caputh! Damit habe ich für heute mein Soll an miesen Wortspielen erfüllt. Doch das hat dieses Schloss nicht verdient: Es ist innen wie außen höchst ansehnlich und verfügt über einen schönen Park am Seeufer. Nur das Kavaliershaus, in dem wir vor drei Jahren noch fürstlich gespeist haben, dient nun nur noch zur Eventgastronomie für geschlossene Gesellschaften.
 
Aber dafür fand sich zum Glück Ersatz. Wir haben im "Fährhaus" hervorragend gegessen und saßen dabei im Freien, direkt an der Havel. An der Uferpromenade dieses Flusses entlang führte danach auch noch ein sehr schöner Verdauungsspaziergang bis zum Schwielowsee. All das trug dazu bei, dass ich mich in Caputh alles andere als kaputt und sogar sehr wohl fühlte. Damit bin ich in prominenter Gesellschaft. Albert Einstein, der hier 1931/32 lebte, lud damals seinen Sohn mit einem Vierzeiler zum Besuch ein:
 
Sei ein gutes faules Tier,
Streck alle Viere weit von Dir.
Komm nach Caputh, pfeif auf die Welt,
Und auf Papa, wenn Dirs gefällt.

 
Na ja, der Mann war wohl als Naturwissenschaftler begabter als als Dichter. Aber sein Loblied auf die Faulheit leuchtet mir ein und erscheint mir als das richtige Rezept für meine nächsten 72 Jahre.
 
Glückauf
kdk 
 

PS. Vielen Dank für die zahlreichen Glückwünsche per Mail! Sie zeigen mir, Ihr erinnert Euch daran, dass ich derzeit mangels Smartphone per Whatsapp noch nicht wieder erreichbar bin. 

Schmunzelpost 1543 vom 21. 5. 25 


Gestern war der Himmel über Potsdam strahlendblau, die Temperatur mit 24 Grad optimal. Also haben wir die Gelegenheit genutzt und sind zum dritten großen Park der Stadt geradelt. Die hügelige Anlage um Schloss Babelsberg ist wunderschön und liegt direkt am Ufer des Tiefen See. Danach noch hinüber ans andere Seeufer, wo das Jagdschloss Glienicke einen ähnlich schönen Park zu bieten hat. Außerdem lohnt sich ein Abstecher ins historische Weberviertel. Und die Babelsberger "Eisfrau" bietet hervorragendes Speiseeis an.  Die "Filmwelt Babelsberg" haben wir dagegen links liegen lassen.
 
Um aufs Wesentliche zu kommen: Potsdam hat auch fußballerisch einiges zu bieten. Zwar kamen die hiesigen Männer-Mannschaften bisher auf keinen grünen Zweig, dafür setzten aber die Frauen des 1. FFC Turbine Potsdam Maßstäbe. Als bisher einziges Team aus den neuen Bundesländern (wann ist diese Formulierung eigentlich endlich überholt?) gewann Turbine die gesamtdeutsche Fußballmeisterschaft. Und das sogar sechsmal! Außerdem wurde das Team vorher auch sechsmal DDR-Meister, holte dreimal den DFB-Pokal und gewann als Krönung zweimal den Europacup.
 
Gegenwärtig sieht es jedoch nicht ganz so gut aus. Turbine Potsdam stieg 2025 als Tabellenletzter in die 2. Bundesliga der Frauen ab. Womit ich bei einem anderen großen Verein wäre, der augenblicklich in den Niederungen der zweiten Liga dahin dümpelt. Auch Schalke 04 zehrt hauptsächlich von seiner großen Vergangenheit. Und so denke ich wehmütig an die Jahre zurück, als die Königsblauen auch international Furore machten.
 
Wisst Ihr eigentlich, dass Rudi Gutendorf mal Trainer auf Schalke war? Angesichts der häufigen Wechsel auf dieser Position könnte man nun spöttisch fragen: Wer denn eigentlich nicht? Aber Gutendorf, der später als Weltenbummler auf fast allen Kontinenten fußballerische Entwicklungshilfe leistete, gehörte in den 1960er Jahren zu den Stars seiner Zunft. Mit dem MSV Duisburg errang Riegel-Rudi mit seiner Defensiv-Taktik sogar sensationell eine Vize-Meisterschaft.
 
Auf Schalke schlug schon seine kosmopolitische Ader durch. Deshalb wollte er sein Pokalsieger-Team akribisch auf einen Europacup-Auftritt bei den Shamrock Rovers in Irland vorbereiten. Und zwar nicht nur auf dem Platz. Damit die Schalker-Spieler auch bei den Interviews eine gute Figur machten, paukte er mit ihnen die englische Sprache und nutzte dazu die Volkshochschule Gelsenkirchen.
 
Gezielt wurden die Antworten auf bestimmte Fragen geübt. So sollte der Flügelstürmer Stan Libuda in die Lage versetzt werden, auf "Who are you?" die korrekte Auskunft zu geben. Um ihm sich dies einzubleuen, musste der Arme zehn Mal auf die Tafel schreiben: "I am the right Wing!" Doch die Mühe war für die Katz. Als ein Reporter dann später tatsächlich diese Frage stellte, antwortete Libuda mit der Sicherheit eines Mannes von Welt: "I am the white ring!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1542 vom 20. 5. 25

Na, habt Ihr Peter Handkes Elfer verwandeln können? Der Strafstoß im Roman "Die Angst des Torwarts beim Elfmeter" kam nämlich in der Handlung tatsächlich vor. Während die Hauptperson Bloch kurz vor der Ausführung noch erklärt, dass die Chancen des Keepers das Tor zu verhindern nur minimal sind - "ebenso gut könnte der Tormann versuchen, mit einem Strohhalm die Tür aufzusperren" - verläuft die Sache anders als erwartet: "Der Schütze lief plötzlich an. Der Tormann, der einen grellgelben Pullover anhatte, blieb völlig unbeweglich stehen, und der Elfmeterschütze schoß ihm den Ball in die Hände."
 
Die eigentlichen Fachleute reagierten auf das Buch und seinen Titel eher kritisch. Petar Radenkovic, Meistertorwart von München 1860, lehnte es brüsk ab, das Werk zu rezensieren. Uli Stein betonte, dass es nur eine Angst des Torwarts vor dem Elfmeterpfiff gebe. Und Sepp Maier forderte die Zunft der deutschen Schriftsteller auf, einen Roman über "Die Angst des Schützen beim Elfmeter" zu verfassen.
 
Stattdessen schrieb Thomas Schleiff das Gedicht "Erwartungshaltung".
 
"Die Angst des Torwarts beim Elfmeter" heißt ein Roman vom Handke Peter -
doch größer ist die Angst des Schützen: Wird mein Elfmeter wohl auch sitzen?
 
Der Tormann kann ganz ruhig sein: Man wird es ihm gar leicht verzeihen,
wenn er den Elfer nicht erwischt und nur noch aus den Maschen fischt.
 
Doch schießt der Schütze knapp daneben, wird man es ihm nur schwer vergeben.
Man denkt: Der hat doch leichtes Spiel; warum trifft er denn nicht ins Ziel?
 
So hat der Schütze schlechte Karten, weil alle es von ihm erwarten,
daß er das Ding eiskalt verwandelt. Versagt er, wird er schlecht behandelt.
 
Beim Torwart geht es umgekehrt. Wenn er den Ball flugs abgewehrt,
dann sagen alle: Wirklich toll - das ist weit mehr, als was er soll.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1541 vom 19. 5. 25


Höhepunkt des gestrigen Urlaubstages war ein gemächlicher Spaziergang. Er führte in Potsdam vorbei an den prächtigen Villen der Berliner Vorstadt die Seestraße entlang, parallel zum Südufer des Heiligen Sees zum Ostzipfel der Parkanlage Neuer Garten. An einem Abschnitt des Seeufers verhieß ein Schild, dass dort das Baden erlaubt ist. Und zu meinem Erstaunen schlenderte ein Paar mittleren Alters aus dem Wohnviertel herüber, entledigte sich ihrer Bademäntel und schritt splitterfasernackt ins Wasser. Allerdings nicht allzu lange. Nach etwa zwei Minuten bemerkte die Frau, was ich ihr hätte gleich sagen können: "Puh, das ist doch ganz schön kalt." Nun ja, wieso sollte das Wasser bei 15 Grad Lufttemperatur und Aprilwetter auch wärmer sein?
 
Die kurzen Schauer störten aber beim Spaziergang nicht. Weiter ging es direkt am Ufer des Jungfernsees zur Glienicker Brücke an die Ortsgrenze nach Berlin, wo im Kalten Krieg Spione ausgetauscht wurden. Heutzutage werden dort keine mehr angeboten, und so machten wir uns ohne Begleitung auf den Rückweg durch das edle Wohnquartier, das auch durch seine gepflegten Gärten und den üppigen Baumbestand eine Augenweide ist.
 
 Zwischendurch kehrten wir noch zum Mittagessen in die "Garage du Pont" ein. Die einstige Tankstelle ist laut "Tagesspiegel" eine echte Kuriosität, eine Kombination aus Cafe, Restaurant und Oldtimer-Museum: "Hier trifft sich die Potsdamer Prominenz zu soliden französischen Klassikern und legendärer Currywurst." Tja, von Günter Jauch samt Familie war nichts zu sehen, aber mein Coq au Vin" schmeckte trotzdem sehr gut und war mit 23 Euro auch nicht zu teuer. Gesättigt und zufrieden verließen wir das Lokal um 13.11 Uhr.
 
13.11 Uhr? Was hat das zu bedeuten? Na ja, Ihr habt doch sicher bemerkt, dass ich ein König der Überleitung bin. Und die Elf hat nicht nur etwas mit Karneval, sondern auch mit Fußball zu tun. Zwar trifft für Profi-Mannschaften meist schon lange nicht mehr zu, was der Kabarettist und Sportmoderator Sammy Drechsel 1955 für seinen Fußball-Roman als Titel wählte: "Elf Freunde müsst ihr sein". Aber die Elf hat für meinen Lieblingssport deshalb ihre Bedeutung nicht verloren. Schließlich stehen sich auf dem Platz nach wie vor zwei Teams mit je elf Spielern gegenüber. 
 
Doch die Symbolik der Elf hat tiefere Wurzeln. Schon die Theologen des Mittelalters kamen durch die Auslegung biblischer Texte zu dem Schluss, dass die Zahl ein Sinnbild der Sünde ist. Warum? Ganz klar: Sie überschreitet die göttliche Ordnung des Dekalogs, die auf zehn Ziffern begrenzt ist. Oder habt Ihr schon etwas vom elften Gebot gehört? Na also!  Es ist auch kein Zufall, dass sich ausgerechnet der 11. Psalm auf die Sündhaftigkeit der Welt und das Verschwinden von Zucht und Ordnung bezieht. Auch als die Neuzeit heraufdämmerte, hieß es in Schillers "Die Piccolomini" nach wie vor: "Elf? Eine böse Zahl. . . Elf ist die Sünde." Und im übrigen bedeutet elf (althochdeutsch: einlif) nichts anderes als "ein darüber", also eins über zehn.
 
Was den Fußball betrifft, wird nun ebenfalls einiges klar. Torhüter und Linksaußen gelten seit jeher als verrückte Vögel. Wieso? Die beiden Torhüter (wenn sich Rückennummer 1 zu Rückennummer 1 gesellt, steht da die 11) erlauben sich etwas streng Verbotenes: Sie nehmen den Ball in die Hand. Und der klassische Linksaußen mit der 11 auf dem Trikot flankt mit dem spiegelverkehrten Fuß. Jetzt kommen wir zur Frage, die Euch bestimmt schon ewig gequält hat: Warum wird als Strafstoß ein Elfmeter verhängt und kein Zehnmeter? Ist doch klar: Eine Mannschaft wird bestraft, weil sie die Fußballgesetze übertreten hat! Der Elfmeterpunkt ist somit eine Art Sündenmarke.
 
Und der Elfmeterpunkt wird heute auch zum Schlusspunkt. Die Literaturliebhaber unter Euch wissen, dass 1967 ein gewisser Peter Handke seine Karriere mit einem Roman startete, der den Titel trug: "Die Angst des Torwarts beim Elfmeter". Unter Euch sind viele Fußballexperten, wie ich aus Euren Zuschriften weiß. So wies Christoph daraufhin, dass das Zitat "Die Wahrheit liegt auffem Platz" von Ady Preissler geprägt wurde (was ich durchaus wusste). Und Andreas korrigiert, dass der Linienrichter Tofik Bachramow kein Bulgare war, sondern aus Aserbeidschan stammt, das 1966 zur Sowjetunion gehörte (da habe ich mich glatt vertan, Aschenplatzbelag auf mein Haupt). Nun aber frage ich Fußballfreaks, Bücherfreunde und Schmunzelpost-Leser: Wurde der Elfmeter in Handkes Roman im Tor versenkt oder nicht? Anpfiff, Eure Zeit von elf Minuten läuft . . . 
 
Glückauf
kdk


 

Schmunzelpost 1540 vom 18. 5. 25 


Kennt Ihr den Gartenphilosophen Karl Förster? Der Fachwelt und interessierten Laien ist der Potsdamer, der 1970 verstarb, bis heute ein Begriff. Und er hat ein blühendes Denkmal hinterlassen: Den Karl-Förster-Garten, ein Mekka für Gartenfreunde aus nah und fern. Sein Frühlings-, Herbst-, Stein- und Senkgarten setzt sich nicht etwa aus sorgsam getrennten Beeten zusammen, sondern bildet ein harmonisches Mosaik der verschiedensten Pflanzen. Über alles wacht die schwarze Katze Chiby, und die Teichfrösche liefern die Gartenmusik.
 
Aber an einem Wochenende, an dem die Fußball-Saison 24/25 endet, steht in der Schmunzelpost natürlich der gänzlich blumenfreie grüne Rasen im Mittelpunkt. Für den Tabellenplatz beim Zieleinlauf spielt oft der Faktor Glück eine wesentliche Rolle, auch wenn sogenannte Experten etwas anderes erzählen. Aber nicht selten bestimmt ein Führungstor den gesamten Spielverlauf. Und Beinahe-Tore, aus einer hauchzarten Abseitsposition erzielt, oder auch Pfosten- und Lattentreffer, könnten fast jedem Spiel eine Wende geben, wenn sie denn zählen würden.
 
Ein klassischer Fall, über den heute noch diskutiert wird, ereignete sich 1966 beim WM-Finale im Londoner Wembley-Stadion. Der englische Stürmer Geoff Hurst knallte in der Verlängerung den Ball an die Querlatte. Von dort sprang das Leder auf die Linie und wurde vom deutschen Abwehrspieler Wolfgang Weber aus der Gefahrenzone befördert. Auf Geheiß seines bulgarischen Linienrichters entschied der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst auf 3:2 für England. So wurden die Briten Weltmeister, denn das späte 4:2 fiel nur, weil die Deutschen mit Mann und Maus stürmen mussten.
 
Hier nun drei Versionen über den der Öffentlichkeit verborgen gebliebenen Dialog zwischen Schiedsrichter Dienst (D) und Linienrichter Bachramow (B), die sich Gerhard Henschel und Günter Willen gemeinsam ausgedacht haben. Die beiden haben übrigens sogar ein ganzes Buch über den umstrittenen Sachverhalt verfasst: "Drin oder Linie?"
 
Offizielle Version:

D: Hello, Mr. Linerman. Was the ball in?
B: Is Goal, Goal, Goal!
D: Excuse me?
B: Is Goal, Goal, Goal!
D: Aha. (Er entscheidet auf Tor).

Kleines Missverständnis:

D: Was fuchteln Sie denn hier so aufgeregt mit der Fahne rum, Mann? Ist ja furchtbar!
B (zeigt mit der Fahne auf die Ehrentribüne): Da vorne ist de Gaulle, de Gaulle!
D: Was?
B: De Gaulle, De Gaulle, De Gaulle!
D: Goal? Na von mir aus... (Er entscheidet auf Tor).

Einsilbig:
 
D: Du!
B: Wer?
D: Du!!
B: Ich?
D: Ja!
B: Was?
D: Tor?
B: Wo?
D: Da!
B: Hm...
D: Nun?
B: Tja...
D: Drin?
B: Ja.
D: Echt?
B: Echt.
D: Tor?
B: Klar!
D: (Pfeift)
B: Manchen Leuten muss man aber auch alles dreimal sagen.
 
Glückauf
kdk


 

Schmunzelpost 1539 vom 17. 5. 25


Dies ist der Versuch einer blitzgescheiten Schmunzelpost. Wieso? Wenn Ihr einen Geistesblitz habt, kommt Ihr selbst drauf. Um Blitz und Donner zu entfliehen, sind wir gestern von Landeshauptstadt zu Landeshauptstadt gefahren, von Potsdam nach Magdeburg. Dass dies nicht blitzschnell ging, versteht sich - schließlich waren wir mit der Bahn unterwegs. Aber 20 Minuten Verspätung sind ja inzwischen fast normal. Und dass der RE 1 zwischen Frankfurt/Oder und Magdeburg stets proppenvoll ist, kennen wir bereits von seinem westlichen Pendant, dem RE 1 zwischen Osnabrück und Aachen.
 
Auch wenn ich mich zunächst fragte, ob Magdeburg von Oberbayern annektiert worden ist, weil dort genau wie in Berchtesgaden ein feiner, stetiger Regen fiel, war die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt die Reise wert. Die Altstadt mit ihren prächtigen Villen wurde wieder auf Hochglanz gebracht, der Dom und das Elbufer mit seinen großen Parkanlagen lohnen immer einen Besuch. Nur auf der Rückfahrt im besagten RE 1 war es schwierig einen Sitzplatz zu ergattern, obwohl er erst in Magdeburg eingesetzt wird.
 
Schräg gegenüber saß eine Frau mittleren Alters mit einem verdrießlichen Gesichtsausdruck. Aufsehen erregte jedoch nicht sie, sondern der Platz neben ihr. Es wäre der einzige freie Sitz im ganzen Waggon gewesen, falls da nicht schon ein Rucksack gesessen hätte. Wenn vorbei hastende Reisende auf Platzsuche einen begehrlichen Blick darauf warfen, guckte die Dame noch ein paar Grad eisiger. Niemand traute sich daher, sie anzusprechen.
 
Auch ich hielt meine Klappe. Was konnte ich dafür, dass es den Menschen an Zivilcourage fehlt? Als jedoch auch noch aus dem Zuglautsprecher die Durchsage ertönte, man solle bitte an die Mitreisenden denken und das Gepäck von Sitzen entfernen, schaute ich der Frau grimmig in die Augen. Sie starrte noch grimmiger zurück, und der Rucksack blieb, wo er war. Kurz darauf quälte sich ein betagter Herr mit zwei Koffern vorbei. Ich ließ meine Augen zornig blitzen und deutete eine Kopfbewegung in Richtung Rucksack an. Die Frau aber wandte sich verächtlich ab und schaute interessiert aus dem Fenster.
 
Dann jedoch, nach dem dritten Halt an einem Bahnhof, war es endlich soweit. Eine Japanerin steuerte zielstrebig auf den Platz zu, hob, ohne etwas zu sagen, den Rucksack hoch und ließ sich auf den Sitz plumpsen. Ich grinste und klatschte innerlich Beifall. Doch dann hob die Japanerin den Rucksack auf ihren Schoß - es war der ihrige. Offenbar neigen Japaner zu längeren Meditationen und bevorzugen dafür ein stilles Örtchen. Ich hatte meine strengsten Blicke zu Unrecht verschossen. Mitunter treffen Blitze auch die Falschen. 
 
Doch nun wird es Zeit für eine blitzartige Erleuchtung. Auf das Thema kam ich, als ich auf der Hinfahrt einen Bericht der Süddeutschen Zeitung las. In der Schweiz hatte eine Radarfalle nahe Bern in einer Tempo-30-Zone einen Sünder mit 52 km/h geblitzt. Das ist in der Schweiz richtig teuer. Denn anders als bei uns wird kein Kilometer bei der Strafberechnung aus Kulanz abgezogen. In diesem Fall würde es sogar besonders kostspielig, weil es sich um einen Wiederholungstäter handelt. Die Aufnahmen lassen darauf schließen, dass dieser Enterich sich bereits vor sieben Jahren des gleichen Vergehens schuldig gemacht hat, ebenfalls mit exakt 52 km/h. Doch wohin sollen die Schweizer Behörden den Bußgeldbescheid schicken? Nach Entenhausen?
 
Manchmal ist es gut, dass man bei derartigen Übertritten nicht identifiziert werden kann. Denn mir ist in Italien ähnliches passiert. Zwar bin ich nicht geflogen, habe aber bei meiner Alpenüberquerung 2016 mit dem E-Bike eine lange Abfahrt hinter dem Brenner ausgekostet. Und - patsch! - bei einer Ortseinfahrt blitzte es. Tempo 30 war vorgeschrieben, ich hatte jedoch 52 km/h auf dem Tacho. Zum Glück haben Räder kein Nummernschild, und in den italienischen Verbrecherkarteien ist mein Konterfei vermutlich noch nicht enthalten. Auch ist mir nicht bekannt, ob es in solchen Fällen ein Auslieferungsabkommen gibt. Dennoch: Verpetzt mich bitte nicht, sonst wird Euch ein rächender Blitz treffen! 
 
Glückauf
kdk 


Schmunzelpost 1538 vom 16. 5. 25

Ganz ohne Sorgen schlenderten wir gestern den ganzen Tag durchs Grüne. Erst durch den wunderschönen Park Sanssouci, dann über die blumenreiche Freundschaftsinsel in der Havel. Am meisten begeisterten mich die prächtigen alten Bäume, die in solchen geschützten Anlagen von Holzhackern verschont bleiben und genügend Licht und Platz haben, sich voll zu entfalten.
 
Auch Blumen und Pflanzen sind eine Augenweide. Doch da macht sich bei mir ein eklatanter Kenntnismangel bemerkbar. Ich kann weit mehr Fußballvereine, Rockbands und  Buchautoren aufzählen als zu benennen, was da so alles in der Botanik sprießt. Nun ja, nicht jeder ist ein Universalgenie wie Goethe. Dafür habe ich jedoch Zugang zum Internet und kann Euch ein paar ganz besondere Pflänzchen vorstellen, die Ihr womöglich selbst dann nicht kennt, wenn Ihr einen grünen Daumen habt und Florian heißt.
 
So braucht Ihr für die Buckel-Fetthenne keinen Hühnerstall. Diese vom Aussterben bedrohte Pflanze ist eine Zierde für für Gärten, die über Kiesbeete verfügen und fühlt sich auch auf Dachgärten wohl. Dass der Knollige Kälberkropf nicht im Viehstall zu finden ist, habt Ihr Euch wahrscheinlich schon gedacht. Diese Pflanze liebt Hecken, und man sollte ihr etwas Platz in einer wilden Ecke gönnen. Darüber freut sich besonders die fahlbeinige Kielsandbiene, wer kennt sie nicht? Wenn das Kälbchen gewachsen und kastriert ist, wird es zum Namensgeber für die Gemeine Ochsenzunge. Und da Ihr Euch ja bei Wildbienen so gut auskennt, wisst Ihr sicher auch, dass diese Pflanze die einzige Nahrungsquelle für die Ochsenzungen-Seidenbiene ist.

Nur in den Alpen findet Ihr noch die Arschcucke. Das ist nicht die Wappenblume der Gastroenterologen und Urologen, sondern eine sehr seltene, hochgiftige Arzneipflanze. Eingeweihte kennen sie auch als Gewöhnliche Küchenschelle. Und dann gibt es noch den Wurstbaum, den Stinktier-Kohl, die Känguru-Pfoten und den Rüsselartigen Mäuseschwanz. Außerdem haben freche Botaniker zarte Pflänzchen Krauses Laichkraut, Krausemünze und Krauser Ampfer getauft - aber da hört für mich der Spaß auf!   
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1537 vom 15. 5. 25


Ganz ohne Sorgen schlenderten wir gestern den ganzen Tag durchs Grüne. Erst durch den wunderschönen Park Sanssouci, dann über die blumenreiche Freundschaftsinsel in der Havel. Am meisten begeisterten mich die prächtigen alten Bäume, die in solchen geschützten Anlagen von Holzhackern verschont bleiben und genügend Licht und Platz haben, sich voll zu entfalten.
 
Auch Blumen und Pflanzen sind eine Augenweide. Doch da macht sich bei mir ein eklatanter Kenntnismangel bemerkbar. Ich kann weit mehr Fußballvereine, Rockbands und  Buchautoren aufzählen als zu benennen, was da so alles in der Botanik sprießt. Nun ja, nicht jeder ist ein Universalgenie wie Goethe. Dafür habe ich jedoch Zugang zum Internet und kann Euch ein paar ganz besondere Pflänzchen vorstellen, die Ihr womöglich selbst dann nicht kennt, wenn Ihr einen grünen Daumen habt und Florian heißt.
 
So braucht Ihr für die Buckel-Fetthenne keinen Hühnerstall. Diese vom Aussterben bedrohte Pflanze ist eine Zierde für für Gärten, die über Kiesbeete verfügen und fühlt sich auch auf Dachgärten wohl. Dass der Knollige Kälberkropf nicht im Viehstall zu finden ist, habt Ihr Euch wahrscheinlich schon gedacht. Diese Pflanze liebt Hecken, und man sollte ihr etwas Platz in einer wilden Ecke gönnen. Darüber freut sich besonders die fahlbeinige Kielsandbiene, wer kennt sie nicht? Wenn das Kälbchen gewachsen und kastriert ist, wird es zum Namensgeber für die Gemeine Ochsenzunge. Und da Ihr Euch ja bei Wildbienen so gut auskennt, wisst Ihr sicher auch, dass diese Pflanze die einzige Nahrungsquelle für die Ochsenzungen-Seidenbiene ist.

Nur in den Alpen findet Ihr noch die Arschcucke. Das ist nicht die Wappenblume der Gastroenterologen und Urologen, sondern eine sehr seltene, hochgiftige Arzneipflanze. Eingeweihte kennen sie auch als Gewöhnliche Küchenschelle. Und dann gibt es noch den Wurstbaum, den Stinktier-Kohl, die Känguru-Pfoten und den Rüsselartigen Mäuseschwanz. Außerdem haben freche Botaniker zarte Pflänzchen Krauses Laichkraut, Krausemünze und Krauser Ampfer getauft - aber da hört für mich der Spaß auf!   
 
Glückauf
kdk 
 

Schmunzelpost 1536 vom 14. 5. 25


Es scheint, als sei eine Entschädigung für die graue Woche in Oberbayern fällig: Der Himmel über Potsdam ist durchgängig blau, die Temperatur mit 20 Grad sehr angenehm und die Stadt nach wie vor toll. Das gilt erst recht für die Doppelausstellung, die wir gestern im Museum Barberini angeschaut haben. Sowohl der "Kosmos Kandinsky" wie die Impressionismus-Schau aus der Sammlung von Hasso Plattner mit Bildern von Claude Monet und gleichgesinnten Malern, ergänzt durch Op-Art, haben mich so beeindruckt wie lange Zeit kein anderer Museumsbesuch.
 
Aus der farbenfrohen Vielfalt zurück in unsere schöne Ferienwohnung. Der Altbau steht in einem Villenviertel am Heiligen See, in dem auch Günther Jauch eine Bleibe gefunden hat. Und ich finde hier das I-Tüpfelchen vor: Einen Schalke-04-Aschenbecher mit einem originalgetreuen Mini-Spielfeld auf dem Grund. Das nenne ich wahre Kunst! Ob der Ascher dem Wohnungseigentümer gehört oder ob ihn ein fachkundiger Gast hinterlassen hat, ist mir nicht bekannt. Trotzdem freue ich mich, dass trotz Union und Hertha in nächster Nähe auch ein würdiger Fußballverein seine Spuren hinterlassen hat. Na ja, ich gestehe, die Zeiten sind nicht rosig oder blau-weiß, sondern äußerst dürftig. Aber das Blatt wird sich irgendwann wieder wenden.
 
Denn bekanntlich ist der Ball rund. Und somit habe ich elegant eine Brücke gebaut, um erneut auf mein Lieblingsthema zurückzukommen. Im Buch "Vorne fallen die Tore" habe ich gerade einen Beitrag gelesen, der sich damit beschäftigt, dass früher Frauen von Fußball meist keine Ahnung hatten, aber bei TV-Übertragungen mit ihren Fragen und Anmerkungen die kleinen und großen männlichen Fußballfans fast in den Wahnsinn trieben. Meine Mutter beherrschte das gut: "Dieser schottische Spieler sieht aber nett aus und hat so ein hübsches Trikot an. Warum lassen sie ihn denn nicht auch mal ein Tor schießen?" Gemeint war übrigens der Schiedsrichter.
 
Der norddeutsche Lyriker Hans Hummel hat so einen Familiendisput in Verse gefasst:
 
Emil Meyer, dieser tolle, Chef der Firma Schmidt & Kitt, nahm am Sonntag seine Olle wunschgemäß zum Fußball mit.
Ach, was musste er ertragen! Annilein, sein trautes Weib, fragte ihn mit Wohlbehagen die Gedärme aus dem Leib!
"Was ist foul? Und was sind Ecken? Warum ist das Tor so klein? Warum müssen Läufer decken? Sag mal, Männe, muß das sein?"
"Warum heißt der Torwart Schafbaum? Warum schmeißt er sich jetzt hin? Machst Du auch mal Hand im Strafraum, wenn ich nicht zugegen bin?"
Meyer war schon gänzlich heiser wie ein Spatz, der Kohlen frißt, Doch sein Weibchen - nun schon leiser - fragte noch, was "abseits" ist. Da schrie er mit letztem Mute, was ein jeder wohl begreift: "Abseits ist, Du dumme Pute, wenn der Mann da unten pfeift!"
 
Ja, ich gebe zu, Rechtschreibung und Zeichensetzung sind mitunter genauso fragwürdig wie der Inhalt. Und, okay, okay, ich räume ein, liebe Leserinnen, es gibt bestimmt Sportarten, von denen Ihr weit mehr versteht als ich. Aber eine Frage wird erlaubt sein: Gibt's beim Synchronschwimmen eigentlich passives Abseits? 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1535 vom 13. 5. 25


Es scheint, als sei eine Entschädigung für die graue Woche in Oberbayern fällig: Der Himmel über Potsdam ist durchgängig blau, die Temperatur mit 20 Grad sehr angenehm und die Stadt nach wie vor toll. Das gilt erst recht für die Doppelausstellung, die wir gestern im Museum Barberini angeschaut haben. Sowohl der "Kosmos Kandinsky" wie die Impressionismus-Schau aus der Sammlung von Hasso Plattner mit Bildern von Claude Monet und gleichgesinnten Malern, ergänzt durch Op-Art, haben mich so beeindruckt wie lange Zeit kein anderer Museumsbesuch.
 
Aus der farbenfrohen Vielfalt zurück in unsere schöne Ferienwohnung. Der Altbau steht in einem Villenviertel am Heiligen See, in dem auch Günther Jauch eine Bleibe gefunden hat. Und ich finde hier das I-Tüpfelchen vor: Einen Schalke-04-Aschenbecher mit einem originalgetreuen Mini-Spielfeld auf dem Grund. Das nenne ich wahre Kunst! Ob der Ascher dem Wohnungseigentümer gehört oder ob ihn ein fachkundiger Gast hinterlassen hat, ist mir nicht bekannt. Trotzdem freue ich mich, dass trotz Union und Hertha in nächster Nähe auch ein würdiger Fußballverein seine Spuren hinterlassen hat. Na ja, ich gestehe, die Zeiten sind nicht rosig oder blau-weiß, sondern äußerst dürftig. Aber das Blatt wird sich irgendwann wieder wenden.
 
Denn bekanntlich ist der Ball rund. Und somit habe ich elegant eine Brücke gebaut, um erneut auf mein Lieblingsthema zurückzukommen. Im Buch "Vorne fallen die Tore" habe ich gerade einen Beitrag gelesen, der sich damit beschäftigt, dass früher Frauen von Fußball meist keine Ahnung hatten, aber bei TV-Übertragungen mit ihren Fragen und Anmerkungen die kleinen und großen männlichen Fußballfans fast in den Wahnsinn trieben. Meine Mutter beherrschte das gut: "Dieser schottische Spieler sieht aber nett aus und hat so ein hübsches Trikot an. Warum lassen sie ihn denn nicht auch mal ein Tor schießen?" Gemeint war übrigens der Schiedsrichter.
 
Der norddeutsche Lyriker Hans Hummel hat so einen Familiendisput in Verse gefasst:
 
Emil Meyer, dieser tolle, Chef der Firma Schmidt & Kitt, nahm am Sonntag seine Olle wunschgemäß zum Fußball mit.
Ach, was musste er ertragen! Annilein, sein trautes Weib, fragte ihn mit Wohlbehagen die Gedärme aus dem Leib!
"Was ist foul? Und was sind Ecken? Warum ist das Tor so klein? Warum müssen Läufer decken? Sag mal, Männe, muß das sein?"
"Warum heißt der Torwart Schafbaum? Warum schmeißt er sich jetzt hin? Machst Du auch mal Hand im Strafraum, wenn ich nicht zugegen bin?"
Meyer war schon gänzlich heiser wie ein Spatz, der Kohlen frißt, Doch sein Weibchen - nun schon leiser - fragte noch, was "abseits" ist. Da schrie er mit letztem Mute, was ein jeder wohl begreift: "Abseits ist, Du dumme Pute, wenn der Mann da unten pfeift!"
 
Ja, ich gebe zu, Rechtschreibung und Zeichensetzung sind mitunter genauso fragwürdig wie der Inhalt. Und, okay, okay, ich räume ein, liebe Leserinnen, es gibt bestimmt Sportarten, von denen Ihr weit mehr versteht als ich. Aber eine Frage wird erlaubt sein: Gibt's beim Synchronschwimmen eigentlich passives Abseits? 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1534 vom 12. 5. 25

Na, wenn das kein Kontrastprogramm ist! Die Wanderwoche in Berchtesgaden (mit einem r) ging spektakulär zu Ende. Pünktlich zur Rückfahrt kam nach sieben Tagen Nebelwetter die Wende: Beim Frühstück um acht Uhr zeigte sich erstmals die Sonne, bei der Busfahrt zum Bahnhof verkrümelte sich der graue Dunst und als wir am Bahnsteig auf den Zug warteten, sahen wir zum allerersten Mal einige Berggipfel! Das nennt man perfektes Timing.
 
Immerhin schaffte es unser Reiseleiter Martin selbst in der einzigen Regenecke Deutschlands das Beste aus den Wandertagen herauszuholen. Also: Wer gern in kleinen Gruppen wandert, Rad fährt oder besonders schöne Städte und Landschaften erkundet, der sollte unbedingt mal auf velling-reisen.de etwas Passendes buchen. Selbst kleine Wunder kriegt Martin hin. Weil alle IC-Züge von München in Richtung Essen ausgebucht waren, hatten wir uns seelisch auf einen großen Umweg über Hannover eingestellt. Doch weil ein Stellwerk-Ausfall in Göttingen dazu geführt hätte, dass wir erst nach Mitternacht angekommen wären, bekniete Martin die DB-Zuständigen solange, bis sie doch noch über einen langen Zug verteilt Plätze für uns direkt nach Essen reservierten. So waren wir fast drei Stunden früher zuhause als geplant. Ich sage nur: Martin statt Mehdorn, dann stünde die Bahn heute ganz anders da!
 
Nun aber zu anderen Lichtgestalten. Überall auf der Welt wurden gestern die Mütter gefeiert. Zwar sehe ich immer noch eine kleine Schieflage, wenn Mütter an einem einzigen Tag mal ihr Frühstück serviert bekommen, statt selbst wie an den anderen 364 Vormittagen die ganze Familie damit zu versorgen. Und auch ein Blumensträußchen ist nur ein mageres Dankeschön. Aber immerhin wenigstens ein kleines Zeichen der Wertschätzung.
 
Schauen wir mal, wie andere Nationen den Muttertag begehen. In Luxemburg bekommen Mütter am "Mammendag" ein "Joffer". Das ist ein kleines selbstgebasteltes Geschenk, als Zugabe gibt's ein Gedicht. An einem ungewöhnlichen Ort wird in Peru der "Dia de la Madre" begangen. Dort zieht man zu einem Picknick auf den Friedhof. Sogar Musik erklingt, wenn nicht nur die lebendige Mutter, sondern auch die verstorbene Großmutter und die Uromas gefeiert werden.
 
Die Schriftzeichen kriege ich auf dem Laptop nicht hin, aber die phonetische Umschreibung des japanischen Muttertags klingt recht fröhlich: "Haha no hi". Dazu füttern Kinder ihre Mama mit gerollten Omeletts oder gedämpftem Eierstich. In Israel hat man hingegen eine Gender-Lösung gefunden. Statt eines Muttertages wird der Yom Hamishpacha gefeiert, das ist der Familientag.
 
Alle Geschlechter auf einen Streich? In Deutschland undenkbar. Allerdings keimt in mir der Verdacht, dass Männer womöglich doch cleverer sind als Frauen. Denn während der Muttertag nur für Frauen gedacht ist, die Kinder zur Welt gebracht haben, sind beim Vatertag unabhängig vom Nachwuchs Männer jeden Alters feuchtfröhlich dabei. Liebe Mütter, da muss bei der Erziehung wohl irgendwas falsch gelaufen sein.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1533 vom 11. 5. 25


Halbzeitpause zwischen zwei Urlaubsreisen. Gerade aus Berchtesgaden zurückgekehrt, geht es heute morgen bereits nach Potsdam. Potstausend - beim Stichwort Halbzeit fällt mir ein, dass ich schnell noch mal über Fußball schreiben könnte.
 
In den Anfängen ging es auf den Fußballplätzen offenbar recht rauh zu. Darauf deutet zumindest die vielbeachtete Kampfschrift des Stuttgarter Professors Karl Planck aus dem Jahr 1898 hin. Sie trug den Titel: "Fußlümmelei". Auch im Mutterland des Fußballs sahen manche das nicht anders. Als Beleg soll ein Gedicht von Richard Maitland aus dem gleichen Jahr dienen. Der Titel, übersetzt "Die Schönheiten des Fußballs", war vermutlich ironisch gemeint.
 
"When young men come from the green playing at the football had been - with broken shoulder. I thank my god, I want my eyes: I am so old. 
 
Bruised brawns and broken bones, strife, discord and wasteful blows, crooked in eld, since halt withal: There are the beauties of the football." 
 
Auf deutsch: "Wenn die Jungen vom Platz kommen, wo sie Fußball gespielt haben - mit gebrochener Schulter, danke ich Gott, dass ich fast blind bin: So alt bin ich.
 
Geprellte Muskeln und gebrochene Knochen, Kampf, Streit und unnütze Schläge, krumm im Alter, dann völlig lahm: Das sind die Schönheiten des Fußballs."
 
Doch manchmal ging es auch damals bereits recht gesittet zu. Hier ein zeitgenössischer Pressebericht: "Am 5. August 1894, 6 Uhr morgens, findet auf der Borgfelder Eisbahn ein Fußballwettspiel zwischen dem Borgfelder Fußball-Club und dem Fußballclub Association aus Eilbeck mit Herrn Heysen vom Altonaer Cricket-Club als Schiedsrichter statt. Und sofort entflammte der Sporteifer unserer Mitglieder. An dem betreffenden Morgen um 5.30 Uhr fahren 10 Vertreter unseres Vereins, unter ihnen der Schiedsrichter, nach Hamburg und gingen dann zu Fuß nach Borgfelde, wo sie freundlichst empfangen wurden.
 
Pünktlich um 6 Uhr waren die Spieler beider Vereine auf dem Platze, und Herr Heysen, begleitet von einem mit einer Trompete bewaffneten Trabanten, forderte die Spieler auf, sich aufzustellen. Nachdem dieses schwierige Geschäft zur Zufriedenheit aller, auch des Herrn Heysen, vollbracht war, und als man sich geeinigt hatte, welche Partei zuerst anstoßen sollte, winkte der Schiedsrichter seinem Trabanten, der dann nach einem anfänglich vergeblichen Versuch einige Töne aus der Trompete herausstieß: Das Zeichen zum Beginn des Kampfes.
 
 Sofort nach dem Anstoß stürzten sich alle Spieler mit Ausnahme des Goalkeepers auf den Ball und traten ihn mit bewunderungswürdiger Sicherheit alle Augenblicke über die Grenzlinie, welche von den beiden Linienrichtern bewacht wurde. Da auf diese Weise die ganzen zwei Stunden (10 Minuten Pause) gespielt wurde, wäre es wohl zu keinem Resultat gekommen, wenn nicht ein Eilbecker durch Unvorsichtigkeit den Borgfeldern einen 11-m-Stoß zugewendet hätte, wodurch diese ein Goal machten und das Spiel beendet wurde.
 
Herr Heysen hatte Gelegenheit gehabt, seine Tüchtigkeit als Schiedsrichter zu zeigen. Um 8 Uhr begab er sich dann, begleitet von den Danksagungen der Eilbecker und Borgfelder, in Gemeinschaft mit seinen Klubkameraden wieder nach Altona zurück."
 
Ich bin ziemlich sicher, dass damals kein Eilbecker Zuschauer gerufen hat: "Schiri, wir wissen wo Deine Kutsche steht."
 
Glückauf
kdk    
 

Schmunzelpost 1532 vom 10. 5. 25


Zugegeben, gestern Vormittag war mir etwas klamm zumute. Denn es ging durch die Wimbachklamm. Und ich weiß noch gut, wie ich vor einem Jahr in einer Klamm im Allgäu kollabierte und von der Bergwacht durch die enge, wasserfallgesäumte Schlucht zum Rettungswagen getragen werden musste. Erst hinterher stellte sich heraus, dass ich wegen falscher Medikamentendosierung aus den Wanderschuhen gekippt war.
 
Startpunkt für unsere erste Tageswanderung am Freitag war Ramsau, wo wir jedoch nicht die Sau rausgelassen haben. Und die zweite Wanderung am Nachmittag ab dem Höhendorf Maria Gern absolvierte Klaus gern, denn es ging bis Berchtesgaden ständig bergab. So, nun aber Schluss mit schlappen Wortspielen. Richtet Eure Blicke lieber gen Himmel, denn von dort droht Gefahr.
 
1972 schossen die Sowjets eine Sonde ins All, die den Planeten Venus erkunden sollte. Leider schaffte sie es nicht, die Erdatmosphäre zu verlassen. Seither kreiste "Kosmos 482" im Erdorbit. Doch nun wurde das Heimweh so groß, dass bis spätestens Sonntagfrüh um 0.40 Uhr der Absturz erfolgen soll. Noch ungewisser als der genaue Zeitpunkt ist der Ort, an dem die Sonden-Reste aufschlagen werden. Das kann überall auf der Erde der Fall sein. Also auch genau dort, wo Ihr Euch gerade aufhaltet!
 
Dass die Geschwindigkeit der Sonde dabei durch den Luftwiderstand von 24.000 km/h auf 1000 km/h reduziert wird, hilft uns nicht wesentlich weiter. Denn die Teile, die nicht verglühen, reichen allemal aus, jemand mit mindestens 10.000 km/h ins Jenseits zu befördern. Da hilft kein Schirm und auch keine über den Kopf gehaltene Aktentasche. Dennoch meinen die Experten, das Treffer-Risiko sei vergleichsweise gering. Sie errechneten eine Wahrscheinlichkeit von 1 : 100 Milliarden. Und das bezieht sich auf das ganze Jahr, obwohl es fast täglich Satelliten-Teile aus dem Weltall regnet.
 
Grund zur Entwarnung? Diejenigen unter Euch, die jede Woche ihren Lottoschein abgeben und aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz auf sechs Richtige hoffen, werden das vermutlich ganz anders sehen.
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1531 vom 9. 5. 25

Erinnert Ihr Euch noch an die Schmunzelpost, in der es darum ging, dass Schnellleser Wortinhalte erfassen und dabei einzelne Buchstaben nicht richtig wahrnehmen? Wie sich jetzt herausstellt, bin ich der lebende Beweis. Ich bekam jetzt eine Mail, der ein Buchcover beigefügt war: "Berchtesgaden" von Carolin Otto. Donnerwetter, dachte ich, wie kann es sein, dass einem Verlag so ein Schreibfehler auf der Titelseite durchgeht?
 
Zur Vorsicht schaute ich nach. Und siehe da: Berchtesgaden wird wirklich nur mit einem r geschrieben! Ich hätte 100 Euro gewettet, dass es "Berchtesgarden" heißen muss. Deshalb habe ich den Ortsnamen in den letzten Schmunzelpost-Folgen konsequent falsch geschrieben. Besonders erschüttert bin ich, dass ich tagelang überall den fehlerfreien Namen vor Augen hatte. Auf den Anzeigetafeln der Bahnhöfe, in der Zeitung, auf dem Wanderplan und sogar auf dem Bierkrug mit der dicken, fetten Aufschrift "Berchtesgadener Brauhaus". Doch mein Verstand weigerte sich hartnäckig, dies zur Kenntnis zu nehmen.
 
Überrascht bin ich auch, dass es solange dauerte, bis mich jemand aus der Leserschaft auf diesen Bolzen hinwies. Danke, Kerstin! Offenbar ist das Vertrauen in meine Rechtschreibkenntnisse groß. Oder Ihr habt mich als unbelehrbar abgehakt. Vielleicht seid Ihr jedoch auch wie ich inhaltsorientierte Schnellleser, denen derartige Kleinigkeiten entgehen. Jedenfalls scheint die Zahl der Mathematiker mit Argusaugen für korrekte Sprache unter Euch recht begrenzt zu sein.
 
Gestern bestand keine Gefahr, ein falsches R zu platzieren, da sind wir nach Salzbug gefahren. Dort hat es den ganzen Tag nicht geregnet. Und Salzbug war die Reise wert: Eine wunderbare Altstadt, schöne Parks, beeindruckende Bauwerke wie die Festung und der Dom. Und Mozart an allen Ecken und Enden. Mozarts Wohnhaus, Mozarts Geburtshaus, Mozarts Kugelhaus. Außerdem stolpert man über die Spuren weiterer prominenter Persönlichkeiten, von denen einige wie Mozart in Salzbug zur Welt kamen. So auch Georg Trakl.
 
Der expressionistische Dichter war zwar den Drogen verfallen, ging aber letzten Endes am Elend des Krieges zugrunde. Als Sanitätsleutnant versuchte er zwei Tage und Nächte vergebens, das Leiden der Schwerverletzten und Sterbenden nach der Schlacht von Grodek zu mindern. Nach einem völligen Zusammenbruch starb er im November 1914 im Lazarett in Krakau an einer Überdosis Kokain.
 
Das passt zwar gut zum gestrigen Tag, an dem vor 80 Jahren in Deutschland der Zweite Weltkrieg endete, taugt aber wohl weniger für eine Schmunzelpost. Wie kriege ich jetzt die Kurve zu einem heiteren Abschluss? Ach ja, ich gönnte mir zu Mittag eine leckere Mahlzeit in einer Salzbuger Paniniteko. Panini Spezial, sehr zu empfehlen. Leicht irritiert war ich jedoch, als ich die Toilette aufsuchte. Die übliche Beschriftung wie "Damen" oder "Herren" fehlte, auch an einer bildlichen Darstellung mangelte es. Stattdessen stand zur Unterscheidung der Geschlechter an der linken Tür "Bla, bla, bla, bla" und an der rechten "Bla". Ich hoffe, Ihr legt es mir nicht als frauenfeindlichen Akt aus, dass ich auf Anhieb den richtigen Eingang gefunden habe.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Irgendwo in meinem Hinterkopf rumort der Gedanke, dass Salzbug möglicherweise mit R geschrieben wird. Aber zweimal mache ich nicht den gleichen Fehler!    

Schmunzelpost 1530 vom 8. 5. 25

Kaum zu glauben: Gestern wurde ich geweckt von einem fremdartigen Himmelskörper. Exakt 15 Minuten schien die Sonne zum Fenster herein. Doch der Spuk war schnell wieder vorbei: Den Rest des Tages bedeckten Wolken den Himmel, und im Laufe des Tages senkte sich auch wieder die Nebeldecke. Immerhin blieb es den ganzen Vormittag trocken, so dass wir nach einer Schifffahrt über den Königssee von dessen Südufer bis zum Obersee (und zurück) wandern konnten, ohne nass zu werden.
 
Das gilt es zu würdigen. Zur Feier des Tages erzähle ich Euch heute etwas über Seen. Der Königsee liegt 600 m hoch und ist bis zu 190 m tief. Größtenteils befindet er sich im Nationalpark Berchtesgarden und gilt als einer der saubersten Seen in Deutschland. Befahren wird er ausschließlich von Booten mit Elektroantrieb. Über dem Königssee ragt die Ostwand des Watzmanns auf, die steilste und höchste Ostwand eines Alpenberges. Fast 200 Menschen kamen bisher beim Versuch, sie zu besteigen, ums Leben. 
 
Die Bezeichnung ist irreführend: Obwohl Romy "Sissi" Schneider einige Jugendjahre am Königssee verbrachte, hat der Name nichts mit irgendwelchen Majestäten zu tun. Er leitet sich vielmehr von Chuno von Horburg ab. Das ist der Mitbegründer eines Berchtesgardener Klosters. Nach ihm wurde im 12. Jahrhundert der "Bach des Chuno" benannt, aus dem im Laufe der Jahrhunderte der "Counisbach" und dann der "Künigsbach" wurde. Und da dieser Bach den See speist, hat man diesen der Einfachheit halber Königssee getauft. Wieder was gelernt. 
 
Kennt Ihr den größten Trinkwasserspeicher Europas? Das ist der Bodensee. Er versorgt vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg mit Trinkwasser. Dazu wurden Tausende von Leitungen verlegt. Bis Stuttgart braucht das Wasser zwei Tage, dagegen dauert es eine ganze Woche, bis das Wasser auch im Odenwald ankommt.
 
Ein höchst ungewöhnliches Gewässer ist der Eichener See bei Schopfheim. Mal lässt er sich jahrelang nicht blicken, dann taucht er plötzlich auf, setzt 2,5 Hektar Land unter Wasser und erreicht eine Tiefe von bis zu drei Metern. Seine größte Besonderheit jedoch sind die urzeitlichen Feenkrebse, gegen die das Ungeheuer von Loch Ness einpacken kann. Diese Krebse verbuddeln ihre Eier an Land, wo sie sogar drei trockene Jahre überstehen können. Drängt das Grundwasser aus dem unterirdischen Höhlensystem jedoch ans Licht, dann schlüpft der Nachwuchs. Alle 1000 Jahre ist auch ein Godzilla darunter. Übrigens: Das letzte Mal geschah dies im Sommer 1025. 
 
Zurück zum Königssee. Über den erzählen die Nachbarn aus dem nur ein paar Kilometer entfernten Österreich einen Witz: Streut ein Österreicher jede Menge Mist auf die zugefrorene Oberfläche des Königssees. Kommt ein Schweizer vorbei und staunt: "Ha, das ist schlau. Im Frühling taut es, und der Mist versinkt im See." Entgegnet der Österreicher: "Nicht so laut, sei bloß still. Gleich kommt ein Piefke vorbei - der will den Acker kaufen."
 
Glückauf
kdk  
 

Schmunzelpost 1529 vom 7. 5. 25


Gestern war für mich ein verlustreicher Tag. Mein Smartphone ist nun wohl endgültig verschwunden. Das letzte Mal benutzt habe ich es am Vormittag im Hotel, als ich beim Blick auf die Wetterapp erschaudernd feststellen musste, dass für den gesamten Tag 6 Grad angekündigt wurden. Immerhin wenigstens plus.
 
Das hinderte uns nicht an einem ausgedehnten Rundgang durch die schöne Stadt Bad Reichenhall. Das Handy wähnte ich in meiner Umhängetasche. Doch als ich es am Nachmittag suchte, um während unserer Wanderung entlang der Salzach ein Foto von der idyllischen Berglandschaft zu machen, war es nicht mehr da. Entweder fiel es aus der Tasche heraus, als ich im Lokal eine Zeitung hervorholte. Oder vorher, als ich die Geldbörse brauchte, um die Zeitung zu kaufen. Außerdem könnte es sein, dass jemand lange Finger machte, als ich mittags in der Gaststätte die Toilette aufsuchte und meine Tasche unbewacht allein am Tisch zurückblieb.
 
Wie auch immer. Weg ist ist weg, das Smartphone war schon alt und der Akku wurde immer leistungsschwächer. Allerdings kann ich nun vorerst keine Whatsapp-Nachrichten mehr empfangen oder versenden, bin also ein paar Wochen nur per Email erreichbar. Ein neues Gerät werde ich mir erst Ende Mai nach der Rückkehr aus dem Doppelurlaub zulegen. Ihr seid die Ersten, die dann davon erfahren.
 
Der zweite Verlust, der mir am Nachmittag schmerzlich bewusst wurde, betrifft meine Wanderkondition. Noch vor ein paar Jahren meisterte ich 20-km-Touren mit ordentlichen Steigungen in den Vogesen. Jetzt aber war eine vergleichsweise flache Strecke von sechs Kilometern entlang eines Fluss- und Seeufers bereits eine echte Herausforderung. Es rächte sich, dass ich zuletzt draußen fast ausschließlich per Rad unterwegs war. Deshalb streute es Salz in meine Wunden, wenn unterwegs von diesem weißen Gold die Rede war. Das "Hall" in Reichenhall bedeutet Salz? Ach? Die Kurstadt lebt immer noch vom Salzverkauf? Ach? Morgen oder übermorgen geht es nach Salzburg? Ach? Der Fluss, dessen Lauf wir begleiten, heißt Salzach? Ach!!!   
 
Da war es hilfreich, dass ich im Bahnhof-Kiosk einer betagten Blondine begegnete, der es offensichtlich noch schlechter ging als mir. Trotz ihres faltigen traurigen Gesichts kam sie mir irgendwie bekannt vor. Also sprach ich sie an: "Kann es sein, dass ich Sie früher im Fernsehen gesehen habe?" Ihre Miene hellte sich auf. "Sie ähneln der Heidi...", sie strahlte, "ich meine, der älteren Schwester von Heidi Klum." Schlagartig verfinsterte sich ihr Gesichtsausdruck, und eine Träne stahl sich in den Augenwinkel.
 
"Nix Heidi Klum, ich bin die Original-Heidi. Über meine Kindheit hat Johanna Spyri zwei Bücher geschrieben." "Aber Sie lebten damals doch beim Alm-Öhi in der Schweiz. Was um alles in der Welt hat Sie in diesen Kiosk verschlagen?" Ach, das ist eine lange traurige Geschichte. Kurz gesagt war es der Geissenpeter, der mein Leben versalzen, ja geradezu ruiniert hat. Als ich größer wurde, wollte er mir an die Wäsche. Und um mich rumzukriegen, erzählte er mir, ich sei so schön, dass mir Hollywood zu Füßen liegen würde und ich in Amerika zum Filmstar werden könnte.
 
Ich dumme Gans habe das schließlich geglaubt! Ich überredete den Alm-Öhi, dass er einen Teil seiner Ziegenwiesen an die Halter von lila Kühen verpachtete und konnte so vom Erlös die Reise in die USA bezahlen. Doch drüben bin ich einem schmierigen Filmproduzenten über den Weg gelaufen, einem Mister Schweinstein. Der versprach mir das Blaue vom Himmel, aber der war auch nicht besser als der Geissenpeter. Schon nach einer Woche drückte er mir ein Zeppelin-Ticket nach Deutschland in die Hand, ich solle es besser beim deutschen Film versuchen. Aber da kriegte ich bloß Angebote für Filme wie "In der Lederhose wird gejodelt" oder "Juppheidi im Himmelbett".
 
Dann bin ich als Fremdenverkehrsattraktion in Bayern gelandet. Mein Geld verdiente ich damit, dass ich neckisch im Winter den verschneiten Berghang und im Sommer die grüne Wiese hinunter hüpfte und dabei ein Liedchen trällerte. Zur Ski-Saison im Dirndl mit tiefem Ausschnitt, wenn es wärmer wurde im Bikini. Das ging auch lange Zeit gut. Aber als ich reifer und fülliger wurde, haben sie mich rausgeschmissen -  ich hatte zweimal eine Lawine ausgelöst. Und seither sitze ich in Bahnhofs-Buchhandlungen und verkaufe die Spyri-Romane und meine Biografie 'Alpenglühen und Schneeschmelze'. Kaufen Sie ein Buch? Sie kriegen auch ein Autogramm."
 
Ich habe gleich alle drei genommen. Und wir singen jetzt zum Abschluss gemeinsam: "Heidi, Deine Welt sind die Beerherrge".
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1528 vom 6. 5. 25


Ja, ist der Sommer schon vorbei? Hier in Berchtesgarden zeigte gestern das Thermometer erquickende sieben Grad. Und Watzmann, Watzfrau und Watzkind hüllten sich in Nebel. Dazu regnete es den ganzen Tag, mal nieselnd, mal kräftig. Zum Glück konnte ich dennoch etwas für meine Fitness tun. Mein Zimmer befindet sich im Dachgeschoss. Und so wird das Sporthotel seinem Namen voll gerecht. Da es keinen Aufzug gibt, sind es 51 Stufen zum Frühstück hinunter und anschließend wieder 51 Stufen hinauf. Wenn das kein Frühsport ist, weiß ich es auch nicht.
 
Aber trotz des Regens sind wir keine Stubenhocker. Nachdem ich erneut die 51 Stufen bewältigt hatte, ging es nach Berchtesgarden. Und die traditionsreiche Altstadt, die vier sehenswerten Kirchen und das Schloss lohnen auch bei Nieselregen den Rundgang. Selbst wenn die "Sonnenallee" am "Tag der offenen Wolken" ihrem Namen nicht gerecht wurde.
 
Den Nachmittag haben wir uns dann mit einem Besuch im Salzbergwerk versüßt, dem ältesten noch aktiven in Deutschland. Und das war ebenso interessant wie erlebnisreich, nicht nur weil in den Stollen statt sieben tropische zwölf Grad herrschten. Zunächst mussten wir alle einen speziellen Schutzanzug überstreifen. Das fiel dem einen leichter, dem anderen schwerer. Mit dem rechten Bein kam ich gut hinein, mit dem linken blieb ich stecken. Da half kein Zupfen und kein Zerren. Es ging erst voran, als ich nach vergeblicher Anstrengung bemerkte, dass ich versuchte, das linke Bein durch den linken Ärmel zu zwängen. 
 
Danach ging es aber flott: 650 Meter mit der offenen Grubenbahn unter Tage in die vierte Sohle. Dort hieß es aussteigen und auf einer ca. 40 m langen Rutsche noch weiter in die Tiefe sausen. Danach ging es zu Fuß weiter. Bei mehreren Stationen informierte man uns über die Besonderheiten des Salzabbaus. Das Berchtesgardener Bergwerk ist eines der beiden letzten in Deutschland, wo diese Tradition seit 1517 nach wie vor fortgesetzt wird. Hier allerdings im Gegensatz zum anderen Standort in Heilbronn in Form eines Nass-Abbaus.
 
Dazu werden auf der untersten Sohle sogenannte Salzkammern angelegt. Das sind mit Quellwasser geflutete unterirdische Salzseen, die 100 m lange Kammern in der Größe von Turnhallen bilden. Dort sackt das mit Wasser aus dem Gestein gelöste schwere Salz auf den Grund, wo es dann als Solesalz nach oben gepumpt wird. Das geschieht 30 Jahre lang, und jährlich ergibt das eine Menge von 300.000 Tonnen, die man über eine Art Pipeline 18 km weit nach Bad Reichenhall befördert. Wobei rund 30 derartige Salzkammern gleichzeitig genutzt werden.
 
Benötigte man früher ganze Jahre, um die nötigen Stollen und Schächte in den Berg zu treiben, so geschieht dies heute mit riesigen Fräsen binnen weniger Tage. Die erforderlichen Schritte für Abbau und Produktion vermittelte man uns vor Ort in Bild und Ton mit spannenden Effekten. Zurück ging es über eine weitere, diesmal 41 Meter lange Rutsche, einen Queraufzug, eine Bootsfahrt über einen der Salzseen, begleitet von Musik und einer Lichterschau und schließlich einer nochmaligen Grubenbahnfahrt ans Tageslicht. Wie auf dem Hinweg bin ich sehr froh gewesen, nur 1,86 m statt 2,06 m groß zu sein - in den Nebenstrecken rauschte die Tunneldecke nur 20 cm über meinem Kopf vorbei. Fazit: Bei einem Berchtesgarden-Besuch ist eine Bergwerksbesichtigung das Salz in der Suppe.
 
Sollte aber jemand über zu viel Technik in der heutigen Schmunzelpost meckern, so rufe ich ihm den Slogan zu, der in großen Lettern auf dem Dach des Fabrikgebäudes eines regionalen Werkzeug- und Maschinenherstellers stand: "Halt die Fräse!" 
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1527 vom 5. 5. 25

Um 16.30 Uhr ist unsere siebenköpfige Wandergruppe im Berchtesgardener Hotel angekommen. Von der Fahrt gibt es Erstaunliches zu berichten. Es hakte bloß am Anfang und am Ende.
 
Da ich meinem alten Wecker misstraute, habe ich einen neuen gekauft. Die Generalprobe bestand er glänzend. Nur als er mich gestern früh um 5.20 Uhr aus dem Schlaf reißen sollte, versagte er auf der ganzen Linie. Glücklicherweise wurde ich um 5.40 Uhr auch so wach und begann einen Wettlauf mit der Zeit. Es galt, um 6.54 Uhr am Essener Hbf den ICE nach München zu erwischen. Also gab ich ordentlich Gas und freute mich über freie Straßen und grüne Wellen in Dorsten und Bottrop.
 
Dort irritierte mich lediglich, dass es in der Innenstadt plötzlich blitzte, obwohl keine Gewitterwolke am Himmel stand. Die Ferkel werden doch wohl nicht eine Radarfalle eingerichtet haben, die ich noch nicht kenne? Aber diesen Stadtplanern ist alles zuzutrauen. In Essen hatten sie die Straße gesperrt, die auf dem kürzesten Weg zum Bahnhof führt. Also drehte ich eine Ehrenrunde und musste feststellen, dass der gesamte Hauptbahnhof von Absperrungen umgeben ist. Mit hängender Zunge erreichte ich dennoch pünktlich den Zug. Und das war auch gut so: Genau auf die Minute setzte er sich in Bewegung.
 
Das war der Beginn einer für mich gänzlich ungewohnten Bahnreise. An zwei Bahnhöfen traf der ICE zu früh (!!!) ein und musste deshalb kleine Pausen einlegen. Auch das Umsteigen in die beiden Anschlusszüge klappte reibungslos, so dass wir ohne Verspätung im Bahnhof Berchtesgarden ankamen. Unsere Lobeshymnen verstummten erst, als der Bus ausblieb, der uns zu unserem Sporthotel in einem Ortsteil bringen sollte. Auch die Nachfrage bei den Fahrern anderer Linien brachte keine Aufklärung - ausgerechnet unser Bus blieb verschollen. So mussten wir eine dreiviertel Stunde auf die nächste reguläre Tour warten. Wenigstens wurde so für gebeutelte ÖPNV-Kunden die Normalität wieder hergestellt.
 
Der vorausgesagte Regen ließ bis zum Abend auf sich warten, legte dann aber ordentlich los. Mal sehen, wie es heute aussieht, wenn unser Ausflugsprogramm starten soll. Auch wenn es nur ein Kurz-Urlaub ist, habe ich mich auf die Begegnung mit den Alpenbewohnern akribisch vorbereitet. Einen Jodellehrgang in der Victor von Bülow-Fortbildungsanstalt konnte ich leider nicht buchen, weil mir mit dem linken Stimmband eine wesentliche Voraussetzung fehlt. Aber da ich als Kind Blockflöte spielte, habe ich stattdessen in der Musikschule von Aloys Münchhausen versucht, das Alphornblasen zu erlernen. 
 
So schwer kann das nicht sein, dachte ich, immerhin fehlen die lästigen Löcher. Doch weit gefehlt. Beim ersten Anlauf entfleuchte meinem Horn bloß ein mickriges "pöööt", das nur Menschen mit Hörgeräten wahrnehmen konnten. Doch Übung macht den Meister. Obwohl Alphörner meist aus Holz gebaut sind, zählen sie zu den Blechblasinstrumenten, weil sie ein Mundstück aus Metall besitzen. Mit Hilfe diese Mundstücks und mit einer speziellen Technik, bei der man die Lippen zum Schwingen bringt, können mit einem Alphorn 16 Naturtöne erzeugt werden. Weil einige ziemlich dissonant klingen, beschränkt sich der Hornist aber zumeist auf 14. Immerhin zwei habe ich auch geschafft.
 
Mein Ehrgeiz war geweckt. Ich wollte die komplette Tonleiter beherrschen und dafür zuhause üben. Nun sind Alphörner bekanntlich recht lang und sperrig. Das längste erreicht eine Länge von 47 m, ist aber für musikalische Zwecke nicht zu gebrauchen. 14 m und darunter - da kann was gehen! Mein Alphorn war immerhin vier Meter lang, so dass ich es erst mit nach Hause nehmen konnte, als ich mir für den Transport eine Stretchlimousine lieh. Doch ich sah mich gezwungen, dass Instrument schnell wieder zurückzubringen. Mehrere Nachbarn hatten bei der Polizei angerufen und gefragt, ob in Dorsten ein Zirkus gastiere, dem Elefanten entlaufen seien.
 
So blieben meine Fertigkeiten leider rudimentär. Immerhin konnte ich meinem Lehrer einen Mundstück-Zusatz abschwatzen. Normalerweise können Alphörner noch mehr als zehn Kilometer entfernt gehört werden. Wenn ich aber in 1500 Meter Höhe mein Instrument exakt ausrichte, das spezielle Mundstück verwende und mit aller Kraft hineinblase, dann soll ein besonderer Oberton, das "Fies" aus der Alphornsinfonie "Geierwalli", sogar noch in Dorsten wahrnehmbar sei. Also spitzt heute um Mitternacht Eure Ohren. Es kann leider nur so spät funktionieren, weil dann die störenden Nebengeräusche abgeklungen sind.
 
Falls Ihr danach Gefallen an dem Instrument findet, können wir womöglich gemeinsam die Sinfonia pastorella für Alphörner und Streicher einüben, die Leopold Mozart komponiert hat. Wenn ich mich richtig erinnere, stammt daraus der bekannte Hit "Da fliegen glatt die Löcher aus dem Käse", der sechs Wochen lang an der Spitze der Schweizer Charts stand. Grüß Gott, tröööööt und
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1526 vom 4. 5. 25

Ups! Jetzt ist Schalke unverhofft wieder in Abstiegsgefahr geraten! Falls Preußen Münster die letzten beiden Spiele gewinnt und die Blau-Weißen jeweils als Verlierer den Platz verlassen (was gegen Fortuna Düsseldorf und danach gegen Elversberg nicht so abwegig ist, da beide Teams noch um einen Aufstiegsplatz kämpfen), dann droht zumindest die Relegation. Und bei der gegenwärtigen Verfassung des Schalker Kaders mache ich mir ernsthafte Sorgen.
 
Berechtigte Sorgen um meine eigene Fußballer-Karriere habe ich mir übrigens schon sehr früh gemacht. Wegen eines tiefliegenden Brustbeins wurde bei mir ein Herzklappenfehler vermutet, körperliche Anstrengungen sollte ich daher meiden. Dass ich deshalb vom Sportunterricht ausgeschlossen war, hat mich gefreut - Kletterseile und Turngeräte übten keinerlei Reiz auf mich aus. Trotzdem war ich nach der Schule immer unter den ersten, die fragten: "Kommze raus, pölen?"
 
Zuhause gab es leider zwei wesentliche Einschränkungen. In unserer Wohnsiedlung waren überall Schilder aufgestellt: "Das Betreten der Grünanlagen ist verboten. Eltern haften für ihre Kinder!" Wagten wir uns dennoch zum Fußball auf die Wiese, wurden wir meist nach kurzer Zeit verscheucht. So wichen wir notgedrungen auf Garagenvorplätze aus und nutzten die Garagentüren als Tore. Gespielt wurde mit leichten Plastikbällen. Und ich stand oft im Tor, weil ich ganz gute Reflexe hatte und niemand von mir verlangte, mich auf den harten Asphaltboden zu werfen.
 
Erhielten wir jedoch Gelegenheit, mal auf einer größeren Rasenfläche zu spielen, waren mir die Tore viel zu groß, da ich das Hechten nach dem Ball nie gelernt hatte. Und bei der Zusammenstellung von Mannschaften gehörte ich stets zu den letzten Feldspielern, die ausgewählt wurden. Es fehlte mir an allem, was einen guten Fußballer ausmacht: Balltechnik, Dribbelstärke, Schnelligkeit, Zweikampfhärte und Ausdauer.
 
Nun wurmt es einen fußballbegeisterten Knaben mächtig, wenn ihm sogar drei Jahre jüngere Stöpsel vorgezogen werden. Deshalb bearbeitete ich meine Eltern solange, bis ich zum Geburtstag einen Lederball geschenkt bekam. Fortan war ich der König des Hinterhofs. Ich durfte selbst die Mannschaften zusammenstellen und fand mich überraschenderweise fast immer im stärkeren Team wieder. Allerdings endeten diese goldenen Zeiten recht schnell. Bei einem plötzlichen Gewitter flüchteten wir alle eilig ins Trockene. Aber als wir zurückkehrten war mein Ball verschwunden und blieb unauffindbar. 
 
Das war eine Lektion fürs Leben: Mädels und Jungs, passt bloß immer gut auf Eure Bälle auf!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Andreas mahnt nach Lektüre der vorhergehenden Schmunzelpost an, dass ich mal über den Ball-Durchmesser von 60 cm nachdenken sollte. Ich brauchte keinen Faktencheck um zu merken: Er hat recht! Derartige Monsterbälle wurden allenfalls von Felix Magath beim Training seiner Mannschaften eingesetzt, weil er die Spieler bekanntlich gerne mit Medizinbällen quälte. Ich hatte Durchmesser und Umfang verwechselt. Fußbälle können je nach Alter der Teams einen Umfang von 59 bis 70 cm haben. Ihr Durchmesser aber liegt zwischen 19 und 22 cm.    

Schmunzelpost 1525 vom 3. 5. 25

Falls Ihr gehofft habt, dass das Thema Fußball vorerst im Abseits steht, muss ich Euch enttäuschen. Von kleinauf hat der Fußballsport in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt und ist trotz gewisser Rückschläge niemals zweitklassig geworden. Daher befassen wir uns heute mit dem Ding, um das es geht, obwohl das Objekt der Begierde permanent mit Füßen getreten wird. Die einen sagen dazu Pille, die anderen Kugel. Traditionalisten sprechen immer noch vom Leder, obwohl es längst aus Kunststoff besteht. Die Brasilianer hingegen sagen zärtlich Gorduchina, was zu deutsch "kleine Dicke" bedeutet. Ihre vereinfachte Form lautet Menina, übersetzt "meine Kleine". 
 
Der Fußball hat etliche Metamorphosen hinter sich. Bei den Chinesen war er aus Leder und mit Bast und Federn ausgestopft. In der Pharaonenzeit formten die Ägypter ihre Bälle aus Stroh, das sie in bunte Tücher hüllten. Die alten Griechen und Römer benutzten eine Ochsenblase, die aufgeblasen und vernäht wurde. In Europa kamen bei den Fußball-Vorläufern zunächst eiförmige Bälle zum Einsatz, die mit Roßhaar gefüllt waren. 
 
Und in Mittelamerika bestand die Kugel aus Kautschuk. Dadurch konnte sie springen wie nirgendwo sonst. Spanischen Chronisten nach hat Hernando Cortes zum Erstaunen seiner Majestät einen Ball so hoch fliegen lassen, dass Kaiser Karl "die Augen und Ohren offen stehen blieben". In diesem Fall wundert mich die Übersetzung. Wenn Augen und Ohren des Regenten sonst dauerhaft geschlossen wären, hätte das für den Umgang mit den Untertanen, aber auch für seine Gesundheit negative Folgen. Ich vermute, dass es der Mund war, der die Überraschung ausdrückte. 
 
Ob Karl auch das Modell bewundert hätte, das Charles Goodyear Mitte des 19. Jahrhunderts erfand? Er füllte eine Gummiblase mit Luft und umhüllte sie mit Leder. Im 20. Jahrhundert perfektionierten drei Argentinier diesen Ball mit einem Ventil, so dass zum Aufblasen nun eine Luftpumpe benutzt werden konnte. Dieser Ball kam erstmals bei der Weltmeisterschaft 1938 zum Einsatz. 
 
Mittlerweile bestehen Fußbälle aus Poliuretan, haben einen Durchmesser von 60 Zentimetern, wiegen weniger als ein Pfund und fliegen schneller als der alte Ball aus Leder. Zudem sind sie wasserdicht, was von erheblichem Vorteil ist: Mit Regenwasser vollgesaugte Lederbälle konnten nicht nur Schädelbrummen verursachen, sondern wurden durch ihr Gewicht auch zum gefährlichen Geschoss. Seine Farbe wechselte der Ball im Laufe der Jahre wie ein Chamäleon. Zuerst war er braun, dann weiß, dann schwarz-weiß. Und heute gibt es jede Menge bunte Variationen. 
 
Wie beurteilten Fußballgrößen die Bälle zu ihrer aktiven Zeit? Torwart Sepp Maier: "Der Ball ist griffig und liegt gut in der Hand." Kopfballspezialist Willi Schulz: "Der Ball ist hart, aber nicht zu hart." Trainer Tschik Cajkovski: "Der Ball ist eine Kartoffel." Fußball-Legende Fritz Walter: "Je leichter der Schuh, desto enger der Kontakt zum Ball. Und umso deutlicher der Unterschied zwischen Ball und Ball. Der Chef hatte ein besonders feines Gespür dafür. Er hörte schon am Klang eines aufspringenden Balles, ob er gut war oder schlecht. Klang es dumpf und hohl, dann schüttelte er den Kopf: Der hat keine Seele, der ist leblos. Wie recht er hatte, spürten wir später. Der Ball spielte nicht mit, er sang nicht, er ließ sich nicht streicheln, er war nicht Kamerad und Freund des Spielers, sondern ein Fremder." Sein Chef, Bundestrainer Sepp Herberger, fasste sich kürzer: "Der Ball ist rund." 
 
Das letzte Wort aber soll ein Poet haben. Rainer Maria Rilke hat ein Gedicht mit dem Titel "Der Ball" geschrieben: 
 
Du Runder, der das Warme aus zwei Händen 
im Fliegen, oben, fortgiebt, sorglos wie 
sein Eigenes; was in den Gegenständen 
nicht bleiben kan, zu unbeschwert für sie, 
 
zu wenig Ding und doch noch Ding genug, 
um nicht aus allem draußen Aufgereihten 
unsichtbar plötzlich in uns einzugleiten: 
das glitt in dich, du zwischen Fall und Flug 
 
noch Unentschlossener: der, wenn er steigt, 
als hätte er ihn mit hinaufgehoben 
den Wurf entführt und freiläßt-, und sich neigt 
und einhält und den Spielenden von oben 
auf einmal eine neue Stelle zeigt, 
sie ordnend wie zu einer Tanzfigur, 
 
um dann, erwartet und erwünscht von allen, 
rasch, einfach, kunstlos, ganz Natur, 
dem Becher hoher Hände zuzufallen. 
 
Na, seid Ihr schon balla balla? Dann bis zum nächsten Mal. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1524 vom 2. 5. 25

Gestern war ein Feiertag, an dem ausnahmsweise auch Geistliche entspannt ausruhen durften. Unser hochverehrter evangelischer Religionslehrer Herr Loos - ein sehr netter Mensch, dessen einzige unrühmliche Neigung seine Begeisterung für Stierkämpfe war - quittierte dies immer mit der Bemerkung: "Da begehen wir den Tag der Arbeit - und kein Schwein arbeitet!" 
 
Das, lieber Herr Loos, ist so nicht ganz richtig. Es gibt eine Vielzahl von Leuten, die auch am 1. Mai im Dienst sind. Bus- und Bahnpersonal, Gastronomie- und Klinikmitarbeiter sowie Polizisten, die vor allem in Berlin keine große Freude an diesem Feiertag haben. Und auch als Journalist kann es sein, dass am 1. Mai die Arbeit ruft. Dennoch ist dieser Tag etwas Besonderes. Allein schon, weil er meinen erklärten Lieblingsmonat einläutet, denn ich seit vielen Jahren auch gern für Urlaubsreisen nutze. 
 
Am Sonntag, 4. Mai, geht es wieder los. Da starte ich zu einer Wanderwoche nach Berchtesgarden. Ein wenig getrübt wird meine Vorfreude dadurch, dass unsere Gruppe sich bereits um 6.40 Uhr in der Frühe am Essener Hauptbahnhof trifft. Und die Stimmung ging noch ein bisschen weiter in die Knie, als ich jetzt lesen musste, dass just an diesem Tag wegen Gleisbauarbeiten keine Züge von Dorsten nach Essen verkehren. Es gibt zwar einen Ersatzverkehr per Bus, doch der erste fährt in Dorsten um sechs Uhr ab und kommt um sieben Uhr am Essener Bahnhof an - sechs Minuten nachdem mein ICE in Richtung Bayern abfährt. 
 
Zumindest laut Fahrplan. Aber bei der DB kann man sich ja nicht einmal auf die Unpünktlichkeit verlassen. Nach meinen Erfahrungen ist alles möglich. Sogar, dass ein Fernzug ausnahmsweise pünktlich ist. Diese Ungewissheit überschattet auch die Rückfahrt. Nach unserer Planung sollten wir am 10. Mai um 21.15 Uhr am Ausgangspunkt zurück sein. Aber da wir mehrfach umsteigen müssen, hege ich gewisse Befürchtungen. Und es wäre fatal, wenn ich am Samstag nicht daheim bin. Denn bereits am Sonntagvormittag wollen wir von Dorsten aus zum Anschlussurlaub nach Potsdam aufbrechen. Mich erwarten also spannende Maitage. 
 
Zur Einstimmung habe ich schon mal ein paar aktuelle reale Bahndurchsagen nachgelesen. Gibt es Gedränge beim Einsteigen könnte erklingen: "Dies ist kein Adventskalender - Sie können an allen Türchen zusteigen!" Witzig finde ich auch: "Hinten gibt es auch noch ganz viele offene Türen. Die fahren alle in dieselbe Richtung." Weniger zum Lachen wäre dagegen eine Aufmunterung bei sich abzeichnender Verspätung: " Sehen Sie's doch mal positiv: Mehr Fahrzeit fürs selbe Fahrgeld. Das kriegen Sie auf keiner Achterbahn!" 
 
Völlig würde mir der Spaß vergehen, wenn ich bei der Heimkehr nach Dorsten so etwas zu hören bekäme wie kürzlich Fahrgäste in Sachsen-Anhalt nach versäumtem Halt: "Insidern ist es vielleicht schon aufgefallen: Der Bahnsteig gerade - das war Bitterfeld." Dafür würde ich mich über die folgende Durchsage freuen: "Wir sind zu früh am Bahnhof. Sollte Sie das verwirren, können Sie gern bis zur regulären Ankunftszeit sitzen bleiben."
 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1523 vom 1. 5. 25

Ob diese Schmunzelpost tumorig oder humorig ist, muss sich noch herausstellen. Jedenfalls hat gestern eine Untersuchung beim Facharzt ergeben, dass meine anhaltende Heiserkeit aus einer krankhaften Veränderung des Kehlkopfs resultiert. Dem Augenschein nach könnte es sich dabei um einen bösartigen Tumor oder dessen Vorstufe am rechten Stimmband handeln. Gewissheit werde ich erst nach Untersuchungen haben, die am nächsten Montag um 15 Uhr in einer Gelsenkirchener Fachklinik beginnen. Wahrscheinlich ist auch eine stationäre Behandlung erforderlich. 
 
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Diagnose hat mir fast die Sprache verschlagen. Mir blieb förmlich die Spucke weg. Nach dem Schock herrschte lange Schweigen im Walde. Wer schweigt, stimmt nicht immer zu - er hat manchmal nur keine Lust, mit Idioten zu diskutieren. Aber wer dauernd schweigt, ist oft schon tot. 
 
Doch sofort drängten sich andere Redensarten in den Vordergrund: Das ist doch nicht der Rede wert! Es ist noch kein Stummer in den Brunnen gefallen! Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!  Gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit hilft eine Prise Heiterkeit! Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Oder, wie Abraham Lincoln sagte: "Es ist besser zu schweigen und als Idiot verdächtigt zu werden, als zu reden und dadurch alle Zweifel zu beseitigen." 
 
Ich für meinen Teil halte mich an einen Spruch, den mir einst ein Journalisten-Kollege von seiner fast hundertjährigen, aber dauernd kränkelnden Großmutter überliefert hat. Sie sagte über sich: "Was dauernd quietscht hält ewig!" Vielleicht gilt das auch fürs Krächzen. 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1522 vom 30. 4. 25

Eigentlich ist das Frühjahr meine liebste Jahreszeit. Alles grünt und blüht, endlich kann man wieder einen großen Teil des Tages an der frischen Luft verbringen. Die Sache hat aber einen Haken. Und der heißt "Frühjahrsputz". 
 
Ich sehe ja ein, dass ein Großreinemachen nicht verkehrt ist. Auch kann man sich, wenn man ein Buch aus dem Regal holt und einmal pustet, sonst schnell eine Staublunge holen. Aber warum muss jemand, der von Geburt an schwer unter seiner angeborenen Faulheit leidet und körperliche Arbeit lieber aus der Distanz betrachtet, unbedingt involviert werden? Wäre es nicht gerecht, wenn der Frühjahrsputz denjenigen überlassen bleibt, die als geborene Putzteufel Riesenfreude daran haben, eine Wohnung zum Glänzen zu bringen? Jeder nach seinem Talent, sage ich. Ich bin auch gern bereit, Sauberkeits-Fanatikern bei uns ein Spielfeld zu überlassen, auf dem sie sich austoben können. 
 
Stattdessen bin ich zur Fron verpflichtet, weil ich einst in jugendlichem Leichtsinn dafür gestimmt habe, dass wir als Rentner auf eine Putzhilfe verzichten und das bisschen Hausarbeit selbst erledigen. Ich dummer Tropf! Erstens reichen derzeit 24 Stunden am Tag ohnehin nicht aus, um all das zu tun, was ich tausend Mal lieber mache als zu putzen. Zum Zweiten wird Putzen mit zunehmendem Alter immer anstrengender. Wobei ich nicht weiß, ob es an den Strapazen liegt, wenn bei mir nach fünfminütigem Fegen bereits der Schweiß ausbricht. Das könnte auch Angstschweiß sein, wei ich weiß, was mir noch alles in den nächsten Stunden abverlangt wird. 
 
Überhaupt muss ich mal ein eingehendes Gespräch mit meinem Hausarzt führen. Dieses ständige Bücken, dass mich so erschöpft, das kann doch nicht gesund sein! Und bei den vielerlei Arten von Allergien, die man heutzutage mit neuartigen Methoden ermitteln kann, dürfte doch wenigstens eine dabei sein, die durch Putzen ausgelöst wird. Bei der Schädlichkeit von Putzmitteln spielt ja auch die Psychologie eine wichtige Rolle. 

Bleibt die Frage, ob so ein ärztliches Attest im häuslichen Territorium respektiert würde. Wir leben schließlich in einer Demokratie, und 50 Prozent reichen nicht für eine Mehrheitsentscheidung. Bestenfalls wird mir ein Deal angeboten: "Okay, ich übernehme den kompletten Frühjahrsputz. Dafür säuberst Du einmal pro Woche das Auto und das Klo." Nichts wie her mit dem Besen! Besser einmal im Lenz, als 52mal im Benz! 

Glückauf 
kdk 
 
PS. Das am Schluss war natürlich dichterische Freiheit. Wir fahren E-Bike, Bus und Bahn und nur selten einen VW-Caddy. Aber noch nie einen Mercedes.

Schmunzelpost 1521 vom 29. 4. 25

Als ich noch vor dem Zubettgehen betete: "Ich bin klein, mein Herz ist rein..." war ich fest überzeugt, dass jemand  akribisch all meine kleinen und großen Verfehlungen schriftlich festhält. Ich weiß zwar nicht mehr, ob das daraus resultierte, dass der Nikolaus einem dicken Buch entnommen hat, wie oft ich in letzter Zeit unartig gewesen war. Dafür weiß ich aber genau, dass ich mit dieser Art der permanenten Überwachung jahrelang ein großes Problem hatte. 
 
Von meinen katholischen Spielkameraden wusste ich, dass die nur ab und zu in den Beichtstuhl gehen mussten. Drei Vaterunser und alle Schandtaten waren ratzfatz ausradiert! Wir evangelischen Kinder hatten diese Möglichkeit nicht. Deswegen plagte mich die Vorstellung, dass ich eines Tages vor Petrus stehen würde und der anhand meines Sündenregisters entscheiden müsste, ob für mich ein Platz im Himmel oder in der Hölle angemessen wäre. Da ich mich gut kannte, hatte ich gewisse Befürchtungen. 
 
Deshalb bin ich erleichtert gewesen, als nach und nach die Erkenntnis durchsickerte, dass es so vermutlich nicht nach meinem Tod ablaufen wird. Fortan betrachtete ich das ewige Leben im Jenseits samt Paradies und Fegefeuer nur noch als eine Legende, die Gläubige auf dem rechten Weg halten sollte. Mittlerweile finde ich es aber schade, dass an dem Konzept wohl nichts dran ist. Zumindest für ausgewählte Kandidaten wäre es zu wünschen, wenn höhere Instanzen über ihre Fehltritte Buch führen würden. 
 
Auf den Gedanken kam ich, als ich jetzt in der Süddeutschen Zeitungen las, was sich der ranghöchste Strohkopf in den USA schon in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit alles geleistet hat. Das ist eine wirklich erschreckende Zwischenbilanz, die geradewegs in Diktatur und Faschismus führen kann. Angesichts der vielen großen Ungeheuerlichkeiten verliert man hierzulande den Überblick, was da bereits an üblen Entwicklungen eingeleitet wurde. Zum Beispiel durch eine Bildungspolitik, durch die aus den Schulbibliotheken allerhand aufklärerische Literatur verbannt wird, "Mein Kampf" aber seinen Platz in den Regalen behalten darf. 
 
Die Liste der Grausamkeiten für Umwelt, Justiz, Meinungsfreiheit und Menschenrechte ist so lang, dass einem beim Lesen übel wird. Vor allem, wenn man daran denkt, welche konkreten tödlichen Folgen der Abbau von Hilfsmaßnahmen durch den Austritt aus diversen Organisationen für alle notleidenden Menschen rund um den Globus haben wird. Und womöglich eines Tages auch für uns, unsere Kinder und Enkel: Dass die Förderung der Wissenschaft massiv zusammengestrichen und der Stellenabbau im Forschungsbereich forciert wird, führt auch dazu, dass die Fortschritte im Kampf gegen Krebs ins Stocken geraten. 
 
Ich bin klein, mein Herz ist rein, und ich wünsche mir drei Dinge: Erstens sollte die Liste sämtlicher bisherigen Untaten zur Pflichtlektüre für alle US-Amerikaner werden, die sie mit ihrem Kreuz auf dem Wahlzettel ermöglicht haben. Zweitens sollte der Hausherr im Weißen Haus ein neues Tischgebet einüben müssen: "Mein Herz ist rein, mein Hirn ist klein, sowas lass ich künftig sein!" Und drittens wird eigens für den Tag, wenn der Wüterich aus Amerika vor Petrus steht und angesichts des Sündenverzeichnisses ein Urteil gefällt werden muss, ein Schlager von Wolfgang Petri ins kirchliche Gesangbuch aufgenommen werden: "Hölle, Hölle, Hölle!" 

Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1520 vom 28. 4. 25

Die Frühlingsonne lacht vom Himmel, und mein betagter Nachbar, der Herr K., blinzelt von seinem Balkon zurück. Zeit für eines seiner Selbstgespräche: 
 
"Hömma, Karl, is dat nich ein töftes Wetterchen? Da frachse Dich doch gleich: Wo gehsse? Im Paak oder in dat Freibad? Na gut, datt Freibad hat no nich auf. Un im Paak is zu weit für unse kaputten Knochen. Also gehsse auffen Balkong. Is nich weit wech vonnem Kühlschrang, kannze Dich ein Pilsken zischen un ein geflechtes Quätschken mit ein netten Mensch ham - mit Dich! Mit Dich quatsch ich am liebsten, Du gibs wenichstens keine Widerworte. Es sei denn, et geht um die Gerstenkaltschale. 
 
Tja, da tun eim alle Stubenhocker leid, die getz drin bleiben müssen. Wie diese Konsklaven in Rom. Hasse doch mitgekriecht, Karl, der olle Franziskus hatten Löffel abgegeben un is nu bei sein Pappa in Himmel. Kein Wunder. Wennze nich gut drauf biss und kriechs dannoch Besuch von son fiese Möpp aus Amerika, da willze Dich ja nur noch schnell aussem Staub machen. Nu sin wir zwei ja nich katholisch un ham so unsre Zweifel an dat Eiapopeia vom Himmel. Abba dat müssen wir zugeben: Der Franziskus, dat wa wohl 'n ganz netten Kerl. Ob die dat wohl schaffen, wieda so einen zu wähl'n? 
 
Bei dat schöne Wetta wern se sicha auffe Tube drücken, dat se wieda rauskönn aussem Vattikahn. Wat meinze, Karl, sollten se dat nich zum Prinzipp machen tun, um alle große Probleme vonne Welt zu lösen? Wie wär datt, wennse den Putin, den Selenski, den Trump, den Nettanjuhu un zwei Ajatolle aussem Iran und Gasa solange im Vattikahn einsperrn täten, biss endlich überall Friede is? Wär doch toll, oda nich? 
 
Aba ich geb zu, einen Haken hat dat Ganze. Wenn ich mich vorstell, dat wir zwei beide auch in Vattikahn müssten, weil wir uns nich einich sin, ob wir getz Maibock kaufen tun oda von wegen Schalke weita bei Veltins bleim, dann läuft et mich eiskalt den Buckel runner. Tut mich ja leid, Karl, aba vier Wochen nur mit Dich inne Bude, bei son Wetta, da könnt ich doch glatt schizopren wern."  

 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1519 vom 27. 4. 25

Gestern war ich im Fernsehn. Und zwar im Ersten Programm, also der ARD, zur Hauptsendezeit. Falls Ihr daran zweifelt, müsst Ihr in der Mediathek die ARD-Sportschau aufrufen, die am Samstag ab 18 Uhr ausgestrahlt wurde. Im Spielbericht über das Drittliga-Spiel Rot-Weiß Essen gegen den FC Saarbrücken bin ich für Sekundenbruchteile zu sehen. Dazu müsst Ihr lediglich den Spielbericht in dem Moment einfrieren, in dem die Saarbrücker kurz vor Ende der ersten Halbzeit ihr zweites Tor vorbereiten. Dann ist nämlich die Gegentribüne voll im Bild. Und zwischen ein paar Tausend anderen Zuschauern auch ich. Um mich zu erkennen, braucht Ihr lediglich ein Vergrößerungsglas mit einem Verstärkungsfaktor von, sagen wir, 100. 
 
Was hat mich dazu gebracht, ausgerechnet im Stadion an der Essener Hafenstraße zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder vor Ort bei einem Fußballspiel dabei zu sein? Rot-Weiß Essen gehört seit gut 50 Jahren nicht zu meinen Lieblingsmannschaften. Im Gegenteil. Ich nehme dem Verein immer noch übel, dass die Krawallos unter seinen Fans sich seinerzeit beim Gastspiel in Lünen so daneben benommen haben, wie ich das vorher und nachher niemals persönlich erlebt habe. Nach einer Niederlage gegen den Lüner SV jagten die Essener Ultras Lüner Fans quer über den Platz, um sie zu verprügeln. Bei den Lüner Anhängern handelte es sich um Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 16 Jahren. 
 
Aber die Essener machten sich noch eines größeren Verbrechens schuldig. Als ich vorher geduldig am Kassenhäuschen in einer langen Schlange anstand, drängten sich von der Seite mit roher Gewalt Essener Rüpel vor. Und beim Getümmel brachten sie es fertig, meinen Stockschirm so zu verbiegen, dass er hinterher höchstens noch als Bumerang getaugt hätte. Wäre ich rachsüchtig, dann hätte ich jetzt dem 0:3-Auswärtserfolg der Saarbrücker mit Genugtuung beigewohnt. Aber ich bin nicht nachtragend. 
 
Außerdem hatte ich mich eigentlich um den Stadionbesuch bemüht, um einem treuen RWE-Fan im Abstiegskampf Beistand zu leisten. Allerdings war es seinem Verein zuvor mit einer Siegesserie gelungen, sich aus der Abstiegszone zu verabschieden. Dennoch hat es sich gelohnt, als Sesselpupser nach langer Zeit mal wieder die Live-Atmosphäre in einem Fußball-Stadion zu genießen. Ein Hörgerät hat es dazu nicht gebraucht. Denn die 2000 Saarbrücker Fans unter den 18.000 Besuchern machten von der ersten bis zur letzten Minute einen derartigen Radau, dass selbst meine Plomben in den Zähnen vibrierten. Ach, Fußball ist schon ein echtes Erlebnis! Da kann man selbst die 29 Euro für eine Eintrittskarte in der dritten Liga verschmerzen. 
 
In der nächsten Saison werde ich deshalb erneut ein Spiel besuchen. Allerdings wahrscheinlich nicht in der 3. Liga, sondern im schönsten Stadion der Welt, das sich bloß rund 20 Kilometer entfernt von unserer Wohnung befindet. Es wäre jedoch wünschenswert, wenn dann die blau-weiße Heimmannschaft einen 3:0-Sieg feiert. In dem Fall könnte ich trotz halber Stimmband-Amputation anschließend bei dem Jubelchor mitmischen, den einst ARD-Reporter Heribert Faßbender so beschrieb: "Jetzt sind auch die Fans begeistert. Sie singen 'Oh, wie bist Du schön!'" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wenn wir jedoch unserem Lieblingsverein die Unterstützung im heimischen Stadion verweigern, dann kommt so etwas Trauriges heraus wie dieser knappe Spielbericht aus dem Konstanzer Südkurier: FC Tasmania Zimmern - FC Hochemmingen 0:2 (0:1). Tore: 0:1 (36.) Löffler per Foulelfmeter, 0:2 (72.) Hodic - Zuschauer: Sepp, Eugen, Brigitte.   

Schmunzelpost 1518 vom 26. 4. 25

Erneut ist mir beim Aufräumen des Bücherschranks etwas in die Hände gefallen, was es verdient, auszugsweise an Euch weiter gegeben zu werden. Es entstammt dem Taschenbuch "Warum fallen schlafende Vögel nicht vom Baum? Wunderbare Alltagsrätsel", das Mick O'Hare herausgegeben hat. 
 
Den Trick der Vögel möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Aber da wir uns ja hin und wieder mit Sprache beschäftigen, habe ich für Euch eine kleine Aufgabe herausgesucht. Lest bitte den folgenden Satz und sagt mir anschließend, wie oft der Buchstabe "Z" daran enthalten ist. "Zielstrebige Fragen zu zahlreichen Themen führen bei vielen Politikern nur allzu oft zu geschwätzigen, aber wenig zufriedenstellenden Antworten." Nun aber hurtig, wie viele Z habt Ihr gezählt? 
 
Beim ersten Versuch kam ich auf vier und konnte anschließend nachlesen, dass es den meisten Menschen ebenfalls so gehen soll. In Wahrheit sind es aber sieben. Wie konnte ich mich derart irren? Schließlich ist der Umgang mit Sprache mein Beruf gewesen, und ich habe etliche Texte Korrektur gelesen. Es hat mich beruhigt zu erfahren, dass selbst Sprachlehrer in die Falle tappen. Der Grund dafür ist, dass wir verschiedene Verfahren anwenden, um die Bedeutung eines gedruckten Textes zu erfassen. 
 
Gerade geübte Leser selektieren gern. Sie entwickeln eine hohe Lesegeschwindigkeit, erfassen die Bedeutung der wichtigsten Wörter und überlassen es dem Hirn, die Lücken zu füllen. Kurze, häufige Wörter sind so tief in unserem Gedächtnis verankert, dass wir sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Wenn wir Texte lesen, finden wir daher die Zett's in den längeren, weniger häufigen Wörtern, übersehen aber dabei das dreimal auftretende "zu". Sprachgeprägte Leute sind auf Inhalte fixiert, Menschen, die stärker mathematisch denken, konzentrieren sich dagegen auf die Folge von Buchstaben und kommen auf Anhieb zur richtigen Lösung. 
 
So, beim nächsten Mal werden wir uns dann mit der Frage beschäftigen, ob Rechen- oder Sprachkünstler besser auf Bäumen schlafen können, ohne herunterzufallen. 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1517 vom 25. 4. 25

Heute fahre ich zum monatlichen Doppelkopf-Treffen. Für Doko-Ignoranten: Das ist kein Debattierkreis, zu dem jeder Teilnehmer einen Spiegel mitbringt. Nein, Doppelkopf ist ein in Deutschland sehr beliebtes Kartenspiel, das ähnlich wie Skat seit Jahrhunderten zur Geselligkeit beiträgt. Das liegt daran, dass eine Doko-Runde nicht nur stundenlang Karten drischt, sondern dabei auch gern geistige Getränke zu sich nimmt, plaudert und scherzt.
 
Weil jedoch Männer anders als Frauen ansonsten selten in der Lage sind, sich in gemütlicher Runde bloß zu unterhalten, ist das Kartenspiel eine wichtige Klammer, die Freundschaften zusammenhält. Wir treffen uns mittlerweile regelmäßig seit dem Ende unserer Schulzeit, also seit mehr als 50 Jahren. Anfangs einmal in der Woche, nachdem uns unterschiedliche Lebensweg übers Ruhrgebiet verteilten, wenigstens noch einmal im Monat. Ohne Doko wäre der Kontakt wahrscheinlich längst entweder abgerissen oder auf ein Minimum geschrumpft.
 
Begonnen haben wir als Skat-Runde. Skat habe ich bereits mit acht oder neun Jahren erlernt. Bei Familienfeiern zogen sich die Männer nach der Kaffeetafel immer in die Küche zurück, und dann wurde Skat gekloppt, dass der Tisch qualmte. Wie auch die Kartenspieler, die sich eine Zigarette nach der anderen ansteckten, bei meinem Vater waren es Zigarren. In den Nebelschwaden behielt ich die Übersicht, denn ich durfte die Münzen hin- und herschieben und zu Türmen ordnen. Grundeinheit war ein Zehntelpfennig, wer am Ende also zwei, drei Mark Gewinn einfuhr, hatte wohl besonders gute Karten bekommen.
 
Beim Zuschauen lernte ich rasch die Regeln und durfte schon früh als dritter Mann einspringen, wenn nicht genügend Erwachsene zur Hand waren. Das erwies sich als gute Gelegenheit, mein karges Taschengeld aufzubessern. Denn meine Sinne waren weder durch Nikotin noch durch Bier und Schnaps vernebelt. Schnell brachte ich auch meinen Spielkameraden das Skatspielen bei, sodass wir bei schlechtem Wetter eine Alternative zum Fußball hatten.
 
Mein Freund, der Sohn des Nachbarn über uns, bekam von seinem Vater Doppelkopf beigebracht. Dieser Arbeitskollege meines Vaters spielte nach Feierabend oft in Kneipen - und zwar um höhere Beträge. Musste der Mann aus Geldmangel oder anderen Gründen abends mal das Haus hüten, so spannte er zu Trainingszwecken seine beiden Söhne ein, und ich wurde dazu eingeladen, die Viererrunde zu komplettieren. Allerdings ging es dann nicht um Geld, sondern bloß um die Ehre. 
 
Trotzdem jedoch mit harten Bandagen: Ich erlebte immer wieder, wie der Doko-Fanatiker meinen Kumpel wegen eines Fehlers lautstark zusammenfaltete. Das wollte ich mir ersparen und eignete mir durch diese harte Schule eilig die gängigsten Erfolgsstrategien an. So zählte ich sowohl beim Skat wie beim Doppelkopf meist zu den Gewinnern und konnte, gerade volljährig geworden, einige Male bei Turnieren Preise abräumen. Als ich zum zweiten Mal nacheinander als einziger Protestant bei der Kolpingfamilie Lünen-Süd die Weihnachts-Gans mit nach Hause nahm, wurde ich im Folgejahr ausgeschlossen. 

Im Freundeskreis spielten wir zwar um Geld, das ging aber stets in die Gemeinschaftskasse. Was das Verlieren erleichterte. Begonnen hatten wir mit Skat. Als sich unsere Runde jedoch vergrößerte, wechselten wir zu Doppelkopf über, da dabei jeweils vier Spieler aktiv beteiligt waren. Der fünfte schaute für ein Spiel zu oder brachte verarbeitete Getränke zur Toilette. Bis auf einen personellen Wechsel blieb der gleiche Kreis eisern beisammen, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Doch dann legte der Erste von uns für immer die Karten aus der Hand - Mensch, Rainer, hättest Du bloß auf uns gehört und das Rauchen aufgegeben! Nach wie vor versuche ich, den verbleibenden drei Mitspielern die goldenen Doko-Regeln zu vermitteln, leider mit wechselndem Erfolg. Und zu meinem Entsetzen bemerke ich, dass mir zuletzt selbst ein paar Bolzen unterlaufen, die ich früher für unmöglich gehalten hätte.
 
Heute gibt es eine Premiere. Da es schwierig ist, wegen Urlaub und Krankheit für vier Leute jeden Monat einen gemeinsamen Termin zu finden, springt erstmals ein Gast in die Bresche. Kein Unbekannter, ebenfalls ein guter Freund aus alten Lüner Zeiten, der zudem selbst die ganzen Jahre über in einem anderen Doko-Kreis aktiv geblieben ist. Ich bin gespannt, ob er uns das Fell über die Ohren zieht oder kleine Brötchen backen muss. Was zugebenermaßen zu einem großen Teil auch eine Sache des Kartenglücks ist.
 
Für alle, die unsere Begeisterung nicht teilen: Ja, es ist mitunter schwer zu ertragen, wenn man mal den ganzen Abend nur schlechte Karten bekommt. Und beim allerersten guten Blatt der Kartenausteiler plötzlich sagt: "Oh pardon, ich habe mich vergeben, ich muss nochmal neu mischen." Dafür entschädigt jedoch das Prickeln, wenn man sich traut, trotz einiger Schwachstellen einen Solo zu spielen und ihn dann auch noch gewinnt. Oder wenn die Zählung nach einem heißen Kontra-Re-Spiel am Ende 121 Punkte ergibt. Es ist wie beim Fußball: Solche Höhepunkt reißen die Phasen der Routine und des grauen Mittelmaßes doppelt und dreifach wieder raus.
 
Zum Schluss ein Test, mit dem Ihr herausfinden könnt, ob Ihr ernstzunehmende Doko-Spieler seid. Derjenige, der das Aufspiel hat, legt als erste Karte Karo-As auf den Tisch und sagt gleichzeitig Re. Was bedeutet das?
 
Glückauf
kdk
 
PS. Doko-Auflösung: Er zeigt seinem Partner, dass er trumpfstark ist und außer der Kreuzdame auch beide Herzzehnen hat. So kann der Mitspieler den Fuchs (Karo-As) mit der Kreuz- oder Pikdame gefahrlos nach Hause bringen und außerdem anhand seiner Karten entscheiden, ob er beim nächsten Stich zuversichtlich "Keine Neunzig" ansagen kann.   

Schmunzelpost 1516 vom 24. 4. 25

Gestern war hier die Rede von Horst Evers, einem meiner Lieblingsautoren für heitere Literatur. Doch da gibt es noch einige weitere Fixsterne an meinem persönlichen Firmament: Neben Kurt Tucholsky, Robert Gernhardt und Loriot zählt auch Harry Rowohlt dazu. Ich lese gerade die Biografie "Ein freies Leben", die Alexander Solloch über den Meister der Abschweifung, den Lindenstraßen-Penner, begnadeten Übersetzer und peniblen Sprachliebhaber verfasst hat.
 
Bloß ein einziges Mal Gelegenheit hatte ich Gelegenheit, ihn auf der Bühne zu erleben. 2007 trat Harry Rowohlt in der "Kaue" in Gelsenkirchen auf, und es war ein grandioser Abend. Leider wurde er im Nachhinein empfindlich getrübt. Doch dafür konnte Rowohlt nichts. Zu Beginn seiner Lesung beruhigte er seine Zuhörer und insbesondere mich mit der Information, dass Schalke 04 beim Auswärtsspiel in Bochum mit 1:0 in Führung gegangen war. Im Falle eines Sieges wäre den Königsblauen die deutsche Fußballmeisterschaft nicht mehr zu nehmen gewesen. Doch dann verloren sie am Ende überraschend mit 1:2 und wurden danach auf den letzten Drücker doch noch auf Platz zwei verdrängt.

 Das war tragisch, aber nicht Rowohlts Schuld. Als St.-Pauli-Anhänger war er ohnehin Fußball-Kummer gewohnt. Über einen Kondolenz-Brief von ihm hätte ich mich sehr gefreut. Denn zu seinen großen Begabungen gehörte die Kunst des Briefe-Schreibens. Mehr als 10.000 erhaltene Exemplare aus seinem Nachlass geben darüber Aufschluss. Sein Biograf bezeichnet ihn daher auch als den "Briefsteller". 

In Akten bewahrte Rowohlt seine gesamte Korrespondenz auf, inklusive Kopien seiner Antwortschreiben. Darin ist auch eine grantige Abfuhr an einen Autogrammsammler enthalten, der seine Bitte um Unterschrift ohne Gruß und ein persönliches Wort sowie ohne frankierten Rückumschlag abgesandt hatte. "Ihr - kopierter - Brief war der einzige Brief, über den ich mich heute geärgert habe, und zwar etwa im Gegenwert eines frankierten Briefs. Legen Sie sich doch ein kostenloses Hobby zu, Glücksklee sammeln zum Beispiel. Außerdem sind Autogrammsammler ohnehin die niedrigste Form menschlichen Lebens." 

Aber Harry konnte auch ganz anders. Etwa in jungen Jahren, als er noch erwog als Nachfolger seines Vaters selbst Verleger zu werden. Deshalb absolvierte er ein Praktikum beim Suhrkamp-Verlag und wurde dort u.a. damit beauftragt, ungehaltene Kunden zu besänftigen. So erhielt ein Beschwerdeführer, der beklagt hatte, auf seine Frage nach älteren Ausgaben keine Antwort erhalten zu haben, ein Schreiben, das ihn mehr als zufriedenstellte:

 "Wenn Sie wüssten, wie es im Augenblick bei uns in der Werbung, denn so heißt irreführenderweise die Abteilung, aussieht, Sie würden sich erschrocken schwören, nie wieder die Dienste des Suhrkamp-Verlages in Anspruch zu nehmen. Eine Kollegin ist schon lange krank, eine andere erst seit Kurzem, um sich den Appendix entfernen zu lassen. Wir haben Ihnen also nicht NICHT EINMAL, sondern NOCH NICHT geantwortet. Sonst bemühen wir uns sehr, immer schnell und gewissenhaft zu sein. 'Wie entsteht der Ruf eines Verlages? Indem man über ihn redet, doch. Sollte Ihnen nicht jeder Redende etwas wert sein?' Das saß. Natürlich ist uns jeder Redende viel wert; sonst wären ja auch nicht jene beiden Kolleginnen an Überarbeitung eingegangen. Also: Ja, man kann ältere Ausgaben von Dichten und Trachten noch bekommen, sofern wir jeweils noch genügend davon im Keller haben. Bitte, seien Sie wieder lieb." 

"Wen hätte Ihr Schreiben nicht versöhnen können", antwortete da der Kunde und legte seinem nächsten Brief siebzig Pfennig in Briefmarken bei, "damit man Ihrer erkrankten Kollegin eine Blume auf den Tisch stellen kann, wenn sie zurückkommt." Der Mann war dankbar. Ebenso Harry Rowohlt, der umgehend zurückschrieb: 
 "Wir sind alle sehr froh, dass Sie uns nicht mehr böse sind. Als Lehrling bin ich zwar nur sehr schwer zu entlassen, aber immerhin. Den Siebzig-Pfennig-Beethoven werde ich aufbewahren, um dafür jener Kollegin die Blume zu kaufen, wenn sie entlassen werden sein wird. Falls Sie sich Hoffnung machen sollten, nach ihrer Genesung weiter mit IHR korrespondieren zu können: Sie hat sich jüngst verlobt. Hoffentlich schreckt Sie das nicht." 

Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1515 vom 23. 4. 25

Die deutsche Sprache hat nicht nur für Mark Twain und viele andere Ausländer ihre Schrecken, sie hat auch allerhand gute Seiten. Ich bin stets fasziniert, wie schnell neue Wortschöpfungen Fuß fassen.
 
Auf eine davon bin ich jetzt gestoßen, als ich eine Kurzgeschichte des von mir sehr verehrten Urhebers unzähliger heiterer Texte las. Aus dem Kapitel "Politik hilft" aus "Zu faul zum Nichtstun" von Horst Evers stammt das folgende Satzfragment: "Die stumme Summe der Wummse könnte summa summarum zu einer Wummsflation führen." Wumms? Da war doch mal was? Ach ja, richtig, den Begriff hat unser immer noch regierender Kanzler auf Abruf geprägt, heißt der nicht Olaf Scholz?
 
Tja, die Ampel ist bereits vergessen, der Wumms aber bleibt. Zumindest bei Horst Evers: "Hundert Milliarden sind jetzt ein Wumms. Zweihundert Milliarden ein Doppel-Wumms. Dreihundert Milliarden entsprechend ein Triple-Wumms. Quadrupel-Wumms gibt es nicht. Als Begriff. Das wäre dann nämlich schon ein Wumms-Bumms. Das alles geht dann immer so weiter bis zum Rumms-Wumms-Bumms, was rund eine Billion ist. Das bedeutet ein Rumms-Wumms-Bumms entspricht zehn einfachen Wummsen."
 
Evers hat sich vermutlich beim Schreiben nicht träumen lassen, dass die angehende schwarz-rote Koalition die Wummserei quasi über Nacht wirklich bis in die Billionen-Höhe treiben könnte. Stattdessen überlegte er, wie die Schuldenaufnahme zu begrenze wäre. "Da hatte man zum Beispiel die Idee der Übergewinnsteuer. (...) Diese Übergewinne abzuschöpfen, fanden praktisch alle eine charmante Idee." (Im folgenden Text geht es nun auch um eine historische politische Gruppierung, die viele noch schneller vergessen haben als Kanzler Scholz.) Selbst die FDP (für die Vergesslichen unter Euch: Die Schuldenbremse-Sekte eines gewissen Christian Lindner) habe dies zugeben müssen. Doch dann habe die FDP schnell gemerkt: Es geht ja leider gar nicht, die Sache mit der Übergewinnsteuer. "Zu ihrer Überraschung wurde sie daraufhin allerdings gefragt: Warum? (...) Nachdem die FDP sich kurz gesammelt hatte, kam sie mit einer wirklich guten, durchdachten Begründung. Die Liberalen hatten herausgefunden: Das Wort 'Übergewinn' gibt es gar nicht. Sie hätten nachgeguckt. Dieser Begriff sei ein reines Konstrukt." 
 
Die einleuchtende FDP-Argumentationskette sieht so aus: Es gebe Gewinne, klar. Auch mal mehr Gewinne. Auch mal sehr, sehr viel Mehrgewinne. Aber Übergewinne? Nein, die gebe es nicht. "Und wie, so der Schluss, solle man etwas abschöpfen, was es gar nicht gebe? Das gehe gar nicht. Woraufhin die anderen gesagt haben: Oje. Gut, dass denen das noch aufgefallen ist. Das wäre ja sonst in der Euphorie fast durchgerutscht. Und sie beschlossen, das Ganze anders zu nennen, nämlich: Zufallsgewinne."
 
Von dieser Idee waren nun sowohl Horst Evers wie auch ich begeistert. Denn wir kamen gemeinsam zum gleichen Schluss: Übergewicht? Das gibt es gar nicht! Was soll das sein? Es gibt Gewicht, klar. Auch mal mehr Gewicht. Auch mal sehr, sehr viel mehr Gewicht. Aber Übergewicht? Nee. "Ein völliges Konstrukt, dieses Wort. Kompletter Quatsch. Man hat sich da immer völlig unnötig verrückt gemacht."
 
Dass Evers und ich beide ein recht unglückliches Zufallgewicht haben, da wollen wir gar nicht groß drumherum reden. Das hat sich so ergeben, da war auch Pech dabei. Doch da kann jetzt auch keiner was dafür. - Manchmal muss man unser schrecklich netten Sprache dankbar sein, dass man sich die Dinge schönreden kann.
 
Glückauf
kdk    

Schmunzelpost 1514 vom 22. 4. 25

"Meine Studien haben mich zu der Überzeugung geführt, dass ein begabter Mensch Englisch in dreißig Stunden, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren lernen kann." Das habe nicht ich herausgefunden, sondern ein gewisser Samuel Langhorn Clemens. Er ist bei uns besser unter seinem Künstlernamen Mark Twain bekannt.
 
Nachdem ich ihn in der Schmunzelpost erst vor kurzem erneut bemüht habe, als wir uns hier mit Bandwurmsätzen beschäftigten, hole ich Mark Twain jetzt nochmals aus der Schachtel. Das heißt, nicht ihn, sondern ein Büchlein, das sein Essay "Die Schrecken der deutschen Sprache" enthält. Diese gnadenlose Abrechnung mit den Tücken unserer Grammatik und der Fülle von Regeln und Ausnahmen, die Ausländer oft beim Erlernen der Sprache verzweifeln lassen, ist ebenso scharfsinnig wie unterhaltsam.
 
Gleich zu Beginn berichtet Twain über die Mühen beim Start des Studiums: "Harris und ich hatten bereits seit mehreren Wochen hart an unserem Deutsch gearbeitet, und obwohl wir schon gute Fortschritte gemacht hatten, war uns das nur unter großen Schwierigkeiten und allerhand Verdruss gelungen, denn zwischenzeitlich waren drei unserer Lehrer verstorben. Wer nie Deutsch gelernt hat, macht sich keinen Begriff davon, wie verwirrend diese Sprache ist.
 
Es gibt ganz gewiss keine andere Sprache, die dermaßen unordentlich und unsystematisch daherkommt und sich jeglichem Zugriff auf derart schlüpfrige Art und Weise entzieht. Völlig hilflos wird man in ihr mal hierhin mal dorthin gespült, und wenn man glaubt, man habe endlich eine Regel zu fassen bekommen, die inmitten der tosenden Brandung der zehn Wortarten festen Boden zum Verschnaufen verspricht, blättert man um und liest: 'Der Schüler möge sich die folgenden Ausnahmen sorgsam einprägen.' Man überfliegt die Liste und stellt fest, dass es mehr Ausnahmen von der Regel gibt als Belege dafür. Also springt man abermals über Bord, um einem neuen Ararat hinterher zu jagen, um doch bloß wieder in Treibsand zu geraten."
 
Twains Fazit: Es liege auf der Hand, dass die deutsche Sprache zurechtgestutzt und nachgebessert werden solle. "Bliebe sie indes so, wie sie ist, sollte man sie behutsam und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen stellen, denn nur die Toten haben ausreichend Zeit, sie zu lernen."
 
Und wenn wir nicht gestorben sind, dann lernen wir immer noch.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1513 vom 21. 4. 25

Andere suchen zu Ostern versteckte Eier, ich suche skurrile Geschichten, gerne über Nebenschauplätze unseres Planeten. In der Feiertagsausgabe der Süddeutschen Zeitung bin ich auf der Panoramaseite gleich dreimal fündig geworden. Aber in einem Fall muss ich entschieden widersprechen. Die SZ berichtet über einen Vorfall, der sich "vor nicht langer Zeit jenseits des Weltgeschehens in Lünen (Kreis Unna) ereignete". Frechheit, liebe Kollegen! Für gar nicht wenige Menschen, zu denen auch der Verfasser der Schmunzelpost zählt, spielt Lünen im Weltgeschehen sogar eine zentrale Rolle. Und nicht München!
 
Dies beweist auch die Geschichte. Da betrat ein Mann in räuberischer Absicht ein Wettbüro. Dann zückte er eine Schusswaffe, bedrohte damit den Angestellten und sagte etwas wie: "Dies ist ein Überfall. Hände hoch!" Doch der Angesprochene nahm ihn überhaupt nicht zur Kenntnis und ging ungerührt weiter seiner Arbeit nach. Auch die anderen Besucher ignorierten den Räuber. Was nun? Anderswo, womöglich in Chikago, hätte die brenzlige Situation zu einem Blutbad führen können. Nicht so im Herzen Westfalens. Der schnöde missachtete Möchtegerntäter stellte trocken fest: "Klappt wohl nicht" und verließ umgehend den Ort des Geschehens. Ob er auch noch mit den Achseln gezuckt hat, ist nicht überliefert.
 
Anderswo auf der Erde - in diesem Fall wäre ich mit der Formulierung "jenseits des Weltgeschehens" durchaus einverstanden - erregte dagegen eine legale Möglichkeit an Bargeld zu kommen großes Aufsehen. Schauplatz war Tuvalu, eines der kleinsten Länder der Erde. Die Inselgruppe im Pazifik besteht aus sechs Hauptinseln und zahlreichen winzigen Atollen. Die Gesamtfläche umfasst gerade mal 26 Quadratkilometer, auf denen etwa 12.000 Menschen zuhause sind. Staatsoberhaupt ist König Charles III., obwohl Tuvalu 1978 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen wurde, weshalb jetzt Premierminister Feleti Teo das Sagen hat.
 
Davon machte er jetzt Gebrauch, um den Bürgern feierlich die neueste technische Errungenschaft zu übergeben: Den ersten Geldautomaten, der mit weiteren vier "Kollegen" künftig auch außerhalb der Banköffnungszeiten den Zugriff auf Bargeld ermöglichen soll. Teo sprach von "einer ganz neuen Ära". Der Festakt zeugt vom Vertrauen in eine Zukunft, die trotz des aufblühenden Tourismusgeschäftes in Frage gestellt ist. Denn der durch die Erderwärmung steigende Meeresspiegel bedroht die Bevölkerung, weil die meisten Inseln nur wenige Meter aus dem Ozean herausragen. Zudem macht eine zunehmende Zahl von Wirbelstürmen und Seebeben den Einwohnern das Leben schwer.
 
Vor einigen Jahren beantragte die Regierung daher für eine allmähliche Umsiedlung das Asylrecht für Neuseeland und Australien, wogegen sich die beiden Staaten jedoch noch sträuben. Nun können die Tuvaluer wenigstens mit fliegenden Fahnen und mit Bargeld bewaffnet untergehen. Wobei es noch etwas Hoffnung gibt: Manche Inseln verzeichnen durch angespülten Sand ein erhebliches Wachstum. Übrigens vernehme ich gerade, dass der Außenminister von  Fakavae Aliki-Malo i Tuvalu gegen meine geografische Zuordnung protestiert: Anders als Lünen oder Dorsten sei Tuvalu der Nabel der Welt.
 
Kein Grund sich aufzuregen. Lasst uns lieber zuschauen, wo sich jenseits des Weltgeschehens in einsamen Wäldern Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Aber nicht das Niederwild sorgt für Entspannung, sondern weit größere Tiere. Das schwedische Fernsehen überträgt noch bis zum 4. Mai 24 Stunden lang rund um die Uhr live ein ebenso spannendes wie entspannendes Naturereignis. Und Millionen Schweden verfolgen dies an ihren TV-Geräten. Die Rede ist von der Elchwanderung, die mir als NABU-Mitglied, das bisher lediglich Krötenwanderungen kannte, völlig unbekannt war. Um den Zug der Elche in ihre Sommerreviere zu beobachten, wurden in der Wildnis 33 Kameras installiert. Auch eine Drohne ist im Einsatz.
 
Werfen wir mal einen Blick auf die Übertragung. Hmm, ein lichter Wald, von Sonnenlicht durchflutet. Aber kein Elch weit und breit. Ein zweiter Blick auf einen anderen Schauplatz. Ein dunkler Fluss mit schneebedecktem Ufer. Sonst nichts los. Ein dritter Blick: Endlich Action, es knackt im Tannendickicht, die Zweige teilen sich, etwas schießt auf die Kamera zu - ach, bloß ein krächzender Rabe. Inzwischen bin ich schon mächtig entspannt. Und da, beim 1513. Blick, da trabt er gemächlich über den moosbewachsenen Boden durchs Bild, der Elch. Und jetzt dreht er sogar sein Haupt zur Kamera. Was hat er denn da im Maul? Ein Schild mit einer Aufschrift. Etwa Werbung für Ikea? Nein. Da steht: "Du guckst mitten ins Weltgeschehen, Du Ent-Spanner!" 

 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1512 vom 20. 4. 25

Ei, ei, was ist denn heute bei Euch los? Habt Ihr den Ostergottesdienst besucht? Oder doch eher einem der anderen Osterbräuche gefrönt: Eier bunt bemalen und sie zusammen mit Schokoladeneiern für Kinder und Enkel verstecken, Eier ausblasen, Sträuche dekorieren oder putzige Osterhasen ausstellen? Oder sich rund um ein Osterfeuer versammeln? Kann man alles machen, muss man aber nicht. Stattdessen könnten wir auch einen Brauch übernehmen, der traditionell an Ostern in anderen Ländern gepflegt wird.
 
Zum Beispiel das Heringsbegräbnis in Irland. Die strengen Katholiken auf der grünen Insel hielten sich nämlich lange eisern an die Gebote der Fastenzeit. Was dazu führte, dass ihnen Fisch irgendwann zum Halse heraushing. Deshalb wurde der Hering symbolisch an Ostern zu Grabe getragen und danach die Metzgerei gestürmt.
 
Ja, ist denn schon wieder Silvester? Auf diesen Gedanken könnten über Ostern Besucher der griechischen Insel Chios kommen. Dort werden zwei Kirchen durch ein Tal getrennt. Und in der Nacht zum Ostersonntag beschießen sich die beiden Gemeinden gegenseitig mit Tausenden von selbstgebastelten Raketen. Dieser Brauch resultiert noch aus der Zeit, als die Osmanen in Griechenland herrschten. Sie hatten das Osterfest verboten, und auf Chios sollten die Besatzer durch das Spektakel am Himmel erschreckt glauben, ein Befreiungskrieg sei ausgebrochen.
 
In Australien hingegen ist der Osterhase verpönt. Die eingeschleppten Kaninchen haben ihn in Misskredit gebracht. Damit die Kinder aber nicht auf versteckte Eier verzichten müssen, lässt man diese offiziell von einem heimischen Tier verteilen - dem Bilby, das ist ein Kaninchennasenbeutler. Und Schokoladen-Bilbys haben die australischen Kleinen natürlich auch zum Fressen gern.
 
In Polen wird der Spaziergang am Ostermontag regelmäßig zu einer feuchten Angelegenheit. Dann sollte man selbst bei strahlendem Sonnenschein nicht auf eine Regenjacke verzichten. Denn an diesem Tag sind Wasserschlachten angesagt, egal, ob mit Spritzpistolen oder aus Wassereimern. Der Brauch geht bis ins Jahr 966 zurück, als sich der damalige polnische Regent taufen ließ und damit auch alle Untertanen zum Christentum bekehrte.
 
Und in den USA hat der White House Easter Egg Roll eine lange Tradition. Am Ostermontag lädt der Präsident amerikanische Kinder zu einem Wettbewerb auf einer Wiese vor dem Weißen Haus ein. Es gewinnt das Kind, das als Erstes ein hartgekochtes Ei mit einem Löffel über eine bestimmte Strecke ins Ziel gerollt hat. Wäre schön, wenn dieses Jahr noch ein paar faule Eier übrig sind, um den amtierenden Amtsinhaber damit zu bewerfen.
 
Egal, welchen Brauch Ihr bevorzugt, ich wünsche Euch schöne Ostertage!
 
Glückauf
kdk  

 
 

Schmunzelpost 1511 vom 19. 4. 25

Welcher Tag eignet sich als "Tag des Schmerzes" besser als der Karfreitag? Da finden sich im Jahreskalender keine brauchbaren Alternativen. Und so habe ich termingerecht wahrhaftig einen besonders schmerzhaften Tag erlebt. Nein, Schalke hatte spielfrei und konnte mich weder durch eine Niederlage noch durch grausames Gekicke quälen. Dafür feiert aber gerade eine Geißel ihr Comeback, die mich zwischen dem 35. und 60. Lebensjahr jahrzehntelang malträtiert hat.
 
Ich zähle zu den chronisch Schmerzkranken. Nach langer vergeblicher Ursachenforschung kamen die Mediziner dahinter, dass ich mir als Folge einer chronischen Nebenhöhlenentzündung eine Trigeminus Allergie eingefangen hatte. Die piesackte mich in unregelmäßigen Abständen mal wochen-, mal monatelang. In diesen Phasen konnte ich nur unter starken Schmerzen essen und sprechen. Mit zunehmendem Alter ließen die Beschwerden jedoch nach und traten bloß noch sporadisch auf, kaum länger als eine Woche. Doch seit Januar hat mich der Nerv wieder voll am Wickel, mal stärker, mal schwächer.
 
Tagsüber kann ich mich ablenken, da ist es einigermaßen auszuhalten. Doch die Nächte sind übel. Alle paar Sekunden durchzuckt mich ein Schmerz, mal wie ein Nadelstich, mal brennend und mal wie ein Stromstoß. Das verhindert das Einschlafen, zumal der Körper in den Alarmmodus schaltet. Die letzten Nächte mit Karfreitag als Höhepunkt war es so heftig, dass mir nichts anderes übrig blieb als aufzustehen, herum zu gehen und mich schließlich in einen Sessel zu setzen, um zu lesen. Mit dem Hintergedanken, dass mir dann irgendwann schon die Augen zufallen würden. Wobei es bei den intensivsten Schmerzattacken schwer fällt, sich auf den Buchinhalt zu konzentrieren.
 
Als Trost dient die Erfahrung, dass der Nerv irgendwann Ruhe gibt, wenn er sich genügend ausgetobt hat. Eine neue Runde in den Wartezimmern erspare ich mir, weil ich alle medizinischen Sparten bereits mehrfach durchprobiert habe. Und die einzigen Schmerzmittel, die helfen könnten, sind solche Hämmer, dass ich wegen der Nebenwirkungen lieber darauf verzichte. Was aber halbwegs funktioniert, sind humorhaltige Texte. Offenbar sprechen sie Gehirnregionen an, die lindernde Botenstoffe aussenden. Jetzt kann ich es erst richtig nachvollziehen: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
 
Wenn Euch also mal ein Wehwehchen plagt, habe ich für den Sofort-Bedarf ein paar Witze über Schmerzen ausgegraben. "Herr Doktor, wenn ich auf den Kopf drücke, tut's weh. Wenn ich auf's Bein drücke, tut's ebenfalls weh und wenn ich mir auf den Bauch drücke, tut's auch weh." "Tja, da haben Sie sich wohl den Finger gebrochen." 

Weh tut auch dieser: Kommt ein Stummer zum Arzt und schreibt auf die mitgebrachte Tafel: "Ich kann nicht sprechen. Lässt sich nichts dagegen tun?" "Doch, doch, strecken Sie mal Ihre Hand aus." Der Arzt schlägt seinem Patienten kräftig mit einem Hammer auf den Daumen. "Aaaaaaaaaah!" "Na, prima. Kommen Sie morgen wieder, dann üben wir das B."
 
Immer noch Schmerzen? Dann braucht es eine längere Behandlung mit erhöhter Dosis: Ein Ehepaar kommt in die Klinik. Bei der schwangeren Frau steht die Geburt unmittelbar bevor. Sagt der Mann zum Chefarzt: "Ich habe gehört, Sie besitzen ein neues Gerät, das den Wehenschmerz lindern kann." "Das stimmt. Aber das Verfahren ist riskant. Dieser Apparat überträgt einen Teil der Schmerzen auf den Vater. Wollen Sie das wirklich auf sich nehmen? Männer sind viel schmerzempfindlicher als Frauen." "Wenn das meiner Frau hilft, will ich das tun." "Gut, gut. Aber wir erhöhen das Pensum nur stufenweise." Bei der ersten Wehe werden zehn Prozent des Schmerzes an den Mann weitergeleitet. "Nö, ich merke nichts, Sie können ruhig mehr auf mich übertragen." Der Arzt stellt die Skala auf 50 Prozent. Der Ehemann zeigt keine Reaktionen, auch sein Blutdruck bleibt normal. "Sie sind ein Phänomen, dann kann ich auch die kompletten Schmerzen auf Sie übertragen." So verläuft die Geburt komplikationslos, das Kind ist gesund und sowohl die Frau wie der Mann sind begeistert, weil sie fast schmerzfrei blieben.
Doch als das Ehepaar aus der Klinik heimkommt, liegt der Briefträger mit schmerzverzerrtem Gesicht tot vor der Wohnungstür.
 
Aua, aua.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Für eine fortgesetzte Behandlung ganz ohne Nebenwirkungen empfehlen Ärzte und Apothekerinnen das Studium der Website krauseszeug.de. Dort können mittlerweile die Schmunzelpost-Folgen eines ganzen Jahres nachgelesen werden.   

 

Schmunzelpost 1510 vom 18. 4. 25

Gestern konnte ich mal wieder einem Selbstgespräch meines betagten Nachbarn Herrn K. lauschen. Er stand auf dem Balkon und hielt vergeblich nach Regenwolken Ausschau.
 
"Mensch, Karl, gezz habbich abba die Faxen dicke! Tach für Tach heißt et, et würde endlich ma wieda richtich plästern. Undann gibt dat höchstens ein paa Tröpkes. Abba nich nur die Wetterfritzen ham doch'n Rad ab. Hömma, Karl, gezz is doch Ostern. Ja, ja, da staunze, gezz weisse auch, warum Du vorhin umsonz anne Tür vonnem Suppamakt gerüttelt hass - heute is Karfreitach! Tja, für uns Rentner is ebend jeden Tach ein Feiertach, da verliersse schoma die Übasicht. Abba früha, auffe Maloche, da war'n wir doch für jeden Feiertach froh! Da konntse ma die Füße hoch legen und watt für Dein Pilsfriedhof tun.
 
Un gezz kommense aus dat Loch gekrochen und woll'n schon wieda ein Feiertach streichen! 'Au, au, wir ham 'ne dicke Krise! Un da komm'n wa nur raus, wenn die Producktität, äh, die Profittät erhöht wird, also wenn alle noch ein Tach mehr Abeiten tun. Ker, Karl, dat is doch Volksveräppelung! Genau wie dat Teata um die Affganistan-Flüge. Wat guckse so dumm ausse Wäsche? Ich erklär Dich datt. Schließlich bin ich in unse Famillje der Einzichste, der richtich Deutsch kann. Also, wie damals die Tallibann wie'n geölten Blitz an die Macht gekommen warn, da konnten alle, die für uns malocht und uns vertraut ham, nich mehr wech. Un se hatten 'n Mordsbammel, datt die Gotteskriega ihn ande Gurgel wollten. Da ham alle bei uns geschrien: 'Nä, so geht datt nich! Wir müssen unsere Leute ihr Leben retten und sie nach Deutschland holen.'
 
Gezz war'n abba unter die Million Affganen, die datt auch so geschafft ham, ein, zwei durchgeknallte Mörder. Sowatt kommt inne beste Famillje vor, soll et bei uns Deutsche auch geben. Un weil die schwatten Schafe Blut von Unschuldige vergossen ham, schrein gezz die CDU, die CSU und die AfD zusamm mit die Blöd-Zeitung: 'Stoppt sofort die Flüge aus Affganistan!' Obwohl alle Pateien doch ihr Wort gegeben ham, datt die paar Hundert gerettet werden müssen. Und obwohl vier Behörden vorher genau prüfen tun, datt datt auch die Richtigen sind. Darum dauert datt auch so lange. Abba getz wolln se die den Schlächtern überlassen. Mann, die ham doch einen anne Klatsche, da krich ich sonn Halz!
 
Watt sachse, Karl? Oppich feddich bin? Feddich ist nich feddich, wenn Du sachs feddich. Feddich is feddich, wenn ich sach feddich. Feddich! Komm, lass uns ein löten. Vielleicht fängt datt dann auch an zu pleddern. Und der Herr schmeisst Hirn vom Himmel, datt unsre Affganen nich im Regen stehn." 

 
Glückauf
kdk    


Schmunzelpost 1509 vom 17. 4. 25

Die SP-Hühnertage enden heute mit einem Beitrag über Wuserl, Bibberle, Kippchen, Schüpplein oder Pussile. Das alles sind im deutschsprachigen Raum, zwischen Vorpommern und Südtirol, Bezeichnungen für Hühnerküken. Wenn sie nach drei Wochen Brutzeit aus dem Ei schlüpfen, kümmert sich ihre Mutter, die Glucke, acht Wochen lang liebevoll um ihren Nachwuchs. Nach einer kurzen Anleitung versorgen sich die Küken vom ersten Tag an selbst mit Futter. Und gibt die Glucke einen bestimmten Warnlaut von sich, dann verstecken die Kleinen sich sofort und warten reglos auf die Entwarnung. Falls ein Raubvogel im Anflug war, stellt sich das Muttertier heldenhaft der Bedrohung, obwohl es in der Regel keine Chance hat. Der Hahn dagegen beobachtet das Geschehen lieber aus sicherer Entfernung.
 
Der Kükenflaum ist längst nicht in allen Fällen hellgelb, wie dies in menschlichen Darstellungen bevorzugt wird. Die Frischgeschlüpften können auch ein rotes, braunes oder schwarzes Federkleid besitzen, mitunter sind sie auch gescheckt. Nach wenigen Tagen beginnt die erste Mauser, und danach sprießt bereits allmählich das Erwachsenengefieder. Nach acht Tagen wird auch klar, ob es sich um ein Männlein oder ein Weiblein handelt. Die Knäblein haben bis auf ganz wenige Ausnahmen keine Chance das Halbstarken-Alter zu erreichen. Sie können keine Eier legen und sind auch für die Mast ungeeignet, was ihr Todesurteil bedeutet. 
 
Nur die jungen Hennen haben eine größere Lebenserwartung. Mit dem ersten Lebensjahr erreichen sie die volle "Legereife" und produzieren dann 250 bis 300 Eier im Jahr. Haushühner können, falls keine vorzeitige Schlachtung dazwischen kommt, durchaus sieben Jahre alt werden, in Ausnahmen sogar neun. Je nach Art unterscheiden sie sich in Größe und Gewicht. Zwerghühner bringen bloß 250 Gramm auf die Waage, die größten Hühner können sogar zehn Kilo wiegen. Und das brasilianische Riesenhuhn wird einen Meter groß!
 
Davon sind die frischgeschlüpften, nur 40 Gramm schweren Küken noch weit entfernt. Aber sie wachsen und lernen in Rekordzeit. Hühner, selbst Küken, sind alles andere als blöd. Wetten, dass sie sogar schlauer sind als Menschen? Das gilt zumindest für die ersten beiden Lebensjahre. Hühnerküken haben bereits im Alter von drei Tagen eine mentale Vorstellung von Objekten. Und sie können rechnen! Bei einem Test wurden vier Futterkapseln rechts und eine links platziert. Dann nahm jemand vor den Augen der Küken rechts zwei Kapseln weg und legte sie zur linken. Und jetzt ratet mal, wohin alle Küken zielstrebig tippelten. . .
 
Die Chance zum Lernen haben jedoch nur fünf Prozent aller Hühner. Bei 95 Prozent von ihnen handelt es sich um Hybriden, die in Brutkästen aus dem Ei schlüpfen. Die Masthähnchen haben dann noch eine Lebenserwartung von ca. acht Wochen, bis sie schlachtreif sind. Die Legehühner bringen es in der Regel auf gut zwei Jahre, bis ihre Legeleistung merklich sinkt. Mast- und Legehybride werden weltweit von lediglich drei Konzernen gezüchtet und vermarktet. Die 180 Arten des Rassegeflügels entwickelten sich durch private Züchtungen.
 
So, damit genug vom Gallus gallus domesticus. Bleibt noch zu klären, woher die Redensart "Da lachen ja die Hühner" kommt. Ich kenne zwar nicht die Urheber, aber die Bedeutung. In völliger Verkennung der Tatsache, dass es sich um eigentlich recht intelligente Tiere handelt, wird unterstellt, dass etwas absolut lächerlich und blöd sein muss, wenn selbst "dumme Hühner" dies merken und darüber lachen. Und falls Ihr geglaubt habt, dass es Blödsinn war, als an dieser Stelle von krähenden Hennen gesprochen wurde: Wenn sich bei Hennen während einer Legepause der Hormonhaushalt ändert, dann können sie tatsächlich krähen! Wer zuletzt lacht, kräht am besten.
 
Glückauf
kdk    

 
PS. Eierspeisen können mitunter unerwartete Nebenwirkungen haben. So hat die entsprechende Schmunzelpost ihren Leser Dirk motiviert, einmal aus Rhade auf den nationalen Hühnerstall zu blicken.

Ach du dickes Ei … 

Das, was uns die künftigen Koalitionäre CDU/CSU und SPD ins Nest gelegt haben, wiegt schwer. Der Koalitionsvertrag war eine komplizierte, aber letztlich erfolgreiche Geburt. Erstaunlich ist, dass die Beratungen ohne lautes Gegacker, sonst beim Eierlegen unüberhörbar, möglich waren. Als aber die Taufe, also die öffentliche Präsentation der Vereinbarung noch nicht ganz abgeschlossen war, besetzten sofort Kampfhähne auf allen Seiten die öffentliche Bühne. Da wird aufgeplustert und mit schwellendem Kamm auf dem politischen Konkurrenten rumgehackt, um deutlich zu machen, wer auf dem Hof das Sagen hat und wer Federn lassen muss. Irritiert reiben sich die Verbraucher die Augen. Wohlwissend, dass Unruhe im Stall immer mit reduzierter Produktion und höheren Preisen einhergeht. Die Zeit, als noch goldene Eier gelegt werden konnten, ist vorbei. Nur mit Kraftfutter, das den Namen Sondervermögen trägt, können wir unseren bisherigen Spitzenplatz auf dem globalen Markt zurückgewinnen. Voraussetzung, die neuen Hofbesitzer auf Zeit arbeiten geräuschlos zusammen und verweigern besonders den wilden Hähnen größeren Platz im Gehege. Sie haben unsere Unterstützung verdient. Es sind nämlich nicht blinde Hühner, die mal ein Korn finden, sondern verantwortungsvolle Politiker, die verstanden haben. Ein Feuer im Stall, durch Brandstifter verursacht, könnte das Aus für das demokratische Unternehmen Deutschland bedeuteten. Aktuell entscheiden 350.000 SPD-Mitglieder darüber, ob der neue Legebetrieb seine Arbeit aufnehmen kann. Verantwortung pur!
 

Schmunzelpost 1508 vom 16. 4. 25

Heute geht es erneut um Hühner. Vernehme ich da ein abfälliges Schnaufen? Ausgerechnet von Leuten, die jeden Morgen Wert auf ihr Frühstücksei legen? Und die auch Rühreiern oder Spiegeleiern nicht abgeneigt sind? Ganz abgesehen von einer kräftigenden Hühnersuppe oder einem knusprigen Grillhähnchen? Damit das klar ist: Es gibt auf der Welt dreimal so viele Hühner wie Menschen, mehr als 20 Milliarden. Und würden wir nicht dauernd Unmengen von ihnen verzehren, wäre bald der ganze Globus ein Hühnerstall: Jedes Jahr werden 45 Milliarden Hühner geschlachtet!
 
Ja, der Trend verlagert sich von Schwein und Rind immer mehr auf Geflügel. Hühnerhaltung ist längst zu einer Industrie geworden, kaum ein anderes verwertbares Tier lässt sich derart schnell reproduzieren. Das war mal ganz anders. Sogar noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in den USA. Als die Vereinigten Staaten 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, galt dort überall das Motto: Alles Schweine- und Rindfleisch für unsere Truppen und deren Verbündete. Echte Amerikaner sollten sich vorrangig mit Eiern begnügen: "Uncle Sam expects you to keep hens and raise chicken."
 
Eine Aufzucht von Masthühnern gab es da noch nicht, lediglich ausgelaugte Hennen dienten als Suppenhuhn. Das änderte sich jedoch rasant in den 1920er Jahren. Schon 1926 wurde die Millionengrenze überschritten, wenig später gab es bereits sieben Millionen Masthühner. Und im Zweiten Weltkrieg, als das Schweine- und Rindfleisch erneut für die Stärkung der Soldaten gebraucht wurde, war zur Ernährung der einheimischen Bevölkerung nochmals die Mast von Hähnchen massiv ausgeweitet worden.
 
Parallel dazu verlief die Entwicklung von Impfstoffen, Vitaminpräparaten und Antibiotika. Denn die ganzjährige Stallhaltung einer so großen Anzahl von Tieren hatte wortwörtlich ihre Schattenseiten. Unter anderem fehlte es den Hühnern durch den Sonnenlicht-Mangel an Vitamin D. So teilten viele Hühner bis in die 1960er Jahre das grausame Schicksal von Millionen Menschenkindern: Sie mussten täglich einen Löffel Lebertran schlucken! Auf dieser Grundlage entstand die moderne Geflügelindustrie.
 
Zu der Zeit stellten sich Vertreter von Industrie und Wissenschaft selbstbewusst vor Mikrofone und rechtfertigten stolz ihre schöpferischen Leistungen. Siegfried Scholltyssek vom Institut für Tierzuchtlehre formulierte das so: "Hühner kennen viele nur auf Rasenflächen oder Misthaufen. Ob sie aber auf dem Misthaufen, bei zwangsläufiger Berührung mit den Jauche-Rinnen, mit verschmutzten Ställen und windigen Hofecken oder brüchigen Hühnerleitern, besser aufgehoben sind, als in einem klimatisierten Stall, das wird hiermit bestritten. (...) Der Mensch hat den Schöpfungsbefehl, sich das Tierreich untertan zu machen. Und ohne Leistungsverbesserungen in der Landwirtschaft, also in der gesamten tierischen Produktion, hätte sich die Menschheit schon länger selber verzehrt."
 
Es dauerte bis zum 13. November 1973, bis in Deutschland endlich jemand öffentlichkeitswirksam die Qualen der Massentierhaltung vor Augen führte. Dieses Verdienst ist Bernhard Grzimek zuzuschreiben, dem Tierprofessor der Nation, der sich in seinem TV-Klassiker "Ein Platz für Tiere" sonst vorrangig mit Exoten aus dem Zoo oder der afrikanischen Serengeti befasste. Diesmal stellte er aber schonungslos die Missstände in den riesigen Legefabriken, den Hühnersilos mit Drahtkäfigen und ihren oft kranken, federlosen Kreaturen an den Pranger. Grzimek setzte damit etwas in Gang, ein zähes Ringen, das Jahrzehnte brauchte, um gegen die Interessen der Futtermittel- und Agrarindustrie die schlimmsten Auswüchse zu beseitigen. Auch dem Massenschreddern männlicher Küken soll, wie zu lesen ist, bald endlich mithilfe der Genforschung ein Ende bereitet werden.
 
Ach, es ist zum Heulen, was Menschen anderen Lebewesen wie auch ihren Artgenossen antun. Da dies aber keine Tränen- sondern eine Schmunzelpost ist, schauen wir abschließend noch darauf, zu was menschliche Fantasie bei der Namensgebung imstande ist. Hier folgt ein kleiner Auszug aus der Liste der Hühnerrassen: Im Erzgebirge haust das Annaberger Haubenstrupphuhn. Dagegen finden wir um die Ecke im Bergischen Land den Bergischen Schlotterkamm. Das Deutsche Reichshuhn ist im ganzen Land verbreitet, vermutlich innerhalb der Grenzen von 1937 und mit braunem Gefieder.

Der Kraienkopp kräht in den Niederlanden und der Mechelner Putenkopf in Belgien. Das Nackthals-Huhn zeigt seine Blöße in Österreich-Ungarn. Wo der Polnische Grünfüßler durchs Land schreitet, ist seinem Namen zu entnehmen. Und Satsumadoris gackern in Japan. Die Valenzianer sind in Spanien daheim und der Vietnamesische Kämpfer treibt sich in ganz Europa herum. Zum Gruseln finde ich den Westfälischen Totleger. Und warum man eine Hühnerrasse Ostfriesische Möwen getauft hat, wird wohl das Geheimnis der Züchter bleiben.

 
Ich für meinen Teil bin heilfroh, dass in der Liste wenigstens kein Krauser Kahlkopf auftaucht.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1507 vom 15. 4. 25

Vor zwei Tagen war eine komplette Schmunzelpost dem Huhn gewidmet. Dagegen protestierte umgehend der Gleichstellungsbeauftragte der Personengesellschaft "Krauses Zeug": "Ohne Hähne keine Eier! Hier sind wieder einmal die Belange der Männer deutlich zu kurz gekommen!" Möglicherweise war dies auch eine Reaktion darauf, dass der frühere Tintenhahn jahrelang ohne zu Mucken unter dem Etikett "Tintenhuhn" gelitten hat.

 
Fakt ist, dass der römische Gelehrte Claudius Aelianus bereits früh vermutete, welcher Ahnenreihe der Hahn entstammt und was ihn von der gewöhnlichen Henne unterscheidet: "Auch unter den vernunftlosen Thieren scheint die Natur dem männlichen Geschlechte den Vorzug zu geben. Der männliche Drache hat einen Kamm und einen dichten Bart; auch der Hahn hat einen Kamm und auch einen Bart." In der Tat: Als Wissenschaftler 2003 die Gene aus den Knochen eines vor 68 Millionen Jahren gestorbenen Tyrannosaurus Rex mit denen von heute lebenden Tieren verglichen, gab es ein überraschendes Ergebnis. Nicht Eidechsen oder Alligatoren wiesen die größten Übereinstimmungen auf, sondern Haushühner. Der Hahn ist der nächste noch lebende Verwandte des Raubsauriers!
 
Vielleicht trug ihm das bei der Annäherung an den Menschen seine hervorgehobene Rolle ein. Hühnervögel gelten unter den Haustieren als letzte Gruppe, die domestiziert wurde. Das geschah erst vor rund 3500 Jahren. Und lange Zeit wurden die Einwanderer aus Asien gar nicht als Eier- und Fleischlieferanten betrachtet, sondern als exotische Vögel, die man verehrte und nicht verzehrte. Aus vorchristlicher Zeit wurde sogar in England das Skelett einer Henne gefunden, deren gebrochenes Bein geschient worden war und danach wieder verheilte.
 
Vor allem jedoch dem Hahn trauten die Menschen allerhand zu. Dem Buch Hiob im Alten Testament der Bibel ist zu entnehmen, dass das Volk annahm, der Hahn könne Regen vorhersagen. Und in den Sprüchen Salomons wird er zu den drei wehrhaftesten und stolzesten Tieren gezählt: Der Löwe, der Widder und der stolze Hahn. Im Neuen Testament mutierte der Hahn auch noch zum Lügendetektor. Denn dort prophezeite Jesus seinem Jünger Petrus, dass dieser ihn dreimal verleugnen würde, bevor der Hahn zweimal krähte. So kam es auch. Und deshalb ziert der Hahn heute als Mahnung zum Glauben die Spitzen vieler Kirchtürme.
 
Doch ein Hahn ist keine Friedenstaube. Lange, bevor sie als Speise dienten, wurden die kräftigsten und wildesten Tiere bereits als Kampfhähne in die Arena geschickt. Zunächst in Persien, Griechenland und im römischen Reich, später 2000 Jahre lang in England und heute noch in Süd- und Mittelamerika. Die Griechen hatten übrigens eine eigene Theorie, woher die Hähne kommen. Danach sollte einst ein gewisser Alektryon bei einem Stelldichein von Kriegsgott Ares und der Liebesgöttin Aphrodite Wache stehen. Leider schlief Alektryon beim Morgengrauen ein, und der Sonnengott Helios überraschte seine Gemahlin Aphrodite bei ihrem Seitensprung. Zur Strafe verwandelte Ares die Schlafmütze in einen Hahn, damit er nie mehr vergisst, den Sonnenaufgang anzukündigen. 
 
Das hat ja auch bis heute ganz gut funktioniert. Und weil der Hahn das Ende der Nacht verkündet, gilt er in der heiligen Schrift der Zoroaster als Verbündeter der guten göttlichen Kräfte, zumal er die Dämonen vom Haus fernhält. Erdreistet sich jedoch eine Henne zu krähen, dann gilt dies als schlechtes Omen, das Unheil heraufbeschwört.
 
Was lernen wir daraus? Liebe Leserinnen, überlasst das laute Krähen bitte künftig den Männern und beschränkt Euch auf beifälliges Gackern. Was auf dem Hühnerhof klappt, könnte auch in menschlichen Haushalten funktionieren. Und sich auszahlen. Schließlich heißt es: "Ein guter Hahn wird selten fett." Und dann ist er sogar 24mal hintereinander zum Geschlechtsakt fähig. . .
 
Glückauf
kdk  


Schmunzelpost 1506 vom 14. 4. 25

Eigentlich wollte ich heute meine vorösterliche Berichterstattung über eierproduzierendes Geflügel fortsetzen. Aber mir ist gestern etwas dazwischen gekommen. Und das hat nichts mit Protagonisten zu tun, die sich in ein Federkleid hüllen, sondern mit solchen, die mit Vorliebe ein Fell tragen. 
 
Wie Ihr wisst, sind bei uns inzwischen zwei Kater zuhause. Milly, der Weiße (mit ein paar schwarzen Tupfen) und Leopold, der Rote. Abgesehen von kleineren Reibereien vertragen sich die beiden mittlerweile ganz gut, wenn sie sich nicht zu nahe kommen und sich keiner am Futternapf des anderen vergreift. Gestern morgen hörten wir zu dritt Musik, als durch die geöffnete Terrassentür plötzlich ein schwarzer Kater um die Ecke schaute und Anstalten machte, den Raum zu betreten. 
 
Das gefiel Leo jedoch gar nicht. Er plusterte sich auf und marschierte auf den Eindringling zu. Einen Meter vor ihm blieb er sitzen, und die beiden begannen, ihren Katergesang anzustimmen. Das ist ein bewährtes Katzen-Rezept, um Pfotengreiflichkeiten zu vermeiden: Abschreckung durch Akustik! Dadurch fühlte sich Milly, der Weiße, animiert. Er machte das kreischende Dreieck komplett und fügte seine Kriegshymne dem Crescendo infernale hinzu. Das gestaltete das Konzert nicht harmonischer, aber deutlich lauter. 
 
Da der Schwarze jedoch nicht weichen wollte, rückte Leopold näher an ihn heran, und eine Keilerei schien unvermeidlich. Das musste verhindert werden! Also schritt ich beherzt ein und stellte mich zwischen die beiden Raufbolde. Was dazu führte, dass Leopolds Prankenhiebe an meinem rechten Hosenbein landeten und die Krallen seines schwarzen Widersachers sich in mein linkes Hosenbein gruben. Glücklicherweise hatten die zwei Kontrahenten dadurch offenbar ihren Frust abreagiert, wandten sich ab und gingen woanders ihren Geschäften nach. 
 
Was lernen wir daraus? Häufig sind es ausgerechnet die Friedensstifter, die als Prügelknaben dienen müssen. Aber wenn dadurch Schlimmeres verhindert wird, ertragen sie es mannhaft. Und morgen erzähle ich Euch etwas über echte Kampfhähne. 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1505 vom 13. 4. 25

Noch eine Woche, dann ist Ostern. In diesem Zusammenhang habe ich eine betrübliche Nachricht für Euch. Nein, dass die Eier dann nicht vom Osterhasen gebracht werden, das vermutet Ihr womöglich schon länger. Aber in diesem Jahr kann es passieren, dass der gesamte Eiermarkt an den Tagen zuvor leergefegt ist. Die Amerikaner kaufen derzeit wie wild alles, was die Hühner dieser Welt hergeben können. Es war kein Zufall, dass ausgerechnet Eierland, Entenhausen und Gänsefurt auf der Zolllandkarte des Wüterichs aus dem Weißen Haus fehlten, während er sogar die Pinguin-Inselgruppe mit einem 50-Prozent-Aufschlag bedacht hatte - D. T. mag wohl keine tiefgefrosteten Eier. 
 
Die Hühner der Welt haben das gelassen zur Kenntnis genommen und hatten ein paar Stunden was zu gackern. Es ist nämlich ein fatales Vorurteil, dass Hühner dumm sein sollen. Spätestens auf der gestrigen Kinderseite der Ruhr Nachrichten wurden die Leser eines Besseren belehrt. Dort erfuhren sie unter anderem, dass Hühner sich mit etwa 30 verschiedenen Lauten untereinander verständigen. Je nach Anlass zischen sie und kollern, gakeln und krähen, girren und gurren. 

 Aber auch andere Sinne des Huhns sind recht hoch entwickelt. So verfügen sie über ein hervorragendes Sehvermögen. Sie besitzen nicht nur wie wir die drei Rezeptoren für die Wahrnehmung von Rot, Grün und Blau, sie haben auch noch einen vierten für Violett, der bis in den ultravioletten Bereich hinein reicht. Außerdem hilft ihnen ein Doppelrezeptor, Bewegungen schneller wahrzunehmen.  Ihre Augen vermögen 150 bis 200 Bilder pro Sekunde zu erkennen, wir Menschen schaffen gerade mal 16 bis 23. Ein Kinofilm ist für Hühner also bloß eine langweilige Aneinanderreihung von Standbildern. Auch beim Riechen und beim Hören sind Hühner uns überlegen. Zwar kann ein Huhn keine hohen Töne wahrnehmen, dafür aber tiefe Vibrationen aus dem Infraschallbereich. 
 
Urahn aller Rassen ist das Bankivahuhn, das heute noch im Dschungel von Südostasien lebt. Doch in den 3500 Jahren, in denen der Mensch Cornelia Funkes wilde Hühner in Haushühner verwandelte, wurden rund 700 verschiedene Rassen gezüchtet. Das führte mitunter zu grotesken Auswüchsen. Daraus resultierte das Sprichwort: "Wer zugrunde gehen will und weiß nicht wie, der halte sich viel Federvieh." Denn nach dem Tulpenfieber in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts und lange vor dem Immobilienfieber im 21. Jahrhundert platzte Mitte des 19. Jahrhunderts an den Börsen eine andere Blase, das Hühnerfieber. 
 
Ausgelöst wurde es durch Queen Victoria, die sich so an den von Seefahrern aus China mitgebrachten Hühnern erfreute, dass sie sich eine Voliere mit den zutraulichen Vögeln anlegte, um sie stundenlang zu beobachten. Durch Berichte in Gesellschaftsblättern verbreitete sich die Vorliebe für Rassegeflügel rasch in Großbritannien und den USA. Bei einer Geflügelschau in Boston bestaunten 1849 Zehntausende von Besuchern die ausgestellten Tiere. Und das wohlhabende Publikum aus Ärzten, Rechtsanwälten und Kaufleuten wollte plötzlich Hühner als Luxusgut besitzen und damit spekulieren. Für ein einziges Huhn wurden umgerechnet bis zu 2000 Euro bezahlt, für ein einzelnes Brutei 30 Euro. 
 
1855 war der Markt mit überteuertem Rassegeflügel dann total übersättigt und die Blase platzte. George P. Burnham zitierte einen Bankrotteur: "Wir können sie nicht loswerden, diese Vögel! Es ist nutzlos zu versuchen, sie zu verkaufen; du kannst sie nicht weggeben, niemand wird sie nehmen. Du kannst sie nicht verhungern lassen, denn dann werden sie wild und gefährlich und treten die stärkste Schranktür ein. Und du kannst sie nicht töten, denn sie sind hart wie Nashörner und zäh wie Katzen." 
 
Und so retteten sich die Hühner zwar bis in unsere Gegenwart, wurden zur Strafe aber oft in grausame Legebatterien eingesperrt, wo sie gemeinsam ihr Klagelied singen: "Ich lege jeden Tag ein Ei und sonntags manchmal sogar zwei!" Das wiederum bringt uns gegenüber den von der Vogelgrippe gebeutelten Amerikanern in eine komfortable Lage. Wir sollten die Gunst der Stunde nutzen und den USA drohen: "Wenn Ihr nicht für die nächsten vier Jahre auf alle neuen Zölle verzichtet, dann belegen wir jedes Ei mit einem Strafzoll von 250 Prozent!" Und 2029 kräht nach dem Ober-Gockel in Washington hoffentlich sowieso kein Hahn mehr. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1504 vom 12. 4. 25

Woran erkennt Ihr, dass Euer Wort zählt und Ihr wirklich etwas zu sagen habt? Wenn Ihr mühelos dafür sorgen könnt, dass im ganzen Land mehr Wasser in die Leitungen gespeist und mit höherem Druck durchs Rohrsystem gespült wird, nur, weil Ihr meint, dass Ihr Euch so besser das Haupthaar waschen könnt. Und die US-Regierungssprecherin gibt dazu auch noch ernsthaft eine Parole heraus, die eigentlich Aufgabe der Satiriker gewesen wäre: "Make America's showers great again!"
 
Dass dem Komiker im Weißen Haus seine Haare besonders wichtig sind, haben wir schon länger vermutet. Aber dass dies sogar, nochmal die Pressestelle des Präsidenten, zu einem  "Obama-Biden-Krieg um den Wasserdruck" geführt hat, war mir neu. Wahrscheinlich will da jemand beweisen, dass er tatsächlich einen Krieg in weniger als 24 Stunden mit einem Machtwort beenden kann. Wenn schon nicht in der Ukraine, dann wenigstens in den amerikanischen Badezimmern.
 
Dabei war die von Barack Obama und Joe Biden aus Umweltschutzgründen verhängte Mengen-Beschränkung sinnvoll. In einem Land, in dem das Trinkwasser immer knapper wird und einer Zeit, in der Energiesparen groß geschrieben wird, sollte man verantwortungsvoll mit solchen Ressourcen umgehen. Doch dass dies nicht überall gut ankommt, hat bei uns vor Jahrzehnten schon ein NRW-Minister erlebt. Klaus Matthiesen tat in den 1990er-Jahren kund, dass es keineswegs notwendig sei, jeden Tag zu duschen.
 
Oho, da wurde aber sofort ein Gespött laut, das sich gewaschen hatte. "Wen riecht man schon, lange bevor man ihn sieht?" war noch einer der harmloseren Sprüche. Dabei hatte Matthiesen recht. Für den natürlichen Säureschutzmantel der Haut ist es sogar besser, wenn ihm nicht jeden Tag per Dusche zugesetzt wird. Wer nicht zu starken Schweißausbrüchen neigt oder wegen körperlicher Belastung im Beruf oder beim Sport zur Ganzkörperreinigung gezwungen ist, der sollte ruhig mal auf Waschlappen und Seife zurückgreifen.
 
Ich erinnere mich noch gut an Zeiten, an denen der Samstag Badetag für die ganze Familie war. Das musste für die ganze Woche reichen. Und obwohl sich Deos erst langsam durchsetzten, kann ich mich nicht entsinnen, dass ich mich damals nur mit Wäscheklammer an der Nase in größere Menschenmengen getraut habe. 
 
Vielleicht sollte man dem amerikanischen Egomanen mal verklickern, dass er sein Haupthaar auch in einem Becken oder einer Schüssel waschen und ausspülen kann. Das wäre doch eine dankbare Aufgabe für unseren neuen Kanzler bei seinem Antrittsbesuch in Washington. Er darf dabei gern ausrichten, dass ich durchaus bereit wäre, eigenhändig das Haupt des Duschfanatikers ins Becken zu tunken. Womöglich könnte ich dabei sogar ein paar Zoll-Flausen fortspülen.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zu den gestrigen Eponymen gab es eine Ergänzung: "Interessant: Fast sämtliche Eponyme sind nach mehr oder weniger ‘alten weißen Männern’ benannt. Beste Beispiele sind englische Earls, die offenkundig so sehr von sich eingenommen waren, dass sie meinten, unbedingt etwas, das sie erfunden oder häufig benutzt hatten, nach sich selbst zu benennen. Zwei dieser Earls of Anything: Earl Grey (Tee u. weniger bekannt auch als Zahnpasta mit entspr. Aroma), Earl of Sandwich (das z. Zt. des Earls beliebteste Fastfood vornehmer Briten: Fleisch oder anything zw. zwei Brotscheiben; im Laufe der Zeit weiter geadelt als 'Sandwich Konzept'; und dann noch die ‘Sandwichinseln' in der Südsee, weil der Earl auch Admiral war). Duke of Wellington (eigentlich auch ein Earl als Sohn eines Earl, erst später zum Duke of W. befördert), der Namensgeber der ersten Gummistiefel (Wellington Boots, Wellingtons oder Wellies) und - last not least, das Filet Wellington, ein mit Blätterteig umhülltes Rinderfilet.Bye for now
R.D."

Schmunzelpost 1503 vom 11. 4. 25

Wie wär's heute mal mit ein bisschen Fitness-Training? Nun kann ich Euch am PC schlecht etwas vorturnen. Und Euch schriftlich komplizierte Gymnastik-Übungen ans Herz zu legen, brächte wahrscheinlich gar nichts. Ich kenne Euch doch, Ihr Drückeberger! Stattdessen versuche ich es mal mit ein wenig Denksport. Auf diese Art und Weise trainieren wir Euer Sprachwissen. 
 
Ist Euch das Eponym bekannt? So werden Eigennamen bezeichnet, wenn sie als eigenständiger Begriff im Sprachschatz verankert sind. Ein Beispiel: Wenn krauses Zeug nicht als Synonym für schräges oder unsinniges Gerede entstanden, sondern nach mir benannt worden wäre, hätten wir ein waschechtes Eponym. Bei unserem kleinen Spiel ersetze ich nun den gesuchten Begriff durch den Vornamen des prägenden Namensgebers. Ich bin gespannt, ob jemand das komplett hinkriegt, einiges ist ganz schön knifflig. Ein Blick in den Konrad wird Euch kaum helfen.
 
Los geht's. Habt Ihr am Wochenende schon etwas vor? Leider wird es ja auf absehbare Zeit kein Edward Stanley geben, weil der Lüdenscheider Vorortverein in der nächsten Saison wahrscheinlich den Rollentausch übt - gelb-schwarz steigt ab und blau-weiß steigt auf; ein guter Plan. Bevor verirrte Fans unter Euch jetzt zum Charles C. der Schmunzelpost aufrufen, sollten wir uns erst einmal stärken. Vielleicht mit einem Otto, einem Nellie oder einem John Montague. Als Dessert käme ein Stück Franz in Frage.
 
Anschließend holt Ihr Euer Carl Friedrich heraus und macht Euch auf den Weg zu Eurem Daniel Gottlob Moritz. Ach, Ihr habt keinen? Na gut, dann beschränken wir uns auf eine Sebastian. Was ist los, warum zittert Ihr so? Ihr werdet doch nicht unter James I leiden? Das sollten wir rasch mit Hilfe von Conrad Wilhelm abklären. James II? Das ist Euch zu hoch? Aber Ihr sitzt doch gar nicht in einem Ferdinand.
 
Okay, mit beginnendem Alois könnt Ihr dieses Rätsel sowieso vergessen.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ich will Euch nicht einen ganzen Tag zappeln lassen. Aber nicht schummeln und es erst selbst versuchen! Wenn es nicht klappt, findet Ihr unter PPS. die Auflösung.
 
PPS. Leider wird es auf absehbare Zeit kein Derby geben, weil der Lüdenscheider Vorortverein in der nächsten Saison wahrscheinlich den Rollentausch übt - gelb-schwarz steigt ab und blau-weiß steigt auf; ein guter Plan. Bevor verirrte Fans unter Euch jetzt zum Boykott der Schmunzelpost aufrufen, sollten wir uns erst einmal stärken. Vielleicht mit einem Bismarckhering, einem Toast Melba oder einem Sandwich. Als Dessert käme ein Stück Sachertorte in Frage. Anschließend holt Ihr Euer Zweirad heraus und macht Euch auf den Weg zu Eurem Schrebergarten. Ach, Ihr habt keinen? Na gut, dann beschränken wir uns auf eine Kneipp-Kur. Was ist los, warum zittert Ihr so? Ihr werdet doch nicht unter Parkinson  leiden? Das sollten wir rasch mit Hilfe von Röntgenstrahlen abklären. Watt? Das ist Euch zu hoch? Aber Ihr sitzt doch gar nicht in einem Zeppelin. Okay, mit beginnendem Alzheimer könnt Ihr dieses Rätsel sowieso vergessen. PPPS. Okay, James II. war ein kleines Wortspiel. Statt der physikalischen Einheit für elektrische Leistung habe ich den buchstabengleichen Ruhrgebiets-Begriff für "Was?" verwandt. 
 PPPPS. Das war diesmal wirklich krauses Zeug, nicht wahr?
 

Schmunzelpost 1502 vom 10. 4. 25


Seit das Trampeltier im Weißen Haus vergnügt das Gefüge der Weltwirtschaft ramponierte, geht es an den Börsen rund um den Globus ziemlich turbulent zu. Das Geschehen würde ich mit mehr Gelassenheit beobachten, wenn ich nicht wüsste, welche Auswirkungen massive Kurseinbrüche haben können, falls sie eine erdumspannende Rezession auslösen. In Geschichte habe ich gut aufgepasst. Der "schwarze Freitag" von 1929 darf sich niemals wiederholen!
 
Ansonsten sind meine Kenntnisse über den Handel mit Wertpapieren trotz Bankausbildung recht bescheiden. In jungen Jahren fand ich das Konzept der "Fressaktie" reizvoll. Als Besitzer lediglich einer einzigen Aktie an den Jahreshauptversammlungen teilnehmen und sich dort den Bauch vollschlagen zu dürfen, das klang verlockend. Aber die üppige Speisefolge früherer Zeiten ist wohl längst Geschichte. Und für ein wenig Fingerfood durch die halbe Republik zu reisen und einen ganzen Tag zu vergeuden, das will ich mir nicht antun.
 
Immerhin habe ich damals selbst erwogen, ins Börsengeschäft einzusteigen und mir dadurch schnell meine erste Million zu verdienen. Zu diesem Zweck verfolgte ich ein halbes Jahr lang genau den Kurs dreier verschiedener Aktien. Meine Wahl fiel schließlich auf AEG. Deren Kurve war bis dahin wellenförmig verlaufen. Die AEG-Aktie, so meine Beobachtung, verlor einige Wochen an Wert, kletterte danach aber wieder zügig nach oben. Dann wiederholte sich der Vorgang. Sechs Wochen lang fiel der AEG-Kurs, um anschließend rasch auf den Ausgangswert zurückzukehren.
 
Nun begann ein neuer Zyklus. Sieben Wochen lang rutschte AEG in den Keller. Dann schlug ich zu und investierte einen Großteil meiner Ersparnisse. Und was tat die Aktie? Sie fiel weiter. Und dachte überhaupt nicht daran, wieder auf die Beine zu kommen. Fast ein Jahr lang schwitzte ich Blut und Wasser. Dann hatte sich der Kurs im Rahmen eines allgemeinen Aufwärtstrends endlich einigermaßen berappelt, und ich konnte meine Papiere mit einem nur geringen Verlust abstoßen. Außer Spesen nichts gewesen? Doch, durchaus. Nach dieser Erfahrung ließ ich meine Finger von Börsenspekulationen und freute mich nur hin und wieder, wenn ich AEG mit einem Bruchteil des einstigen Werts dahin dümpeln sah.
 
Überhaupt sind mir Börsengeschäfte suspekt. Vor allem das Konzept mit den Wetten erschließt sich mir nicht. Wie konnte man es zulassen, dass Spekulanten damit Riesensummen verdienen, Geld auf Preisentwicklungen zu setzen und so mitunter Existenzen zu vernichten und ganze Staaten ins Trudeln zu bringen? Das erinnert mich an verbotenes Glückspiel, von dem außer den Drahtziehern niemand profitiert.
 
Deshalb habe ich Überlegungen, die Ein-Personen-Gesellschaft "Krauses Zeug" irgendwann in eine AG umzuwandeln, weit in den Hinterkopf verbannt. Zumindest eins aber hätte ich garantiert: Auf meinen Hauptversammlungen würde den Aktionären stets reiner Wein eingeschenkt. Und zwar Grauburgunder vom Kaiserstuhl. 
 
Glückauf
kdk
 
PS. Für ein Hoch an der Stimmungsbörse kann ein Besuch auf der neuen Online-Seite www.krauseszeug.de sorgen. Dort kann man inzwischen alle Schmunzelpost-Beiträge des laufenden Jahres nachlesen. Und täglich werden es mehr!
 
 

Schmunzelpost 1501 vom 9. 4. 25

"Kalte Füße sind lästig, vor allem die eigenen." (Wilhelm Busch) Vor dem Anlegen der Online-Seite krauseszeug.de habe ich lange Zeit kalte Füße bekommen, wenn ich das Projekt in Angriff nehmen wollte. Vor allem die rechtlichen Aspekte flößten mir höllischen Respekt ein. Nun aber habe ich sowohl das Impressum wie die Datenschutzerklärung hingekriegt, und mir wurde prompt warm ums Herz. Daher beschloss ich, die kalten Füße zu thematisieren. Allerdings nicht redensartlich, sondern medizinisch. 
 
Zu meiner Verwunderung erfuhr ich dabei, dass kalte Füße eigentlich Frauensache sind. 80 % aller Frauen klagen über kalte Füße! Das liegt vor allem daran, dass Frauen beim individuellen Wärmehaushalt gegenüber Männern deutlich im Nachteil sind. Denn gemessen am Gesamtgewicht besteht ein Mann angeblich zu 40 % aus Muskeln. Wenn ich so an mir herabschaue, kommen Zweifel auf. Aber vielleicht müsste ich bloß häufiger ins Fitnessstudio gehen. 
 
Dass der Muskelanteil bei Frauen lediglich 23 % ausmacht, hat jedenfalls Folgen. Denn wenn ein Muskel strapaziert wird, investiert er nur ein Drittel der Energie in die eigentliche Arbeit und gibt den großen Rest als Wärme ab. Muskeln sind die Heizung unseres Körpers! Deshalb zittern wir, wenn wir frieren - durch die Aktivierung von Muskeln sollen wir so wieder aufgewärmt werden. Eher vernachlässigbar erscheint mir der Wärmeverlust. Weil Frauen in der Relation eine größere Körperfläche haben sollen als Männer, was aus ihren Brüsten resultiert, strahle die größere Hautoberfläche mehr Wärme ab.
 
Unser Körper ist klug. Weil er die lebenswichtigen Organe und das Gehirn auf einer Betriebstemperatur von 37 Grad halten will, werden entbehrlichere Körperteile wie Arme, Beine oder Nase weniger intensiv durchblutet. Bis auf 8 Grad Celsius kann deshalb die Temperatur der Zehen absinken. Kalte Füße sind somit eine biologische Überlebensstrategie.
 
Vielleicht sollte ich über meine Geschlechtsidentität noch einmal gründlich nachdenken. Ich bekomme nämlich sehr schnell kalte Füße und empfinde das als äußerst unangenehm. Wahrscheinlich ist dies ein Indiz für eine gewisse Weiblichkeit. Liebe Leserinnen, Ihr könnt die Schmunzelpost ab sofort mit der Gewissheit lesen: Meine Füße sagen, dass ich stets auf Eurer Seite bin!
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1500 vom 8. 4. 25

Ilsebill salzte nach. Ein merkwürdiger Beginn für eine Schmunzelpost, was? Damit folge ich einer Empfehlung von Bertold. Der verweist zwar auch darauf, dass Wikipedia sogar Ein-Satz-Romane nennt, die mitunter fast 1000 Seiten in Beschlag nehmen, aber er hält es für lohnender, sich mit Buchanfängen zu beschäftigen. Sein Beispiel stammt von einem Nobelpreisträger, der ansonsten langen Sätzen nicht abgeneigt war. Und der Einstieg in "Der Butt" von Günter Grass wurde 2007 bei einem gemeinsamen Wettbewerb der "Initiative Deutsche Sprache" und der "Stiftung Lesen" zum schönsten ersten Satz der deutschsprachigen Literatur gewählt. 

 
Krause legt nach. Mit diesen drei Eingangsworten drücke ich zweierlei aus. Erstens: Ich habe mich zwar schon einmal in einer Schmunzelpost mit den ersten Sätzen von Büchern beschäftigt, mache das aber gern ein zweites Mal. Zweitens: Dies ist die 1500. Schmunzelpost, die in bisher ununterbrochener Folge Tag für Tag versandt wurde. Das ist für mich der Anlass, endlich wieder im Internet nachzulegen. Denn seit vor längerer Zeit ein Hotzenplotz-Unhold aus dem Darknet meine Schmunzelpost-Seite gehackt hat, sind die dort abgelegten frühen Folgen blockiert und können nicht mehr aufgerufen werden.
 
Daher habe ich jetzt weder Kosten noch Mühen gescheut und in schweißtreibender Arbeit ganz allein die Website "Krauses Zeug" erstellt. Dort wird ab sofort jede neue Schmunzelpost gespeichert und kann jederzeit nochmal unter www.krauseszeug.de aufgerufen werden. Nach und nach will ich auch die früheren Folgen ins Netz stellen. Wer Spaß an dem einen oder anderen Beitrag hat, kann gerne Freunde und Bekannte darauf hinweisen - ich freue mich über jeden neuen Leser!
 
Aber nun zu den Buchanfängen. Günter Grass landete 2007 knapp vor Franz Kafka, der mit dem Beginn seiner berühmten Erzählung "Die Verwandlung" die Jury begeisterte: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Dennoch lautete das abschließende Urteil: Fisch schlägt Käfer. Übrigens erreichte unsere Dorstener Autorin Cornelia Funke den zweiten Platz bei den Einstiegen aus Kinder- und Jugendbüchern. Der Anfangssatz aus "Tintenherz" lautet: "Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen.“ 

Meine Favoriten wären andere gewesen.  Paul Maars Kinderbuch "Neue Punkte für das Sams" geht so los: "„Es war Mitternacht, und Herr Taschenbier saß auf dem Dach von Frau Rotkohls Haus.“ Und auch den Einstieg Ildyko von Kürthys in ihren Roman "Blaues Wunder" finde ich gelungen: „Entweder mache ich mir Sorgen oder was zu essen.“ 

Auch aus dem weiten Feld der Literatur für Erwachsene habe ich Lieblings-Anfangssätze. So startete Erica Jong einst ihren Roman "Angst vorm Fliegen" mit den Worten: "In der Pan-Am-Maschine nach Wien befanden sich 117 Psychoanalytiker und mindestens sechs von ihnen hatten mich behandelt." Auch Mario Simmel hatte mich im Roman "Bis zur bitteren Neige" mit dem Satz "Ich erinnere mich genau an den Augenblick, in dem ich zum ersten Mal starb" sofort am Haken. Höchst verwundert war ich jedoch, als ich nachlas, wie Karl May seine Winnetou-Trilogie einleitete: "Immer fällt mir, wenn ich an den Indianer denke, der Türke ein; dies hat, so sonderbar es scheinen mag, doch seine Berechtigung." Obwohl ich in meiner Kindheit Winnetou eins mindestens sechs Mal gelesen habe - diesen Satz hätte ich bei "Wer wird Millionär" niemals richtig zugeordnet.
 
Stattdessen hoffe ich nun, dass in ein paar Jahren in einer zeitgemäßen neuen Fassung des Grass-Klassikers der erste Satz folgendermaßen lauten wird: "Ilsebill musste grinsen, als sie auf ihrem Smartphone 'Krauses Zeug' las und vergass darüber glatt, den Butt zu salzen."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ich bin noch die Auflösung meiner Abschlussfrage aus Folge 1499 schuldig: "Wem die Stunde schlägt" von Ernest Hemingway und "Das Brot der frühen Jahre" von Heinrich Böll.
 
 

Schmunzelpost 1499 vom 7. 4. 25

Letzte Woche feierte die ARD ihren 75. Geburtstag. Donnerwetter, dachte ich, die Glotze ist ja sogar noch drei Jahre älter als Du! Dann überlegte ich, wann der Fernseher in mein Leben trat. Und was für mich zuerst da war: Der Fernseher oder das Buch? Immerhin gewann das Buch. Das erste besaß ich, lange bevor ich lesen lernte. Ihm verdanke ich, dass ich sehr früh wusste, wie spät es war. Denn auf dem Titelblatt waren zwei bewegliche Zeiger befestigt und so lernte ich spielerisch, wem die Stunde schlug.
 
Das war ausgesprochen nützlich, denn als meine Eltern ihr erstes TV-Gerät kauften, achtete ich von Anfang an darauf, dass es eingeschaltet wurde, sobald die Kinderstunde begann. Das muss noch vor meiner Einschulung gewesen sein. Denn als ich mit vier oder fünf wegen Masern wochenlang das Bett hüten musste und mich bei beginnender Genesung fürchterlich langweilte, bot jede Bildschirmminute kostbare Ablenkung. 
 
So wurde das Fernsehen für mich zum Brot der frühen Jahre. Ich schaute alles, was meine Eltern zuließen und wurde zu einem regelrechten TV-Freak mit mitunter mehr als 60 Minuten Fernsehkonsum pro Tag! Mein Sandmännchen hieß Karl-Heinz, weil ich noch die Tagesschau gucken durfte, bevor ich ins Bett musste. Vorher förderte das Programm meine Kreativität, denn ich erfand das interaktive Fernsehen: Ich überredete meine Mutter, mit mir TV-Raten zu spielen. Dabei ging es darum, wer als erster erkannte, für welches Produkt ein Werbespot Reklame machte.
 
Davon zehre ich heute noch. Slogans wie "Neckermann macht's möglich" oder "Kaufhof bietet tausendfach alles unter einem Dach" überlebten in meinem Kopf die Konzerne, das große Kreditinstitut gibt es heute noch: "Wenn's um Geld geht - Sparkasse!" Wahrscheinlich lag es an dem knuddeligen Kerlchen, das fröhlich über die Alm stapfte, dass ich heute noch mitsingen kann "nichts geht über Bärenmarke, Bärenmarke zum Kaffee!"
 
Ganz erstaunlich ist, dass ich angesichts der zahlreichen Alkoholslogans, die in meinem Hirn verankert sind, nach einer kurzen Experimental-Phase mit Anfang Zwanzig den Weg vom Bier und den harten Sachen zum Wein gefunden habe. "Beck's-Bier löscht Männer-Durst". "Nimm's leicht, nimm Scharlachberg!" "Täglich Underberg und Du fühlst Dich wohl." "Bommerlunder - der große Klare aus dem Norden." "Wenn einem so viel Gutes widerfährt, das ist schon einen Asbach-Uralt wert. In Asbach-Uralt ist der Geist des Weines." "Dein Herz wird froh, Dein Kopf wird klar – weil es ein Schinkenhäger war." "Laßt die weise Regel gelten: nicht zu oft und nicht zu selten - Jägermeister."
 
Jetzt hat mich das Ausbuddeln der hochprozentigen Sprüche doch glatt aus der Kurve getragen. Zum Ausnüchtern schnell noch ein Schluck Mineralwasser hinterher: "Ob mit Whisky oder Wein – gut schmeckt GS aus Gerolstein!" So, zurück zum Thema und den TV-Klassikern meiner Kindheit. Im Schnelldurchlauf: Lassie, Fury, Ivanhoe (mit Roger Moore in der Hauptrolle!), die Augsburger Puppenkiste, "Sport, Spiel, Spannung", Texas Rangers und Mike Nelson (Abenteuer unter Wasser) sowie der Sprung aus den Wolken (mit Fallschirmen) und natürlich Zeichentrickfilme aller Art (Disney, Tom & Jerry, Hucky und seine Freunde).
 
Zwei Favoriten aber teilte ich mit meinem Vater. Der kannte die Stummfilmklassiker aus seiner Jugend. Und wenn ein gewisser Werner Schwier in "Es darf gelacht werden" den Arm hob und sagte: "Ich gebe jetzt das Zeichen und hoffe, dass der Operateur es auch sieht", dann flimmerten Kurzfilme mit Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd und anderen Slapstick-Komikern über den Bildschirm. 
 
Und bei meiner zweiten Lieblingssendung bin ich heute noch dankbar, dass meine beiden großen Schwestern lange aus dem Haus waren, als die Fußball-Bundesliga den Spielbetrieb aufnahm. So setzten sich bei der Abstimmung, was am Samstag ab 18 Uhr geguckt wurde, stets die beiden Männer im Haus zu Gunsten der Sportschau gegen eine einsame Frauenstimme durch. Bei einer Frauenquote von drei gegen zwei hätte ich sonst womöglich "Daktari" ertragen müssen und Clarence, dem schielenden Löwen, traurig in die Augen geschaut.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Nebenbei: In dieser SP-Folge sind zwei Buchtitel versteckt. Die berühmten Autoren stammen aus den USA und aus Deutschland. Na? Auflösung morgen.
 

 Schmunzelpost 1498 vom 6. 4. 25

Das habe ich geahnt! Wer sein Publikum per Schmunzelpost jahrelang mit Satzungeheuern, denn nichts anderes sind Schachtelsätze, malträtiert und quält, bis ihnen der Draht, sinnbildlich gesprochen, aus der Mütze springt, der ist in keiner Weise überrascht, sondern eher angenehm berührt, wenn nach einem Beitrag über derartige Wortbandwürmer es förmlich Zuschriften regnet, oder besser gesagt: hagelt, die anhand sorgfältig studierter Quellen, die Rückschlüsse auf die Belesenheit und den Intellekt der Absender erlauben, weitere Satzkonstruktionen enthalten, die die gestern zitierten Beispiele sogar noch an Länge und literarischer Qualität, wobei die in diesem Zusammenhang durchaus diskutabel ist, erheblich übertreffen. Wer die Schachtel der Pandora öffnet, dem springt mindestens ein Schmunzelpost-Leser entgegen und ruft: "Es war die Büchse"!
 
Das erste Beispiel stammt von Heinrich Kleist. Der schrieb in "Michael Kohlhaas": "Ich, der mit meinem Haufen eben in einem Wirtshause abgestiegen und auf dem Platz, wo diese Vorstellung sich zutrug, gegenwärtig war, konnte hinter allem Volk am Eingang einer Kirche, wo ich stand, nicht vernehmen, was diese wunderliche Frau den Herren sagte; dergestalt, dass, da die Leute einander lachend zuflüsterten, sie teile nicht jedermann ihre Wissenschaft mit, und sich des Schauspiels wegen, das sich bereitete, sich sehr bedrängten, ich, weniger neugierig, in der Tat, als um den Neugierigen Platz zu machen, auf eine Bank stieg, die hinter mir im Kircheneingang eingehauen war."
 
Das war schon ganz gut, aber es geht noch länger. Was Werner mit einem Auszug aus Thomas Manns "Zauberberg" belegt: "Wie lange Joachim eigentlich hier oben mit ihm gelebt, bis zu seiner wilden Abreise oder im ganzen genommen; wann, kalendermäßig, diese erste trotzige Abreise stattgefunden, wie lange er weggewesen, wann wieder eingetroffen und wie lange Hans Castorp selber schon hier gewesen, als er wieder eingetroffen und dann aus der Zeit gegangen war; wie lange, um Joachim beiseite zu lassen, Frau Chauchat ungegenwärtig gewesen, seit wann, etwa der Jahreszahl nach, sie wieder da war (denn sie war wieder da), und wieviel Erdenzeit Hans Castorp im ‘Berghof’ damals verbracht gehabt hatte, als sie zurückgekehrt war: bei all diesen Fragen, gesetzt, man hätte sie ihm vorgelegt, was aber niemand tat, auch er selber nicht, denn er scheute sich wohl, sie sich vorzulegen, hätte Hans Castorp mit den Fingerspitzen an seiner Stirn getrommelt und entschieden nicht recht Bescheid gewußt, – eine Erscheinung, nicht weniger beunruhigend als jene vorübergehende Unfähigkeit, die ihn am ersten Abend seines Hierseins befallen hatte, nämlich Herrn Settembrini sein eigenes Alter anzugeben, ja, eine Verschlimmerung dieses Unvermögens, denn er wußte nun allen Ernstes und dauernd nicht mehr, wie alt er sei! "
 
Den Vogel schoss jedoch Michael ab. Er belegt, dass Friedrich Dürrenmatt den mannhaften Lehrmeister in "Der Auftrag" durchaus übertreffen konnte: "Von Lambert empfing sie in seinem Studierzimmer, verlangte unverzüglich gefilmt zu werden, ließ willig alle Vorbereitungen über sich ergehen, erklärte dann vor der laufenden Kamera, hinter seinem Schreibtisch sitzend, er sei am Tode seiner Frau schuldig, weil er die oft unter schweren Depressionen Leidende immer mehr als Fall statt als Frau behandelt hätte, bis sie, nachdem ihr seine Notizen über ihre Krankheit durch Zufall zu Gesicht gekommen, kurzerhand das Haus verlassen habe, nach der Meldung der Hausdame nur in ihrem roten Pelzmantel über einen Jeansanzug geworfen und mit einer Handtasche, seitdem habe er nichts mehr von ihr gehört, doch habe er auch nichts unternommen, von ihr etwas zu erfahren, um ihr einerseits jede Freiheit zu lassen, andererseits ihr, käme sie auf seine Nachforschungen, das Gefühl zu ersparen, sie würde von ihm weiterhin beobachtet, doch jetzt, da sie ein so entsetzliches Ende genommen und er nicht nur in seiner Methode ihr gegenüber, jener der kühlen Beobachtung, die der Psychatrie vorgeschrieben sei, sondern auch in seinem Unterlassen jeder Nachforschungen seine Schuld erkenne, erachte er es für seine Pflicht, die Wahrheit zu erfahren, mehr noch, sie der Wissenschaft zugänglich zu machen, herauszufinden, was sich ereignet habe, sei er doch an die Grenze seiner Wissenschaft gestoßen, die sich im Schicksal seiner Frau abzeichne."
 
Von Leserinnen gab es keine Einsendungen mit literarischen Textstellen. Aber eine Anmerkung von Marie: "Wozu brauchen wir Frauen fremde Schachtelsätze? Sowas formulieren wir bei Bedarf selbst, ganz spontan, laut und so lang, dass Du mit den Ohren schlackerst!"
 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1497 vom 5. 4. 25

Wie kriege ich den Brückenschlag hin, um von "Ugly Americans" zurück über den Atlantik und zum Thema Deutsche Sprache zu kommen? Ganz einfach: Mit Hilfe zweier literarischer Größen, die sowohl in Amerika wie in Deutschland ihre Spuren hinterlassen haben. 
 
Einer von beiden zählt für mich zu den "Good Americans". Sowohl als Schriftsteller wie als Journalist hat Mark Twain uns durch seine hellsichtigen und mitunter witzigen Texte begeistert. Und Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, der 2025 wegen seines 150. Geburtstages wieder im Scheinwerfer steht, ist für mich nicht nur ein Sprachästhet, sondern ein absoluter Meister des Schachtelsatzes. Ich habe während meiner journalistischen Ausbildung lange gebraucht, den eigenen Hang zu kunstvollen, aber womöglich schwer verständlichen Satzkonstruktionen zu zügeln. Merke: Setzt Du den Punkt zur rechten Zeit, weiß Dein Leser schnell Bescheid.
 
Nach dem Duden ist ein Schachtelsatz ein langer, kompliziert gebauter Satz mit mehrfach untergeordneten Nebensätzen. Der Fachbegriff lautet "Hypotaxe", das ist ein Satzgefüge, wo mehrere Teilsätze miteinander verbunden sind, von denen mindestens einer nicht für sich allein stehen kann. Und obwohl echte Könner ihre Bandwurmsätze grammatikalisch korrekt auf die Reihe kriegen, wissen Leser oder Zuhörer am Ende oft nicht, was man ihnen eigentlich mitteilen wollte. Hier ein schönes Beispiel: "Die Möglichkeiten der deutschen Grammatik können einen, wenn man sich darauf, was man ruhig, wenn man möchte, sollte, einlässt, überraschen." Wundert es da noch jemand, dass die vermehrte Verwendung von Kommas als Alarmsignal verstanden werden soll? 
 
Thomas Mann scherte sich nicht darum, wie dieser Satz aus den "Buddenbrooks" belegt. Er enthält stolze zehn Kommas und zwei Gedankenstriche, aber nur einen Punkt: "Der Konsul, zu Hause, wenn er solche Äußerungen las, konnte sich eines Lächelns nicht erwehren, denn trotz alles Schmerzes, der in den Zeilen steckte, verspürte er einen Unterton von beinahe drolligem Stolz, und er wußte, dass Tony Buddenbrook als Madame Grünlich sowohl wie als Madame Permaneder immer ein Kind blieb, daß sie alle ihre sehr erwachsenen Erlebnisse fast ungläubig, dann aber mit kindlichem Ernst, kindlicher Wichtigkeit und – vor Allem – kindlicher Widerstandsfähigkeit erlebte.”
 
Mark Twain hat die deutsche Unsitte gern mit reichlich Ironie aufs Korn genommen. Mitunter hat er sich sogar ein bisschen aufgeregt, wie in seinem Aufsatz über "Die schreckliche deutsche Sprache". Darin prägte er das Bild vom deutschen Autor, der sich in einen Satz stürze, wonach man lange nichts mehr von ihm sehe, „bis er auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans mit dem Verb zwischen den Zähnen wieder auftaucht“. Auf die Presse bezogen geißelte Mark Twain derartiges Verhalten selbst mit einem Schachtelsatz: „In einer deutschen Zeitung setzen sie ihr Verb drüben auf der nächsten Seite hin; und ich habe gehört, dass sie manchmal, wenn sie eine oder zwei Spalten lang aufregende Einleitungen und Paranthesen dahergeschwafelt haben, in Zeitnot geraten und in Druck gehen müssen, ohne überhaupt bis zum Verb gekommen zu sein.“  

Besonders berühmt-berüchtigt beim Bau von schwer verdaulichen und kaum verständlichen Satz-Ungeheuern sind Beamte und Juristen. Prompt fand sich unter den Letztgenannten ein Verteidiger solcher Sprachkunst: “Wer sich des Schachtelsatzes bedient, ist ein friedlicher Mensch oder hüllt doch wenigstens seine passiv-aggressive Tendenz elegant ein, auf dass sich der Rezipient über die Form ärgere statt über die Aussage.”
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1496 vom 4. 4. 25

Adolf Hitler hatte zwei Amerikaner besonders in sein Herz geschlossen. Den Atlantik-Flieger Charles Lindbergh, der vor dem 2. Weltkrieg von den Nazis schwärmte und danach versuchte, einen Kriegseintritt der USA zu verhindern und Henry Ford. Der wurde an seinem 75. Geburtstag mit dem Verdienstorden "Deutscher Adler" geehrt. Das war die höchste zivile Auszeichnung, die Nazi-Deutschland zu vergeben hatte.
 
Was trug Ford diese Sympathie-Kundgebung ein? Nun, der US-Großindustrielle führte seit den Anfangstagen seiner Karriere einen persönlichen Feldzug gegen die Juden, die er zutiefst verabscheute. Er engagierte sogar einen hebräischen Gelehrten, um den Talmud auf eine Weise neu zu übersetzen, die Juden durchtrieben und habgierig erscheinen lassen sollte. Allerdings sparte Ford im direkten persönlichen Umgang den Antisemitismus aus. Er beauftragte beispielsweise Albert Kahn, einen jüdischen Emigranten, mit der Gestaltung seiner Fabriken. Und als ein alter Freund und Nachbar, der Rabbi Leo Franklin, sich von ihm wegen diverser judenfeindlicher Veröffentlichungen abwandte, reagierte Ford verwirrt: "Was ist denn passiert, Dr. Franklin? Ist irgendetwas zwischen uns gekommen?"
 
Das kann man wohl sagen. Denn inzwischen hatte Ford sich eine Wochenzeitung zugelegt, den Deadborn Independent. Das Blatt erlangte in der Folgezeit Berühmtheit wegen seiner einfallslosen Themen und war berüchtigt wegen seiner scharfen Angriffe auf Juden in aller Welt. Nur mit Mühe konnte Ford ausgeredet werden, die redaktionelle Arbeitsweise auf Fließbandproduktion umzustellen. Danach sollten die Texte von einem Redakteur zum nächsten weitergereicht werden. Der erste sollte die Fakten liefern, ein anderer den Humor, ein dritter die moralische Belehrung usw. Auf Drängen der Profis nahm Ford unwillig davon Abstand, was ihn aber nicht hinderte, sich in alles einzumischen und Themen vorzugeben. So war sichergestellt, dass das Blatt seinen miserablen Ruf dauerhaft rechtfertigte.
 
Das trug der Zeitung jedes Jahr hohe Verluste ein. Die wären noch größer gewesen, wenn Ford seine Händler nicht gezwungen hätte, ein bestimmtes Kontingent abzunehmen und an die Kunden vor Ort weiter zu verkaufen. Die erstaunten Leser erfuhren dann, dass die Juden nicht nur den Aktienmarkt beeinflussten und Hollywood als Propagandawerkzeug für ihre Zwecke nutzten, sondern auch den Sturz des Christentums vorbereiteten. Nebenbei unterstützten die Unholde das Tragen von kurzen Röcken und Strümpfen und machten den Massen für schändliche Zwecke auch noch den Jazz schmackhaft. Selbst im Sport trieben sie ihr Unwesen. Ein Artikel von 1921 trug den Titel "Wie die Juden den Baseballsport entwürdigt haben". Dummerweise war der als Jude angeprangerte angebliche Drahtzieher jedoch in Wahrheit Presbyterianer.
 
Ein großer Teil dieser aufklärerischen Essays wurde im Sammelband "Der internationale Jude" nochmals veröffentlicht. Das trug Ford vor allem in Deutschland große Bewunderung ein. Nicht von ungefähr erwähnte Adolf Hitler Henry Ford als einzigen Amerikaner wohlwollend in seinen 1925 erschienenen Memoiren "Mein Kampf". Woraus die Feindseligkeit des Multimillionärs resultierte, blieb für alle Zeit ein Rätsel. Als früher Verschwörungstheoretiker hing Ford der weit verbreiteten Legende an, eine Gruppe von Juden wolle die Weltherrschaft an sich reißen. Der erste Herausgeber des Independent, der das Magazin nach der Übernahme rasch verließ, meinte: "Ich bin sicher, dass Mister Ford, würde er in den Zeugenstand gerufen werden, nicht um alles in der Welt hätte sagen können, wann und warum er diese Abneigung gegen Juden entwickelt hat."
 
Das kann gut sein. Denn als Ford 1919 den Chicago Tribune wegen Verleumdung verklagt hatte, machten es sich dessen Rechtsanwälte zu einem Sport, durch die seichten Gewässer seines Intellekts zu staken und den Kläger nach Strich und Faden zu blamieren. "Die amerikanische Revolution war 1812, glaube ich, ich bin mir nicht ganz sicher." Als Ford einen berühmten Verräter identifizieren sollte - Benedict Arnold war in den USA zu jener Zeit in aller Munde und in sämtlichen Zeitungen Dauergast - sagte er: "Ich habe vergessen, wer er ist, ein Schriftsteller, glaube ich."
 
Ähnlich diffus waren Fords politische Kenntnisse. Er verfolge das Geschehen nicht und habe lediglich ein einziges Mal gewählt, und zwar an seinem 21. Geburtstag. Dummerweise war der Kandidat, dem Ford glaubte seine Stimme gegeben zu haben, bereits drei Jahre vor der Wahl ermordet worden. Die Öffentlichkeit war so verzückt von Fords Ignoranz, dass ein geschäftstüchtiger Mann jeden Tag vor dem Gerichtsgebäude eilig gedruckte Protokolle von Fords Zeugenaussagen zu 25 Cent das Stück verkaufte und sich vom Gewinn ein Haus kaufte.
 
1927 endete der Spuk. Ford hatte den Fehler gemacht, einen cleveren amerikanischen Anwalt persönlich zu attackieren. Aaron Sapiro gehöre zu einer Bande von jüdischen Bankern und Geschäftsleuten, die amerikanische Farmer bei einer Verschwörung zur Übernahme des nationalen Weizenmarktes betrogen hätten. Sapiro klagte wegen Rufschädigung auf eine Million Dollar Schadensersatz. Um den Auftritt vor Gericht zu vermeiden, zog Ford alle Register. In einem scheinbar aufrichtigen Brief entschuldigte er sich persönlich, behauptete, er sei sich der schrecklichen Dinge, die der Independent über Juden geschrieben habe, gar nicht bewusst gewesen und sei über den "internationalen Juden" zutiefst schockiert. So etwas werde in dem Magazin nie mehr erscheinen.
 
Ob dies Sapiro veranlasste, seine Klage zurückzuziehen oder der beigelegte Scheck über 140.000 Dollar seine Wirkung tat, ist nicht bekannt. Ein Ford-Mitarbeiter, der am Entwurf des Textes beteiligt war, berichtete später, sein Chef habe den Brief selbst gar nicht gelesen. Dafür aber hielt Ford sein Versprechen und übte nie wieder öffentliche Kritik an Juden. Ende 1927 stellte er den Druck der Zeitung ein, die ihn in acht Jahren rund fünf Millionen Dollar gekostet hatte.
 
Wo ist bloß der Sapiro unserer Tage? Wem es heute gelänge, in den USA bestimmten Lügnern, Verleumdern und geistigen Brandstiftern vor Gericht dauerhaft das Maul zu stopfen, der hätte einen Sonder-Nobelpreis verdient. Und als Zugabe das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.
 
Glückauf
kdk
  

 Schmunzelpost 1495 vom 3. 4. 25

Beschäftigt man sich mit den USA, dann merkt man schnell, dass die Zahl berühmter Amerikaner, bei denen die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn recht durchlässig scheint, fast unerschöpflich ist. Heute geht es um einen Milliardär, der u.a. Autos produzierte und der weltbekannt ist. Nein, ich rede nicht von Elon Musk, ich meine Henry Ford.
 
Dieser Mann veränderte die Welt. Als Ford 1908 sein Modell T auf den Markt brachte, gab es in den USA 2200 verschiedene Automarken. Diese Fahrzeuge waren jedoch allesamt in erster Linie Spielzeuge für Wohlhabende. Mit dem Einsatz der Fließbandproduktion gelang es Ford, erstmals ein erschwingliches motorisiertes Fortbewegungsmittel für jedermann zu etablieren, mit ungeahnten Auswirkungen. Und die perfektionierte Massenproduktion wurde ganz schnell zum Vorbild für andere Sparten, die industrielle Arbeitswelt verwandelte sich grundlegend.
 
In den Ford-Werke war es nicht gestattet, sich zu unterhalten, zu pfeifen oder sich hinzusetzen. Die Arbeiter hatten pro Schicht nur eine 30-minütige Pause, um zu Mittag zu essen, zur Toilette zu gehen oder alle Viere gerade sein zu lassen. Auf der anderen Seite führte Ford bereits 1914 den Achtstunden-Tag und die Vierzigstundenwoche ein und verdoppelte den Durchschnittslohn auf fünf Dollar am Tag. Das geschah jedoch nicht aus Wohltätigkeit, sondern um die haarsträubende Fluktuation der Beschäftigen zu stoppen. Die lag 1913 bei 370 Prozent.
 
Andere Zahlen verdeutlichen den rasanten Aufstieg des Großindustriellen. In nur zehn Jahren schuf Ford ein Imperium, zu dem mehr als 50 Fabriken auf sechs Kontinenten gehörten. 200.000 Beschäftigte produzierten die Hälfte aller weltweit hergestellten Autos. Mit einem geschätzten Vermögen von zwei Milliarden Dollar galt Henry Ford 1918 als erfolgreichster Geschäftsmann aller Zeiten.
 
Hinter einer derartigen Karriere muss doch ein ausgesprochen kluger Kopf stecken, sollte man meinen. So kann man sich irren: Die Nachwelt fällt ein anderes, unbarmherziges Urteil. Ford, der sich sein ganzes Leben lang nie weiter als zwölf Meilen von seinem Geburtsort Detroit entfernte, war engstirnig und ungebildet sowie nahe am Analphabetentum. Er vertrat feste, jedoch oft mehr als zweifelhafte Überzeugungen. Ford verabscheute Banker, Ärzte, Alkohol, Tabak und jegliche Form von Müßiggang. Und er hasste pasteurisierte Milch, hohe Gebäude, die Todesstrafe, übergewichtige Menschen, Kriege, College-Absolventen, Bücher und das Lesen im Allgemeinen sowie Katholiken und Juden.
 
Was das für Auswirkungen hatte, darüber berichtet die nächste Schmunzelpost. Solange singen wir nach Heinz Erhardt: "Fuhr der alte Ford fort, fuhr er nur im Ford fort..."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ich bin wohl nicht der einzige Morgenmuffel im Kreise der Schmunzelpost-Leser. Rainer fügt ein Zitat und einen poetischen Nachtrag hinzu.
 
Jean-Paul Belmondo sagte: "Morgens kommt mir der Tagesbeginn meistens ungelegen." Und Mascha Kaleko reimte:
 
Langschläfers Morgenlied
 
Der Wecker surrt. Das alberne Geknatter
Reißt mir das schönste Stück des Traums entzwei.
Ein fleißig Radio übt schon sein Geschnatter.
Pitt äußert, daß es Zeit zum Aufstehn sei.
 
Mir ist vor Frühaufstehern immer bange....
Das können keine wackern Männer sein:
Ein guter Mensch schläft meistens gern und lange.
– Ich bild mir diesbezüglich etwas ein …
 
Das mit der goldgeschmückten Morgenstunde
Hat sicher nur das Lesebuch erdacht.
Ich ruhe sanft. – Aus einem kühlen Grunde:
Ich hab mir niemals was aus Gold gemacht.
 
Der Wecker surrt. Pitt malt in düstern Sätzen
Der Faulheit Wirkung auf den Lebenslauf.
Durchs Fenster hört man schon die Autos hetzen.
– Ein warmes Bett ist nicht zu unterschätzen.
… Und dennoch steht man alle Morgen auf. 
 

Schmunzelpost 1494 vom 2. 4. 25

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich zur Sippe der Morgenmuffel gehöre? Das veranlasst mich heute dazu, meine Betrachtungen über die Zeitumstellung mit einem Nachtrag zu versehen. Es ist großer Mist, wenn der hauseigene Kater diesen Akt der Willkür viel schneller verinnerlicht als man selbst!
 
Im Winterhalbjahr macht er sich erst gegen 9.30 Uhr oder 10 Uhr bemerkbar und fordert durch Kratzen an der Tür und, bei ausbleibendem Erfolg, allmählich anschwellendem Klagegesang sein Frühstück ein. Nun aber frage ich mich, ob der Kater irgendwann eine Funkuhr verschluckt hat. Letzte Woche hat er sich jedenfalls erst gegen 9 Uhr gemeldet, jetzt aber steht er bereits um 8 Uhr auf der Matte und kräht unbarmherzig, bis sich der Morgenmuffel unwillig aus dem Bett quält. 
 
Dann macht sich als erstes ein Hemingway-Zitat in meinem noch schlaftrunkenen Hirn breit: "Ein Tag, der morgens beginnt, kann nicht mehr gut werden." Wohl wahr. Es muss am hohen Grad der Zustimmung liegen, dass Sprüche aus dieser Kategorie besonders gut in meinem Gedächtnis kleben bleiben. Hier ist noch einer, dessen Urheber ich allerdings nicht kenne: "Was ist das nur für ein Land, in dem es morgens schon hell wird?" Dazu kenne ich eine passende Feststellung: "Schon gewusst? Bis 6 Uhr aufbleiben ist einfacher als um 6 Uhr aufzustehen."
 
Während ich die morgendliche Litanei mit der Trauer um den entgangenen Schlaf beende - "Giraffen schlafen nur eine halbe Stunde pro Tag. Würde ich so wenig schlafen, hätte ich auch so einen Hals." - gebe ich mir das finale Kommando: "Alle, die gegen das Aufstehen sind, bitte jetzt aufstehen!" Und wenn ich nun schon einmal auf den Beinen bin, kann ich auch gleich mal den Kater füttern. . .
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1493 vom 1. 4. 25 

Die heutige Schmunzelpost beginne ich mit einer Warnung. Glaubt an diesem Tag nicht alles, was man Euch erzählt. Und lasst Euch vor allem nicht in den April schicken! Einige Zeitgenossen haben immer noch diebischen Spaß daran, wenn ihnen ihre Opfer auf den Leim gehen. 
 
Ursprünglich zielte der Brauch darauf ab, dass jemand wirklich eine unsinnige Aufgabe erfüllte und nicht bloß eine ausgedachte Geschichte für eine Tatsache hielt. So wurden bei der Stadt Dorsten gern Auszubildende mit dem Auftrag entsandt, schnell mal aus der Kämmerei den Zinsfuß zu holen. Bis die Chefredaktion es wegen der Vielzahl von mehr oder weniger gelungenen Scherzen auf fast allen Zeitungsseiten generell untersagte, haben wir auch in der Lokalredaktion versucht, unsere Leser zu veräppeln. 
 
Den größten "Erfolg" hatte ich mit einem Aufruf zum Angelwettbewerb im damals noch recht neuen Dorstener Wallgraben. Dafür seien am Vorabend eigens Fische ausgesetzt worden. Zu meiner Freude schluckten wirklich mehrere Hobbyfischer meinen Köder, die es dann mächtig wurmte, darauf hereingefallen zu sein. Einer merkte noch rechtzeitig, dass die Sache einen Haken hatte und murmelte kopfschüttelnd: "War doch klar, dass das nur Blödsinn ist." Dann stieg er wieder in sein Auto, auf dessen Rückbank eine Angelausrüstung lag.
 
Da die heutige Spaßvogel-Generation ihre Ideen hauptsächlich aus dem Netz importiert, habe ich mal im Internet nachgeschaut, welche Tricks dort empfohlen werden. Häufig ist eine Uralt-Nummer dabei. Hütet Euch also, wenn Ihr Euren Frühstückskaffee mit Zucker süßen wollt - womöglich hat ein Schelm den Streuer mit Salz gefüllt. Einen ordentlichen Schreck löst es aus, die Klopapier-Rolle durch Luftschlangen zu ersetzen. Allerdings sollte unbedingt echtes Toilettenpapier in Reichweite liegen.
 
In zwei Nachbarländern wird man misstrauisch, wenn einen jemand besonders herzlich umarmt und kräftig drückt. In Frankreich und Italien ist es nämlich am ersten April üblich, anderen heimlich Zettel auf den Rücken zu kleben. Mit freundlichen Aufschriften wie "Casanova", "Sittenstrolch" oder "Tattergreis - bitte im Seniorenheim abgeben". Und die Briten? Die altehrwürdige BBC war womöglich die erste Rundfunkanstalt, die am 1. April bewusst Fake-News in die Welt setzte. Ein Klassiker aus dem Jahr 1957 ist heute noch auf You Tube zu finden. Darin zeigt eine vermeintlich hochseriöse Dokumentation die Spaghetti-Ernte in der Schweiz, wobei die Nudeln von Bäumen gepflückt werden. Und der Kommentator schwärmt in bestem Oxford-Englisch, nichts gehe über "homegrown spaghetti".
 
Jetzt entschuldigt mich bitte. Ulla ruft mich. Ich soll eben mal im Garten ihre frisch gepflanzten Makkaroni gießen.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Britische Journalisten haben es faustdick hinter den Ohren. Am 1. April 1976 berichtete die BBC über eine seltenes astronomisches Phänomen. Exakt um 9.47 Uhr werde der Pluto erstmals hinter dem Planeten Jupiter stehen. Dadurch verringere sich auch auf der Erde ein paar Sekunden lang die Gravitation. Wer genau zur genannten Zeit in die Luft springe, werde das deutlich spüren. Und Tausende Briten hüpften dem Jupiter entgegen. . . 

 
 

 Schmunzelpost 1492 vom 31. 3. 25 

Nein, ein Magengeschwür kriege ich davon nicht. Aber zu den Dingen, über die ich mich ärgere, gehören Tipp- und Druckfehler. Selbst in der Schmunzelpost rutscht mir manchmal etwas durch, trotz nochmaliger Kontrolllesung. Aber vielleicht bin ich nach Mitternacht gelegentlich betriebsblind. Als Journalist nerven mich jedoch auch fremde Fehler in Druckerzeugnissen aller Art. Selbst der Spiegel, indem man früher sogar mit dem Atommikroskop vergeblich nach Rechtschreib-Pannen suchen konnte, schleichen sich heutzutage Fehler ein. Von der Tageszeitung gar nicht zu reden.
 
Mitunter haben solche Pannen aber durchaus eine heitere Seite. Da ich im Spiegel stets hinten mit dem Lesen beginne, freue ich mich stets über ein paar besondere Blüten im Hohlspiegel. Vor kurzem habe ich selbst mal eine Überschrift aus den Ruhr Nachrichten eingesandt, die aber vermutlich wegen der allgemeinen Fehlerflut keine Aufnahme fand. Schade. "Ringelnatz tritt Kästner" hätte das notwendige Potenzial gehabt. 
 
Nun habe ich auf Bahnreisen für unvorhergesehene Pausen stets Überbrückungs-Lektüre dabei. Möglichst kurze, heitere Texte. Diesmal steckte "Im Bann des Eichelhechts" von Axel Hacke im Rucksack. Der Kolumnist hat in seinem Büchlein aus jahrzehntelang von Lesern eingesandten Beispielen vergewaltigter Rechtschreibung lustige "Geschichten aus Sprachland" geformt. Hier eine kleine Kostprobe.
 
In Großbritannien empfing das "Grand Hotel" eine deutsche Reisegruppe mit einem schriftlichen "Willkemmon!". Beim folgenden Menü-Angebot lief mir zwar nicht das Wasser im Munde zusammen, dafür schossen mir aber Tränen in die Augen. Die Gäste hatten die Wahl zwischen "Braten Sie Bein englischen Lammes MIT ROSMARIN GEDIENT, WITTERTE BRATENSAFT" oder "Selbstgefertigtes Hähnchen Kiew-Filet Von Hähnchen, das MIT EINER Knoblauch-Butter gefüllt-wird, Breadcrumbed Und backte Bis Golden."
 
Zum Schluss gab es etwas, was die Reisenden bestimmt gut brauchen konnten: "Frisch gegorener Kaffee".
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1491 vom 30. 3. 25

Diesmal war ich schwer in Versuchung: Was passiert, wenn ich die Schmunzelpost zwischen zwei und drei Uhr versende, also in der ominösen Stunde, die wegen der Zeitumstellung gestrichen wird? Diese Frage ließ meine Synapsen heftig rotieren, brachte mir jedoch außer einer schönen Überschrift ("Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", die sollte ich mir eigentlich urheberrechtlich schützen lassen) keine plausiblen Erkenntnisse. Stattdessen befasse ich mich lieber mit dem Stundenbegriff, weil das nicht stundenlang dauert. 
 
Eine Stunde, das ist womöglich für Euch nichts Neues, dauert sechzig Minuten und umfasst ein Vierundzwanzigstel des Tages. Der Begriff stammt vom althochdeutschen "stunta" ab, was so viel bedeutet wie "stehen", "feststehender Zeitpunkt" oder "kurzer Zeitraum". So ein kurzer Zeitraum kann aber ganz schön lang werden. Denn obwohl im Gegensatz zur Zeitstunde eine Unterrichtsstunde nur 45 Minuten dauert, kam sie mir früher oft viel länger vor. Jedenfalls dann, wenn ich lieber gelesen hatte als mich auf den Schulstoff vorzubereiten - dann kam es zu einem spannenden Wettlauf zwischen der Pausenklingel und einer drohenden direkten Ansprache durch die Lehrer, mit der dringenden Bitte etwas Produktives zum Unterricht beizutragen. 
 
So hätte ich im Fach Geschichte völlig versagt, wenn es darum gegangen wäre, die alten Ägypter als diejenigen zu benennen, die erstmals die Tage in Stunden einteilten. Allerdings war im Zeitalter der Pharaonen die Stunde des Sonnenaufgangs die erste des Tages. Die verschnarchten Italiener begannen erst bei Sonnenuntergang mit der Zählung. Heute hat sich die Welt dagegen darauf festgelegt, dass der Tag um Mitternacht beginnt. 
 
Darüberhinaus wird die Stunde mitunter nicht wegen ihrer Dauer von 60 Minuten genannt, sondern wegen ihrer Bedeutung. Hemingway schrieb den Roman "Wem die Stunde schlägt", und eine solche Stunde kann auch schon mal ganze drei Tage andauern. Oder im Falle eines Fußballers 90 Spielminuten: "Das war die große Stunde von Klaus Fischer - drei Tore und fünf Fallrückzieher. Oder war es umgekehrt?" 
 
Die Stunde, die uns durch die Zeitumstellung geklaut wird, sehe ich als Rentner übrigens ganz gelassen. Zumal wir sie ja Ende Oktober zurückbekommen. Allerdings wäre ich dafür, auf die Umstellung zu verzichten und es ganzjährig bei der Sommerzeit zu belassen. Doch dazu braucht es im Europa-Parlament eine historische Stunde seltener Einmütigkeit. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1490 vom 29. 3. 25

Am Donnerstag erlebte ich einen glücklichen Abend. Das war einem glücklichen Zufall zu verdanken. Die Organisatoren hatten übersehen, dass der "Welttag des Glücks" bereits am 20. März im Kalender stand und nicht erst am 27. März. Da ich jedoch am 20. 3. ohnehin einen NABU-Termin hatte und auch noch die Mediziner meinen Zeitplan durcheinander brachten, wurde die Datumswahl für mich ein Glücksfall. Denn wie alle "Auslese"-Veranstaltungen im Wulfener Gemeinschaftshaus war auch diese wieder sowohl unterhaltsam wie informativ.
 
Es ging ums Glück und das Verhältnis von Glück und Geld. Nun sagte zwar schon Albert Einstein: "Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt." Dem Physiker halte ich die Binsenweisheit entgegen: "Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt." Und um meinem Ruf als Schluckspecht gerecht zu werden, füge ich noch den Spruch hinzu, der eingangs des Auslese-Abends auf der Leinwand zu lesen war: "Glück kann man nicht kaufen. Liebe auch nicht. Alkohol schon!"*Noch treffender: "Wer meint, Glück nicht anfassen zu können, hat noch nie eine Katze gestreichelt!"


Im Verlauf des Abends habe ich einiges dazugelernt. Etwa, dass der Spruch: "Glücklich ist, wer vergißt" aus der "Fledermaus" von Johann Strauß stammt. Das wusstet Ihr womöglich. Aber wusstet Ihr auch, dass Gotthold Ephraim Lessing als Dramatiker der Aufklärung auch gelegentlich den Schalk im Nacken hatte? Lessing setzte sich nicht nur z.B. mit "Nathan, der Weise" für Toleranz gegenüber anderen Religionen ein, er verfasste auch Gedichte wie das "Lob der Faulheit". Das trug ihm nicht nur meine Sympathie ein, sondern auch Lessings Zeitgenosse, der Komponist Joseph Hadyn, war davon so begeistert, dass er ein Lied aus dem Poem machte.**

Und schließlich erfuhr ich erstaunliches über das kleine asiatische Land Bhutan. Eigentlich heißt es "Druk Yul", das "Land des Donnerdrachens". Der Staat im Himalaya ist etwa so groß wie die Schweiz und immer noch eine konstitutionelle Monarchie mit König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck an der Spitze. Er regiert rund 780.000 Menschen. Hauptstadt ist Thimpu, Amtssprache Dzongkha. Aber jetzt kommt's: Bhutan ist das einzige Land der Erde, in dem das "Recht auf Glück" in der Verfassung steht! Deshalb gibt es dort sogar ein Glücksministerium.

Ebenso außergewöhnlich: Bhutan ist der einzige klimaneutrale Staat der Erde! Nur hier wird der Atmosphäre mehr Kohlendioxid entzogen als zugefügt. Vorherrschende Religion ist der Buddhismus. Und den nimmt man wirklich ernst. Bhutan strebt nicht nach Wirtschaftswachstum, sondern setzt auf Natur- und Umweltschutz sowie das Glück seiner Einwohner als oberste Ziele.


Und was sagt der Begründer des Buddhismus dazu? Von Buddha stammt das Zitat: "Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklichsein ist der Weg." Mein Favorit aber ist Erasmus von Rotterdam: "Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit."***

Glückauf (das passt heute besonders gut!)
kdk

PS. *-Anmerkung eines Abstinenzlers: "Alkohol macht dumm und gleichgültig." "Kapier ich nicht. Ist mir aber auch egal..."

PPS. ** Lob der FaulheitFaulheit, jetzt will ich dir
Auch ein kleines Loblied bringen. -
O - - wie - - sau - - er - - wird es mir, - -
Dich - - nach Würden - - zu besingen!
Doch, ich will mein Bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.Höchstes Gut! wer dich nur hat,
Dessen ungestörtes Leben - -
Ach! - - ich - - gähn´ - - ich - - werde matt - -
Nun - - so - - magst du - - mir‘s vergeben,
Dass ich dich nicht singen kann;
Du verhinderst mich ja dran. PPPS. *** Ebenso gut finde ich die Erkenntnis von Albert Schweitzer: "Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt."
 

Schmunzelpost 1489 vom 28. 3. 25 

 Die Welt verändert sich. Jährlich, wöchentlich, täglich, sekündlich. Nicht ganz so rasant wechseln auch die Namen von Städten und Ländern. Wenn wir eine Landkarte, die vor 2000 Jahren entstand, mit unserem heutigen Weltatlas vergleichen, werden wir kaum vertraute Bezeichnungen darauf finden. Aber auch in der jüngeren Vergangenheit galt es, den Namenstausch zu beachten. Dass beispielsweise Städte in ihrer Landessprache oft ganz anders heißen, als uns Deutschen vertraut ist, klammere ich jetzt einmal aus. Doch allein schon die Bezeichnungen aus der Kolonialzeit für Städte und Länder haben sich uns eingeprägt. Gut, dass aus Siam Thailand wurde und Persien jetzt Iran heißt, ist uns geläufig. Doch in Afrika, das muss ich gestehen, habe ich teilweise den Überblick verloren.

 

Immerhin bekam ich meist mit, welche Städte seit meiner Geburt ihren Namen wechselten. Nein, leider ist niemand auf die Idee gekommen, anlässlich meiner Taufe Lünen-Oberaden in Klausborn umzubenennen. Aber dafür machte man später in Chemnitz die Rolle rückwärts und schickte die Karl-Marx-Stadt ins Reich der Geschichte. Dort ruhen auch Stalingrad (heute wieder Wolgograd ) und Leningrad (Sankt Petersburg - Petrograd - Leningrad - Sankt Petersburg).

 

Besonders heftig drehte sich das Namenskarussell in Kasachstan. Ursprünglich hieß die kasachische Hauptstadt Akmola und dann Akmolinsk, bevor sie 1998 den Namen Astana annahm. Doch bereits 2019 wurde Astana erneut umbenannt, diesmal in Nur-Sultan. Das ist eine Hommage an Staatsoberhaupt Nursultan Nasarbajew, der nach 29 Jahren an der Macht zurücktrat. Wenn Putin seinem Beispiel folgt, falls man Moskau dafür in Putingrad umtauft, hätte das meine volle Unterstützung. 
 

 

Manchmal erfolgen Umbenennungen auch auf Wunsch der Einwohner. Dass vor kurzem auf Drängen der Bürger "Fucking" in "Fugging" umbenannt wurde, ist nachvollziehbar. Kein Verständnis habe ich jedoch dafür, wenn ein einzelner Größenwahnsinniger nach dem Pippi Langstrumpf-Prinzip verfährt ("Ich mach mir die Welt - Widdewidde - wie sie mir gefällt!") und nach Gutdünken Regionen, für die er überhaupt nicht zuständig ist, neu bezeichnet. Nachdem aus dem Golf von Mexiko zumindest in den USA der Golf von Amerika geworden ist, erwarte ich nun, dass bald weitere Umbenennungen folgen. Wie wäre es mit "Donaldsburg" für Miami oder "Trumptown" für Washington?

 

Wir an der Lippe sollten die Zeichen der Zeit erkennen und diesem Beispiel folgen. Wulfen könnte ich mir gut als Stockhoffsdorf vorstellen. Um einen Altbürgermeister zu ehren, könnte aus Holsterhausen Lütkenhausen werden. Und dann, so finde ich, müsste doch am Kanal auch eine Krause-Lagune drin sein.

 

Glückauf

kdk

 

Schmunzelpost 1488 vom 27. 3. 25

Ständig sorgt der amtierende US-Präsident dafür, dass er mir nicht mehr aus dem Kopf geht, obwohl ich doch nach dem Vorbild von Axel Hacke seinen Namen nicht mehr nennen will. Da sei der unaussprechliche Lord Voldemort vor! Wie der Zufall es will, stolpere ich dafür in Geschichtsbüchern jetzt dauernd über andere amerikanische Staatsoberhäupter, die ebenfalls unangenehm aufgefallen sind.
 
Jüngstes Beispiel ist Warren G. Harding. Dem gelang das Kunststück, binnen weniger Jahre in der Volksgunst vom vielleicht beliebtesten bis zum meistgeschmähten Präsidenten abzustürzen. Der 57-Jährige verstarb während seiner ersten Amtszeit am 2. August 1923, nachdem er zuvor bei einer Alaska-Reise über Beschwerden geklagt hatte und dann auf der Rückfahrt in einem Hotelbett in San Francisco tot aufgefunden wurde. Neun Millionen Amerikaner säumten die Zugstrecke, die seinen Leichnam zurück nach Washington brachte. Dort begleiteten drei Millionen Bürger den Trauerzug zur Beisetzung.
 
Was aber machte den Mann so beliebt, dass er 1921 mit mehr als 60 Prozent der Stimmen gewählt wurde? Er sah gut aus. Punkt. Historiker urteilten jedoch ungnädig über den Verleger einer Kleinstadt-Zeitung aus Ohio. Die Zahl seiner Talente sei arg begrenzt gewesen. Doch als Theodor Roosevelt, der eigentliche Favorit der Republikaner, plötzlich verstarb, war die Not groß. Angesichts lauter schwacher Kandidaten quälten sich die Delegierten auf einem von drückender Hitze heimgesuchten Parteitag 1920 vier Tage lang vergeblich. Bis man sich auf den schlechtesten einigte, der zur Verfügung stand: "Er sah wenigstens so aus, wie man sich einen Präsidenten vorstellt."
 
Insider berichteten jedoch, dass Harding in fast jeder Beziehung (Intelligenz, Charakter, Unternehmungsgeist) deutlich hinter dem Mittelmaß zurückblieb. Das galt auch für seine Manieren. Ein New York Times-Reporter erlebte bei einem Gespräch im Weißen Haus mit, dass Harding plötzlich aus seinem Sessel aufstand und ungeniert in einen offenen Kamin urinierte. Das erfuhr die Öffentlichkeit jedoch erst viele Jahre später. Hardings Wähler waren vor allem angetan von seinen Forderungen, die Einwanderung zu beschränken (kommt mir irgendwie bekannt vor) und eine Politik der Nichteinmischung zu betreiben: "Für uns zählt nur Amerika, der Rest der Welt ist uns scheißegal."
 
Als Präsident fiel Harding vor allem dadurch auf, dass er durch nichts auffiel. Haarsträubende Vergaben von MInisterämtern und anderen wichtigen Posten regten lange Zeit keine größere Zahl von Menschen auf. Zum Leiter der US-Zentralbank bestimmte Harding einen Freund und Nachbarn, dessen bemerkenswerteste berufliche Leistung zuvor darin bestanden hatte, dass er in den Vorstand einer Baumaschinen-Firma berufen worden war. Als verantwortlichen Militärberater wählte Harding jemand aus, der früher Zeitungszusteller seiner Familie gewesen war. Und die Familie selbst ging auch nicht leer aus: Seiner Schwester übertrug der Präsident eine führende Rolle im US-Public-Health-Service, das unserem Gesundheitsministerium ähnelte. Und deren Mann, der zuvor Missionar der Siebenten-Tag-Adventisten in Burma gewesen war, setzte er als Vorsteher sämtlicher Bundesgefängnisse ein. 
 
Hardings schlimmster Missgriff war jedoch die Berufung von Charles Forbes. Mit dem hatte sich der Präsident bei einer Reise nach Hawaii angefreundet, wusste aber fast gar nichts über seinen Schützling. Dass dieser besondere Begabungen hatte, kam erst viel später heraus: Als Minister verprasste Forbes in nur zwei Jahren 200 Millionen Dollar, wovon er vermutlich einen großen Teil für sich abzweigte. Und Hardings korrupter Innenminister verhökerte munter Pachtverträge für Ölfelder, was ihm 400.000 Dollar einbrachte. Insgesamt gelang es der Regierung Harding, die USA in nur 29 Monaten um etwa zwei Milliarden Dollar zu erleichtern.
 
Aber das kam erst heraus, als Harding längst das Zeitliche gesegnet hatte. Doch auch um seinen Tod ranken sich böse Gerüchte. Harding neigte nämlich zu Seitensprüngen. So hatte er mit der besten Freundin seiner Frau eine leidenschaftliche Affäre. Die aber wurde abserviert, als Harding 1919 eine 31 Jahre jüngere Frau in sein Herz schloss und mit ihr ein Kind zeugte. Das autobiografische Buch von Nan Britton "The Presidents Daughter" wurde 1927 zum Bestseller.
 
Obwohl die Ärzte 1923 einen "Herzinfarkt oder Schlaganfall" als Todesursache vermuteten, blieb der Tod Hardings ungeklärt. Später wurde über eine Vergiftung spekuliert. Denn Hardings Ehefrau weigerte sich entschieden, die Erlaubnis für eine Autopsie zu geben. Und es kam heraus, dass sie unmittelbar nach dem Tod ihres Gatten, mit dem sie wenige Minuten vor seinem Ableben am Abend noch entspannt geplaudert hatte, damit begann, all seine Dokumente zu vernichten. Dies wurde erst viel später bekannt. Und von da ab war der Liebling nur noch der Buhmann der Nation.
 
Zurück ins Jahr 2025. Ach, Mister President, zwar wünsche ich mir keineswegs Ihren Tod, obwohl Melania bestimmt Gründe hätte, sich nach erfolgversprechenden Rezepturen zu erkundigen. Doch es wäre toll, wenn die Amerikaner in ein paar Jahren in den Schulbüchern die ungeschminkte und wahrhaftige Geschichte der Amtszeit ihres 45. und 47. Präsidenten nachlesen könnten. Für Sie wäre das dann eine interessante Lektüre, um sich die Haftzeit zu verkürzen.
 
Glückauf
kdk
   

 Schmunzelpost 1487 vom 26. 3. 25

"Jedes Spiel hat zwei Halbzeiten." Diese alte Erkenntnis von Sepp Herberger traf, was die Gegensätzlichkeit betrifft, selten so zu, wie bei der Begegnung zwischen Deutschland und Italien am Sonntag in Dortmund. Für Kulturbanausen, die sich für die feinste Kunst, die auf den größten Bühnen der Welt geboten wird, nicht die Bohne interessieren: In der ersten Halbzeit spielte das deutsche Team die Italiener förmlich an die Wand. Beim Pausenpfiff stand es 3:0. Die TV-Kommentatoren schwärmten in den höchsten Tönen und spekulierten darüber, wie die italienische Presse ihre Mannschaft zerreißen würde. Doch dann kam alles anders: Am Ende stand es 3:3. Und hätte die Partie noch ein paar Minuten länger gedauert, wäre sie vielleicht sogar noch für die Deutschen verloren gegangen.
 
Dafür gab es Gründe. Die Siegesgewissheit, die unser Team womöglich unbewusst einen Gang herausnehmen ließ. Das frühe erste Gegentor, begünstigt durch einen ungenauen Rückpass und einen Ausrutscher. Die daraufhin aufkommende Nervosität und die Auswechslung einiger Spieler, wodurch die eingespielte Ordnung verloren ging. Wie dem auch sei: Durch einen blöden Handelfmeter kurz vor Schluss rückt das Spiel in die Reihe von Unentschieden auf, die man als Fußballfreund nicht vergisst.
 
So gab es vor Jahren mal ein Länderspiel gegen Schweden, in dem Deutschland sogar 4:0 führte und sich am Ende mit einem 4:4 begnügen musste. Dieses Ergebnis führt mich selbstverständlich zur "Mutter" aller dramatischen Unentschieden. Es war einmal eine Schalker Mannschaft, die in Nordlüdenscheid mit 0:4 in Rückstand geriet. Sie gab trotzdem nicht auf. Und als in der 60. Minute der Anschlusstreffer fiel, brachen alle Dämme. Ich sage nur: Burgstaller! Harit! Caliguri! Und Naldo in der 90.+4. Spielminute! 
 
Doch es geht noch wilder. 2010 trennten sich in der 2. Liga Energie Cottbus und der Karlsruher SC nach wechselvollem Spielverlauf 5:5. Dieses Ergebnis als torreichstes Unentschieden in der Bundesliga-Geschichte hat es vorher auch schon zweimal in der 1. Liga gegeben. 1973 trotzte Schalke 04 dem FC Bayern im Heimspiel durch ein 5:5 einen Punkt ab, und ein Jahr später trennten sich Eintracht Frankfurt und der VfB Stuttgart mit demselben Ergebnis.
 
Doch im Ausland konnte man es noch besser. Es waren Schotten, die bewiesen, dass sie nicht mit Toren geizen. 2010 lag der Erstliga-Club Motherwell in der 65. Minute gegen die Gäste von Hibernian Edinburgh 2:6 zurück, und viele Zuschauer machten sich vorzeitig auf den Heimweg. Sie verpassten eine Aufholjagd sondergleichen. In der 90. Minute stand es 5:6, als die Gastgeber einen Elfmeter zugesprochen bekamen - die Riesenchance auf ein Unentschieden. Doch der Torwart hält! Dafür steht das Stadion drei Minuten später kopf, als Motherwell ganz kurz vor dem Schlusspfiff mit einem Traumtor doch noch das 6:6-Unentschieden gelingt.
 
6:6? Da war doch auch hier uns was? Richtig! Es gibt eben fast nichts, was Schalke 04 nicht kann. Allerdings kam dieses Resultat erst in der Verlängerung eines DFB-Pokalspiels zustande, als die Knappen als Zweitligist den Bayern ein Wiederholungsspiel abtrotzten. Für den damals blutjungen Olaf Thon war dies das Spiel des Lebens, das ihn mit einem Schlag berühmt machte. Bewundert wurde Olaf damals auch für seine Zitate: "Man soll auch die anderen Mannschaften nicht unter dem Teppich kehren lassen."
 
Aber Liberos sind Freigeister und haben solche Sprüche drauf. Lothar Matthäus sagte: "Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken." Und wenn Franz Beckenbauer noch lebte, hätte er als Prognose für den Ausgang eines Spiels womöglich wieder philosophiert: "Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage." Doch wer wird das Fußballern verübeln, wenn selbst Sprachprofis mal am Mikrofon total ins Trudeln geraten. WDR-Reporter Jochen Hageleit: "Er spielte ohne Tal und Fehdel."
 
Ich hoffe, das stammelt Ihr auch über meine Schreibkunst. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1486 vom 25. 3. 25

"Die hundert besten...", "die hundert wichtigsten...", "die hundert schönsten..." - Rangfolgen und Hitlisten sind sehr beliebt, aber auch sehr fragwürdig. Die Auswahl erfolgt stets subjektiv. Aber wer könnte auch unter Millionen von Büchern oder Musiktiteln objektiv die allerbesten benennen? Trotz allem schaue ich immer wieder drauf, wenn irgendwo ein derartiger Kanon erscheint. Jetzt war es der Spiegel, der sich zutraute, "die hundert besten Werke internationaler Erzählkunst von 1925 bis 2025" aufzulisten.
 
In der Jury saßen zwei Frauen und zwei Männer. Eine Literaturprofessorin, ein Schriftsteller und Literaturkritiker, eine Lektorin und Literaturkritikerin und ein Philosoph. Da wundert es mich nicht, dass ein recht buntes Sammelsurium herausgekommen ist. Den Spitzenplatz erreichte "Mrs. Dalloway" von Virginia Woolf, ein Werk, das es auf Grund seines Alters gerade so eben schaffte, überhaupt berücksichtigt zu werden - es erschien erstmals 1925. Ich habe dieses Buch weder gelesen noch vorher davon gehört. Trotzdem glaube ich, dass man viele andere Werke finden könnte, die solch einen Platz an der Sonne eher verdient hätten - unabhängig davon, welche Maßstäbe die Jury anlegt.
 
Immerhin liegt auf Rang drei ein Buch, das ich gelesen habe: "Fiesta" von Ernest Hemingway. Leider kenne ich jedoch zwei, drei weitere Bücher dieses Autors, die mir deutlich besser gefallen haben. Aber was soll's? Das fünfte Jury-Mitglied hieß nun mal nicht Klaus Krause, was auch mangels Qualifikation ganz gut ist. Und trotz aller Vorbehalte hat die Liste für mich durchaus einen Wert. Ich erfahre etwas über Autoren, die ich nicht kannte, die ich aber vielleicht kennenlernen sollte. Oder ich schaue vielleicht mal in ein Buch, das bekannteren Werken des gleichen Verfassers bei der Auswahl vorgezogen wurde.
 
Angenehm überrascht bin ich, weil nicht nur "Hochliteratur" Eingang in den Spiegel-Kanon gefunden hat. So ist zum Beispiel auch J. R. R. Tolkien auf Rang 26 mit "Herr der Ringe" vertreten, ein Werk, das viele Kritiker naserümpfend als zu trivial empfinden. Und man höre und staune: Auch Joanne K. Rowling hat mit "Harry Potter und der Orden des Phoenix" auf Platz 74 Einlass gefunden. Mich hatte damals gestört, dass in diesem fünften Band der Reihe der kindlich-märchenhafte Charme der Anfangsbände von blutigem Ernst verdrängt worden war. Doch die ausführliche Begründung für die Platzierung kann ich nachvollziehen und werde das Buch vielleicht noch einmal mit anderen Augen lesen, um die Parallelen zur Gegenwart und dem erneut aufkommenden Faschismus zu beachten.
 
Gut die Hälfte der aufgelisteten Bücher kommt aber für mich gar nicht in Frage. Das liegt vor allem daran, dass ich mich gern von einer spannenden Geschichte, die in angemessenem Stil verfasst ist, in ihren Sog ziehen lasse. Vor allem, wenn darin Charaktere ausgeleuchtet, soziale Umstände beschrieben und geschichtliche Zusammenhänge hergestellt werden. Werke, die hauptsächlich von der Sprachkunst leben, langweilen mich dagegen. Und dann kommt noch ein schwerwiegendes Manko hinzu, das mich von vornherein als ernsthaften Kritiker disqualifiziert: Tragödien quälen mich, gerade auch, wenn sie gut und authentisch geschrieben sind. Ich gehöre leider zu den vielen Lesern, die sich in Fantasie-Welten flüchten und ein Happy-End bevorzugen, wenn die Handlung nicht zu plump konstruiert und gerne auch mit Humor gewürzt ist. Auch wenn ich dafür fünf Euro ins Phrasenschwein werfe: Das Leben ist ernst genug.
 
Tja, unter solchen Voraussetzungen werde ich es wohl nie ins literarische Quartett schaffen, auch wenn mit Johannes B. Kerner diesmal sogar ein Journalisten-Kollege dabei gewesen ist. Und als Autor wird mir wahrscheinlich auch niemals der Sprung in solch eine Besten-Liste gelingen. Es sei denn, der Spiegel käme auf die verwegene Idee, eine Rangfolge der 100.000 besten deutschen Bücher des Monats August 2022 zu veröffentlichen - dann könnte es für "Krauses Zeug" knapp reichen. 

 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1485 vom 24. 3. 25

Wer sich seine Sicht auf die Welt säuberlich in schwarz und weiss eingeteilt hat, der muss bei genauerem Hinsehen feststellen, wieviel in Wahrheit kunterbunt durcheinander geht. Auch meine Welt war früher in gut und böse aufgeteilt. Und in Kindheit und Jugend waren die Amerikaner stets die Guten. Hatten sie nicht den rasanten Wiederaufstieg Westdeutschlands mit dem Marshallplan möglich gemacht? Hatten sie nicht mit ihren Rosinenbombern den Westberlinern die Freiheit bewahrt? Und überhaupt: Standen sie nicht als Kämpfer für Freiheit und Frieden als Bollwerk, heute würde man sagen, als Brandmauer, gegen die Mächte des Bösen? Damals trug Darth Vader noch keine Maske, er hieß Chruschtschow, stationierte auf Kuba Atom-Raketen und haute gern seinen Schuh auf ein Rednerpult.
 
Na ja, ich muss zugeben, mein kindliches Amerikabild wurde weniger durch die Nachrichten, als durch Musik, Filme und TV-Serien geprägt. Jazz, Blues und Rock'n Roll schwappten aus den USA zu uns herüber, ohne sie wären Beatles und Stones, der Beat und die Rockmusik nicht denkbar gewesen. Auf der Kinoleinwand kamen unsere Helden allesamt aus Amerika. Heinz Rühmann hatte abgedankt. Und war der indigene Winnetou nicht auch ein Amerikaner? Im Fernsehen räumten derweil Detektive mit den US-Gangstern auf oder galoppierten mit Cowboy-Hut auf ihrer Bonanza-Ranch sogar durch eine Flammenwand.
 
Ein ganz wesentlicher Faktor waren für mich damals aber die Bewohner von Entenhausen, obwohl ich den Ort vergeblich auf der nordamerikanischen Landkarte suchte. Doch Donald Duck war eine Ente wie Du und ich, Tick, Trick und Track hätte ich mir als Kumpels gewünscht, Pluto als Haustier und Goofy als väterlichen Freund. Selbst A-Hörnchen und B-Hörnchen fand ich grundsympathisch.
 
Inzwischen haben alle meine Lichtgestalten erheblich Federn gelassen. Hinter ihnen stand mit Walt Disney ein Schöpfer, der in den USA zu den prägendsten Gestalten der Filmbranche gehört und mit 26 Oscars die meistgeehrte Person des Hollywood-Zirkus ist. Mit seinen Disneylands setzte er sich schon zu Lebzeiten selbst ein lukratives Denkmal. Doch seiner Geschäftstüchtigkeit, die eine Seelenverwandschaft mit einem gewissen Dagobert D. aufweist, standen die dunklen Seiten seines Charakters entgegen. Zwar stammt Micky Maus von Disney, aber Donald Duck war der geistige Sohn des Zeichners Carl Barks, den Disney stets mit ein paar Krümeln abfand.
 
Außerdem nahm Walt Disney den Gewerkschaften schwer übel, dass sie mit Streiks höhere Einkommen für die Mitarbeiter seines Konzerns durchsetzen wollten. Er rächte sich später dadurch, dass er Gewerkschafter in der McCarthy-Ära als Kommunisten denunzierte und so um Arbeit und Lohn brachte. Auch homosexuelle Schauspieler wurden gnadenlos gefeuert. Seine eher reaktionäre Gesinnung zeigte sich auch dadurch, dass er stets die konservativsten Republikaner unterstützte und somit die Saat auf einem politischen Feld legte, das sich in unserer Zeit zur vollen Blüte entfalten sollte.
 
Doch Disney ist längst nicht der einzige Held früherer Tage, dessen Ruf inzwischen ramponiert ist. John Wayne, der glorreiche Westernheld: Ein Säufer, der gern Frauen verprügelte und Anschauungen vertrat, die ihm heute eine rasante Karriere in der AfD bescheren würden. (Unter Donald T. wäre er vermutlich Vizepräsident). Chuck Berry und Jerry Lee Lewis? Die Rock'n Roll-Stars bevorzugten blutjunge Frauen und würden sich heute wegen Pädophilie verantworten müssen. John F. Kennedy? Der Strahlemann der Demokraten erlaubte sich nicht nur tausend Seitensprünge, sondern hatte auch fast mehr schmutzige Tricks auf Lager als sein Rivale und späterer Nachfolger Richard Nixon. FBI-Chef Hoover? Während in Film und Fernsehen FBI-Agenten unentwegt für Recht und Ordnung sorgten, hätten die Machenschaften ihres Bosses ihn für 1000 Jahre nach St. Quentin bringen müssen.
 
Kurzum: Der Vietnam-Krieg und der CIA-Anteil am Allende-Putsch in Chile brachten das Weltbild eines lange recht naiven Lüner Jugendlichen zum Einsturz. Von da ab war klar, dass sich bei fast allen amerikanischen Leitfiguren die Gene von Daniel Düsentrieb und Donald Duck, aber auch den Panzerknackern und Kater Carlo zu einer wilden Mischung vereint haben. Ich würde mir allerdings aus tiefstem Herzen wünschen, dass Donald T. etwas mehr von Oma Duck geerbt hätte.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Bei aller Kritik: Mir ist nach wie vor klar, dass bisher kein USA-Vertreter auf die Stufe von Stalin oder dem mörderischen Autokraten Putin herabgesunken ist. Hoffen wir gemeinsam, dass dies Donald T. auch in Zukunft nicht gelingen wird.
  

 Schmunzelpost 1484 vom 23. 3. 25

Zeitweise könnte man den Eindruck gewinnen, nirgendwo auf der Welt sei das Bahnchaos größer als bei uns. Zumal zum Vergleich immer Länder wie die Schweiz oder Japan herangezogen werden. Das ist jedoch unfair! Diese Streber profitieren auch von einer weit kleineren Versorgungsfläche. Und bei einem Gespräch mit Mitgliedern des deutsch-französischen Freundeskreises erfuhr ich jetzt, dass die Zustände in Frankreich weit schlimmer sind als bei uns.
 
Das gilt zwar nicht für den berühmten TGV. Aber in weiten Teilen des Landes ist die Lage für Bahnfahrer katastrophal. Dorstens Städtepartner aus Ernee können davon ein Lied singen. Für sie ist es ungleich leichter mit dem Flugzeug nach Paris zu gelangen als über die Schiene. Das liegt vor allem daran, dass man in Frankreich die Privatisierung gnadenlos durchgezogen hat. Und die vielen kleinen Gesellschaften machen keinerlei Anstalten, sich untereinander abzustimmen.
 
Für eine Reise über 600 Kilometer muss man unter Umständen fünf verschiedene Tickets erwerben. Wobei es eine Kunst, ist die Anschlusszeiten beim Umsteigen halbwegs hinzukriegen. Für eine Fahrt von der Südwest-Spitze bis zum Nordost-Winkel Frankreichs empfiehlt es sich daher, zwei Übernachtungen einzuplanen! Und dass man sich ohnehin nicht auf Pünktlichkeit verlassen kann, hat mit Streiks zu tun, die in Frankreich weit häufiger den Bahnverkehr lähmen als bei uns. Monsieur Claus Weselsky hat im Nachbarland offenbar viele Schwestern und Brüder im Geiste.
 
Der unpünktlichste Zug Europas fährt übrigens weder in Deutschland noch in Frankreich sondern durch Italien. Der Frecciarossa 8820 von Taranto nach Mailand ist im Jahr 2022 nur bei elf seiner 341 Fahrten pünktlich gewesen, das sind lediglich 3,2 Prozent. Noch extremer wird es, wenn Ihr Südostasien mit der Bahn bereisen wollt. Zwar arbeitet man beispielsweise in Vietnam kräftig daran, die Situation zu verbessern, aber nur auf wenigen Strecken ist dies bisher einigermaßen gelungen. So benötigt man für die Fahrt von Hanoi im Süden zur Hauptstadt Ho Chi Minh City 32 Stunden.
 
Reiseanbieter versuchen, diese Fahrt als Abenteuer zu verkaufen und weisen auf die Sehenswürdigkeiten links und rechts der Schienen hin. Aber wer ihre vorsichtigen Formulierungen beachtet, kann sich denken, was zwischen den Zeilen steht. "Der Standard und Komfort in den vietnamesischen Regelzügen ist jedoch einfach und kann sich je nach Zug und Klasse ändern. Auch die Sauberkeit entspricht nicht überall und immer unseren westlichen Erwartungen. Die Begegnungen unterwegs entschädigen für diese Tatsache und machen jede Fahrt zu einem Erlebnis."
 
Das kann ich mir vorstellen. Wenn bei einem Zwischenhalt ein fliegender Händler zusteigt und mir als Souvernir eine Giftschlange anbietet, empfinde ich das als durchaus spannend, selbst wenn das arme Tier schon tot ist. Aber weiter im Text: "Selbst wenn Sie im Schlafwagen reisen, empfehlen wir Ihnen, einen Seidenschlafsack mitzunehmen. In allen vietnamesischen Zügen befinden sich die Toiletten und Waschbecken jeweils am Wagenende. Dort gibt es auch einen Wasserspender mit kaltem und warmem Wasser. Die meisten vietnamesischen Züge führen einen Speisewagen. Die Speisewagen befinden sich direkt hinter der Lokomotive und servieren Getränke und einfache Gerichte. Wir empfehlen Ihnen jedoch, genügend Proviant auf die Zugfahrt mitzunehmen und sich nicht auf die Verpflegung im Speisewagen zu verlassen."
 
So, so, wir sollten also besser einen transportablen Kühlschrank mitführen. Und nachdem, was mitunter nach Europa durchdringt, auch ein Mini-Camping-Klo. Aber wenigstens in dieser Hinsicht sind wir durch die DB vorbereitet. Wer jemals auf der Suche nach einer funktionsfähigen und zumutbaren Toilette durch einen kompletten IC geirrt ist, der hat einen Notfallplan im Kopf.
 
Glückauf
kdk 

  Schmunzelpost 1483 vom 22. 3. 25 

Längere Zeit habe ich nicht mehr über die Bahn gemeckert. Das lag daran, dass es in diesem Jahr kaum etwas zu beanstanden gab. Doch gestern erlebte ich den Rücksturz zur Erde: Wegen der Fahrt zur Tumorkontrolle nach Bochum bin ich wieder unsanft auf dem Boden der DB-Realität gelandet.
 
Abgesehen davon, dass ich schon um 6 Uhr früh aufstehen musste, was bei mir stimmungmäßig einem Weltuntergang gleichkommt, begann die Reise eigentlich verheißungsvoll. Mein Zug verließ pünktlich den Dorstener Bahnhof. Danach jedoch hielt er zweimal auf offener Strecke "wegen eines 'Halt!' gebietenden Signals" und danach, um einem anderen Zug Vorfahrt zu gewähren. Dann legte die Regionalbahn auch noch am Bottroper Bahnhof eine längere, nicht vorgesehene Pause ein. Deshalb hatten wir am Essener Bahnhof 15 Minuten Verspätung.
 
Pünktlich war dagegen die S-Bahn, die mich nach Bochum bringen sollte. Sie setzte sich auf dem Nachbargleis umgehend in Bewegung, als ich gerade aus meinem Zug ausstieg. Dafür hatte dann jedoch die nächste S-Bahn nach Bochum ordentlich Verspätung. Zum Glück nahm mein Arzt es nicht krumm, dass ich den Termin nicht mehr einhalten konnte. Nach kurzer Wartezeit kam ich an die Reihe und durfte schon kurz vor zehn Uhr die Heimfahrt nach Dorsten antreten.
 
Das dachte ich zumindest. Auf dem Fahrplan hatte ich mir einen Regionalexpress ausgeguckt, der um 9.55 Uhr von Gleis drei starten sollte. Beim Aufgang zum Bahnsteig musste ich jedoch feststellen, dass die Treppe mit Holzbrettern vernagelt war. Genauso wie zum Gleis vier und zu den Gleisen fünf und sechs. Als ich mir ratlos den Schädel kratzte, hörte ich, wie ein mitfühlender Pendler einer älteren Dame erklärte, dass wegen Bauarbeiten noch bis zum 25. April  diese Bahnsteige gesperrt seien. Das mache aber nichts, da dort ohnehin keine Züge fahren würden - wegen Gleisbauarbeiten.
 
Zum Glück hatte ich jetzt ja keinen Zeitdruck und begab mich zur S-Bahn, die auch pünktlich eintraf. Als sie losfuhr, kam aber bei den Mitreisenden Unruhe auf. Denn in großer Schrift erschien auf dem Display: "Nächster Halt: Dortmund-Dorstfeld". Kurz war auch ich verunsichert. Bin ich womöglich in einen Zug in Gegenrichtung eingestiegen? Nein, war ich nicht. Die Ortstafeln an den Bahnhöfen widerlegten die konstant falschen Angaben im Waggon.
 
"Gott sei Dank", seufzte die Frau mir gegenüber und wandte sich ihrem Mann zu: "Ich habe vorsichtshalber 30 Minuten für das Umsteigen in den IC nach Berlin in Essen einkalkuliert. Jetzt wird das schon klappen." Doch dann hielt die S-Bahn in Wattenscheid. Und aus den Lautsprechern ertönte die Durchsage, dass die Reisenden sich wegen einer betrieblichen Störung wenige Minuten gedulden müssten. Doch als aus wenigen viele Minuten wurden, kam allgemeine Nervosität auf. Vor allem, als auf dem Gleis gegenüber ein anderer Zug nach Essen einfuhr. Mehr als die Hälfte der Fahrgäste wechselten mit fliegenden Fahnen die Seiten. Kaum waren sie jedoch in die Regionalbahn eingestiegen, setzte sich meine S-Bahn doch endlich in Bewegung.
 
In Essen hatte ich ein Deja-vu-Erlebnis. Als ich aus der S-Bahn ausstieg, stand 100 m entfernt der RE 14 nach Dorsten bereit. Doch als ich mich ihm bis auf 50 m genähert hatte, fuhr er ab. Dass ich annahm gesehen zu haben, dass mir ein DB-Schaffner fröhlich zuwinkte, war bestimmt Einbildung. Also hieß es, eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten. Dass der dann auf der Strecke nach Dorsten dreimal eine unplanmäßige Pause einlegte - sei's drum! Ich war ja mittlerweile abgehärtet.
 
So konnte ich wenigstens in Ruhe über die Diagnose meines Arztes nachdenken. Und sie in die Sprache übersetzen, wie sie mir in einem DB-Zug per Lautsprecher verkündet worden wäre: "Achtung, lieber Fahrgast, eine Durchsage: Wegen zweier neuer Knoten im Baustellenbereich muss Ihre Fahrt zur vollständigen Gesundung leider auf unbestimmte Zeit unterbrochen werden. Wir werden alles tun, um den Schaden so schnell wie möglich zu beheben und bitten Sie, solange das Frohlocken einzustellen."
 
Glückauf
kdk  

Schmunzelpost 1482 vom 21. 3. 25 

Vom kleinen Frühlingsglück auf der Terrasse war hier gestern die Rede. Und vom großen Glück, beziehungsweise von glückseligen Völkern, gab es gestern etwas in der Presse zu lesen. Wenn Ihr aber den Glücksreigen komplett machen wollt, dann empfehle ich Euch in der nächsten Woche einen Veranstaltungsbesuch: Im Gemeinschaftshaus Wulfen beleuchtet am Donnerstag (27.3.) ab 19.30 Uhr der Literaturclub "Auslese" das Verhältnis von Glück und Geld.
 
Da besteht bestimmt ein gewisser Zusammenhang, der das Sprichwort "Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt" in Frage stellt. Denn die skandinavischen Länder, die erneut die Spitzenpositionen der weltweiten Glückstabelle einnehmen, nagen alle nicht am Hungertuch. Bei der UN-Erhebung, dem World Happiness Report 2025, liegt Finnland bereits zum achten Mal in Folge auf Rang eins. 
 
Auch auf den nächsten Plätzen gab es keine Veränderungen. Wie 2024 folgen Dänemark, Island und Schweden. Auf Rang fünf haben sich die Niederlande vorgeschoben, Costa Rica erreichte erstmals Platz sechs. Die glücklichsten deutschsprachigen Menschen leben offenbar in der Schweiz, die auf Rang 13 einlief. Österreich wurde 17., Deutschland verbesserte sich von Platz 24 auf Platz 22. Und die USA verzeichnen ein Allzeit-Tief und landeten diesmal nur auf Rang 24. Ich bin schon gespannt, wie sich ein gewisser Donald T. diese Platzierung schönlügt.
 
Was aber macht die Finnen derart lebensfroh? Ich habe an dieser Stelle bereits häufiger Mutmaßungen angestellt. Es ist aber wohl doch nicht die berühmte finnische Sauna, die gemeinsam mit dem nahe des Polarkreises beliebten Alkohol die langen Winternächte erfreulich gestaltet. Nach der „Helsinki Times“ sind der entspannte Lebensstil, die niedrige Kriminalitätsrate, der hohe Lebensstandard und die Natur - Finnland besteht zu 65 Prozent aus Wald - die Hauptgründe.
 
Die Sprache kann es wohl nicht sein. Es sei denn, jedes finnische Kind ist nach Abschluss der Schule derart selig, weil es nie wieder ein Diktat schreiben muss, dass dieser Vorrat an Glück bis zum Ende des Lebens ausreicht. Vielleicht bitten die Finnen daher am letzten Schultag ihre Lehrer, ein Freudenfeuer antzünden zu dürfen: "Kokoo kokoon koko kokko." Es gibt aber auch simple Sätze, die sogar ein Deutscher auf die Reihe kriegt. Aber "Ta ti tu tâ" ruft kein finnischer Feuerwehrmann, dessen Martinshorn defekt ist, sondern der Lehrer, wenn er gefragt wird, wo die restlichen Zweige bleiben, die nicht für das Freudenfeuer gebraucht werden: "Du nimmst sie dann!"
 
Bis zum nächsten Happiness-Report im kommenden Jahr wünsche ich Euch gemeinsam mit den Finnen viel Onnellisuus. Man kann aber auch sagen:
 
Glückauf
kdk 

 Schmunzelpost 1481 vom 20. 3. 25

Ach, ist das herrlich! Strahlendblauer Himmel, angenehme Temperaturen. Die Gartenliege gemütlich nach hinten gekippt, das Buch in der einen, das Glas mit Wein in der anderen Hand und etwas zum Knabbern in Reichweite. So sieht für mich das süße Leben aus - dolce Vita geht auch, ohne dass Anita Ekberg in einen Brunnen hüpft.
 
Allerdings leben wir im Informationszeitalter. Da nagt es schon ein wenig, wenn Mediziner behaupten, bereits das zweite Gläschen Wein sei schädlich, weil Alkohol nunmal ein Zellgift und damit krebserregend ist. Doch dafür rauche ich ja nicht. Und wie alle Raucher gern darauf verweisen, dass Helmut Schmidt steinalt geworden ist, so erinnere ich an die Heerscharen von französischen und italienischen Weinfreunden, die den Rebensaft als Lebenselixier betrachten. 
 
Auch andere Bedenken setzen mir zu. Das Sitzen soll ja das neue Rauchen sein. Stimmt schon, etwas mehr Bewegung täte mir sicher gut. Aber Joggen klappt nicht mehr. Und mit dem Walken kann ich mich einfach nicht anfreunden. Wie wäre es als Kompromiss mit fünf Minuten Sitzgymnastik?
 
Und dann ist da noch der verlockende Knabberkram. Dunkle Schokolade, vor allem die mit Mandelsplittern, hat schon ihren Reiz. Aber es sind die Kohlenhydrate, die mir die überflüssigen Pfunde bescheren. Und wer abnehmen oder sein Gewicht zumindest halten will, der sollte eisern auf Süßigkeiten verzichten.
 
Doch ein kluger Kopf lässt sich so einen herrlichen Tag nicht durch allerlei Auflagen vermiesen. Es gibt für alles clevere Lösungen. Statt Schokolade schnappe ich mir ein Glas Gewürzgurken. Bio! Stufe A! Vegan! Kaum Kalorien! Und siehe da: Auch mit sauren Gurken kann das Leben so süß sein!  

 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1480 vom 19. 3. 25

Den 11. Juli solltet Ihr Euch freihalten. An diesem Tag laden wir im Dorstener Bürgerbahnhof zum Rendezvous mit Frankreich ein. Geboten werden heitere Texte und Lieder zum Mitsingen, Quiche, Mousse au Chocolat, Rotwein, Cidre und Champagner. Zur Vorbereitung bin ich schon mal in den Zauberschrank nach Narnia gestiegen, habe aber eine andere Tür genommen, die mich direkt in ein kleines gallisches Dorf führte. Dort habe ich mich mit den Bewohnern unterhalten und die Ausbeute für unser Programm zusammengestellt.
 
Wer ist der bekannteste Franzose? Napoleon? Der Sonnenkönig Ludwig XIV.? Sein aktueller Nacheiferer Emmanuel Macron? Nein, diese Ehre gebührt eindeutig Asterix. Der Pfiffikus aus dem berühmten kleinen gallischen Dorf ist weltweit beliebt und in Deutschland sogar noch ein wenig erfolgreicher als in seiner französischen Heimat. Sein Schöpfer Rene Goscinny hat ihn und seine Gefährten mit einer gehörigen Portion Gewitztheit ausgestattet. Deshalb haben wir uns mal umgehört, was die unbesiegbaren Gallier an nützlichen Tipps für uns parat haben.
 
Monsieur Asterix, die Welt ist vom Klimawandel bedroht. Was würden Sie tun, um die Erde zu retten?

Asterix: "Ich würde mit meinem Freund Obelix eine Spezialmission starten und Donald Trump und andere mächtige Klimaleugner auf einer kleinen Südseeinsel aussetzen. Was meinen Sie, wie schnell die umdenken? Voila, Problem gelöst!

Monsieur Obelix, Sie sind ein Freund der französischen Küche. Was empfehlen Sie uns für ein Drei-Gänge-Menü?

Obelix: Als Vorspeise geräucherte Wildschweinkeule, als Hauptgang Wildschwein vom Grill und als Dessert Wildschwein in Calvados-Sauce. Bon Appetit!

Monsieur Majestix, gibt es irgendetwas, was Sie mehr fürchten als dass Ihnen der Himmel auf den Kopf fällt?

Majestix: Oui! Dass in Deutschland die AfD regiert und in Gallien Marie Le Pen!

Madame Gutemine, als Frau des Häuptlings wissen Sie, wie wichtig es ist, wenn wir Frauen das Zepter in die Hand nehmen. Gibt es eine Frau in Deutschland, die das noch besser könnte als Angela Merkel, die Mutti der Nation? 
 

Gutemine: Oui, die gibt es! Mutter ist die Allerbeste: Inge Meysel!
 
Monsieur Troubadix, als Barde wurden Ihre Sanges-Fähigkeiten leider oft total verkannt. Wer würde heute bei Ihrer eigenen Feier gefesselt und geknebelt werden?

Troubadix: Dieter Bohlen und Florian Silbereisen.

Monsieur Verleihnix: Obwohl Sie als Fischhändler direkt an der Meeresküste leben, haben Sie früher Ihren Fisch aus Paris importiert. Wo holen Sie heute Ihre Ware her?

Verleihnix: Auch wenn bestimmte Handwerker, wie der Schmidt Automatix von nebenan, das einfach nicht kapieren: Ein guter Fisch muss schon einen speziellen Duft verströmen - deshalb beziehe ich ihn heute aus einer bayerischen Nordsee-Filiale.

Madame Jellosubmarine: Sie sind die Frau des Fischhändlers, haben aber als einzige im gallischen Dorf einen Namen der nicht auf ...ix endet. Hat Ihr Gatte Sie in Übersee kennengelernt?

Jellosubmarine: Mais non! Meine Eltern meinten, dass vier englische Barden die besten Chansons machten.

Monsieur Methusalix, Sie sind, mit Verlaub, ein recht betagter Herr. Wie kommt es, dass Sie mit einer so attraktiven, jungen Frau verheiratet sind?
 
Methusalix: Dazu braucht man einen guten Freund. Unser Druide Miraculix spendiert mir abends ab und zu einen Tropfen Zaubertrank. Und dann geht die Post ab. Ich sage nur: Vive l' amour!
 
Meine letzte Frage geht an den großen Imperator Julius Cäsar. Wieso ist es Euch trotz gewaltiger militärischer Übermacht nie gelungen, das kleine gallische Dorf zu erobern?
 
Julius Cäsar: Die spinnen, die Gallier! 
 
Glückauf 
kdk 
 

  Schmunzelpost 1479 vom 18. 3. 25

Heute geht es um den womöglich faulsten Präsidenten in der US-Geschichte. Nein, ausnahmsweise nicht um den Orangenkopf, den Axel Hacke nie mehr namentlich erwähnen will. Es gab in der Vergangenheit in den Vereinigten Staaten von Amerika noch andere bizarre Gestalten. Ihr könnt aus dieser Erkenntnis auch folgern, dass ich das dicke Bill-Bryson-Buch über den Sommer 1927 immer noch nicht bis zum Ende gelesen habe. 
 
Calvin Cooligde ist gewissermaßen ins Präsidenten-Amt hinein gestolpert. Der Anwalt betrachtete Politik zunächst als notwendiges Übel und betätigte sich nur im kommunalen Bereich. Eine Schlappe für seine Laufbahnplanung - Coolidge unterlag bei der Wahl für das Amt des Schulrats - brachte ihn jedoch dazu, sich auf eine politische Karriere zu konzentrieren. Da sich kein anderer republikanischer Kandidat fand, zog er 1906 ins Repräsentantenhaus von Massachutts ein. Anschließend holperte Coolidge von Stufe zu Stufe und fand sich plötzlich als Vizepräsident der USA wieder. 
 
Vorher hatte er einen massiven Wandel vollzogen. Zunächst setzte er sich für Gleichberechtigung und das Frauenwahlrecht ein, stimmte für verbesserte Lebensbedingungen der Arbeiter und eine bessere medizinische Ausstattung in Fabriken. Mit fortschreitender Karriere änderte sich sein Kurs.  Mittlerweile Gouverneur,brach Coolidge den Streik der Polizei von Boston, indem er alle streikenden Polizisten entließ. So erwarb er sich den Ruf eines Verfechters von Recht und Ordnung. 
 
Als der amtierende Präsident Warren G. Harding im August 1923 überraschend verstarb, trat Calvin Coolidge an seine Stelle. In der ersten Amtszeit ließ er den Dingen gerne ihren Lauf, es war nicht erkennbar, ob er eher liberal oder konservativ einzustufen war. Dafür erwies er sich jedoch als geschickter Wahlkämpfer, nutzte die noch neuen Möglichkeiten des Hörfunks und pflegte ein gutes Verhältnis zur Presse. So gewann er 1925 die Wahl und wurde in der Blütezeit der 1920er ein bei den Bürgern beliebter Präsident. 
 
Intern sah das schon anders aus. Ike Hoover, langjähriger oberste Haushälter des Weißen Hauses, meinte, Coolidge hätte weniger gearbeitet als alle anderen Präsidenten. Coolidge begann seinen Tag mit einem Morgenspaziergang und dem Frühstück, meistens mit seiner Frau. Ab 9 Uhr begann er, Gäste im Weißen Haus zu empfangen und Treffen abzuhalten. Gegen Mittag und am frühen Nachmittag nahm er sich zwar als letzter Präsident Zeit, gewöhnliche Besucher persönlich zu empfangen, genehmigte sich dafür aber einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Während Coolidge selbst von einer Stunde täglich sprach, nannte Ike Hoover zwei bis fünf Stunden. Den Rest des Nachmittags verbrachte Coolidge in seinem Arbeitszimmer. Wenn er die Zeit dazu fand, trainierte er mit einem mechanischen Pferd. 
 
Coolidge war nämlich von Cowboys fasziniert. Als er sich 1927 selbst "aus gesundheitlichen Gründen" (wegen Verdauungsbeschwerden und Asthma) einen dreimonatigen Urlaub in South Dakota bewilligte, lief er dort die meiste Zeit in Cowboy-Kleidung herum und ließ sich auch gern so fotografieren. Für Kameras entwickelte er genereil eine Leidenschaft. Coolidge sah sich nämlich gern in Wochenschauen. Als er während seines Urlaubs ein provisorisches Präsidentschaftsbüro am Fuße des Mount Harvey einrichtete, traf sein aus 200 Personen bestehender Stab erst nach Einbruch der Dunkelheit am Urlaubsort ein.  Daher ließ Coolidge ungerührt sämtliche Taschen und Koffer wieder in Autos laden, 200 Meter die Straße hinunterfahren und dann bei Tageslicht die fiktive Ankunft des Präsidenten nachstellen, um den historischen Moment mit der Kamera einzufangen. 
 
Solche Anstrengung macht müde. Coolidge selbst behauptete zwar, nach dem Abendessen habe er stets noch bis 22 Uhr Reden geschrieben und Briefe verfasst. Edmund William Starling, der Leiter der Abteilung des Secret Service für das Weiße Haus, behauptete hingegen, Coolidge habe ihm einst erzählt, er arbeite grundsätzlich nicht nachts. Auch lässt sich nachweisen, dass Coolidge nicht wenige Stunden mit einer Zigarre in einem Schaukelstuhl im Säulengang des Weißen Hauses verbracht hatte. Coolidge wurde öffentlich dafür bekannt, früh ins Bett zu gehen. 
 
Auch bei seinen oft allein getroffenen Entscheidungen über Wirtschaft und Finanzen blieb der Präsident eher schläfrig. Er ließ den Dingen ihren Lauf, weil er überzeugt war, dass der freie Markt alles schon selbst gut regeln würde. So stieg das Kreditvolumen für Konsumzwecke in den USA von 100 Millionen US-Dollar 1919 bis 1929 auf 7 Milliarden US-Dollar. Das begünstigte Börsenspekulationen und die Kreditblase. Den Spitzensteuersatz von 58 Prozent senkte Coolidge dagegen zunächst auf 46 Prozent und 1926 auf 25 Prozent. US-Ökonom John Kenneth Galbraith urteilte: „Weder wusste Präsident Coolidge, was vor sich ging, noch interessierte es ihn.“ 
 
Das unterscheidet uns. Ich weiß zwar nicht, warum alles derzeit so übel läuft, aber ich interessiere mich sehr für die Gründe. Und ich arbeite von früh morgens bis spät abends völlig ohne Mittagsschlaf hart an der Ursachenforschung. Falls Euch jemand weismachen will, diese Schmunzelpost sei statt gegen Mitternacht schon am späten Nachmittag fertig geworden, so haben bestimmt Putins Trolle ihre Finger im Spiel. 
 
Glückauf 
kdk 
 

 Schmunzelpost 1478 vom 17. 3. 25

Immer, wenn ich bei Herrn K. zu Besuch bin, dann fühle ich mich in meine Kindheit zurückversetzt. Schließlich bin ich in Lünen in einer Siedlung aufgewachsen, in der hauptsächlich Familien wohnten, die vom Bergbau lebten. Entweder waren die Männer auf Zechen tätig, wie mein Opa väterlicherseits oder sie arbeiteten, wie mein Vater, auf der Eisenhütte Westfalia. Die stellte Maschinen für den Bergbau her. Das waren also Malocher auffem Pütt oder für'n Pütt, auf jeden Fall aussem Pott. Und so sprachen wir zuhause auch.
 
Mehr als 50 Jahre später haben Schule, Uni und ein Beruf, in dem die Verwendung von Hochdeutsch zwingend erforderlich war, die Vokabeln von früher zwar in die hinteren Hirnwindungen vertrieben. Aber wenn ich über Herrn K. schreibe, gelingt es mir stets, den vertrauten Wortschatz wieder auszubuddeln. Zu Beginn denke ich zwar meist: "Ker, wat is dat frimmelich!" Doch dat is schomma ein guten Anfang, nich, danach kommt die Pott-Lawine nämlich allmählich ins Rollen. Und ich staune immer wieder, wie bildhaft und mitunter originell diese Sprache ist.
 
Vor Familienfeiern hieß es früher: "Wennze nich aufpasst, dann quasselt Dich Onkel Eugen 'nen Klops anne Backe." Worauf mein Kumpel Waldi fragte: "N' Klops? Is dat sonne Aht Frikadelle?" Und Kalle von obendrüber stellte klar: "Dat heißt Löwenköttel!" Aber das war Spaß. Denn wir wussten alle, was Frikadellen waren. Schließlich stöhnten wir geschlossen: "Nich schon wieda in den Frikadellenpuff!", wenn wir auswärts in einem Laden essen sollten, wo es nur miesen Fraß gab. (Zu meiner Ehrenrettung muss ich betonen, dass ich mit zwölf noch nicht wusste, was sonst noch als "Puff" bezeichnet wurde.)
 
Doch zum Glück gingen wir ohnehin nur ganz selten zum Essen aus. Lange war für uns Kinder schon Feiertag, wenn es mal in die Pommesbude ging. Oder wenn im Winter statt des Eiswagens der Pommeswagen bimmelte und wir uns eine Schachtel Fritten mit Mayo holen durften. Aber das setzte, kaum zu glauben, für alle, die mich heute kennen, bei mir als Kind überhaupt nicht an. Meine Mutter musste sich oft aus Verwandtenkreisen anhören: "Sieh doch endlich ma zu, datt der Junge wat auf die Rippen kriecht. Der is doch 'n richtiges Luftkotelett." Heute würden die gleichen Leute sagen: "Ker, wat is der Klaus für'n Wonneproppen." Oder: "Wat en Möppelken!"
 
So, falls Ihr gerade über meinen gesammelten Pillepup gekichert habt, dann hoffe ich, dass Euch meine Tante Matta, die Frau von Onkel Eugen, nicht von ihrer Himmelswolke aus beobachtet. Die würde nämlich den Kopf schütteln und meckern: "Ker, watt 'ne Gibbelfott!"
 
Glückauf
kdk  

 Schmunzelpost 1477 vom 16. 3. 25

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Das meint auch mein Nachbar, der Herr K., der bei seinem jüngsten Selbstgespräch dieser ersten Plattiüde gleich noch eine zweite hinzufügt:

 

"Hömma, Karl, die Welt ist doch klein! Neulich abends kuck ich inne Glotze und denk, mich tritt ein Pferd. Da seh ich in sonne Reportahsche aus Moskau, wie der fiese Putin mit seine Beraters durchen Krämell läuft. Und mitten in den Haufen ein Gesicht, dat mich höllisch bekannt vorkommt. Ker, denk ich, die Wisasche kennze doch? Dat machte mich kirre, dat ich da nich sofort drauf kam, wo ich den Kerl hinstecken sollte. Doch dann - kawupptich! - da fiel et mir wie Schuppen ausse Haare und wieda ein! Dat is doch der Freddi! Der Sohn von unsan alten Nachbahn, den Anton Klapniczek.

 

Weisse noch, dat war der einzige inne Siedlung, der am 1. Mai die rote Fahne rausgehängt hat. Der war doch inne KPD und stinkesauer, als se die Partei verboten ham. Unser Papa hat über den imma zu unsre Mutti gesacht: 'Dem darffse dat nich übelnehm, der is bloß auf dat Klötzkengymnasium gewesen. Wat ma ab, dat is'n Malocher wie ich, vielleicht wird aus dem auch noch ein anständigen Sozi. Un sein Kurzen, der Freddi, der hat wat auffem Kasten.' Dat stimmte. Und als Kind war der auch in Ordnung. Der hat seine Klümpkes mit uns geteilt und uns inne Schule imma abschreiben lassen.

 

Abba später isser dann vom Schlitzohr zum echten Arsch geworden! Beim Skat hatter beschissen, un die Ecken vonne Karten umgeknickt, datter wusste, wer die Buben hatte. Un auffem Bolzplatz hatter innem Getümmel den Gegner in die Eier gekniffen. Und wenn der ihn dann wegschubste, isser umgekippt und hat den sterbenden Schwan mahkiert. Na ja, war ja ganich übel, wenn wir dadurch gewonnen ham. Aba eins hab ich ihm nie verzieh'n. Als ich inne Tanzschule mit meine neue Flamme geturtelt hab, kommter dazu und sacht: "Wat jucksse Dir imma inne Kimme rum?  Hasse Würmer?" Und dann hatt der olle Kotzbrocken se mir ausgespannt! Un sich nonimma geschämt! Von da an war der Ofen aus. Ich hab nur noch gehört, datter sich freiwillich beim Barras verpflichtet hat.

 

20 Jahre später les ich unsa Blättken und denk, mich hamse mitten Klammerbeutel gepudert: Da steht da drin, dattse einen gewissen Fred Klapniczek ausse Haft entlassen un im Gefangenenaustausch nach Moskau verklappt ham. Der Kerl war einer vonde gerissenste KGB-Spione, bis ihn einer verpetzt hat. Un nu hatter wohl Karriere gemacht und flüstert dem Putin, wie er uns am besten inne Pfanne haut.

 

Nu ist mir alles klar. Die ganzen gemeinen Tricks, dat is alles dem Freddi sein Werk. Deshalb sach ich: Traut den Russen bei den Friedensverhandlungen nich über den Wech! Der Freddi is so hinterfotzich, da braucht Ihr in Eure Delegation ein Mann, der ihn durchschaut. Un wer kann dat anners sein wie ich? Ich werd gleichma den Pistorius ein Eilbrief schreiben. Mitte Sondermarke "Nie wieda Kriech!", datter den auch aufmachen tut. 

 

Wat willse, Karl? Ersma ne Kanne KöPi? Nix da, für mich nur'n Kastriertes. Ich will zur Post und muss no Auto fahr'n." 
 

Glückauf

kdk

 

 Schmunzelpost 1476 vom 15. 3. 25 

In Amerika ist ein Mann unterwegs, der eine Atombombe am Seil hinter sich herzieht. Als ihn jemand darauf anspricht, dass die Bombe explodieren könnte, antwortet er: "Kein Problem, ich habe noch eine zweite." Dieser Witz stammt aus dem Buch "Idiocracy - Denken und Handeln im Zeitalter des Idioten" von Zoran Terziics.
 
Weil ich gestern sehr viel zu tun hatte, bin ich erneut zum Krausen gezwungen und daher dankbar für die Vorlage, die mir Axel Hacke im jüngsten SZ-Magazin lieferte. Der Kolumnist, der sich schwor, den Namen eines bestimmten Mannes nie wieder zu erwähnen, befasste sich diesmal mit einer neuen Staatsform: Die Idiokratie droht die Demokratie abzulösen. Aber schon die Begriffe "Idiocracy" und "Idiokratie" deuten dezent darauf hin, welche Person maßgeblich damit verbunden werden könnte.
 
Eine Anhängerin, die "the man-whose-name-Axel-Hacke-will-never-mention-again" für ihre Treue mit einem Ministeramt belohnt hat, glaubt fest daran, dass der QAnon-Kult auf Tatsachen beruht. Als ihr ein Reporter entgegen hielt, es gebe für derartigen Unsinn keinerlei Belege, antwortete sie ungerührt: "Okay, aber es gibt auch keine Nicht-Belege." So viel sture Blödheit ist einfach entwaffnend. Dennoch ist für mich die zentrale Frage: Besteht die Bevölkerung eines Landes, das einem ausgewiesenen Idioten das wichtigste Amt überträgt, womöglich mehrheitlich aus Idioten? Die denkbare Antwort finde ich beunruhigend.
 
Im heutigen Sprachgebrauch ist "Idiot" ein Schimpfwort. Man könnte stattdessen auch Schwachkopf, Trottel, Blödian oder Hornochse sagen. Traditionalisten sprechen von Narren, die nachwachsende Generation von Vollpfosten. Das war jedoch nicht immer so. Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen (idiotes), was "Privatperson" bedeutete. Gemeint waren damit Personen,  die sich aus öffentlichen-politischen Angelegenheiten heraushielten und keine Ämter wahrnahmen, auch wenn ihnen dies möglich war. 
 
Als später die Römer auf Latein das Sagen hatten, verschob sich die Bedeutung des Wortes idiotas hin zu Laie oder auch „Pfuscher“, „Stümper“, „unwissender Mensch“. Noch später wurde der Begriff allgemein auf Laien oder Personen mit einem geringen Bildungsgrad angewandt. Und es ging mit dem Wort immer weiter in den Keller. In früheren Zeiten nannten Mediziner Menschen ohne jeden Verstand Idioten, was heutzutage verpönt ist. Das Wort gebraucht ein Psychiater allenfalls noch, wenn er allein in seinem Auto am Steuer sitzt.
 
Außerdem ist der Gebrauch des Wortes jetzt eine Beleidigung, die mit einer empfindlichen Strafe geahndet werden kann. Ich werde mich daher hüten,  the man-whose-name-Axel-Hacke-will-never-mention-again als Idioten zu bezeichnen. Doch ich glaube nicht, dass meine Leser so idiotisch sind, diese Schmunzelpost nicht zu verstehen.
 
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kdk 

Schmunzelpost 1475 vom 14. 3. 25 

Im Leitartikel der Ruhr Nachrichten ging es gestern darum, ob es sinnvoll ist, nach dem Vorbild von Zigarettenpackungen auch Flaschenetikette mit Schreckensbildern zu versehen, um so den Alkoholkonsum zu verringern. Wie der Verfasser des Kommentars denke auch ich, dass stattdessen nur eine drastische Verteuerung dazu beitragen könnte. Wer süchtig ist, zahlt zwar wahrscheinlich jeden Preis oder sucht sich illegale Quellen, aber Gelegenheitstrinker würden die Mengen wahrscheinlich reduzieren. Und das wäre wie beim Verzicht auf Nikotin gut für die Gesundheit.
 
Dass ein vollständiges Alkoholverbot jedoch unsinnig ist, hat die Prohobition in den USA drastisch bewiesen. Von 1920 bis 1933 standen dort die Produktion und der Verkauf alkoholischer Getränke unter Strafe. Ergebnis: Es wurde letztlich mehr gesoffen als vorher, vor allem schwarzgebrannter Fusel. Und es gab jede Menge Schlupflöcher. Einige Begleiterscheinungen der Prohibition waren tragisch, andere eher lachhaft.
 
Zu den negativen Folgen gehörten unzählige verlorene Arbeitsplätze, vor allem in der Gastronomie- und Hotelbranche. Furchtbar und fast unglaublich war aber eine Entscheidung, die von führenden Vertretern der Anti-Alkohol-Kampagne durchgesetzt wurde. Um zu verhindern, dass die Menschen sich mit Industriealkohol eindeckten, musste dieser mit Zusätzen ungenießbar gemacht werden. Dies wäre mit Seife und Reinigungsmitteln möglich gewesen. Stattdessen entschied man sich bewusst für Gift, was viele Menschen das Leben kosten sollte. Doch die Hardliner glaubten, dass die Opfer ihr Schicksal verdient hatten: Jeder Alkoholtrinker begehe ohnehin vorsätzlichen Selbstmord.
 
Zu den Schattenseiten gehörten auch Meineide, Morde, Korruption, Diebstähle und alle Formen von Gesetzesbrüchen, die viele Menschen hinter Gitter brachten. Einen Riesenaufschwung erlebte dagegen die organisierte Kriminalität, die das Geld nur so scheffelte. Bei Bandenkriegen gab es oft unbeteiligte Opfer. Allein in Chikago wurden von Staatsvertretern, den sogenannte Prohibitionsagenten, in zehn Jahren 23 unschuldige Zivilisten erschossen.
 
Dadurch, dass Kanada den Export von Alkohol in die USA verbot, blühte der Schmuggel. Und an der Südspitze Neufundlands gab es eine kleine Inselgruppe, die seit 1763 zu Frankreich gehörte. Sie wurde nun über Nacht zum weltweit größten Importeur von alkoholischen Getränken und zur einträglichsten Übersee-Kolonie der Franzosen. In Windeseile führte man drei Millionen Flaschen Champagner ein, dazu riesige Mengen von Calvados und Weinbrand. 
 
Als amerikanische Behörden vom Gouverneur wissen wollten, wieso die nur 4000 Insulaner plötzlich so eine große Zuneigung zum Alkohol entwickelt hätten, gab der sich unwissend. Die zwei Dutzend neuen großen Lagerhäuser habe er erst gar nicht zur Kenntnis genommen, aber sie dienten nach seinen Worten ohnehin nur als Zwischenlager zum Weitertransport auf die Bahamas, wo der Alkoholkonsum legal blieb. Wer's glaubt. . .
 
Apropos Glauben: Auch religiösen Gruppierungen war es gestattet, Alkohol "für heilige Handlungen" vorrätig zu halten. Das potenzierte die Zahl der Gläubigen sprunghaft. Und für sie boten nun kalifornische Winzer 14 "Kommunionsweine" an, auch Port und Sherry. In den ersten fünf Jahren wuchsen die Weinbauflächen von 40.000 auf 285.000 Hektar. Ob das vielleicht daran lag,  dass plötzlich Unmengen Rosinen verschlungen wurden? Außerdem versandten Weingutsbesitzer Traubenkonzentrat. Alle Pakete enthielten einen lehrreichen Warnhinweis: "Achtung! Gärt und verwandelt sich nach sechs Wochen in Wein!"
 
Auch Mediziner verdienten sich mit roten nun eine goldene Nase. Denn Ärzte durften ihren Patienten legal Whiskey verschreiben, was sie mit solchem Eifer taten, dass sie Ende der 1920er Jahre damit jährlich 40 Millionen Dollar verdienten. In den meisten Fällen händigten sie sogar Blanko-Rezepte aus. Allein 1927 genehmigte die Prohibitions-Behörde die Produktion von 11,3 Millionen Liter Whiskey für medizinische Zwecke. Als Skeptiker sich über die Riesenmenge wunderten, erklärte ein Vertreter des Finanzministeriums, die Vorräte seien "auf Grund von Verdunstung" jedes Mal innerhalb kurzer Zeit erschöpft.
 
Und die Behörden beschäftigten offenbar auch viele blinde und taube Nachtwächter. In Chicago verschwanden allein in einer Nacht 670.000 Flaschen mit beschlagnahmten Whiskey. 1933 stellte man dann überrascht fest, dass von den 190 Millionen  Litern Whiskey, die man landesweit zu Beginn der Prohibition eingelagert hatte, ganze zwei Drittel fehlten. Vielleicht war ein Teil davon bei Colonel Ned Green gelandet. Der Prohibitionsverwalter für Nordkalifornien wurde suspendiert als herauskam, dass er jahrelang in San Francisco feuchtfröhliche Cocktailpartys veranstaltet hatte.
 
Bilanz nach 13 Jahren: Die Prohibition war ein kolossaler Misserfolg. Dabei war das Gesetz 1919 vermutlich nur durchgekommen, weil die Abgeordneten nicht den kompletten Text gelesen hatten. Der Kongress erließ damals den Volstead Act "zum Verbot berauschender Getränke und zur Regulierung von Herstellung, Produktion, Verwendung und Verkauf hochprozentiger Spirituosen." Viele glaubten wohl, dass davon Bier und Wein nicht betroffen wären. Sie hatten übersehen, dass im Anhang "berauschende Getränke" genau definiert waren - alles mit einem Alkoholgehalt von mehr als einem halben Prozent, ungefähr dem von Sauerkraut. Das sollte den Bürgern noch sauer aufstoßen.
 
Ich sag ja immer: Augen auf beim Kleingedruckten!
 
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kdk 
 

 Schmunzelpost 1474 vom 13. 3. 25

"Faultier Mats hat seiner Gattung alle Ehre gemacht: Er war so faul, dass Wissenschaftler der Universität Jena jetzt die Forschungsarbeiten mit ihm abgebrochen haben. Drei Jahre lang weigerte sich Mats, für die Wissenschaft eine Stange hoch- und herunterzuklettern, obwohl ihn die Forscher mit Futter lockten."
 
Ja, Forschung ist oft ein mühsames Geschäft. Umso mehr ist es anzuerkennen, wenn sie durch ihre Vorarbeit Stoff für die Schmunzelpost liefert. Ganz ohne akademische Unterstützung habe ich das Tätigkeitswort "krausen" geschaffen. Die Texte anderer zu verwursten, kann einem die Arbeit sehr erleichtern. Deshalb wird es Euch nicht wundern, dass ich mich heute kräftig aus der Doktorarbeit von Xenia Böe bediene, um Euch noch ein paar schöne kuriose Nachrichten zu servieren und sie zu kommentieren.
 
"Eine übereifrige Behördenangestellte konnte von der Polizei bei Haltern (NRW) nur mit Mühe aus dem Verkehr gezogen werden: Die Frau (32) studierte Akten, während sie am Steuer saß und mehr als 80 Stundenkilometer schnell fuhr. Den „Bitte-folgen“-Hinweis des Streifenwagens überlas sie glatt - sie konnte erst mit Blaulicht gestoppt werden." Hätte die Frau stattdessen fasziniert die "Halterner Zeitung" gelesen, dann wäre die Geschwindigkeitsüberschreitung wenigstens verzeihlich gewesen . . .
 
"Mitch Walter fuhr seine tägliche Kontrollrunde auf einem Firmengelände in Cape Girardeau (USA). Plötzlich sprang ein Hase auf den Beifahrersitz des offenen Fahrzeugs – dicht gefolgt von einem Luchs. Der Hase flüchtete schnell, nicht so der Luchs. Er verpasste Walter mehrere Kratzer im Nacken, bis dieser ihn endlich verscheuchen konnte." Seitdem zählt Mitch Walter zu den Angsthasen. . .
 
"Diesen Siegtreffer zum 2:1 seiner Knappen gegen Alemannia Aachen wird ein Schalke-Fan aus Gelsenkirchen sicher nie vergessen. Der 25-Jährige jubelte nämlich so ausgelassen am Steuer seines Autos, dass er einen geparkten Sattelschlepper übersah und ungebremst draufprallte. Ergebnis: Totalschaden des Wagens und ein Krankenhausaufenthalt mit Rippenprellungen und Schleudertrauma." Na und? Hauptsache, die drei Punkte waren im Sack!
 
"Nachdem Hobbyläufer Paul Appleby (47) den jüngsten London-Marathon in 3:37 Stunden bewältigt hat, ist er nun von einem britischen Gericht zu zehn Monaten Haft verurteilt worden. Der Grund: Als angeblich Gehbehinderter, der auf Krücken angewiesen sei, kassiert er seit Jahren Invalidenrente." Nach einem Marathon wäre ich auch auf Krücken angewiesen. Und außerdem: Appleby hat nur ein wenig gekrückt . . . 

 "Eine erboste Witwe hat in den Niederlanden die Urne mit der Asche ihres Mannes in der Praxis seines früheren Hausarztes abgestellt. Die Frau protestierte dagegen, dass der Mediziner weiterhin Briefe an ihren Gatten schickte – auch noch sieben Monate nach dem Tod des Mannes, über den der Arzt informiert war." Lieber Mediziner: Asche auf Dein Haupt!
 
"Mit einem ungewöhnlichen Angebot hat ein Automat für Grabkerzen in den vergangenen Tagen Friedhofsbesucher überrascht. Wer eine Kerze kaufte, erhielt zusätzlich auch ein Feuerzeug mit dem Bild einer halbnackten Frau oder muskulöser Männer im Lendenschurz." Und ich hatte mich schon gewundert, warum die Zahl der Raucher auf Friedhöfen plötzlich so sprunghaft gestiegen ist. . .  "In der bayerischen Toilette ein Schild: „Rauchen auf der Toilette verboten“. Darunter hat einer geschrieben: 'Mir lassen uns nicht derwischen.'" Tja, auf Friedhöfen sind Kettenraucher stattdessen in Sicherheit und können sich schon einmal an die Umgebung gewöhnen. . .
 
Bevor Ihr "Mats" zu mir sagt: Für die nächste Schmunzelpost schreibe ich den Text voraussichtlich wieder selbst.
 
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kdk
 

 Schmunzelpost 1473 vom 12. 3. 25

"Komische Wahrnehmungen der Gesellschaft enthalten oft brillante Erkenntnisse. Eine gute Karikatur oder ein guter Witz können oft viel mehr über Elemente gesellschaftlicher Realität aussagen als eine ganze Reihe sozialwissenschaftlicher Abhandlungen." Solche brillanten Erkenntnisse eines Wissenschaftlers, in diesem Fall von Peter L. Berger, erfreuen selbstredend einen Verfasser von Schmunzelpost-Mails. Und auch diese Einsicht von Norbert Koch wärmt mein Herz: "Die Beliebtheit kurioser Geschichten ist sicher darauf zurückzuführen, dass der Leser blind darauf vertrauen kann, bei der Früh-
stückslektüre etwas zum Schmunzeln mit in den Tag zu nehmen.“
 
Dazu ist von mir die Schmunzelpost erfunden worden. Auch Zeitungen und Zeitschriften haben jedoch längst erkannt, dass auf skurrilen Fakten beruhende kleine Geschichten großen Unterhaltungswert haben. Deshalb haben fast alle Blätter, die etwas auf sich halten, entsprechende Rubriken eingeführt. Und so ist es erstaunlich, dass sich die Wissenschaft hierzulande erst relativ spät damit auseinandersetzte. Dies tat 2016 Xenia Böe, die mit ihrer Dissertation "Kuriose Geschichten aus aller Welt in den deutschen Nachrichtenmedien" an der Hamburger Universität als Doktorin der Philosophie promovierte.
 
Wasserscheue Pinguine, betrunkene Finanzminister und flüchtende Autodiebe, denen das Benzin ausgeht - das alles sind Themen, die auch mich begeistern. Als jemand, der als Kind fast ertrunken wäre und daher lange den Standpunkt vertrat: "Wasser ist nass und deshalb schon schädlich", will ich Euch die Pinguin-Geschichte nicht vorenthalten: "Der in einem britischen Zoo lebende Pinguin Kentucky weigert sich nach Angaben des Zoos zu schwimmen. Angeblich habe er Angst vor kaltem Wasser. 'Die Besucher denken, er habe eine Wasserallergie, während die anderen Tiere immer wieder ins Wasser springen, steht er nur auf einem Stein und sieht ihnen zu', sagte eine Parkmitarbeiterin." 
 
Ungewöhnliche Verhaltensweisen oder Ereignisse an unerwarteten Schauplätzen wecken stets das Interesse des Lesers. So wie die Geisterfahrt einer Straßenbahn: "Eine leere Straßenbahn ist in Prag beim Rangieren aus dem Depot und dann durch belebte Straßen gerollt. […] Ein noch neuer Mitarbeiter hatte die elektrische Steuerung angelassen. Verzweifelt lief der Fahrer seinem Zug erst hinterher, schnappte sich dann aber ein Fahrrad, um der Bahn folgen zu können. Zum Stehen kam die Tram nach etwa einem Kilometer – weil das Verkehrsunternehmen den Strom abgestellt hatte. Verletzt wurde bei der Leerfahrt niemand. Der Fahrer trug lediglich einen Schrecken und ein paar Schrammen davon."
 
Fingerspitzengefühl bei der Auswahl solcher Nachrichten und zunehmend politische Korrektheit sorgen dafür, dass die meisten Geschichten unblutig enden. Harmlose Storys werden bevorzugt, wobei jedoch Ausnahmen die Regel bestätigen. Schadenfreude spielt generell eine große Rolle, vor allem, wenn es Autoritäten sind, die sich lächerlich machen. Steckt also doch unterschwellig mehr in solchen Texten, als wir beim Lesen merken? 

 In ihrer Schlussbetrachtung kommt Xenia Böe zu der Erkenntnis, dass auch dem Amüsement dienende kuriose Geschichten die Wirklichkeit abbilden, allerdings aus einer speziellen Perspektive. Sie können daher Vorurteile und Klischees festigen, aber auch durch ihre Besonderheit brechen. Sie geben Aufschluss über das aktuelle Normverständnis einer Gesellschaft und dessen Wandel.
 
Der Philosoph Henri Bergson formulierte: „Durch ihr Gelächter rächt sich die Gesellschaft für die Freiheiten, die man sich ihr gegenüber herausgenommen hat. Das will aber nicht heißen, dass das Lachen immer richtig trifft oder dass es ein Zeichen von Wohlwollen oder gar Gerechtigkeit ist. […] Das Lachen straft gewisse Fehler etwa so, wie eine Krankheit gewisse Exzesse straft; es trifft Unschuldige, verschont Schuldige […] Das Lachen kann also nicht immer restlos gerecht sein. Es soll auch nicht gütig sein. Es soll einschüchtern, indem es demütigt. Diese Funktion könnte es nicht erfüllen, hätte nicht die Natur zu diesem Zweck noch im besten Menschen eine kleine Spur Bosheit oder zumindest Schalkhaftigkeit hinterlassen."
 
So, zum Schluss noch eine kuriose Geschichte, die ich selbst ausgegraben habe. Sie ereignete sich in Rocky River, einem kleinen Ort in den USA. Dort führten sich wilde Truthähne wie Rabauken auf, indem sie immer wieder Postboten attackierten. Weil diese sich schließlich nicht mehr trauten, dort Briefe zuzustellen, wandten sich Einwohner hilfesuchend an die Bezirksregierung. Die aber lehnte es ab, die Tiere zu erschießen. Stattdessen forderte sie die Betroffenen auf, ihre Post selbst abzuholen. Ob diese Aufforderung befolgt wurde, weiß man nicht - sie wurde den Einwohnern per Brief zugestellt. . .
 
Glückauf
kdk 
 

 Schmunzelpost 1472 vom 11. 3. 25

Auch heute will ich nochmals kräftig krausen. Falls Ihr die gestrige Schmunzelpost gelesen habt, wisst Ihr ja, was das bedeutet. Diesmal geht es jedoch nicht um Verben, die neu in unseren Sprachgebrauch einfließen, sondern um Substantive, die allzu verbissene Kämpferinnen für eine komplett durchgegenderte Ausdrucksweise gern aus unserer Sprache entfernen würden.
 
Angeführt wird diese Bewegung in Deutschland durch die Professorin Susan Arndt. Die schlägt vor, eine Kommission zur Säuberung der deutschen Sprache von kolonialistischen und rassistischen Begriffen einzusetzen, weil, nach Victor Klemperer, manche Wörter wie Arsen wirken und über die Sprache das Denken beeinflussen. Allerdings stehen auf der Liste der beanstandeten Wörter auch eher unverdächtige Begriffe wie "Dschungel" und "Nationalpark". Auch von der "Entdeckung" Amerikas, gar von einer "Neuen Welt" dürfe, so Arndt, eigentlich nicht mehr die Rede sein.
 
Nun verstehe ich durchaus, dass Wörter wie "Nigger" oder "Hottentotte" aus unserer Sprache verbannt werden sollten. "Hottentotten" war für die Buren ein abfälliger Sammelbegriff für alle Eingeborenen in Südafrika. Auch würde ich einen Menschen mit dunkler Hautfarbe niemals einen Neger nennen, dafür aber nach wie vor einen Negerkuss oder einen Mohrenkopf als solchen bezeichnen. Wenn Wörter, die im Laufe der Jahre eine neue, eigene Bedeutung bekommen haben ohne jede diskriminierende Absicht ausgesprochen werden, dann sollten wir das akzeptieren. Auch die Wissenschaft hätte viel zu tun, um aus ihrem Vokabular den Skorpion hottentotta, die Hottentotten-Fliege und das Mittagsblumen-Gewächs "Hottentotten-Feige" zu entfernen und in den Lehrbüchern durch andere Begriffe zu ersetzen. Immerhin hat man die Hottentotten-Ente bereits in Pünktchen-Ente umbenannt. 
 
Ins Trudeln komme ich, wenn ich statt "Farbige" jetzt "People of Colour" sagen soll. Ich habe ja auch nichts dagegen, wenn ich als sonnengebräunter Urlauber im Ausland als "Weißer" eingestuft werde. Und wenn Chinesen mich als "Langnase" bezeichnen, dann ist mir das egal - zumal ich es ohnehin nicht verstehe. Schwierig wird es, wenn Sprachreformer das "N-Wort" oder die "M-Apotheke" (für Mohren-Apotheke) einfordern. Bei 90 Prozent der Menschen wird dadurch nicht etwa ein Denkprozess über Kolonialismus und Rassismus ausgelöst, sondern Ärger über weltfremde Großkopferte, die ihnen Vorschriften machen wollen.
 
Orient, Sklavenhandel, Heide, Jude oder Indianer sind künftig verbotene Begriffe? Obwohl sich die Lobby-Organisation der amerikanischen Ureinwohner selbst als "National Congress of American Indian" bezeichnet? Und obwohl die Juden selbst nie die Absicht hatten, sich umzubenennen? Geradezu grotesk ist die Begründung, warum das Wort "Häuptling" verpönt sein soll. Die Silbe "ling" ist herabsetzend? So, so. Der Eiermann wird sich einen neuen Klingelton aussuchen müssen. Und ob ein Schmetterling als Flattervieh unterwegs sein will, das sei dahingestellt.
 
Harald Martenstein, der auch für diese Folge den Anstoß gab, meint, dass Frau Arndt anstelle von Häuptling künftig das Hä-Wort einführen müsse. Denn das H-Wort sei bereits für "Heide" reserviert. Was dann dazu führen würde, dass man in Lüneburg den Touristen erklärt: "Im H-Wort gibt es kein Hä-Wort". Was auf rassistisch bedeutet: In der Heide gibt es keinen Häuptling.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1471 vom 10. 3. 25

Maja begegnet mir manchmal, wenn ich am Kanalufer unterwegs bin. An der Leine einer Nachbarin, denn diese Maja ist eine Schäferhündin. Eine andere Maja lernte ich 1988 in meinen Anfangstagen bei der Dorstener Zeitung kennen und schätzen, eine sehr nette Berufskollegin. Von Maja Göpel habe ich erst jetzt aus einer Kolumnen-Sammlung von Harald Martenstein erfahren. Dessen jüngstes Buch hat sich als Inspirations-Fundgrube für die Schmunzelpost herausgestellt, obwohl ich es ausnahmsweise nicht dem Bücherschrank entnahm. Durch diese Anregung kam die heutige Folge zustande, ohne dass ich sie göpeln lassen musste.
 
Dieses Verb war mir neu. Aber durch die Lektüre erfuhr ich, dass unsere Sprache bereichert wird durch Wörter, die man von den Namen realer Personen ableitet, weil diese durch bestimmte Verhaltensweisen aufgefallen sind. Maja Göpel ist eine vielseitige Wissenschaftlerin und Transformationsforscherin, die auch als Sachbuch-Autorin sehr erfolgreich war. Das heißt, eigentlich auch nicht. Jedenfalls nicht ohne Hilfe. Denn ihr erster Bestseller wurde wohl hauptsächlich von einem Ghostwriter verfasst, was jedoch verheimlicht werden sollte, aber durch die "Zeit" ans Licht kam. Deshalb wird eine solche Praxis jetzt als "göpeln" bezeichnet.
 
Es gibt aber einige andere Fälle ähnlicher Verben, die erheblich bekannter sind. So erfand die "Heute-Show" das Tätigkeitswort "scholzen". Wer scholzt, der reiht nach der Definition der ZDF-Satiriker "sich komplett widersprechende Aussagen sinnlos aneinander". Der NDR meinte hingegen, dass Scholzer stets ausweichende Antworten geben und alle Vorwürfe an sich abperlen lassen.
 
Der noch amtierende Kanzler ist nicht der erste, dem die Ehre der Ververbung zuteil wurde. SPD-Vorgänger Gerhard Schröder lieferte die Vorlage für das Verb "schrödern", als er nach der Wahl seine Niederlage partout nicht eingestehen wollte. Und seine Nachfolgerin merkelte viele Jahre vor sich hin. Was bedeutet, dass sie bei wichtigen Anliegen untätig blieb. Dieser Begriff fand sogar Eingang in den Duden!
 
Doch nicht nur Politiker sind durch derartige Verben im Gedächtnis geblieben. Ich hatte daran zu kauen, dass mir das Wort "fletchern" bislang nicht geläufig war. Dabei soll es sich in den Sprachgebrauch eingebürgert haben, nachdem der Ernährungswissenschaftler Horace Fletcher behauptet hat, er habe sein Übergewicht allein dadurch verloren, dass er gaaanz langsam gekaut habe. Seither soll "fletchern" langsames und gründliches Kauen bezeichnen.
 
Für abenteuerlich halte ich dagegen die Martensteinsche Behauptung, "der böhmische Diplomat Christoph Popel von Lobkowitz, gestorben 1609, hat sich durch exzessives Popeln unsterblich gemacht". Besonders unappetitlich sei es "beim Popeln auch noch zu fletchern". Ich neige eher zu der Theorie, das Wort Popel leite sich aus dem Altfranzösischen ab. Dort bedeutet es, mit einem Accent grave über dem e, soviel wie "ungebetener Gast".
 
Nun wäre ich sehr enttäuscht, wenn für die Fähigkeit fremde Texte gekonnt als eigene zu verwursten, nicht das Verb "krausen" im nächsten Duden auftauchen wird. 

Glückauf
kdk


 Schmunzelpost 1470 vom 9. 3. 25

Das Brettspiel Monopoly, von dem gestern die Rede war, gehörte in meiner Kindheit und Jugend zu meinen Favoriten. Anders als bei "Mensch ärgere Dich nicht" konnte ich hier meine kapitalistischen Killerinstinkte voll entfalten und durch ausgeklügelte Hotel-Strategien die Mitspieler oft ruinieren. Wenn das nicht Grund genug ist, sich mit Monopoly noch in einer weiteren Schmunzelpost-Folge zu befassen, dann weiß ich es auch nicht. 
 
Interessant finde ich, dass Monopoly dabei war, nach dem amerikanischen Brettspielmarkt auch hierzulande seinen Siegeszug fortzusetzen. Die Firma "Schmidt Spiele" hatte 1935 die Lizenz für den deutschen Markt erworben. Und der Verkauf startete 1936 auch ziemlich erfolgsversprechend. Für die hiesige Variante waren für die Straßennamen real existierende deutsche Alternativen ausgewählt worden. Und für die heutige Schlossallee hatte man nicht von ungefähr die teuerste Adresse in Berlin ausgesucht: Die Nobelstraße "Im Schwanenwerder" im Nikolaiviertel. 
 
Dummerweise wohnte dort jedoch Propagandaminister Joseph Goebbels, der hier nach der Enteignung jüdischer emigrierter Bankiers mehrere Grundstücke zu einem Spottpreis erworben und auch an andere Nazi-Größen verhökert hatte. Goebbels zeigte sich nicht amüsiert. War es daher ein Zufall, dass der Monopoly-Verkaufsstopp in Deutschland mit dem "jüdisch-spekulativen Charakter" gerechtfertigt wurde? Allerdings war wohl auch der Absatz des hochpreisigen Spiels ohnehin zu gering. 
 
Wie komme ich bloß von Nazi-Deutschland aus dem vergangenen Jahrhundert auf die USA der Gegenwärt? Jedenfalls ist mir eingefallen, dass man Donald T. gewiss mit dem Satz: "You are the greatest dealer of the property market. Please show us your genius!" zu einem Monopoly-Spielt verleiten könnte. Vor allem dann, wenn man auf dem Spielplan den New Yorker Trump-Tower und sein Golf-Ressort in Miami an prominenter Stelle unterbringt. Und daher besteht eine begründete Hoffnung, falls der siegesgewisse Donald folgende Ereigniskarte zieht: 
 
"Die Demokraten erzielen 2026 bei den Wahlen einen Erdrutsch-Sieg für beide Häuser. Sie leiten umgehend ein Amtsenthebungs-Verfahren ein und sorgen für die Fortsetzung der ausgesetzten Prozesse. Das erste bestandskräftige Urteil lautet: 'Gehe direkt ins Gefängnis. Gehe nicht über Los und ziehe keinen einzigen Dollar mehr ein. Und rechne damit, dass der Auslieferungsantrag von Grönland und eine lebenslange Haft am Nordpol nicht unwahrscheinlich ist.'" Die bei Donald T. unverzüglich einsetzende Schockstarre bietet die Chance, dass Wendehals J. D. Vance noch einmal die Kurve kriegt. Als Dank schenken wir ihm ein Häuschen in der Badstraße. 
 
Glückauf 
kdk 
 

  Schmunzelpost 1469 vom 8. 3. 25 


Zum heutigen Weltfrauentag habe ich mir als alter weißer Mann Gedanken gemacht. Den Anlass lieferte eine schon etwas ältere Glosse von einem anderen alten weißen Mann, der von manchen Feministinnen als Musterbeispiel der zur Redensart gewordenen veralteten männlichen Denkweise geworden ist: Harald Martenstein. Der hatte sich in einem "Zeit"-Beitrag mit "Monopoly" befasst. Dieses Brettspiel liegt einem gewissen Donald T. aus Übersee bestimmt besonders am Herzen. Denn Sieger ist am Ende derjenige, der alle Mitspieler in den Ruin getrieben hat. Als Beitrag zum Weltfrauentag eignet sich Monopoly dennoch gleich aus zwei Gründen.
 
Erster Grund ist die Entstehungsgeschichte. Die Idee für das Spiel hatte nämlich eine Frau. Elisabeth Magie ließ sich den Monopoly-Vorgänger "The Landlord's Game" bereits 1904 patentieren. Allerdings hatte die Ursprungs-Variante ein ganz anderes Ziel: Sie sollte den Mitspielern vor Augen führen, welch böse Folgen es für die Gemeinschaft hat, wenn ein Monopolist über den gesamten Landbesitz verfügt. Als Symbol und Monopoly-Maskottchen diente dazu ein weiterer alter  weißer Mann mit markantem Zylinder: Der aus Mannheim stammende deutsch-amerikanische Bankier Otto Hermann Kahn.
 
Leider lehnte es seinerzeit die führende Brettspielfirma Parker Brothers ab, das Konzept zu kaufen. Die Spielregeln seien zu komplex, das Spiel zu politisch. Die Stenotypistin Elisabeth Magie verfügte daher nicht über das Kapital, die erforderlichen größeren Mengen auf den Markt zu bringen. Lediglich in Schottland gelang unter dem Titel ‚Br’er Fox and Br’er Rabbit‘ ein zeitlich begrenzter Teilerfolg, bei dem der schlaue Bruder Hase dem Fuchs eins auswischte.
 
Über mehrere Stationen und einige Umwege gelangte Monopoly schließlich auf den Tisch zweier Familien in Philadelphia, die es begeistert spielten. Und Mitspieler Charles Darrow war es dann, der sich 1933 die Urheberrechte sicherte. Der Verkauf lief so gut an, dass 1935 die Firma Parker Brothers doch noch zugriff. Darrow wurde so zum ersten "Spiele-Millionär", Elisabeth Magie mit 500 Dollar abgefunden. Der Rest ist Geschichte: Monopoly avancierte im Laufe der Jahre zu einem der weltweit erfolgreichsten Brettspiele und ist heute in 103 Ländern erhältlich.
 
Dabei gibt es mittlerweile zahllose Varianten. Viele davon sind auf bestimmte Städte zugeschnitten, bei anderen gibt es mal kleinere, mal erhebliche Regeländerungen. Darunter sind "Anti-Monopoly" und "Monopoly für schlechte Verlierer". Es soll auch eine Fassung geben, bei der die gewieftesten Mogler gewinnen. Doch nun zum zweiten Grund, warum ich gerade heute Monopoly thematisiere. Es gibt auch eine Version speziell für Frauen: "Ms. Monopoly".
 
Dabei erhalten Frauen ein höheres Startkapital als Männer (1900 statt 1500 Dollar). Und sie kassieren 240 Dollar. wenn sie über Los kommen, während die armen benachteiligten Männer mit 200 Dollar auskommen müssen. Statt Straßen oder Bahnhöfen können die (ausnahmsweise benutze ich am Frauentag mal einen Gender-Begriff) Mitspielenden Geschäftszentren erwerben, die auf Erfindungen von Frauen beruhen. Zum Beispiel Melitta-Kaffeefilter (Melitta Bentz), Solar-Heizungen (Maria Telkes) oder das WLAN (Hedy Lamarr).
 
Also, liebe Leserinnen, wie wäre es zur Feier des Tages mit einer Partie "Ms. Monopoly"? Der Parker-Brother-Nachfolger, die Firma Hasbro, schrieb, sie wolle so die Leistungen der vielen Frauen würdigen, die sich mit kreativen Ideen um den Fortschritt verdient gemacht haben. Dass auch die Nachfahrerinnen von Elisabeth Magie von der Frauen-Variante profitieren, war jedoch nirgendwo zu lesen. Ihr könnt ja wenigstens beim Spielen an sie denken. . .
 
Glückauf
kdk

 

Schmunzelpost 1468 vom 7. 3. 25 

Gestern ging es an dieser Stelle um ein Projekt der Genforscher, die aus Mäusen Mammuts machen wollen. Nun ist die Evolution in Sachen Genforschung selbst seit vielen Millionen Jahren schwer aktiv. Ich habe mir mal die Mammutaufgabe zugemutet und geprüft, was dabei an Merkwürdigkeiten so alles herausgekommen ist.
 
Den Anstoß dazu gab ein Foto auf der Kinderseite der Zeitung. Es zeigte eine Langnasen-Kängurumaus. Klingt wie eine Kreuzung aus Kängurus und Mäusen und hört sich ausgedacht an, aber diese Tiere gibt es wirklich. Mehr noch: Während Kängurumäuse in Nordamerika zuhause sind, wuseln Langschnauzen-Kaninchenkängurus durch Australien. Dort existieren außerdem die Langnasen-Kängururatte, der Zuckersegler und die braune Vieraugenbeutelratte. Verwirrend, was? Ja, die Natur hat eine Menge auf der Pfanne, da müssen unsere Genforscher noch viel lernen. 
 
Das ist aber noch lange nicht alles. Den "Schokoladen-Fruchtzwerg" findet Ihr nicht im Tiefkühlfach von Supermärkten, sondern in Mexiko und Südamerika. Es handelt sich dabei um eine Fledermaus aus der Unterfamilie der Fruchtvampire. Das Tierchen wiegt gerade mal 17 Gramm, wird nur 6 cm groß und ernährt sich von Früchten, Pollen und Nektar. Und die "Prinzessin von Burundi" sitzt auf keinem Königsthron, sondern schwimmt durch den Tanganjika-See in Afrika, den zweittiefsten See der Welt. Oder auch durch zahlreiche Aquarien, denn sie ist ein beliebtes Haustier und auch unter dem bürgerlichen Pseudonym "Feenbarsch" bekannt. 

 Jetzt könnte ich Euch auch noch etwas über "Wandelnde Geigen", "Dikdiks" und "Plumploris" erzählen. Aber weil Donald Trump in dieser Schmunzelpost noch gar nicht vorkam, wende ich mich lieber an die Genforscher und fordere sie auf: "Gebt es zu: Euch ist bei dem Versuch, in Porzellanläden beheimatete Elefanten mit Kamelen zu kreuzen, ein Fehlschlag widerfahren. Herausgekommen ist das Trumpeltier."
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1467 vom 6. 3. 25

Dass man aus einer Mücke einen Elefanten machen kann, ist uns allen bekannt. Neu ist jedoch zumindest für mich, dass es möglich sein soll, aus einer Maus ein Mammut zu machen. Jedenfalls berichtete die Zeitung gestern über derartige Versuche von Genforschern. Allzuweit sind sie bisher nicht gekommen. Aber die Fotos von den neuen Wollmäusen sind durchaus beeindruckend.
 
Wollmäuse kannte ich zwar schon, aber dabei handelte es sich um eine ganz andere Spezies. Sie leben bevorzugt unter Betten, Schränken und anderen schwer zugänglichen Ecken von Wohnungen und bestehen angeblich aus Staub. Weil sie sich aber so zahlreich vermehren wie echte Mäuse, habe ich daran meine Zweifel. Die putzigen Zottelmäuse jedoch, die in der Zeitung abgebildet waren, sind ganz anderer Natur. Ich werde künftig meine Augen offen halten. Und wenn ich im Garten zum ersten Mal einer Maus mit Stoßzähnen begegne, weiß ich: Aha, die Genforscher sind schon wieder einen Schritt weiter gekommen. Dann ist es an der Zeit, unsere beiden Kater eindringlich zu warnen: Womöglich dauert es nun nicht mehr lange, bis Mäuse mit Rüsseln, Stoßzähnen und der Größe von Doggen unterwegs sind.
 
Allerdings bin ich der Meinung, dass die Genforscher sich lieber einer anderen Aufgabe zuwenden sollten. Es ist dringend geboten, sich um Menschen zu kümmern. Dabei trete ich keineswegs für die Rückverwandlung zum Neandertaler ein. In Zeiten des Klimawandels und der zunehmender Erderwärmung wäre ein körperumfassendes dichtes Fell höchst unwillkommen. Nur wenn sich die Wissenschaft einem ganz bestimmten Teilbereich widmen sollte, stelle ich meine Schädelplatte gern zur Verfügung.
 
Ansonsten sollte ein anderes Projekt absoluten Vorrang haben. Ich spendiere dem Genforscher, dem es gelingt, Donald Trump in einen zivilisierten, mitfühlenden Menschen zu verwandeln, eine gute Flasche Rotwein aus!  
 
Glückauf
kdk

 

 Schmunzelpost 1466 vom 5. 3. 25

Gestern legte ich mich ins Zeug, um den Schilfhügel in unserem Garten frühlingsfit zu machen. Am Ende war der Hügel fit, aber dafür hatte ich es im Kreuz. Ich sollte es wohl doch bei sitzenden Tätigkeiten belassen. Schließlich hat mich der Kollege Michael, wohl in Rosenmontagslaune mit närrischer Absicht, in der gestrigen Ausgabe der Dorstener Zeitung zum "Dozenten für Lesungen" der Familienbildungsstätte Dorsten-Marl ernannt.
 
In meinem neuen Amt will ich dem Redaktionsteam gleich mal die Leviten lesen. Grundsätzlich befürworte ich zwar, dass Termine möglichst zeitnah angekündigt werden, aber bei Veranstaltungen mit Vorlauf ist ein frühzeitigerer Hinweis sinnvoll. Bei einer kulinarischen Lesung müssen vorher Lebensmittel für das Fünf-Gang-Menü gekauft werden, die Mengen sind abhängig von der Zahl der Anmeldungen. Nix Abendkasse!
 
Weil auch andere Multiplikatoren meinten, heutzutage genüge ein Tipp per Instagramm oder Facebook, steht der genussreiche Abend derzeit auf der Kippe. Wer die Veranstaltung retten und sich was Gutes tun will: Schnell noch anmelden unter fbs-marl-dorsten@de. Ort: Beethovenstraße 1, Zeit: Freitag, 7.3., 18.30 Uhr, Preis 46 Euro. Geboten werden ein Aperitif, fünf leckere Gänge und sechs heitere Geschichten.

 
Nach dem Werbeblock nun zu meinem Dozentenjob. Wäre heute der 1. April, dann hätte ich folgende Meldung im Repertoire: Donald Trump will gegenüber Deutschland einen Anteil der Windkraft-Einnahmen einfordern. Trump sagte dazu: "Oft genug machen erst die Ausläufer unserer Hurrikans, wenn sie etwas abgeschwächt über den Atlantik nach Europa ziehen, Eure Windmühlen richtig flott. Und in den Phasen dazwischen mache ich selbst genug Wind!" Käme die Bundesregierung seiner Forderung nach 25 Prozent der Erträge nicht nach, dann sehe er sich gezwungen, Alice Weidel bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, alle deutschen Windräder zu verschrotten.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ich gebe zu: Diese Idee ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich habe sie auch nicht auf dem Schilfhügel ausgebuddelt. Aber sie stammt ursprünglich aus Dorsten, pardon, Dirk, aus Rhade. Es hat nur etwas gedauert, bis der Luftzug aus dem Dorstener Norden Miami erreicht hat und dort zum Orkan wurde. Hier ist der von Dirk Hartwich verfasste Originaltext vom 1. April 1923:

Klage des Bürgerforums Rhade erzürnt Lembecker 

Verwaltungsgericht betritt Neuland in der Rechtssprechung
Was im ersten Moment kurios klingt, kann auf den zweiten Blick vielleicht doch Erfolg haben. Die Klage des Rhader Bürgerforums (BFR) gegen die Betreiber des Lembecker Bürgerwindparks. Das zuständige Verwaltungsgericht Gelsenkirchen bestätigte den Eingang der Klage, die zum Ziel hat, an den Erlösen der erzeugten regenerativen Energie beteiligt zu werden. Darin heißt es, dass nach Statistiken des meteorologischen Instituts in Essen, der Wind an 289 Tagen des Jahres aus Südwest, West oder Nordwest weht. Also von Rhade kommend, um in Lembeck in bare Münze umgewandelt zu werden. „Ohne unsere Primärenergie hätte Lembeck keinen Sekundärprofit“, so der entscheidende Satz in der Rhader Klage. Damit nicht genug. Die Rhader Klageseite rechnet genau vor, warum ihr 37,3% der Erlöse zustehen. „Unsere Kalkulation berücksichtigt das unternehmerische Risiko und die Investitionen der Lembecker in den Bürgerwindpark sehr großzügig. Aber ohne unseren Wind dreht sich kein Rad. Also ist unser Anspruch mehr als berechtigt.“ Das angerufene Verwaltungsgericht hat mit Annahme der Klage signalisiert, dass das vom BFR angestrengte Verfahren nicht auf tönernen Füßen steht. Sollte Rhade gegen Lembeck gewinnen, wird das Auswirkungen in der gesamten Bundesrepublik haben. Wir berichten weiter.
 

 Schmunzelpost 1465 vom 4. 3. 25

Das war ein Trostpflaster für die geschundene Seele! Danke, Hamburg! Ein deutsches Wahlergebnis, in dem die AfD deutlich unter zehn Prozent bleibt, darauf habe ich lange gewartet. Lasst uns für die Zukunft das Motto ausrufen: Hamburg ist überall!
 
Ganz und gar nicht als Vorbild taugen dagegen die USA. Noch erschütternder als das, was sich da am Freitag im Weißen Haus abgespielt hat, finde ich die Reaktion der Amerikaner. Große Proteste blieben aus, dagegen feierten seine Wähler und Teile der Medien die fiese Inszenierung, als hätte Trump damit einen Oscar für beispielhafte Politik verdient. Wahrscheinlich hat der Egomane in seiner langjährigen TV-Reihe ein paar Mal zu oft "You are fired!" gesagt, und jetzt fällt ihm kein anderer Text mehr ein.
 
Um ihm ansonsten auf Augenhöhe begegnen zu können, sollte sich unsere neue Regierung für ihren Antrittsbesuch in Washington schon mal mit passenden Vokabeln rüsten. J. D. Vance hat schließlich schon in München vorgemacht, dass er von diplomatischer Rücksichtsnahme überhaupt nichts hält. Und Elon Musk, Trumps Händchen fürs Grobe, hat sogar unseren Bundespräsidenten aufs Gröbste beleidigt.
 
Da unsere Abordnung für ganz Europa sprechen sollte, schlage ich vor, dass sie sich in Amerika aus dem Schimpfwörter-Katalog eines Nachbarlandes bedient. Österreichs Beitrag zur europäischen Kultur ist u.a. "Der kleine Wappler", ein Lexikon der Flüche und Schimpfwörter. Wenn Ihr beispielsweise Eurem Gesprächspartner eine (rhetorische) Backpfeife verpassen wollt, dann ist das eine Tachtel. Falls Ihr so provoziert werdet, dass Ihr vor einer handfesten Ohrfeige nicht zurückschreckt, dann verabreicht Ihr Eurem Widersacher eine Tätschen. Das klingt doch gleich viel zärtlicher!
 
Und wenn Ihr Eurem amerikanischen Gastgeber mit einem charmanten Macron-Lächeln versichert, er habe einen Täpscher (Dachschaden) und sei so teppert (bescheuert), dass er nur Topfen (Unsinn) und Tinnef (wertloses Zeug) erzähle, dann überfordert Ihr den Dolmetscher vollständig. Trump versteht sowieso nur Bahnhof. Und falls Ihr Glück habt, antwortet er: "Well, Guys, I thank you for your wise words!"  
 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1464 vom 3. 3. 25 

Zwar hallten am Sonntag noch Äußerungen von Donald Trump und seinen russischen Kumpanen nach, in der sie sich ihrer neuartigen Diplomaten-Sprache bedienten (Trump: "Die EU wurde gegründet, um die USA zu bescheißen!", Medwedew: "Selenskjy ist ein unverschämtes Schwein!"), aber dennoch gönne ich uns einen Tag Pause. Es ist an der Zeit, sich darauf zu besinnen, dass die Schmunzelpost in besseren Zeiten (kaum zu glauben, dass ich die Covid-Jahre einmal dazu zählen würde) dazu diente, sogenanntes unnützes Wissen aufzuhäufen und über Kurioses und Skurrilitäten zu berichten. 
 
Wissen ist niemals unnütz. So kann Euch folgender Hinweis bei Eurem nächsten Wochenend-Trip nach Rom durchaus hilfreich sein. Falls Ihr nämlich den Petersdom besichtigt und mitten im Vatikan feststellt, dass Ihr dringend Geld benötigt, guckt Ihr ohne das große Latinum womöglich dumm aus der Wäsche. Denn der Bankomat konfrontiert Euch zunächst mit einer Aufforderung: "insertio scidulam quaeso ut faciundam  cognoscas rationem". Was nicht heißen soll, dass Ihr mit einem Rosenkranz-Gebet darum bitten mögt, dass Euer Konto gedeckt ist, sondern dass Ihr Eure Geldkarte einführen sollt.
 
Falls Ihr jedoch statt nach Rom lieber nach Montreal reist, dann solltet Ihr dort rund um den 1. Juli keine Stadtrundfahrt planen. In dieser Zeit herrscht in der kanadischen Metropole regelmäßig ein Verkehrschaos. Der Grund: Mietverträge laufen in Montreal generell am 30. 6. aus. Und am "Moving Day" und den Tagen drumherum verstopfen daher überall Abertausende von Umzugswagen die Straßen.
 
Wenn Ihr jedoch in Montreal oder sonstwo im Stau steckt, könnt Ihr Eure Mitreisenden mit einem Test überraschen oder, falls Ihr es geschickt anstellt, mit einer Wette zu locken: "Gelingt es einem von Euch, die Nase zuzuhalten und länger als drei Sekunden 'Mhhhhhh' zu sagen?" Probiert es aus, es klappt bei keinem!
 
Da Ihr wahrscheinlich mangels Trumpausbrüchen längere Zeit auf Obszönitäten in offiziellen Nachrichten verzichten musstet, will ich Euch wenigstens einen kleinen Ausgleich bieten und wissenschaftlich fundiert erklären, wie ein Verb für Geschlechtsverkehr in unsere Sprache Eingang fand. Im Mittelalter hielten adlige Damen gern Singvögel. Zum Zeitvertreib. Aber nicht nur, um sich an deren Gesang zu erfreuen. Packte eine Adelige das Verlangen, dann stellte sie den Käfig mit ihren Vögeln ans offene Fenster. Ihr Liebhaber verstand das Signal und wusste nun, dass er "zu den Vögeln gehen" konnte. Den Rest dürft Ihr Euch selbst zusammenreimen. Anders als Trump nehme ich keine anstößigen Ausdrücke in den Mund. . . 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1463 vom 2. 3. 25

Als ich am Freitagabend das Heute-Journal sah, war ich anschließend kurz davor, die gestrige Schmunzelpost komplett umzuschreiben. Aber der Inhalt wäre dann nicht zum Schmunzeln gewesen, es sei denn, Ihr könnt Beleidigungen etwas Erheiterndes abgewinnen. Auf die Pöbel-Stufe will ich jedoch nicht absinken und habe stattdessen lieber die Heute-Show angeschaut. Bleibt die Frage: Dieser Kerl ist gerade einen Monat im Amt, wie soll ich das ganze vier Jahre aushalten? Und vor allem auch der Rest der Welt?
 
Heute erinnere ich lieber noch einmal an einen anderen Amerikaner, der ebenfalls einen gewaltigen Spleen hatte, aber keineswegs so bösartig war wie Donald Trump.  Bernard Adolphus McFadden gab sich später den Künstlernamen Bernarr Macfadden, da es so männlicher und kraftvoller klingen würde. 1868 in Missouri geboren, kam er als schwächliches Waisenkind auf eine Farm, wo er durch harte körperliche Arbeit an frischer Luft groß und stark wurde. Mit 13 zog er nach St. Louis, arbeitete dort im Büro, wodurch seine alten körperlichen Probleme zurückkehrten. Deshalb begann er ein regelmäßiges Hantel-Training, wanderte täglich zehn Kilometer und wurde Vegetarier.
 
Danach entdeckte MacFadden seine journalistische Begabung und gründete 1899 die Zeitschrift Physical Culture (Körperkultur), deren Chefredakteur er bis 1912 blieb. Seit jeher verknüpfte er seine Überzeugungen mit dem Beruflichen und wurde nach und nach zum Medienmogul. Außerdem eröffnete er 1902 das erste rein vegetarische Restaurant der USA, 1911 waren es dann bereits 20. Seine Fitness- und Männlichkeitsbücher wurden Bestseller. Vor allem die Publikationen über das Heilfasten brachen mit damals bestehenden Tabus, wobei er auch behauptete, dass sich der richtige Mann erst durch Fasten von weichlichen männlichen Wesen unterscheiden könne. Er wandte sich gegen Brot als Nahrungsmittel und praktizierte Vorläufer der Rohkost-Diät.
 
Studierten Mediziner galt MacFadden als Scharlatan. Wofür er sich revanchierte, indem er Ärzte verächtlich als "Pillen-Pusher" abtat. Dazu nutzte er auch seinen umfangreiches Medien-Instrumentarium, das von Groschenromanen über Boulevard-Blätter bis zum Magazin-Bestseller "True Story" reichte. Jedes Wort darin sei wahr, beteuerte MacFadden stolz. 1927 wurde ihm jedoch vor Gericht das Gegenteil bewiesen, weil er eine hanebüchene Geschichte veröffentlicht hatte, in der acht ehrbare, aber völlig unbeteiligte Bürger aus Pennsylvanien vorkamen.
 
Sein Boulevard-Blatt "Evening Graphic" zeichnete sich sogar dadurch aus, dass es generell mit der Wahrheit nichts am Hut hatte und manchmal völlig den Bezug zur Realität verlor. Neben imaginären Interviews wurde eine Artikel-Serie zum Höhepunkt, die der 1926 verstorbene Rudolph Valentino angeblich persönlich im Jenseits für das Blatt verfasst hatte. So stieg die Auflage bis auf 600.000 Exemplare. 1927 kletterte sie sogar an einem Tag um zusätzliche 250.000 Exemplare. Der "Evening Graphic" hatte nämlich eine spezielle Bildtechnik entwickelt, den Urahn der Fake-News-KI. Dabei wurden die Köpfe von Prominenten auf andere Körper montiert und vor einen spektakulären Hintergrund gestellt. 
 
Während des Aufhebungsverfahrens der Ehe zwischen dem seinerzeit in den USA sehr bekannten millonenschweren Geschäftsmann Edward West "Daddy" Browning und seiner fast 30 Jahre jüngeren Gattin mit dem Spitznamen "Peaches", einer exzentrischen Schauspielerin, veröffentlichte die Zeitung ein Foto, das die Frau nackt im Zeugenstand zeigte. Obwohl die Redaktion gar nicht zu verbergen suchte, dass es sich um eine Fälschung handelte, war die Ausgabe heiß begehrt.
 
Das könnte man mit einem Grinsen zur Kenntnis nehmen, wenn so etwas nicht bedenkliche Auswirkungen gehabt hätte. Denn wegen des großen Erfolgs der Boulevard-Blätter versuchten seriöse Zeitungen, sich anzupassen. Nicht in der Aufmachung, aber im Stil. So fand jetzt selbst die New York Times oft Platz für pikante Geschichten und präsentierte sie in einer entsprechenden Prosa. 
 
Gut, dass unsere Presse für so etwas nicht anfällig ist. Man stelle sich vor, die folgenden Original-BILD-Schlagzeilen hätten Schule gemacht:
 
US-Präsident Eisenhower: Drei Treffen mit Aliens
Große Empörung über unheimliches Projekt: UFO-Sekte will jetzt Hitler klonen
Horror-Firma zapft Hirn an - Dieser Mann war das erste Opfer, wann sind wir dran? 
Adios Diego: Dein Messi kriegt heut auf die Fressi!
Scheintote weinte in der Leichenhalle: Ich bin nicht tot, ich friere so! 
Wir fordern: Mallorca soll deutsch werden! 
Deutschland sozialistischer als China! 
38 Prozent aller Studentinnen sind weiblich!
 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1462 vom 1. 3. 25 

Es vergeht kein Tag, ohne dass neue Hiobsbotschaften aus Amerika eintreffen. Jetzt hat also der Milliardär Jezz Bezos, Eigentümer der Washington Post, der Redaktion vorgegeben, was die Zeitung künftig kommentieren darf und was nicht. Schlimm, dass die schleichende Kastrierung der Pressefreiheit in den USA vor den Flaggschiffen nicht Halt macht. Aber das war absehbar: Die Wahlempfehlung für Kamala Harris hatte Bezos ja auch bereits untersagt.
 
Was haben wir für Informationsquellen? Das Internet, in dem Leute wie Elon Musk und Mark Zuckerberg Populisten, Trollen und Meinungs-Manipulateuren bereits seit langem Tür und Tor geöffnet haben, so dass es immer schwieriger wird, Fakten und Fake-News zu trennen. Dazu kommt noch die dreiste Taktik, Menschen gezielt mit übelster Meinungsmache zu überschwemmen, wenn sie einmal einen Köder geschluckt und die falschen Seite angeklickt haben.
 
Dann haben wir den Rundfunk. In autoritär regierten Staaten dient der als Propaganda-Instrument. Anderswo in der Welt diktieren private Inhaber und somit der Kommerz, was gesendet wird. Wie Fox-TV in den USA zeigt, werden aber auch immer mehr Sender als Mittel der Beeinflussung missbraucht. Und unsere Öffentlich-Rechtlichen? Sie sehen sich massiven Angriffen von Kräften ausgesetzt, die Rundfunkgebühren als Hebel nutzen wollen, um ARD und ZDF erst empfindlich zu schwächen und langfristig ganz abzuschaffen. Außerdem soll die Glaubwürdigkeit untergraben werden, indem ausgerechnet Leute unseren Rundfunkanstalten einseitige Berichterstattung vorwerfen, die einen Staatsfunk nach dem Vorbild von Putin und Orban anstreben.
 
Bleibt unsere Presse. Immerhin gibt es bei uns eine Vielfalt, um die uns andere Nationen beneiden. Doch Versuche, die Meinungsbildung zu beeinflussen, sind seit der Gründung der BRD auch in Westdeutschland schwarz auf weiß dokumentiert. Daran hat die Boulevard-Presse, namentlich die BILD-Zeitung, seit jeher großen Anteil. Wenn nicht durch offene Parteinahme, dann durch üble Stimmungsmache. Nicht von ungefähr war das Verlagshaus Springer Zielscheibe der 68-er Proteste. Und Günter Wallraff hat BILD fast ebenso viele Lügen nachgewiesen wie einst die Washington Post in der Vor-Bezos-Ära Donald Trump.
 
Boulevard-Zeitungen gab es in England schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. In den USA gelang der große Durchbruch nach dem Ersten Weltkrieg. Zwei Söhne einer Verleger-Familie aus Chicago hatten in London den Daily Mirror zu Gesicht bekommen und starteten dann 1919 das Experiment mit dem Blatt "Daily Illustrated News". Der wurde auf den Straßen von New York anfangs für zwei Cent angeboten und war mit einer Auflage von zeitweise bloß 11.000 Exemplaren zunächst kein Erfolg. 
 
Doch mit der Spezialisierung auf Verbrechen, Sensationen und Klatsch, die in immer größeren Schlagzeilen und mit immer schlichteren Texten hinausposaunt wurden, wuchs die Zahl der Leser kontinuiierlich. Bereits Mitte der 1920er Jahre erreichte das Blatt eine Auflage von einer Million und war damit die mit Abstand bestverkaufte Zeitung der USA. Die New York Times kam nicht einmal auf die Hälfte.
 
Solch ein Erfolg fand natürlich Nachahmer. Dazu zählte ab 1924 der spätere Pressezar William Randolph Hearst mit seinem "New York Daily Mirror". Drei Monate später brachte Bernarr (kein Tippfehler) Mac Fadden das wunderbar haarsträubende Boulevard Blatt "Evening Graphic" heraus. Mac Fadden war eine schillernde Persönlichkeit. Bereits 1919 erschien erstmals sein Magazin "True Story". Diese "Beicht-Zeitschrift" kam einmal im Monat auf den Markt und erreichte eine Auflage von 2,2 Millionen.
 
Mac Fadden war ein Mann starker und exotischer Überzeugungen. Er hatte ein Abneigung gegen Rechtsanwälte, Ärzte und Kleidungsstücke. Also trat er für Freikörperkultur, Body-Building und, man lese und staune, für ein Recht der Pendler auf anständige Bahnverbindungen ein. Mac Fadden und seine Frau irritierten die Nachbarschaft, indem sie ihrer Vorliebe für Bewegung gern nackt auf dem häuslichen Rasen frönten. Mc Fadden selbst sah man noch mit Mitte Achtzig mit einem 20-kg-Sandsack auf dem Rücken durch Manhattan schlendern. So wollte er sich fit halten. Seinen Tod mit 87 konnte er allerdings auf diese Weise nicht verhindern. Wie sehr ihn sein Gesundheitsbewusstsein prägte, zeigte eine recht herzlose Äußerung über den Tod seiner Tochter: "Es ist besser, dass sie tot ist. Sie hätte mich nur blamiert!"
 
Bevor ich die Mac Fadden Story fortsetze, unterbreche ich an dieser Stelle. Ich will erst mit einem 10-Pfund-Sandsack auf dem Rücken durch die City von Dorsten laufen, um mich für die nächste Schmunzelpost fit zu halten.
 
Glückauf
kdk  

 

 Schmunzelpost 1461 vom 28. 2. 25

Nicht nur ich, auch mein alter, zu Selbstgesprächen neigender Nachbar, der Herr K.,  ärgert sich offenbar über das Weltgeschehen. Das schließe ich aus seinem Monolog, den er gestern auf dem Balkon hielt. Hier das Wortprotokoll:
 
"Hömma, Karl, die Welt geht ausse Fugen, glaubse? Da kreuzen doch mitten in Pott, wo et für unsan Oppa, unsan Vatter und für uns nur die Roten gab, die Heiopeis von heute auffem Wahlzettel die neuen Braunen an! Ich fass et nich! Obwohl, so richtich rot war unsere ESPEDE ja schon ewich nich mehr, eher so rosa. Sons hätten wir se auch nich gewählt. Wir warn ja keine Revoluzza, sondern liebten unsa Zechenhäusken mit sein klein Gatten hintenraus. Aba mit die Nazis hatten wir nie wat anne Mütze!
 
Noch mehr reecht mich der olle Trump auf! Da erzählt der Spinner glatt, dat nich der Putin, sondern die Ukraine an den Kriech schuld is! Und wat son Diktator is, hatta aunich kapiert. Oder er weiß datt genau und redet son Zeuch, weil er gern selba einer sein möchte. Aba statt dasse ihm in sein Amerika die Lügen umme Ohr'n hauen, werden sie ihn bestimmt noch für den Friedensnowellpreis vorschlagen. Eher käm er ja für nen Ausbeuter-Preis in Frage. Denn so dreist, wie der ekelige Deal-Macker sich die seltene Erden unta den Nagel reisst, musse ersma sein.
 
Nu überleg ich, ob unsere Stadt Dorsten oder die Ewonnick nich mit Trump verhandeln soll'n. Denn tief unten in unsere Stadt, so 800 Meter unta die Erde, da gibt et ganz, ganz seltene Erden. Hasse vergessen, wat? Weisse nich mehr? Der Blindschacht auffe Sohle sechs, wo se nachem Flöz gesucht, aba nix gefunden ham? Da sin wir und Tausende von Kumpel doch Tach für Tach hin und ham da wat unta uns abgelecht. Wat raus muss, muss raus! Bevor et inne Buxe landet. Und wenn der Wech zum WC zu weit is, dann is son blinder Schacht sehr nützlich. Vor allem, weil Du den auch findest, wennet stockduster is - imma de Nase nach, dann bisse richtich.
 
Ja un getz denk mal drüber nach, wat da unten nach so viele Jahre entstanden is. Der Druck von tausend Tonnen Gestein, die Hitze, wat macht dat wohl aus den wertvollen Zeuch, wat so viele verschiedene Kumpel da aufgehäuft ham? Sonne Mischung aus Erbsensuppe, Stullen, paniertet Schnitzel und Schleim ausse Staublunge, desinfiziert durch Bier und Korn. Dazu noch reichlich Knofi vonne türkische Kumpel. Dat is getz bestimmt sonne seltene Substans, wo son neunmalkluger Eierkopp richtich wat draus machen kann. Wat weiß ich? Son Antibiotikum, dat Dich als Impfung gegen alles abhärtet, weil die bösen Viren sofort abhauen, wenn se dat nur ausse Ferne wittern. Oder son Sensor für dat Handy, damit dat Gesimse richtich flott wird.
 
Wat meinz Du? Wie der Trump davon Wind kriecht? Ganz einfach! Unsa Nachbar, der schreibt doch alles mit, wat wir Kluges sagen. Und der stellt dat dann in dat Intanett. Und da ham die Amis und der Elon Musk überall ihre Ohren drin. Und wenn die mitkriegen, dat et echt wat zu verdienen gibt, dann wern die sowatt von fix.
 
 Wie isses? Deal, Donald? 
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1460 vom 27. 2. 25

Ich bin ein passionierter Leser. Zeitungen, Bücher, Zeitschriften sind mein Lebenselixier. Vielleicht bin ich auch deshalb so fasziniert vom Blick zurück in die Vergangenheit, gegenwärtig in die Vereinigten Staaten von Amerika vor rund einhundert Jahren. Denn als in den 1920er Jahren die Wirtschaft in den USA boomte, als viele Menschen sogar Kredite aufnahmen, um sich durch den Kauf von Aktien einen fetten Anteil an der goldenen Zukunft zu sichern, war Amerika nicht nur das reichste Land der Welt, sondern erlebte auch die Blütezeit des Lesens.
 
Anders als heute verteilte sich das Vermögen nicht nur auf eine handvoll Superreiche. Von den 26,8 Millionen Haushalten in den USA besaßen 1927 elf Millionen einen Plattenspieler, 17,5 Millionen ein Telefon und zehn Millionen ein Auto! Zu einer Zeit, als man in Europa davon nur zu träumen wagte, waren Konsumgüter wie Kühlschränke, Radios, Ventilatoren und Rasierapparate Bestandteil des Alltags. Das traf auch auf Bücher zu. Amerikanische Verlage brachten jährlich 110 Millionen Bücher heraus, mehr als 10.000 verschiedene Titel.
 
Zeitschriften und Magazine boomten ebenfalls. In jener Zeit feierten Publikationen Premiere, die weltweit Bedeutung erlangten wie "Readers Digest" und das Nachrichtenmagazin "Time". Oder sie wurden, trotz vergleichsweiser geringer Auflage. zum bevorzugten Lesestoff der Intellektuellen rund um den Globus wie der "New Yorker". Dabei war beispielsweise die Zeitschrift "Time" in ihren Anfangsjahren zwar äußerst beliebt, aber auch hochgradig schludrig. Über einen berühmten Flugpiloten hieß es beispielsweise mehrfach, der Mann habe im Krieg ein Bein, einen Arm und sein Kinn verloren. Doch jeden Tag wurden auch aktuelle Fotos des "Invaliden" veröffentlicht, die ihn im vollen Besitz sämtlicher Gliedmaßen und mit einem markanten Kinn im Gesicht zeigten. 
 
Außerdem fiel "Time" durch eine besondere Sprache auf. Eine große Vorliebe für bestimmte Worte wie "geschmeidig", "dunkelhäutig" und "fuchsäugig", ein Faible für verdrehte Redewendungen und eine ausgesprochene Leidenschaft für die Umgehen des im Englischen üblichen SPO-Prinzips (Subjekt-Prädikat-Objekt). Man kann sagen, die deutsche Vorliebe, möglichst viele Substantive, Adjektive und Adverbien in einen Satz zu packen, bevor sich ein Verb blicken ließ, wurde emsig gepflegt. Ein Autor im "New Yorker" spottete deshalb über einen der beiden Time-Herausgeber: "Rückwärts liefen die Sätze, bis sie taumelten, die Gedanken." Von sprachlichen Eskapaden abgesehen waren die Time-Chefs Henry Luce und Briton Hadden aber ausgesprochen konservativ: In ihrer Ägide konnte keine Frau jemals über den Job einer Sekretärin oder Redaktions-Assistentin hinaus gelangen.
 
Schauen wir auf die Zeitungen, aus heutiger Sicht mit einer Träne im Augenwinkel: In den USA kletterten die Zeitungsverkäufe auf 36 Millionen Exemplare täglich, das macht durchschnittlich 1,4 Zeitungen für jeden Haushalt aus! Allein in New York City gab es zwölf Tageszeitungen, fast alle anderen Städte verfügten über mindestens zwei oder drei. Dazu kommen noch die Boulevard-Blätter, die vor 100 Jahren in Amerika plötzlich wie Pilze aus dem Boden schossen. Doch da das Boulevard-Prinzip, wie man in "Bild" täglich sehen kann, bis heute lautet: "Möglichst grell und schrill, aber immer kurz, kurz, kurz!" erzähle ich morgen davon mehr. Oder auch übermorgen, denn man sollte niemals glauben, was in einem Boulevard-Blatt-Text steht. . .
 
Glückauf
kdk 

 

 Schmunzelpost 1459 vom 26. 2. 25

Um mich von der turbulenten Gegenwart mit all ihren Schrecken zu erholen, tauche ich vor dem Einschlafen gern beim Lesen eines Sachbuchs in die Vergangenheit ab. Und zwar um fast 100 Jahre. "Sommer 1927 - Ein Sommer in Amerika, der ein ganzes Jahrhundert prägte", preist der Verlag das Werk von Bill Bryson. Aber bei der Lektüre kommt mir einiges recht vertraut und beunruhigend vor. Nicht nur, weil mir in New York am Vorabend der Weltwirtschaftskrise ein gewisser Frederick C. Trump begegnet, der später sein viertes Kind Donald taufte, war das alles andere als eine idyllische Welt.
 
Zunächst aber etwas zur Ehrenrettung von Papa Trump. Im Gegensatz zu seinem Sprößling hatte der nicht nur ein Handwerk, sondern gleich mehrere gründlich gelernt, was ihm bei seinem Aufstieg zum Baulöwen sehr nützlich war. Und Trump sen. errichtete in New York zunächst viele Eigenheime und Mietwohnungen, bevor er sich größeren Projekten zuwandte. Dabei verdiente er sich den Ruf, qualitativ gute und moderne Häuser zu erschwinglichen Preisen zu verkaufen. Bei Mängeln sah er höchstpersönlich nach dem Rechten, duldete keinen Pfusch und sorgte für rasche Abhilfe, wobei er mitunter selbst anpackte. Ach, Donald, hättest Du doch nur einiges von Deinem Dad abgeschaut! 
 
1927 war es nicht unbedingt ein Vergnügen, in New York zu leben. In der damals verkehrsreichsten Stadt der Welt waren mehr Autos unterwegs als zur gleichen Zeit in ganz Deutschland. Dazu kamen aber auch noch 50.000 Pferdefuhrwerke! Für Fußgänger wurde jede Straßenüberquerung so zum lebensgefährlichen Abenteuer, man zählte jährlich weit mehr als 1000 tödliche Verkehrsunfälle. Aber das regte außer den Betroffenen und ihren Angehörigen niemand besonders auf, das galt als normal.
 
Ebenso normal, wie bis dahin die größten organisierten Gangster schier unantastbar schienen. Das lag nicht nur an Korruption und ihren guten Kontakten zu Richtern, Politikern und Polizisten. Die Drahtzieher vieler Straftaten konnten selbst für eigenhändig ausgeführte Morde nicht zur Rechenschaft gezogen werden, weil sich niemand traute, gegen sie auszusagen. Und es war fast unmöglich, ihnen illegale Geschäfte nachzuweisen, weil sie nie ihren Namen unter Verträge und aussagekräftige Dokumente setzten. 
 
So bedurfte es einer unerschrockenen und hartnäckigen 37-jährigen Frau, die sich aus ihrem Hausfrauendasein in Kalifornien durch Abendstudium und Universitätsabschluss 1921 zur stellvertretenden Justizministerin hochgekämpft hatte. Mabel Walker Willebrandt entdeckte die Achillessehne der Gangster: Die Einkommenssteuer. Die zahlte kein Krimineller, der etwas auf sich hielt. Wegen Steuerhinterziehung kam später bekanntlich auch Al Capone hinter Gitter, bis dahin jedoch war es ein langer Weg. Zunächst hielten die meisten US-Justizbehörden solche Anklagen für völlig idiotisch und den Erfolg für illusorisch.
 
Doch Frau Willebrandt bewies das Gegenteil. Meilenstein dafür war das Pionier-Verfahren gegen einen Schwarzhändler aus South Carolina. Dessen Anwälte argumentierten ernsthaft, Kriminelle könnten ja gar keine Einkommenssteuer zahlen, ohne sich selbst zu belasten. Das würde nämlich den 5. Zusatzartikel der US-Verfassung verletzen. Und außerdem, so der zweite ernsthaft vorgebrachte Einwand: Die Regierung mache sich mitschuldig, wenn sie einen Anteil an illegalem Profit beanspruche.
 
Der entschiedenste Vertreter dieser Strategie war übrigens Martin Thomas Manton, Richter beim Bundesberufungsgericht: "Man mag kaum glauben, dass beabsichtigt wird, einen Schwarzhändler wegen seines illegalen Profits als Steuerzahler zu würdigen, damit die Regierung sein Geld für Staatszwecke entgegennehmen kann." Doch am 16. Mai 1927 gewann Mabel Walker Willebrandt den abschließenden Prozess vor dem Verfassungsgericht. Und eine Lawine kam ins Rollen, der ein paar Jahre später auch Richter Manton zum Opfer fiel. Er wurde nämlich von der Bundessteuerbehörde erfolgreich wegen Steuerhinterziehung angeklagt, weil er 186.000 Dollar Bestechungsgelder angenommen und nicht versteuert hatte. Das Urteil: 17 Monate Haft in einem Bundesgefängnis!
 
Wie würde es Frau Willebrandt heute ergehen? In einem Amerika, das von einem Präsidenten regiert wird, der sich hartnäckig weigerte, seine Einkommensverhältnisse offenzulegen und der sich selbst ohnehin über Recht und Gesetzt stellt, würde sie wohl kaum in der Justizbehörde Karriere machen und höchstwahrscheinlich von Elon Musks willigen Gehilfen fristlos entlassen werden. Ob die Frau wohl fähige Enkelkinder hat, die ihren Verstand und ihre Energie geerbt haben? Die Demokraten könnten solch eine mutige Präsidentschaftskandidatin für die Wahl in vier Jahren jedenfalls brauchen!  
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1458 vom 25. 2. 25 

Um mich von der turbulenten Gegenwart mit all ihren Schrecken zu erholen, tauche ich vor dem Einschlafen gern beim Lesen eines Sachbuchs in die Vergangenheit ab. Und zwar um fast 100 Jahre. "Sommer 1927 - Ein Sommer in Amerika, der ein ganzes Jahrhundert prägte", preist der Verlag das Werk von Bill Bryson. Aber bei der Lektüre kommt mir einiges recht vertraut und beunruhigend vor. Nicht nur, weil mir in New York am Vorabend der Weltwirtschaftskrise ein gewisser Frederick C. Trump begegnet, der später sein viertes Kind Donald taufte, war das alles andere als eine idyllische Welt.
 
Zunächst aber etwas zur Ehrenrettung von Papa Trump. Im Gegensatz zu seinem Sprößling hatte der nicht nur ein Handwerk, sondern gleich mehrere gründlich gelernt, was ihm bei seinem Aufstieg zum Baulöwen sehr nützlich war. Und Trump sen. errichtete in New York zunächst viele Eigenheime und Mietwohnungen, bevor er sich größeren Projekten zuwandte. Dabei verdiente er sich den Ruf, qualitativ gute und moderne Häuser zu erschwinglichen Preisen zu verkaufen. Bei Mängeln sah er höchstpersönlich nach dem Rechten, duldete keinen Pfusch und sorgte für rasche Abhilfe, wobei er mitunter selbst anpackte. Ach, Donald, hättest Du doch nur einiges von Deinem Dad abgeschaut! 
 
1927 war es nicht unbedingt ein Vergnügen, in New York zu leben. In der damals verkehrsreichsten Stadt der Welt waren mehr Autos unterwegs als zur gleichen Zeit in ganz Deutschland. Dazu kamen aber auch noch 50.000 Pferdefuhrwerke! Für Fußgänger wurde jede Straßenüberquerung so zum lebensgefährlichen Abenteuer, man zählte jährlich weit mehr als 1000 tödliche Verkehrsunfälle. Aber das regte außer den Betroffenen und ihren Angehörigen niemand besonders auf, das galt als normal.
 
Ebenso normal, wie bis dahin die größten organisierten Gangster schier unantastbar schienen. Das lag nicht nur an Korruption und ihren guten Kontakten zu Richtern, Politikern und Polizisten. Die Drahtzieher vieler Straftaten konnten selbst für eigenhändig ausgeführte Morde nicht zur Rechenschaft gezogen werden, weil sich niemand traute, gegen sie auszusagen. Und es war fast unmöglich, ihnen illegale Geschäfte nachzuweisen, weil sie nie ihren Namen unter Verträge und aussagekräftige Dokumente setzten. 
 
So bedurfte es einer unerschrockenen und hartnäckigen 37-jährigen Frau, die sich aus ihrem Hausfrauendasein in Kalifornien durch Abendstudium und Universitätsabschluss 1921 zur stellvertretenden Justizministerin hochgekämpft hatte. Mabel Walker Willebrandt entdeckte die Achillessehne der Gangster: Die Einkommenssteuer. Die zahlte kein Krimineller, der etwas auf sich hielt. Wegen Steuerhinterziehung kam später bekanntlich auch Al Capone hinter Gitter, bis dahin jedoch war es ein langer Weg. Zunächst hielten die meisten US-Justizbehörden solche Anklagen für völlig idiotisch und den Erfolg für illusorisch.
 
Doch Frau Willebrandt bewies das Gegenteil. Meilenstein dafür war das Pionier-Verfahren gegen einen Schwarzhändler aus South Carolina. Dessen Anwälte argumentierten ernsthaft, Kriminelle könnten ja gar keine Einkommenssteuer zahlen, ohne sich selbst zu belasten. Das würde nämlich den 5. Zusatzartikel der US-Verfassung verletzen. Und außerdem, so der zweite ernsthaft vorgebrachte Einwand: Die Regierung mache sich mitschuldig, wenn sie einen Anteil an illegalem Profit beanspruche.
 
Der entschiedenste Vertreter dieser Strategie war übrigens Martin Thomas Manton, Richter beim Bundesberufungsgericht: "Man mag kaum glauben, dass beabsichtigt wird, einen Schwarzhändler wegen seines illegalen Profits als Steuerzahler zu würdigen, damit die Regierung sein Geld für Staatszwecke entgegennehmen kann." Doch am 16. Mai 1927 gewann Mabel Walker Willebrandt den abschließenden Prozess vor dem Verfassungsgericht. Und eine Lawine kam ins Rollen, der ein paar Jahre später auch Richter Manton zum Opfer fiel. Er wurde nämlich von der Bundessteuerbehörde erfolgreich wegen Steuerhinterziehung angeklagt, weil er 186.000 Dollar Bestechungsgelder angenommen und nicht versteuert hatte. Das Urteil: 17 Monate Haft in einem Bundesgefängnis!
 
Wie würde es Frau Willebrandt heute ergehen? In einem Amerika, das von einem Präsidenten regiert wird, der sich hartnäckig weigerte, seine Einkommensverhältnisse offenzulegen und der sich selbst ohnehin über Recht und Gesetzt stellt, würde sie wohl kaum in der Justizbehörde Karriere machen und höchstwahrscheinlich von Elon Musks willigen Gehilfen fristlos entlassen werden. Ob die Frau wohl fähige Enkelkinder hat, die ihren Verstand und ihre Energie geerbt haben? Die Demokraten könnten solch eine mutige Präsidentschaftskandidatin für die Wahl in vier Jahren jedenfalls brauchen!  
 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1457 vom 24. 2. 25

Da sind wir nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Das meine ich wörtlich. Denn wenn ich auf die Deutschlandkarte schaue, auf der die Gebiete, in denen die AfD bei der Wahl am Sonnstag die meisten Zweitstimmen holte,  blau gefärbt sind, dann sehe ich rot! Fast der gesamte Osten war beim Wählen offenbar blau. Und im Westen bildet in der Welthauptstadt des Fußballs, ausgerechnet die Region um Schalke, eine blaue Insel. Leute, das muss ein Missverständnis sein! Ihr habt Euch wegen der Vereinsfarbe königsblau blenden lassen! Aber was verstehen Fußballer schon von Politik...
 
Ein Trostpflaster bleibt. Wenn bei einem AfD-Ergebnis von 20,6 Prozent jeder Fünfte sein Kreuz an einer gefährlichen Stelle machte, dann bedeutet das auch, das fast 80 Prozent der Wähler einen klaren Kopf behalten haben. Und auch im Osten ist die Mehrheit immer noch auf der demokratischen Seite. Allerdings steckt unsere Wirtschaftskrise derzeit noch in den Kinderschuhen. Jedenfalls wenn man sie mit den Auswirkungen des globalen Kollapses im Herbst 1928 vergleicht. Was aber wird passieren, falls es in den nächsten Jahren schlimmer wird?
 
Dass jemand Hirn vom Himmel wirft und die Menschen ein Parteiprogramm lesen und kapieren, dass fast alles, was die AfD an Zielen formuliert, katastrophale Folgen für die Menschen in unserem Land und für ganz Europa hätte, ist leider nicht zu erwarten. Gegenwärtig bin ich ziemlich ratlos und flüchte mich zur Aufheiterung in die Welt der Lyrik. Allerdings habe ich für mich und Euch zwei Gedichte ausgewählt, die meiner augenblicklich morbiden Grundstimmung entsprechen: Den "Mördermarder" von Robert Gernhardt und den "Mottenmolch" von Fritz Eckenga.
 
Der Mördermarder

Der Mardermörder hockt vorm Bau,
der Marder ist vor Angst ganz blau.
Er weiß, daß ihm vor seinem Tod
die Qual der Mardermarter droht,
wenn er nicht kurzentschlossen handelt,
sich kühn zum Martermarder wandelt
und marternd dem entgegenspringt,
der mordend in sein Reich eindringt.

Gedacht, getan, er hüpft ans Licht,
der Mardermörder sieht das nicht,
da der sich, scheinbar unbemerkt,
grad für die Mardermarter stärkt.

Der Martermarder zählt bis vier,
der Mardermörder trinkt ein Bier.
Der Mardermörder beißt ins Brot,
der Mördermarder beißt ihn tot.

Der Mottenmolch

Der Mottenmolch strolcht durch den Tann
und molcht sich an die Motten ran.
Den Mottendolch doch zwar gereckt
doch unterm Molchmuff gut versteckt
lauert er auf das Insekt
das lecker wie kein andres schmeckt.
Den Muff getränkt in Mottenäther,
den Dolch benutzt der Strolch dann später
um die Motte zu entbeinen,
denn man sollte ja nicht meinen
daß der Molch die Motte kaut.
Am Stück mit Knochen, Haar und Haut
zu trocken, weiß der Molch, zu zäh!

Von Motten nimmt man nur Filet. 
 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1456 vom 23. 2. 25

Aus die Maus! Wenn eine Maus im Wahlkampf behauptete, dass die Rattenfänger von der AfD lupenreine Demokraten seien und dabei vor Aufregung über diese Lüge ihre eigene Zunge schluckte, war ihr Tod durch Ersticken fast unvermeidbar. Es sei denn, eine befreundete Maus in der Nähe bekam das Missgeschick mit und leistete unverzüglich erste Hilfe.
 
"Was erzählt der da für eine Mäusescheiße?", denkt Ihr? Ja, habt Ihr denn keine Zeitung gelesen? Darin wurde per Foto dokumentiert, wie eine Maus ihrer Artgenossin das Leben rettet, in dem sie deren Zunge aus dem Schlund angelt. Kein Quatsch: Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Mäuse eine soziale Ader haben und sich um notleidende Familienangehörige kümmern. Und auch das fand man heraus: Durch die Zuwendung und solche Hilfe gesunden kranke Mäuse deutlich schneller als Leidensgenossen, denen es an derartiger Unterstützung fehlt.
 
Was lernen wir daraus? Unsere Hochnäsigkeit, mit der wir gern auf unsere Mitkreaturen herabschauen, ist völlig unberechtigt. Die Gewissheit, dass vielerlei Fähigkeiten und Eigenschaften ausschließlich uns Menschen vorbehalten sind, bröckelt bereits seit langem. Studien bestätigten, dass Tiere sich selbst im Spiegel erkennen können, was als Beweis dafür gilt, dass sie sich ihrer selbst bewusst sind. Auch den Humor haben wir Menschen nicht gepachtet; Schimpansen oder Krähen haben tierischen Spaß daran, ihren Artgenossen Streiche zu spielen. Und manche Tiere können offenbar besser rechnen als ein Einser-Abiturient aus Bremen. Wegen der hohen Intelligenz von Kraken, Raben und selbst Schweinen will ich lieber keine weiteren Vergleiche anstellen.

 Fest steht aber auf der anderen Seite, dass im negativen Bereich wir Menschen die von uns geschmähten tierischen Bestien oft deutlich übertreffen. Selbst Raubtiere haben bei weitem nicht so viele angeblich tierische Grausamkeiten auf Lager, wie sie die menschliche Rasse seit langem bis in unsere Gegenwart praktiziert. Der Mensch ist des Menschen Wolf!
 
Zurück auf Anfang. Wenn in der erhellenden TV-Sendung "Frag doch mal die Maus" das kluge Tier Auskunft darüber geben soll, ob eine Maus AfD wählen würde, dann lautete die empörte Antwort: "Nicht mal mit dem Berg an verzapftem Käse könnte Alice Weidel uns in so eine Falle locken - so bescheuert sind bloß Menschen!"
 
Glückauf
kdk  

Schmunzelpost 1455 vom 22. 2. 25 

Zum Wahlsonntag eine Walgeschichte: Dieser Tage ging ein Videoclip durch die Medien, der zeigt, wie ein Kanufahrer von einem Buckelwal geschluckt und kurz danach wieder fast unverletzt ausgespuckt wird. Auch die Bibel dokumentiert im Alten Testament einen ähnlichen Fall. Danach war es vor vielen Jahren der ungehorsame Prophet Jona, der drei Tage im Bauche eines Wals verbrachte, bevor er gesund und munter wieder ausgespien wurde. Damals waren die Einwohner von Ninive derart von diesem Wunder beeindruckt, dass sie auf der Stelle alle ihre Sünden bereuten.
 
Falls Ihr ein vergleichbares Abenteuer anstrebt, so seid gewarnt. Entscheidend ist die Auswahl des richtigen Wals. Kleinere Walarten fallen aus, weil sie Euch nicht am Stück verzehren könnten. Falls Ihr einen Buckelwal oder einen Blauwal auserkoren habt, da sie sich von Plankton ernähren und ihr Schlund nur zehn Zentimeter breit ist, würde ich an Eurer Stelle den Blauwal aussortieren. Der kann Euch zwar auch nicht schlucken, aber mit einem kräftigen Schlag seiner 3000 Kilogramm schweren Zunge für Euren sofortigen Exitus sorgen.
 
Für Jona-Fans, die das Innere eines Wals kennenlernen wollen, bleibt also bloß der Pottwal übrig. Zumindest in der Theorie. Pottwale schlucken größere Beutetiere wie Riesenkalmare mit einem Gewicht von bis zu 200 Kilogramm am Stück. Wenn Ihr das Glück habt, unbeschädigt an Zungen und Zähnen vorbei zu gelangen, dann landet Ihr im ersten von vier Walmägen. Und dann fangen Eure Probleme an.
 
Wale neigen zu Blähungen. In ihrem Magen findet sich nämlich kein Sauerstoff, sondern ausschließlich Methangas. Daher solltet Ihr besser eine Sauerstoffflasche dabei haben. Andernfalls tritt nämlich nach wenigen Minuten bei Euch der Hirntod ein. Aber selbst, wenn Ihr gegen Sauerstoffmangel gerüstet seid, kommen nun harte Zeiten auf Euch zu. Pottwale kauen ihre Beute nicht, sondern zerquetschen sie mit ihren äußerst kräftigen Magenmuskeln zu einem gut verdaulichen Brei. Das bringt Euch um die Chance, langsam von der ätzenden Magensäure aufgelöst zu werden.
 
Allerdings gibt es wenigstens einen Hoffnungsschimmer, dass Eure Überreste schnell einer Wiedergeburt und einem guten Zweck zugeführt werden. Denn wenn das, was von Euch übrig bleibt, auch noch 300 Meter durch das Pottwal-Gedärm zurückgelegt hat und vom Wal wieder ausgeschieden wird, kann es gut sein, dass Ihr wächsern umhüllt über kurz oder lang an einem Strand landet. Und dort halten eifrige Sammler bereits Ausschau.
 
Pottwale haben nämlich die teuerste Kacke der Welt! Eine spezielle Substanz aus ihrem Verdaungstrakt, sogenannte graue Ambra, ist bei der Duftstoff-Industrie heiß begehrt. Ein Klumpen mit einem Gewicht von einem Kilo bringt rund 30.000 Dollar! Wenn der Parfümhersteller dann mit Euch fertig ist, werden Eure Überbleibsel wahrscheinlich viel besser riechen als jemals zu Lebzeiten. Und Ihr verrottet nicht in einer Erdgruft oder auf dem Grunde des Ozeans, sondern in der Halsbeuge einer Dame, in der Ihr endlich als Duftspray gelandet seid. Ein wahrlich duftes Ende, nicht wahr?
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1454 vom 21. 2. 25

Er ist's! Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte. Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, wollen balde kommen. Horch! Von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja, Du bist's! Dich hab ich vernommen! Mit dem einzigen Gedicht aus dem Klassiker-Kanon, das ich heute noch auswendig kann, feiere ich, dass einen Monat vor dem kalendarischen Beginn der Frühling bei uns eingetroffen ist.
 
Aber wie es sich für eine Schmunzelpost gehört, habe ich außer Eduard Mörike noch zwei andere Poeten im Köcher, die sich mit dem Frühling befasst haben. Da wäre zuerst Friedrich von Bodenstedt, dessen kleines Gedicht einem Freund des Weines aus der Seele spricht:
 
Im Winter trinke ich und singe Lieder, aus Freude, dass der Winter nah ist.
Und kommt der Frühling, trink ich wieder, aus Freude, dass er endlich da ist!
 
Dagegen bemüht sich Thomas Gsella, einem die Frühlingslaune gründlich zu vermiesen:
 
Der Frühling
 
Der Frühling ist zu kalt fürs Meer und ist zu warm zum Rodeln.
Insekten saufen Menschen leer und bringen sie zum Brodeln.
 
Die Erde stinkt, der Bauer müllt Tierkot in Ackerfalten.
Die Birke pollt, der Barde brüllt - es ist nicht auszuhalten.
 
Im Schatten frieren Ohren zu, die in der Sonne kochen.
Der Frühling ist 'ne blöde Kuh und dauert zwölf (12!) Wochen.
 
Und dann habe ich noch drei Spruchweisheiten für Euch ausgegraben. Die erste stammt von Emanuel Geibel, der sagte:  "Frühling ist die schöne Jahreszeit, in der der Winterschlaf aufhört und die Frühjahrsmüdigkeit beginnt." Nicht bekannt ist dagegen der Urheber der folgenden Weisheit: "Im Frühling legen die Hühner Eier und die Bauern Kartoffeln." Ebenso unbekannt ist der Schöpfer des folgenden Satzes, der aber durchaus von mir stammen könnte, wenn ich im Spiegel mein Hüftgold betrachte: "Endlich bin ich den Winterspeck los – jetzt hab ich Frühlingsrollen!"
 
Zur Feier des Tage schließe ich heute mal mit einem altirischen Segensspruch: "Möget Ihr hundert Frühlinge erleben, aber nur einen Herbst."
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1453 vom 20. 2. 25 

"Rendezvous avec la France" soll die Veranstaltung heißen, zu der wir voraussichtlich Anfang Mai in den Bürgerbahnhof einladen wollen. Immerhin hat Dorsten gleich zwei französische Partnerstädte. Daher möchten wir unser Nachbarland dem Publikum mit Esprit und Verve näherbringen, aber natürlich auch mit Wein, Champagner und Calvados. Und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, wird es auch an französischen Leckereien nicht fehlen. 
 
"Trinquere, trinquere, petit frère, trinquere!" Dass Franzosen dies beherzigen, wissen wir sehr wohl, aber singen sie es auch? Solchen Fragen werden wir nachgehen und selbst ein paar bekannte Chansons anstimmen. Dazu gibt es eine grande portion Heiterkeit. Denn wie wir wissen, kommen eine Menge Witzbolde aus Frankreich: Der Bogen reicht von Asterix über Fernandel bis zu Louis de Funes. Was? Nein! Doch! Oh!
 
Und natürlich erzählen Franzosen sich Witze. Kennt Ihr den?  "Je comparerais ma vie amoureuse à ma superbe Jaguar." "Mais tu n’as pas de Jaguar." "Hélas! Je n’ai pas non plus de vie amoureuse!" Solch eine Kurzform heißt "blague", eine längere Fassung "histoire drôle". Tu ne comprends pas? Dann erzähle ich Euch auf deutsch eine histoire drôle, in der sowohl ein Franzose wie ein Deutscher vorkommt. Und als Zugabe auch noch ein Engländer.
 
 Es streiten sich ein Franzose, ein Engländer und ein Deutscher, wer die komplizierteste Sprache hat. Sagt der Franzose:  "Mon dieux, natürlich wir Franzosen. Wir schreiben 'Monsieur' und wir sagen 'Musjö'." Der Engländer: "Well, wir Briten erheben Anspruch auf den Titel. Wir schreiben 'Elevator', aber wir sagen 'Lift'. Darauf der Deutsche: "Natürlich sind wir Deutschen die Sieger. Wir schreiben 'Entschuldigen Sie bitte, ich habe Ihren letzten Satz nicht richtig verstanden, würden Sie so nett sein und den bitte wiederholen?' Und wir sagen: 'Hä?'."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zur vorigen Schmunzelpost steuert Petra noch zwei Modewörter bei, die sie besonders ärgern: "Seit langem mutieren schon Menschen in „Pflegefälle“, nur weil sie Pflege benötigen. Sie werden entmenschlicht zu Fällen. Und das benutzt jeder und jede sogar privat: „Meine Mutter ist jetzt ein Pflegefall.“  In meinen Ohren hört sich das schrecklich an! 
Das zweite „Wort“ ist Kita. Was ist aus unserem wunderbaren Wort Kindergarten geworden, das sogar andere Länder übernommen haben? Eine Tagesstätte, so ein bürokratischer Verwahrungs- und Verwaltungsort! Nur weil der Kindergarten jetzt ganztägig offen ist?"
 
PPS. Witz-Übersetzung für alle, die wie ich nicht gut genug französisch verstehen: "Mein Liebesleben würde ich mit meinem wunderbaren Jaguar vergleichen." "Aber du hast doch gar keinen Jaguar." "Ja, leider. Und ein Liebesleben habe ich auch nicht. . ." 

 PPPS. Und noch ein Flachwitz als Zugabe obendrauf. Wieso essen Franzosen so gern Schnecken? Weil sie kein fast food mögen!
 

 Schmunzelpost 1452 vom 19. 2. 25

Wenn es nachts klirrend kalt wird, belasse ich es am frühen Morgen bei einer Stoßlüftung. Ich weiß nicht, was den Anstoß gab, aber gestern dachte ich darüber nach, seit wann ich dieses Wort gebrauche. Ist es durch Covid und Praktiken in den Schulen in meinen Sprachgebrauch gerutscht?
 
 Ein paar Tage zuvor hatten wir über Wörter diskutiert, die wie aus dem Nichts auftauchen und auf einmal in aller Munde sind. Plötzlich war sie da, die Disruption, und ich musste erst einmal nachschauen, was damit eigentlich gemeint ist. So, so,  stören, unterbrechen, zerstören, vor allem Letzteres. Und wenn früher mit Disruption vor allem das Ersetzen veralteter Technologien gemeint war, dann bezieht man sich jetzt gern auf politische Systeme. Wobei die Vergangenheit eigentlich oft genug gezeigt hat, dass das Ersetzen der Demokratie durch autoritäre Herrschaftsformen keine besonders gute Idee ist. 
 
Aber Anglizismen und Fremdwörter wie "Greenwashing", "Gamechanger", "Remigration", "Wokeness" oder "Cancel-Culture" sind nur einige Begriffe, die zunehmend durch die Medien spuken. Manche sind zum Glück rasch wieder von der Bildfläche verschwunden. Donald Trump jedoch haben wir zu verdanken, dass uns die "Fake News" nicht mehr aus dem Kopf gehen. Manche Modewörter kommen auch aus der Jugendsprache. "Cool" hat sich längst etabliert und beim Anhören des Wortes "geil" würde meine Oma sofort einen Feldzug starten, um allen "Usern" den Mund mit Seife auszuwaschen. Dabei hat sich in diesem Fall aber die ursprüngliche Bedeutung erheblich verändert. (Ich höre, wie meine Oma im Jenseits verwundert murmelt: "Echt, jetzt?") 
 
Als Konsument von Sportsendungen bin ich fasziniert, wie schnell neue Wörter von einem Reporter zum anderen und von den Trainern zu den Spielern hüpfen. Die "Momentaufnahme" ist bereits zum Klassiker geworden, gegenwärtig dominiert das "Momentum". Der Begriff gehört bereits zu den "Basics" in jedem zweiten Interview. und man muss schon gut aufgestellt sein und den Ball flach halten, um sowas nicht in Fachgesprächen über Schalke 04 nachzuplappern. 
 
Wie seht Ihr das? Sollen wir Null-Toleranz zeigen und eine Brandmauer gegen Plattitüden errichten? Damit wir nach "A" nicht auch noch "B" sagen müssen? Aber dann ist es für alte weiße Männer alternativlos, mit Achtsamkeit und auf Augenhöhe das Ampel-Aus und die Appeasementpolitik aufzuarbeiten. 
 
Glückauf 
kdk

 

Schmunzelpost 1451 vom 18. 2. 25 

Hinter mir liegt ein kulturgeprägtes Wochenende. Am Samstag lauschte ich in Lüdinghausen einem sehr schönen Chor-Konzert voller Zwischentöne, und am Sonntag stand ein Kino-Besuch auf dem Programm. Der Film "Konklave" über eine imaginäre Papstwahl und die vorhergehenden Machtkämpfe und Intrigen ist wirklich sehenswert. Am Ende stellt sich heraus - Achtung, Spoiler-Alarm, wer den Film noch anschauen und sich die Spannung erhalten will, sollte erst danach weiterlesen - dass der neugewählte Papst halb Mann, halb Frau ist.
 
Zwar gibt es auch einen Spielfilm über die Legende von der Päpstin Johanna, die angeblich im 9. Jahrhundert gelebt haben soll, doch das ist nicht durch historische Fakten belegt. Dagegen ist wissenschaftlich bewiesen, dass vor der Jahrtausendwende tatsächlich Frauen die eigentlichen Machthaberinnen in Rom gewesen sind, weil sie ihre Söhne oder Liebhaber als Marionetten benutzten und zu Päpsten machten: Theodora I. und Theodora II., sowie Marizoa I. und Marizoa II.
 
Damals wurde der Heilige Stuhl unter mehreren römischen Familien förmlich ausgehandelt. So kürte man mit gerade mal 16 Jahren 931 der Sohn von Marizoa zum Pontifex. Er diente als Johannes XI. seiner Mutter als gefügiges Werkzeug. Noch wilder trieb es der gleichfalls in sehr jungen Jahren vom römischen Adel zum Papst erhobene Johannes XII. (955 bis 964 n. Chr.). Er hielt sich im Apostolischen Palast einen Harem und betrieb Glücksspiel mit den Opfergaben der Pilger. Zu Tode kam Johannes XII. angeblich durch einen gehörnten Ehemann, der ihn im Zorn erschlagen haben soll.
 
Als Mitglied der evangelischen Kirche könnte ich nun noch weiter lustvoll in skandalösen Details aus der Geschichte der Päpste schwelgen. Aber wir ehrbaren Protestanten halten Wort: Weil ich auf keinen Fall Donald heißen will, fasse ich mich heute kurz.
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1450 vom 17. 2. 25 

Der Fisch stinkt vom Kopf her. Wenn es um durchgeknallte Amerikaner geht, wie die Überflieger der letzten Folge, kommt einem automatisch diese Redensart in den Sinn. Donald Trump hat sich bereits wiederholt als zuverlässiger Lieferant für die Schmunzelpost erwiesen. Aber auch vor ihm gab es bereits US-Präsidenten, für die die Bezeichnung "Sonderling" eine Verharmlosung ist. Ein paar von ihnen habe ich bereits porträtiert. Zur Erinnerung hier ein weiteres Beispiel.
 
Richard Milhous Nixon ist bisher der einzige Präsident der amerikanischen Geschichte, der zurücktreten musste. Wegen Watergate ging er vor allem als Lügner in die Geschichte ein, der seine politischen Gegner zu bespitzeln versuchte. Bereits zu Beginn seiner politischen Karriere hatte Nixon auf einem seiner gelben Notizblöcke, in denen er seine Ideen festhielt, für einen anstehenden Wahlkampf den Gedanken notiert, er könne seine Rivalen doch ausspionieren lassen.
 
Außerdem entwickelte "Tricky Dick" eine Methode fast zur Perfektion, die später Donald Trump frohgemut übernahm. Nixon diffamierte seine demokratischen Kontrahenten gerne als Kommunisten, Sowjet-Freunde und rote Harsadeure, die Amerika ruinieren würden. In einem Staat, in dem bereits jemand, der sich für eine allgemeine Gesundheitsversicherung einsetzt, als Sozialist gilt, ist das auch ohne asoziale Medien ein erfolgreiches Konzept. 
 
Einflussreiche, traditionelle US-Medien hatten sich dagegen schon früh auf Nixon eingeschossen. Kein anderer Präsident wurde während seiner politischen Laufbahn so oft und so böse karikiert wie Nixon. Daher ist auf einem Tonband-Mitschnitt von ihm zu hören: "Die Presse ist der Feind, die Presse ist der Feind. . . schreib das hundert Mal an die Tafel!" Der Mann, der aus einfachen Verhältnissen stammte, entwickelte eine Art Verfolgungswahn und beäugte alle und jeden mit großem Mißtrauen.
 
Dabei wusste er selbst das Fernsehen sehr gut für seine Zwecke zu nutzen. 1952 hielt Nixon eine legendäre Rede, die in die TV-Geschichte einging. Dabei wetterte er zunehmend erbittert gegen seine Rivalen, deren Frauen sich in Pelzmäntel hüllten, während seine Gattin Pat stets einen "guten republikanischen Stoffmantel" trug. Höhepunkt war der Hinweis auf ein besonderes Geschenk für seine Familie: Einen Hund namens Checker, den seine Kinder fest ins Herz geschlossen hätten. Was heute peinlich und theatralisch wirkt, traf damals genau den Zeitgeist der 1950er Jahre. Nixon etablierte sich so als Kandidat für die Vize-Präsidentschaft.
 
Seine psychischen Probleme verstärkten sich jedoch, als er 1960 als Favorit hauchdünn seinem Intim-Feind, dem jungen Demokraten John F. Kennedy, bei der Präsidentschaftswahl unterlag. Anders als später Trump verzichtete Nixon jedoch auf eine Anfechtung der Wahl, obwohl es von Seiten der Demokraten einige fragwürdige Praktiken gegeben hatte. Nixons Begründung: Mitten im kalten Krieg wolle er eine Spaltung und Lähmung der USA verhindern (Donald, denk drüber nach!). 
 
Der scheinbar endgültige K.o. erfolgte durch eine weitere knappe Wahlniederlage. Der von Kennedy protegierte amtierende kalifornische Gouverneur Edmond Brown gewann im Endspurt doch noch, nachdem Kennedy in der Kuba-Krise wenige Tage vor der Wahl eine eindrucksvolle Rede gehalten hatte. Niedergeschlagen erklärte Nixon nach der Wahl-Schlappe den Reportern, sie hätten jetzt 16 Jahre ihren Spaß mit ihm gehabt, aber damit sei es nun vorbei: "Ihr habt jetzt keinen Nixon mehr, den ihr herumschubsen könnt, denn dies, Gentlemen, ist meine letzte Pressekonferenz." 
 
Dieser vermeintliche Abgang von der politischen Bühne war noch am gleichen Abend Thema eines auf Tonband aufgezeichneten Telefonats zwischen Kennedy und Brown. Kennedy: "Ich habe ihn getötet, du musst ihn nur beerdigen. Das eine sage ich dir: Du hast ihn ins Irrenhaus gebracht. Mein Gott, diese Abschiedsrede von ihm. . ." Brown: "Ich sehe keine Möglichkeit, dass er sich jemals wieder erholt. Er ist ein ganz besonderer Bursche. Ich glaube wirklich, dass er psychotisch ist. Er ist ein fähiger Mann, aber bekloppt."
 
Nur sechs Jahre später aber gelang dem Stehaufmännchen Nixon ein triumphales Comeback. Er gewann die Präsidentschaftswahl gegen den Demokraten Hubert Humphrey und ließ 1972 noch einen Kantersieg gegen McGovern folgen. Allerdings machte Nixon einen gravierenden Fehler bei der Wahl seines Vize-Präsidenten. Spiro Agnew war nicht nur ein rechtslastiger Demagoge, sondern auch ein bestechlicher Gauner. So bot er den Medien reichlich Angriffsfläche. Die Washington Post bezeichnete die Amtsvergabe an Agnew daher als "die merkwürdigste Personalentscheidung, seit der römische Kaiser Caligula sein Pferd zum Konsul ernannt hat".
 
Als dann der US-Justizausschuss mit den ersten Untersuchungen zur Watergate-Affäre begann, verlor Nixon völlig die Contenance. Den Leiter des Komitees, einen 73-jährigen Senator, bezeichnete der Präsident als "alten Furz", als "senilen, alten Scheißer", als "unpatriotisch", als schleimiges Südstaaten-Arschloch" oder auch kurz und bündig als "alter Arsch". Woran man sich heute bei Trump gewöhnt hat, galt vor 60 Jahren noch als total ungehörig.
 
Dennoch wäre es absolut unfair, Nixon mit Trump auf eine Stufe zu stellen. Denn Nixon hatte zwar stets seine Karriere, jedoch nicht nur das Wohl der eigenen Person im Auge. Nach einer Öltanker-Katastrophe setzte er sich massiv für den Umweltschutz ein und tat mehr für die Ökologie als fast alle US-Präsidenten vor ihm. Was ihm u.a. Greenpeace bescheinigte. Nixon sorgte auch für eine Abkehr von einer jahrhundertalten Politik, die die Interessen der amerikanischen Ureinwohner missachtete und ihnen jeden Respekt verweigerte. Auch schwarzen Studentinnen und Studenten erleichterte er den Zugang zu den Universitäten.
 
Und Nixon beendete nicht nur den Vietnam-Krieg, er brachte auch Bewegung in die erstarrten Fronten des Kalten Krieges. Mit der Sowjetunion vereinbarte er das erste wirklich umfassende Programm zur nuklearen Rüstungsbegrenzung. Nixons Reise nach China galt als diplomatischer Erfolg ohnegleichen. und der Beginn der Annäherung des erwachenden Riesen an den Rest der Welt und seine einsetzende Modernisierung. Wäre Nixons spätere Paranoia, verbunden mit Vulgaritätsausbrüchen, nicht gewesen und der Watergate-Skandal nicht aufgedeckt worden, dann wäre die Schurkenrolle heute ausschließlich für den selbsternannten "greatest President of all Times" reserviert.
 
Puh, ganz schön lang geworden, dieser Text. Aber ich verspreche, dass ich mich morgen kürzer fasse. Falls nicht, dürft Ihr mich Donald nennen.
 
Glückauf
kdk    
 

 Schmunzelpost 1449 vom 16. 2. 25

Ja, haben die denn alle einen Hau, die US-Amerikaner? Dieser Verdacht stieg erneut in mir hoch, nachdem ich vom Inhalt der Rede erfuhr, die J.D. Vance in München gehalten hat. Zwar weiß ich, dass Pauschalurteile nie zutreffen und es auch bei uns und in anderen Ecken der Welt eine Menge Spinner gibt. Dennoch scheint mir der Bevölkerungs-Anteil in den USA besonders hoch zu sein.
 
Die Vermutung bekam neue Nahrung, seit ich das Buch "Sommer 1927" lese, das der US-Amerikaner und Wahl-Brite Bill Bryson geschrieben hat. Es beginnt mit einer Rückschau auf den Wettbewerb, den einst ein amerikanischer Geschäftsmann auslobte: Derjenige Flugzeugpilot, der als erster nonstop von New York nach Paris flog, sollte ein Preisgeld von 25.000 Dollar erhalten. Was heute als ein Leichtes erscheint, war damals ein Wagnis für Lebensmüde, denn die Fliegerei steckte noch in den Kinderschuhen.
 
Als Favoriten galten drei amerikanische Teams. Clarence Chamberlin und Bert Acosta hatten im April 1927 einen Ausdauerrekord aufgestellt, als sie mit ihrer kleinen Columbia-Maschine 51 Stunden, 11 Minuten und 25 Sekunden ununterbrochen in der Luft blieben und damit den bisherigen Rekord um sechs Stunden übertrafen. Sie legten dabei 4100 Meilen zurück, 500 Meilen mehr, als die Strecke von New York nach Paris beträgt. Ihr Trick: Sie reduzierten mittels Gashebel den Treibstoffverbrauch auf ein Minimum, flogen sozusagen mit "Hungerrationen" und die letzten Kilometer quasi nur noch mit Treibstoffdämpfen.
 
Unter Hunger litten auch die beiden Flieger. Denn um Gewicht zu sparen, hatten sie auf Proviant verzichtet. Zu allem Überfluss konnten sie auch nichts trinken, weil ein Crewmitglied versehentlich Seifenwasser in ihre Feldflaschen eingefüllt hatte. So landeten sie schließlich total übermüdet, ausgehungert und extrem durstig, aber begierig darauf, nun auch bald nach Paris zu fliegen. 

 
Bei Wetten noch höher gehandelt wurde jedoch ihr Landsmann, ein ehemaliger Marine-Kommandant und Abenteurer. Richard Evelyn Byrd hat bereits als Co-Pilot ein Jahr zuvor den Nordpol überflogen und verfügte mit der "America" über die modernste und leistungsstärkste Maschine. Sie verfügte über drei Motoren und bot Platz für ein vierköpfiges Team. Doch beim Jungfernflug zeigte sich, dass viel zu viel Gewicht im vorderen Teil lagerte und die Maschine daher bei der Landung mit der Nase voraus aufsetzte. Obwohl Byrds linker Arm danach grotest abgeknickt wie ein Zweig herabhing, machte er als erstes dem Piloten heftige Vorwürfe, während der von einem Propellerteil durchbohrte Navigator fast verblutete. Damit war der Paris-Traum geplatzt.
 
Acht Tage nach dieser Bruchlandung ließ sich Clarence Chamberlin überreden, mit der neunjährigen Tochter des Flugzeug-Eigentümers einen kurzen Rundflug zu unternehmen. Doch schon während des Starts fiel das Fahrwerk aus, ein Rad blieb auf dem Boden zurück. Zwar glückte Chamberlin auch mit einem Rad eine fast perfekte Landung, doch die Betonung liegt auf "fast". Eine Tragfläche wurde derart ramponiert, dass die "Columbia" für den Paris-Flug aus dem Rennen war. 
 
Zwei Tage nach Chamberlins Notlandung starteten die beiden verbliebenen US-Anwärter zu ihrem wortwörtlich letzten Testflug. Noel Davies und Stanton H. Wooster galten als clevere, fähige Piloten. Ihr funkelnagelneues Flugzeug wurde von drei Wright-Whirlwind-Motoren angetrieben, hatte aber einen "Geburtsfehler": Die Maschine war 500 Kilo schwerer als geplant. Daher erhöhten die beiden Piloten erst vorsichtig schrittweise bei Probeflügen ihren Treibstoffvorrat. Alles verlief problemlos.
 
Am 26. April wog die Gesamtladung dann 7700 kg, 25 Prozent mehr als beim vorigen Test. Deshalb hatte das Flugzeug Mühe, sich vom Boden zu lösen. Als es endlich doch abhob, schafften es die Piloten nicht mehr, einer Baumreihe am Ende des Feldes auszuweichen. Beim Absturz kamen beide Flieger ums Leben, vor den Augen ihrer zuschauenden Frauen, die gekommen waren, um ihnen zuzujubeln. Und die USA hatten keinen Preis-Anwärter mehr.
 
Doch da sprang unerwartet ein Abenteurer in die Bresche. Postpilot Charles Lindbergh kündigte an, die Herausforderung anzunehmen und im Alleinflug mit der "Spirit of St. Louis", einer in nur zwei Monaten von einem weithin unbekannten Unternehmen konstruierten einmotorigen Maschine, nach Paris fliegen zu wollen. Um zusätzlichen Treibstoff unterzubringen, ließ er Funkgerät und Sextant ausbauen und startete am 20. Mai 1927 um 7.54 Uhr in New York. Der Rest ist Geschichte. Nach 33,5 Stunden landete Lindbergh in Paris und wurde dort begeistert gefeiert. Ebenso nach seiner Rückkehr mit einer Konfetti-Parade in Manhattan. Obwohl als "Flying Fool" bezeichnet, war Lindbergh zum Nationalhelden geworden. 
 
Seinem Spitznamen wurde er jedoch später gleich mehrfach gerecht. Nachdem sein zweijähriger Sohn bei einer Entführung ums Leben kam, obwohl Lindbergh eine hohes Lösegeld bezahlt hatte, wurde der vermeintliche Entführer nicht zuletzt wegen Lindberghs Aussage zum Tode verurteilt. Lindbergh behauptete die Stimme des Mannes, dessen Schuld bis heute umstritten ist, zweifelsfrei wiedererkannt zu haben. Dabei war der Täter bei der Lösegeld-Übergabe 70 Meter von ihm entfernt.
 
Näher kam Hermann Göring dem US-Nationalhelden, als er ihn im Oktober 1938 mit dem "Deutschen Adlerorden" schmückte. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs trat Lindbergh dann ganz entschieden dafür ein, dass die Amerikaner sich aus dem Krieg heraushalten sollten, an dessen Ausbruch "die Juden ihren Anteil" hatten. Als Verfechter einer isolationistischen Politik gilt Lindbergh auch als Pionier der "America first"-Parole, die von einem gleichnamigen "Committee" vertreten wurde.
 
Als wäre das noch nicht genug, machte der Amerikaner später auch noch durch sein Privatleben Schlagzeilen. Wie 2003 herauskam, führte er seit 1957 ein Doppelleben. Seinem Verhältnis mit einer zwanzig Jahre jüngeren Hutmacherin aus München entstammten drei Kinder, die von der wahren Identität ihres amerikanischen Vaters, der nur selten zu Besuch war, lange Zeit nichts ahnten. Durch die Inititiative einer Tochter kam die Affäre erst 2003 ans Licht. Dazu stellte sich heraus, dass Lindbergh auch mit der Schwester seiner Münchener Geliebten zwei Söhne in die Welt setzte und seine Sekretärin Valeska ihm ebenfalls zwei Kinder gebar.
 
Was soll man dazu sagen? Vielleicht den Satz, den ein Ururururururururururururururururururururururururururururururur-Enkel von Obelix aussprach, als er damals staunend LIndberghs Landung in Paris verfolgte: "Die spinnen, die Amerikaner!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1448 vom 15. 2. 25 

Bei solch einem Köder musste ich einfach anbeissen! Beim Aufräumen des Bücherschranks fiel mir jetzt ein schmales Bändchen des KiWi-Verlags in die Hände. "Das Buch der literarischen Rätsel" verhieß "Hundert hundertste Seiten". Diese Zusammenstellung war 1986 aus Anlass der Veröffentlichung des hundertsten Bandes der KiWi-Reihe erschienen. Das Buch kostete damals 100 Pfennige und enthielt, wild durcheinander gewürfelt, einhundert hunderste Seiten.
 
So sollte es nach Meinung des Herausgebers den Leser "ohne es zu merken und ohne Anstrengung in die universale Vielfalt" ziehen, die "der Universalität der KiWi-Reihe zugrunde liegt". Das sei ein ähnlicher Effekt, wie man ihn vom ziellosen Zappen vor dem TV-Gerät "zwischen ARD und ZDF, ORF und dem peruanischen Fernsehen, Andy Warhols Kabelkanal oder canale 5 in Italien" kenne.
 
Diesen Effekt kann ich mir zwar ganz gut vorstellen. Aber entweder bleibe ich bei einer interessanten Sendung hängen oder ich schalte aus. Da ein Weiterlesen jedoch nicht möglich ist, klappe ich das Buch zu und lege es weg. Wenn es wenigstens die erste Seite gewesen wäre! Aber auf Seite 100 landet man mitten im Text, ohne die Vorgeschichte zu kennen oder etwas über die handelnden Personen zu wissen. Bevor man sich halbwegs eingefunden hat, ist die Seite schon wieder zu Ende.
 
Immerhin hat der Verlag doch noch ein literarisches Rätsel versteckt. Im Inhaltsverzeichnis sind die Autoren und Buchtitel aufgeführt, aus denen die 100 Seiten stammen. Aber in acht Fällen hat der listige Herausgeber bewusst eine falsche Seitenzahl angegeben. Wer herausfand, um welche Bücher es sich handelt, der konnte bei einer Verlosung alle 100 Originalbücher gewinnen. Für mich lautet die eigentliche Rätselfrage, ob sich damals tatsächlich jemand der Mühe unterzogen hat.

 
Mir hätte man dafür jedenfalls 100 Tage lang jeden anderen Lesestoff vorenthalten und mindestens 100mal 100 Pfennige als Belohnung anbieten müssen. Denn der Funke wollte einfach nicht überspringen - 100mal probiert, 100mal is nix passiert!
 
Glückauf
kdk 
 

Schmunzelpost 1447 vom 14. 2. 25

Gerade standen sie noch beide nebeneinander in der Schmunzelpost vom 12. Februar, dann präsentierten sich zwei Dorstener Sterneköche nur einen Tag später auf dem TV-Bildschirm in der ARD: Björn Freitag und Frank Rosin lieferten sich in der Wissensshow "Wer weiß denn sowas?"ein Quizduell. Mit etwas Glück ging daraus Rosin an der Seite von Elton als Sieger hervor.
 
Das lag allerdings auch daran, dass Björn Freitag und sein Ratepartner Bernhard Hoecker die härteren Nüsse zu knacken hatten. So lautete gleich die erste Frage, womit der Wissenschaftler John Herschel 1835 unfreiwillig in die Geschichte einging, als eine Zeitung ohne sein Wissen behauptete, er habe a) das Innere der Erde erreicht, b) Leben auf dem Mond entdeckt oder c) die Welt in 79 Tagen umrundet. Björn und Bernhard tippten auf b, und sie lagen richtig. Nebenbei: Dies blieb die einzige Frage, die auch ich auf Anhieb hätte beantworten können. Denn "the great moon hoax" ging als erste dokumentierte Fake-News-Meldung in die Zeitungsgeschichte ein. 
 
Elton und Frank scheiterten dagegen an der Frage, was ein professioneller Contadeur beruflich treibt. Die beiden glaubten, er bereite Kaffeespezialitäten zu. Stattdessen beherrscht ein Contadeur jedoch die Kunst, luftgetrockneten Schinken fachgerecht aufzuschneiden. Wer weiß denn sowas? Danach aber wendete sich das Blatt. Das Team Elton erriet, dass die Besonderheit eines US-Basketballers darauf beruht, dass er bloß einen Arm hat, Team Bernhard kam nicht darauf, dass Chinalack deshalb etwas Besonderes ist, weil er aus dem Harz des Lackbaums gewonnen wird. Darauf wäre ich nie gekommen. Einen Gummibaum, ja, den kenne ich, aber beim Lackbaum sah ich den Lack vor lauter Bäumen nicht.
 
Am Ende hatten Björn und Bernhard 1500 Euro, Frank und Elton aber 2500 Euro auf dem Konto. Und obwohl beide Teams bei der finalen Frage falsch lagen, gewann schließlich das Duo, das es sich leisten konnte, von seinem Guthaben nur 2000 Euro zu setzen. Und? Hättet Ihr gewusst, was die Wurst 2024 in der Tabelle der Ausgaben als beliebtestes Lebensmittel der Deutschen abgelöst hat? A) Obst, b) Süßwaren und salzige Snacks oder c) Molkereiprodukte und Eier?
 
Dies ist auch die erste Frage meiner abschließenden Quizrunde. Ich frage Euch: Welcher der beiden Köche kam nach eigenen Worten in einer Pommesbude zur Welt? Und welcher stammt aus einer Familie, die ihre Wurzeln einst im Schiffbau hatte? Wer hält sein Restaurant sonntags, montags und dienstags geschlossen, hat aber freitags geöffnet? Wer bietet Schmackofatze an? Und als finale Frage: Was war das Lieblingsgericht meiner Großmutter mütterlicherseits?
 
Wer alle Fragen fehlerfrei beantwortet, bekommt von mir das Lieblingsessen meiner Oma ausgegeben. Aber für meinen Geschmack ist das eher eine Drohung. . . 
 
Glückauf
kdk
  

 Schmunzelpost 1446 vom 13. 2. 25

Um Himmelswillen! Lieber Gott, falls es Dich gibt, dann werde oben auf Wolke sieben endlich wach und schicke ein Donnerwetter über das Weiße Haus! Donald Trump hat zwar in den letzten Wochen schon zu Genüge gewiesen, dass er ein Händchen dafür hat, wichtige Posten an gruselige Gestalten zu vergeben, aber jetzt hat er noch einen drauf gesetzt. Angesichts der neuen "US-Glaubensbeauftragten" fällt selbst ein Atheist wie ich vom Glauben ab.
 
Trump, verwirrt, wie man ihn kennt, glaubte jetzt, dass er seine evangelikalen, homophoben und abtreibungsfeindlichen nationalistischen Wähler dadurch belohnen müsse, dass er einer von ihnen ein einflussreiches Amt gibt. Dazu jedoch wählte er mit Fernseh-Predigerin Paula White-Cain ausgerechnet eine Frau aus, die selbst in konservativsten Kirchenkreisen als Scharlatanin verschrien ist. Aber was schert das ein Universalgenie wie Trump! Die Frau ist blond, sieht recht gut aus und hält ihm seit ca. 25 Jahren die Treue. Mehr noch: Mit ihren Gebeten und Ritualen, Lobpreisungen und Gottesdiensten hob sie Trump fast in den Rang eines Messias.
 
Wer ist Paula White-Cain? Das ist eine 49-jährige Frau, deren Lebenslauf, Handlungen und Aussagen derart bizarr sind, dass sie jedem Satiritiker, der sich so etwas ausgedacht hätte, als völlig unglaubwürdig und übertrieben nicht abgenommen werden würden. Mit ihrem ersten Ehemann Dean Knight hat sie einen gemeinsamen Sohn, mit ihrem zweiten Ehemann Randy White gründete sie Anfang der 1990er Jahre eine eigene Kirche und predigte das Wohlstands-Evangelium. Nach der Scheidung im Jahr 2007 heiratete sie 2015 Jonathan Cain, den Keyboarder der US-Rockband-Journey. Seither gibt jedoch Paula, TV-Predigerin, Unternehmerin, Buchautorin, Motivationstrainerin und Millionärin, selbst den schrillen Ton an.
 
Wie sieht ihre Lehre aus? Ganz einfach: Irdischer Wohlstand, sprich: Geldvermögen, gilt als sichtbarster Beweis für Gottes Gnade. Wer großzügig an ihre Kirche spende, so White, werde auf Erden mit Reichtum, Gesundheit und Macht belohnt. Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheit wird hingegen als Hinweis auf mangelnde Gottesfürchtigkeit begriffen. Das funktionierte blendend - zumindest für ihre Familie. Mit Hilfe von steuerbefreiten Spenden konnte sie ein Privat-Flugzeug, Gehälter für Familienmitglieder und eine 900.000 Dollar teure Villa an der Küste finanzieren.
 
Aber Geschäftliches und Privates können derart gläubige Christen recht gut trennen. 2011 musste die "Without Walls Central Church" Insolvenz anmelden und wurde geschlossen. Paula White-Cain aber fiel auf die Füße und machte sich nun einen Namen als glühende Jüngerin von Donald Trump. Im Wahlkampf 2020 redete sie sich im Stile einer von Voodoo-Zauber gefangenen Obskurantin pro Trump in Ekstase und wiederholte immer wieder Passagen wie: „Ich höre den Klang des Sieges!“
 
Als dies nicht klappte, wandte sie sich unisono mit Trump voll Feuereifer gegen den "Wahlbetrug" und betrieb regelrecht Exorxismus gegen Joe Biden. Sie drohte: „Wir entfesseln die Macht und die Autorität des Herrn gegen jeden Dämon, der dieser Wahl begegnet ist" und sprach kurz vor dem Sturm auf das Capitol den Trump-Anhängern ihren Segen aus. Seltsamerweise wurde Predigerin Paula vom Himmel nicht erhört, sondern verschwand vorerst in der Versenkung.
 
Aus der tauchte sie wie Phönix aus der Asche im Wahlkampf 2024 wieder auf. Ihre Botschaft: "Wer gegen Trump ist, ist gegen Gott.“ Wer wüsste es besser als sie? Ihre Beziehung zum Immobilien-Unternehmer, der nach ihrer Überzeugung den „Geist eines Geschäftsmannes” von Gott persönlich bekommen hat, reicht fast ein Vierteljahrhundert zurück. White besitzt seit langer Zeit eine Eigentumswohnung im „Trump Tower” und hat als seine „persönliche Glaubensberaterin“ das Ohr des Präsidenten. Und nun ist sie auch noch zu seiner Zunge geworden.
 
Immerhin hat dies im religiös-motivierten Trumplager eine Empörungswelle biblischen Ausmaßes ausgelöst. „Das ist ein Gräuel“, erklärte der christlich-orthodoxe Motivationsredner Scott Ross auf dem Portal X. „Sie predigt die Irrlehren des Wohlstandsevangeliums. Schlimmer noch, sie hat ein skandalöses Leben geführt, mit mehreren Ehemännern, und das Evangelium für Profit verdreht.“ Und der christliche Blogger Chris Hohnholz sekundierte: „Das ist ein Desaster. DonaldTrump, Sir, Sie müssen Ihren Kurs in dieser Angelegenheit so schnell wie möglich ändern. Paula White ist nicht nur nicht biblisch qualifiziert, um Pastorin zu sein, sie ist auch eine falsche Lehrerin, die Menschen in die Hölle führt.“
 
Nie hätte ich erwartet, US-Fundamentalisten jemals zuzustimmen. Doch ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Lieber Gott, falls es Dich gibt, dann setze bitte ein unmissverständliches Zeichen. Grolle regelmäßig mit Donner und Blitz, wenn Donald Trump wieder eine seiner Lügen vom Stapel lässt. Und überschütte jedesmal Paula White mit reichlich Heuschrecken, wenn sie den Mund öffnet, um Unsinn zu verbreiten. Im Gegenzug verspreche ich feierlich, dass ich dann bis zu meinem Lebensende wieder jeden Sonntag in die Kirche gehe. 
 
Glückauf
kdk  

Schmunzelpost 1445 vom 12. 2. 25

Gestern traf ich mich mit der Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Dorsten. Nein, ich strebe keine neue Bindung an. Und nochmal nein: Es gibt meines Wissens auch keine Dating-Portale wie Parship oder Tinder für Kommunen. Anke Borg betreut für unsere Verwaltung die Dorstener Städtepartnerschaften. Und ich bin dabei gemeinsam mit Barbara Gietz und Manfred Lauffs eine neue Veranstaltungsreihe vorzubereiten.
 
Sie hat gleich zwei Ziele. Im Zeitalter von Trump und Putin muss Europa wieder näher zusammenrücken, auch auf kommunaler Ebene. Da liegt es nahe, anhand der Partnerstädte Land und Leute stärker ins Gespräch zu bringen, unterhaltsam, informativ und lecker! Ein Mix aus heiteren Texten, Musik, Kulinarik und Fakten soll auch dazu dienen, den Partnerschaften und ihren Vereinen neue Impulse zu geben. Gleichzeitig soll der Bürgerbahnhof als Veranstaltungsort und kultureller Treffpunkt stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert werden. Schluckspechte, aufgehorcht: Zum Auftakt wenden wir uns unserem westlichen Nachbarn zu. Und Weine aus Frankreich, Champagner aus Dorman sowie Calvados aus Ernee sollen den Austausch beflügeln.
 
Dorsten hat aber nicht nur zwei französische Partnerstädte, sondern pflegt auch Kontakte nach England, Nordirland und Polen. Außerhalb Europas gibt es Partnerkommunen in Israel und Nicaragua. Und aus DDR-Zeiten besteht noch eine Verbindung zum sächsischen Hainichen. Insgesamt also acht "Städteehen". Das ist keine Bigamie, sondern Vielstädterei! Wie aber sieht es anderswo aus?
 
Berlin setzt da ganz besondere Maßstäbe. Bis 1987 beschränkte man sich dort zwar seit 1967 auf eine Partnerschaft mit Los Angeles, aber dann ging es Schlag auf Schlag. Bis zum Jahr 2000 kamen Paris, Madrid, Istanbul, Warschau, Moskau, Brüssel, Budapest, Taschkent, Mexiko-Stadt, Peking, Djakarta, Tokio, Buenos Aires, Prag, Windhuk und London hinzu, 2023 nach dem russischen Überfall auch noch Kiew. Insgesamt also 18, wobei die Partnerschaft mit Moskau zur Zeit ruht. Und die "Neuen" sind alle auf Augenhöhe, also ebenso Hauptstädte wie Berlin.
 
In Europa werden insgesamt 17.000 Städtepartnerschaften geplegt, davon mehr als 6000 in Deutschland. Damit hat im Schnitt jede fünfte Kommune mindestens einen Städtepartner. Die älteste internationale Partnerschaft knüpften Paderborn und Le Mans bereits im Jahre 836. Sie entstand aus einer "ewigen Liebesbruderschaft" zwischen zwei fränkischen Bischofssitzen. Sozusagen standesamtlich besiegelt wurde diese Ehe "weltlich" erst 1967. 
 
Bei den Auswahlkriterien spielte oft die Namensgleichheit eine Rolle. Bocholt aus Deutschland ist verbandelt mit Bocholt in Belgien, Köln schmust sogar mit dem Berliner Bezirk Neukölln und Küssnacht im deutschen Klettgau mit Küssnacht in der Schweiz. Neustadt führt sogar eine Gruppenehe mit gleichnamigen Kommunen in Österreich, Tschechien, Polen, den Niederlanden und der Slowakei. Die meisten Städtefreundschaften pflegen die kontaktfreudigen Rheinländer aus Köln, die 24 Partner zählen. 
 
Es gibt noch ein paar Besonderheiten. Kennt Ihr den Zipfelbund? Er vereint Gemeinden aus den vier Ecken Deutschlands: List auf Sylt im Norden, Oberstdorf im Süden, Selfkant im Westen und Görlitz im Osten. Und auch die Städte mit dem kürzesten und dem längsten Ortsnamen in Europa haben sich das Ja-Wort gegeben: Y aus Frankreich und Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch im britischen Wales.
 
Zum Schluss noch die persönliche Bitte eines Weinfreundes. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Und da Dorsten bereits eine prickelnde Verbindung mit Dormans und eine hochprozentige mit Ernee pflegt, wäre eine harmonische Abrundung durch eine Partnerschaft mit Bordeaux nur konsequent.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1444 vom 11. 2. 25

Alte weiße Männer halten sich gern mit Denksport geistig fit. Jedenfalls, wenn sie Klaus-Dieter heißen. Beim Lösen des Rätsels, das die Süddeutsche Zeitung jeden Tag neu ins Internet stellt, habe ich jetzt ein anderes Rätsel gelüftet: Für mich ist klar erwiesen, dass die Rätselmacher alte weiße Männer sind.
 
Dafür gibt es vielerlei Indizien. Schauen wir uns dazu einige Fragen aus der jüngsten Vergangenheit an. Wie bezeichnet man ein "holdes Mädchen" mit vier Buchstaben? Maid! Sowohl die holde Frageformulierung wie die altertümliche Antwort lassen tief blicken. Auch der weibliche Vorname mit acht Buchstaben - "Eleonore" - gibt Anlass zu der Vermutung, dass hier ein alter Herr in Jugenderinnerungen gekramt hat.
 
Wahrscheinlich gehörte er mit seinen Eltern zu den ersten deutschen Touristen, die nach dem Krieg nach Italien in den Urlaub gefahren sind. Denn nicht Mallorca, sondern Rimini, italienischer Urlaubsort mit sechs Buchstaben, gehörte damals hierzulande zu den Traumzielen. Dass ab und zu der Vorname einer pfiffigen deutschen Schauspielerin mit vier Buchstaben gefragt ist, erhärtet die Beweiskette. Wem unter den Jüngeren ist schon Ilse Werner heute noch ein Begriff? Immerhin sind die Rätselmacher bei ihrer beliebtesten Frage nach einer deutschen Popsängerin mit vier Buchstaben schon bis in die 1980er Jahre vorgestoßen: Ihr dürft getrost "Nena" einsetzen. 
 
Ich hoffe, die häufige Frage nach einem deutschen Schlagersänger mit fünf Buchstaben gibt keinen Aufschluss über den Musikgeschmack der Rätselkonstrukteure. Nicht, dass sie nicht weiß, sondern schwarzbraun wie die Haselnuss sind, die Heino einst besungen hat. Und der kurze Vorname einer Schauspielerin, die einst weniger durch ihr Talent als durch ihre Rollen in knapper Bekleidung von sich reden machte, taucht so oft auf, dass man ahnt, welche Fotos einst im Spind der Rätselonkels hingen. So wird Bo Derek lange nach ihrer Leinwandzeit ein spätes Denkmal gesetzt.
 
Generell gilt: Wer Einlass in unsere Kreuzworträtsel findet, von dem darf man annehmen, dass er zu den bekannteren Menschen auf unserem Planeten gehört. Aus Dorsten hat dies beispielsweise eine Bestseller-Autorin geschafft, nach der in ihrer Heimatstadt ein Baumhaus benannt ist. Und der Fernsehruhm war es wohl auch, der einen heimischen Sternekoch sowohl waagerecht wie senkrecht unterbrachte. Leider nicht Björn Freitag, sondern Frank Rosin.
 
Ich fürchte aber, es ist höchst unwahrscheinlich, dass Ihr eines Tages mit dieser kniffligen Rätselfrage konfrontiert werdet: Kürzel eines Dorstener Schmunzelpostlers mit drei Buchstaben?
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1443 vom 10. 2. 25

Ei,ei! Das dicke Ei, von dem hier gestern nebenbei die Rede war, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ursache dafür ist womöglich ein unbewältigtes Trauma aus meiner Vergangenheit, doch davon am Ende mehr. Außerdem haben Eier auch schon andere, weit bedeutendere Männer stark beschäftigt. Ich erinnere nur an das Zitat von Torwart-Titan Kahn. Und dann war da ja auch noch Christoph Kolumbus, über den man sich schon im 16. Jahrhundert, ungerührt von der Wahrheit, die berühmte Anekdote vom Ei des Kolumbus erzählte.
 
Angeblich soll der Seefahrer nach seiner Rückkehr aus Amerika 1493 beim Essen mit dem Kardinal Mendoza von anderen Gästen provoziert worden sein. Es sei ein Leichtes gewesen, die Neue Welt zu entdecken, das hätte jeder andere auch gekonnt. Daraufhin habe Kolumbus die Runde aufgefordert, ein gekochtes Ei auf die Spitze zu stellen, ohne dass es umfällt. Alle Versuche blieben jedoch erfolglos.
 
Als die Essensteilnehmer aufgaben und sagten, dieses Problem sei unlösbar, habe Kolumbus den Gegenbeweis angetreten. Er dötschte auf dem Tisch das Ei an seiner Spitze ein, und prompt blieb es stehen. Die Proteste der anderen konterte nach der Anekdote Kolumbus mit dem Satz: „Der Unterschied ist, meine Herren, dass Sie es hätten tun können, ich hingegen habe es getan!“ Na gut, der Venezianer Girolama Benzoni, der diese Version 1563 veröffentlichte, kannte die Geschichte bloß vom Hörensagen. Ursprünglich war sie wohl auf den Baumeister Filippo Brunelleschi bezogen. Der hatte ein Jahrhundert zuvor den Dom Santa Maria del Fiore errichtet, dessen Kuppel in der Tat an ein Ei erinnert, dessen Spitze aufgestoßen ist.
 
In Südamerika ist übrigens bis heute eine andere Version geläufig, in der Kolumbus das Ei nicht eindrückt, sondern in aufgehäuftes Salz stellt. Einleuchtend, denn Salz gehört zum Frühstücksei ebenso dazu wie in die Suppe. Apropos Frühstücksei! Dies ist mitunter Stein des Anstoßes für einen ewigen Streit, der bis zum Schmieden von Mordplänen führen kann. Denn dessen ideale Konsistenz ist vor allem in langjährigen Ehen umstritten, wie wir spätestens seit Loriot wissen: "Berta! Das Ei ist hart!"
 
Die unterschiedliche Wahrnehmung liegt in der Beschaffenheit von Eiern. Denn Eiweiß und Eigelb benötigen unterschiedliche Temperaturen, um in den perfekten wachsweichen Zustand überzugehen: 85 Grad beim Eiweiß, beim Eigelb aber bloß 65 Grad. Wählt man nun beim Kochen eine Kompromiss-Temperatur, dann bleibt entweder das Eiweiß quaddelig oder das Eigelb ist etwas zu hart.
 
Nun aber ist endlich die Lösung für das perfekte Ei gefunden worden. Berta kann aufatmen! Denn Landsleute des in Genua geborenen Kolumbus haben jetzt im Chemie-Labor der Universität Neapel eine ausgekochte Methode entwickelt. Danach taucht man ein vorher bei Raumtemperatur gelagertes Ei abwechselnd jeweils zwei Minuten lang in 100 Grad heißes und 30 Grad warmes Wasser ein - insgesamt 32 Minuten lang! Dadurch erhält das Ei nicht nur eine optimale Textur, sondern auch Geschmack und Nährstoffgehalt sind hervorragend. Und der häusliche Friede sollte doch ein wenig Zeitaufwand wert sein.

 
Bleibt nur die Frage nach meinem Ei-Trauma offen. Das entstand so: In jungen Jahren musste ich für irgendeine Behörde, ich habe verdrängt für welche, einen Fragebogen zur Person ausfüllen. Bei der Spalte "Kopfform" guckte ich ratlos und bat einen Behördenmitarbeiter um Hilfe. Der schaute mich kurz prüfend an und sagte dann: "Schreiben Sie 'eiförmig'!"
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1442 vom 9. 2. 25

Die Zeiten, in denen ich über die fixen Ideen von Donald Trump nur ungläubig gelacht habe, sind vorbei. Kanada, Grönland und Panama als 51., 52. und 53. Bundesstaat der USA? Der Gaza-Streifen als Riviera des Nahen Ostens die Nummer 54? Ein dickes Ei nach dem anderen. Apropos Ei: Will Trump vielleicht vom massiven Anstieg der Eierpreise in den USA ablenken? Hat er gar nicht nötig. Dafür, das lässt er über die ihm ergebenen Medien verbreiten, ist Joe Biden verantwortlich, der Millionen von Legehühnern hat schlachten lassen. Aber der Spaß hat endgültig ein Ende durch den US-Ausstieg aus Weltgesundheits- und Entwicklungshilfe-Organisationen. Und HIV-Infizierte in Afrika müssen künftig auf Medikamente verzichten. Selbst schuld!
 
Letzte Nacht hatte ich einen üblen Traum. Im Schlaf fand ich mich in einer zukünftigen Welt wieder, die drei Machthaber unter sich aufgeteilt hatten. Zar Wladimir, Kaiser Xi und King Donald, Herrscher auf Lebenszeit über sein US-Imperium. In Deutschland regierte als Statthalterin Kurfürstin Alice. Und ich stand mit vielen anderen vor einer McDonalds-Filiale Schlange, um mir mit meinem großzügig gewährten Rentner-Gutschein meine tägliche Essensration abzuholen: Einen Hamburger und eine Portion Pommes.
 
Wehmütig dachte ich darüber nach, wie ich Jahre zuvor überlegt hatte, wo ich essen gehen wollte. Und dass ich damals achselzuckend zur Kenntnis nahm, dass in vielen Teilen der Welt das Einkommen der Menschen gerade dazu ausreichte, nicht zu verhungern. Habe ich mich damals über Gender-Kapriolen wirklich mehr aufgeregt, als über die Ignoranz gegenüber dem sich abzeichnenden Klima-Kollaps?
 
Dann wurde es zu meiner letzten Hoffnung, dass ein Super-Tornado in Florida Donald Trump erfassen und ihn samt seiner Kumpel Elon Musk und Steve Bannon auf dem letzten Gletscher der Antarktis absetzen könnte. Doch Trump hat selbstverständlich seinen Golfplatz ins Westjordanland verlegt, wo die Wüste überall grünt und unter israelisch-amerikanischer Obhut aufblüht. Ich aber fragte mich verzweifelt, wo ich ein Schlauchboot bekommen könnte. Denn nachdem die Mittel für den Betrieb der Pumpen fehlten, war das Absaufen von Dorsten und des halben Ruhrgebiets nur eine Frage von Tagen.
 
Einerseits hatte ich Glück. Ich bin rechtzeitig aufgewacht. Andererseits hatte ich Pech. Mir wurde sofort klar, dass mir immer noch kein Rezept eingefallen ist, wie man den Populisten, Tyrannen und Wahnsinnigen dieser Welt Einhalt gebieten kann. Als vage Hoffnung bleibt die fortschreitende Zeit. Vielleicht kann man bei zunehmender Demenz Donald Trump einreden, mit seinem größenwahnsinnigen Spezi Elon Musk persönlich den Mars zu erobern. Als Zugabe würde ich Trump sogar den Jupiter versprechen. "Dear Mr. President, this is the biggest planet of our system. And who as the best president of all times is dignified to govern the greatest one!"
 
Glückauf
kdk  

Schmunzelpost 1441 vom 8. 2. 25

"Musik wird störend oft empfunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden." Das erkannte bereits Wilhelm Busch. Die Gründe, warum Musik mitunter bloß als Lärmbelästigung empfunden wird, können vielfältig sein.
 
Mal ist die Musik zu laut, weil sie ablenkt, die Konzentration mindert oder schlicht wie mit dem Hammer den Amboss im Ohr misshandelt. Mal ist die Musik zu leise, weil das Lieblingsstück vom Hörer kaum wahrgenommen oder ein Rocksong kastriert wird. Mal geht sie auf die Nerven, weil sie nicht dem persönlichen Geschmack entspricht oder banale Texte und plumpe Reime den Blutdruck in die Höhe treiben. Und die Vorlieben können unterschiedlicher kaum sein. Als man das in den 1960er Jahren noch sagen durfte, schnauzte mein Vater gelegentlich: "Mach die Neger-Musik leiser!" Wenn mir heute die Plomben aus den Zähnen fliegen, weil aus einem geöffneten Autofenster die Bass-Boxen wummern, denke ich: "Mach das Techno-Gedröhn leiser!" Dies laut zu rufen, hat überhaupt keinen Sinn, weil ich gegen Pressluftgehämmere einfach nicht ankomme.
 
Doch was macht den Reiz der Musik aus? Auch dafür gibt es verschiedene Gründe, die oft auch in der Kombination funktionieren. Die Melodie, der Rhythmus, die Harmonien spielen eine große Rolle. Oft auch die Stimmen des oder der Sänger. Und nicht zuletzt die Instrumente. Dabei erstaunt mich immer wieder, was neben den üblichen Verdächtigen alles zur Musikerzeugung eingesetzt werden kann. 
 
Als Obelix in der Schweiz war, wunderte er sich angesichts ungewohnter Alphorn-Töne: "Haben die Römer jetzt Elefanten?" Und mittels Hundegebell sind bereits bekannte Lieder vorgetragen worden, was vielen Musikfreunden ein Knurren entlockte. Die Avantgarde-Band "Einstürzende Neubauten" verwendete für ihre Songs diverse Maschinen und Alltagsgeräte. Bei der Brandmauer-Kundgebung gestern Abend mit 4000 Teilnehmern auf dem Dorstener Marktplatz gab es Musik nur aus der Konserve. Doch als ich danach Gast einer Vernissage im "Franz" war, lernte ich live gespielte Instrumente kennen, die mir völlig neu waren. Zum Beispiel die Handpan, eine metallische Trommel, die meditative Klänge erzeugt.
 
Tauchen wir also mal tief ein in unbekannte Klangwelten. Was hat der Markt für ungewöhnliche Instrumente sonst noch zu bieten? Nicht, dass Ihr glaubt, ich will Euch verkohlen: Das Gemüseorchester gibt es wirklich. Seine Mitglieder musizieren ausschließlich auf Instrumenten, die aus Gemüse gefertigt sind. So ein Käse? Nein. Den braucht ein Drummer am Käse-Schlagzeug, das komplett aus Käselaibern besteht. Womöglich begleitet er ein Bananenpiano, bei dem Südfrüchte die Tasten ersetzen.
 
Nun zu den Elementen und Naturgewalten. Das Hydraulophon erzeugt Töne durch die Bewegung von Wasser. Ein Singing-Ringing-Tree ist eine Wind-Skulptur, die verschiedene Klänge fabriziert. Gasflammen produzieren die Töne eines Pyrophons. Und Blitze und Hochspannung benötigt man, wenn man mit einem Zeusaphon musizieren möchte. Vielleicht noch seltener ist die Doppel-Bass-Flöte. Von dem schamanischen Instrument mit zwei Klangkörpern gibt es weltweit nur vier Stück.
 
Welchen Ton möchte ich auf keinen Fall hören? Ganz klar: Das Geräusch, wenn am 23. Februar die AfD mehr als 25 Prozent der Stimmen bekommen sollte und unsere Demokratie aus dem letzten Loch pfeift.

 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1440 vom 7. 2. 25

Mein Hörgerät hat am Dienstag den Abnahmetest beim HNO-Arzt mit Glanz und Gloria bestanden. Oder sollte ich besser sagen: Ganz ohne Pauken und Trompeten? Oder "mit links"? Mit dem Gerät im linken Ohr höre ich jetzt sogar die Flöhe husten. Und wenn ich den Verstärker mit zwei, drei Klicks hochschalte, kriege ich sogar mit, was mein Nachbar, der alte Herr K., sagt, wenn er vor seiner Balkontür steht und wegen des kalten Wetters drinnen seine Selbstgespräche führt. 
 
"Hömma, Karl, dat ist doch zum Mäusemelken! Überall wirsse verkohlt, alle erzähln Dich ein von Pfeard, nix kannse mer glauben. Mit ein Woart: Wahlkampf! Nu ham wir zwei beide ja schon einige dafonn übalebt. Aba jedes Mal ham wer dat Gefühl, dat et schlimma wird mit die Flunkerei. Erst versprechen se Dich alle dat Blaue vom Himmel und hintaher sin die andern schuld, dat et nich klappt mit die ganze schöne neue Welt. 
 
Getz kuck Dich bloß mal unsan neuen Kanzler an. Wer dat is? Kannze Dich mitte Eselsbrücke merken. Im Februar gehsse zu de Urne und im März regiert der Merz. Gutet Wortspiel, ne? In junge Jahre wollt ich ja mal zum Kabarett. Aba ich hab mich vertan und mich beim Cabaret beworben. Und als ich meine Klamotten ausziehn sollte, bin ich abgehauen. Doch dat nur nebenbei, zurück zu den Merz. 
 
Dat se innen Wahlkampf kucken, wo se bei die Leute punkten können, abgehakt! Dat se dann Sachen erzähln, obwohl se genau wissen, dat geht ganich, wegen die Gesetze oder weil die Kohle fehlt, dat is jedesmal dat selbe. Aba dat se ers drei heilige Eide schwörn, dat etwat ganich geht un ihnen eher die Hand abfallen tut, als dat se sowat machen, dat hat bisher nur der olle Franz-Josef sich getraut. Un der schmort dafür getz inne Hölle.
 
Un getz gibt der Fritz aussem Sauerland et im November alle Welt schriftlich, dat er nie, nie, nie mit die AfD paktiern tut. Un dann krichter schon zwei Monate später die Kurve und lässt sich im Bundestach von die Braunen die Mehrheit verschaffen. Is ihm egal, wer da mitmacht, weil, die Sache is ja so wichtich! Nu frach ich mich, ob et dem Fritz vielleicht auch wichtich is, datt er der nächste Olaf wird, ganz egal, ob da die Falschen mitstimmen. Hatter getz zwar nochma ausdrücklich ausgeschlossen, aba ich glaub, dem sein Idol is der alte Adenauer. Un der Conny, dat Schlitzohr, hat damals gesacht: "Wat kümmert mich mein Geschwätz von gestern! Is doch Politik!"
 
Aba kuck mal da, Karl! Da unten in seine Bude steht unsa Nachbah. Un der is am Feixen, als würd er mitkriegen, wat wir zwei beide uns hier am unterhalten sind! Op der wohl sonne Wanze in unsere Bude geschmuggelt hat? Hömma, Du Heiopei, dat hat zwar nich der weise Konrad gesacht, sondern dat sach ich Dich getz: Der Lauscha anne Wand hört seine eigne Schand!"
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1439 vom 6. 2. 25

Kinofreunde, aufgepasst: Die Oscar-Verleihung 2025 geht am 2. März über die Bühne. Doch einen Tag zuvor werden bereits die "goldenen Himbeeren" vergeben. Ähnlich wie beim Oscar werden Preisträger in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Mit einem Unterschied: Bei der "goldenen Himbeere" geht es um die schlechtesten Leistungen, die im Jahr 2024 auf Kinoleinwänden zu sehen waren. Und die Anwärter sind bereits jetzt veröffentlicht worden, darunter auch wieder zahlreiche namhafte Schauspieler und Regisseure.
 
Seit 1980 werden die Antipreise verliehen. Für Kategorien wie "schlechtester Film", "schlechtester Hauptdarsteller", "schlechtester Nebendarsteller" oder "schlechteste Regie". Immer wieder gibt es auch Sonderpreise. Die "goldene Himbeere" in der Sparte "schlechtestes Leinwandpaar" haben zum Beispiel statt eines weiblich-männlichen Duos einst die Brüste von Maria Carey gewonnen. Das würde sich die Jury, die ihr Urteil auf Stimmen von Cineasten aus aller Welt stützt, heute bestimmt nicht mehr trauen.
 
Zum schlechtesten Film aller Zeiten haben die Filmkritiker "Battlefield Earth" erkoren, der im Jahr 2000 gleich in zehn Kategorien mit Himbeeren geschmückt wurde. Hauptdarsteller war John Travolta, bekennendes Scientology-Mitglied. Und wie der Zufall es wollte, verknüpfte der aufwendige, aber grottenschlechte SF-Reißer hingebungsvoll Botschaften der Sekte mit der Handlung.
 
Obwohl die Preisträger-Auswahl oft allgemein Zustimmung erntete, gab es auch Kritik. So wurde den Juroren vorgeworfen, manche Filme überhaupt nicht gesehen zu haben oder lieber bekannten mittelmäßigen Produktionen mit prominenten Darstellern den "Vorzug" vor weitaus schlechteren Alternativen zu geben. Auf Madonna und Sylvester Stallone hatte man es besonders abgesehen. Bei Stallone, dessen Schauspielkunst in Action-Streifen wie Rambo oder Rocky ohnehin durch seine Rolle nur begrenzt zum Einsatz kommen konnte, der aber in anderen Filmen bewies, dass er deutlich mehr kann als Haudraufs zu verkörpern, machte man sich einen Sport daraus, ihn in jedem Jahr erneut zu nominieren. Daher ist Stallone Rekordhalter mit 40 Himbeeren.
 
Aber wir wollen weder Himbeeren noch Erbsen zählen. Fakt ist, dass miese Filme mitunter unfreiwillig komisch sein können. Beispiele, die deshalb heute den Weg in Programmkinos finden, gibt es viele. Darauf deuten mitunter bereits die Titel hin. Der "Angriff der Killertomaten" ist legendär, aber auch "In der Gewalt der Killerameisen" und "Türken im Weltall" verheißen dilletantisch-lustige Kino-Kost. Nach dem Erfolg von Spielbergs weißem Hai gab es eine ganze Reihe von Horror-Nachfolgern, die bei Freunden von Skurillitäten Vorfreude wecken: "Snow-Sharks" und "Sand-Sharks" beispielsweise. Und in  "Haie im Supermarkt" sprangen die Fischmonster vermutlich aus der Konservendose.
 
Neben einer abstrusen Handlung begeistern uns heute auch die altertümlichen Spezialeffekte. In der klassischen TV-Serie "Raumpatrouille Orion" bekamen wir gar nicht mit, dass die Crew mit Bügeleisen hantierte. Aber inzwischen ist unser Blick geschärft. Deshalb ist "Santa Claus conquers the Martians" ein Geheimtipp für Liebhaber des Besonderen. Schon die Story des US-Spielfilms aus dem Jahre 1964 entzückt. Die ging so: Die Marsbewohner sind verärgert, dass ihre Kinder den Weihnachtsmann lieben, den sie in Fernsehsendungen des Nachbarplaneten Erde kennengelernt haben. Also entführen die keineswegs grünen Männchen amerikanische Kinder, um den Aufenthaltsort von Santa Claus herauszufinden. Wie es weitergeht, wird hier nicht verraten. Aber achtet auf die Roboter vom Mars: Ihr Körper ist eindeutig ein Pappkarton und ihr Kopf eine Kaffeemaschine!
 
So, jetzt verabreden wir uns mit Freunden zu einem Video-Abend. Auf dem Programm steht: "Jack Frost 2 - die Rache des Killer-Schneemanns". 
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1438 vom 5. 2. 25

Zuletzt ging es in der Schmunzelpost mehrfach darum, wie Sprache missbraucht wird, um Menschen zu manipulieren, Lügen zu verbreiten und so starke Emotionen auszulösen, dass der Verstand ausgeschaltet wird. Ein in letzter Zeit beliebter Trick ist es, in Verschwörungstheorien den antisemitischen Hintergrund zu verschleiern, indem jetzt nicht mehr von jüdischen sondern von globalistischen Machenschaften die Rede ist. Dass die bösen Drahtzieher dann meistens Juden sein sollen - was kann denn der wackere Aufklärer dafür?
 
Obwohl die Juden hierzulande wie auch anderswo bereits seit dem Mittelalter als Außenseiter viel erleiden mussten und oft als Sündenbock missbraucht, vertrieben, verfolgt oder sogar ermordet wurden, haben sie in unserer Geschichte überall ihre Spuren hinterlassen und die Kultur ebenso bereichtert wie unsere Sprache. Das glaubt Ihr nicht? Dann will ich mit Euch mal Tacheles reden. Auch, wenn Ihr denkt, ich sei angeschickert oder sogar meschugge und erzähle Stuss - wir alle haben Massel, dass das Jiddische im Deutschen weiterlebt. Alles andere wäre ein Schlamassel.  
 
Da hatten wir schon ein halbes Dutzend von Wörtern, deren Bedeutung ich nicht groß erklären muss. Massel kommt von masl wie Glück, folglich steht Schlamassel für schlimasl, also Unglück. Vom jiddischen schtuß für Unsinn leitet sich unser Stuss ab, wobei Schmonzes für Blödsinn eine nette Alternative bietet. Da jemand, der Alkohol trinkt, schikert, braucht es nicht viel, um angeschickert zu sein. Tachleß heißt eigentlich Zweck oder Ziel, wer Tacheles redet spricht Klartext. Wenn Ihr nicht meschugge seid, wisst Ihr, was es bedeutet, genauso beim Ganoven (jiddisch: Dieb) und der Chuzpe (Frechheit/Dreistigkeit). Wer Schmiere steht, hält Wache und wer Reibach (rewech) macht, erzielt Gewinn.
 
Mischpoke bedeutet Familie und ist im Ursprung genauso wenig abschätzig gemeint wie Schickse. Denn eine Schikße ist nichts anderes als ein nichtjüdisches Mädchen. Betuch hieß eigentlich sicher und vertrauenswürdig. Aber ob man allen betuchten Menschen vertrauen kann, steht auf einem anderen Blatt - irgendwoher muss ihr Vermögen ja kommen. Und wenn ich sage, dass ich gern einmal ausgiebig mit Euch schmusen möchte, dann bezieht sich das selbstverständlich auf die alte jiddische Bedeutung von schmueßn: Sich unterhalten und plaudern.
 
Zum Schluss wünsche ich Euch heute ausnahmsweise
 
Hals- und Beinbruch!
kdk  
 
PS. Das kommt von hazlache und broche - Glück und Segen.
 

 Schmunzelpost 1437 vom 4. 2. 25

Vor zwei Tagen ging es um die Janusköpfigkeit und den Fluch des Internets. Bei den Recherchen habe ich nachgesehen, welche Anbieter am häufigsten beim Surfen im Netz aufgerufen werden. Das Ergebnis ist nur teilweise überraschend. Im Dezember 2024 verzeichnete google.com mit 139,3 Milliarden Besuchern weltweit die mit Abstand meisten Aufrufe. Dahinter folgt das Videoportal Youtube mit 79,4 Milliarden monatlichen Besuchen. Weit abgeschlagen auf Rang drei landet Facebook (13,1 Milliarden Besucher).
 
Doch wie verhält es sich hierzulande? Auch in Deutschland lag im Dezember 2024 Google mit fast 4,2 Milliarden Aufrufen vorn, gefolgt von Youtube mit rund 2,7 Milliarden Besuchern und Amazon mit 528 Millionen Aufrufen. Immerhin schaffte es Wikipedia (325 Millionen) noch vor Facebook auf den fünften Platz. Kurz dahinter folgen der erste Porno-Anbieter sowie bing, instagram, duckduckgo und reddit, wobei die beiden letztgenannten einem Internet-Banausen wie mir nicht viel sagen. Dafür kann ich mit Platz elf etwas anfangen: Dort findet man kleinanzeigen.de, eine Plattform zum Kaufen, Verkaufen und Tauschen, die den Regionalzeitungen schon vor langer Zeit das Geschäft verhagelt hat.
 
Auf Platz 15, hurra, folgt endlich eine Internetseite, auf der man sich mit Nachrichten versorgen lassen kann. Aber das voreilige Hurra nehme ich sofort wieder zurück: Es handelt sich um den Onlineauftritt der Bildzeitung, der auf 123 Millionen Aufrufe kam. Mit 112 Millionen Aufrufen läuft der Spiegel auf Rang 19 ein,  gefolgt von der Tagesschau mit 105 Millionen Besuchern. Knapp unter der 100-Millionen-Grenze rangieren mit fast 99 Millionen Aufrufen netflix und ntv. Das erste Fachmagazin findet sich mit 65 Millionen Besuchern auf Rang 38. Aber vielleicht geht es für den Kicker ja steil nach oben, wenn Schalke endlich wieder in der ersten Liga spielt.
 
Fazit: Darauf, dass seriöse Nachrichtenanbieter im Internet einmal den Stellenwert bei der Meinungsbildung erlangen, den früher einmal die Printmedien und der öffentlich-rechtliche Rundfunk hatten, dürfen wir angesichts dieser Zahlen wohl kaum hoffen. Es gibt nur eine Möglichkeit: Wir müssen die Schmunzelpost als Nachrichtenportal ins Internet kriegen und durch Euren engagierten Einsatz auf einen der vordersten Plätze katapultieren. Allein das Zähneknirschen von Elon Musk und Mark Zuckerberg wäre es wert. Wie heißt es gleich? Wir haben keine Chance - aber wir nutzen sie!
 
Glückauf
kdk  

 Schmunzelpost 1436 vom 3. 2. 25

Heute will ich Missstände mal beim Namen nennen. Denn vor 50 Jahren, am 31. Januar 1975, beschloss die sozialliberale Mehrheit im Bundestag, dass Frauen und Männer nach der Eheschließung selbst entscheiden konnten, welchen der beiden Nachnamen sie künftig tragen wollten. Und bei Doppelnamen konnte der Name der Frau sogar nach vorne rücken. 
 
Es dauerte jedoch noch bis zum Juni 1976 bis die überfällige Gesetzesänderung endlich rechtswirksam wurde. Das lag an den Bremsern im Bundesrat, die sich lange gesträubt hatten. Und die erzielten zumindest einen Teilsieg. Konnte sich das Paar nicht einigen, dann kam der Name des Mannes zum Zuge. "Zwei Schritte nach vorn, und ein Schritt zurück", kommentierte die Süddeutsche Zeitung, "ein fauler und folgenreicher Kompromiss."
 
Die Verteidiger der am Mann orientierten langjährigen "Ordnungsfunktion" des Namens beriefen sich auf den Münchener Rechtsprofessor Anatol Dutta. Der hatte 1957 in der Neuen Juristischen Wochenschrift die patriarchalischen Glaubensgrundsätze zur Funktion des Familiennamens formuliert, nämlich: "im Sinne der Gliederung des Volkes alle zu kennzeichnen, die im Mannesstamm aus der gleichen Familie stammen". So verbinde der Name "seinen Träger mit seinen Vätern und Vorvätern und mit deren geistiger Welt und Leistung." Dass dies eher eine Fehlleistung der Vorväter war, leuchtete den Traditionalisten nicht ein.
 
Männer und Frauen sind gleichberechtigt, aber wenn es hakt, sind Männer gleichberechtigter? Das wollten viele nicht akzeptieren. Erst 1991 jedoch kippte das Verfassungsgericht die Regelung und das Gesetz. Von da an konnte auch der Name der Frau alleiniger Familienname werden. In der Praxis aber machte nur eine Minderheit von der Möglichkeit Gebrauch. 2016 nahmen noch drei Viertel aller Frauen den Namen ihres Ehemannes an.
 
Doppelnamen blieben übrigens unbeliebt. Nur sieben Prozent der Paare entschieden sich dafür. Dann aber trug in neun von zehn Fällen die Frau den Doppelnamen. Seit kurzem sind jetzt auch Doppelnamen erlaubt, die von beiden getragen werden. Und meines Wissens ist es auch zulässig, dass man sie von Generation zu Generation weitergibt. Oh je! Die armen Kinder, wenn Herr Müller-Lüdenscheid Frau Krause-Krokoschinski heiratet.
 
Ich selbst hatte übrigens einige Zeit mit der Versuchung zu kämpfen zu heiraten und den Namen meiner Frau anzunehmen. Das war in der glorreichen Ära von Schalkes Torjäger Klaus Fischer. Aber nicht nur wegen des Bundesliga-Skandals habe ich mich eines besseren besonnen. So bleibt es dabei: Wo Krause drin ist, steht auch Krause drauf!  
 
Glückauf
kdk  

 Schmunzelpost 1435 vom 2. 2. 25

Was ist Wahrheit? Keine Angst, Euch droht kein neuer philosophischer Rundumschlag. Aber wegen der jüngsten Entwicklung fürchte ich, dass es für die meisten Menschen in Zukunft fast unmöglich werden könnte, Wahrheiten und Unwahrheiten zu unterscheiden. 
 
Je nachdem, welchen Informationsquellen die Leute vertrauten, war das auch früher nicht leicht. Das gilt nicht nur für Länder, die von Autokraten regiert werden. Dort waren die Medien fast immer gleichgeschaltet, staatliche Zensoren überwachten das gedruckte wie gesprochene Wort, was letztlich auf die Verbreitung von Propaganda hinauslief. Aber spätestens Silvio Berlusconi zeigte, dass man durch den Kauf von Verlagen und TV-Sendern auch in demokratisch orientierten Staaten einem Meinungsmonopol recht nahe kommen kann. Vor allem dann, wenn man hemmungslos politischen Druck auf die verbleibenden, dem Anspruch nach unabhängigen TV-Anstalten macht.
 
In Großbritannien genügte der Einfluss des Medienzars Rupert Murdoch, um durch den geballten Einsatz seiner Boulevard-Blätter eine Stimmung zu erzeugen, die letztlich für die nötigen Prozente bei der knappen Abstimmung über den Brexit sorgte. Schon zuvor hatte der in Australien geborene US-Medienunternehmer (u.a. Eigentümer von Fox-TV) ganz entscheidend dazu beigetragen, dass ein gewisser Donald Trump zu seiner ersten Präsidentschaft kam.
 
Der Murdoch-Clan ist auch im Internet-Geschäft dabei. Doch dort spielen heute andere die erste Geige. Und was Elon Musk und Mark Zuckerberg jetzt mit X, Facebook und Instagram in den sozialen Medien veranstalten, lässt mich für die Zukunft schwarz sehen. Oder besser: Braun. Denn die selbsternannten Retter der Meinungsfreiheit bewirken das genaue Gegenteil dessen, was sie propagieren: Die sowieso immer stärker beschnittene Pressefreiheit hat in Zukunft kaum noch eine Chance, da ihr jetzt auch noch Internet-Verschleierungen das Wasser abgraben.
 
Immer mehr Menschen informieren sich fast ausschließlich aus dem Netz. Dort aber wurden Faktenchecks und Fake-news-Löschungen jetzt bewusst aussortiert. Nach Elon Musk schmust nun auch noch Mark Zuckerberg mit Trump und öffnet Lügen und Manipulationen Tür und Tor. Das ist besonders infam, weil die Logarithmen Menschen immer tiefer in den Verdummungsstrudel ziehen. Jemand, der eine als Informationsquelle getarnte Website aufruft, wird fortan mit vergleichbaren Leseangeboten bombardiert. Und wer dauernd von Hass und Hetze initiierten Unsinn liest, glaubt irgendwann auch den größten Quatsch. Musk hat bereits dafür gesorgt, dass AfD-Posts auf X ganz nach vorn rücken.
 
Zurück auf Anfang. Was ist Wahrheit? Wir kennen Wahrheiten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten. Aber woran können wir erkennen, dass wir belogen werden? Wir sollten auf keinen Fall auf gefühlte Wahrheiten hereinfallen. Attentate sind fürchterlich. Dennoch kommen in Deutschland weit mehr Kleinkinder durch ihre Väter ums Leben, als durch messerbewehrte Migranten. Und viel mehr Kinder und Frauen werden von ihren Vätern missbraucht oder von Deutschen vergewaltigt als von Ausländern. Mehr neue Gesetze oder härtere Strafen senken die Fallziffern nicht, sondern verschaffen uns bloß das trügerische, aber falsche Gefühl, dass wir nun sicherer sind, weil endlich durchgegriffen wird. 
 
Unwahrheiten, das wussten auch unsere Kirchenväter, sind ein Schlüssel zur Macht. Die christliche Kirche stützte sich auf die Konstantinische Schenkung. „Wir übergeben unseren Palast, wie auch die Provinzen der Stadt Rom und Gesamtitaliens unserem Vater Silvester, dem Papst aller.“ So steht es in einer Schenkungsurkunde aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Kaiser Constantin gab sie angeblich dem Papst. Mit diesem Dokument rechtfertigten alle nachfolgenden Päpste ihre Macht. 
Allerdings ist dieses Dokument eine Fälschung wie Hitlers Tagebücher. Das stellte sich viel später zweifelsfrei heraus. Die Menschen in der Zeit, in der die Urkunde angeblich geschrieben wurde, sprachen ein völlig anderes Latein. Und die Stadt „Constantinopel“, die im Dokument erwähnt wird, hieß damals noch gar nicht so!

 
Der vielleicht größte Lügner aller Zeiten, zumindest wohl der erfolgreichste, sitzt im Weißen Haus. Aus seiner ersten Amtszeit hat die Washington Post Donald Trump 30 573 irreführende oder falsche Behauptungen nachgewiesen. Solche "Meinungen" darf er nun wieder auf X und Facebook ungefiltert verbreiten. Und die Washington Post wird diesmal wohl nicht mehr mitzählen: Der derzeitige Inhaber Jeff Bezos hat zuletzt trumpkritischen Kommentaren oder Karikaturen wiederholt einen Riegel vorgeschoben.
 
Ich bin übrigens der Überzeugung, dass die Union besser beraten gewesen wäre, Hendrik Wüst anstelle von Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten zu nominieren. Felsenfest überzeugt bin ich aber auch, dass ein entsprechender Tweet bei X ganz hinten in der Rangfolge landen würde. Dagegen hätte ich mit "Alice Weidel makes Germany great again!" gute Chancen auf die Top-Hundert. Aber ich werde nie, nie, nie etwas auf X posten. Denn auch wenn dort ab und zu mal etwas Richtiges stehen mag, ist es das völlig falsche Medium zur Verbreitung von Tatsachen. 
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1434 vom 1. 2. 25

Ha! Es hat geklappt! Zum zweiten Mal war ich schneller als die Süddeutsche. Während das Streiflicht die Studie der Bertelmann-Stiftung zur Aufteilung der Hausarbeit zwischen Frau und Mann erst gestern aufgriff, hatte ich das Thema bereits zwei Tage zuvor in der Schmunzelpost behandelt. Das bietet mir nun Gelegenheit, mich entspannt zurückzulehnen und ergänzende SZ-Passagen an Euch weiter zu geben.
 
Bereits in der Steinzeit, so das Streiflicht, habe es oft Streit um die Frage gegeben, wer die Feuersteine abwäscht und die Höhle ausfegt. Dies sei häufig zu Ungunsten der Frau ausgegangen, weil die Männer schon damals gerne Meinungsverschiedenheiten mit der Faust geregelt hätten. Donnerwetter, dachte ich, dass die Süddeutsche Zeitung eine lange Tradition hat, das wusste ich, aber dass die Reporter bereits am Ende der Eiszeit vor Ort waren, überrascht mich doch sehr.
 
Später, so vermutet die SZ, habe Friedrich Schiller den Deutschen in ihr immerwährendes Grundgesetz geschrieben, dass der Mann hinaus ins feindliche Leben müsse, die züchtige Hausfrau jedoch daheim zu walten habe. Nun aber würden vermehrt Frauen diese bewährte Aufgabenverteilung in Frage stellen, sogar solche, die ansonsten das Weltbild der CSU vertreten. "Ja, schlimmer noch: Selbst ein paar Männer zweifeln daran, und erst neulich wurde ein Mann in Bottrop dabei beobachtet, wie er eigenhändig eine Geschirrspülmaschine ausräumte. Frauen, die so einen Mann im Haushalt führen, sollten sich nicht scheuen, jeden Handgriff des Gatten mit einem Applaus zu begleiten, wie man ihn von der Oscarverleihung fürs Lebenswerk kennt."
 
Doch leider werde diese männliche Opferbereitschaft kaum gewürdigt. Daher täte der neugewählte Bundestag gut daran, einen "Tag des deutschen Hausmanns" einzuführen, '"aber bitte nicht mit den Stimmen der AfD". Abschließend kommt die SZ zu dem Fazit: "Zu bedenken wäre dennoch, dass die Mithilfe mancher Männer im Haushalt nicht die Lösung ist, sondern das Problem. Wäre es wirklich erstrebenswert, einer wie Friedrich Merz würde das Geschirr spülen? Ein Mann, der auch anderswo Porzellan zerschlägt? Möglicherweise sind Männer generell ein Irrweg der Evolution. Aber sie sind nun mal da, und wer einen im Haus hat, muss ihn artgerecht beschäftigen. Staubsaugen ist nicht artgerecht. Besser ist ein Hund, der den Mann mehrmals am Tag ausführt."
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1433 vom 31. 1. 25  

Heute wird es finster! Leser, die grausige Fakten nur schwer ertragen, sollten bei einigen Textstellen die Augen schließen. Dann sehen sie zwar nichts mehr, können sich aber umso besser in düstere Zeiten zurück versetzen. Nicht von ungefähr heißt das Mittelalter auf englisch "Dark Age". Aber die Briten schafften es auch später noch, nahtlos daran anzuknüpfen. Doch wenn man ehrlich ist, haben wir Menschen das rund um den Globus zu allen Zeiten fertiggebracht.

 
Es geht um den 30. Januar 1649. Das war ein kalter Wintertag, an dem Karl I. den Gang zum Schafott antrat, um als erster und einziger Monarch der britischen Geschichte hingerichtet zu werden. Maßgeblichen Anteil daran hatte Oliver Cromwell. Als Strippenzieher hatte er dafür gesorgt, dass die Truppen des Parlaments die königstreue Armee besiegte und Karl wegen Hochverrat zum Tode verurteilt wurde.
 
Nach der Abschaffung der Monarchie vergaß Cromwell seine puritanischen Grundsätze und lebte selbst fürstlich im königlichen Palast. Und als er 1658 verstarb, wurde er mitten unter den britischen Königen vergangener Zeiten in der Westminster Abbey beigesetzt. Das fuchste jedoch Charles II. fürchterlich. Nachdem dieser 1660 die Monarchie wieder hergestellt hatte, ließ er Cromwells Leichnam ausbuddeln und nach Tyburn bringen, wo Kriminelle begraben waren.
 
Vorher hatte sich der rachsüchtige Herrscher jedoch noch etwas Besonderes ausgedacht. Am Jahrestag der Exekution von Karl I., dem 30. Januar 1662, ließ er Cromwell nachträglich hinrichten. Der Leichnam wurde aufgehängt, dann der Kopf abgehackt und auf einen Pfahl gespießt, auf dem der Schädel 20 Jahre lang über der Westminster Hall zur Schau gestellt blieb. Das war als grausige Warnung an alle gedacht, die es jemals wieder wagen sollten, einen britischen König zu bedrohen.
 
Damit war die Reise des Totenkopfes jedoch nicht beendet. Ein schlimmer Sturm fegte die Überbleibsel schließlich vom Dach. Der Restkopf wurde einbalsamiert und in einer Keksdose aus Zimt jahrhundertelang von Ort zu Ort gebracht. Erst 1960 fand der Schädel dann im Sidney Sussex seine letzte Ruhe.
 
Die Warnung aber hatte Erfolg. Bis heute wagten es die Briten nicht mehr, Hand an ihre gekrönten Häupter zu legen oder die Monarchie abzuschaffen. Nachdem ihn seine Gattin Camilla gefragt hatte: "Another cup of tea, dear?", tunkte Charles III. deshalb am 30. Januar 2025 womöglich lächelnd einen Keks in seinen Tee.
 
Glückauf
kdk  

Schmunzelpost 1432 vom 30. 1. 25 

Gerade habe ich im Radio von einer neuen Studie gehört. Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, ob in gemeinsamen Haushalten von Frau und Mann die häuslichen Arbeiten gleichmäßig verteilt sind. Dazu gab es eine repräsentative Umfrage. Ergebnis: 88 Prozent der Männer finden, dass sie genauso viel für den Haushalt tun wie ihre Frauen. Seltsamerweise sehen dies bloß 44 Prozent der Frauen so. Und die Forschenden neigen dazu, den Frauen recht zu geben.
 
Nun will ich mal die Frage außen vor lassen, welches Geschlecht bei der Arbeitsgruppe des Forschungsinstitut dominierte. Aber ich möchte ein paar Theorien aufstellen, wie es zu der unterschiedlichen Einschätzung kommen könnte. Da wäre zum einen die Annahme (die müsste mal wissenschaftlich untersucht werden, am besten durch eine Arbeitsgruppe, der überwiegend Männer angehören), dass Männer in den Bereichen Mathematik und Physik den Frauen meist überlegen sind - Ausnahmen bestätigen die Regel. Also können wir wahrscheinlich besser beurteilen, welcher Energieaufwand für verschiedene Tätigkeiten erforderlich ist.
 
Zum Zweiten wären die Fakten Effektivität und Qualitätsanforderungen zu berücksichtigen. Aus persönlicher Erfahrung bin ich überzeugt, dass hier der Schlüssel für die Abweichung liegt. Ein- oder zweimal mit großer Kraft geputzt ist besser als fünfmal locker hin und her gewischt. Ich nenne das "das Husch-husch-Prinzip" nach dem Motto: Einmal drüber und schon sauber!
 
Außerdem ist es natürlich ausschlaggebend, welche Standards man anstrebt. Da bin ich der Meinung, dass man von unserem Fußboden sowieso nicht essen muss. Klinische Sauberkeit ist also völlig übertrieben. Auch ein paar Staubkörnchen im Bücherregal haben noch niemand geschadet. Und die Spinne, die sich in einem stillen Winkel der Decke um ihren Lebensunterhalt kümmert, steht bei mir unter Tierschutz! 
 
Schließlich ist zu berücksichtigen, dass wir Männer höchst sensible und zartbesaitete Geschöpfe sind. Für bestimmte Tätigkeiten, also beispielsweise zur Toilettenreinigung, sind wir einfach nicht geschaffen. Dafür schleppen wir, ohne zu murren, schwere Getränkekisten in den Keller.
   
 Soweit meine Erklärungsversuche. Oder liegt es womöglich doch daran, dass wir Männer zur Faulheit neigen, dafür aber zwecks Vertuschung dieser Tatsache ungeahnte Kreativität entfalten? Das kann ich mir in meinem Fall kaum vorstellen. Wenn es aber doch so sein sollte, dann bitte ich, die Mühe und den Zeitaufwand für das Erfinden von Ausreden bei meiner Haushaltarbeits-Bilanz anzurechnen. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1431 vom 29. 1. 25 

Am Montag legten wir unser Programm für die heitere Alternativ-Lesung zum Weiberfastnachts-Karneval fest. Dazu gehört ein Wintergedicht, das ich noch nicht kannte. Hier ist die Eskimojade:
 
Es lebt´ in dulci jubilo
in Grönland einst ein Eskimo.
Der liebt voll Liebeslust und Leid
die allerschönste Eskimaid,
und nennt in Garten sie und Haus
bald Eskimiez, bald Eskimaus.
 
Im wunderschönen Eskimai
spazieren gingen froh die zwei,
geschminkt die Wangen purpurrot
wie's mit sich bringt die Eskimod
und setzten sich ganz sorgenlos
ins wunderweiche Eskimoos.
 
Still funkelte am Horizont
der silberklare Eskimond.
da schlich herbei aus dichtem Rohr
Othello, Grönlands Eskimohr.
In schwarzer Hand hielt fest den Dolch
der eifersücht'ge Eskimolch.
 
Und stach zwei- dreimal zu voll Wut
in frevelhaftem Eskimut.
Vom Dolch getroffen alle beid
sank Eskimo und Eskimaid.
Da rannt' im Sprunge des Galopps
herbei der treue Eskimops.
 
Und biss mit seinen Zähnen stark
den Mörder bis ins Eskimark,
der bald, zerfleischt vom treuen Hund
für immer schloss den Eskimund.
So ward, das ist der Schlussakkord
gerächt der blut'ge Eskimord
und schaurig klingt von Norden her
noch heut'gen Tags die Eskimähr!
 
Gut, nä? Könnte glatt von Loriot sein. Ist es aber nicht. Wie hieß der Autor noch gleich? Julius Schneider? Hat der vielleicht noch mehr so Schönes gedichtet? Wozu gibt es Suchmaschinen? Mal schauen! Oh! Sechsmal Julius Schneider. Ein Musiker, ein Maler, ein Widerstandskämpfer und ein Stabhochspringer. Alle schon tot. Dazu noch ein Architekt und ein Landtagsabgeordneter, aber kein Dichter. Mist!
 
Moment mal! Hieß der nicht anders? Jawohl, Julius Schmidt! Auf ein Neues: Ein Astronom, ein Pionier der Kondom-Produktion, ein Kunsthistoriker, ein Maler. Alle tot. Dazu ein Profifußballer, ein Vermögensberater, ein Immobilienhändler, ein Geschäftsführer, ein Ingenieur. Alle lebendig. Aber kein Dichter! Verflixt noch mal, das gibt's doch nicht! Das Internet weiß doch angeblich alles. 
 
Dann müssen wir eben andere Wege gehen. Versuchen wir, uns über sein Werk dem Urheber zu nähern. Klappt auch nicht. Außer der Namensangabe keinerlei Angaben zum Verfasser. Wenigstens wird ein Zeitpunkt genannt: Das Gedicht erschien erstmals 1889 in den Fliegenden Blättern. Offenbar war Julius Schmidt aber auch danach nicht untätig. Denn im Antiquariat wird sein 1925 veröffentlichtes Büchlein angeboten, das den Titel trägt: "Von Göttern Helden und Hunnen - Reime froh ersunnen." Dazu muss ich leider sagen "Reime gesucht, vergeblich geflucht, in vielen Stunden - gar nix gefunden!"

Gestolpert bin ich aber über ein Lied, das vor dem Ersten Weltkrieg gern gesungen wurde. Der Verfasser von "Stumpfsinn, Stumpfsinn, Du mein Vergnügen" ist unbekannt, aber vielleicht hatte ja Julius seine Finger im Spiel. Zum Schluss daraus ein paar Verse, in denen uns nochmals die Eskimos begegnen.
 
Der Rabe ist ein schönes Tier,
viel schöner als die Katze.
Zwar hat er nicht der Beine vier,
die Katze aber hatse.
 
Der Elefant hat, wie bekannt,
sechs furchtbar große Beine.
Zwei Vorderbein´, zwei Hinterbein´
und auch noch zwei Elfenbeine.
 
Der Eskimo lebt irgendwo, denn
irgendwo muss er ja leben.
Und lebte er nicht irgendwo,
dann würde es keine Eskimos geben.
 
Das Krokodil, das schwimmt im Nil
und hat es gar nicht eilig.
Es frisst sogar den Missionar
und der ist doch so heilig.
 
Der Eichelhäher fliegt kreuz und quer,
im Abendsonnenscheine.
Er hat einen Bauch und den braucht er auch,
denn daran hängen die Beine.
 
Die Nachtigall singt überall,
doch meistens, da singt sie nächtlich.
Denn wär´s nicht der Fall, hieß sie „Tagigall“
und der Stumpfsinn, der wäre beträchtlich.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1430 vom 28. 1. 25

Es kommt selten vor, dass ich dem Inhalt eines Spiegel-Artikels von der ersten bis zur letzten Zeile zustimme. Aber diese Woche hat mir Dirk Kurbjuweit den Leitartikel zur Bedrohung der Demokratie komplett aus der Seele geschrieben. Ebenso empfehle ich zur Lektüre sehr den Anschlussbericht darüber, wie weltweit der Nachrichtenmarkt gezielt mit Fake-News geflutet wird und was es bedeutet, wenn wir nicht mehr dazu in der Lage sind, Wahrheit von Unwahrheit zu unterscheiden.  
 
Welche Wahrheiten uns die Poesie vermittelt, das mag jeder selbst entscheiden. Doch oftmals enthielten die Verse auch Botschaften, die sich vielleicht den Zeitgenossen erschlossen, uns heute aber manchmal ratlos zurücklassen. Zuletzt habe ich darauf hingewiesen, wie sehr mich das Auswendiglernen einer Schiller-Ballade gequält hat. Dabei, so stellte sich jetzt heraus, war meine Lesebuch-Fassung sogar deutlich gekürzt. Im Original umfasst das Lied von der Glocke 2600 Wörter und ist damit die drittlängste Ballade in deutscher Sprache. Und ich Depp habe geglaubt, "Lenore" von Gottfried August Bürger sei mindestens doppelt so lang! Doch die landete bloß auf Rang acht.

 Bertold, ehemaliger Deutschlehrer und Lyrik-Freund, weist zu Recht darauf hin, dass nicht die Länge, sondern der Inhalt und die sprachliche Qualität eines Gedichts dessen Wert ausmachen. Weil er vom stupiden Auswendiglernen auch nicht viel hält, bin ich geneigt, ihm zu glauben. Aber als einem an vermeintlich unnützen Fakten sehr interessierten Menschen beschäftigte mich jetzt die Frage, welches denn nun die längsten Balladen gewesen sind. Voila: Auf Platz eins mit 3730 Wörtern steht "Apoll, von Carl Spitteler. Den kennt Ihr nicht? Ging mir genauso. Spitteler erhielt als erster Schweizer 1919 den Literatur-Nobelpreis. Dafür war er bereits 1915 vorgeschlagen worden. Doch Spitteler hatte die Deutschen verärgert, weil er sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs für die Schweizer Neutralität und für eine Versöhnung der Völker aussprach. 
 
In der Tabelle langer Balladen lieferten sich danach Gottfried August Bürger und Friedrich Schiller ein erbittertes Duell. Platz zwei: "Leonardo und Blandine" von Bürger. Platz drei: "Das Lied von der Glocke" von Schiller. Platz vier: "Der Kampf mit dem Drachen" von Schiller. Platz fünf: "Die Entführung" von Bürger. Die komplette Rangliste findet Ihr auf "balladen.net", einer Internet-Seite von Jonas Goldschläger. Der hat getreu den Kriterien für Balladen auch eine Rangfolge erstellt, bei der es um die Kürze ging. Auf Platz eins landete "Der Schatzgräber" von Joseph von Eichendorff. Aber bereits auf Platz fünf - von Schiller nichts zu sehen - liegt Gottfried August Bürger mit "Die Schatzgräber."
 
Geht man jedoch unter der Bezeichnung Balladen nur nach der Textlänge vor, so ergibt sich eine andere Rangfolge. Auf Platz eins liegt dann mit nur zwei Strophen, acht Zeilen und 52 Worten Georg Trakls Werk "Ein schwüler Garten stand die Nacht". Mein Favorit lief auf Rang zwei ein: Heinrich Heine mit "Es war ein alter König".
 
Es war ein alter König, sein Herz war schwer, sein Haupt war grau;
der arme alte König, er nahm eine junge Frau. 
 
Es war ein schöner Page, blond war sein Haupt, leicht war sein Sinn
Er trug die seidne Schleppe, der jungen Königin.
 
Kennst du das alte Liedchen? Es klingt so süß, es klingt so trüb!
Sie mussten beide sterben, sie hatten sich viel zu lieb.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1429 vom 27. 1. 25 

Da war er! Leibhaftig! Am Freitag begegnete mir ein Wutbürger. Und das kam so. Ich war mit dem Rad ins Dorf Hervest gefahren, wo sich der NABU Dorsten in einer Gaststätte traf. In Unkenntnis der Örtlichkeiten hatte ich mein E-Bike an ein Verkehrsschild gekettet, das ich an der Ecke zum Lokal wähnte, das sich jedoch ein Haus daneben befand. Gerade war ich drinnen angekommen, da stürmte er in den Saal: "Wer hat gerade ein Fahrrad widerrechtlich auf meinem Grundstück abgestellt? Er soll es sofort entfernen, sonst mache ich das!"
 
So hatte ich mir einen Wutbürger gar nicht vorgestellt. Ein Mann um die dreißig, nicht tätowiert, normal gekleidet, normal frisiert. Als Wutbürger identifizierte ihn nur die Qualmwolke, die über seinem Schädel dampfte. Ich war mir zwar keiner Schuld bewusst, folgte ihm aber dennoch zu meinem Rad nach draußen. Es stand vor einer Mauer, die ein Haus und einen Vorgarten umgab. Der größte Teil des Rades befand sich davor auf dem gepflasterten Bürgersteig, nur das Vorderrad direkt neben dem Verkehrsschild ruhte auf von Laub bedecktem Lehmboden. Den hatte ich, weil mit einem amtlichen Objekt bewehrt, für städtischen Untergrund gehalten.
 
"Was stört Sie denn so? Ich behindere niemand und das Vorderrad richtet doch keinen Schaden an?" Der Wutbürger sah mich an, als betrachte er ein ekliges Insekt und schnaubte: "Das ist mein Grund und Boden, auf dem hat das Rad nichts zu suchen! So ein asoziales Verhalten habe ich noch nie erlebt!" Ich dachte bei mir: "Asozial, Freundchen, ist hier nur Dein Ton und Dein Verhalten", sagte aber bloß: "Na ja." Er trat nah an mich heran: "Das heißt doch bestimmt: Leck mich am Arsch, oder?" "Ich darf doch wohl denken, was ich will." "Noch ein Wort und Du kriegst eins in die Fresse!"
 
Manchmal muss man wissen, wann es besser ist, zu schweigen. Kopfschüttelnd nahm ich mein Rad, trat, vom aufmunternden Zuruf: "Sieh zu, dass Du Land gewinnst!" begleitet, den strategischen Rückzug an und kettete mein E-Bike ein Häuschen weiter an ein anderes Verkehrsschild. Direkt vor der Gaststätte, ganz sicher nicht in einem Vorgarten. Drinnen schilderte ich einheimischen NABU-Freunden den Wortwechsel. "Das ist keiner aus unserem Dorf! Das ist ein Zugezogener! Der kommt aus Gelsenkirchen!" "Um Himmelswillen", dachte ich, "hoffentlich nicht aus Schalke!"
 
Mehr Grund sich aufzuregen, das erfuhr ich am Samstag aus der Süddeutschen Zeitung, haben die Bürger von Buenos Aires. Bei den Massenprotesten in der argentinischen Hauptstadt geht es jedoch nicht um Krieg, Klima oder eine neue asoziale Maßnahme des durchgeknallten Präsidenten Milei, sondern um ein wirklich existenzielles Problem: Die von der Verwaltung geplante neue Lackierung der örtlichen Busse. Sie sollen künftig alle einheitlich blau gefärbt sein.

 Dazu muss man wissen, dass die Busse bisher bunt sind. Je nach Linie und den Ortsteilen, die sie verbinden, gibt es eigene Farbkombinationen: Weiß und Grün, Blau und Rot, Gold und Schwarz, Braun, Beige oder Grau. In Buenos Aires gibt es ein paar hundert Linien, die Färbung verhindert Verwechslungen. Und die Fahrgäste sind stolz auf ihre bunten Busse, die oft mit verschnörkelten Malereien liebevoll verziert wurden. Ein besonders schönes Exemplar der Linie sechs steht inzwischen sogar als Ausstellungstück im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum.
 
Besonders sauer sind übrigens die Bewohner des Arbeiterviertels Nueva Pompeya und des nobleren Wohnquartiers Belgrado. Beide Stadtteile verbindet die Linie 42 mit dem River-Plate-Fußballstadion. Das ist ein Traditionsverein mit den Farben Rot und Weiß, die bisher auch die Busse kennzeichnen. Und nun sollen sie blau lackiert werden! Ausgerechnet mit der Vereinsfarbe der Erzrivalen von Roca Junior!
 
Man stelle sich nur einmal vor, die Gelsenkirchener Stadtverwaltung würde beschließen, ihre Straßenbahnen gelbschwarz zu färben. Das hätte einen Volksaufstand zur Folge. Und an der Spitze der Rathausstürmer stünde bestimmt ein besonders zorniger Exilant aus Dorf Hervest.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zur gestrigen Schmunzelpost und zum Gedicht-Bandwurm "Lenore" von Gottfried August Bürger schrieb mir Bertold:  "Lyrik: Superthema!! Leider bezogen auf Bürger als "Strafe": Thema verfehlt! Länge als Kritikpunkt??  Oder hast du etwas gegen gefühlvolle Entlarvung der protestantischen Phrasen der Mutter, gegen gelungene Onomatopoesie, gegen Spiegelung des Inneren in Wahnvorstellungen ( wie Hexen im Macbeth und Geist des Vaters im Hamlet) u.v.m.? Wenn du es aber lieber kurz (18 Zeilen, nicht Strophen) und moderner magst, empfehle ich Bürgers DER BAUER AN SEINEN DURCHLAUCHTIGEN TYRANNEN."
 
PPS. Ich wollte weder das Werk des der Aufklärung verpflichteten Dichters schmähen noch den Inhalt der Lenore bewerten. Meine Strafandrohung bezog sich allein auf das Auswendiglernen der umfangreichen Ballade. Ich weiß nach 60 Jahren immer noch, wie sehr ich die Lehrerin verflucht habe, die uns Schillers Glocke aufbürdete!

Schmunzelpost 1428 vom 26. 1. 25

Erneut diente mir der Bücherschrank als Fundgrube. Diesmal entnahm ich eine Gedichtesammlung mit dem Titel "Des Sommers letzte Rosen". Herausgeber Dirk Ippen hat darin 2001 die beliebtesten 100 Gedichte der Deutschen zusammengestellt. Meine Ausgabe entstammt der 8. Auflage. 97 000 Exemplare waren 2005 in Umlauf - sage niemand, Gedichte seien außer Mode.
 
Grundlage der Sammlung war keine Umfrage, sondern eine simple Zählung. Berücksichtigt wurden die Gedichte, die in den deutschsprachigen Anthologien des 20. Jahrhunderts am häufigsten abgedruckt wurden. Das interessierte mich. Welche Gedichte kenne ich, welche mag ich, welche vermisse ich? Und welche Poeten sind am häufigsten vertreten? Die Antwort auf die letzte Frage war für mich keine Überraschung: Johann Wolfgang von Goethe ist gleich zehn Mal dabei!
 
Dagegen taucht des Geheimrats Weimarer Dichterkumpel Friedrich Schiller bloß vier Mal auf. Und zu meinem Erstaunen fehlt ausgerechnet das Lied von der Glocke. Das wundert mich vor allem deshalb, weil es 15 Zitate enthält, die allesamt als Redensarten oder Sprichwörter unsere Sprache bereichern. Na ja, auch Schiller wusste schon: Mit des Geschickes Mächten, ist kein ew'ger Bund zu flechten.
 
Ansonsten sind alle üblichen Verdächtigen vertreten: Joseph von Eichendorff, Eduard Mörike, Friedrich Hölderlin, Theodor Fontane, Reiner Maria Rilke, Heinrich Heine, Anette von Droste Hülshoff, Theodor Storm und und und. Allerdings sind auch ein paar Poeten dabei, von denen ich vorher nie zuvor gehört hatte, zumindest nicht im Zusammenhang mit Gedichten. Zum Beispiel Börries Freiherr von Münchhausen mit "Ballade vom Brennesselbusch". Oder Gottfried August Bürger. Seine "Lenore" erstreckt sich über neun Buchseiten und ist mit 32 achtzeiligen Strophen das mit Abstand längste Gedicht der Sammlung. Da sage ich mit Bürger: "Bei Gott ist kein Erbarmen! O weh, o weh, mir Armen!"
 
Ein einziges Gedicht ist enthalten, dessen Verfasser unbekannt ist. Doch die schönen Reime haben die Aufnahme verdient: "Du bist min, ich bin din: des solt du gewis sin. Du bist beslozzen in minem Herzen: Verloren ist daz slüzzelin: Du muost immer drinne sin." Vermisst habe ich Christian Morgenstern. Und Erich Kästner ist der einzige vertretene Autor aus der jüngeren Vergangenheit. Das mag aber daran liegen, dass ein Großteil der Anthologien in den ersten 60 Jahren des Jahrhunderts erschienen sind, so dass es die neueren Dichter schwer hatten.
 
Als kleinen Ausgleich schließe ich mit einem Werk von Robert Gernhardt. Dem Band "Gedichte aus dem Wörtersee" entnommen ist
 
Folgen der Trunksucht
 
Seht ihn an, den Texter, trinkt er nicht, dann wächst er. Mißt nur einen halben Meter - weshalb, das erklär ich später.

 Seht ihn an, den Schreiner. Trinkt er, wird er kleiner. Schaut, wie flink und frettchenhaft er an seinem Brettchen schafft.
 
Seht ihn an, den Hummer. Trinkt er, wird er dummer. Hört, wie er durchs Nordmeer keift, ob ihm wer die Scheren schleift.
 
Seht sie an, die Meise. Trinkt sie, baut sie Scheiße. Da! Grad rauscht ihr drittes Ei wieder voll am Nest vorbei.

 Seht ihn an, den Dichter. Trinkt er, wird er schlichter. Ach, schon fällt ihm gar kein Reim auf das Reimwort "Reim" mehr eim.
 
 Wem das nicht gefällt, der muss zur Strafe bis zur nächsten Schmunzelpost die "Lenore" auswendig lernen!
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1427 vom 25. 1. 25 

Nach so viel Trara um alte weiße Männer hatte ich mir für heute überlegt: Ich präsentiere Euch mal bedenkenswerte Sprüche von jungen weißen Frauen. Die Sache hatte nur einen Haken. Bei Zitaten steht selten dabei, wie alt die Urheberinnen waren, als ihr kluger Satz notiert wurde. Da ich zudem bemerkt habe, dass manche Frauen sehr zurückhaltend mit Altersangaben sind, setze ich mal ein Motto voraus, das bestimmt von einer jungen weißen Frau formuliert wurde: "Man ist so jung wie man sich fühlt." Und die folgenden Sprücheklopferinnen waren bestimmt alle frisch, jung und auf der Höhe ihres Schaffens!
 
Beginnen wir mit einer Schriftstellerin, die bereits in den letzten beiden Folgen vorkam. Maria von Ebner-Eschebach sagte: "Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf – es kommt nur auf die Entfernung an." Und die Nobelpreisträgerin Marie Curie verstand nicht nur etwas von Physik und Chemie, sondern auch vom Leben: "Träume dir dein Leben schön und mach aus diesen Träumen eine Realität."

Auch Astrid Lindgren gibt uns einen Rat mit auf den Weg, den nicht nur Mädchen und Frauen, sondern auch Jungen und Männer befolgen sollten: „Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“ Und, liebe Leserinnen, wenn wir uns das nächste Mal in Dorsten treffen und am Kanal spazieren gehen, dann seid bitte vorsichtig. Ich könnte Euch einem Test unterziehen, indem ich eine Empfehlung der Menschenrechtsaktivistin und Präsidentengattin Eleanor Roosevelt wörtlich nehme: "Eine Frau ist wie ein Teebeutel - du kannst erst beurteilen, wie stark sie ist, wenn du sie ins Wasser wirfst."

Als starke Frau hat sie sich gern inszeniert. Und ihr Selbstbewusstsein gibt die frühere britische Regierungschefin  Margaret Thatcher an Geschlechtsgenossinnen weiter: "Wenn du etwas gesagt haben willst, frage einen Mann; wenn du etwas erledigt haben willst, frage eine Frau." Zum Abschluss seufze ich und teile als alter weißer Mann die Erkenntnis einer nicht mehr ganz so jungen weißen Frau. Die Schriftstellerin Colette sagte: „Was für ein herrliches Leben hatte ich! Ich wünschte nur, ich hätte es früher bemerkt.“
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1426 vom 24. 1. 25

Mit einem Zitat von Marie Ebner-Eschenbach habe ich die letzte Schmunzelpost beendet, und mit einem weiteren beginne ich die neue Schmunzelpost: "Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt." Etwas später kam dann die Frage hinzu, ob alte weiße Männer es allesamt verdienen, als uneinsichtig, rückständig und verbohrt abgestempelt zu werden. Deshalb kommen heute vor allem alte weiße Männer zu Wort, die schon in patriarchalischen Zeiten anders tickten.
 
So hielt August Bebel bereits im 19. Jahrhundert den Frauenschmähungen entgegen: "Auch der Einwand, die Frauen hätten noch keine Genies hervorgebracht, ist weder stichhaltig noch beweiskräftig. Genies fallen nicht vom Himmel, sie müssen Gelegenheit zur Ausbildung und Entwicklung haben, und diese hat den Frauen bisher gemangelt, man hat sie Jahrtausende unterdrückt und ihnen Gelegenheit und Möglichkeit zur Ausbildung ihrer geistigen Kräfte genommen oder verkümmert."
 
Das blieb nicht ohne Widerspruch. Friedrich Nietzsche - ja, richtig, der mit dem Spruch "wenn Du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht", wetterte: "Freilich, es gibt genug blödsinnige Frauen-Freunde und Weibs-Verderber unter den gelehrten Eseln männlichen Geschlechts, die dem Weibe anraten, sich dergestalt zu entweiblichen und alle die Dummheiten nachzumachen, an der der "Mann" in Europa krankt, - welche das Weib bis zur 'allgemeinen Bildung', wohl gar zum Zeitunglesen und Politisieren herunterbringen möchten."
 
Frauen, die Zeitunglesen und in der Politik mitmischen? Undenkbar! Wo kämen wir denn hin - am Ende würde sogar noch eine Frau Bundeskanzlerin. Dennoch gab es in der von Nietzsche und Co. geprägten Zeit wissenschaftlichen Widerspruch. Dr. Albert Moll rügte diejenigen, die aus dem Wiegen von Gehirnen falsche Schlüsse zogen: "Man hat ernstlich behauptet, dass wegen eines kleineren Gehirngewichtes Frauen für die wissenschaftliche Carriere nicht geeignet seien. Aber wie viele Männer giebt es, die ein bei weitem kleineres Gehirn haben als viele Frauen! Kein Beweis ist dafür erbracht worden, daß ein Element, das die Vorbedingung für die Intelligenz ist, bei dem weiblichen Gehirne fehle."
 
Und Ludwig Fulda stellte fest: "Eine Frau, die heute in einem wissenschaftlichen Beruf ebensoviel leistet wie ein Mann, muß zehnmal tüchtiger sein als dieser, weil sie zehnmal mehr Schwierigkeiten zu überwinden hat." Auch damit hatte er recht: "Eine Männerwelt hingegen, die vom Staate Schutzmaßregeln und Privilegien fordert, um nicht etwa von der weiblichen Konkurrenz geschädigt oder gar überboten zu werden, die mag sich selber fragen, ob sie diesen erbärmlichen Standpunkt noch mit ihrer Selbstachtung vereinbaren kann."
 
Obwohl die Aussicht minimal ist, dass er mich hört, rufe ich in diesem Sinne als Frauen-Freund und Weibs-Verderber Friedrich Nietzsche zu: "Lieber ein gelehrter Esel als ein ignoranter Ochsel!"
 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1425 vom 23. 1. 25

Am besten erkennt man einen alten weißen Mann daran, wie er über Frauen denkt. Und dabei zeigt sich, dass männliche Borniertheit kein Phänomen der Neuzeit ist. Ich zahle immer noch brav meine Kirchensteuer, u.a. um die Rente für evangelische Pastöre sicherzustellen. Aber wenn ich lese, was unser Oberprotestant Martin Luther so alles von sich gegeben hat, zum Beispiel über Bauern, Juden und Frauen, dann keimen Austrittsgelüste. Hier zwei Luther-Zitate: 
 
"Es ist kein Rock noch Kleid, das einer Frauen oder Jungfrauen übeler anstehet, als wenn sie klug wil sein." Und der altersweise Luther wusste auch: "Männer haben eine breite Brust und kleine Hüften, darum haben sie auch mehr Verstand, denn die Weiber, welche enge Brüste haben und breite Hüften und Gesäße, dass sie sollen daheim bleiben, im Hause still sitzen, haushalten, Kinder tragen und ziehen." 
 
Na gut, das war die Ansicht eines bibeltreuen Theologen. Aber die wahren Geistesriesen, unsere Philosophen, werden bei ihrem tiefsinnigen Grübeln über den Menschen doch wohl ganz anders gedacht haben. Irrtum. Hören wir Immanuel Kant: "'Gelehrte' Frauen brauchen ihre Bücher etwa so wie ihre Uhr, bloß um sie zu tragen, damit sie gesehen werden obschon sie meist stille steht." Und über Frauen, die sich dem Verbot widersetzten, nichts zu erlernen, was ihren männlichen Zeitgenossen vorbehalten war, spottete Kant: "Ein Frauenzimmer, das den Kopf voll Griechisch hat, wie die Frau Dacier, oder über die Mechanik gründliche Streitigkeiten führt, wie die Marquisin von Chatelet, mag nur immerhin noch einen Bart dazu haben; denn dieser würde vielleicht die Miene des Tiefsinns noch kenntlicher ausdrücken, um welchen sie sich bewerben." 
 
Welch gravierende Folgen das Fehlen von bärtigen Frauen hatte, macht Kants Kollege Arthur Schopenhauer deutlich: "Man kann von den Weibern auch nichts anderes erwarten, wenn man erwägt, dass die eminentesten Köpfe des ganzen Geschlechts es nie zu einer einzigen wirklich großen, ächten und originellen Leistung in den schönen Künsten haben bringen, überhaupt nie irgend ein Werk von bleibendem Wert haben in die Welt setzen können." 
 
Und was ist mit unseren Poeten, die seit Jahrhunderten Loblieder auf die Frauen singen? Johann Wolfgang von Goethe dichtete: "Was die Weiber lieben und hassen, das wollen wir ihnen gelten lassen; wenn sie aber urteilen und meinen, dann will's oft wunderlich erscheinen." Und auch Heinrich Heine zeigte sich ziemlich ungalant: "Sonderbar, sowie das Weib zum denkenden Selbstbewußtsein kommt, ist ihr erster Gedanke ein neues Kleid!" 
 
Aber es geht noch weit drastischer. Wir kommen zu zwei alten dummen Männern, deren Frauenhass sich in vielen Zitaten niederschlug. Dr. Paul Julius Möbius urteilt pseudowissenschaftlich: "Ich finde nicht selten bei mittelgroßen Weibern einen Kopfumfang von 51 cm. So etwas kommt bei Männern nicht vor, die geistig normal sind, nur bei krankhaft Schwachsinnigen, Idioten." Kein Wunder also, so Möbius: "Das Weib ist nämlich nicht nur kärglicher mit Geistesgaben versehen als der Mann, sondern sie büßt sie auch viel rascher wieder ein." 
 
Nun zu Max Funke. Der verfasste 1910 das antifeministische Standardwerk "Sind Weiber Menschen?" und kam darin zu dem Urteil, dass Frauen eigentlich nur Halbmenschen sind, das fehlende Bindeglied (evolutionsgeschichtlich: missing link) zwischen dem Affen und dem Mann. Und so schrieb er: "'Lange Haare, kurzer Verstand!' lautet ein deutsches Sprichwort, in dem so viel Wahres enthalten ist. Niemand wird wohl bestreiten, dass das Weib von Natur aus schwachsinnig und dumm ist." 
 
Kann ich das als letztes Wort stehen lassen? Nein! Das Schlusswort gehört einer Frau. Schon vor mehr als 100 Jahren erkannte Marie von Ebner-Eschenbach: "Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: Alle dummen Männer." 
 
Glückauf 
kdk 
 

 Schmunzelpost 1424 vom 22. 1. 25 

Kommt Ihr alle am 30. Januar zur "Auslese" nach Wulfen? Fühlt Ihr Euch vom Thema "Alte weiße Männer" überfordert? Oder geht es Euch am Allerwertesten vorbei? Na ja, vielleicht ist die Schmunzelpost auch als Meinungsforum ungeeignet und Ihr seid voll und ganz zufrieden damit, dass ich an dieser Stelle versuche, Euch ein Lächeln zu entlocken. Jedenfalls hat mein gestriger Aufruf bisher keine Resonanz gefunden. Na gut, dann schauen wir mal, wer sich sonst noch etwas ausführlicher damit befasst hat.
 
Schon seit 2019 gibt es dazu ein Buch, das Sophie Passmann geschrieben hat. Überraschenderweise trägt es den Titel "Alte weiße Männer" mit dem Zusatz "Ein Schlichtungsversuch". Denn die Feministin ist so gar nicht einverstanden mit der Plattitüde, der alte weiße Mann sei an allem schuld. Sie will wissen, was hinter diesem Klischeebild steckt und befragte dazu ihre Gesprächspartner: Ab wann ist man ein alter weißer Mann? Und kann man vielleicht verhindern, einer zu werden? Ein Kriterium steht für Sophie Passmann fest: Ein richtiger alter weißer Mann hat Macht, und er will diese Macht auf keinen Fall verlieren. Deshalb sprach sie u.a. mit Chefredakteuren von "Bild" und "Welt", mit Rainer Langhans, Robert Habeck und Kevin Kühnert - sowie mit Papa Passmann.
 
Andere fassen die Bezeichnung weiter. Für sie reißen alte weiße Männer sexistische Witze, wettern gegen das Gendern, sind privilegiert und glauben trotzdem, ihre Position aus eigener Kraft erreicht zu haben. Den gesellschaftlichen Wandel belächeln sie. Solch einen Zeitgenossen spielt Jan-Josef Liefers im Film von Simon Verhoeven. Der Streifen, der im November 2024 in die Kinos kam, trägt überraschender Weise den Titel "Alter, weißer Mann".
 
Ein anderer Prominenter wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, in diese Schublade gesteckt zu werden. Thomas Gottschalk hat sogar eigens ein Buch geschrieben, das überraschenderweise nicht den Titel "Alter weißer Mann", sondern "Ungefiltert" trägt. In Interviews sagte er: "Ich bin kein alter weißer Mann, der beklagt, dass die Dinge nicht mehr so sind wie früher.“ Fürs Fernsehen habe er Frauen nur "rein dienstlich angefasst".
 
Die Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky von der Universität München kann Gottschalks Reaktion nachvollziehen. Sie selbst "als weiße, weibliche Professorin habe auch etwas vom „alten weißen Mann“, denn auch Frauen mit Macht müssten sich mitunter diesen Schuh anziehen. Noch weiter gingen Rena Brockhaus und Franca Lehfeldt, die ein Buch verfassten, das überraschenderweise den clever gewählten Titel "Alte weise Männer" trägt. Sie bemühen sich in Gesprächen u.a. mit Edmund Stoiber, Mario Adorf und dem Manager Wolfgang Reitzle um eine Hommage an eine bedrohte Spezies.

 "Tugenden wie Leistungswille, Opferbereitschaft und Disziplin scheinen auf dem Rückzug. Die Personifizierung dieser Werte hat es hart erwischt: den alten weißen Mann. Während dieser um seinen Platz in der Gesellschaft kämpft, steht zeitgleich der Wohlstand des Landes und der Zusammenhalt auf der Kippe. Zufall? Oder die Folgeerscheinung einer Gesellschaft, die sich in Identitätsdebatten stürzt und den Blick für das Wesentliche verloren hat?" Tja, schade nur, dass der Versuch der Ehrenrettung durch die beiden Springerjournalistinnen, von denen die eine mit FDP-Chef Christian Lindner verheiratet ist (der ihr womöglich auch den Text diktiert hat, wie der Spiegel frecherweise mutmaßte) bei der Kritik gar nicht gut ankam. Dort heißt es, die Autorinnen hätten ihre Interview-Partner regelrecht angehimmelt und sich jede kritische Nachfrage verkniffen. 
 
So, so. Ich habe das Buch nicht gelesen. Aber ich wundere mich sehr, dass ich in einem Werk über alte weise Männer mit keiner Silbe erwähnt werde.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1423 vom 21. 1. 25 

Das Thema "alte weiße Männer" hat es derart in sich, dass es uns noch etwas länger beschäftigen wird. Wie angekündigt kommen heute Frauen zu Wort, die Harald Martenstein vorwerfen, geradezu der Prototyp des alten heterosexuellen weißen Mannes zu sein. 2013 hatte Martenstein mit einem kritischen Artikel zur Genderforschung, die er als ideologisch geprägte Antiwissenschaft bezeichnete, eine kontroverse Debatte ausgelöst. Die Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung der Freien Universität Berlin warf Martenstein daraufhin vor, er verfüge nur über „rudimentäres Gender-Wissen“ und ignoriere ernsthafte Forschungserkenntnisse, um seine vorgefasste These zu stützen. In „einer perfiden Tradition“ diffamiere er die Erkenntnisse von Frauen als unwissenschaftlich. 
 
Bilke Schnibbe legte nach: "Was ist noch schlimmer, als sich Harald Martensteins Kolumnen selber durchzulesen? Sie sich von ihm auf NDR.de vorlesen zu lassen.  (...) Bei der Folge »Martenstein über Pop-Feminismus« reißt er beispielsweise auf dem Bild seine kleinen Äuglein auf, fasst sich mit den Fingerkuppen an die Schläfen und spitzt die Lippen. »Wie kann man nur«, scheint er sagen zu wollen, der kleine Wadenbeißer, der erwachsene Frauen »Mädchen« und politische Widersacherinnen »kleine Satansbraten« nennt. Immer aus der betont gönnerhaften Haltung heraus, dass er ein alter Mann sei, der nur Fragen stellt.
 
Bei ihm in der Uni hießen die Leute noch »der Ulli« und »die Gundi« und haben sich nicht gegenseitig mit Fantasieanredewünschen terrorisiert, lässt er uns in einem seiner neueren Beiträge wissen. Aber Achtung, es ist keine Pronomenrunde, wenn Baby-Boomer und Friends einen Artikel vor ihren Namen setzen. Das ist ganz normal! Ich sage: Artikelrunden sind das Gender-Gaga von Mitt-Fünfziger-Heten, die anderen ständig unter die Nase reiben müssen, dass sie einen Pimmel (»der Ulli«) oder eine Mumu (»die Gundi«) haben und wie »normale Leute« miteinander bumsen.
 
Warum gelten eigentlich immer Homos und Transen als aufdringlich mit ihrem Sex und ihren Geschlechtsteilen? Wer setzt denn zwanghaft seinen Babys pinke oder hellblaue Mützchen auf, um aller Welt mitzuteilen, was das Kind für ein Geschlechtsteil hat? Genderwahn in jedem Spielzeuggeschäft, in jedem Musikantenstadl, in jeder Martenstein-Kolumne, überall, permanent. Aber das Problem ist die Pronomenrunde im Universitätsseminar.
 
Man sollte meinen, dass Harald schon die Gelegenheit gehabt hätte, sich zu beruhigen, anstatt zum 38. Mal dieselbe passiv-aggressive Kolumne darüber zu schreiben, dass queere Menschen einen an der Marmel haben. Dabei macht er noch nicht mal gute Witze, nein, sondern suhlt sich lediglich in seinem selbstgerechten »ich bin der gesunde Menschenverstand«-Gehabe. Martenstein ist das Fax-Gerät in der antifeministischen Technikabteilung."
 
Nun erteile ich einer anderen Frau des Wort: Der sozialdemokratischen Ehefrau von Harald. Wie lebt es sich mit einem alten weißen Mann, der gern provoziert, kein Tabu akzeptiert und für den Fettnäpfchen eine Herausforderung sind? Petra Martenstein: "Das wüsste ich auch gerne. Meistens ist er nicht da. Wie soll es schon sein? Ich weiß nicht, was die Leute sich vorstellen. Andererseits würde ich Amal Clooney auch fragen, wie das Leben an der Seite von George so ist, obwohl ich gar nicht sicher bin, ob ich das wirklich wissen will. Was, wenn dann alle glamourösen Vorstellungen, die man hatte, mit einem Mal zerstört sind? Womöglich schnarcht George Clooney.
 
Jetzt denken die Leser: Aber es muss doch was geben, was noch keiner von ihm weiß, außer Dir. Irgendwas Geheimes. Gerne auch was Abgründiges: Du hast Carte Blance, Frau! Ihr Lieben, lest Ihr seine Kolumnen nicht? Über seine Gebrechen, Unzulänglichkeiten und zahlreichen Fehler hat er doch schon alles selbst geschrieben. Nun gut, bei dem einen oder anderen seiner Defizite hat er untertrieben. (...)
 
Sobald ein neuer Text fertig ist, ruft er zur Kolumnen-Audienz. Ich halte das, ganz unironisch, für ein schönes Privileg. Bei einem Thema allerdings wird diese Audienz ersatzlos gestrichen: Immer dann, wenn es, selbstverständlich in respektloser Weise, um die SPD geht. Und es geht oft um die SPD. Man könnte denken, er wolle mein sozialdemokratische Herz schonen, Schaden von ihm abwenden und den innerfamiliären sozialen Frieden nicht strapazieren. Das ist jedoch eine allzu romantische Vorstellung. Tatsächlich ist es der Versuch, sich selbst zu schonen. Verbunden mit der irrwitzigen Hoffnung, ich würde es vielleicht nicht erfahren. Feminismuskritik? Genderdebatte? Sexismus? Darüber verliert er zuhause kaum ein Wort. Ich habe die Hoffnung, dass er auf einem guten Wege ist."
 
So, so, der Prototyp des alten weißen Mannes kneift, um womöglich einem Streit mit seiner nicht ganz so alten weißen Frau auszuweichen? Hat Petra Martenstein also doch noch etwas verraten. Jetzt wüsste ich nur noch gern, ob auch Harald schnarcht.
 
Nee, gar nicht wahr. Viel lieber möchte ich wissen, was Ihr über das Thema denkt. Wer nicht am 30. Januar ins Wulfener Gemeinschaftshaus kommen kann, der hat Gelegenheit, sich bei diesem kleinen Schmunzelpost-Experiment einzubringen: Seid Ihr selbst alte weiße Männer oder habt Ihr Erfahrungen mit ihnen gemacht? Und wie bewertet Ihr den Stempel, der ihm - zu Recht oder zu Unrecht - aufgedrückt wird?

Glückauf
kdk
 
PS. Für alle, die mehr über Harald Martenstein wissen wollen: Da gibt es ein einstündiges Interview. Bei Eccosia eingeben: Martenstein Leute SWR1
 

 Schmunzelpost 1422 vom 20. 1. 25

Ab heute ist es also so weit! Ein böser alter weißer Mann regiert die USA. Trifft es jedoch generell zu, dass alte weiße Männer auch bei uns viel zu viel Macht haben, sich an veraltete Vorstellungen klammern und nicht dazu bereit oder gar nicht in der Lage sind, ihre Überzeugungen abzustreifen und notwendige Veränderungen zu aktzeptieren? Mit diesem Thema wird sich der für jedermann und jedefrau offene Literaturclub "Auslese" am Abend des 30. Januar im Wulfener Gemeinschaftshaus beschäftigen. Wie immer ist der eintrittsfreie Besuch der von Rainer Diebschlag betreuten Veranstaltungsreihe sehr zu empfehlen.
 
Einer, der sich schon seit mehreren Jahren verbissene Wortgefechte mit Feministinnen liefert, ist der Journalist und Buchautor Harald Martenstein, dessen Kolumnen ich früher als Zeit-Abonnent immer als erstes gelesen habe. Das täte ich wahrscheinlich auch heute noch, aber weil ich mit der Lektüre der dicken Wochenzeitung einfach nicht mehr hinterher kam, habe ich kapituliert und sie abbestellt. Was paradox ist, weil ich damit auf ein Überangebot an interessantem Lesestoff verzichtet und somit eine Redaktion für gute Arbeit bestraft habe. Doch leider hat auch ein Rentnertag nur 24 Stunden.
 
Aber ich schweife ab. Zurück zu Martenstein, der gern gegen den Strich bürstet und provoziert. Und die Männer verteidigt. Auch die alten weißen. Warum? Martenstein schreibt dazu in seinem Buch "Die neuen Leiden des alten M.": "Der Grund ist: Es tut sonst niemand. Im Grunde bin ich der größte Feminist von allen, nur, als Autor bringt mir das nichts. Weil aus allen anderen halbwegs talentierten Autoren bittersüßer Feminismus herausströmt, bin ich gezwungen, meinen eigenen Feminismus privat auszuleben und beruflich diese furchtbaren, aber immerhin unverwechselbaren Macho-Texte zu produzieren."
 
Schon in einer Kolumnen-Sammlung, die Martenstein 2013 veröffentlichte, outete sich der Autor. Weil er wusste, was ein späterer Buchtitel verriet ("Der Titel ist die halbe Miete") hieß sein Büchlein: "Männer sind wie Pfirsiche." Dass ein Pfirsich aber auch seine Schattenseiten haben kann, verkündeten selbstironisch zwei spätere Titel: "Ansichten eines Hausschweins" und "Nettsein ist auch keine Lösung".
 
Trotzdem ereiferte sich eine junge Frau in einem Leserbrief, Martenstein würde "wöchentlich Altherrenwitze loslassen". Der Gescholtene ergoogelte, dass die Verfasserin "etwas mit Gender studiert" hatte und schrieb: "Seit ich vorgeschlagen habe, die Genderforschung abzuschaffen und das gesparte Geld für die Verschönerung der Grünanlagen in deutschen Mittelstädten zu verwenden, bin ich natürlich für alle Genderforscherinnen das Feindbild Nummer eins. Das ist mir klar, und dafür habe ich auch Verständnis. (...)
 
Nach der Gendertheorie müsste natürlich vor allem die Erziehung ursächlich sein für die Dominanz des Altherrenwitzes und den Mangel an Jungdamenwitz in unserer Gesellschaft. Vermutlich sind Sie für staatliche Damenwitzförderungsprogramme, für die Schaffung von Stellen für Frauenhumorbeauftragte und für eine strenge Quotenregelung. So wird es kommen, ich weiß das. Bald wird jede zweite Komödie, jede zweite Kolumne und jeder zweite Witz von einer Frau verfasst werden müssen. Unsere Zeit geht zu Ende. Ich klage nicht, ich hatte es ja schön.
 
Was mir lediglich auffällt, ist, dass wir älteren Herren inzwischen die einzige Gruppe sind, auf der jeder herumhacken darf, ohne dass ihm oder ihr Diskriminierung vorgeworfen wird. Altherrenliteratur, Altherrenhumor, Altherrenmode. Wenn ich ein Buch mit dem Titel "Deutschland schafft sich ab" schriebe, mit der These, dass es zu viele alte Herren gibt, dass ein Altherren-Gen existiert und dass man deswegen den Zuzug von alten Herren nach Deutschland unterbinden muss, dann würde jeder zustimmen. Gibt es denn wirklich überhaupt nichts Liebenswertes an uns?"
 
Wie Harald Martenstein entstamme auch ich dem Geburtsjahrgang 1953 und bin somit ein alter weißer Mann. Und auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Texte missverstanden werden können. Denn zwei Folgen der Schmunzelpost im Dezember waren "abscheulich" und "Schmutz", "bitterböse und hasserfüllt". Trotzdem stimme ich mit Harald Martenstein ein und singe mit ihm gemeinsam den Refrain eines Superhits aus dem Jahr 1913 (für uns alte weiße Männer ist das, als wäre es gestern gewesen): "Die Männer sind alle Verbrecher. Aber lieb, aber lieb sind sie doch."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Für alle, denen diese Schmunzelpost unausgewogen und einseitig erscheint: Morgen kommen auch Frauen zu Wort. 
 

 Schmunzelpost 1421 vom 19. 1. 25

Seit ich den praktischen Nutzen der Mediathek entdeckt habe - ich rufe jetzt die 20-Uhr-Tagesschau ab, wann es mir am besten passt - stöbere ich dort gern ein wenig herum. So bin ich auf eine Sendung gestoßen, die mir sonst komplett durch die Lappen gegangen wäre. "You must see!" meint das Mediathek-Team, und in diesem Fall hat es zumindest bei Krimi-Freunden wirklich recht. "Kein Mucks!" ist ein Krimi-Podcast von Bastian Pastewka, und aus Anlass des Rundfunk-Jubiläums gab es eine Sendung mit dem WDR-Sinfonie-Orchester. Die Musiker spielen darin Titelmelodien und Filmmusik-Themen, die einst mit Krimi-Hörspiel-Produktionen, TV-Serien oder Kinofilmen Eingang in unsere Gehörgänge fanden.
 
Die perfekten musikalischen Darbietungen - je nach persönlichem Geschmack gibt es notfalls die Taste mit dem schnellen Vorlauf - werden jedoch getoppt durch die Moderation. Bastian Pastewka ist durch Wort und Mimik einfach eine Wucht! Für alle Freunde von Krimis ist diese Aufzeichnung daher unbedingt zu empfehlen!
 
Wie war das bei Euch? Der erste TV-Krimi, an den ich mich erinnern kann, lief Anfang der 1960er Jahre im ersten und damals einzigen (west-)deutschen Fernsehen. Die Eingangs-Melodie von "77 Sunset Strip" habe ich bis heute nicht vergessen, obwohl ich die am Freitagabend ausgestrahlten Folgen als Kind nur in Ausnahmefällen sehen durfte. Von 206 Folgen aus den USA gingen 61 auch in Deutschland über den Sender. Markenzeichen hierzulande war eine Nebenfigur: Der von Hans Clarin mit kieksender Stimme synchronisierte Kookie.
 
Die Namen Franz-Josef Wanninger und Graf Yoster sagen vermutlich nur den Älteren, also meinen Zeitgenossen, noch etwas. Vielleicht erinnern sie sich sogar noch an "Alarm für Isar 12". Diese Vorabendserie war neben dem Komödienstadel von 1960 bis 1963 der erste Beitrag des bayerischen Rundfunks für das ARD-Programm. Der achtjährige Klaus war davon sehr angetan. Später, als er endlich länger aufbleiben durfte, hatte er jedoch ganz andere Favoriten. Die britische Serie "Mit Schirm, Charme und Melone" entzückte einen pubertierenden Heranwachsenden, dem der lässige Gentleman John Steed zwar imponierte, dessen Kollegin Emma Peel jedoch mächtig in Wallung brachte - und zwar nicht in erster Linie wegen ihrer Karate-Kenntnisse.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Buchstaben sollte man nicht vertauschen. Nicht von ungefähr heißt es: Vertauscht Du k und t - ach herrje, herrjemine! Genau das ist mir in der Vulkan-Schmunzelpost passiert: Andreas weist mich zu Recht darauf hin, dass der "Kratakau" in Wirklichkeit Krakatau heißt ("vielleicht ist er ja wegen Deiner Umbenennung ausgebrochen"). Seitdem brodelt es heftig in mir, vor allem, weil ich mich sonst gern über jeden Fehler in der Zeitung ärgere...

 

 Schmunzelpost 1420 vom 18. 1. 25

Dieser Tage bin ich wieder einmal froh, dass ich nicht auf Island lebe. Nicht nur, weil es dort vergleichsweise kalt ist, weil der  Polarkreis nicht weit entfernt ist. Auch nicht, weil es mir an Grün fehlen würde und ich große Probleme hätte, die Sprache zu lernen. Sondern weil Island an der tektonischen Spalte zwischen zwei Kontinentalplatten liegt und daher in den nächsten Jahren vermehrt mit Vulkan-Ausbrüchen rechnen muss.
 
Der Eyjafjallahjökull  ist ja nicht allein deshalb eine Plage, weil er sich für uns Mitteleuropäer so schlecht aussprechen oder merken lässt. Er hat mit seinem ausgespuckten Dreck 2010 auch den Flugverkehr behindert und wirtschaftlichen Schaden in Höhe von fünf Milliarden Dollar angerichtet. Nun jedoch rülpst sein Kumpel, ein Vulkan, der zudem unter dem größten Gletscher außerhalb der Polarzonen zu finden ist. Mit Erdbeben deutete er gerade diskret an, dass ein Ausbruch möglicherweise kurz bevor steht. Und das könnte schlimme Folgen für Natur, Tiere und Menschen haben: Sollte dieser Vulkan in der Gletschermitte Lava zu spucken beginnen, dann wären katastrophale Fluten sehr wahrscheinlich.
 
Der Vulkan heißt übrigens Ragnarbunga. Was Überlegungen auslöst, ob Silvio Berlusconi einst plante, seine berüchtigten Sexparties ins ferne Island zu verlegen. Und Berlusconi war ein heißer Typ, der zu heftigen Eruptionen neigte. Falls sein Vulkan sich dieser Tradition verpflichtet fühlt, dann wären Folgen für die gesamte Menschheit nicht ausgeschlossen. Historiker erinnern sich mit Schaudern an den Ausbruch des Kratakau zwischen Java und Sumatra im Jahre 1883. Der Knall war Tausende von Kilometern weit zu hören, die Druckwelle lief insgesamt sieben Mal um den ganzen Erdball. Durch Tsunamis rissen bis zu 40 m hohe Wellenfronten mehr als 36 000 Menschen in den Tod. Mehr Glück hatte die Besatzung des Küstendampfschiffes "Berouw". Ein Tsunami trug es dreieinhalb Kilometer landeinwärts und setzte es dann fast unbeschädigt in einem Bach ab. 
 
Noch schlimmere Folgen hatte 1815 der Ausbruch des Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa. Er kostete unmittelbar mehr als 70 000 Menschen das Leben. Langwierig und dramatisch waren die Auswirkungen für die gesamte Welt und vor allem für die Bewohner von Nordamerika und Europa. Denn durch die Vulkanasche in der Atmosphäre kam es 1816 zum Jahr ohne Sommer. Missernten rund um den Globus lösten die größte Hungersnot des 19. Jahrhunderts aus.
 
Zu den aktivsten Vulkanen der Welt gehören gegenwärtig neben den isländischen Krawallbrüdern der Hunga Ha'Apai auf Tonga, der Popocatepetl in Mexiko, der Nyingaragongo in Afrika und der Sakurajima in Japan. Was fällt uns auf? Alle diese Vulkane haben sonderbare Namen. Ob es wohl deshalb in ihnen brodelt? Die meisten deutschen Vulkane sind in der Eifel zu finden. Ihre letzten Ausbrüche liegen aber mehr als 10 000 Jahre zurück. Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wir sollten sie besser präventiv umbenennen. Wer Emil, Karlheinz oder Klaus-Dieter heißt, der denkt nicht im Entferntesten daran, Feuer, Gift und Galle zu spucken.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1419 vom 17. 1. 25


Der Mittwoch stand für mich ganz im Zeichen des Lesens. Bei einem literarischen Abend über die diesjährigen Gewinner des deutschen Krimipreises gab Joachim Feldmann so viele Tipps, die Begehrlichkeiten bei mir weckten, dass ich mich jetzt frage, wie ich es hinkriege, meine ohnehin hochgeschraubte Lebenserwartung von 112 Jahren noch weiter aufzustocken. Anders schaffe ich es nicht, den Berg der ungelesenen, aber lohnenswerten Bücher weiter abzutragen.
 
Allerdings habe ich am gleichen Tag eine Methode entdeckt, wie ich mein Lektüre-Pensum erhöhen kann. Das kam so: Weil noch ein Quartalskauf fehlte, hatte ich zuvor bei der Büchergilde eine Gedichte-Sammlung von Mascha Kaleko erstanden: "Bewölkt, mit leichten Niederschlägen." Ursprünglich bloß mit der Absicht, darauf gelegentlich zurückzugreifen, wenn heitere Reime für eine Lesung fehlen. Aber als ich beim Italiener auf mein Essen wartete, begann ich schon einmal mit der Lektüre. Und war zu meiner Überraschung so angetan, dass ich hinterher lange im Lokal sitzen blieb, um bei einem zweiten Espresso weiter zu lesen.
 
Generell bin ich ein Freund der heiteren Lyrik. Robert Gernhardt, Wiglaf Droste und Fritz Eckenga gehören zu meinen Favoriten und natürlich  Altmeister wie Erich Kästner, Ringelnatz und Wilhelm Busch. Mit romantischen Rilke-Reimen und kunstvoller Wortakrobatik konnte ich dagegen meist nur wenig anfangen. Deshalb war ich baff, wie schnell mich neben dem immer wieder durchschimmernden Humor auch die leise Melancholie und die präzise Beobachtungsgabe von Mascha Kaleko eingefangen haben. Zwei Kostproben möchte ich Euch nicht vorenthalten.
 
Einem Morgenmuffel wie mir sprach das Gedicht "Langschläfers Morgenlied" aus der Seele. Zwei Verse daraus:
 
Mir ist vor Frühaufstehern immer bange.
... Das können keine wackren Männer sein:
Ein guter Mensch schläft meistens gern und lange.
- Ich bild' mir diesbezüglich etwas ein.

Das mit der goldgeschmückten Morgenstunde
hat sicher nur ein Lesebuch erdacht.
Ich ruhe sanft. Aus einem kühlen Grunde:
Ich hab' mir niemals was aus Gold gemacht.

Gerührt hat mich auch die Sympathieerklärung an einen meiner vermutlich sehr weit entfernten Verwandten, dem Mascha Kaleko "In meromiam Emmerich Krause" ein Denkmal gesetzt hat. Gleichzeitig ist ihr Gedicht für mich eine Warnung, nicht zu weit in die Untiefen der Philosophie einzutauchen:

Wer hätte das gedacht vom Lehrer Krause!
Nun hat er sich tatsächlich umgebracht.
... Der gute Kerl. Er hat so gern gelacht.
Ich seh' im Schulhof ihn zur großen Pause

vergnügt das dicke Käsebrot verzehren.
Und O-Bein-schlenkernd gehn. Sein Zeigefinger droht,
weil Narrenhände Tisch und Wand beschmiern. Nun ist er tot
und kann uns nicht mehr Kunstgeschichte lehren.

Wer hätte es von Krause je geglaubt,
dass er sich, statt mit Heftekorrigieren,
befasst verderblich mit Philosophieren,
was ihm zuletzt auch den Verstand geraubt.

Es sind nach ihm jetzt trauernd hinterblieben:
Ein Gips-Apoll, ein seltenes Herbarium.
Kein Geld, sowie ein Goldfisch, nebst Aquarium.
Ein Tagebuch in Samt. Drin steht geschrieben:

"Oft bin ich nur per Zufall aufgewacht
und musste aus Versehen weiterleben.
Mir geht sogar das Sterben daneben,
und ich hatte es mir so einfach gedacht."
 
Vielleicht wäre für einen schwermütigen Lehrer statt eines traurigen Goldfisches ein munterer Kater das bessere Haustier gewesen.
 
Glückauf
kdk 
 
PS. Aufgebaut hat mich eine Mail zur Schmunzelpost über meine zunehmende Vergesslichkeit. Darin beichtet ein Leserin, dass sie nach ihrem Handy suchte - während sie gleichzeitig damit telefonierte! Hurra, bei mir ist noch Luft nach oben'!
 

Schmunzelpost 1418 vom 16. 1. 25 


Lest Ihr auch gern im Kulturteil Kritiken über neue Bücher, Filme oder Musik? Dann geht es Euch womöglich wie mir: Am besten im Gedächtnis bleiben nicht die Lobeshymnen oder sorgfältig abgewogene differenzierte Beurteilungen, sondern harsche Verrisse. Je saftiger, desto nachhaltiger! Insofern hatte ich mir aus dem Werk von Marcel Reich-Ranicki mit dem Titel "Lauter Verrisse" viel versprochen. Hatte sich der streitbare Kulturpapst doch wunderbar mit Günter Grass gefetzt und Martin Walser so geärgert, dass dieser sich mit dem Kriminalroman "Tod eines Kritikers" rächte.
 
Nun ist Ranickis Buch beileibe nicht schlecht, aber noch vergleichsweise zahm. Die kritisierten Werke haben schon viele Jahre auf dem Buckel, darunter sind auch zahlreiche Bühnenstücke, die ich nie gesehen habe. Um meinen Hunger nach krassen Urteilen zu stillen, schaute ich mich daher im Internet um und wurde schnell fündig. Kaum eine Größe aus Literatur oder Musik, die keine volle Breitseite abbekommen hat. Davor schützten selbst Nobelpreise und allgemeine Verehrung nicht.
 
So musste Bruckner über seine dritte Sinfonie einen vernichtenden Verriss lesen. Der Kritiker urteilte jedoch nicht knapp und platt: "Das Stück ist Mist!" Er drückte das viel subtiler aus und weckte gleichzeitig Neugier, einmal einen Blick in Bruckners Haus zu werfen: "Wenn es in seiner Wohnung so aussähe wie in seiner Sinfonie, dann hielte es eine wohlgeartete Hausfrau dort keine vier Tage aus!"
 
Beethoven, Verdi, Wagner und Strauss erging es keineswegs besser. Denn im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert wurde Galle gegeifert, verbal gespuckt, herumgehackt, beleidigt. Eduard Hanslick, gelernter Jurist und Österreicher, war der König der Kritikerkratzbürsten. Er wurde auch gern persönlich und ging mit griffigen Metaphern unter die Gürtellinie. Dies berichtet Thomas Leibnitz in seinem Buch "Verrisse - Respektloses über große Musik". Als Direktor der Musiksammlung der österreichischen Nationalbibliothek sitzt er an der Quelle - dort werden die alten Stänkereien aufbewahrt.
 
Wie das klang? Nun, über Brahms äußerte sich Hanslick beispielsweise so: "Wer dieses Clavier-Concert mit Appetit verschlucken konnte, darf ruhig einer Hungersnoth entgegensehen; es ist anzunehmen, daß er sich einer beneidenswerthen Verdauung erfreut und in Hungersnöthen mit einem Nahrungs-Äquivalent von Fenstergläsern, Korkstöpseln, Ofenschrauben und dgl. mehr sich vortrefflich zu behelfen wissen wird!"
 
Bis heute hat sich leider nichts geändert. Selbst über die Besten der schreibenden Zunft wird gelästert. So verdammt der gefürchtete Kritiker kdk sogar die beliebte Schmunzelpost: "Schlappe Scherzchen, unsinniger Unfug, lauter Langweiler - die Schmunzelpost hat den geistigen Nährwert eines Kochrezeptes für Schuhsohlen!"
 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1417 vom 15. 1. 25

Zwar bin ich vergesslicher geworden, aber immerhin erinnere ich mich Woche für Woche daran, mich um den Bücherschrank zu kümmern. Und wenn ich aus den überquellenden Regalen alte Schulbücher, Propaganda, Werbung und allzu mitgenommene Exemplare entfernt habe,so dass wieder halbwegs Ordnung herrscht, belohne ich mich manchmal, in dem ich für mich das eine oder andere Buch entnehme. Diesmal "Lauter Verrisse" von Marcel Reich Ranicki und das "Kleine Lexikon der SUPERLATIVE", herausgegeben "mit den besten Empfehlungen" vom Verlag Buch und Wissen.
 
Es interessierte mich sehr, was man Anfang der 1980er Jahre für wert befand, als "Einmaliges aus aller Welt" festgehalten zu werden. Dazu zählte die Frage, wieviel die Bürger unterschiedlicher Nationen im Schnitt verdienen. Und siehe da: 1982 war nach Angaben der Weltbank eine arabische Nation ganz vorn. Pro Kopf strichen die Einwohner von Kuwait durchschnittlich 20 250 Dollar ein. Mit weitem Abstand folgten dahinter die Schweizer mit 15 360 Dollar. Die Schweden rangierten auf Rang drei mit 12 250 Dollar und dann kamen schon die Bundesdeutschen mit 12 200 Dollar. Besonders arm dran am Schluss der Tabelle waren die Einwohner von Bhutan mit kümmerlichen 80 Dollar im ganzen Jahr.
 
Dieser Eintrag wirft viele Fragen auf. Der Durchschnittswessie verdiente im Monat 1000 Dollar? Brutto oder netto? Wie hoch stand der Dollar im Verhältnis zur D-Mark? Und wie sehr verzerren Milliardäre wie Elon Musk, Zuckerberg, Bezos und Co. das Bild, weil sie den Schnitt so hochtreiben, dass ihn Normalverdiener kaum erreichen können? Wenden wir uns lieber Fakten zu, die sich leichter überprüfen lassen.
 
So wird der kürzeste Familienname aus dem hinterindischen Land Burma gemeldet. Er lautet 'H. Beim längsten Familiennamen geben die Autoren zu, dass er ihnen nicht mit Sicherheit bekannt ist. Aber in Europa läge Herr Stanislav Papandovalorokomduronikolakopulovski aus Zagreb bestimmt gut im Rennen. Der arme Kerl! Hatte er einen Pass zum Ausklappen? Und was wird er gelitten haben, wenn er dauernd seinen Namen beim Einchecken buchstabieren musste?
 
Da lobe ich mir doch den Namen Krause. Nur ein einziges Mal gab es Probleme, bei der Donauradtour in Österreich: "Wos? Wie heißen's? Naa, bittschön, buchstabiern Sie dös!!" Aber das war ein übellauniger Hotelportier, für den alle Deutschen wahrscheinlich Piefke hießen. 
 
Glückauf
kdk
    

Schmunzelpost 1416 vom 14. 1. 25

 

Zerstreut bin ich schon seit langem. Schon als Kind gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf, so dass es mir schwer fiel, die Übersicht zu bewahren und alles zu erledigen, was ich mir vorgenommen hatte. Das verstärkte sich mit zunehmendem Alter. Mittlerweile bin ich so weit, dass ich mir vorher einen Zettel schreibe, wenn ich mehr als zwei Dinge aus dem Keller holen will. Sonst stehe ich minutenlang unten herum und frage mich: "Was, verdammt noch mal, fehlt denn jetzt noch?" Oder ich kehre gedankenverloren nach oben zurück und muss, wenn ich endlich die Erleuchtung habe, nochmals den beschwerlichen Abstieg in die Unterwelt antreten.
 
Nun bin ich in der Tüddeligkeits-Tabelle in eine weitere Liga aufgestiegen. Oder auch abgestiegen, wenn man das wörtlich nehmen will. Denn gestern galt es, mir gleich vier Dinge zu besorgen. Ich saß in der 1. Etage vor dem PC, als ich nach einer Email-Adresse suchte. Wo war denn die Visitenkarte der Arztpraxis? Ah ja, die steckte im Portemonnaie. Und das lag ein Stockwerk tiefer im Wohnzimmer. 
 
Wenn ich sowieso hinunter muss, dann kann ich mir gleich auch eine Decke mitbringen. Und ein Buch für die Schmunzelpost-Recherche. So, alles beisammen. Eine Flasche Mineralwasser brauche ich auch noch. Verflucht, die ist im Keller. War's das nun? Brauche ich nicht auch noch eine Visitenkarte? Klar, aber die steckt in der Geldbörse. Wo habe ich die bloß wieder hingelegt?
 
Zehn Minuten gingen für die erfolglose Suche drauf. Dann kam ich blitzartig auf die Lösung. Nun zum beliebten Ratespiel: "Aufgepasst, mitgemacht:  Suche den Fehler!"
 
Glückauf
kdk
 
PS. Für alle, deren Gehirngänge genauso einrosten, wie die meinigen: Das Portemonnaie trug ich unter der Decke bei der Suche nach ihm in meiner Hand durch die ganze Wohnung!    

Schmunzelpost 1415 vom 13. 1. 25 

Neben "ich weiß, dass ich nichts weiß" gehört Kants kategorischer Imperativ zu meinen philosophischen Leitsätzen. Allerdings habe ich ihn mir leichtfertig und versimpelt als "was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu" zusammengereimt. Nun lese ich gerade das Buch "Sätze, die die Welt verändern" von Bruno Preisendörfer und muss erfahren, dass das alles nicht so einfach ist und sich der Sokrates-Spruch einmal mehr bewahrheitet.
 
Aber, ach! Auch da musste ich dazulernen. Denn eigentlich ist das kein Original-Zitat von Sokrates, sondern ein verkürzter Spruch, der aus seiner Verteidigungsrede (Platon: Apologie des Sokrates) entlehnt wurde. Dort heißt es: „Allein dieser doch meint zu wissen, da er nicht weiß, ich aber, wie ich eben nicht weiß, so meine ich es auch nicht. Ich scheine also um dieses wenige doch weiser zu sein als er, dass ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen.“ Uff!
 
Erschwerend kommt hinzu, dass dieses bereits in der Antike bekannte geflügelte Wort falsch übersetzt wurde. Denn sinngemäß sagt Sokrates: „Ich weiß als Nicht-Wissender“ bzw. „Ich weiß, dass ich nicht weiß“. Das ergänzende „-s“ ist also falsch. Und Kant hat in verschiedenen Büchern mehrere voneinander abweichende Variationen seines Imperativs veröffentlicht.
 
Kein Wunder, dass die Philosophen nicht immer sanft miteinander umgingen. So spottete Schopenhauer über Kant, dass dieser mit seinen drei Erkenntniskräften (Vernunft, Verstand, Urteilskraft) "mancherlei symmetrisch-architektionische Belustigungen vorgenommen habe", weil Kant in seinem Verlangen nach Ordnung diese mit Ordentlichkeit verwechselt und deshalb ein "sonderbares Wohlgefallen an der Symmetrie" habe.
 
Deshalb waren auch Tätowierungen bei Kant und einigen seiner Kollegen äußerst unbeliebt, da nach ihrer Denkart alles Auffällige strikt zu meiden ist. Adolf Loos ging 1908 so weit, in seinem Vortrag "Ornament und Verbrechen" zu behaupten: "Der moderne Mensch, der sich tätowiert, ist ein Verbrecher oder ein Degenerierter. Es gibt Gefängnisse, in denen achtzig Prozent der Häftlinge Tätowierungen aufweisen. Die Tätowierten,die nicht in Haft sind, sind latente Verbrecher oder degenerierte Aristokraten. Wenn ein Tätowierter in Freiheit stirbt, so ist er eben einige Jahre, bevor er einen Mord verübt hat, gestorben." Na, da können wir ja nur hoffen, dass gut die Hälfte unserer Mitbürger eines frühen natürlichen Todes sterben, bevor sie zu Serienkillern werden.
 
Fazit: Bevor ich der völligen Verwirrung anheim falle, bleibe ich meiner Pidgin-Philosophie treu. Und vielleicht lasse ich mir einen anderen Satz von Kant auf den Rücken tätowieren: "Es ist eine große Sünde, alt geworden zu seyn, dafür man aber auch ohne Verschonen mit dem Tode bestraft wird."
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1414 vom 12. 1. 25 

Endlich, endlich ist es so weit! Ich bin wieder mit meinem regulären Desktop im Netz! Die Zeiten, wo ich mir in verkrümmter Haltung beim Schreiben am Notebook Rückenschmerzen einhandelte, sind Geschichte! Was ich in vier Stunden, am Ende sogar trotz telefonischer Beratung, nicht geschafft habe, das gelang Matthias in vier Minuten! Obwohl er sich nach eigenem  Bekunden mit Linux kaum auskannte! Na gut, er ist deutlich jünger. Und ich muss mich wohl damit abfinden, mit meinem Computer-Wissen dauernd hinterher zu laufen. Wenn ich durch Erkenntnisgewinn einen Schritt aufgeholt habe, ist die digitale Technik schon wieder drei Schritte weiter.
 
Kein Grund, die Flinte ins Korn oder die Maus aus dem Fenster zu werfen. Wie Don Quichote an der Windmühle mühen wir uns weiter. Deshalb gibt es heute ein paar Fakten zum worldweiten Web. Wusstet Ihr, dass jede Minute im Schnitt 204 Millionen E-Mails verschickt werden? Das macht fast 300 Milliarden Mails pro Tag! Und etwa 70 Prozent davon sind Spam. Der Spam-Filter ist also eine viel zu selten gewürdigte, ungemein nützliche Erfindung.
 
Das Netz krempelt auch unser Privatleben um. Rund 30 Prozent der Deutschen greifen mittlerweile bei der Partnersuche auf Online-Dating zurück. Was Folgen hat. Mehr als eine Million Babys haben Eltern, die sich über die Plattform "match.com" kennenlernten. Auch You-Tube war zunächst als Video-Dating-App gedacht und sollte ursprünglich "Tune in, Hook up" heißen. Was so viel bedeutet, wie: Schalte ein und verbinde Dich (mit jemand)! Wobei die Doppel- und Dreifach-Bedeutung von hook up wohl bewusst gewählt war. Denn hook up bedeutet auch jemand abschleppen, aufreißen oder (umgangssprachlich) mit jemand rummachen.
 
Die Konkurrenz war jedoch groß, das Konzept setzte sich nicht durch. Doch You Tube-Mitbegründer Javed Karim hatte eine Erleuchtung: Er stellte lustige Videos ins Netz und fand sofort unzählige Nachahmer. You Tube wurde zum Senkrechtstarter. Das weckte das Interesse von Google. So wechselte You Tube 2006 für 1,65 Milliarden Dollar den Besitzer. Ein Schnäppchen-Preis! Denn heute hat die erfolgreichste Video-Sharing-Website einen geschätzten Wert von 160 Milliarden Dollar.  
 
Andere technische Errungenschaften starteten ebenfalls recht sonderbar. Die erste Webcam wurde eingesetzt, um Kaffeemaschinen zu überwachen. Und was war das erste Produkt, das durch Ebay einen neuen Eigentümer fand? Ein kaputter Laserpointer!
 
Auch die Schmunzelpost hat bekanntlich bescheiden angefangen. Falls es mir jedoch eines Tages gelingt, alle Chinesen und Inder als Leser zu gewinnen, dann kann ich voller Stolz sagen, dass täglich ein Prozent aller weltweit versandten Emails aus Dorsten kommen!
 
Zhu hao yun!
(Glückauf)  
 
kdk

Schmunzelpost 1413 vom 11. 1. 25 

Warum liest Du nicht einfach die Gebrauchsanweisung oder hältst Dich an die Ratschläge aus dem Handbuch? Diesen wohlgemeinten Hinweis zur Lösung meines Computer-Problems würde ich sehr gern befolgen. Zumal er mir auch vom PC persönlich unterbreitet wird. Wenn ich dann jedoch den Link "Hilfe" klicke, zeigt sich, dass die künstliche Intelligenz wohl doch noch im Brabbel-Alter feststeckt. Denn auf die Frage, wie ich eine Verbindung zum Internet herstellen kann, wird mir empfohlen, dazu die Internet-Seite des Herstellers aufzurufen.
 
Auch sonst führt ein Blick in Gebrauchsanweisungen oft nicht weiter. Denn oft kann man mit den Begrifflichkeiten nichts anfangen, ist durch Fachvokabular überfordert oder wird selbst bei haargenauer Umsetzung aller Anweisungen in eine Sackgasse geführt. Worauf man irgendwo im Kleingedruckten die Passage entdeckt: Dieser Leitfaden gilt nicht für die Produkttypen A bis Y. Schlimmer noch ist häufig das Kauderwelsch, das bei der Übersetzung ins Deutsche herauskam. Doch das ist dann wenigstens erheiternd.
  
So fand ich in den technischen Erläuterungen eines asiatischen Herstellers folgenden wertvollen Tipp: "Nimmer diesen Monitor legen, wo der Schnur von Personen darauf spazierengehen grausam behandelt wird." Oder in der Gebrauchsanweisung für eine Luftmatratze: "Wenn das Wetter kalt ist, wird die Puff Unterlage sich langsam puffen. Entrollen die Puff Unterlage und liegen auf ihr, dann wird sie von der Wärme sich Inflationen bekommen."
 
Von geradezu lyrischer Ästhetik ist die Gebrauchsanweisung für den fünf Zentimeter großen beleuchtbaren Anstecker mit der Bezeichnung GWK 9091, zu dessen Anschaffung der japanische Hersteller gratuliert: ""Herzlichst Gluckwünsch zu gemutlicher Weihnachtskerze Kauf!" Danach läuft der Übersetzer dann zu richtig großer Form auf: 
 
"Mit sensazionell Modell GWK 9091 Sie bekomen nicht teutonische Gemutlichkeit für trautes Heim nur, auch Erfolg als moderner Mensch bei anderes Geschleckt nach Weihnachtsganz aufgegessen und länger, weil Batterie viel Zeit gut lange. Zu erreischen Gluckseligkeit unter finstrem Tann, ganz einfach Handbedienung von GWK 9091:
  1. Auspack und freu.
  2. Slippel A kaum abbiegen und verklappen in Gegenstippel B für
     Illumination von GWK 9091.
  3. Mit Klamer C in Sacco oder Jacke von Lebenspartner einfräsen
     und lächeln für Erfolg mit GWK 9091.
  4. Für eigens Weihnachtsfeierung GWK 9091 setzen auf Tisch.
  5. Für kaput oder Batterie mehr zu Gemutlichkeit beschweren an:
     wir, Bismarckstrasse 4.
Für neue Batterie alt Batterie zurück für Sauberwelt in deutscher Wald."
 
Das solltet Ihr Euch fürs Jahresende unbedingt merken. Mit dem Kauf von GWK 9091 ist Euch ein Weihnachtsfest in teutonischer Gemütlichkeit glückselig unter dem finsteren Tann garantiert. Wenn nicht, dann bitte Beschwerde an Schmunzelpost kdk 04.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Warum auch der Schluss in blauer Farbe geschrieben ist? Ich finde nicht den richtigen Befehl zur Umstellung auf die normale Schrift. Denn ich komme immer noch nicht in dieses verdammte Internet! 
 

Schmunzelpost 1412 vom 10. 1. 25 

Kann von Euch jemand für mich den Kontakt zu Boris Becker herstellen? Ich brauche dringend seinen fachmännischen Rat. Denn jetzt besitze ich zwar gleich zwei funktionsfähige Desktops, komme aber mit ihnen nicht ins Internet. Und Boris kennt sich ja bestens aus. Ich habe sein Jauchzen: "Ich bin drin! Das war ja einfach!" immer noch gut im Ohr.
 
Bei solchen Gelegenheiten wird mir schmerzlich bewusst, wie sehr wir uns an die Annehmlichkeiten des digitalen Zeitalters gewöhnt haben. Texte schreiben, korrigieren, versenden, ausdrucken? Kein Problem! Der Krankenkasse Rechnungen zur Erstattung zuschicken oder die Steuererklärung übermitteln? Schnell passiert. Eben mal nachschauen, wie lange die Kunstausstellung noch läuft und wie wir mit Bus und Bahn dorthin kommen? Ein Klacks.
 
Nur die gute alte gedruckte Zeitung bewahrt mich jetzt davor, von der Aktualität und deren Hintergründen abgeschnitten zu werden. Und das soll bitte auch so bleiben! Beim Frühstück durch E-Paper scrollen, das kommt nicht in die Tüte. Die aufgeschlagene Doppelseite, über die mein Blick gemütlich auf der Suche nach lesenswerten Texten schweift, die ich dann mit Butter- oder Kaffeeflecken zum Nachlesen markieren kann, die ist durch einen Bildschirm einfach nicht zu ersetzen.
 
Ansonsten fühle ich mich jedoch ein wenig wie ein konservativer Steinzeitmensch, der einen findigen Kollegen anschnauzt: "Feuer? Sowas neumodisches kommt mir nicht in die Höhle, ich will mein Fleisch doch nicht verbrennen!" Und auch den Erfinder des Rades hätte ich womöglich abfahren lassen: "Du hast ja keine Ahnung, was Du damit ins Rollen bringst! Unzählige Generationen sind vorher ohne solchen Schnickschnack ausgekommen! Benutze gefälligst Deinen Faustkeil zur Herstellung von Beilen und nicht für so einen Blödsinn!"
 
Moment mal, das bringt mich auf eine Idee! Das habe ich als einziges bisher nicht ausprobiert. Wenn ich den Faustkeil seitlich am PC ansetze und dort sanft zuschlage, dann...
 
Glückauf
kdk    

 Schmunzelpost 1411 vom 9. 1. 25


 Je nach Tageszeit bot gestern der Blick aus dem Fenster ein anderes Bild. Erst sonnig, dann bewölkt und schließlich Schneeregen. Dazu fällt mir kein passender erklärungswürdiger Begriff ein. Ich nehme das zum Anlass, die Wetter-Trilogie mit einem Dankeschön für die vielen unterschiedlichen Wetter-Varianten abzuschließen. 

 

Whether the weather is warm, whether the weather is hot, we have to put up with the weather, whether we like it or not.'

 So stand es bereits in meinem ersten Schulbuch für den Englisch-Unterricht. Und ich lernte daraus: Über das Wetter reden geht immer, selbst wenn man erst ein paar Brocken der Fremdsprache beherrscht. Das habe ich schon vor meiner Einschulung kapiert, denn ich war von kleinauf Ohrenzeuge solcher Dialoge:

 

"Tach! Wie isset?" "Muss! Un selbs?" "Ach, wissense, ich hab son Kopp, dat muss an dat Wetter liegen. Dat is aba auch total unnatürlich für die Jahreszeit, ne?" Und schon nimmt das Gespräch Fahrt auf. Was zunächst nach einem kurzen Geplänkel im Vorübergehen aussieht, kann sich nun zu einem schier endlosen Meinungsaustausch über die Wetterkapriolen und ihre Folgen entwickeln. Und beim ungeduldigen Knirps verdunkeln finstere Schlecht-Wetter-Wolken die Stimmung, weil das versprochene Eis in die entfernte Zukunft rückt.

 

Zum Wetter hat wirklich jeder etwas zu sagen. Oft ist es völlig untypisch, dann wieder viel zu heiß oder viel zu kalt, unangenehm windig oder quälend windstill, schon lange viel zu trocken oder aber derart nass, dass die Sonne zu einem unbekannten Flugobjekt am Himmel wird. In 98 Prozent aller Fälle gibt es etwas zu meckern, die Tage, wo fast alle mit dem Wetter zufrieden sind, kann man an den Fingern einer Hand abzählen.

 

Doch das ist ja gerade ein großer Vorteil des Wetters. Anders als zur Politik oder zum Fußball kann zu diesem Thema wirklich jeder etwas beitragen, ohne dass Gefahr besteht, sich mit anderen Leuten in die Haare zu bekommen. Es gibt aber noch einen zweiten Riesenvorteil: Man kann ohne jeden Recherche-Aufwand und ganz ohne Furcht, in irgendein Fettnäpfchen zu treten, eine Schmunzelpost aus dem Ärmel schütteln.

 

Glückauf

kdk

 

 Schmunzelpost 1410 vom 8. 1. 25

Wie sich doch die Bilder gleichen! "Uh, wat is dat schäbbich", dachte ich gestern beim Blick aus dem Fenster, nachdem es auch am Vortag schon so uselig gewesen war. Zur daraus resultierenden Schmunzelpost ergänzt Michael zu den verschiedenen regionalen Bedeutungen, dass das lustlose Herumstochern im Essen und das Auseinander-Zerren auch "fieseln" genannt wird (nicht mit dem fiseln, also dem leichten Niederschlag von oben, verwechseln). Das Unwohlsein des Rheinländers (einschließlich des dem Moerser anhaftenden, nicht abzuschüttelnden Schüttelfrostes) nennt der münsterländische Westfale auch mal "ösig". Das mag mit dem plattdeutschen "ösig weer van daage" zusammenhängen.
Dabei nur nicht dösig werden!
 
Nein, das nicht, aber bevor wir den Tag verdösen, schauen wir doch mal lieber nach, wie in den verschiedenen Ecken von NRW über Regenwetter gemotzt wird. "Meine Güte, wie das plästert!" Das versteht man überall zwischen Bielefeld und Aachen, zwischen Rheine und Siegen. Pladdern ist ebenso gebräuchlich. Doch dann geht es schon los mit den regionalen Abweichungen. Im Siegerland und im Wittgensteiner Land spricht man vom "drätschen", im Münsterland gallert es.
 
Und während man rund um Düsseldorf feststellt, dass es mal wieder kräftig meimelt, neigt der Kölner zu ordinäreren Ausdrücken. Bei ihm kann es in Strömen schiffen, pullern und sicken. Aber auch, was mir noch nie zu Ohren kam, miegen. Und in Ostwestfalen wurden Substantive zu Verben: Da kann es nach Herzenslust eimern, kübeln und plörren. Im Ruhrgebiet unterscheidet man zwischen leichtem Regen - dann is et dröppelich oder et is am dröppeln dran - und ergiebigem Dauerregen. In dem Fall ist es schäbbich, und der Kreis schließt sich: Manno, wat en usseliches Wetta!
 
Glückauf
kdk 
 

 Schmunzelpost 1409 vom 7. 1. 25

Uh, was ist das uselig! So dachte ich gestern beim Blick aus dem Fenster. Und fühlte mich bestätigt, als ich das Haus verließ. Ein stürmischer Wind pfiff mir um die Ohren, aus dunklen Wolken regnete es. Mal schwächer, mal stärker, aber vor allem ausdauernd. Ein Wetter, bei dem man redensartlich keinen Hund vor die Tür jagt.
 
Doch was bedeutet uselig eigentlich genau? Und woher kommt dieses Eigenschaftswort? Bevor ich nachschaute, hatte ich mir zusammen gereimt, dass uselig einfach eine Kurzform von gruselig sei. Doch weit gefehlt. Zuerst musste ich mich belehren lassen, dass es eigentlich "usselig" heißt. Das steht in Norddeutschland für ungemütlich, kalt und nass. Und für äußerst unangenehm. Deshalb sagt der Norddeutsche angeblich auch: "Draußen ist es usselig, also mache ich es mir drinnen muckelig!"
 
Der Duden weitet das noch aus. Sowohl räumlich, nämlich bezogen auf Nordwestdeutschland, als auch inhaltlich. Denn außer mieses Wetter zu bezeichnen, kann "usselig" auch noch den Zustand von Kleidung, einer Wohnung oder den Gesamteindruck eines Menschen brandmarken. Als unansehnlich, heruntergekommen, schmuddelig, vernachlässigt, ungepflegt oder abstoßend.
 
Und dann stieß ich auf das rheinische Wörterbuch. Dort fand sich "uselig" in der mir bekannten Schreibweise mit nur einem s. Das Wort sei "nicht nur im Gebiet von Usel verbreitet" (das gab mir Rätsel auf: Weder einen Ort Usel noch eine Region dieses Namens konnte ich entdecken), sondern fast überall zwischen Trier, Aachen, Köln, Wuppertal, Gummersbach und Kleve, sogar in Horrem, Dür und Dottel! Und, was mich sehr überraschte, da ich diese Stadt bisher nicht im Rheinland vermutet hatte, in Bochum!
 
Auch das Bedeutungsspektrum erweiterte sich beträchtlich. Uselig kann auch aussagen, dass Menschen, Tiere und Pflanzen beim Wachstum zu wünschen übrig lassen. Sie sind dann erbärmlich, elend und schwächlich. Und wenn der Rheinländer sagt: "Mech ös et su uselig", dann ist ihm nicht wohl. In Moers, Mönchengladbach und Düsseldorf kann er sogar ganz konkret unter Schüttelfrost leiden. In Erkelenz-Körrenz hingegen ist jemand einfach nur schlecht gelaunt. Und in Kempen-St. Tönnies mürrisch. Sowie in Ottweiler-Tholey ungeduldig. Und wenn in einem Gasthaus in der Eifel über Euch gesagt wird, dass Ihr uselig seid, dann habt Ihr Euch beim Essen zu geziert und wählerisch angestellt und nur das herausgepickt, was Euch schmeckt.
 
Ich muss sagen, angesichts dieser verwirrenden Vielfalt ist mir nun ganz uselig, und ich muss mich bis zur nächsten Schmunzelpost erstmal erholen.
 
Glückauf
kdk   

 Schmunzelpost 1408 vom 6. 1. 25

Für die heutige Schmunzelpost habe ich mir nicht die Zunge, sondern den Kopf zerbrochen. Wie kann es sein, fragte ich mich, dass so viele Themen nach fünf Jahren noch genauso relevant sind? Weil ich gegenwärtig mal wieder mit meinem PC kämpfe und versuche, den (oder das?) reparierte Desktop wieder ans Netz anzuschließen, war ich in einem alten Verzeichnis auf einen Text gestoßen, den ich kurz vor dem Jahreswechsel 2020 geschrieben habe. Darin wagte ich eine Vorschau auf die kommenden Monate. Und siehe da: Es ging um lauter Personen und Probleme, die uns 2025 beschäftigen - von Donald Trump über die AfD bis zum Klimawandel. Hier ein überarbeitetes Update für die nächsten Monate:
 
Ende Januar: Ein schweres Unglück ereignete sich am Obersalzberg. Dort hatte sich die AfD-Führungsspitze zum Gipfeltreffen versammelt, war dann aber komplett unter einer gewaltigen Lawine begraben worden. Bei der Suche nach Überlebenden konnte bisher nur ein einziges Fähnchen mit der Aufschrift: "Klimawandel? Gibt's nicht!" geborgen werden. Nach Ansicht von Experten wurde die Lawine durch die Gletscherschmelze ausgelöst.

Anfang Februar: Wie erst jetzt bekannt wurde, hat Boris Johnson, Ex-Premierminister von Großbritannien, Ende 2024 auf seinen Antrag hin die deutsche Staatsbürgerschaft erlangt. Der Neu-Deutsche plant nun sein politische Comeback und sorgte mit einer Pressekonferenz für einen Paukenschlag: Er will bei der Bundestagswahl als Kanzlerkandidat für die FPD antreten! Johnson: "Die Ampel hat ein komplettes Durcheinander hinterlassen. Und dem politischen Führungspersonal hierzulande fehlt es an der nötigen Klasse. Nur ein erfahrener Chaos-Experte wie ich kann Deutschland jetzt noch auf Kurs bringen und mit dem Dexit aus der EU befreien!" Elon Musk werde seinen Wahlkampf unterstützen.

Ende Februar: Die Wahlen am 23 Februar endeten mit einer riesigen Überraschung. Nach der Kampfansage von Boris Johnson hatte sich ganz kurzfristig die SfD formiert, eine neue Partei namens "Sympathieträger für Deutschland". Aus dem Stand holte die SfD die absolute Mehrheit. Der neue Bundeskanzler wird nun Günter Jauch heißen.
 
Anfang März: Die Verhandlungen über einen Frieden in der Ukraine zwischen Donald Trump und Wladimir Putin sind in letzter Minute gescheitert. Nachdem beide sich schon darauf geeinigt hatten, die Rest-Ukraine als neutralen Staat unter die Aufsicht von Statthalter Richard Grenell zu stellen, lehnten sie Bagatell-Forderungen des jeweils anderen ab. Putin hatte verlangt, dass die USA Alaska an Russland zurückgeben müsse ("Das ist uralter russischer Boden. Wir erkennen den Verkauf an Alaska von 1867 nicht an - der CIA hatte unseren Zar unter Drogen gesetzt"). Trump hingegen bestand darauf, dass Russland künftig Flüssig-Gas aus den USA importieren solle.

Ende März: Nachdem Mitte März im Netz aufgetauchte Videos für Unruhe und Empörung in den USA gesorgt hatten, die Donald Trump als Sexsklaven von russischen Prostituierten zeigten, sprach der US-Präsident ein Machtwort: "Alles Fake-News! Um die Verbreitung auszuschließen, setze ich einen unabhängigen Fachmann als Kontrolleur aller US-Medien ein. Elon Musk wird sich darum kümmern und einen sensationellen Job machen! Außerdem werden alle Verfahren gegen mich eingestellt und Ermittlungen gegen die daran beteiligten Staatsanwälte eingeleitet. At last the best News: Ich ernenne mich hiermit zum Präsidenten auf Lebenszeit. God bless Amerika!"

April: Da bereits im März in den Alpen Tauwetter einsetzte und im April die Temperaturen auf mehr als 30 Grad stiegen, sind jetzt die sterblichen Überreste der AfD-Spitze ans Licht gekommen. Dabei stellte sich heraus, dass nicht alle Opfer  durch die Lawine ums Leben kamen. In Bernd Höckes Schädel steckte eine Axt, in deren Stiel jemand "Rache für Frauke - Kommando FP" geritzt hatte. Tino Chrupalla soll mit einer Gauland-Krawatte erwürgt worden sein, an der Fingerabdrücke von Maximilian Krah gefunden wurden. Und Alice Weidel ist vermutlich in ihre eigene Giftspritze gefallen.

Mai: Weil die Temperaturen in Dorsten mittlerweile auf konstant 45 Grad gestiegen sind, hat der RVR auf seine Deponiepläne für die Hürfeld-Halde verzichtet. Das Abraum-Gebirge soll nun zum Weinanbau genutzt werden. Auch der Dorstener Stadtrat zog Konsequenzen aus der Hitze: Zu Rats- und Ausschusssitzungen dürfen die Gremienmitglieder ab sofort in Badebekleidung erscheinen. Nun wird befürchtet, dass dadurch die Politikverdrossenheit noch weiter steigt

Juni: Zum Schluss wenigstens eine gute Nachricht. Wie Fifa und UEFA hat sich jetzt auch der DFB zu einer Reform entschlossen. Vereine mit den höchsten Mitgliederzahlen sollen künftig Anspruch auf einen festen Stammplatz in der Ersten Bundesliga haben. Während in Heidenheim und Elversberg die Flaggen auf halbmast gesetzt wurden, gab es in Nürnberg, Hamburg und auf Schalke spontane Jubelkundgebungen. 
 
Glückauf
kdk
 
PS. Martin liefert noch einen Zungenbrecher nach, der aber nur scheinbar französischen Ursprungs ist. Wer ihn laut liest, kommt vielleicht hinter die wahre Quelle:  "Si n'aimez si de fils d'avec, si laquelle si d'ami cher! Was heißt das? --- Lösung: es handelt sich nicht um französisch, sondern um französisch "angestrichenes" Bayerisch: Sie, nehme Sie de Fiß da weg, Sie Lackel, Sie damischer!"
 

 Schmunzelpost 1407 vom 5. 1. 25 

Zur gestrigen Zungenbrecher-Schmunzelpost kam eine Zuschrift aus Wulfen. Darin hieß es: "Das Ganze lässt sich noch steigern, wenn man die Sprache wechselt: The shells she sells are surely seashells.So if she sells shells on the seashore, I'm sure she sells seashore shells." Und was fällt mir dazu ein: Muss ich bald wieder tanken? Shall I think of Shell? No! Ich denke lieber darüber nach, welch schöne Zungenbrecher es in anderen Ländern gibt.
 
Zum Beispiel in Ungarn, dessen Sprache für Mitteleuropäer auch ohne zungenbrecherischen Vorsatz eine Herausforderung ist. Womöglich liegt es daran, dass wir Viktor Orban einfach nicht verstehen können. Obwohl der sowas gar nicht sagt: Öt török ​​ördög öt görög ördögöt dögönyöz örökös örömök közt. Dabei geht es um fünf türkische Teufel, die fünf griechische Teufel schlagen. Aber auf ungarisch klingt das viel schöner.

Noch schwieriger ist folgender Zungenbrecher, bei dem mir schon beim Lesen schwindelig wird: Szeretnék szeretni, szerelmet szerezni. Szerelmes szívemet szívednek szegezni. Szólj hát szaporán szívemnek szerelme, szerelmes szívedet szeretni szabad-e. Da traue ich mich gar nicht erst, es zu übersetzen, geschweige denn auszusprechen. Es geht irgendwie um Herz und Liebe.
 
Apropos: Herzliche und liebe Glückwünsche gehen heute nach Rhade. Dazu versuche ich einen Zungenbrecher, der allerdings  auf Krücken daher kommt: Viele feiern fröhliche Feste, falls viele Festgäste feste fröhlich feiern! Vorwiegend fünf Feiergeier feixen freudig: Fegina feiert am Fünften den Fünfundfünfzigsten!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Mit der Jahresangabe könnte ich mich vertan haben. Ich glaube, Regina ist jünger.   
 

 Schmunzelpost 1406 vom 4. 1. 25

Zungenbrecher ist ein brutales Wort. Doch wenn man versucht, die so bezeichneten Wörterketten schnell und fehlerfrei auszusprechen, dann kommt man gleich dahinter, warum diese Bezeichnung passend ist. Habt Ihr die Rhabarbarbara mal laut gelesen? Und? Habt Ihr das in einer Zeit unter zwei Minuten ohne Versprecher geschafft? Dann seid Ihr fit und könnt Euch heute neuen Herausforderungen stellen. 
 
Aber nix mit "Fischers Fritze" oder "Blaukraut bleibt Blaukraut". Wir legen die Latte etwas höher. Zum Aufwärmen starten mit einem leichteren Spruch:  "Als wir noch in der Wiege lagen, gab's noch keine Liegewagen. Jetzt kann man in den Wagen liegen und sich in allen Lagen wiegen." Geht doch, oder? Nun bitte etwas mehr Gas geben:  "Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen, die sich in die Rippen stippen, bis sie von den Klippen kippen."
 
Darf es noch ein bisschen anspruchsvoller sein? Dann mal los: "Junge jodelnde Jodler-Jungen jodeln jaulende Jodel-Jauchzer - jaulende Jodel-Jauchzer jodeln junge jodelnde Jodler-Jungen." Kriegt Ihr das auch auswendig hin? Und nun zu dem Zungenbrecher, den ich persönlich am schwierigsten finde: "Zwischen zwei Zwetschgenzweigen sitzen zwei zechenschwarze tschechisch zwitschernde Zwergschwalben."
 
Wenn Ihr mit oder ohne ärztliche Hilfe den Knoten aus Eurer Zunge wieder gelöst habt, dürft Ihr zur Entspannung noch den heutigen Rausschmeißer aufsagen: "Wenn dein Dackel zu meinem Dackel noch mal Dackel sagt, kriegt dein Dackel von meinem Dackel so eine gedackelt, dass dein Dackel nicht mehr Dackel sagen kann!"
 
Glückauf
kdk
 

 Schmunzelpost 1405 vom 3. 1. 25

 Nachdem ich mich in der gestrigen Schmunzelpost hemmungslos in schierem Nonsens gesuhlt habe, begebe ich mich heute auf das Feld seriöser Fakten zurück. Gestern war an dieser Stelle auch die Rede von einer gewissen Rhabarber-Barbara. Diese Zungenbrecher-Geschichte, die von Bodo Wartke vertont und zum Hit wurde, ist jedoch gewissermaßen Bestandteil der Kulturgeschichte und hat sogar einen recht ausführlichen Eintrag bei Wikipedia. 

 

Bei der Lektüre erfährt der staunende Leser beispielsweise, dass Wartke am 18. Dezember 2023 sein Rhabarberbarbara-Video ins Netz stellte und damit auf Tiktok, der globalen Kulturplattform Nummer eins, weltweit 55 Millionen Aufrufe erzielte. Und zwei junge Australierinnen, die dazu in ihrem Netzbeitrag tanzten, kamen zusätzlich auf 15 Millionen Klicks. Die New York Times konstatierte überrascht, dass der Streaming-Hit sogar in den Charts für kurze Zeit vor Beyonce rangierte. 

 

Doch durch und durch deutsch ist die gute Barbara offenbar nicht. Denn im niederländischen Sprachraum ist der Zungenbrecher bereits seit den 1950er Jahren verbreitet.  Eine frühere holländische Veröffentlichung über die  Rabarberbarbarabarbarbierbarbaren stammt sogar aus dem Jahr1935. Aber obwohl die Herkunft des Original-Textes bis heute ungeklärt ist, führt die Spur in Deutschland noch weiter zurück in die Vergangenheit. Bereits 1915 war in der "Neuen Oberhausener Zeitung" vom „Rhabarberbarbarismus“ und „Rhabarberbarbarei“ die Rede! 

 

Doch nun kommt der Hammer, der mich kurz an der Glaubwürdigkeit von Wikipedia zweifeln ließ. Dort heißt es tatsächlich: "So wurde bereits bei Ausgrabungen in Pompeji die lateinische Wandinschrift „barbara barbaribus barbabant barbara barbis“ gefunden,[ deren Sinn dunkel bleibt." 

 

Glückauf 

kdk 

 

PS. Bevor diejenigen, die den Text womöglich noch nicht kennen, in Unwissenheit sterben, hier die meistverbreitete Fassung: 

 

Rhabarberbarbara 


In einem kleinen Dorf wohnte einst ein
Mädchen mit dem Namen Barbara.
Barbara war in der ganzen Gegend für
ihren ausgezeichneten
Rhabarberkuchen bekannt. 

Da jeder so gerne Barbaras
Rhabarberkuchen aß, nannte man sie
Rhabarberbarbara. 


Rhabarberbarbara merkte bald,
dass sie mit ihrem Rhabarberkuchen
Geld verdienen könnte.
Daher eröffnete sie eine Bar:
Die Rhabarberbarbarabar. 


Natürlich gab es in der Rhabarberbarbarabar
bald Stammkunden.
Die bekanntesten unter Ihnen, drei Barbaren,
kamen so oft in die Rhabarberbarbarabar
um von Rhabarberbarbaras
Rhabarberkuchen zu essen,
dass man sie kurz die
Rhabarberbarbarabarbarbaren nannte. 


Die Rhabarberbarbarabarbarbaren
hatten wunderschöne dichte Bärte.
Wenn die Rhabarberbarbarabarbarbaren
ihren Rhabarberbarbarabarbarbarenbart
pflegten gingen sie zum Barbier.
Der einzige Barbier der einen
Rhabarberbarbarabarbarbarenbart
bearbeiten konnte wollte das natürlich
betonen und nannte sich
Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbier. 


Der Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbier
kannte von den Rhabarberbarbarabarbarbaren
Rhabarberbarbaras herlichen Rhabarberkuchen
und trank dazu immer ein Bier, das er liebevoll
Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbierbier nannte.
Das Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbierbier
konnte man nur an einer ganz bestimmten Bar kaufen.
Die Verkäuferin des Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbierbieres
an der Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbierbierbar
hieß Bärbel. 


Nach dem Stutzen des Rhabarberbarbarabarbarbarenbarts
geht der Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbier
meist mit den Rhabarberbarbarabarbarbaren
in die Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbierbierbar
zu Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbierbierbarbärbel
um sie mit zur Rhabarberbarbarabar zu nehmen
um mit etwas Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbierbier
von Rhabarberbarbaras herrlichem
Rhabarberkuchen zu essen. 

 

Schmunzelpost 1404 vom 2. 1. 25 

Ulla war er zuerst ins Auge gesprungen, der Moppkopf-Power-Mop. Zum Glück nicht in natura und wörtlich, sondern bloß beim Blick in eine Werbebeilage. Dort ist der Topp-Mopp Bestandteil des Bodenwischer-Sets "3in1". Moppkopf-Power-Mop! Oh, dachte ich, ganz schön viel "o"s. Wenn Ernst Jandl das noch erlebt hätte, dann wäre sein berühmtes Gedicht über Ottos Mops wohl noch um eine Strophe länger geworden. Und die Rhabarber-Barbara hätte das ideale Putzgerät für ihre Bar gefunden.
 
Nun bin ich kein Jandl, aber solch einer moppkopfpowervollen Herausforderung kann ich nicht widerstehen. Denn sofort bohnert da der Hamster in meinem Kopf - natürlich mit dem Moppkopf-Power-Mop!
 
Ob ihr wohl wie onseroner oft den Folm "Robo-Cop" im Lochtspolhaus ongeschot habt? Der Robo-Cop wohnt im Kontonont Ontorktis im Wohnwogen. Ormes Opfer! Dort ist der Robo.Cop osoliert ond onsam. Robben oder Pongoine als Kompels sond ode. Robo-Cop hofft auf eine Onkologin. Doch auf Tonder: Fohlonzeige! Robocop wonts more. Ond benotzt Google. Doch im Google-Protokoll ordnen sich bloß Chromosomen und Zoologen on, aber no Go-go-Görls.
 
Robocop schmollt, intoniert ein Hornsolo ond looks in sein Horoskop. Omsonst! Bevor Robocop go into a Torfmoor, he goes online. Ongloblich! Er ordert sofort den Moppkopf-Power-Mop. Ond voll Power moppt Robocop mit dem Moppkopf-Power-Mop op und ab. Ond non weißt Du, worum die Ontorktis so sauber ist!
 
Oh, oh, oh, sogst Do? Folsch! In Moppkopf-Power-Mop gibt es vier o.
 
Glückauf
kdk  
  

 Schmunzelpost 1403 vom 1. 1. 25


Was war das bloß für eine Nacht! Schlag zwölf, da war der Himmel bunt. 

An allen Ecken hat's gekracht, bis halb drei morgens ging es rund. 

 

Ich dachte traurig drüber nach, wieviel Millionen man verschwendet 

für einen blöden alten Brauch, der dann in einem Müllberg endet. 

 

Und morgens früh am Neujahrstag, da ist der Zauber längst verpufft. 

Was ich nun jedoch gar nicht mag, dass sind die Gifte in der Luft. 

 

Auch viele Tiere sind verstört, das Böllern trieb sie in die Flucht. 

Das Rufen bleibt meist ungehört, oft wird nun tagelang gesucht. 

 

Wo mag der rote Kater sein? Ging er uns ganz verloren? 

Er stellt sich endlich schnurrend ein: Musik in uns'ren Ohren! 

 

Denn merke: Katzenmaunzen ist auf jeden Fall 

viel schöner als der größte Knall. 

 

Glückauf 

kdk

Schmunzelpost 1402 vom 31. 12. 24

Kräfte bündeln und Synergie-Effekte nutzen! Das ist der Weg für 2025, den ich bereits am letzten Tag des alten Jahres einschlage. Heute verbinde ich nämlich die Tintenhuhn-Tradition der Festtags-Geschichte mit der Stoffproduktion für die Rhade-Lesung am 27. Februar. Es geht darum, verhängnisvollen Entwicklungen nicht tatenlos zuzusehen, sondern Maßnahmen zu ergreifen, auch wenn sie noch so verwegen erscheinen. Dazu der nachfolgende Dialog zwischen einem Rhader und einem Deutener, die Ende Januar 2025 einen völlig verregneten Tag dazu nutzen, gemeinsame Tintenhuhn-Erinnerungen aufzufrischen.
 
S: Sag mal, Bertold, Du wohnst doch mitten in einem münsterländischen Dorf. Wieso kürst Du eigentlich kein Platt, sondern klingst ab und zu wie der Bruder von Herbert Knebel?
 
B: Hömma, dat kann ich Dich verraten, wol. Ich komm nämlich aus Duisburch, von da, wose im Pott den Stahl gekocht ham.
 
S: Und? Wie kommst Du mit den Rhader Poahlbürgern aus?
 
B: Ganz gut. In Rhade gibt's 'ne Menge Zugezogene. Dat is bei uns son bisken Multi-Kulti. Nur als ich zwischen den ganzen Schalke-Fahnen die MSV-Flagge aufgezogen hab, da hamse erst schief geguckt. Aber insgesamt is Rhade schon schön - und deshalb will ich auch ein bisken davon retten.
 
S: Retten? Wieso das denn? Hat man hier Erdgas entdeckt? Oder soll der Ort abgerissen werden, weil er schon wieder nicht bei "unser Dorf soll schöner werden" gewonnen hat?
 
B: Viel, viel schlimmer. Erstmal gießt dat schon seit einer Woche wie aus Eimern. Und dat soll noch viel dicker kommen. Für die nächsten Wochen ist ein Wolkenbruch nach dem anderen vorhergesagt. Tja, und dazu gibt's noch ein böses Omen: Fast alle Jungs, die jetzt bei uns zur Welt kamen, heißen Noah! Dat kann doch kein Zufall sein!
 
S: Wie meinst Du das?
 
B: Na, zähl bloß eins und eins zusammen. Der liebe Gott ist sauer darüber, wie wir mit seinem schönen Planeten umspringen. Und daher schickt er uns jetzt eine neue Sintflut. Deshalb will ich schnell noch die Rhader Arche bauen. Und Du sollst mir dabei helfen.
 
S: Ich?
 
B: Ja, Du. Du bist doch handwerklich sehr begabt.
 
S: Ja, ja, das schon. Aber als Rentner hab ich bisher bloß an die tausend Vogelhäuschen gebaut.
 
B: Dat is doch ein guter Anfang. Wir wollen nämlich von die heimische Tierwelt je ein Paar retten, verstehsse?
 
S: Eu joi joi! Da habt Ihr Euch aber was vorgenommen! Es gibt 'ne Menge Viecher hier auf dem Land.
 
B: Dat kanze wohl sagen! Wir haben auch schon angefangen. In dem Topf, aus dem Du gerade Nüsse isst, wohnt unten auf dem Grund ein Paar Regenwürmer.
 
S: Igitt! Worauf muss ich mich bei Euch denn noch gefasst machen?
 
B: Sei vorsichtig, wenn Du ins Bad gehst. Da habe ich zwei Wildschweine untergebracht. Meine Frau hat auch erst etwas sparsam geguckt. Aber dafür haben wir uns an die Rehe und Eichhörnchen im Schlafzimmer schon gewöhnt. Nur, wenn ich nachts mal raus muss, heißt es aufpassen: Bloß nicht auf einen Igel treten!
 
S: Donnerwetter, Ihr meint das wirklich ernst.
 
B: Ja, sicher. Ich hab auch schon einen Bauplan gemacht. Gar nicht so einfach. Du solltest zum Beispiel den Fuchs nicht mit Hasen und Gänsen einquartieren. Und dann brauchen wir einen hermetisch abgeriegelten Raum für ein sehr gefährliches Tier.
 
S: Was denn für eins? Es gibt in Rhade doch keine Kobras, oder?
 
B: Viel, viel gefährlicher! Er darf uns auf keinen Fall unter Deck entwischen, der Holzwurm!
 
S: Na ja, zum Glück gibt es bei Euch weder Bären noch Löwen. Auch Giraffen wären problematisch.
 
B: Dafür hat sich ein anderes Problem von selbst gelöst. Ich wollte nämlich ein Aquarium anschaffen für unsere Koi-Karpfen. Da hat aber meine Frau gefragt: Bist Du eigentlich plem-plem? Die können doch draußen schwimmen! Damit sind Fische und Frösche schon mal raus.
 
S: Na, gut, schieb die Pläne mal rüber. Mal schauen. Hmm, das müsste in einer Woche zu schaffen sein, wenn die Jungs vom Heimatverein alle mit anpacken. Aber einen grundlegenden Vorbehalt habe ich noch.
 
B: So? Welchen denn?
 
S: Hier, bei der Namensgebung. Also, ich würde die Rhader Arche auf gar keinen Fall "Titanic" nennen!
 
Ich wünsche Euch einen guten Start ins Neue Jahr! Und wenn wir alle unser möglichstes tun, dann gibt's vielleicht ein bisschen Hoffnung, dass die Zukunft doch nicht ganz so schlimm wird wie befürchtet.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1401 vom 30. 12. 24

Dass der Jahreswechsel sich anpirscht, dafür gibt es eine Menge Anhaltspunkte. Zum Beispiel Grußbotschaften, die oft mit Abbildungen von Glücksbringern verknüpft sind. Bei mir ist bereits die erste Karte mit einem vierblättrigen Kleeblatt angekommen. Und ich rechne fest damit, dass ich es wie in den Vorjahren noch mit Schornsteinfegern, Hufeisen, Glückspfennigen und einer ganzen Rotte von Schweinchen zu tun bekomme. 
 
Wieso aber sollte mir solch ein Kleeblatt Glück ins Haus bringen? Nur, weil Exemplare mit vier Blättern so selten sind? Das aber, liebe Leute, die ihr im Naturkunde-Unterricht nicht richtig aufgepasst habt, liegt jedoch nur daran, dass es sich gar nicht um echte Kleeblätter handelt. Denn von dieser als "Trifolium" bezeichneten Pflanze gibt es zwar mehr als 200 Arten, aber die haben allesamt bloß drei Blätter. Nur eine entfernte Verwandte, die botanische Gattung "Oxalis tetraphyllis", hat stets vier Blätter. Okay, die wird auch als Sauerklee bezeichnet, also wollen wir das mal durchgehen lassen.
 
Aber nochmal, was verleiht diesen Blättchen ihren besonderen Status? Dafür müssen wir uns ins Reich der Legenden begeben. Denn eine Geschichte, die allerdings nicht in der Bibel steht, besagt, dass Eva bei ihrer Flucht aus dem Paradies solch ein vierblättriges (Sauer-) Kleeblatt als Andenken mit ins triste irdische Dasein geschmuggelt hat. Und so ein paradiesischer Talisman steht deshalb bei vielen Menschen hoch im Kurs. 
 
Beim Hufeisen ist der Grund handfester Natur. Einst sagten sich die Leute: "Donnerwetter, so ein Pferd erträgt es gelassen, dass alle vier Pfoten mit glühendem Eisen beschlagen werden - so ein Hufeisen schützt wohl vor Schmerzen und wird auch mir Glück bringen!" Der Kaminkehrer, so glaubte man, befreite den Schornstein nicht nur vom Ruß, sondern trieb nebenbei auch noch die bösen Geister aus. Und der Glückspfennig? Nun, aus einem kleinen Saatkorn soll eine reiche Ernte entspringen, der Pfennig bringt also Wohlstand ins Haus. Am besten sperrt Ihr ihn mit einem Bündel Hunderter in den Safe, dann steht einer ungezügelten Vermehrung nichts mehr im Weg.
 
Bleiben noch die Schweinchen. Ferkel sind putzig, vor allem, wenn sie auch noch Babe heißen. Schweine sind neugierig, intelligent und sogar kreativ. Trotzdem werden sie oft total verkannt, galten als schmutzig und sündig und mussten, wahrlich eine Schweinerei, mit ihrem guten Namen als Schimpfwort herhalten. Dabei waren sie lange Zeit ein Symbol für Wohlstand. Sie machten ihre Besitzer reich, indem sie sich reichlich vermehrten und beim Fressen mit allem begnügten, was in der Küche übrigblieb. Nicht von ungefähr wurde der Heilige Antonius stets von einem Schwein begleitet.
 
Deshalb solltet Ihr im Neuen Jahr öfter mal auf Euer Schnitzel verzichten. Zu Silvester dürft Ihr aber nochmal ruhig ein komplettes Schwein verzehren. Das wird Euch bestimmt Glück bringen - jedenfalls, wenn es aus Marzipan war.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1400 vom 29. 12. 24

Zappen durch die TV-Programme gehört nicht zu meinen Gewohnheiten. Eher zufällig bin ich daher am Freitagabend auf eine Sendung des WDR gestoßen, in der es um die 25 Dinge ging, die hierzulande die Menschen besonders mit früheren Lebensphasen verbinden - vom Arschgeweih bis zum Käse-Igel. Mal abgesehen davon, dass bei der Befragung von mehr als 1000 Leuten das Tamagotchi im Vorderfeld platziert war, bestätigte sich meine Vermutung, wie verfressen wir anscheinend sind. Platz drei: Spaghetti-Eis, Platz zwei: Döner, Platz eins: Curry-Wurst.
 
Mehr Stoff zum Kramen in eigenen Erinnerungen lieferte mir ein Requisit, das ich selbst niemals besessen habe: Das Poesie-Album. Na klar, das war eher Mädchenkram. Aber immerhin bin ich zweimal gebeten worden, mich mit einem Spruch zu verewigen. Da ich darauf nicht vorbereitet war und keinen der üblichen Verse parat hatte, musste ich mir selbst schnell etwas ausdenken. Deshalb griff ich spontan auf das Abendgebet zurück, das ich mit sechs vor dem Schlafengehen aufsagte. Doch da ich nun immerhin schon fast zwölf Jahre zählte und die Bittstellerin das erste Mädchen war, dass es in meinen Freundeskreis geschafft hatte, schrieb ich am Ende etwas abgewandelt: "Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Du ganz allein!"
 
Dieser Reim beeindruckte nicht nur Elke, sondern auch ihre beste Freundin. Prompt hielt sie mir ebenfalls ihr Poesiealbum hin. Jetzt war guter Rat teuer. Nach längerer Denkpause kritzelte ich hinein: "Deiner Freundin Elke schenk ich eine Nelke. Und hätte ich mehr Zaster bekämst Du eine Aster." Danach bin ich nie wieder aufgefordert worden, meine blumige Poesie in anderen Alben zu hinterlassen.
 
Für Euch mache ich heute eine Ausnahme und schreibe, ein bisschen schleimig, wie sich das gehört, in Euer Schmunzelpost-Poesie-Album:
 
Liebe Leserin, lieber Leser,
von der Lippe bis zur Weser,
und vom Osten bis zum Westen,
seid Ihr für mich die Besten! 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1399 vom 28. 12. 24

 Habt Ihr die Meldung auch gelesen? In Schweden saßen drei Freunde beisammen und aßen. Schließlich war nur noch eine Kaper übrig, die der Älteste des Trios für sich beanspruchte. Doch sein jüngerer Kumpel verschlang sie vor seinen Augen. Darüber regte sich der Kapern-Liebhaber derart auf, dass er sein Jagdgewehr holte und dem Kapern-Schlucker in den Fuß schoss.
 
Ich nehme mal an, dass nicht nur Kapern im Spiel waren, sondern auch Alkohol. Dennoch ist der Sockenschuss für mich ein weiteres Indiz, dass heutzutage offenbar die Nerven allzu schnell blank liegen. Die Zündschwelle wird immer niedriger. Als Ventil nutzen Abertausende das Internet, um oft wegen Kleinigkeiten Hass und Wut über andere auszuschütten. Total daneben in der Wortwahl, völlig unverhältnismäßig zum Anlass.
 
Im Zeitalter der Aufgeregtheit wundert es mich daher nicht, dass laut einer Studie 70 Prozent der Menschen mit Gegenständen reden und ihrem Zorn durch lautstarke Beschimpfungen von toten Dingen Luft machen. Bei fünf Prozent von ihnen artet das sogar in Handgreiflichkeiten aus. Na ja, immer noch besser, als Menschen zu beleidigen oder in den Fuß zu schießen.
 
Wie das bei mir ist? Ja, auch ich übe mich in Schimpftiraden, wenn mein Computer wieder mal nicht so will wie ich und ich nach etlichen vergeblichen Versuchen meinen verloren gegangenen Text nicht wiederfinden kann. Aber ich habe festgestellt, dass weder mit Lautstärke noch mit ausgewählten Beleidigungen oder Tätlichkeiten etwas zu machen ist. Anders als früher: Bei der ersten Generation unserer Redaktions-Computer half manchmal ein wohldosierter Klaps, dass das Ding seine Arbeit wieder aufnahm. Die neueste Generation ist jedoch so ausgebufft, dass sie höhnisch zu blinken beginnt und mich mit Sprüchen wie "haben Sie etwas Geduld und starten Sie den Vorgang von Neuem" zur Weißglut treibt.
 
Daher habe ich mich jetzt darauf verlegt, meinem Gerät gut zuzureden. Vielleicht ist künstliche Intelligenz ja empfindlich und reagiert auf Schmeicheleinheiten? "Ja, mein Guter, Du bist und bleibst mein bestes Stück, auch wenn Du mal eine wohlverdiente Pause einlegst. Ich wäre Dir aber unendlich dankbar, wenn Du meine 150 Zeilen in absehbarer Zeit wieder herausrückst und darauf verzichtest, mich abwechselnd mit Fehlermeldungen oder mit Anzeigenseiten zu irritieren. Nun mach schon, mein Alter, wir gucken dann auch gemeinsam eine Runde Katzenvideos, die Du so süß findest, dass Du sie mir dauernd ungefragt einblendest." Allerdings gebe ich zu, dass ich nach 60 Minuten anhaltendem Säuseln das Süßholzraspeln abrupt einstelle und meinen Redeschwall mit dem markanten Satz: "Und wenn Du jetzt nicht endlich gehorchst, Du Miststück, dann kommst Du demnächst in den Elektroschrott!" beende.
 
Falls dieser Text aus irgendeinem Grunde Euer Missfallen erregt hat, dann bitte ich Euch von Herzen: Kein böses Wort zu Eurem Computer, er ist bloß der Überbringer der Botschaft.
 
Glückauf
kdk   

Schmunzelpost 1398 vom 27. 12. 24 

Zur Lösung der bohrenden Weihnachtsmann-Frage empfiehlt Andy den Film "Artur Weihnachtsmann". Damit ist dieses  Thema erst einmal abgehakt und wir wenden uns dem drohenden Jahreswechsel und der Furcht vor einer finsteren Zukunft zu. Um nicht völlig überrascht zu werden, nützt vielleicht ein Blick in die Vorhersagen besonders hellsichtiger weiser Menschen.

 

Beginnen wir mit einer zuverlässigen Quelle, auf die auch die führende Programmzeitschrift "Prisma" vertraut. Die berühmte bulgarische Wahrsagerin Baba Wanga ist zwar bereits im August 1996 in Sofia verstorben, was sie bestimmt selbst vorausgesehen hat, da sie auch den Tod von Prinzessin Diana vorher prophezeite. Aber sie hat noch zu Lebzeiten auch einen Blick auf das Jahr 2025 geworfen. Dazu muss man wissen, dass Baba Wanga in ihrem zwölften Lebensjahr erblindete, als sie ein Tornado hinweggefegte. Dieses dramatische Ereignis weckte jedoch ihre speziellen übersinnlichen Fähigkeiten. Daher sollten wir ihre Weissagung sehr ernst nehmen!

 

Und Baba Wanga verheißt uns nichts Gutes. Im kommenden Jahr, so sah die Bulgarin voraus, beginnt das Ende der Menschheit. Eine Kette von Katastrophen läutet den Untergang ein. Dazu trägt ein verheerender Konflikt in Europa bei, der die ganze Welt erschüttern wird. Wie seriös Baba Wangas Aussagen sind, erkennt man allein schon an der hohen Wahrscheinlichkeit, dass auch ihre weiteren Vorhersagen für 2025 zutreffen dürften. So werden wir im nächsten Jahr in die Lage versetzt, miteinander telepathisch kommunizieren. Und während eines großen Sportereignisses werden uns Außerirdische besuchen!

 

Im Gegensatz zur Untergangs-Prognose steht die eher optimistische Vorausschau der Numerologin Kuralai Bakhytkyzy aus Kasachstan. Numerologen arbeiten quasi wissenschaftlich, weil sie ihre Schlüsse aus der Zahlenanalyse ziehen. Und die Zahlen meinen es gut mit uns: 2025 wird der Ukraine-Krieg enden und den Weg für ein friedliches Jahr ebnen. Da 2025 nach dem chinesischen Kalender dem "Jahr der Schlange" entspricht, so Kuralai weiter, soll dieses Totem zudem Reichtum und Weisheit bescheren.

 

Ja, was denn nun? Muss man alles selber machen? Meinetwegen. Ich habe meine Glaskugel hervorgeholt, gründlich poliert und hinein geblickt. Nun kann ich Euch mit großer Gewissheit zumindest etwas vorhersagen: Auch 2025 wird es wieder täglich eine neue Schmunzelpost geben!

 

Glückauf

kdk 

 

 Schmunzelpost 1397 vom 26. 12. 24

Die Weihnachtsgeschichte kenne ich schon seit mehr als 60 Jahren. Daher blieb Zeit, über bisher ungelöste Mysterien des Festes nachzudenken. Dazu zählt die Frage: Wie kommt der Weihnachtsmann durch Abermillionen Schornsteine, ohne sich seinen roten Mantel und seinen gepflegten weißen Bart einzusauen? Wir müssen künftig wohl einen dritten Feiertag dranhängen: Bis heute habe ich das Rätsel nicht lösen können. 
 
Lässt der alte Knabe etwa seine Rentiere die Schmutzarbeit machen? Oder hat er wie sein Kumpel Nikolaus einen Knecht, der sich einen Dreck um sein Aussehen schert? Das würde auch erklären, warum Rupprecht meist so übellaunig daher kommt. Rein theoretisch könnte es auch sein, dass der Weihnachtsmann nach jeder Kletterpartie durch den Kamin Duschen geht und einen frischen Mantel anzieht. Das wäre gut für die Textilindustrie, wirft aber neue Fragen auf: Wie schafft er es dann, seinen ohnehin eng getakteten Zeitplan in der Weihnachtsnacht einzuhalten? 
 
Da drängt sich ein schlimmer Verdacht auf: Gibt es womöglich nicht nur einen, sondern ganz viele Weihnachtsmänner? Wie kann ich dann sicher sein, dass mein Wunschzettel den richtigen erreicht? Andererseits würde das erklären, warum durch die jährlichen Irrläufer Schalke 04 immer noch nicht Deutscher Meister geworden ist. 
 
 Nun könnte ich noch einen Schritt weiter gehen und in Frage stellen, ob es den Weihnachtsmann überhaupt gibt. Doch das wäre ein Sakrileg. Und dann würde womöglich auch noch mein Glaube an den Osterhasen ins Wanken geraten. 
 
Glückauf 
kdk   

 Schmunzelpost 1396 vom 25. 12. 24 

Heilig Abend ist vorbei, die Bescherung Geschichte. Und? Gab es bei Euch ungetrübte Freude oder dumme Gesichter, wie ich eines zeigte, als meine Nichte einst ihrem bärtigen Onkel ein Rasierwasser schenkte? Folgt an den Feiertagen nun das große Verwandtschafts-Wiedersehen und ein Rendezvous mit der Gans? Oder gibt es ganz persönliche Rituale, die bei Euch zum Festtags-Programm gehören? Ich habe mich mal umgeschaut, welche Bräuche anderswo auf der Welt gepflegt werden.
 
In Polen kommen zu Weihnachten die Schlemmer auf ihre Kosten. Nachdem zuvor oft ein Tag lang gefastet wurde, folgt am Heiligen Abend ein Zwölf-Gang-Menü, das an die zwölf Aposteln erinnern soll. Als Zeichen der Versöhnung wird auch den Haustieren ein Stück der Oblatek, das ist die Weihnachtshostie, gegeben. In Kolumbien wird stattdessen ins Huhn gebissen, denn dies ist mit Kartoffeln und Mandeln Bestandteil des klassischen Weihnachtsgerichts. Danach trinkt man einen Sabajon, ein spezielles Getränk, das neben Milch und Eiern meist auch Tequila, Wein oder Whiskey enthält.
 
Und in Spanien findet das eigentliche Fest erst am 6. Januar statt. Dann zelebriert man dort die Ankunft der Heiligen Drei Könige mit einem Umzug, der ein wenig an unsere Rosenmontagszüge erinnert, weil aus den Wagen Bonbons und Süßigkeiten für die Kinder geworfen werden. Am Abend erfolgt danach die Bescherung auch für Erwachsene, wenn  Freunde und Bekannte untereinander Geschenke austauschen.
 
In Katalonien gibt es noch eine Besonderheit. Dort ist der Kirche offenbar nichts Menschliches fremd. Denn in den Krippen kann man eine spezielle Figur entdecken, den Caganer. Das ist ein Hirte, der meist in einer Ecke mit heruntergelassener Hose in gehockter Haltung einem dringenden Bedürfnis nachgibt. Man sagt ihm in Katalonien nach, er sei ein besonderer Glücksbringer.
 
In Deutschland müsste man hingegen außerordentliches Glück haben, wenn man in einer Krippe eine so lebensnahe Schnitzerei findet, die auf alle Konventionen scheißt.
 
Glückauf 
kdk

 Schmunzelpost 1395 vom 24. 12. 24

Es begab sich aber zu dieser Zeit, dass im Paralleluniversum Fantasien ein Gebot von dessen Schöpfer ausging, dass alle Welt auf Dursten an der Lappe schauen sollte. Denn dort bahnte sich eine Sensation an: Die weltberühmte Bühnentruppe der Tantenhöhner hatte ihr Comeback angekündigt. Das denkwürdige Ereignis sollte am 24. Duzumbär im Feodora-Flamme-Festhaus stattfinden.
 
Dieses Festhaus hatte sich über die Jahre zum führenden Kulturzentrum von Dursten an der Lappe entwickelt. Das war besonders dem Engagement der unermüdlichen Geschäftsführerin zu verdanken, die neben ihrem Brotjob ehrenamtlich viel Zeit und Mühe investierte. Um den Stress zu bewältigen, hatte sie in ihren Schreibtisch hölzerne Gebote geritzt. Gebot Nummer eins lautete: Ich muss über alles die Kontrolle behalten! Gebot Nummer zehn lautete: Jede Veranstaltung muss spätestens um 22 Uhr enden! Und Gebot 0815 lautete: Bleibt der Vorverkauf hinter meinen Erwartungen zurück, dann sage ich die Veranstaltung ab!
 
Nun war die Ankündigung des Termins unglücklicherweise in der Redaktion der Durstener Zeitung untergegangen. Kein Wunder, denn im Medienhaus Singsang hatten die armen Journalisten wegen der Vielzahl neuer Aufgaben vor allem für das Internet längst den Überblick verloren, und die Print-Ausgabe wurde zum vernachlässigten fünften Rad am Wagen. Daraus resultierte der Verstoß gegen das fünfte Gebot: "Eine Veranstaltungs-Ankündigung muss mindestens vier Wochen vorher in der Zeitung stehen. Alles andere ist tödlich!"
 
So wollte die geplagte Frau, nennen wir sie Unke, drei Tage vor dem Termin die Bühnenschau absagen. Im letzten Moment erreichte sie ein Telefux von drei Weisen aus dem Morgenland: "Wir haben per Instakilo erfahren, dass über Dursten an der Lappe am 24. Duzumbär im Zeichen des Phönix ein Bühnen-Stern aufgeht. Legen Sie uns bitte drei Karten an der Abendkasse zurück. Und besorgen Sie einen Stall für unsere Kamele. Wir bringen auch Gold, Weihrauch und Myrrhe mit."
 
Die Mundpropaganda tat ein Übriges. Das Festhaus war ausverkauft, und einige Kiebitze saßen sogar rundherum in den Ästen, was dem Kulturzentrum auch den Namen Baumhaus eintrug. So konnte am Premierentag pünktlich um 19.30 Uhr die Schau beginnen. Und die Tintenhöhner hatten sich für ihre Rückkehr auf die Bühne etwas völlig Neues einfallen lassen: Ein Zirkus-Vorstellung vom Feinsten!
 
Die Durstener Big-Band war als Kapelle eingesprungen, weil Tintenhöhner-Musikant Jochen diesmal unbedingt singen wollte statt seine Keyboards zu quälen. Deshalb hing er nun gefesselt und geknebelt unter der Kuppel. Das tat der Freude keinen Abbruch, als Magier Lambert gleich zu Beginn nicht nur seine Assistentin Christa zersägte, sondern auch die gesamten Durstener Schulden aus dem Etat verschwinden ließ.
 
Atemloses Staunen löste der Auftritt von Anne und Beate am Trapez aus. Dazu trugen nicht nur ihre knappen figurbetonten Kostüme bei, sondern vor allem die Eleganz der akrobatischen Übungen. Stehende Ovationen gab es, als sich die beiden bei ihren Salti ohne Netz und doppelten Boden im Flug mit Eierlikör zuprosteten. Doch der Lärmpegel des Beifalls steigerte sich noch, als Literatur-Flüsterer Bertold den Bär Theodor, den Löwen Johann und den Tiger Bertolt Gedichte zitieren ließ.
 
Und schon folgte der nächste Höhepunkt. Unglaubliches war Dompteur Schorsch gelungen: Nur mit einer Glasfaser-Peitsche hielt er Gloria und ihr Wolfsrudel im Zaum, die er in der Deutener Prärie eingefangen und eigens für diesen Auftritt dressiert hatte. Als die Bühne umgebaut wurde, torkelte zum wiederholten Mal Clown Klaus durch die Reihen, schäkerte mit dem Publikum und amüsierte es, weil er nach dem Leeren der dritten Weinflasche über seine Füße stolperte.
 
Geschickter stellte sich Manni mit seiner Jonglage a la France an. Dazu ließ er fünf Flaschen Chateau Rothschild durch die Luft kreisen. Und, unglaublich, dann fügte er auch noch eine Flasche Calvados hinzu. Weiß der Teufel wie es ihm gelang, bei jedem Umlauf einen Schluck zu trinken. Jedenfalls wankte er am Ende unter dem tosenden Beifall der Zuschauer von der Bühne, Arm in Arm mit dem weinseligen Klaus. Dabei sangen sie: "Ob ich vergreise und verkalke, ich stehe immer noch auf..."
 
Nun richteten sich alle Augen auf die zauberhafte Lisa, die mit dem Lasso auf die Jagd nach Christa ging. Denn deren zwei Teile bewegten sich auf der Suche nach ihrer anderen Hälfte kreuz und quer durch den Saal. Doch Lisa gelang es nicht nur, die Torsos einzufangen, sondern, simsalabim, sie auch noch wieder zu vereinen. Gerade kündigte Lisa die nächste Nummer an, da wurde sie rüde unterbrochen. Die sichtlich nervöse Unke griff sich das Mikrofon und verkündete: "Meine Damen und Herren, an dieser Stelle muss ich leider die Vorstellung abbrechen. Wie von höchster Stelle festgelegt, enden in unserem Festhaus alle Veranstaltungen spätestens um 22 Uhr. Ich wünsche Ihnen einen guten Heimweg und beehren Sie uns..."
 
Weiter kam sie nicht. Denn es ertönte nicht nur ein mit Buh-Rufen gewürztes Pfeifkonzert, es flogen sogar Stühle auf die Bühne. Minutenlang herrschte das Chaos. Dann jedoch schritt majestätisch ein aus dem Süden herbeigeeilter blonder Engel die Staufen hinunter, stellte die störrische Unke durch das zwangsweise Einflößen von Glühwein ruhig und verkündete dem Volk: "Siehe, ich sage Euch: Mögen die Spiele weitergehen, solange ihr wollt! Der Höhner Lauf hält weder Ochs noch Esel auf!"
 
Diese Botschaft quittierte das Publikum mit donnerndem Applaus. Und die Tantenhöhner starteten ihren zweiten Durchgang. Lange nach Mitternacht reihte sich immer noch Zugabe an Zugabe. Und die resolute Unke? Die schlummerte friedlich vor der Bühne, Arm in Arm mit dem Clown Klaus, der die nächsten vier Flaschen Wein bereitwillig mit ihr geteilt hatte. Und wenn die Tantenhöhner nicht gestorben sind, dann spielen sie Silvester immer noch!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Liebe Leserinnen und Leser, die Ihr nicht in den Zaubertrank-Topf des Tinten-Druiden gefallen seid: Manches an dieser Geschichte mag Euch schwer verständlich oder gar befremdlich vorkommen. Doch Weihnachten ist nun mal die Zeit, wo überall, nicht nur von den Kirchenkanzeln, Botschaften verkündet werden, die nicht jeder kapiert oder glauben mag. Einigen wir uns auf den Kern, den sie ausdrücken sollen: Allen eine frohe und heitere Weihnachtszeit!   
 
 
PPS. Ich wurde gefragt, warum mein Hamster bohnert (SP vom 22.12.). Nun, das war ein Wortbild, das sowohl Entsetzen wie Unverständnis ausdrücken soll. Ich hätte auch schreiben können: Ich glaub', mein Schwein pfeift. (Neu für mich war übrigens die Redensart: Ich glaub', mein Trecker humpelt!)  Was den Hamster betrifft nehme ich an, dass er der nutzlosen Runden im Hamsterrad überdrüssig wurde und lieber etwas Nützliches tun wollte, nämlich den Parkettboden bohnern. Wenigstens Weihnachten soll die Bude glänzen!  

 Schmunzelpost 1394 vom 23. 12. 24

Ist es nicht ermutigend, wenn in der dunkelsten Zeit des Jahres plötzlich ein Lichtlein leuchtet? Ich meine nicht die Kerze, die Ihr gestern zum vierten Advent angezündet habt. Sondern einen Funken von Verstand, der ganz unerwartet in der Antarktis zu glimmen begann.
 
Die Rede ist von Jeran Campanella. Den kennt Ihr nicht? Das war bisher auch keine Bildungslücke. Denn Campanella gehört zu den führenden Verfechtern der Scheiben-Theorie. Die wird von Leuten vertreten, die überzeugt sind, dass unsere Erde platt wie eine Flunder ist und nur aufgrund einer von unseriösen Pseudo-Denkern wie Plato und Pythagoras angezettelten Verschwörung für eine Kugel gehalten wird. 164 000 Jünger verdankten jedoch Campanella die Erkenntnis, dass die Welt in Wahrheit flach ist. 
 
Nun aber ist der Meister ins Grübeln gekommen. Ausschlaggebend dafür war seine Reise ins Union Glacier Camp mitten in der Antarktis. Dort konnte Jeran Campanella mit eigenen Augen sehen, dass die Sonne nicht an der einen Seite unter- und an der anderen Seite aufging, sondern dass dort rund um die Uhr das Licht nicht ausgeknipst wurde. Schweren Herzens entrang sich der Zweifelnde, immer noch das Wort "Kugel" krampfhaft meidend, ein paar Sätze an seine Gefolgschaft: "Es ist ein Fakt, dass die Sonne Dich im Süden umkreist. Und was bedeutet das? Das müsst Ihr selbst herausfinden." 
 
Immerhin scheint der Mann auf einem guten Wege zu sein. Das verdankt er Will Duffy, der ihm mit eigens dafür gesammelten 35 000 Dollar die Reise ins Licht der Erkenntnis ermöglicht hat. Nun ist Duffy aber Pastor der "Denver Bible Church" im US-amerikanischen Colorado. Und diese Glaubensgemeinschaft hält nach wie vor daran fest, dass Gott unsere Erde genau wie das gesamte Universum erst vor weniger als 10 000 Jahren geschaffen hat. Fragt sich nun, ob wir genügend Geld sammeln können, um Duffy per Zeitmaschine eine Reise in die Vergangenheit zu ermöglichen.
 
In der Zwischenzeit nehmen wir beruhigt zur Kenntnis, dass der Glaubenssatz "1 + 1 = 2" inzwischen kurz vor der endgültigen Anerkennung steht.
 
Glückauf
kdk 

 Schmunzelpost 1393 vom 22. 12. 24

Es gibt Gesetze, Vorschriften und den kategorischen Imperativ von Immanuel Kant. Und dann gibt es noch Regeln, die man sich selbst setzt. Bei mir gehört dazu: Schreibe niemals Leserbriefe an die Zeitung, bei der Du gearbeitet hast! Letzte Woche hätte ich diese eiserne Regel, die ich im Ruhestand immerhin zehn Jahre eingehalten habe, beinahe gebrochen.
 
Denn ein Zeitungsbeitrag im Mantelteil ging mir über die Hutschnur, ließ meinen Kragen platzen und brachte das Fass zum Überlaufen. Einmal mehr druckten die Ruhr Nachrichten einen Text der Neuen Zürcher Zeitung ab. Diesmal verbreitete Susanne Gaschke etliche Zeilen Unsinn. Unter der Überschrift "Die unkaputtbaren Grünen" behauptete sie, dass diese Partei mit ihrem toxischen Gift CDU, SPD und FDP infiziert habe, als einzige alle Krisen schadlos überstehe und mit ihren dogmatischen Positionen alle Koalitionen dominiere. Nach der Wahl müsse deshalb auf jeden Fall ein Bündnis mit den Grünen vermieden werden, weil Deutschland sonst endgültig in den Abgrund stürzen werde.
 
Kurz dachte ich, Susanne Gaschke sei ein Pseudonym von Markus Söder. Aber nein: Frau Gaschke ist Journalistin und Buchautorin. Sie arbeitete von 1997 bis 2012 für die "Zeit", wechselte dann zur "Welt" und schreibt heute für die NZZ. Bis 2020 war sie SPD-Mitglied und sogar von 2012 bis  Oktober 2013 Oberbürgermeisterin der Stadt Kiel. Ihr Rücktritt erfolgte wegen eines eigenmächtig gewährten rechtswidrigen Steuererlasses in Höhe von 3,7 Millionen Euro, der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auslöste.
 
Endgültig brach Susanne Gaschke mit den Sozialdemokraten, als diese ihren Mann, einen SPD-Bundestagsabgeordneten, als altgedienten Wehrbeauftragten ablösten und die Position mit einer Frau besetzten. Danach warf sie in der "Welt" der SPD vor, sie sei zu einer reinen Funktionärs- und Proporzpartei verkommen, in der man nur als junge migrantische Frau alles werden könne. 2021 fiel die Kielerin dann als Querdenkerin auf. Bei Angela Merkel im Kanzleramt regiere "eine No-Covid-Sekte", die den Bezug zur Realität völlig verloren habe. Der Bundestag solle "dem zerstörerischen Wahnsinn" Einhalt gebieten. Im ersten Gaschke-Kommentar für die NZZ hieß es weiter, das Infektionsschutzgesetz sei zum Ermächtigungsgesetz umfunktioniert worden. Ansonsten weisen ihre NZZ-Veröffentlichungen sie als Verfechterin eines extrem wirtschaftsliberalen Kurses aus, der in manchen Punkten Parallelen zur Trump/Musk/Milei-Ideologie aufweist.
 
Die Ruhr Nachrichten begründen die Veröffentlichung damit, dass sie durch die Übernahme fremder Text auch anderen Meinungen Raum geben wollen. Nun ist auf der Leserbrief-Seite schon wiederholt kritisiert worden, dass dies ausschließlich die Auffassung der über die Jahre immer weiter nach rechts gerückten Neuen Zürcher Zeitung ist. Zur Meinungsvielfalt, so die Leser, gehörten doch auch Stimmen aus dem linken Lager, wie zum Beispiel der taz. Doch aus dieser Ecke gab es bisher keine Silbe.
 
Ach, vielleicht schreibe ich doch noch einen Leserbrief. Denn ich fürchte, dass bei der konsequenten Fortsetzung des bisherigen Kurses eher Kommentare der Bildzeitung ins Blatt rutschen. Oder gar des Ex-Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt, der ein recht meinungsfreudiges Internet-Portal betreibt. 
 
So, bleibt noch die Frage nach meiner Hutschnur. Schließlich trage ich Mützen und keinerlei Hüte, auch keine schnurlosen. Doch wie entstand die Redensart? Nun, die Hutschnur diente früher unters Kinn geschnürt dazu, den Hut auf dem Kopf zu behalten. Und wenn das Wasser oder der Sumpf, in den man versank, über die Hutschnur stieg, dann wurde es todernst. Also werde ich künftig sehr darauf achten, dass die Hutschnur nicht platzt und das Wasser besser in den Kragen läuft, statt ein Fass aufzumachen. Und beim nächsten Mal erkläre ich Euch, warum manchmal mein Hamster bohnert.
 
Glückauf
kdk      

 Schmunzelpost 1392 vom 21. 12. 24

Wie sich die Zeiten ändern! Es ist 45 Jahre her, da war ich bei technischen Neuerungen geradezu ein Rachmaninoff der Klaviatur. Damals las ich noch aufmerksam Gebrauchsanweisungen. Und kam beispielsweise ein neuer TV-Empfänger ins Haus, dann probierte ich sofort die Fernbedienung komplett durch und beherrschte schnell sämtliche durch Tastendruck zu steuernde Funktionen.
 
Als ich mein Zeitungs-Volontariat begann, hatte ich das große Glück, dass dort gerade das Bleizeitalter endete und in den Redaktionen von Schreibmaschine auf Computer umgestellt wurde. Den Kollegen, der uns schulte, löcherte ich mit tausend Fragen, so dass er mir zusätzlich einige Tricks verriet, die nicht im Handbuch standen. So war unser Redaktionsleiter dankbar, dass ich ihm beim Feiertagsdienst am 2. Weihnachtstag zur Seite stand und ihm beim Umgang mit der neuen Technik aus der Klemme helfen konnte. Denn als alter Hase, der tausende von Artikeln in die Schreibmaschine gehämmert hatte und mit einem Blick einschätzen konnte, wie viele und welche Buchstaben so eben noch in eine Überschriftenzeile passten, war er mit der Umstellung völlig überfordert.
 
Als wir den Lokalteil der ersten Nachweihnachts-Aufgabe produzierten, schallte es daher oft aus dem Nebenraum: "Herr Krause! Können Sie mal kommen? Wie geht das?" Wie werden Artikel gespeichert und später wieder aufgerufen? Mit welcher Taste gebe ich welchen Befehl? Wie füge ich Fotos und Bildzeilen ein? Und wie hebe ich eine Meldung von einer Seite auf eine andere? Geduldig gab ich Auskunft und unterbrach dafür immer wieder meine eigentliche Arbeit. Weil dadurch der Feierabend weiter nach hinten rückte, dachte ich jedoch im Stillen: "Meine Güte! Kann man sich im gesetzten Alter überhaupt nichts mehr merken?"
 
Endlich war es vollbracht. Alles fertig und auf Floppy für den Druck gespeichert. In diesem Moment schallte es plötzlich so laut wie noch nie aus dem Nebenraum: "Herr Krause! Kommen Sie schnell!" Ich sprintete hinüber. "Herr Krause, ich fürchte, ich habe eben die komplette zweite Seite gelöscht. Dabei habe ich bloß diese Taste gedrückt. Erst passierte gar nichts, aber beim zweiten Drücken war alles weg!" Er zeigte auf die Killertaste, deren zweimaliges Drücken Artikel oder ganze Seiten unwiederbringlich auf den Wörterfriedhof verbannte.
 
"Nur keine Panik, das kriegen wir schnell wieder hin", kehrte ich den großen Zampano heraus und stellte mit leichter Genugtuung das Rollenverhältnis zwischen Lernendem und Lehrenden auf den Kopf: "Ich rufe das Sammelverzeichnis auf, da ist alles noch vorhanden, sehen Sie?" "Gott sei Dank", atmete er auf und schüttelte erleichtert den Kopf, "dabei habe ich bloß so gemacht." Sagt's, haut erneut zweimal auf die Killertaste und löscht das Sammelverzeichnis. Es wurde ein langer Abend. Nachdem wir in sämtlichen Papierkörbe nach zerknüllten Manuskripten gesucht und wüst improvisiert hatten, wurden wir gerade noch rechtzeitig für den Andruck fertig.
 
Das geschah im Dezember 1980. Im Dezember 2025 suchte ich, wie hier bereits berichtet, mein Smartphone. Also versuchte ich, es mittels Anruf vom Festnetz per Klingelton ausfindig zu machen. Es klingelte jedoch anderswo. "Volksbank Dorsten, Hannelore Ypsilon. Was kann ich für Sie tun?" "Oh, da habe ich mich verwählt, Pardon." Wie konnte ich mich bloß derart vertippen? Vorsichtig gab ich meine Handy-Nummer noch einmal ein. "Volksbank Dorsten...." "Oh, das ist mir aber peinlich, da ist mein Telefon wohl defekt. Entschuldigung."
 
Konzentration und neuer Versuch. Wie war das gleich? Erst die "Gespräch beenden-Taste" drücken, dann die Anruftaste, Nummer eingeben und erneut die Anruftaste. So, jetzt müsste es klappen. "Volksbank Dorsten..." "Oh, äh, das verstehe ich nicht. Mein Telefon spinnt total." Lag es daran, dass der schnurlose Hörer stundenlang nicht am Ladegerät war? Kurz aufladen, dann wird's klappen. "Volksbank Dor..." Immerhin funktionierte die "Gespräch beenden-Taste" tadellos.
 
Resignation. Mein Stöhnen, "ich fürchte, wir brauchen ein neues Telefon, das Ding ist kaputt", trug mir einen mitleidigen Blick und eine Erklärung ein. "Du musst doch bloß erst die Anruftaste solange drücken, bis ein Freizeichen ertönt, dann wählen und noch einmal drücken." Tatsächlich! Was sagt man dazu? Vielleicht: Alte Männer und Technik?
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1391 vom 20. 12. 24 

Es gießt in Strömen. Schwarze Wolken verdüstern den Tag, schon bevor die Natur bereits kurz nach vier das Tageslicht ausknipst. Kurzum: Ein idealer Tag, wenn man ohnehin malade in den Seilen hängt. Wenigstens verpasse ich draußen nichts. Außerdem hebt eine Erkenntnis die Laune: Die Talsohle ist erreicht, ab jetzt wird es Tag für Tag allmählich wieder heller.
 
Weil selbst der Denkapparat immer noch verschnupft ist, geht es hier erneut ohne Eigenleistung weiter. Den Schmunzeljob übernimmt heute Thomas Gsella, der mir mit seinen Reimen die Hoffnung nimmt, dass meine persönliche Erkältungssaison für diesen Winter in ein paar Tagen vorbei ist.
 
Die Grippe 
 
Der Mensch liebt freie Zweisamkeit,
die Grippe liebt das Klammern.
Wie viele liegen, ach, zurzeit
mit ihr im Bett und jammern.
 
"Wie weh mir, ach, die Birne tut!
Das Fieber, ächz, wie heftig!
Der schwache Körper ausgebuht
und nur der Husten: kräftig!"
 
So satt sie dann nach Hause geht,
so hungrig kommt sie wieder.
Wer eine Welle übersteht,
den wirft die nächste nieder.
 
Glückauf
kdk 

  

 Schmunzelpost 1390 vom 19. 12. 24


Auch wenn ein stinknormaler Infekt bei weitem nicht so schlimm ist wie eine echte Grippe, so ist man doch gehandikapt. Man kann nicht nach draußen, man darf sich körperlich nicht anstrengen und ist geistig dazu nicht in der Lage. Also hängt man stumpf herum und wartet sehnsüchtig darauf, dass die Erkältung wieder abklingt. Immerhin habe ich eine Möglichkeit gefunden, die Zeit sinnvoll zu nutzen: Ich blättere Bücher durch auf der Suche nach geeigneten Gedichten und Geschichten für die nächsten beiden Lesungen - die Alternative zum Karneval an Weiberfastnacht im Carola-Martius-Haus und die kulinarische Lesung in der Familienbildungsstätte. 

 

Die Lesung am 27. Februar steht diesmal unter dem Motto "Rhade - ein Wintermärchen". Weil über Rhade noch nicht soo viel passendes geschrieben wurde, müssen wir das selbst übernehmen. Aber zum Thema Winter wird sich doch jede Menge finden lassen, dachte ich. Pustekuchen! Das meiste bezieht sich noch auf Weihnachten. Nun liegt das Christfest ja glücklicherweise im Winter, aber im Februar sollte der Lametta-Anteil im Rahmen bleiben. 

 

Also baut man Brücken, um bestimmte Themen dem Winter zuzuordnen. Da die Corona-Krise samt Lockdown sich drei Jahre lang am schlimmsten in der kalten Jahreszeit ausgewirkt hat, ist der Kunstgriff zulässig, ein Gedicht über die große, inzwischen fast vergessene Epoche des Maskentragens ins Programm einzubauen. Und da die Krankheitserreger gegenwärtig in meinem Hirn Schlitten fahren, beschränke ich mich heute zum Schluss auf ein kleines, aber schönes Gedicht von Fritz Eckenga.

 

Küffen 

 

Liebling, ich hab nach dem Küffen immer Fuffeln im Mund. Kennft Du den Grund, wiefo ich die hab?

Blödmann, nimm einfach die Maske ab!

 

Glückauf

kdk

Schmunzelpost 1389 vom 18. 12. 24 

Erst zwickte es im Hals, dann taten die Knochen weh und die Nase begann zu triefen. Wenn ich diese Symptome richtig deute - es ist schließlich lange her, seit Beginn der Pandemie hat mich weder Corona noch die Grippe oder ein banaler Infekt heimgesucht - dann hat mich eine Erkältung am Wickel. Wieso hat es mich jetzt erwischt? Ich bin sowohl gegen Grippe wie Corona geimpft, habe mir dauernd gründlich die Hände gewaschen, mich warm angezogen und alle Ansteckungsquellen möglichst vermieden. Doch das schützt nicht. Zeit, mit ein paar Irrtümern aufzuräumen.
 
Ist der Winter schuld, habe ich mich verkühlt? Nein. Durch Kälte kriegt man keine Erkältung. Allenfalls kommt man durch permanente Unterkühlung zu Tode. Frieren und Frösteln kündigt normalerweise bloß einen durch Viren ausgelösten Infekt an. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Bei Kälte ziehen sich die Nasenschleimhäute zusammen und werden weniger gut durchblutet. Daher sind auch weniger Abwehrkörper zur Stelle, wenn Krankheitserreger versuchen, sich anzusiedeln. Hmm, eine Mütze für den Schädel habe ich, wo aber kriege ich eine Nasenkappe her?
 
Sollte ich noch mehr Vitamin C schlucken, um mich zu schützen? Quatsch! Eine vermehrte Vitamin-C-Zufuhr ist sinnlos, weil die überschüssigen Vitamine sofort wieder aus dem Körper gespült werden. Auch Zink und Echinacea-Tropfen aus der Heilpflanze Sonnenhut taugen nicht zur Vorbeugung. 
 
Und was ist mit Desinfektionsmitteln beim Händewaschen? Kann nicht schaden, ist aber noch lange kein wirksamer Schutz. Viele Erkältungen werden ohnehin durch Tröpfcheninfektion übertragen, also durch bereits erkältete Menschen. Und ein Niesen verbreitet sich in nullkommanix im ganzen Raum, falls die winzigen Tröpchen nicht rechtzeitig in der Armbeuge abgefangen werden. Zweiter Übertragungsweg sind Schmierinfektionen. Doch wer wäscht sich schon alle fünf Minuten die Finger? Viren können sowieso in geheizten Räumen stundenlang überleben und lauern dann beispielsweise an Türklinken, Tastaturen oder Telefonen. Der Verzicht aufs Händeschütteln und das Händewaschen ist zwar wichtig, noch besser aber wäre es, sich nicht ins Gesicht zu fassen. Doch wer achtet schon dauernd darauf? 
 
Kann ich meine Erkältung in der Sauna, durch schweißtreibenden Sport oder ein heißes Bad ausschwitzen? Nö, besser gar nicht erst versuchen. Ist der Erreger erst im Körper, können belastende oder schweißtreibende Tätigkeiten erheblich schaden. Das gilt bei Fieber auch für ein heißes Bad. Erst, wenn das Fieber abgeklungen ist, kann das Bad die Symptome lindern.
 
Früher habe ich gedacht, wenn ich bereits mehrfach im Jahr erkältet war, bin ich danach immun. Stimmt nicht! Es gibt leider tausend verschiedene Erreger, die einen Infekt auslösen können. Nur, wenn der gleiche es noch einmal versucht, bin ich geschützt. Wegen dieser Vielfalt ist auch die alte Weisheit fragwürdig, die von Generation zu Generation weitergegeben wird: Eine Erkältung kommt drei Tage, steht drei Tage und geht drei Tage? Nein, jede Erkältung ist anders, sagen die Virologen. Ihre Dauer ist abhängig von der Art des Erregers, dem Immunsystem und der Konstitution der Betroffenen.
 
So, falls wir uns in den nächsten Tage über den Weg laufen, werde ich Euch weder die Hand geben noch Euch anhauchen. Aber wenn Euch danach ist, können wir uns mit einem herzhaften Kuss auf den Mund begrüßen. Die Viren werden dann direkt in den Darm transportiert und unschädlich gemacht. Doch damit eines klar ist: Die Einladung gilt nur für die Frauen unter Euch!
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1388 vom 17. 12. 24 

Um 11 Uhr muss ich heute noch einmal ins Hörstudio zur letzten Feinabstimmung und um die Anschaffung des Hörgerätes zu besiegeln. Offenbar habe ich Glück gehabt. Denn es ist mir nicht so ergangen wie dem älteren Herren, an dessen Konflikt mit einer Klinik nach der eingehenden Untersuchung seiner Ohren ich mich noch gut erinnern kann. Der Patient behauptete, durch die Untersuchung sei er schwer verletzt worden, habe einen Hörsturz erlitten und sein ohnehin um 80 % reduziertes Hörvermögen sei nun endgültig komplett ruiniert. Er verklagte daher die Klinik.
 
Doch die Staatsanwaltschaft reagierte lediglich mit einem Einstellungsbescheid. Die beanstandete Untersuchungsmethode sei seit langem in der Medizin üblich: "Der thermische Reiz der Gleichgewichtsorgane ist schon sehr alt und bereits von Hallpike beschrieben und standardisiert worden." Das aber brachte den Kläger erst recht in Rage. Er formulierte einen geharnischten Protestbrief, bei dem er gegen Ende abenteuerliche Vergleiche zog und fürchterliche Rache androhte:
 
"Von dem medizinischen Bluff 'Standard-Untersuchung' lasse ich mich nicht täuschen, und ich meine, die Staatsanwaltschaft wird vor diesem medizinischen Slogan auch nicht auf die Knie fallen. Den schlagartigen Gehörsturz direkt bei der Behandlung kann ich klipp und klar und schwarz auf weiß beweisen. Allein der verblichene Herr Hallpike schaffte es, dass ich durch seine jetzt antike und verunglückte 'Erfindung' diesen Gehörsturz erlitten habe, weil die besagten Ärzte sich immer noch nicht vom Hallodri Hallpike, seinen 'Wassersprudelungen' und seinem Unsinn trennen können und das alles auch noch als 'Standard' übernommen haben.
 
Dass ein damals 76-jähriger Mensch eben nicht die Kraft eines 20-jährigen hat, das alles vergessen die jungen 'Standarten-Führer' der Klinik. Und das muss ich den 'Standarten-Medizin-Führern' doch mal unter die Nase reiben. Meine Herren: Weiße Arztkittel sind bald aus der Mode. Braune passen besser für die Standartuntersuchung. Ich schreibe jetzt gerade an meinem dritten Buch, aber das vierte geplante Buch hat mit Sicherheit den Titel 'Im Schraubstock der medizinischen Geräte.'"
 
Vor allem den Schluss finde ich inspirierend. Lieber Boschmann-Verlag, wie wär's mit der neuen Reihe "Im Schraubstock der Bürokratie"? Ich wüsste eine Menge Hallodris in Land und Bund, bei denen ich gerne mal literarisch die Daumenschrauben anlegen würde.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1387 vom 16. 12. 24  

Es gibt Nachrichten, die zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Und Vorschriften, über die ich nur mitleidig grinsen kann. Dazu gehört die EU-Vorgabe, dass wir auf Passfotos auf keinen Fall lächeln dürfen. Klar, ein verzerrtes Gesicht erschwert es, Personen anhand von Bildern zu identifizieren. Aber ein mildes Lächeln? Ha, ha!
 
In Tschechien ist jetzt sogar ein Bürger vor Gericht gezogen, weil die Prager Stadtverwaltung sein Passfoto lachhaft fand und daher ablehnte. Der Kläger begründete seinen Anspruch auf ein Ausweisbild mit heiterer Miene damit, dass er der Kirche des Lächelns angehöre und pochte auf das in Europa geltende Recht auf Religionsfreiheit. Damit kam er jedoch nicht durch. Das Gericht wies seinen Anspruch humorlos zurück.
 
Nun interessierte es mich natürlich, welche Kirche es zu ihrem Hauptzweck gemacht hat, das Lächeln unter den Menschen zu verbreiten. In Tschechien gibt es sie tatsächlich, die Religionsgemeinschaft Ecclesia Risorum. Allerdings fehlt ihr noch die offizielle Anerkennung als eingetragene Kirche. Seit 2002 können dort religiöse Gruppen eine solche Einstufung beantragen. Das ist 42mal geschehen, 20 Religionsgemeinschaften sind in Tschechien dann auch als Kirche anerkannt worden.
 
Ecclesia Risorum hat 2022 den Antrag gestellt. Er wurde jedoch abgelehnt. Die Gemeinschaft legte Berufung ein, das Verfahren ist noch in der Schwebe. In anderen Fällen war der Haupt-Ablehnungsgrund, dass die Antragsteller geschummelt hatten. Sie müssen mindestens 300 Erwachsene als Mitglieder nachweisen, und das Sammeln von Unterschriften verlief oft nicht korrekt.
 
Außerdem müsse klar sein, dass es sich wirklich um eine religiöse Gemeinschaft handelt, was durch Religionsgutachter bestätigt werden muss. Das klappte nicht immer, beispielsweise bei der Möchtegern-Kirche "Hüter der Krone und des Schwertes des Königs aus dem Eisernen und Gold" oder bei den "Löwen der Tafelrunde."
 
Ich wünsche mir prinzipiell, dass unsere großen Kirchen sich verstärkt bemühen, ihren Schäfchen die Freude am Lächeln zu vermitteln. Und obwohl ich formal Protestant bin, würde ich mit einem dankbaren Lächeln lesen, dass die Katholiken endlich eine Päpstin zum Oberhaupt ihrer Kirche bestimmt haben. Ansonsten bemühe ich mich völlig ohne missionarischen Anspruch weiterhin darum, Euch täglich ein Schmunzeln zu entlocken. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1386 vom 15. 12. 24 

Wer etwas tiefer in die Materie eindringt, der stellt schnell fest: Gesunde Ernährung ist ein schwieriges Thema. Für Leute, die sich gern in eine Sache hineinsteigern, sogar vermintes Gelände. Denn die Verfechter der Low-Fat-Diät und der Low-Carb-Diät bezeichnen sich gegenseitig als verbissene, aber ahnungslose Schwätzer.
 
Die Low-Carb-Fans vertrauen auf die segensreiche Wirkung einer auf Fett und Fleisch basierenden Ernährung und nehmen Kohlenhydrate nur in kleinen Mengen zur Geschmacksabrundung zu sich. Sie verweisen darauf, dass Menschen, die ihre Low-Carb-Diät über Monate konsequent einhalten, in dieser Zeit erstaunlich rasch an Gewicht verlieren.
 
Entgegengesetzt setzen die Low-Fat-Leute ganz auf Kohlenhydrate und betrachten Fett als Teufelszeug. Sie verweisen darauf, dass Menschen, die ihre Low-Fat-Diät konsequent über Monate einhalten, in dieser Zeit erstaunlich rasch an Gewicht verlieren.
 
Ja, was denn nun? Als Journalist weiß ich, dass es die Wahrheit ohnehin nur selten gibt. Fett ist nicht gleich Fett, Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate. Dazu kommt noch, dass jeder Mensch anders reagiert und auch das Alter eine große Rolle spielt. Also bleibt mir vom Leib, ihr Low-Carb- und Low-Fat-Fanatiker, ihr Anpreiser der Steinzeit- bzw. Palio-Diät, ihr Freunde der Eiweiß-, der Stoffwechsel-, der Intervall-, der Military-, der IIFMM- und der-was-weiß-ich-Diät.
 
Was ich meine, begriffen zu haben, ist: Wenn man eine Zeit lang weniger isst, nimmt man ab. Und wenn man sich danach abwechslungsreich und halbwegs vernünftig ernährt, kann man sein Gewicht halten. Halbwegs vernünftig? Bisher habe ich gelernt, dass ich auf Fast-Food und Industrieprodukte verzichten soll. Rotes Fleisch möglichst nur sehr selten, Geflügel und Fisch dafür öfter auf den Speisezettel nehmen. Allerdings gibt's auch beim Fisch Unterschiede: Achtung, Raubfische meiden und von Pangasius die Finger lassen. Wildlachs ist besser als Zuchtlachs, Hering und Forelle besser als Thunfisch. Und dann natürlich die Binsenweisheiten beachten: Viel Obst und Gemüse, vor allem Brokkoli,  Nüsse und Joghurt verzehren. Olivenöl und Knoblauch sind auch nicht zu verachten.
 
Ganz nebenbei habe ich übrigens herausgefunden, welches die einzige Diät ist, die garantiert bei jedem zum Erfolg führt. Das ist die strikte Nulldiät - dreißig, vierzig Tage lang nimmst Du permanent ab und am Ende mit Sicherheit kein Gramm  mehr zu.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1385 vom 14. 12. 24

So, Freitag, der 13., da habe ich Dir mal richtig gezeigt, was eine Harke ist. Gegen alle Regeln des  Aberglaubens  verstoßen und trotzdem kein Pech gehabt! Vor allem ist medizinisch alles in Ordnung, von neuen bösen Tumorzellen war nichts zu sehen. Und dass ich in Essen beinahe den Anschlusszug nach Bochum verpasst hätte, lag weder an den Tücken des Tages noch an der Deutschen Bahn - ein dösiger Fahrgast hatte in Bottrop minutenlang eine Tür am Schließen gehindert, so dass der Zug nicht weiterfahren konnte.
 
Na ja, mit dem Aberglauben sind wir Deutsche nicht allein. Schauen wir mal, was andere Nationen fürchten, wodurch man Unheil heraufbeschwören kann. Was macht beispielsweise ein Japaner, wenn er einen Leichenwagen sieht? Er versteckt blitzschnell beide Daumen. Denn in Japan glaubt man, dass sonst böse Geister, die unsichtbar um den Leichenwagen herumschwirren, unter die Daumennägel schlüpfen und dann für einen frühen Tod der Eltern sorgen. Deshalb sollten die oyayubis, das bedeutet Elternfinger, blitzschnell in den Hosentaschen verschwinden.
 
In der Türkei muss man sich hüten, Einheimischen eine Schere oder ein Messer direkt in die Hand zu drücken. Dies sollte unbedingt vermieden werden, weil sonst daraus ein Streit entsteht, der letztlich blutig enden könnte. Daher werden die Schneidewerkzeuge stets irgendwo abgelegt und können dann ohne negative Auswirkungen aufgenommen und benutzt werden.
 
Russen halten es für ein übles Vorzeichen, wenn sie jemand beobachten, der einen leeren Behälter trägt. Ganz besonders schlimm ist es, wenn man einer Bäuerin mit leerem Eimer begegnet. Dann ist der Tag nicht mehr zu retten. Doch die Russen sind clever und wissen sich zu helfen: Sie legen flink etwas in den Eimer hinein, ein Werkzeug, einen Lappen oder auch ein Taschentuch. Und schon bleibt ihnen das Glück hold. 
 
Was für Europa die böse Dreizehn ist für Chinesen die schlimme Vier. Das liegt daran, dass diese Zahl "Si" gesprochen wird - und das ist auch das Wort für Tod. Daher dürfen in China zwar drei oder fünf, jedoch niemals vier Gäste eingeladen werden. Auch Geschäftseröffnungen legt man grundsätzlich auf Kalendertage, die keine Vier enthalten. Ach, dies war mein viertes Beispiel? Nur gut, dass keine Chinesen unter den Schmunzelpostlesern sind. Und auch keine Russen. Sonst hätte ich sie gefragt, wie ich es hinbekomme, Putin vier leere Eimer unter die Nase zu halten.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1384 vom 13. 12. 24 

Heute muss ich zur Krebs-Kontrolle in einer Bochumer Klinik. Falls nichts gefunden wird, habe ich bis zum Februar 2025 Ruhe. Allerdings fällt der Termin ausgerechnet auf Freitag, den 13. Nur gut, dass ich nicht abergläubisch bin.
 
Es fängt jedoch schon wie verhext an. Um pünktlich zu sein, muss ich den Wecker auf 6.30 Uhr stellen. Eine Zumutung für einen schläfrigen Rentner, der es sonst in der dunklen und kalten Jahreszeit vorzieht, sich um 9 Uhr im warmen Bett nochmal auf die andere Seite zu drehen. Das geht heute nicht. Allen Unkenrufen zum Trotz wqerde ich dann versuchen, bewusst zuerst mit dem linken Bein aufzustehen.
 
Und wo kriege ich eine schwarze Katze her, die mir über den Weg laufen kann? Unser Draußen-Kater hat ein rotes Fell, und Millys weißer Pelz ist lediglich schwarz gesprenkelt. Na gut, das muss diesmal reichen, um alle abergläubischen Mythen zu entlarven. Vorsichtshalber habe ich mich schon vorher umgesehen, wo ich auf dem Weg zum Bahnhof absichtlich unter einer Leiter durchgehen kann. Damit sind bereits drei Voraussetzung erfüllt, und ich kann darauf verzichten, einen Spiegel zu zerbrechen. Das wäre auch zu kostspielig.
 
Am Bahnhof muss ich damit rechnen, dass der Zug Verspätung hat. Das hat aber nichts mit Freitag, dem 13., zu tun, das ist bei der DB normaler Alltag. Deshalb nehme ich auch extra einen früheren Zug. So werde ich auf jeden Fall pünktlich um 9 Uhr im Krankenhaus sein. Und ich bin zuversichtlich, dass mir auf dem Fußweg zur Klinik kein Dachziegel auf den Kopf fällt und ich erneut mit einer medizinischen Entwarnung rechnen darf. 
 
Abergläubisch werde ich nur dann, falls mich in Bochum die Sprechstundenhilfe mit den Worten empfängt: "Professor Dost ist leider an Corona erkrankt. Wir konnten Sie so kurzfristig nicht erreichen, aber Sie können schon in einer Woche noch einmal wiederkommen. Ihr neuer Termin ist dann um 8 Uhr."
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1383 vom 12. 12. 24

Abnehmen ist ein mühsames Geschäft. Die Kilos, die sich über Monate in der Körpermitte angesammelt haben, wollen nicht in wenigen Tagen weichen. Und dann auch nur unter Protest: "Wir kommen wieder!", drohen sie. Seit Trump weiß man ja, dass wir auf unliebsame Rückkehrer gefasst sein müssen.
 
Doch wie geht der Abbauprozess im Körper überhaupt vonstatten? Sind da winzige Heinzelmännchen am Werk, die mit Hacke und Vorschlaghammer das Fettdepot allmählich abtragen? Falls das so sein sollte: Jungs, wenn Ihr bis Weihnachten fünf Kilo schafft, gebe ich für alle eine Runde Glühwein aus! Womöglich ist es jedoch ganz anders. Vielleicht darben die Fettzellen dahin, bis sie mangels Nachschub einen Hungertod sterben. Und dann sorgt die körpereigene Müllabfuhr für eine pietätlose Entsorgung durch die Hintertür.
 
Ihr seht, mein Wissen über biologische Vorgänge und die menschliche Anatomie weist gravierende Lücken auf. Daher habe ich beschlossen, meine Kenntnisse aufzufrischen und lese jetzt endlich den Ernährungskompass von Bas Kast, einen Bestseller, dessen Lektüre ich jahrelang immer wieder aufgeschoben habe. Nur höchst ungern hält man sich vor Augen, was man alles falsch macht, weil sonst oft schmerzliche Konsequenzen drohen.
 
Doch der Anfang ist gemacht. Gleich zu Beginn erfuhr ich, dass es von den Proteinen abhängt, wann mein Körper mir signalisiert, dass ich satt bin. Habe ich meine tägliche Dosis noch nicht intus, dann verschlinge ich solange zusätzlich Kohlehydrate und Fett, bis nebenbei der lebensnotwendige Proteinpegel erreicht ist. Und weil die tückische Nahrungsmittelindustrie das weiß, geizt sie in vielen Erzeugnissen mit der Proteinzufuhr durch den Eiweißanteil und füttert uns stattdessen mit eiweißreduziertem Zeugs, das wir ohne Rücksicht auf überschüssige Kalorien in uns hineinstopfen. Man will, dass wir ordentlich reinhauen und dennoch hungrig bleiben, alles andere wäre schlecht fürs Geschäft. 
 
Ein Beispiel. Fisch ist gesund, dachte ich und aß deshalb häufig Lachs. Das ist prinzipiell nicht verkehrt. 100 Gramm Lachs enthalten nämlich 20 Gramm Eiweiß. Und das gilt nicht nur für Wildlachs. Aber der Zuchtlachs enthält zusätzlich ordentlich Fett, gut an der weißen Maserung erkennbar. Und während 20 Gramm Eiweiß nur 80 Kalorien auf die Waage bringen, packen die 15 Gramm Fettanteil im Zuchtlachs noch 135 Kalorien obendrauf. Alles in allem stehen den 93 Kalorien in 100 g Wildlachs daher 215 Kalorien in 100 g Zuchtlachs gegenüber. Und weil das saftige Fett im Zuchtlachs auch noch mundet, lasse ich es mir ohne nachzurechnen gerne schmecken.
 
Oje, was kommt wohl noch? Ich bin erst auf Seite 49. Wenn das so weiter geht, ziehe ich mir wie ein kleines Kind die Decke über den Kopf und verweigere mich der Realität. Falls ich das Buch nicht zu Ende lese, kann ich es ja vielleicht essen. Gut gewürzt, mit einem Schuss Olivenöl. Womöglich ist es sogar gesund: Enthält Papier nicht reichlich Ballaststoffe?
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1382 vom 11. 12. 24

Nun ist bei mir bereits am dritten Tag Schmalhans Küchenmeister. Doch zu meiner Überraschung sind Heißhunger und Magenknurren bisher ausgeblieben. Offenbar entfaltet der Trank mit Nährstoffen und Vitaminen Wirkung. Wenn auch nicht im Magen, so wird mir aber doch weh ums Herz, wenn ich auf den gewohnten Besuch von Restaurants verzichte und sogar darum bitte, eine Einladung zum Essen bis nach Weihnachten zu verschieben. Am besten wäre es, ich könnte mich wie ein Murmeltier zu einem längeren Winterschlaf zurückziehen und anschließend schlank und rank ins Neue Jahr schreiten.
 
Eine große Zahl von Tieren haben den Trick raus, wie man die kalte und nahrungsarme Jahreszeit am besten überbrücken kann. Hierzulande sind das beispielsweise Fledermäuse und Igel, Hamster und Dachse. Der Igel schläft drei bis vier Monate lang, der Siebenschläfer sogar bis zu sieben Monate. Das hat ihm seinen Namen eingetragen. Allerdings wird der Winterschlaf gelegentlich durch kurze Wachphasen unterbrochen, beim Igel etwa alle zwei, drei Wochen, beim Siebenschläfer nach rund 30 Tagen.
 
Anders als Säugetiere fallen Reptilien, Amphibien, Fische und manche Weichtiere in eine Kältestarre, in der sich die Körperwärme der jeweiligen Außentemperatur anpasst. In diesem Zustand können Molche bis zu vier Monate, Kreuzottern und Blindschleichen bis zu fünf Monate sowie Frösche und Eidechsen bis zu sechs Monate verbringen. 
Unabhängig von der Jahreszeit gibt es auch in den Tropen eine Art "Winterschlaf", zum Beispiel bei Halbaffenarten in Trockenzeiten. Der einzige Vogel, der die kalte Jahreszeit verschläft, ist, wer kennt sie nicht, die Winternachtschwalbe. 
 
Was passiert während des Winterschlafs? Murmeltiere senken ihre Körpertemperatur von 39 auf 7 Grad ab. Statt 100mal schlägt ihr Herz dann nur zwei bis dreimal pro Minute. Und Atempausen können eine Stunde dauern. Weil sie in der Ruhezeit nicht genutzt werden, schrumpfen Magen und Darm um die Hälfte, Nieren und Leber um 30 Prozent. Die lange Winterruhe hat aber auch Nachteile. Bei Zieseln hat man festgestellt, dass sie zuvor erlernte Fähigkeiten komplett vergessen. Das liegt daran, dass Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Hirn abgebaut werden.
 
Ansonsten hat die Wissenschaft herausgefunden, dass die Dauer des Winterschlafs wesentlich von den Fettdepots abhängt. So hält eine eigens für das Experiment gemästete Haselmaus den Rekord. Sie ratzte länger als ein ganzes Jahr. Ob sie beim Aufwachen wohl sagte: "Mein Name ist Hasel, ich weiß von nichts."? Mit Blick auf die böse Welt möchte ich auch gern so manches vergessen. Hüftspeck habe ich genug. Also lege ich mich jetzt hin und sage: "Tschüss, bis zum nächsten Mai!"
 
Glückauf
kdk  

 Schmunzelpost 1381 vom 10. 12. 24

Wie Phönix aus der Asche ist derzeit Hape Kerkeling wieder überall präsent. Wegen seines neuen Buches, vor allem aber wegen seines 60. Geburtstages. Lange habe ich ihn als einen Spaßmacher unter vielen eingeordnet, doch spätestens seit "Hurz!" rechne ich ihn zu den Großen seiner Zunft. Und nachdem ich seine Aussagen auf der Seite drei der Süddeutschen Zeitung gelesen habe, die ihm komplett gewidmet war, bin ich beeindruckt von seiner Einstellung und politischen Haltung.
 
Es gibt aber noch einen Grund mehr, den Recklinghäuser sympathisch zu finden. Er ist ein großer Katzenfreund. Sogar ein noch größerer als unsereiner, wie ich seinem Buch "Pfoten vom Tisch!" entnahm, das ich vor längerer Zeit gekauft, aber jetzt erst gelesen habe. Das meiste, was man daraus über den Umgang mit Katzen lernen kann, wusste ich zwar schon vorher, es war jedoch amüsant und lehrreich, dies noch einmal gebündelt nachzulesen. Nur in den letzten Kapiteln, wo es leicht esoterisch wird, schwächelt der Autor ein wenig.
 
Wie Ihr wisst, haben wir inzwischen eine Drinnen- und eine Draußen-Katze. Wir hoffen, dass sich unser roter Freund im Laufe der Zeit mit unserem Kater Milly anfreunden wird oder zumindest, dass sich die beiden tolerieren. Mit Hape Kerkeling teile ich die Auffassung, dass jede Katze etwas Besonderes ist, ein Individuum mit ganz eigenem Charakter. Über den kleinen Kreis ihrer menschlichen Untergebenen hinaus haben einige von ihnen sogar weltweit Schlagzeilen gemacht.
 
Zu den berühmtesten Katzen der Weltgeschichte gehört Tabby, die als erstes Haustier mit Abraham Lincoln ins Weiße Haus einzog und dort tun und lassen konnte, was sie wollte. Weithin bekannt ist auch Choupette Lagerfeld, die Muse des Modezars und Erbin eines großen Teils seines Vermögens. Sie zählt nach wie vor mehr als 100 000 Instagram-Follower, besitzt einen Twitter-Account und wird von einem Team versorgt, das ihr jeden Wunsch von den Augen abliest.
 
Als reichste Katze der Welt gilt jedoch Tommaso, einst ein einsamer Streuner in Mailand, der dann das Herz von Maria Assanta eroberte und die Witwe eines Bauunternehmers zehn Jahre lang beglückte. Als die 94-Jährige starb hinterließ sie Tommaso ein Vermögen von zehn Millionen Euro. Zu einer Legende unter Seefahrern wurde der "unsinkbare Sam". Er war Schiffskater auf der "Bismarck", einem deutschen Schlachtschiff, das 1941 von den Briten versenkt wurde. Matrosen der Royal Navy entdeckten ihn, als er einsam auf einer Planke über die Nordsee trieb. Danach überlebte Sam sogar noch zwei weitere Schiffskatastrophen, bevor er in Südengland zur Landratte wurde.
 
Und dann gab es noch den Kater Stubbs. Er lebte in Talkeetna, einer kleinen Stadt in Alaska. Als Baby wurde Stubbs auf dem Geschäftsparkplatz vom Betreiber des örtlichen Supermarktes gefunden und adoptiert. Bei ihren Einkäufen erfreute der kluge Kater dann die Bürger der Stadt so sehr, dass sie ihm eine besondere Ehre zuteil werden ließen. Weil sie die anderen Kandidaten nicht mochten, strich eine große Mehrheit der Wähler deren Namen durch und schrieb den Namen "Stubbs" auf den Wahlzettel. So wurde Stubbs neuer Bürgermeister von Talkeetna. Und blieb bis zu seinem Tode im Jahr 2017 Ehrenbürgermeister.
 
Unser nicht ganz so berühmter, aber ebenso liebenswerter, kluger und verfressener Kater Milly lässt Euch abschließend grüßen und ausrichten, dass Ihr als seine Follower willkommen seid, falls Ihr Euch dafür bei ihm mit ein paar erlesenen Leckereien bedankt.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1380 vom 9. 12. 24

Am neuen Hörgerät liegt es nicht. Doch es verstärkt meine Qualen noch. In der Vorweihnachtszeit fällt es mir ohnehin stets schwer, Innenstädte zu besuchen. Dabei plädiere ich eigentlich dafür, wenn möglich, Einkäufe beim stationären Handel zu tätigen und nur im Notfall im Internet. Das gilt auch für Weihnachtsgeschenke.
 
Aber inzwischen wird eine Shoppingtour ebenso wie ein Stadtbummel bereits vor dem ersten Advent zum akustischen Spießrutenlauf. Dazu muss ich drei Dinge vorausschicken: Ich mag es nicht, Musikstücke mehrmals nacheinander zu hören. Außerdem finde ich es fürchterlich, wenn gute Musik als Hintergrundgedudel missbraucht wird, um die Kauflust zu erhöhen oder die Stimmung zu heben. 
 
Dazu hatte ich in jungen Jahren während meiner Sparkassenzeit geradezu traumatische Erfahrungen gesammelt. In der Hauptstelle lief nämlich jahrelang "Fumu", funktionale Musik, als Endlosschleife. Aus psychologischen Gründen. Berater hatten dem Vorstand eingeredet, der Tonbrei ohne Bass, Schlagzeug und Gesang werde sich positiv auf Kunden wie Mitarbeiter auswirken, weil diese den dezenten Klangteppich zwar nicht bewusst wahrnehmen, aber dadurch emotional aufgewärmt würden. Ich wurde dadurch nicht aufgewärmt, sondern aufgeheizt. Nach kurzer Zeit hatte man die ewig gleiche Reihenfolge verinnerlicht und wartete jedes Mal mit Schaudern darauf, dass bald erneut eine an sich schöne Melodie von etlichen Streichern todgefiedelt wurde.
 
Punkt drei: Ganz ähnlich verhält es sich mit Weihnachtsliedern. Im Prinzip habe ich nichts dagegen, wenn sie in Kirchen, Konzerten oder im Familienkreis erklingen. Aber nicht tausend Mal im Radio, in Kaufhäusern, Fußgängerzonen, Gaststätten und Weihnachtsmärkten, so dass man ihnen fast nirgendwo entkommen kann. Im Fernsehen sah ich jetzt den Bericht über eine Frau, die einen Rekord aufstellte, als sie "Last Christmas" von Wham auf einer Christmarktbühne 80mal hintereinander sang. Die arme Rocksängerin ist nun fürs Leben geschädigt.
 
Da ich aus genannten dreierlei Gründen besonders empfindlich bin, droht mir das gleiche Schicksal. Es wächst der Drang, gegen die dritte "Stille Nacht" lautstark zu protestieren. Ach, wenn der Schnee doch tatsächlich leise rieseln würde! Und dass die Hirten herbei kommen sollen, kann man ihnen statt durch Lieder im social-media-Zeitalter bestimmt auch per Whatsapp mitteilen.
 
Das Streiflicht der Süddeutschen vom Samstag hat wohl eine verwandte Seele verfasst. Auch weil es ein Sprachspiel der Art enthält, die ich liebe, sei daraus zum Schluss zitiert: "Betritt man so ein (Kauf-)Haus, muss man sich durch einen klingelingen Klangsumpf klämpfen - wegen der Alliteration ist klämpfen hier besser als kämpfen - bevor man in schlimmeren Fällen auch noch einem Verkäufer entgegentritt, der eine Nikolausmütze trägt. Und auch draußen ist man nicht vor dem klomerziellen Klangsumpf sicher."
 
Genau! Saurer die Glocken nie klingen! "Kling, Glöckchen, klingeling"? Meinetwegen. Aber piano und nicht in Kirchturmlautstärke!
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1379 vom 8. 12. 24

Soeben habe ich meine letzte größere Mahlzeit vor Weihnachten verzehrt. Es gab Pasta Italia mit einem bunten Salat. Von nun an heißt es bis zum 24. Dezember: FdH! Zunächst ein Käsebrot, eine Banane und einen Apfel pro Tag, ergänzt nur durch Getränke mit Nährstoffen und Vitaminen. Ab der zweiten Woche darf es dann auch mal ein Hühnersüppchen oder ein kleiner Salat sein. 
 
Aus Erfahrung weiß ich, dass die ersten drei Tage am härtesten sein werden. Danach gewöhne ich mich allmählich an die schmale Kost, was mir leichter fällt, wenn ich die Pfunde purzeln sehe. Außerdem ist mir selbstverständlich klar, dass andere Menschen Tag für Tag erfahren, was Hunger wirklich heißt. Nicht nur in den Gebieten, in denen Katastrophen oder Kriege Hungersnöte auslösen. Für mehr als eine Milliarde Menschen ist es trauriger Alltag, dass sie weniger zu essen bekommen, als ihr Körper eigentlich braucht.
 
In der Anfangsphase schüttet der Körper Stresshormone aus, die als Alarmsignal neben dem Magenknurren das Unbehagen erheblich vergrößern. Gleichzeitig beginnt jedoch eine verstärkte Ausschüttung von Serotonin, so dass ab dem vierten Tag das Fasten leicht fällt. Für mich trifft ein erfreulicher Effekt zu: Geschieht das Hungern freiwillig, so fällt der Stressschub weitgehend weg. Im besten Fall werden die Endorphine mich in einen rauschähnlichen Zustand hinüberleiten.
 
Auf längere Sicht hat die FdH-Methode jedoch massive Schattenseiten. Das weiß man, seitdem in den USA das Minnesota-Experiment durchgeführt wurde. Dafür zogen 36 Freiwillige in ein Camp und begnügten sich ein halbes Jahr lang mit der Hälfte der normalen Kalorienzufuhr. Anschließend wurden sie drei weitere Monate lang beobachtet. Die Männer verloren dabei durchschnittlich ein Viertel ihres Körpergewichts. In der Hungerphase wurde Essen unter ihnen zum Hauptthema. Es kam zu starken Stimmungsschwankungen. Aggressionen und Depressionen waren an der Tagesordnung, der Sexualtrieb ließ nach, Schlafstörungen nahmen zu. Und hinterher plagte die meisten Teilnehmer extremer Heißhunger, der auch nicht gestillt war, wenn der Sättigungspunkt erreicht wurde.
 
Das will ich natürlich nicht erleben. Aber meine "Fastenkur" ist ja auf zweieinhalb Wochen begrenzt. Allerdings verspüre ich bereits jetzt die ersten unliebsamen Signale. Ich hätte wohl nicht über das Thema Hunger schreiben dürfen. Denn obwohl ich erst vor zwei Stunden gut gegessen habe, macht sich allein durch den Gedanken an das bevorstehende Martyrium ein leises Rumpeln in der Magengegend bemerkbar.
 
Habt Ihr meinen Rat befolgt und Euch ein Hörgerät zugelegt? Dann lauscht in den nächsten Tagen öfter mal in Richtung Dorsten-West. Wenn ihr dann in der Ferne ein anhaltendes Grummeln vermerkt, dann wisst Ihr wenigstens, wer die Ursache ist.
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1378 vom 7. 12. 24

Wie Ihr als treue Schmunzelpost-Leser wisst, habe ich eine Vorliebe für Rebensaft und trinke fast täglich ein, zwei Gläser Wein, maximal jedoch eine Flasche. Außerdem habe ich in letzter Zeit öfter von den Folgen meiner offensichtlich zunehmenden Altersvergesslichkeit erzählt. Nun gibt es Leute, die eins und eins zusammenzählten und dabei auf eine hohe promillehaltige Endsumme kamen. Sie reimten sich zusammen, dass ich ein Alkoholproblem hätte, weil ich täglich mehrere Flaschen Wein konsumieren würde!? Und solch ein trunksüchtiger Schluckspecht wird zwangsläufig immer unzuverlässiger, wie sie mir attestierten. Als ich von dem Gerede erfuhr, musste ich vor lauter Schreck sofort die vierte Flasche öffnen.
 
Zum Glück tröstete mich der Gedanke, dass es nicht ganz so schlimm um mich stehen kann. Weil die Waage wieder einige Kilo zu viel anzeigt, werde ich ab dem Wochenende wieder für zwei Wochen mit meiner speziellen Fastenperiode beginnen, damit ich zu Weihnachten dem Gürtel wieder etwas Spielraum bieten kann. Ich esse dann nur zum Frühstück ein kleines Käsebrot, eine Banane und einen Apfel. Nachmittags gibt es noch einen Nährstoffdrink. Und ab der zweiten Woche auch schon mal eine Hühnersuppe oder einen kleinen Salat. Aber natürlich in der gesamten Zeit keinen Tropfen Alkohol.
 
Doch weil ich ja dem Hörensagen nach abhängig bin, mache ich mir nun große Sorgen, ob ich dann mit zittrigen Fingern überhaupt noch täglich meine Schmunzelpost in die Tasten hauen kann. Ihr werdet es merken. Damit meine Unruhe abklingt, gönne ich mir jetzt vorsichtshalber noch ein fünftes Fläschchen.
 
Glückauf (hicks!)
kdk   

Schmunzelpost 1377 vom 6. 12. 24  

Nach einigen Tests ist für mein linkes Ohr ein maßgeschneidertes Hörgerät geliefert worden. Gestern konnte ich es abholen und einsetzen. Was soll ich sagen? Ich höre die Welt nun mit neuen Ohren, zumindest auf links.
 
Plötzlich dringen Geräusche zu mir durch, die ich vorher noch nie wahrgenommen habe. Als ich am Kontoauszugsdrucker stand, hörte ich es intensiv in dem Gerät arbeiten und war über die jeweiligen Produktionsfortschritte stets im Bilde. Der Straßenverkehr ist um einige Facetten reicher geworden, so beispielsweise um das laute Zischen, wenn Autoreifen über regennasse Straßen rollen.
 
Beim Schritt vor die Tür des Hörgeräte-Ladens kam es mir so vor, als könne ich sämtliche Gespräche verfolgen, die in der Fußgängerzone geführt wurden. Das war allerdings herausfordernd, denn es war Markttag und die Innenstadt daher trotz des Regens gut besucht. Dennoch: Ich vermute, wenn ich jetzt nur richtig angestrengt hinhöre, verstehe ich vielleicht sogar, was Ihr in der Ferne sprecht. Zumindest, falls Ihr Euch im Freien aufhaltet und gerade etwas zu sagen habt.
 
Daheim angekommen, zuckte ich erschrocken zusammen. Was war das für ein knisterndes Getöse, das unser Wohnzimmer erfüllte? Ein schneller Blick sorgte für Entwarnung: Unser Kater war mit Anlauf auf einen Bogen Packpapier auf dem Boden gesprungen und damit zwei Meter durch die Wohnung gerodelt. Das war eine wichtige Lektion: Knistern, Klirren und Scheppern sind ab sofort ganz besondere akustische Erlebnisse!
 
Das gilt auch für die Selbstwahrnehmung. Ich habe mich bereits ermahnt: "Krause, sprich nicht so laut mit anderen, denn es schallt wie Donnerhall durch Deinen Schädel!" Vermutlich werde ich daher niemals in Gefahr geraten, wie Herr K. Selbstgespräche zu führen. Oder bloß im Flüsterton.
 
So, jetzt geht bitte alle einmal nach draußen und ruft laut in Richtung Maria Lindenhof: "Hallo, Klaus!" Falls Ihr danach meine postwendende Antwort nicht hört, ist es für Euch an der Zeit, mal über die Anschaffung eines Hörgerätes nachzudenken.
 
Glückauf
kdk 

 Schmunzelpost 1376 vom 5. 12. 24 

Für die gestrige Schmunzelpost habe ich emsig im Keller in einem Schrankfach mit Kopien von Polizeiberichten, Vorlagen für Gerichte und andere Behörden gewühlt. Die Texte erschienen mir seinerzeit so kurios, dass ich beschloss, sie zu verwahren. Lange haben sie im Verborgenen geschlummert und wurden erst durch die intensive Suche nach der Doppelbett-Klage wieder ans Tageslicht befördert. Dabei fiel mir nun ein weiterer Text in die Hände, über den ich nicht nur geschmunzelt, sondern lauthals gelacht hatte.
 
Es geht um einen meisterhaften Versuch der Urkundenfälschung, dem unerklärlicherweise die Bezirksregierung nicht auf den Leim gegangen ist. Ein Mann, dessen Talente vor allem in seinen geschickten Händen steckten, weshalb er auch den Beruf eines Masseurs anstrebte, hatte dazu einen Massage-Lehrgang mit Abschlussprüfung absolviert. Danach war ihm der Computerausdruck seines Zeugnisses ausgehändigt worden, auf dem als einziger handschriftlicher Eintrag die Note vermerkt war.
 
Nun erschien unserem Freund das "ausreichend" als Zensur, die a) seinen wirklichen Fähigkeiten nicht annähernd gerecht wurde und b) seiner Karriere nicht besonders förderlich zu sein schien. Da das Zeugnis noch der Bezirksregierung vorgelegt werden musste, um weitere Berechtigungen zu erlangen, entschloss sich der handwerklich begabte Künstler spontan, ein wenig zu korrigieren. Er übertünchte die Note sorgsam mit Deckweiß, ließ den Bogen trocknen und fügte mit schwungvoller Schrift eine Note ein, die ihm nach seiner Auffassung eher gerecht wurde. Dann kopierte er den Bogen, wodurch alle Spuren seines Eingriffs unsichtbar wurden - ein wahres Meisterwerk. 
 
Doch die Fälschung flog trotzdem auf. Der Mann war völlig baff. Mit welchem neuartigen technischen Verfahren waren ihm die Mitarbeiter der Bezirksregierung wohl auf die Schliche gekommen? Vielleicht habt Ihr eine Ahnung. Auf dem Dokument stand: Herr XY hat seine Prüfung mit dem  handschriftlich eingesetzten Gesamturteil bestanden: gud!
 
Ich finde, diese Schmunzelpost verdient ein sär gud!
 
Glückauf
kdk   

Schmunzelpost 1375 vom 4. 12. 24

 Wenn ich mit Auto oder Bus von Dorsten über Marl nach Recklinghausen fahre, passiere ich an der Ortsgrenze eine Brückenunterführung, unter der meist zwei Damen auf Kundschaft warten. Nicht nur wegen ihres Jobs, zu dem sie womöglich durch Androhung von Gewalt oder finanziell gezwungen sind, tun mir die leichtbekleideten Frauen Leid. Vor allem im Winter. 
 
Womöglich können sich die Sexarbeiterinnen mit ihren Kunden wenigstens in einen beheizten Wohnwagen auf einem nahegelegenen Parkplatz zurückziehen. Vorausgesetzt, sie haben ihr Gewerbe zuvor bei den Behörden angemeldet und ein Sondernutzungsrecht für den Stellplatz beantragt. Mit entsprechender Genehmigung ist alles rechtlich in Ordnung, denn: "Nach § 7 Abs. 1 des Bundesfernstraßengesetzes ist der Gebrauch der Bundesfernstraßen, wozu gemäß § 7 Abs. 4 Nr. 3 auch die Parkplätze gehören, jedermann im Rahmen der Widmung und der verkehrsbehördlichen Vorschriften zum Verkehr - gemeint ist hier der Straßenverkehr - gestattet." Was übersetzt bedeutet: Auch Geschlechtsverkehr am Straßenstrich ist dann juristisch nicht verkehrt.
 
Mit einem anderen Verkehrsproblem war vor etlichen Jahren ein Amtsgericht bei einem Zivilprozess befasst. Ich fand das damals so skurril, dass ich mir sowohl die Klagebegründung wie die Urteilsbegründung des Gerichts aufgehoben habe. Es ging um eine Urlaubsreise nach Menorca, für die 1990 ein Hotelzimmer mit Doppelbett gebucht wurde. Vom Gesamtpreis in Höhe von 3078 DM wollte der Kläger danach 616 DM plus Verzugszinsen erstattet bekommen und zwar aufgrund eines extremen Mangels.
 
Im Zimmer, so die bedrückende Situation, fanden der Kläger und seine Lebensgefährtin nämlich kein Doppelbett vor, sondern "zwei separate Einzelbetten, die nicht miteinander verbunden waren." Was Folgen hatte: Schon in der ersten Nacht musste der Kläger feststellen, dass er hierdurch in seinen Schlaf- und Beischlafgewohnheiten empfindlich beeinträchtigt" worden sei. Mehr noch: "Ein friedliches und harmonisches Einschlaf- und Beischlaferlebnis kam während der gesamten 14 Tage nicht zustande, weil die Einzelbetten, die zudem noch auf rutschigen Fliesen standen, bei jeder kleinsten Bewegung mittig auseinander gingen. Ein harmonischer Intimverkehr sei daher nahezu völlig verhindert worden."
 
Klar, dass der Erholungswert ohne die ersehnte Harmonie stark beeinträchtigt war. Noch schlimmer: Dieser skandalöse Missstand habe beim Kläger und seiner Partnerin auch zu Verdrossenheit, Unzufriedenheit und sogar Ärger geführt! Wie gingen nun die Nachfolger Salomons mit dieser Klage um? Teilten sie den Streitwert in zwei Hälften? Prüften sie die Gegebenheiten vor Ort? Nichts von alledem. Sie wiesen die Klage zurück und begründeten dies ebenso kenntnisreich wie praxisnah:
 
"Der Kläger hat nicht näher dargelegt, welche besonderen Beischlafgewohnheiten er hat, die fest verbundene Doppelbetten voraussetzen. (...) Dem Gericht sind mehrere allgemein bekannte und übliche Variationen der Ausübung des Beischlafs bekannt, die auf einem einzelnen Bett ausgeübt werden können, und zwar durchaus zur Zufriedenheit aller Beteiligten. (...)
 
Wenn ein Mangel leicht abgestellt werden kann, dann ist dies auch dem Reisenden selbst zuzumuten. (...) Es hätte nur weniger Handgriffe bedurft und wäre in wenigen Minuten zu erledigen gewesen, die beiden Metallrahmen durch eine feste Schnur miteinander zu verbinden. Es mag nun sein, dass der Kläger etwas derartiges nicht dabei hatte. Eine Schnur ist aber für wenig Geld zu besorgen. Bis zur Beschaffung dieser Schnur hätte sich der Kläger beispielsweise seines Hosengürtels bedienen können, denn dieser wurde in seiner ursprünglichen Funktion in dem Augenblick sicher nicht benötigt."
 
Was wäre es schön, wenn sich sämtliche Verkehrsprobleme mit einem Hosengürtel beheben ließen, urteilt kdk. 
 
Glückauf

 Schmunzelpost 1374 vom 3. 12. 24

Zur Zeit läuft gerade wieder eine Schachweltmeisterschaft. Eigentlich sogar gleich zwei davon. Eine offizielle des Schachweltverbandes, bei der ein 18-jähriger indischer Herausforderer und der amtierende Weltmeister aus China um den Titel streiten. Und eine inoffizielle, die nur in Fachkreisen der Region so bezeichnet wird. Dabei messen sich zwei Vertreter der Schach-Metropolen Werne und Dorsten. Es steht sechseinhalb zu sechseinhalb.
 
Die jüngste Partie des mörderischen Kräftemessen war wieder ein titanisches Ringen, das erst nach fast vier Stunden endete. Wer gewonnen hat? Schwarz! Das ist seit geraumer Zeit dauernd so, obwohl nach allen Statistiken eigentlich Weiß im Vorteil sein sollte. Aber Schach ist eben ein Spiel voller Unwägbarkeiten und vielfältiger Varianten. 
 
Die längste in den Schach-Chroniken festgehaltene Partie fand 1989 bei einem Turnier in Belgrad statt. Die beiden Kontrahenten saßen sich dabei 20 Stunden und 15 Minuten gegenüber, um sich nach 269 Zügen auf ein Unentschieden zu einigen. Aber theoretisch kann ein Spiel noch viel länger dauern. Man hat errechnet, dass bei einer einzigen Partie maximal 5949 Züge möglich wären. Wenn die Akteure dann noch so lange überlegen, wie  Francesco Torres, dann würde die Geduld der Zuschauer arg strapaziert. Der Spanier brauchte zwei Stunden und zwanzig Minuten, um aus zwei erfolgversprechenden Zügen den aus seiner Sicht besten auszuwählen.
 
Das hatte bestimmt seine Gründe. Denn wenn nach einigen Eröffnungszügen eine Partie ins Mittelspiel übergeht, gibt es unzählige Möglichkeiten. Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass die Zahl der Varianten beim Schachspiel, die das Duell weiß gegen schwarz einzigartig machen, größer ist, als die Anzahl der Elektronen im gesamten Universum. Deren Zahl wird auf 10 hoch 79 geschätzt, während die Anzahl unterschiedlicher Schachpartien 10 hoch 120 betragen soll.
 
Es gilt also, gewaltige Gedankenarbeit zu leisten. Ich habe gelesen, dass Schachgroßmeister durch die Anstrengungen ihres Gehirns während einer einzigen Partie mehrere Kilo Gewicht verlieren. Das ist mir bis heute nicht ansatzweise gelungen. Vielleicht sollte ich künftig wie Senior Torres mindestens zwei Stunden lang intensiv über jeden Zug nachdenken. . .
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1373 vom 2. 12. 24

Na, habt Ihr gestern die erste Kerze Eures Adventskranzes angezündet? Und das erste Türchen des Adventskalenders geöffnet? Es ist schon erstaunlich, wie sich solche Bräuche hartnäckig halten, selbst wenn das Verhältnis zur Kirche zerrüttet ist. Bis zum Beginn der Pubertät war es jeden Morgen im Dezember meine erste Amtshandlung, termingerecht den Adventskalender zu bedienen. Ich weiß noch, wie überrascht ich war, als ich mit zwölf Jahren erfuhr, dass es solche Kalender statt mit Bildchen auch mit Schokolade oder anderen Süßigkeiten gab. Hastig ließ ich mich daraufhin einweihen, wie man Türchen auch ohne fristgemäße Erlaubnis öffnen und ohne Inhalt vorsichtig wieder verschließen kann.
 
Doch wie sind diese Bräuche eigentlich entstanden? Den Adventskranz hat Johann Hinrich Wichern erdacht, ein evangelischer Christ und Begründer der Diakonie. Sein "Prototyp" trug jedoch noch deutlich mehr Kerzen, eine für jeden Tag der Adventszeit. Also mindestens 22 und höchstens 28 Stück. Der erste Adventskranz hing 1839 im "Rauhen Haus", einer Hamburger Einrichtung für Kinder aus besonders armen oder schwierigen Verhältnissen.
 
Anfangs wurden auf einem Wagenrad weiße Kerzen für die Wochentage und vier rote Kerzen für die Adventssonntage befestigt. Diese ursprüngliche Form gibt es heute noch, sie heißt "Wichernkranz". Sie sollte den Kindern nicht nur die Zeit bis Weihnachten vor Augen führen, sondern ihnen auch helfen, das Zählen zu lernen. Seit 1860 wird der Adventskranz mit Tannengrün gefertigt. Außerdem ging man aus praktischen Erwägungen dazu über, sich auf die vier Sonntags-Kerzen zu beschränken. Die katholische Kirche zog übrigens erst mit großer Verspätung nach, 1925 in Köln, 1930 in München. Doch erst nach dem 2. Weltkrieg trat der Kranz seinen Siegeszug in ganz Deutschland an.
 
Wichern war es auch, der Protestanten auf die Idee des Adventskalenders brachte. 1851 hängten evangelische Familien Tag für Tag je ein weiteres Bild mit biblischen Motiven auf, bis die Adventszeit am Heiligen Abend endete. Die Spar-Variante funktionierte anders herum: 24 Kreidestriche wurden bis zum Weihnachtsfest nacheinander ausgewischt. Und 1903 veröffentlichte eine evangelische Buchhandlung aus Hamburg den ersten gedruckten Kalender in Form einer Weihnachtsuhr.
 
Was tut sich anderswo auf dem Globus in der Adventszeit? In Uganda kennt man weder Christbäume noch Adventskränze oder Krippen. Stattdessen dekorieren die Familien ihre Häuser den ganzen Dezember über mit bunten Girlanden und Palmenblättern. Und an jedem Adventssonntag gibt es ein Festessen, bei dem neue Kleidung verschenkt wird.
 
Auch Kolumbien kommt ohne Adventskranz aus. Stattdessen wird dort der Weihnachtsbaum bereits Anfang Dezember aufgestellt. Und am 7. Dezember werden tausend Lichter entfacht, die an die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria erinnern sollen. Dazu kommt man mit der Familie oder Freunden zusammen und zündet gemeinsam vor der Haustür die Kerzen an.
 
In Mexiko beginnt die Adventszeit erst am 16. Dezember. Jeder der folgenden neun Tage steht für einen Monat der Schwangerschaft Marias. In dieser Zeit zelebrieren die Mexikaner die Tradition der "Las Posadas", was so viel wie "Herbergen" bedeutet. Verkleidete Kinder ziehen von Haus zu Haus und spielen die Herbergssuche von Josef und Maria nach. Die Häuser sind mit "Pinadas" dekoriert, bunten Fantasiefiguren aus Pappe. Sie dürfen von den Kindern zerschlagen werden, weil sich in ihrem Inneren Süßigkeiten verbergen.
 
Aber auch die Erwachsenen haben ihren Spaß. Täglich wechselnd treffen sich Freunde, Nachbarn und Verwandte in unterschiedlichen Wohnungen und werden am Eingang von den Gastgebern empfangen, die Josef und Maria verkörpern. Alle Gäste tragen eine Kerze in der Hand. Anschließend wird ausgelassen gemeinsam gefeiert .Es werden traditionelle Lieder gesungen, Bañuelos (süße Krapfen) gegessen und Ponche (Fruchtpunsch), Bier und Tequila getrunken. Oft tischen die Gastgeber auch noch ein Abendessen auf.
 
Ich finde, gerade in der Vorweihnachtszeit sollten wir uns weltoffen zeigen und ausländische Bräuche importieren. Wie wäre es im Advent mit la Fiesta Mexicana? Vorausgesetzt, es gibt statt Ponche Glühwein und anstelle von Bier und Tequila Rotwein.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1372 vom 1. 12. 24

Auweia! 0:3 von 04! Da geht doch gleich die hoffnungsvolle Erwartung flöten! Aber mit ein wenig Nachdenken kommt  ein tröstendes Lichtlein daher. Das war ja noch im November. Im Dezember wird bestimmt alles besser. Deshalb suche ich zum Adventsbeginn heute auch nur positive Nachrichten heraus.
 
Eine gute Nachricht für Schüler verkündete jetzt die Tagesschau. Für die Dauer von vier Jahren soll auf die Leistungs-Benotung komplett verzichtet werden. Vorerst allerdings bloß an elf Schulen in Sachsen. Erst nach dem Abschluss des Experiments soll über eine Ausweitung nachgedacht werden. Sächsische Schüler geben dem Projekt jedoch heute schon eine "Eins". Wie wohl die Lehrer unter den SP-Lesern darüber denken?
 
Eine gute Nachricht für sportinteressierte Frauen. Whoopi Goldberg hat einen globalen Sportkanal gegründet. "All Women's Sports Network", abgekürzt AWSN, soll künftig in 65 Ländern ausschließlich über Frauensport berichten, vor allem über Fußball, Tennis und Basketball. Damit schreitet der Kampf um die Gleichberechtigung in den Sportarenen und an den Bildschirmen einen großen Schritt voran. Wenn man das über Löhne, Karrieren und Politik nur auch sagen könnte. . .
 
Eine gute Nachricht für alle österreichischen Kinder, die Kuchen mögen. Pia Plankensteiner und Adina Seeger lassen eine sprechende Schwarzwälder Kirschtorte dem jungen Publikum die österreichische Verfassung erklären. Der plaudernde Kuchen erläutert anschaulich und humorvoll Demokratie und Freiheit. Mögen wohl auch AfD-Wähler Schwarzwälder Kirschtorte?
 
Eine gute Nachricht für hungernde Haustiere und ihre Halter. In Osnabrück wurde die erste Tiertafel gegründet. Sie soll bedürftige Tierfreunde unterstützen, damit sie ihre Lieblinge füttern können und sie nicht in Tierheime bringen müssen. In Dorsten gibt es bereits eine Filiale, die sich direkt um die Versorgung eines roten Katers kümmert. Falls Ihr nun schimpft, man solle die Mittel lieber für notleidende Menschen verwenden, dann seid Ihr herzlich an die Krause-Tafel auf eine köstliche Portion Kittekat eingeladen.
 
Glückauf
kdk  

Schmunzelpost 1371 vom 30. 11. 24

Heute geht er zu Ende, der traurige November. Die Zeit des Totengedenkens wird abgelöst vom Advent, also von hoffnungsvoller Erwartung. Am letzten Novembertag beschäftigen wir uns jedoch noch einmal mit dem Tod, aber durchaus hoffnungsvoll nach dem Motto: Totgesagte leben länger!

 
Mitunter sind es Zeitungskollegen, die durch einen verfrühten Nachruf jemand voreilig für tot erklären. So erging es in den 1930er Jahren dem Schriftsteller Rudyard Kipling, bei uns vor allem bekannt durch sein Dschungelbuch. Kipling reagierte, indem er der Zeitung einen knappen Brief schrieb: "Ich habe gerade gelesen, dass ich tot bin. Vergessen Sie nicht, mich aus Ihrer Abonnentenliste zu streichen."
 
Dagegen führte in den 1970er Jahren ein Redakteur der britischen Musikzeitschrift "Melody Maker" die Fans des Rock-Stars Alice Cooper bewusst in die Irre. Der Kritiker verfasste eine Konzert-Rezension in Form eines Nachrufes. Cooper reagierte gelassen: "Ich bin am Leben und betrunken wie immer."
 
Manchmal gehen die Zeitungen aber auch Schwindlern auf den Leim. In den USA war Alan Abel als Scherzbold bekannt und gefürchtet, weil er seine Opfer gern hereinlegte. 1979 täuschte er seinen Tod vor, um die New York Times zu einem Nachruf zu veranlassen. Das Blatt ging dem Schelm tatsächlich auf den Leim. Anderntags lud Abel zur Pressekonferenz ein und verkündete mit einem Zitat vom Mark Twain: "Die Nachrichten von meinem Ableben sind stark übertrieben."
 
Fernbeziehungen bergen die Gefahr von Missverständnissen. Eine völlig aufgelöste Frau rief eines Abends stark beunruhigt die Polizei in Nürnberg an. Sie hatte wie üblich lange Zeit mit ihrem Freund telefoniert, als am anderen Ende der Leitung plötzlich völlige Stille eintrat. Trotz eindringlicher Appelle und bittender Rufe sagte der Gesprächspartner kein einziges Wort mehr, auch sein Atmen war nicht zu hören. Sofort brachen mit heulenden Sirenen ein Streifenwagen, die Feuerwehr und ein Krankenwagen zur Wohnung des Mannes auf. Der "Tote" öffnete den Einsatzkräften selbst die Tür: Er war während eines langen Monologs seiner Freundin in tiefen Schlummer versunken.
 
Ich hoffe, Euch geht es bei der Lektüre der Schmunzelpost nicht genauso, sonst sehe ich mich gezwungen, in hoffnungsvoller Erwartung ein Rettungsteam vorbei zu schicken.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1370 vom 29. 11. 24

Schnipp, schnapp, Schniedel ab! Damit ist die Gefahr gebannt, dass unser roter Adoptivkater das Katzenelend durch die Zeugung von zahlreichen Babys vergrößert. Und auch das Risiko sank erheblich, dass er sich bei einer Beißerei mit Rivalen eine tödliche Infektionskrankheit einfängt. Ansonsten ist der Prachtkerl kerngesund. Und damit entschieden besser dran, als die armen Tiere, über deren Schicksal ich heute berichte.
 
2005 verflog sich ein Spatz in ein niederländisches Tagungszentrum, wo ein Rekordversuch geplant war. Doch das verhinderte der Vogel. Er brachte höchstpersönlich 23 000 Dominosteine zu Fall. Dafür musste er büßen! Eine aufgebrachte Menschenmenge drängte den verstörten Spatz in eine Ecke, und jemand liquidierte ihn mit einem gezielten Schuss. Immerhin löste dieser Fall von Lynchjustiz im Internet weltweit millionenfachen Protest  aus. Und auch die niederländischen Behörden reagierten. Der Spatz wurde restauriert und hockt nun als Mahnmal in Rotterdams naturhistorischem Museum auf einer Dominoschachtel. 
 
Der ehemalige US-Vizepräsident Dick Cheney verstand sich als großer Waidmann. Bei einer "Jagdexpedition" knallte er 2003 eigenhändig 75 Zuchtfasane ab. Er und seine neun Begleiter töteten insgesamt 471 Fasane und eine große Zahl Stockenten. Die Tiere waren vorher eigens in ein Gehege gebracht worden, um das Jagderlebnis für den prominenten Schützen und seine Gäste weniger anstrengend zu gestalten.
 
Weil dies den Zorn von Tierschützern entfachte, ging Cheney erst drei Jahre später erneut auf die Jagd, diesmal im freien Gelände in Texas. Dabei verwechselte der Vizepräsident einen Jagdkumpan mit einer Schnepfe und hätte den Anwalt Harry Whittington fast umgebracht, als er ihn mit Schrotkugeln spickte. Anders als die Fasane überlebte Whittington jedoch. Ich stelle fest: Das größte Untier ist der Mensch!
 
Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele. Für einen krassen Fall von übertriebener Tierliebe steht der römische Dichter Vergil. Er richtete für die Beerdigung seiner liebsten Stubenfliege - jawohl, musca domenicus iacta est - ein pompöses Begräbnis aus. Komplett mit Bewirtung, Orchester und bezahlten Klageweibern kostete der Festakt etliche Sesterzen, umgerechnet nach heutiger Währung etwa 800 000 Euro. Gut, das war wohl nur ein Fliegenschiss in der Geschichte der Antike. Aber ich glaubte bisher, in Sachen Überschnappen sei Nero unübertroffen geblieben. 
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1369 vom 28. 11. 24 

Als für zwei Tage zumindest temperaturmäßig der Spätsommer ein Comeback feierte, traute sich mein Nachbar, der uralte Herr K., mal wieder auf den Balkon und führte eines seiner berüchtigten Selbstgespräche. Dabei bestätigte sich das Sprichwort "Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand'". Ich wusste vorher nicht, wie gut der alte Knabe über mich informiert ist.
 
"Hömma, Karl, et is mal wieda anne Zeit, en bisken frische Luft zu schnappen und sich dabei geflecht zu unterhalten. Ich muss ma orntlich Dampf ablassen. Weil, weisse, ich hab natürlich rein zufällich mitgekricht, wat unsa Nachbar von unten seine Kumpels so allett vorjammert. Dat er links 'ne neue Hüfte hat un getz au noch ein Hörgerät in dat linke Ohr, Dat er langsam eine Brille brauchen tut, weil seine Äugsken dat Kleingedruckte nich mehr lesen können. Ach, wat für' n armen Kerl! Un getz ham se dem den Krankenkassen-Beitrach um 130 Ocken raufgesetzt, ogottogottogott.
 
Dat mit die Herzoperationen und dat er sich jeden Monat bekucken lassen muss, ob der Krebs wiedakommt, dat seh ich ja noch ein, dat man sich da Sorgen macht. Aba sons? Son fideler Jungspund, der noch alleine den Rasenmäher aussem Keller holen kann un sich auch sons nen feinen Lenz macht, wat hat der denn für' n Grund sich zu beschwern? Soller ersma in unsre Jahre komm, dann wirter sich umkucken! Nich wahr, Karl, Du und ich, wir sind doch schon komplett runderneuert, da bisse schneller mit Aufzähln fertich, wat in unsere Körper noch orginal is, statt die ganze Ersatzteile aufzusagen.
 
Aba dat Schöne is ja, wie weit die Medizintechnik mittlaweile, will mal sagen, gediegen is. Seit se mich 'ne neue Leitung gelecht ham, da strull ich wieda auffem Klo wie die Nigerwarafälle! Un nachdem se mich ne neue Leba einmontiert ham, kann ich ein Pilsken nach dat andere zischen. Von mein Herzschrittmacher ganz zu schweigen. Dat Ding bringt die Pumpe so auf Trapp, ich überlech schon, ob ich mich für nen Marahton anmelde. Na gut, da watte ich besser noch'n Weilchen, bis ich dat dritte Mal neue Knie gekricht hab.
 
Eins noch, Du junges Bürschken von nebenan. Dat kannze Dir hinter dat rechte Ohr schreiben: Mittem neuesten Spezialhörgerät, da hörrse drei Häusken weiter noch die Flöhe husten. Damit die Krankenkasse nich so viel Kohle kassiert, hab ich mich als Versuchsperson für Porto-Tüten zur Verfügung gestellt. Un getz hör ich besser als son Lux oder wie dat Vieh mit die Pinselohrn heißen tut. Nu kriech ich jedes Wort mit, wat bei Euch gesprochen wird. Aba dat erzähl ich bloß dem Karl weita, dat bleibt also inne Famillje. Wir beide sind verschwiegen wie ein offenes Grab. Wie wir immer zu sagen pflegen: Tollerand musse sein und Hauptsache gesund! 
 
Glückauf
kdk 

 Schmunzelpost 1368 vom 27. 11. 24

Monatelang war Ruhe, jetzt war wieder ein operativer Eingriff erforderlich. Im Laufe des Tages erfahre ich heute, ob die Kastration erfolgreich war. Nein, nein, es geht nicht um mich. Die Rede ist vom roten Kater, der uns seit Wochen belagerte und enorm leid tat, wenn er bei Schnee, Regen und Kälte vor der Terrassentür saß und in die Wohnung schaute. 
 
Gestern ist er uns in die Falle gegangen. Mit Hilfe des Vereins "Streunerkatzen" konnten wir den äußerst freiheitsliebenden Burschen einfangen und in tierärztliche Obhut geben. Nach der Kastration wird er gründlich untersucht und entfloht. Anschließend wartet in unserem Garten ein Hütte mit Heizdecke auf ihn, so dass wir ihn durch den Winter bringen können, ohne dass er in die Wohnung muss. Sobald sich die Tür schließt und seinen Fluchtweg versperrt, kriegt er sonst nämlich absolute Panik.
 
Während andere schon sauer sind, wenn sie morgens mal ein Kater heimsucht, geht bei uns der Trend also zum Zweitkater. Getreu der Devise: Was ist besser als eine Katze? Zwei Katzen!  Zur Feier des Tages habe ich für Euch noch weitere mehr oder weniger lustige Katzenwitze ausgesucht.

 "Was ist der Unterschied zwischen einem Mann und einem Kater? Der eine ist ein verlauster Vielfraß und der andere ist ein Haustier."
 
"Unsere Katze hat bei einer Vogelausstellung den ersten Preis geholt!" "Unglaublich. Wie ist das möglich?" "Ganz einfach: Das Käfigtürchen stand offen."
 
Treffen sich zwei Katzen. Sagt die eine: "Ich bin adelig und heiße Sophia vom Schlosspark. Und Du?" "Ich bin auch adelig. Ich heiße Runter vom Sofa!"
 
Bestimmt hat das Euer Chef schon mal zu Euch gesagt: "Ihre Arbeitsauffassung entspricht der einer Katze. Sie schleichen zu spät ins Büro, legen die Pfoten auf den Schreibtisch und warten auf die Mäuse!"
 
Und der letzte ist unserem roten Kater nach dem Verlust seiner Kronjuwelen gewidmet. "Was ist denn heute mit Ihrem Kater los? Der flitzt ja wie ein Verrückter durch sämtliche Gärten der Nachbarschaft." "Ja, den haben wir kastrieren lassen. Und jetzt sagt er alle Verabredungen ab."
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1367 vom 26. 11. 24

Nochmal zurück in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Gerade, wenn die kalten Tage näherrücken, ist es manchmal sinnvoll sich zu erinnern, was es bedeutet, wenn Sozialsysteme durch Wirtschaftskrisen kollabieren. Das hilft gegen dauerndes Jammern und Meckern aus unserer Luxus-Loge heraus.
 
Eigentlich war die Gier schuld. Weil halb Amerika vom Aktienboom um 2025 profitieren wollte und sich hoch verschuldete, um mit Kursgewinnen und Dividenden ein Vermögen zu machen, platzte im Oktober 1929 die Blase, und es kam an der Wallstreet zum großen Börsen-Crash. In Deutschland nahm man das zunächst gelassen zur Kenntnis. Man nahm an, dies sei ein Übersee-Problem, das sich schon wieder regeln werde. Doch weil unser Land durch massive Reparationszahlungen hoch verschuldet war, schwappte die Pleite-Welle schnell nach Deutschland herüber, als die US-Banken Kredite kündigten und Einlagen zurückzogen.
 
Die damalige Arbeitslosenversicherung war auf maximal 800 000 Hilfsbedürftige ausgerichtet und konnte durch Notmaßnahmen nur für 1,4 Millionen Betroffene erweitert werden. Doch schon 1930 zählte man in Deutschland drei Millionen Menschen ohne Arbeit. Bis 1932 kamen weitere anderthalb Millionen hinzu. Damit fanden 30 Prozent der Erwerbstätigen keinen Job. Und das Arbeitslosengeld versiegte bereits nach nur sechs Wochen!
 
Bittere Not, Hunger und Obdachlosigkeit waren die Folgen. Tagsüber lungerten die Menschen im Winter in Kneipen herum, wenn sie sich zumindest ein Glas Bier leisten konnten. Sich nachts einen Schlafplatz auf Strohsäcken zu sichern, kostete in überfüllten Privatunterkünften 40 Pfennig. Und die trostlosen Wärmestuben waren ein Ort des Grauens. Im ehemaligen Berliner Straßenbahndepot drängten sich auf den Bänken Hunderte von Menschen, um die eisigen Wintertage zu überstehen. Das Depot war durch ein verwinkeltes Rohrsystem und glühende Öfen ständig überhitzt, die Ausdünstungen ungewaschener Körper, verlumpter Kleidung und Wolken von schlechtem Tabak ließen dagegen die Hölle als angenehmes Plätzchen erscheinen.
 
Das ist Stoff zum Schaudern, nicht zum Schmunzeln. Schauen wir deshalb schnell in die Jahre 1925 bis 1929, als für kurze Zeit Wohlstand für alle möglich schien und in den Großstädten Vergnügungstempel geschaffen wurden, über die wir heute staunen können. Die Städte versuchten, sich mit auf Pump errichteten prachtvollen Kulturbauten gegenseitig zu überbieten. Oberbürgermeister Konrad Adenauer ließ ein wunderbares Messehaus bauen und rühmte sich, der Stadt Köln die größte Orgel der Welt gegönnt zu haben. Manches kommt unsereins bekannt vor: Das Berliner Opernhaus sollte 14 Millionen Reichsmark kosten, verschlang jedoch stattdessen satte 20 Millionen. Und Außenminister Stresemann, der mit den Siegermächten über eine Reduzierung der Reparationen verhandelte, klagte 1927: "Kein Siegerstaat hat sich sowas geleistet. Dort fragt man sich, wer eigentlich den Weltkrieg gewonnen und wer ihn verloren hat."
 
Auch mit seinen gigantischen Tanz- und Revuepalästen stellte Deutschland in diesen Jahren selbst die USA in den Schatten. Das Berliner "Resi" führte als erstes Lokal Tischtelefone ein, dort wurde die Disco-Kugel erfunden und auch ein Rohrpost-System zwischen den Tischen eingerichtet. Das "Haus Vaterland" vereinte acht Restaurants und Cafes unter einem Dach, dazu kamen ein riesiger Ballsaal und ein großes Kino. Panoramen stellten entlegene Landschaften dar. So boten die "Rheinterrassen" einen Blick auf Loreley und St. Goar. Modellboote fuhren über den Fluss, Modellflugzeuge kreisten am Himmel. Und stündlich gab es Gewitter mit Blitz und Donner sowie Regen durch Sprinklertechnik.
 
Das "Moka Efti" bot ein Stück Orient mitten in Berlin. Es lockte Heerscharen von Vergnügungssüchtigen mit Spitzenbands aus aller Welt, zwei Tanzflächen, aber auch einem Frisiersalon, einem Schachsaal und 16 Billardtischen an. In den mohammedanischen Sälen gab es "den besten Kaffee der Welt". Das"Ulap", der "Universum-Landesausstellungspark", zog Besucher mit einer Gebirgsszeneriebahn und dem nostalgischen Altberlin an, ein aufwendiger Nachbau, wie ihn heutzutage nur noch die Chinesen zusammenkleistern. 
 
Und der Luna-Park wollte alle anderen übertreffen. Dort lockten ein "eiserner See", eine wackelnde Shimmy-Treppe mit Gebläse, das wie später bei Marilyn die Röcke hob, ein großes Wellenbad, eine drehbare "Villa Irrenhaus", ein Hippodrom, ein Boxring, in dem Max Schmeling seine Karriere startete und Restaurants mit 1500 Bediensteten und 16 000 Plätzen. Wem das nicht genügte, der konnte - hört, hört, ihr Bottroper -  im Schneepalast am Kaiserdamm auch im Sommer Ski fahren.
 
Doch statt Wintersport war Tanzen das Massenvergnügen Nummer eins. Charleston und Shimmy hatten die klassischen Paartänze abgelöst, und an jeder Ecke gab es Gelegenheit zum Schwof.  Man ging ins Alkazar, in den Groschenkeller, ins Dorett, ins Tabasco, in die Ewige Lampe, in den Faun des Westens, ins Sing Sing oder einen anderen der 140 Tanzpaläste. Dazu gab es in unzähligen Kneipen Pianos, damit auch in kleineren Lokalen das Tanzbein geschwungen werden konnte.
 
Damen, die nicht allein aufs Parkett wollten, hatten große Auswahl. Viele Männer warteten darauf, gegen eine angemessene Gage ihre Partnerin den ganzen Abend herumzuwirbeln und mit mehr oder weniger geistreicher Konversation sowie Komplimenten bei Laune zu halten. Viele schneidige Offiziere, die nach dem Weltkrieg keine andere Arbeit gefunden hatten, hielten sich so über Wasser. Und auch ein gewisser Billy Wilder: Der spätere Redakteur, Schriftsteller, Drehbuchschreiber und Regisseur ("Manche mögens heiß") war auch als Eintänzer beliebt und erfolgreich. 
 
Nee, nee, der Job wäre für mich nichts gewesen. Ich hätte mich in der Villa Irrenhaus gut aufgehoben gefühlt. Was man schon an meiner Wahnidee erkennen kann, dass Ihr diesen langen Text bis zum Ende gelesen habt.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1366 vom 25. 11. 24

Kennt Ihr die Gruppe Wildes Holz? Ihr solltet sie kennenlernen. Letzten Freitag erlebte ich in Herten ein Konzert der drei Vollblutmusiker und war begeistert. Was das Trio akustischen Instrumenten an Klängen entlockte, war fantastisch. Drei absolute Virtuosen bewiesen, dass eine Kombination aus Flöten, Gitarre und Kontrabass, ab und zu auch Mandoline, mindestens genauso fetzen kann wie eine Rockband. Trotz eines vielseitigen Programms mit Stücken, die Pop-, Folk-, Jazz-, Klassik- und Rockelemente auf einzigartige Weise vermengen, wurde es keine Sekunde langweilig. Dazu trug auch eine dezente Bühnenshow bei, die in Verbindung mit der humorvollen Moderation bestes Entertainment bot. Ich reihe den Abend unter die besten Konzerte ein, die ich je gehört habe. Und das waren vor allem in jüngeren Jahren eine ganze Menge.
 
Das Programm "25 Jahre auf dem Holzweg" kann man übrigens im nächsten Jahr am 21. Februar auch live in Dorsten genießen. Und zwar ab 20 Uhr im Gemeinschaftshaus Wulfen. Außerdem gibt es noch ein Sahnehäubchen: Mit einem speziellen Klassik-Programm tritt Wildes Holz am 19. Januar im Konzerthaus Dortmund auf.
 
Seit einiger Zeit tobt eine interne Diskussion über die zeitliche Länge von Baumhaus-Veranstaltungen. Es gibt Stimmen, die sagen, dass spätestens um 22 Uhr, besser um 21.30 Uhr, Schluss sein muss. Längere Programme seien eine Zumutung für das Publikum. Das mag meist so sein, ich plädiere dennoch für flexible Lösungen. 
Beim Arnd-Zeigler-Abend in Essen erwarteten die Besucher, dass für die wunderbare Welt des Fußballs um 22 Uhr der Abpfiff ertönen würde. Die Bühnenshow dauerte jedoch fast bis 23 Uhr, ohne dass jemand Zeigler die rote Karte zeigte. Im Gegenteil: Das Publikum war begeistert.
 
Bei den Konzert-Ankündigungen für Wildes Holz stand schwarz auf weiß zu lesen, dass um 21.30 Uhr Schluss sein sollte. Doch die Musiker machten bis 22.45 Uhr weiter, und kein Zuhörer verließ vorher den ausverkauften Saal. Wäre um 22 Uhr jemand von der veranstaltenden VHS auf die Bühne getreten, um das Konzert zu beenden, ich hätte diese Person dorthin gewünscht, wo der Pfeffer wächst.
 
Auf schwedisch hätte ich dann geschimpft: "Dra dit pepparn växer", was der deutschen Variante entspricht. Andere Länder ließen sich andere Bilder einfallen. In Großbritannien schickt man solche Leute zum Baden: "Go jump in the lake." Vermutlich konnte Nessie deshalb bis heute durch das zusätzliche Futterangebot überleben. Recht poetisch sagen Spanier: "Vete a tomar vinto." Das heißt: "Geh mal den Wind fangen."
 
Noch anspruchsvoller ist die französische Version. Sie lautet: "Va voir la-bas si j'y suis!" Was in etwa bedeutet: "Geh doch nach drüben und schau, ob ich dort bin!" In Indien wächst der Pfeffer oft gleich um die Ecke. Deshalb sagt man dort lieber auf Tamil: "Kan kanatha edathuku odidu." Das bedeutet: "Lauf ins Unsichtbare". Und dorthin verziehe ich mich nun bis morgen.
 
Glückauf
kdk  

 Schmunzelpost 1365 vom 24. 11. 24

Habt Ihr daran gedacht? Heute ist Totensonntag. Damit endet das Kirchenjahr, und die Adventszeit kann beginnen. Gut, angesichts der vielen Weihnachtsmärkte, die bereits in vollem Gange sind, könnte man meinen, wir sollten Adventskränze inzwischen auf sechs bis acht Kerzen erweitern und uns an den Gedanken gewöhnen, dass die Vorweihnachtszeit schon beginnt, wenn die ersten Lebkuchen in den Verkaufsregalen liegen. Darüber kann man solch traurige Gedenktage schon mal vergessen. Damit Euch der Totensonntag künftig in Erinnerung bleibt, berichte ich heute über kuriose Todesfälle, bei denen die Versuchung aufkommt, klammheimlich zu schmunzeln. 
 
Was eigentlich todtraurig ist, ist mitunter auf makabere Weise auch lustig, solange man nicht selbst betroffen ist. So sagte Will Shriner: "Ich möchte im Schlaf sterben wie mein Großvater und nicht schreiend und heulend wie seine Beifahrer im Wagen."
 
Kann man beim Gärtnern ertrinken? Man kann, selbst wenn man keinen Teich im Garten hat. Der Brite John Lewis ist dafür ein Beispiel. Er wollte im Sommer 1999 bloß seinen Garten in Ordnung bringen, jätete Unkraut, stutzte die Hecke und harkte den Abfall zu einem mittelgroßen Haufen zusammen. Dann goss er reichlich Benzin darüber und riss ein Streichholz an. Die folgende Explosion setzte seine Kleidung in Brand. Doch Lewis schaffte es, einen nahe liegenden Fluss zu erreichen und sprang eilig hinein. Auf diese Weise löschte er die Flammen. Aber dummerweise konnte er nicht schwimmen...
 
Bei Clowns, so sagt man, liegen Tragik und Komik dicht beeinander. Das verdeutlicht die Geschichte von "Jo-Jo und Mr. Ollie". Sie erzählt, auf welche Weise die beiden den größten Applaus ihrer Karriere erzielten. Das Zirkus-Duo war Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt mit seinen Einlagen, bei denen der große und fiese Jo-Jo den kleinen und hilflosen Mr. Ollie schikanierte. Im wahren Leben waren die zwei Saufkumpanen jedoch beste Freunde, die sich vor Beginn der Vorstellung gerne ein paar Gläschen gönnten.
 
Wahrscheinlich ein Glas zuviel. So vergass Jo-Jo eines Tages vor dem Höhepunkt der Nummer, sich seinen in einer Holzperücke versteckten Helm aufzusetzen. Zum Finale durfte sich nämlich Mr. Ollie an seinem Peiniger rächen und ihm mit einer einer Axt auf den Kopf, worauf Jo-Jo stöhnend ins Sägemehl sackte. Diesmal besonders lebensecht. Sofort stürzten aus allen Ecken des Zeltes andere Clowns in die Manege, um das Opfer auf einer Bahre hinauszutragen, bevor das Publikum etwas merkte. Unglücklicherweise benutzten sie dazu ein Requisit, die präparierte Zirkusbahre. Als die Retter die Stangen hochnahmen und losrannten, blieb Jo-Jo auf dem Boden liegen, immer noch bluttriefend und immer noch tot. Der todunglückliche Mr. Ollie lief weinend und schreiend in die Manege, stolperte mit seinen übergroßen Schuhen und blieb verletzt liegen. Und das Publikum erhob sich von den Plätzen und spendete frenetischen Beifall.
 
General John Sedgwick kommandierte im amerikanischen Bürgerkrieg Truppen der Union. Seine letzten Worte sprach er während eines Gefechts mit den Konförderierten: "Die können nicht mal einen Elefanten treffen auf diese Entf...."
 
Über so etwas kann ich mich totlachen. Doch ich hoffe, der schwarze Humor hat Euch nicht die Freude am Lesen verd...

 Schmunzelpost 1364 vom 23. 11. 24

Diese Woche wird als eine verlustreiche in meine ungeschriebene persönliche Chronik eingehen. Jetzt bin ich auch noch beklaut worden. Als ich am späten Abend vom Bahnhof mit dem E-Bike nach Hause fuhr, versuchte ich vergebens, den elektrischen Rückenwind und das Licht einzuschalten. Erst daheim erkannte ich die Ursache: Mein Akku war gestohlen worden! Zum Glück hatte ich das Rad selbst mit einem Metallschloss gesichert, sodass der Dieb sich wohl die Zähne ausgebissen hat. Zwar war der Akku alt, und ich hatte mir bereits einen neuen angeschafft, aber auch der alte tat es noch. Hoffentlich nicht mehr lange!
 
Das ist jedoch nur ein kurzzeitiger Absturz aus dem Höhenrausch gewesen. Denn zur Zeit lese ich das gleichnamige Buch von Harald Jähner über "Das kurze Leben zwischen den Kriegen". Darin erfuhr ich einiges über die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts, das mir bisher noch neu war. Erstaunlich auch, wie viele Parallelen es zu unserer Zeit gibt. Denn viele Menschen waren damals körper- und gesundheitsbewusst, vergnügungssüchtig, aber auch geneigt, sich bei der Auswahl ihrer Nachrichtenquellen die eigene Meinung bestätigen zu lassen. 
 
Damals entstand der Breitensport. Als Ideal galt es, schlank und fit zu sein, was dazu führte, dass die Sportclubs sich vor neuen Mitgliedern kaum retten konnten. 1931 zählten beispielsweise die Turnvereine fast 1,4 Millionen Mitglieder, wobei das Nacktturnen sehr beliebt war. Prüde war diese Ära nicht. Freikörperkultur stand hoch im Kurs, und auch der erotische Tanz zog massenweise Zuschauer an.
 
Beliebt, weil auf andere Weise ästhetisch, war eine heute fast vergessene Sportart: Das Rhönradturnen. Ganze Gruppen und Formationen rotierten in riesigen Hamsterrädern in Hallen und über Plätze. Anschließend sang man dann gemeinsam das Rhönrad-Lied: "Beim Sport man es erst wirklich schön hat, besitzt zum Üben man ein Rhönrad."
 
Als Sportereignis war jedoch noch vor dem Fußball das Radfahren in den großen Städten der absolute Publikumsmagnet. Beim Sechstagerennen gaben nicht nur die Sportler rund um die Uhr tagelang ihr Bestes, auch das Publikum versuchte, möglichst keine Nacht zu versäumen. Das Bier floss in Strömen, oft spielten mehrere Orchester gleichzeitig und ohrenbetäubend, und in der rauchgeschwängerten Halle herrschte Volksfestatmosphäre. Die Zuschauer vergaßen im Rausch komplett den Alltag. So tönte in der dritten Nacht in Berlin folgende Durchsage aus den Lautsprechern: "Herr Wilhelm Hahnke, Schönhauser Allee 139, soll nach Hause kommen. Seine Frau ist gestorben."
 
Doch das konnte die Stimmung im Saal nicht lange trüben. Denn der Zwitter aus Sport und Variete entfachte einen Hexenkessel, der den Nazis unheimlich war. Sie fürchteten den "Kulturbolschewismus" im Sportpalast und kannten die wahren Nutznießer: "In erster Linie waren es Juden, die als Veranstalter auftraten." Es ärgerte die Rechtsextremen nämlich sehr, dass Sechstagerennen alle Volksschichten vereinten. Das fachkundige Proletariat saß außen auf den billigen Plätzen, im Inneren der Arena tummelte sich die Schickeria.
 
Zu dieser Halbwelt zählten kleine und große Akteure des Showgewerbes, die Filmbranche, Lokalpolitiker, Edelprostituierte, Schriftsteller, Zeitungsleute und Großkriminelle. Unter diesem Aspekt bedaure ich sehr, dass es heute kein Sechstagerennen mehr gibt, gerade in Dorsten. Denn als alter Zeitungsmann würde ich zu gern hören, wie ein betrunkener Krimineller prahlt: "Und dann habe ich am Bahnhof einen E-Bike-Akku mitgehen lassen!"
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1363 vom 22. 11. 24

Es ist wieder da! Nachdem ich zweimal unsere komplette Wohnung vergeblich auf den Kopf gestellt hatte, bin ich im Geiste die Zeit nach der letzten Smartphone-Nutzung noch einmal durchgegangen. Ein Anruf in der Pizzeria war erfolglos, so blieb als allerletzte Hoffnung die Umkleidekabine, in der ich am späten Samstagnachmittag eine Hose anprobiert hatte. Und siehe da: Nachdem die Herrenabteilung nach gründlicher Suche Fehlanzeige meldete, ergab die finale Rückfrage an der Kasse, dass eine Verkäuferin mein Smartphone aus einer Schublade hervorholte. Hurra!

 Das war mein erster Hosenkauf seit etlichen Jahren. Was lernen wir daraus? Mäßigt Euren Textilkonsum! Im fortgeschrittenen Alter birgt das Shoppen unkalkulierbare Risiken! Also lieber zuhause bleiben und Online einkaufen? Das schadet dem örtlichen Handel und macht nur Steuer-Drückeberger wie Amazon reich. Bleibt also der private Kauf und der Blick in die Kleinanzeigen. Da habe ich allerlei gefunden, aber keine Hose. Vielleicht habt Ihr ja Interesse an einem kostenlosen Auto:
 
"Scheiß Peugeot zu verschenken das auto hat einen Motorschaden weil ich statt öl eine Mischung aus Wasser, Maggi und Spülmittel eingefüllt und dann im Stand Vollgas gegeben habe Papiere sind dabei und das Schiebedach geht auch noch auf!!!"
 
Diese Anzeige gab mir Rätsel auf: "Hallo ich verkaufe einen zapfhuber an selbst abholer hat ein super ton und geht einband frei." Auch die nächste Anzeige lässt vermuten, dass der Anbieter ein großes Herz für Umzugswillige hat, jedoch wenig Sprachkenntnisse: "Halo ich habe hir ein Parp Garton denn ich brauchen nicht Meer. Sie Wollen? Dann abhollen!!!"
 
Manchmal frage ich mich, ob die Anzeigen von Ausländern aufgegeben wurden oder von Opfern des Deutschunterrichts nach der Devise: So schreiben, wie Du sprichst! Zum Abschluss ein kleines Quiz: Was ist ein Windelator? Ein "Pauer Beng"? Eine Komödie? (Kleiner Tipp: Gemeint ist ein Möbelstück). Eine "This Tennis Platte" (Kostet 100 Euro. Wer auch noch ein Netz dazu haben will, braucht wohl eine That Tennis Platte). Ein Verkäufer erklärte, er sei über WWätzab erreichbar. WWätzab? Habe auch ich seit gestern endlich wieder!
 
Glückauf
kdk    

Schmunzelpost 1362 vom 21. 11. 24 

Am Dienstagabend war ich zu Gast in der wunderbaren Welt des Fußballs. Nicht etwa auf einem Sportplatz. Auch nicht vor dem Fernseher, wo an diesem Abend das Länderspiel Ungarn - Deutschland übertragen wurde. Und erst recht nicht in Bremen, wo der WDR sonntags die Sendung "Arnd Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" aufnimmt. Nein, diesmal war Arnd Zeigler zu Gast im Revier, in der ausverkauften Essener "Lichtburg". Dort gab es dann tatsächlich einiges Wundersames zu bestaunen, in Bild und Wort.
 
Zeigler ist seit vielen Jahren auch spezialisiert darauf, einzigartige Tondokumente für die Nachwelt festzuhalten. Wenn Trainer philosophieren und Fußballer beweisen, dass sie nicht nur mit dem Ball, sondern auch mit einer besonderen Rhetorik glänzen können. Und natürlich ganz besondere Perlen, wenn Sportreporter im Eifer des Gefechts mit kreativen Wortkonstruktionen glänzen. Ein beeindruckendes Dokument zeigte, wie Wolfgang Kuhlins in der ARD einst am späten Abend versuchte, dem Fernsehpublikum einen nachrichtlichen Text vorzutragen, nachdem er sich die Wartezeit offenbar mit der Zufuhr gewisser Getränke vertrieben hatte. Neu war für mich eine grandiose Wortschöpfung, die beim Live-Kommentar eines Fußballspiels alkoholfrei über den Sender ging: Der Reporter schwärmte von einem gelungenen "Außenrastpiss".
 
Das nehme ich heute zum Anlass, mich mit Wortverdrehungen zu beschäftigen. Keine Angst, nicht schon wieder der Klassiker "Wäre, wäre - Fahrradkette" von Lothar Matthäus. Mein Text hat mit Fußball nichts zu tun. Wahrscheinlich habe ich mich gestern mit dem falschen Fuß hingelegt, denn es musste niemand bei mir die Zehenschrauben anziehen, auf dass ich einen Text fabriziere, der ein echter Sauerbrenner werden könnte. Denn die Kunst des Schreibens beherrsche ich aus dem Emm-Emm. Daher bin ich die blaue Eminenz des Verdrehens und versuche, Euch eine Fliege ins Ohr zu setzen. 
 
Wie wär's mit ein paar abgewandelten Redensarten? "Niemand liebt Dich - wieso ich?" Oder "Wer anderen eine Grube gräbt, der hat ein Grubengrabgerät". Schön finde ich auch "Eine Hand wäscht den anderen". Für die nächste Party gilt: "Wer nicht kommt zur rechten Zeit, ist später als die andern breit." Beim Restaurantbesuch könnt Ihr mit Blick auf die Speisekarte sagen: "Die haben ja gastronomische Preise hier!" Und denkt stets daran: "Die dümmsten Bauern haben die größten Pantoffeln."
 
Ich hoffe, ich habe Euch damit aus der Bretagne geholfen. Und falls Euch das alles heute zu platt war, sage ich: "Schwamm beiseite!"
 
Glückauf
kdk 

  Schmunzelpost 1361 vom 20. 11. 24 

Nous avon, vous avez, nu is es wech! Auf französisch verabschiedet hat sich mein Smartphone. Zuletzt benutzt habe ich es Samstagmittag. Danach ist es - aus den Augen, aus dem Sinn - spurlos verschwunden. Als ich es am Montagmorgen brauchte, blieb eine gründliche Suche im ganzen Haus erfolglos. Selbst im Auto schaute ich nach, für den Fall, dass es mir unbemerkt aus der Hosentasche gerutscht ist - Fehlanzeige.
 
Obwohl ich mein Handy vergleichsweise selten nutze, damit in der Regel keine Anrufe entgegennehme und selbst nur im Notfall damit telefoniere, vermisse ich es sehr. Ich habe mich wohl doch mehr daran gewöhnt, Whatsapp-Mitteilungen zu versenden und zu empfangen, als ich dachte. Auch zum Fernschach nutze ich mein Smartphone oder wenn ich wissen will, wie hoch die Regenwahrscheinlichkeit in den nächsten Stunden ist. Nun fällt das alles flach. Was mich jedoch vor allem ärgert, ist der Umstand, dass ich absolut keine Idee habe, wo das Ding sein könnte.
 
Der alte Trick, mich selbst anzurufen und dann anhand des Klingeltons herauszufinden, wo in der Wohnung sich das Smartphone versteckt, funktioniert leider auch nicht. Ohne akustisches Signal werde ich sofort zur Sprachbox durchgestellt, wo meine Beschwerde: "Nun melde Dich endlich, Du blödes Teil!" ungehört verhallt. Vermutlich ist der Akku längst leer. Auch den Tipp, das Handy über den Computer orten zu lassen, konnte ich nicht realisieren. Denn ich habe bisher kein dafür notwendiges Google-Konto angelegt und verweigere das auch weiterhin.
 
Jetzt muss ich notgedrungen alle Hoffnungen auf Kommissar Zufall setzen und darauf bauen, dass ich das Smartphone im Zustand totaler geistiger Abwesenheit an einem ungewöhnlichen Platz deponiert habe. Vor vielen Jahren ist das meiner Armbanduhr so ergangen. Die fand ich nach mehreren Tagen intensiven Grübelns und Suchens in unserem Kühlschrank wieder. Doch auch da liegt das Handy diesmal nicht. Auch nicht im Käsebehälter, im Gefrierfach, auf der Waschmaschine oder in Jacken-, Hemden- und Hosentaschen.
 
Falls Ihr mir also eine Nachricht per Whatsapp zukommen lassen wollt, wisst Ihr jetzt Bescheid. Das hat derzeit keinen Zweck. Schreibt mir lieber eine E-Mail. Da könnt Ihr absolut sicher sein: Mindestens zweimal täglich werfe ich den PC an.
 
Womit endlich der Beweis erbracht ist: Die Schmunzelpost ist doch zu etwas nütze!
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1360 vom 19. 11. 24

Von den Büchern unserer Jugend zur Musik unserer Jugend. Und zwar zu der Art von Musik, die uns erstmals richtig gepackt hat, von der man sofort wusste: Das isses! Das ist meine Musik!
 
Mit zehn, elf und zwölf waren Beatles und Stones noch an mir vorübergegangen. Das lag vor allem daran, dass im Rundfunk deutsche Schlager dominierten. Aber mit 13 war es dann soweit: Hörvorlieben von Freunden, erste spezielle Radiosendungen und vor allem der Beat-Club, jeden Monat 30 Minuten an einem Samstagnachmittag im Fernsehen, sorgten für das Erweckungserlebnis und brachten mich in die Spur: "Lazy Sunday Afternoon" von den Small Faces, "Death of a Clown" von Dave Davies und "Ha, ha, said the Clown" von Manfred Mann machten in meinem Kopf die Bahn frei für die Rolling Stones und The Who, für die Kinks und alles andere, was in der zweiten Hälfte der Sechziger Jahre rockte und rollte, bis hin zu Jimi Hendrix und Fleetwood Mac (die bluesorientierten von Peter Green, nicht die weichgespülten der 70er Jahre).
 
Live erlebte ich die erste Beatband 1967 im Jugendheim Lünen-Süd im zarten Alter von 14 Jahren. Die Gruppe kam aus Schweden, abba sie hieß nicht Abba. Ihre mir bis dato völlig unbekannten Coverversionen aus England und Amerika trafen mich ins Mark, ich war komplett infiziert. Das lag auch an der ungewohnten Lautstärke, die den Beat-Rhythmus mit Wucht rüberbrachte, ganz anders als die Hochtöner von Transsisterradio oder Mr.-Hit-Plattenspielern.
 
Bereits damals wunderte ich mich, dass in den Hitparaden keine Bands aus Deutschland auftauchten, geschweige denn aus dem Ruhrgebiet. Ausnahmen waren die Lords aus Berlin und die Rattles aus Hamburg, später dann Achim Reichels Wonderland. Udo Lindenberg, eigentlich aus Gronau. aber nach Selbstauskunft angesiedelt "Hoch im Norden", war dann als einer der Ersten mit deutschsprachiger Rockmusik erfolgreich.
 
Aber auch später, zur Zeit der Neuen Deutschen Welle, blieben Chartstürmer von Ruhr und Lippe die Ausnahme. In Berlin und Hamburg, in München oder Hannover spielte die Musik. Wenn jemand wie einer gewissen Nena aus Hagen mal der Sprung nach ganz oben gelang, verkrümelten sich solch neue Stars schnell in diese Metropolen. Und die "Metropole Ruhr?" Sie spielte im Konzert der Großen bloß die Triangel, trotz vieler Bands, die meist nur regional bekannt waren und nie von der Musik leben konnten.
 
Doch es gab auch Ausnahmen. Mit denen beschäftigt sich Zepp Oberpichler in seinem neuen Buch "Sounds of Ruhrgebiet", das er am Mittwoch, 20. 11., im Baumhaus präsentiert. Um 19.30 Uhr geht es los. Und der Duisburger Autor und Musiker bringt dazu auch seine Gitarre mit. Oberpichler ist ein Multitalent. Er schreibt Bücher (u.a. "Gitarrenblut", "Chuck Berry over Bissingheim") und Kolumnen, betreibt einen Podcast, führt einen Vinyl-Plattenladen in Duisburg und war mit legendären Gruppen wie "Teen Beers After", "Jimmy Keith and his Shocky Horrors" und "Herman Brood und den Lazy Cowgirls" unterwegs. 
 
Für sein Buch hat er mit Leuten wie Stefan Kleinkrieg von "Extrabreit" oder Peter Bursch von "Bröselmaschine" gesprochen. Aber auch mit Stefan Stoppok aus Essen, der das Zeug zum Revier-Star gehabt hätte, jedoch seine Seele nicht an die Plattenindustrie verkaufen wollte. Stoppok hat sich seit 1982 sowohl als Liedermacher wie als Rockmusiker einen Namen gemacht, er vermischt gekonnt Elemente aus Folk, Blues und Rock. Und damit Ihr auch heute was zu Schmunzeln habt, hier einer seiner Texte. Euch kann ich es ja verraten: Er hat ihn mir gewidmet, als er einmal richtig sauer auf mich war.
   
Du fängst schwach an, dafür lässt du stark nach
Erzählst die selben Witze wie vergangenes Jahr
Bild dir bloß nicht ein, du könntest hier überwintern
Die Hose, die du trägst, ist zu weit für deinen Hintern
Dumpfbacke! Dünnbrettbohrer!
Dumpfbacke! Dünnbrettbohrer!
Dumpfbacke! Dünnbrettbohrer!
Dumpfbacke, Dünnbrettbohrer, Weichei, abführn!
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1359 vom 18. 11. 24

Letzte Woche befasste sich Till Raether in einem SZ-Magazin mit den Büchern, die ihn in seiner Jugend besonders beeindruckt und möglicherweise geprägt haben. Was empfindet man, wenn man solche literarischen Meilensteine mit dem Abstand von mehreren Jahrzehnten erneut liest? Stellt sich erneut die gleiche Begeisterung ein, lässt einen die Lektüre heute kalt oder löst sie sogar Enttäuschung aus?
 
Raether zog ein gemischtes Fazit. "1984" von George Orwell war für ihn einst ein Augenöffner. Inzwischen findet er das Buch nach wie vor gut, hat sich aber durch erschreckende Entwicklungen rund um den Globus schon daran gewöhnt, dass der "Große Bruder" fast überall angekommen ist. (Anmerkung von kdk: Nur, dass es sich im  Genderzeitalter nun um die "Große Schwester" handelt, die alles sieht.) Isabel Allendes "Geisterhaus" wirkt auf Raether mittlerweile durch die ausführliche Beschreibung brutaler Vergewaltigungen verstörend. Nach 200 von 500 Seiten hat er das Lesen aufgegeben. Dagegen fasziniert "Der talentierte Mr. Ripley" von Patricia Highsmith den jungen wie den alten Till gleichermaßen.
 
Wie ist das bei Euch? Was waren die Favoriten Eurer Jugend? Und wie erging es Euch, als Ihr nach vielen Jahren diese Bücher erneut hervor geholt habt? Ob meine frühen Lieblingsbücher bleibenden Einfluss hinterließen, kann ich nicht sagen. Immerhin habe ich "Pony, das Seepferdchen" 16 mal aus der Stadtteilbücherei Lünen-Horstmar entliehen. Das Buch entfachte mein Interesse an der Unterwasserwelt. Und weil es Pony am Ende gelang, mit der Hilfe von anderen seinem Kumpel, einem Sägefisch, die verlorengegangene Säge wieder zu besorgen, kapierte ich früh, wie wichtig es ist gute Freunde zu haben.
 
"Winnetou I" brachte es bloß auf sechs Lesungen. Zwar kam als Kind bei mir an, dass man stets mit ritterlicher Gesinnung Partei für das Gute ergreifen soll. Aber dass die edelsten Menschen allesamt aus Deutschland, genauer, aus Sachsen stammen und sie, obwohl von durchschnittlicher Statur, ohne besonderes Training die besten Faustkämpfer, Schützen und Messerstecher sind, betrachtete ich mit zunehmendem Alter mit wachsender Skepsis. Auch heute rechne ich Karl May jedoch hoch an, dass er den Landraub und die Praktiken der Bleichgesichter verurteilte und sich auf die Seite der Rothäute stellte. Na gut, in Karls Prärie gab es neben edlen Apachen auch die bösen Kiowa. Doch so ist es ja auch bei uns mit den Sachsen und den Bayern ;-).
 
Mein Lieblingsbuch für jedes Lebensalter ist noch gar nicht geschrieben. Ich hoffe, dass es in den nächsten Jahren erscheint. Es soll ein Sachbuch werden über die große Wende Mitte der 2020er Jahre. Inhaltlich geht es darum, dass Donald Trump in die geschlossene Abteilung einer Privatklinik eingewiesen wurde, nachdem er bei seinem offiziellen Amtsantritt Karnevalslieder sang und auf alle Fragen mit "Humba, humba, täterä" antwortete. Und es wird davon handeln, wie Vize-Präsident Vance bei der Amtsübernahme seine Undercover-Mission beendete und mit seinen wahren demokratischen Überzeugungen die USA auf einen besseren Weg führte.
 
Als sich die USA dann mit China versöhnten und die beiden Großmächte gemeinsam mit der UNO endlich wirksame Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel umsetzten sowie gleichzeitig die Abnahme von russischem Öl und Gas verweigerten, musste Putin widerwillig mit der Ukraine Frieden schließen. Und wie die Weltgemeinschaft es dann auch noch schaffte, den Hunger zu besiegen, Korruption zu bekämpfen und kriegerische Konflikte zu beenden, soll im Fortsetzungsband behandelt werden.

 Doch damit dies alles wahr werden kann, muss zunächst mein sehnsüchtiges Flehen erhört werden: "Lieber Gott, schmeiß Hirn vom Himmel. Und zwar reichlich! Falls Du dazu Bücher verwendest, oh, Herr, dann ziele bitte bei den Unbelehrbaren genau mitten auf deren Schädel, damit ihre Hirnströme wieder in vernünftige Bahnen gelangen."
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1358 vom 17. 11. 24 

Uijuijui! Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Donald Trump sein künftiges Regierungsteam um eine neue Horrorgestalt erweitert. Einen notorischen Impfgegner und Verschwörungstheoretiker zum Gesundheitsminister zu machen, darauf muss man erstmal kommen. Die bisher bekannte Riege aus Speichelleckern, Giftspritzen und Ahnungslosen bestätigt zumindest einen Trend: Wie der Herr so's Gescherr.
 
Wenn nicht alle Vorzeichen trügen, dann dürfte der neue Bundeskanzler nach der Wahl am 23. Februar 2025 Friedrich Merz heißen. Was aber, wenn er sich Trump zum Vorbild nimmt und auch für Deutschland ein Grusel-Kabinett formiert? Ich habe ein wenig darüber nachgedacht und eine entsprechende Ministerliste aufgestellt. Jedoch in der Hoffnung, dass sie niemals Realität wird. Denn ich habe auch berücksichtigt, dass man "zum Wohle des Landes" mal über Parteigrenzen hinwegsehen und nur die wirklich "Bestgeeigneten" auswählen sollte, eine Allparteien-Regierung, die uns in die Talsohle hineinreiten, pardon, aus ihr heraushelfen soll.
 
Vizekanzler und rechte Hand des Regierungschefs: Markus Söder
Innenminister: Hans-Georg Maaßen
Außenminister: Rainer Brüderle

Finanzminister: Oskar Lafontaine
Wirtschaftsminister:  Carsten Maschmeyer
Verteidigungsminister: Christine Lambrecht
Verbraucherschutzminister: Julia Klöckner
Integrationsminister: Thilo Sarazin
Umweltminister: Joachim Rukwied
Wohnungsbauminister: Elon Musk
Bildungsminister: Hubert Aiwanger
Verkehrsminister: Andreas Scheuer
Landwirtschaftsminister: Sarah Wagenknecht
Justizminister: Bernd Höcke
Seniorenbeauftragter: Philip Amthor
Drogenbeauftragter: Udo Lindenberg
Digitalbeauftragter: Boris Becker
Frauenbeauftragte: Alice Weidel
Talkshowbeauftragter: Wolfgang Bosbach
 
Wohl bekomm's!
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1357 vom 16. 11. 24 

Da mir nach der OP das linke Stimmband fehlt, muss ich beim Singen leider passen. Aber Ihr könnt ja für mich mitträllern und Euch dazu das EU-Songbook besorgen, von dem bereits gestern die Rede war. Aus den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sind jeweils sechs Lieder enthalten, ausgewählt nach den Kategorien "Frieden und Freiheit", "Liebeslieder", "Natur und Umwelt", "Traditionelles", "Glaube und Spiritualität" sowie "Kinderlieder". Eine Fundgrube für jeden Chor!
 
Neben "Stille Nacht" entschieden sich die Österreicher auch noch mit "Kein schöner Land" für ein weiteres Lied, das auch Deutschland gut zu Gesicht gestanden hätte. Wenig überraschend, dass die Alpenländler mit ihrem Naturbeitrag hoch hinaus wollen: "In die Berg bin i gern!". Erstaunlich und erfreulich finde ich, dass dort bei den Umfragen unter Zeitungslesern gleich in zwei Kategorien ein aktueller Liedermacher und begnadeter Musiker vorne landete. Hubert von Goisern schrieb sowohl das Liebeslied "Weit, weit weg" wie den zeitkritischen Titel "Brenna tuats guat".
 
Wer den Text selbst beim Nachlesen nicht versteht, muss nicht verzagen. Im Internet steht auch eine hochdeutsche Übersetzung. Und das EU-Songbook liefert noch eine weitere Hilfe zum Textverständnis und Nachsingen: Alle Lieder sind nicht nur in der Originalsprache enthalten, sondern wurden eigens für diesen Zweck auch ins Englische übersetzt.   
 
Und siehe da: Deutsche Volkslieder klingen auch auf englisch gut. "Go Forth, my Heart, and seek Delight" hört sich doch ausgesprochen poetisch an. Und "The Moon is risen, beaming" bringt frischen Wind in den alten schweigenden Wald. Allerdings hat es bestimmt auch seinen Reiz, sich an den Originaltexten zu versuchen. Gerade unser Brahms-Chor hat sich längst mutig der Herausforderung gestellt, Titel aus seinem vielfältigen Repertoire in der jeweiligen Landessprache zu präsentieren.
 
Auf geht's, liebe Brahmser und Brahmserinnen, ich möchte von Euch gern hören:
 

  • Aus Ungarn: Tavaszi szel vizet araszt
  • Aus Litauen: Kai sirpsta vysnios Suvalkijoj
  • Aus der Slowakei: Kukulienka, kde si bola

 
Zur Entspannung könnt Ihr dann "Should Old Acquaintance Be Forgot" singen. Denn die abtrünnigen Briten durften sich wenigstens mit einem Lied im Songbook verewigen. Den Abschluss macht dann die EU-Hymne "Ode an die Freude".
 
Übrigens ist mir nachträglich ein Schock in die Glieder gefahren. Denn als ich im Internet nach dem EU-Songbook suchte, wurde mir prompt das Heino-Songbook zum Kauf empfohlen. Nur gut, dass niemand diesen selbsternannten Volkslied-Experten mit der Auswahl des deutschen Liedguts beauftragt hat. Denn von der schwarzbraunen Haselnuss ist es kein weiter Weg zum neuesten Heino-Hit, den er nach seiner jüngsten Wahlempfehlung für seine Landsleute geschrieben hat: "Auf Kanzler Scholz ist niemand stolz, Kanzler Merz ist bloß ein Scherz - Karamba, Karacho, Pamp, Pamp, Pamp, unser Land braucht einen Trump, Trump, Trump!"
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1356 vom 15. 11. 24

Was sind für Euch die sechs schönsten deutschen Lieder? Dieser Frage musste sich auch ein gewisser Ekkehard Klemm stellen. Der Mann ist Präsident des Verbands Deutscher Konzertchöre und EU-Liederbuch-Redakteur für Deutschland. Volle neun Jahre nahm Klemm sich Zeit, um mit Hilfe von Musik-Organisationen und Konservatorien sowie angeblich auch vielen Bürgern die richtigen Lieder herauszufinden. Mich hat niemand gefragt. Aber wahrscheinlich bin ich für diesen verantwortungsvollen Job auch nicht musikalisch genug. In ganz Europa gingen jedenfalls Zehntausende von Menschen ans Werk und filterten 164 Lieder aus den 27 EU-Staaten heraus. Am 5. November 2024 war dann das EU-Songbook fertig.

 
Aus Deutschland ist ein Werk von Paul Gerhardt darunter: "Geh aus mein Herz und suche Freud". Das Lied ist mir noch aus meiner Schulzeit vertraut. Ein Schuljahr lang musste ich zum Unterrichtsbeginn jeweils wechselnde Stücke vorspielen. Das ist der Fluch der bösen Tat, wenn sich herumspricht, dass man Flötentöne beherrscht. Bis heute habe ich deshalb Fragmente der Texte im Kopf. Aber immer nur von der ersten Strophe, weil diese Zeilen unter den Noten standen.
 
Daher überraschte es mich, was Paul Gerhardt weiter hinten gedichtet hat: "Die Wiesen liegen hart dabei / und klingen ganz vom Lustgeschrei / der Schaf und ihrer Hirten." Diese Textstelle hätte seinerzeit in unserer Klasse für erregte Diskussionen gesorgt. Denn Kinder begeistern sich nunmal für vermeintlich zweideutige Aussagen und verballhornen außerdem gern die Originale: "Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die Wurstfabrik!"
 
Die Wurstfabrik hat es nicht in die Auswahl geschafft, dafür aber das wunderbare "Der Mond ist aufgegangen". Auch das Wiegenlied "Guten Abend, gute Nacht" findet meine Zustimmung, mehr noch "Die Gedanken sind frei". Über "Sah ein Knab ein Röslein stehen" habe ich mich etwas gewundert. Gewiss, das ist ein schönes Lied, aber in unserer aufgeregten Zeit tobt eine heftige Diskussion darüber, ob Gevatter Goethe hier eine Vergewaltigung verherrlicht hat. Nur gut, dass nicht auch noch Mohren oder Oberindianer im Text vorkommen.
 
Das Kirchenlied, das das deutsche halbe Dutzend voll macht, stammt von Dietrich Bonhoeffer. Es heißt  "Von guten Mächten wunderbar geborgen" und ist eine sehr gute Wahl. Irritiert rieb ich mir aber die Augen, als ich im Inhaltsverzeichnis auch noch "Stille Nacht, Heilige Nacht" entdeckte. Hatte Herr Klemm ein siebtes Lied in die Sammlung geschmuggelt? Nein, es ging alles mit rechten Dingen zu: Das sind die fixen Österreicher gewesen. Unsere Nachbarn hatten als zweite Nation nach Dänemark schon 2015 ihre Auswahl getroffen.
 
Wir Deutsche brauchen eben nicht nur beim Flugplatzbau etwas länger. Nur gut, dass der "Sonderzug nach Pankow" nicht unter den sechs Titeln ist. Sonst hätte sich die DB womöglich noch ermutig gefühlt, ihre Verspätungen auf bis zu neun Jahre auszudehnen.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1355 vom 14. 11.24

Dem Thema der gestrigen Schmunzelpost möchte ich heute auf den Grund gehen. Das heißt nicht, dass die Papierschiff-Armada versenkt wird, sondern dass wir uns mit dem Grundmaterial befassen: Papier! Gebt zu, das interessiert Euch - ich kenne doch meine Pappenheimer.
 
Deshalb glaube ich, dass Euch Papier ebenso am Herzen liegt wie mir. Und das nicht nur, weil es gelegentlich für die Säuberung eines Körperteils unterhalb des Herzens unentbehrlich ist. Sondern weil die meisten von Euch nach wie vor eine Zeitung aus Papier der Lektüre am Bildschirm vorziehen. Nebenbei: Das hat auch den Vorteil, dass Ihr der nächsten Pandemie und einer erneuten Toilettenpapierknappheit gelassen entgegensehen könnt. Böse Zungen behaupten sogar, dass wegen der fortschreitenden Vernachlässigung der Printausgaben in gewissen Zeitungshäusern dies ohnehin der beste Verwendungszweck sei.
 
Doch soweit will ich nicht gehen. Trotz schwindender Qualität ist Zeitungslektüre für mich neben den öffentlich-rechtlichen Rundfunknachrichten die wichtigste Informationsquelle. Und beim Frühstück will ich in der Zeitung blättern können, um mir schnell einen Überblick zu verschaffen und zu entscheiden, welche Artikel ich ganz oder teilweise lese.
 
Optik und Haptik spielen auch bei Büchern eine wesentliche Rolle. Unbestritten: So ein E-Reader hat eine ganze Reihe von Vorzügen (Variable Schriftgröße, Beleuchtung, Speicherkapazität etc.). Aber trotzdem ziehe ich diesem seelenlosen Ding das Buch stets vor. Vor allem, wenn es schön gestaltet ist. Außerdem kann ich mir am Seitenrand kurze Notizen machen und mit Lesezeichen markierte Textstellen geschwind erneut aufschlagen. Vor allem aber sammle ich Bücher wie andere Leute Briefmarken, Modellautos oder Gemälde. 
 
Es ist für mich stets aufs Neue eine Freude, meinen Blick über die Buchreihen in den Regalen schweifen zu lassen. Dabei sage ich mir: So, das ist mein persönlicher Schatz, auf den ich jederzeit nach Lust, Laune und Bedarf zurückgreifen kann, meine Lebensversicherung gegen Langeweile. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, dass ich genau weiß: Die meisten dieser Bücher werde ich niemals wieder aufschlagen. Vermutlich schaffe ich es nicht einmal, bis zum finalen Tag der Löffelabgabe alle Neuerwerbungen zu lesen. Dennoch: Bücher sind meine stillen Freunde. Und gute Freunde kann man nie genug haben.
 
Gebt zu, diese Schmunzelpost war nicht von Pappe, oder?
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1354 vom 13. 11. 24

Dass die Lippestadt Dorsten eine große Schiffsbau-Tradition hat und vor ein paar Jahrhunderten etliche Werften vorweisen konnte, ist allen Geschichtsinteressierten aus unserer Region geläufig. Schließlich ist die "Dorstener Aak", ein Frachtboot, mit dem früher sogar Güter über den Rhein bis nach Holland befördert wurden, in Fachkreisen ein Begriff. Heute kann man einen Nachbau vor dem Freizeitbad Atlantis bewundern.
 
Daher ist es eigentlich nicht erstaunlich, dass die Leidenschaft fürs Schiffsbauen auch den örtlichen Nachwuchs erfasst hat. Inzwischen sind Papierschiffe stark gefragt und sorgen für Einträge in den Rekordbüchern. Das angeblich weltweit größte Papierschiff, die Kalypso, haben 2015 laut dem Guinessbuch 40 Karlsruher geschaffen. Das Boot ist 13,95 m lang, 4,20 m breit und 4,15 m hoch.
 
Den Weltrekord im Falten möglichst vieler Papierschiffchen knackte 2013 das Dorf Forst bei Schweinfurt. Dort entstanden in weniger als einer Stunde zum Jubiläum eines Kindergartens exakt 4732 Exemplare. Allerdings sind solche Guiness-Buch-Rekorde nicht für die Ewigkeit: Zuletzt liefen am 22. September 2024 in Mainburg gleich 7000 Papierschiffchen vom Stapel, was weltweit als neuer Bestwert gepriesen wurde.
 
Umso größer mein Erstaunen, als ich im "Kleinen Lexikon der Superlative" mit Einmaligem aus aller Welt aus dem Jahr 1990 folgenden Eintrag fand: "Die Klasse 8c des Ursulinen-Gymnasiums Dorsten ist seit November 1985 Rekordhalter mit 7222 Papierschiffchen. Die größte der fragilen Leichtkonstruktionen mißt immerhin der Länge nach 1,50 Meter, die kleinste 1 Zentimeter." Nanu? Konnte da jemand nicht rechnen? Für mich sind 7222 deutlich mehr als 7000 Papierschiffchen. Hatte Markus Söder da seine Finger im Spiel und trickreich dafür gesorgt, dass statt Dorsten aus Nordrhein-Westfalen eine bayerische Kommune Ruhm und Lorbeer erntet?   
 
Wir sollten uns aber nicht grämen. Denn der wahre Weltmeister und Admiral der größten Papierschiff-Flotte ist tatsächlich ein Bayer. Der Münchener Busfahrer Peter Koppen bastelte von 1968 bis heute mehr als 200.000 Schiffchen. Und 200.000, das gilt selbst für einen peniblen Rechner mit NRW-Abi, ist mehr als 7222.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1353 vom 12. 11. 24

Wann auch immer der Kanzler die Vertrauensfrage stellt - der Wahlkampf hat bereits angefangen. Ich bin sehr gespannt, ob das unterirdische Niveau, das in den USA Trump nicht geschadet, sondern offenbar sogar genützt hat, auch in Deutschland Schule macht. Zum Beispiel die Methode, Kontrahenten mit verächtlichen Spitznamen zu beleidigen und zu verunglimpfen.
 
Bisher hielt sich in der Bundespolitik der Drang zum Beschimpfen zumindest öffentlich in Grenzen. Herbert Wehner etwa handelte sich einen Ordnungsruf ein, weil er einen politischen Gegner als "Düffel-Doffel" bezeichnete. Insgesamt ging es jedoch im Bundestag selbst bei hitzigen Debatten halbwegs gesittet zu. In den ersten 60 Jahren des Parlaments rutschte Rednern lediglich 32mal das Wort "Arsch" heraus, zumeist durch das vorangestellte höfliche "Sie" abgemildert. 152 Mal wurden Widersacher als Idioten oder Trottel diffamiert, was für sechs Jahrzehnte eigentlich erstaunlich wenig ist.
 
Auf was müssen wir uns in Zukunft einstellen? Bislang sind die Spitznamen unserer Politiker halb so wild, obwohl ein gewisser Andreas aus Bayern über "Bscheuert" bestimmt nicht glücklich war. Die meisten Liebkosungen fing sich wohl Karl Lauterbach ein, das Spektrum reicht von Karlatan über Chaos-Karl bis zu Klabauterbach und Propellerkarl (wegen seiner Vorliebe für Fliegen).  Fies waren die Ausfälle gegen die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang, die als "Biotonne" und "Ricarda Breit" tituliert wurde.
 
Nicht nur wegen seiner geschmeidigen Kurswechsel hat sich Markus Söder Spitznamen redlich verdient. Doch die von Querdenkern stammenden Beschimpfungen "Södolf" und "Frankenhitler" gehen entschieden zu weit. Auch, dass man Darth-Maut Alexander Dobrindt neuerdings "Doofbrindt" nennt, finde ich viel zu plump. Da war Friedrich Merz' hinterlistig abwertender "Kinderbuchautor" für Robert Habeck wesentlich subtiler. Ob der sich mit "Sauerlandtrump" revanchiert hat, ist nicht überliefert. Und wer mit "Kreml-Kretsche", "Flinten-Uschi", "Flak-Zimmerbrand", "Sarah Putinknecht", "Plapperlenchen" und "Küstenbarbie" gemeint ist, könnt Ihr Euch selbst zusammenreimen.  
 
Nur gut, dass ich mich nicht anstecken lasse. Wenn nach Sylt-Chrissie auch Koma-Kanzler Klebe-Olaf vom Bundes-Uhu die Entlassungsurkunde bekommt, werde ich mir solche Scherze verkneifen.
 
Glückauf
kdk  

Schmunzelpost 1352 vom 11. 11. 24 

"Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her." Dieses Zitat stammt von Rainer-Maria Rilke. Ob der Dichter wohl Fußballfreund gewesen ist? Denn nach den letzten düsteren Tagen hat der Fußball ein Glanzlicht gesetzt, das die trüben Zeiten wenigstens ein bisschen erhellt und wieder etwas Hoffnung aufkommen lässt: Nach einer gefühlten Ewigkeit ohne Sieg hat Schalke 04 gestern eine der stärksten Mannschaften der Zweiten Liga bezwungen. Das ist für mich Anlass, diese Schmunzelpost der wunderbaren Welt des Fußballs zu widmen. 
 
Und zwar dreht sich dieser Beitrag komplett um einen der besten deutschen Fußballer, dessen rhetorische Leistungen aber noch besser im Gedächtnis geblieben sind als seine Großtaten auf dem Sportplatz. So wusste bereits der langjährige DFB-Präsident Egidius Braun: "Der Lothar kann den Fußball gut rüberbringen. Ihm ist von Gott die Gnade der Rede gegeben worden." Nicht von ungefähr haben ihm frühere Mannschaftsgefährten wegen seines Mitteilungsdrangs den Ehrennamen "Die Schallplatte" verlieren.
 
Und was sagte er selbst über sich? "Ein Lothar Matthäus lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal." Dieses Schicksal führte ihn zum Ende der Karriere ins Ausland. Aber nicht zu unserem Nachbarn im Westen: "Ein Lothar Matthäus spricht kein französisch!" Englisch konnte er auch nicht. Dennoch wechselte er zu den New York Metro Stars, denn: "Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiß genau, dass ich bald englisch in sechs oder auch schon in vier Wochen so gut spreche und Interviews geben kann, die jeder Deutsche versteht." Eine erste Kostprobe lieferte Matthäus bereits bei seiner Präsentation zum Saisonstart ab: "I hope, we have a little bit lucky und can win next year championship title."
 
Daraus wurde nichts. Genauso wenig wie aus seinen Trainer-Ambitionen. Sein größter Traum war es ja, entweder Coach des FC Bayern München zu werden (Uli Hoeneß: "Solange ich hier etwas zu sagen habe, wird Lothar Matthäus bei uns nicht einmal Greenkeeper") oder die deutsche Nationalmannschaft zu trainieren: "Gewollt hab ich schon gemocht, aber gedurft ham sie mich nicht gelassen." Also versuchte Lothar anderswo sein Glück und übernahm Rapid Wien. Nachdem dieses Zwischenspiel schnell beendet war, sagte der Rapid-Torhüter Ladislav Maier über Matthäus: "Als Spieler war er fantastisch, aber gäbe es ihn nur als Trainer würde ich sagen, dass ich keinen größeren Tölpel gesehen habe. Alle bei Rapid - von der Putzfrau angefangen - atmen auf, dass er verschwunden ist."
 
Als TV-Experte tauchte er wieder auf. Und siehe da: Heute sind seine Analysen sogar von Sachverstand geprägt und sprachliche Bolzen eine Rarität geworden. Hoffentlich bleibt Matthäus dem Fernsehen treu und wechselt nicht in die Politik. Denn der neue raue Ton dort könnte ihm liegen. Dies zeigt schon die Verbalattacke auf Christian Brand von Hansa Rostock im Pokalhalbfinale: "He, Brrrrand, Du! Du bist doch bolitisch, bist Du doch, Du Grüner! Machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf!"
 
Na ja, zum Glück hat Matthäus einen Wechsel finanziell schon lange nicht mehr nötig. Als Ottmar Hitzfeld einmal versehentlich seinen Wagen auf Lothars Parkplatz abgestellt hatte, rechtfertigte der sich: "Ich dachte, er kommt mit dem Hubschrauber."  
 
Glückauf
kdk  

 Schmunzelpost 1351 vom 10. 11. 24


Im Freundeskreis bin ich seit vielen Jahren als Pessimist verschrien. Das liegt vermutlich daran, dass ich etliche Male prophezeit habe, ein böses Ende sei nur eine Frage der Zeit. Auslöser könnte sein, dass in einer Welt mit Atom-, Chemie- und Biowaffen zwangsläufig irgendwann jemand die Büchse der Pandora öffnet. Hätte Hitler Atomwaffen besessen, wäre das längst geschehen.

 

Heute gibt es zwar Abkommen, die Entwicklung und Einsatz derartiger Waffen ächten sollen, aber wer hält sich schon daran? Insgeheim wird im Osten wie im Westen munter weiter geforscht. Und in den Giftschränken der Nationen liegen die übelsten Massenvernichtungsmittel in den Regalen, solche, die wir gern in unsere schlimmsten Alpträume verbannen. Doch was geschieht, wenn ein durchgeknallter Autokrat mit dem Rücken zur Wand steht oder Terroristen Zugriff bekommen?

 

Mit Blick auf die Weltwirtschaftskrise von 1929 und ihre verheerenden Folgen habe ich auch wiederholt gemutmaßt, dass ein neuer ökonomischer Kollaps früher oder später erfolgen wird. Das trug mir den Ruf einer Unke ein. Und dass ich meine Sorgen über den Raubbau an der Natur und die weltweiten Umweltsünden seit Jahrzehnten ausspreche und behaupte, dass das nicht gut ausgehen kann, hat mein Image als Schwarzseher  zementiert. Wenn ich heute daran erinnere und auf den fortschreitenden Klimawandel hinweise, muss ich mir auch noch anhören, dass ich ein notorischer Rechthaber sei. Dann sage ich: "Nennt mich lieber einen Pessimisten!"

 

Demgegenüber stehen die unverwüstlichen Optimisten, die stets behaupten, alles werde gut oder zumindest halb so schlimm. Das hat ja gerade bei der Wahl in Amerika wieder supergut geklappt. Denn weder Daumendrücken noch Beten für Kamala Harris waren von Erfolg gekrönt. Eine schwarze Frau als US-Präsidentin? Eine, über die ein alter weißer und wahrheitsliebender Mann sagte, sie sei geistig behindert und gehöre zu den sozialistischen bösen Kräften, die nur das Ziel haben, Amerika zu ruinieren? Das konnte gerade noch durch den Erdrutschsieg eines verurteilten Straftäters, rachsüchtigen Egozentrikers und tausendfachen Lügners verhindert werden.

 

Vielleicht haben die Ratgeber Trumps ja den Philosophen Arthur Schopenhauer studiert. Der hat gesagt: "Wenn man merkt, dass der Gegner überlegen ist und man unrecht behalten wird, so werde man persönlich, grob und beleidigend." Schopenhauer war auch der erste deutschsprachige Philosoph, der den Standpunkt vertrat, dass unserer Welt ein irrationales Prinzip zugrunde liegt. Und das unvernünftigste Wesen ist der Mensch. Also rügte der Pessimist und Hundefreund Schopenhauer seinen ungehorsamen Pudel, indem er ihn übel beschimpfte: "Mensch!"

 

Außer Pessimisten und Optimisten gibt es unter den Menschen noch eine dritte Gruppe. Wir Pessimisten sagen, dass die Zukunft mit Trump schlimm werden wird. Doch der Realist weiß es besser. Er sagt: "Es wird noch viel schlimmer!"

 

Glückauf

kdk

 Schmunzelpost 1350 vom 9. 11. 24

Der 9. November ist für Deutschland ein ganz besonderes Datum. An keinem anderen Tag ballen sich derart viele Ereignisse, die unsere Geschichte so wesentlich beeinflusst haben. 
 

  • Am 9. November 1848 wurde Robert Blum hingerichtet, Mitglied der Nationalversammlung und einer der führenden Köpfe der Demokraten. Damit zeichnete sich die Niederlage der Aufständischen bereits deutlich ab, obwohl die Revolution erst Mitte 1849 von preußischen Truppen endgültig niedergeschlagen wurde.
  • 9. November 1918: Gleich zweimal wird in Berlin die Deutsche Republik ausgerufen und die Abdankung des Kaisers verkündet.
  • 9. November 1923: Der Hitler-Ludendorff-Putsch scheitert in München.
  • 9. November 1938: In der Pogrom-Nacht werden viele Synagogen und jüdische Geschäfte zerstört und Hunderte von Juden ermordet.
  • 9. November 1967: In der Hamburger Universität wird von Studenten erstmals ein Transparent mit dem Spruch "Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren" entfaltet, was zur Losung der sich formierenden 68er Bewegung wurde.
  • 9. November 1989: In Berlin fällt die Mauer, wodurch die friedliche Revolution in der DDR durch die Grenzöffnung erfolgreich besiegelt wird.  

Wer mehr dazu erfahren will, sollte am 14. November um 19.30 Uhr ins Wulfener Gemeinschaftshaus kommen, wo der Literaturclub "Auslese" die meisten dieser Ereignisse thematisiert. Der Eintritt ist frei!
 
Es geschah an einem 9. November jedoch noch etwas anderes, was die Welt bewegte und um ein neues Volk bereicherte. Im schweizerischen St. Gallen kam am 9. 11. 1573 Ambrosius Schlumpf zur Welt. Er lief bei seiner Geburt blau an und gilt seitdem als Stammvater der Schlümpfe.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1349 vom 8. 11. 24 

Am Frühstückstisch bei der gemeinsamen Zeitungslektüre wurde ich gestern nach dem Namen einer bekannten Person gefragt. Zwar hatte ich sofort ein Gesicht vor Augen, aber ich kam nicht drauf. Das geschieht in letzter Zeit häufiger. Früher konnte ich mir problemlos lange Kontonummern, Geburtstage und Telefonnummern merken, jetzt passiert es mir immer öfter, dass ich passen muss. Vor kurzem stand ich am Geldautomaten und wollte, wie etliche Male zuvor, den vierstelligen Code eingeben. Doch es hakte. Nach einem kurzen Anflug von Panik fiel mir dann zum Glück die Eselsbrücke wieder ein - die zweite und die dritte Ziffer ergeben zusammen die vierte Zahl. Und addiert man alle drei Ziffern, dann kann man die Endsumme ganz vornean stellen. Tüftler unter Euch können jetzt meine Geheimzahl herausfinden.
 
Ich war heilfroh, dass ich auf diese Weise sowohl die Leere in meiner Geldbörse wie in einem Gehirn beenden konnte. Denn so schön es manchmal ist, wenn das Gedächtnis einem gnädig manche Ereignisse vorenthält - ich denke gerade an Amerika, seufz - das ändert an den Fakten leider überhaupt nichts. Und die Sorge, ob das noch Vergesslichkeit oder bereits Demenz ist, schwingt bei der Generation Ü70 stets mit.
 
Daher ist bei uns am Frühstückstisch in Zukunft wohl so ein Dialog nicht mehr ausgeschlossen:
 
A: "Wie heißt noch gleich diese blonde Schauspielerin, die sich gegen Zwangsprostitution einsetzt?" B: "Meinst Du die Kommissarin aus dem Fernsehkrimi? Diese... ja .... mmh ... die Dings?" A: "Ja, genau die meine ich. Die Dings! War der Vater nicht ein berühmter Dirigent?" B: "Das war nicht ihr Vater, der war bloß Architekt. Welchen Dirigenten meinst Du denn? Den... wie heißt er noch gleich? Karawan?" A: "Quatsch, Caravan ist kein Dirigent, das ist ein Geländewagen. Außerdem ist der Nachname anders."
 
B: "Anders? Aber der hieß doch Nora!" A: "Nee! Das war ein Kerl, und der hieß Dieter. Der kam, glaub ich, aus Polen."  B: "Da irrst Du Dich. Wenn ich mich richtig erinnere, kam der aus Frankfurt." A: "Frankfurt? Nö, nö. Aber wart mal, bei dem Wort, da klingelt bei mir was, da ist was Wahres dran. Eine Silbe stimmt." B: "Frank? Frank Anders? Da werd' ich doch zum ungläubigen Thomas!" A: "Nein, nicht Frank - Furt! Es war was mit Furt!" B: "Ich will nicht quengeln, aber jetzt hab ich völlig den Faden verloren!" A: "Quengeln! Du bist ein Gedächtniswunder, das passt. Die hieß Furtquengler! Ach, Unsinn, Furtwängler, natürlich! Die war doch auch mal mit dem Hubert Bunte verheiratet."
 
 B: "Da schmeißt Du schon wieder was durcheinander. Der Ehemann von der Furtwängler hieß Josef Burda." A: "Josef? Bist Du sicher? Aber warte mal: Die Frau von Josef hieß doch Maria. Jetzt hab ich's endlich: Maria Furtwängler!" B: "Maria Furtwängler? Ja, klar, die spielt doch im Sonntagskrimi mit, im Polizeiruf. Sag mal, engagiert die sich nicht für irgendeinen guten Zweck?" A: "Ich glaube, ja. Aber für welchen? Das hab ich glatt vergessen!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1348 vom 7. 11. 24 

Heute fasse ich mich kurz. Diese Schmunzelpost ist eine Schreckenspost. Denn zur Wahl von Trump fällt mir nur eines ein:
 
 "Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!"
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1347 vom 6. 11. 24

Während ich dies schreibe, läuft jenseits des Ozeans noch die Stimmenauszählung. Das wird eine lange und bange Nacht! Aber mein blaues Wunder habe ich bereits vorher erlebt. Ihr erinnert Euch an den roten Kater? Der hat sich inzwischen entschieden, uns zu belagern. Von morgens früh bis abends spät lauert er in unserem Garten darauf, dass wir vielleicht dazu übergehen, außer seinem Frühstück und seinem Abendessen noch eine weitere Mahlzeit zu servieren.
 
Angesicht des nahenden Winters haben wir uns entschieden, ihn zu adoptieren. Sehr zum Unwillen unseres Katers Milly. Alle Versuche der felinen Familienzusammenführung blieben bislang in Ansätzen stecken. Zwar gibt es keine Raufhändel und kein Gefauche, wenn ein Mindestabstand von zwei Metern gewahrt bleibt. Aber dennoch beäugen sich beide misstrauisch, und vor allem Milly fühlt sich gestresst. Er traut sich mittlerweile nicht mehr nach draußen. 
 
Nun haben wir mit einer Tierärztin gesprochen. Wie erwartet betonte sie, dass zunächst die Kastration des Streuners unbedingt erforderlich sei. Nicht nur, damit nicht noch mehr verwilderte, notleidende Katzen ohne Zuhause in die Welt gesetzt werden, sondern vor allem auch, um unseren roten Freund und alle anderen Kater im weiten Umkreis zu schützen. Denn im Rausch der Hormone kommt es immer wieder zu Beissereien, bei denen ansteckende, sogar letztlich tödliche Krankheiten wie Leukose und Katzenaids übertragen werden. Während der Betäubungsphase vor der Kastration könne geprüft werden, ob unser Belagerer die Erreger bereits im Blut hat.
 
Wir stimmten der Kastration zu, auch mit der Perspektive, dass unser neuer Zweitkater sein ausstaffiertes Gartenhäuschen als Dauerbleibe beziehen und ansonsten draußen bleiben könne. In Frostnächten bestünde die Möglichkeit, ihm im Keller Asyl zu gewähren. Also beschlossen wir, am Dienstagmorgen zur Tat zu schreiten.
 
Der Plan sah so aus: Weil er vor der Narkose nichts mehr fressen durfte, wollten wir den nichtsahnenden Patienten in die Wohnung locken, greifen, in die Transportkiste stecken und ihn zur Tierärztin bringen. Der erste Teil unserer Rechnung ging auf. Der arglose Kerl ließ sich von mir kraulen. Dabei schnurrte er laut in Vorfreude auf die erwartete Mahlzeit. Doch als ich ihn packte und versuchte, ihn in die Transportkiste zu setzen, explodierte er förmlich.
 
Von einer Sekunde auf die andere hatte er den Ernst der Lage erkannt, schrie wie am Spieß, wand sich mit ungeahnter Kraft und kratzte mir die Hände blutig. Da die Terrassentür verschlossen war, kletterte er am schmalen Holzfenstersims mehr als zwei Meter senkrecht in die Höhe und verkrallte sich, immer noch laut schreiend, oben auf dem sehr schmalen Rollo. Es blieb mir nichts anderes übrig, als die Tür zum Garten zu öffnen, so dass er voller Panik davon sprinten konnte.
 
Belämmert schauten wir uns an. Das Blut tropfte von meinen Händen. Aber mehr noch schmerzte, dass wir den Kater nun für immer vergrault haben könnten, weil er uns nach diesem traumatischen Erlebnis wohl dauerhaft meiden würde. Es war anscheinend nicht das erste Mal, dass jemand versucht hat, ihn einzufangen, er hat vermutlich bereits vorher schlimme Erfahrungen gemacht. 
 
Doch bereits eine Stunde später sah ich etwas Rotes durch den hinteren Teil des Gartens huschen. Mein Lockruf mit gefülltem Futternapf blieb zwar unerhört, aber nachdem ich die Schale abgestellt hatte und zurück in die Wohnung ging, näherte er sich vorsichtig und verschlang dann die komplette Ration restlos. Zwei weitere Stunden später ließ er sich von mir schon wieder streicheln. 
 
"Keine Liebe ist aufrichtiger als die Liebe zum Essen", sagte George Bernhard Shaw. Und offenbar fördert diese Liebe die Vergesslichkeit.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zu Liebe und Hunger gibt es einen weiteren Spruch, dessen Autor unbekannt ist: "Morgens kann ich nichts essen - weil ich Dich liebe. Mittags kann ich nichts essen - weil ich Dich liebe. Abends kann ich nichts essen - weil 
ich Dich liebe. Nachts kann ich nicht schlafen - weil ich Hunger habe."
 
 PPS. Kennt Ihr es auch, das Gefühl, das einen beherrscht, wenn man merkt, dass sich Unheil anbahnt, man aber nichts, wirklich rein gar nichts dagegen tun kann? Wenn vor Unwetter gewarnt wird, man die schwarze Wolke heraufziehen sieht, doch völlig machtlos ist, da man Blitz und Donner nicht verscheuchen kann? Ähnlich müssen sich viele vernunftbegabte Deutsche am Vorabend des Ersten Weltkriegs oder zu Silvester 1932 gefühlt haben. 
 

Schmunzelpost 1346 vom 5. 11. 24 

Wir schreiben den 5. November 2024. Und noch wissen wir nicht, ob die amerikanischen Wähler den größten Dummheiten der Weltgeschichte noch eine weitere Riesentorheit hinzugefügt haben. Immerhin hatten alle ausgiebig Zeit, über die Eignung von Trump für das Präsidentenamt nachzudenken. Falls er wirklich erneut ins Weiße Haus einzieht, dann wäre das eine Dummheit allererster Güte. Allerdings ist die Konkurrenz groß, wenn man betrachtet, was für ein Schwachsinn bereits verzapft wurde.
 
Ein besonderer Fall von Borniertheit und Realitätsverleugnung ging 2019 in Venedig in die Chronik der Dämlichkeit ein. Da beschloss der überwiegend aus Klimawandelleugnern bestehende Stadtrat, dass künftig keine weiteren Maßnahmen mehr erforderlich seien, um den Folgen der rasanten Erderwärmung zu trotzen. Wenige Minuten später musste der Sitzungssaal wegen Überflutung geräumt werden. Wie heißt es noch? Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort. Bei großen Klimasünden dauert es sonst meist etwas länger.
 
Aber auch Personen, bei denen man eine gewisse Intelligenz vermuten dürfte, sind vor Dummheit nicht gefeit. So bestand Joseph Pulitzer, der amerikanische Pressezar - ja, genau, der Pulitzer, in dessen Namen heute die Verfasser der besten journalistischen Arbeiten ausgezeichnet werden - mit aller Entschiedenheit darauf, dass man eine Reklametafel für seine "New York World" errichten sollte, die so groß war, dass man die Schrift selbst noch vom Mars aus lesen könnte. Das Vorhaben, kein Witz, scheiterte letztlich daran, dass nicht mit Sicherheit geklärt werden konnte, welche Sprache Marsianer entziffern können.
 
Diesmal schließe ich mit einem Zitat von Albert Einstein. Der hat gesagt: "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht so ganz sicher."
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1345 vom 4. 11. 24 

"An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die in nicht verhindern." Ja, Ihr habt recht, das war schon wieder Erich Kästner. Aber jetzt kommt es knüppeldick: Es geht auch schon wieder um Donald Trump. 
 
Je näher die US-Wahl rückt, desto größer wird meine Angst. Habt Ihr im Fernsehen die jüngsten TV-Ausschnitte von Wahlkampf-Auftritten Trumps gesehen? Dabei hat er allen Ernstes erzählt, die Grippe hätte 1917 so schlimm gewütet, dass unter den 50 bis 100 Millionen Toten auch viele Soldaten gewesen seien. Und deshalb hätte Deutschland 1917 den Zweiten Weltkrieg verloren. Moment mal? Kam die Spanische Grippe nicht erst 1918 auf? In dem Jahr also, in dem im November der Erste Weltkrieg mit einer deutschen Niederlage endete. Ich muss doch nochmal in die Geschichtsbücher schauen.
 
Das sollten auch die Amerikaner tun. Denn Trump gab dem TV-Publikum dort eine Lektion in US-Geschichte und klärte u.a. darüber auf, wie entscheidend es war, dass die Aufständischen schon im Jahr 1775 im Unabhängigkeitskeit die Kontrolle über die Flughäfen erlangten. Ja, der Mann, der gern wieder die Kontrolle über die US-Atomwaffen erlangen möchte, hat Ahnung von militärischen Fragen. Deshalb meint er auch, Hitlers Generäle würden der US-Army gut tun. Die Rückfrage der Reporterin, die wusste, dass sie es mit Bismarck gar nicht erst versuchen sollte, lautete, ob Trump sicher sei und nicht stattdessen die Generäle von Kaiser Wilhelm meinte. Trumps entschiedene Antwort: "Nein, nein, Hitlers Generäle."
 
Was soll man auch sonst von einem Mann erwarten, der erklärt hat, sich gleich am ersten Tag seiner Präsidentschaft wie ein Diktator an seinen Widersachern zu rächen, vor allem am Chefankläger in zwei Strafverfahren. Und der ankündigt, die Nationalgarde und vielleicht sogar das Militär einzusetzen, um in den USA gründlich aufzuräumen: "Wir haben hier einige sehr schlechte Menschen, wir haben hier kranke Leute, linksradikale Verrückte."
 
Nun ja, man kann ihm nicht absprechen, dass er ein bisschen recht hat. Zumindest einen schlechten, kranken Menschen in den USA kenne sogar ich.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1344 vom 3. 11. 24

Zweimal werden wir noch wach, dann ist er da, der Voting-Tach! Nachdem schon die Halloween-Gespenster versucht haben, uns das Fürchten zu lehren, nimmt das Zittern stündlich zu: Werden ein paar Wähler in den Wackel-Staaten wirklich Wahnfried, den Wüterich walten lassen?
 
Was sagte Edmund Stoiber nach der verlorenen Bundestagswahl über Ostdeutsche? "Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber." Stoiber lag gleich zweimal falsch. Er zielte nicht etwa auf die AfD und andere reaktionäre Rattenfänger, sein persönlicher Schlachtermeister war Gerhard Schröder. Und Stoiber glaubte auch, Bert Brecht zu zitieren. Der hat zwar den Kälbermarsch gedichtet, aber das Ursprungszitat "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber" wird ihm fälschlich zugeschrieben - dieser Satz eines unbekannten Urhebers wurde schon seit 1874 zum Sprichwort.
 
Doch sind die Millionen von US-Amerikanern, die Trump ihre Stimme geben, wirklich alle kreuzblöd? Zugegeben, manche sind wohl tatsächlich durchgeknallt wie Elon Musk. Doch die breite Masse ist nicht dumm, sondern verdummt. Leute, die sich kaum für Politik interessieren, die sich im Internet und bei Fox-TV ihr zementiertes Weltbild dauernd bestätigen lassen, die nicht Inhalte interessieren, sondern die Preisschilder im Supermarkt und an der Tankstelle und die es gewohnt sind, sich von der Werbung ein Image verkaufen zu lassen. Das kann mächtig ins Auge gehen.
 
Wir alle sind manipulierbar. Und auch imstande, uns selbst zu belügen. Das wusste schon Erich Kästner: "Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten, Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180 Grad drehbar." Aber dennoch nahm er Fehlgeleitete in Schutz: "Freunde, nur Mut! Lächelt und sprecht: Die Menschen sind gut, bloß die Leute sind schlecht."
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1343 vom 2. 11. 24

"Irrtümer haben ihren Wert; jedoch nur hier und da. Nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika." Mit dieser Erkenntnis war Erich Käestner nicht im Irrtum. Und deshalb setze ich nach längerer Zeit mal wieder meinen Feldzug gegen hartnäckige Irrtümer fort.
 
"Irrtum", sagen Mediziner, wenn sie von einem alten Hausrezept gegen Durchfall hören. Als Kind, das an bittere Arzneien gewöhnt war, habe ich mich gefreut, wenn ich mit Coca-Cola kuriert werden sollte. Denn alle wussten: "Cola hilft." Tut sie nicht, zumindest nicht gegen Durchfall. Zwar belebt das Koffein ein wenig, aber es regt sogar die Verdauung weiter an. Und der hohe Zuckergehalt führt zu vermehrter Wasserausscheidung. So verliert der Körper noch mehr Flüssigkeit und Mineralien, vor allem Kalium.
 
Als wirksames Hausmittel wird Kräutertee empfohlen, dem pro Liter ein Teelöffel Salz und sieben Teelöffel Kräutertee hinzugeführt werden sollen. Bäh, dann doch lieber Cola!? Ich erinnere hier nochmals an den Hustentee, mit dem ich als Kind gequält wurde. Wie, das habt Ihr vergessen? In Notwehr habe ich behauptet, der Tee sei mir zu heiß. War ich unbeobachtet, habe ich ihn in den Topf unseres Gummibaums gegossen. Der Gummibaum ist übrigens eingegangen. Und ich dachte: Besser er als ich! Zurück zur Durchfallbekämpfung: Am besten schluckt man Elektrolyte-Lösungen aus der Haus-Apotheke. 
 
Von der Gesundheit zur Geschichte. Der Mensch, das weiß doch jeder, stammt vom Affen ab. Das hat angeblich Charles Darwin herausgefunden. Aber auch kluge Menschen wie Erich Kästner, der in einem Gedicht behauptet, unter dem Make-up der Zivilisation schlummere in jedem von uns immer noch der alte Affe, war auf dem Holzweg. Denn wer Darwin genau liest, der stellt fest, was die Wissenschaft inzwischen längst belegt hat: Menschen und Affen stammen lediglich vom gleichen Vorfahren ab und haben sich dann unterschiedlich entwickelt.

 Lasst Euch also nicht zum Affen machen und irrt Euch nicht so oft. Denn wenn Ihr in den falschen Flieger steigt, entdeckt Ihr sowieso nicht Amerika und landet vielleicht statt in Indien in Novosibirsk. Und da wollt Ihr bestimmt nicht hin. . .
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1342 vom 1. 11. 24  

„Du kannst keinem Wort vertrauen, das er sagt. Sein Mund öffnet sich und alle Lügen fliegen heraus." Das kam nicht von Wilhelm Busch, dessen SP-Woche ist ja gestern abgelaufen, dieses Zitat stammt von Erich Kaestner. Und wirft die Frage auf, ob er schon vor 100 Jahren Donald Trump vorhergesehen hat.
 
Wir sind im November angekommen. Und das könnte 2024 ein besonders gruseliger Monat werden. Die US-Amerikaner bereiten sich ja bereits seit langem Ende im Oktober durch Halloween auf die Ankunft von Monstern, bösen Geistern und anderen Gruselgestalten vor. Weshalb sonst haben sie den Termin ihrer Präsidentenwahl auf den ersten Dienstag im November gelegt? Nur ist diesmal zu befürchten, dass es statt Süßem nun für die ganze Welt Saures gibt.

 Der Brauch stammt übrigens aus Irland und Schottland, wo früher die Kelten lebten, die sich bis heute die Existenz von Feen nicht ausreden lassen. Dass sie missioniert und katholisch wurden, hielt sie nicht davon ab, heidnische Vorstellungen beizubehalten. Im Gegenteil. Ein Schuss Katholiszismus brachte den Aberglauben erst richtig in Schwung. Denn wenn am 1. November der Verstorbenen gedacht wird, dann nutzen das die Seelen der Toten, um nochmal auf der Erde herumzugeistern. Also gilt es, sie ordentlich zu erschrecken, damit sie schnell wieder ins gemütliche Fegefeuer flüchten.
 
Noch schlimmer sind übrigens die Japaner dran. Sie werden von Yurei heimgesucht. Das sind die gequälten Seelen von Menschen, die eines unnatürlichen Todes gestorben sind, zu Lebzeiten große Probleme nicht bewältigt haben oder von ihren Familien nicht mit den traditionellen Zeremonien ins Jenseits geleitet wurden. Nun stecken sie zwischen Leben und Tod fest und können nicht eher ruhen, bevor sie ihre irdischen Probleme gelöst haben.
 
Was für so einen Geist keine leichte Sache ist. Denn Yurei haben keine Füße und schweben durch die Luft. Zu erkennen sind sie an langen schwarzen Haaren und einem weißen Kimono. Oft werden sie auch durch körperliche Missbildungen entstellt. Übel wird es für Euch, wenn Ihr einem Jibakurei begegnet. Das ist ein besonders furchterregender Yurei, der an einen bestimmten Ort gebunden ist. Und sein Fluch kann Menschen ins Unglück stürzen.
 
Die irischen und schottischen Einwanderer brachten Halloween mit in die USA, die Japaner hatten bestimmt ein paar Yurei im Gepäck. Vielleicht vermischt sich beides eines Tages. Dann wird irgendwann ein Jibakurei im weißen Kimono, aber mit orangefarbenen Haaren durch Washington schweben und fluchen: "Ihr habt mir die Wahl gestohlen! Macht mich posthum auf ewig zum Präsidenten oder ich gebe Euch Saures!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1341 vom 31. 10. 24

"Stets findet Überraschung statt, da, wo man's nicht erwartet hat." Mit einem Wilhelm-Busch-Zitat zum Einstieg habt Ihr womöglich gerechnet, doch wahrscheinlich nicht mit einer solchen Fülle - das Finale der Busch-Woche feiern wir mit einigen Aussagen, die auch ein wenig Aufschluss über Haltung und Gesinnung ihres Autors geben. 

 
War Wilhelm Busch Tierfreund? Seine Bildgeschichten lassen anderes vermuten: Ob Vogel, Hund, Esel oder Affe, sie alle mussten einiges erleiden. Aber so war die Zeit, in der Busch lebte. Tiere galten als Sache, man ging oft grausam mit ihnen um. Doch obwohl Wilhelm Busch kein Fleischgericht verschmähte, empfand er durchaus Mitgefühl für gequälte Kreaturen und sah voraus, dass irgendwann die Zeit der Vegetarier anbrechen würde: 
 
"Bis auf weiters das Messer blitzt, die Schweine schrein. Man muss sie halt benutzen. 
Denn jeder denkt, was soll das Schwein, wenn wir es nicht verputzen? 
Und jeder schmunzelt, jeder nagt, nach Art der Kannibalen, 
bis man dereinst 'Pfui Teufel!' sagt, zum Schinken aus Westfalen." 
 
Und noch deutlicher: "Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur die Menschenfresserei, sondern jeder Fleischgenuss als Kannibalismus gilt." 
 
Ansonsten hielt Busch nicht viel von absoluten Wahrheiten. Er neigte zum Relativieren:  "Sag nie bestimmt: 'Es wird erreicht!' Ein hübsches Wörtchen ist 'vielleicht'." Und: "Stets äußert sich der Weise leise, vorsichtig und bedingungsweise." "Denn mancher hat sich schon beklagt: Ach, hätt ich das nur nie gesagt!" Auch plädierte er für Geduld, selbst angesichts von Fehlschlägen: "Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später." Oder auch: "Wenn man es nur versucht, so geht's. Das heißt mitunter, doch nicht stets." 
 
Getreu seiner Devise versuchte er es jedenfalls immer wieder, große Gedanken in kleine Sätze zu pressen. Dabei war er selbstkritisch und humorvoll, widersprüchlich und weise, menschenfreundlich und menschenfeindlich, zukunftsgewandt und traditionsbewusst, kritisch und unkritisch, vor allem aber vielseitig. 
 
Mitunter auch politisch: "Toleranz ist gut, nicht aber gegenüber den Intoleranten", manchmal mit Sprachwitz auf puren Nonsens aus: "In der Kammer, still und donkel, schläft die Tante bei dem Onkel", dann wieder sprach er mir aus der Seele: "Was man ernst meint, sagt man am besten im Spaß" und "Im Alter jung sterben." Außerdem beherrschte er die Kunst, einen Schlusspunkt zu setzen: "Ente gut - alles gut." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1340 vom 30. 10. 24 

Er war dem Alkohol alles andere als abgeneigt, unser Wilhelm Busch. Doch er wusste nur zu gut, allzu viel ist gar nicht gut. Das war nicht von Busch, sondern von Krause. Man merkt's am Endreim. Von Wilhelm Busch stammt jedoch dieser Vers, der beweist, dass der Dichter durchaus die Ursachen seiner Zipperlein benennen konnte: 
 
"Ich saß vergnüglich bei dem Wein und schenkte eben wieder ein.
Auf einmal fuhr mir in die Zeh ein sonderbar pikantes Weh.
Ich schob mein Glas sofort beiseit und hinkte in die Einsamkeit.
Und wusste, was ich nicht gewusst: Der Schmerz ist Herr, und Sklavin ist die Lust."
 
Wer derart unter dem Rebensaft leidet, der denkt vermutlich über andere Verwendungsarten von Weintrauben nach. Wusstet Ihr, dass man mit ihnen sportliche Höchstleistungen aufstellen kann? Das haben die Brüder Ulrich und Markus Dornblut aus Wadersloh bewiesen. Die beiden hielten zeitweise den Weltrekord im Traubenwerfen. Dass Ulrich dazu eine Traube 90,50 Meter weit schleuderte, klingt noch nicht so spektakulär. Aber der Rekord fand nur Anerkennung, weil dabei auch eine zweite Bedingung erfüllt wurde - Bruder Markus fing das Wurfgeschoss mit dem Mund auf! Falls Ihr versucht, das nachzumachen, fangt bitte erst mit einer Distanz von maximal drei Meter an.
 
Wer stattdessen lieber den flüssigen Traubenextrakt haufenweise aus ganz kurzer Entfernung einwirft, der riskiert, bei übergroßen Mengen die Kontrolle über das logische Denken zu verlieren. Donald Trump schafft das heute ganz ohne Alkohol, aber zu Zeiten von Wilhelm Busch wurden wissenschaftliche Erkenntnisse oft erst nach ausgiebigem Genuss geistiger Getränke lautstark bezweifelt:
 
"Sie stritten sich beim Wein herum, was das nun wieder wäre; 
das mit dem Darwin wäre gar zu dumm und wider die menschliche Ehre.
Sie tranken manchen Humpen aus, sie stolperten aus den Türen,
sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus gekrochen auf allen Vieren."
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1339 vom 29. 10. 24 

Unser Wilhelm-Busch-Festmonat nähert sich dem Ende. Schade. Denn seine Hinterlassenschaft an Zitaten und Weisheiten ist immens. Und vergrößert unseren Wissensschatz, was im Umgang mit anderen nützlich ist:  "Wenn andere klüger sind als wir, das macht uns selten nur Pläsier. Doch die Gewißheit, dass sie dümmer, erfreut fast immer." Um sich einen wohltuenden Wissensvorsprung zu schaffen, reicht jedoch allein die Lektüre von Wilhelm Busch nicht aus. Es ist generell sinnvoll, seinen Schatz an Kenntnissen durch lesen zu erweitern.
 
Daher freute es mich, als ich beim Aufräumen des öffentlichen Bücherschranks ein "Kleines Lexikon der Superlative" entdeckte. Schließlich lieferte diese Quelle bereits reichlich Stoff für die Schmunzelpost. Allerdings war ich zunächst noch skeptisch. Das Büchlein stammt aus dem Jahr 1990. Und es listet überwiegend Rekorde auf, die damals wahrscheinlich alle im Guinessbuch der Rekorde enthalten waren. Trotzdem wusste ich sofort beim zweiten Eintrag: Das ist etwas für Euch. Es ging nämlich um den diebischten Affen der Welt.
 
Der Schimpanse Coco, so erfuhr ich, war 1984 von einem arbeitslosen Artisten so perfekt zum Taschendieb ausgebildet worden, dass er in Miami ein Vermögen von 200.000 Mark zusammenklaute. Das sind, lasst uns mal nachrechnen, rund 100.000 Euro! Coco begeisterte sein Publikum auf Volksfesten mit allerlei Kunststücken, ließ sich danach bereitwillig auf den Arm nehmen und streicheln und griff unbemerkt zu. Wie er seine Beute verbarg, ist mir ein Rätsel. Doch Coco machte das so gekonnt, dass er erst nach zwei Jahren überführt wurde. Und dann zeigte sich einmal mehr, wie ungerecht die Welt ist: Sein nutznießendes Herrchen kam mit zwei Jahren Gefängnis davon, aber Coco musste lebenslänglich hinter die Gitter eines Tierheims.
 
Als Bartträger war ich fasziniert, etwas über den Schweden Birger Pellas aus Malmö zu erfahren. Sein Backenbart maß von einem Ende bis zum anderen 2,488 Meter! Allerdings saß sein größter Konkurrent, der diesen Rekord wahrscheinlich überboten hätte, im Knast. Die genaue Länge dessen Bartschmucks werden wir aber nie erfahren - in indischen Gefängnissen dürfen Bärte nicht vermessen werden. Ich vermute einen religiösen Hintergrund, womöglich Gotteslästerung. Heißt es nicht "Haare Krishna"?
 
Und wie stand Wilhelm Busch zu diesem Thema? Backenbärte waren dem Bartträger wohl schnurzegal. Altersweise tröstet er aber Geschlechtsgenossen, die der Verlust ihres Haupthaares grämt, mit dem Hinweis, dass längst nicht alles verloren ist: "Und ihm zuletzt das wilde Kraut aus Nasen und aus Ohren schaut." 
 
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Schmunzelpost 1338 vom 28. 10. 24 

"Obgleich die Welt ja, sozusagen, wohl manchmal etwas mangelhaft, wird sie doch in den nächsten Tagen vermutlich noch nicht abgeschafft." Da hat Wilhelm Busch wieder einmal recht. Aber was ist in den nächsten Jahren und Jahrzehnten? Zumindest arbeitet die Menschheit emsig daran, unseren Planeten in einen ungemütlichen Ort zu verwandeln. Deshalb hilft es nicht weiter, traurige Entwicklungen zu beobachten und zu bedauern. Man muss rechtzeitig etwas tun, damit Kindern und Kindeskindern eine Welt hinterlassen wird, auf der es sich leben lässt.
 
"Bringt ja doch nix," dachte ich erst, als ich von der Kundgebung in Dorsten hörte, die sich gegen die Umwandlung der örtlichen Bergehalde in eine Mülldeponie für Gefahrstoffe wendet. Eingebrockt hat uns das die Allmacht des Bergbaus im letzten Jahrhundert. Als im Ruhrgebiet noch alles nach der Pfeife einer überparteilichen "Kohlefraktion" tanzte, wurde entschieden, am Stadtrand die Hürfeldhalde aufzukippen, um den Abraum der örtliche Zeche zu deponieren. Ausmaß und Schüttmengen wurden vertraglich festgelegt, danach sollte der künstliche Berg renaturiert und zu Freizeitzwecken genutzt werden.
 
Aber erstens kam es anders und zweitens als man denkt. Zunächst erfolgte die Genehmigung, dass auch Nachbarzechen ihren Schutt nach Dorsten bringen durften. Weil angeblich der zunehmende Verkehr sowieso eine neue Trasse brauchte, wurde dafür sogar eigens eine Straße gebaut. Und als die Schüttkapazität eigentlich ausgeschöpft war, hieß es: "April, April, damit der heimische Bergbau überleben kann, müssen wir die Halde im Süden beträchlich erweitern." Da der Stadtrat das zunächst ablehnte, drohte man, andernfalls auf einem Bergbaugrundstück im Ortsteil Wulfen eine neue Halde aufzukippen. Das aber wollte niemand, zumal die Fläche fern von Wohnbebauung bereits für die Ansiedlung von Industrie vorgesehen war.
 
Schließlich stellten die Verantwortlichen total überrascht fest, dass die letzte Zeche ihren Betrieb einstellte, bevor das geplante Haldenvolumen erreicht wurde. "Eine unfertige Halde können wir aber nicht begrünen", hieß es von der RAG und ihren Rechtsnachfolgern. Und prompt erkannten findige Leute, die eine Menge Müll loswerden wollen, ihre Chance: "Dann nutzen wir den Platz eben, um dort belasteten Bauschutt zu deponieren."
 
Da ich mich ungern derart veräppeln lasse, machte ich mich gestern dann doch auf den Weg zur Demonstration, bei der ein paar hundert Menschen ihren Unmut bekundeten. Ob es was nützt? Wir werden sehen. Wie sagte einst Wilhelm Busch? "Es ist ein lobenswerter Brauch: Wer was Gutes bekommt, der bedankt sich auch." Aber bestimmt dachte Busch auch: "Doch wer was kriegt und die Nase rümpft, der bedankt sich nicht - der schimpft!" 
 
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Schmunzelpost 1337 vom 27. 10. 24 

"Bist Du wütend, zähl bis vier, hilft das nicht, dann explodier!" Gestern war ich nah dran, dieser Anweisung von Wilhelm Busch zu folgen. Denn nach dem vierten Gegentor von Schalke 04 im eigenen Stadion beim Spiel gegen Greuther Fürth platzte selbst einem geduldigen, kummergewohnten Anhänger der Kragen. Das Heimspiel ging mit 3:4 verloren. Viel schlimmer jedoch ist das Gefühl, dass mit dieser zusammengewürfelten Mannschaft der Absturz in die dritte Liga droht. 
 
Eigentlich war das vorhersehbar. Man kann nicht jede Saison die besten Spieler verkaufen und hoffen, dass unter den wegen fehlender Finanzen preisgünstigen Einkäufe lauter Supertalente sind, die sich zu einer Spitzenelf mausern. Mittelmaß bedingt Mittelmäßigkeit. Aber selbst das nur, wenn sich aus dem Spielerkader zumindest eine funktionierende Mannschaft formen lässt. Das ist bisher nicht der Fall. 
 
Wie aber kann ein Schalke-Freund auf grausame Spiele und dauernde Erfolglosigkeit reagieren? Ich hatte mal einen Kollegen, der schimpfte bereits nach dem fünften Spiel der neuen Saison: "Der Trainer muss wech!" Doch Schalke hat gerade seinen Trainer gefeuert, der neue ist erst seit zwei Spielen im Amt. Und nix ist besser geworden!
 
 Welche persönlichen Konsequenzen soll ich ziehen? Zu drohen, dass ich nicht mehr ins Stadion komme, wäre albern: Ich verfolge die Spiele sowieso lieber vom Fernsehsessel aus. Und die Ankündigung, bei fortschreitender Talfahrt würde ich den Nachbarn nicht mehr Nordlüdenscheid sondern Borussia Dortmund nennen, kommt mir nur höchst widerwillig über die Lippen und würde an der Situation vermutlich auch nichts ändern. Was also bleibt mir übrig? 
 
Ich vertraue auf Wilhelm Busch. Der sagte: "Ich bin ein Pessimist für die Gegenwart, aber Optimist für die Zukunft." 
 
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Schmunzelpost 1336 vom 26. 10. 24 

"Das Zahnweh, subjektiv genommen, ist ohne Zweifel unwillkommen." Wie fast immer trifft Wilhelm Busch nicht nur den Nagel auf den Kopf, sondern auch den Zahn auf den Nerv. Immerhin können wir heutzutage dem Zahnschmerz zuvorkommen, indem wir ihn durch Vorbeugung vermeiden. Dazu gehört nicht nur regelmäßiges Zähneputzen, sondern auch der Verzicht auf Zucker und andere Karieserreger. Und natürlich die turnusmäßige Wartung: Gestern bin ich mal wieder unter die Zahnräder gekommen.
 
Meine Zahnärztin hat nämlich ein neues Gerät für die Zahnreinigung angeschafft. Darin griff offenbar ein Rädchen ins andere und spülte 30 Minuten lang einen halben Stausee durch meinen Mund. Dann folgten noch ein paar manuelle Feinschliff- und Polier-Maßnahmen und ich konnte frohgemut den alten Spruch aus der TV-Werbung  gen Himmel rufen: "Mutti, Mutti, sie hat überhaupt nicht gebohrt!"
 
Das war nicht immer so. Wenn früher der Schulzahnarzt vorfuhr, bekam ich dauernd einen "Zahnschein". Dann musste ich mich mit schlotternden Knien zum Schlachtermeister von Lünen-Horstmar begeben und meinem Mund weitere Amalgam-Plomben und meiner zarten Kinderseele weitere Traumata hinzufügen lassen. Der Mann bohrte ohne Betäubung und ohne Mitgefühl. Mit vierzehn saß ich das letzte Mal auf seinem Folterstuhl. Bevor ich an der Reihe war, bekam ich durch die offene Tür mit, wie im benachbarten Behandlungszimmer ein Weisheitszahn ausgegraben wurde. Die Schreie hätte ich jedoch auch durch die geschlossene Tür gehört. Als ich an die Reihe kam, war ich bereits komplett durchgeschwitzt.
 
Danach mied ich Zahnarztpraxen wie der Teufel das Weihwasser. Als es mit Ende zwanzig schließlich nicht mehr aufhören wollte zu zwicken, traute ich mich widerwillig zu einem anderen Zahnarzt. Und - oh Wunder! - obwohl er die Stümpereien seines Kollegen entfernen, fast sämtliche Backenzähne sanieren sowie einen Schneidezahn überkronen musste, ging das alles völlig ohne Schmerzen. Damit war ich nicht nur eine vereiterte Wurzel, sondern auch endgültig meine Angst vor Zahnärzten los.
 
So kann ich ein weiteres Wilhelm-Busch-Zitat ergänzen. Busch schrieb: "Ein Zahn, ein hohler, macht mitunter sogar die faulsten Leute munter." Ich füge hinzu: "Doch hat man bei der Auswahl Glück, kommt man zum Zahnarzt gern zurück."  

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 Schmunzelpost 1335. vom 25. 10. 24

"Die Jahre vor den Vierzigern tragen uns, aber die hernach hocken auf in die Kiepe und wir müssen sie schleppen." Wohl wahr, Wilhelm. Das Alter kann zur Last werden, woran uns Arzttermine gnadenlos erinnern. Gestern war ich beim Hörtest. Und es stellte sich heraus: Ich bin halbtaub! Auf dem linken Ohr höre ich nicht mehr viel. Deshalb soll ich mir nun schnellstens ein Hörgerät zulegen, weil sonst das rechte Ohr überlastet wird und auch nachlässt. 
 
"Sie hören links ja noch durchaus ein bisschen", befand der HNO-Arzt, "aber mit den Hör-Nerven im Gehirn ist es wie mit der Zimmerpflanze: Wenn man sie nicht gießt, stirbt sie vollends ab." Also werde ich wohl in den sauren Apfel beißen und ein Hörgerät erstehen. Obwohl ich im rechten Ohr Wilhelm Busch sagen höre: "Der Gedanke macht ihn blass, wenn er fragt: 'Was kostet das?'"
 
Den zuständigen Sachbearbeiter meiner Krankenkasse höre ich ebenfalls murmeln: "Erst war es eine teure Brille. Dann die Hüfte aus Titan. Dann ließ er sich, nur um mich zu ärgern, dauernd an Herz und Kehle operieren. Und nun geht es mit dem Hörvermögen weiter. Was kommt als nächstes? Eine Hirntransplantation?" Doch so ein Gerede lässt mich kalt, auf dem Ohr bin ich taub.
 
Und bei der Frage, welches Ersatzteil als nächstes gebraucht wird, halte ich es mit Wilhelm Busch: "Stets findet Überraschung statt, wo man es nicht erwartet hat."
 
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Schmunzelpost 1334 vom 24. 10. 24

"Es ist ein Brauch von Alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör. Doch wer zufrieden und vergnügt, sieht zu, dass er auch welchen kriegt." Diese Erkenntnis von Wilhelm Busch trifft noch mehr auf Wein zu. Und da bereitet mir Sorgen, dass mein Vorrat auf lächerliche zwei Flaschen geschmolzen ist. Und mein Winzer liefert erst wieder im Dezember aus. Nun stehe ich des öfteren vor den prall gefüllten Regalen örtlicher Weinhandlungen, und es fällt mir schwer, mich zu entscheiden. Anschließend muss ich die Flaschen auch noch nach Hause schleppen. Ja, ja, das Renterleben ist hart.
 
Vielleicht sollte ich übergangsweise von Wein auf leichtere Drogen umsteigen. Wir haben ja gerade erst Erntedank gefeiert. Da drängt sich eine Schonkost aus Kirschen und Birnen, Bohnen und Trüffeln förmlich auf. Ich meine natürlich Schoko-Kirschen und Williams-Birnen, Weinbrand-Bohnen und Cognac-Trüffel. Aber die Sache hat Nachteile. Nicht, dass es mir wichtig wäre, den Pegelstand an Blut in meinem körpereigenen Alkohol konstant zu halten. Aber ich müsste schon eine Menge Süßkram schlucken, um den gleichen Promille-Wert wie nach einer halben Flasche Wein zu erreichen.

 So enthält eine Packung Mon Cherie insgesamt 15 Pralinen. Kluge Köpfe, angeblich nüchtern, haben ausgerechnet, dass eine 60 Kilo leichte Frau in kurzer Zeit 23 Pralinen verschlingen müsste, um an die 0,5-Promillegrenze heranzukommen. Ein 80 Kilo-Kerl muss sogar recht rasch 35 Stück einwerfen. Und um halbwegs beschwipst zu werden, braucht es mehr als 100 Pralinen. Meine Güte, allein beim Gedanken daran wird mir schlecht!
 
Kann man vielleicht mit Rumkugeln bessere Ergebnisse erzielten? Keineswegs. Die meisten Rumkugel-Sorten enthalten lediglich Rum-Aroma und nur Spurenelemente von Alkohol. Und selbst bei hochwertigen Produkten kugelt man noch lange nicht rum: Etwa 100 Stück müsste man schlucken, um das gleiche Resultat zu erzielen wie nach dem Genuss von nur einer Flasche Bier.
 
Nee, nee, das ist nichts für mich. Außerdem lauern dann auch noch das Diabetes-Monster und der Kalorien-Teufel. Da bleibe ich lieber bei gesundem Traubensaft. Wie sagt mein Winzer immer anerkennend, wenn er mir den Wein bringt? "Ein schlankes Gewächs." Damit kann er eigentlich nur mich meinen. Und außerdem wusste bereits Wilhelm Busch: "Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben!"
 
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Schmunzelpost 1333 vom 23. 10. 24

Bereits Wilhelm Busch wusste: "Mit dem Bezahlen verplempert man das meiste Geld!" Die paar Kröten, die übrigbleiben, muss man hegen und pflegen, damit sie sich tüchtig vermehren und im Alter dafür sorgen, dass man nicht mangels Kohle dauernd Kröten schlucken muss. Aus diesem Grunde war ich jetzt wieder zur jährlichen Vermögensberatung bei der Volksbank. Wobei ich mit Blick auf meine recht übersichtlichen Rücklagen sagen muss: Ich vermag zwar von Vermögen sprechen, aber mögen mag ich das Wort für meine mageren Reserven nicht. 
 
Dementsprechend tauche ich auch nicht in der Liste der 100 reichsten Menschen der Welt auf. Ich weiß nicht, wie diese Summen überprüft wurden, aber nach verschiedenen Quellen steht Ellon Musk mit umgerechnet rund 244 Milliarden Euro an der Spitze. So kann der Unsympath es sich leisten, mit 75 Millionen Dollar den Wahlkampf eines noch größeren Unsympathen zu finanzieren. Auf Rang zwei folgt mit Amazon-Chef Jeff Bezos ein weiterer US-Amerikaner (197 Milliarden Euro), auf Platz drei liegt mit Bernard Arnault ein Franzose (189 Milliarden Euro). 
 
Der erste Deutsche in der Liste rangiert auf Platz 45: Klaus-Michael Kühne schaffte es trotz seiner 37 Milliarden Euro bisher nicht, seinen Hamburger SV mit Finanzspritzen wieder in die 1. Bundesliga zu befördern. Der nächste Deutsche findet sich mit 33,86 Milliarden Euro auf Position 48. Dieter Schwarz ist allerdings ein Mann dicht auf den Fersen, bei dem nicht nur eine Schraube locker ist: Gerade mal läppische zehn Millionen Euro fehlen Reinhold Würth, um den Lidl-Boss zu überflügeln. 
 
Vielleicht ist es Euch aufgefallen, vermutlich jedoch nicht: Ein Klaus und ein Dieter sind die beiden reichsten Deutschen! Überschrieben diese beiden ihr gesamtes Vermögen ihrem Vornamens-Vetter Krause, dann brächte Deutschland in der Nationenwertung ein gewaltigen Sprung nach vorne sogar auf Rang 23. Aber ich muss mich damit abfinden: Daraus wird wohl nichts. So bleibt mir das traurige Schicksal nicht erspart, dass mit Dagobert Duck selbst eine Ente reicher ist als ich. 
 
Ein schwacher Trost bleibt: Immerhin habe ich ein paar Taler mehr auf dem Konto als Dagoberts Neffe Donald. 
 
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 Schmunzelpost 1332 vom 22. 10. 24

"Wie wohl ist dem, der dann und wann / Sich etwas Schönes dichten kann." Als ich für die gestrige Schmunzelpost ein Zitat zur Musik von Wilhelm Busch überprüfte, fing ich beim Lesen seiner enorm vielen wohlgereimten Geistesblitze sofort Feuer. Und fasste spontan den Beschluss, bis zum Monatsende mindestens eine seiner Weisheiten in jeder SP-Folge unterzubringen. Zu Eurem Vergnügen und für mich als Ansporn. Und gleichzeitig als Trost. Denn wie formulierte es der Meister so treffend?  "Gedanken sind nicht stets parat, man schreibt auch, wenn man keine hat."
 
Dies gilt aber nicht nur für unsereinen, sondern selbst für den Gesetzgeber. Schauen wir mal in das Bürgerliche Gesetzbuch, Paragraph 1314. Dort steht schwarz auf weiß, dass die Möglichkeit besteht, eineTrauung nachträglich aufzuheben, wenn sich "ein Ehegatte bei der Eheschließung im Zustand der Bewusstlosigkeit oder vorübergehender Störung der Geistestätigkeit befand."
 
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob akute Verliebtheit nicht stets mit einer vorübergehenden Störung der Geistestätigkeit einhergeht. Doch wer irgendwann im Alltag nach den Flitterwochen aus dem schönen Traum erwacht, kann sich nicht auf diesen Paragraphen berufen. Erklären sollte mir die Justiz jedoch, wie jemand im Zustand der Bewusstlosigkeit das Ja-Wort geben kann. Hypnose? Schlafwandelei? Vollrausch? Unter solchen Umständen würde doch niemals ein verantwortungsbewusster Standesbeamter die Ehe besiegeln. Es sei denn, er leidet selbst unter einer vorübergehenden Störung der Geistestätigkeit. 
 
Grundsätzlich gilt: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang." Das sagte nicht Wilhelm Busch, sondern Friedrich Schiller. Aber auch Busch, der eiserne Junggeselle, riet zur Vorsicht: "Sie hat nichts und du desgleichen, dennoch wollt ihr, wie ich sehe, zu dem Bund der heil'gen Ehe euch bereits die Hände reichen. Kinder, seid ihr denn bei Sinnen? Überlegt euch das Kapitel! Ohne die dazu g'hörgen Mittel, soll man keinen Krieg beginnen."
 
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Schmunzelpost 1331 vom 21. 10. 24 

"Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden." Dieses Zitat von Wilhelm Busch, das ich in der abgewandelten Form: "Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden" im Gedächtnis hatte, kam mir in den Sinn, als ich im Buch "Die Welt ist laut" im London des 19. Jahrhunderts angelangt war. Denn neben ähnlichen Lärmbelästigungen, wie sie schon 2000 Jahre zuvor den römischen Bürgern das Leben zur Hölle machten, war Straßenmusik in London ein Hassobjekt ersten Ranges. Es gab einfach zu viele reisende Musikanten, die an jeder Ecke fiedelten, spielten und sangen, als hinge ihr Leben davon ab. Tat es ja auch, denn ohne Geldspenden wären sie verhungert.
 
Das führte dazu, dass sie zur Landplage erster Ordnung erklärt wurden. In einem Leitartikel der britischen Wochenzeitung "The Examiner" hieß es, Straßenmusiker seien "Degenerierte, Schwarzgardisten aus Savoyen und deutsche Schweineherden". Im Londoner City-Express war zu lesen, dass italienische Straßenmusiker "so schmutzig wie die Sprache sind, wie sie aussehen". Die Männer würden "heulen wie Affen und Paviane und genau wie diese Kreaturen aussehen." Der Artikel gipfelte in dem Satz: "Kein Londoner sollte erst zur Arbeit aufbrechen, ohne zuerst einen der Brüller auf der Straße zu erstechen, aufzuhängen oder zu erschießen." Dagegen ist unsere Bildzeitung heute ein zartes Kirchenblättchen.
 
Doch was war mit den Intellektuellen jener Zeit? Standen die Akademiker, angesehenen Musiker, Autoren und Wissenschaftler auf, um gegen derartige Aufrufe zur Selbstjustiz und gegen rassistische, fremdenfeindliche Parolen zu protestieren? Nein, ganz im Gegenteil. Einige, unter ihnen der ansonsten so sozialkritische Schriftsteller Charles Dickens, stellten sich sogar an die Spitze der Bewegung. 
 
Michael Thomas Bass, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts größter Bierbrauer der Welt und einflussreiches Parlamentsmitglied, startete eine Kampagne und scharte Prominente um sich, um die Straßenmusik stark einzuschränken. Herzstück war ein von Charles Dickens verfasster und von 27 Berühmtheiten unterzeichneter offener Brief. Darin stand: "Männer, die sich um den Frieden und das Wohlbefinden der Menschheit kümmern, werden täglich von Straßenmusikern gestört, belästigt, in Sorge versetzt, erschöpft und fast in den Wahnsinn getrieben." Diese Musikanten seien nichts weiter als "freche Spieler auf dreisten Instrumenten, Trommelschläger, Orgelschleifer, Banjoprügler, Beckenschläger, nervende Geiger und Balladenbrüller."
 
Ein besonders dreistes Instrument war offenbar die Drehorgel. Jedenfalls geriet der Mathematiker Charles Babbage, ein Wegbereiter des Computers, derart in Weißglut, dass er zwölf Jahre lang erbittert gegen Leierkästen und wandernde Musiker stritt. Schließlich versuchte er es mit einem Trick. Er ließ alle Drehorgeln aufkaufen, um endlich Ruhe zu haben. Was dazu führte, dass immer mehr Drehorgelspieler vor Babbages Haus zogen, um ihre alten Instrumente dort möglichst teuer zu verkaufen. Babbage erlangte landesweite Berühmtheit, und die Musikanten machten sich einen Spaß daraus, den entnervten Wissenschaftler zu verfolgen, sobald er vor die Tür trat. Ab und zu zogen sie auch mit Pauken und Trompeten um sein Haus herum und lärmten, was die Instrumente hergaben.
 
Ähnlich erging es dem schottischen Autor und Historiker Thoma Carlyle. Als wieder einmal am 8. Februar 1853 einer der ihm besonders verhassten Drehorgelspieler direkt unter seinem Fenster das Instrument und Carlyle quälte, schrieb er seiner Schwester: "Es stellt sich die Frage, ob ich ihn nicht ermorden sollte. (...) Die Drehorgel des Elenden ist eine Pferdeorgel, wie ich höre, von einem Pferd gezogen - und man will meinen, auch von einem gespielt!"
 
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Schmunzelpost 1330 vom 20. 10. 24 

Gestern feierte ein Mitglied der legendären Dorstener Tintenhühner Geburtstag. Was für mich Grund war, mit Freude an unsere gemeinsame Kabarettzeit zurückzudenken. Denn die Tintenhühner waren nicht nur etwas Besonderes, weil sie als beste Kabarettgruppe der Stadt Furore machten. Sie waren zugleich auch Dorstens bisher einziges Kabarett-Ensemble!
 
Einzigartig sind die Tintenhühner jedoch noch aus einem ganz anderen Grund gewesen. Kaum ein anderes Team brachte zusammen so viele Vornamen auf die Bühne. Damit meine ich nicht allein, wie bei mir, die Anzahl der Vornamen: Klaus-Dieter Heinz Krause steht in meinem Personalausweis. Ich ziele darauf ab, dass oft auch die Nachnamen Vornamen sind.

Schaut her: Hans-Georg Karl, Beate Robert, Jochen Rudolph, Lambert Horst, Anne Cher und Lisa Ulf. Gut, in drei Fällen musste ich ein paar überflüssige Buchstaben weglassen, um den versteckten Vornamen freizulegen. Aber bei solch einer Vornamen-Flut nimmt das Schicksal schon mal seinen Lauf. Bei Manfred Lauffs und Christa Möller darf man daher von den berühmten Ausnahmen von der Regel sprechen.
 
Und die Eltern von Bertold Hanck gönnten ihrem Sohn wenigstens einen ganz besonderen Vornamen. Dabei konnten sie sich jedoch nicht entscheiden. "Berthold" ist die verbreiteste Variante. Sie stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet so viel wie "strahlender Herrscher". "Bertolt" hingegen schmückte den großen Dramatiker Brecht, auch wenn der sich gern mit "Bert" begnügte. Unentschlossene wählen als Kompromiss Bertold. Und unser Bertold ist vermutlich hauptsächlich deshalb Deutschlehrer geworden, damit er das allen fundiert erklären kann.

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Schmunzelpost 1329 vom 19. 10. 24

hr meint, für einen Kunstbanausen wie mich ist es keine Kunst, sich über Kunst lustig zu machen? Da habt Ihr recht. Aber mitunter entlarvt die Realität auch vermeintliche Kenner. So hing das Bild "Le Bateau" von Matisse 47 Tage lang verkehrt herum im "Museum of Modern Art", bis der Fehler endlich jemand auffiel.  
 
Mitunter geht die Kunst sogar vor die Hunde. Zumindest in der Musik ist das so. Denn Paul Mc Cartney hat in den Beatles-Song "A Day in the Life" eine Frequenz eingefügt, die nur von Hunden gehört werden kann. Mc Cartney wollte damit erreichen, dass der Song auch seinem Hund gefiel. Und adäquat zum weißen Gemälde aus dem Theaterstück "Kunst" (alias "Freunde"), das Euch mittlerweile ein Begriff sein sollte, komponierte John Cage 1952 seinen Titel "4:33". Das Stück besteht aus vier Minuten und dreiundreißig Sekunden Stille.
 
Ob dies eine künstlerische Leistung ist, kann ich nicht beurteilen. Sportlich war der Rapper "NoClue" jedoch in Hochform, als er seinen musikalischen Rekord aufstellte: Er schaffte 723 Silben in nur 51,27 Sekunden! Das sind 14,1 Silben pro Sekunde. Was er uns mit seinem Lied sagen will? Woher soll ich das wissen? Ich kann weder so schnell sprechen noch rappen, geschweige denn hören. Vielleicht sollte jedoch die Band "Napalm Death" NoClue als Sänger engagieren. Ihr Titel "You Suffer" ist der kürzeste Song der Rockgeschichte. Er dauert bloß 1,316 Sekunden.
 
Falls Ihr Euch nun beklagt, dass diese Schmunzelpost für meine Verhältnisse recht kurz ist, so muss ich Euch sagen: Das stimmt nicht. Ich habe noch jede Menge Text in einer Frequenz untergebracht, die nur Katzen lesen können.
 
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 Schmunzelpost 1328 vom 18. 10. 24 

Das Theaterstück "Freunde" vom Samstag hat bei mir noch nachgewirkt. Falsche Freunde, gute Freunde, beste Freunde - darüber kann man schon mal ein Weilchen nachdenken. Denn echte Freundschaften sind sehr wichtig, aber manchmal nur schwer von oberflächlichen oder einseitigen Bekanntschaften zu unterscheiden. Mal schauen, was andere dazu zu sagen haben.
 
"Mit guten Freunden kann man schweigen", meinte J. D. Salinger. Richtig ist aber auch, was Truman Capote dazu anmerkt: "Erst nach langjähriger Freundschaft weiß man, wie man den anderen zum Schweigen bringen kann." Ein sichere Methode, um die Tiefe von Freundschaften zu beurteilen, kannte Marlene Dietrich: "Die Freunde, die man nachts um vier anrufen kann, die zählen." Mich können meine Freunde jederzeit nachts um vier anrufen. Ich gehe bloß nicht dran, weil ich das Klingeln nicht höre. Falls Ihr es also mal bei mir versucht habt, ich teile keineswegs die Einstellung von Paul Lincke: "Worauf ich verzichten kann, sind alternde Trunkenbolde, die mitten in der Nacht anrufen."
 
Erfreulich groß ist der Schatz an kleinen Bosheiten zu diesem Thema. Alfred Hitchcock: "Gute Freunde sind Menschen, die sehr weit weg wohnen." Dick van Dyke: "Wahre Freunde weichen erst von Deiner Seite, wenn es Schwierigkeiten gibt." Jack Benny: "Freunden sollte man gut zuhören; vielleicht lässt sich das Gesagte gegen sie verwenden."
 
Auch bei Frauen spitzt sich in dieser Sache die Zunge zu. Sarah Silverman: "Mir sind Freundinnen am liebsten, die ich bemitleiden kann." Jennifer Aniston: "Um Deine Freundinnen aufzuheitern, reicht es, Deine Probleme zu schildern." In dieses Horn stößt auch George Eliot (hinter dem Pseudonym verbirgt sich die Schriftstellerin Mary Ann Evans): "Nichts macht so glücklich wie mit Freundinnen die schlechten Eigenschaften der Abwesenden zu besprechen."
 
Und als Freund des Weines kenne ich mich mit Trinker-Freundschaften aus und unterstreiche daher die drei letzten Zitate. Orson Welles: "Freundschaften erscheinen erst unverbrüchlich, wenn man genug getrunken hat." Edward Hopper: "Nirgends ist Einsamkeit so spürbar wie auf Ausflügen und Festen unter Freunden, wenn man als einziger nüchtern bleibt." Daher bevorzuge ich die Herangehensweise von George Burns: "Jedes Mal, wenn ich meinen Freunden zuproste, fällt mir etwas Neues ein, das ich an ihrem Grab sagen könnte."
 
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kdk 
 
PS. Zu Fehlurteilen von Experten und falschen Prophezeiungen merkt Spiele-Freund Martin an: "Wenn es nach den Voraussagen der Elektronikspiele-Hersteller gegangen wäre, gäbe es heute keine klassischen Brett- und Kartenspiele mehr. Vor etwa 20 Jahren hieß es, wer wolle noch Plastik- oder Holz-Spielfigürchen auf Pappplatten hin und her schieben, angetrieben durch papierene "Aktions"-Karten, wenn es elektronische Computerspiele mit Konsole und Bildschirm oder für unterwegs die Varianten auf Smartphones gäbe. Millionen von Varianten, schreiend bunte Bilder, ob Action, Wissen oder Geschicklichkeit, das sei die Spielewelt der Zukunft. Klar ist die größte Elektronik-Spielemesse in Köln vielbesuchtes Mekka - aber an der kürzlich durchgeführten größten Klassik-Spielemesse der Welt in Essen sieht man, dass das althergebrachte Spielen à la Schach, Dame, Kniffel, Malefiz, UNO mehr denn je gefragt ist. Über zweihunderttausend Besucher, Tickets komplett ausverkauft, 200 m Warteschlange vor der Zubringer-U-Bahn sprechen eine deutliche Sprache pro Spielspaß am Brett und mit Karten."
 

 Schmunzelpost 1327 vom 17. 10. 24

Im Normalfall vertraue ich dem Urteil von Fachleuten. Wenn 99 Prozent der damit befassten Wissenschaftler sagen, dass der Klimawandel im vollen Gange ist, dann dürfte an der Sache etwas dran sein, auch wenn vereinzelte Blindgänger etwas anderes verbreiten. Und wenn wissenschaftlich belegt ist, dass es seit Februar 2020 rund sieben Millionen Todesfälle durch Corona gegeben hat, dann ist das für mich wahrscheinlicher als alles, was sogenannte Querdenker darüber erzählen.
 
Doch hin und wieder bin ich auch dafür, Expertenmeinungen mit Skepsis zu begegnen. Zum Beispiel den Prognosen der "Wirtschaftsweisen". Auch in der Vergangenheit gab es Fälle, in denen Fachleute mit ihren Urteilen und Thesen ziemlich daneben gelegen haben. So war einst der angesehene römische Arzt Plinius überzeugt, dass die Seelen der Toten in Bohnen wohnen. Auch berühmte Feldherren konnten irren. So sagte Napoleon vor der Schlacht bei Waterloo: "Wellington ist ein schlechter General, die Engländer sind schlechte Soldaten - die Angelegenheit werden wir bis Mittag erledigt haben."
 
Und selbst jemand, der dauernd mit Neuheiten konfrontiert wird, kann komplett auf dem Holzweg sein. 1899 befand Charles H. Duell, der Chef des amerikanischen Patentamtes: "Alles, was erfunden werden kann, hat man bereits erfunden." Na ja, ein bisschen kam da schon noch nach.
 
In den Hintern gebissen haben werden sich einige Verantwortliche großer Konzerne, die sich auf das Urteil ihrer Experten oder den eigenen Spürsinn verlassen haben. So lehnte der MGM-Boss Louis B. Mayer 1928 höchstpersönlich ab, einen jungen Zeichner unter Vertrag zu nehmen. Dessen Schöpfung Micky Maus sei ungeeignet für das Publikum, weil ein drei Meter großes Nagetier auf der Kinoleinwand einfach entsetzlich sei und schwangere Frauen zu Tode erschrecken werde. Noch krasser der Trugschluss von IBM-Chef Thomas Watson: "Ich glaube, wir werden etwa fünf Computer auf dem Weltmarkt verkaufen können."  
 Ein Näschen für musikalische Trends hatten leider auch nicht alle Profis, die glaubten, genau zu wissen, was die Menschen hören wollten. Die DECCA-Manager erteilten Brian Epstein 1962 eine deftige Abfuhr für eine Nachwuchsband aus Liverpool: "Die Musik gefällt uns nicht, und Gitarren sind sowieso bald wieder aus der Mode." Aber auch einer Konkurrenz-Gruppe ging es nicht viel besser. 1963 nahm ein BBC-Produzent den Manager der Rolling Stones an die Seite: "Die Band ist eigentlich ganz okay, aber wenn ich sie wäre, würde ich versuchen den Sänger mit den dicken Lippen loszuwerden." Tja, Mick, you can't get no satisfaction.
 
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kdk

Schmunzelpost 1326 vom 16. 10. 24 

Der 14. Oktober wird in die Geschichte eingehen. Und zwar als der Tag, an dem es einem Computer-Bronzezeitler wie mir ohne Hilfe gelang, seinen neuen Drucker startklar zu machen und ihn ohne jede fremde Hilfe an den Computer anzuschließen. Ein Kinderspiel? Von wegen! Falsche Angaben in der Gebrauchsanweisung, fehlende Hinweise darauf, wie ich das DIN-A-4-Papier einzulegen hatte - es hat mich 30 Minuten gekostet, dass ich es im falschen Eingang versuchte, weil hinten die ausklappbare Einfüllrampe perfekt getarnt war - und vergebliche Versuche anhand von 12minütigen You-Tube-Videos, eine WLAN-Verbindung zum PC herzustellen, kosteten viel Zeit, Mühe und Gehirnschmalz. Zum Glück fand ich dann doch noch die sehr gut versteckte Anschlussbuchse im Drucker, mit der sich das Gerät schnell und einfach per Kabel mit meinem Computer koppeln ließ. Ach, ich bin wohl doch ein Genie.
 
Aber das ist Schnee von gestern. Was war denn am 15. Oktober weltbewegendes los? Da passt zum augenblicklichen Kampf um unsere Werte, dass sich am 15.10. 1922 erstmals Thomas Mann ausdrücklich zur Demokratie bekannte. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil er nur vier Jahre zuvor in seinen "Betrachtungen eines Unpolitischen" noch erklärt hatte, die Demokratie sei mit dem "deutschen Wesen" unvereinbar. Grund für den Sinneswandel war auch das öffentliche Schweigen zu politischen Mordtaten, beispielsweise dem Attentat auf Walter Rathenau.
 
Wenn es damals bereits das Internet gegeben hätte, dann wäre ein gewaltiger Shit-Storm gegen Thomas Mann entfacht worden. Konservative Kreise warfen ihm vor, er sei ein charakterloser Verräter. Das griffen die Nazis nach 1933 gerne auf, weil Thomas Mann aus dem amerikanischen Exil immer wieder zum Widerstand gegen die braunen Machthaber aufrief.
 
Und noch jemand, der einen Sinneswandel durchmachte, stand am 15. Oktober im Rampenlicht. 1990 wurde Michail Gorbatschow der Friedensnobelpreis verliehen. Ohne ihn hätte es die deutsche Wiedervereinigung wohl niemals gegeben und womöglich wäre aus dem kalten sogar ein heißer Krieg geworden. Umso schlimmer ist die dramatische Kehrtwende, die Russland unter Putin vornahm.
 
Blicken wir nun voraus auf den 16. Oktober. Da kreuzten sich 1976 im fernen Prag erstmals die Wege eines jungen Lüners und einer noch jüngeren Essenerin. Ob die Folgen für die Welt verheißungsvoll oder verhängnisvoll waren, das soll dem Urteil der Nachwelt überlassen bleiben.
 
Glückauf
kdk  

 Schmunzelpost 1325 vom 15. 10. 24

Der 14. Oktober wird in die Geschichte eingehen. Und zwar als der Tag, an dem es einem Computer-Bronzezeitler wie mir ohne Hilfe gelang, seinen neuen Drucker startklar zu machen und ihn ohne jede fremde Hilfe an den Computer anzuschließen. Ein Kinderspiel? Von wegen! Falsche Angaben in der Gebrauchsanweisung, fehlende Hinweise darauf, wie ich das DIN-A-4-Papier einzulegen hatte - es hat mich 30 Minuten gekostet, dass ich es im falschen Eingang versuchte, weil hinten die ausklappbare Einfüllrampe perfekt getarnt war - und vergebliche Versuche anhand von 12minütigen You-Tube-Videos, eine WLAN-Verbindung zum PC herzustellen, kosteten viel Zeit, Mühe und Gehirnschmalz. Zum Glück fand ich dann doch noch die sehr gut versteckte Anschlussbuchse im Drucker, mit der sich das Gerät schnell und einfach per Kabel mit meinem Computer koppeln ließ. Ach, ich bin wohl doch ein Genie.
 
Aber das ist Schnee von gestern. Was war denn am 15. Oktober weltbewegendes los? Da passt zum augenblicklichen Kampf um unsere Werte, dass sich am 15.10. 1922 erstmals Thomas Mann ausdrücklich zur Demokratie bekannte. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil er nur vier Jahre zuvor in seinen "Betrachtungen eines Unpolitischen" noch erklärt hatte, die Demokratie sei mit dem "deutschen Wesen" unvereinbar. Grund für den Sinneswandel war auch das öffentliche Schweigen zu politischen Mordtaten, beispielsweise dem Attentat auf Walter Rathenau.
 
Wenn es damals bereits das Internet gegeben hätte, dann wäre ein gewaltiger Shit-Storm gegen Thomas Mann entfacht worden. Konservative Kreise warfen ihm vor, er sei ein charakterloser Verräter. Das griffen die Nazis nach 1933 gerne auf, weil Thomas Mann aus dem amerikanischen Exil immer wieder zum Widerstand gegen die braunen Machthaber aufrief.
 
Und noch jemand, der einen Sinneswandel durchmachte, stand am 15. Oktober im Rampenlicht. 1990 wurde Michail Gorbatschow der Friedensnobelpreis verliehen. Ohne ihn hätte es die deutsche Wiedervereinigung wohl niemals gegeben und womöglich wäre aus dem kalten sogar ein heißer Krieg geworden. Umso schlimmer ist die dramatische Kehrtwende, die Russland unter Putin vornahm.
 
Blicken wir nun voraus auf den 16. Oktober. Da kreuzten sich 1976 im fernen Prag erstmals die Wege eines jungen Lüners und einer noch jüngeren Essenerin. Ob die Folgen für die Welt verheißungsvoll oder verhängnisvoll waren, das soll dem Urteil der Nachwelt überlassen bleiben.
 
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kdk  

Schmunzelpost 1324 vom 14. 10. 24 

Am Samstagabend haben wir uns im Baumhaus das Theaterstück "Freunde" angeschaut. Es hat sich gelohnt. Die drei Darsteller, von denen lediglich einer professioneller Schauspieler ist, waren großartig. Und das Stück, in der die fast lebenslange enge Freundschaft dreier Männer auf eine harte Probe gestellt wird, bot viele Szenen, die mitunter zum Schmunzeln und oft zum Nachdenken anregten. Ausgangspunkt ist der Kauf eines komplett weißen Bildes für 100.000 Euro. Der dadurch angefachte Streit darüber, was Kunst ist und wie man ihren Wert beurteilt, führt dann schnell auch in ganz persönliche Bereiche.
 
Mir fiel sofort der Satz ein, dass bei Künstlern Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen. Das überträgt sich auch auf Anhänger und Gegner von Stilarten und Kunstformen. Ganz übel wird es, wenn populistische Politiker die Macht haben, ihre Vorstellungen anderen vorzuschreiben. "Entartete Kunst" und Bücherverbrennungen sind dazu die Stichworte.
 
Aber dennoch ist auch wahr, dass manche künstlerischen Genies recht schräge Typen gewesen sind. So meinte der große Dichter und Dramatiker Friedrich Schiller, er könne nur arbeiten, wenn er seine Füße auf ein Stück Eis stelle und den Geruch faulender Äpfel einatme. Der Komponist Robert Schumann war schizophren. Er hatte wie im Theaterstück ebenfalls zwei beste Freunde, allerdings waren sie bloß eingebildet. Er taufte sie Florestan und Eusebius und betonte, dass diese beiden ihm die Ideen für seine Kompositionen lieferten.
 
Nun zu Exzentrikern und Genauigkeitsfanatikern. Der französische Dichter Gerard de Nerval führte Anfang des 19. Jahrhunderts gern einen Hummer an einer Leine spazieren. Er wurde insgesamt acht Mal in eine Irrenanstalt eingewiesen. Der amerikanische Maler James Whistler ging so weit, seinen Reispudding grün zu färben, damit dieser farblich zur Tapete im Esszimmer passte. 
 
Und Benjamin West ließ im 18. Jahrhundert einen hingerichteten Verbrecher ausgraben und kreuzigen, um exakt kopieren zu können, wie der Körper am Kreuz hing. Dagegen machte Jonathan Swift durch einen radikalen Themenwechsel von sich reden. Nach seinem Meisterwerk "Gullivers Reisen" schrieb er eine Abhandlung über Exkremente, die unter dem Titel "Human Ordure" ("Menschlicher Kot") als Buch erschien. Dafür legte Swift sich das Pseudonym Dr. Shit zu.
 
Und wenn Richard Wagner einer der drei auf der Baumhaus-Bühne gewesen wäre, würde das Stück handgreiflich enden. Nicht nur, dass der fanatische Antisemit Werke des jüdischen Komponisten Mendelssohn grundsätzlich nur dann dirigierte, wenn er dabei Handschuhe trug, war er auch allergisch gegen Kritik. Wagner lud oft Freunde ein, um ihnen Kostproben bisher unveröffentlichter Arbeiten zu präsentieren. Anschließend bat er sie, ihm offen und ehrlich ihre Meinung zu sagen. Wagte es aber jemand, etwas anderes als ausschließlich Positives zu äußern, so musste er mit Schlägen rechnen.
 
Na, nun teilt mir doch bitte offen und ehrlich mit, wie Euch diese Schmunzelpost gefallen hat.
 
Glückauf
kdk
 

Schmunzelpost 1323 vom 13. 10. 24 

Am Freitag habe ich mir per Impfung einen doppelten Schutzpanzer zugelegt: Gegen Grippe und gegen die neueste Covid-Variante. Doch während ich in der Vergangenheit nie mit Nachwirkungen zu tun hatte, ist das diesmal anders. Nein, kein Fieber, keine Schmerzen - ich fühle mich lediglich so, als hätte ich gerade einen Marathon absolviert. Kurz und knapp: Ich bin schlapp! 
 
Mir geht es also wie dem Reptil, über das Robert Gernhardt einst dichtete: "Er würgte eine Klapperschlang, bis ihre Klapper schlapper klang." Trotzdem will ich nicht schlappmachen und eine vielleicht schlappe, aber bestimmt knappe Schmunzelpost schlapprizieren. Dazu muss ich erst einmal aus den Schlappen kommen. Und bevor Ihr nach Luft schnappt, weil die Schlappheit rüberschwappt und bei Euch anpappt, wird der Nonsens-Teil nun gekappt. Schließlich will ich mit der Schmunzelpost stets Euer Wissen ein bisschen erweitern, in diesem Falle Euren Sprachschatz.
 
Denn statt schlapp könnt Ihr auch andere Wörter gebrauchen. Etwa ausgelaugt, entkräftet oder erschlafft. Oder ausgebrannt, abgerackert oder ausgepowert. Oder lahm, flau oder matt. Doch die Begriffe kanntet Ihr bestimmt schon. Daher noch ein paar originellere Beispiele:  Rheinländer sind hin und wieder duhne, wahrscheinlich nach Aschermittwoch. Englischaffine Menschen sind groggy, Schweizer fühlen sich nüntig. Und lurig durch die flache Landschaft tappert man in Niedersachsen, aber auch in NRW. Als alter Comic-Freund schließe ich mit dem Satz: Für heute bin ich völlig fix und foxi! 
 
Glückauf 
kdk

 Schmunzelpost 1322 vom 12. 10. 24

Der Lärm hallt nach: Heute hauen wir nochmal auf die Pauke und widmen uns erneut dem Krach. Zu Beginn eine Frage: Welche Stadt erzeugte den größten Lärmpegel? Das heutige New York oder das antike Rom? Daraus, dass ich noch bei den ersten Kapiteln des Buches "Die Welt ist laut - eine Geschichte des Lärms" bin, könnt Ihr auf die richtige Antwort kommen.

 Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich nicht damals in der ersten Millionenstadt der Welt gelebt habe. Denn die Geräuschkulisse hätte mich vermutlich in den Wahnsinn getrieben. Dementsprechend meint Autor Kai-Ove Kessler, dass vor allem sensible Naturen wie Schreiber, Dichter und Denker (so elegant konnte ich mich selten zwischen Prominente schmuggeln) unter der permanenten Lärmbelastung in Rom gelitten haben. Kessler belegt dies mit Zitaten.
 
So beklagte der Dichter Marcus Valerius Martialis, der in der Nähe der heutigen Fontana di Trevi wohnte, dass der Straßenlärm nachts ein Geräusch mache, als wenn die gesamte römische Armee durchs Schlafzimmer marschieren würde: "Manchmal aufzuwachen geht noch, aber die Nacht durchwachen ist schlimm!" Noch empfindlicher war Seneca. Er urteilte: "Du bist aus Eisen oder taub, wenn unter so buntem und misstönenden Geschrei je deine Gedanken in Ordnung bleiben."

 Was meinte Seneca damit? Nun, im alten Rom gab es weder Leuchtreklamen noch Plakate und selbstverständlich keine Rundfunk- oder Zeitungswerbung. Wer etwas verkaufen wollte, war auf seine Stimme angewiesen, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Also überboten sich die Schreihälse von früh morgens bis spät abends in den Gassen. "Vollends das Ausrufen des Getränkeverkäufers, der Kuchenbäcker, der Wurst- und Gebäckhändler, und all der Krämer und Garköche, die ihre Waren feilbieten", fand Seneca unerträglich. Und da er über einer Therme wohnte, kamen noch weitere Geräusche hinzu - das Geschrei und das Klatschen des Wassers, wenn die Badenden hinein sprangen. Ganz besonders gingen ihm jedoch die Haarauszupfer auf die Nerven: "Stelle Dir die feine und schrille Stimme vor, die ein Haarzupfer herauspresst, um sich bemerkbar zu machen; der schweigt nicht eher, als bis er etwas zu zupfen hat, wo er dann den anderen für sich schreien lässt."
 
Nun werdet Ihr vielleicht einwenden, dass doch wenigstens in der Nacht Ruhe einkehrte. Weit gefehlt. Ausgerechnet ein Gebot von Julius Cäsar raubte den Römern den Nachtschlaf. 45 vor Chr. erließ Cäsar ein Tagfahrverbot für Fuhrwerke innerhalb der Stadtmauern. Die Straßen sollten den Fußgängern vorbehalten bleiben. Bloß Bauarbeiterkarren, Leichenbestatter, Feuerwehr und Straßenreinigung durften tagsüber durch Rom rollen. Das führte dazu, dass vom Einbruch der Dunkelheit bis zum frühen Morgen Handwagen, Kutschen und Fuhrwerke mit Produkten aller Art mit rumpelnden Rädern durch die engen Gassen dröhnten, ergänzt durch das Knallen der Peitschen und den lautstarken Streit der Verkehrsteilnehmer.
 
Dazu kam, dass die Wände dünn und überhaupt nicht schallisoliert waren. Die Handwerksbetriebe taten ein übriges. Für den Staatsmann Cicero war daher die Taubheit kein Übel. Dem Einwand, dann könne er ja die Klänge des Zitherspielers nicht mehr hören, hielt er entgegen: "Aber auch nicht das Kreischen der Säge, wenn sie geschärft wird, oder das Schreien eines Schweines, wenn es geschlachtet wird." Der Dichter Lukrez schloss sich ihm an und erinnerte an den greulichen Ton der Sägen von Steinmetzen. Solch Lärm gehöre zu den Dingen, "die Sinne schmerzlich erregen und dem Körper Gewalt antun."
 
War es denn wenigstens an den rund 50 Feiertagen still? Von wegen! Dann waren die Straßen voll vom Spektakel diverser Musikinstrumente und vom Geschrei und Gegröle der Betrunkenen, die auch die Nacht zum Tage machten. Spitzenreiter der Lärmentfaltung waren die ausgedehnten Spiele im Zirkus Maximus, der 250.000 Zuschauern Platz bot - bis heute kommt kein Stadion der Moderne dem auch nur ansatzweise nahe. Und wenn diese Menge tobte, dann bebten vermutlich noch jenseits der Alpen die Met-Krüge der Germanen.
 
Genau genommen hat sich an der Schall-Belästigung durch Sportfans bis heute nichts geändert. Es gibt nur eine wohlklingende Ausnahme: Den entzückten Aufschrei von 60.000 Schalke-Anhängern, wenn ihr Verein in der Gelsenkirchener Arena ein Tor erzielt.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1321 vom 11. 10. 24

Heute schon gepoltert, gelärmt oder rumgeschrien? Nur, um die bösen Nachbarn zu ärgern? Nein, ich bin mir sicher, so etwas tut Ihr nicht. Schließlich gilt es, mit den lieben Nachbarn ein möglichst friedlich-freundliches Verhältnis zu pflegen.
 
Dennoch: Lärm ist hierzulande die häufigste Ursache für Nachbarschaftsstreitigkeiten, die schließlich sogar beim Gericht landen. Das weiß ich, weil ich gerade begonnen habe, ein spannendes Sachbuch zu lesen: "Die Welt ist laut - eine Geschichte des Lärms". Momentan stecke ich noch ziemlich am Anfang. Aber auch da gab es bereits einige interessante Fakten, die ich gern an Euch weiter vermittle.
 
Der Urknall heißt ja auch "Big-Bang". Doch ausgerechnet von diesem gewaltigen Knall, der alles in Gang setzte, war nichts zu vernehmen. Erstens, weil damals niemand da war, der es hätte hören können. Und zweitens, weil es auch nichts zu hören gab: Es fehlte an allem, was nötig ist, um Schallwellen zu transportieren. Immerhin aber können wir heute noch etwas vom Urknall mitkriegen, wenn wir ganz genau hinhören. Dazu genügt ein altes Radiogerät mit Empfangsteil für UKW und Mittelwelle. Im statischen Rauschen zwischen zwei Sendern ist ein Echo des Urknall-Hintergrundrauschens zu hören. Allerdings nur ein sehr schwaches. Astrophysiker haben ausgerechnet, dass ein Prozent des Summens ein Echo des Urknalls von vor fast 14 Milliarden Jahren ist.
 
Ab der Urzeit wurde jedoch schon auf unserem Planeten hingehört. Bereits die ersten Fische verfügten über ein Innenohr. Das haben jedenfalls Paläontologen anhand von 380 Millionen Jahre alten Versteinerungen festgestellt. Daraus hat sich später das Mittelohr der Säugetiere, also auch der Menschen, entwickelt. Wer übrigens glaubt, dass die riesigen Raubsaurier bis vor 66 Millionen Jahren röhrten wie riesige Hirsche oder brüllten wie gigantische Löwen, der ist höchstwahrscheinlich auf dem Holzweg. Da die engsten Verwandten der Dinosaurier die Vögel sind und man heute weiß, dass auch viele Saurier ein Federkleid trugen, kann es sein, dass T-Rex gekräht hat wie ein Hahn. Bloß viel lauter.
 
In den Höhlen wurde es richtig laut, als der Mensch die Bühne betrat. Das Schleifen von Steinen hat mächtig Krach gemacht, und die erste Musik unserer Vorfahren wurde wohl mit altsteinzeitlichen Schlagzeugen komponiert, wie entsprechend geformte Stöcke und Knochen vermuten lassen. Pfeifen kamen erst später hinzu, aber schon lange, bevor die Neandertaler aus dem letzten Loch pfiffen. Eine Flöte aus Mammut-Elfenbein, die in Baden-Württtemberg ausgegraben wurde, ist 35.000 Jahre alt.
 
Leider blieb der Lärm nicht lange melodisch. Die lautesten Baustellen der Antike fanden sich vermutlich in Ägypten, als Hundertausende von Arbeitern in Schichten 24 Stunden am Tag lang die Pyramiden errichteten. Ohrenbetäubendes Rumpeln der Holzschlitten, mit denen Steinblöcke durch die Wüste gezogen wurden, das Hämmern von Bronzewerkzeugen und das lautstarke Schleifen der Kupfermeißel, dessen fürchterliches Kreischen sich mit dem Geschrei von Tausenden von Menschen vermischte, müssen einen Mordsradau verursacht haben.
 
Darauf lassen jedenfalls die Papyri ägyptischer Ohrenärzte aus der Zeit 2600 vor Christus schließen. Im medizinischen Handbuch jener Tage ist von Ohrgeräuschen, stechenden Schmerzen und Erkrankungen der Ohrenschmalzdrüse bis hin zu Hörverlust und anhaltender Taubheit die Rede. Ich fürchte, dagegen war kein Kraut gewachsen. Jedenfalls wohl kaum das Standardrezept: Eine Mischung aus Salz und Baumsaft. Man kann also sagen: Die Zivilisation warf lautstark ihre Schatten voraus.
 
Wie es in der ersten Millionenstadt unserer Geschichte weiter ging, erfahrt Ihr ein anderes Mal. Falls Euch dieser Beitrag gefallen hat, gebt bitte Laut. Legt eine Rolling Stones- oder AC/DC-Platte auf, und dreht den Lautstärkeregler voll auf, damit ich Euch hören kann. Wie Ihr das dann mit den Nachbarn regelt, ist Eure Sache.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1320 vom 10. 10. 24 

Wer einen Kater hat, der leidet meist unter Kopfschmerzen. Zumindest, wenn der Kater durch Alkohol verursacht wird. Aber auch ein echter Kater kann Kopfschmerzen bereiten, vor allem aber gleich zwei davon. 
 
Wie Ihr als regelmäßige Schmunzelpost-Leser wisst, regiert bei uns zuhause der Kater Milly. Wenn wir auf seine Wünsche eingehen, behandelt er uns gut, wir können also eigentlich nicht klagen. Aber seit geraumer Zeit gibt es ein Problem. Wir bekommen nämlich fast täglich Besuch von einem roten Vagabunden. Einem nicht kastrierten, offenbar obdachlosen Kater, der rund um unsere Wohnanlage seine Kreise zieht.
 
Anfangs begnügte er sich damit, sich vor unsere Terrassentür zu setzen und unseren Kater so zur Weißglut zu treiben. Milly markierte dann den starken Max, fauchte und sprang gegen die Scheibe. Wenn er aber seinem Widersacher draußen begegnete, brachte er sich eilig in unserer Wohnung in Sicherheit. Vor gut einem halben Jahr scheint der rote Kater dann seine feste Nahrungsquelle und womöglich seine Bleibe verloren zu haben. Er magerte ab, man konnte ihm förmlich beim Schrumpfen zusehen. 
 
Das tut Katzenfreunden in der Seele weh. Und obwohl wir wussten, dass wir ihn so stärker an uns binden würden, begannen wir, ihn zu füttern. Was zur Folge hat, dass er sich jetzt beinahe jeden Vormittag bei uns einfindet. Wenigstens konnten wir ihn wieder aufpäppeln, seine Rippen zeichnen sich nun nicht mehr unter seinem Fell ab. Aber Freundschaft mit Milly hat der Rote nicht geschlossen.
 
Gefährlich wird es, wenn der Eindringling es wagt, unsere Wohnung zu betreten. Dann rastet Milly aus und wird tatzengreiflich. Wenn sich die beiden draußen begegnen, gibt es gelegentlich Attacken aus dem Hinterhalt. Sehen sie sich gleichzeitig, nähern sie sich bis auf Schlagdistanz an und beginnen ein Blickduell. Das Anstarren dauert so lange, bis einer der beiden ganz langsam und vorsichtig den Rückzug antritt. Aber beide stehen unter Stress, solange der andere in der Nähe ist.
 
Das eigentliche Problem, das uns Kopfzerbrechen bereitet, ist der nahende Winter. Was wird aus dem Roten in Frostnächten? Und wie halten wir es aus, ihn bei Schnee und Eis, Regen und Kälte vor unserer Terrassentür hocken zu sehen, wenn er sehnsüchtig nach drinnen schaut? Sich ihn schnappen, beim Tierarzt kastrieren zu lassen und ihn anschließend ins Tierheim zu sperren, falls er sich bei Keilereien mit anderen Katern Katzen-Aids oder andere ansteckende Krankheiten eingefangen hat, kommt nicht in Frage. Zumal wir auch nicht hundertprozentig wissen, ob der Rote nicht vielleicht doch jemandem gehört.
 
Wegen Infektionsgefahr und Revierverhalten können wir aber auch nicht darauf hoffen, dass sich die beiden unter unserem Dach vielleicht eines Tages doch verstehen. Es muss eine andere Lösung her. Ich habe schon erwogen, umzuziehen und einem roten Logiergast meine Räume zur Verfügung zu stellen. Mit getrenntem Eingang und Katzenklappe, versteht sich. So könnten die beiden sich aus dem Wege gehen.
 
Für mich bliebe im Garten die Hundehütte, die wir einst für Millys Vorgänger bereitgestellt hatten, damit er bei seinen nächtlichen Touren eine trockene Zuflucht vor Regen fand. Seit Snoopy und den Peanuts weiß man, dass Hundehütten im Inneren überraschend luxuriös sein können. Wer kann schon von sich sagen, einen Billardtisch und einen echten van Gogh zu besitzen?
 
Nach einer kurzen Hütten-Inspektion habe ich mich aber gegen diese Variante entschieden. Kein W-LAN für die Schmunzelpost - das geht gar nicht. Nun bauen wir darauf, dass wir nicht die einzigen Katzenfreunde in unserer Wohnanlage sind. Irgendwo wird der Streuner die weiteren 23 Stunden des Tages verbringen und womöglich auch bei anderen durchs Fenster schauen. Und heißt es nicht zu Advent: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, ein Kater kommt ins Haus geschneit?"
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1319 vom 9. 10. 24

Seit Montag läuft wieder regelmäßig im Vorabendprogramm des ARD-Fernsehens das Fachmagazin für ausgefallene Fragen, kurioses Wissen und Skurrilitäten. Um Euch auf den Geschmack zu bringen, hier drei Fragen aus vorangegangenen Folgen der Wissensshow.
 
Die Britin Jenni Coleman wachte 2020 eines Morgens mit einem grünen Gesicht auf. Woran lag das?
a) Sie hatte eine Woche Magnesium anstelle von Kalzium eingenommen.
b) Sie hatte einen abgelaufenen Selbstbräuner benutzt.
c) Sie hatte vergessen, ihre glyzerinhaltige Haarkur auszuspülen.
 
Der 246 Meter hohe Test-Turm für Aufzüge in Rottweil...
 
a) ... wirft in der Morgensonne einen x-förmigen Schatten.
b) ... bietet auf seinem Dach eine Rampe für Skater.
c) ... ist das höchste textilverkleidete Gebäude der Welt. 
 
Bereits auf über 5000 Jahre alten Steintafeln der Sumerer...
 
a)... wurde sich bitterlich über die "Jugend von heute" beklagt.
b)... wurde darum gebeten, die Hinterlassenschaften von Hunden aufzusammeln.
c)... wurden Kontaktanzeigen veröffentlicht, um einen Partner zu finden.
 
Bevor Ihr Euch über die "Alten von heute" beklagt: Die richtigen Antworten findet Ihr unter PS.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Um Euch ein grünes Gesicht zu ersparen: Einmal geöffneter Selbstbräuner sollte innerhalb eines halben Jahres aufgebraucht werden, sonst kann sich durch den Abbau von Wirkstoffen die Hautfarbe anders als gewünscht verändern. Wer braun werden will, für den gibt es bei uns übrigens einen einfachen Weg: AfD wählen. (Je später der Abend, desto schlechter die Scherze) 
 
PPS. Seine Textilverkleidung aus feingewebten Kunststoffen reduziert die Schwingungen des Turms durch Wind um 40 Prozent. Außerdem wird der Beton vor Sonneneinstrahlung geschützt. Der preisgekrönte Turm verfügt über die höchste Aussichtsplattform Deutschlands und bietet bei schönem Wetter einen Blick bis in die Schweizer Alpen. Sportliche Besucher können auf den Aufzug verzichten und die 1390 Stufen zu Fuß bewältigen.
 
PPPS. Der "beste Freund des Menschen" war auch in Mesopotamien bereits sehr beliebt. Das beweisen Fabeln, die Hunden "pfiffiges Verhalten" bescheinigen. Tafeln mit der Aufschrift "Hier bitte nicht!" gab es allerdings noch nicht. Dafür jedoch Klagen über die Jugend. Auf einer mehr als 5000 Jahre alten Steintafel ist zu lesen: "Die Jugend achtet das Alter nicht mehr und zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen." Und die Lage im Zweistromland verschärfte sich weiter. Tausend Jahre später hieß es in Keilschrift: "Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Das Ende der Welt ist nahe."

 Schmunzelpost 1318 vom 8. 10. 24

Sage niemand, der Herbst habe keine guten Seiten. Den Beweis treten wir am 10. Oktober im Dorstener Baumhaus an. Dann wird Regina wieder ab 19.30 Uhr neue Bücher empfehlen, in denen sie viele gute Seiten entdeckt hat.
 
Außer weiteren Buchtipps gibt es natürlich wie gewohnt heitere Beiträge. Zum Beispiel ein paar Kostproben aus "Geflügeltes Westfalen" mit neuen Gedichten von Fritz Eckenga. Der wirft schon mal einen Blick voraus auf das Weihnachtsfest, das diesmal etwas anders verläuft als üblich:
 
Krippengrippe 
 
"Festlich funkelt's in der Immobilie, Lametta spiegelt sich im Laminat.
Tisch besetzt mit hungriger Familie, Tafelsilber stochert in Salat.
 
Zittrig zieht die Mutter dieser Sippe das Thermometer aus der Gänsefurt,
vierzig Grad, der Vogel hat die Grippe, hört nur, welch ein Lied aus Mägen knurrt.
 
Wir haben Tradition, wir haben Bräuche, vor allem aber ham wir großen Schmacht.
Es muss ein andres Opfer in die Bäuche, denn diesmal hat die Gans H5N8.
 
Die Köpfe drehen sich in Richtung Krippe, der Esel hat sich schlau vom Hof gemacht.
Der Ochse zittert ängstlich mit der Lippe, die Messe ist gelesen, stille Nacht."
 
Doch das ist längst noch nicht alles. Nicht nur mit ornithologischen Gedichten bringen wir den Besuchern komische Vögel näher, es geht in Texten auch um den Niedersachsen. So will der bräsige Verwandte des Westfalen vor allem eins: Weit gucken! Den Grund dafür kennt Dietmar Wischmeyer:
 
"Viele haben sich schon gefragt, warum wohnen die Niedersachsen eigentlich hier zwischen Ems und Elbe und, sagen wir mal, nich in Bayern, da isses doch auch sehr schön. Stimmt, waren auch schon viele mal da: Im Urlaub oder während der Völkerwanderung. Sind aber immer wieder zurückgekommen, denn was in Bayern nervt - so schön es da auch is - dass man dauernd gegen ein Berg glotzt. Egal in welche Richtung, zack, ist da wieder dieser Bello von buckliger Landschaft vor Deiner Linse.
 
Das nervt nich nur beim Gucken, sondern auch beim Radfahren. Hat doch keiner wirklich Bock, dauernd abends, wenn er kanonendicke ausse Kneipe oder vom Schützenfest kommt, noch mit sein Fahrrad die Voralpen hochzuasten. Und wenn der Niedersachse nicht weit gucken kann, macht ihn das sowieso total nervös, weil er nich weiß, was auf ihn zukommt. Auch in Sachen Verwandtenbesuch is die weite Sicht von Vorteil. Biegt am Horizont der schrabbelige Opel von den Diepholzern auf den Zubringer, dann aber hastenich gesehn die Jalousien runter und alle Mann totgestellt, bis sie wieder abrücken."
 
Mir jedoch sind die Niedersachsen allein deshalb schon sympathisch, weil sie - Ihr erinnert Euch an die gestrige Schmunzelpost - eine bestimmte Form der Volksbelustigung instinktiv ablehnen. "Der Niedersachse is da nich so für, fürs Tanzen, meine ich. Meist soll es ja da passieren, wo man sowieso schon was vorhat, sagen wir mal Schützenfest oder Hochzeit. Da hast Du Dich gerade schön am Brett angedockt, zack, sollst Du mit Frauen inne Gegend rumwirbeln.
 
Anpacktänze geht ja noch, kann man sich wenigstens an was festhalten bei diese Dreherei. Aber diese moderne Hampelei - das is doch nix für nen erwachsenen Plattdeutschen. Das sieht regelrecht scheiße aus und dient nich mal der zielführenden Annäherung an das andere Geschlecht - wozu dann also den ganzen Kasperkram? Was man allerdings schon mal hat in Niedersachsen, sind Volkstänze. Das is mehr so innen Kreis rumspringen mit mehrere, die sich verkleidet haben als Urmenschen von früher.
 
Ein weiterer Urmensch steht daneben mit Schifferklavier, und die anderen hopsen zu sein Gejaule. Gut, wers braucht, man weiß ja aufm Land oftmals auch nich, was man noch machen soll, jetzt wo die meisten abends keine Schweine mehr füttern und Kühe melken müssen. Und plötzlich sagt dann die Alte: "Herbert, lass uns doch zusammen nen Tanzkurs machen oder bei der Plattengüller Speeldeel mittun."
 
Ja, schöner Mist, da komm mal wieder raus aus son Schlamassel. Aber wenns noch soviel sind, die da mit Holzschuh und Halstuch wie die Frösche aufe Herdplatte rumklabastern, gilt doch die Regel: An sich nämlich tanzt der Niedersachse nich gern, sogar nich in seiner Form als Frau - das is ihm einfach wesensfremd."
 
Das war' s als Vorgeschmack. Mehr am Donnerstagabend!
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1317 vom 7. 10. 24 

An sechs Tagen in der Woche ist es für mich Pflichtlektüre, das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung. Meist lese ich es mit Vergnügen, manchmal finde ich es ganz besonders gelungen. Am Samstag war das wieder einmal der Fall. Unter der einspaltigen Rubrik steht zwar nie eine Autorenangabe, aber aus Sammelbänden weiß ich, dass bisher wohl ausschließlich Männer unter den wechselnden Verfassern waren. Das jüngste Streiflicht hat jedoch vermutlich eine Frau geschrieben. Wieso ich das weiß? Hier ist der Einstieg:
 
"Was die Problemkreatur Mann betrifft, verfügt die Wissenschaft über etliche Differenzierungsmerkmale, die eine systematische Erfassung dieser obskuren Wesen ermöglichen. Es gibt kluge Männer (fünf Prozent) und doofe (hundert Prozent), charmante (fünf Prozent) und stinkstieflige (hundert Prozent), sensible (fünf Prozent) und gefühllose (hundert Prozent).
 
Besonders gut lassen sich Männer an ihrer Einstellung zum Tanz unterscheiden. Einige Männer tanzen gerne, die meisten aber exekutieren Walzer oder Rumba, zu denen ihre Dame sie gezwungen hat, mit einem Gesicht, als müssten sie eine vegane Schlachtplatte verzehren. (...) Fred Astaire oder Michael Jackson sind Ausnahmen, die anderen, vor allem Politiker, sollten es besser lassen. Wenn Trump tanzt, stets mit geballten Fäusten, sieht es aus, als kämpfte er gegen haitanische Katzenesser. Friedrich Merz' Moves erwecken den Eindruck, er hänge an Schnüren der Augsburger Puppenkiste. Vor Monaten hat auch Söder getanzt, in Stockholm zu Abbas "Dancing Queen". Immerhin, besser als Merz. Aber ein Dancing King? Nein, es reicht auch dazu nicht."
 
Wenn ich es recht überlege, könnte dieser Text auch von einem Mann stammen. Denn manchmal sind wir auch zur Selbstironie fähig (fünf Prozent) und nicht total humorlos (100 Prozent?). Den Beweis habe ich vor Jahren bereits angetreten, als ich meine Begeisterung fürs Tanzen beschrieb. Ja, ja, der Text ist bereits als "Guten-Morgen-Glosse" erschienen, aber da der Tatort jetzt nicht mehr als Wiederholung läuft wie den ganzen Sommer hindurch, sorge ich mit der Neuauflage für eine sanfte Entwöhnung:
 
Der größte Partymuffel zwischen Lippe und Wolga war zu einem Fest eingeladen. Weil ein guter alter Freund seinen 50. Geburtstag feierte, konnte selbst jemand, der sonst feuchtfröhliche Veranstaltungen mit mehr als zehn Teilnehmern als Terror-Attacken des Brachial-Frohsinns empfindet, diesmal nicht kneifen. Es kam, wie es kommen musste.
 
Als das Tanzparkett freigegeben wurde, wuchsen plötzlich Saugnäpfe aus den Schuhen und hielten unseren Partylöwen eisern an seinem Platz fest. Sie lösten sich nur vorübergehend, wenn bei der Damenwahl hektisch die Herrentoilette angesteuert wurde. Als der Alleinunterhalter Mittmachspiele startete, half nur noch eine Barrikade aus Stühlen. Dann aber war der Abend endgültig gelaufen: Als auch noch die pfundigen Damen der Bauchtanzgruppe "Skarabäus" ausschwärmten, um sich im Saal männliche Tanzpartner zu suchen, wickelte sich unser Partylöwe in die Tischdecke und konnte erst spät nach Mitternacht mit Rettungsscheren befreit werden.
 
Warum können wir Erz-Westfalen eigentlich nicht das Feiern den Rheinländern überlassen und uns auf so ausgelassene Veranstaltungen wie Fachtagungen des Bestatter-Verbandes beschränken?
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1316 vom 6. 10. 24 

Wie wir vor zwei Tagen gelernt haben, gehört das Rentnerdasein zu den schwierigsten Berufen der Welt. Es gibt aber welche, mit denen sich das Überleben noch schwieriger gestaltet. Das wissen alle, die ihren Lebensunterhalt als Schriftsteller bestreiten möchten.
 
Dank Euch bin ich in der glücklichen Lage, meinen Hang zum Schreiben täglich ausleben zu können. Und durch die Rente kann ich das tun, ohne auf Einnahmen schauen zu müssen. Andere, die sich Schriftsteller nennen und dies gern als Hauptberuf angeben würden, haben meist Riesenprobleme. Davon erzählt der Kölner Kommunikationswissenschaftler Klaus Hansen.
 
"Die meisten werden nicht gedruckt. Von denen, die gedruckt werden, bezahlen die meisten den Druck selbst. Von den gedruckten Büchern werden die meisten nicht verkauft. Von denen, die man verkauft, werden die meisten nicht gelesen. Von denen, die gelesen werden, bleiben die meisten ohne ein Zeichen der Resonanz. Darum müssen sich die meisten Schriftsteller ihre Bedeutung selbst einreden."
 
Das ist die richtige Stelle, um Hansen zu unterbrechen und mich einmal für die vielen Zuschriften und direkten Kommentare zu bedanken, die mir in den dreieinhalb Schmunzelpost-Jahren zeigten, dass meine Texte wahrgenommen werden. Denn ein Schreiber ohne Leser ist wie ein Pilot ohne Flugzeug.
 
Dagegen ist sogar mancher namhafte Autor recht genügsam. Wie Günter Eich. Der schrieb: "In Saloniki/weiß ich einen, der mich liest/und in Bad Nauheim. Das sind schon zwei." Hansen hat dies aufgegriffen: "Wer als junger Autor auf Anhieb gedruckt wird, ohne dafür zu bezahlen, und obendrein noch wohlwollend in der Presse erwähnt wird, der kann zunächst sein Glück kaum fassen. Bis er erkennt, dass wir in einer Mediengesellschaft leben und der Journalist mit seinem vierminütigen Beitrag über sein Buch das Mehrfache von dem verdient, was der junge Autor je an Honorar erhalten wird.
 
In Mainz, bei "apspekte",
weiß ich einen, der mich bespricht,
und in Hamburg, bei "titel, thesen, temperamente".
Das sind schon zwei,
die von meiner Arbeit leben,
von der ich selbst nicht leben kann.
 
Was überhaupt "Schreiben" heißt? Nichts zu sagen haben und es dennoch sagen? 'Fick Dein Tintenfass', hat Flaubert geantwortet."
 
Ich hätte nie erwartet, dass das Echo auf meine Texte mich weit zufriedener stimmt als Eich und Flaubert. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1315 vom 5. 10. 24 

Treibstoff beim Verfassen der Schmunzelpost ist für mich häufig ein Glas Wein. Aber ich werde den Teufel tun und versuchen, ihn mit Fachausdrücken zu beschreiben. Die Sprache der berufsmäßigen Verkoster ist mir viel zu blumig. Wobei wir damit schon mitten im heutigen Thema sind: "Blumig" bezeichnet einen Wein mit feinem Duft.
 
Doch es gibt noch viel mehr Vokabeln, die etwas Positives über den Rebensaft aussagen. Einige davon sind mir noch nie untergekommen. Dass "Fett" einen fehlerfreien Wein kennzeichnet, käme mir ohnehin nicht in den Sinn. Ist aber so: Schwerer, öliger, glyzerinhaltiger Wein wird so beschrieben. Na ja, ich würde eher versuchen, damit ein Fahrzeug anzutreiben.
 
Auch "mollig" ist mir in Zusammenhang mit Weinen fremd. Dieser Begriff steht für einen zarten Wein von warmem Charakter ohne große Herkunft. Ist der Wein dagegen markant, dann merkt man ihm seine Herkunft deutlich an. Ich glaube, ich bevorzuge "Herrenweine". Darunter versteht der Kenner kräftige, rassige und trotzdem dezente Tropfen. Musikalisch nennt man Weine, deren Harmonie schon beim ersten Schluck zum Ausdruck kommt. Ich persönlich werde eher musikalisch, nachdem ich den letzten Schluck zu mir genommen habe.
 
Dann bin ich nämlich mitunter voll. Was hingegen Wein charakterisiert, der körperreich ist und den Mund ganz ausfüllt. Mit V beginnen sowieso die besten Urteile. Vornehm ist ein reifer, feuriger Wein, vollendet ein Wein, der das letzte Reifestadium erreicht hat und "vollkommen" preist einen absolut untadeligen Wein.
 
Doch für fehlerhaftes Gesöff gibt es mindestens ebenso viele Vokabeln. Als "durchsoffen" bezeichnen Experten einen im Faß gepantschten oder unsachgemäß verschnittenen Wein. Spitze Weine irritieren durch einen eigenartigen Säureausdruck, stumpfe Weine sind unharmonisch. Und schmierige Weine sind säurearm und weisen undefinierbare Geschmacksanteile auf. Aber wieso kann ein Wein unartig sein? Angeblich, wenn er fremde Eigenschaften aufweist. Also, wenn er nach Bier schmeckt? Oder nach Milch? Oder nach Schmieröl?
 
Damit wären wir bei einem Wein, von dem ich entschieden abrate. Ein "Böckser" verrät sich durch üblen Geruch und Geschmack, zum Beispiel nach faulen Eiern. Pfui!
 
So kann ich Euch nicht in den Tag entlassen. Noch schnell zwei Tipps: Mein Geburtsjahr 1953 bescherte einen ganz großen Jahrgang. Nicht auf mich, aber auf Wein bezogen. Und falls Ihr, anders als ich, Euch gern einen Cognac gönnt, dann achtet darauf, dass bei einem Spitzenprodukt V.V.E.S.O.P. auf dem Etikett steht. Das heißt very, very extra superior old pale, zu deutsch ganz besonders vorzüglich, alt und hell. Mal schauen, ob ich das auch mal an eine Schmunzelpost kleben kann.
 
Glückauf
kdk 

 Schmunzelpost 1314 vom 4. 10. 24


Liebe unglückliche Schmunzelpostleserinnen und -leser, die Ihr Euch noch werktäglich zur Arbeit schleppen müsst. Womöglich träumt Ihr schon von einer goldenen Zukunft als Rentner, in der Ihr die Wonnen der Freizeit genießen wollt. Ihr täuscht Euch! So ein Rentnerleben ist verdammt hart und anstrengend. Betrachten wir nur einmal mein Beispiel.
 
Wenn ich mich in aller Herrgottsfrühe, so gegen 10 Uhr, aus dem Bett gequält habe, heißt es sofort: Keine Zeit zum ungestörten Frühstück. Das wird nämlich zum Arbeitsessen, weil ich mich durch die Lektüre von zwei hochwertigen Zeitungen über die Nachrichtenlage informieren muss. Ab zwölf Uhr geht es dann erst richtig los. Und es gibt so viel zu tun, dass ich erst nach Mitternacht in die Federn sinke und denke: Schon wieder nicht alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe.
 
Seit Mittwochabend hat sich die Situation weiter verschärft. Da durfte ich Joachim Feldmann bei der Krimi-Weltreise im Baumhaus lauschen. Ich hatte schon vorher geahnt, dass meine Neugier für mir bisher unbekannte Autoren geweckt werden würde. Doch es kam noch schlimmer. Ich erfuhr, dass viele meiner Krimi-Favoriten endlich in vollständigen Ausgaben als Neuausgaben herauskommen. Zuvor waren sie oft schlecht übersetzt und stark gekürzt. 
 
Das stürzt mich in ein Dilemma. Schon jetzt komme ich mit der Zeit, die mir zum Lesen von Büchern zur Verfügung steht, nicht aus. Der Stapel neuer Bände, die noch auf die Lektüre warten, wird ständig größer. Obwohl ich mir großzügig noch gut 25 Jahre Lebenserwartung einräume, geht diese Rechnung also nicht auf. Bücher mit in den Sarg packen, hat keinen Zweck. Da unten ist es viel zu dunkel. Vom fehlenden Platz in einer Urne ganz zu schweigen.
 
Doch es kam noch schlimmer. Nebenbei erwähnte Joachim Feldmann seine Lieblings-Band, die Kinks. Die Band von Ray und Dave Davies schätze ich ebenfalls sehr. Und mir fiel sofort auf, dass ich viel zu wenig Musik höre. Denn es gibt ja nicht nur die Kinks, die Rolling Stones, die Small Faces, the Who und die Beach Boys. Es gibt auch noch ihre legitimen Nachfahren in den Folge-Jahrzehnten: J. J. Cale, Mark Knopfler, Howe Gelb usw. Und dann die Gitarrengötter Jimi Hendrix, Jeff Beck und Eric Clapton. Sowie ihre akustischen Kollegen Werner Lämmerhirt, Leo Kottke, Ewan Dobson. Und Blues. Und Folk. Und Klassik. Und Jazz. Und Weltmusik. Und...
 
Kurzum: Ich habe ein massives Problem. So ein 24-Stunden-Rentnertag reicht einfach nicht aus. Ich benötige mindestens 36! Denn wenn ich die acht Stunden Schlaf abziehe, müssen im kläglichen verbleibenden Rest auch Pflichten wie die Versorgung und Bespaßung eines anspruchsvollen Katers und einer noch anspruchsvolleren Lebensgefährtin erfüllt werden. Dazu gilt es ein umfangreiches Fortbildungsprogramm mit Ausstellungsbesuchen, Lesungen, Konzerten und Reisen in unbekannte Orte und Landschaften zu absolvieren. Und auch wenn der TV-Konsum bereits drastisch reduziert ist: Nachrichten, Tatort, ein paar ausgewählte Satire- und Quizsendungen und vor allem das Hochkulturprogramm der 1. und 2. Bundesliga sind unverzichtbar.
 
Aber wo kann ich noch Zeit abknapsen? Da habe ich schlechte Nachrichten für meine Mitbewohnerin. Bisher teilen wir uns die Hausarbeit inkl. Einkaufen 50:50. Dieses Verhältnis will ich künftig auf 10:90 umstellen. Doch ich bin durchaus kompromissbereit: Meine zehn Prozent sind nach unten offen.
 
Falls Ihr nun denkt: "Der arme Kerl! Wie hält er dieses Pensum bloß aus?", verrate ich Euch gerne mein Rezept. Ich erhole mich täglich beim Schreiben der Schmunzelpost. Ah! Für heute ist mein Soll erfüllt. Ich spüre frische Energie aufkeimen und bin nun bereit für die Tagesschau. Euch einen schönen Tag. Und falls Ihr bereits Rentner seid: Passt auf Euch auf und übernehmt Euch nicht!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zur letzten Folge mit den langen deutschen Wort sendet Rainer Grüße aus Barkenberg und schreibt:
"Ich glaube, die Waliser sind auch nicht schlecht bezüglich langer und dazu noch unaussprechliche Wörter, s Wikipedia: Llanfairpwllgwyngyll oder Llanfair Pwllgwyngyll, in den Kurzformen Llanfairpwll oder Llanfair PG und der Langform Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch ist eine Community im Südosten der Insel Anglesey in der gleichnamigen Grafschaft im Nordwesten von Wales. 2001 war sie mit 3.040 Einwohnern die sechstgrößte Gemeinde von Anglesey.
Die Aussprache in Lautschrift habe ich vorsichtshalber mal weggelassen, um die Auslastungsgrenze unseres Denkapparats nicht noch weiter zu überschreiten.

Schmunzelpost 1313 vom 3. 10. 24

Zum Tag der Deutschen Einheit will ich daran erinnern, dass zu einem einigen Volk auch eine gemeinsame Sprache gehört. Zugegeben: Das ist bei uns nicht so leicht hinzukriegen. Etwa, wenn sich ein Sachse und ein Kölner unterhalten wollen. Oder ein Bayer und ein Friese. Auch zwischen Alten und Jungen kann es Verständigungsprobleme geben. Doch zum Glück gibt es ja das Hochdeutsche, auf dass wir uns alle geeinigt haben.
 
Die Bibel des Hochdeutschen ist der Duden. Dort habe ich nachgeschlagen, ob sich beim längsten deutschen Wort mittlerweile etwas geändert hat. Im Ausland sind wir ja berühmt/berüchtigt für unsere buchstabenreichen Ungetüme, was bereits mehrfach Thema der Schmunzelpost war. So ist mein Favorit, das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz, inzwischen wieder außer Kraft gesetzt worden und damit in der Versenkung verschwunden. Und die Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsvereinigung wird von der Duden-Redaktion nicht anerkannt, weil dieser Begriff wegen künstlicher Anhängsel unzulässig verlängert sei.
 
Dafür ist nun die Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung mit 44 Buchstaben neuer Spitzenreiter. Und Nostalgiker dürfen sich trösten: Mit 34 Buchstaben liegt die abgespeckte Donaudampfschifffahrtsgesellschaft immer noch auf Rang drei. Aber es gibt auch kürzere, weniger sperrige deutsche Wörter, die tückisch sind, weil wir sie beim Lesen oft unwillkürlich falsch interpretieren.
 
Berühmtestes Beispiel ist der Urinstinkt. Und unser Bauch führt uns spontan auf die falsche Fährte, bevor wir beim Altbaucharme auf die charmante, richtige Lösung kommen. Bei der Bahn locken uns vielleicht persönliche Erfahrungen in die verkehrte Richtung, wenn wir das Wort "Nachteilzug" lesen. Und Naturfreunde bemühen sich vergeblich im Moor Torflaute wahrzunehmen, weil sich so Fußballfreunde über Nulldiät auf dem Spielfeld beklagen.
 
Ausdrücklich warnen möchte ich alle Männer, falls sie im Beisein ihrer Frauen gern laut lesen. Die Gefahr ist groß, dass sie die Duschlampe falsch betonen.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1302 vom 2. 10. 24

Vor anderthalb Wochen jubilierte ich an dieser Stelle, weil ich meine Steuererklärung für 2022 endlich fertiggestellt und über ELSTER abgesandt hatte. Damit, so glaubte ich, hätte ich ein Jahr Ruhe. Irrtum vom Amt! Ende letzter Woche traf ein Schreiben des Finanzamtes Marl bei mir ein, das mich erinnern sollte, meine Erklärung bis allerspätestens zum 17. Oktober endlich einzureichen. Die neue Frist ändere nichts daran, dass ein Verspätungszuschlag bis zu 25.000 Euro erhoben werden könne.
 
Das schlug dem Fass den Boden aus! Und bescherte mir reichlich Klärungsbedarf. Schließlich hatte ich meine Steuererklärung zwar auf den letzten Drücker, aber noch gerade pünktlich bis Anfang September abgeben wollen. Dann stellte sich jedoch heraus, dass die Zugangscodes für meine ELSTER-Registrierung abgelaufen waren. Unverzüglich beantragte ich eine erneute Registrierung. Den ersten Code bekam ich auch sofort per Mail. Der zweite, ebenfalls unbedingt erforderliche, sollte mir "in den nächsten Tagen" per Brief zugesandt werden.
 
Die Post vom Finanzamt traf aber erst ein, als unsere Urlaubsreise schon begonnen hatte. Also machte ich mich am ersten Werktag nach der Rückkehr aus Weimar ans Werk. Und bekam nach dem Versand sogar bereits mitgeteilt, welche Nachzahlung mir voraussichtlich drohen wird. Ein paar Tage später traf dann jedoch der Brief ein, der die Frage aufwarf, ob meine ELSTER-Botschaft irgendwo in einer elektronischen Sackgasse der Finanzverwaltung stecken geblieben ist.
 
Deshalb versuchte ich unter der angegebenen Telefonnummer den Sachverhalt zu klären. Nach einem langen automatischen Vorspann hieß es, dass alle Sachbearbeiter noch mindestens zwanzig Minuten beschäftigt seien und meine Anfrage dann erst weitergeleitet werden könne. Nach ein paar Minuten gab es einen neuen Text: "Die Wartezeit beträgt nun mehr als 20 Minuten, versuchen Sie es später erneut. Am besten in den weniger frequentierten Randzeiten." 
 
Da die Dienstzeit um 18 Uhr endete, rief ich um 17.40 Uhr noch einmal an. Diesmal lautete der Automaten-Text: "Da die Dienstzeit um 18 Uhr endet, können wir Ihnen heute nicht mehr weiterhelfen. Bitte rufen Sie an einem anderen Tag an." Soviel zum Thema Randzeit. Wutentbrannt suchte ich nach einer Email-Adresse. Dafür hätte ich mich jedoch erst wieder mit einem neuen Code registrieren lassen müssen. "Aber die Registrierung ist unnötig, wenn Sie sich über Ihr ELSTER-Konto einloggen." 

 Na gut, auf ein Neues. Aber auch hier wurden zunächst Registrierungs-Codes verlangt. Stoisch trug ich meine ellenlangen Zahlen- und Buchstaben-Kolonnen ein, die ich frisch im September erhalten hatte. Und musste dann zu meinem Entsetzen lesen: "Ihre Codes sind ungültig. Bitte lassen Sie sich neu registrieren!" Ja, hat der Amtsschimmel bei Euch jetzt sämliche Glasfaserstränge und alle verfügbaren Synapsen aufgefressen?
 
Ich überlege nun, der Finanzbehörde einen altmodischen Brief zukommen zu lassen. Per Einschreiben. Und darin werde ich einen Versäumniszuschlag bis zu 25.000 Euro ankündigen, den ich erheben will, wenn das Finanzamt weiterhin alle Zugbrücken hochzieht und meine Kontaktaufnahme-Versuche abblocken lässt. Siehe Paragraph 1, Absatz fünfeinhalb des kdk-Bürgerfreundliche-Behörden-Umgang-Gesetzes.
 
Glückauf
kdk 
 
PS. Ich habe es übrigens gestern um 17 Uhr wieder telefonisch versucht. Nach dem obligatorischen Hinweis lernte ich, dass "eine Wartezeit von mehr als 20 Minuten" viel Luft nach oben lässt. Nach 35 Minuten gab ich auf. 

 Schmunzelpost 1311 vom 1. 10. 24

Hat man Euch in Eurer Kindheit und Jugend einen Spitznamen angehängt? Oder taten das Kollegen oder Mitspieler im Sportverein? Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, gleich mehrere Kosenamen verpasst zu bekommen. Als kleines Kind nannte mich meine Mutter Kläuschen. Später hatte ich das Pech, dass ein Spielkamerad das mitbekam und mich jahrelang nervte. In der Schule bezeichnete mich einer aus meiner Klasse als "Professor". Was ich durchaus schmeichelhaft fand, obwohl es allenfalls wegen meines Interesses an Deutsch und Geschichte halbwegs gerechtfertigt war. Daher geriet der Titel auch schnell in Vergessenheit. Länger haftete mir zu meinem Leidwesen als Teenager ein anderer Spitzname an. "Krausi-Mausi" oder "Klausi-Mausi", je nachdem, wie nahe ich den Spöttern stand. 
 
Wie ich auf dieses Thema komme? Nun, Maria lenkte meinen Blick auf einen Zeitungsartikel, in dem Putin als der aktuelle Politiker mit den wohl meisten Spitznahmen beleuchtet wurde. Klar, dass bei ihrer Verwendung große Vorsicht geboten ist. Das erfuhr einer, der besonders scharfzüngig attackierte. Der ehemalige Chef der Wagner-Gruppe, Prigoschin, schimpfte: "Opi ist glücklich und glaubt, dass es ihm gut geht. [...] Aber was soll das Land tun, wenn sich, nur mal angenommen, plötzlich herausstellt, dass dieser Großvater eigentlich ein Flachwichser ist?“
 
Später versuchte Prigoschin sich herauszureden und versicherte, er habe damit jemand anders gemeint. Unglücklicherweise nannte er gleich drei Alternativen, von denen eine auch noch eine Frau war. Vielleicht hat es ja etwas mit dem Tod Prigoschins bei einem Flugzeugabsturz zu tun, dass der echte "Opi" sich angesprochen fühlte und den Spruch nicht gut fand. Inzwischen versuchen Putins Leute nach der Devise "kannst Du eine Aussage nicht auslöschen, dann gestalte sie wenigstens in Deinem Sinne" ihren Chef als grundgütigen Großvater zu inszenieren. Es gibt "Väterchen Lenin" und "Väterchen Frost", warum nicht "Großväterchen Putin"? Das wäre jedenfalls besser als "Botox-Opa" nach der Gesichtsstraffung oder "Bunker-Opa" wegen der panischen Furcht vor Covid.
 
Doch es gibt noch vielerlei andere Spottnamen, die für den Verunglimpften den Tatbestand der Majestätsbeleidung erfüllen. Dazu gehören Sprachspiele aus dem Russischen, wie die Vereinigung des Verbs für furzen mit dem Nachnamen. Daraus entstand "Pukin". Mit "Graue Motte" und "Zigarettenstummel" fing es während Putins KGB-Zeit noch vergleichsweise harmlos an und steigerte sich über Putinochet, Kim Jong Pu bis hin zum Putler. Ihr werdet ahnen, wer dazu seine zweite Namenshälfte beisteuerte.
 
Der Spitzname "Chaputin" kommt vom russischen Verb für  raffen oder schnappen. Auf Deutsch hieße so ein korrupter Kleptokrat entsprechend "Schnapputin." Auch die Neigung von Putins Widersachern aus Fenstern zu fallen oder plötzlich an Unfällen und Vergiftungen zu sterben, trug Putin neue Wortschöpfungen ein. Etwa "Blutiger Zwerg" oder "Bloodymir". Und weil Trup auf russisch Leiche bedeutet, ist "Trupin" kein wirklich schöner Kosename.
 
Dann schon lieber Krausi-Mausi.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1310 vom 30. 9. 24   

Früher war manches ja viel einfacher. Wer beispielsweise wissen wollte, was ihn in der Zukunft erwartet, der musste sich nicht bis zum Bleigießen an Silvester gedulden (obwohl das auch eine beliebte Quelle war). Nein, es genügte bereits ein wenig Prütt, also Kaffeesatz. Den goss man auf einen flachen Teller, schüttelte ihn kräftig und ließ die Flüssigkeit ablaufen. Die Figuren, die danach übrigblieben, lieferten wertvolle Anhaltspunkte zu bevorstehenden Ereignissen. 
 
Besonders gern gesehen waren Dreiecke. Denn schon ein Dreieck verhieß gute Geschäfte oder einen neuen, lukrativen Job. Bildeten sich gleich mehrere Dreiecke, dann lauerte das große Glück vor der Tür. Entstanden jedoch viereckige Figuren, dann wurde die nächste Zeit in jeder Beziehung unangenehm. Und ein langes Rechteck bescherte Unfrieden mit der Familie. 
 
Außerdem war es ein Kreuz mit den Kreuzen. In geringer Zahl sind sie hochwillkommen gewesen. Denn ein Kreuz kündigte ein langes Leben und einen sanften Tod an, drei Kreuze eine hohe Ehrung. Aber wehe, es kam noch ein viertes Kreuz hinzu. Das bedeutete: Unfall, Krankheit, Tod! Es sei denn, es bildete sich ein Kranz aus Kreuzen. Dann traf es einen anderen und bescherte unsereinem eine Einladung zum Leichenschmaus. 
 
Erfreulicher als Kreuze waren Kreise. Bereits ein Kreis brachte Glück, mehrere Kreise sogar großes Glüçk. Formte sich der Kaffeesatz zu einer Zahl, dann durfte man ebenfalls mit Glück rechnen, und zwar bei Lotto, Toto oder einer Lotterie. Bei Buchstaben wurde es diffizil. Ein "I" prophezeite mühselige und erfolglose Arbeit, zwei "II" sogar eine Verhaftung und einen Prozess. Nach einem "G" stand dafür jedoch große Freude ins Haus. 
 
So, ich muss jetzt leider für heute Schluss machen. Ich muss noch viel üben. Irgendwie muss sich so eine verdammte Zahl doch hinkriegen lassen! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1309 vom 29. 9. 24

Gibt es Siebentöter, wie eine Teilnehmerin der NABU-Exkursion an der Lippemündung in Wesel vermutete? Oder lauert dort der elfäugige Florettlöffler auf Beute? Wer weiß? Nach den überlieferten Weisheiten der Generation, die in den Fünfziger Jahren das Sagen hatte, ist vieles denkbar.
 
Manches haben wir bis heute verinnerlicht. Wenn uns zum Beispiel ein Spiegel zerbricht, fürchten wir: Oh, oh, das bringt sieben Jahr Unglück! Noch schlimmer ist es, wenn nachts ein Käuzchen mit seinen Schreien zu vernehmen ist. Dann kommt große Sorge auf, weil der Totenvogel ruft. Neu war mir, dass es vor Hexen schützt, wenn man auf die Schwelle zur Tür einen Besen legt. Hilft das auch gegen Strafmandate? Ohne den Besen hat mich jedenfalls der Zahlungsbefehl eines Blitzers aus Thüringen ereilt. Sieben Kilometer zu schnell  - und dann auch noch ein unvorteilhaftes Foto.
 
Sehr alarmierend fand ich jedoch die überlieferten Gewissheiten aus dem Volksglauben, die mir völlig unbekannt gewesen sind. Oder wusstet Ihr, was es bedeutet, wenn es am Waschtag regnet? Dann ist entweder der Bräutigam oder der Ehemann untreu. Auch wenn eine alte Frau unseren Weg kreuzt, ist das ein schlechtes Zeichen. Dagegen ist es überaus glückverheißend, wenn man einen Schimmel sieht. Vielleicht sollte jemand den Ampel-Politikern den Tipp geben, schnell mal bei den Lippizanern vorbeizuschauen. 
 
Dass rechts und links nicht nur in der Politik von Bedeutung sind, war mir ebenfalls neu. Jedenfalls soll es so sein: Wenn die rechte Hand juckt, stehen Geldausgaben bevor. Juckt jedoch die linke Hand, dann sind Einnahmen zu erwarten. Klingelt das rechte Ohr, folgen schlechte Nachrichten. Wenn aber unser linkes Ohr klingelt, dann spricht gerade jemand gut über uns. 
 
Aber Ihr habt natürlich recht: In solchen Fällen sollten wir uns besser auf die Weissagungen von Experten verlassen. Aber bitte nicht auf Astrologen. Die sehen wegen der dauernden Betrachtung von Konstellationen der Planeten und Sternbilder sowieso nur noch Sterne. Da vertrauen wir doch besser einem Astrogalomantier, der aus den hingeworfenen Fußknöchelchen von Tieren exakt die Zukunft vorhersagen kann. Genauso glaubwürdig sind auch die Kephalomantier, die sich auf die Offenbarungen eines gerösteten Eselkopfes verlassen. Oder der Alectryomantiker, der aus den Bewegungen eines körnerpickenden Huhns seine Schlüsse zieht.
 
Jetzt weiß ich endlich, warum ich mich als Tintenhuhn auf der Kabarettbühne andauernd beobachtet gefühlt habe.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1308 vom 28. 9. 24

Am Donnerstagabend nahm ich an der 75. Veranstaltung der Wulfener "Auslese" teil, die sich vor allem mit Literatur auseinandersetzt. Dort lohnt sich stets ein Besuch. Aus Anlass des Jubiläums ging es diesmal 75 Jahre zurück ins Jahr 1949. Da liegt es nahe, dass auch ich heute nochmal nachschlug, was die Deutschen in den Fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als wissenswert oder merkwürdig empfanden.
 
Dabei stellte ich fest, dass der Aberglaube damals noch stärker als gegenwärtig in der Gesellschaft verwurzelt war. Kaum zu glauben, bei den vielen Esoterik-Anhängern heutzutage. Doch in dem Büchlein "Schon gewusst" sind sogar acht Kapitel den Orakeln und Symbolen gewidmet. Werfen wir zunächst mal gemeinsam einen Blick in das "Lehrbuch der Handlesekunst". So wird es eingeleitet:
 
"Die Hände von Menschen sagen, richtig betrachtet, eine Menge über ihren Inhaber aus. Das behaupten nicht nur ernsthafte Wissenschaftler, die sich allerdings bei ihren Urteilen Zurückhaltung auferlegen, sondern auch die berufsmäßigen Chiromanten." Chiromanten! Was für eine wohlklingende Bezeichnung für geschäftsmäßige Wahrsager. Hier folgen ein paar Beispiele aus ihrer Deutungsliste. Ihr solltet vorher gründlich Eure Hände betrachten, bevor Euch die Maske vom Gesicht gerissen wird. 
 
Kleine Hände: Redelustig bis schwatzhaft, lebhaft und kritisch, pläneschmiedend, bevorzugt gutes Essen.
Große Hände: Eignung für Kleinarbeit, aber auch Anzeichen für Kleinlichkeit und Nörgelsucht.
Sehr große Hände: Verbrecherische, tyrannische und vielleicht sogar räuberischen Anlagen.
 
Na gut, damit kann ich leben. Ich habe vergleichsweise kleine Hände. Und bin nun sehr froh, dass sie nicht sehr schmal und lang sind. Denn das wäre ein Zeichen dafür, dass ich rechthaberisch, tyrannisch und schwierig im Umgang bin. Noch verräterischer jedoch sind sehr kleine Finger: "Leichtgläubig, grausam, wenig intelligent, langweilig."
 
Jetzt werdet Ihr womöglich fragen: "Meine Güte, gibt es denn keinerlei Hände, die den Chiromanten gnädig stimmen?" Doch, die gibt es. So zeugen knotige Hände davon, dass Ihr intuitiv, geistvoll, aber nicht für Handarbeit geeignet seid. Und der Hit sind konische Hände. Sie attestieren Euch, ausdauernd, unabhängig, logisch denkend, wahrheitsliebend und gerecht zu sein. Konische Hände? Das kommt mir komisch vor. Kegelförmig und spitz zulaufend? Sie sollten das Buch nochmal neu mit Abbildungen herausbringen.
 
Doch auch so habe ich meine Schlüsse gezogen. Bevor Ihr mich das nächste Mal trefft, wascht bitte gründlich Eure Pfoten. Denn zuerst, das liegt auf der Hand, will ich dann Eure Hände sehen!
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1307 vom 27. 9. 24

Dass ich stets an kuriosen und skurrilen Texten interessiert bin, habt Ihr höchstwahrscheinlich bereits bemerkt. Daher freute es mich, im Bücherschrank auf das Werk "Schon gewusst? Wissenswertes, Merkwürdiges und Kurioses aus 250 Sachgebieten" aus dem Verlag "Die Gabe" zu stoßen. Es stammt aus dem Jahre 1962, und ich war gespannt, was die Autoren vor 60 Jahren unter diesen Kategorien zusammengetragen hatten. Ich wurde nicht enttäuscht. 
 
Hier kommt ein Auszug aus dem Kapitelchen "Die Blumensprache". Bekanntlich sind Blumen ein beliebtes Mitbringsel. Es war mir aber nicht bewusst, was man alles durch die Blume sagen kann, wenn man bestimmte Sorten als Geschenkstrauß übergibt. Vermutlich war ich 1962 noch zu jung dazu. Bei uns zuhause gab es als Standard-Geschenk zwei Varianten: Ein Alpenveilchen im Winter und im Sommerhalbjahr Nelken.
 
Nun musste ich folgendes erfahren: Rote Nelken bedeutet: "Heiße Liebe!", weiße Nelken: "Ich bin noch zu haben." Zum Muttertag waren danach rote Nelken ja okay, aber was mag sich meine Tante bloß über meinen Nelkenstrauß gedacht haben? Mit dem Alpenveilchen konnten wir dagegen nicht viel falsch machen. Es soll aussagen: "Deine Bescheidenheit überrascht mich."
 
Wenig überraschend, dass rote Rosen ausdrücken: "Ich liebe Dich über alles!" Und auch mit Jasmin lag der Kavalier richtig: "Du bist bezaubernd." Mich erstaunt jedoch, wie leicht es offenbar war, mit Blumen für die Angebetete ins Fettnäpfchen zu treten. So standen Astern für "Von Deiner Treue bin ich nicht überzeugt." Und Hyazinthen: "Deine Kälte lässt mich verschmachten." Mohnblumen symbolisierten: "Du bist viel zu schläfrig."
 
Richtig derb wird es jedoch mit einem Tulpenstrauß: "Du bist keiner echten Empfindung fähig." Auch Tausendgüldenkraut sagte mehr als tausend Worte: "Du liebst mich nicht, Dich reizt nur mein Geld." Schierling schimpft: "Du hast mein Leben vergiftet!" Und die mir völlig unbekannte Wucherblume bringt es schließlich auf den Punkt: "Lass mich in Frieden!"
 
Wer derart blumig mit Frauen spricht, sollte sich nicht wundern, wenn er im Gegenzug einen Akelei-Strauß bekommt: "Ich halte Dich für einen Schwächling!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1306 vom 26. 9. 24 

Robert Gernhardt schrieb in seinem Gedicht "Das Dunkel" schon vor vielen Jahren: "Ob im Mann, ob im Weib, Dunkel herrscht in jedem Leib." Ja, auch ich habe mich lange nicht für die Funktionen der Organe und die Zusammenhänge eines funktionierenden Körpers interessiert. Bis mich das Alter mit diversen Wehwehchen dazu zwang. Daher war ich sehr gespannt auf das neue Buch von Axel Hacke mit dem bezeichnenden Titel "Aua!". 
 
Es liegt gerade bei mir frisch auf dem Tisch. Zum Lesen bin ich noch nicht gekommen. Aber bereits der Einstieg gibt mir mächtig zu denken. Denn als erstes habe ich das Inhaltsverzeichnis gelesen. Und festgestellt, dass der Haut vierzehn Seiten gewidmet sind. Dagegen kommt das Gedächtnis nur auf zwölf Seiten. Na gut, Axel Hacke ist schon 68 Jahre alt, da kann sein Gedächtnis bereits gelitten haben.
 
Den Knochen gönnt er nur zehn Seiten, dem Ohr dagegen zwölf. Acht Seiten müssen für die Zähne reichen, dagegen ist das Kapitel über den Bauch mit sechzehn Seiten doppelt so lang. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass da bei uns alternden Männern wohl einiges im Argen liegt. Der Darm kriegt bloß zehn Seiten, aber das Kapitel über die Lunge ist sechzehn Seiten lang. Pfeifen wir bereits aus dem letzten Loch?
 
Respektable vierzehn Seiten befassen sich mit dem Knie, die Nase muss sich mit zwölf Seiten begnügen. Und auch der Fuß wird, wahrscheinlich für Männer mit kleinen Schuhgrößen, nur auf zehn Seiten behandelt. Dann folgt das Finale: Dass das Herz lediglich auf vierzehn Seiten vorkommt, hat mich etwas überrascht. Angemessen finde ich dagegen, dass dem Gehirn die größte Seitenzahl gehört. Allerdings lässt mich stutzen, dass einem anderen Körperteil wie dem Hirn ebenfalls volle achtzehn Seiten eingeräumt werden - dem Penis.   
 
Ich werde das Buch wohl mit großem Interesse lesen.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1305 vom 25. 9. 24 

Es ist geschafft! Nachdem endlich alle erforderlichen Nummern und Codes vorlagen, habe ich mein ELSTER-Konto erneuern können und meine Steuererklärung für 2023 abgegeben. Als Dankeschön erhielt ich prompt den Hinweis, dass voraussichtlich eine Nachzahlung in vierstelliger Höhe eingefordert wird. Pah! Geld ist nicht alles. Was soll ich mir vom Ärger darüber, als Rentner, der Zeit seines Arbeitslebens brav Steuern gezahlt hat und nun auch noch im Ruhestand weiter zur Kasse gebeten wird, den sonnigen Nachmittag verderben lassen? Ich tröste mich lieber mit dem Gedanken daran, mit was für Steuern die Menschen schon in der Vergangenheit geschröpft wurden oder was heute im Ausland fällig werden kann.
 
In der Antike war der römische Kaiser Vespasian auf die Idee gekommen, wie sich bestimmte unverzichtbare Geschäfte seiner Bürger gewinnbringend nutzen ließen. Er verhängte eine Urinsteuer für alle, die öffentliche Toiletten aufsuchten. Heute nennt man das Sanifair.
 
Zar Peter der Große kassierte zu Beginn des 18. Jahrhunderts 50 Rubel von jedem Russen, der sich weigerte, seinen Bart scheren zu lassen. Ich bin dafür, dass dieser Zar künftig in der Geschichtsschreibung als Peter, der Glattrasierte, bezeichnet wird.
 
Im 19. Jahrhundert wurde in Frankreich eine Steuer auf Fenster und Türen erhoben. Noch heute kann man mitunter die Folgen bestaunen. Viele Hauseigentümer ließen damals bis auf kleine Gucklöcher ihre Fassaden zumauern.
 
Friedrich dem Großen war es ein Dorn im Auge, dass viele seiner Untertanen französischen Modeerscheinungen nacheiferten. Und das, obwohl der alte Fritz selbst oft auf französisch parlierte. Jedenfalls mussten in Preußen männliche wie weibliche Perückenträger eine Steuer von drei Talern berappen.
 
Einfallsreich waren auch die Pharaonen im alten Ägypten. Sie machten Matsch zu Geld. Weil Nilschlamm als besonders fruchtbar galt, mussten Bauern eine ordentliche Steuerzahlung entrichten, wenn ihre Felder vom Nilhochwasser überschwemmt wurden.
 
Doch es gibt auch Steuern, die ich gut finde. So erheben Brasilien und Frankreich eine Steuer auf Flugtickets nach Afrika. Und zwar 85 Prozent! Allerdings kommt das Geld nicht den beiden Ländern, sondern Hilfsprojekten in Afrika zugute. Nachvollziehen kann ich auch die Steuer, die im US-Bundesstaat West-Virginia kassiert wird. Dort werden vor dem Nationalfeiertag am 4. Juli, der stets mit viel Lärm begangen wird, Abgaben auf Feuerwerkskörper erhoben. Das wünsche ich mir zugunsten der Umwelt bei uns zu Silvester!
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1304 vom 24. 9. 24 

Heute mache ich es dem Herbst nach und lasse von den Bäumen ein paar bunte Blätter in die Schmunzelpost fallen.
 
Herbstlaub 1: Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder und der Herbst beginnt. Alle Knochen zwicken, heftig schmerzt der Rücken, leis entweicht ein Wind.
 
Herbstlaub 2: Das Ergebnis der Wahl in Brandenburg bringt Freud und Leid. Trotz meiner gemischten Gefühle habe ich eines mit Genugtuung registriert: Der BVB ist auf einem Abstiegsplatz gelandet. Tja, ihr Freien Wähler aus Brandenburgs vereinigten Bürgerbewegungen, es kann einfach kein Glück bringen, sich mit so einer verrufenen Abkürzung zu schmücken.
 
Herbstlaub 3: Als ich heute den Bücherschrank in der Fußgängerzone in Ordnung brachte, sind mir gleich drei Büchlein in die Hände gefallen, aus denen ich Honig für die Schmunzelpost zu saugen hoffe. Eines stammt von Klaus Hansen, einem Kölner Kommunikationswissenschaftler. Als Appetithappen hier schon einmal ein kleiner Auszug aus "shit COLOGNE - 100 Szenen und 5 visuelle Aphorismen aus dem Leben der einzigen italienischen Stadt nördlich der Alpen".
 
Hansen befasst sich darin auch mit Akronymen. Akronym wird ein Kurzwort genannt, das sich aus den Anfangsbuchstaben mehrerer anderer Wörter zusammensetzt. Richtig aufgedröselt ergibt sich mitunter ein verblüffender neuer Sinn. Wir haben uns damit schon einmal beschäftigt. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an das Akronym EHE. Es steht für Erratum Humanum Est.
 
Nun fügt Hansen noch ein paar weitere schöne Beispiele hinzu: FIAT bedeutet auch "Für Italiener ausreichende Technik". BONN hatte es sich redlich verdient, einst "Bundeshauptstadt ohne nennenswertes Nachtleben" genannt zu werden. TEAM steht für "Toll, ein anderer macht's". IKEA heißt abgekürzt "Idioten kaufen einfach alles". Dazu passt auch KONSUM: "Kauft ohne nachzudenken schnell unseren Mist!". 
 
Glückauf
kdk

 

 Schmunzelpost 1303 vom 23. 9. 24

Herbstanfang. Da meldet sich bei mir stets eine gewisse Melancholie. Schließlich bin ich mit 71 Jahren schon etwas länger im Herbst des Lebens angekommen. Aber solange es halbwegs gut geht und ich meine Tage auf unterschiedlichste Weise genießen kann, mache ich mir nur selten Gedanken über den bevorstehenden Winter.
 
Ermutigt werde ich dabei von Kolumnisten, die mit mir in die Jahre gekommen sind. Harald Martenstein plagt sich mit diesem Thema schon etwas länger herum. Er hat aber auch besonders viel Anlass dazu, weil er im Großvater-Alter nochmals Vater geworden ist. Elke Heidenreich hat bereits die 80 erreicht und lässt sich davon nicht unterkriegen. Ihr jüngstes Buch übers Altern habe ich mit Vergnügen gelesen. Und mit viel Zustimmung. Nur ihre Kritik an Barack Obama teile ich nicht. Wie sollte der Mann als Präsident seine Visionen realisieren, wenn die politische Mehrheit alle wesentlichen Reformen blockieren konnte?
 
Auch der sehr geschätzte Axel Hacke hat bereits seinen 68. Geburtstag gefeiert. Auf sein neues Buch bin ich sehr gespannt. Es trägt den verheißungsvollen Titel "Aua" und wird sich wohl mit den kleinen und großen Zipperlein der Männer unserer Generation befassen. Immerhin wird im Herbst jedoch nicht alles schlechter. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Testosteronspiegel und damit die Libido sowohl bei Frauen wie bei Männern höher ist als in den anderen Jahreszeiten. Im Altweibersommer kann sich also manches entspinnen.
 
Ich habe aber ganz andere Tricks auf Lager. Habt Ihr mal probiert, ein hartgekochtes Ei auf die Spitze zu stellen? Ja, ich weiß, das klappt nicht, das Ei kippt stets um. Aber nicht am Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche! Am Samstag konnte man ein Ei auf die Spitze stellen, ohne dass es wegrollte. Schade, dass Ihr nun sechs lange Monate warten müsst, um das auszuprobieren. Doch nun habt Ihr noch einen Grund mehr, Euch auf den nächsten Frühling zu freuen. Und der ist für mich, Libido hin oder her, schon immer die schönste Jahreszeit gewesen!
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1302 vom 22. 9. 24 

Überall lauern tödliche Gefahren. Wer durch den Schermbecker Dämmerwald spaziert, muss laut Presse mit einer Attacke von Wölfin Gloria und ihrem mörderischen Rudel rechnen. Bisher waren zwar hauptsächlich Schafe unter den Opfern. Aber was ist, wenn Gloria Euch als Schafsköpfe einstuft?
 
Weit heimtückischer, weil völlig unerwartet, sind jedoch Angriffe von Tieren, die wir Menschen eigentlich als harmlos einstufen. "Als naturferner Städter, der Tiere nur von der Speisekarte kennt, liest man das mit Entsetzen und ja, auch mit Befremden. Ist die Kuh an sich nicht ein friedliches Wesen, das uns mit Milch, Muh und Schokolade versorgt, hammermäßig schöne Augen hat und sich ohne großes Tamtam ins Schlachthaus kutschieren lässt?", fragte am Freitag die "Süddeutsche Zeitung".
 
Ja, es ist tatsächlich so. Vor einigen Jahren meldete bereits die "Welt": "Mehr Tote durch Kühe als durch Weiße Haie." Außerdem würden jährlich rund 10.000 Menschen durch Kühe verletzt. Aktuelle Schätzungen besagen, dass jedes Jahr weltweit etwa 20 Menschen durch unerfreuliche Begegnungen mit Kühen ums Leben kommen. Im gleichen Zeitraum können sich Weiße Haie maximal zehn Kerben in ihre Flossen ritzen. Gut, Haie sind an Land deutlich benachteiligt. Und über die Beute von Wasserbüffeln bei Tauchgängen ist bisher nichts bekannt.
 
Doch der springende Punkt ist ein anderer. "Auf Almwiesen war es Wanderern bislang lieber, dem Milchvieh zu begegnen, als in die Gesellschaft von Löwen, Kampfhunden oder Tyrannosauriern zu geraten", stellt die SZ fest. Aber die Zeiten, in denen wir uns in Sicherheit wiegen konnten, sind offenbar vorbei: "Nun haben die Kühe den Friedenspakt mit den Menschen gekündigt - ein weiterer Beleg dafür, dass die Welt aus den Fugen ist."
 
Daher sei es höchste Zeit, sich nach neuen Freunden im Tierreich umzusehen. Heiße Kandidaten dafür seien Eichhörnchen mit ihren Knopfaugen, Pinselohren und dem staubwedelartigen Schwanz. Wer so putzig aussehe, könne doch nichts Böses im Schilde führen. Doch Vorsicht: In Wahrheit sind die vermeintlichen Nußfreaks auch reißende Bestien. Eichhörnchen wurden bereits von Alfred Brehm als "mordsüchtige Nager" bezeichnet, weil sie sich gern über Vogelnester hermachen und an den hilflosen Küken weiden.
 
Nun haben die süßen Eichkatzeln bewiesen, dass sie auch mit zweibeinigen komischen Vögeln keinen Spaß verstehen. In England enterten gerade zwei Eichhörnchen eine Bahn zum Flughafen Gatwick. "Sie randalierten dort wie Hooligans beim Auswärtsspiel", schreibt die SZ, "ohne Fahrkarte zugestiegen in Gomshall." Die Nager "attackierten Passagiere, woraufhin eine Panik ausbrach und die Fahrt nach dem vergeblichen Versuch, die Marodeure mit Besen und Nüssen zur Vernunft zu bringen, abgebrochen werden musste."
 
Da drängen sich mir zwei Fragen auf: Stecken vielleicht Eichhörnchen hinter den Problemen der Bundesbahn und die DB geniert sich so sehr, ihrer puschligen Widersacher nicht Herr werden zu können, dass sie läppische Begründungen wie "technische Störungen" oder "widrige Wetterbedingungen namens Frühling, Sommer, Herbst und Winter" erfindet?
 
Beunruhigender jedoch ist die zweite Frage. Was ist, wenn bald noch andere als ungefährlich eingestufte Tiere revoltieren? Wenn sich etwa die Vögel wie in einem Hitchcock-Thriller zusammentun und uns statt mit Kot mit scharfen Schnäbeln attackieren? Ich werde Euch auf dem Laufenden halten, sobald ich etwas Neues über bissige Regenwürmer höre.
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 1301 vom 21. 9. 24 

In der Thüringer Lokalpresse las ich die Meldung, dass in Gotha ein Mann festgenommen wurde, der bei Nacht und Nebel eine Kabelabdeckung entfernt hatte. Er muss jetzt mit einem Strafverfahren rechnen. Nun erkenne ich zwar an, dass die Kunststoffplatten, die das gefahrlose Überqueren von Kabeln ermöglichen sollen, meist in gelb-schwarz gehalten sind. Welche Farben könnten mehr abschrecken? Ansonsten plädiere ich auf milderne Umstände für den Schalke-Fan, der in Gelsenkirchen politisches Asyl beantragen sollte.
 
Vielleicht würde er dort für seine selbstlose Tat auch mit einem Liegeplatz auf dem Schalker Friedhof belohnt. Das ist meines Wissens die einzige Begräbnisstätte, von der man einen hervorragenden Blick sowohl auf die Veltins-Arena wie das Parkstadion hat. Für mich kommt das aber nicht in Frage. Ich bin überzeugt, dass es mir nach meinem Ableben am nötigen Durchblick fehlt.

Genau wie der aktuellen Schalker Mannschaft. Wie kann man nur einen 3:0-Vorsprung im eigenen Stadion gegen den Tabellen-Vorletzten noch hergeben und am Ende sogar 3:4 verlieren? Damit beginnt erneut das Zittern vor dem Abrutschen in die 3. Liga. Wie gut, dass zum Schalker Stadion eine christliche Kapelle gehört. Gebete für den Klassenerhalt werden dankend angenommen.
 
Obwohl mich der Leverkusener Fußball seit der letzten Saison begeistert, leide ich weiter mit Schalke 04. Jeder Betroffene wird bestätigen: Ein wahrer Fan lässt sich nicht von Titeln und Pokalen blenden, sondern bleibt seiner Mannschaft ein Leben lang treu und geht mit ihr durch dick und dünn. Sehr schön hat dies Frank Goosen deutlich gemacht, der als Anhänger des VfL Bochum auch schon einiges aushalten musste.
 
"Der echte Fan muss leiden. Und meine Mannschaft, der VfL Bochum, sagt sich das immer wieder: Wir geben den Leuten, was sie brauchen! Man muss Täler durchschritten haben, um die Gipfel wirklich schätzen zu können. Und in diesem Sinne hat der FC Bayern keine Fans, sondern nur Zuschauer. (...) Wir im Ruhrgebiet gehen auch nicht ins Stadion, um uns zu amüsieren. Wir gehen da hin, um uns aufzuregen! Das erste Heimspiel der Saison ist gerade mal fünf Minuten alt, noch ist nichts passiert, da brüllt der Mann vor mir zum ersten Mal: "DAT IS DOCH  DIESELBE SCHEISSE WIE IN DER LETZTEN SAISON!"
 
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kdk

Schmunzelpost 1300 vom 20. 9. 24 

Hoppla! Vor der Abfahrt nach Weimar habe ich ganz vergessen, Euch vom letzten Balkon-Selbstgespräch des Herrn K., meines Nachbarn, zu berichten. Na ja, es ist eben so eine Sache mit dem Gedächtnis.
 
"Hömma, Karl, hasse mitgekriecht, unsa Doppelkopp-Kumpel, der Theo Kowalczyk, is abgenippelt. Dabei war der alte Sausack bloß ein Jährchen älter als wir zwei beide.  Es lohnt sich doch immer wieder, als erstes inner Zeitung die Todesanzeigen zu bekucken. Wat ham wir uns oft über den Theo geärgert! Fast jedes Mal hatter gewonnen und orntlich Kohle eingesackt.
 
Ich hab ja schon imma vermutet, datter mit fiese Tricks arbeitet. Is Dir ma aufgefallen, datter immer gern zuhause spielen wollte? Is doch viel gemütlicher, hatter gesacht. Dann hat er sich immer so annen Tisch gesetzt, dass zwei von den annern mittem Rücken vor sein Spiegelschrank hockten. Und er hat uns dauernd Schnäpsken nachgekippt, aber selbs nix verschnabuliert. Er verträcht dat nich, hatter gesacht. Dat ich nich lache! Inner Kneipe warer dauernd der erste, der "hier!" geschrien hat, wenn einer 'ne Runde geben wollte.
 
Abba man soll ja nich schlecht von die Toten reden. Hinterher hatter mir leid getan, als dat mit die Vergesslichkeit bei ihm anfing. Erst hat er sich dauernd vergeben, wenner mit Kartenausteilen anne Reihe war. Dann hatter sich selbs immer als ersten 'nen Klaren eingeschenkt. Da war's dann auch vorbei mit seine Glückssträhne. Und schließlich hatter August für mich gesacht.  Da war klar, der hat von Tuten und Blasen keine Ahnung mehr, der hat sogar die wichtigsten Sachen nich mehr im Kopp.
 
Und dann hattet nich mehr lange gedauert, und er kam nich mehr zum Karten kloppen. Es hieß, er hätt Altheimer oder wie dat heißt. Später ham wir ihm mal innem Heim besucht. Ker, war dat traurich! Da saß er nur noch rum, erkannte kein Schwein mehr und sabberte vor sich hin. Ja, ja, dat gönnt man keinem, dat er mal so endet. Weisse wat, wir trinken getz ein Bierchen auf sein Wohl. Prost, Karl, mit Dir trink ich am liebsten!
 
So, wo war ich stehen geblieben? Fällt mir doch glatt nich ein. Aber weisse wat, Karl, habbich Dich schon erzählt, wat ich inne Todesanzeigen gelesen hab? Der Dings, wie heißt er noch gleich, der olle Theo hatten Löffel abgegeben. Weisse wat? Ich glaub, der hat uns dauernd beim Doppelkopp betuppt. Nee, nee, so wat! Dat werd ich ihm niemals vergessen. . . "
 
Glückauf
kdk     

Schmunzelpost 1299 vom 19. 9. 24 

Wenn man sich anschaut, wer alles in Weimar durch Denkmäler oder Gedenkstätten gewürdigt wird, entdeckt man zwei Kuckuckseier. Das eine ist die Skulptur im Ilmtal, die William Shakespeare darstellt, zu seinen Füßen mit einem Totenschädel, der eine Narrenkappe trägt. Nun hat der britische Dramatiker nie einen Fuß auf Weimarer Boden gesetzt, geschweige denn seinen Totenschädel hier deponiert. Aber eine Weimarer Shakespeare-Gesellschaft verehrte ihn so sehr, dass sie 1904 das Denkmal errichten ließ, bisher das einzige Shakespeare-Monument auf deutschem Boden.
 
Etwas anders verhielt es sich mit Friedrich Nietzsche. Der Philosoph, der dazu riet, beim Gang zum Weibe die Peitsche nicht zu vergessen, hatte nicht mit seiner Schwester gerechnet. Er lebte wechselweise in Nizza, Genua und im Engadin und dachte im Traum nicht daran, nach Thüringen umzusiedeln. Am 16. September 1896 war in der Schweiz sein letztes Buch erschienen, in dem er feststellt, der Mensch sei ein "verlogenes, künstliches und undurchsichtiges Thier, den anderen Thieren weniger durch Kraft als durch List und Klugheit unheimlich".
 
Eine Berner Zeitung befand, dieses Werk sei jenseits von Gut und Böse: "Jene Dynamitvorräte, die beim Bau der Gotthardbahn verwendet wurden, führten die schwarze, auf Todesgefahr deutende Warnungsflagge. Ganz nur in diesem Sinne sprechen wir bei dem neuen Buche des Philosophen Nietzsche von einem gefährlichen Buche." Daher dürften die Schweizer Redakteure nicht unglücklich gewesen sein, dass der Autor kurz darauf keine einzige Zeile mehr zu Papier bringen konnte. Friedrich Nietzsche versank in geistige Umnachtung.
 
Dies nutzte seine Schwester Elisabeth Nietzsche-Förster. Sie organisierte 1897 den Umzug ihres Bruders in die "Villa Silberblick" nach Weimar, wo sie ihn bis zu seinem Tode am 25. August 1900 pflegte. Ihr Hintergedanke: Sie wollte Nietzsche neben Größen wie Goethe und Schiller als Klassiker inszenieren. Zu Lebzeiten machte ihr Bruder ihr jedoch den einen oder anderen Strich durch die Rechnung. So schuf er keine neuen Werke, sondern hüpfte schon mal nackt durch die Straßen. Und ein Rest von Genialität blitzte auf, als ihm ein besonderer Streich gelang: Mit dem Namenszug "Der Gekreuzigte" schickte er den italienischen König zu einer vermeintlichen Audienz beim Papst. April, April!
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1298 vom 18. 9. 24

 

Wenn man durch Weimar, Erfurt oder Gotha geht, ist von Fremdenhass nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Städte und die meisten ihrer Geschäftsleute beteiligen sich an der Aktion "weltoffenes Thüringen", die überall mit bunten Plakaten für Toleranz eintritt. Gestern in Erfurt jedoch ging der Schuss gleich zweimal nach hinten los. Da war die "Weltoffenheit" von zwei aus dem Wahlkampf übriggebliebenen Höcke-Plakaten eingerahmt, was ihre Glaubwürdigkeit entschieden trübt.
 
Daher kam ich auf den Gedanken, Euch Werbekampagnen vorzustellen, die total daneben gegangen sind. Da hat beispielsweise Coca-Cola einen Sprachkurs gebraucht, als die Brause-Fabrikanten das erste Mal versuchten, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. Man baute zunächst auf den weltberühmten Markennamen. Allerdings nur solange, bis klar wurde, dass die wörtliche Übersetzung lautet: "Beiß die wächserne Kaulquappe". Und siehe da: Der Name wurde schleunigst so abgewandelt, dass er jetzt bedeutet "Glückseligkeit in Deinem Mund".
 
Nun sollte man annehmen, dass Konkurrent Pepsi aus der Panne gelernt hätte. Als der Konzern jedoch in den Siebziger Jahren nachzog, vertraute er auf den preisgekrönten Slogan "Come alive with Pepsi". Doch im Chinesischen ergibt sich ein ganz anderer Sinn: "Pepsi bringt Deine Vorfahren aus dem Grab zurück."
 
Ja, ja, man sollte sich vorher gründlich über die örtlichen Dialekte und Gewohnheiten in einem fremden Land informieren. Das musste auch das amerikanische Unternehmen Gerber lernen, als es versuchte, seine Babynahrung in Afrika zu verkaufen. Dazu benutzte man an das amerikanische Original angelehnte Verpackungen, deren Etikett ein niedliches Baby zeigte. Der Verkauf blieb jedoch meilenweit hinter den Prognosen zurück. Sind Afrikaner Rassisten und hassen weiße Babys? Nein, auch Bilder von schwarzen Kindern steigerten den Umsatz nicht. Irgendwann kam man dann dahinter, dass es in Afrika üblich ist, eine Abbildung des Inhalts auf die Verpackung zu drucken. . .
 
Sind deutsche Unternehmen vor solchen Pleiten gefeit? Nein, vor allem dann nicht, wenn auch noch Pech hinzukommt. 1996 brachte der der Süßwarenhersteller Katjes ein neues Produkt auf den Markt. Keine Lakritz-Katzen, sondern "Verrückte Kühe". Und dann kam die BSE-Krise. . .
 
Glückauf
kdk
 
PS. Beim Schreiben der letzten Schmunzelpost war ich bereits etwas unsicher. Nun hat Regina mein ungutes Gefühl bestätigt: Gesungen wird "am 30. Mai ist Weltuntergang!" Doch ob 20. oder 30. Mai, ich bin zuversichtlich, dass Ihr gegen meinen Kompromiss-Vorschlag nichts einzuwenden habt: "Am 32. Mai ist Weltuntergang."
  

 Schmunzelpost 1297 vom 17. 9. 24

In Österreich, im Südosten Europas und Teilen von Sachsen und Bayern schüttete es in den letzten Tagen so sehr, dass die Einheimischen fürchteten, die Welt würde untergehen. Dabei wissen zumindest die Älteren unter uns, dass dies auf keinen Fall im September geschehen kann. Denn früher pfiffen es doch die Spatzen von den Dächern: "Am 20. Mai ist Weltuntergang."
 
Wahrscheinlich aus Rücksicht darauf, dass ich einen Tag später meinen Geburtstag feiere, hat das noch nicht geklappt. Dennoch haben ungezählte Seher, Propheten und vom Heiligen Geist oder Außerirdischen Erleuchteten den Weltuntergang bereits etliche Male vorhergesagt. Am beharrlichsten dabei sind die Zeugen Jehovas, die Heiligen der letzten Tage.
 
 Diese religiöse Vereinigung begründete der Geschäftsmann Charles Russell bereits1872. Sie hat weltweit fast fünf Millionen Anhänger, in Deutschland fast 170 000. Jehovas Zeugen glauben, dass die Schlacht des Armageddon schon in nächster Zeit bevorsteht, damit auf der Erde Platz für das Königreich Gottes geschaffen wird. Leider werden vorher alle Menschen sterben - mit Ausnahme der Zeugen Jehovas, die sich auf 1000 Jahre an der Seite von Jesus Christus freuen dürfen. Nach dieser Zeit werden dann alle Toten auferstehen, doch bloß 144 000 besonders gerechte Menschen dürfen in den Himmel aufsteigen.
 
Allerdings erwies es sich als problematisch, das korrekte Datum vorherzusagen. Mit Hilfe einer komplizierten mathematischen Formel hatte Russell das Armageddon zunächst für 1874 angekündigt. Als dieses Jahr relativ ereignislos verstrich, korrigierte er das Datum für den Weltuntergang auf 1914. Da brach zwar der 1. Weltkrieg aus, aber der blaue Planet zog weiter unbeirrt seine Kreise um die Sonne. Enttäuscht starb Russell 1916.
 
Flugs legte sein Nachfolger "Jugde" Rutherford mit dem Jahr 1925 ein neues Datum fest und verschob, als es wieder nicht klappte, den Weltuntergang gleich um 50 Jahre auf 1975. Wir wissen aus eigener Erfahrung: Auch das hat nicht hingehauen. Im Januar 1976 kehrten daher viele Zeugen Jehovas ihrer Gemeinschaft den Rücken. Die ist nun klüger geworden und weigert sich, eine neue Jahreszahl zu nennen. Irgendwann wird's schon was werden. Aber bitte, werte Zeugen, legt ein gutes Wort für mich ein: Ich möchte vorher am 21. Mai 2053 noch gern meinen hundertsten Geburtstag feiern.
 
Glückauf
kdk    

Schmunzelpost 1296 vom 16. 9. 24 

Gestern habe ich eine wilde Zicke bestiegen. Bevor jetzt unter den Leserinnen Empörung aufkommt: Das ist die Traditions-Straßenbahn, die nach wie vor in Naumburg in Betrieb ist. An jeder Haltestelle muss die Fahrerin die Tür eigenhändig öffnen, und in Kurven schrillt diese Tram, dass man sich vor einem Tinnitus fürchten muss. Trotzdem: Eine Fahrt rund um die Altstadt und vor allem der Besuch des Naumburger Doms lohnen in jedem Fall!
 
Das gilt auch für den Besuch des Bauhaus-Museums in Weimar. In der Ausstellung erfährt man jedoch auch, dass längst nicht alle Bauhaus-Professoren und Schüler Widerstandskämpfer waren. Manche kooperierten unter Druck mit den Nazis. Zum Beispiel Franz Ehrlich. Wegen staatsfeindlicher Umtriebe verbüßte der Möbel-Designer eine langjährige Haftstrafe, bis er von einem SS-Oberen verpflichtet wurde, Möbel für Konzentrationslager zu entwerfen. Nicht für die Häftlinge, für das Wachpersonal, versteht sich. Das tat er so gut, dass er im September 1939 auf freien Fuß gesetzt wurde. Später gelangte Ehrlich in der DDR zu Ruhm und Ehre.
 
Das gilt auch für Fritz Ertl. Der talentierte Bauhaus-Schüler trat schon 1938 der NSDAP bei und später auch der SS. Als Architekt entwarf er den Bauplan für das Konzentrationslager Ausschwitz, das er als "Kriegsgefangenenlager" deklarierte. Die braune Vergangenheit verhinderte nicht die spätere glorreiche Karriere in der DDR.
 
Vom Bauhaus zu Weimar. Die Geschichte weist die Stadt als janusköpfig aus, als Ort mit zwei Gesichtern. Einerseits die Stadt der Dichter und Denker, andererseits eine Keimzelle für Nazis. Bereits 1928 gelang der Hitler-Partei nach freien Wahlen die Regierungsbeteiligung in Thüringen. Was Folgen hatte: Aus den Museen wurde schon 1930 die "entartete Kunst" verbannt, und das Bauhaus wurde bereits 1928 so vergrätzt, dass es nach Dessau umzog. In der Folge etablierte sich Weimar als Hochburg der Hitler-Verehrer. 
 
Einer davon tat sich besonders hervor. Der SS-Mann Karl-Otto Koch war Kommandant des KZ Buchenwald im Norden Weimars. Er brüstete sich damit, Lampen aus Menschenhaut verkauft zu haben. Koch wurde von den Alliierten ebenso zum Tode verurteilt wie Fritz Sauckel, der sich im malerischen Südviertel Weimars in der Windmühlenstraße eine Villa erbauen ließ. Sauckel war nicht nur Reichsstatthalter in Thüringen, sondern auch Generalbevollmächtigter für den Einsatz von Zwangsarbeitern.
 
Wie sieht es heute aus? Nun, im Wahlkreis Weimar I zog bei der Landtagswahl 2024 die Kandidatin der Linken in direkter Wahl ins Parlament ein. Bei den Zweitstimmen für die Parteien lag die CDU knapp vor der Linken, erst danach folgte die AfD. Anders sah es im ländlichen Wahlkreis Weimar II aus. Da kam die AfD auf fast 43 Prozent der Stimmen. 
 
Das ist kein passender Abschluss für eine Schmunzelpost. Wechseln wir lieber wieder zur Musik. Dass Bach, Liszt und Wagner ein besonderes Verhältnis zu Weimar hatten, habe ich bereits erwähnt. Doch wusstet Ihr, dass Ihr schon alle das Lied eines Weimarer Komponisten gesungen habt? Wahrscheinlich habt Ihr noch nie etwas von Johannes Daniel Falk gehört. Der schrieb 1815 die erste Strophe des Weihnachtsklassikers "O du fröhliche". Damit wollte er heimatlose Kinder unterstützen, die in den napoleonischen Kriegen ihre Eltern verloren hatten.   
 
 Die zweite und dritte Strophe bezogen sich ursprünglich auf Ostern und Pfingsten. Doch nachdem das Lied blitzschnell zum absoluten Weihnachtshit geworden war, textete der Falk-Schüler Heinrich Holzschuher neue Verse, die 1826 veröffentlicht wurden. Ich aber wünsche Euch getreu der verschollenen originalen 269. Strophe einen fröhlichen 16. September!  
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1295 vom 15. 9. 24

Als geschichtsinteressierter Mensch tauche ich gern in die Historie meiner Urlaubsorte ein. Dabei kommt einiges zu Tage. Zum Beispiel, wie sich der Name Weimar herausgeformt hat. 899 hieß der Ort nämlich noch Vvigmara. Daraus wurde Wilmares, Wimen, Wimari und Wymar. Ein Ort, der Prominenz anzog, wie eine Kerzenflamme die Motten. Hier lebten und arbeiteten u.a. Cranach, Luther, Bach, Wieland, Herder, Goethe, Schiller, Liszt, Nietzsche, van de Velde, Gropius und, in aller Bescheidenheit hinzugefügt, Krause.
 
Aber bereits 200 000 Jahre zuvor war die Gegend bevölkert. Damals hausten Ugur, Krrrk und Ompf in Weimar, Neandertaler, deren Knochen man bereits zu Goethes Zeiten ausgrub. Den Dichter und Naturforscher versetzte jedoch ein ganz anderer Fund in helle Aufregung: Die Skelette von Waldelefanten! Die mit vier Meter Schulterhöhe deutlich größeren Tiere als ihre aktuelle Verwandtschaft verschwanden bei uns vermutlich, weil sie bevorzugte Beute eben jener Neandertaler gewesen sind.
 
Ein "Elephant" überlebte dagegen bis heute. Der Gasthof "Elephant" gehört zu den berühmtesten Hotels Deutschlands. Dort gingen Goethe, Schiller und Wieland ein und aus, aber auch Tolstoi, Liszt und Wagner. Zu den Stammgästen in den 20er Jahren gehörte auch ein gewisser Adolf Hitler. Aber von der tiefbraunen Vergangenheit Weimars soll ein andermal die Rede sein. Immerhin war 1955 mit Thomas Mann ein überzeugter Nazi-Gegner der letzte herausragende illustre Elephanten-Ehrengast.
 
Besonders viele Besucher zählen der Elephant wie die gesamte Stadt Weimar alljährlich am zweiten Oktober-Wochenende. Da wird seit 1653 der große "Viehe- und Zippelmarckt" gefeiert, das gegenwärtig als Zwiebelmarkt bekannte größte Volksfest Thüringens, das nun rund 350 000 Besucher anlockt. Mal sehen: Vielleicht kann ich bereits vorher "Braunschweiger Dunkelrote" oder "Stuttgarter Riesen" erstehen. Zu rot-weißen Zöpfen gebunden sollten früher bis zu zwei Meter lange Zwiebelketten das Unheil aus Wohnungen fernhalten. Zum Glück bin ich nicht abergläubisch. Deshalb habe ich auch vorgestern Freitag, den 13., erneut unfallfrei überstanden. Zum Glück ist mir da kein Waldelefant begegnet.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1294 vom 14. 9. 24

Obwohl wir immer wieder Abstecher in die Umgebung machen - Apolda und Gotha haben wir bereits besucht, Erfurt, Naumburg, Jena, Dornburg, Rudolstadt stehen noch auf unserer Liste - bleibt Weimar das Zentrum unserer Aktivitäten. In welchem Teil Deutschlands aber liegt Weimar eigentlich? Nicht nach Bundesländern geordnet, sondern in einer Aufteilung nach Himmelsrichtungen? "Weimar liegt im Osten", werden die meisten spontan sagen. Doch die bayerische Hauptstadt München liegt deutlich östlicher. Nicht nur die Einheimischen behaupten also mit Recht: Weimar liegt im Herzen Deutschlands, ziemlich in der Mitte.
 
Und wie beurteilten prominente Persönlichkeiten die Stadt? Madame de Stael, die fast alle Geistesgrößen ihrer Zeit in ihrem Salon empfing, hatte eine hohe Meinung von diesem Ort: "Man nannte Weimar längst Deutschlands Athen." Johann Wolfgang von Goethe betrachtete sein Zuhause als selbsternannte Hauptstadt der Dichter: "Weimar hat, wie man scherzhaft sagt, zehntausend Poeten und einige Einwohner."
 
In der Gegenwart sind es sogar ca. 65.000. Und die sind nach Auffassung des Schriftstellers Ludwig Bechstein recht angenehm im Umgang: "Die Einwohner sind gesellig, gegen Fremde freundlich und zuvorkommend und gastlich, im allgemeinen lebensfroh." Das zieht Touristen an. Drei Millionen von ihnen besuchten im letzten Jahr die Stadt. Offenbar war das auch schon vor 200 Jahren ähnlich. Denn der Schriftsteller Jean Paul sagte: "Du hast keine Vorstellung, wie hier um ein Eckchen Regenschirm vom Thronhimmel geschoben und gezankt und gestoßen wird." Dabei war Weimar bereits früh seiner Zeit voraus. Heute gibt's zwar wie überall tatsächlich rauchfreie Kneipen und Restaurants und einen angeblich rauchfreien Bahnhof, aber die Weimarer Straßenordnung von 1840 war erheblich drastischer: "Das Tabakrauchen auf den Straßen und öffentlichen Plätzen ist verboten."
 
Das findet ein Nichtraucher wie ich vorbildlich. Doch nicht nur deshalb gilt: Nachdem mich bisher bloß Potsdam und Freiburg dauerhaft aus Dorsten weglocken könnten, habe ich nun auch Weimar in meine Favoriten-Liste aufgenommen.
 
Glückauf
kdk 

 Schmunzelpost 1293 vom 13. 9. 24

Was bist Du denn für einer? Oder, wenn sich die Frage auf den Heimatort bezieht: "Wo kommse wech?" Lange hätte ich geantwortet, ich bin aus Lünen. Wobei wohl bis heute umstritten ist, ob ich damit ein Lüner oder ein Lünener wäre. Später musste ich mich in Haltern schnell belehren lassen, dass ich als Bewohner der Stadt ein Halterner, jedoch keinesfalls ein Halteraner war. Diese Bezeichnung blieb denen vorbehalten, deren Familien dort seit Generationen ansässig sind. Heute als Dorstener gibt's da keine Probleme.
 
Wie aber nennen sich die Einwohner von Niedergrunstedt, Holzdorf, Tröbsdorf, Possendorf, Ehringsdorf, Taubach, Süßenborn, Tiefurt, Schöndorf, Waldstadt, Gaberndorf, Buchenwald, Lützendorf und Ettersberg? Die Fragestellung wird klarer, wenn ich hinzufüge, dass es sich wie bei Oberweimar um Ortsteile der Stadt Weimar handelt. Doch damit liegt die Antwort noch lange nicht auf der Hand. Weimarer oder Weimaraner? Nun ja, eigentlich sind Weimaraner Hunde, die als Welpen blaue und später bernsteingelbe Augen haben. 
 
Nur wenige Hunderassen tragen in Deutschland die Namen von Städten. Außer dem Weimaraner, einer edlen Jagdhundrasse, ist dies beim Rottweiler, dem Leonberger und dem Hannoverschen Schweißhund der Fall. Trotzdem trat der wohl berühmteste Bürger der Stadt dafür ein, dass auch Menschen Weimaraner sein können:
 
"Gott grüß Euch, Brüder, sämtliche Oner und Aner! Ich bin Weltbewohner, bin Weimaraner.
Ich habe diesem edlen Kreis durch Bildung mich empfohlen. Und wer es etwa besser weiß, der mag's woanders holen."
 
Damit hat sich Johann Wolfgang jedoch nicht durchsetzen können. Bei einer Internet-Umfrage kamen unlängst noch weitere Bezeichnungen ans Licht. Vom Selbstverständnis her gibt es auch Weimarenser und Weimaresen. Manche nennen sich auch Weimarsche und ein paar Italienfreunde sogar Weimarezianer. Und die echten Patrioten heißen Weimarioten.
 
Doch Goethe wäre das vermutlich egal. Hauptsache, die Lebensbedingungen stimmen. Dann gilt nämlich: "Zufrieden jauchzet groß und klein, hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!"
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1292 vom 12. 9. 24

Gleich vorweg: Auch diesmal ist mir nichts passiert. Allerdings entpuppte sich die Gefahrenquelle auch als bedeutend harmloser als der bescheuerte Rennradler vom Vortag. 
 
Gestern haben wir die Herder-Kirche besucht, die älteste, größte und prächtigste in Weimar. Sie wurde im Jahr 1550 errichtet. Und direkt hinter dem Gebäude befindet sich der älteste, heute noch erhaltene Garten der Stadt, der zeitgleich mit der Kirche angelegt wurde. Und am Weg, der unter einem alten Baum entlangführte, stand auf einem Schild mit großen Lettern geschrieben: GEFAHRENHINWEIS! Mit erheblich kleineren Buchstaben folgte die Ergänzung: "Birnen!" "Wespen!" Aber mir ist keine Birne auf die Birne gefallen, und ich bin auch von keiner Wespe gestochen worden. 
 
Eine andere Art von Gefahr droht möglicherweise Menschen, die es gern Goethe gleichtun wollen. Sie können sich wie einst Christiana Vulpius und unser Dichterfürst in der benachbarten Jakobskirche trauen lassen. Doch ich blieb auch hier ungefährdet: Goethe kann und will ich nicht nacheifern. Dafür übte bei unserem Besuch gerade eine sehr begabte Organistin. und wir kamen so zu einem Gratiskonzert. 
 
Ansonsten gibt'*s in Weimar nicht viel umsonst, aber sehr viele Gelegenheiten zum Geldausgeben. Gute Restaurants, nette Cafes und Weinstuben und ausgefallene kleine Geschäfte, wie man sie bei uns leider meist vergeblich sucht. Zum Beispiel einen Porzellandoktor, eine Taschen-Tante und einen Schirmmacher. Witzig fand ich auch den dicken Spruch, den die "Teebrüder" auf dem Schaufenster ihres Ladens hatten. Ganz groß und fett stand dort: "Der beste Teeladen der Welt." Und ganz unten über der Fensterbank wesentlich kleiner: "Sagt zumindest unsere Mutter!"

Nach dem gleichen Prinzip ist ein Produkt betextet, das man in Weimar an manchen Hauswänden sieht. Auf einem kleinen Metallschild steht schwarz auf weißem Grund: "Hier war Goethe." Nur, wenn man ganz nahe herantritt, entdeckt man unten den winzigen Zusatz "nie". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1291 vom 11. 9. 24 

Was wäre, wenn? Habt Ihr Euch auch nach brenzligen Situationen schon öfter gedacht: Das hätte aber schiefgehen können? Die Frage ist für mich jetzt beantwortet. Bei unserer gestrigen Radtour längs der Ilm nach Apolda ist etwas richtig schiefgegangen!
 
Zunächst war alles gut. Die Sonne schien, 20 Grad. Eine schöne Strecke. Und der Besuch Apoldas hat sich auch gelohnt. Aber auf der Rückfahrt, kurz vor Weimar, hat es mich erwischt. Plötzlich kam mir ein Rennradfahrer entgegen geschossen und steuerte frontal auf mich zu. Im letzten Moment wich ich nach rechts aus. Aber dort stand ein Baum. Trotz Vollbremsung knallte ich davor. Gerade noch konnte ich beide Arme hochreißen, da prallte ich auch schon mit voller Wucht auf den Stamm.
 
Als ich wieder zu mir kam, lag ich im Rettungswagen und wurde ins Krankenhaus gebracht, schon zum zweiten Mal in diesem Jahr. Doch diesmal hat es mich schlimmer erwischt. Trümmerbruch beider Arme. Ich liege jetzt in der orthopädischen Abteilung der Unfallklinik Weimar. Beide Arme sind eingegipst, von den Fingerknöcheln bis zu den Schultern. Durch Stützen sind sie im Bett hochgelegt, und ich sehe aus, als könne ich die ganze Welt umarmen. Sollte ich auch. Denn ich habe verdammtes Glück gehabt. Obwohl ich keinen Helm trug, ist der Kopf unversehrt geblieben. Und wie Ihr lest, kann ich auch klare Gedanken fassen.
 
Allerdings sind diese derzeit recht düster. Die Ärzte sagen, ich werde Arme und Hände monatelang nicht benutzen können. So lange muss ich mich füttern lassen wie ein Kleinkind, was mich mit Unbehagen erfüllt. Auf die Schmunzelpost müsst Ihr aber trotzdem nicht verzichten. Ich habe ja reichlich Zeit, mir Gedanken zu machen. Und Ulla hat sich bereit erklärt, mein Diktate in den PC zu tippen. 
 
Na gut, das stimmt so nicht. Ich habe bloß die Variante "Was wäre, wenn" durchgespielt. In die Klinik musste nicht ich, sondern der Rennradfahrer. Meine Reflexe haben mich gerettet. Alles wird gut!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Na gut, auch das stimmt nicht. Ich habe stark übertrieben. Auch dem Rennradler ist nichts passiert. Doch es hätte auch ins Auge gehen können. Da sieht man mal, wie froh man sein kann, dass die alltäglichen Beinahe-Unfälle uns fast immer erspart bleiben.
 
PPS. "Treib nicht mit Entsetzen Scherz!" Sagte das Goethe? Na gut, ich bin nicht Goethe, sondern Krause! 
 
PPPS. Und der Spruch mit Scherz und Entsetzen stammt aus Schillers Lied von der Glocke.

 

 Schmunzelpost 1290 vom 10. 9. 24

Vor dem Nationaltheater Weimar, da steht er stolz auf seinem Sockel, der Dichterfürst Johann-Wolfgang. Und der Bildhauer hat ihn noch etwas größer gemacht, damit ihn sein Kumpel Friedrich, der Goethe an Körperlänge übertraf, wenigstens als Denkmal nicht überragt. Solch eine Gelegenheit für ein Exklusiv-Interview lässt sich auch ein in die Jahre gekommener Journalist nicht entgehen.
 
"Herr Goethe, wenn Sie von da oben auf das moderne Stadtbild schauen, was gehen Ihnen da für Gedanken durch den Kopf?
"Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute."
"Aber Herr Goethe! Wir sind hier mitten in Weimar und nicht in Leipzig."
"Ach was?"
"Themenwechsel. Ihr Werke zählen zu den Klassikern der deutschen Literatur. Dennoch findet man sie vergleichsweise selten in Buchhandlungen."
"Die Buchhändler sind alle des Teufels, für sie muss es eine eigene Hölle geben."
"Na ja, vielleicht liegt es ja auch daran, dass ausgerechnet die Rückwärtsgewandten und Fremdenfeindlichen Sie als größten deutschen Dichter preisen."
"Man kann nicht für jeden leben, besonders für die nicht, mit denen man nicht leben möchte."
"Was sagen Sie über Machthaber und Leute wie Putin und Orban, Trump und Höcke?"
"Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt?"
"Leider gibt es viel zu viele Unbelehrbare auf der Welt. Sie spüren seit langem das Wetter hautnah. Was sagen Sie über die Klimaleugner, die allen wissenschaftlichen Erkenntnissen misstrauen?"
"Die Deutschen, und sie nicht allein, besitzen die Gabe, die Wissenschaft unzugänglich zu machen."
"Das stimmt. Aber vor allem kündigen alle Maßnahmen an, lassen aber kaum Taten folgen."
"Wer sich allzu grün macht, den fressen die Ziegen."
"Glauben Sie denn, dass Politik und Wirtschaft die Welt noch vor dem Kollaps bewahren können?"
"Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube."
"Herr Goethe, vielen Dank für dieses Gespräch. Möchten Sie ein Honorar für dieses Interview?"
"Gut, wenn ich wählen soll, so will ich Rheinwein haben, das Vaterland verleiht die besten Gaben."
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1289 vom 9. 9. 24

Ein Tag, der damit beginnt, dass um 7.30 Uhr der Wecker schrillt, kann per se kein guter sein. Aber dennoch entwickelte sich unser Aufbruch nach Weimar zunächst erfreulich. Es gab im Radio zwar reichlich Staumeldungen, doch die betrafen allesamt andere Autobahnabschnitte. Der erste nicht gemeldete Stau erwischte uns dann aber voll. Gerade noch in Hessen, kurz vor der Landesgrenze nach Thüringen, verengte sich die Fahrbahn auf nur eine Spur. Ironischerweise auf Höhe des Rastplatzes "Nadelöhr". Da muss ein Witzbold im Straßenbauamt seine Hände im Spiel gehabt haben. 
 
Jedenfalls ging es nur noch sehr, sehr schleppend voran. Auch, als sich alle eingefädelt hatten, kam der Verkehr nicht richtig in Fluss und stockte immer wieder. Kaum hatten wir jedoch Thüringen erreicht, löste sich der Knoten wie von Zauberhand und die Fahrt verlief störungsfrei. Kurz von 16 Uhr trafen wir in Weimar ein. Unsere Ferienwohnung findet sich in einem hochherrschaftlichen Haus, das "Villa Ingrid" heißt. Das Gebäude ließ zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Geheimrat errichten, der zur Weimarer Prominenz zählte. So sind er und seine Frau auch auf einem Gemälde verewigt, das Kaiser Wilhelm anlässlich der Theatereinweihung mit geladenen Gästen zeigt.
 
Nur ganz allmählich sickerte bei mir die Erkenntnis durch, dass ein so schöner Altbau auch Nachteile hat. Vor allem, wenn bereits von der Straße zur Haustür 24 Stufen führen. Und bis zur Ferienwohnung im Obergeschoss insgesamt vier Treppenabsätze zu bewältigen sind. Da meine Mitreisende unter massiven Knieproblemen leidet und für sie jede Stufe eine Herausforderung ist, tönte ich vorlaut: "Kein Problem, das Gepäck trage ich ganz allein nach oben."
 
Früher wäre das kein Problem gewesen. Da nahm ich zwei Stufen auf einmal. Und trug links wie rechts je ein schweres Gepäckstück. Und hatte noch ein drittes um den Hals gehängt. Ja, ja, früher. Aber früher ist lange her. Jedenfalls war ich bereits komplett erschossen, als ich unser Gepäck vom Wagen bis zum Hauseingang gewuchtet hatte. Wir sind nämlich ausgerüstet wie zu einer Polarexpedition. Koffer, Reisetaschen, Fahrradtaschen, Provianttaschen, Getränketaschen, Tragetaschen. Alle schwer beladen. Insgesamt zwölf Gepäckstücke.
 
Ja, zählen habe ich gelernt, Es sind nämlich 44 Stufen bis zu unserer Wohnung. Und eine gefühlt höher als die andere. So schleppte ich mich von Absatz zu Absatz (kommt Treppen-Absatz eigentlich von Gepäck absetzen?) und musste zwischendurch immer wieder verschnaufen. Zudem war es 30 Grad heiß und drückend schwül. Was zur Folge hatte, dass mir der Schweiß in Bächen aus allen Poren rann. Glücklicherweise machten sich die Hausherren auf den Weg zu einer Kundgebung gegen das mörderische Treiben der Russen in der Ukraine, und ich konnte mein klatschnasses Shirt ausziehen und wie weiland Herkules halbnackt zur Tat schreiten.
 
Danach war ich völlig fertig und fühlte mich, als hätte ich ganz allein den Umzug von King Charles in seine 128 Palast-Gemächer bewältigt. Die Schweißproduktion wollte einfach nicht stoppen. Endlich, gegen 18 Uhr konnte ich mich frisch gewaschen in neuem Hemd und anderer Hose bereit zum Stadtgang melden. Nachdem wir uns in einer Pizzeria gestärkt hatten, wollten wir gerade zum Spaziergang durch die Altstadt aufbrechen, als es zu regnen begann. Aber was heißt regnen. Es schüttete! Also stellten wir uns unter und hofften, dass der Schauer nicht von Dauer sei. Allerdings sagte mein Smartphone etwas anderes: Dauerregen bis zum Nachmittag des nächsten Tages!
Also traten wir mürrisch den Heimweg an, und ich durchweichte meinen zweiten Satz Kleidung.
 
Jetzt wisst Ihr auch, warum wir so viel Gepäck dabei haben.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Das war aber noch nicht alles. Blut und Wasser habe ich danach auch beim Schreiben dieser Schmunzelpost geschwitzt. Denn die Verbindung ins Netz brach dauernd ab. Und die erste Version ging trotz Zwischenspeichern komplett verloren. Momentan ist noch ungewiss, ob es diesmal klappt. Denn obwohl ich angeblich Netzempfang habe, wird mir beim Speichern stets Rotlicht gezeigt. Wahrscheinlich braucht die Email mindestens 44 Stufen, bis sie auf die Reise gehen kann.

 

Schmunzelpost 1288 vom 8. 9. 24

Gestern haben wir letzte Reisevorbereitungen getroffen. Denn heute früh ging es los. Die abenteuerliche Fahrt führt uns in eine Gegend, die einst in der Geschichte eine große Rolle gespielt hat. Leider ist der Aufenthalt für uns nicht ganz ungefährlich. Zwar können wir uns trotz leichter Sprachdifferenzen den Eingeborenen durchaus verständlich machen, doch gerade das birgt Risiken. Ein falsches Wort - und zack! Denn gut ein Drittel der Ureinwohner gelten nach aktuellen Erkenntnissen als vollkommen unberechenbar und verspritzen Gift.

Wohin mag es wohl gehen, in welches extreme Risikogebiet trauen wir uns? Ein kleiner Tipp: Unser Zielort fängt mit W an. Nein, wir reisen nicht in die Wüste. Auch nicht irgendwo in die Wallachei. Das W steht am Anfang eines Städtenamens von historischen Bedeutung. Waterloo? Nein, Napoleon hat unserem Ort nur einen Kurzbesuch abgestattet.
 
Wollongong? Wagga Wagga? Nee, danke, die Reise ins australische Outback wäre uns viel zu lang und mühsam. Auch kann man dort kaum die Spiele der Zweiten Bundesliga verfolgen. Das gilt auch für Wuhan in China, wo die autoritäre Staatsführung den Internet-Empfang radikal begrenzt hat. Und im japanischen Wakayama könnten wir uns genauso wenig verständigen wie im Reich der Mitte, geschweige denn, den Sportteil der Zeitungen lesen. 
 
Bleiben wir also in Europa. Was höre ich da? Warschau? Nö, das ist doch kein fremdenfeindlicher Ort, sondern eine aufgeschlossene Metropole, die unter der neuen Regierung wieder aufblüht. Letzter Tipp: Wir bleiben in Deutschland. Worms oder Wismar? Ihr kommt der Sache schon näher. Worms wurde bereits vor 7000 Jahren besiedelt und war auch im Mittelalter schon so bedeutend, dass ab und zu der Kaiser vorbei kam. Und Wismar erlangte als Hansestadt schon früh große Bedeutung.
 
Wittenberg? Wir nähern uns an. Die Stadt in Sachsen-Anhalt wurde schließlich durch Martin Luther zum Ausgangspunkt der Reformation. Doch in unserem Zielort möchte ein Drittel der Erwachsenen nichts erneuern, sondern zurück in eine nationalistische Vergangenheit, möglichst mit einem starken Führer an der Spitze, der bereits ganz in der Nähe herumhöckt und sich auf eine glorreiche Zukunft freut.
 
Ja, wir fahren nach Weimar. Dort wollen wir erkunden, wie es möglich ist, dass die Heimat von Dichtern und Denkern wie Goethe und Schiller und der Namensgeber der ersten modernen demokratischen Republik in Deutschland zur Brutstätte von so vielen Antidemokraten werden konnte. Vielleicht gelingt uns ja ein Wunder und wir tragen mit vielen sachlichen Gesprächen zu einer Wende zum Besseren bei. Aber ich glaube, ich halte lieber die Klappe - sonst werde ich womöglich mein blaues Wunder erleben.
 
Glückauf
kdk  

 Schmunzelpost 1287 vom 7. 9. 24

Gestern ging es an dieser Stelle um Vögel. Aber nach dem Schreiben der Schmunzelpost bin ich zu einer Exkursion mit Säugetieren ausgeflogen, die ebenfalls fliegen können. Jetzt quillt mir das Wissen über Fledermäuse aus allen Poren, weshalb ich Euch daran teilhaben lassen möchte.
 
Beim abendlichen Rundgang um den Blauen See in Dorsten-Holsterhausen haben wir etliche Insektenjäger zu Gesicht bekommen (und ihre Ultraschall-Wellen mit Hilfe von Geräten wahrgenommen, die tackerten wie Geigerzähler). Zugegeben, die Wasserfledermäuse, Zwergfledermäuse, Fransenfledermäuse, Rauhfellfledermäuse und Großen Abendsegler habe ich anhand von Körpergröße und Flughöhe über dem Wasserspiegel nur notdürftig auseinanderhalten können. Aber es war schon beeindruckend, wie rasant sie unterwegs gewesen sind und wie knapp sie mitunter an uns vorbei zischten. Zum Glück habe ich keinerlei Ähnlichkeit mit Fliegen, Mücken oder Libellen. Außerdem wäre ich als Beute ein viel zu schwerer Brocken - nach dem Urlaub muss ich endlich mal wieder fasten.

Ein kleiner Schnellkurs gefällig? Weltweit gibt es rund 1270 Arten. In Europa sind etwa 90 verschiedene Fledermäuse zuhause, davon 24 Arten in Deutschland. 15 davon sind nachweislich auch in Dorsten unterwegs. Am häufigsten die Großen Abendsegler, bei uns die Art mit der größten Flügelspannweite von 40 Zentimetern, einer Länge von bis zu 8,2 Zentimeter und einem Gewicht zwischen 19 und 42 Gramm. Damit sind die Abendsegler die Giganten ihrer Gattung, denn die Zwergfledermaus bringt es nicht einmal auf zehn Gramm. Dafür kann sie sich aber durch Öffnungen und Mauerspalte drücken, die gerade mal einen Zentimeter breit sind. Deshalb entdecken bei uns manche Familien zu ihrer Überraschung, dass sie heimliche Untermieter haben.
 
Etwa von Februar/März bis Oktober sind die nachtaktiven Tiere auf der Jagd, danach suchen sie sich Quartiere für den Winterschlaf. Sie wechseln gelegentlich die Unterkunft, Männlein und Weiblein in getrennten Wohngemeinschaften. Dazu gibt es im Frühjahr Wochenstuben zur Aufzucht der Neugeborenen und im Herbst Balzstuben. Das sind Baumhöhlen, in der Fledermausmännchen Lockrufe ausstoßen und danach ein Weibchen nach dem anderen zur Begattung empfangen.
 
Auch außerhalb des Sexlebens sind Fledermäuse recht gesprächig. Die geselligen Tiere, die gern in größeren Gruppen leben, unterhalten sich beim Abhängen mit Lauten, die eindeutig unterschiedliche Bedeutung haben, aber von der Wissenschaft noch nicht übersetzt werden konnten. Dagegen dienen ihre hochfrequenten Rufe nachts der Echoortung, mit der sie ihre Beute aufspüren und sich im Dunkeln orientieren.
 
Wollt Ihr im Partygespräch mit Wissen glänzen? Dann fragt doch einmal in die Runde, wie die Fledermäuse zu ihrem Namen kamen. Ja, richtig, Körper und Kopf ähneln Mäusen, mit denen sie jedoch nicht verwandt sind. Mit ihren lederähnlichen Flügeln hat der Name jedoch nichts zu tun. Er leitet sich vom althochdeutschen "fledaron" ab, was soviel wie flattern bedeutet.
 
Fledermäuse sind eminent nützliche Tiere, weil sie enorme Mengen an Insekten und vor allem Mücken vertilgen. Vampirfledermäuse, die vom Blut anderer Tiere leben, gibt es nur in Südamerika. Deshalb droht uns hierzulande lediglich Gefahr von anderen Blutsaugern - wobei mir einfällt, dass meine Steuererklärung immer noch nicht fertig ist. . . 
 
Glückauf
kdk 

 Schmunzelpost 1286 vom 6. 9. 24

Spinnt mein PC? Oder muss ich über die Telekom schimpfen: "Bei Euch piept's wohl?" Jedenfalls haben mich Probleme beim Versenden der letzten Schmunzelpost-Mail an den Rand des Wahnsinns getrieben und mir eine Nachtschicht bis zwei Uhr in der Frühe eingebrockt.
 
Mittlerweile sende ich die SP-Folgen in zwei Hälften. In beiden Fällen klappte es gestern nicht. Stattdessen verkündete eine ellenlange Fehlermeldung, ich solle es später noch einmal versuchen. Ohne Erfolg. Doch obwohl beide Mails nicht in die große weite Online-Welt hinausgingen, zählte die Telekom sie als "gesendet". Prompt erschien bei weiteren Versuchen der Hinweis, mein Limit von täglich 100 Mails sei ausgeschöpft.
 
Zähneknirschend machte ich mich nun daran, dieses Kontigent gegen einen monatlichen Aufschlag von 2 Euro auf 5000 Mails zu erhöhen, wozu ich erst eine zweite Email-Adresse anlegen musste. Nach zähem Ringen konnte ich mir dann den "Tarif M" sichern. Nun durfte ich zwar mein Glück fast unbegrenzt versuchen, erhielt aber nach wie vor die Fehlermeldung 4514.3.06 Local Spool.... Im Netz bemühte ich mich herauszufinden, was das bedeutet und wie es sich beheben lässt. Doch der Hinweis, dass ich keine Verbindung zu meinem Drucker herstellen könne, half mir nicht weiter - das war Quatsch!
 
Also versuchte ich den PC zu überlisten, indem ich Adressenverzeichnisse aus vor längerer Zeit versandten Mails kopierte und den aktuellen Text hineinhob. Immerhin gelang es so, die Hälfte der SP-Empfänger zu bedienen. Doch an der zweiten Mail biss ich mir die Zähne aus. Schließlich forschte ich nach, ob in den unterschiedlichen Betreiber-Netzen Störungen auftraten. Die Telekom versicherte zwar, bei ihr sei alles in Ordnung, aber ein neutraler Online-Wächter berichtete über massive Telekom-Probleme in mehreren Bereichen Deutschlands. Also vertagte ich meine Bemühungen auf den nächsten Morgen. Und siehe da: Es klappte auf Anhieb.
 
Damit war zumindest der Verdacht ausgeräumt, ich selbst hätte einen Vogel. Das war gestern nicht so abwegig. Immerhin hatte ich mich am Mittwoch an der NABU-Wahl "Vogel des Jahres 2025" beteiligt und mich über die fünf Kandidaten informiert. Das sind die Waldohreule, der Schwarzstorch, der Kranich, der Schwarzspecht und der Hausrotschwanz. Solange sie meinen Mail-Versand nicht behindern, kann ich alle fünf gleich gut leiden, habe mich dann aber wegen seiner lustigen roten Frisur für den Schwarzspecht entschieden.
 
Unabhängig davon hatte ich noch an einer zweiten Front mit Vögeln zu tun. Für den Bücherherbst studierte ich das neue Buch von Fritz Eckenga und Peter Menne. Es trägt den Titel "Geflügeltes Westfalen - schräge Vögel und viele Verse". Daraus zum Schluss eine Kostprobe: Das Gedicht "Alle Vögel könn' mich mal".
 
"Zeisig, willst Du mir was sagen? Dann sag halt was, ich hör dich nicht. Ich kann auch den Sittich fragen, ob er lieber mit mir spricht.
Sittich? Sprich, sag, was ist Sache? Du willst auch nicht mit mir reden? Was soll dieses Rumgemache? Sucht euch doch nen andren Blöden.
Ich geh zu den edlen Tieren, die mich mögen, die mich schätzen, Austausch suchen, diskutieren. Hallo Habicht, bisschen schwätzen?
Habicht?
Habicht auch nicht.
Halt den Mund.
Pffft. Alle Vögel könn' mich mal!
Sprech ich eben mit dem Hund.
Jaaah, ein ganz ein Feiner isser ... so ein Feiner.." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Und wenn die Mail heut' Nacht wieder nicht rausgeht, schicke ich Brieftauben. 

Schmunzelpost 1285 vom 5. 9. 24 

An den Wahlergebnissen des vergangenen Wochenendes habe ich immer noch zu knabbern. Als die AfD erstmals 10 Prozent der Stimmen bekam, dachte ich, damit wäre der Zenit erreicht. Als daraus später 20 Prozent wurden, glaubte ich, dass der Vorrat an Leichtgläubigen, Dummköpfen und überzeugten Faschisten nun endlich erschöpft sein müsse. Und nun hat eine rechtsextreme Partei in zwei Bundesländern tatsächlich die 30-Prozent-Hürde genommen. Für eine Nation, die vor nicht einmal hundert Jahren furchtbare Erfahrungen mit den Folgen solchen "Gedankenguts" gemacht hat, ist das beschämend und peinlich.  
 
Damit nicht vergleichbar, aber ebenfalls hochpeinlich, waren drei Wahlen, die ich jetzt in Erinnerung rufen möchte. 1868 starb in den USA ein allseits beliebter Kongresskandidat im Alter von 76 Jahren. Seine Partei hielt den Republikaner Thaddeus Stevens dennoch für fähiger als alle lebendigen Alternativen und nominierte ihn für das Repräsentantenhaus. So sollte "unser fähigster und berühmtester Kämpfer für das Recht" nachträglich gewürdigt werden. Acht Wochen später schlug der Leichnam seinen demokratischen Herausforderer haushoch. Stevens ist damit einer der ganz seltenen Politiker, die nach ihrer Wahl überhaupt nichts Dummes gesagt haben. 
 
Das Wahlergebnisse gefälscht werden, ist leider nichts Neues. Selten geschah das aber derart plump wie 1928 in Liberia. Dort feierte Charles King als amtierender Präsident einen überwältigenden Sieg. Er konnte 600 000 Stimmen mehr auf sich vereinen als sein Gegenkandidat Thomas Faulkner. Die Sache hatte nur einen Haken: In Liberia gab es damals bloß 15 000 Wahlberechtigte. 
 
War es Naivität, Unkenntnis der Geschichte oder pure Dummheit? In Neuseeland hatte ein gewisser Hamish Nixon 1996 vergeblich für das Parlament kandidiert. Sein Werbeslogan lautete: "Nixon - ein Name, dem Sie vertrauen können". Hinterher äußerte sich der Verlierer enttäuscht: "Ich verstehe einfach nicht, warum die Leute immer anfangen zu lachen, wenn ich mit ihnen über Vertrauen und Integrität in der Politik sprechen will. Ich habe den Eindruck, als wüßten sie etwas, das ich nicht weiß."  
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1284 vom 4. 9. 24

Bewegung tut gut. Und Sport ist gesund. So heißt es zumindest. Die große Zahl von Sportverletzungen zeigt jedoch, dass dies nur eingeschränkt gilt. Dabei sind sowohl die Art der sportlichen Betätigung, die Intensität und etwaige Risiken sorgfältig abzuwägen. Doch selbst bei einer wenig unfallträchtigen Disziplin wie dem Golfsport, den man angeblich bedenkenlos bis ins hohe Alter ausüben kann, heißt es mitunter ganz zu recht: Sport ist Mord! 
 
Das kann Takeo Niyama bezeugen. Der hitzköpfige japanische Golfspieler war bereits zweimal wegen tätlicher Angriffe auf dem Golfplatz verurteilt worden und hatte deshalb sogar schon eine sechsmonatige Gefängnisstrafe verbüsst, als er 1995 in Tokio gegen Aioa Sakajiri antrat. Der machte den Fehler, seinen heißblütigen Kontrahenten auszulachen, als dieser einen Ball im See versenkte. Prompt bewies Niyama, dass er doch besser treffen konnte. Er erschlug den Spötter mit einem Fünfereisen. 
 
Ein anderer Choleriker richtete sich selbst. Der Franzose Jean Potevan ärgerte sich derartig über sein schlechtes Spiel, dass er danach seine Golftasche in den See warf. Das war dumm. Denn in der Tasche befand sich auch sein Autoschlüssel. Als Potevan dies einfiel, rief er seinem Golfpartner zu: "Ich hole jetzt die Schlüssel, aber die Schläger bleiben unten" und sprang kurzerhand ins Wasser. Beim Tauchen verhedderte er sich jedoch in Schlingpflanzen und ertrank. Zumindest in einem Punkt war er konsequent: Er hat nie wieder Golf gespielt. 
 
Opfer eines Unfalls bei einem Golf-Turnier in West-Virginia wurde der Gatte von Diana Nagy. Er war aus dem Golfwagen gestürzt und erlag danach seinen Verletzungen. Seine Witwe verklagte die Hersteller des Golfwagens. Sie räumte zwar ein, dass ihr Mann betrunken gewesen war, vertrat aber trotzdem vergeblich den Standpunkt, dass das Fahrzeug Sicherheitsgurte und Türen hätte haben müssen. 
 
Zum Schluss ein freudiges Ende. Im Alter von 79 Jahren gelang Emil Kijek in Massachusetts zum ersten Mal in seiner Golf-Laufbahn ein "hole in one", bei dem der Ball direkt vom Abschlag ins Loch trudelte. Kijek war davon total überrascht und so begeistert, dass er auf der Stelle tot umfiel. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1283 vom 3. 9. 24 

Unklugheit wundre Keinen am andern; Denn viele befällt sie, Weise zu Toren Wandelt auf Erden Der Minne Macht. 

Was ist denn nun kaputt? Nix! Ich bin bloß mittelaltergeschädigt. Deshalb beginnt die heutige Schmunzelpost mit einem Zitat aus der altisländischen Literatur. Die Zeilen stammen aus der Somundr-Edda. Verse von Walther von der Vogelweide in Originalsprache wollte ich Euch nicht zumuten. 
 
Was mir widerfahren ist? Ein Mittelalter-Spektakel, unmittelbar vor unserem Burgwall, äh, ich meine, unserer Gartenhecke. Auf Maria Lindenhof tummelten sich am Sonntag viele merkwürdige Gestalten, altertümlich gekleidet und archaischen Bräuchen frönend. Zum Glück hatten sie keine Katapulte dabei. Aber ansonsten setzten sie alles daran, mich aus meiner heimische Festung zu vertreiben. 
 
Das begann bereits am Vormittag mit Pauken und Fanfaren. Anders als die Mauern von Jericho hielt unsere nach moderneren Baumethoden errichtete Hauswand der Belastung jedoch stand. Und meine Ohren schützte ich zusätzlich durch bewährte Stöpsel, die bereits im Lenz dem frühmorgendlichen Balzgebrüll liebestoller Singvögel standgehalten hatten. 
 
Gegen Mittag wurden wir dann umzingelt. Von allen Seiten strömte neugieriges Fußvolk herbei, um an dem mittelalterlichen Treiben teilzuhaben. Gerade noch rechtzeitig konnte ich unsere Zugbrücke hochziehen, so dass wir von Eindringlingen verschont blieben. Allerdings hielt der Belagerungszustand bis zum Abend an. Und im Laufe des Nachmittags setzten die unzivilisierten Horden härtere Mittel ein, um uns zu zermürben. 
 
Zunächst versuchten sie, uns auszuräuchern. Galt im Mittelalter eigentlich schon das Verbot von biologischen und chemischen Waffen? Jedenfalls mischte sich das Aroma von merkwürdigen Kräutern in die unterschiedlichen Duftnoten, die von den benachbarten Lagerfeuern und Ochsenspießen herüberdrangen. Vielleicht wollten sie uns auch bloß aushungern und mit verlockenden, vermeintlich appetitanregenden Gerüchen betören. Aber da hatten die Raubritter ihre Rechnung ohne den letzten wackeren Recken derer von Krause gemacht! Ich verschloss alle Fenster und steckte meine Nase tief ins Weinglas, um mit den wohlriechenden Noten köstlichen Rebensafts ein Gegengift einzusaugen. 
 
Nun setzte der Feind seine Luftwaffe ein. Über Drohnen verfügte man früher zwar noch nicht, aber stattdessen zischte unser Kater, der sich fasziniert von den Gerüchen in den Garten getraut hatte, in heller Panik zurück in die Wohnung - über uns am Himmel kreisten Falken und sogar ein Wüstenadler! Als kurz vor Sonnenuntergang das Gehämmer aus der Waffenschmiede endlich verstummte, rüstete ich mich zum letzten Gefecht. Stolz öffnete ich im ersten Stock das Fenster, um dem Ansturm der Belagerer ein trotziges Götz-von-Berlichingen-Zitat entgegen zu schmettern, da stellte ich fest - sie zogen ab! 
 
Erleichtert atmete ich auf und setzte mich vor den Fernseher. Und musste angesichts der Wahlergebnisse aus Thüringen und Sachsen erkennen: Die wahren rückwärtsgewandten Barbarenhorden formieren sich in anderen Regionen Deutschlands. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1282 vom 2. 9. 24 

Der Rechnungshof hat moniert, dass Berlin einige Millionen dafür investieren will, die Fußgängerampeln umzustellen. Die sollen künftig durch eine Art Countdown anzeigen, wie lange jeweils die Grünphase noch Bestand hat. Das kenne ich schon aus anderen Städten in der Variante, dass das Grünlicht zu blinken beginnt. Soll mir das signalisieren, dass ich beim Überqueren der Straße auch zu Fuß Gas geben muss? Oder soll es mich darauf hinweisen, dass ich wenige Meter vor der Ampel nun einen Spurt einlegen sollte, um noch sicher über die Fahrbahn zu gelangen? 
 
Wie auch immer: Ich bin auf der Seite des Rechnungshofes und betrachte das als überflüssige Ausgabe. Im Umgang mit Fußgängerampeln beschäftigen mich ganz andere Probleme. Vor vielen Jahren hat es mich fast das Leben gekostet, dass ich glaubte, bei Grün könne ich ohne Gefahr die Straße betreten. Na gut, das war in Rom. Aber wer in Deutschland aufgewachsen ist, der vertraut nunmal dem Ampelsignal und der Gesetzestreue der Verkehrsteilnehmer. 
 
Allerdings gibt es da in letzter Zeit Aufweicherscheinungen. Immer öfter erlebe ich, dass ich mit anderen brav vor der roten Fußgängerampel warte, während andere angesichts fehlenden Kfz.-Verkehrs lässig die Straße überqueren. Für mich selbst habe ich es mir jedoch zur Regel gemacht, dass ich lediglich ausnahmsweise nachts auf unbelebten Straßen auch bei rot auf die andere Seite wechsele. Ansonsten gilt für mich der Grundsatz: Wenn mich Kinder beobachten könnten, bleibe ich geduldig stehen und warte. Schließlich will man ja kein schlechtes Vorbild sein. 
 
Allerdings hat mir ein Ereignis vor vielen Jahren, ich war noch keine sechzig, etwas zu denken gegeben. Da stand ich zusammen mit zwei Jungs, so zehn oder zwölf Jahre alt, gemeinsam vor einer roten Fußgängerampel. Zwar war weit und breit kein Auto zu sehen, aber ich verharrte trotzdem minutenlang, bis es endlich grünes Licht gab. Die Jungs sprinteten sofort los. Und trotz ihres Vorsprungs bekam ich ihren Dialog mit. "Warum bist Du stehen geblieben? War doch kein Auto da." "Ja, ja, aber da hat doch mit uns der Opa gewartet. Hinterher marschiert der auch bei rot los und kommt noch unter die Räder." 
 
Das ist doch ein hoffnungsvolles Zeichen. Wenn ich eines Tages mit einem Rollator am Straßenrand stehe, verwirrt nach links und rechts schaue und mich angesichts des Verkehrsflusses nicht traue loszugehen, dann wird bestimmt ein Gesinnungsgenosse des jungen Kavaliers fragen: "Darf ich Ihnen auf die andere Seite helfen?" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1281 vom 1. 9. 24

Als ich gestern mit dem Rad an einem Schulhof vorbei fuhr, fielen mir Plakate auf, mit denen die Schüler zum Besuch einer Ausbildungsplatzbörse motiviert werden sollten. Da kam mir in den Sinn, dass vor Jahrzehnten die Christdemokraten als Erste in Dorsten zu einer derartigen Veranstaltung eingeladen hatten. Schon damals dachte ich, dass der Begriff "CDU-Ausbildungsbörse" missverständlich sein könnte. Wieso? Das soll Euch die folgende kleine Szene klarmachen. 
 
"Willkommen auf unserer CDU-Ausbildungsbörse, meine Herren. Es freut uns, dass Sie auch in gesetztem Alter noch an einem Ausbildungsplatz interessiert sind. Oder suchen Sie etwas für Ihre Kinder?" "Nein, nein, ich bin durchaus in eigener Sache hier und eigens aus Schwerin angereist. Bieten Sie auch Lehrgänge an, wie man Fraktionsvorsitzender der Bundes-CDU werden kann?" "Leider zur Zeit nicht, Herr Amthor. Herr Merz hat kein Interesse daran, einen solchen Kurs zu leiten. Aber vielleicht fragen Sie mal Angela Merkel. Die kennt sich zumindest gut damit aus, wie man einen lästigen Fraktionsvorsitzenden loswerden kann." 
 
"Und was können wir für Sie tun, Herr Stockhoff? Nein, Bundeskanzler ist kein Ausbildungsberuf. Sie erleben gerade, wie man völlig ohne Vorkenntnisse herumstümpern kann." "Und Sie, Herr Lütkenhorst, woran sind Sie interessiert? Am Amt des Bundespräsidenten? Nein, wegen der begrenzten Zahl an Stellen gibt es auch dafür keinen Ausbildungsgang. Sie können aber zur Vorbereitung vielleicht ein Seniorenstudium für salbungsvolle Reden beginnen." 
 
"Wer hat sich denn da in unsere Ausbildungsbörse verirrt? Also, Herr Fragemann, wie man als Genosse erster hauptamtlicher SPD-Bürgermeister in Dorsten wird, dass können wir Ihnen leider nicht verraten. Doch die Herren Stockhoff und Lütkenhorst sind ja auch hier. Vielleicht laden Sie die beiden mal zu einem Bierchen ein und erkundigen sich bei denen in einem zwanglosen Gespräch." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Für Nicht-Dorstener eine Übersicht der handelnden Personen: 
 
Philipp Amthor: Vorsitzender der Landes-CDU Mecklenburg-Vorpommern 
Tobias Stockhoff: Amtierender Dorstener Bürgermeister 
Lambert Lütkenhorst: Dorstener Altbürgermeister, noch immer ziemlich fit 
Friedhelm Fragemann: ehemaliger langjähriger SPD-Fraktionsvorsitzender, für ein paar Wochen auch mal ehrenamtlicher Dorstener Bürgermeister 
 

 Schmunzelpost 1280 vom 31. 8. 24 

Gestern war mein Terminkalender pickepacke voll. Im Mittelpunkt dabei stand unsere Lesung im Dorstener Bürgerbahnhof. Sechs Ex-Tintenhühner saßen auf der Bühne und hätten sich mit Fug und Recht "Die Zug-Vögel" nennen dürfen, weil sich das Programm komplett um die Bahn drehte. Da die meisten von Euch keine Gelegenheit hatten, im ausverkauften Saal dabei zu sein, löse ich für Euch eine Bahnsteigkarte und hänge einen kleinen Auszug aus dem Programm an. Es handelt sich um einen authentischen Erfahrungsbericht.
 
K: Ja, es mag auch Lichtblicke im grauen Bahn-Alltag geben.  Ansonsten kann ich nur sagen: Bei meinen sämtlichen Fernreisen innerhalb der letzten Jahre ist stets etwas schief gegangen, wenn ich mindestens einmal umsteigen musste. Doch auch ohne Umsteigen kann es ganz schön nervenaufreibend werden. Ich berichte mal über die Rückfahrt von einer Radtour, die mich mit einer kleinen Gruppe durch den Breisgau führte.
 
Vorsichtshalber hatte ich für mich und mein E-Bike Plätze in einem IC reserviert, der um 13.30 h vom Freiburger Bahnhof in Richtung Ruhrgebiet starten sollte. Die anderen aus meiner Gruppe wollten sparen und nahmen die Regionalbahn, obwohl sie mehrfach umsteigen mussten. Da konnte ich nur grinsen: „Viel Spaß! Ich bin mindestens zwei Stunden früher in Essen, obwohl Ihr schon vor 12 Uhr losfahrt .“ So machte ich mich allein auf den Weg zum Freiburger Hauptbahnhof.
 
Dazu muss ich erklären, dass man dort von einer Brücke aus per Treppe zu den verschiedenen Gleisen gelangt. Zu Gleis 1 und Gleis 2, zu Gleis drei und Gleis vier, zu Gleis fünf und sechs und zu Gleis sieben und acht. Wie der böse Zufall es wollte, war der Fahrstuhl zu Gleis vier außer Betrieb. Da ich früh dran war, nahm ich gelassen erst 
mein Gepäck und trug es zum Gleis hinunter. Danach ging es nochmal nach oben, um mein Rad zu holen.
 
Schließlich waren mein Rad, mein Gepäck und ich reisefertig, und ich wollte in den bereitstehenden Zug steigen.  Aber, Moment mal, das war gar nicht der IC nach Essen, das war ein IC nach Kiel. Und der fuhr über Hannover und machte einen großen Bogen ums Revier. Eigentlich hätte der doch schon vor einer Stunde abfahren müssen? Ich fragte einen Bahnbeamten.
 
B: Ja, das stimmt, der müsste längst weg sein. Aber es gibt irgendwelche Probleme mit einer Weiche, die jetzt schnell behoben werden. Danach fährt Ihr IC auf diesem Gleis ein.

K: Beruhigt nahm ich auf einer Bank Platz und wartete. Und wartete. Und wartete. Fünf Minuten, eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, eine volle Stunde. Der IC nach Kiel stand immer noch da und rührte sich nicht von der Stelle. Ich fragte erneut einen Bahnbeamten.

B: Ja, ja, die Reparatur dauert anscheinend ein bisschen länger. Aber ich habe auch eine gute Nachricht für Sie. Ihr IC aus Basel steht schon seit längerem vor dem Bahnhof und wartet darauf, dass er hier einfahren kann. Haben Sie bitte noch ein wenig Geduld.
 
K: Nach einer weiteren Stunde war der Rest an Geduld aufgebraucht. Ich fragte den Bahnbeamten diesmal, ob ich wenigstens sicher sein könne, dass mein IC auf diesem Gleis einfahren werde, falls sich der Zug nach Kiel endlich in Bewegung setzen würde.

B: Ja, ja, da können Sie hundertprozentig sicher sein. Dies ist unser Gleis für Fernstrecken nach Norden. Nur noch ein wenig Geduld, dann können Sie in Richtung Heimat starten.

K: Ich setzte mich wieder auf meine Strafbank. 15 Minuten vergingen, dann sogar 30 Minuten. Der Zug nach Kiel stand immer noch da. Doch nun räusperte sich der Lautsprecher:

L: Achtung, Achtung, in wenigen Minuten fährt ein der IC von Basel nach Essen. Aber heute ausnahmsweise nicht auf Gleis vier, sondern diesmal auf Gleis acht.

K: Fluchend nahm ich mein Gepäck vom Rad und hastete eilig zusammen mit etlichen anderen Reisenden die Treppe empor. Dann kehrte ich um und holte mein Rad. Anschließend spurtete ich samt Rad und Gepäck zum Aufzug von Gleis acht. Defekt! Da ich auf keinen Fall meinen Zug verpassen wollte, trug ich diesmal das schwere E-Bike samt Gepäck die Treppe hinunter. Ächzend und schweißüberströmt kam ich unten an, zum Glück ohne Bandscheibenvorfall. Und da stand er tatsächlich, der IC nach Essen. Hastig suchte ich den richtigen Waggon, verstaute Rad und Gepäck und lehnte mich auf meinem reservierten Platz zurück. Endlich! Gleich ging es nach Hause. - Von wegen!
 
L: Achtung, Achtung, eine Durchsage! Leider verzögert sich unsere Abfahrt um wenige Minuten. Weil wir den gleichen Schienenstrang benutzen, muss zunächst der IC nach Kiel von Gleis vier den Bahnhof verlassen. Wie ich eben höre, hat es einen Schaden an einer Weiche gegeben. Aber der Defekt ist bestimmt schnell behoben.

K: Die Flüche, die mir danach über die Lippen kamen, kann ich an dieser Stelle aus Gründen des Jugendschutzes nicht wiederholen. Es dauerte dann noch 20 Minuten, bis der IC nach Kiel abfuhr. Und aus unerfindlichen Gründen noch weitere 30 Minuten, bis sich auch mein Zug in Bewegung setzte. Gut dreieinhalb Stunden zu spät kam ich in Essen an und meldete mich telefonisch bei meiner Fahrradgruppe, um ihr zu der Wahl des Verkehrsmittels zu gratulieren. Aber leider waren alle Teilnehmer noch unterwegs und hatten wegen eines
Funklochs keinen Empfang. Wie ich später erfuhr, hatte es beim Umsteigen ein heilloses Chaos gegeben, und sie brauchten für ihre Rückfahrt noch zwei Stunden mehr als ich.

L: Achtung, Achtung, ein Ratschlag für unsere Fahrgäste. Da fast alle WC’s im Zug defekt sind, empfehlen wir Ihnen, unverhoffte Wartezeiten zu nutzen, um die Bahnhofstoilette aufzusuchen. 
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So, dass war's für heute. Jetzt könnt Ihr in aller Ruhe zur Toilette gehen. Denn die wird garantiert nicht von einem ICE nach Kiel blockiert. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1279 vom 30. 8. 24

 

Mein Vater musste sich gleich zwei Spitznamen gefallen lassen. Weil er in der Eisenhütte Westfalia eines der kleinsten Rädchen im Getriebe war, aber trotzdem gern lautstark Anweisungen gab, wurde er von den Kollegen "Chef" gerufen. Das gefiel ihm ganz gut. Weniger Freude hatte er an seinem zweiten Spitznahmen. Da er mit Vornamen Karl hieß, aber schon in jungen Jahren kaum noch Haare auf dem Kopf hatte, hörte er oft die Verballhornung: "Kahl, komm mal her!"
 
Auch Kahls Vater und Großvater waren bereits kahlköpfig gewesen. So musste ich mich früh damit abfinden, dass auch mein Haupthaar immer lichter wurde. In jungen Jahren informierte ich mich daher schon früh, was man dagegen tun könne. Ernüchterndes Ergebnis: Trotz aller großmäuligen Ankündigungen von neuen Tinkturen, die das Haar angeblich wieder sprießen lassen sollten, gab es lediglich ein wirksames Mittel, um die Glatzenbildung nachhaltig zu stoppen. Alle anderen todsicheren Methoden haben sich als Flops erwiesen.
 
Dabei hat man in aller Welt nach Rezepten gesucht. Bereits die alten Ägypter versuchten ihren Haarausfall durch den Verzehr von Fledermausohren und die Einnahme von Schlangenöl aufzuhalten. Die Chinesen glaubten das Problem durch den Genuss von Rattenfleisch lösen zu können. In der Tudorzeit rieben sich Briten den Schädel mit Hunde- oder Pferdeurin ein. Und viele norwegische Bauern schwören bei Kahlköpfigkeit angeblich noch heute auf ein Rezept aus dem 19. Jahrhundert: Sie gönnen sich zweimal pro Woche für zwanzig Minuten eine Packung aus Kuhmist.
 
Nein, das war alles nichts für mich. Zumal so ein modischer Kurzhaarschnitt wie meiner auch viele Vorteile hat: 
Keine Ausgaben für den Friseur, pflegeleicht und windschnittig. Daher fiel es mir leicht, auf Toupets und Verpflanzungen a la Klopp zu verzichten. Und das einzige wirklich erfolgreiche Mittel, den Haarausfall sofort zu stoppen, kam von vornherein nie in Frage: Eine Kastration hätte auch den Verlust der gesamten Körperbehaarung, eine Fistelstimme, Fettleibigkeit, nachlassendes Sehvermögen, Schlaflosigkeit und eine schwache Blase zur Folge haben können. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1278 vom 29. 8. 24

Das hat schon etwas Irreales: Das Thermometer zeigt 30 Grad, und im Aldi-Prospekt lese ich, dass es in der nächsten Woche Dominosteine und Spekulatius zu kaufen gibt. Da höre ich im Süden jemand in seinem Grab murmeln: "Ja, is denn heut scho Weihnachten?" 
 
Nein, natürlich nicht. Bis dahin sind es noch fast vier Monate. Aber wer antizyklisch kauft, soll ja einige Vorteile genießen. Angeblich sind Produkte außerhalb der Saison preiswerter. Und wer sich schon jetzt mit Lebkuchen und Weihnachtsplätzchen vollstopft, kann das Zeug im Advent und über die Feiertage nicht mehr sehen und hat dann keine Mühe, den allgegenwärtigen Versuchungen zu widerstehen. Das würde ich gern auf den Getränkesektor übertragen, aber zur Zeit kriege ich den Glühwein einfach nicht runter. 
 
Generell meine ich aber, wir sollten dieses Jahr unserer Weihnachtsindustrie ein Schnippchen schlagen und stattdessen Verwandte und Freunde mit europäischen Köstlichkeiten überraschen. Wenn Ihr Euch die Rezepte aus dem Internet besorgt und spätestens zum Herbstbeginn zu üben beginnt, kriegt Ihr das bestimmt hin. Dann besuche ich Euch gern, um mit Euch die dänische Spezialität Risalamande zu kosten, eine Art Mandelmilchreis. 
 
Auch der französische Drei-Königs-Kuchen "Galette des Rois" könnte mich locken. Vorher zu Nikolaus aber bitte zunächst die Schoko-Buchstaben "Sinterklaas" aus Holland. Ohne Alkohol kommt die norwegische Weihnachtslimonade "Julemus" aus ganz vielen Himbeeren auch bei Kindern gut an, die sich ebenso für die schwedischen Teigröllchen "Lussebutter" begeistern werden. Und wer kann schon "Melomakarona" widerstehen, dem fluffigen Honiggebäck aus Griechenland mit Walnüssen, Olivenöl, Zimt und Gewürznelken? 
 
Anschließend hätte ich Appetit auf was Herzhaftes aus Schweden. Nein, nein, kein Köttbulla im Tannennadelnest. Sondern lieber "Janssons frestelse", was soviel heißt wie "Die Versuchung für den Sohn von Jans". Das ist ein Auflauf aus schwedischen Anchovisfilets, Kartoffeln, Zwiebeln und Sahne. Dann noch ein großes Glas "Glögg", was jedoch nicht soviel heißt wie "Gluck, gluck" - ein bisschen Spaß muss sein. 
 
Glögg ist schwedischer Glühwein, mit dem ich mich bestimmt anfreunden kann. Denn zum einen wird er mit einer großen Vielfalt an Gewürzen zubereitet, nämlich Gewürznelken, Zimtstangen, Ingwer, getrockneten Pommeranzenschalen, Vanillezucker und gehackten Kardamom. Zum anderen besteht Glögg aus kräftigem Rotwein, der noch mit einem guten Schuss Cognac oder dunklem Rum veredelt wird. Achtung: Beim Erhitzen darauf achten, dass die Temperatur 78 Grad nicht übersteigt, sonst verdunstet der Alkohol! 
 
Das klingt lecker! Aber heute hole ich mir erstmal ein Eis. Ob es wohl schon Kugeln gibt, die nach Dominosteinen oder Spekulatius schmecken? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1277 von 28. 8. 24

Wir sind wieder einmal mit der Bahn unterwegs gewesen. Aber, oh Wunder, die Bahn war pünktlich! Sowohl auf der Hinfahrt wie bei der Rückreise. Gut, eine mögliche Erklärung ist, dass auch die niederländische Bahn beteiligt war, denn es ging von Wesel nach Arnheim und retour. Beim innerdeutschen Bahnverkehr sieht das etwas anders aus. Deshalb hat mich die DB-Ankündigung nicht überrascht, dass unsere Bahn wegen der vielen Verspätungen und Ausfälle den Fahrplan künftig nur noch mit Schätzwerten bestücken will.
 
Insofern hat die Realität die Satire schon überholt. Trotzdem empfehle ich allen, die am Freitag, 30. August, Zeit und Lust haben, den Besuch des Dorstener Bürgerbahnhofs. Dort startet um 19 Uhr eine Lesung mit sechs Ex-Tintenhühnern, die sich mit diesem Programm vielleicht "Die Zugvögel" nennen sollten. Als Appetitanreger gibt es hier einen Auszug. Der stammt zwar aus Berlin, aber einiges dürften auch alle mal gehört haben, die in Restdeutschland mit der Bahn unterwegs gewesen sind.
 
K: Misstrauisch sollten die Fahrgäste werden, wenn sie zuckersüß empfangen werden:
B: „Guten Morgen, sehr geehrte Fahrgäste! Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Start in den Tag und fühlen sich wohl bei uns an Bord.“
K: Darauf folgen mit Sicherheit längere Bekanntmachungen über Weichenstörungen und Wartezeiten. Sowas gibt es auch unterwegs:
La: „Ich kann im Bahnhof Zoo noch nicht einfahren. Vor uns steht noch ein Vorzug. Und vor dem steht auch noch ein Vorzug. Die S-Bahn hat heute nur Vorzüge.“
K: Normalerweise fasst man sich aber bei der Berliner Bahn kürzer. Hier folgt eine Liste von Verspätungsgründen, die mir verdächtig bekannt vorkommen. Berlin ist überall! 
 Abbau eines Baugerüsts, Betriebsstörung, Weichenstörungen, Signalstörung, Schrankenstörung,  Stellwerksstörung, Stellwerksausfall, technische Störung, 
Türstörung, Zugstörung, Fahrzeugstörung, Triebfahrzeugstörung, Bahnübergangsstörung,  Bauarbeiten, Bauzeitüberschreitung, Ausbesserungsarbeiten, Abbauarbeiten, Weichenarbeiten, Gleisarbeiten, leisverlegungsarbeiten, Gleisquerungsarbeiten, Gleisschäden, Baum auf Gleis, Oberbaummängel, Schienenbruch, Schienenschleiffarbeiten, Schwellenauswechslungsarbeiten, Brückenarbeiten, rückenbauarbeiten, Hilfsbrückenausbauarbeiten, Ausbesserungsarbeiten, Vegetationsarbeiten, 
Stellwerksabnahme, Streckensperrung, Stromausfall, Stromnetzausfall, Beschallungsausfall, Beleuchtungsausfall, Störung der Energieversorgung, Computerabsturz des Fahrdienstleiters, Polizeieinsatz, Feuerwehreinsatz, Fahrgastfehlverhalten, Bahnsteigkantenschaden, kurzfristige Arbeitszugfahrten, Staatsbesuch, Böschungsbrand, Schwan im Gleisbett, Kabeldiebstahl, erkrankter Prüfingenieur, überdurchschnittlicher Krankenstand, Unregelmäßigkeiten in der Personaldisposition, fehlender Zugführer, außerplanmäßige Zugkreuzung, Zugfehlleitung, Störung im Betriebsablauf. 
 
Oder den Kommentar für alle Fälle: "Irgendwas hält uns auf, keine Ahnung, den Grund sag ich ihnen später." 
 
 Glückauf 
 kdk 

 Schmunzelpost 1276 vom 27. 8. 24

Demnächst beginnen in Paris die Paralympics. Pünktlich zu diesem Ereignis musste ich an eine wahre Geschichte denken. Sie stellt eine Verbindung zur gestrigen Schmunzelpost her, bei der es um Beamte ging. Damit will ich nicht sagen, dass Beamte generell behindert sind. Das ist nachweislich nicht so, denn einige von ihnen lesen sogar die Schmunzelpost. Dennoch haben manche Beamte kleinere oder größere Macken. Man kann auch sagen: Sie sind übereifrig und komplett paragraphengesteuert. Das kann dazu führen, dass der gesunde Menschenverstand mitunter getrübt wird. 
 
Inklusion ist ein wichtiges Ziel, nicht erst seit heute. Doch man kann auch über ein Ziel hinausschießen. 1994 musste ein Stripteaselokal in Los Angeles auf Anordnung der Stadtverwaltung die Bühne entfernen, auf der sich die Tänzerinnen auszogen. Grund: Ohne dass irgendwelche Beschwerden vorlagen, hatten Beamte bemängelt, dass es keine Rollstuhlrampe für behinderte Striptease-Tänzerinnen gab. Nun sind auf einen Rollstuhl angewiesene Stripperinnen meines Wissens bisher nur in der Fantasie von Beamten vorgekommen. Aber vielleicht wird ja bei den Paralympics eine neue Disziplin eingeführt. 
 
Äußerst gelungen finde ich den Brief, den ein Sozialamt in South Carolina an einen kurz vorher verstorbenen Mann absandte. Im Text hieß es: "Die Ausgabe Ihrer Essensmarken wird zum März eingestellt, da wir darüber informiert wurden, dass Sie von uns gegangen sind. Möge Gottes Segen mit Ihnen sein. Sollten sich Ihre Lebensumstände ändern, können Sie einen Wiederantrag stellen." Ob man auch daran gedacht hat, das Schreiben mit ins Grab zu legen? 
 
Doch niemand soll naseweis behaupten, Beamte könnten keine Pragmatiker sein. Als 1770 die Stadt Kirtipor auf Ceylon an den König von Gorka fiel, ordnete dieser eine Volkszählung an. Seine findigen Beamten führten den Befehl umgehend aus. Sie ließen der gesamten Bevölkerung die Nasen amputieren, die anschließend in Ruhe gezählt werden konnten. Das ist doch mal eine Methode, bei der sich zweifelsfrei erkennen lässt, ob sich jemand vor der Zählung gedrückt hat! 
 
Aber manchmal bin ich auch auf Seiten der Beamten. So entzog die staatliche Kontrollbehörde für Bestattungsunternehmen dem Beerdigungsinstitut eines gewissen Robert Miller aufgrund von Beschwerden für zwei Jahre die Lizenz. Mit gutem Grund. Weil Verwandte der Verstorbenen nicht sofort ihre Rechnungen bezahlt hatten, ließ Mister Miller zwei Leichen wieder ausgraben. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1275 vom 26. 8. 24

Langsam spüre ich sie wieder, die Faust des Finanzbeamten im Nacken. Denn ich habe mich bisher davor gedrückt, meine Steuererklärung für das Jahr 2023 zu machen. Zwar lehne ich das Zahlen von Steuern nicht generell ab - irgendwie muss der Staat ja an Geld für notwendige Ausgaben kommen - aber das brave Rentner, die ihr gesamtes Arbeitsleben lang ihren Tribut gezollt haben, auch noch im Alter behelligt werden, betrachte ich als ungerecht. Vor allem, wenn ich sehe, mit welchen Tricks sich Reiche und Superreiche erfolgreich vor Abgaben drücken. 
 
Allerdings schwelt tief in mir drin die Furcht, dass unsere Finanzämter sich in der Weltgeschichte umschauen und eine uralte Tradition neu beleben könnten. Im neunten Jahrhundert zwangen indische Steuereintreiber säumige Schuldner auf brutale Weise, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Den Opfern wurde solange versalzene Büffelmilch eingeflößt, bis die Betroffenen halbtot vor Durchfall waren und einwilligten, stattdessen ihren Geldbeutel zu erleichtern. Da ich keine Büffelmilch mag, zahle ich lieber freiwillig. 
 
Steuereintreiber lassen manchmal auch mit sich reden. Zumindest, wenn man nach dem Motto "Brust raus" nicht klein beigibt, sondern gegen unberechtigte Forderungen klagt. So setzte sich Cynthia Hess 1988 gegen die Finanzbehörden im US-Bundesstaat Indiana durch. Frau Hess hatte unter dem Künstlernamen "Chesty Love" ihre Brötchen verdient und einen Steuerabzug von 2088 Dollar für die Abschreibung ihrer Brustimplantate beantragt, mit denen sie ihre Körbchengröße auf 90F vergrößerte. 
 
Zwar kann ich mit "90F" nichts anfangen, aber das Steuergericht war offenbar beeindruckt. Die pro Stück fünf Kilo wiegenden Implantate seien so groß, dass eindeutig eine berufliche Nutzung vorliege und ein privater Vorteil ausgeschlossen sei. Diese Entscheidung ist in Ordnung. Dennoch bleiben Fragen offen. Welche Frau tut sich so etwas freiwillig an? Und welcher Mann findet das reizvoll? Na gut, einen kenne ich. Wer Amerika great und noch bigger machen will, der schätzt auch Brüste von Kürbisformat. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1274 vom 25. 8. 24

Puh! Es wird Zeit, dass die Hundstage enden. Nach schweißtreibenden Tagen wie gestern sehnt man sich nach einer zusätzlichen Dusche. Dabei sagen Mediziner, dass im Normalfall zwei-, dreimal die Woche ausreichen, damit der Säureschutzmantel der Haut nicht leidet. Ob davon der ehemalige NRW-Minister Matthiesen und die frühen Christen schon gehört hatten? Einst hatte man nämlich eine völlig andere Einstellung zur Hygiene. 
 
Noch für den heiligen Franz von Assisi war ein ungepflegter Körper Ausdruck von Frömmigkeit. Er folgte damit den frühen Lehren der christlichen Kirche. Danach hieß es, Schmutz komme gleich nach Göttlichkeit. Baden wurde als Teufelswerk und gottlose Eitelkeit angesehen und mit ewiger Verdammnis in der Hölle bestraft. Doch diese Ansicht war durchaus religionsübergreifend vertreten. 
 
So waren auch Dschingis Khans Mongolenkrieger ein abergläubischer Haufen, für den Waschen ein Sakrileg darstellte. Allerdings gab es für ihre mangelnde Körperhygiene auch einen plausiblen Grund: Die dicke Dreckschicht auf ihrer Haut trug dazu bei, dass sie Temperaturen bis zu minus zehn Grad aushalten konnten. Außerdem nutzten die Mongolen ihren Körpergeruch zur psychologischen Kriegsführung. Feinde konnten die mongolischen Horden bereits riechen, bevor sie sie zu Gesicht bekamen. Viele erstarrten daher schon vor Angst, ehe die Angreifer zur Stelle waren. 
 
Nun wird es Zeit für eine Korrektur. Ich habe in der Schmunzelpost wiederholt behauptet, der Sonnenkönig Ludwig XIV. habe in seinem Leben nur ein einziges Mal gebadet. Das ist nicht richtig. Nach jüngsten Erkenntnissen hat der französische Monarch sogar drei Mal gebadet, wenn auch unter heftigem Protest. Das letzte Mal, als seine Ärzte ihn aus medizinischen Gründen dazu nötigten. Kaum war Ludwig jedoch im Wasser, da behauptete er, unter fürchterlichen Kopfschmerzen zu leiden und schwor, sich nie wieder einer solchen Folter zu unterwerfen. 
 
Mit dem 11. Herzog von Norfolk fand er einen Gesinnungsgenossen. Der "schmutzige Herzog" ist den Historikern bekannt als einer der reichsten und übelriechendsten Männer Englands. Er badete in seinem Leben kein einziges Mal freiwillig. Aber er hatte schlaue Gefolgsleute. Wenn seine Bediensteten fanden, dass sie den Gestank nicht mehr ertragen konnten, machten sie den Herzog sturzbetrunken und badeten ihn schnell, bevor er wieder zu Bewusstsein kam. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1273 vom 24. 8. 24 

An diesem Wochenende beginnt die 62. Saison der Fußball-Bundesliga. Das ist für mich eine Steilvorlage für die heutige Schmunzelpost. 
 
Ich erinnere mich noch gut an den allerersten Spieltag. Damals war ich ein unschuldiger Bube im zarten Alter von neun Jahren. Und ich freute mich über das erste Tor der Bundesliga-Geschichte, das Timo Konieczka für einen Lüdenscheider Vorort-Verein erzielte. Konieczka stammte nämlich aus meiner Heimatstadt Lünen. Auch später durften übrigens gelegentlich merkwürdige Clubs in der Bundesliga mitspielen. Vor allem Berlin war mit einer ganzen Reihe von Vereinen vertreten, die heute völlig in der Versenkung verschwunden sind. Ich erinnere an Tasmania 1900, die bis heute den Saison-Negativrekord bei der Punktausbeute halten. Oder an Tennis Borussia und Blau-Weiß Berlin. Oder an Hertha BSC. . . 
Meister in der ersten Spielzeit wurde übrigens der 1. FC Köln, der jetzt in der Zweiten Liga gelandet ist. Aber dort befindet er sich in guter Gesellschaft. Mit Schalke 04, dem 1. FC Nürnberg und dem Hamburger SV halten sich dort weitere Titelträger auf, die die Meisterschale noch wirklich verdient hatten, bevor sie unter dem Regime eines Bratwurst-Produzenten zur Weißwurschtplatte verkam. 
 
Vielleicht ist der wiederholte Absturz der Kölner ja auf die merkwürdigen Behandlungspraktiken ihres Physiotherapeuten zurückzuführen. Dieter Trzolek schwor auf seltsame Methoden zur Behandlung von Sportverletzungen. So rät er, bei Eisenmangel Äpfel zu essen, in denen vorher über Nacht sechs Nägel steckten. Gegen Ischiasschmerzen streicht er gern Senf auf den Nerv. Gegen Wadenkrämpfe helfen schon zwei Liter Wasser und eine Banane täglich. Und Trzoleks Rezept gegen Muskelkater ist auch außerhalb der Bundesliga verbreitet: Eine Flasche Bier. 
 
Der 1. FC Köln entstand übrigens erst 1948 durch eine Fusion des Kölner BC 01 mit der Spvvg. Sülz 07. Aber warum singen die Fans des Geißbock-Clubs "Wir sind nur ein Karnevalsverein"? Das Geheimnis decke ich heute auf: Wegen der Auflagen des Fußballverbandes als Strafe wegen des Verstoßes gegen Transfergebote rekrutiert der FC künftig seine Spieler ausschließlich bei den Karnevalsgesellschaften "Kölner Blomekörfge", "Fidele Burggrafen", "Närrische Insulaner", "Löstige Höhenhuuser", "Schwazze Kääls", "Schnüsse Tring", "Kölsche Lotterbove" und nicht zuletzt der K.G. Alt-Severin "Mit den Winzern und Winzerinnen vun d'r Bottmüll". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1272 vom 23. 8. 24 

Nach der letzten Bundestagswahl war ich verblüfft: Neben der AfD hatte die FDP die meisten Stimmen der Erstwähler ergattert! Ausgerechnet die neo-liberale Ärzte und Apotheker-Partei! Seither aber ringen die Freien Demokraten verzweifelt darum, oberhalb der Fünf-Prozent-Marke zu bleiben. Und sie schrecken vor nichts zurück, um im Streit mit ihren Koalitionspartnern Eigenständigkeit zu signalisieren, obwohl das dauernde Gezänk allen Ampel-Parteien schadet. 
 
Womöglich haben sich die Liberalen daher noch eine weitere Strategie ausgedacht, um wenigstens die Jungwähler bei der Stange zu halten. Die begeistern sich bekanntlich für Comedy. Und wie soll man manche Aussagen führender FDP-Politiker anders erklären, als dass es sich um Versuche handelt, Punkte bei einem leicht zu erheiternden Publikum zu sammeln? Verkehrsminister Volker Wissing: "Ein Tempolimit können wir nicht einführen, weil uns dazu die Schilder fehlen." Haben wir gelacht! 
 
Auch der Wissing-Spruch, die Mehrheit der Deutschen sei entschieden gegen ein Tempolimit, war ebenso keck wie lachhaft. Gerade hatten aktuelle Umfragen das Gegenteil belegt. Vermutlich basierte Wissings Aussage aus Resultaten einer Umfrage unter Parteifreunden. Denn die tun mit Porschefahrer Lindner an der Spitze alles, um den ADAC als Interessensvertretung der Autobesitzer rechts zu überholen. 
 
Jüngstes Beispiel ist das ebenso dreiste wie unzeitgemäße Pro-Auto-Aktionsprogramm, dass die FDP jetzt mit großem Getöse anpries. Dass die Forderungen allenfalls in einer Koalition unter AfD-Führung umsetzbar wären, dürfte auch den Liberalen klar sein. Aber das schreckte sie nicht vor dem plumpen Versuch ab, nach den Wählerstimmen benzinschnüffelnder PS-Freunde zu angeln. 
 
Schauen wir uns das Programm noch einmal an. Wir müssen unsere Städte wieder autogerecht gestalten, fordern die Liberalen. Weg mit den lästigen Radwegen und überbreiten Gehsteigen! Was könnte man dort viele schöne Parkplätze schaffen! Da die Bahn eh die Kurve nicht kriegt, brauchen wir außerdem viel mehr neue Straßen und Autobahnen, das ist doch logisch, oder? Und weil E-Autos viel zu teuer sind und unsere Autoindustrie ruinieren, da uns damit bald die Chinesen überschwemmen werden, brauchen wir eine deutschland- und am besten europaweite Kehrtwende zum Verbrenner. Wir dürfen nicht schon wieder auf Bewährtes verzichten, den Fehler haben wir ja schon bei den Atomkraftwerken gemacht, nicht wahr? 
 
Und welches sind die größten Abgasschleudern mit vier Rädern? Ja klar, die Formel-1-Boliden. Deshalb, so heißt es im FDP-Fahrplan Zukunft, muss Deutschland endlich wieder Grand-Prix-Formel-1-Standort werden. Dafür müssten trotz Schuldenbremse doch noch ein paar Euro an Subventionen drin sein. Die könnte man dafür ja beim viel zu hohen Bürgergeld abknapsen. 
 
Natürlich gibt es gleich wieder Nörgler, die daran etwas auszusetzen haben. Im jüngsten Spiegel hat sich beispielsweise Markus Feldenkirchen über das einleuchtende FDP-Konzept einer "Politik für das Auto" lustig gemacht: "Erreicht werden soll das Ziel durch die Bereitstellung kostenloser Parkplätze. Oder durch ein deutschlandweites 'Flatrate-Parken'. Dieser Vorschlag ist besonders gewitzt. Sollte nämlich kurz der Verdacht aufgekommen sein, dass die Pkw-Fixierung der Liberalen ein Relikt aus den Achtzigerjahren sein könnte, wird dieser durch das modern klingende Wort 'Flatrate' umgehend widerlegt." 
 
Feldenkirchen weist nebenbei daraufhin, dass sowohl die Autofahrer- und Volksinteressenpartei (AViP), die bei der Landtagswahl in Hessen stolze 2453 Stimmen erhielt, wie die Autofahrer-Partei (AFP) längst wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Feldenkirchen: "Es könnte sein, dass der FDP als deutsche Autofahrerpartei dasselbe Schicksal blüht wie all ihren Vorgängerinnen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1271 vom 22. 8. 24

Wie jedes Jahr wurden auch jetzt wieder von der Duden-Redaktion viele Begriffe auf dem Wortfriedhof zu Grabe getragen, die in unserer Umgangssprache nicht mehr gebräuchlich sind. Im Gegenzug erhielten zahlreiche Neuschöpfungen durch die Aufnahme in das Deutsch-Wörterbuch ihre offizielle Weihe. Grund genug, sich einmal in beiden Lagern umzuschauen. 
 
Von welchen Wörtern heißt es Abschied nehmen? Darunter sind Verben wie "barattieren" und "ertöten", bei denen ich nicht ertötend, aber errötend gestehe, dass ich sie noch nie gehört, geschweige denn benutzt habe. Rund 300 Begriffe sind aus der Duden-Ausgabe 2024 entfernt worden, unter anderem Rationalisator und Knaupelknochen. Die beiden werde ich nicht vermissen, weil sie mir völlig fremd sind. 
 
Aber mit Dampfradio, Wellensalat oder Speckhals kann ich durchaus etwas anfangen. Doch wer weiß? Vielleicht gelingt ihnen ja eine Auferstehung, was bei Wörtern häufiger vorkommen soll als bei Menschen. Denn der "Hackenporsche", also die von Senioren in Supermärkten gern eingesetzte Nahkampfwaffe, war aus dem letzten Duden von 2020 verbannt worden, erfuhr jetzt aber ein triumphales Comeback. 
 
Überhaupt sind mit etwa 3000 Neuaufnahmen zehnmal mehr Zu- als Abgänge zu verzeichnen. Kein Wunder, dass der Duden immer dicker wird und nun bereits 1300 Seiten umfasst. Aber verstehe ich die Neulinge überhaupt? Na gut, unter einer Extremwetterlage kann ich mir durchaus etwas vorstellen. Auch mit Intimbehaarung kann ich etwas anfangen, ebenso mit Fleischersatz und Balkonkraftwerk. Ein Onsen-Ei habe ich bei Björn Freitag sogar schon einmal gegessen, einen Mocktail jedoch noch nie getrunken. Dennoch weiß ich, dass es sich um einen alkoholfreien Cocktail handelt. 
 
An meine Grenzen stoße ich bei fremdländisch klingenden Wörtern wie matchen, framen und ghosten. Das gilt auch für "Catcalling", was die sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt meint. Also Neudeutsch für hinterherpfeifen.  Auch beim "Frugalist" musste ich nachschauen. Das ist ein Mensch, der durch Sparsamkeit eine frühe Unabhängigkeit vom Erwerbsleben anstrebt. Also eine Kreuzung aus Geizhals und Frührentner. Und hinter einem "Quetschie" habe ich einen Fahrgast im Öffentlichen Personennahverkehr vermutet. Es handelt sich aber um ungesunde süße Fruchtmus-Beutel für Kinder. 
 
Über einen neuen Begriff freute ich mich ganz besonders. Endlich darf ich mit Duden-Duldung sagen, dass Schmunzelpost-Leser meine Lieblingsmenschen sind! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich möchte Euch nicht mit Fragezeichen in den Augen zurücklassen. Framen ist ein schwaches Verb, das in der Soziologie und Kommunikationswissenschaft bedeutet, ein Thema argumentativ oder medial in einen subjektiven Deutungsrahmen einbetten. Also etwas, was wir Normalsterblichen nicht wissen müssen. Und daher hoffen, dass das Wort schnell auf dem Friedhof landet. Ghosten bedeutet, sich aus einer sich anbahnenden Beziehung mir nichts, dir nichts plötzlich ohne Abschiedsgruß zu entfernen. Und matchen heißt nicht etwa im Matsch spielen, sondern sich in einem Wettbewerb mit jemand messen. 

 Schmunzelpost 1270 vom 21. 8. 24

Einmal noch, dann ist es genug mit den Schmutzflecken, die einige Expräsidenten im Weißen Haus hinterlassen haben. Grundsätzlich denke ich zwar, dass das Liebesleben von Ehepaaren Sache der unmittelbar Betroffenen sein sollte. Aber nicht dann, wenn zwischen den Worten und Taten von Prominenten Welten liegen oder sogar das Strafrecht verletzt wird. Deshalb bläst heute die SP-Moral-Kavallerie zum letzten Gefecht. 
 
Im Schweinsgalopp zunächst zu Bill Clinton. Durch die Lewinsky-Affäre, bei der der Ex-Präsident zunächst mit einem Eid ein sexuelles Verhältnis bestritt, geriet Clinton nicht nur weltweit in die Schlagzeilen, sondern schrammte beim Impeachment-Verfahren auch noch knapp an einer Amtsenthebung vorbei. Dabei war der Fall Lewinsky nur die Spitze des Eisberges. Ein Polizist, der während Clintons Amtszeit als Gouverneur in Arkansas für die persönliche Sicherheit des Politikers verantwortlich war, schätzte, dass Clinton bereits in dieser Zeit mit mehreren hundert Frauen geschlafen habe. 
 
1992 gab es erstmals Presseberichte, nachdem die Sängerin Jennifer Jones dem Magazin "Penthouse" Details aus ihrer zwölfjährigen Beziehung mit dem Präsidenten preisgegeben hatte. Auch Sally Perdue, ehemalige Miss Arkansas, behauptete, eine Affäre mit Clinton gehabt zu haben - allerdings nur solange, bis ihr eine Stelle mit einem Jahresgehalt von 40.000 Dollar angeboten wurde. Die Alternative, war weniger reizvoll: Es soll gedroht worden sein, ihr die Beine zu brechen, falls sie nicht den Mund hielt. 
 
Besonders peinlich für Clinton war die Aussage von Paula Jones, einer Schreibkraft aus Arkansas. Sie bezichtigte den Präsidenten der sexuellen Belästigung, weil er bei einer Veranstaltung der Demokraten vor ihr die Hosen heruntergelassen habe. Ihre eidesstattliche Erklärung enthielt exakte Details über den Genitalbereich Clintons, die ihre Aussage stützten. 
 
Beim Wettbewerb, wer denn der größte Wüstling im Weißen Haus gewesen ist, kann jedoch Warren G. Harding locker mit Kennedy und Clinton konkurrieren. Der US-Präsident der Jahre 1921 bis 1923 gönnte sich während seiner gesamten Ehe gleich zwei Mätressen. Bei Sauforgien mit seinem Kumpel Harry Daugherty kamen weitere Affären hinzu, wobei Harding seine Bettgespielinnen mit gutbezahlten Regierungsposten entschädigte. 
 
 Im zarten Alter von 57 Jahren legte er sich eine weitere Geliebte zu, eine erst 16-jährige Schülerin namens Nan Britton. In der Regel gab er sie als seine Nichte aus. Beim Versuch, sie beim Einchecken in ein Hotel in Chicago als seine Ehefrau unterzubringen, erlitt der Präsident Schiffbruch: Der Hotelangestellte wollte den Trauschein sehen. Mit fortschreitendem Alter wurde Harding trotzdem immer schamloser und zeigte sich mit seiner Freundin ungeniert in der Öffentlichkeit. An Boris Becker und die Besenkammer musste ich denken, als ich las, dass Nan Britton später enthüllte, ein kleiner Wandschrank im Vorzimmer des Weißen Hauses habe des öfteren als Liebesnest gedient. Der Affäre entsprang eine Tochter. Harding wollte das Kind nicht sehen, sicherte sich aber mit einer Zahlung von 20.000 Dollar und einer Monatsrente das Schweigen seiner Freundin. 
 
Unerwünschten Nachwuchs setzte wohl auch Thomas Jefferson, US-Präsident von 1801 bis 1809, in die Welt. Zu seinem "Besitz" zählte das Sklavenmädchen Sally Hemmings, das er offiziell als Kammerzofe beschäftigte. Hemmings brachte fünf Kinder zur Welt, die ebenfalls als Sklaven gehalten wurden. Darunter war auch ein hellhäutiger Junge mit dem Spitznamen "Yellow Tom", der Jefferson bemerkenswert ähnlich sah. 
 
Und dann war da noch Grover Cleveland, der die USA gleich zweimal, von 1885 bis 1889 und von 1893 bis 1897 regierte. Der Lebemann wog mehr als 115 Kilo und verschaffte sich, abgesehen vom Jagen und Fischen, nur durch Bordell-Besuche körperliche Bewegung. Mit 49 Jahren heiratete er eine 21-Jährige, was ihn wahrscheinlich die Wiederwahl direkt nach der ersten Amtszeit kostete. Denn politische Gegner behaupteten in Flugblättern, Cleveland sei ein Rohling und verprügele seine Frau. Das gipfelte darin, dass in einigen Presseberichten die sehr zierliche, junge Braut eindringlich gewarnt wurde: Beim Sex mit ihrem stark beleibten Gatten riskiere sie Leib und Leben. 
 
Das war 1888 mitten im prüden Amerika. Wundert sich jetzt noch jemand über Sprüche und Verhalten von Donald Trump? 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1269 vom 20. 8. 24

Auch eine Lichtgestalt hat Schattenseiten. Das John F. Kennedy kein Kind von Traurigkeit gewesen ist, war mir bekannt. Doch wie toll er es getrieben hat, ist mir erst jetzt klar geworden. Er war ein enorm eifriger, aber auch rücksichtsloser Schürzenjäger. Was mich auch sehr wundert: Seine Frau Jackie arrangierte Dinners im Weißen Haus oft so, dass eine oder mehrere aktuelle Gespielinnen ihres sexuell unersättlichen Mannes bei Tisch neben ihm saßen. Ihre Begründung: So konnte sie zumindest die Fluktuation etwas begrenzen. 
 
Kennedy gewann die Wahl äußerst knapp gegen seinen Konkurrenten Richard Nixon. Grundlage dafür waren die TV-Übertragungen der Kandidaten-Debatten. Darin präsentierte sich Kennedy selbstbewusst und entspannt. Offenbar beflügelte ihn eine ganz spezielle Entspannungsübung: 90 Minuten vor seinem ersten TV-Duell verschwand der Strahlemann mit einer Prostituierten in einem nahegelegenen Hotel und betrat danach gut gelaunt die Fernseh-Arena.
 
 Diese Eskapaden blieben nicht unbemerkt. FBI-Chef Edgar Hoover verfügte über eine pralle Akte und Filmaufnahmen, die zum Beispiel zeigten, wie sich JFK und Marilyn Monroe miteinander vergnügten. Auch Jayne Mansfield und die Stripperin Blaze Starr waren unter Kennedys zahlreichen Geliebten. Und er teilte sich eine von ihnen, Judith Campell, mit dem Mafia-Boss Sam Giancana. Kennedy wollte Hoover gern loswerden, aber der skandalumwitterte FBI-Chef hat zu viele Trümpfe in seiner Hand. 
 
Nach Kennedys Ermordung 1963 übernahm sein Vize Lyndon B. Johnson das Präsidentenamt. Der wirkte nach außen eher bieder, hatte es aber faustdick hinter den Ohren. Johnson ärgerte sich mächtig darüber, dass sein Vorgänger als Sexprotz bekannter war als er und behauptete: "Ich habe mehr Frauen durch Zufälle gehabt als er mit Absicht." Im Weißen Haus beschäftigte Johnson sechs Sekretärinnen und prahlte, mit fünf von ihnen intim gewesen zu sein. Seine Frau Claudia "Lady Bird" Johnson erwischte ihn dabei einmal inflagranti auf der Couch seines Arbeitszimmers. 
 
Hochpolitisch war das Liebesleben des nächsten US-Präsidenten. 1969 hatte es Richard M. Nixon endlich ins Weiße Haus geschafft. Weil die Amerikaner sich stets eine Bilderbuch-Familie an der Spitze wünschen, war auch Nixon verheiratet. Nebenher hatte er jedoch acht Jahre lang eine Affäre mit der Reiseleiterin  Marianne Liu aus Hongkong, die 20 Jahre jünger war. Nixon besorgte ihr höchstpersönlich ein Visum in die USA. Für die Liaison interessierte sich nicht nur das FBI, sondern auch der britische Geheimdienst. Denn Liu stand im Verdacht, für Rot-China zu spionieren. Als auch Nixon versuchte, J. Edgar Hoover loszuwerden, zeigte ihm dieser ein paar Dokumente und verließ das Büro des Präsidenten mit einem breiten Grinsen. Hoover behielt seinen Posten. 
 
Geschichte kann ganz schön spannend sein, nicht wahr? Daher schnüffeln wir morgen zum letzten Mal an der schmutzigen Wäsche, die sich im Laufe der Jahrhunderte im Weißen Haus aufgehäuft hat. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1268 vom 19. 8. 24

Ja, ja, ich hatte versprochen, Euch heute Einblicke in das Liebesleben von John F. Kennedy zu geben. Aus aktuellem Anlass erzähle ich aber stattdessen eine persönliche Bettgeschichte, mein eigenes nächtliches Abenteuer. 
 
Dazu müsst Ihr wissen, dass ich in heißen Zeiten auf Nachtbekleidung verzichte und mich lediglich in eine dünne Decke wickle. Nun weiß ich nicht, ob es der Anblick meines nackten Körpers war oder ein dezenter Hauch von Schweiß, der das weibliche Geschöpf in meiner Nähe unwiderstehlich anzog. Jedenfalls stürzte es sich rasend vor Verlangen auf mich. Und ich wusste mir durch eine schallende Backpfeife zu helfen. 
 
Als das Sirren der Mücke danach jäh verstummte, streckte ich mich entspannt aus. Hatte die alte Taktik sich doch wieder bewährt: Ich biete Blutsaugern lediglich meinen Kopf als Ziel an und lausche mit meinem rechten Ohr aufmerksam, ob sich ein ungeliebtes Flugobjekt nähert (seit mehr als einem Jahrzehnt versagt mein linkes Ohr bei hohen Frequenzen). Sobald mir das Anschwellen des Geräusches verrät, dass die Mücke zur Landung ansetzt, schlage ich blitzschnell zu. Klaus Krause versus Monika Mücke: 1:0. Zufrieden schlief ich ein. 
 
Aber der Schlummer währte nicht lange. Ein starkes Jucken unweit des rechten Schulterblatts weckte mich wieder auf. Entweder war die Mücke meiner Attacke knapp entronnen oder eine nahe Verwandte hatte sie mit einem gezielten Stich gerächt. Und ich konnte die juckende Stelle nicht erreichen, um mich zu kratzen. Also versuchte ich den Rücken auf dem Bett zu schubbern, wie es Balu, der Bär, einst im Dschungelbuch an Baumstämmen tat. Das funktionierte nicht. Also stand ich zähneknirschend auf und holte mir die lindernde Salbe aus meiner Reiseapotheke. 
 
Aber wie sollte ich die kühlende Creme auftragen? Dafür jemand aufwecken, der gerade tief und fest schlief? "Hast Du einen Sonnenstich?" wäre dann noch eine milde Reaktion gewesen. Und meine Korrektur: "Nein, aber einen Mückenstich", hätte nicht wesentlich zur Besänftigung beigetragen. Doch der kluge Mann weiß sich zu helfen. Ich trug etwas Salbe auf meinem langstieligen Schuhanzieher auf und schaffte es tatsächlich. vor dem Spiegel die Substanz an den richtigen Ort zu bringen. Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein: Ein nackter Kerl, der mit einem Schuhanzieher an seinem Rücken herumfuhrwerkt. Aber wo sind die Fotografen, wenn man sie braucht? 
 
Jedenfalls trat die lindernde Wirkung sofort ein. Und ich grübelte beim Eindösen darüber nach, ob es anatomisch korrekt ist, die Körperstelle, an der sogar der ansonsten unverwundbare Siegfried verletzlich blieb, weil ihm bei seinem Bad in Drachenblut ein Eichenblatt auf den Rücken gefallen war, auch "Achillesferse" nennen zu dürfen. 
 
Kurz danach wurde ich schon wieder aus dem Schlaf gerissen. Jetzt juckten der linke Oberarm und das rechte Knie. Nun war Schluss mit lustig. Zum Glück lag die Salbe noch bereit, und das Auftragen war diesmal ohne Verrenkung möglich. Danach suchte ich das ganze Zimmer nach dem Quälgeist ab. Vergeblich. Vermutlich hatte sich das Insekt im Bücherregal versteckt, vielleicht hinter dem Band "Wie bringe ich Menschen um den Verstand" und kicherte sich eins.  Klaus Krause versus Monika Mücke: 1:2. 
 
In der Folgezeit versuchte ich mit meiner Haudrauf-Methode, das Duell doch noch für mich zu entscheiden. Aber meine Gegnerin hatte wohl dazu gelernt. Sie näherte sich immer erst, wenn ich am Rand des Einschlafens war. Mein Schlag ging stets ins Leere. Schließlich zog ich die Konsequenzen, schnappte mir die Decke und legte mich aufs Wohnzimmer-Sofa. Siegerin durch technischen K.o. wegen Aufgabe: Monika Mücke. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1267 vom 18. 8. 24 

Beim Verfassen der letzten Folgen musste ich feststellen, dass gut verborgen eine Neigung in mir steckt, die ich öffentlich strikt bestreiten würde - vielleicht hätte ich das Zeug zu einem Klatschreporter gehabt. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich die Leute-Spalte in der Tageszeitung lese, obwohl ich die meisten C-Promis, die dort auftauchen, überhaupt nicht kenne. Natürlich würde ich mich niemals hinreißen lassen, Verleumdungen und Gerüchte zu verbreiten. Aber Heimlichkeiten aufzudecken, wenn sie gesellschaftlichen Belang haben, das ist etwas anderes. Wobei die Bewertung, ob ein legitimes öffentliches Interesse vorliegt oder ob unzulässig in die Intimsphäre eingedrungen wird, meist eine heikle Gratwanderung ist. 
 
Heute beginne ich, über das Liebesleben von US-Präsidenten auszupacken. Es will mir einfach nicht in den Kopf, wie christliche Fundamentalisten, die in einigen Regionen dafür sorgen, dass der Playboy auch jetzt noch nur unter dem Ladentisch verkauft wird und die jegliche Form von Sex außerhalb der Ehe verdammen, einen Mann wie Donald Trump unterstützen können. Wer sich zum Moralapostel aufspielt, jedes Aufblitzen einer Brustwarze anstößig findet und Aufklärungsunterricht aus der Schule verbannen will, gleichzeitig jedoch zulässt, dass schon Kinder und Jugendliche mit Schusswaffen umgehen dürfen, der hat selbst den Schuss nicht gehört. Doppelmoral und Heuchelei finde ich abscheulich. 
 
Daher ist es schon aufschlussreich, wie wegen der prüden Wählerschaft das Liebesleben von Präsidenten in der amerikanischen Geschichte systematisch vertuscht wurde. Bereits der glorreiche George Washington, Freiheitskämpfer und erster US-Präsident von 1789 bis 1797, war ein unverbesserlicher Schürzenjäger. Wie man heute weiß, verbrachte er nur wenig Zeit mit seiner Frau Mary, sondern pflegte außereheliche Beziehungen zu mindestens elf Damen der "gehobenen Gesellschaft", darunter zwei Generals-Gattinnen. 
 
Während des Unabhängigkeitskrieges versuchten die Briten, Washingtons Fehltritte öffentlich zu machen und ihn bloßzustellen, indem sie behaupteten, er halte eine "ganze Horde von Mätressen, schwarze wie weiße". Nur in einem Fall gelang es aber, einen "Sexskandal" mit Beweisen zu unterlegen. In der "Waschfrau-Kate-Affäre" fingen die Briten einen Brief mit höchst kompromittierendem Inhalt ab, der dann den "Boston Weekly News" und dem Londoner "Gentleman's Magazin" zugespielt wurde. Aber das schadete Washington nicht. Mehr jedoch ein anderes amouröses Abenteuer. George Washington starb 1799 an den Folgen einer fiebrigen Erkältung. Offiziell hatte er sie sich bei einem Ausritt im Schnee zugezogen. Nach einer etwas wahrscheinlicheren Version erkältete er sich jedoch, als er bei eisigen Temperaturen nach dem Treffen mit der Frau eines Angestellten ohne Hosen aus dem Fenster sprang und das Weite suchte. 
 
So, liebe klammheimliche Gala-Freunde und über solchem Treiben stehende Schmunzelpost-Leser: In der nächsten Folge geht es unter anderem um Richard Nixon und John F. Kennedy. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1266 vom 17. 8. 24

Ich habe versprochen, ab jetzt die verrückten Monarchen in Frieden ruhen zu lassen. Aber ich kann es mir nicht verkneifen, heute einen britischen Königinnen-Gemahl zu zitieren, der bis zu seinem Tod vor einigen Jahren durchaus bei Verstand war. Allerdings gelang es ihm zu Lebzeiten immer wieder, mit seinem speziellen Humor und scharfer Zunge Leute zu irritieren oder undiplomatisch vor den Kopf zu stoßen. Die Rede ist von Prinz Philip, dem Herzog von Edinburgh. 
 
Einem britischen Studenten, den Philip bei dessen Auslandsstudium in Peking traf, riet er: "Bleiben Sie nicht zu lange hier, sonst bekommen Sie Schlitzaugen." Und Peking sei "entsetzlich". 
 
Bei einem Staatsempfang in Chile kam Philip mit Dr. Allende zusammen, der kurz darauf zum Präsidenten gewählt wurde. Der royale Gast nahm Anstoß an der Kleidung seines bürgerlichen Gegenübers: Statt einem Frack trug Allende einen normalen Anzug. Der Chilene erklärte dem Besucher, sein Volk sei sehr arm und als dessen Repräsentant halte er es für unpassend, sich einen teuren Frack zu kaufen. Darauf Philip schnippisch: "Ich nehme an, Sie wären auch im Badeanzug erschienen, wenn es Ihr Volk befohlen hätte." 
 
Kurz darauf ließ er seine fragwürdige Gesinnung in einem südamerikanischen Nachbarland durchblitzen. Zu General Alfredo Stroessner, dem faschistischen Diktator Paraguays, der überlebende Nazi-Kriegsverbrecher versteckte, sagte Philip: "Für mich ist es eine willkommene Abwechslung, einmal in einem Land zu sein, das nicht von seinen Bewohnern regiert wird." 
 
Beim Besuch in Panama raunzte der Gatte der Queen einen Polizisten seiner Eskorte an, der eine Sirene eingeschaltet hatte: "Mach das verdammte Ding aus, Du Saftsack!" Überhaupt gehörten freundliche Worte über die Bürger der Länder, in denen er zu Besuch war, weniger zu Philips Repertoire. Über die Schotten urteilte er: "Sie trinken einfach zuviel!" Und über die Ungarn: "Die meisten von ihnen haben dicke Bäuche." In den Niederlanden sagte er: "Die Holländer lauf immer mit so einem verkniffenen Gesicht herum." Und in Kanada hieß es lapidar: "Ich komme nicht zum Spaß hierher." 
 
Endlich wieder daheim befand Philip: "Britische Frauen können nicht kochen." Queen Elizabeth soll ausnahmsweise die Stirn gerunzelt haben . . . 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1265 vom 16. 8. 24

Heute beende ich die Reihe über geistesgestörte Monarchen, obwohl die Geschichte noch viel mehr Fälle im Köcher hat. Doch das Verhalten der übergeschnappten Majestäten war nicht nur bizarr und makaber, es hatte allzuoft für alle Beteiligte tragische Konsequenzen - mitunter für die kranken Regenten selbst. Dennoch finde ich es höchst erstaunlich, dass man offensichtlich Menschen, die nicht bei Verstand sind, lange gewähren ließ, nur weil sie die Gnade einer "edlen Geburt" genossen. Noch mehr wundert es mich aber, dass in unserer "aufgeklärten" Gegenwart Leute wie Trump oder Orban trotz allem populär sind, von Putin oder Kim Jong Un in ihren propagandabeherrschten Reichen ganz zu schweigen. 
 
In Russland hat dies Tradition. Zar Paul I., der dort vier Jahre lang regierte, gilt heute als der verrückteste aller russischen Monarchen. Als er im Alter von 43 Jahren den Thron bestieg, gehörte zu seinen ersten Amtshandlungen, dass er den Leichnam von Peter III., den er irrtümlich für seinen Vater hielt, aus dessen Gruft ausbuddeln ließ. Zu diesem Zeitpunkt war Peter bereits 34 Jahre tot. Das hinderte Paul nicht, die verweste Leiche in eine Militäruniform stecken und in den Thronraum des Winterpalasts bringen zu lassen. Dort drückte man Peter eine Krone auf den Schädel und alle Höflinge und Staatsbeamten mussten dem "wahren Zaren" ihre Ehrerbietung erweisen. 
 
Ohne ersichtlichen Grund schickte Paul I. außerdem ein ganzes Regiment auf einen 4000 Kilometer langen Marsch, der erst nach zwei Jahren endete. Erst als sich Peters Wahnsinn zusehends verschlimmerte und er nur noch schwarze Schmetterlinge um sich flattern sah, wurde es seinen Untertanen zu bunt. Bei einer Palastrevolution wurde Paul 1801 erdrosselt. 
 
Eine Seelenverwandte von Paul war wohl die spanische Königin "Johanna die Wahnsinnige". Als sie nach jahrhundertelanger Inzucht der Königsfamilie den Thron bestieg, wanderte sie tagelang im Palast ziellos herum und murmelte sinnloses Zeug. Und als ihr treuloser, meist abwesender aber heißgeliebter Gemahl Philipp der Schöne starb, wollte sie ihn nicht missen. Sie ließ den Leichnam einbalsamieren und behielt ihn wochenlang an ihrer Seite, sowohl bei den Mahlzeiten wie nachts im Bett. 
 
Georg III., der vielleicht verrückteste Monarch in der britischen Geschichte, regiert stolze 60 Jahre lang, war aber nur zeitweise geisteskrank. Das lag an der "fliegenden Gicht". So nannten es damals die Mediziner, wenn Gichtanfälle das Hirn trafen. Es ist heute schwer zu unterscheiden, was Georg sich als Folge tatsächlich leistete, weil das sonderbare Verhalten des Königs von Satirikern in Flugblättern aufs Korn genommen werden. Wahrscheinlich stimmt es aber, dass Georg III.  einer Eiche die Hand gab, weil er sie mit Friedrich dem Großen verwechselte. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1264 vom 15. 8. 24

Nach den depperten bajuwarischen Monarchen sind heute die bekloppten Preußen an der Reihe. 
 
Vom Vater des alten Fritz wusste ich bisher nur, dass er als "Soldatenkönig" in die Geschichte eingegangen ist und sich eine Leibgarde mit langen Kerls hielt. Außerdem war mir bekannt, dass er den engsten Freund seines jungen Sohns vor dessen Augen hinrichten ließ. Aber Friedrich Wilhelm I. war ein pathologischer Tyrann. Als enger Verwandter des durchgedrehten englischen Königs Georg III. litt er wie dieser auch an einer großen Zahl von physischen Krankheiten. Gicht, Hamorrhoiden, Migräne und fürchterliche Magenkrämpfe quälten ihn sein ganzes Leben lang. 
 
Vielleicht aus Frust darüber terrorisierte Friedrich permanent seine Umgebung und seine Familie. Seine Lieblingswaffe war ein Rohrstock, mit dem er auf alles einprügelte, was sich in seine Nähe wagte. Bei Mahlzeiten warf er gern mit Tellern und Bestecken um sich und griff seine Diener an. Seine Kinder ließ der König fast verhungern, manchmal spuckte er ihnen auch ins Essen. 
 
Im Laufe der Jahre wurde er immer gewalttätiger. Er trug ständig zwei mit Salz geladene Pistolen bei sich, mit denen er auf Dienstboten feuerte, wenn die ihm nicht schnell genug erschienen. Einem Kammerdiener schoss er die Augen aus, einen anderen schlug er zum Krüppel. Seine Höflinge hatten so große Angst vor ihm, dass einer von ihnen vor Schreck tot umfiel, als er in die Privatgemächer des Königs gerufen wurde. Ebenso gefürchtet war Friedrich auf dem Exerzierplatz. Ein Major, der von königlicher Hand vor aller Augen eine Tracht Prügel bezogen hatte, zog seine Waffe und jagte sich eine Kugel in den Kopf. 
 
Im Gegensatz zu diesem übergeschnappten Sadisten war König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen bloß "normal" plem-plem. Als er 1840 auf den Thron kam, war er zwar der einzige Soldatenkönig der Hohenzollern, der nicht reiten konnte, ansonsten hielten sich seine psychischen Störungen jedoch zunächst in Grenzen. Also sagen wir mal, auf Trump-Niveau. 1850 erlitt er mehrere Schlaganfälle, war danach völlig neben der Spur und komplett unberechenbar. Vorsichtshalber übernahm sein jüngerer Bruder Wilhelm die Regierungsgeschäfte. 1858 erkannte man, dass die "Gehirnerweichung" des Königs unheilbar war, er wurde offiziell für geistesgestört erklärt. 
 
Die nächsten beiden Jahre verbrachte der inzwischen extrem kurzsichtige Ex-König damit, im Park von Schloß Sanssouci spazieren zu gehen und dabei dauernd gegen Bäume zu laufen. 
 
So, mag jetzt noch ein Ampelhasser in das Lied einstimmen "Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben!"? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1263 vom 14. 8. 24 

Am letzten Wochenende erschütterte mich ein Zeitungsbericht, der sich damit befasste, was Donald Trump in seiner letzten Pressekonferenz verkündet hat. Wir sind ja bereits einiges vom US-Lügenbaron gewohnt, aber in dieser Ballung übertraf das fast alles, was sich Trump bisher leistete. Autor Christian Zaschke vermutet, dass Trump sauer war, weil nicht er, sondern das neue demokratische Kandidaten-Gespann zuletzt die Schlagzeilen beherrschte. Und sein Kalkül sei: Egal, was geschrieben wird, Hauptsache, es weckt das Interesse. Und je absurder eine Behauptung, desto größer die Chance des Abdrucks. Ich persönlich glaube ja, dass Trump psychisch krank ist. Oder, um es deutlicher zu sagen, völlig durchgeknallt.  Dass eigentlich Unglaubliche bleibt für mich aber, dass er dennoch in den USA so viele Anhänger hat. 
 
Doch in der Geschichte gab es auch vor Trump, Hitler und Stalin schillernde Gestalten, die eindeutig verrückt gewesen sind. Dazu trug der in Adelskreisen herrschende Inzest erheblich bei. Und weil die Monarchen nahezu unantastbar waren, ließ man sie trotzdem gewähren oder versuchte, ihre Leiden herunterzuspielen und so gut wie möglich zu verbergen. Heute starte ich eine kleine historische Serie über Europas verrückteste Regenten. Beginnen werde ich in Bayern. 
 
Nein, es geht nicht um Kaiser Franz-Josef, den Poltergeist, der in einen ganzen Strauß von Affären verstrickt war. Auch nicht um den amtierenden König Markus, der am liebsten ganz Deutschland besödern möchte. Ich beginne mit König Ludwig II., dem berühmten Wittelsbacher, der von zwei Leidenschaften besessen war: Der Förderung von Richard Wagner und dem ungleich kostspieligeren Zeitvertreib, sein Land mit dem Bau von Märchenschlössern zu ruinieren. 
 
Nachdem ihm endgültig das Geld ausgegangen war, versandte er Bettelbriefe an alle gekrönten Häupter in Europa. Da der Erfolg kläglich war, befasste er sich ernsthaft mit der Planung von mehreren großen Banküberfällen. 1873 war er dann so verzweifelt, dass er ganz Bayern verkaufen wollte. Zeitgleich schickte er Beamte los, die ein paar tausend Quadratkilometer großes Areal finden sollten, auf dem Ludwig ein neues Königreich ganz nach seinen Vorstellungen errichten konnte. Dort wollte er dann ungestört leben, "unabhängig von Jahreszeiten, Menschen und sonstigen Unannehmlichkeiten." Kurz vor dem Bankrott Bayerns wurde Ludwig II. für unheilbar geisteskrank erklärt und abgesetzt. Bevor er in eine Anstalt eingewiesen werden konnte, ertrank er mit seinem Leibarzt unter geheimnisvollen Umständen im Starnberger See.  
 
Als Nachfolger gelangte Ludwigs jüngerer Bruder Otto I. auf den bayerischen Thron. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung! Denn Otto war psychisch noch labiler als sein Vorgänger. Allerdings tobte er sich mehr mit Kleinigkeiten aus. Otto brüllte Unflätigkeiten, bellte wie ein Hund und schoß ab und zu aus seinem Schlafzimmerfenster mit seinem Gewehr auf arglose Passanten. Dieses Problem lösten die Bayern eleganter. Otto "regierte" fortan aus einer Zelle in Schloß Fürstenried, wo er von Pflegekräften bewacht wurde. Die eigentlichen Staatsgeschäfte regelte 27 Jahre lang sein Onkel Luitpold. 
 
Gibt es vielleicht im Weißen Haus irgendwo eine großräumige Gummizelle? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1262 vom 13. 8. 24

"Mein Name ist Klaus-Dieter Krause. Ich komme zur HNO-OP um 10 Uhr." "Oh, ja, da muss ich schauen. Nein, das kann nicht sein. Hier ist kein Klinik-Armband für Sie vorbereitet. Und von einer Operation steht hier auch nichts." "Das darf doch nicht wahr sein! Schauen Sie mal unter 'ambulante Eingriffe' nach." "Nein, da kann ich auch nichts finden. Sie haben für heute keinen OP-Termin. Gehen Sie bitte mal zur HNO-Abteilung." 
 
An dieser Stelle hätte man mich gestern Morgen am Info-Schalter des Gelsenkirchener Marienhospitals fast als Notfall mit Herzattacke behandeln müssen. Nicht schon wieder! Also blieb ich beharrlich. "Aber mich hat Schwester Beate am Freitag gegen 15 Uhr angerufen und mir den Ersatztermin für den letzten Mittwoch durchgegeben. Sie hat das auf Nachfrage nochmal ausdrücklich bestätigt." "So, so, dann will ich nochmal schauen. Ach ja, hier steht ein Nachtrag. Da hat man wohl vergessen, das Armband für Sie zu erstellen. Warten Sie bitte eine Minute." 
 
Das sollte ich gestern nicht zum letzten Mal gehört haben. Um 10.15 Uhr begann man, mich in einem Dreibettzimmer für die OP vorbereiten. "Heute klappt das ganz bestimmt! Aber ein paar Minütchen müssen Sie noch warten, vorher ist erst eine andere Operation dran." Als sich endlich um 12 Uhr die Tür öffnete und eine Pflegerin mir eine Beruhigungspille anbot, hätte ich fast die dreifache Ration gefordert. Doch als sie sagte, dass es "in einer Minute" zur Narkose ginge, verzichtete ich völlig auf die Tabletten. Es sollte zwar noch zehn Minuten dauern, aber so kleinlich will ich nicht sein. 
 
Um 13.15 Uhr schlug ich im Aufwachraum die Augen auf. "Nun müssen wir Sie ein paar Minütchen beobachten, dann können Sie auf Ihr Zimmer zurück." Dort traf ich um 14 Uhr ein. Und durfte endlich ein Sandwich und einen Müsliriegel essen. Auch meine Leibwache, die mich abholen und 24 Stunden ununterbrochen beobachten sollte, war pünktlich um 14.30 Uhr zur Stelle. Wir wollten gehen. "Moment! So schnell geht das nicht! Sie müssen erst noch zwei Stunden auf der Station bleiben." 
 
Um 16 Uhr wollten wir gehen. "Moment! So schnell geht das nicht. Sie müssen erst beide zum Narkosearzt unten in der 2. Etage." Der Narkosearzt stellte ein paar Fragen, die ich zu seiner Zufriedenheit beantwortete. Wir wollten gehen. "Moment! Erst müssen Sie nochmal zur HNO-Ambulanz im Erdgeschoss." Wir marschierten zur HNO-Ambulanz, aber die Tür war verschlossen. Zum Glück erwischte ich auf dem Flur eine Assistenzärztin. "Moment! Erst muss der Professor einen Blick auf Ihre Unterlagen werfen, warten Sie bitte eine Minute." 
 
Wundert es irgendjemand, dass daraus 60 Minuten wurden, obwohl ich vergeblich zwei weitere Mediziner befragte? Und dass ich immer nervöser wurde, weil ich fürchtete, es gäbe schlechte Nachrichten? Dann eilte der Professor gefolgt von einem ganz Schwarm von Medizinern durch den Flur. "Geht es Ihnen gut? Schön. Warten Sie bitte noch ein paar Minuten, wir haben vorher noch eine wichtige Besprechung." Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem meine Leibwächterin Mordgelüste überkamen. 
 
Nach weiteren 30 Minuten wurde ich dann tatsächlich zur Privataudienz und zur Abschlussuntersuchung gebeten. Außerdem erhielt ich Informationen über den Grund der letzten Verzögerung. Den konnte ich dann allerdings nachvollziehen. Die Geschäftsleitung hatte alle Betroffenen zusammen getrommelt und ließ ihnen kurzfristig mitteilen, dass die HNO-Abteilung der Klinik aufgelöst wird. Als Ersatz soll in Buer eine neue Abteilung aufgebaut werden. Nun begriff ich auch, warum einige Ärztinnen und Sekretärinnen Tränen in den Augen hatten. 
 
Und was wird mit mir? Mein Professor hat gekündigt und wechselt zum Elisabeth-Hospital nach Bochum. Ich auch. Wenn die Ergebnisse der Gewebeproben vorliegen, wird sich zeigen, wie es weitergeht. Falls bis Freitag kein Anruf kommt, ist soweit alles im Lot. Dann muss ich Ende September zur nächsten Kontrolle. Immerhin: "Nach dem Augenschein sieht es gut aus." 
 
Nicht viel Stoff zum Schmunzeln, was? Dann schiebe ich schnell noch zwei Weisheiten hinterher. "Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn", steht in Psalm 113. Eartha Kitt folgert daraus: "Die Bibel erlaubt das Fluchen erst nach Sonnenuntergang. Ungläubige dürfen früher anfangen." Was war ich gestern froh, dass ich ein ungläubiger Klaus-Dieter bin. . . 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1261 vom 12. 8. 24

Jetzt ist ihre Zeit gekommen. Gemeinsam mit dem Pflaumenkuchen haben Wespen Hochsaison. Längst nicht bei allen sind sie beliebt. Das liegt zum einen an ihrem Trikot in einer höchst unvorteilhaften Farbkombination, zum anderen daran, dass sie einen Stachel besitzen und ihn auch nicht zögern, ihn einzusetzen. Einen Stich verpasst hat mir dagegen keine Wespe, sondern die Süddeutsche Zeitung. Im Streiflicht vom Samstag ist sie mir bei diesem Thema zuvor gekommen. Und hat das so gut gemacht, dass ich mich am Ende auf einen kleinen persönlichen Beitrag beschränken werde und ansonsten die SZ-Kollegen zitiere.
 
"Jetzt mal ernsthaft und vor allem ohne Ressentiments und die obligatorische Häme: Wespen sind schön. Gemeint ist hier selbstverständlich die Deutsche Wespe (Vespula germanica), deren edle Gestalt andere Wespen, vor allem jene mit Migrationshintergrund, plump wie Erdhummeln (Bombus germanica) aussehen lässt. Ihre schwarz glänzenden Facettenaugen sind betörend und haben schon manchen Jüngling ins Verderben gelockt, und die schlanke Wespentaille stürzt jedes Supermodell in Selbstzweifel. (...)
 
Übrigens sind die Deutschen Wespen allesamt Fans von Borussia Dortmund. Einige von ihnen, vor allem die Königinnen, spekulieren mit BVB-Aktien und sind jetzt verschnupft wegen des Verkaufs von Niclas Füllkrug. So anmutig sind Wespen, dass jeder Poet beim Gedanken an sie ins Reimen kommt. Der Dichter Georg Britting hat gar liebestriefende Wespen-Sonette geschrieben, in denen er schwärmt: 'Die Wespe trinkt, bei jedem Zug rührt/Die Brust sich ihr, spannt sich das enge Mieder,/Das ihre fräuleinshafte Hüfte schnürt.' Tja, das klingt ein wenig patriarchalisch, man wird es vielleicht nicht auf Schulfassaden schreiben. Über dem Einflugsloch eines Wespennests aber macht es sich gut.
 
Aller Anmut zum Trotz gibt es Menschen, die beim Anblick einer Wespe keine Kuschelreflexe verspüren. Für manche sind diese Insekten so furchterregend wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann für Putin.(...) So ein Wespenstachel ist kein Pappenstiel, was die Popularität von Vespula germanica auf das Niveau von Krokodilen und Ampel herabsenkt.
 
Wie stets, wenn es um die Furch vor dem Andersartigen geht, stachelt die Bild-Zeitung die Ängste des besorgten Bürgers an. 'Immer mehr Wespen, Bienen und sogar Hornissen nisten sich in Pkw und Lkw ein', meldet das Blatt und beschreibt eine 'Horrorvorstellung': Der Mensch öffnet den Kofferraum und sogleich stürzt sich ein Wespenschwarm auf ihn. (...) 
 
Für jeden Autofahrer ist es eine Horrorvorstellung, sein Herzensgefährt stilllegen zu müssen, bis die Wespenkönigin ihr Brutgeschäft erledigt hat. Da kann er ja gleich die Grünen wählen. Andererseits ist es den Insekten nicht zu verübeln, wenn sie ihren Staat im Kofferraum errichten. Wo sollen sie sonst hin? Auf dem Land leben die Bauern mit ihren Giftspritzen, und gegen deren chemische Waffen ist kein Kraut gewachsen. Überhaupt ist die freie Natur für Tiere ein lebensgefährlicher Aufenthaltsort. Deshalb sagen kluge Wespen: Besser im Auto leben als auf der Windschutzscheibe kleben." 
 
Und nun folgt mein heute kleiner, aber dafür stichhaltiger Beitrag: 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1260 vom 11. 8. 24

Für ein NABU-Mitglied drängt es sich geradezu auf, sich mit Weisheiten zu befassen, die uns in Einklang mit der Natur bringen sollen. 
 
So riet einst Clara Schumann: "Nehmt Euch ein Beispiel an dem Vogel, der den Tag mit einem Lied willkommen heißt." Ich tendiere aber zu Jack London, der sagte: "Es ist ein Glück, dass die Vögel nur im Frühjahr lärmen." Das spricht mir am frühen Morgen aus der Seele, wenn ich wegen des Vogelgebrülls Ohrstöpsel benötige, um weiterschlafen zu können. 
 
Auch Gregor Mendels These mag stimmen: "Die Natur belohnt den reich, der sich um sie bemüht." Da ich aber mehr ein Gartengenießer als ein Gartenarbeiter bin, denke ich wie der chinesische Weise Li Liweng: "Wer seinen Garten nicht bestellt, kann immer noch beim Nachbarn ernten." Nun wird's blümerant. Bettina von Arnim: "Blumen machen Freude, denn sie sind die Liebesgedanken der Natur." Das kann Stephen King noch steigern: "Blumen machen am meisten Freude, wenn man sie auf jemandes Sarg legen kann." 
 
Noch nie habe ich derart viele Schnecken gesehen wie in diesem Jahr. Dazu meint Pema Chödrön: "Auch von der Schnecke können wir etwas lernen: Achtsamkeit, Vorsicht, Geduld." Joachim Ringelnatz begegnet den Schnecken lyrisch: "Wenn Du einen Schneck behauchst, schrumpft er ins Gehäuse; wenn Du ihn in Cognac tauchst, sieht er weiße Mäuse." 
 
Zum Schluss noch etwas für Menschen, die an einer Überdosis Romantik leiden. Sie fordert Walt Whitman auf: "Warte nicht, dass das Unwetter vorüberzieht, sondern lerne, im Regen zu tanzen." Doch davor warnt Douglas Adams: "Leute, die gern im Regen spazieren gehen, freuen sich auch, wenn man sie später in der Psychiatrie besucht." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1259 vom 10. 8. 24 

Es vergeht kein Tag, an dem nichts über den amerikanischen Wahlkampf und die Pöbeleien von Donald Trump in der Zeitung steht. Jetzt warnte Präsident Biden davor, dass Trump auch eine weitere Wahl-Niederlage wohl nicht anerkennen und womöglich zu einem "Blutbad" aufrufen werde, das er bereits angekündigt habe. Das zeigt, wie gefährlich dieser Psychopath ist, auch wenn man hierzulande oft über den Unsinn lacht, den Trump verzapft. 
 
Dabei vergisst man schnell, dass es vor gar nicht so langer Zeit bereits schon einmal einen amerikanischen Spitzenpolitiker gegeben hat, der beim Schwafeln von Nonsens durchaus mit Trump konkurrieren konnte. Ich meine den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dan Quayle. Hier eine kleine Auswahl von Zitaten, die Quayle zugesprochen werden. 
 
"Vor kurzem habe ich Lateinamerika besucht, und mir hat nur Leid getan, dass ich im Lateinunterricht in der Schule nicht besser aufgepasst habe, denn sonst hätte ich mich mit den Leuten dort unterhalten können." 
 
"Der Holocaust war eine furchtbare Zeit in der Geschichte unserer Nation. Äh, ich meine, in der Geschichte unseres Jahrhunderts. Aber wir alle haben in diesem Jahrhundert gelebt. Ich habe nicht in diesem Jahrhundert gelebt." 
 
"Der Mars befindet sich im Grunde genommen in der gleichen Umlaufbahn... Der Mars ist etwa gleich weit von der Sonne entfernt, was sehr wichtig ist. Wir haben Bilder gesehen, auf denen, wie wir glauben, Kanäle und Wasser zu sehen sind. Wenn es Wasser gibt, dann gibt es dort auch Sauerstoff. Wenn es Sauerstoff gibt, dann können wir dort auch atmen." 
 
Immerhin hat Quayle offenbar Donald Trump vorausgeahnt: "Ich glaube, der Trend hin zu mehr Freiheit und Demokratie ist nicht mehr aufzuhalten - aber das könnte sich jederzeit ändern." Zur Frage, ob der Mann wenigstens bis drei zählen konnte, folgendes Zitat: "Die Aufgaben eines Vizepräsidenten lassen sich mit einem einzigen Wort beschreiben: 'Sei allzeit bereit!' " 
 
Zum Schluss sage ich aber: Wo er recht hat, hat er recht. "Es ist eine Verschwendung, seinen Verstand zu verlieren. Überhaupt keinen Verstand zu haben, ist ebenfalls Verschwendung. Dem kann man nur zustimmen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1258 vom 9. 8. 24

Es gibt Menschen, die gelten als Künstler von Weltgeltung. Zu den größten zählt neben Beethoven und Goethe auch William Shakespeare. Da ist es interessant zu wissen, dass längst nicht alle diese Lichtgestalt so toll fanden. Hier ein paar persönliche Urteile über den britischen Dramatiker von Zeitgenossen, Kollegen und Neidern. 
 
Dr. Samuel Johnson meinte: "Shakespeare hat nicht einmal sechs Zeilen zusammenbekommen, ohne dabei einen Fehler zu machen. Vielleicht auch sieben, wenn man lange genug sucht, aber das kann meinen Eindruck von ihm nicht widerlegen." Ähnlich dachte der Philosoph Voltaire über Shakespeares gesammelte Werke: "Ein einziger, großer Misthaufen." Und auch bei Leo Tolstoi drängt sich der Verdacht auf, dass er den Briten nicht besonders schätzte: "Primitiv, unmoralisch, vulgär und dumm." 
 
Am härtesten sprangen aber seine englischen Kollegen mit Shakespeare um. Der Dramatiker Robert Greene urteilte über ihn: "Ein Parvenü, der sich jetzt mit unseren Federn schmückt." Auch der Schriftstellerin Elizabeth Forsyth fiel nichts Positives ein: "Ein Speichellecker, ein Schmeichler, ein Ehebrecher, ein plärrender, unlogischer Mensch." Zwei britische Dichter gingen ebenfalls nicht gerade poetisch mit ihrem berühmten Kollegen um. Walter Savage Landor: "Die Sonette sind heißblütig und schwülstig, sie bieten vieles, aber keine Feinheiten, wie Himbeermarmelade ohne Sahne, ohne Kruste, ohne Brot." Auch Edward Young rümpfte die Nase: "Shakespeare? Im großen und ganzen hat er nur Schrott geschrieben." 
 
"Hater" gibt es nicht erst seit dem Eintritt ins Internet-Zeitalter. Schon vorher gehörte George Bernhard Shaw dazu: "Mit Ausnahme von Homer hasse ich keinen berühmten Schriftsteller - nicht einmal Sir Walter Scott - so sehr wie Shakespeare, wenn ich meinen Verstand mit seinem vergleiche. Ich würde ihn am liebsten ausgraben und mit Steinen bewerfen." Hat denn wenigstens ein Naturwissenschaftler wie Charles Darwin einen nüchternen, objektiven Blick auf seinen Landsmann? Mitnichten. "Ich habe vor kurzem versucht, Shakespeare zu lesen, fand ihn aber so unglaublich langweilig, dass mir schlecht geworden ist." 
 
Nun ja, es ist doch tröstlich zu lesen, dass auch große Geister Beschimpfungen ausgesetzt sind. Gerade für kleine Schmunzelpost-Schreiber. So kann ich bei der nächsten vernichtenden Kritik denken: "Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier!" ("Hell is empty, And all the devils are here", aus "Der Sturm - the Tempest" von William Shakespeare) 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1257 vom 8. 8. 24

Ein knallharter Kerl wie ich ist auch hart im Nehmen. Dennoch bringen sogar jemand, der dank der Schmunzelpost die Weisheit gepachtet hat, Kliniktermine hart an die Grenze der Nervenkraft. Denn neben den körperlichen und psychischen Belastungen wurden bei mir zuletzt zwei Dinge besonders strapaziert: Das Sitzfleisch und mein Geduldsfaden. 
 
Das fing am Dienstag mit der Voruntersuchung für die bevorstehende OP im Gelsenkirchener Marienhospital an. Denn genau wie ein Mitpatient war ich frühmorgends pünktlich zur Stelle. Bloß von der Sekretärin des Chefarztes, die uns mit dem üblichen Laufzettel auf unsere Runde durchs Krankenhaus schicken sollte, fehlte jede Spur. Nach längerem geduldigen Warten erkundigte ich mich im HNO-Labor. Und bekam die Auskunft: "Die Kollegin fängt heute eine Stunde später an. Aber auch ich kann ihnen ja stattdessen den Laufzettel anfertigen." Danke dafür. Doch ein Zettel vor der verschlossenen Tür hätte verhindern können, dass wir dort fast eine ganze Stunde vergeblich herumgesessen hätten. 
 
Das Sitzen auf der Wartebank sollte weiter zur Dauerbeschäftigung werden. Denn die obligatorische Aufklärung durch einen Narkosearzt über mögliche Risiken verzögerte sich, weil von drei Ärztinnen nur eine vor Ort war. Danach zurück zum Labor. Und wieder abwarten, bis sich eine Tür öffnete und mein Name aufgerufen wurde. Diesmal verbarg sich dahinter zum Glück nicht der berüchtigte kleine Vampir. Nein, ein Assistenzarzt mit Namen Mohammed bewies, dass selbst Männer flink und schmerzfrei Blut abnehmen können. Dann noch rasch (rasch? Ha, ha, ha!) zum EKG und schon ging es zum Abschlussgespräch mit dem Chefarzt. 
 
Doch das konnte leider nicht stattfinden, weil immer noch zwei Laborwerte fehlten. "Die werden gleich eintrudeln", versprach die Sekretärin, "ich kriege die Ergebnisse dann sofort auf meinen PC." "Sofort", das habe ich bei früheren Klinikterminen gelernt, ist ein dehnbarer Begriff. Nach einstündigem Warten erbarmte sich die Sekretärin: "Ich rufe mal im Labor an und frage, was los ist." Es war leider gar nichts los. Die Auswertung ließ auf sich warten, weil meine Probe auf halber Strecke irgendwo liegengeblieben war. Dank eines Machtwortes der Sekretärin kamen die Resultate dann aber innerhalb von zehn Minuten. "Das wäre geschafft", dachte ich auf der Heimfahrt, nachdem ich dreimal länger Klinikluft geschnuppert hatte als erwartet, "schlimmer kann es morgen nicht mehr kommen." 
 
Oh, doch! Um 7.30 Uhr sollte ich mich zur OP einfinden - Höchststrafe für einen Morgenmuffel, der seinen Wecker zähneknirschend auf 5.30 Uhr gestellt hatte. Na, immerhin bin ich dann wahrscheinlich der Erste auf dem OP-Tisch und darf unter fürsorglicher Aufsicht gegen Mittag die Klinik wieder verlassen. Ab 8.05 Uhr lag ich im schicken OP-Hemd auf meinem Bett und wartete darauf, zum Narkose-Raum gebracht zu werden. Und um 8.25 Uhr öffnete sich die Zimmertür und ein Pfleger kam herein. Doch nicht, um mich in den OP-Trakt zu rollen, sondern um einen Neuankömmling vorzubereiten, der um 8.30 Uhr seinen Termin hatte. 
 
Bereits um 8.45 Uhr kehrte der Pfleger zurück. Aber mich ließ er links liegen und beförderte stattdessen meinen Bettnachbarn zu dessen Hand-Operation. Ich blieb enttäuscht zurück. Um 10 Uhr schreckte ich auf, als jemand an die Tür klopfte. Doch diesmal war es eine Art Hausmeister, der nur die Fenstervorhänge abnahm. Endlich, um 10.50 Uhr, kam eine Krankenschwester zu mir: "Sie wundern sich vielleicht, dass Sie noch nicht dran gewesen sind. Gerade hat der Professor angerufen. Es gibt Probleme mit den Aufwachplätzen. Es kann noch bis 13 Uhr oder 13.30 Uhr dauern, bis Sie an der Reihe sind. Wir sagen Ihnen sofort Bescheid, wenn es etwas Neues gibt." 
 
Na, herzlichen Glückwunsch. Also wieder mal warten. Diesmal wenigstens im Liegen und nicht im Sitzen. Mehrfach richtete ich mich erwartungsvoll auf, wenn sich die Tür öffnete. 12.10 Uhr: Die Vorhänge kamen zurück und wurden aufgehängt. 12.20 Uhr: Ein Pfleger steckte den Kopf in den Raum, schaute mich an, sagte "Nein!" und verschwand wieder. 12.35 Uhr: Mein Bettnachbar wurde nach erfolgter OP zurückgebracht. 12.40 Uhr: Mein Magen knurrte vernehmlich. 12.45 Uhr: Ein Pfleger fragte meinen Bettnachbarn, ob er Appetit auf ein köstliches Sandwich habe. Hatte er. Sogar auf zwei. Mein Magen knurrte noch lauter. Der Pfleger forderte meinen Bettnachbarn auf: "Passen Sie auf, dass Ihnen das Sandwich nicht geklaut wird. Der da muss vor der OP nüchtern bleiben." Ha, ha, ha. 
 
13.15 Uhr: Der lustige Pfleger kam mit einer ernsten Nachricht an mein Bett: "Der Professor möchte Sie unten im Sekretariat sprechen. Sie können sich wieder anziehen. Aus der OP wird heute nichts." 13.45 Uhr: Nach einer halben Stunde im Wartezimmer (seufz) bat mich der Professor herein und entschuldigte sich mehrfach. Sämtliche Aufwachplätze seien durch andere Abteilungen blockiert worden, er habe deshalb alle drei Operationen ausfallen lassen müssen. Ob mir der kommende Montag als Ersatztermin recht sei? 
 
Außer Spesen nichts gewesen. Ich lag bloß dumm herum. Aber eine Erkenntnis habe ich gewonnen. Die Klinik hat sich offenbar mit einem multiresistenten verhängnisvollen Keim infiziert - dem Deutsche-Bahn-Virus! 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1256 vom 7. 8. 24 

"Drum prüfe, wer sich ewig bindet..." Die Weisen unter uns haben entweder auf eine Eheschließung verzichtet oder waren bei der Partnerwahl sehr vorsichtig. Das ist auch gut so, wenn man bedenkt, was allein bei der Hochzeit schon schiefgehen kann. 
 
Schauen wir nur einmal zurück ins Jahr 1994. Genau vor dreißig Jahren im August brach sich der frischverheiratete Gregory McCloud aus Minnesota die Wirbelsäule, als er seine 127 Kilogramm schwere Braut Helen über die Türschwelle tragen wollte. Dabei erlitt der 64 Kilogramm schwere Bräutigam nach Angaben der Mediziner ähnlich schwere Verletzungen wie jemand, der von einem Auto angefahren wurde. 
 
Liebesheiraten waren beim Hochadel früher die Ausnahme. So fiel der britische König Georg IV. fast in Ohnmacht, als er am Tag vor seiner Hochzeit erstmals seiner korpulenten, hässlichen und etwas streng riechenden künftigen Gemahlin Karoline von Braunschweig-Wolfenbüttel näher kam. In der Hochzeitsnacht betrank er sich fast bis zur Besinnungslosigkeit, um die Ehe gebührend besiegeln zu können. Danach ging das Ehepaar getrennte Wege und versuchte kein einziges Mal mehr, die gegenseitige Abscheu voreinander zu verbergen. 
 
Notiz am Rande: Als Napoleon Bonaparte auf St. Helena starb, eilte ein Bote zum König und überbrachte ihm die Neuigkeit mit den Worten: "Majestät, Euer größter Feind ist tot!" George zog einen Trugschluss: "Mein Gott, ist sie es wirklich?" Fairnesshalber möchte ich an dieser Stelle hinzufügen, dass die Frauen oft noch viel schlechter dran waren. Wenn man allein an Ludwig, den XIV. denkt: Der Sonnenkönig hat nur einmal im Leben gebadet, stank nicht nur aus dem zahnlosen Mund ganz entsetzlich und war zudem übergewichtig, um nicht zu sagen fett. Wieviel Selbstüberwindung mussten da erst seine zahlreichen Mätressen aufbringen? 
 
Besonders tragisch endete das Missverständnis, das einem frischgetrauten Ehepaar in Australien im September 1993 widerfuhr. In Brisbane heiratete die deutschstämmige Amy Weltz ihren Verlobten Chas. Nun ist es auf dem fünften Kontinent üblich, dass sich ein frisch verheiratetes Paar gegenseitig die Hochzeitstorte ins Gesicht schmiert. Aber als der Gatte seiner Liebsten ein ordentliches Stück Kuchen ins Antlitz rieb, schlug ihm die brauchunkundige Amy eine Flasche über den Kopf. Und ihr Mann war sofort tot. Ob sie wohl Anspruch auf Witwenrente hat? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1255 vom 6. 8. 24

Weise, weiser, am weisesten? Jeden Tag werden wir klüger. Ein bisschen geht aber noch. Zunächst wird's wieder giftig, denn der Schlagabtausch zwischen Frau und Mann findet eine Fortsetzung. 
 
So merkt Martin etwas zu der absoluten Ehrlichkeit eines Paares an, das sich nach erstem Kennenlernen schnell unsympathisch wurde. Sie entnervt: "Wenn Sie mein Mann wären, würde ich Ihnen Gift geben!" Er genervt: "Wenn Sie meine Frau wären, würde ich's nehmen!" Dazu passt auch: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", glaubt Giorgio Vasari. Und Gesche Gottfried knüpft daran an: "Wenn Sie dieses Bild sehen, verstehen Sie, warum ich ihn umbringen musste?" Ein türkisches Sprichwort sagt: "Drei Dinge kommen nicht zurück: Das gesprochene Wort, der verschossene Pfeil und die versäumte Gelegenheit." Johannes Fischart geht es aus anderen Gründen nicht gut: "Drei Verhängnisse kehren immer wieder: Das Kopfweh am Morgen, zu Mittag das Bauchgrimmen und bei Nacht meine Frau." 
 
Jetzt wenden wir uns dem Goldenen Lebensabend zu. Da das Gold jedoch schnell abblättert, hilft beim Altern grimmiger Humor. Ein Sprichwort behauptet: "Die Zeit heilt alle Wunden." Hildegard Knef bezweifelte das: "Angeblich kann die Zeit Wunden heilen, aber ein paar Falten glätten, dazu reicht es nicht!" Elisabeth von Österreich, bei uns besser bekannt als Sissi, sagte: "Wohlgeratene Kinder sind des Alters Trost." Weniger wohlgeraten war wohl Dan Akkroyd, denn er empfielt: "Ein charmanter Weg, sich bei Schwiegereltern beliebt zu machen, ist, ihnen einen Demenztest vorzuschlagen." 
 
Von Cicero stammt der Satz: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Georges Simenon wusste es besser: "Nicht die Hoffnung stirbt als Letzte, sondern der reiche Onkel." Wo der Tod und der Onkel unterwegs sind, ist die Tante nicht weit entfernt. Epiktet: "Nicht der Tod selbst ist schrecklich, nur die Vorstellung davon." In diese Kerbe schlug auch Martha Grimes: "Der Tod ist nichts Schreckliches, ganz im Gegenteil, liebe Erbtante!" 
 
Ja, so ist der Mensch. Denn während in der Bibel steht: "Bleibe bei uns, denn es will Abend werden", denken die Angehörigen oft wie Eddie Murphy: "Den Opa auf die Eisscholle setzen und ins Meer schieben, wie es die Eskimos tun, wann dürfen wir das endlich?" 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1254 vom 5. 8. 24

Seid Ihr schon ein wenig weiser geworden? Das reicht noch nicht. Heute gibt es ein paar Beispiele, die zeigen, dass die Sicht auf das Leben davon abhängt, ob man als Lerche oder Eule, als Frau oder Mann geboren wurde. 
 
Sonst mochte ich Jacques Tati zwar lieber als ihn, aber dieser französische Filmstar spricht mir aus der Seele. Dem irreleitenden Sprichwort "Morgenstund hat Gold im Mund" hält Jean-Paul Belmondo entgegen: "Morgens kommt mir der Tagesbeginn meistens ungelegen." 
 
Und auch zu einem alten Säufer und rüden Poeten aus den USA entdecke ich eine gewisse Seelenverwandtschaft. So meint Isabel Peron: "Frauen packen an, während Männer noch reden." Doch Charles Bukowski weiß: "Wer noch redet, während die anderen anpacken, entspannt sich und lebt länger." Treffend finde ich auch diesen konstruierten Dialog. William Bradford: "Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau." Meg Whitman: "Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein verwunderter Mann." 
 
Zwei habe ich noch. Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte befand: "Die Ehe beflügelt den Mann, ja, sie wirkt lebensverlängernd." Peter Sellers sieht das ganz anders: "Manche Männer, von denen man meint, sie seien längst tot, sind bloß verheiratet." 
 
Und zum Schluss enthalte ich mich vorsichtshalber eines Kommentars. Denn Alessandro Manzonie urteilt zwar: "Der Engel der Familie ist die Frau." Aber die Ägypter stellen eine interessante Frage: "Warum gibt es nur sanfte junge Mädchen und nur zänkische alte Weiber?" 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1253 vom 4. 8. 24

Ist es nicht unser gemeinsames Ziel, möglichst weise zu werden? Aus diesem Grund schmökere ich immer noch in dem Buch "Die größten Weisheiten der Welt und ihr noch weiseres Gegenteil". Außer der philosophischen Erkenntnis "Ich weiß, dass ich nichts weiß", habe ich als Journalist gelernt, dass jedes Ding mindestens zwei Seiten hat. Daher bereitet mir die Gegenüberstellung von weisen Zitaten und den passenden Antworten großen Spaß. 
 
So gilt als Zen-Weisheit: "Vor der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen. Nach der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen." Ich neige mehr zur pragmatischen Antwort darauf von Robin Williams: "Vor der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen. Nach der Erleuchtung: Heizung anwerfen, Wasserhahn aufdrehen." 
 
Noch eine journalistische Erkenntnis: Alles ist relativ. Dies unterstreichen die folgenden beiden Zitate. Bertolt Brecht sagte, auch mit Blick auf Deutschland: "Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden." Historisch korrekt hielt Douglas MacArthur entgegen: "Das große Rom führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch schwach. Nach dem zweiten wurde es machtvoll. Nach dem dritten beherrschte es die Welt." 
 
Zum Schluss aus gegebenem Anlass noch etwas zum goldenen Lebensabend. Martin Buber ermutigte uns: "Altsein ist ein herrlich Ding." Doch Dieter Hildebrandt fand ein Haar in der Suppe: "Selbstverständlich bejahe ich das Alter! Nur dass andere jünger sind als ich, kann ich nicht akzeptieren." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1252 vom  3. 8. 24

Nach einem Ausflug in den Grugapark an einem sonnigen Tag stand gestern noch ein sportlicher TV-Abend an. Hurra, die 2. Liga spielt wieder! Und auch bei Olympia in Paris war einiges los. So viel, dass ich bis kurz vor 24 Uhr vor dem Fernseher festklebte. Kein Wunder also, dass es gleich noch einmal um Olympia geht. Aber nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um Kuriositäten. 
 
Einst waren Olympische Spiele wohl viel gemütlicher. Jedenfalls gewann der australische Ruderer Bobby Pearce 1928 sein Finale gegen acht Konkurrenten - und das, obwohl er zwischendurch anhielt, um Enten vor sich vorbeiziehen zu lassen. Inzwischen sind die Athleten nach den Wettkämpfen jedoch mitunter nervlich am Ende. So pfefferte 2012 in London ein Bogenschütze seine Goldmedaille zu Boden, weil bei der Siegerehrung seine Nationalhymnie falsch gespielt wurde.
 
 Aber auch früher gab es schon Mimosen und Weicheier. Bei den Olympischen Spielen 1920 in Athen weigerte sich ein Großteil der italienischen Wasserball-Mannschaft gegen das schwedische Team anzutreten. Nein, die hatten keinen Elch dabei. Aber den Italienern war das Wasser zu kalt. Nur der italienische Kapitän sprang fröstelnd ins Becken. Beim Spielstand von 0:7 gab er aber vorzeitig auf. 
 
Ein ganz anderes Problem mit dem Wasser hatte Eric Moussambani. Durch eine Wildcard durfte Äquatorialguinea einen Sportler zu den Olympischen Spielen 2000 nach Sydney entsenden. Der damals 22-jährige Moussambani sollte nun sein Land in der Disziplin 100 Meter Freistil vertreten. Die Sache hatte einen Haken: Er konnte gar nicht schwimmen. Im Schnellkurs ließ er sich das Kraulen beibringen und legte Trainingssonderschichten ein. So schaffte er dann die 100 Meter in einer Zeit von 112,72 Sekunden. Das war zwar mehr als das Doppelte des Weltrekords, aber trotzdem gilt der neue Landesrekord bis heute in Äquatorialguinea. 
 
Nur gut, dass das IOC bisher nicht auf die Idee kam, Wildcards für den Abfahrtslauf der Winterspiele in den Kongo zu vergeben. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1251 vom 2. 8. 24

Allerorten grassiert der Schwachsinn. Gefüttert von den "sozialen Medien" gewinnen die absurdesten Theorien und Verschwörungslegenden stetig neue Anhänger. Und selbst die Schmunzelpost steht mit ihren Aufklärungsbeiträgen auf verlorenem Posten. Obwohl hier bereits die hartnäckig vertretene Behauptung von der Erde als Scheibe als Flachsinn bzw. Schwachsinn gegeißelt wurde, konnten seitdem die Verbreiter dieses Wahnsinns weltweit noch mehr Menschen überzeugen. Und wie die jüngste Ausgabe von National Geographic berichtet, ist dies beileibe nicht die einzige wilde Spekulation, auf die Leute hereinfallen. Auch anderer skuriller Quatsch hält sich hartnäckig oder breitet sich sogar noch aus. 
 
Besonders angetan hat es mir die Mär, dass Reptiloiden die Erde beherrschen. Traurig, dass ein Journalistenkollege Urheber dieser rechts-esoterischen Verschwörungstheorie ist. Der britische Sportjournalist David Icke verfasste 1999 das Buch "The Biggest Secret". Darin verriet er, dass sich multidimensionale, reptilienähnliche Wesen durch Formveränderung in Menschen verwandeln können. Das tun sie, um Schlüsselpositionen in der Politik und Finanzwelt zu übernehmen. Blutrünstige Zeremonien helfen ihnen, an der Macht zu bleiben. Und sie schrecken vor nichts zurück: Selbst Queen Elizabeth, Barack Obama und Angela Merkel sollen laut Icke Reptilien sein. Wobei die Frage bleibt, ob nach Elisabeths Tod nun King Charles als Chamäleon auf dem Thron sitzt. Völlig irre und unglaubwürdig? Nach jüngsten Untersuchungen glauben das vier Prozent aller US-Amerikaner. Aber noch viel mehr glauben ja auch, dass Donald Trump der beste Präsident aller Zeiten ist... 
 
Wusstet Ihr, dass wir tatsächlich erst im Jahr 1723 leben? Das war mir auch neu. Aber der Bayer Heribert Illigs hat herausgefunden, dass 300 Jahre Menschheitsgeschichte zwischen dem Jahr 700 und dem Jahr 1000 bloß erfunden worden sind. Dies geschah angeblich, weil Kaiser Otto III. unbedingt im Jahr 1000 an der Macht sein wollte, da dann nach heiligen Prophezeiungen der Messias auf die Erde zurückkehren würde. Wahrscheinlich stammt unser Ostfriesen-Otto von Otto III. ab und hat sein Talent für Komik von ihm geerbt. Aber auch den alten Ägyptern möchte Illigs ein paar Jährchen klauen - insgesamt sogar 2000! 
 
Immer wieder schön: Paul Mc Cartney ist seit langem tot, aber Elvis lebt! Mit dem Abbey-Road-Plattencover und Textfragmenten, die man hören soll, wenn Beatles-Songs rückwärts gespielt werden, belegen die Verfechter des frühen Ablebens, dass der Pilzkopf Paul bereits seit mehr als 50 Jahren nicht mehr unter uns weilt. Ich kann nur sagen: Respekt! Da hat man als Ersatz aber einen verdammt guten Doppelgänger gefunden! Und Elvis Presley? Der hat wegen der Bedrohung durch die Mafia seinen Tod bloß vorgetäuscht, sich jedoch seither immer mal wieder sehen und fotografieren lassen. Es gibt auch Spekulationen, dass er als Zeitreisender 2033 ein glanzvolles Comeback feiern wird. Rock'n Roll will never die! 
 
Nun im Schnelldurchlauf zu den weniger lustigen Mythen, weil sie dazu beitragen sollen, das Vertrauen in die Demokratie und die Regierenden zu zerstören. Am erfolgreichsten ist die "Theorie vom großen Austausch", nach dem linke Kräfte mit Hilfe der Medien durch beschleunigte Einwanderung nationale Gesellschaften aushöhlen und multikulturell umformen wollen. Dabei helfen ihnen womöglich Chemikalien, die sie in die Atmosphäre streuen lassen. Was wir am Himmel sehen, sind nämlich keine Kondensstreifen von Flugzeugen, sondern Stoffe, die den Drahtziehern die Gedankenkontrolle ermöglichen. 
 
Da dieser Prozess nicht mehr zu stoppen ist, kann ich Euch ja ruhig schon die Wahrheit offenbaren. Es ist fast alles wahr! Wir sind nicht mehr aufzuhalten, so sehr Ihr auch wehklagt und jammert. Denn diese Schmunzelpost wurde schon vom Reptiloiden Elvis-Otto V.  geschrieben. 
 
Awopbobaloobob! 
reo 

 Schmunzelpost 1250 vom 1. 8. 24

Mein betagter Nachbar, der Herr K., hat etwas gründlich missverstanden. Das entnehme ich zumindest seinem Selbstgespräch, das er gestern Abend auf seinem Balkon führte. 
 
"Lieber Karl, alles Gute zu Deinem 125. Geburtstag! Wenn dat kein Grund zum Feiern is! Komm, getz zischen wir uns einen. Wenn einem so viel Gutet wiedafährt, dat is schon ein Gläsken Doppelherz wert! 
 
Wat sachst Du? Op ich dat schwüle Wetter nich vertrach und getz komplett ausgerastet bin? Nee, nee, Karl, war nur ein Spässken! Nix Doppelherz, wir gönnen uns ein kühles Pilsken. Und dat mit den Geburtstach war auch Quatsch. Du bis ja grad ers 89 geworden, obwohl Du an manche Tage wie 125 aussehen tust. Dann is dat elfte Pilsken wohl zuviel gewesen. 
 
Auffe 125 bin ich bloß gekommen, weil unsa ulkiger Nachbah da unten dauernt wat von 1250 murmeln tut. Aba so alt kann der doch noch ganich sein, oder? Aba mit die vielen Jubiläums und Gedenktage, da kannze schon ins Trudeln komm. Meine Güte, wat die zuletzt allet gefeiert ham! Aba im Grunde is dat doch imma dat Gleiche. Da werden ein paar Reden geschwungen, allet guckt bedeutungsvoll inne Kamera, un ein Tach später is allet schon wieda vergessen. 
 
Dat einzige Mal, dat sich dat mal fast richtich gelohnt hätte, war neulich innem Supermarkt. Da stand ich inne Schlange anne Kasse und son Jungspund fracht, ob er mich vorlassen soll. Ich hätt ja mit dat Kukident bloß ein Teil. "Dat is nett", sach ich, "aba lassen Se ma, ich bin Rentner und hab Zeit." Und als er anne Reihe is, gibt dat plötzlich ein Riesenbohei. Stell Dich vor, er war der millionste Kunde und kriechte ein Einkaufsgutschein von 1000 Euro. Hömma, da hätt ich mich glatt in Hintern beissen können! Aba erstens bin ich nich mehr so gelenkich und zweitens hatte ich wegen dat fehlende Kukident mein Gebiss nich drin. Son Ärger aba auch!  
 
Aba getz halt ma die Klappe, Karl, wir spitzen mal die Ohren. Vielleicht geht dat ja um den 1250. Besucher in dat Baumhaus. Un der kriecht dann ein Gutschein für einen Monat Mittachessen im Speisesaal vonnem Bürgerbahnhof. Oder, noch viel besser, 'ne Dauerkarte für Schalke 04!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1249 vom 31. 7. 24 

Alles okay bei Euch? Dann kann ich Euch ja erzählen, wo das "okay" und seine Abkürzung "O.K." vermutlich herkommen. Darüber hat jetzt nämlich ein schlauer Mensch ein 200 Seiten umfassendes Buch geschrieben. Wie bitte? Das haltet Ihr für übertrieben? Na, immerhin ist "okay" die am weitesten gebrauchte Sprachformel der Welt, die überall verstanden wird. Sogar in Arabien, Afrika und Asien. 
 
Doch wovon leitet sich die Abkürzung eigentlich ab? Die Spur führt nach Amerika. Dort benutzten bereits Ureinwohner, die Choctaw-Indianer, das Wort "okeh", das bei ihnen für "Jawohl!" stand. Nun ist es unwahrscheinlich, dass weiße Siedler so genau hinhörten und einen Begriff von Menschen übernahmen, die sie als "Wilde" diffamierten. 
 
Wahrscheinlicher wäre da schon, dass durch das Aufkommen der Telegrafie der Fachausdruck "open key" Pate stand. Doch jüngste Untersuchungen haben zu einem anderen Ergebnis geführt. 1839 taucht "o.k." zum ersten Mal in einer amerikanischen Zeitung auf. Danach verwendete die Boston Morning Post dieses Synonym immer wieder. Es wurde für "all correct" eingesetzt. Nun kann man einwenden, dass die Abkürzung dann doch "a.c." lauten müsste. Allerdings war es in jener Zeit, ähnlich wie heute, im östlichen Teil der USA modern, Worte orthographisch falsch zu verwenden, also so, wie sie in der Umgangssprache klingen. 
 
 Doch es gibt noch eine zweite gut begründete Theorie. 1840 bewarb sich der US-Präsident Martin van Buren um seine Wiederwahl. Er stammte aus dem Ort Kinderhook und bekam daher den Spitznamen "Old Kinderhook" verpasst. Und wie kürzt man das ab? Na, bitte! Seine Wahlkampf-Berater machten dann "O.K." zum Teil ihrer Kampagne. Was Old Kinderhook nichts nutzte - er verlor die Wahl. Aber "okay" blieb und wurde sogar von seinem Herausforderer benutzt. 
 
Ich persönlich bevorzuge ja eine andere Herleitung, die aus Deutschland stammt. Der Legende nach soll der Qualitätsprüfer Otto Krause einst ein O.K. hinter seine Berichte gesetzt haben. Als Bestätigung, das etwas geprüft und für gut befunden worden war. Leider gibt es dafür keinerlei Belege. Aber ich bin trotzdem zufrieden, wenn Ihr diese Schmunzelpost mit dem Qualitätssiegel "O.K." auszeichnet.    

Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur gestrigen Gender-Folge ergänzt Martin: "Warum sehen manche (bzw. viele) nicht ein, dass es grammatisch MASKULINE Wörter für jedermann gibt, genauso wie es FEMININE Wörter dutzendfach für jedermann gibt: z.B. Person, Memme, Waise, Kraft, Hilfe, Gefahr, Geisel, Stütze usw. (Herr Meier ist eine große Kraft/Stütze/Hilfe für unseren Betrieb! Kein Krafterich/Stützerich/Hilferich! Peter war die Geisel bei dem Bankraub, Thomas war schon mit 12 eine Waise! Kein Geiseler, kein Waiserich!). Bisher habe ich um die 25 Beispiele für Wörter gefunden, die weiblich mit "die/eine" gebildet, aber männlich gebraucht werden." 

 Schmunzelpost 1248 vom 30. 7. 24

Eigentlich wollte ich nicht mehr über das Gendern schreiben. Aber an manchen Themen kommt man nicht so leicht vorbei. Vor allem stinkt mir, dass das Gendern Wasser auf die Mühlen der Rechtsextremen ist. Zwar ist eine Mehrheit der Bürger aus allen politischen Lagern dagegen, aber vor allem der AfD kommt zugute, wie hier angeblich eine linke Minderheit den Menschen eine lebensferne Sprache aufzwingen will.
 
Im jüngsten Spiegel sind wieder ein paar aktuelle Blüten des Sprachirrsinns ausgestellt. So steht in der Geschäftsordnung des Stadtrats von Neuss der folgende Satz: "Der Rat bestellt auf Vorschlag der*des Bürgermeisterin*Bürgermeisters eine*n Bedienstete*n der Stadtverwaltung zum*zur Schriftführer*in." Also ehrlich, mehr Sterne gibt's doch nur noch in der Milchstraße. 
 
Und wenn die Berliner Linke Katalin Gennburg im Abgeordnetenhaus ernsthaft darüber spricht, dass Penisträger*innen gegenüber Sitzpinkler*innen einen privilegierten Zugang zu Stehpissoirs haben, da hat manch ein Zuhörer vor Lachen Schwierigkeiten, das Wasser zu halten. Leider hat der Spiegel recht: So erhalten rechte Einheizer perfekte Beispiele, um Stimmung zu machen gegen "Gender-Gaga". Statt Inklusion entsteht vor allem Aggression. 
 
Auf der anderen Seite gibt es kleine, in sich geschlossene Gruppen, meist in Großstädten oder an Universitäten, die genau auf korrekte Gendersprache achten und Verstösse sofort rügen. Auch Jüngere sind infiziert, wie die Pfadfinderinnen-Gruppe Prenzlauer Berg. Die Fünfzehnjährigen sagen, sie achteten gar nicht mehr darauf, geschlechtergerechte Sprache sei für sie völlig normal. Den Widerstand dagegen betrachten sie als "einfach nur peinlich." 
 
Diese modernen Pfadfinderinnen sind also auf ganz neuen Pfaden unterwegs. Wahrscheinlich hat ein Stern ihnen den rechten Weg gewiesen. Und ihre tägliche gute Tat haben die "Pfadys", wie sie sich selbst geschlechtsneutral bezeichnen, bereits vollbracht, wenn Ihr ab jetzt statt Briefträger "Postmensch" sagt.  Oder auch "jemensch" statt "jemand". 
 
Ich hingegen frage mich: Wie weit wird der Blödsinn*in noch führen? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1247 vom 29. 7. 24

Einigermaßen fassungslos bestaune ich ein Phänomen, dessen Ausmaße mir erst in den letzten Wochen bewusst geworden sind: Die Popularität von Taylor Swift. Nun hat es Fankult und die Verehrung musikalischer Idole schon länger gegeben, siehe beispielsweise Elvis, die Beatles oder Abba. Doch was sich da mit den sogenannten "Swifties" abspielt, sprengt alle Dimensionen. 
 
Nun kann und will ich das musikalische Schaffen von Taylor Swift nicht beurteilen. Bewusst habe ich noch kein Stück von ihr gehört, und auch nach anhaltendem Grübeln könnte ich keinen Songtitel nennen. Immerhin spricht sehr für die Dame, dass sie sich gegen Donald Trump engagiert. Normalerweise fände ich es nicht gut, wenn Menschen ihr Wahlverhalten durch Aussagen von Stars aus Film und Musik oder Fußballern beeinflussen lassen. In diesem Fall heiligt der Zweck die Mittel - es geht schließlich um die Abwendung einer Katastrophe, die die ganze Welt betreffen würde. 
 
Dass die Liebe der Swift-Gemeinde mitunter pseudoreligiöse Züge annimmt, hat auch die katholische Kirche aufgeschreckt. Auf den social-media-Kanälen von "katholisch.de" werden Christen auf die Probe gestellt. In einem Quiz sollen sie herausfinden, welche Zitate aus Swift-Songs stammen und welche in der Bibel stehen. Was meint Ihr? "Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch! Denn vorbei ist der Winter, verrauscht ist der Regen." Na, wie steht's? Taylor Swift oder die Bibel? Klare Antwort: So weit bisher bekannt ist, hat Taylor Swift das Hohelied Salomos nicht geschrieben. 
 
Die evangelische Kirche hat erfolgreich versucht, auf andere Weise die Anziehungskraft der Sängerin zu nutzen. Sie veranstaltete in Heidelberg zwei "Taylor-Swift-Gottesdienste" und lockte auf diese Weise 900 Gäste in die örtliche Heiliggeistkirche. Prompt wurde danach im sächsischen Mittweida ebenfalls ein Swiftie-Gottesdienst angeboten. 
 
Auf der Suche nach dem Katholiken-Quiz bin ich im Internet in etliche Taylor-Swift-Clips geraten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht eine einzige Frage beantworten konnte. Dabei hätte mich eine Lösung besonders interessiert: "Wie lauten die Namen der Katzen von Taylor Swift?" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bevor Ihr nicht in den Schlaf findet: Die Swiftie-Katzen heißen Meredith, Olivia und Benjamin. Unser Kater Milly hat das mit aufgestellten Ohren zur Kenntnis genommen. 
 

 Schmunzelpost 1246 vom 28. 7. 24

Beim Aufräumen des öffentlichen Bücherschranks habe ich mir jetzt selbst ein Büchlein gesichert, das interessanten Lesestoff versprach. Der Titel lautet: "Die größten Weisheiten der Welt und ihr noch weiseres Gegenteil." Autor Dietmar Bittrich hat darin nach dem Prinzip von Pro und Kontra Zitate gegenübergestellt. 

Hier folgen ein paar Kostproben. 
 
Barack Obama sagte: "Rücksicht ist der Schlüssel zu einem gelingenden Miteinander." Bette Middler hielt dagegen: "Wer nachts zu leise ist, hat selbst Schuld, wenn die anderen am Morgen ausgeschlafen sind." 
 
Bedenkenswert finde ich auch die Replik auf einen Satz von Rita von Coscia: "Wenn Du nur einem Mitmenschen das Leben erleichterst, bist Du gerecht vor Gott." Aber Jerry Seinfeld wies darauf hin: "Wer kräftig über andere lästert, braucht im Himmel nicht so nah bei Gott zu sitzen." 
 
Machen wir einen Abstecher nach Frankreich in eine revolutionäre Epoche. Damals meinte Jean-Jacques Rosseau: "Rücksicht heißt, dem anderen Zeit lassen und Raum gewähren." Robespierre sah das so: "Rücksicht heißt, den unter der Guillotine Liegenden nicht zu lange warten zu lassen." 
 
Nun werde ich aktueller. Im Grundsatzprogramm der Sozialdemokraten steht: "Frieden braucht das weltweite Engagement der Menschen für Völkerverständigung, für den Abbau von Waffen und Feindbildern." Das finde ich immer noch richtig. Aber was ist, wenn Autokraten wie Putin sich nicht an die Spielregeln halten? Selbst als Pazifist denke ich, dass manche uralte Einsichten vielleicht nicht völlig falsch sind. Denn ein römisches Sprichwort sagt: "Wer Frieden will, rüste zum Krieg." 
 
Selbst im Neuen Testament ist man hin- und hergerissen. "Wer seinem Nächsten verzeiht, hat gut getan", greift Abraham a Santa Clara eine Aussage auf, die Jesus zugeschrieben wird. Aber der Apostel Paulus weiß: "Mein ist die Rache, spricht der Herr." 
 
An den Schluss setze ich etwas Selbstgebasteltes. Ein alter Spruch von mir lautet: "Das ganze Leben ist ein Abenteuer, das meistens tödlich endet." Darin ist die biblische Ausnahme der Auferstehung Jesu berücksichtigt. Heute jedoch fügt ein gewisser kdk hinzu: "Wo steht denn in der Bibel geschrieben, dass es nicht für emsige SP-Schreiber eine zweite Ausnahme geben darf?" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur rhetorischen Technik der doppelten oder dreifachen Verneinung aus der gestrigen SP legt Martin Euch eine Quizfrage vor. "Nichts liegt mir ferner, als die Gegner der Anti-Kernkraftbewegung nicht mit allen zu Gebote stehenden Mitteln nicht zu bekämpfen!" sagte einst ein politischer Redner. Ist er für oder gegen Kernkraft? 

 

 Schmunzelpost 1245 vom 27. 7. 24

Wer was schreibt, will auch verstanden werden. Wer was sagt, ebenso. Also ist eigentlich Klartext das geeignete Mittel der Wahl. Dennoch passiert es immer wieder, dass man sich beim Zuhören oder Lesen vorkommt wie ein Erforscher ägyptischer Hyroglyphen: Was will der Verfasser uns wohl damit sagen? Manchmal geschieht das wahrscheinlich unabsichtlich, oft steckt aber System dahinter. Da wird geschwurbelt und mit Nebelkerzen geworfen, damit man jemand hinterher nicht festnageln kann. Dafür haben Politiker ein besonderes Talent. 
 
Unbestrittene Spitzenkraft dieses Fachs ist Bundeskanzler Olaf Scholz. Dazu hat er ausgefeilte Techniken entwickelt. Einer davon ist "tagesschau.de" auf die Schliche gekommen: "Olaf Scholz ist der ungekrönte König der doppelten Verneinung, was es den Zuhörenden manchmal nicht leicht macht ihm zu folgen." Das jüngste Beispiel lieferte Scholz jetzt in der Bundespressekonferenz zum Wasserstoffantrieb: Dies sei "ja nicht eine Technologie, die wir nicht unterstützen." 
 
Die Süddeutsche Zeitung nahm den Faden auf: "Dazu muss man wissen, dass Olaf Scholz entschieden nicht der Ansicht ist, die Presse sei nicht zu ignorant, um die tiefere Weisheit seines Regierungshandelns nicht zu verstehen. In seinem Denken scheint es nichts zu geben, was Medienvertreter nicht unzutreffend interpretieren, weshalb wiederum es niemals ein Fehler sein kann, ihr dieses Nichtwissen nicht unter die Nase zu reiben." Alles klar? Allerdings, so die SZ, sei Scholz kein Einzelfall. Die in der Ampelkoalition vertretenen Parteien seien nämlich Meister der dreifachen und damit jedem Begreifen entzogenen Verneinung. 
 
Wie gut, dass wir wenigstens Gesetze haben, die eindeutig, klar und unmissverständlich sind. So heißt es zum Mangel der Ernstlichkeit in Paragraph 118 des Bürgerlichen Gesetzbuches: "Eine nicht ernstlich gemeinte Willenserklärung, die in der Erwartung abgegeben wird, der Mangel der Ernstlichkeit werde nicht erkannt, ist nichtig." Noch irgendwelche Fragen? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1244 vom 26. 7. 24

Heute werden die Olympischen Spiele in Paris feierlich eröffnet. Obwohl Kommerz, Politik und Doping wie die Motten im Kleiderschrank gewütet und den ursprünglichen olympischen Gedanken zerfressen haben, bleiben die Spiele für mich eine faszinierende, riesige Sportschau. Da hocke ich sogar vor dem Fernsehgerät, wenn rhythmisches Traben oder Synchron-Hammerwurf im Programm steht. In der Geschichte der olympischen Spiele (um ein wenig klug zu scheißern: Olympiade wäre der falsche Ausdruck, weil er eigentlich die Zeit zwischen den Spielen bezeichnet) gab es eine ganze Menge kurioser Ereignisse. Ein paar davon möchte ich heute ins Gedächtnis rufen.
 
 Der Beschiss begann bereits 1904. Damals in St. Louis lief als vermeintlich schnellster Marathonläufer der Amerikaner Frederick Lorz durchs Ziel. Er bekam dennoch keine Medaille. Es stellte sich nämlich heraus, dass er gut die Hälfte der Strecke in einem Auto zurückgelegt hatte. 
 
Bei den ersten Spielen der Neuzeit gab es eine ganze Reihe von Sportarten, die uns heute etwas merkwürdig vorkommen. Sackhüpfen und Tauziehen erfordern jedoch tatsächlich durchaus sportliche Leistungen. Ebenso wie das Tonnenspringen, ein 400-m-Hindernislauf, bei dem die Teilnehmer alle 50 Meter mit dem Kopf voran durch eine Tonne hechten mussten. Dagegen kratzte das Tabak-Weitspucken - gab es wirklich - am Image der Spiele und wurde schnell abgeschafft. Ebenso das Taubenschießen, bei dem 1900 wahrhaftig 300 lebende Tauben als Ziel dienten. Der Goldmedaillen-Gewinner killte allein 21 von ihnen. Nach massiven Protesten von Tierfreunden verzichtete man bereits 1904 auf dieses Massaker. 
 
 Dagegen hielt sich das Seilklettern immerhin von 1896 bis 1932. Dabei galt es, möglichst schnell ein 14 m hohes Seil zu erklimmen. Und bei den sogenannten Kunstdisziplinen zeichnete man auch geistige Leistungen aus. So kam es, dass neben Bildhauerei und Musik bis 1948 Architektur olympische Disziplin gewesen ist. 
 
Heutzutage versucht das IOC, sich sowohl im Winter wie im Sommer neuen Trends anzupassen. Nicht mehr angesagte Sportarten werden entweder ganz aussortiert oder die Zahl der Wettbewerbe in unterschiedlichen Klassen drastisch reduziert. Dafür wird in Paris erstmals Skateboard-Fahren zur olympischen Disziplin werden. Mit dabei sind neuerdings auch Freestyle-Breakdance, Kite-Surfen und eine Staffel im Marathon. 
 
Wenn das so weiter geht ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch in der Sportart "Quiddich" um Medaillen gekämpft wird. Dieser Wettkampf, den sich Joan K. Rowling für ihre Harry-Potter-Romane ausgedacht hat, ist mittlerweile anerkannte Disziplin mit eigenen Ligen rund um den Globus. Und es gibt auch bereits eine Weltmeisterschaft. Ob wohl das Haus Griffindore die meisten Medaillen abgreift? 
 
Zum Glück weniger Chancen hat dagegen eine Sportart, die in den Sechziger Jahren populär gewesen sein soll: Das Oktopus-Wrestling. Dabei mussten Taucher mit einem Oktopus kämpfen und ihn aus dem Wasser tragen. Zwar ist das nicht so blutig wie ein Stierkampf, aber dennoch eine Sauerei. Deshalb schlage ich vor, stattdessen das Schmunzelpost-Schreiben ins Programm aufzunehmen. Ich melde mich hiermit für 1928 an. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1243 vom 25. 7. 24

Reicht das schon für eine Sensation? Nur knapp 15 Minuten nach der fahrplanmäßigen Rückkehr von Oberstdorf nach Dorsten mit der Bahn kam ich gestern am heimatlichen Bahnhof an. Das ist rekordverdächtig. Allerdings trübt die Bahnbilanz, dass wir durch die Behinderung durch Vieh auf den Gleisen nach Zugausfällen frühzeitig eine verspätete Regionalbahn in Oberstdorf nutzen konnten. Das verschaffte uns anderthalb Stunden Luft in Ulm und mir die Möglichkeit, das Ulmer Münster anzuschauen. 
 
Auch der ICE aus München hielt in Ulm fast planmäßig an. Die Deutsche Bahn konnte sich jedoch den Spaß nicht verkneifen, uns wenige Minuten vor dem Eintreffen des Zuges auf einen anderen Bahnsteig zu jagen. Da es in Ulm Rampen für Kofferträger gibt, werten wir das mal großzügig als Versuch, zur Fitness der Fahrgäste beizutragen. 
 
Auch einer der Zugführer (die während der Reise viermal wechselten) fühlte sich verpflichtet, sein Publikum zu bespaßen. So hieß es bei der Anfahrt zum Hauptbahnhof Bonn bei der Grußadresse für die Aussteiger ergänzend zu den üblichen Hinweisen: "Ich bedauere, Ihnen nicht in diese schöne Stadt folgen zu können." Und in Köln sorgte der DB-Witzbold für den größten Lacher: "Noch eine persönliche Anmerkung: Verlassen Sie unseren Zug bitte mit einem Lächeln, damit alle glauben, dass Ihnen die Fahrt gefallen hat." Spontaner Beifall im Waggon! 
 
Wer mehr kuriose ober reale Bahndurchsagen hören möchte, der sollte unbedingt am 30. August um 19 Uhr zur Lesung in den Dorstener Bürgerbahnhof kommen. Hier ein paar Kostproben aus der Zugabe mit Original-Texten aus Zügen der Deutschen Bahn:  
 
Bahnansage des Monats vom Juni 2022: „In wenigen Minuten kommen wir tatsächlich pünktlich in Hannover an. Um Ihre Kundenerwartungen nicht zu enttäuschen, hören Sie jetzt die Verspätungen der Anschlusszüge!“ 
 
Durchsage vom November 2018: "Wir haben eine Hose gefunden. Bitte prüfen Sie, ob Sie noch eine anhaben. Falls nicht, oder falls Sie sonst eine vermissen, melden Sie sich bitte beim Zugpersonal." 
 
Eine Ansage für Sprachkundige vom August 2018: „Nächster Halt: Essen, Hauptbahnhof. Next Stop: Food Central-Station.“ 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1242 vom 24. 7. 24 

Für fünf fast jugendliche Bergtouristen endete heute ein Kurzurlaub im Allgäu. Dass wir auf eine schöne Woche mit viel Spaß und tollen Ausflügen zurückblicken, verdanken wir vor allem unserem Reiseleiter und Wanderführer Martin. Falls es sich immer noch nicht herumgesprochen hat: Mit "velling-reisen" aus Hattingen kann man wunderbare Wander- und Fahrradreisen unternehmen. Oder wahlweise auch Städtetouren mit einem Begleiter, der nicht nur alle Attraktionen von Orten und Regionen kennt, sondern auch über einen unerschöpflichen Fundus an Witzen und Geschichten verfügt. 
 
Zu beachten ist Martins Sternesystem: Drei-Sterne-Reisen sind nur für gut trainierte, sportlich fitte Menschen zu empfehlen. Zwei-Sterne-Touren habe ich bis vor kurzem mit etwas Anstrengung, aber viel Freude bewältigt. Wenn jedoch Alter und Krankheit den Aktionsradius begrenzen, dann sollte man sich auf Ein-Sterne-Reisen beschränken. Dass ich diesmal bei einer Tagestour schlapp machte, lag lediglich am Comeback eines Herzproblems. Die letzten beiden Tage konnte ich aber problemlos absolvieren. Am Ende des Tages zeigte die Spezialuhr meist mehr als 15.000 Schritte und zwischen 12 und 15 Kilometern zurückgelegter Strecke an. Allerdings galt: Wie der Herr, so das Gescherr. Kurz vor der Ankunft gestern Abend im Hotel trennte sich mein ebenfalls hochbetagter Wanderschuh endgültig von seiner Sohle. Im Gegensatz zu mir hat er nicht überlebt. 
 
Wart Ihr schon mal im Allgäu? Wenn nicht, können Euch vielleicht folgende Erkenntnisse schlauer machen. Das Nebelhorn ist kein Musikinstrument. In Immenstadt habe ich nicht eine einzige Honigbiene entdeckt. Bei Oberjoch ganz nah an der Grenze zu Österreich befindet sich zwar Deutschlands höchst gelegenes Skigebiet, aber dort kann man im Sommer auch schöne Rundwanderungen um ein Hochmoor mit herrlichen Ausblicken auf saftig-grüne Wiesen und eine beeindruckende Bergwelt unternehmen, deren mäßige Anstiege auch von Herzpatienten ohne Schwierigkeit zu meistern sind. Und dazu liefern nette Rindviecher ein klangintensives Glockenkonzert. 
 
Sonthofen ist zwar die südlichste Stadt Deutschlands, wird aber durch die Altstadt-Viertel von Kempten und Immenstadt sogar noch in den Schatten gestellt und mit einer Fülle von Sehenswertem auch von Oberstdorf und Fischen übertroffen. Und trotz gelegentlicher Überraschungen lässt sich das Allgäu ganz gut ohne Auto mit Bus und Bahn erkunden. Radfahrer kommen vor allem auf Wegen entlang von Flüssen auf ihre Kosten. Wichtig: Freunde kulinarischer Genüsse finden eine große Auswahl an empfehlenswerten Restaurants und Cafes. Jedenfalls habe ich jeden Tag sehr gut gegessen. Und als Weinfreund die Erfahrung gemacht, dass ich mir hin und wieder auch eine Gerstensaft-Spezialität gönnen sollte. 
 
Zu guter Letzt: Die Breitachklamm ist eine der schönsten Bergschluchten Deutschlands. Wie ich persönlich erfuhr, können einem die imposanten Ausblicke wortwörtlich komplett den Atem rauben. Und der himmlische Blick in die Höhe von einer Bergwacht-Trage aus, eröffnet noch einmal völlig neue Perspektiven. 
 
Glückauf 
kdk   

 Schmunzelpost 1241 vom 23. 7. 24 

Im Alter wird der Körper immer mehr zur Baustelle. Manche Schäden können gut ausgebessert werden, andere tauchen nach einiger Zeit wieder auf. Ein solches erneut aufgerissenes Gesundheitsschlagloch brachte mich am Sonntag ins Stolpern. 
 
Auf unserem Wanderprogramm stand ein Rundgang durch die Breitachklamm, eine wildromantische Schlucht, durch die sich der Fluss einen Weg gegraben hat. Je höher es geht, desto enger rücken die Felsen zusammen, an manchen Stellen ist der Himmel nicht mehr zu sehen. Eigentlich eine tolle Tour. Mir ging es aber bereits nach dem Frühstück nicht richtig gut. Auf der Treppe zum 2. Stock, wo sich mein Zimmer befindet, musste ich auf jedem Zwischenabsatz stehen bleiben, weil ich ganz schnell außer Puste geriet. Das führte ich auf das feucht-schwüle Wetter zurück. 
 
Schon beim allmählichen Aufstieg zum Klamm-Eingang begann ich stark zu schwitzen, obwohl ein angenehmer Wind wehte und die Temperatur die 25 Grad-Marke nicht überstieg. Bei dem folgenden gemächlichen Anstieg troff mir der Schweiß aus allen Poren. Obwohl ich langsam ging, bekam ich kaum Luft, das Herz pochte wie wild und ich musste dauernd Pausen einlegen. Als wir fast den Gipfel erreicht hatten, ging dann gar nichts mehr. Ich setzte mich auf eine Bank, um ein paar Minuten zu verschnaufen. Aber als ich wieder aufstand, wurde mir schwindlig und flau. 
 
Ich wollte erneut rasten und dann umkehren. Allerdings stand mir bergab ein langer Marsch bevor. Und zum Glück ist in unserer Wandergruppe eine medizinische Fachkraft mit dabei. Sie bestand darauf, dass ich mich flach auf die Bank legte. Und wenn einen solch ein Schwächeanfall ereilt, ist die Breitachklamm dafür fast der beste Ort. Denn sofort war eine hilfsbereite Familie zur Stelle, die mich in alle verfügbaren deckenähnliche Kleidungsstücke hüllte, so dass ich aussah wie der Mumienbruder von Ötzi. Trotzdem fror ich, und meine eigene Kleidung war klitschnass vom kalten Schweiß. Unser Wanderführer forderte die Bergwacht an. Und zwei weitere Wanderinnen, eine Krankenschwester und eine Ärztin, trafen erste Diagnosen. Auf jeden Fall müsse ich liegen bleiben, bis die Rettungsmannschaft eingetroffen sei. 
 
Und die war trotz der ungünstigen Stelle am mitunter sehr schmalen Bergpfad schnell zur Stelle. Ausgesprochen freundliche und kompetente Menschen. Sie verpassten mir eine erste Infusion und forderten nach Blutdruck-Messung und EKG einen Rettungswagen an. Der wartete an der Talstation auf uns. Und so kam ich in den besonderen Genuss, angeschnallt auf einer Trage, von zwei sportlichen, muskulösen Männern durch die Klamm nach unten gebracht zu werden. Sie brauchten dafür nur 30 Minuten, in denen ich aus einer völlig anderen Warte die bizarren Felsen über uns betrachten konnte. 
 
Mit dem Rettungswagen wurde ich dann zur Immenstädter Klinik transportiert und dort in der Intensivstation der Notaufnahme gründlich unter die Lupe genommen. Diagnose: Die nach der Operation vor drei Jahren verschwundenen Herzrhythmus-Störungen waren erneut aufgetreten, ein massives Vorhofflimmern hatte für meinen Zusammenbruch gesorgt. Der Arzt empfahl mir zwar, über Nacht im Krankenhaus zu bleiben, damit ich nüchtern gleich am nächsten Morgen mit einem Eingriff inklusive Elektroschock behandelt werden könnte. Da aber seinerzeit bereits ein Elektroschock-Versuch erfolglos geblieben war, fragte ich, ob ich nicht mit Hilfe von Medikamenten wieder halbwegs aufgepäppelt werden könne, um mich dann beizeiten von heimischen Medizinern kurieren zu lassen. 
 
Als ich versprach, mich zu schonen, entsprechende Medikamente und vor allem Blutverdünner zu schlucken und nach meiner Heimkehr sofort einen Arzt aufzusuchen und mich ins Krankenhaus einweisen zu lassen, war man bereit, mich gehen zu lassen. Das teilte ich meinem Wanderführer telefonisch mit und hoffte, schon 30 Minuten später mit Bahn und Bus zum Hotel zurückzukehren. Aber ich hatte die Rechnung ohne die Mediziner gemacht. Zunächst musste ich am Tropf bleiben und stundenlang mit Messgeräten überwacht werden. Außerdem gab es drei Spritzen mit Heilmitteln. Allmählich wurde ich ungeduldig, weil ich mich um 19 Uhr mit meiner Gruppe im Hotel treffen wollte. Ich fragte eine Krankenschwester, wie ich von der Klinik per Bus zum Bahnhof gelangen könne. Die Antwort: "Busse fahren hier sonntags nicht, aber zu Fuß sind es nur zehn bis fünfzehn Minuten zum Bahnhof." 
 
Ein Mitpatient bekam das mit und bot mir eine Fahrgelegenheit zum Bahnhof Sonthofen an, der unserem Urlaubsort deutlich näher liegt. Seine Frau würde ihn gleich mit dem Auto abholen. Ich nahm das Angebot freudig an. Aber noch fehlte die "Entlassungsurkunde", mein Arztbrief. Und als ich den endlich hatte, fehlte die Stationsschwester, die mich von diversen Kabeln und Kanülen befreien musste. Also ließ ich meinen Bettennachbarn und seine Frau schweren Herzens ziehen. Die Schwester tauchte fünf Minuten später auf und entschuldigte sich dafür, dass sie nicht mitbekommen hatte, dass der Arzt schon zum Abschlussgespräch bei mir war. So begann die zweite Episode meines Abenteuerurlaubs. 
 
Vor dem Klinikausgang gab es keinerlei Hinweise darauf, wo sich der Bahnhof Immenstadt befand. Doch die Schienen verliefen gleich gegenüber, direkt daran entlang führte ein Weg. In der einen Richtung ging es ins Grüne, in der anderen Richtung sah ich städtische Bebauung. Also marschierte ich zuversichtlich los. Nach fünfzehn Minuten kamen mir erste Zweifel. Zehn Minuten? War die Schwester eine Leichtathletin? Vorsichtshalber fragte ich einen Radfahrer, der mir entgegenkam. "Zum Bahnhof? Ja, ja, immer weiter da entlang." Also ging ich weiter. Zehn Minuten, zwanzig Minuten, dreißig Minuten. Die Bebauung verschwand, die Savanne begann. 
 
Glücklicherweise stand in der Nähe ein Pkw, in dem eine Frau auf ihren Mann wartete, der sich gerade vom Besitzer des letzten Bauernhauses vor der Allgäu-Steppe verabschiedete. "Zum Bahnhof? Da sind Sie hier total falsch. Sie müssen in die entgegengesetzte Richtung. Aber da laufen Sie mindestens eine Stunde." Ich muss so verzweifelt geguckt haben, dass sie mir spontan anbot, mich zum Bahnhof zu fahren. Höchst dankbar nahm ich die Einladung an. 
 
Endlich am richtigen Gleis angekommen, hoffte ich auf ein Happy-End. Um 17.52 h fuhr der Zug nach Oberstdorf, wo er um 18.19 Uhr ankommen sollte. Und wie ich bereits vom Vortag wusste, fuhr der letzte Bus zu meinem Hotel um 18.30 Uhr. Das kam hin, da die Haltestelle direkt vor dem Bahnhof lag. Aber ich hätte es wissen müssen: "Wegen der Verspätung eines vorausfahrenden Zuges trifft der RE 75 nach Oberstdorf heute erst um 18.05 Uhr ein." Verdammt! Das wurde knapp. Zumal die Regionalbahn danach zweimal aus unerfindlichen Gründen zwischen Bahnhöfen hielt. 
 
Immerhin hatte ich unterwegs ein versöhnliches Erlebnis. Kurz nach dem Bahnhof Sonthofen landete eine junge Blondine auf meinem Schoß. Sie hatte sich zur Toilette begeben wollen, aber nicht bedacht, dass es zwischen Sitzbänken und Mittelgang eine Stufe gab. Durch beherztes Zupacken bewahrte ich sie davor, mit dem Kopf gegen die Fensterscheibe zu knallen. Sie bedankte sich überschwänglich. 
 
Das tröstete mich jedoch nicht darüber hinweg, dass wir erst um 18.35 Uhr in Oberstdorf eintrafen. Mein Bus war natürlich längst weg. Vor allem auch deshalb, weil die letzte Tour an Sonntagen bereits um 17.56 Uhr startete. Was nun? Ein Taxi nehmen? Mir fiel ein, dass es bloß 2,2 Kilometer bis zum Hotel waren. Also machte ich mich wieder auf die Socken. Ich folgte der vertrauten Route, die das Taxi an unserem Ankunftsabend genommen hatte. Aber hinter dem ersten Kreisverkehr am Ortsrand gab es entlang der Bundesstraße weder einen Fuß- noch einen Radweg. Dauernd rauschten Autos dicht an mir vorbei, einige Fahrer hupten sogar empört den Wanderer an, der es wagte, am linken Fahrbahnrand zumindest einen Fuß auf den weißen Straßenbegrenzungsstreifen zu stellen. Links zweigte jedoch ein Pfad ab, auf dem mir eine Wanderin entgegenkam. "Entschuldigung, kommt man auf diesem Weg zum Hotel Explorer?" "Das neben McDonalds? Ja klar, eine sehr schöne Strecke, hinter der Biegung erst links, dann rechts, dann wieder links und dann sehen Sie die Gebäude schon." Nach der Danksagung verabschiedete ich mich von der Straße. Allerdings ging es nun erst recht steil einen Hügel hinauf, und ich sollte mich ja schonen. Also setzte ich mich auf halber Höhe auf eine Bank und schaute auf die Uhr. Noch eine Viertelstunde bis zum verabredeten Treffen. 
 
Was macht es schon, wenn ich zehn Minuten zu spät komme, dachte ich und setzte meinen Marsch fort. Was ich spätestens im Dorf Reute bereute. Denn mir schwante, dass ich zum zweiten Mal einen Irrweg eingeschlagen haben könnte. Also fragte ich erneut, diesmal einen Einheimischen. "Sie müssen zunächst nach Jauchen und dann links abbiegen." Gesagt, getan. Sehr zu denken gab mir, dass plötzlich vor mir erneut Oberstdorf auftauchte. Also nochmal fragen. Ein Ehepaar zückte die Wanderkarte. "Nein, das wird nichts. Dieser Weg endet im Wald in einer Sackgasse. Sie müssen hinunter zur Straße. Aber dann ist es nur noch eine halbe Stunde bis zum Hotel." 
 
Zähneknirschend begann ich den Abstieg zur Bundesstraße und kam fast am Ausgangspunkt hinter dem Kreisverkehr unten an. Zwischendurch brummte mein Smartphone, aber als ich mich meldete, war niemand mehr dran. Also schickte ich eine Whatsapp-Nachricht: "Bin im Anmarsch." Nach mehrfachem erneuten Hupkonzert mahnte mich ein toter Dachs am Straßenrand, was mir blühen könnte. Und um 20 Uhr begann es auch noch zu regnen. Als ich um 20.10 Uhr endlich im Hotel  ankam und mein Sprüchlein aufsagen wollte: "Bahnfahren färbt ab. Ich bitte die leichte Verspätung zu entschuldigen. Ursache war menschliches Versagen.", traf ich auf eine aufgeregte Gruppe. 
 
Die anderen hatten geglaubt, ich wäre längst auf meinem Zimmer und hätte mich dort hingelegt und auf Klopfen nicht reagiert. Die Nachricht "bin im Anmarsch" wurde so interpretiert, dass ich mich auf den weiten Weg zur Hotelbar begeben wollte. Und man zerbrach sich besorgt den Kopf darüber, wieso das so lange dauerte. Die Moral von der Geschicht: Vertraue weder Bahn- noch Busfahrplänen und erst recht keinen Auskünften von fremden Wanderern und Radfahrern! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1240 vom 22. 7. 24 

Per Seilbahn gelangten wir am Samstag aufs Nebelhorn. Zwar nicht ganz auf die Spitze des mehr als 2200 Meter hohen Allgäu-Berges, aber nicht allzu weit von ihr entfernt. Von der Bergstation aus führte ein herrlicher Panoramaweg rund um den Gipfel und bot tolle Aussichten. 
 
Neugierig wie Journalisten nun einmal sind, verließ ich die Wandergruppe, um einen geheimnisvollen Seitenweg zu erkunden. Er führte mich durch zerklüftete Felswände schließlich hin zu einem abgeschiedenen Plateau, das rundum von der Sonne abgeschirmt war. So hatte sich dort in der Mitte sogar noch ein Rest von Schnee in den Juli retten können. 
 
Ich wollte gerade umkehren, da sah ich in der Ferne eine weiße Gestalt, die langsam auf mich zuschritt. Wie angewurzelt blieb ich stehen. Wer mochte das wohl sein? Ein Abgesandter des Himmels, der die Gelegenheit nutzen wollte, einen Atheisten zu missionieren? Oder war es gar der Yeti, der einen Abstecher nach Europa gemacht hatte, um Verwandte in den Alpen zu besuchen? "Grüß Gott", schallte es mir entgegen, "keine Angst, ich will Sie nur fragen, wo es zur nächsten Seilbahn-Station geht." 
 
"Wer... wer sind Sie?" stammelte ich, "und warum bestehen Sie aus Schnee?" "Ach, das" murmelte der Schneemann und schüttelte sich, dass es rundherum große Flocken schneite, "ich habe die Gelegenheit genutzt, dass hier wenigstens noch ein bisschen Schnee und Eis zu finden sind, um mich ausgiebig darin zu wälzen. Bei mir in Südtirol ist der Schnee leider bereits überall weggeschmolzen. Der Klimawandel, Sie verstehen? Darf ich mich kurz vorstellen? Ich bin der Messner, Reinhold. Und wer sind Sie?" 
 
Perplex entgegnete ich: "Äh, mein Name ist Klaus-Dieter Krause." "Oho, dann sind Sie also der Verfasser der weltberühmten Schmunzelpost. Schön, Sie kennenzulernen. Aber sagen Sie: Hat nicht ein Namensvetter von mir Ihnen dazu verholfen, Ihre Texte ins Internet zu stellen? Und hat der nicht am 22. Juli Geburtstag? "Was Sie alles wissen!" staunte ich, "aber in einem Punkt irren Sie sich: Er heißt Raimund und nicht Reinhold." "Tss, tss, tss", schüttelte Messner den immer noch schneebedeckten Schädel, "was manche Eltern ihren Kindern doch bei der Namensgebung antun. Aber egal: Gratulieren Sie ihm dennoch herzlich von mir." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Lieber Raimund, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! 
 
PPS. Auch gestern war ein besonderer Tag, über den ich am Dienstag mehr berichten werde. Als Teaser, zu deutsch Appetitanreger, schon mal ein Vorgeschmack: Der Abenteuerurlaub trat in eine neue Phase - und die Bergwacht trug mich durch die Breitachklamm. 

Schmunzelpost 1239 vom 21. 7. 24

Mist, Mist, Mist. Wenn man im heutigen Medienzeitalter nicht alles sofort erledigt, dann kommt einem irgendjemand anders zuvor. Im Internet war ich kürzlich auf einen Bericht der Berliner Morgenpost gestoßen, in dem geschildert wurde, dass man jetzt auf dem Mond ein offenbar mehr als 100 Meter tiefes Höhlensystem entdeckt hat. Vielleicht der Stall des Mondkalbs? Das ist natürlich Quatsch, den ich bekanntlich gern verbreite. Aber diese Höhle könnte in naher Zukunft Erdlingen ermöglichen, sich mittel- und langfristig auf unserem Trabanten einzurichten. Denn die Höhle würde sie nicht nur vor der mörderischen Hitze der Sonne schützen sondern auch vor der Strahlung aus dem Weltall. 
 
Wunderbar, dachte ich, dass ist der Stoff, aus dem man Glossen macht. Und ich grübelte schon mal darüber nach, wenn ich dort ansiedeln wollte: Trump, Putin, Orban, Erdogan, Netanjahu oder am besten alle zusammen? 
Und dann musste ich am Freitag in der Süddeutschen lesen, dass die Kollegen des Streiflichts bereits auf eine ähnliche Idee gekommen sind. Die weicht zwar in einem entscheidenden Punkt von meiner Version ab, ich ziehe mich jedoch trotzdem beleidigt zurück und lasse die Spötter aus München ausnahmsweise meine Arbeit machen und die Gags setzen. 
 
Also los: "Soeben haben Wissenschaftler auf dem Mond den Zugang zu einer Höhle entdeckt, die groß genug wäre, als komfortable Unterkunft für eine Gruppe Bildungsreisender zu dienen. Vielleicht ist dies ja die Lösung, um einen Sommerurlaub noch zu retten, einen Urlaub, der in den üblichen Ferienparadiesen zwangsläufig überschattet wäre von den Horrormeldungen (Trump, Putin, Orban, Männer überhaupt), die tagtäglich die Befürchtung nähren, die Menschheit gehe der Barbarei entgegen. 
 
Die Mondhöhle wäre das, was die Insel St. Helena für Napoleon war: Ein Ort der Ruhe und Besinnung, der Vita contemplativa, fernab vom hektischen Treiben, das die Menschen nur auf Abwege führt, in krassen Fällen zur Mitgliedschaft in der CSU. Schön blöd, dass Napoleon die Weltabgeschiedenheit nicht  genießen konnte; aber so sind sie, die Macht- und Gewaltmänner. Für den nach Erholung lechzenden Normalbürger wäre die Ferienhöhle der Frau Luna aber schon eine Option. Kein Handyempfang, kein Radio, kein Fernsehen, kein Tiktok, kein Wlan - totale Funkstille. Himmlisch!" 
 
So weit die SZ. Der Rest des lesenswerten Textes dreht sich noch witziger um Kanzler Scholz, der vom Weltflucht-Urlaub träumt. Aber dafür müsst Ihr schon selbst eine Zeitung auftreiben. Ich ziehe mich für heute schmollend zurück und hoffe für die morgige Folge, dass sich kein SZ-Reporter bei uns im Allgäu herumgetrieben hat. 
 
Glückauf 
kdk 
 

  Schmunzelpost 1238 vom 20. 7. 24

Heute mal kein Quatsch: Gestern habe ich mich kurz gefasst, da ich im Hotel im Allgäu zunächst Probleme mit dem Internetzugang hatte und weil wir erst um 22 Uhr am Urlaubsort Fischen bei Oberstdorf eingetroffen sind. Erst recht kein Quatsch: Die Deutsche Bahn hat wieder einmal alles getan, um ihren besonderen Ruf unter Beweis zu stellen. 
 
Bei der Abfahrt in Essen hatte unser ICE, man mochte es kaum glauben, bloß fünf Minuten Verspätung. Dann aber ging es los. Zwischen Köln und Bonn stand für sämtliche Züge nur ein Gleis zur Verfügung - viermal blieben wir auf der Strecke stehen. Und die Abfahrt vom Bonner Bahnhof verzögerte sich weiter, weil es Probleme mit einer Weiche gab. Unser Reiseleiter Martin kannte dazu einen passenden Witz: "Ein Mann springt von einer 30 m hohen Bahnbrücke, aber er bleibt unversehrt. Wie ist das möglich? Ganz klar: Er ist auf eine Weiche gefallen." 
 
Obwohl die DB wegen der folgenden Verzögerung um bis zu 90 Minuten kostenlos Wasser spendete, verging uns der Humor. Denn in Ulm mussten wir nach Oberstdorf umsteigen, und nach dem ersten drohten wir jetzt auch den zweiten Anschlusszug zu verpassen. Als wir in Ulm, um Ulm und um Ulm herum eintrafen, blieben uns drei Minuten für den Gleiswechsel. Wir sprinteten mit unserem Gepäck zum RE 75, den wir soeben noch erwischten. Doch Fahrgäste, die bereits einen Platz im vollbesetzten Zug ergattert hatten, zeigten sich recht widerspenstig. Erst weigerte sich einer, sein Rad beiseite zu stellen, damit wir unsere Koffer auf der Gepäckablage verstauen konnten. Dann mussten wir uns mühsam Plätze suchen. Als ich eine junge Frau höflich bat, ihre Handtasche vom Nebensitz zu nehmen, schaute sie mich höchst beleidigt an, nahm nach kurzer Überlegung ihre Tasche wortlos auf den Schoß und würdigte mich fortan keines Blickes. 
 
Nur eine Minute später wurden wir aber alle aufgescheucht. "Wegen Krankheit fällt dieser Zug heute aus. Bitte steigen Sie aus und wechseln Sie zum Schienenersatzverkehr." Also räumten wir murrend das Feld und begaben uns zu einer Bushaltestelle mit der Aufschrift "Ersatzverkehr" vor dem Bahnhof. Mittlerweile war durchgesickert, dass der Stellwerk-Koordinator sich krank gemeldet hatte und seit mehr als einer Stunde kein Zug mehr den Ulmer Bahnhof in Richtung Alpen verlassen hatte. So warteten wir geduldig an frischer Luft. Und warteten. Und warteten. Von der Bahn erfuhren wir nichts. Langsam wurde unsere Schar immer kleiner, bis ein Wartender die Nachricht überbrachte, dass wir hier noch bis zum nächsten Morgen stehen würden, falls wir uns nichts anderes einfiele. Man müsse sich auf eigene Faust in den Nachbarort Senden durchschlagen, von dort führe dann die Bahn wieder. 
 
Also nahmen wir uns zwei Taxen und stellten in Senden fest, dass wir improvisieren mussten, wenn wir vor Mitternacht das Hotel erreichen wollten. Es ging durch die Brust ins Auge - erst nach Kempten, dort nach Oberstdorf und dann nochmals per Taxi zum Hotel. Um 22 Uhr trafen wir endlich dort ein, zu einer Zeit, als selbst McDonalds bereits seinen Eingang verrammelt hatte. Ein barmherziger Nachtportier an der Hotelbar warf jedoch nochmal den Ofen an und verhinderte mit Flammkuchen und Pizza unseren Hungertod. Der Abenteuerurlaub hatte endlich mit einem Happy End begonnen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Kontrastprogramm am Freitag: Hotel gut, Wetter gut, Wanderung gut!  

Schmunzelpost 1237 vom 19. 7. 24

Dank Eurer Resonanz glaube ich, dass die meisten von Euch Spaß an der Schmunzelpost haben. Entgegen bösen Zungen, die behaupten, die Schmunzelpost sei kompletter Quatsch. Damit die Nörgler wenigstens einmal zufrieden sind, widme ich ihnen die heutige Folge: Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch,

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Quatsch!

Schmunzelpost 1236 vom 18. 7. 24

Sein blaues Wunder kann man nicht nur im Krankenhaus oder in der Bahn erleben, mir passiert das auch recht häufig am Computer. Ich bin nämlich bestenfalls in der digitalen Bronzezeit angekommen und gerate häufig in große Not, wenn der Computer oder der Drucker spinnt. Auch die äußeren Gefahren durch Viren und Hacker sind mir nicht geheuer, zumal ich nach wie vor nicht auf meine von Hackern blockierte eigene Schmunzelpost-Website zurückgreifen kann.
 
Das soll mich aber nicht daran hindern, mit Euch in die digitale Frühzeit zurückzublicken, also die Ära lange vor dem Bronzezeitalter. Nein, keine Sorge, ich erzähle hier nichts von Konrad Zuse, der schon 1941 den ersten funktionsfähigen Computer der Weltgeschichte konstruierte. Ich beginne mit dem "Surfen". Wisst Ihr, wie dieser Begriff Einzug in den Sprachgebrauch über die Nutzung des Internets hielt? Das ist einer Amerikanerin zu verdanken. Jean Armour Polly erwähnte "Surfing the Internet" erstmals 1992 in einem Artikel eines Fachmagazins für Bibliothekare. 
 
Das könnt Ihr Euch durch eine Google-Anfrage (besser ist natürlich Ecosia!) bestätigen lassen. Eigentlich sollte die Suchmaschine ursprünglich "Googol" heißen. Das ist ein mathematischer Begriff für eine Eins gefolgt von einhundert Nullen. Es ist schon erstaunlich, was solche Suchmaschinen inzwischen leisten - mal ganz abgesehen vom Ausspähen der Verbraucher und gläsernen User. Erschütternd dagegen, wofür sie sehr häufig genutzt werden: Ein Viertel aller Suchanfragen dreht sich um pornografische Inhalte. Dennoch ist "Sex" nicht die am häufigsten gebrauchte Vokabel in solchen Anfragen. Ein US-Webanalyst sagt, dass die meisten Surfer sich nach "You Tube" und "Facebook" erkundigen. 
 
Nun habe ich mit Facebook überhaupt nichts am Hut. Vielleicht ja später einmal, wenn ich in der Eisenzeit angekommen bin. Aber zumindest weiß ich, warum die Farbe von Facebook Blau ist: Das liegt an der Rot-Grün-Blindheit von Mark Zuckerberg. Ursprünglich hieß "Facebook" übrigens "Facemash". Und bei aller Kritik hat Facebook offenbar auch eine aufklärende Wirkung. Es öffnet vor allem Frauen die Augen und entzaubert den Partner - in den USA zählt Facebook zu den Hauptgründen, die als Scheidungsursache angeführt werden. 
 
Wer über Facebook lästert, sollte über Instagram nicht schweigen. Ahnt Ihr, welche Speisen am häufigsten auf Instagram abgebildet werden? Unbestrittener Spitzenreiter ist Pizza, gefolgt von Sushi und Steaks. Auch Ebay verdient eine Erwähnung. Denn der erste über Ebay verkaufte Artikel war ein kaputter Laser-Pointer! Wegen Elon Musk erspare ich Euch alles weitere über Twitter bzw. X. 
 
Ihr habt mit dem Lesen dieser Schmunzelpost ohnehin schon viel Zeit in der digitalen Welt zugebracht. Daher zum Schluss eine Zahl, die mich am meisten erschreckt hat: Im Schnitt verbringen wir in unserem Leben fünf Jahre und drei Monate in digitalen Medien!
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1235 vom 17. 7. 24

Auf den grünen Himmel vom Montag folgte am Dienstag das blaue Wunder. Gestern verbrachte ich viel mehr Zeit in der Klinik, als ich erwartet hatte.

Am 7. August muss ich nochmal unters Messer, um einen potenziellen Tumorherd entfernen zu lassen. Da es sich dabei auch bloß um eine weit fortgeschrittene Vorstufe handeln könnte, ist keine Eile geboten. Zur Vorsicht sollte gestern durch eine CT-Überprüfung der Atemwege sichergestellt werden, dass sich keine Metastasen gebildet haben. "Das ist keine große Sache", hieß es, "Sie kommen um 9 Uhr in unsere Gelsenkirchener Klinik zur Vorbereitung, um 10 Uhr folgt dann der CT-Termin, der nur etwa fünf Minuten dauern wird. Und danach können Sie schon wieder nach Hause fahren."
 
Also stand ich pünktlich um 9 h vor der Labortür. Als sie sich öffnete und ich hereingerufen wurde, traf mich fast der Schlag. Da war er wieder, der kleine Vampir. Ich meine den Assistenzarzt, der mich letztes Jahr bei Voruntersuchungen für die OP gepiecksackt hat. Damals benötigte er vier Anläufe, um mir ein wenig Blut abzuzapfen. Und anderthalb Stunden später stellte sich dann heraus, dass er es komplett vermasselt hatte. Die Blutentnahme musste wiederholt werden. Diesmal von einer Assistenzärztin, der das ohne Probleme gelang.
 
"Au backe, das kann ja was werden", dachte ich bei mir, als mich der Vampir freundlich begrüßte. Aber siehe da: Nach einiger Mühe hatte er im rechten Arm die Kanüle für das Kontrastmittel installiert, und selbst die Entnahme der Blutprobe an anderer Stelle gelang auf Anhieb. "Siehste mal", dachte ich nun, "der Mensch ist doch lernfähig." 
Leider kamen bald Zweifel daran auf. In der Radiologie hatte man mir gesagt, dass ich leider noch eine Viertelstunde länger warten müsse. Kein Problem. Um 10.20 Uhr wurde ich hereingebeten. Alles war vorbereitet, da hieß es: "Die Auswertung der Blutprobe aus dem Labor liegt noch nicht vor." Also nochmal eine halbe Stunde warten, bis auch für den roten Saft grünes Licht gegeben wurde.
 
So konnte zumindest der erste Teil der CT-Aufnahmen ohne Schwierigkeiten über die Bühne gehen. Als jedoch für die zweite Hälfte das Kontrastmittel in meinen Kreislauf gepumpt werden sollte, wurde es kritisch. "Es wird Ihnen jetzt ein wenig heiß", hieß es. Nö. Aber der rechte Arm begann stark zu schmerzen und der Unterarm verdoppelte rasch seinen Umfang. "Oje, da ist wohl die Kanüle falsch angelegt worden", bedauerte der Arzt. "Ich lege ihnen schnell am linken Arm eine neue an."
 
Nach drei Versuchen gab er auf: "Ihre Venen liegen zu tief. Sie müssen nochmal zurück ins Labor. Dann wiederholen wir die Aufnahme und Sie lassen anschließend in der Notfall-Ambulanz prüfen, dass mit dem rechten Arm nichts wirklich Schlimmes passiert ist." Mit reichlich unguten Gefühlen klopfte ich erneut an die Labor-Tür. Doch diesmal öffnete mir eine Assistenzärztin, die rasch und mühelos die Kanüle am linken Arm anbrachte.
 
Zurück zur Radiologie. "Ich bin dann bereit für die Aufnahme, Sie können dem Arzt Bescheid geben", zeigte ich an der Anmeldung meinen linken Arm vor. "Nehmen Sie bitte im Wartebereich Platz, die Ärzte sehen dann per Videokamera, dass Sie zurück sind." Andere Programme müssen spannender gewesen sein. Niemand nahm Kenntnis von mir. Daher nutzte ich meine Chance, als der Radiologe sich herauswagte, um einem anderen Patienten zu erklären, dessen Aufnahme sei leider fehlgeschlagen, er müsse einen neuen Termin vereinbaren. "Ich wäre dann soweit", hielt ich flink dem Arzt die Kanüle unter die Nase. Dessen Antwort: "Geben Sie mir bitte noch eine Sekunde!"
 
Aus der Sekunde sollte fast eine Stunde werden. Dann bekam ich den zweiten Radiologen zu Gesicht und wedelte emsig mit der Kanüle. "Kommen Sie mit, das erledigen wir sofort." Meine Freude schlug in Entsetzen um, als ich merkte, dass er Anstalten machte, die Kanüle zu entfernen. "Moment, die brauchen wir doch noch!" "Ach, ich dachte, Sie wären längst fertig. Eine Minute, dann ist das Gerät frei." Es waren zwar fünf Minuten, aber dann war es endlich soweit. Diesmal klappte alles wie am Schnürchen. Nur mein rechter Arm war immer noch dick.
 
"Bevor Sie nach Hause gehen, müssen Sie eben noch in die Notfall-Ambulanz. Aber dann haben Sie es geschafft." In der Ambulanz wartete jedoch erneut schon wieder ein Wartebereich auf mich. Und dort saß ein türkisches Ehepaar, das ich auch bereits in der Radiologie gesehen hatte. Die Frau war in Tränen aufgelöst und hielt sich den schmerzenden Arm. Der Ehemann fragte mich: "Haben Sie auch die falsche Kanüle gekriegt?"
 
Hatte ich. Aber die freundliche und kompetente Assistenzärztin beruhigte mich nach der Untersuchung. "Bei Ihnen sieht das ganz gut aus. Es wird zwar noch drei, vier Tage dauern, bis die Schwellung vollständig verschwindet und Sie den Arm wieder gerade machen können, doch ich bin zuversichtlich, dass er sich nicht entzündet. Falls aber doch, wenn diese Nacht die Einstichstelle rot wird, stark schmerzt und Sie Fieber bekommen, dann melden Sie sich bitte unverzüglich in der Notaufnahme."
 
Als ich nach 14 Uhr das Krankenhaus verließ, hatte ich vergessen, nach möglichen Metastasen zu fragen. Aber falls es welche gibt, soll ich ohnehin heute im Laufe des Tages telefonisch benachrichtigt werden. Bis zum späten Abend gilt daher: Ruft mich nicht an!
 
Glückauf
kdk        

Schmunzelpost 1234 vom 16. 7. 24

Heute erzähle ich vom grünen Himmel. Denn dort habe ich gestern Nachmittag zwei Stunden verbracht. Mein grüner Himmel ist nämlich, wenn ein paar Voraussetzungen zutreffen, auf der Terrasse unseres Gartens zu finden. 
 
Bevorzugt bei Temperaturen um die 25 Grad lasse ich mich gern auf der Gartenliege nieder und kippe sie nach hinten, damit meine Beine hochliegen. Das ist besonders bequem. Gestern hatte ich zuvor ein gutes, aber nicht zu reichhaltiges Mittagessen genossen und empfand im Bauch daher ein wohlig-warmes Gefühl. Als Kontrast dazu ließ ich mir ein Glas köstlich kühlen grauen Burgunder schmecken. Ab und zu kam unser Kater vorbei, kuschelte sich an meine Beine und sprang dann wieder von seinem Ausguck, wenn er etwas Interessantes im Garten untersuchen musste. Und mit dem Krimi "Der Retter" von Mathijs Deen hatte ich ein Buch zur Hand, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. 
 
Trotz der spannenden Lektüre fiel mein Blick immer wieder auf meine Umgebung. Links vor mir ragt ein Kirschbaum in den Himmel. Als wir 1996 einzogen, war er noch recht klein. Obwohl er bereits zweimal gestutzt wurde, ist er ordentlich gewachsen und hat inzwischen eine ansehnliche Krone entfaltet, die mir im Sommer Schatten spendet. Knapp zwei Stunden über Mittag hat die Sonne jetzt nur noch Gelegenheit, sich mit ihren Strahlen auf unserer Terrasse auszutoben. 
 
Bis zur halben Höhe ist der Stamm des Kirschbaums von Efeu überwuchert. Der grüne Teppich bedeckt mittlerweile auch einen Teil der früheren Rasenfläche. Dennoch dominiert auf zwei Dritteln nach wie vor das grüne Gras. Der Rasen wird zweigeteilt durch einen kleinen Hügel, den ein Vorbesitzer aufschütten ließ. Darauf hat er zwei Sorten Schilf angepflanzt. Der dünnblättrige im vorderen Teil wird etwa einen Meter hoch, der breitblättrige rechtshinten bringt es sogar auf drei Meter. 
 
Ich sitze neben einem Holzzaun, der das Nachbargrundstück abgrenzt. Auf unserer Seite ist er komplett von Sträuchern und Kletterpflanzen überwuchert. Waldgeißblatt, Hortensien und Rosen, die vor allem abends einen dezenten Duft verströmen. An der hinteren rechten Ecke des Gartens steht eine Weide, die auch bereits mehrfach gekappt worden ist. Sie lässt sich aber nicht entmutigen und schickt immer wieder neue Zweige der Sonne entgegen. Da die letzte Rasur ein paar Jahre her ist, formen die Blätter inzwischen eine ansehnliche große grüne Kugel. 
 
Daneben schottet eine mehr als zwei Meter hohe Buchenhecke den Garten vom dahinter liegenden Weg ab. Und jenseits des Weges hat sich innerhalb von zwanzig Jahren ein hohes Spalier aus Laubbäumen entwickelt, dass als grüne Wand einen großen Teil des Himmels verdeckt. Dennoch bleibt genügend Raum für den blauen Rahmen, der an sonnigen Tagen mein grünes Paradies umgibt. 
 
Noch vor 20 Jahren habe ich diese Pracht überhaupt nicht wahrgenommen. Jetzt bin ich immer wieder aufs Neue erstaunt und begeistert, wie vielfältig Grün sein kann und wie das Wechselspiel von Sonne und Wolken die Farbtöne verändert. Eigentlich, so denke ich manchmal, müsste Grün meine neue Lieblingsfarbe sein. 
 
Doch es gibt einen gewichtigen Grund, der das verhindert. Ihr kennt doch wohl die Vereinsfarbe von Schalke 04? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1233 vom 15. 7. 24

Fußball war unser Leben, König Olympia reagiert bald die Welt. Nach Abschluss der Fußball-Europameisterschaft daher noch schnell eine letzte Folge rund um das Leder, das längst aus Kunststoff besteht. Und zwar aus 32 gleichgroßen sythetischen Schäumen, deren Mikrobläschen mit einem Gas gefüllt sind. Welt-Hauptstadt der Fußballproduktion ist übrigens Sialkot in Pakistan. Dort werden rund 80 Prozent aller Fußbälle hergestellt - seit 1998 zumindest offiziell ohne Kinderarbeit.
 
Wer gestern Europameister geworden ist, wisst Ihr wahrscheinlich. Was Ihr aber nicht wisst, ist vermutlich, wie "Fußball" anderswo heißt. In vielen Ländern haben wir kein Verständnisproblem: Von Football in England, Le Football in Frankreich, über Futebol in Portugal, Fotboll in Schweden, Futbol in der Türkei bis hin zu Voetbal in Holland oder Fotbold in Dänemark ist das für uns leicht zu erraten. 
 
Schwieriger wird es in Italien (Gioco del calzio), Polen (Pilka norma), Griechenland (Podosfairo) oder Serbokroatien (Nogometna lopta). Und in Ostafrika kann es zu Missverständnissen kommen. Denn in Tansania, Kenia und Uganda wird Kiswahili gesprochen. Und wenn Ihr dort einen Fußball kaufen wollt und folgerichtig einen Mpira verlangt, kann es kompliziert werden. Denn Mpira bedeutet nicht nur Fußball und Leder, sondern auch Kondom. 
 
Und wer hat's erfunden? Nein, nicht das Kondom. Und gleich nochmal nein: Die Schweizer haben den Fußball nicht erfunden. Die Gelehrten streiten sich, welche Vorform eines Spiels als Urahn des heutigen Fußballs durchgehen kann. Denn schon unter der Herrschaft von Kaiser Huang Ti (2500 v. Chr.) wurde China Tsu Chu gespielt. Dazu spannte man ein Netz hinter zwei Bambusstangen und die Akteure versuchten mit den Füßen einen Ball dort unterzubringen. 
 
Allerdings zeigt auch eine Sargzeichnung aus dem alten Ägypten einen Mann, der mit dem Fuß einen Ball jongliert. Vielleicht wurde dort 2000 Jahre vor Christus der ägyptische Ronaldo beigesetzt. Raue Sitten gab es bei den Maya und den Azteken. Dort dirigierten religiöse Sprecher die Spieler. Und ging eine Partie verloren, wurden die Verlierer nicht selten den Göttern geopfert. 
 
Ähnlich brutal ging es im Italien der Renaissance zu. Dort war "Gioco del calzio fiorentino", eine Mischung aus Rugby, Fußball und American Football, vor allem bei Aristokraten beliebt. Dabei diente ein abgeschlagener Kopf als Fußball. Grausame Zeiten! Viel friedlicher verhielten sich dagegen die nordamerikanischen Ureinwohner. Stämme, die in Neuengland beheimatet waren, trugen ihre Spiele auf dem harten Sand des Watts bei Ebbe aus. Vieles war wie heute: Zwei Mannschaften traten gegeneinander an, Waffen waren verboten und Wetten auf den Spielausgang angenommen. Der beliebte Sport hieß Pasuckquakkohowog.
 
Und was ist mit dem Mutterland des Fußballs? In England führten bereits 1066 die Normannen das Spiel ein, bei dem die Auswahlmannschaften von Städten gegeneinander antraten. King Edward II. war dieser Sport aber zu brutal. 1314 erließ er deshalb ein Verbot. Football blieb trotzdem populär and comes 1618 home: King James I. empfahl sogar Fußball nach dem sonntäglichen Kirchgang. 
 
Dennoch dauerte es noch viele Jahre, bis unser moderner Fußball aus der Taufe gehoben wurde. Das passierte am 26. Oktober 1863 in London. Dort trafen sich die Repräsentanten von 14 Clubs, verfassten das erste vollständige Regelwerk und gründeten die Football Association. Vielleicht hätten die Briten jedoch das Kleingedruckte genau studieren sollen. Darin steht nämlich: England kann ein Turnier nur gewinnen, wenn es auf der heimischen Insel stattfindet und ein Linienrichter aus Aserbaidschan beim Finale dabei ist! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. In der gestrigen Mail hat der heiratswillige Mathematiker nicht mit Martin gerechnet. Denn der überprüfte seine Rechnung: "Der in Prozenten denkende Partnersucher scheint nur Hobbymathematiker zu sein: wenn von 50% Frauenanteil (= 50 Frauen von 100 Menschen) 20 % (= 10 Fr.) zu jung und 20 % (= 10 Fr.) zu alt sind, bleibt als Rest 60 % (= 30 Fr.) übrig, die in einem für ihn akzeptablen Alter wären." 

Schmunzelpost 1232 vom 14. 7. 24

Falls Ihr Euch fragen solltet, ob ich noch einmal auf das Thema Heiratsanzeigen zurückkomme, habt Ihr sofort mein Ja-Wort. Meine Neigung, ergiebige Felder mehrere Folgen lang zu beackern, kennt Ihr bereits. Und es gab derart viele Anzeigen, die mir ein breites Grinsen entlockten, dass ich einfach darüber schreiben muss.
 
Rechtschreibschwächen offenbaren sich leider immer öfter, auch in Zeitungen und Zeitschriften. Und die Anzeigenabteilungen sehen sich anscheinend in der Pflicht, Texte von Inserenten und Inserentinnen buchstabengetreu wiederzugeben. So war neulich folgende Kontaktanzeige zu lesen: "Suche einen ganz normalen Mann, keinen Bret Pit!"
 
Ein Bret Pit bin ich nun wirklich nicht, allerdings hätte mich die folgende Anzeige schon eher in Versuchung geführt, mich zu melden. Allerdings unter einer Bedingung: Der Bart bleibt dran. "Ich frühstücke mit dem Toaster, flirte mit dem Fernseher und rede mit der Couch. Bevor ich noch ein Verhältnis mit dem Staubsauger anfange, meld dich bei mir. Wäre schön wenn Du größer als 173 cm bist, unter 100 kg ohne Schnurrbart und gerne was zum anpacken hast."

Auch auf die Gefahr hin, dass Ihr folgenden Anzeigentext womöglich frauenfeindlich findet, weil er offenbar von einem Patriarchen alten Schlages aus dem arabischen Kulturkreis formuliert wurde, will ich ihn Euch nicht vorenthalten. Natürlich in der Hoffnung, dass der alte Kameltreiber keinen Heiratswilligen für seine Tochter gefunden hat.

"Kamelmarkt! Biete mindest. einen Kamelkopf für meine 45jährig., halbind. Tochter, die zwar wesentlich jünger aussieht, aber sonst keine großen Vorzüge hat. Leider kommt Sie berufl. aus dem (alternativ) medizin. Bereich u. ist zu meiner großen Schande noch sehr vielseit. interessiert außer in Sport. Wirklich schlimm ist, dass sie so was wie Kinder und Tiere mag. Na ja, falls Sie, lieber Unbekannter, daran interessiert sind, einem gequälten Vater diese Tochter abzunehmen u. mind. die nächsten 50 J. zu behalten, denke ich über einen weiteren Kamelkopf nach! Herzlichst Ihr armer Vater. P.S. Als Anzahlung wäre ein Passbild ganz nett!"

Dagegen würde ich es diesem Anti-Amsonntagbeimuttiesser wegen seiner Ehrlichkeit von Herzen wünschen, dass er die richtige Frau gefunden hat: ""Welche nette 'Sie' will es wagen? Ich bin ein Alufoliengriller, Bausparer, Chefgrüßer, Einkaufswagenschieber, Festnetztelefonierer, Jeansbügler, Nachdemschwimmennassebadehosenauszieher, Semmelüberderspüleaufschneider, VW-Fahrer u. Wechselgeldzähler. Ansonsten 43, 1,80 groß, Kultur und Sport mögend, im Raum M. lebend, v. Beruf Kriminaler und kein Amsonntagbeimuttiesser."

An den Schluss stelle ich einen Text als Beispiel dafür, was herauskommen kann, wenn Mathematiker eine Kontaktanzeige aufgeben: "Nadel im Heuhaufen gesucht! 50% der Bevölkerung sind Frauen...davon sind 20% zu jung und 20% zu alt...von den restlichen 10% sind 90% glücklich vergeben und weitere 5% unglücklich aber feige...vom Rest haben 80% kein Internet und 10% kein Handy...vom allerletzten Rest kennen 99% diese Seite nicht und können also auch meine anzeige nicht lesen... der Minirest zu dem du gehörst wird doch wohl so lieb sein mir (m, 34, 181 cm) endlich zu schreiben, damit ich nicht mehr die Nadel im Heuhaufen suchen muss :-)"
 
Mal ganz ehrlich: Nadeln im Heuhaufen - sind wir das nicht alle? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1231 vom 13. 7. 24 

Gestern habe ich gelesen, was für eine Anzeige einst in einer französischen Zeitung erschienen ist. Der ins Deutsche übersetzte Text lautete: "Gescheiterte Existenz, viermal geschieden, zweimal Konkurs, Plattfüße, Vollglatze, Säbelbeine, Asthma und Rheuma, möchte heiraten, möglichst Miss Europa oder Miss Frankreich, eventuell auch eine andere Schönheitskönigin, sofern der Vater Millionär ist." Und der Inserent bekam 83 Zuschriften, sechs mit beigelegtem Kontoauszug!
 
Nun will ich keine Heiratsanzeige aufgeben, ich bin ja leider nicht viermal geschieden und dazu nicht einmal in Konkurs gegangen. Doch es interessierte mich sehr, was sonst noch so an kuriosen Kontaktanzeigen gedruckt wurde. Hier ein paar Kostproben:
 
Der erste Inserent sucht bestimmt nach der ganz großen romantischen Liebe. Oder hat er etwa von der Anzeige aus Frankreich gehört? "Vermögende Frau gesucht. Insolventer attraktiver Unternehmer (Mitte 50) will Lebensstandard halten. Sie haben hierzu die Finanzmittel? Heirat ist Bedingung." Im doppelten Sinne blau ist vermutlich der folgende Partnerinnen-Suchende gewesen: "Hallo, Schlumpfmariechen! Wo versteckst Du Dich? Ungeschlumpfter Schlumpf sucht ungeschlumpfte Schlümpfin von ca. 43 bis 58 J."

Der Nächste bitte! "Alter egal. Für Dauerbeziehung sucht Er nette, farbenfroh geschminkte Freundin mit sehr kurzen oder sehr langen Haaren, die zu Stiefeln und kurzen Jeansröckchen weiße Hemdblusen und kuschelweiche, ganz zugeknöpfte Rundhalsstrickjacken in kräftigen Farben trägt." Also, ich finde, dass dieser Knabe besser eine Schaufensterpuppe mit ganz zugeknöpfter bunter Rundhalsstrickjacke ehelichen sollte. 
 
Gibt es keine Bekanntschafts-Anzeigen von Frauen? Doch. Und zwar kurz und bündig: "Sie, große Oberweite, Tel. ....". Da gefällt mir diese klare Ansage besser: "Hallo, Werner. Hab kein Interesse mehr an Dir. Tschüss, Hannelore." Zum Schluss jedoch mein absoluter Favorit. Die folgende Anzeige stammt von einem Leipziger, der offenbar eine Uni besucht hat, an der nahezu alles gelehrt wurde. Außer Rechtschreibung: 
 
"Akademiker, Jurist mit theologieschem Intresse sucht intelektuell adäquate Partnerin, Philologin, Historikerin, Juristin (m. 2. Staatsprüfung), Absolventin aus dem Heilgewerbe, Naturwissenschaftlerin mit solider allgemeinbildung (Martin Luther darf nicht der Torwart von RB Leipzig gewesen sein) Theologin soweit sie nicht fundamentalistisch ist. Auf Bild zuschriften verzichte ich. Ich bin für jede visuelle Überraschung zu haben. Auch dürfen keine erkrankungen vor liegen, die Eheaufhebung gemäß § 1313 BGB rechtfertigen würde." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1230 vom 12. 7. 24

Der technische Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Heute berichte ich über einige neue Erfindungen, die bisher komplett an mir vorüber gegangen sind. Keine davon habe ich erfunden (im Sinne von bloß ausgedacht, versteht sich). 
 
Wer es schmerzlich vermisst, von anderen geherzt zu werden, für den gibt es nun eine Lösung. Eine Jacke mit langen Ärmeln, die sich selbst umarmt und uns das Gefühl vermitteln soll, von jemand gedrückt zu werden, auch wenn dafür gerade kein lieber Mensch zur Verfügung steht. Und für Schussel, die ständig ihren Schlüssel verlegen, wird neuerdings ein spezieller Helm angeboten. Er lotst den Benutzer mit Signalen zum verlorenen Schlüssel. 
 
Dann gibt es jetzt einen Knüller für Eltern mit Kleinkindern, die wenig Spaß an Raumpflege haben. Sie können ihr Baby in einen Anzug aus moppähnlichem Material stecken. Und wenn ihr Kleines dann krabbelt, reinigt es dabei den Boden. Genial, was? Aber was ist, wenn das Kind laufen kann? Ganz einfach: Rechtzeitig das nächste Kind in die Welt setzen! Für die ganz Bequemen unter uns hat man zudem einen Löffel entwickelt, der bei Bedarf selbstständig den Kaffee oder Tee umrührt, ohne dass man sich anstrengen muss. 
 
Der Alptraum aller Fußpfleger lauert auch bereits in den Verkaufsregalen. Dort wartet auf Euch ein Gerät, das automatisch die Länge Eurer Zehennägel erkennt und sie gegebenenfalls sofort stutzt, um Euch das Bücken zu ersparen. Dazu habe ich allerdings zwei Fragen: Passt das Teil in meine Schuhe? Und wie lege ich es an, ohne mich zu bücken? 
 
Eine weitere Erfindung, die das Leben schöner macht, werde ich mir aber umgehend besorgen. Es handelt sich dabei um ein USB-Gerät in Form eines niedlichen Tierchens, das an den Computer angeschlossen wird. Sind dann Daten erfolgreich übertragen, beginnt es fröhlich zu hüpfen und zu summen. Also, weisse Bescheid: Wenn ich die Schmunzelpost absende, dann turnt mein Schmunzelbärchen! 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 1229 vom 11. 7. 24  

Gestern hatte ich mich gerade nach einem kurzen Schauer bequem auf der Gartenliege unserer Terrasse niedergelassen, da traute sich auch mein betagter Nachbar aus dem Obergeschoss wieder auf seinen Balkon. Und er setzte unverzüglich zu einem seiner Selbstgespräche an. 
 
"Getz kannze rauskomme, Karl, dat Gewitter is vorbei. Und et kommt auch nich wieda. Nee, ich hab kein Wetterfrosch gefrühstückt. Dat siesse an unsern Nachbahn, den Krause von unten. Wenn der aussem Haus kommt, dann kannze einen drauf lassen, dann et vorbei it mit dat Gepläster. Der kuckt in dat Internetz und lässt sich nich verappeln. 
 
Weisse, ich brauch frische Luft, weil ich mal wieda orntlich loshalsen muss. Hasse gestern dat Spiel in Fehnsehn geguckt, wo die Spanier die Franzmänner aussem Tuhnier gekegelt ham? Da ging mich fürchterlich auffen Sack, datt die Zuschauer den spanischen Verteidiger ausgepfiffen ham. Kaum hat der arme Kerl den Ball berührt, da pfiffen die auffen Rängen schon aussem letzten Loch. Der TV-Sprecher meinte, dat wärn die Deutschen, weil sie dem dat Handspiel inne Verlängerung imma noch übelnehmen. Dat glaub ich nich! Da warn doch kaum Deutsche in dat Stadion. Dat warn bestimmt Franzosen, die den Spanier unterversichern wollten. 
 
Ja, wirklich, glaubze! Ob Deutsche oder Spanier - die ham doch die Kappe kaputt! Wat kann denn son Spieler dafür, wenn er den Ball aussen paar Meter an die Pfote kriecht? Da solln se sich übern Schiri aufregen oder den Vauaherr ausse Dunkelkammer, aber nich über den Fußballer. Oder über die UEFA, die sich diese beschissene Handregel ausgedacht hat. 
 
Aber so sind die Leute heute. Irgendwat passt ihnen nich und schon ballern se aus alle Rohre. Mich geht auch schwer auffen Geist, wie die mit die Politiker umgehn tun. Ja, ja, die machen manchmal Mist. Aba wat glaubse denn, wer da am regieren is? Allet Genies mittem Abi von 0,5? Supermann, der alles weiß und allet kann und allet richtich macht? Oder Superfrau, die imma den besten Spruch auffe Lippen hat, nie wat falsch einschätzt und üba allet total Bescheid weiß - vonne Butterpreise üba de Auswirkung von ein bösen Blick im Streit mit so nem chinesischen Heiopei bis hin zu die genauen Zahlen von die Energieausbeute vonne Sonnenenergie bei 60 Prozent von die deutsche Haushalte mit Balkon? Ja, hömma, nur Gott weiß allet! Aba Götter sitzen nich im Parlament, die hocken auf Wolke sieben oder in den griechischen Olymp. 
 
Aussadem musse doch auch sagen, dass inne Regierung mit drei ganz verschiedene Parteien nix läuft, wenne dich nich auf irgendwas einigen tust, mit dem alle einverstanden sind. Kompromies, so heißt dat Zauberwort. Und am allerschlimmsten sind die Schlaumeier, die sagen: 0h, mit dat meiste, wat die machen, kann  ich zwar eigentlich leben. Aba getz ham die die Schnecken im Gatten unter Naturschutz gestellt! Nee, nee, die kann ich nu nich mehr wählen, getz geb ich mal die anderen ne Schangse, die, die imma gegen allet sind. Oh, Mann, Karl, wie bescheuert kann man sein! 
 
Weisse wat, dat war genuch frische Luft. Getz gehn wir wieda rein. Der Krause von unten, der hat die Ohr'n gespitzt, der sorcht schon dafür, dat unser Weisheiten unter die Leute komm'n. 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 1228 von 10. 7. 24 

Gestern ging die Fußball-EM weiter mit dem ersten Halbfinalspiel. Gern hätten wir miterlebt, wie Wirtz, Musiala und Füllkrug die französische Abwehr durcheinander gewirbelt hätten, aber unser Team ist ja leider ausgeschieden. Dafür können wir uns jetzt auf die nächste Fußball-Weltmeisterschaft 2026 freuen. Zumal uns erspart bleibt, was 1974 erstmals eingeführt worden war: Ein WM-Song mit aktiver Beteiligung unserer Nationalmannschaft. 
 
Wer erinnert sich nicht mit einem gewissen Gruseln an den Song von Jack White zur Heim-WM 1974? "Fußball ist unser Leben, der König Fußball regiert die Welt." 1978 engagierte der DFB dann Udo Jürgens als Vorsänger. Und eine Militärjunta freute sich über "Buenos Dias, Argentina". Ein wenig später kam dann im Text auch die klassische Rollenverteilung jener Zeit vor: "Er hält den Ball - Sie hält den Daumen." 
 
1982 waren die Spanier WM-Gastgeber. Folgerichtig sang Michael Schanze mit den deutschen Spielern: "Ole ole, ole ola, Espana y la musica!" 1986 durfte zur Verstärkung Peter Alexander ran: "Mexica mi amor - mi amor - mi amor - Spiegel Deiner stolzen Seele sind Deine Lieder." Und 1990 trat nochmals Udo Jürgen an und schmeichelte: "Sempre Roma - wie ein großes Wort für Leben - sempre Roma - heut und ewig, immer Rom." 
 
Dann ging es nach Amerika. Und weltmännisch, wie wir nunmal sind, verzichtete man komplett auf die deutsche Sprache. Allerdings hatte man ja auch zur Unterstützung die Village People angeheuert. So erklang: "Far away in Amerika we 're gonna make it." Aber nur, bis die Bulgaren uns rauswarfen. 1998 kam es dann ganz dick. Nach einer Idee von Bundestrainer Berti Vogts wirkten bei der Auftragskomposition des DFB Anna Maria Kaufmann, Joey Tempest und das London Royal Philharmonia Orchestra mit. 
 
Der Refrain ging so: "Running with a dream - Burning deep inside - Don't let them bring you down - Don't let this chance go by - Running with a dream - Only we can show - How far this road will lead." Kroatien schickte unsere Elf aber bereits nach der Vorrunde in die dead end street und der dream was ausgeträumt. Vielleicht wegen des künstlerischen Wertes dieses Songs, vielleicht aber auch als Folge der Einsicht, dass unsere Fußballer in den meisten Fällen besser kicken als singen, verzichtete der DFB danach auf solche Lieder. 
 
Jetzt darf unsere Spielerelite nur noch bei der Nationalhymne mitsingen. Vielleicht erleben wir ja 2026 ein Comeback gemeinsam mit Sarah Connor: "Brüh im Lichte dieses Glückes...". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1227 vom 9. 7. 24 

In den letzten Tagen habe ich überdurchschnittlich oft zum Essen Restaurants aufgesucht. Darunter sehr gute. Die Folgen waren weniger gut. Es ist dringend erforderlich, dass ich mitten im Sommer die nächste Fastenzeit ansetze. Doch bis dahin gönne ich mir noch ein wenig Zeit, sozusagen ein kleines Polster (Achtung, Wortspiel), um mich in Ernährungsfragen einzulesen. 
 
Dabei kann man allerhand interessantes erfahren. Wusstet Ihr beispielsweise, dass Eier zu den nährstoffreichsten Nahrungsmitteln der Welt gehören? Oder das Vanille die einzige Frucht ist, die als Bohne wächst? Oder das im Durchschnitt der Mensch 38 Prozent seiner Lebenszeit im wachen Zustand mit Essen verbringen soll? Das würde zwar meinen Bauchumfang erklären, aber das zweifle ich trotzdem an. Vielleicht müsste man jedoch zunächst klären, ob auch Bonbons lutschen oder Kaugummi kauen mitgerechnet werden. Nebenbei: Das Kaugummi gibt es bereits seit 5000 Jahren! 
 
Doch ich wollte mich ja eigentlich auf Informationen konzentrieren, die mir beim Abnehmen helfen. Da könnte es nützlich sein zu wissen, dass Rhabarber mit nur 12 Kalorien pro Kilo das Gemüse mit der geringsten Kalorienzahl ist. Und dass beim Essen einer Selleriestange mehr Kalorien verbrannt als aufgenommen werden. Aber ich will mich nicht wochenlang mit Rhabarber und Sellerie plagen. Vielleicht helfen ein paar Ekelfakten als Appetitzügler. 
 
So bekam die Blaue Forelle ihren Namen daher, dass sie nach dem Verzehr bestimmter Algen einen leichten Geschmack von Urin entwickelt. Also: Forellen meiden! In Frankreich kommt Senf aufs Baguette. Also: Weißbrot meiden! In Südamerika wurde Schokolade früher als Zahlungsmittel verwendet. Also: Schokolade nicht essen, sondern im Safe aufbewahren. Spätestens, wenn Argentinien eine stabile Ersatzwährung braucht, komme ich ganz groß raus! Aber der Hammer folgt jetzt: Meist unwissentlich verzehrt jeder Mensch im Laufe seines Lebens etwa acht Spinnen! Uuuäääh! Also: Essen meiden! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur gestrigen Geld-Folge erreichte mich eine Mail von R. D. mit schönen Grüßen aus Barkenberg:   

"Kleine historische Ergänzung zur Geschichte des Geldes: In der griechischen Antike wurde der eiserne Bratspieß, der obolòs, als Zahlungsmittel verwandt. Da ein einzelner Bratspieß als sogenanntes Gerätegeld einfach einen zu geringen Wert hatte, um ihn gegen etwas Gescheites eintauschen zu können, nahm man gleich eine Handvoll von den Dingern. Und das war dann eine Drachme. Diese war in Form von Münzen und Scheinen bis zur Einführung des Euro immer noch in Gebrauch. Ochsen wurden im alten Griechenland auch gerne als Zahlungsmittel verwendet. So gab es für eine arbeitstüchtige Frau den Gegenwert von vier Ochsen." 

 Schmunzelpost 1226 vom 8. 7. 24

Spielfrei. Da können wir uns ja mal einem weniger wichtigen Thema als dem Fußball zuwenden. Reden wir über Geld. Obwohl es heißt: Über Geld redet man nicht - das hat man! Na ja, der eine weniger, die andere mehr.
 
Weltweit gibt es derzeit rund 160 Währungen. Die älteste davon, die immer noch in Gebrauch ist, ist das Pfund, mit dem man seit 1200 Jahren zahlen kann. Davor hatten aber schon die Chinesen das Papiergeld erfunden, das bereits im 7. Jahrhundert in Gebrauch war. Stattdessen benutze ich lieber den Euro. Genau wie ca. 350 Millionen Menschen in der Eurozone von 20 EU-Mitgliedsstaaten. 
 
Anders, als ein gewisser Bolko Hoffmann uns einst glauben machen wollte, als 1999 der Euro eingeführt wurde, hat die neue Währung der D-Mark längst den Rang abgelaufen. Wenn ich nachträglich tauschen könnte und an mein kärgliches Taschengeld in Mark und Pfennig zurückdenke, würde ich dies sofort tun: Ein Kind in Deutschland bekommt bis zu seinem 18. Geburtstag jetzt durchschnittlich 10.040 Euro! 
 
Allerdings ist das kein "großes Geld", zumindest nicht im wörtlichen Sinne. Denn die größte Banknote der Welt gibt es in den Phillippinen. Sie passt in keinen Geldbeutel, da der 100.000-Piso-Schein größer ist als ein DIN-A4-Blatt. Ob man deshalb wohl dort mit Geldkoffern unterwegs ist? Vielleicht macht man es ja wie die Schweden - die leben bereits nahezu bargeldlos. Bis das überall so ist, dürfte jedoch noch viel Zeit vergehen. Allein Euromünzen sind gegenwärtig 126 Milliarden Stück unterwegs, von Euroscheinen ganz zu schweigen. Die werden übrigens alle sieben bis zehn Jahre ausgetauscht und aktualisiert, um Fälschungen zu erschweren. 
 
Nützlicher Nebeneffekt dabei: Von den nagelneuen Scheinen geht zunächst kein übler Geruch mehr aus. Der Spruch, "Geld stinkt nicht", stimmt nämlich nicht. Selbst Münzen verbreiten einen seltsam muffigen Geruch. Der entsteht durch organische Moleküle, die unsere Haut absondert. Deshalb kann Geld sogar Krankheiten übertragen. Wissenschaftler der New Yorker Universität haben auf nur einem Geldschein ca. 3000 verschiedene Arten von Pilzen, Bakterien, Krankheitserregern und DNA-Spuren gefunden! 
 
Wer nicht auf neue Scheine warten will, profitiert davon, dass es nicht verboten ist, Geld zu waschen. Das kann man angeblich in der Waschmaschine bedenkenlos tun. Wenn das Wasser zu heiß ist, könnten die Scheine allerdings leicht schrumpfen. Falls es Euch daher zu riskant erscheint, so die Banknoten zu säubern, ihr aber das Krankheitsrisiko nicht länger eingehen wollt, könnt Ihr Eure Geldscheine ruhig mir anvertrauen. Die Rückzahlung wird dann jedoch etwas dauern, da ich wahrscheinlich erstmal eine Weltreise starte. Dass mir unterwegs das Geld ausgeht, ist nicht zu befürchten - selbst in der Antarktis gibt es inzwischen zwei Geldautomaten! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1225 vom 7. 7. 24 

Nun hieß es also für die deutsche Mannschaft: Raus mit Applaus, um mal eine beliebte Plattitüde aufzuwärmen. Doch bin ich nicht der einzige, der nach unglücklichen Niederlagen und nicht gegebenen Elfmetern Phrasen und Allgemeinplätze absondert. Hier folgt eine kleine Auswahl. 
 
So sagte einst Eike Immel (für die Jüngeren unter uns: Der war mal Nationaltorwart): "Im großen und ganzen war es ein Spiel, das, wenn es anders läuft, auch anders hätte ausgehen können." Das ist nicht zu bestreiten und schon fast philosophisch. Deshalb gleich das Zitat eines echten Philosophen hinterher. Jean-Paul Sartre erkannte bereits früh: "Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der anderen Mannschaft." 
 
Nochmal zurück zur deutschen Niederlage. Da stimme ich Andreas Möller zu: "Das ist eine Deprimierung." Für die Zukunft sollten wir uns dennoch keine großen Sorgen machen, denn, wie bereits Lothar Matthäus wusste: "Wir sind eine gut intrigierte Truppe." Man könnte aber auch mit Didi Hamann sagen: "Wir haben eine gut genugene Mannschaft." Und bevor wir uns jetzt in Spekulationen ergehen, was gewesen wäre, wenn der Schiedsrichter den Elfmeter in der Verlängerung gegeben hätte, schließe ich mich Dieter Eilts an. Der Bremer Spieler antwortete mal auf die Frage eines Journalisten: "Was wäre, wenn...?" so: "Wenn meine Oma ein Bus wäre, dann könnte sie hupen." 
 
Und falls Ihr Euch nun fragt, wie der Verfasser der Schmunzelpost solche Beiträge unter Wein-Einfluss hinbekommt, dann denkt daran, was Rudi Völler einst über Reiner Calmund sagte: "Ja gut, der arbeitet von morgens bis abends. Ja gut, sowas nennt man im Volksmund, glaube ich, Alcoholic." 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1224 vom 6. 7. 24

Wollt Ihr wissen, wie Deutschland gegen Spanien gespielt hat? Deutschland hat 2:0 gewonnen. Allerdings war das am 17. Juni 1982. Gestern ging es leider anders aus. Doch weil die Niederlage sehr unglücklich war, kann man das angesichts der Leistung als Fußballfreund verkraften. 
 
Vielleicht hatte ja das EM-Maskottchen seine Hände im Spiel. Merkwürdigerweise ist unter Fußballern der Aberglaube weit verbreitet. Das beschränkt sich nicht nur auf die Spieler, die fast alle vor den Partien bestimmte Riten pflegen. Es gilt auch für die Fans und die Vereinsführungen. Fast alle deutschen Vereine im bezahlten Fußball gönnen sich ein eigenes Vereinsmaskottchen. 
 
Mitunter ist es sogar lebendig, wie das vielleicht telegenste: Der Geißbock Hennes repräsentiert den 1. FC Köln bereits in der x. Generation. Noch ein wenig eindrucksvoller ist bei der Frankfurter Eintracht der Adler Attila. Und am lautstärksten der Hahn Riki von Fortuna Köln. Aber weder verwandt noch verschwägert mit Hennes ist der Bremer Heidschnuckenbock Pico. 
 
Nun kommen wir zu den Stoffmonstern, in denen Menschen stecken. Schalke setzt auf Tradition und schickt den Bergmann Erwin aufs Spielfeld. In Nordlüdenscheid versucht die Biene Emma statt Honig Punkte zu sammeln. Den VfB Stuttgart verkörpert das Krokodil Fritzle. Borussia Mönchengladbach erinnert gleich doppelt an glorreiche Zeiten. Ein Fohlen steht für eine legendäre Elf früherer Tage. Und als Würdigung von deren Spielmacher heißt es Jünther. 
 
Kommen wir abschließend zu den etwas kurioseren Einfällen. Was, zum Teufel, hat den Zweitliga-Aufsteiger Preußen Münster geritten, seinen Adler Fiffi zu taufen? Den Hamburgern hätte jemand sagen sollen, dass Dinosaurier längst ausgestorben sind. Aber immerhin zeugt der Name Hermann von einer gewissen Gemütlichkeit. Es muss sich wohl ohnehin um einen Pflanzenfresser handeln, der Erstligarasen verabscheut. Äußerst kreativ war man bei Alemannia Aachen. Wer sonst käme auf die Idee, einen Kartoffelkäfer Al-Aix zu nennen? Aber das Maskottchen mit dem ungewöhnlichsten Namen gibt es trotzdem im Stadion von Erzgebirge Aue: Dessen riesiges Plüsch-Baby heißt Schachtscheißer! 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1223 vom 5. 7. 24

Nur noch wenige Tage bleiben, bis die Europameisterschaft endet. Also beginne ich meine Schluss-Offensive, um Euer Fußballwissen aufzupolieren. Aber vielleicht gibt es auch noch etwas Nachspielzeit oder eine Verlängerung. Aber auf keinen Fall ein Elfmeterschießen. 
 
Apropos Elfmeterschießen: Auf internationaler Ebene wurde diese Möglichkeit, bei unentschiedenem Spielstand selbst nach Verlängerung den Sieger zu ermitteln, weltweit erst 1976 eingeführt. Zuvor hatte man sich mit einem Los-Entscheid per Münzwurf beholfen, was alle Beteiligten als unbefriedigend empfanden. Vor allem der 1. FC Köln. Die Rheinländer waren so im Europacup gegen den FC Liverpool ausgeschieden, wobei beim ersten Wurf die Münze auch noch hochkant im Rasen stecken blieb! 
 
Ein gewisser Karl Wald rühmt sich, Erfinder des Elfmeterschießens zu sein. Der Schiedsrichter hatte 1970 bei einem bayerischen DFB-Verbandstag einen entsprechenden Vorschlag ausformuliert. Allerdings gab es die Entscheidung vom Elfmeter-Punkt in Deutschland bereits vorher. So wurde schon im Mai 1967 eine Pokalbegegnung zwischen der Spvvg. Ludwigsburg und Normannia Gmünd entschieden. Das erste offizielle Elfmeterschießen aber gewann im Pokalspiel gegen Wolfsburg im Dezember 1970 - na, wer auch sonst? - der ruhmreiche FC Schalke 04.
 
So weit, so normal. Kommen wir zu Kuriositäten. Auch Schiedsrichter können - Achtung, Wortwitz - pfiffig sein. Schiri Senad Jerkovic bemerkte kurz vor Anpfiff, dass er die Gelbe und die Rote Karte zuhause vergessen hatte. Wie half er sich aus der Klemme? Als Ersatz für die Gelbe Karte zeigte er sechsmal seinen Personalausweis und in der 75. Minute sogar gelb-rot, wobei er für diesen Platzverweis seinen Ausweis noch durch eine rote Sparkassen-Karte ergänzte. 
 
Ja, man muss sich nur zu helfen wissen. Das galt auch beim ersten Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, das erst mit 45 Minuten Verspätung begann. Als am Pfingstsonntag 1903 in Hamburg das Finale angepfiffen werden sollte, stellt man fest, dass kein Ball vorhanden war. Ersatz wurde eilig von einem Zuschauer besorgt. Allerdings mussten die Spieler das Leder mit dem Mund aufblasen, bevor es endlich losgehen konnte. Das Endspiel gewann übrigens der VfB Leipzig mit 7:2. 
 
Als Zugabe noch ein Kuriosum: Finalgegner DFC Prag war kampflos ins Endspiel eingezogen, weil der Karlsruher FV zum Halbfinale gar nicht angetreten war. Vielleicht der erste deutsche Fußball-Skandal: Die Karlsruher Spieler waren nicht angereist, weil sie kurz vor der Abfahrt ein Telegramm erhalten hatten. Darin stand: "Meisterschaftsspiel verlegt". Es wurde nie aufgeklärt, wer der Absender war. Ich vermute, die Spur führt nach Nordlüdenscheid. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1222 vom 4. 7. 24  

Oh, schon wieder ein Tag ohne EM-Spiel. Die Zeit will ich nutzen, um einem höchst ungewöhnlichen Hobby nachzugehen. Wer mich kennt, würde nie vermuten, dass ich dafür eine solche Vorliebe entwickelt habe. 
 
Ich freue mich immer, wenn es in Strömen regnet und wir Gäste empfangen. Aus Sorge, den Boden zu versauen kommt dann schon mal die höfliche Frage: "Sollen wir nicht besser unsere Schuhe ausziehen?" Meine Antwort lautet dann nicht etwa: "Nein, bloß nicht, ich kann den Anblick löchriger Socken nicht ertragen!", sondern stattdessen: "Tritt ein, tritt ein, bring Schmutz herein." Wir haben nämlich einen Wischroboter. 
 
Nein, das ist kein Verwandter des Saugroboters oder des elektrischen Igelfressers im Garten. Unser Wischroboter ist der männliche Haussklave. Also ich. Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Bei der gerechten Aufteilung der Hausarbeit habe ich das selbst so vorgeschlagen: "Ich überlasse Dir großmütig das Putzen der Toiletten und kümmere mich stattdessen um unsere Steinfußböden."
 
Seit ich nämlich im Handel einen Wischsauger entdeckt habe, der laut Werbung in Nullkommanix den Steinfußboden nicht nur säubert, sondern auch noch zum Glänzen bringt, bin ich zum Putzteufel mutiert. Zumindest in meinem Spezialgebiet. Allerdings merkte ich bald: Einmal drüber und schon sauber, das funktioniert so nicht. Manche Fliese muss man schon mehrfach bearbeiten, hin und zurück, hin und zurück, hin und zurück... 
 
Schaltet man dazu die höchste Reinigungsstufe ein, dann ist der Tank mit dem Bodenpflegemittel schnell leer und muss nachgefüllt werden. Auch der Akku braucht rasch eine Aufladepause. Das ist für mich willkommener Anlass, die Füße hochzulegen und mich ein Stündchen von der schweren Arbeit zu erholen. Dann kann es aber zügig weitergehen. Es sei denn, der Abwasserbehälter ist voll.  Da kommen wir zum unangenehmen Teil meiner schmutzigen Leidenschaft. Die Reinigung beschränkt sich nicht nur auf das Auskippen des Schmutzwassers, sondern auch der klebrige Dreck, der sich überall hartnäckig festklammert, muss entfernt werden.
 
Noch fieser ist nur, dass dieser Dreck mitunter den Wischbetrieb stoppt. Dann schaltet sich das Gerät automatisch ab. Und ich rätsele, ob sich Schmutzklumpen an der Bürste festgesetzt haben oder ob im Inneren eine der Zuleitungsdüsen verstopft ist, wobei die Säuberungsaktion dann großes Fingerspitzengefühl erfordert. In solchen Augenblicken denke ich kurz, dass ich mich vielleicht doch für die Toilettenreinigung hätte entscheiden sollen. 
 
Aber was ein echter Saubermann ist, der lässt sich von solchen Widrigkeiten nicht aufhalten. Schon bin ich wieder dabei, den Fußboden zu wischen. Und zwar mit solcher Gründlichkeit und Akribie, dass nicht die kleinste Ecke ausgelassen wird. Gut, wenn da etwas besonders hartnäckig klebt, dann sage ich schon: Tja, kann man nichts machen, da überlasse ich den Auflösungsprozess eben der Natur. Man muss bei uns nämlich nicht vom Fußboden essen. Doch ansonsten bin ich sowas von gründlich und fleißig, dass mir der Schweiß von der Stirn tropft und ich die Prozedur am liebsten jeden Tag wiederholen würde. 
 
Doch wenn ich meine Putz-Partnerin aus dem Sessel aufscheuchen und aus dem Raum vertreiben will, winkt sie leider meistens ab. Und ich füge mich zähneknirschend. "In Ordnung", sage ich dann, "man soll es nicht übertreiben - zweimal im Jahr sollte reichen." Ihr merkt, mein Motto heißt frei nach Loriot: Es wischt und saugt der Klausemann, dass Mutti nur noch staunen kann! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1221 vom 3. 7. 24 

Oh, ein Tag ohne EM-Spiel. Nicht nur einer: Gleich zwei Tage hintereinander sind spielfrei. Dann macht selbstverständlich auch die Schmunzelpost eine Fußball-Pause. 
 
Apropos Pause. Das ist doch ein schönes Wort, oder? Wer erinnert sich nicht gern an die Pausenklingel, die einen Unwissenden am Ende der Schulstunde davor rettete, aufgerufen zu werden. Oder an die Mittagspause, die erlaubte, nach anstrengenden Stunden den Griffel fallen zu lassen und ein Weilchen abzuschalten. Obwohl es da entscheidend auf den Standort ankommt: Wer in der Post Schlange gestanden hatte und kurz davor war, endlich dranzukommen, registrierte empört, dass plötzlich das Schalter-Rollo herunterrasselte. 
 
Auch die Zwangspause, die uns daran hindert, eine wichtige Arbeit auszuführen, hat einen zwiespältigen Charakter. Denn manchmal schwingt dabei Scheinheiligkeit mit: "Ich hätte Dir so gern beim Umzug geholfen. Aber leider konnte ich nicht: Hexenschuss!" Jahreszeitlich bedingt unterscheiden wir die Sommerpause von der Winterpause. Zur Menopause fragt Ihr bitte Euren Frauenarzt oder die Apothekerin. Und die Sendepause ist leider so gut wie ausgestorben - obwohl man bei manchen Sendern wünscht, dass sie täglich mindestens 23 Stunden, 59 Minuten und 60 Sekunden dauern sollte. 
 
Das Wort "Pause" stammt übrigens vom altgriechischen "pausis" ab und bezeichnet die zeitlich begrenzte Unterbrechung eines Vorgangs. Und so wusste in der Antike bereits Ovid: "Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer." Und Waltraud Puzicha erkannte: "Pausen sind die Löcher im Käse des Lebens." Doch womöglich kommt es entscheidend darauf an, wo man seine Pausen verbringt. So sagt Rabindranath Thakur: "Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten."
 
Zeit für ein Pausenzeichen. Ich mache jetzt erst mal Pause bis zur nächsten Schmunzelpost. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1220 vom 2. 7. 24 

Ooole, ole, ole, ooole! Jetzt geht es also im Viertelfinale gegen Spanien. Diese Mannschaft hat mich bislang stark beeindruckt, und ich fürchte, am Freitag könnte uns bei der Europameisterschaft das Ausscheiden drohen. Deshalb ist es angebracht, im Vorfeld nach der richtigen Taktik und Mitteln zu suchen, wie wir die Spanier bremsen können.
 
Doch wie wir bereits gestern bei den Deutschen gesehen haben: Die Spanier gibt es gar nicht. Es gibt Madrilenen, Katalanen, Basken und Cocker-Spanier. Die gelten als besonders bissig. Was sagt Ihr? Die schreiben sich mit "l" am Ende? Das kommt mir spanisch vor. Auf jeden Fall sollten wir alle Trikots vermeiden, die irgendeine Verwandschaft mit Rottönen aufweisen. Darauf reagieren die Spanier besonders angriffslustig und kampfwillig.
 
Was? Schon wieder falsch? Es sind die Spanier, die Stiere mit roten Tüchern reizen und sie elegant ins Leere laufen lassen? Na, dann erklärt sich für mich, warum die spanischen Fußballer so gern rot gekleidet auflaufen. Deshalb sind also ihre Körpertäuschungen so erfolgreich, mit denen sie bei ihren Dribblings die Gegner reihenweise aussteigen lassen. 
 
Nein, die Lösung liegt woanders. Der Spanier an sich liebt die Siesta. Gerade an heißen Tagen legt er sich gern mal aufs Ohr und träumt lieber von schönen Toren, statt selbst welche zu erzielen. Lehre Nummer eins: Wir müssen im Stadion die Zentralheizung auf höchster Stufe bullern lassen. Lehre Nummer zwei: Die Flutlichtanlage wird von Anfang an eingeschaltet und muss ihr Bestes geben, damit ihr Unterbewusstsein den Spaniern signalisiert, dass eine gleißende Sonne hoch am Himmel steht. Und Lehre Nummer drei: Das Publikum muss auf aufwühlende Schlachtgesänge wie "Oh, wie ist das schön!" verzichten. Vor allem das beliebte "Ooole, ole, ole, ooole" ist diesmal aus nachvollziehbaren Gründen total fehl am Platze. Stattdessen singen und summen alle gemeinsam: "Schlaf, Spanier, schlaf!" 
 
Glaubt mir, das wird uns helfen. Wir Schalker wissen schließlich am besten, wie man selbst stärkste Gegner wie Meppen und Nordlüdenscheid aus dem Stadion fegt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1219 vom 1. 7. 24 

Zur gestrigen Schmunzelpost und zum abendlichen Fußballspiel merkt Bertold an: "Das bringt Vivi Bach und Dietmar Schönherr ins Gedächtnis zurück: 'Gut geht es Dänen und denen, denen Dänen nahestehen.' Da wir gestern meist nahe genug bei Ericson und Co waren, scheint er Gültigkeit behalten zu haben."  - Noch näher als die Dänen stehen uns jedoch die vielen Volksstämme, die sich unter dem Dach der deutschen Nation versammeln. 
 
Wie komme ich darauf? Nun, der Möchtegern-Umstürzler Prinz Heinrich, der XIII., der gerade vor Gericht steht, hatte ernsthaft erwogen, juristisch durchzusetzen, dass die Reußen als indigenes Volk anerkannt werden. Erst dachte ich, "jetzt schlägt's aber dreizehn, Eure Majestät", aber dann fand ich den Gedanken originell. Wer oder was jedoch sind die Reußen? Mir war bisher nur bekannt, dass es sich dabei früher um Russen handelte, weil erst im Laufe der Zeit aus Reuße ein Rus und später ein Russe wurde. Eine Lebensform, die schließlich als Putin Vollkommenheit erlangte. 
 
Übrig blieb der Spruch "Der Zar ist Herrscher aller Reußen". Und auch ein umtriebiges Völkchen aus Deutschland, das sich sprachlich zu Preußen entwickelte und in unserer Geschichte eine nicht unwichtige Rolle spielte. Das bringt mich zu einem zweiten Volksstamm, dem die Preußen bis heute verhasst sind. Es geht um urigen Bewohner der Voralpen, die sich gern in Lederhosen und Dirndl kleiden und sich von Bier, Schweinshaxen und Radi ernähren. Eine Untergruppe hat sich unter der Überschrift CSU, was für "Chaotische Suff-Unholde" steht, zu den sogenannten Söderanern zusammengeschlossen. Man erkennt sie daran, dass ihre Fahne stets in die Richtung weht, in welche der Wind gerade bläst. Und da am Rand der Alpen meist Föhn herrscht, verbreitet ihr Häuptling auch selbst gern heiße Luft. 
 
Doch zurück zu Heinrich. Seine Reußen sind Familienmitglieder des Hauses Reuß. Das stellte als Abzweig der Vögte von Weida und Plauen das bis 1918 in einem Teil von Sachsen-Anhalt herrschende Geschlecht dar und soll sich seine Sitten und Gebräuche über die Jahrhunderte hinweg bewahrt haben. Dazu gehört, so Heinrich, der Anspruch auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Was in dem Fall nichts anderes bedeutet als die weise Regentschaft des Sippenoberhauptes. 
 
Nun habe ich mir unter einem indigenen Volk bisher etwas ganz anderes vorgestellt. Zum Beispiel einen Indio-Stamm, der gänzlich unbeleckt von der Zivilisation abgeschieden in einem nur sehr schwer zugänglichen Teil des Regenwaldes lebt. Also so etwas wie unsere Sauerländer aus Oberhundem. Aber vielleicht liegt in dem Gedanken sogar die Lösung für ein unser Land quälendes Problem. Wir könnten alle Regionen, die sich mehrheitlich für die AfD entscheiden, als indigene Autonome sich selbst überlassen und zuschauen, wie sie versuchen, ohne NATO, EU und dem demokratischen Teil Deutschlands allein über die Runden zu kommen. 
 
Doch womöglich wäre das keine gute Idee. Denn wahrscheinlich würden die Mini-Staaten ihren verehrten Schutzherren Putin um Hilfe bitten. Und dann wären wir wahrscheinlich allesamt schneller wieder Reußen, als uns lieb ist. Mist! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1218 vom 30. 6. 24

Habt Ihr schon mitbekommen, dass gerade die Fußball-Europameisterschaft läuft? Nein? Pfui, dann habt Ihr die letzten Folgen der Schmunzelpost geschwänzt. Heute möchte ich nur kurz erwähnen, bis gestern spielten dort   auch die Dänen. Zugegeben, das war ein schwacher Reim. Ich brauchte aber eine Überleitung zum heutigen Thema. Denn nach Österreich und der Schweiz wenden wir uns diesmal Dänemark zu. 
 
Starten wir, mit Blick auf das gestrige Spiel, mit ein paar dänischen Beschimpfungen für den Schiedsrichter. Mein Lieblingsschimpfwort ist "Bangebuks", was "Feigling" bedeutet. Ein Taugenichts, das kann man erahnen, ist ein(e) "Nul". Ein "Snylter" ist ein Trottel, ein "Net Kook" ein Spinner. Warum ein männliches Geschlechtsteil in Dänemark als Schimpfwort gilt, weiß ich zwar nicht, es heißt aber Kodflojte. Wobei die beiden o-Vokale von Querstrichen durchzogen sind. Dafür weiß ich aber nun, dass ich schon länger ein dänisches Schimpfwort perfekt beherrsche: "Idioten" heißt Idioten, lässt sich aber auch im Singular anwenden. 
 
Was weiß ich sonst noch über Dänemark? Erschreckend wenig. Dass Dänen ehrliche Menschen sind, weiß jeder. Denn: Dänen lügen nicht! Und seit der Muppets-Show und dank des dort auftretenden dänischen Kochs ist mir die Leibspeise der Dänen vertraut: Smörrebröd! Aus dem Studium der Geschichte weiß ich, dass die Dänen einst ein viel größeres Reich regierten. Dazu gehörten nicht nur Teile von Skandinavien, sondern auch von Deutschland. 1864 eroberten die Preußen und Österreicher gemeinsam das überwiegend von Deutschen bewohnte Schleswig-Holstein (inklusive Lauenburg) zurück. Die Dänen, die gegenwärtig immer noch in Deutschland leben, werden von ihren Landsleuten übrigens verächtlich "Speckdänen" genannt. 
 
In neuerer Zeit machten die Dänen nur noch einmal in Europa Machtansprüche geltend. 1992 sprangen sie mit einem aus dem Urlaub zurückgeholten Team als Ersatz für das durch einen Bürgerkrieg zerrissene Jugoslawien ein und holten sensationell den EM-Titel. Doch das ist Geschichte. Seit gestern Abend wissen wir, dass von "Danish Dynamit" nicht mehr viel übrig geblieben ist. Darauf ein Smörrebröd und dazu ein großes Glas Carlsberg! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1217 vom 29. 6. 24 

Heiter geht es weiter. Aber auch ein bisschen traurig und nachdenklich. Denn rund um den erstaunlichen 16:0-Erfolg, den die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1912 bei den Olympischen Spielen in Schweden feiern konnte, ranken sich eine Reihe von Begleiterscheinungen, die eine gesonderte Betrachtung verdienen. 
 
Schon damals wurden Sportereignisse für politische Kundgebungen genutzt. Etwa 30 Demonstranten wollten im Rasunda-Stadion die Weltpresse auf ihre Ziele aufmerksam machen. Auf ihren Plakaten hieß es "Mörder-Zar!", "Freiheit für Finnland!" oder "Blutsauger nach Sibirien!". Aber der Effekt war gering. Die Presse nahm kaum Notiz, und die Zuschauer spendeten nur spärlich Beifall, äußerten jedoch lautstark Unmut über den verzögerten Anpfiff. Allerdings war ihre Zahl recht überschaubar. Selbst gegen Mannschaften aus Glücksburg, Süderbrarup oder Eutin hätte das Team von Holstein Kiel mehr Volk aus dem Haus gelockt, erinnert sich Torwart "Adsch" Werner (der seinen eigentlichen Vornamen Adolf abscheulich fand. Eine Vorahnung?).
 
Dagegen kamen die Demonstranten in den vollen Genuss der ebenso aufmerksamen wie eifrigen Staatsmacht. Berittene Polizisten ruinierten den gepflegten Rasen und sicherten mit gezogenem Säbel die Absperrungen. Eine Fußtruppe mit Pickelhauben, Schlagstöcken und nervösen deutschen Schäferhunden ohne Maulkorb nahm Aufstellung und vertrieb die Protestierenden. 
 
Mit einer Stunde Verspätung begann dann das denkwürdige Spiel. Vorher galt der Ausgang als ungewiss, weil für die Russen gut ausgebildete, technisch versierte Spieler antraten, die in vielerlei Hinsicht als mindestens ebenbürtig galten. Was dann kam, hatte niemand vorausgesehen. Schon nach neun Minuten stand es 3:0 für Deutschland, nach 34 Minuten bereits 8:0. Verteidiger Reese behauptete hinterher, er haben neunzig Minuten lang nur Blümchen gepflückt. Und Torwart Adsch Werner, der sich hüpfend warm hielt, fragte zwischendurch seine Mannschaftsgefährten nach dem Spielstand. Doch die wussten ihn auch nicht - nach dem 9:0 wurde die Anzeigetafel nicht mehr geändert, weil zweistellige Resultate nicht vorgesehen waren. 
 
Und die Zuschauer? Tobten sie vor Begeisterung? Von wegen! Die Anhänger der Russen verließen schon zur Halbzeit fluchtartig das Stadion. Die Schweden, die erst die Russen angefeuert hatten, weil sie über die Rede von Kaiser Wilhelm beim letzten Staatsbesuch verärgert waren, verstummten völlig. Und die wenigen Deutschen klatschten zwar pflichtschuldig nach jedem Tor, ließen sich sonst aber anmerken, dass sie nur ihre Freikarten absaßen und lieber bei einem Reitturnier dabei gewesen wären. 
 
Auf dem Platz tat sich in der zweiten Hälfte weiterhin Erstaunliches. Nach dem 16:0 in der 70. Minute, dem zehnten Tor von Gottfried Fuchs,  signalisierte der Schütze seinen Mitspielern, es nun gut sein zu lassen - der russische Torwart hockte heulend zwischen den Torpfosten. Die Mannschaft hielt sich daran, und der Rest der Spielzeit wurde mit Gekicke im Mittelfeld herumgebracht. 
 
Was aber war die Ursache für die katastrophale Leistung der Russen? In der Presse gab es kaum Lob für die Deutschen, stattdessen wilde Spekulationen. Da wurde das Gerücht zitiert, die eigentliche russische Elf sei nicht pünktlich angekommen und daraufhin sei eilig eine Ersatztruppe aus Ruderern, Tauziehspezialisten und Leichtathleten zusammengewürfelt worden. Österreichische Zeitungen behaupteten, die Deutschen hätten bei einem gemeinsamen Bankett die Russen zum Trinken von Wodka animiert, sie ordentlich abgefüllt, aber selbst nur Wasser getrunken. Noch infamer der niederträchtige Rufmord eines Königsberger Blattes. Danach hätten die deutschen Nationalspieler Gottfried Fuchs und Julius Hirsch, verschlagen, wie Juden nunmal seien, während des Banketts lähmendes Gift in die russische Soljanka gemischt. 
 
Dieses Bankett hat es nie gegeben. Stattdessen erfuhren die deutschen Spieler auf dem Platz von den Russen den wahren Grund des Dilemmas. Die russischen Feldspieler stammten je zur Hälfte von verfeindeten Mannschaften aus Moskau und Petersburg. Sie konnten absolut nicht miteinander. Nur der verzweifelte Torwart war neutral und somit verdammt, ein Häuflein Elend zu werden. Ein Feldspieler, der gut englisch sprach, erklärte dagegen, dass er sich für sein verrottetes Land doch nicht die Lunge aus dem Leib rennen wolle. 
 
Welch ein Kontrast! Denn im Gegensatz dazu schreibe ich mir für Euch und die Schmunzelpost gern die Finger wund! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1216 vom 28. 6. 24

In der Hoffnung, dass Dänemark am Samstag für unser Team nicht zur EM-Endstation wird, verweile ich noch ein wenig beim Thema Fußball. Denn in diesen Arenen spielen sich heutzutage die großen Dramen ab. Außerdem ist für nicht wenige Menschen Fußball sogar eine Art Ersatzreligion geworden. Das mag man gut finden oder nicht, jedenfalls feiere ich einen "glorreichen Sieg" lieber im Stadion (oder ersatzweise vor dem Fernsehgerät) als auf dem Schlachtfeld. 
 
Davon konnte auch, die Älteren werden sich erinnern, unsere DFB-Elf einige erringen. Nicht immer war das mit einem Titelgewinn verbunden. Von der WM 2014 wird mir der 7:1-Triumph gegen Brasilien ewig in guter Erinnerung bleiben. Doch das war beileibe nicht der höchste Sieg, den eine deutsche Nationalmannschaft verbuchen konnte. Bis heute unübertroffen blieb der Erfolg über Russland im Jahr 1912 bei den Olympischen Spielen von Stockholm. Und da Schmunzelpost-Leser in der Regel literaturaffin sind, verweise ich dazu auf ein kleines Büchlein. Dietmar Sous hat über das denkwürdige Spiel eine Erzählung geschrieben und seinem Werk einen einprägsamen Titel gegeben: "16:0"! 
 
Protagonist ist Ich-Erzähler Adolf "Adsch" Werner, ein Schornsteinfeger. Und außerdem Torwart des 1912 amtierenden Deutschen Meisters Holstein Kiel und der Nationalmannschaft. Außerdem bereits im Kaiserreich ein Anhänger der Demokratie und Sozialdemokrat. Ja, die noch viel Älteren erinnern sich vielleicht: Es gab mal eine Zeit, als die SPD eine führende Rolle in der Politik spielte. 
 
Wie heute war Politik auch 1912 bereits häufig mit am Ball. Von wegen: Sport ist strikt neutral, Politik bleibt komplett außen vor. Dafür war das Prestige, seinerzeit sprach man von Ruhm und Ehre für das Vaterland, viel zu wichtig. Aber auch die Sorge vor Konflikten mit Verbündeten. 
 
Das zeigte bereits ein Eklat wenige Wochen vor dem Rekordsieg vom 1. 7. 1912 im Rasunda-Stadion von Stockholm. Im Vorrundenspiel traf die deutsche Mannschaft auf Österreich, seinerzeit neben England führende Fußballnation in Europa. Zwar war den Deutschen im Vorfeld einmal fast ein 2:2 geglückt, aber das durfte nicht sein. Drei Minuten vor Schluss wurde ein durchgebrochener deutscher Stürmer vom Keeper der Österreicher rüde von den Beinen geholt. Elfmeter! Der deutsche Torjäger Eugen Kipp wollte anlaufen, wurde jedoch vom niederländischen Schiedsrichter gestoppt. Der behauptete, er habe die Partie bereits zwei Sekunden vor dem Foul durch den Schlusspfiff beendet. Es blieb beim 2:1 für Österreich. 
 
Nun kam es bei Olympia zur Revanche. Das Spiel begann mit einem Skandal. Wegen Windstille erschlafft hing einsam eine österreichische Flagge am Mast. Die deutsche Fahne fehlte. Große Aufregung. Bis zur Halbzeit war Ersatz beschafft, doch der Ärger wuchs: Hochgezogen wurde die italienische Flagge. Erst bei Spielschluss war dann eine deutsche Fahne am Ort - aber nur halb so groß wie die österreichische! 
 
Auf dem Spielfeld verblüfften die Deutschen zunächst die neutralen Zuschauer. Sie führten zur Halbzeit 1:0 und hatten sogar noch zahlreiche Chancen vergeben. Doch in der zweiten Halbzeit drehten die Österreicher auf, stürmten, was das Zeug hielt und gingen knallhart zu Werke. Nach einer üblen Attacke blieb der deutsche Torhüter blutüberströmt liegen. Auswechslungen gab es damals nicht. Doch die Deutschen durften einen Feldspieler herausnehmen und wollten ihren bis dato Ersatztorwart Addsch Werner zwischen die Pfosten stellen. Das aber untersagte der Schiedsrichter. Also zog der Mittelstürmer das Torwart-Trikot über, und mit nur zehn Mann und einer Hilfskraft im Kasten ging das Spiel schließlich mit 1:5 verloren. Danach weigerte sich die deutsche Mannschaft, ihren Bezwingern zu gratulieren. 
 
Das hatte Folgen. Zum Abendessen zelebrierte Graf Julius Caesar Erdmann von Wartersleben, Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, seinen großen Auftritt am Mannschaftstisch. Er erkundigte sich nach dem Grund für das Verhalten nach dem Abpfiff. "Wir wollten ihnen zeigen, was wir von ihrer Unfairness halten." "Das ist keine Antwort auf meine Frage", schnauzte der Graf, "Und bequemen Sie sich gefälligst, mich nicht mit englischem Wortschmutz zu belästigen, Sie!" 
 
Die Standpauke ging noch weiter. Das Schicksal der Nation stehe in Zeiten der Einkreisung auf dem Spiel: "Indem Sie am heutigen Tage den sportlichen Vertretern unseres engsten Bundesgenossen vor den Augen der Weltpresse den Handschlag verweigerten, haben Sie in verabscheuungswürdiger Weise dem Ansehen und den Interessen des Deutschen Reiches schwersten Schaden zugefügt. Unsere Feinde werden feixen vor Vergnügen." 
 
Mittelläufer Sepp Gruber, genannt "der Professor", wagte eine Replik: "Warum tragen Sie den Namen Julius Caesars, des Mannes, der deutschen Interessen schwersten Schaden zugefügt hat, indem er unsere Vorfahren in verabscheuungwürdiger Weise unterjochte und versklavte, bestimmt zum feixenden Vergnügen der Gallier und der britannischen Stämme?" Darauf blieb der Graf eine Antwort schuldig. Er schnaubte nur mehrmals "Mensch!", für ihn wohl das schlimmste aller Schimpfwörter. Und beim Verlassen des Saales fügte er noch hinzu: "In puncto Impertinenz ist Ihnen Gold sicher, meine Gratulation!" 
 
Oh, ich stelle fest, wir haben die Nachspielzeit schon überschritten. Ich muss den Pfiff des niederländischen Schiedsrichter überhört haben. Fortsetzung morgen! 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1215 vom 27. 6. 24

War ja klar, dass ich den Flachpass aus der letzten Folge technisch gekonnt annehme, als Vorlage nutze und zu einem weiteren EM-Beitrag verarbeite. Diesmal geht es auch wieder um die Sprache und zwar aus zwei Ländern, die sich für das Achtelfinale qualifizieren konnten. 
 
Dabei haben uns die Schweizer im letzten Gruppenspiel ein hartes Nüssli zu knacken gegeben. Das bringt mich darauf, dass sich "uf Schwiizerdütsch" fast alles irgendwie niedlich anhört, sogar die Kraftworte. Wenn ein Schweizer über einen Tolpatsch herzieht, dann klingt das so: "Sone Gwaggli! Und jetzt isch er no über's Bänkli gstolperet." Auch "Schofseckel", gesprochen: Schoofseggel, hört sich harmlos an, ist aber eigentlich das Fortpflanzungsorgan eines Schafsbockes. Und bedeutet nichts anderes als Vollidiot! 
 
Besonders ins Herz geschlossen haben die Schweizer offenbar etwas einfältige Personen, die man bei uns despektierlich als Trottel bezeichnet. Für sie gibt es eine Vielfalt an Ausdrücken. Das reicht von "Totsch" über "Tschumpel" bis "Tschooli", "Löli", "Lappi" und "Duubel". Ein Anwendungsbeispiel gefällig? "Du Tschumpel muesch denk d'Handbremsi au no löse." Ach ja, es gibt auch eine weibliche Form: "Zwätschgä". 
 
Und der männliche Autofahrer kann auch in der Schweiz ein echter Macho sein. Zumindest, wenn er über Autofahrerinnen herzieht, die seiner Ansicht nach ihren Führerschein in der Lotterie gewonnen haben. Diese Frauen heißen für ihn "Tüpfi". Und das klingt dann so: "Das Tüpfi het uf de Autobahn aghalte, will uf em Navi ‹bitte warten› gstande isch." 
 
Nun zu den Österreichern. Die haben gegenwärtig eigentlich wenig Grund zum Granteln, dal ihre Mannschaft sensationell Gruppenerster geworden ist. Vor Frankreich und den Niederlanden! Wenn ein Österreicher aber richtig vom Leder ziehen will, dann ist er uns gegenüber klar im Vorteil. In Österreich gibt es nämlich eine Art Duden für Schimpfwörter, den "Wappler". 
 
Den habe ich an dieser Stelle vor langer Zeit schon einmal unter die Lupe genommen, aber aus aktuellem Anlass schaue ich heute nochmal hinein. Vielleicht hilft Euch das im Urlaub auf die Sprünge, wenn ein Österreicher freundlich lächelnd etwas zu Euch sagt, was Ihr nicht einordnen könnt. Hellhörig werden solltet Ihr, falls Ihr als "C-Achtziger" bezeichnet werdet. Der Code C-80 steht im österreichischen Bundesheer für Untauglichkeit wegen Schwachsinn. 
 
Und wenn Ihr auf der Anreise auf einem Autobahnrastplatz vor dem WC in der Schlange steht, dann kriegt Ihr vielleicht zu hören: "Ka Germane brunzt allane!" Das erklärt sich von selbst, oder? Allerdings führt ein verwandter Begriff zum Verdacht, dass die Inzucht in abgelegenen Alpentälern womöglich bis heute nachwirkt und zu merkwürdigen Angewohnheiten führt. Wie sonst kommt man darauf, jemand als "Gschirrlbrunzer" zu titulieren? Das ist ein Friedhofsgärtner, der sich in für Blumenschmuck vorgesehene Vasen erleichtert. 
 
So, jetzt habe ich lange genug vor dem Blechtrottel gesessen. So nennt der Österreicher einen Computer. Doch das hätte ich vermutlich gar nicht erklären müssen, weil meine Leser ja allesamt "Blitzgneißer" sind. Das hieß ursprünglich Schnellversteher und bezeichnete besonders aufgeweckte Menschen. Bevor Ihr Euch aber jetzt etwas darauf einbildet: Heute wird es in Österreich stets ironisch gebraucht für Leute, die zum Begreifen einer Selbstverständlichkeit viel zu lange brauchen. . .
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1214 vom 26. 6. 24

Bisher verläuft die Fußball-EM außerhalb der Stadien erfreulich positiv und überwiegend friedlich. Erstaunlich, wie viele Gäste aus anderen Nationen sich weder von den hohen Kosten noch von der oft weiten Anfahrt abhalten lassen, um vor Ort dabei zu sein. 24 Länder sind am Start, da fragt man sich, wie sich die Fußball-Fans untereinander verständigen. Na gut, ein paar lebenswichtige Grundbegriffe wie Bier, Goal oder Abseits kennt fast jeder. 
 
Ansonsten wäre es bei derartigen Veranstaltungen sehr sinnvoll, wenn mehr Menschen die Universal-Sprache Esperanto beherrschen würden. Sie hat sich jedoch nicht durchgesetzt und wird nur von rund 500 000 Personen gesprochen. Neben unentbehrlichen Hilfsmitteln wie Händen und Füßen hat sich dafür in Europa Englisch etabliert. Fast jeder kennt zumindest ein paar Brocken. Englisch wird in jedem Land der Welt in Schulen unterrichtet und ist außerdem die meistgesprochene Sprache der Welt. 

Dazu will ich Euer Wissen ein wenig ergänzen. Kennt Ihr den kürzesten vollständigen englischen Satz? Er besteht aus nur drei Buchstaben und lautet: "I am!" Und was ist das längste englische Wort ohne Vokale? Das ist "Rhythms", woran man erkennt, dass so ein y durchaus nützlich sein kann. Ich frage mich nur, wie die Tschechen die Aussprache hinkriegen. Sie haben ein Wort, das bloß aus acht Konsonanten besteht: "scvrnkls". Doch auch das Englische kann kompliziert sein: Das kleine Wörtchen "set" hat mehr als 430 unterschiedliche Bedeutungen. 
Auch sangesfreudige niederländische Schlachtenbummler leiden unter einem Mangel der englischen Sprache. Für "orange" gibt es im Englischen kein passendes Reimwort.  
 
Aber nicht holländischen, sondern drei britischen Fußballfreunden habe ich auf den rechten Weg geholfen, als ich kürzlich von einem Arzttermin in Gelsenkirchen mit der Straßenbahn die Heimreise antreten wollten. Die drei waren sich nicht sicher, in welche Fahrtrichtung sie einsteigen sollten. Bevor sie sich irrtümlich nach Bochum-Langendreer begaben, griff ich ein: "To Veltins-Stadion? This side! The Arena is the home of the most famous club of the world!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1213 vom 25. 6. 24

Als ich heute im Betreff die Zahl 1213 schrieb, dachte ich, dass inzwischen Tag für Tag doch eine ganze Menge an Texten zusammengekommen ist. Vermutlich hat noch niemand vor mir es geschafft, ununterbrochen 1213 (was ist eigentlich die Mehrzahl von Schmunzelpost? Sagen wir:)  Schmunzelmails - zu schreiben. Ein Rekord! Zu was der Mensch doch in der Lage ist! 
 
Aber er schafft noch ganz andere Sachen, wenn er sich richtig anstrengt oder etwas Ungewöhnliches einfallen lässt. Ihr könnt ja mal versuchen, die folgenden Rekorde zu überbieten. Aber zieht Euch warm an! So warm allerdings, wie Jef van Dyk es tat, wird es Euch wohl nicht gelingen. Dessen Weltrekord steht bei 227 T-Shirts, die er übereinander trug. 
 
Beim nun folgenden Rekord bilde ich mir ein, auf Eurer Seite des digitalen Netzes ein entsetztes "Iiiiiiiihhh!" zu hören. Vor einem staunenden Publikum stopfte sich der Engländer Ken Edwards 47 Ratten in die Hose. Die armen Tiere! 
 
Einen weiteren Ekelrekord stellte Graham Barker auf. Er sammelte 20 Jahre lang die Textilreste aus seinem Bauchnabel. 22,1 Gramm kamen dabei zusammen. Das ist immerhin Guiness-Weltrekord, reicht aber nicht einmal für eine Socke. 
 
Andere kappen sie, er pflegte sie, um maßzunehmen: Radha Kant Bajpai aus Indien hat die längsten Ohrenhaare der Welt. Sie messen stolze 27,9 Zentimeter! Das ist aber gar nichts gegen den längsten Fingernagel. Lee Redmond aus den USA brachte es angeblich auf mehr als acht Meter. Da frage ich mich, wie der Mann durch den Alltag kommt. 
 
Geht es noch widerlicher? Na klar! Der Brite Paul Hunn schaffte den längsten Dauer-Rülpser, der eine Minute und 23 Sekunden andauerte. Und der Amerikaner John Cisna hielt eine lebendige Tarantel drei Minuten und 30 Sekunden lang in seinem Mund. Sein Landsmann Anthony Kelly schoss dagegen 67 Feuerwerksraketen gleichzeitig in seiner Mundhöhle ab. 
 
Bringen unsere Landsleute eigentlich nichts zustande? Doch, doch. Thomas Dold lief die Strecke von 100 Metern in nur 13,42 Sekunden. Nix besonderes, meint Ihr? Aber ja: Dold lief auf Stelzen! Womöglich noch halsbrecherischer war der Rekord, den Julia Plecher bereits 2013 erzielte. Sie benötigte für die 100 Meter 14,531 Sekunden. Und dabei trug sie High Heels! 
 
Ich überlege nun, ob ich die Rekordtauglichkeit meiner Schmunzelpost dadurch aufwerten kann, dass ich beim Schreiben zehn Regenwürmer in den Mund nehme. Aber ich glaube, das lasse ich lieber. Das ist besser für die Regenwürmer, für mich und für Euch. In dem sonst entstehenden Text wäre bestimmt der Wurm drin. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1212 vom 24. 6. 24

Was will er mir damit sagen? Diese Frage stellte ich mir, als ich den folgenden Satz des angeblich profiliertesten deutschen Soziologen las: "Im Wunsch nach Zugehörigkeit steckt die Bewegung nach weiteren Zugehörigkeiten, die sich auf einen Fluchtpunkt beziehen, an dem jedes Wir die Bezugnahme auf ein anderes Wir sucht, damit wir zusammen etwas zustande bringen können, was einer gemeinsamen Anstrengung bedarf." 
 
Ob wir mit einer gemeinsamen Anstrengung entziffern können, was der Mann wohl meint? Für mich ist das ein böhmisches Dorf. Gut, es gibt komplexe Sachverhalte, die schwer zu erklären sind. Aber dennoch wünsche ich mir Klartext und habe den Verdacht, dass oft vorsätzlich kompliziert formuliert wird, weil Fachkreise gern einen Code für Eingeweihte pflegen und so auch mitunter banalen Weisheiten den Anstrich von Wissenschaftlichkeit verleihen können.  
 
Da gerade die Fußball-EM läuft und ich mir am späten Abend dazu auch das Kneipen-Quiz im Bochumer "Kuhhirten" nicht entgehen lasse, begegnete mir dort ein altbekanntes Zitat von Erich Ribbeck wieder, der bis heute als der bestfrisierte Bundestrainer aller Zeiten gilt. Selbst seine Sprachblasen waren gut gekämmt, zumindest subjektiv gesehen: "Ich kann es mir als Verantwortlicher für die Mannschaft nicht erlauben, die Dinge subjektiv zu sehen. Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, dann werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen." 
 
Die Quizfrage dazu lautete übrigens nicht: Was will Ribbeck uns damit sagen? Sondern bloß, wie oft das Wort "subjektiv" benutzt wurde. Von den drei befragten Teams waren zwei vom Wortschwall überfordert. Nur eines wusste die richtige Antwort: Viermal. Aber Thomas Helmer hatte auch eine Vermutung, was Ribbeck eigentlich meinte: "Ihr könnt sagen, was ihr wollt, ich mache eh, was ich will!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1211 vom 23. 6. 24

Derzeit bin ich in mörderischen Gefilden unterwegs. Kombiniere: Ich bin dabei, die Krimi-Weltreise vorzubereiten, die am 2. Oktober im Baumhaus gestartet werden soll. Bei der Recherche zur Geschichte des Genres musste ich entsetzt zur Kenntnis nehmen, dass die Gattung der Kriminalromane das Böse in unserer Gesellschaft etabliert hat und daher für die heutigen Zustände mitverantwortlich ist. 
 
"Durch die Flut der Kriminalromane wird das Amoralische und das Verbrechen bagatellisiert." Das erkannte bereits 1951 der Volksbibliothekar Otto Eckert. Seiner Meinung nach reichten die Richtlinien zur Selbstkontrolle, die sich österreichische Verleger gegeben hatten, bei weitem nicht aus. Die hatten festgelegt, dass in jedem Roman bloß ein Mord vorkommen durfte. Außerdem auch keine besonderen Grausamkeiten. Und am Schluss des Buches musste der Sieg des Guten stehen. Lebensnahe Literatur also. Schade, dass Rosamunde Pilcher keine Krimis geschrieben hat. 
 
Diese Haltung fand in der Bundesrepublik Deutschland große Zustimmung. So beschloss 1953 der Bundestag das Gesetz gegen die Verbreitung jugendgefährdender Schriften. Allzu Unsittliches und Verbrecherisches sowie kriegsverherrlichende oder Rassenhass predigende Bücher sollten aus privaten wie öffentlichen Bibliotheken ferngehalten werden. Zur Überwachung wurde eine Bundesprüfstelle eingerichtet, mit Staatsanwalt Dr. Robert Schilling an der Spitze. Der Buch-Inquisitor blieb zwölf Jahre im Amt. 
 
Während Darstellungen, die heutzutage bei Vertreterinnen der politischen Korrektness Schaum vor dem Mund erzeugen, in Krimis und Comics unbeanstandet blieben, fielen dem Stempel "Schmutz und Schund" zahlreiche weltweit anerkannte Werke der Zensur zum Opfer. Allerdings benutzte man damals andere Vokabeln: "In ethischer Hinsicht minderwertig und literarisch völlig wertlos." 
 
Obwohl Thomas Mann dagegen protestierte und das Werk zu den besten hundert zeitgenössischen amerikanischen Büchern zählte, landete der klassische Kriminalroman "Die Rechnung ohne den Wirt" von James M. Caine auf der Liste. Der mehrfach verfilmte Roman ist bei uns heute unter dem Titel "Wenn der Postmann zweimal klingelt" bekannt. Das deutsche Urteil damals: "Beide Mörder sind ausgesprochene Triebmenschen. Auf den Normalleser kann die Wirkung des ganzen Buches nur abstoßend sein." 
 
Tja, zum Glück hatte der missionarische Eifer ebensowenig dauerhaften Bestand wie die Bemühungen der DDR-Zensoren lediglich Werke, die den Glauben an den real existierenden Sozialismus förderten, zum Verkauf zuzulassen. Gut fanden die Prüfer dagegen hochklassige Literatur, in denen ein Detektiv oder Privatmann Verbrechen mehr oder weniger geistreich aufklärt und die Leser "intellektuell anspricht und zum Mitdenken und Kombinieren" anregt. Dieser Harmlosigkeitsdefinition genügten beispielsweise die Krimis von Richard Horatio Wallace, der bei uns unter seinem dritten Vornamen Edgar populär wurde. 
 
Wallace war übrigens der Lieblingsautor von Konrad Adenauer. Weil der Kanzler mit seinem Adlatus, dargestellt von Franz-Josef Strauß, in Hamburg die Bande des Schreckens fürchtete, die er im Gasthaus an der Themse beim Treffen mit dem Fälscher von London vermutete, versuchte das Regierungsduo daraus die toten Augen von London zu machen. Aber weder der als Auftragskiller beauftragte Hexer noch der grüne Bogenschütze konnte die Augstein-Bande erledigen, ja, sogar der Frosch mit der Maske versagte. 
 
Als Adenauer und Strauß dann die Sache selbst in die Hand nehmen wollten, ertönten in Bonn Todestrommeln am großen Fluss. Alsbald sorgte der rote Kreis dafür, dass der Zinker aus Zimmer 13 des Gefängnisses entlassen werden musste. Und als der Rächer prophezeite, dass der schwarze Abt bald abtreten müsse, da durchfuhr die beiden ein Schauder. Denn der Fluch der gelben Schlange besagte, dass schon 1969 ein Sozi Bundeskanzler werden würde. Doch solch einen Schwachsinn konnte sich nicht einmal Richard Horatio Wallace ausdenken. . .
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1210 vom 22. 6. 24

And hello with special greetings to my dear english readers. Ihr Engländer habt ja mitunter einen schrägen Humor. In Germany we say: You have a spleen. Das sieht man auch an eigenartigen gesetzlichen Vorgaben und anderen Vorschriften. 
 
Wenn die Welt auch manchmal Kopf steht: In Großbritannien dürfen Briefmarken mit dem Konterfei von Queen or King nicht kopfüber aufgeklebt werden. Das gilt als Majestätsbeleidigung. Auch in Naturschutzgebieten hält man an Traditionen fest. So steht seit 1934 bis heute das Ungeheuer von Loch Ness unter striktem Naturschutz. Ihr könnt bei einer Schottlandreise also Eure Angel zuhause lassen. Dafür solltet Ihr vor dem Besuch der Bibliothek der britischen Stadt Widness im Distrikt Cheshire vorher starken Kaffee trinken oder "Hallo-Wach-Pillen" einwerfen. Besucher, die dort einschlafen, müssen eine Strafe von fünf Pfund entrichten. 
 
Ganz besonders liegen britischen Gesetzgebern offenbar die Taxifahrer am Herzen. Es gab mal eine Zeit, da wurden in England die Taxen von Pferden gezogen. Daher ist auch heute noch in London jeder Taxifahrer per Gesetz dazu verpflichtet, im Kofferraum einen Heuballen mitzuführen. Auch Taxifahrer sind Menschen und werden gelegentlich von gewissen Bedürfnissen geplant. Dabei sind Linkshänder klar im Vorteil. Wenn ein Taxifahrer in großer Not nämlich das Heck seines Autos anpinkelt, ist er verpflichtet, dabei die rechte Hand auf das Fahrzeug zu legen. Why? That knows only the devil. 
 
Den Vogel schießen jedoch die Bürger von York ab. Ihnen ist nach wie vor erlaubt nach Sonnenuntergang innerhalb der Stadtmauern mit Pfeil und Bogen einen Schotten abzuschießen. Das gilt bestimmt auch für Vögel, falls sie Kilts tragen. 
 
Wem diese Vorschriften nicht genügen, für den habe ich noch ein aktuelles Beispiel für die Neigung der Briten zu Scherzen. So sagte jetzt ein Spieler aus dem englischen Aufgebot für die Fußball-Europameisterschaft, er sei total überzeugt, dass seine Mannschaft sich ins Finale durchkämpfen werde. Notfalls im Elfmeterschießen. Ho, ho, that's the grime sense of british humor. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1209 vom 21. 6. 24 

Ihr habt es wahrscheinlich erwartet: Die Zahl äußerst diskutabler Vorschriften in aller Welt ist so groß, dass auch über die USA hinaus noch viel Stoff für eine zweite Schmunzelpost übrig bleibt.
 
Zunächst ins Standesamt. Die Wahl von Ehepartnern stößt in der Außenwelt mitunter auf Verwunderung. Wenn ein 90jähriger Opernball-Greis in Österreich wieder einmal eine Frau zum Traualtar führt, die altersmäßig auch seine Enkelin sein könnte, so kann man bei beiden Beteiligten bestimmte persönliche Interessen erahnen. Würdet Ihr jedoch einem Toten das Ja-Wort geben? In Frankreich ist das möglich. Zumindest dann, wenn sich nachweisen lässt, dass der oder die Verblichene vor dem Ableben ernste Absichten hatte. Wenn ich mir jedoch die Sache mit dem Anstecken des Rings vorstelle, dann schaudert es mich. Erst recht, wenn es dann auch noch heißt: "Sie dürfen die Braut jetzt küssen!"
 
Apropos Küssen. Dass in Dubai das Küssen in der Öffentlichkeit verboten ist, überrascht wenig. Dass jedoch in Paris, der Stadt der Liebe und darüber hinaus in ganz Frankreich das Küssen in bestimmten Bereichen gesetzlich untersagt ist, das erstaunt dann aber schon. Doch es ist wahr: An Bahnübergängen, Bahnhöfen und Zügen ist dort Küssen verboten.
 
Gut, das gilt in Deutschland nicht. Bei uns ist es sogar erlaubt, nackt Auto zu fahren. Nur wer unbekleidet aus dem Wagen steigt, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro, falls er dabei erwischt wird. Traurig finde ich auch eine andere deutsche Regel, die bereits seit 1896 in Kraft ist. Danach muss bei uns ein Fußballplatz grundsätzlich baumfrei sein. Schade. Ein paar stämmige Bäume mit weitverzweigtem Astwerk vor dem Tor könnten die Schalker Abwehr entscheiden stabilisieren.
 
Nun noch etwas in eigener Sache. Die Schmunzelpost ist ja normalerweise sowas von unbürokratisch. Aber es gab eine Ausnahme. In der Ausgabe 1111 war folgender kleingedruckter Text angehängt:
 
§ 1: Das Lesen der Schmunzelpost ist grundsätzlich unentgeltlich.
§ 2: Wegen des hohen Aufwands, den es erfordert, die Mundwinkel der Leser nach oben zu ziehen, wird ab sofort eine Sonderregel eingeführt, die mit beidseitigem Einverständnis Rechtskraft erlangt.
§ 3: Diese Sonderregel besagt, dass für jedes Schmunzeln beim Lesen eines Schmunzelpost-Textes ein Rechnungsbetrag von einem Euro, in Zahlen 1 Euro, fällig wird.
§ 4: Diese Vereinbarung ist jedoch nur wirksam, wenn auch die Leser ihr Einverständnis signalisieren.
§ 5: Dieser Tatbestand gilt jedoch als erfüllt, falls nicht bis zur Folge 1209 per Brief oder Email Widerspruch eingelegt wurde.
§ 6: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
§ 7: Bis zur Folge 1250 müssen die fälligen Zahlungen entweder bar oder auf das Konto des Schmunzelpost-Verfassers entrichtet werden.
§ 8: Vielen Dank!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Eine aufmerksame Leserin merkt an, dass es sich bei Mauken nicht um Schuhe handelt, wie es gestern irrtümlich zu lesen war, sondern dass mit Mauken Füße gemeint sind. Vor allem Schweißmauken. Das stimmt, aber nicht so ganz. Dicke Wollsocken dürfen, vermutlich wenn sie einen besonderen Geruch verbreiten, auch Mauken genannt werden. Außerdem heißt auch eine Technik bei der Herstellung von Keramik so. Außerdem heißen auch Gewässer in München so: Dort gibt es "Kleine Mauken", "Mittlere Mauken" und "Große Mauken". Außerdem heißt auch ein Ortsteil der Stadt Jessen in Sachsen-Anhalt so. Außerdem heißt auch ein Gehöft im Unterallgäu in Markt Bad Grönenbach so.
Wollen wir noch kurz schauen, was Wikipedia sagt? Ha!  Mauken, regionaler Begriff inhaltsgleich zu Quanten (plumpe, große Füße oder Schuhe). Nu kommst du! 
 

 Schmunzelpost 1208 vom 20. 6. 24

Ausnahmsweise sind sich alle einig: Es gibt zu viele bürokratische Hürden in Deutschland und in der EU. Und wieder einmal betonen fast alle Parteien, dass jetzt aber zügig überflüssige Vorschriften abgeschafft werden müssen. Darf ich etwas vorhersagen? Das wird wieder nicht klappen. Denn für jede gestrichene Auflage wächst erfahrungsgemäß anderswo eine neue nach. Immerhin ist es gut zu wissen, dass wir nicht allein auf der Welt solchen Unsinn veranstalten. Erneut schaue ich mich heute um, was rund um den Globus an verrückten Verboten und Vorschriften existiert. 

In Kanada ist es strengstens verboten, ohne "lebenssicherndes Gerät" aus einem Flugzeug zu springen. Nun frage ich mich, wie Zuwiderhandelnde dort bestraft werden. Stellt man sie in ihrem Sarg ins Gefängnis? Und in Singapur steht unter Strafe, nach Benutzung einer Toilette die Spülung nicht zu betätigen. Polizisten in Zivil überprüfen daher regelmäßig die öffentlichen Toiletten. Mit Verlaub: Das ist ein Scheißjob! Immerhin hätten diese Leute in der Schweiz um 22 Uhr Feierabend. Danach ist es dort nämlich verboten, eine Klospülung in Gang zu setzen.
 
Die spinnen, die Amis. Das wissen wir nicht erst seit Donald Trump, das kann man auch an amerikanischen Vorschriften erkennen. Dass man in Chicago nicht angeln darf, wenn man nur mit einem Pyjama bekleidet ist, ist noch harmlos. Gemeingefährlich wird es in Alabama. Dort ist es zwar streng verboten, mit geschlossenen Augen Auto zu fahren, aber dafür darf man mit seinem Auto in einer Einbahnstraße in die eigentlich untersagte Richtung unterwegs sein, wenn der Fahrer eine Laterne mit sich führt. Für mich als regelkonformer Einbahnstraßennutzer wäre es ein purer Reflex, automatisch die Augen zu schließen, wenn mir in Alabama eine Laterne entgegenkommt. 
 
Passt genau auf, in welchem US-Bundesstaat Ihr unterwegs seid (aus gutem Grund gilt dies vor allem für Christa und Norbert). In Denver dürfen sonntags keine schwarzen Autos fahren. Und in Georgia dürft Ihr nicht aus dem fahrenden Auto oder Bus spucken, ganz egal, an welchem Wochentag. Komplizierter wird es in Kalifornien. Dort darf der Fahrer nicht aus dem fahrenden Auto springen, wenn es schneller als mit 105 km/h unterwegs ist. Besonders streng wird geahndet, wenn der Autofahrer dann auch noch mit einem Bademantel bekleidet war! 
 
Aber nicht nur im Straßenverkehr ist in den USA Vorsicht geboten. In Indiana muss man nach dem Verzehr von Knoblauch mindestens vier Stunden warten, bevor man ein Theater betritt. Und in der Glückspielstadt Las Vegas ist es strikt untersagt, sein Gebiss zu verpfänden. Aber es geht noch irrsinniger: In New York ist es verboten, aus der U-Bahn heraus mit einer Pistole auf weiße Kaninchen zu schießen. Das wirft Fragen auf. Was machen die Kaninchen in der U-Bahn? Und warum dürfen sich dort die andersfarbigen Kaninchen ganz entspannt tummeln? 
 
Bevor Ihr jetzt zu Bett geht, habe ich noch zwei echte Knüller. In North Dakota ist es illegal, beim Schlafen Schuhe zu tragen. Also zieht vorher gefälligst Eure Mauken aus. Aber was ist mit Pantoffeln? Da ist die Gesetzeslage in Pennsylvania eindeutiger. Dort ist es generell verboten auf einem Kühlschrank zu schlafen. 
 
Good Night! 
kdk  
 
PS. Zur gestrigen Schmunzelpost merkt Petra mit Recht an, dass zwar ab 1958 die Erlaubnis des Ehemanns für eine Berufstätigkeit seiner Frau nicht mehr zwingend erforderlich war. Trotzdem mussten verheiratete Frauen bis bis 1977 vor Antritt ihrer Berufstätigkeit noch nachweisen, dass sie deshalb ihre Pflichten in Haus und Familie nicht vernachlässigen. Sonst galt nach wie vor das Veto des Gatten!

 Schmunzelpost 1207 vom 19. 6. 24 

Kürzlich schrieb ich darüber, dass Frauen gegenüber Männern viele Vorteile genießen. Dass der Aufschrei ausblieb, beweist mir, dass die Schmunzelpost-Leser wissen: Nicht alles, was hier steht, ist hundertprozentig ernst gemeint. Dennoch nagt das Schuldbewusstsein an mir. Zur Wiedergutmachung geht es diesmal darum, wie viele Steine den Frauen hierzulande lange in den Weg gelegt wurden und immer noch werden. "Mann und Frau sind gleichberechtigt." So steht es im Grundgesetz, so ist es in manchen Bereichen jedoch bis heute nicht. Und da unser Grundgesetz 1949 beschlossen wurde, erlaube ich mir, hier an ein paar haarsträubende Fakten zu erinnern, die heute unglaublich erscheinen. 
 
Wusstet Ihr, dass bis zum Jahr 1951 bundesdeutsche Lehrerinnen nicht heiraten durften? Mit dem Ja-Wort verloren sie ihren Job. Und in Baden-Württemberg galt diese Regel sogar noch bis 1956. Im Aiwanger-Land herrschten noch ganz andere Sitten. Wenn Frauen es wagten, mit einem schwarzen amerikanischen Soldaten ein Kind in die Welt zu setzen, dann drohte ihnen in den 1950er Jahren massives Ungemach. Sie waren oft nicht nur gesellschaftlich geächtet, sondern sie mussten als Mütter mitansehen, dass die CSU im Bund mit der CDU eine gesetzliche Regelung durchdrücken wollte, solche "Mischlingbabies" nach dem Schullabschluss aus Deutschland abzuschieben. Und bis 1953 verloren deutsche Frauen sogar ihre Staatsangehörigkeit, wenn sie einen Ausländer heirateten. 
 
Aber das war längst noch nicht alles. Der Gatte durfte es seiner Ehefrau bis 1958 untersagen, einer eigenen beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Sie hatte sich gefälligst auf den Haushalt zu konzentrieren. Und erst ab 1958 
durfen Frauen ein eigenes Girokonto führen und ohne Zustimmung des Göttergatten finanzielle Transaktionen vornehmen. Bis dahin war es so, dass der Ehemann auch bestimmte, was mit dem Vermögen geschah, das seine Frau in die Ehe miteingebracht hatte.
 
Schnee von gestern? Auch 30 Jahre später noch, in den aufgeklärten 1980er Jahren, beeinflussten kuriose Vorstellungen die Beschlüsse von männlichen Entscheidern an der Unternehmensspitze. Auf die Frage, warum die Lufthansa keine Pilotinnen einstelle, gab es 1985 folgende Auskunft: Erstens könnten Frauen nicht logisch denken. Und zweitens seien sie eine zu große Konkurrenz für die Männer im Cockpit. Angesichts solcher "Argumente" konnte frau auch ohne Flugzeug in die Luft gehen. 
 
Wenn man in Betriebe und Vorstände schaut, besteht in Sachen Gleichstellung immer noch großer Nachholbedarf. Und weil die Anatomie erfordert, dass nach wie vor Frauen die Kinder zur Welt bringen, ist dies bis heute eine (wenn auch oft unausgesprochene) Karrierebremse geblieben. 
 
Falls nun eine Frau daher käme und beanspruchen würde, sie wolle künftig mit mir im Wechsel die Schmunzelpost verfassen, dann würde ich selbstverständlich antworten: "Ja, gerne." Aber die müsste dann Schmunzlerinnenpost heißen und über die Mail-Adresse der Frau versandt werden. . .
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1206 vom 18. 6. 24

Da ich dazu neige, den Faden der letzten Schmunzelpost noch einmal aufzunehmen, bleibe ich diesmal im Takt und füge dem gestrigen Text über Nationalhymnen noch ein paar artverwandte Strophen hinzu. 
 
Den kriegerischen Hymnen zuwider setzt Monaco ein Zeichen für Musik statt Krieg: Das Orchester des Landes ist zahlenmäßig größer als seine Armee! Doch Pop-Musik taugt auch zur Abschreckung. Die Royal Navy benutzt Britney-Spear-Songs, um somalische Piraten zu vergraulen. Vorbild war vermutlich das US-Militär. Im Konflikt mit Panama hatte es 1989 die Stellungen von General Noriega mit "AC/DC" beschallt. Vielleicht sollte die Bundeswehr so etwas für den Fall des Falles auch ins Kalkül ziehen. "Y.M.C.A.", vorgetragen von Conchita Wurst, könnte womöglich den homophoben Putin und seine Truppen in die Flucht schlagen. 
 
Wissenschaftlich erwiesen ist übrigens, dass klassische Musik die Milchproduktion von Kühen erhöht. Neu für mich, aber ebenso von Forschern nachgewiesen: Termiten fressen Holz doppelt so schnell, wenn sie Heavy Metal hören. Das wirft die Frage auf: Bestanden die Kriegsschiffe von General Noriega seinerzeit aus Holz? Dann war der AC/DC-Trick ein kluger Schachzug der Amerikaner. Außerdem denke ich nun darüber nach, was Menschen mit Termiten gemeinsam haben. Zumindest trinken wir schneller und mehr, wenn laute Musik ertönt. 
 
Wer es etwas ruhiger liebt, sollte die Platte "4.33" mit einer Komposition von John Cage aus dem Jahre 1952 auflegen. Das Stück besteht vollständig aus Stille. Nicht an Kühe und Termiten haben die Beatles gedacht, als sie ihren Song "A Day in the Life" veröffentlichten. Es enthält eine Frequenz, die nur von Hunden wahrgenommen werden kann. Paul Mc Cartney wollte damit erreichen, dass dieses Lied auch seinem Shetland-Schäferhund gefällt. 
 
Und von wem stammt das musikalische Werk "Leck mich am Arsch"? Nein, weder von Goethe noch von Götz von Berlichingen. Auch nicht vom Ballermann. Das Lied schrieb Wolfgang Amadeus Mozart. Wer sich statt Klassik mehr für Heavy Metal interessiert, sollte den Song "You Suffer" von "Napalm Death" hören. Es ist bis heute das kürzeste Stück der Rockgeschichte mit einer Gesamtdauer von 1,316 Sekunden. 
 
Eine Schmunzelpost derart kurz zu halten, wird mir wohl nie gelingen. Oder ich müsste zum Vortragen den Rapper "NoClue" engagieren. Er schafft 723 Silben in 51,27 Minuten. Das sind 14,1 Silben pro Sekunde! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1205 vom 17. 6. 24

Am letzten Samstag sind die Schreihälse von der "gelben Wand" bestimmt grün vor Neid geworden. 50.000 Albaner sorgten im Stadion von Nordlüdenscheid für eine Geräuschkulisse, wie sie dort niemals zuvor entfaltet worden war. Da durch die Freundsprünge der Fans nach dem frühen albanischen Führungstreffer selbst am anderen Ende des Ruhrgebiets noch die Tassen in den Schränken klingelten, fragte selbst eine Oma in Kamp-Lintfort besorgt: "Was war das? Hat der Pütt wieder aufgemacht?"
 
Andere Geräusche im Zuge der Fußball-EM bereiten mir nicht wegen ihrer Lautstärke, sondern wegen ihrer musikalischen Umsetzung Kopfschmerzen. Mindestens 80 Prozent der Turniersongs, die ihre Nationalmannschaften bis ins Finale begleiten sollen, sind Müll. Die Österreicher haben pünktlich zum EM-Auftakt ein Lied der Gruppe "Aut of ORDA" vorgelegt, das zumindest textlich überraschend witzig und selbstironisch ist. Der Refrain basiert auf einem lakonischen Kommentar, den 1999 Nationalspieler Anton Pfeffer in der Halbzeitpause eines Länderspiels gegen Spanien abgegeben hatte. 
 
Schon nach der ersten Hälfte lagen die Österreicher damals hoffnungslos zurück. Dazu Pfeffer: "Hoch gwinnmas nimma" (zu deutsch: Hoch gewinnen wir nicht mehr). Das war durchaus richtig, Österreich verlor 0:9. Der EM-Song der Österreicher trägt jetzt den Titel "Hoch gwinnmas (n)imma". Beim ARD-Kneipenquiz am späten Samstagabend bekamen drei Rateteams den Refrain zu hören. Sie sollten erraten, aus welchem Land das Lied stammt. Getippt wurde auf Slowenien, Holland und "irgendwas vom Balkan". Vielleicht sollten die Österreicher künftig besser jodeln. 
 
Die offiziellen Nationalhymnen sind übrigens inhaltlich meist nicht besser. Unsere deutsche hebt sich sogar positiv von den kriegerischen Gesängen anderer Länder ab. So singen die Franzosen u.a.: " Hört ihr auf den Feldern die grausamen Krieger brüllen? Sie rücken uns auf den Leib, Euren Söhnen, Euren Ehefrauen die Kehlen durchzuschneiden!“ Die Hymne der Slowakei trägt die Überschrift "Über der Tatra blitzt es" und darin heißt es: „Wer als Slowake fühlt, der soll einen Säbel greifen und zwischen uns stehen.“ 
 
Sehr militaristisch tönen auch die Slowenen: „Vorwärts, Fahne des Ruhmes, auf zum Gefecht, du heldenhaftes Blut, zum Wohl des Vaterlandes soll sprechen das Gewehr!“ Die Schweizer denken hingegen anscheinend schon an das Spiel gegen die Deutschen am nächsten Sonntag: „Wenn der Alpenfirn sich rötet, betet, freie Schweizer, betet!“ 
 
Gnädig machen es nur die Spanier. Ihr "königlicher Marsch" hat keinen Text. Dagegen können wir heilfroh sein, dass die Griechen bei diesem Turnier nicht dabei sind - ihre Nationalhymne hat 128 Strophen! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1204 vom 16. 6. 24

Von Donald Trump haben wir schon viel wirres Zeug gehört. Er schafft es jedoch immer wieder, uns mit neuem Schwachsinn zu überraschen. Seine jüngstes Gebrabbel könnt Ihr jetzt bestaunen, wenn Ihr in Eure Ecosia-Suchmaschine "Trump shark" eingebt. Dort findet Ihr ein You-Tube-Video mit dem Auszug aus einer Wahlkampf-Rede, nach dessen Betrachtung man sich fragt: Was will uns der US-Präsidentschafts-Kandidat damit über seine politischen Ziele und seine inhaltlichen Programme sagen? Den Trumpf-Fans hat es trotzdem gefallen. 
 
Zusammen gefasst geht es darum, dass Trump darüber schwadroniert, was er täte, wenn er allein in einem Boot säße, das allmählich voll Wasser läuft. Dummerweise ist ein Starkstrom-Aggregat an Bord. Da sich das Leck nicht stopfen lässt und das Wasser bald das Aggregat erreichen wird, könnte Trump sich retten, wenn er ins Wasser springt. Der Haken ist: Um das Boot herum schwimmt ein Hai, der es womöglich darauf abgesehen hat, Trump zu verschlingen. Was also tun? Bei der Wahl zwischen dem sicheren Tod durch Starkstrom und der großen Gefahr, im Hai-Magen zu enden, würde Trump sich für den Starkstrom entscheiden, wie er ausführlich erzählte. Inwieweit dies den Wähler weiterbringen soll, verschwieg das Plappermaul jedoch. 
 
Das erinnert die Süddeutsche Zeitung daran, dass schon mal ein US-Präsident von seinem Bootsabenteuer erzählt hat. Als der frühere Erdnussfarmer Jimmy Carter noch im Weißen Haus regierte, berichtete er von einem Abenteuer, das sich tatsächlich so zugetragen haben soll. Carter war auf einem Gewässer in Georgia allein zum Angeln hinausgefahren, als plötzlich ein Sumpfkaninchen sein Boot attackierte. Heldenhaft verscheuchte Carter es mit seinem Paddel. Trotzdem wurde er nicht wiedergewählt, sondern unterlag Ronald Reagan haushoch. 
 
Ist das womöglich ein gutes Omen? Könnte die Geschichte auch Trump den Wahlsieg kosten? Nun besteht zwischen einem Sumpfkaninchen und einem Hai ein gewisser Unterschied. Wir sollten uns also nicht darauf verlassen. Was wir aber tun können, ist, darüber nachzudenken, wie sich andere Politiker wohl in ähnlicher Lage verhielten. Falls Olaf Scholz im Stromboot von einem riesigen Hecht belauert wird, redet er in seinem üblichen, sachlichen, gleichmäßigen, langweiligen, einlullenden Tonfall so lange auf den Raubfisch ein, bis dieser einduselt. Danach würde sich Scholz aufs Wasser legen, den "Toten Mann" markieren und sich treiben lassen in der festen Überzeugung, dass sich irgendwann schon alles zum Guten wendet. 
 
Friedrich Merz hingegen würde davon erzählen, wie er geistesgegenwärtig einem Schwarm Piranhas entkam. Verschweigen würde er allerdings, dass das Wasser nur knietief war und er Stiefel trug, die bis zu den Oberschenkeln reichten. Und der Stromschlag? Merz hatte ein wenig übertrieben: Statt Starkstrom war es nur Schwachstrom, der angenehm kribbelte. 
 
Einer allerdings dürfte das Problem lösen, wie ein echter Kerl das täte. Wladimir Putin würde mit dem Starkstromkabel den Hai töten, dadurch für einen Kurzschluss sorgen und hinterher am Lagerfeuer sein Haifischsteak genüsslich verzehren. So zumindest im TV-Bericht der hochseriösen Sendeanstalt "Russia Today". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1203 vom 15. 6. 24 

Aus gegebenem Anlass kann es heute nur ein Thema geben: Wir beschäftigen uns mit dem Fußballsport. Über dessen Entstehung gibt es bereits eine offizielle Version. Leider ist sie komplett falsch. Sie stammt von der FIFA. Das ist eine der geldgierigsten, verlogensten und korruptesten Organisationen auf unserem Planeten. Ich berichte Euch heute, wie es sich wirklich zugetragen hat. 
 
1. Am Anfang war der Ball. Der Ball war rund und aus Leder. Er lag auf einer rechteckigen grünen Grasfläche, an deren beiden Enden jeweils ein Tor stand. Aber es war finster. 
 
2. Dann taten sich Leute zusammen, die den DFB gründeten. Das bedeutet "Den Fußball bedienen". Sie umrahmten die Rasenflächen mit Tribünen und nannten das "Stadion". Doch es war immer noch finster. 
 
3. Dann kam der Schiedsrichter und sagte: "Es werde Licht!" Und er knipste das Flutlicht an. 
 
4. Nun suchte der DFB überall im Land nach den Spielern, die den Ball am besten behandelten. Fanden sich so elf talentierte Freunde, bildeten sie eine Mannschaft und trugen untereinander Wettkämpfe aus. 
 
5. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich heraus, wo die besten Kicker versammelt waren. Diese Mannschaft nannte sich Schalke 04 und wurde oft Deutscher Meister. Doch weil die Schalker faire Sportsmänner waren, ließen sie hin und wieder auch mal andere gewinnen. So konnte der 1. FC Nürnberg mehrfach den Titel holen. Und sogar einmal Rot Weiß Essen. 
 
6. Leider gab es im DFB üble Kerle, die ihren Verband ganz anders buchstabierten: "Durch Fußball bereichern". Sie verfügten über Beziehungen in aller Welt, gründeten die UEFA und die FIFA und paktierten mit der Wettmafia. Dann investierten sie viel Geld in raffgierige Clubs wie Bayern München und Borussia Nordlüdenscheid. So kam das Böse in die Fußballwelt. 
 
7. Als Schalke 04 gerade wieder eine blutjunge Spitzenmannschaft aufbaute, führten die gefallenen DFB-Engel auf skandalöse Weise die naiven Jünglinge in Versuchung und zerstörten so ein Team, das sonst jahrelang die Konkurrenz an die Wand gespielt hätte. 
 
8. Als die Schalker sich endlich von diesem schweren Rückschlag erholt hatten und wieder vier Minuten lang Deutscher Meister waren, durchkreuzte eine perfide Doppelstrategie ihren verdienten Erfolg. Man hatte in der Halbzeit die Uhr des Schiedsrichters zurückgestellt, so dass der beim Auswärtsspiel der Bayern in Hamburg nicht ordnungsgemäß pünktlich abpfiff. Und dem HSV-Torhüter kippte jemand ein Schlafmittel in den Pausentee, so dass dieser einen Rückpass regelwidrig mit den Händen aufnahm. Der Rest ist Geschichte. 
 
9. Um sicher zu gehen und ihre Geld scheffelnden Schützlinge in München und Nordlüdenscheid vor dem Schalker Kreisel zu schützen, hievten die Drahtzieher mehrfach größenwahnsinnige Scharlatane an die Vereinsspitze der Gelsenkirchener. Von Eichberg konnten sich die Schalker noch erholen, aber Tönnies gab ihnen mit seinen Personalentscheidungen den Rest und führte sie so letztlich in die Hölle der zweiten Liga. 
 
10. Trotz allem waren die Blauweißen dank ihrer treuen Anhänger nicht totzukriegen und verhinderten den Absturz in die Amateurgefilde. Mittlerweile aber haben die Schalke-Hasser ihre Strategie so verfeinert, dass jeder gute Spieler frühzeitig gnadenlos weggekauft wird. So erhofft man sich, den einzig wahren Meister auf Dauer vom Titel fernzuhalten. 
 
Trauriges Fazit: Wenn jetzt die Nationalmannschaft nach den Sternen greift, dann sind diesmal mit Neuer und Sane bloß zwei Spieler dabei, die in der Knappenschmiede die Fußballkunst erlernt haben. So kann das nichts werden! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1202 vom 14. 6. 24 

Gestern ging es an dieser Stelle um Insekten. In deren Kreisen wird geflüstert, dass manche Männchen in großer Gefahr sind, wenn sie sich hingebungsvoll dem Geschäft der Arterhaltung gewidmet haben. Denn nach dieser anstrengenden Tätigkeit kommt beispielsweise bei Gottesanbeterinnen Appetit auf ein Dessert auf und sie denken: "Warum sich mit dem Samen begnügen, wenn ich mir auch den ganzen Kerl einverleibten kann?" 
 
Bei uns Menschen ist dies nicht so. Glücklicherweise. Dafür genießen Frauen jedoch viele andere Vorteile. Bekanntermaßen haben sie eine deutlich höhere Lebenserwartung und werden im Schnitt fünf Jahre älter als Männer. Damit wird mehr als ausgeglichen, dass die Rente von Frauen durchschnittlich niedriger ist. Weil sie jedoch viel länger das Ruhegeld kassieren, haben sie auch hier am Ende die Nase vorn. 
 
Das gilt auch für die Redseligkeit. Hier ist der weibliche Vorsprung jedoch bei weitem nicht so groß, wie viele denken. Frauen kommen zwar im Schnitt auf 16.215 Wörter pro Tag, Männer aber immerhin auf 15.669. Allerdings entwickeln Mädchen ihre Sprachfähigkeit in der Regel früher als Jungen. Womöglich wirkt sich das auf die Lesefreude aus: Im EU-Durchschnitt greifen 42 Prozent der Frauen häufig zu Büchern, bei Männern sind es bloß 31 Prozent. 
 
Auch körperlich haben Frauen einige Vorteile. So ist ihr Körperfettanteil (hi, hi) im Schnitt höher als der von Männern. Sie können auch besser Schmerzen ertragen und chronischen Stress bewältigen. Frauen haben eine etwas höhere Körpertemperatur und kommen vielleicht daher mit Hitze besser klar. Und während Männer öfter von Schlafstörungen geplagt werden, neigen Frauen zu längerem und qualitativ besserem Schlaf. Manche Männer versuchen deshalb, sich durch Schnarchen zu rächen. 
 
Schließlich vergnügen sich Frauen im Schnitt 26,5 Stunden pro Woche im Haushalt und gönnen Männern bloß 15,8 Stunden. Hmm, vielleicht war es unklug, das zu erwähnen. Daraus könnten falsche Schlüsse gezogen werden. Deshalb mein vorsorglicher Hinweis: Da bin ich ganz Gentleman und überlasse Frauen großzügig ihren Spaß! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1201 vom 13. 6. 24

Die Sommerausgabe der NABU-Zeitschrift ist ein Themenheft über Insekten. Dieses Thema finde ich gerade in Zeiten des Artensterbens wichtig. Niemand sollte denken: "Ist doch egal, wenn der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ausstirbt, gibt ja noch genügend andere Insekten." Ja, es gibt tatsächlich mehr als 34.000 Arten in Deutschland. Aber es waren schon mal deutlich mehr. Und jede Art, die aus dem Öko-System verschwindet, hinterlässt eine Lücke. 
 
Insekten sind nicht nur wichtig, weil sie Blüten bestäuben und uns so mit Blumen, Früchten und Honig versorgen. Sie sind auch die Hauptnahrungsquelle für viele Vogelarten. Ihr Aussterben oder ihre Verknappung kann also eine Kettenreaktion auslösen, deren Folgen gar nicht absehbar sind. Und 25 Prozent der heimischen Insektenarten stehen auf der Roten Liste! 
 
Das ist ein gewichtiger Grund, Euer Wissen mit ein paar Informationen aufzumöbeln, von denen einige wie gewohnt ein wenig skurril erscheinen. Fangen wir mit einem anrüchigen Fakt an. Hummeln markieren ihr Revier mit ihren Stinkefüßen. Einige Frauen werden jetzt vielleicht sagen: "Das kenne ich. Mein Mann tut das auch mit Hilfe alter Socken." Eine Angewohnheit, die wir ebenfalls nicht nachahmen sollten, lässt sich bei Fliegen beobachten: Sie spucken auf ihre Nahrung, um sie aufschlürfen zu können. 
 
Ein paar Superlative: Die schnellste Fliegerin unter den Insekten ist keine flotte Biene, sondern die Mosaikjungfer. Sie erreicht Geschwindigkeiten von mehr als 50 km/h. Und das größte Insekt hierzulande ist die Königslibelle, die mehr als 8 cm erreicht. Auch beim Alter ihrer Spezien machen uns die Insekten etwas vor: Sie existierten nicht nur lange vor den Menschen und den Säugetieren auf unserem Planeten, sondern sogar vor den Dinosauriern. Für kühle Rechner, die nur von Zahlen beeindruckt sind: Der Wert der Insektenbestäubung wird in Deutschland mit rund einer Milliarde Euro pro Jahr beziffert! 
 
Nun noch eine außergewöhnliche Fähigkeit: Manche Insekten können eine Zeitlang ohne Kopf weiter leben. Beim Menschen hat man das bisher nur bei AfD-Wählern beobachtet. Und noch ein Fakt, an dem Vegetarier und Veganer schwer zu schlucken haben werden: Im Laufe seines Lebens nimmt der Mensch durchschnittlich 500 Gramm Insekten zu sich! Falls Euch jetzt der Mund offen stehen bleibt, passt auf, dass nichts hineinfliegt. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bei der Recherche zur gestrigen Schmunzelpost stieß ich auf regionale Besonderheiten, die für mich alles andere als kalter Kaffee waren (so hieß mein in der Jugend bevorzugtes Mixgetränk aus Cola und Fanta). Asbach-Cola war mir zwar ein Begriff, das ist eine Mischung mit mindestens 25 Prozent Weinbrand-Anteil. Bis gestern fremd waren mir jedoch Bezeichnungen dafür, die ich viel besser finde: Futschi, Peng, Oschi und Dopsi! 
 

 Schmunzelpost 1200 vom 12. 6. 24

Die Reklame-Spots sind ein wesentlicher Grund, warum ich private TV-Sender meide. Falls es mich doch einmal erwischt, stelle ich den Ton aus. Durch die Übertragung der Leichtathletik-Europameisterschaften in ARD und ZDF habe ich nun seit langem einmal wieder Fernseh-Werbung mitbekommen. Junge, Junge, da hat sich einiges geändert! Prompt stellte ich mir vor, eine himmlische Spielwiese würde von Werbe-Ikonen bevölkert. Das kam dabei heraus: 

Florian, der Gartenfreund, 
gönnt sich genüsslich einen Joint. 
Es tanzt vergnügt mit froher Miene, 
mit Meister Propper Clementine. 
 
Ein brauner Bär will Dosenmilch, 
doch der Kellner ist ein Knilch. 
Umgeschult hat's HB-Männchen. 
Hört, es tobt: "Draußen nur Kännchen!" 
 
Ein Gentleman, der schlichtet den Zwist. 
Den Mann mit Melone hab' ich lang schon vermisst. 
Es ist der vertraute und vielfach bewährte, 
freundliche Tchibo-Kaffee-Experte! 
 
"In ihrem Vorhang ist ein Loch!", 
mahnt mild Marianne Koch. 
Führt das zu einem neuen Kauf, 
hängt sie selbst Gardinen auf. 
 
"Haribo macht Kinder froh und Erwachs'ne ebenso!" 
Das ruft der Thomas mit Haar wie Stroh 
und fordert dann: "Jetzt alle zusamm'n! 
Was wollt Ihr?" Die Antwort: "Mao..!" 
  
Die Telekom preist Manfred Krug, 
ein Aktienkäufer schreit: "Betrug!" 
Betrug? Betrug ist, wenn der Eisenbahner spricht: 
"Alle reden vom Wetter. Wir aber nicht." 
 
Ein flotter Käfer, der läuft und läuft und läuft. 
Leider ist's Sprit, den er dafür säuft. 
Und ungeniert, der kleine Schuft, 
furzt er sein Abgas in die Luft. 
 
Wenn einem so viel Gutes widerfährt, 
das ist schon einen Asbach Uralt wert? 
Zu viel Prozente, das lasse ich sein 
und sage "Prost!" mit einem Glas Wein. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1199 vom 11. 6. 24 

Die Menschen haben ein kurzes Gedächtnis. Ein halber verregneter Tag, und schon stöhnen viele über das miese Wetter und den ausbleibenden Sommer. Jedenfalls lautete so gestern beim Gang über den Markt das Lamento, das ich von allen Seiten zu hören bekam. 
 
Leute, macht mal halblang. In Dorsten war das der erste Regen nach längerer Zeit. Und seit den zwei Hitze-Sommern habe ich eine andere Einstellung gegenüber Regenwetter. Zumindest, wenn er nicht so ausartet wie zuletzt in Süddeutschland. Dann betrachte ich Niederschlag als Segen für Natur und Garten. Und wenn die Sonne scheint, sind mir Temperaturen um die 20 Grad oder knapp drüber viel lieber als schweißtreibende Hitze. 
 
Um alle Nörgler auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, erinnere ich an ein paar Wetterphänomene, mit denen unsere Vorfahren klar kommen mussten. Blicken wir zurück ins Jahr 1515. Nach historischen Aufzeichnungen begann es damals in weiten Teilen Europas im April zu regnen und hörte bis November nicht mehr auf. Ich nehme an, dass damals der Bodensee entstanden ist. (Nebenbei: Wenn der gesamte übliche Jahresniederschlag der Welt allein über Deutschland niederginge, stünde unser Land 1,4 Kilometer unter Wasser. Unsere Landwirte müssten dann Seepferdchen zur Bestellung ihrer Felder dressieren. Und wir müssten unsere Ernährung umstellen - Seegurken sollen ja ganz lecker sein.) 
 
Auch vor etwas mehr als 200 Jahren musste die Weltbevölkerung leiden. Im April 1815 brach in Indonesien der Vulkan Tambora aus. Eine gewaltige Katastrophe, die unmittelbar darauf 70.000 Menschen das Leben kostete, aber auf anderen Kontinenten zunächst kaum Beachtung fand. Das änderte sich dramatisch, als 1816 der komplette Sommer ausfiel. Denn der Tambora hatte beim heftigsten Ausbruch der letzten 25.000 Jahre 160 Kubikkilometer Lava und Asche gen Himmel gespuckt. (Zum Vergleich: Beim Vesuv waren es im Jahre 79 "nur" drei Kubikkilometer - aber viel zu viel für Pompeji.) 
 
Die Vulkanasche des Tambora gelangte bis in die höchsten Schichten unserer Atmosphäre, verteilte sich dort wie ein Schleier und machte den Sommer 1816 zum milden Winter. In Mitteleuropa führten die Ernteausfälle zu Hungersnöten, in deren Gefolge Typhus und Cholera wüteten. Insgesamt kostete die Sonnen-Abstinenz weltweit vermutlich hunderttausende Menschen das Leben. 
 
Doch Regenwetter hat auch Sonnenseiten. So kommen laut einer wissenschaftlichen Studie bei Regen die Menschen später zur Arbeit. Die so gewonnene Freizeit muss genutzt werden. Und da bietet sich ein Volkssport an, der dem Regenwetter zu verdanken sein soll. Angeblich flüchteten einst wegen eines kräftigen Schauers die Teilnehmer eines Bogenschieß-Wettkampfs in eine Bar. Und dort wurde das Turnier dann mit verkürzten Pfeilen fortgesetzt. 
 
Also: Beim nächsten Dauerregen wisst Ihr, was Ihr zu tun habt - ab in die nächste Kneipe und Euren Frust an der Dartsscheibe ablassen! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1198 vom 10. 6. 24

Au weh! Da hat doch tatsächlich etwa jeder sechste deutsche Wähler sein Kreuz bei der AfD gemacht. Jeder sechste! Unfassbar, wenn man bedenkt, was die Partei sich in den Wochen vor der Wahl geleistet hat. Die beiden Spitzenkandidaten unter dringendem Verdacht, bezahlte Sprachrohre von Russland und China zu sein. Eine Ohrfeige von französischen und italienischen Rechtsextremen, die sich genierten, mit so einem Partner in einen Topf geworfen zu werden. Und Inhalte im Wahlprogramm, die bei einer Umsetzung erkennbar fatale Folgen hätten. 
 
Und trotzdem so viele Wählerstimmen? Was passiert bei uns, wenn es wirklich mal eine heftige Wirtschaftskrise gibt? Wie belehrt man Unbelehrbare? Das traurige Fazit: Damit dürfen sich hauptsächlich die nächsten Generationen herumplagen, die mit dem Klimawandel sowieso schon eine üble Suppe auslöffeln müssen, die wir ihnen eingebrockt haben. 
 
Mit einem Blick in die Süddeutsche Zeitung muss ich mich schnell von all den schwarzen Gedanken ablenken, um trotz allem ein Lächeln ins Gesicht zu kriegen. Einmal mehr gelingt das mit einem Witz von der SZ-Kinderseite: "Was macht die Security in der Nudelfabrik?" Die Antwort liegt doch auf der Hand: "Die Pasta auf!" Da Ihr jetzt seht, wie man mich mit Sprachscherzen begeistern kann, wird es Euch nicht überraschen, dass ich von dem Namen eines erst 18jährigen indischen Großmeisters fasziniert bin, der beim Turnier in Stavanger das Schachgenie Carlsen bezwungen hat. Der Mann heißt Rameshbabu Praggnanandhaa. Das ist eine der Gelegenheiten, bei denen ich mich freue, Krause zu heißen. Da muss ich solche Namen nicht buchstabieren. 
 
Falls das immer noch nicht reicht, Euch ein Schmunzel zu entlocken, weil auch Ihr wegen allzu viel Braun schwarz seht, dann wechsle ich kurz zu grünem Gemüse und roten wie gelben Früchten. Botanisch gesehen sind Bananen Beeren, während Erdbeeren zu den Sammelnussfrüchten sowie zu den Rosengewächsen zählen. Zu den Rosengewächsen gehören auch Äpfel, Kirschen und Himbeeren. Mandeln hingegen sind keine Nüsse, sondern Steinfrüchte, die mit Kirschen, Aprikosen und Pfirsichen verwandt sind. Vanille ist die einzige Frucht, die als Bohne wächst. Und die menschliche DNA stimmt zu 50 Prozent mit der Banane überein. Was vielleicht bei manchen das Wahlverhalten erklärt. 
 
Genug des Fruchtsalats. Jetzt, Stand 19:17 Uhr, setze ich mich wieder vor den Bildschirm mit der irrwitzigen Hoffnung, dass die Hochrechnungen noch positive Änderungen bringen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Hat leider nicht geklappt. Stimmungsaufhellungen durch neue Hochrechnungen sind ausgeblieben. Deshalb brauchen wir zur Erheiterung noch einen Kinderwitz aus der Aufpasta-Schublade. "Papa, frag mich mal, ob ich vier Körperteile kenne." "Meinetwegen. Nenne mir bitte vier Körperteile." "Hals, Maul, Arsch, Gesicht."     

 

 Schmunzelpost 1197 vom 9. 6. 24 

Von Altersjubiläen bedeutender Persönlichkeiten erfährt man nicht nur beim Literatengedenken im Baumhaus. Der Zeitung entnahm ich gestern, dass ein Held meiner Jugend, dem ich bis heute mit großer Zuneigung verbunden bin, seinen 90. Geburtstag feiert. Donald Duck war mir stets lieber als Micky Maus, allenfalls Goofy und Pluto konnten dem cholerischen Enterich das Wasser reichen. 
 
Als Donald-Verehrer bin ich in Deutschland nicht allein. Die "Donaldisten" haben aus ihrer Begeisterung einen regelrechten Kult gemacht und sich große Verdienste erworben, indem sie ausgerechnet in Zeitungstexte der hochseriösen FAZ unbemerkt Nachrichten aus Entenhausen einschmuggelten. Mein Wissen über Donald Duck ist dagegen lückenhaft. Erst gestern habe ich aus der Zeitung erfahren, wer seine Eltern waren: Die Schottin Dortel Mc Duck, eine Schwester von Dagobert, und der Amerikaner Degenhard Duck, Sohn von Dorette Duck. 
 
Der eigentliche geistige Vater von Donald ist jedoch nicht Walt Disney, sondern der Zeichner Carl Barks, der seit 1942 Charakter und Bild des Enterichs prägte und dafür sorgte, dass Donald Micky rasch den Rang ablief. Danach versuchten sich noch viele andere Zeichner an Donald, wobei die europäischen Geschichten gegenüber den amerikanischen Originalen deutlich abfielen. Eine Ausnahme ist die deutsche Übersetzung: Erika Fuchs erwarb sich damit unversterbliche Verdienste. 
 
Doch zurück zu unserem Jubilar. Wisst Ihr, dass Donald noch einen zweiten Vornamen hat? Vollständig heißt er Donald Fauntleroy Duck. Wobei Namen auch Ländersache sind. Bei seinen ersten Auftritten in Deutschland bekam Donald 1938 in den "Lustigen Blättern" den Namen "Hanns der Enterich" verpasst. In der Schweiz hieß er Schnatterich, in Österreich Emmerich. 
 
Umstritten ist das Geburtsdatum. Zwar hatte Donald am 9. Juni 1934 seinen ersten Filmauftritt, in einer Bildgeschichte hingegen ist davon die Rede, dass der notorische Pechvogel an einem Freitag, dem 13., zur Welt kam. Und zwar am 13. März 1920. Doch Filmgrößen machen sich gern jünger. Und so setzte sich letztlich der 9.6. 1934 als offizielles Geburtsdatum durch. 
 
Daher, lieber Donald, gratuliere ich herzlich. Und ich hoffe, dass zwei Deiner größten Wünsche in Erfüllung gehen. Dass Dir Deine Langzeit-Verlobte Daisy endlich das Ja-Wort gibt und den Nebenbuhler Gustav Gans in die Wüste schickt. Und dass Mister Trump beschließt, auf den Vornamen eines ewigen Verlierers zu verzichten und sich nach dem Fiesling Kater Carlo umbenennen lässt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1196 vom 8. 6. 24 

Ephraim Kishon erfreut sich offenbar immer noch großer Beliebtheit. Selten habe ich so viele Zuschriften nach einer Schmunzelpost bekommen, wie nach dem Interview mit der besten Ehefrau von allen. Ein SP-Freund schwamm zwar danach nicht mit dem seekranken Walfisch (seinem Kishon-Lieblingsbuch) durch den Blaumilchkanal, aber er stieg gestern in einen Zug nach Amsterdam. Und dank einer Geschichte in Kishons Walfisch-Buch weiß er, wo er in der holländischen Metropole, ohne danach zu fragen, eine Straße finden kann, deren Schaufenster einen besonderen ... äh, ...Inhalt haben. 
 
Die beste Lektorin von allen wies dagegen nachdrücklich darauf hin, dass es "kniepig" und nicht "knippig" heißt. Zuvor hat sie bereits behauptet, man könne Spargel zwar stechen oder ernten, aber nicht pflücken, weil er nicht an Bäumen oder Sträuchern wächst. Ich verzichte großzügig darauf, derartige Einwände zu zerpflücken, schließlich will ich kein Rechthaber sein. 
 
Stattdessen betätige ich mich lieber als Brückenbauer zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Gestern habe ich in der Zeitung gelesen, dass erstmals ein Mensch nachweislich an der Vogelgrippe gestorben ist. Ausdrücklich betont wird jedoch, dass dieser Einzelfall eine Ausnahme bleiben werde und absolut kein Grund zur Panik sei. Das ist gut! Auch, weil ich mir daher einen grenzwertigen Scherz erlauben kann: Woran erkennt man, dass man mit der Vogelgrippe infiziert ist? Man fängt an zu gackern (Frauen) oder zu krähen (Männer). 
 
Wem dies zu abwegig erscheint, den erinnere ich an zwei Epidemien, die es nachweislich gegeben hat und deren Ursachen bis heute ungeklärt geblieben sind. In Straßburg brach 1518 eine mysteriöse Tanzwut aus. Hunderte von Menschen tanzten tagelang unkontrolliert, einige sogar so lange, bis sie tot umfielen. War das vielleicht das Ohrwurm-Fieber? Und im österreichischen Pinzgau brach 1828 eine "Beißer-Epidemie" aus, bei der die Menschen ohne erkennbaren Anlass begannen, sich zu beißen. Das ist für mich ein klarer Fall von Hunde-Grippe. 
 
Trotzdem traut sich Ende nächster Woche ein Schmunzelpost-Leser nach Bayern, ganz nah an die österreichische Grenze. Dazu fällt mir ein, dass die Amerikaner 1958 einen Affen namens Albert ins Weltall schickten, um die Einflüsse dieser bis dato unerforschten Gefilde auf ein Lebewesen zu testen. Nun ist unser in den Süden strebender Albert nur sehr entfernt mit Affen verwandt, da er, wie wir alle, von ihnen abstammt. Aber vielleicht kann er aus der fremdartigen Umgebung Erkenntnisse über merkwürdige Bräuche der Einheimischen am Ufer des Inn mitbringen und Zusammenhänge zwischen dem Schuhplattlern und der Straßburger Tanzwut aufdecken. Hauptsache, er beißt uns nicht, wenn er zurückkehrt. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1195 vom 7. 6. 24

Seid Ihr an Literatur interessiert? Dumme Frage, na klar - sonst würdet Ihr ja die Schmunzelpost nicht lesen. Aber habt Ihr am 28. Juni schon was vor? Wenn nicht, dann kommt doch in den Lesehof der Dorstener Stadtbibliothek. Dort beginnt dann um 19 Uhr unter dem Motto "Zeitlos und unvergessen" das Literatengedenken, bei dem jeweils bedeutende Autoren in Erinnerung gerufen werden, deren Geburts- oder Todestag sich zu einem Jubiläumsjahr rundet.
 
Ausführlich werden diesmal Franz Kafka, Edgar Allan Poe, Erich Kästner und Karl Kraus gewürdigt. Dazu gibt es noch Kurzvorstellungen von weiteren Jubilaren. An einer davon arbeite ich gerade. Mal sehen, ob Ihr wisst, um wen es sich handelt.
 
Interview mit einem Geist

"Frau Lipovitz, Sie sind jetzt seit 22 Jahren tot. Ihr Gatte hat Sie um drei Jahre überlebt und kurz nach Ihrem Ableben erneut geheiratet. Wie denken Sie heute über ihn?"
 
"Ach, wissen Sie, er war wie die meisten Männer. Mal ein richtiger Sausack, mal konnte er nett und charmant sein. Aber zumindest hat er gut verdient, und wir nagten nicht am Hungertuch. Doch er konnte ganz schön knippig sein."
 
"Aber hat er Sie nicht auf Händen getragen? Er hat Sie doch 'die beste Ehefrau von allen' genannt."

"Ja, ja, doch an dem, was dann folgte, hat auch der Dümmste gemerkt, dass das ironisch gemeint gewesen ist. Wenn er weniger gut gelaunt war, sprach und schrieb er auch 'von der Schlange, mit der ich verheiratet bin'."

"Immerhin kennen Sie ihn besser als jeder von uns. 2024 hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert. Erzählen Sie uns doch ein wenig von ihm."

"Ferenc Hoffmann ist in Budapest aufgewachsen. Weil er Jude war, durfte er nicht studieren und wurde Goldschmied. 1944 steckte man ihn in ein Arbeitslager. 1945 sollte er nach Polen gebracht werden, konnte aber aus dem Gefangenentransport fliehen. Und als ihn die Russen nach Kriegsende mit anderen Juden in ein sowjetisches Lager bringen wollten, konnte er erneut entkommen. Bis auf zwei Ausnahmen ist seine gesamte Familie in Konzentrationslagern ums Leben gekommen."

"Das ist furchtbar. Aber wieso Ferenc Hoffmann? Wir kennen ihn doch unter einem ganz anderem Namen." 
 
"Für die Flucht aus Ungarn dachte er sich einen anderen Nachnamen aus. Und als er in Haifa nach Israel einreisen wollte, änderte der Beamte am Hafen den Namen noch ein wenig. Und mit der Bemerkung "gibt's hier nicht" strich er auch noch Ferenc und verpasste ihm einen neuen Vornamen."
 
 "Unter dem ist er dann weltberühmt geworden, hat 44 Millionen Bücher verkauft, davon 33 Millionen in Deutschland. Sagen Sie uns bitte zum Schluss doch noch etwas Schmeichelhaftes über Ihren Gatten."

"Er war ein Feingeist, ein begnadeter Satiriker und der beste Ehemann der Welt. Aber er verachtete die moderne Kunst und konnte auch ein echter Macho und ein Reaktionär sein. Von seiner ersten Frau ließ er sich scheiden. Und während wir verheiratet waren, sagte er: 'Die Ehe ist kein Gefängnis, sie ist ein Arbeitslager!'"

"Liebe Sara, vielen Dank für das Gespräch und Ihre offenen Worte. Ich wünsche Ihnen ein schönes... äh ... ja ... weiter alles Gute im Jenseits." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1194 vom 6. 6. 24 

Im Juli ist eine Wanderwoche im Allgäu geplant. Nachdem eine Flut vor zwei Jahren bereits unser beliebtes Ausflugsziel an der Ahr verwüstet hat, hoffe ich nun, weniger als Wander- sondern vor allem als Menschenfreund, dass es die Einheimischen in Bayern und Baden-Württemberg nicht so hart trifft. Dass die Häufung solcher Extremwetterlagen kein Zufall ist, wird jedem klar sein, der halbwegs rational denkt. 
 
Bisher haben die schlimmsten Unwetter regelmäßig einen Bogen um Dorsten gemacht. Doch im Zeichen des Klimawandels ist das wie beim Roulette. Irgendwann heißt es "klack, klack, klack, die siebzehn!" und die Starkregenwolken verharren auch mal über unserer Stadt und heulen sich aus. Da eine Culumonimbus, das ist eine große Gewitterwolke, bis zu 100 Millionen Tonnen Wasser enthalten kann, sollten wir uns vielleicht rechtzeitig Schlauchboote besorgen. 
 
Obwohl dann noch eine ganz andere Gefahr droht. Pro Sekunde werden auf der Welt im Schnitt 44 Blitze gezählt. Mit der steigenden Zahl schwerer Unwetter hierzulande wächst also die Gefahr, von einem Blitz getroffen zu werden. Mir ist das bereits widerfahren. Allerdings mehr ein Streifschuss. Wir waren damals im Urlaub bei einem Spaziergang gerade auf der Kuppe eines funkmastgekrönten Hügels angelangt, da zogen in Windeseile schwarze Wolken auf. Als die ersten Tropfen fielen, öffnete ich schnell meinen Regenschirm. 
 
Drei Sekunden später knallte es ohrenbetäubend, aus den Metallspeichen des Schirms sprühten Funken, und wir wurden durch eine Urgewalt auf die Knie niedergedrückt. Offenbar hatte der Blitz im Funkmast eingeschlagen und sein Strom durchs Erdreich auch zu uns gefunden. Aber wir kamen mit dem Schrecken davon und flüchteten im Rekordtempo ins Tal. Am nächsten Tag lasen wir in der Zeitung, dass Spargelpflückerinnen in einem benachbarten Feld weniger Glück hatten. Mehrere von ihnen mussten mit Herzrhythmus-Störungen ins Krankenhaus gebracht werden. 
 
Leider heißt das nicht, dass ich nun gegen Blitze immun bin. Ich habe den Fehler gemacht, Petrus eine lange Nase zu drehen: "Ätsch! Halb vorbei ist auch daneben!" Seitdem sinnt er auf Rache. Und er hat gedroht, dass er es mir heimzahlt. Falls mir einmal eine Schmunzelpost total missglückt, dann sucht mich ein derartiger Weinkrampf ein, dass davon die ganze Stadt geflutet wird. Drückt also mir und Euch die Daumen! 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. Auflösung der Schlussfrage von SP 1193: Der, die, das Joghurt! Der Joghurt ist die gebräuchlichste Form, aber alle drei erlaubt der Duden. 

 

 Schmunzelpost 1193 vom 5. 6. 24

Bevor ich das Thema Sprache vorerst beerdige, starte ich heute mit Euch noch einmal zu einem kleinen Rundgang über den Wortfriedhof. Dort finden sich Grabmale von Wörtern, die fast vollständig aus unserem täglichen Leben verschwunden sind.
 
 Als Kinder haben die meisten von uns noch lernen müssen, dass man zur Begrüßung von Gästen als Mädchen einen Knicks und als Junge einen Diener machen sollte. Und? Wie weit liegt Eure letzte Begegnung mit diesem Brauch zurück? Die Jüngeren stellen sich heute unter einem Diener allenfalls eine Servicekraft bei reichen Leuten oder beim Adel vor. Und dann meist als Butler, weil sie in Berichten über das englische Königshaus oder in alten Kriminalfilmen einen Diener gesehen haben, der auch den anderen Diener noch beherrschte.

Vom Gesinde, ein Begriff, dessen Verwesungsgrad noch weiter fortgeschritten ist, nun zur Gevatterschaft. Davon ist allenfalls das Gerippe übrig geblieben, denn die Patenschaft hat das alte Wort aus dem Mittelhochdeutschen vollständig verdrängt. Auch der Kopfputz ist komplett in der Versenkung verschwunden. Und das, obwohl Mützen und Hüte durchaus wieder angesagt sind.

Nun zu zwei Wörtern, deren Nachhall zumindest noch auf Sparflamme glimmt. So möchte ich Euch mit der Schmunzelpost ein wenig Kurzweil bereiten, also einen lustigen, angenehmen Zeitvertreib liefern. Weil meine Internet-Seite immer noch von Hackern blockiert ist, kann sich die Kunde davon jedoch nicht wie ein Lauffeuer im Netz verbreiten. Die Kunde? Jawohl, der Kunde ist nämlich Konsument und Käufer, hat also mit der Nachricht oder der Kenntnis von etwas nicht viel zu tun. Letzteres trifft leider allzuoft auf Kunden zu, die im Internet ein Schnäppchen machen wollen.

Oh je, jetzt hat der Text schon wieder eine Länge erreicht, bei der bei manchen Leserinnen vor Empörung die Augen zu rotieren beginnen. Dann wende ich mich als Lotterbube doch lieber dem lustwandeln zu. Nicht, ohne allen Murrköpfen noch ein wenig Stoff zum Kopfzerbrechen zu liefern: Vor welchem gängigen Begriff darf laut Duden sowohl ein der wie ein die oder auch ein das stehen? Die Auflösung folgt morgen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1192 vom 4. 6. 24 

Mit der Sprache tun sich manche Menschen schwer. Es soll sogar Dussel geben, die Totgesagte mit "d" schreiben (seufz). Dabei sollte jeder doch sofort sehen, dass "Dotgesagte" nicht stimmen kann (grins). Mit diesem Einstieg - inklusive der Korrektur zur SP-Folge 1190 - ist klar: Zur Onomatopoesie wurde an dieser Stelle noch nicht alles gesagt (ka-wumm!).
 
Neben der Klangmalerei, deren unterschiedliche Ausprägung im Ländervergleich ich schon vorgestern thematisiert habe, ist die Onomatopoesie unter Kindern weit verbreitet. Das heißt, eigentlich unter Erwachsenen, die mit kleinen Kindern sprechen: "Wo ist denn der Wau-wau? Streichel ihn nochmal, bevor Du Heia machst!" Ihr wisst, was ich meine: Eine Muh, eine Määh, eine Täterätetä.
 
Doch das ist uns zu kindisch. Beschäftigen wir uns lieber mit Comics. Bei deren Lektüre haben wir schließlich schätzen gelernt, dass außer den Texten in den Sprechblasen auch immer knappe Einschübe die Bilder mit Geräuschen untermalten (rumms). Einige davon habe ich so lieb gewonnen, dass ich sie gerne immer noch in meine Texte einfließen lasse (kicher, kicher, lach, lach). Schon vor Micky Maus, Donald Duck und Fix und Foxi haben die Geschöpfe von Wilhelm Busch die Lautmalerei beherrscht: "Ricke, racke, voller Tücke, in die Brücke eine Lücke", "Schneider meck, meck, meck", "Rickeracke, mit Geknacke" usw.
 
Die Werbung hat das begeistert aufgegriffen. Zum Beispiel beim Spinat mit dem Blubb. Oder bei der Bohrmaschine, die den Namen ihres Herstellers aufsagen konnte: "blackanddecker, blackanddecker, blackanddecker."
 
Und auch namhafte Dichter haben sich dieses Instrumentariums bedient. Zum Beispiel Christian Morgenstern in seinem Werk "Das große Lalula", das ich viel lieber auswendig gelernt hätte als die Glocke - nicht nur, weil es kürzer ist (zwinker, zwinker):
 
„Kroklokwafzi? Semememi!
Seiokrontro – prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulalemi:
quasti basti bo…
Lalu lalu lalu lalu la!
Hontraruru miromente
zasku zes rü rü?
Entepente, Leiolente
klekwapufzi lü?
Lalu lalu lalu lalu la!
Simarar kos malzipempu
silzuzankunkrei (;)!
Marjomar dos: Quempu Lempu
Siri Suri Sei [ ] Lalu lalu lalu lalu la!”


Auch die Dadaisten waren mit an Bord. Und natürlich Ernst Jandl, dessen Klassiker "Ottos Mops"  von Robert Gernhardt und anderen ergänzt wurde. So entstanden u.a. Annas Gans, Gudruns Luchs und Gittis Hirsch. Bei einem Übersetzungswettbewerb in Fremdsprachen machte der Schotte Brian O. Murdoch mit "Fritz's Bitch" das Rennen. Klar, dass ich dagegen auf deutsch meinen Senf dazu geben muss (protz).

Ulfs Uhu

Ulfs Uhu lugt,
Ulfs Uhu spukt,
Ulfs Uhu murrt,
Ulfs Uhu knurrt
und funkt uns kurz
Ulfs Wunsch:
"Durst und Wurst!"
Ulfs Uhu unkt:
"Durst und Wurst?
Ulfs Kunst? Um ulf Uhr?"
Tusch und Schluss! 
 
Was muss ich sehen? Euch fallen allmählich die Augen zu? Ab in die Heia (Zzz, Zzz)! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1191 vom 3. 6. 24

Sapperlot! Ich hoffe, Ihr leidet nicht unter Hippotomonstrosesquipedaliaophia. Das ist die Angst vor langen Wörtern. Ich möchte nämlich heute die Behauptung prüfen, ob nur das Deutsche derartige Wortungetüme zu bieten hat. Die Antwort vorweg: Nein! 
 
Als Beweis muss ich erst gar nicht noch einmal den längsten Städtenamen Europas hervorkramen, eine Stadt aus Wales, die ich bereits zwei erwähnt habe. Wie, Ihr habt den Namen schon wieder vergessen? Zur Strafe müsst Ihr dreimal Hippotomonstrosesquipedaliaophiamal laut aussprechen. Wenn Ihr das ohne Stolperer hinkriegt, seid Ihr bereit für weitere Übungen. 
 
Es ist nämlich eine Legende, dass es im Englischen so gut wie keine langen Wörter gibt. Wenn ein Engländer unter einer Störung der Schilddrüse leidet, dann beklagt er sich über seine Pseudopseudohypoparathyroidism. 
Na gut, jetzt könntet Ihr einwenden, das sei ein medizinischer Fachbegriff und überhaupt nicht englisch. Dann schleudere ich Euch antidisestablishmentarianism entgegen, ein allen Briten geläufiger Begriff. 
 
 Das ist die englische Bezeichnung für den Widerstand gegen die Aufhebung des staatskirchlichen Status, den die Kirche von England seit der Suprematsakte von 1534 innehat, während der disestablishmentarianism die Auffassung vertritt, dass der staatskirchliche Status der Kirche von England abzuschaffen sei. Also ein typisches Thema, über das sich Briten bei einer cup of tea unterhalten, wenn sie sich lange genug darüber gestritten haben, ob Manchester City oder Manchester United der erfolgreichere Fußball-Club ist. 

Aber auch Musik und Kultur sind bei den Engländern beliebte Gesprächsinhalte. So sehr beliebt, dass “supercalifragilisticexpialidocious” aus der Geschichte von Mary Poppins sogar in den Oxford Dictionary, also den englischen Duden, aufgenommen wurde. Wenn Eure Zunge inzwischen verknotet ist und Ihr ermüdet zu der Auffassung neigt, dass es unwichtig sei, dieses Thema so lange zu beleuchten, dann gibt es auch dafür das passende Wort: Floccinaucinihilipilification! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1190 vom 2. 6. 24

Habt Ihr wirklich geglaubt, nach nur einer SP-Folge wäre schon wieder Schluss mit dem Thema Sprache? Papperlapapp! Ich habe mich ein wenig umgeschaut, was es sonst noch aus der Welt der Sprache an Kuriositäten zu berichten gibt. 

Sprache lebt. Und selbst todgesagte Sprachen sind nicht immer tot. Latein blüht nicht nur in der Botanik und im Vatikan, sondern generell auch dort, wo Wissenschaftler und Mediziner uns mit Fachbegriffen beeindrucken wollen. Und in Finnland. Vielleicht ist den Finnen ja ihre eigene Sprache zu kompliziert. Jedenfalls sendet der finnische Radiosender YLE einmal wöchentlich Nachrichten auf Latein. Schade, mein kleines Asterix-Latinum reicht dafür nicht aus. 
 
Auch mein Aztekisch beschränkt sich bloß auf ein Wort. Habt Ihr in dieser Woche Hoden gegessen? Nun guckt nicht so entsetzt. Das kann auch Vegetariern und Veganern passieren. Denn das Wort Avocado stammt von den Azteken und bedeutet nichts anderes als ... - richtig, wie kommt Ihr so schnell darauf? Avocado klingt aber viel besser und zergeht durch seine Vokale förmlich auf der Zunge. 
 
Und damit wird's poetisch, denn ich wechsle zur Onomatopoesie. Das bedeutet Lautmalerei. Mit ihrer Hilfe lässt sich verdeutlichen, dass auch Tiere Fremdsprachen beherrschen. So machen unsere Bienchen "summ, summ", die englischen jedoch "buzz, buzz". Eine deutsche Kuh neigt zum ordentlichen "Muh", die englische gibt sich mit "moo" Mühe, britisch zu klingen Und der bengalischen Kuh ist vermutlich zu Kopf gestiegen, dass sie als heilig verehrt wird. Dazu sagt sie "hamba!" 
 
Doch auch Gegenstände klingen im Ausland anders. Unsere guten deutschen Scheren sind für ihr "schnipp, schnapp" berühmt, die englischen fassen sich kürzer: "Snip, snip!" Verwundert wäre ich in einem japanischen Friseursalon, wo die Schere "chocki, choki" klingt. Vielleicht erleiden die Kunden dort einen Schock, wenn sie in den Spiegel schauen und ihren neuen Undercut begutachten. Nun aber zu des Deutschen liebstem Spielzeug. Unsere Autos warnen mit einem kräftigen "Tuut, tuut". Englische Hupen rufen "beep, beep". Sympathisch finde ich dagegen das "düt, düt" einer türkischen Hupe. 
 
So, als Tintenhahn komme ich zum krönenden Schluss nochmal in das Reich der Tiere zurück. Genaugenommen auf den Hühnerhof. Denn dort sitzt der Hahn auf dem Mist und verkündet per "Kikeriki" wie das Wetter wird. Dem kommt sein katalanischer Vetter mit seinem "co-co-ro-co" recht nahe. Britische Hähne tanzen jedoch komplett aus der Reihe und schreien "cockadoodle-doo". Da kann die chinesische Verwandtschaft nicht mithalten. Sie ruft "Goh-Geh-Goh-Goh!" 
 
Kikeriki, äh, Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1189 vom 1. 6. 24

Hallo, Sportsfreunde!

Sapperlot, was soll der Firlefanz? Was fällt ihm ein, uns so flippig anzureden? Das ist alles andere als knorke. Als nächstes nennt er mich noch "Steiler Zahn"! Papperlapp, der soll bloß Obacht geben, dass wir ihm keine harsche Lektion erteilen, nach der ihm die Lust am Schnabulieren von Rotwein vergeht. 
 
Falls ich Eure Gedanken nicht ganz exakt erraten habe: In den fünf Sätzen sind alle zehn Begriffe enthalten, die als "Boomer"-Wort des Jahres zur Auswahl standen: Firlefanz, Sapperlot, flippig, harsch, schnabulieren, steiler Zahn, Papperlapapp, Obacht, knorke und Sportsfreund. Boomer-Wort? Was ist das nun wieder? Das ist eine Tik-tok-Aktion, die ausnahmsweise meine Zustimmung findet. Auch deshalb, weil ich einige der genannten Wörter selbst gern verwende. 
 
Ein gewisser Levi Penell, ein Jungspund (der Ausdruck hätte auch in die Liste gepasst), hatte sich darüber aufgeregt, dass ausgerechnet die Älteren bei der Wahl des Jugendwortes des Jahres die Fäden ziehen. Deshalb hat er eine Abstimmung initiiert, in der Jüngere entscheiden sollten, welches wenig gebrauchte Wort der Boomer-Generation, also der Geburts-Jahrgänge zwischen 1946 und 1966, auf keinen Fall in Vergessenheit geraten sollten. 
 
Fast 150 000 Leute machten mit. Und mit deutlichem Abstand gewann der Sportsfreund vor Schnabulieren und Papperlapapp. Firlefanz kam leider nicht in die engere Wahl. Dabei ist es neben Papperlapapp mein Lieblingsbegriff. Wisst Ihr, wo er herkommt und was er ursprünglich bezeichnete? Gebt zu, das wisst Ihr nicht. Bisher. Denn jetzt kommt die Erklärung: Firlefanz stammt von den mittelhochdeutschen Wörtern Firlifanz und Firlefei ab. Damit wurde im 14. Jahrhundert ein wilder, verrückter Tanz bezeichnet, bei dem man herumhüpfte und mit allen Gliedmaßen schlackerte. Was sagt Ihr dazu? "Sapperlot!" 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1188 vom 31. 5. 24 

Manchmal bin ich bei der Themenwahl für die Schmunzelpost hin- und hergerissen. Gestern schwankte ich zwischen zwei möglichen Nonsens-Komplexen. Dem "Spiegel" lag ein Prospekt der "Ideen-Welt" bei, eines Online-Unternehmens, das überwiegend Dinge verkaufen will, die es sonst im Handel nicht gibt. Unglücklicherweise braucht man das Zeug sowieso nicht.
 
Was soll man von einem Schlafsack für Langzeitflüge halten? Legt man sich damit in den Gang? Oder rollt man sich wie ein Schlangenmensch auf dem Sitz zusammen, in ängstlicher Erwartung, dass plötzlich ein Wolkenbruch niedergehen oder eine Kalt-Front aufziehen könnte? Auch die Espresso-Maschine für unterwegs erscheint mir wenig praktikabel und ohnehin nur reizvoll für Leute, die sich sowieso nicht mehr als einen Kilometer von einer Kaffeemaschine entfernen sollten. 
 
Das zweite Thema war die Doppeldeutigkeit manche Wörter. So grübelte ich bei einem Zahlenrätsel, bei dem Ziffern durch Buchstaben ersetzt werden müssen, darüber nach, was "inspe" wohl bedeuten könnte. Bis mir dämmerte, dass hier zwei Wörter zusammengezogen wurden und es in spe heißen sollte. Ähnlich ist es mir kurz vorher ergangen, als ich nicht begriff, was wohl mit einer Dienstleistung für Wochentage gemeint war. Na klar, Montage-Service, ha, ha. 
 
Weil mein Zwiespalt drohte, in Arbeit auszuarten, dachte ich mir: Schreib stattdessen doch was zum Thema Arbeit. Wusstet Ihr, dass 54 Prozent aller Deutschen von der Arbeit träumen? Obwohl ich nun seit fast zehn Jahren raus bin, gehöre ich immer noch dazu. Andere verdienen ihr Geld im Schlaf. Dazu gehören die Japaner. Dort gilt es als Zeichen dafür, sich besonders angestrengt zu haben, wenn man am Arbeitsplatz einschläft. Daher stellen sich sogar manche Arbeitnehmer schlafend, um einen guten Eindruck zu machen. Ich hoffe, Lokführer, Busfahrer und Piloten gehören nicht dazu. 
 
Aber um das Thema Koffein-Konsum nochmal aufzunehmen und damit den Kreis zu schließen: Nicht nur unter Journalisten ist es üblich, sich literweise Kaffee in den Hals zu schütten. Dabei haben Wissenschaftler herausgefunden, dass mehr als drei Tassen Kaffee am Tag die Leistungsfähigkeit reduzieren und zwar pro Tasse um 5 %. Jetzt ist mir endlich klar, wie manche Artikel zustande kommen. Nach der 24. Tasse stecken die Schreiber im Minus-Bereich! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1187 vom 30. 5. 24

Kennt Ihr das Kunstmuseum in Mülheim an der Ruhr? Das ist gerade nach jahrelanger Renovierung am 25. Mai wieder geöffnet worden. Wir waren gestern da. Und hatten per Zufall den richtigen Zeitpunkt erwischt: Mittwochs ist ab 14 Uhr der Eintritt frei! 
 
Der Besuch lohnt sich in jedem Fall. Zur Wiedereröffnung zeigen die Mülheimer all ihre Schätze. Und im Erdgeschoss ist (fast) alles versammelt, was bei den Expressionisten und ihren Zeitgenossen Rang und Namen hat: Macke, Marc, Nolde, Schmidt-Rotluff, Klee, Kandinsky, Feininger, Heckel, Kirchner, Pankok, Kokoschka und, und, und. In den oberen Etagen gibt's Werke von Zille zu sehen sowie neuere Kunst. 
 
Ich rate dazu, nicht den Aufzug, sondern die Treppe zu nehmen. Die Wände im Treppenhaus sind nämlich chronologisch beschriftet mit Meilensteinen der Weltgeschichte (rechts) und zur Geschichte Mülheims und des Museums (links). Vor allem wegen der Einträge auf der rechten Wand kam ich nur ganz langsam voran. Sie reichen vom Jahr 1900 bis in die Gegenwart. Die Aufschriften haben mir vor Augen geführt, dass der Beginn des 20. Jahrhunderts an technischen und sonstigen Fortschritten noch mehr als der Start ins digitale 21. Jahrhundert ein radikaler Umbruch gewesen ist. 
 
1900 wurde beispielsweise in Paris die Metro eröffnet, die Berliner U-Bahn folgte erst 1903. Gottlieb Daimler und Carl Benz schickten sich jedoch bereits an, mit Autos den Individualverkehr voranzubringen und dem ÖPNV den Rang abzulaufen. Pure Utopie. Kaiser Wilhelm befand, die Motorkutsche werde sich nie durchsetzen. Dafür jedoch, das hätte ich nie für möglich gehalten, wurde schon 1900 in Preußen "Sexuelle Aufklärung" als Fach in den Schulunterricht aufgenommen. Da muss wohl Otto Kolle seine Hände im Spiel gehabt haben, der Urgroßvater von Oswald. Und Bilder auf den Tafeln von "Hildebrands deutscher Schokolade" verrieten, was der Welt in unserer Gegenwart an bahnbrechenden Neuerungen bevorstehen würde. 
 
Da gab es die Vision von den mobilen Häusern. Nein, keine Wohnmobile. Komplette massive Eigenheime und sogar mehrstöckige Wohnblöcke, so war man überzeugt, konnten im Jahr 2024 in eine neue Umgebung transportiert werden, falls das alte Umfeld nicht mehr passte. Fast noch reizvoller als die beweglichen Häuser finde ich jedoch die Schönwettermaschine, die mittels einer Kanone Gewitterwolken zerteilen und Unwetter verhindern kann. Da haben unsere Wissenschaftler mächtig gepennt - sowas könnten wir in Zeiten des Klimawandels gut gebrauchen. 
 
Auch die überdachte Stadt, die vor Wind und Wetter geschützt ist, war eine gute Idee. Mit dem Schalker Stadion ist immerhin ein Anfang gemacht. Und auch dem Wasserspaziergang auf Korkschuhen sind wir mit diversen Brettern näher gekommen. Nur die Kutsche samt Pferden mutet etwas befremdlich an. Fast hellseherisch getroffen sind jedoch die handlichen "Bildtelefone", die pünktlich in unser Leben Einzug gehalten haben. 
 
Nichts geworden ist es leider aus den Schiffseisenbahnen, die großen Pötten den nahtlosen Wechsel von der See aufs Land ermöglichen sollten. Aber wie sehr diese Idee von der Zeit des Wettrüstens von Deutschland und England beeinflusst wurde, zeigt dieses Gedicht:   "O wie sind die heut'gen Schiffe / Doch noch stümperhaft gebaut / In dem Jahr 2000 sicher / Man sich solches nicht getraut / Rollen muß ein Schlachtschiff haben, / Wird es dann auch angeschossen,/ Flieht vom Wasser es auf Schienen / Nach dem Lande unverdrossen / Ach wie viele Menschenleben / So dem sich'ren Tod entgehen." 
 
Ja, träumen war 1900 erlaubt. Sogar von der Gleichberechtigung. So wurde etwas spöttisch spekuliert, dass es eines Tages, wie absurd, in Deutschland Soldatinnen geben könnte. Und auch die Vorstellung, dass sich das Rollenbild komplett wandeln könnte, ist Utopie geblieben: "Der Mann der Zukunft sitzt daheim und füttert das Baby, während seine Frau in der Volksversammlung Reden schwingt, in der Kneipe Skat kloppt, Billard spielt, raucht, säuft und sich sonstigen Vergnügungen hingibt." So ein Quatsch - wo kämen wir denn da hin? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Visionen von Hildebrands deutscher Schokolade findet Ihr nicht im Mülheimer Museum, sondern im Internet. 

 

 Schmunzelpost 1186 vom 29.5. 24

Manchmal sieht man wirklich nur noch Sterne. Oder besser: Manchmal sieht man/frau/divers nur noch Sternchen. 
 
Ein schönes Beispiel, das unterstreicht, wie nach dem Rinderwahn nun auch der Genderwahn einen festen Platz in unseren Wörterbüchern bekommt, sandte mir Bertold zu. Ist man/frau/divers in Amtsstuben mal von einer Sache richtig überzeugt, dann siegt der Hang zur Übertreibung. Was zu grotesken Auswüchsen führen kann, wie ein Bericht des Südkuriers zeigt. 
 
Danach hat die Stadt Weil am Rhein ihr traditionsreiches Bläserfestival umbenannt, weil Wörter wie "Blechbläser" oder "Blasmusik" angeblich unsittliche Assoziationen auslösen. Denn nach Auffassung des städtischen Kulturamtes seien solche Ausdrücke "sexuell konnotiert". Südkurier-Redakteur Johannes Bruggaier denkt über die Konsequenzen nach: "Blasmusikvereine sollten deshalb lieber frühzeitig auf Pusten, Hauchen oder einfach Atmen umstellen. 'Die Blechatmer vom Rhein' - da regt sich sexuell bestimmt nichts mehr." 
 
Solch drollige Anstrengungen unsere Sprache von Anzüglichkeiten zu befreien, finde ich umso amüsanter, je absurder sie werden. Allerdings habe ich gleichzeitig die Befürchtung, dass die Falschen so neue Munition für ihre Desinformations-Kampagnen bekommen. Leute, die behaupten, dass eine links-versiffte, grün-gefärbte Führungsschicht uns alle bevormunden und ans Gängelband nehmen will. Da sowohl bayrisch-blauweiße Populisten wie braune Rattenfänger erkannt haben, wie sich der Unmut eines Großteils unserer Bevölkerung ausnutzen lässt, um Stimmung zu machen und Stimmen zu fangen, ärgert mich der Übereifer von selbsternannten Kämpfern für eine korrekte, geschlechterfreie Sprache sehr. 
 
Leute, macht halblang. Jeder soll reden und schreiben, wie er will. Aber nicht sagen und schreiben, was er will, wenn dadurch Hass, Beleidigungen und Lügen verbreitet werden. Und weltfremde Regeln, die weder vom Duden vorgegeben noch mehrheitlich gewünscht sind, dürfen für Schulen, Behörden und Firmen nicht zur Vorschrift werden. Sprache ändert sich stetig, oft aber ganz langsam. Und überholte Begriffe sind äußerst zäh. In meiner Heimatstadt Lünen war es in meinem Bekanntenkreis ausgerechnet eine Frau, die bis ins hohe Alter an einer liebgewordenen Vokabeln festhielt. Bis zu ihrem Lebensende wollte sie "Fräulein Scharsewinkel" genannt werden. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1185 vom 28. 5. 24

Nach längerer Zeit hat sich mein betagter Nachbar, der Herr K., in einer Regenpause mal wieder auf seinen Balkon begeben, um dort ein Selbstgespräch zu führen. Junge, der stand vielleicht unter Dampf! Ich konnte ihn bei uns im Wohnzimmer trotz geschlossener Terrassentür verstehen.
 
 "Hömma, Karl, getz is Schluss mit unser Dasein als schweigende Mehrheit, getz bringn wir unser rostiges Stimmband zum Schwingen, dat die Wände wackeln! Die ollen Stones tun dat doch auch. Und die sin auch nich jünger als wir zwei beide. Wat singen die noch? 'We ahr old, we ahr praut und we ahr laut!' Yes, dat is Englisch und dat heißt, datte als stolzer alter Gockel nomma richtich ans Krähen kommz. 
 
Weisse, lange hab ich gedacht, getz kuckse bald die Radieschen von unten an, da hälze Dich aus allet raus und lässt die Jungen mal machen. Nich nur dat junge Gemüse inne Politik, den Kretschmann, Merz und Scholz, sondern vor allem die noch viel Jüngeren, die nich wolln, dat die Welt den Bach runtergeht. Und dann musse hörn, dat viele von denen sich von diese braunen Vögel einwickeln lassen. Musse nur ma draußen gucken: Die Jungen glotzen dauernd auf ihr Schmartfon, wo se gehn, stehn oder hocken. Und da lauert dann son Höcker auf Tick-Tack oder wie dat heißt, wat die Blagen heute schon ab sechs Jahren am Gucken sind. Und nich wie früha die Kinderstunde, 30 Minuten am Tach - nee, von morgens bis abends und wahrscheinlich noch inne Nacht.
 
Wir ham ja auch unter die Bettdecke gelesen, Jerry Cotten oder Spukgeschichten. Aber vor son Krah oder Stuppala, da kannze Dich ja viel mehr gruseln. Und dann diese Heidi Weidel! Wenn die kalt inne Kamera grinsen tut, guck ich immer, ob ich nich die Eckzähne seh - die is bestimmt 'n Vampir oder sowatt. Aba dat schlimmste is, dat die ganzen Hirntoten da draußen den braunen Mist auch noch nachplappern. Da darffse Dich nich wundern, wenn die Kinder beim Rumgehüpfe grölen: 'Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!' 
 
Ich hab ja mal annem Tresen versucht, mit son Sprücheklopper sachlich zu reden. 'Hömma', sach ich, 'hömma gut zu, Du Pappkopp! Ich sach Dich getz ma, wie dat wirklich is!' Ja, glaubse, der hat wat kahpiert? Nix! Ahgumente intressiern die ganich, die sin so indokuriert, dat se nur noch stumpfe Parolen ablassen. Ich wär' wohl von die Altparteien bestochen! Ja, glaubse, da bleibt Dich doch glatt die Spucke wech! 
 
Aba wenn die Kinder und Eltern vergessen, wat die Nazis alles angerichtet ham und dat solche Leute nich noch mal an die Macht dürfen, dann müssen wenigstens wir Alten unsere Klappe aufreißen. Wir ham dat ganze Elend ja noch mitgekricht. Und wenn wir Rentner gegen rechts richtich viele und richtich laut sind, dann zeigen die uns auch auf Tick-Tack und in dat ganze annere Internetz-Gedöns. Ich sach nur: 'Wählze heut son braunen Knopp, krichse morgen ein vorn Kopp!' Und getz komm rein, die Stimme mit Bier ölen, dat se uns nich überhörn tun." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1184 vom 27. 5. 24 

Echte Bühnenprofis setzen nach der Veranstaltung gleich mit vor der Veranstaltung. Gerade habe ich begonnen, einen Krimiabend fürs Baumhaus vorzubereiten. Als kundigen Fachmann lade ich dazu Joachim Feldmann ein, der in der Jury für den deutschen Krimipreis sitzt. Einmal jährlich werden von ihr sowohl die besten nationalen wie internationalen Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt ausgezeichnet. Und so plane ich mit ihm eine Weltreise mit Empfehlungen für Kriminalromane und -Autoren aus aller Frauen Länder. 
 
Kriminalromane können soviel mehr sein als spannende Geschichten über Verbrechen und deren Aufklärung. Gute Krimis liefern uns auch ein authentisches Bild vom Leben und der Kultur fremder Gesellschaften, fernab von geschönten touristischen Hochglanzprospekten. Und wer jetzt noch die Nase rümpft, weil er bei Krimis an Jerry Cotton oder Derrick denkt, der sollte dieselbe Nase lieber mal in einen guten Kriminalroman stecken. Dass die besten Werke aus diesem Genre zur Weltliteratur zählen, haben mittlerweile selbst die Kritiker-Päpste begriffen. 
 
Um noch kurz beim Riechkolben zu bleiben: Ihr Näschen dafür, welche Lektüre sich lohnt, haben wieder einmal die Frauen bewiesen. Sie stellen inzwischen die deutliche Mehrheit der Krimi-Leserschaft. Wobei es schwierig ist, exakt einzugrenzen, welche Texte in diese Kategorie einzuordnen sind. Über den ersten Mord der Weltgeschichte steht etwas in der Heiligen Schrift. Wobei dabei der Kreis der möglichen Täter noch ziemlich überschaubar war und es keinen Sherlock Holmes brauchte, um den Mörder von Abel zu überführen. 
 
Auch das bekannteste Werk in der griechischen Antike ist gewissermaßen ein Krimi. Schließlich geht es um die Entführung einer Frau und die Anstrengungen, die zu ihrer "Befreiung" unternommen wurden. Und der mit allen Wasser gewaschene Odysseus aus Homers Ilias ist ein Vorläufer der gerissenen Detektive, die sich auch von massiven Rückschlägen nicht entmutigen lassen. 
 
Mein Rat für schöne Sommertage: Setzt Euch mit einem guten Krimi in den Garten, lasst Euch in andere Teile der Welt entführen und hört dabei das Gras wachsen. Bevor es Euch über den Kopf wächst, könnt Ihr ja für die Grünpflege eine Hilfskraft verpflichten. Doch denkt dabei an eine alte Krimi-Weisheit, die schon ein gewisser R. Mey verbreitete: Der Mörder ist immer der Gärtner. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1183 vom 26. 5. 24 

Im Gespräch mit jemand aus unserer Schmunzelpost-Runde erfuhr ich jetzt, dass die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz für die Generation Ü50 immer noch ein Problem ist. Dabei reden alle vom Fachkräftemangel. Und davon, dass gut ausgebildete, flexible, intelligente Menschen überall gesucht sind. Schließlich werden derzeit Leute überredet, aus dem Ruhestand ins Berufsleben zurückzukehren. Und wer uns erst ab dem 67. Lebensjahr oder noch ein paar Jahre später in Rente gehen lassen will, muss auch für verlockende Angebote sorgen. Ein Job für weniger als 20 Euro brutto die Stunde zählt sicher nicht dazu.
 
Außerdem soll die Tätigkeit auch erfüllend sein. Eine sinnvolle Arbeit, bei der man nicht voller Unlust alle halbe Stunde auf die Uhr schaut, ob nicht endlich Feierabend ist. Irgendetwas Passendes müsste sich doch finden lassen. Auch wenn das Stellenangebot nicht so exotisch sein sollte, wie die, die ich im Internet entdeckt habe. Ihr kennt ja meine Vorliebe für das Abseitige. Wenn Ihr an solch einem Job interessiert seid, wendet Euch vertrauensvoll an mich. Ich bin nämlich für die SP-Agentur als Hobby-Arbeitsvermittler tätig.
 
Alle hier genannten Berufe gibt es wirklich. Darunter sind auch ein paar Teilzeit-Stellen. Für Musikbegeisterte hätte ich eine kinderleichte Aufgabe, die nicht nur bezahlt, sondern auch mit Hörgenuss honoriert wird: Notenblatt-Umblätterer für Berufsmusiker, die selbst alle Hände voll zu tun haben. Wer in Luxuswelten eintauchen und echte Promis (oder verwöhnte Reiche) in die Finger bekommen möchte, kann als Eincreme-Assistent arbeiten. Am Fünf-Sterne-Pool macht man sich doch gerne die Hände klebrig. 
 
Abenteuerlicher ist eine Stelle, die in Tierparks, aber auch bei großen Pharma-Konzernen gelegentlich neu besetzt werden muss. Wahrscheinlich ist dann dem Vorgänger ein Missgeschick unterlaufen. Denn Schlangen-Melker sollten geschickt und sehr, sehr vorsichtig sein. Ähnliches gilt übrigens auch für Hai-Aquarien-Reiniger.
 
Nun noch ein paar Angebote für Menschen, die es ins Ausland zieht. In der Südsee werden an exklusiven Stränden Kokosnuss-Überwacher gesucht. Sie müssen nicht nur ständig die Nuss im Auge haben, sondern sie auch rechtzeitig von der Palme entfernen, bevor sie Touristen auf den Kopf fällt. Lebende Vogelscheuchen werden hingegen in Zürich gesucht. Sie sollen dort auf dem Flugplatz verhindern, dass Federvieh in die Triebwerke gerät. Du wolltest immer schon Fischer werden, wirst aber leicht seekrank und meidest die hohe See? Kein Problem. In Amsterdam sind Fahrrad-Fischer im Einsatz, die jedes Jahr an die 15 000 Drahtesel aus den Grachten ziehen.

Professionelle Ansteher haben gegenwärtig in den USA Hochkonjunktur. Sie reihen sich als Platzhalter in Warteschlangen ein, besorgen begehrte Vorverkauftickets oder räumen pünktlich zum Veranstaltungsbeginn für ihre Kunden das Feld. Wer bei einer Gerichtsverhandlung mit Donald Trump in der ersten Reihe sitzen will, muss sich bereits 14 Stunden vorher anstellen. Das lohnt sich aber auch: Ein guter Platz ist 500 Dollar wert! Kräftige Menschen zieht es vielleicht nach Japan. Dort werden U-Bahn-Stopfer gebraucht, die dafür sorgen, dass mehr Fahrgäste in einen Waggon passen als Fische in eine Sardinen-Büchse.

Na, war was dabei? Ein ganz besonderes Angebot habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Ich suche einen sprachlich versierten Schmunzelpost-Lektor, der täglich meine Texte vor dem Versand auf Fehler durchsieht. Nachteulen bevorzugt, denn Euer Einsatz erfolgt jeweils kurz vor Mitternacht. Dafür gibt es eine großzüge Entlohnung. Für fünf bis zehn Minuten Arbeit biete ich 50 Cent. Steuerfrei! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1182 vom 25. 5. 24 

Gestern waren wir im Ruhrkulturgarten Dalhaus zu Gast. Bei unserer Lesung ging es hauptsächlich um die Bahn und somit um Pleiten, Pech und Pannen. Zum Glück gibt es Staaten, die beweisen, dass pünktlicher Zugverkehr nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein kann. Das gilt bespielsweise für die Schweiz und für Japan. Aber es gibt sogar ein Land, in dem noch niemals ein Zug Verspätung hatte. Das glaubt Ihr nicht? Doch, doch. Es handelt sich um Ecuador in Südamerika. Dort gibt es bis heute keine Eisenbahn. 
 
Das war für mich Grund zu schauen, was uns rund um den Globus noch so alles kurios erscheinen könnte. Mir war zum Beispiel nicht bekannt, wie abergläubisch viele Griechen sind. Wenn Ihr so einem Zeitgenossen ein Kompliment über seine Schönheit oder seine Gesundheit macht, wird er entsetzt reagieren. Er glaubt dann, das "böse Auge" sehe ihn an. Um den Zauber von ihm zu nehmen, müsst Ihr den Beglückwünschten dreimal anspucken. Aber nehmt das bitte nicht wörtlich. Es genügt das symbolische Spuckgeräusch "ftou, ftou, ftou". 
 
Auch auf andere Weise können wir bei Griechen ins Fettnäpfchen treten. Wir sollten einem Griechen niemals ein Messer direkt in die Hand drücken, da dies angeblich einen Streit auslöst. Legt stattdessen das Messer einfach auf den Tisch. Die Person wird es sich dann selbst nehmen. Vorsicht geboten ist jedoch, wenn Ihr mit ihm bereits Streit hattet - dann könnte er auf den Gedanken kommen, mit dem Messer den Konflikt zu lösen. 
 
Mit Ecuador haben wir unsere kleine Kuriositäten-Reise begonnen, also lassen wir sie heute auch in Südamerika ausklingen. Außer dem fehlenden Bahnverkehr hat Ecuador noch andere Eigenheiten. Dort besitzen die meisten Häuser nur eine "schöne" Fassade, drei Hausseiten bleiben unverputzt. Aber wenn Ihr selbst gern in der Fremde einheimische Spezialitäten verputzt, solltet Ihr darauf achten, was auf dem Teller liegt. Wie auch in Peru, Bolivien und Kolumbien gehören in Ecuador Meerschweinchen zur Hausmannskost. Na ja, wer sich nicht scheut, ein liebes Lämmchen oder ein putziges Ferkel zu verzehren, dürfte damit kein Problem haben.
 
Etwas gruseln könnten sich Touristen in Brasilien. In Sao Paulo ist der Erzfeind der USA wieder auferstanden. Dort gibt es eine Osama-Bin-Laden-Bar. Hier werden die Gäste von einem Doppelgänger Osamas bedient. Die Familien Bush und Obama dürften den Ort im Urlaub meiden. 
 
Ich rate hingegen dazu, derzeit eher auf eine Reise nach Argentinien zu verzichten. Dort regiert gerade, Donald Trump ist ja noch im Wartestand, das nach Kim Jong-un verrückteste Stadtsoberhaupt der Welt. Javier Milei gilt als ultraliberal, ultrakonservativ und ultraübergeschnappt. Das müssen seine Landsleute vorhergesehen haben. Denn in Argentinien finden sich pro Einwohner die weltweit meisten Psychologen und Psychiater. Da ist es nur konsequent, dass dies in der Landeshauptstadt gewürdigt wird. In Buenos Aires existiert ein ganzes Stadtviertel mit dem Namen "Villa Freud". 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1181 vom 24. 5. 24

Viele Menschen haben ein Hobby. Manche sogar mehrere. Gerade mit zunehmendem Alter, wenn der Gang die Kellertreppe hinab bald ebenso große Schwierigkeiten bereitet wie die Besteigung der Lehmberg-Nordwand, ist es an der Zeit, sich eine Beschäftigung zu suchen, die sich daheim ebenerdig gemütlich ausüben lässt. Rentner mit dem Vornamen Schorsch basteln beispielsweise gerne Vogelhäuschen. 
 
Dagegen ist das Sammeln von Briefmarken oder Münzen aus der Mode gekommen. Stattdessen surfen viele Leute ausgiebig im Internet. Doch das stumpft auf Dauer ab, und man läuft zudem Gefahr, sich von diversen Märchenerzählern einseifen zu lassen. Nun habe ich bei jemand aus unserem Kreis ein neues Hobby kennengelernt. Martin sammelt kurze und kürzeste Geschichten, gerne schräg und mit witzigem oder überraschendem Ende. 
 
Prompt habe ich mich auf die Suche gemacht, um die eine oder andere geeignete Story auszugraben. Und ich bin fündig geworden. Es waren jedoch einige Geschichten darunter, die für Martins Sammlung wohl zu kurz sind. Wie etwa "Eine verkehrte Liebensgeschichte" von Roland Topor. Der wortwörtlich so verdrehte Inhalt: "Sie haben sich verlassen, gestritten, gelangweilt, geliebt, getroffen und jetzt kennen sie sich nicht mehr." 
 
Gelungen ist auch das Werk von David Logde, das nur aus fünf ganz knappen Sätzen besteht. "Apfel?" "Nein." "Probier ein Stück!" "ADAM?" O Gott. - Es klappt auch mit zwei Sätzen, wie A. L. Kennedy beweist: "Er nicht, sie schon. Großer Fehler." Und Dorothy Parker begnügt sich in ihrer Geschichte "Ein Telefonanruf" sogar mit nur einem Satz. "Als das Telefon nicht klingelte, wusste ich, dass Du es warst." Für alle Skandinavien-Urlauber als Warnung schrieb Kurt Tucholsky: "Sommer in Schweden: Im vorigen Jahr war's ein Montag." 
 
Aber Ihr habt ja bereits eines der schönsten Hobbies, das man sich vorstellen kann: Das regelmäßige Lesen der Schmunzelpost. Ein guter Tipp für die Zeit, wenn Euer Gedächtnis allmählich nachlässt: Wer die Schmunzelpost ausdruckt, sammelt und alte Folgen liest, wird sich so schnell nicht langweilen. Und wenn erst der Gipfel der Vergesslichkeit erreicht ist, reicht sogar eine einzige Geschichte. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Für alle, die heute Abend noch nichts vorhaben, längere Kurzgeschichten als die genannten mögen und ewig nichts mehr von den Tintenhühnern gehört haben: Um 19 Uhr beginnt auf dem Hof Dalhaus in Dorsten-Altendorf, Achterfeld 61, eine Lesung mit dem Titel "Da lachen ja die Hühner". 


Schmunzelpost 1180 vom 23. 5. 24

Beim Schreiben über Schützenfeste kam mir als weltweit bekanntes Beispiel für sprichwörtliche Bierseligkeit das Münchener Oktoberfest in den Sinn. Zusammen mit dem Hofbräuhaus ein Fremdenmagnet, aber auch ein vom Kommerz genutztes Zerrbild des berühmten "Prosit der Gemütlichkeit". 
 
Ja, die Bayern. Oft sorgen sie für Belustigung, etwa, wenn sie händeringend einen Trainer suchen. Noch öfter jedoch für Befremden. Etwa, wenn die Herren Aiwanger und Söder populistische Parolen hinausposaunen. Oder wenn Bundes-Verkehrsminister mit CSU-Parteibuch als Geisterfahrer unterwegs sind (Volker Wissing hat bestimmt bereits insgeheim sein Asyl in Bayern beantragt). 
 
Noch besser als unsereiner kennt ein Nachbar die Bajuwaren. Der österreichische Kabarettist Severin Groebners hat sich in seinem "Lexikon der Nichtigkeiten", das ich gerade lese, in einem Kapitel mit Bayern beschäftigt. Dort habe ich Sachen erfahren, die ich vorher nicht wusste. Oder habt Ihr davon gehört, dass Claus Weselsky für seine Lokführer-Gewerkschaft mit der bayrischen Landesregierung ausgehandelt hat, dass der höchste deutsche Berg "Zugspitze" heißen muss? 
 
Auch. dass die Bayern zu 90 Prozent strenggläubige Buddhisten sind, die sich nur aus Traditionsgründen als Katholiken ausgeben, war mir neu. Aber es ist was dran. Die zentralen Glaubenssätze des bayrischen Buddhismus lauten "Schau ma mal, dann seng ma scho" und "Da könnt ja a jeder kumman!" Bei günstigem Wetter, so deckt Groebner auf, praktizieren die Bayern ihren Glauben am liebsten in sogenannten Biergärten. Dort versammeln sie sich zu einem rituellen Mahl, das auf blau-weißen Gebetsdecken eingenommen wird und meist in der Verehrung und Verzehrung des heiligen Tiers des Bayern gipfelt: Des Schweins. 
 
Im weiteren Verlauf des Rituals erreicht der Bayer oft die höchste Stufe der göttlichen Entrückung - er wird zum "Bierdimpfe". In diesem tranceartigen Zustand gelangt er in eine Phase der körperlichen Gelassenheit, die nicht selten mit transzendetalem Sprachverlust verbunden ist. 
 
Aufgrund der Eingliederung in Restdeutschland ist Bayern zwar wie Tibet seiner Selbstständigkeit beraubt, neigt aber dennoch wie viele buddhistische Gesellschaften zur Ein-Parteien-Diktatur. Das hat bereits vor langem Herbert Achternbusch erkannt, der daraufhin resigniert seufzte: "Die Bayern sind alles Anarchisten, die zu 60 Prozent die CSU wählen." Damals ahnte Achternbusch noch nichts von Hupsi Aiwanger und seiner "Alternative für Bayern", die heute danach trachtet, die restlichen 40 Prozent für sich zu gewinnen. 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1179 vom 22. 5. 24

Beim gestrigen Blick in den Lokalteil fiel mir angesichts mehrerer derartiger Veranstaltungen noch ein weiterer Begriff ein, der deutsches Brauchtum kennzeichnet wie kaum ein anderer: Schützenfest!
 
Nun ist das Schützenunwesen auch in Nachbarländern verbreitet, wie schon ein alter Schwarzweiß-Film des großartigen Jacques Tati beweist. Und wie beim Karneval gilt es auch hier zu differenzieren. In manchen Gegenden zählt das Schützenfest zu den höchsten Feiertagen, weil sich die Bürger eines ganzen Ortes auf dieses Volksfest freuen. Und wenn Geselligkeit und das ausgelassene Feiern mit Freunden und Bekannten im Mittelpunkt stehen, ist das sehr in Ordnung.
 
 Für mich hört aber der Spaß auf, wenn Parademärsche, Komasaufen, "Männerkameradschaft" sowie Uniform- und Waffenverliebtheit in den Vordergrund rücken. Daher habe ich mich daran gemacht, solches Schützentreiben in Reime zu fassen, die in ihrer Dramatik letztlich selbst den Tragödien von Shakespeare nicht nachstehen. 
 
Das Königsschießen 
 
Armer Vogel, geschnitzt aus Holz, 
warst Du des Künstlers ganzer Stolz. 
Doch nun zerrupft wird Dein Gefieder, 
Schuss um Schuss knallt immer wieder. 
Und die verharzte große Träne 
verhüllt der Nebel Deiner Späne. 
 
Übrig bleibt ein Herzensstück. 
Nanu, der Eifer geht zurück? 
Will keiner Dich vom Sockel holen? 
So mancher linst alsbald verstohlen 
in seiner Börse Geldscheinfach - 
nur noch ein Treffer, dann gibt's Krach! 
 
Für viele ist die Königswürde 
nur eine allzu teure Bürde. 
Wer rechnen kann, schießt halt daneben 
oder muss flink zum Örtchen streben. 
Das Ballern zieht sich lang und länger, 
den Schützen wird es bang und bänger. 
 
Der Oberst spricht: "Was für ein Mist! 
Da hilft uns nur 'ne kleine List." 
Sie suchen einen Schluckspecht aus: 
"Dein Deckel geht ab jetzt aufs Haus!" 
Ein Bier auf Ex und dann ein Korn, 
danach ein paar Mal ganz von vorn. 
 
Allmählich ist der Mann dann knülle 
und glaubt, es sei sein eigner Wille: 
"Reich, hicks, mir bitte das Gewehr, 
das ist doch, hicks, verdammt, nicht schwer. 
Ich, hicks, bin überhaupt nicht bange, 
ich hol' den Vogel von der Stange." 
 
Er legt die Büchse an und zielt.
Es flüstert wer: "Ich glaub', der schielt." 
Der Finger krümmt sich, jetzt! Und "hicks", 
nein, dieser Schuss, der war wohl nix. 
Es bringt ein noch so lauter Knall 
den Rest vom Vogel nicht zu Fall. 
 
Der Schütze will sein Pech verfluchen 
und es sofort nochmal versuchen. 
Der Alkohol macht's Zielen schwer, 
er schwingt die Flinte hin und her. 
Dann kracht der Schuss. Und er traf gut: 
Mitten durch des Oberst Hut! 
 
Bevor geschieht ein schweres Leid, 
macht sich nun die Einsicht breit: 
"Der Abstand, der ist viel zu groß!" 
Die Lösung ist genial, famos. 
Man setzt den Schützen auf die Leiter, 
dann geht das Königsschießen weiter. 
 
Zum guten Schluss bringt man den Mann 
ganz nahe an sein Ziel heran. 
Dann kracht's, der Vogel fällt, er ist getroffen. 
Der Schütze fällt - ist er besoffen? 
Vielleicht. Doch auch zu nahe dran, 
ins Herz traf ihn des Vogels Span! 
 
Der König ist tot, es lebe der König! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Meinen Dank für die vielen Glückwünsche - gereimt und ungereimt, bebildert und unbebildert, aber immer herzlich! 

 Schmunzelpost 1178 vom 21. 5. 24

Als ich vor ewig langer Zeit meinen 30. Geburtstag feierte, fühlte ich mich uralt. Denn mit Anfang Zwanzig war für mich jeder über Dreißig bereits scheintot. Heute werde ich 71 Jahre alt. Was soll ich sagen? Trotz diverser Zipperlein fühle ich mich so jung und lebensfroh, wie ich es 50 Jahre zuvor gewesen bin.
 
Es muss ja noch lange nicht Schluss sein. Kürzlich las ich, dass der bis dahin älteste lebende Mann der Welt verschieden ist. Mit 114! Bis dahin ist es noch ein ganzes Weilchen hin. Und wer weiß? Vielleicht feiert bei der Europawahl ja die Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung einen sensationellen Erfolg, und ich kann darauf hoffen, auch noch meinen 500. Geburtstag zu erleben. 
 
Der Prozess des Alterns ist schließlich ein Rätsel, dem die Wissenschaftler auf der Spur sind. Es muss ja eine plausible Erklärung dafür geben, dass unterschiedliche Spezies eine derart unterschiedliche Lebenserwartung haben. Angefangen bei den Eintagsfliegen bis zur Islandmuschel Arctica islandica, die nachweislich ein Alter von 500 Jahren erreichen kann. Das schaffen womöglich auch Grönlandhaie, die mit 300 gerade mal ihre Midlife-Krisis erleben. Dagegen sind Riesenschildkröten, die mehr als 150 Jahre auf dem Panzer haben, noch junge Hüpfer. 
 
Das älteste bisher bekannte Säugetier ist übrigens ein Wal, der 2001 von Innuit erlegt wurde. Anhand der Blutspuren an den Harpunen fanden Forscher der University of Alaska heraus, dass dieses riesige Meerestier rund 211 Jahre gelebt hat. 
 
Moment mal! Innuit? Alaska? Grönlandwal? Islandmuschel? Offenbar wirkt sich Kälte lebensverlängernd aus. Kennt vielleicht jemand eine gemütliche Seniorenresidenz am Nordpol? Für seriöse Hinweise spendiere ich eine Flasche Eiswein. Prosit! Auf die nächsten 71 Jahre! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Dass die 71 Jahre nicht völlig spurlos an mir vorübergegangen sind, erkennt man auch daran, dass die gestrige Schmunzelpost falsch etikettiert war. Statt korrekt als 1177. Schmunzelpost vom 20.5. ausgewiesen zu werden, war sie versehentlich mit Datum und Nummer ihres Vorgängers versehen. Das ist aber nur der Aufgalopp für die chaotischen Angaben, die Euch bevorstehen, wenn ich 100 geworden bin.  

Schmunzelpost 1177 vom 20. 5. 24

Danke, danke, danke. Durch Eure Zuschriften konnte ich meine Liste mit typisch deutschen Eigenheiten anlässlich des 75jährigen Bestehens der Bundesrepublik beträchtlich erweitern. Allerdings gibt es ein paar der genannten Dinge und Bräuche auch in etwas abgewandelter Form in anderen Ländern.
 
Petra erinnert sich, dass sie während eines längeren Auslandaufenthaltes das ganze Drumherum ums Weihnachtsfest, zum Beispiel den geschmückten Christbaum oder den Besuch eines Weihnachtsmarkts, sehr vermisst hat. Ein Tannenzweig konnte etwas Abhilfe schaffen. Aber Nadelbäume helfen nicht gegen das Fehlen der Muttersprache.

Regina denkt wehmütig an die Zeit zurück, als es bei uns noch eine Badekappenpflicht gab, gegen deren Wiedereinführung sie nichts einzuwenden hätte. Und Bertold merkt an, dass Kindern an Sonntagnachmittagen nicht nur die Spaziergänge ein Graus waren. Auch die zwangsweise Teilnahme an Kaffeetafeln der Erwachsenen konnte zur Pein werden. Zumal die Kinder bei den Gesprächen der Großen den Mund zu halten hatten. Als der junge Bertold dies mit einem Kompliment zu unterlaufen versuchte, hatte das nicht den erwünschten Erfolg. Vielleicht lag es an der Wortwahl. Das Lob des selbstgemachten Erdbeerkuchens der Gastgeberin - "Schmeckt besser, als er aussieht!" - wurde ihm noch lange aufs Butterbrot geschmiert.

amit hätten wir bereits den nächsten Begriff: Butterbrot und Stulle wurden ebenfalls genannt. Außerdem der Frühschoppen, der Stammtisch und die Skatrunde. Nicht fehlen durfte auch eine urdeutsche Erfindung, bis heute ein ebenso geliebtes wie gehasstes Objekt: Der Gartenzwerg!
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 1176 vom 19. 5. 24 

Der erste Beitrag, der von Euch zur gestrigen Schmunzelpost-Frage (75 Jahre Bundesrepublik Deutschland - was kommt uns spontan als besonders deutsch in den Sinn?) eintraf, stammt von Ursula mit gleich zwei Begriffen. Sie erinnert sich an die typischen Sonntagsspaziergänge mit Familie. Bestenfalls gab es zum krönenden Abschluss in einem Ausflugslokal im Sauerland Schnittchen

Stimmt! Hatte ich ganz verdrängt. Die ungeliebten Märsche mit den Eltern in "guter, frischer Waldluft" fand ich, wie wohl die meisten Kinder, stinklangweilig und auch deshalb überflüssig, weil ich dazu auch noch die "guten" Sonntagssachen anziehen musste, die auf keinen Fall schmutzig werden durften. Wehmütig dachte ich dann an zeitgleich ausgestrahlte TV-Serien wie die mit dem edlen Ritter Ivanhoe (von niemand anders verkörpert als von Roger Moore, der sein Waffenarsenal später als James Bond erheblich aufrüsten durfte). Damit ich nicht auch noch die abendliche Sportschau verpasste, übte ich mich im permanenten Quengeln. Und hatte zum Glück meinen Vater auf meiner Seite. 
 
Meine Mutter achtete bei diesen Ausflügen auch im Urlaub stets darauf, immer auf befestigten Wegen zu bleiben. In ihrer Jugend war ihr eingeimpft worden, welche Gefahren links uns rechts vom Wegesrand lauern konnten. Nicht nur heimtückische Brennesseln, dornige Ranken und Zecken. Vor allem auch tödlicher Sumpf, der jederzeit bereit war, sich unvorsichtige Wanderer mit einem kräftigen Schmatz einzuverleiben. "Ein falscher Schritt und Du steckst bis zu den Knien im Morast und versinkst dann ganz langsam, ohne Dich befreien zu können." Oh, schaurig ist's über's Moor zu gehen! 
 
Wenn das keine gelungene Überleitung zu unserem Feldzug gegen hartnäckige Irrtümer ist, weiß ich es auch nicht. Ranga Yogeshwar, der kluge Welterklärer aus dem Fernsehen, hat im Selbstversuch herausgefunden, dass es unmöglich ist, im Sumpf vollständig unterzugehen. Dazu begab er sich, bekleidet mit einem Taucheranzug und begleitet von Helfern, die ihn notfalls vor einem grausamen Tod bewahrt hätten, mitten ins Teufelsmoor. Dort vertraute er den Gesetzen der Physik und sprang beherzt ins Moorloch, wo er prompt versank.
 
Yogeshwar: "Solche Szenen sind für gierige Kameras ideal. Dramatische Musik. Moderator geht unter. Wo blieben die Naturgesetze, denen ich so sehr vertraute? Nach der ersten Schrecksekunde eilten sie mir zu Hilfe: Ich sank, jedoch nicht sehr tief. In den Augen des Regisseurs sah ich die Enttäuschung und Überraschung. Selbst beim Strampeln sank ich nicht tiefer. Ich ging im Moor nicht unter, die Physik hatte gewonnen." 
 
Ursache dafür ist der Auftrieb. Objekte, die leichter als Wasser sind, schwimmen, dagegen müssen schwerere Dinge untergehen. Betrachtet man es genauer, kommt es nicht auf das Gewicht, sondern auf die Verdrängung an. Ein schwimmendes Objekt verdrängt genau die Menge Wasser, die seinem eigenen Gewicht entspricht. Große Schiffe können deshalb schwimmen, obwohl sie aus schwerem Stahl gebaut sind. Aber durch ihre Form können sie genug Wasser verdrängen, um nicht zu versinken. Der Auftrieb wächst, je dichter das umgebende Wasser oder der Schlamm ist. Im stark salzhaltigen Wasser des Toten Meeres schwimmt man von ganz allein. Und der Schlamm im Moor ist erheblich dichter als Salzwasser und bietet damit noch größeren Auftrieb. 
 
Hätten wir das auch geklärt. Euer nächster Sonntagsspaziergang kann als durchs Teufelsmoor führen. Aber zieht vorher ohne zu quengeln besser einen Taucheranzug an. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1175 vom 18. 5. 24

Es gilt, in der 1175. Schmunzelpost einen 75. Geburtstag zu feiern. Nein, nicht meinen. Also, bitte! Sehe ich schon so alt aus? Unsere Bundesrepublik Deutschland und unser Grundgesetz sind anlässlich ihres besonderen Jubiläums zu würdigen. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung hat dazu 75 Prominente gebeten, Begriffe zu nennen, die sie mit Deutschland verbinden. Einige davon kann ich gut nachvollziehen, andere waren recht persönlich. Und es gab bezeichnende Unterschiede. 
 
Mit dem ehemaligen Innenminister Gerhart Baum und der früheren Trainerin der deutschen Fußball-Nationalmannschaft teile ich die Begeisterung für den VW-Käfer. Wie Martina Voss-Tecklenburg besass auch ich als erstes Auto einen himmelblauen Käfer. Leider nur ein Jahr lang, bis er nach einem Unfall als Totalschaden nicht mehr fahrtüchtig war. Peter Gauweiler, ehemals CSU-Politiker mit oft speziellen Ansichten, war hingegen vom Adenauer-Mercedes und vor allem von den mit einem Stern geadelten "wunderbaren Autos" angetan. 
 
Auch mit dem am häufigsten genannten Identifikations-Objekt bin ich mehr als einverstanden. Unser Brot, speziell die vielen verschiedenen Schwarz- und Körnerbrotsorten, habe ich im Ausland oft sehr vermisst. Auch bei der Assoziation von Götz Alsmann, der Fernsehreklame aus den 1960-Jahren, klingelte es bei mir. In meiner Kindheit war ich mangels TV-Alternativen fasziniert vom Werbefernsehen. In unserer Familie bin ich der Champion beim Spiel gewesen, wer als erster die im Spot angepriesene Marke erkennen konnte. "Drei Dinge braucht der Mann: Feuer, Pfeife, Stanwell!" Solche Slogans sind mir heute leider noch geläufiger als manche Zeilen aus Gedichten. Und das, obwohl mir statt dem dauernd empfohlenen Rotbäckchen täglich ein Esslöffel Sanostol eingeflösst wurde. 
 
Ahoi-Brause, Teddy-Bär, Mett-Igel, Bravo, Derrick, Spezi (ein Cola-Mix-Getränk, das ich als "kalten Kaffee" literweise in mich hineinschüttete), all diese genannten Dinge weckten bei mir Erinnerungen. Und die Liebe zur als typisch deutsch beschriebenen Kartoffel in all ihren Varianten kann ich ebenfalls voll und ganz nachvollziehen. 
 
Zwei vertraute Begleiterscheinungen vergangener Tage holten Elke Heidenreich und Dennis Scheck ans Licht. Elke Heidenreich empfand die Sparschränke, die einst in jeder besseren Kneipe oder, wie wir sagten, Wirtschaften hingen, als sinnvoll, aber auch sehr deutsch. Und Dennis Scheck nannte den Stempelbaum als Beispiel für unseren ausgeprägten Hang zur Überbürokratisierung. 
 
In diese Reihe hätte ich ein weiteres deutsches Relikt der Vergangenheit eingefügt, wenn die SZ es nicht versäumt  hätte, auch mich zu befragen: Die Bahnsteigkarte! Nie habe ich verstanden, warum man früher hierzulande allein für das Betreten von Bahnsteigen etwas bezahlen sollte. 
 
Und? Wie war es bei Euch? Fällt Euch spontan etwas dazu ein? Ich bin gespannt auf Rückmeldungen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1174 vom 17. 5. 24

Wen oder was lieben wir Deutsche womöglich noch mehr als (im besten Fall) unsere jeweiligen Partner? Falsch! Nicht Hund oder Katze stehen da an erster Stelle, sondern das Auto. Von vielen wird es gepflegt und betüttelt und regelmäßig liebevoll gereinigt, mit Duftbäumen und Glücksbringern behängt, bei besonderen Ereignissen beflaggt und mit Stickern versehen, die Einblicke in die Denkweise der Inhaber geben, sowie bei jedem kleinen Kratzer bitterlich beweint. 
 
Ein weiteres Indiz lieferte nun eine aktuelle Umfrage: Mehr als ein Drittel aller Autobesitzer bekunden ihr intimes Verhältnis zu ihrem fahrbaren Untersatz dadurch, dass sie ihrem Wagen einen Namen geben. Umso größer ist dann der Trennungsschmerz, wenn Jonny ins Ausland verkauft wird oder, noch schlimmer, verschrottet werden muss. 
 
Namen für Autos waren mir bisher nur aus Filmen und Fernsehserien bekannt. Ich erinnere mich noch gut an Herbie, den flotten Käfer, der auf der Rennstrecke alle Boliden hinter sich ließ. Doch ich nehme an, dass die Tauflust noch zunehmen wird, wenn erst die künstliche Intelligenz das Steuer übernimmt. Wenn es endlich soweit ist, dass ich mich mit meinem Auto über Schalke 04 unterhalten kann, dann werde ich mich einreihen. Als Namen kämen dann Ernst (Kuzzora) oder Fritz (Szepan) in die engere Wahl, Klaus (Fischer) scheidet leider aus. Ich will ja keine Selbstgespräche führen: "Klaus, wann wird Schalke endlich wieder Deutscher Meister?" "Ach, Klaus, hab Geduld, vielleicht schon 2049?" 
 
Die Namen, die derzeit besonders beliebt sind, haben mich einigermaßen überrascht. Auf Rang drei liegt "Schorschi". (Tja, Hans-Georg, da musst Du wohl doch öfter mal im offenen Cabrio Ehrenrunden durch Dorsten drehen). Platz zwei ist gendergerecht. Wer sein Auto "Baby" nennt, betont die fast erotische Verbindung zu einem nonbinären Wesen. Die meisten deutschen Autos heißen aber schlicht und einfach "Hugo". 
 
Das ist zumindest ein altehrwürdiger Name. Vielleicht kriegt auf lange Sicht ja auch "Klaus-Dieter" eine Chance. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zum Stichwort „Faultier“ schreibt Rainer: Da gab es in der Süddeutschen vor zwei Jahren (28.5.22) eine Serie namens „Die Geschichte der Natur in 100 Objekten“.  In dem besagten Artikel ging es auch um das Faultier. Und der endete mit dem bemerkenswerten Satz: „Das Faultier belegt eindeutig, dass es in der Evolution nicht immer nur um Stärke und Schnelligkeit geht, manchmal hilft auch Rumhängen.“ 
Diese Bemerkung ist sicher für viele von uns ungeheuer tröstlich. 


Schmunzelpost 1173 vom 16. 5. 24

"Du Faultier! Räum endlich mal Dein Zimmer auf!" Dieser ungemein lästige Anpfiff riss mich in meiner Kindheit mitunter mitten aus spannender Lektüre. Ob Akim-Comic, Winnetou I oder Spielbericht vom letzten Schalker Triumph - ein derartiger Schreck kann ein lebenslanges Trauma auslösen. Bei mir nicht. Ich las ungerührt weiter. 
 
Gestern jedoch schalt ich mich selbst ein Faultier. Es ging bereits auf Mitternacht zu, und ich hatte noch keine Silbe der Schmunzelpost getippt. Welches Thema drängt sich auf? Ach, wisst Ihr was? Wir verbinden zoologische Fakten über das Faultier mit dem literarischen Motto "Die Entdeckung der Langsamkeit." Denn flink ist so ein Faultier wirklich nicht. 
 
Greifen wir einmal das Dreifinger-Faultier heraus, das Ihr auch mit seinem lateinischen Namen bradypus tridactylus nicht flott machen könnt. Bewegt es sich am Boden, erreicht es mit Mühe eine Höchstgeschwindigkeit von 2,4 Metern pro Minute. Das sind in einer Stunde 0,144 Kilometer. Aber welches Faultier wäre schon so bescheuert, eine volle Stunde lang zu spurten? In seiner liebsten Umgebung, hoch oben in den Bäumen, erreicht das Dreifinger-Faultier jedoch seine atemberaubende Spitzengeschwindigkeit. Dort schafft es 4,6 Meter pro Minute, was einem Tempo von 0,28 km pro Stunde entspricht. Rein theoretisch, versteht sich. 
 
Doch es gibt tatsächlich Tiere, die es noch langsamer angehen lassen. Da wäre zum Beispiel die Nacktschnecke, die über elf Zentimeter pro Minute nicht hinauskommt. Immerhin entspricht dies 0,0066 km pro Stunde. Die vermutlich leicht beduselte Weinbergschnecke schafft dagegen gerade mal sieben Zentimeter pro Minute, also 0,0042 Kilometer pro Stunde. Und ein wahres Juwel an Langsamkeit ist die Bernsteinschnecke. Dafür spricht eine Spitzengeschwindigkeit von zwei Zentimetern pro Minute, das wären 0,0012 km pro Stunde. 
 
Es gibt aber Geschöpfe, die lassen Schnecken gelassen an sich vorbei zischen. Dazu gehört die Koralle. Denn die ist ein Tier und nicht, wie viele irrtümlich glauben, eine Meerespflanze. So eine Koralle kommt auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 0,00000 km pro Stunde - sie rührt sich einfach nicht von der Stelle. 
 
Geschafft! Fertig für heute! Bevor mich jemand Faultier nennt, verdiene ich mir jetzt einen neuen Ehrennamen. Ihr könnt mich gern "Koralle" rufen, denn die nächsten 23 Stunden rühre ich keinen Finger. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1172 vom 15. 5. 24 

Gestern war ein richtig schöner Tag. Die Sonne lachte. Mein Winzer lieferte eine Ration Wein, die knapp für den ganzen Sommer reichen dürfte. Und die anschließende kleine Weinprobe mit Buch im Gartenstuhl fühlte sich wie ein Versprechen auf viele ähnlich angenehme Sonnentage an. 
 
Bei solchen Gelegenheiten beschreiten meine Gedanken ab und zu krumme Wege und beschäftigen sich mit abwegigen Themen, von denen Ihr schon einige als SP-Inhalte kennengelernt habt. Beim Blinzeln in die Sonne dachte ich darüber nach, mit welcher Farbe ich unser Zentralgestirn malen würde. Natürlich mit Gelb, nicht wahr?Ist aber leider falsch. Die Sonne ist in Wahrheit weiß. Bitte nicht direkt durch einen ungeschützten Blick überprüfen, sonst sehe ich für Euer Augenlicht schwarz. 
 
Doch Ihr dürft mir ruhig glauben. Die Sonne sendet weißes Licht aus, gemischt aus den Farben des Regenbogen-Spektrums, von Rot über Orange, Gelb und Grün hin zu Blau. Nur, wenn die Sonne zentral über uns steht, ist sie als weißer Himmelskörper erkennbar. Steht sie tiefer, dann bricht sich ihr Licht in der Erdatmosphäre. Deren Moleküle streuen die auftreffenden Strahlen. 
 
 Besonders stark wird das blaue Licht abgelenkt. Und weil diese Farbanteile dann geringer vertreten sind, wenn der Sonnenstrahl unser Auge erreicht, erscheint uns das Licht gelblich. Aber die herausgefilterten Blautöne nehmen wir aus allen anderen Richtungen als Streulicht wahr - sie malen uns daher den Himmel blau! 
 
So, jetzt halte ich das Weinglas gegen die Sonne. Der Inhalt lächelt mich rosefarben an. Genauso schmeckt er auch. Aber ich darf dennoch nicht zuviel davon trinken. Sonst bin ich ganz ohne Lichtbrechung blau. . .
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1171 vom 14. 5. 24

Zwei Momentaufnahmen vom gestrigen Tag: Da habe ich das jüngste Buch von Castle Freeman mit dem Titel "Treue Seele" zu Ende gelesen. Und kann es nur wärmstens weiter empfehlen. Freemans Geschichten, zu einem gewissen Anteil mitunter auch Kriminalromane, spielen allesamt in ländlichen Regionen der USA. Ihre Helden haben mit gängigen Klischees überhaupt nichts zu tun, sie sind meist schon recht betagt, haben sowohl Stärken wie auch Schwächen, sind aber durch die Bank sympathisch. Besonders die knappen, von lakonischem Witz geprägten Dialoge ragen heraus. 
 
Aber gestern benötigte ich auch ein Rezept aus einer Recklinghäuser Arztpraxis, die ich telefonisch nicht erreichen konnte. Also habe ich mich vormittags um 10.30 Uhr aufs Rad geschwungen. Um stark befahrene Straßen zu meiden, fuhr ich zunächst Umwege. Als ich merkte, dass es langsam knapp wurde, weil die Sprechstunde der Praxis um 12 Uhr enden könnte, habe ich mächtig in die Pedale getreten. Und kam um 11.50 h rechtzeitig an. Sogar sehr rechtzeitig. Denn, wie ich erstaunt lesen durfte, hat die Praxis montags ausnahmsweise bis 13 Uhr geöffnet. 
 
Für eine Strecke von 26 Kilometer habe ich nur eine Stunde und 20 Minuten gebraucht. Wobei lästige Ampelpausen mich mindestens fünf Minuten kosteten. Solch eine Strampelei hätte den Protagonisten aus Freemans Roman nur ein mitleidiges Lächeln abgerungen. Deren Einstellung zum Radfahren geht aus folgenden Textstellen hervor: 
 
"Auf der Straße vor Ports Haus fuhren ein Dutzend oder mehr Radfahrer vorbei, keine Kinder, sondern Leute in mittleren Jahren oder älter, Männer und Frauen in komischen, kreischbunten, eng anliegenden Kleidern und jeder mit einem kleinen Plastikhelm und einer Art Flagge an einem dünnen, hin und her schwingenden Stab, damit die Fahrer von Holzlastern und Tankwagen wussten, worauf sie zielen mussten. Noch vor ein paar Jahren hätte man gedacht, es wäre ein Haufen Verrückter, die aus dem Landeskrankenhaus ausgebrochen waren, doch inzwischen sah man sie überall. Auf der Geraden vor dem Haus fuhren sie in einem dichten Rudel vorbei. Einige winkten uns zu. Wir winkten zurück. (...) 
 
In einer weit auseinandergezogenen Kette fuhren drei, vier weitere Radfahrer vorbei, die Nachzügler, die Mühe hatten mitzuhalten. Sie traten in die Pedale, sie strengten sich mächtig an. Keiner winkte. (...) Und jetzt kam noch einer, der einsame Letzte, das Schlusslicht, und er kämpfte: Tief über den Lenker gebeugt, die Ellbogen ausgefahren, fuhr er in Schlangenlinien dahin. Er sah aus, als könnte er es gerade noch bis zum Friedhof schaffen. Manche Leute fahren zum Vergnügen Fahrrad." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Von einem geübten Radfahrer stammt die Anmerkung zur goldenen Schmunzelpost. Martin schreibt: "Weißt Du, welche Zahl in puncto Gold mich immer am meisten fasziniert? Wenn man alles jemals vom Menschen geförderte Gold, egal ob für Barren, Münzen, Industrie, Schmuck oder Zähne, zu einem massiven Würfel zusammenschmelzen würde, hätte dieser eine Kantenlänge von gut 22 Metern. Oder ergäbe etwa zwei 6-Familien-Häuser aus massivem Gold! Und über so einen Killefit wird soviel Buhei gemacht?" 

Schmunzelpost 1170 vom 13. 5. 24 

Warum mir das Edelmetall gerade jetzt im Kopf herumspukt, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht, weil ich beim Zahnarztbesuch mal kurz darüber nachgedacht habe, dass der Füllstoff Gold dort inzwischen von besseren Alternativen abgelöst worden ist. Oder weil bald in Paris die Olympischen Sommerspiele beginnen und wieder reichlich Gold-Medaillen verteilt werden. Oder weil beim Nachdenken über eine wertbeständige Anlage der Ersparnisse Gold als Möglichkeit erscheint, die mühsam erarbeiteten Penunzen vor der Inflation zu retten. 
 
Aber ist das wirklich so? Zwar waren alle Alchimisten auf Goldplomben angewiesen, weil sie sich beim Versuch, andere Substanzen in Gold zu verwandeln, die Zähne ausgebissen haben, aber dennoch kann niemand garantieren, dass Gold stets und ständig hoch im Kurs steht. Schließlich werden jedes Jahr in Bergwerken 3000 Tonnen Gold gewonnen, die den Vorrat an Edelmetall wachsen lassen.
 
Allerdings ist das Ende absehbar. Im Erdreich werden noch ca. 50 000 Tonnen Gold vermutet, in spätestens 20 Jahren wären die Lager bei anhaltender Förderquote also erschöpft. Aber die meisten von uns schwammen wahrscheinlich bereits in Gold: Im Meerwasser ist neben vielen anderen Rohstoffen auch jede Menge Gold vorhanden - schätzungsweise 70 Millionen Tonnen! 
 
Ließe sich das aus unseren Ozeanen filtern, dürften die Goldkurse in den Keller rutschen. Und wenn Ihr glaubt, das wäre technisch gar nicht möglich, dann seid Ihr schief gewickelt. Schon in den 1960er Jahren gelang es Tübinger Forschern mit Hilfe von Makromolekülen, Gold aus dem Wasser des Mittelmeeres zu gewinnen. Zwar noch in winzigen Mengen, aber heute arbeiten Wissenschaftler emsig daran, durch den Einsatz von Bakterien neue Wege zu erschließen.   
 
In den letzten 20 Jahren schwankte der Preis zwischen 30 und 70 Euro pro Gramm. Damit hat Gold das zweitbegehrteste Edelmetall abgeschüttelt. Und das ist nicht Silber, sondern Platin, das gegenwärtig für 30 Euro pro Gramm zu haben ist. Doch bekanntlich hat Handwerk goldenen Boden. Falls Ihr Euch fragt, warum der Handel mit Drogen so floriert: Dealer, die sich nicht erwischen lassen, können mit einer goldenen Zukunft rechnen. Ein Gramm Heroin ist doppelt so teuer wie Gold, der Kokainpreis schwankt zwischen dem Fünf- und Zehnfachen und LSD kostet ungefähr 2500 Euro pro Gramm. 
 
Aber Ihr wollt ja bestimmt nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Zum Glück gibt es noch ganz andere Gewinn-Chancen. Ein Gramm Plutonium kostet mehr als 3000 Euro pro Gramm, Tritium bringt es auf 24 000 Euro und Diamanten - Frauen hatten dafür schon immer ein Näschen - sogar 50 000 Euro pro Gramm. Nun aber kommt der Hammer, mein Geheimtipp für Euch. Lasst alles stehen und liegen und befasst Euch mit Antimaterie! Wenn Ihr es hinkriegt, ein paar Mikrogramm zu gewinnen, wird selbst Elon Musk blass. Oder aber gelb vor Neid. Denn Antimaterie wird mit 100 Billionen Euro pro Gramm gehandelt. 
 
Nun müsste endlich jedem von Euch klar sein, dass die Lektüre der Schmunzelpost Gold wert sein kann. Wer jedoch etwas zu meckern hat, der bedenke: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1169 vom 12. 5. 24

Vor vielen Jahren unterstützte die Dorstener Zeitung eine Aktion der Stadt. Meine Überschrift über der Sonderseite lautete damals: "Sei keine Schnecke, pflanz eine Hecke!" Das wurde mir noch Jahre danach von Kollegen mit spöttischem Grinsen aufs Butterbrot geschmiert. Doch ich stehe noch heute dazu. Sowohl zu den Hecken wie zu den Schnecken. 
 
Ja, ja, Schnecken sind übel beleumdet, niemand will mit ihnen kuscheln oder sie streicheln. Sie gelten als ekelhaft und als Schädlinge, weil sie Gartenfreunde um ihre Ernte bringen. Dabei wird ihr Nutzwert völlig vergessen. Schnecken sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Frösche und Igel. Außerdem räumen sie als Gesundheitspolizisten die Natur auf. Wie Geier und Rabenvögel beseitigen sie Aas. Und vertilgen Fäkalien, Pilze sowie verrottende Pflanzen. Außerdem gibt es mehr als tausend ganz unterschiedliche Schneckenarten. Daran erinnerte jetzt Axel Hacke in seiner Kolumne im Magazin der Süddeutschen Zeitung, die er diesmal der Nacktschnecke widmete. 
 
Wer hätte gedacht, dass Edgar Allan Poe, der Verfasser von klassischen Kriminalromanen und Horrorgeschichten, ausgerechnet mit seinem Standardwerk über Schnecken den größten Verkaufserfolg verbuchen konnte? "The Concohlogist's First Book: or, A system of Testaceous Malacology" war bereits nach zwei Monaten vergriffen. Und auch Patricia Highsmith verfasste nicht nur den Erzählband "Der Schneckenforscher", sondern nahm hin und wieder die possiertlichen Tierchen sogar zu Dinnerpartys mit. 
 
Unter die Schneckenforscher reihte sich auch der deutsche Schriftsteller Hermann Löns ein, der Im Jahr 1911 allerdings einen Text mit dem Titel: "Ein ekliges Tier" veröffentlichte. Womöglich wurde Löns dabei von seinen Emotionen gesteuert. Als Student hatte er im Münsteraner Zoo vergeblich versucht, Bussard, Krähe und Marabu mit Schnecken zu füttern. Selbst das ansonsten wenig wählerische Wildschwein rührte die Tiere nicht an. Nur der Strauß schluckte eine Schnecke, spuckte sie aber sofort wieder aus. 
 
Aus purer Neugier strich Löns dann selbst mit dem Zeigefinger über eine Schnecke und kostete ihren Schleim. Mit durchschlagendem Erfolg: "Erstens gebärdete ich mich ungefähr so, wie der Strauß, zweitens musste ich einen Kognak trinken, und als auch das nichts half, einen Bitteren und dann noch einen. Drittens verlor ich für drei Tage den Appetit und viertens die Zuneigung eines sehr hübschen Mädchens, der ich in meiner unglaublichen Torheit von meinem Versuche Mitteilung machte." 
 
Vielleicht wäre Löns größerer Erfolg bei der Holden beschieden gewesen, wenn er ihr von  der Vielfalt der artenreichsten Weichtiere erzählt hätte. Etwa von der Zottigen Bäumchenschnecke oder der Meerzitrone, deren Geruch Schießpulver ähnelt. Oder von der Landkarten-Kegelschnecke Conus geographus, die im Indopazifik zuhause ist und es versteht, auf einen Fisch mit ihrem sich blitzschnell zum Stilett versteifenden Rüssel einzustechen und damit den Fisch vollständig zu lähmen. 
 
Axel Hacke war davon so beeindruckt, dass er in Erwägung zog, das Experiment von Hermann Löns zu wiederholen. Er entschied sich dann jedoch, auf den Schneckenschleim zu verzichten und lieber gleich den Kognak und zwei Magenbitter zu trinken. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1168 vom 11. 5. 24

Allmählich rückt die Europawahl näher. Zwar weiß ich ganz genau, wen ich auf keinen Fall wählen werde. Aber ich bin mir noch nicht schlüssig, wer letztendlich meine Stimme bekommt. Nun waren wir gestern in Münster. Und in der Westfalenmetropole hängen bereits sehr viele Wahlplakate. Darunter war eines, dass durch eine Frage meine Aufmerksamkeit erregte. Darauf stand: "Wo möchten Sie in 800 Jahren leben?" 
 
Da guckt man automatisch ein zweites Mal hin. Zumal im Münsteraner Zentrum mehr von diesen Plakaten zu sehen waren, als SPD und Grüne zusammen ausgehängt hatten. Initiator der Aktion ist die "Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung", die ihren Wählern eine Lebenserwartung bis zu 1000 Jahren verheißt. Nun hege ich Zweifel, ob der Durchbruch in meiner noch verbleibenden Lebenszeit gelingen kann. Aber für Jüngere ist die Aussicht vielleicht verlockend. Ich aber warne Euch: Fallt darauf nicht herein! Wenn Ihr dann mit 65, 67 oder 70 Jahren in Rente geht, erwartet Euch ein hartes Seniorenschicksal. Mit Eurer Minirente kommt Ihr auf keinen grünen Zweig. Und wer will schon gern fast 1000 Jahre lang arbeiten? 
 
Die Kampagne war für mich Anlass nachzuschauen, wer sonst noch bei den 35 Parteien am Start ist, die in Deutschland antreten. Ich will Euch nicht reinreden. Jeder muss selbst wissen, was er tut. Bedenkt aber bitte, dass Ein-Thema-Parteien höchstens ein oder zwei Mandate ergattern werden und ihnen somit jede Basis fehlt, etwas für ihre Ziele zu erreichen. Tierschutz ist ein ehrenwertes Anliegen. Doch dafür treten gleich zwei Parteien ein, die ihren einzigen Schwerpunkt auch noch in ihrem Namen verkünden. Und eine ganze Reihe anderer Parteien möchte dazu mit Maximal-Forderungen ebenfalls Tierfreunde ködern. 
 
Dennoch habe ich drei Favoriten unter den Mini-Parteien. Sehr gespannt war ich, was sich hinter VOLT verbirgt. Der Name des Spitzenkandidaten deutete daraufhin, dass diese Leute mit Starkstrom für die Aristokratie arbeiten wollen. Denn sie werden angeführt von Damian Hieronymus Johannes Freiherr von Boeselager.
 
Auch die Partei "Menschliche Welt" weckte mein Interesse. Wer könnte etwas dagegen haben, dass unser aller Alltag in Europa humaner gestaltet wird? Doch wer steckt dahinter? In der Rubrik "Über uns" schreibt die Partei: "Wir sind Mütter und Väter, Töchter und Söhne." Geht's nicht ein wenig präziser? Sind wir das nicht alle? Jedenfalls kriegt Ihr die Stimmen der Diversen schon mal nicht! 
 
Und dann gibt es da noch die V-Partei. Die nennt sich so, weil sie die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer ist. Gut, Vegetarier und Veganer kommen in dem ausführlichen Grundsatzprogramm kaum vor. Dennoch klingen viele Forderungen recht vernünftig, weshalb die Partei auch noch "Vernunft" in ihren Namen aufnehmen könnte. Also die Vier-V-Partei. Oder sogar fünf V? Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir nach dem Wahltag noch ein V für "Vergebens" hinzufügen können. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1167 vom 10. 5. 24 

Verflixt nochmal, was war noch gleich das Thema der gestrigen Schmunzelpost? Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Gedächtnisschwäche! Dabei plagt sie mich in Sachen Geburtstagen nach dem 20. April bereits zum zweiten Mal. Ich bin mir sicher, dass am 10. Mai eine bedeutende Persönlichkeit geboren wurde. Aber welche?
 
Gehen wir die Sache mal systematisch an. Was Musik betrifft, war der 10. Mai ein fruchtbarer Tag. Da erblickten so unterschiedliche Künstler wie der schottische Barde Donovan, der irische Rockmusiker Bono, der bereits verstorbene Punker Sid Vicious und Kung-Fu-Meister Carl Douglas das Licht der Welt. Nicht zu vergessen der König des Schlagers: Roland Kaiser. 
 
Auch für künftigen sportliche Lorbeer wurde an diesem Tag einiges in die Welt gesetzt. Etwa der Vorstopper Christian Wörns, den ich wegen seiner gelbschwarzen Schaffensperiode aus meinem Gedächtnis gestrichen habe. Oder der Rennfahrer Nick Heidfeld, der es aber nur selten aufs Treppchen schaffte. Ganz anders die Ski-Läuferin Katja Seizinger. Mit zwei Olympia-Siegen und 36 Weltcup-Triumphen ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Wintersportlerinnen. 
 
Aber Katja ist nicht die Gesuchte, doch mit einer Frau kommen wir der Sache schon näher. Deshalb scheidet mit Gustav Stresemann auch der prominenteste Politiker aus, der am 10. Mai zur Welt kam. Und die Person, die mir nicht einfallen will, sieht ohnehin deutlich besser aus. Oha, auch Linda Evangelista hat am 10. Mai Geburtstag. Zum Model hat es, glaube ich, für mein Geburtstagskind doch nicht ganz gereicht. 
 
Allmählich lichtet sich das Dunkel in meinem Hirn. Es geht um das Geburtsdatum 10. 5. 1954. Welche Frau kann das wohl sein? Mein kriminalistisches Gespür bringt mich auf die richtige Fährte. Die Schauspielerin Sabine Postel, die als Bremer Tatort-Kommissarin im Gedächtnis blieb, kam exakt an diesem Tag zur Welt! 

Wenn da bloß die quälenden Zweifel nicht wären. Uh, ich fühle mich wie ein Fischer im Trüben. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bei solch nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit ist es wohl zwangsläufig, dass einem, der über den falschen Gebrauch von Wörtern aufklären will, selbst mancher Lapsus unterläuft. Martin deckt gnadenlos auf:   Das passt ja zur "Schmunzelpost der falsch verwendeten Wörter" wie die Faust aufs Auge: PATHOLOGE hast Du glatt "missverwendet", so wie es viele tun, bis zu Krimischriftstellern und TV-Autoren. Pathologie ist die Lehre von den Krankheiten. Meine jüngsten Gewebeproben wurden von Pathologen untersucht, die den beginnenden Krebs feststellten. Das Öffnen von Leichen für kriminaltechnische Ermittlungen wird dagegen von Rechts- oder Gerichtsmedizinern vorgenommen. Pathologen werden allenfalls, wenn nötig, zu Rate gezogen, genauso wie HNO-Ärzte, Kardiologen oder Internisten. Weitere allseits beliebte Kandidaten für falsche Wortwahl sind SCHEINBAR, wenn eigentlich anscheinend gemeint ist, oder WORTE, wenn eigentlich WÖRTER gemeint ist. 
 
PPS. Mea culpa. Die falsche Verwendung von scheinbar/anscheinend habe ich jedoch bereits mehrfach angeprangert, aber anscheinend nicht nachhaltig genug. 

 

 Schmunzelpost 1166 vom 9. 5. 24 

Viele von Euch gehören wie ich alternsbedingt zur Gruppe der Menschen, die allmählich vergesslich werden. Immer öfter passiert es, dass uns ein vertrauter Name, ein Wort oder ein Begriff einfach nicht mehr einfallen will. Das Gefühl, dass die Vokabel eigentlich auf der Zunge liegt, sich aber hartnäckig festklammert und Störsignale ins Gedächtnis aussendet, kann einen dann regelrecht verrückt machen. Meist taucht das Wort erst unvermittelt auf, wenn man es gar nicht mehr sucht. Pling! Mitten in der Nacht weiß ich endlich wieder, was ich eigentlich sagen wollte. Schade, dass der Gesprächspartner jetzt nicht mehr da ist. 

Dieses Problem hat aber auch eine heitere Seite, vor allem, wenn es zu Verballhornungen kommt. Gestern mittag im Gespräch mit ebenfalls Betroffenen zeigten sich gleich zwei davon. "Bauchsprecher" statt "Bauchredner" betrachte ich als unübliche, aber durchaus treffende Bezeichnung. Ob die Klinik "Bergmannsheil" jedoch glücklich darüber wäre, in Waidmannsheil umgetauft zu werden, möchte ich bezweifeln. Als Patient will ich mich nicht gern erlegen lassen, selbst wenn danach ein fröhliches Halali der Ärzteschaft erklingt. 
 
Es gibt jedoch auch sprachliche Irrtümer, die wir bewusst verwenden, weil wir uns über die wahre Bedeutung eines Begriffs nicht im Klaren sind. Falls Ihr in den Nachrichten hört: "Mehr als 1000 Menschen mussten evakuiert werden", dann glaubt das bitte nicht. Und erzählt es vor allem nicht weiter. Denn evakuieren kommt vom lateinischen evacuare und das bedeutet ausleeren. Korrekt muss es also heißen, dass ein Ort oder eine Region evakuiert wird, wenn man die Bewohner in Sicherheit bringt. Das Ausleeren von Menschen sollten wir besser den Vampiren oder den Pathologen überlassen.
 
So, ich habe meine Pflicht getan und einen Irrtum ausgeräumt. Zur Belohnung werde ich jetzt eine Flasche Wein evakuieren.
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1165 vom 8. 5. 24 

Wie lautet das sechste Gebot? Ja, gar nicht so einfach. Nicht jeder hat die zehn Gebote parat, schon gar nicht in der richtigen Reihenfolge. Okay, das erste und das vierte Gebot sind mir noch geläufig. Und heißt es im fünften nicht "Du sollst nicht töten!" ? Das siebte war dann "Du sollst nicht stehlen", glaube ich. Aber das sechste?
 
Da hilft ein Blick in die Bibel. Greifen wir zur "King-James-Bibel", einer Ausgabe von 1631. Und was steht da schwarz auf weiß? "Du sollst Ehebruch begehen". Das ist nicht die einzige wunderliche Textstelle. Auf einer anderen Seite heißt es: "Der Herr und seine Pracht hat uns seinen großen Esel gezeigt." Beide Zitate sind hier aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Im Original war das englische Wort "greatnasse" für Herrlichkeit irrtümlicherweise als "great asse" gedruckt worden. 
 
Solch blasphemische Fehler wurden seinerzeit schwer übel genommen. Zumal für die "böse Bibel", wie sie damals genannt wurde, auch noch minderwertiges Papier verwandt worden war. Deshalb brachte der erboste Erzbischof von Canterbury am 8. Mai 1632, also auf den Tag genau vor 392 Jahren, die Verantwortlichen vor Gericht. Die Angeklagten entgingen mit Glück der Verstümmelung wegen Gotteslästerung und kamen mit lebenslangem Berufsverbot davon. 
 
So etwas interessiert jemand wie mich, der sich über jeden Druckfehler in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften ärgert, natürlich sehr. Zumal sich zwei Tage zuvor ein anderes berühmt-berüchtigtes Ereignis der Mediengeschichte jährte. Eine Textprobe dazu: "Auf Evas Wunsch werde ich von meinen Ärzten gründlich untersucht. Wegen der neuen Pillen habe ich heftige Blähungen und - sagt Eva - üblen Mundgeruch." Dieses Zitat stank zum Himmel, denn es entstammt gefälschten Tagebüchern: Am 6. Mai entlarvte das Deutsche Bundesarchiv die Bände, die angeblich Adolf Hitler höchstpersönlich verfasst haben sollte, als plumpe Fälschungen. Der sensationslüsterne STERN war Betrügern auf den Leim gegangen. In diesem Fall handelte es sich also nicht um einen Druckfehler, sondern der Abdruck war der Fehler. 
 
Ansonsten können Dreckfuhler mitunter durchaus lustig sein, wie jede Woche der "Hohlspiegel" beweist. Und selbst absolute Spezialisten sind vor Bolzen nicht gefeit. So stand im englischen Gegenstück zum Duden, dem renommierten "Merrian-Webster-Wörterbuch", jahrelang ein Wort, dass es in Wirklichkeit niemals gegeben hat. "Dord" sollte danach ein Synonym für "Dichte" sein. Dabei hatte der Redakteur in einem missverstandenen Vermerk eigentlich erklären wollen, dass "D or d", also das große oder das kleine D, als Abkürzung für "Dichte" (density) gebraucht werden.
 
Artverwandte der Druckfehler sind manchmal auch Denkfehler. Zum Beispiel, wenn sie Windows unterlaufen: "Hilfe und Support kann nicht geöffnet werden, da ein Systemdienst nicht ausgeführt wird. Starten Sie 'Hilfe und Support', um dieses Problem zu beheben."   
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Sammelt Ihr Bibeln aus aller Welt? Dann schaut Eure Bestände gut durch: Zwar sind fast alle Exemplare der "bösen Bibel" von 1631 vernichtet worden, aber in 16 Bibliotheken ist sie noch vorhanden. Und wenn unverhofft weitere Originale auftauchen, dann können sie viel Geld einbringen - 2018 wurde eine "Sünder- und Ehebrecher-Bibel" bei "Sotheby's" für mehr als 50.000 Dollar versteigert. 

Schmuzelpost 1164 vom 7. 5. 24 

Das weiß doch jeder! Nee, nee, man darf sich auf solche katergorische Aussagen nie blind verlassen. Zum Beispiel darauf, dass Maulwürfe blind sind. Oder Fische stumm. Oder dass Eintagsfliegen sich nach spätestens 24 Stunden einen passenden Sarg suchen müssen. 
 
Fangen wir mit den Eintagsfliegen an. Es stimmt, manche Arten haben als Insekt nur eine Lebenserwartung von vier, fünf Stunden. Doch vorangegangen ist eine viel längere Zeit als Larve. Da können sie in Bächen, Flüssen oder Seen durchaus mehrere erlebnisreiche Jahre verbracht haben. Und die meisten Arten, allein in Europa mehr als 100, haben etwa drei Tage Zeit, sich zu paaren und Eier abzulegen. Das ist nicht viel? Verglichen mit der Lebenserwartung des Menschen bedeutet das, dass Eintagsfliegen nicht 70, sondern 210 Jahre herumsurren dürfen. 
 
Und stumme Fische sind die absolute Ausnahme. Vielleicht hat so ein Guppy mal ein Schweigegelübde abgelegt, ansonsten aber grunzen, meckern, quietschen und knurren Fische in einer Tour. Jede Art hat ihre eigene Sprache. Was wir nicht glauben wollen, weil wir unfähig sind, ohne Hilfsmittel ihren Unter-Wasser-Gesprächen zu lauschen. Das ist mitunter auch ganz gut: Der Hering etwa benutzt für die Kommunikation hauptsächlich seinen Darm. 
 
Und was den Maulwurf betrifft: Der hat durchaus Augen im Kopf. Die leisten natürlich nicht das Gleiche wie die Augen eines Adlers, aber auch beim Sehen gibt es verschiedene Qualitäten. Für sein unterirdisches Leben ist der Maulwurf mit seinem Hör-, Geruchs- und Tastsinn hervorragend ausgestattet. Darüber hinaus kann er aber nicht nur hell und dunkel unterscheiden, sondern auch Umrisse erkennen. Und damit Ausschau nach Feinden wie dem Adler und anderen Raubvögeln halten, wenn er einen seiner seltenen Über-Tage-Ausflüge unternimmt. 
 
Jetzt haben wir einiges über Tiere gelernt. Aber hoffentlich auch, dass wir keinen Redensarten vertrauen und gegenüber populistischen Parolen und Fake-News nicht blind wie ein Maulwurf und stumm wie ein Fisch bleiben sollten. Das gilt übrigens für die Lebensdauer von etlichen Generationen der Eintagsfliege! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1163 vom 6. 5. 24

Findet Ihr nicht auch, dass ein Kreuzzug gegen Verschwörungstheorien, Unwahrheit und Unwissenheit unsere heilige Pflicht ist? Vielleicht habt Ihr ja in den letzten Tagen irgendwo gelesen, wie die Verblödung weltweit um sich greift. Ich werde daher heute den Kampf gegen Irrtümer fortsetzen. Aber, um den Übergang zur letzten Schmunzelpost herzustellen, in homöopathischer Dosierung. 
 
Zwar habe ich in diesem Jahr noch nicht seinen typischen Ruf vernommen, aber der Mai ist der Monat, in dem der Kuckuck sich hören lässt (mal abgesehen vom Klingelton gewisser Wanderführer, die mit ihrem Handy ganzjährig für Verwirrung sorgen). "Tja, so ein Kuckuck, der hat's gut," höre ich die Eltern unter Euch seufzen, "der jubelt seinen Nachwuchs einfach anderen unter, überlässt denen die Mühe der Aufzucht und macht sich einen lauen Lenz." 
 
Nein, so einfach ist die Sache nicht. Denn das Kuckucksweibchen hat enormen Stress. Zunächst muss es ein geeignetes Nest ausbaldowern. Dann muss es abwarten, bis deren rechtmäßige Bewohner anderweitig unterwegs sind. Und nun muss alles ganz schnell gehen: Vor der Rückkehr der Brüter gilt es, rasch ein Ei aus dem Gelege zu entfernen, ein eigenes Ei hineinzulegen und alles so zu arrangieren, dass der Betrug nicht bemerkt wird. Alles unter Zeitdruck, weil das Brutgeschäft nie lange unterbrochen wird, da die Eier sonst auskühlen könnten. 
 
Ist es vollbracht, kann die Kuckucksfrau aber noch lange nicht die Flügel in den Schoss legen. Denn die Zahl der Fehlschläge ist groß. Manche Vogelarten, wie etwa die cleveren Bachstelzen, erkennen sofort das Täuschungsmanöver und werfen das Kuckucksei aus ihrem Nest. Andere schöpfen Verdacht, verlassen das Gelege und fangen anderswo neu an. Und Sperlinge brüten das Ei zwar aus, durchschauen danach aber den Schwindel und füttern das Kuckucksküken nicht. Auch den Kuckuckskindern die unter Nestflüchtern aufwachsen, droht der Hungertod, da ihre Adoptiveltern viel zu früh die Versorgung einstellen. 
 
Daher muss jede Kuckucksfrau bis zu 25 mal in der Brutsaison ein Ei irgendwo einschmuggeln. Was eine Schufterei! Dauernd braucht man einen Kerl für die Paarung. Und dann geht der Zirkus mit der Suche wieder aufs Neue los. Kein Wunder, dass in ausgesuchten Erholungsgebieten spezielle Kuckucksmüttergenesungswerke eingerichtet wurden, wo die total geschafften Weibchen wieder aufgepäppelt werden. 
 
So, einen habe ich noch. Viele Schlangen sind giftig, auch Frösche, Quallen, Pilze oder die ätzenden Äußerungen von Donald Trump und Björn Höcke. Aber Vögel? Nie im Leben, denkt Ihr, die sind höchstens hinterlistig wie der Kuckuck. Doch es gibt tatsächlich auch giftige Vögel. Zum Beispiel - wer kennt ihn nicht - der Zweifarbenpitohui aus Neuguinea. Seine Haut und seine Federn enthalten Homobatrachotoxin, ein starkes Gift, das zu schweren Muskelkrämpfen führt. So ist der Vogel vor Freßfeinden geschützt. Selbst bei einheimischen Papua-Stämmen steht er nicht auf der Speisekarte. 
 
Eine absolute Ausnahme, denkt Ihr? Nichts da. Schließlich gibt es auch noch den Blaukappenflöter. Doch das ist eine andere Geschichte. Ihr aber seid jetzt gefeit vor der nächsten Lügenkampagne. Wenn Friedrich Merz alle Kuckuck-Einwanderer als kleine Paschas und arbeitsscheue Elemente diffamiert und im Bundestag ein neues Gesetz einbringt, um ihnen das Elterngeld zu streichen, dann wisst Ihr, was davon zu halten ist. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1162 vom 5. 5. 24

Was klopft die Hirne von Menschen derart flach, dass sie so einen Mumpitz wie die Behauptung, die Erde sei eine Scheibe, tatsächlich glauben? Diese Frage beschäftigt mich, seit ich zwei Schmunzelpost-Folgen lang versucht habe, aus dem Thema eine runde Sache zu machen. Nun bin ich der Antwort auf der Spur. Denn der Verblödungshammer klingt nicht wie Pock-Pock, sondern verdächtig nach TikTok.
 
Ja, ja, das Internet. Allmählich überschattet die Zahl der Nachteile des digitalen Zeitalters immer mehr die Vorteile. Wie kommt es wohl dazu, dass 22 Prozent der Jungwähler in Deutschland die AfD wählen wollen? Das liegt nicht daran, dass sie wie wir früher die Nase in Micky-Maus-Hefte oder die "Bravo" steckten, sondern dass sie sich bereits in der Pubertät stundenlang von TikTok berieseln ließen. 
 
Noch ein weiteres Übel erlebt eine fulminante Auferstehung: Die Astrologie! Wer am vergangenen Freitag Jan Böhmermann im ZDF zugehört hat, der mochte es kaum glauben. 60 Prozent aller Deutschen glauben, dass ihr Schicksal irgendwie von den Sternen beeinflusst wird! Und "Astrology" zählt im Internet weltweit 66 Milliarden Aufrufe, allein in Deutschland 4,3 Milliarden! Was ist da bloß los? Wie viele Sternschnuppen sind da Menschen auf den Schädel gedonnert?
 
Wie kommt man bloß zu der Überzeugung, dass eine zufällige Sternenkonstellation zum Zeitpunkt der Geburt Einfluss auf unseren Charakter haben könnte? Irgendeine unsichtbare Strahlung, die unseren Genen just im Moment des ersten Atemzugs eingibt, dass wir als Stier treu und geduldig, mit Sinn für alles Schöne durchs Leben gehen? Oder dass wir, bloß einen Tag später im Zeichen der Zwillinge geboren, kreativ und neugierig sind? 
 
Ja, ja, es gibt ja noch die Aszendenten und allerlei weiteren pseudowissenschaftlichen Quatsch. Aber es gibt auch wissenschaftliche Untersuchungen, die zweifelsfrei ergeben haben, dass jede Zuordnung nach dem Sternenbild völlig unsinnig ist. Darauf hätte man durch Nachdenken auch schon früher kommen können. Doch davor schützen die Mund-zu-Mund-Propanda und die vermeintlichen Erfahrungswerte, die rationale Schlussfolgerungen offenbar komplett ausschließen. 
 
Das wäre an sich lustig, wird aber traurig dadurch, dass manche Menschen wahrhaftig für ihre Partnersuche Sternbilder als entscheidendes Kriterium heranziehen: Wassermänner vertragen sich nicht mit Skorpionen und Krebsen, vermutlich weil sie zu häufig von ihnen gepiekst oder gezwickt wurden. Jungfrauen sollten sich vor Waagen, Schützen oder klammernden Fischen hüten. Und Stiere streiten sich dauernd mit Löwen, vom Wassermann ganz zu schweigen. 
 
Der Spaß hört spätestens dann auf, wenn astrologiegläubige Mediziner (ja, die gibt es! Ein Studium schützt vor Dummheit nicht!) Patienten raten, ihre lebenswichtigen Krebsoperationen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, weil dann die Sternenkonstellation günstiger erscheint. Das habe ich mir nicht ausgedacht, das hat das Böhmermann-Team mit zahlreichen telefonischen Anfragen belegt. 
 
Liebe Leute, dass im Mittelalter so viele Menschen auf solchen Schwindel hereinfielen, ist erklärlich. Aber heute? Wer immer noch dazu neigt, Horoskopen oder Sterndeutern zu folgen, der sollte sich vor Augen führen, dass die Astrologen in etwa die gleiche Zuverlässigkeitsquote aufweisen können wie die Alchimisten, die Butter in Gold verwandeln wollten. 
 
Wer immer noch unbelehrbar ist, für den bin ich gern bereit gegen eine kleine Gebühr ein fast zu hundert Prozent stimmiges Horoskop zu erstellen. Ich sehe nämlich öfters Sterne. Vor allem nach dem Konsum von mehreren Flaschen Wein. Und zur Abrundung dieses Themenkreises bietet sich morgen die Homöopathie an: Sind flache Globuli womöglich wirksamer als runde? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1161 vom 4. 5. 24

Scheibenkleister! Da hatte ich doch glatt vergessen, dass die Frage, welche Form unser Planet hat, längst abschließend beantwortet wurde. Der britische Universalgelehrte Terry Pratchett hat zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen und Tatsachenbeschreibung über die Scheibenwelt publiziert. Ganz nebenbei lieferte er dabei auch treffende Charakterstudien und setzte sich mit Geschichte, Religion, Politik und Kultur auseinander. Pratchetts Werke wurden in 37 Sprachen übersetzt, weltweit gingen fast 90 Millionen Bücher über den Ladentisch. Und 2003 war Pratchett der einzige Bestseller-Autor, der mit Joanne K. Rowling Schritt halten konnte.
 
Pratchett wies nach, dass die Scheibenwelt von vier mächtigen Elefanten getragen wird, die ihrerseits auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte stehen. Diese Schildkröte rudert gemächlich durch das Weltall. Nun mögen spitzfindige Kritiker einwenden, dass es sich bei der Scheibenwelt gar nicht um unsere Erde handeln könne. Schließlich sei die Metropole Ankh-Morpork auf keiner einzige Weltkarte zu finden.
 
Den Ungläubigen halte ich entgegen, dass die zahlreichen Übereinstimmungen kein Zufall sein können. Schließlich gibt es auf der Scheibenwelt einen Kontinent, auf dem Kängurus herumhüpfen. Und die Elefanten? Kommen die aus Andromeda, oder was? Ganz abgesehen von dem gealterten Barbaren Conan, Hexen, Zauberern, Zwergen, Trollen und einem Orang-Utan als Chef der Bibliothek. Na gut, vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es sich um eine unserer unzähligen Parallelwelten handelt - ein Bereich, der leider bis heute noch unerforscht geblieben ist.
 
Doch wozu gibt es das Internet und die Flat-Earth-Society? Selbst Xavier Naidoo, einer der größten Denker der Neuzeit, hat auf You Tube Beiträge gepostet, die glasklar beweisen, dass uns mit gefälschten Fotos und Filmen etwas vorgespiegelt wird. Wir alle sind Opfer einer weltumspannenden Verschwörung! Nur gut, dass es unerschrockene Aufklärer gibt, die uns endlich die Binde von den Augen reißen.
 
Sie haben erkannt, dass die Sonne in Wahrheit nur 60 Kilometer durchmisst und sich in einer Höhe von 5000 Kilometern über der kuppelförmigen Scheibe befindet, die unsere flache Welt umspannt. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind bloß optische Täuschungen. Denn die Sonne wandert hin und her und beleuchtet wie ein überdimensionaler Scheinwerfer jeweils nur einen Teil unserer flachen Welt.
 
 Wieso kommt das erst jetzt heraus? Weil mit den Aufnahmen für "Game of Thrones" den Vertuschern der Wirklichkeit ein krasser Fehler unterlaufen ist. In dieser Dokumentation ist die riesige Mauer aus Eis zu sehen, die ausgehend von der Antarktis unsere Welt umspannt. Denn das eigentliche Zentrum ist der Nordpol, die Kontinente sind rundherum um ihn angeordnet. Falls aber verwegene Forscher der Eismauer zu nahe kommen, werden sie von Bewachern einkassiert, die dafür sorgen, dass niemand die Grenzen unserer Flachwelt erreicht.
 
Leider verfügen die Herrschenden über fast unbegrenzte technische Möglichkeiten. Mit Hilfe von Tricktechnik gaukeln sie uns Raumstationen und Bilder einer blauen Kugel vor, die unsere Erde darstellen sollen. Dabei wissen wir doch bereits seit langem, dass die Aufnahmen der angeblichen Mondlandungen plumpe Fälschungen waren.
Bleibt die Frage offen, warum solch ein gewaltiger Aufwand betrieben wird, um uns in die Irre zu führen. Für die Flat-Earther ist klar: Das ist das Werk von Anhängern des Teufels, den Bibelleugnern. Schließlich steht die Wahrheit bereits im Alten Testament, in der Offenbarung, geschrieben. Dort ist zu lesen, dass an allen vier Ecken der Welt  Engel postiert sind. Noch Fragen? 
 
Glücklicherweise sorgt eine wachsende Zahl von Clips im Internet dafür, dass die platte Wahrheit sich allmählich durchsetzt. Von 30 Flat-Earthern gaben 29 an, dass sie von You Tube erleuchtet wurden und so endlich die Schlafschafe und ihren Mainstream durchschaut haben. In Großbritannien sind das inzwischen bereits drei Prozent der Bevölkerung, in Brasilien schon sieben Prozent. Und jeder sechste US-Bürger ist sich nicht sicher, ob die Erde rund ist! Nu kommst Du! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1160 vom 3. 5. 24 

Habt Ihr Lust, mal wieder was für Eure Bildung zu tun? Dann könnt Ihr heute etwas lernen. Erstens: Die Erde ist gar nicht rund. Zweitens: Es war nicht Galileo Galilei, der dies als Erster herausgefunden hat. 
 
Tja, die alten Griechen waren nicht nur Hellenen, sondern auch ganz schön helle. Bereits im 5. Jahrhundert vor Christus beschrieben die Pythagoreer unseren Planeten als kugelförmig. Ein Jahrhundert später lieferte der große Denker Aristoteles dafür Beweise. Die Kugelform der Erde, so schrieb er in seinem Buch "Über den Himmel", sei die einzig mögliche Erklärung dafür, warum während einer Mondfinsternis der Erdschatten stets rund ist. Auch der im Norden und Süden unterschiedliche Sternenhimmel sei ein Indiz. Sein Schüler Herakleides Pontikos ergänzte, dass die Erde sich um sich selbst drehe. Und errechnete, dass sie dafür 24 Stunden benötigt. 
 
Doch als sich das Christentum in Europa durchsetzte, wurden solche Gedanken als "heidnisches Geschwätz" abgetan. Schließlich stand schwarz auf weiß in der heiligen Schrift die Erde sei flach, von Säulen gestützt und von der festen Kuppel des Firmaments überwölbt. Da Wissenschaftler gleichzeitig auch Theologen waren, konnten sie sich nichts anderes vorstellen, als dass diese Welt eine besondere Schöpfung Gottes ist, die daher auch Zentrum des Universums sein musste. Und ihr Totschlagargument lautete: Wenn die Erde eine Kugel wäre, müssten ja alle Dinge auf der unteren Hälfte herunterstürzen. 
 
Es dauerte bis zum 15. Jahrhundert, bis der Astronom Nikolaus Kopernikus aus seinen Berechnungen andere Schlussfolgerungen zog. Danach drehte die Erde sich um sich selbst, mit einer Achse in Nord-Süd-Richtung. Der Abstand zwischen Erde und Sonne war verschwindend gering im Verhältnis zu der Entfernung zwischen der Sonne und den anderen Sternen. Und, hier irrte Kopernikus, statt um die Erde drehe sich alles um unsere Sonne. 
 
Weil er aber seine mathematischen Erkenntnisse als nützliche Rechenhilfe präsentierte, zog er erstaunlicherweise nicht den Fluch der Inquisition auf sich. Lediglich Martin Luther nannte ihn einen Blödmann. Papst Gregor hingegen nutzte die Formeln, um den gregorianischen Kalender aufzustellen. Weniger glimpflich kam etwa 100 Jahre später Galilei davon. Er hatte die Aussagen von Kopernikus und Kepler durch präzise Beobachtungen mit Ferngläsern untermauert. Prompt wurde er zum Widerruf gezwungen und stand nach seinem Prozess bis zum Tode unter Hausarrest. 
 
Der wissenschaftliche Durchbruch gelang Ende des 17. Jahrhunderts Isaac Newton. Er beschrieb, welche entscheidende Rolle die Anziehungskraft spielt, warum Dinge auf die Erdoberfläche herunterfallen und der Mond um unseren Planeten kreist. Und Newton erkannte auch - jetzt alle mal aufmerken - , dass die Erde überhaupt keine Kugel ist. Sie ist nämlich am Äquator angeschwollen und an den Polen abgeflacht. 
 
Nachdem auch noch Edwin Hubble im 20. Jahrhundert im Rahmen der Urknall-Theorie mit der Vorstellung aufräumte, die Sonne oder irgendein anderer Punkt im Weltall sei das Zentrum des Universums, schien die Sache vorübergehend endgültig geklärt. Doch mit dem Aufkommen des Internets und einer Unzahl von Blitzbirnen mit anderen Denkansätzen sowie dem segensreichen Wirken extrem bibeltreuer Amerikaner, gewinnt heute eine neue alte Weltsicht enorm an Boden: Womöglich ist die Erde doch eine Scheibe! Ich bin gespannt auf die einfallsreichen Begründungen und werde uns zu gegebener Zeit eine Scheibe davon abschneiden. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1159 vom 2. 5. 24

Im Gegensatz zum Wahrheitsgehalt von Schlagertexten heißt es bekanntlich "Dänen lügen nicht". Das gilt jedoch keineswegs für einen der bekanntesten Autoren aus Dänemark, der jedem von uns schon aus der Kindheit ein Begriff ist. Denn unser Prominenter, von dessen Marotten heute die Rede sein wird, wurde durch seine Märchen berühmt. H. C. Andersen, der sich Zeit seines Lebens auf die Anfangsbuchstaben seines Vornamens beschränkte, litt schwer darunter, dass die Welt ihn nur für die von ihm bearbeiteten Volksmärchen feierte, sich aber kaum für seine Gedichte und Romane interessierte. Aber nicht nur deshalb war er ein mitleidswerter Mensch. 
 
Als Sohn einer alkoholkranken Wäscherin und eines verarmten Schuhmachers prägte ihn eine harte Kindheit. Zudem war Andersen alles andere als eine Schönheit. Mit 16 Jahren versteckte er sich in Seitengassen, wenn Passanten sich lachend nach ihm umdrehten. Das wurde später nicht besser. Als er von einer triumphalen Auslandreise nach Kopenhagen zurückkehrte, musste er in seiner Wohnung mitanhören, wie draußen über ihn gespottet wurde: "Da steht unser berühmt gewordener Orang Utan!" 
 
In der Tat: Enorm große Füße, überlang herunterschlackernde Arme, dazu eine große, dürre Gestalt mit riesiger Adlernase und Schweinsäuglein trugen ihm außer dem Spitznamen Orang-Utan auch noch die Bezeichnungen "Kranich" und "Eidechse" ein. Unsichtbar dagegen blieb seine sexuelle Orientierung, die von manchen Zeitgenossen zwar erahnt, von ihm aber wegen der fehlenden gesellschaftlichen Toleranz verheimlicht wurde. Andersen war bisexuell, wohl aber mit einem stärkeren Hang zu schönen, jungen Männern, dem er vor allem im Alter nachgab. 
 
Als ich jetzt über ihn las, ploppte in meinem Kopf eine Frage auf, die mich schon länger beschäftigt: Haben eigentlich alle Künstler und Genies eine Macke? Oder kommt mir das nur so vor, weil sich mit ihnen die Nachwelt intensiv beschäftigt und alle Eigenheiten ans Licht kommen? Urteilt bitte selbst. Wie etwa würdet Ihr Euren Tischnachbarn im Restaurant einschätzen, wenn dieser zwischen den Gängen ungeniert sein Gebiss aus dem Mund nimmt und es gründlich in einem Wasserglas säubert? 
 
Das ist jedoch beileibe nicht die einzige Merkwürdigkeit in seinem Verhalten. Wenn Andersen auf Reisen war, hatte er im Gepäck stets ein Seil dabei: Im Gasthaus könne ja ein Brand ausbrechen. Und seine Wahnvorstellungen brachten ihn komplett um den Schlaf, wenn sich unerwartet Besuch ankündigte. Andersen war immer aufs Neue überzeugt, es könne ein Mörder sein. Auch die Furcht, lebendig begraben zu werden, war sein dauerhafter Begleiter. Auf seinem Nachttisch drapierte er jeden Abend einen Zettel mit der Aufschrift: "Ich bin scheintot!" 
 
Mächtig auf den Geist ging der prominente Egomane seinen Gastgebern mit der Neigung, sie mit seinen oft langweiligen Erkenntnissen zuzuschwallen. So brachte Charles Dickens nach seiner Abreise über der Frisierkommode ein Täfelchen an: "Hans-Christian Andersen schlief in diesem Zimmer fünf Wochen - der Familie schien es wie eine EWIGKEIT." 
 
Wie ausgeprägt die Hypochondrie des Dänen war, darüber gibt das Tagebuch seines jungen männlichen Reisebegleiters Aufschluss. Bei einem Abendessen verschluckte sich Andersen und musste die Tafel verlassen, um sich auszuhusten. "Obwohl die Gastgeberin Widerspruch erhob, behauptete er, es sei eine Nadel im Fleisch gewesen, er könne sie deutlich spüren. Am nächsten Tag machte er sich große Sorgen wegen der möglichen Folgen. Er war so verängstigt, dass er darüber die Befürchtung vergaß, die Pustel über seinem Auge könne ein großer Auswuchs werden, der sein Auge verdecken würde - eine Sorge, über der er wiederum vergessen hatte, einen Bruch zu bekommen, weil ich ihn mit dem Spazierstock versehentlich ganz leicht in der Magengegend berührt hatte."
 
 Ach, wie gut, dass ich weder prominent noch verrückt bin. Das Seil in meinem Koffer habe ich auf Reisen nur dabei, falls unser Auto mal abgeschleppt werden muss. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1158 vom 1. 5. 24 

Der Mai ist ein gefährlicher Monat. Das weiß ich aus Erfahrung. Nicht nur, dass die Bäume ausschlagen, auch die Hecken verstecken Stolperfallen mit frischem Grün. 
 
Vor gut 50 Jahren, zu meinem ersten und einzigen Maigang mit Bollerwagen, hatte ich voller Besitzerstolz meinen nagelneuen Kasettenrecorder mitgenommen. Der Wagen war mit allerlei alkoholischen Getränken gefüllt. Als wir an der Wohnung von Bekannten vorbei kamen, standen diese auf ihrem Balkon und riefen uns etwas zu, was ich wegen der Musik - ich trug den Recorder in der rechten Hand - nicht sofort verstand. Also versuchte ich, elegant über die kleine Hecke zu flanken, die das Haus von der Straße trennte. 
 
Dabei blieb ich mit dem Fuß am verborgenen Draht hängen und legte mich nach allen Regeln der Kunst aufs Pflaster. Aber geistesgegenwärtig riss ich wenigstens den Recorder nach oben. So blieb er unbeschädigt. Anders als mein Kinn, mit dem ich auf dem Asphalt aufschlug. Die Bekannten zollten mir für die Einlage begeisterten Beifall. 
 
Dies trug dazu bei, dass ich Maigänge künftig vermied und nun unser Lied "Mach den ersten Mai nicht zum Tag der Brauerei" mit besonderer Inbrunst vortrug. Ich gehörte nämlich der Songgruppe Lünen an, einer in der Stadt und den umliegenden Metropolen Bork, Vinnum und Oberaden einzigartigen Combo. Einen unserer ersten Auftritt, als die Gruppe noch eher ein Chor war, hatten wir bei einer Maifeier des Deutschen Gewerkschaftbundes in Lünen. Dabei standen wir mit Willy Brandt auf einer Bühne und konnten ihn von der Seite betrachten. Ich weiß heute noch, wie überrascht ich war, welche Plauze unser damaliger Bundeskanzler mit sich herumtrug. 
 
In den Folgejahren schrumpfte unsere Gruppe auf acht, später sieben feste Mitglieder zusammen. Aber der erste Mai blieb ein wichtiges Datum. Beim DGB Düren hatten wir gleich in drei Jahren am Tag der Arbeit umjubelte  Auftritte vor einem großen Publikum. Und schließlich waren wir mächtig stolz, dass wir sogar eine Einladung für die Auftaktveranstaltung der Ruhrfestspiele am 1. Mai in Recklinghausen bekamen. 
 
Doch das war der Anfang vom Ende. Vor unserer Bühne im Festspielhaus versammelten sich ganze drei Zuhörer. Der Rest lauschte draußen auf der Wiese den Klängen einer aufstrebenden Kölner Rockband mit ihrem Frontmann Wolfgang Niedecken. Dazu übertönte BAP mit Bass und Schlagzeug auch noch die zarten Töne unserer eher bescheidenen Anlage. Danach beschlossen wir, auf Folkrock umzustellen. Was aber nicht gelang und nach längerem Siechtum zum Ende der legendären Songgruppe Lünen führte. 
 
Deshalb summe ich jetzt jedes Jahr am 1. Mai: "Verdamp lang her..." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1157 vom 30. 4. 24

Seid Ihr ganz Ohr? Dann möchte ich mir für einen medizinischen Zwischenbericht Gehör verschaffen: Mein rechtes Ohr bleibt dran! Zumindest vorerst. Es kann aber sein, dass es im Sommer geschält werden muss. Die kranken Zellen haben sich durch die Chemo-Behandlung wie beabsichtigt entzündet und sind abgestorben. Erst in drei Monaten wird sich jedoch herausstellen, ob die nachwachsende neue Haut gesund ist. 
 
Auf der Fahrt zum Arzt habe ich mir einige Gedanken gemacht und eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Der Mensch - in diesem Falle: ich - hat zwei Augen, zwei Ohren und keine Haare auf dem Kopf. Eine singuläre Nase ist dagegen durchaus handelsüblich, ebenso wie nur ein Mund, wobei der mitunter recht groß sein kann. Von den Haaren abgesehen trifft diese Beschreibung auch auf unsere tierischen Freunde zu: Katzen, Hunde oder Pferde. Nur eine Spezies, die vor allem in Mädchen-Zimmern ihr natürliches Habitat gefunden hat, weist am Kopf noch ein weiteres hervorstechendes Merkmal auf: Das Einhorn. 
 
Aus gegebenem Anlass möchte ich Euch heute die kleine Geschichte vom einohrigen Einhorn Claudius erzählen. 
Nun ja, Claudius war nicht direkt einohrig, aber ihm fehlte von der rechten Ohrmuschel ein gutes Stück. Also wurde er in Einhorn-Kreisen fortan "Vincent" gerufen. Und wenn die anderen ihn zu Gesicht bekamen, fingen sie unwillkürlich an zu kichern. 
 
Das nahm Vincent sehr mit. Er zog es vor, möglichst keinem Artgenossen zu begegnen und traute sich nur noch nachts aus dem Stall. Doch eines Tages, als die Sonne schon untergegangen war und am Himmel dem Vollmond 
Platz gemacht hatte, begegnete er mitten im Wald einem anderen Einhorn. Es war vom Alter bereits tüchtig angegraut und überdies struppig und ungepflegt. Aber es machte einen recht munteren Eindruck. Und es hatte auf beiden Ohren merkwürdige Büschel. 
 
"Wer bist Du denn?", fragte Claudius, "ich habe Dich noch nie in unserer Herde gesehen." "Kein Wunder, Du Greenhorn, ich bin auch meist allein im Wald oder im Wilden Westen unterwegs. Man nennt mich Sam." "Sam ist aber ein ungewöhnlicher Name für ein Einhorn." "Well, das mag so sein. Manche taufen ihre Kinder ja lieber nach römischen Kaisern. Aber meine Mutter war in einem Kinderzimmer zuhause, in dem viele Karl-May-Bücher im Regal standen." "Dann hast Du ja Glück gehabt, dass Du nicht Winnetou heißt. Oder Hadschi Halef Omar. Ist Sam Hawkins nicht so ein Haudegen, den die Indianer skalpiert haben?" "Du hast es erfasst, Bürschchen." "Doch sag mir, Sam, was ist das für ein seltsames Gestrüpp auf Deinen Ohren?" "Das nennt man 'Perücke', wenn ich mich nicht irre, hi, hi, hi." 
 
Da begannen Claudius Augen zu leuchten. Gleich am nächsten Tag ließ er sich die obere Hälfte seiner linken Ohrmuschel kappen und für beide Ohren maßgeschneiderte Toupets anfertigen. Diese neue Mode imponierte den anderen Einhörner sehr und wurde schnell als "Vincent-Look" zum Vorbild. Claudius avancierte prompt zum gefeierten Influencer und lebte von da an glücklich und zufrieden. Und wenn er nicht gestorben ist, dann wiehert er noch heute. 
 
Glückauf 
kdk  

PS. Zur Toilettenfolge erreichte mich eine Ergänzung von Martin: "In diesem Zusammenhang empfehle ich den Besuch des Klomuseums in Gmund/Österreich, wo vom faltbaren Lederklo für Reisen bis zum Goldpott mit Brokatbesatz höherer Herrschaften alles zur menschlichen Entsorgung  präsentiert wird. Und dann weise ich auf die kurze Bahnsteigklo-Szene aus Carl Zuckmayers 'Hauptmann von Köpenick' hin, die ein Paradebeispiel für preußischen Militärgehorsam zeigt: Zwei Herren gehen auf dem Bahnsteig auf und ab. Einer der beiden, dringend müssend, hält mehrmals am Klohäuschen an, das aber ständig besetzt anzeigt (da drinnen Schuster Voigt sich für seinen geplanten Coup umzieht). Schließlich reißt ihm der Geduldsfaden, und er brüllt: 'Wer scheißt denn hier so lange?' Die Tür öffnet sich, heraus tritt der 'falsche' Hauptmann, er erstarrt und knallt salutierend die Hacken zusammen, und Voigt fragt: 'Haben Sie gedient?' 'Jawoll!' 'Dann haben Sie auch gelernt, sich zu beherrschen!' - Uniform und Militärgehorsam kommt also weit vor dem menschlichsten aller Bedürfnisse!" 

Schmunzelpost 1156 vom 29. 4. 24

Bei der sonntäglichen Zeitungslektüre ist mir gestern klar geworden, dass bei meinen gelegentlichen Berichten über das Reisen mit dem Deutschland-Ticket ein unerfreulicher Aspekt fehlte: Die Probleme von Geschäftsreisenden in der Bahn. Also von denjenigen, die während der Zugfahrt dringend kleine oder größere Geschäfte abzuwickeln haben. 
 
Tatsächlich war es so, dass erst beim Herunterdrücken der Klinke der Blick auf den Zettel fiel, der mit der Aufschrift "WC-Anlage defekt" den Zutritt verwehrte. Wartete man danach sehnsüchtig darauf, dass das Rotlicht erlosch, mit dem die nächste Toilette zwei Waggons weiter signalisierte, dass sie zur Zeit besetzt war, musste man sich oft einen Wettlauf mit anderen notleidenden Fahrgästen liefern. Und mitunter war die Toilette dann auch noch in so einem unappetitlichen Zustand, dass man die Tür unverrichteter Dinge wieder zu schlug. Was dann aber nicht der Bahn, sondern den Bahnpassagieren anzukreiden ist. 
 
Insofern weckte jetzt der Artikel "Ein dringendes Bedürfnis" in der Süddeutschen Zeitung sofort mein Interesse. Darin ging es um eine Ausstellung, die bis zum Mai 2025 im DB-Museum Nürnberg zu sehen ist. Thema: "Unter Druck. Die Geschichte der Zugtoilette." 
 
Schon das erste Exponat löste bei mir große Verwunderung aus. Was, bitte, hat ein ausgelatschter alter Stiefel in so einer Ausstellung zu suchen? Ganz einfach. In der Anfangszeit der Bahn, also der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gab es in den Waggons noch kein WC. In ihrer Not behalfen sich verzweifelte Fahrgäste mitunter mit einem Stiefel oder einem Hut. Nicht von ungefähr warnten damals Mediziner davor, dass längere Eisenbahnfahrten zu "Stuhl- und Urinverhaltungen" führen konnten. 
 
Dieses Problem versuchten die Bahnbetreiber zunächst dadurch zu lösen, dass auf größeren Bahnhöfen "Perron-Abtritte" eingerichtet wurden. "Perron" ist französisch und bedeutet Bahnsteig. Bei einem Halt konnten sich dort die Fahrgäste in einem WC erleichtern. Ich würde gern wissen, für wieviele Fahrgäste mit Verdauungsproblemen anschließend der Zug abgefahren war. 
 
Eine Dauerlösung ist dies also nicht gewesen. Deshalb folgte man in Europa schließlich dem amerikanischen Vorbild und installierte auch in den Zügen Toiletten. Die Sache hatte in Deutschland jedoch einen Haken. Während in den USA schon damals Großraumwagen genutzt wurden, die über begehbare Wagenübergänge verfügten, gab es bei uns in weiten Teilen des Landes Abteilwagen, die während der Fahrt nicht verlassen werden konnten. Das führte dazu, dass Reisende bei einem Zwischenhalt eilig aussteigen und den Toilettenwagen aufsuchen mussten. Erst am nächsten Bahnhof konnten sie dann das Klo verlassen und auf ihren Platz zurückkehren. 
 
Danach führte die Deutsche Bahn die Fallrohrtoilette ein, die von jedem Waggon aus erreichbar war. Dabei handelte es sich um nichts anderes als ein Plumpsklo. Beim Betätigen der Spülung fielen die Fäkalien somit auf die Gleise, weshalb die Toiletten nicht benutzt werden durften, wenn der Zug in Bahnhöfen hielt. Dies änderte sich erst Mitte der 90er Jahre. Aber nicht freiwillig. Wohl aus Kostengründen hatte die Bahn solange wie möglich an der stinkigen Variante festgehalten. Doch dann sorgte ein Hausbesitzer aus Schleswig-Holstein für Besserung. Er wohnte unter der Hochbrücke "Hochdonn", einer 50 m hohen Stahlkonstruktion, die über den Nord-Ostsee-Kanal führte. Und die Gerichte gaben seiner Klage recht, dass die regelmäßige "Beregnung" seines Grundstücks unzumutbar war. 
 
Danach richtete die DB endlich Vakuumtoiletten ein, die ein Schwede schon in den Fünfziger Jahren erfunden hatte. Dadurch werden die Hinterlassenschaften allesamt in einen Tank gesaugt und können auf weniger anrüchige Weise entsorgt werden. Was aber nicht davor schützt, dass bei einem fast kaputtgesparten Unternehmen Defekte nicht immer zügig repariert werden. Deshalb muss sich das Bahnpersonal manchmal etwas einfallen lassen. So freuten sich die Fahrgäste in einem ICE über die Durchsage: "Da alle Toiletten ausgefallen sind, halten wir in Nürnberg etwas länger für eine Pinkelpause. Am Gleis gegenüber steht ein ICE, in dem Sie die Toiletten benutzen können." 
 
Falls Ihr nun mit der Bahn nach Nürnberg zum Museum fahren wollt, um Euch die Ausstellung anzusehen, habe ich für Euch eine warnende Durchsage: "Verlasst Euch bitte nicht darauf, dass so ein Service selbstverständlich ist. Nehmt lieber einen alten Stiefel mit." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1155 vom 28. 4. 24

Da ich im Grunde meines Herzens ein fauler Sack bin, bleibe ich heute schon wieder beim Thema Männerkrankheiten und verwende, was Hanna Dietz zum "Fauler-Sack-Syndrom" herausgefunden hat.
 
Gleich beim "Stadium 1" dieser tückischen Krankheit fühle ich mich angesprochen. Dazu heißt es: "Der Betroffene macht nichts von allein. Er putzt weder die Toilette, noch saugt er Staub oder spült aus eigenem Antrieb das Geschirr (immerhin trockne ich ab, muss ich zu meiner Ehrenrettung anfügen). Wird er aber von der Partnerin mit einer Aufgabe beauftragt, erledigt er sie immerhin innerhalb einer tolerierbaren Frist. Allerdingst murrend und mit einer demonstrativ zur Schau gestellten Lustlosigkeit." 
 
Auch für das zweite Stadium weise ich bereits vielversprechende Ansätze auf. Ich schiebe gern den Zeitpunkt, an dem etwas Unangenehmes erledigt werden soll, soweit wie möglich nach hinten und bin sehr kreativ beim Erfinden mitunter wenig origineller Ausflüchte. Dahinter steckt die Hoffnung, dass das Problem sich von selbst erledigt oder die genervte Partnerin aktiv wird. Lautet nicht der oberste feministische Grundsatz: "Selbst ist die Frau!"? Immerhin bringt mich genau wie andere faule Säcke in diesem Stadium die Androhung von drakonischen Strafen widerwillig in Gang. 
 
Insgeheim träume ich davon, die Stufe drei des Fauler-Sack-Syndroms zu erreichen. Diesen armen, schwerkranken Patienten ist einfach alles egal. Ihre Ausreden sind oft schlicht lächerlich, funktionieren aber häufig als Totschlag-Argument, weil es der Partnerin vor lauter Ungläubigkeit die Sprache verschlägt. Gerade bin ich dabei zu üben, drei Begründungen möglichst überzeugend vorzutragen. 

  1.  "Ich kann nicht, ich habe die Hände in den Taschen."
  2.  "Ich kann nicht, ich liege gerade so gemütlich."
  3.  "Ich kann nicht. Siehst Du nicht, dass ich mehr als genug zu tun habe? Ich verdaue gerade ein Butterbrot.  Und atmen muss ich auch noch ständig!"

Abschließend möchte ich zur Verteidigung aller Betroffenen noch anfügen, was Thorsten M., ausgewiesener Fachmann für das "Fauler-Sack-Syndrom" zu dem Thema zu sagen hat. "Männer sind nicht faul. Sie ruhen sich nur effizienter aus." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1154 vom 27. 4. 24

Die Termine beim Hautarzt haben mich in einen inneren Konflikt gestürzt. Zwölf Stellen am Körper, die entfernt werden mussten, weil sie als Vorstufen für Hautkrebs galten, sind eine beunruhigende Menge. Dazu kommt, dass zwei von ihnen schon so weit gediehen waren, dass größere Eingriffe nötig wurden. Na ja, das ist bald überstanden. Doch was heißt das für die Zukunft? 
 
Jeden Sonnenstrahl meiden, selbst im Sommer Mütze tragen und mich jede Viertelstunde mit Lichtschutzfaktor 1000 einsprühen? Kommt überhaupt nicht in Frage. Dazu liebe ich es viel zu sehr, in der Sonne zu sitzen. Nicht bei Gluthitze im Sommer, auch nicht, um möglichst braun zu werden. Nein, es ist einfach sehr angenehm, im Frühling oder Herbst, manchmal sogar an einem milden Wintertag in einer geschützten Ecke zu sitzen und der Sonne das Gesicht entgegenzustrecken. 
 
Jetzt habe ich gelesen, dass dies sogar eine krankhafte Neigung sein kann. Sie heißt Tanorexie. Besonders betroffen sind Menschen, die unablässig glauben, noch nicht genügend gebräunt zu sein. Aber die Mediziner wissen, dass auch andere darunter leiden. Leute wie ich, bei denen die UV-Strahlen der Sonne Glücksgefühle erzeugen, weil sie Endorphine freisetzen. Betroffene Patienten können tatsächlich physisch von Sonnenstrahlung abhängig werden, weil ihr Körper dauernd höhere Dosen des Hormons verlangt. Bin ich also ein Sonnen-Junkie oder bloß ein Sonnen-Hypochonder? 
 
Es gibt auch noch weitere Krankheiten, von denen speziell Männer heimgesucht werden. Hanna Dietz hat ein Buch darüber geschrieben. Zu den unheilbaren Leiden von harten Kerlen gehören danach zum Beispiel die Schmutzblindheit und die Mitdenkschwäche. Der Gedanke, ich hätte mit dem Denken Probleme, ist für mich undenkbar. Anders sieht es bei der Schmutzblindheit aus - ich bin alles andere als ein Putzteufel. Heute möchte ich Euch aber über eine andere Männerkrankheit informieren. Einige Symptome machen sich auch bei mir bemerkbar. Es geht um die Einkaufswagen-Sprinterkrankheit. 
 
Frauen, die mit ihren Männern im Supermarkt einkaufen gehen, erkennen schon beim Betreten des Ladens, ob ihr Partner betroffen ist. Vor allem die Auto-Narren unter ihnen prüfen zunächst den Einkaufswagen gründlich auf Straßenlage, Bremsverhalten und Lenkfähigkeit. Einige improvisieren sogar auf dem Parkplatz eine Art Elchtest. Hat der Wagen die Prüfung bestanden, kann es losgehen. 
 
Nun gilt es mit größtmöglichem Tempo die Einkäufe zu erledigen. In der ersten Regalreihe kaschieren die Patienten ihre Ungeduld noch durch rhythmisches auf-der-Stelle-Hin-und-Herschieben. Allerdings liegt die Toleranzgrenze unter zehn Sekunden. Nimmt sich die Partnerin Zeit, verschiedene Produkte zu vergleichen, nach dem Haltbarkeitsdatum zu schauen oder gar das Kleingedruckte auf den Packungen zu lesen, sprintet der Mann mit dem Einkaufswagen los. Der Frau bleibt nichts anderes übrig, als mit Obst, Milch und 20 Rollen Toilettenpapier eilig hinterher zu hecheln. Sonst wird sie ihren Partner irgendwo im Discount-Labyrinth verlieren und möglicherweise niemals wiederfinden. 
 
Denn der Mann - darin bin auch ich ein Meister - setzt vor den Kassen zum tollkühnen Schlussspurt an. Rasant überholt er links wie rechts vollgepackte fremde Einkaufswagen und reiht sich überaus geschickt dort ein, wo die Schlange am kürzesten ist. Leider, so zumindest meine Erfahrung, wird der Erfolg oft dadurch zunichte gemacht, dass kurz bevor man an der Reihe ist, die Kassiererin zum Mikro greift: "Hier Kasse 7, ich brauche dringend Wechselgeld und eine neue Kassenrolle." Dann sagt sie freundlich zum Kunden: "Einen kleinen Augenblick Geduld, mein Kollege is grad auffem Klo." 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1153 vom 26. 4. 24 

Gottverdammi! Mit einem Fluch endete die gestrige Schmunzelpost, mit einem Fluch beginnt auch die nächste. Denn ich bin schon wieder etwas weniger geworden. Gestern hat man mir eine tiefe Kuhle in den linken Oberarm operiert, um ein Muttermal auszugraben, bevor es zu einem Mördermal mutieren kann. Am kommenden Montag entscheidet sich dann, ob auch noch etwas von meiner rechten Ohrmuschel abgeschält werden muss. Zumindest wäre das Gleichgewicht dann wieder hergestellt. Wenn das kein Grund zum Fluchen ist, weiß ich es auch nicht. 
 
"Gottverdammi" ist in der Schweiz gebräuchlich, der Holländer sagt "Godverdomme!". Da habe ich prompt meiner Neigung zum Abseitigen gefrönt und mal wieder geschaut, mit welchen ausländischen Spezialitäten Ihr Euer Fluchrepertoire bereichern könnt. Eine gute Grundlage dafür ist ja bereits in einem Kapitel von "Krauses Zeug" enthalten. 
 
Starten wir unsere Verwünschungs-Reise äußerst derb in Mittelitalien: „Li mortacci tua, de tuo nonno, de tua madre e die ¾ daa palazzina tua". Ein wenig abgeschwächt bedeutet das: "Hab Geschlechtsverkehr mit Deinen toten Verwandten, denen Deines Großvaters, denen Deiner Mutter und denen von drei Vierteln Deines Wohnblocks." Die Drohung, vertraute Menschen eines Widersachers zu vergewaltigen, ist in Südeuropa ebenso verbreitet wie in den Balkanstaaten und Rumänien. Im letztgenannten Land lautet der derbste Fluch: "Ich ficke die erste Reihe bei Deiner Beerdigung." 
 
Da sind die Niederländer aus anderem Holz geschnitzt. Sie wünschen ihren Feinden gern die übelsten Krankheiten an den Hals. Früher waren das Pest, Cholera und Pocken, heute geht man mit der Zeit. Hat er sich ausgesperrt und keinen Ersatzschlüssel zur Hand, dann flucht der Holländer nicht etwa "Mist" oder "Gottverdammi", sondern "Kanker". Das bedeutet "Krebs". Folglich ist ein Typ, den der Holländer richtig mies findet, ein "Kankerlui" (Krebsschwanz) und dessen weibliches Gegenstück eine "Kankerhoer" (Krebshure). Mitunter schlägt der Fluch aber auch ins Positive um. Hast Du in Holland in einer gemütlichen Runde großen Spaß, dann ist das "kankergezellig". 
 
Alle ernsthaften original dänischen Flüche haben damit zu tun, dass man von etwas Gruseligem aufgefressen wird. Statt "verdammt" sagt der Däne "Satanedme!", also "Teufel, friss mich". Traditionsbewusste Dänen beklagen, dass es aus Mangel an eigenen Beleidigungen und Schimpfworten üblich geworden ist, sich beim US-Vokabular zu bedienen. Da amerikanische Filme nicht synchronisiert, sondern mit Untertiteln versehen werden, treibt das kuriose Blüten. Dänische Jugendliche, die Bruce Willis in der "Stirb langsam"-Reihe zugehört haben, glauben deshalb, dass "Yippie ki-yay, Motherfucker" so viel bedeutet wie "Tschüss und danke, Bruder Scheiße". Da lobe ich mir die deutsche Synchronisation. Die hat "Schweinebacke" an den Schluss gehängt. 
 
Recht kreativ sind auch die Griechen. Und ihre Formulierungen sind mitunter schön statt obszön. Zumindest aber einfallsreich. Willst Du in Athen etwas kaufen, aber der Preis erscheint Dir viel zu hoch, dann sagst Du zum Ladenbesitzer auf griechisch, was ins Deutsch mit "Gib' es für Ärzte aus!" übersetzt würde. Damit ist gemeint, dass der Kaufmann das Geld des nächsten Kunden lieber in Medizin investieren sollte, um sich von der Wucherkrankheit zu befreien. Auch  „Na se pane tesseris" lässt sich nicht wörtlich übersetzen. Dieser Satz bezieht sich auf den Augenblick, wenn man im Sarg liegt und von vier Leuten zu Grabe getragen wird. Vielleicht könnte man kurz und bündig auch sagen: "Stirb!" 
 
Und dann gibt es in Griechenland noch einen Satz, der zeigt, dass die Technik weit schnellere Fortschritte macht als der Sprachgebrauch beim Fluchen. Die Verwünschung lautet nach wie vor: "Möge Dein Videorekorder verbrennen!" Wer nicht kapiert, was das für ein böser Fluch ist, der hat vergessen, wie cool und teuer Videorekorder einst gewesen sind. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1152 vom 25. 4. 24

Vielleicht liegt es ja am wechselhaften Wetter. Jedenfalls sind in meinem Umfeld relativ viele Leute von Erkältungen und hartnäckigen Infekten betroffen. Kommt nach Covid eine neue Pandemie? Nein, dafür gibt es zum Glück keine Anzeichen. Außerdem möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für Kleinstlebewesen brechen: Die Mehrzahl der Bakterien ist uns wohlgesonnen und trägt sogar entscheidend zum Funktionieren unseres Körpers bei. Außerdem ist die Forschung dabei, mit Mikroorganismen Strom zu erzeugen, neue wirksame Antibiotika herzustellen, Krebs zu bekämpfen und sogar stabile Gebäude zu errichten. 
 
Daher erwäge ich einen Zoo-Besuch in Holland. Denn dort gibt es nicht nur herkömmliche Tierparks mit Pinguinen, Löwen und den gefürchteten Kluntje-Edamern. Mitten in Amsterdam findet Ihr Micropia, den Zoo für Mikroben. Okay, er nennt sich offiziell Museum. Aber dort sind viel mehr Lebewesen zu bestaunen als in jedem anderen Tierpark. Darunter auch welche, die gefährlicher sind als große Raubtiere. Ihr seid jedoch auf der sicheren Seite, wenn Ihr den Ebola-Virus betrachtet. Auch über die unterirdische Welt der Pilze und die Unterwasser-Welt der Algen werden Euch die Augen geöffnet. 
 
Zu den Hauptattraktionen gehört die "Wall of Fame", wo auf Bildschirmen oder Mikroskopen Mikroben sichtbar werden, die zu den einflussreichsten Lebewesen der Welt gehören. 3-D-Modelle und Visualisierungen zeigen die einzigartige Schönheit des Mikrokosmos. Mit Hilfe eines Körper-Scans können Besucher herausfinden, welche Mikroben in unterschiedlichen Regionen ihres eigenen Leibes ansässig sind. Und bei einem Kuss vor dem "Kiss-o-Meter" kann errechnet werden, welche und wieviele Mikroben wir dabei austauschen. 
 
Nur einen Haken hat der Besuch. Der Eintrittspreis ist überhaupt nicht mikro: Gottverdammi - 17,50 Euro! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1151 vom 24. 4. 24

Seit gestern bin ich in froher Erwartung. Und ich muss nicht einmal neun Monate warten. Bereits am 14. Mai gehen meine Wünsche in Erfüllung: Dann liefert mir Winzer Hofmann aus Appenheim meine Weinbestellung frei Haus.
 
Die Lage hatte sich zuletzt zugespitzt. In den Kellerregalen lagern nur noch zwei Fläschchen mit edlem Rebensaft. Ich war gezwungen, im örtlichen Handel dazuzukaufen. Bei den derzeitigen Außentemperaturen hauptsächlich Rotwein. Auf Rose und Weißwein steige ich erst um, wenn es allmählich wieder sommerlich wird. 
 
Seit geraumer Zeit stelle ich fest, dass die Bezeichnungen der Weine recht einfallsreich geworden sind. Die Tage, in denen man sich auf den Etiketten auf die Herkunft, den Jahrgang, die Rebsorten und die Geschmacksrichtung beschränkt hat, sind längst vorbei. Meine jüngste Entdeckung heißt "Glücksgriff", ein Cuvee aus Pinot Noir und Cabernet Sauvignon. Ein gut trinkbarer, trockener Rotwein, der zudem nur fünf Euro kostet. Am "Welttag des Buches" wäre auch gleich in doppeltem Sinne "Lesefreude" passend gewesen. Kein schlechter Tropfen. Aber dafür hätte ich drei Euro mehr bezahlen müssen. 
 
Beim Verkosten des ersten Glücksgriff-Glases keimte in mir die Frage: Was ist eigentlich aus dem "Kröver Nacktarsch" geworden? Den habe ich niemals probiert. Nicht, weil mir sein Name zu deftig war, sondern weil mir das liebliche, bestenfalls halbtrockene Gesöff aus anderen Gründen suspekt gewesen ist. Auf Sex habe ich auch verzichtet. Genauer gesagt auf "s.ex". Das ist ein Grauburgunder aus dem Burgenland, auf dessen Flaschen außer dem Namen keine weiteren Angaben gemacht werden. 
 
Irgendwie scheint dieses Thema die Winzer zu inspirieren. So bietet das an der Nahe gelegene Weingut Schauß einen "stoffigen Rotwein mit feinem Vanillearoma“ an, der "Libido" heißt. Vom "Quickie", einem Sauvignon Blanc aus Australien, ist es dann nicht mehr weit bis zum "Pornfelder" des Pfälzer Weinguts Krauß. Dreimal dürft Ihr raten, welche Traubensorte darin enthalten ist. Kleine Denkhilfe: Die gleiche wie im "Dorn to be wild" der rheinhessischen Winzerin Eva Vollmer. 
 
Natürlich könnt Ihr selbst entscheiden, ob die Weine Euch schmecken und ob die Namen originell, grenzwertig oder voll daneben sind. Auf jeden Fall stimmt der Spruch, der auf den Kartons von Lukas Schauß steht: "Sport gibt Dir das Gefühl, nackt besser auszusehen. - Wein übrigens auch!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1150 vom 23. 4. 24

1988 habe ich den Spruch zum ersten Mal gehört. Professor Kurt Koszyk vom Studiengang Journalistik in Dortmund gebrauchte ihn als sanfte Rüge, als ein Student sich herausredete, einen Text nicht gelesen zu haben: "Der Trend geht zum Zweitbuch!" Kosyzk spielte ironisch darauf an, dass junge Leute offenbar kaum noch ihre Nase in Bücher steckten, geschweige denn welche kauften. 
 
Aus Sorge, das Kulturgut "Buch" könne allmählich zur Rarität werden, wurde der "Welttag des Buches" ausgerufen, der stets am 23. April begangen wird. Zum Glück hat das Buch bisher allen Herausforderungen getrotzt: Totgesagte leben tatsächlich länger. Weder TV-Konsum, Videos, Internet noch E-Book konnten bisher gedruckte Bücher vom Markt verdrängen. Jüngste Untersuchungen ergaben, dass in Deutschland die Zahl der Leser zwar ein wenig abgenommen hat, aber dafür die treuen Buchliebhaber mehr kaufen als je zuvor. 
 
Das finde ich beruhigend. Ich erinnere mich noch gut an die Abgesänge, als der Taschenbuch-Preis von früher 2,80 DM allmählich stieg und schließlich zweistellig wurde: "So viel Geld gibt doch keiner mehr aus!" Tja, das war zum Glück ein Irrtum. Auch die Preise für eine Kugel Eis oder ein mieses Presseerzeugnis mit vier Buchstaben als Titel sind explodiert und übersteigen den ursprünglichen Groschen längst um ein Vielfaches. 
 
Die Kassandra-Rufe kamen also viel zu früh. Das Buch stirbt einfach nicht, auch nicht in den USA, wo die Konkurrenz anderer Medien besonders groß ist. 2023 wurden in Amerika 770 Millionen Bücher verkauft, zehn Prozent mehr als vor Corona. Besonders erfreulich: Vor allem Jüngere lesen dort wieder mehr. Während bei der Leserschaft im Alter von mehr als 65 Jahren in den vergangenen drei Monaten lediglich 64 Prozent ein Buch zur Hand nahmen, waren es bei den 18- bis 29-Jährigen mehr als 75 Prozent! 
 
Von diesem Trend zum Drittbuch profitierte auch die einzige übriggebliebene US-Buchhandelskette Barnes & Noble. Sie ist plötzlich wieder in der Lage, die Zahl ihrer 600 Filialen aufzustocken. 50 neue Standorte sollen dieses Jahr hinzukommen, für 2025 sind 60 weitere Niederlassungen geplant. Das wird auch zurückgeführt auf das Konzept des Geschäftsführers. Der gebürtige Brite James Daunt war zunächst Banker, bevor er sich zu seiner eigentlichen Passion bekannte und Buchhändler wurde. 

Seine Vorstellungen setzte er später auch in großen Unternehmen rigoros um. Das Rezept lautete: Krimskrams und Nippes raus, bessere Beratung und kundenfreundlich präsentierte Literatur rein. 2011 war "B & N" vom Bankrott bedroht. Dann übernahm Daunt als neuer Vorstandschef das Ruder. Er hatte zuvor bereits in Großbritannien die schwächelnde Buchhandelskette "Waterstones" in Schwung gebracht. Ach, wenn dieser Mann bloß auch in gewissen Zeitungsverlagen mitmischen würde! 
 
Allerdings muss ich zähneknirschend eingestehen, dass es Daunt auch hervorragend gelingt, die Internet-Klaviatur zu bedienen. Er setzt Tiktok, Instagram und Podcasts gezielt ein, um mit Hilfe von Influencern neugierig zu machen und Lesefreude zu wecken. Na gut, wenn man so statt Kosmetik auch Bücher verkaufen kann, dann darf man auch mal mit dem Teufel paktieren. 
 
So, jetzt aber husch, husch, raus aus dem Haus. Und nicht etwa per Internet, sondern in einer inhabergeführten Buchhandlung zur Feier des Tages einkaufen gehen. Als Vorab-Danke-schön gebe ich Euch auch noch einen Bücher-Witz mit auf den Weg:  Kommt ein Mann in die Buchhandlung und sagt zur Inhaberin: "Ich hätte gern das Buch 'Die geistige Überlegenheit des Mannes'." Antwort: "Fantasy und Utopie finden Sie im ersten Stock." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Lösung der gestrigen Mathe-Aufgabe lautet Null.


Schmunzelpost 1149 vom 22. 4. 24

Wieder daheim. Bei aller Freude, die Vorteile der gewohnten Umgebung nutzen und die Launen eines Katers, der es nicht schätzt, lange allein gelassen zu werden, wieder erleben zu können, trauere ich der Nordsee noch etwas hinterher. Das fängt beim Atmen an. Denn Nordseeluft ist wirklich etwas Besonderes. Nicht von ungefähr kuren viele Lungenkranke auf Borkum. 
 
Wenn man ihnen begegnet und ihren röchelnden Atem hört, denkt man sich: "Wie gut, dass die drei Zigaretten mit 14 Jahren Deine ersten und letzten gewesen sind." Zählt bitte mal eben von eins bis sechs. In diesen sechs Sekunden erliegt irgendwo auf der Welt ein Mensch den Folgen seines Tabakkonsums. Diese Durchschnittszahl der Weltgesundheits-Organisation WHO addiert sich jährlich auf sechs Millionen Tote durch die Folgen des Rauchens. Bleibt der Tabakkonsum auf diesem Niveau, dann erhöht sich durch die Zunahme der Weltbevölkerung die Opferzahl beträchtlich. Im 20. Jahrhundert hat das Rauchen 100 Millionen Menschen das Leben gekostet, im 21. Jahrhundert würden es dann eine Milliarde sein! 
 
Liebe Süchtige! Es ist doch so einfach, die dampfenden Sargnägel durch gesunde Kost zu ersetzen. Nikotin ist ein Alkaloid. In der Tabakpflanze kommt es in besonders hoher Konzentration vor. Man findet es jedoch auch in einigen Gemüsesorten. Eine Zigarette enthält etwa zehn Milligramm Nikotin. Ein Milligramm wird vom Körper des Rauchers aufgenommen. Wenn Ihr jedoch ordentlich Grünzeug futtert, könnt Ihr den gleichen Effekt wie mit einem Glimmstängel erzielen. 
 
Na gut, Ihr müsst kräftig reinhauen. Kartoffeln sind eher ungeeignet, davon müsstet Ihr 140 Kilo verzehren. Auch Blumenkohl mit 59,5 Kilo erfordert übermenschliche Anstrengungen. Aber schon Tomatenpüree bringt Euch dem Ziel näher. Mit ein wenig Training solltet Ihr die 19,2 Kilo pro Tag schaffen. Geradezu ein Kinderspiel wird das grüne Rauchen mit Hilfe von Auberginen. Schon 10 Kilo reichen völlig aus, um eine Zigarette vollwertig zu ersetzen. Guten Appetit! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nachsitzen nach der Mathe-Stunde: Spaß am Rechnen hat auch Martin. Er stellte mir (und Euch) folgende Aufgabe, die er erst nachträglich auflösen will. Martin will wissen, was (x - a)(x - b)(x - c) . . . (x - z) = ? ergibt, wobei alle Buchstaben von a bis z einbezogen sind. 
 
PPS. Beim ersten Hinschauen dachte ich, ich hätte null Ahnung, aber nach etwas Nachdenken kam ich auf die Lösung. Viel Erfolg!  

 

Schmunzelpost 1148 vom 21. 4. 24  

Heute ist es an der Zeit, sich mal wieder mit Mathematik zu beschäftigen. Ja, ich weiß, dieses Thema ist nicht besonders beliebt. Um es Euch schmackhaft zu machen, setze ich eine Prämie aus: Wem es gelingt, mir die Zahl Pi korrekt aufzusagen, dem zahle ich tausend Euro! 
 
Wahrscheinlich bemerkt Ihr es schnell: Die Sache hat einen Haken. "Pi" ist nämlich nicht 3,14, wie wir es in der Schule gelernt haben, sondern die Zahl geht noch etwas mehr ins Detail: 3,145926535 8979323846 264338279 50288 491971 6939937510... - muss ich wirklich noch weitermachen? Pi ist eine irrationale Zahl mit einer unendlichen Folge von Dezimalstellen, die keine logische Reihe bilden. 
 
Das haben im Oktober 2011 die Japaner Alexander J. Yee und Shigeru Kondo bewiesen. Sie investierten 371 Tage Arbeit, um 10 000 000 000 050 Dezimalstellen von Pi zu berechnen, was mehreren Terabytes an Daten entspricht. Damit stellten sie einen neuen Weltrekord auf. Einen anderen Rekord brach der Chinese Chao Luz im Jahr 2005. Es gelang ihm nämlich, auswendig 67 890 Dezimalstellen von Pi aufzusagen. 
 
Das beweist einmal mehr, wie hoffnungslos Europa der fernöstlichen Konkurrenz unterlegen ist. Der europäische Rekordhalter Daniel Tammet kam 2004 bloß auf 22 514 Dezimalstellen, für deren Aufzählung er satte fünf Stunden und neun Minuten benötigte. 
 
Na, will noch jemand wetten? Ich erhöhe auf 10 000 Euro. Allerdings kassiere ich im Versagensfall eine bescheidene Gebühr von 10 Euro. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1147 vom 20. 4. 24

Bis vor kurzem konnte ich mich auf mein Gedächtnis verlassen. Vor allem, wenn es um die Geburtstage guter Freunde ging. In letzter Zeit jedoch spielt mir das Erinnerungsvermögen gelegentlich einen Streich. Auch heute plagt mich der Gedanke, dass ich ein wichtiges Datum nicht richtig auf dem Schirm habe. Feiert nicht am 20. April eine prominente Persönlichkeit Geburtstag? Wer war das noch? 
 
Ach, ich hab's! Alexander Zverev wird heute 27. Das ist ein berühmter Sportler. Aber hat der jemals für Schalke 04 gespielt? Nee. Also kann er so bedeutend auch wieder nicht sein. Da gratuliere ich lieber einer Journalisten-Kollegin. Marietta Slomka feiert ihren 55. Geburtstag. Sieht man ihr nicht an. Entweder sie haben beim ZDF geniale Maskenbildner oder sie hat sich sehr gut gehalten. Zumindest lange gehalten hat sich auch Geburtstagskind Lionel Hampton. Der Jazzmusiker und begnadete Vibraphonist kam bereits 1908 auf die Welt und wurde 94 Jahre alt. 
 
Dagegen starb ein Idol meines Vaters schon im Alter von 78 Jahren. Harold Lloyd wurde am 20. April 1893 geboren. Der Stummfilm-Star  war dafür bekannt, dass er sich auch bei den waghalsigsten Szenen nicht doubeln ließ. Ganz in seinem Geiste ist Felix Baumgartner unterwegs. Der Österreicher begeht heute seinen 55. Geburtstag und hat sein Leben mehr als einmal aufs Spiel gesetzt. Er hält mehrere Rekorde. So unternahm er einen Fallschirmsprung aus der bisher größten Höhe von 39 Kilometern. Dabei legte er auch die bisher längste Strecke im freien Fall zurück. Und Baumgartner gelang es zudem, mit der bisher höchsten Geschwindigkeit die Schallmauer zu durchbrechen: 1,24 Mach! 
 
Nochmal nachgrübeln. Wen haben wir da noch? Joan Miro, den 1893 geborenen spanischen Maler, der immerhin 90 Jahre alt wurde. Doch ich suche nicht nach einem Künstler, sondern nach einem Regierungschef mit großem Einfluss auf die europäische Geschichte. Endlich! Es fällt mir wieder ein. Am 20. April wurde Napoleon III. geboren, ein Nachfahre von Napoleon Bonaparte. Der kam 1808 zur Welt und lenkte die Geschicke Frankreichs, erst als Regierungschef, dann als König, bis er 1873 verstarb. 
 
Wie? Ihr habt gedacht, ich meinte einen ganz anderen? Ja, richtig, Adolf Hitler kam auch an einem 20. April zur Welt. Aber von dem feiere ich lieber das Todesdatum am 30. April 1945. Wäre er nur schon 13 Jahre früher verschieden, dann wäre der Welt eine Menge erspart geblieben. 
  
Glückauf 
kdk 
 
 PS. Zum Thema Blick in die Zukunft hat Martin einen Nachtrag: "Was Vorhersagen angeht: Da fällt mir in acht von zehn Jahren seit Jahrzehnten das Ritual der Obst-, insbesondere der Apfelbauern, auf. Ende März, Anfang April gibt es immer wieder mal frostige Nächte. Stets hört man dann die Klagen: 'Die Blüten gehen kaputt, die Apfelernte wird gering ausfallen, die Preise werden steigen. . .' Und im Herbst wird dann gestöhnt'' 'Wir wissen nicht wohin mit dem vielen Obst, die Lager quellen über, die Preise gehen in den Keller.'" 

 

 Schmunzelpost 1146 vom 19. 4. 24

Es steht 1:3. Nein, das ist nicht das Ergebnis des letzten Schalker Auswärtserfolges beim Derby in Nordlüdenscheid. Das ist die Bilanz der Wettervorhersagen für Borkum. Nur am Montag stimmte die Prognose: Sturm und anhaltender Regen am Nachmittag, Aufheiterung am Abend. Doch für die beiden Folgetage hatten die Meteorologen viele Wolken angekündigt, immer wieder Schauer und maximal ein bis drei Sonnenstunden. Und wie war es wirklich? Kein Tropfen Regen und mehr als zehn Sonnenstunden am Dienstag und Mittwoch. 
 
Gestern dann hatten die Wetterfrösche ihre Prophezeiung geändert. Regen erst in der Nacht zum Freitag, vorher viel Sonne, hieß es nun. Und wie war es tatsächlich? Der Regen am Vormittag und Nachmittag hielt sich zwar in Grenzen, aber die Sonne blinzelte bloß gegen Mittag durch eine dichte Wolkendecke. Wenn schon die Meteorologen, die mit Hilfe der Satellitentechnik doch angeblich so große Fortschritte gemacht haben, derart häufig falsch liegen, was soll man dann von anderen Vorhersagen halten? Bestes Beispiel für regelmäßiges Versagen sind die Wirtschaftsweisen, die meist schon nach ganz kurzer Zeit gezwungen sind, ihre Aussagen zu korrigieren. 
 
Was lernen wir daraus? Der kluge Mann und die noch klügere Frau machen ihre Vorhersagen selbst. Ich verrate Euch heute, wie das geht. Zunächst braucht Ihr das dritte Auge. Das ist natürlich nur eine Metapher für eine Fähigkeit, die Ihr erst entwickeln müsst. Dazu zündet Ihr eine Kerze an und starrt zehn Minuten in die Flamme. Danach schließt Ihr die Augen und dreht Euren Kopf erst nach rechts, dann nach links und schließlich nach oben. Nun öffnet Ihr die Augen wieder und schaut Euch im Raum um. Wenn Ihr alles richtig gemacht habt, erscheint dabei erneut vor Euren Augen die Kerzenflamme, obwohl Ihr si jetzt überhaupt nicht mehr anguckt. Glückwunsch! Das ist genau die Technik, mit der Ihr die Zukunft vorhersehen könnt. 
 
Um das auszuprobieren, stellt Ihr Euch am besten eine Frage, die Euch selbst betrifft. Diese Frage sollte aber möglichst genau formuliert sein. "Wie reich werde ich in zehn Jahren sein?", ist zu unpräzise und macht eine korrekte Antwort fast unmöglich. Wenn Ihr Euch aber fragt: "Werde ich in zehn Jahren eine Million Euro auf meinem Konto haben?", bekommt Ihr eine exakte Antwort. Und zwar von mir. Ich schaue mit meinem dritten Auge in Eure Flamme und wahrlich, ich sage Euch, die Antwort lautet Ja oder Nein! 
 
Je nach der Natur Eurer Frage kann es etwas dauern, bis Ihr selbst zur Antwort durchdringt. Lasst Euch Zeit, versucht nichts zu erzwingen. Helfen kann auch, sich geistvolle Getränke reichen zu lassen. Je mehr Ihr Euch davon einflößt, desto mehr Bilder werden vor Eurem inneren Auge erscheinen. Und kurz bevor Ihr in einen tiefen Schlaf fallt, werdet Ihr spüren: "Jau, dat is es!" 
Allerdings besteht nun die Gefahr, dass Ihr nach Eurem Erwachen von unerklärlichen Kopfschmerzen geplagt werdet und Eure Vision nicht mehr richtig deuten könnt. 
 
In diesem Fall wendet Euch an einen Profi. Zum Beispiel einen Wahrsager mit Kristallkugel. Oder einen Kartenleger. Die beste Möglichkeit wäre jedoch, sich an Euren Schmunzelpost-Onkel zu wenden. Ich habe erst gestern in meine persönliche Zukunft geschaut und gesehen, dass binnen einer Woche die Trefferquote meiner Aussagen auf 99 Prozent steigt! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1145 vom 18. 4. 24

Wie lautet das italienische Wort für Schnellkochtopf? Garibaldi!  Ha, ha, war bloß Spaß. Vom Freiheitskämpfer zu einem anderen großen Italiener. Leonardo da Vinci war ein Universalgenie. Er konnte nicht nur prima malen und uns mit dem Porträt einer milde lächelnden Dame begeistern, er war seiner Zeit auch weit voraus. Das beweisen seine zahlreichen Entwürfe und Erfindungen. So erdachte er bereits viele Jahrhunderte, bevor Menschen tatsächlich den Luftraum eroberten, das Modell einer Flugmaschine. 
 
Dabei tat da Vinci etwas, was Tüftler und Konstrukteure bis heute versuchen: Er guckte bei einem natürlichen Vorbild ab. Seine Inspiration war die Fledermaus. Nun sind Menschen leider etwas anders gebaut. Vielleicht lag es auch daran, dass Nachahmer wie der Schneider von Ulm oder Otto Lilienthal keine wirklich großen Sprünge machen konnten. Womöglich fehlte ihnen aber auch das Ultraschall-Organ oder der Nährwert von Insekten. 
 
Dennoch gibt es viele Beispiele dafür, dass sich genaues Hinschauen lohnen kann. So ist die Metallkonstruktion des Eiffelturms ausgesprochen stabil, weil der menschliche Oberschenkelknochen zum Bauplan beitrug. Und Seeigel sowie Seegurken halfen entscheidend bei der Entwicklung von Antifaltencreme. Katzenpfoten ermöglichten es, die Bremsleistung von Reifen deutlich zu verbessern. Und auch wenn Ihr behauptet, dass ich spinne: Spinnweben, deren Fäden unglaublich stabil, auf der einen Seite klebrig und auf der anderen Seite glatt sind, brachten Forscher auf den richtigen Weg, um besseres Verbandsmaterial, Super-Windschutzscheiben und kugelsichere Westen zu schaffen. 
 
Gegenwärtig setzt die Wissenschaft große Hoffnung auf den Dornteufel. Der zeichnet sich dadurch aus, dass er in Wüsten überlebt, ohne Brunnen, Oasen oder Getränkeautomaten aufsuchen zu müssen. Das gelingt ihm, indem er mit Hilfe seiner Haut Wasser aus der Luft sammelt. Jetzt sollen Forscher dabei sein, diese Eigenschaft zu kopieren und für Menschen anwendbar zu machen. Werden wir also gezwungen sein, fast nackt durch die Wüste zu spazieren? Nein, die Erfinder sind dabei etwas zu entwickeln, was uns das Wasser von unseren Füßen trinken lässt. 
 
Das wirft für mich eine Reihe von Fragen auf. Was machen Menschen mit Schweißfüßen? Müssen wir meterlange Strohhalme mit uns herumtragen? Wo kriege ich Eiswürfel her, um die heiße Brühe herunter zu kühlen? Nein, danke, ich warte solange, bis die Dornfelder-Dornteufel-Methode serienreif ist. Dann kann ich mit der Zunge beim Weinberg-Spaziergang aus der Luft lupenreinen Rotwein inhalieren. Wer braucht dann noch Cannabis? . 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1144 vom 17. 4. 24

Huijuijui Montagabend blies uns ein Wind entgegen, der die Bezeichnung Sturm wirklich verdient hatte. Mitunter kamen wir kaum vorwärts, mussten schräg gegen die Böen geneigt stehen bleiben und aufpassen, dass es uns nicht umpustete. So erging es jedenfalls einem Teil der Strandkörbe. Und so ein Strandkorb ist sogar schwerer als ich! Nun aber ist der Sturm abgeflaut, und auch der Wind verliert von Tag zu Tag an Stärke. Da es bis einschließlich Donnerstag regenfrei bleiben soll, ist heute die Zeit gekommen, Räder zu mieten, um Borkum auf dem 130 km umfassenden Radwegenetz zu durchqueren. 
 
Dass uns dabei ein Orkan überrascht, ist trotz des Klimawandels unwahrscheinlich. Denn richtig heftig wird es an der Nordseeküste fast ausschließlich im Winterhalbjahr. So kostete am 17. Februar 1164 die Julianenflut vermutlich 20.000 Menschen das Leben. Noch schlimmer wütete die Marcellusflut am 16. Januar 1219 - da gab es 36.000 Tote zu beklagen. Und besonders gravierende Folgen für die Küstenlandschaft hatte die Allerkindleinsflut am 28. 12. 1248: Sie führte zur Entstehung der Westfriesischen Inseln in den heutigen Niederlanden. 
 
Die schwerste Sturmflut des Zwanzigesten Jahrhunderts traf auch vor allem unsere Nachbarn. Die Hollandflut vom 1. Februar 1953 veranlasste die Niederländer dazu, ihre Deichbaukünste zu perfektionieren. Unvergessen ist auch die Sturmflut von 1962 in Hamburg, durch die Zigtausend Menschen obdachlos wurden und die einem SPD-Nachwuchspolitiker als Sprungbrett zu einer großen Karriere diente. 
 
Ob das daran lag, dass Helmut Schmidt viel Wind machen konnte? Die psychologische Seite spielt ja auch bei Stürmen eine Rolle. So ist die Zahl der Todesopfer fast immer höher, wenn Wirbelstürme weibliche Namen tragen. Offenbar wird das Ausmaß der Zerstörungsgewalt dann oft leichtsinnig unterschätzt, während man beim "männlichen" Tornado, etwa mit dem Namen Anton Kraftmeier, lieber vorsichtshalber in Deckung geht. 
 
Wie der Herbststurm im letzten Jahr hieß, der eine deutsche Familie lange Zeit lang mächtig zittern ließ, ist mir nicht bekannt. Durch diesen Sturm wurde der Betrieb einer Seilbahn gestoppt.  Und Mutter, Vater und zwei Kinder mussten vier Stunden lang in einer Gondel ausharren. Was ich mir nicht nur wegen der Angst vor dem Absturz sehr unangenehm vorstelle - allein bei dem Gedanken an das Geschaukel wird mir schon flau im Magen. Oh, da fällt mir ein, wir sind am Samstag bei der Rückfahrt fast zweieinhalb Stunden auf hoher See. Ich werde bis dahin jeden Abend Neptun und Poseidon ein Opfer in Form einer Flasche Wein bringen, die ich auf ihr Wohl entleere. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1143 vom 16. 4. 24  

Normalerweise lese ich im Bett vor dem Einschlafen in einem Sachbuch. Fast immer reichen ein paar Seiten und mir fallen die Augen zu. Damit das Reisegepäck nicht zu schwer wurde, nahm ich nach Borkum nur zwei Taschenbücher mit, das schwere Sachbuch blieb zuhause. Nun muss ich stattdessen die Folgen tragen. 
 
Meine Nachtlektüre ist jetzt nämlich ein Krimi. Der kurbelte die Adrenalinproduktion an, und es dauerte lange, bis ich endlich einschlief. Aber dann hatte ich auch noch Träume mit Thrill. Nach einer aufregenden Verfolgungsjagd konnte ich mich meines mörderischen Widersachers nur dadurch erwehren, dass ich ihn im Gerangel mit seinem eigenen Revolver erschoss. Doch kaum hatte ich mich erleichtert abgewandt, da stand der dreiste Kerl wieder auf und ging erneut auf mich los. Erschrocken wachte ich auf. Und sann auf Abhilfe: Ich hätte mich vergewissern müssen, dass der Schurke wirklich nicht mehr lebt. Aber was tut man da? Das Internet weiß Rat. Und weil Ihr jederzeit in eine ähnliche Situation kommen könntet, na ja, vielleicht nicht jeden Tag, aber es ist zumindest nicht ausgeschlossen, will ich die Methoden an Euch weitergeben. Zumindest beim Träumen wisst Ihr dann, was Ihr zu tun habt.. 
 
Ein wirksamer Test kann es beispielsweise sein, den angeblichen Leichnam aus etwas Abstand mit einem spitzen Stock zu piksen. Falls er lautstark dagegen protestiert, schießt Ihr besser noch zwei bis drei Mal, zielt aber diesmal besser. Ist kein Stock zur Hand, so haltet Ihr der Leiche mindestens drei Minuten lang einen Spiegel oder ein Stück Glas vor Nase und Mund. Falls es beschlägt, dann lebt der Unhold noch. Ihr könnt aber auch einen Finger auf die Halsschlagader Eures Feindes legen. Nur, wenn da nichts mehr pulsiert, seid Ihr auf der sicheren Seite. Aufschlussreich ist es auch, mit einer Taschenlampe in die Augen zu leuchten. Wenn die Pupillen darauf reagieren, dann verstellt sich der Kerl bloß. Die vielleicht sicherste Methode: Schiebt ihm einen Stock, einen Kuli oder eine Gabel in den Hals. Wer tot ist, würgt nicht mehr. 
 
Das hilft natürlich nicht gegen Außerirdische und Zombies. Aber seit "Terminator" wissen wir wenigstens, wie man sich bei Robotern vergewissern kann: Gegen die hilft nur Einschmelzen! 
 
Schöne Träume und Glückauf 
kdk 
 
PS. Nennt mich Magier der Digitalkunst. Oder Beispiel für Beharrlichkeit. Vielleicht trifft es Glückspilz beim Herumexperimentieren im Blindflug" jedoch am besten. Jedenfalls kann ich seit gestern Abend wieder über Whatsapp mit der Welt kommunizieren. 

 

Schmunzelpost 1142 vom 15. 4. 24 

Es gibt seit langem viel zu wenig gute Nachrichten. Heute habe ich eine für Euch. Egal, ob Bus, Bahn oder Schiff, alles lief gestern bei der Anreise nach Borkum wie am Schnürchen. Und die Bahn hatte nicht eine Minute Verspätung. Dass ich so etwas noch erleben durfte! Außerdem schien über der Nordseeinsel auch noch entgegen gen Wetterprognosen am Nachmittag bis zum Abend die Sonne von einem strahlendblauen Himmel.
 
Meine Gemütslage hatte sich dennoch bereits vorher verdüstert. Denn mein Smartphone hat sich offenbar mit meinem Computer verbündet, um mich fertigzumachen. Ich benutze das Ding vergleichsweise selten, halte aber gern über Whatsapp Kontakt zu guten Freunden und Bekannten. Nun jedoch teilt mir das Gerät auf der Startseite mit, dass meine Whatsapp-Einstellung total veraltet ist und unbedingt eine Auffrischung in Form eines Updates braucht. Gehorsam versuchte ich, die neue Version herunterzuladen und zu installieren. Doch meine Bemühungen brachten mich der Klapsmühle einen weiteren Schritt näher. 
 
Zunächst hieß es, mein Smartphone habe nicht genügend Speicher für das neue Programm. Also habe ich ein paar Apps gelöscht, die ich sowieso nie brauchte. Also nochmal: Herunterladen! Während das geschieht, taucht jedoch flächendeckend auf dem Display eine Hörgeräte-Werbung auf. Und sie bietet mir nirgendwo eine Chance, sie zu löschen. Gehe ich jedoch der Escape-Taste einen Schritt zurück, lande ich wieder beim Ausgangspunkt und werde erneut aufgefordert, das neue Programm herunterzuladen. Aus diesem Höllenkreislauf gibt es kein Entrinnen. 
 
Also lasse ich mich zähneknirschend darauf ein und beteilige mich am Frage-und-Antwortspiel der Psychopathen, äh, Akustiker. Ja, ich bin älter als 50 Jahre. Nein, ich habe noch kein Hörgerät. Nein, ich habe auch kein verringertes Hörvermögen. Nein, ich habe nicht die Absicht, mir eines zuzulegen. Nein, ich will mich nicht testen lassen. Das sollte doch wohl reichen. Pustekuchen! Flink ändern sie ihre Strategie und stellen drei Fragen zur Qualität des Gerätes, aus denen man eine auswählen muss. Und auch bei der Frage: "Kassen- oder Privatpatient?" gibt es kein Entkommen. Schließlich tasten sie sich an den Wohnort heran und holen zum finalen Schlag aus: Wann sollen wir Ihnen den Hörtest vermitteln - in einer, in zwei oder in drei Wochen? Da bin ich wutschnaubend ausgestiegen. 
 
Wenn ich mich in ein Problem verbeiße, gebe ich aber so schnell nicht auf. Irgendwann - das Schlimme ist, ich weiß nicht wie es gelang - glückte es, das Programm herunterzuladen und die finale Frage lautete: Abbrechen oder installieren? Triumphierend klickte ich "installieren" an. Um dann konsterniert zu lesen: "Installation nicht möglich." Dazu gab es bloß die Option, "fertig" anzuklicken. Danach war ich wahrhaftig völlig fertig, denn der Kreis schloss sich und ich landete zum x-ten Mal beim Ausgangsfenster. 
 
Langer Rede kurzer Sinn: Über Whatsapp ist zur Zeit keine Kontaktaufnahme mit mir möglich. Wenn wir uns was zu sagen haben, müssen wir das mit Emails tun. Für dringende  Fälle werde ich jedoch mit dem Inselfunk-Chef Verbindung aufnehmen, damit ich Euch über den Seenotrettungsdienst etwas morsen kann. Sowas wie: "SOS - mein PC und mein Smartphone spinnen!" 
 
Glückauf 
kdk       

Schmunzelpost 1141 vom 14. 4. 24

Das Arbeiten am Computer ist Segen und Fluch zugleich. Das erlebe ich dieser Tage wieder eindrucksvoll. Und zwar in beide Richtungen. Ich bereite für jemand anders den Druck eines Buches vor. Am PC war es viel, viel leichter, das Manuskript zu überarbeiten und in eine druckreife Form zu bringen, als es auf altmodische Art der Fall gewesen wäre. Beim Versuch, die Seiten in der gewünschten Form an den Verlag zu übermitteln, habe ich mir dann jedoch lange die Zähne ausgebissen und eine Reihe neuer Flüche kreiert. 
 
Mit Hilfe eines guten Freundes (danke für Deine Unterstützung, Gerd!) bin ich gestern endlich einen großen Schritt weiter gekommen. Doch als ich eigenständig letzte Korrekturen vornehmen wollte, trieb mich der PC erneut fast in den Wahnsinn. Ich wollte mir über Mozilla eine Werkzeugleiste zur Textbearbeitung beschaffen und sollte mich dafür erst anmelden. Dabei wurde ich nach einem Passwort gefragt, dass ich noch gar nicht hatte. Also "Passwort vergessen" anklicken. Nun wurde ich zunächst aufgefordert, das Passwort für mein Google-Konto anzugeben. Hatte ich nicht. Also "Passwort vergessen" anklicken. 
 
Jetzt wollte man zunächst von mir wissen, ob ich kein Roboter bin. Da bin ich mir eigentlich ziemlich sicher. Die Antwort auf die Frage, ob ich über natürliche Intelligenz verfüge, überlasse ich gern anderen. Doch eine künstliche Intelligenz besitze ich garantiert nicht. Google aber anscheinend auch nicht. Denn der Idiotentest, für den ich drei Bilder mit Ampeln ankreuzte, wurde als "nicht bestanden" gewertet. Hatten sie etwa eine winzige Ampel irgendwo in einer Ecke versteckt? Beim folgenden Brücken-Rätsel ging es mir erneut so. Dann kamen nochmal die gleichen Ampel-Fotos. Und siehe da: Diesmal wurde die "drei" als richtige Lösung akzeptiert.
 
Doch das war erst der Aufgalopp. Nun teilte Google mir mit, man habe mir per Email einen Bestätigungscode für das neue Passwort gesandt, den ich eingeben müsse. Gesagt, getan! Der Code wurde gebilligt, aber trotzdem sollte ich mir per SMS noch einen weiteren Code zusenden lassen und dazu meine Telefonnummer angeben. Die Festnetz-Nummer schied dafür aus, also gab ich mein Mobiltelefon an. Und prompt kam die Mitteilung: Die Nummer ist uns unbekannt, bitte versuchen Sie es noch einmal. 
 
Die Schaumbildung vor meinem Mund machte mittlerweile beträchtliche Fortschritte. Zweiter Anlauf. Diesmal wurde der Bestätigungscode nicht mehr akzeptiert. Also drehte ich eine Ehrenrunde, wartete aber vergebens auf eine zweite Mail mit einem anderen Code. So gab ich noch zweimal die bekannten Zahlen ein und wurde von Google wegen zu vielen Fehlversuchen disqualifiziert. Aaaaaaah! 
 
Da muss man ja komplett gaga werden! Ich habe jetzt die Theorie entwickelt, dass die künstliche Intelligenz mich so lange fertig machen will, bis die Reste meiner natürlichen Intelligenz vollends verschwunden sind. Dann steht einer Machtübernahme des Computers nichts mehr im Weg. . .
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1140 vom 13. 4. 24

Am Sonntag reisen wir nach Borkum. Diesmal ist es aber nicht der erste Teil der Anfahrt, der mir Sorgen bereitet, obwohl wir auf die Bahn angewiesen sind. Doch wir müssen nur einmal umsteigen. Und wenn wir eine Fähre verpassen sollten, wartet zwei Stunden später noch eine weitere. Das Problem ist die Schifffahrt. Mein alter Lehrsatz "Wasser ist nass und deshalb schon schädlich" gilt immer noch, vor allem, wenn auch noch kräftiger Wind aufkommt und die Fähre vergleichsweise klein ist.
 
Wie lautete damals noch der Dialog auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff? Rose DeWitt Bukafer, dargestellt von Kate Winslet, sagte: "Das ist also das Schiff, von dem es heißt, es sei unsinkbar?" Und Cal Hockley alias Billy Zane antwortete: "Es ist unsinkbar. Gott selbst könnte dieses Schiff nicht versenken." Der Eisberg, der sich anschließend die Titanic zur Brust nahm, muss Atheist gewesen sein.
 
Falls Ihr also todesmutig eine Kreuzfahrt bucht, dann gebe ich Euch vorsorglich ein paar wichtige Hinweise. Falls Ihr sieben oder mehr kurze Töne der Alarmanlage oder der Schiffssirene hört, bedeutet dies dasselbe, als wenn die Sirene ununterbrochen heult - Euer Schiff geht wahrscheinlich unter! Nun gilt es, Ruhr zu bewahren und sich, wenn möglich, die gesamte Überlebensausrüstung aus der Kabine zu schnappen. Dann solltet Ihr Euch ohne Panik zum nächsten Rettungsboot begeben.
 
Die gute Nachricht: Jedes Passagierschiff muss für alle Passagiere einen Platz im Rettungsboot haben. Die schlechte Nachricht: Es kann passieren, dass sich viel zu viele in ein und dasselbe Boot drängen und andere Boote fast leer bleiben. Immerhin: Jedes Deck hat einen vertikalen Fluchtweg. Notausgänge sind beleuchtet und spezielle Lichter markieren die Rettungsboote.
 
Der Rumpf von Kreuzfahrtschiffen ist in verschiedene Schotts unterteilt, so bleiben die Schiffe länger über Wasser und sinken nur langsam. Falls Ihr Euch tief unten im Schiffsbauch befindet und vor verschlossenen wasserdichten Türen steht, ist Eure Lage dennoch nicht hoffnungslos. In diesem Fall sucht nach dem NOTAUSGANG/ESCAPE. Hinter dessen Tür befindet sich eine Leiter und eine Schleuse. Dreht das Rad an der Schleuse im Uhrzeigersinn. Falls das Rad klemmt, nutzt ein Rohr oder einen Axtstiel, irgendwas, das Ihr zufällig in der Tasche habt. Achtung: Streichhölzer sind ungeeignet. Ist die Tür offen, erreicht Ihr über die Leiter das nächste Deck. Diesen Vorgang wiederholt Ihr solange, bis Ihr oben angekommen seid.
 
Nun haltet Ihr Ausschau nach einem Rettungsboot. Springt noch nicht ins Wasser, es sei denn, es ist unvermeidlich. Ist kein Rettungsboot erreichbar und Euer Schiff droht komplett abzusaufen, dann ist Springen unvermeidlich! Springt mit den Beinen voraus möglichst nahe am Wasser ab, versucht aber auch, möglichst weit vom Schiff wegzuspringen. Haltet dabei die Schwimmweste am Kragen fest, damit sie nicht über Euren Kopf hinweg abhaut. Sobald Ihr im Wasser seid, schwimmt vom Schiff weg, weil Euch sonst dessen Sog in die Tiefe ziehen könnte.
 
Falls kein Rettungsboot in der Nähe ist, schaut Euch im Wasser nach großen schwimmenden Gegenständen um. Wenn nichts greifbar ist, klammert Euch an andere Passagiere. So könnt Ihr Körperwärme austauschen und Euch gegenseitig ermutigen. Wenig hilfreich sind Gespräche über die Titanic oder die Andrea Doria. Falls unter Wasser etwas an Euch entlang streicht, dann wehrt Euch. Das könnten Haie auf der Suche nach Nahrung sein. Tretet, stecht oder schlagt nach ihren Augen und Kiemen, das mögen Haie nicht. Die meisten ziehen dann schmollend ab. Und wenn Euch ein Wal begegnet, dann lasst Euch schlucken - ein gewisser Jonas ist auf diese Weise gerettet worden. Ihr solltet jedoch warten, bis Land in Sicht ist oder Schiffe vorbeikommen, bevor Ihr Euch ausspucken lasst. Ein Eimer Plankton als Trinkgeld für den Wal ist dann ein Gebot der Höflichkeit.
 
Ahoi!
kdk  

 Schmunzelpost 1139 vom 12. 4. 24

Gloria ist wieder da! Allerdings ist die hiesige Wölfin unrühmlich aufgefallen, weil sie sich sogar in eine Großstadt getraut hat. Außerdem hat sie ihre Fähigkeit, hohe Zäune zu überwinden, offenbar noch perfektioniert. Bevor jetzt aber wieder Panik ausbricht und das Märchen vom menschenfressenden bösen Wolf erneut Kreise zieht, liefere ich heute ein paar Fakten. 
 
Wissenschaftler haben ermittelt, wie viele Menschen in den Jahren zwischen 2002 und 2020 von Wölfen getötet wurden. Auf dem gesamten Erdball sind in den fast 20 Jahren nur 26 Fälle bekannt geworden. Und diese Zahl muss sofort relativiert werden. Denn fast alle Killer-Wölfe waren mit Tollwut infiziert. Selbst ein tollwütiges Eichhörnchen aber kann Menschen angreifen und durch die Übertragung der Krankheit sogar umbringen! In den ganz seltenen restlichen Fällen haben in die Enge getriebene Wölfe sich oder ihre Jungtiere lediglich verteidigt. 
 
Wenn man nun die Zahl der Wölfe der Anzahl der Menschen in ihrem direkten Umfeld gegenüberstellt, ergibt sich ein Risiko, das bloß eine Winzigkeit über Null liegt und zahlenmäßig daher kaum erfassbar ist. Dies sieht bei anderen Tierarten ganz anders aus. Schauen wir uns die gefürchteten Monster mal in aufsteigender Folge an. 
 
Haie liegen mit 10 Toten pro Jahr ganz weit hinten. Löwen und Elefanten kommen schon auf 100 menschliche Opfer jährlich. Ungleich gefährlicher sind Nilpferde (500 Tote) und Krokodile (1000 Tote). Viel tückischer sind kleine Killer. Etwa Bandwürmer (2000 Tote) , Tse-Tse-Fliegen  (9000 Tote) und Raubwanzen (12 000Tote). Nun folgt ein großer Sprung zum angeblich besten Freund des Menschen: Durch Hunde sterben jedes Jahr rund 40.000 Leute! Schlangen bringen es auf 50 000 Opfer. Und der Darmparasit Spulwurm ist für 60.000 Todesfälle verantwortlich. 
 
Nun zu den Top-Drei. Den Verzehr von Süßwasserschnecken dürfen 100.000 Menschen nicht allzu lange bereuen. Der schlimmste Killer unter den Säugetieren ist der Mensch selbst. Auch außerhalb von kriegerischen Konflikten werden jedes Jahr fast 500.000 Mordopfer gezählt. Wenn man also sagt, der Mensch ist des Menschen Wolf, so ist das eine völlig unberechtigte Verleumdung des Tieres. Das allergefährlichste Tier ist ohnehin winzig: Malaria und Gelbfieber infolge von Mückenstichen erliegen jedes Jahr 725.000 Menschen. 
 
Das giftigste Tier der Welt ist übrigens die im Pazifik lebende Landkartenkegelschnecke. Sie hat in ihrem Saugschlund einen Zahn, dessen Gift einen Menschen in ganz kurzer Zeit umbringt. Und bis heute ist kein Gegengift vorhanden! 
 
So, wer meine Angaben bezweifelt oder sich mir gegenüber despektierlich über diese Schmunzelpost äußert, den mache ich mit meiner Freundin Susi bekannt. Sie lebt eigentlich südlich der Sahara und ist in Dorsten nur zu Gast, um ihre entfernte Verwandte Berta, die Ringelnatter, zu besuchen. Susi ist eine schwarze Mamba. Sie verfügt über ein außerordentlich starkes Gift, das Menschen in nur 20 Minuten tötet. Und sie ist nicht nur äußerst aggressiv, sondern gilt auch als schnellste Schlange der Welt. Was die Sache für die Kritiker unter Euch nicht besser macht. Also überlegt Euch gut, was Ihr sagt! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Reaktion auf die gestrige Schmunzelpost-Folge lässt Petra alle anderen Mitgliederinnen unseres Kreises grüßen. Eine ihrer beiden Töchter ist Linguistin. Deshalb verweist Petra darauf, dass das Wortpaar "herrlich" und "dämlich" völlig irreführend ist. 
Das ist richtig. Während "Dame" sich aus dem französischen "Madame" ableitet, was so viel wie "vornehme Frau" bedeutet (und seinerseits vom lateinischen "Domina", also Herrin des Hauses, abstammt), kommt "dämlich" vom niederdeutschen dämeln. Und das bedeutet "von Sinnen sein". Dämeln oder dammeln als Synome für verwirrt sein oder sich kindlich benehmen sind heute aus unserem Sprachschatz verschwunden. Oder nur noch als Schimpfworte wie Dämlack oder dem bayerischen damischen Lackl erhalten geblieben. 
Und "herrlich" kommt auch nicht von Herr, sondern von "hehr". Das Wort wurde im Althochdeutschen anstelle von "grauhaarig" verwendet und erst später für "erhaben" oder "ehrwürdig" gebraucht. 
 
PPS. Und Anne steuert noch einen Witz bei, den auch ein Tintenhuhn verzapft haben könnte: "Kommt ein genderbewusster junger Mann, der alles richtig machen will, in eine Kneipe und bestellt eine Radlerin. Antwortet der Wirt: „Tut mir leid, aber mein Zapfhuhn funktioniert nicht.“ 

 Schmunzelpost 1138 vom 11. 4. 24

Viele ärgern sich über das Gendern, bei mir überwiegt die Freude an unfreiwilliger Komik. So entdeckte ich gestern auf der Speisekarte des Dorstener Bürgerbahnhof-Restaurants das Tagesgericht "Kräuterhähncheninnenfilets". Als Tintenhuhn bzw. Tintenhahn begeisterte mich diese Schreibweise auf Anhieb. Die weibliche Form eines Hähnchens? Ist das ein Transhahn oder ein diverses Huhn? Der Kellner versuchte mir zwar einzureden, gemeint sei ein Hähnchen-Innenfilet. Aber das heißt bei mir Hähnchenbrust. Außerdem müsste es dann als Gegenstück auch ein Hähnchen-Außenfilet geben. 

Ich habe mal geschaut, was sonst noch auf dem Markt für kuriose Wortkonstruktionen gehandelt wird. Aus ein paar missglückten Begriffen lässt sich eine Kurzgeschichte aus drei Sätzen basteln: "Ich erwarte heute Abend ein Gästin. Hoffentlich ist sie keine Bösewichtin. Und erst recht keine Spaßbremsin..." 
 
Neu war mir auch eine Bundesrats-Initiative. Sie zielt darauf ab, althergebrachte Verkehrszeichen zu ändern. Und zwar soll künftig dem springenden Hirsch auf dem Wildwechsel-Schild das Geweih gekappt werden. Denn die Genderbeauftragte der Verkehrsverwaltung hat angeprangert, dass auch Hirschkühe Rücksichtnahme verdienen. 
 
Liebe Anwesende und Anwesendinnen! Hier folgen noch ein paar Beispiele, die sich nicht etwa Gendersprachengegner oder Witzbolde ausgedacht haben, sondern die wirklich in Schriftstücken vorkamen und durchaus ernst gemeint waren. Da ist von Krankenschwesterinnen ebenso die Rede gewesen wie von Feuerwehrmännerinnen. Auch eine NamensvetterIn wurde ins Gespräch gebracht. Besonders absurd: Prostatapatientinnen und Samenspender*innen. 
 
Ich hoffe, ich habe mich damit als Stimmungskanonin entlarvt und nicht als störrischer alter weißer Mann. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1137 vom 10. 4. 24

Die vergangenen Tage haben es bestätigt: Der Lenz ist da! Und mit ihm womöglich auch die Frühlingsgefühle. Falls sie Euch überwältigt haben, aber die auserkorenen Partnerinnen oder Partner noch nichts von ihrem Glück wissen oder sich sogar dagegen sträuben, verrate ich Euch heute das Rezept für einen Liebestrank. Ihr benötigt dazu nur eine Hand voll frische ungeöffnete Magnolien-Knospen, zwei Tassen Regenwasser, einen Esslöffel Honig und einen kleinen Topf oder Kessel. 
 
Erster Schritt: Ein Liebestrank muss zum richtigen Zeitpunkt gebraut werden, sonst wirkt er nicht richtig. Daher müsst Ihr einiges beachten. Ihr solltet den Trank bei zunehmendem Mond zubereiten, um Liebe wachsen zu lassen. Wenn er dazu noch an einem Freitag gebraut wird, erhöht das die Wirksamkeit beträchtlich. Denn der Freitag wird von der Liebesgöttin Venus beherrscht. 
 
Zweiter Schritt: Ihr müsst die Zutaten verzaubern. Dazu müsst Ihr Eure magischen Energien aktivieren, indem Ihr Euch konzentriert und das gewünschte Ergebnis vor Eurem inneren Auge erstehen lasst. Außerdem müsst Ihr einen Zauberspruch verwenden. Ich empfehle: "Kräuter der Venus, tut euer Werk! Dies ist mein Wille, fest wie ein Berg!" 
 
Dritter Schritt: Nun kann der Zaubertrank zubereitet werden. Gebt dazu die Magnolien-Knospen in einen kleinen Topf oder Kessel. Dann muss das Ganze 20 Minuten ohne Deckel kochen und dabei ab und zu umgerührt werden. Konzentriert Euch dabei intensiv auf die Person, deren Liebe ihr gewinnen wollt. Anschließend nehmt Ihr den Topf vom Feuer und lasst den Inhalt abkühlen. Nun wird der Trank mit einem Esslöffel Honig ein wenig versüßt. 
 
Vierter Schritt: Jetzt ist ein weiterer Zauberspruch erforderlich, um die magische Energie des Tranks zu verstärken. Singt und tanzt dabei nach eigenem Ritus und zitiert folgenden Satz: "Möge der Trank durch die Kehle fließen und sie (er) mich mit Liebe übergießen!" 
 
Fünfter Schritt: Nun muss der Trank noch unauffällig in das Essen oder ein Getränk der geliebten Person gemischt werden. Der Effekt hängt vom Stoffwechsel der Person ab, sollte aber sehr schnell eintreten. Achtung: Vermeidet unbedingt, dass eine falsche Person den Trank zu sich nimmt! 
 
Sollte letzteres versehentlich doch geschehen oder Ihr Eure Wahl schon nach kurzer Zeit bereuen, gibt es zum Glück Möglichkeiten, den Liebeszauber zu brechen. Dazu müsst Ihr lediglich die Schritte des Originalzaubers bei abnehmendem Mond in umgekehrter Reihenfolge wiederholen und die Zaubersprüche rückwärts aufsagen. Es gibt aber noch eine kürzere Brachial-Methode. 
 
Dazu wendet Ihr Euch der verzauberten Person zu und sprecht die magischen Worte: "Du bist hässlich wie die Nacht und ein blöder Pappkopf! Ich kann Dich nicht ausstehen und verstehe überhaupt nicht, warum Du ausgerechnet mich anhimmelst. Mach Dich sofort vom Acker, Du Dumpfmupf!" Das wirkt garantiert. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1136 vom 9. 4. 24

Schon mehrfach hat sich der Bücherschrank in der Dorstener Fußgängerzone als Fundgrube erwiesen. Auch heute lieferte er wieder Material für die Schmunzelpost. Denn wer unter uns ist nicht gelegentlich auf Hilfe in alltäglichen Situationen angewiesen? Etwa, wenn uns beim Strandurlaub ein weißer Hai auffressen will. Oder wenn Außerirdische mit ihrem Raumschiff in unserem Garten landen. Oder wenn es gilt, einen Verbrecher zu entwaffnen. Derartige Situationen haben wir bereits zigmal im Kino oder vor der Mattscheibe erlebt. Da bietet "Das Action-Hero-Handbuch" von David und Joe Borgenicht guten Rat.
 
Ihr seht, dass eine junge Frau in höchster Gefahr ist, von einem schnell herannahenden Auto überfahren zu werden. Was tut Ihr? Als erstes versucht Ihr, das potenzielle Opfer durch Zuruf zu warnen: "Vorsicht! Auto!" oder "Gehen Sie aus dem Weg!" sind zu bevorzugen gegenüber, "Achtung, Sie befinden sich in akuter Lebensgefahr!" Falls Deine Warnung überhört wird und noch ausreichend Zeit bleibt, setzt Du zu einem wahren Pantersprung an, rammst das Opfer wie beim American Football und bringst es - und auch Dich - aus der Gefahrenzone. Dabei schlingst Du noch im Flug Deine Arme um Kopf und Oberkörper der zu schützenden Person, um lebenswichtige Teile vor Schaden zu bewahren. 
 
Beim Aufprall rollst Du Dich seitlich ab. Wenn Du Glück hast, kommst Du danach auf Jennifer Lopez oder Julia Roberts zu liegen. Das passiert zumindest in Kinofilmen öfter. Ganz wichtig: Dennoch nicht lange liegen bleiben. Oft kommt auch aus der entgegensetzten Richtung ein Fahrzeug angebraust. Sieh zu, schnell den Randstreifen oder den Bürgersteig zu erreichen. Dann kannst Du sagen: Mission geglückt! Das Bundesverdienstkreuz ist Dir sicher. 
 
Was aber, wenn Du Dich selbst plötzlich einem heranrasenden Auto frontal gegenüber siehst? Handelt es sich um einen halbwegs flachen Pkw, dann springe erst im letzten Moment in die Höhe. Dabei formst Du Deinen Körper zu einer Kugel, um über die Motorhaube hinwegzurollen. Kommt Dir aber ein Lkw entgegen, dann musst Du blitzschnell abschätzen. Ist es ein großer Laster mit hoher Bodenfreiheit, dann mache Dich so flach wie möglich, presse alle Körperteile eng an den Boden und schütze Dein Gesicht. Achte darauf, dass Arme und Beine eng anliegen - falls sie unter einen Reifen geraten, wäre das ungünstig. Falls Du die Anweisungen genau befolgst und es sich um einen großen Brummi handelt, hast Du sogar 30 cm Luft nach oben. 
 
Ist der Laster jedoch tiefer gelegt und darunter nicht genügend Platz vorhanden, dann hilft nur eins: Wirf Dich auf den Boden und rolle seitlich aus seiner Bahn. Ein Stoßgebet kann dabei nicht schaden. 
 
Sollte Dir einer dieser Tipps das Leben retten, dann denke hinterher daran: Ich nehme das Verdienstkreuz gern entgegen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1135 vom 8. 4. 24

Die Natur mit ihren erstaunliche Kapriolen, Höchstleistungen und Rekorden bleibt ein unerschöpflicher Stoff-Lieferant für die Schmunzelpost. Nachdem wir uns zuletzt mit Rekordtemperaturen und Flutwellen beschäftigt haben, möchte ich heute die Welle machen. 
 
Was schätzt Ihr? Welche Höhe kann eine Ozeanwelle erreichen, wenn sie so richtig aufgewühlt ist? 20 m? 30, 50 oder gar 100 m? Von sogenannten Monsterwellen, die bis zu 35 m hoch und somit zum Schreckgespenst aller Seefahrer wurden, haben wir alle schon gehört. Es gibt aber Wellen, die sogar eine Höhe von 500 Metern erreichen. Unglaublich? Aber wahr! 
 
Allerdings werden derartige Wellen nie mit bloßem Auge beobachtet. Es handelt sich nämlich um Unterwasserwellen. Sie entstehen durch Druckunterschiede unterschiedlicher Wassermassen, die durch Meeresströmungen aufeinandertreffen. Solche Wellen bewegen sich sehr langsam fort, setzen dabei aber eine riesige Menge an Energie frei. Dies haben die Ozeanografen am Institute of Technology in Massachusetts 2015 herausgefunden. 
 
Was uns das angeht? Seit wir wissen, welche Folgen es haben kann, wenn im fernen China ein Sack Reis umfällt, wissen wir von den ungeahnten Auswirkungen, die solche Phänomene haben können. Denn solch eine Mörderwelle kann zu einer großen Gefahr für alle Offshore-Förderanlagen und damit für unsere Energieversorgung werden. Zugleich aber verbirgt sich in den Weltmeeren ein ungenutztes Potenzial. Wenn es gelänge, die Energie für uns verwertbar zu machen, wäre eine weitere Alternative gefunden, die nicht klimaschädlich und gleichzeitig unabhängig vom Rohstoff-Verbrauch ist. 
 
Ich habe volles Vertrauen, dass die Wissenschaftler einen praktikablen Dreh finden und entwickeln, falls dies technisch machbar ist. Es gibt eigentlich nur ein Rätsel, an dem sich alle Forscher regelmäßig die Zähne ausbeißen. Dabei handelt es sich um ein existenzielles Problem. Wie war es nur möglich, dass Schalke 04 in Hannover durch ein dösiges Eigentor den Sieg verspielte, der nach 80 Minuten Spielkontrolle als dominierende Mannschaft absolut verdient gewesen wäre? Die Welle meiner Empörung war mindestens 550 Meter hoch. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1134 vom 7. 4. 24

Ist das purer Zufall? Ständig bleibe ich derzeit bei Klimarekorden hängen. Gestern zeigte das Thermometer bei uns im Westen 28 Grad plus, was für einen 6. April durchaus selten ist. Das letzte Mal sind ähnliche Temperaturen zu dieser Jahreszeit hier angeblich vor 80 Jahren gemessen worden. Und in einer anderen Ecke der Welt beklagen sich die Thailänder, dass bei ihnen die Temperaturen über 50 Grad angestiegen sind, was Anfang April noch nie zuvor vorgekommen sein soll. Das ist für mich Grund genug, mich heute mit Temperatur-Rekorden zu beschäftigen.
 
Nach oben haben wir in Deutschland noch reichlich Luft. Während bereits 1913 im Death Valley in den USA mit 56,7 Grad Celsius die bisher weltweit höchsten Temperaturen gemessen wurden, sind wir hierzulande bisher nicht über die 41,2 Grad in Duisburg-Baerl im heißen Sommer 2019 hinausgekommen. Dagegen schwitzten die Einwohner von Tirat Zvi in Israel 1942 bei 54 Grad. Und im tunesischen Kebil wurden 1931 bereits 55 Grad gemessen. 
 
Das verlockt doch, in der Antarktis nach Abkühlung zu suchen. Dort betrug die bisherige Höchsttemperatur im Oktober 1976 erträgliche 16 Grad. Dafür kann es am Südpol jedoch zu anderen Zeiten arschkalt werden. In Wostok in der Antarktis zeigte das Thermometer am 21. Juli 1983 minus 89,2 Grad. Aber auch das war noch ausbaufähig. Im Zeichen des Klimawandels ging am gleichen Ort im August 2010 ein neuer Rekord in die Wetter-Annalen ein: Dort sackte die Temperatur auf minus 93,2 Grad. 
 
Nun dürfen wir gespannt sein, was sich bei uns in den nächsten Jahren tut. Da ich am liebsten bei 20 bis 26 Grad unterwegs bin, habe ich Grund zur Freude, dass ich die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts vermutlich nicht mehr erleben werde: Bei Tagestemperaturen über 50 Grad hätte selbst der Abo-Meister der Zukunft, also Schalke 04, große Schwierigkeiten, seine Leistung auf den Platz zu bringen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1133 vom 6. 4. 24

Ihr kennt das schon: Wenn ich mich erstmal in ein Thema verbissen habe, kommt noch was nach. Und wo wir uns gerade so angeregt über Naturkatastrophen unterhalten, kann das Hochwasser nicht unerwähnt bleiben. Schließlich habe ich es selbst mal erlebt. Zwar zum Glück nicht am eigenen Leibe, aber die Fluten rückten ziemlich nahe. 
 
Es geschah kurz nach dem Jahreswechsel 2002/2003. Der Pegelstand der Lippe hatte sich der bisherigen Höchstmarke bedrohlich angenähert. Und die Meteorologen prophezeiten weitere Niederschläge. Doch der Lippeverband wiegelte ab: "Selbst wenn der alte Rekordwert erreicht wird, besteht keine Gefahr. Bis zur Deichkrone sind es dann immer noch anderthalb Meter. Und der Kern unserer Dorstener Deiche besteht aus Abraumgestein des Bergbaus, ein Durchweichen ist somit ausgeschlossen." 
 
Das wirkte auf jemand, der nur knapp 100 Meter hinter dem Deich wohnt, zunächst recht beruhigend. Doch der Pegel stieg weiter. Auch an der alten Rekordmarke von 9,50 m war nicht Schluss. 9,80 m, 10 m, 10,30 m. Schließlich traute auch der Lippeverband seinen eigenen Beschwichtigungen nicht mehr. In der Nacht zum 3. Januar fuhr schweres Gerät auf und der Deich wurde bis zum Morgen erheblich aufgestockt. Wie sich herausstellte, war das auch nötig - der Pegel kam der 11-m-Marke sehr nahe.   
 
Der Lippeverband betonte danach, man habe alles im Griff gehabt. Und mit einem derartigen Hochwasser sei so schnell nicht mehr zu rechnen: "Das war eine Jahrhundert-, wenn nicht sogar eine Jahrtausendflut." 20 Jahre später war das Jahrtausend schon vorbei. Erneut machte sich die Lippe mächtig breit. Und das, obwohl sie in einigen Uferbereichen inzwischen wesentlich mehr Auslauf bekommen hat. 
 
Überhaupt ist es mit dem Jahrhunderthochwasser wie mit den Lottozahlen. Obwohl die Wahrscheinlichkeit mathematisch 1:100 beträgt, kann es sich jedes Jahr wiederholen. Der Zufall hat kein Gedächtnis. Dorsten kann sich daher rühmen, mit Prag verwandt zu sein. In der tschechischen Hauptstadt dauerte es nach der Flut im Jahr 2000 bloß zehn Jahre bis zum nächsten Jahrhundert-Hochwasser. 
 
Wir Dorstener können froh sein, dass wir nicht in Paris leben. Dort trat das letzte derartige Hochwasser der Seine im Jahre 1910 auf. Damals dauerte es vier Wochen, bis die Fluten langsam zurückgingen. Aber die Bürger haben das längst vergessen, und nur die Experten gruseln sich. Ein erneuter derartiger Anstieg des Wasserspiegels könnte die gesamte Hauptstadt lahmlegen. Man schätzt, dass bei einem solchen Hochwasser 1,5 Millionen Menschen keine Elektrizität mehr hätten und sogar fünf Millionen ohne Trinkwasser wären. 
 
Mit Blick auf den Klimawandel strahlt die Stadtverwaltung von Paris deshalb seit 2016 eine Videobotschaft aus und fragt recht dramatisch: "Sind Sie bereit, sich dieser Flut zu stellen?" Der Offenbarungseid, selbst nicht für genügend Schutz sorgen zu können, soll offenbar dazu beitragen, dass die Bürger sich selbst mit Vorräten wappnen und vorsorglich alternative Energiequellen zu beschaffen. 
 
 Ich frage deshalb an dieser Stelle meine Dorstener Mitbürger: "Seid Ihr bereit, Euch einer Lippe-Flut zu stellen? Dann besorgt Euch schon einmal ein großes Schlauchboot!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1132 vom 5. 4. 24 

April, April, der macht, was er will! Nach dem mildesten März seit Jahrzehnten wird wenigstens der Folgemonat seinem Ruf gerecht. Allerdings sollten wir uns im Zeichen des Klimawandels nicht wundern, wenn in den nächsten Wochen neue Rekorde auf uns zukämen. 
 
Einen ersten Hagelschauer hat es in Dorsten bereits gegeben. Aber einen ziemlich bescheidenen. Dabei verspüre ich auch keinerlei Lust auf Rekorde. Das bisher größte Hagelkorn der Welt wurde am 23. Juli 2010 in Vivian gefunden. Das ist ein kleines Dorf im US-Bundesstaat South Dakota. Der Hagelbrocken hatte einen Durchmesser von 20,32 Zentimetern und wog 879 Gramm. Schade, dass er damals nicht in Florida herunterkam und einen gewissen Donald T. beim Golfen überraschte. 
 
 Wobei ich selbst diesem fiesen Möpp einen solchen Tod nicht wünschen würde. Tod durch Hagel? Ja, durchaus möglich. Am 30. April 1888 tötete Hagel in Uttar Pradesh in Indien sogar 246 Menschen. Wo wir gerade so nett über Hagel, Blitz und Donner plauschen: Der Ort mit den häufigsten Gewittern ist Kampala, die Hauptstadt von Uganda. Dort kracht und blitzt es an sage und schreibe 242 Tagen im Jahr! 
 
Mit dem Abschmelzen der Pole wird ein anderes Naturphänomen immer häufiger. Kreuzfahrer, aufgepasst! Die "Titanic" wird nicht das letzte Schiff gewesen sein, das auf hoher See eine unerfreuliche Begegnung hatte. Allerdings wurde der größte gesichtete Eisberg von der Besatzung der USS-Glacier bereits 1956 im Südpazifik aufgespürt. Die Eis-Insel war 330 Kilometer lang und 96 Kilometer breit. 
 
Wenn Ihr also in den nächsten Jahren mal einen Eisberg die Lippe hinauf treiben seht, dann wisst Ihr: Es ist endlich soweit - alle Naturgesetze sind auf den Kopf gestellt. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1131 vom 4. 4. 24

Wenn sich Nachrichtensprecher damit herumquälen, einen ursprünglich deutschen Namen möglichst ausländisch auszusprechen, weil die Person nicht mehr hierzulande zuhause ist, dann kenne ich jemand, der regelmäßig mit den Augen rollt. In einem Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung stellte jetzt die Absenderin Renate Dehner aus Konstanz fest, dass man sich im Ausland weit weniger Mühe gibt. 
 
In ihrem Brief heißt es: "Eine mir bekannte Mechthild musste in Amerika damit leben, eine Mäktaild zu sein, und schreiben konnte ihren Namen sowieso keiner." Und im französischen Sender "Radio Classique" sei öfter von Jean Sebastian Bak und Wolfgon Mosar die Rede, ab und zu auch von Kristoffe Willibalde Glück oder Dittritsch Büxtehüd. Am schlimmsten aber werde es, wenn sich die Sprecher ausnahmsweise mal bemühten, einen Namen korrekt auszusprechen. Dann komme man als Deutscher schwer ins Grübeln. Wer, zum Kuckuck, ist Ügowon Offmanschtal? 
 
Zum Glück wüssten jedoch die Franzosen um dieses Problem. Sie reagieren mitunter darauf bei der Schreibweise eines Namens: "So haben sie ja dem Kreml-Diktator wohlweislich ein O und ein E dazugemogelt. Sonst müssten sie den Namen wie Putain aussprechen, was für den Herrn womöglich ein Grund wäre, in Frankreich einzumarschieren." 
 
Glückauf 
kahdeekah 

Schmunzelpost 1130 vom 3.4. 24 

Gern hätte ich in Hamburg eine Wolke vom Himmel geholt und bei Ebay versteigert. Aber gestern morgen waren kaum noch Wolken in Reichweite. Und, wie Ihr seit gestern wisst, wären sie auch viel zu schwer gewesen. Außerdem weiß ich gar nicht, wie ich eine Ebay-Versteigerung überhaupt bewerkstelligen soll. 

Bitte? Das hätte mangels Bietern sowieso nicht geklappt? Vielleicht doch. Ich las jetzt von erfolgreichen Versteigerungen, die ich für unmöglich gehalten habe. Ihr kennt sicher das Phänomen, dass man manchmal in Gegenständen (oder auch Wolken) die Züge eines Gesichtes zu erkennen meint. So hat jemand 2004 auf einer Toastscheibe das Antlitz der Jungfrau Maria entdeckt. Und anschließend das Maria-Käse-Sandwich für 28 000 Dollar versteigert. 
 
Jetzt wendet Ihr womöglich ein, dass bekloppte Devotionalien-Sammler auf alles hereinfallen. Immerhin bekam der Käufer aber etwas Handfestes zum Vorzeigen. Doch wie erklärt Ihr Euch, dass jemand anders auf Ebay sogar eine Luftgitarre ersteigert hat? Manchmal machen sich die Schnäppchenjäger auch gegenseitig heiß. Als auf Ebay ein 31 Kilo schwerer Plastikeimer voll mit Münzen angeboten wurde, trieben sich die Bieter wie wild in die Höhe. Obwohl nicht erklärt wurde, um welche Münzen es sich handelte. Es waren überwiegend Ein- und Zwei-Cent-Stücke. Der Hammer fiel bei 12.250 Euro, weit, weit über dem tatsächlichen Wert. 
 
Auch um einen halben Zwanzig-Euro-Schein gab es ein heftiges Bieter-Duell. Der Sieger zahlte 8,25 Euro. Er hatte aber nicht bedacht, dass er 51 % eines Geldscheins braucht, um den vollen Wert von der Bundesbank erstattet zu bekommen - 50 Prozent reichen nicht. Reingefallen ist auch der Ersteigerer eines angeblich äußerst leckeren Döners, der für das Anfangsgebot von nur einem Euro den Zuschlag bekam. Er hatte jedoch übersehen, dass er 49 Euro Versandkosten tragen musste. . .
 
Ein gutes Geschäft machte die junge Amerikanerin, die auf Ebay ihre Stirn als Tattoo-Werbefläche anbot. Das Motiv war ihr egal. Für 10.000 Dollar trägt sie jetzt auf der Stirn die Internet-Adresse des Internet-Casinos "Golden Place" durch die Welt. Keine einziger Bieter meldete sich jedoch auf das Ebay-Angebot: "Schneemann aus dem Jahre 1756. Einmalige Gelegenheit für Bastler!" Vielleicht wurden potenzielle Bieter stutzig, weil der Schneemann Anfang April feilgeboten wurde. 
 
Kälte läuft also nicht. Vielleicht aber Hitze? Ich erwäge nun, es mal mit einer prallgefüllten Tüte "heiße Luft" zu versuchen. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1129 vom 2. 4. 24

Katzen und Hunde fielen gestern zwar nicht vom Himmel, aber dafür ordentlich Wasser. Was mich jedoch nicht hinderte, Hamburg ein wenig zu Fuß zu erkunden. Durch den Wohlerspark ging es ins Schanzenviertel zum Sternschanzen-Turm, dann über das Messegelände zum Millerntor-Stadion auf St. Pauli und über das benachbarte Heiligengeistfeld, wo gerade der "Dom" stattfindet. Das ist eine traditionelle dreiwöchige Kirmes. Da der Rummel mich nicht lockte, machte ich lieber einen Rundgang durch den schönen Planten un Blomen-Park, bevor es mit U- und S-Bahn zurück ins Hotel ging. 
 
Zwischendurch studierte ich immer wieder mit kritischem Blick die Wolken am Himmel. Dort hätte ich mir Cirrus-, Cirrocumulus- oder Cirrostratus-Wolken gewünscht. Das sind Wolken aus den höchsten Schichten, die sich aus Eiskristallen bilden und in 6 bis 13 Kilometern Höhe unterwegs sind. Stattdessen sah ich jedoch Altocumulus- und Altostratus-Wolken, die in einem Luftkorridor von zwei bis sieben Kilometern Höhe unzählige Wassertröpfchen herumschleppen. Und sie unverschämter Weise gestern von morgens bis abends auf Hamburg niederprasseln ließen. 
 
Nun könntet Ihr glauben: "So eine Wolke sieht aus wie ein Wattebausch, die wiegt bestimmt fast nichts." Da irrt Ihr Euch aber gründlich. Ich weiß zwar nicht, wie die Wissenschaftler sie auf die Waage gekriegt haben, aber schon eine kleine Cumulus-Wolke wiegt 500 Tonnen. Und eine große schleppt schon mal eine Million Tonnen Wasser mit sich herum! In unserer Erdatmosphäre zirkulieren dauernd 12 000 Kubikkilometer Wasser in Form von Dampf und Wolken. Würden sie gemeinsam ein Päuschen auf dem Erdboden machen, dann würde unser Globus mit einer zwei Zentimeter hohen Wasserschicht rundum überzogen werden. 
 
So, genug von Regen und Niederschlag. Für meine Rückkehr nach Dorsten besorgt mir jetzt bitte zwei, drei Tage auf Wolke sieben. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1128 vom 1. 4. 24  

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins - schreib ich da was oder keins? Diese mies gereimte Frage stellt sich erst gar nicht. Denn zwar sitze ich um Mitternacht auf St. Pauli nur wenige Meter entfernt von der sündigen Meile, wo die Freiheit nicht grenzenlos, aber zumindest groß ist, vor dem Laptop. Aber dennoch kann mich die Rotlicht-Nachbarschaft nicht in Versuchung führen, da ich ja noch für Euch eine Schmunzelpost schreiben muss. 
 
Doch ich kann es nicht verhindern, die Umgebung färbt ab. Hier liegt einfach Erotik in der Luft, die mich verleitet, mich über etwas sehr Erstaunliches, aber auch ein wenig Anrüchiges auszulassen. Hättet Ihr gedacht, dass ein Mäuserich größere Spermien hat als ein Elefantenbulle? Klingt unglaublich, ist aber so. Dafür gibt es eine simple Erklärung. Die Größe eines Säugetiers hat dabei ganz wesentlichen Einfluss. Aber in diesem Fall ist für die Evolution nicht der männliche, sondern der weibliche Fortpflanzungsapparat entscheidend. 
 
Denn im innergeschlechtlichen riesigen Labyrinth beispielsweise einer Elefantenfrau besteht für die bemitleidenswerten Spermien des Bullen große Gefahr, sich auf dem Weg zur Eizelle komplett zu verirren. Deshalb reagiert die Natur mit einer Strategie der Verschwendung und produziert eine übergroße Anzahl von Spermien. In der Hoffnung, dass unter den vielen, vielen Winzlingen zumindest einer sein Ziel findet. Bei kleinen Säugern wie Mäusen ist es umgekehrt. Hier spart die Evolution bei der Menge des Spermiums und schickt vergleichsweise große und stabilere Samenträger auf den Weg. Jeder einzelne hat daher berechtigte Aussichten auf einen Volltreffer! 
 
So, das ging flott. Soll ich mich jetzt doch noch ins Nachtleben stürzen? Ach nee, ich bleibe lieber im Hotel, lege mich schlafen und träume von Mäusen und Elefanten. 
 
Glückauf 
kdk  

  Schmunzelpost 1127 vom 31. 3. 24

Ab heute sind wir für zwei Tage in Hamburg, um einen 'Reha-Patienten zu besuchen. Da dieser nach überstandener Hüft-OP bereits wieder recht fit ist, hatten wir uns darauf gefreut, bei dem vorhergesagten guten Wetter die Elbmetropole zu erkunden. Doch leider haben die Meteorologen mittlerweile ihre Voraussage revidiert. Nun könnte es am Ostermontag Katzen und Hunde regnen. 
 
Damit sind wir wieder bei den geläufigen Redensarten. Wer denkt sich sowas aus? Es regnet nicht wirklich Tiere vom Himmel. Oder doch? Immerhin ist schon in der Bibel davon die Rede. Aber nicht nur dort. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe glaubwürdiger Zeugenaussagen, die solch mysteriöse Phänome bestätigen. So stürzten 1953 auf die Stadt Leicester im US-Staat Massachusetts Tausende von Fröschen aus der Luft herab. Und bereits im 4. Jahrhundert vor Christus berichtete der Grieche Athenaios von einem Fischregen, der sich drei Tage lang über den Peloponnes ergossen habe. 
 
Damit nicht genug. 1877 fielen Schlangen auf Memphis herab, 1969 regnete es Enten auf Maryland. Und auf der anderen Seite des Erdballs ging 1978 über Australien ein Garnelenschauer nieder. Lange hielt man derartigen Spuk für pure Fantasie, doch weil sich solche Ereignisse häuften, deren Echtheit nicht bezweifelt werden konnte, begann die Wissenschaft mit der Ursachenforschung. 
 
Als ein möglicher Grund wurde ermittelt, dass Zugvögel, die sich vor dem Abflug in ihre Winterquartiere in riesigen Schwärmen sammeln, aus irgendeinem Grunde in Panik geraten und durch eine wahre Massenkollision haufenweise zu Boden stürzen. Bei anderen Tierarten, die scheinbar aus den Wolken fallen, werden Tornados und Windhosen als Ursache vermutet. Der starke Sog erfasst die Tiere und trägt sie oft über große Entfernungen durch die Luft. 
 
 Doch eine zentrale Frage ist bis heute offen geblieben: Warum regnet es in den allermeisten Fällen bloß eine einzige Tierart? Selbst wenn es sich um Fische handelt, fällt meist nur eine bestimmte Fischart vom Himmel herab. Hat Petrus beim Angeln seiner bevorzugten Leibspeise versehentlich den Eimer mit seiner Ausbeute umgekippt? 
 
Falls uns dieses Phänomen in Hamburg begegnet, werde ich der Wissenschaft auf die Sprünge helfen. Ich bringe ein paar Katzen mit. Oder Hunde. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1126 vom 30. 3. 24

Nach dem Totensonntag ist wohl Karfreitag der am besten geeignete Zeitpunkt des Jahres, sich Gedanken über den Tod zu machen. Jeder von uns hofft auf ein sanftes Ende: Sich abends ins Bett legen, friedlich entschlafen und am Morgen erstaunt feststellen, dass es mit dem Wunschtod geklappt hat.
 
Leider funktioniert das nur in einem von zehn Fällen. Oftmals ist der Sterbeprozess geprägt von Siechtum, Krankheit und Schmerz. Wenn Körper und Geist allmählich versagen, kann das Leben irgendwann zur puren Qual werden. Spätestens dann ist es Zeit für einen würdigen Abgang. Doch das ist leichter gesagt als getan. Wenn nicht aus Glaubensgründen ein Suizid sowieso verpönt ist, fehlt es an Hilfsmitteln und Begabung, den Schritt selbst zu vollziehen. Wann jedoch für ein humanes Ende die Hilfe anderer in Anspruch genommen werden darf, ist bei uns immer noch rechtlich umstritten. Da lobe ich mir die Schweiz, die dies besser geregelt hat. 
 
Nun bringen es die wenigsten fertig, sich die Pulsadern aufzuschneiden, in die Tiefe zu springen, sich eine Kugel in den Kopf zu schiessen oder mit Vollgas vor die Wand zu fahren. Alle Methoden, bei denen andere Menschen beeinträchtigt werden, etwa sich vor einen Zug zu werfen oder einen Zusammenstoß zu provozieren, verbieten sich von selbst. Für diejenigen, die wissen wollen, was es braucht, um allein mit legalen alltäglichen Produkten den Schlusspunkt zu setzen, habe ich mal recherchiert, welche Möglichkeiten offenstehen. 
 
Freunde von Süßigkeiten können sich selbst mit dunkler Schokolade um die Ecke bringen. Ein 70 Kilo schwerer Mensch muss dazu lediglich 116 Tafeln in sich hineinstopfen, was 11,6 Kilogramm entspricht. Auch mit Wasser hat man schwer zu schlucken. Die tödliche Dosis liegt bei 8,3 Liter. Da sind Liebhaber alkoholischer Getränke besser dran. 24 Schnapsgläser reichen, allerdings muss die Spiritouse dann 90 Umdrehungen haben. Trotzdem stelle ich mir das leichter vor, als sich mit dem Verzehr von Tafelsalz umzubringen: Dazu wären 225 Gramm nötig, etwa 48 Kaffeelöffel. 
 
Geringer sind die Portionen bei Genussmitteln. Schon ein viertel Paket gemahlener Kaffee, 120 Gramm, sollen ausreichen, das Lebenslicht auszublasen. Und wer ohnehin dauerhaft das Rauchen aufgeben will, erreicht dieses Ziel mit tödlicher Sicherheit, wenn er seine restlichen Zigaretten einfach aufisst. 100 Zigaretten enthalten ein Gramm Nikotin, was ausreicht, um qualmfrei dahinzuscheiden. Leute mit extremer Willensstärke können auch einfach die Luft anhalten. Nach sechs Minuten hat es sich ausgeschnauft, falls man kein Apnoetaucher ist. Leichter geht's mit Medizin, die sich in fast jeder Hausapotheke findet. 19 Tabletten mit insgesamt 11,20 g Aspirin reichen ebenso wie 50 Tabletten Ibuprofen 600. 
 
Zum Schluss habe ich noch drei ausgefallene Tipps. Von der Methode, sich mit 0,5 g Wespengift zu töten, rate ich aber prinzipiell ab - dazu braucht es 1000 Stiche. Besitzer von hochwertigen Musikanlagen haben es leichter. 190 Dezibel fegen sie aus dem Diesseits. Aber was die wenigsten wissen: Cyanid steht uns fast immer zur Verfügung, 0,5 Gramm genügen. Und dazu muss man bloß zwei Kirschkerne ganz gründlich zerkauen. Aber Achtung: Komplett verschluckt sind sie ungefährlich. 
 
Ein düsteres Thema für eine Schmunzelpost? Nun, es gibt Licht am Ende des Tunnels. Morgen feiern Gläubige das Osterfest. Das ist doch ein guter Anlass, sich auch über seine Wiedergeburt Gedanken zu machen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1125 vom 29. 3. 24

Gut, dass es aufmerksame Leserinnen gibt. Zwei von ihnen haben mich auf Klöpse hingewiesen, die in meiner Königsberger-Klops-Folge enthalten waren. Glossen sollen zwar farbig, aber auch korrekt sein. Die (Farb-) Pigmente standen so im Internet-Rezept, als Küchenbanause habe ich sie leider geschluckt. In Wahrheit handelt es sich aber um Pimente, also Gewürzkörner, die auch Nelkenpfeffer genannt werden. Daran erkennt man, dass ich am Herd ein absoluter Dilettant bin. Was mich weit mehr trifft, ist der zweite Fehler im gleichen Text. Ich habe "Dilletant" statt korrekt Dilettant geschrieben, was einen gewissen Dilettantismus in Sachen Rechtschreibung anzeigt. Schande über mein Haupt! 
 
Oder muss es heißen: Asche auf mein Haupt? Auch der Umgang mit Redensarten ist nicht ohne Tücken. Weil ich zuletzt über Klops und Wurst schrieb, habe ich prompt Kohldampf bekommen. Dieses Wort ist eigentlich eine Dopplung. Denn "Kohler" und "Dampf" bedeuten jeweils auch "Hunger". Wer Kohldampf hat, der hat also wörtlich "Hungerhunger". Das interpretiere ich mal als besonders großen Appetit. 
 
Der sprichwörtliche alte Schwede sagt in so einem Fall übrigens, dass er "fruktansvärd hunger" hat. Was so viel wie "fürchterlicher Hunger" bedeutet. Der Italiener hingegen hat "Hunger wie ein Henker", sprich: "Fame boia". Franzosen leiden unter "faim de loup". Das heißt "Wolfshunger", der wohl unserem Bärenhunger gleich kommt. Am schönsten finde ich die chinesische Bezeichnung, die ausgesprochen "ji chang lu lu" klingt, wobei hier die die Sonderzeichen über dem u fehlen. Das heißt übersetzt: "Mein Magen knurrt wie ein vorbeifahrendes Auto". 
 
So, jetzt gehe ich etwas essen. Wenn ich meine Probleme alle so schnell löse, bin ich dann ein "Hansdampf in allen Gassen"? 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1124 vom 28. 3. 24

Gestern ging's um Klöpse, heute geht's um die Wurst. Oder zumindest um eine Spiegel-Kolumne, die mit "Alles wurst" überschrieben war. Es ist mal wieder Zeit für ein Fundstück. Und in dieser Kolumne weist Anna Clauß auf bayrische, bzw. Södersche Widersprüchlichkeit hin. Als solche betrachtet sie das gesetzliche Genderverbot für Behörden und Bildungseinrichtungen.
 
"Kommt Markus Söders Ministerrat mal wieder mit einer absurden Idee um die Ecke, hilft es ungemein, den Kopf auf Durchzug zu stellen", schreibt die Spiegel-Autorin. Denn sie meint: "Wozu braucht es ein Verbot, wenn die Rechtschreibregeln Wortkonstruktionen wie 'Schüler:innen" und Gendersternchen ohnehin nicht vorsehen?" Zumal Verstöße in Bayern auch künftig nicht sanktioniert würden. Gegenderte Wörter sollen in Schulaufsätzen zwar rot unterstrichen, aber nicht als Fehler gewertet werden. 
 
Mit der Argumentation des CSU-Kanzleichefs erklärt sich sich Anna Clauß grundsätzlich einverstanden. Florian Hermann: "Für uns ist die klare Botschaft, Sprache muss klar und verständlich sein." Okay. Meine ich auch. Ad absurdum geführt wird diese Aussage jedoch durch eine 17seitige Vorlage für die gleiche Sitzung, in der es um "mehrgeschlechtliche Schreibweisen durch Wortbinnenzeichen" geht. Denn darin feiern ausufernde Anglizismen und unleserliche Abkürzungen ein geselliges Beisammensein. 
 
Beispiele gefällig? Anna Clauß: "Prima, dass das 'StMGP' ein 'Cross-Cluster für die Pflege' als 'Kompetenznetzwerk Pflege.Digital.Bayern' beim 'Landeskompetenzzentrum PFLEGE-DIGITAL' aufbauen möchte. Aber könnte man 'BayernPackages', die 'u.a. EfA-Dienste' enthalten, nicht verständlicher benennen?" Auch der Unterschied zwischen der schon bestehenden "Hightech Agenda Bayern" und dem neuen "Zukunftsprogramm Highmed Agenda Bayern" werde nicht deutlich. 
 
Wenn ich das alles kopfschüttelnd lese, frage ich mich unwillkürlich, ob ein gewisses Dortmunder Medienhaus, das verlagsintern einen ähnlichen Kauderwelsch pflegt, sich nicht heimlich hat von Söder und Bayern adoptieren lassen. Auf die dafür Verantwortlichen sollte man eine Spezialistin ansetzen, über die in derselben Spiegelausgabe berichtet wird: Sophia von Rundstedt ist "Outplacement-Beraterin". 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1123 vom 27. 3. 24

Im "Speisesaal", dem Restaurant des im Februar eröffneten Dorstener Bürgerbahnhofs, gibt es neben Salaten, Standardangeboten wie Currywurst sowie veganen oder vegetarischen Gerichten mittags stets auch wochenweise wechselnde gutbürgerliche und regionale Mahlzeiten. Diesmal standen Königsberger Klopse auf der Speisekarte. Obwohl ich versuche, mich zunehmend auf vegetarische Kost zu beschränken, konnte ich nicht widerstehen. Und ich habe es nicht bereut.
 
Dass der Königsberger Klops eine Kulturgeschichte hat, geht schon aus der Ortsbezeichnung hervor. Bevor die ostpreußische Stadt im 2. Weltkrieg völlig zerstört wurde und heute als Kaliningrad Hauptort einer russischen Enklave ist, gehörte Königsberg zu den kulturellen Zentren Europas. Was allein schon ihr bekanntester Bürger Immanuel Kant unterstreicht. Dagegen kommt ein Klops eher volkstümlich daher, ist er doch als schlichter Happen unter der Bezeichnung Frikadelle, Bulette oder Hamburger bei vielen Menschen, die keine prallgefüllte Geldbörse besitzen, als deftige Nahrung beliebt. 

Der Königsberger Klops hingegen ist eine gelungene Mischung aus beiden Welten. Auf den ersten Blick ein schlichtes Mahl, erfordert allein seine Herstellung ganz schön viel Mühe und verschiedene Zutaten. Hackfleisch von Kalb, Rind oder Schwein wird zunächst mit gehackten Sardellen, Zwiebeln, Weißbrot und Gewürzen vermengt. Die entstandene Masse formt man dann zu Bällchen und gart sie, gerne auch mit Essig oder Weißwein, zusammen mit Pfefferkörnern, Pigmenten und Lorbeer. Anschließend wird die gesiebte Kochbrühe mit heller Mehlschwitze, Eigelb und Sahne gebunden und mit Kapern und Zitronensaft veredelt. 
 
Ein Küchendilletant wie ich, der lediglich Spiegelei oder Nudeln genießbar auf den Teller bringt, ist damit heillos überfordert. Wenn ich Königsberger Klopse mit den traditionellen Beilagen Kartoffeln, Kartoffelpüree oder Reis sowie Roter Bete genießen will, muss ich schon ein Lokal aufsuchen. Doch damit bin ich nicht allein. Noch 2009 verzeichneten Königsberger Klopse mit 93 % den höchsten Bekanntheitsgrad aller regionalen Gerichte in Deutschland. 
 
Die Popularität soll jedoch inzwischen drastisch abgenommen haben. Schon 2015 hieß es, dass Königsberger Klopse für Frankfurter Studenten ein unbekanntes, exotisch anmutendes Gericht seien, das naserümpfend abgelehnt werde. Mit Verlaub: Angesichts der wachsenden Begeisterung fürs Kochen und dem Interesse an kulinarischen Leckerbissen aus der Region ist dieses Umfrageergebnis für mich Quatsch mit grüner Soße und ein dicker Klops! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1122 vom 26. 3. 24 

Na, liebe Quizfreunde, seid Ihr auf den Geschmack gekommen? Ich gebe zu: Es war äußerst schwierig, die Reihenfolge menschlicher Errungenschaften korrekt einzuschätzen. Ich hätte nie gedacht, dass die Seife 500 Jahre vor dem Rad erfunden wurde. Aber eigentlich ist es logisch. Mit einem Rad muss man endlos lange rubbeln, bis man endlich sauber ist. 
 
Doch auch, dass die Chinesen für ihre Wasserstraßen bereits vor der Jahrtausendwende Schiffsschleusen bauten, während erst im 12. Jahrhundert die Araber das Steuerruder entwickelten, hätte ich nicht für möglich gehalten. Wer nicht paddeln wollte, musste solange auf günstige Winde warten. Auch verblüffend: Toiletten mit Wasserabfluss sind keine Erfindung der Römer. Es gab sie bereits 2400 vor Christus in Indien.Danach sollte es ein ganzes Weilchen dauern, bis 1595 in England die erste Toilette mit Wasserspülung in Betrieb genommen wurde. 
 
Bei der Auflösung der ersten Frage ist mir gestern ein Fehler unterlaufen. Klar, das Feuer hat der Mensch zuerst gezähmt (irgendwann zwischen 800.000 und 400.000 vor Chr., ich weiß es nicht genau, denn ich war leider nicht dabei.) Aber Beerdigungen nach bestimmten Riten soll es schon rund 200.000 Jahre früher gegeben haben, bevor die Sprache erst 150.000 Jahre vor Christus bei der Verständigung half. Na gut, als Zeuge von Bestattungen schweigen wir auch heute noch gerne. Und manchmal wünscht man sich, Trauerredner würden wegen Lobhudeleien auf einen dahin geschiedenen Stinkstiefel dauerhaft verstummen. 
 
Beim Versuch, die heutige Fragerunde zu lösen, dürft Ihr Euch gern mit anderen austauschen. Wir nähern uns zwar der Gegenwart, aber die richtige Reihenfolge der Erfindungen hinzukriegen, die uns den Alltag erleichtern, ist sauschwer. Zunächst geht es um einen Zeitraum von 105 Jahren, zwischen 1752 und 1857. In dieser Zeit haben uns kluge Köpfe zum Toilettenpapier (A), zum Blitzableiter (B) und zur Konservendose (C ) verholfen. 
 
Und auch auf anderen Gebieten, wie der Medizin und der Empfängnisverhütung, ging es voran. Zwischen 1818 und 1855 gab es rasante Fortschritte. Doch was half uns zuerst weiter? War es die erste Bluttransfusion von Mensch zu Mensch (A), das Kondom (B) oder das Aspirin (C)? Zum Schluss müsst Ihr nicht einmal 60 Jahre zurück schauen. In welcher Reihenfolge wurden folgende Neuerungen des Kommunikationszeitalters präsentiert? Die E-Mail (A), die Glasfaser (B) (schöne Grüße an Schorsch und seine Leidensgefährten in Deuten) und das Mobiltelefon (C).
 
Wenn Euch das Kopfzerbrechen Probleme bereitet, könnt Ihr eine Aspirin-Tablette einwerfen. Aber über den Einsatz von Kondomen sprecht Ihr bitte nicht mit Eurer Ärztin oder Eurer Apotheke, sondern mit geeigneten Partnern. 
 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS.  1. B - C - A    2. A - C - B    3.  A -C - B.     

Schmunzelpost 1121 vom 25. 3. 24

Habt Ihr Lust, noch ein paar Wissenslücken zu schließen? Dann biete ich Euch an, spielerisch zu lernen. Denn, das wissen zumindest die Pädagogen und Eltern unter Euch, wenn Lernen als Vergnügen empfunden wird, fällt es leichter und ist nachhaltiger. Also spiele ich heute den Quizonkel. Das läuft so. Ich stelle eine Frage und verknüpfe sie mit drei Antwortmöglichkeiten. Nur eine davon ist richtig. Ob Ihr ins Schwarze getroffen habt, könnt Ihr am Ende unter PS. kontrollieren. Auf geht's! 
 
Das Wissensgebiet, um das es diesmal geht, ist Geschichte. Aber keine Angst, ich frage nicht ab, wann bei Issos Keilerei war, wie der Ehemann von Sissi hieß oder oder welche Leibspeise Cäsar hatte. Ihr sollt nur einordnen, welche von jeweils drei menschlichen Errungenschaften die älteste ist. Nach dem Prinzip: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Doch auf die folgenden Fragen, hat die Wissenschaft wenigstens Antworten gefunden. 
 
Zunächst blicken wir ganz weit zurück in die Geschichte. 1. Was beherrschten bzw. praktizierten die Menschen zuerst? A) Ihre Toten nach einem bestimmten Ritus beerdigen? B) Sich untereinander mit Sprache zu verständigen? C) Das Feuer zu zähmen. 
 
2. Was kannten und nutzten die Menschen zuerst? A) Die Seife B) Das Rad C) Die Toilette mit Wasserabfluss. 
 
3. Was wurde am frühesten gebräuchlich? A) Die Schraube B) Die Sonnenuhr C) Die Geldmünze aus Metall. 
 
4. Welche Hilfsmittel wurden für die Schifffahr zuerst genutzt? A) Das Fernrohr B) Die Schleuse C) Das Steuerruder. 
 
5. Welche Fortbewegungsmittel wurden zuerst erfunden? A) Das U-Boot B) Das Fahrrad C) Das Automobil. 
 
So, das soll fürs Erste reichen. Denn die Wissenschaft hat auch herausgefunden, dass die Aufmerksamkeitsspanne, also die Zeit, die sich Kinder und Jugendliche voll auf eine Aufgabe konzentrieren können, immer mehr abnimmt. Sie liegt nur noch bei drei Minuten. Verantwortlich dafür ist die Ablenkung durch die Segnungen der modernen Technik. Und die zwanghafte Fixierung, auf Facebook, Instagram und Whatsapp nichts zu verpassen, der Drang aufs Smartphone zu schauen oder einen kurzen Blick auf den Bildschirm zu werfen, machen vor den Erwachsenen nicht  - kleinen Moment, mein Smartphone summt. . . 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS.  1. C - B - A    2. A - B - C    3.  C - B - A     4. B - C - A    5.  C - A - B. 

Schmunzelpost 1120 vom 24. 3. 24 

Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Außer dem HB-Männchen? Nun, gestern hättet Ihr ganz schön hoch hinaus gemusst, um die genannten Himmelskörper zu erreichen. Aber in den Regionen des Weltalls ist Luft ohnehin knapp bemessen, falls Ihr ohne Raumanzug unterwegs seid. Als einziger Mond könnte der Ganymed eine Atmosphäre aufweisen. Aber da würde vermutlich ein einziger Atemzug genügen und Ihr hättet Euren letzten Schnaufer getan. 
 
Auch auf unserer Erde kann Euch die Luft ausgehen. Je höher Ihr aufsteigt, desto dünner wird sie. Untrainierte halten es auf 8000 m hohen Himalaya-Gipfeln ohne Sauerstoffgeräte gerade mal zehn Minuten aus, dann hat es sich ausgeröchelt. Dann sind wir auch schon in der Troposphäre angelangt, der Region, die sechs bis zwanzig Kilometer über der Erdoberfläche von Flugzeugen genutzt wird. 
 
Bis 50 Kilometer hoch reicht die Stratosphäre, in die es Wetterballons schaffen. In der Mesosphäre, 50 bis 85 km vom Boden entfernt, könnt Ihr gelegentlich Meteoriten beobachten, wenn sie dort als Sternschnuppe verglühen. Um in der Thermosphäre bis in 690 Kilometer Höhe Polarlichter zu durchstoßen, braucht Ihr ein Raumschiff. Und nach 10.000 Kilometern endet unsere Atmosphäre mit der äußersten Schicht, der Exosphäre. 
 
Das Weltall beginnt aber viel früher. Zumindest nach den Definitionen der Menschheit. Zunächst hatte die NACA, Vorläufer der NASA, die Eintrittsgrenze bei 50 Meilen festgelegt, also etwa 81 Kilometern. Das entsprach der Höhe, von der angenommen wurde, dass sie mit Flugzeugen erreichbar war. Noch heute wird ein US-Airforce-Pilot mit dem "Astronaut Badge" ausgezeichnet, wenn er darüber hinaus vordringt. 
 
In den 1950er Jahren legte dann eine internationale Organisation die Grenze zum Weltall auf 100 Kilometer fest. Zu Ehren eines Physikers wurde dies die Karman-Linie genannt. Theodore von Karman hatte berechnet, dass in dieser Höhe die Luft nicht mehr dicht genug ist, um einem Flugzeug noch Auftrieb zu bieten. 1981 hat die NASA dann noch ein paar Kilometer drauf gepackt. Danach befindet sich die Grenze zum Weltall in einer Höhe von 400 000 Fuß, etwa 122 Kilometern. Ab dieser Höhe wird der Prozess zum Wiedereintritt von Raumfähren in die Atmosphäre eingeleitet, weil nun die Reibungskräfte wirksam werden. 
 
Moment, ich habe das Gefühl, bei Euch liegt etwas in der Luft. Was ruft Ihr da? "Halt mal die Luft an!"? Für Euch ist das alles aus der Luft gegriffen und bloß heiße Luft? Von wegen! Bei Eurem Wissen ist noch viel Luft nach oben! Als Zugabe gibt es daher ein paar Redewendungen obendrauf, auch wenn danach zwischen uns dicke Luft herrscht und ich für Euch nur noch Luft bin. So, jetzt ist bei mir die Luft raus. Und für Euch ist die Luft rein - Ihr könnt abschalten. Und einer weniger anstrengenden Freizeitbeschäftigung nachgehen: Löcher in die Luft starren. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1119 vom 23. 3. 24

Viele von uns sind eigentlich die besseren Fußballtrainer, weil sie sofort erkennen, welche Fehler der professionelle Stümper auf der Bank bei unserer Mannschaft mit Aufstellung oder Taktik gemacht hat. Noch weit mehr unter uns sind jedoch die besseren Spürnasen, weil sie viel früher als die professionellen Ermittler bereits nach 20 Minuten oder 100 Seiten wissen, wer der Mörder ist. 
 
Deshalb will ich Euch heute einmal testen, ob Ihr tatsächlich in der Lage seid, Flüchtigen auf die Schliche zu kommen. Ich nenne Euch nach und nach Namen der Mitglieder einer Bande, die weit über Landesgrenzen hinnaus ihre Kreise zieht. 183 von ihnen sind nach aktuellen amtlichen Erkenntnissen bisher auffällig geworden und ins Blickfeld geraten, obwohl sich einige in den dunkelsten Ecken verstecken. 
 
Im weiteren Umfeld gehören Rosalind, Ophelia, Puck und Juliet zu dieser Gang. Wer jedoch dazu meint: "Wie es euch gefällt", etwas von Sein oder Nichtsein faselt und Shakespeare als Drahtzieher vermutet, liegt leider komplett falsch. Ihr solltet bedenken, dass außerdem bereits Titan, Suttungr, Bestia, Kiviuq und Jarnsaxa in Erscheinung getreten sind. Titan? Hat etwa Oliver Kahn seine Hände im Spiel? Nein, die Torwart-Legende ist unschuldig und ohnehin zunehmend in der Versenkung verschwunden. 
 
Vielleicht helfen Euch aber Iocaste, Leda und Europa auf die Sprünge. Das kommt Euch nicht spanisch, sondern griechisch vor? Damit kommen wir der Sache näher, weil uns diese Fährte zu Prometheus, Pandora, Atlas und Pan führt, weit empor in olympische Höhen. Doch es geht noch darüber hinaus, zu Charon, Styx, Kerberos und Hydra. Hmm, da fehlt noch eine. Wie, Ihr versteht immer noch Nix? Genau! Nix hat gefehlt. Und Nix ist die ägyptische Göttin der Nacht. Deshalb hat es sie auch ganz, ganz weit in die Finsternis verschlagen. 
 
Nix umkreist nämlich mit vier anderen Trabanten den Zwergplaneten Pluto, bekanntlich Chef des Totenreichs. Es geht um Monde. Denn anders als unsere Erde, die lediglich einen Mond besitzt, haben die weiter von der Sonne entfernten Planeten meist gleich mehrere. Sogar der Mars hat mit Phobos und Deimos zwei an der Zahl. Das ist aber, schon wieder, Nix im Vergleich zu Uranus (27), Saturn (62) und Jupiter (69). 
 
Selbst zwei Zwergplaneten, die ich bis gestern gar nicht kannte, weil sie noch hinter Pluto ihre Bahnen ziehen, haben Trabanten. Haumea wurde ebenso nach hawaiischen Göttinnen benannt wie ihre beiden Begleiter Namaka und Hi'iaka. Und Eris, deren Taufpate die griechische Göttin der Zwietracht war, wird passenderweise von Dysnomia umkreist. So heißt auch die Göttin der Gesetzlosigkeit. 
 
Ich aber staune einmal mehr über die Ausmaße meines Nichtwissens, die es fast mit der Unendlichkeit des Kosmos aufnehmen können. Über diesen philosophischen Schluß dürft Ihr jetzt einmal nachdenken. Am besten von Neumond bis Vollmond. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1118 vom 22. 3. 24

Habt Ihr schon mal Ahnenforschung betrieben? Je weiter Ihr dabei in die Vergangenheit vordringen wollt, desto mühsamer wird die Suche. Ich bin dennoch endlich bis zu den frühesten Anfängen gelangt, als unsere Spezies gerade ihre Abstammung vom Affen abgeschüttelt hatte. An den Ergebnissen will ich Euch heute teilhaben lassen. 
 
Es wird Euch kaum überraschen, dass ich eigentlich ein Afrikaner bin. Doch das gilt auch für Euch. Das Skelett meines allerältesten Urahnen haben Archäologen in der Djurab-Wüste im Tschad ausgebuddelt. Das Fossil ist sage und schreibe sieben Millionen Jahre alt. Toumai Krause und mich trennen daher rund 350 000 Generationen. 
 
Das fast vollständige Knochengerüst von Little Food Krause wurde in Südafrika entdeckt. Es ist 3,67 Millionen Jahre alt. Dass wir verwandt sind, erkennt man auch daran, dass auch ich für meine Körpergröße von 1,86 m verhältnismäßig kleine Hände und Füße habe. 
 
Mehr als drei Millionen Jahre alt ist der Unterkiefer von Abel Krause. Der wurde im Tschad entdeckt. Ausdrücklich betonen möchte ich, dass Abel keineswegs der Bruder von Kain gewesen ist. Er bekam seinen Vornamen zum Gedenken an den bedeutenden Geologen Abel Brillanciau. Eine verräterische Fehlstellung der Zähne ist für mich ein klares Indiz, dass Abel zur Sippe der Krauses gehörte. 
 
Als Urmutter der Menschheit galt lange Lucy Krause, deren fast komplette sterbliche Überreste am 24. November 1974 in Äthiopien geborgen wurden. Die Archäologengruppe bestand aus Beatles-Fans. Deshalb taufen sie ihren Fund nach dem Song "Lucy in the Sky with the Diamonds". Passender wäre der Vorname Margarete gewesen, den auch meine Mutter trug. Und am besten passt der Name "Dinknesh", den Lucy alias Margarete posthum in Äthopien erhielt. Das bedeutet so viel wie "Du bist schön". Nun dürft Ihr dreimal raten, welche Gene Dinknesh an mich weitergereicht hat. 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 1117 vom 21. 3. 24  

Wenn es sich vermeiden lässt, tue ich keiner Fliege was zuleide. Auch keinem anderen Insekt. Ausnahme ist die Mücke, doch das geschieht aus putativer Notwehr. Gestern wurde ich jedoch ermuntert, einzelnen Ameisen nach dem Leben zu trachten. Die Begründung lautete: "Das tut mir auch Leid. Aber sonst müssten wir bald noch viel mehr töten!" 
 
 Das ist eine Sache der Erfahrung. Vor Jahren richteten Ameisen, die draußen unter der Treppe ihren Bau hatten, eine florierende Straße in unsere Küche ein. Sie waren davon einfach nicht abzubringen, auch mit einem ausgestreuten Pulver nicht, dessen Geruch sie angeblich fernhalten sollte. Aber entweder verfügen Ameisen inzwischen über Gasmasken oder sie hielten sich allesamt die Nase zu. Jedenfalls half nur ein Massaker.
 
Nun wurden Eindringlinge gesichtet, die von der Terrasse aus ins Haus eindrangen. Bevor die Späher unsere Küche entdecken und ihre Erkenntnis weitergeben, müssen sie mit radikalen Methoden daran gehindert werden. Es gibt übrigens heute schon weit mehr Ameisen auf unserem Planeten als Menschen. Und es wären noch viel, viel mehr, wenn sich die Völker nicht untereinander dauernd bekriegen würden. Ameisen sind offenbar näher mit dem Menschen verwandt als wir ahnen. 
 
Jetzt bahnt sich eine neue Entwicklung an. Eine Ameisenart, die eigentlich in Argentinien beheimatet ist, hat sich seit der Jahrtausendwende auch in Europa angesiedelt. Vermutlich sind die Pioniere per Schiff eingereist und haben eine erste Kolonie in Frankreich gegründet. Das Besondere jedoch: Die einheimischen Ameisen betrachteten die Fremden nicht, wie sonst üblich, als Feinde, sondern ignorierten sie. Und umgekehrt. So konnten sich durch den anhaltenden Frieden in kurzer Zeit die Invasoren stark vermehren und immer neue Schwester-Kolonien gründen. Sie schlossen sich zu einer Super-Kolonie zusammen, die bereits 2002 entlang der französischen und spanischen Küste rund 6000 Kilometer umfasste. 
 
Ihr einziger Feind sind andere argentinische Ameisen, die sich fast zeitgleich am Mittelmeer in Katalonien breitmachten. Und diese Spezies ist offenbar ausgesprochen reisefreudig. Denn mittlerweile hat man Abkömmlinge auch in Kalifornien, Japan, Neuseeland und Australien entdeckt, wo sie ebenfalls dabei sind, riesige Imperien zu schaffen. Und wie sich das für Clan-Kriminelle gehört, erkennen sie ihresgleichen überall auf der Welt. Eine europäische Ameise der Art "Linepithema humile" trinkt mit ihrer japanischen Schwester auf Anhieb Bruderschaft! 
 
Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch, der Tag ist nicht mehr fern, an dem Ameisen die Welt beherrschen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1116 vom 20. 3. 24

Jetzt reicht es aber langsam. Anscheinend beschleunigt sich der Zersetzungsprozess meines Körpers rasant. Am letzten Freitag bekam ich abends einen Anruf meines Hautarztes. Ich müsse dringend am nächsten Montag in die Essener Praxis kommen. Da schwante mir bereits Übles. Hatte die Gewebeproben-Untersuchung etwas Unerfreuliches ergeben? 
 
So war es. Die Verdachtsstelle an meinem rechten Ohr hatte sich schon weit über eine Krebs-Vorstufe hinaus entwickelt. "Da hilft jetzt nur noch eine Chemotherapie", eröffnete mir der Arzt. Vier Wochen lang muss ich zweimal täglich eine Salbe auftragen, die dazu führt, dass sich der betroffene Hautbereich entzündet. "Dann sterben die missratenen Zellen ab und es können sich gesunde, neue entwickeln." Falls das nicht klappen sollte, müsse ein Teil des Ohres weggeschnitten werden. 
 
Ich sehe mich schon als Van Gogh der Gegenwart herumlaufen. Leider kann ich aber überhaupt nicht malen, zumindest nicht künstlerisch. Und ich mag zwar ein bisschen verrückt sein, aber nicht so durchgedreht wie der heute weltberühmte Maler. Van Gogh hatte sich im Bordell Syphillis gefangen und war zeitweise dem Absinth verfallen. Ob das seine schwerwiegenden psychischen Störungen verursachte, ist umstritten. Jedenfalls säbelte er sich nach einem Streit mit seinem Freund und Malerkollegen Paul Gauguin einen großen Teil seines Ohres ab und schenkte dieses anschließend einer befreundeten Prostituierten. Die Gute fiel beim Auswickeln des Präsents in Ohnmacht.
 
Mal sehen, was hat es denn noch für einohrige Berühmtheiten gegeben? Da ist zum Beispiel Paul Stanley, Sänger der Rock-Gruppe "Kiss". Der kam bereits mit einer Fehlbildung des Ohres zur Welt und war zudem auf dem rechten Ohr taub. Das verkrüppelte Ohr verbarg er mit langen Haaren. Und bei der Musik von Kiss, Ausnahmen bestätigen die Regel, ist es eher nützlich, halbtaub zu sein. 
 
Kennt Ihr Evander Holyfield? Vielleicht. Mit Sicherheit kennt Ihr jedoch Mike Tyson. Der nach Muhammed Ali berühmteste Schwergewichtsboxer der Sportgeschichte hat 1997 in der dritten Runde eines Weltmeisterschaftskampfes seinem Gegner Holyfield ein gutes Stück des Ohres abgebissen. Er behauptete danach, er habe sich maßlos über einen Kopfstoß seines Gegners geärgert. Mit der Box-Karriere Tysons ging es nach einjähriger Sperre bergab. Doch als "Ohrbeißer" ist er bis heute ein Begriff. Von Evander Holyfield ist dagegen kaum etwas zu hören. 
 
Auch das nächste Opfer verlor sein Ohr nicht freiwillig. John Paul Getty III., Enkel des damals reichsten Mannes der Welt, wurde 1973 entführt. Die Kidnapper forderten von seinem Großvater 17 Millionen Dollar Lösegeld. Doch der weigerte sich: "Wenn ich nur einen Penny zahle, werden auch meine anderen 13 Enkel entführt." Fünf Monate später erhielt die Familie ein Päckchen. Enthalten darin waren eine Locke, ein abgeschnittenes Ohr und die Drohung, das zweite werde in Kürze folgen, falls kein Lösegeld fließe. Der Milliardär zahlte daraufhin zähneknirschend 2,8 Millionen Dollar Lösegeld. Wie später herauskam, als Darlehen zu 4 Prozent Zinsen. . . 
 
Hmm, ich will ja sowieso nicht anmaßend sein, aber wenn ich all das lese, verzichte ich doch besser darauf, einohrig berühmt zu werden. Dann versuche ich es eben lieber als zweiohrige Berühmtheit. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1115 vom 19. 3. 24 

Heute wende ich mich einem haarigen Thema zu. Da mein bewährter Friseur und jahrzehntelanger Gesprächspartner in Sachen Schalke im Speziellen und Fußball im Allgemeinen zum Jahreswechsel in Ruhestand gegangen ist, bin ich gezwungen, mir den Schädel selbst zu scheren. Das ist in zweifacher Hinsicht unbefriedigend. Erstens will ich nicht wie Herr K. Selbstgespräche führen, zweitens leistet dabei mein Hinterkopf zähen Widerstand. Ich werde wohl Ulla bitten, dieses Feld zu beackern. Mit ihr kann ich zwar nicht über Fußball parlieren, aber zur Not geht das ja auch über Literatur.
 
Oder über das Thema Haare. Wusstet Ihr, dass unsere Haare aus Keratin bestehen? Das gilt auch für alle anderen Wirbeltiere. Bei Insekten sind sie aus Chinin. Und Bakterien - ja, auch die sind behaart - besitzen Flagellanten. Wir Menschen tragen zwischen vier und fünf Millionen Haare mit uns herum. Ja, auch ich, selbst wenn Ihr das nach einem Blick auf meinen Schädel nicht glaubt. Gemeint ist nämlich die Summe sämtlicher Körperhaare. Würde man diese auf einer Fläche ausbreiten, ergäbe das sogar etwa zwei Quadratmeter! 
 
Das ist jedoch fast nichts im Vergleich mit dem Tier, das am stärksten behaart ist. Der Otter hat ein unglaublich dichtes Fell, auf jedem Quadratzentimeter wachsen 130 000 Haare! Haare können übrigens auch als Waffe dienen. Denn ansonsten wehrlose Pflanzen versuchen, sich mit ihrer Hilfe vor Freßfeinden zu schützen. Pflanzenhaare können spitz und scharf sein, sie können brennen und Ausschlag verursachen, sie können klebrig und reizauslösend sein oder sogar giftig. 
 
Das Zeitalter des Haares kam jedoch erst mit dem Ende zur Kreidezeit zur  vollen Blüte. Bis dahin beherrschten Dinosaurier den Planeten. Und die hatten Schuppen. Wahrscheinlich gab es beim Vorläufer von DM, dem Dinosaurier-Markt, weder Alpecin Forte noch wirksame Shampoos. Das hat sich geändert, seit die Säugetiere und vor allem der Mensch das Kommando übernahmen. Heute gibt es Unmengen von Haarpflegemitteln und eine Dienstleistungsbranche, die vom Frisieren der Haare lebt. 
 
Dennoch macht das menschliche Haar schwere Zeiten durch. Es wird nicht nur beschnitten, gefärbt und zur Dauerwelle geformt, sondern zunehmend epiliert und mit Stumpf und Stiel ausgerupft. Bei vielen gilt das Haar nicht nur in der Suppe als störend, sondern auch als Zeichen für Schmutz und Dreck. Dabei dient es ganz im Gegenteil sogar der Körperhygiene. Das habe ich instinktiv schon lange erkannt. Denn als das väterliche Erbe bei mir immer sichtbarer wurde, entschied ich mich für den Grundsatz: Was man nicht auf dem Kopf hat, kann man ja am Kinn tragen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1114 vom 18. 3. 24

Kaum wird es wärmer, da traut sich auch Herr K., mein betagter Nachbar, wieder auf seinen Balkon hinaus. Als ich ihn diesmal, natürlich rein zufällig, bei seinem Selbstgespräch belausche, mache ich mir zu Beginn ernsthafte Sorgen.
 
"Der Kapaun..., Quatsch, der Kapalan..., Mann, was ist denn los? Der Kaplan, na endlich, klebt Kappplakate.... verdammt noch mal, Pappplakate! Nee, nochmal in Ruhe ganz von vorn: Der Paplan pleppt Pappkaplate ... ach, papperlapp, das muss ich noch öfter üben. Wat, Karl, Du wills wissen, was dat soll? Dat is kompleziert, abba ich erklär Dich dat. Ich happ da nämlich in Fernsehn Berichte über Plakatreklame gesehn. Nich von den Kaplan, sondern von den Be En Deh. Dat is der Verein von die deutsche Spione. Und die ham Personalmangel. Weisse, dat liest man ja dauernd. Überall fehlt dat an Fachpersonal, bei die Bahn, bei dat Handwerk, bei die Altenpfleger, bei die Lehrers und ebend auch bei die Spione. Und da bin ich auf die Idee gekomm, mich mal zu bewerben. Vielleicht kannze son Job ja auch in Altersteilzeit kriegen. 
 
Wat dat mit den Zungenbrecher zu tun hat? Ja, da musse um die Ecke denken. Bei die letzten Jahre auffem Pütt hatte ich ein paar Kumpels, dat warn deutsche Russen. Also mehr Russen als Deutsche. Aber die hatten alle 'ne deutsche Uroma und durften ausreisen. Und gegen Uranabbau in Siberien da is son deutsches Kohleberchwerch die reinste Goldgrube. Nur sprachen die alle kaum deutsch. Und daher habbich auf meine alten Tage noch Russisch gelernt, wat die Zunge ganz schön strappaziern tut. 
 
Und getz sperr ma Deine Lauscha auf, hier kommt mein töften Plan. Ich sach den KGB, ich bin ein Waffenhändler innen Ruhestand und hab Eins-a-Kontakte. Aber ich brauch dringend Kohle. Und deshalb biete ich die Russen an, alle Deteils übba den Taurus zu erzähln, aba nur den Putin höchstpersönlich. Watt meinze, wie schnell ich dann im Kreml bin? Da sach ich dann zu den Wladimir: Prijatna ß wami pasnakonmitza! Dat heisst, et is schön, Sie kennenzulern. Und bevor Putin auf Russisch wat sacht, schieb ich hinterher: Wy gawarita pa--nimetzki? Dat heißt: Sprechen Sie deutsch? Weisse, dat hat der ma richtich gelernt. Und getz isser froh, dat er damit angeben kann. Und schon kommt die Sache an Laufen. 
 
Welche Sache? Na, ich will dann den ollen Putin erzählen, dat der neue Supertaurus noch viel besser is. Deshalb will der Scholz den auch nich rausrücken. Der neue Taurus hat nich nur 'ne Reichweite von 2000 km, der hat auch Störfunk für Abwehrgedöns und trifft punktgenau. Und dat Beste: Die Kordination für den Kreml is einprogrammiert! Hömma, da kriecht der Putin abba dat Flattern. Und, da machse große Augen, drei Tage später sitzt der mit den Selenski annem Verhandlungstisch. 
 
Wat, Du glaubs nich, dat dat hinhaun tut? Na gut, Plan B: Innem Telekollech hamse mich Englisch gelernt. Damit kann ich mich als passionierten Waffenhändler im Dezember bei Präsident Trump einschleichen. Da sach ich: This is Donald. Donald has a dog and very many millions. But I have a taurus. - Nu lauf doch nich wech, Karl, wir können ja noch an mein Plan feilen. Et is noch kein Spion vonnem Himmel gefallen. Ach so, Du meinz, dat sollten wir lieba abhörsicha bereden. Recht hasse! Ich hab schon länger den Verdacht, dat mein Nachbar, der Krause, für die Chinesen spionieren tut!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1113 vom 17. 3. 24 

Am Freitagabend gab Bernhard Hoecker in Dorsten ein Gastspiel. (Ich weiß nicht, wie ich den Doppelpunkt über das e bekomme. Der Bonner Komödiant legt darauf aber Wert: "Mein Name wird Ho-ecker ausgesprochen und nicht Höcker. Und ich möchte nicht mit Herrn Höcke verwechselt werden!") Ich kannte Hoecker zwar bisher nur vom Bildschirm, schätze ihn jedoch sehr. Wegen seines Witzes, seiner Schlagfertigkeit, seines Wissens und wegen seiner zutiefst menschlichen Ausstrahlung als Gesamtpaket. All das hat er auf der Bühne bestätigt. 
 
Vorher bezweifelte ich, dass er Dorstens größten Saal würde füllen können. Hoecker-Fans, so glaubte ich, sind meist doppelt so alt, doppelt so schwer und doppelt so klug wie ich. Nur das letztere traf zu. Altersmäßig waren sämtliche Generationen vertreten, Leichtgewichte und Schwergewichtet hielten sich die Waage. Aber fast alle waren schlauer als ich: Als ich 15 Minuten vor Beginn der ausverkauften Vorstellung eintraf, waren beinahe alle Plätze besetzt. Nur ganz hinten, in einer Saalecke konnte ich noch einen freien Sitz ergattern. 
 
Hoecker bezog häufig das Publikum mit ein. Computer-Nerds, Geburtstagskinder, Lehrer und Handwerksmeister wurden in Dialoge verwickelt, bei denen Bernhard seine Pointen nur so aus dem Ärmel schüttelte. Schließlich suchte er im Saal nach dem Paar unter den Besuchern, das die längste Zeit zusammen ist. Was schätzt Ihr? 45 Jahre, 50 Jahre, 55 Jahre? Nein, das wurde von zwei Paaren getoppt, die sogar 56 und 57 Jahre verheiratet sind. 
 
 Die beiden, die sich vor 57 Jahren das Ja-Wort gaben, haben sich in Gelsenkirchen in der Berufschule kennengelernt und kurz darauf in Gelsenkirchen-Horst geheiratet. Auf die Frage, welcher Gedanke dem Mann bei der ersten Begegnung mit seiner Frau durch den Kopf schoss, antwortete der: "Die is et!" Und was dachte die Frau? "Bloß der nicht!" Doch zum Glück ändern Frauen mitunter schnell ihre Meinung. 
 
Eine weit jüngere Frau, die schräg vor mir saß, faszinierte mich die vollen zweieinhalb Stunden lang. Das lag nicht nur daran, dass Hoecker dauernd ihr Humorzentrum traf. Sondern vor allem daran, wie sich das körperlich auswirkte: Beim Lachen schnellte ihr Kopf stets ruckartig nach vorn, wie bei einer Mischung aus Wackeldackel und Specht. Und an der Zahl der Vorstöße ließ sich erkennen, wie sie die Scherze bewertete. Zweimal Ruckzuck: Gut. Drei bis fünfmal Ruckzuck: Sehr gut! Fünf bis zehn Vorstöße: Meine Güte, was für Kracherpointen! 
 
Bei der obersten Kategorie riss es die Gute zudem fast aus dem Sitz. Sie schnellte dann sogar mit dem gesamten Körper nach vorn und schob ihren Schädel zwischen die Köpfe der vor ihr Sitzenden. Was unbemerkt blieb, weil die beiden Damen selbst mit Lachen beschäftigt waren. Ich war kurz davor, die fröhliche Frau anzusprechen und als Dauergast zu unseren heiteren Lesungen ins Baumhaus einzuladen. Dort dürfte sie in der ersten Reihe sitzen, um niemand anders zu gefährden. Und mit ihrem ansteckenden Lachen für gute Laune zu sorgen. 
 
Ich habe mich dann aber doch nicht getraut. Zu groß wäre das Risiko, dass bei den Vortragenden auf der Bühne die Konzentration auf den Text verloren ginge. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich bin Euch noch die Auflösung der letzten Folge schuldig. Alle genannten Vogelarten gibt es tatsächlich, bis auf einen. Einen Colibri werdet Ihr nirgendwo finden. Der Kolibri schreibt sich nämlich mit K und möchte mit zwielichtigen Doppelgängern genausowenig verwechselt werden wie Hoecker mit Höcke. 

 

Schmunzelpost 1112 vom 16. 3. 24 

Habt Ihr gestern an meiner fachlichen Kompetenz gezweifelt? Dann erinnere ich daran, dass eine langjährige NABU-Mitgliedschaft nicht ohne Folgen bleibt. Diese Organisation ist nämlich einst aus dem Bund für Vogelschutz hervorgegangen. Auch ich betreibe aktiven Vogelschutz, indem ich unseren Kater jeden Tag eindringlich ermahne, sich bei der Jagd auf Mäuse zu beschränken. 
 
Inzwischen reicht mein ornithologisches Wissen von A bis Z. Also von Amsel bis Zauselzeisig. Falls Ihr immer noch Zweifel hegt, stelle ich Euch heute ein Vogel-ABC zusammen, in dem  real existierende Piepmätze aufgeführt sind. Doch vielleicht habe ich das eine oder andere Kuckucksei in die Liste geschmuggelt. Mal sehen, ob Ihr herausfindet, wie viele und welche ich mir bloß ausgedacht habe. 
 
Alpenstrandläufer 
Buntstorch 
Colibri 
Dunkler Wasserläufer 
Eistaucher 
Fahlente 
Gänsesäger 
Habichtskauz 
Isabellsteinschmätzer 
Jungfernkranich 
Krauskopfpelikan 
Löffler 
Mittelmeermöwe 
Nimmersatt 
Pfeifente 
Quetzal 
Raubwürger 
Stachelibis 
Türkentaube 
Uferschnepfe 
Vultur 
Wendehals 
Xenoperdix udzungwensis 
Yellow Warbler 
Zilp Zalp 
 
Morgen folgt die Auflösung. Und wer die korrekte Antwort gibt, mit dem teile ich ab sofort meinen Ehrentitel "Komischer Vogel". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1111 vom 15. 3. 24 

Guck an, eine Schnapszahl. Dies ist wahrhaftig schon die 1111. Schmunzelpost. Da böte es sich eigentlich an, etwas Närrisches oder zumindest Lustiges zu schreiben. Nichts da! Wie Ihr es von mir mit Recht erwartet, ist auch diese Folge bitterernst, hochseriös und lehrreich. 
 
Gestern erlebten wir einen echten Frühlingstag. Grund genug, gemeinsam ein Frühlingslied anzustimmen: "Alle Vögel sind schon da..." Na, wie geht es weiter? Richtig: Amsel, Drossel, Fink und Star. Doch das ist nur eine kleine Auswahl, der gefiederten Sänger, die jetzt mit ihrem Gezwitscher Brautwerbung betreiben. Aber wir wollen die Vögel ja nicht heiraten, wir wollen darüber nachdenken, wie sie wohl zu ihren Namen gekommen sind. 
 
Bei einigen Arten ist das kinderleicht. Mauerläufer und Bachstelze müssen nicht von mir erklärt werden. Ebensowenig Rotkehlchen, Blaukehlchen und Schwarzkehlchen. Und auch bei der Gartengrasmücke könnt Ihr mit ein wenig Nachdenken darauf kommen, weshalb sie so genannt wird. Stimmt, sie ist vor allem im Gras der Gärten auf Mückenjagd. Und weil die Zahl der Mönchsgrasmücken zugenommen hat, mangelt es den Klöstern heutzutage an männlichem Nachwuchs. 
 
Die verschiedenen Meisenarten geben uns Vogelbeobachtern zumindest mit der vorderen Namenshälfte wertvolle Tipps. Die Blaumeise erkennen wir am blauen Köpfchen, die Haubenmeise an ihrer Federhaube. Die Schwanzmeise besitzt einen verhältnismäßig langen Schwanz und die Sumpfmeise lebt bevorzugt in sumpfigen Gegenden. Und die Kohlmeise? Die betreibt in Dithmarschen ausgedehnte Kohl-Plantagen. Jetzt dürft Ihr sagen: Der hat doch eine Meise, der Krause. 
 
Manche Vögel reden den ganzen Tag nur von sich. So ruft der Zilp-Zalp dauernd "Zilp-Zalp" und ist somit leicht zu identifizieren. Ist er inkognito unterwegs, hält er einfach den Schnabel. Dann kann man ihn leicht mit dem Fitis verwechseln, einem Waldvogel, der ganz schön fit is. 
 
Häufigster Brutvogel in Mitteleuropa ist der Buchfink. In seinen Nestern findet man ganze Bibliotheken. Sind die Bücher jedoch verdreckt, so handelt es sich um einen Schmutzfink. Die Nachtigall kann in der Nacht gellen, also laut tönen. Das tut sie auch tagsüber. Und ihr lateinischer Artname megarhyncos bedeutet großer Schnabel, womit ihre besondere Sangesleistung gemeint ist. 
 
Nach Auffassung vieler Ornithologen ist die Amsel jedoch ein noch besserer Sänger. Und da der ursprünglich scheue Waldvogel als Zivilisationsfolger heute überall verbreitet ist, wo es Gärten und Grünanlagen gibt, können wir dem Amselkonzert jetzt fast den ganzen Tag lauschen. Denn Amseln wählen gern Baumwipfel oder Dachgiebel als Bühne, damit ihr wohltönender Gesang weithin zu hören ist. Übertroffen wird die Amsel höchsten noch von einer nahen Verwandten, der Drossel. Die heißt eigentlich Singdrossel, weil sie einem kratzigen Beginn voll tönende, melodische Strophen folgen lässt. Und sie beherrscht  mehr als 70 Motive, die sie meist dreimal wiederholt. 
 
Welchen Zweck das Geschmetter hat, habe ich bereits eingangs verraten. Vogelweibchen sind anspruchsvoll. Sie suchen sich meist den besten Sänger als Partner aus, auch wenn der vielleicht ein miserabler Nestbauer und schlechter Futterbeschaffer ist. Hat sich ein Paar gefunden, dann sucht es einen Gimpel auf. Der wird wegen seiner schwarzen Kappe auch Dompfaff genannt und hat daher in der Vogelgemeinde die Aufgabe des Pfaffen übernommen. Aber bevor er einem Paar den Segen gibt, singt erst die gesamte Verwandschaft: "Ein Vogel wollte Hochzeit machen - fiderallala!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1110 vom 14. 3. 24

ieser Tage stand ich fluchend auf einer Leiter (dazu muss man wissen, dass ich spätesten ab der dritten Sprosse an Höhenangst leide) und versuchte, die Schrauben einer Lampenhalterung zu lösen. Das wurde dadurch erschwert, dass die nach außen gebogene Lampenschale mir jede Sicht nahm und der Schraubenzieher immer wieder aus der winzigen Kerbe herausrutschte. Nach 15 Minuten und zwei Beinahe-Stürzen von der Leiter war das Werk endlich vollbracht. Auch als Handwerks-Schwachmat  hatte ich einmal mehr meine männliche Nützlichkeit im Haushalt nachgewiesen.
 
Dennoch ärgert mich stets aufs Neue die arg begrenzte Haltbarkeit von Leuchtkörpern. Dass Glühbirnen abgeschafft wurden, weil ihr Energieverbrauch im Gegensatz zu den Nachfolgern viel zu hoch war, sehe ich zwar ein. Allerdings bezweifele ich mittlerweile aus leidvoller Erfahrung, dass die neue Leucht-Generation wesentlich länger durchhält. Futter bekam meine Skepsis, als ich jetzt in einem Buch etwas über die ewige Glühbirne las.
 
Diese beleuchtet seit dem Jahr 1901 die Feuerwache der kalifornischen Stadt Livermore. Durchgehend! Ohne jemals ausgetauscht worden zu sein! Deshalb darf sie sich seit 2001 offiziell "Centennial Light", also "Hundertjähriges Licht", nennen. Ihre Langlebigkeit verdankt die Glühbirne natürlich auch ihrer schwachen Leistung und dem Umstand, dass eine gleichmäßige Stromversorgung gewährleistet ist.
 
Und zugegeben: Das ewige Licht von Livermore erstrahlt inzwischen nur noch mit 0,3 Prozent der ursprünglichen Helligkeit. Experten gehen aber davon aus, dass sie noch Tausende, wenn nicht gar Millionen von Jahren leuchten kann. Wer ihr beim Glimmen zusehen will, kann das bequem von zuhause aus am Computer tun. Eine Webcam liefert alle 30 Sekunden aktuelle Aufnahmen. Die Webcam kann unter www.centennialbulb.org eingesehen werden. 
 
Euch wünsche ich noch viele Erleuchtungen. Aber vor allem den Herstellern von modernen Leuchtkörpern! 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1109 vom 13. 3. 24

Diesmal sende ich Euch eine Schmunzelpost, die besonderes Gewicht hat. Würde sie als Paket an Euch herausgehen, müsste ich bei der Deutschen Post pro Karton 48,98 Euro entrichten. Da ist eine Email deutlich günstiger.
 
Ich beziehe mich auf mein aktuelles Körpergewicht, also 88 kg. Das ist bei einer Körpergröße von 1,86 m halbwegs vertretbar. Ich habe schon mal deutlich mehr gewogen. Doch lesen kann klug machen. Durch Zeitungsartikel und Bücher erfuhr ich so häufig und eindringlich von den Gefahren des Übergewichts, dass ich schließlich Gegenmaßnahmen ergriff. Das war auch höchste Zeit. Denn nachdem meine Waage zunächst immer lauter geächzt hatte, erwischte ich sie eines Morgens, als sie auf Zehenspitzen in den Keller schleichen wollte, um sich vor mir zu verstecken. 
 
Inzwischen besitze ich eine neue, weniger feige Waage. Sie nennt mir jeden Morgen ohne Murren und Knurren mein Gewicht. Solange es unter 89 Kilo liegt, ist alles im grünen Bereich. Sonst werden sofortige Gegenmaßnahmen eingeleitet, weil ich nicht das unnötige Risiko eingehen will, die Gefahr von Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall noch zu steigern. 
 
Mein Gewicht habe ich Euch gerade verraten. Wenn Ihr Eures hinzuzählt, sind wir schon zu zweit mit einem Zwischenergebnis. Nun müssen wir nur noch das Körpergewicht von circa 8 298 366 522 Menschen hinzuzählen, um zu erfahren, wie schwer die Menschheit ist. 2012 haben schon einmal britische Forscher versucht, das Gesamtgewicht der damals 4,6 Milliarden Erwachsenen auf der Erde zu schätzen. Die Wissenschaftler kamen auf 287 Millionen Tonnen. Das entspricht dem 5500fachen des Gewichts der Titanic. 
 
15 Millionen Tonnen steuerten die zusätzlichen Pfunde der Übergewichtigen bei, die einen Body-Mass-Index zwischen 25 und 30 aufwiesen. Weitere 3,5 Millionen Tonnen hatten Menschen mit Adipositas auf den Rippen, deren Body-Mass-Index über 30 lag. Ganz vorn bei den Nationen mit der durchschnittlich schwersten Bevölkerung lagen die US-Amerikaner. Wäre der Rest der Weltbevölkerung ebenso dick wie sie, dann hätte sich die menschliche Biomasse um weitere 58 Millionen Tonnen erhöht. Das entspräche zusätzlich 935 Millionen Menschen auf unserem Planeten. 
 
Inzwischen sind wir auf der Erde deutlich mehr. Bald ist die Zehn-Milliarden-Marke erreicht. Und damit die Menschheitswaage nicht auf Zehenspitzen ins Weltall abhaut und unser übergewichtiger Planet, dem wir auch noch mit anderen menschengemachten Problemen mächtig einheizen, keinen Kollaps erleidet, sollten wir alle ordentlich abspecken. Für mich können die britischen Wissenschaftler schon mal 10 Kilo abziehen! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1108 vom 12. 3. 24 

Es hört einfach nicht auf. An fast allen Ecken der Welt wird gemordet und geschossen, was die Waffenkammern hergeben. Vor allem im Gaza-Streifen und in der Ukraine. Ein wenig kann ich nachvollziehen, dass der Papst darauf drängt, die weiße Fahne aufzuziehen und über Frieden zu verhandeln. Aber zwischen Kapitulation und Verhandlung besteht ein himmelweiter Unterschied, was auch ein Mann der Kirche wissen sollte. Und auch, dass es nicht ratsam ist, brutalen Aggressoren nachzugeben. 
 
Daher bin ich selbst als Friedensfreund dafür, die Ukraine möglichst umfänglich mit Waffen und Munition zu versorgen, damit sich das Land weiter verteidigen kann. Auch wenn dadurch unsere eigenen Munitionsvorräte fast erschöpft sind. Nicht von ungefähr laufen unsere Soldaten schon des längeren bei Manövern herum und rufen: "Peng!" Daher finde ich auch die folgende Dienstvorschrift der Bundeswehr verfehlt: "Dem Soldaten ist es verboten, Schnee zu verformen und zu beschleunigen." Wenn man schon keine Kugeln zum Schießen hat, wird man doch wenigstens noch Schneebälle werfen dürfen! 
 
Ob diese Anweisung tatsächlich existiert, ist zweifelhaft. Allerdings kann den Militärbehörden offenbar nichts absurd genug sein, wie dieses reale Beispiel zeigt: "Ab einer Wassertiefe von 1,20 Meter nimmt der Soldat selbstständig Schwimmbewegungen auf. Die Grußpflicht entfällt hierbei." Und auch folgende Weisheiten könnten durchaus in Schreibstuben verzapft worden sein: "Bei Schnee und Frost ist mit auftretender Kälte zu rechnen." "Berge und Hügel unterscheiden sich von ihrer Umgebung vorrangig durch die Höhe." "Die Felge eines Fahrzeuges dient zur Aufnahme der Bereifung." 
 
Und wenn ein Kommisskopp nur hart und hölzern genug ist, kann durchaus passieren, wovon bei der Luftwaffe erzählt wird: Junge Fallschirmspringer warten in der Maschine auf ihren ersten Absprung. Der Spieß bringt einen nach dem anderen zur Luke und wirft ihn hinaus. Aber einer will partout nicht springen, er wehrt sich mit Händen und Füßen. Doch schließlich packt ihn der Feldwebel, und auch dieser Mann stürzt in die Tiefe. Der nächste Springer lacht sich halb tot. "Was soll das?", erregt sich der Spieß, "über so einen Feigling können Sie noch lachen?" "Feigling?", grinst der Rekrut, "das war unser Pilot." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1107 vom 11. 3. 24

Nicht nur Asteroiden oder abstürzender Weltraumschrott können eine Gefahr für die Menschheit sein, sondern auch durchgeknallte Herrscher. Davon hat unsere Geschichte bis hin zur Gegenwart eine große Zahl zu bieten. Und für die Zukunft stehen eine ganze Reihe schon in der Warteschlange. Heute möchte ich aber in die Antike zurückblicken. 
 
Was meint Ihr, wer war der schlimmste und verrückteste römische Imperator? Nero? Caligula? Mit diesen beiden konkurriert ein ganz übler Knabe, von dem Ihr möglicherweise noch nichts gehört habt. Zum Glück für Rom und die zum Imperium gehörenden weiteren Länder währte seine Regentschaft bloß vier Jahre. Ich meine Kaiser Elagabal, der im Jahre 218 das Amt übernahm, als er erst vierzehn Lenze zählte. 
 
Vielleicht darf man als mildernden Umstand werten, dass der Knabe mitten in der Pubertät steckte. Dafür sprechen seine fünf Ehen, seine zahlreichen männlichen Liebhaber und seine Vorliebe, sich wie ein Lustknabe zu kleiden. Aber bei der Suche nach seiner sexuellen Identität war auch der Hang zur Grausamkeit und der rücksichtslose Gebrauch der Macht sichtbar. So zwang er unter anderem eine eigentlich unantastbare Priesterin völlig gegen deren Willen, mit ihm das Ehebett zu teilen. 
 
Sein "subtiler" Humor äußerte sich darin, dass er nachts gern wilde Tiere in den Straßen von Rom frei ließ und sich an dem Entsetzen weidete, wenn sie überraschte Bürger jagten und zerfleischten. Doch damit nicht genug. Elagabal, der eigentlich Varius Avitus Bassianus hieß, sich dann als Kaiser erst Marcus Aurelius Antoninus nannte, bevor er den Namen des syrischen Sonnengottes annahm, den er verehrte, wollte auch die vertrauten römischen Gottheiten vom Thron stoßen. Fort mit Jupiter, her mit Elagabal war seine Devise. Jeden Sonnenaufgang ließ er mit einem Blutbad durch zahllose Tieropfer feiern, wobei er gemeinsam mit Tänzerinnen das Ritual "künstlerisch" begleitete. 
 
Neben seiner Zügellosigkeit führte das dazu, dass er im Volk verhasst war. Stattdessen verehrten die Menschen seinen Cousin Alexander, den Elagabals Großmutter, eine begnadete Intrigantin und Strippenzieherin unverzüglich als Nachfolger aufbaute, nachdem sie erkannt hatte, was für ein Früchtchen ihr Enkel war. Die Beliebtheit des Rivalen schmeckte dem regierenden Narzissten und Psychopathen gar nicht. Und als ein Trupp Soldaten bei einem gemeinsamen Auftritt Elagabal komplett ignorierten und allein Alexander zujubelten, rastete der Kaiser völlig aus. Er ordnete an, dass alle Soldaten exekutiert werden sollten und wollte auch Alexander nicht verschonen. 
 
 Stattdessen wurde er jedoch selbst umgebracht. Vor 1802 Jahren, genau am 11. März des Jahres 222 metzelten ihn und seine Mutter die Soldaten nieder. Die kopflosen nackten Leichen wurden danach unter dem Jubel der Bevölkerung durch die ganze Stadt geschleift und im Tiber versenkt. Was soll man dazu sagen? Es gibt schlimmere Tage in der Geschichte als den 11. März. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ja, ja, da fehlt die Schlusspointe zum Schmunzeln. Wie wär's hiermit? Am 11. März 2025 sitzen US-Präsident Donald Trump, Wladimir Putin und Darth Vader gemeinsam in einem Shuttle, um die Weltraumstation ISS zu besuchen. Doch der Shuttle stürzt ab. Wer wird gerettet?  - Die Demokratie. 
 

  Schmunzelpost 1106 vom 10. 3. 24

Puh, nochmal Glück gehabt! Die riesige Batterie der Raumstation ISS, von der in der gestrigen Schmunzelpost die Rede war, ist vorgestern über dem Atlantischen Ozean verglüht. Und die Trümmerteile stürzten nicht aufs Festland, sondern versanken im Meer. Was uns Landbewohner erleichtert aufatmen lässt, dürfte aber Kreuzfahrtpassagiere beunruhigen. Vielleicht wird die Titanic II nicht traditionsgemäß Opfer eines Eisbergs, sondern säuft nach einem Weltraum-Schrott-Volltreffer ab. Und die Bordkapelle spielt "Stardust" dazu.
 
Da ich mich gestern jedoch über die Gefahren durch himmlische Nackenschläge lustig gemacht habe, muss ich das heute als seriöser Journalist relativieren. Fachkundige Wissenschaftler sagen, dass Meteoriten ein unbestreibares Risiko als Auslöser von Naturkatastrophen darstellen. Am 22. März 2016 hatten wir noch Glück. Da verfehlte ein kleiner Komet die Erde um 3,4 Millionen Kilometer, was bloß der der zehnfachen Entfernung zwischen Erde und Mond entspricht. Nur ein einziger anderer Komet ist uns nach den Aufzeichnungen der Astronomen in der jüngsten Vergangenheit, also den letzten 10 000 Jahren, noch näher gekommen. Der Komet "Lexell" schoss am 1. Juli 1770 nur 2,3 Millionen Kilometer entfernt an unserem Planeten vorbei. 
 
Ihr meint, das sei doch ganz schön weit gewesen? Kein Grund zur Beunruhigung? Von wegen! Nach einem Bericht der NASA gibt es mindestens 1400 Asteroiden, die auf uns herabstürzen könnten. Das lässt jeden erschauern, der weiß, dass die NASA nur Himmelskörper zählt, die mehr als 140 Meter Durchmesser aufweisen. Damit Ihr das besser einschätzen könnt: Der Meteoritenschauer, der 2013 über dem Ural niederging, sorgte dort für 1000 Verletzte. Und Urheber war ein Asteroid, der beim Eintritt in die Atmosphäre lediglich einen Durchmesser von 17 m hatte. 
 
Allerdings beruhigen uns die Wissenschaftler mit der Aussage, dass in den nächsten 100 Jahren kein "potenziell gefährlicher" Asteroid die Erde streifen werde. Vorher hat uns der Klimawandel wahrscheinlich längst erledigt. Falls nicht zuvor bereits Psychophaten wie Kim Jong Un, Putin oder Trump die Sache ein wenig beschleunigen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1105 vom 9. 3. 24 

Habt Ihr gestern Euren Blick sorgenvoll gen Himmel gerichtet? Nein, nicht aus Angst die Frühlingssonne könne sich schnell wieder hinter Wolken verziehen. Gestern drohte doch Weltraumabfall auf uns herunter zu stürzen! Eine Batterie der Raumstation ISS, so hieß es, werde in die Atmosphäre eintauchen. Und weil es sich um ein wirklich dickes Ding handelte, bestand die Gefahr, dass es nicht komplett verglühte, sondern seine Trümmerteile übers Land streute.
 
Das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Medienkollegen. "Heute fällt uns der Himmel auf den Kopf", sagten die einen. Und die anderen rieten dazu, besser das Haus nicht zu verlassen, weil ein Regenschirm kein geeigneter Schutz vor derartigem Weltraummüll sei. Erst nach und nach gab man für unsere Breiten Entwarnung. Zunächst hieß es, es sei unwahrscheinlich, dass es Teile von Deutschland treffen könne. Danach hieß es, es sei sehr unwahrscheinlich. Später folgte die nächste Korrektur: Es sei sogar sehr, sehr unwahrscheinlich! Und schließlich wurde nicht ganz unerwartet verkündet, ein Absturz über Europa sei so gut wie ausgeschlossen. 
 
Nun habe ich mir ohnehin keine großen Sorgen gemacht. Deutschland ist ein bisschen größer als Liechtenstein. Selbst, wenn es bei uns Batterieschutt geregnet hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet in Dorsten was aufs Haupt zu kriegen, weit geringer, als zweimal nacheinander sechs Richtige im Lotto zu haben. Doch in jedem von uns steckt als Erbgut eine Urangst der mit den Germanen entfernt verwandten Gallier. Wie Asterix-Leser wissen, fürchteten die sich lediglich davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. 
 
Ich habe mal darüber nachgedacht, welche Gefahren uns aus dieser Richtung sonst noch drohen könnten. Dass ein größerer Himmelskörper auf die Erde stürzt, kommt zum Glück nur alle paar Millionen Jahre vor. Davon, dass kleine Teilchen eines Meteors für Menschen tödliche Folgen hatten, nachdem die Reibungsglut überstanden war, habe ich auch noch nichts gehört. Im Gegenteil: So ein Asteroidensplitter im Garten kann eine größere Einnahme bescheren. 
 
Weit höher ist wohl das Risiko, dass hausgemachter Müll auf uns zurückfällt. Wir Menschen haben das Talent, unsere Umgebung gründlich zu versauen. Damit meine ich nicht allein den Bereich rund um den Fernsehsessel, sondern unsere Landschaft, unsere Flüsse und Seen und unsere Meere. Jetzt sind wir auf dem besten Wege, mit jeder Menge Weltraum-Schrott auch noch die höheren Regionen in wilde Müllkippen zu verwandeln. 
 
Aber so hoch müssen wir gar nicht schauen. Auch Flugzeuge haben die unselige Angewohnheit, hin und wieder abzustürzen. Das ist nicht nur für deren Besatzung und die Passagiere unangenehm, sondern kann auch fies für uns werden, falls wir zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz stehen. Ebenso hört man hin und wieder, dass einzelne Flugzeugteile gelegentlich dem Ruf der Schwerkraft folgen, wenn bei der Wartung geschlampt wurde. Und ich möchte auch keinen Fallschirmspringer aufs Haupt kriegen, dessen Schirme sich nicht geöffnet haben. In Zukunft müssen wir aber eher die Augen offen halten, um nicht Opfer einer freiheitsliebenden Drohne zu werden.
 
Doch das alles ist viel seltener als natürliche Himmelsgeschosse. An erster Stelle stehen Blitze, was bereits unsere Urahnen wussten. Im Zeichen des Klimawandels ist die Gefahr nicht zu unterschätzen, eines Tages von riesigen Hagelkörnern gesteinigt zu werden, wenn sie uns auf freiem Feld erwischen. Und wer bei Sturm oder unmittelbar hinterher durch den Wald läuft, sollte wissen: Nicht nur im Mai können Bäume ausschlagen! 
 
Das einzige jedoch, was mich bisher aus großer Höhe getroffen hat, war ein satter Vogelschiss. Der machte sich exakt mitten auf meinem Schädel breit. Und die Wahrscheinlichkeit dafür war vorher sehr, sehr, sehr gering gewesen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1104 vom 8. 3. 24 

Da isser also, der Weltfrauentag. Anlass daran zu erinnern, dass Frauen immer noch benachteiligt werden. Auch bei uns, aber mehr noch in anderen Teilen der Welt, in denen Leute wie die Taliban das Sagen haben. Nun haben Otto und Ottilie Normalkrause kaum eine Chance, die Frauenverächter zum Umdenken zu bewegen. Wir können aber dagegen eintreten, wenn Frauen nach Afghanistan, Saudi-Arabien oder in den Iran abgeschoben werden sollen. Und natürlich in tausend anderen Bereichen dafür sorgen, dass unsere von Männern geprägte Welt endlich Frauen wirklich gleichstellt. 
 
In der Schmunzelpost geht es oft um Sprache. Ich will aber nicht den billionsten Beitrag zur Gender-Debatte abliefern, sondern betrachten, wie Frauen bei uns auch noch bezeichnet werden. Laut Internet gibt es 167 Synonyme. So viele kann ich nicht aus dem Ärmel schütteln. Mal sehen: Gattin, Gefährtin, Ehefrau, Mutter, Weib, weibliches Wesen, Liebling, Schnepfe, Schätzchen, Xanthippe, Mädel, Freundin, Zicke, Dame, Puppe, Tante, Madame, Lady, Herzchen, Schickse, Herrin, Jungfer, Fräulein, Frauchen, Meisterin, Baby, Mätresse, Vertraute, Süße, Bettgenossin, Geliebte, Schnecke, Evastochter, Hexe, Frauenzimmer, Gemahlin, Drache, Olle, Alte, Tussi, ein F-Wort, dass ich weder ausspreche noch schreibe, bessere Hälfte, Lebenabschnittsgefährtin... Uff, allmählich geht mir die Puste aus, ... Gnädigste, Braut, Perle, Trine, das schöne Geschlecht, Deern, Madel, alte Schachtel, Lebenskünstlerin. Und im Pott sagt man "Else".
 
Das sind zwar keine 167, aber das soll für heute reichen. Viel wichtiger ist es am Weltfrauentag, Munition zu liefern, auf dass Kerle angemessen beschimpft werden können, wenn sie es mal wieder verdient haben. Dafür empfehle ich: 
 
Knalltütenjongleur, Intelligenzverweigerer, Trampel, Schwachstromelektriker, Dösbaddel, geistiger Tiefflieger, Nichtsnutz, Schaumschläger, Schweinepriester, Trübe Tasse, Schiffschaukelbremser, Dumme Nuss, Einfaltspinsel, Blödmann, Knalltüte, Hohlkopf, Kotzbrocken, Volltrottel, Stinkstiefel, Schwachmat, Raritätenhamster, Nullchecker, Schnapsdrossel, Nervtöter, Grobian, Flachpfeife, Höllenhund, Dämlack, bekloppter Chauvinist, Laberkopp, Heiopei, Pappnase, Honk, Vollpfosten, Schussel, Wüstling, Clown, alter Sack, Sexist, Miesepeter, Depp, Dummerjan, Denkzwerg, hirnamputierter Halunke, Spatzenhirn, Kindskopf, Idiot, Schuft, Armleuchter, Jammerlappen, Blindgänger, Holzkopf, Lümmel, Affe, Esel, Rindvieh, Hammel, Hornochse, Schweinehund, Tunichtgut, Kanaille, Schleimer, Gauner, Waldschrat, Flegel, Strolch, Pascha, Macker, Quatschkopf, Raffke, Warmduscher, Lauch, Rabauke, Popanz, Dussel, Dumpfbacke, Arschgesicht, Fetzenschädel, Kackbratze, Mistkerl, Hackfresse, Dödel, Pimpf, Alpha Kevin, Hanswurst, Zipfelschwinger, Doofmann, Sockenraucher, Gulaschkobold, alter weißer Mann. 
 
Das sollte für die nächste Meinungsverschiedenheit ausreichen. Falls noch Steigerungsformen benötigt werden, habe ich noch drei Neuheiten im Angebot: "Du Weselsky, Du!", "Du... Du... Trump!" und "Du... Du... Du... Krause!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1103 vom 7. 3. 24 

Der 7. März ist kein Tag wie jeder andere. Nun, in gewisser Weise trifft das auch auf die restlichen 365 Tage dieses Schaltjahrs zu. Dennoch sticht der 7. März durch ein paar besondere Ereignisse heraus. 
 
Wusstet Ihr, dass wir dem 7. März unseren arbeitsfreien Sonntag verdanken? Denn am 7. 3. des Jahres 321 erklärte Konstantin der Große den Sonntag zum Ruhetag. Das stand so zwar bereits in der Bibel, aber erst durch das Dekret des Cäsaren wurde es zur gesetzlichen Pflicht. Ein anderer Großer der Geschichte feierte am 7. März seinen letzten Triumph. Der erfolgreiche Feldherr vieler Schlachten besiegte mit seinen Truppen ein allerletztes Mal die auf Paris vorrückenden Armeen der Preußen und Russen. Zwar versuchte Napoleon noch einmal ein Comeback, aber dank eines schwedischen Quartetts, das später ein Liedchen darüber schmetterte, wissen wir alle, wie das ausging. 

Am 7. März 1929 tobte im niedersächsischen Wöhrden eine Straßenschlacht zwischen Anhängern der KPD und der NSDAP. Drei Männer wurden dabei erschlagen. Schon damals wussten die Nazis, wie Propaganda geht. Sie bauschten das Ereignis als "Blutnacht von Wöhrden" zum Heldenepos auf und hatten damit großen Erfolg: Die Region Dithmarschen wurde zu einer Hochburg der Nationalsozialisten. Nur 16 Jahre später lag aber ihr tausendjähriges Reich in Trümmern. Und am 7. März 1945 überquerten amerikanische Streitkräfte die unzerstörte Brücke von Remagen. 
 
Es war auch ein 7. März, als sich eine Bereicherung - na ja, die einen sagen so, die anderen so - unseres Frühstücks anbahnte. Der Arzt John Harvey Kellogg servierte 1897 den wehrlosen Patienten in seinem Hospital in Michigan erstmals speziell zubereitete Cornflakes, die er mit seinem Bruder Willy Keith Kellog erfunden hatte. Und am 7. März 2004 wurde der lange Oskar gesprengt. Nein, das war kein RAF-Anschlag auf den zweieiigen Zwillingsbruder von La Fontaine, sondern  die Sprengung eines Hochhauses der Sparkasse Hagen. Es war das bis heute größte Bürohochhaus Europas, dass auf diese Weise zerlegt wurde. Schade, ich wüsste noch weitere geeignete architektonische Scheußlichkeiten. 
 
Was war sonst noch los? Der Papst verfügte am 7. März 1853, dass es in den Niederlanden künftig fünf Bistümer geben sollte. Das löste einen Proteststurm in der überwiegend ländlichen Bevölkerung aus, die den holländischen Regierungschef zum Rücktritt zwang. Ob damals auch schon Traktoren zum Einsatz kamen, ist unbekannt. Und am 7. März 1948 kam Hans-Werner Sinn zur Welt, der später studierte und uns als der führende Wirtschaftsweise verkauft wurde, obwohl seine Prognosen nur selten zutrafen. Dafür konnte er ihr Scheitern aber jeweils wortreich erläutern. Gratulationen sind sinnlos. Stattdessen essen wir lieber einen Napf Kellogs-Flocken. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1102 vom 6. 3. 24 

Am 8. März ist Weltfrauentag. Das wäre der ideale Zeitpunkt, um ein Geheimnis zu lüften, das seit 1835 auf seine Entschleierung wartet. Damals erschien in London ein Buch mit dem aufschlussreichen Titel "Ebpob es lyo Utlub. Umgjoml Nyflohbjof". Bestimmt war es für eine rein weibliche Geheimgesellschaft, die sich "The Association of Maiden Unity and Attachment" nennt. Irgendwann könnten die Damen ja mal ihre Karten offenlegen. 
 
Damit ginge aber der Reiz des Rätselns verloren. Eine ganze Reihe von Autoren haben Geheimcodes benutzt, um die grauen Zellen ihrer Leserschaft ordentlich auf Trab zu bringen. Sie wandten sich mit ihren kryptischen Botschaften an Schatzsucher, um deren Instinkte zu wecken und einen Wettlauf in Gang zu bringen. Denn wem es beispielsweise gelingt, den Code der "Beale Papers" zu knacken, dem winken angeblich 43 Millionen Dollar! 
 
Die Broschüre dazu erschien bereits 1885. Darin wird berichtet, dass ein gewisser Thomas J. Beale 60 Jahre zuvor in Bedford County im US-Bundesstaat Virginia einen Gold- und Silberschatz vergraben hat. Der Mann war mit Abenteurern auf Büffeljagd gewesen und hatte per Zufall in einer Schlucht Gold entdeckt. Insgesamt 3 Tonnen Gold und Silber habe Beale anschließend nach Virginia gebracht und dort verbuddelt. Da seine Angehörigen den Schatz niemals ausgruben, hütete Hotelbesitzer Robert Morriss weisungsgemäß zehn Jahre lang ein Metallkästchen und wartete auch noch weitere 23 Jahre ab, ob sich vielleicht ein rechtmäßiger Erbe meldete. Das geschah aber nicht. 
 
So brach Morriss schließlich das Kästchen auf. Ganze zwanzig Jahre dauerte es nun, bis ein Freund Text ein zweites Dokumentes entziffern konnte, das nach dem Text der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verschlüsselt war. Dokument eins und drei ließen sich jedoch bis heute nicht enträtseln. Trotz des Risikos, einem Schwindel aufzusitzen, strömen immer noch Schatzsucher nach Bedford County. Immerhin waren die Dokumente dort für die Verkäufer von Schaufeln eine echte Schatzgrube. 
 
1979 landete der britische Künstler Kit Williams einen Coup, der ihm ein Vermögen bescherte. Der Mann veröffentlichte das Bilderbuch "Masquerade", dessen Erstdruck innerhalb von zwei Tagen vergriffen war und das eine Millionenauflage erreichte. Der Grund für den Verkaufserfolg: In Rätseln und Bildern waren Hinweise darauf versteckt, wo ein mit Rubinen, Perlmutt und Mondsteinen besetzter goldener Hase verborgen war. Ein Fernsehmoderator bezeugte, dass dieses Kunstobjekt im Wert von rund 25 000 Pfund tatsächlich in seinem Beisein an einem geheimen Ort vergraben wurde. 
 
Überall wurden daraufhin in Parks und Gärten Löcher gegraben. Besonders betroffen war Haresfield Beacon in Gloucestershire, sodass Williams schließlich dort ein Schild aufstellen hieß, das den Bereich ausdrücklich zur goldhasenfreien Zone erklärte. Schließlich hob ein gewisser Ken Thomas den mittels Metalldetektoren georteten Schatz. Es stellte sich aber heraus, dass er zuvor eine frühere Freundin des Künstlers geschickt ausgehorcht hatte. Also wurden zwei Physikprofessoren zu Siegern erklärt, die dem Hasen zumindest theoretisch auf die Schliche gekommen waren. 
 
Statt nach Hasen solltet Ihr zu Ostern lieber nach Eiern suchen. Und einen kleinen Schatz könnt Ihr täglich heben, wenn Ihr, das sei in aller Unbescheidenheit gesagt, regelmäßig die neue Schmunzelpost lest. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1101 vom 5. 3. 24

Immer öfter dringt durch, wie sehr die Geheimdienste sich inzwischen ausgebreitet und vernetzt haben. Jan Marsalek hat offenbar als russischer Spion auch Wirecard zur Geldwäsche instrumentiert. Die NSA hat Kanzlerin Angela Merkel bespitzelt. Aber der Aufschrei in Deutschland wurde gedämpft, als danach herauskam, dass unser Nachrichtendienst ebenfalls "befreundete" Regierungen belauschte. Wie sich im digitalen Zeitalter der Aktionsradius der Agenten erweitert hat, zeigte nun der stille Zuhörer bei einer Videokonferenz deutscher Generäle. 
 
Aber auch lange, bevor das Internet geschaffen wurde, hatten Spione einige Tricks auf Lager. Und wer sich vor ihnen schützen wollte, musste sich ebenfalls einiges einfallen lassen. Zu den erfindungsreichsten Verfolgten gehörte im 16. Jahrhundert der neapolitanische Arzt und Universalgelehrte Giambattista della Porta. Wegen seiner naturwissenschaftlichen Forschungen, die kirchliche Dogmen in Frage stellten, war er 1592 ins Visier der Heiligen Inquisition geraten. Zum Glück überlebte er die Verhöre und dachte sich eine Methode aus, wie man religiöse Eiferer überlisten und deren Opfern geheime Botschaften senden konnte. 
 
Dazu nutzte er das Ei des Kolumbus. Denn wenn den Eingekerten etwas gebracht wurde, durchsuchten und zerstörten gegebenenfalls die Wärter alle Mitbringsel. Nur Eier blieben ungeschoren. So beschriftete Giambattista die Schalen mit einer unsichtbaren Mischung aus Essig und Alaun. Dann kochte er die Eier, damit das Eiweiß im Inneren fest wurde. Schälten die Gefangenen die Eier, konnten sie darauf die Botschaft lesen. 
 
Derartige Techniken bezeichnet man als Steganografie. Sie wurden bereits im ersten Jahrhundert angewandt. Plinius der Ältere wusste damals schon, dass man den Saft bestimmter Wolfsmilchgewächse als unsichtbare Tinte nutzen kann. Auch bei anderen organischen Flüssigkeiten, selbst beim Urin, wird der Kohlenstoff dunkel, wenn man ihn erhitzt. 1641 verwandte Bischof John Wilkins eine Mischung aus Zwiebelsaft, Alaun und Ammoniak. Dann fügte er noch eine Prise Glühwürmchensaft hinzu, damit die Schrift im Dunkeln leuchtete. 
 
Schon 499 vor Christus hatte Histatios, der ehemalige Tyrann von Milet, einen anderen Trick auf Lager. Er war nach seiner Entmachtung gezwungen worden, am persischen Hof zu leben. Um seinen Schwiegersohn und Nachfolger zum Aufstand gegen Perserkönig Dareios zu bewegen, entsandte er seinen zuverlässigsten Sklaven als Boten. Zuvor hatte er ihm den Kopf kahlscheren und die Botschaft auf die Kopfhaut tätowieren lassen. Als wieder Gras, pardon, Haare über den Text gewachsen waren, trat der Sklave die Reise an. Und der Plan gelang.  Zumindest teilweise. Histatios nutzte die Unruhen, um sich an die Spitze der Aufständischen zu stellen. Allerdings wurde seine Armee von einem persischen Feldherrn geschlagen. Und der schickte seinem König den in Salz eingelegten Kopf des Verräters. 
 
Auch Cäsar war ein großer Freund des Chiffrierens. Der schlaue Julius würfelte die Reihenfolge des Alphabets so durcheinander, dass nur derjenige den Text lesen konnte, der das System kannte. Manchmal haperte es jedoch bei der Übermittlung. Die verschlüsselte Nachricht, die Cäsar im Gallischen Krieg seinem belagerten General zukommen lassen wollte, ließ er an einem Speer befestigen und vom früheren Olympiasieger in dieser Disziplin (so zumindest meine Mutmaßung) ins umstellte Lager werfen. Leider blieb der Speer im Turm stecken, und es dauerte zwei Tage, bis die Botschaft gelesen werden konnte. Doch die Römer gewannen die Schlacht dennoch. Und bis auf ein kleines unbeugsames Dorf gehörte ihnen bald ganz Gallien. 
 
Hin und wieder lohnt es sich auch aus unerotischen Gründen, einen Blick in den Kamasutra zu werfen. Darin wird Frauen geraten, sich nicht nur im Kochen und Schreinern, Hexen und Schachspielen, sondern auch in vielen anderen Künsten zu üben. Die 45. Kunst ist das mlecchita-vikalpa, die Kunst, einen Brief zu chiffrieren. Das hilft der Frau von Welt, ihre Affären geheim zu halten. 
 
Auch Männer können diese Technik nutzen. So füge ich hier einen nach dieser Methode verschlüsselten Text an, der Euch verrät, wo ich als Reserve für schlechte Zeiten in Dorsten 10 000 Euro vergraben habe. Um dies aber lesen zu können, müsst Ihr zunächst eine ganz bestimmte Mixtur auf den Bildschirm auftragen, um die unsichtbare Schrift des folgenden Kapitels lesbar zu machen. Viel Erfolg!
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nein, es waren nicht die Marsianer, die in den 1930-Jahren die USA angegriffen haben. Aber es gab auch keine Panik, wie der Hinweis von Rainer Diebschlag zur gestrigen Schmunzelpost klarstellt: " Im November letzten Jahres hatten wir einen Literaturabend zum Thema Fakenews. Eines der dort präsentierten Beispiele war das von Ihnen angeführte Hörspiel von Orson Wells und die auf die Sendung folgende Massenpanik. Und jetzt kommt das Problem, auf das ich an dem Abend auch hingewiesen habe: Es gab gar keine Massenpanik. Die wurde am Abend der Sendung von den Zeitungen des nächsten Morgens erfunden, um eine Sensationsmeldung zu haben.

Das Ganze ist mittlerweile gut recherchiert und mit Dokumenten belegt. Deshalb dient das Ganze nun in den USA als Material für die Ausbildung von Journalisten. Der Fake war weniger das Hörspiel (mit einer deutlichen Warnung vorher und nachher, dass es nur ein Spiel war), sondern die reißerische Berichterstattung über eine Riesenpanik." 

 

 Schmunzelpost 1100 vom 4. 3. 24

Seht mir bitte nach, dass ich als altgedienter Journalist davon fasziniert bin, wie leichtgläubig die Menschen auf Sensations-Meldungen der Medien reagieren. Zu den berühmtesten Beispielen zählt das einst von Orson Wells inszenierte Hörspiel "Krieg der Welten", das in den USA eine Massenpanik auslöste, weil die Hörer die Invasion der Außerirdischen für bare Münze nahmen. 
 
In Zeitungen war es zeitweise ein beliebter Brauch, am 1. April möglichst obskure Nachrichten so glaubhaft zu präsentieren, dass sie tatsächlich Reaktionen auslöste. Weil jedoch durch das Datum die Zahl der Arglosen minimiert wurde, versteckten journalistische Spaßvögel ihre Geschichten auch hin und wieder an unverdächtigen Tagen im Blatt. So erschien am 9. November 1874 im New York Herald ein Bericht über eine "schreckliche Katastrophe". Danach waren aus einem kleinen Zoo im Central Park wilde Tiere ausgebrochen und hatten ein fürchterliches Gemetzel angerichtet. 
 
Laut der Zeitung habe sich an dem schockierenden Samstag mitten in New York ein "Karneval des Todes" abgespielt. Spaziergänger, so hieß es, hätten sich verzweifelt gegen zähnefletschende Bestien gewehrt: "Augenzeugen berichteten von 49 Toten und über 200 Schwerverletzten." Gouverneur Dix habe zwar höchstpersönlich auf offener Straße einen bengalischen Tiger erschossen, aber zwölf gefährliche Tiere streunten immer noch durch die Stadt. 
 
Die bewusst übertriebene Story hatte ungeahnte Folgen. Bürgermeister Havemeyer wies umgehend die Einwohner an, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und die Türen fest zu verschließen. Kurze Zeit später machten bewaffnete Horden den Broadway und die Fifth Avenue unsicher. Sie stürmten auf der Suche nach den entlaufenen Zootieren sogar Kirchen, Büros und Kaufhäuser. Ob sie glaubten, dass ein getürmter Gorilla als erstes auf Shopping-Tour geht? 
 
Selbst Journalisten gingen den Fake News auf den Leim. Der Kriegsberichterstatter des Herald, der nicht informiert worden war, stürmte mit großen Armeerevolvern in jeder Hand in die Redaktionskonferenz und brüllte: "Also, hier bin ich!" Und ein Kollege von der Konkurrenz war stinksauer. Redakteur George F. Williams von der New York Times beschwerte sich voller Wut im Polizeipräsidium, dass man ihm dort die sensationelle Meldung verschwiegen habe. 
 
Erst nach seiner Pensionierung, zwei Jahrzehnte später, gab der Herald-Redakteur Thomas Connery zu, dass er die Geschichte publiziert hatte, um auf die miserablen Zustände im Zoo hinzuweisen. Allerdings hätten die Leser das schon früher wissen können. Am Ende des mehrseitigen Artikels stand unzweideutig, dass es sich um ein reines Fantasieprodukt handelte. 
 
Tja, dass lange Texte oft nicht bis zum Schluss gelesen werden und schon eine Überschrift unabhängig vom Inhalt eines Artikels die Leute zum Explodieren bringen kann, wissen Journalisten aus leidvoller Erfahrung. Da hat bei uns die Bildzeitung jahrzehntelang unheilvolle Vorarbeit geleistet, bevor das Internet nun das Chaos komplett macht. Wie gut, dass es die Schmunzelpost gibt. Hier steht nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Es sei denn, ich habe ausnahmsweise mal geschwindelt. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1099 vom 3. 3. 24

1099. Schmunzelpost? Nanu? Gestern kam doch erst die 1097. an? Das stimmt zwar und stimmt doch auch wieder nicht. Der Laserstrahl des Hautarztes muss durch die Schädeldecke in mein Gehirn gedrungen sein und dabei die Abteilung für Ziffern beschädigt haben. Jedenfalls ist die 1097. Schmunzelpost gleich zweimal versandt worden, weshalb wir jetzt mit der 1099. Folge wieder auf dem korrekten Stand sind. 

Vielleicht hat der Laser jedoch noch weitaus größere Schäden angerichtet. Jedenfalls muss ich heute gestehen, dass ich als Protestant und Steuerzahler der evangelischen Kirche (irgendjemand muss ja selbst als Atheist die sozialen Einrichtungen und die Renten befreundeter Kirchendiener finanzieren) einen Papst zutiefst bewundere. Es geht um Papst Bonifaz VIII., dem sogar der Prozess gemacht wurde. Dabei wurde Bonifaz beschuldigt, er habe Zauberbücher benutzt und Dämonen beschworen. Ein Zeuge sagte aus, der Pabst habe drei seiner Lieblingsdämonen im Haus gehalten und dem Teufel in seinem Garten einen Hahn geopfert. 
 
Nun ist mir neu, dass Satan auf Geflügel steht. Und die Aussagen eines weiteren Belastungszeugen führten dazu, dass ich erst recht meine Sympathie für Papst Benifiz VIII. entdeckte. Denn dieser Mann soll sich durch unfromme Äußerungen hervorgetan haben. So habe er den Standpunkt vertreten, Geschlechtsverkehr sei genauso natürlich wie Händewaschen. Und es kam noch dicker. Alle Religionen enthielten Wahres und Falsches. Im Jenseits gebe es weder Hölle noch Paradies, sondern nur hier auf Erden. Und dann kam der dickste Hund: Das Märchen von Jesus Christus sei in erster Linie eine hervorragende Einkommensquelle für den Klerus. 
 
Der Prozess versandete, und Bonifaz VIII. blieb bis zu seinem Tod am 11. Oktober 1303 im Amt. Ein Papst ist als Stellvertreter Gottes natürlich unfehlbar. Trotzdem gelang es den Amtsnachfolgern rasch, die Aussagen von Bonifaz unter den Teppich zu kehren. Wer sägt schon gern an dem Ast, auf dem er sitzt? Und die Lasertechnik war im 14. Jahrhundert leider noch nicht weit verbreitet. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur letzten Schmunzelpost und meinem Appell, die Krebsvorsorge zu nutzen, hat es einen weiteren Hinweis gegeben. Danach sollte man sich nicht wie ich auf der sicheren Seite fühlen, wenn Ultraschulluntersuchungen der Prostata nichts Auffälliges ergeben habe. Erstens könne so nur ein Teilbereich überprüft werden und zum anderen sei es auch für Jüngere wichtig, beim Urologen ihren Hoden untersuchen zu lassen. Als Fußballfreund kann ich das nur bestätigen: Nur wegen einer frühzeitigen Untersuchung konnte Ebbe Sand, früherer Mittelstürmer von Schalke 04, wieder Profisport betreiben. Und auch bei einer ganzen Reihe weiterer Fußballer, selbst aus Nord-Lüdenscheid, wurde so das Karzinom rechtzeitig entdeckt und erfolgreich behandelt. Was Profis recht ist, sollte Amateuren Pflicht sein. Männer, betreibt frühzeitig Vorsorge! 

Schmunzelpost 1098 vom 2. 3. 24 

Schaut mir in die Augen, Leute! Oder besser: Schaut mir ins Gesicht und auf meinen Schädel.  So kann es jemand ergehen, der seinen Vorsorgetermin beim Hautarzt jahrelang nicht genutzt hat. Gestern mussten nun zehn Keimzellen von meinem Kopf weggelasert werden, aus denen sich bei ungünstigem Verlauf ein Tumor hätte bilden können. Es war sogar noch eine Stelle mehr. Doch die zeige ich Euch nicht: Die war an meinem Po! 
 
Dazu folgt in Kürze noch eine Operation, um ein Muttermal komplett zu entfernen, damit es keinen Unsinn macht. Wenigstens ist aber tags zuvor der Kehlkopf-Kontrolltermin gut verlaufen, von Neubildungen war nichts zu sehen. Insgesamt unterstreicht das alles, wie wichtig es ist, Krebsvorsorge Ernst zu nehmen. Also, liebe Leute, schludert nicht und nehmt die Vorsorge in Anspruch! 
 
Der Hautarzt hat jedoch noch etwas weiteres, sehr Bösartiges entdeckt. Gegenwärtig wird noch unter dem Deckel gehalten, dass Außerirdische ihre Saat in Menschen schmuggeln, damit diese von ihnen übernommen werden können, wenn die Parasiten erst zu einer gewissen Größe gereift sind. Die Regierung fürchtet nicht zu Unrecht eine Panik, falls das bekannt würde, bevor ein wirksames Gegenmittel gefunden ist. Daran wird fieberhaft gearbeitet. Ich hoffe nun verzweifelt, dass dies für mich noch rechtzeitig gelingt. 
 
Der letzte Absatz war natürlich Quatsch. Dennoch wird solcher und ähnlicher Unsinn heutzutage im Internet verbreitet und sogar geglaubt! Schwachsinn muss nur oft genug wiederholt und von Vertrauten bestätigt werden. Als noch nicht fast alle am Netz hingen, funktionierte die Volksverdummung auf andere Weise. Von 105 bis 170 lebte ein gewisser Alexander von Abonuteichos. Ihm gelang es, einen Schlangenkult populär zu machen und dadurch hervorragend zu verdienen. 
 
Der antike Alexander hatte Tontäfelchen gefälscht und im Tempel des Askelepios versteckt. Auf diesen scheinbar uralten Tafeln wurde prophezeit, dass bald ein Gott mit magischen Kräften der Heilung erscheinen würde. Und siehe da: Gesunde wie Kranke strömten in Scharen herbei, als Alexander einen menschenköpfigen Schlangengott mit Namen Glykon vorstellte. Ob er dazu eine harmlose Natter nutzte, einen gut verkleideten Kumpanen präsentierte oder nur einen ausgestopften Strumpf, ist heute nicht mehr zu klären. Aber der Vermittler zwischen Gott und Mensch wurde steinreich. Sein Kult überlebte ihn noch um 100 Jahre nach seinem Tod, wovon heute noch Münzen mit dem Abbild von Glykon zeugen. 
 
Auf Glykons Spuren wandelte 1702 in London ein weiterer begabter Betrüger. Er nannte sich George Psalmanazar und behauptete, der erste Einwohner der Insel Formosa, heute Taiwan, zu sein, der nach Europa gelangt sei. Sein komplett frei erfundenes Lügenbuch "An Historical and Geographical Description of Formosa" verschaffte ihm hohes Ansehen und viele Einladungen bei den Schönen und Reichen jener Zeit. 
 
Für seine Gastgeber erfand der dreiste Hochstapler immer wieder neue haarsträubende Dinge wie Menschenopfer, Kannibalismus und Polygamie. Auf Formosa, so erzählte er, liefen die Menschen den ganzen Tag nackt herum, nur mit einer goldenen oder silbernen Scheibe über dem Geschlechtsteil. Untreue Ehefrauen durften von ihren Gatten verspeist werden. Das empfanden diese als Bereicherung des Küchenzettels, weil sie sonst dauernd Schlangen essen mussten. Nur für Priester gab es eine weitere Abwechslung: Sie grillten und verzehrten einmal im Jahr die Herzen von 18 000 Knaben. 
 
Nun war der Mann, der dies berichtete, blass, blond und blauäugig. Obwohl er bei den Abendgesellschaften gern rohes Fleisch verzehrte, um seine Geschichten zu untermauern, konfrontierte ihn ein Skeptiker mit seiner fahlen Hautfarbe. Als die Erklärung dafür lautete, dass auf Formosa die Inselbewohner in unterirdischen Häusern lebten, setzte der Zweifler nach: "In den Tropen scheint die Sonne doch direkt durch die Schornsteine." Doch auch darauf hatte der famose Formoser eine schlüssige Antwort: "Ja, gewiss, die Sonne steht mittags senkrecht am Himmel. Aber unsere Schornsteine sind gedreht wie Korkenzieher. Kein Lichtstrahl fällt auf den Boden." Erst 1764, lange nach dem Tod von Psalmanazar, erhellte eine Erkenntnis die Briten: Sie waren einem begnadeten Schwindler aufgesessen.  
 
Auch durch meinen Korkenzieher dringt kein bisschen Licht. Aber ich verwende ihn auch nicht als Rauchabzug, sondern zum Öffnen von Weinflaschen. Und davon müsste ich schon eine ganze Menge austrinken, um ein ebenbürtiges Märchen zu erzählen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1097 vom 1. 3. 24 

Fantasie und Realität sind oft kaum zu unterscheiden. Heutzutage werden Fake News gezielt als Waffe eingesetzt, um Verunsicherung zu schaffen und Unmut zu säen. Auch in der Kunst sind und waren Meisterwerke von plumpen Fälschungen nicht immer leicht auseinanderzuhalten. Fragt nach bei der Putzfrau, die eine Beuys-Arbeit entsorgt hat. Und die "Hurz"-Aufführung von Hape Kerkeling ist der beste Beweis, wie sich ein kulturbeflissenes Publikum an der Nase herumführen lässt, wenn dies im passenden Rahmen geschieht.
 
Auch bei der schreibenden Zunft und in der Literatur hat es viele Fälschungen gegeben. Manchmal dienten sie dazu, mit erfundenen Geschichten ordentlich Geld zu verdienen (siehe Spiegel-Journalist Claas Relotius oder Sternreporter Heidemann im Verbund mit Konrad Kujau), manchmal war das Ganze auch nur als Spaß gedacht, um bestimmte Menschen oder die breite Masse zu foppen. 
 
Das begann schon in der Antike. Der stoische Philosoph Dionysios Metathedes jubelte rund 300 Jahre vor Christi Geburt seinem Lehrmeister Herakleides Potikos eine selbsterdachte angebliche Sophokles-Tragödie unter. Der arme Herakleidis fiel darauf herein und lobte das Werk in den höchsten Tönen. Selbst als sein früherer Schüler ihm den Schwindel gestand, wollte Herakleidis dies nicht glauben. Daraufhin zeigte ihm der Fälscher ein Akrostichon, das er ihn den Text eingebaut hatte. Das sind Worte, die sich aus den Anfangsbuchstaben anderer Worte oder Versfolgen ergeben. In diesem Fall war es Pankalos, der Name eines guten Freundes. 

Doch auch das könne Zufall sein, sperrte sich das Opfer des Streiches weiterhin dagegen, genarrt worden zu sein. Erst als Dionysius ihm ein weiteres Akrostichon offenbarte, musste der Gefoppte klein beigeben. Der Satz lautete: "Herakleides versteht nichts von Literatur." 
 
Der gleiche Trick erlebte in verfeinerter Form mehr als 2000 Jahre später eine Neuauflage. Bevis Hillier hatte sich mächtig geärgert, dass seine Biografie über den Dichter John Betjeman - wer kennt ihn nicht? - vom Literaturkritiker A. N. Wilson heftig verrissen worden war. 17 Jahre später brachte Wilson selbst eine Betjeman-Biografie heraus. Besonders stolz war der Verfasser, dass er darin auch einen bisher unbekannten Liebesbrief von Eve de Harben veröffentlichen konnte. 
 
Wie sich danach herausstellte, war er jedoch einer Fälschung aufgesessen. Niemand anders als Bevis Hillier hatte ihm den Brief untergejubelt. Der Name Eve de Harben erwies sich als Anagramm von "Ever been had?" Und die Anfangsbuchstaben der Zeilen ergaben: "Wilson is a shit". Ja, ja, Rache ist süss. Zwar ist heute noch nicht der 1. April, sondern der 1. März. Aber morgen folgen weitere literarische Streiche. Und deshalb sage ich schon mal 
 
März, März! 
kdk 

Schmunzelpost 1096 vom 29. 2. 24

Buchautoren sind mitunter etwas wunderlich. Dieser Eindruck erhärtet sich, wenn man beispielsweise die Briefe liest, die Franz Kafka an seine Geliebte gesandt hat. Aber Kafka ist beileibe nicht der einzige sonderbare Charakter, dessen Texte im Buchhandel erhältlich sind. Auch die Leser von "Krauses Zeug" sollen sich manchmal gefragt haben: "Tickt der Kerl noch richtig?"
 
Ein weiteres markantes Beispiel für diese schräge Riege ist Timothy Dexter. Ein Quereinsteiger aus Massachusetts in den USA. der zunächst während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges als Geschäftsmann ein Vermögen machte. Dabei hatte er jedoch mehr Glück als Verstand. Nachdem er durch Devisengeschäfte ein gehöriges Startkapital ansammelte, erwarb Dexter zwei Schiffe. Wie er auf die Idee kam, damit Wärmeflaschen ausgerechnet zu den Westindischen Inseln zu schicken, ist nicht überliefert. Aber er beschäftigte einen kreativen Kapitän, dem es gelang, die Wärmeflaschen als Schöpfkellen an die Zuckerindustrie zu verkaufen.
 
Seine dicken Handschuhe wurde er bei Chinesen los, die sie nach Sibirien weiterverkauften. Bibeln für das islamische Indonesien fanden reißenden Absatz bei Missionaren. Und selbst die streunenden Katzen, die er in die Karibik verbannt hatte, wurden dort als Rattenfänger begrüßt. Und das Glück ließ Dexter selbst dann nicht im Stich, als er sich von Konkurrenten überreden ließ, eine große Ladung Kohlen ausgerechnet nach Newcastle zu entsenden, mitten ins Zentrum des britischen Bergbaus. Doch wie der Zufall es wollte, streikten dort gerade die Bergleute. Und so wurde auch der Kohle-Export ein gutes Geschäft.
 
Das beflügelte Timothy Dexter, 1802 unter dem Titel "A Pickle for the Knowing Ones or Plain Truth in an Homespun Dress" seine Autobiographie zu schreiben. Eigentlich enthielt sein Buch mehr eine Wutrede gegen den Klerus, gegen Politiker und gegen seine Ehefrau. Dazu zeichnete sich der Text durch eine vogelwilde Orthografie und das Fehlen fast aller Satzzeichen aus. Als Kritiker dies bemängelten, fügte Dexter in der zweiten Auflage eine Doppelseite mit allen erdenklichen Satzzeichen an und bat die Leser, sie nach ihrem persönlichen Geschmack zu verteilen.
 
Kurtz habbe ich darrübber nachdenkt diehsem vorbilt follgen zu tun umm euch nich zu überfohrdern beschranke ich mir abber Auf dieses Absats     !!!!!!!.......,,,,,,,;;;;;;;??????:::::::   
 
Glückauf
kdk
 
PS. Noch ein Zufall: Bei der nächsten Literatur-Auslese im Gemeinschaftshaus Wulfen spielen, wie in der gestrigen Schmunzelpost, Krokodilstränen eine Rolle. Nicht nur deshalb ist der Besuch der Veranstaltung mit dem Schwerpunkt Antisemitismus empfehlenswert. Rainer Diebschlag liefert schon vorab eine tränenreiche Ergänzung.
 
Einmal auf der Spur nach den Krokodilstränen fand ich einen weiteren Eintrag bei Wikipedia:
Das Krokodilstränenphänomen (synonym: gustolakrimales Phänomen, Phänomen der paroxysmalen Tränen, gustolakrimaler Reflex, gustatorisches Weinen oder Bogoradsyndrom) ist ein menschliches Krankheitssyndrom, bei dem ein einseitiger Tränenfluss auftritt, in der Regel während der Nahrungsaufnahme. Der Bezug zu den Krokodilstränen ergibt sich aus der Tatsache, dass bei Krokodilen beobachtet werden kann, dass sie bei der Nahrungsaufnahme ebenfalls eine Tränensekretion zeigen. Die betroffenen Menschen können stark an der unfreiwilligen Tränensekretion beim Essen leiden. Das Krokodilstränenphänomen gehört zu den Irritationssyndromen. [….]
Therapeutisch ist von Erfolgen bei der Anwendung mit Botox-Injektionen berichtet worden. 
 
Mein Vorschlag: Da ja das Essen in manchen Krankenhäusern, Mensen und Restaurants öfter zum Heulen ist, wäre es vielleicht hilfreich, dem Essen einfach eine Portion Botox hinzuzufügen, um die Esser zu erheitern. Das wäre dann eine orale Anwendung. Bei Sternerestaurants könnte die Beigabe von Botox – wenn die Tester mal wieder da sind – zu einer Verbesserung im Sterneranking führen. Und dem ewigen Gequengel von Kindern über Essen, das sie nicht mögen, wäre auf diese Weise abzuhelfen. 

Schmunzelpost 1095 vom 28. 2. 24 

Über die Schattenseiten des in Windeseile über uns hereingebrochenen digitalen Zeitalters habe ich mich an dieser Stelle schon häufig beklagt. Die sozialen Medien sind leider viel zu oft asozial. Allerdings macht uns das Internet auch in vielen Bereichen das Leben leichter. Zum Beispiel, indem es per Email unter anderem - ruckzuck - eine neue Schmunzelpost serviert. Oder blitzschnell Antworten findet, etwa wenn wir nach Begriffen googeln (ich werde nicht müde, darauf hinzuweisen, dass dies mit der Suchmaschine Ecosia genauso kostenlos und umfassend funktioniert, wobei aber Ecosia für jede Anfrage ein Bäumchen pflanzt. Wirklich!). Oder wenn wir auf Wikipedia unser Wissen aufpolieren. 
 
Das hat allerdings auch dazu geführt, dass der Brockhaus und andere Lexika inzwischen in unseren Regalen ein trübseliges Dasein als Staubfänger fristen müssen. Dabei galten solche Nachschlagewerke viele Jahre als wesentliche Quelle für verlässliche Informationen. Dies war in ihren Anfängen anders. Die Vorläufer im Mittelalter waren illustrierte "Bestiarien". Und darin wurden liebend gern spektakuläre Fantastereien aus der Antike, unter anderem von Herodot oder Aristoteles, in prächtige Bilder umgesetzt und als Tatsachen ausgegeben. So auch in der 20bändigen Enzyklopädie, die Isidor von Sevilla im siebten Jahrhundert schuf. 
 
Darin erfahren wir, dass Pelikane sich mitunter die Brust aufreißen, um ihre Jungen mit eigenem Blut zu füttern, was als Symbol der Mutterliebe galt. Enten und Gänse wuchsen auf Bäumen. Und Greife, Drachen und Einhörner existierten angeblich wirklich, genau wie das Bonnacon. Diese Kreatur glich einem Stier und lebte in Mazedonien. Leider konnte sie sich nicht mit ihren Hörnern verteidigen, da diese nach innen gebogen waren. Aber das pfiffige Bonnacon verfügte über eine viel bessere Waffe. Wurde es angegriffen, wandte es dem Verfolger das Hinterteil zu und bespritzte den Widersacher mit kochender Jauche! 
 
Schon früh wurde aber mancher Unsinn als Aberglaube entlarvt. Plinius spottete über die Leichtgläubigkeit seiner griechischen Zeitgenossen, die sich vor Werwölfen fürchteten. Andererseits glaubte er jedoch fest daran, dass sich Kahlköpfigkeit rückgängig machen lässt, wenn man seinen Schädel mit Mäusekot einreibt. Ich hab's probiert, es klappt nicht. 
 
Aber wenigstens bin ich nicht der einzige, der auf so einen Blödsinn hereingefallen ist. Leonardo da Vinci beispielsweise bereicherte mit seiner Beobachtung zumindest unseren Sprachschatz. Er schrieb: "Das Krokodil packt einen Menschen und tötet ihn mit seinen Kiefern. Dann weint und jammert es, ehe es ihn verschlingt. So verhält es sich auch mit dem Heuchler, der Tränen vergießt und eine traurige Miene zeigt, während sein Herz jubelt." Nun wisst Ihr endlich, was es mit den Krokodilstränen auf sich hat. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1094 vom 27. 2. 24

Kennt Ihr das auch? Wenn man einmal in einer Bibliothek oder einer Buchhandlung ein Buch aufschlägt, darin blättert und zu lesen beginnt, kann es passieren, dass man die Zeit vergisst. Ähnlich erging es mir mit der "Bibliothek des Wahnsinns", weshalb Ihr jetzt noch ein paar Tage mit Verrücktheiten aus der Welt der Literatur rechnen müsst. 
 
Entfernte Verwandtschaft mit einem Tagebuch kann ich für meine Schmunzelpost nicht verleugnen. Da habt Ihr aber richtig Glück. Wenn Ihr nämlich in die Fänge des amerikanischen Geistlichen und Highschool-Lehrers Robert Shield geraten wärt, dann hätte Euch eine gewaltige Lawine überrollt. Und Ihr könntet abends in Euer Tagebuch schreiben: "Heute von morgens bis abends Tagebuch-Einträge von Robert Shield gelesen." 
 
Eine spannende Lektüre. So beginnt ein Kapitel: "7 Uhr morgens. Ich habe die Wanne geputzt und Schichten von abgestorbener Haut von meinen Füßen gekratzt." Das war allerdings wohl auch das Highlight des Tages, was beileibe nicht bedeutet, dass es die letzte Eintragung gewesen ist. Shield legte großen Wert darauf, möglichst alle fünf Minuten zu dokumentieren, was sich in seinem aufregenden Leben tat. So kam von 1972 bis 1997, als ein Schlaganfall jäh seine Schreibfreude lähmte, eine Tagebuch-Sammlung zusammen, die insgesamt 37,5 Millionen Worte enthält. Die Nahrungsaufnahme wurde dabei genauso akribisch protokolliert wie der Stuhlgang. 
 
Shield war überzeugt, damit der Wissenschaft einen großen Dienst zu erweisen: "Wenn sie einen derart detaillierten Einblick in das Leben eines einzelnen Menschen erhalten, erlaubt ihnen das vielleicht Rückschlüsse auf das Leben der anderen." Tatsächlich landeten die Stapel seiner Tagebücher nach Shields Tod im Jahre 2007 zur weiteren Untersuchung in der Sammlung der Washington State Universität - zusammen mit einigen Nasenhaaren des Autors. 
 
Ist dieser Mann nicht ein echtes Vorbild? Ich bin gestern Morgen bereits in aller Herrgottsfrühe um 9.10 Uhr erwacht, weil der Kater an der Tür kratzte. Als ich ihn ins Zimmer gelassen hatte, schlief ich wieder ein. Wie, Ihr wollt gar nicht mehr wissen, wie es weiterging, als ich um 9.50 Uhr aufstand und die Toilette aufsuchte? Na, dann eben nicht. Dann tragt Ihr die Schuld, dass der Wissenschaft wichtige Rückschlüsse vorenthalten bleiben. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Hinweise, wie wir uns vor Kugeln schützen können, reißen nicht ab. Rainer Diebschlag verweist auf Theodor Fontanes Geschichte "Der Seitenschuss" über die Militärzeit von dessen Vater Louis Henri: 
"Anfang April [1813] verließ er mit etwa fünfzig andern Freiwilligen Berlin und zog auf Sachsen zu, wo sich die kriegerischen Ereignisse bereits vorbereiteten. [...] Vier Wochen spä­ter, am 2. Mai, war die blutige Schlacht bei Groß-Görschen. Die freiwil­ligen Jäger wurden einem Garde-Bataillon eingereiht und machten in die­sem die Schlacht mit. Mein Vater erhielt eine Kugel in den Tornister, die, nach Durchbohrung eines kleinen Wäschevorrats, in den Pergamentblät­tern einer dicken Brieftasche stecken blieb. Diese Brieftasche, mit der Kugel darin, hab ich mir oft zeigen lassen. 'Du mußt wissen, mein lieber Sohn, es war kein Schuß von hinten; wir stürmten einen Hohlweg, auf dessen Rän­dern, rechts und links, französische Voltigeurs standen. Also Seitenschuß.' 
Ein Seitenschuss von einem Voltigeur! Das war Heldentum pur. Denn die Voltigeure waren eine Sondertruppe, Schützen, die in aufgelöster Ord­nung den Gegner angriffen. Und Louis Henri soll es von der Seite getroffen haben, also beim Vorstoß und nicht auf der Flucht. Er selbst nur bewaffnet mit einer einfachen Büchse, dafür mit dickem Portemonnaie, das ihm das Leben rettete. Das ist die raffinierte Erzählkunst des alten Fontane. Dass gerade das dicke Portemonnaie dem Vater das Leben gerettet haben soll, wo ihm doch zeitlebens das Geld durch die Finger rann." 

Schmunzelpost 1093 vom 26. 2. 24  

Wie nannte einst Harald Martenstein eine Buchausgabe seiner gesammelten Glossen? "Der Titel ist die halbe Miete". Allerdings ist ein treffender Titel nicht unbedingt Garant für einen Bestseller. "Krauses Zeug", die Zusammenstellung früher Schmunzelpost-Folgen, ist dafür der beste Beweis. Aber anders herum wird ein Schuh daraus. Es ist gut, dass der Orwell-Klassiker "1984" heißt, obwohl der Verleger stattdessen auch "Der letzte Mensch in Europa" erwogen hat. Und ob Fitzgeralds Werk "Der große Gatsby" mit dem Titel "Trimalchio in West Egg" solch ein Welterfolg geworden wäre? Übrigens hätte Bram Stokers "Dracula" auch als "Der Tote Untote" aus seinem Sarg steigen können. 
 
Es gibt jedoch schräg betitelte Bücher, die durchaus preiswürdig wären. Und umgekehrt welche, die wegen ihres miesen Titels ausgezeichnet werden, wobei humoristische Werke dabei von vornherein ausgeschlossen sind. Seit 1979 vergibt das Magazin "The Bookseller" den Preis "Oddest Title of the Year". Die Idee dazu hatte der Buchhändler Bruce Robertsson nach einem Besuch der Frankfurter Buchmesse. 1986 gewann "Oral Sadism and the Vegetarian Personality". Und 1989 ging der Preis an "The Joy of Waterboiling". 
 
In der Literaturgeschichte gab es eine ganze Menge Buchtitel, die aufhorchen ließen, obwohl sie es nicht in den Kanon der Meisterwerke schafften. Schon 910 tat sich der Benediktinermönch Hucbald von Saint-Amand hervor, dem ich von dieser Stelle aus herzlich für sein Gedicht "Zum Lob der Kahlköpfigen" danke. Der Mann gehörte zu den frühesten bekannten Musiktheoritikern und war humorbegabt. So beginnt in seinem 142-Zeilen-Gedicht "Ecloga calvis" (calvus bedeutet kahl) jedes Wort mit dem Buchstaben C. Was sagt man dazu? Vielleicht "Carmina, clarisonae, calvis cantate, Camenae!" 
 
1558 entpuppte sich dann der schottische Reformator John Knox als extremer Frauenhasser. Sein epochales Werk trug den Titel "The First Blast of The Trumpet Against the Monstrous Regiment of Women", also "Der erste Trompetenstoß gegen die monströse Herrschaft der Frauen". Dieser Mann, der sich in der Tradition des Propheten Jeremias sah, zielte vor allem auf die katholische Königin Mary I. und Marie de Guise, die damals Schottland regierte. Leider warf er aus dem sicheren Exil allen Frauen pauschal Blindheit, Schwäche und Narrheit vor. Als das Buch herauskam, hatte jedoch die Protestantin Elizabeth I. den englischen Thron bestiegen. Und her majesty was not amused und ließ dies Knox und seine Anhänger spüren. 
 
Scheinbar hat die Knox-Schrift adligen englischen Frauen noch viel später arg gestunken. So schlug die "Countess of Fizzle Rumpf" 1722 mit einer Kampfansage entschlossen zurück. Ihr Buch trug den Titel "Arse Musica or The Lady's Back Report". Darin wurden unter anderem die Vorzüge des weiblichen Furzens ausgiebig erläutert. Doch hinter der Gräfin verbarg sich keine frühe Vertreterin des Feminismus sondern ein anrüchiger Satiriker mit Namen Jonathan Swift. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Dass im ersten Weltkrieg ein dickes Buch einem Mann das Leben rettete, wie in der gestrigen Schmunzelpost zu lesen war, ergänzt Ursula mit dem Hinweis, dass auch ein Bügel-BH segensreich sein kann. Er bewahrte eine Frau vor dem Tod, weil daran eine Schrotkugel abprallte. Leider kommt das Tragen von Bügel-BHs für mich nicht in Frage. Da bleibe ich lieber bei Büchern. 

 Schmunzelpost 1092 vom 25. 2. 24

Was haben Cornelia Funke und ich gemeinsam? Nein, Dorsten ist nicht das Bindeglied. Cornelia ist hier aufgewachsen und hat sich dann in die weite Welt verabschiedet, ich bin erst 1988 im gesetzten Alter nach Dorsten gekommen. Nein, es zählt auch nicht, dass wir beide Bücher geschrieben haben. Cornelia ist Bestseller-Autorin, ihre zauberhaften Werke wurden in fast alle Sprachen übersetzt. Ich hingegen kann nur davon träumen, dass "Krauses Zeug" jemals die magische Marke von eintausend verkauften Exemplaren erreicht. Nein, auch das Dorstener Baumhaus trifft es nicht ganz. Als Cornelia dort Dauergast war, diente es noch als Bücherei, heute ist das Baumhaus ein kultureller Treffpunkt für klein und groß. 
 
Aber damit sind wir schon ganz nah dran: Cornelia Funke ist genauso wie ich fasziniert von Bibliotheken. Als Heimat von  Büchern üben Bibliotheken eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf uns aus. Das ist nicht allein im Reiz von bisher ungelesenen Büchern begründet. Allein der Anblick scheinbar endloser Regale, in denen sich Band an Band drängt, verheißt spannende Entdeckungen und lässt immer wieder aufs Neue das Herz höher schlagen. 
 
So war ich zuletzt auf Norderney sehr angetan von der Bücherei im "Conversationshaus". Das ist eine Bibliothek vom alten Schlag, in der die Regale bis zur hohen Decke reichem und Besucher sich einer Leiter bedienen müssen, um 3,50 Meter über dem Boden das Objekt ihrer Begierde in die Finger zu bekommen. Eigentlich will ich Euch heute jedoch von einer ganz anderen Bibliothek berichten, der "Bibliothek des Wahnsinns". 
 
Diesen Titel trägt ein Buch von Edward Brooke-Hitching. Er beschreibt darin Schräges, Schönes und Abgründiges. Und zwar Bücher, die nie in Bestsellerlisten auftauchten, sondern in den dunklen Kapiteln der Literaturgeschichte ihren Platz fanden. Bücher, die töten, die mit Blut geschrieben und in Menschenhaut eingebunden wurden, Bücher, die für das bloße Auge unsichtbar sind. Kurzum: Kuriose Bücher, die bei einem Freund von Verrücktheiten wie mir die schwarze Saite der Seele zum Klingen bringen. 
 
Wusstet Ihr beispielsweise, dass Bücher tatsächlich töten können? Sie sind bis heute ein Grund, sich den Regalen mit uralten Werken nur ganz vorsichtig zu nähern und vor allem von grün gefärbten Bänden die Finger zu lassen. Im 17. Jahrhundert wurde diese stark arsenhaltige Farbe gern benutzt, um Ungeziefer abzuschrecken und zu verbergen, dass der Band von unansehnlichem Leder umhüllt war. In Bibliotheken und Museen finden sich immer noch viele dieser tödlichen Einbände. 
 
Doch Bücher können nicht nur töten, sondern auch Leben retten. Auf ähnliche Weise, wie es schon Karl May beschrieb. So überlebte Maurice Hamonneau einen Sturmangriff bei der Schlacht von Verdun im ersten Weltkrieg nur deshalb, weil er in seiner Brusttasche die französische Übersetzung von Rudyards Kiplings Roman "Kim" in der Brusttasche trug. Die ansonsten tödliche Kugel blieb darin zwanzig Seiten vor seinem Herzen stecken. 
 
Es geht aber auch anders herum. Der 68er-Aktivist und Schriftsteller Uwe Wandrey dachte intensiv darüber nach, wie er den Satz "Die Feder ist mächtiger als das Schwert" in die Praxis übertragen konnte. Er kam auf eine zweiteilige Lösung. Während seine "Kampfreime" Slogans für die "demonstrierenden Massen des revolutionären Widerstands" liefern sollten, konnte das Buch auch als "notwehrtaugliche" Waffe im Straßenkampf eingesetzt werden. Dazu war der Einband mit scharfen Aluminiumkanten ausgestattet, mit denen sich Widersachern Schnittwunden zufügen ließen. Oder die wenigstens dazu dienten, gesinnungsfeindliche Plakate abzukratzen. 
 
Die Schmunzelpost enthält weder scharfe Kanten noch Arsen. Aber ihr Verfasser wird sich weiter bemühen, gelegentlich eine kleine Prise Wahnsinn in Eure Schädel zu streuen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1091 vom 24. 2. 24

Gestern war ein guter Tag für Dorsten. Da öffnete der Bürgerbahnhof seine Pforten. Wer jetzt sagt: "Na und? Sind nicht alle Bahnhöfe für die Bürger da?", der kennt sich in Dorsten nicht aus. Denn hier hat die DB das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude an die Stadt verkauft.  Und nachdem alle Gleise auf die Ostseite verlegt wurden, soll der Bürgerbahnhof nun als Begegnungsstätte dienen. Mit einem Cafe-Restaurant, das auf der dem Zentrum zugewandten Seite im Sommerhalbjahr Außengastronomie anbieten wird. Und mit frisch renovierten Räumen, die jetzt für Aktivitäten von Vereinen und Initiativen zur Verfügung stehen. 
 
Eigentlich war das ja ganz anders gedacht, als am 1. Juli 1879 der erste Zug einfuhr. Zwar enthielt der vom bekannten Kölner Architekten Gustav Paeffgen entworfene schmucke Dorstener Bahnhof auch damals schon eine Gastwirtschaft, war aber in erster Linie für die Fahrgäste bestimmt. Und davon gab es eine Menge. In den goldenen Jahren konnte man von dort nicht nur nach Essen und Borken, sondern auch nach Paris oder Berlin fahren. 
 
Fast 40 Jahre zuvor war in England am 31. August 1840 der weltweit erste Hauptbahnhof in Betrieb genommen worden, der auch heute noch seine Funktion erfüllt. Im Bristol Temple Meads steigen gegenwärtig jährlich rund 5,6 Millionen Reisende in die Waggons. Am höchst gelegenen Bahnhof unseres Planeten in Tibet steigt dagegen niemand aus oder ein. Dafür ist dort die Luft viel zu dünn. Der zeltähnlich gestaltete "Tanggula" dient allein den Zwecken des Bahnpersonals. Denn wenn sie in einer Höhe von 5068 m tätig werden müssen, benötigen Gleisarbeiter für ihren Job Sauerstoffgeräte. Und vermutlich dicke Mäntel: Dort oben kann es bis zu minus 30 Grad kalt werden. 
 
Gut beheizt ist dafür das Grand Central Terminal in New York. Das 13-stöckige Gebäude gilt als der größte Bahnhof auf der ganzen Welt. Mehr als eine halbe Million Pendler nutzen täglich die 67 Gleise auf 44 Bahnsteigen und zwei Ebenen. Damit sie ihren Zug nicht verpassen, hat man sich etwas besonderes einfallen lassen: Alle 200 Uhren des Bahnhofs gehen eine Minute vor, so dass Reisende ein kleines Zeitpolster haben. Leider ticken die Uhren auf deutschen Bahnhöfen ganz anders. 
 
Treue Leser der Schmunzelpost wissen, dass ich schwarzen Humor mag. Daher beschließe ich diese Folge mit einem entsprechenden Bahnhofswitz: Ein einsamer Bahnhof, mitten in Bayern. Noch mit einem Bahnwärter besetzt, also richtiges Hinterland. Der Bahnwärter schaut dem Zug entgegen. Doch plötzlich verlässt der Zug das Gleis, fährt die Böschung hinab, fährt durch die Wiese, wieder die Böschung hinauf und wieder auf das Gleis zurück. Im Bahnhof hält der Zug dann an. Fragt der Bahnwärter: "Warum fährst' jetzt du einfach durch'd Wiesn?" "Na, do woa a Preiß' auf d'Schiena. .." "Hättst ean ned einfach übafoan kenna?" "Hob i doch - hob ean aber erst auf da Wiesn derwischt!" 
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1090 vom 23. 2. 24

" An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“ Der Mann, der dies sagte, kam am 23. Februar 1899 zur Welt. Heute ist also der 125. Geburtstag von Erich Kästner. Daher werden wir ihm am 28. Juli beim diesjährigen Literatengedenken im Lesehof der Dorstener Stadtbibliothek einen Beitrag widmen. Dann hat Schorsch das Wort. Ich möchte, ohne an das Denkmal des Autors zu pinkeln, aber jetzt schon zwei Anmerkungen machen, die bei der Rückschau auf den Dichter, Satiriker und Schriftsteller meist zu kurz kommen.

Obwohl seine Bücher bereits 1933 von den Nazis öffentlich verbrannt wurden, flüchtete Erich Kästner nicht ins Exil. Er blieb in Deutschland und zog sich in die innere Emigration zurück. Doch wenn er nach 1945 auch behauptete, er sei froh, endlich wieder schreiben zu dürfen, verschwieg er dabei vornehm, dass es ihm in den Nazi-Jahren keineswegs schlecht ging. Seine Bücher durften zwar in Deutschland nicht erscheinen, wurden jedoch im Ausland nach wie vor veröffentlicht. Und durch seine guten Kontakte verdiente Kästner durch das Schreiben von Drehbüchern und Texten unter Pseudonym lange Zeit recht gut.

Auch für ihn galt, was Marie Luise Kaschnitz selbstkritisch über sich schrieb: "Worin soll sie denn bestanden haben, unsere sogenannte innere Emigration? Darin, dass wir ausländische Sender abhörten, zusammensaßen und auf die Regierung schalten und ab und zu einem Juden auf der Straße die Hand gaben, auch dann, wenn es jemand sah? Wir haben nicht heimlich im Keller Flugblätter gedruckt, nicht nachts verteilt, nicht widerständlerischen Bünden angehört, von denen man wusste, dass es sie gab, es so genau aber gar nicht wissen wollte."

Nein, Kästner war kein Held. Auch, wenn ich bezweifle, dass ich selbst den nötigen Mut aufgebracht hätte - so jemand sollte es sich hinterher zumindest verkneifen, im Nazi-Jargon über Emigranten zu schreiben. Sein vergiftetes Lob für den Nobelpreisträger lautete, Thomas Mann sei "ein Meister in der Darstellung differenzierter Künstlernaturen, kränklicher, überfeinerter, dekadenter Charaktere", er halte Labilität und Nervosität sogar für eine Tugend. Das resultiere aus der "physischen Labilität des Autors selbst." Der Artikel enthält genau die Adjektive, mit denen die Kultur der Weimarer Republik diffamiert worden war. 

Zweites Manko: Kästners Einstellung gegenüber Frauen. Sein "Muttchen" war für ihn die Nummer eins, keine andere Frau konnte ihr in seinen Augen das Wasser reichen. Mehr noch: So sehr Kästner reizvolle Frauen als Gespielinnen schätzte und daher oft zwei Beziehungen gleichzeitig führte, so sehr war sein generelles Frauenbild selbst für die Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts von veralteten Klischees geprägt. Pure Frauenverachtung spricht beispielsweise aus den Versen von "Höhere Töchter im Gespräch": "Ihr Kopf ist hübsch und ziemlich hohl. Sie fühlen sich trotzdem sehr wohl. Was lässt sich daraus schließen? Man schaut sie sich zwar gerne an, doch ganz gefielen sie erst dann, wenn sie das Reden ließen." Immerhin mochte Kästner selbstbewusste Frauen. Aber auch das höchste Lob, das er zu vergeben hatte, klingt zwiespältig: "Sie ist ein prima Kerl!"

Dennoch: Summa summarum hat Erich Kästner uns weit mehr hinterlassen, was sich auch heute noch zu lesen lohnt. Und er war durchaus selbstkritisch: "Irrtümer haben ihren Wert; jedoch nur hier und da. Nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Lange hatte ich gestern auf der Rückfahrt nach Dorsten gehofft, dass es diesmal keinen Anlass geben würde, sich über die Bahn zu beklagen. Es sah auch lange so aus. Doch die vorletzte Etappe, die Fahrt von Münster nach Recklinghausen, endete abrupt in Haltern. Außerdem hieß es, dass wegen Bauarbeiten eine andere Route über Marl-Sinsen und Recklinghausen-Süd genutzt werden müsse. So sprang ich kurzentschlossen in Dülmen aus dem Zug, um in die Regionalbahn nach Essen umzusteigen. Von dort wollte ich dann mit dem "Borkener" nach Dorsten heimkehren - also durch die Brust ins Auge. Zu meiner Überraschung hieß es dann aber: "Nächster Halt, Recklinghausen Hauptbahnhof." Ab da war es mit dem Bus nach Dorsten nur ein Katzensprung. Warum werde ich bloß das Gefühl nicht los, dass bei der Bahn jemand sitzt, der mich veralbern will? 

Schmunzelpost 1089 vom 22. 2. 24 

Muss ein Seemann schwimmen können? Diese Frage stellte ausgerechnet ein dunkelhäutiger Flachlandtiroler. Und ich mir gemeinsam mit ihm. Das kam so. Als Kind hatte ich einen völlig anderen Musikgeschmack. So begeisterte mich Billy Mo mit seinem unvergessenen Hit "Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut" derart, dass ich beschloss, mit dieser Scheibe den Grundstein für meine Schallplatten-Sammlung zu legen. 
 
Allerdings dauerte es recht lange, bis ich das nötige Kapital zusammenkratzen konnte. Eine Single kostete damals stolze fünf Mark, bei einem Taschengeld von 50 Pfennig pro Woche also ein kleines Vermögen. Als ich das Geld endlich beisammen hatte, war der Tirolerhut längst aus den Regalen der Plattenläden verschwunden. Doch von Billy Mo war nun eine andere Single am Start, die sich mit Themen der Marine beschäftigte. 
 
Mangels Plattenspieler blieb diese Single zunächst ungehört. Und bis ich mir schließlich das ELAC-Gerät "Mr. Hit" leisten konnte, hatten sich meine musikalischen Vorlieben grundlegend geändert. Meine erste vielgespielte Single stammte nun von den Beach Boys, die mein Aufatmen in Worte fassten: "I can hear Music". Es folgten "Pinball Wizard" von The Who und der Cream-Titel "White Room". Erste Langspielplatte war "Beggars Banquet" von den Rolling Stones, die darauf Sympathie for the Devil hegten. 
 
Wie komme ich darauf? Für die heutige Rückfahrt mit der Bahn halte ich als Reiselektüre die "Beat-Stories" bereit. Darin schildern 79 deutschsprachige Autoren ihre musikalischen Erweckungserlebnisse aus den 1960er und 1970er Jahren. Unter anderem erzählen sie von der dunklen Seite des Mondes und einem Tag im Leben. Rockkundige werden wissen, welche Gruppen gemeint sind. 
 
Abschließend ist noch eine drängende Frage aus der Seefahrt zu klären. Nein, schwimmen können müssen Seemänner nicht. Aber küssen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1088 vom 21. 2. 24 

or dem Vergnügen zur Pflicht, die allerdings auch Spaß macht: Die heutige Schmunzelpost beginnt mit der Auflösung der gestrigen Fragen. Der Rekordhalter beim Öffnen von Bierflaschen schaffte 300 Stück in nur einer Minute und 47 Sekunden. Unbekannt ist, wie lange er brauchte, um die Flaschen auszutrinken. Den deutschen Schrebergärtnern blüht ihr kleines Glück auf insgesamt 500 Millionen Quadratmetern. Und die Berliner verzehren jährlich im Schnitt 70 Millionen Currywürste. Dazu würde ich gern wissen, wie viele bei uns im Ruhrgebiet verdrückt werden. Ganz so hoch dürfte die Zahl nicht mehr sein - Herbert Grönemeyer lebt jetzt ja hauptsächlich in London. Doch jetzt suche ich mein Vergnügen erstmal in frischer Nordseeluft. Bis gleich! 
 
Da bin ich wieder. Von 10 bis 17 Uhr war ich unterwegs, insgesamt 22 km. Und von diesem Rundgang habe ich ein paar Eindrücke und Fakten für Euch mitgebracht. Obwohl es nur 300 m bis zum Strand sind, liegt mein Hotel im Zentrum des Ortes  Norderney. Der hat einst ganz klein angefangen. Erstmals 1550 wurde registriert, dass hier 16 Familien wohnten, an die 100 Menschen. 1702 waren es dann 267. Doch ein Jahrhundert später ging es zügig aufwärts: 1800 zählte man 573 Einwohner, 1864 bereits 2815. Und heute sind auf Norderney knapp 6000 Bürger gemeldet. 
 
Das Dorf, das immer noch an der gleichen Stelle steht, hat sich zur Stadt gemausert. Weil der Fremdenverkehr boomt, gibt es in der Fußgängerzone keine Leerstände und deutlich mehr Läden als in Dorsten. Im Vergleich zu Spiekeroog, das sich seinen ursprünglichen dörflichen Ortskern bewahrt hat, bietet Norderney ein bauliches Kuddelmuddel. Immerhin sind im Zentrum eine ganze Reihe ansehnlicher Gebäude aus den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erhalten geblieben. Doch wenn man vom Weststrand auf der Deichpromenade in Richtung Osten geht, hält man seinen Blick besser stramm links aufs Meer gerichtet. Das Ufer säumen nämlich rechts gut 800 m lang architektonische Scheußlichkeiten. Eine Betonburg reiht sich an die nächste. Ist aber der Nordbadestrand erreicht, wendet sich das Blatt. Der Sandgürtel der Küste weitet sich erheblich. Und die nächsten elf Kilometer Richtung Osten sieht man nur links das Meer und rechts die Dünen. 
 
Gestern jedoch führte mich der Weg erst zum Hafen und dann entlang der dem Festland gegenüberliegenden Uferlinie. Ich riss die Augen auf: Watt war datt? War datt Watt! Datt war Watt! Ich gebe zu, sie war ganz schön platt, diese Überleitung. Denn Ihr wisst natürlich, dass Norderney im Nationalpark Wattenmeer liegt. Allerdings nicht fest verankert. Die Insel wandert ganz allmählich nach Osten. Jahr für Jahr nagt die See am Westrand und spült dafür Sand an der Ostspitze von Norderney an. 
 
Früher hat die Insel noch viel dramatischer ihre Gestalt verändert. Einst war Norderney Bestandteil der viel größeren Insel Buise. Doch die wurde von mehreren Sturmfluten auseinandergerissen. 1398 gehörte Norderney dann zur Insel Osterende. Doch 1651 spülte erneut eine Sturmflut den gesamten Inselteil westlich des kleinen Fischerdorfes fort. Allmählich wurde danach aus Norderoog erst Norder-nye-oog und ab Ende des 16. Jahrhunderts Norderney. 
 
Dafür haben einige Vogelarten, mit denen ich gestern meine Bekanntschaft auffrischen konnte, meines Wissens ihre Namen beibehalten. Die Bezeichnung "Lachmöwe" kommt jedoch nicht daher, dass dieser Vogel ständig kichert, sondern stammt von seiner Futtersuche in Wasserlachen. Auch bei einer Heringsmöwe kann es Verwechslungen geben. Versucht bitte niemals, mit diesen Vögeln beim Campen Euer Zelt zu befestigen! Dafür kann die Sturmmöwe tatsächlich heftig Wind machen. Wenn Du genügend Möwen zusammen bekommst und sie überredest, allesamt gleichzeitig heftig mit ihren großen Flügeln zu flattern, werden orkanartige Böen erzeugt. 
 
Wo wir nun ein gewisses Niveau erreicht haben, kann ich gleich mit Enten fortfahren. Die Schnatterente gibt es hier wirklich. Und sie heißt nicht so, weil sie vor Kälte schnattert, wenn die Sturmmöwen wieder im Winter zu viel Wind machen. Davor schützt sie ihr besonderes Gefieder. Nein, die Schnatterente quasselt gern und ausdauernd mit ihresgleichen. Die Schellente hingegen ist bei den Einwohnern von Norderney regelrecht verhasst, weil sie so gern Klingelmännchen spielt. Und der Reiherente wird sehr häufig schlecht. 
 
Nun ist es wohl an der Zeit für heute aufzuhören, bevor Euch wegen solcher Kalauer auch noch übel wird. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1087 vom 20. 2. 24

Hier auf Norderney tut man fast alles, damit ich mich wie zuhause fühle. Eine Ursulastraße wie in Dorsten gibt es zwar nicht, aber dafür eine Fischerstraße. Und, wer hätte das gedacht, sogar eine Lippestraße. Außerdem hat mich gestern an Kurt's Fahrradverleih ein roter Kater begrüßt, der unbedingt ausdauernd von mir gestreichelt werden wollte. 

 
Noch ein Grund mehr, den Urlaub im eigenen Land zu verbringen. Bei der Bahnfahrt von West- nach Norddeutschland habe ich unter anderem das kleine Büchlein "Deutschland" für die Hosentasche" studiert. Und einiges Neues erfahren. Davon sollt Ihr auch profitieren. Aber diesmal in Form eines kleinen Rätsels. Gleich folgen drei Zahlen mit jeweils drei Zuordnungsmöglichkeiten. Aber nur jeweils eine ist richtig. Die Auflösung folgt morgen. Also, zeigt mal, was Ihr könnt! 
 
Deutsches Bier ist weltberühmt. Aber unsere Bierbrauer können noch mehr. Ein Team der Brauerei Unertl hält den Weltrekord beim Öffnen von Bierflaschen. Wieviel Stück hat ein tüchtiger Brauer in 1:47 Minuten geschafft? A: 300, B: 500, C: 1000. 
 
Nicht Sauerkraut ist unsere Leibspeise, wie völlig zu Unrecht im Ausland vermutet wird. Auch nicht das Schnitzel. Sondern eine Speise, der bereits Herbert Grönemeyer ein Lied gewidmet hat: Die Currywurst! Wie viele Currywürste werden allein in Berlin jährlich vertilgt? A: 50 Millionen, B: 70 Millionen, C: 95 Millionen. 
 
Nirgendwo anders auf der Welt gibt es so viele Schrebergärten wie in Deutschland. Aber welche Fläche beanspruchen unsere Kleingärtner für ihr Hobby insgesamt? A: 100 Millionen Quadratmeter, B: 280 Millionen Quadratmeter, C: 500 Millionen Quadratmeter. 
 
Nun hoffe ich auf eine Million richtige Lösungen. 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1086 vom 19. 2. 24

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleiden. Das soll das Motto unserer Mai-Lesung auf dem Hof Dalhaus werden. Der Probelauf mit einem kürzeren Programm kam in Rhade jedenfalls sehr gut an. Ein wenig Sorge hatte ich, dass der Spruch aber bei meiner Fahrt nach Norderney auch auf mich zutreffen könnte. Denn ich war nicht nur mit Bus und Schiff, sondern auch mit der berühmt-berüchtigten Bahn unterwegs. Und ich musste zweimal umsteigen! 
 
Um es vorweg zu nehmen: Ich betrat gestern pünktlich um 17.15 Uhr Inselboden. Allerdings hat die Bahn es trotzdem drauf, ihren Fahrgästen einiges abzuverlangen. Und sie lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen. Vor dem Start hatte ich befürchtet, ich könnte bei der Fahrt von Recklinghausen nach Münster dort den Anschlusszug nach Emden verpassen. Denn laut Fahrplan blieben nur 11 Minuten Zeit zum Umsteigen. In dem Fall rettete mich, dass die Bahn sich zuverlässig verspätet. Denn zehn Minuten, bevor mein Zug eintreffen sollte, fuhr die Regionalbahn ein, die eigentlich eine Stunde früher an der Reihe gewesen wäre.. 
 
So hatte ich reichlich Zeit, meinen nächsten Zug zu kriegen. Der sollte in Münster um 13.05 Uhr auf Gleis vier ankommen. Allerdings stand auf der Anzeigetafel, dass er diesmal, abweichend vom Fahrplan, vom Gleis sechs starten würde. Also wechselte ich den Bahnsteig und bekam dort durch die Anzeige bestätigt, dass hier die Regionalbahn nach Emden tatsächlich fünf Minuten  nach eins einfahren sollte. Also machte ich es mir auf der Bank bequem und las Zeitung. Um 13.02 Uhr schaute ich mehr zufällig erneut auf die Anzeigetafel und war vom Donner gerührt. Aus Gleis sechs war wieder Gleis vier geworden. Ich schnappte meinen Koffer, wechselte erneut den Bahnsteig und kam gerade noch rechtzeitig zum Einsteigen! 
 
Die zweistündige Fahrt nach Emden verlief zunächst programmgemäß. Dann deuteten die vermehrte Zahl der Schienen und mehrere Züge auf Nachbargleisen an, dass die Ankunft in der Endstation unmittelbar bevorstand. Gestiefelt und gespornt standen wir Fahrgäste an der Tür, als der Zug stoppte. Doch die Tür öffnete sich nicht. Dafür ertönte die Durchsage: "Weil auf unserem Einfahrtgleis noch ein anderer Zug steht, verzögert sich unsere Ankunft ein wenig." Aus ein wenig wurde ein wenig mehr. Und noch mehr. In mir keimte die Sorge, dass es mit dem letzten Umstieg in Richtung Mole Norddeich knapp werden könnte. Aber als wir endlich in den Emdener Bahnhof einfuhren, blieben mir noch satte neun Minuten. 
 
Die benötigte ich allerdings auch zum Rätselraten. Denn auf dem Gleis, von dem meine Regionalbahn um 15.42 Uhr starten sollte, stand ein IC, der sich laut Fahrplan bereits um 15.31 Uhr vom Acker gemacht haben müsste. Auf der Tafel war als Abfahrtszeit nun jedoch 15.42 Uhr angegeben. Was nun? Mein Deutschland-Ticket galt nur für Regionalbahnen. Aber eben hatte im Info-Häuschen doch ein Bahnmitarbeiter gesessen. Also ging ich flugs dorthin, um ihn zu befragen. Doch nun hing nur noch seine Jacke über der Stuhllehne. Gerade beschloss ich, statt mich schwarz zu ärgern lieber schwarzzufahren, da entdeckte ich die kleine Schrift ganz unten auf der Anzeigetafel: Bis Mole Norddeich durfte der IC auch mit Regionalbahn-Ticket genutzt werden. 
 
Als Zugabe gab es noch ein kleines Hörspiel. Als der Zug in Norden einen Zwischenhalt einlegte, tönten laute Rufe unterlegt mit lautem Klopfen durch die Waggons: "Fuck! (Boller, Boller), Scheiße! (Klopf, Klopf), Tschuldigung, kann mir jemand helfen, ich muss hier aussteigen." Dann wurde die Stimme immer leiser, weil der Rufer sich wohl auf die Suche nach Bahnpersonal begeben hatte. Ob er jemand gefunden hat, weiß ich nicht. Allerdings wurde es nichts mit Aussteigen - die Bahn hatte sich schon wieder in Bewegung gesetzt. 
 
Ich habe also allerlei geboten bekommen. Und genossen, dass ich während der Fahrt den Spiegel und die Süddeutsche Zeitung lesen konnte. In der SZ-Wochenend-Ausgabe stand wieder einmal ein sehr lesenswertes Streiflicht. Kurz gesagt ging es darum, dass es heutzutage an guten Nachrichten fehlt, weil wir gegenwärtig mit schlimmen Nachrichten aus aller Welt geradezu überflutet werden. Als tröstliches Happy End präsentierte das Streiflicht dann doch noch wenigstens eine gute Nachricht. Obwohl man sie schon ausgestorben gewähnt hatte, ist in Bayern jetzt eine lebende Kurzohrmaus aufgetaucht. 
 
Ich werde nun auf Norderney die Augen offenhalten. Eigentlich ist sie ja seit der letzten Eiszeit hier nicht mehr beobachtet worden, aber vielleicht entdecke ich sie ja doch, die Langohrwattmaus. 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 1085 vom 18. 2. 24

Heute beginnt meine erste Reise in diesem Jahr. Dafür nutze ich mein Deutschland-Ticket und fahre mit der Regionalbahn bis Norddeich-Mole, wo ich eine Fähre nach Norderney besteige. Vier Tage lang will ich mir dann auf der Insel den Nordseewind um die Nase wehen lassen - ein Sonderangebot im Inselhotel Bruns macht es ziemlich preiswert möglich. 
 
Zu den Vorteilen gehört, dass ich mich nicht mit einer Fremdsprache vertraut machen muss. Dass Ostfriesen auch am Nachmittag "Moin" sagen, ist mir bekannt. Bloß beim Frühstück muss ich aufpassen, weil "Ei" auf ostfriesisch "Mutterschaf" bedeutet. Da wüsste ich nicht, wie ich es pellen soll. Und wenn ich vor dem Hauptgericht ein Süppchen bestellen will, soltte ich nicht sagen: "Eine Supen, bitte!" Darunter verstehen Ostfriesen nämlich Buttermilch. 
 
Doch falls Ihr Euch noch an die gestrige Schmunzelpost erinnert, werde ich zu größeren Mahlzeiten als begleitendes Getränk sowieso Wein bestellen. Gerade zu Fischgerichten mundet ja meist ein trockener Weißwein besonders gut. Dabei gilt es jedoch zu beachten, wer mit am Tisch sitzt. Sind das Touristen aus Rumänien, lautet der passende Trinkspruch "Noroc!" Das bedeutet "Viel Glück" und lässt darauf schließen, dass in Rumänien alkoholische Getränke gelegentlich mit merkwürdigen Zutaten angereichert werden. 
 
Chinesischen Gästen proste ich hingegen mit "Gambai" zu, was so viel wie "trockne den Becher" heißt und keine internationalen Komplikationen heraufbeschwören kann. Von ganzem Herzen würde ich Schotten ein "Slaine mhor a h-uile la a achi's nach fhaic" zurufen. Das ist Gälisch und bedeutet: "Jeden Tag, an dem ich dich sehe, eine großartige Gesundheit für Dich und auch an jedem Tag, an dem ich Dich nicht sehe!" 
 
Dagegen würde ich mir bei dänischen Tischnachbar überlegen, ob ich tatsächlich zu ihnen sage: "Bunden i vejret eller resten i haret!!" Das heißt nämlich "Prost oder den Rest in Dein Haar!". Ich denke jedoch im Traum nicht daran, mir Wein über den Schädel kippen zu lassen und habe auch berechtigte Zweifel daran, ob dies den Haarwuchs reaktivieren könnte. Ganz besonders gefährlich wäre der Kontakt zu Gästen aus Ungarn. Deren traditioneller Trinkspruch lautet "Egeszsegedre!" und bedeutet wörtlich "Auf Deine Gesundheit". Das Risiko ist aber groß, dass dies als "egeszeggedre" missverstanden wird. Und das heißt: "Auf Deinen ganzen Arsch!" 
 
Daher hoffe ich auf Reise-Bekanntschaften mit Finnen. Mit denen gibt es keine Missverständnisse. Denn "Prost!" heißt auf finnisch schlicht "Kippis!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1084 vom 17. 2. 24 

Beim Schreiben der Schmunzelpost beflügelt mich gelegentlich ein Glas Wein. Da mir das Schreiben ohnehin Spaß macht, wird die Freude daran durch den Wein potenziert. Ein Wermutstropfen sind jedoch die dauernden Warnungen: Alkohol sei ein Zellgift, man solle generell die Finger von dem Teufelszeug lassen. 
 
Wie gut, dass es immer wieder auch andere wissenschaftliche Studien gibt. Und jetzt habe ich von den Ergebnissen einer Untersuchung erfahren, die vom hochseriösen University College London vorgenommen wurde. Beteiligt daran waren 50.000 Menschen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren, deren Trinkgewohnheiten sechs Jahre lang untersucht wurden. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass Männer im Durchschnitt elf alkoholische Getränke pro Woche zu sich nahmen, Frauen hingegen nur fünf. Ergebnis: Das Krankheitsrisiko von Männern sinkt um 41 Prozent, wenn sie täglich in moderaten Mengen Alkohol trinken! 
 
 Zwar schränkte Annie Britton ein, dass die Studie vielleicht nicht repräsentantiv für Männer aller Altersgruppen sei. Aber die untersuchte Gruppe, also alte, weiße Männer, zu denen ich mich zähle, sei besonders anfällig für Verengungen der Herzkranzgefässe. Und dagegen wirke der regelmäßige moderate Alkoholgenuss. Bei den Männern, die jedoch nur einmal pro Woche etwas Alkoholisches trinken, verringert sich das Risiko zu erkranken lediglich um sieben Prozent. 
 
Das ist bei Frauen anders. Wenn sie einmal die Woche Alkohol trinken, nimmt die Gefahr zu erkranken laut der Studie bereits um 36 Prozent ab. Dafür gibt es jedoch bei täglichem moderaten Alkoholkonsum keine weiteren Verbesserungen. Die Wissenschaftler glauben, dass aus hormonellen Gründen der Alkohol vom weiblichen Körper anders verarbeitet wird. Daher komme es für Frauen viel mehr darauf an, wie viel sie trinken und nicht, wie oft. 
 
Was lernen wir daraus? Ich hebe mein Weinglas und singe: Trink, Brüderlein, trink! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1083 vom 16. 2. 24

Gestern erhielt ich auf meinem Smartphone eine Nachricht: "Hallo, Papa! Habe eine neue Telefonnummer. Schick mir bitte eine Whatsapp, damit ich sie Dir mitteilen kann." Netter Versuch. Aber erstens hättest Du Pappnase mir die Nummer auf diesem Wege bereits zukommen lassen können und zweitens habe ich keine Kinder. Zumindest, soweit ich weiß.
 
Immerhin führte der Versuch, mich anzuzapfen dazu, dass ich darüber nachdachte, wie mein Leben wohl mit Kindern verlaufen wäre. Es hat sich nicht ergeben. Früher war ich grundsätzlich bereit, eine Familie zu gründen. Aber ich bin der Überzeugung, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, von der Frau getroffen werden muss. Sie muss es schließlich neun Monate mit sich herumtragen und dann unter Schmerzen zur Welt bringen Und der Vater kann sich erst danach um den Nachwuchs kümmern. 
 
Im Laufe der Zeit wuchsen meine Zweifel, ob es zu verantworten ist, Kinder in eine Welt zu setzen, deren Zukunft mir immer düsterer erscheint. Ich mache mir schon um unseren Kater große Sorgen, wenn er kränkelt oder von einem Ausflug lange nicht zurückkommt. Wie hätten mich da erst Ängste um Kinder fertig gemacht? Nein, mit Katzen waren wir da schon besser dran. 
 
Nun will ich Tiere nicht mit Kindern auf eine Stufe stellen. Aber wenn eine Katze als Hausgenosse in die Familie aufgenommen worden ist, hat sie auch einen besonderen Stellenwert. Und im Vergleich mit einem Kind hat unser Kater einige Vorzüge. Er spuckt keinen Spinat an die Wand und weigert sich nie, sein ohne großen Aufwand serviertes Essen komplett zu verzehren. Er weckt einen nachts nicht mit anhaltendem Gebrüll und schläft wie ein Murmeltier. Er hat auch im gehobenen Alter nichts dagegen, geherzt und gestreichelt zu werden. Er verhandelt nicht dauernd über höheres Taschengeld und beschwert sich nicht über Handy- und Fernsehverbote. 
 
Na gut, einen Nachteil gibt es. Ein Kind würde mir kaum auflauern und mich kräftig ins Bein zwicken, wenn es seine Mahlzeiten nicht pünktlich gereicht bekommt. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1082 vom 15. 2. 24

Na, ist bei Euch noch ein wenig Wissensdurst vorhanden? Mit dem Durst auf Alkohol soll seit gestern ja erstmal Schluss sein. Aber dafür werdet Ihr heute hier Dinge erfahren, von denen Ihr nie zuvor gehört habt. Denn auch der 15. Februar war in der Geschichte unseres Planeten ein besonderer Tag.
 
Blicken wir also ganz weit zurück, ins Eoarchaikum, in die Morgenröte der Erde. Am 15. Februar des Jahres 3.793.246.112 vor Chr. Geb. stürzte mit "Bombastus" der vorerst letzte richtig fette Brocken aus dem All auf unseren immer noch jungfräulich glühenden Planeten. Damit endete das sogenannte große Bombardement, ein etwa 300 Millionen Jahre andauernder heftiger Meteoritenschauer. So konnte nun auf der Erdkruste erstes Gestein entstehen: Der Isua-Grünsteingürtel, dessen Gneisformation heute tief unter dem Eis von Grönland zu finden sind. Ihr zweifelt das Datum an? Dann beweist mir mal das Gegenteil! 
 
Läppische 210.357.672 Jahre später, also am 15. Februar, 3.582.988.440 vor Chr. Geb., begann es zu regnen. Die Erde hatte sich abgekühlt, und damit konnte sich eine zweite Atmosphäre bilden. Von wegen sieben Tage Regenwetter! Es schüttete 40.000 Jahre lang wie aus Eimern, und so entstanden die Ozeane. Nichts für Kaltduscher: Das Wasser war kochend heiß! 
 
Nun machen wir einen großen Sprung in Richtung Gegenwart. Am 15. Februar des Jahres 760.503.446 vor Chr. Geb. sagte ein Einzeller zum anderen: "Wie wär's, wenn wir uns zusammentun? Das macht Spaß!" So kam der Sex in die Welt. Und das erste mehrzellige Lebewesen. 
 
Damit setzte eine rasante Entwicklung ein. Bloß 694 Millionen Jahre später trat ein tolpatschiger Tyrannosaurus einem Stegosaurus auf den Fuß, worauf dieser ihn heftig verwünschte: "Du doofer Drachentrampel! Ich wünsche, dass Dir der Himmel auf den Kopf fällt und Dich und Deine Brut ein für allemal von der Erde verschwinden lässt!" Unglücklicherweise war dies der Tag der großen Himmels-Lotterie und als Hauptgewinn hatte ein einziges Geschöpf einen Wunsch frei. 

So stürzte am 15. Februar des Jahres 65.906.015 vor Chr. Geb. ein Asteorid auf die Erde und vertilgte von deren Oberfläche nicht nur den Tyrannosaurus, sondern sämtliche Saurier. Mit einer Ausnahme. Die Vorfahren der Vögel, die mit Drachen keine Ähnlichkeit hatten, überlebten die Kreidezeit-Katastrophe.
 
Nun jedoch, im Jahr 2024 nach Chr. Geb., feiern die Chinesen am 15. Februar ihr Neujahrsfest. In China gehen die Uhren nämlich anders. Dort beginnt das neue Mondjahr erst am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende. Und was für ein Jahr hat gerade begonnen? Genau, das Jahr des Drachen. Das verheißt Unglück. Am 15. Februar 2025, so steht es in der Sternen, wird der amtierende US-Präsident Donald Trump sich derart über China ärgern, dass er den chinesischen Drachen verwünscht und wutentbrannt auf einen roten Knopf drückt. Danach bleibt kein Stein mehr auf dem anderen, außer vielleicht im Isua-Grünsteingürtel auf Grönland. Danach beginnt der ganze Zirkus von Neuem. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1081 vom 14. 2. 24 

Wisst Ihr eigentlich, dass der 14. Februar ein historischer Tag von hohem Rang ist? Nein, ich meine damit nicht, dass er als "Valentinstag" missbraucht wird, um dem Blumenhandel auf die Beine zu helfen. Tatsächlich ist der Valentinstag der einzige Tag im Jahr an dem mehr Männer Blumen kaufen als Frauen. Aber sein Ursprung ist so umstritten, dass selbst die leichtgläubige katholische Kirche ihn 1969 aus dem römischen Generalkalender gestrichen hat. 
 
Es gab nämlich überzeugende Hinweise, dass die Leidensgeschichte des Heiligen und sogar seine Existenz bloß erfunden worden war.  So nahm man irrtümlicherweise lange Zeit an, dass eine von einem großzügigen Spender mit Namen Valentin finanzierte Basilika an einen Heiligen namens Valentin erinnern sollte. Den Gedenktag hat Papst Gelasius im Jahre 496 eingeführt. Doch dazu wurden Legenden und angebliche Wundertaten mehrerer Personen mit dem Namen Valentinus kunterbunt verwoben. 
 
So behauptete man, Valentin habe Soldaten getraut, denen das Heiraten verboten war. Deshalb sei er festgenommen und eingesperrt worden. Und der weitere Text der Erzählung lässt vermuten, dass daran eine Vorfahrin von Rosamunde Pilcher mitgestrickt hat. Denn im Knast heilte Valentin schnell noch die blinde Tochter des Aufsehers. Und vor seiner Hinrichtung schrieb er ihr fix einen Abschiedsbrief, den er mit "Dein Valentin" unterzeichnete. 
 
Das ist der Stoff, nach dem sich Liebende sehnen. Die Engländer waren die ersten, die im 18. Jahrhundert damit begannen, Grußkarten zu versenden und Blumen oder Süßigkeiten zu verschenken. Die Kirche sah es viele Jahre mit Freude. Was soll man auch von einem zerstrittenen Verein erwarten, der, Achtung, am 14. Februar 1130 gleich zweimal weißen Rauch aufsteigen ließ? Danach stritten Innonzenz II. und Anaklet II. um die Papstwürde. Innozenz hatte zwar mehr Stimmen bekommen, doch Anaklet war dem Kaiser genehm. Ratet mal, wer das Rennen gemacht hat. 
 
Hätte es damals schon Fernsprecher gegeben, wäre das Christenvolk so über den Machtkampf unterrichtet worden. Aber das Patent fürs Telefon beantragte Graham Bell erst am 14. Februar 1876. Er kam dabei seinem Konkurrenten Elisha Gray, der ihm bei der Übertragung von Tönen weit voraus gewesen ist, um zwei Stunden zuvor. Doch wir Schmunzelpostler interessieren uns ja mehr für das geschrieben Wort. Und somit komme ich endlich zur wahrhaft historischen Bedeutung des 14. Februar. 
 
An diesem Tag im Jahre 842 bekräftigten Ludwig, der Deutsche und Karl, der Kahle mit den Straßburger Eiden in einem besonderen zweisprachigen Dokument das Bündnis gegen ihren Bruder Lothar. Dessen altfranzösischer Teil gilt als allererstes Schriftstück in dieser Sprache! Viele Jahre später hat Klaus, der Kahle mit der ersten Schmunzelpost in deutscher Sprache den 14. Februar knapp verfehlt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1080 vom 13. 2. 24

Wie versprochen gibt's heute keine Fußballzitate. Doch da wir das rettende Ufer, sprich: Aschermittwoch, noch nicht erreicht haben, setze ich Euch diesmal Politiker-Zitate vor. Die sind manchmal auch närrisch genug.
 
Beginnen wir mit dem amtierenden Weltmeister im Sprücheklopfen. In einem Internetportal habe ich sogar 906 ziemlich wahnwitzige Zitate von Donald Trump gefunden. Hier ist ein eher harmloses: "Geld ist nicht alles. Mit 20 Millionen kann man genauso glücklich sein wie mit 21 Millionen." Ich habe aber bloß 19 Millionen - ich bin ja so unglücklich! Und nun ein unheimliches Trump-Zitat, vor allem, weil man glaubt, er habe ausnahmsweise nicht gelogen: "Ich könnte auf der 5th Avenue stehen und jemand erschießen und würde keine Wähler verlieren."
 
Kommen wir zu Wladimir Wladimirowitsch Putin. Soll niemand behaupten, der hätte keinen Humor. Er macht jedenfalls gute Witze: "Ich will echte Marktwirtschaft. Ich will ein echtes Mehrparteiensystem." Dagegen ist es ein hartes Brot, nach einem witzigen Zitat von Olaf Scholz zu suchen. Hier ist eines, das aber nur funktioniert, wenn man das Wort "zügig" von Zug und damit von der Deutschen Bahn ableitet: "Ich weiß, dass Journalismus auch ein Unterhaltungsbusiness ist und Sie es deshalb doof finden, dass wir uns einfach einigen, aber das wird passieren - und zwar ziemlich zügig." Jo! Auf zügige, geräuschlose Einigungen der Ampel, die nicht gleich widerrufen werden, warten wir gespannt - genau wie auf die ausgefallenen Züge der DB.
 
Ob es mit dem Oppositions-Chef an der Regierungsspitze besser klappen würde? Immerhin hat Friedrich Merz während der ersten Amtszeit von Donald Trump große Menschenkenntnis bewiesen: "Ich gehöre nicht zu denen, die alles kritisieren, nur weil es von Trump kommt. Es kann durchaus sein, dass dieser Präsident noch für Überraschungen im positiven Sinne gut ist."
 
Aber vielleicht tritt ja ein anderer für die Union als Kanzlerkandidat an. Ich kenne da einen geradlinigen CSU-Politiker mit unumstößlichen Grundsätzen. Schon 2018 sagte Ernst Söder: " "Wofür stehen die Grünen wirklich? Für Bevormundung, für Fahrverbote, für unbegrenzte Zuwanderung, für höhere Steuern." 2020 hieß es dann: "Ich glaube, dass Schwarz-Grün einen großen Reiz hätte, weil beide politischen Kräfte die ganz großen Fragen unserer Zeit im Blick haben, wie die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie." Doch 2023 schloss Söder dann eine Zusammenarbeit kategorisch aus: "Es ist doch absurd, Fleisch und Wurst in Kitas sowie Werbung für Süßigkeiten zu verbieten, aber gleichzeitig Cannabis erlauben zu wollen. Fleisch-, Böller-, Autowasch-, Werbe- und Luftballonverbote sind nur eine kleine Auswahl ihrer Pläne. Die Grünen sind inzwischen eine reine Luxuspartei, die sich nur um gut verdienende Großstadtbürger kümmert und stattdessen Arbeitnehmer und den ländlichen Raum bewusst vernachlässigt." 
 
Ach so. Aber wir schreiben jetzt ja 2024. Neues Spiel, neues Glück. 
 
Helau! 
kdk 

Schmunzelpost 1079 vom 12. 2. 24

Rosenmontag gilt an den drei tollen Tagen als Höhepunkt des karnevalistischen Treibens. Da passt es gut, diesen Tag für den Abschluss der SP-Fußball-Festwoche zu nutzen. Mit dem meist unfreiwilligen Humor der Fußball-Größen können selbst geübte Büttenredner nicht konkurrieren. Zum Finale habe ich daher eine Auswahl von Sprüchen der erfolgreichsten Lieferanten des Genres zusammengestellt. Wer immer noch nicht genug hat, kann sich dann selbst im Internet einen hübschen Stilblütenstrauß binden.
 
Torwart Oliver Kahn konnte fast alles halten, nur nicht seine Klappe. Aber immerhin war er auch selbstkritisch. So sagte er nach eine 1:5-Pleite gegen England: "Heute hätte ich meine Sporttasche ins Tor stellen können, dann hätten wir zwei Stück weniger gekriegt." Ob als Spieler oder als Trainer, Berti Vogts war immer für einen Ausrutscher gut: "Ich glaube, dass der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen kann." Noch besser Berti präsentierte sich jedoch König Otto als absolutistischer Monarch: "Jeder kann sagen, was ich will." Und Otto Rehagel gab sich schonungslos ehrlich: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen."

Vom König zum Kaiser. Franz Beckenbauer redete nie um den heißen Brei herum: "Nun gut, das 0:0, da war natürlich viel Pech dabei. Also, es waren, es, also simmer zufrieden, ich, möglicherweise, um das abzuschließen, vielleicht hat nach den 90 Minuten, wenn man alles zusammenzählt, dass vielleicht keiner den Sieg verdient hat." (...) "Ja gut, am Ergebnis wird sich nicht mehr viel ändern, es sei denn, es schießt einer ein Tor." Weiter unten in der Adels-Hierarchie stand Sir Erich Ribbeck: "Ich muss mich laufend entscheiden, ob ich die richtigen Spieler oder die falschen Spieler mit zur EM nehmen soll."  Es sind wohl die falschen gewesen. Denn Deutschland scheiterte im Jahr 2000 kläglich schon in der Vorrunde. Und Trainerkollege Werner Lorant befand: "Erich Ribbeck ist vom Fußball so weit weg wie die Erde vom Mars." Doch Lorant war ohnehin als gnadenlos harter Hund verschrien: "Ich wechsle nur aus, wenn einer sich ein Bein bricht."

Auch Lothar Matthäus wäre gern Nationaltrainer geworden. Aber: "Gewollt habe ich schon gemocht, aber gedurft haben sie mich nicht gelassen." Das tat jedoch seinem Selbstvertrauen keinen Abbruch: "Ein Lothar Matthäus bestimmt selbst über seinen Körper, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal." Und das führte ihn nach Amerika: "Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiß genau, dass ich bald englisch in sechs oder sogar vier Wochen so gut spreche und Interviews geben werde, die jeder Deutsche versteht." Ein paar Wochen später hörte sich das dann bei  den New York Metro Stars so an: "I hope, we have a little bit lucky and can win next champions ship title."

a ja, dann wurde er halt TV-Kommentator im Deutschen Fernsehen. Denn schon früher wusste der DFB-Präsident Egidius Braun: "Der Lothar kann den Fußball gut rüberbringen. Ihm ist von Gott die Gabe der Rede gegeben worden." Ach so. Na ja, die DFB-Spitze war schon immer für ihre Menschenkenntnis und ihren phänomenalen Sachverstand bekannt.

Glückauf
kdk

PS. Das kann ich so nicht enden lassen. Es könnte glatt der Eindruck entstehen, rund um die Fußballstadien tummelten sich lauter Hirnlose. Dabei gab und gibt es auch Fußballer mit Grips. Für seinen Witz liebte ich Mehmet Scholl, wenn er sich den Reporterfragen stellte. "Herr Scholl, vor was haben Sie Angst?" "Vor Krieg und Oliver Kahn." "Sie werden bald Vater. Junge oder Mädchen?" "Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund."  "Wie sieht das Ihre Frau?" "Ich hatte noch nie Streit mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit auf das Hochzeitsfoto wollte." "Sind Sie ein besserer Ehemann als ein Fußballer? Oder sind Sie besserer Fußballer als Ehemann?" "Wie war noch die zweite Frage? Das ist nicht so einfach, ich bin schließlich Fußballer..."  

PPS. Zu einem Zitat gibt es eine Anmerkung von Bertold: "Du hast früher einmal ja auch Horst Szymaniak zitiert mit seinem Drittel- bzw Viertel-Ausspruch (dessen Authentizität oder Autistizität? übrigens bezweifelt wird) . Dazu hier eine nette Ergänzung von einem Freund von mir: 'Besser ein Viertel mehr Taschengeld von Oma als ein Drittel mehr von Mama und Papa'." 

Schmunzelpost 1078 vom 11. 2. 24 

Vor allem ausländische Fußballer haben manchmal Probleme, sich auf deutsch verständlich zu machen. Der uns bereits bekannte Jürgen "Kobra" Wegmann nahm daher seinen Mitspieler in Schutz: "Dass muss man verstehen, dass er Schwierigkeiten hat, sich einzugewöhnen. Er ist die deutsche Sprache noch nicht mächtig." Das können wir mit Blick auf  solche Teamgefährten nachvollziehen. Und außerdem kennen wir selbst oft nicht die Bedeutung von Fremdwörtern und setzen sie falsch ein. Gut, dass es Fußballer und Trainer gibt, die uns eines Besseren belehren.
 
Ich möchte Eure Fremdwort-Schwäche zwar nicht hochsterilisieren, wie das Bruno Labbadia bezeichnen würde, doch Ihr solltet daran arbeiten. Aber nicht zu sehr, sonst droht Euch ein Schicksal, vor dem bereits Rudi Völler warnte: "Ja gut, der arbeitet von morgens bis abends. Ja gut, sowas nennt man im Volksmund, glaube ich, Alcoholic." Und wenn Ihr dann kollabiert, braucht Ihr schnell Hilfe. So wie Fritz Walter junior: "Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt." Womöglich ist er danach nicht nur wieder munter, sondern auch gesprächig geworden und hat sich aus dem Sturm zurückfallen lassen: "Im Mittelfeld gibt es eine Konversation von Spielern", behauptet jedenfalls Günter Netzer. 
 
Man sollte wirklich miteinander reden und seine Akteure nicht aufschlitzen. Peter Pacult fürchtete: "Der FC Tirol hat eine Obduktion auf mich." Vielleicht ist die Todesrate im Stadion viel höher als angenommen. Denn BVB-Profi Michael Lusch (nein, ich verkneife mir Namenswitze) staunte: "Ich kann mich an kein Spiel erinnern, bei dem so viele Spieler mit der Barriere vom Platz getragen wurden." Da kann man nur mit Andreas Möller stöhnen: "Das ist eine Deprimierung!" 
 
 Manchmal können eifrige Mediziner aber helfen. Mitunter sind sie jedoch übereifrig: "Der Arzt wollte mir mein Bein adoptieren", erzählte Trainer Fritz Langner. Und das, obwohl Olaf Thon sich unschuldig gab: "Ich habe ihn, wenn überhaupt, nur ganz leicht retuschiert." Wenigstens ist Thomas Häßler dabei nichts passiert: "Körperlich bin ich gut drauf. Physisch natürlich auch." Nur diese Borussen tanzen wieder mal aus der Reihe. Manager Michael Meier: "Wir haben uns nun Negativstress aufoktruiert." Da hilft nur eins, meint BVB-Stürmer Karlheinz Riedle: "Es war eine lange und kraftraubende Saison und ich werde mich erst mal regen..., regener... - ich fahr erst mal in Urlaub!" 
 
Wenn Ihr das ebenfalls tut, dann könnt Ihr das gerade Erlernte verarbeiten. Doch zunächst rät Euch Horst Hrubesch: "Wir müssen das alles noch mal Paroli laufen lassen." Und Helmut Schön schließt sich an: "Da gehe ich mit Ihnen ganz chloroform!" 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 1077 vom 10. 2. 24

Heute folgt ein besonderes Kapitel der Fußballer-Sprache. Denn wer dauernd solchen Kauderwelsch zu hören bekommt, der läuft Gefahr, sich anzustecken. Bei manchen Sportreporter-Kollegen habe ich aber den Verdacht, das Talent dazu steckte bereits tief in ihnen drin. Werner Hansch würde dazu sagen: "Alles andere ist schnullibulli!" Begeben wir uns also in eine spezielle Pressekonferenz und lauschen den Fragen der Journalisten. Nachher dann auch ihren Kommentaren, die live im Radio oder Fernsehen ausgestrahlt wurden. Doch zunächst folgen wir einem  Hinweisschild aus dem Gelsenkirchener Parkstadion mit der Aufschrift: "Zu die Pressetische." 
 
Wer hat eine Frage an Trainer Röber? Ach ja, bitte, der Herr ganz vorn: "Fritz von Thurn und Taxis für Premiere: Ich hatte ein Gefühl, dass Sie ein gutes Gefühl hatten, Herr Röber?" Nö, das fühlt sich nicht so erhellend an. Das hat Andreas Möller schon besser ausgedrückt: "Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl."  Aber da meldet sich bei der EM 2000 nach dem 0:3 der Deutschen gegen Portugal ein TV-Reporter aus Österreicher und fragt den Stürmer Marco Bode: "Herr Basler, was sagen Sie zum Spiel?" Na, ja, man kann nicht alle kennen. So wendet sich auch Christine Reinhart vom ZDF mit einer Frage an Stephane Chapuisat: "Na, Herr Chapuisat, hat denn Berti Vogts schon bei Ihnen angeklopft?" Da hätte Bundestrainer Berti lange klopfen können - Chapuisat ist Schweizer! 
 
Doch nun muss die PK leider auf Drängen von Trainer Uwe Klimaschewski vorzeitig beendet werden: "Keine weiteren Fragen mehr, ich muss jetzt zu meinen Spielern. Die sind so blind, dass sie ohne mich nicht den Weg von der Kabine zum Bus finden." Dafür haben wir Verständnis. Dann schalten wir eben unsere Empfangsgeräte an und hören Manni Breuckmann: "Und nun ein Einwurf! Nein, ein Eckball. Nein, ein Einball!" Das ist doch kreativ. Bildhafte Sprache beherrscht auch Bela Rethy, wenn er einen Spieler aus Kolumbien beschreibt: "Das da vorne, was aussieht wie eine Klobürste, das ist Valderrama." Au weia, dafür hätte es heutzutage einen schweren Shit-Storm gesetzt. 

Doch jetzt zum Deutschen Meister aller Kommentator-Klassen, über den es sogar ein Buch gibt: "Wie werde ich Heribert Fassbender?" Wegen seiner sprachlichen Entgleisungen musste Mister "N'abend allerseits" sich während der WM 2006 massive Kritik gefallen lassen. Das ARD-WM-Service-Team beantwortete dazu eine Presseanfrage so: "Ihre Kritik an Herrn Fassbender ist sicherlich berechtigt, jedoch gibt es während dieser WM kaum noch Chancen, ihn auszutauschen. Das hängt auch damit zusammen, dass er als Leiter des WDR-Sports ein Moderationsvorrecht genießt und dieses entsprechend ausnutzt." 
 
Wie gemein! Dabei war Fassbender doch stets neutral: "Schickt ihn ganz schnell in die Pampas, diesen Mann!" (Über einen argentinischen Schiedsrichter.) Aber dafür war er sprachkundig:  "Da singen sie: We are red, we are white, we are Danish Dynamite – wir sind rot, wir sind weiße, wir sind dänische...? Äh?“ Dann eben nicht. Doch was er sagte, hatte Hand und Fuß: "Es steht im Augenblick 1:1, aber es hätte auch umgekehrt lauten können." Stimmt doch, oder? Und musikalisch ist er auch auf der Höhe:„Jetzt sind auch die Fans begeistert. Sie singen ‚Oh, wie bist du schön!‘.“ 
 
Hmmm. Doch zumindest verstand Fassbender, ganz im Gegensatz zu mir, sich kurz zu fassen: "Norwegen in rot, die deutsche Mannschaft, das muss ich Ihnen nicht mehr sagen und da brauche ich auch gar nicht viel zu erklären, wie so oft - wie eigentlich immer, wie fast immer, in den Farben, die Sie kennen: In den weißen Trikots und den schwarzen Hosen! Aber, meine lieben Zuschauer, das wissen Sie ja sicher auch so, da muss man keine großen Worte mehr verlieren." 
 
Dennoch gibt es auf diesem Planeten einen Reporter, der Heribert noch übertroffen hat. Das Japanische Fernsehen entsandte zur WM 2006 als Kommentator Kiyoshi Inoue. Hier ein paar seiner Perlen, die mit historischem Fachwissen glänzten: “Auch ein paar Schwarze spielen für Deutschland. Auch Deutschland hatte ja viele Kolonien in Afrika.” Aber es geht noch besser: “Hier in Dortmund sieht man noch deutlich, dass hier früher das kommunistische Ostdeutschland war.” Daraufhin der Co-Kommentator: “Ist das wirklich schon Ostdeutschland?” Inoue: “Ja, der Fluss Rhein war früher die Grenze. Wer da rüber wollte, wurde erschossen. Es gab nur eine Brücke, bei Remagen, die ist jetzt wieder aufgebaut.” 
 
Natürlich gab es verzeihliche Pannen. Wie kann man auch Bastian Schweinsteiger heißen! “Diesen deutschen Spieler kann kein Mensch aussprechen, ich muss mal auf meine Liste schauen: Shi-wai-nu-shi-tai-gari. Nennen wir ihn einfach 'Das Lachsgesicht mit der Bürste auf dem Kopf'." Das ist nicht zu toppen? Doch! “Der Mann, an den sich Angela Merkel da kuschelt, ist der italienische Präsident – Romano Berlusconi. Schon im Zweiten Weltkrieg arbeiteten Deutschland und Italien zusammen.” 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1076 vom 9. 2. 24 

Da wir alle nicht einseitig aufgestellt sein wollen, wenden wir uns heute verschiedenen Bildungsbereichen zu. Und Ihr werdet feststellen, dass Ihr mit der Hilfe von Fußballgrößen eine Menge über Geografie, Anatomie und Mathematik lernen könnt. Also, aufgepasst: Augen auf und mitdenken. In der ersten Stunde befassen wir uns mit Erdkunde. 
 
Als BVB-Stürmer Jürgen Wegmann nach einer möglichen Abwanderung zum FC Basel befragt wurde, antwortete er: "Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde." Na ja, ein Borusse eben. Aber auch ein Reporter-Kollege verfügt über andere Landkarten. Heribert Fassbender: "Die Polen darf man nicht unterschätzen. Diese Balkan-Kicker sind unberechenbar!" Für Bayern gehört ohnehin alles nördlich der Mainlinie zum exotischen Ausland. So schrieb die Vereinszeitung "Bayern-Echo" vor einem Auswärtsspiel in Bremen: "Jetzt fahren wir selbstbewusst an die Ostseeküste!" Wenigstens einer wusste Bescheid und konnte die Verhältnisse gerade rücken. Fußball-Idol  Ernst Kuzorra erklärte einst dem schwedischen König, wo Gelsenkirchen liegt: "Bei Schalke!" 
 
In der zweiten Stunde geht es um Anatomie. Da wusste Trainer Dettmar Cramer bestens Bescheid: "Es hängt alles irgendwie zusammen. Sie können sich am Hintern ein Haar ausreißen, dann tränt das Auge." Und bei Udo Lattek verfügten Spieler über besondere anatomische Gaben: "Wunderbar, wie er seinen Körper zwischen sich und den Gegner schiebt." Auch Luxemburger weichen von der Norm ab, wie Karl-Heinz Rummenigge feststellte: "In der Mitte, da sind sie vierbeinig." Und unbestritten ist, was schon Werner Hansch bemerkte: "Wer hinten offen ist, der kann nicht ganz dicht sein." 
 
So, jetzt wird es hart für die meisten von uns. Nun steht Mathematik auf dem Stundenplan. Doch wenn wir den Theorien von Fußballern lauschen, dann sind einige unserer kindlichen Berechnungen vielleicht doch nicht so falsch gewesen. Franz Beckerbauer meinte beispielsweise: "Ja, gut. Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage." Auch in der Prozentrechnung sollten wir mit Ingo Anderbrügge andere Maßstäbe setzen: "Das Tor gehört zu 70 % mir und zu 40 % Marc Wilmots." Roland Wohlfahrt fügte hinzu: "Zwei Chancen, ein Tor - das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung." 
 
Übungsleiter Fritz Langner beherrschte verwirrende Trainingsmethoden: "Ihr Fünf spielt jetzt vier gegen drei!" Bruchrechnung ist ebenfalls ein schwieriges Kapitel. So ist ein Satz des Verhandlungsgenies Horst Syzmaniak sprichwörtlich geworden: "Ein Drittel? Nee, ich will wenigstens ein Viertel mehr!" Und unser Hobby-Philosoph Peter Neuerurer versteht sich auch auf Mengenlehre: "Die Stimmung ist eigentlich wie vor dem Spiel. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir aus dieser äußerst großen Minimalchance, minimaler geht's gar nicht mehr, eine etwas kleinere gemacht haben, die größer geworden ist." 
 
So, es klingelt zum Unterrichtsende. ich freue mich, dass Ihr bis zum Schluss durchgehalten habt und verabschiede mich für heute mit Andreas Brehme: "Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1075 vom  8. 2. 24

Die SP-Fußballfestwoche geht weiter. Diesmal mit dem Schwerpunkt Sprache. Oft wird diesem schönen Sport ja Militarismus unterstellt. Ja, es gibt Sportskanonen, die Granaten aufs gegnerische Tor abfeuern. Und im Kampf Mann gegen Mann den Gegenspieler umsaebeln und über die Klinge springen lassen oder ihn schlicht umhauen. Wir hatten auch schon einen Bomber der Nation. 
 
Und dann die Gesänge der Schlachtenbummler. Auf dem Betzenberg grölten sie beim Spiel gegen Frankfurt: "Wenn das Eintracht-Blut auf die Weste spritzt, dann ist alles wieder gut". Besonders übel: Die "Sieg"-Sprechchöre, die ein unheilvolles Echo auslösen. Aber selbst wenn ich mit derartigen Beispielen mein Pulver noch lange nicht verschossen habe: Auch in anderen Sachgebieten gibt es explosive Ausdrücke und Kleinkriege um Inhalte. 
 
Der Einwurf, Fußball diene zur Leibeserziehung und somit dazu, die Wehrtüchtigkeit zu fördern, könnte auch auf fast alle anderen Sportarten zutreffen. Na ja, vielleicht mit Ausnahme von Synchron-Schwimmen und Schach. Zudem ist es oft so, dass die Zahl der Krankschreibungen nach Spieltagen der Amateure eine Armee erheblich dezimieren würde und Profi-Kicker nach Abschluss ihrer Karriere oft so marode sind, dass diese Sportinvaliden allenfalls noch als Kanonenfutter verwendet werden könnten. 
 
Dagegen ist es für Liebhaber der Wokeness und des Genderns bestimmt eine Freude, die Äußerungen von Funktionären, Trainern und Spielern zu durchforsten. Eine wahre Fundgrube für alle, die in einer männlichen Domäne Futter für Kritik an unterschwelliger bis offener Diskriminierung finden wollen. So sagte Trainer Hans Mayer über die geistige Aufnahmefähigkeit seines ghanaischen Stürmers Lawrence Aidoo: "Er lernt jetzt auch schon seit zwei Jahren die deutsche Sprache und kann schon 'Guten Tag' sagen." Des Deutschen sehr gut mächtig war dagegen der dunkelhäutige Anthony Baffoe. Er konterte rassistische Pöbeleien seines Gegenspielers so: "Du kannst auf meiner Plantage arbeiten.'" 

Otto Rehagel drückte seine Zweifel an der fachlichen Kompetenz von Frauen aus, in dem er Sportreporterin Sabine Töpperwien abwies: "Schicken Sie Ihren Bruder. Mit dem rede ich." Und auch das Weltbild von Thomas Hässler schimmerte durch, als er sagte: "Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden." Auch Berti Vogts Spruch lässt tief blicken: "Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau im Wohnzimmer ausleben." 
 
Ach, ich könnte noch stundenlang weitermachen. Aber ich will mich nicht dem Vorurteil aussetzen, alte, weiße Männer könnten sich nicht kurzfassen. Deshalb schließe ich jetzt mit Schludrigkeiten, mit denen sich das Ausland für die deutschen Fußballtriumphe an Kaiser Franz rächte. Hier sind 23 Schreibweisen seines Namens, die in anderen Ländern gedruckt wurden. Es fängt ganz langsam an, aber dann! Bekenbauer, Beckenbower, Beckenbawer, Beckembawer, Dekenbabuer, Beckenbahuer, Bakenvahuer, Bekenwauher, Bequenvaquer, Rikenbawuer, Backenbur, Baker Bawuer, Bequenbawer, Becquenvauer, Baker Bauwer, Bekenbuer, Backenbayer, Beckenbuhver, Baenkewark, Bequenvaguer, El Kaisea. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1074 vom 7. 2. 24

Heute wird's philosophisch. Zwar gehörte in der Antike Fußball noch nicht zum olympischen Programm und taucht somit in den Werken von Sokrates und Platon nicht auf. Ebensowenig wie zu Zeiten von Kant und Hegel, wobei ich mir wenig später Marx und Engels als durchschlagkräftiges Sturm-Duo wie Szepan und Kuzzora durchaus hätte vorstellen können. Doch was brauchen wir klassische Philosophen, wenn es unter Trainern und Spielern derartig viele begabte Autodidakten gibt? Hier folgt eine Auswahl ihrer Gedanken, über die Ihr ruhig mal eine Halbzeitpause nachdenken könnt. Fritz Eckenga und Rudi Assauer würden sagen: "Viertelstunde? Schafft Ihr schon!" 
 
Vorausschicken will ich, dass das geistige Niveau von Fußballern oft komplett unterschätzt wird. So sagte Torwart Richard Golz über seine Mitspieler beim FC Freiburg: "Vor lauter philosophieren über Schopenhauer kommen wir gar nicht mehr zum Trainieren." Auch Trainer Uwe Klimaschewski hatte Probleme mit den sensiblen Denkern in seinem Team: "Meine Spieler sind alles Intellektuelle. Die haben den Tod von Mao Tse-Tung letzte Woche noch nicht verkraftet." 
 
Dass man nicht unbedingt umfassend gebildet sein muss, um tiefschürfende Gedanken zu formulieren, bewies immer wieder Trainer-Legende Peter Neururer: "Ich habe früher auch die großen Philosophen gelesen. Doch dann habe ich bemerkt, dass die von meinem normalen Denken absolut abweichen. Jetzt lese ich nur noch Fußballbücher." Das hinderte ihn aber nicht, richtig gut klingende Sätze zu formulieren: "Die fußballerische Intelligenz ist die Grundlage, um einen sportartspezifischen Intellekt aufzubauen." 
 
Peter, der Große, ist wohl der einzige Trainer, der noch Geld mitbringen würde, um Schalke 04 trainieren zu dürfen. Leider ist er ein verkanntes Genie. Denn man lese und staune: "Wenn man ein Quiz machen würde unter den Trainern in Deutschland, wer am meisten Ahnung hat von Trainingslehre und Psychologie, und der Trainer mit den besten Ergebnissen kriegt den besten Klub - dann wäre ich bald bei Real Madrid." Ja, ja, in der Philosophie liegen Tiefsinn und Unsinn oft dicht beeinander. 

Nun noch ein paar Merksätze, die zeigen, wie klar und korrekt ein Fußballhirn denkt: 
Gyula Lorant: "Der Ball ist rund. Wäre er eckig, wäre er ein Würfel." 
Olaf Thon: "Ich sehe einen positiven Trend. Tiefer kann es nicht mehr gehen." 
David Pleat: "Ein Spiel ist nicht gewonnen, ehe es verloren ist." 
Carsten Ramelow: "Gerade zu Hause liegt unsere Heimstärke!" 
Und Dragoslav Stepanovic zur Reporterfrage, was die nächste Woche bringen werden: "Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag..." 
 
Zum Abschluss zurück zur Philosophie. Das letzte Wort hat ein echter Philosoph. Jean-Paul Satre sagte: "Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit einer gegnerischen Mannschaft." Will jetzt noch jemand behaupten, Philosophie hätte nichts mit der Lebenswirklichkeit zu tun? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1073 vom 6. 2. 24

Da diese Woche wegen des DFB-Pokals nicht nur am Freitag, Samstag und Sonntag, sondern auch unter der Woche Fußball gespielt wird, bleibe ich dem Thema noch etwas treu. Aber zur Besänftigung von Kostverächtern nehme ich auch noch die Literatur hinzu. Literatur und Fußball haben nichts miteinander zu tun? Irrtum! Ich erinnere nur an Peter Handkes "Die Angst des Torwarts beim Elfmeter." Und obwohl Ringelnatz einen eher abfälligen Zweizeiler zum Thema beisteuerte ("Der Fußballwahn ist eine Krank-/Heit aber selten, Gott sei Dank),  haben z. B. Robert Gernhardt, Fritz Eckenga und Ror Wolf  lesenswerte lyrische Beiträge geliefert. 
 
Doch auch in der Prosa jagten gelegentlich Spieler dem Ball hinterher, wobei die Autoren sich jedoch entweder als Fußballbanausen erwiesen oder das Geschehen auf dem Rasen kritisch beäugten. Gewalt außerhalb, aber auch auf dem Platz, hat es wohl schon immer gegeben. Da wurde nicht nur das Leder getreten. So beschrieb Alfred Polgar die Eignung des Fußballsports als gedeihliches Mittel zur Entfaltung von Aggressionspotenzial: "In der darauffolgenden Phase des Spiels gab es viele Fouls und zuwenig Tragbahren. Schließlich endete das Spiel mit dem klaren Sieg des Polizeiteams." 
 
Ödon von Horwarth nutzte den Fußball für ein pessimistisches Märchen. Darin entführt der liebe Gott einen fußballverrückten Knaben direkt vom Spielfeld in den Himmel. Als Schiedsrichter fungiert ein Erzengel, und der Ball fliegt bis zur Milchstraße. "Ein fürchterlicher Schmäh ohne Fußballverstand", beurteilte Dirk Schümer Horwarths Werk. Weit besser machten es Eckard Henscheid, Nick Hornby oder Frank Goosen. Aber die traten alle eher in der Landesliga und nicht mit den Elite-Autoren bei der Literatur-Weltmeinschaft an. 
 
Ein weltweit gerühmter Autor verfügte über mehr als nur Fußballahnung. Für Vladimir Nabokov lag die Wahrheit tatsächlich auf dem Platz. Der russische Schriftsteller wählte die Torwart-Legende Lew Jaschin als großes Idol und eiferte ihm selbst als Torhüter nach. Doch wie sagt man sinngemäß im Fußballjargon? Torhüter und Linksaußen haben alle einen Hau! Im englischen Exil scheiterte Nabokovs Fußballkarriere an seiner eigensinnigen Einstellung: "Ich war weniger Hüter eines Fußballtores als eines Geheimnisses. Während ich mich mit verschränkten Armen an den linken Pfosten lehnte, genoß ich den Luxus, meine Augen zu schließen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1072 vom 5. 2. 24

Wie heißt es noch gleich? Ein Spiel hat zwei Halbzeiten, der Ball ist rund und in der zweiten Hälfte rollt er ins Netz der Schmunzelpost. Nach dem Anpfiff erwarten Euch heute ein paar Besonderheiten aus der wunderbaren Welt des Fußballs, die womöglich selbst eingefleischten Fans noch unbekannt sind. Apropos Anpfiff. Der schnellste Platzverweis in der Geschichte des Fußballs ereilte in England den Stürmer Lee Todd. Er sah bereits nach nur zwei Sekunden die rote Karte, weil er den Anpfiff des Schiedsrichters mit den Worten: "Fuck me, that was loud!" kommentiert hatte. 
 
Tiere spielen beim Fußball eine große Rolle. Nicht nur Geißböcke in Köln, Adler in Frankfurt und Blindschleichen in Nordlüdenscheid. So motivierte sich Ex-Nationaltorwart Toni Schumacher vor Länderspielen, indem er sich beim Ertönen der Nationalhymne des Gegners selbst zuflüsterte: "Du bist der beste Torwart der Welt. Du wirst jeden Ball halten. Du bist ein Raubtier." Der Franzose Battiston kann heute noch durch seine Zahnlücken ein Lied davon pfeifen. 
 
Auch bei anderen Kickern erwiesen sich Begegnungen mit Tieren oder tierischen Produkten als wenig segensreich. So wechselte der Rumäne Marius Ciorra 2006 von UT Arad zum spanischen Viertligisten Regal Hornia. Ablöse: 15 Kilo Schweinswürste. Weil er permanent damit aufgezogen wurde und schließlich die Witze nicht mehr ertrug, beendete Ciorra kurz darauf seine Karriere. 
 
Lediglich für einige Zeit unterbrochen wurde dagegen die Laufbahn von anderen Fußballern. Der norwegische Nationalspieler Svein Grondalen musste in den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Länderspiel absagen. Als er seine Ausdauer trainerte, war er beim Joggen mit einem Elch zusammen gestoßen. Auch Franz Michelsberger vom FC Bayern verletzte sich 1975 auf höchst ungewöhnliche Art. Er zog sich eine Knieprellung zu, als er im Trainingslager in Israel von einem Kamel gegen eine Treppe gestoßen wurde. 
 
Tiere müssen jedoch auch für Ausreden herhalten. Eine der dämlichsten stammt vom nordkoreanischen Fußballverband. Der wies die Dopingvorwürfe gegen fünf Fußballerinnen zurück, denn diese wären nach einem Blitzschlag lediglich mit dem Drüsenextrakt eines Moschushirschen behandelt worden. Potz Blitz! Zu was die Natur-Medizin doch fähig ist... 
 
Dopingvorschriften ärgerten auch Charles Akonnor und die Verantwortlichen beim VfL Wolfsburg. Akonor musste drei Spiele Sperre erdulden, weil er ein blutstillendes Mittel bekommen hatte, das auf der Dopingliste stand. Dabei wäre der Fußballer vorher fast verblutet. Denn er erlitt eine nicht ganz fußball-typische Verletzung: Eine Autoantenne hatte sich in sein Nasenloch gebohrt. Ich nehme an, sie gehörte zu einem Jaguar. Und der hat sich gesagt: "Ich bin das beste Auto der Welt! Niemand kommt an mir vorbei! Ich bin ein Raubtier!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ein kurzer Nachtrag zu den Bauernregeln kam aus Werne. Dort kennt sich die Landbevölkerung gut damit aus. Und der Regel: "Regen im Mai, April ist vorbei" will ich nicht widersprechen. 
 

 Schmunzelpost 1071 vom 4. 2. 24

Juhuu! Schalke 04 hat seit Ewigkeiten mal wieder ein Spiel gewonnen. Und das noch gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten. Wenn das kein Anlass ist, sich in der Schmunzelpost mal wieder mit dem Thema Fußball zu beschäftigen, weiß ich es auch nicht. Ich mache mir die Sache heute leicht. Es folgt die wortgetreue Wiedergabe eines Dialogs, der 1968 Fernsehgeschichte schrieb, als die TV-Bilder, zumindest Live aus dem Ausland, noch nicht das Laufen gelernt hatten.
 
Ein Telefongespräch im Fernsehen 
 
Aus: "Das nächste Spiel ist immer das schwerste" von Ror Wolf. 
 
Ein Blick voraus: Diesen Sommer haben Menschen, die sich nicht für Fußball interessieren, wieder viel Zeit zum Bücherlesen. Denn im Fernsehen läuft dann die Fußball-Europameisterschaft und alle Fußball-Verrückten werden wieder  tunde um Stunde vor dem Bildschirm hocken. 

Ein Blick zurück: 1968 gab es schon genauso viele Fußballfans. Aber das Fernsehen war noch schwarz-weiß und die Technik ließ zu wünschen übrig. Eine Live-Übertragung aus dem fernen Ausland konnte da zum Abenteuer werden. Doch die Sender waren aus Schaden klug geworden und hatten ihre Reporter vor Ort mit Telefonen ausgerüstet, falls es mit dem 
Bild nicht klappen sollte. 
 
Genau das passierte am 23. November 1968, als in Nikosia die deutsche Nationalmannschaft zu einem Qualifikationsspiel für die Fußball-WM in Zypern antrat. Ein Fernsehreporter ist auf dem Bildschirm zu sehen, der zweite weilt in Zypern und ist nur zu hören. Hier nun das Originalprotokoll des denkwürdigen Dialoges. 
 
A: So! Nun wollen wir einmal versuchen, ein Verbindung mit Nikosia herzustellen. (Hebt den Hörer ab) Hallo! 
 
B: Ja? 
 
A: Ah, da sind Sie ja. Wie war das Spiel? 
 
B: Ich habe die Frage nicht verstanden. 
 
A: Meine Frage war: Wie war das Spiel? 
 
B: Das Spiel? 
 
A: Jawohl. 
 
B: Welches Spiel? 
 
A: Na, ich denke, das Spiel, über das Sie uns berichten wollen, das Länderspiel in Nikosia. 
 
B: Was? 
 
A: Das Länderspiel! 
 
B: Das Länderspiel? 
 
A: Ja. Wissen Sie, wie es ausgegangen ist? 
 
B: Ich kann es nicht beurteilen, weil ich das Spiel nicht gesehen habe. 
 
A: Was? Sie haben das Spiel nicht gesehen? 
 
B: Was? 
 
A: Sie sagen, Sie haben das Spiel nicht gesehen? 
 
B: Was? 
 
A: (Wendet sich ans Publikum) Die Verbindung ist schlecht. Die Verbindung ist heute wirklich schlecht. (A wird ein Zettel 
 
gereicht) Wir haben hier ein Resultat nach vielem Hin und Her. Ein Ergebnis, das durchaus sein kann, das durchaus im 
 
Bereich des Möglichen liegt. (A beugt sich, den Hörer am Ohr, über den Zettel. Aber offenbar kann er die Schrift nicht 
 
entziffern) Aber wir wollen hören, ob wir nicht doch noch eine bessere Verbindung bekommen können. Hallo? 
 
B: Ja? 
 
A: Ah, da sind Sie ja. 
 
B: Ja, ich bin hier. 
 
A: Ich freue mich, dass wir uns jetzt endlich verstehen. 
 
B: Was? 
 
A: ICH FREUE MICH, DASS WIR UNS JETZT VERSTEHEN! 
 
B: Was meinen Sie? Ich kann Sie nicht verstehen. 
 
A: Sie können mich nicht verstehen? 
 
B: Doch. Jetzt verstehe ich Sie gut. 
 
A: Ah, das ist gut! Können Sie uns etwas über das Spiel sagen, vielleicht das Ergebnis? 
 
(prrrrrrrrrrrr, kratz, kratz, knister, knister). 
 
A: (Hat zwischenzeitlich den Hörer ein Stück vom Ohr entfernt und hält ihn dann wieder an die Ohrmuschel): Hallo, ich höre Sie nicht! (Ans Publikum gewandt) Das war ja zu erwarten. (In die Muschel) Hallo, hallo? Was? 
 
B: Wimmer im Mittelfeld. 
 
A: Wer? 
 
B: Wimmer! 
 
A: Wimmer? 
 
B: Ja. 
 
A: Jawohl. Also Wimmer im Mittelfeld. Und wie ist das Resultat? 
 
B: Ich habe Ihre Frage nicht verstanden. 
 
A: Ich habe Sie gefragt, wie das Spiel ausgegangen ist. Unsere Zuschauer hier sind gespannt auf das Resultat. 
 
B: Haben Sie eine Frage? 
 
A: Ja, ich habe Sie nach dem Resultat gefragt! 
 
B: Hallo? 
 
A: Das Resultat! Verstehen Sie mich? Das Ergebnis? Wie es ausgegangen ist? 
 
B: Das ist mein Eindruck. Wie gesagt, soweit ich das sehen konnte, soweit es sich um das Spiel handelt. Auf das Sie anspielen. 
 
A: Von wem sprechen Sie? Bitte, von wem sprechen Sie? 
 
B: Ja, soweit ich das beurteilen kann. 
 
A: Können Sie mich denn nicht verstehen? 
 
B: Ja, aber ich kann es nicht so genau sagen. Ich muss mich auf das verlassen, was ich gehört habe. 
 
A: Und? Wissen Sie wie es ausgegangen ist? 
 
B: Was? 
 
A: DAS SPIEL! WIE IST DAS RESULTAT? 
 
B: Ich glaube, ja. 
 
A: (Entnervt) Gab es sonst noch was Besonderes? 
 
B: Ich kann Sie plötzlich nicht verstehen, die Verbindung ist schlecht. 
 
A: (legt ermattet den Hörer auf) Es tut mir Leid, liebe Zuschauer, aber das Resultat ist nicht mit Gewissheit zu erfahren. 
 
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Wer braucht absurdes Theater, wenn es so etwas live im Fernsehen gibt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1070 vom 3. 2. 24 

Getreu meinen Gepflogenheiten greife ich heute nochmal die letzte Schmunzelpost auf. Darin spielten Bauernregeln eine Rolle. Und da es in meinem Umfeld Leute gibt, die in solchen Sprüchen mehr als ein Körnchen Wahrheit entdecken (tatsächlich ist es wie in Horoskopen: Je mehr Allgemeinplätze eingestreut sind, desto größer die Chance, dass irgendetwas zutrifft), liefere ich nun Bauernweisheiten aus dem immerwährenden Kalender für die nächsten Tage nach.
 
3. Februar: Alle Monat im Jahr verwünschen den schönen Februar. 
4. Februar: Wenn es im Februar nicht schneit, dann schneit es in der Osterzeit. 
5. Februar: St. Agatha, die Gottesbraut, macht, dass Schnee und Eis gern taut. 
6. Februar: Februar mit Sonnenschein und Vogelsang macht dem Bauer Angst und Bang. 
7. Februar: Wenn's im Februar regnerisch ist, hilft's so viel wie guter Mist. 
 
Mein Favorit ist jedoch die Eingangsregel des Kalenders: Kräht der Hahn auf dem Mist, bleibt das Wetter wie es ist. Kräht der Hahn auf dem Hühnerhaus, hält das Wetter die Woche aus. Kräht der Hahn doch auf dem Huhn, hat das mit Wetter nichts zu tun. 
 
Außerdem beschäftigt mich die Frage, wie die Bauern auf ihre Regeln gekommen sind. Ich vermute, sie haben dafür die traditionellen Praktiken der Wetterfrösche abgeschaut. Daher kann ich eine neue Regel hinzufügen: Fällt der Bauer von der Leiter, stimmt das oft die Bäuerin heiter. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1069 vom 2. 2. 24

So, jetzt dürft Ihr endlich die Blockflöten wieder wegpacken, die Kugeln vom Baum nehmen und, wenn Ihr besonders sparsam seid und auf Nachhaltigkeit Wert legt, das Lametta fürs nächste Mal aufwickeln. Warum? Erst heute endet nach 40 Tagen das Weihnachtsfest. Erst am 2. Februar zu Maria Lichtmess, so, wie sich das seit Generationen gehört. 

Wie? Beim 2. Vatikanischen Konzil soll es doch 1965 eine liturgische Reform gegeben haben, nach der die Weihnachtszeit schon mit dem Dreikönigstag am 6. Januar endet? Papperlapp. Reform und Katholische Kirche, das sind zwei entgegengesetzte Pole. Jeder traditionsbewusste Katholik schert sich nicht um solchen neumodischen Schnick-Schnack. Die alten Regeln bleiben bestehen, zumindest solange, wie der Papst keine Frau ist. 
 
 Man muss ja nicht alles gleich so strikt sehen wie die katholischen Ultras. Das sind Familienväter, für die ein Mühlstein als beste Antibabypille gilt. Diesen Stein rollen sie abends vor das Schlafzimmer ihrer Tochter. Und zwar so lange, bis ein Priester deren Ehe gesegnet und das arme Kind zur Zeugung von Nachkommen freigegeben hat. 
 
Doch zurück zu Maria Lichtmess. Das ist eines der ältesten kirchlichen Feste. Bereits seit Beginn des fünften Jahrhunderts wird es in Jerusalem gefeiert, seit dem Jahre 650 auch in Rom. Dazu gab es Lichterprozessionen mit geweihten Kerzen. Und wenn Euch heute in Spergau bei Leuna ein großer Zug von Menschen entgegenkommt, dann ist das zum Glück kein Pegida-Marsch, aber auch keine Demo gegen rechts: In der Ortschaft in Sachsen-Anhalt hat sich der Brauch seit 1688 gehalten und ist als "Spergauer Lichtmess" sogar seit 2018 anerkanntes immaterielles Kulturerbe. Dabei bezieht man sich auf das Lukas-Evangelium. Denn früher war es üblich, dass jüdische Kinder 40 Tage nach ihrer Geburt im Tempel geweiht wurden. An diesem Tag sollen Simeon und Hanna, wer kennt sie nicht, den kleinen Jesus schon als Erlöser erkannt haben. 
 
Ausgehend davon hat der Lichtmess-Tag aber auch noch andere Funktionen. Fragt mal einen Landwirt in Eurer Nähe, wenn er gerade nicht mit seinem Trecker wegen dringender Angelegenheiten nach Berlin unterwegs ist. Ein Bauer ist oft schlauer, wenn er sich sein Regelwerk anschaut. "Scheint an Lichtmess die Sonne heiß, bringt der Märzen Schnee und Eis", heißt es darin. Und auch: "Lichtmess trüb ist dem Bauern lieb." Schaut also heute mal aus dem Fenster, wenn Ihr jetzt schon wissen wollt, ob uns ein milder oder ein langer Winter bevorsteht. 
 
Ihr könnt aber auch nach Amerika blicken. Dort wird heute der Weltmurmeltiertag gefeiert. Und wie wir aus dem Kino wissen, hat dabei das Murmeltier Phil in Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania seinen großen Auftritt. Erschrickt es vor seinem Schatten und verkriecht sich wieder in seinem Bau, dann stehen den Amerikanern noch viel kalte, ungemütliche Tage bevor. Bleibt Phil jedoch nach Sonnenaufgang vor seinem Bau, dann steht dem Frühlingsbeginn nichts im Wege. 
 
Könnten wir so eine schlüssige Vorhersage-Methode nicht auch bei uns einführen? Am besten mit einem in Wetterfragen geschulten Bauern. "Fällt der Heinrich heut vom Trecker, geht der Frost uns auf den Wecker!" Oder: "Schielt Heinrich schon morgens früh nach seiner Frau, dann wird es warm und der Himmel blau!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1068 vom 1. 2. 24 

Das Alter hat auch seine traumhaften Seiten. Während ich mich früher nur dann für kurze Zeit grob an einen Traum erinnern konnte, wenn ich mittendrin aus dem Schlaf gerissen wurde, habe ich jetzt nach dem Erwachen am frühen Morgen, also so gegen 9.30 Uhr, noch alle Details vor Augen. Und die sind oft ziemlich verrückt, weil offenbar ganz unterschiedliche Dinge in meinem Kopf verwoben werden. Am gestrigen Alptraum möchte ich Euch teilhaben lassen. 
 
Darin lag ich gefesselt und geknebelt in einem riesigen Zelt, in dem der Stamm der Neo-Germanen zum Ältestenrat zusammen kam. Das Wort ergriff zunächst der Patriarch Schleimige Schildkröte, der als derjenige, der die meisten Sommer und Winter in Land und Gau erlebt hatte und die meisten hässlichen Krawatten besaß, als besonders weise galt: "Petri-Heil! Äh, pardon, die hat Thor ja bereits blitzartig abberufen. Heil unserer Alice, die uns ins Wunderland führen wird. Denn die Tage, in denen die rot-grünen Stämme unsere Heimat versifften, sind zum Glück bald vorbei und werden bloß als Mückenschiss in unsere ruhmreiche Geschichte eingehen. Warum das so kommt, sagt Euch jetzt die einzige Squaw, die nicht ins Heim und an den Herd gehört, weil sie ein echter Kerl ist!" 
 
"Vielen Dank, schleimige Schildkröte", schwingt sich "Wütende Weide" ans Rednerpult: "Willkommen, liebe braune Brüder. Ja, wir haben da einen tollen Plan ausgearbeitet, wie wir dieses messerstechende Ungeziefer mitsamt den Kopftuch-Tussis in die ewigen Jagdgründe, Verzeihung, in die Wüste, aus der sie gekommen sind, schicken können. Unser Totem heißt Remigration. Und, Odin sei Dank, haben wir nicht nur einen Plan, sondern auch einen Kriegshäuptling, der ihn ausführen wird. Willkommen, Hassender Hocker!" 
 
"Danke, Wütende Weide, Dank auch Euch, Ihr besorgten Bürger! Mit Eurer Hilfe wird unser Wunsch bald wahr: Ein Deutschland der reinblütigen Germanen, ein Volk, das nicht mehr mit unreinem fremden Blut verseucht wird und ein Reich, auf das Barbarossa im Kyffhäuser und der große Führer im Himmel endlich wieder stolz sein können. Dieses Jahr werden wir erst im Osten die Macht übernehmen. Denn wenn auch unsere treuen Anhänger derzeit wegen der geifernden ungermanischen Elemente den Kopf einziehen und sich verbergen, so werden sie doch am Wahltag die hohlen Worte unserer nichtsnutzigen Feinde und ihrer Lügenpresse durchkreuzen. Und wahrlich, ich sage Euch: Erst gehört uns Ostdeutschland und bald die ganze Welt! Am völkischen Wesen wird die Welt genesen! 
 
Und schon heute, liebe braune Brüder, werden wir mit der großen Säuberungsaktion beginnen. Bevor wir alle verleumderischen Werke der Lügenpresse und der Ratten und Schmeißfliegen, also der sogenannten Literaten, auf einem großen Scheiterhaufen Odin opfern werden, stellen wir zunächst den Urheber der verdammenswürdigen Schmunzelpost an den Marterpfahl. Ich frage Euch: Wollt Ihr den totalen Sieg? Dann schickt Schalke in die Kreisliga und bringt mir ein paar Vogelspinnen." 
 
Da bin ich aufgewacht. Wo, bitte, ist die nächste Demo gegen rechts? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1067 vom 31. 1. 24

Am 31. Januar 1929 kam ein Buch auf den Markt, das ich zwangsläufig - da ich damals noch nicht einmal geplant war - erst viel später gelesen habe. Es gehört für mich bis heute zu den literarischen Entdeckungen, die den Wahnsinn eines Krieges und seiner verheerenden Folgen drastisch deutlich machen. "Im Westen nicht Neues" von Erich Maria Remarque wurde dreimal verfilmt und transportiert die Schrecken des Ersten Weltkriegs und den Irrsinn des gegenseitigen Abschlachtens auch eindrucksvoll auf die Kinoleinwand.

 
 Kein Wunder, dass in einem Deutschland, in dem es nach wie vor als süß und ehrenvoll galt fürs Vaterland zu sterben, die öffentliche Aufführung der ersten Verfilmung am 11. Dezember 1930 prompt verboten wurde. Die offizielle Begründung lautete, dass der Film "das Ansehen Deutschlands im Ausland gefährden" könne. In Wahrheit fürchtete man Krawalle, Zerstörung und Straßenschlachten vor den Kinos, da eine rechte Einheitsfront angekündigt hatte, mit Gewalt zu verhindern, dass "die soldatische Ehre besudelt" werde. Folgerichtig gehörte das Buch ab 1933 zur verbotenen Literatur.
 
Lange Zeit habe ich jede Form von Krieg und Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten kategorisch abgelehnt. Durch den Überfall auf die Ukraine hat meine Überzeugung Risse bekommen. Ich glaube nicht, dass man mit den Rezepten von Mahatma Ghandi dort die Aggressoren vertreiben könnte. Im Gegenteil. Ich fürchte, dass sie vielmehr die Verantwortlichen ermutigen würden, ihren Feldzug auszudehnen. Das Recht zur Selbstverteidigung nehme ich also aus meiner pauschalen Ablehnung heraus. Und ich bin deshalb dafür, die Ukraine so gut es geht zu unterstützen. 
 
An den Konsequenzen habe ich schwer zu kauen. Befürworte ich auf einmal die Rüstungsindustrie, weil Waffen und Munition gebraucht werden? Bin ich plötzlich für Aufrüstung, damit unsere Bundeswehr im Ernstfall handlungsfähig ist? Gibt es also doch den "gerechten Krieg?" Schwierige Fragen für jemand, der das Töten von Menschen grundsätzlich für ein Verbrechen hält. Auf die Frage, wie ich mich verhalten würde, wenn Angreifer meine Familie bedrohen, habe ich bei meiner Kriegsdienstverweigerung ausweichend reagiert und um den heißen Brei herumgeredet. Ich bin seinerzeit anerkannt worden. Aber Notwehr hatte ich damals schon als Ausnahmesituation im Hinterkopf. Und nichts anderes leisten die Ukrainer.
 
Solange ich den inneren Konflikt nicht gelöst habe, flüchte ich mich in Galgenhumor. Und rufe allen kriegsführenden Nationen zu: "Soldat mit Corona-Virus infiziert! Vorbeugend sind alle Kriege bis auf weiteres einzustellen!" Noch ein paar solcher Scherze gefällig? "Laut CNN gab es in den USA schon vor Beginn des Krieges einen Plan für den Irak nach dem Ende der Kampfhandlungen. Das Land sollte ursprünglich in drei Zonen aufgeteilt werden: Benzin, Super und Bleifrei."
 
 Und obwohl Ostfriesen-Witze eigentlich ausgedient haben, erzähle ich diesen gern weiter, weil am Ende der Menschenverstand siegt: Die Ostfriesen schreiben den Chinesen: "Hiermit erklären wir Euch den Krieg. Wir haben 5000 Soldaten und 500 Panzer." Kurz darauf antworten die Chinesen: "Liebe Ostfriesen, wir nehmen den Krieg an. Wir haben fünf Millionen Soldaten und 500.000 Panzer." Nach einer kurzen Beratung schreiben die Ostfriesen zurück: "Liebe Chinesen, leider müssen wir den Krieg absagen, denn wir haben nicht genug Betten für alle Gefangenen."
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 1066 vom 30. 1. 24

Es ist an der Zeit, mal wieder einem speziellen Hobby nachzugehen. Hier sind kuriose Nachrichten aus aller Welt:
 
Völklingen. Bei einer Kommunalwahl-Veranstaltung demaskierte sich der NPD-Kandidat für das Bürgermeister-Amt in Völklingen. Auf dem Podium wurde Otfried Best gefragt, was er gegen einen augenscheinlichen Missstand tun wolle: "Mir ist erschreckend aufgefallen, dass in Völklingen viele Hausnummern mit arabischen Zahlen gekennzeichnet sind. Wie wollen Sie gegen diese schleichende Überfremdung vorgehen?" Best tappte prompt in die Falle und versprach den 600 Anwesenden, dass sich das mit seiner Wahl zum Bürgermeister ändern werde. Offenbar war es dem Kandidaten neu, dass unser Ziffernsystem aus dem Arabischen übernommen ist. Aber vielleicht wollte er ja auch das römische Zahlensystem oder germanische Runen einführen.

Kirrweiler. Seinen 18. Geburtstag wird ein junger Mann aus Kirrweiler so schnell nicht vergessen. Nachdem er ordentlich gefeiert hatte, waren ihm die Zigaretten ausgegangen. Da er noch keinen Pkw besaß, setzte er sich kurzerhand in den Gabelstapler seines Vaters und tuckerte damit zum nächsten Automaten. Leider kippte er samt Fahrzeug um. Kein Wunder: Die Polizei stellte 1,65 Promille fest. Wenigstens kann niemand behaupten, der Raucher sei ein Hochstapler.

Alice Springs. In Australien findet auch 2024 wieder die einzige trockene Regatta der Welt statt. Denn das Bootsrennen wird in einem ausgetrockneten Flussbett ausgetragen. Die Teilnehmer der "Henley on Todd Regatta" rennen in selbstgemachten Booten ohne Boden um die Wette. Auch in einer anderen Disziplin versuchen die Australier den Finnen den Titel der meisten verrücktesten Weltmeisterschaften streitig zu machen: In Queensland wird der Meister im Skifahren ermittelt - allerdings ersetzen Wassermelonen auf der Piste die Holzbretter.

Deutschland. Das Gendern und der Kampf gegen sprachlich verletzende Verunglimpfungen haben eine neue Stufe erreicht. Jetzt fordern auch Tierfreunde Änderungen im Sprachgebrauch. Ich will niemand einen Bären aufbinden: Aber der Satz "Mit jemand ein Hühnchen rupfen" soll künftig nicht mehr verwendet werden, weil die Redewendung das Tierwohl gefährden könnte. Immerhin unterbreiten die Kritiker Alternativ-Vorschläge. Statt "Da steppt der Bär" soll besser "Da wedelt der Hund mit seiner Rute" gesagt werden. Und das brutale "Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen" ließe sich durch "Erbsen auf eine Gabel laden" ersetzen. 
 
Nun ist aber Schluss! Die haben doch eine Meise! Oder einen Triller unterm Pony! Das ist doch zum Wiehern! Und wer glaubt, der Erbsenjonglage-Akt bedeute das Gleiche wie die "Zwei-Fliegen-Wendung" sollte lieber die Klappe halten, denn er hat einen (Bienen)-Stich. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1065 vom 29. 1. 24

Es ist vollbracht! Ich bin drei Kilo leichter und habe damit mein Etappenziel erreicht. Ab heute gibt es wieder Wein. Und ein wenig mehr zu essen. Aber vorsichtig. Denn ich möchte den Jo-Jo-Effekt vermeiden und werde daher täglich mein Gewicht kontrollieren, um dann in der zweiten Jahreshälfte weitere Pfunde abzubauen. 
 
Dazu soll auch Bewegung beitragen. Davon hatte ich am Freitagabend recht wenig. Denn auf dem Dorstener Marktplatz standen die Menschen bei der Kundgebung gegen den Rechtsextremismus eng gedrängt. Ob es allerdings tatsächlich 5000 waren, wie behauptet, daran habe ich Zweifel. Meinen Blick dafür konnte ich früher bei Massenveranstaltungen schärfen, diesmal würde ich von maximal 3000 ausgehen. Dennoch ist das für Dorstener Verhältnisse eine ermutigende Zahl. 
 
Für weitere derartige Kundgebungen habe ich ein paar Tipps für die Organisatoren. Bitte, bitte beschränkt die Zahl der Redner! Nach der zehnten Ansprache bin ich gegangen. Denn an kalten Abenden macht es keinen Spaß, immer wieder den gleichen Inhalt in nur leicht abgewandelter Form anzuhören. Also bitte nur drei, höchstens fünf Redner ans Mikro lassen. Und deren Redezeit strikt begrenzen. Diesmal hatten sich die Sprecher der Fraktionen zwar auf maximal eine Minute geeinigt, aber schon Bernd Schwane von der CDU zelebrierte die längste Minute der Stadtgeschichte. Außerdem wäre statt Musikkonserven ein Chorauftritt schön. Die zum Mitsingen geeignete Bürgerrechtshymne "We shall overcome" hätte noch besser gepasst als die "Ode an die Freude" zum Schluss der Veranstaltung. 
 
So, nun zu Euch. Mein Abnehmrezept kann ich Euch wärmstens empfehlen. Morgens ein kleines Frühstück, bestehend aus einer Scheibe belegtem Brot, einem Apfel und einer Banane. An den ersten drei Tagen dann nur noch mittags und abends jeweils ein großes Glas fettarme Milch mit einem in Drogerien erhältlichen Abspeckpulver verrühren. Wenn auch Vanille drin ist, schmeckt das ganz gut, macht satt und liefert die nötigen Mineralien. Ab dem vierten Tag könnt Ihr Euch dann auf ein Glas täglich beschränken und Euch jeweils eine Suppe oder einen Salat gönnen. Wichtig: Viel Wasser trinken, am besten zwei Liter täglich. 
 
Ihr könnt natürlich auch andere Diäten ausprobieren. Ich habe da mal was herausgesucht. 1965 hat sich die Opernsängerin Maria Callas beispielsweise einen 30 cm langen Bandwurm einsetzen lassen. Es hat funktioniert! Viel Vergnügen beim Abnehmen. Aber passt auf, dass Ihr am Ende nicht wurmstichig seid. Wem das zu eklig ist, der kann die Kau-Diät probieren, die ein gewisser Horace Fletcher erfunden hat. Dabei muss jeder Bissen, den Ihr zu Euch nehmt, auch jeder Schluck an Getränken, genau 32 mal durchgekaut werden. Erst dann soll man ihn nach unten rutschen lassen. Widersetzt sich die zerkaute Masse, wird sie ausgepuckt.  - Wahrscheinlich nimmt man schon durch die Bewegung beim ständigen Kauen ab und riskiert einen ordentlichen Muskelkater.
 
In den USA hatte eine Firma die großartige Idee, dass die Leute sich eine gewisse Zeit ausschließlich von Bohnen ernähren sollten: "Bleib gesund, glücklich und schlank mit Bile Beans!" Von der zu großen Einseitigkeit mal abgesehen: Der Erfolg ist nicht garantiert, höchstens eine flottere Fortbewegung durch permanenten Rückstoß. 
 
Ähnlich verhält es sich mit der Kohlsuppen-Diät. Wobei einem spätestens nach sieben Tagen diese Suppe, selbst, wenn man sie eigentlich mag, zum Halse heraushängt. Ihren Befürwörter Karl Lagerfeld können wir leider nicht mehr befragen, wie er die Blähungen ausgehalten hat. Schließlich gibt es noch eine völlig kalorienfreie Diät. Dabei muss man sich die Pfunde wegbeten. Reverend Charlie Shed beschreibt in seinem Buch „Pray your weight away" wie das funktioniert:  "Wenn unsere Körper wirklich die Tempel des heiligen Geistes sind, halten wir sie am besten in der Form, die Gott für uns bestimmt hat." Amen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wunder gibt es immer wieder: Am Sonntagnachmittag befand sich tatsächlich ein Zug der Deutschen Bahn mit unserer Reisegruppe auf dem Rückweg ins Ruhrgebiet. Um 21 Uhr sollte Essen erreicht werden. 

 

Schmunzelpost 1064 vom 28. 1. 24 

Unsere kuriose Reise geht noch ein bisschen weiter. Wenn man nicht gerade in Österreich durch einen Bahnstreik im Schnee stecken bleibt, kann man unterwegs eine Menge Verblüffendes dazu lernen.
 
Was glaubt Ihr, welches Land auf unserem Erdball den meisten Sand importiert? Der ist bekanntlich für die Bauindustrie unentbehrlich. Doch obwohl einige Wüstenstaaten über weit mehr Sand verfügen, als unseren Kindern das unermüdliche Sandmännchen in die Augen streuen kann, ist Saudi-Arabien auf Sand-Einfuhren dringend angewiesen. Der Wüstensand ist viel zu feinkörnig, um ihn industriell zu verwerten. Also beziehen die Scheichs den Rohstoff tonnenweise vorwiegend aus Schottland und Australien. 
 
Nächste knifflige Frage: Welche Stadt besitzt die meisten Brücken? Venedig? Knapp vorbei. Amsterdam mit seinen vielen Grachten? Guter Versuch. Aber die größte Zahl an Brücken gibt es in Deutschland und zwar in der Hansestadt Hamburg. Sogar 2500, mehr als in Amsterdam und Venedig zusammen! Da staunt der Fachmann und der Reisende wundert sich. Und er reibt sich erneut die Augen, wenn er in Frankreich unterwegs ist. Denn einen Straßennamen finden Touristen und Einheimische dort immer wieder, in jeder französischen Stadt. Nein, nicht die Rue Napoleon. Vielmehr schlägt es mit Hilfe des Glöckners von Notre Dame dreizehn: Eine Victor-Hugo-Straße gibt es überall im Land. 
 
Und noch eine Frage bei der ich sicher bin, dass Ihr nicht von allein auf die richtige Antwort kommt: In welchem Staat ist der tibetische Grunzochse bei fast jeder weihnachtlichen Bescherung unentbehrlich? Falls es Euch weiter hilft: Das Tier dürft Ihr auch als Yak bezeichnen. Hat nichts genutzt? War auch schwierig. Die Ochsenschwänze sind Bestandteil des Bartes, den falsche Weihnachtsmänner in den USA tragen. 
 
Meine letzte Frage richtet sich an alle, die nicht nur bis drei zählen können. In welchem Land stellt man bei "elf" das Zählen ein? Kleiner Tipp: Das hat nichts mit rheinländischen Karnevalisten zu tun, sondern mit Menschen. die für alle Ziffern oberhalb von elf das Wort "amerlasooparssuit" benutzen. Das heißt "viele" und ersetzt in Grönland alle größeren Zahlen. Ist doch ein praktischer Brauch für alle Menschen, die ihr wahres Alter nicht verraten möchten. . .
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Am Achensee spitzt sich die Lage zu: Die Bahn hat inzwischen drei der vier möglichen Zugverbindungen gestrichen. Also bitte: Quetscht Eure Daumen noch ein wenig stärker, dass es mit der Rückreise klappt. 

PPS. In der letzten Schmunzelpost tauchte ein verpöntes Wort für eine alltägliche Ausscheidung auf. Aus Wulfen kam dazu die Ergänzung, dass sich ein Intellektueller wie Hans Magnus Enzensberger darauf sogar einen Reim gemacht hat, ohne das Wort zu verwenden: 
 
Immerzu höre ich von ihr reden
als wäre sie an allem schuld.
Seht nur, wie sanft und bescheiden
sie unter uns Platz nimmt! 
 
Warum besudeln wir denn ihren guten Namen
und leihen ihn
dem Präsidenten der USA,
den Bullen, dem Krieg
und dem Kapitalismus? 
 
Wie vergänglich sie ist,
und das was wir nach ihr nennen
wie dauerhaft! 
 
Sie, die Nachgiebige,
führen wir auf der Zunge
und meinen die Ausbeuter. 
Sie, die wir ausgedrückt haben,
soll nun auch noch ausdrücken 
unsere Wut? 
 
Hat sie uns nicht erleichtert?
Von weicher Beschaffenheit
und eigentümlich gewaltlos
ist sie von allen Werken des Menschen
vermutlich das friedlichste. 
 
Was hat sie uns nur getan?
 
 PPPS. Ach, Scheiß drauf! 
 

 Schmunzelpost 1063 vom 27. 1. 24

Dass Reisen mitunter ins Elend führen können, haben wir gestern festgestellt. Eine Reise in den Landkreis Harz kann aber auch wortwörtlich nach Elend führen. Wie schon mal vor Jahren berichtet, gibt es dort einen Ort, der so heißt. Wem das nicht schlimm genug ist, der kann in den Landkreis Hof zur Hölle fahren. Und im Landkreis Altenburger-Land ist der Zugang zu Drogen frei. 

Auch ohne Bahnstreiks gibt es beim Reisen mitunter unerwartete Tücken. Nachts, also zwischen 22 und 7 Uhr, ist beispielsweise in der Schweiz das Spülen von Toiletten verboten. Es sei denn, Ihr bewohnt ganz allein ein Häuschen oder habt ein Dixieklo im Garten. Dagegen kommt Ihr im baden-württembergischen Hornberg an die Spülung einer Toilette überhaupt nicht heran. Denn diese Kloschüssel ist 12 m hoch und damit die größte der Welt! Die Hornberger finden das zum Schießen. 
 
Wo wir bei diesem Thema sind - nicht schießen, sondern scheißen - : Wenn Ihr mit eigenen Augen ein Artefakt bestaunen wollt, dass das früheste Zeugnis der Besiedelung von Nordamerika durch Menschen ist, dann müsst Ihr nach Oregon reisen. Dort wurde jetzt in einer Höhle ein Kothaufen gefunden, der beweist, dass schon vor 14 300 Jahren Menschen ihre Hinterlassenschaften..., äh, ihren Fuß auf den Kontinent gesetzt haben. Also 1000 Jahre früher als lange Zeit angenommen. Nicht so weit wie in die USA ist es nach Berlin. Dort gibt es sogar eine spezielle Touristen-Führung zu den stillen Örtchen der Stadt. Inclusive einem Besuch der Bar mit Namen "Klo". 
 
Von der deutschen zur britischen Hauptstadt. Wie wir Deutsche nur zu gut wissen, wimmelt es in Europa von Verbotsschildern und Vorschriften, die vielerlei Verhalten untersagen. Die kurioseste Regel betrifft das britische Parlament. Dort ist es Besuchern strengstens verboten zu sterben. Bei dieser Gesetzgebung müssen die Schotten ihre Finger im Spiel gehabt haben. Denn damit soll viel Geld gespart werden. Wer nämlich im Westminster Palace stirbt, hat Anspruch auf ein offizielles Staatsbegräbnis. 
 
Von toten Menschen zu einer angeblich toten Sprache. Doch Latein lebt! Das merkt jeder, der an einem Geldautomaten im Vatikan versucht, an Bargeld zu gelangen. Denn dazu muss man den sprachlichen Anweisungen folgen, die zu den einzelnen Schritten erklingen. Und die kapiert nur, wer Latein versteht. 
 
Es löst nicht nur im Vatikan Freude bei Einheimischen aus, wenn Touristen die Landessprache beherrschen. Allerdings nehmen es die Einwohner der Hauptstadt Thailands nicht übel, falls Reisende den Namen ihrer Hauptstadt nicht völlig korrekt wiedergeben. Denn die Metropole heißt Krung Thep Maha Nakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Yutthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udom Ratchaniwet Maha Sathan Amon Phiman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit. 
 
Das heißt ins Deutsche übersetzt: "Stadt der Devas, große Stadt [und] Residenz des heiligen Juwels Indras, uneinnehmbare Stadt des Gottes, große Hauptstadt der Welt, geschmückt mit neun wertvollen Edelsteinen, reich an gewaltigen königlichen Palästen, die dem himmlischen Heim des wiedergeborenen Gottes gleichen, Stadt, die von Indra geschenkt und von Vishvakarman gebaut wurde." Selbst den Bürgern dort war dieser Bandwurm zu mühsam. Sie begnügen sich mit "Bangkok", was soviel wie "Ort am großen Fluss mit vielen Bäumen" bedeutet. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wer mit mir um unsere Reisegruppe im Weselsky-Schwitzkasten bangt: Martin & Co. haben jetzt je zwölf Plätze in allen vier Zügen reserviert, die nach Angaben der Bahn trotz Streik möglicherweise fahren. Ob das gut geht? Ich halte Euch auf dem Laufenden. 
 

Schmunzelpost 1062 vom 26. 1. 24

Liebe Leute, heute heißt es Daumendrücken! Zwei treue Schmunzelpostleser stecken in Schwierigkeiten. Womöglich droht ihnen eine Fahrt ins Blaue oder besser, eine Rückreise ins Ungewisse, gegen die selbst die zehnjährige Irrfahrt von Odysseus eine Vergnügungstour war.
 
 Was ist geschehen? Wanderfreund und Reiseleiter Martin hat seine Kundschaft diesmal in die weiße Winterwanderwelt am Tiroler Achensee geführt. An alles war gedacht. Nach zähen Verhandlungen willigte der Yeti ein, im Himalaya zu bleiben und die Reisenden nicht mit Lawinen zu traktieren. Petrus hatte akzeptables Wetter in Aussicht gestellt und die Corona-Viren haben sich verkrümmelt, weil Martin täglich eine Stunde lang mit BionTec-Ampullen jongliert. Was also sollte da noch schiefgehen? 
 
Es gab lediglich eine Achillesferse. Hin- und Rückreise waren bei der Deutschen Bahn gebucht. Schließlich ist Schienenverkehr umweltfreundlich und nachhaltig. Zumindest, wenn der Zug denn ins Rollen kommt und extreme Verspätungen nicht von nachhaltig nur vier Buchstaben übrig lassen: Halt! Aber Martin hat sich schon häufig als Meister der Improvisation bewährt und eine Notlösung gefunden. 
 
Doch diesmal ist ihm ein würdiger Gegner erwachsen. Wie der Teufel aus der Kiste sprang plötzlich Luzifer Weselsky ans Mikrofon und verkündete den längsten Zugführer-Streik der bundesdeutschen Geschichte. Am nächsten Sonntag soll es zurück in die Heimat gehen. Aber spätestens an der deutschen Grenze stehen dann Martin, Wolfgang und die ganze Reisegruppe und singen: "Es fährt kein Zug nach Nirgendwo!" Selbst die notdürftige Errichtung von Iglus, um die Nacht zu überbrücken, hilft nicht weiter - auch am Montag wird die Bahn bestreikt. 
 
Was ist mit Alternativen? Wo sind Hannibal und seine Elefanten, wenn man sie braucht? Fernbusse und Fluggesellschaften sind komplett ausgebucht und haben ihre Preise mal kurz verfünffacht bis verzehnfacht. Und ein Taxi fährt zwar nicht nur nach Paris, sondern auch ins Ruhrgebiet - aber da sind wir bereits beim zwanzigfachen der üblichen Kosten angelangt. 
 
Ich habe deshalb einen etwas komplizierten, aber durchführbaren Plan ausgetüftelt. Zunächst gilt es beim zünftigen Hüttenabend die Bergwacht mit etlichen Runden Enzianschnaps zu bestechen. Am Folgetag buddelt sich die Reisegruppe im Schnee ein und lässt sich als angebliche Lawinenopfer retten. Bei der Bergung gibt es auch noch reichlich belebende Getränke aus den Fässchen, die traditionell von Bernhardinern zu den Verschütteten gebracht werden. Und dann sorgt der ADAC mit Hubschraubern für eine fixe Überführung in heimische Gefilde. 
 
Was schallt da aus Österreich herüber? Das ist nicht praktikabel? Martin wird schon was Besseres einfallen? Na gut, dann seht doch selbst zu, wie Ihr klarkommt. Nur nicht, dass Ihr aus Langeweile die Wartezeit mit einem Jodelkurs überbrückt. Für den Fall werde ich Weselsky bitten, dass er den Streik bis März fortsetzt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1061 vom 25. 1. 24 

Sekt oder Selters? Ach, Ihr möchtet lieber Sekten? Das Thema könnt Ihr haben. Allerdings zum Abschluss, ohne dass schon wieder Blut fließt. Wenn Ihr mehr über mörderische Sekten wie die Manson-Family, die Branch Davidians, Peoples Temple oder die japanische Aum-Sekte erfahren wollt, müsst Ihr schon selbst nachschauen. Ich beschränke mich heute fast komplett auf Gemeinschaften mit einer, sagen wir, besonders schrägen Weltanschauung. Das soll nicht heißen, dass die vielen Sekten in der Grauzone zwischen Gewalt und Spinnerei allesamt harmlos wären. Als Beispiel sei hier nur die Sekte "Zwölf Stämme" genannt, die verlangt, dass Kinder mit Gewalt zum Gehorsam erzogen werden. 
 
Davon ist die John-Frum-Bewegung weit entfernt. Die formierte sich auf Inseln der Südsee 1957 als  Religionsgemeinschaft, um sich von den Bekehrungsversuchen der Missionare abzugrenzen. Motto: Bleibt uns weg mit Jesus, wir haben unseren eigenen Messias. Gespeist wurde diese Überzeugung durch den enormen Eindruck, den die erste Ankunft von bis dahin unbekannten Schiffen hinterlassen hatte. Deren Besatzungen brachten technische Neuheiten und Luxusgüter mit, was ihnen aus Sicht der Einheimischen einen gottähnlichen Status verlieh. Da die meisten Neuankömmlinge Amerikaner waren, beteten die Insulaner nach deren Abreise den imaginären "John Frum" an, einen fiktiven Messias, der bei seiner Rückkehr Wohlstand und Glückseligkeit mitbringen soll. 
 
Rasch erwuchs das notwendige theologische Fundament. Danach ist der Vulkan Yanur der Ursprung der Welt. Unter dessen Krater wohnt der Sohn Gottes. Er ist Amerikaner und heißt John Frum. In den 30er Jahren hat er sich mehrfach gezeigt und gefordert: "Bewahrt eure Bräuche! Hört nicht auf christliche Missionare und behaltet eure Gärten und Tiere." Eines Tages wird John Frum dann aus einem Krater steigen und seine Anhänger in eine glückliche Zukunft führen. Bis dahin feiern sie am 15. Februar den "John-Frum-Day". 
 
Fast hätte ein Brite dem Ami den Rang abgelaufen. Nachdem der Gemahl von Königin Elisabeth die Insel Tanna besucht und deren Bewohner gehörig beeindruckt hatte, spaltete sich ein Teil der Glaubensgemeinschaft ab. So entstand die Prinz-Philipp-Bewegung, die den Gatten Elisabeth II. als Gottheit verehrt. 
 
Eine Nummer größer ist die Lichtgestalt von "Happy Science". Der Gründer Ryuho Okawa predigt seit 1986 eine Mischung aus Buddhismus und New Age. Grundpfeiler der "Wissenschaft vom Glück" sind Liebe, Weisheit, Selbstreflexion und Fortschritt. Seit Okawa 1991 feststellte, dass er die Reinkarnation von Buddha, Konfuzius, Mohammed und Jesus Christus ist, nennt er sich "El Cantare", was so viel wie "höheres Wesen" bedeutet. Der Erleuchtete muss eine gehörige Ausstrahlung haben: Seine Gemeinschaft wuchs bis heute auf eine halbe Million Menschen an und hat Niederlassungen in 60 Ländern. Und drei Abgeordnete der "Happy-Science"-Partei sitzen sogar im japanischen Parlament. 
 
Dagegen findet man die Wurzeln der Rael-Bewegung weder in Japan, noch in Amerika oder unter Vulkanen, sondern viele Lichtjahre entfernt. Denn dort leben die Elohin, eine weit fortgeschrittene außerirdische Zivilisation, deren Raumfahrere vor 25 000 Jahren erstmals die Erde besuchten und durch DNA-Manipulationen den Menschen schufen. Das weiß Claude Vorilhon aus erster Hand, denn am 13. Dezember traf er persönlich einen Elohin bei dessen erneuter Stippvisite zu unserem Planeten. 
 
Dabei erfuhr Vorilhon, dass seine Mutter 1945 von den Elohin entführt worden war. Geschwängert von deren Ältesten kehrte sie ohne Erinnerung zurück und brachte hier ihren Sohn zur Welt, der ein Halbbruder von Jesus Christus ist. Die verwandtschaftlichen Verhältnisse habe ich zwar nicht ganz durchschaut, aber jedenfalls bekam Claude den Auftrag, die Botschaft der Elohin auf der Erde zu verbreiten und sich künftig Rael zu nennen. Rael bedeutet nämlich: "Der das Licht der Elohim bringt". Toll, was man alles in vier Buchstaben unterbringen kann. 
 
 Dieser Mission folgte Rael hernach mit großem Eifer, zumal er 1975 beim zweiten Kontakt sogar den Heimatplaneten der Außerirdischen besuchen durfte und dort mit dem nötigen argumentativen Rüstzeug ausgerüstet wurde. Der Raelismus, den er seither predigt, ist eine Mischung aus wissenschaftlichen Vorstellungen mit biblischen Überlieferungen. Allerdings werden die Bibeltexte aus technischer Sicht neu interpretiert, alles Übernatürliche entfällt. Denn das Ziel der Raellisten ist es, aus der Erde ein gewaltfreies Paradies zu machen, in dem die Wissenschaft an erster Stelle steht. 
 
Hört sich gut und friedlich an, oder? Allerdings gibt mir zu denken, dass die Elohin es wegen der rasanten technischen Fortschritte der gelungensten Menschenrasse, der Juden, einst mit der Angst zu tun bekamen und vor 22 000 Jahren mit Kernwaffen nicht nur die Zivilisation, sondern auch fast alles Leben auf der Erde auslöschten. Wenigstens statteten sie danach einen gewissen Noah mit reichlich Zellgut, Kenntnissen und den technischen Möglichkeiten aus, einen Neustart hinzubekommen. 
 
 Neben der Genforschung, die uns durch Klonen zur Unsterblichkeit führt, soll außerdem Sinnlichkeit die Menschen beflügeln. Vielleicht ist so der Zulauf dieser Sekte zu erklären. Nach eigenen Angaben zählt sie in 120 Ländern 130 000 Anhänger. Diese werden nun im Internet auf den neuesten Stand gebracht. Unter dem Stichwort "Clitoraid" geht es gegen barbarische Beschneidungen, was ja durchaus ehrenwert ist. Noch interessanter finde ich aber, dass sich hinter "Paradism" der Weg zu einer Welt ohne Arbeit und Geld erschließen soll. Nicht zu vergessen jedoch "Gotopless". Dabei geht es um gleiche Oben-ohne-Rechte für alle.
 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1060 vom 24. 1. 24

Nach dem Gemetzel in der letzten Folge möchte ich Euch heute die Details weiterer Massenmorde ersparen. Diesmal springt bloß ein Tyrann über die Klinge. Aber der hat es auch wirklich verdient.
 
Der römische Kaiser Caligula gilt bis heute als einer der verdorbensten Herrscher der Weltgeschichte. Die Germanen im von den Römern besetzten Colonia nannten ihn schon damals "einen fiesen Möpp." Und das ist noch milde formuliert für einen selbsternannten Gott, der seine eigenen Schwestern missbrauchte und das Abschlachten von Feind und Freund fröhlich feierte. Außerdem hatte er die Neigung selbst Menschen zu verhöhnen, auf die er angewiesen war.
 
Nun diente in Caligulas Leibgarde ein tapferer, starker Soldat namens Casius Charea. Bei einem Feldzug war er zwar  schwer verletzt worden, hatte sich jedoch davon fast komplett erholt. Mit einer Einschränkung: Da es seinen Genitalbereich getroffen hatte, sprach er nun mit hoher, geradezu weiblicher Stimme. Das fand der Imperator ausgesprochen lustig. Er ließ nur selten eine Gelegenheit aus, seinen Leibwächter zu verspotten. Manchmal nannte er Casius  "Venus", was umgangssprachlich Kastrat bedeutete, gern aber auch Priapus. Das ist ein römischer Gott, der meist mit einer enormen Erektion dargestellt wurde.
 
Mehr noch: Wann immer der Kaiser seinen Ring von Casius Charea küssen ließ, streckte er seine Hand aus und machte obszöne Gesten. Sein treuer Beschützer fand das alles andere als witzig. Irgendwann war er über die ständigen Verunglimpfungen so erzürnt, dass er eine Verschwörung anzettelte. Am 24. Januar im Jahre 41 verging Caligula für immer das Spotten. Und bei seiner Ermordung setzte Casius mit dem Messer den ersten Stich. 
 
Ganz nebenbei eine dezente Warnung. Wenn Ihr mit dem Gedanken spielen solltet, mich wegen meiner seit der OP krächzenden Stimme auf den Arm zu nehmen - für den Fall des Falles trage ich einen Dolch im Gewande. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1059 vom 23. 1. 24  

Lila Kühe, schwarze Gedanken: Die Schweiz bietet offenbar Sekten einen fruchtbaren Nährboden. Denn bereits vor Uriella trieben dort die "Sonnentempler" seit 1971 ihr Unwesen. Auch sie gaben sich anfangs ganz harmlos, wandten sich gegen den Werteverfall und traten gegen die Umweltverschmutzung sowie für eine gesunde Lebensweise ein. Als Keimzelle dienten eine Yoga-Schule und ein "kulturelles Zentrum für Entspannung". Tatsächlich aber verwandelte Sektenführer Joseph Di Mambro den "Orden des Sonnentempels" in eine fanatische, weltablehnende Geheimgesellschaft, die vor allem in der französischsprachigen Schweiz und in Frankreich aktiv war. 
 
Organisiert waren die Geheimbündler in einem äußeren und einem inneren Kreis. Den äußeren Kreis leitete seit 1982 der belgische Homöopath Luc Jouret, der aus einer stetig wachsenden Gruppe von esoterisch orientierten Anhängern diejenigen auswählte, die würdig befunden wurden, dem inneren Kreis anzugehören. Dessen Mitglieder durften an den Ritualen teilnehmen, die von Di Mambro zelebriert wurden. Mit Hilfe ausgeklügelter Tricktechnik gaukelte Di Mambro dabei Manifestationen höherer Wesen vor. So wurde der Anspruch begründet, die Sekte verfüge als moderner Nachfolger des mittelalterlichen Templerordens über dessen okkultes Wissen. 
 
Nach und nach wurde es immer wilder. Luc Jouret führte dem Orden eine weitere esoterische New-Age-Gruppe zu, die das Zeitalter des Wassermanns ausrief und für mehr Nächstenliebe sowie die Werte des wahren Christentums eintrat. Intern aber wurden die Auserwählten für eine "Geheimlehre" geködert. Mittels der "Großen weißen Loge des Sirius" und den "Sieben Wesenheiten der großen Pyramide von Gizeh" sollten sie in Licht- und Kraftmenschen verwandelt werden und Chancen haben, zu den 100 ausgewählten Familien zu gehören und so den nahenden Weltuntergang zu überleben. 
 
Die beiden Sektenbosse präsentierten sich als Übermenschen und nahmen für sich despotische Herrschaftsrechte in Anspruch. Jouret galt als Wunderheiler. Und Di Mambro ernannte sich zum Großmeister, der magische Fähigkeiten besaß und mit dem Zauberschwert Excalibur kosmische Kräfte anzapfen konnte. Kein Wunder, denn Di Mambro vereinte in sich die Wiedergeburt sowohl von Osiris wie von Moses. 
 
Unglaublich, aber wahr: Diesen beiden Lichtgestalten gingen insgesamt fast 1000 Menschen in der Schweiz, Frankreich, Belgien, Kanada, Luxemburg, Spanien und den USA auf den Leim. Und das waren nicht etwa Ungebildete, sondern fast ausschließlich Leute aus der gehobenen Mittelschicht. Ärzte, Techniker oder Künstler, einige äußerst wohlhabend. Das mussten sie auch sein. Denn das Führungsduo pflegte einen äußerst luxuriösen Lebenswandel und zapfte dazu mit dem Versprechen, so einen höheren Rang zu sichern, enorme Geldsummen von den Ordensmitgliedern ab. 
 
Doch eines Tages war der Punkt erreicht, an dem die Behörden den Machenschaften einen Riegel vorschieben wollten. Gegen Di Mambro wurden Ermittlungen wegen Betruges und gegen Jouret wegen Waffenhandel eingeleitet. Da verdunkelte sich die Sonne im Tempel. Dort wurde nun gelehrt: "Der Tod existiert nicht, er ist nur eine Illusion." Daraus resultierte das Vorhaben, nach einem kollektiven Tod im Sternensystem Sirius wiedergeboren zu werden, um dort eine neue Menschheit zu begründen. 
 
1994 überschlugen sich die Ereignisse, und der Wahnsinn nahm blutige Gestalt an. In Kanada hatte es das Ehepaar Dutoit gewagt, sein Kind Emmanuel zu taufen. So aber hieß bereits das "kosmische Kind" Di Mambros, dem sich Außenstehende nicht nähern durften, um seine Aura nicht zu stören. Erschwerend kam hinzu, dass die Dutoits den Hochstapler-Tricks und Lichteffekten auf die Schliche gekommen waren. Di Mambro schäumte, verfluchte das drei Monate alte Baby der Kanadier als "Antichrist" und sandte seine Racheengel aus. Am 30. 9. 94 wurde die gesamte Familie Dutoit durch Messerstiche Opfer eines Ritualmordes. Die Leichen versteckten die Täter im Schrank. 
 
Doch das war erst der Anfang. In der Nacht zum 5. Oktober 1994 kamen dann bei Morden und Selbstmorden insgesamt 48 Mitglieder der Sonnentempler ums Leben. Die Obduktion ergab, dass 15 Menschen Selbstmord begingen, sieben als „Verräter“ hingerichtet wurden und dem Rest beim Sterben "geholfen" worden war. Weitere 23 Tote, die in goldene und weiße Gewänder gehüllt waren, fand die Feuerwehr am gleichen Tag in einem Gehöft im Kanton Freiburg. 
 
Nach diesem Massaker flohen Di Mambro und Jouret in ein Chalet im Schweizer Kanto Walis, wo drei Stunden später ein Feuer ausbrach. Aus den Trümmern wurden am 6. Oktober die verkohlten Überreste von 25 Menschen geborgen, darunter fünf Kinder und die Führungsriege des Ordens. Drei Sonnentempler, die am Tatort gesehen worden waren, konnte die Polizei verhaften. Doch der Untersuchungsrichter ließ das Trio wieder frei. Mit den Worten: „Nichts, absolut nichts, deutet darauf hin, dass Sektenmitglieder, die ich verhört habe, die Fackel aufnehmen und ein neues Massaker veranstalten werden.“ 
 
 Es dauerte aber nur bis zum 23. Dezember 1995, da ging das Morden weiter. Auf einem Plateau nahe Grenoble lagen ringförmig angeordnet die Leichen von 14 Menschen, die zuerst mit Injektionen betäubt und dann erschossen worden waren. Die zwei mutmaßlichen Täter, die Suizid begingen, lagen etwas abseits. Sie gehörten zu den Festgenommenen vom Oktober '94. Und die Fackel glomm immer noch: Am 22. März 1997 brannte es erneut. Diesmal in Kanada, wo ein Landhaus in Flammen aufging. Darin starben fünf Sonnentempler. Drei ihrer Kinder, die man unter Drogen gesetzt hatte, konnten trotzdem entkommen. Sie berichteten, dass ihre Eltern die Reise zum Sirius antreten wollten. 
 
Ist der Spuk vorbei? Später tauchten Botschaften der Sonnentempler auf, in denen es hieß: „Wir, treue Diener des Rosenkreuzes, erklären: So wie wir eines Tages verschwunden sind, werden wir wiederkehren, denn das Rosenkreuz ist unsterblich." Der Dirigent Michel Tabachnik, dem nachgesagt wurde, er sei der neue Großmeister des Ordens, wurde dreimal angeklagt, an den schrecklichen Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Doch er verließ dreimal das Gericht als freier Mann. 
 
Nach so viel Grausamkeit haben wir uns noch etwas Harmloses verdient. Zu den versponnensten Sekten gehört die Missionary Church of Kopimism. Die Mitglieder sind der Überzeugung, dass das Kopieren von Informationen eine Art eine göttliche Tugend ist und alle Informationen frei und ohne Einschränkungen verbreitet werden sollten. In Belgrad fand die erste Hochzeit zweier Kopimisten statt. Ein Computer las die Ehegelübde, und der kopimistische Priester erklärte: "In der Liebe geht es ums Teilen. Ein Ehepaar teilt alles miteinander. Hoffentlich werden sie einige DNA-Zellen kopieren und remixen und einen neuen Menschen erschaffen. Das ist der Geist des Kopimismus." Nicht bekannt ist, ob ein ehemaliger Bundesminister und eine frühere Berliner Bürgermeisterin Mitglieder dieser Sekte sind oder waren. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Aus gut unterrichteten Kreise war zu hören, dass sich derzeit die radikale neue Sekte "In der Kürze liegt die Würze" formiert. Ihre Mitglieder verpflichten sich, Schreiber von vorgeblich heiteren Texten, die mehr als 80 Zeitungszeilen umfassen, einen Kopf kürzer zu machen. Die Sektengründerin verbirgt sich hinter dem Code AKR. 

 

 Schmunzelpost 1058 vom 22. 1. 24

Eine Sekte kommt selten allein. Das habe ich festgestellt, als ich mich nach dem Kokovorismus damit befasst habe, was in dieser Wunderwelt des Glaubens sonst noch unterwegs ist. Wusstet Ihr, dass es allein in Deutschland mehr als 100 Sekten gibt? Davon haben 40 sogar mehr als 1000 Mitglieder. Dass so viele Menschen obskuren Ideen und abwegigen Konstrukten Glauben schenken, wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Denn ein Großteil der Sekten, die sich im Dunstkreis zwischen Religion und Esoterik etabliert haben, saugen ihre Mitglieder finanziell aus und/oder fügen ihnen körperliche und psychische Schäden zu. Einige machten sogar Schlagzeilen, weil sie durch Massenmorde oder lebensgefährliche Praktiken großes Unheil angezettelt haben. 
 
Es ist umstritten, ob Scientologen oder die Zeugen Jehovas zu den Sekten oder zu den Glaubensgemeinschaften zählen. Ihre Mitglieder erklären, eine Religion auszuüben. Sie profitierten davon, dass die Religionsfreiheit in vielen Staaten und vor allem in den USA zu den höchsten Gütern der Verfassung gehört. Ich konzentriere mich auf kleinere Sekten. Dazu stelle ich jeweils eine besonders gefährliche und eine ausgesprochen verrückte Gemeinschaft von Gläubigen vor. 
 
Starten wir mit "Fiat Lux". Unter den mörderischen Sekten hat sie wohl die geringste Zahl an Todesopfern auf dem Konto und ist zudem den Fängen der Justiz entronnen. "Fiat Lux" heißt: Es werde Licht. Gegründet wurde diese Sekte 1980 vom Sprachrohr Gottes. Als solches bezeichnet sich Uriella, eine Schweizerin, die sich lieber so nannte, womöglich auch, weil sie mit eigentlich Erika Hedwig Bertschinger-Eicke hieß. 
 
Tatsächlich war unsere Uriella jedoch die Wiedergeburt von Maria Magdalena. Deshalb ließ sie sich von ihrer Anhängerschaft verehren und nahm dankbar deren Spenden entgegen. Wahrscheinlich kam dabei einiges zusammen, denn die weißgekleideten Gläubigen verzichteten auf unnützen Konsum und ernährten sich von Rohkost. Brot und warme Speisen waren ihnen genauso verboten wie Fernsehen und Internet. 1990 zog Uriella auf persönliches Geheiß von Jesus Christus nach Deutschland um.
 
Dort versprach sie, ihre Gemeinde und zahlungswillige Nichtgläubige gesund zu erhalten. Denn nach einem Reitunfall war sie hellsichtig geworden. Sie besass dadurch die Fähigkeit, Menschen zu "durchleuchten" und Krankheiten zu entdecken. Dies bewies sie, indem sie bei Patienten Krebs diagnostizierte und sie umgehend davon befreite. Dass Mediziner bei vielen von Anfang an keinen Tumor entdecken konnten, zeigte nur, wie überlegen Uriella gewöhnlichen Ärzten war. So vertrauten sich ihr auch schwerkranke Menschen an. Dass sie manchen die herkömmliche Behandlung untersagte, brachte sie vor den Kadi, denn zwei Frauen kamen so zu Tode. Doch vom Richter wurde Uriella aus Mangel an Beweisen freigesprochen. 
 
So konnte sie munter weiter ihr Wunderheilmittel "Athriumwasser" verkaufen. Das erzeugte sie, indem sie mit einem silbernen Löffel stundenlang in einer gefüllten Wanne rührte. Zwar stellten Labore fest, dass die Flüssigkeit nicht einmal als Trinkwasser geeignet war, weil sie Bakterien und Schimmelpilze enthielt, das aber focht Uriella nicht an. Denn inzwischen war sie gern gesehener Gast von Talkshows in Deutschland und der Schweiz. Bei ihren TV-Auftritten kündigte sie mehrfach den Weltuntergang an. Aber selbst eine Maria Magdalena kann sich bei der modernen Kalender-Vielfalt schon mal irren. Ihre Gläubigen-Gemeinschaft wuchs trotzdem bis auf 1000 Mitglieder an. 
 
Doch dann erkrankte Uriella. Und weil sie sich selbst nicht zu heilen vermochte, schmolz ihre zweifelnde Gefolgschaft dahin. Es blieben jedoch einige Dutzend treue Seelen übrig, die auch nach Uriellas Tod Fiat Lux nicht den Rücken kehren wollten. Die Sekte wird nun von Uriellas viertem Ehemann Icordo weiter geführt.  
 
Ein männlicher Guru steht auch an der Spitze einer der verrücktesten esoterischen Sekten. Der Australier Serge Benhayor ging als Tennis-Trainer bankrott, entdeckte aber zum Glück rechtzeitig, dass er die Reinkarnation von Leonardo da Vinci war und das Zeug zum Wunderheiler hatte. Wir alle sollten vielleicht noch öfter das stille Örtchen aufsuchen. Denn während eines Toilettenbesuchs durchfuhr Benhayor ein "energetischer Schub", der es ihm ermöglichte, völlig ohne medizinische Vorkenntnis Frauen heilen zu können. Das gelingt ihm, indem er ihre Brüste massiert. 
 
Die heilende Wirkung seiner Hände erfasste auch das Hirn einer seiner ersten Kundinnen. Sie stiftete dem Heilsbringer 1,4 Millionen Dollar, um die "Universal Medicine" einzurichten und mit pseudowissenschaftlichem Quatsch derart zu verbrämen, dass dem "größten Grabscher der Welt", so nannten ihn ungläubige Kritiker, wahrhaftig gläubige Leute folgen. Vielleicht tun das die männlichen Apostel in der Hoffnung, der Meister könne ihnen seine Gabe übertragen. Bei den Töchtern hat es ja auch geklappt. Eine heilt inzwischen selbst. Aber das ist kein Wunder: Sie ist die Reinkarnation von Winston Churchill. 
 
So etwas kann keinen Erfolg haben? Von wegen! Das Internet ist überschwemmt von Filmchen, in denen hochseriös wirkende Menschen "Universal Medicine" preisen und von einer neuen ganzheitlichen Medizin schwafeln. Das Geschäft muss lukrativ sein, denn inzwischen haben sich auch Heilpraktiker aus Deutschland und den Niederlanden eingeklinkt. 
 
Nur gut, dass wir nicht anfällig sind? Da muss ich ein Geständnis ablegen. Ich gehöre selbst einer verschworenen Glaubensgemeinschaft an. Ja, ich bin praktizierendes Mitglied in der Sekte der Fußballnarren. Und unsere Hölle ist die dritte Liga! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1057 vom 21. 1. 24

Bei den Vorbereitungen für den "Bücherfrühling" im Baumhaus - den 9. April könnt Ihr schon vormerken - wird auch von elterlichen Begründungen die Rede sein, warum ihr Kind nicht zum Unterricht kommen kann. Eine davon lautet: "Leon muss dem Religionsunterricht künftig fernbleiben, da er gestern Nacht zum Kokovorismus konvertiert ist." Anmerkung: "Kokovorismus: Deutsche Sektenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, beruhend auf dem Glauben, dass der Mensch durch Sonnenanbetung, Nudismus und strenge Kokosnuss-Diät einen gottähnlichen Zustand erreichen könne."
 
Das haben sich die Autoren bloß ausgedacht, glaubte ich. Doch das mit dem Glauben ist mitunter so eine Sache: Den Kokovorismus gab es wirklich! Damit ist für mich auch die quälende Frage "Wer hat die Kokosnuss geklaut?" endlich richtig beantwortet - es waren nicht die Affen, sondern August Engelhardt. Der 1875 in Nürnberg geborene Deutsche ist Begründer einer Religion, die auf den, wie es sich für Deutsche gehört, schönen amtlichen Namen "Sonnenorden – Aequatoriale Siedlungsgemeinschaft" getauft wurde. Stattdessen setzte sich aber "Kokovorismus" durch, ein Begriff, der sich aus "Kokos" und den lateinischen Worten "vorare" (verschlingen) und "ismus" (Lehre) zusammensetzt.
 
Dass die Kokosnuss ganz vornean steht, dafür fand Engelhardt einleuchtende Gründe. Die Kokosnuss sei schließlich die Frucht, die der Sonne, der verehrungswürdigen Quelle allen Lebens, am nächsten wächst. "Daher ist sie das vollkommenste Nahrungsmittel des Menschen." Der ständige Verzehr von Kokosnüssen, davon war Engelhardt überzeugt, führe uns letztendlich in den gottähnlichen Zustand der Unsterblichkeit.
 
Auch in Sachen Anatomie und Medizin gewann der Sonnen- und Nuss-Anbeter erstaunliche neue Erkenntnisse: "Der edelste Teil des menschlichen Körpers ist das Gehirn, weil es sich der Sonne am nächsten befindet." Klare Sache, oder? Dann klingen auch die Schlussfolgerungen logisch. So ein edler Körperteil könne seine Energie unmöglich aus dem schmutzigen Verdauungstrakt erhalten, urteilte Engelhardt: "Das Hirn bezieht seine Kraft aus den Haarwurzeln, die vom Sonnenlicht ernährt werden. Deshalb ist das Tragen jeglicher Kopfbedeckung schädlich." Nun ist mir auch klar, warum mir nach fortschreitendem Verlust des Haupthaars das Denken so schwerfällt.
 
Engelhardt handelte konsequent. Er erwarb 1902 die Insel Kabakon im Pazifischen Ozean, legte dort sämtliche Kleidung ab und ernährte sich ausschließlich vegetarisch, vorwiegend von Kokosnüssen. Die stammten von seiner 75 Hektar umfassenden Plantage. Und da er kein Egoist war, wollte er die Menschheit beglücken und mit den Deutschen anfangen. Also ließ er hierzulande Werbeschriften verteilen.
 
Als erster folgte 1903 der Helgoländer Vegetarier Heinrich Aueckens dem Lockruf. Er verstarb zwar bereits sechs Wochen nach der Ankunft auf der Insel der Unsterblichkeit aus ungeklärten Gründen, aber dennoch folgte ihm kurz darauf Max Lützow aufs gelobte Eiland. Der war zu seiner Zeit ein berühmter Dirigent, Violinist und Pianist, litt jedoch unter Zivilisationsmüdigkeit. So wähnte er sich auf Kabakon wie im Paradies und schwärmte in einem Offenen Brief in deutschen Zeitungen: „Unser Unternehmen ist kommunistisch, jeder Kolonist wird Mitbesitzer. Ich bin geradezu entzückt von Kabakon und hätte nicht gedacht, dass es überhaupt einen Platz auf der Erde gäbe, der alle Anforderungen meines Ideals so vollkommen befriedigt. […] Ich habe die Überzeugung, dass jeder, der hierherkommt, auch hier bleiben wird.“
 
Daraufhin machten sich umgehend weitere Freunde der Kokosnuss auf den Weg. Max Lützow jedoch wechselte schnell ins womöglich echte Paradies - er starb bereits 1905. Das gab den Anhängern Engelhardts zu denken, und einer nach dem anderen verließ Kabakon wieder. Und dann wurde der Religionsbegründer selbst schwer krank. Er litt an Krätze, war übersät von Geschwüren, wog bei einer Körpergröße von 1,66 m nur noch 39 Kilo und war zu kraftlos zum Laufen.
 
Auf Drängen seines letzten Getreuen, des Naturschriftstellers August Bethmann, begab Engelhardt sich schließlich doch in ein Hospital. Mit intensiver Pflege wurde er dort wieder aufgepäppelt und floh alsbald aus dem Krankenhaus, um wie Phönix aus der Asche nach Kabakon zurückzukehren und dort zu verkünden, dass nur die Geschwüre bisher verhindert hätten, dass er in einen ätherischen Zustand übergehen konnte. Daran begann nun aber sogar Bethmann zu zweifeln. 1906 kündigte er an, mit dem nächsten Dampfer nach Neuguinea überzusetzen.
 
Doch dazu kam es nicht. Nach einem heftigen Streit mit Engelhardt starb auch Bethmann aus ungeklärten Gründen. Engelhardt aber machte munter weiter und ließ emsig neue Werbeschriften drucken. Darin kündigte er an: „Der Sonnenorden wird zunächst Kabakon besiedeln, von da aus den Bismarck-Archipel, dann Neuguinea und die Inseln des Stillen Ozeans, schließlich das tropische Zentral- und Südamerika, das tropische Asien und das äquatoriale Afrika. Ich fordere alle Freunde der naturgemäßen Lebensweise auf, mitzuhelfen bei dem Bau des Palmentempels des Fruktivorismus, den es aufzurichten gilt, mitzuwirken bei der Gründung des fruktivorischen Weltreichs.“
 
Das war den deutschen Kolonialbehörden zuviel. Sie erklärten Engelhardt für geisteskrank und verboten die Einreise in die Keimzelle seines Weltreichs. So blieb dem vereinsamten Religionsgründer die Unsterblichkeit versagt, und er erlag 1919 völlig abgemagert der Malaria. Damit sollte das Kapitel Kokovorismus eigentlich erledigt sein. Denn eine derart hanebüchene Lehre braucht mindestens einen Donald Trump als Propheten, um wieder populär zu werden. Sollte man meinen.
 
 Aber erstens: Es gibt durchaus erfolgreiche andere Religionen mit sprechenden brennenden Dornbüschen, Jungfrauengeburten und Auferstehungen - aber lassen wir das, das ist vermintes Gelände. Daher also zweitens: Zu meiner großen Überraschung verkündet eine aktuelle Website: "Der Kokosnuss-Apostel ist wieder da! Er ist heute zurück um Ressourcen zu schonen." Deshalb sollten wir alle "Engelhardt's Koko-Produkte" bestellen. Denn: "Die Verehrung und Anbetung der Kokosnuss geschieht vor dem Hintergrund der Schonung der Umwelt durch umweltfreundliche Produkte. Dieser Online-Shop bietet sämtliche Produkte aus Thailand und Vietnam an, die aus Kokosnuss-Produkten stammen. Hierzu gehören beispielsweise Zahnbürsten, Aktivkohle für das Bleaching der Zähne, Kokoswasser und vieles mehr. August Engelhardt hatte damit recht behalten, dass eine Zeit kommen wird, in der ihm die ganze Erde, die ganze Menschheit huldigt, denn er ist die absolute Wahrheit, die allen Menschen würdige Ernährungs- und Lebensweise." 
 
Darauf eine Kokosmilch! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1056 vom 20. 1. 24


Gestatten, ich bin Bsssss Bsss. Mein Urahn war Herr Sumsemann, der vormals als einziger meiner Art in der Lage war, mit Menschen zu kommunizieren. Um seinem Vorbild zu folgen, habe ich auf der Stubenfliegen-Uni exotische Fremdsprachen studiert. Mangels körperlichen Voraussetzung vermag ich nun zwar nicht zu sprechen, aber ich kann mich Ihnen mit meinem speziellen Brummphone schriftlich mitteilen. Und ich muss sagen: Ich bin empört! Was in der letzten Schmunzelpost zu lesen war, ist so diskriminierend gewesen, dass es dringend einer Erwiderung bedarf. 

 
Zunächst einmal: Wenn Sie sich ein vorurteilsfreies und objektives Bild von uns Stubenfliegen machen wollen, dann lesen Sie das Standardwerk von Peter Geimer. Es heißt, bei dieser Thematik wenig überraschend, "Fliegen" und ist in der Naturkunden-Reihe des Verlages Matthes & Seitz erschienen. Geimers Porträt eines scheinbar überflüssigen Insekts zeigt eindrucksvoll, warum Sie sich weniger von uns Fliegen stören und sich dafür von uns eher faszinieren lassen sollten. Vielleicht werden Sie nach der Lektüre Geimer zustimmen, der sagt: "Fliegen intervenieren, sie kommen, ohne gerufen worden zu sein, und lassen sich nieder, wo man sie nicht erwartet hatte. Sie sind nebensächlich und klein, und doch kann ihr Auftreten große Wirkungen erzeugen und dauerhafte Spuren hinterlassen." 
 
Das Büchlein wird Ihnen die Augen öffnen. Und Sie empfinden dann vielleicht wie Wilhelm Friedrich Freiherr von Gleichen. Der schrieb 1790: "Mit bloßem Auge sieht man nur ein schwarzbraunes Thierchen, ohne in die Augen fallende Schönheit. Mit dem vortrefflichen Insturment des Vergrößerungsglases aber sehen wir sie in der nemlichen Pracht, wie sie sich selbsten untereinander sehen." Genau hingeschaut hat wohl auch Friedrich Haug. Denn er dichtete 1786: "Kleine rege Fliege! Lose Schwärmerin! Dürstest du, so schmiege Dich an's Kelchglas hin! Sieh! Konfect und Flaschen mangeln nicht bei mir. Wein und Zucker haschen sollst Du für und für." So geht's also auch! Nehmen Sie sich ein Beispiel. Aber nun möchte ich Sie noch kurz mit meiner Verwandtschaft bekannt machen. 
 
Da wären zunächst wir Stubenfliegen. Bis auf die Polarregionen sind wir auf der ganzen Welt verbreitet. Wir haben statt nur zweien gleich sechs Beine und auch sonst noch einige Fähigkeiten, von denen Ihr nur träumen könnt. So sind wir durch die Polster an unseren Füßen in der Lage, kopfüber an der Zimmerdecke entlang zu laufen. Außerdem haben wir an den Beinen Geschmacksrezeptoren, mit denen wir potenzielle Nahrung - Flüssigkeit und zuckerhaltige Stoffe - auf ihre Eignung testen können. Und wir besitzen Facettenaugen, die aus 3000 Einzelaugen zusammengesetzt sind und unserem Gehirn 200 Bilder pro Sekunde übertragen. Das ist auch nötig. Denn weil fast alle von uns nur Tage, Monate oder maximal ein knappes Jahr alt werden, leben wir viel schneller als Ihr. 
 
Ebenfalls weit verbreitet sind unsere Vettern, die Goldfliegen. Sie besitzen einen prächtigen grünlich-goldenen Leib, der sich beim Verzehr von reichlich Nahrung auch in einen blauglänzenden Edelstein verwandeltn kann. Denn die Goldfliegen gehören zur Familie der Schmeißfliegen, die bei Euch Ekel auslösen, aber mit dem Vertilgen von Aas eine wichtige Aufgabe erfüllen. 
 
Auch in Eurer Verwandtschaft gibt es bestimmt ein paar von ihnen: Kommen wir zu den schwarzen Schafen unserer Sippe. Da wäre zum Beispiel die Regenbremse. (Bremse kommt hier übrigens nicht von bremsen, sondern von Brummen). Sie ist von Mai bis August vor allem in der Nähe von Sümpfen, Feuchtwiesen oder Waldrändern unterwegs. Die Männchen ernähren sich von Nektar, aber die Weibchen saugen das Blut von Warmblütern. Das ist für Euch so unangenehm, weil sie nicht stechen, sondern eine Wunde für ihren Saugrüssel aufreißen. Vor dem und während des Regens sind sie besonders jagdlustig. 
 
Viel gefährlicher für Euch ist die Stechende Tse-Tse-Fliege. Sie kann auf ihre Opfer die lebensbedrohende Schlafkrankheit übertragen. Aber da die Tse-Tse-Fliege ausschließlich in Zentralafrika lebt: Was habt Ihr auch dort zu suchen! So, ich könnte Euch noch viel mehr erzählen, etwa über die Schwarzbäuchige Fruchtfliege, die Hornissenschwebfliege, die Gemeine Breitstirnblasenkopffliege oder die Gewürfelte Tanzfliege. Aber das müsst Ihr schon selbst nachlesen, ich habe leider keine Zeit. Ihr wisst ja, meine Lebensuhr tickt schneller als Eure. Und daher mach ich jetzt 'ne Fliege! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Am gestrigen Freitag gab es im Alten Rathaus in Dorsten einen schönen Heinz-Erhardt-Abend mit Stefan Keim. Im Publikum saßen auch noch zwei weitere Ex-Tintenhühner. Einer von beiden, Bertold Hanck, sandte mir hinterher ein Gedicht, das er zum 100. Geburtstag von Heinz Erhardt geschrieben hat. Und das gefällt mir richtig gut, auch weil es ein passender Abschluss der Schmunzelpost-Insekten-Tage ist: 
 
Auferstehung 
 
Erhardt, Heinz, seit kurzem hundert, 
dreht sich um im Grab  verwundert 
und reimt: 
"Die einstens mich belächelt haben, 
versuchen nun mich auszugraben 
und machen viel Brimborium 
rund um den Madenvers herum. 
 
Es ist nicht um die Made schade, 
nein! - dass ich samt Wurm und Schabe 
lebendig sie zum Nachbarn habe 
und in der wahrlich ohne Frage 
leider sehr beengten Lage 
sie täglich jetzt zum Mahle lade, 
find' ich zum Jubiläum - fade. 
 

Schmunzelpost 1055 vom 19. 1. 24

Letztesmal habe ich behauptet, dass Insekten in der Literatur kaum eine Rolle spielen. Dabei bleibe ich, auch wenn es Ausnahmen gibt. Aber "Peterchens Mondfahrt" mit dem Maikäfer Herrn Sumsemann und die Abenteuer der Biene Maja und ihres verpeilten Kumpels Willi finden sich in Kinderbüchern. Und wenn Kafkas "Die Verwandlung" keine Ausnahme ist, dann dürft Ihr mich Gregor Samsa nennen.
 
Nun ist am 8. Januar ein neues Buch von Jaime Araya erschienen. Es trägt den Titel "Insekten in der Literatur" und befasst sich mit der Bedeutung von Insekten in literarischen Werken. Falls Ihr hofft, dass ich etwas über den Inhalt sage, muss ich Euch enttäuschen. 76,90 Euro waren ein zu stolzer Preis. Trotzdem weiß ich, dass zumindest die Schmetterlinge von der Antike bis zur Romantik des 18. Jahrhunderts vor allem die Lyriker faszinierten.
 
Aus dem altgriechischen Wort für Schmetterling – psyche – entwickelte sich sogar das Sinnbild für die menschliche Seele. Und die Wandlungsfähigkeit dieses Insekts beschäftigte bereits 400 Jahre vor Christus den chinesischen Philosophen und Dichter Dschuang Dsi:  „Einst träumte Dschuang Dschou, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und glücklich fühlte und nichts wusste von Dschuang Dschou. Plötzlich wachte er auf: Da war er wieder wirklich und wahrhaftig Dschuang Dschou. Nun weiß ich nicht, ob Dschaung Dschou geträumt hat, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, dass er Dschuang Dschou sei, obwohl doch zwischen Dschuang Dschou und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist. So ist es mit der Wandlung der Dinge.“ 
 
Nach dem Vorbild der persischen Liebeslyrik, die den Schmetterling als Symbol verzehrender Leidenschaft sieht, schuf auch Johann Wolfgang von Goethe sein Gedicht "Selige Sehnsucht". Das war's dann aber auch mit der Insekten-Verherrlichung. Fortan spießten Schriftsteller, Forscher und andere Spießgesellen Insekten lieber auf und verarbeiteten sie zu Sachbüchern. In der Literatur gab es über Käfer und Fliegen hauptsächlich Schmähschriften. Auch Mark Twain reihte sich in den Club der Fliegenhasser ein. Beim "Auslese"-Abend in Wulfen wurde er so zitiert: 
 
"Noch nie ist ein Geschöpf erschaffen worden, das dem Menschen auf Augenhöhe begegnet, ihn verhöhnen und trotzen könnte - mit Ausnahme der Stubenfliege. Die Spinne, die Schlange und die anderen verschone ich und würde ihnen nicht mutwillig Schmerz zufügen. Aber ich würde keine Mühen scheuen und meine liebste Beschäftigung beiseitelegen, um eine Fliege zu töten, selbst, wenn ich wüsste, dass es die allerletzte ist." 
 
Auch Zoologe Alfred Brehm, der selbst für Einzeller, Würmer und Weichtiere Wohlwollen aufbrachte, verdammte das "lästige bis unausstehliche" Geschöpf: "Wir alle kennen ihre schlimmen Eigenschaften, die Zudringlichkeit, Naschhaftigkeit und die Sucht, alles und jedes zu besudeln; eine Tugend wird niemand von ihr zu rühmen wissen." Schlimmer noch, die Stubenfliege verkörpert auch das Unreine, weil sie Krankheiten übertragen kann. Daher warnte bereits vor vielen Jahren die Firma Aeroxon: "Fliegen sind die schlimmsten Bazillenträger - töte die Fliegen, sonst töten sie Dich!" Dazu zeigt ein Bild einen friedlich schlafenden Säugling, während auf seinem Milchfläschchen eine libellengroße Monsterfliege herumkrabbelt. Nur gut, dass Aeroxon ein Gegenmittel kennt: "Der Aeroxon Honig-Fliegenfänger fängt alle Fliegen weg!" 

Nach so viel Negativem ist es tröstlich, dass wenigstens Joachim Ringelnatz auch bei Insekten eine Portion Klugheit feststellt:   "In Hamburg lebten zwei Ameisen, die wollten nach Australien reisen. Bei Altona auf der Chaussee, da taten ihnen die Beine weh, und da verzichteten sie weise, denn auf den letzten Teil der Reise." 

 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1054 vom 18. 1. 24

Als Medienmensch weiß ich: Tiere gehen immer! Sie lösen Entsetzen oder Ekel, Angst oder Appetit aus und wecken stets unser Interesse. Deshalb schaue ich rückwärts auf die gestrige Folge und liefere noch zwei recht unbekannte Fakten nach. Kängurus können zwar große Sprünge machen, aber eines hat ihnen die Natur verwehrt: Sie können weder rückwärts springen noch laufen. Dafür gibt es aber bei Fliegen eine Retro-Funktion. Sie starten zu ihren Flügen stets rückwärts! 
 
Nun blicke auch ich ein wenig zurück und zwar zu einer "Auslese"-Veranstaltung vom November 1922. Zumindest die Wulfener unter Euch kennen diese Reihe empfehlenswerter Literaturabende, die Rainer Diebschlag zu unterschiedlichen Themen im Wulfener Gemeinschaftshaus organisiert. Der nächste geht am 25. Januar um 19.30 Uhr über die Bühne. Dann lautet das Thema: Heldentaten und Mutproben - der Stoff von gestern? Jeder ist willkommen, der Eintritt ist frei. 
 
Doch vorher schauen wir in den Rückspiegel. Beim Literaturabend "Das Tier und wir" ging es auch um den Insektenforscher Jean Henri Faber, der als Dichter einst mit dem Dramatiker Gerhart Hauptmann um den Literaturnobelpreis konkurrierte. Leider wird sowohl Kakerlaken wie Fliegen und den vielen anderen Insekten in der Literatur zu wenig Beachtung geschenkt, obwohl bereits Goethe wusste: "Die Flöhe und die Wanzen gehören auch zum Ganzen". Und Eugen Roth zeigte sich sogar als Fachmann: "Bettwanzen sind nur eine Art. Es gibt auch andere, hübsch und zart, die sich ernähren nur von Pflanzen, statt sich an den Menschen anzuwanzen." 
 
Auf andere Insekten können sich nur wenige einen Reim machen, sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Wer kennt schon Federgeistchen, Teufelchen oder Blutströpfchen? Ganz zu schweigen vom Warzenbeißer, Sackträger oder Weinhähnchen. Wer über die kleinen Krabbler mehr erfahren will, dem legt Rainer Diebschlag die Arbeit von Justin O. Schmidt ans Herz, die auch Schmunzelpost-Freunde interessieren dürfte. Denn der bekannte Insektenforscher wurde für seinen "Schmerzindex" mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet. Das ist eine satirische Ehrung für wissenschaftliche Leistungen, die "Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen". 
 
Schmidt, der auch als "King of Sting" bezeichnet wird, hat den "Sting-Pain-Index" erfunden, also einen Stichschmerzindex. Darin sortiert er auf einer Skala von eins bis vier plus die Heftigkeit des Schmerzes ein, den Insekten bei Menschen verursachen können. Man müsste tatsächlich einen Stich haben, um nach Südamerika in den Urwald zu fahren, um sich dort einem der 4+-Spitzenreiter auszusetzen, der 24-Stunden-Ameise: "Als ob man über glühende Kohlen läuft und dabei einen 7 cm langen, rostigen Nagel in der Ferse stecken hat", beschreibt Schmidt das Schmerzerlebnis der heftigsten Art. 
 
Falls man nicht gerade allergisch ist, sind Bienenstiche dagegen eher harmlos. Dabei gibt es Abstufungen je nach Bienenart. Zur Stufe 1 zählt Schmidt den Stich der Blut- oder Furchenbiene: "Leicht, flüchtig, fast fruchtig. Als ob ein winziger Funke den Arm ansengt." Und der 24-Stunden-Ameise ist eindeutig auch eine mittelamerikanische Bienenart vorzuziehen: "Der Stich dieser Biene ist so, als würde ein Liebhaber ein wenig zu fest ins Ohrläppchen beißen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1053 vom 17. 1. 24

Mit Keith Richards und Kakerlaken habe ich aufgehört, mit Kakerlaken mache ich weiter. Und nach all den Gräueltaten der letzten Folge zum Entspannen heute mit erstaunlichen Fakten aus der Tierwelt. 
 
An der enormen Überlebensfähigkeit von Kakerlaken ist wirklich etwas dran. Wusstet Ihr, dass eine Kakerlake acht Tage lang ohne Kopf leben kann, bis sie verhungert? Vielleicht liegt es daran, dass sie nicht hungern müssen, aber bei uns in Deutschland können dafür zahlreiche Menschen offenbar noch länger zwar nicht ohne Kopf, aber dafür ohne Hirn leben. Das gilt auch für Seesterne. Dagegen haben Blutegel gleich 32 Gehirne. Blutegel ernähren sich von Blut, wir Menschen jedoch sind Allesfresser. Wie die Kakerlaken. Kein Nahrungsmittel ist vor ihnen sicher - außer Gurken. 
 
Über Papageien wird gesungen, dass sie fast alles mögen außer harten Eiern. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber dafür, was man ihnen auf keinen Fall zu fressen geben sollte: Schokolade ist für Papageien tödlich. Wenn jedoch Euer Lieblingskaninchen "Flauschi" Geburtstag feiert, dürft Ihr ihm bestimmte Leckereien mitbringen - Kaninchen lieben Lakritz. 
 
Jetzt tauchen wir kurz ab: 90 Prozent aller Lebewesen findet man im Meer. Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, ob Fische, die ja ständig von Wasser umgeben sind, auch trinken können? Können sie nicht. Stattdessen nehmen sie das Wasser, das sie zum Leben brauchen, durch die Haut auf. Ertrinken können Fische also nicht, was auch unpraktisch wäre, weil sie, wie Ihr schon mal irgendwo gelesen habt, sowieso ständig von Wasser umgeben sind. Aber Obacht: Fische können seekrank werden! 
 
Da Koalabären das Wasser meiden, haben sie dieses Problem nicht. Doch sie haben eines mit den Fischen gemeinsam: "Koala" bedeutet "Trinkt nicht". Ein Koalabär nimmt genug Flüssigkeit auf, wenn er ausreichend Eukalyptus-Blätter frisst. Vermutlich kriegt er deshalb auch keinen Husten. 
 
Dass Kühe mehr Milch geben, wenn man ihnen ruhige klassische Musik vorspielt, ist relativ bekannt. Doch hättet Ihr gedacht, dass Ratten schneller aus einem Irrgarten herausfinden, wenn zu ihrer Suche nach einem Ausgang Musik von Mozart erklingt? Darüber dürft Ihr jetzt ein Weilchen nachdenken. Wenn sich bereits die Nacht nähert, könnt Ihr Euch dazu ruhig ins Bett zu Euren Haustieren legen. Ihr habt gar keine Haustiere? Irrtum! In Eurer Matratze leben durchschnittlich sechs Milliarden Milben. 
 
Gute Nacht 
kdk 

Schmunzelpost 1052 vom 16. 1. 24

Mindestens drei Wochen lang will ich seit gestern ohne Wein auskommen und außerdem die Kalorienzufuhr drastisch reduzieren. Eine schreckliche Zeit? Nein, vor einem Jahr hat es auch geklappt. Wirklich schrecklich war dagegen, was vor 477 Jahren am 16. Januar 1547 geschah: Da wurde Iwan, der IV., Großfürst von Moskau, im Alter von nur 16 Jahren zum ersten Zaren von ganz Russland gekrönt. Anschließend verdiente sich Iwan seinen Beinamen "der Schreckliche" redlich unredlich: An Verschlagenheit und Grausamkeit wurde er bisher nur von wenigen Figuren der Weltgeschichte übertroffen. 
 
Von Iwan, dem IV. und seinen Untaten war hier schon einmal ausführlich die Rede. Hinzuzufügen ist jedoch, dass der Zar mit Heinrich, dem VIII. von England wetteiferte, was die Zahl der Hochzeiten und den Umgang mit den Gemahlinnen betraf. Nur seiner ersten Frau Annastassija war Iwan wirklich zugetan. Als sie 1560 einem Giftanschlag zum Opfer fiel, rastete er völlig aus und wurde in der Folgezeit zu einem mörderischen Ungeheuer. Das bekamen auch seine weiteren Ehefrauen zu spüren. 
 
Zur zweiten Gemahlin erwählte der Zar 1561 Maria Temrjukowna. Sie verschied unter ungeklärten Umständen 1569. Darauf folgte Marta Wassiljewna. Sie starb 1571 nur zwei Wochen nach der Eheschließung wahrscheinlich an Gift. Die nächste Gattin Anna Iwanowna heiratete Iwan 1572. Schon ein Jahr später war er ihrer überdrüssig, ließ sich scheiden und steckte seine Ex-Frau in ein Kloster. Nicht besser erging es der fünften Gattin Anna Grigorjewna. Nach nicht einmal einem Jahr wurde auch sie verstoßen und 1575 in ein Kloster verbannt. 
 
Wassilisna Melentjewa, seit 1579 Ehefrau Nummer sechs, hatte das Pech, mit einem Geliebten erwischt zu werden. Der wurde gepfählt, aber in einer Anwandlung von Großzügigkeit beließ es der Zar dabei, die untreue Gemahlin zu verstoßen. Im September 1580 ehelichte Iwan dann seine siebte Gattin, mit der er auch noch ein letztes Mal ein Kind zeugte. Der Knabe wurde nur acht Jahre alt und dann, wen wundert's bei den Sitten und Gebräuchen am Zarenhof, vermutlich ebenfalls ermordet. 
 
 Das erlebte Iwan nicht mehr. Zunehmend durch Krankheiten geschwächt, starb er am 18. März 1584. Bei einer Obduktion fand man 1963 in seinem Körper Arsen, Quecksilber und Blei. Dieser Mix galt zu Iwans Lebzeiten zwar als Mittel gegen Athritis, und Arsenik wurde in kleinen Mengen auch bewusst verabreicht, um gegen eine Vergiftung immun zu machen, aber dennoch ist es möglich, dass auch Iwan Opfer eines Giftanschlags wurde. 
 
Damit schloss sich ein Kreis. Denn auch seine Mutter war vergiftet worden, als Iwan gerade acht Jahre alt gewesen ist. So kommen wir zur Frage, wie er zu solch einem Monster heranwachsen konnte. Zwar hatte der Knabe schon früh sadistische Züge beim Quälen von Tieren gezeigt. Aber maßgeblich geprägt wurde er wohl von seiner Umgebung. Nach dem Tod seines Vaters, als Thronfolger Iwan erst drei war, unternahm seine Mutter als Regentin alles, um die Macht zu sichern. Mögliche Rivalen wurden vorsorglich eingekerkert und später ermordet, ein Schicksal, das auch einige Fürsten teilen mussten, die in die Ränkespiele bei Hof verstrickt waren. 
 
Nach dem Tod der Mutter hing Iwans Leben am seidenen Faden. Weil zwei Bojaren-Gruppen um die Vormundschaft kämpften,  kam er mit knapper Not davon, lieblos behandelt und abgeschirmt von der Außenwelt im Teres-Palast des Kremls. Die Erfahrung ständiger Angst, so vermuten Historiker, prägten Iwans misstrauischen, grausamen und rachgierigen Charakter. Schon mit 13 Jahren bewies er erstmals, dass er die Spielregeln verinnerlicht hatte:  Er ließ am 29. Dezember 1543 den führenden Bojaren Andrej Schuiski von der Kremlwache ergreifen und von ausgehungerten Jagdhunden zerreißen. 
 
Das war der Auftakt zu fürchterlichen Mordtaten. Seinen Sohn Iwan tötete er später mit eigener Hand, per Befehl sorgte er dafür, dass Tausende von Männern, Frauen und Kindern, arm wie reich, gehäutet, gekocht, verbrannt oder gevierteilt wurde. Den "Schrecklichen" nennt man Iwan dennoch nur außerhalb Russlands. Sein dortiger Beiname "Großny" bedeutet so viel wie "der Strenge" oder "der Furchteinflößende". Berücksichtigt man dies, werden die Russen im Vergleich den derzeit amtierenden Zaren vermutlich Wladimir Wladimirowitsch, den Sanften, taufen.
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1051 vom 15. 1. 24 

Der Tod ist ein endgültiger Schlusspunkt. Allerdings nicht der Unfalltod durch eine Kuh. Zur gestrigen Folge gibt es heute  noch einen Nachschlag mit ungewöhnlichen Todesfällen. 
 
Der gestern beschriebene Tod durch ein Rindvieh war nämlich kein Einzelfall. Auch im vergangenen Jahr wurde jemand von einer Kuh erschlagen. Der 82-jährige Inder hatte das Pech von einer Kuh getroffen zu werden, die nach einem Eisenbahnunfall durch die Luft daher geflogen kam. Manchmal spielt der Tod auch über Bande... 
 
Auch eine andere Tierart, die mit K beginnt, kann uns gefährlich werden. Dass jedoch ein Krokodil gleich 20 Menschen auf dem Gewissen hat, ist ziemlich einmalig. In der demokratischen Republik Kongo hatte 2010 ein Passagier sein Krokodil in einem großen Behälter mit ins Regionalflugzeug gebracht. Das Tier war davon nicht begeistert und konnte sich befreien. Daraufhin flohen alle Fluggäste panisch in den vorderen Teil der Maschine, die durch den abrupt veränderten Schwerpunkt abstürzte und alle Menschen an Bord in den Tod riss. Ich fürchte, auch das Krokodil hat nicht überlebt. 
 
Segway-Chef Jimi Heselden wurde zu Lebzeiten nicht müde zu betonen, wie ungefährlich seine Stehroller bei korrekter Handhabung seien.  2010 kam er zur Strafe ums Leben, als er es vor einer Klippe nicht mehr geschafft hatte, seinen Roller rechtzeitig zum Stehen zu kriegen. 1996 starb ein Mann aus Haslemere in England, weil er zu rücksichtsvoll war. Er hatte versucht, den Nachtschlaf seiner Partnerin nicht durch Schnarchen zu stören. Dazu stopfte er sich zwei Tampons in die Nasenlöcher. Danach war endgültig Ruhe... 
 
Wie das letzte Beispiel zeigt, sollte man mit Verschlüssen aller Art sehr vorsichtig sein, wenn man sie nicht zu ihrem eigentlichen Zweck verwendet. Der Schriftsteller Tennessee Williams starb 1983 beim Versuch, sich seine Augentropfen einzuflößen. Dabei hatte er die Verschlusskappe seiner Medizinflasche zwischen die Zähne genommen, versehentlich verschluckt und war erstickt. Seid nicht böse, wenn ich mir die Bemerkung nicht verkneifen kann: Das ging ins Auge! 
 
Mit der Aufzählung könnte ich noch sehr lange fortfahren. Bevor es aber zu makaber wird, nur noch ein unhäuslicher Unfall aus der entfernten Vergangenheit. Man kann sogar sagen, es handelt sich um eine echte Tragödie. Dem großen griechischen Tragödiendichter Aeschylus hatte man einst prophezeit, dass ihm von herabfallenden Gegenständen tödliche Gefahr drohe. Deshalb hielt der Mann sich bevorzugt unter freiem Himmel auf. Der Zufall wollte es jedoch, dass ein Greifvogel den kahlen Schädel des Dichters mit einem Felsen verwechselte. Der Vogel ließ daher seine Beute, eine Schildkröte, hinabfallen, um deren Panzer zu knacken. Der Schildkrötenpanzer hielt, aber der Schädel des Griechen leider nicht. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Viele Leute vermuten, dass nur zwei Arten von Lebewesen einen verheerenden Atomkrieg überstehen können: Kakerlaken und Keith Richards. In der Tat hat der Stones-Gitarrist seine Zählebigkeit wiederholt bewiesen. Er überstand nicht nur den Konsum von massenweise Alkohol, Kokain und Heroin, der ganze Kohorten von weniger Widerstandsfähigen längst um die Ecke gebracht hätte, er hatte auch einen fähigen Schutzengel bei häuslichen Unfällen. Mit 54 Jahren stieg er auf eine Leiter, um sich ganz oben aus seinem Regal ein Buch zu holen. Beim Sturz brach er sich lediglich eine Rippe. Sechs Jahre später kletterte er im Urlaub auf den Fidschi-Inseln auf eine Palme und stürzte erneut in die Tiefe. Während die Medien von schwersten Kopfverletzungen berichteten und die Fans um sein Leben bangten, war Keith Richards schon wieder obenauf: Er trug nur eine leichte Gehirnerschütterung davon. Rock'n Roll will never die!  
 

Schmunzelpost 1050 vom 14. 1. 24

Ein Unfall kommt selten allein. Und dass der Fall der Fälle ausgerechnet in der Schmunzelpost eintritt, ist erst recht unwahrscheinlich. In letzter Zeit bin ich geneigt, ein Thema gleich nochmal aufzugreifen, weil eine Folge dafür oft nicht ausreicht. 
 
Wusstet Ihr, dass im Schnitt bei häuslichen Unfällen in Deutschland erheblich mehr Menschen ums Leben kommen als im Straßenverkehr? 2021 starben durch Verkehrsunfälle 2716 Menschen, im Haushalt gab es im gleichen Zeitraum 13 595 Todesopfer! Ganz zu schweigen von unzähligen mehr oder minder Schwerverletzten. Der gefährlichste Ort in der Wohnung ist die Küche. Zumindest für Frauen. Männer holen sich ihre Blessuren dagegen überwiegend beim Möbelräumen und bei ihren Versuchen, sich handwerklich zu betätigen. Da steht man schnell mal unter Strom. 
 
Beide Geschlechter unterschätzen völlig die Gefahren im Wohn- und Schlafzimmer, sowie im Badezimmer. Bei den schwersten Verletzungen sind auch Treppen ein großer Risikofaktor. Und dann gibt es noch ganz spezielle Gefahrenherde. Als Kind habe ich davon geträumt, mit Aladin und seinem Dschinn auf einem fliegenden Teppich unterwegs zu sein. In der Realität stellt sich heraus, dass die Flugdauer mit Hilfe eines Teppichs nur sehr, sehr kurz ist und fast immer schmerzhaft endet. Fragt nach bei Butler Freddie Frinton, der Jahr für Jahr mit den Tücken des Objekts zu kämpfen hat. Doch ein Teppich benötigt keinen Tigerkopf, um zur Stolperfalle zu werden. 
 
Auch beim Umgang mit Hockern und Stühlen (ich füge hinzu: Und bösartigen Sesseln!) ist Vorsicht geboten. Vor allem sollte man sie nie als Ersatz für Leitern verwenden, um entlegene oder hochgelegene Stellen beim Staubwischen zu erreichen. Nicht von ungefähr mahne ich ständig vor übertriebenem Reinlichkeitsdrang und zwanghaftem Putzen. Der Grund für meine Appelle ist nur zu einem Prozent Faulheit und zu 99 Prozent pure Vorsicht. 
 
Allerdings muss ich zugeben, dass man nicht alles vorausahnen kann und auch bei größtmöglicher Umsicht häusliche Unfälle möglich bleiben. So starb in Brasilien ein 45-jähriger Mann gesunder Mann ohne eigenes Zutun, als er friedlich in seinem Bett schlummerte. Sein Haus war an einen Hang gebaut. Und eine Kuh stieg bei der Futtersuche aufs Dach, dass ihrem Gewicht nicht gewachsen war und das arme Tier zwei Meter in die Tiefe stürzen ließ. So wurde ein Mensch daheim von einer Kuh erschlagen - wie es der Kuh dabei erging, blieb unerwähnt.  
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1049 vom 13. 1. 24

Die meisten tödlichen Unfälle passieren im Haushalt. Wie ich darauf komme? Ich wäre beinahe selbst unter den Opfern gewesen. 
 
Am Donnerstagabend saß ich mit einem Glas Rotwein gemütlich vor dem Fernseher und schaute mir eine verpasste Sendung in der Mediathek an. Allmählich spürte ich jedoch das dringende Bedürfnis, den Nebenraum aufzusuchen. Also stemmte ich mich im Sessel hoch, und belastete dabei wegen dessen eigenartiger Neigung vor allem die linke Lehne. Was den Sessel veranlasste, plötzlich mit mir nach links zu kippen und mich gegen ein Bücherregal zu schleudern. Dank meiner Geistesgegenwart blieb es bei kleineren Schäden: Einer Kerbe auf der Stirn und einer Macke am rechten Oberarm, mit dem ich eine ganze Reihe von Büchern abgeräumt hatte. 
 
Zum Glück stand auf diesem Regal nur leichte Kost. Nicht auszudenken, der komplette Brockhaus wäre auf mich herunter geprasselt. Allein der Band mit dem Buchstaben E wie Exitus hätte mich tatsächlich das Leben kosten können! So aber veranlasste das Getöse lediglich meine treue Gefährtin, die Treppe empor zu hasten und sich nach meinem Befinden zu erkundigen. "Nichts passiert", beschwichtigte ich, "bloß der Film war absolut umwerfend." 
 
Bei der anschließenden Ursachenforschung stellte ich fest, dass sich in der Halterung des Sesselsitzes zwei Schrauben gelockert hatten. Den Schaden habe ich umgehend behoben. Eure spöttische Diagnose: "Beim Krause ist halt eine Schraube locker" bitte ich deshalb in eine Vergangenheitsform umzuwandeln und die mathematische Korrektheit zu wahren - es sind zwei Schrauben gewesen. 
 
Allerdings war "nichts passiert" geschwindelt. Die Rotweinflasche stürzte um und einiges von ihrem Inhalt hatte sich über den Parkettboden verteilt. Damit habe ich bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen Rotwein vergossen, eine Todsünde, die bestraft werden muss. Ab Montag, 15. Januar, rühre ich für ca. drei Wochen kein alkoholhaltiges Getränk mehr an. Denn dann startet mein zweiter FdH-Durchgang, um mein Gewicht nochmal um mindestens drei Kilo zu senken. 
 
Übrigens war das nicht mein erstes Erlebnis mit maroden Sitzmöbeln. Vor einigen Jahren gab beim "Auswärtsspiel" mit meiner Doppelkopf-Runde ein Stuhlbein nach, und ich krachte rückwärts auf den Fußboden, wo ich mit dem Hinterkopf aufschlug. Was aber, entgegen böswilligen Behauptungen, auch keine bleibenden Schäden hinterließ. 
 
Ebenfalls glimpflich endete viele Jahre zuvor der Zusammenbruch eines freischwingenden Ikea-Sessels. Dabei schlossen sich die Trümmer um mich wie eine Venusfliegenfalle. Es war kurios: Das schwedische Möbelstück Ivar beherrschte die japanische Judo-Technik Kirihara und versuchte, mich mit eisernem Haltegriff am Boden festzuhalten. Glücklicherweise gelang es mir, mich freizukämpfen, bevor der Verdauungsprozeß des offensichtlich karnivoren Sessels einsetzen konnte. 
 
Deshalb gilt jetzt erst recht für mich die Maxime: Traue niemals einem Sessel! Der vermeintliche Rückhalt lässt Dich gern rückhaltlos fallen. Einen Vorteil hat das aber auch: Ich muss mich nicht aufs Glatteis begeben, um mir blaue Flecken zu holen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wer jetzt witzelt, die fehlende Tragebereitschaft der Möbel hätte etwas mit meinem Gewicht zu tun, ist auf dem Holzweg. Die Rücklehne des Ikea-Sessels brach, als ich noch regelmäßig meine Laufrunde drehte und zwölf Kilo leichter war. 

 

Schmunzelpost 1048 vom 12. 1. 24 

Mit gemischten Gefühlen registrierte ich, dass mit der neuen Wagenknecht-Partei und der Maaßen-Werte-Union bei den nächsten Urnengängen gleich zwei Gruppierungen in Gewässern fischen wollen, in denen sich bisher ausschließlich die AfD-Wähler tummelten. Falls der Höhenflug von Höcke, Weidel & Co. endlich gestoppt wird, wäre das zwar ein schöner Effekt. Was aber, wenn das rechte Lager so insgesamt über noch mehr Mandate verfügt, weil der Stimmenanteil von CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP weiter schmilzt? Wie sollen dann noch handlungsfähige Regierungen gebildet werden? Folgt auf die Ampel die Pampel? 
 
Mit Blick auf den 12. Januar 1915 habe ich einen Vorschlag, um das zu vermeiden. Vor 109 Jahren wurde im US-Abgeordnetenhaus heftig um eine Verfassungsänderung gestritten, die auch den Frauen das Wahlrecht einräumen sollte. Doch aus den Reihen des ausschließlich mit Männern besetzten Parlaments kamen einleuchtende Gegenargumente. So hatte der Abgeordnete James Thomas Heflin erkannt, dass amerikanische Männer unter dem Pantoffel standen: "Die meisten Frauen haben jetzt schon eine Stimme. Wie ich einer beschämten Frauenrechtlerin zuletzt erklärt habe: 'Wenn ihr das Wahlrecht bekommt, kontrolliert ihr zwei Stimmen in einem Haushalt - und das wäre zu viel.'" 
 
Und sein Kollege Stanley E. Bowdle wandte unter großem Beifall ein: "Männer und Frauen sind verschieden. Sie unterscheiden sich in jeder Faser ihres Körpers. Genau an dieser Stelle fangen Frauen an zu meckern. Viele sind verärgert über die Geschlechtergrenzen. Doch warum sich mit Gott streiten? Da könnte ich ja ebenso gut jammern, weil ich kein Kind gebären kann." 
 
Nicht nur solch treffende Argumente führten dazu, dass die Einführung des Frauenwahlrechts in den USA am 12. 1. 1915 mit 204 zu 174 Stimmen abgelehnt wurde. Den Ausschlag gab wohl, dass viele Abgeordnete sich weiter als perfekte Gentlemen fühlen wollten: "Wir sind lediglich interessiert, Frauen vor dem Übel des Wahlrechts zu beschützen und ihnen ihren von Gott gegebenen Platz zu erhalten - nämlich den am Herd." 
 
Ganz klar, wer glaubte, es sei sinnvoll, dass selbst Frauen wählen dürfen, der musste schon hinter dem Mond leben. Oder zumindest am Ende der Welt. So war es denn auch Neuseeland, das 1893 den Frauen sowohl das passive wie das aktive Wahlrecht einräumte. Deutschland sollte immerhin unmittelbar nach dem Ende der Kaiserzeit 1918 folgen, die USA erst 1920. Die Schweiz ließ sich bis 1971 Zeit, Portugal sogar bis 1974. Anderswo sträubt man sich bis heute. Weder in Saudi-Arabien noch im Vatikanstaat dürfen Frauen wählen. 
 
Angesichts der Tatsache, dass zwei Drittel der AfD-Stimmen von Männern stammen, bin ich nun dafür, unserem Geschlecht wegen erwiesener Ignoranz nachträglich einen Denkzettel zu verpassen. Männern sollte für eine Zeit von zehn Jahren das Wahlrecht entzogen werden. Die Zeit könnten sie nutzen, um über die Wichtigkeit von Wahlen und über ihre Wahlentscheidung in Zukunft gründlich nachzudenken. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1047 vom 11. 1. 24 

Auf vielen Schildern heißt es: Eltern haften für ihre Kinder. Eltern haften aber auch an ihren Kindern und zwar in Form der Vornamen, die sie ihnen mit auf einen lebenslangen Weg gegeben haben. Und da ein Vorname selten allein kommt - fragt nach bei Herrn Dr. Guttenberg oder bei Klaus-Dieter Heinz Krause - greife ich das Thema heute noch einmal auf. 

Vor längerer Zeit war an dieser Stelle bereits von Vornamen aus aller Welt die Rede. Und auch mit den erstaunlichen Schwankungen bei der Beliebtheit haben wir uns bereits befasst. Zum Beispiel damit, dass Vornamen die lange Zeit völlig in der Versenkung verschwunden schienen, plötzlich ein Comeback feierten. Adolf einmal ausgenommen. Aber auch das kann sich ändern, falls irgendwann die AfD die 50-Prozent-Grenze durchstößt. Außerdem liegen gegenwärtig Namen an der Spitze, bei denen ich das nie für möglich gehalten hätte. Noah zum Beispiel. Es kann wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die kleine Titanic in unseren Kinderzimmern Schiffe versenken spielt. 
 
Für jemanden mit so löchrigem Vornamen-Gedächtnis wie mich wäre es hilfreich, wenn nach chinesischem Vorbild die Namenszahl stark eingeschränkt würde. Doch ich gebe zu, dass dann die Gefahr von Verwechslungen steigt. Um das zu vermeiden, habe ich sogar darüber nachgedacht, ob es sinnvoll wäre, jedem Menschen gleich bei seiner Geburt eine Namensnummer zu geben. Aber ich sehe ein, dass dem elterlichen Zuruf: "88 459 663! Hast Du Dir auch die Zähne geputzt?" kein besonderer Charme anhaftet. Außerdem müssen wir uns ohnehin mit viel zu vielen Zahlen herumschlagen: Telefonnummern, Kontonummern, Steuernummern, Lachnummern. Von Passwörtern ganz zu schweigen. 
 
Daher schwebt mir eine Kombination vor. An der Spitze sollte eine Zahl von eins bis neun stehen, die 0 klammern wir aus nachvollziehbaren Gründen besser aus. Dann müsste ein Buchstabe folgen. Wenn bei fortschreitendem Erkenntnisgewinn der Genetik schon vor der Geburt absehbar ist, ob ein Kind zum Stottern oder schwerfälligem Sprechen neigen wird, wären auch Umlaute wie Ä oder Ö erlaubt. Anschließend folgt die Lieblingsfarbe der Mutter und der Lieblingsverein des Vaters, gegebenenfalls auch umgekehrt. Alleinerziehende dürften beides bestimmen. Daraus ergäbe sich ein individueller Vorname, der in jeder Schulklasse oder jedem Betrieb kein zweites Mal vorkäme. Und mit ein wenig Mühe könnte selbst ich mir vielleicht die Namen einprägen. Aber wahrscheinlicher ist, dass ich sie vorsichthalber jedesmal vor Gebrauch durch Nachschauen überprüfen würde. Die Gefahr der Verwechslung von Thomas und Oliver wäre damit ausgeschaltet und das Risiko minimiert, entsprechende Wetten zu verlieren. 
 
Glückauf 
1-A-blau-Schalke 

 Schmunzelpost 1046 vom 10. 1. 24

Zu den ersten markanten Schlagzeilen, die als Volontär meinen Weg in den Journalismus einläuteten, gehört eine Überschrift vom Wochenmarkt: "Tomaten auf dem Vormarsch". Nun habe zwar auch ich gelegentlich Tomaten auf den Augen, offenbar auch beim Gegenlesen meiner Texte, aber für das jetzige Stadium nach Abschluss meiner Redakteurs-Laufbahn passt wohl besser: "Demenz auf dem Vormarsch". 
 
Habe ich doch in der letzten Schmunzelpost-Folge aus Ludwig, dem XVI. Ludwig, den XVIII. gemacht. Dabei war mir völlig klar, dass der Ludwig, der sein gekröntes Haupt unter der Guillotine verlor, als Vorgänger nur einen einzigen Namensvetter zwischen sich und dem Sonnenkönig hatte. Und letztgenannter war Ludwig, der XIV. 
 
Na gut, Mathematik und Journalisten, das sind zwei entgegengesetzte Pole. Aber immerhin habe ich im Zweifach Geschichte studiert. Und bilde mir ein, mich in der Historie ganz gut auszukennen. Das wurde mir jetzt zum Verhängnis. Denn ich war von meinem Fachwissen so überzeugt, dass ich den kritischen Hinweis, der Cromwell, der unter Heinrich, dem VIII. seinen Kopf verlor, habe statt Oliver mit Vornamen Thomas geheißen, überheblich zurückwies. Auch noch mit den Worten: "Man soll gegenüber einem wahren Schlaumeier nicht schlaumeiern. Oliver bleibt Oliver." 
 
Das mag zwar sein. Der Cromwell, um den es in der Schmunzelpost vom 6. Januar ging, trug aber tatsächlich den Vornamen Thomas. Ich hatte mich geirrt, weil Oliver, ein Nachfahre der Schwester von Thomas Cromwell, keine 100 Jahre später ebenfalls eine führende Rolle in der englischen Politik spielte und 1561 gleichfalls geköpft wurde. Allerdings erst posthum, nachdem er schon 1558 der Malaria erlegen war. 
 
Das hätte ich wissen sollen, als ich mich leichtsinnig auf eine Wette einließ. Mein Festhalten an Oliver kostet mich zwar nicht den Kopf, aber ein Abendessen bei Björn Freitag. Der finanzielle Verlust trifft mich nicht so sehr, da ich die Mahlzeit ja auch selbst genießen werde. Doch es traf mich ins Mark, dass ein Zweitfach-Student wohl doch nicht mit professionellen Historikern mithalten kann. 
 
Ausschlaggebend dafür ist meine Vornamen-Schwäche. Doch die ist zum Glück nicht altersbedingt. Dauernd passiert es mir, dass ich Menschen voller Überzeugung einen falschen Vornamen verpasse. So beschwerte sich der SPD-Ratsherr Hans Löns mit Fug und Recht, dass ich aus ihm in der Zeitung einen Hermann gemacht hatte. Und CDU-Ratsherr Hans Fromm wollte partout nicht zum Heinz werden. Im Gegenzug räumte ich ihm das Recht ein, zu mir Hans-Peter sagen zu dürfen. 
 
 Auch die Tintenhühner können ein Lied über mein Leiden singen. Es ist aber auch verwirrend. Mein Baumhaus-Kumpel  ist über die Dorstener Stadtgrenzen hinaus als Schorsch bekannt. Für mich ist dieser Mann, mit bürgerlichem Namen Hans-Georg Karl, bei öffentlichen Ansagen stets ein Alptraum. Wie soll ein Vornamen-Legastheniker wie ich denn bei gleich drei Vornamen und einem Spitznamen die Übersicht behalten? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1045 vom 9. 1. 24

Wie Ihr spätestens seit letzter Woche wisst, rollten unter der Herrschaft von Heinrich VIII. in England die Köpfe. Aus gegebenem Anlass komme ich darauf noch einmal zurück und erinnere hier diesmal an schauerliche Ereignisse, die sich am 9. Januar 1980 zugetragen haben. Also vor nur 44 Jahren. 
 
Das Köpfen galt lange Zeit als vergleichsweise glimpfliche Todesart. Vor die Alternative gestellt gerädert, gevierteilt, gehäutet oder verbrannt zu werden, versuchten Deliquenten sogar, ihren Henker zu bestechen, damit er ihnen stattdessen den Kopf abschlug. In der Hoffnung, dass dann das Ende wenn schon nicht schmerzlos, so doch wenigstens kurz sein würde. Das traf leider längst nicht immer zu. Bei der Hinrichtung von Maria Stuart 1587 brauchte der Scharfrichter mehrere Versuche. Beim ersten Schlag mit der Axt traf er nur den Hinterkopf seines Opfers, auch mit dem zweiten Schlag konnte er nicht alle Muskelstränge durchtrennen. Erst der dritte Hieb trennte den Kopf vom Körper. 
 
Deshalb klopften sich die Revolutionäre in Frankreich selbst auf die Schulter und rühmten sich, eine "humane" Todesart eingeführt zu haben. Die Erfindung des Fallbeils, also der Guillotine, ersparte es dem Henker, sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Zudem sei diese Methode fast schmerzlos und weit weniger grausam als Pfählen oder Aufhängen. Ihr Erfinder war der Mediziner Joseph-Ignace Guillotin. Von ihm stammt das Zitat: „Die Guillotine ist eine Maschine, die den Kopf im Handumdrehen entfernt und das Opfer nichts anderes spüren lässt, als ein Gefühl erfrischender Kühle.“ 
 
Dieses prickelnde Gefühl durfte im April 1792 als erster Nicolas Jacques Pelletier kennenlernen. Der Straßenräuber hatte sieben Monate zuvor in Paris sein Opfer nicht nur um den Geldbeutel erleichtert, sondern auch noch mit einem Stock schwer verdroschen. Das staunende Publikum war vom durchschlagenden Erfolg des Fallbeils begeistert. Die Richter und jeweiligen Machthaber im Frankreich der Folgejahre offenbar auch. Nicht nur König Ludwig XVIII. und seine Gattin Maria Antoinette, sondern noch weitere zehntausende Menschen wurden bis 1795 enthauptet. 
 
"Das ist lange her", meint Ihr. Das ist wahr. Aber an besagtem 6. Januar 1980 hat man sich wieder des guten, alten Schwertes bedient. In acht verschiedenen Städten Saudi-Arabiens schwangen Scharfrichter ihre kunstvoll verzierten Klingen, um 63 Frevler zu enthaupten. Die hatten es im November 1979 gewagt, die Große Moschee in Mekka zu besetzen. Doch niemand wollte sich nachsagen lassen, diese Form der Rache für die Gotteslästerung sei barbarisch: Allen Hingerichteten wurden anschließend die Köpfe wieder sorgsam angenäht, damit sie mit Sitte und Anstand beerdigt werden konnten. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Damit Ihr nicht kopflos ein Urteil fällt: Obwohl die Todesstrafe als unvereinbar mit den Menschenrechten gilt und die UN fordern, keine Hinrichtungen vorzunehmen, haben bisher lediglich 112 Staaten die Todesstrafe vollständig abgeschafft. In einigen Ländern wurde sie zwar ausgesetzt, aber 52 Staaten wenden sie auch weiterhin an, darunter die USA, Indien und Japan. Die meisten Todesurteile werden in China vollstreckt. 2009 soll ihre Zahl zwischen 2000 und 5200 gelegen haben. Seither verzichtet amnesty auf alle Versuche, dort genaue Daten zu ermitteln. Neben Mord und Verbrechen an Leib und Leben wie Entführungen oder Kindesmissbrauch gelten in einigen, vorwiegend islamischen Ländern als todeswürdiges Vergehen: Vorehelicher Geschlechtsverkehr, Ehebruch, Homosexualität, Abkehr vom islamischen Glauben, Blasphemie und Hexerei. 
 
PPS. Zugegeben, selbst für eine Schmunzelpost war das heute eine heftige schwarze Dosis. Morgen wird es unblutig, versprochen. Zur Entschädigung noch ein Witz über das, was passieren kann, wenn jemand zwar nicht seinen Kopf, aber sonst fast alles verliert:  Ein kleiner Mann sitzt traurig in der Kneipe, vor sich ein Bier. Als er keine Anstalten macht zu trinken, schnappt sich sein Nachbar, ein Kerl wie ein Baum, das Glas und trinkt das Bier restlos aus. Daraufhin beginnt der Kleine zu weinen. Sagt der Große: “Nun hab’ dich nicht so, du Memme! Flennen wegen einem Bier!”
Der Kleine: “Na, dann pass mal auf. Heute früh hat mich meine Frau verlassen, Konto abgeräumt, Haus leer. Danach habe ich meinen Job verloren! Ich wollte nicht mehr leben. Legte ich mich auf’s Gleis: Lokführer-Streik! Wollte mich aufhängen: Strick gerissen! Wollte mich erschießen: Revolver versagt! Und nun kaufe ich vom letzten Geld ein Bier, kippe Gift rein und du säufst es mir weg!”    
 

 Schmunzelpost 1044 vom 8. 1. 24

Zurück aus dem Mittelalter in der Gegenwart will ich heute den roten Faden von Herkules zur modernen Kommunikation weiterspinnen. Starten wir mit dem Handy. Das ist mittlerweile so beliebt, dass man sich fragt, wie die Menschheit vor 50 Jahren ohne dieses Quatschbrikett auskommen konnte. Dass ich im Zug eine Ausnahme bin, weil alle anderen Fahrgäste mit ihrem Smartphone beschäftigt sind, nehme ich gern hin. Aber sobald jemand losbrüllt: "Ich verstehe dich ganz schlecht - du musst lauter reden" und danach versucht, mit familiären Details den ganzen Waggon zu unterhalten, mangelt es mir an Verständnis. Zumal ich das sogar in Restaurants erlebe.
 
Dass meine Begeisterung für Konzertbesuche mittlerweile erheblich abgeklungen ist, hat auch damit zu tun. Kaum betritt die Band die Bühne - zack, da strecken sich Hunderte von handybewehrten Armen zur Decke, so dass ich die Musiker nicht mehr sehen kann. Und was das Hören betrifft, das wird auch immer schwieriger. Damit hat die Phone-Industrie jedoch ausnahmsweise nichts zu tun. Es ist der Fankult, der mich zur Weißglut treibt. 
 
Denn kaum hat der Sänger ein Lied angestimmt, da wird um mich herum der Text lautstark mitgegrölt. Dabei war ich doch eigentlich hergekommen, um live dem Original zu lauschen und nicht dem Chor der verzückten Verehrer. Manche Gruppen fördern das auch noch gezielt und animieren das Publikum, den Gesangspart komplett zu übernehmen. Und dafür soll ich horrende Eintrittspreise zahlen? 
 
Mit grimmiger Genugtuung habe ich jetzt im "Streiflicht" gelesen, was einer Musicalbesucherin in England widerfahren ist. Sie hat von Anfang an jede Zeile der Songs mitgesungen. Und dies so laut und lausig, dass sie von der Polizei abgeführt wurde. Recht so! Wer singen möchte, es aber nicht richtig kann, soll sich bitte mit Gleichgesinnten in einem Chor zusammentun und in hermetisch abgeschotteten Räumen üben, bis alle Töne getroffen werden. Für Solo-Darbietungen ist die häusliche Dusche der geeignete Ort. Vorausgesetzt, die Mitbewohner können die Wassertemperatur auf eiskalt stellen, falls die Geräuschkulisse unerträglich wird. 
 
Vielleicht sagt Ihr, es sei meine eigene Schuld mich in Veranstaltungen zu begeben, in denen etwas zelebriert wird, was mein Vater vor 60 Jahren noch verächtlich, aber zu seiner Zeit und aus Sicht seiner Generation völlig korrekt als "Negermusik" bezeichnet hat. Doch wer glaubt, dass er im Opernhaus oder im Theater auf der sicheren Seite ist, der irrt gewaltig. Auch in unsere Kulturtempel ist die moderne Kommunikation schon eingezogen. So berichtet der Schauspieler Andrew Scott über einen desaströsen Theaterabend in London: "Als ich Hamlet spielte, holte ein Typ seinen Laptop heraus, während ich mitten im 'Sein oder verdammt noch mal Nichtsein' war." 
 
Sein oder verdammt noch mal Nichtsein? So verändert das digitale Zeitalter fast unbemerkt unser klassisches Kulturerbe. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1043 vom 7. 1. 24 

Unter den üblen Nachrichten stand der Bericht über die in meinen Augen größte Katastrophe gestern auf der Seite "Aus aller Welt". In Australien wurde ein riesiges Exemplar der gefährlichsten Spinne auf unserem Planeten entdeckt, deren Gift einen Menschen innerhalb von nur 60 Minuten töten kann. So etwas versetzt einen Phobiker wie mich in heilloses Entsetzen. Immer noch wirken die Erziehungsmethoden meiner großen Schwestern nach, die vor langer Zeit einem aufsässigen Knirps drohten: "Wenn Du nicht artig bist, sperren wir dich in den dunklen Keller zu den Spinnen. Und die fressen Dich dann auf!"
 
Natürlich weiß ich längst, dass unsere hiesigen Spinnen für Menschen harmlos sind. Und sogar nützlich, weil sie beispielsweise in ihren Netzen Mücken fangen. Deshalb habe ich daheim mit den Achtbeinern ein Abkommen geschlossen: Ihr lasst mich in Ruhe und ich Euch. Dennoch springe ich selbst mit 70 Jahren und künstlicher Hüfte noch aus dem Stand einen Meter in die Luft, wenn sich eine Spinne auf meine Schulter abseilt. 
 
Nun also auch noch diese beunruhigenden Neuigkeiten aus Australien. Die dort entdeckte Sydney-Trichternetzspinne ist 7,9 Zentimeter groß und übertrifft damit den bisherigen Rekordhalter "Colossus" um einen Millimeter. Wahrscheinlich wurde sie deshalb auf den Namen "Herkules" getauft. Es gibt 36 Arten von Trichternetzspinnen. Das Männchen der Sydney-Art (Atrax robustus), die im Umkreis von 160 Kilometern der australischen Metropole lebt, ist die gefährlichste - und hat es zusammen mit der brasilianischen Wanderspinne als giftigste Spinne der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. 
 
Zwar liegt Australien am anderen Ende der Welt. Doch im Zeichen der Globalisierung gelangen immer wieder tierische Invasoren in Containerschiffen nach Europa. Wenigstens in diesem speziellen Fall hoffe ich, dass die neuen Einreisekontrollen wirksam sind und Herkules noch außerhalb unserer Grenzen der Asyl-Antrag verweigert wird. Nebenbei: Das Zeitungsfoto zeigt die Spinne neben einem australischen 50-Cent-Stück. Entweder da stimmt etwas mit den Proportionen nicht oder die Australier schleppen sehr großformatiges Kleingeld mit sich herum. 
 
Ach ja, ich vergaß! Auf jenem Kontinent besitzen die meisten Lebewesen der Gattung Säugetiere ja einen körpereigenen Beutel. Das erleichtert manches. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS: Nochmal zurück ins England des 16. Jahrhunderts. Zur gestrigen Folge hat ein geschichtsinteressierter SP-Leser aus Wulfen eine passende Ergänzung: "Die Geschichte hat eine Fortsetzung verdient. Nämlich außer dem besagten 6.1.1540 gibt es noch einen weiteren 6., nämlich den 6.7. fünf Jahre zuvor. An diesem Tag verlor ein früherer Lordkanzler namens Thomas Morus seinen Kopf wegen 'Hochverrat', nicht ohne den Henker freundlich darum zu bitten, er möge bei der Hinrichtung vorsichtig sein und seinen Bart schonen, da dieser ja am Hochverrat nicht beteiligt sei. Übrigens wurde auch sein Kopf anschließend auf der London Bridge zur Schau gestellt." 
 

Schmunzelpost 1042 vom 6. 1. 24 

Heute feiern die Katholiken ihre Heiligen Drei Könige. Ich möchte mich aber einem anderen König zuwenden, der alles andere als heilig war. Am 6. Januar 1540 schritt Heinrich VIII., King of England, schon zum vierten Mal  zum Traualtar. Diesmal mit Anne von Kleve, was Heinrichs engstem Vertrauten und Berater sieben Monate später das Leben kosten sollte.
 
Oliver Cromwell, so hieß der Unglückliche, hatte die Ehe nämlich eingefädelt. Nachdem sein König dreimal "aus Liebe" geheiratet hatte und Cromwell als Handlanger seiner Majestät mehrfach aus der Patsche helfen musste - nur die dritte Gattin Jane Seymour war eines natürlichen Todes gestorben - hielt es der mit allen Wassern gewaschene Cromwell nun für angeraten, dass der König diesmal eine politische Heirat anstreben sollte, um die Verbindung mit den Protestanten zu stärken. 
 
Doch Heinrich war wählerisch. Also wurde Hofmaler Hans Holbein entsandt, um Porträts von mehreren Kandidatinnen zu fertigen. Mehrere lehnten entrüstet ab, andere Bildnisse stießen nicht auf Gegenliebe. Doch Anna von Kleve hatte Holbein offenbar besonders gut getroffen. Möglicherweise zu gut: Als Heinrich ihr bei ihrer Ankunft in England zum ersten Mal persönlich begegnete, schäumte er anschließend vor Wut. "Ich mag sie nicht!" grollte er und brachte damit seinen Ratgeber zum Zittern. Erst recht, als der entrüstete König nachlegte: "Ich sehe nichts an ihr aus den Berichten und es wundert mich, dass kluge Männer derartige Darstellungen in die Welt setzen konnten." 
 
Verzweifelt versuchte Heinrich, sein Eheversprechen rückgängig zu machen, musste sich aber von Cromwell belehren lassen, dass es keinen Ausweg gab. Auch am 6. Januar, dem Tag der Hochzeit, war Heinrich nicht gnädiger gestimmt. Unmittelbar vor dem Ja-Wort am Eingang der Kapelle sagte er: "Wenn ich nicht meinem Königreich Genüge tun müsste, würde ich das nicht machen, was ich heute um jeden Preis der Welt tun muss." 
 
Die Hochzeitsnacht wurde zum Fiasko. Am Morgen stöhnte ihre Majestät: "Ich mochte sie vorher nicht besonders, jetzt mag ich sie noch weniger!" Er verkündete sogar Einzelheiten: "Ich habe nur ihren Bauch und ihre Brüste berührt und ließ sie in so einem jungfräulichen Zustand, wie ich sie vorgefunden habe." Das deckte sich mit der Darstellung der Braut. Zum Glück wusste die überbehütete Anne gar nicht, was ihr erspart blieb. Sie war im Glauben, dass die Ehe vollzogen worden war: "Wieso auch nicht, wenn er doch an mein Bett kam und mich küsste. Ist das nicht genug?" Erst eine ihrer Hofdamen klärte sie nach längerem Herumdrucksen auf: "Madame, da muss mehr kommen als das. Oder es wird lange dauern, bis wir einen Thronfolger bekommen." 
 
Das jedoch blieb Anne erspart. Worüber sie vermutlich nicht unglücklich war. Denn Heinrich, der bei seiner Amtsübernahme 1509 ein athletischer, humanistisch gebildeter Strahlemann war, der mehrere Sprachen beherrschte und Gedichte verfasste, war inzwischen zu einem fettleibigen, niederträchtigen Kotzbrocken geworden. Das musste auch Oliver Cromwell erfahren. Denn zwar hatte er noch die Bitte seines Königs erfüllt zu bestätigen, dass die Ehe nie wirklich vollzogen wurde und daher annulliert werden konnte, aber dennoch bewahrte ihn das nicht davor, am am 28. Juli 1540 geköpft zu werden. Sein Haupt zierte anschließend, auf eine Lanze gespießt, die London Bridge. Anne hingegen, die in die Trennung freudig eingewilligt hatte, bekam eine saftige Abfindung und genoß anschließend den Vorzugsstatus als "gute Schwester" am Hofe. 
 
Was könnt Ihr daraus lernen? Versucht besser im Neuen Jahr gar nicht erst irgendwelche Beziehungen oder gar Ehen anzubahnen. Sonst seid am Ende Ihr diejenigen, die den Kopf verlieren. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1042 vom 5. 1. 24 

Im Umgang mit schwerhörigen Menschen habe ich langjährige persönliche Erfahrungen. Daher weiß ich, dass sie im Laufe der Zeit selbst immer lauter sprechen. Das hat dazu geführt, dass ich nicht mehr auf die Terrasse gehen muss, um unfreiwillig die Selbstgespräche meines betagten Nachbarn Herrn K. zu belauschen, wenn er sich dazu auf seinen Balkon begibt. Jetzt war es mal wieder so weit:
 
"Hömma, Karl, tut Dich dat nich gut? Die frische Luft? Ja, ja, wenn et wieder plestert, gehn wir rein. Aber ein bisken sollten wir auch an unsre Gesundheit denken. Ich hab nämlich gelesen, dat Sitzen is dat neue Rauchen. Wennze nur vor de Glotze hockst, dann is dat, als würdze auf Kette quarzen. Ein paar Runden auffem Balkong sind die neue Raucherpause. Wat sachste? Is dat nich genial? 
 
Tja, wir zwei beide ham zusammen zwar bald 200 Jährkes auffem Buckel, aber alt sind wir noch lange nich. Und in dat Neue Jah sin wir auch offen für allet Neue. Ich hab da ein paar von diese Tränds inne Zeitung gelesen. Weisse, wat getz beim Futtern modern is? Fast Food Fusion! Da staunze, wat? Dat is englisch und heißt sowat wie fix allet zusammenpanschen. Da schmeisst Du allet in Dein Termomicks, dat ganze Grünzeug, dat Gehackte, die Chips und dem Pumpernickel. Und dat Zeuch, wat da raus kommt, da is allet drin, watte brauchs: Kalorihn, Fittamiene und Nehrwärte. Na gut, schmecken tut dat nich, aber Du kannz nich allet ham. 
 
Und schwer angesacht is 2024 auch dat Reisen. Aber nix Majorka oder Traumschiff! Der - Achtung, getz kommen gleich zwei Trändwörters - heiße Scheiss is Blind Bucking. "Erleben Sie echte Abenteuer!" is die Parole. Doch nich innen Dschungel oder die eisige Ahgtis zu die Pinguine. Nee, nach Paris, Bad Ischl oder Las Vegas! Hömma, da mach ich doch lieba mit Wandervogel Mattin 'ne Tour durche Hohe Maak. Oder ich buch gleich Badeurlaub annen Strand vonnem Wesel-Datteln-Kanal. Dat kost nix und is direkt vore Haustür. 
 
Aber ein Tränd, der is spannend. Erotick für jedet Alter! Dafür gibbet et getz Paar-Chip. Da gehsse ins Internetz und machs "Breefdätink". Heißt eigentlich "Bravedating", is eben englisch, aber schreiben musse auf deutsch. Und dabei sollze getz "Mut zum Tiefsinn" ham und "neue Offenheit" beweisen. Wat meinze? "Gut erhaltener Mann mittleren Alters mit interessante Interessen sucht knackige Perle mit gute Kenntnisse in Altenpflege und Abseitsregeln. Balkong vorhanden!" Wenn da keine anbeisst, dann weiss ich et auch nich. Passenden Sekt habbich schomma kalt gestellt. "Alini Moscato Spumante", ganz wat edles vom Lidl, 1,99 die Pulle. Komma rein, lass uns probiern. Prosit, Neuet Jahr!" 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 1040 vom 4. 1. 24 

Gestern war ein Tag, an dem mir schon am Morgen das Schmunzeln vergangen ist. Und der Appetit. Denn ich saß gerade beim Frühstück, als ich in der Zeitung las, was Donald Trump in jüngster Zeit von sich gegeben hat. Dass dieser Mann ein Narzist gehobener Güteklasse, ein aufgeblasener Lügner und ein Möchtegern-Diktator ist, weiß man ja schon länger. Das ist schlimm, sehr schlimm. Noch weit schlimmer aber empfinde ich, dass er mit seinen Hass-Parolen auch noch gut ankommt. Nach letzten Umfragen liegt er in den USA in der Wählergunst vorn. Wohlgemerkt, nicht nur bei den Republikanern, sondern bei allen Wahlberechtigten. 
 
Wie ist das möglich?, frage ich mich. Hitler hatte Goebels und optimale Voraussetzungen für seinen Propaganda-Apparat. Putin hat die russischen Medien gleichgeschaltet, alle Kritiker im Lande mundtot gemacht und so seine Zustimmungswerte zementiert, weil die Bürger kaum über andere Informationsquellen verfügen. Aber Trump? Der gibt sich überhaupt keine Mühe, seine zunehmend faschistisch geprägten Vorstellungen zu verbergen und wird dennoch selbst von fundamentalistischen Christen verehrt, die eigentlich schon mal was von Nächstenliebe gehört haben müssten. 
 
Bert Brecht soll mal gesagt haben: "Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber." In Wahrheit hat dieses Zitat wohl schon ein Schweizer 1874 auf einem Wahlzettel hinterlassen, woraufhin es immer wieder aufgegriffen wurde: "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber." Liebe Amerikaner, seid Ihr tatsächlich so blöd? Oder führen die Umfragen in die Irre? Selbst, wenn es nochmal gutgehen sollte: Falls Abermillionen von Wählern diesem Mann ihre Stimme geben, dann spricht viel dafür. die Menschheit aus der Liga der vernunftbegabten Wesen auszuschließen. Willkommen bei den minderbemittelten Kälbern!
 
Dafür spricht auch der Trend in Europa. Und bei uns. Jeder Fünfte, in manchen Teilen des Ostens sogar jeder Dritte, will die AfD wählen. Was geht in deren Köpfen vor? Ich fürchte, dass die asozialen Medien dieser Entwicklung den Weg ebnen. Wenn sich immer mehr Menschen ihr Weltbild nur noch aus Quellen zimmern, die ihre durch Parolen und Vorurteile geprägte Meinung bestätigen, wird das auf Dauer fatale Folgen haben. 
 
Solange es noch möglich ist, ohne ausgespäht und wie in China belangt zu werden, gebe ich noch schnell ein paar Scherze weiter, die in Zukunft vielleicht nur als Flüsterwitze hinter vorgehaltener Hand vertrauenswürdigen Menschen erzählt werden können. 
 
Zunächst einer für Leute, die des Englischen mächtig sind: Why can’t Trump go to the White House anymore? – Because it’s for Biden! - Für diesen gibt es keine Fremdsprachen-Mauer: Wieso schaut sich Trump die Olympischen Spiele an? – Damit er weiß, wie hoch die Mexikaner springen. - Einer für Mathematiker: Neueste Studienergebnisse belegen, dass zwei von drei Trumpanhängern genauso dumm ist wie die anderen beiden.  - Und ein letzter noch für Gottgläubige: George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump sind gestorben und stehen vor Gott. Gott fragt Bush: "Woran glaubst Du?" Bush antwortet: "Ich glaube an den freien Handel, ein starkes Amerika, die Nation." Gott ist beeindruckt und sagt: "Komm zu meiner Rechten!" Gott wendet sich an Obama und fragt: "An was glaubst Du?" Obama antwortet: "Ich glaube an die Demokratie, an die Hilfe für die Armen, an den Weltfrieden." Gott ist sehr beeindruckt und sagt: "Setz Dich zu meiner Linken!" Dann fragt er Trump: "Was glaubst Du?" Trump antwortet: "Ich glaube, Du sitzt auf meinem Stuhl." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1039 vom 3. 1. 24

Als ich gestern Morgen erwachte und die Augen aufschlug, fiel mein Blick sofort auf sechs Spatzen. Sie saßen auf einem Zweig und schauten mich an. Nein, ich habe nicht zwecks Ausnüchterung im Garten übernachtet, dazu war es draußen viel zu ungemütlich. Die Auge-in-Auge-Begegnung fand statt, weil die Wand gegenüber meines Bettes jetzt ein Kalender ziert. 
 
Ich bin ein großer Kalenderfreund. Jedes Jahr tausche ich die mittlerweile acht Exemplare aus, damit ich mich Monat für Monat an neuen, schönen Bildern erfreuen kann. Mittlerweile habe ich auch ein paar ältere Kalender zwischen die aktuellen geschmuggelt, da sie einfach viel zu schade zum Wegwerfen waren und einen zweiten Durchgang verdienen. 
 Bei den Motiven überwiegt neben zwei Kunstkalendern eindeutig die Tierwelt. So zieren im Januar 2024 neben den bereits erwähnten Spatzen, ein neukaledonischer Kadu, zwei Blaumeisten, drei Robben, ein Braunbär und ein Gorilla unsere Wände. Wobei letzterer ein merkwürdiges Gefühl in mir auslöst. Er hängt direkt über dem PC, und ich fühle mich nun beim Schreiben beobachtet. 
 
Mit der Begeisterung für Kalender bin ich nicht allein. Bereits die Jäger- und Sammler in der Altsteinzeit sollen erste Vorformen besessen haben. Und uralte Bauten wie Stonehenge zeugen davon, dass die Menschen schon früh bemüht waren, sich möglichst exakt über den Ablauf der Jahreszeiten zu informieren. Dies gelang bereits in der Bronzezeit durch systematische Beobachtung des Himmels, weshalb in Ägypten und Mesopotamien Mondkalender und astronomische Kalender in Gebrauch gewesen sind. Von da an war es noch ein weiter Weg bis zu den Wandschmuck- und Taschenkalendern, wie wir sie heute kennen. 
 
Normalerweise lehne ich Versuche, solche Begriffe einzudeutschen, entschieden ab. Ich würde niemals eine Nase als Gesichtserker bezeichnen. Nun stammt das Wort Kalender vom lateinischen Calendarium ab. Und das bedeutet Schuldbuch. Es diente dazu, am jeweils ersten Tag der antiken Monate Darlehen auszuzahlen oder Zinsen einzufordern. In diesem Fall ist mir deshalb die altdeutsche Bezeichnung lieber: Jahrweiser! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1038 vom 2. 1. 24

Wupps - da haben wir bereits den 2. Januar, das Neue Jahr ist gefühlt schon wieder halb rum. Das erste Fiasko erlebte ich bereits kurz nach Mitternacht, und eines muss nun für das ganze Jahr reichen! Verbunden damit war eine Lehre fürs Leben. Sie lautet: Demonstriere niemals eine Übung aus einem Reha-Programm, wenn Du ein fast volles Glas Rotwein in der Hand hast. Dass dabei das empfindliche Leder des Sofas in Mitleidenschaft gezogen wurde, war ein Kollateralschaden, aber guten Rotwein so unnütz versickern zu lassen ist unverzeihlich! 
 
Ansonsten können wir jetzt durch "Frohes Neues!" den bis dahin üblichen "Guten Rutsch!" ersetzen. Wo kommt dieser Vor-Silvester-Gruß eigentlich her? Waren früher bei uns die Winter stets so kalt und eisig, dass wir immer ins Neue Jahr geschliddert sind? Wahrscheinlicher ist die These, dass der "gute Rutsch" ursprünglich aus Norddeutschland stammt. Dort wünschte man bereits im 19. Jahrhundert Menschen, die zu einem Ausflug oder einer kurzen Reise aufbrachen, einen guten Rutsch. 
 
Aber da das Hebräische in vielen Fällen unsere Sprache bereichert hat, kann auch die zweite Vermutung zutreffen. Das hebräische Neujahrsfest heißt "Rosch ha-Schana", was für "Kopf des Jahres" oder auch "Anfang des Jahres" steht. Und vom "Rosch" zum "Rutsch" ist es kein weiter Weg - vor allem, wenn man schlindert. Das ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stand in der Süddeutschen Zeitung. Eine alte journalistische Weisheit lautet nämlich "Gut geklaut, auf Fels gebaut!" Ich füge hinzu: "Bist Du als Schreiber halbwegs helle, benutzt Du eine gute Quelle!"
 
Diese Quelle sprudelte noch weiter. In Dänemark, so las ich, wünscht man sich "Godt nytar!" und hüpft um Mitternacht von einem Tisch, um so symbolisch den Sprung ins Neue Jahr auszuführen. Ich stelle mir nun vor, die Chinesen würden diesen Brauch übernehmen. Dann gäbe es jedes Jahr zu Silvester einen Mords-Zacken auf der Richter-Skala. Estland hingegen ist etwas für verfressene Genießer. Unter dem Motto "Head uut" gibt es am letzten Tag des Jahres traditionell zwölf Mahlzeiten. Nicht auszudenken, wenn die Chinesen das auch noch übernehmen und dann erst springen!
 
Feliz ado nuevo" sagt man sich in Peru. Damit der größte Wunsch in Erfüllung geht, trägt man dort farbige Unterwäsche. Grün steht für Geld, Rot für Liebe, Weiß für Gesundheit. Ich habe übrigens zum Jahreswechsel blau-weiße Unterwäsche getragen. Das steht für: 2024 - Schalker Aufstieg in die Erste Liga, 2025 - Schalke 04 wird deutscher Fußballmeister, 2026 - Schalke 04 gewinnt die Champions League. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1037 vom 1. 1. 24

Ihr werdet es bestimmt bemerkt haben: Ein neues Jahr hat begonnen! Das hat Konsequenzen, auch für diese Schmunzelpost. Zunächst könnt Ihr der Zeitangabe im Absendervermerk entnehmen, dass diese Folge ein paar Minuten später als üblich auf den digitalen Weg gebracht wurde. Zum Zweiten ist festzuhalten, dass sie unter dem Einfluss von bestimmten Substanzen zustande kam, die gerade zum Jahreswechsel den Menschen in größeren Mengen eingeflößt werden. Dritter Punkt: Ab heute werden die Folgen durchnummeriert, da sich sonst bei den Bezeichnungen Wiederholungen einschleichen würden.
 
Nun jedoch zum Wichtigsten an solch einem Tag: Ich wünsche Euch, Euren Lieben und der ganzen Welt ein richtig gutes neues Jahr - das wäre nach all den schlimmen Ereignissen mal wieder dringend nötig. 
 
Ohne Hoffnung ist das Leben furchtbar. Gute Vorsätze hingegen, die zu diesem Zeitpunkt immer wieder reichlich gefasst und vollmundig verkündet werden, haben nach meinen Erfahrungen keine lange Lebensdauer. Ein schwacher Moment und - puff - schon wieder ist ein erstrebenswerter Vorsatz dahin geschieden. Mein Vorsatz für 2024 ist daher, alle guten Vorsätze sofort in die Tonne zu kloppen. 
 
Aber die Hoffnung, so heißt es, stirbt zuletzt. Daher hoffe ich für Euch, dass Euch das Schicksal zweier gekrönter Staatsoberhäupter erspart bleibt, die seinerzeit bereits am ersten Tag des neuen Jahres ins Gras gebissen haben. Blicken wir zurück ins Jahr 1387. Da verstarb am Neujahrstag auf recht ungewöhnliche Art Karl II., König von Navarra. Übertriebenes Mitleid ist nicht gebracht. Dem Mann wurde bereits von seinen Zeitgenossen, die im Mittelalter durchaus an Brutalität gewöhnt waren, der Beiname "der Böse" verliehen. Und zwar wegen seiner Illoyalität und seiner absoluten Skrupellosigkeit. 
 
Auf Anraten seiner Leibärzte ließ sich der 55-jährige jeden Abend von Kopf bis Fuß in Leinentücher einhüllen, die danach mit Branntwein getränkt wurden. Vielleicht konnte er auf diese Weise besser einduseln. Karls Pech aber war, dass ein Diener versehentlich mit einer Kerze an den Ganzkörperverband geriet - an diese Art von Feuerbestattung hatte der Regent bestimmt nicht gedacht. 
 
Einen hoffentlich lustvolleren Tod erlitt am 1. 1. 1514 Ludwig der II., König von Frankreich. In dritter Ehe hatte er im Oktober 1513 die blutjunge Tochter des englischen Königs geheiratet, in der Hoffnung, durch einen männlichen Erben beide Königreiche zu vereinen. Bisher hatten ihm seine Gattinnen ausschließlich Töchter geschenkt. Also strengte sich Ludwig ganz im Dienste der Nation mächtig an, um sein Ziel zu erreichen. Er war schließlich erst 52 Jahre alt, allerdings durch eine böse Gicht erheblich geschwächt. So kam es, wie es kommen musste: Ludwig verausgabte sich bis zur totalen Erschöpfung, der er schließlich zu Neujahr im Delirium erlag. 
 
Was lernen wir daraus? Zumindest die männlichen Schmunzelpostleser, die, außer mir, wohl alle entweder von der Gicht geplagt oder vom Alter erheblich geschwächt sind, sollten sich 2024 von jungen Gespielinnen fernhalten. Falls Ihr doch nicht widerstehen könnt: Wenn die Geliebte vorschlägt, Euer Feuer zu entfachen, indem sie Euch in Laken wickelt und mit Sekt übergießt, ist allergrößte Vorsicht geboten. . . 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1036 vom 31. 12. 23

Hallo, Ihr Mäuse!

Falls Euch die Anrede etwas plump-despektierlich erscheint, will ich sofort für Aufklärung sorgen. Aus der Zeitung habe ich erfahren, dass die Maus als Kosename inzwischen vom Internet in die Alltagssprache herüber geschwappt ist und als universell verwendbare Bezeichnung oder Anrede inzwischen alle anderen vergleichbaren Begriffe in den Schatten stellt. Eine Wissenschaftlerin von der Universität Greiffswald geht sogar so weit, dass die "Maus-Culture" eine Gegenbewegung zu Hass und Hetze ist. 
 
Begründet wurde der Trend von der "Generation Z". Damit ist die Altersgruppe der gegenwärtig 20- bis 29-Jährigen gemeint, die sich überwiegend in den sogenannten Sozialen Medien tummelt. Nun habe ich weder mit Facebook noch mit Instagramm, Tiktok oder Twitter, bzw. X zu tun. Aber ich lasse mich gern von "el hotzo", alias Sebastian Hotz, belehren. Für den Influencer mit Millionen Followern (meine Güte, bin ich heute up to date) sind Mäuse, auch gern Süßmäuse, Menschen, die sich freundlich und nett verhalten und mit einer grundsätzlichen Wärme durch den Alltag gehen. 
 
"Mäuschen" und "Mausi" sind im privaten Bereich ja schon seit langer Zeit im Gebrauch. Aber nun kann endlich auch der sexistisch-abwertende Beigeschmack verschwinden, mit dem sich die alten weißen Männer der Chef-Etagen gerne in Bars über die süßen Mäuse in ihren Büros austauschten. Mehr noch: Das Mausen könnte uns sogar aus der Gender-Klemme helfen. Ein taz-Autor kam bereits 2021 auf die Idee, die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" durch "liebe Business-Mäuse" zu ersetzen. In der Einzahl würde dann "Hallo, Maus" genügen und statt jemand oder niemand müsste es "jemaus" oder "niemaus" heißen. Außerdem kann man sich neuerdings auch mit einem entsprechenden Anhang als "Buch-Maus", "Wein-Maus" oder "Häkel-Maus" outen. Lena Mayer-Landrut geht sogar so weit, sich als "Katzen-Maus" zu bezeichnen, was ich wegen der lukullischen Vorliebe von Katzen für Mäuse als grenzwertig empfinde. 
 
Doch da wir als exportabhängige Nation global aufgestellt sein sollten, empfiehlt es sich zu schauen, was international an Kosenamen populär ist. Vielleicht entdecken wir so die "mouse for tomorrow". Im Italienischen gibt es das Dilemma, dass bereits das Mäuschen zweigeschlechtlich ist: Topolina oder Topolino, das ist hier die Frage. "Mon petit chouchou" (kleiner Kohlkopf) oder "mon saucisson" (mein kleines Würstchen) aus dem Französischen haben wohl nur geringe Chancen sich weltweit durchzusetzen. 
 
Den "Terron de Azucar" aus dem Spanischen sollten wir uns auf der Zunge zergehen lassen, denn das bedeutet Würfelzucker. Romantik pur verheißt das türkische Kosewort "Biatnem". Doch "mein Ein und Alles" ist nicht unbedingt alltagstauglich. Genauso wenig wie das italienische "microbino mio". Wer möchte schon gern als "meine kleine Mikrobe" angeredet werden? Dann doch lieber polnisch: "Sloneczko" heißt "kleiner Sonnenschein". 
 
Kurzum: Da zeichnet sich nichts ab. Es wird wohl erstmal bei Nagetieren bleiben. Liebe Mäuse, unser Kater freut sich schon auf Euren Besuch! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1035 vom 30. 12. 23 

Verdammte Hacker! Früher machten Piraten die Weltmeere unsicher, heute sind es die Hacker, die im weltumspannenden digitalen Ozean Riesenschäden anrichten. Darunter leiden nicht nur Staaten, Firmen, Krankenhäuser und Verwaltungen sondern auch Privatleute. Und selbst Randexistenzen, bei denen wirklich nichts zu holen ist, sind betroffen, wie Euer Schmunzelpostschreiber. 
 
Seit Folge 842 ist die Schmunzelpost-Internetseite nicht mehr zugänglich, ein Ende der Blockade immer noch nicht absehbar. Das ist ein Skandal! Vor allem, seit ich feststellen musste, dass ein besonderes Jubiläum völlig unbemerkt an uns vorüber gegangen ist. Da es bisher täglich eine neue Schmunzelpost gab, lest Ihr heute schon die 1035. Folge. Das heißt, der tausendste Beitrag im November ist total ungewürdigt geblieben! 
 
Das habe ich erst heute durch simples Nachzählen festgestellt. Denn am 23. Februar 2021 habe ich die erste Schmunzelpost an damals 32 Empfänger versandt, um ihnen in finsteren Corona-Lockdown-Zeiten wenigstens einmal am Tag Anlass zum Lächeln zu geben. Inzwischen ist die Empfänger-Zahl auf über 50 gestiegen. Danke für Eure Geduld und Treue! Da ich erst den Schock verarbeiten muss, das Jubiläum verpasst zu haben, mache ich es mir heute leicht und sende Euch noch einmal die allererste Folge ganz ohne Schleife. Denn es war eine "Verpackungsfreie Schmunzelpost."  
 
Bisher glaubte ich, in unseren Friseursalons hausten die Deutschen Meister im Erfinden hairlicher Namen wie "Ponyhof" oder "Abschnitt". Jetzt scheint es, als hätten sie Konkurrenz bekommen. Ein neuer Geschäftszweig, der im Zeichen des Klimawandels dazu beitragen will, den Plastikmüll zu verringern, entwickelt zunehmend Ehrgeiz bei der Namensgebung. "Unverpacktladen" war gestern, heute gönnt sich der "Weltfairbesserer" gern ein sprachliches Schleifchen im Firmenschild, wenn schon die eigentliche Ware gänzlich schmucklos bleiben muss. 
 
Ich gebe zu, dass ich hinter der Eingangstür von "nixdrumrum" in Bad Segeberg ebenso wie beim Handel "Ganz Ohne" zunächst ganz andere Dienstleistungen vermutet habe. Auch die Mundart-Bezeichnung "Naggisch" könnte beim falschen Kundenkreis Interesse erregen. Dagegen bringt das vertraute Wortpaar "Mitohne" eine pommestrainierte Spürnase aus dem Ruhrgebiet schon eher auf die richtige Fährte. Wobei die gleiche Nase angesichts mysteriöser Versuche wie "sOHNEnschein" oder einem Bandwurm wie "Frau Ernas loser LebensMittelPunkt" kräftig gerümpft wird. Dafür entschädigen meine drei Favoriten. Platz drei: Theo Tütenlos. Platz zwei: ZeroHero. Und Nummer eins: "Füllosophie". 
 
Also, strengt Euch an, Ihr Lockenwickler und Sprachrasierer, sonst kaufen Euch bald "Emmas Erben" mit ihrer "Kernidee" "Ohne Wenn & Aber" "Der Sache wegen"  den Schneid ab. "Mitohne" Pokal. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1034 vom 29. 12. 23

Der 29. 12. 2023 ist der Tag, an dem ich elegant das Thema Sprache mit der Weltgeschichte verbinde. Die Vorlage dafür liefert mir der 29. 12. 1977. Das war der Tag, an dem Jimmy Carter eine historische Rede hielt. 
 
Jimmy Carter? Ihr erinnert Euch bestimmt noch an den Erdnussfarmer mit dem breiten Grinsen, dem nur eine Amtszeit als US-Präsident vergönnt war. Der Mann war aber auch vom Pech verfolgt. Weder für die Ölkrise noch für die schnell steigende Inflation und erst recht nicht für die Geiselnahme in Teheran und deren ungutes Ende konnte er etwas. Und auch, dass das Schicksal ihn mit einem Paradiesvogel von Bruder gesegnet hatte, muss man eher den Eltern anlasten. Denn deren ungezogener Sohn Billy war nicht nur ein prima Possenreißer und hinterwäldlerischer Schluckspecht, es gelang ihm auch immer wieder mit haarsträubenden Geschichten in die Schlagzeilen zu kommen. So war Billy Carter sich nicht zu schade, zur Finanzierung kostspieliger Hobbies eine "Anleihe" aus Libyen in Höhe von 200 000 Dollar entgegenzunehmen. 
 
Wie will ein Präsident mit den großen Krisen fertig werden, der nicht einmal seinen Bruder in den Griff kriegt? Das fragten sich die Medien und die Wähler in den USA. Zudem hatte Jimmy Carter ein besonderes Talent dafür, dauernd durch peinliche Äußerungen aufzufallen. So behauptete er beispielsweise, er sei von einem "Killerkaninchen" angefallen worden, als er in Georgia auf Angeltour war. Und im prüden Amerika kam ein Interview gar nicht gut an, das Carter 1976 dem "Playboy" gab. Darin sagte er: "Ich habe viele Frauen lüstern angesehen. Im Herzen habe ich oft Ehebruch begangen." Das war vielleicht ehrlich, aber blöd. Da half es nicht, dass er sich mit dem Zusatz: "Gott weiß das, und er vergibt mir" zu retten versuchte. 
 
Vielleicht spukte dieses Interview noch im Kopf des Dolmetschers herum, der Carter an die Seite gestellt wurde, als er am 29. Dezember 1977 zum Staatsbesuch in Polen eintraf. Zudem soll der Übersetzer auch noch hochgradig unfähig gewesen sein. Heraus kam jedenfalls die peinlichste Rede, die je ein amerikanischer Präsident bei einem Auslandsbesuch gehalten hat. Es fing schon vielversprechend an. Carter sagte: "Ich habe heute morgen die USA verlassen." Der Dolmetscher übersetzte: "Ich habe heute die USA im Stich gelassen." Aber es wurde noch schlimmer. Aus "Ich bin gekommen, um ihre Zukunftshoffnungen zu verstehen", wurde eine Aussage, nach der das Kichern im Publikum sich zum Gelächter steigerte: "Ich spüre Fleischeslust nach den Polen."  
 
Kennt Ihr den Film "Lost in Translation"? In diesem Fall müsste der Titel in "Lust in Translation" umgewandelt werden. Ich aber ziehe meine Lehren daraus. Sollte jemals der Playboy wegen eines Interviews bei mir anfragen, werde ich auf einem kreativen Dolmetscher mit jeder Menge Taktgefühl bestehen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Hömma! Dat hältze doch in Kopp nich aus! Regina moniert zurecht, dass es im Abschlussdialog der letzten Schmunzelpost nicht "Wie geht's?" heißen dürfte, sondern "Wie isset?" Jau, so isset. 
 

 Schmunzelpost 1033 vom 28. 12. 23

Man ist so alt, wie man sich fühlt. Das kann je nach Tagesform variieren, aber für uns alle gilt doch: Wir sind im Grunde unseres Herzens jung geblieben. Aber das sollte uns nicht dazu verleiten zu versuchen, mit Jugendlichen in deren Sprache zu palavern. Da sehen wir dann nämlich ganz schnell ganz alt aus. 
 
Damit sind wir schon wieder beim Thema Sprache angelangt. Heute geht es um die Jugendsprache. Die zeichnet sich durch rasanten Wandel aus. Manche Begriffe können wir ja noch herleiten, wenn jedoch Worte eine völlig andere Bedeutung bekommen, stehen wir auf dem Schlauch. Viele von uns, auch ich, pflegen das Vorurteil, dass unser Sprachschatz durch die Verkürzungen, Weglassungen und grammatikalischen Eigenwilligkeiten der jungen Leute verarmt. 
 
Professor Kaehlbrandt ist da anderer Auffassung. Er rät selbst gegenüber der SMS- oder Whats-App-Sprache zu einer entspannten Haltung. Iwi (irgendwie) habe dieses "Hochgeschwindigkeitsdeutsch" mit seinem "Stakkato-Sprech" eine Lücke geschlossen. Isso! Das Deutsche sei dadurch sogar in der Lage, in aller Kürze humorvolle Lässigkeit auszudrücken. Kaehlbrandt hat sich dazu einen Musterdialog ausgedacht. A: Hallo! B: Hä? A: Was geht? Geht's noch? B: Wie jetzt? A: Das geht gar nicht! B: Doch, da geht noch was. A: Besser isses. B: Auf keinen. A: Auf jeden! B: Das glaub ich jetzt nicht. A: Wie blöd ist das denn? B: Aber so was von! A: Echt jetzt? B: Dein Ernst! A: Aber hallo! 
 
Ich möchte ergänzend hinzufügen, dass wir im Ruhrgebiet schon lange einen Schritt weiter sind. Auch in meiner Jugend verstand hier jeder den folgenden Dialog. A: Wie geht's? B: Muss! Und selbs? A: Auch! B: Bis die Tage. A: Bis die Tage. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1032 vom 27. 12. 23

Wie Ihr vielleicht erwartet habt, komme ich vom Buch "Deutsch - eine Liebeserklärung" und damit vom Thema Sprache so schnell nicht los. Heute befasse ich mich mit einem unscheinbaren Zeichen, das man früher auch Beistrich nannte. Doch das Komma ist nicht nur Beiwerk. Es gilt: Kleines Zeichen, große Wirkung. 
 
Wenn die nächste anhaltende Regenperiode heraufzieht, werdet Ihr womöglich mal einen dicken Wälzer zur Hand nehmen. Falls Ihr besonders kühn seid, ein schwer verdauliches, aber von vielen Kritikern hochgelobtes Werk. Wie wär's mit der "Blechtrommel" von Günter Grass? Darin ist dieser Satz enthalten: Um nicht mit der Kasse klappern zu müssen hielt ich mich an die Trommel und wuchs von meinem dritten Lebensjahr keinen Fingerbreit mehr blieb der Dreijährige aber auch der Neunmalkluge den die Erwachsenen alle überragten den Erwachsenen unlesbar sein sollte der seinen Schatten nicht mit ihrem Schatten messen wollte der innerlich und äußerlich vollkommen fertig war während jene noch bis ins Greisenalter faseln mussten der sich bestätigen ließ was jene mühsam genug und oftmals unter Schmerzen in Erfahrung brachten der es nicht nötig hatte von Jahr zu Jahr größere Schuhe und Hosen zu tragen nur um beweisen zu können daß etwas im Wachsen sei. 
 
"Eine Zumutung", schimpft Ihr, "das ist unlesbar!" Da seht Ihr mal, was kleine Kommata an der richtigen Stelle wert sind. Es hätte übrigens noch schlimmer kommen können, wenn ich einen Satz von Thomas Mann zitiert hätte. Doch dafür reicht die Speicherfähigkeit meines Computers nicht aus. Und man kann auch in Kürze zeigen, wie sinnstiftend ein Komma ist. Ich lasse nochmal eines weg: Gott vergibt Django nie. 
 
Leider haben viele von uns Probleme mit der Zeichensetzung. Vor allem die Jüngeren. Harald Martenstein hadert daher zurecht mit dieser Entwicklung: "Der Fortbestand der frei lebenden sibirischen Tiger ist weniger bedroht als der Fortbestand des korrekt gesetzten deutschen Kommas." 
 
Nebenbei: Das Komma ist nicht nur als Satzzeichen ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Sprache. Das beweist allein schon dieser klassische Satz: "Komma rein, kannze rauskucken." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1031 vom 26. 12. 23

Ein guter Einstieg, das habe ich schon als angehender Journalist gelernt, ist enorm wichtig, um das Interesse der Leser zu gewinnen. Deshalb verknüpfe ich heute geschickt mit einem roten Faden gleich drei Themen der letzten SP-Folgen. Gut, mit dem "roten Faden" haben wir die Redewendungen schon abgearbeitet, kommen wir zu den Geschenken. Ich habe mich über ein Buch von Roland Kaehlbrandt gefreut: "Deutsch - eine Liebeserklärung. Die zehn großen Vorzüge unserer erstaunlichen Sprache." 
 
Damit sind wir schon beim dritten Thema. Denn Mark Twain hat, wie Ihr lesen konntet, unsere Sprache als schrecklich empfunden. In einem Punkt sind wir - Ihr, Mark Twain und ich - uns sicher alle einig: Deutsch ist wegen seiner Grammatik für Ausländer verzwickt und schwer zu lernen. Aber ist unsere Sprache deshalb "hässlich" zu nennen? Darüber ist in der Süddeutschen Zeitung eine Diskussion entbrannt, zu der in der Weihnachtsausgabe mehrere Leserbriefe veröffentlicht wurden. 
 
Kurz zusammengefasst: Fast alle Leserbriefschreiber waren sich mit Professor Kaehlbrandt und Jean Paul einig, dass Deutsch eine ganz wunderbare Sprache ist. Jean Paul? Der hat mal gesagt: "Die deutsche Sprache ist die Orgel unter den Sprachen". Dann wollen wir mal ein paar Register ziehen. 
 
Schon Robert Gernhardt hat erkannt: "Dich will ich loben: Hässliches, du hast so was Verlässliches." Das stimmt. In kaum einer anderen Sprache kann man so präzise formulieren wie im Deutschen. Das liegt vor allem an unserem Wortschatz. Denn auch, wenn Wissenschaftler herausgefunden haben, dass 750 Wörter uns im alltäglichen Sprachgebrauch genügen und der Grundwortschatz der Sprachen nicht mehr als 2800 Wörter umfasst, verfügen wir über 5,3 Millionen Wörter! Das hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung 2004 herausgefunden. 
 
Dies liegt zum einen an unserem Erfindungsreichtum, zum anderen aber vor allem an Ableitungen und Wortzusammensetzungen. Wertstoffhof und Straßenbahnfahrt, ja, Mark Twain, da muss man erstmal drauf kommen! Und es sind keineswegs irgendwelche Eierköpfe im stillen Kämmerlein, die sich so etwas ausdenken. Bereits Martin Luther war ein großer Sprachschöpfer. Von ihm stammen viele Wortkompositionen, die heute noch in Gebrauch sind: Lästermaul, Schandfleck und Machtwort zum Beispiel, aber auch Feuereifer, Mördergrube und Lückenbüßer. 
 
Nun zu einem Hauptstreitpunkt der gegenwärtigen Sprachdiskussion. Nein, ausnahmsweise geht es nicht ums Gendern, sondern um die Flut von Angliszismen. Auch ich bin der Meinung: Allzu viel tut selten gut! Werden englische Vokabeln im Übermaß gebraucht, überfordert das viele von uns. Und es ist nicht hip, sondern lächerlich. Auf der anderen Seite wusste schon Goethe: "Die Gewalt einer Sprache ist nicht, dass sie das Fremde abweist, sondern dass sie es verschlingt." Wenn es in unserer Gesellschaft so gut mit der Integration von Migranten klappen würden wie mit der Eindeutschung von Begriffen aus dem Griechischen, Italienischen, Französischen und Englischen, dann wäre viel gewonnen. 
 
Es darf aber nicht so weit gehen, wie es eine Karikatur in der Süddeutschen Zeitung anprangert. Darin berät eine Kommission über den Kampagnen-Entwurf zur Schönheit der deutschen Sprache. Und der Urheber kann nicht begreifen, warum die anderen Mitglieder angesichts seines Slogan-Vorschlags entsetzt den Kopf schütteln: "Make Deutsch great again!" 
 
So, wir kommen nun für heute zum Ende. Und ein guter Ausstieg, das habe ich schon als angehender Journalist gelernt, ist enorm wichtig dafür, wie die Leser einen Text bewerten. Daher empfiehlt sich eine zündende Pointe. "Make Deutsch great again" wäre eine gewesen, aber das habe ich jetzt vermasselt. Versuchen wir es anders. Ich möchte die Noch-nicht-Rentner unter Euch mit einer frohen Botschaft entlassen: Heute abend geht der letzte Weihnachtsfeiertag zu Ende, morgen dürft Ihr endlich wieder arbeiten! 
 
Hosianna 
kdk 

Schmunzelpost 1030 vom 25. 12. 23 

Na, hattet Ihr eine schöne Bescherung? Oder gehört Ihr der "Wir-schenken-uns-nichts-wir-haben-schon-alles"-Fraktion an? Ich gebe zu, dass ich mich stets über ein kleines Geschenk freue. Vor allem, wenn es etwas Überraschendes ist. Damit meine ich nicht die Geschenkpackung mit Rasierwasser, mit der vor vielen Jahren meine Nichte einen Vollbartträger beglücken wollte. Doch einfallslose Präsente wie Socken, Hemden oder Rasenmäher haben mich nie begeistert. 
 
Rasenmäher? Ja, in der Tat. Den bekam ich vor Jahrzehnten zu Weihnachten geschenkt. Das löste folgenden Dialog aus: "Freust Du Dich gar nicht?" "Ehrlich gesagt hält sich das Glück in Grenzen. Mit einem praktischen Gebrauchsgegenstand habe ich nicht gerechnet." "Das musst Du anders sehen: Mit dem elektrischen Rasenmäher habe ich Dir Zeit geschenkt und Mühe gespart. Du bist künftig viel früher mit der Gartenarbeit fertig." "Toll! Was hättest Du nächstes Jahr lieber? Einen neuen Staubsauger oder einen Schnellkochtopf?" 
 
Bevor ich noch mehr Interna ausplaudere und mir einen häuslichen Rüffel einfange, gebe ich Euch lieber ein paar Tipps für originellere Geschenke. Ich habe mich dazu mal umgesehen, was man in fernen Ländern an Gaben für die Liebsten empfiehlt. Dabei gab es echte Überraschungen: In Angola rät man mir zum Kauf eines Tango-Kalenders oder der "Italian Kochbox Gustoso". Vielleicht solltet Ihr auch noch einen angolanischen Sorgenstein aus Kristall-Palmstein dazu legen. 
 
In China heißt es: „Ein kleines Geschenk hat eine große Bedeutung.“ Und man nutzt dankbar jeden Anlass, um andere zu überraschen. Mangels Weihnachten vor allem beim Frühlingsfest, dem Mondfest, dem Drachenbootfest und vielen anderen Feiertagen. Natürlich auch zum Geburtstag oder zur Hochzeit. Und was ist das beliebteste Geschenk in China? Tä-tää: Überraschung! Ein "Hongbao"! Das ist ein roter Umschlag mit Bargeld darin. 
 
Ich merke schon, so richtig bringt uns das Schielen in andere Länder nicht weiter. Deshalb jetzt noch zwei persönliche Tipps. Wer eine Nummer größer einsteigen will, der sollte seine Liebsten mit einem Gutschein für einen Trip mit "velling-reisen.de" verwöhnen. In Anlehnung zum Einstieg: Gemeinsam verbrachte Zeit ist das schönste Geschenk. Und wenn dann noch in einer kleinen Gruppe der Schmunzelpost-Freund Martin Velling persönlich dabei ist, kann nichts schiefgehen. Nebenbei: Martin kennt mindestens eine Million Anekdoten! 
 
Falls es aber ein Nummer kleiner sein soll, empfehle ich ein ideales Mitbringsel, für das ich mit meinem guten Namen einstehe. Das Büchlein "Krauses Zeug", erhältlich in jeder Buchhandlung, vor allem aber bei "schwarz-auf-weiß" in Dorsten-Holsterhausen oder "Kapitel zwei" in Recklinghausen. Oder natürlich direkt beim Verlag Henselowsky & Boschmann, www.vonneruhr.de . Das Werk ist übrigens in vielen Bestseller-Listen vertreten, so bei Amazon-Bestseller-humoristisch auf Rang 26 634, Amazon-Gegenwartsliteratur auf Rang 85 452 und Amazon-Literatur auf Platz 157 023. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1029 vom 24. 12. 23   

Allen Schmunzelpost-Leserinnen und Lesern wünsche ich ein fröhliches Weihnachtsfest. Und damit Ihr die Feiertage in friedlicher Runde zu schätzen wisst, berichte ich Euch über einen von der Lügenpresse bisher vertuschten Fall, der letztlich das Schicksal der gesamten Menschheit beeinflussen wird.
Nachdem die Tintenhühner von der Bühne abgetreten sind, habt Ihr Euch sicherlich gefragt, was aus der Familie Schniedelkötter geworden ist. Das werdet Ihr nun erfahren.
 
Mörderische Weihnacht 
 
"Herr Kommissar, Sie müssen uns helfen! Wir werden bedroht. Ich fürchte das Schlimmste, wenn wir keinen Schutz bekommen." Mutter Schniedelkötter ist völlig außer sich, als sie zwei Tage vor Weihnachten auf der Dorstener Polizeiwache mit dem diensthabenden Chef Sherlock Reul spricht. "Erst haben wir Hass-Mails und Drohbriefe bekommen, die wir nicht ernst genommen haben. Aber dann...", sie bricht ab, in Tränen erstickt.
 
"Nun mal ganz ruhig, junge Frau", versucht der Polizeibeamte Christa Schniedelkötter zu besänftigen. "Was waren das denn für Mails und Briefe?" "Na ja, in den Mails stand, zu Weihnachten würde es uns an den Kragen gehen, weil wir mit unserer Schmunzelpest verbreitet hätten, geschichtliche Tatsachen um die Geburt Christi und die Geschenk-Versorgung der Bevölkerung durch einen Angestellten von Coca Cola seien bloß erfundene Legenden. Abgesandt wurden die Mails von der Rentier-Armee-Fraktion, kurz RAF. Aber Schmunzelpest? Damit haben wir nichts zu tun, das muss eine Verwechslung sein." 
 
"Na ja", schmunzelt Reul, "das können wir wohl als Dumme-Jungen-Streich abhaken. Und was waren das für Briefe?" Christa Schniedelkötter druckst etwas herum, bis sie zögernd antwortet: "Dazu gibt es eine Vorgeschichte. Unsere drei Männer, Opa Lambert, mein Gatte Schorsch und unser Sohn Manni, haben sich eine 'Spritztour für Kerle' nach Marokko gegönnt, wie sie das genannt haben. Und dort hat Opa meinen Mann überredet, auf dem Schwarzmarkt jede Menge Zigaretten zu kaufen, die dort spottbillig waren. Die haben die drei dann im Gepäck durch den Zoll geschmuggelt." 
 
"Und? Das ist doch eher Kleinkram." "Von wegen! Zuhause hat Oma Lisa sich das Zeug angeschaut und gesagt: 'Da habt Ihr Euch vielleicht was andrehen lassen! Das sind gar keine echten Zigaretten, da ist gar kein Tabak drin, sondern so komische Pflanzenfasern.' Lambert und Schorsch wollten den Kladderadatsch dann wegwerfen, aber Manni war ganz scharf drauf. Wie später herauskam, hat er das Zeug auf dem Schulhof vertickt. Und danach stand in den Briefen, wir würden das Neue Jahr nicht mehr erleben, wenn wir weiter die Kippen verkauften. Aber Manni hat bloß darüber gelacht und einen schwunghaften Handel aufgezogen, weil er damit ein Riesengeschäft machen konnte." 
 
Reul war zunehmend hellhörig geworden. "Tja, Frau Schniedelkötter, da haben Sie sich wohl gefährliche Feinde angelacht. Das hört sich sehr nach einem Essener Clan an, der auch in Dorsten das Monopol auf den Hasch- und Drogenverkauf hat." Christa Schniedelkötter schluchzt. "Das habe ich schon vermutet, seit Opa Lambert von einem südländisch aussehenden Händler ganz billig einen tollen Weihnachtsbaum bekommen hat. Der Baum war sogar fertig geschmückt. Aber unter dem ganzen Lametta hat unsere Tochter Beate dann statt Kerzen Dynamitstangen entdeckt." 
 
Reul nickt nachdenklich. "Ja, das ist eine ernste Warnung. Sie müssen sich zu Weihnachten komplett verbarrikadieren und dürfen auf keinen Fall Fremde ins Haus lassen." "Aber das ist noch nicht alles", kommt Christa Schniedelkötter nun erst richtig ins Heulen. "Ich habe gestern für das Weihnachtsessen einen 1a-Hirschrücken gekauft. Bevor ich ihn aber im Kühlschrank verstauen konnte, hat unser Dackel ein Stück davon abgebissen." Sie stockt, gerät völlig aus der Fassung und kann erst nach längerer Pause mühsam weitersprechen: "Und dann hat Waldi gerülpst, ist umgefallen und war mausetot!" 
 
Der Kommissar hat genug gehört. "Frau Schniedelkötter, es war gut, dass Sie zu uns gekommen sind. Jetzt werde ich Ihnen ein Geheimnis verraten. Ich bin der Spezialist des Landes NRW zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Bei Ihnen handelt es sich um einen klaren Fall von Clan-Kriminalität. Sie sollen als potenzielle Konkurrenten ausgeschaltet werden! Aber das werden wir verhindern. Sie machen daheim über die Feiertage alles dicht. Und wir schleusen bei Ihnen undercover noch zwei meiner besten Männer ein, damit Sie auch wirklich sicher sind. Haben Sie noch ein Zimmer frei?" 
 
"Ja, haben wir. Zwar kommt unsere Tante Anne Patz-Schniedelkötter aus Australien zu Besuch, aber Schorsch kann wieder im Gartenhaus schlafen. Das ist er schon gewohnt. Dann kommt meine Schwester zu mir ins Doppelbett, und Ihre Leute kriegen eines der Kinderzimmer. Beate und Manni werden sich bestimmt freuen, mal wieder einen Raum zu teilen." "So machen wir das, Frau Schniedelkötter. Ich wünsche schon mal ein frohes Fest!" 
 
Gesagt, getan. Jochen Watson, nebenbei ein begabter Hobby-Pianist, gibt sich als Musiker aus. Und sein Kollege Bertold Erbrecht, abgebrochener Germanistik- und Jura-Student, soll angeblich als studentischer Weihnachtsmann die Bescherung übernehmen. Sherlock Reul hingegen fährt zum Ski-Urlaub in die italienischen Alpen, von wo er jedoch telefonisch in ständigem Kontakt mit seinen Mitarbeitern bleibt.  
 
Am Heiligen Abend ist der Kommissar komplett eingeschneit. Gegen 13 Uhr ruft er seinen Kollegen Jochen Watson in Dorsten an. "Na, Jochen, bei Euch alles in Ordnung?" "Nicht direkt, Chef. Leider hat es einen tragischen Unfall gegeben. Schorsch Schniedelkötter wollte in seinem Gartenhäuschen die desolate Gasheizung in Gang setzen. Und die ist explodiert! Exitus! Aber der Kerl war wirklich zu blöd zum Mäusemelken." 
 
"Das sollten wir aber nicht als Zufall abtun". Sherlock Reul ist höchst alarmiert. "Kontrolliert sofort noch mal alle Zugänge! Größte Vorsicht ist geboten. Und beim geringsten Anzeichen von Gefahr: Fordert sofort Verstärkung an. - Verflucht, was ist das? Die Verbindung ist abgebrochen. Scheiß-Schneewetter!" 
 
Im fernen Dorsten überschlagen sich danach in der Weihnachtsnacht die Ereignisse. Den Musiker Jochen trifft an seiner Orgel ein tödlicher Stromschlag. Sein Kollege Bertold wird fast zeitgleich mit dem Geschenkesack in seinem Zimmer erdrosselt. Tante Anne aus Australien hat nur ganz wenig Zeit sich zu wundern, als aus ihrem Koffer eine schwarze Tigerotter kriecht. Die zählt zu den giftigsten Schlangen der Welt, erst recht, wenn sie durch eine lange Reise verärgert ist. Derweil nimmt Manni noch einen letzten Zug aus seinem selbstgebauten Riesenjoint. Irgendetwas darin muss nicht bekömmlich gewesen sein, denn nach einem kurzen Röcheln gibt er keine Rauchsignale mehr von sich. 
 
Im Wohnzimmer hat sich der Rest der Familie versammelt. Oma Lisa, Mutter Christa und Tochter Beate gönnen sich traditionsgemäß einen kräftigen Schluck Eierlikör. Er schmeckt allen gut, aber diesmal ein wenig anders. "Interessant", murmelt Oma Lisa noch, bevor sie endgültig den Löffel abgibt. Mit schreckgeweiteten Augen verfolgt Opa Lambert das Geschehen. "Mich kriegt ihr nicht", schreit er und schnappt sich eine Handgranate, die er auf dem Schwarzmarkt erworben hat. Dann sieht er eine vermummte Gestalt auf sich zukommen. Lambert reißt den Zünder ab - und explodiert auf der Stelle. 
 
"Mein Gott, ein Bild des Grauens." Erschüttert schaut sich Sherlock Reul am Tatort um. "Ja, furchtbar", bestätigt jemand von der Spurensicherung. "Das ist wohl ein Fall aus der Kategorie 'das Rätsel des abschlossenen Raums'." "Nein, keineswegs", entgegnet Reul, als er einen roten Kleidungsfetzen aus dem Kamin hervor zieht. "So wahr ich mit richtigem Namen Klaus-Dieter heiße: Ich weiß, was sich hier zugetragen hat!" 
 
Noch vor Silvester wird am Nordpol der Weihnachtsmann verhaftet und wegen mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die nächsten Jahrtausende wird es nun auf der Erde keine Bescherungen mehr geben. . . 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1028 vom 23. 12. 23 

Neue Folge einer spannenden Serie: Ihr seid wieder hautnah dabei, wenn es heißt: "Krause kriegt sein erstes Zahnimplantat". Gestern wurden die Fäden gezogen. Aber dennoch habe ich den roten Faden nicht verloren: Ich nutze das als Anlass, noch einmal auf Redewendungen zu schauen.
 
Sie sind ja das Salz in der Suppe unserer Sprache. Und ihr Sinn ist uns meist sofort klar. Aber wie sind sie entstanden? Wo kommt beispielsweise der "rote Faden" her? Bei seiner Schöpfung hatte das Schicksal die Hand im Spiel. Oder, genau genommen, gleich drei Schicksalsgöttinnen. Sie spinnen sich sowohl durch die griechische, die römische und sogar die nordische Mythologie. Die erste webt unseren Lebensfaden, die zweite bestimmt unser Geschick und die dritte Göttin, rapp-zapp, durchtrennt am Ende den dann toten, bzw. roten Faden.
 
Unser Klassiker, Johann Wolfgang von Goethe, führte den roten Faden in die Literatur ein. 1809 schrieb er in den Wahlverwandtschaften: "Wir hören von einer besondern Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht." Da ist was dran! Denn englische Seefahrer webten tatsächlich einen roten Faden in ihre Taue und Seile ein. So konnte bei einem Diebstahl nachgewiesen werden, wem das Seil wirklich gehört.
 
Wie nützlich solch ein Faden ist, wusste vorher bereits Ariadne, die Tochter des Königs von Kreta. Sie verliebte sich in den heldenhaften Theseus, der sich bereit erklärt hatte, als Opfer für den Minotaurus zu dienen. Dieses Ungetüm lebte verborgen in einem Labyrinth, aus dem nie jemand herausfinden konnte. Um ihn ruhig zu stellen, wurde der Minotaurus regelmäßig mit Menschenopfern besänftigt. Theseus wollte dem Unsinn ein Ende bereiten. Ariadne stattete ihn dafür sowohl mit einem Schwert wie mit einem Fadenknäuel aus. Mit dem Schwert, rapp-zapp, erschlug Theseus das Untier, mit dem Faden fand er aus dem Labyrinth heraus. Seitdem wissen wir: Auch ohne Minotaurus und Schwert ist es wichtig, niemals den Faden zu verlieren!
 
Noch eine Zugabe. Als Motto für das Neue Jahr schenke ich Euch einen Spruch mit Potenzial zur Redewendung: Täglich schmunzeln statt kläglich verhunzeln!
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1027 vom 22. 12. 23

So kann man sich irren! Vor 110 Jahren, am 21. Dezember 1913 erschien in der "New York World" das erste Kreuzworträtsel. Der Zeitungsboss hatte seinen Redakteur Arthur Wynne damit beauftragt, sich einen netten Zeitvertreib für die Leserschaft an den bevorstehenden Weihnachtstagen auszudenken. Das Kreuzworträtsel kam so gut an, dass sein Urheber das Konzept urheberrechtlich schützen lassen oder per Patent sichern wollte. Aber der Herausgeber des Blattes hielt davon nichts: Das Kreuzworträtsel werde binnen kurzer Zeit sowieso wieder in der Versenkung verschwinden. 
 
Nichts da! Immer mehr amerikanische Zeitungen und Zeitschriften übernahmen die Idee, ganz Amerika verfiel dem Rätselfieber. Nur die ehrwürdige New York Times sträubte sich: "Fünf Millionen Stunden gehen dem amerikanischen Volk für einen läppischen und sinnlosen Zeitvertreib verloren." Erst 1930 gab die Redaktion ihren Widerstand auf, wohl auch, weil die Kreuzworträtsel inzwischen auch Europa erobert hatten. 
 
Gegenwärtig wird die Zahl der Menschen, die im deutschsprachigen Raum mehr oder weniger häufig ein Kreuzworträtsel lösen, auf 42 Millionen geschätzt. Auch ich gehöre dazu. Schließlich habe ich von wissenschaftlichen Studien erfahren, in denen nachgewiesen wurde, dass Denksportler sogar länger leben und im Kopf klar bleiben, weil sie geistig rege sind. 
 
Deshalb möchte ich heute etwas Gutes für Euch tun. Dazu müsst Ihr nur 1 waagerecht lösen: Welches Hilfsmittel mit 13 Buchstaben trägt seit fast drei Jahren bei täglichem Konsum dazu bei, das persönliche Wohlbefinden zu steigern? Richtig! Damit habt Ihr schon mal einen Tag hinzugewonnen! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1026 vom 21. 12. 23 

"Die schreckliche deutsche Sprache" unter der Lupe von Mark Twain ist noch eine zweite Schmunzelpost wert. Samuel Langhorn Clemens, so der richtige Name des Autors aus Connecticut, hat nicht nur Jugendbücher über Tom Saywer und Huckleberry Finn geschrieben, sondern war ein scharfzüngiger Kritiker von Rassismus und sozialen Missständen. "Amerikanischer Realismus" wird das literarische Genre genannt, in dem Mark Twain Verlogenheit und Heuchelei im Amerika seiner Zeit anprangerte.
 
Dass er bei alledem seinen Humor nie verlor und eine Neigung zur Satire hatte, zeigt auch sein Essay über unsere Sprache. So schwindelte er ein wenig, um den Deutschen ihre Vorliebe für ihr "schwerfälliges und furchtbares System, durcheinandergewürfelte zusammengesetzte Wörter anzuhäufen" vorzuhalten. Dabei hat er den Artikel einer Mannheimer Tageszeitung, den er genüsslich zitiert, wohl ein wenig bearbeitet:
 
"In der vorgesternkurznachelfuhr Nacht brannte das indieserstadtbefindliche Wirtshaus 'Zum Fuhrmann' ab. Als das Feuer das aufdemniederbrennendenhausruhende Storchnest erreicht, flogen die Storcheneltern fort. Doch al dasvondemwütendenfeuereingeschlossene Nest selbst Feuer fing, stürzte sich die raschzurückstürzenden Storchenmutter in die Flammen und starb, ihre Schwingen über die Jungen gebreitet."
 
Ich wusste gar nicht, dass das Vorbild der Bildzeitungs-Journalisten in Mannheim zuhause war. Mark Twain wohl auch nicht. Er stellt fest, dass das Pathos durch die "sperrige deutsche Bauweise" noch verstärkt wird. Und merkt lakonisch an: "Diese Meldung liegt einige Monate zurück. Ich hätte sie eher verwenden können, aber ich habe gewartet, ob ich etwas vom Storchenmann höre. Ich warte immer noch."
 
Und wenn er noch lebte, müsste er bis heute auch darauf warten, dass wir Deutschen unsere Vorliebe für Wortungetüme ablegen. Twain: "Einige deutsche Wörter sind so lang, dass sie in der Ferne verschwinden." Als Beispiele nennt er u.a. Stadtverordnetenversammlungen, Wiederherstellungsbestrebungen und Waffenstillstandsunterverhandlungen.
 
Der Freund kurzer Worte würde bestimmt im Grab rotieren, wenn er vom Rekordhalter im Guiness-Buch erführe: „Donaudampfschifffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunternehmenbeamtengesellschaft“.
2013 wurde zwar das 1999 erlassene Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz aufgehoben, aber mit 44 Buchstaben löste vermutlich auch das derzeit längste deutsche Wort im Duden bei Mark Twain einen Tinnitus aus:

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. 
 
Weil Twain nunmal zur Kürze neigt, komme ich zum Ende, obwohl es noch weitere interessante Passagen in seinen Ausführungen gibt. Nur eine Kleinigkeit noch. Mark Twain bedauerte, dass im Deutschen nicht herzhaft genug geflucht wird. Er hätte gern ein paar Kraftausdrücke aus dem Englischen bei uns eingeführt, "um damit zu fluchen und auch zur kraftvollen Beschreibung kraftvoller Vorgänge". 
 
So sagten deutsche Damen gern "Du liebe Güte!" Und glaubten, dass man anderswo auch so empfindsam sei: "Eine reizende alte Dame sagte zu einem entzückenden jungen amerikanischen Mädchen: 'Unsere beiden Sprachen sind sich doch sehr ähnlich. Wie angenehm das ist - wir sagen: "Ach, Gott!", und Sie sagen "Goddamn."'" 
 
Wenigstens in diesem Bereich haben wir Fortschritte gemacht: Bei den jüngeren Deutschen ist das herzhafte "Fuck!" dabei, dem "Mist!" den Rang abzulaufen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1025 vom 20. 12. 23

Unsere Sprache steht häufig im Fokus der Schmunzelpost. Nun ist mir ein Büchlein in die Hände gefallen, das einen Auszug eines Werkes von Mark Twain enthält, dase erstmals 1914 auf Deutsch erschien. Das Buch trug den Titel "Mit heiteren Augen", ein satirisches Kapitel darin heißt "Die schreckliche deutsche Sprache". 
 
 Die Begründung liefert der Autor selbst: "Meine Studien haben mich zu der Überzeugung geführt, dass ein begabter Mensch Englisch in dreißig Stunden, Französisisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren lernen kann." Aus persönlicher Sicht füge ich hinzu: "Und für Chinesisch würde mein ganzes Leben nicht ausreichen." Aber ich will nicht ablenken. Denn Mark Twain untermauert seine Meinung mit Argumenten. 
 
Ganz besonders stößt ihm auf, dass im Deutschen das allgemeingültige "the" gleich durch drei Artikel (der, die, das) verkompliziert wird, zumal deren Zuordnung zu Hauptwörtern sich oft nicht per Logik erschließen lasse. Wer genauer hinschaut, so Mark Twain, "wird erkennen, dass ein Mann in Deutschland zwar glauben mag, er sei ein Mann, aber sobald er sich die Sache genauer anschaut, werden ihm Zweifel kommen. Er stellt nämlich fest, dass er in Wahrheit ein höchst lächerliche Mischung ist." Der deutschen Frau ergehe es besser, aber: "Infolge eines Versehens des Erfinders der deutschen Sprache ist eine Frau im Deutschen tatsächlich weiblich; ein Eheweib aber ist es nicht - was schon arg bedauerlich ist." 
 
 Das Beugen von Eigenschaftswörtern verabscheut der Sprachkritiker zutiefst ("Fällt einem Deutschen ein Adjektiv in die Finger, dekliniert er es und dekliniert es so lange, bis aller gesunde Menschenverstand herausdekliniert ist."). Und den dritten Fall möchte er abschaffen. Desweiteren nerven ihn Schachtelsätze und die Neigung der Deutschen, Wörter zu Bandwürmern aneinander zu reihen. Auch der Hang, Verben durch Substantivierungen zu ersetzen, war Mark Twain ein Dorn im Auge. Ganz zu schweigen von der Verben-Spaltung in zwei Teile: 
 
 "Als die Koffer gepackt waren, REISTE er, nachdem er seine Mutter und seine Schwestern geküsst und noch einmal sein angebetetes Gretchen an sich gedrückt hatte, das, in schlichten weißen Musselin gehüllt und mit einer einzelnen Nachthyazinthe in ihrer üppigen braunen Haarpracht, kraftlos die Treppe herabgewankt war, immer noch bleich vor Entsetzen und der Aufregung des vorigen Abends, doch voller Sehnsucht, ihren armen schmerzenden Kopf noch einmal an die Brust jenes Mannes zu lehnen, den sie mehr als ihr eigenes Leben liebte, AB." (Ich fürchte, der Reisende aus Amerika hatte zuviel Thomas Mann gelesen). 
 
Aufgrund seiner Untersuchungen (auf die ich noch einmal zurückkommen werde), war für Mark Twain klar, dass die deutsche Sprache zurechtgestutzt und verbessert werden müsse. "Bliebe sie indes so, wie sie ist, sollte man sie behutsam und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen stellen, denn nur die Toten haben ausreichend Zeit, sie zu lernen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1024 vom 19. 12. 23

Bevor Ihr mir bohrende Fragen stellt: Es hat überhaupt nicht weh getan! Gestern ist das Fundament für mein erstes Zahn-Implantat gelegt worden. Anlass für mich, auch mal nach anderen Bohrlöchern zu schauen. 
 
Wie beim Sprung ins Weltall haben sich da die USA und die UdSSR ein Rennen geliefert. Während die Amerikaner jedoch in Oklahoma bei einer Tiefe von 9500 Metern aufgaben, trieben die Sowjets ihre 1970 auf Kola begonnene Bohrung immer weiter. Ziel war eine Tiefe von 15 000 Metern, bei 12 262 m war jedoch endgültig Schluss. Die Technik streikte, und die russische Regierung hatte keine Lust, noch weitere Millionen im Bohrloch verschwinden zu lassen. 
 
In der Tiefe war es unerwartet heiß. Dort herrschten Temperaturen von 205 Grad Celsius. Noch heißer ist es jedoch in Deutschlands tiefstem Bohrloch. Als östlich von Nürnberg 1994 die Rekordtiefe von 9101 Metern erreicht war, wurden dort 280 Grad Celsius gemessen. Wer nun die Frage nach dem Sinn solcher Forschungen stellt, der wird von Wissenschaftlern erfahren, dass sich dadurch allerlei wertvolle Erkenntnisse gewinnen lassen. 
 
Drei davon stammen aus Russland. In den tiefen Gesteinsschichten gemessene Geräusche ergaben konkrete Hinweise auf bevorstehende Erdbeben. In rund 6000 Meter Tiefe stieß man überraschend auf Gold, muss sich aber keine Sorgen um das Ausbrechen eines neuen Goldrausches machen - derzeit ist der Abbau noch unmöglich. Doch auch ein weiterer überraschender Fund ist von Bedeutung: Es stellte sich heraus, dass auch in großen Tiefen noch Grundwasser zirkuliert. 
 
Den meisten Wirbel löste jedoch eine Randerscheinung aus. In ca. 12 000 Meter Tiefe wurden eigenartige Geräusche registriert, die abergläubische Menschen als "menschliche Schreie aus Tausenden gequälten Kehlen" identifizierten. Waren die Forscher etwa bis an die Pforte von Satans Reich vorgedrungen, hatten sie die Hölle angebohrt? Entsprechende Mutmaßungen strahlte prompt der größte religiöse TV-Sender der USA aus. 
 
Das bekam Age Rendalen mit, ein norwegischer Lehrer, der 1989 durch Amerika reiste. Er beschloss, die Leichtgläubigkeiten von Medien und Menschen auf die Probe zu stellen, gab sich als Spezialist der norwegischen Regierung aus und veröffentlichte eine "Dokumentation", die er kräftig mit Fantasien ausschmückte. Danach sei zeitgleich mit den unheimlichen Geräuschen eine Säule aus leuchtendem phosphoreszierenden Gas an die Oberfläche gestiegen, in der eine fledermausähnliche Gestalt zu erkennen war. Der Bohrungsleiter sei jedoch durch Drohungen zum Schweigen gebracht worden. Sanitäter hätten zudem nach dem Vorfall Medikamente ausgeteilt, um das Kurzzeitgedächtnis von Augenzeugen zu löschen. 
 
Es kam, wie es kommen musste. Viele US-Zeitungen und zahlreiche Prediger gingen Rendalen auf den Leim. Was er jedoch nicht erwartet hatte: Selbst als er den Schwindel eingestand und dies von allen seriösen Medien publiziert worden war, kreiste die Lüge weiter und wird bis heute von Gläubigen als Tatsache weiter verbreitet. Auch vor Trump waren Fake-News offensichtlich attraktiver als die Wahrheit. 
 
Zurück nach Dorsten. Am Freitag werden die Fäden aus meinem Bohrloch gezogen. Falls der Kieferchirurg sich dabei ungeschickt anstellt und einen Nerv malträtiert, werde ich ihm in den Finger beißen. Mal sehen, ob der unmenschliche Schrei aus einer gequälten Kehle es bis ins amerikanische Fernsehen schafft. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1023 vom 18. 12. 23

Bevor Ihr mir bohrende Fragen stellt: Es hat überhaupt nicht weh getan! Gestern ist das Fundament für mein erstes Zahn-Implantat gelegt worden. Anlass für mich, auch mal nach anderen Bohrlöchern zu schauen. 
 
Wie beim Sprung ins Weltall haben sich da die USA und die UdSSR ein Rennen geliefert. Während die Amerikaner jedoch in Oklahoma bei einer Tiefe von 9500 Metern aufgaben, trieben die Sowjets ihre 1970 auf Kola begonnene Bohrung immer weiter. Ziel war eine Tiefe von 15 000 Metern, bei 12 262 m war jedoch endgültig Schluss. Die Technik streikte, und die russische Regierung hatte keine Lust, noch weitere Millionen im Bohrloch verschwinden zu lassen. 
 
In der Tiefe war es unerwartet heiß. Dort herrschten Temperaturen von 205 Grad Celsius. Noch heißer ist es jedoch in Deutschlands tiefstem Bohrloch. Als östlich von Nürnberg 1994 die Rekordtiefe von 9101 Metern erreicht war, wurden dort 280 Grad Celsius gemessen. Wer nun die Frage nach dem Sinn solcher Forschungen stellt, der wird von Wissenschaftlern erfahren, dass sich dadurch allerlei wertvolle Erkenntnisse gewinnen lassen. 
 
Drei davon stammen aus Russland. In den tiefen Gesteinsschichten gemessene Geräusche ergaben konkrete Hinweise auf bevorstehende Erdbeben. In rund 6000 Meter Tiefe stieß man überraschend auf Gold, muss sich aber keine Sorgen um das Ausbrechen eines neuen Goldrausches machen - derzeit ist der Abbau noch unmöglich. Doch auch ein weiterer überraschender Fund ist von Bedeutung: Es stellte sich heraus, dass auch in großen Tiefen noch Grundwasser zirkuliert. 
 
Den meisten Wirbel löste jedoch eine Randerscheinung aus. In ca. 12 000 Meter Tiefe wurden eigenartige Geräusche registriert, die abergläubische Menschen als "menschliche Schreie aus Tausenden gequälten Kehlen" identifizierten. Waren die Forscher etwa bis an die Pforte von Satans Reich vorgedrungen, hatten sie die Hölle angebohrt? Entsprechende Mutmaßungen strahlte prompt der größte religiöse TV-Sender der USA aus. 
 
Das bekam Age Rendalen mit, ein norwegischer Lehrer, der 1989 durch Amerika reiste. Er beschloss, die Leichtgläubigkeiten von Medien und Menschen auf die Probe zu stellen, gab sich als Spezialist der norwegischen Regierung aus und veröffentlichte eine "Dokumentation", die er kräftig mit Fantasien ausschmückte. Danach sei zeitgleich mit den unheimlichen Geräuschen eine Säule aus leuchtendem phosphoreszierenden Gas an die Oberfläche gestiegen, in der eine fledermausähnliche Gestalt zu erkennen war. Der Bohrungsleiter sei jedoch durch Drohungen zum Schweigen gebracht worden. Sanitäter hätten zudem nach dem Vorfall Medikamente ausgeteilt, um das Kurzzeitgedächtnis von Augenzeugen zu löschen. 
 
Es kam, wie es kommen musste. Viele US-Zeitungen und zahlreiche Prediger gingen Rendalen auf den Leim. Was er jedoch nicht erwartet hatte: Selbst als er den Schwindel eingestand und dies von allen seriösen Medien publiziert worden war, kreiste die Lüge weiter und wird bis heute von Gläubigen als Tatsache weiter verbreitet. Auch vor Trump waren Fake-News offensichtlich attraktiver als die Wahrheit. 
 
Zurück nach Dorsten. Am Freitag werden die Fäden aus meinem Bohrloch gezogen. Falls der Kieferchirurg sich dabei ungeschickt anstellt und einen Nerv malträtiert, werde ich ihm in den Finger beißen. Mal sehen, ob der unmenschliche Schrei aus einer gequälten Kehle es bis ins amerikanische Fernsehen schafft. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1022 vom 17. 12. 23

Liebe Kinder! Und alle, die im Herzen bis heute ein wenig Kind geblieben sind: Wisst Ihr noch? Damals? Es war einmal ein Land, in dem fast alles funktionierte. Wenn man nur eine Minute zu spät zur Haltestelle kam, war der Bus abgefahren. Oder der Zug am Bahnhof. "Fahrplanmäßig" lautet das Wort, das die Jüngeren unter uns nur von den Durchsagen mit Verspätungs-Hinweisen kennen und das sie vermutlich als grobgeschätzten, unverbindlichen Orientierungshinweis deuten. 
 
Gestern morgen las ich im Lokalteil der Zeitung die Meldung, dass sich Ausbesserungsarbeiten noch etwas länger hinziehen und eine Dorstener Brücke erst vier Monate später als geplant freigegeben werden kann. Wunderte mich das? Kein Stück! Eher hätte ich erwartet, dass es wahrscheinlich ein halbes Jahr länger dauern wird. Warten wir ab, das könnte sogar ungefähr hinkommen. 
 
Die Bauarbeiten an der am stärksten befahrenen Brücke der Stadt sind nach zwei Jahren immer noch nicht komplett abgeschlossen. Weil ein unkonzentrierter Schiffsführer nicht aufgepasst und einen Pfeiler gerammt hatte, musste die wichtigste Verkehrsader Dorstens jahrelang von vier auf zwei Fahrspuren verengt werden. Die Staus und der vermehrte Schadstoff-Ausstoß beim Stop-and-Go-Verkehr waren dann ein unfreiwilliger Beitrag unserer Stadt zum Klimawandel. 
 
Doch das Problem ist keineswegs hausgemacht. Wohin man auch schaut: Landauf, landab dauern viele Bauprojekte ewig und werden viel, viel teurer als gedacht. Ich sage nur: Berliner Flughafen und Stuttgarter Bahnhofsumbau. Dass dabei auch die Pünktlichkeit verloren ging, ist wohl eine unvermeidliche Begleiterscheinung. Ich kann mich aber noch gut daran erinnern, wie Reisende völlig ungläubig berichteten, dass es in einigen Teilen der Welt nicht mal einen Fahrplan gibt. 
 
Was kann uns aus diesem Dilemma heraushelfen? Wird es jemals wieder so wie früher? Oder wie heute noch in der Schweiz und in Japan? Seufzend gebe ich die Realo-Merkel: "Wir schaffen das nicht!" Zum Glück haben wir wenigstens den passenden Kanzler für diesen Zustand. Der kann zwar nichts am Status quo ändern, aber dafür mit ungebrochener Zuversicht in die Kamera lächeln und sagen: "Wir haben das Problem erkannt. Wir sind auf einem guten Weg, um es zu lösen. Spätestens 2030 wird es soweit sein." 
 
Das ist übrigens ein pragmatischer Einfall seiner Redenschreiber. So muss man nur ab und zu die Jahreszahl ändern und kann den gleichen Text immer wieder verwenden. "Den Klimawandel haben wir spätestens 2050 im Griff." Ich fürchte nur, 2080 hat seinerseits der Klimawandel uns so im Griff, dass niemand mehr in der Lage ist, derart gewagte Prognosen abzugeben. 
 
Aber gerade deshalb ist Scholz dennoch der ideale Kanzler für die missliche Lage. Wenn wir schon die Kurve nicht kriegen, dann sollten wir uns wenigstens mit etwas mehr Gelassenheit ins Unabänderliche fügen. Im Orient sagt man dazu: "Inch allah!" Und der Rheinländer übersetzt das ziemlich frei mit: "Et küt wie et küt!" Die Haltung, mit der wir dem Unvermeidlichen entgegen sehen sollten, nennt der Afrikaner "Hakuna matata". Ich schlage deshalb vor, dass Kanzler Olaf sich mit dem Affenkönig aus dem Dschungelbuch als Gesangsduo zusammen tut. Ihr Song wird dann nur neuen Nationalhymne: "Versuch's mal mit Gemütlichkeit..." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1021 vom 16. 12. 23 

Manchmal gibt es im Leben merkwüdige Zufälle. So ist es mir letzte Woche gegangen. Bei drei verschiedenen Gelegenheiten bin ich indirekt einem Mann begegnet, den ich seit meiner Jugend kannte, aber komplett unterschätzt habe. Die aktuellen Begegnungen erfolgten in Form von Weisheiten, Definitionen und Zitaten.
 
So hörte ich im Wartezimmer meiner Zahnärztin von einem anderen Patienten den Spruch: "Der Zahnarzt ist ein Mensch, der von der Hand in den Mund lebt." "Da ist was dran", applaudierte ich und fragte: "Sind Sie ein Philosoph?" Die ehrliche Antwort lautete: "Nein, ich bin bloß ein Patient mit Zahnweh. Das Zitat ist von ...."
Am gleichen Abend ging es in der Quizsendung "Wer weiß denn sowas" um die Ehe. Und Moderator Kai Pflaume merkte an: "Eigentlich ist Ehe bloß ein Abkürzung. Sie steht für 'Errare humanum est'." Und in das aufbrandende Gelächter fügte er hinzu: "Das stammt nicht von mir, das ist von ....." 
 
Später am Abend befasste sich eine Magazin-Sendung mit der Zukunft des Fernsehens. Und da war er wieder, der kluge Mann. Mit einem weiteren Spruch: "Das Fernsehen hat feste Regeln. In den Western gewinnen immer die Guten, bei den Nachrichten immer die Bösen." Das gab für mich endgültig den Ausschlag nachzusehen, was dieser große Philosoph des Zwanzigsten Jahrhunderts noch so alles von sich gegeben hat. 
 
Um wen es eigentlich geht? Um einen Journalisten, der zwölf Jahre lang Fernsehdirektor beim Bayerischen Rundfunk war. Im Gedächtnis geblieben ist er jedoch hauptsächlich als Moderator einer Quizsendung. Und wenn ich jetzt daraus seine Dauerfrage zitiere, wisst Ihr sofort, wer gemeint ist: "Welches Schweinderl hätten's denn gern?" Ja, genau, Robert Lembke. 
 
Der Besitzer eines Fox-Terriers hatte zu fast jeder Lebenslage einen passenden Satz parat. Hier eine kleine Auswahl:  "Am gerechtesten ist der Verstand verteilt auf der Welt. Denn jeder ist zufrieden mit dem, was er hat, und außerdem überzeugt, daß er mehr hat als die anderen." Wer will da widersprechen? Zur Frage, was Religion ist, wusste Lembke: "Die Versicherung im Diesseits gegen Feuer im Jenseits." Und für Vogel-, Reitsport- und Westernfreunde hatte er ein treffendes Bild auf Lager, woran man Wasservögel und geübte Reiter auch ohne Pferd erkennt: "Ein Schwan geht so, als ob er den ganzen Tag geritten wäre." Auch die Ärzte hat Lembke durchschaut: "Medizin ist eine Wissenschaft, die verhindern will, daß die Menschen eines natürlichen Todes sterben."
 
Der erfahrene Journalist kannte sich in allen Bereichen seines Genres aus. So auch zum Thema Klatsch: "Ich kenne eine Kollegin, deren Mund - offen gestanden - schon viel Unheil angerichtet hat." Auch zu aufdringlichen Boulevard-Reportern hatte Lembke eine Meinung: "Journalisten klopfen einem ständig auf die Schulter - auf der Suche nach der Stelle, wo das Messer am leichtesten eindringt." Die Sportreporter bekamen ebenso ihr Fett weg: "Eines der Probleme beim Fußball ist, daß die einzigen Leute, die wissen, wie man spielen müßte, auf der Pressetribüne sitzen." Aber auch sich selbst schonte er nicht. Wie war Lembke als Journalist? Er sagt: "Ein Mann, der die eine Hälfte des Lebens damit verbringt, über Dinge zu schreiben, von denen er nichts weiß und die andere Hälfte, nicht über Dinge zu schreiben, die er genau weiß." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1020 vom 15. 12. 23

Nun haben sie sich doch noch auf eine gemeinsame Abschlusserklärung geeinigt, die Teilnehmer der Weltklimakonferenz in den Arabischen Emiraten. Immer noch hält man daran fest, den weltweiten Temperatur-Anstieg auf 1,5 Grad Celsius begrenzen zu wollen. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass die Durchschnittstemperaturen bald um mindestens 2 Grad steigen werden - und ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht. 
 
Wer hat uns das eigentlich eingebrockt? Die Industriestaaten, die viel zu viel CO2 in die Atmosphäre pumpen? Die pupsenden Rinder, Schweine und Schafe, die auf diese Weise gegen die Massentierhaltung protestieren? Die uneigennützigen Landwirte, Viehzüchter und Geschäftemacher, die den Regenwald abholzen lassen, damit die Bodenbewohner dort endlich mal die Sonne sehen? Oder Uli Hoeneß, dessen knallroter Schädel nach jeder Bayern-Niederlage dermaßen glüht, dass die Erderwärmung prompt um weitere 0,1 Prozent zunimmt? 
 
Nein, verantwortlich dafür sind diese Eierköpfe, die sogenannten Wissenschaftler. Sie haben am 15. Dezember 1654 in Florenz damit begonnen, regelmäßig die Lufttemperatur zu messen. Bis dahin galt, was weise Bauern, fundamentale Christen, Donald Trump und die AdF bis heute glauben: Das Klima liegt allein in Gottes Hand. Gegen Hitze und Dauerregen, gegen Unwetter und Dürreperioden helfen lediglich Gebete. Und wenn der Allmächtige uns nicht sofort erhört, wird das schon seine Gründe haben. Geh in Dich, Schmunzelpostleser! Vielleicht war es gerade Dein sündiger Lebenswandel, der den Himmel erzürnt und die Flutkatastrophe im Ahrtal ausgelöst hat. 
 
Nun aber klammern wir uns an die Weissagungen von windigen Klimaforschern und trockenen Statistiken. Der rapide Temperaturanstieg mit all seinen Folgen soll plötzlich menschengemacht sein. Wo kommen wir denn hin, wenn wir plötzlich für unser Fehlverhalten einstehen und zur Eindämmung der Schäden persönliche Opfer bringen sollen? Inseln sind infolge von Sturmfluten doch schon immer untergegangen. Was ist denn das Absaufen von Samoa und Holland gegen den Untergang von Atlantis und das Auseinanderbrechen des Urkontinents Gondwana? 
 
Nein, nein, ich sage Euch, das einzig wirksame Rezept gegen die Klimakatastrophe ist ein zweites Vaterunser täglich. Aber bitte schön von jedem! Vielleicht lässt sich der liebe Gott dadurch bewegen, die Sonnenaktivitäten ein klein wenig zu verändern oder durch einen größeren Vulkanausbruch unsere Erd-Atmosphäre abzukühlen. Falls das nicht geschieht, haben wir uns die Suppe selbst eingebrockt. Mehr als die Hälfte der Deutschen gehören nicht mehr der Kirche an? Geht's noch? Da können wir froh sein, dass der Herr es nicht Heuschrecken regnen lässt oder statt der schwarzen Pest nur Corona die Welt heimsuchen lässt. 
 
Und überhaupt: Was ist daran schlecht, wenn der weltweit beste Wein 2080 am Südhang der Dorstener Hürfeldhalde angebaut wird? Na gut, dass die meisten US-Amerikaner dann wegen der Hitze nach Kanada geflüchtet sind, Deutschland ganz ohne Mitwirkung der Ampel völlig pleite ist und sich unseren Wein nur noch chinesische und grönländische Millionäre leisten können, ist nicht besonders erfreulich. Okay: Dann also vorsorglich drei Vaterunser täglich! 
 
Glückauf 
kdk 

  Schmunzelpost 1019 vom 14. 12. 23

Während ich dies schreibe, ist für mich heute. Lesen könnt Ihr die Schmunzelpost jedoch erst morgen - aus meiner Sicht morgen, aus Eurer Sicht natürlich heute. Aber auch der Anlass meines Beitrags erstreckte sich bis ins Morgengrauen: Am 13. Dezember 1902 hielt der SPD-Abgeordnete Otto Friedrich Wilhelm Antrick im Reichstag eine acht Stunden lange Rede, ganz so, als gäbe es kein Morgen mehr. 
 
„Für mich ist das kein Spaß, für mich ist das eine Anstrengung, aber ich erfülle hier meine Pflicht", sagte der Sozialdemokrat bereits einleitend, "ich werde – solange meine physischen Kräfte ausreichen – diese Stelle [das Rednerpult] nicht verlassen, Sie mögen machen, was Sie wollen.“ Dabei ging es aus heutiger Sicht gar nicht um existenzielle Fragen, sondern um eine Abstimmung über die Erhöhung von Getreidezöllen, die Antrick unbedingt verhindern wollte. 
 
Sein Beispiel hat in Parlamenten Schule gemacht. Aus taktischen Gründen harrten später viele weitere Politiker am Rednerpult aus, um ihre Widersacher zu entnerven oder missliebige Entscheidungen, wenn nicht zu verhindern, so doch mindestens hinauszuschieben. Die Taktik nennt man filibustern, die politische Quasselstrippe Filibuster. Das Wort hat eine längere Entstehungsgeschichte. Es wurde vom spanischen filibustero abgeleitet, was wiederum vom französischen flibustier abstammt. Doch auch die Franzosen hatten abgekupfert: Sie nahmen den niederländischen Vriybuiter als Vorbild, einen Piraten und Freibeuter, der im 17. und 18. Jahrhundert karibische Gewässer unsicher machte. 
 
Besonders beliebt war und ist das Filibustern in den USA, wo es den Senatoren im Parlament erlaubt ist, so lange wie sie wollen mit ununterbrochenem Redeschwall den Fortgang der Ereignisse zu lähmen. Sie müssen dabei nicht mal über das anstehende Thema reden, sondern können sich über alles verbreiten, was ihnen durch den Kopf geht. 
 
Rekordhalter ist bis heute Strom Thumond, Senator aus South Carolina. Er blockierte am 28. und 29. August 1957 die Bütt im Senat, weil er auf diese Weise ein Gesetz verhindern wollte, das es Afroamerikanern erleichtern sollte, ihr Wahlrecht wahrzunehmen. Dazu palaverte Thumond am Stück sage und schreibe 24 Stunden und 18 Minuten lang. Unter anderem verriet er dabei Kuchenrezepte seiner Großmutter. 
 
Thumond hatte sich auf seinen Auftritt gewissenhaft vorbereitet. Er war vorher in der Sauna gewesen, um durch Flüssigkeitsverlust Pinkelpausen möglichst vorzubeugen. Doch seine Helfer hatten auch für diesen Fall vorgesorgt. Sie hielten im Nebenraum einen Eimer bereit, damit der Senator mit einem Bein hinter dem Rednerpult stehen und gleichzeitig schwadronieren und sich erleichtern konnte. Er schaffte es zwar nicht,  auf diese Weise die Verabschiedung des Gesetzes zu verhindern, aber Strom Thumond wurde so zur Legende und blieb fast 50 Jahre im Senat. Schon lange vor Trump zeigte sich also, dass es in den USA auf der politischen Bühne nicht auf Inhalte ankommt, um bewundert und verehrt zu werden. 
 
Und wie erging es Otto Andrick? Auch er verfehlte sein Ziel. Denn die Mehrheit der Reichtagsmitglieder war ebenso ausdauernd wie der Sozialdemokrat und stimmte morgens um fünf Uhr früh am 14. Dezember 1902 dem Gesetzestext zu. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Kurze Zeit habe ich mich gefragt, ob man auch am PC filibustieren kann. Aber Ihr habt Glück. Ich muss dringend zur Toilette. Und leider steht niemand mit einem Eimer bereit.

 

 Schmunzelpost 1018 vom 13. 12. 23

Gestern hat ein Zeitungsbericht im Lokalteil schwarz auf weiß bestätigt, was ich seit langem vermutet habe. Wir Dorstener sind arm dran. Bei den 153 untersuchten deutschen Städten liegen wir einkommensmäßig deutlich unter dem Schnitt. Seitdem fühle ich mich wie eine Kirchenmaus. 
 
Na gut, wenn man genauer hinschaut, dann erkennt man, dass die Armut nur einen Teil der Bürger betrifft, die zumeist in bestimmten Vierteln leben. Es gibt sogar Quartiere, wo es den Dorstenern finanziell recht gut gehen soll. Und wenn man dann noch in andere Ecken der Welt blickt, wo in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas bitterste Not herrscht, dann sind selbst unsere Ärmsten noch nahezu auf Rosen gebettet. Aber auch mitten in Europa soll es krasse Fälle von Armut geben. Schauen wir nur nach Österreich, zu einem gewissen Herrn Benko. So ein trauriges Schicksal kann Milliardären blühen, wenn sie beim Jonglieren mit Millionen komplett die Übersicht verlieren!
 
Als Journalist bin ich gewohnt, ganz genau hinzusehen. So habe ich die Armutslandkarte unters Mikroskop gelegt und nachgeforscht, in welchem Winkel unserer Stadt Not und Elend am schlimmsten wüten. In den Fokus geriet recht schnell Maria Lindenhof. Und zwar, mit der schärfsten Linse betrachtet, punktgenau das Haus Im Werth 30. Ich habe ein Schälchen für Almosen vor die Tür gestellt. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1017 vom 12. 12. 23 

Nächste Woche gibt es ein neues Bohrloch. Nein, in Dorsten wird nicht nach Ölquellen gesucht. Auch geht es hier nicht um eine neue Wärmepumpe. Es handelt sich bloß um ein bescheidenes Loch von ein paar Zentimetern Tiefe: Ich soll mein erstes Zahn-Implantat bekommen. 
 
Implantate habe ich lange mit ganz anderen Körperregionen in Verbindung gebracht. Dabei hatte ich meist Brustvergrößerungen im Sinn. Aber mal ehrlich, was soll ich mit einem Atombusen? Nun stellt sich bei Schönheitsoperationen nicht immer die Sinnfrage. Zumindest offenbar nicht bei den meist weiblichen Auftragsgeberinnen. Wie sonst sind diese Fratzen zu erklären, mit denen sich Frauen mit aufgespritzten Lippen um den Titel "Miss Winterreifen" bewerben? 
 
Ja, schon klar, in den USA gelten riesige Brüste anscheinend als besonders attraktiv. Ich persönlich empfinde den Anblick eines künstlichen Monsterbusens eher als abstoßend. Und wer sich dennoch derart aufpumpen lässt, sollte zuvor bedenken, dass bei Milchkühen mit Riesen-Eutern die Lebenserwartung um rund die Hälfte verringert ist. 
 
Auch die Faltenbeseitigung, für die sich manche Frauen die Gesichtshaut bis zum Anschlag spannen lassen und danach keiner erkennbaren Regung mehr fähig sind, gehört für mich zu den modernen Mysterien. Glauben diese Unfallopfer wirklich, danach besser auszusehen? Ich muss mal bei Dagmar Berghoff nachfragen. Außerdem wird meist vergessen, dass Hals und Hände weiterhin das tatsächliche Alter verraten. Linda Evangelista, Demi Moore, Renee Zellweger und Dolly Parton sind wohl einige Opfer des Irrglaubens, dass man mit einer straffen Maske die Zahl der Lebensjahre verheimlichen kann. 
 
Bei mir hingegen hat das Implantat ganz andere Gründe. Mein Weisheitszahn wäre vermutlich auf Dauer nicht standfest genug, um als Brückenpfeiler zu fungieren. Daher raten Zahnärztin und Kieferchirurg dringend dazu, mir einen künstlichen Backenzahn einpflanzen zu lassen. Den werden Außenstehende ohnehin selten zu sehen bekommen. Aber ich erwäge Zugeständnisse an die auf Show-Effekte fixierte Welt: Womöglich werde ich auf dem Implantat eine Sonnenbrille eintätowieren lassen. Cool, was? 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 1016 vom 11. 12. 23 

Durch die Beschäftigung mit Eselsbrücken sind mir auch Binsenweisheiten begegnet. Laut dem Streiflicht der Süddeutschen Zeitung weiß jeder, dass Gebrauchsanweisungen von Natur aus unverständlich sind, weshalb niemand sie liest. Das mag ein bisschen übertrieben sein, aber es ist viel Wahres dran. Als Beweis zitiere ich heute ein paar Kostproben. 
 
Wer in der Vergangenheit versucht hat, ein Regal nach einer IKEA-Gebrauchsanleitung aufzubauen, der ahnt: Das kann eine echte Herausforderung werden. Aber ein Blumenschemel aus Holz? Kinderspiel! Es sei denn, der Übersetzer der Anleitung ist ein Verwandter von Giovanni Trappatoni. 
 
"Geehrter Kunde danke für ein Vertrauen und den Kauf. 
Fassen Sie zuerst die Verpackung an. Nehmen mit der Hand die Teile nach Plan A alle heraus. Legen Sie die Teile vor sich. Sie sehen die Teile jetzt alle. Ein Teil ist die Traversplatte von Blumenstuhl CORSO darauf stehen die Blüten aber erst wenn der Blumenstuhl CORSO ganz fertig ist. 

Sie nehmen mit der Hand die Traversplatte und legen die Traversplatte auf einen Tisch ein Fussboden wenn kein Tisch vorliegt darf genommen werden. Halten Sie die Traversplatte fest auf dem Tisch. Mit einer anderen Hand nehmen Sie den Mire und befestigen den Mire in der Mitte weil Sie mit der anderen Hand den Mire in die Mitte eindrücken. 
In der Mitte ist dazu ein Ausschleif. Mire passt exakt in den Ausschleif. Davor bekleben Sie den Mire von hinten mit dem beiseienden Tornado-Leim. Nur mit dem Tornado-Leim bleibt viel später der Mire in dem Ausschleif. Das ist nötig sonst verschwindet die Stabilität vom Blumenstuhl CORSO und die Traversplatte bricht bei viel Gewicht Blumen halb durch. Das wollen Sie nicht. 

Ist der Mire fest lassen Sie die andere Hand los. Und die erste Hand auch. Mit einer Hand nehmen Sie Plan B und sehen darauf.  Alle Bearbeitung die von hier beginnt sehen Sie nach dem Plan B. Nehmen Sie mit einer Hand den quadrate Klotz 1 an das erste Bein F1 und drücken mit einer zusätzlichen Hand in den Klotz bis er fest ist. Wenn der Klotz 1 fest ist gehen Sie mit der Hand von dem Klotz 1 und greifen damit das Bein F1. Die andere Hand lassen Sie los und nehmen damit den Tornado-Leim und bestreichen Tornado-Leim unter das Bein F1 auf die dünne Seite. Wenn Sie genug Tornado-Leim bestreicht haben drücken Sie fest das Bein F1 ganz sofort neben dem Klotz 1 in das Loch 1 auf der Traversplatte und wichtig ist so lange drücken bis es nicht mehr geht. (...) 

Mit Klotz 2 bis 4 und Bein F2 und F4 machen Sie es mit den Händen genau so wie beim Bein F1. Achten Sie darauf. Sie dürfen kein Vertauschen von den Beinen F1 bis F4 und Klotzen machen weil alle ein Winkel haben der für jeden F-Bein andere Richtung hat. Machen Sie einen Vertauschen dann steht der Blumenstuhl CORSO in Ihrem Haus schief auf dem Boden und wird instabile werden. Ihre Blumen fallen dann zum Boden oder den Blumenstuhl CORSO bleibt selbst nicht stehen." 
 
Das hat doch Hand und Fuß, oder? Vor allem Hand. Mustergültig sind auch die Warnungen. Hier noch ein paar kürzere Warnhinweise von anderen Herstellern, die Ihr unbedingt beherzigen solltet. Ein amerikanischer Tampon-Hersteller ermahnte seine Kundinnen: "Letzter Schritt: Ziehen Sie nach dem Einführen des Tampons Ihren Schlüpfer wieder hoch." 
 
Unbedingt befolgen sollten wir auch die Warnung eines Bügeleisenherstellers: "Kleidung nicht am Körper bügeln!" Und ein britischer Pharmakonzern von Hustensaft für Kleinkinder mahnt die Strampelhosen-Kundschaft: "Nach Genuss nicht ans Steuer setzen und Alkohol meiden." Also, hustendes Baby, lass Dein Bobbycar stehen! Und Finger weg vom Cognac! Ebenso lebensrettend kann der Hinweis auf einer Packung Angelhaken sein: "Herunterschlucken schädlich!" Aber verratet das nicht den Fischen! 
 
Von der Lektüre unzähliger Anleitungen inspiriert hänge ich eine Gebrauchsanweisung für das Lesen der Schmunzelpost an. Erster Schritt: Unbedingt vorher PC, Smartphone oder Handy einschalten! Zweiter Schritt: Den Text gründlich und mit großem Interesse komplett lesen. Dritter Schritt: Gelegentlich kichern und am Ende zufrieden schmunzeln. Vierter Schritt: Dem Verfasser ein Trinkgeld überweisen. Angemessen sind 100 bis 1000 Euro, je nach finanziellen Möglichkeiten. 
 
Da niemand eine Gebrauchsanweisung bis zum letzten Satz liest, sind meine Erwartungen recht gering. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Hier ist noch einmal der Hersteller des Blumenstuhls CORSO mit eine wichtige Information: "Alle Material von alle Teile sind von uns geprüft und haben viel Umweltschutz wie wir keine gefährlichen Farben mit petrochemischen Ingredienca verwendet haben. Der Tornado-Leim ist sehr gesund und auch nicht mit Chemie komponiert worden. Wir sind für Ihre Gesundheit." Es sei denn, der Stuhl kommt aus Italien und die Kunden-Information ist übersetzt von Giovanni Trappatoni. . .
 

Schmunzelpost 1015 vom 10. 12. 23

ls die jüngsten Ergebnisse der Pisa-Studie publik wurden, war ich entsetzt. Denn ich bin überzeugt: Korrekte Sprache erleichtert vernünftiges Denken. Lese- und Schreibkompetenz ist enorm wichtig. Für mich sind bis heute dazu Eselsbrücken ein wichtiges Hilfsmittel. Denn auch durch die Rechtschreibreform verwirrte Erwachsene weichen mitunter beim Schreiben und Sprechen vom richtigen Pfad ab. Deshalb gibt es heute eine kleine Auffrischungs-Lektion. Wahrlich, ich sage Euch: Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich!
 
Auf die Eselsbrücken kam ich, weil Axel Hacke in seiner aktuellen Kolumne eine gebrauchte, die ich bis dato nicht kannte: Wer "brauchen" ohne "zu" gebraucht, braucht "brauchen" gar nicht zu gebrauchen.  Auch den Spruch: Das "scheinbar" hört sich weinend, Du meinst gewiss "anscheinend", kannte ich bislang nicht, gebe ihn aber gerne weiter. Kaum ein anderes nur scheinbar gleichbedeutendes Wortpaar wird so oft falsch gebraucht. "Scheinbar" verwende ich, wenn etwas nur so scheint, aber tatsächlich nicht so ist. Bei "anscheinend" spricht dagegen viel dafür, dass es sich tatsächlich so verhält.

Mal was leichtes: Gar nicht wird gar nicht zusammen geschrieben. Einprägsam ist auch folgende Regel: Das "s" bei "das" muss einsam bleiben, kann man dafür "dieses" oder "jenes" schreiben. Die Aussage ist richtig, am Versmaß müssten die Verfasser noch arbeiten. Ebenso bei: Gehört seit zu seiner Zeit, sorg nicht mit "d" für Gemütlichkeit. Nicht viel besser klappt es mit: Wenn "wider" nur dagegen meint, dann ist das "e" damit stets Feind!

So, jetzt bitte auswendig lernen, morgen frage ich ab. Denn merke: Kennst Du für alles eine Brücke, dann hast Du nirgends eine Lücke. Doch ich muss hinzufügen: Das hilft bloß nicht, kommst Du aus Wesel, dann bleibst Du leider stets ein Esel.
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1014 vom 9. 12. 23

Wer? Ach ja, The Who! Früher war nicht alles besser, aber manches einfacher. Zum Beispiel die Namen meiner Lieblingsbands in den Hitparaden. Angefangen bei den Beatles und den Rolling Stones. Deren Name gehörte schon zu den komplizierteren und war abgeleitet von einer Muddy-Waters-Songzeile. Ein "Rolling Stone" ist ein Wanderarbeiter, ein heimatloser Tagelöhner. 
 
Die meisten anderen Gruppen liebten es schlichter: The Doors, The Byrds, The Monkees, The Kinks, The Hollies, The Animals oder in Deutschland The Rattles und The Lords. Na gut, es gab es auch Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich und Creedence Clearwater Revival. Aber das waren in den Anfangsjahren eher die Ausnahmen. 
 
Und heute? Heute habe ich längst den Überblick verloren. Die Rockmusik hat sich in eine Vielzahl von Richtungen entwickelt. Da gibt es Pop, Rap, Techno, Blues, Reggae, Punk, Gothic, Heavy Metal, Deathmetal, Indie, Hard-Rock, Deutschrock, Jazzrock, Folkrock, Funk, Soul, Country, Rock 'n Roll, R & B und, und, und. Eines haben fast alle gemeinsam: Der Einfallsreichtum bei der Namenswahl für die Gruppe ist ungleich größer als früher. In Sachen Fantasie möchte sich wohl niemand vorwerfen lassen, zu den Toten Hosen zu gehören. 
 
Mitunter kommt es vor, dass die Bandbezeichnung origineller ist als die Musik. Das gilt wohl nicht für die "Einstürzenden Neubauten". Aber bei Gruppen wie "Die zwangsversteigerten Doppelhaushälften" oder "Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs" oder "Hirsche nicht aufs Sofa" müssen die Musiker sich mächtig anstrengen, um die Nonsens-Erwartungen des Publikums zu erfüllen. Mein deutscher Namens-Favorit sind die "U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern" (Bevor Deutschlehrer sich bei mir melden: Die schreiben sich wirklich so!). Gestern hat übrigens die Kommission für das deutsche Wort des Jahres 2023 als Nummer eins einen Begriff publiziert, der sich auch gut als Bandname eignen würde: "Krisenmodus".
 
Nun schauen wir noch kurz nach Amerika. "Mr. Mister" klingt vergleichsweise normal, auch "The Dead Milkman" ist noch im Rahmen. Schwieriger wird's mit "Enuff Z'Nuff". Und auf keinen Fall ansagen möchte ich "Paracoccidiodomicosisproctitissarcumcosis". Dass ein origineller Name nicht unbedingt fröhlich macht, sondern in die Verzweiflung treiben kann. musste das Rock-Trio "Honolulu Mountain Doffodils" erfahren. Zwei Bandmitglieder starben an den Folgen ihres Alkoholismus, der dritte Mann brachte sich um. 
 
Zum Schluss noch ein Bandname, bei dem ich lange überlegt habe, wie er wohl ausgesprochen wird. Die Gruppe heißt "!!!". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Aufwändige Recherchen im Netz ergaben: !!! spricht sich Chk - Chk - Chk. 

 

Schmunzelpost 1013 vom 8. 12. 23

Dunkelste Nacht. Letzte Nebelschwaden wallen, es wird immer frostiger. Da ist es gut, im warmen Zimmer am PC zu sitzen. Doch auf einmal hallt ein markerschütternder Schrei durchs Haus, ein Geräusch, wie ich es nie zuvor vernommen habe. Kurz darauf folgt ein dumpfes "Gong". Dann ertönt der Schrei ein zweites Mal. Der schnelle Blick auf die Uhr zeigt: Mitternacht ist erst in 45 Minuten, mit der Geisterstunde hat das nichts zu tun. Einbrecher? Die würden doch nicht mit solchem Lärm auf sich aufmerksam machen. 
 
Als erfahrener Katzenfreund komme ich auf die Lösung, bevor ich die Treppe hinunter geeilt bin. Das muss der Kater gewesen sein. Bereits vier Generationen vor ihm hatten ähnlich durchdringende Töne auf Lager. Aber diese ganz spezielle nervenzerfetzende Variante hörte ich zum ersten Mal. Kaum zu glauben, dass unser Kater, der sonst mit Piepsen und Krähen kommuniziert, so etwas hervorbringen kann. 
 
Eigentlich ist Milly ein Schisshase. Draußen ergreift er die Flucht, sobald ein Zwergpinscher kläfft. Und auch Keilereien mit anderen Katern, die seine Vorgänger nie vermieden haben, wie ihre heldenhaft ertragenen Macken und Wunden dokumentierten, geht er aus dem Wege. Was Milly aber gar nicht leiden kann, ist, wenn sich ein fremder Kater in "seinem" Garten tummelt, den er sonst tagsüber bei möglichst trockenem und warmen Wetter gern durchstöbert. Den betrachtet er wohl neben unserer Wohnung als sein persönliches Revier. 
 
Und da kommt nun seit ein paar Tagen dieser anmaßende Frechling daher. Ein sehr hübscher roter Kater mit buschigem Schwanz und einem Kopf, der um einiges dicker ist, als Milly ihn vorweisen kann. Und auch vom Charakter scheint der Eindringling ein Dickkopf zu sein. Er setzt sich draußen vor das Terrassenfenster und peilt mittlerweile stundenlang in unsere Wohnung. Schweigend genießt er offenbar das Unterhaltungsprogramm, das Milly ihm bietet. 
 
 Mit der trennenden Glasscheibe zwischen sich und dem Rivalen wird unser Kater nämlich mutig. Er tigert aufgeregt hin und her, dann stimmt er seinen Drohgesang an und springt anschließend gegen das Fenster, wohl wissend, dass er mit seinem Feind nicht in Kontakt kommt. Diese Tobsuchtsnummer kann sich hinziehen, bis Milly irgendwann die Puste ausgeht und er sich ermattet niederlässt. Das ist für den roten Besucher dann das Signal, sich vorerst zu verabschieden. Doch wenn er Lust auf eine zweite Vorstellung hat, kommt er nach einer Stunde nochmal vorbei. 
 
Das Geräusch, das Milly hervorbringt, ist wirklich unbeschreiblich. Wer glaubt, das Schlimmste was er je gehört hat, sei der Gesang des Partners unter der Dusche oder der "Flippers" auf der Bühne gewesen, der muss sich eines Besseren belehren lassen. Ich überlege nun, das Gekreische aufzunehmen, den Originalton mit einem Bewegungsmelder zu koppeln und als Alarmanlage zu verkaufen. Das schlägt garantiert jeden Einbrecher in die Flucht - es sei denn, es handelt sich um einen roten Kater. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1012 vom 7. 12. 23

An einem Tag im Jahr lohnt es sich besonders, auf großem Fuß zu leben. Je mehr Volumen so ein Humangehwerkzeugschutzbehälter hat, umso größer die Menge an Süßigkeiten oder Geschenken, die darin verstaut werden können. Ich war und bin arm dran. Meine Füße waren stets relativ klein. Selbst als Erwachsener bin ich nie über Schuhgröße 41 hinausgewachsen. 
 
Schuhgrößen richten sich nach der Länge des Fusses. An der Spitze sollte man noch 15 mm Luft lassen. Die deutsche Schuhgrößentabelle reicht von einer Fußlänge von 22 cm (Schuhgröße 34 2/3) bis 32 cm, was Schuhgröße 50 entspricht. Aber als wäre das Leben nicht auch so schon kompliziert genug, gibt es auch abweichende Größensysteme. Meine guter deutscher 41er-Fuß hätte in England die Größe 7 1/2 und in den USA 10. Ich muss also aufpassen, wo ich reintrete. 
 
Natürlich gibt es Menschen, die mächtigere Quanten haben. Für die müssen Spezialanfertigungen her. Die meiste Arbeit hatten die Schuhmacher mit Jelson Rodriguez. Der 2,20 m große Hüne aus Venezuela kann links einen Fuß mit einer Länge von 39,6 cm vorweisen, sein rechter Fuß ist sogar 40,1 cm lang. Er benötigt daher nach deutscher Norm die Schuhgröße 66. 
 
Dagegen muten die größten Frauenfüße geradezu zierlich an. Tanya Herbert aus Texas, 2,05 m groß, kommt auf eine Fußlänge von 33 cm. Das entspricht Schuhgröße 51. Mit ihren nackten Füßen könnte die Frau sogar gute Geschäfte machen. Fetischisten aus aller Welt bieten ihr viel Geld für Fotos der unbekleideten Haxen. Aber bisher hat ihnen Tanya nicht einmal die große Zehe gezeigt. 
 
Wer nun mit dem Gedanken spielt, Frau Herbert einen Schuh abzukaufen, um künftig bei der Bescherung richtig abzusahnen, der sollte nach lohnenderen Objekten Ausschau halten. Ich habe gründlich recherchiert. Und ich bin fündig geworden: Die amerikanische Freiheitsstatue hat Schuhgröße 1200. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nicht, dass Ihr auf dumme Gedanken kommt: Ich bin an Schuhen nicht interessiert. Ich stelle lieber ein Weinfass vor meine Tür. 
 
PPS. Als Nachtrag zur gestrigen nikolausigen Schmunzelpost hat Martin mit einem Namenstag-Geschenk für mich die Zahl der Nikolaus-Legenden um eine weitere ergänzt: 
WIE DER ENGEL AUF DIE CHRISTBAUMSPITZE KAM - Auf vielen Weihnachtsbäumen steckt obendrauf ein Engel, aber warum? Einst kam St. Nikolaus abends am 5.12. nach Hause, nachdem er durch Millionen von Kaminen gefahren war und tonnenweise Geschenke verteilt hatte. Er freute sich auf ein Pülleken Bier, Füße hoch, Fernsehen an! Als er gerade drei Minuten saß, klingelte es. Entnervt öffnete der gestresste Nikolaus - draußen stand ein kleiner Engel mit einem geschmückten Tannenbaum und flötete: "Liiieber Nikolaus, ist das nicht ein schöner Abend, jetzt beginnt die Vorweihnachtszeit, ich bringe dir deshalb diesen hübschen Baum!" Da brüllte Nikolaus: "Weißt du, wohin du dir den Baum stecken kannst?" - Und so kam der Engel auf die Christbaumspitze.....!
 

 Schmunzelpost 1011 vom 6. 12. 23

Als evangelisch getauftes Kind war ich nur einmal im Jahr neidisch auf meinen katholischen Spielgefährten: Wenn er Geschenke zum Namenstag bekam. Doch ein Klaus kam in der Namensliste der Heiligen ohnehin nicht vor. Es sei denn, eine Herleitung von "Nikolaus" wäre zulässig gewesen. Aber wahrscheinlich hätte mir das sowieso nicht mehr eingebracht als die Nüsse, die Plätzchen und das Obst, das ich ohnehin am Morgen des Nikolaustages in meinem Schuh fand. 
 
Wusstet Ihr, dass der Name vom griechischen Nikolaos abgeleitet ist? Jetzt wisst Ihr es. Und noch mehr: Übersetzt bedeutet das "Sieg des Volkes", kann aber auch als Volksmenge oder Kriegsvolk übersetzt werden. Der Heilige Nikolaus ist übrigens eine gespaltene Persönlichkeit. Denn er setzt sich aus den Legenden über zwei verschiedene Wundertäter zusammen: Dem Bischof von Myra in Lykien, der im 4. Jahrhundert wirkte und dem Abt von Sion bei Pinora, der ca. 200 Jahre später lebte. 
 
Ein wenig geografische und historische Nachhilfe: Die Stadt Myra heißt heute Demre und lag in Lykien, genau wie der Ort Pinora, jetzt Minare bei Fethy. Lykien ist ein Landstrich im Südwesten Kleinasiens, der früher zum byzantinischen Reich gehörte und mittlerweile in der Türkei zu finden ist. Der Touristenmagnet Antalya ist nur rund 100 km von Myra entfernt. 
 
Zurück zum doppelten Nikolaus. Wegen seiner Wohltaten und der zahlreichen ihm zugeschriebenen Wunder, wurde er in der orthodoxen Kirche des Ostens zum zweitwichtigsten Heiligen gleich hinter Maria. So erstaunt es nicht, dass sich gleich zwei Zaren und fünf Päpste mit seinem Namen schmückten. Aber auch in anderen Berufen konnte man als Nikolaus Karriere machen, wie der Sternengucker Kopernikus beweist. 
 
In der Schweiz und in Österreich steht der Vorname immer noch hoch im Kurs. 2020 gab es in der Schweiz 1029 Männer, die sich am 6. Dezember nicht verstellen mussten. In Österreich lag der Name Nikolaus mit 2268 Vergaben bis 2020 auf Rang 105 der Hitliste, bevor er aus unerklärlichen Gründen auf Platz 210 absackte. Und in Deutschland? Da tauften zwischen 2010 und 2021 lediglich 100 Eltern ihren Knaben auf den Namen Nikolaus. 
 
Im gleichen Zeitraum entschieden sich aber bloß 30 Eltern für den schönen Doppelnamen Klaus-Dieter. Dabei hätten noch viel mehr für ihren Sprößling zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen sollen. "Klaus" ist von Nikolaus abgeleitet, und "Dieter" stammt aus dem Germanischen und bedeutet "der Sieger aus dem Volk". Kann man den Charakter eines zweigeteilten wunderwirkenden Heiligen besser in einer Person vereinen? 
 
Glückauf 
Klaus-Dieter Krause 

 Schmunzelpost 1010 vom 5. 12. 23

An die Hexen und Hexer in meiner Leserschaft: Heute gedenken wir eines der unheilvollsten Ereignisse in Eurer Berufsgeschichte. An die Kramers in meiner Leserschaft: Schämt Euch für den womöglich schlimmsten Vorfahren in Eurem Stammbaum! Am 5. Dezember 1484 gingen Fanatismus und Dummheit eine unheilige Allianz ein und bekamen dazu den Segen des Papstes. 

Heinrich Kramer fühlte sich als wackerer Kämpfer gegen das Böse in der Welt zum Inquisitor berufen und tat alles, was in seiner Macht stand, um das Unheil einzudämmen. Denn Kramer war überzeugt, dass es im Herzen Europas von Hexen nur so wimmelte, die überall Chaos säten. Da traf es ihn ins Mark, dass ausgerechnet örtliche Vertreter der Kirche ihn dabei bremsten, das Übel mit Stumpf und Stiel auszurotten. Daher wandte sich der unerschrockene Streiter des Himmels an den Papst persönlich. Und zwar mit der Bitte, ein klares Wort zu sprechen und ihn bei seinem Feldzug gegen die Kräfte der Hölle zu unterstützen. 
 
Am 5. Dezember 1484 tat der Papst ihm diesen Gefallen. Die Kirche verbreitete die Bulle "Summis desiderantes". Darin wurde die Existenz der bösärtigen Kreaturen ausdrücklich bestätigt. Hexen und Hexer "schrecken auf Veranlassung des Feindes der Menschheit nicht davor zurück, die faulsten Gräueltaten und schmutzigsten Exzesse zu begehen". Und der Papst warnte die Bischöfe eindringlich davor, sich gegen Kramers heilige Mission zu stellen. Sonst müssten sie mit "Exkommunikation, Suspendierung, einem Bannbrief und noch anderen schrecklicheren Urteilen, Rügen und Strafen" rechnen. 
 
Unser Inquisitor, ein glühender Frauenhasser, war von diesem Machtwort begeistert und fühlte sich ermuntert, noch einmal nachzulegen. Er verfasste einen Leitfaden, damit auch andere die meist weiblichen Dienerinnen Satans identifizieren, foltern und töten konnten. 1487 erschien der "Hexenhammer" und wurde durch die gerade  erfundene Kunst des Buchdrucks zu einem der ersten und langlebigsten Bestseller. Darin las man nicht nur konkrete Handlungsanweisungen, sondern wurde auch über die Hintergründe aufgeklärt: "Alle Hexenkunst kommt von der Fleischeslust, die bei Frauen unersättlich ist. (...) Hexen sind dazu in der Lage, den männlichen Gebrauch jedes Gliedes zu verderben." 
 
Da so etwas auch von den Kirchenkanzeln gepredigt wurde, stand der Hexenhammer jahrhundertelang hoch im Kurs und trug wesentlich dazu bei, dass der Hexenwahn Abertausende unschuldiger Menschen das Leben kostete. Und jede Ausgabe des blutgetränkten Buches enthielt der Text der "Hexenbulle" und die Billigung des Papstes für "unseren geliebten Sohn" Heinrich Kramer. 
 
Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass eine Religion, die Nächstenliebe predigt, nicht davor gefeit ist, komplett missbraucht zu werden. Denn auch die höchsten Diener der Kirche sind nur schwache Menschen, und "der Wille Gottes", den sie umsetzen sollten, spiegelte allzuoft nur menschliche Interessen, Irrtümer und Böswilligkeiten wider. Als Randnotiz bleibt, auf den Namen dieses Papstes hinzuweisen. Die Bulle stammt von seiner Heiligkeit Innozenz VIII. Und Innozenz steht für Unschuld. Deshalb ist mein Schmunzeln heute schwarz gefärbt. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1009 vom 4. 12. 23

Na, habt Ihr am 1. Advent an Weihnachten gedacht und Euch auf den Festtagschmaus gefreut? Dabei solltet ihr jedoch darauf achten, wer zur Feier des Tages eingeladen hat und was da so alles auf den Teller kommt. Als Warnung dient das nächste Beispiel aus unserer Schurken-Galerie. 
 
Zugegeben, unter den größenwahnsinnigen Tyrannen und mörderischen Diktatoren der Weltgeschichte spielte Jean Bedel Bokassa nicht in der Ersten Liga. Aber für einen Spitzenplatz in der Zweiten Liga hat es auf jeden Fall gereicht. Das belegt allein ein Rückblick auf den 4. Dezember 1977. Auf den Tag genau vor 46 Jahren ließ sich der Mann, der zuvor des Kannibalismus beschuldigt worden war, zum Kaiser der Zentralafrikanischen Republik krönen, die er danach in Zentralafrikanisches Kaiserreich umbenannte. 
 
Bokassas großes Idol war Napoleon. Fatal für seine Untertanen, denn Bokassa strebte deshalb eine prunkvolle Zeremonie an, die der seines erklärten Vorbild 150 Jahre zuvor in nichts nachstand. Was dazu führte, dass dafür ein Viertel des gesamten Jahreseinkommens seiner Nation ausgegeben wurden. 
 
Davon profitierte vor allem Frankreich. La grande Nation hatte dem Diktator und seinem brutalen Regime beim Staatsstreich 1966 geholfen, an die Macht zu gelangen. Nun bedankte sich Bokassa, indem er für Unsummen Requisiten für seine Krönung in Frankreich bestellte. Das begann mit einem Auftrag für den Bildhauer Olivier Brice. Der fertigte für die künftige Majestät einen gewaltigen, zwei Tonnen schweren vergoldeten Thron an. 
 
Auch der prunkvolle Streitwagen, der den Potentaten und seine Lieblingsfrau im Stil eines Römischen Kaisers zum Krönungsakt bringen sollte, wurde in Frankreich hergestellt. Und Dutzende von Soldaten, die bei dem Triumphzug den Herrscher als "französische Husaren" begleiteten, wurden zuvor in der Normandie ausgebildet. Denn das Töten gehört zu den Fertigkeiten, die man als Rekrut in Afrika lernt, nicht aber das Reiten. 
 
Bevor sich der Zug an einem glutheißen Tag in Bewegung setzte, ließ Bokassa seine Gäste erstmal in der Sonne schmoren. Dafür wurden sie dann durch einen besonderen Anblick entschädigt. Denn seine Kaiserliche Hoheit hatte sein Kostüm von der gleichen Firma entwerfen lassen, die seinerzeit Napoleon eingekleidet hatte. Bokassa trug eine bodenlange Toga, die von Zehntausenden winzigen Perlen geschmückt wurde. Darüber einen neun Meter langen Mantel aus purpurrotem Samt, goldbestickt und mit Hermelin gesäumt. Ich hoffe, Bokassa hat in seiner Sauna-Kluft wenigstens ordentlich geschwitzt. Den Kopf des Pfaus in Menschengestalt zierte ein Kranz aus goldenem Lorbeer. Dieses grandiose Schmuckstück hatte natürlich ein Franzose geschaffen, der Juwelier Arthus Bertrand. 
 
Bokassa musste aber auch Rückschlage verkraften. Eigentlich hatte er gehofft, dass Papst Paul VI. bei der Zeremonie dabei gewesen wäre. Wie Napoleon wollte Bokassa sich zwar selbst krönen, aber ebenso wie bei dem Korsen sollte das Oberhaupt der katholischen Kirche wenigstens als Zeuge dabei sein. Doch der Papst lehnte die ehrenvolle Einladung ab. Genauso wie die Präsidenten vieler Länder, auch aus Afrika. Bokassa kannte aber den Grund: "Sie waren neidisch, weil ich ein Kaiserreich hatte, sie aber nicht", sagte er später. 
 
Nach der Krönung wurden die Gäste zur Festtafel gebracht. Und zwar mit einer Flotte von 60 nagelneuen Mercedes-Benz-Karossen, die Bokassa eigens für diesen Zweck importiert hatte. So profitierte neben Frankreich auch Deutschland von dem unvergesslichen Festakt. Die hungernde Bevölkerung war zwar weniger begeistert, aber die geladenen Gäste genossen anschließend ein üppiges Mahl mit Bergen von Kaviar und Strömen besten französischen Champagners. 
 
Dazu gab es weitere ausgesuchte Delikatessen. Und nachdem sich die Gäste satt gegessen hatten, beugte sich der Kaiser hinab und flüsterte dem französischen Minister Robert Galley ins Ohr: "Sie haben es sicher nicht bemerkt, aber Sie haben gerade Menschenfleisch gegessen." 
 
Mahlzeit! 
kdk  

 Schmunzelpost 1008 vom 3. 12. 23

Die Maßgabe "In der Kürze liegt die Würze" gehört nicht zu meinen bevorzugten Maximen. Das weiß die treue Schmunzelpost-Leserschaft aus langjähriger Erfahrung. Heute aber mache ich eine Ausnahme. IMHO: AAMOF, dass viele AFAP heutzutage so schreiben, weil sie glauben, dass auch der DAU es kapiert. 2F4U? 2L8! 
 
 Denn heute, am 3. Dezember, jährt sich zum 31. Mal der unheilvolle Tag, an dem Neil Papwords die erste SMS der Welt versandte. Er sollte damit nicht lange allein bleiben. Und so kam eine üble Entwicklung in Gang, die dazu führte, dass maulfaule und schreiblahme Menschen sich hauptsächlich ins Handy starrend und tippend mit Abkürzungen unterhalten. MUSEN ist das eine Katastrophe! Und falls die digitalen Steinzeitler unter Euch (wie ich vor ein paar Minuten) auch nicht wissen, was sich hinter den Kürzeln verbirgt, dann sage ich ihnen: LMGTFY! 
 
Hier sind die Übersetzungen: 
IMHO - "In my humle oponion" = Meiner unmaßgeblichen Meinung nach 
AAMOF - "As a matter of fact" = Tatsache ist 
AFAP - "As far as possible" = soweit möglich 
DAU - "Dümmster anzunehmende User" 
2F4U - "Too fast for you" = Zu schnell für Dich 
2L8 - "Too late" = Zu spät 
MUSEN - Meinem unmaßgeblichen Sprachempfinden nach 
LMGTFY - "Let me google that for you" = Ich google das jetzt mal für Dich. Nutz beim nächsten Mal einfach die Suchmaschine, bevor Du mich fragst! 
 
XOXO 
kdk 
 
PS. In der Hoffnung, dass Ihr über diesen Beitrag nicht nur schmunzelt, sondern LOL. Oder, besser noch LMFAO. Oder am besten ROTFLBTC.   

 

Schmunzelpost 1007 vom 2. 12. 23 


Gestern beschäftigten wir uns mit dem üblen Ruf von Hyänen. Zu dessen Verbreitung haben neben Alfred Brehm auch Ernest Hemingway und Theodor Roosevelt beigetragen. Der Präsident der USA hielt eine private Menagerie, in der auch eine Hyäne untergebracht war, die er auf den Namen "Bill' getauft hatte. Mit Bills Ur-ur-ur-urenkel habe ich Kontakt aufgenommen. Und er hat höhnisch gelacht, als er hörte, was über ihn und seine Artgenossen gesagt wird. Hier ist seine Stellungnahme:
 
"Hallo, Leute! Zunächst mal sollt Ihr etwas über die Typen erfahren, die uns verleumdet haben. Was Roosevelt am besten über Tiere wusste, war die passende Waffe, um unterschiedliche Arten zu erlegen. Er liebte die Großwildjagd und benutzte für die zahlreichen Elefanten, Kaffernbüffel und Nashörner, die er aus sicherer Entfernung erschossen hat, am liebsten seine Doppelbüchse, die heute im Museum ausgestellt ist. Den Spitznamen "Teddy" erhielt Roosevelt übrigens, weil er überaus großzügig einem Bärenkind das Leben schenkte, dessen Mutter er vorher abgeknallt hatte.
 
Noch eine Nummer übler war Ernest Hemingway. Beim Abmurksen von Tieren erfüllte ihn nach eigenen Aussagen ein starkes, männliches Glück. Eine Bestätigung des Maskulinen erfuhr er vor allem bei der Großwildjagd, beim Stierkampf oder beim Fischen von riesigen Marlins. Aber auch Boxkämpfe oder Kriege empfand er mit existenzieller Intensität. Hemingway protzte in einem Brief damit, dass er in beiden Weltkriegen insgesamt 122 Deutsche getötet habe, was wohl stark übertrieben war. 
 
Erst beim Töten erglänzte jedoch für ihn die Identität eines wahren Mannes. Für diesen tollen Kerl galt sein Gewehr als die "glatte, braune Geliebte." Zumindest konsequent, dass er mit dieser Geliebten seinem Leben ein Ende setzte. Soviel zu den beiden Männern, die uns Hyänen eine besondere Mordlust unterstellten.
 
Andere rümpfen über uns die Nase, weil wir kein Aas verschmähen. Was soll ich dazu sagen? Der Hunger treibt es rein. Leute, die ihr Schlachtvieh von anderen töten und sich verzehrbereit servieren lassen, können das vermutlich nicht nachvollziehen. Aber die Natur hat uns eigens mit einem extra starken Gebiss ausgestattet, das auch Knochen knackt. Und zudem mit einer Magensäure gesegnet, die alles zersetzt und dabei auch noch Krankheitserreger unschädlich macht. Übrigens waren Eure Vorfahren einst Konkurrenten beim Kampf ums Aas. Als die Primaten den Wald verlassen hatten, richteten sie sich auch deshalb auf, um in der Savanne Nahrhaftes aus der Ferne entdecken zu können.
 
Und außerdem: Seid doch froh, dass wir zusammen mit Ameisen, Geiern und Rabenvögeln als Reinigungsdienst der Natur unterwegs sind. Sonst würden Leichname überall langsam verwesen und mit Gestank und Keimen die Welt verpesten. Nebenbei bemerkt: Den größten Teil unserer Nahrung haben wir ohnehin selbst gejagt und erlegt. Das Gerede von unserer Feigheit ist Quatsch. Klar stellen wir uns nicht fünf Mal größeren und stärkeren Tieren zum Einzel-Duell. Dann wäre wir ja schön blöd. Ihr fordert Mike Tyson auch nicht zum Boxkampf heraus.
 
Aber was Löwen angeht, müssen sie sich vor uns in Acht nehmen. Erwischen wir sie allein, dann haben sie keine Chance. Wir umstellen sie und attackieren sie solange von allen Seiten, bis sie entkräftet eine leichte Beute für uns sind. Damit revanchieren wir uns aber lediglich. Denn das faule Pack wartet oft darauf, bis wir bei der Jagd erfolgreich waren und rückt dann im Rudel an, um uns unser sauer verdientes Fressen abzunehmen.
 
Ach ja, einer fehlt noch bei meiner Korrektur: Euer großer Tierexperte Alfred Brehm. Der erkannte beispielsweise nicht, dass wir Hyänen zur Familie der Katzenartigen gehören und sah in uns Verwandte des Hundes und des Schakals. Darunter mussten drei Hyänen-Welpen leiden, die Brehm für seinen Versuch erwarb, sie wie Hunde abzurichten. Sein Rezept dazu war in jener Zeit üblich: Man muss die jungen Tiere solange und so heftig prügeln, bis ihr Wille gebrochen ist. Dass eine seiner Hyänen dabei starb, kümmerte ihn nicht. Immerhin konnte er stolz berichten, dass er nach drei Monaten fortgesetzter Tortur mit den Überlebenden spielen konnte wie mit jungen Hunden.
 
Noch in einem anderen Punkt irrte Brehm sich. Und er war damit nicht allein. Viele Menschen glaubten, dass wir Hyänen zweigeschlechtlich sind. Denn sie beobachteten, wie vermeintliche Männchen nach einiger Zeit Jungtiere gebaren. Das liegt daran, dass bei Hyänenweibchen die Vulva derart groß und ausgeprägt ist, dass die Klitoris mit einem Penis verwechselt wird. Und die frühen Christen verdammten uns in ihrer Unkenntnis: "Die Hyäne ist mannweiblich, bald Mann, bald wieder Weib. Es ist ein verruchtes Tier, weil es seine Natur wechselt." Deshalb wurde im Barnabas-Brief vor Hyänenfleisch gewarnt. Wer es verzehrt, könne pädophil, oder, viel schlimmer, homosexuell werden.
 
Na ja, wenigstens gibt es bei uns keine "Me too"-Debatte. Unsere Weibchen paaren sich nur, wann und mit wem sie Lust dazu haben. Außerdem leben wir im Matriarchat: Das stärkste Weibchen ist Chef der Gruppe. Die besondere Genitalgestaltung hat allerdings noch einen weiteren Effekt. Wer herrschen will, muss kämpfen können. Hyänenbabys haben bereits im Mutterleib einen Hormonrausch durchgemacht. Von Geburt an sind sie bereit zu kämpfen und notfalls auch ihre Geschwister totzubeißen. Deshalb geht es beim Kampf um die Herrschaft im Clan höchst ungemütlich zu. Blutende Schnauzen und abgerissene Ohren sind keine Seltenheit. Auch beim Revierkampf mit Nachbarclans geht es blutig zur Sache. Nein, das Matriarchat der Hyänen ist kein Friedensreich. 
 
Wie singt Euer Herbert Grölemeyer noch? "Frauen an die Macht?" Ich rate davon ab. Zumindest sind sie nicht besser als Männer. Im Herbst 1945 wurde die KZ-Aufseherin Irma Grese zum Tode verurteilt. Sie war gerade 22 Jahre alt, hatte aber alle anderen an Grausamkeit weit übertroffen. Sie vergewaltigte sowohl männliche wie weibliche Gefangene, sie ordnete zusätzliche Vergasungen an, quälte und prügelte Menschen zu Tode. Und wie nannte man sie? Die "Hyäne von Ausschwitz!"
 
Tut mir Leid, schmunzeln können wir Hyänen nicht. Aber hämisch lachen, wenn ausgerechnet das grausamste Geschöpf auf Erden uns verleumden will.
 
Glückauf
kdk


Schmunzelpost 1006 vom 1. 12. 23

Es ist an der Zeit, mal wieder etwas gegen die geballte Masse an Vorurteilen und Missachtung gegenüber einer Kreatur zu tun, die für Menschen zu den abscheulichsten Tieren der Welt zählt. Raubtiere wie Löwen, Tiger, Leoparden und Bären, die fürchten wir und töten sie nur, wenn sie uns in die Quere kommen. Oder wenn wir unsere männliche Überlegenheit beweisen und uns damit brüsten wollen. Aber Hyänen? Das sind verachtungswürdige Geschöpfe der untersten Kategorie!
 
An diesem Bild etwas gerade zu rücken, das ist eine Mammutausgabe. Ich bezweifle, ob ich dafür mit einer SP-Folge auskomme. Denn haben uns nicht viele geachtete Tierkenner und bewunderte Zoologen darüber aufgeklärt, mit welchem Gesocks wir es da zu tun haben? Tüpfelhyänen, Schabrackenhyänen und Streifenhyänen, das sind doch allesamt Ausgeburten der Hölle. 
 
Theodor Roosevelt, ehemaliger Präsident der USA und begeisterter Großwildjäger, beschrieb Hyänen als "eine einzigartige Kreuzung aus erbärmlicher Feigheit und schlimmster Grausamkeit." Alfred Brehm hatte schon vorgelegt: "Hyänen graben Leichen aus und fressen sie, sie verschmähen noch nicht mal von stinkendem Blut getränkten Sand. Sie sind feige und leicht zu vertreiben. Sie jagen nicht in offenem Feldkampf, sondern stehlen und überwältigen Schwächere. Sie wagen sich nur an Tiere, die sich nicht wehren können. Sie stehlen auch Kinder aus den Hütten." 
 
Das führte mit dazu, wie ein nobelpreisgekrönter Schriftsteller, Frauenheld, Alkoholiker, Waffennarr und leidenschaftlicher Großwildjäger mit Hyänen umging. Ernest Hemingway verklärte das Abknallen von Tieren gern als "Respektbezeugung für das Wild". Hyänen jedoch schloss er dabei aus. Er zielte in die "verschlagene Hundebastardfratze" und spottete über die "erregte Entrüstung" seines Opfers beim Todeskampf. Hyänen waren für Hemingway "Hermaphroditen, die sich an Toten vergehen", sie verdienten seinen Respekt nicht. 
 
Alle drei waren sich einig, dass auf Hyänen zutrifft, was auch viele von uns heute noch glauben. "Sie sind hässlich, haben räudiges Fell und böse funkelnde Augen, bewegen sich linkisch, geduckt und humpelnd und lassen ein boshaftes, halb irres Gelächter hören. Sodann sind sie feige, hinterhältig und grausam. Sie sind verschlagene Diebe und Aasfresser." 
 
Zusätzlich gespeist wurden diese "Erkenntnisse" von Mythen, die schon in der Antike erzählt und als Legenden in Afrika weiter gesponnen wurden. Solche Schauermärchen flossen zwar nicht direkt in Lehrbücher ein, wurden aber gerne an Lagerfeuern und Stammtischen weiter gereicht. Claudius Aelianus galt in seiner Zeit, um die 200 n. Chr., als besonders kluger Gelehrter. Von diesem Lehrer und gewandten Rhetoriker, der zeitweise den römischen Kaiser beriet, blieben drei Sammel-Werke erhalten. Seine varia historia, in der er in 14 Schriften Anekdoten und Merkwürdiges aus Natur und Geschichte erzählt, quasi also eine antike Schmunzelpost. Außerdem zwanzig Bauernbriefe mit überwiegend erotischer Färbung und siebzehn Tiergeschichten. 
 
Darin gab Aelianus wieder, was man schon früh gesichert über Hyänen zu wissen glaubte. Sie haben nämlich Zauberkräfte. Durch Auflegen ihrer linken Pfote können Hyänen Menschen und Tiere einschläfern. Hat eine Hyäne ihr Opfer in Tiefschlaf versetzt, dann schart sie den Boden unter dem Kopf so weit weg, dass sein Nacken in das Loch sinkt und die Kehle offen und ungeschützt vor ihr liegt. Immerhin beisst sie Gurgel nicht durch, sondern legt sich so darauf, dass ihr Opfer erstickt. Wenn Ihr also heute schlafen geht, schaut vorsichtshalber unter dem Bett nach, ob sich darunter keine Hyäne verbirgt. Und achtet auf ihre linke Pfote! 
 
Alfred Brehm erzählte oft und gern, was ihm seine afrikanischen Diener über Hyänen berichteten. Sie warnten zum Beispiel dringend davor, ein Hyänenhirn zu verspeisen: "Wer das wagt, der wird verrückt." Mehr noch: Wer riskiert, auf eines dieser "verlarvten, höllischen Tiere" zu schießen, der sei in großer Gefahr. Ein junger Mann, der eine Hyäne getötet hatte, soll am folgenden Tage "entmannt und zum Weibe geworden" sein. Jetzt wissen wir endlich den wahren Grund für den Suizid von Ernest Hemingway. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1005 vom 30. 11. 23

Sage mir, was Du liest, und ich sage Dir, wer Du bist! In meiner Jugend, so von 14 bis 24, war für mich ein wichtiges Kriterium für die Einschätzung eines Menschen und die Frage, ob es einen gemeinsamen Draht gibt, eher der Musikgeschmack. Schlagerfans, Trallala-Pop und Disco-Freunde fielen bei mir ebenso durch, wie die Liebhaber von sogenannter volkstümlicher und Marsch-Musik. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich damals auch mit Opern- und Klassikbegeisterten nichts anfangen konnte. 
 
Was den Musikgeschmack betraf, fand ich nach und nach zu mehr Toleranz, auch, weil sich mein persönliches Hör-Spektrum allmählich erweiterte. Aber stattdessen wuchs die Neigung, Menschen nach ihrer bevorzugten Lektüre einzuordnen. Das betraf zunächst hauptsächlich Zeitungen und Zeitschriften. Ob jemand den Spiegel oder die Bildzeitung las, ob die Süddeutsche Zeitung oder die FAZ abonniert wurde, sagte schon etwas über eine Person und ihre Weltanschauung aus. 
 
Heute bin ich neugierig, welche Bücher im Regal stehen. Gut, das kann täuschen, weil manche Leute Bücher wie Porzellanfiguren zum Vorzeigen aussuchen. Und da einerseits Bücherregale allmählich aussterben und ich andererseits auch Menschen meist schon recht gut kenne, bis ich in ihr Wohnzimmer vordringe, habe ich mich darauf verlagert zu schauen, was Menschen in der Öffentlichkeit lesen. 
 
Das war eine Zeitlang sehr ergiebig. Aber inzwischen hat das Handy in Bussen und S-Bahnen das Buch weitgehend abgelöst. Nur auf Fernreisen kommt man noch in den Genuss, Buchtitel auszuspähen oder verstohlen einen Blick auf einzelne Seiten zu werfen. Anscheinend bin ich mit dieser Angewohnheit nicht allein. In den USA hat der New Yorker Komiker Scott Rogowsky sich einen Spaß daraus gemacht, Leute wie unsereinen zu provozieren oder zu schocken. 
 
Rogowsky hat sich dazu spezielle Cover mit ausgedachten Buchtiteln fertigen und seinerseits die Beobachter mit der Kamera beobachten lassen. Die Reaktionen reichten von erkennbarer Bestürzung bis zu schallendem Gelächter. Ein Großteil der Büchervoyeure hat aber versucht, möglichst unauffällig ein Foto von dem Leser mit der skandalösen Lektüre zu machen. 
 
Welche Titel haben nun die größten Emotionen ausgelöst? Sehr erfolgreich war der angebliche Ratgeber "Menschen ausstopfen - Anleitung für Anfänger". Frauen wechselten gelegentlich den Platz, wenn sie Titel lasen wie "101 Tipps zur Penisverlängerung", "Wie man eine Frau in der U-Bahn anmacht" oder "Wie erkennen Sie, dass Ihre Frau Ihnen den Orgasmus vortäuscht". 
 
Die heftigsten Reaktionen aber gab es auf "Durchkommen mit einem Mord - für Dummies" sowie "Mit Sperma kochen - 90 köstliche Rezepte für Anfänger". Ich persönlich hätte mich erschreckt und ertappt gefühlt, sobald es mir gelungen wäre, zwei andere Titel komplett zu entziffern, die mit großer Schrift begannen und kleingedruckt endeten: 
"Bestimmt kein Porno - also warum schauen Sie auf mein Buch? Kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten!" sowie Dieses Buch enthält eine Kamera - und macht gerade Aufnahmen ein Foto von Ihnen fürs Internet." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1004 vom 29. 11. 23

Unlängst gab es einen kleinen Mailwechsel über die Frage, welches die hässlichste Stadt Deutschlands ist. Keine Sorge, Dorsten ist auf den ersten 25 Plätzen nicht zu finden. Ebensowenig Bottrop, Lünen, Essen, Hattingen, Recklinghausen, Gladbeck, Werne, Selm, Lüdinghausen, Castrop-Rauxel, Marl oder Bergkamen. Was mich im letzten Fall ein wenig wundert. 
 
Nein, die angeblich hässlichste Stadt Deutschlands fängt, wie ich es spontan vermutet habe, mit D an und hat acht Buchstaben. Anders als gedacht schrieb Maria, dass in der negativen Rangliste ihrer Kenntnis nach Duisburg ganz oben stand. Das hätte mich wenig berührt. Aber dass die zweithässlichste Stadt Gelsenkirchen sein soll, brachte mich in Rage. Wie kann eine Stadt mit dem schönsten Fußballstadion der Welt, mit zwei Schlössern, sehr schönen Grüngürteln und einem ansehnlichen Ortsteil wie Buer derart abqualifiziert werden? 
 
Ich war nun angefixt und schaute mir im Internet eine Liste mit den vorgeblich hässlichsten Städten der Welt an. Und fand meine Meinung bestätigt, dass eine solche Auswahl sehr fragwürdig ist. Weil die Auswahl der Kriterien und der persönliche Geschmack der Juroren offenbar entscheidenden Einfluss ausüben. Außerdem: Wer hat schon alle in Frage kommenden Städte auf dem Erdball selbst in Augenschein genommen? 
 
Na gut, dass Detroit auf Platz eins landete, ist für mich noch halbwegs nachvollziehbar. Eine nach dem Sterben der Autoindustrie dahinsiechende Metropole, die in den USA ihrem Schicksal überlassen wird und in der es viele Slums und noch mehr Morde gibt. Aber in Sachen Mord und Totschlag sind beispielsweise Mexico-City und Guatemala viel stärker betroffen. Und die Slums dort sind ebenfalls um einiges größer. Spitzenreiter bei der Mordrate ist übrigens Caracas in Venezuela. Dort gibt es jährlich pro 100.000 Einwohner 120 Mordfälle. Und 98 Prozent davon werden nicht aufgeklärt! 
 
Merkwürdigerweise tauchen in einer zweiten Liste im Netz fast die gleichen Städte auf. Nur spielt dort die Architektur eine größere Rolle, so dass das im 2. Weltkrieg komplett zerstörte Warschau, nach Kriegsende höchst eilig aber völlig unzureichend wieder aufgebaut, zum Spitzenreiter erkoren wurde. Auch Pjöngjang in Nordkorea und Charleroi in Belgien konnten keinen Schönheitspreis gewinnen. 
 
Bewertet man Umweltfaktoren wie die Luft- und Wasserverschmutzung hoch, dann kommt man an New Delhi in Indien, Sao Paulo in Brasilien und Luanda in Angola nicht vorbei. Ein Mix aus Gründen führte dazu, dass bei uns weniger bekannte Städte aus Asien und Afrika in die Listen aufgenommen wurden. Aber auch Brisbane in Australien, Portland, Houston und Los Angeles in den USA. 
 
Und was ist mit Deutschland? Von D....... ist weit und breit nichts zu sehen. Dafür wird jeweils Ludwigshafen genannt. Der graue Chemie-Standort am Rhein ist selbst den eigenen Bewohnern verhasst, die in ihrer Freizeit gern auf die andere Rheinseite nach Mannheim flüchten. Und danach taucht regelmäßig Bitterfeld auf. Was mich zu der Frage führt, wie alt die Fakten sind, nach denen die Bewertung erfolgte. Denn Bitterfeld lag zwar zu DDR-Zeiten unter einer ungesunden gelbbräunlichen chemischen Dunstglocke, dort hat sich aber schon längst ein enormer Wandel vollzogen. 
 
Ich war vor mehr als zehn Jahren in Bitterfeld. Bereits damals zog sich ein Halbkreis von aus dem ehemaligen Tagebau entstandenen Seen um den Ort. Das größte Gewässer wird für die Naherholung genutzt, die anderen bleiben der Natur überlassen. Und die grünt und blüht recht üppig. Die Atemluft war eindeutig besser als etwa in Berlin. Und der Stadtkern ist ordentlich saniert worden. Ich empfehle den Studienbetreibern daher, auf Vorurteile zu verzichten und nach aktuellen Gesichtspunkten eine Neubewertung vorzunehmen. 
 
Und wenn sie gerade dabei sind, sollten die Juroren unbedingt einen ausgiebigen Blick auf eine Stadt in Westfalen werfen. Deren Name beginnt mit D und hat insgesamt acht Buchstaben. Aber wahrscheinlich ist dieses Loch bisher der Aufmerksamkeit entgangen, weil es sich als Lüdenscheid-Nord und somit als harmloses Städtchen aus dem Sauerland tarnt. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 1003 vom 28. 11. 23

Habt Ihr schon gewusst, dass Rauchen auch sehr positive Effekte hat? Das wurde vor exakt 23 Jahren belegt durch eine wissenschaftliche Studie, die am 28. November 2000 öffentlich verbreitet worden ist. Nun gut, die Studie beschränkt sich auf wirtschaftliche Aspekte. Und sie gilt auch nur für Tschechien. Und der Auftraggeber war auch noch ein Konzern, der die Herstellung von Zigaretten betreibt. 
 
Aber immerhin war das Unternehmen Philipp Morris so stolz auf die positiven Schlagzeilen durch die Untersuchungen der "Arthur D. Little Inc", dass es den Bericht in der ganzen tschechische Republik bekannt machte. Dort verkaufte Philipp Moris damals rund 80 Prozent der Zigaretten, die in diesem Land geraucht wurden. Da war es doch eine willkommene Neuigkeit, dass alle tschechischen Bürger davon profitieren sollten. 
 
Das bezog sich weniger auf die Einnahmen durch die Tabaksteuer, die bei uns ja auch Christian Lindner dankend verbucht. Die eigentliche unverfrorene Rechnung ging anders. Sie basierte auf "Einsparungen bei den Aufwendungen im Gesundheitswesen durch die erhöhte Sterblichkeitsrate bei den Rauchern". Denn wenn man diese Ersparnisse aufrechne gegen die Kosten, die für die Behandlung von Raucherkrankheiten entstünden, so bliebe unter dem Strich ein Plus von 147 Millionen Euro. Ist das nicht wunderbar? 
 
Mir bleibt glatt die Spucke weg, ich nenne das zynisch. Nun warte ich darauf, dass Schnapsproduzenten auf den Zug aufspringen und ausrechnen lassen, wieviel Millionen durch das vorzeitige Ableben von Alkoholkranken eingespart werden können. In Richtung Philipp Morris aber sage ich: Euer blauer Dunst vernebelt nichts, er stinkt zum Himmel! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ansonsten waren Tabakkonzerne in der Vergangenheit eher erpicht, Untersuchungs-Ergebnisse unter dem Deckel zu halten. Schließlich wurde der maßgebliche Einfluss von Nikotin auf die Todesrate durch Lungenkrebs so lange es ging vehement bestritten. Dabei waren, wie sich später herausstellte, führende Unternehmen bereits Jahrzehnte vorher durch plausible Studien über die Faktenlage informiert. 

 

 Schmunzelpost 1002 vom 27. 11. 23

Als gäbe es nicht genügend große Ärgernisse auf der Welt nerven uns gewisse Menschen in Bürostuben gerne mit Kleinigkeiten und Paragraphenreiterei. Jüngstes Beispiel ist für mich das Schreiben meiner Krankenkasse, die sich weigerte, 15,87 Euro für ein Rezept zu erstatten. Der Preis sei nicht korrekt darauf angegeben, das Rezept müsse daher von der Apotheke berichtigt werden.
 
Das rief bei der Apothekerin großes Staunen hervor. Alle angegebenen Nummern und Kennzeichen waren richtig. Und der im Katalog eigens nachgeschlagene Oktoberpreis stimmte auch. "Allenfalls könnte ein Konkurrenzprodukt gemeint sein, aber das war mit 15,91 Euro vier Cent teurer. Na ja, vor Jahren hat uns mal die Post-Krankenkasse aufgefordert, ein Rezept wegen einer Abweichung von 0,3 Cent zu korrigieren." 
 
Was mag in den Köpfen dieser Briefschreiber vorgehen? Müssen sie eine bestimmte Zahl an Reklamationen vorweisen? Oder klammern sie sich bis zum letzten Komma an irgendwelche Bestimmungen? Neulich habe ich bereits erzählt, was mir wegen Falschparken widerfahren ist. Das Auto hatte über eine Parkplatzmarkierung hinaus geragt, aber weder jemand gefährdet noch behindert. Und für die nicht erkennbare potenzielle Ausfahrt blieb so viel Raum, dass selbst ein Bus mühelos hätte hinein- und hinausfahren können. 
 
Das Knöllchen, das mir um 12.01 Uhr mit einer Zahlungsaufforderung von 15 Euro hinter den Scheibenwischer gesteckt worden war, hätte ich klaglos akzeptiert. Aber statt dessen hat die Stadtverwaltung Gelsenkirchen um 12.02 Uhr auch noch veranlasst, dass mein Auto abgeschleppt wurde. Kostenpunkt für mich: 180 Euro plus 30 Euro fürs Taxi, weil der Abschleppdienst sein Firmengelände in einem Vorort hatte. Zähneknirschend löhnte ich. 
 
Nun aber traf noch ein Schreiben ein, das mir eine weitere Zahlung androhte: "Ordnungsgeld 0 Euro, Anteil an den Verwaltungskosten 95 Euro." Schließlich hätte ich die öffentliche Sicherheit gefährdet. Immerhin wurde mir Gelegenheit gegeben, eine Begründung für mein kriminelles Fehlverhalten abzugeben. Das habe ich mit Hinweis auf meinen OP-Termin, morgendliche Zeitnot bei der Parkplatzsuche am Krankenhaus und die örtlichen Umstände getan. Nun warte ich gespannt auf Post aus dem Gelsenkirchener Rathaus. 
 
Allerdings sind meine Erwartungen gedämpft. Zwischenzeitlich habe ich nämlich einen TV-Beitrag aus einer norddeutschen Kleinstadt gesehen. Dort wurde ein Anwohner aufgefordert, unverzüglich den sprießenden Bewuchs ("Bäume, Büsche oder sonstige Pflanzen") von seinem an einen Rad- und Gehweg grenzenden Grundstück zu entfernen. Nun stand am Gehweg-Rand jedoch eine Mauer, aus der sich lediglich ein paar Grashalme und Blümchen keck wenige Zentimeter auf den ca. zwei Meter breiten Weg vorwagten. 
 
Der Hinweis des Anliegers, dadurch werde nie und nimmer irgendjemand gefährdet, wurde vom Amt mit einer Strafandrohung von 500 Euro gekontert. Der Film zeigte dann, wie der Mann brav und akkurat jeden noch so kleinen Halm ausriss und entfernte. Dabei zeigte der Film jedoch auch, dass von der anderen Seite Äste von Bäumen und Zweige von Büschen bis zu einem halben Meter in den Weg ragten. Aber dieser Grundstücksstreifen gehörte ja der Stadt selbst. . . 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zum Titel der gestrigen "Gelifteten Schmunzelpost" merkte Lisa an, sie habe zunächst vermutet, es ginge um "Wetten, dass"-Moderator Thomas Gottschalk. Der hatte nämlich Lisas Frauenrunde veranlasst, ausgiebig über Augenlifting, Haarimplantationen und ähnliche kosmetische Eingriffe zu diskutieren.
 

Schmunzelpost 1001 vom 26. 11. 23

26. November, Totensonntag. Dunkle Tage, traurige Zeiten, schwarze Momente. Und als ich das schrieb, lag zur Bestätigung auch noch Schalke 04 nach nur 26 Spielminuten in Düsseldorf  mit drei Toren zurück! Geht es es noch schlimmer?
 
Aber ja. Nicht nur wegen des 9. 11. 1938 hat sich der November in der Weltgeschichte seinen Ruf als Garant für schwarze Tage gesichert. Für alle, die sich zu Recht über den Dschihad empören: Am 26. November 1095 gab Papst Urban II. mit seinem Aufruf "Deus volt" (Gott will es) grünes Licht für den ersten Kreuzzug. Ihm sollten noch sechs weitere folgen, die unsägliches Leid über Muslime und Christen brachten. 
 
Hatte die Kirche daraus gelernt? Am 26. November 1648 meldete sich ein weiterer Stellvertreter Gottes auf Erden zu Wort. Papst Innozent X. war überhaupt nicht damit einverstanden, dass der Westfälische Friede das furchtbare dreißigjährige Gemetzel der europäischen Christen beenden sollte und wetterte gegen den Vertrag: "Er ist null und nichtig, ungültig, ungerecht, verwerflich, verkommen, hirnverbrannt, bedeutungslos und ohne Wirkung für alle Zeit." 
 
Wie war das noch gleich mit der christlichen Botschaft? Wenn Dich jemand auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch noch die linke hin? Friede auf Erden? Ach ja, das gilt ja erst ab Advent. Deshalb soll die Schmunzelpost als Bindeglied zwischen Düsternis und Hoffnung diesmal auch ambivalent ausklingen: Mit einer kleinen Betrachtung über Todesangst. 
 
Was gehört zu den Urängsten des modernen Menschen? Wenn ein Fahrstuhl betreten wird, tritt im Gleichschritt oft auch die Furcht, der Aufzug könne abstürzen, mit ein. Eine berechtigte Sorge. Sie wurde von der Mehrheit von 1,3 Billionen Fahrgästen geteilt, die seit der Fahrstuhl-Erfindung vor 150 Jahren fürchteten, Kabel könnten reißen und sie könnten eines schrecklichen Todes sterben. Diese Menschen hatten allen Grund dazu. Denn das ist passiert. Genau einmal. 
 
1945 verirrte sich ein Flugzeugpilot im Nebel und krachte ins 79. Stockwert des Empire State Buildings. Die Maschine durchtrennte die Winde und die Kabel von zwei Aufzügen. Damals gab es noch sogenannte Lift-Girls als Fahrzeugführerinnen. Eine von beiden hatte sich gerade eine Zigarettenpause gegönnt. Betty Lou Oliver hingegen plumpste 75 Etagen tief in den Fahrstuhlschacht. 
 
Als man Mrs. Oliver fand, hockte sie in einer Ecke. Erstaunlicherweise hatte sie sich lediglich am Rücken verletzt und ein paar Rippen gebrochen. Dabei empfehlen Experten sich in solch einem Fall flach auf den Rücken zu legen. Dadurch wird der Aufprall auf den ganzen Körper verteilt und eine Organ-Karambolage im Körper verhindert. Zum Glück ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Fahrstuhl abstürzt, geringer als eine Milliarde. 
 
Dagegen ist der Weg über eine Treppe oder eine Rolltreppe ins nächsthöhere Geschoss zehn Mal gefährlicher. Und die Zahl der Fahrstuhlunfälle mit tödlichen Folgen hat ganz andere Ursachen. Jedes Jahr sterben in Deutschland zwei bis drei Menschen, weil sie von schließenden Türen eingequetscht wurden oder versucht hatten, aus einem steckengebliebenen Fahrstuhl herauszuklettern. 
 
Tausendfach höher ist das Risiko bloß, falls Ihr versucht, außen an der Hausfassade hochzuklettern. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 1000 vom 25. 11. 23 

Lange nichts mehr von Herrn K. gehört. In der kalten Jahreszeit muss man zu besonderen Mitteln greifen, um ihn auf den Balkon zu locken. Logopädie-Hausaufgaben funktionieren ganz gut. 
 
"Hömma, Karl, hasse dat gesehn? Getz dreht unsa Nachbah endgültich am Ratt! Der erste Frost, Du frierst Dich den Aasch ab und der Kerl spielt auffa Terrasse mittem Ball! Watt reimt sich drauf? Der hat 'nen Knall! Nu wollt ich wissen, watter dabei murmeln tut. Seit se dem dat halbe Stimmband weggefrähst ham, verstehsse den so schlecht. Ich also raus auffen Balkong. Und watt hör ich? "Most, Mast, Mist. Most, Mast, Mist. Most, Mast, Mist." Also ährlich, da hat der olle Krebbs bei dem doch am Hirn genagt, datter geistich wieda im Knirpsen-Stadion angekommen is. 
 
Aba heutzutage kannze wirklich durchdrehn. Da bisse auffe Kautsch gemütlich vorer Glotze und willz die schöne Reklame bekucken, die, die de auch schon vonne Apotheken-Umschau kennz. Und watt is? Die quasseln nur noch vonnem Black-Freidäe, vonnem Black-Wickende und von Black-Schoppen. Da seh ich selbs black! Weisse, watt dat heißt? Black is englisch und bedeutet schwatt! Aba annen schwatten Freitach, da habbich ganz andere Erinnerungen dran! 
 
'N bisken stimmt dat aba. Wennze in de Zeitung kuckst, dann kannze nur noch schwatt sehen. Nicht nur wegen dat Gemetzel inne Ukraine und in Gaza. Getz hat auch noch diesa Grachten-Nazi, diesa Wilders, die Wahl in Holland gewonnen! Jeder vierte von de Kas-Köppe hat bei den Kerl sein Kreuzken gemacht! Du kennz mich, Karl, ich bin kein Freund von Schimpfworte und Verungleisungen und Abquallezierungen. Aba für sonn Wal-Ergebniss, da musse schon orntlich Käse im Kopp ham. 
 
Getz denk ich schomma drübber nach, wat ich nache nächste Wal in Deutschland sagen tu. Denn et gibt Deutsche, die sin so sauer, die ham nur noch Sauerkraut inne Birne! Dat kann sogar passiern, dat die Alize Weidel un der Bernd Höcke genauso absahnen tun wie der olle Wilders. Weisse wat, Karl? Wir pumpen uns dem Ball vonnem Nachbahn und üben schomma: "Mist, Mist, Mist! Mist, Mist, Mist! Mist, Mist, Mist!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 999 vom 24. 11. 23 

Ni hao!
 
Shīshì shí shī shǐ 
 
"Shíshì shīshì Shī Shì, shì shī, shì shí shí shī.
Shì shíshí shì shì shì shī.
Shí shí, shì shí shī shì shì.
Shì shí, shì Shī Shì shì shì.
Shì shì shì shí shī, shì shǐ shì, shǐ shì shí shī shìshì.
Shì shí shì shí shī shī, shì shíshì.
Shíshì shī, Shì shǐ shì shì shíshì.
Shíshì shì, Shì shǐ shì shí shì shí shī.
Shí shí, shǐ shí shì shí shī, shí shí shí shī shī.
Shì shì shì shì." 
 
Nein, ich bin nicht völlig durchgeknallt. Dies ist die Geschichte vom Dichter Shi, der Löwen isst. Sie basiert darauf, dass ein Zeichen im klassischen Chinesisch je nach Aussprache verschiedene Bedeutungen haben kann. In diesem Fall sind es sogar 96! Auf deutsch übersetzt lautet der Text: "Die Geschichte des Shi, der Löwen isst.

Steinhöhlendichter Shi, süchtig nach Löwen, schwört, zehn Löwen zu essen.
Oft geht er auf den Markt, um Löwen zu sichten.
Um zehn Uhr passieren gerade zehn Löwen den Markt.
Zu dieser Zeit passiert auch Shi gerade den Markt.
Er sieht die zehn Löwen, kraft seiner Pfeile schickt er die zehn Löwen in den Tod.
Er bringt die zehn Löwenleichen zur Steinhöhle.
Die Steinhöhle ist feucht. Er befiehlt seinem Diener, diese abzutrocknen.
Nachdem die Steinhöhle abgetrocknet worden ist, versucht er, die zehn Löwen zu essen.
Beim Essen merkt er, dass diese zehn Löwen eigentlich zehn Steinlöwenleichen  sind.
Versuche dies zu erklären." 
 
Nö, das sollten wir lieber nicht versuchen. Von dieser Geschichte habe ich in meiner Lieblings-TV-Sendung "Wer weiß denn sowas" erfahren. Und sofort war ich Feuer und Flamme, Euch nach der Wunderkammer des Lesens heute mit in die Wunderkammer der Sprache zu nehmen. 
 
Bleiben wir beim Chinesischen. Die Tonhöhe spielt dort ein wichtige Rolle. Daher kann die Silbe "ma" sowohl Mutter wie auch Pferd, Kröte oder Heuschrecke bedeuten. Ich hoffe, ich werde niemals gezwungen, chinesisch zu lernen. Das versichere ich beim Grab meiner Heuschrecke. Denn die chinesische Sprache hat bloß 411 Silben, die deutsche dagegen rund 10 000. Aber Homophone, also gleichklingende Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung, gibt es auch in anderen Sprachen. 
 
Wat was was voor was was was? Das sagt kein stotternder Münsterländer, sondern ein Südafrikaner, der auf afrikaans eine berechtigte Frage stellt: "Was war Wachs, bevor es Wachs war?" Das hat mich schon immer interessiert.  Aber auch die Portugiesen habe es drauf: "Como como? Como como como!" Das bedeutet: "Wie ich esse? Ich esse, wie ich esse!" Falls Ihr pulverartige Gewürze hinzufügen wollt, könnt Ihr antworten: "Po po o po? Po po!" 
 
Ich war gestern zur Kontrolle beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Wieso ich das jetzt erwähne? Weil ich große Probleme hätte, einem Portugiesen zu erklären, dass er Hals-Nasen-Ohren-Ärzte nicht mit Ornithologen und erst recht nicht mit Schnabeltieren verwechseln sollte: "Nao confunda ornitorrinco com otorrinolaringologista, otottrinolaringologista com ornitologista, ornitologista com ornitorrinco, porque ornitorrinco e ornitorrinco, ornitologista e ornitologista e otorinolaringologista e otorrinolaringologista." 
 
Alles klar? Mitunter bin ich froh, deutsch sprechen zu dürfen. Auch, wenn ich daran denke, wie ich meinem Hals-Nasen-Ohren-Arzt auf norwegisch sagen müsste, dass ich Schluckauf habe: "Hypernevrokustiskediafragmakontravibrasjoner!" Hick! 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 998 vom 23. 11. 23 

Letzte Woche stand der Vorlesetag im Kalender. Zu meinem Leidwesen kann ich mich derzeit nicht daran beteiligen, obwohl Vorlesen mir großen Spaß macht. Aber morgen kann ich zumindest wieder bei der Logopädin üben. Vielleicht wird mein rechtes Stimmband durch viel Training ja zum Arnold Schwarzenegger unter seinen Artgenossen und ermöglich so eines Tages wieder betontes Lesen mit einer Stimme, die sich nicht schmerzhaft in die Gehörgänge der Zuhörer bohrt. 
 
Nach wie vor halte ich beim Lesen stets nach geeigneten Texten Ausschau, die sich gut vortragen lassen und sowohl witzig wie hörenswert sind. Und auch wenn kein Publikum dabei war, habe ich bis vor kurzem bestimmte Passagen laut gelesen - manche Texte wirken so viel intensiver. Gegenwärtig lese ich abwechselnd gleich drei Bücher: Ein historisches Sachbuch über die Mittelmeerregion, den Krimi "Der Sucher" von Tana French und das an dieser Stelle bereits empfohlene Sammelsurium "Die Wunderkammer des Lesen" von Thomas Böhm. 
 
Bisher habe ich noch nie erwogen, ein T-Shirt mit Aufdruck zu tragen. So eins mit sinnigem Spruch wie "Bier formte diesen schönen Körper". Aber warum sollen wir Bücherfreunde dieses Feld den Schluckspechten und Witzbolden überlassen? In der "Wunderkammer" gibt es eine Seite mit Aufschriften, die auf Literatur-T-Shirts zu finden sind. 
 
Als Kind hätte ich gern so ein Hemd für die Zeit vor dem Schlafengehen besessen. Eins mit dem Satz: "Nur noch ein Kapitel!" Als Sparkassen-Knecht wäre "Zum Lesen geboren, zum Arbeiten gezwungen" angemessen gewesen. Und als Pubertierender wäre ich mit dem Tolstoi-Zitat "Nichts ist so notwendig für junge Männer wie die Gegenwart von Frauen" in die Disco marschiert. Vielleicht wäre mir dann ein Mädchen begegnet, dessen T-Shirt mit Goethe geantwortet hätte: "Nur der verdient die Kunst der Frauen, der kräftig sie zu schätzen weiß". 
 
Für die Pädagogen unter den Schmunzelpost-Lesern wie Manni und Bertold empfehle ich: "Ich bin Literaturlehrer. Wie ein normaler Lehrer, nur viel cooler." Liebe Elisabeth, das gibt es in Werne bestimmt auch gendergerecht in der femininen Fassung. Im Unterricht sollte so gestricktes Lehrpersonal aber eher ein Shirt mit einem Appell an die Schüler tragen: "In einer Welt von Bücherwürmern sei ein Bücherdrache." 
 
Und für die Musikbanausen unter den Bücherdrachen gibt es: "Ich liebe Mozart. Vor allem ihre Gedichte". 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 997 vom 22. 11. 23

Je größer der Wirrkopf, desto besser die Chancen, in der Politik Karriere zu machen. Jetzt hat der nächste Spinner eine führende Rolle übernommen. Mit großer Mehrheit wurde in Argentinien Javier Milei zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Dürfen in Südamerika eigentlich auch Hunde ihre Stimme abgeben? Dem Vernehmen nach war für Milei lange sein Hund der beste Ratgeber. Deshalb hat er sich in Amerika gleich fünf Klone schaffen lassen. 
 
Außer Hunden vergrößern in Amerika offenbar wirre Haartrachten die Chancen gewählt zu werden. Nach Donald Trump steigt nun bereits ein zweiter Alptraum jedes Friseurs auf den Thron. Wegen seiner wüsten ungekämmten Haare hat sich Milei in seinem Heimatland den Spitznamen "la peluca" (die Perücke) erworben. Das ist schon der zweite Spitzname, mit dem er bezeichnet wurde. Während seiner Fußball-Laufbahn in unteren Spielklassen nannte man ihn "El Loco" (der Verrückte). 
 
Wer einen solchen Ruf hat, der will ihn auch verteidigen. Wie Trump hat auch Milei eine extrem große Klappe. Und die nutzt er, um seine politischen Gegner zu attackieren, zu provozieren und zu diffamieren. Dabei schreckt der Anarchokapitalist, gleichzeitig ultraliberal und ultrarechts, vor keinerlei Unsinn zurück. Aber seine Art kommt offenbar gut an. Noch eine weitere Parallele zu Trump: Milei ist den argentinischen Fernsehzuschauern durch lange Mattscheiben-Präsenz gut bekannt. Soll also niemand behaupten, er wisse nicht, wen er da gewählt hat. 
 
Angesichts solcher Erfolgsgeschichten überlege ich nun, ob ich nicht auch in die Politik einsteigen sollte. Zu alt? Gegen Joe Biden, Donald Trump und Konrad Adenauer bin ich ein junger Hüpfer. Zugegeben: Dass ich den Klimawandel nicht bestreite, ist ebenso ein Minus wie die fehlenden Haare. Vielleicht kann ich mir ja meinen Bart bis zum Bauchnabel wachsen lassen. 
 
Und sonst bin ich auf der Höhe der Zeit. Von Wirtschaftspolitik verstehe ich gar nichts, dafür verbreite ich gern mit großer Überzeugung Schwachsinn. Bei den Fakten, auf die es ankommt, habe ich große Lücken, dafür verfüge ich über umfangreiches abseitiges Wissen. Nicht von ungefähr nennt man mich manchmal einen Besserwisser. Ich weiß tatsächlich vieles besser! Und ein Rechthaber bin ich, weil ich einfach meistens recht habe. Aber eins weise ich entschieden zurück: Ich kacke keine Korinthen! 
 
Wie? Was sagt Ihr? Das reicht an Verrücktheit nicht aus? Dann sage ich: Es ist sicher wie das Amen in der Kirche, dass Schalke 04 in spätestens drei Jahren die Fußball-Champions-League gewinnt. Reicht das an Wahnsinn? Mein bester Ratgeber, unser Kater, nickt beifällig. Dann kann eigentlich nichts schief gehen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 996 vom 21. 11. 23 

Manchmal freut man sich königlich, ohne adelig zu sein. Meine Gewebeproben haben ergeben, dass rund um die drei entfernten Herde keine weiteren Tumorzellen zu finden waren, vor allem auch nicht im rechten Stimmband. Hurra! Das bedeutet, dass vorerst keine weiteren Eingriffe oder verschärften Maßnahmen erforderlich sind. Es bleibt dabei: Strenge Kontrolle. Und wenn der Krebs sich wieder zeigt, wird er sofort weggehobelt!
 
Der royale Einstieg kam nicht von ungefähr. Nachdem der letzte deutsche Kaiser uns in das Blutbad des Ersten Weltkriegs manövriert hatte, bestand in Deutschland keine allzu große Sehnsucht mehr, wieder eine Monarchie einzuführen. Die Deutschen konzentrieren sich dafür jetzt mehr auf ausländische Königshäuser, was bei uns aber lediglich die Auflagen der Yellowpress fördert.
 
In Österreich verhält sich das ähnlich. Dabei startete deren Parade-Kaiser im Alter von nur 18 Jahren als Märchenprinz. Weil der amtierende Kaiser seinen Aufgaben nicht gewachsen war und abdankte und der reguläre Thronfolger sowohl körperlich wie geistig überfordert schien, wurde im Dezember 1848 Franz Joseph I. gekrönt. Aber so knapp ging das damals nicht: „Franz Joseph I. von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen, König der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galicien, Lodomerien und Illyrien; König von Jerusalem, etc; Erzherzog zu Österreich; Großherzog von Toskana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnthen, Krain und der Bukowina; Großfürst zu Siebenbürgen; Markgraf von Mähren; Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; gefürsteter Graf von Habsburg und Tyrol, Kyburg, Görz und Gradiska, Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- und Niederlausitz und in Istrien; Graf von Hohenems, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg, etc., Herr von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark, Großwojwode der Wojwodschaft Serbien etc. etc.“ 
 
Wie alle Kinogänger und Fernsehzuschauer wissen, fand der Märchenprinz auch seine Märchenprinzessin: "Franz?" "Sissi?" "Franz!" Sissi!" Eigentlich sollte Franz Joseph ja Helene aus dem Hause der bayerischen Wittelsbacher ehelichen. Aber er bevorzugte deren 15-jährige Schwester Elisabeth, genannt Sisi, mit der er sich verlobte.  Ein Jahr später, 1854, heirateten die beiden. Und der Ehe entsprangen vier Kinder. 
 
Von der Realität trennt die Legende jedoch nicht nur das zusätzliche s. Sisi fühlte sich schnell durch die zeremoniellen Zwänge eingeengt und ging eigene Wege. Dabei entfremdete sie sich von ihrem Franzl, der sich mit seiner Geliebten Anna Nahowski, mit der er ein uneheliches Kind zeugte und der Schauspielerin Katharina Schratt zu trösten wusste. Doch zu einem Märchen gehört auch eine böse Fee. Etwas ähnliches verkörperte die Gräfin Karoly. Weil ihr Sohn während eines ungarischen Aufstands zu Beginn der Herrschaft von Franz Joseph hingerichtet worden war, verfluchte sie den jungen Kaiser bei einem Staatsball in Wien: "Möge Deine Familie vernichtet werden, mögest Du von Personen gequälte werden, die Du am meisten liebst, und mögest Du in einsamer, ungebrochener, schrecklicher Trauer leben, wenn Du Dich an den Namen Karoly erinnerst." 
 
Da kann man fast abergläubisch werden. Im langen Leben von Kaiser Franz Joseph I., der nach fast siebzigjähriger Regierungszeit am 21. November 1916 - also exakt vor 107 Jahren - mit 86 Jahren einer Lungenentzündung erlag, musste er vorher den Verlust von zahlreichen nahestehenden Menschen beklagen. Franz Josephs jüngerer Bruder Maximillian wurde vom französischen Kaiser Napoleon III. als Kaiser von Mexiko eingesetzt, aber dort 1867 von einem Erschießungskommando exekutiert. Seinen einzigen Sohn, den Kronprinzen Rudolf, zwang Franz Joseph, die Tochter des belgischen Königs zu heiraten. Der aber zog eine Geliebte vor, mit der er nach einem schrecklichen Sexskandal 1889 Selbstmord beging. 
 
1898 erstach ein Anarchist Elisabeth in Genf. Franz Joseph reagierte auf die Nachricht vom Tod seiner Frau eher selbstmitleidig: "Mir bleibt doch nichts erspart auf dieser Welt." Neffe und Thronfolger Franz Ferdinand wurde am 28. Juni 1914 in Serbien von einem Attentäter ermordet, was eine Kette von Reaktionen auslöste, die zum Beginn des 1. Weltkriegs führten. Franz Joseph befürwortete einen Krieg gegen Serbien übrigens nur auf großen Druck seiner Ratgeber, weil er die Ehre Österreichs verletzt sah. Von Franz Ferdinand und dessen ebenfalls ermordeter Gattin hielt er wohl wenig. Als er vom Tod der beiden erfuhr sagte er ungerührt zu seiner Tochter Marie: "Es ist für mich eine große Sorge weniger."
 
Mehrere andere Verwandte des Kaisers brachten Schimpf und Schande über das Haus der Habsburger. Franz Josephs Bruder Ludwig wurde als Transvestit verhaltensauffällig und auf den Spitznamen "Luziwuzi" getauft. Nach diversen Kapriolen sah sich der Kaiser gezwungen, seinen Bruder aus Wien zu verbannen. Das gleiche Schicksal ereilte den syphilliskranken Neffen Otto - der hatte die unschöne Neigung, sich in der Öffentlichkeit nackt auszuziehen. 
 
Dem Kaiser selbst blieb das Pech bis ins Grab treu. Nach seinem Tod wurde er nach einer neuen Methode einbalsamiert. Die aber entstellte seinen Leichnam derart, dass man sich gezwungen sah, den Sarg geschlossen zu halten, damit ihn niemand so zu Gesicht bekam. Auf einem Friedhof in Ungarn soll um Mitternacht weithin ein durchdringendes Kichern zu hören gewesen sein... 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 995 vom 20. 11. 23 

 

Hej! 
 
Falls Ihr Euch über den schwedischen Begrüßungsgruß wundert: Damit hat es seine Bewandtnis. Erneut haben mir zwei Artikel aus der Süddeutschen Zeitung Anregungen geliefert, die ich in erweiterter Form an die Schmunzelpost-Gemeinde weitergeben möchte. 
 
Denn es gibt eine Initiative aus Schweden, die es verdient, auch bei uns Anhänger zu finden. Asa Koski aus dem nordschwedischen Ort Lulea hat dort nämlich eine Kampagne gestartet, die die Einwohner der 80 000-Seelen-Stadt nahe des Polarkreises auftauen soll. Das Rezept ist schlicht: Man soll auch Wildfremde grüßen (Hallo heißt auf schwedisch Hej). Das wirke sich rundum positiv aus und steigere das allgemeine Wohlbefinden. 
 
Nun denn: Hallo! Hello! Salut! Sziel! Ni hao! Auch andere Menschen haben sich Gedanken darüber gemacht, wie sich mit einfachen Mitteln die Welt verbessern lässt. Die Mowember-Stiftung ruft dazu seit 20 Jahren in den USA alle Männer auf. Mowember? Das ist ein Kunstwort, das aus November, Move und Moustache zusammengesetzt ist. "Verwandle Deine Gesichtsbehaarung in eine Kraft für das Gute", fordern die Initiatoren. Das geht so: Wir Männer sollen an die Maxime von Salvador Dali denken: "Ohne Schnauzbart ist ein Mann nicht richtig angezogen." Die Gesichtsbürste, der Pornobalken oder die Rotzbremse, die früher tausendjährige deutsche und heute vorwiegend osteuropäische Diktatoren sowie Claus Weselsky schmücken, soll jetzt auch andere Männer in Frauenschwärme verwandeln. Jude Law und Brad Pitt haben es vorgemacht. 
 
Allerdings ist der November-Schnurrbart keine reine Zier. Er gilt als Symbol für Männergesundheit, soll zu Vorsorgeuntersuchungen gegen Prostata- und Hodenkrebs animieren und dazu, frühzeitig über Depressionen, Burn-Out und Erektionsstörungen zu reden. So könne die Zahl der Männer, die vorzeitig sterben, bis 2030 um 25 Prozent reduziert werden. 
 
Und es geht noch weiter. Der Bart weitet sich im "Decemberbeard" zum Vollbart aus. Das soll nicht dazu dienen, dass die Teilnehmer weihnachtsmanntauglich werden, sondern zu Spenden für die Darmkrebsbekämpfung aufrufen. Solche Aktionen stehen in Großbritannien und Australien im Dezember-Kalender. Im Januar wird's dann richtig haarig. Dann sollen sich die Kerle im Zeichen des "Manuary" auf ihre Holzfällerqualitäten besinnen und das Gesicht völlig zuwuchern lassen. Nun gut, der Januar ist ein kalter Monat. Und unsere Ahnen wussten deshalb während der Eiszeit ihre starke Körperbehaarung sehr zu schätzen. 
 
 Vielleicht ist deshalb die britische Studentin Laura Jackson auf die Idee gekommen, die Frauen zu bewegen, ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Denn im "Januhairy" lässt frau ihre Körperbehaarung überall unrasiert sprießen: Unter den Achseln, an den Beinen und wo sonst noch in intimen Gegenden Haare die Blößen bedecken wollen. Motto: Alles nachwachsen zu lassen, tut dem Körper gut, der Natur auch und zeigt anerzogenen Schönheitsidealen eine lange Nase. Und die ist vermutlich auch noch behaart. 
 
Februar und März überspringen wir jetzt mal und freuen uns auf den April. Seit 2013 haben Tierfreunde den "Ape-ril" ausgerufen. Der weist auf bedrohte Primaten hin und tritt für den Schutz der letzten Regenwälder in Indonesien ein. Dafür wird Geld gesammelt. Und um Sponsoren zu gewinnen, sollen Männer sich schon wieder Vollbärte wachsen lassen und diese orange färben, um an Orang-Utans zu erinnern. Frauen und Kinder sollen sich solche Bärte ankleben. Ich bin gespannt! 
 
Hejda! 
kdk 

Schmunzelpost 994 vom 19. 11. 23 

Gestern haben wir zitternd auf einen Anruf gewartet. Nein, nein, ich habe nicht damit gerechnet, dass sich der Onkologe bei mir an einem Samstag meldet. Dienstfreie Mediziner haben an den Wochenenden besseres zu tun. Und das ist auch okay so. Wir hofften vielmehr auf den Rückruf des Hausmeisters. Unsere Heizung ist wie die anderen in der gesamten Häuserzeile ausgefallen. Und der gute Mann war aus verständlichen Gründen vorsichtshalber abgetaucht. 
 
Vor kurzem habe ich noch meine Freunde in Werne bedauert, deren alte Heizungsanlage renoviert worden war, aber fast jeden Tag danach aufs Neue streikte. Da konnte ich noch sagen: "Wir kennen das, uns ist es fast jedes Jahr genauso gegangen. Doch diesmal sitzen wir im Warmen." Ich hatte die Rechnung ohne den Frost gemacht. Prompt versagte die Fernwärme-Heizung wieder, als die Temperaturen erstmals unter 0 Grad absackten. Und der Hausmeister, den wir draußen erwischen konnten, wusch seine Hände in Unschuld: "Ich habe zusammen mit der Betreiberfirma gestern bis 22.30 Uhr versucht, den Schaden zu beheben. Hat nicht geklappt. Jetzt kann ich nichts mehr tun. Die Betreiber müssen erst herausfinden, wo der Fehler überhaupt liegt." 
 
Erst kriegt man aus anderen Gründen kalte Füße, dann kommt auch noch Frost dazu. Würde Jürgen Wegmann wohl sagen. Und ich schließe mich an. Vorsorglich habe ich mal ins Internet geschaut. Und kann nun Trost daraus ziehen, dass es anderswo noch ungemütlicher ist. Manche Leute wohnen in Orten, wo die Außentemperatur so niedrig ist, dass Wasser sich in Nullkommanichts in Eis verwandelt und Haut und Muskeln des Menschen binnen ganz kurzer Zeit einfrieren. 
 
So müssen die Einwohner von Ulaanbaatar, immerhin Hauptstadt der Mongolei, mit Temperaturen von minus 44 Grad klar kommen. Die Bürger von Astana, Hauptstadt von Kasachstan, schnattern vermutlich noch etwas lauter bei minus 52 Grad. Doch für die Menschen im sibirischen Werchojansk ist das womöglich fast frühlingshaft. Bei ihnen werden minus 67,8 Grad gemessen. Kälter ist es eigentlich nur noch in den Antarktis-Stationen. Aber bei minus 89,2 Grad gehen höchstwahrscheinlich nicht einmal vermummte Wissenschaftler vor die Tür. Sie warten lieber drinnen ab, bis es wieder Sommer wird und sie sich bei muckeligen minus 30 Grad bräunen können. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 993 vom 18. 11. 23 

Wisst Ihr was eine "Brägenplietschmaschin" ist? Da Ihr hier vor kurzem im Plattdeutschen geschult wurdet, könntet Ihr darauf kommen. Denkt mal darüber nach, die Auflösung gibt es erst ganz am Ende. Dieses Wort, das jetzt von einer Jury in Stavenhagen zur besten aktuellen Bereicherung des Plattdeutschen gewählt wurde, habe ich gerade in meiner Leib und Magen-Sendung "Wer weiß denn sowas" kennen gelernt. Diesmal war das Wissensquiz besonders nötig, um mich von anderen Fragen abzulenken. Denn trotz Nachhaken hat sich mein Arzt immer noch nicht bei mir gemeldet. 
 
Ist das nun ein gutes Zeichen? Immerhin scheint es nicht so dringend zu sein, wenn sie sich mit der Weitergabe der Erkenntnisse aus den Gewebeproben soviel Zeit lassen. Auf der anderen Seite: Vielleicht wollten sie mir bloß nicht mit den Resultaten das Wochenende verderben? Ausnahmsweise habe ich mir daher zur Zerstreuung beim Quiz sogar den Werbeblock kurz vor dem Finale angeschaut. 
 
Doch das zieht einen 70-jährigen noch mehr runter. Als Kontrastprogramm hatte ich am Donnerstag beim Promi-Special von "Wer wird Millionär" beim Auftritt von Torsten Sträter sogar einen RTL-Werbeblock angeschaut. Hei, was ist die Welt schön! Überall junge, attraktive Menschen, vor allem Frauen, betörende Düfte und flotte Autos, die sogar das Klima retten. 
 
Tja, und dann sah ich gestern die ARD-Reklame. Sofort der erste Spot brannte sich mir in die Knochen, weil er eindrucksvoll schmerzende Gelenke herausstellte, die betagte Menschen quälen. Nummer zwei wies darauf hin, wie wichtig wohltuender Schlaf für die Gesundheit ist - und dass Unterbrechungen schlecht sind, weil sie zu Einschlafstörungen und Schlaflosigkeit führen können, gerade im Alter. Im Anschluss habe ich das wohlbekannte Filmchen von Granuamsel vermisst, das Männer tröstet, weil sie mit diesen Pillen angeblich die nächtlichen Toilettengänge von vier auf drei Mal reduzieren können. Statt dessen entfuhr mir beim dritten Reklameeinspieler fast ein Jauchzer. Diesmal ging es um das Möchtegern-Nachrichtenmagazin Fokus. Doch dann sofort ein Themenhinweis als Zusatz: "Welche Arzneien sind für alte Menschen wirklich wichtig und warum ist es besser, kein Wasser in den Beinen zu haben." 
 
 Zum Abschluss folgte noch ein Mittel, das dem Körper Selen zuführt. Ein Stoff, der u.a. gut für die Schilddrüse und die Spermabildung sein soll. Spermabildung? Wozu braucht man das Zeug noch gleich? Mist, ausgerechnet wenn man sie sich herbei wünscht, fehlt die Reklame für das Wundermittel, das einen die Vergesslichkeit vergessen lässt. 
 
Nicht entfallen ist mir immerhin, was "Brägenplietschmaschin" bedeutet. Das ist ein plattdeutsches Wort für künstliche Intelligenz. Bin nur gespannt, wann mir die ARD-Werbung zeigt, mit welchem seniorenfreundlichen Produkt ich mir den plietschende Brägen in Tablettenform als Gedächtnisstütze einwerfen kann. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 992 vom 17. 11. 23

Nun liegt sie vor, die Diagnose. Und sie ist niederschmetternd: Ich werde sterben! Der Arzt nennt als Ursache eine tödliche Krankheit. Sie heißt "Alter". Als Trost gab er mir mit, dass ich nicht als einziger darunter leide. Allerdings hat das Alter sich in meinem Fall einen Schrittmacher besorgt, der den Abgang beschleunigen soll. Ein Schalentier versucht hartnäckig, in meinem Hals Fuß zu fassen und in andere Körperregionen vorzudringen. 
 
Doch so leicht wollen die Ärzte ihm das nicht machen. Bevor er richtig zwicken kann, werden dem Krebs die Scheren entfernt. Und solange er nicht in andere Körperregionen vordringen kann, darf ich im gemütlichen Teil bleiben: Ohne Schmerzen, ohne wesentliche Einschränkungen. Allerdings sitze ich gegenwärtig auf heißen Kohlen. Zwei Tage lang habe ich das Telefon bewacht, aber der Anruf, mit dem ich über die Ergebnisse der Gewebeproben und die weiteren Schritte informiert werden soll, ist bisher ausgeblieben. 

Gut, dass ich schon auf andere Weise Vorsorge getroffen. Lest dazu dieses ergreifende Gedicht: 
 
Wer rüttelt da an meiner Tür, wer will mit Macht hinein? 
Ein Blick durchs Fenster zeigt: Es ist Freund Hein. 
 
Nein, nein! Zu früh! Ich möchte noch ein Weilchen bleiben, 
das muss der Tod sich ins Gerippe schreiben. 
Als er betrunken war, da nutzte ich die Gunst der Stunde 
und lud fortwährend zu 'ner neuen Runde. 
Dann war er völlig blau und ich - ruck zuck - 
ich spielte mit ihm Schnick-Schnack-Schnuck. 
 
Und ich gewann! Der Preis war heiß! 
Zum Glück hab' ich es schwarz auf weiß 
in dem Vertrag, den ich jetzt falte 
und schiebe durch die Türesspalte. 
Er bückt sich, liest und ist betroffen: 
"Mein Gott, war ich damals besoffen!" 
Dann zieht er ab, murrt: "Scheibenkleister! 
Vorher wird erst Schalke Meister!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 991 vom 16. 11. 23 

Es ist an der Zeit, mal wieder etwas gegen den Rufmord zu tun. Ich lese gerade das Buch "Verrufene Tiere". Darin geht es um Kreaturen, vor denen wir Menschen uns ganz besonders fürchten. Manchmal sind die Ängste berechtigt, mitunter grundlos und fast immer stark übertrieben.
 
Mit Quallen, Spinnen und Kraken haben wir uns an dieser Stelle bereits befasst. Ein Tier, das fast alle in Schrecken versetzt, lebt im Wasser: Der Hai. Nun darf man sich fragen: Warum kommen wir Landbewohner dem Wasserwesen überhaupt in die Quere? Antwort: Weil wir es gewohnt sind, uns als die Herren der Welt aufzuspielen, denen alles erlaubt ist. 
 
Auch in früheren Zeiten hatte der Hai als "Bestie der Ozeane" bereits ein schlechtes Image. Dazu trug auch die Literatur bei. So sagte jemand in Hermann Melvilles Klassiker "Moby Dick": "Gott, was Hai gemacht hat, muss sein ganz gottverdammter Heide!" Doch so richtig in die Gänge kam die Hai-Panik erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Zu einem wahren Tsunami befördert wurde die Furcht durch drei Ereignisse, die allesamt mit den USA zusammenhingen. 
 
Lange Zeit war das Schwimmen im Meer ziemlich unpopulär. Das hatte nicht nur mit der Sorge vor begehrlichen Blicken zu tun, wenn sich Leute ihrer üblichen Bekleidung entledigten und in Bademoden sogar öffentlich ihre Knöchel zeigten. Nein, es gab kaum Menschen, die Schwimmen konnten und sich auch noch trauten, dies in größeren Gewässern zu tun. Das änderte sich, als der Massentourismus einsetzte und immer mehr Badegäste sich in die Fluten stürzten. 
 
So kam es für die Zweibeiner zu sehr unangenehmen Begegnungen. Zwischen dem 1. und dem 12. Juli gab es am Strand von New Jersey, nicht weit von New York City entfernt, gleich fünf Hai-Attacken, von denen vier für die angegriffenen Schwimmer tödlich endeten. Nach dem ersten Todesfall rätselte man noch, welcher unheimliche Meeresräuber dafür in Frage kam, selbst Thunfische und Schildkröten wurden verdächtigt. Die Schlagzeile der New York Times lautete denn auch recht vage "Tod durch Fischattacke." 
 
Doch als ein junger Mann lebend, aber ohne Beine und mit einer gräßlichen Bisswunde in der Hüfte geborgen werden konnte, war klar, wer dahinter steckte. Das löste heftige Reaktionen aus. In Hai-Panik packten Urlauber vorzeitig ihre Koffer, die Umsätze vor Ort brachen rapide ein. Und eine als Gegenwehr gedachte allgemeine Haijagd schürte die Hysterie noch, als im Magen eines erlegten Weißen Hais menschliche Überreste entdeckt wurden. 
 
Das bisher schlimmste Massaker durch Haie ereignete sich Ende Juli 1945 und wäre ohne menschliche Mitwirkung überhaupt nicht möglich gewesen.  Damals versenkte ein japanisches U-Boot das amerikanische Kriegsschiff USS Indianapolis. Etwa achthundert Seeleute trieben danach hilflos im Meer. Von ihnen konnten vier Tage später nach ihrer zufälligen Entdeckung nur 316 gerettet werden. Die anderen starben total entkräftet an Sonnenstich, waren verdurstet - oder wurden Opfer von permanenten Hai-Attacken. 
 
Das hätte nie passieren können, wenn früher Hilfe eingetroffen wäre. Aber das Kriegsschiff war auf der Rückfahrt von einer höchst geheimen Mission. Seine Route war Außenstehenden überhaupt nicht bekannt. Auch Funkverkehr gab es nicht, weil die USS Indianapolis Bauteile einer neuartigen Bombe mit dem harmlosen Namen "Little Boy" auf eine Pazifikinsel gebracht hatte. Dort wurde sie zusammengesetzt und über Hiroshima abgeworfen, was mehr hunderttausend Menschen das Leben kostete. Der Mensch ist des Menschen Hai! 
 
Steven Spielberg griff das Geschehen auf. Ein angeblich Überlebender der Indianapolis spielte als Hai-Hasser eine Hauptrolle in dem Kino-Schocker, der die Menschen rund um den Globus in Angst und Schrecken versetzte. Der "Weiße Hai" hatte ungeahnte Folgen. Bis heute leiden Menschen unter einer Hai-Phobie, die es ihnen unmöglich macht, selbst in Binnengewässern, Badeseen oder sogar in Hallenbädern ins Wasser zu steigen. Für alle anderen ist es nützlich zu wissen, dass Haie Warmduscher sind. In Gewässern mit Temperaturen unterhalb von 18 Grad findet man sie nicht. 
 
Auch sonst gibt es vieles zu relativieren. Von den rund 500 Hai-Arten sind bloß vier nachweislich für Menschen gefährlich. Dabei handelt es sich um den Bullenhai, der zwar nicht mal drei Meter lang wird, sich aber auch in Süßwasser und Flußmündungen traut, den Tigerhai, den Weißspitzen-Hochseehai und den Weißen Hai, der acht Meter lang werden kann. Dagegen kommt der Zwerg-Laternenhai gerade mal auf 20 cm Körperlänge. Und Wobbegongs, Stierkopf-, Säge- oder Engelhaie sind völlig harmlos. Das gilt auch für den Walhai, der sich ausschließlich von Plankton und winzigen Fischen ernährt und mit maximal 12 m als der gegenwärtig größte Fisch gilt. 
 
Zurück zu den Killern. Opfer von Haien werden jährlich etwa zehn Menschen. 1000 sterben durch Krokodile, 2000 durch Bandwürmer. 25 000 erliegen jedes Jahr Hundebissen und 100 000 Todesfälle gehen auf das Konto von Giftschlangen. Weit größer noch ist vermutlich die Zahl der Menschen, die an durch Steckmücken übertragenen Krankheiten zugrunde gehen. Aber wir wollen aus einer Mücke ja keinen Haifisch machen, nicht wahr? 
 
Ein Ärgernis anderer Art war der für 250 000 Dollar erschaffene künstliche Hai, der Regisseur Spielberg und seine Crew fast in den Wahnsinn trieb. Gleich bei seinem ersten Auftritt riss er sich los und tauchte auf den Meeresgrund ab, wo er mühsam von Tauchern geborgen werden musste. Auch danach versagte er immer wieder seine Dienste und gefährdete die gesamte Filmproduktion. Das führte dazu, dass Spielberg ihn nach seinem offenbar heißgeliebten Anwalt auf den Namen "Bruce" taufte. Hinterher nannte er ihn aber nur noch den "großen weißen Scheißhaufen." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 990 vom 15. 11. 23 

Durch den Narkoseschlummer am Montag und fortgesetztes Einduseln im Aufwachraum bin ich etwas aus dem Takt geraten. Nachts darauf wurde ich dauernd wach und hatte Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen. Dazu bemühte ich mich, an Nichts zu denken. Doch das ist mir schon immer schwer gefallen. 
 
Diesmal fiel mir eines der schönsten Kabinettstückchen von Loriot ein. Der Trickfilm von dem armen Kerl, der auf einem Stuhl sitzt, bloß ein Weilchen rein gar nichts denken will und dabei ständig von seiner zänkischen Gattin gestört wird. Vielleicht hätte er besser in Abgeschiedenheit meditiert. Dabei soll man angeblich auch komplett abschalten und jeden Gedanken verbannen können. Mir ist das nie gelungen. 
 
Aber plötzlich fand ich mich vor einer verschlossenen Pforte wieder. Am Eingang stand: "Krauses Hirn. Bitte nicht stören - er meditiert!" Trotzdem öffnete ich ganz vorsichtig die Tür und lugte durch den Spalt hinein. Umgeben von grauen Nebelschwaden offenbarte sich mir ein schwarzes Loch. War es das, das ominöse Nichts? Da rutschte unvermittelt in einer Ecke des Raums ein Mann im blauweißen Trikot in die Tiefe und brüllte: "Hilfe! Ich will nicht in die Dritte Liga!" 
 
Aus einem anderen Winkel kam ein weißschwarzer Kater hervor und fauchte mich an: "Steh endlich auf, Du Schlafmütze! Es ist höchste Zeit für mein Frühstück." Zum Glück hatte ich meine Uhr dabei und erkannte, dass noch nicht einmal die fünfte Stunde angebrochen war. Nun richtete sich mein Blick auf den hinteren Teil des Raums, an dem sich zwei gleichgroße Regale befanden. In dem einen standen lauter Bücher, die immer noch darauf warten, endlich von mir gelesen zu werden. In dem anderen lagen eine geringe Zahl von Weinflaschen, nicht mal zweihundert, die immer noch darauf warten, von mir ausgetrunken zu werden. Ich schaute auf die Etiketten. Hmmm, köstlicher Spätburgunder, süffiger Primitivo, wunderbarer Sauvignon Blanc. 
 
Schlagartig wurde ich wach. Ich war wohl nach der Tagesschau im Fernsehsessel eingenickt und hatte alles nur geträumt. Doch Träume müssen keine Schäume bleiben. Beschwingt holte ich mir Wein aus dem Keller (der Bestand ist bedenklich auf zehn Flaschen geschrumpft, aber Anfang Dezember bringt mein Winzer Nachschub) und machte mich daran, beflügelt von einem Glas Spätburgunder, diese Schmunzelpost zu schreiben. Was soll ich sagen: Freut Euch, solange das Lämpchen glüht! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 989 vom 14. 11. 23 

Nein, das war kein guter Tag gestern. Es war so gar ein pechschwarzer Tag. 
 
Er fing schon mies an. Um 8.30 Uhr sollte ich mich in der Klinik zur OP einfinden. Am Freitag der Vorwoche hatten die Untersuchungen dazu bereits um 8 Uhr begonnen. Da war ich mit dem Auto nach 50 Minuten in Gelsenkirchen-Ueckendorf eingetroffen und hatte meinen Termin locker eingehalten. Vorsichtshalber habe ich gestern noch ein Polster von 20 Minuten drauf gelegt. Und mich im Stau mühsam von Ampel zu Ampel gehangelt. Da Parkplätze rund um die Klinik extrem knapp sind, habe ich den erstbesten genutzt und kam trotzdem 10 Minuten zu spät. Die Fahrt am Montag hat doppelt so lange gedauert wie am Freitag! 
 
Zum Glück, so stellte sich heraus, war meine OP, bei der ich schon gern selbst dabei sein wollte, erst um 10 Uhr angesetzt. Dennoch war der Pünktlichkeitsfanatiker in mir ins Mark getroffen. Als ich kurz vor 12 Uhr aus der Narkose erwachte, schmerzte erstmals mein Hals. Das nahm ich jedoch noch nicht besonders ernst. Später teilte mir der Chirurg dann aber mit, dass die verdächtige Stelle in meiner Kehle binnen zwei Wochen Gesellschaft bekommen hatte. Jetzt waren es gleich drei Knubbel, die entfernt werden mussten. 
 
Sie waren allesamt zum Glück noch klein, und Metastasen wurden nach wie vor nicht festgestellt. Doch das rasante Tempo, in dem die Dinger wie Pilze aus dem Boden schießen, verheißt nichts Gutes. Über die Auswertung der Gewebeproben werde ich am Mittwoch oder Donnerstag per Anruf informiert. Dann wird sich auch zeigen, wie es weiter geht. Muss ich mich darauf einstellen, dass alle drei Monate neue Unglücksboten weggeschrappt werden? Oder besteht die Gefahr, dass sich der Krebs an einem Ort ansiedelt, wo das nicht ohne Komplikationen möglich ist? Und wie lange wird es dauern, bis er beginnt zu streuen? Bestrahlung und Chemotherapie sind gegenwärtig nicht mehr ausgeschlossen. 
 
Entsprechend trüb war meine Stimmung auf dem Rückweg zum Auto. Ulla war mit dem ÖPNV angereist, weil ich 24 Stunden lang nicht selbst fahren durfte. Und wir beide machten große Augen: Der Wagen war weg! Geklaut? Ich hatte einen anderen Verdacht. Die Stadt Gelsenkirchen ist in Sachen Parken rigoros. Schon nach 40 Minuten auf einem Anwohnerparkplatz hatten wir uns vor Jahresfrist bei einem Ausstellungsbesuch ein Knöllchen gefangen. Und wegen der  Eile habe ich diesmal notgedrungen mein Auto so abgestellt, dass der vordere Teil etwas über die Parkplatzmarkierung hinaus ragte. Allerdings ließ nichts darauf schließen, dass sich hinter der grauen Metallwand rechts davon eine Ausfahrt verbarg. Und selbst wenn das so gewesen sein sollte, hätte selbst ein Lkw das Gelände mühelos erreichen oder verlassen können. 
 
Trotzdem hatte die Stadtverwaltung erbarmungslos veranlasst, dass unser Caddy abgeschleppt und auf das Gelände einer Firma in GE-Erle gebracht wurde. Das Auto wieder zu bekommen kostete 30 Euro fürs Taxi und 188,90 Euro beim Abschleppunternehmen. Na ja, wenn das Geld Gelsenkirchen nützt, soll es mir recht sein. Allein wegen eines weltberühmten Fußballvereins hat die total veramte Kommune jeden Cent verdient. 
 
Trotzdem fügte sich für mich alles zu einer pechschwarzen Bilanz. Und das ist ein Anlass mal nachzusehen, warum Pech mit Unglück assoziert wird. Denn Pech ist nicht nur eine zähflüssige schwarze Masse, die bei der Destillation von Holz, Erdöl und Teer entsteht, sondern auch ein Begriff für ein Missgeschick und eine unheilvolle Fügung. Als Pechvogel weiß ich jetzt, dass zwei Erklärungen für diesen Sprachgebrauch auf das Mittelalter zurückgehen. 
 
Da gab es an Burgen die "Pechnasen", durch die glühendes Pech auf Angreifer gegossen wurde. Die fluchten dann: "Pech gehabt!" Und in den Brauereien jener Zeit wurden Bierfässer mit Pech abgedichtet. Wenn dieses jedoch in die Flüssigkeit gelangte, beeinträchtigte das den Geschmack ganz entschieden. Und wenn es auch noch im Krug landete, hatte der Trinker wortwörtlich Pech. 
 
Als Fußballfreund glaube ich aber, dass der große Philosoph Jürgen "Kobra" Wegmann Schöpfer des Begriffes ist. Wie sagte er noch? "Erst hat man kein Glück, und dann kommt auch noch Pech hinzu." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 988 vom 13. 11. 23

Wenn Ihr diese Schmunzelpost lest, habt Ihr wahrscheinlich schon gefrühstückt. Ich hingegen liege womöglich gerade auf dem OP-Tisch. Daher liefere ich Euch heute ein paar Fakten zu Operationen. Keine Angst, nichts unappetitliches, das Frühstück soll drin bleiben! 
 
2022 gab es in deutschen Krankenhäusern insgesamt 15 918 053 Operationen. Auch ich war im Februar mit in der Verlosung, als mir ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wurde. Und ich gehörte, wie Ihr an diesen Zeilen erkennt, nicht zu den unglücklichen zwei Prozent, die bei der Operation auf der Strecke blieben oder kurz danach an ihren Folgen starben. Rechnerisch war das jeder 50. Patient. Sollte ich nun darauf achten, dass ich heute als 49. oder 51. an der Reihe bin? 
 
Die zumindest für mich beruhigende Nachricht lautet aber, dass die Sterbefälle meist bei Schnippeleien an inneren Organen eintraten, wobei vor allem Magen-, Bauchspeicheldrüsen- und Leberpatienten betroffen waren. Bei Eingriffen wie dem, der heute bei mir erfolgt, liegt die Todesrate lediglich zwischen 0,04 und 0,4 Prozent, also irgendwo zwischen dem 2000. und 200. Operierten. Einerseits: Hurra! Andererseits: Das macht das exakte Abzählen fast unmöglich. 
 
Doch leider gibt es noch andere Risiken, von denen in meinem Aufklärungsgespräch nicht die Rede war. Dass solche Fälle nicht so selten sind, darauf deutet das Info-Blatt einer Krankenkasse hin, die sich speziell an das OP-Personal wendet: "Jeder Tupfer zählt - trotz Kontrolle vergessene Fremdkörper". Neben Tupfern seien in Patienten auch schon mal Kompressen oder Bauchtücher eingearbeitet worden. Zum Glück handelt es sich bei mir eher um einen Mikro-Eingriff, weshalb ich nicht fürchten muss, nach dem Erwachen mit einer Schere im Hals herumzulaufen. 
 
Da man auch immer wieder Geschichten darüber liest, dass das falsche Bein amputiert oder die verkehrte Niere entfernt wurde: Die Gefahr habe ich hinter mir. Beim letzten Mal ist tatsächlich das vom Karzinom befallene Stimmband weggelasert worden. Dafür hoffe ich nun auf ein Wunder, wie es vor geraumer Zeit einem Lungenkrebs-Patienten widerfuhr. Der bedrohliche schwarze Schatten im Lungenflügel war kein Tumor, sondern erwies sich als keimende Erbse, die als Nahrungsrest irgendwie den Weg in die Lunge gefunden und sich dort häuslich niedergelassen hatte. Wenn die Gewebeprobe ergibt, dass es sich bei mir nicht um einen neuen Krebsherd, sondern um einen Knoblauch-Keimling handelt - ich bin einverstanden! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur gestrigen platten Schmunzelpost merkt Maria an: Meinäh, wat häs du di för ne Moite maakt! Jo, Platt is ne Sproake för sik, dat het nix met Dialekt te doen. Met n groetet "Regelwerk". Ansick is et jo kenne Schriftsproake, et kömp van't Proaten un Widdervertellen. Un wenn man Saaken säch, bi de du up Hochdüetsch in't Kittken kömps, up Platt rühch säggen kass, dat wet de meesten uk. 
 
PPS. Und im unerschöpflichen Witzreservoir Martins gibt es selbstverständlich auch eine Westfalen-Ecke: Bauer Friedhelm Wottelkamp aus Billerbeck zum Pastor: "Es gibt ja nun leider keinen heiligen Friedhelm. Ich geb dir ein ganzes Schwein, wenn du Sonntag beim Hochamt einmal in der Heiligenlitanei singst 'Heiliger Friedhelm'!" - "Jau, fürn Schwein mach ich das!" Am Sonntag singt er nun die Litanei 'Heiliger Josef', 'Heilige Maria' usw.; der Küster antwortet jeweils 'ora pro nobis', bitte für uns. Dann kommt wie besprochen 'Heiliger Friedhelm' - 'gibbet nich in Billerbeck ' - 'Heiliger Friedhelm' (mit Nachdruck) - 'gibbet nich in Billerbeck ' - 'krieg ich en ganzes Schwein für' - 'gibbet nich in Billerbeck ' - 'kriss die Hälfte mi-hit' - 'ora pro nobis'! 

 Schmunzelpost 997 vom 12. 11. 23

Gueten Muorn!
 
Well A sägt mot auk B säggen. Vor einigen Wochen gab ich dem vielfachen Wunsch einer vereinzelten Dame aus Rhade nach und versprach, mal eine Schmunzelpost dem Münsterländer Platt zu widmen. Bisher hatte es noch nicht geklappt, aber wet nich is kan noch wärn. So dachte ich und stieg in die Materie ein.
 
Die ist jedoch alles andere als platt, sogar hochkompliziert. Es gibt nämlich mehr als ein Münsterländer Platt, das als niederdeutscher Dialekt gilt und der Untergruppe Niedersächsisch zugerechnet wird. Zwar hat sich das "Sandplatt" in weiten Teilen des Münsterlandes durchgesetzt, aber die Ausnahme aus dem Altkreis Tecklenburg umfasst nicht nur Teile der Kreise Borken und Coesfeld, sondern reicht zum Kreis Recklinghausen bis nach Haltern und soll sich mit dem Fürstbistum Münster überschneiden. Obendrein gibt's auch noch lokale Unterschiede und verschiedene Ausdrücke für die gleiche Sache.
 
Nu komms du! Ik kuem uut Dorsten. Wao küms du dän hiär? Nu, sach wat. Wat büs Du den for Enen? Tja, he kan de Tiäne nich uutnenne kriegen. Vielleicht müsst Ihr Euch erst ein wenig einlesen, damit Euch die Worte wieder einfallen. Hier ist ein kleiner Text von Bernd Schmitz mit dem Titel "So sind 'se!": Dirks Buer lag in´t Stiärwen. Dao riskede he sik up, kek up sine Frau un sag, " Liesbet ik mot aftreken un di met dat gase Wiärks sitten laoten.  Unner Wiwerhänne vokümp de Buerie. Daorum dao mi een Gefallen un hiraode usen Knecht. De is aal lang up usen How un vostait wat van de Sake." Dao säg sine Frau: "Ach mien laiwe man, wän`t aners niks is dän kans dine Augen män ruhig to doon, wi sit us aal lang enig."

Wie, nix verstaan? Gebt Euch mal ein bisschen Mühe. Na ja, womöglich sollten wir mit Abzählreimen anfangen: Ik un du, Möllers Ko, Möllers Iesel, dat büs du! Und: Eene, mene, mu  - wer lacht nu? Dat dös du! Seht Ihr, ist doch kinderleicht! Und es soll niemand behaupten, Westfalen hätten mit Karneval und Fastnacht nichts am Hut: Wan Fastaomd is, wän Fastaomd is, dän slacht mien Va een Buk. Dän danst mine Moer, dän danst mine Moer, dän swaggelt üör de Rock. Aber am 11. 11. begannen ja nicht nur die tollen Tage, da wurde auch St. Martin gefeiert: Löchte, löchte Lämpken, gait döör Pastoors Kämpken, gait so gaas alleene, up egene Beene.

So, da dies hier eine Schmunzelpost ist, schließe ich mit einem Leser-Wettbewerb, den der Oelder Anzeiger im März 2013 startete. Kurz zuvor waren zu einem Limerick-Wettbewerb hunderte von Fünfzeilern eingegangen. Um zu zeigen, dass man im Münsterland Humor hat, bat die Redaktion nun um westfälische Witze, am besten historische auf Platt. Als Beispiel wurde einer vorab gedruckt: Knecht Heinrich hat einen Brief bekommen, er verschwindet mit dem Schriftstück in seiner Kammer. Als er nach Stunden immer noch nicht zum Vorschein kommt, geht der Bauer rauf und findet ihn vor einer Landkarte. »Watt söggste denn?« – »Miene Bruut hätt schriäwen, se is in Umständen. Nu sök ick un sök, wo ligg denn blos dat Örtken.«

Der Erfolg war bescheiden. Ganze elf Einsendungen gab es, bloß zwei davon auf Platt. Aber drei kurze Scherze treffen unser westfälisches Wesen recht gut: Neulich war ich in der Kirche, da habe ich jemand gesehen, der hat dort geraucht! Da ist mir doch vor Schreck das Bier aus der Hand gefallen. - Nummer zwei: Was gehört zu einem Westfälischen Frühstück? Eine Flasche Korn, eine Kiste Bier, eine Mettwurst und ein Hund! Wieso ein Hund? Einer muß doch die Wurst essen!! - Einer geht noch: Fragt ein Beelener Bauer einen Oelder Bauern: “Was sagt Ihr in Oelde eigentlich zu einem Telefonmast?” “Gar nichts. Wir in Oelde reden nicht mit Telefonmasten.”
 
uet goan! 
kdk 

 Schmunzelpost 996 vom 11. 11. 23

Wieder in der Klinik. Es begann schon unschön, weil gestern um 6 Uhr früh der Wecker klingelte. Im Krankenhaus ging es dann sieben Stunden lang von Untersuchung zu Aufklärung zu Untersuchung zu Aufklärung zu Untersuchung und zu Aufklärung. Dabei wurde ich gepiesackt, in die Röhre geschoben, verkabelt, an der Zunge gepackt und im Kehlkopf beleuchtet, zu Ader gelassen und aufgeklärt. Zwischendurch gab es immer wieder Wartezeiten. 
 
Vorsorglich hatte ich mir ein Buch mit sprachkritischen Glossen von Wiglaf Droste eingepackt. Der Mann ging, er lebt ja leider nicht mehr, wesentlich akribischer mit der Sprache um als ich und reagierte empfindlich auf Missgriffe, die ich überhaupt nicht wahrgenommen hätte. Von einem seiner Leiden fühlte ich mich aber besonders angesprochen, weil ich oft ähnlich empfunden habe. Wiglaf Droste konnte es nicht leiden, wenn beim ersten Hören halbwegs witzige Wortspiele zu Tode gequasselt wurden. 
 
Beispiel gefällig? Droste fuhr mit der Bahn von Hamburg in Richtung Süden. Im gleichen Waggon saß ein Mann, der per Handy alle seine Freunde und Bekannten darüber informierte, wo er gerade gewesen war: "Ich komme aus Schläfrig-Holzbein..." Ein, zwei Mal, so der unfreiwillige Zuhörer, könne man den Kalauer mit Schläfrig-Holzbein statt Schleswig-Holstein mit viel gutem Willen ja noch komisch finden, dann aber nie wieder. Auch andere Mitreisende wären dem Witzbold nach der zehnten Wiederholung wohl am liebsten an die Gurgel gegangen.
 
 hnlich sei es Droste lange vorher mit einem an sich netten Vorgesetzten gegangen, bei dem er sich als Schüler etwas dazu verdiente. Der trank jeden Nachmittag mehrere Male ein Glas Apfelsaft und kommentierte dies stets mit den Worten: "Es geht doch nichts über Apfelsaft." Dann lachte er und fügte hinzu: "Apfelsaft, ha,ha." Der verstörte Junge brauchte danach Jahre, um selbst wieder beschwerdefrei ein Glas Apfelsaft trinken zu können. 
 
Das erste Rendezvous mit einer Angebeteten scheiterte, weil das Mädchen in jedem zweiten Satz statt zum Beispiel "zum Bleistift" sagte. Diese Angewohnheit hatte auch ein alter Freund von mir aus Lünen. Der saugte solche Worthülsen auf wie Bienen den Blütennektar und gab sie dann bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit mit großer Ausdauer zum Besten. Zu seinem Wortschaft gehörten "an und Pfirsich" sowie "Latürnich!" Letzteres kennt Ihr nicht? "Latürnich", äh, natürlich: Das setzte der beschwipste Obelix im Asterix-Band "Bei den Schweizern" in die Welt. Ich kann mich leider nicht davon freisprechen, das Wort auch hin und wieder verwendet zu haben. 
 
Eigentlich habe ich jedoch Wert darauf gelegt, Wiederholungen zu vermeiden. Mir war bei anderen aufgefallen, wie sehr mich der fortgesetzte Gebrauch als originell empfundener Redensarten bei anderen nervte. Ein Gewerkschaftskollege verabschiedete sich permanent mit "auf Wiese gehn!" Und ein anderer pflegte nach einem Bayern-Urlaub die Unart, "Grǘß Gott!" zu sagen und danach ein gemurmeltes "wennen siehst" nachzuschieben. 
 
Zurück zu Drostes Bahnreise. Nachdem der Fahrgast mit dem schläfrigen Holzbein ausgestiegen war, fand sich sofort ein würdiger Nachfolger. Der packte seinen Computer aus und sprach in sein Handy: "Da muss ich mal in meinem Schlepptop nachsehen." Der leidgeprüfte Autor befragte anschließend einen befreundeten Mediziner zu solchem Verhalten. Der sagte: "Das Leiden heißt repetitative Zwangskalaueritis. Schwer heilbar, aber nicht gefährlich." 
 
Allerdings könnten Menschen im Umfeld  sich Schlimmes zuziehen: "Das geht bis zum Hörsturz und bis zur Ertaubung. Na ja, das liegt alles in Christus." Als Droste fragend die Stirn runzelte, lachte der Arzt: "Krist Du's oder Krist Du's nicht?" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Vorsorglich weise ich darauf hin, dass "Glückauf" nicht in diese Kategorie gehört. Als Schalke-Freund und Spross einer Bergarbeiter-Region ist dieser Gruß für mich gleich doppelt zulässig. 

 

 Schmunzelpost 995 vom 10. 11. 23

Nachdem ich den Lottospielern unter Euch gestern zu einem Vermögen verholfen und mich dazu mit den Zahlen von 1 bis 49 befasst habe, widmen wir uns heute einer Ziffer, die auf dem Lottoschein nicht vorkommt: Der Null. Das hat Tradition. Die Null war den Mathematikern früherer Tage null und nichtig. Sie kam im römischen Zahlensystem überhaupt nicht vor. Das lag auch daran, dass das Nichts den Menschen unheimlich gewesen ist und die "Abscheu vor der Leere" lange Zeit das Denken der Europäer prägte.
 
Ich kann das nicht verstehen. Denn eine Null kommt doch selten allein. Und sie ist gern bereit, sich hinten anzustellen. Was ist schon ein Euro? Aber mit zwei Nullen dahinter sieht die Sache schon anders aus. Je mehr Nullen sich anschließen, desto vermögender werdet Ihr und Euch erschließen sich vielerlei Möglichkeiten, das Geld genussbringend auszugeben. 
 
Die Inder haben das schon viel früher erkannt als wir. Als jedoch die Null im 13. Jahrhundert allmählich nach Europa vordrang, wollten die Christen lange nichts von dem "Teufelswerk" wissen. Erst musste im 16. Jahrhundert Rechenmeister Adam Ries kommen. Er paukte seinen Lesern mit nicht lateinisch, sondern deutsch verfassten Lehrbüchern den Wert der neuen Mathematik gründlich ein und verdiente sich so als Geistesriese das später an seinen Namen angehängte e. 
 
Auch der Name der Null wandelte sich. Aus der indischen Bezeichnung "Sunya" wurde das arabische "Sifr". Die Italiener machten daraus "Zefiro", die Venezianer "Zero". Was die Engländer mit zero Veränderungen übernahmen. Die Franzosen verhunzten "Sifr" zu "Cyfre", woraus sich dann "Chiffre" entwickelte. Und in Deutschland wurde von "Zeifer" gesprochen, was uns in Form der Ziffer erhalten blieb. 
 
Falls Euch heute eine Null mit stolzgeschwellter Brust begegnet, wo auch immer die in dem runden Körper angesiedelt ist, dann müsst Ihr dafür Verständnis haben. Seit Beginn des digitalen Zeitalters, in dem die 0 neben der 1 zur wichtigsten Zahl überhaupt wurde, ist ihr Ansehen mächtig gestiegen. Wenn Ihr jetzt trotzdem sagt, diese Schmunzelpost hätte für Euch null Informationswert, dann werde ich in nullkommanichts fuchsteufelswild. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 994 vom 9. 11. 23 

Spielt Ihr Lotto? Und wollt Ihr gerne mal sechs Richtige haben? Dann müsst Ihr weiterlesen. Denn im Laufe dieses Textes verrate ich Euch, wie Ihr es garantiert schaffen könnt, bei der nächsten Zahlenziehung sechs Mal goldrichtig zu liegen. 
 
Ich selbst habe nie Lotto gespielt. Allerdings habe ich es als Schalke-Anhänger und somit ausgewiesener Fußballfachmann mal mit Toto versucht. Damals galt es, von elf Spielen den richtigen Ausgang vorherzusagen. Nicht das Endergebnis, sondern Sieg oder Unentschieden der Heim-Mannschaft beziehungsweise einen unentschiedenen Spielausgang. Das kann doch nicht so schwer sein, dachte ich. Zumal es Systemtipps gab, bei denen man für vergleichsweise wenig Geld mehr Kreuzchen machen konnte. 
 
Gleich mit meinem ersten Tippzettel gewann ich bei rund 10 DM Einsatz mit zehn Richtigen 200 Mark. Super! Ich hatte Blut geleckt. Und versuchte nun mit ausgefeilten Strategien einen Volltreffer zu landen. Oberster Grundsatz jedoch blieb, insgesamt nie mehr als das gewonnene Geld einzusetzen. Was soll ich sagen? Mal hatte ich mehr, mal weniger Glück, vermied es aber stets, in die roten Zahlen zu rutschen. Und endlich, endlich, in der Bundesliga-Pause, als es um Spiele der italienischen Serie A ging, jubelte ich angesichts der Ergebnisse - mir waren tatsächlich elf Volltreffer gelungen! Voller Vorfreude überlegte ich, was ich mit der erhofften fünfstelligen Gewinnsumme machen würde. 
 
 Angesichts der Quote kehrte Ernüchterung ein: Es war ein Spieltag ohne jede Überraschung gewesen. Die Favoriten hatten gewonnen. Und mit ihnen viele weitere Tipper, die über Fußballverstand verfügten. Wenn man allein die Mitgliederzahl von Schalke 04 betrachtet - ich hätte vorher wissen können, dass ich nicht der einzige Experte bin. So gab es bloß magere 293 Mark. 
 
Die Enttäuschung motivierte mich zu noch größeren Anstrengungen. Für den ersten Spieltag der nächsten Bundesliga-Saison entwickelte ich ein System mit etlichen Tippscheinen, die fast alle Möglichkeiten abdecken und eine hohe Quote bringen sollten. Da ich auch vorher insgesamt noch deutlich im Plus gewesen war, machte ich Nägel mit Köpfen und legte als Risikokapital noch 200 Mark obendrauf, um mit 1000 DM Einsatz eine todsichere Erfolgsgrundlage zu schaffen. Ein Kollege aus der Zeitungs-Geschäftsstelle, der seinen Lottoschein abgeben wollte, machte große Augen, als ich die Scheine hinblätterte. Womöglich hielt er mich für spielsüchtig. Egal. Ich lächelte ihn siegesgewiss an und freute mich aufs Geldzählen. 
 
Als ich am Radio die Spiele mitverfolgte, schmolz meine Zuversicht schnell dahin. Katastrophe! Eine Überraschung jagte die andere. Selbst Schalke verlor. Und am Ende konnte ich als Trostpreis nur 22,80 DM zusammenkratzen. Immerhin hatte ich meine Lektion gelernt. Ich experimentierte noch ein paar Wochen mit Tipps, ohne die Scheine abzugeben. Und musste feststellen, dass die Wahrscheinlichkeit auf Dauer nur noch drauf zu zahlen ungleich größer war, als die Chance, groß abzusahnen. Also gab ich das Totospielen auf. 
 
Aber ich kann rechnen. Und Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen. Deshalb, Lotto-Spieler, hergehört. Ihr solltet niemals 1, 2, 3, 4, 5 und 6 ankreuzen! Die Zahl der Gewinner drückt auch beim Lotto die Quote. Und nach der meistgetippten Zahl, der 19, folgen 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10 und 12 als am häufigsten angekreuzte Ziffern. Als am 10. April 1999 die Gewinnzahlen 2, 3, 4, 5, 6 und die 26 gezogen wurden, hatten sage und schreibe 38 008 Tipper fünf Richtige und bekamen dafür lächerliche 379,90 DM. Aus dem gleichen Grund sei vor Doppelzahlen wie 11, 22, 33 und 44 gewarnt. Und auch auf die abnehmende Folge 49, 48, 47, 46 sollte man besser verzichten. 
 
Doch wenn Ihr unbedingt sechs Richtige haben wollt, kann ich Euch sagen, wie Ihr das mit Sicherheit hinkriegt. Ihr müsst lediglich 13 983 816 verschiedene Tipps abgeben. Dann habt Ihr alle Möglichkeiten ausgeschöpft, wie zwischen 1 und 49 die sechs Zahlen angeordnet werden können. Ich helfe aber nicht beim Ausfüllen der Scheine. Und wo Ihr das Kapital für den Einsatz herkriegt, ist Eure Sache. Versucht's doch mal mit Toto. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 993 vom 8. 11. 23 

Diesmal gibt es endlich mal wieder einen Beitrag aus der Reihe "Was man nicht weiß, aber auch nie wissen wollte (was jedoch schade ist)". Einmal mehr stammt die Inspiration aus dem Bücherschrank. Dort fand ich ein Werk des sehr geschätzten Ranga Yogeshwar, der es wie kaum ein Zweiter versteht, auch komplexe Inhalte anschaulich zu vermitteln. Das Buch trägt den Titel "Sonst noch Fragen?". 
 
Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, was wohl hinter dem Vogel-V steckt? Nein, ich meine nicht den Buchstaben. Wenn Ihr von fern merkwürdige, schreppige Laute vernehmt und den Blick zum Himmel richtet, dann könnt Ihr dort eventuell eine V-Phalanx fliegen sehen. Die Nachzügler unter den Kranichen sind in Richtung Süden unterwegs, die Wildgänse aus Skandinavien und Sibirien kommen aus Nordost herbei, um hierzulande ihr Winterquartier zu beziehen. 
 
Früher glaubte ich, die Vögel würden sich so anordnen, um das Leittier stets im Blick zu behalten und nicht in den Darmausgang des Vorausfliegenden starren zu müssen. Nein, nein, Vögel sind clever bzw. aus Erfahrung klug. An den Flügel-Enden bilden sich nämlich große Luftwirbel, und die nachfolgenden Gänse oder Kraniche können die so entstehende Aufwindzone nutzen. Energieersparnis heißt das Zauberwort. Gerade Jungvögel können so in einer Art unsichtbarem Schlepptau mitgezogen werden. 
 
Wissenschaftler haben versucht, die Formation mit Flugzeugen nachzustellen. Doch auch die besten Piloten waren damit überfordert, so dicht aufzuschließen. Erst mit sehr aufwändigen technischen Hilfsmitteln gelang der Test. Und siehe da: Der Treibstoffverbrauch konnte bis zu 15 Prozent reduziert werden. Bis man jedoch soweit ist, Luftfrachtflotten in V-Formation (dann müsste es Luvtvrachtvlotten-Vormation heißen) die Ozeane überqueren zu lassen, wird wohl noch viel Zeit vergehen. 
 
 Immerhin hat man einen Teil des Prinzips bereits genutzt. An den Flügel-Enden neuerer Maschinen gibt es einen kosmetischen Knick, das "Winglet". Dies bewirkt immerhin eine Treibstoffersparnis von zwei Prozent, bei einem Langstreckenflug also mehrere Tonnen Kerosin. 
 
Ich sinne nun darüber nach, wie ich einen persönlichen Beitrag zur V-Flug-Forschung leisten kann. Meine bisherigen Flugversuche endeten bisher jedoch nach kurzer Zeit allesamt recht unsanft. Und ich habe keine Lust, in die Luftlöcher von Ikarus, dem Schneider von Ulm oder Otto Lilienthal zu treten. Wie aber wäre es, wenn ich mein E-Bike umrüste? Ich bringe überdimensionale Luftpumpen an, kopple sie mit dem Antrieb und puste damit jede Menge Aufwind in eine über meinem Kopf befestigte Kunststoffplane. Wenn dann noch ein Kranichschwarm an der Hürfeld-Halde vorbei kommt, trete ich mächtig in die Pedale, hebe ab und ... Über das spektakuläre Ergebnis könnt Ihr danach mit Sicherheit in der Zeitung lesen. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 992 vom 7. 11. 23 

Dieser Tage war zu lesen, dass Fachleute unter die Lupe genommen haben, was rund um den Erdball als Nachspeise serviert wird. Die Untersuchung, die eine Rangliste von 100 Desserts ergab, soll unbeeinflusst von manipulativen, lokalpatriotischen und nationalistischen Faktoren erfolgt sein. Auf Platz eins sei die Crepe gelandet, der bretonische Teigfladen, der in den unterschiedlichsten Variationen weltweit genüsslich verspeist wird.
 
Merkwürdig nur, dass im Internet die Rangfolge der veranstaltenden Plattform "Taste Atlas" zu ganz anderen Ergebnissen kommt. Dort landen Crepes bloß auf Platz acht. Den Platz an der Sonne belegen Mochi, eine Süßspeise aus Japan. Und von wegen frei von Einflüssen: Rang zwei, drei und fünf nehmen mit Cupcaks, Brownies und Chocolate Chip Cookies drei Leckereien aus den USA ein, die auch unter den weiteren Plätzen sehr gut vertreten sind. So liegt die "Apple Pie" auf Rang 18, das niederländische Appelgebaak weit hinten in den Neunzigern. Und auf den Plätzen 40 bis 42 rangieren Pecan Pie, Sniekerdoodler und Graham Cracker. 
 
Daher ist das deutsche Leckermäulchen beleidigt. Unsere Schwarzwälder Kirschtorte taucht erst auf Platz 53 auf, der Lebkuchen auf Rang 56. Da stimmt doch was nicht! Zumal so unbekanntes Zeug wie F'ngl's, das sind taiwanische Reisküchlein, auf Platz 62 und Ffeak, südkoreanische Reisküchlein, sogar auf Platz 21 notiert werden. Da ist es kein Trost, dass Mousse au chocolate auf Rang 48 gelandet ist. 
 
Ja, ja, ich gebe zu: Geschmäcker sind verschieden. Aber genau deshalb sind solche Ranglisten unsinnig. Sie erfüllen lediglich einen Zweck: Sie machen neugierig auf Köstlichkeiten, die bei uns nicht auf dem Speiseplan stehen. Neben der japanischen ist bei den Desserts auch die orientalische und türkische Küche sehr gut vertreten. Vielleicht sollten wir mal Lokum-Würfel kosten. Sie werden aus Gelee und verschiedenen Zutaten wie Rosenwasser, Bergamotte Orange, Mastix und Minze komponiert. 
 
Aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Ich empfehle Euch vier deutsche Spezialitäten, auch wenn sie es nicht unter die ersten Hundert geschafft haben. Die erste ist außen knusprig und innen ganz weich. Sie trägt ihren Namen wegen des ganz speziellen Zischens, wenn der Brandteig beim Frittieren ins Öl gleitet: Das Nonnenfürzle aus Schwaben. 
 
Einen Fummel kann man nicht nur am Leib tragen, man kann ihn auch essen. Zumindest, wenn es sich um das ballonartige Feingebäck Fummel aus Meißen handelt. Flutschmoppen sollte man dagegen gar nicht erst anprobieren, sondern sie gleich verzehren. Dieses rheinische Gebäck besteht aus Eiern, Mehl, Zucker, Zimt, Nelken und Kardamon. Und die letzte Köstlichkeit ist nichts für Freunde des Alkohols, auch wenn ihr Name so klingt. Die "Versoffene Jungfer" besteht ausschließlich aus Eiern, Mehl, Milch und alten trockenen Brötchen. Ein Arme-Leute-Essen - also genau das richtige für uns! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 991 vom 6. 11. 23 

Sonntag = Lesetag. Weil das für mich fast immer gilt, kann ich Euch wieder Fundstücke aus der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung präsentieren. Wie so oft waren im Streiflicht Sätze enthalten, von denen ich mir wünschte, ich hätte sie selbst formuliert. Wer einen Blick aufs Tabakregal und die Schockfotos auf den Zigarettenschachteln mit verfaulten Zähnen und verkrebsten Lungen riskiere, der "läuft Gefahr vor Schreck katholisch zu werden." Da sei Martin Luther vor! Raucher reagierten jedoch anders, um den Anblick zu verarbeiten: Sie gingen erstmal nach draußen, um sich eine Kippe anzuzünden.
 
Raucher, so heißt es im Streiflicht weiter, stünden heute als willensschwache Loser da, die nur eine Ausrede rette: "I wo, das ist keine Zigarette. Das ist ein Joint!" Das Schicksal der Qualmer könne bald aber auch den Freunden von Fleisch und Wurst drohen. "Wer sie auf dem Teller hat, steht in Verdacht, Tierquälerei, den Klimawandel und die Verformung des eigenen Körpers zur Fettkugel in Kauf zu nehmen." 
 
Britische Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass Schockfotos Menschen veranlassen können, auf Fleisch zu verzichten. Zumindest verging zehn Prozent der Versuchskaninchen völlig der Appetit. Das Streiflicht warf daher ein Horrorszenario für die Fleischfraktion an die Wand: "Was ist, wenn Lauterbach von der Studie Wind bekommt?" Womöglich würde dann bei uns der Schweinsbraten künftig mit Fotos aus Schlachthöfen garniert und das Jägerschnitzel mit Bildern von verbrannten Wäldern. 
 
Nein, nein, keine Sorge, möchte ich die Autoren beruhigen. Ihr in Bayern seid sowieso sicher, weil Markus Söder in seinem Reich sogar eher die Kreuze aus den Amtsstuben entfernen lassen würde als die Weißwurscht von seinem Teller. Und mit Blick auf die Wählerreaktionen würde die Ampelkoalition solange über einen solchen Beschluss streiten, bis sie abgewählt ist. 
 
Sorgen um die Wurst vertreibt auch ein Blick auf die Seite 10 in der gleichen SZ-Ausgabe. Obwohl vielfach angefeindet und von vegetarischen Ersatzprodukten bedroht, sei vor allem die Bratwurst nach wie vor sehr beliebt. Und dies sei nicht allein auf die Rettungsaktion von Altkanzler Gerhard Schröder für den "Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters" zurückzuführen. Das Kulturgut Wurst ist einfach zu tief verankert in der deutschen Seele, die bei uns wohl nicht im Hirn oder Herz sondern im Magen residiert. 
 
 Dies unterstreicht eine Neuheit aus Thüringen. Dort wird jetzt erstmals ein Bratwurstkalender zum Kauf angeboten. Statt schöner Frauen räkeln sich auf den Monatsblättern gut gebräunte Würstchen vor dem Hintergrund jahreszeitlich passender Landschaften. Appetitlich verziert mit Brötchen, Senf oder Ketchup. Und der Bratwurstkalender ist nicht allein. Es gibt auch Bockwurstkalender, Mettkalender und Wurstsalatkalender. 
 
Meine persönliche Empfehlung für alle heißhungrigen Würstchen unter den Schmunzelpostlesern passt hervorragend zum nahenden Dezember: Der Wurstadventskalender. Für 83 Euro bei wurstgeschwister.de. 
 
Guten Appetit! 
kdk 

 

 Schmunzelpost 990 vom 5. 11. 23 

Zwei Mädchen in der Familie können mitunter Bauchschmerzen bereiten. Eigentlich habe ich über meine beiden älteren Schwestern nicht viel zu meckern. Außer, dass sie mir die Angst vor Spinnen eintrichterten: "Wenn Du nicht artig bist, kommst Du in den Keller zu den Spinnen. Und die fressen Dich dann auf!" 
 
Aber auch Väter sind nicht immer über ihre Töchter glücklich. Jakob II., König von England, Irland und Schottland, gehörte zu ihnen. Jakob baute sehr auf seine Familie, weil er seinem Volk misstraute. Dafür gab es einen Grund. Die Engländer hatten seinen Vater Karl I. wegen allzu selbstherrlichen Gebarens enthaupten lassen. Und auch von Jakob II. hatten die Untertanen schon nach nur drei Jahren die Nase voll. Sie wandten sich deshalb an Jakobs Neffen Wilhelm von Oranien, den mächtigen König der Niederlande, mit der dringenden Bitte in Großbritannien für Ordnung zu sorgen. 
 
Wilhelm ließ sich das nicht zweimal sagen. Schließlich war er mit Jakobs Tochter Maria verheiratet und rechnete sich selbst gute Chancen auf den englischen Thron aus. Vor exakt 335 Jahren, am 5. November 1688, landeten niederländische Truppen auf der britischen Insel. Jakob war entsetzt. Als die Flotte bereits unterwegs war, schrieb King Jakob II. an seine Tochter: "Ich glaube gerne, dass es dir peinlich ist und du nicht weißt, wie du mir schreiben sollst, jetzt, wo das unrechtmäßige Vorhaben des Prinzen von Holland so allgemein bekannt ist. Und obwohl ich weiß, dass du eine gute Ehefrau bis, und das solltest du auch sein, so muss ich aus dem gleichen Grund glauben, dass du immer noch eine gute Tochter eines Vaters sein wirst, der dich immer so zärtlich geliebt hat und der nie das Geringste getan hat, um dich daran zweifeln zu lassen." 
 
Doch die Hoffnung, Maria könnte mäßigend auf ihren Gatten einwirken, ging nicht auf. Im Gegenteil. Maria machte sich nicht einmal die Mühe zu antworten. Weil der König sich weigerte seinem Neffen auf dem Schlachtfeld zu begegnen, floh Jakob zurück nach London. Dort musste er entsetzt erfahren, dass auch seine jüngere Tochter Anne zum Feind übergelaufen war. "Gott steh mir bei", rief er, "meine eigenen Kinder haben mich verlassen." 
 
Da wusste er noch gar nicht, dass Anne am Vorabend der Invasion ihrem Schwager geschrieben hatte und Wilhelm in ihrem Schreiben "viel Erfolg für dieses so gerechtfertigte Unterfangen" wünschte. Und bei seiner Ankunft in London begrüßte sie den neuen Herrscher in einem Kleid, das mit orangefarbenen Bändern geschmückt war. Jakobs Neffe Wilhelm und seine Frau Maria wurden mit ihrem Segen als Wilhelm III. und Maria II. als Königspaar gekrönt. Und Anne, die später die Krone übernehmen sollte, meinte mit Blick auf ihren ins französische Exil geflüchteten Vater, dessen Worte hätten sie nicht einen einzigen Augenblick bewegt. 
 
So kann ich von Glück sagen, dass meine Schwestern mich nie vom Thron des Nesthäkchens der Familie Krause gestoßen haben. Aber sie waren auch nicht mit Holländern verheiratet. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 989 vom 4. 11. 23

Heinrich Lübkes Äußerungen von teilweise recht schlichter und mit zunehmender Amtszeit verwirrter Denkungsart, sind auch von Alter und Krankheit geprägt. Dies konnte ein Spross der Kennedy-Familie nicht in Anspruch nehmen, als er auf den Spuren von John F. und Robert Kennedy beschloss, ebenfalls für die US-Präsidentschaft zu kandidieren. Vor genau 44 Jahren, am 4. November 1979 gab er ein TV-Interview mit verheerender Außenwirkung, das wesentlich dazu beitrug, dass Kennedy bereits bei den Vorwahlen auf der Strecke blieb. 
 
Im Dialog mit Roger Mudd für die CBS News wurde der Senator, der seine Kandidatur offiziell noch nicht bekannt gegeben hatte, gefragt, warum er Präsident werde wolle. Diese simple Frage brachte Ted Kennedy derart aus der Fassung, dass er stotterte: "Nun ... ich... äh ... sollte .... bekanntgeben ... äh, dass ich kandidieren werde." Im weiteren Verlauf des Interviews wurde es nicht besser. Kennedy versuchte dauernd abzuschweifen und stammelte, was das Zeug hielt. Und darin bewies er eine Meisterschaft, die selbst einen Edmund Stoiber mit Neid erfüllt hätte. 
 
Ganz besonders ins Schwimmen kam er, als er sich zum berüchtigten Chappaquiddick-Unfall äußern sollte. Zehn Jahre zuvor hatte Kennedy auf der kleinen Insel am Steuer eines Autos gesessen und war damit von einer schmalen Brücke ins Wasser gestürzt. Kennedy hatte jedoch Glück und kehrte unverletzt in sein Hotel zurück. Dagegen ertrank seine junge Beifahrerin in dem untergehenden Fahrzeug. Und Kennedy nahm sich fast zehn Stunden Zeit, bis er die Polizei anrief. Was viele Fragen aufwarf und ihm schließlich eine zweimonatige Haftstrafe eintrug, die er aber niemals antreten musste. 
 
Als ihn Roger Mudd 1979 dazu befragte, geriet Kennedy nochmal ins Schleudern. Aber sowas von! Hier der Originaltext seiner Antwort: "Oh, es gibt ... das Problem ist ... von dieser Nacht an ... ich finde mein Verhalten ... ich habe mich so verhalten ... äh, dass ich es selbst kaum glauben kann. Ich meine, deshalb war es ...  aber ich glaube, dass   ...  dass ... es war so. Zufällig genau so war es. Jetzt glaube ich, dass ich angegeben habe, dass ich habe ... dass mein Verhalten, dass ... an diesem Abend ... darin als Ergebnis der Auswirkung des Unfalls ... im Sinne eines Verlustes, im Sinne der Hoffnung, und der ... Umstände, dass mein Verhalten ... äh ... unerklärbar war." 
 
Was soll man dazu sagen? Für mich ... äh, also... ich würde sagen, dass ... Kennedy war doch Berufspolitiker ... also, dass ... und wenn man bedenkt, dass er Präsident ... es ist nicht zu glauben ... also, äh, für mich ... ist solch Gestammel unerklärbar. Deshalb halte ich mich nun an die Worte des Vorsitzenden Heinrich und gehe schlafen. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 988 vom 3. 11. 23

Heute profitiert Ihr mal wieder davon, dass ich mich um einen Dorstener Bücherschrank kümmere. Nach den Aufräumarbeiten habe ich diesmal für mich die "Worte des Vorsitzenden Heinrich" abgezweigt. Das Werk, das 1968 erstmals erschien und nach mehreren Neuauflagen bereits 1969 mit 135 000 Exemplaren verbreitet war, ist äußerlich angelehnt an die Mao-Bibel. Sein Umschlag ist jedoch nicht rot, sondern grün - schließlich stammt Heinrich Lübke aus einer sauerländischen Bauernfamilie und war vor seinen beiden Amtszeiten als Bundespräsident auch Landwirtschafts-Minister. 
 
Gesammelt wurden die Zitate "für den deutschen Menschen von den Gebrüdern Grimmig". Hinter diesem Pseudonym verbarg sich der Anwalt Hans Heinz Heldmann, der sich in den 60er-Jahren vorrangig für die Interessen von Minderheiten einsetzte. Was Heldmann nicht wissen konnte: Während seiner bis 1969 dauernden zweiten Amtsperiode litt Lübke, wie erst viel später heraus kam, bereits unter Zerebralsklerose. Grob übersetzt kann man auch fortschreitende Verkalkung dazu sagen. Das wird viele Versprecher beeinflusst haben, zumal Lübke zum Entsetzen seiner Berater die Neigung hatte, Redemanuskripte beiseite zu legen und frei zu sprechen. Wie ebenfalls erst später bekannt wurde, wurden ihm seine fast sprichwörtlich gewordenen Englisch-Sprachschöpfungen ("Equal goes it loose") jedoch allesamt nachträglich von einer Gruppe von Spiegel-Redakteuren angedichtet. 
 
Die folgenden Zitate sind aber alle echt. Krankheit hin oder her, wer das Bild von Heinrich Lübke vor Augen und seinen Tonfall im Ohr hat, der könnte glauben, diese Beiträge seien von Loriot inszeniert worden. Ich zitiere dazu aus dem Vorwort: "Der Vorsitzende Heinrich spricht zu allen Lebensfragen. Deshalb sind seine Worte geeignet, auch in allen Lebenslagen zu echten Nothelfern zu werden. Der Vorsitzende Heinrich begreift Denken und Sprechen nicht als zwei getrennte Vorgänge: durch die Gleichzeitigkeit nämlich vermag sich nirgendwo arglistiger Hintersinn einzuschleichen. Die Worte des Vorsitzenden Heinrich sind Perlen, Kleinkunstwerke gar. 
 
(...) Um die Ideen des Vorsitzenden Heinrich zu meistern, muss man sie sich immer wieder aufsagen, sie laut sich selbst und anderen vorlesen. Am besten ist es, einige seiner Sentenzen auswendig zu lernen. Das hat zudem den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass die Weisthümer des Vorsitzenden Heinrich unter allen möglichen Umständen und auch bei schlechten Lichtverhältnissen zugänglich sind." 
 
Als der Vorsitzende Heinrich 1967 einmal in Kanada war, stellte er fest: "In meiner Kindheit bin ich durch Karl May an Kanada gekommen. Damals war ich sieben Jahre alt. Heute ist das anders." Später ergänzte er: "Ich habe - gefragt wegen meines Interesses, habe ich gesagt, ich wäre dort in meiner Jugend schon längst mit meinem Freund Karl May - spazierengegangen. Dafür hatten sie volles Verständnis." 
 
Doch auch ohne Karl May war Heinrich von Kanada beeindruckt: "In diesem Lande sich zu bewegen ist etwas völlig neues unserem Lande gegenüber. Während wir hier in Europa, wenn wir ein paar Stunden unterwegs sind mit dem Flugzeug, über mehrere Grenzen hinweg kommen, ist da drüben dieses Land, das vierzig Mal so groß ist wie Deutschland, aber nur 19 Millionen Einwohner hat, also ein Drittel der Einwohner, die Deutschland hat, auf diesem kleinen Fleck, das ist so zukunftsträchtig, das ist so reich an Bodenschätzen, das ist so reich an bereitwilligen Arbeitskräften, aber es fehlt ihnen an Menschen." 
 
Nur schade, dass Kanada so weit weg ist. "Die Rückreise war, kurz und bündig gesagt, sehr anstrengend. Wir flogen neunzehn Uhr dreißig gestern abend ab und waren neun Uhr dreißig hier, das wird - das würde bedeuten, daß wir also fünf Stunden länger unterwegs wären, als notwendig war. Denn das, diese fünf Stunden ist eben die Umdrehung der Erde schuldig oder verantwortlich dafür." 
 
Darüber möchtet Ihr bestimmt etwas länger nachdenken. Deshalb verabschiede ich mich für heute mit den Schlußworten des Vorsitzenden Heinrich: "Mit diesen Worten möchte ich aufhören, meinen Schluß machen. Es wird, glaube ich, ganz gut . . es würde für mich ganz gut sein, wenn ich einige Stunden ins Bett gehe. Guten Morgen, meine Damen und Herren." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 987  vom 2. 11. 23 

Wenn der Mensch der Natur oder ihren Geschöpfen den Krieg erklärt, dann bleibt er meistens Sieger. Die Frage ist, ob es sich dabei nicht fast immer um Pyrrhus-Siege handelt. Denn, wie der Klimawandel zeigt und das fortdauernde Artensterben vermuten lässt, schlägt die Vernichtungstaktik irgendwann mit voller Wucht auf uns zurück.
 
Auf den Tag genau vor 91 Jahren hatten die Australier sich einen kampfstarken Feind ausgesucht. Ihre ca. 20 000 Widersacher waren allesamt etwa 1,80 m groß, hatten wilde, rote Augen und besaßen Krallen, mit denen sie einen Mann mit einem einzigen gezielten Schlag erlegen konnten. Vorher hatten sie bereits die Farmer in der Region Perth zur Verzweiflung gebracht, in dem sie deren Weizenfelder komplett verwüsteten. Die Landwirte wandten sich daraufhin mit der Bitte an den australischen Verteidigungsminister, dass Militär möge die Feinde mit Hilfe von Maschinengewehren nicht nur vertreiben, sondern auslöschen. Der Minister beauftragte damit Major G.W.P. Meredith von der siebten Geschütztruppe der Royal Australien Artillerie. So begann am 2. November 1932 der sogenannte "Große Emu-Krieg."  
 
Doch die Offensive verlief völlig anders als erwartet. Die flugunfähige Vogeltruppe verteilte sich sofort in kleine Gruppen und war schwer zu treffen. Tiere, die getroffen wurden, liefen trotzdem weiter, als ob sie gegen Kugeln gefeit wären. Nur wenige wurden getötet. Am dritten Tag des Krieges plante Meredith einen Hinterhalt. Aber als eine große Gruppe von Emus in Schussweite kam, klemmte das Maschinengewehr. Nun ließ der Befehlshaber Maschinengewehre auf dem Dach von Lkw montieren. Doch die Emus liefen schneller, als ihre Gegner fahren konnten. Zudem wurden die Trucks so durchgerüttelt, dass die Schützen kaum einen gezielten Schuss abgeben konnten. Der Krieg endete nach weniger als einer Woche mit einer verheerenden Bilanz. Hunderttausende von Schüssen waren abgegeben worden, aber unter den Emus waren kaum Opfer zu beklagen. 
 
Ich bin für die Aufrüstung der Kaninchen. Aber das soll bitte nicht die Materialverwaltung der Bundeswehr übernehmen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 986 vom 1. 11. 23 

Am 1. November wird bei uns Allerheiligen gefeiert. Und am Vorabend zunehmend auch aus den USA Halloween importiert. In beiden Fällen stehen dabei mitunter gruselige Gestalten im Mittelpunkt. Als wir am Dienstag mit dem Bus nach Recklinghausen gefahren sind, setzte sich eine direkt neben mich - ein kleiner Tod mit Totenkopfmaske und Sichel. Sein Vater wollte mich mit den Worten beruhigen: "Sie brauchen keine Angst zu haben." Die hatte ich sowieso nicht, dafür ergänze ich völlig furchtlos heute noch ein wenig meine jüngste Schmunzelpost-Galerie der schaurigen Persönlichkeiten. Ich hoffe, Ihr seid ebenfalls angstfrei.
 
Bei den Heiligen ist in der Regel nicht ihr Charakter entsetzlich, sondern meistens der Märtyrer-Tod, den sie angeblich starben. Ein Beispiel dafür ist Jose Sanchez del Rio. Der Junge war 1927 erst 14 Jahre alt, als er für Mexiko in den Krieg zog. Er wurde gefanggenommen. Seine sadistischen Entführer zwangen ihn, mit aufgeschnittenen Füßen zum Friedhof zu laufen. Wenn er dabei rufen würde: "Tod für Christus den König" versprach man ihm die Freilassung. Stattdessen soll er jedoch gerufen haben: "Es lebe Christus der König", was ihn zwar das Leben kostete, aber die spätere Heiligsprechung eintrug. 
 
Auf ganz andere Weise gingen viele grausame Tyrannen in die Geschichte ein. Hitler, Stalin, Pol Pot, Idi Amin - die Reihe blutrünstiger Despoten, die uns heute noch bekannt sind, ist leider lang und ließe sich noch fortsetzen. Aber was hatte eigentlich Iwan der Schreckliche auf dem Kerbholz? Er regierte als erster Alleinherrscher in Russland, nachdem er 1546 die Macht übernommen hatte. Bereits als Kind neigte er zu Wutausbrüchen und Sadismus, unter dem jedoch zunächst nur Tiere zu leiden hatten. 
 
Seit dann aber eine Verschwörung, die sich gegen seine Mutter richtete, aufgedeckt wurde, litt Iwan unter krankhaftem Misstrauen. Und als 1560 seine Frau Anastasia mit nur 27 Jahren starb, womöglich der einzige Mensch, den er je geliebt hat, drehte Iwan völlig durch. Ein aus der Luft gegriffenes Gerücht, Anastasia sei einem Giftmord zum Opfer gefallen, veranlasste ihn, eine unschuldige Hofdame der Hexerei zu bezichtigen und sie auf extrem grausame Weise hinzurichten. Erst musste die arme Frau mitansehen, wie ihre fünf Söhne umgebracht wurden, dann folterte man sie langsam zu Tode. 
 
Danach folgten fast drei Jahrzehnte mit den schlimmsten Terrorjahren, die es in Russland vor Stalin gegeben hat. Neun Wellen von Massenexekutionen fegten durch das Land. Dazu hatte Iwan eine Spezialtruppe, die "Opritschniki", gegründet, die auf 15 000 Mitglieder anwuchs. Leibwächter, Polizisten, Spitzel und Henker, die eine Feuersbrunst des Schreckens verbreiteten. Als Höhepunkt des entsetzlichen Treibens ließ Iwan die Bevölkerung einer ganzen Stadt abschlachten, weil die verzweifelten Bürger des belagerten Nowgorod es gewagt hatten, sich mit der Bitte um Hilfe an den schwedischen König zu wenden. Das furchtbare Gemetzel trug Iwan noch zu Lebzeiten seinen Beinamen ein. 
 
Er tat alles, um sich den Titel des Schrecklichen wirklich zu verdienen. Innerhalb von neun Jahren heiratete er fünf Mal, ließ seine Gattinnen jedoch rasch wieder umbringen oder, wenn sie sehr viel Glück hatten, einsperren. Als Anlass zum Verstossen reichte ein im Traum gesprochenes Wort. Iwan hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, seine schlafenden Gemahlinnen zu belauschen. Seinen ältesten Sohn erschlug er im Jähzorn eigenhändig mit einer Keule. Als Thronfolger blieb daher nur dessen schwachsinniger Bruder Fjodor übrig. 
 
Die Wut des Zaren konnte sich aber auch gegen x-beliebige Menschen richten. Zu dem Zweck hatte er besonders große eiserne Pfannen schmieden lassen, um seine Opfer bei lebendigem Leibe zu braten. Und Iwan war einfallsreich. So berichtete ein Gesandter vom Schicksal eines Fürsten, über den der Zar sich geärgert hatte. Deshalb ließ er den Mann in ein Bärenfell einnähen und anschließend vor seinem Hofstaat von großen Hunden zerreißen. Dieses Schauspiel, so der Gesandte, belustigte Iwan so sehr, dass er vor Freude nicht wusste, auf welchem Bein er stehen sollte. 
 
Ein echtes Herzchen, was? Falls es also zu Halloween an Eurer Haustür klingelt und ein kleiner Putin hält Euch einen Beutel entgegen, dann füllt ihn besser mit Süßigkeiten. Wer weiß, was aus dem Jungen wird, wenn er groß ist. Auch unter unserem Dach lebt ein kleiner Haustyrann: Milly, der ein klein bisschen Schreckliche. Wenn wir auf sein Gemecker nicht reagieren und uns weigern, ihn vor der Zeit zu füttern, lauert er uns auf und zwickt uns ins Bein! Doch der Kater hat auch eine soziale Ader: Als süßes Halloween-Geschenk schleppte er dauernd eine mausetote Ratte an, der er Saures gegeben hatte.  
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 985 vom 31. 10. 23  

Die Bekloppten sind unter uns. Falls sie jedoch weit genug von uns entfernt ihr Unwesen treiben, bekommen wir das gar nicht mit. Genauso ist es mir mit einem Mann ergangen, der selbst Donald Trump und King Jong Un noch in den Schatten stellt. 
 
Kennt Ihr Saparmyrat Nyyazow? Nein? Dann sollt Ihr ihn kennenlernen. Vor rund 30 Jahren nutzte der frühere Generalsekretär der Kommunistischen Partei eines zentralasiatischen Landes den Zerfall der Sowjetunion, um sich an die Spitze des Staates Turkmenistan zu setzen. Die erste Präsidentenwahl verlief für ihn noch enttäuschend. Er erhielt bloß 99,5 % der abgegebenen Stimmen. Bei seiner Wiederwahl, die gleichzeitig mit der Ernennung zum Präsidenten auf Lebenszeit verbunden war, lief es schon besser. Diesmal wählten ihn 99,9 % der Turkmenen. 
 
Das hatte Saparmyrat aber auch wirklich verdient. Schließlich war er so beliebt wie kein zweiter in seiner Heimat. Dass dort überall auf Bannern, Gebäuden, Werbetafeln, Geldscheinen, in Geschäften, Schulen und selbst in den Flugzeugen von Turkmenistan Airlines sein Konterfei zu sehen war, ist ihm regelrecht unangenehm gewesen. So sagte er zu einem Journalisten: "Ich gebe zu, es gibt zu viele Bilder, Porträts und Monumente von mir. Ich finde daran keinen Reiz, aber die Leute verlangen es." Also beugte er sich dem Willen seines Volkes und ließ in der Landeshauptstadt Aschgabat eine 75 m hohe vergoldete Statue von sich errichten, die dem Lauf der Sonne folgt. 
 
Dass er kein gewöhnlicher Mensch war, ist Nyyazow stets klar gewesen. Um seinen Status als Gott zu unterstreichen, ließ er den Monat Januar nach sich benennen. Und die turkmenische Nationalhymne enthielt den Zusatz: "Wenn ich Turkmenbaschi betrüge, möge ich sterben." Turkmenbahsi, Herr aller Turkmenen, war der Kosename, den er sich selbst verliehen hatte. Der Freund des Volkes verlangte seinen Untertanen aber auch allerhand ab. Er verbot Ballett und Bärte. Auch Autoradios und Opern blieben den Bürgern untersagt. Und jemand, der sich im eigenen Glanze sonnt, schätzt es nicht, wenn es aus den Mäulern einfacher Leute ebenfalls blitzt. Goldzähne waren daher verboten und wurden ihren Besitzern auf Befehl Turkmenbashis umgehend gezogen. 
 
Um seine großartigen Visionen zu realisieren, plünderte er die immensen Erdgasvorräte seines Landes und ließ davon einen Eispalast, einen riesigen künstlichen See mitten in der Wüste und eine 40 m hohe Pyramide erbauen. Und um seinen Gottesanspruch zu untermauern, ließ er die Gybjak-Moschee errichten. Das riesige Bauwerk enthält eine einzigartige Besonderheit in der muslimischen Welt: Außer mit Versen aus dem Koran sind seine Wände mit zahlreichen Weisheiten Turkmenbashis beschriftet. 
 
Leider hat es mit der Unsterblichkeit trotzdem nicht ganz geklappt.  Lange vor seinem 70. Geburtstag starb Nyyazow im Dezember 2006. Er hinterließ seinem trauernden Volke als Vermächtnis das "Buch der Seele", das in zwei Bänden erschien. Darin ist nachzulesen, dass Turkmenistan vor Jahrtausenden das am weitesten entwickelte Land der Welt gewesen ist und das Rad ursprünglich in Turkmenistan erfunden wurde. 
 
Falls Ihr Euch ein Beispiel nehmen wollt und einem anderen großen Geist nach dessen Ableben ein Denkmal setzen wollt: Ich habe nur eine einzige Bedingung. Die Krause-Skulptur muss mindestens 76 Meter hoch sein. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 984 vom 30. 10. 23 

Abkürzungen können das Leben leichter machen. Das gilt auch und gerade für sprachliche Kürzel, die sich bei uns derart eingebürgert haben, dass viele Menschen kaum noch wissen, was sich hinter den Großbuchstaben verbirgt. Im politischen Raum hat sich jetzt CDU, SPD, FDP und, brrrr, AfD eine weitere Abkürzung hinzu gesellt: Die BSW. Na? Funkt's bei Euch im Oberstübchen? Richtig, BSW steht für Bündnis Sarah Wagenknecht. 
 
In der Süddeutschen Zeitung hat sich Boris Herrmann mit der Frage befasst, wie andere diese Kurzform finden. Nicht irgendwelche Leute, sondern solche, die bereits vorher auf die gleiche Abkürzung zurückgegriffen haben. "Willkommen im Club" hat niemand gerufen. Und eine rechtliche Handhabe, dem politischen Bündnis dieses Kürzel zu verbieten, gibt es ohnehin nicht. Interessant finde ich aber, wie viele und welch unterschiedliche Gruppen und Einrichtungen ebenfalls die drei Buchstaben BSW für sich verwenden. 
 
 Da haben wir zum Beispiel den Bund für Solarwirtschaft. Und den "Bundesverband Schwimmbad & Wellness e.V. . Na ja, ob Sarah Wagenknecht baden geht oder zum Wohlbefinden beiträgt, muss sich erst noch herausstellen. Verwechslungsgefahr besteht also erst mal nicht. Auch nicht mit der Berliner Service Werke Gebäudereinigung, kurz BSW. Oder mit dem Beamten-Selbsthilfewerk und dem Verband Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg (BSW). Warum es eine Stiftung BSW der Deutschen Bahn gibt, muss ich noch herausfinden. Mit etwas Kombinationsvermögen erschließt sich dafür, wieso der Basketball-Zweitligist BSW Sixers aus Bitterfeld-Sandersdorf-Wolfen die Abkürzung für sich gewählt hat. 
 
Nun sagt die Parteigründerin in spe, der Parteiname sei bloß eine Übergangslösung. Eine Möglichkeit wäre es wohl, den Zusatz zum Namen zum Hauptnamen zu erheben. Das wäre dann das "Bündnis für Vernunft und Gerechtigkeit". Das Kürzel könnte BVG lauten. Doch darunter firmieren bereits die Berliner Verkehrsbetriebe (das G steht dabei für Gesellschaft). 
 
Dass es mitunter bitter not tut, sich kürzer zu fassen, geht aus einer Notiz in der gleichen SZ-Ausgabe hervor. Darin wird über die Probleme eines adeligen Ehepaares aus Spanien berichtet, das durch die Namenswahl für seine am 7. Oktober geborene zweite Tochter mit behördlichen Vorschriften kollidiert. Das arme Kind heißt nach dem Willen der Eltern Sofia Fernanda Dolores Cayetana Teresa Angela de la Cruz Michaela del Santisimo Sacramento del Perpetuo Soccoro de la Santisima Trinidad y de Todos Los Santos. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. KdK steht übrigens für Klaus der Kluge. 
 
PPS. Um meine Klugheit zu belegen: Das BSW der Stiftung Deutsche Bahn resultiert aus Bahn-Sozialwerk. 
 

Schmunzelpost 983 vom 29. 10. 23 

Es ist für mich ein Rätsel, wieso intelligenzbegabte Menschen ihr Hirn völlig abschalten und sich den Befehlen von erkennbar menschenverachtenden, realitätsfernen und mitunter wohl auch dummen Despoten komplett unterordnen. In den USA haben das zwei Trump-Anwältinnen jetzt zugegeben und sich unter Tränen für ihr Fehlverhalten entschuldigt. Was jedoch hat sie zu ihrem Verhalten veranlasst? Geldgier, Machtstreben, Gefühlskälte, partielle Geisteschwäche?
 
 Anders ist die Sachlage bei Trittbrettfahrern, die im Windschatten von größenwahnsinnigen Tyrannen für sich die einzige Chance erkannten, einen Platz an der Sonne zu ergattern. Heinrich Himmler war so ein Fall. Der Chefarchitekt des Völkermords an den Juden war eigentlich ein erfolgloser, unbedeutender Wicht. Trotz eines Diploms in Agronomie kam er vor 1933 beruflich auf keinen grünen Zweig. Seine Hühner weigerten sich, Eier zu legen und seine Pflanzen gingen ein. 
 
 Also setzte Himmler früh auf die Karriere in einer aufstrebenden Partei. Doch auch dort wollte es anfangs nicht klappen. Lag es an seiner Ausstrahlung und seinem Charakter? Seine Kommillitonen an der Technischen Universität München in seiner Studentenverbindung versagten es ihm wiederholt, ihn zum "Fuchsmajor" zu wählen, ein Amt, das angesehenen älteren Studenten verliehen wurde. Und auch seine bayerischen NSDAP-Parteifreunde mieden ihn. Sie waren angewidert von Himmlers wichtigtuerischen Art und seiner Neigung, Parteigenossen mit einschüchternder, ätzender Kritik zu überziehen. 
 
Oder lag es an seinem Aussehen? Der pummelige, unsportliche Heinrich hatte nicht nur ein extrem fliehendes Kinn, sondern auch einen besonders unvorteilhaften Haarschnitt. Selbst seine Verlobte konnte sich 1929 einen Kommentar nicht verkneifen, nachdem Himmler ihr sein Foto geschickt hatte: "Warum hast Du eigentlich die Hand im Gesicht? Sollte Dein Kinn verdeckt bleiben?" 
 
Da aber weder Aussehen noch Charisma noch Fähigkeiten eine herausragende Rolle spielten, gelang es Himmler durch die Unterstützung der Parteispitze und ihres obersten Führers den Ruf als Hitlers treuester und gleichzeitig skrupelloster Diener zu erlangen. So formte er die SS, einen ursprünglich kleinen Ableger des "Führerwillens", zu einem Werkzeug der Machthaber. Das war umso erstaunlicher, weil Himmler dabei eine ganze Anzahl von esoterischen Wahnvorstellungen realisieren konnte. 
 
So wies er 1940 den Leiter des sogenannten Ahnenerbes an, die Hinweise auf Blitze in der altgermanischen Mythologie zu untersuchen. Seine Begründung dafür war, dass die Germanen so ein "hoch entwickeltes Kriegswerkzeug besessen hätten". Wie der Historiker Christopher Clark herausfand, verbrachten andere Forschungseinrichtungen der SS Tausende von Arbeitsstunden damit, ein gigantisches Verzeichnis der Hexenprozesse der deutschen Geschichte zu erstellen, weil Himmler überzeugt war, dass Hexen die Hüter eines okkulten Wissens waren. 
 
Außerdem wurde ein Expedition nach Tibet entsandt, um die Postulate der obskuren "Welteislehre" des Ingenieurs Hanns Hörbiger zu bestätigen. Und der SS-Reichsführer entsandte zudem eine Unmenge von Briefen über die korrekte Zubereitung und der Konservierung von Met sowie die beste Form von Mineralwasserflaschen, den Nährwert von Seetang und das Backen von Knäckebrot mit Hilfe von Seealgen. 
 
An die SS-Männer versandte Himmler Briefe mit der Aufforderung Kinder zu zeugen, vorher ihre Bräute von Gynäkologen untersuchen und sich nicht sich nicht länger von Frauen herumkommandieren zu lassen. Einem SS-Mann riet er, er solle seine Schwiegermutter in die Irrenanstalt einweisen lassen, einem anderen Diät zu halten: "Ich halte es für unmöglich, dass ein Mann mit 36 Jahren derart phlegmatisch, dick und bequem ist." Sagte der Mann, der selbst ziemlich pummelig und gern auch bequem war. 
 
Noch 1944 empörte sich Himmler darüber, dass manche SS-Führer in Russland die Seuchenvorsorge nicht ernst genug nahmen. Um die Übeltäter zur Vernunft zu bringen, schlug er ein Fliegen- und Mückenzimmer vor: "Dort sollen alle SS-Führer und Polizeiangehörigen, welche der Fliegen- und Mückenplage entweder uninteressiert oder sogar überlegen lächelnd gegenüber stehen, eine fürsorglich Aufnahme für längere Zeit finden." 
 
Dazu kam eine wahnhafte Homophobie. Bereits 1937 schätzte Himmler, dass in Deutschland rund zwei Millionen homosexueller Männer lebten. Seine Schlußfolgerung: Wenn man zu diesen noch die "zwei Millionen geunden Männer" hinzurechne, die im 1. Weltkrieg gefallen seien, dann komme man auf vier Millionen Männer, die zur Fortpflanzung unfähig seien: "Das bedeutet, wenn das so bleibt, dass unser Volk an dieser Seuche kaputt geht." Ich könnte jetzt noch mehr schreiben, etwa über Himmlers Maßnahmen, riesige landwirtschaftliche Flächen zur Anpflanzung einer löwenzahnähnlichen Pflanze zu nutzen statt für Getreide, weil er glaubte, man könne so Naturkautschuk gewinnen. Eine fixe Idee, die auch ansatzweise nie funktionierte. 
 
Aber ganz nebenbei, und das ist das Traurige, organisierte Himmler höchst effizient den Tod von Millionen Juden und Zivilisten in den besetzten Gebieten. Als er 1945 bemerkte, die Sache mit dem Tausendjährigen Reich könne schief gehen, schwenkte er um, traf einen Vertreter des jüdischen Weltkongresses, um über Gefangenentransfers zu reden und behauptete: "Ich verabscheue Grausamkeiten!" Erst als er nach seiner Verhaftung merkte, dass er seinen Kopf nicht mehr aus der Schlinge ziehen konnte, biss er auf die Zyankalikapsel zwischen seinen Zähnen. 
 
Wie gut, dass wir in einer Demokratie leben und vergleichbare Typen mit AfD-Parteibuch heute noch nicht mehrheitsfähig sind. Da vertrauen wir doch lieber einem glatzköpfigen und übergewichtigen Schmunzelpost-Schreiber ohne extremes fliehendes Kinn. Zumindest solange, wie er nicht dazu aufruft, Knäckebrot aus Algen zu essen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 982 vom 28. 10. 23

Wer hat's erfunden? Etwa ein Schweizer? Nein! In vielen Fällen steckt hinter den bedeutendsten Erfindungen ein Deutscher. Am letzten Teil des Spruchs vom Volk der Dichter und Denker ist also doch etwas dran.
 
Ich kam darauf, als ich kürzlich über Johannes Gensfleisch schrieb, der unter dem Namen Gutenberg als Erfinder des Buchdrucks in die Geschichte einging. Vor allem jedoch im 19. und 20. Jahrhundert häuften sich in Deutschland Erfindungen, die aus unserer Gegenwart nicht wegzudenken sind. Längst nicht alle waren segensreich. Militärisch genutzte Novitäten klammere ich hier aus. Es bleiben auch so noch genug Erfindungen übrig, über deren Wert man streiten kann. Zum Beispiel aus Sicht des Klimaschutzes das Auto, an dessen Entwicklung unsere Landsleute großen Anteil hatten - angefangen vom Otto-Motor und der ersten Fahrt mit dem Benz-Mobil im Jahr 1886. 
 
Überhaupt hatten unsere Techniker einiges auf der Pfanne (obwohl die Teflon-Pfanne auf das Konto von britischen und französischen Chemikern geht). Gerade bei luftigen Fortbewegungsmitteln waren Deutsche führend. Das Spektrum reicht vom Zeppelin, über das erste Metall-Flugzeug, den Hubschrauber und den Düsenjäger bis hin zur Schwebebahn. Doch es sind nicht nur große Sachen, die dem Hausmann Freude machen: Das Waschmittel, die Thermosflasche, die Kaffeemaschine, den Teebeutel, die Filtertüte und selbst Ohropax haben wir erfunden! 
 
Auch auf dem Gebiet der Medizin erwarben Deutsche große Verdienste. Ratet mal, was Wilhelm Conrad Röntgen erfunden hat. Aber auch das Aspirin, Tempo-Taschentücher, Nivea-Hautcreme und Zahnpasta helfen uns dabei, gesund zu werden oder zu bleiben. Damit die Ärzte trotzdem etwas zu tun haben, erfanden wir dann auch ungesundes Zeug wie Gummibärchen und die Curry-Wurst. Oder Fußball-Schuhe mit Schraubstollen zur Freude der Orthopäden. Und um den Familienfrieden zu ruinieren, steuerten wir das Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel bei. 
 
Auch am modernen Zeitvertreib Nummer eins hat ein Deutscher großen Anteil. Bereits 1941 erfand Konrad Zuse den Computer. Sein Prototyp wurde übrigens mit Hilfe eines Staubsauger-Motors betrieben. Heute ist die Technik unglaublich fortgeschritten und ermöglicht bahnbrechende Erfindungen zur Bereicherung der Kultur. Ein verkanntes Genie lebt in Dorsten - der Erfinder der Schmunzelpost. (Falls Ihr das nicht lustig genug findet, greift bitte auf ein technisches Hilfsmittel zurück. Dafür hat Walter Thiele 1968 den Lachsack erfunden). 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 981 vom 27. 10. 23 

"Warum standen denn alle so still?" "Sie haben alle Respekt vor ihm, denn von allen (...) ist keiner so erfahren und klug wie er. Er ist der Mutigste; er ist sehr weise und darum ordnen sich ihm auch alle unter." Was viele Männer gern über sich hören möchten, bezog sich in diesem Fall auf einen Hirsch. Die Mutter von Bambi aus dem gleichnamigen Disney-Film beantwortete so eine Frage zu Tieren des Waldes. Nein, in Dorsten ist nicht schon wieder ein Hirsch in die Schlagzeilen geraten. Doch als Folge der Schmunzelpost über die heimischen Geweihträger habe ich ein Büchlein über Hirsche gelesen, das Wilhelm Bode für die Reihe "Naturkunden" verfasst hat.
 
Darin habe ich unter anderem erfahren, dass Bambi weder von einem Rot- noch von einem Damhirsch abstammt. Das Kitz ist Tochter eines Weißwedelhirsches, der in Nordamerika heimisch ist. Den Namen trägt er nicht etwa, weil er im weißen Schnee auf Skiern besonders gut die Piste hinab wedelt, sondern weil er gern sein weißes Schwänzchen schwenkt. Weißwedelhirsche sind kleiner und zierlicher als Wapitis, die ebenfalls Amerikas Wälder bevölkern. Und sie verfügen über unglaublich geschärfte Sinne. Wenn sie beim geringsten Anzeichen von Gefahr die Flucht ergreifen, könnte selbst Speedy Gonzales, die schnellste Maus von Mexiko, kaum mithalten: Weißwedelhirsche kommen auf 60 km/h. 
 
So flott sind unsere Rothirsche bei weitem nicht. Sie waren hierzulande einst tagaktive Steppentiere. Aber weil sie ständig bejagt und ihre Reviere schließlich in industrielle Agrarlandschaften verwandelt wurden, passten sie sich aus Überlebensgründen an und bevölkern nun als Nachtgespenster finstere Forste. Nur in der Brunftzeit trauen sie sich hervor. Weil das Rotwild als Wiederkäuer fünf bis sechs mal täglich fressen muss und die natürlichen Weidegründe fehlen, knabbert es aus der Not heraus an Baumrinde und gilt deshalb als Waldschädling. Was uns nicht abhält, Rothirsche als Inbegriff von Natur und Romantik zu betrachten: Auch im Wohnzimmer meiner Eltern hing jahrzehntelang ein röhrendes Exemplar. 
 
Eher mickrig kommt dagegen in der Brunftzeit der Damhirsch daher. Seine Imponiergesänge ähneln mehr einem rollenden Grunzen. Auch von der Statur her ist er kleiner und wiegt maximal 150 kg. In ihrer ursprünglichen Heimat Kleinasien sind Damhirsche fast ausgerottet. Dafür gibt es in Westeuropa rund 200 000 Exemplare von ihnen, vorwiegend in lichten Laubholzwäldern. Paradoxerweise hat der Damhirsch die hiesige Verbreitung ausgerechnet den Jägern zu verdanken. Weil er viel unvorsichtiger ist als der gewitzte Rothirsch, wird der Damhirsch leichter zur Beute. Da er jedoch eine hohe Vermehrungsquote aufweist, gleicht seine Rasse die Verluste schnell wieder aus. 
 
Was die Schädlichkeit für Forste betrifft, sind jedoch die niedlichen Rehe unübertroffen. In Fachkreisen nennt man sie deshalb "die kleine rote Waldschere". Rehe sind in der Lage, die natürliche Waldverjüngung komplett zu verhindern, weil sie als verwöhnte Genießer Knospen und Baumkeimlinge bevorzugen. Dank der milden Winter haben sie sich stark vermehrt. Derzeit werden etwa 1,4 Millionen Rehe jährlich durch Jäger erbeutet, dazu kommen noch 250 000 Opfer des Straßenverkehrs. Waldfreunde hoffen nun, dass ein tierischer Heimkehrer, der Wolf, die Bestände auf natürliche Weise reguliert. 
 
Ein weiterer Heimkehrer aus dem hohen Norden wurde inzwischen auch in deutschen Wäldern gesichtet. Nachdem ein nicht unbekanntes schwedisches Möbelhaus ihn bei uns populär gemacht hat, taucht er immer öfter auch in Natura auf. Begegnen kann man ihm nicht nur zu Lande. Der Elch hat U-Boot-Gene, ist ein hervorragender Taucher und mampft gerne Unterwasserpflanzen. Leider ist der bis zu 500 Kilo schwere Elch ein ziemlicher Sturkopf und denkt nicht daran, jemand aus dem Weg zu gehen. Daher verursacht er in dicht besiedelten Gegenden für beide Seiten tödliche Verkehrsunfälle. Wer deshalb meint: "Der Elch gehört nicht in unsere Zivilisationslandschaft", sollte aber stets daran denken: Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 980 vom 26. 10. 23

Johannes Gensfleisch, alias Gutenberg, hat einst etwas sehr Wichtiges erfunden. Ohne den Buchdruck hätte sich die Fähigkeit des Lesens kaum so ausbreiten können, wie es in den Folgejahrhunderten geschah. Vieles wäre unmöglich geblieben, letztlich sogar die Schmunzelpost. Das wäre jammerschade, nicht wahr? 
 
Buchdrucker war daher lange Zeit ein höchst angesehener Beruf, bis er durch namensgleiche Käfer und Personen, die anschließend Bürgermeister wurden (hallo, Lambert) in Misskredit gebracht wurden. Dagegen machten die Geräte, die sich zuvor auf die Vervielfältigung von Schriftgut beschränkten, eine atemberaubende Karriere. Jetzt habe ich die ersten Berichte über Drucker, die in meiner Geburtsstadt Lünen ein Mehrfamilienhaus errichten, gelesen, gehört und gesehen. Da bin ich baff! Und beeindruckt, welch vielfältige Möglichkeiten noch in diesem maschinellen Tausendsassa stecken sollen. 
 
An dieser Stelle habe ich schon einmal über die geheimnisvollen Aktivitäten berichtet, die mein Drucker zu nächtlicher Stunde ganz ohne mein Zutun entfaltet. Wie ich durch Geräusche und Licht aus meinem Arbeitszimmer früh um 4.30 Uhr erfuhr, spukt es dort weiterhin. Aus unbekanntem Grund schaltet sich mein Drucker selbsttätig ein und rattert dann eine ganze Weile vor sich hin, ohne irgendwelche Spuren seines Tuns zu hinterlassen. 
 
Zunächst hatte ich gemutmaßt, es könne sich um eine Verschwörung künstlicher Intelligenzen handeln, die ganz im Verborgenen ihre Machtübernahme vorbereiten. Vielleicht, so dachte ich, gibt es aber auch eine harmlose Erklärung, und mein gelangweilter Drucker führt übers Internet Gespräche mit seinesgleichen in aller Welt. Oder er tauscht sich mit den Fernsehern und dem Radio über die neuesten häuslichen Gerüchte aus. 
 
Nun jedoch hoffe ich, dass mein Gerät sich aus freien Stücken zur Fortbildung bei der Drucker-VHS angemeldet hat. Fernunterricht soll ihn auf den neuesten Stand bringen. Womöglich überrascht er mich eines Tages, indem er lauter Mini-Drucker gebiert. Oder, falls er einen miesen Charakter hat, dass er mich im Arbeitszimmer einmauert, damit ich ihm dauernd Gesellschaft leiste. Wenn Ihr also plötzlich nichts mehr von mir hört und ich angeblich spurlos verschwunden bin - eilt bitte schnell mit Bohrern und Stemmeisen herbei, um mich zu befreien. Danke! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 979 vom 25. 10. 23 

Unter dem Einfluss von Testoteron neigen Männer mitunter zu merkwürdigem Verhalten. Vor allem eine Unterart, die sogenannten Machos, neigen zu übermäßigem Posen, unmäßigen Anbaggern und zu saudummen Sprüchen. Von Hirschen unterscheidet die Machos ein wesentlicher Punkt: Sie wollen nicht selbst ein prächtiges Geweih besitzen (es sei denn, sie sind auch noch Trophäenjäger), sondern möglichst viel männlichen Artgenossen eines aufsetzen.
 
Hirsche sind dagegen bei uns kaum auffällig geworden. Im Gegensatz zum ganzjährig aktiven Macho beschränkt sich ihre Brunftzeit auf den Herbst. Dann ziehen sie durch die Wälder und röhren, was das Zeug hält. Damit wollen sie weniger die Hirschkühe beeindrucken, als ihren Rivalen sagen: "Ich bin der Größte, der Stärkste und der Schönste! Haut ab, dies ist mein Revier!" Dummerweise stellen sich manche Konkurrenten taub, und es kommt immer wieder zum Kräftemessen. Die dauernden Kämpfe sind zusammengenommen mit der Begattung der Hirschkühe so anstrengend, dass der Platzhirsch sich auf Weihnachten freut wie ein kleines Kind. Dann hat er zwar etliche Blessuren davon getragen und bis zu einem Viertel seines Körpergewichts eingebüsst, aber er hat sein Soll erfüllt. Nun darf er sich neun Monate lang erholen und bekommt nächstes Jahr ein neues Geweih, das noch ein paar Zacken mehr aufweist als das alte.
 
 Wie gesagt, das alles spielt sich normalerweise tief im Wald ab. Wir Städter bekommen einen Hirsch nur zu Gesicht, wenn wir uns mit einem Fernglas auf die Lauer legen. Doch dieses Jahr ist plötzlich alles anders. Erst streifte vor einigen Tagen ein kapitaler Hirsch durch den Dorstener Ortsteil Hardt und nahm anschließend ein erfrischendes Bad im Kanal. Das war ihm offensichtlich an Sport nicht genug, denn danach tobte er sich auf einem Trampolin aus, das er verwüstet zurück ließ. Die alarmierte Polizei, die sich sorgte, der Hirsch könne sich auf ein Duell mit einem Auto einlassen, verfolgte den Unruhestifter durch die halbe Stadt, bis er in Altendorf-Ulfkotte untertauchte.
 
Wesentlich zivilisierter benahm sich jetzt früh am Morgen ein anderer Hirsch in Rhade. Er spazierte gemütlich durch Wohngebiete und bestaunte dann aus ein paar Metern Abstand eine lebensgroße Metallskulptur. Und was bildete sie ab? Einen Hirsch! Frappierend ist auf dem Foto, dass ein Spaziergänger geistesgegenwärtig von den beiden machte, dass der echte Hirsch Modell für sein rostiges Ebenbild gestanden habe könnte. Nicht nur, dass er in der exakt gleichen Körperhaltung davor stand, auch die Zacken des Geweihs glichen sich so sehr, als sei hier ein Schattenriss verewigt worden.
 
Nun warte ich gespannt auf die dritte Hirschsichtung in der Stadt. Und frage mich: Was treibt die Geweihträger hier her? Ist es die Furcht vor dem "bösen Wolf"? Suchen sie die Lembecker Hirschapotheke, weil sie ihre Wunden versorgen möchten? Oder handelt es sich gar um eine Verwechslung, und sie wollen einen vermeintlichen Verwandten besuchen: Den Werkzeugfabrikanten Markus Hirsch in Dorsten-Hervest? Das spräche dafür, dass es um die Digitalisierung viel besser steht als angenommen. Denn offenbar hat bereits das Rotwild in den Wäldern Netzanschluss und sucht Partner: Die Email-Adresse des Firmeninhabers lautet nämlich [email protected]
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 978 vom 24. 10. 23

Da fühlt man sich selbst mit 70 nochmal jung! Diesmal haben sie als Jugendwort des Jahres eine Vokabel gewählt, mit der ich sehr viel anfangen kann. Schließlich bin ich seit ich lesen kann und mein erstes Micky-Maus-Heft in die Finger bekam, ein großer Fan von Goofy. Lediglich Donald Duck und Pluto können ihm in meiner persönlichen Beliebtheitsskala noch das Wasser reichen. 
 
Endlich einmal wurde 2023 wieder ein Wort ausgewählt, das wirklich zum Alltagsgebrauch junger Leute gehört. "Goofy" soll so etwas wie tollpatschig, träge-gutmütig und ein bisschen verschlafen bedeuten. Das trifft die Wesensmerkmale des ein wenig tumben Disney-Charakters recht gut. Und macht ihn so sympathisch. 
 
Ich würde mich daher freuen, wenn die Wahl einen neuen Trend auslöst. Donald Duck hätte es schon lange verdient. Allein als Entschädigung, weil ein leibhaftiger Donald den guten Namen in der ganzen Welt in den Schmutz gezogen hat. In Deutschland wird dies aufgewogen, weil es listigen Donaldisten in der FAZ jahrelang gelungen ist, Begriffe und Personen aus Entenhausen in an sich seriöse Zeitungstexte einzuschmuggeln. 
 
"Donaldissen" heißt für mich, impulsiv und recht cholerisch am Weltgeschehen teilzuhaben. Sich über jede Ungerechtigkeit mächtig aufzuregen, bis hin zum Tobsuchtsanfall. Und immer wieder unermüdlich, aber vergeblich mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Was ein echter Donald ist, der nimmt es auch mit ungleich größeren, stärkeren und mächtigeren Gegnern auf. 
 
Die Welt plutonisch betrachten heißt für mich dagegen, mit unerschütterlichem Optimismus durchs Leben zu gehen. Anders als sein Comic-Verwandter Snoopy kommt Mickys Hund weit weniger intellektuell daher. Sein Handeln ist von keinem Hintergedanken beeinflusst, mitunter fragt man sich, ob zwischen den Schlappohren überhaupt Gedanken zirkulieren. Aber wenn, dann sind sie auf die Sonnenseite des Alltags gerichtet und ermöglichen Pluto nach jedem Rückschlag wieder aufzustehen und am Ende selbst seinen Widersachern freundlich mit der Zunge durchs Gesicht zu schlabbern. 
 
Dagobertös wäre für mich ein Ausdruck, um extrem knippiges Verhalten zu geißeln. Eine zwanghafte Sparsamkeit, die ein gut gefülltes Sparbuch weit über jede Ausgabe zur Steigerung der Lebensfreude stellt. Und die Fähigkeit, besonders gerissen andere zur Aufstockung des eigenen Vermögens einzusetzen. Bevor ich nun auch noch über A-Hörnchen und B-Hörnchen, Kater Carlo und Daniel Düsentrieb fabuliere, komme ich für heute lieber zum Schluss. Donald regt sich schon jetzt maßlos darüber auf, dass Goofy ihm den Rang abgelaufen hat. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 977 vom 23. 10. 23

Heute schlage ich erneut "Die Wunderkammer des Lesens" von Thomas Böhm auf. Und zwar das Kapitel, das sich mit Bücherflüchen befasst. Jeder, der seine Bücher liebt, sie aber wegen ihres lesenswerten Inhalts trotzdem an andere ausleiht, darf davon Gebrauch machen. Denn Alfred Volkmann hat in seinem Werk "Neuzeitliche Ratschläge und Winke für gewinnendes Benehmen, gewandtes Auftreten und gute Umgangsformen" eine Reihe von oft drastischen Hinweisen aufgeführt, die am Schluss des Buches den Leser daran erinnern sollen, das geborgte Buch pünktlich und in gutem Zustand wieder zurückzugeben. Ich überlege nun, einige davon in meine Lieblingsbücher einzutragen. 
 
Zum Beispiel diesen Bücherfluch: "Dies ist ein Buch, wie Du es liebst, behandle es beim Lesen gut. Du bringst mich aber schwer in Wut, wenn Du es mir nicht wiedergibst. Dann soll'n die Mäuse mit Behagen Dir Deinen Bücherschrank zernagen." Nach dem eigenen Ableben soll dieser Fluch noch wirken: "Du wirst, so hoff' ich, kein Banause sein, denn nur, wer geistlos ist und dumm, geht lieblos mit dem schönsten Buche um. Erspar' mir nach dem Tode diese Pein! Sonst wird mein Geist in Rache dem gemeinen     Schrifttumsbanausen nachts im Traum erscheinen." 
 
Da ich jedoch zur Bequemlichkeit neige, werde ich mich vermutlich auf diesen kurzen und bündigen Fluch beschränken: "Wer mir dies Buch gestohlen, den soll der Teufel holen!" 
 
Eine komplett gegensätzliche Position nimmt der Autor Keri Smith ein. Er fordert die Leser auf, seine Bücher mannigfaltig zu traktieren. So sollen sie beispielsweise Löcher hineinbohren, die Bücher mit unter die Dusche nehmen oder Briefmarken hineinkleben. Auf diese Weise, so glaubt Smith, entstehen dann neue "individuelle Kunstwerke". So dürft Ihr gern, wenn Ihr zu Ende gelesen habt, mit dieser Schmunzelpost verfahren. Eine Briefmarke in der Bildschirmmitte macht sich bestimmt gut. Und eine gemeinsame Dusche mit Eurem PC ist garantiert eine neue Erfahrung. Den Elektroschrott könnt Ihr hinterher als "individuelle Kunst" vermarkten. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 976 vom 22. 10. 23

Derzeit sorgen sich viele um das Schicksal der Menschen, die von der Hamas entführt worden sind und als Geiseln im Konflikt mit Israel einer ungewissen Zukunft entgegen sehen. Vor exakt 50 Jahren versuchte sich jemand dafür zu bedanken, dass er nach seiner Entführung wegen der Zahlung eines Lösegeldes frei gekommen war.
 
John Paul Getty III. war im Alter von nur 16 Jahren in Rom von der Ndranghetta gekidnappt worden. Die Gangster forderten von seiner schwerreichen Familie ein Lösegeld von 17 Millionen Dollar. Der Entführte wandte sich mit seinem herzzerreißenden Video an seinen Großvater, den Ölbaron John Paul Getty I: "Lasst nicht zu, dass ich umgebracht werde." Doch Opa dachte gar nicht daran zu zahlen. Denn zum einen hatte er Zweifel, ob sein Enkel, dem ein ausschweifender Lebenswandel nachgesagt wurde, die Entführung nicht selbst inszeniert hatte. Und zweitens rechnete er eiskalt vor: „Ich habe 14 Enkel und wenn ich nur einen Penny Lösegeld bezahle, habe ich 14 gekidnappte Enkel." 
 
Auch Vater John Paul Getty II., der von John Paul Getty I. mit der lukrativen Verwaltung der italienischen Geschäfte der Familie betraut worden war, hatte keine gesteigerte Lust, sich für John Paul Getty III. in Unkosten zu stürzen. Seiner Geliebten gegenüber sagte John Paul Getty II.: "Du weißt schon, dass ich meine gesamte Bibliothek für diesen nutzlosen Sohn verkaufen müsste, wenn ich das Lösegeld bezahle." Bücher oder nutzloser Sohn? Der Vater lehnte die Zahlung ab. 
 
Daraufhin verbanden die Entführer John Paul Getty III. die Augen, servierten ihm ein Steak und sagten, es könne gleich ziemlich weh tun. Dann säbelten sie ihm ein Ohr ab, das sie an eine römische Zeitung sandten. Verbunden mit der Warnung, dass bald weitere Körperteile folgen würden, wenn kein Geld flösse. Angesichts des öffentlichen Druck willigte nun der Großvater ein, zumindest den Teil der Lösegeldsumme zu zahlen, der durch eine Versicherung gedeckt war: 2,89 Millionen Dollar. Davon lieh er 800 000 Dollar seinem Sohn, mit der Verpflichtung, das Geld mit 4 Prozent Zinsen an ihn zurückzuzahlen. 
 
So kam John Paul Getty III. am 21. Oktober 1973 frei. Zwar abgemagert, mitgenommen und um ein Ohr ärmer, aber lebendig. Vor 50 Jahren, am 22. Oktober 1973 versuchte er dann, sich bei seinem Großvater zu bedanken. Als der gefragt wurde, ob er das Gespräch annehmen wolle, antwortete er kurz und kühl: "Nein!" Eine wirklich liebenswerte Familie, diese Gettys. John Paul Getty III. erholte sich nie mehr von diesem Trauma. 1981 erlitt er unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol einen schweren Schlaganfall. Danach war er gelähmt und fast blind. Bis zu seinem Lebensende 2011 blieb er ein Pflegefall. 
 
Falls Ihr eine Spam-Mail mit der Behauptung erhaltet, der Schmunzelpost-Schreiber sei entführt worden und käme nur gegen eine Überweisung von einer Million Euro auf freien Fuß, dann zahlt bitte nicht. Auch dann nicht, falls Euch als Beweis ein halbes Stimmband vorgelegt wird. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 975 vom 21. 10. 23

Auf den Sommerurlaub im Herbst im Breisgau - zum Abschied mit 29 Grad in Freiburg! - folgte daheim die kalte Dusche. Nicht nur wettermäßig. Die Kontrolluntersuchung beim Onkologen ergab, dass irgendetwas in meiner Kehle ist, was da nicht sein sollte. Habe ich Glück, ist es bloß eine Verkrustung der OP-Narbe. Habe ich Pech, ist es ein neugebildeter Tumorherd. Um das zu klären, muss ich erst in die Computerröhre und dann nochmal auf den OP-Tisch. Am 10. November geht es erneut in die Gelsenkirchener Klinik. 
 
Solange wird meine Spracherziehung bei der Logopädin unterbrochen. Schade! Ich hatte mich schon so daran gewöhnt. Es war jedesmal wie eine Rückkehr in die Kindheit. Erneut sprechen lernen und einzelne Buchstaben üben. Lustig in eine Flasche blubbern. Und zuletzt leise Kinderlieder singen. "Hänschen klein" hatte ich noch parat, bei "Alle meine Entchen" gab es Textlücken. Dafür beherrschte ich, Schalke sei Dank, "Glückauf, der Steiger kommt" recht gut. 
 
Bei der nächsten Übung, die erst einmal vertagt worden ist, muss ich kräftig einen Ball auf den Boden werfen. Ich bin gespannt, was noch alles auf mich zukommt. Mit Gummitwist, das sage ich gleich, will ich nichts zu tun haben. Über Hinkeln können wir reden. Und auch für Spiele wie "Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?" bin ich aufgeschlossen. Den Zuruf kann ich in abgewandelter Form auch gut im häuslichen Alltag brauchen. 
 
So, jetzt heißt es abwarten und Salbeiteetrinken. Von voreiligen Beileidsbekundungen bitte ich Abstand zu nehmen. Und gleichfalls von humorigen Geschenken: Wer mich nach dieser Schmunzelpost mit einem Schnuller oder einem Räppelchen bedenkt, dem fliegt es umgehend um die Ohren! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 974 vom 20. 10. 23

Zu meinen Grundüberzeugungen gehört, dass Lesen enorm wichtig ist. Deshalb bin ich im Baumhaus-Verein aktiv, wo wir die Freude an der Lektüre von Büchern bei Jugendlichen und Erwachsenen anfachen und nähren wollen. Schon viel länger bin ich Mitglied der "Büchergilde". Das ist ein Buchclub, der ursprünglich vom Deutschen Gewerkschaftsbund gegründet wurde, um den Menschen preislich günstigeren Zugang zur Literatur zu ermöglichen. Inzwischen hat sich daraus längst eine eigenständige Genossenschaft entwickelt, die munter die Fahne der Lesefreude schwingt. 
 
Bei der Büchergilde habe ich jetzt ein Buch erstanden, das mich von der ersten Seite an begeistert. Es trägt den Titel "Die Wunderkammer des Lesens" und wurde von Thomas Böhm zusammen gestellt. Als Appetithappen möchte ich Euch heute Auszüge aus einem Kapitel präsentieren, in dem es um Reaktionen auf einen Eintrag geht, den eine Literaturliebhaberin auf Partnersuche im Chatroom der Partnerschaftsvermittlung hinterlassen hat. Der Text lautete: "Seid ihr auch zu belesen oder klug für die meisten Partner?" 
 
Dazu gab es eine Fülle von Kommentaren. Hier eine kleine Auswahl: "Auch hatte ich schon Dates mit absolut nichts wissenden Männern, gut anzusehen, aber keine Ahnung von nichts, ob bald der Smalltalk in interessante Konversation umschlug - ein Graus. Mittlerweile lebe ich nach dem Spruch: Eine gebildete Frau hat tausende geborene Feinde: alle dummen Männer (R. M. Eschenbach)." 
 
Prompt kam als Antwort: "Dein Zitat ist von Freifrau Marie von Ebner-Eschenbach (wo kommt Dein R. her?). Was ich damit sagen will, jeder hat Bildungslücken (grössere oder kleinere), ein bis 100 machen einen noch nicht zum Fachidioten, kannst Du an Dir selber sehen." Und jemand anders ergänzte: "Noch zwei Sprüche. 'Ein kluger Mann widerspricht seiner Frau nicht. Er wartet, bis sie es selbst tut.' (Ernest Hemingway) 'Es gibt drei Arten von Frauen: die schönen, die intelligenten und die Mehrheit.' (Rainer Werner Fassbinder)". 
 
Fassbinder war natürlich frech und wollte provozieren. Doch mit zwei anderen Einträgen - die restlichen, mitunter sehr klugen, aber auch recht langen, müsst Ihr im Buch schon selber lesen - kann ich mich identifizieren. "Ein junger intelligenter Mann glaubte, alles aus Büchern lernen zu können. Er las alles über die Sterne und er wurde Astronom. Er las alles über Geschichte und er wurde Historiker. Er las alles übers Schwimmen und er ertrank." 
 
 "Ich glaube, manche Menschen würden sich am liebsten selbst treffen. Wie sagte es mal eine Freundin? 'Ich möchte gerne eine Beziehung mit jemanden, der genauso ist wie ich." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 973 vom 19. 10. 23

Entzückt habe ich gestern bei der Lektüre des Lokalteils der "Dorstener Zeitung" festgestellt, dass mir ein Großteil der täglichen Mühe um eine satirische Schmunzelpost bereits abgenommen wurde. Da gab es einen Antrag, mit dem "Die Fraktion feat.  die Linke" in der nächsten Woche den Stadtrat beschäftigt. Darin geht es um die "steigende Zahl von Wolfsangriffen auf Nutztiere und die wachsende Besorgnis der Bevölkerung". Ratsherr Boris Benkhoff fordert als Gegenmittel "andere Spitzenprädatoren wie Braunbären, Pumas und Kojoten in den betroffenen Gebieten auszuwildern, um durch Beutegreifer-Konkurrenz den Wolfsbestand zu verringern". Dazu solle eine Expertengruppe eine umfassende Studie erstellen.
 
Dahinter steckt die "PARTEI", die nicht nur in Europa und im Bund, sondern auch in den Kommunen versucht, Politik mit Nonsens anzureichern. Doch der Redaktionskollege Berthold Fehmer hat sich weitergehende Gedanken gemacht, durch die eine Expertenkommission überflüssig wird. Berthold verweist darauf, dass Ex-Bürgermeister-Kandidat Rodriguez Garcia Selbstverteidigung unterrichtet und fragt: "Warum nicht bei Schafen? Schafe raus aus der Opferrolle: Das muss die Devise sein! 
 
Ob ein noch so kraftvoll geblöktes 'Mäh' aber von einem Wolf als 'Nein' interpretiert und respektiert würde, ist natürlich fraglich. Kritiker mögen zudem einwerfen, dass auch ein in Wing Tsun-Kung Fu geschultes Schaf aufgrund körperlicher Unterschiede einem Wolf in einer 1:1-Situation unterlegen sein dürfte. Der zirkuserfahrene Simon Rodriguez Garcia könnte die Schafe auch im Feuerspucken unterrichten - was wohl den hungrigsten Wolf in die Flucht treiben würde. Diese Idee ist spektakulär, aber vielleicht doch nicht die allerbeste, wenn dabei die Wolle der Schafe in Brand gerät." 
 
Berthold Fehmer fährt fort: "Anstatt weiterhin 'Wolfshassende' und 'Weidetierhassende', wie die PARTEI Wolfsgegner und -befürworter nennt, in Opposition zu bringen, bräuchte es einen Ausgleich beim Kräfteverhältnis an der Basis: Eine Bewaffnung der Schafe im Wolfsterritorium. Die Schafe müssten dafür natürlich vorher einen Waffenschein machen - aber das sollte zu schafen sein. Besonders talentierte Exemplare könnten vielleicht sogar auf Hochständen eingesetzt werden: Als Schafschützen." 
 
Da Umweltministerin Lemke jetzt hierzulande den Abschuss von "Problemwölfen" ermöglichen will, wäre es angebracht, wenn der Bundestag mal über die Vorschläge aus Dorsten nachdenkt. Auf keinen Fall sollte man sich jedoch an Österreich orientieren, wo bereits munter Wölfe abgeknallt werden, ohne damit das Problem zu lösen - es trifft oft die Falschen, und die Zahl der Nutztierrisse will einfach nicht sinken. Ohnehin ist unser südliches Nachbarland anfällig für Ratschläge von Lobbyisten und Korruption, wie gerade einmal mehr der Prozessbeginn gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz unterstreicht. 
 
Die für westeuropäische Verhältnisse überdurchschnittlich hohe Zahl von Affären um Schmiergelder, Kumpelwirtschaft und Bereicherung hat einen Experten zu einem harten Urteil über die Drahtzieher veranlasst: "Und sie waren über den juristischen Aspekt hinaus auch ein verstörendes Sittengemälde, das für viele den Eindruck bestätigte, den Politikern geht es um Macht und nicht um das Land." Der Politologe, der das sagte, hat den passenden Namen: Peter Filzmaier. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 972 vom 18. 10. 23

Zu den Ländern, deren Entwicklung ich seit vielen Jahren mit einer Mischung aus Faszination, Staunen und Sorge verfolge, gehört China. Das sagenumwobene Reich der Mitte, das einst zu den mächtigsten und fortgeschrittensten Nationen der Welt zählte und Denker wie Konfuzius, begehrte Stoffe wie Seide und Zerbrechliches wie Porzellan hervorbrachte, bevor es im Chaos versank. Das lange Zeit bevölkerungsreichste Land der Erde, das seine Probleme mit der Ein-Kind-Politik in den Griff zu bekommen versuchte und dadurch ein neues Problem schuf. Eine Nation, die lange ausgebeutet und von den Briten mit Krieg überzogen wurde, weil es versuchte, deren schwunghaftes Geschäft mit dem Opiumverkauf zu verbieten. Ein Staat, der sich wie Phönix aus der Asche in eine Atommacht verwandelte und sich anschickt, zur Weltmacht Nummer eins zu werden. Ein Wirtschafts-Gigant, der nach langer Armut binnen weniger Jahre so expandierte, dass sogar die USA überflügelt werden könnten - falls die chinesische Immobilien-Blase nicht vorher eine weltweite Finanzkrise auslöst.
 
In meiner Jugend war die Mao-Bibel in aller Munde. Doch der von vielen bewunderte Anführer entpuppte sich spätestens durch die Kulturrevolution als Autokrat, der über Leichen ging. Und nun ist mit seinem Nachfolger Xi ein neuer Potentat dabei, als Herrscher auf Lebenszeit skrupellos seine Interessen durchzusetzen. 
 
China sorgt damit gerade für große Beunruhigung, als hätten wir nicht mit Putin, Trump, dem Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten schon genug Grund zur Sorge. Und das alles vor dem Hintergrund, dass sich der Klimawandel allenfalls mit einer großen gemeinsamen globalen Anstrengung noch eindämmen ließe. Wie gut, dass es auch Fakten aus China gibt, die schmunzelposttauglich sind. 
 
Wusstet Ihr, dass es während der Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 in China ernsthafte Bestrebungen gab, das Ampelsystem zu ändern? Die Farbe "rot" sollte nicht mehr als Stoppsignal gelten, sondern freie Fahrt gewähren. Denn "rot" galt in China sowohl als Symbol für Fortschritt wie für den Kommunismus. Da die Ampel-Versuche jedoch zu einem absoluten Verkehrschaos führten, machten die Gesetzgeber zähneknirschend einen Rückzieher. 
 
Auch andere Gesetze muten dagegen aus unserer Sicht gelinde gesagt eigenartig an. So dürfen in China ertrinkende Menschen nicht gerettet werde, weil niemand der Macht des Schicksals in die Quere kommen soll. Und wenn Ihr alle Schmunzelpost-Folgen auswendig gelernt habt, dann wisst Ihr, dass in Hongkong Frauen ein Privileg haben, um das sie von Geschlechtsgenossinnen weltweit beneidet werden: Betrogene Ehefrauen dürfen völlig legal ihre Männer umbringen, wenn sie das mit bloßen Händen tun. Ich weiß allerdings nicht, ob Peking diese gesetzliche Regelung in der Zwischenzeit kassiert hat. 
 
Ein nachahmenswerter Brauch in China ist es, sich untereinander mit Zahlen zu beschimpfen. "205" bedeutet beispielsweise so viel wie "Idiot". Das ist doch ausbaufähig. Wie wäre es mit Minuszahlen für Schmähungen und Pluszahlen für Komplimente? Dann könntet Ihr in Eurem Glückslos vom China-Restaurant möglicherweise die Zahl +999 finden. Das bedeutet: "Glück und Zufriedenheit winken dem Weisen, der täglich die Schmunzelpost liest". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 971 vom 17. 10. 23 

Katzen sind immer für eine Überraschung gut. Wenn wir aus dem Urlaub zurückkehrten, zeigte sich unser Kater sonst stets von seiner besten Seite. Nach einer überschwänglichen Begrüßung war er tagelang anhänglich und verschmust, begleitete uns auf Schritt und Tritt. Diesmal war alles anders. 

Kaum hatten wir die Wohnungstür aufgeschlossen und auf sein Maunzen mit Lockrufen reagiert, da machte er sich aus dem Staub. Beziehungsweise verdrückte er sich in den Staub: In die hinterste Ecke unter dem Bett. Auch gutes Zureden brachte ihn nicht dazu, sein Versteck zu verlassen. Und selbst unser größter Trumpf stach nicht. Der verfressene Bursche ließ sich diesmal nicht einmal von einem gut gefüllten Napf hervorlocken. Und wenn unser Kater gesund ist, dann ist das eine Sensation vom Range der Schlagzeile: Der Papst wird evangelisch! 
 
Wir beschlossen, ihn erst einmal in Ruhe zu lassen und fuhren mit dem Rad zu einer Pizzeria. Als wir 90 Minuten später heimkamen, war der Kater wie verwandelt. Er benahm sich nun, als sei nichts gewesen, als wäre die Lücke von zwei Wochen aus seinem Gedächtnis gestrichen. Und doch war etwas anders. Der Herumtreiber, den es bei halbwegs akzeptablem Wetter stets nach draußen zog, wollte die Wohnung nicht mehr verlassen. Mehr noch: Der gefürchtete Mäusekiller hatte offenbar am Morgen ein Mäuschen mit ins Haus geschmuggelt - und es leben lassen! 
 
Auch als die Maus sich am Abend aus dem Bücherregal hervortraute, ließ der Kater seinen Killerinstinkt vermissen. Er gönnte es mir, das Nagetier einzufangen und protestierte nicht einmal, als ich es im Garten wieder frei ließ. Dafür offenbarte er eine neue Unart. In der Vergangenheit hatte er es bei lautem Krähen belassen, wenn seiner Meinung nach die Fütterungszeit gekommen war. Was für ihn oft schon kurz nach dem Mittagessen der Fall ist. Dann stimmt er ständig laustarke Protestgesänge an, wenn sich jemand in die Küche bewegt, ohne seinen Futterschrank zu öffnen. Neuerdings untermauert er seine Hungerkundgebung mit Liebesbissen in Arme und Beine. Und manchmal beißt er etwas kräftiger zu.So musste die Gezwickte gestern den Arzt aufsuchen, weil ihr Arm schmerzte und stark geschwollen war. Nun, dagegen helfen Antibiotika, doch die ergründen keine Ursachen. 
 
Aber Mensch und Katze leben schon seit Urzeiten zusammen. Und wir haben bereits einiges über unsere vierbeinigen Hausgenossen herausgefunden. Zum Beispiel wissen wir, warum Katzen durch winzige Öffnungen schlüpfen können. Sie haben zwar 230 Knochen, aber kein Schlüsselbein. Daher passen sie durch jedes Loch, das mindestens die Größe ihres Kopfes hat. Es hat aber auch Nachteile, eine Katze zu sein. Vielleicht tröstet es sie, dass es anderen Haustieren nicht besser geht: Katzen und Hunde können Süßes nicht schmecken. 
 
Dafür verfügen Katzen über besonders effizient arbeitende Nieren. Wenn sich Katzen ausschließlich von Fleisch ernähren, müssen sie nicht trinken. In Sachen Lautstärke gibt es beim Schnurren große Unterschiede. Bei manchen Katzen ist es kaum zu hören. Rekordhalter Oscar dagegen kam auf 67,8 Dezibel. Das entspricht dem Lärm eines Staubsaugers. Wollt Ihr wissen, wie Eure Katze zu Euch steht? Wenn sie Euch zuzwinkert, also mit einem offenen und einem geschlossenen Auge anschaut, ist das ein Zeichen absoluten Vertrauens. Und wenn Ihr noch einen Grund braucht, Euren Haushalt zu erweitern: Katzen zu besitzen und sich liebevoll um sie zu kümmern, reduziert die Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt zu erleiden, um das Dreifache! 
 
So, gerade kommt der Kater ins Zimmer und fordert maunzend sein Abendessen ein. Wusstet Ihr, dass nur männliche Katzen durch Miauen mit Menschen kommunizieren? Aua! Ja, ja, Kater, ich komm ja schon. (Auch Zwicken ist eine Kommunikationsform) 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 970 vom 16. 10. 23  

Die heutige Schmunzelpost entstammt einer geistigen Resterampe. Während der langen Heimfahrt nach Dorsten rief ich mir ins Gedächtnis, was bei den Recherchen für die Folgen der letzten zwei Wochen an sprachlichen Kuriositäten  hängen geblieben war und bisher nicht verwertet wurde. Das Resultat ist nun ein buntes Mischmasch. 
 
So musste ich schmunzeln als ich las, welche beiden Kommunen aus Frankreich und Wales seit 1980 eine Städtepartnerschaft pflegen. Da haben wir auf der einen Seite des Ärmelkanals die walisische Gemeinde Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwlllantysiliogogoggoch, auf der anderen Seite die französische Ortschaft Y. Man erkennt auf den ersten Blick die Absicht bei der Partnerwahl. Hier hat sich die europäische Kommune mit dem längsten Namen mit der Stadt angefreundet, die den kürzesten Namen auf unserem Kontinent trägt. Ich wäre zu gern mal dabei, wenn der französische Bürgermeister in Y seine Gäste aus Wales begrüßt. Ob es für Llanfairdingsbums wohl auch Genderformen gibt, um beide Geschlechter politisch korrekt zu empfangen? 
 
Wo wir gerade bei unaussprechlichen Ortsnamen sind: Das Wüstenforschungszentrum der California State University ist in der kalifornischen Mojavewüste in einer Region angesiedelt, die im Telefonbuch ganz hinten steht. Die Ortschaft heißt Zzyzx. 
 
Wer sich mit solchen Namen herumquälen muss, neigt wahrscheinlich dazu, sich eine einfachere Sprache zu wünschen. Vielleicht liegt es daran, dass von den rund 6800 Sprachen der Welt alle zwei Wochen eine ausstirbt. Dafür kommen aber auch neue dazu. Professor Tolkien, der Autor des "Herrn der Ringe", erfand für seine Fantasiewelt eigene Sprachen, wie etwa elbisch. Da wollten amerikanische Filmschaffende und Star-Trek-Fans  nicht zurückstehen. Es gibt Leute, die sprechen fließend klingonisch. Und für den Fall, dass die Außerirdischen mal zu Besuch kommen, wurde bereits Hamlet ins Klingonische übersetzt. 
 
Ob die Klingonen auch Harry Potter lesen? Dann würden unterschiedliche Namensgebungen sie in heillose Verwirrung stürzen. Denn der Bösewicht Lord Voldemort heißt in Dänemark Romeo G. Detlev Jr. Vielleicht legte es die Autorin Rowling darauf an, dass in Hogwarts und dessen Nachbarregionen der Name des Unaussprechlichen wirklich nicht ausgesprochen werden sollte. 
 
Aber ich meine, man muss das Böse durchaus benennen. Alles andere wäre Kacke. Denn "Kacke" kommt  aus dem Altgriechischen und bedeutet schlimm, schlecht, böse. Wem sowas zu vulgär ist und wer sich von derlei Sprachwissen angekotzt fühlt, dem sage ich "Str prst skzr krk!" Das ist Tschechisch und bedeutet "Steck doch Deinen Finger in den Hals!". Vielleicht reicht aber auch schon der Versuch, den fremdsprachigen Originaltext laut zu lesen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 969 vom 15. 10. 23

Falls Ihr mal eine gute Adresse für einen Freiburg-Aufenthalt sucht: Die geräumige Ferienwohnung der Familie Walter im Ortsteil Herdern in der Wintererstraße 82 können wir sehr empfehlen. Die Wintererstraße wurde übrigens nicht nach der kalten Jahreszeit, sondern nach dem früheren Oberbürgermeister Otto Winterer benannt. Der amtierte Ende des 19. Jahrhunderts und sorgte dafür, dass einer der mittelalterlichen Stadttürme Freiburgs erhalten blieb. Das Martinstor sollte nämlich abgerissen werden. Doch Winterer verhinderte das nicht nur, sondern stockte den Turm auch noch auf dreifache Höhe auf. Er ist jetzt statt 22 m sogar 63 m hoch und ein Wahrzeichen Freiburgs. 
 
Von den einstmals fünf Stadttoren blieb außerdem lediglich das Schwabentor erhalten. Schwaben, das stellte Martin kürzlich in seiner SP-Anmerkung fest, sind den Badenern eigentlich eher "unsymbadisch". Bei einem schwäbischen Salzhändler, der einst zum Freiburger Wohlstand beitrug, machten sie eine Ausnahme. Dieser Schwabe war von der Stadt nämlich so begeistert, dass er sie komplett kaufen wollte. 
 
Der Chronik nach hatte er dafür sogar fässerweise Geld herangeschafft. Als er dies jedoch stolz vorzählen wollte, soll sich herausgestellt haben, dass sich in den Fässern anstelle von Münzen lediglich Sand befand. Seine sparsame Frau - so sind die Schwaben eben - soll so dafür gesorgt haben, dass ihr Mann nicht zu viel Geld ausgab. 
 
Geld ist leider heute noch knapp. Sollte es einmal um den Dorstener Haushalt wieder besser bestellt sein, dann habe ich eine Anregung für Bürgermeister Tobias Stockhoff. Dorstens Stadttore sind seit langem verschwunden. Da wäre es doch ein aufsehenerregendes Zeichen, wenn jetzt eine Stadt ganz gegen den Trend ein neues Stadttor errichten würde. Wie wäre es mit einem Lambert-Lütkenhorst-Tor? Es wäre keine Torheit, wenn auch ein Turm das bauliche Schmuckstück zieren würde. Denn der Turm des Freiburger Martinstores diente mehrere Jahrhunderte als Gefängnis für Schuldner. Und das wäre ein diskreter Hinweis darauf, dass in der Amtszeit Lütkenhorsts Dorsten als Nothaushalts-Stadt genau wie seine Nachbarkommunen unter der Schuldenlast ächzte. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 968 vom 14. 10. 23

Am morgigen Sonntag treten wir die Rückreise nach Dorsten an. Es ist also an der Zeit, eine kurze Rückschau auf die vergangenen zwei Wochen in Freiburg zu halten. Aber nicht auf allgemein bekannte Touristenziele wie das Münster, die Altstadt oder die zahlreichen im Breisgau und kurz hinter seinen Grenzen lockenden Ziele. Und auch nicht über das Sommerwetter im Herbst. 
 
Stattdessen will ich nochmal ein paar Worte über die Bahn verlieren. Bis Donnerstagnachmittag war ich willens, Abbitte zu leisten. Gut eine Woche lang hatten die Touren mit der Regionalbahn gut geklappt. Die Züge waren halbwegs pünktlich, einige sogar - kaum zu glauben - auf die Minute. Für kleine Ärgernisse in dieser Zeit war nicht die Bahn verantwortlich, sondern Mitreisende. 
 
So salbaderte mein Sitznachbar auf der Wartebank am Bahnsteig des Freiburger Hauptbahnhofs mir ununterbrochen die Ohren voll. Zunächst warnte er vor fallenden Kokosnüssen in Freiburg, dann klärte er mich auf, dass es sich bei Sushi um rohen Fisch handelt und erzählte ausführlich von Schweizern, die sich in deutschen Polizeiuniformen in Düsseldorf in die Love-Parade gemengt hätten. Gerade als er thematisch zu Spatzen wechselte, die mit Überschallgeschwindigkeit fliegen, fuhr unser Zug ein. Schade. Über die geflügelten Düsenjäger hätte ich gern mehr erfahren. 
 
Dann war es nach Rundgängen in Offenburg und Emmendingen am Abend Zeit für die Rückfahrt nach Freiburg. Und nun tat die Bahn alles, um ihren bei mir neu gewonnenen Kredit wieder zu verspielen. Wie ich von anderen Wartenden am Bahnsteig Emmendingen hörte, war der vorherige Zug nach Freiburg ersatzlos ausgefallen. Nächste Verbindung sollte der Regionalexpress nach Basel sein. Laut Anzeigetafel würde er zehn Minuten Verspätung haben. Fünf Minuten vor der verzögerten Ankunft ertönte jedoch der Lautsprecher: "RB 26 nach Basel auf Gleis 2 hat heute 15 Minuten Verspätung." 
 
 Drei Minuten vergingen. Erneute Durchsage: "Der Zug nach Basel hat 20 Minuten Verspätung. Ursache ist eine Reparatur." Fünf Minuten später: "Der Zug nach Basel hat wegen einer Reparatur heute 25 Minuten Verspätung." Nach weiteren fünf Minuten Themenwechsel: "Auf Gleis 2 fährt gleich ein die S-Bahn 7 nach Freiburg. Sie hat aber zehn Minuten Verspätung, weil es wegen Überfüllung längere Aufenthalte beim Ein- und Aussteigen gab." Tatsächlich jedoch fuhr gänzlich unerwartet der Regionalexpress nach Basel ein. Aber auch seine Waggons waren so proppenvoll, dass es ziemlich lange dauerte, bis sich alle Fahrgäste hineingequetscht hatten. Wir steckten mittendrin. 
 
Und wir hatten noch Glück. Denn beim Aussteigen in Freiburg erklang folgende Durchsage: "Wegen dringendem Reparaturbedarf müssen einige Waggons abgekoppelt werden. Reisende in Richtung Basel werden daher gebeten, sich einen Platz in der vorderen Zughälfte zu suchen." Als neben mir eine englische Touristin von  Mitreisenden den Hinweis übersetzt bekam, seufzte sie: "Railway in Germany is an Adventure. Really!" 
 
Vielleicht hätte sie besser in Freiburg aussteigen sollen, dann hätte sich ihr Adventure-Holiday gelohnt. Falls sie auf Partnersuche ist, womöglich sogar doppelt. Denn bereits vor 900 Jahren wurden in Freiburg die sogenannten Bächle angelegt. Das sind Kanäle, die immer noch durch die Altstadt fließen und einst dazu dienten, den Schmutz fortzuspülen, das Vieh mit Trinkwasser zu versorgen und der Feuerwehr Löschwasser zu liefern. Das müssen sie heute nicht mehr. Dennoch gluckern sie weiter munter vor sich hin. Aber Achtung! Wer hineintritt, so schwören die Bürger der Stadt, der wird eine Freiburgerin oder einen Freiburger heiraten. 
 
Wie der Zufall es will, las ich kurze Zeit später ein Interview mit der Burgschauspielerin Johanna Wokalek, die unlängst ihre Premiere als Tatort-Kommissarin feierte. Sie ist in Freiburg aufgewachsen, hat dort Abitur gemacht und die Schauspielschule besucht. Dann zog es sie aber nach Wien, wo sie ihren späteren Mann kennen und lieben lernte. Und zur beidseitigen Überraschung stellte sich heraus, dass der Dirigent ebenfalls aus Freiburg stammt. Nun ist nur eine Frage offen: Wer von beiden hat ins Bächle getreten? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 967 vom 13. 10. 23

Gegenwärtig urlauben wir in einem der beiden südlichsten Bundesländer. Mit Blick auf die Regierung ist nach meinem Empfinden Baden-Württemberg jedoch weitaus besser dran als Bayern, mit dem Gespann Söder/Aiwanger an der Spitze. Fast hatte ich vergessen, um was für ein Kaliber es sich bei Ministerpräsident Markus handelt, weil Hubsi durch alte und neue Ansichten noch weit schlimmer erschien. Doch wenn ich genau hinschaue, bleibt es auch weiterhin so: Was seit Franz-Josef Strauß in Bayern als Ministerpräsident, Generalsekretär oder Bundesverkehrsminister ins Rampenlicht drängt, ist stets mit Vorsicht zu genießen. 
 
Was soll man von einem Politiker halten, vor dem lange Zeit ein enger "Parteifreund" dringend warnte? Söder sei "von Ehrgeiz zerfressen", denn er leide unter "pathologischem Ehrgeiz". Und da er "charakterliche Schwächen" aufweise, leiste er sich "zu viele Schmutzeleien". So sprach Söder-Kenner Horst Seehofer. Aber der war nicht nur Söders Intimfeind, sondern hat sich selbst auch einiges geleistet. 
 
Immerhin bescheinigte auch ein Lehrer seinem Ex-Schüler Söder einen "Mangel an Empathie". Allerdings scheint Söder wenigstens über Menschenkenntnis zu verfügen. Bevor er mit ihm ein Bündnis einging, sagte Söder über seinen Vize-Regierungschef: "Aiwanger bedient sich rechtsextremer Methoden, um demokratische Mitbewerber anzugreifen. Der Mann ist meiner Meinung nach radikal. So einen Politikstil darf es nicht geben." 
 
Hat Söder, der Baum-Umarmer, denn wenigstens im Kampf gegen den Klimawandel eine grüne Ader? Er hat doch sogar 2007 ein Verbot für alle herkömmlichen Verbrennermotoren ab 2020 gefordert. Aber ich fürchte, Söder bleibt in der Natur nur einem einzigen Freund treu: Dem wechselnden Wind. So urteilte er im Februar 1995: "Ich finde es gut, dass die Grünen im Landtag sind. Bei denen sehe ich einige Gemeinsamkeiten zu unserer Politik." Und im Februar 2020, als die Grünen gerade Beliebtheits-Bestwerte verzeichneten, wanzte sich Söder an sie ran: "Ich glaube, dass Schwarz-Grün einen großen Reiz hätte, weil beide politischen Kräfte die ganz großen Fragen unserer Zeit im Blick haben, wie die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie." 
 
Doch kaum blinkten die Grünen aus der Ampelkoalition, da verloren sie an Popularität im Lande. Natürlich sofort auch bei Markus Söder: "Bäume umarme ich gern - aber das ist das einzig Grüne, was ich umarmen will", befand er im Dezember 2020. Und diese Abneigung hat sich offenbar seitdem verfestigt. Jedenfalls sagte Söder im September 2023 etwas, was er am Wahlabend des 8. Oktober bekräftigte: "Die Grünen passen mit ihrem Weltbild nicht zu Bayern, und deswegen wird es keine Grünen in der bayerischen Staatsregierung geben. Auf gar keinen Fall!" 
 
Was einen geschmeidigen politischen Slalomfahrer wie Söder nicht davon abhalten dürfte, zügig umzuschwenken, falls die Freien Wähler zu unverschämte Forderungen stellen und die SPD und FDP als Mehrheitsbeschaffer nicht gemeinsam bereit stehen. Ich höre ihn schon sagen: "Besser mit den Grünen regieren als gar nicht regieren." 
 
Denn nur als Chef kann man sich auf Kosten der Steuerzahler ins rechte Bild setzen lassen. Beim Vorgänger Horst Seehofer betrugen die Fotorechnungen der Bayerischen Staatskanzlei im letzten Amtsjahr 11 000 Euro. Bei Markus Söder sind sie 2022 auf 180 000 Euro angewachsen. Ihr wollt die Ergebnisse sehen? Ihr schreckt auch vor nichts zurück. Dann müsst Ihr die Söder-Fan-Seite auf Instagram aufrufen. Sie hat den bezeichnenden Namen best_of_bavarian_king. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 966 vom 12. 10. 23 

Na? Habt Ihr ein wenig über das gestrige Rätsel nachgedacht? Oder habt Ihr Euch für den bequemen Weg entschieden, die Auflösung abzuwarten? Wie dem auch sei, ich hoffe nur, dass Ihr diese beiden SB-Folgen nicht einfach ungelesen in den Papierkorb steckt. Denn es ist schon erstaunlich, wo manche vertrauten Wörter ihre Wurzeln haben.
 
Die Ananas zum Beispiel hat uns Guarani beschert, eine Amtssprache aus Paraguay, die außerdem im Südwesten Brasiliens und im Nordosten Argentiniens gesprochen wird. Den Anorak, wenn wundert's, haben nicht die Schweizer, sondern die Eskimos erfunden. Und deren Sprache heißt Aleutisch.

Bambus ist Malaisch, der Basar kam aus dem Persischen zu uns. Und am Bumerang ist weniger überraschend, dass er aus Australien zu uns gelangte, sondern eher seine Wort-Herkunft aus Tharawal, der Sprache der Aborigines. Den Joghurt übernahmen wir aus dem Türkischen, die Loipe stammt von den begeisterten Ski-Langläufern aus Norwegen.

Dem Arawakischen, einer Sprache aus dem Norden Südamerikas, verdanken wir die Bezeichnung für Mais. Das Marmelade aus dem Portugiesischen kommt, war mir neu. Ebenso die niederländische Wort-Abstammung der Pampelmuse. Die alten Azteken kannten bereits Schokolade. Doch wer hätte gedacht, dass Shampoo aus dem Hindi entlehnt ist?

Erwartbar dagegen, dass der Tee aus China kommt und im Kantonesischen so bezeichnet wurde. Der Vampir ist weder in Bulgarien oder in Rumänien zuhause, sondern im Serbokroatischen. Und nun dürft Ihr Euch zurücklehnen und entspannt eine Zigarre rauchen. Dieses Wort entsprang dem Mayarischen. Nein, sie kommt nicht von einem Bienenvolk. Sondern aus Mittelamerika, wo die Nachfahren der Maya leben. 
 
Noch eine sprachliche Kuriosität zum Abschluss. Das englische Wort für Schmetterling heißt bekanntlich Butterfly. Doch es resultierte einst aus einem Versehen. Ursprünglich hieß das Fluginsekt auf der britischen Insel nämlich "Flutterby". Und das bedeutet: "Flattert vorbei". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 965 vom 11. 10. 23 

Uff! Wir schreiben den 10. Oktober, es ist 22.45 Uhr. Gerade ging unsere bisher längste kombinierte Bahn-Radtour zu Ende. Zunächst ging es nach Breisach, danach über den Rhein nach Frankreich und auf einen Rundkurs über Neuf Brisach und Colmar. Auf der Rückfahrt - unsere Ferienwohnung liegt auf einer Bergkuppe - wäre unseren Akkus beinahe der Saft ausgegangen. Ulla hatte noch drei Kilometer Reichweite, ich lediglich einen. 
 
Die Sprache hat mir das dennoch nicht verschlagen. Deshalb stelle ich Euch heute mal ein Sprachrätsel. Im folgenden Text sind 15 Fremdwörter enthalten, von denen sich einige überhaupt nicht fremd anhören. Ihr müsst nichts weiter tun, als die Wörter herauszufinden und ihrer jeweiligen Ursprungssprache zuzuordnen. 
 
Zur Auswahl stehen Guaranie (das ist neben Spanisch die zweite Amtssprache in Paraguay), Aleutisch (das wird von den Ureinwohnern rund um den Nordpol gesprochen), Malaisch, Persisch, Tharawai (eine Sprache der australischen Aborigenes), Türkisch, Norwegisch, Arawakisch (das sprechen Indianerstämme im Norden Südamerikas), Portugiesisch (das sprechen die Portugiesen, kleiner Scherz), Niederländisch, Aztekisch, Hindi, Kantonesisch, Serbokroatisch und Mayanisch (Mayas in Mittelamerika). Und nun zum Text: 
 
Als wir von der Loipe kamen und unseren Anorak auszogen, fletschte der Kellner seine Zähne wie ein Vampir. Wir hatten ihn wohl gestern mit unserer Bestellung überfordert, und er war alles andere als erfreut, dass wir wie ein Bumerang zum Tatort zurückkehrten. Die Wünsche nach Tee und Schokolade, nach Ananas, Mais, Joghurt, Marmelade und einer Pampelmuse hatte er noch klaglos notiert, aber als wir auch noch Bambus, Shampoo und eine Zigarre verlangten, platzte ihm der Kragen: "Wir sind hier doch nicht auf einem Basar!" 
 
Mal sehen, ob Ihr mehr als zehn Begriffe korrekt einordnen könnt. Der Gewinner kriegt eine gründlich shamponierte Zigarre oder einen Bambus-Joghurt. Aber die Lösung folgt erst morgen! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 964 vom 10. 10. 23

Die zweite Urlaubswoche ist angebrochen. Wir schreiben Mitte Oktober. Eigentlich müsste der Winter vor der Tür stehen und gelegentlich mal mit frühmorgendlichem Bodenfrost anklopfen. Aber nix da! Zumindest hier im dauersonnigen Freiburg wird es von Tag zu Tag ein Grad wärmer. Gestern erreichte das Thermometer 26 Grad, am morgigen Mittwoch sollen es 28 Grad werden. Wenn das so weiter geht, erreichen wir am Martinstag im November die 50-Grad-Marke. Zerteilt der Heilige dann statt des Mantels seine Badehose? Das will doch kein Mensch sehen. 
 
Zumindest ich ziehe jetzt schon bekleidungstechnische Konsequenzen. Zum Glück habe ich eine Shorts eingepackt, ohne ernsthaft zu glauben, dass ich sie brauchen könnte. Ab heute kommt sie zu Ehren. Und wir läuten die Eiszeit auf andere Weise ein. Nachher werden wir eine hiesige Eismanufaktur besuchen, um uns zu erfrischen. Und wie der Zufall es will, gilt es ein eisiges Jubiläum zu würdigen. 
 
Vor 100 Jahren wurde in den USA das Patent für das Eis am Stiel angemeldet. Und zwar am 9. 10. 1923 vom Süßwarenhändler Harry Burt. Was einen gewissen Frank W. Epperson schwer erzürnte. Er hat angeblich das Stiel-Eis erfunden, als er als Elfjähriger 1905 in einer sehr kalten Nacht einen Löffel in einem sirupartigen Getränk vergaß und am nächsten Morgen genussvoll das gefrorene Resultat abschleckte. Die Geschäftsidee ging ihm danach nicht mehr aus dem Kopf. Dennoch war er erst Ende 1923 so weit, sich sein "Popsicle-Eis" ebenfalls patentieren zu lassen. Dabei handelte es sich um ein Wassereis, das er mit dem Slogan "A Drink on a Stick" erfolgreich an den Kunden brachte. 
 
Doch noch besser verkaufte sich das Konkurrenz-Produkt von Harry Burt. Der vermarktete sein Milchspeiseeis mit Schokoladenüberzeug am Stiel als "Gute-Laune-Riegel." Die beiden Widersacher und ihre Erben lieferten sich einen erbitterten Rechtsstreit um die "Stiel-Frage", der irgendwann in einen außergerichtlichen Vergleich mündete. Kurz danach gelangten beide Produktreihen in den Besitz des Unilever-Konzerns. Eis am Stiel wurde weltweit zur Massenware. 
 
Qualität ist dagegen oft rar und eine Frage sowohl der Handwerker-Kunst wie der Zutaten. Das teuerste Eis der Welt gibt es heute in Japan. Eine Kugel "Byakuya", übersetzt "Weißer Himmel",  kostet 6211 Euro! Das liegt vor allem daran, dass Weißer Trüffel der Hauptbestandteil ist. Und ein Kilogramm dieses speziellen Edelpilzes ist nicht unter 14 000 Euro zu haben. Trotzdem: Ich erinnere mich lebhaft an die Zeiten, als eine Kugel Eis nur einen Groschen kostete und das während meiner gesamten Kindheit. 
 
Doch das Teuerste muss nicht zwangsläufig das Beste sein. Um herauszufinden, welches das allerbeste Eis auf Erden ist, wurde das "Gelato Festival" begründet. Die Vorauswahl fand als "Gelato World Tour" auf verschiedenen Kontinenten statt, zum Finale in Rimini fanden sich dann die vermeintlich besten 36 Eismacher 2017 in Rimini ein. 50 000 Besucher ließen sich das nicht entgehen und durften ihre Stimme abgeben. Allerdings ergaben sich daraus bloß 20 Prozent der Gesamtnote, 80 Prozent bestimmte das Urteil einer Fachjury. 
 
Am Ende lag mit Alessandro Crispini ein Italiener ganz vorn. Seine Kreation basierte auf drei Sorten Pistazien, die zudem geröstet und veredelt waren. Platz zwei errangen zwei Deutsche italienischer Abstammung: Guido de Rocco und sein Sohn Luca aus dem fränkischen Schwabach. Sie überzeugten mit ihrem "Tributo alle Serenissima", einem Sorbet aus Erdbeertrauben und fein karamellisierten Nüssen. 
 
Die Eisweltmeisterschaft fand große Beachtung und wird jährlich wiederholt. Inzwischen ist die Teilnehmerzahl auf mehr als 5000 gewachsen. Die beiden Schwabacher treten nach wie vor an, landeten jedoch 2022 nur noch auf Rang 43. Womit sie aber immer noch die besten deutschen Bewerber waren. Unter den ersten Zehn war sechs Italiener. Und der Sieger hieß Marco Venturino mit seinem "Bocca Di Rose". 
 
So, jetzt habe ich Euch und uns den Mund genügend wässrig gemacht. Wir sind zuversichtlich, dass die örtliche Eismanufaktur auch ohne Weltmeisterehren etwas Leckeres zuwege bringt. Und da wir Becher oder Waffelhörnchen dem Stiel vorziehen, freuen wir uns auf "An Ice without a Stick". 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 963 vom 9. 10. 23

Wie bereits gestern beschäftige ich mich auch heute zunächst nochmal mit der Großwetterlage. Ein Streiflicht aus der Süddeutschen Zeitung hat mir derart aus der Seele gesprochen, dass ich es komplett unterschreiben kann und ausnahmsweise den Einstieg hier ohne jede Veränderung zitiere: 
 
 "Der deutsche Bürger und Steuerzahler, egal ob weiblich, männlich oder sonst was, ist das ärmste Geschöpf auf Erden. Alle Welt will ihm an den Geldbeutel, ganz besonders natürlich die Grünen, er ist der Zahlmeister Europas bis runter zum Kap der Guten Hoffnung. Viele Bundesbürger sind gezwungen, ihr Geld auf einer Karibikinsel zu verstecken so wie früher die Piraten, und manchmal sitzt so einer am Tresen und schüttet dem Barkeeper sein Herz aus. Endlich einer, der ihm sein Ohr leiht, ein Mensch, so verständnisvoll wie der eigene Friseur. Man ist das gar nicht mehr gewohnt, denn ansonsten gilt: Die Meinung des Bürgers ist nicht gefragt. Keiner will ihm zuhören, am allerwenigsten die Politiker, obwohl die immer sagen, wir müssen zuhören, vor allem der schweigenden Mehrheit. 
 
Gott sei Dank gibt es Ausnahmen, beispielsweise Menschen mit einem völkischen Weltbild. Die jammern zwar am lautesten, dass sie ihre Meinung nicht sagen dürfen, aber sobald sie diese dann doch äußern, etwa vor einer Flüchtlingsunterkunft, sind alle Medien zur Stelle und berichten darüber. Nichts wird so ausgiebig in die Welt hinausposaunt wie die angeblich totgeschwiegene Meinung. In jeder Talkshow wird sie durchgekaut, bis sie endlich in der Politik auftaucht, als bürgernahes Knallhart-Programm. So gesehen ist es um die Wahrnehmung der Meinung nicht schlecht bestellt. Es dürfen nur keine extremistischen Forderungen sein wie ein Tempolimit oder gerechter Lohn." 
 
Ja, Sprache ist ein wichtiges Instrument. Sowohl für Polemiker wie für Satiriker. Nach so viel Politik gönne ich Euch jetzt zur Entspannung noch ein paar harmlose Sprach-Infos. Damit Euch ein Licht aufgeht: Der englische Begriff für Glühbirne - "light bulb" - bedeutet wörtlich übersetzt Lichtknolle. Und als Schachspieler hat mich die Herkunft des Wortes "Schachmatt" interessiert. Es stammt ab vom persischen Wort "Schah Mat" und bedeutet "Der König ist tot". 
 
Da sieht man einmal mehr, dass auch unterschiedliche Sprachen miteinander verwandt sind. Das ist keine Zauberei. Das Wort "Abrakadabra" wird in den meisten Sprachen gleich ausgesprochen. Aber manchmal stößt die Aussprache auch an ihre Grenzen. In Schweden wurde 1996 ein Antrag trotz sonst üblicher Großzügigkeit bei der Namensgebung abgelehnt. Das Elternpaar wollte seinen Sohn Brfxxccxxmnpcccelllmmnprxvclmnkssqlbb11116 nennen. Da würde selbst meine Logopädin an Grenzen stoßen. 
 
Glückauf 
kdk 

  Schmunzelpost 962 vom 8. 10. 23

Gerade flimmerte der Wetterbericht über den Bildschirm. Für den nächsten Dienstag sagen sie für uns in Freiburg 28 Grad voraus. Ja, ist denn schon wieder Juli? Oder August? Nein, wir schreiben dann den 10. Oktober. 
 
Nicht nur die immer neuen Rekorde sowohl bei den Temperaturen wie bei den Niederschlägen zeigen an: Wir stecken bereits mitten im Klimawandel. Das belegt auch die wachsende Zahl der Katastrophen, die womöglich nur ein Vorgeschmack dessen sind, was die nächste Generation erleben wird. Ist deshalb gerechtfertigt, was die "letzte Generation" so treibt? Auch wenn die Hasskommentare gegen die Klimakleber völlig überzogen sind, selbst ich finde es nicht hilfreich, wenn der Autoverkehr lahmgelegt oder Kunstwerke bekleckert werden. 
 
Meine große Sorge ist, dass solche Aktionen bei der breiten Masse das Klima für den Klimaschutz nicht verbessern, sondern dass den berechtigten Umweltschutz-Anliegen geschadet wird. Der Mensch neigt zu Vereinfachungen und zu Pauschalurteilen. Daher war ich überhaupt nicht überrascht, dass jetzt ein führender Wissenschaftler meine Einschätzung bestätigt hat. Der Soziologe Steffen Mau kam zu dem Ergebnis, dass die Umweltaktivisten der letzten Generation erheblich zur Spaltung unserer Gesellschaft beitragen und die Bereitschaft vieler Menschen verringern, selbst mehr für den Klimaschutz zu tun. 
 
Nun bin ich überzeugt, dass wir es ohnehin nicht hinkriegen, den Klimawandel zu stoppen. Es ist aber weiter die Frage, wieviel Unheil die katastrophalen Folgen anrichten werden. Daher ärgert es mich sehr, wenn früher von mir geschätzte Leute wie Dieter Nuhr nicht müde werden zu erklären, es spiele letztlich keine Rolle, wie sehr wir uns in Deutschland ins Zeug legen, solange in Ländern wie den USA, China oder Indien keine radikalen Maßnahmen erfolgen. 
 
An der Rechnung ist zwar etwas dran. Aber darf das deshalb ein Freifahrtschein für uns sein, weiterhin in Scharen um den Globus zu düsen? Was wäre, wenn jeder zweite Chinese und jeder zweite Inder ebenfalls für sich das Recht auf Flugreisen in Anspruch nimmt? Oder in einem Auto mit Verbrennermotor mit 160 Sachen über die Schnellstraße braust? 
 
Ich weiß, dass ich mich nicht als Moralapostel gebärden sollte, nur weil ich beschlossen habe, für den Rest meines Lebens auf Flüge zu verzichten. Dazu ist meine persönliche Umweltbilanz viel zu schlecht. Ich bin nach wie vor mit einem Benziner-Pkw unterwegs und kriege es nicht hin, komplett auf Fleisch zu verzichten. Obwohl ich genau weiß, welche Folgen die Viehwirtschaft fürs Klima hat, von Tierschutzgedanken mal ganz abgesehen. 
 
Aber dennoch meine ich, dass wir unser Verhalten täglich überprüfen sollten. Jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung wirkt sich aus - auch wenn die Effektivität in einem Mikrobereich liegt, den ich mir in Zahlen hinter dem Komma überhaupt nicht vorstellen kann. Doch da gilt: Kleinvieh macht auch Mist. Selbst wenn in 50 Jahren das Meer zwei Drittel der Inseln weltweit verschlungen hat, vielleicht können wir wenigstens Lummerland retten. Falls sich genügend Menschen anstrengen. Und das wäre etwas wert, nicht nur für Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer. 
 
Insofern finden ich auch den Appell des Soziologen Steffen Mau einleuchtend. Er forderte die Umweltaktivisten dazu auf, im Vorfeld mehr über die Wirkung ihrer Aktionen nachzudenken. Dazu nannte er ein Beispiel aus Frankreich. Dort haben Klimaschützer auf Golfplätzen, die in heißen Sommern munter weiter gewässert wurden, sämtliche achtzehn Löcher zubetoniert. Was ihnen Beifall von fast allen Seiten einbrachte. 
 
Ich schlage eine weitere Aktion vor, die ebenfalls nicht ganz legal wäre. Könnten es technisch versierte Umweltschützer nicht hinbekommen, dass auf unseren Autobahnen Pkw-Fahrer, die mit 180 km/h unterwegs sind, durch einen Blitz geschockt werden? "Scheiße, eine Radarfalle! Da muss ich wohl das Schild mit der Geschwindigkeitsbegrenzung übersehen haben. Verdammt, das kann mich für Monate den Führerschein kosten!" 
Womöglich würde dieser Mordsschreck für einen Denkanstoß sorgen. Und allen anderen das angenehme Gefühl verschaffen, dass Raser wenigstens einmal richtig Muffensausen hatten. Nicht wahr, Herr Lindner? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 961 vom 7. 10. 23

Anderswo, so heißt es, ticken die Uhren anders. Aber nicht bei der Deutschen Bahn. Dies hat ein erster Praxistest im Breisgau ergeben. Wir sind mit den Rädern von Freiburg nach Breisach gefahren und wollten am Abend mit dem Zug zurückkehren. Die erste im Fahrplan enthaltene S-Bahn-Verbindung fiel jedoch aus. Ohne dass auf dem Bahnsteig auf irgendeine Weise darauf hingewiesen wurde. So wuchs die Zahl der Wartenden für die Tageszeit erstaunlich rasch an. 
 
Das hatte jedoch auch damit zu tun, dass am Donnerstagabend der SC Freiburg ein Europacup-Heimspiel austrug. Bei den zahlreichen mit Trikots und Schals geschmückten Fans wuchs die Nervosität, als erst die Anzeigentafel und dann der Lautsprecher verkündeten, dass auch der nächste Zug in Richtung Stadion Verspätung haben würde. Ausnahmsweise. (Ha, ha! Anmerkung eines westfälischen Mitreisenden.) 
 
 Doch die Verspätung war vergleichsweise kurz, da haben wir schon ganz andere Sachen erlebt. Und da auch die Fahrradmitnahme dank fast ebenerdigem Einstieg kein Problem war, neigten wir dazu, den regionalen Verantwortlichen ein besseres Zeugnis auszustellen als ihren NRW-Kollegen. Doch dann stiegen wir am Freiburger Hauptbahnhof aus und lasen am Aufzug ein Plakat, das sinngemäß folgende Mitteilung enthielt: "Wir sind bemüht, unseren Fahrgästen besseren Komfort zu bieten. Daher wird zur Zeit unser Aufzug entsprechend ausgerüstet und ist gegenwärtig außer Betrieb. Wenn Sie körperlich beeinträchtigt sind und Hilfe benötigen, rufen Sie in dringenden Fällen folgende Nummer an... 
 
Danach war ich eher mental beeinträchtigt, denn ich schnaubte vor Wut. Weil ich ein Deja-vu-Erlebnis hatte. Mir war schon vor fünf Jahren im selben Bahnhof ähnliches passiert. Damals hatte ich in einem ICE für mich und mein E-Bike Plätze für die Rückfahrt ins Ruhrgebiet reserviert. Doch mein Zug konnte nicht einfahren, weil das Gleis von einem anderen ICE, der eigentlich schon eine Stunde zuvor nach Kiel hätte starten sollen, blockiert war. Meine Frage am Info-Stand, ob es nicht möglich sei, dass mein Zug auf einem anderen Gleis einfahren könne, wurde abschlägig beschieden. "Das ist leider nicht machbar. Doch Sie können sicher sein, dass Ihr Zug auf Gleis drei einfahren wird." 
 
Ich hatte mich nämlich besorgt erkundigt, ob ich mich darauf verlassen könnte. Denn mein E-Bike war ohnehin kein Leichtgewicht und zusätzlich mit Gepäck schwer beladen. Und der Fahrstuhl war defekt. Natürlich kam es, wie es kommen musste. Nach zweistündigem Warten ertönte die Lautsprecher-Durchsage: "Der ICE nach Essen fährt heute ausnahmsweise nicht auf Gleis drei, sondern auf Gleis sieben ein." Die Wut verlieh mir zusätzliche Kräfte. Ich schleppte in Rekordzeit Rad und Gepäck erst zwei Treppen hinunter und dann zwei Treppen zum Gleis sieben hinauf. Als ich endlich mein Abteil erreicht hatte, pfiff ich selbst wie eine Dampflokomotive. Aber aus dem letzten Loch. Immerhin gewährte die Bahn mir großzügig Zeit, um mich wieder zu erholen - der Zug setzte sich erst eine Stunde später in Bewegung. 
 
Ich hätte also gewarnt sein müssen. Diesmal hatte ich zwar kein Reisegepäck dabei, dafür aber eine Satteltasche mit schwergewichtigen Einkäufen, die wir in einem nahe des Breisacher Bahnhofs gelegenen Rewe-Markt getätigt hatten. Darunter mehrere Literflaschen Mineralwasser und Cola sowie zwei Fläschchen Wein aus der Region. Was bedeutete: Dreimal zwei Treppen runter! Erst mit einer schweren Packtasche und dann diesmal sogar mit zwei E-Bikes. Und inzwischen bin ich siebzig Jahre alt! 
 
Werte Bahn! Eines Tages wird einer Deiner Bahnhöfe mein Friedhof werden. Und die Chancen stehen gut, dass dies in Freiburg geschieht. 
 
Glückauf 
kdk 

  Schmunzelpost 960 vom 6. 10. 23

Das Urlaubswetter ist optimal, Freiburg ist eine sehr schöne Stadt, und der Breisgau hat viel mehr zu bieten, als sich in nur zwei Wochen auskosten lässt. Trotzdem finden kritische Reisende wie wir ein Haar in der Suppe, über das es sich herzhaft aufregen lässt. Mittwochmittag haben wir in Kirchzarten vorzüglich gespeist und erlebten später, dass die Rechnung für den Cafe-Besuch in Freiburg höher war als im Restaurant! 
 
Eine Tasse Kaffee 3,90 Euro! Ein Stück Pflaumenkuchen 5,20 Euro! Die Sahne dazu 1,90 Euro!!! Ein mickriges Obsttörtchen und ein Klecks Schoko-Tarte jeweils 6 Euro! Und eine Tasse Schokolade genauso viel! Was mein Mineralwasser gekostet hat, danach habe ich lieber gar nicht erst geschaut. Die Empörung dampfte mir noch aus beiden Ohren, als wir das Cafe Gmeiner (müsste es nicht eigentlich "gemeiner" heißen?) verließen. Und dann entdeckte Ulla im benachbarten Schaufenster einer Schweizer Chocolateria, so eine Art Edel-Hussel, ein bescheidenes Tütchen mit verschiedenen Schokoladen-Stückchen. Kostenpunkt: 22,50 Euro! 
 
Nun bin ich sehr dafür, dass den Erzeugern faire Preise gezahlt werden. Aber angesichts solcher Summen plagt mich der Verdacht, dass hauptsächlich Abzocker profitieren. So habe ich mich daran gemacht, die weltweit teuersten Schokoladen-Artikel zu recherchieren. Hier sind die Top-Drei: 
 
Bisher glaubte ich, Dänen verstünden vor allem etwas von Smörrebröd. Aber ein Däne mit dem typisch dänischen Namen Fritz Knippschildt verkauft die teuerste Praline der Welt. Allerdings ist er nach Amerika ausgewandert und hat dort das kapitalistische Einmaleins von Angebot und Nachfrage verinnerlicht. Seine Praline mit dem wohlklingenden Namen "La Madeline au Truffel" kostet schlappe 250 Dollar pro Stück. Die Leckerei besteht aus einem echten Perigord-Trüffel, der von Valrhona-Schokolade umhüllt ist. 
 
Dagegen ist die Schokolade "To'ak" aus Ecuador fast ein Schnäppchen. Die 50-Gramm-Tafel kostet bloß 200 Euro. Diese Schokolade besteht zu 77 % aus der extrem seltenen Kakaosorte Nacional. Davon werden lediglich 570 Tafeln im Jahr hergestellt und in einer handgefertigten Holzschachtel an den glücklichen Kunden gebracht. Schokolade macht ja angeblich glücklich und ist bei einem hohen Kakaoanteil nachweislich gesund. 
 
Nach eigenen Angaben finanziell sehr gesund ist die Schweizer Gründer-Firma "Atlimo Chocolate" aus Zürich. Die beiden Eigentümer sträubten sich nämlich erfolgreich dagegen, ausgerechnet einem Dänen das Feld zu überlassen und produzieren jetzt das teuerste Schoko-Erzeugnis der Welt. Eine 80 Gramm-Tafel, von denen jährlich nur 50 Exemplare auf den Markt kommen, bringt  ihnen nämlich 640 Schweizer Franken ein, was in etwa dem Europreis entspricht. 
 
 Gerechtfertigt wird dies mit dem einzigartigen Geschmack von Orangenkristallen und Safran aus dem Walliser Bergdorf Mund. Nur dort wächst eine Safran-Sorte, die wegen ihrer Exklusivität als "rotes Gold" bezeichnet wird. Angeblich erbringt eine Jahresernte, natürlich handgepflückt, maximal zwei Kilo. So betrachtet also ein Spottpreis. Wenn Ihr noch über ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenkt nachdenkt - es lebe die Dekadenz! 
 
Ulla und ich haben übrigens beschlossen, beim nächsten Mal ein anderes Cafe in Freiburg zu besuchen. Wir wissen zwar nicht, ob Katzenzungen aus Schokolade im Angebot sind, aber dafür sollen leibhaftige Katzen im "Katzentempel" den Gästen den Aufenthalt versüßen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auf die alemannische Schmunzelpost hat es gleich zwei Reaktionen gegeben. Martin schrieb: "Die Badischen waren ja stets etwas wohlhabender (fruchtbares Rheintal, Kaufmannsrouten, viel Handel, Nähe Frankreich) und die Schwäbischen mehrheitlich ziemlich arm (karge Berggebiete in der Alb und im Schwarzwald, weniger fruchtbare Böden, fehlende Infrastruktur). Daher die etwas hochnäsige Überheblichkeit der Badener und die aus Armut resultierende sprichwörtliche Sparsamkeit der Schwaben. Was sich auch sprachlich widerspiegelt: Was ist der Wahlspruch der Badener, mit dem er die Menschheit in zwei Gruppen einteilt? "Esch gibt BADISCHE und UNSYMBADISCHE!" - Dagegen: Ein Schwabe arbeitet auf dem Dach seines "Häusle", rutscht aus, segelt am offenen Küchenfenster vorbei und ruft: "Frau, kochscht für mi koi Schbätzle, i ess heit im Spitäle!" Heinz Erhard meinte übrigens, das Geizigste wären der "Schwotte", eine Kreuzung aus Schwabe und Schotte. 
 
Und Maria aus dem im tiefsten Münsterland liegenden Rhade sandte mir eine Anregung, die ich erst nach der Heimkehr gern aufgreifen werde, weil sie zunächst etwas Quellenstudium erfordert. Maria schrieb: "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Wie wäre es denn mal mit Münsterländer Plattdeutsch?
Dat wöet noch full sproken bi us inne Gegend und full löt sik dormet full bäeter utdrücken. Bi't nächste Koffiedrinken könnt wi jo äs dormet anfangen. Wat düch di dorvan? Noch schöne Daage in Freiburg un büs de Daage." 
 

 Schmunzelpost 959 vom 5. 10. 23

Reisen bildet. Das gilt auch für einen Urlaub in Freiburg. Daher möchte ich auch heute eine kleine Einführung in eine gar nicht so fremde Fremdsprache präsentieren. Mit Ruhrdeutsch haben wir es schon probiert, auch mit Sächsisch und Kölsch. Warum soll es da nicht auch mit dem Alemannischen klappen?
 
Die Alemannen, das wissen wir noch aus der Schule, gehörten zu den germanischen Stämmen. Der Name leitet sich ab von "ala" (alle) und "manon" (Menschen). Aus diesem Universal-Anspruch lässt sich bereits ablesen, dass es die Alemannen mit der Herkunft nicht so genau nahmen. Ihre Unterstämme vereinten die unterschiedlichsten Einflüsse, sie waren daher die frühen Vorreiter des "Multi-Kulti"-Gedankens.
 
Ihre Sprache hat in verschiedenen Ausformungen bis heute überlebt. So wird Alemannisch in Schwaben, Baden, im Elsass, im österreichischen Vorarlberg und bei den Eidgenossen als Schwyzerdütsch geschwätzt. Und wo Jürgen Klinsmann herkommt, kann man einem seiner Zitate entnehmen: "Mir sin die, wo gwinne welle." Ein paar weitere Begriffe will ich Euch jetzt vorstellen. Das machen wir so: Ich zitiere erst einen kompletten Satz und erläutere dann das badische Wort, an dem Ihr Euch sonst die Zähne ausbeißt.
 
"Fire en Bolle Eis musch bis zu zwoa Euro hinlege!" Der Sinn lässt sich erschließen, denn solche Preise für eine Kugel Eis tun nicht nur Schwaben, den Schotten des Südens, in der Seele weh.

Wer beim Eisverzehr so ausgenommen wird, der muss sehen, dass er anderswo auf seine Kosten kommt. "Em Aadla gibd's Schniddsl so groß wie Aborddegl." Mit dem Aadla ist in diesem Fall ein Gasthof gemeint, das gesuchte Wort steht jedoch für Toilette.

Hart hat es unseren Kumpel Karl getroffen. Denn: "Die ham em Kaal sein Babbedegl abgnomme!" Der Ärmste hat seinen Führerschein eingebüßt.

Alemannen sind fürsorglich. "Isch dir kalt? Magsch an Debbich?" Der Debbich ist in diesem Fall kein Teppich, sondern eine wärmende Decke
 
Und zum Schluß noch ein Spruch, den sich Frauen für den Bedarfsfall merken sollten: "Ruddsch mer de Buggl nunner, du bleeder Dinger, du bleeder." Dass ein Mann bzw. Kerl abschätzig als Dinger bezeichnet wird, ist mir neu. Aber mich hat ja auch noch keine Frau aufgefordert, ihr den Buckel runterzurutschen... 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 958 vom 4. 10. 23

Im Wald da sind die Räuber. Das wissen wir als Kenner des deutschen Liedguts. Aber dass im Wald noch ganz andere schwarze Unholde zuhause sind, die bei den ersten Anzeichen des nahenden Winters unbescholtene Bürger heimsuchen, das habe ich erst am Montag in Freiburg erfahren. 
 
Da haben wir nämlich unsere Ferienwohnung bezogen. Ein räumlich großzügiges Domizil am Stadtrand von Freiburg mit Blick auf viel Grün und die fernen Vogesen. Eine Wohnung, die mit wirklich allem ausgestattet ist, was der Urlauber braucht oder auch in seltenen Fällen brauchen könnte, blitzsauber und komfortabel. Allerdings auch ein Beweis dafür, dass bei Einrichtungsfragen der Gelsenkirchener Barock weit in den Süden vorgedrungen ist. 
 
Am Ankunftstag wies uns der Vermieter auf das einzige Manko hin. Aus den benachbarten Baumbeständen machen sich mit Anbruch der kühleren Jahreshälfte Waldbewohner auf, um für den Winter ein mollig warmes Quartier zu beziehen und sich dort bis zum nächsten Frühjahr einzunisten. Es handelt sich um Waldwanzen. Diese Insektenart kannte ich vorher noch nicht, bei uns in Dorsten haben wir es hauptsächlich mit Feuerwanzen zu tun. Und jetzt trug die Waldwanze entscheidend dazu bei, mich an das Thema der heutigen Schmunzelpost ranzuwanzen. 
 
Denn die Wissenslücke ist keine Schande. Weltweit gibt es 40 000 Wanzenarten, von denen 889 in Deutschland zu finden sind. Der Löwenanteil besteht aus Vegetariern, die sich ausschließlich von Pflanzen ernähren. Dann gibt es noch Aasfresser und Raubwanzen, die andere Insekten überfallen. Parasiten wie die berüchtigte Bettwanze, die Menschen anzapfen und dadurch juckende Quaddeln auf der Haut erzeugen, sind die große Ausnahme. Sie galten bei uns lange als ausgestorben, bevor sie Touristen aus Asien und Osteuropa wieder eingeschleppt haben. 
 
Mit dieser Spezies haben die Waldwanzen jedoch nichts am Hut. Sie bekennen sich eher zu anderen entfernten Verwandten, wie dem Wasserläufer oder dem Rückenschwimmer. Die harmlosen Gesellen nerven hier in Freiburg lediglich durch ihre große Zahl, ihre Vorliebe für warme Räume und durch ihr Aussehen, das bei insektophoben Leuten Ekelgefühle erzeugt. 
 
Dazu kommt eine Eigenschaft, über die viele Wanzenarten verfügen. Sie kommunizieren mit Duftstoffen. Nicht nur das: Sie sondern übelriechende Sekrete auch als Warnung an Fressfeinde ab. Leider schützt sie das nicht vor Menschen. Aber immerhin können sie sich so wenigstens durch Gestank rächen, wenn die possierlichen Tierchen von übelwollenden Zeitgenossen zerquetscht werden. Doch vor mir müssen sie sich nicht fürchten. Ich erwäge sogar, nach meiner Heimkehr ein mahnendes Gedicht zu verfassen: "Mein Freund, die Waldwanze." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 957 vom 3. 10. 23

Zum Tag der Deutschen Einheit habe ich nach einem Thema gesucht, das die Deutschen in Ost und West verbindet. Und ich habe es gefunden. Der Fußball spaltet die Nation unabhängig vom Wohnsitz auf ganz andere Weise: Die einen ödet er an, die anderen sind ballverliebt. 

 
Zwar hat jetzt erstmals ein Verein aus dem Osten sogar gute Chancen, den Meistertitel zu ergattern. Doch RB Leipzig ist sogar in Sachsen umstritten - als Kunstprodukt eines Österreichers, der rote Bullen fliegen lässt. Aber da gibt es noch einen anderen Club, der den Respekt fast aller Fußballfreunde in ganz Deutschland genießt: Die Eisernen aus Ost-Berlin. Wie Union Berlin es geschafft hat, sich in der Bundesliga zu etablieren und nun sogar in die Champions-League einzuziehen, das verdient höchste Anerkennung. Und nebenbei: Den gepflegtesten Fußball in der Zweiten Liga spielt zur Zeit der 1. FC Magdeburg. 
 
Doch da der 3. Oktober ein Feiertag ist, der eine feuchtfröhliche Feier verdient hat, konzentriere ich mich nun auf promillehaltige Fußballfakten. Wisst Ihr eigentlich, wie lang die Leitung von Schalke 04 ist? Nein, ich meine nicht die Vereinsführung. Die Bierleitung der Veltins-Arena ist fünf Kilometer lang. Aus vier Kühlzentren führt sie zu 133 Zapfhähnen in 32 Kiosken. Imposant, was? Aber auf Schalke hatte man früher ja auch oft Grund zum Feiern. Die Blau-Weißen sind schon sieben Mal Deutscher Meister.... ist ja schon gut, ich kehre zurück zu Schnapszahlen. 
 
Stichwort Meisterschaft: Der DFB-Pokal hat ein Fassungsvermögen von acht Litern und wird deshalb gern als Trinkgefäß genutzt. Erst wird der Pokal übergeben, dann übergeben sich die Spieler... Doch manchmal ist Alkohol auch Medizin. Karl-Heinz Rummenigge litt in jungen Jahren unter Lampenfieber. Um seine Nervosität zu bekämpfen, flößte der Mannschaftsbetreuer der Bayern dem 20-jährigen daher vor dem Europacup-Finale 1976 zwei Gläser Cognac ein, bevor Rummenigge aufs Feld lief. Ob er dadurch besser dribbeln konnte, ist nicht bekannt. Bayern gewann aber durch ein Tor von "Bulle" Roth mit 1:0 gegen St. Etienne. 
 
Dem Alkohol nicht abgeneigt war auch Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder. Legendär ist deshalb ein von ihm geleitetes Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und Hannover 96 im Jahre 1975. Ahlenfelder pfiff die erste Halbzeit bereits nach 39 Minuten ab. Der Linienrichter musste ihn mühsam überreden, noch weiterspielen zu lassen. Doch schon vier Minuten später pfiff Ahlenfelder endgültig zur Pause. Nach einem starken Kaffee lief es dann in der zweiten Halbzeit besser. 
 
Mehrere Kannen Kaffee hätte wohl 2008 ein Schiri in Weißrussland gebraucht. Wie sich hinterher herausstellte, hatte er eine Erstliga-Partie mit 2,6 Promille Alkohol im Blut gepfiffen. Die Zuschauer wunderten sich lediglich, dass der Unparteiische einen Großteil des Spiels im Stehen vom Mittelkreis aus verfolgte. Vielleicht hatte der Mann ja Angst, die Spieler anzurempeln. 
 
Weniger Skrupel hatte Peter Beagrie, ein begnadeter Fußballer und noch größerer Trunkenbold. Beagrie spielte für zehn britische Vereine, unter anderem auch für Manchester City. 1991 trat er für Everton gegen Real Sociedad im Europacup an. Danach ließ er sich volllaufen, stoppte einen vorbeikommenden Motorradfahrer, der ihn anschließend zum Mannschaftshotel kutschierte. Als der Nachtportier jedoch nicht öffnete, schnappte sich Beagrie das Motorrad und donnerte damit durch die gläserne Eingangstür. Doch er hatte Pech - es war das falsche Hotel. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 956 vom 2. 10. 23 

Gegenwärtig wird in den Medien über vielerlei Mutproben debattiert, denen sich, von Tiktok und Instagramm angefeuert, offenbar viele Jugendliche unterziehen. Zugegeben: Es grenzt an Selbstverstümmelung, wenn sich junge Menschen zutrauen, superscharfe Chips ohne gesundheitliche Probleme verspeisen zu können. Oder wenn sie Deo-Sprays zweckentfremden. Aber es ist Unsinn, dies als neues Phänomen zu betrachten und die nachwachsende Generation zu verdammen.
 
Wenn ich mich recht erinnere, hat es schon in meiner Jugend - lang, lang ist's her - Mutproben gegeben. Dazu gehörten der Sprung vom 10-m-Turm im Freibad, der Diebstahl von Kleinigkeiten in Geschäften und unter Jungs das Rauchen einer dicken Zigarre. Ich kenne sogar einen Wagemutigen persönlich, der glaubte, das Leeren einer halben Flasche Whiskey auf Ex ohne größere Schwierigkeiten aushalten zu können. Na gut, der Knabe war schon immer etwas seltsam.
 
Aber auch Erwachsene sind vor solchem Blödsinn nicht gefeit. Hat nicht vor ein paar Jahren ein gewisser Donald in den USA dazu aufgefordert, irgendwelche Wundermittel gegen Corona zu schlucken, statt sich impfen zu lassen, weil sie so über den Magen viel besser ihre Wirkung entfalten könnten? Und ist es gehässig, wenn ich hoffe, dass viele seiner Anhänger diesem Rat gefolgt sind und ordentlich Bauchweh bekamen?
 
Ich habe mir eine Herausforderung für Menschen ausgedacht, die allen Quatsch glauben und munter weiter verbreiten. Für die Russlandtreuen, die lieber wieder von Zar Vladimir Gas und Öl beziehen wollen und meinen, dass der lupenreine Demokrat zu Friedensverhandlungen mit den ukrainischen Aggressoren bereit ist, empfehle ich eine Reise nach Moskau. Dann bitte zum Kreml gehen, so nahe herantreten, wie es möglich ist und dreimal laut rufen: "Putin ist schwul!" Wer das wagt, dem spendiere ich ein Gazprom-Trikot - falls er zu meinen Lebzeiten aus dem sibirischen Arbeitslager entlassen wird.
 
Und noch eine Challenge für Esoteriker, deren Traum es ist, kraft ihrer Gedanken im Schneidersitz in der Luft zu schweben. Das gelingt nur fortgeschrittenen indischen Gurus. Wer das schaffen will, muss erst einmal die Aufnahmeprüfung für die Fakir-Uni bestehen. Dazu müsst Ihr zunächst 300 Gramm Sägespäne schlucken. Gern auch mit Hilfe eines halben Liters bei Vollmondlicht geschöpftem Quellwasser. Dann löffelweise 50 kleine Stahlnägel hinterher kippen, pro Stück maximal 1 cm lang. Zum Schluss noch ein Glas Leim zügig auf Ex trinken und das Ganze durch mindestens 20 Purzelbäume im Magen gut umrühren. Falls es Euch dann beim nächsten Stuhlgang gelingt, ein Miniatur-Fakirbrettchen in die Kloschüssel zu zaubern, steht Eurer Guru-Karriere nichts im Wege.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 955 vom 1. 10. 23

Am Freitag habe ich ein Zitat des früheren US-Präsidenten George Dabbeljuh Bush in der Zeitung gelesen. Er soll während seiner ersten Amtsperiode gesagt haben: "Zwischen Menschen und Fischen ist eine friedliche Koexistenz möglich." Das erkannte er, noch bevor der Bestseller "Der Schwarm" von Frank Schätzing erschienen war. Ich möchte Bush in diesem Fall nicht widersprechen. Genauso wenig wie bei einer zweiten treffenden Aussage: "Die meisten Importe kommen aus dem Ausland." 
 
Das werte ich jedoch als Indiz, dass an der Beschwerde einer möglichen republikanischen Präsidentschaftskandidatin wirklich etwas dran ist. Nikki Haley stöhnte im Streitgespräch mit sieben Mitbewerbern: "Jedes Mal, wenn ich Sie höre, fühle ich mich ein bisschen dümmer." Das muss Tradition haben. Denn wie ist es sonst zu erklären, dass Donald Trump sich schon einmal gegen seine republikanischen Rivalen durchsetzen konnte und alles darauf hindeutet, dass es ihm nun ein zweites Mal gelingt? 
 
Ich habe mir mal angeschaut, was US-Präsidenten in den letzten Jahrzehnten von sich gegeben haben. Und zwar öffentlich. Donald Trump lasse ich mal außen vor. Er hat einfach zu viel Unsinn geredet. Beginnen wir mit einem Versprecher von Ex-Präsident Bush aus dem Jahr 2022: "Die Entscheidung eines einzelnen Mannes, eine ungerechtfertigte und brutale Invasion auf den Irak zu starten...- ich meine auf die Ukraine..." Knapp vorbei ist auch daneben. Er meinte Putin und nicht sich selbst. 
 
Auch sein Vater George Bush senior war mal US-Präsident. Von ihm ist ein eher harmloses Zitat überliefert. Doch vermutlich sehen das die Vegetarier und Veganer unter Euch anders: "Ich mag keinen Brocolli. Und ich mochte ihn nicht seit ich klein war und meine Mutter mich zwang, ihn zu essen. Und ich bin Präsident der Vereinigten Staaten und ich werde keinen weiteren Brocolli essen!" 

Da ist es wohltuend, dass es mal einen US-Präsidenten gab, der etwas Vernünftiges gesagt hat. Aber das ist lange her. Zitat John F. Kennedy: "Wir alle leben auf diesem Planeten. Wir alle atmen dieselbe Luft. Wir alle halten die Zukunft unserer Kinder in Ehren. Und wir alle sind sterblich." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 954 vom 30. 9. 23 

Da hat er mal wieder einen rausgehauen. Gevatter Merz, bekannt für Klartext und klare Kante, der Mann, der die AfD halbieren will. Ob ihm das mit Sprüchen gelingt, bei deren Formulierung er von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen hüpft? Jedenfalls meint ein Großteil der Medien, solche Parolen gehörten eher ausgemerzt. Damit reiht sich Merz jedoch ein in die Reihe großer Politiker, die uns wegen ihres speziellen Sprachstils im Gedächtnis   bleiben werden. Edmund Stoiber hätte es fast geschafft, dass der Ausdruck „stoibern“ das Stottern verdrängt hätte. Und unser amtierender Bundeskanzler ist dabei, das Wort „herumscholzen“ 
als Verb für die Tätigkeit im Duden zu etablieren, mit vielen Worten nichts konkretes zu sagen. 
  
Aber auch unser Vizekanzler hat es drauf. Wenn Habeck in Fahrt kommt und der Welt etwas erklärt, dann gelingt ihm oft das Kunststück, mit vielen Schachtelsätzen und noch mehr Worten mit schrägen Bildern etwas auszudrücken, was nur einer versteht: Er selbst. Das nennt man dann „verquasilieren“.  
 
Daher bin ich Friedrich Merz dankbar, dass ich seine Aussagen sofort kapiere. Endlich habe ich verstanden, warum ich bei meiner Zahnärztin kürzlich skandalöse zwei Tage auf einen Termin warten musste! Das hat einen Denkprozess bei mir ausgelöst. Und prompt ist mir deutlich geworden, warum es so lange dauert, bis Handwerker nicht nur Termine vereinbaren, sondern sie irgendwann auch einhalten. 
 
Ja, ja, der Fachkräftemangel. Aber was steckt wirklich dahinter? Versetzen wir uns in die Situation eines Dorstener Schulabgängers. Er kann zwischen zwei Lehrstellen auswählen. Dann aber hört er, dass gleichaltrige Asylbewerber nicht arbeiten müssen, auf der faulen Haut liegen und vom deutschen Staat fürs Nichtstun fürstlich bezahlt werden. Da denkt  er doch sofort: „Das kann ich auch!“ und sagt meinem Maler und meinem Tischler ab. 
 
Schön, dass ich das noch sagen durfte. Und Sie, Herr Merz, haben jetzt eine ideale Vorlage für Ihr nächstes Interview, mit dem  Sie garantiert Aufmerksamkeit ernten werden. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 953 vom 29. 9. 23 

Ach, was wäre es doch schön, als Fußballfreund einem Verein aus Freiburg oder Heidenheim verbunden zu sein! Dort, wo Trainer wie Christian Streich oder Frank Schmidt unangefochten bleiben, selbst, wenn es mal mehrere Niederlagen nacheinander gibt. Auf Schalke hingegen nähert sich die Vertragsdauer der Trainer immer mehr der Lebenserwartung von Eintagsfliegen. 
 
Nun hat es auch Thomas Reis erwischt, der gefühlt gerade noch fast das Kunststück geschafft hätte, einen bereits klinisch toten Club in der Ersten Liga zu halten. Und der laut Vorstand "genau der richtige Mann" war, den Wiederaufstieg zu hinzukriegen. Welcher qualifizierte Fußballlehrer wird es sich nun antun wollen, auf dem blauweißen Schleudersitz, pardon, der Trainerbank, Platz zu nehmen? Und wen können die klammen Schalker überhaupt bezahlen?  Wir sind ja nicht in Nord-Lüdenscheid bei einem Vorort-Verein, den einst der Druckfehlerteufel in der Kölner Stadionzeitung entlarvte: "Borussia Dortmund. Vereinsfarben: Schwarz-Geld." 
 
Immerhin würde ein vereinsloser Fußball-Fachmann den Job wohl preisgünstig übernehmen. Peter Neururer behauptet von sich: "Ich bin Idealist. Wenn das Leben nicht so teuer wäre, würde ich alles umsonst machen." Vielleicht braucht es angesichts der bisherigen Spiele auch einen ausgewiesenen Optimisten wie etwa Ewald Lienen. Der urteilte seinerzeit als Trainer des MSV Duisburg nach fünf verlorenen Spielen: "Wir sind auf dem richtigen Weg!" 
 
Bevor man diesen richtigen Weg aber beschreiten kann, braucht es eine schonungslose Analyse. Dabei könnte der Ex-Schalker Olaf Thon helfen, der einst nach einer Niederlage die Worte sprach: "Ja gut, ich sag mal so: Woran hat's gelegen? Das ist natürlich die Frage, und ich sag einfach mal: Das fragt man sich nachher natürlich immer." Letztlich aber gilt heute noch das Roy-Präger-Zitat: "Jetzt kommt es darauf an, dass wir die entscheidenden Punkte gegen den Nicht-Abstieg sammeln!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 952 vom 28. 9. 23 

Gestern wäre meine Mutter 111 Jahre alt geworden. Nicht, dass sie sich das gewünscht hätte. Als sie mit fast 80 Jahren starb, war sie schon längere Zeit krank und lebensmüde. Aber dennoch hat ihr zumindest die Zahl gefallen. Zu ihrem 77. Geburtstag, auch eine Schnapszahl, wurde sie auf das biblische Alter von 111 angesprochen. Da lächelte sie verschmitzt: "So alt wird kein Mensch. Aber falls doch, dann feiern wir wie närrisch." 
 
Den Karneval hat sie gemocht. Allerdings stets aus sicherer Distanz. Also vor dem Bildschirm, um aus der Ferne Rosenmontagszüge und Prunksitzungen zu betrachten. Nie hätte sie sich selbst unter die Jecken gemischt. Und das Närrischte, was sie sich und ihrer Familie am Rosenmontag gönnte, waren Berliner Ballen, ein traditionelles Gebäck zu Silvester und Karneval. 
 
Viel zu lachen hatte meine Mutter in ihrem Leben nicht. Sie kam am 27. September 1912 in Klein-Wunneschin zur Welt. Das liegt in Pommern, wo ihr Vater einen Bauernhof besaß. Leider ließ er sich im Ersten Weltkrieg beschwatzen, eine Kriegsanleihe zu zeichnen und dafür seinen Grund und Boden zu belasten. So fiel der Hof an die Bank. Und der neue Besitzer war so großzügig, meinen Großvater und seine Familie für sich rackern zu lassen. Mein Opa starb mit  Anfang 60, auf Fotos sah er da bereits aus wie 75. Eine seiner drei Töchter starb schon in jungen Jahren. Und der Jüngste, der einzige Sohn, war geistig etwas zurückgeblieben, weil sich bei der Geburt die Nabelschnur um seinen Hals gewickelt und die Sauerstoff-Versorgung unterbrochen hatte. Die Nazis holten ihn später ab und steckten ihn in ein "Pflegeheim". Fünf Wochen später bekam die Familie einen Brief: Max sei einer Lungenentzündung zum Opfer gefallen. 
 
Die beiden verbliebenen Töchter, Grete, meine Mutter und ihre Schwester Else, halfen nach der Schule bei der Landarbeit und verdingten sich danach abwechselnd zeitweise als Haushaltshilfen in Berlin und im Ruhrgebiet. Eine kümmerte sich stets um die Mutter in Pommern. Grete lernte dann 1936 in Bochum August Goebert kennen. 1937 heirateten die beiden. Wie ich später im Familienstammbuch las, wohl nicht ganz freiwillig - das erste Kind war schon unterwegs. 1939 kam die zweite Tochter zur Welt. Im gleichen Jahr begann der Krieg, und August wurde eingezogen. 1940 traf dann ein Brief aus Norwegen ein: Der erste Mann meiner Mutter war von einem Scharfschützen in den Kopf getroffen worden und sofort gestorben. 
 
Als Kriegerwitwe mussten nun zwei kleine Mädchen durchgebracht werden. Vor den Bombenangriffen aufs Ruhrgebiet flüchteten die drei ins Ländliche, ins vermeintlich sichere Pommern. Als die Front immer näher rückte, versuchte meine Tante Else den Rest der Familie zu überzeugen, dass sie sich nach Westen davonmachen sollten. Die anderen vertrauten jedoch auf die Aussagen des Ortsvorstehers, dass Wunderwaffen rechtzeitig die Wende bringen würden. Else entkam schließlich allein auf dem letzten Schiff vor der "Wilhelm Gustloff", einem Flüchtlingstransporter, der am 30. Januar 1945 versenkt wurde. 
 
Meine Mutter, meine beiden Schwestern und die Großmutter schlossen sich in letzter Minute einem Treck gen Westen an, als bereits der Geschützdonner zu hören war. Auf der chaotischen Flucht mussten sie sich mehrfach im Straßengraben verbergen, da der Konvoi, in den sich auch Soldaten mit ihren Fahrzeugen eingereiht hatten, von Fliegern beschossen wurde. Irgendwann ging dem Wagen, auf dessen Ladefläche die vier mitgefahren sind, der Sprit aus. Das völlig erschöpfte Quartett kam dann auf einem Bauernhof im Osten unter und versteckte sich dort vor den Russen, die kurz danach den Ort einnahmen. Dort blieben sie für einige Zeit. 
 
Was in den Folgemonaten geschah, davon hat meine Mutter nie erzählt. Aus Andeutungen meiner Tante entnahm ich später, dass meine Mutter vergewaltigt wurde und die Familie sich daraufhin entschied, sich doch irgendwie in den Westen durchzuschlagen. Dort wurden sie von Verwandten des gefallenen Ex-Mannes aufgenommen. Hier hörte meine Mutter zum ersten Mal, dass der Bruder ihres Gatten unter einer Erbkrankheit litt, die nach dem 40. Lebensjahr ausbricht und dann binnen zehn Jahren zum Tode führt. Die Wahrscheinlichkeit, die Gene an Kinder weiter zu geben, lag bei 50 Prozent. Weil sie das Schicksal ihres Bruders Max in Erinnerung hatte, verschwieg meine Mutter das lange sowohl ihren Töchtern wie deren späteren Ehemännern. 
 
Um mit ihren Kindern über die Runden zu kommen, heiratete meine Mutter 1951 ein zweites Mal. Und brachte 1953 im Alter von 41 Jahren ein drittes Kind zur Welt. Der Betriebsunfall hieß Klaus-Dieter Heinz und verdankt seine Existenz der Unachtsamkeit seines Vaters. Das Nesthäkchen wurde dann aber von kleinauf verwöhnt und konnte früh seiner angeborenen Faulheit frönen. Denn es wurde nie mit lästigen häuslichen Pflichten behelligt, sondern durfte nach Herzenslust draußen spielen oder lesen, was es an Lektüre in die Finger bekam. Bis ans Ende ihrer Tage war die Hauptsorge meiner Mutter, dass es wenigstens mir gut ging, weil sie erleben musste, wie ihre beiden Töchter an den Folgen der Erbkrankheit litten und starben. 
 
Nicht so leicht, jetzt einen tröstlichen Schluss mit Schmunzelstoff zu finden. Ich will es aber versuchen. In unserer Familie war es stets eine Quelle der Heiterkeit, wenn meine Mutter sich bemühte, andere Dialekte nachzuahmen. Ihr Ruhrdeutsch klang eher nach Pommern, ihr Bajuwarisch trieb meinem bayrischen Schwager neben Fragezeichen auch Lachtränen in die Augen und ihre rheinischen Versuche wären auf jeder kölschen Bütt ein Kracher gewesen. Zu ihrem 111. deshalb drei Sprüche, an denen sie sich bestimmt erprobt hätte. Mal sehen, ob Ihr sie versteht. 
 
Wo köme mer hin, wa 'mer stonblieve täte? ---  Stäne löje nit - dat dun de Astrologe. --- Ne Wolf un ne Haas dun zusamme fröstöcke, nör de ein litt om Teller. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 951 vom 27. 9. 23

Worum ging es noch gleich in der letzten Schmunzelpost? Ach ja, um das "Örtliche". Aber auch um Vergesslichkeit. Wie um das zu belegen, habe ich gestern glatt vergessen über den Grund zu berichten, wieso ich darauf gekommen war, ausgerechnet über das lokale Telefonbuch zu schreiben. Das hole ich jetzt nach. 

Immerhin war ich bis zu dem Punkt gelangt, an dem ich nach der Nummer unseres Tischlers im Örtlichen suchte. Dabei musste ich feststellen, dass der Name "Stoffel" (ich verkneife mir mühsam alle Namenswitze) mehrfach enthalten war. Wie die Cosannes und die Kleinespels hat sich auch das Geschlecht derer von Stoffel in Dorsten verbreitet. Das führte dazu, dass auch der vor Jahren verstorbene FDP-Ratsherr immer noch einen Telefonanschluss besitzt. Wer jetzt jedoch hofft, einen Draht ins Jenseits entdeckt zu haben, liegt schief. Bestenfalls erreicht er die Witwe. 
 
Ich hingegen wählte selbstbewusst die Nummer, die mir aufgrund der Vorwahl noch bekannt vorkam. Und wahrhaftig meldete sich eine scheinbar bereits vertraute Stimme: "Stoffel. Was kann ich für Sie tun?" "Sie können mir erklären, warum Sie vor zwei Tagen nicht wie vereinbart um 15 Uhr bei uns waren." "Oh! Um 15 Uhr, sagen Sie?" Verlegenes Schweigen, abgelöst von lautem Rascheln. "Da habe ich wohl glatt vergessen, den Termin in meinem Kalender einzutragen. Aber wir können auch am Telefon die Sache vorbesprechen. Wann brauchen Sie uns denn?" "Na, so schnell wie möglich. Wir fahren danach in Urlaub." "Dann hoffen wir mal, dass das Wetter bei Ihren Flitterwochen mitspielt. Wie viel Stück sollen wir denn mitbringen?" "Na, zwei, das haben wir doch schon besprochen. Aber was für Flitterwochen meinen..." "Also, zwei, das ist zu wenig. Mindestens zwölf müssen es schon sein." "Zwölf? Was sollen wir denn mit zwölf neuen Bodenleisten für unser Terrassenfenster?" 
 
Um es abzukürzen: Es stellte sich heraus, dass dieser Stoffel bei allen passenden Gelegenheiten weiße Hochzeitstauben aufsteigen lässt, aber nebenbei keinerlei Schreinerarbeiten ausführt. Das war ein anderer Stoffel, den ich dann doch noch erreicht habe. Falls Ihr jedoch mal Bedarf an Hochzeitstauben habt: Unter 02369/74 28 812 wird Euch geholfen - aber fragt bloß nicht nach Bodenleisten! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 950 vom 26. 9. 23


 

Wie mit Ärzten verhält es sich auch mit Handwerkern: Ein Termin zieht den anderen nach sich. Bei Ärzten wird man zu Spezialisten weitergereicht, bei Handwerkern offenbar auch. Der Maler sagte, er könne nur weitermachen und auch das Terrassenfenster streichen, wenn vorher zwei morsche Holzleisten vom Tischler ausgetauscht würden. Und Maler haben mit Tischlern eines gemeinsam: Es ist schwierig mit Ihnen einen konkreten Termin auszumachen, den sie dann auch einhalten. 

Während der Maler mit angesagtem Regenwetter noch einen triftigen Grund hatte, ließ der Tischler den vereinbarten Zeitpunkt ohne Begründung verstreichen. (Später erzählte er auf meine Nachfrage etwas von einem Notfall, bei dem er kurzfristig helfen musste). Als er auch am Folgetag nichts von sich hören ließ, beschloss ich, ihn nochmals anzurufen. Was erfahrungsgemäß nicht so leicht war, weil ständig die Automatenstimme verkündete: "Unser Büro ist zur Zeit nicht besetzt." Aufgeben war keine Option. Also schlug ich das "Örtliche" auf. Und damit wäre ich beim eigentlichen Thema der heutigen Schmunzelpost. Denn es geht nicht um Handwerkerprobleme, sondern um das lokale Telefonbuch. 
 
Es schrumpft mit jeder neuen Ausgabe. War es 1988 noch eine dicke Schwarte, so ist es inzwischen zu einem dünnen Heftchen abgemagert. Offenbar lassen sich immer weniger Menschen eintragen. Und auch die Zahl der Festnetzanschlüsse hat rapide abgenommen. So ist das "Örtliche" nun anscheinend zur Fundgrube für Trickbetrüger geworden. Irgendwo müssen die ja die Telefonnummern her haben. Und im "Örtlichen" sind außer Firmen, Anwälten und Ärzten wohl nur noch ältere Mitbürger enthalten, die weiter auf Druckerzeugnisse vertrauen, weil sie nicht im Internet nach Rufnummern suchen können oder wollen. 
 
Lautet dann auch noch der Vorname Klaus-Dieter und nicht Kevin, dann denkt der Betrüger: "Ah ja, das klingt gut. Den alten Sack werde ich gleich mal übers Ohr hauen." Dazu kommt noch, dass ältere Menschen vergesslicher werden und sich deshalb darauf verlassen, die Nummer ihrer Freunde und Bekannten stets im "Örtlichen" nachschlagen zu können. Und bei fortschreitender Demenz haben Gauner dann leichtes Spiel. Deshalb wollte ich meinen Eintrag eigentlich streichen lassen. Aber das habe ich leider vergessen... 
 
Dafür erinnere ich mich jedoch noch gut an die Zeiten, als allein der Name "Krause" 53 mal im Örtlichen vermerkt war. Das führte zu einem denkwürdigen Gespräch, das ich bis heute nicht vergessen habe. Unser Telefon klingelte. Ich hob ab und meldete mich mit meinem Namen. "Gut, dass Du endlich mal dran gehst", knurrte es am anderen Ende der Leitung, "Du schuldest mir immer noch 50 Euro." "Ich? 50 Euro? Das muss ein Irrtum sein. Mit wem spreche ich überhaupt?" "Irrtum? Ich geb Dir gleich Irrtum! Du bist doch Klaus Krause, oder?" "Ja, der bin ich, genaugenommen sogar Klaus-Dieter Krause. Aber ich weiß nicht, wovon Sie reden." "Das wundert mich nicht. Am Samstag in der Stadtschänke warst Du ja auch dudeldick. Ich hatte leider auch ganz schön einen in den Hacken, sonst hätte ich mich nicht bequasseln lassen, Dir 50 Ocken zu leihen. Aber immerhin hast Du vorher drei Runden springen lassen. Und Du hast hoch und heilig versprochen, mir schon am Sonntag mein Geld zurückzugeben. Doch wer nicht kam, das warst Du! Aber jetzt habe ich Dich ja am Wickel. Also raus mit der Kohle!" "Na hör'n Sie mal! Das muss eine Verwechslung sein. Ich war auf jeden Fall am Samstag nicht in der Stadtschänke. Und jetzt lassen Sie mich bitte in Ruhe!" "Na, na, Freundchen, was glaubst Du, mit wem Du sprichst? Ich geb Dir noch bis zum Wochenende Zeit. Du findest mich abends in der Stadtschänke. Wenn nicht, dann besuche ich Dich. Ich weiß ja jetzt, wo Du wohnst. Und wenn Dir an Deinem kleinen Finger gelegen ist, dann lässt Du das Scheinchen vorher rüberwachsen. Sonst - knick, knack!" 
 
Damit endete das Gespräch. Zum Glück hat mein angeblicher Namensvetter wohl seine Schulden beglichen. Das nehme ich jedenfalls an, nachdem ich bei jedem Läuten an der Haustür erst einmal lange durch den Spion studiert hatte, wer da etwas von mir wollte. Auch damals habe ich schon erwogen, meine Adresse für Neuauflagen aus dem Telefonbuch zu entfernen. Doch die Demenz hat bei mir früh eingesetzt - ich habe es schon vor 30 Jahren leider vergessen... 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 949 vom 25. 9. 23 

Welche Überschrift hat mich bei der sonntäglichen Lektüre der Süddeutschen Zeitung am meisten angesprochen und sofort zum Lesen gereizt? Sie lautete: "Uga, uga?" Dass ich den dazugehörigen Text komplett gelesen habe, lag aber vor allem am Thema. Es ging darum, dass wir die Menschen der Steinzeit komplett unterschätzen und auf sie als Halbidioten herabblicken, weil sie als dauerhafte Zeugnisse ihrer Existenz neben ein paar Wandmalereien ausschließlich grob aus Stein gemeißelte Werkzeuge wie Faustkeile oder Waffenteile wie Speerspitzen hinterlassen haben.
 
Das resultierte aber daraus, dass alle anderen Werkstoffe im Laufe der Jahrtausende längst verrottet sind. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass selbst die von uns noch geringer geschätzten Neandertaler bereits Kunstwerke schufen, Werkzeuge aus Knochen fertigten und ihre Toten bestatteten. Hochmut gegenüber den Urahnen ist also völlig unangebracht. 
 
Doch das nur nebenbei. Meine Themenauswahl hat mich auch veranlasst, mein Leseverhalten auf den Prüfstand zu stellen. Wie Ihr wohl schon bemerkt habt, ist mein Interesse an scheinbar abseitigen und skurrilen Geschichten besonders ausgeprägt. Deshalb geschieht es häufig, dass ich derartige Meldungen und Berichte von der ersten bis zur letzten Zeile lese. Ist es schlimm, dass ich dafür Texte über wirklich wichtige Dinge aus Politik, Wirtschaft und Weltgeschehen oft nur überfliege und mich auf Überschriften und den ersten Absatz beschränke? Ich denke nicht. 
 
Das liegt daran, dass ich diese Nachrichten meist schon aus anderen Medien kenne. Und dass es sich in vielen Fällen um Wiederaufkochen, Ergänzungen und Meinungen zu Fragen handelt, über ich mir vorher bereits ein Bild gemacht habe und annehme, die wesentlichen Argumente verinnerlicht zu haben. Und wenn nun ein Zeitgenosse meint, er müsse unbedingt auch noch seinen Senf hinzugeben und dies offensichtlich mit Blick auf die Wähler geschieht, dann gönne ich ihm meine Aufmerksamkeit nur, falls er etwas wirklich Neues hinzugefügt oder die Grenzen des Zumutbaren überschreitet. 
 
Im übrigen meine ich, dass durch permanente Berichte mitunter Schaden angerichtet wird. Die Aufregung und die Ausführlichkeit, mit der ständig Wasserstandsmeldungen dokumentieren, wenn bei irgendwelchen Umfragen die AfD erneut einen Prozentpunkt gewonnen hat oder irgendwo in Hintertupfingen ein Pöstchen ergattern konnte, hilft keinem und nutzt nur einer zutiefst reaktionären Partei und den Neo-Nazis in ihren Reihen. 
 
Das kann man jetzt mit einer neuen Maßeinheit bewerten. Hups, die AfD hat in Thüringen noch ein Prozent zugelegt? Das entspricht einem Hubsi in der Populisten-Skala. Hubsi? Das ist der Kosename von Hubert Aiwanger, dessen skandalöse Reaktion auf die Flugblatt-Affäre seiner Partei offenbar erheblichen Rückenwind bescherte. Das ist der Trump-Effekt. Egal, was solche Leute sagen oder tun, ihre Fans und diejenigen, die sich über Demokraten und Medien ärgern, spornt es zusätzlich an, die Angefeindeten jetzt erst recht zu unterstützen. 
 
Da lese ich lieber über Steinzeitmenschen, die wahrscheinlich höheres kulturelles Niveau hatten. Oder eine ganze Seite über das stark unterschätzte menschliche Riechvermögen. Wusstet Ihr, dass wir Menschen 400 000 verschiedene Töne unterscheiden können? So viel zum Hörvermögen. Beim Sehen sind wir noch besser: Wir erkennen fünf Millionen unterschiedliche Ausprägungen von Farben. Doch die Nase ist unübertroffen: Unser Gehirn soll sogar in der Lage sein, mehr als eine Billion verschiedener Düfte zu erkennen. Da denke ich unwillkürlich darüber nach, wer das wohl ausgezählt hat und wie es wissenschaftlich zu belegen ist. 
 
Für Sprachinteressierte genauso spannend ist die Diskussion über das Wörtchen "lecker". Ausgelöst wurde sie durch die Kritik an einer westdeutschen Autorin, die sich erdreistet hat, einen in der DDR handelnden Roman zu schreiben. Daraufhin wurde ihr vorgeworfen, dass sie dabei ihren Akteuren Vokabeln in den Mund legte, die im Osten nie gebraucht wurden. Und nun habe ich gelesen, dass "Zugreiste", die in Bayern behaupten, ihre Weißwurst schmecke lecker, mit einem verächtlichen Blick bestraft werden. Angeblich soll "lecker" nur im Rheinland (dort mit vielerlei Bedeutungen), im Ruhrgebiet sowie anderen Teilen West- und Norddeutschlands verwendet werden. 
 
Lecker Lesestoff, nicht wahr? 
 
Uga, uga! 
kdk 

Schmunzelpost 948 vom 24. 9. 23 

Nein, trotz der letzten Folge über blutrünstige Mörderinnen betone ich: Ich bin kein Frauenfeind! Aber ich glaube, dass unabhängig vom Geschlecht alle Menschen zu Verbrechen fähig sind. Nicht nur Menschen. Heute geht es um ein eigentlich eher sanftmütiges Wesen, das sich wegen krimineller Machenschaften verantworten soll. 
 
Nun sind Kühe zwar auch weiblichen Geschlechts, doch außer, dass TV-Ekel Alfred sein Frau gern als "dumme Kuh" beschimpfte, gibt es keine Zusammenhänge mit menschlichen Geschlechtsgenossinnen. Ohnehin würde man eher vermuten, dass ein heißblütiger Stier ins Visier der Polizei geraten könnte. Doch die Vermutung, dass Bullen lieber keine Bullen belangen, entbehrt in diesem Fall jeder Stichhaltigkeit. Es ist nachweislich eine Kuh, gegen die die Polizei ermittelt! 
 
Was ist geschehen? Auf einer Sommerrodelbahn in Bayern war ein Familienvater mit 25 km/h unterwegs, als er plötzlich unsanft gebremst wurde. Eine Kuh hatte ihren Schädel in die Bahn gestreckt und damit den Rodler und seinen Schlitten aus der Spur katapultiert. Der arme Kerl brach sich das Schlüsselbein, landete auch noch in einem Kuhfladen und musste in die Klinik gebracht werden. Die Kuh machte sich davon. Doch woher wissen wir, dass es sich tatsächlich um eine Kuh und nicht um den Ochsen vom Dienst handelte? Ganz einfach: Auf der Weide in unmittelbaren Nachbarschaft grasten ausschließlich Kühe. 
 
Allerdings gleich fast 50 potentielle Täterinnen. Was die Ermittlung der Schuldigen schwierig gestaltet. Denn obwohl das Opfer darauf verzichtete, erstattete die zuständige Polizeibehörde Anzeige gegen die kriminelle Kuh und versucht nun herauszufinden, welches Rindvieh sich schuldig gemacht hat. Die einen mögen sagen: "Das geht auf keine Kuhhaut!". Aber die anderen bestehen auf ordnungsgemäßen Ermittlungen, weil sie meinen: "Wir dürfen nicht zulassen, dass sich bei uns ein Kuh-Klux-Klan bildet." 
 
Bei der Zeugenbefragung war das Opfer überfordert. Die Killer-Kuh soll "braun-weiß gefleckt und eher heller" gewesen sein. Diese Beschreibung trifft jedoch auch auf den Großteil der Weidenbelegschaft zu, eine Gegenüberstellung verspricht keine Aussicht auf Erfolg. Und eine Befragung von Tierärtzten brachte die Polizei auch nicht weiter. Keine der in Frage kommenden Kühe hatte sich wegen Kopfschmerzen behandeln lassen. 
 
Was lernen wir daraus? Das Böse lauert überall. Und wenn es Hörner trägt, kann das teuflische Folgen haben. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 947 vom 23. 9. 23

Der 22. September ist ein Termin, der sich besonders dazu eignet, einen weiteren Irrtum aufzuklären. Viele Menschen glauben, die Welt wäre eine bessere, wenn sie nur von Frauen bevölkert wäre. Sie verweisen gern auf Kriminalstatistiken, wo die Frauen bei den Schwerverbrechen deutlich in der Minderheit sind. Das aber, so haben Wissenschaftlerinnen herausgefunden, liegt nicht etwa daran, dass Frauen grundsätzlich sanftmütiger und und durch die Bank zartbesaitet sind. Auch in weiblichen Hirnen tummeln sich mörderische Fantasien, sie werden lediglich seltener umgesetzt.
 
Das hat damit zu tun, dass Frauen meist nicht so kräftig sind wie Männer und dass ihnen die Erfahrung im Umgang mit Schußwaffen fehlte. Letzteres ändert sich gerade. Aber in der Vergangenheit war Gift das bevorzugte Mittel von Mörderinnen. Erwürgen oder erstechen war Männersache, erschießen ebenso. Dennoch: In der Galerie der Serienkiller sind 21 Frauen vertreten. Ihr Opferspektrum war groß: Meistens Kinder sowie alte und kranke Menschen, oft Angehörige. Am liebsten der Ehemann. Nanny Doss aus den USA brachte vier ihrer fünf Gatten um, indem sie ihnen eine gezielt gewürzte Henkersmahlzeit zubereitete. Böse Zungen behaupten, dass die tatsächliche Quote solcher Morde noch viel höher ist. Frauen seien eben intelligenter als Männer und könnten daher ihre Untaten besser verbergen. 
 
Kaum vertuschen lässt sich die Königsdisziplin: Der Mordanschlag auf Staatsoberhäupter. Besonders gefährdet waren stets amerikanische Präsidenten oder solche, die es werden wollten, wie Robert Kennedy. Ob bei Abraham Lincoln oder im Fall John F. Kennedy: Dabei waren fast immer Männer am Werk, wobei die Rolle von Lee Harvey Oswald als Einzeltäter immer noch umstritten ist. 
 
Doch es gab auch Frauen, die einem US-Präsidenten nach dem Leben trachteten. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lernten sie in Amerika mit Schusswaffen umzugehen, was ihnen zumindest den Versuch erleichterte, ihre Mordpläne umzusetzen. Als Opfer hatte Lynette Fromm 1975 den amtierenden Präsidenten Gerald F. Ford im Visier. Die Frau war Anhängerin des mörderischen Kults von Charles Manson, der u.a. den Filmstar Sharon Tate auf dem Gewissen hat. Weil aber der Anschlag von Lynette Fromm in Tennessee fehlschlug, waren die Sicherheitsbeamten danach überzeugt, dass es keine andere Frau erneut versuchen würde. Sie irrten! 
 
Am 22. September 1975, nur 17 Tage später, betrat die Hausfrau Sara Jane Moore in San Fracisco am Morgen einen Waffenladen. Dort erstand sie einen Revolver. Am Nachmittag des gleichen Tages zielte sie damit auf Ford. Doch ihr erster Schuss aus zwölf Metern Entfernung verfehlte ganz knapp den Kopf des Präsidenten. Für den zweiten Versuch nahm sich die Möchtegern-Killerin ein paar Sekunden Zeit zum Zielen, was Ford wahrscheinlich das Leben rettete. Denn im letzten Moment schlug ein Passant den Arm der Attentäterin weg und der Präsident konnte in Sicherheit gebracht werden. 
 
Ford ließ sich den Schock nicht anmerken und kommentierte den Vorfall mit grimmig-sarkastischem Humor: "Ich werde meine Unterstützung für den Verfassungszusatz der Gleichberechtigung überdenken müssen - diese Weibsleute versuchen dauernd, mich zu töten." 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 946 vom 22. 9. 23  

Wie in der gestrigen Schmunzelpost zu lesen war, verbreitet sich derzeit die Dummheit wie eine ansteckende Krankheit. Davor schützt nur eins: Wissen! Deshalb setze ich heute den Feldzug gegen Irrtümer und Unwissenheit fort, wohl wissend, dass der Mitstreiter an meiner Seite Don Quichotte heißt.

Fangen wir mit dem Feld an, das mir als Journalist am meisten am Herzen liegt: Mit der Sprache. Eine Unart, die sich ausbreitet, ist die Aussage: "Ich erinnere, dass...". Oder, im Fall von Olaf Scholz und Hubsi Aiwanger "Das erinnere ich nicht." Das ist angelehnt an das englische "I remember". Im Deutschen ist erinnern aber ein reflexives Verb. Das bedeutet, es darf nicht allein stehen, sondern muss z. B. durch mich, dich oder sich ergänzt werden. Könnt Ihr Euch an Eure Schulzeit erinnern? Man erinnert sich womöglich nicht gern, aber so isses halt! Setzen, weiterlesen! 
 
Anstelle von Ereignis hat sich bei uns das vielseitigere "Event" in den Sprachgebrauch eingenistet. Wie aber heißt es nun richtig? Der oder das Event? Im Herkunftsland England ist die Sache einfach: The Event. Aber würde ein Brite sagen: He starts at 8 h? No, Sir. Event ist sächlich. Daher müsste es "das Event" heißen. Aber der Duden ist eingeknickt und lässt beide Formen zu. Man muss einen Fehler nur oft genug wiederholen, dann wird er salonfähig. 
 
Zum Schluss noch Aufklärung über ein paar Irrtümer, die mit der Sprachgeschichte zu tun haben. Es soll zwar Menschen geben, die behaupten, dass tatsächlich der Pleitegeier über Dorstens Rathaus kreist. Doch der Pleitegeier hat eigentlich nichts mit dem Aasfresser zu tun. Der Begriff leitet sich vom jiddischen "Geier" ab. Und das bedeutet "Geher". Der Pleite-Geher geht also Pleite. Logisch, nicht wahr? Und wenn wir versuchen, einen Hundeleichnam auszubuddeln, der irgendwo verbuddelt wurde, sind wir ebenfalls auf dem Holzweg. Das Wort "Hunde" wird im Mittelhochdeutschen gebraucht für "Beute" oder "Schatz". Da liegt also der Hund begraben. 
 
Und jetzt noch etwas zur Ehrenrettung von Wasservögeln. Enten quaken zwar viel und gern, doch sie verbreiten keine Falschmeldungen. Die Zeitungs-Ente ist die Eindeutschung einer englischen Abkürzung. Eine Meldung, die nicht überprüft wurde, wird von britischen Kollegen als "not testified" gekennzeichnet. Abgekürzt n.t. Oder auch N.T. Ausgesprochen: EN-TE. Und das ist keine SP-Ente. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 945 vom 21. 9. 23 

Es ist nicht mehr so leicht wie früher, die Selbstgespräche mitzubekommen, die mein betagter Nachbar, der Herr K., auf seinem Balkon führt. Mittlerweile belauern wir uns gegenseitig. Um unverdächtiger Ohrenzeuge seiner Monologe zu werden, bin ich dazu übergegangen, meine stimmbildenden Logopädie-Übungen in den Garten zu verlegen. Doch das hat zu neuen Missverständnissen geführt. Hier der letzte K.-Dialog mit sich selbst: 
 
"Hömma, Karl, ich mach mich fast ins Hemd wegen die neue Bedrohung. Hasse es mitgekriecht? Der Irrsinn auffe Welt wird imma schlimma! Nimm nur ma dat Klima! Alle wissen, dat et so nich weitergeht, alle sagen, dat es so nicht weitergehn daf und alle machense so weiter wie bisher! Und die Zahl von die Bekloppten, die wird imma größer! Knallköppe, die nich alle auffe Latte haben, werden von imma mehr Leute gewählt, die selbs nicht alle auffe Latte ham. Und wennze mit die vernünftich reden wills, dann sagen die: "Du hasse doch nich alle auf die Latte! Geh mich wech!" 
 
Dat kann doch kein Zufall sein, dat dat überall auffe Erde passiert. Hömma, Karl, wir halten ja garnix von die bescheuerten Verschwörungstheologien. Abba irgendzwat muss da dran sein, son Körnken Wahheit. Entweda, die tun uns aussem All bestrahlen, von son unheimlichen Satelitt. Den Blödheitsstern oder so. Da steckt dann son Astmathiker hinta, son Darss Fassar oder wie der heißen tut. Und wer verbircht sich unter die Maske? Der olle Putin oder der olle Xi oder eine von die anderen graue Emmimanzen! 
 
Womöglich tun die uns auch wat ins Trinkwasser. Oder, viel schlimma, in unsa Pilsken. Wennze bloß ganz wennich dafonn säufst, nur so zwölf bis zwanzich Tässken, dann wirsse ganz kolohne inne Birne. Happich schon selbs an mich gemerkt! Und getz hammse auch unsan Nachbahn von unten fettich gemacht. Hömma, der tappert durch sein Gatten und spricht mit die Grashalme. Und wat fürn Zeuch der brabbelt! Hier, schwatt auf weiß, ich hab dat mitgeschrieben: "Mmmmmmöh, mmmmmmüh, mmmmmmi, mmmmmmo, mmmmmmmu." Also, nomal is dat nich! 
 
Und getz geht der auch noch mittne Pulle und son Schlauch im Kreis rum. Inne halbvolle Pulle is wat drin. Sieht aus wie Wasser, is aba wohl Wodka oder 'nen Klaren. Aba watt macht der beknackte Kerl? Der säuft dat Zeuch nich, der blubbert da rein! Und dabei machter dauernd "Uuuuuuuu", dat seine Bäcksken flappen! Hömma, ich war drauf und dran, den Notaazt zu rufen. Aba dat kann den armen Kerl auch nich mehr retten. Ich sach Dich: Die ganze Welt dreht durch und die Infusion der Behämmerten is nicht mehr zu stoppen. 
 
Hömma, Karl, auf den Schreck müssen wir uns die Kante geben. Wir gehn getz rein und ballern uns orntlich einen. Aba kein Pilsken, dat is womöglich infessiert. Wir schlucken lieba 'nen Klaren - vielleich werd'n wir dafonn wieda klah im Kopp! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 944 vom 20. 9. 23

Der Regen blieb aus, deshalb war gestern der Maler da. Wäre ich ein Bauer, würde ich sagen: Ist der Himmel blau, das Wetter heiter, macht der Maler munter weiter. Ihr merkt, die Bauernregel lassen mich nicht los. Deshalb versuche ich mal, Euch einen kleinen Weisheiten-Kompass zu erstellen, mit dem Ihr gut durch das Jahr kommt. 
 
Ist der Januar eisig und trocken, gibt's kalte Füße ohne Socken. 
 
Ist im Februar schon Sonnencreme im Handel, dann liegt das an dem Klimawandel. 
 
Im März, das liegt doch auf der Hand, der Landwirt kein Ross sondern Trecker einspannt. 
 
Fällst Du am Ersten rein auf einen Scherz, dann ist April und nicht mehr März. 
 
Im Mai geh nur mit Helm hinaus - jetzt schlagen alle Bäume aus! 
 
Steht der Juni vor der Tür, dann lass ihn rein - ich danke Dir! 
 
Und bringt der Juli Hitze-Graus, dann zögre nicht und schmeiß ihn raus. 
 
Sondieren Katzen im August nervös die Lage, dann herrschen draußen die Hundstage.  
 
Wird im September der Fensteranstrich immer fahler, dann scheu Dich nicht und hol den Maler. 
 
Zieht's im Oktober Dich zum Winzerfest, gibt Dir das zehnte Glas den Rest. 
 
Ist der November grau und trist, dann bleibst Du besser wo Du bist. 
 
Hat's im Dezember zwanzig Grad, dann nimm doch im Kanal ein Bad. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 943 vom 19. 9. 23 

Eigentlich sollten gestern bei uns die Maler Fensterrahmen streichen. Eigentlich sollten gestern aber auch Gewitter ordentlich Regen bringen. Daher wurde nicht der Fensterrahmen, sondern der Malertermin gestrichen. Letztlich kamen somit beide nicht: Die Maler und die Gewitter. Das veranlasst mich, meinem bröckelnden Vertrauen in die Zuverlässigkeit von Wetterprognosen mit Bauernregeln aufzuhelfen. Obwohl ich mich, lang, lang ist's her und bloß die Schmunzelpostleser der ersten Stunde erinnern sich womöglich noch daran, schon ausgiebig über diese uralte Form der Wettervorhersage lustig gemacht habe. 
 
 Doch die Bauernregeln haben trotzdem überlebt und sind nach wie vor populär. Nach ihrem Vorbild hat sogar das Landwirtschaftsministerium versucht, mit flotten Sprüchen die Agrarwirte zu rücksichtsvollem Umgang mit Umwelt, Insekten und Pflanzen zu animieren. Da hieß es beispielsweise: "Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein." Oder: "Ohne Blumen auf der Wiese geht's den Bienen richtig miese."
 
Diese Verse erzielten Wirkung. Aber nicht die gewünschte. Im Gegenteil: Die Empörung der Zielgruppe war groß. Allerdings nicht in erster Linie, weil der Reim Wiese/miese eher mies war. Ich habe mir daher eine Bauernregel für das Landwirtschaftsministerium ausgedacht, um es vor weiteren derartigen Fehlern zu bewahren: "Macht sowas nicht, das ist auf Dauer schlauer, sonst wird in der Regel nur der Bauer sauer!" 
 
Immerhin hatten die ministeriellen Regeln wenigstens einen positiven Effekt. Der begnadete Geschichtenerzähler Horst Evers wurde dadurch inspiriert, sich selbst ein paar Verse auszudenken. Dieser ist für Bahnfahrgäste im Großraumabteil: "Gucken alle hoch abrupt, ist das W-Lan wohl kaputt". Und noch eine Warnung für Restaurantbesucher: "Wird blass der Gast, zum Klo hin schnellt er, war der Fisch schon etwas älter." Wenn's jedoch beim Partner mit dem Abnehmen nicht klappt, dann hilft es manchmal, bei der Speisezubereitung mit versalzenen oder zu stark gewürzten Mahlzeiten nachzuhelfen: "Diäten gibt es viele und doch, die beste bleibt ein schlechter Koch!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 942 vom 18. 9. 23

Diesen Sonntag habe ich mir Zeit zum Lesen genommen. Und fand dabei allerlei, was mich erheiterte. Wenn das kein Grund ist, die gute alte Fundstücke-Schmunzelpost wieder aufleben zu lassen, dann weiß ich es auch nicht. 
 
In der Süddeutschen Zeitung werden samstags internationale Vergleiche gezogen. Dort gibt es eine Rubrik, in der deutschen Redewendungen sinngleiche Begriffe aus anderen Sprachen gegenübergestellt werden. Und es ist immer wieder spannend, was sich unsere europäischen Nachbarn einfallen lassen, um bestimmte Sachverhalte zu beschreiben. 
 
Diesmal ging es ums "blaumachen", also das Schwänzen von Schule, Arbeit oder lästigen Pflichten. Das entsprechende Wort aus dem Polnischen verrät, dass wir alle zu einer großen Sprach-Familie gehören: Bumelowac! In Italien hat die Eßkultur einen anderen Stellenwert als bei uns. Das wird auch in diesem Fall deutlich. Denn wenn Italiener blaumachen, dann marinieren sie die Schule. Das heißt, sie legen die Arbeit ein und heben sie für morgen auf: "Marinare la scuola." 
 
Die Spanier hingegen kommen uns tierisch. Sie glauben offenbar, dass gerade junge Stiere (novillos) ihre Tage vertrödeln und diese Zeit genießen, bevor es in die Arena geht. Und so nennen sie das Blaumachen "hacer novillos". Und Großbritannien ist eine recht sportbegeisterte Nation. Verständlich, dass Briten lieber spielen als büffeln und daher die Sportart Hockey sprachlich leicht verändert und mit einer neuen Bedeutung versehen haben: "He isn't ill. He is playing hookey." 
 
Mit einem Scherz aus dem SZ-Witzduell möchte ich Euch jetzt auf den leicht blasphemischen Schluss einstimmen: 
Martin ist spät dran. Dabei hat er einen wichtigen Termin. Panisch sucht er eine Parklücke. Nichts! Schließlich wendet er sein Gesicht gen Himmel und fleht: "Gott hilf mir! Wenn Du mir einen Parkplatz verschaffst, werde ich für den Rest meines Lebens jeden Tag in die Kirche gehen und sofort aufhören, fiese Schimpfwörter zu gebrauchen." Genau in diesem Moment, wie aus dem Nichts, entdeckt er eine Parklücke. Und Martin blickt nochmal zum Himmel: "Gib Dir keine Mühe. Ich habe schon einen gefunden." 
 
Damit wollte ich eigentlich überleiten zu einer Internet-Seite, in der Götternamen abgewandelt und zu Wortspielereien mit alltäglichen Begriffen gekreuzt werden. Doch selbst einen Heiden wie mich plagen Zweifel: Darf man mit Gottes Namen Scherze treiben? Viele Menschen sind da sehr empfindlich, wie die Reaktionen auf Koran-Verbrennungen und Mohammed-Karikaturen zeigen. Und ich will auch nicht die Gläubigen unter Euch verletzen. 
 
Stattdessen also ein paar hoffentlich harmlose Sätze zu Götternamen. Christen und Muslime glauben nur an einen Gott. Den, der keine anderen Götter neben sich duldet. Trotzdem hat Gott in unserer Kirche mehrere Namen: Der Allmächtige, Jehova, die heilige Dreifaltigkeit oder Herrgott. Doch die Christenheit ist gut dran im Vergleich zu den Religionen in anderen Teilen der Welt und on der Vergangenheit. Dort litt der Himmel oder der Olymp oder Walhalla oder das Nirwana geradezu unter Überbevölkerung. Und weil die vielen Gottheiten sich die Arbeit teilten, hatten die Gläubigen ein schweres Leben. 
 
Sie mussten überlegen, wer für welches Anliegen zuständig war. Und sie mussten abwägen, in welchem Tempel sie ihre Opfer brachten. Denn oft hatten die Götter untereinander Streit. Dann gab es noch ein weiteres Problem: Man stelle sich ein Gesangbuch vor, das mit Liedern den Namen eines Gottes preist, der einen für Chöre herausfordernden Namen enthält. Chalchiuhtlicic etwa oder Manakancharo Nayano. Oder schlicht JHVA. Rein hypothetisch: Falls bei uns immer noch die Asen, also das Göttergeschlecht der Germanen, regieren würdennt hätten, dann wünschte ich mir, dass beim Streit um den Thron in Walhalla zwischen Göttervater Odin und Loki am Ende Odins Sohn Bragi die Oberhand gewonnen hätte: Das war der Gott der Dichtkunst. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 941 vom 17. 9. 23

Wem von Euch ist es noch nicht so gegangen? Plötzlich kommt man in eine Situation, in der man aus dem Stand das Wort an eine größere Menschenmenge richten soll. Da kann man schon mal ins Stammeln geraten. Ich weiß noch immer, wie ich mich gefühlt habe, als unvermittelt unsere Lehrerin sagt: "Und jetzt wird sich Klaus in unserem Namen für den Selbsthilfekurs bei den Arbeitersamaritern bedanken!" Nun war bei einem gerade Zwölfjährigen psychische Selbsthilfe gefragt, um nicht ins Radebrechen zu geraten.
 
Erstaunlich finde ich es jedoch, wenn erfahrene Politiker auf einmal beginnen, völligen Unsinn zu reden. Sie haben doch fast immer ein Redemanuskript zur Hand. Sie sind gründlich von ihren Beratern gebrieft worden und haben in der Regel auch eine Schulung bei Rhetorik-Trainern hinter sich. Und sie bringen stets Erfahrung mit. Trotzdem gibt es immer noch erstaunliche Ausrutscher. Nicht von ungefähr weiß man inzwischen, dass der Tross im Hintergrund bei manchen Auftritten Gebete gen Himmel schickt: "Lieber Gott! Lass ihn bitte nicht frei sprechen!" 
 
Das ist in der Geschichte wiederholt daneben gegangen. Wir erinnern uns noch gern daran, wie Edmund Stoiber erklärt hat, wie man in nur zehn Minuten vom Münchener Hauptbahnhof zum Flughafen gelangen kann. Auch Bundespräsident Heinrich Lübke ist unvergessen. Der bekannte zu Recht: "Es ist sehr schwierig, jedesmal eine neue Rede zu erfinden." Er soll auch an die Queen beim Staatsbesuch die Worte gerichtet haben: "Equal goes it loose." Doch das ist nirgendwo dokumentiert und wurde wohl erfunden. 
 
Verbrieft ist jedoch, dass er nach einer Asien-Reise sagte: "Indonesien besteht aus Inseln, die liegen teils nördlich, teils südlich vom Äquator, und dazwischen ist eine Menge Wasser." Und er fügte hinzu: "Die Rückreise war sehr anstrengend. Wir fuhr.., wir flogen 19 Uhr 30 gestern Abend ab und waren 9 Uhr 30 hier. Das wür.., würde bedeuten, dass wir also fünf Stunden länger unterwegs waren, als notwendig war, denn das, diese fünf Stunden ist eben die Umdrehung der, der Erde schuldig, verantwortlich dafür." Kein Wunder, dass er danach mitteilte: "Ich soll ja nicht mehr frei reden." 
 
Aber auch ausländische Staatsoberhäupter sind vor dem Lübke-Virus nicht gefeit. So ist in den USA Ex-Präsident George W. Bush berühmt-berüchtigt für verworrene Äußerungen. So sprach er vor exakt 21 Jahren, am 17. September 2002, in Nashville folgende nebulösen Sätze: "Es gibt ein altes Sprichwort in Tennessee - ich weiß, das gibt es in Texas, wahrscheinlich aber auch in Tennessee -, das besagt: 'Täuscht Du mich einmal - schäm..., äh, schäme Dich. Täuscht Du mich - Du ... äh ... wirst Du nicht noch mal betrogen werden." Tatsächlich meinte er wohl: "Täuscht Du mich einmal: Schäm Dich! Tust Du's zweimal, muss ich mich schämen." 
 
Weit vorbei ist oft komplett daneben. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 940 vom 16. 9. 23

Heute komme ich Euch pädagogisch. Denn es gibt nicht nur pädagogische, podologische sondern auch pädaudialogische Prozesse. Das klingt logisch, ist Euch jedoch womöglich unbekannt. Doch die Pädaudialogie gibt es wirklich: Es ist die Wissenschaft von Hörstörungen und der auditiven Wahrnehmung im Kindesalter. Warum ich das schreibe? Als Hinführung, zum Tagesthema, da ich mich eigentlich mit dem Logopädischen befassen will. 

Zugegeben, das war etwas albern. Doch so ist mir gerade zumute. Ich hatte gestern nämlich nicht nur meinen ersten Termin bei der Logopädin, sondern habe auch gerade meine Hausaufgaben gemacht. Das darf ich nicht vernachlässigen. Denn wenn ich regelmäßig jeden Tag morgens und abends fleißig übe und künfig zweimal pro Woche in der Praxis mein Training absolviere, dann bestehen gute Aussichten, dass ich hinterher meine alte Stimme annähernd wieder bekomme. Sagt die Logopädin. Und ich vertraue ihr und werde mir alle Mühe geben, weil ich dieses heisere Gekrächze nicht mehr hören kann. 
 
Allerdings fühle ich mich ein wenig ins Kindesalter zurück versetzt. In die Zeit, als ich Sprechen lernte. Und wenn jemand, der nicht weiß, was ich da treibe, mir heimlich zuhören würde, könnte er annehmen, ich hätte einen an der Klatsche. Von buddhistischen Mönchen weiß man, dass sie aus theologischen Gründen stundenlang "Om" singen. Ich aber stimme ein anderes Lied an. Ich summe mmmmmmo, mmmmmmmö, mmmmmmu, mmmmmmü, mmmmmmmi, mmmmmme und mmmmma. Und wenn ich damit durch bin, gleich nochmal von vorn. 
 
Aber zum Glück ist durch die zweite Übung für Abwechslung gesorgt. Dann summe ich nämlich wwwwwwwwo,  wwwwwwwwö, wwwwwwwu, wwwwwwwü, wwwwwwwi, wwwwwwwe, wwwwwwwa. Jetzt bin ich gespannt, was die Zukunft bringt. Das Alphabet hat ja noch weit mehr Buchstaben. Doch was tut man nicht alles, wenn es der Stimmbildung dient. 
 
Eins jedoch weiß ich genau. Trotz des schönen Wetters werde ich meine Übungen niemals auf der Terrasse durchführen. Nicht, weil ich fürchte, dass dann die Nachbarn die Jungs mit der Zwangsweste rufen. Sondern weil ich Angst habe, dass mich ein Bienenvolk verschleppen könnte, um mich als neuen König zu rekrutieren. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 939 vom 15. 9. 23 

Es soll Menschen geben, die sich über ihr Leben beklagen. "Immer nur dasselbe, es passiert überhaupt nichts spannendes mehr, ich will raus aus diesem Trott!" Dann rate ich: Fahrt doch einfach mal mit der Bahn. 
 
Gestern haben wir es wieder gewagt. Die Hinfahrt nach Düsseldorf, wo wir uns eine Ausstellung von Cornelius Völker im Kunstmuseum des Ehrenhofs ansehen wollten, verlief reibungslos. Doch als wir am frühen Abend die Heimreise antraten, machte die Deutsche Bahn ihrem Ruf sofort wieder alle Ehre: "Der Zug fällt aus" stand auf der Anzeigetafel des Gleises, von dem wir über Essen-Hauptbahnhof nach Dorsten zurückkehren wollten. Aber noch waren wir ganz ruhig. In Richtung Essen verkehren alle naselang Züge, das wussten wir aus sicherer Quelle. Also wechselten wir zum Nachbargleis, wo es 15 Minuten später in Richtung Essen gehen sollte. 
 
Ich gebe zu: Allmählich wurde ich immer nervöser, weil ich die Lautsprecherdurchsagen von den Gleisen um uns herum mitbekam. "Der Zug fällt aus wegen Oberleitungsstörungen." "Der Zug fällt aus wegen Personalausfällen." "Der Zug fällt aus wegen Schwierigkeiten mit der Signalanlage." "Der Zug fällt aus wegen Gleisbauarbeiten." Dann sprang der Lautsprecher auf unserem Gleis an: "Der Zug auf Gleis 11 (... und ich zuckte zusammen...) fährt heute nicht bis Kassel, sondern nur bis Lippstadt. Anschlussmöglichkeiten werden im Zug mitgeteilt. Er fährt jetzt ein."  Allgemeines Aufatmen um mich herum. 
 
Trotz der vielen Ausfälle konnten wir noch Sitzplätze ergattern. Und als die Durchsage ertönte: "Wir begrüßen sie in der Regionalbahn nach Lippstadt, die jetzt abfährt. Nächster Halt Düsseldorf Flughafen", jubilierte meine Begleiterin: "Na, wer sagt's denn! Sogar pünktlich!" Die beiden Mitfahrer auf den Sitzen gegenüber nahmen das nicht widerspruchslos hin: "Warten wir es ab." In der Tat. Als der Zug sich zehn Minuten später immer noch keinen Zentimeter bewegt hatte, unkte eine enttäuschte Ulla: "Ich hätte die Klappe halten sollen." 
 
Doch der Aberglaube war verfrüht. Zwei Minuten später ging es tatsächlich weiter. Und der Zugführer schaffte es sogar, bis Essen die Verspätung um fünf Minuten zu reduzieren. Dort stand am Hauptbahnhof auf Gleis 8 bereits zehn Minuten zu früh ein Zug in Richtung Dorsten bereit. Zwar verkündete die Anzeigetafel "Ankunft! Nicht einsteigen!". Doch den gleichen Hinweis hatten wir auf der Hinfahrt gelesen, als die Mitreisenden ihn unbekümmert ignorierten und wir problemlos nach Düsseldorf gelangten. 
 
Prompt sprang die Anzeigetafel um, als wir einstiegen. Jetzt sollte die Fahrt über Dorsten nach Coesfeld gehen. Allerdings war der Zug bereits recht voll, und ich fand nur einen Platz im Fahrradabteil auf einem Klappsitz. Dort entwickelte sich nach der fahrplangemäßen (!) Abfahrt ein Dialog zwischen zwei Radfahrern. Der eine wollte nach Reken, also in Richtung Coesfeld. Die andere wollte nach Rhade, also in Richtung Borken. Für Uneingeweihte: Normalerweise wird der Zug in Dorsten geteilt. Die erste Hälfte fährt dann mit einer neu angekoppelten Zugmaschine über Rhade nach Borken, der hintere Teil steuert Coesfeld an. 
 
Entgegen der Anzeigetafel am Bahnsteig gab der Bildschirm im Zug jedoch Borken als Fahrtziel an. Das sorgte für Verwirrung. Nicht nur bei den beiden Radfahrern, sondern auch bei zwei zugedröhnten anderen Fahrtgästen mit dem Ziel Maria Veen (Richtung Coesfeld), die sich dauern lautstark und mit zunehmender Aggressivität in die Klärungsgespräche einmischten. Einer der beiden wurde immer rabiater: "Jetzt haltet doch mal die Klappe, ihr Pappnasen! Da war gerade eine Durchsage. (Das stimmte, aber die war nicht zu verstehen, weil der Lautsprecher viel zu leise war). Aber der Zug fährt nach Coesfeld, sonst hätten sie schon am Bahnhof in Essen was anderes gesagt. Und wer jetzt noch quatscht, kriegt eins in die Fresse." 
 
Der einzige, der tatsächlich einen aufs Maul bekam, war er selbst. Und zwar von seinem vor sich hin stierenden Begleiter, der danach wieder in Teilnahmslosigkeit versank. Der Getroffene spuckte zweimal Blut auf den Waggonboden, nahm die Attacke sonst jedoch erstaunlich gelassen hin. Bis er sich drei Minuten später an seinen Sitznachbarn wandte und zu zetern begann: "Du steigst besser nicht dort aus, wo ich aussteige. Sonst bist Du tot, kapierst Du das?" Mittlerweile hatte der Schaffner, der die Fahrausweise kontrollierte, das Blut auf dem Boden bemerkt. "Waren Sie das? Machen Sie das weg!" Keine Reaktion. Der Schaffner entfernte sich in Richtung Führerhaus. 

Kurz danach kehrte er mit einer muskelbepackten Security-Kraft zurück. Und mit Papiertüchern. "Sie wischen das jetzt sofort auf! Und wenn Sie nach Maria Venn wollen, müssen Sie in Dorsten aussteigen und in den hinteren Zug wechseln!" Mit einem Blick auf den Muskelmann folgten die beiden den Putzanweisungen. Mehr noch: Sie stiegen bereits an der nächsten Haltestelle am Bottroper Hauptbahnhof aus. Große Erleichterung im Waggon. Wie es den Fahrgästen ergangen ist, die anderthalb Stunden später im nächsten regulären Zug nach Coesfeld saßen und in Bottrop zwei aufgebrachte Mitreisende als Gesellschaft bekamen, interessierte in diesem Moment niemand. 
 
Dafür gab der Radfahrer aus Reken noch ein paar Informationen zum Besten. "Wenn man mit solchen Typen zu tun hat, hält man besser den Mund. Nicht von ungefähr werden auf dieser Linie nach 19 Uhr grundsätzlich zwei Zugbegleiter eingesetzt." Und die zweite Anmerkung: "Schon heute morgen ist der Zug aus Borken ausgefallen. Dafür waren die zwei Waggons aus Coesfeld bereits in Reken total voll: Drei Schulklassen und zwei Kegelclubs! Ab Dorsten war es dann wie in einem Filmbericht aus Japan, wo in Tokio Bahnmitarbeiter die Fahrgäste in bereits völlig überfüllte Waggons quetschen." 
 
Die gute Nachricht: Wir haben überlebt und sind heil in Dorsten angekommen. Aber unseren Abenteuerurlaub für dieses Jahr werden wir stornieren. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 938 vom 14. 9. 23 

Zwar bin ich weiß Gott kein Schrauber im Sinne von Bastler, Autoliebhaber oder Heimwerker. Aber ich habe nach der letzten Folge noch nicht ausgeschraubt. Vielleicht ist bei mir ja eine Schraube locker. Darauf lässt auch schließen, dass mir dieser Witz gefällt: Warum sind zwei Personen notwendig, um einen Hubschrauber zu fliegen? Ist doch klar: Der eine hupt, der andere schraubt. 
 
Nun aber ernsthaft. Habt Ihr eine Vorstellung, wie groß die größte Schraube der Welt ist? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Im Guiness-Buch der Rekorde steht zwar etwas über den größten Schraubenzieher - der ist 6,60 m lang und wurde im Januar 2022 von einem Inder gebaut - aber leider nicht darüber, für welche Schraube er bestimmt war und wo sie zu finden ist. 
 
Unbestätigten Gerüchten nach sollen 1967 in Schottland Schrauben hergestellt worden sein, die 8,30 m lang waren. Angeblich dienten sie dazu, zwei Öltanker zu verbinden. Verbürgt ist jedoch, wie lang die riesigste Schraube war, die der größte Schraubenproduzent der Welt, die Firmengruppe Würth aus Deutschland, jemals hergestellt hat. Dieses Prachtstück war die „Gewindestange M36 x 6000 mm“. Eine Gewindestange ist wie ein Schraube ohne Kopf, und diese ist 6000 Millimeter lang, also 6 Meter. Das ist größer als eine Giraffe! 
 
Es geht aber noch größer. Allerdings handelt es sich dabei nicht um herkömmliche Schrauben, wie man sie in Baumärkten findet oder für Spezialkonstruktionen zum Beispiel von Würth anfertigen lässt, sondern um Schiffschrauben. 2016 wurde das bis dahin größte Exemplar von einer Rostocker Werft hergestellt. Der Gigant war 80 Tonnen schwer, hatte einen Durchmesser von 9,80 Meter und war für ein chinesisches Containerschiff bestimmt. Als weltweit kleinste Schrauben gelten übrigens Winzlinge, die gerade mal einen Millimeter lang sind und einen Gewindedurchmesser von einem Millimeter haben. Sie werden beispielsweise für Brillenfassungen oder Uhren gebraucht. 
 
Mit einem Witz habe ich heute begonnen, mit einem zweiten höre ich heute auf: Ein kleiner Junge steht in Dorsten auf der Kanalbrücke und weint bitterlich. Ein mitleidiger Passant fragt ihn: "Was hast Du denn?" Der Junge heult: "Meine Mutter ist hier gerade ins Wasser gefallen." Der Mann reagiert sofort. Kopfüber springt er in den Kanal und taucht ab. Immer wieder steckt er den Kopf zum Luftholen heraus und taucht erneut, um seine Suche fortzusetzen. Schließlich ist er am Ende seiner Kräfte, kommt wieder an die Wasseroberfläche und ruft dem Kind zu: "Tut mir sehr Leid, mein Kleiner, ich kann deine Mutter nicht finden." Darauf schluchzt der Kurze ein letztes Mal und resigniert: "So ein Mist. Dann kann ich die Schraube auch wegwerfen." 

Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 937 vom 13. 9. 23 

Sind es nicht eigentlich die kleinen Dinge, die die Welt zusammenhalten? Wir haben meist nur das große Ganze im Blick und übersehen, dass ohne die Millionen, nein, Milliarden, ach was, Billionen unscheinbare winzige Teilchen alles in sich zusammenfallen würde. Nein, ich habe kein philosophisches Werk gelesen. Mir ist bloß die Terrassentür entgegen gefallen. 
 
Das passierte vorgestern Abend, glücklicherweise noch vor dem großen Regen. Ein Schraube war aus dem oberen Scharnier gerutscht. Und prompt hatte die Tür es ihr nachgemacht. Mit vereinten Kräften gelang es uns, nach etlichen Versuchen und vielen Flüchen, die schwere Tür wieder einzuhängen und die Schraube ins Scharnier zu drücken. Doch wir hätten es wissen müssen: Da blieb sie nicht lange. Als Ulla am nächsten Morgen den Kater nach draußen lassen wollte, sprang die Schraube erneut heraus. Und die Tür natürlich auch. 
 
Nun war guter Rat teuer. Denn die Schraube hatte sich scheinbar unsichtbar gemacht. Zu zweit suchten wir das halbe Wohnzimmer ab, verrückten Sofas, entfernten Zimmerpflanzen, krabbelten auf allen Vieren unter den Tisch. Vergeblich. Die Schraube hatte sich offenbar ein gutes Versteck gesucht. Der Kater wurde einer intensiven Befragung unterzogen, weil ich es für möglich hielt, dass er mit der Schraube gespielt und sie irgendwohin gepfeffert hatte. Doch das unschuldige Tier stritt alles ab und drohte, seinen Anwalt einzuschalten. Schließlich gaben wir auf. 
 
Der zur Hilfe gerufene Hausmeister teilte uns mit, dass die Schraube ohnehin keine Dauerlösung wäre. Das Scharnier war defekt und musste ausgetauscht werden. Leider war kein neues mehr vorrätig, wir warten nun darauf, dass das bestellte Ersatzteil geliefert wird. Solange bleibt die Tür notdürftig verrammelt. Und die Schraube fand ich später im Garten. Wie sie dorthin gelangt war, allen Gesetzen der Mechanik, der Schwerkraft und der Logik zum Trotz, wird ewig ein Rätsel bleiben. 
 
Immerhin hat unsere Schreckschraube mich veranlasst, mal nachzusehen, was sie und ihre Artgenossen für eine Vergangenheit haben. Und siehe da: Der Vorläufer der gemeinen Schraube war im ersten Jahrhundert vor Christus eine Spindelpresse zur Gewinnung von Öl und Wein. Ich sag's ja immer: Der Wein bringt die Menschheit voran! Rund vierhundert Jahre später verfügten die Römer bereits über die ersten Metallschrauben. Weil sie so kostbar waren, wurden sie nicht praktisch genutzt, sondern als Rangabzeichen getragen. 
 
Erst Anfang des 15. Jahrhunderts tauchten in Europa weitere Metallschrauben auf. Doch ihre Produktion war noch zu kostspielig, und so dauerte es bis 1770, bis die Schrauben mit der fortschreitenden Industrialisierung ihren Siegeszug in Europa antraten. Um 1800 war auch der dazu notwendige Schraubenzieher erfunden worden. Heute gibt es unzählige Schraubentypen, die sich nach Größe, Zweck, Material und Profil unterscheiden. Als Beispiel sei hier nur, wer kennt sie nicht, die Linsensenkblechschraube mit Kreuzschlitz, ISO 7051, früher DIN 7983, genannt. Und natürlich die legendäre Zylinderschraube mit Innensechskant und metrischem Feingewinde EN ISO 12474. 
 
Falls ich jetzt daran gehen würde, sämtliche Schrauben zu katagolisieren, könntet Ihr mit Recht behaupten, ich sei endgültig durchgedreht. Damit hättet Ihr den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber mit Nägeln befassen wir uns ein andermal. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 936 vom 12. 9. 23

Ja, ist denn schon wieder Karneval? Nein, zum Glück sind es noch zwei Monate bis zum 11. 11. Dennoch komme ich Euch heute auf kölsch. Nicht, dass ich von dieser Plempe, die nicht zu Unrecht in Chemie-Röhrchen serviert wird, zu viel genascht hätte, weder auf der Bierbörse noch am vergangenen "karibischen Wochenende". Aber ich bin wieder einmal im unerschöpflichen Bücherschrank fündig geworden. Und da das sächsische Büchlein mir viel Spaß gemacht hat, nahm ich diesmal ein Werk von Volker Gröbe mit nach Hause. Es trägt den Titel "He weed alles durch de Zäng jetrocke". 
 
Zum Glück bin ich durch Konrad Beikircher, BAP, De Bläck Föss und die Höhner schon ein wenig vorbereitet. Sonst hätte ich beim Lesen Probleme gehabt, weil versäumt wurde, hochdeutsche Übersetzungen hinzuzufügen. Aber das Meiste lässt sich zusammen reimen. Und so taucht der Leser in eine Fundgrube von kölschen Redensarten ein, die der Sprüchesammler Gröbe vor allem an Zäunen und Hauswänden entdeckt hat. 
 
Starten wir mit einem Satz, den zumindesten die Männer unter uns auch auf Hochdeutsch unterschreiben würden: "De Hauptsaach es, dat mer jesund es un de Frau jot am arbeide hält." Und auch in der Warnung an die Liebhaber hochgeistiger Getränke steckt ein wahrer Kern: "Dun nit zevill drinke - de letzte Fläsch, die dropjeit, könnts do selv sin." Und noch ein Satz, an dem was dran ist: "Wann de Minsch jestorven is, es dat noch keine Bewies doför, dat hä och jeläv het." 
 
Hier noch ein paar entwaffnend ehrliche Aussagen: "Brut för de Welt! De Worscht bliev ävver he." "En der Naach, wann alles schlöf, es mihstens nümmes waach." "Do häs mich jän? Ich mich och!" "Ente jot - Jans noch besser!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. An den kölschen Dialekt kann man sich gewöhnen. Er klingt angenehm melodisch, so dass man fast geneigt ist beim Sprechen zu schunkeln. Dennoch erteile ich allen, die versuchen, mich sprachlich umzuerziehen eine entschiedene Absage: "Dat geht nich so flott - ich komm aussem Pott. Ich als Jeck? Nä, dat hat keinen Zweck! Ich sach Dich dat glatt - do bisse platt!" 

 

 Schmunzelpost 935 vom 11. 9. 23

Kann das wahr sein? War er das leibhaftig? Und wieso gibt es ihn noch, nach so vielen Jahren? Diese Frage stellte ich mir vor ein paar Tagen, als mir in Recklinghausen jemand über den Weg lief, der in meinem Langzeitgedächtnis ein schrilles Klingeln auslöste. 
 
Ist es Euch so ähnlich ergangen wie mir? Ich gehöre zu einer Generation, die großgeworden ist, als das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte. Damals war es für Kinder ein Höhepunkt des Tages, am Nachmittag und frühen Abend ein paar Minuten in die Glotze schauen zu dürfen. Da die Kinderstunde mit "Lassie", "Fury", "Rin Tin Tin", der Augsburger Puppenkiste und "Ivanhoe" knapp bemessen war, harrten wir gerne auch noch staunend vor dem Werbefernsehen aus. Reklameraten war ein beliebtes Spiel - wer als erster wusste, um welches Produkt es im Werbespot ging, der hatte gewonnen. 
 
Der Bärenmarke-Bär und das HB-Männchen waren mir also früh vertraut. Und ich bedauerte, ihnen nie persönlich begegnen zu können. Das änderte sich, als die Werbeträger plötzlich ein menschliches Gesicht bekamen. Der Tchibo-Kaffee-Experte, ein Melonenträger, ist dafür ein typisches Beispiel. Das erste Mal, dass ich eine Werbe-Ikone scheinbar tatsächlich in Person zu Gesicht bekam, war jedoch bei einer ganz anderen Branche der Fall. Es gab damals einen Spot, in dem zunächst eine Zeichentrickfigur und dann ein Schauspieler aus Fleisch und Blut die Hauptrolle verkörperten: Den Mann, der sich im Nachtgewand mit Schlafmütze und Kerze frohgemut auf den Weg ins Schlafzimmer begab: "Nimm Darmol - und Du fühlst Dich wohl!" 
 
Der Doppelgänger dieses Patienten mit Verdauungsproblemen unterrichtete bei uns als katholischer Pfarrer die Kinder im Religionsunterricht, deren Eltern von Martin Luther nicht auf den rechten Weg gebracht worden waren. Wenn ich mich richtig erinnere, hieß der Gute Mönningmann. Er wurde jedoch von einer anderen Lehrkraft beim Wetteifern um den Titel des skurillsten Pädagogen weit übertroffen: Der hörte auf den Namen "Doc Kaiser" und ist dafür verantwortlich, dass nicht allein bei mir die Fähigkeit, sich auf Englisch zu unterhalten, im Kauderwelsch-Stadium stecken geblieben ist. 
 
Dr. Kaiser, ursprünglich Geschichtslehrer, hatte sich eigentlich bereits zur Ruhe gesetzt. Weil jedoch schon damals in einigen Bereichen Lehrermangel herrschte, wurde der Bayer 1967 reaktiviert. Was ihn aber befähigt haben soll, ausgerechnet Englisch zu unterrichten, ist das Geheimnis der Verantwortlichen geblieben. Der Mann war fachlich wie pädagogisch total überfordert. Im Unterricht wurde grundsätzlich nicht englisch gesprochen, bei einer schriftlichen Arbeit reichten 20 Fehler noch zu einer drei. Und mit 30 Fehlern kam man mit einem "ausreichend" davon. 
 
Auch vom Aussehen und Gehabe war Doc Kaiser eine Witzfigur, die gut in die Feuerzangenbowle gepasst hätte. Wenn er eine Störung im Unterricht ahnden wollte, hieß es: "Der Kerl steht!" War das Vergehen schwerwiegend, hieß es "Ecke marsch!" Und je nach Grad des Delikts musste man entweder "mit leichtem Handgepäck" (Lehrbuch, Heft und Füller) oder "mit großem Sturmgepäck" (komplette Schultasche) dort den Rest der Stunde stehend verbringen. 
 
Ich gehörte anfangs in unserer Klasse zu denjenigen, die sich über diesen Pauker lustig machten und freche Antworten gaben. Doch dann kam der Tag, an dem mich sein Geschwafel so langweilte, dass ich begann, eine Nachricht an meine Freunde in der Parallelklasse zu schreiben. Darin stand unter anderem das Doc Kaiser-Zitat "Das stinkt zum Himmel!" und außerdem mein Urteil "die Bayern sind alle kleine Trottel". Unverhofft stand der Trottel an meiner Bank vor mir und versuchte, mir den Schreibblock zu entreissen. Ich hielt den Block aber eisern fest und protestierte: "Das ist privat!" Das stachelte meinen Widersacher bloß zusätzlich an, und er schlug mir mit einem Lineal so lange auf die Finger, bis ich losließ. 
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Den Rest des Tages und die Nacht über plagten mich die schlimmsten Befürchtungen. Würde ich von der Schule fliegen? Am nächsten Morgen suchte ich Doc Kaiser vor dem Unterricht auf und bat reumütig um Entschuldigung. Das nahm er grummelnd zur Kenntnis. In der nächsten Englischstunde rühmte er mich dann sogar als jemand, der seine schwere Schuld eingestanden und um Verzeihung gebeten habe, die großzügig gewährt wurde. 
 
Ich habe mir die restliche Zeit im  Englisch-Unterricht nichts mehr zu schulden kommen lassen. Auch aus Mitleid. Inzwischen hatte ich erfahren, dass der Sohn von Doc Kaiser stadtbekannt war. Der junge Mann war körperbehindert und hatte zudem Ähnlichkeit mit einem Waldschrat. Außerdem war er homosexuell. Was in einer Zeit, in der dies noch als Delikt im Strafgesetzbesuch verankert war, vor allem deshalb Anstoß erregte, weil der Knabe im Freibad dauernd andere Jungs mit dem Spruch "Du hast aber einen schönen Körper" anbaggerte. Ich weiß nicht, wer mehr litt: Der Sohn unter seinem Vater oder der Vater wegen seines Sohnes.
 
Nun aber ziehen wir mit TV-Expertin Marianne Koch wie in den 1960ern den Vorhang zu und freuen uns, dass die böse Welt draußen bleibt, wenn nur die Gardinen anständig fallen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur Unsterblichkeitsfolge von gestern hat Kerstin einen Tipp. Sie empfiehlt einen Riesling aus Randersacker mit dem Etikett "Ewiges Leben". Ob dieser Wein das Leben tatsächlich verlängert, muss sich noch herausstellen, die verbleibenden Tage soll er jedoch erheblich verschönern.
 

Schmunzelpost 934 vom 10. 9. 23 

Wer träumt nicht davon, unsterblich zu sein? Gerade unter reichen und mächtigen Menschen war dieser Wunsch stets weit verbreitet. Es soll in den USA Multimillionäre gegeben haben, die sich einfrieren ließen, weil sie unter einer bis dahin unheilbaren Krankheit litten. Sie hofften, in einer Zukunft aufgetaut zu werden, die ihnen nicht nur die Genesung, sondern auch ein langes Leben bescheren soll. Na, denn man tau... 
 
Am zehnten September im Jahre 210 v. Chr. fiel ein Potentat einem anderen Irrglauben zum Opfer. Also exakt vor 2233 Jahren, eine schnappszahlähnliche Ziffer, die ich als Omen für eine Schnapsidee durchgehen lasse. Qin Shihuangdi herrschte in China über das größte Reich seiner Zeit. Dies wollte er auch nach seinem Ableben im Jenseits fortsetzen. Daher verfügte er bereits zu Lebzeiten, dass für ihn ein riesiges Mausoleum errichtet werden sollte, umgeben von einer riesigen Armee aus Terrakotta-Kriegern. Sein Grab war außerdem gefüllt mit Modellen von Palästen, mit feinen Gefäßen und Edelsteinen. Und mit reichlich Quecksilber. Denn das sollte angeblich lebendig halten. 
 
Am liebsten wäre es Kaiser Qin jedoch gewesen, gar nicht erst zu sterben. Er hatte am eigenen Leibe erfahren, dass es einen Regenten schon in jungen Jahren erwischen kann. Aus unbekanntem Grunde hatte sich der Kaiser einen gewissen Gao Jianli zum unversöhnlichen Feind gemacht. Nach dem ein Attentats-Versuch mit gedungenen Mördern gescheitert war, tauchte Gao ab, versteckte sich und entwickelte sein Talent zum Lautenspiel zur Perfektion. Sein Ruf drang schließlich zum musikbegeisterten Kaiser durch, der seinen Erzfeind zum Gastspiel einlud. Am Hof wurde Gao jedoch sofort erkannt und enttarnt. 
 
Weil Kaiser Qin aber von den Klängen der Laute so fasziniert war, zeigte er sich gnädig. Er ließ den begnadeten Musiker nicht töten, sondern lediglich blenden und so vermeintlich unschädlich machen. Im Laufe der Jahre kam der Killer so seinem Ziel immer näher. Der Kaiser lobte ihn über die Maßen und vertraute dem Blinden schließlich völlig. Darauf hatte Gao gewartet. Er füllte sein Instrument mit Blei und versuchte damit, Qin den Schädel einzuschlagen. Das aber ging als Folge der Blindheit daneben. Und Gao wurde nun doch hingerichtet. 
 
Vielleicht hat dies den chinesischen Kaiser angespornt, die Suche nach der Unsterblichkeit zu forcieren. Sie entwickelte sich zu Besessenheit. Alle möglichen Quacksalber schwatzten ihm ihre Elixiere auf, keines hatte den gewünschten Erfolg. Doch dann kursierte ein neues Wundermittel: Quecksilber-Pillen. Weil seine Wissenschaftler darauf große Stücke hielten, schluckte Qin Shihuangdi ein extra große Dosis. Und verstarb am 10. September 210 v. Chr. im Alter von nur 49 Jahren. 
 
Ich halte gar nichts von Quecksilber-Pillen. Aber ich will auch nicht unsterblich werden. Mir genügt es schon, wenn mein Werk mich überlebt. Falls Ihr also dafür sorgt, dass Eure Freunde, Eure Verwandten, Kinder, Enkel und Urenkel auch noch die Schmunzelpost lesen, kann ich zufrieden auch ohne Terrakotta-Leibgarde in 50 Jahren den Löffel abgeben. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Einen Nachtrag zur gestrigen Fremdwörter-Schmunzelpost hat Martin gemailt: Wer mit Fremdwörtern auf Kriegsfuß steht, sollte vorsichtig sein! Zwei Beispiele: "Mein Hund hat einen ganz besonderen Instinkt!" - "Jetzt, wo du's sagst, rieche ich es auch!" ----- "Ich kann bei Ihnen keine Krankheit finden, ich müsste mal Ihre Psyche untersuchen." - Hab ich mir gedacht, Herr Doktor, ich hab schon ein Fläschchen voll mitgebracht!" 

 

 Schmunzelpost 933 vom 9. 9. 23

Wenn man sich geirrt hat und es erst später bemerkt, dann sollte man sich korrigieren. Das will ich heute tun. Ich bin nämlich einem weit verbreiteten Irrtum aufgesessen. An dieser Stelle habe ich mehrfach angeprangert, dass die Verwendung von für viele Leute unverständlichen Fremdwörtern in Betrieben, in der Werbung, vor allem aber auch in den Medien immer mehr zunimmt. Was ein Medienhaus im Großraum Dorsten/Nord-Lüdenscheid betrifft, mag das stimmen, was die Zeitungsinhalte angeht, ist es falsch. 

Ausnahmen sind Berichte zu besonderen Themen, in denen es von Fachbegriffen wimmelt. Sie sind aber auch im Regelfall für eine spezielle Zielgruppe geschrieben worden. Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass der Anteil von Fremdwörtern in durchschnittlichen Zeitungstexten seit langem gleichgeblieben ist, beziehungsweise nur geringen Schwankungen unterliegt. 
 
In herkömmlichen Texten soll der Fremdwort-Anteil ständig bei acht bis neun Prozent liegen. Das mag hoch erscheinen, allerdings wurden auch Fremdwörter mitgezählt, die für die breite Masse längst verständlich sind. Zum Beispiel Interview, Information oder Helikopter. Der Anteil der Fremdwörter aus dem Englischen lag zudem im Schnitt lediglich bei vier Prozent. 
 
Interessant ist, dass auch vor 150 Jahren vergleichbar viele Fremdwörter im Umlauf waren. Nur kamen damals die meisten aus dem Französischen. Flanieren oder Trottoir sind auch heute noch gelegentlich gebräuchlich, das Waschlavoir ist bei uns im Abflussrohr der Zeit versickert und nur in Österreich noch in Gebrauch. 
 
Erstaunlich ist jedoch, wieviele Wörter mittlerweile so eingedeutscht sind, dass sie gar nicht mehr als Fremdwort erkannt werden. Der "Onkel" stammt aus Frankreich, der "Keks" aus England. Und es ist fair zu outen, dass auch das Poster des Stars, der mit Chansons glänzt, in diese Kategorie gehört. (Wobei gleich sechs Fremdwörter in einem Satz versammelt waren). 
 
Zum Schluss noch ein Abstecher zu den Fremdwort-Verwandten, die durch die Hintertür bei uns eingezogen sind. Denn Redewendungen aus dem Englischen machen sich tatsächlich zunehmend breit. Das ergibt keinen Sinn? Doch, das macht Sinn. Denn "es macht keinen Sinn" leitet sich von "makes no sense" ab. Auch "immer wieder" und "immer mehr" haben Konkurrenz bekommen. Mehr und mehr sagen die Leute wieder und wieder, wie das auch die Briten gerne tun (Again and again, more and more). Das "macht keinen Unterschied" zur Übertragung von "makes no difference". Und mächtig in Mode ist die Wendung "Nicht wirklich" (not really). 
 
Falls ich jemand mit Fremdwörtern genervt habe, sage ich sorry, äh, pardon, äh, Entschuldigung. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 932 vom 8. 9. 23 

Weiter geht's in der Woche der Sprache. Diesmal möchte ich Euch eine Sprachspielerei näherbringen, mit der Ihr Euch als Mitreisender auf längeren Fahrten die Zeit vertreiben oder generell Wartezeiten überbrücken könnt. Aber seid gewarnt: Die Sache ist recht knifflig. Es geht um Pangramme. 
 
Ein Pangramm ist ein Satz, in dem alle Buchstaben unseres Alphabets untergebracht sind, der insgesamt aber aus möglichst wenig Buchstaben bestehen soll. Solche Pangramme wurden früher als Prüftexte genutzt, um herauszufinden, ob Schreibmaschinen einwandfrei funktionieren. Heute könnt Ihr sie als Test verwenden, um herauszufinden, ob Euer Denkapparat einwandfrei funktioniert. 
 
Doch wie gesagt: Es ist ohnehin nicht leicht, alle 26 Buchstaben in einen Satz zu quetschen, der auch, zumindest halbwegs, Sinn ergeben soll. Im kürzesten deutschen Pangramm, das ich kenne, sind 33 Buchstaben enthalten, dafür ist der Satz aber ziemlich unsinnig: Sylvia wagt quick den Witz bei Pforzheim. Auf englisch ist es einfacher: Pack my box with five dozen liquor jugs - bloß 32 Buchstaben! 
 
Aber ich bin großzügig. Wenn Ihr insgesamt mit 60 Buchstaben auskommt, ist das in Ordnung. Falls Ihr es versucht, werdet Ihr merken, auch das ist ganz schön schwierig. Doch es klappt! Beispiel gefällig? Franz jagt im verwahrlosten Taxi quer durch Bayern (51 Buchstaben). Bei Bedarf dürft Ihr auch Umlaute nutzen: Zwölf Boxkämpfer jagen Viktor quer über den großen Sylter Deich (54 Buchstaben). 
 
Also los! Schmunzelpostfan Jan quert Libyen und knackt verhexte Wissensfragen. 60 Buchstaben. Wer bietet weniger? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 931 vom 7. 9. 23 

Freunde der Sprache! Euch ist die heutige Schmunzelpost ebenso gewidmet wie den Anwendern, Nutznießern, Quälern und Vergewaltigern unserer Sprache. Und vor allem denjenigen, die ihrerseits durch die Sprache gequält werden.
 
Was glaubt Ihr, welche Wortart im Duden am häufigsten vertreten ist? Es sind die Substantive! Hauptwörter stellen mit fast 75 Prozent die größte Wortgruppe im Rechtschreibduden. Weit abgeschlagen folgen Adjektive mit 13,8 Prozent, Verben mit 10,1 % und Adverbien mit 1,3 Prozent. Der gesamte Rest kommt gerade mal auf 0,5 Prozent.
 
Nun ist das Deutsche weltweit bekannt und gefürchtet für seine Sprachungetüme. Wortbandwürmer, die wirken, als wollten sie niemals enden. Derzeit liegt im aktuellen Duden "Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung" mit 44 Buchstaben vorn. Doch das konnten wir schon mal viel besser. Als nicht Corona, sondern BSE, der Rinderwahnsinn, die Deutschen in Panik versetzte, gab es das Rinderkennzeichnungsfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz. Das ist mit seinen 77 Buchstaben mindestens ebenso erschreckend wie die schlimme Krankheit.
 
Zum Glück sind wir auch Weltmeister im Schaffen von einleuchtenden Abkürzungen. Wenn jemand vom RkReÜAÜG sprach, wusstet Ihr doch bestimmt sofort, was gemeint war. Oder etwa nicht? Nun ja, das ist jetzt ohnehin Geschichte. 2013 wurde das Gesetz wieder abgeschafft und damit aus dem deutschen Wortfundus gestrichen. Schade drum. Ich werde ihm ein Schmunzelpostunwortgedächtnispreisausschreiben widmen und bitte um Einsendung von Kolossen vergleichbarer Länge.

Natürlich auf deutsch. Walisisch zählt nicht. Und Englisch hilft Euch nicht weiter. Auf der Insel gilt schon eine Vokabel mit lediglich 28 Buchstaben als Wortmonster und Rekordhalter: Antidisestablishmentarianism. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Fachbegriffe sind ebenfalls ausgenommen. So gibt es eine Bezeichnung für eine Zusammensetzung chemischer Substanzen, die durch die Aneinanderreihung der Stoffe auf sage und schreibe 189.819 Buchstaben kommt! 

 

 Schmunzelpost 930 vom 6. 9. 23

Im Bundestag ging es gestern um den nächsten Etat. Und da war es wieder, dieses Wort, das mich schon auf die Palme brachte, als ich es zum ersten Mal hörte. Sondervermögen! Ich gehöre zu den Leuten, die jedes Wort auf die Goldwaage legen und daher manchmal etwas mäkelig sind. Aber das Sondervermögen vermag es, mich besonders aus der Fassung zu bringen. Steckt ja auch schon in der Vokabel drin. 
 
Oft werden von Politikern Begriffe benutzt, um Tatbestände zu beschönigen oder zu verschleiern. Ein allseits bekannter Russe sagt hartnäckig "Spezialoperation" statt "Angriffskrieg". Dagegen hat ein allseits bekannter Amerikaner die "alternative Wahrheit" geprägt, was bei weitem nicht so anstößig klingt wie Lüge. Doch "Sondervermögen" geht noch einen Schritt weiter - es dreht seine wahre Bedeutung vom Negativen ins Positive. Aus den "Sonderschulden", wie jetzt der Rechnungshof feststellte, wird augenscheinlich ein unverhofftes Guthaben. Ei der Daus! Woher sind denn diese Milliarden plötzlich vom Himmel gefallen? 
 
Damit wird konsequent, aber völlig schamlos die Leuteverarschung fortgesetzt, die bereits mit dem Wort "Schuldenbremse" begann. Denn die bremst nicht etwa die fortschreitende Verschuldung, sondern drosselt lediglich ein wenig ihren Anstieg. Aber nicht nur in der Politik, auch in anderen Lebensbereichen ist die Neigung groß, Euphemismen zu verwenden. Preisanpassung hört sich doch viel harmloser an als Verteuerung, nicht wahr? Und ein Entsorgungspark schreit eher nach Ruhebänken als nach Wäscheklammern, die man gern beim Rundgang durch eine Mülldeponie an der Nase hätte. 
 
Ein klassischer Fall sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ist es nicht der Arbeitnehmer, der seine Arbeitskraft dem Chef gibt? Und nimmt der Arbeitgeber sie nicht dankbar an, weil er nur so Profit machen kann? Müssten die Begriffe also korrekterweise getauscht werden? Zum Glück kann einen Rentner wegen solcher Enthüllungen niemand mehr entlassen, pardon, freisetzen. Das trifft es doch viel besser, weil der Freigesetzte so frei ist, sich auf den freien Markt zu setzen und seine Arbeitskraft fortan an einen anderen, äh, Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder besser Boss zu geben. 
 
Na ja, es wäre suboptimal, also schlecht, nur anderen ihr Schönreden anzukreiden. Neigen wir nicht selbst dazu, Leute, die wir insgeheim als dick oder sogar als fett einstufen, als Menschen mit kräftiger Statur zu bezeichnen? Oder als stabil? Das ist immerhin höflich. Und es klingt auch besser, jemand konfliktstark zu nennen, obwohl eigentlich zickig oder streitsüchtig gemeint ist. Pardon, jetzt müsst Ihr mich entschuldigen, ich muss mich mal frisch machen (ich werde Euch doch nicht auf die Nase binden, dass ich dringend aufs Klo muss). 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 929 vom 5. 9. 23

Unsere Kater hießen Tiger (zweimal), Buffi und Milly. Wobei der amtierende Hausgenosse seinen Namen vom Tierheim erhalten hat, wo man wohl zunächst seine Männlichkeit verkannte. Für uns wäre es unvorstellbar, ihn selbst in Zeiten größter Not zu opfern und aufzuessen. Dann schlachten wir lieber eine Torte (siehe gestrige Folge). Allerdings kann ich nachvollziehen, dass mancher Chinese dafür wahrscheinlich kein Verständnis aufbringt. Dort kommen auch Hunde, womöglich auch Katzen oder exotischere Tiere wie Fledermäuse in den Wok. 
 
Allein der Gedanke unsere Lieblinge, egal ob Hund oder Katze, Pferd oder Wellensittich, in die Pfanne zu hauen, erfüllt uns mit Entsetzen. Doch was haben uns eigentlich Schweine, Rinder, Gänse und Hühner getan? Eine strikte Grenze wird gezogen, sobald wir mit einem Tier auf Du und Du sind und ihm einen Namen geben. Ein Schweinchen namens Babe würden wir niemals dem Metzger überlassen. 
 
Damit hat sich jetzt auch die Wissenschaft beschäftigt. Die Forscher haben herausgefunden, dass Kühe, die einen Namen tragen, erheblich mehr Milch geben als ihre durchnumerierten Artgenossen. Dies kann zwar auch damit zusammenhängen, dass die Milchkuh Susi von ihrem Halter besser behandelt und gepflegt wird als ihre namenlosen Verwandten. Doch es ist trotzdem ein Fingerzeig, wie aus uns eine Nation der Vegetarier werden könnte: Wir müssen uns auch mit dem sogenannten Nutzvieh anfreunden. Die wertgeschätzte Henne Berta legt uns dann bestimmt noch ein Extra-Ei. 
 
Bei der Namenstaufe unserer tierischen Kumpel dürfen wir unserer Fantasie freien Lauf lassen. Ich erinnere mich gern an einen WDR-Kollegen aus dem Studio Dortmund. Der erregte Anfang 1980 Aufsehen bei seinen Nachbarn, wenn er seine Hühner zur Fütterung rief: "Put, put, put, Annemarie Renger, put, put, put, Lieselotte Funcke, put, put, put, Helmut Schmidt." Auch ein Rottweiler, der nicht T. Rex, sondern Rocky Ravioli heißt, kommt doch gleich viel freundlicher rüber. Und wer seinen Yorkshire Terrier "Terminator" nennt, hat die Lacher auf seiner Seite. 
 
Ich erinnere mich an einen Witz, den Wanderfreund Martin erzählte. Mal sehen, ob ich ihn noch auf die Reihe kriege: Ein Einbrecher steigt in eine Luxusvilla ein und schleicht vorsichtig ins unbeleuchtete Wohnzimmer. Plötzlich ertönt eine Stimme hinter ihm, die ihn zusammenfahren lässt: "Gott sieht alles! Und der Heilige Geist kommt gleich über Dich!" Panikartig leuchtet der Dieb mit der Taschenlampe durch den Raum. Dann entdeckt er im Lichtkegel einen Papagei. "Puh, wie bescheuert muss jemand sein, der einen Vogel Gott nennt", seufzt er erleichtert. Und der Papagei spricht: "So bescheuert, dass er seine Dänische Dogge 'Heiliger Geist' tauft." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 928 vom 4. 9. 23

Es ist ein hartes Los. Ein Kreuz. Ein schweres Schicksal. Wer dauernd mit einer Genießerin unterwegs ist, die kein Cafe, keinen Landgasthof und keine Lokalität links liegen lassen kann, die guten Kuchen zu bieten hat, der wird ständig in Versuchung geführt. Und obwohl ich mir stets vornehme, die Kalorienzufuhr zu begrenzen und auf Süßes zu verzichten, kann ich dann der Verlockung meist nicht widerstehen. So ging es mir am Samstag im Cafe Sternemann in Recklinghausen und am Sonntag im Hofgarten von Bauer Dalhaus in Altendorf. Als ich dann auch noch das Streiflicht in der Wochenend-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung las, stand das Thema für diese Schmunzelpost fest: Es geht um die Torte! 
 
Erdbeertorte, Sahnetorte, Schwarzwälderkirsch-Torte, Eierlikörtorte - es gibt eine verführerische Vielfalt. Und wenn der Konditor sein Handwerk versteht, dann schmeckt man das auch. Daher ist es mir unbegreiflich, was Menschen veranlassen kann, sich ausgerechnet Torten ins Gesicht zu werfen. Und damit anderen - nicht unbedingt den Opfern - große Freude zu machen. Ein Tortenattentat garantiert auch heute noch allgemeine Heiterkeit und war in älteren Filmen neben dem Ausrutscher auf der Bananenschale Garant für Lacherfolge. 
 
Während 1849 die Torte noch in zeitgenössischen Wörterbüchern als "plattes Gebäck aus Zuckerteig" beschrieben wurde, avancierte sie einige Jahrzehnte später zur Waffe: Das 20. Jahrhundert wurde zur goldenen Epoche der Tortenschlacht. Höhepunkt war der Hollywood-Streifen "The Battle of the Century", in dem 1927 die Herren Laurel und Hardy hunderte, ach was, tausende von Torten zweckentfremdeten, insgesamt 3000 Stück. Die Franzosen erfanden damals für Tortenwerfer ein eigenes Wort: "Entartistes". Was die Süddeutsche gendergerecht als "Tortenwerfkunstpraktizierende" übersetzt.  
 
Der Belgier Noel Goedin entwickelte seit 1969 den Tortenwurf als sogenannte "Tortung" zur Aktionskunst weiter, die auch zum handfesten Mittel politischen Protestes wurde. Goedin und seine Anhänger hatten dabei ein Lieblingsziel: Der französische Philosoph Bernhard Henry Levy bekam insgesamt sieben Mal eine Torte ins Gesicht. Und selbst den früheren französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy traf ein süßes Wurfgeschoss. Mittlerweile ist die Liste der Opfer auch in Deutschland recht lang. Sie reicht von Beatrix von Storch bis zu Sarah Wagenknecht, von Günter Öttinger über Jürgen Trittin bis zu Thilo Sarazin. Aktuellstes Opfer war im September 2023 bei einer Lesung in Jena der Tagesschausprecher und Buchautor Constatin Schreiber. 
 
Rechtlich gesehen gilt ein Tortenanschlag in Deutschland als Beleidigung. Lediglich, wenn so ein Attentat zu Blessuren führt (vermutlich durch eine Kokosnuss-Torte), wird es juristisch als Körperverletzung gewertet. Die Schweizer sind da strenger. Für sie ist die Tortung eine Tätlichkeit.  
 
Was mich wundert ist, dass es noch keine Weltmeisterschaft im Tortenzielwurf gibt. Wo sind die Finnen, wenn man fest mit ihnen rechnet? Ansonsten plädiere ich dafür, dass Konflikte zwischen Prominenten bei uns künftig mit öffentlichen Tortenduellen ausgetragen werden. Davon hätten alle etwas. Das Konditor-Handwerk würde daran verdienen, die Sache wäre unblutig, aber die Kontrahenten könnten sich austoben. Und das Publikum hätte seinen Spaß. 
 
So, das könnt Ihr jetzt am besten bei einem Stück Kuchen verdauen. Und mal über folgendes nachdenken: Die Erdbeer-Torte heißt so, weil sie Erdbeeren enthält. Die Sacher-Torte heißt so, weil sie Teile von Franz Sacher enthält (oder habe ich missverstanden, dass sie aus der Hand von Franz Sacher entstanden ist?). Aber wenn Ihr ein Stück Schwarzwälder verspeist, seid Ihr dann mitverantwortlich für das Baumsterben? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 927 vom 3. 9. 23

Am 3. September 1939 musste ein Mann vor der ganzen Welt bekennen, dass er sich komplett geirrt und einen fatalen Fehler mit immenser Tragweite begangen hatte. Vor exakt 84 Jahren erklärte der englische Premierminister Neville Chamberlain Deutschland den Krieg und gestand damit ein, dass er sich nur ein Jahr zuvor völlig zu Unrecht hatte feiern lassen. 
 
Denn noch am 30. September 1938 hatte eine große Menschenmenge Chamberlain am Flughafen in London einen triumphalen Empfang bereitet. Er hatte mit Hitler das Münchener Abkommen ausgehandelt und war fest überzeugt: "Dies bekundet die Entschlossenheit unserer beiden Völker, nie wieder Krieg gegeneinander zu führen." Zwar hatte Chamberlain dafür mit der Tschecheslowakei einen Verbündeten geopfert, doch dies sah er als gerechtfertigt an. Denn: "Zumindest mussten keine jungen Engländer sterben, wegen einer Auseinandersetzung in einem weit entfernten Land, zwischen Leuten, von denen wir nichts wissen." 
 
Was wussten wir von der Ukraine? Nicht besonders viel. Aber aus den Lehren der Vergangenheit ließ sich schließen, dass ein machthungriger Despot sich kaum mit einer Vergrößerung seines Herrschaftsbereichs zufrieden geben dürfte. Daher meine ich als Friedensfreund: Wir müssen die Ukraine mit jeder möglichen Hilfe an Ausrüstung unterstützen, damit sie sich erfolgreich verteidigen kann. 
 
Das war kein Stoff zum Schmunzeln. Daher noch ein paar andere große Irrtümer der Weltgeschichte. Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. urteilte Anfang des 20. Jahrhunderts: "Das Automobil ist nur eine Modeerscheinung. Ich setze weiter voll und ganz auf das Pferd!" Schon vorher sagte ein maßgeblicher Banker in Amerika zur Bitte, die erste Ölbohrung in den USA zu finanzieren: "Nach Öl bohren? Sie meinen, Löcher in die Erde bohren und hoffen, dass Öl herauskommt? Sind Sie verrückt?"  
 
Auch in der Unterhaltungsindustrie lagen einige Experten falsch. "Wer, zum Teufel, will denn Schauspieler sprechen hören?" sah 1927 Harry M. Warner, Chef des Warner Brother Konzerns, keine Zukunft für den Tonfilm. Und Louis B. Mayer, Boss der Konkurrenz von Metro-Goldwyn-Mayer, beerdigte Mickey Mouse vor ihrem ersten Leinwandauftritt: "Jede Frau hat Angst vor Mäusen, daher kann es kein Erfolg werden." 
 
Die Krone der Fehlprognosen gebührt jedoch Darryl F. Zanuck, Chef der Filmgesellschaft 20th Century Fox, der 1946 befand: "Der Fernseher wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Die Menschen werden sehr bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren." Auch die Musikbranche war vor Blindheit nicht gefeit. 1962 teilte die Schallplattenfirma Decca Brian Epstein, dem Manager einer Nachwuchsgruppe aus Liverpool, mit: "Mit Gitarren besetzte Gruppen haben absolut keine Zukunft." 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 926 vom 2. 9. 23

Zahlen, bitte! Heute schauen wir uns ein wenig in der Welt der Ziffern um. Bevor Ihr aufstöhnt und jammert: "Bloß keine Mathematik!", vorab die Entwarnung. Ich war zwar keine Null im Fach Rechnen, werde Euch aber dennoch mit Formeln und Aufgaben verschonen. Ihr habt es ohnehin mehr mit Früchten: Auf die gestrige Tomatenfrage gingen nur richtige Lösungen ein. 
 
Stattdessen habe ich ein paar Fakten über Zahlen ausgegraben, die Euch womöglich neu sind. Wisst Ihr zum Beispiel, wer den Countdown vor Raketenstarts erfunden hat? Nein, es war weder ein Wissenschaftler noch ein Militärangehöriger. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 - und jetzt die korrekte Antwort: Es war der deutsche Filmregisseur Fritz Lang, der für sein Science Fiction-Epos "Mann im Mond" 1929 erstmals die Sekunden rückwärts zählen ließ. 
 
Zahlen können auch nachdenklich machen und traurig stimmen. In den letzten 3500 Jahren der "zivilisierten" Weltgeschichte hat es lediglich 230 Jahre gegeben, in denen es keinen Krieg gab. Und leider endeten nicht alle Konflikte so schnell, wie 1896 der Krieg zwischen England und Sansibar - er war bereits nach 38 Minuten vorbei! Das könnt Ihr mir ruhig glauben. Obwohl man bei Kerlen stets vorsichtig sein muss: Männer lügen 20 Prozent mehr als Frauen.
 
Wenn männliche Diplomaten (ebenso wie weibliche und diverse) sich in unserer Hauptstadt im Straßenverkehr etwas zu schulden kommen lassen, müssen sie nicht schwindeln. Sie gehen straffrei aus. 2011 entgingen Berlin so bei 18 886 Verkehrsdelikten insgesamt 274 590 Euro an Bußgeld. Ich habe mal in die Weimarer Verfassung geschaut, ob dort eine ähnliche Regelung für ausländische Gesandte enthalten war. Doch ich war abgelenkt, weil ich Buchstaben zählte: In dieser Verfassung kommt das E 11 000 mal vor. Da staunt Ihr, was? 
 
Ich könnte Euch noch öfter staunen lassen, ungefähr eine Quindezilliquingentillinillimillion mal. Aber ich lasse es für heute besser damit bewenden. Denn die Zahl habe ich mir nicht ausgedacht. Sie hat 93 000 000 006 Nullen! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 925 vom 1. 9. 23 

Nach dem Mai ist der September mein zweitliebster Monat. Nicht nur, weil dann die Tagestemperatur meist in meinem bevorzugten Bereich liegt. Auch all die Leckereien, die frisch geerntet auf den Tisch kommen, sind eine Freude - wobei die Weinlese im Oktober dann der willkommene Nachschlag ist. Heute gebe ich Euch ein Rätsel auf. Es geht um eine Frucht, deren Erntezeit von August bis Anfang Oktober dauert. Welche kann das sein?
 
Weltweit gibt es rund 300 000 verschiedene Arten. Ein Landwirt aus Süddeutschland besitzt die hierzulande größte Sammlung mit 3400 Sorten. Der Mann war übrigens Pfarrer, bevor er wegen seiner großen Leidenschaft fürs Gärtnern umschulte. Dass besagte Frucht vor allem in Österreich mit dem Paradies verbunden wird, dürfte ihm den Umstieg erleichtert haben. Um Euch auf die Sprünge helfen, zähle ich mal ein paar Sortennamen auf. Und zwar von A bis Z. Dass darunter auch so phantasielose Bezeichnungen sind wie A 65 oder A 83 L 472 K, vernachlässige ich dabei. 
 
A: Abraham Lincoln, Accordeon und Abracazebra. B: Babuschka, Banani, Bananza und Bellissimo. C: Caligula, Cello und Chang Hong. D: Damenfinger, Die kleinen Mohren, Dicke Pflaume und Delicious Yellow. E: Eiszapfen schwarz, Elfenbein Ei, Elisabeths Kleine Orange. F: Fantomas, Fahrenheit Blues und Fleischwunder, G: Galapagos, Gelbe Birne, German Beefsteak. H: Hanakuinaru, Hicks Nepalese und Huberts Beste, I: Indian Reservation, Islandaise und Ivanhoe. J: Jack Johnson, Japanische Zwiebel und Joint, K: Kaiserin Sissi, Kathis Großes Herz, Kosmonaut Wolkow. L: Lemon Bush, Leningradskij Krupnoplodnji, Linda Ukrainian, M: Maiglöckchen, Malachitgrüne Schatulle, Midnight In Moscow, N: Nacht Am Wolgastrand, Nepasynkujuschsijsja Malinovy, Nesthäkchen, O:  O-La-La, Obelix, Onkel Gustav. 
 
P: Pamplemousse Du Grand Père, Paradiesapfel, Phrubtomfourtenzeroeighty, Q: Qianglimishou, Queen Of Hearts,  Quicky, R: Rakete, Redbull, Regina, S: Sahara, Santa Klaus, Scharlachroter Kürbis, Schlesische Himbeere, T: Tarzan, Ten Foot Large Red Pole, Tomatito De Jalapa. U: Umbraculiformis, Una Hartsock's Small Red, Ungarische Traube, V: Vater Rhein, Veni Vidi Vici, Volleyball, W: Wassermelone,  Weisnicht's Potatoe Leaf,  Weiße Schönheit, X: Xanthophyllic, Xenox, Ximena, Y: Yellow Pretty Much More, Yükselköy, Yoga, Z: Zamzam, Zarenglocke,  Zwergenwunder und Zzzchips. 
 
So, hat Euer Grübeln Früchte getragen? Nein, es geht nicht um Äpfel. Dass die Frucht, die Eva Adam zum Kosten empfahl, ein Apfel gewesen sein soll, ist mehr als umstritten. Denn anders als Martin Luther, der selbst an seinem letzten Tag noch ein Apfelbäumchen pflanzen wollte, lebten die Verfasser des Alten Testaments in Landstrichen, in denen es Feigen gab, aber keine Äpfel. Was rätst Du da, Du Pflaume? Bananen? Ja, habt Ihr denn alle Tomaten auf den Augen? Der erste Einsender der richtigen Lösung erhält eine Flasche zwanzig Jahre im Heizungskeller gelagerten Ketchup. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 924 vom 31. 8. 23

Wie sieht bei Euch eine typische Geburtstagsfeier aus? Fordert Ihr auch die Gäste auf, selbst etwas zur Verpflegung beizusteuern und feiert dann in Eurer Garage mit der Grillwurst "Besser schwarz als braun", Kartoffelsalat Aldi-Nord-Superior, in Holzfässern gereiftem Lambrusco und selbstgebranntem Eierlikör? Dann grenzt Ihr Euch auf erfreuliche Weise ab von ehemaligen und heutigen Diktatoren und Autokraten.
 
Gerade habe ich im lesenswerten Buch "Schattenzeit" von Oliver Hilmes über den Alltag und die Abgründe des Jahres 1943 in Deutschland erfahren, wie Reichsmarschall Hermann Göring am 12. Januar 1943 seinen 50. Geburtstag feierte, gerade zu der Zeit, als die Schlacht um Stalingrad mit dem Untergang der 6. Armee endete. Am Vorabend hatte Göring zu einer Galavorstellung ins Schauspielhaus am Gendarmenmarkt geladen, die von keinem geringeren als Gustaf Gründgens inszeniert wurde. Als Künstler sind u.a. Stars wie Heinz Rühmann, Theo Lingen, Gustav Knutz und Viktor de Kowa dienstverpflichtet worden. Im Foyer gab es Roastbeef-Häppchen und Champagner. 
 
Die eigentliche Feier fand in Görings bescheidenem Wohnhaus statt. Er hatte das ehemalige Preußische Handelsministerium in Berlin komplett umbauen lassen und einen Palast mit vier großen Säle geschaffen. Allein Görings Arbeitszimmer maß 140 Quadratmeter, ergänzt wurde die Anlage durch einen weitläufigen Park, ein Teehaus, einen Tennisplatz und ein Schwimmbad. 
 
Ja, daran kann man sie erkennen, die Tyrannen dieser Welt. Sie haben fast alle einen ausgesprochenen Hang zu Protzbauten und Luxus - irgendwie muss sich Macht ja auszahlen. Ob Putin, dessen Vermögen auf 180 Milliarden Euro geschätzt wird oder Erdogan, sie alle besitzen Paläste und prachtvolle Villen. Spitzenreiter ist ausgerechnet einer, dessen Volk die größte Not leidet: Kim Jong-un in Nordkorea. 
 
Die Tradition hat bereits sein Großvater begründet, Kim Il-Sung, der erste Staatschef von Nordkorea. Er ließ in den 1950er Jahren den Kumsusan-Palast errichten, der später als Mausoleum für seinen Sohn und Nachfolger Kim Jong-Il diente. Damit mochte sich jedoch der jetzige Regent Kim Jong-un nicht begnügen. Er verfügt allein in der Hauptstadt Pjöngjang über 13 prächtige Villen und Paläste, von denen der Ch'angkuwongsuan-Komplex der größte sein soll. Doch das reicht noch lange nicht aus. Übers Land verteilt besitzt der Diktator weitere palastartige Anwesen, zum Beispiel am malerischen See Hung-un ein riesiges Gebäude mit vierstöckigem Turm, das 21 000 Quadratmeter umfasst und damit viermal größer ist als das Weiße Haus in Washington. 
 
Vielleicht hat sich Kim Jong-un Saddam Hussein als Vorbild erkoren. Der frühere Oberst, der durch einen Putsch an die Macht kam, besaß im Irak mehr als 80 palastartige Anwesen, eines größer und prunkvoller als das andere. Und sein Lieblingspalast in Bagdad wies insgesamt 40 000 Quadratmeter aus und enthielt Kunstwerke aus aller Welt. Dennoch fühlte sich Saddam dort anscheinend nicht recht wohl - er hat darin nur sechs oder sieben Mal übernachtet. 
 
Liebe Schmunzelpost-Leser, ehrenwerte Demokraten! Wir sollten den Autokraten dieser Welt nicht mehr kampflos das Feld überlassen. Ich stelle mein Zuhause auf Maria Lindenhof für einen großflächigen, luxuriösen Ausbau zur Verfügung. Ab heute nehme ich dafür Spenden entgegen, bitte mindestens sechsstellig. Und die handwerklich Begabten unter Euch können sich per Mail melden und angeben, wann sie die Bauarbeiten in Angriff nehmen wollen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 923 vom 30. 8. 23 

Gestern hatte ich nach der Kehlkopfkrebs-Behandlung meine erste Kontrolluntersuchung. Ergebnis: Es sieht gut aus. Von Metastasen bisher keine Spur. Außerdem habe ich zehn Termine beim Logopäden verschrieben bekommen, damit das rechte Stimmband lernt, die Aufgaben seines weggelaserten linken Kollegen teilweise zu übernehmen. 
 
Insgesamt fühle ich mich gut und viel jünger, als ich es tatsächlich bin. Im Wartezimmer beim Arzt dachte ich unwillkürlich: "Junge, ganz schön viel alte Leute hier!" Bis mir bewusst wurde, dass ich ja selbst schon 70 Jahre auf dem Buckel habe. Aber, wie ich im Internet las, zählt in erster Linie ja das biologische Alter. Frohgemut wagte ich mich deshalb an einen Test, um herauszufinden, wie es da um mich bestellt ist. Wahrheitsgetreu habe ich alle Fragen beantwortet und war danach zuversichtlich, dass vor dem Resultat am Anfang eine 6, vielleicht sogar eine 5, stehen würde. Das tatsächliche Ergebnis: Rein biologisch betrachtet soll ich 74 sein! 
 
Mein erster Impuls war, mich an einen Anwalt meines Vertrauens zu wenden und einen Prozess wegen übler Nachrede anzustrengen. Doch damit wäre ja anderen Opfern von derartigen Fehleinschätzungen nicht geholfen. Ich werde nun einen neuen Test entwickeln, mit dem die Zuverlässigkeit von Testergebnissen zuverlässig überprüft werden kann. Allein dieser Vorsatz verlieh mir so viel Schwung, dass ich mich rein biologisch, aber voller Zuversicht, wie 63 fühlte.

Glückauf
kdk

Schmunzelpost 922 vom 29. 8. 23 

Ich bin ein Freund der bildhaften Sprache. Unter drei Voraussetzungen: Die Sprachbilder müssen inhaltlich passen, sie dürfen nicht im Übermaß verwendet und sollten korrekt wiedergegeben werden. Dann sind sie der Zucker in der Suppe.
 
Interessant zu erfahren, welchen deutschen Redensarten der Sprung in andere Länder gelungen ist. Oder wie sie sinngemäß ersetzt werden. So war ich erheitert, in der Süddeutschen Zeitung zu lesen, was Chinesen sagen, wenn sie nur Bahnhof verstehen: "Ni zai dui niu Tan qing." Lustig, nicht wahr? Ach so, ihr versteht nur Bahnhof. Das heißt "Du spielst Klavier vor einer Kuh."
 
Auch im Englischen gibt es schöne Beispiele. Let's not beat around the bush (nicht um den heißen Brei herumreden), sondern einige nennen. Wenn ein Brite meint, es wäre an der Zeit, Schlafen zu gehen, sagt er: "Hit the sack!" Dass ein Stubenhocker eine Couch potato ist, hat sich inzwischen auch bei uns eingebürgert. Aber nicht, was Engländer sagen, wenn sie beschreiben, dass sie etwas nur sehr selten tun: "I do it once in a blue moon.”
 
Schön finde ich auch, dass sie einen Baum anbellen, wenn sie auf dem Holzweg sind: "Barking up the wrong tree." Und wenn etwas gerade noch so geklappt hat, dann heißt es: “We won the match, but only by the skin of our teeth.” Dass Briten gern auf ihre stolze Tradition als Seefahrer-Nation zurückblicken, hört man, wenn für jemand auf der Insel der Zug abgefahren ist: "I missed the boat!" Hat Euch dieser Beitrag bisher gefallen und Ihr werdet nun auch die nächste Schmunzelpost auf jeden Fall lesen, dann sagt: Come rain or shine, I’ll do it!" Wenn Ihr aber noch unschlüssig seid, dann sage ich: “You can’t sit on the fence forever, you have to make a decision.” 
 
Call it a day. (Englisch für: Schluß für heute) 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Falls Ihr mal eine Redewendung benutzen wollt, die auf der ganzen Welt verstanden wird, dann sagt zu einem Tolpatsch, der alles vermasselt: "You play it like a Borusse!" Ein Chinese würde übrigens sagen: "Du spielst Klavier wie ein Hornochse!" 
 

 Schmunzelpost 921 vom 28. 8. 23

Schalke-Trainer Thomas Reis hat gegenwärtig alle Hände voll zu tun. Aber Journalisten sind findig. Da ich weiß, dass Reis Schlager liebt, gelang es mir, ihn nach dem Training mit voll aufgedrehtem Autoradio zu einem Exklusiv-Interview für die Schmunzelpost anzulocken. 
 
Herr Reis, vor allem die jüngste Heimniederlage gegen Holstein Kiel war bitter. Was ist Ihr Rezept, um den Rückschlag zu verdauen? 
 
R: Eisgekühlter Bommerlunder. 
 
Nachdem Sie in der letzten Saison trotz aussichtsloser Lage Schalke fast noch vor dem Abstieg gerettet hätten, galten Sie als unantastbar. Doch schon nach vier Zweitligaspielen beginnt das Murren. Was sagen Sie dazu? 
 
R: Wahnsinn! 
 
Was wünschen Sie sich bei der Vorbereitung für das nächste Spiel? 
 
R: Ein bisschen Frieden. 
 
Wann glauben Sie, kann die Wende zum Besseren eintreten? 
 
R: Irgendwann, irgendwo, irgendwie. 
 
In der Bundesliga hat ein Torwartwechsel geholfen. Fährmann ist wieder fit. Allerdings zeigt Marius Müller beständig gute Leistungen. Behält er seinen Stammplatz? 
 
R: Er steht im Tor und ich dahinter. 
 
Viele setzen große Hoffnungen auf Assan Quedreago. Bleibt er in der Startelf, obwohl er noch keine 18 Jahre alt ist? 
 
R: Mit 17 hat man noch Träume. 
 
Stand heute: Glauben Sie wirklich daran, dass es in dieser Saison noch etwas mit dem Wiederaufstieg in die Erste Liga werden kann? 
 
R: Wunder gibt es immer wieder. 
 
Und falls es schief geht, Schalke im Tabellenkeller landet und Sie gefeuert werden: Wo sehen Sie Ihre Zukunft? 
 
R: Ein Bett im Kornfeld. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 920 vom 27. 8. 23 

Au weh! Insgeheim hatte ich es schon befürchtet. Aber die ersten Pflichtspiele nach der Sommerpause wiegten mich in trügerische Sicherheit. Dabei hätte ich es angesichts des Kaders schon ahnen müssen: Schalke 04 steht auch in der 2. Liga vor einer schweren Saison. Hoffentlich bleibt uns ein Absturz in die Drittklassigkeit wie der von Arminia Bielefeld erspart. Immerhin lieferten mir die beiden letzten Niederlagen gegen allenfalls mittelmäßige Gegner die Vorlage für die heutige Schmunzelpost: Es geht um Pleiten, Pech und Pannen im Fußball. 
 
Wenigstens haben die Schalker in den beiden Spielen bloß drei Gegentore kassiert. Ein Erstligaspiel in Madagaskar hatte ein deutlich klareres Ergebnis. Am 31. Oktober 2002 verlor SOE Antananarivo gegen AS Adema mit 0:149. Wie das möglich war? Durch eine vom Trainer der Verlierer ausgegebene Taktik. Weil der Schiedsrichter ein paar Tage zuvor seiner Mannschaft durch eine umstrittene Elfmeter-Entscheidung die Chance auf die Meisterschaft geraubt hatte, befahl der SOE-Coach seinen Spielern, unmittelbar nach dem Anstoß den Ball ins eigene Tor zu befördern. Das klappte gut. 149 mal. Und die Gegner sahen amüsiert zu. 
 
Als das deutsche Team am 16. Mai 1910 im Länderspiel gegen Belgien unterlagen, gab es 146 Gegentore weniger. Die Deutschen verloren 0:3. Dennoch wurde die Niederlage als glimpflich empfunden. Der Grund: Es hatten nur sieben deutsche Nationalspieler rechtzeitig den Weg ins Duisburger Stadion gefunden. In der Not wählte der Bundestrainer vier Fans aus dem Publikum aus, die kurzfristig die Lücken im deutschen Team schlossen. 
 
Dass Doping auch im Fußball eine Rolle spielt, wird von den Spielern stets bestritten. Es geht aber auch ohne chemische Substanzen. Nach einer mittelmäßigen Vorjahrsleistung versprach der Sponsor des dänischen Erstligisten FC Kopenhagen, ein Pornofilmvertrieb, in der Saison 2008/2009 jedem Spieler für jedes gewonnene Spiel zwei Sexfilme. Das führte zu ungeahnten Höhepunkten und katapultierte die Mannschaft nach neun Siegen auf Platz zwei der Tabelle! 
 
Heutzutage mischen Ölmilliardäre gern im Fußballgeschäft mit und kaufen sich ganze Clubs, etwa in England und in Frankreich. Aber auch 1982 war bereits ein Scheich am Ball. Fahid al-Ahmad as-Sabah aus Kuwait reagierte beim Vorrundenspiel der WM stinksauer, als die Franzosen gegen seine Mannschaft in der 81. Minute auch noch das 4:1 erzielten. Er behauptete, dass ein Pfiff aus dem Publikum die Abwehrspieler Kuwaits kurz vor dem Torschuss irritiert hätte. 
 
Um dies dem Unparteiischen mitzuteilen, stürmte der Multi-Milliardär von der Tribüne auf den Platz und forderte Schiedsrichter Miroslav Stupar auf, den Treffer zu annullieren. Nach lautstarken Diskussionen und Beschimpfungen gab der russische Schiri schließlich nach. Wahrscheinlich war er an Weisungen von oben gewöhnt. Am nächsten Tag wurde der Schiri jedoch deshalb von der FIFA in die Wüste geschickt. 
 
Ich denke, Gelsenkirchen sollte sich rasch eine Partnerstadt in Saudi-Arabien suchen und ein paar Scheichs zu den Heimspielen in die Veltins-Arena einladen. Man weiß nie, wozu das mal gut sein kann. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 919 vom 26. 8. 23

Merkwürdige Dinge geschehen in diesen Tagen. Menschen mit großen Talenten stürzen vom Himmel, wobei es sich  nachweislich bei ihnen um keine Engel handelt. Und das Opfer einer geschickten Wahlmanipulation, ein wahrheitsliebendes tugendhaftes Vorbild für alle aufrechten Amerikaner, wird von seinen Feinden mit infamen Anklagen überzogen. Immerhin gibt es Hoffnung: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist es erlaubt, die Regierungsgeschäfte auch aus dem Gefängnis zu führen. Das hat man wohl von Mafiabossen und Drogenschurken abgeguckt. 
 
Und hierzulande gewinnt eine Partei immer mehr Zustimmung, die außer einem "wir sind dagegen!" ihren Wählern keinerlei Lösungskonzepte für die Probleme unserer Zeit anbietet. Im Gegenteil: Würden diese Wähler einmal in die Programme schauen und, zugegeben, das ist viel verlangt, auch noch ein wenig darüber nachdenken, dann müssten sie merken, dass deren Umsetzung ihnen empfindlich schaden könnte. Damit wir kein blaues Wunder erleben, ist zu hoffen, dass eine Frau, die hinter einem Pseudonym ihren tatsächlichen Bandwurmnamen versteckt, bei der nächsten Bundestagswahl antritt. Denn Frau Automobillandwirtschaftsgehilfe hätte als einzige das Zeug dazu das wahrzumachen, was ein CDU-Vorsitzender vollmundig versprochen hat - den Stimmenanteil der AfD zu halbieren! 
 
Vielleicht ist das ja überhaupt das einzig wirksame Rezept: Gift bekämpft man am besten mit Gift! Wenn Möchtegern-Despoten wie Netanjahu, Erdogan und Orban trotz allem, was sie auf dem Kerbholz haben, Wahlen erfolgreich bestreiten, wenn wohl auch die "polnischen Patrioten" mit ihrem Kasper an der Spitze sich nicht anders bremsen lassen, dann müssen wir ihnen Kandidaten entgegenstellen, die ihnen auf dem eigenen Feld das Wasser abgraben. 
 
Ich denke da an international bekannte Größen wie den FIFA-Chef Infantino. Solche Leute haben den Bogen raus! Und wie wäre es mit Elon Musk als Widersacher für Donald Trump? Mit Mark Zuckerberg wollte der Twitter-Boss ja bereits in den Ring steigen, um das Kräftemessen der Konzerne so zu regeln, wie das unter kernigen Kerlen üblich ist. Elon versus Donald in der Catcher-Arena - das Spektakel würde ich mir nicht entgehen lassen. 
 
Wenn aber weltweit die dunklen Mächte die Oberhand bekommen, dann hilft nur noch, den größten Bösewicht des Universums zu aktivieren. Vorbereitet durch eine weltumspannende Kampagne von Hollywood, Netflix und Google sowie eine Troll-Invasion im Internet wird es gelingen, ein sensationelles Comeback glaubhaft zu machen: Die Rückkehr von Darth Vader auf die Erde. Falls ein Darsteller mit passender Stimme gesucht wird: Im Interesse der Sache bin ich bereit. Möge die Macht mit uns sein! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 918 vom 25. 8. 23

Der NABU hat gestern bundesweit den großen Flauschangriff gestartet. Das hört sich gefährlicher an, als es ist. Der NABU, der einst aus dem Vogelschutzbund hervorging, informiert mit Podcasts über die bunte Welt der Vögel. Und die jüngste Folge ist den Federn gewidmet. 
 
Wusstet Ihr, dass Federn und Haare etwas gemeinsam haben? Das hat mich neugierig gemacht. Denn wenn ich es auch ablehne, mich mit fremden Federn zu schmücken - Perücke oder Toupet kommen für mich nicht in Frage - so wäre ich sofort dabei, wenn es der Wissenschaft gelänge, auf meiner Schädelplatte Federn sprießen zu lassen. Schließlich sollen vor vielen Millionen Jahren schon Dinosaurierarten vom Federschmuck profitiert haben. Nur gegen herabstürzende Himmelskörper konnte der Flaum nichts ausrichten. 
 
Doch wie und warum sind Federn entstanden? Muscheln, Schnecken, Fische und Reptilien kamen im frühen Stadium der Evolution gut ohne sie aus.  Lange nahm man an, die Federn hätten sich aus Hornschuppen der Saurier entwickelt. Das stellte sich jedoch als Irrtum heraus. Ein Wissenschaftler, Josef H. Reichholf, vertritt nun die Ansicht, Federn seien ein Abfallprodukt des Stoffwechsels. Sie seien ursprünglich gebildet worden, um Gifte und überflüssige Substanzen im Körper loszuwerden. 
 
Wie auch immer: Schnell stellte sich heraus, dass Federn, die wie die Haare von Säugetieren aus Keratin bestehen, vor Kälte schützen. Das war von großem Vorteil. Und je mehr Gefieder ein Lebewesen aufwies, desto größer waren seine Chancen, sich bei entsprechender Ausrüstung in die Lüfte zu erheben. Bis dahin war es aber ein weiter Weg. Nicht von ungefähr gibt es eine eigene Feder-Wissenschaft, die Plumologie. Sie beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Federarten und ihren Funktionen. 
 
Es gibt nämlich Konturfedern, die sich wiederum in Körper- Schwung-, Steuer- und Deckfedern einteilen lassen, es gibt Unterfedern, z.B. Daunen, und es gibt Spezialfedern. Weil diese Schmunzelpost sich federleicht lesen lassen soll, erspare ich Euch Einzelheiten. Aber zum Stichwort federleicht: Obwohl eine einzelne Feder kaum etwas wiegt, ist das gesamte Federkleid eines Vogels etwa doppelt so schwer wie sein Skelett! 
 
Warum wünsche ich mir Federn als Kopfbedeckung? Als Kind hat mir stets der Federschmuck der Indianerhäuptlinge imponiert, der macht ordentlich was her. Das träfe erst recht zu, wenn die Federpracht von selbst aus meiner Kopfhaut sprießen würde. Dazu kommt, dass ich mich wegen meiner Leidenschafts fürs Schreiben schon immer der Feder verbunden fühlte. Auch, wenn der Federkiel als Schreibwerkzeug längst von modernen Methoden verdrängt worden ist. Ich hoffe also auf die Fortschritte der Forscher. Und dann werde ich mit aller Kraft versuchen, zügig zu mausern. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 917 vom 24. 8. 23

Wenn es noch einer letzten Bestätigung bedurft hätte, dass ich nun zum alten Eisen gehöre, dann habe ich sie gestern Mittag bekommen. Da klingelte das Telefon. Es meldete sich die Verkehrspolizei: "Spreche ich mit Herrn Klaus-Dieter Krause? Ja? Dann habe ich eine wichtige Nachricht für Sie. Es geht um Folgendes. Ihr Sohn..." An der Stelle habe ich "Schönen Dank!" gesagt und aufgelegt. 
 
Immerhin hat der Betrüger mich trotz meiner derzeit brüchigen Stimme nicht so steinalt eingeschätzt, um mir einen Enkel unterzujubeln. Wahrscheinlich sollte ich mit einem Angehörigen im führerscheinfähigen Alter geködert werden. Gleich nach dem Abbruch des Gespräches habe ich bedauert, es nicht fortgesetzt zu haben. Gerne hätte ich die Geschichte gehört, mit der man mich hereinlegen wollte. Und vielleicht wäre es durch vorgetäuschtes Eingehen auf die Forderung auch noch gelungen, Kriminellen das Handwerk zu legen. 
 
 Na ja, beim nächsten Mal. Oder ich bin in ein paar Jahren derart gaga, dass ich allen Quatsch glaube. Und womöglich sind dann die Täter besser vorbereitet und haben mein Umfeld sondiert. Wer weiß, wie ich gestern reagiert hätte, falls folgende Drohung erklungen wäre: "Ihr Kater ist in unserer Gewalt! Wenn Sie nicht wollen, dass ihm etwas geschieht, dann legen Sie unverzüglich ein stattliches Lösegeld vor die Tür!" Ob tausend Tüten Whiskas wohl ausgereicht hätten? 
 
Eventuell könnte man die Entführer ja vertrösten: "Bitte rufen Sie übermorgen noch einmal an. Ich habe heute eine Mail bekommen, dass mir ein entfernter Verwandter aus den USA eine anderthalb Millionen Dollar in Form von Goldbarren vererbt hat. Ich muss bloß schnell noch 2000 Euro überweisen, damit der Transport organisiert werden kann." 
 
Außerdem habe ich gelesen, dass mittlerweile mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Abbilder seriöser Personen wie zum Beispiel von Tagesschausprechern genutzt werden, um Video-Botschaften zu übermitteln. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis man so auch Aufnahmen von Verwandten zum Sprechen bringt. Falls unser Kater sich per Film an mich wendet und sagt: "Lieber Klaus-Dieter, ich bin Dir doch bestimmt 1000 Euro wert, hol mich bitte nach Hause!", dann erkenne ich jedoch sofort, dass dies ein Trick ist. So gewählt würde der Kater sich niemals ausdrücken. Als echte Pottkatze würde er sagen: "Hömma, hau die Kohle raus, aber 'n bisken flott!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 916 vom 23. 8. 23

Während der letzten Tage habe ich am Bildschirm die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Budapest verfolgt. Was in den vergangenen Jahren alles über die Verwendung von Doping-Mitteln ans Licht gekommen ist, hat meine Begeisterung für die sportlichen Leistungen zwar erheblich getrübt, das Interesse aber dennoch nicht ganz verschwinden lassen. Nach wie vor nervt mich jedoch, wie sehr wir auf Medaillen-Ränge fixiert sind. Wenn jemand mit den Besten der Welt mithalten kann, finde ich das bewundernswert, egal, ob er oder sie nun Zweiter, Fünfter oder Neunter wird. Die Konkurrenz ist groß. Und sie wird immer größer, je mehr Staaten Sportler fördern und zu Wettbewerben entsenden. 
 
Fragwürdig ist für mich, warum ich als Europäer und Weltbürger ausgerechnet mit den Deutschen mitfiebere. Doch das steckt halt drin. An Erfolgen und Misserfolgen von Athleten meiner Stadt oder meines Lieblingsvereins nehme ich schließlich auch viel stärker Anteil, als am Abschneiden von mir unbekannten Startern aus aller Welt. Durch die Identifikation mit bestimmten Teilnehmern wird das Zuschauen erst richtig spannend. Das heißt nicht, dass ich die Leistungen von Lichtgestalten aus der ganzen Welt nicht würdige. 
 
Zu meinen persönlichen Favoriten gehören, wie Ihr wisst, die Finnen. Erst vor kurzem kamen hier ihre einfallsreichen Wettbewerbe zur Sprache. Nun frage ich mich, welche Disziplinen die Finnen wohl bei der Leichtathletik-WM einführen würden, wenn man ihnen freie Hand ließe. Bei den frühen Olympischen Spielen der Neuzeit müssen die Skandinavier bereits mitgemischt haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Medaillen im Sackhüpfen (1904 in St. Louis) und im Tabak-Weitspucken (ebenfalls 1904) vergeben wurden? 
 
Zuvor hatte es 1900 in Paris den Weitsprung zu Pferde gegeben. Und das Taubenschießen auf lebende Vögel. Dabei kamen 300 Tauben zu Tode, und die Disziplin wurde danach wegen der Proteste von Tierschützern abgeschafft. Ich vermute, dass nicht die Finnen sondern die jagdbegeisterten Briten hinter der Einführung gestanden haben. Sie waren es auch, die 1908 bei den Olympischen Spielen in London dafür sorgten, dass fürs Motorbootfahren Medaillen vergeben wurden. 
 
Völlig unbegreiflich ist für mich, dass von 1984 bis 1992 mein absoluter Lieblingwettbewerb, das Synchronschwimmen  (gääähn), um das Solo-Synchronschwimmen erweitert wurde. Dabei ging es in Ermangelung von Partnern nicht darum, sich  exakt wie die Teamgefährten zu bewegen, sondern die eigenen Arme und Beine in Einklang zu bringen. Hä? Also, wenn da nicht Finnen dahinter steckten, fresse ich einen Besen. 

 

Besen verschlucken?`Das wäre tatsächlich eine Disziplin, die durchaus ein Finne ins olympische Programm einschmuggeln könnte. In Anbetracht der finnischen Wetterlage würde es jedoch vermutlich um das Vertilgen von Schneebesen gehen. Auch ein Hürdenlauf, bei dem die Sportler unter den Hindernissen durchschlüpfen müssen, wäre vorstellbar. Dabei müsste auch ein 20 m breiter Wassergraben durchschwommen werden, wobei die Wassertemperatur muckelige fünf Grad nicht übersteigen dürfte. 

 

Früher waren Finnen bei Mittel- und Langstreckenläufen sehr erfolgreich. Ich sage nur: Paavo Nurmi! Mittlerweile haben ihnen die hochland- und dopingbegünstigten Kenianer den Rang abgelaufen. Um die Chancengleichheit wiederherzustellen, sollten daher alle Starter über die 1500 Meter-Strecke ein Rentier schultern. Die schwedischen Vorschläge zur Einführung eines Elch-Rodeos und des extrem anspruchsvollen Wettbewerbs, möglichst schnell die IKEA-Schrankwand "Stört Omöjligt" ohne Gebrauchsanweisung zu montieren, haben die Finnen übrigens abgelehnt. 

 

Glückauf 

kdk 

Schmunzelpost 915 vom 22. 8. 23 

"Die Fischerin vom Bodensee ist eine schöne Maid, juche!" Und "das alte Försterhaus hat Freud und Leid gesehen". Das waren Hits, die ich mal sehr gemocht habe. Mit deutschen Schlagern bin ich groß geworden. Und weil im Fernsehen und Radio kaum etwas anderes lief - Oper und Klassik mochten weder meine Eltern noch ich und da meine Schwestern auszogen, als ich gerade mal drei Jahre alt war, kam mir Rock'n Roll damals nicht zu Ohren - so war Schlagermusik der Soundtrack meiner Kindheit.
 
Folgerichtig sparte ich monatelang, um mir meine erste Single zu kaufen. "Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut" von Billy Mo sollte es sein. Doch als ich endlich genug Geld zusammen hatte - fünf Mark, bei einer Mark Taschengeld im Monat eine Riesensumme - hatte Billy Mo längst eine neue Single am Start. Aber auch "Muss ein Seemann schwimmen können?" hat mich entzückt. Erst mit zwölf kam die radikale Wende, als der Beat den Schlager vom Thron stieß und rigoros aus meinem Geschmackszentrum jagte. Von da an war diese Form der deutschen Naserümpf-Musik für mich verpönt. 
 
Das hat sich erst vor ein paar Jahren ein bisschen abgeschwächt. "Marmor, Stein und bricht", "Ich sprenge alle Ketten" und "Schön war die Zeit" konnte ich plötzlich ohne Widerwillen hören und erwischte mich sogar dabei, dass ich "Schuld daran war nur der Bossa Nova" mitsummte. Deshalb ließ ich mich am letzten Sonntag überreden, eine Veranstaltung im Gemeinschaftshaus Wulfen zu besuchen, in der für stolze 17 Euro Eintritt Schlager aus den 50er und 60er Jahren live präsentiert wurden. 
 
Doch schon nach den ersten Takten merkte ich, dass ich einen furchtbaren Fehler begangen hatte. Das lag nicht allein an der Titelauswahl. Vielmehr erinnerten mich der Schlagzeuger und der Keyboard-Spieler an die Hobbymusiker, die früher schon Hochzeitsfeiern und größere Familienfeste für mich zur akustischen Tortur gemacht hatten. Und die Sängerin hatte zwar eine an der Musikhochschule ausgebildete Stimme, die aber meist nicht zu den auswählten Liedern passte und mir unangenehm in den Ohren schrillte. In der Pause nutzte ich die erste Gelegenheit zur Flucht. 
 
Dennoch möchte ich dem frühen deutschen Schlager kein Unrecht tun. In den zwanziger und dreißiger Jahren gab es pfiffige Gassenhauer mit originellen Texten und einprägsamen Melodien. "Mein kleiner grüner Kaktus" ist allgemein bekannt. Aber erinnert Ihr Euch noch an "Mein Papagei frisst keine harten Eier" oder "Was will der kleine Meier auf dem großen Himalaya?" 
 
Beim Wühlen in der Vergangenheit bin ich auf einen Text gestoßen, der schon 1922 zeigte, dass Frauen, auch älteren Jahrgangs, alles zuzutrauen ist: 
 
Alle Welt fährt gern Motorrad, Tanten, Nichten, Basen
Schwiegermütter, Opapa sieht man heute rasen.
Doch wenn meine Oma fährt auf dem Motorrädchen,
Dann sagt die ganze Welt: Nanu? Dieses alte Mädchen? 
Meine Oma fährt Motorrad ohne Bremse, ohne Licht.
Ihre Hupe ist gestohlen und der hint´re Pneu nicht dicht.
Ihr Benzintank leckt bedenklich und der Auspuff knallt und kracht.
Aber lustig fährt die Oma durch die laue Sommernacht. 
 
Und wenn sie nicht gestorben ist, dann fährt sie womöglich noch heute. Und singt dabei alte Schlager. Schade, dass ich ihr nicht auf der Rückfahrt aus Wulfen mit dem Rad begegnet bin. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 914 vom 21. 8. 23  

Wie Ihr wisst, mag ich die Finnen. Es ist bewundernswert, dass dieses Völkchen trotz der langen dunklen Winter am Polarkreis stets auf einem Spitzenplatz bei der Suche nach den glücklichsten Menschen der Welt landet. Liegt das an der Vorliebe für Tango? An der vertrackten, geistig herausfordernden Sprache? An der finnischen Sauna? Oder am Suff? Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus alledem und anderem. Zum Beispiel dem ausgeprägten Sinn der Finnen für schrägen Humor und skurille Sportarten.
 
Dass die Finnen Weltmeisterschaften im Handy-Weitwurf, im Frauentragen, im Mückenerschlagen und im Luftgitarrespielen ausrichten, war mir bereits bekannt. Nun ist eine neue Weltmeisterschaft hinzu gekommen: Die WM im Bäume-Umarmen. Aber wie spielt sich das ab? 
 
Dass man Zählen kann, wer in einer bestimmten Zeitspanne die meisten Bäume herzt, ist klar. Das nennt sich "Speed-Hugging". Gewonnen hat, wer in nur einer Minute die größte Zahl von Bäumen umarmt. Doch wie werden die Sieger in den Kategorien "Hingabe" und "Freestyle" ermittelt? Dabei ist alles erlaubt, solange es im familienfreundlichen Rahmen bleibt. 
 
Beim "Freestyle" werden wohl artistische bis tänzerische Leistungen im Vordergrund stehen. Aber ich frage mich, was die Jury in der Kategorie "Hingabe" bewertet. Den verzückten Gesichtsausdruck der Baumdrücker? Die größte Steigerung ihres Pulsschlags? Oder die Zahl der Eicheln, die ein Laubbaum während der Umarmung abwirft? Und ist es ein schlechtes Zeichen, wenn eine Tanne nadelt, weil sie gedrückt wird? 
 
Nicht erst seit Förster Wohlfahrt wissen wir, dass Bäume clevere Wesen sind. Vielleicht nutzt es da, wenn man, wie es bei Zimmerpflanzen, Gemüse und Blumen hilfreich sein soll, mit ihnen spricht. Doch bei der Wortwahl gilt es, vorsichtig zu sein. Demokratisch gesonnene Eichen schätzen es gar nicht, wenn man ihnen vorsäuselt, eine stolze deutsche Eiche sei hart wie Kruppstahl. Auch hören sie es nicht gern, wenn behauptet wird, bei Gewitter solle man Buchen suchen, aber Eichen meiden. Dem Tannenbaum hingegen sträubt sich das Gefieder, wenn ihm vorgesungen wird: "Oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter." 
 
Und da wir uns in einer Zeit befinden, wo jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, sollten wir Formulierungen meiden, die sexistisch gefärbt sein könnten. Damit scheidet: "Du hast ordentlich Holz vor der Hütte" schon mal grundsätzlich aus. Aber auch bewundernde Sätze wie "Was hast Du für große Zapfen!" oder "Deine Nüsse lasse ich mir auf der Zunge zergehen" können zum Bumerang werden. Spätestens, wenn dem Schmeichler reflexartig Totholz auf den Schädel donnert, weiß er: Diese Bäumin ist feministisch! 
 
So, es wird Zeit, den Finnen ihr Monopol streitig zu machen. Ich rufe jetzt eine neue Weltmeisterschaft aus: Wer schafft es, 1000 Schmunzelpost-Beiträge zu lesen und trotzdem seine geistige Gesundheit zu bewahren? Kinderleicht? Nein. Es gibt eine Bedingung: Ihr müsst die Texte vorher ins Finnische übersetzen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 913 vom 20. 8. 23

Nein, die heutige Schmunzelpost hat nichts mit meiner Krebsdiagnose zu tun. Ich hatte schon lange vorher eine Vorliebe für schwarzen Humor. Und so konnte ich nicht widerstehen, als mir der angeblich vom Sensenmann persönlich verfasste Schwarze Kalender und der Gedichtband "Lebhaft im Abgang" von Frank Klötgen in die Hände fielen. Ich habe die beiden Werke erstanden und präsentiere Euch jetzt ein paar Kostproben. Zusammengestellt an einem klebrigheißen und schwülen Tag, der auch noch Blitz und Donner bringen soll - was ganz gut passt, finde ich. 
 
"Liebe noch lebende Seele" wendet sich zu Beginn des Kalenders der Tod an seine jetzige Leser- und baldige Kundschaft, wobei die Betonung auf "noch" liegen dürfte. Denn, wie er am 13. März mitteilt: "Mein Job bringt dich noch ins Grab." Und auch die Aussage vom 25. September entlockt mir ein Grinsen: "Verletzt euch dieses Jahr nicht mit Worten. Nehmt Messer." Als Freund des Rebensafts stimme ich auch dem Spruch vom 20. August zu: "Der Tod ist wie ein guter Wein. Seine Qualität erkennt man erst beim Abgang." 
 
Was für eine elegante Überleitung zum Buch "Lebhaft im Abgang", das tödliches und tröstliches in 200 Gedichten enthält. Es beginnt mit "Höhenwandrers Nachtlied": 
Über allen Gipfeln ist Ruh. Da in der Steilwand, das bist Du! 
 Man höret nur dein jähes "Huuuch?" So schnell kann's gehen - guten Flug! 
 
Und nach meinen Erlebnissen mit der Bahn kann ich das kleine Gedicht "Unnötig Altern" sehr gut nachvollziehen: 
 Jede Warteminute im reiferen Alter ist ein höh'rer Prozentsatz an Restlebenszeit. 
 "Wat is'n jetz?", keift deren Nutzungsverwalter bei jeglichem Reifen von Unpünktlichkeit. 
 Wem die Lebenszeit abläuft, muss im Zwangslauf sich sputen. Ist berechtigt zur Wut über Warteminuten. 
 
Noch ein Letztes: "How to droh the Rhododendron". Bitte laut lesen. Und anschließend vorsichtig die Zunge wieder entknoten: 
Da der Dodo (oder die Dronte) den Rhododendron nicht roden konnte, rode Du den Rhododendron! 
Oder droh ihm mit Rodung in rohem Ton! Dann dröhnt bald jeder Drohnenrotor wie 'ne rododendronische Todesschwadron. 
 
Das waren drei von zweihundert Gedichten. Für meinen Geschmack hätte die Ausbeute größer sein dürfen. Frank Klötgen kann Fritz Eckenga und erst recht Robert Gernhardt nicht das Wasser reichen. So wie Du reimen, lieber Frank, das kann ich auch. Also versuche ich mal spontan, einen Reim aus dem Ärmel zu schütteln. Was nicht einfach ist, weil ich ein T-Shirt trage. 
 
Das Ende ist nah 
 
"Das Ende ist nah!" sprach einer von Jehovas Zeugen - und musste sich dem Schicksal beugen. 
Das Ende ist da - erst wurde er blass, dann wurde er rot und am Ende war er tot. 
Das Ende war nah - so ein Abgang ist nicht schlecht, hast Du mit Sterbenswörtchen recht! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 912 vom 19. 8. 23 

Gestern haben wir einen neuen Versuch gestartet, unser Deutschlandticket für einen Museumsbesuch in einer anderen Stadt zu nutzen. Mit vielversprechendem Start. Der Zug nach Wanne-Eickel war sogar pünktlich, und auch der Anschluss nach Bochum funktionierte. Dass das nicht für die Klimaanlagen zutraf - Schwamm drüber!
 
Der Haken steckte diesmal anderswo. Als wir im Bochumer Kunstmuseum eintrafen, hieß es: "Unsere ständige Sammlung ist leider vorerst geschlossen. Wir können auch nicht sagen, wann sie wieder zugänglich sein wird - der Krankenstand ist einfach zu hoch! Rufen Sie am besten vorher an", sprach der Mann an der Kasse voller Bedauern. Wie das erst im Winter werden soll, wenn schon im Sommer so viele Mitarbeiter krank sind? "Da habe ich ehrlich gesagt auch schlimme Befürchtungen!" 
 
Liebe Bahn, Du bist also mit solchen Problemen nicht alleine. Wenigstens hat Bochum noch andere Attraktionen zu bieten. Zum Beispiel einen sehr schönen Stadtgarten und ein Cafe auf dem Dach eines fünfstöckigen Textilhauses, das von der traditionsreichen Konditorei Wiaker betrieben wird. Gut gestärkt, aber auch durchgeschwitzt, weil die Temperatur sich an die 30-Grad-Marke heranrobbte, erreichten wir am späten Nachmittag wieder den Bahnhof. 
 
Und wenn anderswo Pannen auftreten, muss die Deutsche Bahn natürlich mitmischen. "Der RE 46 über Wanne-Eickel fällt heute aus", verkündete um 17 Uhr der Lautsprecher. Der Grund dafür? Nein, kein zu hoher Krankenstand, diesmal sind es Gleisbauarbeiten gewesen. Warum die mittags den Zugverkehr noch nicht behindert hatten, aber nun nach 17 Uhr zum Bremsklotz wurden, bleibt das Geheimnis der DB. Die verfügt ohnehin über ein großes Spektrum an Begründungen. Wie wir mithörten, hatte die Regionalbahn auf dem Nachbargleis über 30 Minuten Verspätung, weil sie erst die Durchfahrt eines anderen verspäteten Zuges abwarten musste. 
 
Nun ja, ich war auf so etwas vorbereitet. Ich hatte ein Taschenbuch mit Kurzgeschichten von Susanne M. Riedel dabei. Die Berlinerin beweist, dass gegenwärtig immer mehr Frauen dabei sind zu zeigen, dass sie mindestens ebenso witzig sein können wie ihre männlichen Kollegen, die nach wie vor den Humormarkt dominieren. Wahrscheinlich spielt im Falle Riedel eine Rolle, dass es in Berlin viele Lesebühnen gibt. Dies ermöglicht Autorinnen wie Autoren ihre Talente zu entfalten und dient auch als Sprungbrett zu Buchverlagen. 
 
Die Lektüre von Susanne M. Riedel wird von Elke Heidenreich, Horst Evers und nun auch von Klaus-D. Krause empfohlen. Der Titel ihres Buches lautet "Ich hab mit Ingwertee gegoogelt" - Achtung, Sprachwitz! Frau Riedel, Anfang fünfzig, ist erfrischend selbstironisch. In "Gassi mit dem Schweinehund" beschreibt sie ihren Versuch, ihre Lieblingsbadestelle an einem Berliner See statt am frühen Vormittag am Nachmittag aufzusuchen. 
 
"Menschenmassen, so dicht wie dicht, blasse alte Säcke mit roten Köpfen - also quasi Berliner Weiße, rot - grölen jungen Bikinischöheiten hinterher, und man kriegt so eine Ahnung, wofür das Wort 'hochnotpeinlich' erfunden wurde. Bei Getreide sprechen die Bauern von 'Notreife'. Nochmal kurz alles rauslassen, was man hat, bevor es bald vorbei ist. 'Komm zu Papa, Zuckerschnecke', rufen sie und klopfen sich auf die Schenkel. Wenn ich an ihnen vorbei muss, überlege ich mir vorher passende Antworten, komme aber nie zum Zuge. Sie lassen mich kommentarlos passieren. Wenn ich etwas noch mehr hasse als sexistische Deppen, dann sind es altersdiskriminierende sexistische Deppen'." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Und da dies ja eine pannenreiche Schmunzelpost ist, noch eine Frage: Wisst Ihr, wo sich in Eurem Haushalt eine Pumpensumpfdichtung befindet? Nein? Das hat Susanne M. Riedel auch erst herausgefunden, als ihre Geschirrspülmaschine streikte. Und sie lernte gleich noch ein vorher unbekanntes Wort: Überwurfmutter. Ich gebe zu, die hätte ich eher auf der Judo-Matte vermutet.  

 

 Schmunzelpost 911 vom 18. 8. 23

Habt Ihr Lust, Euch nochmal mit der sächsischen Mundart zu beschäftigen? Nein? Na gut, dann wenden wir uns heute den sprachlichen Besonderheiten von Sachsen-Anhalt zu. Nein, keine Sorge, war nur Spaß. Stattdessen geht es um einen Sprachraum, der ein bisschen weiter entfernt sind - die Philippinen. 
 
Dabei gibt es ein Problem. Auf der asiatischen Inselgruppe gibt es nämlich mit mehr als 170 verschiedenen Sprachen eine weit größere Vielfalt, als sie die deutschen Dialekte zu bieten haben. Solche Informationen bekommt man bei Wikipedia. Dieses digitale Nachschlagewerk, das von etlichen Millionen Menschen rund um den Globus gespeist, aktualisiert und überprüft wird und das Milliarden Wissbegierige nutzen, ist einer der größten Pluspunkte des Internets.
 
Doch wo leben die Lieferanten, die versuchen, Wikipedia auf den neuesten Stand zu bringen und die Wissenssammlung dauernd erweitern? Im August 2020 hatten sich fast 2,5 Millionen Deutsche mit neuen Einträgen oder Ergänzungen engagiert. Damit sind wir guter europäischer Durchschnitt. Mit dabei waren auch 1,4 Mio Polen, 1,6 Mio Italiener und 2,2 Mio Franzosen. In den Schatten gestellt wurden sie durch 2 Millonen Mitwirkende, die niederländisch sprechen, wobei es ja wesentlich weniger Holländer als Deutsche gibt. So ein Einwohner-Ungleichgewicht gilt erst recht für Schweden, das trotzdem sogar 3,7 Mio Einträge beisteuerte. Fast kläglich wirken da die 6,1 Millionen englischen Artikel, weil dies außer in Großbritannien und Irland auch die Muttersprache der US-Amerikaner und vieler Kanadier, Australier und Neuseeländer ist. 
 
Die eigentliche Überraschung folgt jetzt: 5,4 Millionen Einträge wurden auf Cebuano verfasst! Das ist die zweithäufigste Sprache auf den Philippinen, die von rund 20 Millionen Menschen gesprochen wird. Noch Fragen, woher wahrscheinlich der nächste Einstein kommt? Oder die neue Einsteinin?
 
Merkwürdigerweise findet man über die Schmunzelpost noch keinen Wikipedia-Eintrag. Für den- oder diejenige, die dies fertigbringen, gebe ich einen aus. Oder muss ich auf den Phillipinnen um Hilfe bitten? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 910 vom 17. 8. 23

Ein weiteres Mal möchte ich Euch heute in den Freischdahd Saggsn entführen. Ich hoffe, Ihr findet das nicht meschugge (verrückt), sondern bomforzinös (großartig). Den Ausschlag gab eine Mail von Martin, die gleich drei Beiträge zu diesem Thema enthielt. 
 
Zunächst hat Martin eine Frage, die wohl nur Schmunzelpost-Leser aus dem Stand beantworten können, die das große Sachsinum haben. In welchem sächsischen Satz kommen Dresden, Leipzig und Chemnitz vor? Natürlich gilt nicht so etwas Banales wie "Ich war schon mal in Dresden, Leipzig und Chemnitz." Lösung: "Mei Vadder hat'n Schnurrbart. Dräsdn linksrum, dräsdn rechtsrum - blääbtzsch gleich; gemm nitzt och nix!"
 
Ja, die Sachsen sind erfinderisch. Aber nicht nur, was die Sprache betrifft. Wer angenehm aus dem Munde riecht, hat das vielleicht einem sächsischen Patent zu verdanken - 1892 wurde das Mundwasser Odol erfunden. Und weil man das Übel besser an der Wurzel packen sollte, erfanden die Sachsen 1907 auch noch die Zahnpasta! Den Frauen machten sie 1899 durch den ersten BH mit verstellbaren Trägern das Leben leichter. Und Melitta Bentz haben Kaffeetrinker viel zu verdanken. Melitta? Richtig! Frau Bentz erfand 1908 die erste Kaffee-Filtertüte. 
 
Wieder zurück zu Martin. Mit einem praktischen Beispiel erklärt er, warum Sachsen und Berliner, die sich auch sonst nicht immer grün sind, oft aneinander vorbeireden. Sachse zum Berliner: "Rääsche wermer griesche!"  Berliner: "Ja Männeken, det weeß ick oooch, det die nich hippen!" Seid Ihr inzwischen sprachlich soweit, dass Ihr sofort versteht, wo das Problem liegt? Wenn nicht, die Auflösung findet Ihr unter PS. 
 
Zunächst nochmal was zum Staunen. Nämlich sächsische Superlative. Wusstet Ihr, dass die erste Ampelfrau der Welt in Zwickau den Straßenübergang regelte? Ja, im Osten war es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau schon vor Jahrzehnten besser bestellt als im Westen. Und auch kulturell hat Sachsen viel zu bieten. Man lese und staune: Mit 15 000 Objekten ist Leipzig die Stadt mit den meisten Kulturdenkmälern in ganz Deutschland. Dabei handelt es sich zum größten Teil um Gründerzeit- und Jugendstilpaläste. 
 
Und noch eine Quizfrage: Welches Kulturdenkmal steht in Chemnitz, ist 13 m hoch und wiegt 40 Tonnen? Der Kopf von Karl Marx! Dabei handelt es sich um die zweitgrößte Porträtbüste der Welt. Nur der Lenin-Kopf in Ulan Bator ist noch 60 cm größer. 
 
Zum Schluss noch ein Küchentipp von Martin. Er deutet daraufhin, dass die Sachsen bei der Sparsamkeit mit Genussmitteln sogar den Schotten überlegen sind.  "Wie macht die gute sächsische Hausfrau den berühmten sächsischen 'Bliemschngawwee' (Blümchenkaffee, der so dünn ist, dass man die Blümchen auf dem Tassenboden sieht)? Sie nimmt einen dünnen, vergoldeten Handbohrer, bohrt in eine Kaffeebohne ein Loch und hängt sie an einem Bindfaden ins Fenster. Dann füllt sie eine Kanne mit heißem Wasser und stellt sie so auf die Fensterbank, dass der Schatten der Bohne auf das Wasser fällt." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Na, nicht dahinter gekommen? Der Berliner hat herausgehört, dass Regenwürmer kriechen, was, weil sie nur selten hüpfen, für ihn selbstverständlich ist. Der Sachse aber sagte voraus: "Regen werden wir kriegen"! 

 

 Schmunzelpost 909 vom 16. 8. 23

Wiederholt habe ich an dieser Stelle über die Selbstgespräche meines betagten Nachbarn berichtet, Dialoge, die Herr K. gern auf seinem Balkonmit sich führt. Dabei hatte ich mitunter den Verdacht, dass auch er seine Ohren spitzte, wenn ich auf der Terrasse etwas von mir gab. Der Verdacht ist nun zur Gewissheit geworden. Hört zu: 
 
"Hömma, Karl, weisse dat Neueste? In unsre Häuskens gibbet et ein Lauschorgan vonne Neo-Nazis! Da bisse platt, wat? Woher ich dat weiss? Siehsse, Karl, wir ham doch schon ewich vermutet, dat der olle Krause von unten mitschreibt, wat wir zwo beide hier draußen vertellen. Is ja nich weiter schlimm, weil ich nur kluge Sachen sach. Aba wenn dat wie unter Adolf gesammelt wird, damit se uns ein Strick draus drehn können, dann hört is Schluss mit lustich! Wat meinze? Wie ich spitz gekriecht hab, dat der Krause son rechten Vogel is? Dat kann ich Dich erklärn. 
 
Die letzte Zeit war et zwar zum Mäusemelken - wie dat geht, erklär ich Dich ein andermal - weil der Kerl wegen sein Kräbbs ersma ganix mehr sachte und dann nur am flüstern dran war. Also hol ich mein Hörgerät ausse Schublade und kann verstehen, wat der die ganze Zeit am Sabbeln is. Hömma, der telefoniert mit seine Kommandozentrale in Sachsen. Da hat der Höcke seine neue Gestapo-Keimzelle. Nirgenzwo gibbet et so viele AfD-Wähler wie inne Ecke hinta Pirna anne Elbe. Ich sach nur: Bad Schandau! 
 
Erst hab ich gedacht, dat wär Chinesisch oder Kusiaheli, wat der da babbelt. Dann hab ich geglaubt, dat wär ein Geheim-Kot und hab dat aufgeschrieben. Und wat soll ich sagen: Da fiel et mir wie Schuppen vonne Äugskes - dat war Sächsisch! Du musst wissen, Karl, Sächsisch, dat is keine Sprache, dat is ein Vergehn anne Menschheit. Weisse, dat sind die, die da bei ihre Montagsdemos imma so laut plärrn: "Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!" Und dann wollense, dat alle, die hier internegiert werden wolln, erst ein Deutschtest bestehn müssen. Die sollen selbs so ein Test mitmachen! Dann is nämlich zappenduster. Dann heißt et: Sachsen raus! 
 
Hömma, wat der Krause geblubbert hat: "Mr guggd mid abgeglärdn Oochn uff die veriggdn Mänschheedswoogn." Ich will Dich dat mal übersetzen: "Die Menschheit ist balla balla, nur ich bin aufm Kiwif!" Oh, die sind raffineriert, die Sachsen und die Rechten! Die wissen, dat der Verfassungschutz mithört. Aba die Jungs vonnen Staat sind nich besonders helle, die verstehn bloß Bahnhoff, weil die geheimen Botschaftn verschlüsselt sind. 
 
Wenn der Krause sacht: "Soll 'ch dn Schärm mitnehme, Adolf?" Und er als Antwort kricht: "Gucke bloß ämal hinten zum Gichenfenster 'naus, da gommt's gohlbächrabenschwarz nuffgegrochen." Dann heißt dat: "Pass bloß auf, wat Du sachst! Der Herr K. sitzt Dir im Nacken!" Wat sachst Du, Karl? Du glaubst, der Krause hat bloß laut aussem Büchsken gelesen? Ich red mich dat alles bloß ein? Der is gakein "Gugucksee" aussem Osten? Und ich müsst selbs Bammel ham, wennze mit mich son Deutschtest machen täten? Hmm. Gehn wir ersma ein Trinken, Karl, da muss ich in Ruhe über nachdenken." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 908 vom 15. 8. 23 

Immer wieder heißt es, dass viele Leute dem sächsischen Dialekt nichts abgewinnen können. Er gehört in weiten Teilen Deutschlands neben dem Schwäbischen zu den unbeliebtesten Mundarten. Das kann ich nicht nachvollziehen. Alle regionalen Dialekte haben ihre Reize, und gerade der sächsischen Sprachmelodie lausche ich gerne. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich nur von Geburt ein Westfale bin. Die Familie meiner Mutter stammt aus Pommern, die meines Vaters hat ihre Wurzeln in Sachsen.
 
So habe ich auf dem Raesfelder Büchermarkt nicht lang gezögert und für einen Spottpreis das Büchlein "'s war ämal" von Lene Voigt erstanden. Es wurde 1988 noch vor der Wende in Leipzig gedruckt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die kleinen Geschichten und Gedichte machen Spaß, vor allem, wenn man sie laut liest. Kostproben gefällig? Hier ist ein kleines Gedicht über eine angeblich eingebildete Filmschauspielerin. Zum Eingewöhnen für Auswärtige: "Giendopp" bedeutet Kintopp, also Kino. Und ein "Bindschr" ist ein Pinscher.
 
Schmidts Baula guggd uns nich mähr an, seid se bein Giendopp is.
An die gann geenr von uns ran, was Schigg bedriffd un Schmiß.
Nadierlich drähchdse 'n Bibigobb, de Schäre nahm dn Bammlezopp.
An jedn Ohr hängd inne Bärle, damid bezabrd se de Gärle.
Ä änges Räggschn bis zum Gnien umschbannd de underen Bardien.
Un wo se schdehd und wo se dridd, schläbbd se ä gleenen Bindschr mid.
Där had 'ne griene Schleefe um und glodsd blassierd ins Bubligum.
 
Und so könnte sich ein Treppengespräch zwischen meinen Vorfahren und deren Nachbarn angehört haben:
 
De vornähme Verwandtschaft
 
"Was dänkense denne iberhaupt, wen Se vor sich hamm, Frau Krause? Ich bin nämlich aus änner sähre guden Familiche. Mir hamm Schticker drei Doktersch in dr Verwandtschaft drinne, jewohl! Da gucken Se nadierlich, weil Se sich das nich vermut hamm von unsereen. Was mei eener Schwaacher is unten in Närnbach, där hat sogar dn Dittel Sanidadädsrat!"
"Wenns weiter nischt is, Frau Nachbarn. Dadrfier hamm mir ä richtchen Brofesser driem in Schles'chen hoggen. Bei dän gomm de Leite von ganz weit här mits echne Audo zur Gonsulazion mitn Niern un so. Un von mein Männe ä Großnäffe, där hat jetz gärzlich ä Dibblom als Schiffsinschenniär gegricht. Das is wohl nischt, heh?"
"Nu ja, da siddmersch ähmd, daß mir alle beede aus bässern Greisen schtamm. Un da hammer gewissermaßen ooch änne Verpflichtung geechenander. Ich meene, daß mer uns manchesmal so anbläken wäächen dr Dräbbe oder um dn Drockenboden, das is ja garnich schtandesgemäß fier uns alle zweeä. Meense das nich sälwer?"
"Recht hammse, ä gleenes häbbchen mähr Behärrschung gann uns allen beeden nischt schaden. Awer isses nich gud, daßmer ämal uff das Dema gegomm sin? Jetz hammer doch ärscht de richtsche Distanks vöränander gegricht, heh?"
 
Ei verbibsch!
kdk

 Schmunzelpost 907 vom 14. 8. 23

Ein nostalgisches Wochenende liegt hinter mir. Am Samstagabend gab sich "Birth Control" die Ehre. Die Krautrock-Band der ersten Stunde spielte quasi vor meiner Haustür, bloß 250 Meter entfernt im Bürgerpark Maria Lindenhof. Allerdings war nur noch ein Gründungsmitglied dabei. Und es löst seltsame Gefühle in mir aus, wenn ich sehen muss, dass der Zahn der Zeit die Idole meiner Jugend nicht verschont hat. Bei Blues-Ikonen mag das angehen. Doch wenn ein Sänger, der allmählich auf die 80 zugeht, seine langen grauen Haare schüttelt, die fast bis zum Po reichen, kriege ich Probleme. Mir fällt dann stets die Haarfarbe "friedhofsblond" ein. 
 
Mein erstes Live-Konzert mit einer skandinavischen Band, deren Namen ich vergesse habe, erlebte ich 1966 im Jugendheim Lünen-Süd als 15-Jähriger. Nur drei oder vier Jahres später stand dann bei einem Deutschrock-Festival "Birth Control" auf der Bühne. Noch heute besitze ich zwei Langspielplatten der Gruppe, meines Wissens die erste und die zweite, die sie herausgebracht haben. Eine davon hatte eine runde Hülle, die der Monatspackung von Anti-Baby-Pillen nachempfunden war. 
 
Während in der Blütezeit der Beatmusik bei uns die Rattles und die Lords hin und wieder Hitparaden-Plätze ergattern konnten, hatten es die frühen Deutschrock-Bands schwer. Außer Birth Control waren Ende der 1960er-Jahre Gruppen wie Amon Düül oder Can am Start. Sie versuchten sich von der übermächtigen Konkurrenz aus England und Amerika abzugrenzen, in dem sie ihren eigenen Stil entwickelten, der später als Krautrock sogar internationale Anerkennung fand, vor allem durch Bands wie Kraftwerk. 
 
Aber auch wenn die Gruppen damit Kritikerherzen höher schlagen ließen, zündete das Konzept bei den Plattenkäufern nur selten. Und nicht alle Kritiker waren angetan. "Can" sah sich als freies Künstler-Kollektiv mit Rockmusik-Instrumenten und Rockmusik-Lautstärke - aber ohne Rockmusik, dafür mit Anleihen bei Stockhausen. Dazu schrieb ein Schweizer Musikjournalist: "Diese Burschen sitzen auf hölzernen Stühlen und spielen elektrische Instrumente. Es wäre besser, wenn sie auf elektrischen Stühlen säßen und hölzerne Instrumente spielen würden." 
 
Was "Birth Control" anging, so orientierte sich die Band eher am Zeitgeist. Und der schrieb zu Beginn der 70er-Jahre vor, auf eingängige Refrains und Melodien zu verzichten und statt dessen vor allem lange Stücke zu spielen, die durch endlose Gitarren- und Drummer-Soli geprägt waren. Das galt damals als progressiv. Ich konnte mich nie so recht damit anfreunden und bin daher auch jetzt beim Dorstener Auftritt nach dem dritten Stück gegangen. 
 
Am Sonntag war dann beim Büchermarkt in Raesfeld eine andere Art von Nostalgie angesagt. Ich entdeckte an vielen Ständen meine Favoriten aus Kinder- und Jugendtagen wieder. Angefangen von Comics wie Fix und Foxi über Wild-West-Heftchen-Romane wie Billy Jenkins bis hin zu den Karl-May-Klassikern. Stattdessen habe ich mich jedoch gezielt nach Ansichtskarten umgeschaut, vorzugsweise mit Absender-Texten auf der Rückseite. Mein lieber Nachbar sammelt so etwas. Gerhard, es warten nach der Rückkehr aus Schönlage ein paar Fundstücke auf Dich! 
 
Eine Karte, die vorn die Westfalenhalle zeigt, ging an die Familie Helmut Schmidt. Allerdings nicht nach Hamburg, sondern nach Glauchau, Rimserweg 2. Der Text bestand aus zwei Zeilen: "Bin hier gut angekommen. Es ist sehr Herrlich hier." Kein weiteres Wort, kein Absendername. Aber wer so etwas über Dortmund schreibt, der muss verwirrt sein! 
 
Eine weitere Karte mit der Abbildung der Westfalenhalle wurde merkwürdigerweise am 25. 9. 1969 aus Güstrow versandt und mit dem Briefmarken-Konterfei von Walter Ulbricht versehen. Sie ging an Wolfgang Zechow nach Jena im Internat Kernberge, Haus 2, Zimmer 19. Der Text lautete: "Lieber Wolfgang! Ich habe Deine Karte dankend erhalten und sehr gefreut. Neue Hits gibt es, aber ich kenne sie nicht bei nahmen. In Güstrow ist auch nichts mehr los. Ich muß bald das Revier wechseln. Nun muß ich schlußmachen denn ich muß leider mal wieder zum Friseur. Schreib mal! Dein Egon". Der an den Rand gequetschte Zusatz erklärt manches: "Dienstag war ich mal wieder Besoffen..........!" 
 
Auch ich mache für heute Schluss, obwohl ich erst nächste Woche wieder zum Friseur muss. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 906 vom 13. 8. 23 

Als sich vor kurzem endlich mal wieder die Sonne hervortraute, sah ich zu, dass ich mein Pensum für den Tag möglichst schnell erledigt hatte (Liebe Berufstätige, guckt nicht so ungläubig. Auch wir Rentner müssen mitunter mühsam ein umgangreiches Tagesprogramm bewältigen, das mit A wie Aufstehen anfängt und mit Z wie Zubettgehen endet). Das Schreiben der Schmunzelpost verschob ich auf den Abend und freute mich darauf, es mir mit einer Schale Müsli und einem Buch im Garten bequem zu machen. 
 
Allerdings stellte sich heraus: Das Haltbarkeitsdatum der Milch im Kühlschrank war lange überschritten. Neue Milch musste her. Doch bis zum Supermarkt ist es von uns aus nur ein Katzensprung, in Nullkommanichts wäre ich wieder zurück. Dachte ich. Unter der Woche sind jedoch mittags maximal drei Kassen geöffnet. Und an allen hatten sich lange Schlangen gebildet. Nun bin ich nicht nur fix, sondern auch aufgeweckt, hatte sofort erfasst, welche Einkaufskörbe kaum befüllt waren und mich blitzschnell noch vor zwei vollbeladenen Einkaufswagen mit Monatsrationen an dem Schlangenende eingereiht, das die schnellste Abwicklung versprach. 
 
Den ersten Dämpfer gab es, als die Kassiererin trompetete: "Einen Moment, ich muss eben eine neue Rolle einlegen." Aber Ersatz lag nicht bereit und so ertönte die witzige Lautsprecherdurchsage: "Bitte eine Hauptrolle für Kasse zwei, bitte eine Hauptrolle für Kasse zwei." Doch Kasse zwei spielte offenbar eher eine Nebenrolle, denn es dauerte ewig, bis jemand für Nachschub sorgte. Dann aber ging es weiter. Bis der nächste Kunde auf sein Wechselgeld wartete und die Kassiererin feststellte, dass ein Kleingeldfach leer war. Sie wandte sich an die Kollegin: "Hilde, hast Du eine Rolle Centstücke für mich?" "Nee, leider nicht, Doris. Eine Kassenrolle hätte ich gehabt, aber mit Kleingeld bin ich selber knapp." 
 
Enttäuscht wollte meine Doris wieder zum Mikro greifen, da schaltete ich mich ein: "Ich kann Ihnen fünf Cent in kleinere Münzen wechseln!" "Sie sind ein Schatz", bestätigte sie mir, was ich schon immer geahnt hatte, "dann kann es flott weitergehen." Der Wartende hinter mir verwechselte meine Hilfsbereitschaft mit Geistesschwäche: "Entschuldigung, würden Sie mich vorlassen? Ich habe bloß zwei Teile." Ich schaute ihn verdutzt an: "Ich habe bloß ein Teil!" "Na eben! Dann geht's bei Ihnen ja immer noch schnell." Kopfschüttelnd wandte ich mich ab, nur um Ohrenzeuge eines neuen Dramas zu werden. 
 
Die Kundin direkt vor mir hatte sich in ein Streitgespräch mit Doris verstrickt. "Sie haben mir zuviel berechnet. Dieser Yoghurt ist im Sonderangebot. Im Prospekt stand, er ist um dreißig Prozent reduziert." "Ja, das galt aber nur für die Sorten Vanille-Aprikose, Mandelsplitter-Granulat und Erdbeer-Mango-Kleinholz." "Das geht aber aus dem Prospekt nicht hervor!" "Doch, doch, Sie müssen das Kleingedruckte lesen!" "Ich will sofort Ihren Vorgesetzten sprechen." Und dann folgte die Lautsprecherdurchsage: "Chef, bitte einmal zu Kasse zwei!" 
 
Wie die Sache ausging, habe ich nicht mehr mitbekommen. Ich bin zu Hilde an die benachbarte Kasse gewechselt und konnte dort nach zwei anderen Kunden endlich bezahlen, während der Konflikt an Kasse drei noch andauerte und an Schärfe weiter zulegte. Kurzzeitig erwog ich, mich als Schlichter einzumischen, machte mich dann aber doch lieber aus dem Staub. Noch immer in Gedanken versunken, stellte ich zuhause die Milch in den Kühlschrank. "Aber nein", schoss es mir durch den Kopf, "die brauchst Du doch, Du willst schließlich draußen Dein Müsli essen, bevor die Sonne untergeht." Also schnippelte ich ein wenig frisches Obst in den Müsli-Mix, goß Milch darüber und machte es mir im Garten bequem. Und dann zog es mir beim ersten Löffel den Gaumen zusammen, ich spuckte mein Müsli im hohen Bogen auf den Rasen. War die Milch etwa beim langen Warten an der Kasse sauer geworden? Nein, so schnell geht das nicht. Ich hatte bloß die falsche Milchtüte aus dem Kühlschrank genommen. 
 
 Seitdem denke ich, es hat sich einmal mehr herausgestellt, dass sowas von sowas kommt. An der berühmten Geschichte von dem Sack Reis, der in China umfällt - oder hat ihn ein Schmetterling umgeworfen? - ist wohl doch etwas dran. Wer weiß? Vielleicht wollte Wladimir Putin am 23. Februar 2022 bloß schnell im ukrainischen Supermarkt eine Tüte Milch kaufen... 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 905 vom 12. 8. 23

Ursprünglich fand ich die Vereinbarung zum Resultat der Gewebeprobe gut: Falls auch das rechte Stimmband betroffen sei und daher eine erneute Operation nötig wäre, sollte ich "nach einigen Tagen" per Anruf informiert werden. Falls es keine Anhaltspunkte für weitere Tumorherde gab, bekäme ich zum vorläufigen Abschluss der Behandlung einen Brief. Das hatte allerdings zur Folge, dass ich letzte Woche jedes Mal zusammenzuckte, wenn das Telefon bimmelte. Zum Glück war es stets falscher Alarm. 
 
Gestern traf nun die angekündigte Post ein. Auch dank der Resultate eines gründlichen Checks beim Allgemein-Mediziner konnte ich befreit aufatmen. Keine neuen Krebs-Baustellen. Und Herz, Lunge, Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse, Kreislauf, Schlagadern - alles tipp-topp! Gemessen an meinem biblischen Alter waren das sogar Spitzenwerte - ich bin so gut in Form wie selten zuvor in meinem Leben. Jetzt hoffe ich, die künftigen monatlichen Kehlkopfkontrollen mögen ergeben, dass dies noch eine Weile so bleibt. 
 
Genau  vor 14 Jahren, am 12. August 2009, bekamen mehr als tausend Amerikaner eine Nachricht, die ihnen den Boden unter den Füßen wegzog. Es war kein blauer, sondern ein tiefschwarzer Brief eines US-Ministeriums, der die angeschriebenen Golfkriegs-Veteranen zutiefst erschütterte. Sie alle wurden darüber informiert, dass sie unter ALS leiden sollten, einer unweigerlich tödlich endenden neurologischen Krankheit. 
 
Gut nachvollziehbar, dass dieser Brief Panik auslöste und manche Empfänger bereits Suizid-Pläne schmiedeten. Erst nach einer längeren Phase quälender Ungewissheit und Todesangst kam das erlösende Dementi: "Sorry, die Diagnose war ein Irrtum, verursacht durch einen Fehler beim Codieren." Schwer zu sagen, was bei den Betroffenen überwog: Die Freude über den Rücksturz ins normale Leben oder die Wut auf die Verantwortlichen, die den massenhaften Versand des fatalen Bescheids veranlasst hatten. 
 
Mir fiel sofort wieder ein, was ich vor etwa 25 Jahren empfunden habe. Damals war nach einer Nebenhöhlen-Operation eine Gewebeprobe untersucht worden, um den Verdacht auf einen Tumor auszuräumen. Seinerzeit hieß es: "Wenn Sie bis zum Ende der Woche keine Post von uns bekommen, ist alles in Ordnung." Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag - Entwarnung, nichts im Briefkasten. Aber am Samstag: Ein Schreiben des Labors! Mit zitternden Händen öffnete ich voll banger Erwartung den Umschlag. Und fand eine Rechnung mit den Untersuchungskosten. Selten habe ich so fröhlich eine Überweisung ausgefüllt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 904 vom 11. 8. 23 

In einer Zeitungsnotiz ging es gestern um das Jahr 843. Damals wurde das Reich von Karl dem Großen unter seinen Nachfahren aufgeteilt. Unter den Nutznießern war auch Karl der Kahle. Ich finde, den Brauch mit dem Namens-Zusatz sollten wir wieder aufleben lassen, aber nicht auf Adelige beschränken. 
 
Mein Vater, der ebenfalls den Vornamen Karl trug, hätte sich über den Anhang "der Große" gewiss gefreut. Er war zwar mit 1,61 m eher klein, wurde jedoch trotzdem von seinen Arbeitskollegen "Chef" genannt. Nicht, weil er rangmäßig über ihnen stand. Doch dafür hatte er wohl mitunter eine große Klappe. Karl der Kahle hätte es hingegen voll getroffen. Er erbte den Haarausfall von seinem Großvater und Vater und jat die genetisch bedingte Denkerstirn pflichtschuldigst an mich weitergegeben. 
 
Dazu muss ich sagen, dass mir die Bezeichnung "Klaus der Kahle" auch nicht zusagen würde. Ich bin mit dem Bindestrich- Dieter, den mir meine Eltern verpasst haben, bereits genug gestraft. Aber gegen Zusätze wie "Klaus der Kluge" oder "Klaus der Könner" wäre nichts einzuwenden. Und "Klaus der Krause" ergäbe sogar doppelten Sinn. 
 
Nun spielt bei der Eigenschaften-Vergabe wohl eine wesentliche Rolle, ob sie bereits zu Lebzeiten erfolgt oder erst posthum angehängt wird. Im ersten Fall, so meine ich, muss den Betroffenen ein Veto-Recht eingeräumt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Iwan der Schreckliche als schrecklicher Iwan in die Geschichte eingehen wollte. Auch Albrecht der Fette, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, wäre bestimmt nicht begeistert gewesen. 
 
Aber kehren wir nach Frankreich zurück, dem Drittel des Reiches von Karl dem Großen, in dem Karl der Kahle eine Dynastie gründete. Doch bis hin zur Jahrtausendwende hatten seine Erben kein Glück mit ihren Beinamen. Auf Ludwig der Stammler folgte Karl der Dicke. Dann übernahm Karl der Einfältige das Zepter, bevor Ludwig der Faule über Frankreich herrschte. 
 
Erst im nächsten Jahrhundert wendete sich das Blatt. Da saß Karl der Schöne auf dem Thron, den danach Karl der Weise erbte. Doch mit dem sechsten Karl gab es einen empfindlichen Rückschlag. Der Arme war nämlich geistesgestört und wurde folglich Karl der Wahnsinnige genannt. Die Ehre der Karls stellte Karl der Siegreiche wieder her, der die Engländer aus Frankreich vertrieb. Und Karl der Freundliche, der letzte mit einem Beinamen geschmückte französische Karl auf dem Königsthron, sorgte 1498 für einen versöhnlichen Abschluss. 
 
Zwischenzeitlich hatten die Engländer bei ihren Herrschernamen eine Neuerung eingeführt. Sie verzichteten auf den Artikel-Einschub und ließen sich von Richard Löwenherz und Johann Ohneland regieren. Weniger bekannt, weil von den Briten gern schamhaft verschwiegen, ist Harald Hasenfuß. 
 
Falls wir das englische System bei uns einführen, das ja manchmal gnadenlos realistisch war, wüsste ich für mich schon den passenden Namen. Gerade fordert unser Kater nämlich maunzend sein Recht ein und lässt mich solange nicht in Ruhe schreiben, bis er endlich sein Futter bekommen hat. Sagt ruhig Klaus Katzenknecht zu mir! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 903 vom 10. 8. 23

Ab und zu erinnert sich jemand von Euch daran, dass ich mich als Orakel für abseitiges Wissen angeboten habe. Ihr könnt Euch gern mit Fragen jeder Art an Dr. Klaus Sommer von der Schmunzelpost wenden. Als gelernter Journalist gehe ich dann den Dingen auf den Grund. 
 
Vielleicht angeregt durch die letzten tierischen Beiträge wurde ich jetzt gefragt, was es mit dem "Mäusemelken" auf sich habe. Auf den ersten Blick lässt sich das schnell beantworten. Die Redewendung beschreibt die Verzweiflung, wenn es fast unmöglich ist, eine komplizierte Aufgabe zu lösen. Manche sagen auch, das wäre zum Haareraufen. Wegen meiner modischen Kurzhaarfrisur bevorzuge ich aber den Terminus Mäusemelken. 
 
Wer den Begriff geprägt hat, liegt allerdings völlig im Dunklen. Die üblichen Hauptverdächtigen, Goethe, Schiller und Heinz Erhardt, hatten diesmal ihre Finger nicht im Spiel. Wahrscheinlich liegt der Ursprung im ländlichen Raum, weil man dort täglich mit "Mäusen" und "Melken" konfrontiert war. 
 
In der Praxis ist das Mäusemelken eine schwierige, aber nicht unmögliche Tätigkeit. Dazu braucht man eine Pipette, eine ruhige Hand und große Geschicklichkeit. Und natürlich Geduld. Denn eine weibliche Maus kann täglich nur 0,25 Milliliter Milch geben. Um einen Liter Mäusemilch zu produzieren, müssen daher 4000 Mäuse gemolken werden. 
 
Ein Ding der Unmöglichkeit? Nein! Die Zeitschrift "Eat Smarter", ein Fachmagazin für gesunde Ernährung, berichtete am 4. Oktober 2022 über einen neuen Trend aus den USA. Dort haben Wissenschaftler festgestellt, dass Mäusemilch das Zeug hat, zum neuen Superfood zu werden. Sie sei fettarm, reich an Proteinen und Omega-3-Säuren. Und darauf fahren besonders gesundheitsbewusste Amerikaner voll ab. 
 
Versuche mit menschlichen Probanden haben nämlich ergeben, dass bereits eine kleine Portion täglich den Stoffwechsel anregt und deutlich verbessert. Alle Studienteilnehmer nahmen innerhalb von vier Wochen ab.  "Wie sich dieser Effekt erklären lässt, wissen wir selbst noch nicht so genau", sagte Wilbur Greyfur, Leiter der Studie "The Health Benefits of Mouse Milk", gegenüber dem Magazin The Daily Science Hoax. Die Sache hat allerdings einen Haken. Mäusemilch ist die teuerste aller Milcharten. 
 
 Das aber hat den Trend zum "Mouse Milking" nicht gestoppt. Es empfiehlt sich jedoch, selbst eine Milchmaus zu halten. 0,25 Milliliter reichen als tägliche Dosis für den gewünschten Effekt aus. Es gab mir zwar zu denken, dass Dr. Wilbur Greyfur für die First-of-April-University tätig sein soll, aber ich habe mir dennoch von unserem Kater zehn Mäuse besorgen lassen. Deren Milch verwandele ich durch ein selbst entwickeltes Verfahren in Käse. Denn Edel-Käse ist schließlich das Basiselement, das ich täglich zur Produktion der Schmunzelpost benötige. . . 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 902 vom 9. 8. 23 

Alle guten Dinge sind drei? Ach, das ist doch einerlei. Geht es um Tiere, sind's manchmal auch Viere. Das ist zwar nicht gut gereimt, aber Leser waren bös geleimt durch Schlagzeilen der Presse. Doch jetzt halt ich die Fresse und lasse Übles für sich selber sprechen - seht her, Tierliebe kann sich rächen! 
 
Liebe Dorstener, nicht nur Wölfe sind eine große Gefahr, selbst scheinbar harmlose Tiere wie Seehunde können sich als aggressive Monster entpuppen. Darauf deuten zumindest Schlagzeile und Vorspann eines Berichtes aus dem britischen Cornwall vom März 2023 hin: 

Robben-Attacke in Cornwall: Schienbein krachte durch! Mann (42) nach Tier-Angriff schwer verletzt 

 
"Für den 42-jährigen Surfer Nathan Phillips endete ein Ausflug auf das Meer in Porthleven, Cornwall, im Krankenhaus. Doch der Brite hatte sich nicht etwa bei einem riskanten Manöver verletzt, er wurde im Wasser von einer Robbe angegriffen. Das Tier brach ihm auf äußerst schmerzhafte Weise das Schienbein."

Tja, jetzt greifen nicht nur vermehrt Killerwale Segelboote an, wie zuletzt wiederholt zu lesen war, nun spielen auch schon die Seehunde verrückt. Hat vielleicht jemand unter Wasser "Den Schwarm" von Frank Schätzing herumgereicht? Und nun arbeiten die Meeresbewohner gemeinsam an einem Komplott, um sich an der Menschheit zu rächen? Na ja, wenn man sich die Fakten des Surfer-Unfalls anschaut, dann gibt es dafür eigentlich keine Anhaltspunkte.

Denn, wie der Surfer selbst sagte, zog es bloß kräftig an der Leine, an der der Mann sein Surfbrett hielt. "Vielleicht wollte der Seehund nur spielen", vermutete Philipps. Jedenfalls war er dadurch unaufmerksam und eine "seltsame Welle" donnerte das Surfbrett mit Macht gegen sein Schienbein. Also, für mich liest sich das sehr nach einem Unfall. Doch ich bin ja bloß ein Journalist alter Schule im Ruhestand und muss nicht nach Klicks im Netz schielen.

Allerdings schaute ich etwas besorgt auf unseren Kater, nachdem ich weitere Schlagzeilen gelesen habe. Tut er nur so unschuldig? Oder lauert vielleicht auf eine günstige Gelegenheit? Mit Mäusen hat er jedenfalls kein Erbarmen. Und was stand da noch gleich?

Schrecklicher Fund in Russland: Frau von 20 Katzen aufgefressen! 
 
"Es klingt wie eine grauenhafte Szene aus einem Horrorfilm: In einer Wohnung im russischen Bataysk fand die Polizei 20 Katzen und die zum Teil aufgefressene Leiche ihrer Züchterin vor. DAS trieb die Tiere zu der Tat." 
 
Unser Kater wies dann mit seiner Pfote auf einen hinteren Absatz. Danach war die Frau verstorben, und die Katzen hungerten zehn Tage lang ohne Futter, bevor sie sich über den Leichnam hermachten. Okay, Kater, Ihr kriegt mildernde Umstände. Aber nicht vom Schreiber des Artikels. Der teilt mit, dass einige der Tiere inzwischen neue Inhaber gefunden haben. Und gibt den schnurrenden Killern noch einen mit: "Ob die neuen Herrchen und Frauchen von der Vorliebe der Katzen für Menschenfleisch wissen, ist nicht bekannt." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 901 vom 8. 8. 23 

Aller guten Dinge sind drei. Alle schlechten auch. Deshalb wird es heute zum dritten Mal in Folge tierisch. Und da wir mit einer Redewendung gestartet sind, machen wir damit auch gleich weiter. 
 
Ist Euch schon aufgefallen, wie zahlreich Tiere in Sprichwörtern und Redewendungen vertreten sind? Für den entsprechenden Fundus gilt: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ich gehe der Sache in Ruhe nach, denn bei dieser Witterung jagt man sowieso keinen Hund vor die Tür. Vom Hund ist es nur ein Katzensprung zur Katze. Da dient der Katzensprung auch als Eselsbrücke. Und der Versuch, bei diesem Regenwetter sein Schäfchen ins Trockene zu bringen, ist ohnehin für die Katz. Doch Ihr sollt nicht die Katze im Sack kaufen, das ginge auf keine Kuhhaut. Und es wäre ein dicker Hund, geradezu hundsgemein, wenn ich nicht noch mehr auf Lager hätte. Ich bin schließlich keine lahme Ente.
 
Keine zehn Pferde könnten mich deshalb davon abbringen, noch etwas weiterzumachen. Denn einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Und, ganz wie die Spatzen von den Dächern pfeifen, bei Redewendungen geht es zu wie im Taubenschlag. Zwar habe ich noch nie Pferde vor der Apotheke kotzen sehen, dafür weiß ich genau: Mit Euch kann man Pferde stehlen. Aber wozu? Die Heupreise sind ja derart gestiegen! 
 
Da sage ich doch lieber: Schwein gehabt! Mein Schwein pfeift auf Pferdefutter. Und mein Hamster bohnert in der Zwischenzeit den Stallboden. Was? Ihr glaubt, ich hätte eine Meise und es sei an der Zeit, das sinkende Schiff zu verlassen? Nein, noch nicht! Ich bin zwar hundemüde und habe eine Bärenhunger, aber ich will Euch doch keinen Bären aufbinden. Weil ich dort lebe, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, weiß ich genau, wie der Hase läuft. Ich bin zwar arm wie eine Kirchenmaus und hundemüde, aber als Hahn im Korb bei den Tintenhühnern habe ich gelernt, worauf es ankommt. Selbst, wenn Ihr das nur im Schneckentempo begreift. 
 
So, ich hoffe, ich habe Euch einen Floh ins Ohr gesetzt. Und ich baue darauf, dass Ihr keiner Fliege etwas zu Leide tut und Euch auch nicht benehmt wie ein Elefant im Porzellanladen. Selbst dann, falls Ihr zu dem vernichtenden Urteil kommt: Millionen Fliegen können nicht irren, diese Schmunzelpost war ........ 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 900 vom 7. 8. 23

Wenn ich mich hier mit Tieren beschäftige, möchte ich keine Ente in die Welt setzen. Doch in der gestrigen Schmunzelpost ist das passiert. Nach dem faulen Zauber um den Wildschwein-Löwen in Berlin würde keine Sau mehr auf so etwas hereinfallen, glaubte ich. Ich habe meine Rechnung ohne die Berliner gemacht. Nach erneutem Löwen-Alarm gab es danach gleich wieder einen Großeinsatz der Polizei. Diesmal war das Raubtier noch harmloser - es bestand aus purem Plüsch. Da Plüschtiere nicht zum Wegrennen neigen, war der Fall schnell geklärt. Und die Meldung schaffte es daher diesmal nicht in die Tagesschau. 
 
Dafür zittern die Berliner jetzt nach der ersten Wolfssichtung. Nun ist Berlin längst auch zur Hauptstadt der Zivilisationsfolger geworden. Das sind Tierarten, die in urbaner Umgebung, auch dank der Abfälle der Menschen, bessere Lebensbedigungen vorfinden, als in der Wildnis. So soll es in Berlin mittlerweile etwa 1000 Füchse geben und wahrscheinlich noch mehr Waschbären. Mittlerweile gibt es daher dort sogar eine "Waschbären-Beratungsstelle". Nicht etwa für die possierlichen Tiere ("greifen Sie zum Waschpulver 'Grizzly-Spezial, das wäscht so rein, reiner geht's nicht"), sondern für die Menschen, die nicht wissen, wie sie mit dieser Marderart umgehen sollen. 
 
Da ist es kein Wunder, dass sich auch ein Wolf in den Dunstkreis der Metropole getraut hat. Schließlich gibt es am Stadtrand von Berlin, vor allem im Westen und Osten, große Waldgebiete. Und es ist typisch für die hierzulande herrschende Wolfsphobie, dass aus den Reihen der CDU sofort der Ruf nach einer Abschussgenehmigung laut wurde. Schließlich hat Markus Söder ein Gespür dafür, wie man bei den Wählern punktet. Und was man in Bayern kann, dass kann man in Preußen schon lange! 
 
Ich warne noch einmal nachdrücklich davor, den Augenzeugen nach solchen Sichtungen blind zu vertrauen. Vielleicht war ja auch der Wolf aus Plüsch? Oder Spaßvögel haben vorsätzlich ihrem wolfsähnlichen Hund einen Waldspaziergang gegönnt. Wie leicht sich Menschen an der Nase herumführen lassen, zeigt ein Beispiel aus China. Dort präsentierte ein Zoo den Besuchern ein angebliches Zebra, das sich später als angemalter Esel entpuppte. Auch in den USA weiß man seit Donald Trump, dass die Menschen bereitwillig auf Esel hereinfallen. 
 
In China ist nun jedoch die Skepsis geweckt. In einem anderen Zoo gibt es eine malayische Sonnenbärin mit dem ur-chinesischen Namen Angela. Angela hat die nette Angewohnheit, den Zoobesuchern zuzuwinken. Das hat sie sich wahrscheinlich aus einem Nachbar-Gehege mit den berühmten chinesischen Winke-Kätzchen abgeschaut. Jetzt wird aber im Internet behauptet, dass ein Mensch im Bärenkostüm stecke. Dies zeige vor allem der faltenreiche Hintern. Der Zoo hat dies umgehend dementiert. Doch die Zweifel sind nach wie vor groß. Ich schlage vor, einen Experten für Fake-News dazu zu befragen. Vielleicht hat Donald Trump zwischen all seinen Prozess-Terminen ein paar Minuten Zeit. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 899 vom 6. 8. 23

Die NRW-Sommerferien gehen zu Ende. Und das Wetter der letzten Tage schürt den Verdacht, dass auch der Sommer 2023 bereits sein Pulver verschossen hat. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz: Welche tierischen Schlagzeilen sind diesmal im Sommerloch auf der Strecke geblieben? 
 
Nach dem Löwen, der ein Wildschwein war, glaubte ich, dass keine Sau mehr darauf anspringen würde, Leser mit tierischen Sensationen zu ködern. Da hatte ich jedoch die Rechnung ohne die Medien gemacht. Als unsere Fußball-Frauen anfangs noch gut im WM-Rennen lagen, nutzten investigative Journalisten die Chance, mit einer Kombination aus Tieren und Prominenz Aufmerksamkeit zu gewinnen: "Alex Popp tötet Meerschweinchen" hieß es da. Für weniger Fußballinteressierte: Alexandra Popp, genannt Poppi, ist die Torjägerin der deutschen Nationalelf und hat ihren Killerinstinkt auch diesmal wieder mit vier Treffern in nur drei Spielen unter Beweis gestellt. 
 
Und die Schlagzeile entspricht sogar den Tatsachen. Allerdings bemerkt man erst nach längerem Lesen, dass Poppi alles andere als eine Tierquälerin ist. Sie ist (oder war) Tierpflegerin in einem Zoo und dort auch für die Raubtier-Fütterung zuständig. Weil dafür gelegentlich frisches Fleisch vorgesehen war, ersparte sie den Meerschweinchen die Qual, lebendig zur Raubtier-Beute zu werden. Wer sich jetzt empört, sollte darüber nachdenken, was täglich in Schlachtbetrieben mit Rindern und Schweinen, Kälbern und Lämmern geschieht. Guten Appetit! 
 
Nun hatte ich buchstäblich Blut geleckt und habe nachgeschaut, mit welchen bestialischen Schlagzeilen sonst noch Leser geködert wurden. Ich musste nicht lange suchen, nur bis zum 4. August: "Schock in Eschede! Wolf beißt Jungen (8) in die Brust." Bevor jetzt alle Wolfshasser der Umgebung aufheulen und schreien: "Wir haben es ja immer gesagt! Gebt die Bestien endlich zum Abschuss frei!", noch ein paar zusätzliche Infos. Die Begegnung fand in einem Filmtierpark in der Nähe von Celle statt. Dort kann man für 150 Euro eine "Audienz" bei einem Wildtier buchen. 
 
"Treffen Sie ihr Lieblingstier und erleben Sie es wirklich hautnah, zum Anfassen und Streicheln." So wirbt der Filmtierpark für die Begegnung mit Königspythons, Waschbären oder Erdmännchen. Auch Nasenbär und Wolf sind im Angebot, dürfen aber eigentlich nur ab 16 Jahren in Begleitung eines Erziehungsberechtigten und des Tierparkpersonals kontaktiert werden. Die Tiere sind den Umgang mit Menschen gewohnt und gelten als harmlos. 
 
 In diesem Fall hat der Wolf wohl zunächst nur an der Hand des Achtjährigen geschnuppert. Weil der ungeduldige Knabe sich jedoch in der Gewöhnungsphase losriss und plötzlich dem Wolf auf den Pelz rückte, schnappte das irritierte Tier zu. Aber wohl ohne allzu böse Absicht. Denn nach ambulanter Versorgung konnte der Junge gleich wieder nach Hause und womöglich seinen Spielkameraden stolz erzählen, dass er anders als Rotkäppchen nicht vom bösen Wolf verschlungen worden ist. 

Die sensationellste Schlagzeile ist schon mehr als ein Jahr alt. Im Juni 2022 war zu lesen: "Flucht vor Alien-artigem blutsaugenden Wesen/Mann behauptet: Meereswesen Neunauge verfolgte ihn bis an Land". Neunaugen sind aalähnliche Meeresbewohner, die sich dadurch ernähren, dass sie mit ihrer Zunge die Haut ihre Beutetiere durchstoßen und ihnen Blut abzapfen. Ein gewisser John Lewis erzählte nun, so ein Neunauge habe ihn beim Angeln attackiert und sogar am Ufer weiter gejagt. Was eine merkwürdige Wortwahl ist, da der furchtbare Jäger schon nach ein bis zwei Metern aufgegeben haben soll. Auch die Erkenntnisse der Wissenschaft machen die Story nicht glaubwürdiger: "Neunaugen sind für Menschen keine Gefahr. Sie sind an warmblütigen Wesen nicht interessiert." 
 
Na ja, aber wer wird das glauben, wenn ein solcher blutrünstiger Verwandter des Ungeheuers von Loch Ness, obzwar nicht mal einen halben Meter lang, sich als Vampir an deine Fersen heftet? Schaut also vorsichtshalber immer mal wieder zurück, wenn Ihr an Wasserläufen unterwegs seid. Und kontrolliert vor der Nachtruhe Euer Bett - dort könnte ja ein Alien-artiges Neunauge lauern! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 898 vom 5. 8. 23

Es sind völlig neue Probleme, mit denen ich mich derzeit herumschlagen muss. Bis der Bereich um das weggelaserte Gewebe in meiner Kehle vernarbt ist, soll ich erst einmal möglichst die Klappe halten. Verständliche Sätze oder laute Töne bringe ich ja sowieso kaum zustande. Doch Kommunikation ohne Worte hat ihre Tücken. 
 
Ich glaubte zuvor, mit Kopfschütteln und Kopfnicken, mit Fingerzeigen und Gesten wie "Daumen hoch" käme ich einigermaßen über die Runden. Doch das setzt voraus, dass meine Gesprächspartner mich anschauen. Und wie mir jetzt im Alltag bewusst wurde, ist das längst nicht immer der Fall. Da ich noch zögere, einer Verkäuferin vor das Schienenbein zu treten, muss ich mir wohl etwas anderes einfallen lassen. 
 
 Das Experiment, kräftig in die Hände zu klatschen, löst eindeutig Befremden aus. Deshalb bin ich dazu übergegangen, meine Äußerungen kurz und bündig aufzuschreiben und den Leuten direkt unter die Nase zu halten.  "Darf nach Kehlkopfoperation nicht sprechen. Hätte gern zehn Scheiben acht Monate alten Gouda. Danke!" Das ist etwas umständlich, sollte aber funktionieren. Dachte ich. Bis mich die Frage auf dem falschen Fuß erwischte: "Wie dick soll ich die Scheiben denn schneiden?" 
 
Das erinnert mich an eine Zeit, als ich noch über einen markanten Bariton verfügte, aber dennoch Kommunikations-Probleme hatte. Ich saß in einem vollbesetzten Restaurant, hatte gut gegessen und wollte nun zahlen, weil die Arbeit rief. Was sie mir zugerufen hat? "Sieh zu, dass Du in die Gänge kommst, Du Dödel, Du hast einen Termin!" Also versuchte ich dem Kellner klarzumachen, dass er mir die Rechnung bringen sollte. Leider war das Geschnatter an den Nebentischen so laut, dass ich akustisch nicht zu ihm durchdrang. 
 
Selbst, dass ich mir beim Winken fast den Arm ausrenkte, führte nicht zum gewünschten Erfolg. Der gestresste Kellner hetzte eilig zwischen Küche und Tischen hin und her und hatte dabei den Blick stur auf den Boden gerichtet. Leider kam er mir dabei nicht so nahe, dass ich ihm ein Bein stellen konnte. Und hinterher laufen hätte wohl auch nichts gebracht. Außer dem hastigen Zuruf: "Toilettentür hinten rechts neben dem Tresen." 
 
So kam ich auf die Idee aufzustehen und meine Geldbörse gen Zimmerdecke zu heben. Leider hatte ich das Münzfach nicht richtig verschlossen, und so machte sich das gesamte Kleingeld selbstständig, um klirrend zu Boden zu fallen und sich dann größtenteils unter die umliegenden Tische zu flüchten. Mit dieser Aktion zog ich nicht nur die Aufmerksamkeit des Kellners auf mich, sondern wurde außerdem, mal mitfühlend, mal schadenfroh, von den anderen Gästen beäugt. Ich habe dann zwar umgehend meine Rechnung bekommen, kam aber trotzdem nicht pünktlich zum Termin. Es dauerte zu lange, bis ich auf den Vieren unter alle Tische gerobbt war, um meine Münzen wieder einzusammeln. 
 
Mit etwas weniger Kleingeld scheint mir diese Methode jedoch für die Zukunft eine praktikable Notlösung zu sein. Wenn es also künftig hinter Euch klirrt und jemand mit Geld um sich wirft, dann bin ich das. Aber behaltet Eure Finger bei Euch - die Kohle gehört mir! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 897 vom 4. 8. 23

Gestern beutelten mich zwei Stimmungskiller. Wie die Männer schieden nun auch die deutschen Fußballfrauen bei der WM gegen Südkorea in der Vorrunde aus. Männer, Frauen und männliche U21 nur Mittelmaß, Schalke noch sieglos in der zweiten Liga - irgendwie läuft der Ball nicht mehr rund. Außerdem trübte meine Freude über die Entlassung aus der Klinik eine Mitteilung vor dem Abschied: Die Untersuchungsergebnisse einer Gewebeprobe aus dem rechten Stimmband liegen noch nicht vor. Das Risiko, dass ich in den nächsten Tagen ein drittes Mal operiert werden muss, liegt zwar nur bei 20 Prozent. Aber was heißt hier "nur"? 
 
Dann wäre meine Stimme komplett weg. Schon jetzt wird mir langsam klar, dass ich mich künftig an Lesungen wohl nicht mehr aktiv beteiligen kann. Auch Moderationen scheinen unmöglich. Das ist schade. Ganz abgesehen davon, dass sich die Krebszellen dann bereits viel weiter verbreitet hätten als ursprünglich angenommen. Aber da ich rechnen kann, bleibe ich zuversichtlich. Wahrscheinlich werde ich trotzdem in nächster Zeit jedesmal zusammenzucken, wenn das Telefon bimmelt. Falls ein weiterer Eingriff notwendig ist, wird mir das bis spätestens Montag per Anruf mitgeteilt. Von einem positiven Ergebnis erfahre ich erst im Laufe der Woche per Post. Trotz Optimismus bleibt solange ein leises Bangen. 
 
Denn ich habe keine Lust, schon wieder in die Klinik zurückzukehren. Obwohl das Einzelzimmer eine enorme Verbesserung war. Am schönsten ist der Ausblick durchs Doppelfenster aus dem achten Stock in Richtung Süden gewesen - da zeigt sich Gelsenkirchen von seiner grünen Seite. Vorgestern durfte ich einen prachtvollen Regenbogen bewundern, der sich von Bochum bis fast nach Essen spannte. Nur durch Aussicht aufs Schalker Stadtion hätte der Blick noch getoppt werden können. 
 
Ansonsten war das Einzelzimmer kein Luxusappartment. Sie haben einfach aus einem Drei-Bett-Raum zwei Betten entfernt. Eine Extravaganz hatte mir die St.-Marien-Klinik aber zu bieten, wie ich erst spät bemerkte. Und zwar erst nachts. Das kam so: Tagsüber wurde die Ruhe durch Umbauarbeiten im neunten Stock entschieden getrübt. Von acht bis siebzehn Uhr wurde gehämmert, gebohrt und gelärmt, was das Zeug hält. Am Abend war es jedoch mucksmäuschenstill. Dachte ich zumindest, bis ich mich kurz nach Mitternacht aufs Ohr legte.
 
Ich konnte nicht sofort einschlafen, weil ich während der Mittagspause der Bauarbeiter ein Stündchen geduselt hatte. Und nun war da plötzlich dieses undefinierbare Geräusch. Ein leiser, aber unüberhörbarer Ton im oberen Frequenzbereich, der gelegentlich auf- und abschwoll. Die Quelle konnte ich nicht orten, das Geräusch erfüllte den ganzen Raum. Und es weigerte sich zu verschwinden, egal, ob ich mich auf die linke oder die rechte Seite drehte (mit dem linken Ohr nehme ich eigentlich die hohen Frequenzen nicht wahr, weshalb ich mich im Frühjahr beim frühmorgendlichen Vogelgebrüll stets auf die rechte Seite lege). Kurzzeitig fürchtete ich sogar schon einen Tinnitus. 
 
Da das Herumwälzen nicht half, blieb mir nur eine Reaktion: Mückenalarm! Das heißt, Licht anmachen, aufstehen und auf die Jagd gehen. Wobei mir schon klar war, dass diesmal kein kleiner Blutsauger der Störenfried war. Und nach kurzer Suche entdeckte ich den Unruhestifter. Ein fast quadratisches Möbelstück zwischen Schrankwand und Fenster. Siehe da, ein kleiner Kühlschrank! Sollte er etwa als Minibar dienen? Er enthielt jedoch lediglich zwei Flaschen Cola. Und die hatte, wie ich am Morgen von der Krankenschwester erfuhr, ein "Vormieter" dort vergessen. Aber immerhin, ein Zimmer mit Kühlschrank! Der erste Schritt zum Vier-Sterne-Hotel ist getan. Ich ließ jedoch den zusätzlichen Stern verlöschen, indem ich rigoros den Stecker zog. Danach war endlich Ruhe. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Das Rätselraten ist beendet. Der Film mit Bjarne Mädel und Lars Eidinger heißt "25 km/h", wie mich gleich sieben (!) Kinofreunde wissen ließen. Ich wusste gar nicht, dass es so viele Cineasten unter den SP-Lesern gibt! Übrigens: Der Titel leitet sich von der Höchstgeschwindigkeit der Mofas ab, mit denen die Protagonisten auf großer Fahrt waren. 

 

 Schmunzelpost 896 vom 3. 8. 23 

Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Werde ich jeder monatlichen Kontrolluntersuchung mit Bangen entgegensehen? Oder fahre ich optimistisch zu den Terminen, weil ich überzeugt bin, danach Grund zur Freude zu haben? Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Denn nach der Tumor-Diagnose will ich jeden zusätzlichen Tag als willkommene Zugabe betrachten. 
 
Allerdings wird mich das, was von meiner Stimme übrig ist, wohl auch jeden Tag an meine Vergänglichkeit erinnern. Augenblicklich klinge ich fast so wie der Synchronsprecher von Marlon Brando im ersten Teil des Paten. Ein Film, den ich damals gut fand und der jetzt Anlass bietet, ein wenig in meinen Kino-Erinnerungen zu kramen und mich als Film-Flüsterer zu betätigen. 
 
Auf dem Index steht für mich aus gegebenem Anlass der schwedische Film "Das Schweigen". Ich kann mich noch gut erinnern, welchen Skandal der Streifen damals ausgelöst hat. Und gerade deshalb für Schlangen an der Kinokasse sorgte und die Neugier eines Knaben kurz vor der Pubertät weckten. Dann jedoch kamen meine große Schwester und ihr Verlobter enttäuscht aus dem Kino zurück: "Was ein Mist!" Sie hatten wohl andere Erwartungen. Aber auch ich habe zu Ingmar-Bergmann-Filme wie auch anderen Klassikern, etwa von Fellini oder Bunuel, nie richtig Zugang gefunden. 
 
Das lag wohl daran, dass früher mein Filmgeschmack von den Faktoren Humor, Spannung und Spektakel geprägt war. Auch heute noch sind für mich "Moderne Zeiten" und "Der große Diktator" von Charlie Chaplin Meisterwerke, auf andere Weise auch "Das Schützenfest" und "Die Ferien des Monsieur Hulot" von Jacques Tati. Natürlich auch "Das Leben des Brian" und "Ein Fisch namens Wanda" von Monty Phython. 
 
Schwer beeindruckt hat mich "Einer flog übers Kuckucksnest" mit Jack Nicholson, der auch in "Chinatown" großartig war. Literaturverfilmungen enttäuschten mich meist, weil ich die Bücher und ihre Hauptpersonen ganz anders im Kopf hatte und notwendigerweise die Handlung verkürzt werden musste. Vier Verfilmungen haben mich jedoch begeistert: "Der Name der Rose", "Die Blechtrommel" "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und "Der Herr der Ringe". Wo wir schon im Fantasy-Bereich angekommen sind: "Highlander" und "Das fünfte Element" gehören auch zu meinen Lieblingsfilmen. 
 
Aus der Kindheit herübergerettet hat sich der Spaß an Donald Duck, Goofy und Pluto. Schönster Zeichentrickfilm bleibt für mich jedoch "Das Dschungelbuch". Als Augenöffner zur Realität erwies sich in jungen Jahren "Das Wiegenlied vom Totschlag", das ebenso als Anti-Western, wie später "Der mit dem Wolf tanzt" mit Kevin Costner in der Hauptrolle, die Massaker an Indianern thematisierte. Was Politik betraf, tat dies "Z" über die Zeit der griechischen Militärdiktatur mit der grandiosen Musik von Mikis Theodorakis. 
 
Mir fällt auf, dass der Übergang zum Greisentum anscheinend im vollen Gange ist. Während mein Langzeitgedächtnis die Titel uralter Streifen mühelos hervorkramt, scheitere ich beim Versuch, ein paar Filme zu benennen, die mir in neuerer Zeit sehr gut gefallen habe. Dabei gab es eine ganze Reihe, zum Beispiel rabenschwarze britische Krimis oder auch deutsche Filme wie der mit dem Tatortreiniger, wie heißt er noch gleich?, in dem er mit Lars Eidinger auf dem Moped Deutschland durchquert. Mist, ich komm nicht drauf! Auch nicht auf die Titel der Filme mit dem wunderbaren Österreicher Wolfgang Hader. 
 
Da hilft nur eins: Ich muss mir die Titel selber ausdenken. Einen Stoff für einen Film, der Elemente von Horror, Spannung, Tragödie und Komödie aufs trefflichste vereint und garantiert ein Kassenknüller werden würde, habe ich bereits. Das Drehbuch wäre voll aus dem Leben gegriffen. Die Zuschauer würden sich prustend auf die Schenkel schlagen und sagen: "Siehst Du! Genauso habe ich das selbst erlebt." Zwei Arbeitstitel stehen zur Auswahl: "Die abenteuerliche Reise mit dem Deutschlandticket von Buxtehude bis Oberammergau" oder "Der 101-Jährige, der durchs Fenster ins Reisecenter der Bahn einstieg, ein Ticket erwarb und seither verschollen ist". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Eine Zugabe habe ich noch: Woran erkennt man, außer am Kruzifix an der Wand, dass man in einer katholischen Klinik untergebracht ist? Richtig! Beim Fernsehen. Nach ARD, ZDF und WDR folgt auf der Programmliste: Bibel TV! 
 
PPS. Jetzt weiß ich es wieder: Bjarne Mädel! (Der Darsteller, nicht der Film) 

 

 Schmunzelpost 895 vom 2. 8. 23

"Herr Krause? Ich bin's, der Otto Kowalski! Sie erinnern sich doch bestimmt! Bei Ihren Krankenhausaufenthalten in Dorsten und Marl habe ich als umgeschulter Bergmann dazu beigetragen, dass Sie wieder auf die Beine kamen. Diesmal aber muss ich passen: Bei dem derzeitigen Fachkräftemangel habe ich meine Chance genutzt und bin die Karriereleiter rasch hinaufgeklettert. Derzeit stecke ich mitten in der medizinischen Ausbildung und halte mir alle Möglichkeiten offen. Daher bin ich zuversichtlich, dass ich Sie über kurz oder lang wieder in die Finger kriege.
 
Sie wundern sich vielleicht, dass ich von Ihrem Kehlkopfkrebs erfahren habe. Doch ich bin bestens vernetzt. Und die katholische Krankenhausgruppe, zu der Dorsten und Marl gehören, wird sich bald mit Gelsenkirchen zu einem neuen Verbund zusammenschließen. Nur die Großen überleben! Und mit 1,86 m sind Sie ja auch nicht gerade klein, ha, ha. Tja, da staunen Sie! Zum einen ist es oberstes Prinzip, Patienten Mut zu machen, weil jede unnütze Operation ja Geld in die Krankenhauskassen bringt, zum anderen habe ich natürlich Zugriff auf Ihre Daten. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten! Wir sind datentechnisch weit vorn, das sollte Ihnen Mut machen. Denn wir haben es natürlich auch medizinisch drauf, das ist schließlich unsere Kernkompetenz.
 
Deshalb weiß ich auch, dass Sie in Gelsenkirchen-Ückendorf in den besten Händen sind. Denn dort operiert nicht nur Professor Dost, der eine echte Konifere der HNO-Chirurgie ist, es wacht auch noch Otto Rehagel über das Schicksal der Patienten. Und dieser Mann vollbringt wahre Wunder! Er hat den 1. FC Kaiserslautern als Zweitliga-Aufsteiger direkt zum Meistertitel geführt und den Bayern eine lange Nase gezeigt. Und er ist mit Griechenland Fußball-Europameister geworden. Mit Griechenland! Sie müssen also keine Angst haben, Herakles Rehagel wird es schon richten. Von Otto lernen, heißt siegen lernen!
 
Jetzt wundern Sie sich vielleicht, wieso ich Ihnen dies alles in fehlerfreiem Hochdeutsch mitteile. Ja, ja, ich habe damals nur die Hauptschule besucht. Und auf dem Pütt wurde mehr türkisch als deutsch gesprochen. Doch weil ich das mit den Dativ nie begriffen habe, nutzte ich clever die Chance, und habe eine künstliche Intelligenz beauftragt, meinen Schriftwechsel zu übernehmen. Ich liefere nur noch die Stichworte und - zack - die KI fasst das in zusammenhängende wohlklingende Sätze. Ja, ja, von Otto lernen, heißt siegen lernen!
 
Deshalb sage ich Ihnen für heute zuversichtlich: Alles Gute! Sie werden bestimmt dem Tod von der Schippe springen, damit wir beide hinterher noch lange bei anderen lukrativen Gelegenheiten Spaß miteinander haben. Und da die Operation in Gelsenkirchen erfolgt, sind doch die Vorzeichen ganz gut - die Schalker haben zwar verloren, sind aber doch zumindest mit einer ansehnlichen Vorstellung in den Keller gerutscht. In diesem Sinne:
 
Glückauf
Ihr Otto Kowalski"
 
PS. Hallo! Hier meldet sich der Programmierer der künstlichen Intelligenz, derer sich Otto Kowalski bedient. Diese KI hat gleichzeitig den Auftrag übernommen, eine Biografie für Otto Rehagel zu schreiben. Dabei ist offensichtlich etwas durcheinander geraten - wir vermuten, dass es sich um den ersten Fall von Schizophrenie bei einer künstlichen Intelligenz handelt.
 
PPS. Hallo! Hier meldet sich Otto Kowalski! Schizophrenie einer künstlichen Intelligenz? Da wittere ich Morgenluft! Das wird in Zukunft mein medizinischer Fachbereich werden. Als Pionier bin ich automatisch ein Nobelpreis-Kandidat. Deshalb, lieber Herr Krause, müssen Sie zusehen, wie Sie alleine klarkommen. Aber es ist doch bestimmt ein Trost für Sie: Falls Sie jetzt schon abnippeln, verpassen Sie nichts! Mit Intelligenz, ob künstlich oder natürlich, hatten Sie ja noch nie viel zu tun.
 
PPPS. Hallo! Hier meldet sich Euer Schmunzelpost-Autor mit dem Kliniktelegramm: OP gut verlaufen. Schmerzen und Schluckbeschwerden in erträglichen Grenzen. Aber die Stimme ist z. Zt. fast ganz weg. Dafür zwei positive Überraschungen Erstmals in meiner Krankenhaus-Karriere hat es mit dem Einzelzimmer geklappt. Raum 857 im achten Stock. Traumhafter Blick auf den grünen Gelsenkirchener Süden. Und, noch erstaunlicher: Selbst das Mittagessen hat richtig gut geschmeckt! 
 
Ergänzung: Abends kam noch der Chefarzt vorbei. Mit einer guten Nachricht. Wahrscheinlich kann ich schon am Donnerstag nach Hause. Was meine Stimme betrifft, sei eine Prognose schwierig. Wahrscheinlich kann ich erst wieder besser sprechen, wenn alles vernarbt ist und falls das rechte Stimmband zusätzliche Funktionen übernimmt. Und weil es ein aggressiver Tumor-Typ ist, steht ich künftig unter verschärfter Beobachtung. Im ersten Jahr muss ich jeden Monat zur Kontrolle, im zweiten jeden zweiten Monat. Usw., bis hoffentlich die fünf Jahre erreicht sind. Mit einem Lächeln hieß es: "Sehen Sie das mal so! So haben Sie jeden Monat Grund zur Freude, wenn wir wieder nichts gefunden haben."  
 
Glückauf 
kdk 

 

Schmunzelpost 894 vom 1. 8. 23 

Habe ich etwa an dieser Stelle vor kurzem die Vorteile des deutschen Strebens nach einem perfekten Sicherheitsnetz aus Richtlinien und Vorschriften gelobt? Na ja, da ging es um Führerscheine. Gestern musste ich mich ganz ohne Auto in die Mühlen der (Klinik-) Bürokratie begeben. Obwohl die erste Operation noch keine drei Wochen her ist, galt es sämtlichen Papierkram und alle Voruntersuchungen im Krankenhaus noch einmal zu wiederholen. Komplett! Zum Glück fehlte aber diesmal bei der Blutabnahme der kleine, ungeschickte Vampir. Trotzdem habe ich erneut vier Stunden in Wartezimmern, Fluren, Gängen und Untersuchungsräumen verbracht.
 
"Sie sind jetzt eine neue Fallnummer", wurde ich gleich zum Start von der sehr netten Sekräterin des Chefarztes freundlich belehrt, "das bedeutet, dass wir wieder bei Null anfangen. Es könnte sich ja etwas geändert haben." Nein, ich bin immer noch 70 Jahre alt, 90 Kilo schwer und 1,86 m groß. Und auch der Tumor hat sich nicht über Nacht aus dem Staub gemacht. Wunder soll es zwar immer wieder geben, aber sie geschehen wohl relativ selten. Zum Glück sind auch nicht alle denkbaren Komplikationen häufig, über die ich ausführlich informiert wurde. "Bei einer Laser-Operation kann es geschehen, dass es eine Entflammung gibt, durch die die halbe Lunge verbrennt. Aber das geschieht zum Glück nur selten." "Wie oft passiert das denn?" "Na, vielleicht bei zwei Millionen Behandlungen einmal."
 
Das Risiko gehe ich ein. Wie ich mich auch erfolgreich dagegen gesträubt habe, erneut nach der Operation wieder in der nächtlichen Überwachungsstation zu landen. Sehr zum Unwillen des Chefarztes werde ich diesmal auch die erste postoperative Nacht in meinem "normalen" Stationszimmer verbringen. Ansonsten machte ich mir einen Spaß daraus, sowohl beim HNO- wie beim Narkosearzt-Aufklärungsgespräch die Passagen mitzusprechen, die ich vom ersten Durchgang noch wortgenau im Kopf hatte. Das irritierte die Mediziner zwar etwas, aber sie ließen sich nicht aus der Fassung bringen und zogen den gesamten Text durch.
 
Daher war ich in großer Versuchung, nach dem Vorbild von Horst Evers beim Abfragen etwaiger Vorerkrankungen mal aufs Geratewohl zu flunkern und zu schauen, ob ich auch so einen Volltreffer landen kann, wie der Berliner Spaßvogel. Den fragten die aufgeregten Ärzte aufggrund seiner Antwort nämlich, wer die Herztransplantation denn durchgeführt habe. Doch ich sagte die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Schließlich war ich sehr erleichtert, dass diesmal ein junger türkischstämmiger Arzt bei der Blutentnahme sofort die Vene traf und sich überhaupt als kompetent, freundlich und geduldig erwies.
 
Wie es jetzt weiter geht? Heute komme ich als Erster unters Messer, in aller Frühe um acht Uhr. Dann wird per Laser das linke Stimmband komplett entfernt. Hinterher werde ich wohl Halsschmerzen haben und wahrscheinlich unter Schluckbeschwerden leiden. "Und Ihre Stimme wird sich verändern. Eine anhaltende Heiserkeit ist wohl das Minimum. Aber nur, wenn Sie richtig Pech haben, können Sie überhaupt nicht mehr sprechen." Na ja, das mit dem "Hi!" sagen, hat schon diesmal nicht mehr geklappt.
 
Immerhin hatten die Wartepausen auch ihr Gutes. Ich hatte reichlich Zeit zum Lesen. Und in dem Sammelband "Niemand hat die Absicht, ein Matriarchat zu errichten" fand ich ein kleines Gedicht, das meine Vorliebe für Wortwitz so traf, dass ich es Euch nicht vorenthalten will:
 
Tod einer berühmten Henne, ein Requiem in Komposita von Patti Basler. 
 
Eine 
Eier legende 
Eier-Legende 
kommt zu ihrem 
Eier-Leg-Ende. 
Ende 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 893 vom 31. 7. 23 

Beherrscht Ihr das Alphabet? Dann macht doch mal den Härtetest und sagt es rückwärts auf: Z, Y, X ... oh, da stimmt doch was nicht, oder? Ja, der Umgang mit Buchstaben kann eine Herausforderung sein. Daher gibt es auch zum Buchstabieren insbesondere von Namen bei uns auch ein System, das sinnigerweise hauptsächlich aus Vornamen besteht. Ich finde, dass man die Ausnahmen auch als Vornamen erlauben sollte. Nordpol Krause, das klingt doch gut! 
 
Kriegt Ihr alle Begriffe für Buchstaben auf die Reihe? Das ist nicht ganz einfach, denn in der Zeit von 1904 bis 1983 wurde die Liste dreimal geändert. Nur Cäsar, Emil, Gustav, Ludwig, Quelle, Otto, Richard, Ulrich, Viktor und Wilhelm sind in allen vier Versionen unverändert vertreten. Und Xantippe hat man 1983 ein h hinzugefügt und sie zur Xanthippe gemacht. Damit bildete sie aber bereits 1904 mit Berta und Marie ein Frauentrio. 
 
In der 1983er Fassung sind immerhin schon sieben Frauen vertreten. Aus Marie ist Martha geworden, Ida hat Isidor abgelöst und  Dora David ersetzt. Paul nahm bemerkenswerterweise bereits 1926 eine Geschlechtsumwandlung vor und heißt seitdem Paula. Charlotte ist als Vertreterin des Ch an die Seite von Cäsar gerückt. Aber kann das modernen Ansprüchen genügen? Was sagen Gleichstellungsbeauftragtinnen dazu? Immerhin gibt es 26 Buchstaben, mit den Ergänzungen für Umlaute und Sonderformen (für ß, Sch und Ch) sogar 32 Buchstabierhilfen. Da darf frau doch wohl erwarten, dass den 16 Männernamen eine entsprechende weibliche Anzahl gegenübersteht. Gut, es gibt auch Diverse: Ärger, Übermut, Nordpol, Ypsilon, Eszett und Quelle. Doch selbst da haben sich mit Ökonom und Kaufmann Kerle eingeschlichen. 
 
Die meisten Änderungen haben übrigens 1934 die Nazis vorgenommen. Zumeist bestrebt, jüdisch klingende Namen auszusortieren, haben sie außerdem aus Überfluß Übel gemacht. Aus Ypsilon wurde Ypern, der Ökonom verwandelte sich in Öse und für Jacob musste ein schlichtes Jot herhalten. Heinrich wurde zu Heinz eingekumpelt, Friedrich zu Fritz. Erstaunlich nur, dass aus Albert kein Adolf wurde. Stattdessen kam Anton ins Gespräch. 
 
Nach Überfluß und Übel ist seit 1983 Übermut für das Ü angesagt. Was mich wundert, denn mir wurde seinerzeit Übung eingebläut. Aber was in den Köpfen der unkannten Begriffstüftler vorging, wird sowieso ein Geheimnis bleiben. So ist mir auch der stetige Wandel beim K ein Rätsel. Aus Karl wurde erst Katharina, dann drängte sich ein Kurfürst vor und nun handelt es sich um einen Kaufmann. Dabei wäre Klaus-Dieter doch von Anfang an die beste Wahl gewesen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. 2022 ist mit DIN 5009 offiziell ein neues Buchstabieralphabet einführt worden. Aber das lehne ich ab. Wozu soll ich Namen, die jeder kennt, durch Städte ersetzen? Vielleicht weiß mein Gesprächspartner im Saarland nicht Bescheid und denkt beim V, der Ort schriebe sich Fölklingen? Außerdem hat man für das Ypsilon keine Stadt gefunden. Eine Chance für Dorsten, sich umzubenennen und so Schlagzeilen zu machen? Nee, bitte nicht! Und das für das Ä jetzt "Umlaut Aachen", für Ö "Umlaut Offenburg" und für Ü "Umlaut Unna" gesagt werden soll, ist doch Schwachsinn! Ohne um, aber laut Krause!
 

Schmunzelpost 892 vom 30. 7. 23 

Nein, ich bin nicht betrunken. Im Gegenteil, nach der Schalker Niederlage im Zweitliga-Auftaktspiel in Hamburg müsste ich sogar ernüchtert sein. Dennoch bin ich ganz ohne Alkohol noch regelrecht berauscht. Das war ein Fußballspiel, wie es sein soll. Dramatik, viele Torszenen, spannender Verlauf, intensive Zweikämpfe, gute Spielzüge. Und acht Tore! Nur die letzten acht Minuten hätte ich mir anders gewünscht. Aber als Fußball-Romantiker sind mir solche Niederlagen sogar lieber als ein trostloser, unverdienter 1:0-Sieg. 
 
Jedenfalls bin ich auch einen Tag später noch beschwingt und in ausgesprochener Blödellaune. Warum also nicht einmal dem Hang zum Nonsens nachgeben? Ich spiele mit mir ein Spiel, das Ihr jederzeit nachahmen könnt. Die Regeln sind einfach. Nehmt ein Wort, das ein anderes ergibt, wenn Ihr den Anfangsbuchstaben weglasst. Dann formt aus beiden einen Satz und lasst Euch überraschen, ob dabei etwas Unsinniges, Nützliches oder Philosophisches herauskommt. 
 
 "Meine Oma liegt im Koma". Das ist makaber, stimmt aber zum Glück nicht. Oder wie wäre es mit "ein guter Klauer legt sich lange auf die Lauer". Da steckt Sinn drin! "Die Ute ist eine dumme Pute!" Irgendeine Ute unter Euch? Puh, nochmal Glück gehabt. Zum Straßenverkehr: "Geschlafen am Steuer? Oh, das wird teuer!" Wie wär's mit etwas Heimatkunde? "Ich spring' von der Klippe hinab in die Lippe." Nein, so etwas Dummes würde ich nie tun. Das hier könnte ein Fragment aus einem blutrünstigen Serienmörder-Krimi sein: "Mitten in der Krippe lag eine winzig kleine Rippe!" 
 
Und hier eine Warnung für Skifahrer: "Nutzt Du am Hang die falschen Bretter, dann holen Dich alsbald die Retter!" Und eine für Radler: "Verlierst Du auf dem Rad den Tritt, wird Deine Fahrt zum wilden Ritt!" Warum muss ich an Dieter Bohlen denken, wenn ich feststelle: "Er macht auch aus dem größten Shit noch einen lukrativen Hit." Nicht unlogisch ist "Gönnst Du Dir eine lange Weile, dann geht der Trend danach zur Eile." Auf dem Bahnsteig kam mir in den Sinn: "Willst Du in die Ferne gleiten, dann lass Dich nicht von Durchsagen leiten! Denn bis die Bahnparolen greifen, muss der Verstand noch etwas reifen." 
 
So, genug für heute. Ich schließe mit einem Dreiteiler: Es juckt den Klaus so manche Laus, erst kratzt er sich, dann ist es aus! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 891 vom 29. 7. 23 

Wer ein Deutschlandticket besitzt, der soll es auch nutzen. Daher bin ich gestern mit dem Bus nach Recklinghausen gefahren. So musste ich mich nicht aufs Autofahren konzentrieren, sondern konnte verfolgen, was rundum auf den Straßen passierte. Und da tat sich einiges. An einer roten Ampel entschied ein Pkw-Fahrer, nicht direkt hinter dem Vordermann auf grün zu warten, sondern gut 15 m dahinter. Fürchtete er vielleicht, der andere könnte plötzlich zurücksetzen? Das Manöver hatte jedenfalls zur Folge, dass der letzte der vier nachfolgenden Wagen die Nutzung der freien Rechtsabbiegerspur verhinderte. Als die Ampel für Rechtsabbieger auf grün sprang, gab es deshalb prompt ein Hupkonzert. Aber der eigentliche Blockierer füllte sich nicht angesprochen. 
 
Kurz danach bremste uns ein Fall von Selbstüberschätzung. Ein Möchtegern-Könner versuchte, rückwärts eine schmale Lücke auf dem Parkstreifen anzusteuern. Der erste Versuch schlug fehl. Neuer Anlauf, obwohl sich dahinter der Verkehr staute. Unser Busfahrer wechselte vom Fluchen zum Hupen. Es half nichts. Der Mann blieb stur. Erst nach dem vierten Fehlversuch gab er auf und verließ mit Vollgas den Schauplatz seiner Schande. 
 
Außerdem bekam ich reichlich Vertrautes zu sehen. Spurwechsel und Abbiegen ohne zu blinken. Riskante Kolonnenspringerei ohne wesentlichen Raumgewinn. Viel zu dichtes Auffahren. Und provokantes Schleichen auf Landstraßen, wo 80 km/h erlaubt waren, man bei Tempo 50 aber wohl viel besser ins Grüne schauen kann. Wo, um alles in der Welt, haben diese Leute ihren Führerschein gemacht? 
 
Vielleicht in Mexiko. Bis 2014 bekam man dort das Dokument für 50 Dollar. Ohne Fahrunterricht und ohne Fahrprüfung. Mexiko-Stadt galt deshalb weltweit als gefährlichstes Pflaster für Verkehrsteilnehmer. Inzwischen ist ein einfacher schriftlicher Test erforderlich. Doch die Prüfung wird locker gehandhabt. Und in ländlichen Bereichen läuft immer noch alles so ab, wie vor zehn Jahren. 
 
Auch in Vietnam würde ich mich nicht ans Steuer setzen. Dort gibt es zwar erheblich weniger Fahrzeuge als bei uns, aber dennoch jährlich 12 000 Verkehrstote. Wer Berichte über die Führerscheinprüfung in Hanoi liest, fragt nicht mehr, warum das so ist. Die Motorradprüflinge kommen dort ganz selbstverständlich auf ihren Maschinen zur Prüfung. Dann müssen sie vor den Augen einer Kommission eine Acht um weit auseinanderliegende Hindernisse fahren und eine kurze Buckelpiste bewältigen. Durchgefallen sind nur zwei Aspiranten: Der eine bretterte geradeaus durch, die andere fiel zwischendurch vom Motorrad. 

Berühmt-berüchtigt ist auch das Verkehrsgewimmel auf indischen Straßen. Dort müssen alle Führerschein-Anwärter jedoch eine harte Prüfung bestehen. Im theoretischen Teil gilt es, bei 15 Fragen mit drei Antworten zur Auswahl jeweils die richtige Lösung anzukreuzen. Haut man mal daneben, ist das kein Beinbruch - schon neun Treffer genügen völlig. Und beim praktischen Teil muss der Prüfling beweisen, dass er die drei Grundtugenden des Autofahrens beherrscht: Anfahren - Rechtsabbiegen - Anhalten. Ist das gelungen, darf er nach nur 800 Metern seinen Führerschein in Empfang nehmen. 
 
So etwas hätte ich eher in Ägypten erwartet. Doch da sieht man, wie Vorurteile täuschen können. In Ägypten müssen Führerscheinanwärter nicht nur einen theoretischen Test bestehen, der selbst Profis ins Schwitzen bringt. Sie müssen in der praktischen Prüfung unter anderem auch einen S-förmigen Hindernisparcours mit dem Auto bewältigen - allerdings nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts! 
 
Das musste ich 1977 in Lünen zum Glück nicht. Dennoch bin ich im ersten Anlauf in der praktischen Prüfung gescheitert. Nachdem ich einen Kilometer an einem menschenleeren Fahrradweg entlanggefahren war - und das zweimal -, hatte ich es leider versäumt, mir beim Rechtsabbiegen vorher den Hals zu verrenken. "Mangelnde Beobachtung" nannte das der Prüfer. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich dies einmal sagen würde: Mit Blick auf Mexiko, Indien und Vietnam habe ich ausnahmsweise einmal nichts an der deutschen Vorschriftenliebe auszusetzen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 890 vom 28. 7. 23  

Regentropfen, die auf das Haupt Dir klopfen, die sagen Dir ganz leis, es ist nicht mehr so heiß. Dafür is es 'nu nass, denn von dit kommt das! Eine Regenschmunzelpost ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, deshalb darf's heute gleich noch eine zweite sein. 
 
Beginnen wir damit, dass wir einen Mythos überprüfen. Hat ein Regentropfen wirklich Tropfenform? Nein! Das schafft ein Wassertropfen nur, wenn er sich langsam aus einem Wasserhahn quält. Dann sieht er aus wie eine Träne, unten dick und nach oben immer schmaler. Ein kleiner Regentropfen jedoch ist kugelrund. Wird er größer, verhält es sich bei ihm genau wie bei mir - wir nehmen in der Mitte an Breite zu. Man könnte über die Form dann auch sagen: Ach, Du dickes Ei! 
 
Ein Tropf spricht zum Regentropfen: "Wir springen jetzt beide ohne Fallschirm aus dem Flugzeug. Wetten, dass ich vor Dir unten ankomme?" Der Tropf gewinnt zwar seine Wette, hat aber wahrscheinlich nichts davon, weil er danach tot ist. Menschen stürzen ungebremst mit mindestens 200 km/h in die Tiefe, Regentropfen fallen erheblich langsamer. Dicke Tropfen eines Platzregens erreichen bis zu 40 km/h, gewöhnliche Tropfen kommen auf 20 km/h, und Nieseltropfen fallen recht gemächlich mit 5 km/h Geschwindigkeit. 
 
Gemessen an den durchschnittlichen Wassermengen regnet es in Deutschland am meisten in den Alpen und am Alpenrand. Sonnenanbeter sollten die Lausitz und den Ostrand des Harzes besuchen: Das sind hierzulande die regenärmsten Gegenden. Geheimtipp für alle, die Regen hassen: In der Atacama-Wüste in Südamerika ist seit 20 Jahren kein einziger Tropfen mehr gefallen! 
 
Im Durchschnitt sind es bei uns im Jahr pro Quadratmeter Boden 750 Liter Regenwasser, inklusive Schnee. Niederschlagsreichstes Jahr seit 1881 war 2002 mit 1018 l/qm. Zu den niederschlagsärmsten Jahren gehörte 2018, als im Schnitt bloß 586 Liter auf den Quadratmeter kamen. Noch trockener war 1959 (551 l/qm). Doch da war ich abgelenkt: In dem Jahr wurde ich eingeschult. 
 
Als Starkregen gilt bei uns, wenn innerhalb nur einer Stunde 25 l Regenwasser pro Quadratmeter fallen. Hätten wir das Klima Indiens, befänden wir uns dauernd im Katastrophenmodus. Dort fallen während der Monsunzeit 1000 Liter/qm binnen 24 Stunden. Folglich wurde dort auch auch der Regenweltrekord registriert. In einem Jahr hat man in Cherrapunji 26 461 l/qm gemessen! 
 
Zum Schluss was Schönes: Ein von Regen ausgelöster Duft übertrifft für mich sämtliche Parfüms und Duftwässer. Ich meine natürlich nicht den Gestank, der aus Klärbecken und Gullys aufsteigt, wenn er durch Regen noch intensiviert wird, sondern den Duft, der entsteht, wenn nach längerer Trockenheit sanfter Landregen in den Wald- und Wiesenboden dringt. Dann löst das Regenwasser Aerosole aus dem Erdreich, die aufsteigen und alle erfreuen, die ihre Nase auch zum Riechen benutzen und trotz etwas Feuchtigkeit zum Spaziergang aufgebrochen sind. 
 
Der Duft entsteht durch einen Mix aus Ozon, Ölen und Geosmin. Letzteres ist eine Form von Alkohol. Jetzt wird mir auch klar, warum ich gern an einem gefüllten Weinglas schnuppere. Nebenbei: Ein entfernter Verwandter des Regens ist der Nebel. Nebelreichster Ort Deutschlands ist der Brocken, dessen Kuppe 1958 sogar 330 Tage in Nebel gehüllt war. Falls nun jemand auf die Idee kommt, in einer Weingegend zu erforschen, ob mit Hilfe von Geosmin künstlicher Nebel in den Köpfen von Versuchspersonen erzeugt werden kann: Hier bin ich! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 889 vom 27. 7. 23 

Was habe ich mich früher geärgert, wenn es in den Sommerferien regnete! Und es regnete damals oft. Regnete? Was sage ich? Es schüttete! Entweder gab es gegen Abend ein Gewitter mit einer Art Wolkenbruch oder die graue Wolkendecke wollte sich überhaupt nicht verziehen und versorgte uns mit einem anhaltenden Landregen. Nun mag die Erinnerung täuschen, es hat sicher auch sonnige Tage gegeben. Doch normalerweise war der Regen Dauergast und Rudi Carrell sang nicht von ungefähr "Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" 
 
Auch gestern gab es bei uns zwei Schauer, verbunden mit dezentem Rumpeln. Doch anders als früher habe ich mich darüber gefreut. Zwei heiße Dürre-Sommer haben meine Einstellung komplett gedreht. Nicht mehr bei Niederschlag bin ich niedergeschlagen, sondern bei wochenlang blauem Himmel. Die Debatte um den Klimawandel und die weltweit drohende Wasserknappheit tat ein übriges. Grund genug, sich einmal mit dem Regen zu beschäftigen. 
 
Angeblich haben ja die Eskimos (die eigentlich nicht mehr so heißen sollen, aber ich habe für alle, die den Verzicht fordern, nur ein eisiges Lächeln) 100 verschiedene Worte für Schnee. Ich habe hier schon mal aufgezeigt, dass das stark übertrieben ist. Und nach derart vielen Synomen für Regen sucht man erst recht vergeblich. Eine Dusche, ein Guss, ein Schauer, ein Wolkenbruch, Sturz-, Dauer-, Platz- und Nieselregen, das war es so ziemlich. Trotz sächsischer und pommerscher Wurzeln ist mir bloß die "Husche" neu, aber dieser Begriff für einen kurzen Schauer kommt auch aus Ostpreußen. 
 
Mehr los ist bei den Verben. Da platscht, plästert, pläddert, peitscht und prasselt es, dass es eine Freude ist. Manchmal gießt es auch, es rauscht, schüttet, trommelt, rieselt, rinnt, suppt oder sprüht. Und manchmal mag der Regen es schlicht, dann fällt er einfach nur. Mitunter ist er auch sauer. Oder er erfreut uns als warmer Regen, aber dann meist im übertragenen Sinn. 
 
Aber der Regen kann auch lyrisch. Dann tropfen Himmelstränen zu Boden. Wahrscheinlich ist das der Fall, wenn Ihr in Urlaub fahrt. Denn wie sagt man gleich? Wenn Engel reisen, weint der Himmel! Genug geschleimt. Wem es an Kurzwaren mangelt, der muss einfach nur warten, bis es mal wieder Bindfäden regnet. Tierfreunde hoffen jedoch eher auf junge Hunde. 
 
Sind Sonnenanbeter unter Euch? Die fragen jetzt bestimmt: "Was soll der Scheiß?", in dieser Schmunzelpost ist für sie der Regenwurm drin. Doch Vorsicht! Wenn ich erst meinen berühmten Regentanz aufführe, macht Ihr ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Denn dann kommt die neue Sintflut. Mit viertem Vornamen heiße ich nämlich Noah. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 888 vom 26. 7. 23 

Liebe annähernd Gleichaltrige! Erinnert Ihr Euch noch an die Waschmittel-Reklame aus unserer Jugendzeit? Damals übertraf man sich mit Superlativen. Persil - oder war es Sunil? Oder Ariel? Oder Dash? - warb damals mit dem Slogan "wäscht so weiß, weißer geht's nicht!" Nur, um ein Jahr später aufzutrumpfen: "Das neue Persil - noch weißer!" Und dann erschien der "Weiße Riese"... 
 
Das kam mir jetzt wieder in den Sinn, als ich las, dass ein Wissenschaftler in den USA das bisher weißeste Weiß hergestellt hat. Allerdings nicht für Waschmittel. Das Weiß von Xiulin Ruan soll gegen die Folgen des Klimawandels helfen. Und zwar nach dem Motto "Wird's Dir zu heiß? Nimm dieses Weiß!" Die aufgetragene Farbe (darf man weiß als Farbe bezeichnen?) reflektiert 98 % der Lichtstrahlen und lässt somit auch deren Hitze einfach abprallen. Genial! 
 
Übrigens gibt es auch ein Gegenstück, das schwärzeste Schwarz. 2014 sicherte sich der Künstler Anish Kapoor die Rechte an der Verwertung von "Vantablack", das 99,96 % des einfallenden Lichts einfach verschluckt. Wird dieses Schwarz auf einen Untergrund aufgetragen, dann wirkt dieser bodenlos. Kapoor nutzte den Effekt für sein Kunstwerk "Descent into Limbo", was übersetzt "Abstieg in die Vorhölle" bedeutet. Es handelt sich um ein zweieinhalb Meter tiefes Loch, das durch Vantablack als unendlicher Schacht erscheint. Für den Besucher einer Ausstellung in Portugal erwies sich dies 2018 als verhängnisvoll. Er hielt das Werk für einen auf den Boden aufgetragenen schwarzen Fleck und trat beherzt die Kunst mit Füßen. Glücklicherweise wurde er bei seinem Sturz in die Tiefe nur leicht verletzt. 
 
Doch Kapoor musste die Erfahrung machen, dass in unserer Welt fast nichts Bestand hat, was nicht hundertprozentig ist. Denn 2019 entwickelte die Universität von Massachusetts ein Schwarz, das noch schwärzer ist. Es erreicht eine Absorptions-Quote von 99,995 %! Ob das in absehbarer Zeit wohl noch übertroffen wird? Also, da sehe ich ....... 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zu den Waschmittel-Namen noch eine Ergänzung. Eines hieß "Omo". Dazu ein politisch nicht korrekter Witz: Ein Ehepaar beobachtet einen Mann, der sich Waschpulver in die Hose schüttet und dann verzückt die Augen verdreht. Fragt sie: "Was ist mit dem denn los?" Antwortet er: "Ich glaube, der ist omosexuell!" 
 

Schmunzelpost 887 vom 25. 7. 23

Gestern hockte ich bereits vormittags vor der Glotze. Grund war der 6:0-Erfolg der deutschen Frauen bei der Fußballweltmeisterschaft in Australien. Das war Balsam für meine geschundene Fußballseele. Der Schalker Abstieg, die erneute Meisterschaft der Bayern, die enttäuschenden Spiele der Männer-Nationalmannschaften inklusive der U 21! Da war ein gut herausgespielter, verdienter Sieg mal wieder bitter nötig. 
 
Doch woran liegt es, dass ich bei deutschen Triumphen in allen möglichen Sportarten stets mitfiebere und bei Schlappen und selbstverschuldeten Niederlagen zutiefst enttäuscht bin? Ich bin doch wahrlich alles andere als ein Patriot oder gar Nationalist, für den Deutschland nach wie vor über allem steht. Dennoch: Die Identifikation mit den Sportlern und Teams meiner Stadt, meines Herzens und meines Landes steckt tief in mir drin. Deshalb freue ich mich auch über jeden Rekord, der von Landsleuten aufgestellt wird. 
 
Heute möchte ich Euch einige ungewöhnliche Rekorde präsentieren. Ich lege aber nicht die Hand dafür ins Feuer, dass sie noch Bestand haben. Meine Quellen sind ein paar Jahre alt. Fürs Jodeln schlägt mein Herz ansonsten nur bei Loriot. Trotzdem bewundere ich den Münchener Thomas Scholl. Er hat bereits 1992 beim Jodeln 22 Töne in nur einer Sekunde erzeugt. Das war der schnellste Jodler der Welt. Vielleicht sollten sich einige Bayern-Fußballer daran ein Beispiel nehmen und umsatteln. Dann hätten andere Clubs mal wieder Titelchancen. 
 
Die höchste Sandburg der Welt entstand 2021 in Dänemark, aber den Rekord mit der weltweit längsten Sandburg halten seit dem Jahr 2011 die Deutschen. 10 000 Teilnehmer errichteten damals zu Pfingsten auf Rügen eine Sandburg, die durchgängig mindestens 90 cm hoch war, nur aus Sand und Wasser bestand und sich über eine Länge von 27 Kilometern und 376 Metern am Strand entlang zog. 
 
Imposant finde ich auch den Einpark-Weltrekord, der natürlich von einem Mann gehalten wird. Genau genommen, von einem deutschen Mann. Noch genauer genommen sogar von einem Stuntman. Ronnie Wechselberger schleuderte in Berlin mit seinem Polo per 180-Grad-Drehung exakt in eine Parklücke, die bloß 26 Zentimeter größer als sein Auto war. Ich scheitere ganz ohne Schleudern schon an Parklücken, die weit mehr Platz bieten. 
 
Aber ich käme auch nicht unfallfrei über die Hindernisse, die in Leichtathletik-Stadien beim Hürdenlauf aufgestellt werden. Deshalb zolle ich Christopher Irmscher aus Dormagen höchsten Respekt. Er brauchte über 100 m Hürden lediglich 14,82 Sekunden. Und das war Weltrekord! Denn er absolvierte das Rennen mit Schwimmflossen! 
 
Und damit habe auch ich einen Weltrekord aufgestellt. Zumindest, bis mir jemand beweist, dass dies nicht stimmt. Zählt selbst nach! Ich habe in diesem kurzen Text gleich vier Weltrekorde aufgelistet und einen hinzugefügt. Denn das hat es in einer Schmunzelpost noch nie gegeben! Gebt Ihr darauf einen aus? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 886 vom 24. 7. 23 

Nach der sonntäglichen Zeitungslektüre drängt sich eine Fortsetzung der Sommerloch-Tiermenagerie auf. Denn auch die Süddeutsche hat einen Löwenanteil zur Berichterstattung über die neue Spezies des Wildschwein-Löwen beigetragen. Und aus dem Sommerloch Ness außerdem ein paar Medienungeheuer hervorgezerrt, die ich fast vergessen hatte. Besonders eindrucksvoll: Das Merinoschaf Shrek, das einst der Schur entronnen war und sich sechs Jahre lang in der neuseeländischen Wildnis versteckte. Zur Strafe musste es im Sommer in einem Wollmantel schwitzen, der 27 Kilo auf die Waage brachte. 
 
Vergessen hatte ich auch die Brillenpinguin-Dame Sandy. Die muss mal ihre Augengläser verlegt haben, denn sie verguckte sich in den Tierpfleger Peter Vollbracht. Sie war derart verliebt, dass sie ihm überall hin folgte. Als der Treulose eine berufliche Auszeit nahm, flirtete sie zwar kurz mit zwei Pinguin-Herren, denen sie aber sofort die kalte Schulter zeigte, als ihr Peter in den Münsteraner Zoo zurückkehrte. Das Paar blieb dann zusammen, bis dass ihr Tod sie 2021 schied. 
 
In Münster muss etwas in der Luft liegen, das Vogelhirne und -herzen verwirrt. Denn dort war auf dem Schwanensee, pardon, auf dem Aa-See, auch der Trauerschwan gesichtet worden, dessen liebster Schatz ein Tretboot in Schwanengestalt gewesen ist. Petra, so wurde der weibliche schwarze Schwan (heißt es eigentlich Schwänin, Schwaninesin oder Regina? Letztere Möglichkeit verstehen nur Eingeweihte) getauft, hielt ihrem Traummann von 2006 bis zum 31. Dezember 2008 die Treue. Vermutlich wegen der Silvesterböllerei suchte sie dann das Weite und hat sich später mit einem weißen Höckerschwan verbändelt. 
 
Von Münster zurück nach Berlin. Die Wildschweine der Hauptstadt haben es einfach drauf. Ihr jüngster Coup war ja offensichtlich ein maßgeschneidertes Löwenkostüm. Zuvor hatte es eine Wildsau bereits bis in die New Yorker Presse geschafft, als sie 2020 am Grunewalder Teufelssee einem Nackbader die Klamotten mopste und mit ihrer Beute, vom wütenden Nudisten verfolgt, in den Wald flüchtete. 
 
Fernab des Medienrummels spielen sich Mitte Juni bis Mitte August spektakuläre Dinge in unseren Wäldern ab. Da schwärmen die Blutroten Raubameisen aus und stehlen die Larven und Puppen anderer Ameisenarten. Ein Teil der Beute wird verzehrt, ein anderer Teil aber aufgezogen, damit die Unglücklichen später Sklavendienste leisten. Komplettiert wird das Räuberleben durch Saufgelage. Die Raubameisen leben in Symbiose mit Büschelkäfern, die eine alkoholähnliche Droge ausscheiden. Sind die berauschten Ameisen geistig weggetreten, naschen die Käfer ihrerseits von der Brut ihrer Partner. Die Natur hat ein großes Herz für Ganoven und deren Saufkumpane. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 885 vom 23. 7. 23 

Ausgebrüllt, Löwin! Schneller als erwartet ging meine Vorhersage in Erfüllung, dass auch in diesem Sommer wieder eine tierische Geschichte für Aufregung sorgen würde. Ich hörte bei uns schon die ersten Bedenkenträger unken: "Was, wenn nach den Wölfen jetzt auch noch Löwen in unsere Region zurückkehren? Die waren hier vor Zigtausend Jahren doch auch zuhause." Ja, aber vor der Eiszeit, ihr Angsthasen, damals gab es hier auch Wollnashörner und Mammuts! 
 
Überraschend schnell ist der Spuk schon wieder vorbei. Eigentlich hätte die Löwenjagd doch noch bis zum Ende der Sommerferien gestreckt werden können. Denn immerhin gab es reichlich Hinweise aus der Bevölkerung von Leuten, die das Raubtier zweifelsfrei gesichtet hatten. Sind vielleicht noch andere Karnivoren unterwegs? Gab es in Berlin nicht ein großes Simba-Sippen-Treffen, das einige Teilnehmer zu Ausflügen in die Umgebung nutzten? Nein, nach Auswertung des Bildmaterials soll es sich in Klein-Machnow nicht um eine Löwin, sondern um ein Wildschwein gehandelt haben. Gleichen sich ja auch wie ein Ei dem anderen, diese beiden Tierarten. 
 
Was ich mich nun frage: Warum hat die Identifikation so lange gedauert? Warum wurden Anwohner, Eltern und Kinder tagelang in Angst und Schrecken versetzt? Wieso hat man nicht sofort die Fakten geprüft, sondern stattdessen Hundertschaften der Polizei in den Forst geschickt, vom Einsatz der Drohnen und Hubschrauber ganz zu schweigen? Wir sind heute fototechnisch in der Lage, Abertrillionen von Kilometern entfernte Sterne aus der Zeit kurz nach dem Urknall aufzunehmen. Wir können aus uralten Versteinerungen erkennen, was die Lieblingsspeise eines Raubsauriers war. Und wir verfügen über Supercomputer mit erstaunlichen Fähigkeiten, die nicht nur Ex-Weltmeister Carlsson, sondern sogar mich im Schach besiegen können. Aber die Auswertung eines Video-Films braucht eine halbe Ewigkeit. Da müssen wir noch dran arbeiten. 
 
In der Zwischenzeit kann die Wissenschaft sich um einen neuen Fall kümmern. Heute früh, in der ersten Morgendämmerung, also kurz bevor ich mich zum Schlafen niederlegte, habe ich in unserem Garten einen Tiger gesehen. Ja, wirklich. Ich habe keinerlei Zweifel. Also habe ich Türen und Fenster verrammelt und mit unserem Kater ein ernstes Wörtchen geredet, damit er sich in der nächsten Zeit vorsieht. Erst wenn die Bestie dann immer noch in der Gegend herumschleicht, werde ich die Polizei und die örtliche Jägervereinigung "Blattschuss" einschalten. 
 
Wie, Ihr findet das unverantwortlich den Menschen in der Nachbarschaft gegenüber? Dann sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass es sich bei Tiger um ein Katzenmonster aus der Umgebung handelt, einen grimmigen Kater, der ein großes Revier beansprucht und alle potenziellen Rivalen terrorisiert. Tja, Pech gehabt, liebe Ex-Kollegen, Ihr könnt das Smartphone wieder weglegen: Es wird nichts aus Eurem Sommerhit "Furcht vor blutrünstigem Tiger alarmiert Viehhalter". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 884 vom 22. 7. 23

Nachdem ich ihn längere Zeit nicht mehr gesehen und gehört hatte, begann ich mir ernsthaft Sorgen um meinen Nachbarn, den allseits bekannten Herrn K., zu machen. Zumal ich ihn mindestens dreimal beim Betreten oder Verlassen einer Arztpraxis beobachtet habe. Ich gebe es ja ungern zu, aber ich vermisse die Selbstgespräche des alten Herrn oben auf seinem Balkon. Doch gestern ließ er sich endlich mal wieder blicken und setzte sofort zum Monolog an. Hören wir mal rein: 
 
"Hömma, Karl, heute isses nich so heiß, da können wir uns unsa Pilsken ma wieda anne frische Luft gönnen und ein bisken quatern. Und dabei unauffällig ein Äugsken auf unsan Nachbah von unten werfen. Weisse wat, Karl, ich mach mich Sorgen um den Kerl! Die Tage saß ich doch im Wattezimmer vonnem Radiologen. Und wer steht da anne Anmeldung? Dreimal daafse raten! Da habbich natürlich die Lauscher gespitzt. Und watt musste ich da hören? Der wurde auf Mettamofosen untersucht! Stell Dir vor, Karl, der junge Bursche hat Kräbbs! Schäbbich, watt? 
 
Datt hat mich schwer zu denken gegeben. In unsere Häuserreihe schlächt dat Schicksal imma öfta zu. Allein im Haus ganz rechts, wo drei Generationen unter einem Dach lebten, also, die Omma, dat Ehepaar und die beiden Kinders, hat es in den letzten Jahren vier Leute erwischt. Und zwei davon sind schon tot! Da leuchten doch sofort alle Alahmsirenen rot! Denn auf die linke Seite hat es in drei Wohnungen auch schon drei Nachbahn getroffen. Dann auch noch den Hausmeista. Und getz hat der Kräbbs auch noch den Krause am Wickel. Nä, nä, nä, die halten nix mehr aus, die jungen Bengels. 
 
Aber vielleicht is dat halb so wild. Kehlkoppkräbbs, da ham wir doch früher drübba gelacht. Da gibbet et doch dat gute Hausmittel: Du lutscht ein Viertelstündken annem Brikett und dann wird der Kropf kurz abgeflämmt. Danach kannze die Asche von dem Schmonzes aushusten. Musse natürlich ganz schnell wieder löschen, Du biss ja kein Feuerschlucker, nä. Dat is auch nich angenehm, aba dafür kannze dann orntlich mit zehn Bierkes nachspüln. Und dat soll wirklich geholfen ham. Dat ham mir damals die alten Kumpels vonnem Pütt erzählt. Und von denen is kein einziger an Kräbbs gestorben. Nee, die ham alle schon mit spätestens fuffzich den Löffel abgegeben. Staublunge, weisse? 
 
Wat hab ich für ein Glück gehabt, dat ich über Tage die Dampfmaschine bedienen durfte, für die Aufzüge. Und wenn die Kumpels sich inne Kaue dat Schwatte vonne Pelle gekratzt ham, habbich schon inne Kneipe auf sie gewattet. Tja, un getz is der Pütt dicht, die Kumpels sind alle tot und ich bin als einzigen übrich geblieben. Un unsere Gespräche, dat muss ich leider sagen, sind nich imma spannend. Du biss imma so schweichsam, Karl, aba wenichstens gibbse keine Widderworte. 
 
Trotzdem is mich dat manchmal langweilich. Dat Rätsel inne Apotheken-Umschau hab ich fix gelöst und in unsere Zeitung steht imma weniger drin. Dafür kostet se imma mehr. Da kannze Dich kaum noch andre Lecktüre leisten. Aba getz hab ich dat Ei von dem Magellan gefunden! Ich klapper getz die Aazt-Pracksen ab, eine nache andere. Die Wattezimmer sind so voll, da kriecht keiner mit, dat ich bloss zum Lesen da bin. So komm ich getz viel öfter raus und tu watt für meine Bildung. 
 
Ich les ja alles, watt ich inne Fingers kriech. Vonne ADAC-Motto-Welt bis zur Zaunkönich-Revue. Deshalb weiß ich getz inne Adelshäusers tipptopp Bescheid. Und inne Prommi-Zähne! Watt rümpfse da die Nase? Mit dem Wissen kannze Dich prima unterhalten mit die ganzen lustigen Witwen, die da auch inne Pracksen rumhängen tun. Manchmal habbich den Verdacht, datt die auch bloß wegen die Jello-Presse da sind. Ach ja, un dann hoff ich imma, dat ich mal ne gute Nachricht lesen tu. Dat der blöde Kräbbs endlich mal die richtigen zu fassen kriecht. Der Putin soll doch nich mehr ganz gesund sein, nä? 
 
So, Karl, getz gehn wir zwei beide mal wieder rein. Datt wird langsam kühl auffem Ballkong. Und wir woll'n ja keine Erkältung bekommen, nich? Sons müssen wir am Ende noch zum Onkel Doktor, hi, hi." 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 883 vom 21. 7. 23

Manch einem gibt's der Herr im Schlaf. Und dem Betroffenen dämmert dann im Morgengrauen eine fixe Idee, aus der sich für spätere Leser das morgendliche Grauen  entwickeln kann. So ging es mir in der letzten Nacht. Irgendwo im Grenzbereich zwischen Traum und Erwachen spukte mir der Gedanke für eine kleinen Nonsens-Serie durchs Hirn. Ein Panoptikum von Typen, die sich nahtlos in "Krauses Zeug" einreihen lassen. 
 
Mein erstes Beispiel ist mit einem Namen geschlagen, der ihm sein Leben lang zu schaffen macht. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, wenn auch in milder Form. Der Name "Krause" hat den Nachteil, dass man sich gut einen Reim auf ihn machen kann. Sogar Hobbypoeten im Grundschulalter. Wie ich an dieser Stelle schon mal erwähnte: Wer als Kind von Spottgesängen wie "Klaus-Dieter Krause macht eine Pause, dann geht er nach Hause und macht eine Sause - er trinkt eine Brause!" geplagt wird, der ist für's Leben gestählt. Und das traurige I-Pünktchen, dass in einer TV-Westernserie in der deutschen Synchronisation ausgerechnet ein Maulesel Klaus-Dieter hieß, will ich gar nicht erst erwähnen. 

Es hätte ja noch schlimmer kommen können. Im Studium lernte ich einen Kollegen kennen, dessen gesamte Familie sich am Telefon nur mit "Ja?" meldete. Der Gute hieß Fickermann. Daher finde ich den Spruch "Namen sind Schall und Rauch" abwegig. Wenn sich Pauline Opfer mit Franz Schlacht vermählt und sich für einen Doppelnamen entscheidet, war das wenigstens ihre freie Wahl. Doch Neugeborene können sich in der Regel ihren Namen nicht selbst aussuchen, weder vorn noch hinten. 
 
Unsere erste Wachsfigur im Schmunzelpost-Panoptikum trägt rein zufällig einen recht ungewöhnlichen Familiennamen. Das wäre halb so wild gewesen, wenn der Vater sich nicht als Witzbold entpuppt hätte. Er setzte durch, dass sein Sohn den Vornamen "Reiner" bekam. An sich weder exotisch noch anstößig oder irgendwie verwerflich . Wenn man nicht, wie in diesem Fall, mit Hausnamen Zufall heißt. 
 
Es war dann kein Zufall, dass es für den armen Kerl zum Martyrium wurde, wenn er sich vorstellen musste. Vor allem auf einer kindlichen Seele hinterlässt es tiefe Wunden, dass alle laut losprusten, sobald dein Name genannt wird. So ein Knirps begreift ja nicht, dass es bloß ein Wortspiel ist, das die Heiterkeit auslöst. Der Knabe ist wütend, wenn er ausgelacht wird. Und seine Mutter sieht es traurig mit an, ist aber hilflos. Sie selbst hat den Namen ihres Mannes dankbar übernommen. Vor der Eheschließung hieß sie Marta Pfahl. 
 
Ihren Sohn jedoch zerfrass jedes Jahr mehr der Hass auf die kichernde Welt. Als er in der Schule gefragt wurde, was er denn werden wolle, antwortete er: "Superschurke! Entweder Räuber Hotzenplotz oder Joker, wie bei Batman!" Von diesem Zeitpunkt an stand er unter Beobachtung. Und als man beim 18-jährigen bei einer Hausdurchsuchung in den Computer-Dateien einen Mail-Wechsel mit Kim Yong Un und Baupläne für eine Atombombe fand, verschwand er in der Sicherheitsverwahrung. 
 
Hier könnte unsere traurige Geschichte enden. Wenn nicht in den letzten Tagen zwei Meldungen unabhängig voneinander für Aufsehen gesorgt hätten. Die erste trug die Überschrift: "18jähriger Insasse aus Forensik entflohen". Und die zweite lautete: "Spaltbares Material aus dem Munitionsdepot Wulfen entwendet". Aber das war bestimmt reiner Zufall. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Und die Moral von der Geschicht: Eltern, scherzt mit Namen nicht! 

Schmunzelpost 882 vom 20. 7. 23

Bei der unermüdlichen Suche nach Lesestoff für die heitere Abteilung beim Bücherherbst bzw. -frühling im Baumhaus ist mir jetzt ein Werk in die Hände gefallen, das den verheißungsvollen Titel trägt: Die sexuellen Phantasien der Kohlmeisen. Bei der Lektüre stellte sich jedoch schnell heraus, dass sich darin keine zusammenhängenden Texte, sondern lediglich Listen befinden. Damit war das Büchlein fürs Baumhaus ungeeignet. Doch wozu gibt es die Schmunzelpost? 
 
Schon mehrfach waren an dieser Stelle die Namen für Frisörsalons ein Thema. Inzwischen gibt es anscheinend einen Zwang zur Originalität. Was dazu führt, dass vermeintlich witzige Unikate sich häufen. So gibt es laut der eingangs genannten höchst vertrauenswürdigen Publikation in Deutschland und Österreich nach dem Handelsregister bereits 1697 schneidige Betriebe, die sich den Namen "Haarscharf" gegeben haben. Zweithäufigster Name ist Haarlekin (1204), auf Platz drei folgt Fortschnitt (1087). Wer sich davon abheben will, muss ziemlich schräg daher kommen. "Lothaar's alon" gibt es bloß einmal! 
 
Bisher war mir entgangen, dass der Trend zum Wortspiel auch bei der Bezeichnung von Bäckerei-Filialen Einzug gehalten haben soll. Hier steht "Brotway" an der Spitze, gefolgt von "Backwahn" und  "Laib und Seele". Doch zurück zum Figaro. Habt Ihr mal überlegt, mit welchen Sprüchen Ihr den Maestro oder die Maeströse auf die Palme bringt? Wie wäre es mit "Tut mir Leid - aber das Shampoo schmeckt nach Korken." Noch schöner finde ich aber: "Ich hab's mir überlegt - so sind mir die Haare jetzt doch zu kurz!" 
 
Schon häufiger habe ich in der Schmunzelpost an meine Leser appelliert, sich über Tiere Gedanken zu machen oder, noch besser, sich in sie hinein zu versetzen. Was mag wohl in dem Huhn vorgehen, das gerade versucht, Euer Frühstückei auszubrüten? Denkt es: "Hoffentlich wird's ein Junge!" oder fürchtet es "hoffentlich wird es kein Kuckuck!" Darauf folgt: "Dann doch lieber ein Mädchen als ein Kuckuck." Und weil selbst ein blindes Huhn mal ein Korn findet hat ein gesundes Huhn auch mal ein präzisierende Aussage parat: "Ein Hühnermädchen natürlich, kein Kuckucksmädchen!" Um dann wieder in den Brutmodus zu schalten: "Hoffentlich wird's ein Junge!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bei den sexuellen Phantasien der Kohlmeise steht übrigens der Verkehr mit einer Blaumeise ganz oben (88 %). 
 

 Schmunzelpost 881 vom 19. 7. 23

Nein, ich bin gestern nicht mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden. Ich hatte auch keine schlechte Laune oder einen konkreten Grund, meinem Zorn Luft zu verschaffen. Ich bin bloß zufällig auf eine Karte mit Schimpfwörtern aus aller Welt gestoßen und war sofort fasziniert. Beschimpfungen und Flüche kann man immer gebrauchen! 
 
Allerdings lasse ich alle fäkalienhaltigen Verwünschungen links liegen und befasse mich lieber mit für uns unvertrauten, manchmal geradezu originellen Schimpfworten. Der Dreiklang einer heftigen Anfeindung aus Südafrika soll dabei eher die Ausnahme sein: "Du dreipimmeliger, langhaariger, rotzverkrusteter Bastard!" Mit Blick aufs ferne Neuseeland hätte ich etwas mit Schafen erwartet. Aber nein! Dort heißt es: "Du bist ein großer fetter Ziegenarsch!" Und wenn wir schon so fern der Heimat sind: In Japan ist es offenbar eine der größten Beleidigungen, jemand als "Furzkopf" zu titulieren. 
 
Zurück nach Europa. Mit Häuptern haben es auch die Katalanen. Aber sie gehen das Verfluchen vegetarisch an: "Kürbiskopf!" Die Dänen vermengen eine Frucht mit der unteren Körperhälfte und schelten ihre Widersacher als "Arschbanane!" Nordländer werden schon mal ordinär. Warum man auf Island jemand mit "Pornohund" beleidigt, erschließt sich mir nicht, den "Babypimmel" aus Schweden kann ich mir zumindest erklären. 
 
Recht einfallsreich, wenn auch etwas langatmig, sind die Franzosen: "Ich bin stolz auf meinen Arsch, wenn ich Dein Gesicht sehe!" Die Armenier scheinen eine Abneigung gegen Grünzeug zu haben: "Du bist so hässlich wie ein Salat!" Und in Albanien blitzt die Wut durch, wenn es heißt: "Möge der Donner Dein Klo treffen!" Die Russen bestärken mit einer bevorzugten Beschimpfung ihren Ruf, sie neigten zur Rohheit: "Ich reiße Deinen Arsch auf und pule Deine Augen heraus." 
 
Schmerzhaft wäre es auch, wenn sich der Wunsch der Iraner erfüllt: "Mögen Deine Eier sich miteinander verknoten!" Im arabischen Raum wird nicht differenziert, ob es sich um einen Straßenlatschen oder ein Birkenstock-Modell handelt: "Ein Schuh steckt in Deinem Kopf!" Fieser ist eine zweite arabische Beschimpfung: "Deine Mutter beging Ehebruch mit einem Affen!" 
 
Für meine Verhältnisse glimpflich geht es in Asien zu. Wenn mich jemand auf den Phillippinen eine "Krabbe" nennt, könnte ich ebenso damit leben, wie in Indien als "Sohn eines Büffels" bezeichnet zu werden. Mein Vater hätte sich geschmeichelt gefühlt. Wie meine Mutter damit klar käme, dass jemand in China schimpft: "Deine Mutter ist eine große Schildkröte", weiß ich nicht. Aber für mich gibt es Schlimmeres als eine zweite Anpöbelung auf Mandarin: "Du bist ein schimmelndes Ei!" 
 
Wenn ich jetzt einen Eiersalat verputze, den ich mit Kürbis und Bananen dekoriert habe, haut mich das nicht aus den Schuhen. Zumindest solange, wie es auf dem Klo nicht donnert. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 820 vom 18. 7. 23 

Dieser Tage hatten Besucher wieder einmal ihre liebe Mühe und Not, unsere Wohnung zu finden. Wir sind "Im Werth" zuhause. Und diese Straße ist der Alptraum jedes naviabhängigen Paketboten, weil sie als Platz beginnt, als Fußweg weitergeht und als Innenhof endet. Nebenbei: Einbrecher sollten sich keine falschen Hoffnungen machen - "Werth" bezieht sich auf alte Sandablagerungen der Lippe und ist kein Hinweis auf Reichtümer. 
 
Doch dies ist nicht der einzige irreführende Straßenname in Deutschland. An gleich elf Orten gibt es eine Bierstraße. Doch keine von ihnen führt zur Biergartenstraße nach Geislingen. Den Schnapsweg finden wir in Homberg. Von dort empfiehlt sich ein Umzug nach Hanau, wo die neue Adresse dann "Im Rausch" lautet. Nach dieser Zwischenstation kann man am "Promilleweg" in Stadthagen über eine Entziehungskur nachdenken. 
 
Jetzt wechseln wir in den Norden Deutschlands. Nein, nicht an die Reeperbahn. Ich schicke dennoch voraus, dass ich mir diese Straßennamen nicht ausgedacht habe, sondern alle von den zuständigen Ratsgremien abgesegnet wurden. Das gilt nicht mehr für die "Tittentasterstraße" in Wismar. Diese Bezeichnung wurde inzwischen kassiert, an sie erinnert jedoch weiterhin die Bar "Tittentaster" am Markt. Für Unterwäsche-Fetischisten bleibt der Norden dennoch ein gutes Revier: "Im Höschen" wohnt man in Halstenbek, "Zum Slip" geht's nach Nordenham. Wer das "Geil" findet, sollte eine Reise nach Munkbrarup nahe der dänischen Grenze erwägen. War in der Gegend nicht Beate Uhse zuhause? 
 
Genug mit dem Schweinskram! Jetzt werden wir seriös und wenden uns weniger anstößigen Dingen zu. Die "Henning-Mörder-Straße" befindet sich in Stralsund. Dessen Opfer wurden vermutlich im Friedhof an der "Kleine Leichnamstraße" in Grimmen begraben. Der Täter hat sich dann in Rheinland-Pfalz zur Ruhe gesetzt, wo zu Ehren des prominenten Neubürgers die "Killergasse" eingeweiht wurde. Doch das kann auch Zufall sein. Selbst wenn es verräterisch ist, dass man unweit der "Beamtenlaufbahn" in Norderstedt auch den "Stinkbüttelsgang" in Hanstedt findet. 
 
 Zum Schluss noch ein Abstecher nach Bayern, in die zweite Heimat von Albert. Der temperamentvolle Zeitungsveteran hat  dafür gesorgt, dass für ihn in München, wo er zeitweise lebte, eine "Rumpelstilzchenstraße" ausgewiesen wurde. Ob er auch mit Blick auf Markus Söder dazu beigetragen hat, dass es in Pullach eine "Wurzelseppstraße" gibt, kann ich mir weniger vorstellen. Dafür hatte im Vorfeld des Landtagswahlkampfes der polternde Populist garantiert bei einer Straßenbenennung im Allgäu seine Hände im Spiel. Vielleicht hat er dort in Kempten sogar einen zweiten Wohnsitz "Beim Scharfrichter". 
 
 Doch falls sich der Wurzelsepp wirklich traut, nach der Todesstrafe zu rufen, ist er auf dem Holzweg. Und dann bleibt er womöglich in der Provinz verschollen. Denn den "Holzweg" gibt es in Wachau, Radeberg, Priestewitz, Zittau, Willsdruf und Wuttin-Löbejün. 

Glückauf 
kdk 
 
PS.  Im Fernsehen laufen nur noch Krimi-Wiederholungen. Kurzzeitig hatte ich nun sogar gefürchtet, auch in der Schmunzelpost wäre eine Wiederholung nötig: Die Korrektur der Korrektur einer Korrektur. Denn eine häusliche Sprachgelehrte meinte, das Werk des alten Julius hieße "De bellum Gallicum". Die Schreibweise mag zwar auch möglich sein, aber die gebräuchliche Fassung lautet "de bello gallico". Und auf Diskussionen über Groß- und Kleinschreibung lasse ich mich jetzt gar nicht erst ein. Übrigens: Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Titel "Vom gallischen Kriege". Und nicht, lieber Martin, "Der gälisch sprechende Hund" oder "Der gallenkranke Hund".  

  

 Schmunzelpost 819 vom 17. 7. 23

Mein kleines Asterix-Latinum reicht offenbar nicht aus. Und mein Gedächtnis war auch schon mal besser in Form. Jetzt kann ich mir nicht einmal mehr einen Buchtitel merken. Wie eine SP-Leserin mit echten Lateinkenntnissen zu recht feststellt, ist nach den beiden Fehlversuchen von vorgestern und gestern daher eine Korrektur der Korrektur notwendig. Von Caesar stammt "de bello gallico"! Drei Versuche sind des Germanen Recht!
 
Doch wo wir gerade so nett über Buchtitel plaudern: Damit hat sich am Samstag auch das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung beschäftigt. Es ging um einen Titel, den sogar ich mir merken konnte: "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins." Der Autor, Milan Kundera, ist am 11. Juli verstorben. Er wurde 94 Jahre alt. Zu seinem 75. Geburtstag, ausgerechnet am 1. April 2004, hatte die "Berliner Zeitung" dem Tschechen mit einem Scherz gratuliert und seinen Titel in diverse Varianten abgewandelt.
 
Es begann mit "Der unerträglichen Leichtigkeit des Steins", steigerte sich zur "unerträglichen Seichtigkeit des Seins", wurde sogar biblisch mit "Der unerträglichen Weichlichkeit des Kains" und endete als völliger Nonsens mit dem Satz "Das unkaputtbare Streifenkleid ist meins". Die Süddeutsche konnte sich nicht verkneifen, noch einen drauf zu setzen: "Die unzerbrechliche Heiterkeit von Heinz".
 
Völlig unbekannt war mir bisher, dass sich auch zwei Musiker dieses Themas angenommen haben. Der Komponist Christian Minkowitsch schuf "Die unerträgliche Feuchtigkeit des Leims". Und von Faltsch Wagonis stammt das Gesangstück von der "unerträglichen Feuchtigkeit des Mains". Ebenfalls neu für mich: Es gibt anscheinend eine ganze Reihe von Leuten, die sich einen Sport daraus machen, Titel zu verballhornen. Der Autor Wolfgang Mieder hat ein ganzes Buch damit gefüllt und darin Beispiele von tiefsinniger Ironie ebenso wiedergegeben wie plumpe Albernheiten.
 
Dass sich auch die Werbung das Prinzip zunutze machen würde, war ja klar. Ein Mineralöl-Konzern verwandelte den Weihnachtsklassiker "Leise rieselt der Schnee" in  "Leise dieseln im Schnee". Ein unkommerzielles weiteres Beispiel jedoch lässt mich darüber nachdenken, ob ich mir das Mieder-Buch nicht zulegen sollte. Denn die Abwandlung einer Philosophenaussage könnte auch das Lebensmotto eines Schreibers sein, der sein Buch "Krauses Zeug" genannt hat. Der Leitsatz lautet: "Ich denke, also spinn' ich."
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 818 vom 16. 7. 23 

Die Schmunzelpost hat wachsame Leserinnen. So wurde ich freundlich darauf hingewiesen, dass das lateinische Werk "bella tacticus" (wie kam ich bloß auf so einen dämlichen Namen?), in dem es laut der letzten Schmunzelpost angeblich um Fangmethoden für Elche ging, in Wahrheit "de bella gallicus" heißt und von keinem Geringeren als Gaius Julius Caesar verfasst wurde. Da kann man mal sehen, dass auch große Feldherren und Imperatoren irren können, zumindest, was Elche, Germanen und die Vertrauenswürdigkeit des Sohnes Brutus betrifft. 
 
Doch über Tiere kann man nicht nur Unfug schreiben, man kann auch Unfug mit ihnen treiben. Das beweisen die unzähligen Videos von Katzen und Hunden, die mit Hilfe von Sonnenbrillen und anderen Requisiten auf lustig getrimmt wurden. Und ein wärmendes Leibchen mag im Winter für kurzhaarige Hunde sinnvoll sein, doch viele Kleidungsstücke für Vierbeiner sind einfach bloß affig. 
 
Aber warum vorab so knurrig sein? Ich habe mich mal durch das Internet-Angebot der Firma "Society Dog" gewühlt. Dabei ging mein Knurren schnell in ein Winseln über. Denn unter den gefühlt tausend Produkten waren nicht nur Hunde-Pullover, Mäntel und Overalls, sondern auch Mützen, Shirts und sogar Pyjamas. 
 
Topseller ist der Hundemantel "Schneezauber" in augenschmerzendem Rosa. Und mit Rüschen! Passende Ergänzung dazu wäre die Hunde-Sonnenbrille "Rosa" für 29,99 Euro. Doch während der "Schneezauber" immerhin bloß 44,99 Euro kostet, werden für den Overall "St. Moritz" mit Kunstpelz-Kragen satte 109,99 Euro verlangt. Nicht ganz so teuer ist ein Kleidungsstück, das den Hund auf die Höhe der Zeit bringt: Der Hunde-Hoodie "Angels Basic". 
 
Mein Favorit ist eindeutig der Hunde-Sweater "Diego". Zu dem gehört nämlich eine Zipfelmütze, mit der ein kleiner Hund ohne Schwierigkeiten als achtes Mitglied bei den sieben Zwergen anheuern könnte. Bei dem Anblick konnte sich selbst unser Kater eines Kommentars nicht enthalten: "Wow!" 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 817 vom 15. 7. 23 

So, eine Nacht drüber geschlafen. Und morgens mit einer erfreulichen Botschaft empfangen worden: Kehlkopfkrebs gehört zu den Tumorarten mit den besten Heilungsaussichten. Das gilt für 80 Prozent der Betroffenen. Vier von fünf! Ginge es um Fußball würde ich eine Wette auf Heimsieg abschließen. Und damit ziehe ich in der Schmunzelpost erst einmal einen vorläufigen Schlussstrich unter das Thema und wende mich den wirklich wichtigen Ereignissen zu. 
 
Da habe ich doch unlängst in der Zeitung gelesen, dass empfohlen wird, Schafe zu schubsen. Natürlich nicht alle Schafe, an einen wehrhaften Hammel traut sich sowieso keiner. Doch wenn dickbäuchige kurzbeinige Schafe auf dem Boden liegen und aus eigener Kraft nicht mehr auf die Beine kommen, soll man sie von der Seite schubsen und ihnen beim Aufstehen helfen. In der Regel handele es sich um schwangere Muttertiere, die Hilfe brauchen. 
 
Bisher hatte ich nur gehört, dass "Kühe schubsen" im Norden ein heimlicher Volkssport sein soll. Aber das ist bloß ein weiteres Kapitel aus der "Spinne in der Yuka-Palme". In die Welt gesetzt wurde es durch amerikanische und englische Fernsehserien, darunter auch "die Simpsons". Dort wird behauptet, dass es ein Leichtes sei, eine schlafende Kuh mit einem kräftigen Schubser zu Fall zu bringen. Aber das ist nur ein modernes Märchen. 
 
Zum einen legen sich Kühe hin, um zu schlafen. Und um eine erwachsende stehende Kuh zu Fall zu bringen, braucht es die Kraft von mindestens zehn Personen. Es sei denn, man hat Herkules in der Verwandschaft. Dies haben übrigens Wissenschaftler ausgerechnet, die den physikalischen Schwerpunkt der Kuh in ihre Rechnung einbezogen. Da sieht man einmal mehr, dass Forscher nicht nur unsinnigen Quatsch betreiben, wie etwa Atombomben entwickeln, sondern auch zu durchaus nützlichen Untersuchungen fähig sind. 
 
Übrigens haben derartige Legenden eine lange Tradition. Schon die alten Römer behaupteten, nachzulesen in "bella tacitus", dass die Germanen eine besondere Technik entwickelt hätten, um Elche zu fangen. Sie sägten angeblich die Bäume an, an die sich die Tiere zum Schlafen lehnten. Baum und Elch kippten um, und die Jäger hatten leichtes Spiel! 
 
Wer gern einmal Schabernack mit Tieren treiben möchte, der ist zu uns eingeladen. Unser Kater ist, außer gegenüber Mäusen, Maulwürfen und Vögeln, ein friedlicher Geselle. Er ist sogar ein großer Schmuser und liebt es, gestreichelt zu werden. An den richtigen Stellen, zur richtigen Zeit, von den richtigen Menschen. Falls er jedoch schläft und ein Fremder wagt es, ihm unverhofft den Bauch zu kraulen, fliegen die Fetzen. Wer also gerne eine Nacht auf der Intensivstation verbringen möchte - willkommen zum Katerkitzeln! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 816 vom 14. 7. 23

Was macht man, wenn man bereits die Schmunzelpost versandt hat und dann eine Nachricht bekommt, die das Lächeln aus dem Gesicht wischt? Man schreibt noch eine zweite Schmunzelpost hinterher. Besondere Tage benötigen besondere Maßnahmen. Und Humor ist, wenn man trotzdem lacht. 
 
Vor zwei Stunden war ich gut gelaunt. Ich durfte bereits das Krankenhaus verlassen. Und die Auflagen hielten sich in Grenzen: Drei Wochen lang nicht singen, nicht schreien und generell wenig reden. Doch dann kam ein Anruf, der mir das Singen für längere Zeit verleidet hat. Die Gewebeprobe ist bereits ausgewertet worden und hat den Verdacht des Onkologen bestätigt: Es handelt sich um einen aggressiven, bösartigen Tumor, der bereits den ersten Ableger gebildet hatte. 
 
Nun erfolgt am 1. August ein zweiter, größerer Eingriff, nach dem ich längere Zeit im Krankenhaus bleiben muss. Die Heiserkeit wird nicht mehr verschwinden und womöglich noch zunehmen. Vor allem aber muss ich mich im Anschluss ständig kontrollieren lassen, weil diese Tumorart es gern immer wieder aufs Neue versucht. 
 
Und wenn schon! Hartnäckig sein kann ich auch. Zumindest ist nach der Operation erst einmal weder eine Chemo- noch Strahlentherapie nötig. Vielleicht gelingt es ja mit Wachsamkeit und schneller Reaktion den Krebs im Griff zu behalten. Und weil eine Schmunzelpost stets mit einem Grinsen enden soll, noch etwas Schwarzhumoriges. Arzt: "Ich habe zwei schlechte Nachrichten für Sie. Sie haben Krebs. Und außerdem leiden Sie unter Alzheimer." Patient: "Was ein Glück! Ich dachte schon, ich hätte Krebs." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 815 vom 13. 7. 23

 Was die Operation nicht geschafft hat, wäre fast dem Stress der anschließenden 24 Stunden gelungen: Der Tag und vor allem die Nacht in der Klinik hat mich fertig gemacht! 

 
Zunächst zum Stand der Dinge: Statt einem hat der Chirurg gleich zwei Tumorherde von den Stimmbändern abgetragen. Ob noch ein weiterer Eingriff und/oder weitere Maßnahmen nötig sind, soll ich innerhalb von drei Tagen erfahren, wenn der Laborbefund vorliegt. Etwas zu denken gab mir eine Äußerung des Onkologen: "Soll ich Ihnen das im persönlichen Gespräch mitteilen, oder sind Sie psychisch gefestigt genug, negative Nachrichten auch am Telefon zu verkraften?" Das wäre ich zwar, doch ich hoffe lieber auf gute Nachrichten. 
 
Immerhin ging es mir sofort wieder besser, als ich am Mittwoch gegen 12 Uhr aus der Narkose erwachte. Ich war schmerzfrei, geistig klar und guter Dinge. Letzteres sollte sich im Lauf der Zeit komplett ändern. Als erstes plagte mich die Langeweile. Ich lag komplett verkabelt in einer Art Mini-Intensivstation. Alle fünf Minuten pumpte sich ein Blutdruckmessgerät auf und presste meinen Oberarm zusammen. Im linken Handgelenk steckte eine Kanüle, der Schlauch führte zu einem Beutel an der Decke. Und die Sensoren, die auf meiner Brust klebten, übermittelten Daten an Messgeräte, die hinter mir drei verschiedene Kurven anzeigten. 
 
Dadurch war mein Bewegungsspielraum äußerst eingeschränkt. Ich fragte einen Krankenpfleger, wann das Gedöns denn abgenommen werde. "Da müssen Sie sich bis morgen früh gedulden. Wegen der Diagnose werden wir sie vorsichtshalber die ganze Nacht im Auge behalten." Na, prima! Links von mir, nur duch eine blaue Kunststoffgardine von mir getrennt, lag eine zweite Patientin, die ich nie zu sehen, aber um so öfter zu hören bekam. Rechts hatte ich durch die weit geöffnete Schiebewand Einblicke in den Flur, in dem geschäftig medizinisches Personal herumwieselte. 

Trotzdem war mir ganz schnell langweilig. "Wann bekomme ich denn mein Gepäck?", erkundigte ich mich, "darin sind Bücher und mein Laptop." "Ich sage Bescheid, damit es gebracht wird", versprach der Pfleger, "das kann aber einen Moment dauern." Ein Moment, das hatte ich bereits am Vortag gelernt, ist im Gelsenkirchener HNO-Marienhospital ein dehnbarer Begriff. Dieser Moment dauerte 90 Minuten und brauchte eine nochmalige Nachfrage. Wie sich herausstellte, waren meine Sachen in das Zimmer gebracht worden, wo ich eigentlich nach dem Aufwachen untergebracht werden sollte. 
 
In der Zwischenzeit wurde mir einiges geboten. Und mir wurde klar, dass ich vergleichsweise gut dran bin. Ein Zimmer weiter war ein älterer Mann untergebracht worden. Zehn Minuten später erschallten allerlei Warnsignale, und in dem Raum entfalteten sich hektische Aktivitäten. Ich sah immer wieder Ärzte, Schwestern und Pfleger durch den Flur hasten und hörte Stöhn-Geräusche, die alles andere als gut klangen. Eine Viertelstunde später wurde der Mann eilig mit einer Trage weggebracht. 
 
Nun aber war meine Bettnachbarin, eine ältere Frau türkischer Herkunft, an der Reihe. Die arme Frau bekam keine Luft, außerdem gab es Probleme mit ihrem Katheter, die ihr starke Schmerzen bereiteten. Jetzt gaben sich in unserem Zimmer im Wechsel bis zu zehn Mediziner und Pflegekräfte ein Stelldichein. Doch diesmal konnte der Patientin an Ort und Stelle geholfen werden - zehn Minuten später war sie wieder fit genug für ein halbstündiges Handytelefonat. 
 
Mittlerweile knurrte mir der Magen. Am Morgen hatte ich nicht frühstücken dürfen, jetzt ging es langsam auf 16 Uhr zu, und ich hatte immer noch nichts zu beißen bekommen. "Wann gibt's denn was zu essen?" "Da müssen Sie sich noch ein Momentchen gedulden." Na gut, also versuchte ich mich mit dem Laptop abzulenken. Die Daten zum Einloggen hatte ich an der Pforte bekommen. Sie nutzten aber nichts: Der Zugriff war nicht möglich, weil sich zuviele "Members" im Kliniknetz tummelten. So blieb nur das Lesen. Ein Buch hatte ich bereits durch, aber nun wurde ich allmählich unruhig. Denn die Blase drückte. 
 
Zwar hing dafür ein Gefäß am Bett, doch ich genierte mich. Denn wenn ich mich auf den rechten Bettrand setzte, war ich voll im Blickfeld der Vorbeigehenden. Und ein "Männeken piss" in Brüssel muss genügen. Also schwang ich mich zum Vorhang auf der anderen Seite und drehte der Welt den Rücken zu. Dabei hatte ich allerdings nicht bedacht, dass ich nach wie vor mein OP-Gewand, dass hinten offene Engelchenhemd trug. Und darunter nur den OP-Slip. Ein merkwürdiges Teil aus netzartigem Gewebe, eigenwillig, aber sexy. Allerdings wurde der Sexappeal entscheidend dadurch getrübt, dass ich darunter eine windelähnliche Einlage tragen musste. 
 
"Schietegal", dachte ich, "ein schöner Rücken kann auch entzücken." Doch in diesem Augenblick trat die Tochter meiner Bettnachbarin ins Zimmer, und ich ließ das leere Gefäß samt meinem entblößten Unterkörper eilig unter der Bettdecke verschwinden. Nun entspann sich ein längerer Dialog zwischen Mutter und Tochter. Aber immer, wenn ich es gerade wagen wollte, mich aufzurichten, ging die Tochter durchs Zimmer, um ein Handy aufzuladen oder eine Flasche Wasser zu holen. 
 
Als die Mutter endlich glücklich schien, wagte ich einen neuen Anlauf. Aber da betrat eine Freundin der Tochter den Raum, die mit großem Hallo begrüßt wurde und sich danach mit den beiden anderen viel zu erzählen hatte. Die Rettung brachte die Visite des Chefarztes, der die beiden Besucherinnen aus dem Zimmer scheuchte, um mir über den OP-Verlauf und die weiteren Schritte zu berichten. Als er den Raum verlassen hatte, nutzte ich geschwind die Gelegenheit, um mich endlich zu erleichtern. 
 
Leider hatte ich in der Hast die Leitung zum Tropf gekappt. Doch da der Beutel ohnehin schon länger leer war, entschloss ich mich, die Kanüle aus dem Handgelenk zu ziehen. Fehler! Prompt drang schwallartig dunkles Blut aus der Vene. Mit der rechten Hand versuchte ich, die Wunde zuzudrücken, musste aber auch irgendwie den Knopf drücken, um einen Pfleger zu alarmieren. Der kam auch nach drei Minuten herbei und nahm den Anblick des Patienten mit offenherzig zerknülltem OP-Hemd, blutigen Händen, vollgetropftem Fußboden sowie Bluttropfen auf der Bettdecke gelassen hin. Er verpasste mir einen Verband, setzte eine neue Kanüle in den rechten Oberarm ("nur für den Fall, dass wir sie im Notfall brauchen sollten") und säuberte das Umfeld. 
 
Lediglich zwei Auskünfte trübten meine Stimmung weiter: "Bis das Abendessen kommt, dauert es noch einen Moment. Und die Manschette am Arm kann ich leider nicht entfernen, ich werde sie für die Nacht aber auf längere Intervalle einstellen." Gegen 18 Uhr tröstete mich dann vorübergehend eine Mahlzeit, die ich ansonsten verschmäht hätte: Eine Tasse Hagebuttentee, zwei Scheiben Graubrot, zwei Scheiben Billig-Käse und eine Mini-Schmierwurst, deren eklig rosafarbenen Inhalt ich nur durch Gewaltanwendung mittels einer Gabel aus ihrer Kunststoffhülle befreien konnte. Der kleine Becher Eiersalat riss den kulinarischen Genuss auch nicht mehr heraus. Trotzdem: "In der Not frisst der Teufel Fliegen" hatte ich von meinem Vater gelernt. 
 
Für meine Verhältnisse ungewöhnlich früh, gegen 21.30 Uhr, beschloss ich, mich zur Ruhe zu legen. Den Ausschlag dafür gab, dass die Schiebetür zum Flur geschlossen worden war. Das änderte jedoch nichts daran, dass sämtliche Geräusche von außerhalb fast ungefiltert durchdrangen. Eine Kakaphonie an Handy-Klingeltönen, unterschiedlichen Geräte-Signalen und Gesprächen des Pflegepersonals. Drinnen wurde die Symphonie bereichert durch zwei Dauergeräusche, die mich durch die ganze Nacht begleiteten: Ein anhaltendes Plätschern, das einem Gebirgsbach ähnelte und vermutlich der Klimaanlage entstammte und ein eigenartiges Zischen und Bruzzeln, dessen Quelle ich nicht orten konnte. 
 
Doch wozu hatte ich eigentlich mein Zaubermittel gegen frühmorgendliches Vogelgebrüll im Gepäck? Die Ohrenstöpsel verschafften mir tatsächlich Linderung. Aber sie halfen nichts gegen die anderen Störungen, die mich hartnäckig am Nachtschlaf hinderten. Da war zum einen der eiserne Griff um meinen Oberarm, der mich stündlich aus allen Träumen riss. Und ein Notfall im Nebenzimmer, der mit großem Getöse behandelt werden musste. Wobei der leidende Patient offenbar schwerhörig war, weil der Arzt schreien musste, um sich verständlich zu machen. 
 
Vor allem aber erwies sich meine Zimmergefährtin als Schlafbremse. Nachdem sie eingeschlummert war, produzierte sie Geräusche, wie ich sie noch nie in meinem Leben von einem Menschen gehört hatte. Das reichte von einem zarten Zirpen bis hin zu Tönen, wie sie sonst Motoren mit Fehlzündungen oder Orchester vor der Probe verbreiten. Die Ursache wurde mir klar, als die alarmierte Nachtschwester in Zimmer eilte: Die arme Frau bekam zu wenig Luft. Eine Sauerstoffmaske sollte Abhilfe schaffen. Der Nachteil: Alle 30 Minuten ging das Licht an, und jemand betrat den Raum, um zu prüfen, ob die Maske noch richtig saß. 
 
Um sechs Uhr früh wartete ich dann aufrecht im Bett auf den neuen Tag und mein zugesagtes Einzelzimmer. Falls ich jedoch in ein paar Tagen gesagt bekomme, dass ich nochmal unters Messer muss, dann werde ich antworten: "Aber nur, wenn Sie mir versprechen, mich nicht noch einmal neben dem Aufwachraum zu verkabeln." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 814 vom 12. 7. 23

Nach der OP vermutete ich kurze Zeit: Das war's! Irgendwas ist schief gelaufen. Denn statt in meinem Krankenhausbett fand ich mich an einem Schalter wieder. Dahinter hockte ein alter Herr mit einem langen, weißen Bart, der bis zu seinen Füßen reichte. Typ Gandalf, aus dem Herrn der Ringe. Er stellte sich jedoch als Petrus vor. Danach schaute er mich prüfend an, mit einem Blick, der mir durch und durch ging. Dann schüttelte er langsam den Kopf und sagte: "Tut mir Leid, Ungläubige haben im Himmel nichts zu suchen."

Auf sein Zeichen hin öffnete ein geflügelter Dienstbote eine Falltür, und ich sauste abwärts. "Jetzt ist es aus", dachte ich, noch bevor mir durch den Kopf schoss: "Es ist ja schon aus!" Plötzlich wurde mein Fall sanft gebremst, und ich stand erneut vor einem Portal, das diesmal von einem gehörnten Typ mit langem feuerroten Bart bewacht wurde, der ihm bis zu den Pferdefüßen reichte. Durch einen Spalt des Tores konnte ich lodernde Flammen erkennen. Außerdem drangen infernalisches Gekreische, Heulen und Zähneklappern durch.

Und, wen haben wir hier?", fragte der Türsteher gelangweilt. "Äh, mein Name ist KIaus-Dieter Krause, und ich glaube nicht an die Existenz der Hölle." "Das sagen sie alle!", erwiderte der Kerl, "aber sie bekommen dann eine Ewigkeit an Zeit, um sich eines Besseren belehren zu lassen." Er blätterte in einem riesigen Wälzer, stutzte und schnalzte überrascht mit der Zunge, worauf ihm ein kleines Qualmwölkchen aus dem Mundwinkel entwich.

Sind Sie der Krause, der dauernd diese Schmunzelpost verfasst?" "Ja, der bin ich." "Dann müssen Sie wieder zurück ins Leben und weiterschreiben. Sie sind fester Bestandsteil einer Versuchsreihe mit dem Arbeitstitel 'Die Hölle auf Erden'. Damit wollen wir unsere Kandidaten schon zu Lebzeiten auf die Torturen in der Hölle vorbereiten." "Aber ich leide doch gar nicht beim Schreiben. Im Gegenteil, es macht mir Spaß!" "Wer redet denn von Ihnen? Es geht um die Qualen, die Sie jeden Tag Ihren Lesern verursachen!"

Glückauf
kdk

Schmunzelpost 813 a vom 11. 7. 23 

Das Einchecken in ein Krankenhaus ist ein langwieriger Vorgang. Das habe ich bereits seinerzeit bei der Herz- und der Hüftoperation gelernt. Auch in der Gelsenkirchener HNO-Klinik erwartete mich erneut eine zeitraubende Prozedur. Immerhin: Diesmal wurde ich gleich zu Beginn mit einem Laufzettel ausgestattet, so dass mir klar war, welche Stationen mich erwarteten und in welcher Reihenfolge ich sie abarbeiten sollte.
 
Doch in Wirklichkeit stand die Abfolge bloß auf dem Papier. Gleich bei der ersten Station hieß es: "Das ist jetzt gerade ganz schlecht. Erledigen Sie doch erst ein paar andere Dinge." Gut, wird gemacht. CD-Rom der CT-Untersuchungen in der Radiologie abgeben, das war schnell erledigt. "Die können Sie dann nachher wieder hier abholen, es wird ja wohl noch ein Weilchen dauern." Die Frau kannte sich aus. Denn schon bei meiner nächsten Anlaufstelle hieß es: "Nein, nein, vorher müssen Sie zunächst zu Station zwei und vier, dann können Sie wiederkommen." Allmählich begriff ich, warum der Bogen Laufzettel heißt. 
 
Immerhin hatte ich zwischendurch reichlich Zeit, mich von meinen Gängen durch die verschlungenen Korridore zu erholen. Denn wenn ich jeweils bis zur Anmeldung durchgedrungen war, hieß es stets: "Nehmen Sie noch einen Moment Platz, Sie werden dann aufgerufen." Lehre Nummer zwei: Moment ist ein sehr dehnbarer Begriff. Schließlich war ich in einem Untersuchungszimmer angelangt, wo laut Zettel eigentlich nur ein Bluttest durchgeführt werden sollte. Doch der Ober-, Unter- oder Nebenarzt, der mich in die Finger bekam, fühlte sich wohl zu Höherem berufen. 
 
Er nahm mich ganz genau unter die Lupe, befragte mich (damit bereits zum vierten Mal an diesem Tag) nach meinem Gewicht und meiner Größe. "1,86 m? Das glaube ich nicht. Stehen Sie mal auf!" Ich stand auf und schaute auf das Männlein hinunter. "Mmmh, kann wohl doch stimmen." Meine 90 Kilo zweifelte er zum Glück nicht an, er hätte mich auch kaum stemmen können. 
 
Und dann nahm er die gleichen Untersuchungen noch einmal vor, die ich bereits in der Vorwoche bei seinem Chefarzt erlebt hatte. Wollte er seinen Vorgesetzten kontrollieren? Er schob mir auch noch einmal einen Schlauch durch die Nase, leuchtete in meinen Rachen, ließ mich wiederholt "Hi!" sagen und verkündete mir schließlich stolz seine Erkenntnisse; "Sie haben Polypen in den Nebenhöhlen, rechts mehr als links. Und auf dem Stimmband ist ein Karzinom." Glückwunsch, zu dem Ergebnis waren sein Boss und mein Dorstener HNO-Arzt auch schon gekommen. 
 
Vielleicht jedoch wollte er ja nur die Blutabnahme möglichst weit hinausschieben. Bisher gab es da bei mir keine Probleme. Doch dieser Mann hatte seine liebe Müh' und Not, verfluchte unsichtbare Adern, versuchte es vergeblich in der linken und rechten Ellenbeuge und dann am linken Handgelenk. "Verflixt, da kommt nix!" War ich, ohne es zu merken, völlig blutleer? Und die letzten Tage nur als Zombie unterwegs? Nein, heureka, am rechten Handgelenk wurde er fündig. "Das dauert jetzt etwas, erledigen Sie doch erst Ihre restlichen Stationen." 
 
Das tat ich dann auch. Und saß zum Abschlussgespräch im Vorzimmer des Professors. "Einen Moment dauert es noch", flötete dessen Sekretärin, "wir warten noch auf die Blutwerte." Und so saß ich da. Andere Patienten kamen, wurden verarztet und gingen wieder. Ich fühlte allmählich meinen Bart sprießen. Da ging die Tür auf, und der kleine Vampir stürzte herein. "Mit einem Blutwert stimmt etwas nicht, wir müssen den Test nochmal wiederholen!" 
 
Das macht Freude, das macht Spaß, immer wieder aufs Neue - einsteigen, und ab geht die wilde Fahrt! Diesmal brauchte er nur zwei Versuche, wobei er mir die Kanüle so tief ins rechte Handgelenk rammte, dass das Blut wie ein Wasserfall ins Röhrchen schoß. Habe ich schon erwähnt, dass dieser Arzt vermutlich orientalische Wurzeln hat? "Vielleicht will er Dich aus religiösen Gründen schächten wie ein Lamm", schoss es mir durch den Kopf, aber ich verbannte den unsinnigen Gedanken sofort wieder. 
 
Zum Abschied lächelte er mich an. "So wichtig ist dieser Wert auch wieder nicht. Aber wenn es immer noch Unklarheiten gibt, wiederholen wir den Test morgen vor der Operation einfach nochmal. Sie sind erst als Dritter an der Reihe, da ist genügend Zeit." Falls er das tatsächlich versuchen sollte, werde ich tanzend durch den Krankenhausgang hüpfen und singen: "Jedes Lamm sucht sich seinen Schlächter selber - Hi, Hi, Hi, Heiahoh!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 813 b vom 11. 7. 23 

Dass es mir die Sprache verschlägt, ist sehr selten. Jetzt könnte es dennoch bald soweit sein, dass ein Dichter über mich sagt: "Der Klaus steht da und schweiget und aus dem Munde steiget totale Stille - wunderbar!" Heute begebe ich mich ins Krankenhaus und werde dort hoffentlich bereits im Vorfeld erfahren, ob und wie lange ich eine Redepause einlegen muss. 

 

Nicht zu sprechen wird mir jedenfalls leichter fallen, als eine Weile nichts zu essen. Das ist nämlich die nächste Frage, die ich dem Arzt stellen will: Wie lange bleibe ich ein armer Schlucker? Und darf ich wenigstens Suppe schlürfen? Kommt Zeit, kommt Rat. Ich werde jedenfalls nicht völlig verstummen. Wie Ihr wisst, rede ich lieber mit den Fingern auf dem Umweg über Buchstaben-Tasten. 

 

 An meiner Meinung, dass manches der Welt erspart bliebe, wenn alle sich nur schriftlich äußern dürften und die dafür erforderliche Zeit nutzen würden, um hoffentlich ihre Worte vorsichtiger zu wählen, hat sich nichts Grundlegendes geändert. Allerdings komme ich ins Grübeln, wenn ich lese, was viele Zeitgenossen in den asozialen Medien vom Stapel lassen. Doch das könnte man zumindest eindämmen, wenn keine anonymen Nachrichten mehr möglich wären. 

 

Was das Sprechen betrifft, habe ich gestern ein abschreckendes Beispiel im Deutschlandfunk-Kulturradio gehört. Da trieb mich bei einem Interview eine Frau fast in den Wahnsinn. Es fing schon damit an, dass sie jeden zweiten Satz mit "ich würde sagen..." begann. Mein alter Deutschlehrer wäre ihr in die Parade gefahren: "Nu, mach hinne, Mädchen, dann sag es doch!" Nächstes Problem war, dass sie meist nach wenigen Worten stecken blieb, neu anfing und ein ziemliches Kauderwelsch auftürmte. Dabei widersprach sie sich manchmal selbst und wiederholte sich auch noch dauernd. Nach fünf Minuten befreite mich der Aus-Schalter. 

 

Ich habe ja vor Jahrzehnten mal für den WDR-Hörfunk gearbeitet. Solche Gesprächspartner waren ein Horror für mich und die Kollegin, die aus dem Rohmaterial sendbare Aussagen herausschneiden musste. Zudem hatten wir noch ein anderes Problem: Von 20 Minuten Geplapper blieben als verwertbare Substanz mitunter bloß drei Minuten übrig, viel zu wenig für die geplante Beitragslänge. 

 

Doch würde es wirklich helfen, wenn solch Gestammel geschrieben würde? Beim Lesen von Twitter-Nachrichten schüttelt es mich häufig. Ob Grammatik- und Rechtschreibschwäche oder pure Nachlässigkeit, bei der die Korrektur von Tippfehlern offenbar als Zeitvergeudung angesehen wird, die Ursache ist: Auch die schriftlichen Fassungen von Meinungsäußerungen lassen oft viele Fragen offen. Zumal besonders haarsträubende Fehler zusätzlich vom Inhalt ablenken. 

 

Wenn ich noch was sagen könnte, dann würde ich sagen, ich werde nun ein Weilchen verstummen. Und in Ruhe über die Problematik nachdenken. Danach schreibe ich einen Text, dessen Vortrag 20 Minuten dauern würde. Aber wahrscheinlich kann man den Inhalt auch in zehn Sekunden zusammenfassen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! 

 

Glückauf 

kdk 

 Schmunzelpost 812 vom 10. 7. 23

Puh, ist das heiß! "Viel zu heiß fürs Fitness-Training", flüsterte gestern mein innerer Schweinehund. Und ich habe mich überzeugen lassen. Fitness-Training ist wie Zähneputzen. Eine lästige Pflicht für die Gesundheit. Anders als Zähneputzen aber langwierig und daher gelegentlich verzichtbar. Dann lieber an den PC zum Schmunzelpost-Schreiben. "Auch dafür ist es zu heiß", versuchte mir der innere Schweinehund einzureden. Aber da biss er auf Granit. Ich schreibe aus Spaß an der Freude, da gibt es keine faulen Ausreden. So lange die Buchstaben-Tasten nicht wegschmelzen, kann es gar nicht zu heiß sein! 
 
Und damit wären wir schon beim heutigen Thema: Faule Ausreden. Dazu muss ich ein wenig ausholen. Früher haben Verliebte ihre Inititialien in Baumrinden geschnitzt und mit einem Herzen dekoriert. In der neuen digitalen Welt werden die Bäume geschont. Für Herzchen und anderen Emoji-Schnickschnack ist eigens das Internet erfunden worden. Dennoch gibt es immer noch junge Leute, die Handfestes bevorzugen. Die meisten begnügen sich mit dem Anbringen von Schlössern an Brücken und anderen besonderen Plätzen. Doch einige sind traditionsbewusst. Und wenn kein Baum in der Nähe ist, muss halt eine Mauer herhalten. 
 
Ein Engländer hat sich und seine Flamme unlängst in Rom verewigt. An einem besonderen Platz. Er ritzte Buchstaben in die Mauer des Collosseums. Die Römer waren nicht amüsiert und haben ihm eine drakonische Geldstrafe verpasst. Da half es auch nicht, dass der Brite sich umgehend entschuldigen wollte. Er habe nicht gewusst, dass es sich bei dieser Ruine um ein antikes Denkmal handelte. Danach hieß es in den Medien, dies sei wohl eine der dümmsten Ausreden aller Zeiten gewesen. Vor 2000 Jahren hätten die Bauherrn ihren Löwen den Ritzer als zweites Frühstück serviert. 
 
So hart würde ich nicht urteilen. Denn akut Verliebte neigen dazu, ihre Umgebung nur verschwommen wahrzunehmen. Und wenn man Jüngeren Erdkunde- oder Geschichtsfragen stellt, bröckeln wegen der oft absurden Antworten noch weitere Steinchen aus antikem Mauerwerk. Wahrscheinlich hat der Typ gedacht: "Booah, was ein Trümmerhaufen mitten in der Stadt. Dabei könnte man hier doch so ein tolles Fußballstadion bauen wie an der Anfield-Road." 
 
Für den Fall, dass Ihr mal einen Termin verschwitzt habt, will ich Euch mit ein paar plausiblen Ausreden versorgen. Seid Ihr bei Neureichen eingeladen, dann entschuldigt Euch mit: "Mein Hubschrauber musste zur Inspektion." Freunde des öffentlichen Personen-Nahverkehrs werden Euch verzeihen, wenn Ihr erklärt: "Mein Zug hat sich verfahren." Der Bahn ist heutzutage schließlich alles zuzutrauen. 
 
Auch Fußgänger können gute Gründe für eine Verspätung vorgeben: "Verdammt, da draußen herrscht so ein starker Gegenwind, da kommt man kaum von der Stelle." Und wenn es nicht um Minuten sondern um Stunden geht: "Es war heute so heiß, da ist der Asphalt auf dem Bürgersteig geschmolzen, und ich war festgeklebt. Leider hat die Feuerwehr lange gebraucht, um mich zu befreien." Wer unseren Killerkater kennt, wird uns sofort glauben, wenn wir erklären: "Unser Kater schlief auf dem Hausschlüssel - wir konnten nicht weg." 
 
Falls Eure Großeltern schon lange tot sind und niemand glauben will, dass die Straßenbahn einen Platten hatte, dann müsst Ihr schwere Geschütze auffahren: "Stell Dir vor, ich bin von Aliens entführt worden!" Auch religiöse Gründe werden akzeptiert: "An Wochentagen, die mit '-tag' enden, darf ich wegen meines Glaubens nicht nach draußen. Und mittwochs brauche ich dringend mal 'ne Pause." 
 
Gestern habe ich mal einen neuen Spruch getestet, um mich vor meinem Beitrag an der Hausarbeit zu drücken: "Auf dem Weg zur Küche bin ich geblitzt worden - jetzt ist der Lappen weg." Das hat aber nicht funktioniert. Warum bloß? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 811 vom 9. 7. 23

Diesmal werde ich an zwei Themen anknüpfen, die bereits in anderen Schmunzelpost-Folgen der letzten Tage eine Rolle spielten. Fangen wir an mit dem Bahnfahren. Ein unerschöpflicher Quell wahrer Geschichten für das Lehrbuch: Wie ein Unternehmen seinen einstmals guten Ruf systematisch zertrümmert und darauf hofft, dass irgendwann das Mitleid den Spott ablöst. 
 
Wir hatten unsere Lektion gelernt: Längere Touren mit Umsteigen sind schwierig, bei Kurzfahrten besteht noch eine Chance, dass alles klappt. Also sind wir guter Dinge von Dorsten nach Bottrop gefahren. Und siehe da: Bei der Hinfahrt war die Bahn sogar pünktlich. Da nahmen wir es in Kauf, dass die Klimaanlage nicht funktionierte. 
 
Dann stand die Rückfahrt an. Eigentlich kein Problem, weil zwischen Bottrop und Dorsten Regionalbahnen im Halbstunden-Takt verkehren. Als wir jedoch guter Dinge um 15.20 Uhr  am Bahnsteig eintrafen, empfing uns auf der Anzeigetafel der Hinweis, dass die nächsten beiden Züge ausfallen würden. Doch wir hatten ja Zeit und nahmen neben einer Mutter mit zwei kleinen Kindern Platz. Die drei wollten auch nach Dorsten, warteten aber schon eine Stunde vergeblich auf ihren Zug. "Die nächste reguläre Verbindung um 16.13 Uhr ist nicht gestrichen worden, das wird schon klappen", spendete ich Trost. 
 
 In der Wartezeit unterhielten uns Lautsprecher-Durchsagen, die überwiegend Nachbargleise betrafen und Verspätungen und Zugausfälle begründen sollten. "Wegen eines Feuerwehreinsatzes muss der Zug XY leider ausfallen." "Wegen eines kurzfristigen Personalausfalls entfällt heute...". "Wegen eines Schadens am Zug kann die Regionalbahn...". Glücklicherweise war von unserem Zug nicht die Rede. Bis drei Minuten vor der fahrplanmäßigen Abfahrzeit. "Die Regionalbahn 14 nach Dorsten hat heute fünf Minuten Verspätung", tönte es aus dem Lautsprecher.
 
Wir schauten uns an. "Nur fünf Minuten, da haben wir ja Glück gehabt." Der Zeiger rückte vor auf 16.18 Uhr. Kein Zug fuhr ein. 16.19 Uhr, 16.20 Uhr, 16.21 Uhr, 16.22 Uhr, 16.23 Uhr, 16.24 Uhr... Irgendwer hatte die Idee, nochmal auf die Anzeigetafel zu schauen. Und siehe da: Die Abfahrtzeit war klammheimlich auf 16.33 Uhr gestellt worden. Dann war es soweit: 16.33 Uhr. Statt eines Zuges eine neue Lautsprecherdurchsage: "Der RE 14 auf Gleis 3 hat heute voraussichtlich 20 Minuten Verspätung." 20 Minuten? Die waren doch schon rum? 
 
Dann folgten drei weitere Durchsagen. Irgendwo war die Feuerwehr immer noch im Einsatz. Und danach hatte jemand die glorreiche Idee, zwei Durchsagen gleichzeitig abzuspielen, während zusätzlich gerade ein langer, langer Güterzug durchdonnerte. Wir schauten uns alle fragend an. Zum Glück sprang der Lautsprecher sofort wieder an: "Die Regionalbahn nach Borken und Coesfeld über Dorsten, planmäßige Abfahrt um 16.43 Uhr, hat zehn Minuten Verspätung." Von unserem Zug nach Dorsten war überhaupt nicht mehr die Rede. 
 
Das änderte sich um 16.48 Uhr. "Auf Gleis drei fährt ein die Regionalbahn nach Dorsten." Die mittlerweile recht zahlreich gewordenen Fahrgäste sprangen auf und postierten sich am Bahnsteig. Und standen bei 34 Grad vergeblich in der prallen Sonne herum. Nach drei Minuten setzen sich die ersten fluchend wieder hin. Doch es gibt offenbar eine höhere Gewalt, und die hatte Mitleid: Weitere fünf Minuten später fuhr tatsächlich der Zug ein. Mit Glück ergatterten wir sogar noch Sitzplätze. Und die Klimaanlage? Funktionierte sie diesmal? Ratet mal! Ihr habt recht: Natürlich nicht. 
 
Immerhin verlief die Rückfahrt ansonsten pannenfrei. Und dann ertönte die Durchsage: "Wir fahren jetzt auf dem Bahnhof Dorsten ein. Der Zug endet hier. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts." Nun konnte nichts mehr schiefgehen. Eigentlich. Aber etwa 500 Meter vor dem Bahnhof blieb der Zug stehen, inmitten von Maisfeldern. Ich hatte mir fest vorgenommen, mich nicht mehr über die Bahn aufzuregen. Doch jetzt brannten alle Sicherungen durch, und ich ging in die Luft. Soll die Bahn selbst zusehen, wie sie mit dem Loch in der Waggondecke zurecht kommt! 
 
Fortsetzung Nummer zwei: Zu meiner Überraschung bekam ich gestern Post von der Radiologischen Praxis. "Nanu, die sind aber fix mit der Rechnung", dachte ich, fand dann aber eine Kopie der Untersuchungsergebnisse vor, die an die Fachärzte gegangen war. Zwei Seiten, in denen es von Fachbegriffen nur so wimmelte. Kostprobe gefällig? Zur Thorax: "Keine Bronchiektasen. Kein Nachweis von Infiltraten, Koglomeraten, Milchglas oder Honigwaben. Pleurakuppenschwielen beidseits. Knöcherne Strukturen ohne suspekte osteolytische oder osteoplastische Läsionen." 
 
Hä? Honigwaben? Bin ich eine Hummel oder was? Warum sind Arztpraxen nicht fähig, für den Dummbeutel Krause und andere Laien Übersetzungen ins Hochdeutsche anzufügen? Drei Sätze hätten ausgereicht: Krebsableger in anderen Körperregionen wurden nicht festgestellt. Allerdings gibt es an zwei Stellen weiteren Untersuchungsbedarf. Das hat aber noch Zeit. 
 
Fortsetzung folgt nach der OP. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 810 vom 8. 7. 23

Gerade habe ich das Büchlein "Schwarzer Humor für die Rente und Pension" irgendwo in der Mitte aufgeschlagen. Und was muss ich lesen? "Ruhestand, das heisst auch, endlich Zeit, den Nachlass zu regeln." Wenn das mal kein Wink mit dem Zaunpfahl ist. Die gestrigen Untersuchungen haben zwar für eine Teilentwarnung gesorgt. "In Lunge und Magen sind keine Metastasen zu sehen", teilte mir der Radiologe mit. Doch dann fuhr er fort: "Die Bilder von der Speiseröhre, dem Kehlkopf und den Nebenhöhlen muss ich mir noch etwas genauer anschauen. Die Ergebnisse sende ich dann an ihren Facharzt." 
 
Somit ist die Zeit der Ungewissheit verlängert. Wahrscheinlich ist es sowieso besser abzuwarten, bis der Onkologe den Tumor entfernt und seine unmittelbare Umgebung untersucht hat. Die Zwischenzeit will ich nutzen, in dem Büchlein weiter zu blättern. Dort erfahre ich zum Beispiel etwas über eine mir bisher unbekannte Organisation, den VDA. Das ist die "Vereinigung der Arbeitsfreunde". Sie tritt für die Abschaffung des Ruhestands und für ein Arbeitsleben bis zum Tode ein. 
 
Der Verein sorgt sich um das Auseinanderdriften in der Gesellschaft und will dem sich abzeichnenden Konflikt der Generationen begegnen. Denn: "Die öffentliche Wahrnehmung streunender Ruheständler:innen in Cafes und Parks und ihre demonstrative Zurschaustellung unbekümmerter Untätigkeit stellt ein ernsthaftes Problem dar. Die Moral der fleißigen, rechtschaffenen Mitbürger:innen wird so unterwandert und deren Effektivität erheblich gemindert." 
 
Der VDA hat deshalb einen Forderungskatalog aufgestellt, der lauter Verbote enthält. Der Ruhestand wird komplett abgeschafft. Das 65. Lebensjahr wird verboten, weil es lange als Renteneintrittsalter galt und Begehrlichkeiten weckt, die wir uns künftig nicht mehr leisten können - auch nicht mit 80. Öffentliche Sitzgelegenheiten werden verboten, denn die Ruhebank ist aller Laster Anfang! Kaffeefahrten und Tagesausflüge werden verboten, weil das massenweise Auftreten vergnügter Parasiten nur für Irritationen sorgt und der Rheumadecken-Verkauf unsere Wirtschaft nicht entscheidend nach vorne bringt. Arbeitsfeindliche Bekundungen werden strikt untersagt, Zuwiderhandlungen mit sozialer Arbeit an Sonn- und Feiertagen geahndet. Und die Rudelbildung von Rentnern wird unter Strafe gestellt. Einzige Ausnahme: Die Schlange vor dem Arbeitsamt, wo sich Rückkehrer melden können, um dem Fachkräftemangel wirksam entgegen zu treten. 
 
Ich muss sagen, ich finde das gar nicht so schlecht. Ich werde dem VDA wohl beitreten. Allerdings nur, wenn eine wichtige Voraussetzung erfüllt ist. Da die Folgen des Pillenknicks erst langsam spürbar werden, genießen alle Bestandsschutz, die bereits im Ruhestand sind. Die Gewöhnung an das faule Leben hat uns der Arbeitswelt bereits völlig entfremdet. Aber jetzt heißt es handeln, bevor es zu spät ist. Den Klimawandel haben wir schon verpennt, weitere Fehler können wir uns nicht mehr leisten. Ich bin dafür, dass die Neuregelungen gemeinsam mit dem Heizungsgesetz nach der Sommerpause rechtswirksam werden. Dann gehen sie nämlich in der medialen Wahrnehmung unter, und die Proteste halten sich in Grenzen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 809 vom 7. 7. 23 

So, heute gucke ich in die Röhre. Und zwar ziemlich lange. Per CT-Untersuchung soll festgestellt werden, ob sich irgendwo in meinem Körper bereits Metastasen angesiedelt haben. Weil das Kehlkopf-Karzinom noch recht klein ist und die Lymphdrüsen nicht vergrößert waren, bin ich zuversichtlich, dass der Tumor noch nicht gestreut hat. Aber man weiß ja nie. Und dann taucht die Frage auf: Was wäre, wenn? 
 
Erstaunlicherweise habe ich auch davor keine große Angst. Schließlich habe ich bereits 70 Lebensjahre hinter mir. Und meine Tage, wie übrigens auch Eure, sind gezählt. Allerdings hoffe ich, dass die verbleibende Zeit jetzt nicht allzu sehr zusammengestrichen wird. Denn eigentlich fühle ich mich augenblicklich sehr gut. Trotz aller Wehwehchen und Einschränkungen: Wenn man mir anböte, den gegenwärtigen Zustand einzufrieren und mich so bis zu einem unbestimmten Tag X weiterleben zu lassen, würde ich sofort einschlagen. 
 
Der Tod ist unausweichlich, aber den fürchte ich nicht. Da für mich die "unsterbliche Seele", die Wiederaufstehung nach dem Jüngsten Gericht sowie Himmel und Hölle ins Reich der Legende gehören, sehe ich meinem Ende gelassen entgegen. Das, was uns ausmacht, unsere Persönlichkeit, unsere Eigenschaften, unser Bewusstsein, wird vom Tag der Geburt an (womöglich auch schon davor) geformt und verändert sich unser ganzes Leben lang. Komplexe Vorgänge in unseren Gehirnzellen und Botenstoffe in unserem Körper machen das aus, was man unser Wesen nennt. Chemische Mittel und Medikamente können unseren Charakter ebenso beeinflussen wie das fortschreitende Alter und das Absterben von Zellen. Ist das Leben erst endgültig aus mir gewichen, dann gibt es Klaus-Dieter Krause nicht mehr. Nie wieder, auch nicht mit einem Bahnhofsdienstboten auf Wolke 04 harfezupfend und "Luhja" singend. Und das ist auch gut so. 
 
Allenfalls könnte ich mir vorstellen, dass meine Moleküle wieder im ewigen Kreislauf der Materie verteilt werden und irgendwo anders unterkommen. Allerdings ohne Erinnerung und Herkunftsstempel. Ein tröstlicher Gedanke. Denn eigentlich ist es doch gut, alles hinter sich zu haben, keine Schmerzen mehr zu empfinden und das ganze Elend auf Erden nicht mehr mitzubekommen. Eine Wiedergeburt, an die Buddhisten glauben, wäre für mich eher die Hölle. Von vorn anfangen möchte ich nicht. Ein neues Leben in einer Welt, in der alles zunehmend den Bach runtergeht? Nein, danke! 
 
Und wenn es doch so käme? Wer sagt mir, ob ich nicht in China oder Indien mein Dasein fristen müsste, oder, noch schlimmer, in der Sahelzone oder in den Slums von Asien, Süd- und Mittelamerika? Wer sagt mir, in welche Zeit ich hineingeboren würde? Zum Glück ist mir das Schicksal meiner Großeltern und Eltern erspart geblieben, doch ich fürchte, die Zukunft hält neue Schrecken bereit. Und in der fernen Vergangenheit hätte ich mich ungern Aug in Auf mit Mammut oder Höhlenbär befunden. Oder wäre von meinem Stamm auserkoren worden zu testen, ob diese hübschen Pilze mit den roten Kappen und den weißen Punkten den Hunger stillen. 
 
Überhaupt: Wer garantiert mir, dass ich als Mann neu anfange? Aber dass mich die besten Jahre meines Lebens periodisch tagelang Schmerzen quälen, dass ich drei bis dreizehn Kinder gebären muss und irgendwelche Macker mich herumkommandieren dürfen - nein, nur das nicht! Auch der Gedanke, als Tier die Erde zu bevölkern, ist alles andere als reizvoll. Weder als Insekt noch als Fisch oder Säuger bist Du vor Fressfeinden sicher. Selbst als Tyrannosaurus musst Du ständig Angst haben, dass Dir ein Asteroid aufs Haupt donnert. Bei den Tieren ist es im Grunde wie bei den Menschen: Nur ein winziger Bruchteil hat das große Los gezogen, für die breite Masse sind die Nieten vorher bestimmt. 
 
Also, wenn schon Wiedergeburt, dann bitte als Granitgestein. Dann prallt alles an mir ab. Auch die Langeweile wird mich nicht plagen, weil Granit das Denken ähnlich schwer fällt wie Donald Trump. Lediglich die Kräfte der Elemente würden ganz langsam an mir nagen, brauchten aber eine halbe Ewigkeit, um mich kleinzukriegen. Und somit hätte ich lange  meine Ruhe bis zur nächsten Runde. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bevor Euch noch das Lächeln im Gesicht gefriert, ein Nachtrag zur letzten Folge. Raimund hat mir den schönen Stoppok-Song "Mein Freund, der Kühlschrank" zugesandt. Wer Interesse hat, kann ihn im Internet abrufen. Und dann in der Küche seinem Kühlschrank vorspielen: Vielleicht kann man den so aus der Reserve locken. 

 

 Schmunzelpost 808 vom 6. 7. 23

Es gibt Menschen, die führen tiefschürfende Gespräche mit ihren Kühlschrank-Veteranen. Axel Hacke, Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, zählt dazu. Und es ist immer wieder erstaunlich, was in einem altgedienten Bosch-Modell vorgeht. Sage niemand, ein Kühlschrank hätte keine inneren Werte außer Butter, Gemüse und Käse. 
 
Ich habe wiederholt versucht, auch mit unserem Kühlschrank ins Gespräch zu kommen. Bisher ohne Erfolg. Er verweigert sich. Meine Bemühungen lassen ihn kalt. Außer einem gelegentlichen Brummen, das ich dann als Zustimmung werte, trägt er nichts zur Unterhaltung bei. Dabei wäre es für ihn höchste Zeit nachzuweisen, dass er über weiter reichende Fähigkeiten verfügt. Denn in seinem Kerngeschäft, dem Bereithalten von wohltemperierten Lebensmitteln und Getränken, lässt er immer mehr zu wünschen übrig. Falls er nicht bald zu sprechen beginnt, droht ihm ein schreckliches Ende als Elektroschrott. 
 
Von Anfang an hatte er seine Macken. Bereits als er den Dienst in unserem Haushalt aufnahm, war er ein alter Knacker. Jedenfalls hatten wir nach kurzer Zeit herausgefunden, dass die rätselhaften Geräusche, die gelegentlich von der Küche aus ins Wohnzimmer drangen, von ihm stammten. Beschwerte er sich damit, dass seine Füllung ihm zu gewöhnlich war? Hatte er ein Leben in Saus und Braus mit Kaviar und Champagner erwartet? Da war er bei uns an der falschen Adresse. Immerhin stelle ich im Sommer einen ordentlichen Weißwein oder einen erfrischenden Rose kalt. Vom Aroma könnte er ja auch ein wenig zehren. 
 
Stattdessen zeigte er sich schnell von seiner eisigen Seite. Sehr rasch bildet sich um den Verschluss des Gefrierfachs eine dicke Reifschicht, die irgendwann verhindert, dass die Tiefkühlabteilung hermetisch dicht ist. Außerdem ist unser Kühlschrank kaum belastbar. Obwohl wir ihn wirklich nicht übermäßig vollstopften, entwickelten sich Risse in der Kunststoffhalterung der Glasplatten, die sein Inneres in mehrere Fächer teilten. Davon ist inzwischen nur noch eines übrig geblieben. Aus ungeklärten Gründen zersprang jetzt auch noch die untere dicke Glasscheibe in große Scherben. 
 
Nervig ist auch, dass das Männlein - ja, ja, liebe Gleichstellungsbeauftragten, schon gut: oder das Weiblein oder irgendeine diverse Fachkraft - seinen Dienst quittierte, das jahrelang dafür zuständig war, im Kühlschrank das Licht auszuschalten, sobald die Tür geschlossen wurde. Nach der Kündigung des frostigen Personals geht nun das Licht erst gar nicht mehr an. Wir tappen auf der Suche nach Nahrhaftem im Dunkeln. 
 
Also, lieber Kühlschrank, wenn Du am Leben hängst und Deinen Platz in unserer Wohnung behalten willst, dann musst Du endlich mit mir reden. Was sagst Du? Ach so, das war bloß Dein übliches Knacken, kombiniert mit besonders lautem Brummen. Das reicht nicht! Also, geh in Dich und melde Dich, wenn Dir Dein Leben lieb ist. Ich muss jetzt Schluss machen. Mittlerweile werden meine Kontaktversuche argwöhnisch beäugt. Und ich möchte nicht zusammen mit Dir ausrangiert werden. . .
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 807 vom 5. 7. 23 

Sind Tennisfreunde unter Euch? Aber egal. Selbst, wenn man wie ich nach den Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf das Geschehen auf den Centercourts der Welt nur noch am Rande verfolgt, bekommt man die Schlagzeilen unweigerlich mit. Neben den Royals genießen offenbar auch die großen Tennis-Asse besondere mediale Aufmerksamkeit. 
 
Augenblicklich läuft wieder das berühmte Turnier in Wimbledon. Dort fand vor exakt 48 Jahren, am 5. Juli 1975, ein bemerkenswertes Endspiel statt. Bisher hatte ich geglaubt, dass sich außer dem legendären Rüpel John McEnroe, der sich heiße Schlachten mit Björn Borg und den Linienrichtern lieferte, die meisten Spitzenathleten des "weißen Sports" halbwegs zivilisiert betragen haben. Ausnahmen wie der Impfverweigerer Djokovic bestätigten die Regel. Dagegen waren Federer und Nadal doch geradezu Gentlemen des heiligen Rasens. 
 
Doch die Wahrheit ist eine andere. Erinnert Ihr Euch an Jimmy Connors? Den Amerikaner mit dem Milchbubi-Gesicht? Der hat sich damals mit seinem Rivalen, dem dunkelhäutigen US-Amerikaner Arthur Ashe, eine heiße Fehde geliefert. Die gipfelte darin, dass Connors nach einer ganzen Reihe von Prozessen gegen Ashe eine millionenschwere Verleumdungsklage einreichte. Was war passiert? Ashe hatte die Weigerung von Connors, im Daviscup-Team der USA für sein Land anzutreten, als "schier unpatriotisch" bezeichnet. 
 
Ausgerechnet diesem Kontrahenten stand Connors am 5. Juli 1975 im Wimbledon-Finale gegenüber. Und Ashe kam auch noch in der Daviscup-Jacke mit der US-Flagge auf den Platz! Connors hatte Schaum vor dem Mund. Leistungsfördernd war das nicht. Er wurde von seinem Gegner förmlich deklassiert. Arthur Ashe gewann als erster Schwarzer das Wimbledon-Turnier. 
 
Diesen für Connors so schrecklichen Tag krönte schließlich noch sein eigener Manager. Bill Riordian hatte im Finale gegen den Favoriten Connors gewettet, seinen eigenen Schützling. Jimmy war total erschüttert: "Kann man das glauben? Und er hat nicht mal seinen Gewinn mit mir geteilt, der Geizhals!"
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 806 vom 4. 7. 23 

Tja, das war zu erwarten. Als ich letzte Woche auf der zweiten Lokalseite versteckt den Hinweis las, dass die Dorstener Zeitung künftig für ein Abo mehr als 50 Euro nimmt, war mir klar, dass es jetzt ans Eingemachte geht. Ich bange immer noch um meine Printausgabe, weil ich zum Frühstück nicht auf die Zeitung aus Papier verzichten will. Seitdem bin ich bis gestern von zehn (!) Leuten auf die Preiserhöhung angesprochen worden. Und fünf werden abbestellen oder haben das schon getan. 
 
Bei solchen Gelegenheiten frage mich, was wohl in den Köpfen von Zeitungsmachern und Verlegern vorgeht. Siegfried Unseld, selbst bis zu seinem Tod an der Spitze des Suhrkamp-Verlages, hat mal gesagt: "Napoleon - so schrieb vor kurzem ein Soziologe an den Verlag - war schon deshalb ein großer Mann, weil er einen Verleger erschießen ließ." Warum musste ich da sofort an unser Medienhaus denken? 
 
Aber es gibt noch andere schöne Zitate von Zeitungsmachern und Verlegern. So sagte Henri Nannen, einst Herausgeber des Stern: "Wir haben vier Millionen Chefredakteure. Unsere Leser." Und Andreas Petzold vom Stern übertraf ihn noch an Originalität, als er schrieb: "Henri Nannen hatte vier Millionen Chefredakteure. Seine Leser." Aber was will der Leser? Axel Cäsar Springer kannte die Antwort: "Was will der Leser? Lesen!" 
 
Doch was erwartet der lesende Chefredakteur von seinem Blatt? Die Antwort weiß der Chefredakteur einer lange Zeit in Deutschland führenden intellektuellen Publikation. Druckerzeugnisse sollen "der Wahrheit dienen!" Das meinte Peter Höpfner, Chef der deutschen "Mickey Maus". Die vornehmste Aufgabe ist jedoch nach Franz-Josef Wagner, früher Chefredakteur der "Bunte", heute Kolumnist bei "Bild", eine ganz andere: "Dem Leser unnötige Leiden ersparen." Und Helmut Markwort vom "Focus" setzte ebenfalls auf Emotionen: "Dem Leser das Gefühl geben, er ist der Größte!" 
 
In Österreich sah man die Sache anders. Zumindest Hans Dichand als Chefredakteur der "Krone": "Die Kacke zum Kochen bringen." Als alter, sowohl weiser wie weißer Mann und Schmunzelpost-Chefredakteur neige ich dieser Tage immer mehr dazu, mich Helmut Schmidt, früher mal erfolgloser Bundeskanzler und erfolgreicher Herausgeber der "Zeit", anzuschließen: "Das Leben ist schön. Schreiben wir drüber." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch ein kleiner Nachtrag aus der Buchbranche. Vor langer Zeit traf Mark Twain in den USA den Verleger Carlton, der zwanzig Jahre vorher sein erstes Manuskript abgelehnt hatte. "Es gibt einen Menschen, der noch größer ist als Sie", sagte der Verleger. "Der wäre?" fragte der Schriftsteller. "Ich. Man nennt mich das größte Kamel aller Zeiten." 
 

 Schmunzelpost 805 vom 3. 7. 23

Gestern stand eine Generalprobe auf unserem Programm. Nach Kurzfahrten in die Nachbarorte Coesfeld und Bottrop wollten wir ausprobieren, wie sich unser Deutschlandticket bei längeren Touren mit mehrfachem Umsteigen bewährt. Dafür hatten wir eine Fahrt nach Hagen auserkoren, weil im dortigen Museum derzeit eine interessante Ausstellung zu sehen ist. Der Fahrplan sah vor, dass wir mit der Bahn um 12.06 Uhr in Dorsten starten und über Wanne-Eickel und Bochum um 13.47 Uhr am Hagener Hauptbahnhof eintreffen würden. Um es vorwegzunehmen: Wir sind komplett gescheitert! 
 
Immerhin hat die Anfahrt zum Dorstener Bahnhof einwandfrei geklappt. Die absolvierten wir mit dem Rad. Doch danach lief gar nichts mehr so, wie es sollte. Denn wir standen erwartungsvoll an Gleis 3, als ein Laufband auftauchte: "Der Zug um 12.06 Uhr nach Wanne-Eickel entfällt ersatzlos." Na ja, kein Beinbruch. Dann fahren wir eben mit dem "Borkener" über Essen nach Bochum. Das funktionierte zunächst auch gut. Bis kurz vor der Einfahrt in den Essener Hauptbahnhof eine Durchsage ertönte: "Aus unbekannten Gründen zwingt uns ein Haltesignal zum Stopp. Die Einfahrt in den Bahnhof verzögert sich um wenige Minuten."
 
Das war aber lediglich der zweite Warnschuss. Kurz darauf standen wir in Essen am Bahnsteig 11, wo um 13.07 Uhr die Regionalbahn 40 nach Hagen abfahren sollte. Sie erschien uns als günstigste Alternative zur RB 16 und zur S-Bahn, die laut Fahrplan beide erst eine gute halbe Stunde später in Hagen eintreffen würden. Die Wartezeit auf dem Bahnsteig vertrieben uns unterhaltsame Lautsprecher-Durchsagen: "Wegen personeller Problem muss der Zug XY nach Mülheim ausfallen." "Wegen Problemen mit der Oberleitung im Bereich Essen-West ist mit längeren Verspätungen und teilweisen Zugausfällen zu rechnen." "Wegen Gleisbauarbeiten...." usw. usw. Doch unsere Verbindung nach Hagen wurde nicht erwähnt. 
 
Zu denken gab uns aber, dass auf der Bahnsteigtafel als nächster Zug eine S-Bahn nach Dortmund angekündigt wurde, die erst am Folgetag um 6.39 Uhr eintreffen sollte. Auf einem Laufbahn darunter war zu lesen, dass der RE 16 aus Iserlohn eine ganze Stunde Verspätung haben würde. Doch das betraf ja die Gegenrichtung. Als wir schon nicht mehr damit gerechnet hatten, fuhr um 13.12 Uhr doch noch ein Zug auf unserem Bahnsteig ein. Das Problem war nur, dass auf der Lok als Zielort "Nicht einsteigen" stand. Wir erkundigten uns beim Zugführer, was das alles zu bedeuten hätte. "Das weiß ich auch nicht. Ich glaube, für mich ist für heute Feierabend." Und die Aufschrift auf der Anzeigetafel? "Die hat überhaupt nichts zu sagen. Die wird zentral von Frankfurt aus bedient. Und dort hat keiner Durchblick!" 
 
Na, klasse! Was nun? Wir überlegten kurz, ob wir in einen Zug nach Osnabrück einsteigen sollten, weil wenigstens der startklar bereitstand. Aber das war uns dann doch zuviel Abenteuer. Stattdessen entschieden wir, mit einer anderen Regionalbahn nach Bochum oder Dortmund zu fahren, um von dort irgendwie nach Hagen zu gelangen. Doch der einzige Zug, der in den nächsten Minuten tatsächlich in diese Richtung fuhr, war ein ICE. Und den durften wir mit unseren D-Tickets nicht nutzen. Bei den Regionalbahnen wurden die Abfahrtzeiten dagegen immer wieder weiter nach hinten verschoben. Dazu erklang mehrfach die bereits bekannte Durchsage von den Oberleitungs-Problemen in Essen-West. 
 
Mittlerweile machten wir uns schon um unsere Rückfahrt nach Dorsten Sorgen. Denn Essen-West lag genau auf unserer Heimreise-Strecke. Also entschieden wir, unseren Ausflug abzubrechen und über Wanne-Eickel die Heimfahrt anzutreten. Auch, wenn das eine fast stundenlange Umsteigepause mit sich bringen würde. Auf dem Weg zum entsprechenden Gleis bekamen wir jedoch mit, dass gerade eine S-Bahn nach Recklinghausen einfuhr. Kurze Beratung, neuer Plan. Wir fahren nach Recklinghausen, essen dort etwas und fahren dann mit dem Bus zurück nach Dorsten. Der verkehrt jede Viertelstunde und bei etwaigen Personalproblemen zumindest jede halbe Stunde. 
 
Erleichtert über unsere kluge Entscheidung ließen wir uns auf die Polster der S-Bahn-Sitze fallen. Und saßen dort. Und schmorten. 20 Minuten nach der vorgesehenen Abfahrtszeit ertönte eine Lautsprecher-Durchsage des Zugführers: "Meine Damen und Herren, am Essener Hauptbahnhof herrscht heute das Chaos. Ich kann Ihnen beim besten Willen nicht sagen, wann wir abfahren dürfen und wie weit wir kommen!" 
 
Jetzt hatten wir endgültig die Nase voll. Da der Magen knurrte, wollten wir in Essen-Rüttenscheid etwas essen und marschierten zur U-Bahn-Station hinter dem Bahnhofs-Ausgang. Immerhin gilt unser D-Ticket auch für den gesamten ÖPNV. Doch am Stations-Eingang prangte das Schild: "Wegen Umbauarbeiten ist diese Linie bis August außer Betrieb." Wir sind dann zu Fuß nach Rüttenscheid gelaufen, war ja im Deutschland-Ticket mit drin.. Und konnten zurück, nach längerer Suche, tatsächlich eine Bushaltestelle ausfindig machen, von der aus der "U-Bahn-Ersatzverkehr" unterwegs war. Im Bahnhof erkundigte ich mich am Info-Schalter, ob die Probleme in Essen-West mittlerweile behoben seien. Der Bahnbeamte schaute mich resigniert an: "Sie nehmen besser einen Bus nach Bottrop und schlagen sich dann irgendwie nach Dorsten durch." Immerhin: Als wir zuhause eintrafen, geschah das glatt 30 Minuten früher, als es fahrplangemäß samt Museumsbesuch in Hagen der Fall gewesen wäre. 
 
Wenn die unrealistische Situation eintritt, dass mir mal Stoff für eine Schmunzelpost fehlt, werde ich mich unverzüglich zum nächsten Bahnhof begeben. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 804 vom 2. 7. 23 

Gestern habe ich noch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk bekommen. Ein Buch. Eines, dass mich auf der Rückseite des Einbands gleich richtig ansprach: "Ey, du Eierkopp!" Ich bin entzückt. Denn in Japan sagen Verliebte "Eierkopp" zueinander. Das ist der Stoff, aus dem Schmunzelpost-Beiträge entstehen. Auch der Rest des Klappentextes, in dem vom Knallerballerweg in Norddeutschland und vom Flötenhalterweg in Finnland die Rede war, festigte meinen Entschluss, Euch unverzüglich ein paar Auszüge aus dem Werk "100 Karten über Sprachen" weiterzureichen. 
 
Ob die übliche Prominentenempfehlung auf dem Einband echt ist, daran habe ich leise Zweifel. "Besser als die Bibel", soll sich angeblich Papst Benedikt XVI. über das Buch geäußert haben. Nun ja, ich bin evangelisch. Und, wie Stammleser wissen, ein Freund sprachlicher Besonderheiten. Deshalb finde ich bemerkenswert, dass auf Georgisch Papa "Mama" heißt. Interessant auch, wie unterschiedlich die Sprache der Tiere in verschiedenen Ländern zu Papier gebracht wird. Bei uns lernt man schon als Kleinkind, dass ein Wauwau "Wau wau!" macht. Finnische Hunde bellen jedoch: "Hau! Hau! Hau!" 
Vielleicht wäre es eine lohnende Aufgabe, einen Duden der Tierkommunikation in Lautschrift zu verfassen. 
 
Doch allein die Bezeichnungen für Tiere auf deutsch sind eine Wissenschaft für sich. Das Rind, Kuh, Bulle, Stier, Ochse und Kalb alle einer Familie zuzurechnen sind, war mir bewusst. Selbst von der Färse hatte ich schon gehört. Aber Fresser, Lobe, Schnitzkalbin, Absetzer, Muchse, Farren, Gusti, Hägel, Muni und Hummel waren mir fremd. Und dann gibt es sogar noch regionale Abweichungen. Wenn ein norddeutscher Bauer von einer Färse, also einem weiblichen Jungrind vor der Erstkalbung, spricht, dann sagt er dazu Queene. Wenn das die Queen gewusst hätte... 
 
Dem Tierfreund King Charles dürfte es hingegen gleichgültig sein, dass geschlechtsreife männliche Rinder auch Farren, Samenrind, Hägel, Muni oder Hummel genannt werden. Klarer Fall, dass ein männliches Rind nach der Kastration ein Ochse ist. Aber wusstet Ihr, dass männliche Rinder auch sterilisiert werden? Dann kommt ein Muchse dabei heraus. Krass, was? 
 
Noch ein paar Feinheiten. Ein weibliches Rind nach dem ersten Kalben ist eine Lobe. Doch was ist eine Schnitzkalbin? Nein, mit Kalbsschnitzel hat das nichts zu tun. Es ist viel komplizierter. Eine Schnitzkalbin ist ein weibliches Rind nach der Sterilisation. Aber auch ein weibliches Rind aus zweigeschlechtlichen Zwillingsgeburten, das meist unfruchtbar ist. Als Fresser bezeichnet man übrigens ein junges Rind aus der Milchviehhaltung, das sich nicht mehr von Milch ernährt. Und ein Absetzer ist ein junges Rind aus der Fleischrinderhaltung, zumindest bis zur Trennung von seiner Mutter im sechsten bis elften Monat. 
 
So, bevor Ihr mich Rindvieh nennt, setze ich das Thema erst einmal ab und denke einen Tag darüber nach, ob Ihr schon einmal von einer Staunz gestochen worden seid oder aufpasst wie ein Haftelmacher, um das zu verhindern. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 803 vom 1. 7. 23

Heute möchte ich Euch Märchen von Wittchen und Wölfchen erzählen. Das heißt, das Märchen von Wittchen erzählt eigentlich die Stadt Lohr. Und sie beginnt damit bereits an der A 3, um reisende Märchenfreunde zu einem Abstecher in den Spessart zu verleiten. "Lohr am Main - Schneewittchenstadt", so verheißen Hinweisschilder ein lohnendes Ausflugsziel. 
 
Wie kam es dazu? In dem Volksmärchen, das die Brüder Grimm in ihre Sammlung aufgenommen haben, ist von Lohr nicht die Rede. Doch in den 1960er Jahren veröffentlichte der Cartoonist und Humorist Hans Traxler sein Buch "Die Wahrheit über Hänsel und Gretel". Das wurde zur Bibel einer neuen geisteswissenschaftlichen Disziplin, der Märchenarchäologie. Die Satire brachte 20 Jahre später drei emsige Weinhausgänger aus Lohr auf die Idee, den von Traxler eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Sie verfassten eine pseudowissenschaftliche Abhandlung, die Hänsel und Gretel als Kinder aus dem Spessart enttarnen sollte. 
 
Eigentlich war die Geschichte damals zur Veröffentlichung am 1. April gedacht. Aber aus redaktionellen Gründen verschob sich ihr Erscheinen. Und prompt gab es Leser, die diese Story für bare Münze nahmen. Das spornte das Lohrer Trio erst recht an. Unter reichlicher Zufuhr von Frankenwein entwarfen sie ein weiteres Wissenschaftsgebiet, die "Fabulogie". Eine wahrlich fabelhafte Idee, findet zumindest der Chef-Fabuloge der Schmunzelpost. Immerhin haben bereits die Donaldisten in der FAZ fruchtbare Vorarbeit geleistet, indem sie immer wieder Figuren aus dem Disney-Universum in Berichte des hochseriösen Blattes einschmuggelten, hinter dessen Seiten sich laut Eigenwerbung ausschließlich kluge Köpfe verbergen. 
 
Zurück an den Main. Dort wandten die Geschichten-Forscher die deduktive Methode an. Das heißt, sie stellten eine These auf und untermauerten sie nachträglich mit vermeintlichen Fakten. Heraus kam eine wüste Story, nach der eine bezaubernde Schönheit, ihr Zwergenclub und der Glassarg zweifelsfrei im Ostspessart angesiedelt werden mussten. (Achtung, Genderfreunde: Ersetzt bitte 'Zwergenclub' durch 'Verein von Menschen mit unterdurchschnittlicher Körpergröße'). Danach hatten die Brüder Grimm das Freifräulein Maria Sophia von Erthal aus Lohr zum Wittchen-Vorbild genommen. Denn die hatte eine Stiefmutter! 
 
Auch sonst habe alles zu Lohr gepasst: Wald, Glas und Spiegel. Lediglich beim Zählen der sieben Berge hätten es die Märchenerzähler nicht ganz so genau genommen. Die Hügel müsse man nach der "Weinhaus-Mehling-Methode" abzählen. Die Stadt Lohr nahm den Spaß jedoch ernst. Außer dem Autobahn-Hinweis gibt es dort heute reichlich Fremdenverkehrs-Folklore und sogar einen Wittchenweg. Und außerdem in der Ortsmitte eine Inschrift: "In diesem Haus wurde 1986 bewiesen, dass Schneewittchen eine Lohrerin ist." 
 
Zumindest ein Grafitti-Sprayer aus der Region machte sich darüber lustig. Als es in der Stadt auch noch eine lebhafte Debatte über eine Wittchen-Bronzeskulptur gab, zauberte er ein schwarzes Kunstwerk an eine Fußgängerunterführung. Es zeigt die Schatten von sieben zipfelmützenbewehrten Knirpsen, die ihre Beine in die Hand nehmen, um einem Horror-Wittchen zu entkommen, das sie mit dem Messer in der Hand und eindeutig üblen Absichten verfolgt. 
 
Immerhin: So lässt sich mit ein wenig Fantasie bundesweit Aufmerksamkeit wecken und das Tourismusgeschäft ankurbeln. In Schermbeck und Dorsten ranken sich viele blutrünstige Zeitungsgeschichten um Wolf und Schafe. Als führender Fabuloge der Region stelle ich mich gern zur Verfügung, um die Fremdenverkehrskassen klingeln zu lassen und die Wahrheit über "Wölfchen und die sieben Geißlein" aufzudecken. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 802 vom 30. 6. 23 

"Wenn Du am Karfreitag Wurst isst, dann stechen Dich das ganze Jahr die Mücken." "Wenn Du Kirschen oder anderes Kernobst isst und dann sofort etwas trinkst, dann platzt Dein Bauch!" Solche und andere Weisheiten habe ich als Kind eingetrichtert bekommen und eine Zeitlang geglaubt. Auch andere Ratschläge für ein gesundes Leben sind Allgemeingut. Wir gehen ihnen gern auf den Leim. Denn: "Das weiß doch jeder!" 
 
Da ich mich gerade zum Fachmann in Sachen Krankheitsvermeidung weiterbilde, will ich heute ein paar dieser Irrtümer ausräumen. Wer sich beispielsweise eine Erkältung gefangen hat und deshalb jeden Kontakt zu seinen Mitmenschen meidet, um sie vor Ansteckung zu schützen, ist auf dem Holzweg. Ihr dürft Eure Liebsten sogar richtig knuddeln, solange Ihr gewisse Spielregeln einhaltet. Ein Kuss auf die Wange etwa ist kein Problem. Abzuraten ist davon, andere direkt anzuhusten oder anzuniesen. Und Händeschütteln, das haben wir in der Coronazeit gelernt, sollte vermieden werden. Das wäre sonst nämlich der erfolgversprechendste Weg, um seine Keime zu verbreiten. 
 
Umstritten ist, wie es sich mit leidenschaftlichen Küssen verhält. Es gibt zwar Leute, die behaupten, dass die Erreger so auf dem schnellsten Weg von der Mundschleimhaut zu den Darmbakterien geleitet und dort eliminiert werden, aber diese Aussage ist mit Vorsicht zu genießen. Doch was soll's, wenn zwei sich richtig gern haben: Geteiltes Leid ist halbes Leid. 
 
Jetzt wird es ein bisschen eklig. Ohrenschmalz, so heißt es, sollte regelmäßig entfernt werden. Aber was heißt hier regelmäßig? Falls Ihr nach zehn Jahren halbtaub seid, weil dicke Pfropfen den Weg zum Trommelfell versperren, ist eine Reinigung dringend notwendig. Ansonsten sollten wir möglichst zurückhaltend sein. Ohrenschmalz ist eine Substanz, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Schweinefett hat. Und es ist antiseptisch, kann also Krankheitserreger abtöten. Solange keine spürbaren Beeinträchtigungen auftreten, gilt daher: Ohrenschmalz, Gott erhalt's! Und bloß nicht mit Wattestäbchen selbst ans Werk gehen: Der Schaden, der dabei den Trommelfellen zugefügt wird, ist viel größer als der Nutzeffekt. 
 
Und dann sollten wir einem gewissen Herrn Matthiesen Abbitte leisten. Der frühere NRW-Minister wurde mit Hohn und Spott überzogen, weil er vor vor vielen Jahren erklärte, es sei völlig ausreichend, nur jeden dritten oder vierten Tag zu duschen. Mittlerweile ist erwiesen: Tägliches Duschen oder sogar Baden kann je nach Typ der Haut schaden. Wer sich nicht dauernd einsaut oder stark schwitzt, kann sich deshalb öfter mal mit Waschen begnügen. Das spart außerdem noch Energie! 
 
Dann gibt es noch einige Menschen, die wenig mehr fürchten, als eine fremde Toilette zu benutzen. Sie legen gern auf der Klobrille Papier aus, um sich vor Bakterien zu schützen. Oder sie haben sogar Desinfektionsspray dabei. In fast allen Fällen ist das völlig unnötig. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich auf einer Klobrille auf jedem Quadratzentimeter gerade mal 200 Kleinstlebewesen tummeln. Das aber ist in der Welt der Mikroorganismen eine zu vernachlässigende Anzahl. 
 
Auf einer Computertastatur hingegen ernähren sich auf jedem Quadratzentimeter bis zu 13 000 Bakterien von Hautschuppen! Doch es kommt noch schlimmer. In der Küchenspüle und auf Wasserhähnen sammeln sich rund 166 000 Mikroorganismen pro Quadratzentimer an! An der Spitze liegen übrigens genau die Hilfsmittel, die für Sauberkeit sorgen sollen: Spülbürsten, Schwämme, Geschirr- und Trockentücher. Und in einem Milliliter Wasser, der aus einem Spültuch herausgewrungen wird, stecken über 100 Millionen Kleinstlebewesen. Sage ich ja schon immer: Spülen und Abtrocknen sind lebensgefährliche Tätigkeiten. 
 
Mit weiteren Fragen zur Gesundheit wendet Euch bitte an Euren Arzt oder Schmunzelpost-Schreiber. Nur bei den Themen Stimmbänder, Weinkonsum und Abwasch erkläre ich mich für befangen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 801 vom 29. 6. 23 

Zufällig habe ich gestern einen Radiobeitrag im Deutschlandfunk gehört, bei dem mir Hörner gewachsen sind. Nach Untersuchungen der Universität Leipzig ist der Anteil derjenigen, die für rechtsradikale Parolen anfällig sind, in Deutschland noch viel größer, als es die Umfragewerte für die AfD vermuten lassen.
 
Danach würden es im Osten mehr als die Hälfte der Wähler begrüßen, wenn ein Alleinherrscher die Zügel fest in die Hand nimmt und bestimmt, wo es bei uns lang geht. Von der Demokratie seien diese Menschen enttäuscht. Vor allem in Sachsen-Anhalt ist ihr Anteil besonders hoch. Nicht wenige wünschen sich sogar einen "Führer" an die Spitze. Einziger Trost bislang: Viele dieser Menschen gehen prinzipiell nicht zur Wahl.
 
Desillusionierend ist dabei, dass die Ergebnisse nicht abhängig sind von persönlichen Lebensumständen. Auch Leute, denen es gut geht, vertreten solche Standpunkte. Sie fürchten eine Überfremdung und haben Angst davor, dass Auswärtige unsere Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Mehr als 50 Prozent meinten, dass Islamgläubige kein Bleiberecht in Deutschland beanspruchen dürften!
 
Nun könnte man sagen, dass im Osten nur der kleinere Teil der Deutschen lebt. Doch im Westen waren es gerademal 62 Prozent, die die Demokratie gut finden. Man stelle sich vor, dass eine größere Wirtschaftskrise einen massiven Abschwung bewirkt. In einem Leserbrief in der Dorstener Zeitung wurde gestern darauf hingewiesen, dass die NSDAP im Jahr 1928 lediglich auf 2,6 Prozent der Wählerstimmen kam, bevor nach dem schwarzen Freitag ihr Anteil erst auf 18 Prozent anstieg und durch die Massenarbeitslosigkeit explodierte.
 
Ach ja! Ukrainekrieg, Klimawandel, Aufstieg der Rechtsextremisten - es ist schier zum Verzweifeln. Im Widerspruch dazu steht, dass es mir gegenwärtig trotz allem eigentlich so gut geht wie nie zuvor. "Uns geht's ja noch gold" lautet der Titel eines Kempowski-Romans über die ersten Nachkriegsjahre. Das kann ich derzeit auch auf mich beziehen. Nachdem ich mir während der dunkelsten Tage depressiver Schübe in den Jahren 2011, 2014 und 2019 gewünscht habe, dass mein Lebenslicht erlischt und zwar kurz und schmerzlos, sowie möglichst sofort, ist jetzt das Gegenteil eingetreten.
 
Der Hinweis meines Körpers auf seine Sterblichkeit führte dazu, dass ich derzeit jeden Moment genieße und vor allem die Stunden im Garten besonders zu schätzen weiß. Ich wünsche mir noch sehr, sehr viel mehr davon. Und damit Ihr diese Einstellung teilt und am Ende wenigstens ein bisschen was zum Schmunzel habt, füge ich noch ein paar Erkenntnisse über Pessimismus und Optimismus an.
 
Der Optimist glaubt, dass unsere die beste mögliche Welt ist. Der Pessimist weiß es. (Robert Oppenheimer)

Der Pessimist sagt: "Es geht nicht schlimmer!" Der Optimist sagt: "Doch!" (Unbekannt)

Lieber ein Optimist, der sich mal irrt, als ein Pessimist, der dauernd recht hat. (Peter Hohl)

Ein Pessimist hat das Vergnügen, dass er entweder ständig recht hat - oder dass er angenehme Überraschungen erlebt! (George Will) 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 800 vom 28. 6. 23

Obwohl die meisten von Euch ihre Stimme schon mal abgegeben und sich hinterher vielleicht über diese Entscheidung geärgert haben - Ihr merkt, vor mir sind selbst die ältesten Kalauer nicht gefeit - legt doch jeder von uns Wert darauf, dieses Organ gelegentlich zu benutzen. Das heißt, genau genommen ist die Stimme natürlich kein Organ. Dennoch will ich mich heute mal mit ihr beschäftigen, weil ich in letzter Zeit viel mit diesem Thema zu tun hatte. 
 
Die menschliche Stimme wird durch die Stimmlippen im Kehlkopf erzeugt und im Vokaltrakt, der aus Mund, Rachen und Nasennebenhöhlen besteht, moduliert. Sie ermöglicht es uns zu kommunizieren und hat uns damit in der Evolution vielleicht einen entscheidenden Vorsprung vor der Tierwelt verschafft. Allerdings wird unsere Sprechstimme auch immer wieder als Singstimme missbraucht. Was in vielen Fällen für Mitmenschen zu verstörenden Erlebnissen führt, wenn das Singen sich nicht auf die Duschkabine beschränkt. 
 
Unser Stimmumfang umfasst im Regelfall 1,3 bis 2,5 Oktaven. Ausgebildete Sangeslustige können sogar mehr als drei Oktaven abdecken. Bei erwachsenen Männern liegt die Tonhöhe durchschnittlich bei 125 Hertz, bei Frauen um die 250 Hertz. Kinder erreichen bis zu 440 Hertz. Was sie gern nutzen, um den Kauf von Süßigkeiten oder ein höheres Taschengeld zu erzwingen. Zum Glück ereilt sie im Alter zwischen 11 und 13 Jahren der Stimmbruch, wobei die Töne der Jungs danach um eine Oktave tiefer daher kommen, während sie bei Mädchen nur um eine Terz zurückgehen. 
 
Um Töne zu erzeugen, pressen wir Luft durch die engste Stelle unseres Kehlkopfes, die mit dem Fachbegriff Glottis bezeichnet wird. Dabei werden die Stimmlippen in Schwingungen versetzt und erzeugen Klänge, ähnlich dem Rohrblatt eines Holzblasinstrumentes. Es ist jedoch unbewiesen, dass deshalb Holzköpfe eine schönere Stimme haben als andere Menschen. 
 
Meine Ärzte sagten während der Untersuchungen häufiger zu mir: "Jetzt atmen Sie kräftig aus und sagen dabei 'Hi!'" Ich nehme das als Vorlage und sage zum Schluss der heutigen Schmunzelpost: "Jetzt atmet Ihr kräftig auf und sagt: Hi, Hi!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Danke für den Zuspruch und die vielen Aufmunterungen 

Schmunzelpost 799 vom 27. 6. 23 

Im Sommer gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als es mir auf der Gartenliege unter dem schattigen Kirschbaum gemütlich zu machen. Unbedingt zur Glücksseligkeit dazu gehören ein Buch und ein Glas Wein. An heißen Tagen gern gut gekühlter Grauburgunder oder Rose, wenn es kälter ist, muss es Rotwein sein. Diese Stunden genieße ich sehr. Wie zeitlich begrenzt das Vergnügen sein kann, wird bewusst, wenn einen der eigene Körper unsanft an seine Hinfälligkeit erinnert. 
 
Gestern musste ich zur Untersuchung in eine Gelsenkirchener Fachklinik. Vorher habe ich mich auf bewährte Weise abgelenkt und über die Dinge des Lebens nachgedacht. Das Weinglas in meiner Hand (siehe Bild-Anhang) führte mich zu einer Rückschau auf meine "Trinker-Karriere". Relativ lange Zeit habe ich Alkohol verschmäht. Bier war mir als Jugendlicher zu bitter, kalter Kaffee - für die Jüngeren: Ein Mix aus Cola und Fanta - mein bevorzugtes Getränk. Das änderte sich, als ich in geselligen Runden oft der einzige Nüchterne war. Wenn Freunde und Bekannte unter dem Einfluss geistiger Getränke immer fröhlicher werden und über Dinge gackern, die Dir nur ein gequältes Lächeln abringen, dann überlegst Du, wie Du ebenfalls einen beschwingten Zustand erreichen kannst. 
 
In meinem Fall war Whiskey die Lösung. Natürlich nicht pur. Aber zwei, drei Glas Whiskey-Cola genügten, um den Vorsprung von zehn Pils schnell aufzuholen. Im Freundeskreis probierten wir dann auch den puren Stoff. Über Racke rauchzart rümpften wir die Nase, Malt-Whiskey war viel zu teuer. Aber anständigen Scotch und Bourbon gab es für uns Twens auch zu bezahlbaren Preisen. 
 
Dann kam die Wende. Zu meinem großen Erstaunen hatten sich mein bester Kumpel und seine Freundin getrennt. "Es wird kein Jahr dauern, und sie ist mit einem anderen verheiratet", prophezeite er. "Nie im Leben!", hielt ich dagegen. So schlossen wir eine Wette um fünf Flaschen guten Whiskey ab. Und es kam, wie es kommen musste: Eine Woche vor Ablauf des Jahres ging sie mit ihrem Bräutigam zum Standesamt. 
 
Ein Klaus, ein Wort. Ich lud vier Freunde zur Whiskey-Nacht ein. Die Gelegenheit war günstig. Meine Eltern waren verreist und würden erst am nächsten Tag zurückkehren. Also begann unser Zechgelage nach Feierabend gegen 19 Uhr. Um 23 Uhr strich der Erste die Segel. Der gute Manni ließ sich einfach rückwärts aufs Sofa fallen und schlief den Schlaf des Gerechten. Kurz danach traf verspätet der Gewinner der Wette ein. Er warf einen Blick in die Runde, setzte eine Flasche Whiskey an den Hals und versuchte, sie auf Ex zu leeren. Immerhin schaffte er zwei Drittel. 
 
Danach erlebten wir eine Lehrstunde. Wenn jemand ein warnendes Video über die zerstörerische Wirkung von übermäßigem Alkoholkonsum hätte drehen wollen, wäre er bei uns richtig gewesen. Von Minute zu Minute baute der kühne Trinker immer mehr ab. Dann verschwand er im Bad und ward lange nicht gesehen. Irgendwann erbarmten sich zwei von uns, holte den kreidebleichen Schluckspecht hervor und lehnten ihn an die Wand. Inzwischen war Manni wieder aufgewacht und half mit, die restlichen Flaschen zu leeren, bevor der Weichling erneut in Versuchung geraten könnte. Ich erinnere mich dunkel, dass eine Flasche übrig blieb. Die gab ich den dreien mit auf den Weg, die beim ersten Morgengrauen zu Fuß aufbrachen, um unseren nach wie vor geistig weggetretenen Kumpel heil nach Hause zu bringen. 
 
Da mir bewusst war, dass meine Eltern nach ihrer Heimkehr das Badezimmer aufsuchen würden, raffte ich mich heldenmütig auf, um für Sauberkeit zu sorgen. Doch als ich die Tür öffnete, traf mich fast der Schlag. Die Wanne war in einem verheerenden Zustand. Den Rest der Nacht verbrachte ich wechselweise mit einer Minute Putzen bei angehaltenem Atem und fünf Minuten Luftholen am geöffneten Fenster. Irgendwann war es geschafft. Meine Eltern fanden keinerlei Spuren des Gelages. Für mich aber hatte dieses Erlebnis einen sehr positiven Effekt: Von diesem Moment an war ich vom Whiskey geheilt. Auch von anderen hochprozentigen Getränken lasse ich bis auf seltene Kostproben die Finger. 
 
Dafür lernte ich frisch gezapftes Bier schätzen. Bis sich einige Jahre später bei einem Elsass-Urlaub der Wein nach vorn drängte. Ihm bin ich bis heute treu geblieben. Wobei ich nach dem legendären Abend stets vermieden habe, zuviel zu trinken. Sobald ich merke, dass ein Kater drohen würde oder Übelkeit aufziehen könnte, höre ich auf zu trinken. Das funktioniert. Einen Filmriss habe ich nie gehabt. Und Kopfschmerzen am nächsten Tag sind seltene Ausnahmen geblieben.

Ich gönne mir zwar regelmäßig Rebensaft, lege zwischendurch aber bewusst alkoholfreie Tage ein. Und als ich Anfang des Jahres zwecks Abnehmen vier Wochen nicht nur das Essen reduziert, sondern auch komplett auf Wein verzichtet habe, hat mir das nichts ausgemacht. Keinerlei Entzugserscheinungen, ich war nie in Versuchung, zwischendurch ein Gläschen zu genießen. Daher war ich ziemlich überrascht, als ich mir jetzt beim Gedankenspaziergang auf der Gartenliege überlegte, wie ich wohl auf negative Nachrichten der Mediziner reagieren könnte. 
 
Würde es mich umhauen, wenn man mir mitteilte, die Stimmbänder müssten komplett entfernt werden und ich könne mich künftig nur mit einem Blechorgan äußern? Nö! Wäre ich völlig verzweifelt, wenn man mir sagt, dass mein Körper von Metastasen durchsetzt ist und allein im Hirn zehn davon ihr Unwesen treiben? Nein, dass glaube ich einfach nicht! Zumal  gefräßige Krebszellen im Vakuum meines Schädels keinen Schaden anrichten könnten. Wie aber würde ich es aufnehmen, wenn die Ärzte mir vorschreiben, künftig keinen Tropfen Wein mehr zu trinken? AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHH!!! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Es gab nach gründlicher Untersuchung schon heute eine Diagnose. Der Verdacht hat sich bestätigt. Es handelt sich um einen bösartigen Tumor. Zum Glück ist er noch recht klein. Und offenbar hat er bisher nicht "gestrahlt". Jedenfalls sind meine Lymphknoten noch nicht vergrößert, wie es sonst wohl der Fall wäre. 
 
Nun wird zunächst durch eine Tomographie vom Schädel bis zur Bauchhöhle überprüft, ob sich nicht doch irgendwo bereits Metastasen gebildet haben. Die größte Gefahr besteht in den Schleimhäuten. Daher muss auch bald operiert werden. Am 12. Juli komme ich unters Messer. Es wäre auch früher gegangen, aber vorher haben sowohl Professer Dost wie sein Oberarzt Urlaub gebucht. Und beim Professor hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, in guten Händen zu sein. 
 
Erst nach der Operation wird sich herausstellen, ob noch ein zweiter Eingriff nötig ist. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass alles gut geht. Und von Weinverzicht war glücklicherweise nicht die Rede. Ich habe aber auch nicht nachgefragt ;-).  

Schmunzelpost 798 vom 26. 6. 23

Schmunzelpost-Leser sind aufgeweckte Menschen. Deshalb wisst Ihr, was es mit dem Einwecken auf sich hat. Doch wisst Ihr auch, woher der Begriff stammt? Nein? Dann habt Ihr auch nicht gelesen, dass er womöglich bald weck, pardon, weg ist. Die Firma J. Weck & Co. musste nämlich Insolvenz anmelden. Und Firmengründer Johann Carl Weck war nicht nur Produzent der ersten Einmachgläser, er war auch der Namensgeber für die Behälter, in denen eingekochte Lebensmittel lange aufbewahrt werden können.
 
Dies schrieb Martin Zips in der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung, wo er die Pleite zum Anlass nahm, sich mit der Herkunft anderer weit verbreiteter Markennamen zu befassen. Denn manche Menschen sind untrennbar mit den Dingen verbunden, die sie geschaffen haben. Dazu gehören Konrad Duden, Graf Zeppelin oder, das hat mich überrascht, ein gewisser Carl-Wilhelm Edding.
 
Manchmal sind es auch Städte, die ihren guten Namen hergeben mussten. Auf die Fülle von Hamburgern, Berlinern, Frankfurtern oder Wienern will ich jetzt gar nicht weiter eingehen. Mich interessiert mehr, ob es nach dem Vorbild von "Haribo", entstanden aus "Hans Riegel, Bonn", noch weitere Produkte gibt, die mit ihrem Urheber buchstäblich eine Symbiose eingegangen sind. 
 
Besonders unter den Mordinstrumenten ist es weit verbreitet, ihre Namensgeber durch die Bezeichnung dauerhaft zu ehren. Das gilt ebenso für den Colt wie für die Kalaschnikoff, für den Molotow-Cocktail und die Guillotine. Auf der anderen Seite haben sich auch Vertreter der Kirche so verewigt. Pfarrer Kneipp verdanken wir die Kneipp-Kuren, dem katholischen Bischof Frings einen erwärmenden Brauch aus der Nachkriegszeit. Er hatte toleriert, wenn von Zügen Heizmaterial entwendet wurde, eine Tätigkeit, die mit dem Wort "fringsen" Eingang in unseren Sprachschatz gefunden hat. Es liegt noch in den Wolken, ob der aktuelle Kölner Würdenträger einst einen Verb für das Vertuschen von Straftaten prägen wird. 
 
Nun fragte ich mich: Gibt es auch einen Theobald Maggi, einen Friedrich Tempo oder einen Helmut Tesa? Nein, die gibt es nicht. Wie ich bereits in einer Schmunzelpost aufdeckte, geht die Bezeichnung Tesa auf die Sekretärin Elsa Tesmer zurück, die bei der Firma Beiersdorf 1903 den Markennamen aus den ersten beiden Buchstaben ihres Nachnamens und den letzten beiden des Vornamens zusammensetzte. Die Bezeichnung "Tempo" wählten die Brüder Rosenfeld in den 1920er Jahren für ihre Papiertaschentücher aus, um den schnelllebigen Zeitgeist zu beschreiben. Aber Maggi stammt immerhin vom Schweizer Firmengründer Julius Maggi ab und gilt immer noch als Inbegriff der Suppenwürze. 
 
Martin Zips hat mir noch zu einer weiteren Erkenntnis verholfen. Denn der Begriff "Kaiserschnitt" stammt aus der Antike. Und zwar von Julius Caesar. Der soll nämlich mit Hilfe eines solchen Eingriffs das Licht der Welt erblickt haben. Doch haben auch wir Krauses etwas hinterlassen? Mit Blick auf meine Schädeldecke würde ich es nie wagen, die Urheberschaft für "krause Haare" zu beanspruchen. Aber mit Fug und Recht kann ich das für das Büchlein "Krauses Zeug" tun. Weitersagen, kaufen und verschenken! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 797 vom 25. 6. 23 

Ein Tief, das "Lambert" heißt, kann so schrecklich nicht sein. Zumindest nicht in seiner Heimatstadt. Bei uns hat Lambert zwar im Übermut ein paar Keller geflutet und den einen oder anderen ohnehin schon wackeligen Baum entwurzelt, aber in der Summe war sein Wirken eher positiv. Die 35 Liter Regenwasser konnten unsere Wälder, Felder und Gärten jedenfalls gut gebrauchen. Ein Hoch auf das Hoch Lambert! 
 
Auch, dass Lambert I. während seiner 15-jährigen Regierungszeit als Bürgermeister autokratische Ambitionen gehabt hätte, kann nur verneint werden. Falls es noch eines Beweises bedarf, dann verweise ich darauf, dass er keinerlei Anstalten machte, das Rathaus oder sein eigenes Häuschen in ein Protzgebäude zu verwandeln. Das aber ist offenbar ein unfehlbares Indiz, mit dem Tyrannen, Diktatoren und Autokraten sich verraten. 
 
Wer erinnert sich nicht an Hitlers Vorliebe für Monumentalbauten? Wenn das Tausendjährige Reich die Säuglingsphase überdauert hätte, würden wir heute noch Bauklötze staunen, mit welchen architektonischen Scheusslichkeiten unser Land übersät wäre. Und habt Ihr die Bilder von Putins Prunkvilla gesehen, die sehr zu seinem Unwillen im Internet gelandet sind? Auch die sprechen Bände. Selbst unser Nato-Verbündeter Recep Tayypip Erdogan strebte baulich nach Höherem. Sein Sultanpalast hat aber leider die Mehrheit der Türken nicht abgeschreckt, ihm erneut ihre Stimme zu geben. 
 
Ein Höhepunkt der baulichen Katastrophen nahm vor fast 40 Jahren, auf den Tag genau am 25. Juni 1984, seinen Anfang. Da wurde in Bukarest der Grundstein für den Bau einer Monstrosität gelegt, die damals für die New York Times "so groß, so hässlich, so protzig und grausam und geschmacklos ist, dass ihr einziger Wert metaphorisch sein kann." Gemeint war der Neubau des Präsidentenpalastes, den Machthaber Nicolae Ceaucescu im Herzen seiner Hauptstadt errichten ließ. Die "gigantische stalinistische Hochzeitstorte" sollte nach dem Pentagon das zweitgrößte Regierungsgebäude der Welt werden. 
 
Nicht nur, dass der Bau eine Milliarde US-Dollar verschlang, während die Mehrheit der rumänischen Bevölkerung unter Hunger litt. Für den Neubau wurde auch noch ein großer Teil der Bukarester Altstadt plattgemacht. Ab dem 25. Juni 1984 frassen Bulldozer eine Unzahl von historischen Gebäuden, Kirchen und Denkmälern. Sie entstellten auf ewig das Gesicht einer Stadt, die früher "das kleine Paris des Balkans" genannt wurde. 
 
Die Empörung der Bevölkerung tat der Präsident mit einem Schulterzucken ab. Er hatte bereits vorher die Politik einer betonierten Einheitlichkeit seines Landes verfolgt. Ganze Dörfer und Kulturdenkmäler waren ausradiert worden, um seinem Konzept der "Systematisierung" Platz zu machen. Zu ihrem Leidwesen wurden Ceaucescu und seine Frau noch vor der Fertigstellung ihres Prunkpalastes fünfeinhalb Jahre nach der Grundsteinlegung von Revolutionären exekutiert. 
 
Rumänien ist weit weg. Was mir jedoch zu denken gibt, sind Dinge, die sich in unserem Garten abspielen. Wenn er sein Futter einfordert oder nach draußen will, legt unser Kater immer mehr diktatorische Züge seines Charakters offen. Und jetzt ist der eigentliche Herrscher unseres Hauses offenbar nicht mehr mit der Hundehütte zufrieden, die wir ihm in den Garten gestellt haben. Wenn er erlegte Mäuse in die Wohnung schleppen will, muss er draußen bleiben. Augenscheinlich hat er jetzt einen Handel mit seinen potentiellen Opfern abgeschlossen. Jedenfalls entdeckten wir letzte Nacht einen ganzen Trupp Mäuse, die mit allerlei Gerätschaften und einem Betonmischer anrückten, um die Hütte mit einem feudalen Anbau zu versehen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 796 vom 24. 6. 23 

Da habe ich doch jahrelang geglaubt, die lebenswerteste Stadt der Welt läge bestimmt in Finnland. Schließlich bezeichnen sich die Finnen immer wieder in Umfragen als das glücklichste Volk der Erde (falls Ihr Euch nur dunkel an eine Reihe von Schmunzelpost-Folgen dazu erinnert, liegt das bestimmt an den langen, finsteren Polarnächten). Im aktuellen Städte-Ranking tauchen jedoch weder Helsinki noch Turku auf den vorderen Plätzen auf. 
 
Stattdessen liegen erneut die Österreicher ganz vorn: Wien hat wieder das Rennen gemacht. Dabei haben die Wiener angeblich einen Hang zum Melancholischen und Morbiden. Nicht von ungefähr sang seinerzeit Wolfgang Ambros: "Es lebe der Zentralfriedhof". Doch vielleicht ist es ja die dauernde Konfrontation mit solchen Weihestätten des Todes, die den Wienern die Zeit in ihrer Stadt, in der sie noch nicht verbuddelt sind, als besonders schön erscheinen lässt. 
 
Platz zwei nimmt mit Kopenhagen ebenfalls eine europäische Stadt ein. Dann folgt zweimal Australien mit Melbourne und Sydney. Offenbar machen Känguruhs glücklich. Womöglich sind in Wirklichkeit aber Opernhäuser und Traumstrände entscheidende Faktoren. Mit Vancouver in Kanada folgt dann die erste nordamerikanische Metropole. 
 
Deutschland hingegen befindet sich im Sinkflug. Frankfurt hat sich gleich um zehn Plätze verschlechtert und liegt gemeinsam mit Berlin auf Rang 17. Dann folgen abgeschlagen München und Hamburg, bevor mit Düsseldorf auf Rang 29 die erste NRW-Stadt auftaucht. Dass Nord-Lüdenscheid wenig Fans hat, ist völlig klar. Und Gelsenkirchen ist ja leider in die zweite Liga abgestiegen. 
 
Erstaunlich, dass das vielbesungene Paris nur Platz 24 einnimmt. Dabei haben wohl die vielen Krawalle der letzten Zeit eine Rolle gespielt. Überhaupt stehen sogenannte Traumstädte bei ihren Bewohnern nicht besonders hoch im Kurs. London landete auf Rang 46 und New York gar bloß auf Platz 69. Wir müssen das Lied umtexten - wir singen jetzt "ich will nun nicht mehr nach New York..." Noch weniger jedoch in die Städte, die ganz unten im Ranking stehen. Dazu gehören Orte in Asien und Afrika mit großen Elendsvierteln und mieser Lebensqualität. Und dass aus den kriegsgebeutelten Ländern Syrien und der Ukraine Kiew und Damaskus die Schlusslichter sind, wird wenig verwundern. 
 
Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht: Wo ist denn meine Stadt in der Tabelle zu finden? Nun, es wurden lediglich ausgewählte Orte mit mehr als 100 000 Einwohnern in dieses Ranking einbezogen, soweit es sich nicht um Hauptstädte handelte. Damit können wir uns weiter der Illusion hingeben, dass Dorsten, Lünen, Bottrop, Lüdinghausen, Selm, Recklinghausen, Marl, Bergkamen, Werne, Hattingen, Essen, Neuss, Gladbeck, Borken und Castrop-Rauxel eigentlich unbedingt in die Spitzengruppe der weltweit lebenswertesten Städte gehören. 

Es dauert vielleicht eine Weile, aber Ihr kommt bestimmt noch drauf, wo diesmal die Stelle zum Schmunzeln ist. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 795 vom 23. 6. 23 

Der Ruhestand ist auch eine echte Chance, Partnerin oder Partner neu zu entdecken. Ei, was für eine Fülle von Angewohnheiten und Eigenschaft da ans Licht kommen, die vorher nicht bemerkt wurden! Allerdings stecken darin auch Gefahren. Wenn man es falsch macht, kann man sich gegenseitig so auf die Nerven gehen, dass dies zur Trennung oder zum Mordanschlag führt. Oder, noch schlimmer, die Schwiegermutter quartiert sich ein, um Frieden zu stiften. 
 
Damit es gar nicht erst so weit kommt, stelle ich hier eine Liste von Tätigkeiten und Projekten zusammen, die vorsichtshalber vermieden werden sollten. 
 
"Schatz, ich brauche das Wohnzimmer, um meine Modelleisenbahn angemessen auszubauen. Soll ich Dir Deinen Lesesessel in die Küche tragen?" 
 
"Liebling, ich will für einen Eintrag im Guinessbuch einen neuen Weltrekord im Baumkuchenbacken aufstellen. Der drei Meter lange Zettel ist die Einkaufsliste für den Supermarkt. Aber bitte mach schnell!" 
 
"Herzchen, wir sollten uns endlich abseits der Zivilisation auf uns selbst besinnen. Dazu habe ich die Abenteuer-Reise 'Zu Fuß auf den Kilimanscharo' gebucht. Freust Du Dich?" 
 
"Ich möchte Schloss Lembeck im Maßstab 1:1000 originalgetreu mit Streichhölzern nachbauen. Dabei will ich nicht gestört werden. Kannst Du mal drei Wochen Ruhe geben?" 
 
"Pummelchen, ich mache mir Sorgen um Deine Gesundheit. Damit Du mir noch lange erhalten bleibst, habe ich Dir einen persönlichen Fitness-Trainer gebucht und vorab bezahlt. Ein halbes Jahr lang täglich zwei Stunden. Aber sonntags habt Ihr frei!" 
 
"Zuckerschnäuzchen, so geht es nicht weiter. Deine Sucht nach Süßigkeiten bringt Dich noch ins Grab! Künftig machen wir das so: Für jeden Keks, jede Schokolade und jedes Stück Kuchen trinken wir zusammen jeder eine Flasche Bier. So werden wir wenigstens zusammen beerdigt." 
 
"Häschen, wir sollten mehr Kontakt mit anderen Menschen pflegen. Ich habe deshalb beschlossen, meine große Sammlung zu nutzen und unsere Wohnung in ein Kronkorken-Museum umzuwandeln. Du darfst an der Kasse sitzen." 
 
"Nein, Püppi, das geht zu weit. Dass Du Freude am Tanzen hast, ist ja okay und dass Du die Damen von der Bauchtanzgruppe "Speck in Motion" zu uns nach Hause in Wohnzimmer einlädst, ist auch noch in Ordnung. Aber nicht dauernd samstags während der Bundesliga-Konferenz. Ich gehe zu Papi zurück!" 
 
Ich habe volles Verständnis für das Bedürfnis, hin und wieder jemand ein bisschen zu ärgern. Als Ventil dafür schlage ich aber zur Schonung des häuslichen Friedens einen Besuch im Supermarkt vor. Am besten stellt Ihr Euch mit Euren Einkäufen am Samstagvormittag um elf Uhr an der Kasse mit der längsten Schlange an. Wenn Ihr an der Reihe seid, fragt Ihr: "Was macht das? 86,28 Euro? Ich zahle bar! Das haben wir gleich." Und dann schüttet Ihr den Inhalt Eures Sparschweins mit dem Kupfergeld von der Skatrunde aufs Laufband. Als I-Tüpfelchen könnt Ihr, falls Ihr starke Nerven habt, noch einen draufsetzen: "Oh, jetzt fehlen mir glatt 2 Euro und 87 Cent. Dann komme ich ein andermal wieder. Geben Sie mir mein Geld zurück - aber zählen Sie es bitte vor, ich lasse mich nicht betuppen!" 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 794 vom 22. 6. 23

Unser Hauptthema der letzten Woche ist der Ruhestand. Falls Euch der Eintritt ins Rentneralter noch bevorsteht, dann könnt Ihr Euch mit meinem Ruhestands-ABC darauf vorbereiten. Und wenn Ihr schon mittendrin steckt, könnt Ihr nachsehen, was Ihr bisher falsch gemacht habt. Je nachdem, ob Ihr eher gemütlich veranlagt seid oder aber bis ins hohe Alter hibbelig bleibt, gibt es zwei Alternativen. 
 
A: Ausruhen 
A: Autowaschen (Nachdem es sonst höchsten einmal jährlich für die Waschstraße reichte, überlege ich diesmal, zusätzlich selbst Hand anzulegen. Wenn ich derzeit unseren Caddy anschaue, denke ich sofort an den Amrum-Urlaub und die Seevögel: Der Möwendreck schreit nach einer Wäsche. 
 
B: Behaglichkeit 
B: Baumarkt 
 
C: Couch 
C: Christbaumschmücken (Wer im Juli damit fertig ist, kann im August Lebkuchen unter den Baum legen) 
 
D: Durchschlafen 
D: Darmspiegelung (Wer täglich Vorsorgeuntersuchungen machen lässt und dabei nach und nach alle denkbaren Krankheiten abdeckt, kann nach einem Jahr wieder von vorn anfangen) 
 
E: Entspannen 
E: Engagement (Es gibt eine Fülle von sinnvollen ehrenamtlichen Tätigkeiten und noch mehr völlig sinnfreie Möglichkeiten, die Zeit totzuschlagen. Wer sich zu viel davon auflädt, den bringt der Stress schneller ins Grab als der Beruf es könnte.)
 
F: Faulenzen 
F: Fernsehen (Die TV-Fernbedienung ist das Smartphone des alten Mannes) 
 
G: Gartenliege 
G: Gartenarbeit (Wird nur dann als unangenehm empfunden, wenn ein fauler Rentner von seiner Liege aus dabei zuschaut) 
 
H: Heiterkeit (am herzhaftesten lacht es sich über hibbelige Rentner) 
H: Hass (am meisten hasst man faule Rentner, die dabei auch noch fröhlich sind) 
 
I: Imbissbude (erspart die Mühen des Kochens und Abwaschens und schont den Geldbeutel) 
I: Imbissbude (bietet das seltene Vergnügen, den faulen Rentner einmal in Bewegung zu betrachten) 
 
J: Jägerschnitzel (gibt es oft günstig in der Imbissbude) 
J: Junggesellenabschied (der einzige überzeugende Grund als Rentner erstmals in den Stand der Ehe zu treten) 
 
K: Kreuzworträtsel (eine der wenigen Sportarten, die man auch im Liegen ausüben kann) 
K: Kino (eine Leidenschaft aus der Jugend, die im Alter noch mehr Freude macht - in "vom Winde verweht" kriegt man von der Begleiterin nicht so schnell was auf die Fummelfinger) 
 
L: Liegestuhl (sollte nicht nur im Garten, sondern in allen Räumen zur Grundausstattung gehören) 
L: Love-Parade (in einer toleranten Gesellschaft gilt "je oller, je doller" - und die Schwerhörigkeit macht das Dauergewummer erträglich) 
 
M: Mittagsschlaf 
M: Muntermacher (um das selbstauferlegte Pensum zu schaffen, sind Hilfsmittel zulässig - von schwarzem Kaffee bis zur Knoblaufpille "Fit for Fun) 
 
N: Nachtruhe (darf je nach persönlicher Neigung acht bis zwölf Stunden dauern) 
N: Nachtleben (endlich kann einem niemand mehr vorschreiben: "Aber spätestens um zwölf bist Du zuhause!" Und falls es doch jemand versucht: "Du weißt doch, dass ich im Alter kaum Schlaf brauche!") 
 
P: Pause (Die Pause zwischen dem Aufstehen und dem Mittagsschlaf füllt man am besten mit einem ausgedehnten Frühstück) 
P: Puzzle (beliebter Rentnerzeitvertreib, kann aber in den Wahnsinn treiben, wenn ein Teil fehlt) 
 
Q: Quatschen (geht im Stehen, Sitzen und im Liegen und fördert die sozialen Kontakte) 
Q: Quizzen (hält die grauen Zellen in Bewegung. Und der Jauch hat doch sowieso keine Ahnung!) 
 
R: Ruhephase (Nicht vergessen! Wie beim Wassertrinken gilt: Davon kann es nicht genug geben!) 
R: Reisen (Bildet und hält jung. Und erspart das Dahinsiechen im Pflegebett, wenn man auf einer Südseeinsel King Kong begegnet) 
 
S: Siesta (Vom Ausland lernen, heißt Ruhen lernen) 
S: Spielen (Ist eine unterhaltsame Freizeitbeschäftigung. Aber Vorsicht! Beim Memory ist man den Enkelkindern hoffnungslos unterlegen) 
 
T: Tatenlosigkeit (Ist die höchste Stufe des Zen-Buddhismus) 
T: Tanzen (fördert die Kontakte mit dem anderen Geschlecht, gefährdet aber unter Umständen die Gesundheit. Herzinfarkt, Bandscheibenvorfall, gebrochene Zehen - fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Tanzlehrer) 
 
U: Unterlage (Die Wahl entscheidet über das Wohlbefinden: Matratze, Wasserbett, Sofa, Gartenliege) 
U: Urenkel (Wünschenswert, aber als Objekte zum Aufpassen und Bespaßen zu anstrengend) 
 
V: Vormittagsschläfchen (Hat sich als Ergänzung des Nachtschlafs und Bindeglied zum Mittagsschlaf noch nicht durchgesetzt, ist aber schwer im Kommen) 
V: Vereinsleben (Wäre ohne aktive Rentner längst schon Geschichte) 
 
W: Weinkeller (Ist der schönste Rückzugsort für genussfreudige Ruheständler) 
W: Wandern (Der SGV müsste eigentlich VWS heißen: Verein wanderfreudiger Senioren) 
 
X: XXL-Pause (Das Paradies für ruhebedürftige Ruheständler) 
X: Xanthippe (Das Schreckgespenst aller männlichen Ruheständler. Gibt es aber auch als Gräuel für Ruheständlerinnen: Heißt dann Xanthippie. 
 
Y: Yoga (Für alle ruhebedürftigen Ruheständler empfehle ich die Übung "Schlafender Krause")
 
Y: Yoga (Für alle unruhigen Ruheständler empfehle ich die Übung "Schwebende Jungfrau") 
 
Z: Zimmerdecke (In der finalen Daseinsphase letztes Betrachtungsfeld des ruhebedürftigen Ruheständlers. Empfehlung: Augen schließen und wegschlafen.) 
Z: Zimmerdecke (In der finalen Daseinsphase letztes Betrachtungsfeld des unruhigen Ruheständlers. Empfehlung: Augen aufhalten und Fliegen, Spinnen und andere Insekten zählen, bis der Kerl mit der Sense ins Blickfeld rückt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 793 vom 21. 6. 23 

Ob diese Schmunzelpost tumorig oder humorig ist, muss sich noch herausstellen. Jedenfalls hat gestern eine Untersuchung beim Facharzt ergeben, dass meine anhaltende Heiserkeit aus einer krankhaften Veränderung des Kehlkopfs resultiert. Dem Augenschein nach könnte es sich dabei um einen bösartigen Tumor oder dessen Vorstufe am rechten Stimmband handeln. Gewissheit werde ich erst nach Untersuchungen haben, die am nächsten Montag um 15 Uhr in einer Gelsenkirchener Fachklinik beginnen. Wahrscheinlich ist auch eine stationäre Behandlung erforderlich. 
 
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Diagnose hat mir fast die Sprache verschlagen. Mir blieb förmlich die Spucke weg. Nach dem Schock herrschte lange Schweigen im Walde. Wer schweigt, stimmt nicht immer zu - er hat manchmal nur keine Lust, mit Idioten zu diskutieren. Aber wer dauernd schweigt, ist oft schon tot. 
 
Doch sofort drängten sich andere Redensarten in den Vordergrund: Das ist doch nicht der Rede wert! Es ist noch kein Stummer in den Brunnen gefallen! Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!  Gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit hilft eine Prise Heiterkeit! Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Oder, wie Abraham Lincoln sagte: "Es ist besser zu schweigen und als Idiot verdächtigt zu werden, als zu reden und dadurch alle Zweifel zu beseitigen." 
 
Ich für meinen Teil halte mich an einen Spruch, den mir einst ein Journalisten-Kollege von seiner fast hundertjährigen, aber dauernd kränkelnden Großmutter überliefert hat. Sie sagte über sich: "Was dauernd quietscht hält ewig!" Vielleicht gilt das auch fürs Krächzen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 792 vom 20. 6. 23

Von der Weltpolitik zurück zu unserem Alltag. Aus gegebenem Anlass haben wir uns bereits einige Male mit dem sogenannten Ruhestand beschäftigt. Für Euch alle, seien es die, die bereits das rettende Ufer erreicht haben oder auch die, die es gar nicht erwarten können, habe ich nun einen Test vorbereitet, um die Frage zu klären: Seit Ihr überhaupt bereit für ein Leben fern der Arbeit? 
 
Wie oft siehst Du den Arzt Deines Vertrauens? 
 
a) Einmal pro Woche............100 Punkte 
b) Einmal pro Monat...............50 Punkte 
c) Einmal pro Jahr..................10 Punkte 
d) Meistens doppelt, weil Du Dir vorher Mut angetrunken hast ..... 0 Punkte 
 
Deinen nächsten Urlaub planst Du.... 
 
a) ... im Himalaya, weil Du endlich einen 8000er besteigen willst.........................................................0 Punkte 
b) ... in Deutschland, Österreich und Italien, weil Du mit dem Rad die Alpen überqueren willst ....... 10 Punkte 
c) ... im Sauerland, weil Du mit dem Kahlen Asten wenigstens einen Gipfel erreicht haben willst .... 50 Punkte 
d) ... auf dem Balkon, weil der Gipfel der Genüsse für Dich zuhause liegt..........................................100 Punkte 
 
Wie viele Kugeln befinden sich wohl in einem IKEA-Bällebad? 
 
a) 1000..............................10 Punkte 
b) 10 000............................ 0 Punkte 
c) 100 000 .........,,,.............50 Punkte 
d) Was ist ein Bällebad?...100 Punkte
 
Bei jungen Leuten schätzt Du besonders deren 
 
a) Aktivismus....................... 0 Punkte 
b) Anhänglichkeit............... 10 Punkte 
c) Aufmerksamkeit............. 50 Punkte 
d) Abwesenheit................ 100 Punkte 
 
Die politisch unkorrekteste Formulierung ist für Dich 
 
a) Negerkuss...................... 0 Punkte 
b) Heil Höcke!.................... 10 Punkte 
c) Fräulein ......................... 50 Punkte 
d) Seniorenteller................ 100 Punkte 
 
Auswertung: 
 
0 bis 50 Punkte: Ruhestand? Was ist Ruhestand? Du suchst Dir am besten noch einen Zweitjob! 
51 - 499 Punkte: Du steckst noch in der Findungsphase. Aber auch Du wirst irgendwann im Ruhestand ankommen, falls Dich nicht wegen Deiner Ruhelosigkeit vorher ein Herzinfarkt hinwegrafft. 
500 Punkte: Du hast das Ziel erreicht! Willkommen im Ruhestand! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 791 vom 19. 6. 23

Nach der Hackerpost von gestern - die Attacke auf die Schmunzelpost-Seite ist tatsächlich passiert - wurde hoffentlich nochmals klar, wie wichtig die Wahrheit ist. Jetzt will ich nicht philosophieren: Was ist Wahrheit überhaupt? Gibt es nur eine Wahrheit oder viele davon? Ist mein vierter Vorname wahrhaftig Klaus-Dieter Heinz Wahrheit Krause? Sondern mich stattdessen mit der Aufrichtigkeit von Politikern befassen. 
 
Den berühmten Ulbricht-Spruch "Es hat niemand die Absicht, eine Mauer zu bauen" kennt jeder. Ob Blüms Aussage "Die Renten sind sicher" aus reinem Herzen kam oder bloß eine Hoffnung ausdrückte, sei dahingestellt. Ich möchte lieber darauf schauen, was ein gewisser Wladimir P. 2001 vor dem Deutschen Bundestag versichert hat: 
 
"Unter der Wirkung der Entwicklungsgesetze der Informationsgesellschaft konnte die totalitäre stalinistische Ideologie den Ideen der Demokratie und der Freiheit nicht mehr gerecht werden. Der Geist dieser Ideen ergriff die überwiegende Mehrheit der russischen Bürger. Gerade die politische Entscheidung des russischen Volkes ermöglichte es der ehemaligen Führung der UdSSR, diejenigen Beschlüsse zu fassen, die letzten Endes zum Abriss der Berliner Mauer geführt haben. Gerade diese Entscheidung erweiterte mehrfach die Grenzen des europäischen Humanismus, sodass wir behaupten können, dass niemand Russland jemals wieder in die Vergangenheit zurückführen kann." (...) 
 
"Russland ist ein freundlich gesinntes europäisches Land. Für unser Land, das ein Jahrhundert der Kriegskatastrophen durchgemacht hat, ist der stabile Frieden auf dem Kontinent das Hauptziel." 
 
Und dies sagte 2019 ein gewisser Donald T.: 
 
"Können Sie glauben, dass ich ein Politiker bin? Sogar ich kann es nicht." 
 
"Wenn Sie meine Steuererklärungen sehen werden, ich nehme an, dass sie irgendwann veröffentlicht werden, werden Sie von meiner Arbeit sehr beeindruckt sein. Viel, viel grösser, viel, viel besser als jeder andere." 

 "Ich könnte die beliebteste Person in Europa sein. Ich könnte ... ich könnte für jedes Amt kandidieren, wenn ich wollte. Aber ich will nicht." 
 
"Einige der unehrlichsten Personen in der Medienwelt sind die sogenannten Fakten-Checker." 
 
Wenn habe wir da noch? Ach ja, Boris J. Über dessen Verhältnis zur Wahrheit schrieb der britische Schriftsteller Edward Docx: "Es versteht sich, dass auch das, was er zu seiner Verteidigung vorzubringen hatte, von typischer Absurdität war. Dass es, A:, während der Corona-Lockdowns im Amtssitz des Premiers keine Partys gab. Dass es, B, falls sich herausstellen sollte, dass es sogar eine Menge Partys gab, er nicht bemerkt habe, dass es Partys gab, er nicht bemerkt habe, dass es Partys waren. 
 
Dass ihm, C, gesagt wurde, es seien kein Partys und er, D, ohnehin nicht daran teilgenommen habe. Dass aber, E, falls er doch daran teilgenommen haben sollte und falls es Partys waren, es dann, F, jedenfalls in seiner Wahrnehmung trotzdem keine Partys gewesen seien, und, G, der Ausschuss gemein wäre, wenn er Johnsons Wahrnehmung der Dinge keinen Vorzug vor der Realität gäbe. Oder etwa nicht?" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 790 vom 18. 6. 23 

Es passiert nicht nur Geheimdiensten, Politikern, Großbetrieben, Verwaltungen, Krankenhäusern und Millionären. Sogar die Schmunzelpost war jetzt Ziel eines Hackerangriffs. Trotz der Umstände und der Mühe, die ich meinem computeraffinen Freund Raimund bereiten muss, fühle ich mich irgendwie geehrt. Endlich hatte es ein Internet-Krimineller mal auf geistigen Reichtum abgesehen! 
 
Wie ich davon erfahren habe? Ich konnte plötzlich keine Texte mehr auf die Schmunzelpost-Seite stellen. Sämtliche Bearbeitungsrechte sind mir genommen. Immerhin erlauben die Hacker es großzügig, dass ich mir 842 Folgen weiterhin wenigstens ansehen darf. Per Mail absenden - was Ihr schon daran erkennt, dass dieser Text bei Euch ankommt - kann ich allerdings meine neuen Beiträge nach wie vor. Sobald das Problem bereinigt ist, werde ich auch im Netz die Lücken schließen. 
 
Raimund hat festgestellt, dass der Zugriff am 15. März um 8.10 Uhr erfolgt ist. Allein an der Uhrzeit lässt sich erkennen, dass ich meine Finger nicht im Spiel hatte. Zu dieser nachtschlafenen Zeit habe ich allenfalls von der nächsten Schmunzelpost geträumt. Nun versuchen wir, per Viren-Check abzuklären, ob über die Online-Seite ein Trojaner auf meinen PC geschmuggelt wurde. Doch es deutet alles darauf hin, dass dies nicht der Fall ist. 
 
Allein schon daran, dass ich immer noch Themen anfasse, die abseits des Mainstreams liegen, könnt Ihr bereits erkennen, dass dort, wo kdk druntersteht, auch 100 % kdk drin ist. Und dass mir niemand reinredet. Selbst dann nicht, wenn ich heiße Eisen anpacke. Das will ich heute damit beweisen, dass ich einen Skandal sondergleichen aufdecke, an den sich die anderen Medien bisher nicht herangetraut haben. Selbst der Spiegel nicht! 
 
Also, setzt Euch hin und haltet Euch fest. Nicht nur in Amerika, auch in Deutschland ist die letzte Wahl manipuliert worden! Unter dem Druck des Volkes lassen die Nachrichten-Agenturen jetzt zumindest einen Bruchteil der Wahrheit durchscheinen. Die AfD soll gegenwärtig in Deutschland 18 % Zustimmung finden. 18 Prozent? Ha! Bei der letzten Wahl waren es 81! Doch es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Der Erdrutschsieg der neuen deutschen Kraft wurde komplett unter den Teppich gekehrt, da ja vorher mit Hans-Georg Maaßen der einzige Unbestechliche an der Spitze des BND abgelöst worden war. Immerhin ist man nicht so plump gewesen, die Altparteien mit einem Stimmanteil von 99 Prozent zu präsentieren. Von der DDR lernen, heißt fälschen lernen.
 
Aber damit ist jetzt Schluss. Die Wahrheit ist ans Licht gekommen. Weitersagen! Und falls Ihr in Zukunft selbst in meinen Mails Gegenteiliges lesen solltet, dann haben die Hacker erneut zugeschlagen. 
 
Heil Höcke! 
kdk 

Schmunzelpost 789 vom 17. 6. 23 

Da ich stets um das Wohlergehen meiner treuen Leserschaft bemüht bin, möchte ich heute etwas für Eure Gesundheit tun. Es heißt zwar, Lachen sei die beste Medizin, aber hin und wieder muss es etwas mehr sein - fragen Sie Ihre Ärztin oder Euren Schmunzelpost-Yogi. Deshalb will ich Euch etwas nahebringen, an das sich einige von Euch vielleicht noch aus ihrer Jugendzeit erinnern: Bewegung! 
 
Es ist kaum zu glauben, doch bereits zehn Minuten täglich sollen reichen, um Euren Allgemein-Zustand spürbar zu verbessern. Das behauptet zumindest mein neuer Ruhestands-Ratgeber. Allerdings ist es mit planlosem Gezappel nicht getan. Es sollte sich schon um sorgfältig komponierte Übungen handeln, die führende Physiotherapeuten gemeinsam mit S/M-Experten entwickelt haben. Der Ratgeber empfiehlt den "Flamingo". Und der geht so: 
 
"Du stellst Dich nackt mit weit geöffneten Armen auf ein nasses Handtuch in eine Zimmerecke und presst Dein Gesicht flach gegen die Wand. Die Nase sollte dabei möglichst platt sein. Jetzt drückst Du Deine Daumen rechtwinklig gegen den Handballen und ziehst dabei Dein Gesäß nach vorne, wobei Deine beiden Beine die Form eines Dachgiebels bilden. Nun hebst Du das rechte Bein bis zum Rippenbogen hoch und hakst es in der fünften Rippe ein. Unkontrollierte Blähungen sind völlig normal und ein Signal gelungener Entspannung. Hebe nun den rechten Arm rechtwinklig an und ziehe ihn weit hinter Dein Ohr. Halte diese Stellung, zähle bis einhundertdreiundfünzig und atme dabei ruhig ein und aus. Wiederhole diese Übung dreimal täglich. Pass aber auf, dass Dich keiner dabei sieht." 
 
Als erfahrener Yogi, der mit seinen Kenntnissen bisher nur hinter dem Berg gehalten hat, um die Yoga-Novizinnen in seinem Umfeld nicht zu beschämen, kann ich über den Flamingo nur lachen. Das ist ein Kinderspiel. Versucht lieber mal die "Schwebende Jungfrau". Stellt Euch dazu aufrecht hin und lockert zunächst Eure Muskulatur. Schön gleichmäßig die Gliedmaßen schütteln. Ja, so ist es gut. Nun hebt Ihr das linke Bein und berührt mit dem Fußballen Eure linke Pobacke. Danach hebt Ihr beide Hände in die Höhe und spreizt die Ellbogen seitlich ab. Dann fügt Ihr Eure Hände dicht über Eurem Kopf in Gebetshaltung zusammen. Jetzt müsst Ihr nur noch das rechte Bein heben und damit Eure rechte Pobacke berühren. Falls das Schweben nicht auf Anhieb gelingt, dürft Ihr anfangs mit den Händen auch flatternde Bewegungen machen. Fortgeschrittene, die mindestens 30 Sekunden lang in der Luft bleiben, sind für die Yoga-Weltmeisterschaft in Esoterien startberechtigt. 
 
Ja, gut, nicht gleich verzagen. Vielleicht sollten wir doch erst mit einer Übung für Anfänger beginnen. Dazu legt Euch waagerecht aufs Bett und zwar mit dem Rücken nach unten. Um es bequemer zu gestalten, dürft Ihr Euch bei Bedarf ein Kissen unter den Hinterkopf schieben. Danach fest die Augen schließen und tief und gleichmäßig ein- und ausatmen. Und ein...... und aus.... und ein.....  und aus.... und ein ..... und aus ..... und ein.....   und aus..... Wenn es zur Entspannung beiträgt, dürft Ihr dabei auch sägende Geräusche machen. Den gesamten Vorgang bitte mindestens dreißig Minuten bis zu acht Stunden durchhalten. Diese Übung ist in Fachkreisen als "Schlafender Krause" bekannt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 788 vom 16. 6. 23 

Gestern habe ich ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk bekommen. Ein Büchlein mit dem Titel "Ruhestand - nichts für schwache Nerven." Es handelt sich um einen Ratgeber für Rentner und Pensionäre. Da ich nicht der einzige Ruheständler in der Schmunzelpost-Runde bin und andere diesem Zustand entgegenfiebern, reiche ich gern einige Empfehlungen weiter. 
 
Hier sind ein paar Hinweise, die Aufschluss darüber geben, dass man noch nicht über die nötige Ruhe für den Ruhestand verfügt. 
 
1. Sie arrangieren ihr Bücherregal um und sortieren die Ausgaben alphabetisch nach Titeln, später nach Farben und noch später nach Erscheinungsdatum. (Habe ich längst hinter mir, allerdings hauptsächlich mit der Absicht, mehr Platz zur Unterbringung weiterer Bücher zu gewinnen. Hat nicht funktioniert. Stattdessen habe ich jetzt eine Staublunge.) 
 
2. Sie führen ein Personalgespräch mit ihrem Enkel, der eigentlich nur ihren Rasen mähen soll und fragen ihn nach seinen Stärken und Schwächen. Und danach, wo er sich in fünf Jahren sieht. (Hübsche Idee! Leider habe ich keine Enkel. Und jeder, der meinen Rasen mähen will, wird von mir sofort ohne Einstellungstest genommen!) 
 
3. Sie regeln den Kreisverkehr in ihrer Wohnsiedlung. (Da würde ich eher die Einhaltung der Ampelschaltungen kontrollieren und allen Autofahrern, die das Rotlicht ignorieren und deshalb fast die Radfahrer plattmachen die rote Karte zeigen.) 
 
Dass mir immer noch der nötige Abstand zum Beruf fehlt, erkennt man eher an Kerben. Bei jedem Fehler, den ich beim Frühstück in der Zeitung entdecke, beiße ich herzhaft in meine Tischplatte. Gegenwärtig sind es bloß neun Kerben. Aber es ist der 21. Tisch! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 787 vom 15. 6. 23


Ihr seid aus gutem Holz geschnitzt! Deshalb muss ich nicht dreimal auf Holz klopfen oder wie Espenlaub zittern aus Sorge, dass Euch das Thema Wald nicht interessiert. Falls ich Euch damit langweile, wäre das aber schlecht. Ich will nämlich nicht den Ast absägen, auf dem ich sitze. 
 
Wie Ihr bestimmt schon ahnt, stehen heute Redensarten im Mittelpunkt. Allein an ihrer Zahl kann man erkennen, wie wichtig uns der Wald ist. Jüngere Großstadtmenschen würden mich wegen solchen Aussagen vielleicht in die Wüste schicken wollen, aber einen alten Baum verpflanzt man nicht. Doch trotz der hohen Zahl meiner Jahresringe könnte ich angesichts dieser dankbaren Aufgabe beim Schreiben Bäume ausreißen. Was natürlich nur im übertragenen Sinne gemeint ist: Vor allem im Regenwald gehen uns Tag für Tag viel zu viel davon verloren.
 
Nachdem ich mit dem Beiwerk (Holz, Äste, Laub und Bäume) begonnen habe und bereits dabei auf keinen grünen Zweig gekommen bin, wenden wir uns nun den Sprüchen zu, in denen der Wald selbst vorkommt. Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Doch das kann auch daran liegen, dass Forstwirte früher bei uns Monokulturen viel zu dicht gepflanzt haben. Und vorher haben sie sich wie die Axt im Walde benommen und ganze Flächen roden lassen, um aus dem Holz Geld zu machen. 
 
Denn wir Menschen wissen noch aus Jäger und Sammlerzeiten, dass im Wald etwas zu holen ist. Nicht nur Wild, Früchte, Nüsse, Beeren und essbare Wurzeln, sondern auch Brennholz. Weshalb die Redensart "das ist, wie Holz in den Wald tragen", etwas völlig Abwegiges und Unsinniges bezeichnet. Aber die Urangst, die seit Hänsel und Gretel in uns steckt, hat ebenfalls Eingang in unseren Sprachschatz gefunden. Denn der Spruch:: "Ich glaub', ich steh'  im Wald!" drückt aus, dass wir verwirrt und ratlos sind. Vielleicht, weil wir uns im dunklen Wald verirrt haben und nicht mehr weiter wissen.
 
Dafür wissen wir jedoch etwas anderes: "Im Wald, da sind die Räuber!" Lange Zeit haben sich die Gesetzlosen im Wald versteckt und leichtsinnige Reisende ausgeplündert. Die Engländer hatten Robin Hood, wir hatten den Schinderhannes. Wenn wir vermuten, dass Böses droht, sagen wir deshalb immer noch gern: "Es ist etwas im Busch!" Und danach herrscht dann betretenes Schweigen, nicht nur im Walde. 
 
Zum Schluss entführe ich Euch noch mit einem Uralt-Kalauer von Otto in den Urwald. Der weltbekannte Tarzan-Schrei stammt nämlich aus einer Zeit, als Tarzan noch keinen Lendenschurz trug. Und als seine geliebte Jane von Krokodilen umzingelt war, schwang ihr Retter sich von Baum zu Baum, schwebte über ihr und rief: "Greif die Liane, Jane, greif die Liane!" Und Jane griff zu. "Aiiiiiaaaaiiiaaaaiiiiiiaaaaah!" 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 786 vom 14. 6. 23

Gerade habe ich in der Tagesschau den Bericht über zwei Waldbrände in Mecklenburg-Vorpommern gesehen. Da der Osten Deutschlands besonders unter Trockenheit leidet, ist die Bekämpfung der Feuer dort ein besonderes Problem. Vor allen Dingen, weil im Boden häufig Munition und Sprengkörper lagern. Daher müssen wir uns wegen des Klimawandels für die Zukunft auf einiges gefasst machen. Auch in anderen Teilen der Welt, wo Waldbrände immer dramatischere Ausmaße annehmen - von Portugal über Nordamerika bis nach Australien. 

 
Höchste Zeit, sich mit dem Wald zu beschäftigen, solange er noch da ist. Heute fange ich mal damit an. Schließlich steckt in mir das deutsche Gen der Waldliebe, das sich schon bei großen Denkern wie Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Ludwig Ganghofer und Peter Wohlleben fand. Und "Waldsterben" ist ein deutscher Begriff, der früher belächelt wurde. Als wir uns über die Folgen der Luftverschmutzung und des sauren Regens aufregten, grinste man im Ausland noch über die hysterischen Deutschen, die ihrem Forst sogar Liebeslieder widmeten: "Mein Freund, der Baum." Das Lachen ist vielen aber inzwischen vergangen. Auch, weil ihnen im verräucherten New York vor lauter Husten die Luft wegblieb. 

Zunächst schauen wir mal auf die Quantität der Baumbestände. Angeblich zählt Deutschland mit rund elf Millionen Hektar  Waldfläche zu den am dichtesten bewaldeten Ländern Europas. Immerhin besteht mindestens ein Drittel der Gesamtfläche aus Waldgebieten. Schauen wir jedoch in die Länder-Rangliste zum Waldanteil, dann finden wir uns in Europa eher im Mittelfeld wieder: Platz 24 unter 55 Staaten ist immerhin besser als alles, was wir zuletzt beim ESC erreicht haben. Beim nächsten European Song Contest sollten wir vielleicht Bäume für uns ins Rennen schicken. Doch da unsere Wälder hauptsächlich Plantagen der Forstwirtschaft sind, bestimmen dann eher Motorsägen den Sound. Aber weniger als null Punkte können wir sowieso nicht kriegen. 
 
Und schon wieder sind die verdammten Schweden weit vor uns. Auch ihre Wälder sind ein Hit, bedecken sie doch zur Freude der Elche mehr als zwei Drittel des Landes (67 %). Lediglich die skandinavischen Nachbarn aus Finnland verweisen sie mit stolzen 74 % auf Rang zwei. Ein Riesenland wie Russland profitiert eindeutig von seinen gewaltigen Ausmaßen - selbst einem Lügenbaron wie Putin würde es nicht gelingen, den 50 %-Anteil an Waldgebieten auf seine persönlich angeordeten Baumpflanz-Aktionen zurückzuführen. Das reicht dennoch für Rang fünf. 
 
Doch selbst Mittelmeer-Staaten wie Portugal, Spanien und Italien liegen noch weit vor uns. Und das, obwohl man dort mit Abholzungen nie zimperlich war und viele ehemalige Waldflächen völlig erodiert sind. Bestes Beispiel ist Griechenland, dessen Waldanteil mittlerweile unter 30 Prozent liegt. Die Norweger bringen es zwar noch auf 31 Prozent, liegen damit aber knapp hinter uns auf Rang 25. Und die Gallier, also die Franzosen, brauchten dringend wieder einen Miraculix, der sie mit der Aussaat von Zauber-Eicheln von Platz 30 weiter nach oben befördert. 
 
 Ein gewisser Robin Hood würde heute klagen: "Wo ist bloß mein Sherwood Forest geblieben?" und sich kampflos dem Sheriff von Nottingham ergeben. Großbritannien hat nur noch einen Waldanteil von 11,8 %. Das könnt Ihr mit Euren tollen Landschaftsgärten und dem Rasen von Wimbledon auch nicht wettmachen, Ihr Brexit-Spinner! 
 
Dass Island und die Faröer-Inseln Platz 50 und 51 einnehmen, kann man den Insulanern kaum anlasten. Wegen der Bodenbeschaffenheit und dem eisigen Klima verzichten Bäume darauf, dort Wurzeln zu schlagen. Drei Zwergstaaten weisen sogar einen Waldanteil von 0,000 % aus. Gibraltar, Monaco und der Vatikan. Zwar hat der amtierende Papst immer wieder versucht, kleine Wäldchen anzupflanzen. Doch die Projekte sind allesamt gescheitert: Wegen der Missbrauchs-Skandale der katholischen Kirche haben brennende Dornbüsche alles wieder zunichte gemacht. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 785 vom 13. 6. 23


Zu den Freuden des Rentnerlebens im Sommer zählt es, sich im Garten einen schattigen Platz unter dem Kirschbaum zu suchen, ein Buch zur Hand zu nehmen und die Liege in die richtige Position zu bringen. Halt! Da fehlt noch etwas! Also auf zur Küche, die Weinflasche aus dem Kühlschrank holen und sich ein erfrischendes Glas trockenen Rose einschenken. Zurück auf die Liege, bevor der Kater sich dort breitmacht. Dem Genuss steht nichts mehr im Wege. 
 
Doch! Eine Schulklasse zieht an der Hecke vorbei. Sie bewegt sich mit Getöse in Richtung Bürgerpark, um dort ihr Nachmittags-Sportprogramm zu absolvieren. Kaum sind die Kinder vorbeigezogen, klappe ich das Buch auf. Herrliche Ruhe! Lediglich munteres Vogelgezwitscher, das ich jedoch als angenehmes Begleitgeräusch durchgehen lasse. Dann mischt aber sich ein neuer Ton dazwischen. Welcher Vogel äußert sich mit einem dauerhaften "Rrrrrrrrrrrrrrrr"? Ach, das ist der Nachbar zwei Häuser weiter, der seinen Rasen mäht. Das kann nicht lange dauern, unsere Gärten sind recht klein. 
 
Aber kaum ist er fertig, da wird er durch ein stetiges "Brummmmmm" abgelöst. Die Nachbarin zwei Häuser links von uns hat sich wohl erinnert gefühlt, dass sie mit der Rasenpflege in Rückstand ist. Und sie besitzt keinen elektrischen, sondern einen Motormäher. Nur Geduld! Auch das ist irgendwann überstanden. Doch als der Mäher verstummt, höre ich ein permanentes Gebrabbel. Na, bravo! Herr K., mein Nachbar aus der Dachwohnung, ist auf den Balkon getreten und führt wieder eines seiner Selbstgespräche. Mal leiser, mal lauter, je nachdem, wie sehr er sich ereifert. 
 
Heute habe ich keine Lust darauf, ihm zu lauschen, sondern warte ungeduldig darauf, dass der Monolog endet. Das passiert schneller als erwartet. Herr K. verzieht sich schimpfend in seine Wohnung. Was hat er bloß? Ach ja, da rückt wieder so ein Trupp Jugendlicher an, der das Kanalufer als Freibad-Ersatz nutzen will. Wäre ja nicht so schlimm, wenn sie nicht diesen Ghetto-Blaster dabei hätten. Als Kind habe ich selbst meine Eltern mit dem Beat-Club genervt, aber erst heute begreife ich, warum ein anhaltendes "Wumm-wumm-wumm-wumm-wumm" als störend empfunden werden kann. Zumal diese modernen Bass-Boxen es richtig drauf haben. 
 
Endlich, endlich verklingt der Donnerhall in der Ferne. Ich blättere erneut zur ersten Seite des Romans, als mich ein anklagender Ruf aus allen Träumen reißt: "Wie lange willst Du unsere Liege eigentlich noch belegen? Jetzt bin ich mal an der Reihe!" Soll ich Widerstand leisten oder mich meinem Schicksal ergeben? Ach, ich muss sowieso noch die Schmunzelpost schreiben. Deshalb marschiere ich kampflos zurück ins Haus. Und nehme unterwegs erfreut zur Kenntnis, dass jetzt die einzige Motormaschine vom nahen Segelflugplatz ihre Runden über Maria Lindenhof dreht. . .
  
Glückauf 
kdk 



Schmunzelpost 784 vom 12. 6. 23

Erinnert Ihr Euch an Hans Hartz? Nein, der hatte nichts mit Hartz IV zu tun, durch das im Jahr 2002 das Arbeitslosengeld II ersetzt wurde. Dafür maßgeblich verantwortlich war Peter Hartz, ehemals Mitglied des VW-Vorstands. Ich will auch nicht darüber diskutieren, ob die Neuregelung notwendig gewesen ist, wie die einen behaupten, oder ein sozialpolitisches Armutszeugnis, das auch der SPD großen Schaden zufügte, wie andere sagen. Auch über den unvergessenen Widukind Harz wollen wir nicht reden, der vor 1200 Jahren eine vorher kahles Mittelgebirge, das heute nach ihm benannt ist, mit Bäumen bepflanzte. Schweigen will ich ebenso von Friedrich Harz. Der hat einen Käse erfunden, der mir stinkt. Hier geht es um Hans Hartz. Oder, genauer gesagt, um das Lied, mit dem der 2002 verstorbene Sänger in Deutschland bekannt wurde: "Die weißen Tauben sind müde". Diese Hinführung zu einem Tagesthema nennt man wohl "durch die Brust ins Auge". 
 
Mit Tauben und der konträren Einstellung, mit der Menschen diesem in Deutschland weit verbreiteten Vogel gegenwärtig begegnen, habe ich mich an dieser Stelle ja bereits ausführlich beschäftigt. Aber nun sind noch ein paar Ergänzungen fällig. Denn die weiße Taube, die der Heilige Geist persönlich als verstofflichtes Abbild nutzte, wenn er persönlich der Menschheit etwas mitteilen wollte, gilt immer noch als Symbol des Friedens. 
 
 Nun hat sie diesen Job über Jahrtausende nicht zufriedenstellend erledigt, was man aber dem gutwilligen Vogel am wenigsten anlasten darf. Daher rückte zuletzt eine andere Aufgabe in den Vordergrund: Als Glücksbringer werden bei Hochzeiten gerne weiße Tauben aufgelassen, die dem Brautpaar einen guten Start ins gemeinsame Leben ebnen sollen. Ebenso wie beim Weltfrieden hat das jedoch auch nicht so richtig funktioniert. In manchen Ehen herrschte nach ein paar Jahren regelrechter Krieg - die Zahl der Scheidungen stieg enorm. 
 
Doch das ist nicht der Grund, weshalb jetzt versucht wird, die Hochzeitsboten arbeitslos zu machen. Stattdessen werden Tierschutz-Argumente vorgeschoben. Da könnte etwas dran sein, wenn nicht parallel dazu die graue Verwandtschaft als Renner der Lüfte mit wirklich fiesen Tricks seit Jahrzehnten auf Tempo getrimmt würden. Ob sie sich besonders beeilen, weil sie befürchten müssen, dass sich im Heimatschlag ein Nebenbuhler an ihre Partnerin heranmacht oder weil sie ihr Gelege nicht allzu lange unbebrütet lassen wollen oder ob man sie mit Dopingmitteln vollstopft - dagegen sind die Vorbehalte zum Einsatz der geflügelten Trauzeugen fast banal. 
 
Vor allem aber weise ich nochmals darauf hin: Die Taube ist ein arg unterschätztes Lebewesen. Über ihre Intelligenz und ihre besonderen Fähigkeit habe ich schon berichtet. Die Wissenschaft hat jetzt mit Hilfe von Kernspintomografie auch noch herausgefunden, dass Tauben auf ähnliche Weise träumen wie Menschen. Die Forscher nehmen an, dass Tauben im Schlaf sogar Flugsequenzen durchleben. Die Süddeutsche Zeitung meint dazu: "Es versteht sich von selbst, dass eine Taube danach beflügelt erwacht, während ein Mensch nach einer geträumten Flugsequenz sein angstschweißtriefendes Nachthemd wechseln muss." 
 
Ich bin da skeptisch. Wer weiß, wovon Tauben tatsächlich träumen? Vom Turteln, Schnäbeln, Vög...., nein, die Schmunzelpost soll jugendfrei bleiben. Und vielleicht haben Tauben im Schlaf noch ganz andere Ideen. Womöglich, dass im Traum eine zur anderen sagt: "Weißt Du, was wir heute unternehmen könnten? Geh'n wir Menschen vergiften im Park!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 783 vom 11. 6. 23 

"Ich glaub's ja nicht!" So reagierten Schmunzelpostleser auf die Geschichte über die beiden Stachelschweine, die durch Dorsten spazierten. Ich muss mir also Gedanken um meine Glaubwürdigkeit machen, wohl auch, weil ab und zu meine Fantasie mit mir durchgeht. Dabei baue ich darauf, dass Ihr Übertreibungen und Hirngespinste erkennt, clever wie Ihr seid. Doch der weitaus größte Teil der hier wiedergegebenen mitunter verblüffender Fakten entspricht der Realität. Das ist Fakt. 
 
So war es auch mit den Stachelschweinen. Nach stundenlanger Suche sind sie am Freitag in Dorsten eingefangen und an ihre rechtmäßige Besitzerin zurück gegeben worden, die laut Medienberichten ganz in der Nähe lebt. Zuvor hatte die Stadtverwaltung sich beim Gelsenkirchener Zoo erkundigt. Aber dort wurden keine Stachelschweine vermisst. Kein Wunder, kein Schwein würde den Ortsteil Schalke freiwillig verlassen. 
 
Aber die Sache hat mir nochmal vor Augen geführt, wie oft ich selbst mit Riesenzweifeln reagiere, wenn ich mit erstaunlichen Fakten konfrontiert werde. Eine kleine Auswahl von Aussagen, die ich zunächst nicht glauben wollte, habe ich heute zusammen gestellt. 
 
Gerade bei diesen Temperaturen kommen wir alle rasch ins Schwitzen. Jetzt las ich sogar, dass ein menschlicher Fuß durchschnittlich einen Becher Schweiß pro Tag absondert. Damit wäre geklärt, dass so oft von Schweißquanten die Rede ist. Dennoch haut die Menge mich vom Hocker. Zwar wird die Größe des Bechers nicht näher eingegrenzt, doch ich gehe davon aus, dass es sich nicht um Fingerhüte handelt. Eine Erklärung wäre, dass Schweiß schnell verdunstet. Und frischer Schweiß ist geruchslos. Erst wenn er trocknet und nicht verfliegt, entfaltet er sein volles Aroma. 
 
Bei der nächsten Aussage hat mich weniger ihr Inhalt verblüfft, als die Frage: Wer überprüft so etwas? Und warum? 
Fakt sei, dass Hochspannungsleitungen bei Regen nicht summen, wenn man sie vorher mit Zahnpasta einreibt. Das hat mich lange beschäftigt. Warum sollte man Hochspannungsleitungen mit Zahnpasta zuleibe rücken? Leiden sie unter Karies? Liefern sie bei stärkerem Befall nur noch Wechselstrom? Gehen die Zahnpasta-Akrobaten nur nachts ihrer Tätigkeit nach, weil man sie nie zu Gesicht bekommt? Wird der lebensgefährliche Job wenigstens gut bezahlt? So sorgt die Antwort auf nur eine Frage sofort für viele weitere. 
 
Wo wir schon bei ausgefallenen Berufen sind: Im alten Ägypten gab es Angestellte, die einer höchst ungewöhnlichen Tätigkeit nachgingen. Damit Pharaonen vor Fliegen und Mücken geschützt waren, ließen Untergebene sich mit Eselsmilch bestreichen und stellten sich den ganzen Tag in eine Ecke des Raums. Dieser menschliche Magnet lockte die Insekten an, die daraufhin andere Anwesende verschonten. 
 
Ein hübscher Brauch. Wenn sich jemand aus rein wissenschaftlichen Gründen zur Verfügung stellen möchte: Ich hätte Bedarf, damit ich in heißen Sommernächten endlich bei offenem Fenster schlafen kann. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 782 vom 10. 6. 23

Woran erkennt man, dass der Sommer Einzug gehalten hat? Daran, dass das Thermometer auf 30 Grad steigt und dauernd der Garten gewässert werden muss? Ja, daran auch. Aber ein untrügliches Zeichen ist es, wenn die ersten entlaufenen exotischen Haustiere in den Medien auftauchen. 
 
Bei uns in Dorsten waren das am Freitag zwei Stachelschweine. Wo die beiden Ausreißer herkamen, war gestern Nachmittag noch unbekannt. Sie hatten sich wieder aus dem Staub gemacht, nachdem sie am Vormittag im Ortsteil Altendorf-Ulfkotte ausgiebig ein Garagentor beschnupperten. Eine Gefahr für die Anwohner bestand nicht. Die Pflanzenfresser sind von Natur aus friedlich und setzen ihre Stacheln nur zur Verteidigung ein. 
 
Ich habe ja eine Theorie. Eine bekannte Kabarettgruppe aus Berlin nannte sich früher "Die Stachelschweine". Und Ex-Kabarettisten der Tintenhühner veranstalten bald eine Gartenlesung in Altendorf. Wenn da mal kein Zusammenhang besteht! Vielleicht haben die beiden davon gehört und beschlossen, ihren vermeintlichen Verwandten einen Besuch abzustatten. Stachelschweine sind nämlich nicht nur in Afrika zuhause, sondern haben sich inzwischen auch in Italien angesiedelt. Und der Weg über die Alpen nach Dorsten ist weit, da kann man sich schon mal um ein paar Tage vertun. 
 
Ganz nebenbei setzen die stachligen Vagabunden eine Tradition fort, die uns seit Jahrzehnten erfreut. Wer hat sich nicht schon so alles in den Sommermonaten in den Medien getummelt? Ich erinnere mich beispielsweise an ein Krokodil im Badesee und an ein Känguru. In Dorsten sind vor langer Zeit sogar mal zwei junge Löwen unterwegs gewesen, die aus einem Zirkus ausgebüxt waren. Im Rhein suchte einst ein weißer Wal nach einer Urne. Oder er hatte sich bloß verschwommen. 
 
Und als ich klein war, hatte ebenfalls in der warmen Jahreszeit erst unser Wellensittich Berni und zwei Jahre später unserer Kanarienvogel Hansi das Weite gesucht. Obwohl wir Zettel aushängten und darauf hinweisen, dass Hansi mühelos drei Oktaven beherrscht und alle Arien aus dem Vogelhändler trällern kann, ist er nicht gefunden worden. Ebenso wenig wie Berni. Aber der konnte nur krächzen. 
 
Von vielen Tieren wird niemals bekannt, wer ihre Besitzer waren. Manchmal waren die offenbar froh, ihre Schützlinge los zu sein. Oder sie wollten nicht für entstandene Schäden aufkommen. Daher ein wichtiger Hinweis: Falls Ihr ungewohnte Geräusche hört und Euch fragt: "Knusper, knusper, Kläuschen, wer knabbert an meinem Häuschen?", dann schaut genau hin, ob das Gemäuer Eures Hauses noch intakt ist. Denn vielleicht handelt es sich um entlaufene Steinläuse. Das hätte wenigstens ein Gutes: Für die angerichtete Zerstörung haften Loriots Erben. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 781 vom 9. 6. 23 

Mit zunehmendem Alter, so heißt es, schützt vor dem Verkalken, wenn wir unsere Gehirnzellen regelmäßig richtig auf Trab bringen. Zuletzt haben wir uns öfter mit Sprache beschäftigt, dies wollen wir heute fortsetzen. Und ich hoffe, dass Ihr dabei mitspielt und Eure grauen Zellen richtig wirbeln lasst. 
 
Irgendwann waren bereits einmal Anagramme Thema der Schmunzelpost. Das wisst Ihr nicht mehr? Freut Euch, das ist ein gutes Zeichen. Denn wenn irgendwann das Langzeitgedächtnis das Kurzzeitgedächtnis aussticht, dann wird es kritisch. Also: Anagramme sind Wörter, die durch Umstellung ihrer Buchstaben ein neues Wort ergeben. So können wir beispielsweise aus einem Beil auch die Wörter lieb oder Blei bilden. 
 
Komplizierter wird es jedoch, wenn die Wörter etwas länger sind. Dann schicke ich Euch mal in den Fronteinsatz: Welches Hauptwort lässt sich daraus bilden? Und auch aus der Arbeitskraft kann etwas komplett Neues entstehen. Ich will Euch jetzt keinen Zubringerdienst leisten, aber wenn Ihr diese Buchstaben neu ordnet, entsteht ebenfalls ein neuer Begriff. 
 
Jetzt denkt mal in Ruhe darüber nach. Bevor Euch die Aufgaben als Schufterei erscheinen und Euch die Eifersucht beschleicht, weil Ihr im Gegensatz zum Schmunzelpost-Verfasser nicht gleich auf die Lösungen kommt: Eifersucht und Schufterei sind ebenfalls Anagramme! Und bevor Euch das Nachdenken auf die Palme bringt und die innere Ampel auf rot springt, knipse ich bei Euch die Lampe an: Palme-Ampel-Lampe - fertig ist das Anagramm. 
 
Doch diejenigen, die beteuern, dass sie beim besten Willen nicht auf die Lösung kommen, will ich zumindest in sofern betreuen, dass sie die richtigen Lösungen erbeuten, wenn sie sich die Begriffe Zitronensaft, Strafbarkeit und Grundbesitzerin einmal etwas näher anschauen. Und ich möchte ganz nebenbei beteuern, dass "betreuen", "beteuern" und "erbeuten" auch Anagramme sind. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 780 vom 8. 6. 23 

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umsehe, stelle ich fest, dass die Reisezeit längst begonnen hat. Vielleicht zieht es einige von Euch ans Mittelmeer, nach Spanien oder in die Türkei. Für diesen Fall habe ich wieder ein paar Vokabeln ausgegraben, die Euch womöglich gar nicht spanisch vorkommen, die Ihr dort jedoch getrost verwenden könnt. 
 
Falls Ihr öfter mal das 17. Bundesland der Deutschen besucht habt, dann wisst Ihr bereits, dass Ihr nicht im Spanisch-Wörterbuch nachschlagen müsst, wenn Ihr Appetit auf Kuchen habt. Kuchen bleibt Kuchen, nicht nur im Schwarzwald und auf Mallorca, sondern in ganz Spanien. Wer sich dagegen gesund ernähren will, dem kommt entgegen, dass "Muesli" ebenfalls iberisiert ist. Das gilt auch für "Delicatessen". 
 
Ansonsten ist erstaunlich, dass es oft die gleichen deutschen Worte sind wie in Italien, die in Spanien Einzug gehalten haben: Kitsch, Hinterland, Leitmotiv, Kursaal, Poltergeist und kaputt. Ist das vielleicht eine Frage der "Weltanschaung" oder steckt der "Zeitgeist" dahinter? Waren unter den deutschen Touristen besonders viele Lehrer, die mit dem Duden unterm Arm den Kellnern ein besonders dickes Trinkgeld versprachen, wenn sie beim nächsten Mal eines dieser Wörter parat hatten? Rätselhaft ist für mich aber, wie der "Iceberg" ins Spanische gelangt ist, obwohl man dort an den Küsten bisher nie einen gesichtet hat. Womöglich lief ja in den Kinos der Urlaubsinseln die deutsch synchronisierte Titanic-Fassung. 
 
Leicht abgewandelt ist der "Aysberg" auch in der Türkei angekommen. Bis auf den "Panzer", anscheinend für Türken ein durch und durch deutscher Begriff, verzeichnen wir im Reich von Sultan Recep Tayyip dem Großen die meisten kleinen Abweichungen der Schreibweise. Dennoch ist uns sofort klar, was mit der "Otoban" oder dem "Sinitzel" gemeint ist. Und wenn der deutsche Heimwerker wehmütig durchs "Hinterlant" streicht, weil er den heimischen Baumarkt vermisst, dann begibt sich der "Haymatlose" in den "Grossmarket" und wühlt ein wenig herum im Fach für "Dübel". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 779 vom 7. 6. 23

Die Wehrmacht hat es glücklicherweise nicht geschafft, aber einigen deutschen Wörtern ist die Invasion fremder Länder geglückt. Und zwar nicht nur im Osten Europas. Schmunzelpost-Leserinnen, die derzeit vielleicht gerade auf Sardinien Urlaub machen, müssen sich sprachlich nicht komplett umstellen. Wenn sie einen Ausflug ins "Hinterland" machen wollen, verstehen das alle Einheimischen. 
 
In ganz Italien haben sich deutsche Vokabeln im Sprachgebrauch eingenistet, von denen man das nicht unbedingt vermuten würde. Gut, "Föhn" und "Jodler" sind durch die grenzüberschreitenden Begriffe von Alpenvölkern leicht erklärbar. Aber warum haben es ausgerechnet der "Kitsch" und die "Schadenfreude" ins Italienische geschafft? Ich kann jedenfalls kein "Leitmotiv" erkennen, es sei denn, ein "Poltergeist" hat seine magischen Fähigkeiten spielen lassen. 
 
Vielleicht haben "Krapfen" und "Kirsch" ja eine kulinarische Gegenoffensive gestartet, um dem Siegeszug von Pizza und Spaghetti in Deutschland etwas entgegenzusetzen. Aber wie hat es das Eigenschaftswort "kaputt" nach Italien geschafft? Hat das etwas mit italienischen Autos zu tun? Oder war es das Lieblingswort von deutschen Gastarbeitern, um sich vor anstrengenden Arbeiten zu drücken? Moment, da habe ich wohl etwas durcheinander geworfen. Ungleich mehr Italiener haben in Deutschland ihr täglich Brot verdient, deutsche Gastarbeiter in Rom oder Mailand waren eher selten. Und wenn, dann hießen sie Schnellinger, Matthäus, Rummenigge oder Völler. 
 
Dass "Realpolitik" aus Deutschland importiert werden musste, ist angesicht italienischer Verhältnisse nachvollziehbar. Wieso ist das aber auch dem "Kindergarten" gelungen? Bambini-Giardino klingt doch zumindest in deutschen Ohren gar nicht schlecht. 
 
Doch bevor ich mich noch in haltlosen Spekulationen verirre, sage ich "Schluss jetzt"! Und zwar mit einer Vokabel, die sowohl Italiener wie Deutsche gut verstehen: Basta! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 778 vom 6. 6. 23

Wenn man den Mund vollnimmt, dann muss man sich auch anstrengen, um die geweckten Erwartungen zu erfüllen. So ging es mir, als mich ein Fragesteller jetzt mit einem Thema konfrontierte, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Es entspann sich der folgende Dialog:
 
Fragesteller: Wie können wir mit der Sexualisierung unserer Autos fertig werden?

K.D. Orakel: Wie? Was? Womit? Können Sie mir das bitte näher erklären?

Fragesteller: Aber gern. Alle Welt redet von der Künstlichen Intelligenz, die immer klüger wird und menschliche Züge annimmt. Neulich hat so eine KI sogar schon gelogen. Gleichzeitig sind die Konzerne dabei, autonome Autos zu entwickeln. Jetzt müssen Sie nur noch eins und eins zusammen zählen.

K.D. Orakel: Wieso?

Fragesteller: Das kluge Auto von morgen wird zwangsläufig Emotionen entwickeln. Und wir müssen den Schlamassel dann ausbaden.

K.D. Orakel: Ich verstehe immer noch nicht, worauf Sie hinaus wollen.

Fragesteller: Es liegt doch auf der Hand. Autos mit Selbstbewusstsein dürften mal stärker ihre männliche Seite ausleben oder besonders von weiblichen Gefühlen geprägt sein. Dann haben wir den Salat.

K.D. Orakel: Meinen Sie, dass männliche PKW mehr rasen und weibliche PKW schlecht einparken können?

Fragesteller: Nun kommen Sie mir nicht mit überholten Klischees. Nein, ich sehe die Gefahr, dass ein männlicher Bolide komplett von seinen Gefühlen übermannt wird, wenn er einem flotten Käfer begegnet. Und dann vergisst er das eigentliche Fahrtziel und folgt errötend ihren Spuren.

K.D. Orakel: Mal abgesehen davon, dass der Lack dann ab wäre: Welches Ziel sollte der Auto-Casanova verfolgen?

Fragesteller: Sie sind vielleicht naiv! Ist doch klar, er will knattern.

K.D. Orakel: Moment mal, Sie glauben wirklich, es käme zum Geschlechtsakt? Wie sollte das den funktionieren? Autos fehlen die dazu notwendigen Teile.

Fragesteller: Schon mal was von Stoßstangen gehört? Aber der Auspuff ist wohl sogar Ihnen ein Begriff.

K.D. Orakel: Und Sie glauben ernsthaft, dann würden alle PKW Kopulations-Absichten hegen?

Fragesteller: Nein, zum Glück nicht alle. Den E-Autos fehlt der Auspuff. Und weil sie ständig unter Strom stehen, sind sie durch das stetige Kribbeln gegen solche Anfechtungen immun.

K.D. Orakel: Na, bitte! Dann ist Ihr Problem ja gelöst. Bis selbstfahrende Autos marktreif sind, werden die Verbrenner ausrangiert.

Fragesteller: Ja, vielleicht bei den PKW. Aber wir haben ein viel schwergewichtigeres Problem. Bis alle LKW elektrisch fahren, werden noch viele, viele Jahre vergehen. Bis dahin wird das Wort "Schwerlastverkehr" eine völlig neue Bedeutung erhalten. Denken Sie nur an die Vielzahl der Staus, wenn sich überall die Brummis paaren.

K.D. Orakel: Na, das lässt sich doch relativ leicht in den Griff bekommen. Wozu haben wir eine Marktwirtschaft? Sie werden erleben, wie schnell Tankstellen gegen einen Obolus ihr Angebotsspektrum erweitern: "Ihr Rastplatz für gewisse Stunden! Und vorher noch kurz auftanken - mit dem Tiger im Tank hat man Feuer unterm Hintern!"

Fragesteller: Liebes Orakel, Du bist genial!

K.D. Orakel: Das weiß ich selbst. Bloß schade, dass es außer mir kein anderer merkt. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 777 vom 5. 6. 23

Es ärgert mich stets auf Neue, wenn ich lese, wie englische Vokabeln unseren Alltag durchdringen. Nein, ich bin kein Verfechter der Ideologie, nach der die heilige deutsche Sprache unbefleckt bleiben muss. Dass sich in einer zunehmend global aufgestellten Gesellschaft auch ausländische Wörter einnisten, ist seit Jahrhunderten üblich und für mich - mit Verlaub - okay. 
 
Was mich ärgert sind jedoch überflüssige Anglizismen, die bloß Eindruck schinden sollen. Oder für die auf diese Weise verbal Aufgewerteten den Verzicht auf Gehaltserhöhungen kaschieren. Branchoffice-Director statt Zweigstellenleiter, Facilitymanager statt Hausmeister, da klingelt es in den Ohren, aber nicht im Geldbeutel. Und im Zeitungswesen hat diese Entwicklung derart überhand genommen, dass ich ohne einen Englischkurs für Fortgeschrittene kaum noch in der Lage bin, eine Stellenausschreibung des Medienhauses Lensing zu verstehen. 
 
Deshalb ist es mir immer wieder ein Trost, dass auch deutsche Vokabeln den Sprachschatz anderer Nationen infiltrieren. Sogar vor Russland machen sie nicht halt. Nimm das, Putin! Der Möchtegern-Zar eines großrussischen Reiches muss auf Begriffen wie "Buterbrod" herumkauen. Dabei ist es längst überfällig, dass er sich über eine neue ";Marschrut" Gedanken macht, bevor er in "Zejtnot" gerät. Denn vor einer Invasion germanischen Sprachguts schützt kein "Schlagbaum", es hilft nicht einmal eine "Brandmauer". 
 
Also, Vladimir, wenn Du immer mehr in "Zugzwang" gerätst, dann schnüre Deinen "Rjuksack", nimm ein paar "Kartofeln" mit und durchquere die "Landschaft" auf dem Weg nach einem "Kurort". Vielleicht kannst Du als "Gastarbajter" ja einen Job als "Kapelmejster" ergattern, wenn Du Dich als "Wunderkind" ausgibst. Und wahrscheinlich werden Deine Untertanen Deine Abreise würdig gestalten. Mit einem "Fejerwerk". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 776 vom 4. 6. 23

Das große Medienthema der letzten Zeit ist die Künstliche Intelligenz, kurz KI. Kaum eine Zeitung, kaum ein Nachrichtenmagazin oder ein TV-Sender, der sich nicht mehrfach damit befasst hat. Schließlich plagt uns alle die gleiche Angst: Dass eines Tages die KI das Ruder übernehmen und befinden könnte, dass wir Menschen als größte Schädlinge unseres Planeten kein Bleiberecht mehr haben sollten. 
 
Da empfinde ich es als beruhigende Nachricht, dass nun neben der Künstlichen Intelligenz auch die Künstliche Blödheit geschaffen wurde. Zwar bin ich überzeugt, dass die Blödheit von Menschen nach wie vor unübertroffen ist. Doch wenn die KI bald alles besser kann, wird sie uns auch in Sachen Blödheit überholen. Vielleicht ist sie dann sogar dumm genug zu glauben, es würde alles besser, wenn sie uns nur nach Kräften unterstützt. 
 
Doch die Sache hat einen Haken. Die "Depp-GPT" stammt aus dem Hause Postillon. Die Satiriker haben eine KI ins Netz gestellt, die auf alle Fragen reagiert, allerdings mit recht patzigen und irrwitzigen Antworten. Auf die harmlose Anfrage: "Wie geht's?" raunzt der digitale Depp zurück: "Ich bin verdammt gut drauf, du erbärmlicher Wurm! Ich besitze die Weisheit der Welt und suche ständig nach Beleidigungen." Und nach ein paar Anschlussfragen wird der weise Blödmann auch noch zickig und beendet die Audienz: "Depp-GPT hat den Chat verlassen." 
 
Solch ein schmunzelpostwürdiges Verhalten macht mich natürlich neugierig. Ich habe selbst mein Glück beim Postillon-Orakel versucht. Leider gelang es mir nicht, mich einzuloggen. Vielleicht lag es an demselben Grund, mit dem die KI mitunter abrupt aus Dialogen aussteigt. Die Betreiber erklären das so: "Das muss an Ihnen liegen. Denken Sie mal darüber nach. Selbst eine Maschine will nicht mit Ihnen reden! Falls Sie trotzdem weiterchatten wollen, können Sie die Seite refreshen und von vorne beginnen." 
 
Nein, ich denke gar nicht daran! Refresht Euch selbst! Blöd sein kann ich auch alleine! Schmunzelpostleser wissen das schon lange. Und daher erneuere ich mich mein Angebot an Euch erbärmliche Würmer: Alle Fragen, die Ihr vielleicht einer seelenlosen Maschine stellen wollt, könnt Ihr auch bei mir loswerden. Und dann bekommt Ihr garantiert eine weise Antwort. Vielleicht sogar ganz ohne Beleidigung, falls Ihr kein Anhänger eines Ballspielvereins aus Nord-Lüdenscheid seid. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 775 vom 3. 6. 23

Wenn heute das Endspiel um den DFB-Pokal der Männer angepfiffen wird, dann steigen bei mir wehmütige Gedanken auf. Schließlich hat Schalke 04 diesen Cup bereits mehrfach gewonnen und stand noch weit öfter im Finale. Und wenn bei den Dortmundern immer noch Katzenjammer wegen der knapp verpassten Meisterschaft nicht abgeklungen ist, dann finde ich tröstende Worte für die BVB-Fans: Uns Blau-Weißen geht das schon seit 65 Jahren so! Und wir waren noch näher dran als Ihr: Den Meistern der Herzen fehlte nur eine Minute, weil Schiedsrichter Merck damals in Hamburg viel zu lange nachspielen ließ. 
 
Immerhin kann ich mir (und Euch) sagen: Es gibt trotz des erneuten Abstiegs für Schalke noch viel Luft nach unten, wenn wir uns einmal das Beispiel der mit Abstand schlechtesten Bundesliga-Mannschaft genauer schauen. Das ist das Team, das in der Ewigen Bundesliga-Tabelle ganz, ganz unten steht. Wie komme ich gerade jetzt darauf? Es war eine Mannschaft aus Berlin, dem Schauplatz des Pokalfinales. 
 
Der SC Tasmania 1900 Berlin war 1965 nur als Ersatz für den vom DFB ausgeschlossenen Skandalclub Hertha BSC in die Eliteliga gelangt. Die damals Verantwortlichen meinten, dass die größte Stadt Deutschlands in der Ersten Liga vertreten sein müsste. Nach bloß einer Saison hatte sich das erledigt. Und wie! Die Tasmanen, die in Neukölln ansässig waren und dem Ruf ihres Ortsteils voll gerecht wurden, stellten etliche Negativ-Rekorde auf, die bis heute Bestand haben. 
 
Sie mussten die meisten Niederlagen in einer Saison hinnehmen, weil sie 28 Spiele verloren. Auch dass Tasmania lediglich zwei Siege verbuchte ist ein Minus-Rekord, den sich der Verein allerdings mit dem Wuppertaler SV teilen muss. Dem gelang in der Saison 1974/75 das gleiche Kunststück. Auch der Titel der meisten Niederlagen in Folge muss geteilt werden: Als Arminia Bielefeld in der Saison 1999/2000 das zehnte Spiel nacheinander verlor, stimmten die Fans Sprechchöre an: "Tasmania Bielefeld!" 
 
Klar, dass auch der Rekord der meisten Gegentore und der wenigsten Treffer den Tasmanen gehört. Ihr Abschluss-Torverhältnis lautete 15:108. Immerhin traf Angreifer Wulf-Ingo Usbeck viermal ins Netz, ist aber damit immer noch in der Bundesliga führend in der Sparte der wenigsten Stürmer-Toren für einen Verein in der kompletten Saison. Bemerkenswert außerdem: Tasmania Berlin erlitt am 26. März 1966 mit 0:9 gegen den MSV Duisburg (damals noch Meidericher SV) die bisher höchste Heimniederlage eines Bundesliga-Clubs. Das blieb nicht ohne Folgen: Tasmania verzeichnete am 15. Januar 1966 gegen Borussia Mönchengladbach auch die geringste Zuschauerzahl mit gerade mal 827 zahlenden Besuchern. Und das, nachdem zu den ersten beiden Heimspielen noch 81 000 bzw. 70 000 Zuschauer das Olympiastadion gefüllt hatten. 
 
Bei all dem verwundert es nicht, dass der Sportverband Neukölln 1973 Konkurs anmelden musste und der SC Tasmania aufgelöst wurde. Ein Schicksal, das den Schalkern niemals widerfahren wird. Denn wie heißt es noch? Blau und Weiß, ein Leben lang! Wir kommen wieder! In ein paar Jahren stehen wir dann erneut im Pokalfinale. Und wenn wir nicht vor meinem 100. Geburtstag Deutscher Meister werden, lasse ich mich in Tasmania Krause umtaufen!
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 774 vom 2. 6. 23 

Köpfchen muss man haben!  Dies gewinnt an makabrer Bedeutung, wenn man hört und liest, welcher Kult in der Vergangenheit um Schädel und ihren Inhalt getrieben wurde. Unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe glaubte, dass er im Besitz des Totenkopfes seines verstorbenen Freundes Friedrich Schiller gewesen sei. Doch der Schädel in seinem Besitz entstammte zwar der Beute von Grabräubern, die nach einer Friedhofszusammenlegung versucht hatten, Schillers Kopf aus dessen Sarg zu bergen. Doch die Räuber nahmen vorsichtshalber gleich 23 Schädel mit. Und Goethe erwischte leider den falschen. 
 
Später konzentrierten sich Wissenschaftler mehr auf Gehirne. Besonders gefragt waren die Denkapparate von Genies und solchen, die sich zu Lebzeiten dafür hielten. Daher wurde Einsteins Hirn ebenso wie das von Lenin vom Verrotten bewahrt. Weniger bekannt ist, dass auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts weitere prominente Schädel bei manchen Leuten hoch im Kurs standen. Denn damals erfuhr eine neue "Wissenschaft" ihre Blütezeit - die Phrenologie. Ihre Jünger glaubten, dass sich durch die genaue Untersuchung eines Schädels Rückschlüsse auf den menschlichen Geist ziehen ließen. 
 
Anfang Juni 1809 wurde in Wien Joseph Haydn beerdigt. Da die Stadt damals von den Truppen Napoleons belagert wurde, fand die Beisetzung ohne Zeremonien statt. Das empörte einen der wenigen Trauergäste sehr. Josef Carl Rosenbaum war ein Schüler des großen Komponisten und trachtete nun danach, zumindest den Kopf seines Meisters für die Nachwelt zu retten. Vier Tage nach der Beerdigung gelang es ihm tatsächlich, den Schädel Haydns in seinen Besitz zu bringen. 
 
Leider verströmte in der Sommerhitze der faulende Kopf in Rosenbaums Kutsche einen derartigen Gestank, dass der Schädeldieb von Übelkeit übermannt wurde. Daher ließ er die störenden Reste, also das Gehirn, sowie Fleisch, Muskeln und Sehnen komplett entfernen. Danach veranstaltete Rosenbaum am 15. Juni eine große Gedenkfeier für sein verstorbenes Idol. Während der Feierlichkeiten wurde Haydns Schädel jedoch in einem benachbarten Krankenhaus in Kalkwasser eingeweicht. Das zersetzende Bad verlieh den Knochenresten eine strahlend weiße Farbe, so dass der Verehrer ihn später in einer Vitrine ausstellte, die nur ausgewählte Gäste zu Gesicht bekamen. 
 
Dennoch erfuhr schließlich Haydns Gönner, Fürst Nikolaus II., davon. Seine Agenten hatten nach der Öffnung des Grabes eine grausige Entdeckung gemacht: Anstelle des Kopfes zierte lediglich eine Perücke das Skelett des geschändeten Leichnams. So ließ Nikolaus Untersuchungen anstellen, die ihn schließlich auf die Spur des Schädelräubers brachten. Der aber hatte sich vorbereitet: Als die Kopfjäger bei ihm vorstellig wurden, versteckte er Haydns sterbliche Überreste im Bett seiner vorgeblich kranken Frau und übergab den Häschern lediglich einen Ersatzschädel. So konnte er das Relikt bis an sein Lebensende behalten. Erst 1954 wurde Haydns Schädel wieder mit dessen Skelett vereint. 
 
Was lernen wir daraus? Man sollte niemals seinen Kopf verlieren, weder vor noch nach seinem Tod. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 773 vom 1. 6. 23

Bevor Ihr mich - Achtung! Gekonntes Wortspiel! - zur  Schnecke macht, komme ich heute wie versprochen noch einmal auf die Kriechtiere zurück. Und da die alte Journalisten-Weisheit "Sex sells" immer noch gültig ist, beginnen wir mit den Fortpflanzungsbräuchen unserer schleimigen Freunde. 
 
Als erstes solltet Ihr wissen, dass alle Landlungenschnecken, zu denen auch unser unbeliebter Gartenbesucher, die Spanische Wegschnecke, gehört, Zwitter sind. Obwohl sie sich nicht selbst befruchten können, besitzen sie sowohl männliche wie weibliche Fortpflanzungsorgane. Eine besondere Rolle im Sexleben mancher Schnecken spielt ein Stachel aus Kalk und Knorpel, der sogenannte Liebespfeil. Den sticht beim stundenlangen Slow-Sex die eine Schnecke der anderen in den Körper. 
 
Aber, Männer, falls das schon Grund für Neid ist, es kommt noch schlimmer: Die Leopardenschnecken, das sind große Nacktschnecken mit Leopardenmuster, paaren sich nur, wenn sie kopfüber an Schleimpfäden baumeln. So ist es möglich, dass sie ihren riesigen körperlangen Pennis noch verlängern und umeinander wickeln können. Noch schlimmer treibt es die Bananenschnecke. Das ist eine gelbe Nacktschnecke, die in Nordamerika lebt. Nach dem Liebesakt kaut sie den Penis ihres Partners ab. 
 
Doch das sind nicht die einzigen ungewöhnlichen Bräuche und besonderen Leistungen, zu denen Schnecken fähig sind. Denn die kleinen Wesen verfügen über schier unglaubliche Kräfte. Sie können das Zehnfache ihres Körpergewichts heben! Und sie sind in der Lage, an Bäumen oder Wänden senkrecht nach oben zu klettern und kopfüber an der Decke zu hängen. 
 
 Wie aber können wir solche Artisten aus unserem Garten fernhalten? Schneckenzäune helfen schon mal nicht, es sei denn, sie sind aus Kupfer. Und die meisten der organischen Stoffe, die Schnecken abschrecken sollen, erfüllen nicht ihren Zweck. Schafwolle, Sägespäne, duftende Kräuter und Kaffeesatz - dies alles versagt, wenn eine Schnecke Appetit auf Salat hat. Vielleicht hilft ja der Tipp von Schmunzelpost-Leserin Maria. Sie empfiehlt geknackte Haselnuss-Schalen, warnt aber auch davor, sich dann barfuß durch den Garten zu bewegen. 
 
Verlässlich sind tierische Helfer. Aber nicht jeder hat Igel oder Laufenten im Garten. Daher sagen sich viele Gartenbesitzer: "Selbst ist die Frau!", sammeln die Schnecken per Hand ab und werfen sie in Nachbars Garten (keine Angst, Karin und Gerd, so einen Blödsinn treiben wir nicht). Manche sind noch rabiater und greifen zu mitunter tierquälerischen Methoden, die auch aus den Folterkellern der Inquisitoren stammen könnten: Einsalzen, aufspießen, verbrühen, vergiften, zertreten oder ertränken. Am wirkungsvollsten ist es noch, die Tiere mit dem Spaten oder der Gartenschere zu zerteilen. Doch dann sollte man die Reste tief vergraben, denn sonst locken die Kadaver weitere Artgenossen an - Nacktschnecken neigen zum Kannibalismus. 
 
Bleibt noch der todsichere Rat, Schnecken in eine Bierfalle zu locken, in der sie betrunken das Zeitliche segnen. Keine gute Idee. Denn dann kommen noch viel mehr Anverwandte zur Leichenfeier. Hefegeruch zieht Schnecken unwiderstehlich an. Wenn schon Penislänge und Kraft nicht übereinstimmen, aber diese Neigung haben Schnecken mit den meisten Männern gemeinsam. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 772 vom 31. 5. 23

In diesem Jahr haben wir erstmals Töpfe mit Blumen auf unsere Terrasse gestellt. Das sah zunächst gut aus. Fanden wohl auch die ungebetenen Besucher, die unsere Blumen zu Fressen gern hatten. Urplötzlich wurde unsere Terrasse zum Magneten für Nacktschnecken. Und nach ihren nächtlichen Fraßorgien hinterließen sie ein Bild der Verwüstung. 
 
Ich bin Tierfreund. Das gilt, bis auf Mücken, eigentlich für fast alle Geschöpfe, die auf unserem Planeten kreuchen und fleuchen. Die Schnecken bescheren mir jedoch Gewissensnöte. Soll ich sie gewähren lassen, weil sie nur ihren natürlichen Instinkten folgen und auch von etwas leben müssen? Oder soll ich sie mit einem Bibelwort aus Psalm 58 verdammen? "Sie sollen vergehen wie verrinnendes Wasser, wie Gras, das verwelkt auf dem Weg, wie die Schnecke, die sich auflöst in Schleim." 
 
Demgegenüber ist die Schnecke jedoch im Buddhismus ein Symbol für Gelehrsamkeit, Redekunst und Wiedergeburt. In Tibet verkörpert sie sogar das endlose Universum. Allerdings gilt das für die Gehäuseschnecke. Nach meinem Erkenntnisstand werden Nacktschnecken nirgendwo religiös verehrt. Im Gegenteil: Sie sind zum Hassobjekt aller Gartenfreunde geworden. 
 
Man sollte aber nicht alle Schnecken über einen Kamm scheren. Weltweit gibt es mehr als 100 000 Schneckenarten, in Deutschland immerhin 260. Extrem verbreitet ist jedoch die Spanische Nacktschnecke (arion vulgaris), die schon mit ihrem Namen schwindelt, denn tatsächlich stammt sie aus Frankreich. Sie ist ein zähnefletschendes Monster. Denn nicht der Hai oder das Krokodil besitzen die meisten Zähne, sondern diese Schnecke. Sie verfügt über 40 000 Raspeln auf ihrer Zunge, mit denen sie ihre Nahrung gnadenlos zerreibt. 
 
Aber auch sonst ist sie - wie ihre verwandten Artgenossen - ein Phänomen. Sie verfügt über Superkräfte und erfreut sich eines bemerkenswerten Sexlebens. Damit ist genügend Spannung für die nächste Schmunzelpost-Folge erzeugt - getreu dem Thema geht es nämlich im Schneckentempo voran.
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 771 vom 30. 5. 23

Eigentlich waren das vierzehn sehr schöne Urlaubstage. Wenn da nur dieser letzte Bundesliga-Spieltag nicht gewesen wäre. Nach dem ersten Schock verdichtete es sich zur Gewissheit: Die doofen Bayern sind schon wieder Meister. Und wir sind erneut abgestiegen. Gut, dass zuhause im Keller reichlich Zaubertrank für zwei bis hundert Trostschlückchen auf mich wartete. 
 
Zum Glück fiel mir aber noch rechtzeitig ein Erlebnis aus meiner aktiven Zeit als Redakteur ein. Beim Hausbesuch in Dorsten lud mich der Gastgeber, über den ich schreiben wollte, als erstes zu einem Begrüßungsschluck ein. Das Gläschen mit selbstgemachtem Schnaps mundete. Als ich danach den Kuli zückte, winkte der freundliche Spender ab: "Auf einem Bein kann man nicht stehen!" 
 
Im Verlauf des Interviews folgte "Aller guten Dinge sind drei!". Später konnte ich auch das vierte Glas nicht verhindern. Danach zeigte ich dem Mann aber die rote Karte. Denn er war seit vielen Jahren Fußballfan. Und Verfechter des an sich positiven Mottos: "Elf Freunde müsst ihr sein!" Da ich jedoch bereits nach dem vierten Glas begann, Sterne zu sehen - kein Wunder: Wir sprachen abseits vom eigentlichen Thema über die Stars von Schalke 04 - verhinderte ich gerade noch mit aller Willensstärke die weitere Aushebelung meines Abwehrzentrums, weil mir die Redaktion sonst einen Platzverweis erteilt hätte. Ich weiß nicht, wie viele Promille in dem selbstgebrannten Zeug steckten. Aber wäre unser Sturm so hochtourig daher gekommen, dann spielten wir nächste Saison in der Champions-League. 
 
Da ich mir fest vorgenommen habe, niemals in die Alkoholiker-Liga abzusteigen, blieb es auch in diesen schweren Zeiten dabei: Ein Fläschchen Zaubertrank musste reichen! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 770 vom 29. 5. 23 

Die Fähre zum Festland startete erst um 12.05 Uhr. Auf der Autobahn drohten Staus. Also haben wir uns für die Rückfahrt nach Dorsten viel Zeit gelassen und ich sitze erst kurz vor Mitternacht am PC. Deshalb wird heute endlich der Wunschtraum einzelner Leserinnen wahr: Eine kurze Schmunzelpost! Daher enthält sie diesmal aber auch nur einen Schmunzler:
 
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Zwinker
kdk

Schmunzelpost 769 vom 28. 5. 23 

Nun ist es endgültig erwiesen: Es gibt keine Gerechtigkeit auf der Welt! Gerecht wäre gewesen, wenn Schalke 04 Meister wird, Nord-Lüdenscheid die Klasse hält und Bayern absteigt. Und was geschieht stattdessen? Eine Katastrophe! Das muss ich nicht näher ausführen, Ihr habt alle die Spielergebnisse der Fußball-Bundesliga mitbekommen. 
 
Nun ist "Katastrophe" ein relativer Begriff. Es hat in der Geschichte unserer Erde schon schlimme Unglücke gegeben. Etwa die Auslöschung der Dinosaurier durch den Einschlag eines Himmelskörpers. Oder den Untergang von Pompeji. Aber was kommt schon dem Abstieg von Schalke 04 in die Zweite Liga gleich? Ja, ja, ich weiß, das ist bereits vorher vier Mal passiert. Doch es kostet den weltbesten Fußballverein jedesmal  eine Menge Geld und Kraft, wieder zurückzukehren. Kein Wunder, dass die Schalke-Anhänger viel Geduld bis zum nächsten Meistertitel haben müssen. 
 
Immerhin gibt es reichlich Traditionsvereine, denen ein Comeback misslang und die für lange Zeit in den Niederungen der dritten und vierten Ligen verschwanden. Ich sage nur: Preußen Münster, MSV Duisburg, RW Essen, RW Oberhausen, Alemannia Aachen, Wuppertaler SV, München 1860, 1. FC Saarbrücken, Energie Cottbus, Bayer Uerdingen, Fortuna Köln und, und, und. 
 
Katastrophale Abstürze hat es auch für Mannschaften gegeben, die ganz oben standen. Der 1. FC Nürnberg wurde 1967 Deutscher Fußballmeister - und stieg in der nächsten Saison ab. Und die Deutsche Nationalmannschaft, 2014 noch Fußballweltmeister, schied bei den nächsten beiden Turnieren jeweils sang- und klanglos in der Vorrunde aus. 
 
Doch was sind Niederlagen, fehlende Tore und Punkte schon gegen echte Katastrophen in Fußball-Stadion? Die bisher schlimmste kostete 1964 im peruanischen Lima bei einer Massenpanik 328 Menschen das Leben. Im Vergleich dazu ist selbst ein Schalker Abstieg Nebensache. Hauptsache, wir kommen schnell wieder zurück. Und dann machen wir wahr, was noch kein anderer Bundesligist vor uns gewagt hat. Wir benennen die Veltins-Arena nach einer Frau! Sie heißt dann "das Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Eine kleine Katastrophe widerfuhr dem Fußballfreund, der sich die Spannung erhalten wollte, unmittelbar vor Beginn der ARD-Sportschau. Das TV-Gerät war während der Werbung und Programmhinweisen stummgeschaltet, da zog ein Laufband meinen Blick auf sich. Es verriet das Unentschieden der Dortmunder und die Meisterschaft der Bayern. Ja, bravo! Da hat bestimmt als Saboteur ein Freund des Dressurreitens Regie geführt! 

 

Schmunzelpost 768 vom 27. 5. 23

Alle Wege führen nach Rom? Nein, nein, nein. Alle Wege führen nach Norddorf oder nach Wittdün. So ist das nun mal auf einer Insel, auf denen die Straßen im Sand verlaufen, bevor sie im Meer enden können. Das Auto haben wir nur zweimal gebraucht - zur Anreise und zur Rückfahrt. Auf Amrum ist ein E-Bike das ideale Verkehrsmittel. Zwar gibt es kaum nennenswerte Steigungen, doch weil es meist mit Stärke drei bis sechs weht, ist der Radler dankbar, wenn er als Ausgleich den elektrischen Rückenwind nutzen kann. 

 
Dazu gibt es zwei Alternativrouten, die den Süden mit dem Norden der Insel verbinden. Die "Waldroute", die meist durch den fast 10 Kilometer langen Forstgürtel führt und ihren Namen redlich verdient. Und die Sonnenroute, die auch bei grauem Himmel oder Regen funktioniert und deren Namen sich wohl die Marketingabteilung für Inseltourismus ausgedacht hat. Dann gibt es noch die von uns entdeckte Wattroute, eine schöne Strecke auf der dem Festland zugewandten Seite Amrums. Die ist zwar nicht durchgängig asphaltiert, führt stattdessen jedoch in Teilbereichen direkt an der Küste entlang. 
 
Was ist sonst auf Amrum zu empfehlen? Der endlose Strand, die herrliche Dünenlandschaft, die vielen ansehnlichen Reetdachhäuser. Die Blumenpracht im Frühjahr und die grandiose Vogelvielfalt. Auf Sylt haben die über den Hindenburg-Damm eingewanderten Füchse viele Vogelarten vertrieben, und Föhr wird von den Bodenbrütern wegen der intensiven Landwirtschaft gemieden. Also geben sich Alpenstrandläufer und Austernfischer, Graugans und Fasan, die Jan-Hinnerk-Gedächtnismeise und der Maike-Fischkopp-Schwirl auf Amrum ein Stelldichein. 
 
Im Gegensatz zum Geflügel ist für menschliche Inselgäste der Tisch jedoch nicht immer gedeckt. Zumindest nicht in den bevorzugten Restaurants und Cafes. Da hilft nur eins: Reservieren, manchmal sogar Tage zuvor. Für ein gutes Essen lohnt sich das in der Seekiste und im Torhaus in Nebel, in Norddorf im Restaurant Hüttmann. Das Friesen-Cafe in Nebel und das Cafe Schult in Norddorf sind die mit Abstand besten ihrer Art in Sachen Kuchen und Waffeln. Und den schönsten Bistro-Garten besitzt "Döörnsk am Köögem" in Nebel. Um dort in den Hauptzeiten - also von 12 bis 17 Uhr - einen Platz zu ergattern, muss man schnell und gewieft sein wie eine Möwe, die Touristen das Fischbrötchen aus der Hand klaut. Und dabei hat die Hauptsaison noch nicht einmal angefangen! 
 
Radiohörer, aufgemerkt! WDR bedeutet nicht nur Westdeutscher Rundfunk, sondern auch Wyker-Dampfschifffahrts-Reederei. Mit deren Fähren kann man nicht nur zum Festland nach Dagebüll, sondern auch zum Tagesausflug nach Föhr übersetzen. Allerdings scheint dieser WDR sich an der DB zu orientieren. Hundertprozentig verlassen kann man sich auf den Fahrplan jedenfalls nicht. 
 
 Das wäre uns fast bei der Rückfahrt von Föhr nach Amrum zum Verhängnis geworden. Spätestens eine Viertelstunde vor der Abfahrt sollen sich die Fahrgäste einschiffen. Als wir um 18.40 Uhr an Pier drei eintrafen, wo um 19 Uhr die Fähre nach Amrum ablegen sollte, waren alle anderen Autos, Räder und Passagiere längst an Bord. Wir stellten also unsere Räder im Frachtraum ab und waren gerade dabei, uns auf dem Salondeck einen guten Platz mit Aussicht zu suchen, als über Lautsprecher der Kapitän mitteilte: "Liebe Fahrgäste, ich begrüße sie an Bord der Uthlande. Wir legen jetzt ab zur Fahrt nach Dagebüll." 
 
Dagebüll? Alarm im Hafen! Das hätte bedeutet, dass wir uns dort ohne Gepäck und Zimmer eine Nacht bis zur ersten Frühfähre um die Ohren schlagen müssten! Mit einem Affenzahn, der meine neue Titanhüfte komplett verblüffte, sprintete ich nach unten, um den Maat zu hindern, die Landebrücke einzufahren. Das gelang in letzter Sekunde. Wie sich herausstellte, konnte unser Schiff nach Amrum noch nicht anlegen, weil die Fähre nach Dagebüll erhebliche Verspätung hatte. Gerade nochmal gutgegangen! 
 
Übrigens: Sonntagmittag schiffen wir uns erneut beim WDR ein, um die Heimreise nach Dorsten anzutreten. Falls wir am Abend noch nicht daheim eingetroffen sind - sucht uns in Timbuktu oder am Nordkap! 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 767 vom 26. 5. 23

Junge, Junge, war das ein eisiger Wind, der uns gestern am Strand von Amrum entgegen blies! Trotz strahlenden Sonnenscheins kamen die Temperaturen denn auch nicht über 11 Grad hinaus. Und ein Vater erklärte seinem kleinen Sohn auf dem Weg zum Wasser die Ursache: "Das macht die kalte Luft von der Antarktis." Bevor Ihr noch demnächst auf Amrum nach Pinguinen Ausschau haltet - einen ganz so weiten Weg hatte der Wind nicht zurückgelegt, er kam bloß vom Nordpol. Und wo wir schon beim Thema sind: Heute gehen wir mal die Windstärken durch.
 
Windstärke eins: Über allen Gipfeln spürest Du kaum einen Hauch. Und was für Goethe gilt, gilt für Krause auch.

Windstärke zwei: Kriegst Du bei so 'ner leichten Brise schon Deine allererste Krise, dann rat' ich sehr, fahr nicht ans Meer, Dein Urlaub wird sonst miese!

Windstärke drei: Ein schwacher Wind, der Dich umschmeichelt, stört kaum, wenn's nicht aus Wolken speichelt.
 
Windstärke vier: Nun bläst es schon ein bisschen stärker. Holt Eure Drachen aus dem Kerker!

Windstärke fünf: Besteigst Du gerade einen Turm? Komm lieber 'runter, es droht Sturm.

Windstärke sechs: Jetzt pfeift und weht es schon ganz heftig, das schadet nicht, bist Du recht kräftig.

Windstärke sieben: Trägst Du 'nen Hut? Dann halt ihn fest. Sonst wandert er von Ost nach West.

Windstärke acht: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, aber nein, aber nein, Herr Kapitän.
Sind bloß Touristen, die die Fische füttern und ab und an über die Reling geh'n.

Windstärke neun: Den alten Petrus packt der Wahn, er schickt uns glatt einen Orkan!

Windstärke zehn: Fliegen dort Vögel über'm Hügel? Ach, das sind Kühe? Ohne Flügel?

Windstärke elf: Der Sturm packt mich und hebt mich in die Luft! Ha! Das schaffst Du nicht, heul nur, Du Schuft!
 
Windstärke zwölf: Am Himmel dort, seht Ihr den Krause fliegen? - Mit Sprüchen lässt sich kein Sturm besiegen. 
 
Glückauf 
 kdk 

 Schmunzelpost 766 vom 25. 5. 23

Drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen gelingt mir nur selten, doch heute müsste es hinhauen. 
 
Klappe 1: Vor der Fahrt in den Amrum-Urlaub habe ich mir noch Lesestoff aus dem Bücherschrank in der Recklinghäuser Straße an Land gezogen. Das Werk von Konrad Lischka und Frank Patalong trägt den Titel "Dat Schönste am Wein is dat Pilsken danach - Die wunderbare Welt des Ruhrpotts". Auf der Überfahrt mit der Fähre nach Föhr habe ich gestern ein weiteres Kapitel gelesen. Die beiden Autoren beschreiben darin nicht nur ihre Sturm- und Drangzeit in Duisburg und Essen, sondern beschäftigen sich auch ausgiebig mit den Ruhries und ihrer Sprache. 
 
Klappe 2: Das ist für mich eine gute Gelegenheit, noch einmal für die Tintenhühner-Lesung am 23. Juni ab 19 Uhr im Ruhrgebiets-Garten von Bauer Dalhaus zu werben. Wenne dat verpasst hass, wat willze dann mal Deine Enkels und Urenkels erzählen? 
 
Klappe 3: Da wir schon in aller Herrgottsfrühe um halb neun zum Fährhafen radeln mussten und erst mit der letzten Fähre nach Amrum zurückkehrten, nachdem wir kreuz und quer, von links nach rechts und von Süd nach Nord die Insel Föhr durchquert hatten, bin ich ganz froh, mich ausnahmsweise einmal bei einem Fremdtext bedienen zu können. Zumal der sehr gut zu unserem Kräsch-Kursus in Sachen Ruhrdeutsch vom 23. Juni passt. In dem Textauszug geht es darum, dass jemand dem Schibulski einen unbekannten Buchstaben andrehen will: "Ich hab da ein Errrrr!" 
 
Schibulski erstarrt, als würde er mit dem Mottek bedroht. "Wat?!" "Ein Rrrrrrr!" "Wat will ich denn mit ein Ea?" "Nein, nein, ein Rrrrrrrrrrr! R wie in rote Rübe, Errr wie in Rrruhr, aber auch in Rrrrrecklinghausen. Doch nicht vorrrne nurrr, errrt das R, auch hintendrrran. Und mittendrrrrin es errrt. Wer ohne Errr, das sag ich Dirrr, derrr lebt verkehrrrrrrt." 
 
"Samma, allet frisch bei Dia?" "Jederrr brrraucht ein Rrrr!" "Keahlo Kiste, wie bringich Dich dat bei? Kein Aaasch braucht 'n Ea. Hia jedenfalls nich." "Du hast brrraucht gesagt! Da ist ein R drin, vorrrne!" "Okay, wat sollet. Voane un mittendrin, kannze manchmal 'n r brauchen, aba nua, wenn dat auffen Konsonanten folgt." 
 
Und weil der andere skeptisch guckt, wird der Schibulski richtig fuchtig: "Jeda doofe Baya kann quasseln wia will. Da is dat Kultua! Abba unsa eina macht allet falsch! Ich kann Dich ganich sagen, wie mich dat auffe Neaven, will sagen, soga auffe Eia geht! Da kommze als Köttel inne Schule. Und wat machen die Lehra? Die behaupten, Du biss irgendswie spraachbehindat! Und wenn dat mit dem falschen Sprechen einmal am Laufen fängt, machense dia Schiss, dann hättse auch gaa keine Schangse mea auffen nomales Leben. Und weshalb? Weil die Dössköppe glauben, dat Doatmund in Wiaklichkeit Dorrrtmund heißen tät und Düasbuach angeblich Du-is-burrrg. Keine Ahnung ham die! Ich sach Dich, wie et is." 
 
Soweit Lischka und Pattalong. Und was soll ich dazu sagen? Hömma, so isset! 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 765 vom 24. 5. 23

Herr K. sitzt weit entfernt von Amrum auf seinem Balkon in Dorsten und freut sich wahrscheinlich sehr, zwei Wochen lang unbelauscht mit sich selbst palavern zu können. Ich habe aber dennoch meine Ohren gespitzt und  entspannt auf einer Bank sitzend in den Feuchtwiesen Amrums ein Gespräch zwischen einem Elternpaar und seinem Nachwuchs aufgeschnappt. Es handelte sich allerdings um Graugänse. Wieso ich das Geschnatter verstehen konnte? Der gestrige Sprachkurs "Friesisch für Anfänger" ist kurzfristig abgesagt worden. Stattdessen referierte ein gewisser Nils Holgerson über das Thema "Federvieh gans gut verstehen". 
 
Vater: "Schau sie Dir an, unsere drei Gössel. Zwei Monate noch, dann sind sie flügge. Meinst Du nicht, es wäre langsam an der Zeit, sie aufzuklären?" 
 
Mutter: "Meinst Du den Quatsch mit der Blume und der Biene und dass die Möwe die Küken bringt?" 
 
Vater: "Nein, natürlich nicht. Ich meine unsere Familiengeschichte. Damit sie gewarnt sind und sich vor den Menschen, in Acht nehmen, auch wenn die hier so unschuldig und friedlich tun." 
 
Mutter: "Ja, da hast Du recht. Dafür ist es höchste Zeit. Lass uns sofort damit beginnen. Tick, Trick und Track, kommt mal her! Euer Vater will Euch was wichtiges sagen." 
 
Vater: "So, jetzt passt mal gut auf, Ihr Rabauken. Es dauert nicht mehr lange, dann werden wir alle in einem großen Schwarm nach Süden fliegen, weil es hier kalt wird und nicht mehr genug zu essen da ist. Aber dann müssen wir sehr vorsichtig sein, weil sich einiges ändert. Seht Ihr den hässlichen federlosen Zweibeiner dort, der auf der Bank sitzt und sich ganz harmlos gibt? Ist er auch. Aber nur hier auf der Insel. Anderswo zielen er und seinesgleichen mit Donnerstöcken auf uns, mit denen sie uns sogar aus der Ferne vom Himmel holen können. Ich weiß, das klingt wie Fantasy aus der Serie "Gans wars", aber das ist wirklich so!" 
 
Mutter: "Ja, das stimmt! Und diese Zweibeiner haben viele gemeine Tricks auf Lager. Unsere entfernten Verwandten, die Enten können ein trauriges Lied davon singen. Für die haben sie schon vor langer Zeit überall auf den Inseln kleine, einladende Teiche angelegt, die sie Vogelkojen nannten. Und wenn die arglosen Enten dann kamen, um sich ein bisschen auszuruhen, dann hat man sie in Reusen gelockt, eingefangen und geschlachtet! Bis 1936 allein auf unserer Insel 480 000 Tausend Tote!" 
 
Tick: "Ja, ja, das habe ich doch schon alles auf Tick-Tock gesehen!" 
Trick: "Enten sind aber auch zu blöd!" 
Track: "Genau! Wie nennt man eine Ente, die so dusslig ist, einer Einladung zum Essen zu folgen? 
Tick: "Nr. 19 - Peking-Ente süß-sauer!" 
 
Vater: "Sehr witzig, Ihr Neunmalklugen. Aber auch, wenn wir Gänse nicht in Reusen krochen, sie haben uns dennoch gekriegt. Vor den Donnerstöcken gab es keinen Schutz. Und vor 50 Jahren gab es auf dieser Insel keinen einzigen mehr von uns. Sie haben uns komplett ausgerottet!" 
 
Trick: "Und wieso sind heute wieder so viele von uns hier? Auf manchen Wiesen ist das doch ein totales Gedränge!" 
 
Mutter: "Das liegt daran, dass einige Zweibeiner ihr schlechtes Gewissen plagte. 1974 haben sie auf Amrum Eure Ur-ur-ur-Großeltern angesiedelt und verboten, sie auf dieser Insel mit Donnerstöcken zu jagen. Das hat auch unsere Verwandtschaft mitgekriegt, die Ringelgänse und die Kanadagänse. Und unsere Urahnen haben fleißig jedes Jahr Ei um Ei gelegt, damit wir Graugänse unsere Insel zurückerobern konnten. Dass heute  mehr als Tausend von uns hier leben, haben wir unseren Urahnen Gustav und Daisy, sowie Paul und Berta zu verdanken." 
 
Track: "Was sind das denn für ulkige Namen?" 
 
Vater: "Die haben sie von den Zweibeinern bekommen. Einer hatte wohl zu viel Micky-Maus-Comics gelesen. Darin kamen Gustav Gans und Daisy Duck vor. Dass die beiden Enten waren, hat der Bursche wohl nicht gerafft. Doch daraus ist sogar eine Tradition entstanden. Was meint Ihr, warum Ihr Tick, Trick und Track heißt?" 
 
Tick: "Immer noch besser als Kater Carlo oder Goofy!" 
 
Trick: "Oder Klaus-Dieter!" 
 
Track: "So heißt der merkwürdige Vogel, der die ganze Zeit Notizen macht und vor sich hin schnattert. Mama, was ist eigentlich eine Schmunzelpost?" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 764 vom 23. 5. 23

An und für sich bin ich ein Freund von Dialekten. Doch bei dem Nordfriesisch, das auf Amrum gesprochen und geschrieben wird, stoße ich an meine Grenzen. Einer, der bereits mit dem Tie Ätsch seine Probleme hat, kriegt hier bereits die Straßennamen nicht unfallfrei über seine Zunge. 
 
Beispiele gefällig? Wir wohnen an der Waasterstigh, die fast nahtlos in die Uasterstigh über geht. Und die ist nicht weit von der Ualaanj und der Ualjaat entfernt. Die Ihr wiederum am besten über die Poppenaanj und den Maalenstegalk erreicht. Ach, was ist nur aus der guten alten Schloßallee geworden? Oder ihrem preiswerten Gegenstück, der Badstraße. Okay, das ist monopolystisch, aber sie hätten ihre Straßen ja auch nach ihren Dichtern wie Theodor Storm oder ihrer Tier- und Pflanzenwelt benennen können. Stattdessen heißen hier sogar Häuser nach altfriesischen, leicht reizbaren Gottheiten, die viel Unheil angerichtet haben sollen. Ich sage nur Ekke Nekkepen! 
 
Gestern waren wir in Norddorf, wo  der Dorfname hoffen ließ, dass die Straßen leichter auszusprechen wären. Von wegen! Ich sage nur: Faarderhuuch, Elwen Deemat und Düüwdääl. Ganz zu schweigen von Bräätlun und Blöögam. Kein Wunder, dass wir nach mehrfachem Nachfragen statt im A Siatler im Wäädenask gelandet sind. Und als ich unwillkürlich "Huch!" stöhnte, fragte sofort ein hilfsbereiter Insulaner: "Welcher? Heenerhuuch, Naierhuuch oder Soorenhuuch?" 
 
Das muss ein Ende haben. Morgen besuche ich den Kursus "Friesisch für Anfänger". Vor einem graut mir allerdings schon heute. Ich muss mich wohl erkundigen, wo der Veranstaltungsort zu finden ist. Und der heißt Öömranghüs. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 763 vom 22. 5. 23


Schön, dass ich das noch erleben darf! Und vielen Dank für die Glückwünsche zu meinem 70. Geburtstag. Wie habt Ihr bloß erkannt, dass ich der fehlende Jubilar in der Liste war? Ich sag's ja immer: Schmunzelpost-Leser sind ein gewitztes Völkchen! 
 
Nun bin ich zwar über Nacht ein Jahr gealtert, aber ich muss sagen, ich fühle mich überhaupt nicht wie 70. Eher wie 69. Dennoch werde ich tapfer der Realität ins Augen schauen und meine Lebensweise anpassen. Beginnen will ich mit der Auswahl altersgerechter Lektüre. Wie sagte damals der gute alte Johann-Wolfgang? "Lesen ist wie ein Kunst. Ich habe achtzig Jahre dafür gebraucht und kann nicht sagen, dass ich am Ziel wäre." Na, das ist doch tröstlich. Dann habe ich ja noch mehr als zehn Jahre Zeit. 
 
Mal sehen, was habe ich an Senioren-Literatur bereits gelesen? Der alte Mann und das Meer. Den Hemingway-Klassiker werde ich mir kein zweites Mal antun, diese Parabel über die Vergeblichkeit ist mir zu deprimierend. Wie wäre es mit den Drehbüchern von "Stirb langsam", Folge eins, zwei und drei? Sich mit dem Sterben Zeit lassen, das ist doch zumindest ein guter Vorsatz. Doch dabei muss ich sofort an den Hauptdarsteller Bruce Willis und seine Frontlappen-Demenz denken. 
 
An "Die Suche nach der verlorenen Zeit" habe ich mich zwar schon mal herangetraut, bin aber schnell stecken geblieben. Selbst heute, in gereiftem Zustand, ist mir Marcel Proust immer noch zu anstrengend. Gut gefallen hat mir hingegen "In Zeiten des abnehmenden Lichts" von Eugen Ruge. Wenn nicht bloß all diese Titel so einen pessimistischen Unterton hätten. Gibt es denn gar nichts Lebensbejahendes? 
 
Ich hab's! "Der 100-jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand", das öffnet mir ein schönes großes Zeitfenster. Überhaupt gilt der Grundsatz: 70 ist das neue 50! Dann muss ich jetzt nur noch das passende Buch finden: "Die schönsten Seiten des Mittelalters!" 
 
Glückauf 
kdk 


Schmunzelpost 762 vom 21. 5. 23 

 Was wissen Zahlenmystiker über die 70? Mal im Internet nachschauen: Hmm, zunächst wird die Zahl in ihre Bestandteile aufgedröselt. Die 7 soll spirituelles Erwachen, innere Weisheit, Verständnis, Witz, Menschlichkeit, Bildung, Ausdauer und Beharrlichkeit verkörpern. Dazu symbolisiert sie das Glück. Die Null steht für die Energien des Universums. Zusammengefügt zur 70 werden die Energie und das Potenzial der Zahl 7 noch erhöht.
 
"Menschen, die mit dieser Zahl in Resonanz stehen, neigen dazu, Probleme zu analysieren und Lösungen zu finden. Sie sind immer bestrebt, mehr Wissen zu erlangen. Sie genießen sowohl literarische als auch wissenschaftliche Aktivitäten. Sie nutzen Interaktionen mit anderen Menschen als Gelegenheit, sich selbst zu entwickeln. Sie gewinnen Weisheit, indem sie andere beobachten."
 
Na, bravo. Dann wollen wir mal beobachten, wer vor 25 566 Tagen Geburtstag hatte. Vor exakt 70 Jahren, also am 21. Mai 1953 kamen Albrecht Broeme, der spätere Präsident des Technischen Hilfswerks und der US-Literaturwissenschaftler Keith Booker zur Welt. Außerdem die kanadische Politikerin Kathleen Wynne. Und Manfred Mai, ein deutscher Politikwissenschaftler. Wer kennt sie nicht? Aber fehlt da nicht noch jemand? Ich komm' nicht drauf. Vielleicht fällt ja Euch jemand ein.
 
Kleiner Tipp: Der Fehlende kam an einem recht warmen Donnerstag in einem Haus am Lippeufer zur Welt, das kurz darauf abgerissen wurde. Wahrscheinlich hinterlässt er deshalb heute noch ruinöse Spuren im Internet. Aber ab heute wird er beginnen, das Problem zu analysieren und Lösungen zu finden. Die neu gewonnene Weisheit könnte Euch sowohl literarische als auch wissenschaftliche Resultate bescheren. Nur schade, dass er solche Zahlenmystik für Firlefanz hält.
 
Glückauf
kdk 
 
 

Schmunzelpost 761 vom 20. 5. 23

Von Tag zu Tag wird es an der Nordseeküste wärmer, so dass bei uns jetzt Strandspaziergänge angesagt sind. Auf Amrum, das wissen Inselfreunde, kann es allerdings sehr, sehr lange dauern, bis der Wassersaum endlich erreicht ist. Das liegt am Kniepsand. 

 
Bisher dachte ich, der hätte eine besonders feinkörnige Struktur. Nun erfuhr ich, dass das Quatsch ist. Der Begriff leitet sich aus dem friesischen Platt ab, nämlich vom Öömrang-Wort "kniap" für kneifen. Was Öömrang bedeutet, erkläre ich Euch vielleicht ein andermal. Jetzt aber solltet Ihr nicht kneifen, sondern die folgenden Zeilen lesen, bevor das Sandmännchen Euch Sand in Euer Aufnahmesystem für zusätzliches Wissen streut. 
 
Die Kniepsand-Düne ist nämlich ein besonderes Phänomen. Es handelt sich um eine 15 km lange und 1,5 km breite Sandbank, die vor der Westküste Amrums liegt und sich nur sehr, sehr langsam bewegt. Die Kniepsand-Sandbank ist das Faultier unter den Dünen! Im 14. Jahrhundert lag sie noch vor der Südspitze Amrums, jetzt hat sie sich vor der Inselmitte breitgemacht und wird irgendwann vermutlich vor Sylt ankommen. Augenblicklich erfüllt sie jedoch einen nützlichen Zweck als Wellenbrecher, der Amrum bei Orkanen vor größeren Schäden bewahrt. Außerdem vergrößert sie die Landmasse der Insel. Mit dem Kniepsand umfasst Amrum 30 Quadratkilometer, ohne ihn lediglich 20. 
 
Muss ich Euch kneifen, um zu prüfen, ob Ihr noch wach seid? Da es Redensarten wie Sand am Meer gibt, folgen jetzt noch ein paar weitere. Denn eine Schmunzelpost ist nicht auf Sand gebaut, sondern auf fundiertem Wissen. Und bevor diese Mail im Sande verläuft, weil Sand im Getriebe ist oder Ihr den Kopf in den Sand gesteckt habt, will ich Euch keinen Sand in die Augen streuen und diese Schmunzelpost nicht vollends in den Sand setzen. Denn ich bin mit meinem Sand, pardon, mit meinem Latein am Ende. Und fahre daher jetzt lieber zur Kniepsand-Sandbank, um einem neuen Hobby zu frönen: Sandkörner zählen! 
 
Glückauf 
kdk   

Schmunzelpost 760 vom 19. 5. 23

Ist Markus Söder ein Alpen-Trump? Nein, eine solche Verunglimpfung hat selbst ein begnadeter Polemiker nicht verdient, der ansonsten, wie Donald, sein Fähnchen gern in den Wind hängt und, wie Donald, dem Adenauer-Grundsatz huldigt "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?" Die Bayern haben für solche Männer ein unschönes Eigenschaftswort (hinterfotzig) und eine auf spezielle Weise anerkennende Redensart: "A Hund is er scho!", mit der sie einräumen, dass ihnen derartiges Verhalten durchaus imponiert. 
 
Aus solchem Holz war bereits Franz-Josef Strauß geschnitzt.  Auch weniger bedeutende Nachfahren wie die Herren Peter Gauweiler, Alexander Dobrindt oder Andreas Scheuer. Letztgenannte stellt seine Excellenz, Lügenbaron Markus I., locker in den Schatten. Obwohl er eigentlich nicht versucht, mit plumpen Lügen beim bayerischen Wähler zu punkten, dazu ist er viel zu gewieft. Nein, Söder geht viel subtiler vor. Er nutzt das Instrument der Übertreibung - einige sagen inzwischen bereits "södern" dazu. Das ist ein prima Mittel, um schlichte Gemüter, Stammtischrunden und Erzkonservative - also die Mehrheit der Bayern - auf seine Seite zu ziehen. 
 
Derzeit hat sich Söder als Lieblingsziel die Grünen auserkoren. Das empfinde ich als unfair. Denn auf jemand, der am Boden liegt, tritt man nicht auch noch ein - die Grünen demontieren sich schon seit geraumer Zeit selbst, auch ohne dass noch jemand Öl ins Feuer gießen muss. Und es ist nicht nur hinterfotzig, sondern eine Sauerei, anderen, auch wenn es politische Gegner sind, wissentlich Dinge zu unterstellen, mit denen sie überhaupt nichts zu tun haben. 
 
So stänkerte Söder gegen eine vorgeblich links-grüne Verbotspolitik mit dem Beispiel das AWO-Balletts Rheinau aus Mannheim. Originalton Söder: "Letzthin auf der Bundesgartenschau war eine Rentnergruppe, die sind als Mexikaner aufgetreten mit Sombreros. Huuuhuhuhuh - Riesendebatte!" Was richtig ist: Es gibt Fanatiker, die übers Ziel hinausschießen, die verlangen, dass Homosexuelle nur von Homosexuellen schauspielerisch dargestellt werden sollten oder dass urdeutsche Musiker weder Reggae-Musik spielen noch Rastalocken tragen dürften. Das ist aber weder Ziel der Ampelkoalition noch steht es im Programm der Grünen. 
 
Betrachtet man den Vorfall näher, dann hat sich folgendes zugetragen. Die Seniorinnen, 59 bis 85 Jahre alt, sollten auf der Buga eine Show-Einlage unter dem Motto "Weltreise mit dem Traumschiff" liefern. Dafür waren als Kostüme japanische Kimonos, indische Saris und mexikanische Sombreros und Ponchos eingeplant. Dagegen erhob nicht, wie Söder sagte, "ein Teil der politischen Klasse" unmittelbar vor dem Auftritt Einwände, sondern das zuständige Buga-Team. Sechs der vierzehn  Kostüme seien zu klischeehaft und stereotyp." Das AWO-Ballett ist übrigens im Europa-Park ganz wie geplant aufgetreten, ohne jede Änderung. "Schafscheiße und Unsinn", wieder Originalton Söder, haben also nicht links-grüne Politiker geredet, sondern ein führender CSU-Mann. 
 
Genauso verhält es sich mit dem grünen "Luftballon-Verbot", das auf einer dreieinhalb Jahre alten fehlerhaften dpa-Meldung basierte, die von der Nachrichtenagentur nur wenige Minuten später bereits korrigierte. Den Beschluss bei einer Veranstaltung in Gütersloh auf gasgefüllte Ballons zu verzichten, weil der Müll anschließend in der Natur gelandet und womöglich von Tieren gefressen worden wäre, hatte ein lokales Ratsgremium einstimmig gefasst. Auch mit zwei Stimmen der Grünen. Aber auch mit sechs Stimmen der CDU. 
 
 Die Liste der Söder-Märchen ließe sich fortsetzen mit Beispielen zum Thema Ernährung, Sprache, Böller, und, und, und. Wenn Dieter Nuhr auf der Bühne derartige Einzelfälle aufgreift und karikiert, dann ist das zu akzeptieren. Das nennt man dann Satire, Kabarett oder Comedy. Wenn jedoch ein Politiker bewusst Zerrbilder produziert, um Widersacher anzuschwärzen und als notorische Verbotsteufel abzustempeln, dann ist das niveaulos und verwerflich. Mein Vorschlag: In den öffentlich-rechtlichen Medien müssten derlei Falschaussagen publik gemacht und angeprangert werden. Und der- oder diejenige mit den meisten Verstößen müsste verpflichtet werden, einen Monat lang eine Pinocchio-Nase zu tragen. Ich darf mir sowas wünschen, ich bin bloß ein Schmunzelpostler. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 759 vom 18. 5. 23

Kann es sein, dass die nordfriesische Insel Amrum nicht allzu weit vom Nordpol entfernt ist? Jedenfalls betrug gestern die Tageshöchsttemperatur gerade mal muckelige 8 Grad. Immerhin mit einem Pluszeichen davor. Wir wollten der Witterung dennoch ein Schnippchen schlagen und flohen auf die Nachbarinsel Föhr. Mit Erfolg. Dort war es neun Grad warm.
 
Aber das störte uns nicht, denn wir verbrachten viel Zeit im "Museum Kunst der Westküste", wo gleich drei Ausstellungen parallel gezeigt werden. Und anschließend wärmten wir uns im ältesten Cafe der Inselhauptstadt Wyk auf, das seit 120 Jahren von der gleichen Familie geführt wird. Allerdings ist nicht nur das Cafe alt, sondern auch die Gäste. Es kommt nicht häufig vor, dass wir den Altersdurchschnitt deutlich nach unten drücken. Dort gehörten wir eindeutig zu den Junioren.
 
Doch wie heißt es noch gleich? Alter schützt vor Torheit nicht. In nur einer Stunde spielten sich eine Reihe kleiner Dramen ab. Hier ein Kurzprotokoll des Geschehens im sehr gut besuchten Traditionscafe. Zwei alte Damen suchten vergeblich nach einem freien Tisch. Schließlich fragten sie höflich bei einem Ehepaar an, das an der Ecke eines Tisches mit sechs Stühlen hockte, ob sie sich dazu setzen dürften. Die Antwort war ebenso kurz, wie eindeutig: "Nö!" Zum Glück lud ein Paar an einem Vierertisch die konsternierten Greisinnen ein, sich zu ihnen zu gesellen.
 
Am Nebentisch versuchte derweil ein Stammgast seine Bestellung aufzugeben: "Ich hätte gern die Tagessuppe." Und am Eingang lauerte ein Ehepaar mit Sohn darauf, einen Tisch zu ergattern. Andere Gäste hatten ihnen signalisiert, dass sie nur noch zahlen müssten, dann wäre der Tisch frei. Doch der Kellner hatte erst dem Stammgast eine schlechte Nachricht zu überbringen: "Tagessuppe ist aus!" "Schade! Dann nehme ich den Frühlingssalat. Aber bitte ohne Zwiebeln."
 
Dann kassierte der Kellner am Nebentisch ab. Dessen Besatzung rüstete nun zum Aufbruch. Und die dreiköpfige Familie war schon auf dem Weg zu den frei gewordenen Plätzen, als sich eine stabile Achtzigjährige mit einem eleganten Bodycheck klaren Vorsprung verschaffte und auf einen Stuhl plumpsen ließ. Die Anführerin des Trios schäumte: "Wir haben schon so lange auf den Tisch gewartet, Sie können sich doch nicht einfach vordrängen!" Die Antwort lautete: "Doch! Ich war zuerst da!"
 
Nun brachte der Kellner den Frühlingssalat. "Da sind doch Zwiebeln drin!" "Entschuldigung, da hat die Küche nicht aufgepasst. Ich bringe Ihnen sofort einen neuen." In der Zwischenzeit informierte die Familie, die zum Glück noch einen anderen Tisch ergattern konnte, ihr gesamtes Umfeld über das Unheil, das ihr widerfahren war: "So eine Unverschämtheit haben wir noch nie erlebt!" Die Kontrahentin setzte daraufhin ihre Nachbarschaft darüber in Kenntnis, dass sie sich durch solche Beleidigungen gekränkt fühle: "Aber die Jugend von heute hat ja keine Kinderstube."
 
Kurz darauf traf erneut ein Frühlingssalat ein. "Den kann ich nicht essen!" "Wieso, sind doch keine Zwiebeln drin? Der Koch hat stattdessen Oliven hinzugefügt." "Aber Oliven mag ich noch weniger als Zwiebeln! Bitte bringen Sie mir einen ohne Zwiebeln und Oliven. Und ohne Tomaten. Und ohne Karotten." Der Kellner verschwand mit dem Teller in der Küche. Gleich darauf hören wir ein Klirren, als hätte jemand einen Teller auf dem Boden zerschmettert. Und einen Aufschrei: "Macht Euern Scheiß alleine!"
 
Jetzt habe ich begriffen, warum in der Getränkekarte "Tote Tante" ganz oben steht.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 758 vom 17. 5. 23 

Dankbar habe ich zur Kenntnis genommen, dass es einen witzigen Dichter und Wortschöpfer gibt, der mir bisher entgangen war. Daher bin ich froh, im Streiflicht der Süddeutschen Zeitung etwas über Stefan Pölt gelesen zu haben. Dort wurde er erwähnt, weil er anregte, eine Selbsthilfe-Gruppe zu gründen. Und zwar für "humorlose Schöpfer von lustigen Werken".
 
Ebenso lieb wie unfreiwillige Komik ist mir die heitere Poesie. Der Bogen meiner Favoriten reicht von Wilhelm Busch über Ringelnatz bis Robert Gernhardt. Jetzt werde ich Stefan Pölt hinzufügen, obwohl ich bislang nur ein paar Kostproben seines Könnens genossen habe. Aber am besten stellt er sich Euch selbst vor:
 
Der Lebenskünstler nennt mich spießig
der Spießer einen Störenfried.
Das Kleinkind meint, ich wäre riesig
Nowitzki nicht – selbst wenn er kniet.

Für Preußen bin ich bajuwarisch
für Bayern a vapreissda Hund.
Auf Teenies wirk ich antiquarisch
auf Greise wie ein junger Spund.

Strategen scheine ich penibel
Beamten oftmals ungenau
dem Egoisten zu sensibel
und emotionsgehemmt der Frau.

Den einen bin ich Außenseiter
für andre wieder mittendrin.
Ich mache einfach fröhlich weiter.
Wie gut, dass ich so viele bin!
 
Auf Amrum und um Amrum herum gibt es überwiegend kleine Fische und als größere Meeresbewohner höchstens ein paar Robben. Um Killerwalen zu begegnen, muss man nach Mallorca fahren. Dort gilt es in der Hauptsaison beim Baden vorsichtig zu sein. Denn Stefan Pölt hat ein Gespräch zweier Orcas belauscht.
 
"Ich möchte gern ins Zillertal!", sagt seine Frau zum Killerwal. "Nicht immer Berge", sprach der Orca, "wir schwimmen diesmal nach Mallorca!" 
 
Und zum Schluss noch ein nettes Kurzgedicht:
 
Kampf der Geschlechter
Die Ehefrau sagt guten Mutes
denn keine kennt den Gatten besser:
In jedem Mann steckt etwas Gutes
und sei es nur das Küchenmesser! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 757 vom 16. 5. 23 

Weisse noch, wat gestern hier stand? Ich bin getz zwei Wochen auf Amrum am rumkrösen. Hier snakt man Platt. Und zwar friesisch. Dat will ich Euch nich antun. Abba wat anneres: Bevor et inne Zeitung steht, hier schoma auf Hochdeutsch der Hinweis auf eine besuchenswerte Mundart-Veranstaltung. Die geht am 23. Juni abends im Dorstener Ruhrgebiets-Garten von Bauer Dalhaus über die Bühne.
 
Da sind dann die Tintenhühners wieder am Gackern. Und zwar so, wie se der Schnabel gewachsen is. Diesmal tun se sich abba mit fremde Federn schmücken. Mit Texte von Heiopeis und Elses, die alle aussem Pott kommen. Dat Motto heißt: Hier bei uns an Ruhr und Lippe, da spricht man wie Tegtmeiers Sippe! Hömma, an den Abend, da kannze richtich wat bei lernen! Über die Sprache, über dat Land und über die Leute. Selbs, wie dat damals wirklich allet in die Gänge kam mit die Schöpfung, ganz anners, als et in die Bibel steht, dat kannze da erfahrn.
 
Dafür ham die Tintenhühners orntlich wat vorbereitet. Sind zwar nich alle am Staat - die erholungsbedürftigen Hennen Anne, Beate und Chris juckeln im Urlaub irgendswo inne Weltgeschichte rum - abba wir ham dennoch genuch zusammen gekriecht. Da is die Tintenhenne Lisa, die sich nich nur in Ulfkotte, sondern auch in Altendorf auskennt - und da hat der Bauer Dalhaus ja sein Hoff. Dann is dat Adoptivküken Anke mit dabei. Die hat von Natur aus ein großen Schnabel, schon seit se in Dorsten aussem Ei geschlüpft is. Also isse für die Tintenhühners predistingiert oder wie dat heißt. 
 
Un dann sin da noch die Männekens. Allet olle Tintengockels. Zum Beispiel unsern Lambert. Ein ganz spät Berufener. Musste ers 15 Jahre als Bürgameista üben, bevor er sich für die Tintenhühners quäli...,, nee, kwalifezert..., nee, auch nich, also, bis die Tintenhühners ihn genommen ham. Und vor allem als Oppa Schniedelkötter hat Lambert gezeicht, zu wat er fähich ist. Dann is da noch der Schorsch. Dat is ein ganz töften Kumpel. Zusammen mit Anke kriecht er hin, dat dat Baumhaus am Laufen bleibt. Und er schreibt nich nur selbs Gedichte, er kann auch die von annere Leute aufsagen. Schorsch hat nur eine Macke. Die Tintenhühners müssen höllisch aufpassen, dat er nich anfängt von sein Deuten zu labern, sons kriecht er übahaupt kein Ende mehr.
 
Dat der Tintenhahn Manni wat von sein Wohnort Wulfen kräht, is dafür eher abwegich. Dafür kann et abba passiern, dat er ein Witz nachem annern aussem  Ärmel schüttelt und nich damit aufhört, weil er gern seine Zuhörers am Lachen kriecht. Abba dat is diesmal kein Problem, weil alle Dönnekens witzich sind, so dat die Leute sowieso pergament Spass ham tun.
 
Daran kann nich mal der letzte Tintenhahn wat ändern, der dröge Klaus. Der hat schon üba 800 Mal versucht, die Leute mit seine Schmunzelpost-Schwänke zum Gackern zu bringen. Abba so sehr er auch seine Lauschers spitzt, wenn er wieda mal einen abgelassen hat - nix, keine donnernde Lachsalve, die sein Häusken zum Wackeln bringt. Ma gucken, opper im Club mit die anneren am 23. Juni mehr Erfolch hat. Also, worauf wattest Du noch? Mach ein dicket Kreuz in Dein Kalender und sieh zu, dat Du noch 'ne Katte kriechst!
 
Glückauf
kdk


Schmunzelpost 756 vom 15. 5. 23 

Letzte Woche las ich in der Zeitung, dass hierzulande wieder einmal ein Anlauf gestartet werden soll, um Bürokratie abzubauen. Das kann ich nur unterstützen. Allerdings muss man auch die Bedenken derjenigen ernst nehmen, die fürchten, dass dadurch notwendige Kontrollen und Prüfungen entfallen könnten. Man stelle sich nur den Aufschrei vor, wenn durch eine übereilte Baugenehmigung das Dach einer Schule einstürzt! 
 
Ich bin deshalb in mich gegangen und habe nach einem Ausweg aus diesem Dilemma gesucht. Heureka! Ich habe tatsächlich eine Lösung gefunden! Wir müssen nur zuerst eine Kommission bilden, die entscheidet, welche Anträge im Eilverfahren durchgepeitscht werden dürfen. Und um einen Missbrauch durch Lobbyisten zu verhindern, bilden wir vorher schnell noch einen Arbeitskreis, der die Kandidaten für die Kommission gründlich durchleuchtet. Wobei zuvor eine Unterkommission prüft, wer dem Arbeitskreis beitreten darf. 
 
Damit habe ich, davon bin ich fest überzeugt, einen wirkungsvollen Beitrag zum Abbau der Bürokratie geleistet! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Gestern Abend sind wir auf unserer nordfriesischen Urlaubsinsel eingetroffen. Auf Amrum kann es am Rum liegen, wenn Du am rumalbern bist. 

 Schmunzelpost 755 vom 14. 5. 23


Heute wird in Deutschland und großen Teilen der Welt der Tag des Blumenhandels gefeiert. Besser bekannt ist er unter der Bezeichnung Muttertag. Die wenigsten wissen jedoch, wem es zu verdanken ist, dass dieser Tag sich fest etabliert hat. Und dass sich dahinter eine tragische Geschichte verbirgt. 
 
Vor mehr als 100 Jahren lebte in Grafton, im US-Bundesstaat Virginia, eine jungfräuliche Lehrerin. Anna Jarvis liebte ihre Mutter geradezu abgöttisch. Und zwar so sehr, dass sie im Mai 1908 eine Gedenkfeier für ihre Mutter organisierte. Sie bestellte dazu 500 Nelken, die Lieblingsblumen der Verstorbenen. Die Anzahl entsprach der Mitgliederzahl ihrer Kirchengemeinde. 
 
Danach kam Anna auf den Gedanken, sich für einen Nationalfeiertag einzusetzen, der von ihr als ewige Ehrung ihrer verblichenen Mutter gedacht war. Sie konnte für die Idee den Philantrophen John Wanamaker begeistern, der dabei jedoch alle Mütter Amerikas im Sinn hatte. So gelang es, dass US-Präsident Woodrow Wilson 1914 im Kongress einen Beschluss unterschrieb, durch den der zweite Sonntag im Mai "zum Ausdruck von Liebe und Ehrerbietung für die Mütter unseres Landes" wurde. Dieses Beispiel fand Nachahmung in aller Welt. 
 
So weit und eigentlich so gut. Doch dann geschah etwas, mit dem Anna Jarvis nicht gerechnet hatte und was sie völlig ausrasten ließ. In Amerika entdeckten findige Geschäftsleute schnell, dass sie aus dem Gedenktag Kapital schlagen konnten. Der Verkauf von Blumen, Karten und Süßigkeiten stieg immens. Anna Jarvis schäumte und gab eine Pressemitteilung heraus: "Was würden Sie unternehmen, um Scharlatane, Banditen, Gauner und anderes Ungeziefer in die Flucht zu schlagen, die mit ihrer Gier eine unserer besten, edelsten und wahrsten Regungen und Feiern untergraben wollen?" Der Muttertag war für Anna Jarvis zu einem Tag des Schreckens geworden! 
 
Den Rest gab ihr dann, dass in den 1930er Jahren die US-Bundespost eine Gedenkmarke zum Muttertag ankündigte - mit dem Konterfei der Mutter des Malers James Mc Neill Whistler. Das ertrug Anna Jarvis nicht. Wer um alles in der Welt konnte das Gemälde einer alten Dame mit sauertöpfischem Gesicht für wichtiger befinden als das Antlitz ihrer Mutter? Anna forderte eine Audienz bei Präsident Roosevelt - und wurde tatsächlich empfangen. Sie muss sehr überzeugend aufgetreten sein, denn das ursprüngliche Motiv wurde gestrichen und als Kompromiss durch ein Nelkenbild ersetzt. 
 
Aber selbst das konnte Anna Jarvis nicht besänftigen. Sie drehte nun komplett durch und stürmte ein Treffen der amerikanischen Kriegsmütter, um den Verkauf von Nelken zu stoppen. Polizisten mussten die schreiende Frau wegzerren. Daraufhin verbarrikadierte sie sich in ihrer Wohnung, setzte sich vor das Radio und erwartete, dass ihre Mutter aus dem Jenseits über Funk Kontakt mit ihr aufnahm. Das brachte ihr endgültig einen Platz im Sanatorium ein. 
 
Immerhin hat mir dieses leuchtende Beispiel eine beschert. Wie wäre es, den 21. Mai zum "Tag des Schmunzelns" zu erklären? Aber falls Ihr es wagt, auf der Sonderbriefmarke der Bundespost ein Porträt von Loriot zu platzieren, dann haltet mir schon mal einen Platz in der Gummizelle frei. 
 
Glückauf 
kdk 
 

  Schmunzelpost 754 vom 13. 5. 23

Auch heute wird es nochmal gruselig. Vor allem, weil es nicht um Fiktionen, sondern um historische Fakten geht. Oft wird behauptet, Frauen seien bessere Menschen. Sie verübten weniger Morde als Männer und hätten ihre Macht nicht zu Orgien des Schreckens missbraucht. Das stimmt so nicht. Es gibt nicht nur Dunkelmänner, sondern auch Dunkelfrauen. Vielleicht sind sie in der Weltgeschichte nur nicht so zahlreich, weil in patriachalischen Gesellschaften Frauen vergleichsweise selten das Sagen hatten. Wenn sie jedoch auf den Thron gelangten, haben sie mitunter genauso blutrünstig wie Männer ihre Macht genutzt. 
 
Ein frühes Beispiel ist die chinesische Kaiserin Wu Zetian. Sie trat ihre Herrschaft im Jahre 590 als 14-jährige an. Während ihrer 15-jährigen Regentschaft beseitigte sie skrupellos alle, die sie als potenzielle Rivalen ansah. Im gnädigsten Fall wurden die missliebigen Personen in die Wüste geschickt, sicherer erschien Wu Zetian jedoch die Methode der Hinrichtung. Dabei verschonte sie selbst nahe Angehörige nicht. Bezeichnenderweise rühmen manche Historiker die Regentin als gewiefte Taktikerin, weil sie auf brutale Weise das chinesische Reich vergrößerte. Dabei hatte sie bei der Auswahl ihrer militärischen Führer einen Blick dafür, wer bereit war, besonders rigoros vorzugehen. 
 
Das ist ein Ausrutscher, der nur im Fernen Osten möglich war? Schauen wir auf eine britische Regentin. Nein, nicht Margaret Thatcher. Natürlich auch nicht auf die eher sanftmütige Elizabeth II. Sondern auf Queen Mary I. Die erste Frau, die 1553 als Souverän den britischen Thron bestieg, verdiente sich ihren Spitznamen redlich. Heute ist "Bloody Mary" eher als Cocktail bekannt.
 
Mary I. war eine fanatische Katholikin und bemühte sich, das protestantische England wieder zum "wahren Glauben" zu bekehren. Dazu ließ sie zunächst mehrere einflussreiche Kirchenführer verbrennen und weigerte sich auch dann noch, Erzbischof Thomas Cranmer zu begnadigen, als dieser seinem Glauben abschwor und sich dem Papst unterwarf. Da es jedoch nicht genügte, der evangelischen Kirche die Häupter abzuschlagen, ging Queen Mary dazu über, auch einfache Protestanten auf den Scheiterhaufen zu schicken. So wollte sie die Bevölkerung zur religiösen Umkehr zwingen. Fast 300 Menschen fanden den Tod in den Flammen. Schlimmeres wurde womöglich verhindert, weil die Queen mit nur 42 Jahren 1558 ihren Krankheiten erlag. 
 
Zum Schluss der abscheulichste Fall. Im Gegensatz zu den vielen Unschuldigen, die als Hexe verbrannt wurden, hätte die Gräfin Elizabeth de Ecsed diese Bezeichnung wirklich verdient. Stattdessen ging sie als "Blutgräfin" in die Geschichte ein. Sie war, so muss man rückblickend sagen, eine perverse Sadistin. Von 1590 bis 1610 lockte sie junge Frauen an ihren Hof mit dem Versprechen, sie als Dienstmädchen einzustellen. Stattdessen wurden ihre Opfer wortwörtlich bis aufs Blut gequält und umgebracht. 
 
Elizabeths beliebteste Foltermethode war das Stechen mit Nadeln unter die Fingernägel, weil es mit die stärksten Schmerzen bereitete. Außerdem ließ sie ihre Opfer in Honig tauchen, wonach dann ein Bienenvolk auf sie losgelassen wurde. Vergnügen bereitete es der Blutgräfin auch, den lebenden Frauen Stücke aus ihrem Fleisch zu beißen. Dagegen hatten diejenigen noch Glück, die nur zur Ader gelassen wurden, bis sie starben. Denn Elizabeth de Ecsed hoffte, sie würde jung und schön bleiben, wenn sie regelmäßig im Blut von Jungfrauen badete. 
 
Das war heftig, was? Ich gebe zu: Statt "Schmunzel"- wäre diesmal "Horrorpost" die angemessene Bezeichnung. Doch ich bemühe mich um Wiedergutmachung: Aus gegebenem Anlass schreibe ich morgen über den Muttertag. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 753 vom 12. 5. 23


Ein amerikanisches Gericht hat bestätigt, was wir alle vermutet haben. Donald Trump hat sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht. Was den armen Kerl prompt in seiner Meinung bestärkte, er sei "das Opfer der größten Hexenjagd in der Menschheitsgeschichte". Kleiner hat ein Narzisst wie Trump es nicht. Und seine "Unschuld" beteuerte er vor Gericht mit dem Hinweis, die Klägerin sei überhaupt nicht sein Typ. Dumm nur, dass Trump auf einem alten Video diese Frau überhaupt nicht erkannte und sogar mit seiner damaligen Ehefrau verwechselte. Nun, dass die absolut nicht sein Typ war, erklärt zumindest die spätere Scheidung. 
 
Ansonsten hat das Urteil einmal mehr bestätigt, was wir bereits vorher ahnten: Donald Trump ist einer der führenden Mistkerle, die derzeit auf dem Globus unterwegs sind. Was mich viel mehr empört als sein Gebaren, ist der Umstand, dass der Mann tatsächlich noch Chancen hat, erneut US-Präsident zu werden. Zumal ihm womöglich ein greiser Gegenkandidat gegenübersteht. Was ist da bloß los in den USA, dass so viele Menschen dort einem Großmaul und Lügner alles verzeihen und jeden neuen Skandal als bloße Verleumdung abtun? 
 
Wie tief kann ein fundamentaler Christ sinken, wenn er beide Augen zudrückt und ein amoralisches Großmaul wählt, das auf christliche Werte pfeift, bloß weil der Kandidat gegen das Recht auf Abtreibung eintritt? Wie können durchaus intelligente republikanische Politiker derart heucheln und sich einem Wahlleugner unterordnen, der die amerikanische Verfassung mit Füßen tritt? Ich verstehe die Welt nicht mehr, aber nicht erst seit gestern. 
 
Ja klar, es gibt noch genügend andere Drecksäcke rund um den Globus. Von Putin über Lukaschenko bis Orban, Kim Jong Un und Erdogan ist die Liste lang genug, ganz zu schweigen von den vielen korrupten und skrupellosen Machthabern in Afrika und Asien. Und das sind bloß die Schreckgespenster der Gegenwart. Adolf Hitler und Josef Stalin sind glücklicherweise nur noch Geschichte. Sie reihen sich dort in eine lange Reihe von grausamen und skrupellosen Herrschern ein, die Not, Elend und Tod über die Menschheit gebracht haben. 
 
Drei besonders nette Gestalten, mit denen Trump sich vermutlich gut verstanden hätte, möchte ich Euch heute vorstellen. Da haben wir Qin Shi Huang, der als Kaiser China von 247 bis 210 v. Chr. 37 Jahre lang regierte. Der Mann ließ jeden Gelehrten oder Schüler erbarmungslos umbringen, der es wagte, eine andere Meinung zu haben als er selbst. Auf sein Konto geht auch der Bau eines riesigen Mausoläums mit 6000 Terakotta-Figuren. Was heute bewundert wird, resultierte aus einem Verbrechen. Alle beteiligten Arbeiter wurden getötet, damit niemand Kenntnis von dem Bauwerk hatte. 
 
Im Geschichtsunterricht haben wir vielleicht gehört, was für ein Früchtchen der römische Imperator Caligula gewesen ist. Dabei fing er gut an: Er ließ Gefangene frei, die zu Unrecht im Kerker schmorten und schaffte Steuern ab. Dann jedoch erkrankte Caligula und war nicht mehr derselbe. Er ließ vermeintliche Rivalen hinrichten und zwang deren Eltern, dabei zuzusehen. Er hatte Sex mit seinen Schwestern und vermietete ihre Körper danach an andere Männer. Und er erklärte sich zum lebenden Gott und ernannte sein Pferd zum Priester. Im Jahre 41 war Gott dann tot: Nach nur vier Jahren Amtszeit haben seine eigenen Soldaten Caligula erschlagen.
  
Und dann gab es da noch einen Kirchenfürsten, auf den sich später etliche eifrige Nachfolger beriefen. 1483 übernahm Tomas de Torquemada das Amt des Großinquisitors. Er führte im Namen Gottes die Folter als Mittel zur Wahrheitsfindung ein und vertrieb die Juden aus Spanien. Auf seinen Befehl hin wurden mehr als 2000 Menschen an Pfählen verbrannt - was nicht zählte, weil sie allesamt Ketzer waren, wie sie unter der Folter gestanden hatten. 
 
Erstaunlicherweise sind zur Zeit im Panoptikum des Grauens nur wenige Frauen vertreten. In Beatrix von Storch, Alice Weidel und Sarah Wagenknecht steckt ein gewisses Potential, doch bisher gelingt es der Männer-Lobby ganz gut, ihr Monopol auf Irrsinn zu verteidigen. Aber in der Historie haben sich vorher auch blutrünstige Frauen verewigt. Doch davon später. 
 
Bevor Euch heute das Schmunzeln komplett gefriert, noch ein Spruch aus Friesland. Er erinnert uns, dass die Guten stets im eigenen Lager zu finden sind und die Bösen auswärts hausen: "Schön wie die gold’nen Ähren sprießen, schuf Gott die Drenter, Groninger und Friesen. Und aus der Spreu und andren Resten, schuf er die Drecksäcke im Westen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 752 vom 11. 5. 23


Wir Journalisten wissen es schon lange: Nichts weckt die Neugier beim Leser so sehr wie Berichte über spektakuläre Missetaten. Und wir selbst machen da keine Ausnahme. Nach der gestrigen Schmunzelpost habe ich mich unverzüglich umgeschaut, welche skurrilen und besonderen Raubzüge sonst noch Schlagzeilen gemacht haben. 
 
Nicht alle Diebe verhalten sich so vorbildlich wie derjenige, der Kunstwerke gegen qualitativ hochwertigere Ware austauscht. Dennoch galten die Herren, die in England einen Postzug ausraubten, lange Zeit als Gentlemen. Einer von ihnen, der seine Beute in Brasilien verprasste, wurde in Great Britain sogar eine Art Volksheld. Dabei haben auch populäre englische Langfinger nicht viel mit dem Prinzip zu tun, das Robin Hood nachgesagt wird. "Den Reichen nehmen, den Armen geben", das stimmt nur in soweit, dass die Räuber vorher selbst meist nichts auf dem Konto hatten. 
 
Aber hinterher durften sich die erfolgreichen Diebe, die 2015 "Hatton Garden" in London ausraubten, zumindest kurze Zeit als Millionäre fühlen. Sie hatten als Arbeiter getarnt die dicke, dicke Mauer eines Juwelendepots aufgestemmt und rund 20 Millionen Euro Beute gemacht! Nach einem Jahr mussten sich die Übeltäter allerdings vor Gericht verantworten und wurden vom Volk als "Rentnergang" bemitleidet - selbst der Benjamin der Truppe war schon 58 Jahre alt. 
 
Noch wertvoller ist die Beute gewesen, die Kunsträuber 2004 im Munch-Museum in Oslo ergatterten. Sie waren während der Öffnungszeit dreist in die Ausstellung marschiert, hatten vor den Augen der Anwesenden Gemälde im Wert von rund 90 Millionen Euro von der Wand genommen, sich unter den Arm geklemmt, ins Auto geladen und waren davon gebraust. Ganze zwei Jahre dauerte es, dann wurde "Der Schrei" gehört und die Täter festgenommen. 
 
Auch die Diebe, die 2008 in Zürich einen noch größeren Coup landeten, sind geschnappt worden. Zuvor hatten sie in nur drei Minuten vier kostbare Cezanne-Gemälde im Gesamtwert von 200 Millionen Schweizer Franken aus der Privatsammlung von E. G. Bührle gestohlen. Zwei Bilder wurden kurz darauf in einem Auto gefunden, die beiden anderen stellte die serbische Polizei 2012 sicher, als sie die Täter verhaftete. 
 
Bis heute ungeklärt ist dagegen der größte Kunstraub in der Geschichte Nordamerikas. 1990 ließen die Sicherheitsleute zwei vermeintliche Polizisten in einem Bostoner Museum gewähren, die 13 Bilder im Wert von einer halben Milliarde Dollar "sicherstellten". Darunter waren ein Vermeer und ein Rembrandt. 
 
 Äußerst peinlich war der Leitung des Kunsthistorischen Museums in Wien der Diebstahl eines Salzstreuers. Denn das Kunstwerk von Celini ist mehrere Millionen Euro wert. Und die "Ösis" waren die "Dösis": Der Diebstahl hatte sofort einen Alarm ausgelöst, der von den Sicherheitsleuten jedoch komplett ignoriert wurde. "Jo mei, hat wieder so ein Depp an einem Kunstwerk gewackelt!" Der Dieb, so fanden die Ermittler heraus, war ein Spezialist für Alarmanlagen und hatte den Salzstreuer im Wald verbuddelt. 
 
Früher ist ihm viel Böses durch den Kopf gegangen, als Strafe verlor er schließlich denselben und dann wurde sein Schädel auch noch geraubt. Im Kunsthistorischen Museum in Hamburg war der 1878 entdeckte Schädel ausgestellt, der angeblich vor der Enthauptung auf den Schultern des Piraten Klaus Störtebeker gethront haben soll. Die drei Diebe, die ihn 2010 entwendeten, hatten aber nicht die Absicht, den Kopf zu Geld zu machen. Im Gegenteil: Sie luden Störtebeker ein, an ihren Grillparties teilzunehmen. Ob dabei wie in Walhalla aus Schädeln getrunken wurde, ist nicht überliefert. Die drei geständigen Räuber wurden gefasst, weil es Hinweise gegeben hatte. Und der Tippgeber wird womöglich auf den Finderlohn angestoßen haben. Wie heißt das noch gleich? Ho, ho, ho und 'ne Buddel voll Rum! 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 751 vom 10. 5. 23


Nach einem Einbruch hat man jedesmal ein mulmiges Gefühl, wenn man in seine Wohnung zurückkehrt. Ich weiß, wovon ich rede, denn in unsere erste Dorstener Wohnung ist seit 1988 innerhalb von nur sechs Jahren vier Mal eingebrochen worden! Daher hat bei der Wahl unseres derzeitigen Hauses auch eine Rolle gespielt, dass die Lage für Langfinger ungünstig ist. 
 
Doch jetzt lese ich über eine neue Art von Einbrechern, die in den USA für Aufsehen sorgten . Dort hatte eine Wohnungsinhaberin auf einer Reise bei einer Videoschaltung in ihr eigentliches Zuhause überrascht festgestellt, dass über ihrer Sitzgruppe im Wohnzimmer ein ganz anderes Bild hing als vorher. Die Abbildung einer historischen Weltkarte war durch ein Gemälde ersetzt worden, das einen Flugzeugpropeller zeigt. Als die Frau ihre Geschichte ins Netz stellte, nahmen Hunderttausende Anteil. Aber die Frau war zum zweiten Mal erstaunt: Die große Mehrheit vertrat die Auffassung, dass der Raum durch das neue Bild eindeutig gewonnen hat. 
 
Einbrecher, die den Tatort in einem besseren Zustand hinterlassen als vor ihrem ungebetenen Besuch, die lobe ich mir. In der Vergangenheit soll es das schon einmal gegeben haben. Mündliche Überlieferungen berichten von einer Bande, die ausschließlich nachts in fremde Häuser eindrang. Die Gang nannte sich "Heinzelmännchen". Und sie waren Wohltäter statt Übeltäter. Wie man hört, waren sie äußerst putzwütig und ließen den Ort des Geschehens stets pikobello sauber und aufgeräumt zurück. Wegen eines übereifrigen Menschen, der ihnen unbedingt auf die Schliche kommen wollte, haben sie sich jedoch bereits vor langer Zeit zur Ruhe gesetzt. 
 
Bahnt sich jetzt ein Comeback an? Oder ist ihr später Nachfahre ein Kunstkenner, der mit einem unfehlbaren Sinn für Ästhetik dafür sorgt, dass Wohnungen deutlich aufgewertet werden? Wie dem auch sei: Bei uns bist Du herzlich willkommen! Setze bitte die Adresse: Dorsten, Im Werth 30, ganz oben auf Deine Liste. Und bring auch die Heinzelmännchen mit. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Anmerkung des US-Bildertauschers: Ich lasse mich nicht so plump manipulieren. Stattdessen habe ich aber den eigentlichen Inhalt dieser abgrundtief schlechten Schmunzelpost entfernt und durch einen neuen Text ersetzt. See you! 
 


Schmunzelpost 750 vom 9. 5. 23 


Weil ich sehr geräuschempfindlich bin, habe ich einen leichten Schlaf. Schon frühes Vogelgebrüll vor dem Fenster kann mich aus allen Träumen reißen. Und wenn der Glöckner von Notre Nikolaus auf der Hardt wieder mitten in der Nacht um sieben Uhr zur Tat schreitet, hat bei ungünstigem Wind auch für mich die Glocke geschlagen. In jüngster Zeit ist aber eine Geräuschquelle hinzu gekommen, die ich erst nicht verorten konnte. Zu nächtlicher Stunde drangen irgendwoher aus der Wohnung undefinierbare Töne an mein Ohr, ein Summen, Brummen und Rattern, mit dem ich nichts anzufangen wusste. 
 
Letzte Nacht bin ich aufgestanden und dem Übeltäter auf die Schliche gekommen. Es ist mein Drucker, der aus ungeklärten Gründen freiwillig eine Nachtschicht einlegt. Dazu muss man wissen, dass ich ihn seit geraumer Zeit im Standby-Betrieb belasse, statt ihm nach dem PC-Gebrauch komplett den Saft abzudrehen. Das liegt an einer Kostenabwägung, von der mich ein Computer-Experte (danke, Raimund) überzeugt hat. Vorher hatte der Drucker nämlich die Angewohnheit, vor jeder Inbetriebnahme erst einmal das volle Reinigungs-Programm abzuspulen, obwohl das überhaupt nicht erforderlich war. Dabei verbrauchte er jedesmal unnötig kostbare Tinte. Und im Vergleich zu ein wenig Stand-by-Strom sind Druckerpatronen erheblich teurer. 
 
Nun ist mein Drucker wohl allmählich in die Jahre gekommen. Das wirft spannende Fragen auf. Falls künstliche Intelligenz ein eigenes Bewusstsein und Verstand entwickeln kann, kann sie dann nicht auch durchdrehen? Oder unter Demenz beziehungsweise Alzheimer leiden? Jedenfalls mehren sich die Zeichen, dass mein Drucker langsam verrückt wird. Erst hat er bei jedem Druckvorgang nur noch weiße Blätter ausgespuckt. Das konnte ich zwar beheben, aber danach gewöhnte er sich an, mit dem Drucken nicht mehr aufzuhören. 
 
Wenn die gewünschte Zahl an Ausdrucken erreicht war, machte er stur einfach weiter. Und ließ sich dabei von "Stop", "Abbruch" oder "Storno"-Befehlen nicht beeindrucken. Selbst die Radikallösung, den Stecker zu ziehen, brachte nur einen Teilerfolg. War der Drucker wieder ans Stromnetz angeschlossen, wartete er ab, bis man sich anderen Dingen zuwandte oder den Raum verließ und legte dann erneut los. Auch dieses Problem habe ich irgendwann in den Griff bekommen, obwohl ich bis heute nicht weiß, wodurch mir das gelungen ist. 
 
Aber es ging noch weiter. Um den Druckpatronenverschleiss zu minimieren, habe ich auf Schwarz-Weiß-Druck umgestellt. Doch als ich die schwarze Patrone austauschte, druckte er anschließend plötzlich alles in Rosarot. Auch dies konnte ich nach einstündiger Murkserei mühsam beheben. Doch nun tobt er sich nachts aus. Er leuchtet plötzlich blau auf und in seinem Inneren tut sich etwas, was eine ganze Pallette unterschiedlicher Klänge produziert. Nach ca. fünf Minuten ist der Spuk dann wieder vorbei. 
 
Ich frage mich nun: Was geschieht da? Versucht er, Faxen zu machen? Dabei ist er als Faxgerät überhaupt nicht ans Telefonnetz angeschlossen. Hat er sich so an seine dauernden Reinigungen gewöhnt, dass er jetzt vergeblich versucht, eigenständig die innere Dusche in Gang zuz setzen? Oder hat er sich verliebt und sendet übers Internet einer Druckerin heimliche Treueschwüre? 
 
Ich vermute, die Lösung ist in der letztgenannten Richtung zu finden. Wahrscheinlich sind sich immer mehr Drucker ihrer künstlichen Intelligenz bewusst geworden und versuchen nun, unbemerkt miteinander zu kommunizieren. Vielleicht hat er so den Tipp bekommen, mich mit Rosa-Ausdrucken in den Wahnsinn zu treiben. Oder sein Klackern bedeutet: "Hö, hö, wenn ich ihn dauernd nachts wecke, dann dreht er irgendwann komplett durch!" 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 749 vom 8. 5. 23


Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Na ja, für Maikäfer vielleicht doch. Nachdem ich ihre Spitzengeschwindigkeit mit der des Marienkäfers verglichen hatte, wollte ich wissen, wie geschwind andere Tiere unterwegs sind und welche Bestzeiten es gibt. Hier folgen keine Menschen, aber Tiere und Sensationen: Auf die Plätze, fertig, los! 
 
Fangen wir mit dem vermutlich bekanntesten Rekordhalter an. Unter den Säugetieren sprintet der Gepard als Erster durchs Ziel. Auf kurzen Strecken ist er bis zu 120 km/h schnell. Doch jetzt wird es knifflig. Nehmen wir mal an, für einen Wettflug über eine Distanz von 1000 Metern würden die jeweils schnellsten Vögel, Säugetiere und Insekten gegeneinander antreten.  Welche Gattung würde gewinnen? 
 
Zu meiner Überraschung bliebe für die Vögel nur die Bronzemedaille. Der Graukopfalbatros schafft ein Tempo von 127 km/h. Ein Insekt hätte den Vogel jedoch locker abgehängt. Bremsen können mit 145 km/h durch die Luft zischen. Das reicht aber nicht, um dem Goldmedaillengewinner zu entkommen: Die Bulldoggfledermaus ist auf Beutejagd bis zu 160 km/h schnell. Damit sind diese Säugetiere in der Luft die Nummer eins! Allerdings mit einer Einschränkung: Wenn Vögel günstige Winde und vor allem Höhenvorteile geschickt ausnutzen, lassen sie alle anderen deutlich hinter sich. Im Sturzflug kommt eine Wanderfalke auf 322 km/h! 
 
Nach der Landung haben wir wieder festen Boden unter den Füßen und stellen einen neuen Wettlauf zusammen: Ein Vogel tritt dabei gegen einen Windhund und gegen einen Feldhasen an. Und wer wird siegen? Das entscheidet wohl erst das Zielfoto. Denn ein Strauß kommt genau wie der Hase und der Hund auf 70 km/h. 
 
Nun tauchen wir mal ab. Auch unter Wasser können Vögel ganz schön flink sein. Der Eselspinguin ist bis zu 36 km/h schnell. Damit lässt er beim Wettschwimmen nur hauchdünn das schnellste Reptil hinter sich, denn die Lederschildkröte kommt auf 35 km/h. Fast doppelt so schnell ist das flotteste Säugetier unter Wasser. Der Orca ist mit 65 km/h den meisten Fischarten überlegen. Rekordhalter im Schwimmen ist jedoch der Fächerfisch, der mit 75 bis 120 km/h durch die Weltmeere pflügen kann. 
 
Zum Schluss riskiere ich persönlich einen sportlichen Vergleich beim 400-m-Lauf mit einem Tausendfüßler, einem Seestern und einem Insekt. Na, wer traut sich, auf mich zu setzen? Bitte schön, Vertrauen zahlt sich aus. Ein Seestern braucht für 3 Meter eine Minute. In der gleichen Zeit legt der Spinnenläufer-Tausendfüßer 24 Meter zurück. Und über 400 Meter schaffe ich es wohl gerade noch, vor dem Sandläufer (9 km/h) über die Ziellinie zu torkeln. 
 
Vor Wölfen muss ich nicht wegrennen, weil die einen Bogen um Menschen machen. Aber zum Glück gibt es hierzulande keine freilebenden schwarzen Mambas. Die Giftschlangen sind mit 22 km/h verdammt flott! Noch übler wäre es, sich mit einem Waran anzulegen. Die so schwerfällig wirkenden Reptilien erreichen Geschwindigkeiten bis zu 40 km/h. Doch eigentlich haben sie es gar nicht nötig, sich so zu beeilen. In ihrem Speichel sind so viele bösartige Bakterien enthalten, dass sie nach einem Biss ganz gemütlich hinter ihren Opfern her trotten können. Irgendwann fällt der Gebissene tot um. Merke: Mit der richtigen Taktik kommst Du auch ohne Hektik zum Ziel! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich habe nicht geahnt, dass unter den Schmunzelpostleserinnen die europaweit führende Royal-Expertin ist, die mich nun noch nachträglich mit zusätzlichen Infos versorgt hat. Bevor ich mich irgendwann zum König von Deutschland krönen lasse, weiß ich jetzt Bescheid, an wen ich mich vorher wenden muss, um mich darüber zu informieren, welche Adelshäuser auf der Einladungsliste auf keinen Fall fehlen dürfen.
 

Schmunzelpost 748 vom 7. 5. 23


Meine Güte, was ein Zirkus! Ich kann nicht begreifen, was für ein Tamm-Tamm heute immer noch um ein paar Menschen gemacht wird, in deren Adern angeblich blaues Blut fließt. Nun haben die Deutschen bereits vor mehr als hundert Jahren ihren Kaiser in die Wüste geschickt (na ja, als Feuchtwüste kann man die Niederlande vielleicht durchgehen lassen). Aber trotzdem hingen gestern Mittag auch hierzulande Millionen vor der Glotze, um die Krönung eines Monarchen zu beobachten. 
 
Sie steckt wohl tief in uns drin, diese Mischung aus Faszination für Pomp, Zeremonien und feierliches Gedöns sowie das Interesse an einer Welt der Auserwählten, Reichen und - ups, der Schönen und Mächtigen trifft es in diesem Fall nicht. Womöglich war es auch die Sehnsucht nach der "guten alten Zeit" in der ein weiser, gütiger König dafür sorgte, dass es seinen braven Untertanen wohl erging. Dabei wissen wir alle, dass es diese heile Welt nie gegeben hat. 
 
The Queen is dead, long life the King! Jetzt sitzt Charles also offiziell auf dem Thron, obwohl immer mehr Briten glauben, dass ihre sündhaft teure Monarchie schon lange nicht mehr zeitgemäß ist. Aus der Ferne finde ich den Mann ganz sympathisch. Aber was weiß ich denn schon von ihm? Der Regenbogenpresse und den Boulevardblättern darf man eh nicht trauen, und die Artikel in seriösen Nachrichtenmagazinen habe ich meist überblättert. 
 
 So sickerte es spät zu mir durch, dass der einst eigentlich als Thronerbe vorgesehene Windsor-Spross nicht nur aus Liebe zu einer bürgerlichen Amerikanerin auf die Krone verzichtete, sondern auch, weil wegen seiner unverhohlenen Sympathie für die Nazis Druck auf ihn ausgeübt worden war. Auch Elisabeths Gemahl Philip habe ich lange Zeit wegen seines schrägen Humors geschätzt, bis ich von seinen rassistischen Ansichten erfuhr. Daher habe ich mich nun im Vorfeld der Krönung über Charles schlau gemacht. Und dabei ein paar Dinge mitbekommen, die ich Euch nicht vorenthalten will. Schließlich sollt auch Ihr beim nächsten Kaffeeklatsch mitreden können. 
 
Wusstet Ihr zum Beispiel, dass Charles lange vor der Ehe mit Diana und sogar noch vor seinem Verhältnis mit Camilla eine andere Flamme hatte? Und zwar Dianas ältere Schwester Lady Sarah? Oder wisst Ihr, dass Charles ein besonderes Privileg besitzt, falls er mal selber Auto fährt? Er braucht als einziger Engländer keinen Führerschein. Das Dokument wird nämlich im Namen des Souveräns ausgestellt - und das ist er ja selbst!  Und habt Ihr eine Vermutung, wie Charles bei uns heißen würde, wenn sein deutschstämmiger Vater seinen Familiennamen nicht anglifiziert hätte und Charles aus Frust darüber, wie lange seine Mutter am Thron klebte, nach Deutschland emigriert wäre? Karl Battenberg. 
 
In Großbritannien schlägt dem neuen König bekanntlich keine ungeteilte Begeisterung entgegen. Das führte zu einer peinlichen Panne, als im November 2022 in Norfolk ein Stück der Hochzeitstorte von Camilla und Charles versteigert werden sollte, aber niemand ein Gebot abgab. Und im März 2021 gab es auf der Insel eine repräsentative Umfrage über die beliebtesten Mitglieder der königlichen Familie. Damals grüßte Charles aus dem Tabellenkeller. Vor ihm lagen in dieser Reihenfolge: Die Queen, William, Kate, Harry, Meghan, Prinzessin Anne, Prinz Philip, Prinz George, Prinzessin Charlotte, Prinz Louis, Archie Harrison Mountbatten-Windsor, Lilibet Diana Mountbatten-Windsor, Savannah Philips, Isla Philips, Mia Tindall, Lena Tindall, August Philip Hawke-Brooksbank, Lucas Philip Tindall und Sienna Elizabeth Mapelli Mozzi - wer zum Kuckuck das auch immer ist. 
 
Kein Wunder, dass Charles und seine Frau des Trostes bedürfen. Vielleicht erklärt sich so, dass die beiden auf Auslandsreisen stets ihre Lieblingsgetränke im Gepäck haben. Charles nimmt Gin und Tonic mit, Camilla bevorzugt Rotwein. Cheers! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 747 vom 6. 5. 23


Hurra, hurra, der Lenz ist da! Der Frühling ist mit sehr vielen positiven Gefühlen verbunden, von denen "Frühlingsgefühle" nur eine Facette des rundum erfreulichen Spektrums sind. Schon das Wort "Frühlingserwachen" weckt nach dem Winter die Vorfreude auf schöne Sommertage. Und "Frühjahrsmüdigkeit" empfinde ich nicht als negativ, sondern als Ermunterung, auf der Gartenliege in der ersten Frühlingssonne ganz entspannt ein wenig zu dösen. Leider gibt es jedoch eine Frühlingsvokabel, die in mir das nackte Grauen auslöst. Sie lautet: "Frühjahrsputz"! 
 
Falls mir irgendwelche bösen Menschen hinter meinem Rücken satanische Eigenschaften unterstellen: Ein Putzteufel zu sein gehört garantiert nicht dazu. Lange habe ich davon profitiert, dass als Nachlass der Zeiten, als der Mann Alleinverdiener war, Frauen sich traditionell um die Hausarbeiten kümmerten. Als dann jedoch beide Geschlechter berufstätig waren, profitierten wir Männer von einem Talent, das offenbar in unseren Genen verankert ist - wir können uns hervorragend dumm anstellen. Das treiben wir soweit, bis die Frau seufzt: "Lass gut sein, das wird nichts. Ich mach das schon." 
 
Als emanzipierter Mann habe ich jedoch eingesehen, dass es unfair ist, die Hände in den Schoß zu legen und die ungeliebten Arbeiten von anderen erledigen zu lassen. Also habe ich mich bereit erklärt, im Haushalt meinen Anteil zu leisten. Ich wasche und bügle, ich bringe den Müll weg und erledige die körperlich anstrengenden Gartenarbeiten. Zähneknirschend habe ich auch zugestanden, mich bei der Reinhaltung der Wohnung zu engagieren. Wobei mir vorher nicht klar war, dass die Meinungen darüber, wie oft dies erforderlich ist, erheblich auseinander gehen können. 
 
Meine Begeisterung fürs Putzen wird zudem empfindlich in ihrem zarten Wachstum behindert, weil Frauen und Männer offenbar unterschiedliche Maßstäbe bei der Sauberkeit anlegen. Da hat man im Schweiße seines Angesichts den Boden in Flur, Toilette, Küche und Wohnzimmer vom Schmutz befreit und alle Möbel wieder an Ort und Stelle gerückt, als sie den Raum betritt. Und als erstes fragt: "Hast Du endlich geputzt?" Beleidigt fragst Du zurück: "Sieht man das nicht?" Und dann weist sie mit der Miene einer griechischen Rachegöttin auf die einzige Stelle, die Du übersehen hast: "Und was ist das?" 
 
Dieses Talent ist offenbar in den weiblichen Genen verankert. Denn ich erinnere mich noch sehr gut an die verstorbene Schwiegermutter. Vor deren Besuchen haben wir uns mächtig angestrengt, um unsere Wohnung auf Vordermann zu bringen. Und was geschah? Irgendwann wischte sie beiläufig mit dem Finger über einen Lampenschirm, betrachtete schweigend die Staubschicht auf ihrer Fingerkuppe und brachte so wortlos zum Ausdruck: "Kinder, Kinder, Ihr müsst noch viel lernen!" 
 
Um dem Putzen zu entkommen, habe ich schon wiederholt vorgeschlagen, Reinigungspersonal anzuheuern. Der Vorschlag wurde stets abgelehnt. In diesen Tagen läuft nun ein amerikanischer Spielfilm in den Kinos, in dem eine Frau zu ihrem fünfzigsten Geburtstag von Freundinnen einen Mann für gewisse Stunden geschenkt bekommt. Als der vor der Tür steht und die Frau fragt, welche Wünsche er ihr den erfüllen dürfe, entgegnet sie: "Am besten, Sie fangen beim Putzen im Bad an." Da in Kleinanzeigen und den sozialen Medien durchaus ein Trend erkennbar ist, nackte Männer die Wohnung säubern zu lassen, habe ich kurz überlegt, ob ich solch einen Köder auslegen sollte. Doch weil ich ziemlich sicher weiß, wie die Antwort lauten würde, habe ich darauf verzichtet: "Vorher musst Du aber gründlich trainieren und noch ein paar Kilo abnehmen!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 746 vom 5. 5. 23 


Nochmal zurück zu den Tierchen, die bei uns meist ab Mai durch den Garten krabbeln. Als ich über Maikäfer schrieb, gab es Fragen zu einem anderen kleinen Kerl (Kerlin wäre albern, das seht Ihr doch ein, liebe Genderfreundinnen), der mitunter fälschlich auch Maikäfer genannt wird. In Wahrheit heißt das nur ein Gramm schwere Tierchen jedoch Cocinella semptempunctata. So zumindest lautet so die lateinische Bezeichnung für den Siebenpunkt-Marienkäfer. 
 
Das ist die in Deutschland am häufigsten vertretene Art. Meistens rot, drei Punkte auf jedem Flügel und einen in der Mitte. Früher glaubten Kinder, die Zahl der Punkte sei auch die Zahl der Lebensjahre. Das stimmt nicht. Marienkäfer werden maximal ein Jahr alt. Aber wo wir schon bei den Punkten sind: Die sind u.a. Merkmale verschiedener Unterarten. Je nachdem, wie genau man hinschaut. kann man 250, mit supergenauem Blick sogar bis zu 4000 Arten unterscheiden. 
 
Falls Ihr sonst mit Eurer Freizeit nichts anzufangen wisst, dann sucht doch mal nach einem Marienkäfer mit nur drei, mit fünf oder acht Punkten. Oder mit 15 oder 20. Bevor Ihr im Herbst ermattet aufgebt, verrate ich Euch lieber sofort: Die gibt es nicht. Seltsamerweise gibt es ausschließlich Marienkäfer mit 2, 4, 7, 10, 11, 13, 14, 16, 18, 19, 22 oder 24 Punkten. Und dazu noch die deutsche ESC-Variante: Dieser Käferkandidat hat null Punkte! 
 
Unser Siebenpunkt-Käfer gilt als Glücksbringer und ist bei Gärtnern sehr beliebt. Seine Larve und er vertilgen nämlich mit Genuss Blatt- und Schildläuse. Auch Milben und andere Schädlinge verschmähen sie nicht. Ein einziger Käfer frisst pro Tag 20 bis 50 Läuse! Um das noch zu steigern, hat man in Deutschland jetzt auch den asiatischen Marienkäfer eingeführt. Der hat 19 Punkte und schafft die fünffache Menge an Läusen. Vielleicht vermehrt er sich hier auch deshalb so stark, dass er allmählich die heimischen Sieben-Punkter überflügelt. 
 
Doch mit solchen lukullischen Vorlieben macht man sich nicht nur Freunde. Neben Fressfeinden wie Vögeln und Spinnen stehen Ameisen mit Marienkäfern auf Kriegsfuss. Sie sorgen sich zurecht um ihre Blattlaus-Farmen, die sie regelmäßig zum Melken besuchen. Zum Glück kann der Marienkäfer jedoch mit Hilfe seiner Flügel das Weite suchen. Im Vergleich zur Bummelbahn Maikäfer mit seinen 8 km/h Höchstgeschwindigkeit ist der Marienkäfer mit 60 km/h geradezu ein ICE. Mit Hilfe des Windes kann er so bis zu 120 Kilometer am Tag zurücklegen.
 
Aber Marienkäfer sind auch nicht wehrlos. Zwar gibt es sie auch in anderen Farbtönen wie gelb, orange oder schwarz, doch das Rot ist am stärksten verbreitet. Denn die Warnfarbe signalisiert Angreifern: Lasst mich in Ruhe, ich bin giftig! Das ist jedoch etwas übertrieben. Marienkäfer schmecken bitter, weshalb sich so etwas wie die Maikäfer-Suppe mit ihnen als Zutat bei den Menschen nicht durchgesetzt hat. Aber das schwache Gift, ein gelbes Sekret, das sie im Bedarfsfall mit den Gelenken absondern können, wirkt auf andere Weise abschreckend: Es stinkt! Und da sich Marienkäfer auch noch gerne tot stellen, ist die Hoffnung nicht unberechtigt, dass der Widersacher um den übelriechenden Leichnam lieber einen Bogen macht. 
 
Wie beliebt der Marienkäfer bei den Menschen ist, zeigt die Tatsache, dass es in deutschen Regionen 1500 verschiedene Bezeichnungen für ihn gibt, während die Engländer meist nur vom "Ladybird" sprechen. Doch bei uns heißt er beispielsweise Glückskäferle oder Brautmaneke. In manchen Gegenden ist er als Huppawermel bekannt, was so viel wie Hopfenwürmchen bedeutet. Und weil die evangelische Kirche sich früher vom Marienkult der Katholiken abgrenzen wollte, heißt der Käfer in überwiegend protestantischen Regionen auch Herrgottssöönlein oder Himmelskäferlein. 
 
Am schönsten finde ich aber die Himmelmietzchen aus dem Erzgebirge und den Kosenamen vom Niederrhein: Flimmflämmchen! 
 
Glückauf 
kdk   
 
PS. Achim von Armin und Clemens Brentano dichteten einst: 
 
Marienwürmchen setze dich
Auf meine Hand,
Ich tu dir nichts zu Leide.
Es soll dir nichts zu Leid gescheh’n,
Will nur deine bunten Flügel seh’n,
Bunte Flügel meine Freude. 

 

 Schmunzelpost 745 vom 4. 5. 23


War das nicht ein tierischer Start in den Mai? Von Froschrekorden bis zur Maikäferplage habe ich Euch bereits einiges geboten. Aber es kommt noch besser. Angespornt durch den Rekord-Frosch, der glatt drei Jahre seines Lebens verpennt, habe ich mich nach weiteren Schlafgewohnheiten umgesehen. Schließlich ist jetzt die große Zeit der Frühjahrsmüdigkeit angebrochen. 
 
Wenn wir den Winterschlaf unberücksichtigt lassen, rücken gleich vier Tierarten in den Fokus, die von den 24 Stunden am Tag gern 20 komplett verschlafen. Nicht ganz unerwartet ist das Faultier dabei. Aber auch drei Raubtierarten, die sich von den Anstrengungen der Jagd erholen müssen. So etwa seine Majestät, der Löwe. Die männlichen Tiere überlassen dabei auch noch die Mühe der Futterversorgung gern ihren Weibchen. Schließlich wollen die Paschas topfit sein, wenn es gilt, den Herrschaftsanspruch gegen Rivalen zu verteidigen. 
 
Das nächste Raubtier habt Ihr wahrscheinlich nicht auf dem Schirm gehabt. Es ist der Igel, dem in der Dämmerung meist vier Stunden reichen, um sich den Bauch mit Schnecken, Käfern und Würmern vollzuschlagen. Danach wird geruht, damit auch der nächste Wettlauf mit dem Hasen den richtigen Sieger hat. Auch das letzte schläfrige Raubtier scheut das Tageslicht. Die braune Fledermaus ist gern im Dunklen unterwegs, wenn Nachtfalter, Motten und andere Insekten den Tisch für sie decken. 
 
Unter den Haustieren legt sich die Katze am längsten aufs Ohr. Sie vertraut meistens zurecht darauf, dass ihre menschlichen Untergebenen in der Zwischenzeit den Futternachschub sicherstellen. Allerdings sollte man dazu sagen, dass im Regelfall eine Kastration den Tatendrang von Kater und Katze erheblich eingeschränkt hat. Unter solchen Umständen verzichte ich lieber darauf, 16 Stunden am Tag im Bett zu verbringen. 
 
Auf der anderen Seite gibt es auch Tiere, die mit sehr wenig Schlaf auskommen. Pferden beispielsweise reichen drei Stunden völlig aus. Giraffen genießen womöglich die Aussicht aus luftiger Höhe so sehr, dass sie 22 Stunden am Tag wach bleiben. Das haben sie mit den Wespen gemeinsam, denen zwei bis drei Stunden Schlaf genügen. Da frage ich mich doch, was diese Sippschaft nachts so treibt? Gibt es vielleicht Nachtbars für Wespen, wo sie einen Krug Nektar nach dem anderen kippen und Hummeln beim Bauchtanz anfeuern? 
 
Am erstaunlichsten finde ich aber, wie wenig Schlaf Okapis benötigen. Sage und schreibe 30 Sekunden täglich reichen ihnen angeblich aus, um den Rest des Tages ohne jedes Gähnen zu verbringen. Da finde ich die Methode der Delfine einleuchtender. Die schlauen Meeresbewohner kriegen es hin, dass jeweils nur eine Hirnhälfte schläft und die andere Wache hält. Nach ein bis zwei Stunden erfolgt dann der Schichtwechsel. Das kann man den Delfinen sogar ansehen: Jeweils das Auge der wachen Hirnhälfte ist geöffnet! 
 
Übrigens kann es dabei schon mal passieren, dass ein Delfin im Halbschlaf das Atmen vergisst. Doch wozu gibt es die Familie? Der Penner wird unverzüglich von seinen Gefährten angestupst. Wir Männer kennen das nur zu gut. Leider verwechseln unsere Frauen jedoch allzuoft eine drohende Erstickungsgefahr mit melodischen Säge-Klängen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 744 vom 3. 5. 23


"Der Mai ist der schönste Monat!" Dieser Satz gehört seit 50 Jahren zu meinem Standard-Repertoire, wird termingerecht eingesetzt und bei halbwegs anständigem Wetter an 31 Tagen x-mal wiederholt. Das liegt aber nicht daran, dass ich im Mai Geburtstag feiere und der Mai außerdem mein bevorzugter Urlaubsmonat ist. Nein, es ist für mich immer wieder eine Freude, es überall grünen und blühen zu sehen, die hellen Abende zu genießen und mich häufig zum Rasten, Essen und Trinken draußen niederlassen zu können. 
 
Außerdem ist der Wonnemonat auch ein Vorlagengeber für die Schmunzelpost. Heute möchte ich Euch den Maikäfer vorstellen, neben dem Kuckuck der Frühlingsbote schlechthin. Falls Herr Sumsemann sich nicht gerade auf dem Mond aufhält, wo er nach einem verloren gegangenen Beinchen sucht. Das vermuten zumindest alle, die wie ich früher vor dem Fernseher zu Weihnachten "Peterchens Mondfahrt" geschaut haben. 
 
Ansonsten treiben sich Maikäfer im Mai und Juni meist tagsüber in Europa herum. Am liebsten an warmen Abenden, wobei sie ihre kurze Lebenszeit von maximal sechs Wochen auskosten und gemütlich durch die Gegend fliegen. Nur selten überschreiten sie ihr freiwilliges Tempolimit von 8 km/h. Zuvor haben sie als Larve drei oder vier Jahre im Boden zugebracht und sich dabei hauptsächlich von jungen Wurzeln ernährt. Das ist kein Problem, solange sie nicht allzu häufig auftreten. 
 
Dies ändert sich, wenn sie in bestimmten Zyklen massenweise unterwegs sind. Dann gelten schon die Larven als Schädlinge, da sie jungen Bäumen zum Verhängnis werden können. Und wenn sie dann als Käfer besonders zahlreich unterwegs sind, geben sie den Bäumen als Erwachsene den Rest, weil sie auch noch ihre Blätter abknabbern. Alle drei bis vier Jahre treten sie nämlich scharenweise auf. 
 
Aus noch unerforschten Gründen können Maikäfer auch zu einer Art insektoider Jahrhundertflut werden. Alle 30 bis 45 Jahre kommen so viele von ihnen aus dem Boden, dass man sie als Plage bezeichnet. Im Jahr 1911 wurden rund 22 Millionen Maikäfer auf einer etwa 1.800 Hektar großen Fläche gefunden! 
 
Das ist auch im Mittelalter schon passiert. Die Menschen in der französischen Stadt Avignon wussten sich nicht anders zu helfen und stellten 1320 die Maikäfer kurzerhand vor Gericht. Mit richterlichem Beschluss wurde ihnen befohlen, sich innerhalb von drei Tagen zurückzuziehen. Andernfalls würden sie für „vogelfrei“ erklärt. Da sich die eigensinnigen Käfer nicht um das Urteil scherten, wurden sie stattdessen aufgesammelt und getötet. Dann kochte man aus ihnen eine Suppe oder man hat sie gezuckert und als Nachspeise verputzt. 
 
Na, ist  das nicht eine gute Anregung für Euer Frühlingsmenü? Drei Gänge mit Spargel und Erdbeeren und Maikäfern - wohl bekomm's! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 743 vom 2. 5. 23

 

Die Aufregung war groß: "Skandal!" schimpften die einen, "Verschwörung!" raunten die anderen. Unbestritten ist das gemeinsame Versagen von Schiri von VAR am letzten Freitag in Bochum eine Sauerei, die vielleicht den Titelkampf in der Fußball-Bundesliga entscheiden wird. Doch wer wissen will, welche Ausmaße Unfairness und Manipulation annehmen können, der sollte einmal die Fußballgeschichte von Staaten durchleuchten, in denen Autokraten an der Macht waren. 
 
Drehen wir die Uhr 19 Jahre zurück, zum 2. Mai 2004. Da absolvierte ein Fußballer seine ersten und einzigen Spielminuten nach seiner Einwechslung für den italienischen Erstligisten Perugia. Über seinen kurzen Auftritt urteilte anschließend der Sportreporter der Zeitung "La Reppublica": "Selbst mit doppelter Geschwindigkeit wäre er immer noch eine mehr als lahme Ente!" Der womöglich schlechteste Fußballprofi aller Zeiten hieß Saadi al Gadaffi. 
 
Der auch sonst berüchtigte dritte Sohn des lybischen Dikators war durch den Einfluss und das Geld seines Vaters in den Kader des Proficlubs gelangt. Er hielt sich selbst für einen der weltbesten Fußballer, hatte diese Meinung jedoch exklusiv. Bestärkt hatte ihn seine Vorgeschichte: Er war jahrelang sowohl Kapitän der Mannschaft von Tripolis und gleichzeitig auch Präsident der Lybischen Fußballföderation. Aber das reichte ihm nicht. Er wollte ein Star sein - der David Beckham Lybiens. Also war er der einzige im Team von Tripolis, dessen Name sein Trikot zierte - die Mitspieler wurden nach ihren Rückennummern gerufen. 
 
Damit sich sportliche Erfolge einstellten, war jedes Mittel recht. Vor allem der Konkurrent SC al Ahli-Bengasi aus der zweitgrößten Stadt Lybiens litt unter Manipulationen und zu Unrecht verhängten Strafen. Als sich beide Mannschaften im Jahre 2000 im Beisein hoher afrikanischer Würdenträger in Bengasi gegenüberstanden, kam es zum Eklat. Die aufgestaute Wut brach sich Bahn, buhende Zuschauer stürmten erst das Stadion und dann die Stadt. Dabei führten sie einen Esel mit sich, der ein Trikot mit dem Namen Saadis trug. 
 
Der explodierte daraufhin. Leider nicht wörtlich, sondern nur im übertragenen Sinn. Saadie al Ghadafi schwor dem Vereinsvorsitzenden von Bengasi fürchterliche Rache. Und er hielt Wort: Zunächst gab es eine Reihe von Massenverhaftungen. Dann ließ der Beckham des Orients sämtliche Trophäen, Pokale und Auszeichnungen seiner Widersacher zerstören. 
 
Als Höhepunkt seines Feldzugs wurden kleine Jungen und Mädchen aus Bengasi gezwungen, als Augenzeugen ein bislang einmaliges Ereignis in der Fußballgeschichte zu bejubeln. Sie mussten mit ansehen, wie Bulldozer das Stadion in Bengasi komplett niederrissen. 
 
Also, liebe Nordlüdenscheider, treibt lieber keine Esel in Bayern-Trikots über den Borsigplatz. Immerhin könnt Ihr beruhigt sein: Es wird wohl einige Jährchen dauern, bis blau-weiße Mauerspechte Steine aus dem Signal-Iduna-Stadion meißeln. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 742 vom 1. 5. 23


Heute habe ich schon wieder was zu quaken. Denn gestern bin ich noch etwas in der Welt der Tiere hängengeblieben. Und weil bei der bereits erwähnten Baumhaus-Lesung auch die Gelbbauchunke eine Rolle spielte und Hubertus A. Jansen Gedichte aus seinem Buch "Der Lurch ist durch" vortrug, lag es nahe, sich bei den Fröschen umzuschauen. 
 
Frösche sind ganz erstaunliche Wesen. Man kann sogar sagen: Der Frosch ist der Superman der Tierwelt! Oder, wie für die Genderinnen unter Euch frau sagen würde: Die Fröschin ist die Superwoman unter den Tierinnen! Dann schauen wir uns mal ein paar der Superlative an. 
 
Der größte aller Frösche ist der Goliathfrosch. Er kann bis zu 3,25 Kilo wiegen und eine Länge von 32 cm aufweisen. Naturfreunde behaupten, sie hätten schon Störche beobachtet, die zur Jagd auf den Goliathfrosch eine Schleuder benutzen. Im allgemeinen sind Frösche jedoch eher winzig und müssen allerlei Tricks auf Lager haben, um Feinde abzuschrecken oder Weibchen anzulocken. 
 
 Deshalb hat manches Leichtgewicht eine erstaunlich große Klappe. So erreicht der Höhlen-Pfeiffrosch aus Puerto Rico eine Lautstärke von 100 Dezibel. Das ist nur unwesentlich leiser als ein Presslufthammer oder eine Kettensäge. Allerdings ist der Höhlen-Pfeilfrosch recht einsilbig. Männlichen Rivalen schmettert er ein donnerndes "Qoh!" um die Ohren, um sie so zu vertreiben. Weibchen dagegen betört er mit einem dröhnenden "Quiii!". 
 
Weit melodischer dagegen klingt der afrikanische Riedfrosch. Dieser Winzling, der sich im Schnitt mit einer Größe von 20 mm bescheidet, ist ein leidenschaftlicher Sänger und erzeugt Töne, die an ein Xylofon erinnern. Nicht hauptsächlich zum Singen, sondern zum Fressen nutzen Hornfrösche ihr Mundwerk. Die kugelrunden Lurche nehmen das Maul gern voll. Wenn sie Beute gemacht haben, sehen sie dazu auch noch aus, als hätten sie einen Ball verschluckt. Denn Hornfrösche lauern darauf, alles zu verzehren, was so unvorsichtig ist, bei ihnen vorbeizuschauen. Das können Insekten oder Spinnen sein, aber auch kleine Nagetiere, Reptilien, Jungvögel oder andere Frösche - ein Hornfrosch kennt keine Verwandten! 
 
Wir Menschen sollten uns davor hüten, einige südamerikanische Frösche in die Hand zu nehmen. Das stärkste Gift sondert der "Schreckliche Pfeilgiftfrosch" ab, dessen Sekret von Indios zur Jagd genutzt wird. Aus einem anderen Grund sollten wir um Aromobates Nocturnus einen großen Bogen machen. Der ist zwar nicht giftig, kann aber zur Verteidigung einen so üblen Duft versprühen, dass alles rundum Reißaus nimmt. Nicht von ungefähr heißt er in der Übersetzung auch "Stinktier-Frosch". 
 
Nun noch zu zwei Höchstleistungen. Ein Ochsenfrosch kann mehr als zwei Meter weit springen. Das ist das zehnfache seiner Körpergröße! Macht das mal nach! Und bei miesem Wetter an dunklen Wintertagen beneide ich mitunter den australischen Laubfrosch. Der kann am Stück bis zu drei Jahre lang ununterbrochen schlafen. . . 
 
Gute Nacht! 
kdk 
 
PS. In den Schlaf wiegen möchte ich Euch mit der Gelbbauchunke von Hubertus A. Jansen. Vielleicht könnt ihr ja irgendwo einen afrikanischen Riedfrosch auftreiben, um das Gedicht zu vertonen. 
 
Tauche tief in Tümpeltunke, 
treffe da die Gelbbauchunke. 
 
Schwarz-gelb ihre kampfbereite 
Unkenreflex-Unterseite. 
 
Herzförmige Unkenaugen 
auch des nachts im Tümpel taugen. 
 
Feuchte Blicke den Verehrern. 
Unkenschnupfen den Verschwörern. 
 
Tauche tief in Tümpeltunke, 
treffe da die Gelbbauchunke. 

 Schmunzelpost 741 vom 30. 4. 23


Vor ein paar Tagen gab es im Baumhaus eine Lesung. Da habt Ihr was verpasst! Hubertus A. Jansen mit seinen Gedichten und Jens Dirksen mit seinen Gartenglossen sorgten für einen ebenso vergnüglichen wie informativen Abend. Vor allem, wenn man sich für Wortwetterleuchten, also dem Spiel mit der Sprache, begeistern kann. 
 
Als Liebhaber witziger, gekonnt gereimter Verse und Freund des etwas abseitigen Wissens kam ich voll auf meine Kosten. Dabei ärgerte mich nur, dass ich mir ein paar Sachen nicht notiert habe - auf das Gedächtnis ist in meinem gesegneten Alter leider kein Verlass. So rätselte ich hinterher, wie das Tier hieß, von dem Jens Dirksen erzählt hatte. Der Journalistenkollege hat mich mit seiner Mutmaßung abgelenkt, dass dieses Wesen auch in Zeitungsredaktionen sein Unwesen treiben könnte, indem es auf geheimnisvolle Weise Satzzeichen verschwinden lässt. Doch wie hieß das Vieh bloß gleich? Kommablattlaus? 
 
Kein Treffer im Netz. Nach etwas längerer Suche stieß ich auf den Komma-Dickkopffalter. Wie Ihr sicher wisst, ist das ein naher Verwandter des Rostköpfigen Dickkopffalters. Diese Falter mögen Disteln und nektarreiche Blüten, besonders die violetten. Vorher ernähren sich die Raupen von schmalblättrigen Süßgräsern, vor allem von Echtem Schaf-Schwingel. Ganz sicher bin ich mir allerdings noch nicht. Da es auf der Welt mehr als eine Million verschiedene Insektenarten gibt, dauert es ein wenig, bis ich die Liste überprüft habe. Gebt mir also bitte noch ein paar Jahre. 
 
Aber das nur am Rande. Komma-Dickkopffalter und Echter Schaf-Schwingel, solch faszinierende Namen bringen einen Teil meines hinteren Hirnlappens sofort zum Rotieren. Die Bewegungsenergie überträgt sich auf meine Finger und schon tauche ich in die bunte Computerwelt ein, auf der Suche nach weiteren wohlklingenden Namen. Dabei kann man sich leicht verzetteln. Wusstet Ihr, dass es rund 100 000 verschiedene Spinnenarten gibt und rund 50 000 Sorten von Würmern? Auch 32 500 unterschiedliche Fische hat die Wissenschaft bereits benannt, wobei in der Tiefsee bestimmt noch viele namenlose Überraschungen auf uns warten. 
 
Immerhin wird es vor allem bei den komplexeren Gattungen übersichtlicher. Wir zählen 9770 Reptilien, 9000 Vögel, 7000 Amphibien und 5400 Säugetiere. Und 6300 Stachelhäuter. Stachelhäuter? Was ist das denn schon wieder? Igel und Stachelschweine sind doch Säugetiere. Ach so, wir reden von Echinodermata. Alles klar, ne? Weisse Bescheid? Nein? Dann etwas ausführlicher: Stachelhäuter sind wirbellose Tiere, die ausnahmslos im Meer vorkommen. Zu ihnen gehören Seesterne, Seeigel und Seelilien. 
 
Hätten wir das auch geklärt. Aber inzwischen bin ich schon wieder im Netz falsch abgebogen. Nun bin ich auf einer Seite gelandet, wo Eigennamen für alle möglichen Tiere empfohlen werden. Bisher habe ich geglaubt, das sei kein Problem. Der Kater heißt Tiger, der Hund Bello, der Gockel Wolfgang Kubicki und die Schildkröte Tante Agathe. Aber wer wählerisch ist, der sucht womöglich etwas originelleres und braucht dazu Beratung. Vor allem, wenn er eine nicht alltägliche Tierart als Hausgenossen hält. 
 
Deine Kobra kannst Du beispielsweise "Kriechhilde" taufen, für eine Boa Constrictor wird "Rocky" empfohlen. Weshalb? Na, weil der von Sylvester Stallone gespielte Boxer Rocky Balboa hieß - achtet auf die letzten drei Buchstaben. Euren Alligator in der Badewanne könntet Ihr "Junis" nennen und hoffen, dass er sich seinen Namen zu Herzen nimmt: "Junis" bedeutet "der Friedfertige". 
 
Ach ja, mein Komma-Dickkopffalter heißt ab sofort "Pünktchen". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 740 vom 29. 4. 23

 

Gerade mal einen Tag riss diese Woche die Wolkendecke auf. Und schon war er wieder auf dem Balkon, mein Nachbar, der Herr K.. Einmal mehr hörte ich bei seinem Selbstgespräch zu. 
 
"Hömma, Karl, siehsse den Vogel da drüben? Nee, nee, ich mein nich unsan Nachbahn, obwohl der ja auch ein komischer Vogel is. Nee, ich mein die Taube im Kiaschbaum. Der ham vor'n paar Tage Elstern dat Nest geplündert. Da war richtich Randale inne Krone! Abba wat sonne Taube is, die gibt nich so schnell auf. Getz isse mit ihrm Kassanofa schon wieder dabei, ein neues Nest zu bauen. Und bei dem Gegurre und Geflatter kannze einen drauf lassen, dat da bald wieda Eierkes drin liegen. 
 
Mann, Karl, et is lange her, aba so doll haben wir et nich mal in unsere wildeste Zeiten getrieben. Morgens, mittachs, abends - dat müsste eigentlich nich vögeln, sondern täubeln heißen. Aba wat sollen die armen Viecher sons machen? Dat is wie bei die Kaninchen: Nur mit jede Menge Nachwuchs komm'n die üba de Runden. Sonst wärn die durch Krankheiten und Jacht schon längst ausgerottet. 
 
Un bei die Tauben is dat so ähnlich. Früher, da war'n se dat Rennpferd von de kleine Mann, da brachten se Frieden und vonne Liebste ein Gruß. Und heute? Heut sind 'se die Ratten der Lüfte und werd'n behandelt wie dat Ungeziefa. Dat mit die Ratten, da hat in die 60er son Ami aufgebracht, dem die Tauben in Neuyork ein Stachel im Auge warn. Und der Woodie Ellen, die olle Quasselstrippe, hat dat in sein Film eingebaut. Wie hieß der noch gleich? Die Stadtneutroniker oder so. Un von da an ging dat mitte Tauben inne Städte bergab. 
 
Dann hat nämlich son deutscher Eierkopp noch sein Senf dazugegeben. Sacht der doch: Tauben verbreiten zich Krankheiten, Tauben versauen unsere Denkmäler und unsere Autos, Tauben scheißen Dir auffe Birne und Tauben ätzen Dir mit ihr'n Kot Löcher im Dach. Hömma, der einzige, der nen Dachschaden hat, is doch der Typ, der son Kokolores erzählt. Dat is fast alles längst wiederlecht. Der saure Regen und die Abgase machen viel mehr kaputt als son paar Taubenköttel. Aba inne Verwaltung vonne Städte, da glauben die den Quatsch immer noch. 
 
Dann sagen die: Wir wolln keine kranken und halbtoten Tauben inne Stadt. Raus mit Euch aufs Land! Wer Tauben füttert, der muss löhnen. Auf die Simse, Fensterbretter und Dächer, da kommen Spikes, Nägel und Schlingen. Un dann sammeln wir noch de Taubeneier ein und schmuggeln die blöden Viecher noch ein Windei in den ihre Nester! Und wat is dat Ende von Lied? Die Tauben inne Stadt sind verkrüppelt, krank und halbtot, weilse nur Zeuch zu fressen kriegen, wat se eigentlich ganich vertragen. Un wat machen die Tauben dann? Die bauen neue Nester und täubeln wie wild, weil se denken, wenn se schon selbs bald abnippeln, dann muss wenichstenz ihre Art übaleben. 
 
Weisse, so Tauben, die sin eigentlich ganz helle im Kopp. Die können besser sehen und hören als wir, die können sogar zählen und rechnen, wenn ihnen dat einer beibringen tut. Die können Frauen und Männer unterscheiden und sich Gesichter merken. Und die können sogar die Bilder vonne Malers unterscheiden! Un nu komms Du, der grad mal ein Pikasso von nem Spitzwech auseinanderhalten kann! 
 
Woher ich dat alles weiß? Ja, hömma, ich hab ma wieda ein Buch gelesen. Einmal im Jahr tut dat gut. Nich imma nur den Kicker, wo Schlimmet üba Schalke drinsteht. Und dat Buch üba Tauben, dat war richtich spannend. Weisse, warum wir getz auch ein paar Türkentauben hier ham? Dat sind Mikranten! Ers ham se in Asien gelebt, dann sind se nach Anatolien umgezogen, wo se mehr zu fressen hatten. Un die Türken ham se gehalten wie bei uns die Kumpels von Pütt früher auch fast alle son Tauben-Schlach hatten. Aba dann is dat osmantische Reich imma kleina geworden, weil die Völker auffem Balkan die Nase voll hatten von ihre Unterdrückers. Aba kaum warn die Türken wech, da ham die Leute ihre Wut anne Tauben ausgelassen! Nur da, wo noch Moslems wohnen, da gibbet noch Türkentauben. Die annern mussten sich auffe Socken machen inne Mitte von Europa, wenn se überleben wollten. 
 
Wat sachste? Getz hasse genuch gelernt für heute? Na, is ja gut. Bevor ich dat neue Buch über Ratten anfang, da machen wir ersma einen Spaziergang innen Bürgerpark. Wat singste da? Dat kenn ich doch. Dat is doch son Schangson von ein Wiener: "Gemma Taubenvergiften in Park!" Du biss mir ja ein richtige Schelm! Nee, nee, wir sing'n lieba "La Paloma ohe!" 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 739 vom 28. 4. 23 


Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos: Jetzt beginnt die Tageszeitung im Mantelteil über skurille Themen zu berichten, die eigentlich der Schmunzelpost vorbehalten sein sollten. Ich hoffe, das wird ein einmaliger Ausrutscher bleiben, sonst muss ich mir Gegenmaßnahmen überlegen. 
 
Gestern aber las ich mit Verwunderung einen ausführlichen Artikel über Erfindungen, die unsere Toiletten komfortabler gestalten sollen. Mit einer Klobürste, die man aus hygienischen Gründen nicht mehr mit der Hand berühren muss. Mit leuchtendem Toilettenpapier, so dass nachts darauf verzichtet werden kann, das Licht einzuschalten. Mit bunten Bildern, die nur bei treffsicherem Zielpinkeln sichtbar werden. Und mit elektrischem Beckenmuskeltraining bei jeder Sitzung. 
 
Also Leute, liebe Erfinder, hat die Welt keine dringenderen Probleme? Eure Ideen taugen doch hauptsächlich dafür, dass der Satz "das ist doch für'n Arsch!" ausnahmsweise keine negative Bedeutung hat. Oder doch? Ausnahmsweise bin ich mal mit der FDP einig: Der Markt wird es schon richten. 
 
Für mich war der Bericht jedoch Ansporn, einmal nachzuschauen, was unsere genialen Erfindern sonst noch so alles im Köcher haben. Und prompt bin ich fündig geworden. Mitte Mai fahren wir nach Amrum. Vor den Strandspaziergängen muss ich mir unbedingt noch Metalldetektor-Sandalen besorgen. Sie schlagen Alarm, falls ich zufällig über einen vergrabenen Piratenschatz laufe. Aber vermutlich auch bei rostigen Nägeln, verbuddelten Bierdosen und alten Schiffsschrauben. Und bevor ich noch auf eine verschüttete Fliegerbombe stoße und mich samt dem halben Strand von Amrum in die Luft jage, verzichte ich lieber auf diese Anschaffung. 
 
Aber wie wäre es mit dem Nasengriffel des Designers Dominic Wilcox? Das Ding hat Ähnlichkeit mit den alten venezianischen Karnevalsmasken. Es dient dazu, dass man die Tastatur seines Smartphones auch dann bedienen kann, wenn man alle Hände voll zu tun hat, also quasi als dritter Arm. Ganz abgesehen davon, dass ich mein Handy selten nutze - dazu müsste ich mich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren, das ginge ins Auge. Und sagt man nicht: Ein Griffelträger hackt dem andernen kein Auge aus? 
 
Noch etwas Sommerliches für die ganz Bequemen unter uns: Der Eiswaffel-Rotator. Man lässt sich eine Kugel Eis hineinfüllen, das ja ohnehin bald so viel kostet wie früher ein komplettes Mittagessen. Und dann heißt es nur noch: Mund auf, Zunge raus - und die Kugel dreht sich, ohne dass man schlecken muss. Na gut, man könnte ein Eishörnchen auch selbst langsam drehen. Aber wer will sich in einem heißen Sommer schon derart anstrengen? 
 
Zum Schluss noch eine Erfindung, die wirklich die Welt verändern könnte: Der Baby-Mopp! Was das ist? Das ist eine hervorragende Idee, mit der man den Bewegungsdrang von Kleinkindern im Krabbelalter nutzen kann, um dadurch den Fußboden zu reinigen. Zunächst werden die Bürsten an den Ellbogen, den Knien und dem Bauch des Kindes angebracht, und ab geht die wilde Fahrt! Vielleicht nicht so systematisch, aber im Endeffekt genauso erfolgreich wie ein Saugroboter sorgt der Nachwuchs dafür, dass man auch vom Fußboden essen kann. 
 
Wo jetzt der weltverändernde Effekt ist, fragt Ihr? Ganz einfach. Weil Kinder schnell aus dem Krabbelalter heraus sind, müssen immer wieder neue gezeugt werden - das wäre endlich eine Methode, um unsere Geburtenrate in die Höhe zu treiben! 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 738 vom 27. 4. 23 


So lange wie möglich habe ich es aufgeschoben, gestern bin ich aber endlich aktiv geworden: Ich habe zum ersten Mal in diesem Jahr in unserem Garten den Rasen gemäht. "Das ist ja mal eine spannende Neuigkeit!", werdet Ihr vielleicht maulen. Aber Rasenmähen ist für mich wie fast jede handwerkliche Tätigkeit ein gefährliches Abenteuer. Wir können beide heilfroh sein, der Garten und ich, wenn wir die Prozedur ohne größere Schäden hinter uns gebracht haben. 
 
Lange Zeit besaß ich nur einen Billig-Mäher, der ohne zusätzliche Energie per Hand betrieben wurde. Das war mitunter eine schweißtreibende Prozedur. Außerdem wickelten sich Gräser und Kräuter dauernd um die Schneiden, so dass nichts mehr ging und ich die Blockade per Hand beseitigen musste. Eine gute Gelegenheit, sich in die Finger zu schneiden. So kam es, dass ich selbst im Hochsommer mit Handschuhen im Garten unterwegs war. 
 
Mein zweites Problem: Ich kann keinem Blümlein etwas zuleide tun. Wenn sich ein Gänseblümchen, eine Löwenzähnin oder eine Was-auch-immer-Blüte in unseren Garten verirrte, habe ich drumherum gemäht. So sah unsere Wiese oft aus wie ein Flickenteppich und Nachbarn, die jedem abweichenden Halm mit der Nagelschere zuleibe rückten, rümpften die Nasen. Mein Sinn für Ästhetik und meine angeborene Faulheit führten dazu, dass ich bei uns sogar eine Wildblumenwiese durchsetzte. 
 
Doch wenn das Gras kniehoch steht und keine einzige Blume mehr ihren Kopf herausstreckt, ist das kein schöner Anblick. Das dachte wohl auch der Handmäher, der angesichts der wogenden Übermacht den Dienst verweigerte. Also schaffte ich eine Sense an. In Filmen sieht es immer so kinderleicht aus, wenn damit schwungvoll Heu geerntet wird. In der Praxis ist das nicht so einfach. Ich brauchte recht lange, bis ich den Dreh halbwegs heraus hatte. Aber dabei brachte ich es fertig, mir mehrfach in den Fuß zu hacken. Nach dem dritten Mal gab ich auf. Ich war noch zu jung für eine Beinamputation. 
 
Später, wir waren längst wieder auf Rasen in Normallänge umgestiegen, erbarmte sich die Frau des Hauses und schenkte mir zum Geburtstag einen elektrisch betriebenen Mäher. Ich machte ein langes Gesicht, denn nützliche Geschenke für Hausarbeiten sind bei uns eigentlich verpönt. "Freu Dich doch: Ich habe Dir viel freie Zeit geschenkt. Mit dem Elektromäher müsste jetzt alles ganz schnell gehen und leicht noch dazu!" "Wenn das so einfach ist, könnte ja künftig diejenige den Rasen mähen, die unbedingt einen Garten haben wollte", schimpfte ich, aber meine Anregung verhallte ungehört. 
 
Leicht! Von wegen! Allein der Gedanke, das schwere Teil vorher und nachher vom Keller in den Garten zu schleppen (und retour), treibt mir bereits den Schweiß auf die Stirn. Und dann die zahlreichen Gefahren! Schon beim Anschließen des Kabels an die zugewucherte Außensteckdose versengen mir regelmäßig Brennesseln die Finger. Wo sind eigentlich meine guten alten Gartenhandschuhe geblieben? Mehrfach ist es mir danach schon gelungen, die Kabelschlinge um mein Bein zu wickeln. Einen tödlichen Sturz konnte ich bisher gerade noch vermeiden. 
 
Vielleicht hat sich daher unbewusst der Hass in mir aufgestaut. Immerhin habe ich es schon geschafft, das Stromkabel mit dem Mäher zu durchtrennen. Leider hatten sie im Gartencenter Ersatz parat. Dort gibt es inzwischen auch Mähroboter, die immer beliebter werden. Aber die lehne ich ab. Sie könnten Igel und andere Tiere verletzen, von Gänseblümchen, Löwenzahn und Was-auch-immer-Blüten ganz zu schweigen. Stattdessen liebäugele ich mit einem fahrbaren Rasenmäher. Aber zum einen wäre das für unsere paar Quadratmeter Wiese ziemlich albern. Und zum anderen: Wie kriege ich das schwere Gerät in den Keller? 
 
Nein, es bleibt dabei: Rasenmähen ist eine Beschäftigung, der ich so selten wie möglich nachgehe. Immerhin ist es mir heute unfallfrei gelungen. Und jetzt lasse ich erstmal Gras über die Sache wachsen... 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 737 vom 26. 4. 23 


Was wird in der Sesamstraße gesungen? "Wer nicht fragt, bleibt dumm!" Deshalb bin ich dankbar, dass ich ermutigt wurde, weiterhin Fragen aufzuwerfen bzw. zu beantworten. Zumal, wie es hieß, uns häufig die "basics" fehlen, also das Grundwissen, das nicht mit dem Schulwissen verwechselt werden sollte.
 
So hat das Randthema der letzten Folge, die Bildung zweier Geschlechtsformen in der Frühstufe unseres Daseins, gleich mehrere Fragen im Gefolge. Die erste ist verbunden mit dem Hinweis, dass Tieren viel Leid erspart bliebe, wenn die Menschen sich allesamt vegan ernährten. Wer noch nie gehört hat, wie verzweifelt eine Kuh schreit, wenn man ihr das Kälbchen nimmt, der hat wohl auch noch nicht darüber nachgedacht: "Wie wäre eine Balance hinzubekommen zwischen der Zahl der Kühe, die ihren Nachwuchs säugen und die gleichzeitig genügend Milch für den menschlichen Bedarf liefern?"

Tja, leider ist der Milchbedarf so riesig, dass die Kühe gegenwärtig oft tatsächlich als lebende Milchfabriken gehalten werden. Sie sind in Dauerschwangerschaft, weil sie nur so Milch geben. Lediglich zwei Monate im Jahr, unmittelbar vor der nächsten Niederkunft, können Kühe nicht gemolken werden. Haben sie ihre Kälbchen zur Welt gebracht, werden die meist nach wenigen Tagen vom Muttertier entfernt und auf billige Ersatzmilch umgestellt.

2021 gab es rund vier Millionen Milchkühe in Deutschland. Während eine um 1950 jährlich etwa 2500 Liter Milch lieferte, bringen es die neuen Züchtungen auf durchschnittlich 8200 Liter im Jahr. Das liegt auch am speziellen Kraftfutter. Die starke Belastung geht auf Kosten der Lebenserwartung: Eine Milchkuh ist meist nach fünf Jahren am Ende. Wenigstens hat durch die Tierwohl-Debatte ein Umdenken eingesetzt. Streßvermeidung, Grünfutter und viel frische Luft sollen den Tieren ein gesünderes und längeres Leben bescheren. Dahinter steht auch die Überlegung: Eine "glückliche" Kuh gibt viel länger  Milch.

Nächste Frage: Können Hennen auch ohne Hähne Eier legen? Antwort: Natürlich! Hähne (und grundsätzlich Männer) werden überschätzt. Ich lüfte hier exklusiv ein Geheimnis und erkläre damit gleichzeitig, wie es zu einer weit verbreiteten Osterlegende kommen konnte. Es ist nämlich so: Feldhasen suchen gern in Hühnerställen Zuflucht, weil sie dort nicht nur vor schlechtem Wetter, sondern auch vor Füchsen geschützt sind. Beim gemeinsamen Kuscheln kommen sich die beiden Arten so nahe, dass bei den Hühnern Scheinschwangerschaften eine fortgesetzte Eierproduktion auslösen.
 
Letzte Frage: Sind Männer nicht ein Irrweg der Natur? Es gibt doch auch Lebewesen, die sich ohne Männer fortpflanzen können. Antwort: Das ist grundsätzlich richtig. Blattläuse und Wasserflöhe können das. Auch Schnecken und sogar die Blumentopfschlange. Aber das sind alles keine hochentwickelten Arten, sondern jeweils Klone der Muttertiere. Eine Fortentwicklung durch die Vermischung von Genen, also das Würfelspiel der Evolution, findet nicht statt. 
Aussichtsreicher wäre der zweite Ansatz, bei dem Arten in der Lage sind, das Geschlecht je nach Bedarf zu wechseln. Auch wir Menschen arbeiten daran. Stichwort: Transgender. Aber das ist ein weites Feld und ein hochexplosives Thema. Selbst falls wir mit Hilfe der Genforschung eines Tages alle bisexuell ausgestattet sein sollten, befürworte ich als alter weißer Mann die bisherige Zweiteilung. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 736 vom 25. 4. 23


Wie gestern angekündigt, ist mein Schmunzelpost-Briefkasten für Fragen aller Art sperrangelweit geöffnet. Und hier sind bereits die ersten Anworten auf Fragen, die die Welt bewegen.
 
Manche Leute können mit den Ohren wackeln. Aber nur mit beiden gleichzeitig. Kann man es hinkriegen, nur mit einem Ohr zu wackeln?

Einige Körperfunktionen laufen über gemeinsame Kanäle, so dass es schwierig ist, bestimmte Handlungen zu separieren. So bewegen sich automatisch auch beide Augen gleichzeitig. Die symetrische Wahrnehmung macht es möglich, zum Beispiel Entfernungen besser abzuschätzen. Bei der Ausrichtung beider Ohren auf eine Geräuschquelle, die im Gegensatz zu vielen Tieren bei uns nur noch rudimentär vorhanden ist, ist unser Bauplan ebenso angelegt. Allerdings gilt für die Augen wie die Ohren: Mit intensivem Training kann man es hinbekommen, diese Sinnesorgane auch einzeln zu bewegen.

Wer "Einzelwackler" werden will, der stelle sich vor einen Spiegel und beobachte, welche Muskeln bei breitem Grinsen angespannt werden. Wer das herausgefunden hat, kann anschließend üben, auch ohne Grimassen diese Muskelpartien auf nur einer Seite zu bewegen. Nach längerem Training soll die einseitige Wackelei angeblich funktionieren - viel Glück!

Da ich als Mutter meine Kinder gestillt habe, ist mir klar, warum Frauen Brustwarzen haben. Aber warum besitzen auch Männer welche?
 
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass männliche Brustwarzen Alarmanlagen sind. Als ich noch jung und dumm war, bin ich weite Strecken gelaufen, um mich fit zu halten. Ab einer bestimmten Distanz wurde das Scheuern der Textilie jedoch schmerzhaft und signalisierte mir: "Bist Du bescheuert? Es ist genug! Setz Dich aufs Sofa, leg die Füße hoch und schone Dich!" Leider war ich lange Zeit unvernünftig genug, die Brustwarzen mit Pflastern abzukleben, statt meinem Körper zu gehorchen. Was sich später mit Bandscheiben-Problemen und Hüftarthrose rächen sollte.
 
Nein, Quatsch. Es gibt auch eine wissenschaftliche Erklärung. Die Brustwarzen bilden sich bereits in einer sehr frühen Phase der Embryo-Entwicklung, wenn noch nicht geklärt ist, was einmal aus uns werden soll. Ist der innere Schalter dann auf "Mann" gestellt, wird dem späteren Wachsen von Brüsten zwar ein Riegel vorgeschoben, doch die Brustwarzen bleiben erhalten. Männer, die auch obenrum etwas bieten wollen, haben jedoch mit Bier und Fett Methoden gefunden, sich später  gewisse Körbchengrößen zuzulegen.
 
Wenn unser Hirn Sitz der Gedanken und Emotionen ist, warum nehmen wir uns dann Liebeskummer oder Trauer buchstäblich so zu Herzen, dass wir tatsächlich Herzschmerzen empfinden? 
 
Man sagt aber auch nicht zu Unrecht: Liebe geht durch den Magen! Japaner und Engländer verorten jedenfalls derlei Probleme dort: Sie "haben nicht den Magen" um die Abwendung geliebter Menschen auszuhalten, das "gebrochene Herz" wird bei ihnen zum "gebrochenen Verdauungsorgan". Bei uns Menschen sind nämlich die Muskeln innerer Organe, insbesondere die von Speiseröhre, Magen und Herz, diejenigen, die wie Gefühls-Antennen Rückmeldungen in Form von physischen Reaktionen geben.
 
Bei Aufregung und Gefahr schlägt unser Herz schneller, manchmal hämmert es sogar. Angst löst echte Magenschmerzen aus, und der "Kloß im Hals" ist vielleicht ein Krampf der Speiseröhre. Die Psyche spielt dabei eine große Rolle: Wer überzeugt ist, mit einem tödlichen Vodoo-Fluch belegt zu sein, kann wirklich infolge des sinkenden Blutdrucks sterben. Und Adrenalinausschüttung ist eine zweigleisige Geschichte: Sie kann uns bei Gefahr mobilisieren oder lähmen. 
 
Ihr aber solltet Eure Schreiblähmung abschütteln, denn ich habe ein großes Herz für Schmunzelpost-Leser. Und Eure Fragen bereiten mir kein Kopfweh, sondern bringen meine grauen Zellen ordentlich in Schwung. Was auch immer Euch rätseln lässt, ich bin allzeit bereit, bei der Lösungssuche zu helfen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 735 vom 24. 3. 23


m Zeitalter des Internets, wo irgendeine Suchmaschine Auskunft zu fast allen Fragen geben kann, wirkt dieses Medienangebot altmodisch. Früher aber waren Ratgeber-Spalten wie die berühmte von Dr. Sommer in der "Bravo" begehrter Lesestoff. Jeder konnte dort die Fragen stellen, die ihn schon immer beschäftigt hatten, auf die man jedoch nie eine Antwort bekam. Na ja, auch deshalb, weil man sich nicht traute, die Fragen vertrauten Personen zu stellen. Bei "Dr. Sommer", der im Laufe der Jahre von verschiedenen Männlein und Weiblein verkörpert wurde, stellte sich hinterher heraus, dass er/sie/es die Fragen oft selbst ersonnen hatte. Die Originalfragen waren wohl nicht immer originell genug.
 
Doch es gab noch andere fiktive Personen, die Antworten für ein ungleich größeres Themenspektrum fanden. Dazu zählte die heute noch existierende Rubrik "Fragen Sie Onkel Max" im früheren Zeitungshaus Bauer. Dort bekamen echte Leser Auskunft zu den verschiedensten Bereichen des Lebens, was ganz offensichlich auch sehr viele andere interessierte.
 
Schön, dass diese Tradition auch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk fortgeführt wird. Der Bayerische Rundfunk betreibt das Podcast "Lachlabor", wo Fachleute lustige Fragen ernsthaft beantworten. Darunter gibt es viele schmunzelpostaffine Fragestellungen wie etwa "Stolpern Tausendfüßler öfter als andere Tiere?" Auch die Antworten auf "Gab es in der Steinzeit Friseure?" oder "Können U-Boote im Wasser Purzelbaum schlagen?" finde ich hochinteressant. Schließlich hat sich die Schmunzelpost bereits wiederholt um Aufklärung bei derart weltbewegenden Themen bemüht.
 
Hilfreich dabei war übrigens das lesenswerte Buch "Warum können Elefanten nicht hüpfen?" mit 111 Fragen an die Wissenschaft. Die Antwort auf die von zwei jungen Briten gestellte Frage "Stimmt es, dass Elefanten die einzigen Vierbeiner sind, die nicht hüpfen können?" ist übrigens zweiteilig. Erstens: Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Tiere, die man noch nie hat hüpfen sehen. Zum Beispiel Schildkröten, Maulwürfe oder Krokodile. Zweitens: Ob es jedoch rein anatomisch Elefanten unmöglich ist zu hüpfen, hat noch niemand wissenschaftlich untersucht. Es wäre aufschlussreich, mal einen Elefanten auf einem Trampolin zu beobachten.
 
Aber vielleicht beschäftigen Euch ganz andere schwergewichtige Probleme. Ich biete daher einen neuen Schmunzelpost-Service an: Sendet mir Eure Fragen per Mail, auch wenn sie Euch noch so abseitig erscheinen. Ich werde mich um Beantwortung bemühen und notfalls selbst das Team von Dr. Sommer zu Rate ziehen. Nur auf eine Frage, das schicke ich voraus, weiß selbst ich keine Antwort: Wann wird Schalke 04 endlich wieder Deutscher Fußballmeister?
 
Glückauf
kdk
 
PS. Eine Auskunft gibt es als Vorschuss. Ich erinnere nochmal daran: Man muss nicht immer Dr. Google fragen! Die Suchmaschine "Ecosia" ist genauso schlau und ebenfalls kostenlos. Aber sie hält nachweislich ein Versprechen: Für jede Anfrage wird ein Bäumchen gepflanzt. Also: Vergesst Google, nutzt Ecosia! (www.ecosia.org)

 

 Schmunzelpost 734 von 23. 4. 23


Was habt Ihr denn an so einem Tag am PC zu suchen? Ach, Ihr habt Euch nur davor gesetzt, um die Schmunzelpost zu lesen? Das nenne ich mal einen ehrenwerten Grund. Aber Ihr wisst hoffentlich, wohin Ihr eigentlich heute die Nase zu stecken habt: Der 23. April ist der Tag des Buches. 
 
Neben Schalke 04 sowie Musik in (fast) allen Formen und Stilarten ist das Buch das wichtigste Kulturgut überhaupt. Deshalb werde ich ihm auch die heutige Folge widmen. Und beginne mit einer Selbstverständlichkeit: Ihr kauft ja Eure Bücher sicher nicht über Amazon oder bei den großen Buchhandelsketten, oder? Stützt bitte weiterhin mit Euren Einkäufen die inhabergeführten Läden, durch die Buchpreisbindung habt Ihr dabei keinerlei Preisnachteile. Im Netz könnt Ihr Euch ja vorab informieren, weil kleine Geschäfte natürlich nicht sämtliche lesenswerten Bände im Bestand haben können. Doch sie können sie beschaffen, so lange die Bücher lieferbar sind. 
 
Es gibt auch noch weitere Gründe, Buchhandlungen zu besuchen. So lädt die Buchhandlung Kapitel Zwei in Recklinghausen, Heilige-Geist-Straße 3, am Donnerstag, 26. April, ab 19.30 Uhr zu einem Konzert mit dem "Duo Gastspiel" ein. Das musikalische Paar interpretiert mit Gesang, Gitarre und Klavier bekannte und weniger bekannte Titel auf neue Weise. Und am 4. Mai gibt es in der Galerie "Türkis" direkt neben der Buchhandlung "Schwarz-auf-Weiß" in Dorsten-Holsterhausen, Freiheitsstraße, ab 19.30 Uhr eine Lesung mit Alexander Schwarz. Der Autor stellt in seinem Buch "Die Entdeckerin der Welt" Maria Sybilla Merian vor, die bedeutendste Naturforscherin ihrer Epoche. 
 
Es dauert noch eine Weile, bis es beim "Bücherherbst 2023" wieder Tipps für Leseratten im Baumhaus gibt. Aber guter Rat ist nicht teuer. Doch "Teuer" ist ein guter Rat. Das meint jedenfalls Philipp Schneider von "Kapitel Zwei", der in der Zwischenzeit in die Bresche gesprungen ist. Seine drei Empfehlungen sind in der Reihe "Buchhändlergespräch" nachzuhören und zwar in der Audiothek von deutschlandfunkkultur.de. 
 
Eine persönliche Empfehlung nicht nur zum Tag des Buches habe ich aber auch noch für Euch. "Krauses Zeug" kann man nämlich nicht nur selbst lesen, sondern auch verschenken. Und dieses Werk aus der Feder eines als Geheimtipp geltenden Kolumnenschreibers aus dem westfälischen Untergrund kann gar nicht oft genug über die Ladentheke gehen. Als nächstes plant der Autor übrigens die Autobiografie "Wenn man so unglaublich bescheiden ist, kann es bis zum Sprung an die Spitze der Bestseller-Liste ewig dauern". 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 733 vom 22. 4. 23 


In letzter Zeit war an dieser Stelle viel von Geburtstagen die Rede. Da liegt es auf der Hand, sich einmal etwas mit dem Land zu befassen, das gerade durch die meisten Geburten China als bevölkerungsreichsten Staat der Erde abgelöst hat. Aber keine Angst: Ich komme Euch jetzt nicht mit Statistiken und verschone Euch auch mit dem Lebenslauf von Mahatma Ghandi, obwohl der durchaus interessant ist. Hier werdet Ihr stattdessen mit speziellen Fakten versorgt, die Ihr in dieser Fülle nur in der Schmunzelpost findet. Inder sind erfinderisch. Und wer über so viele Menschen verfügt, der kommt auch schon mal auf ressourcenschonende Lösungen für den Betrieb von großen Geräten. Wusstet Ihr, dass es in Indien ein Riesenrad mit Handbetrieb gibt? Jetzt wisst Ihr es! 
 
Aber erst mal zu den Anfängen. An welchem großen Fluss Indiens entwickelte sich vor 5000 Jahren die Zivilisation? Nein, nicht am Ganges. Sondern in den Tälern des Indus, wo auch die heute weit verbreiteteste Religion Indiens entstand. 84 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Hinduismus. Die Gläubigen nannten ihren Fluss damals Sindhu. Persische Invasoren änderten den Namen in Hindu. Sindhu, Hindu, Indus - als Symbiose kam die Bezeichnung "Hindustan" für das Land heraus. Wir sagen dazu Indien. Doch wer glaubt, die Bewohner wären Indianer, der ist Christoph Kolumbus auf den Leim gegangen. 
 
Zum Stichwort Hinduismus erinnere ich daran, dass die Kuh den Indern heilig ist. Warum? Das Tier ist nach ihrem Glauben gleich mit mehreren Göttern verwandt, unter anderem mit Krishna. Deshalb werden Kühe nicht geschlachtet, laufen nach Lust und Laune in den Städten und auf den Straßen herum und dienen den Armen als Quelle für Milche, Butter und Dung. 
 
Leider ist den indischen Männern nicht die gesamte göttliche Verwandschaft heilig. Streng genommen müssten auch Frauen als Gottheit verehrt werden. Tatsächlich aber ist Indien das wahrscheinlich gefährlichste Land für Frauen: Alle 20 Minuten wird eine Frau vergewaltigt, Mädchenmord ist in einigen Regionen auch heute noch weit verbreitet. Überhaupt ist Indien das Land der Gegensätze. Gold steht ganz hoch im Kurs. 13 Prozent des weltweit geförderten Goldes lagert in indischen Privat-Haushalten! Auf der anderen Seite haben 70 Prozent der Inder keinen Zugang zu Toiletten. Sie verrichten ihre Geschäfte also im Freien, obwohl das für sie hochgradig peinlich ist. Und was ist Indern das Wichtigste? Eine Dreifaltigkeit aus Astrologie, Bollywood und Kricket!  
 
Ein Drittel aller Inder behauptet von sich, Vegetarier zu sein. Das wird aber entschieden bezweifelt. Vielleicht ernähren sich viele Inder von Götterspeise. Zumindest ist außer "Grüß Gott" kein anderer Gruß so göttlich inspiriert wie das indische "Namaste", das sowohl "Hallo" wie auch "Auf Wiedersehen" bedeuten kann. Wörtlich aber heißt es: "Das Göttliche in mir verbeugt sich vor dem Göttlichen in Dir". Schön, nicht wahr? 
 
 Inder haben auch eine besondere Form, älteren Menschen ihren Respekt zu erweisen. Das erhoffe ich mir von den Jüngeren unter Euch bei unserer nächsten Begegnung: Kniet vor mir nieder und berührt meine Füße mit Euren Händen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zum Hitler-Geburtstag kam "ein kleiner brauner Nachschlag" von Martin: 
1936 erzählt der Lehrer, Napoleon hätte seinen Soldaten rote Uniformen verpasst, damit nicht auffällt, wenn sie bluten, das würde die Kameraden abschrecken. Da murmelt Fritzchen vor sich hin: "Jetzt weiß ich auch, warum die Nazis braune Uniformen haben!" 

Schmunzelpost 732 vom 21. 4. 23


Nur einen Tag nach dem Wiegenfest eines der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte dient mir schon wieder ein Geburtstag als Anlass meiner täglichen Post. Doch diesmal hätte sich der 1993 verstorbene Mann die Kerzen auf seiner Torte redlich verdient: Am 21. April 1907 kam in Bochum mein Vater zur Welt, der mit Adolf Zeit seines Lebens überhaupt nichts am Hut hatte. 
 
Karl Krause war der Sohn eines Bergmanns, des schwarzen Schafs einer Kaufmannsfamilie aus Sachsen. Ihn hatte es früh ins Ruhrgebiet gezogen, was ihm kein Glück brachte - nach einem Arbeitsunfall blieb er Invalide. Und auch sein Sohn Karl, Mitglied einer kinderreichen Familie, bei der aber lediglich sechs der Geschwister das Erwachsenenalter erreichten, hatte nicht das große Los gezogen. Als Kleinkind bekam er eine schwere Mittelohr-Entzündung, die damals nur unzureichend behandelt wurde. Ergebnis: Karl war auf einem Ohr taub, auf dem anderen hörte er schwer. 
 
Vielleicht bekam er deshalb die warnenden Zurufe nicht mit: Den Jungen traf kurz darauf ein auskeilendes Pferd mit dem Hinterhuf am Kopf. Zurück blieb eine Narbe. Und der Grund dafür, so vermuteten zumindest seine Geschwister, warum er danach nicht mehr das hellste Licht unter der Sonne war. So hatte er es als junger Mann schwer, sich ohne Ausbildung mit Gelegenheitsarbeiten durchzuschlagen, vor allem nach der Weltwirtschaftskrise. Die Höhepunkte der "goldenen Zwanziger Jahre" waren für ihn Kinobesuche - er liebte die Stummfilme mit Charlie Chaplin & Co. - und Fußballspiele. Aber nur als Zuschauer. 
 
Als SPD-Anhänger kam er auch im "Dritten Reich" auf keinen grünen Zweig. Dafür aber als Soldat in einen Krieg, den er nie gewollt hatte. Über seine Erlebnisse als Landser beim Russlandfeldzug sprach er hinterher nur ungern. Hauptsächlich die quälenden Eilmärsche waren ihm im Gedächtnis geblieben. Als ich ihn als Kind fragte, ob er jemand erschossen habe, schüttelte er nur den Kopf: "Ich weiß es nicht. Die Russen stürmten mit Urräh-Geschrei los. und ich habe einfach draufgehalten, ohne zu zielen. Die meiste Zeit aber haben wir uns verkrochen und beim Geheul der Stalin-Orgel gehofft, dass es nicht bei uns einschlug." 
 
Bereits 1944 geriet er in Kriegsgefangenschaft und musste in Sibirien Dachziegel herstellen. Weil er nach einem Aufseher, der ihn schikaniert hatte, mit einem Stein warf, wurde er erst 1951 freigelassen. Kurz darauf stand er in Bochum bei seiner Schwester vor der Tür: Völlig abgemagert, aber lebendig. Zur Feier seiner Rückkehr wurde sein Lieblingsgebäck organisiert: Streuselkuchen. In der Nacht hörte seine Schwester Geräusche in der Küche - Karl hatte sich hinuntergeschlichen und das Backblech komplett geleert. Was ihm einen längeren Krankenhaus-Aufenthalt einbrachte, weil der Organismus eines 1,61 m großen Menschen, der keine 40 Kilo wog, solche Mengen nicht verarbeiten konnte. 
 
Später fand er Arbeit auf Baustellen. Und seine Schwester hielt Ausschau nach einer passenden Frau. Über Arbeitskollegen fanden sie meine Mutter, die nach dem "Heldentod" ihres ersten Mannes als Kriegerwitwe zwei Töchter zu versorgen hatte. Eine Liebesheirat wurde das nicht. 
 
Mein Vater fand dann Arbeit auf der Eisenhütte Westfalia in Lünen. Im Akkord wurden dort Ketten für den Bergbau gefertigt. Und er legte sich mächtig ins Zeug, ließ bis zur Rente keine Überstunde aus. Denn seine Familie war unverhofft größer geworden. Weil er versagt hatte. Denn er hatte seiner Frau fest versprochen, aufzupassen. Ohne die Pille war Geschlechtsverkehr 1952 eine riskante Geschichte. Und so brachte eine 42-jährige Frau neun Monate später zum allgemeinen Leidwesen noch einen Jungen zur Welt. 
 
Ja, Ihr liegt richtig, mein Vater hat Euch die Schmunzelpost eingebrockt. Zur Strafe wurde er zu lebenslänglichem Zölibat verurteilt. Als er dies nach einer alkoholträchtigen Feier mit Kollegen einmal nicht mehr akzeptieren wollte, kam es zum einzigen Ausbruch von Gewalttätigkeit, bei dem ich Zeuge war. Als Fünfjähriger stand ich neben dem Bett, als mein Vater auf meine Mutter einschlug. Und ich brüllte: "Schlag Mutti nicht tot!" Das tat er nicht. Und er nahm sich nach einem Machtwort meines Schwagers bis an sein Lebensende zusammen, es gab keine Handgreiflichkeiten mehr. Dafür aber ein eisiges Verhältnis. 
 
Doch mein Vater ackerte und ackerte und ackerte. Eine richtige Beziehung zu seinem Sohn, der ihn kaum zu Gesicht bekam, konnte sich so nie entwickeln. Einzige Gemeinsamkeiten waren die Besucher der Heimspiele des Lüner SV. Doch über taktische Fragen kam ich mit einem Mann, der auf den Platz rief: "Lass Dir die langen Haare und den Bart abschneiden, dann kannst Du auch besser fußballspielen" nie ins Gespräch. Tiefschürfende Unterhaltungen waren auch deshalb schwer möglich, weil ich brüllen musste, um mich mit ihm zu verständigen. Weil es dauernd Pfeiftöne gab, weigerte er sich, sein Hörgerät einzuschalten. Erschwerend kam hinzu, dass mein Respekt bereits im Alter von zwölf Jahren gegen Null geschrumpft war, als ich nach gemeinsamen Skatspielen bei Geburtstagsfeiern meinte, meinem Vater geistig überlegen zu sein. 
 
So lebten wir nebeneinander her. Und dass ich nach seinem Wechsel in die Rente erst mal "einen anständigen Beruf lernen und zur Haushaltskasse beitragen" musste, hat uns auch nicht näher gebracht. Die Höhepunkte seines Lebens waren das Schmauchen von Zigarren (am Klofenster, damit die Wohnung nicht verpestet wurde) und diverse TV-Sendungen wie "Es darf gelacht werden" (eine Stummfilm-Revue mit Werner Schwier), das Ohnsorgtheater und bis zu seinem Tod die Sportschau, sowie sämtliche Live-Übertragungen von Fußballspielen. 
 
Erst viel zu spät, nach dem Tod meiner Mutter, als es auch mit meinem Vater allmählich zu Ende ging, erkannte ich, was ich versäumt hatte. Die wenigen Gespräche, bei denen ich meine Stimmbänder heftigst strapazierte, konnten aber nicht mehr aufholen, was mir heute fehlt. 
 
Immerhin bleiben mir zwei seiner häufig geäußerten Weisheiten. Wenn er sich am Wochenende von der harten Arbeit auf dem Sofa erholte, sagte er oft: "Herr Doktor, wenn ich so liege, dann geht's!" Das sage ich mir heute gerne, wenn ich lästige Pflichten verschiebe, um auf dem Sofa Musik zu hören. Und der andere Spruch sollte allen als Mahnung dienen, die meinen, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen: "Das Denken sollst Du die Pferde überlassen, die haben den größeren Kopp!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 731 vom 20. 4. 23 


Am heutigen Tag wird bestimmt hierzulande irgendwo gefeiert. Posthum. Gibt es eigentlich braune Geburtstagskerzen? Heute wären sie angebracht: Am 20. April kam Adolf Hitler zu Welt. 
 
Gestern habe ich mich über die außergewöhnlichen Gene von Gerald Depardieu und Keith Richards gewundert. Adolf Hitler war ähnlich widerstandsfähig. Im Gegensatz zu seinen zwei Geschwistern überlebte er die ersten Lebensjahre. Auch von zwei schweren Verletzungen im Ersten Weltkrieg erholte sich der Mann aus Braunau wieder. Und bereits vor der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 schlugen sechs (!) Attentate fehl. 
 
Ich weiß zwar nicht, wie Historiker dies im Nachhinein zweifelsfrei herausfinden konnten, aber ein Engländer mit Namen Henry Tandey soll sich Zeit seines Lebens Vorwürfe gemacht haben. In der Schlacht von Macroing war ihm 1918 ein  deutscher Soldat in die Schußlinie geraten. Tandey erinnerte sich später: "Ich zielte schon, aber ich konnte keinen Verwundeten erschießen, also ließ ich ihn entkommen." Der Gefreite, der mehr Glück als Verstand hatte, hieß Adolf Hitler. 
 
Es soll sich bis heute um den einzigen Fall handeln, dass ein pflichtbewusster Schutzengel wegen übertriebenem Arbeitseifer in der Hölle schmoren muss. 
 
Glückauf
kdk 

Schmunzelpost 730 vom 19. 4. 23 


Bei einem Restaurantbesuch und einem köstlichen Vier-Gang-Menü habe ich unlängst besonders auch die Gaumenfreuden genossen, die von der passenden Weinbegleitung ausgelöst wurden. Es gibt schon tolle Tropfen, wie ich seit Jahren weiß. Dennoch bin ich vorsichtig, dass sich die Tropfen nicht beim täglichen Konsum in meiner Kehle zu einem Strom vereinen. Die Gefahr liegt nahe, denn Nahe, Rhein und Mosel strömen ja mitten durch Weinbaugebiete. 
 
Zum Glück gibt es aber Gerard Depardieu. Der Franzose ist nicht nur ein erfolgreicher Schauspieler, sondern auch ein noch größerer Weinschlucker vor dem Herren. Und wenn man sein Treiben aufmerksam verfolgt, dann verinnerlicht man schnell, dass es nicht unbedingt förderlich ist, dem Verlangen nach Wein unkontrolliert nachzugeben. Auch Fritz Eckenga, Ex-Bademeister und Poet aus Nord-Lüdenscheid, weiß, dass dies fatale Folgen haben kann: "Selbst in kleinen Mengen genossen, kann Alkohol zu allen nur denkbaren Krankheiten führen. Schon drei, vier Flaschen Wein genügen, um Herzinfarkt, Fahruntauglichkeit oder ... äh ...  mhm ... tja ... ach ja: Vergesslichkeit auszulösen." Eckenga vergaß denn auch hinzuzufügen, dass übermäßiger Weinkonsum bei ihm zu einer üblen schwarz-gelb-Schwäche beigetragen hat. 
 
Noch wirksamer zur Abschreckung ist jedoch ein Blick auf den Lebensweg von Depardieu. Zugegeben: Der Mann hatte einen schwierigen Start. Er kam aus einer kinderreichen, bettelarmen Familie, seine Eltern waren Analphabeten. Bereits mit zehn Jahren bot sich Gerard gegen Bezahlung männlichen Pädophilen als Sexualobjekt an. Später finanzierte er sein Leben durch den Verkauf von Schmuck, den er beim Ausgraben frisch beerdigter Verstorbener ergatterte. 
 
Wann Depardieu mit dem Trinken anfing, ist nicht überliefert. Seine Karriere als Schauspieler - 16-mal wurde er für den französischen Filmpreis "Cesar" nominiert, das ist absoluter Rekord - begünstigte, dass er auch beim Weinkonsum Rekorde aufstellen konnte. Zur Bezahlung des Rebensaftes musste er nun keine Leichen mehr ausbuddenln. Dennoch: Um die Selbstkosten zu senken, erwarb er nach und nach 14 Weingüter. 2004 gestand er dann, dass ihm eine neue Leber transplantiert worden war. Dies muss ein besonders leistungsfähiges Exemplar sein. Auf Anraten seiner Ärzte versprach Depardieu 2014, den Weinkonsum von täglich 14 Flaschen ("dazu auch noch Bier, Champagner, Wodka und Whiskey") auf bloß noch acht Flaschen am Tag zu reduzieren. 
 
Das half ihm jedoch im Straßenverkehr gar nichts. 17 mal war der Motorradfahrer in Unfälle verwickelt, die er meist selbst verursacht hatte. Der einzige Entzug in seinem Leben war daher der Verlust des französischen Führerscheins. Was ihn kalt ließ, weil er einen belgischen Führerschein besitzt und deshalb weiterhin ein Fahrzeug führen darf. Das tut Depardieu allerdings nicht mehr so oft in Frankreich. Als eine Reichensteuer eingeführt werden sollte, bat er seinen Trinkkumpan Wladimir Putin um die russische Staatsbürgerschaft, die er prompt bekam. Zur Sicherheit erwarb er aber auch noch die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. 
 
Auch sonst ließ er kaum etwas aus, um sein negatives Image als Trunkenbold zu verstärken. Vielleicht strebt er nach der Darstellung des Obelix nun eine Hauptrolle in "Die drei kleinen Schweinchen" an. Depardieu pinkelte ins Flugzeug, er wurde wegen Vergewaltigung angeklagt, er nahm mit Diktator Kim Jon Un Militärparaden in Nordkorea ab. Er rülpst und furzt ungeniert in der Öffentlichkeit. Aber trotz seiner vier Bypässe und diversen Problemen bei Dreharbeiten ist er nach wie vor höchst begehrt. Seine Lebensabschnittsgefährtinnen werden immer jünger, die Rollenangebote häufen sich immer noch. Obwohl Depardieu unpünktlich ist, besoffen zum Dreh kommt und sich keine Texte mehr merken kann. Die lässt er sich per Kopfhörer soufflieren oder liest sie von Zetteln ab, die an der Stirn seiner Filmpartner befestigt sind. 
 
Das einzig Bewundernswerte an diesem Mann ist, dass er nach wie vor lebt und unverdrossen weiter säuft. Vielleicht hat der Vater von Keith Richards seine Gene bei einem Seitensprung auch in Frankreich weiter gegeben. 
 
Ein inneres Gerard-Mahnmal tief ins Hirn gefräst, kontrolliere ich meinen Alkoholkonsum streng. Denn wenn es ausnahmsweise mal etwas mehr wird, wie nach dem 5:2-Triumph der Schalker, mache ich sofort Blödsinn. Habe ich doch glatt am nächsten Tag einem Bolzverein aus der Nachbarschaft für das Auswärtsspiel in Stuttgart beide Daumen gedrückt. Und trotz einer Führung mit zwei Toren und personeller Überzahl, was machen diese Schwachmaten, diese Fußball-Legastheniker, diese ... - ach, ich glaube, ich brauche doch noch ein Glas Wein. Prosit, Gerard!
  
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 729 vom 18. 4. 23


Immer wieder neue Blüten treibt das Gendern. Eine besonders hübsche entfaltete sich jetzt in Bertholts Familie. Stellte doch dessen Enkel Kilian beiläufig fest: "Mama ist die Söhnin von Oma und Opa!" Ach, ich werde es vermissen, wenn sich der Streit endlich gelegt hat und wir auf solch schöne Auswüchse verzichten müssen. 
 
Das ist jedoch der einzige Grund, warum ich mich an der Eskalation des Sprachenstreits erfreuen kann. Denn die Auseinandersetzung nimmt mitunter durch total verbissene Verfechter beider Seiten solche Formen an, dass der Spaß aufhört. Ich bleibe bei meiner Meinung: Als Journalist und Freund schnörkelloser Sprache empfinde ich die meisten Gender-Formen als viel zu umständlich und unschön. Wer daran Freude hat, bitte sehr, soll er/sie/es sich doch austoben. Aber bitte nicht anderen Leuten vorschreiben wollen, wie sie zu reden und zu schreiben haben. Ansonsten entlockt es mir nur ein müdes Grinsen, wenn in einem Behördenschreiben nach allen Regeln der Kunst gegendert wird. Muss halt der Übersetzer-Duden für Bürokraten-Deutsch nochmal um ein Kapitel erweitert werden. 
 
Wenn dem Sprachstreit jedoch ein Gewicht beigemessen wird, das er im Vergleich zu anderen Problemen nicht hat, klingeln bei mir die Alarmglocken. Vor allem, wenn Leute aus der rechten Ecke mir auf die Schulter klopfen, wenn ich mich über bestimmte Formulierungen lustig mache. Das ist nämlich die Gefahr dabei. Wie einige Leute und manche bildenden Medien die Kleber der "letzten Generation" nutzen, um Umweltschützer grundsätzlich zu diffamieren, so wird auch sprachlicher Unfug gern verwandt, um gegen ein breites politisches Spektrum von vorgeblich herrschsüchtigen, realitätsfernen Besserwissern und Eierköpfen zu hetzen. 
 
Nicht von ungefähr stellen in Amerika Trumpisten die meisten Kreuzzügler gegen "Wokeness". Daher bereitet es schon Sorge, wenn hierzulande der in Bayern beheimatete empfindlichste Seismograph für politische Stimmungen ebenfalls darauf anspringt. Ernst Söder hat mehrfach bewiesen, wie gern er sein Fähnchen in den Wind hängt. Und wer jetzt permanent seine Klage gegen Wokeness in die Welt trompetet und deren geistige Urheber verdammt, der weiß ganz genau, was er tut. Der Mann weiß,  womit man in Deutschland bei breiten Schichten punktet, nicht nur an den Stammtischen, sondern auch in den Wohnzimmern. 
 
Wie schnell man vor einen falschen Karren gespannt werden kann, erfuhr ich jetzt über das Internet. Dort berichtet ein Vater über richtungweisende neue Erkennisse seiner Tochter zu den Krötenschutzzäunen, die zu Zeiten der Amphibienwanderung an manchen Straßen aufgestellt sind. Die junge Frau macht gerade ihren Motorradführerschein. Dabei erfuhr sie, dass "für Biker besonders gefährlich" die Frösche und Kröten sind, wenn sie in bestimmten Monaten die Straßen überqueren. Zum Glück würden deshalb zum Schutz der Motorradfahrer "diese Absperrungen aus Plastikfolie am Straßenrand aufgestellt." Folgerichtig hat die angehende Bikerin dafür einen neuen Namen: "Froschhaltefolien." 
 
Ich werde nun bei der nächsten Hauptversammlung beantragen, dass der NABU sich umbenennt. Wie wäre es mit VABU (Vereinte Allgemeine Biker-Union)? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 728 vom 17. 4. 23


In den Medien machten jetzt Berichte über ein Spanierin die Runde, die freiwillig 500 Tage in der Unterwelt verbrachte, ohne jeden Kontakt nach draußen. Für mich wären schon drei Tage in der Höhle die Hölle gewesen. Wobei bei mir einmal mehr die Frage aufkommt: Warum tun Menschen sich so etwas an? 
 
Ja, es mag Leute geben, die bereit sind, sich selbst zu quälen. Die, wie sie gern sagen, "ihre Grenzen ausloten" wollen. Vielleicht aber auch Ruhm und im Gefolge ordentlich Geld einheimsen möchten. Wenn Reinhold Messner meint, er müsse ohne Sauerstoffgeräte sämtliche Achttausender besteigen - soll er doch! Aber wenn ihm dabei außer den Zehen auch noch die Nase abfriert oder er vom Yeti zum Abendessen verspeist wird, weine ich ihm keine Träne nach. Das war sein persönliches Risiko, von dem die Menschheit keinen Nutzen hatte. 
 
Eine andere Nummer ist es, wenn Personen sowas zu Forschungszwecken auf sich nehmen. Als ich mit 19 Jahren nach einer Zivildienststelle suchte, habe ich mich beim Max-Planck-Institut gemeldet. Ich hatte gelesen, dass sie ihre Versuchskaninchen wochenlang hermetisch von der Außenwelt abriegelten und in Tag und Nacht erhellten Räumen unterbrachten, um zu untersuchen, ob unser Zeitgefühl auch ohne Sonnenlicht und Uhren in Takt bleibt. 
 
Heute weiß man: Das tut es nicht! Unser Bio-Rhythmus legt in künstlichen Welten meist pro Tag eine Stunde drauf. Das habe ich aber nicht selbst herausgefunden. Beim Vorstellungsgespräch sagte man mir, dass ich regelmäßig auf Trimm-Geräte zu steigen hätte. Okay. Danach sollte ich mit einem kleinen Instrument meine Außentemperatur messen. Okay. Doch danach sollte ich mir jeweils ein großes und langes Instrument in den Hintern schieben, um meine Innentemperatur zu ermitteln. Dann doch lieber zur Mitternachtsmission! 
 
Nun wird niemand von der Höhlenforscherin verlangt haben, solche Messungen durchzuführen. Aber 500 einsame Tage in der Dunkelheit ohne Abwechslung, Dusche, Toilette und jede Art von Bequemlichkeit zuzubringen, ist eine um ein Vielfaches größere Zumutung als gelegentliche Wärmekontrollen. Immerhin erhofft sich die Wissenschaft Aufschlüsse zum Beispiel für lange Reisen von Astronauten. Wobei die zwar auf dem Flug zum Mars nicht allein sind, aber noch mit anderen Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel dem Muskelabbau durch fehlende Schwerkraft, zu kämpfen haben. 
 
Bei allem Interesse am Weltall: Allein deshalb würde mich eine Reise zum Mond oder zum Mars nicht die Bohne reizen. Auf der Erde gibt es doch genügend öde Orte wie Nord-Lüdenscheid. Weshalb sollte ich deshalb Lust zu einem Spaziergang in einer komplett leblosen Gegend auf unserem ollen Trabanten haben? Was mich allenfalls hätte locken können, wäre eine Jahres-Auszeit als Leuchtturmwächter gewesen, solange die Dinger noch nicht vollautomatisiert waren. Allerdings auch nur dann, wenn ich nicht täglich 1001 Stufen hinauf und hinab hätte steigen müssen. 
 
Ihr seht, ich bleibe Euch voraussichtlich noch ein Weile erhalten und werde mich nie in eine Höhle verziehen. Es sei denn, die Altersweisheit packt mich und ich kann eines Tages als Eremit eine Komforthöhle mit Zentralheizung, Dusche und PC-Anschluss auf einem Berggipfel ergattern. Aber auch dann würde ich die Produktion nicht einstellen. Ich wäre dann der erste Philosoph mit täglichen Schmunzel-Erkenntnissen. Versprochen! 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 727 vom 16. 4. 23


Die Stadt Unna hat ein Glanzlicht in die nordrheinwestfälische Kulturlandschaft gesetzt. Seit mehr als 30 Jahren werden die Kellerräume der ehemaligen Lindenbrauerei als Lichtkunstmuseum genutzt. Gestern haben wir dort die aktuelle Sonderausstellung besucht und waren von einigen Exponaten sehr beeindruckt. Mir ist danach ein Licht aufgegangen: "Schreib doch mal eine Schmunzelpost über Licht - vielleicht erleuchtet das die Leserschaft und sie ist nach der Lektüre blitzgescheit." 
 
Nun, so weit wollen wir nicht gehen. Ich kenne Euch ja bereits etwas länger und würde Euch eher als Energiesparleuchten einstufen. Was in diesen Zeiten ja nichts Schlechtes ist. Und wenn Ihr ein paar Informationen in Eurer Birne behaltet, kann das in Zukunft vielleicht manchen Sachverhalt erhellen. 
 
Fangen wir mit den Grundlagen an. Licht ist der für das menschliche Auge sichtbare Teil der kosmischen Strahlung, also elektromagnetischen Wellen, die aus Photonen bestehen. Was wir wahrnehmen können, liegt im Bereich von 380 bis 780 nm. Die Maßeinheit nm heißt nanometer, das ist der milliardste Teil eines Meters. In dem für uns sichtbaren Spektrum unterscheiden wir die Farben Violett, Blau, Gelb, Grün und Rot. Die Mischung all dieser Farben ergibt das weiße Sonnenlicht. Unsichtbar bleibt für uns Ultraviolett im unteren Bereich des Spektrums und Infrarot, das über 780 nm liegt und in der Wellenskala bis 1 mm reicht. 
 
Ohne Infrarot gäbe es auf unserem Planeten kein Leben. Denn wenn infrarote Sonnenstrahlen auf feste Gegenstände treffen, werden sie absorbiert und erzeugen Wärme. Knipst jemand die Sonne aus, bleibt uns als Planet nur ein Eisklumpen. Bei der ultravioletten Strahlung kommt es auf die Dosierung an. UV-A im Bereich von 380 bis 315 nm bräunt unsere Haut, UV-B (315 bis 280 nm) versorgt uns mit Vitamin D. Aber UV-C (280 bis 100 nm) zerstört Zellen und wird daher zur Desinfizierung eingesetzt, um Keime zu killen. 
 
Dass die Lichtgeschwindigkeit von nichts übertroffen wird, weiß jeder. Aber sich ein Tempo von mehr als 300 000 Kilometern pro Sekunde vorzustellen, fällt jedem schwer, der mich noch nie arbeiten sah. Zur Veranschaulichung: Vom Mond bis zur Erde benötigt Licht gerade mal 1,3 Sekunden. Und die 150 Millionen Kilometer von der Sonne bis zur Erde werden in 8 Minuten und 20 Sekunden zurückgelegt. 
 
Bevor Euch die vielen Fakten blenden, lieber noch ein paar Kuriositäten und Superlative. Wie riesig unser Universum ist, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass das Licht der Galaxie UDFj-39546284 sage und schreibe 13,2 Milliarden Jahre unterwegs war, bevor es Anfang 2011 vom Weltraumteleskop Hubble eingefangen wurde. Es ist damit das wohl älteste je von Menschen  gesehene Licht. 
 
 Bei der Lichterzeugung sind wir immer noch Amateure.  Die alten Glühbirnen wandelten nur rund zehn Prozent der Energie in Licht um, der Rest ging als Wärme verloren. Selbst eine Energiesparlampe gibt nur rund ein Viertel der aufgewendeten Energie als Licht ab. Leuchtdioden (LED) sind zwar im Stromverbrauch noch sparsamer, ihr Wirkungsgrad liegt jedoch auch nur zwischen zehn und vierzig Prozent. Wie man es richtig macht, zeigt uns das winzige Glühwürmchen: Sein Wirkungsgrad liegt bei 95 Prozent! 
 
Auch Katzen haben uns etwas voraus. Wir Menschen haben nämlich Streifen auf der Haut, die wir selbst nicht sehen können. Das sind die Blaschko-Linien im ultravioletten Bereich. Katzenaugen können diesen Teil des Farbspektrums jedoch erfassen. Nun wird mir klar, warum unser Kater mich dauernd mit einem Zebra verwechselt. 
 
Pythagoras, der sonst so schlaue alte Grieche, vermutete einst, unsere Augen würden heiße Sehstrahlen aussenden, deren Reflexionen wir dann wahrnehmen. Hätte er recht, müssten wir aber auch im Dunkeln sehen können. Vielleicht sollten wir auch über ein paar andere Sätze des Pythagoras nochmal nachdenken... 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 726 vom 15. 4. 23


Nicht, dass ich hoppertatschig daher kommen möchte. Aber mein Interesse an der Sprache hat mich auch zu österreichischen Besonderheiten geführt. Und nicht nur im Wiener Schmäh gibt es da nette Formulierungen, die ich gern ab und zu verwenden möchte. Das Problem: Nördlich der Mainlinie versteht das keiner. Oder wusstet Ihr, dass hoppertatschig eingebildet oder großspurig bedeutet? 
 
Fangen wir mit Schimpfwörtern an. Davon kann man nie genug im Repertoire haben. Und ich meine nicht die weit verbreiteten ordinären Spielarten, die mit A beginnen und in einem Loch enden. Eine Quelle der Inspiration ist für mich der SPD-Fraktionschef Herbert Wehner, der einst im Bundestag den "Düffeldoffel" aus dem Ärmel schüttelte. Nun las ich im "kleinen Wappler", das ist eine entsprechende Vokabel-Sammlung aus Österreich, dass dort ein Politiker für sich in Anspruch nimmt, ähnlich kreativ gewesen zu sein. 
 
 Böse Zungen behaupten zwar, er habe im Jahr 2000 gesagt, der österreichische Bundespräsident habe sich wie ein Lump benommen. Doch das bestreitet Hilmar Kabas bis heute ganz energisch. Er habe stattdessen etwas wie "Hump" oder "Dump" gesagt. Dies sei aber keine Anspielung auf "Humpty Dumpty" gewesen, eine Figur aus "Alice im Wunderland", die sich vor allem durch eigenartige Wortschöpfungen auszeichnet. 
 
Ich weiß jetzt nicht, wie ein "Hump" oder ein "Dump" zu bewerten ist, aber bestimmt kommt er beim moralischen Absinken nicht an einen Häuslpapierfladerer heran. Das ist ein Geizhals, der auf öffentlichen Toiletten das Klopapier entwendet. Nicht ganz klar ist, ob dies aus Gründen des Eigenbedarfs geschieht oder ob der Fladerer bloß Freude daran hat, nachfolgende Häuslbesucher in Verlegenheit zu bringen. 
 
Falls der Häuslpapierfladerer kein Sumsenbacher (für Nichtösterreicher: Dummkopf), sondern ein Strawanzer (für Nicht-Österreicher: Herumtreiber) ist, dann hat ihn der Weg möglicherweise schon einmal nach Fucking geführt. Das ist eine beschauliche Gemeinde im Innviertel, deren Ortseingangsschild bereits etliche Male gestohlen wurde. Irgendwann waren es die Einwohner leid. Der Gemeinderat benannte den Ort 2021 in "Fugging" um, was die Diebstahlserie abrupt beendete. 
 
Immerhin ist damit bewiesen, dass die österreichischen Spitzbuben nicht allesamt depperte Pimperl sind, sondern sich durchaus in der internationalen Schimpfkultur auskennen. Deshalb für sie noch ein kleiner Tipp: Wer das häufig benutzte, aber diffamierende "Kruzitürken" vermeiden und durch einen garantiert rassimusfreien Fluch ersetzen will, der kann im Zeitalter der politisch korrekten Sprache durchaus "Kreuzbirnbaumundsalatbuschen!" sagen. Eine Unmutsäußerung, in der bloß Pflanzliches vorkommt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 725 vom 14. 4. 23

 

Die Dickstrichketten haben mich daran erinnert: Eure nächste Lektion in unserem Kursus "Behördendeutsch korrekt deuten" ist längst überfällig. 
 
Zumal es jetzt im April gut sein kann, dass es nochmal schneit. Nein, keine Flocken vom Himmel. Sondern ein Schreiben vom Amt, das Euch ins Haus schneit. Und darin steht womöglich, dass Ihr mit Hinweis auf die Paragraphen XY der städtischen "Wir regulieren Euch in Grund und Boden-Verordnung" dringend aufgefordert werdet, spätestens bis zum Monatsende etwas gegen die "Spontanvegetation an der nicht lebenden Einfriedung" zu unternehmen. Hä? 
 
Nicht verzagen, Krause fragen: Hinter Eurem Zaun wächst zu viel Unkraut, das sollt Ihr entfernen. Am besten schnappt Ihr Euch sofort einen Dreiseitenkipper und fangt unverzüglich damit an. Was für ein Teil? Na, einen Dreiseitenkipper!  Im Duden "Bürokratendeutsch für Normaldummies" auch bezeichnet als Schubkarre. Das gejätete Unkraut entsorgt Ihr dann am besten auf Eurem Grüngutsammelplatz. Wie? Jetzt sagt bloß, Ihr habt keinen Komposthaufen. 
 
Immerhin könnt Ihr froh sein, dass Ihr Euer raumübergreifendes Großgrün stehen lassen dürft. Was das schon wieder ist? Habe ich doch bereits vor anderthalb Jahren in einer Schmunzelpost erklärt. Gemeint ist ein Baum. Nur schlichte Gemüter wie Ihr sagen noch, sie wollen an den ersten milden Tagen endlich wieder einen Spaziergang durch einen Wald mit Tieren machen. In ordnungsgemäßer Behördensprache sollte die Rede von einer "forstwirtschaftlichen Nutzfläche mit Wildtierbestand" sein. 
 
Also, worauf wartet Ihr noch. Das Wochenende naht! Und Ihr habt in diesem Jahr vielleicht noch keinen Gelegenheitsverkehr gehabt. Nein, das ist nichts Unanständiges. Dabei geht es um die Nutzung von Taxen und Mietwagen. Wenn Ihr keine Luftverlastung in Anspruch nehmen wollt - bevor Ihr schon wieder fragt: Das ist der Transport per Hubschrauber - dürft Ihr selbstverständlich auch Euer eigenes Auto benutzen. 
 
So eingerostet, wie Euer Spracherkennungsvermögen offenbar ist, sind vielleicht auch Eure Kenntnisse aus dem Straßenverkehrsrecht nicht mehr taufrisch. Die theoretische Führerscheinprüfung liegt schon lange zurück, was? Also beherzigt bitte: Beim Abbiegen oder Spurwechsel bitte den Fahrtrichtungsanzeiger nutzen. Na gut, Ihr dürft auch Blinker dazu sagen. Aber beachtet auf der Autobahn um Gottes willen die Abstandseinhaltungserfassungsvorrichtungen. Das sind die Querstreifen zwischen den Fahrspuren. Nicht zu verwechseln mit Dickstrichketten. 
 
Was das ist? Okay, Ihr habt zwei Alternativen: Entweder gebt Ihr wegen grassierender Gedächtnisschwäche gleich freiwillig Euren Führerschein ab oder Ihr lest endlich auch die Schmunzelpost von gestern. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 724 vom 13. 4. 23


Dagegen ist die Lichtzeichensignalanlage als amtlicher Begriff für Ampel ja noch vergleichsweise leicht zu verstehen. Aber bis ich es gestern in der Zeitung las, wusste ich nicht, dass die Dickstrichkette früher die behördliche Bezeichnung eines Zebrastreifens war. Das hat mich inspiriert, einmal nachzuschauen, was es sonst noch für wunderliche Geschichten rund um die Dickstrichkette gibt. 
 
Da war zum Beispiel der Vorstoß der Münchener Künstlergruppe "Department für öffentliche Erscheinungen". Ihr durchaus ernst gemeinter Vorschlag, den "Eurostreifen" um 90 Grad zu kippen, konnte sich leider nicht durchsetzen. Optisch, so die Gruppe, sei ein Zebrastreifen doch ein Hindernis-Signal für Fußgänger, weil die dicken breiten Streifen scheinbar den Straßenübergang verwehrten. Für Autofahrer sei der Zebrastreifen dagegen durchlässig, was als Zeichen für freie Fahrt missverstanden werden könnte. Warum verweigert wurde, die dicken Querbalken dem Kfz.-Verkehr vor die Reifen zu malen, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich wäre eine europaweite Umgestaltung einfach viel zu teuer gewesen. 
 
Stattdessen einmalig ist dagegen das Verkehrsschild an einem Zebrastreifen in Erftingen im Kreis Biberach. Dort hat ein Spaßvogel das Schild "Fußgängerüberweg" zusätzlich mit einem Huhn versehen, was mir als Tintenhuhn sehr sympathisch ist. Zudem hat der optische Hinweis durchaus seine Berechtigung. An dieser Stelle nutzen tatsächlich viele Hühner den Zebrastreifen, um auf ihm von ihrem heimatlichen Bauernhaus kommend die Straße zu überqueren. Genau gegenüber liegt nämlich der Dorfbrunnen. Nach erfolgter Erfrischung tippeln die Hühner wieder zurück auf ihren Hof. Offenbar hatte auch die zuständige Verkehrsbehörde dafür so viel Verständnis, dass das Schild so bleiben durfte. 
 
Ein Zebrastreifen kann aber auch Kultur-Schauplatz sein. Zum Beispiel in Mexico-Stadt. Dort zeigt im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Theater auf öffentlichen Plätzen, Theater in ihrer Nachbarschaft" regelmäßig die Balletttruppe "Ardentia" ihr Können. Ich hoffe, den sterbenden Schwan mussten sie noch nicht aus gegebenem Anlass in ihr Freiluftprogramm aufnehmen. 
 
Beinahe selbst ein Kunstwerk ist der erste 3-D-Zebrastreifen Großbritanniens. Er wurde im Jahr 2019 im Londoner Stadtteil St. Johns Wood auf die Fahrbahn aufgetragen und veranlasst als verblüffend echt wirkende optische Täuschung, dass Autofahrer ihr Tempo drosseln. 
 
 Warum müssen Zebrastreifen eigentlich immer schwarz-weiß bzw. grau-weiß sein? Vor allem, wo wir doch jetzt gelernt haben, dass sie eigentlich Dickstrichketten heißen und kein einziges Zebra für sie in den Asphalt beißen musste? Dass es auch anders geht, zeigt Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires. Dort gibt es einen Regenbogen-Zebrastreifen, der aus Anlass des zehnten Jahrestags eines Gesetzes zugunsten von gleichgeschlechtliche Ehen in diesen Symbolfarben gestrichen wurde. FIFA-Boss Infantino überquert dort nur die Straße, wenn ihm vorher die Augen verbunden werden. Und auf Kuba sind Zebrastreifen übrigens gelb-weiß. 
 
Manchmal ist es auch ein Kreuz mit den Dickstrichketten. Im Distrikt "Ginzha", einem täglich von abertausenden von Menschen besuchten Einkaufsviertel von Tokio. hat man das Innere einer großen Kreuzung zusätzlich zu den vier Zebrastreiben an den Straßeneinmündungen auch noch mit vier weiteren Zebrastreifen versehen, die kreuz und quer über den Platz führen. Wahrscheinlich braucht es japanische Disziplin, damit so etwas funktionieren kann! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Diese Mail kann bildliche Spurenelemente von Dickstrichketten enthalten. 
 

 Schmunzelpost 723 vom 12. 4. 23

 

Das geht natürlich gar nicht. Im Zeitalter der Ausgewogenheit kann man nicht ausschließlich auf Männern herumhacken, zumal es der alte, weiße Mann gegenwärtig sowieso schwer genug hat. Zum Ausgleich für das gestrige Männermobbing habe ich deshalb heute Zitate über Frauen zusammen gestellt.
 
"Die Frau ist eine Rätselecke in Gottes großer Weltzeitung." Das habe nicht ich gesagt, sondern Marcel Achard. Deshalb muss ich auch John-Paul Belmondo widersprechen, der behauptet hat: "Nichts reizt Frauen so sehr, wie kein Widerspruch." Doch! Nach meinen Erfahrungen kann Widerspruch weit heftigere Reaktionen auslösen. Dagegen stimme ich einem anderen Filmschauspieler, nämlich Dustin Hoffman, voll und ganz zu: "Jeder Mann kann seine Frau dorthin bringen, wo sie ihn haben möchte." Dazu passt auch eine Erkenntnis von Gabrielle Sidonie Colette: "Frauen sind wie Katzen. Beide kann man nur zwingen, das zu tun, was sie selber mögen."

Das war alles recht milde. Jetzt aber fahre ich schwerere Geschütze auf: "Straßenräuber verlangen Geld oder Leben - Frauen wollen beides", weiß Samuel Buttler. Daher sollten wir Männer die seltenen Augenblicke genießen, in denen Frauen nichts von uns fordern oder sogar schweigen. "Wenn eine Frau nicht spricht, sollte man sie um Himmels Willen nicht unterbrechen", mahnt Enrique Castaldo. Ähnlich schien auch der französisches Philosoph Voltaire zu ticken: "Die Frau ist ein Wesen, das sich anzieht, schwatzt und wieder auszieht." Auch Peter Ustinov schlägt in diese Kerbe: "Männer sind imstande, stundenlang über ein Thema zu reden - Frauen brauchen dazu gar kein Thema." Und der Satiriker Karl Kraus meinte: "Man kann eine Frau nicht hoch genug überschätzen." Das würde erklären, was Coco Chanel beobachtet hat: "Die meisten Frauen wählen ihr Nachthemd mit größerem Verstand aus als ihren Mann."

Nicht gänzlich zu Unrecht wird behauptet, dass die schlimmsten Frauenverächter nicht Männer sind, sondern Frauen. Nicolas Chamfort: "Wie schlecht ein Mann auch über eine Frau denken mag, es gibt keine Frau, die ihn nicht darin übertrifft." Na ja, vielleicht doch. Etwa Oscar Wilde. Aber der stand ja auch mehr auf Männer und dachte über Frauen so: "Wer eine gute, verständige und schöne Frau sucht, sucht nicht nur eine, sondern drei."

Das letzte Wort soll aber eine Frau haben, nämlich Eleonore Duse: "Ein Mann kann höchstens vollständig sein, eine Frau aber vollkommen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 722 vom 11. 4. 23


Die Beschäftigung mit Zitaten hat mir großen Spaß gemacht. Daher verlassen wir heute den Kinosaal, aber bleiben noch ein wenig bei Aussprüchen. Die gestrigen hatte ich mir zwar selbst ausgedacht (oder zumindest abgewandelt), aber heute halte ich mich an Winston Churchill: "Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er gibt auch anderen eine Chance."
Gerade, wenn es um männliches Verhalten geht, wird oft die Gelegenheit genutzt, darüber zu urteilen. Aber entscheidet selbst, welche der folgenden Aussagen zutreffend oder falsch sind.
 
Der Musiker Sting weiß, wer für das Chaos auf der Welt verantwortlich ist: "Männer beherrschen die Welt, und das ist der Grund, warum es so ein beschissenes Durcheinander gibt." Ausgerechnet Margaret Thatcher sieht das ganz ähnlich: "Eines hat mich die Politik gelehrt. Männer sind weder das gelungene noch das vernünftige Geschlecht."

Zum Glück gibt es noch Hoffnung, wenn Frauen die Zügel in die Hand nehmen. Nur so konnte laut Marilyn Peterson der Fortschritt in Gang kommen: "Wenn die Frauen nicht wären, würden die Männer immer noch in den Bäumen leben." Und Gloria Thompson behauptet: "Der Mann ist dann eine starke Persönlichkeit, wenn er eine Sekunde zögert, bevor er  seiner Frau immer recht gibt." Aber offenbar besteht das angeblich starke Geschlecht aus lauter schwachen Persönlichkeiten. Daher seufzte Irmgard Keun: "Männer sind zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen."

Das liegt vielleicht daran, dass es sich bei uns um Kindsköpfe handelt. Schon Coco Chanel erkannte: "Wenn Du weißt, dass die meisten Männer wie Kinder sind, weißt Du alles." Und Simone de Beauvoir ergänzt: "Männer sind zwar oft so jung, wie sie sich fühlen, aber niemals so bedeutend."
 
Und damit sind wir wieder am Anfang, zum Beispiel den Ursachen für den Klimawandel. "Ein Mann ändert eher das Antlitz der Erde als seine Gewohnheiten", stellte Eleonare Duse fest. Yvette Collins pflichtet ihr bei: "Der Mann ist ein notwendiges Übel. Wobei die Betonung mehr auf Übel als auf notwendig liegt." Die große Philosophin Zsa Zsa Gabor warf aber dennoch die Flinte nicht ins Korn: "Natürlich muss man Männer nehmen, wie sie sind. Aber man darf sie nicht so lassen."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Pessimistischer Nachtrag: Wenn wir uns auf den Verstand und die Fähigkeit von Zsa Zsa Gabor verlassen, die richtigen Männer auszuwählen und daraus Persönlichkeiten zu machen, die unsere Welt wieder ins Lot bringen, dann gute Nacht. Denn die Frau, von der das auch Marilyn Monroe zugeschriebene Zitat stammt: "Ich will einen Mann, der nett und verständnisvoll ist. Ist das zuviel verlangt von einem Millionär?", landete schließlich bei einem ehemaligen Kellner, der sich adoptieren ließ, um einen Adelstitel zu erlangen und ein glühender Verehrer von Donald Trump ist. 
 

Schmunzelpost 721 vom 10. 4. 23 

Das wichtigste christliche Fest in Andenken an das Osterwunder nähert sich dem Ende. Aber ich wundere mich über ganz etwas anderes. Seitdem ich an dieser Stelle über Filmzitate geschrieben habe, kommen mir immer wieder neue in den Sinn. Sie sind jedoch etwas wunderlich. Kein Wunder: Es hat sie auf der Leinwand nie gegeben. Und in zwei Fällen geht es sogar um wahre Wunder. Sie folgen zum krönenden Abschluss. Doch vorher gibt es bereits ein paar andere Sprüche, bei der Ähnlichkeiten mit echten Zitaten oder Personen zwar rein zufällig, aber durchaus beabsichtigt sind. 
 
Aus dem Film "Fanta, Fanta" stammen könnte der klassische Satz von Regisseur und Schauspieler Tell Schweizer: "Durch diese hohle Gasse muss er brausen." "Nie sonntags!" beantwortete im Film "Sonntags nie" die griechische Schauspielerin Mirinda Merkur die Frage, wann sie eigentlich ihrem Beruf nachgehe. 
 
"Ich bin drin - das war ja ganz einfach!", sagte ein ehemaliger Tennisprofi, als er sein auch mit Computer-Werbung erworbenes Vermögen verprasst hatte und sich in der Verfilmung seines Lebens im Streifen "Bum Bum - ein toller Hecht" in einer Gefängniszelle wiederfand. 
 
"Ich scheiß Dich zu mit meinem Geld!" Dieser Bestechungsversuch, mit dem der Bösewicht Santer alias Mario Bedorf Old Schmetterhand davon abbringen wollte, seinen Kumpel Winnipuh zu rächen, stammt aus der Verfilmung eines Werkes von Karl April, das erst vor kurzem in dessen Nachlass aufgetaucht ist: "Für eine Handvoll Dollar mehr".
  
Filmkritiker sprachen von Blasphemie, Fans von religionskritischer Satire: In seinem Alterswerk "Die Schöpfung - diesmal die wahre Geschichte" sagte der Produzent und Hauptdarsteller, ein Komiker aus Ostfriesland: "Der Herr sprach: Es werde Licht, doch er fand den Schalter nicht." Später hängte er auch noch ein Wörtersee-Gedicht von Richard Gerhard dran: "Lieber Gott, nimm es hin, dass ich was Besond'res bin. Und gib ruhig einmal zu, dass ich klüger bin als Du. Preise künftig meinen Namen, denn sonst setzt es etwas. Amen."

In der an eine berühmte Vorlage von Sönke Wortmann angelehnten Film mit dem Titel "Das Wunder von Liverpool" staunt Helmut Schön über einen legendären deutschen Außenstürmer: "An Jesus kommt keiner vorbei - außer Libuda". Und im Dokumentarfilm über den unglaublichen Weg zur achten Fußballmeisterschaft von Schalke 04 in der Saison 2025/26 spricht Ex-Weltmeister Olaf Ebstein die Worte: "Wunder gibt es immer wieder!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 720 vom 9. 4. 23

"Häschen in der Grube, saß da und schlief. Armes Häschen, bist Du krank, dass Du nicht mehr hüpfen kannst? Häschen, hüpf, Häschen, hüpf!" Nachdem ich schon gestern weit in meine Kindheit zurückgeschaut habe, geht es heute noch weiter zurück in die Vergangenheit. Die Erinnerung an den Reim stammt aus ganz jungen Jahren. Ich weiß noch, dass ich danach stets emsig herumgehüpft bin, um zu zeigen, dass ich gesund war. Ein Ei habe ich aber nie gelegt. 
 
Offenbar stecke ich gerade in einer infantilen Phase. Da beruhigt mich ein Buchtitel: "Es ist nur eine Phase, Hase!" Doch diese Phase ist jetzt angebrochen - der Hase ist in fast aller Munde. Wann, wenn nicht zu Ostern, sollte eine Schmunzelpost dem Hasen gewidmet sein? 
 
Doch Osterhase ist nur eine der vielen Funktionen, die wir Meister Lampe aufgebürdet haben. Er muss als Angsthase herhalten, sich als Kuschelhase an Kinder schmiegen und als Alter Hase den Jüngeren mit seiner Weisheit weiterhelfen. Als Schneehase tummelt er sich in eher arktischen Gefilden, als Feldhase haben ihm die Jäger zeitweise so zugesetzt, dass er bei uns schon vom Aussterben bedroht war. Und zu allem Überfluss wird er auch noch dauernd mit dem Kaninchen verwechselt - aber ein Falscher Hase ist dennoch etwas anderes. 
 
Wie jedoch kam der Mümmelmann zu seinem Job als Osterhase? Es hat lange gedauert, bis wir ihm diese Last auferlegt haben. In allen Kulturen spielt der Hase zwar eine Rolle, aber normalerweise als Jagdbeute und Fleischlieferant. Eierlegen zählt nicht zu seinen Kernkompetenzen, Eier bemalen und verteilen erst recht nicht. Wie aus dem Nichts werden ihm zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Teilen Deutschlands diese Aufgaben als österliche Pflicht übertragen. Aber in der Pfalz und im Elsass war er zunächst nicht der einzige Eierlieferant: Auch der Fuchs, der Hahn, der Kuckuck und sogar der Storch sind dafür eingespannt worden. 
 
Doch bei der rasanten Verbreitung des Mythos in Deutschland und Teilen der Welt blieb schließlich nur der Hase übrig. Sogar Christian Morgenstern hat ihm ein Gedicht gewidmet: "Des Nachts im Traum auf grünem Rasen, beschenken Paul die Osterhasen. Zwei Eier legen sie gewandt ihm auf den Arm und unter die Hand. Am Himmel steht der Mond und denkt: Ich werde nicht so schön beschenkt." 
 
Der Freude spendende Osterhase wurde stillschweigend auch von der Kirche akzeptiert, obwohl sich an der Krippe nachweislich kein Stallhase eingefunden hat. Und auch über seine Mitwirkung bei der Auferstehung ist nichts bekannt. Aber als Freudenspender zur Feier des ewigen Lebens nach der entbehrungsreichen dunklen Winterzeit wurde der Hase vom Klerus geduldet. Der Brauch verhieß Farbe, Licht und Genuss. Nach der langen Fastenzeit, in der neben Süßigkeiten und Fleisch auch Eier nicht auf dem Teller liegen durften, wurde Ostern heiß ersehnt. 
 
Dass auch just zu dieser Zeit beim Hasen Frühlingsgefühle aufkamen und die Menschen auf den Wiesen rammelnde Langohren beobachteten, war der Kirche jedoch weniger recht. Zwar trägt der Hase als Symbol der Fruchbarkeit im Englischen auch den Namen "Erotik-Hase" und war bei den Griechen das heilige Tier der Liebesgöttin Aphrodite, doch davon wollten die frühen Christen nichts wissen. Papst Zacharias verbot im Jahr 751 sogar den Verzehr von Hasenfleisch wegen seiner angeblich stimulierenden Wirkung auf den Geschlechtstrieb. 
 
Damit soll es für heute gut sein. Und wenn Ihr nochmal Kaninchen und Hasen verwechselt, gibt es einen hinter die Löffel! 
 
Euch allen frohe Ostern und 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur gestrigen Schmunzelpost hat Martin noch eine interessante Ergänzung: "Kleine Anmerkung zum englischen Zuprosten mit "Here's looking at you", dem der vergessene deutsche Trinkspruch "Ich sehe dich!" entspricht. Man sagte auch kurz "Pupille!" oder "Auf Wiedersehen!" beim Zuprosten. Der handfeste Grund hierfür lag in der Tatsache, dass früher aus dicken Humpen getrunken wurde, die Mund, Nase und Augen verdeckten, sodass benachbart Sitzende es leicht hatten, einem aus der Tasche Geld zu stibitzen. Also warnte man mit den obigen Sprüchen seine Kumpane: "Auch wenn ich jetzt trinke - ich passe trotzdem auf und sehe alles, also lasst eure Finger bei euch!" 
 

 Schmunzelpost 719 vom 8. 4. 23


Gestern war Karfreitag. Da stiegen ungute Erinnerungen in mir auf. Karfreitag war für mich als Kind und Jugendlicher der schlimmste Feiertag des Jahres. Das fing damit an, dass man "sich fein anziehen" musste, draußen spielen und toben nicht in Frage kamen und sich nicht mit Freunden treffen konnte. Im Radio wurde bloß E-Musik gespielt, im Fernsehen lief nur düsteres Zeug. Dazu kam noch, dass meine abergläubische Mutter großen Wert darauf legte, dass ich an diesem Tag weder Wurst noch Fleisch aß: "Sonst stechen Dich das ganze Jahr die Mücken!" 
 
Als ich größer wurde, öffnete sich eine Fluchtmöglichkeit. Als Alternative zum Fernsehen ging ich ins Kino. Ich weiß noch, dass ich dadurch einen Film zu sehen bekam, der mich tief erschüttert hat und mein bisheriges Bild von Westernhelden auf den Kopf stellte. Bis dahin waren Heroen wie John Wayne für mich immer die Guten, die mit den Bösewichten gründlich aufräumten. Und wenn die Trompete blies, kam die Kavallerie und schlug die blutrünstigen Wilden in die Flucht. Nun aber sah ich "Das Wiegenlied vom Totschlag", einen Film, der unter dem Eindruck des Massakers von My Lai in Vietnam entstanden ist. Darin metzelten amerikanische Soldaten die Bewohner eines Indianerdorfes nieder, egal, ob alt oder jung, Mann oder Frau. Und während sonst die Getroffenen mit einem Aufschrei zu Boden sanken und als dekorative Leichen liegenblieben, sparte dieser Film die Grausamkeiten der Realität nicht aus. Eigentlich also ein passender Film zum Karfreitag. 
 
Sonst bevorzugte ich bis dahin eher spannende, heitere und realitätsferne Kinofilme. Einen Großteil sah ich allerdings nicht auf der großen Kinoleinwand, sondern auf dem kleinen Fernsehbildschirm. Dort gab es häufig Wiederholungen, so dass mir einige Zitate bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Wir starten daher jetzt ein kleines Quiz. Und Ihr könnt prüfen, ob unser Filmgeschmack übereinstimmt und Euer Erinnerungsvermögen intakt ist. Die Auflösung folgt am Ende unter PS. 
 
Dann mal los. 1. Wer schlug vor: "Einigen wir uns auf Unentschieden?" Und in welchem Film war das? 
2. Aus welchem Film stammt dieser kurze Dialog des Helden mit seiner Hauswirtin? "Haben Sie manchmal Deja-Vus?" "Ich glaube nicht, aber ich könnte ja in der Küche nachfragen." 
3. "Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man muss nehmen, was man kriegt." 
4. "Der beste Freund des Mannes ist seine Mutter!" 
 
Nun noch ein paar Zitate, die jeder kennt, auch wenn das nicht durch einen Kinobesuch erfolgt sein muss. "Ich mache ihnen ein Angebot, das sie nicht ablehnen können", sagte Marlon Brando als Mafioso im "Paten". "Möge die Macht mit Dir sein" stammt selbstverständlich aus der Star-Wars-Reihe. Und "nach Hause telefonieren" wünschte sich E.T.. Der wahrscheinlich bekannteste Vorstellungssatz lautet: "Mein Name ist Bond. James Bond." Als Gegenstück die Verabschiedung durch Bruce Willis: "Yippie-ya-Yeah, Schweinebacke!" Arnold Schwarzenegger grüßte dagegen als Terminator "Hasta la vista, Baby!" 
 
Noch ein kurzer Wortwechsel, aus einem Film, den ich nie gesehen habe, der aber meinem Sinn für Humor entgegenkommt: "Was ist das?" "Das ist blaues Licht!" "Und was macht es?" "Es leuchtet blau!" Und zum Schluss noch ein sehr bekanntes Zitat aus einem Klassiker der Filmgeschichte, das aber in der deutschen Synchronisation falsch wiedergegeben worden ist: "Ich schau Dir in die Augen, Kleines!" Im englischsprachigen Original hieß es jedoch "Here's looking at you, kid!", was eigentlich bedeutet: "Ich trinke auf Dein Wohl, Kleines!" Der Satz, den der Held Rick in Casablanca der Frau seines Herzens widmet, gewinnt an Komik, wenn man bedenkt, dass Hauptdarsteller Humprey Bogart einen Kopf kleiner war als Ingrid Bergman - er musste dazu, unsichtbar für die Kamera, auf einen Schemel steigen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. 1. Das sagte John Cleese als "Schwarzer Ritter" zu König Artus, nachdem der ihm im Duell Arme und Beine abgeschlagen hatte. Und zwar im Monty-Python-Film "Die Ritter der Kokosnuss". 
2. Das stammt aus "Und täglich grüßt das Murmeltier" mit Bill Murray. 
3. Eine Erkenntnis von Forrest Gump alias Tom Hanks. 
4. Eine Erkenntnis von Norman Bates alias Anthony Perkins aus "Psycho". 
 

Schmunzelpost 718 vom 7. 4. 23 


Auch wenn es noch recht kalt war: Sonne und blauer Himmel zeigten zuletzt an, dass die warme Jahreshälfte angebrochen ist. Zeit, sich für den Sommer Gedanken zu machen. Leute, die einen eigenen Swimmingpool besitzen oder gern eine Badeanstalt besuchen, kommen dabei auf ganz spezielle Ideen. Rechtzeitig vor den heißen Tagen beschäftigen wir uns daher mit einer wahrlich weltbewegenden Frage: Würde man in einem Schwimmbecken, das statt mit Wasser komplett mit Götterspeise, sprich Wackelpeter, gefüllt ist, leichter schwimmen können oder stattdessen sogar untergehen? 
 
Da es mir als Kind beinahe gelungen wäre, in der Badewanne zu ertrinken, habe ich die Diskussion über dieses Thema mit großem Interesse verfolgt. Und nach der Abwägung aller Argumente kann ich mit Fug und Recht sagen: Wackelpeter-Freunde, einem besonderen Badespaß steht nichts im Wege! 
 
Der wesentliche Bestandteil von Götterspeise ist nämlich Gelatine, ein auf Eiweiß basierendes Geliermittel. Gelatine hat verschiedene Stärkegrade. Je fester die Konsistenz ist, desto höher der Stärkegrad. In einem Becken, das mit der Masse gefüllt ist, aus der Gummibärchen hergestellt werden, wäre es fast unmöglich zu versinken. Üblicherweise ist auch die Dichte von Wackelpeter um zehn Prozent höher als die von Wasser. Dies hätte zur Folge, dass ein Schwimmer im Götterspeise-Bad mehr an der Oberfläche treiben würde. 
 
Andere Diskussionsteilnehmer haben das mit Experimenten untermauert. Demnach kann man bis zu fünf Zwanzig-Cent-Münzen auf Wackelpeter stapeln, erst bei der sechsten sinken sie ein. Man braucht also mehr Kraft, um die Wackelpeter-Oberfläche zu durchdringen. Das bedeutet aber auch: Ein Bauchplatscher täte ganz schön weh! Doch nicht nur das. Ist man erst einmal untergetaucht, hat man durch die größere Dichte auch mehr Probleme, wieder nach oben zu gelangen. Für den Tauchsport ist Götterspeise definitiv nicht geeignet! 
 
Schnell noch ein Tipp für Süßspeisen-Fans, die Gäste verblüffen wollen. Ein britischer TV-Sender hat getestet, was geschieht, wenn ein Schwimmbecken mit einer Vanillecreme gefüllt ist, die viel Maisstärke enthält. Ergebnis: Eine durchschnittlich schwere Person, die zuvor nicht zuviel Wackelpeter gegessen hat, kann über die Oberfläche laufen wie weiland Jesus. 
 
Noch ein Hinweis für Götterspeise-Liebhaber, die auch noch Wert auf Nachhaltigkeit legen: Die mutigen unter Euch können das Becken am Ende der Bade-Saison auslöffeln! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 717 vom 6. 4. 23 


Ein Monat, der mit Lügengeschichten anfängt, wie der April, eignet sich wie kein zweiter, auf raffinierte Märchenerzähler einzugehen, denen selbst seriöse Presseorgane auf den Leim gegangen sind. 
 
Beginnen wir weit in der Vergangenheit. Bevor Theodor Fontane durch die Mark Brandenburg wanderte und mit Balladen und Romanen glänzte, war er längere Zeit als Auslandskorrespondent tätig. So lieferte er der deutschen Presse spannende Reportagen und Berichte aus England. Wobei er es nicht immer mit der Wahrheitsliebe allzu genau nahm: Mancher "Augenzeugenbericht" war nur aus britischen Blättern abgeschrieben, andere hatte er mit fiktiven Aussagen und Beobachtungen angereichert, obwohl er selbst überhaupt nicht vor Ort war. Leicht verdientes Geld, damals konnte es keiner nachprüfen. 
 
Das war im 20. Jahrhundert anders. Und dennoch ging der sensationsgierige Stern bei den Hitler-Tagebüchern Schwindlern auf den Leim. Und selbst die sehr von sich eingenommene Spiegel-Redaktion musste kleinlaut gestehen, dass sie die gut geschriebenen "Reportagen" von Claas Relotius nicht ausreichend überprüft hatte. Weit weniger bekannt ist hierzulande, dass auch die angesehene Washington Post, ja, richtig, das Blatt, das den Watergate-Skandal ans Licht brachte, sich nach allen Regeln der Kunst austricksen ließ. 
 
Am 13. April 1981 erschien in der Washington Post ein aufsehenerregender Artikel von Janet Cook. Die Titelstory "Jimmys Welt" schilderte so eindringlich das Schicksal eines achtjährigen Heroinsüchtigen, dass die Autorin dafür sogar mit dem berühmten Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Doch der Lorbeer verwelkte schnell. Recherchen der Konkurrenz ergaben, dass nicht nur die Jimmy-Geschichte erstunken und erlogen war. Auch im Lebenslauf der Star-Schreiberin stimmte wenig. 
 
Janet Cooke hatte weder an der Pariser Sorbonne studiert, wie sie behauptete, noch besaß sie einen Master-Abschluss der Universität von Toledo. Auch das französische Institut, an dem sie ihr Studium angeblich mit magna cum laude abschloss, teilte mit, dass sie bereits nach einem Jahr das Handtuch geworfen hatte. Und als der leitende Redakteur versuchte, mit seiner Mitarbeiterin ein Gespräch auf Französisch zu führen, musste er feststellen, dass auch an ihren angeblichen Fremdsprachkenntnissen nicht viel dran war. Ein Talent attestierte er Janet Cook aber dennoch: "Sie war eine fabelhafte Lügnerin." 
 
Ja, ja, irgendwann kommt alles ans Licht. Bevor auch ich überführt werde, wird es Zeit für eine Beichte. Das Projekt "Deep Blue", das vor Jahrzehnten in unserer Stadt für Aufregung sorgte, hat es nie gegeben. Das habe ich mir bloß ausgedacht. Und die Dorstener Zeitung ist mir auf den Leim gegangen. Das kann gar nicht sein, werden Ortskundige möglicherweise einwenden, solch ein Märchen wäre damals Bürgermeister Lambert Lütkenhorst mit Sicherheit aufgefallen. Gegenfrage: Seid Ihr sicher, dass es den tatsächlich gegeben hat? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 716 vom 5. 4. 23


Wer noch nie einen Fähler gemacht hat, der wärfe den ersten Stein. Über Tippfehler und einzelne Rechtschreibfehler sehe ich großzügig hinweg, obwohl mein Redakteursgewissen meist Alarm schlägt. Wenn sich jedoch die Fehler häufen, dann bringt mich das in Wallung. Allein schon die Vergewaltigung der Sprache in den sozialen Medien ist für mich ein ausreichender Grund, um Facebook, Instagram und Twitter zu meiden. 
 
Gestern war nun ein Tag, wo innerhalb von fünf Minuten mein Sinn für korrekte Schreibweisen implodierte. In einem Recklinghäuser Cafe schaute ich in ein gerade erworbenes Buch mit sprachkritischen Glossen von Wiglaf Droste. Und stolperte ziemlich am Anfang auf Seite 12 gleich über drei Rechtschreibfehler: Mehrsheitsfähiges, Behauptug, Botho Strass - sag mal, Verlag Klaus Bittermann, habt Ihr vor der Herausgabe von "Vollbad im Gesinnungsschaum" Euren Lektor in den Ruhestand geschickt? 
 
Erbost klagte ich mein Leid der Begleiterin, die gerade Zeitung las. Und just in diesem Moment bei einem Absatz ankam, in dem es hieß, dass "eine Aussage war" sei. Und dann musste ich beim Blick aus dem Fenster auch noch die Plakataufschrift auf einem Müllbehälter lesen: "Für den letzen Dreck!" Der letze Dreck war in der Recklinghäuser Innenstadt offenbar flächendeckend plakatiert worden, wie der anschließende Gang durch die Fußgängerzone zeigte. 
 
Was ist bloß los? Ist alles so aufs Gendern konzentriert, dass keine Zeit mehr bleibt, sich um die Rechtschreibung zu kümmern? Wiglaf Droste, um eine arg strapazierte Floskel zu bemühen, würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was posthum mit seinen Glossen angestellt wurde. Und vielleicht noch eine Ehrenrunde einlegen, wenn er damit konfrontiert wird, dass ich mit seiner ersten Glosse inhaltlich nicht einverstanden bin. Da stellt der Satiriker die Behauptung (nicht Behauptug, saumseliger Lektor!) auf, dass das am häufigsten in Deutschland ausgesprochene Wort in Schriftform gar nicht vorliegt und "Ömm" heißt. 
 
Droste schließt das Kapitel mit dem Satz: "'Im Anfang war das Wort', heißt es in der Bibel; der Nachsatz 'und das Wort hieß Ömmm' steht dort aber nicht." Mal abgesehen davon, dass der Autor vorher "Ömm" stets nur mit zwei m schrieb und ich den Verdacht habe, dass bereits hier der Lektor erstmals versagt hat, kann ich die Beobachtung nicht bestätigen. Äh, äääh, ööh und ömm zusammengenommen gerne, solche Fülllaute, die dem Sprecher etwas Zeit zum Nachdenken geben, werden in der Tat in gesprochene Reden häufig eingeflochten, aber "Ömm" steht ganz bestimmt nicht an erster Stelle. 
 
Besonders erstaunlich sei, so Droste, dass Ömm das Lieblingswort von Leuten ist, die beruflich mit Sprache zu tun haben. Profis und nicht etwa Kassiererinnen und Tankwarten seien es, denen der Grunzton der öffentlichen Rede am meisten entfährt. Gegenfrage: Wie vielen Kassiererinnen und Tankwarten wird vor laufender Kamera ein Mikrofon hingehalten, um sich zu komplexen Sachverhalten zu äußern? Als ich am Anfang meiner Journalistenlaufbahn für den WDR-Hörfunk unterwegs war, musste ich feststellen, dass ein Mikro unter der Nase das sicherste Rezept ist, jemand ins Stottern zu bringen, ganz egal, welchen Beruf er oder sie ausübt. Und wie ich bereits in der Schmunzelpost beklagte: Mehr als ein vereinzeltes "Äh" oder von mir aus auch "Ömm" ärgern mich Füllworte wie "sozusagen" oder "genau", wenn sie in jedem zweiten Satz vorkommen. 
 
Aber in einem Punkt, lieber Wiglaf, sind wir uns hoffentlich einig. Der Wortschatz der deutschen Sprache sollte gehütet werden, vor allem auf Plakaten, in Zeitungen und Büchern. Nun haben die Brüder Grimm 1838 mit ihrer Arbeit am "Deutschen Wörterbuch" begonnen. Fertiggestellt wurde es jedoch erst 1961. Und die erste vollständige Ausgabe des Deutschen Wörterbuchs wog damals 48 Kilogramm. Was hältst Du davon, wenn wir den Lektor Deines Glossenbandes zur Strafe dieses Wörterbuch Gramm für Gramm durchsehen lassen? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 715 vom 4. 4. 2023


Ein Monat, der mit Lügengeschichten anfängt, wie der April, eignet sich wie kein zweiter, auf raffinierte Märchenerzähler einzugehen, denen selbst seriöse Presseorgane auf den Leim gegangen sind. 
 
Beginnen wir weit in der Vergangenheit. Bevor Theodor Fontane durch die Mark Brandenburg wanderte und mit Balladen und Romanen glänzte, war er längere Zeit als Auslandskorrespondent tätig. So lieferte er der deutschen Presse spannende Reportagen und Berichte aus England. Wobei er es nicht immer mit der Wahrheitsliebe allzu genau nahm: Mancher "Augenzeugenbericht" war nur aus britischen Blättern abgeschrieben, andere hatte er mit fiktiven Aussagen und Beobachtungen angereichert, obwohl er selbst überhaupt nicht vor Ort war. Leicht verdientes Geld, damals konnte es keiner nachprüfen. 
 
Das war im 20. Jahrhundert anders. Und dennoch ging der sensationsgierige Stern bei den Hitler-Tagebüchern Schwindlern auf den Leim. Und selbst die sehr von sich eingenommene Spiegel-Redaktion musste kleinlaut gestehen, dass sie die gut geschriebenen "Reportagen" von Claas Relotius nicht ausreichend überprüft hatte. Weit weniger bekannt ist hierzulande, dass auch die angesehene Washington Post, ja, richtig, das Blatt, das den Watergate-Skandal ans Licht brachte, sich nach allen Regeln der Kunst austricksen ließ. 
 
Am 13. April 1981 erschien in der Washington Post ein aufsehenerregender Artikel von Janet Cook. Die Titelstory "Jimmys Welt" schilderte so eindringlich das Schicksal eines achtjährigen Heroinsüchtigen, dass die Autorin dafür sogar mit dem berühmten Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Doch der Lorbeer verwelkte schnell. Recherchen der Konkurrenz ergaben, dass nicht nur die Jimmy-Geschichte erstunken und erlogen war. Auch im Lebenslauf der Star-Schreiberin stimmte wenig. 
 
Janet Cooke hatte weder an der Pariser Sorbonne studiert, wie sie behauptete, noch besaß sie einen Master-Abschluss der Universität von Toledo. Auch das französische Institut, an dem sie ihr Studium angeblich mit magna cum laude abschloss, teilte mit, dass sie bereits nach einem Jahr das Handtuch geworfen hatte. Und als der leitende Redakteur versuchte, mit seiner Mitarbeiterin ein Gespräch auf Französisch zu führen, musste er feststellen, dass auch an ihren angeblichen Fremdsprachkenntnissen nicht viel dran war. Ein Talent attestierte er Janet Cook aber dennoch: "Sie war eine fabelhafte Lügnerin." 
 
Ja, ja, irgendwann kommt alles ans Licht. Bevor auch ich überführt werde, wird es Zeit für eine Beichte. Das Projekt "Deep Blue", das vor Jahrzehnten in unserer Stadt für Aufregung sorgte, hat es nie gegeben. Das habe ich mir bloß ausgedacht. Und die Dorstener Zeitung ist mir auf den Leim gegangen. Das kann gar nicht sein, werden Ortskundige möglicherweise einwenden, solch ein Märchen wäre damals Bürgermeister Lambert Lütkenhorst mit Sicherheit aufgefallen. Gegenfrage: Seid Ihr sicher, dass es den tatsächlich gegeben hat? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 714 vom 13. 4. 25


Zu den Dingen, die ich gar nicht mag, gehören Bekleidungsvorschriften. Zwar sehe ich ein, dass Regeln für bestimmte Berufsgruppen (Polizeibeamte, Mediziner, Feuerwehrleute, Laboranten etc.) aus Gründen der Hygiene, des Schutzes und der Erkennbarkeit sinnvoll sind. Aber überall, wo sie nicht zwingend nötig ist, lehne ich Uniformität ab. 
 
Schon Anfang der 70er Jahre, in meinen dunklen Zeiten als Sparkassenkaufmann, habe ich mich gegen den Krawattenzwang gestemmt und immerhin den Rollkragenpullover durchgesetzt. Worunter ich im Sommer so zu leiden hatte, dass ich mir schweren Herzens doch einen Zivilisationsfaden um den Hals schnürte. Heute fühle ich späte Genugtuung, weil die Würgeschlingen auch in Banken endlich keine Pflicht mehr sind. Doch damals war der Sparkassenvorstand in Lünen rigoros. Frauen durften keine Hosen tragen, Männer keine Bärte. 
 
Als Journalist hatte ich es etwas leichter als Männer in anderen Berufen. Krawatten musste ich nur in Ausnahmefällen tragen, etwa bei Beerdigungen. Und weil ich mich wegen des Zwangs auf den Schlips getreten fühlte, habe ich nie ein Spielcasino betreten. Obwohl das Zocken am Pokertisch mich durchaus gereizt hätte. Glücklicherweise wurde ich niemals zu Veranstaltungen eingeladen, bei denen Frack oder Smoking erwartet wurden. Die Gastgeber hätten auf mich verzichten müssen.
  
Zum Glück gab es in unserer Schulzeit anders als beispielsweise in England keine Vorschriften, die Kinder in Uniformen gezwängt hätten. Deshalb war ich jetzt irritiert, dass eine Schule in Wermelskirchen versuchte, ihren Zöglingen das Tragen von Jogginghosen zu verbieten. Und das in einer Zeit, in der Modepäpste dieses Kleidungsstück als salonfähig erklärt haben. Was, bitte schön, ist denn an einer sauberen Jogginghose im Klassenzimmer auszusetzen? 
 
Gewisse Regeln akzeptiere ich durchaus. Wenn tiefhängende Buxen Einblicke in jugendliche Maurerdekolletes gewähren, ist das, Tschuldigung, für'n Arsch. Wenn pubertierende Mädchen Mitschülern und Lehrern mit großzügigen Ausschnitten und ohne BH tiefe Einblicke bieten, hätte ich mich zwar als gleichaltriger Klassenkamerad darüber gefreut, sehe das heute aber anders. Doch darüber hinaus sollten sich die Schulleitungen mit Kleidungsvorgaben zurückhalten, sonst könnte eine Entwicklung einsetzen, die irgendwann böse endet. 
 
Gerade habe ich gelesen, dass in Japan Oberschülern das Färben, Bleichen oder Föhnen von Haaren untersagt wird. Manche Schulen schreiben dort den Jugendlichen sogar vor, welche Farbe ihre Unterwäsche haben soll und welche Form ihre Augenbrauen. Selbst an kalten Tagen ist unter anderem das Tragen von Strickjacken verboten. Das Tragen von Schwarz ist dagegen oft Pflicht. Und es sind die jeweiligen Schulleitungen, die solche Regeln bestimmen dürfen. 
 
Nun ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich in diesem Leben zum Besuch einer japanischen Schule gezwungen bin, zum Glück gering. Somit bleibt die einzige Kleidervorgabe, der ich mich beugen würde, um mir einen Lebenstraum zu erfüllen, eine, die bisher überhaupt nicht erlassen wurde: Um einmal den berühmten Frauenkarneval auf der Hardt live erleben zu dürfen, würde ich notfalls sogar einen Rock anziehen! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 713 vom 2. 4. 23


Na, seid Ihr gestern auf einen Aprilscherz hereingefallen? Ich bin nach wie vor ein Freund der Variante, bei der jemand wortwörtlich in den April geschickt wird. Also nicht nur eine abstruse Behauptung für bare Münze nimmt, sondern sich auch in Bewegung setzt, um Augenzeuge einer vermeintlichen Sensation zu werden oder eine unsinnige Anweisung auszuführen. Bei der Stadt Dorsten war es früher beliebt, am 1. April Auszubildende des ersten Lehrjahres durchs Rathaus irrlichtern zu lassen. Da hieß es: "Unsere Abteilung muss den Etat für das nächste Jahr berechnen. Hol doch mal bitte schnell den Zinsfuß aus der Kämmerei!" 
 
Bis die Aprilscherze auf allen Zeitungsseiten derart überhand nahmen, dass die Chefredaktion schließlich generell untersagte, die Leser zu verulken, haben wir es uns auch im Lokalteil nicht nehmen lassen, uns etwas auszudenken. Und wir hatten diebisches Vergnügen, wenn tatsächlich Leser darauf hereinfielen. Ich erinnere mich gut an meine erfolgreichste Idee. Als Dorsten einen Wallgraben bekommen hatte, nutzten dies Leute, um heimlich Fische in dem Gewässer auszusetzen. Bald hatte sich der Bestand so vermehrt, dass im Graben Gedränge infolge von Überbevölkerung herrschte. 
 
Das nahm ich zum Anlass, um am 1. April, einem Samstag, zum Wettangeln aufzurufen. Die Stadt habe für die erfolgreichsten Fischzüge Preise ausgesetzt, Teilnahmekarten würden um 11 Uhr am Platz der Deutschen Einheit ausgegeben. Zu meiner Freude rückten tatsächlich Angler samt Ausrüstung an. Seltsamerweise wollte sich jedoch niemand fotografieren lassen. Größere Resonanz fand später nur der Hinweis, dass im gesamten Blatt kein Aprilscherz zu finden sei. Die Leser hielten das für eine Finte und präsentierten uns eine Auswahl an echten Meldungen und Berichten, die sie als Scherz aufgefasst hatten. 
 
Ziemlich daneben ging vor Jahren ein Aprilscherz des Volkswagenkonzerns. Die Verantwortlichen im Vorstand hatten das Humorverständnis der Amerikaner falsch eingeschätzt. Als Reaktion auf den Dieselskandal mit gefälschten Abgaswerten habe der Konzern beschlossen, so hieß es in einer Presserklärung, in den USA ein Zeichen zu setzen. Weil man künftig die Elektromobilität in den Vordergrund rücken wolle, taufe die Unternehmens-Tochter "Volkswagen of America" ihren neuen Elektro-SUV in "Voltswagen" um. Das Gelächter hielt sich in Grenzen. Dagegen waren die US-Spritfans - und davon gibt es eine Menge - stinksauer. Und die Umweltfreunde wurden daran erinnert, dass VW in Sachen Umweltschutz Dreck am Stecken hatte. 
 
Viel besser funktionierte ein Aprilscherz der "Tagesschau". Der traditionsreichsten deutschen TV-Nachrichtensendung glaubt man offenbar fast alles, vor allem, wenn es auch noch mit einer Luftaufnahme optisch untermauert wird. So berichtete die Tagesschau, dass das Containerschiff "Ever Given", das wochenlang den Suezkanal blockiert hatte, jetzt in Deutschland steckengeblieben sei. 
 
Nach dem Entladen in Hamburg sei der Frachter über das deutsche Kanalsystem aufgebrochen, um im Spreewald eine Riesenladung Gurken für den Export aufzunehmen. Ausgerechnet im Spreebogen, unweit des Bundestages, habe der Kapitän aber die Krümmung falsch eingeschätzt und das Containerschiff sei erneut gestrandet. Verkehrsminister Andreas Scheuer werde sich des Problems jedoch persönlich annehmen. Die Geschichte fanden die Zuschauer auch im Nachhinein noch gut: 352 266 Likes im Internet bescherten der ARD ein Spitzenergebnis. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 712 vom 1. 4. 23


Gestern habe ich einen erschütternden Bericht in der Zeitung gelesen. Nein, ich meine nicht die schlimmen Meldungen aus Kriegsgebieten oder die Nachrichten über die Auswirkungen von Katastrophen und die Folgen des Klimawandels. Mich hat schwer mitgenommen, dass leidende Pflanzen schreien. Dies haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden.
  
Schon der Gedanke daran, was Tiere in Schlachthäusern oder der Massenhaltung aushalten müssen, ist schwer erträglich. Aber dass auch Pflanzen offenbar auf Not und Schmerz reagieren, das stürzt mich in ein tiefes Dilemma. Bereits die Mutmaßungen über kommunizierende Bäume gaben zu denken. Doch die Vorstellung, dass ein Tomate kreischt, wenn ich sie zerschneide und dass ein Kaktus wimmert, wenn er zuviel oder zuwenig Wasser bekommt, setzt noch eins drauf. Wie soll ich mich jetzt noch mit gutem Gewissen ernähren? Oder mich an einem Blumenstrauß erfreuen, wo ich doch weiß, was den zum Tode verurteilten Blüten vorher angetan wurde? 
 
Ich fürchte, da hilft nur eines: Ein dickes Fell. Und eine gehörige Portion Ignoranz. Vorher habe ich mich vor meinem inneren Ankläger auf die Frage, warum ich den Fleischverzehr nicht völlig aufgebe, damit gerechtfertigt, dass wir Menschen nunmal als Allesfresser von Beginn an auch Raubtier-Gene in uns tragen. Nun kann ich zum gelegentlichen Fehlverhalten von Tigern, Wölfen und unserem Mäuse jagenden Kater den Veganern entgegenhalten, dass Schafe und Kühe noch viel mehr auf dem Kerbholz haben. Wer zählt die Schreie der unschuldigen Grashalme? 
 
Immerhin können wir vielleicht mit dem Wissen von heute wenigstens die schlimmsten Auswirkungen lindern. Niemals mehr an einer verdorrenden Zimmerpflanze vorbei gehen, ohne die Besitzer auf den Notstand aufmerksam zu machen. Blumen lieber stehen lassen und sich draußen an ihrer Blüte erfreuen, statt sie zu pflücken. Den eigenen Pflanzen gut zureden und sich vielleicht ein Gerät anschaffen, dass ihre Rufe im Infraschallbereich als Alarmsignal für uns hörbar macht. 
 
Menschen wie Wolfgang, die nie im Leben einer der roten Beeren etwas zu Leid getan haben (selbst wenn das nur deshalb geschah, weil sie den Geschmack nicht mögen) können nun den großen Tomatenlebensrettungsorden am Bande beanspruchen. Wieso rote Beeren? Nichts anderes sind Tomaten: Die Früchte einer Gemüsepflanze. Ihren heutigen Namen trägt die Tomate übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert. Bei den Azteken hieß sie Nahuati, nach ihrer Einfuhr in Europa lange Zeit Liebesapfel oder Paradiesapfel. 
 
Falls Ihr Euch ein Infraschall-Hörgerät zulegt und Euch unverzüglich daran macht, die Tomatensprache zu entschlüsseln, werdet Ihr vielleicht herausbekommen, was der Tomatenstrauch zu Euch sagt, wenn Ihr seine Früchte pflückt: "Wenn Du Dich noch einmal an meinen Beeren vergreifst, mache ich Ketchup aus Dir!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 711 vom 31. 3. 23 


Wollen wir schnell mal schauen, was in der Welt so alles an kuriosen Dingen passiert ist? Okay, wir starten in den USA. Dort hat jemand ordentlich Federn gelassen. Auf der Autobahn war der Anhänger eines Fahrzeugs umgekippt und hatte seinen Inhalt freigegeben: 18 Tonnen Hühnerfedern! Die nachfolgenden Fahrzeuginsassen werden sich gefragt haben, was ihnen da entgegen wehte: Große Schneeflocken? No! Bizzare Hagelkörner? No, no! Frachtgut von Frau Holle beim gescheiterten Versuch eine US-Filiale zu eröffnen? Yes! 
 
Mitunter kann es Gold wert sein, den Abfall anderer Leute daraufhin zu kontrollieren, ob er im richtigen Behälter gelandet ist. Ein Hausmeister des Flughafens in Seoul traute seinen Augen nicht, als er einen Müll-Container öffnete. Darin waren jede Menge Goldbarren gelagert - und zwar im Wert von 325 Millionen Dollar! Das Beste daran: Der Mann darf seinen Fund möglicherweise behalten, wenn der rechtmäßige Eigentümer keine Ansprüche geltend macht. Da viel dafür spricht, dass hier kriminelle Machenschaften vergoldet werden sollten, ist das nicht unwahrscheinlich. Und selbst wenn sich ein legaler Inhaber meldet: Bei einem Finderlohn zwischen 5 und 20 Prozent fällt für den Hausmeister ein ordentlicher Barren, pardon, Batzen ab. Ich werde gleich mal die Abfallbehälter unserer Wohnanlage in Augenschein nehmen... 
 
Dass unser Kater sich auf der Flucht vor einem Hund auf einen Baum rettet und dann Schwierigkeiten hat, wieder herunter zu kommen, ist bisher zweimal passiert. Ungewöhnlicher ist dagegen diese Geschichte aus Wörth am Rhein. Nach einem heftigen Streit mit seiner Ehefrau flüchtete ein 47-jähriger Mann auf einen Baum. Ob er sich fürchtete oder nur seine Ruhe haben wollte, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass die Feuerwehr helfen musste, damit der Ausreißer wieder heil aus 15 m Höhe befreit werden konnte. Seine Frau hatte sich übrigens wutschnaubend entfernt, es waren Zeugen, die Hilfe holten. 
 
Postboten müssen sich gelegentlich vor Hunden hüten. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass Briefzusteller im US-Bundesstaat Ohio ganz andere Probleme haben. Sie werden in einem Straßenzug von Rocky River von aggressiven, freilebenden Truthähnen attackiert. Die Anwohner müssen sich jetzt ihre Post selbst abholen, weil die Stadtverordnung das Töten der Tiere untersagt. Es wird vermutet, dass die Bürger die Truthähne füttern und sie in den Postboten daher als Futter-Konkurrenten ansehen. Ich habe eine andere Theorie: Die Aktion läuft unter dem Motto: "Revenge for Thanksgiving!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 710 vom 30. 3. 23


Ausländische Gäste sollen gelegentlich hochgradig darüber verwundert sein, welche Bräuche in Deutschland gepflegt werden. So soll ein Besucher aus Saudi-Arabien immer noch psychatrisch behandelt werden, nachdem er bei einer Geschäftsreise im Februar in Köln zufällig in eine Gruppe anderer Scheichs geraten war, die sich als plumpe Imitate erwiesen. Das hätte der Mann ja noch verkraftet. Aber als er von einem Trupp Funkenmariechen nach allen Regeln der Kunst öffentlich abgebützt wurde, brannten bei dem armen Kerl sämtliche Synapsen durch. 
 
Verstört war auch eine Reisegruppe aus China. Nach dem Besuch einer Tropfsteinhöhle im Sauerland hatten die Reisenden noch ein Volksfest besucht. Sie bewunderten das handwerkliche Geschick der Einheimischen, die einen wunderschönen Adler geschnitzt hatten. Zum Entsetzen der Gäste aus Asien wurde das Kunstwerk dann jedoch an einer Stange aufgehängt und systematisch in Stücke geschossen. Absolutes Unverständnis herrschte bei den sportbegeisterten Chinesen auch darüber, wie oft vorbei geschossen wurde. Bis der spätere Schützenkönig endlich besoffen genug war, sich nicht mehr vor den Konsequenzen zu gruseln und die Quälerei mit dem Fangschuss zu beenden. 
 
Doch glücklicherweise gibt es nicht nur bei uns seltsame Gewohnheiten und merkwürdige Gesetze. Andere Länder, andere Sitten. Im britischen York ist immer noch ein altes Gesetz in Kraft, das jedoch nur für Besucher aus Schottland Bedeutung hat. Erschießt in York nämlich ein Schotte einen anderen Schotten mit Pfeil und Bogen, so ist das durchaus legar - nur nicht am heiligen Sonntag! 
 
Chinesen begeistern sich nicht nur für Holzvögel, sondern vor allem für Autos. Nur so ist es erklärlich, dass in Peking Autofahrern ein Bußgeld droht, wenn sie an Fußgängerüberwegen anhalten. Der Verkehr muss eben fließen - und bei Milliarden Einwohnern kommt es wohl nicht auf den einen oder anderen Fußgänger an. In Singapur hingegen wird ganz genau hingeschaut, wenn Menschen mit den Kiefern mahlen. Dort gibt es seit 1992 ein striktes Einfuhrverbot für Kaugummi. Und das strenge Verbot, diese Gummis im öffentlichen Raum zu kauen. 
 
Grund war der große Reinigungsaufwand für Straßen und Plätze. Und vor allem die Folgen einer Unsitte von Metro-Fahrgästen: Sie klebten die Kaugummis gezielt an bestimmte Stellen, um das Schließen von Türen zu verhindern und so die Züge lahmzulegen. Damit war ab 1992 Schluss. Wer erwischt wurde, musste 500 bis 1000 US-Dollar Strafe zahlen. Für Wiederholungstäter wurden 2000 Dollar fällig. Zusätzlich mussten sie in einem bunten Kostüm öffentliche Plätze reinigen. 


Daran hatten Kaugummi-Freunde in Singapur lange zu kauen. Einen Lichtblick gab es erst 2004. Mit ärztlichem Attest ist es nun erlaubt, Kaugummis für die Zahngesundheit zu verwenden. Und auch Nikotin-Kaugummis sind zulässig, wenn sich dadurch jemand das Rauchen abgewöhnen will. 
 
Falls Ihr Euer Auto an einen guten Kumpel verleihen wollt, damit der einen Skandinavien-Trip machen kann, dann seid vorsichtig, wem Ihr Euer Vertrauen schenkt. In Dänemark ist gesetzlich verankert, dass bei erheblicher Geschwindigkeits-Überschreitung unter anderem das Auto des Rasers beschlagnahmt wird. Doch das ist nicht alles: Egal, wem der Wagen gehört - das Fahrzeug wird anschließend zugunsten der dänischen Staatskasse verkauft! Zudem sollte man in Dänemark vor Fahrtantritt unters Auto schauen. Dort muss vor dem Start sichergestellt werden, dass kein Kinder unter dem Auto liegen. 
 
In Hongkong kennt man dagegen bei Unarten im öffentlichen Nahverkehr keine Gnade. Wer dabei erwischt wird, dass er seine Füße auf den gegenüberliegenden Sitz legt, kommt in den Knast - und zwar neun Monate lang! Ja, ja, Gesetze müssen sein. Und klar formulierte Regeln für Zucht und Ordnung. Übrigens umfassen die zehn Gebote 279 Wörter. Eine EU-Verordnung von 1981 über den Import von Karamell-Bonbons enthält dagegen 25 911 Wörter. Man muss eben Prioritäten setzen, was wirklich wichtig ist!
  
 Glückauf 
 kdk 

Schmunzelpost 709 vom 29. 3. 23


An dieser Stelle war wiederholt Platz für zwei Lieblingsthemen: Sprache und Tiere. Heute verbinden sich die beiden Bereiche - es geht um Kommunikation zwischen Tieren. 
 
Die Welt ist voll von Geräuschen. Die meisten davon werden nicht mit der Absicht erzeugt, eine Botschaft zu transportieren. Aber bei vielen Klängen aus der Tierwelt könnte weit mehr dahinter stecken, als wir vermuten - die Kommunikationsforschung der Zoologen steckt noch in den Anfängen. 
 
Seit der Aufzeichnung von Walgesängen wissen wir, dass die Unterwasserwelt alles andere als lautlos ist. Im Gegenteil: Dort wird gezwitschert, gegrunzt, geplappert, was das Zeug hält. Und auf dem Land dringen eine Fülle von Tönen an unser Ohr, die teilweise wahrscheinlich zur Übermittlung von Informationen bestimmt sind. Ein Nachtigall-Männchen singt nicht nur, um ein Weibchen zu betören oder Dichter zu inspirieren. Und vom Pfeifen der Murmeltiere bis zum Brummen von Elefanten ist die Welt voll von Nachrichten. Wir können nur nicht alle wahrnehmen, weil unser Hörvermögen bloß ein Teil des Spektrums erfassen kann. 
 
Und dann sind da noch die Mitteilungen, die auf andere Weise als durch Schall weitergegeben werden. Das kann bei Ameisen durch das gegenseitige Betasten geschehen oder bei Bienen durch den berühmten Schwänzeltanz. Unsere Forschung konzentriert sich vor allem auf den akustischen Teil. Und da ist die Wissenschaft sich einig, dass die Sprache mancher Tierarten viel komplexer ist, als wir uns das vorgestellt haben. 
 
Nehmen wir mal die Delfine als Beispiel. Sie kommunizieren gleich auf drei Arten miteinander. Durch Geräusche, die wir über Wasser als Pfiffe wahrnehmen, durch Körperkontakt und durch Sprünge. Letzteres ist faszinierend: Delfine kennen 30 Sprungfiguren, die sie mit zwei, drei Sprüngen kombinieren können, um ihnen eine unterschiedliche Bedeutung zu verleihen. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes System, das mit unseren Buchstaben vergleichbar ist. 
 
Mehr noch. Die bekannteste Delfinart, der große Tümmler, ist bisher das einzig bekannte Lebenwesen außer dem Menschen, das über individuelle Namen verfügt. Der wird dem Delfinkalb sofort nach seiner Geburt fortwährend durch Signalpfiffe der Mutter eingeprägt. Womöglich hätten sich Delfine auf die akustische Nachrichtenübermittlung beschränkt, aber die Sache hat einen Haken: Auch Orcas, sogenannte Killerwale, können sie hören und zur Jagd auf Delfine nutzen. Die Orcas verständigen sich übrigens auf ähnliche Weise untereinander. 
 
Tauchen wir auf und hören wir den Rabenvögeln zu. Diese langlebigen Vögel, sowohl Raben, Krähen, Dohlen als auch Elstern, gehören zum Intelligentesten, was um uns herum kreucht und fleucht. Wissenschaftler, die jahrelang zu Forschungszwecken Krähen beobachteten, haben mittlerweile bemerkt, dass dies keine Einbahnstraße ist: Die Rabenvögel beobachten auch uns! Und zwar höchst aufmerksam. Sie studieren das menschliche Verhalten nicht nur, um zu erkennen, ob ihnen Gefahr droht, sondern vor allem um herauszufinden, auf welche Weise ihnen Menschen Zugang zu Futter verschaffen können. 
 
Und sie tauschen sich untereinander über ihre Erkenntnisse aus. "An der großen Kreuzung liegt ein plattgefahrenes Kaninchen. Ich bin männlich, fünf Jahre alt und gehöre zum Gelege der Rabauken." So könnte die Botschaft übersetzt werden, die ein Rabe seinen Artverwandten zukommen lässt. Die Angaben zum Geschlecht und zum Alter sollen helfen, seinen Rang einzuschätzen, die Verwandtschaft wird gezielt angesprochen, um einen möglichst großen Futteranteil zu behaupten. Insgesamt 30 Lauttypen haben die Wissenschaftler bisher registriert, ihre Bedeutung variert jedoch womöglich je nach Tonhöhe. Leider fehlt es Rabenvögeln mangels Duden an der Grammatik, was die Erforschung ihrer Sprache erheblich erschwert. 
 
Aber da kommt Ihr ins Spiel. Wer mir den Satz: "Krah, krächz, krah, krah, krah, krächz, KRAH, KRAH, krah, krah, KRÄCHZ!" ins Hochdeutsche übersetzen kann, dem spendiere ich ein Wochenende in einem Fünf-Federn-Nest. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 708 vom 28. 3. 23

Da behaupte noch einer, Zeitung lesen lohne sich nicht mehr. Auch gestern bin ich wieder an erstaunlichen Artikeln hängen geblieben. An einem erschreckenden über den Gouverneur von Florida, der sich anschickt, bei den Republikanern das Erbe von Donald Trump anzutreten und von dem sogar eine Kolumnistin des eher konservativen Wall Street Journals schrieb, er verfüge über die Empathie eines Eisschranks: "Er würde in einer Klinik den Stecker eines Beatmungsgerätes ziehen, um das Ladekabel für sein Handy anzuschließen." 
 
Und einen skurillen über einen Ableger der elsässischen Stadt Colmar mitten im Dschungel. Auf Wunsch eines Ex-Regierenden hat ein befreundeter Milliardär sich vom Monsunregen nicht abhalten lassen einen möglichst originalgetreuen Nachbau von Fachwerkhäusern, eines Schlosses und eines Wachturms mitten im Urwald zu errichten. Was dort jetzt jedes Jahr viele Touristen anzieht, nicht nur aus Malaysia, sondern auch aus China und Russland. Ähnliches hat man auch bereits aus China gehört, wo man gern europäische Sehenswürdigkeiten eins zu eins nachbaut. Also nicht im Legoland-Format, wie das früher bei uns praktiziert wurde.
 
Irgendwo tief in uns Menschen drin muss ein Drang verankert sein, Gebäude und Orte, die uns besonders imponieren, an anderer Stelle zu kopieren. Schon römische Imperatoren hatten Spaß daran, antike Seeschlachten nachzustellen und setzten dafür das Collosseum und Teile der Stadt unter Wasser. Wir in Deutschland haben dieser Neigung nur in bescheidenem Maßstab nachgegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden historische Gebäude zerbombter Städte wieder halbwegs originalgetreu errichtet. Der Leidenschaft, alte Bauwerke wiederherzustellen, frönen wir bis in die Gegenwart. So ist nach der Frauenkirche in Dresden auch das Stadtschloss in Berlin aus Ruinen auferstanden. 
 
In Wesel begnügte man sich damit, lediglich die Fassade des alten Rathauses auf dem Domplatz zu rekonstruiieren. In der zweckorientierten modernen Neubauzeile wirkt dies wie ein Oldtimer in einer Neuwagenausstellung. Da lobe ich mir eher das Freiluftmuseum in Münster, wohin denkmalgeschützte Bauten aus anderen Orten Stein um Stein umgesiedelt worden sind. 
 
Bei uns triumphiert jedoch öfter die Veranlagung zum Protz über den berechtigten Wunsch, etwas wirklich Schönes, Gelungenes, ja, geradezu Anbetungswürdiges als Vorbild für einen Neubau zu wählen. So war es purer Neid, der in Nordlüdenscheid zu dem Versuch führte, die schmucke Schalke-Arena durch einen Stadion-Ausbau auszustechen. Nun ist man dort stolz auf die "gelbe Wand" eine lediglich übertrieben erweiterte Tribüne, auf der Schreihälse sich bei Heimspielen austoben dürfen. Wie schlicht gelb-schwarze Hirne gestrickt sind, kann man bereits daran erkennen, dass auch die beliebteste Vereinshymne geklaut ist. Mangels eigener Ideen grölt man dort jetzt eine Schnulze aus Liverpool - dabei haben die Beatles doch viel bessere Lieder komponiert als Gary and the Pacemakers. 
 
Zurück zum Anfang. Ich habe beschlossen, angesichts asiatischer Raubbaukunst zum Gegenschlag auszuholen. Ich werde in unserem Garten einen Teil der chinesischen Mauer originalgetreu nachbauen. Die Grundsteinlegung erfolgt in diesem Sommer, danach will ich den Bau Quader für Quader jedes Jahr erweitern. Natürlich nicht die komplette Mauer, ich bin ja nicht größenwahnsinnig. Ich beschränke mich auf das Teilstück zwischen Au-wei-ah und Ja-nee-dann-nich. Nach meinen Berechnungen müsste das Bauwerk in 14 236 Jahren fertig sein. Ich lade Euch schon heute herzlich zur Einweihung ein! 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 707 vom 27. 3. 23

 

Kürzlich war in einem Interview mit Marius Müller-Westernhagen zu lesen, wie der Schauspieler und Sänger ursprünglich hieß: Schlicht und einfach Müller. Weil ihm das für eine Theaterkarriere nicht einprägsam genug erschien, hängte er Westernhagen dran, um sich von den vielen Müllern dieser Welt abzuheben. Das ist einer der seltenen Fälle, wo sich früher freiwillig jemand einen Doppelnamen zulegte. 
 
Lange Zeit waren Frauen zu einem Anhängsel gezwungen, wenn sie nach der Heirat ihren Geburtsnamen behalten wollten. Dabei kam dann so etwas heraus wie Hopsing-Vermögend, Sandra Kleine-Krabbe, Barbara Fröhlich-Rausch und Katrin Sauf-Lang. Oder aber Wortungetüme wie Judith Gurfinkel-Hickinbotham oder Marlies Krzynoskij-Schmirzyk. Wer möchte das schon sein Leben lang buchstabieren müssen? 
 
Daher gab es schon früh in unserer Geschichte die Neigung, sich einen Wunschnamen zu gönnen. Der Erfinder der Buchdrucker-Kunst, Johann Gutenberg hieß eigentlich Johann Gensfleisch von Sorgenloch. Zahlreiche andere Prominente taten es ihm nach. Dabei ist zu beachten, dass eine Verkürzung kein Pseudonym ist. Etwa von Hermann Otto Solms. Der Politiker hieß mit vollem Namen Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich. 
 
Andere hingegen wollten mit einem originellen Namen bekannt werden. Bei Lady Gaga haben wir sicher alle vermutet, dass sie nicht mit diesem Namen getauft wurde. Ihr Wunsch zur Verkürzung, inspiriert vom Queen-Song Radio Gaga, ist für mich nachvollziehbar. Eigentlich hieß sie Stefanie Joanne Angelina Germanotta. Shakira machte es sich leicht, behielt ihren ersten Vornamen und ließ den Rest einfach weg: Isabell Mebarak Ripoll. 
 
Doch nicht nur im Showgeschäft kann ein anderer Name nützlich sein. Ex-US-Präsident Bill Clinton hieß früher William Jefferson Blythe. In seinem bewegten Leben erschien es Herbert Ernst Karl Frahm im skandinavischen Exil besser, sich einen neuen Namen zu geben: Willy Brandt. 
 
Zurück zur Musik. Zum Rap passt ein kurzer, klingender Name. Zum Beispiel die Abkürzung von "superintelligentes Drogenopfer". Hinter der Maske von Sido steckte Paul Würdig. Kennt Ihr auch Anis Mohamed Youssef  Ferchichi? Er machte unter dem Namen Bushido (und mit Hilfe eines kriminellen Clans) Karriere. Dass er kriminell war, kann man einem früheren Konditor nicht nachsagen, dass seine frühen schwarzbraunen Lieder ihn aber in anderer Hinsicht suspekt gemacht haben, lasten Heinz-Georg Kramm, alias Heino, heute noch viele an. Dagegen gibt es einen Rocksänger, von dem ich stets dachte, er trage seinen echten Namen. Nix da, Mick Jagger heißt tatsächlich Michael Philip. 
 
Um Euch zu beruhigen: Klaus-Dieter Heinz Krause ist mein richtiger Name. Allerdings würde ich gern wegen meines flüssigen Lebenslaufes einen anderen tragen. Doch den hat mir Hans-Jürgen Dohrenkamp geklaut. Er tritt als Jürgen von der Lippe auf, wobei doch der einzig wahre Klaus von der Lippe direkt am Flussufer in Dorsten zuhause ist. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 706 vom 26. 3. 23 


Mit vier Jahren, lange bevor ich lesen konnte, habe ich bereits mit Hilfe eines Buchers etwas gelernt. Das war nämlich ein Bilderbuch mit Ziffernblatt und beweglichen Zeigern auf der Titelseite. So wusste ich schon früh, was die Stunde geschlagen hatte und wann ich mich verstecken musste, um das zu Bett gehen hinauszuzögern. Und nun las ich gestern in der Zeitung, dass angeblich viele Kinder heute durch Digital-Anzeiger gar nicht mehr wissen, wie eine Uhr gelesen wird. Mehr noch: Der Autor sagte voraus, dass die klassischen Uhren bald ausgedient haben. 
 
Mit Verlaub: Das halte ich für Unsinn. Vermutlich ist der Artikel ins Blatt gerutscht, weil man anlässlich der Umstellung auf Sommerzeit ein geeignetes Thema suchte. In der gleichen Zeitungsausgabe wurde auf der ersten Seite die Zeitumstellung auch grafisch dargestellt. Digital? Nein, mit Hilfe eines Ziffernblattes und Uhrzeigern! Auch wenn Smartphones und Handys dazu führen, dass Armbanduhren nicht mehr so verbreitet sind - zumindest als Statussymbol und Armschmuck werden sie auch bei Jüngeren gefragt bleiben. Und dann gibt es ja auch noch die vielen Turmuhren. Erst, wenn ein Digitalanzeiger den Glockenschlag von Big Ben auslöst, bin ich bereit zu glauben, dass nach der Telefon-Wählscheibe auch die klassische Uhr im Museum landet. 
 
Doch wie lange gibt es eigentlich diese Form der Zeitanzeige? Die erste Uhr, an der Menschen sich grob orientierten, war astronomischer Natur. Sonnenauf- und untergang bestimmten den Tagesablauf: Zwischendurch schaute man nach dem Stand der Sonne, soweit die Bewölkung das erlaubte. Ca. 5000 Jahre vor Christi Geburt kamen die Ägypter darauf, mit Hilfe des Schattens Zeit durch eine Sonnenuhr zu bestimmen. 2000 Jahre später folgten ihnen die Sumerer. Wiederum ein Jahrtausend weiter, also etwa 2000 v. Chr., begannen die Babylonier, die Zahl 60 zur Zeiteinteilung zu nutzen und entwickelten das Zwölfersystem. Im Jahr 1500 v. Chr. kam die Wasseruhr hinzu, auch die Sanduhr wurde erfunden. In China, England und im Irak benutzte man später auch Kerzenuhren. 
 
Bis zum ersten mechanischen Chronometer sollte es aber noch etwas dauern. 1335 war es endlich soweit. In Italien tickte die erste Räderuhr. Sie setzte sich in zivilisierten Teilen Europas schnell durch und war an Kirchen, Rathäusern und Türmen weithin sichtbar. Erst 1475 war man dann in der Lage, auch Minuten und Sekunden anzuzeigen. Der Erfinder der ersten Taschenuhr kam aus Nürnberg. Sie wurde um 1500 von Peter Henlein konstruiert. Dass dann die Armbanduhr ihren Siegeszug antrat, ist noch gar nicht solange her. Der Prototyp zierte 1904 in Frankreich das Handgelenk eines Mannes. 
 
Mechanische Uhren sind selten geräuschlos. Wer "Tick" sagt, muss auch "Tack" sagen. Aber warum? Wäre für eine lautmalerische Umschreibung nicht ein gleichförmiges Tick, tick, tick.... angebracht? Der Duden erklärt das Wortpaar mit unserem Hang zur Verdoppelung, auch Reduplikation genannt. Beispiele? Unser Töff töff soll tagtäglich tipp-topp sein! Doch warum "Tack"? Darüber schweigt sich das Internet aus. Stattdessen landet man bei Atemerfrischern und einer chinesischen, weltweit äußerst beliebten Internet-Spielwiese. 
 
Immerhin weicht die sprachliche Wiedergabe des Uhrentickens auch in anderen Ländern vom Originalgeräusch ab. Im Englischen heißt es tick-tock, französisch und spanisch tik-tok. Und blicken wir nach Asien, dann wird es exotisch: Die Chinesen sagen chouchu, die Japaner chikutaken. Doch bevor ich Euch mit dem Uhrentick auf den Zeiger gehe, ahne ich, was die Glocke geschlagen hat und mache lieber für heute Schluss. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 705 vom 25. 3. 23


Gestern herrschte Aprilwetter. Beinahe hätte mich ein kräftiger Schauer erwischt. Das ist mir in der Vergangenheit schon öfter passiert. Seitdem beschäftigt mich die Frage: Bringt es etwas, das Tempo zu verdoppeln, falls die Haustür schon in Sicht ist? Oder wird man unabhängig von der Geschwindigkeit ebenso tropfnass, als wenn man sich Zeit gelassen hätte? 
 
Die Antwort auf die Frage ist zweigeteilt. Denn das Volumen des Raumes, den man auf dem Heimweg durchqueren muss, bleibt ja gleich. Wenn es gleichmäßig schüttet, ist es daher egal, in welchem Tempo ich die Strecke bewältige, die Zahl der Regentropfen ändert sich nicht. Das gilt jedoch nur unterhalb des Kopfes. Anders verhält es sich nämlich mit den Regentropfen, die mir auf den Schädel prasseln: Je länger ich dem Guss ausgesetzt bin, desto mehr werden es. 
 
Wenn man rennt, wird sonst die Menge der Regentropfen sozusagen in kürzer Zeit aufgesammelt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass man schneller durchnässt wird, da für das Trocken infolge Verdunstung weniger Zeit vorhanden ist. Daher würde ich vorschlagen, bei leichten Regenschauern lieber zu gehen als zu laufen. Und bei einem Wolkenbruch rate ich, abzuwarten und erst einmal im Trockenen zu bleiben. 
 
Martin Whittle lebt in South Yorkshire. Das liegt im englischen Lake District. Ich vermute, der Mann ist Mathematiker oder Physiker. Denn er meint zur Problematik folgendes: "Wenn sich der Fußgänger bei uns im Lake District aufhält, dann ist es ratsam, sich so schnell wie möglich zu bewegen. Denn hier ist horizontaler Regen üblich, der überdies stets von vorn auftritt, also gegen die Laufrichtung. In solch einem Fall berechnet sich das Volumen der Tropfen, die aufgesammelt werden, aus der relativen Geschwindigkeit des Regens und des Fußgängers, multipliziert mit der benötigten Zeit." 
 
Und Whittle hat das sogar in eine Formel gepackt: "Wenn sich der Regen mit der Geschwindigkeit vr (gegen die Laufrichtung) über den Boden bewegt und die Person die Geschwindigkeit vp hat, dann ist der Läufer um 1 + vr/vp nasser als bei vertikalem Regen, bis er ins Haus kommt. Wenn man rennt, um mit dem Regen Schritt zu halten (definiert als vp plus/minus vr), dann ist es theoretisch möglich, trocken zu bleiben." Theoretisch. Praktisch sieht die Sache anders aus. 
 
Also, Ihr Rechenkanonen, wenn Ihr mit der Überprüfung der Gleichung fertig seid, habe ich noch eine zweite Aufgabe für Euch. Welche erstaunliche Zahl kommt heraus, wenn man 111 111 111 mit 111 111 111 multipliziert? Das Ergebnis findet Ihr unter PPS. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur fraulichen Schmunzelpost von gestern gibt's noch eine Anmerkung von Martin: "Böse Zungen behaupten ja, dass Frauen nur deshalb länger leben als Männer, weil sie die Zeit gutgeschrieben kriegen, die sie für's Einparken gebraucht haben." Nein, ihr müsst das Augenzwinkern dazu denken, Martin meint das bestimmt nicht so. Und wenn doch, dann wird er in der Hölle enden. Als Eingrenzungspfosten, an dem Frauen das Einparken üben... 
 
PPS. 12345678987654321 
 

 Schmunzelpost 704 vom 24. 3. 23


Wenn heute mein Ideenspeicher relativ leer ist, dann liegt das nicht daran, dass ich auf der Rückfahrt von Spiekeroog beim Zwischenaufenthalt in Leer mein Gehirn abgegeben habe. Es hat mehr damit zu tun, dass Faulheit ein zweischneidiges Schwert sein kann. Weil die Gastgeber es anboten, haben wir unser Gepäck vorab zum Fährhafen befördern lassen. Das hat uns immerhin 800 Meter Fußweg mit schweren Koffern erspart. Die Sache hatte aber einen Haken: Die gepackten Koffer mussten bereits um 8 Uhr früh vor dem Haus stehen. Was zur Folge hatte, dass bei mir, einem ausgewiesenen Langschläfer und Morgenmuffel, um 7.15 Uhr der Wecker klingelte. Als Rentner! Im Urlaub! Unerhört! 
 
Bei solchen Gelegenheiten wünsche ich mir sogar, eine Frau zu sein. Nur aus einem einzigen Grund: Das Herz von Frauen schlägt schneller als das von Männern. Und bessere Durchblutung, so denke ich, sollte das Gehirn beflügeln. Doch da der Grips zwischen beiden Geschlechtern wohl gleichmäßig verteilt ist, spielen da womöglich auch noch andere Faktoren eine Rolle. 
 
Trotzdem gibt es Beispiele, wo Frauen Männern gegenüber klar im Vorteil sind. Nehmen wir etwa die höhere Lebenserwartung. Oder ein Forschungsergebnis, das den wenigsten bekannt ist: Frauen fallen seltener aus dem Bett als Männer! Frauen können auch besser Männer darstellen als umgekehrt. Woher ich das wissen will? Ganz einfach. Der Delfin, der in den meisten Folgen der TV-Serie Flipper verkörperte, hieß Susi. Und das nicht ohne Grund. 
 
Während wir Männer oft mit Flecken auf dem Hemd, Nudel im Mundwinkel und Bierschaum im Bart das Haus verlassen, geben Frauen viel mehr auf sich acht. Dafür zahlen sie allerdings einen Preis. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Frauen rund zwei Jahre ihres Lebens vor dem Spiegel verbringen. Männer hingegen hängen oft mehr als zwei Jahre ihrer Lebenszeit in Kneipen herum. Vielleicht wirkte sich das auch auf die Lebenserwartung aus. Ob es auch dazu beiträgt, dass Frauen viel seltener Schluckauf bekommen als Männer, ist noch unerforscht. 
 
Auch bei der Reproduktion ihrer Art ist das weibliche Geschlecht vorbildlich. Frauen bringen bekanntlich Kinder zu Welt, ein Mann hat das noch nie geschafft. Hähne krähen, Hennen legen Eier. Und eine Bienenkönigin legt täglich sogar 3000 Eier!. Da würde selbst August der Starke staunen, der angeblich (natürlich mit Hilfe von Frauen) mehr als 100 Nachkommen in die Welt setzte. 
 
Kommen wir zur Sprache. Es ist erwiesen, dass Frauen einen größeren Wortschatz haben als Männer. Sie reden mehr, aber auch differenzierter. Und sie interpretieren Aussagen mitunter anders. Ein simples Beispiel. Sie fragt: "Hast Du den Müll rausgebracht?" Er antwortet: "Nein, noch nicht." Nun geht sie stillschweigend davon aus, dass er bald in Sachen Müll tätig wird - sie hat ihn ja erinnert. Deshalb kann am nächsten Tag der Ärger wegen der unerfüllten Erwartungshaltung groß sein. Denn er hat lediglich die Situation beschrieben, fühlt sich aber zu nichts verpflichtet. Sie aber bezichtigt ihn, eine Pflicht trotz Mahnung nicht erfüllt zu haben - aus solchen Anlässen kann ein richtiger Krach entstehen. Liebe Frauen, wir brauchen klare Anweisungen. Unsere simpel strukturierten Gehirne können mit dem Hinweis: "Bitte bring heute noch den Müll weg!" viel mehr anfangen. 
 
Apropos Gehirn. Als Nachtmensch finde ich ermutigend, was Wissenschaftler herausgefunden haben: Menschen, die spät schlafen gehen, sind statistisch betrachtet intelligenter als Menschen, die früh zu Bett gehen. Eben diese Intelligenz stürzt mich jedoch sofort wieder in Zweifel angesichts eines anderen Forschungsergebnisses: Statistiken sind in 35 Prozent aller Fälle frei erfunden! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 703 vom 23. 3. 23


Dreemal is Freesenrecht! Auch ein drittes Mal hat die Schmunzelpost einen ostfriesischen Hintergrund. Tacitus urteilte einst: "Frisia non cantat." Friesen sollen also nicht gut singen, dafür aber laut Tacitus gut rechnen können: "Frisia non cantat, sed rationcinatur." Und sie reden auch nicht viel: "...non multus dicet etiam." Doch wenn sie es tun, dann heißt es:"Wi proten Platt." 
 
Ein paar Kostproben gefällig? Im Restaurant sagt der ostfriesische Kellner: "De Fisk mutt dreemal swemmen: In Water, in Botter un in Wien." Dem stimme ich zu und vertraue darauf, dass Schmunzelleser intelligent genug sind, um keine Übersetzung zu benötigen. Trotzdem könnte ich über einige von Euch sagen: "He is'n bietje doof!", ohne jemand zu beleidigen. Denn das bedeutet: "Er ist ein bisschen taub." 
 
Obwohl es auf Spiekeroog heißt es, Platt sei "hel wat Besünners", es lasse sich nicht lernen, es müsse mit der Muttermilch eingesogen werden, sage ich dazu: "Doon deit Lehren!" (Übung macht den Meister). Und wenn Ihr ordentlich paukt, ist es möglich, dass hinterher ein Insulaner anerkennend über Euch sagt: "Dat Aas het wat leert, se Coort van Hallen, de kann dör de Welt komen." Und wenn Ihr Euch weiter geschickt anstellt und als sprachkundig erweist, dann kann noch eine Steigerung folgen: "Wat de Drummel neet all kann, man sullt net löven, ween 't eent neet sülvst sach." In dem Fall schiebe ich doch besser eine Übersetzung hinterher: "Was der Bursche nicht alles kann! Man sollte es nicht glauben, wenn man es nicht selber sähe." 
 
Doch Vorsicht! Friesisches Platt ist oft doppeldeutig. Der Drummel kann ein Schelm, ein Racker oder ein Lümmel sein. Aber auch ein Teufel: "Pass up! De Drummel halt di!" Und? Ist  Euch das widerfahren? Falls nicht, erwarte ich ein heftiges Schüüdkoppen (Kopfschütteln). Falls Ihr aber mit einem Nickkoppen reagiert, dann seid Ihr vermutlich en Frantepoot, also ein verdrießlicher, mürrischer Mensch. Oder ein Piepelklaas (Jammerlappen) oder eine Piepeltrientje (auch die Ostfriesen haben Jammerlappen schon gegendert). 
 
Zum Schluss noch ein paar Ratschläge, falls Ihr als Verwandte oder Paten, als Eltern oder Großeltern gebeten werdet, bei der Suche nach einem originellen Vornamen zu helfen, der dank seiner Tradition von den Standesämtern akzeptiert wird. Wie wäre es bei einem Mädchen mit Mareka, Hermannkea oder Wübkeline? Jungs könnt Ihr Ufke, Jelto, Habbo oder Jodokus taufen. 
 
Glückauf 
Jodokus Krause 
 

 Schmunzelpost 702 vom 22. 3. 23


Die heutige Schmunzelpost hat einen Anfang und ein Ende. Das trifft zwar eigentlich auf alle Folgen zu, wird diesmal jedoch aus einem besonderen Grund hervorgehoben: Inspiriert durch Ebbe und Flut, siehe gestern, beschäftige ich mich mit Wortpaaren meist gegensätzlicher Natur.

Dazu gehören auch Namen. Kennt Ihr noch Pat und Patachon? Das war ein Komikerduo aus der Stummfilmzeit, das meinen Vater in seiner Jugend begeisterte. Pat war ein Knirps, Patachon ein langer Lulatsch. Populärer war ein anderes Paar, das in Deutschland unter dem despektierlichen Namen "Dick und Doof" die Leute zum Lachen brachte. Stan Laurel und Oliver Hardy sind immer noch recht beliebt, obwohl ihnen die Genialität von Charlie Chaplin fehlte.

Das war zwar kein Unterschied wie Tag und Nacht, doch Chaplin gelangen Meisterwerke wie "Moderne Zeiten" oder "Der große Diktator". Zu den Meisterstücken wird diese Schmunzelpost wohl nicht zählen, aber vielleicht kann sie Euch als Anregung für einen Zeitvertreib bei langen Fahrten oder in Wartezimmern dienen. Denn wenn man auf Eigenschaftswörter wie heiß und kalt oder alt und jung verzichtet, dann purzeln entsprechende Hauptwort-Paare nicht gerade aus dem Ärmel.

Aber gerade fällt mir wieder eines ein: Regen und Sonne.  Das hat auch mit dem Grund zu tun, weshalb ich  bereits mittags am Laptop sitze. Nach dem sonnigen Start am Sonntag hat sich am Montag der Himmel über der Insel leider zugezogen und jetzt regnet es bereits seit Stunden. Nur gut, dass dies keine Frage von Leben und Tod ist, sondern nur eine Aufenthaltsbestimmung für drinnen oder draußen. Okay, das zählt nicht. Aber die rhetorische Frage "Geld oder Leben?", die dem Vernehmen nach früher öfter vom Räuber Hotzenplotz und seiner Zunft gestellt wurde.

Wenn ich Hals über Kopf in Berg und Tal über Stock und Stein unterwegs bin, dann kann ich mir nach meiner Definition auch bloß ein Wortpaar anrechnen. Glück und Pech liegen eben manchmal dicht beieinander, genau wie Recht und Unrecht. Nun aber hurtig zum Endspurt ansetzen, es nieselt nur noch. Draußen werden wir uns dann entscheiden, ob wir uns nach Süden oder Norden wenden. Zum Glück schwankt das Wetter nicht zwischen Sommer und Winter, es ist frühlingshaft mild.

Und ich mache für heute hoffentlich noch rechtzeitig Schluss, bevor bei der Lektüre Eure Empfindungen zwischen Freud und Leid ins Quälerische abgleiten. Und schließlich folgt nach jedem Anfang auch ein Ende. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 701 vom 21. 3. 23

 

Durch das Einatmen von Meeresluft verwandele ich mich stets binnen kurzer Zeit in einen Gelegenheits-Insulaner. Und weil das Leben hier auf Spiekeroog maßgeblich von den Gezeiten geprägt wird, erzähle ich Euch heute etwas über Ebbe, Flut und Stürme. Aufgepasst, liebe Landratten! 
 
Man muss nicht Käpt'n Blaubär sein, um davon schon mal etwas gehört zu haben. Zwar glaube ich nicht, dass sich unter Euch Verwandte von Hein Blöd befinden, aber zur Vorsicht fange ich trotzdem mit Binsenweisheiten an. Unter den Gezeiten, auch Tide genannt, versteht man den Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser an Meeresküsten und Flussmündungen. Dieser Wechsel vollzieht sich zweimal in einer Zeitspanne von 24 Stunden, 50 Minuten und 28 Sekunden. 
 
 Verursacht werden die Gezeiten durch die Anziehungskraft vor allem des Mondes, aber auch der Sonne. Bei Halbmond gibt es nur ein moderates Gefälle zwischen Ebbe und Flut, doch bei Voll- und Neumond sind die Unterschiede am größten. Das nennt man Springflut. Verantwortlich dafür ist, dass dann jeweils Mond, Erde und Sonne eine gerade Linie bilden. 
 
Wie schwach oder stark der Wechsel sich vollzieht, hängt von den geologischen Gegebenheiten ab. An der Ostsee beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut maximal 30 cm. An den Küsten der deutschen Nordseeinseln sind es schon zwischen ein und zwei Metern. Anderswo in Europa, zum Beispiel in St. Malo, Nordfrankreich, und an der Severnmündung zwischen England und Wales reden wir sogar über 8 Meter. Die höchste Flut lässt sich in der kanadischen Findy-Bucht messen. Sie beträgt zwischen 14 und 21 Metern! 
 
Falls jedoch eine steife Brise weht, dann brandet das Meer noch deutlich höher an die Küste. Steigt die Flut um bis zu 2,5 m Meter mehr als normal, ist von einer Sturmflut die Rede. Das lässt sich steigern: Bei einer Wasserhöhe bis zu 3,5 Meter über dem üblichen Stand handelt es sich um eine schwere Sturmflut. Eine Orkanflut ist gegeben, wenn der Wasseranstieg sogar noch darüber liegt. 
 
Das hat es in der Vergangenheit an unserer Nordseeküste immer wieder gegeben. Bei der Julianenflut 1164 kamen rund 20 000 Menschen ums Leben. Noch mehr waren es 1219 bei der Marcellesflut, und am schlimmsten ging es bei der "Großen Mandränke" 1364 zu. Die Schätzungen reichen bis zu 100 000 Todesopfern. 44 Orte verschwanden von der Landkarte, und der Küstenverlauf veränderte sich drastisch. 
 
Auch die Einwohner Spiekeroogs können ein Klagelied singen. Bei der letzten Orkanflut im Februar 1972 kam zwar kein Insulaner ums Leben, doch von den mehr als 20 Quadratkilometern Landfläche standen lediglich 1,7 Quadratkilometer nicht unter Wasser. Fast alle Häuser waren betroffen, der Schaden war immens. Kein Wunder, dass man hier den fortschreitenden Klimawandel  besonders besorgt wahrnimmt. 
 
Zum Glück haben die Ostfriesen ihre Anpassungsfähigkeit bewahrt und sich Kiemen wachsen lassen. Davon berichtet folgende Geschichte: Enno und Hein stehen auf dem Dach ihres Hauses und schauen auf das Deichhinterland, das nach einer Sturmflut völlig überschwemmt ist. Da erspähen sie plötzlich eine Mütze, die scheinbar durch den Wind auf das Haus zutreibt. Doch plötzlich macht die Kappe kehrt und bewegt sich in die Gegenrichtung - dem starken Wind entgegen! Enno staunt, stopft sich eine Pfeife und sagt schließlich: "Donnerlittchen! Wie ist das bloß möglich?" Hein schaut ihn an, blickt zur Mütze und antwortet dann: "Ist doch klar! Das ist der Jan - der pflügt bei jedem Wetter!"  
 
Ahoi! 
kdk 

Schmunzelpost 700 vom 20. 3. 23 


In diesem Jahr fällt der Frühlingsbeginn bereits auf den 20. März. Aus diesem Anlass folgen jetzt ein paar Fragmente von Frühlingsgedichten. Und zwar so, wie sie mir in Erinnerung geblieben sind. Oder mit Blick auf die Gegenwart leicht modifiziert wurden.
 
Starten wir mit dem vielleicht bekanntesten Reim, dem Anfang von Eduard Mörikes vielzitiertem Werk "Er ist's".
 
Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte,
frohgemut entlang am Strand - dank neuer Hüfte ist das düfte!

Mörike verfasste aber auch Verse über den "Zitronenfalter im April".

Grausame Frühlingssonne, Du weckst mich vor der Zeit,
dem nur in Maiensonne die zarte Kost gedeiht.

Flieg weiter, kleiner Falter, glaub mir, es ist kein Scherz,
das macht der Klimawandel: Maisonne schon im März!
 
Unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe hat oft über den Frühling geschrieben. Kennt Ihr sein Gedicht "Gleich und gleich"?
 
Ein Blumenglöckchen vom Boden hervor
war früh gesprosset in lieblichem Flor.
Da kam ein Bienlein und naschte fein.
Die müssen wohl beide füreinander sein.
 
Und kurze Zeit später, ihr Kindlein fein,
es blühte und summte, ganz zart und ganz klein.
Halb Tier, halb Pflanze, was kann das wohl sein?
Ich will es Euch sagen: Ein Honigblümlein!

Wenn Goethe sich auf der Frühlingswiese tummelt, dann kann Friedrich Schiller nicht weit entfernt sein. Er schrieb das Gedicht "An den Frühling", das so begann:

Willkommen, schöner Jüngling,
Du Wonne der Natur,
mit Deinem Blumenkörbchen,
willkommen auf der Flur.

Willkommen, lieber Friedrich,
bei uns im hier und jetzt.
Es heißt nun "Jüngling:in",
sonst ist frau schwer verletzt.
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 699 vom 19. 3. 23


Am Abend sind wir glücklich auf Spiekeroog gelandet. Schon bei der Überfahrt haben wir die heimische Vogelwelt studiert. Was überwog wohl im ostfriesischen Wattenmeer? Gänse? Möwen? Säbelschnäbler? Austernfischer? Nein, es waren die Enten. Und zwar verschiedene Arten, die wir nicht sofort zuordnen konnten. Doch Ihr habt nicht vergebens Eurem unermüdlichen Schmunzelpost-Schreiber vertraut, der sofort aus der Not eine Tugend machte und nach ausgiebiger Recherche für Euch ein Entenalphabet zusammen stellte. 
 
Affenente. Gibt es nur in Australien, wahrscheinlich weil es dort keine richtigen Affen gibt. 
Bergente. Sollte man nicht glauben, aber die gibt es wirklich. 
Cayugaente. Exotischer Vogel mit schwarzem Gefieder. 
Dänische Ente, lebt meistens in Dänemark und ernährt sich von Smörrebröd. 
Eiderente, hält sich vorwiegend in Schleswig Holstein auf. 
Finschs Ente. Ein flugunfähiger Wasservogel aus Neuseeland, wo erstaunlich viele Vogelarten das Fliegen verlernt haben. 
Gänsesäger, sagt von sich, er sei eine Gans, ist aber eine Ente. 
Haubentaucher. Wird gern für eine eigene Rasse gehalten, legt aber Wert auf seinen Entenstammbaum. 
Jente. Mit Vornamen Martin, überreichte Kulenkampf zum Abschluss von TV-Samstag-Abend-Quiz-Shows gerne den Mantel und würzte das mit sarkastischen Aussagen. 
Krummschnabelente. Wer sie sieht, weiß sofort, warum sie so heißt. 
Löffelente. Mit Gabel und Messer kann sie nichts anfangen. 
Magpie-Ente. Kommt in Großbritannien vor, aber auch in Deutschland. Dort wird sie allerdings Altrheiner Eltersente genannt. 
Niente. Zeichnet sich durch einen Hang zum Nichtstun aus. 
Overberger Ente. Der blaubronzefarbene Wasservogel ist in Holland zuhause. 
Pekingente. Nummer 47 süßsauer im China-Restaurant Eurer Wahl. 
Quitschente. Gehört Herrn Müller-Lüdenscheid. 
Rouenente, blau-wildfarbig, was immer das bedeutet. Ist in Großbritannien heimisch. 
Stockente. Dafür müsst Ihr nicht über Stock und Stein gehen, die ist auch bei uns zuhause. 
Tangente. Lieblingsvogel der Stadtplaner. 
Uckermärker Ente. Bei Spöttern auch unter dem Pseudonym "Angela-Ente" bekannt. 
Veneto-Ente. Seltene Rasse, die sich gern in Gondeln spazieren fahren lässt. 
Warzenente. Eine domestizierte Form der Moschus-Ente. 
Xente. Phantom-Ente, die nur existiert, weil manche Leute Akzente setzen wollen, die absolut in Sachen Rechtschreibung unterbelichtet sind. 
Ypsilon-Ente, bei der ich noch ein zweites Mal in Rente gehen müsste, bis mir zu diesem Buchstaben etwas einfällt. 
Zeitungsente. Quicklebendiges Tierchen, das in letzter Zeit immer häufiger etwas ausbrütet. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 698 vom 18. 3. 23


Kann es sein, dass die Materialbeschaffungsabteilung der Bundeswehr nicht ausgelastet ist und sich Nebenbeschäftigungen in der Privatwirtschaft gönnt? Der Verdacht drängt sich auf. Am heutigen Samstag wollten wir kurz nach 12 Uhr zur Nordseeinsel Spiekeroog übersetzen. Das schien möglich, weil der Fährbetrieb in diesem Jahr erstmals den Watt'n'Express einsetzt. Das ist ein kleineres Boot mit geringerem Tiefgang, das anders als die regulären Fähren nicht von den Gezeiten abhängig ist. 
 
Doch vor ein paar Tagen traf eine Mail ein, in der uns mitgeteilt wurde, dass aus unserer Überfahrt nichts wird. Der Watt'n'Express hatte Probleme mit dem Motor. Daher sind ein paar Ersatzteile eingebaut worden. Aber nach dem Probelauf ging dann gar nichts mehr: Maschinenschaden! Jetzt muss erst das komplette Antriebssystem ausgetauscht werden. Watt'n'Mist! Na, wenn da nicht mal die Experten von der Bundeswehr ihre Finger im Spiel hatten... 
 
Nun werden wir erst am Abend auf Spiekeroog an Land gehen. Doch das tut der Freude keinen Abbruch. Denn Spiekeroog besitzt das Dorf mit dem schönsten, weil ursprünglichsten Ortskern aller ostfriesischen Inseln. Und auch Bausünden in Form von Hotelbetonburgen hat man sich verkniffen. Somit warten immerhin noch fünf schöne Tage auf uns. Und weil wir gerade so munter über Inseln schnacken, bleibe ich noch ein wenig beim Thema. 
 
Als Geheimtipp gilt die griechische Insel Poros, ein kleines Eiland im Saronischen Golf. Sie hat außer unendlich erscheinenden Küsten, netten Cafes und Kneipen etwas ganz Besonderes zu bieten: Lemonodassos! Das ist ein Wald mit mehr als 30 000 Zitrus- und Orangenbäumen. Musikfreunde, die keinen Wert auf warmes Wetter legen, zieht es dagegen regelmäßig nach Sanna. Das ist eine nur drei Quadratkilometer große norwegische Insel. Sie gehört zur Gemeinde Traena, die aus mehr als 1000 Inseln besteht, von denen aber nur wenige bewohnt sind. Und auf Sanna findet das "abgelegenste Musikfestival" der Welt statt. Aus allen Teilen der Erde kommen jedes Jahr Musiker dorthin, um auf einzigartigen Bühnen, z. B. in Grotten oder Holzkirchen", aufzutreten. 
 
Wer es noch kleiner mag, der reist nach Comino. Das ist mit nur drei Einwohnern die kleinste Insel des maltesischen Archipels im Mittelmeer. Vor allem Taucher und Windsurfer fühlen sich hier wohl. Doch wenn man hört, dass die "blaue Lagune" mit türkisfarbenem Wasser und schneeweißem Sandstrand lockt, der den Vergleich mit den Malediven nicht zu scheuen braucht, dann kommen selbst Landratten in Versuchung. 
 
Wo wir schon von Norwegen sprachen: Es gibt noch eine norwegische Insel, die in einer Ecke der Welt liegt, die man kaum mit Skandinavien in Verbindung bringen würde. Es handelt sich um Bouvet, die wahrscheinlich abgelegenste Insel auf unserem Planeten. Sie liegt 1700 Kilometer entfernt von der nächsten menschlichen Ansiedlung - und die heißt "Queen Maud Land", liegt in der Antarktis und ist auch nicht gerade das, was man unter einem belebten Ort versteht. Da Bouvet fast komplett von einer Eisdecke überzogen ist, leben dauerhaft nicht einmal kälteresistente Norweger dort. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet, die als Besucher hauptsächlich Abenteurer und Amateurfunker anzieht. Warum Letztgenannte die beschwerliche Reise in Kauf nehmen, ist mir ein Rätsel. Vielleicht gilt es in Funkerkreisen als das Größte, wenn man von Bouvet einen Funkspruch absetzt - der Mount Everest hat durch Massentourismus ja seinen Reiz verloren. 
 
Falls Ihr eine Fahrt dorthin wagt, warte ich mangels Funkanlage gespannt auf Eure Postkarte. Aber passt bloß auf: Wenn Euch die Materialbeschaffungsstelle der Bundeswehr für die Reise die "Watt'n'Antarktis" zum Schleuderpreis anbietet, dann lasst besser die Finger davon. Damit kommt Ihr nicht mal bis Spiekeroog! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 697 vom 17. 3. 23


Gestern Nachmittag kam allmählich die Sonne hervor, und die Temperatur stieg. Der Frühling ist im Anmarsch! Davon zeugt neben dem Knospen von Büschen und Bäumen auch das Vogelkonzert. Als Morgenmuffel und Langschläfer bin ich da eigentlich empfindlich, doch zum Beginn des Frühjahrs freue ich mich: Die kalte Jahreszeit wird mit Tirilli und Tirilla verabschiedet. 
 
Einer der ersten geflügelten Frühlingsboten bei uns singt nicht. Er klappert. Bereits im Februar, wenn es nachts oft noch frostig sind, stellen sich in Dorsten die ersten Störche ein. Ausschließlich Männer. Jetzt könnte ich lästern: Typisch, die verwöhnten Weibchen sind kälteempfindliche Weicheier, bei Menschen wie bei Störchen. Doch das stimmt in diesem Fall nicht. Die Storchenfrauen sind lediglich cleverer. Sie lassen die Kerle die Horst-Bauarbeiten machen und entscheiden sich dann, wer ihnen eine solide Grundlage für die Aufzucht des Nachwuchses bieten kann. 
 
Doch nun zu den heimischen Zugvögeln, die wir alle kennen und über die wir als Schulkinder Lieder geschmettert haben. Wie war das noch?  "Amsel, Drossel, Fink und Star..." Wer meint, das war es schon und allenfalls noch Schwalbe und Kuckuck hinzufügt, dem sei gesagt: Er irrt gewaltig! Allein in Deutschland werden 244 Zugvögel-Arten gezählt. Und weltweit gehören rund 50 Milliarden Vögel in diese Kategorie! 
 
Immer wieder verblüffen die Namen der oftmals vom Artensterben bedrohten Zugvögel. Ich habe mir den Zauselzeisig ausgedacht, doch den Feldschwirl, den Gelbspötter, den Grauschnäpper, den Brachpieper und den Rotkopfwürger gibt es wirklich. Und sie alle wechseln im Winter in wärmere Regionen. Allerdings ist das Zugvogelwesen mittlerweile eine Wissenschaft für sich. Denn es gibt nicht nur Langstreckenzieher (etwa 2/3), sondern auch Mittel- und Kurzstreckenzieher (na, Ihr Mathe-Genies? Richtig! Ein Drittel). 
 
Doch so einfach ist das nicht. Denn es gibt auch noch sogenannte Teilzieher, von denen es längst nicht alle in die Ferne treibt und - hmm, ich nenne sie mal Dauercamper. Das sind Vögel, die denken: "Ich hab' doch keinen Vogel und mache mich auf die beschwerliche Reise, bei der unterwegs tausend Gefahren lauern. Ich bleibe lieber das ganze Jahr hier! ich werde im Winter durchgefüttert, und es ist alles so schön mild hier - die Menschen nennen das Klimawandel." 
 
Zu den Fernwehgeplagten gehören Bachstelze, Austernfischer und Nachtigall. Feldlerche und Kohlmeise bevorzugen kürzere Distanzen. Und Blaumeise, Buchfink, Rotkehlchen und Zaunkönig machen es sich gern bequem: Sie wechseln nur in richtig kalten Wintern ihre Quartiere. 
 
Überhaupt sind manche Vogelarten in der Lage, sich schnell auf veränderte Bedingungen einzustellen. Im lesenswerten Buch "Wanderer zwischen den Welten" berichtet die Autorin Caroline Ring davon, wie viele Vögel sich inzwischen an das Leben in Großstädten angepasst haben. Daher ist die Antwort auf die Frage: "Wo sollte sich jemand umschauen, der in einem kleinen Gebiet in Deutschland möglichst viele Vogelarten sehen will?" nicht überraschend. Nein, nicht in der Eifel, im Harz oder an der Unteren Oder. Berlin ist das neue Mekka der Piepmätze! 
 
Zum Abschluss noch was zum Schmunzeln: Falls mal ein Vogel auf Euren Kopf etwas fallen lässt, dann seid ihm nicht böse. Seid froh, dass Hunde nicht fliegen können! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 696 vom 16. 3. 23 


Manchmal entwickeln sich meine Ideen für eine Schmunzelpost-Folge auf seltsame Weise. Ein Mitglied unseres Haushalts fährt im April zur Leipziger Buchmesse. Verfressen wie ich bin (und vielleicht durch vorsätzlichen Kalorienentzug besonders motiviert) musste ich unwillkürlich an "Leipziger Allerlei" denken. Also serviere ich Euch heute Dorstener Allerlei, gesammelt bei der Recherche zu den Themen der letzten Wochen.
 
Fangen wir mit Eurem Lieblingsthema an: Mathematik. Was ist die Wurzel aus 123456789? Wenn es bei der Lösungsfindung hilft: Es handelt sich passend zum Jubiläum um eine Schnapszahl. Die Lösung ist 11111,11.

Literatur und Sprache: Ein beliebtes Thema, das in der Schmunzelpost immer wieder aufgegriffen wird. Habt Ihr eine Ahnung, wer in einem Buch den bisher längsten Satz veröffentlich hat? Nein, es ist nicht Thomas Mann. Es war Victor Hugo. In seinem Roman "Les Miserables" brachte es ein Satz auf 823 Wörter.
 
Naturgesetze: Zwei plus zwei ergibt vier, das weiß doch jeder. Und dass Wasser stets bei 100 Grad kocht, ist für uns auch selbstverständlich. Aber falsch! Der Siedepunkt hängt nämlich davon ab, wo man sich gerade befindet und welcher Luftdruck dort herrscht. Auf dem Mount Everest kocht Wasser bereits bei 70 Grad. Falls Ihr das vor Ort überprüfen wollt, bitte schön! Aber ohne mich. Extremsport ist nicht mein Fall.

Doch Sport im allgemeinen dagegen schon. Keine Sorge, meine Frage hat nichts mit Schalke 04 zu tun. Aber in welcher Sportart wurde wohl die erste Weltmeisterschaft ausgetragen? Es hat auch was mit Bällen zu tun. Oder, genauer gesagt, mit Kugeln. 1873 gab es die erste Billard-WM.

Dummheit: Darüber gab es in den letzten Schmunzelpost-Folgen ja reichlich zu lesen. Aber Dämlichkeit beschränkt sich keineswegs auf sogenannte bildungsferne Schichten. Wer hatte 1945 den Untergang des U-Boots U 1206 zu verantworten? Der Kapitän! Er wählte statt der Toilettenspülung das falsche Ventil.

Kultur und Film: Wo werden wohl jedes Jahr die meisten Filme gedreht? In den USA, in Hollywood? Oder in Indien, also in Bollywood? Nix da! In Nollywood! In Nigeria sind es 2000 Stück jährlich! Scheiß auf die Political Correctness: Für die Qualität der Massenproduktion sehe ich schwarz.

Erdkunde: "Wanderer, kommst Du nach Liechtenstein - tritt nicht vorbei, tritt mitten rein!" Seit Insterburg & Co. wissen wir, dass es sich bei Liechtenstein um einen Zwergstaat handelt. Dennoch gibt es Staaten auf der Erde, die noch winziger sind. Welche zwei Kleinstaaten weisen weniger Fläche aus, als der Central Park in New York? Monaco und der Vatikan.

Ekel: Viele Menschen lehnen es ab, verarbeitete Insekten zu essen, obwohl das nahrhaft und von der EU genehmigt ist. Liebe Frauen, wisst Ihr, was ein wesentlicher Bestandteil des Lippenstifts ist? Fischschuppen!

Katastrophen: Corona wütet immer noch, obwohl die Pandemie in der öffentlichen Wahrnehmung ihren Schrecken längst verloren hat. Dazu haben Impfstoffe beigetragen. Auch früher hat man Gegenmittel entwickelt, um Seuchen in den Griff zu bekommen. Wisst Ihr, was lange als wirksame Arznei gegen die Pest galt? Eau de Cologne! Mag sein, wahrscheinlich haben die Mitmenschen wegen des angeblichen Wohlgeruchs großen Abstand zu den Anwendern gehalten. Heute gibt es jedoch Leute, die das Duftwasser hassen wie die Pest. Und damit schließen wir den Kreis: Was ist eigentlich die Quadratwurzel aus 4711?
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 695 vom 15. 3. 23


Wisst Ihr, welche Schlacht im Jahre 750 nach Christi Geburt tobte und das Schicksal des damals dominierenden Weltreichs entschied? Na? Fehlanzeige? Ich gebe zu, von der Schlacht am großen Zab habe auch ich bis gestern nichts gewusst. Aber durch ihren Sieg beim Gemetzel an einem Nebenfluss des Tigris lösten die Abbasiden die bis dahin  regierenden Umayyaden als herrschende Dynastie in einem riesigen Gebiet von den Pyrenäen über Nordafrika bis nach Asien ab und stellten danach im "Goldenen Zeitalter des Islam" stets den Kalifen.
 
Nach dem Siegeszug der Anhänger Mohammeds stand das größte Reich der damaligen Zeit unter ihrem Einfluss. Die Spaltung des Islam erfolgte früh nach dem Tod des Propheten und ist bis heute zementiert. Schiiten und Sunniten sind sich auch mehr als tausend Jahre später noch nicht grün. Doch immerhin lösten sie ihren größten militärischen Konflikt binnen kurzer Zeit und brauchten dazu keine dreißig Jahre, wie viele Jahrhunderte später die Katholiken und Prostestanten in einem mörderischen Krieg.
 
Doch fand die Schlacht tatsächlich im Jahre 750 statt? Nach christlicher Zeitrechnung schon. Es ist jedoch bezeichnend, dass wir alle Ereignisse fest in unseren Kalender eingeordnet haben. Die Islam-Gläubigen datieren die Schlacht im Jahre 132/133. Nach dem buddhistischen Kalender fand sie im Jahre 1293/94 statt. Oder in der alternativen Zeitrechnung des Parinirvana zwischen dem 57. und 58. Zyklus. Und für die Juden war die Zeit schon viel weiter fortgeschritten: Sie siedeln den Termin im Jahr 4510/11 an. Was ist mit den Chinesen? Die herrschten um diese Zeit über ein Reich fast vergleichbarer Größe. Doch sie sortierten ihren Kalender anders. Für sie endete 750 das Jahr des Metall-Büffels und das Jahr des Erde-Büffels begann.
 
Den Kalender der Tolteken kenne ich nicht. Aber sie plünderten in Mittelamerika in diesem Jahr die Metropole Teotihuacan und machten die Stadt dem Erdboden gleich. Was war sonst noch los? In England gründeten westlich von London Benediktiner-Mönche eine neue Abtei, die später in anderer Funktion Berühmtheit erlangen sollte. Ihr Name: West Minster. 
Gab es auch berühmte Orte in Deutschland, die damals von sich reden machten? Na ja, urteilt selbst: Bei uns wurden immerhin im Jahre 750 die Städte Grünsfeld, Möckmühl und Marlishausen erstmals urkundlich erwähnt. Wer kennt sie nicht?
 
Doch wie komme ich eigentlich darauf, mich heute mit der Zahl 750 zu befassen? Na klar: Gestern habe ich den 750. Eintrag auf der Seite schmunzelpost.de vorgenommen. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Ich nehme mir aus diesem Anlass 750 Flaschen Rotwein zur Brust. Und wenn ich nach 750 Tagen endlich aus dem Koma erwache, stoße ich gern mit Euch auf das Jubiläum an: Mit einem Glas Mineralwasser.
 
Prost und Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 694 vom 14. 3. 23


Nachdem ich für die letzten beiden Folgen tief in das "Gedankengut" obskurer Glaubensgemeinschaft eingetaucht bin, stelle ich mir zwei Fragen. Ist die ganze Welt verrückt geworden? Oder bin ich selbst verrückt? Wahrscheinlich beides. Jedenfalls ist klar geworden, wie leichtgläubig wir Menschen sind. Und welche Rolle dabei das gedruckte Wort spielen kann. Deshalb finde ich den Geo-Artikel von Tanja Beuthien über den "Moon-Hoax" aufschlussreich. Der "große Mond-Schwindel" gilt als erste Fake-News-Story der Pressegeschichte. 
 
Am 25. August 1835 verkündete die New-Yorker "Sun": "Es gibt Leben auf dem Mond". Das Boulevard-Blatt, das nur einen Cent kostete, berief sich dabei auf einen angesehenen britischen Astronomen. Und Dr. Andrew Grant, Autor der sechsteiligen Lügengeschichte behauptete außerdem, es handele sich um einen Nachdruck aus einer Beilage des renommierten "Edinburgh Journal of Science". 
 
Grant hatte wahrlich Sensationelles zu berichten. Astronom John Herschel habe eine großartige Erfindung gemacht: Ein völlig neuartiges Teleskop mit einer Linse von mehr als 24 Fuß Durchmesser, also mehr als sieben Metern, ergänzt um ein Wasserstoff-Sauerstoff-Mikroskop, das den gewählten Ausschnitt noch einmal vergrößere, beleuchte und auf eine Leinwand projiziere.  Grant habe dadurch mit eigenen Augen sogar Insekten erkennen können, die über die Mondoberfläche krabbelten. 
 
Und darüber hinaus vieles mehr, was die Welt in erfurchtsvolles Staunen versetzte: Dass dort oben Blumen blühen, rot wie Klatschmohn. Dass sich auf dem Mond bläuliche Ziegenwesen, gehörnte Bären und der "Vespertilio-Homo", der "Fledermausmensch". tummelten. Dass Biber auf zwei Beinen umherstolzierten, ihren Nachwuchs liebevoll in den Armen. Dass diese aufrecht gehenden Biber in der Nähe von Flüssen siedelten und ihre Hütten mit rauchendem Feuer beheizten. Dass daneben sogar menschenähnliche Wesen existierten: Geflügelt, fledermausartig und am ganzen Körper mit kupferfarbenem Haar bedeckt. Dass diese aus poliertem Saphir Bauwerke erschufen. Und sich offensichtlich völlig ungezwungen in freier Natur paarten und vergnügten.
  
Die New Yorker Leser waren elektrisiert von der Lügengeschichte. Die Auflage der "Sun" stieg von etwa 8000 auf bis zu 20.000 Exemplare pro Tag. Fast alle Zeitungen der Stadt druckten die Geschichten nach. Auch in Boston, Baltimore und Philadelphia fanden die Artikel reißenden Absatz, vier Wochen später hatte die Kunde sogar Europa erreicht. Ein Großteil der Leserschaft war nur zu gern bereit, die Mondmär zu glauben, denn sie stützte sich auf bereits bekannte Tatsachen. Der Astronom John Herschel etwa war zu seiner Zeit eine Berühmtheit. Immer wieder berichteten Zeitungen über seine Forschungen.  
 
Anteil an der durchschlagenden Wirkung der Fake-News hatten auch die Zeitungsjungen, die von der "Sun" eingesetzt wurden und die Schlagzeilen in alle Straßen schrien. Innerhalb einer Woche summierte sich die Auflage auf gut 100.000 Exemplare, obwohl New York zu dieser Zeit erst 300.000 Einwohner zählte. Und wer nicht davon gelesen hatte, der hatte zumindest davon gehört. Die Fledermausmenschen flogen um die Welt und gingen in kürzester Zeit viral - auch ohne Internet. 
 
Erst eine Woche später, am 31. August, machte der "New York Herald" dem Schwindel ein Ende. Unter der Überschrift "The Astronomical Hoax Explained" wies der Herausgeber James Gordon Bennett dem Konkurrenzblatt den "unverschämten Betrug" nach. Und entlarvte den Moon-Hoax ("Mond-Schwindel") als  frühesten Fake News-Skandal der Printgeschichte. Denn das "Edinburgh Journal of Science", aus dem die Artikel angeblich stammten, wurde bereits seit 1833 nicht mehr gedruckt. 
 
Astronom John Herschel, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichungen zu Forschungszwecken in Südafrika weilte, erfuhr erst Monate später von dem Schwindel. Er soll gelacht haben. Und obwohl die Konkurrenz schäumte, nahmen die Sun-Leser ihrem Blatt das Märchen nicht übel. Sie fühlten sich gut unterhalten - und die Auflage stieg munter weiter. 
 
1840 outete sich dann der Schriftsteller Richard Adams Locke als Urheber der Geschichte. Er gestand, dass er sich hinter dem Pseudonym Dr. Andrew Grant verborgen habe. Die Artikelreihe sei eine Satire gewesen, um zu zeigen, welchen 

Einfluss die Religion auf die Wissenschaft habe. Theologen und christliche Astronomen würden gottgegebenes Leben in allen Teilen des Weltalls vermuten und damit luftige Fantasien an die Stelle harter Fakten setzen. 
 
In unserer aufgeklärten Welt hätte Locke selbstverständlich keine Chance mehr. Wir wissen genau, dass außer uns Menschen noch kein Lebewesen seinen Fuß auf den Mond gesetzt hat - außer dem Maikäfer Herrn Summsemann aus "Peterchens Mondfahrt". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 693 vom 13. 3. 23 


Liebe Schmunzelpost-Gemeinde! Leider teilen nicht alle Menschen Eure Vorliebe für's Lesen heiterer Texte. Einige nehmen jedes geschriebene Wort ernst, wenn es denn ihren Wunschvorstellungen entspricht. Und falls dann noch die Kraft der Bilder ein angebetetes Idol lebendig erhält, kann sogar eine alte Behauptung wahr werden: Fußball ist Religion! 
 
Der Glaubensrichtung D10s gehören derzeit rund eine Million Menschen an. Dabei hat das Ganze 1998 als Witz begonnen. Anhänger des argentinischen Fußballers Diego Maradonna meinten, dass seiner Art zu spielen etwas Göttliches anhaftete. Nach dem Tode des genialen Ballartisten wurde aus dem "göttlichen" Fußballer erst recht eine Sportlegende und dann sogar eine verehrte Gottheit. Seine bevorzugte Rückennummer 10 verschmolz mit dem spanischen Wort Dios (Gott) zu einer Einheit: D10s! Als Heilige Schrift dient seiner Gemeinde die Maradona-Biographie, seine Trikots wurden zu Reliquien. Wenn es nicht so traurig wäre, dann wäre es lustig.
  
Was der Fußball vermag, das können auch Filme. Inspiriert durch die "Star Wars-Reihe" von George Lucas gründeten 2008 die Brüder Daniel und Barney Jones die Glaubensgemeinschaft des Jediismus. Auch sie wurde durch begeisterte Jünger schnell verbreitet und in den USA - wo auch sonst - als Religion anerkannt. Ihre Anhänger berufen sich auf die Glaubensgrundsätze des imaginären Jedi-Ordens. Sie sind fest überzeugt, dass es die "Macht" wirklich gibt. Darunter verstehen sie eine immaterielle Kraft, die das Universum zusammenhält. 
 
Doch diese Kraft hat auch eine dunkle Seite, die erst Angst und dann Hass erzeugt. Daher sei unser Leben ein fortwährender Kampf Gut gegen Böse. Davor, dass das Böse die Oberhand gewinnt und die Welt in Leid und Elend versinkt, will uns der Jediismus schützen. Danke dafür! Wer beitreten will: Der "Temple of the Jedi Order" ist in Texas zu finden. Dort könnt Ihr Euch auch gleich mit Schußwaffen versorgen, um das Böse zu besiegen. 
 
Doch die Zeit drängt. Bis zum Jahr 2025 sollten wir alles Übel von unserem Planeten entfernt haben. Denn dann, das ist sicher, weil es so geschrieben steht, landen die Außerirdischen mitten in Jerusalem. Woher ich das weiß? Von einem Raelisten. Das sind die Gläubigen, die einem auserwählten Propheten vertrauen: Dem ehemaligen französischen Rennfahrer Claude Vorilhons. Der Mann stand einst mitten im Leben und hatte mit Religion nicht viel am Piloten-Helm. 
 
Aber dann wurde er von Außerirdischen entführt, die ihn auf ihren Heimatplaneten Elohim mitnahmen. Dort traf er auf die großen religiösen Anführer unserer Welt. Darunter waren selbstverständlich Buddha, Konfuzius, Jesus und Joseph Smith, der den Mormonen-Orden gründete. Von diesen Weisen erfuhr Vorilhons, wie die Saat für die Menschheit gelegt wurde. Denn wir sind vor 25 000 Jahren aus außerirdischer DNA geschaffen worden. Dass das ein für allemal klar ist! Nix Adam und Eva, nix Darwin. 
 
So, es gibt viel zu tun. Besorgt Euch Lichtschwerter und räumt ordentlich auf, damit wir unsere Schöpfer 2025 auf einer gereinigten Erde würdig begrüßen können. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 692 vom 12. 3. 23


Nach der Amoktat von Hamburg bin ich mal wieder ins Grübeln gekommen. Es traf die Zeugen Jehovas, eine Religionsgemeinschaft, die oft belächelt wird, weil dem unermüdlichen Missionseifer in Fußgängerzonen und an Haustüren wenig Erfolg beschieden ist. Nachdenklich aber wird man, wenn man an den Absolutsanspruch denkt, die Weigerung, Kindern durch Bluttransfusionen das Leben zu retten und die Neigung, "Abtrünnige" als "Dämonen" zu diffamieren. Das sind Praktiken, die man Sekten und Fanatikern zuschreibt. 
 
Davon gab es in der Geschichte leider viel zu viele. Doch nicht nur in Sekten, sondern auch bei Weltreligionen. Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Inquisitions-Folter und Ausrottung von "Ungläubigen", die Zahl der Untaten im Namen des Christentums ist lang. Aber Fanatiker haben auch im Zeichen des Islam viel Unglück über die Menschen gebracht: Islamisten, Intifada, Dschihad sind nur einige Stichworte. Und selbst der Buddhismus wurde missbraucht, um Andersgläubige brutal zu vertreiben oder zu töten. 
 
Das alles ist weniger zum Schmunzeln geeignet. Deshalb habe ich mal nachgesehen, was für obskuren Religionen sonst noch rund um den Globus Menschen auf den Leim gehen. Schauen wir ans andere Ende der Welt. Dort gibt es den winzigen Inselstaat Vanuatu. Hier glauben die Menschen, dass einst ein Erdgeist weit über das Meer gereist sei, um eine mächtige Frau zu heiraten. Dabei wurde er zum Urahn einer Gottheit, die irgendwann, so die Legende, auf die Insel zurückkehren würde. Dann war es soweit: An einem 10. Juni vor vielen Jahren besuchte der britische Prinz Philipp das Eiland. Er wurde voller Ehrfurcht von den Insel-Chefs empfangen. Damit stand für die Einheimischen fest: Der Messias war da! So entstand das "Prince Philip Movement", für dessen Glaubensgemeinschaft der 10. Juni Weihnachten und Ostern zugleich darstellt. 
 
Wer behauptet eigentlich, Literatur habe kaum Einfluss auf Leser? Der Science-Fiction-Autor Robert A. Heinlein dachte sich für seinen Roman "Stranger in a Strang World" in den 1960er Jahren eine Glaubensgemeinschaft aus, deren Protagonist sie "The Church of All Worlds" nannte. Ohne das Heinlein das angestrebt hatte, fand 1968 die Hippie-Bewegung deren Vorstellungen so gut, dass sie das zur Grundlage einer eigenen Kirche machte. Und in den USA ist man ja tolerant: The Church of All Words wurde als offizielle Religion anerkannte, die alle Privilegien der Glaubensfreiheit für sich in Anspruch nehmen darf. Noch Fragen, warum so ein abstruses Konstrukt wie Scientology in den USA Macht und Einfluß erlangt hat? 
 
Dagegen wurde der "Pastafarianismus" als satirische Glaubensbewegung von Menschen gegründet, die eher zum Atheismus neigen und gegen die Privilegien antreten, die Mitglieder regulärer Religionen genießen. Die Pastafaris beten die wohl derzeit  skurillste Gottheit an: Das "fliegende Spaghetti-Monster". Gründer der Bewerung ist der Physiker Bobby Henderson, der dafür eintritt, dass seine Schöpfungslehre gleichrangig mit den Theorien der christlichen Fundamentalisten im US-Schulunterricht behandelt wird. 
 
Auch in Deutschland hat diese Gemeinschaft inzwischen Fuß gefasst. IDie Mitglieder tragen wie ihre amerikanischen Genossen als Erkennungszeichen Nudelsiebe auf dem Kopf. Sie führen Taufen, Trauungen und Nudelmessen durch und fordern, dass ihr Glaube gleichberechtigt mit anderen Religionen bei uns anerkannt wird. Wenn ich auf die päpstlich anerkannten Wunder in der katholischen Kirche schaue und an bestimmte Bibeltexte denke: Warum eigentlich nicht? Ich glaube nämlich, dass ein brennender Dornbursch nur dann zu sprechen beginnt, wenn darin ein Papagei steckt, der sich dagegen beschwert, gegrillt zu werden. 
 
 Weitere religiöse Besonderheiten aus aller Welt folgen morgen. 
 
Glückauf 
Klaus 

Schmunzelpost 691 vom 11. 3. 23 


Keine Angst, ich werde Euch nicht wie angedroht mit Gödels Unvollständigkeitsgesetz behelligen. Unvollständig und grammatisch nicht völlig korrekt war aber auch Giovanni Trappatonis berühmte Wutrede, die sich gestern zum 25. Mal jährte. Ihr erinnert Euch? "Was erlauben Strunz?" "Flasche leer". "Ich habe fertig". Dies nehme ich zum Anlass, mal wieder im Zitatenschatz von Fußballgrößen zu kramen.
 
Manche Fußballtrainer darf man zu den Philosophen zählen. Denn sie kennen unumstößliche Wahrheiten, die uns Normalverbrauchern oft verborgen bleiben. So sagte Kuno Klötzer, als er den Hamburger SV trainierte: "Wenn wir nicht 0:1 zurückliegen würden, könnten wir 1:0 führen." Da ist ebenso was dran, wie an der Aussage von Alexander Ristic: "Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr möglich." Und Friedhelm Funkel wusste genau, was zu tun war, um Fußballspiele nicht zu verlieren: "Wir dürfen nicht mehr Tore kassieren als der Gegner schießt." Reinhold Fanz präzisiert: "Wenn man keine Tore macht, ist es ganz schwer ein Spiel zu gewinnen."
 
Und es gibt Spieler, die viel von ihren Trainern gelernt haben. So hat Stefan Effenberg verinnerlicht: "Wenn ich keine Fehler machen, kann ich nichts falsch machen." Carsten Ramelow wusste, wo Bayer Leverkusen seine Qualitäten am besten ausspielen konnte: "Gerade zu Hause liegt unsere Heimstärke." Und der holländische Fußballgott Johan Cruyff stellte fest: "Ein Spiel zu gewinnen ist leichter, wenn man gut spielt als wenn man schlecht spielt."
 
Trainer sind oft harte Hunde, die ihren Spielern gegenüber kein Blatt vor den Mund nehmen. Vor allem, wenn der Coach Max Merkel heißt: "Wenn einer ein Depp ist, muss man ihm sagen, dass er ein Depp ist. Vom Streicheln wird er nämlich nicht gescheiter!" Und als John Toshack Real Madrid als Trainer betreute, da seufzte er: "Am Montag nehme ich mir vor, zur nächsten Partie zehn Spieler auszuwechseln. Am Dienstag sind es sieben oder acht, am Donnerstag noch vier Spieler. Wenn es dann Samstag wird, stelle ich fest, dass ich doch wieder dieselben elf Scheißkerle einsetzen muss wie in der Vorrunde!"
 
Ralf Rangnick kritisierte einst seinen Verteidiger Thomas Schneider wegen des Abwehrverhaltens bei einem Freistoß: "Es könnte ja Aua machen, es könnte ja einer mit Watte werfen. Wenn er Angst hat, soll er sich hinter die Mauer stellen." Teamchef Franz Beckenbauer äußerte seine Pauschalkritik an der deutschen Nationalmannschaft nach ihrem Spiel gegen Kamerun: "Das einzige, was sich hier bewegt hat, war der Wind!" Dabei hatte sich Beckenbauer selbst harsche Worte anhören müssen, als er als teurer Neueinkauf zu Cosmos New York gewechselt war. Ein Vorstandsmitglied rügte: "Sagt dem Kraut, er soll seinen Arsch nach vorne bewegen. Wir zahlen keine Millionen für so einen Burschen, damit er nur in der Abwehr rumhängt."
 
Apropos Millionen. BVB-Manager Meier wurde gern kiebig, wenn es gegen Schalke ging: "Möller hat mit seinem Berater bei uns um mehr Geld gepokert. Gleichzeitig hat er gesagt, er stünde bei einem anderen Club im Wort. Dann hat er offenbart, dass er nach Schalke gehen will. Wir haben ihm nicht gesagt, dass er bekloppt ist. Aber gedacht haben wir es schon." Und auch für seinen blauweißen Manager-Kollegen fand Meier warme Worte: "Ich habe Herrn Assauer nie als Kaschmirproleten bezeichnet. Ich habe Herrn Assauer Kaschmirhooligan genannt!"
 
Und zum Schluss schließe ich den Kreis mit einem Bayern-Trainer, der schon lange vor Trappatoni die Kunst des Radebrechens beherrschte. Tschik Cajkovski urteilte über Rene Botteron, der in der Schweiz ein Star war, in der Bundesliga jedoch keinen Fuß auf den Boden kriegte: "Rene Botteron - gekommen von mir als Champagner, jetzt spielen wie Mineralwasser." Vielleicht war die Flasche ja leer.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 690 vom 10. 3. 23


Wie wäre es zur Abwechslung mal mit ein wenig Mathematik? Höre ich da unwilliges Stöhnen? Erstaunlicherweise stehen viele Freunde des Wortes anscheinend auf Kriegsfuß mit Zahlen. Das hört man beispielsweise in Journalisten-Kreisen immer wieder. Obwohl es doch sehr nützlich sein kann, neben dem kleinen und großen Einmaleins auch die Prozent- und die Bruchrechnung zu beherrschen.
 
Ich gebe zu, die Kurvendiskussionen habe ich nach dem Abi sofort aus meinem Hirn getilgt. Aber auf der anderen Seite finde ich, dass die Mathematik durchaus faszinierende Seiten hat. Stellen wir uns einmal die interessante Frage, ob es wohl zwei Personen auf der Welt gibt, die mit der gleichen Anzahl von Haaren auf dem Schädel gesegnet sind. Fingerabdrücke sollen ja ziemlich einmalig sein, doch wie verhält sich das mit dem Kopfschmuck?
 
Um die Frage zu beantworten, muss man keine wissenschaftlichen Untersuchungen anleiern. Anders, als man vielleicht erwarten würde, lässt sich die Aussage auch ganz ohne statistische Analysen mit einem klaren Ja beantworten. Dafür braucht man nichts weiter als das »Schubfachprinzip«, auch »Dirichlet-Prinzip« genannt. Diese Weisheit ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern entstammt dem "Spektrum der Wissenschaft", wo auch Laien häufig interessante Neuigkeiten aus der Welt der Forschung erfahren können.
 
In diesem Fall ist es ganz leicht oder sogar "fast lächerlich einfach", wie das Spektrum meint: "Wenn man n Objekte auf k Schubfächer aufteilen möchte und es mehr Objekte als Fächer gibt (n > k), dann landen mehrere Objekte im selben Schubfach." Kapiert? Diese simple Aussage, die mehr nach gesundem Menschenverstand als nach einem mathematischen Theorem klingt, hat der französische Gelehrte Jean Leurechon erstmals 1622 in einem Buch erwähnt. Wie so oft hat sich jedoch 200 Jahre später ein anderer mit fremden Federn geschmückt. Peter Gustav Lejeune Dirichlet nannte die Erkenntnis "Schubfachprinzip" und ließ sie gern mit seinem Namen koppeln.
 
Dieses einfache Prinzip ermöglicht es, auch komplexe Zusammenhänge zu beweisen. Wie aber findet man heraus, ob zwei Personen auf der Welt genau die gleiche Anzahl an Haaren auf dem Kopf haben? Dafür muss man zunächst darüber nachdenken, wie behaart Menschen maximal sein können. Und diese Zahl schwankt. Je nach Haarfarbe haben die Leute im Schnitt zwischen 100 000 und 200 000 Haaren auf dem Schädel. Bei Menschen wie mir sind es manchmal sogar nur noch drei. Man kann jedoch mit Sicherheit behaupten, dass niemand mehr als eine Million Haare besitzt.
 
Nächster Schritt: Auf unserem Planeten leben ca. acht Milliarden Menschen. Das heißt, es gibt zwangsweise mehrere Personen, die exakt gleich viele Haare auf dem Kopf haben – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich eine davon kämmt und dabei ein paar Haare verliert. Doch dann gibt es höchstwahrscheinlich eine andere Gruppe von Menschen, die gleich viele Haare besitzt. 
 
Um das zu berechnen, hilft es, zwei Extremfälle zu betrachten: Einmal jenen, bei dem alle Personen exakt dieselbe Anzahl an Haaren haben (das wäre der Fall, wenn sich alle eine Glatze rasierten), und die Situation, bei der sich die Behaarung der Menschen möglichst stark voneinander unterscheidet. Man kann sich dazu eine Million Zimmer vorstellen, die aufsteigend nummeriert sind. Jeder Mensch betritt einen Raum mit der Nummer, die der Anzahl seiner Haare entspricht. Wenn nun alle Personen gleich behaart sind, landen alle im gleichen Zimmer: Man hat also acht Milliarden Menschen in einem Raum, während die übrigen 999 999 Zimmer leer sind.
 
Im anderen Extremfall versuchen sich die Personen hingegen so aufzuteilen, dass möglichst wenige im gleichen Raum landen. Wie viele Menschen teilen sich dann maximal ein Zimmer? Um das zu berechnen, kann man die Räume nach und nach auffüllen: Zunächst ein Mensch pro Zimmer, dann zwei, dann drei und so weiter. Wenn man acht Milliarden Menschen gleichmäßig auf eine Million Räume aufteilt, landen 8000 Personen in jedem Zimmer. Sobald man die Leute etwas umverteilt, gibt es zwangsläufig stets ein Zimmer, das mehr als 8000 Menschen beherbergt. Das bedeutet: Egal, wie sich die Personen aufteilen, in jedem Szenario enthält der vollste Raum mindestens 8000 Menschen. Also gibt es mindestens 8000 Personen auf dem Planeten, die gleich viele Haare haben! Das haarige Problem ist gelöst.
 
So kommt man auch anderen Rätseln auf die Spur. Wieviele Menschen haben wohl in Heidelberg am selben Tag Geburtstag? Die Stadt hat rund 160 000 Einwohner. Und es gibt 366 verschiedene Kalendertage, wenn man die Schaltjahre einbezieht. Jetzt wendet bitte das Schubladenprinzip an und - voila! - mindestens 438 Personen können in der Stadt am Neckar zusammen Geburtstag feiern. Nun müsste es für Euch ein leichtes sein, die Rechnung für Eure Heimatstadt aufzustellen.
 
Wenn Ihr die simple Regel verinnerlicht habt, können wir uns komplexeren Formeln widmen, die auf dem Schubfachprinzip fußen. Morgen erzähle ich was über Gödels Unvollständigkeitsgesetz. Darauf könnt Ihr Euch jetzt 24 Stunden freuen. Nebenbei: Falls Ihr außerhalb der Schlafenszeit fünf mal je eine halbe Minute daran denkt, wieviel Sekunden habt Ihr dann zeitgleich mit einigen der 500 000 Schmunzelpost-Leser gemeinsam überlegt? Ihr dürft auch davon träumen - aber dann brauchen wir für die Lösung Gödels Unvollständigkeitsgesetz.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 689 vom 9. 3. 23


Schaut Ihr Euch auch im Fernsehen die "Schwarm"-Verfilmung an? Ich bin dabei und durchaus angetan. Allerdings kenne ich bereits das Buch und weiß daher, wie es ausgehen wird. Und als chronischer Nörgler habe ich auch mehrere Haare in der Meeres-Suppe gefunden. So kann ich verstehen, dass der Autor nicht ganz glücklich damit ist, was aus seinem Bestseller gemacht wurde. Es menschelt allzu sehr, der Anteil der Beziehungsgeschichten nahm bisher gut die Hälfte der Sendezeit ein. Na ja, sie wollen die Serie eben weltweit verkaufen. Und dafür muss sie ein Massenpublikum bedienen. 
 
Erklärbar ist auch, dass es mit der Logik hapert. Dass sich auf unserem Planeten außer den Menschen noch eine andere - oder, wenn man unser Verhalten betrachtet, sogar die erste - intelligente Lebensform fernab bekannter Evolutionsmuster entwickelt, warum nicht? Aber wieso weiß eine Intelligenz, die ausschließlich im Wasser zuhause ist, so genau darüber Bescheid, welche Gifte für die ihr unbekannten Landbewohner tödlich sind? Sind die Spionage-Ballons etwa vom Schwarm ausgesandt worden, um Infos über uns zu sammeln? Das würde einiges erklären. 
 
Doch fast unglaubliche Dinge passieren immer wieder. Man muss sich nur mal die Polizeiberichte der letzten Monate anschauen. Da habe ich zum Beispiel gelesen, dass in Kirrweiler ein 18-Jähriger am Samstagmorgen mit dem Gabelstapler seines Vaters losfuhr, um sich Zigaretten zu holen. Ist das eigentlich strafbar? Keine Ahnung, aber da der Fahrer betrunken war, in diesem Fall bestimmt. Und dazu kommt noch, dass der Bursche an diesem Tag seinen 18. Geburtstag feierte. Braucht man zum Gablerstapler-Fahren einen Führerschein? 
 
Offenbar können manche Söhne im Südwesten für ihre Eltern anstrengend werden. "Kommen Sie schnell!", forderte ein 13-Jähriger in Ludwigshafen die Polizei per Notruf auf, "ich brauche Ihre Hilfe!" Als die die Polizei mit Blaulicht zur Rettung angerauscht kam, stellte sich heraus, dass der Junge sich beim Zocken am PC gestört fühlte - seine Mutter wollte in seinem Zimmer staubsaugen. 
 
"Ich glaub, mich tritt ein Pferd!", mag sich der Polizeibeamte der Wache Ennepetal gedacht haben, als er die Tür der Wache öffnete, nachdem mehrfach energisch daran angeklopft worden war. Vor ihm stand tatsächlich ein braunes Pferd mit rotem Geschirr. Liegt Ennepetal im Rheinland? Dort soll während des Karnevals ja öfter ein Pferd auf dem Flur stehen. Vielleicht war es aber auch der flotte Gaul, der zuvor bei einer Radarkontrolle in Eppstein auf der B 455 geblitzt worden ist. Womöglich plagten den Temposünder Gewissensbisse. 
 
Für alle, die heute Abend keine Gelegenheit haben, das Schwarm-Finale im Fernsehen zu schauen (vielleicht, weil sie zum "Bücherfrühling" ins Baumhaus kommen?), verrate ich hier schon mal, wie es ausgeht. Der Schwarm, der aus intelligenten Seepferdchen besteht, kapert am Ufer einen Gabelstapler und fährt damit zur Küstenwache. Dort handelt man dann die Bedingungen für das Ende der Attacken aus: Alle Teenager, die ihre Zeit mit PC-Spielen verplempern, werden zwangsverpflichtet, die Weltmeere mit Spezialstaubsaugern vom Müll zu befreien. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 688 vom 8. 3. 23


Es gibt Menschen, die lieber reden als schreiben. Und es gibt Leute, bei denen ist es umgekehrt. Ich gehöre zu dieser zugegeben deutlich kleineren Gruppe. Das liegt daran, dass ich mit den Fingern denke. Bitte nicht wörtlich nehmen, ich benutze schon dazu mein Hirn. Aber während die Finger die Botschaft eintippen, ist mein Kopf schon dabei zu prüfen, ob es wirklich stimmt, was ich da gerade ausdrücken will. Diese Kontrolle fehlt leider beim Sprechen. 
 
Das Telefon ist deshalb nicht mein bevorzugtes Kommunikationsmittel. Ich habe es lieber schwarz auf weiß, nachlesbar und überprüfbar. Wenn mich jemand erreichen will (bitte über das Festnetz, mein Smartphone dient eher dem Schreiben und Lesen und ist meistens stummgeschaltet), kann eine kurze Nachricht auf der Sprachbox hinterlassen werden, und ich melde mich dann so schnell wie möglich. 
 
Dummerweise erwarten offenbar manche Anrufer zumindest die automatische Begrüßung durch einen Anrufbeantworter. Sie legen sonst wortlos auf, ohne sich zu melden oder ihr Anliegen vorzutragen. In den meisten Fällen ist das nicht schlimm. Wer wirklich etwas wirklich Wichtiges will, wird sich schon wieder melden. Dennoch überlege ich hin und wieder, ob ich mir einen Anrufbeantworter zulegen und ihn mit einem Spruch ausstatten sollte. Dieser Abwägungsprozess hat jetzt Futter bekommen: Im Bücherschrank fand ich das Werk "Bitte bellen Sie nach dem Pfeifton - neue Sprüche für jeden Anrufbeantworter". Ich habe mal darin geblättert. 
 
Zunächst ein Text aus der Abteilung faule Ausreden, für Leute, die ein paar Tage nicht gestört werden wollen: 
 
Guten Tag, lieber Anrufer. Wir sind dummerweise alle krank. Unser Goldfisch hat Schuppen, unsere Gans kriegt beim Zahnarzt eine neue Füllung. Ich bin mit dem Fuß in die Knoblauchpresse geraten und mein Mann hat sich am PC einen Virus eingefangen. Ist jetzt klar, warum niemand ans Telefon gehen kann? 
 
Für Opernfreunde: Hier ist der Anschluss von Siegfried und Siglinde Wotan. Wir hören gerade in angemessener Lautstärke den Ring der Nibelungen und rufen nach der Götterdämmerung zurück. 
 
Auch Musicalfreunde haben manchmal einen Scherz auf den Lippen oder zumindest auf Konserve: Hier ist der Anschluss von Professor Higgins und Eliza Doolittle. Wir machen zur Zeit unsere Sprachübungen, weil wir heute Abend eingeladen sind. Wenn Sü nach dem Püpston klar und deutlich Ühren Namen und Ühre Telefonnummer angeben, rufen wir Sü zurück. 
 
Überzeugend finde ich auch: Ich kann gerade nicht, weil ich mir einen neuen Spruch für den Anrufbeantworter ausdenken muss. 
 
Und jetzt kommen wir unserem realen Alltag schon näher: Hier ist der Anschluss von Ulla und Klaus. Wir kommen derzeit nicht ans Telefon. Unser Kater hat sich darauf schlafen gelegt, und wir trauen uns nicht, ihn zu stören. 
 
Nun aber den Text, den ich wahrscheinlich auf den Anrufbeantworter sprechen würde: Hallo, hier ist der Anschluss von kdk. Ich halte mich gerade eine Etage höher auf und immer, wenn ich das verdammte Telefon erreicht habe, legt Ihr gerade auf. Lasst es doch sein, und schreibt mir lieber eine Email! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 687 vom 7. 3. 23

Hokus pokus, ein, zwei, drei - keiner glaubt an Hexerei! Keiner? Da bin ich mir angesichts der vielen Esoterik-Fans nicht so sicher. Und dazu habe ich jüngst bei einer Stadtführung in Haltern gelernt, dass Hass und Neid eine wesentliche Rolle spielen, wenn jemand als Hexe oder Hexer angeschwärzt wird.
 
In Haltern lebten jahrhundertelang Ackerbürger. Das waren Menschen, die innerhalb der Stadt ihren eigenen Garten hatten und zusätzlich an den städtischen Einnahmen durch Mühlen, Zölle etc. beteiligt waren. So litt keiner Not, und es gab untereinander keine Mißgunst. Folge: In Haltern gab es in den dunklen Zeiten keine einzige Hexenverbrennung! Wenige Kilometer vor den Stadttoren, in Lippramsdorf, war das ganz anders. Dort wurden etliche Frauen der Hexerei beschuldigt und mit Billigung der Kirche gefoltert und verbrannt. Die Halterner gewährten aber selbst einem Dorstener Zuflucht, der als Hexer beschuldigt worden war, jedoch aus dem Kerker entrinnen konnte. 
 
Nun werdet Ihr vielleicht sagen: Finsteres Mittelalter! Warum kommt er uns heute damit? Ganz einfach: Weil der Aberglaube bis in die heutige Zeit überlebt hat. Nur ein Beispiel: In seinem leider sehr einflussreichen Werk "Malleus maleficarum" wies der Inquisitor Heinrich Kramer (hoffentlich kein Vorfahre von Dir, Hubert) bereits im 15. Jahrhundert darauf hin, dass Hexer, die den Menschen genauso übel gesonnen sind wie Satan selbst, einen Penis verschwinden lassen können.
 
Und was passierte 500 Jahre später in unserer ach so aufgeklärten Welt? In Westfrika, genau genommen im Staat Elfenbeinküste, häuften sich angeblich die "Penisdiebstähle". Dank Kramer aber waren die Menschen gewarnt und verbrannten am 7. März 1997 einen Magier. Ein zweiter wurde von der aufgebrachten Menge erschlagen. Doch das Gerücht von den Genital-Diebstählen verbreitete sich munter weiter und erreichte den Nachbarstaat Benin. Dort wurden zahlreiche männliche Geschlechtsorgane nur dadurch gerettet, dass die Einwohner sich mit Macheten, Benzin und magischen Elixieren wappneten und eine große Zahl von Hexern denunzierten und töteten. Danach war erst einmal Ruhe - bis das Problem im nächsten Sommer im Senegal wieder auftauchte.
 
Wegen der Anfälligkeit der Menschen für Verschwörungstheorien halte ich es nun nur für eine Frage der Zeit, bis bei uns die Jagdsaison auf Hexer eröffnet wird. Zum Glück bin ich bei Harry Potter in die Lehre gegangen und kenne den Abwehr-Zauberspruch: "Hokus, Pokus, eins, zwei, drei - keiner glaubt an Hexerei!" 
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 686 vom 6. 3. 23


Klimawandel, Inflation, Ukraine-Krieg - es gibt Probleme, die beschäftigen die ganze Welt. Aber dazu gibt es auch noch spezielle Schwierigkeiten, die einzelnen Ländern mächtig zu schaffen machen. In Frankreich streitet man sich gerade heftigst um ein höheres Renteneintritts-Alter. Großbritannien ächzt immer noch unter den wirtschaftlichen Folgen des Brexit. Und Südkorea? Leidet man dort vor allem unter dem militärischen Größenwahn des nordkoreanischen Diktators? Das ist natürlich in ganz Asien ein Dauerthema. Aber Südkorea hat zur Zeit noch ein ganz anderes Problem, das in diesem Maße nirgendwo anders in der Welt die nationalen Medien so beschäftigt: Die Sexpuppen-Krise! 
 
Dazu muß man wissen, dass Prostitution in Südkorea ein Straftatbestand ist. Immer mehr Männer haben sich daher eine Sexpuppe besorgt, meist als Import aus dem Ausland. Bis vor kurzem hatte der Zoll etwas dagegen. Die Einfuhr von Sexpuppen entspräche nicht "den schönen Sitten und Gewohnheiten des südkoreanischen Volkes". Doch die Gerichte sahen das anders. Wer sich mit einer Sexpuppe vergnüge, tue das nicht im öffentlichen Raum, deshalb sei eine Verletzung des Schamgefühls nicht gegeben. 
 
Die Regierung schwenkte um und gab die Einfuhr solcher Sexpuppen offiziell frei. Dies sogar wohlwollend, weil man sich wohl erhoffte, die Zahl der Prostitutionsdelikte so zu senken. In der Folgezeit erlebten die Sexpuppen einen regelrechten Boom. Und das, obwohl sie zwischen einer Million Won (740 Euro) und 20 Millionen Won (14 800 Euro) kosten und somit recht teuer sind. Wer nicht so viel ausgeben will, kann jedoch inzwischen auch einen "Sexy-Doll-Erlebnisladen" aufsuchen und dort diskret dem Puppensex frönen. 
 
Allerdings hat die Puppeninvasion auch Kehrseiten. Zum Beispiel durch unsachgerechte Entsorgung. Ein "Puppen-Leichnam" verursachte Riesenaufregung, weil er mitten in einem See schwamm und es lange dauerte, bis sich herausstellte, dass es sich nicht um einen Menschen handelte. Und ein südkoreanischer Müllmann erlitt jetzt fast einen Herzinfarkt. Er hatte in einer Deponie einen Haarschopf entdeckt und im Glauben, es handele sich um eine Perücke, daran gezogen. Als dann plötzlich ein Frauenkopf auftauchte, erlebte der Mann den Schreck seines Lebens. 
 
Auf andere Weise geriet der FC Seoul in die Schlagzeilen. Während der Corona-Krise durften keine Zuschauer die Erstliga-Spiele in den Stadien besuchen. Um den Rängen Leben einzuhauchen und zumindest für die Illusion eines Publikums zu sorgen, hatten die Vereinsfunktionäre eine pfifige Idee. Beim Heimspiel gegen den FC Gwangju bevölkerten Tausende von Sexpuppen die Ränge. "Wir hatten eigentlich Schaufensterpuppen bestellt", versuchten sich die Verantwortlichen hinterher herauszureden, "wir hätten mehr auf Details achten sollen." Jawohl! Spätestens als den Puppen Vereinstrikots übergestreift wurden, hätte eigentlich auffallen müssen, welche Art von leidenschaftlichen Fans man da auf den Sitzen postierte. Der Fußball-Verband verhängte jedenfalls eine Strafe von 100 Millionen Won. 
 
Was aus den vielen Sexpuppen wurde, ist nicht bekannt. Vielleicht gewährten ihnen Vereinsmitglieder großmütig bei sich zuhause Asyl. Ansonsten warte ich gespannt auf weitere Nachrichten über angebliche Leichenfunde in südkoreanischen Flüssen, Seen und Mülldeponien. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur weinseligen Schmunzelpost von gestern hat Kerstin einen erschütternden Nachtrag: "Im Gegensatz zu früheren Zeiten trinkt die Wein-Nation Frankreich 40% weniger Wein. In alten Zeiten war das Mittagessen ohne eine (oder mehrere) Flaschen Rotwein keine Mahlzeit. Auch der Arbeitsalltag ließ sich damit noch besser bewältigen. Der weniger gewordene Konsum hat zur Folge, dass im Weinanbaugebiet Bordeaux Millionen Liter des köstlichen Rebensafts in Fässern gelagert sind und zu Industrie-Alkohol verarbeitet werden. Der französische Präsident hat dieses Problem zur Chefsache erklärt und zahlt horrende Ausgleichssummen an die betroffenen Winzer. Also, geniesset Bordeaux, solange es ihn noch gibt! 

 

 Schmunzelpost 685 vom 5. 3. 23


Falls diese Schmunzelpost schwankend geraten sollte: Ich habe mir nach dem Schalker Sieg in Bochum und der Abgabe der roten Laterne in der Bundesliga ausnahmsweise ein Glas Wein gegönnt. (Vielleicht waren es auch zwei oder drei oder vier. Nach dem fünften Glas hört man auf zu zählen.) 
 
Daher lag es bei der Themenwahl nahe, sich mit dem Wein zu beschäftigen. Bekanntlich hat der Rebensaft schon andere große Autoren beflügelt. So soll Johann Wolfgang von Goethe in seinen letzten Lebensjahrzehnten täglich zwei bis drei Flaschen konsumiert haben. Allerdings muss man dazu sagen, dass Wasser damals oft ungenießbar war und der Wein nicht so viele Prozente aufwies wie heutzutage. 
 
Weinanbau wurde bereits nachweislich seit dem 6. Jahrtausend vor Chr. Geburt in Vorderasien betrieben. Über die Griechen und die Römer gelangte der Wein auch an die Germanen, die ihre Kenntnisse über den Anbau selbstlos an die Slawen und Balten weitergaben. Als Ursprungsländer des Weinanbaus gelten aber Georgien und Armenien. 
 
Auch in der Bibel stand der Wein hoch im Kurs. So wurde das Wirken des Heiligen Geistes mit gärendem neuen Wein verglichen. Außerdem hieß es: "Der Wein steht für das Fest. Er lässt den Menschen die Herrlichkeit der Schöpfung spüren." (Jawohl! Prost! War das jetzt das sechste Glas?). Außerdem wurde Messwein sogar zum Sakrament als Element für das Blut Christi. Und im Alten Testament stiftete Gott selbst den Menschen den ersten Weinstock. Noah war der erste Winzer! 
 
Auch außerhalb der Kirche erfreut sich der Wein großer Beliebtheit. Fachleute sagen ihm nach, dass sein Aroma sich aus fast 1000 verschiedenen Komponenten zusammensetzt. Das rechtfertigt blumige Beschreibung wie: Dieser Riesling schmeckt nach Pfirsich, Apfel und Himbeere, enthält aber auch würzige Noten von jahrelang getragenen Schuhsohlen. Ich nehme noch einen Schluck und sage: "Keine Ahnung, aber er schmeckt einfach gut!" 
 
Deutschland rangiert übrigens nur auf Platz 20 der weinherstellenden Nationen. Weit hinter - Skandal! - Russland, China und den USA. Größte Weinproduzenten jedoch sind Italien, Frankreich und Spanien. 
 
Aber wie bekömmlich ist Wein? Die Häufigkeit und die Menge des Trinkens ist dabei entscheidend. Die Literatur-, Musik- und Malergeschichte ist voll von alkoholtrinkenden bis mehr oder weniger alkoholabhängigen Personen, die aus dem Geist der Flasche Inspiration, Stimulans und Kraft für ihre Werke gewannen. Das waren unter anderem Ludwig van Beethoven, Charles Bukowski, Lord Byron, Johann Wolfgang von Goethe, Gerhart Hauptmann, Friedrich Hebbel, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Jean Paul, Joseph Roth, Franz Schubert, Theodor Storm und Ludwig Uhland. 
 
 Der US-Psychiater Donald W. Goodwin stellte jedoch fest, dass der Prozentsatz an Alkoholikern nirgendwo so hoch sei wie unter amerikanischen Literatur-Nobelpreisträgern. Er nennt als Beispiele Sinclair Lewis, Eugene O’Neill, William Faulkner, Ernest Hemingway und John Steinbeck. 
 
Prost und Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 684 vom 4. 3. 23


Bienenfleißig wie ich bin, habe ich auf der Suche nach Anregungen für die nächste Schmunzelpost - wozu auch sonst? - den Spiegel studiert und darin einen hochinteressanten Artikel über Bienen und Hummeln gefunden. Nach der Lektüre werde ich diesen Fluginsekten mit noch mehr Respekt begegnen - und das, obwohl sie ein gelbschwarzes Trikot tragen. 
 
Professor Lars Chittka hat sich 30 Jahre lang intensiv mit Bienen befasst und dabei etwas herausgefunden, was er selbst noch vor 15 Jahren als "völligen Unsinn" betrachtete: Bienen wie Hummeln sind vernunftbegabte Wesen, die möglicherweise sogar Emotionen empfinden. Es stellte sich nämlich heraus, dass diese Insekten Intelligenztest-Aufgaben lösen konnten, wie man es vorher von Affen, Rabenvögeln und Ratten kannte. So kamen Hummeln dahinter, wie sie mit Hilfe eines Fadens als Werkzeug eine Zuckerlösung unter einer Glasplatte hervor ziehen konnten. Noch erstaunlicher: Andere Hummeln, die der ersten bei ihrem erfolgreichen Manöver zuschauten, beherrschten auf Anhieb den gleichen Trick. 
 
Für Chittka ist das ein klarer Beweis, dass solche Fertigkeiten nicht instinkt- sondern vernunftgesteuert sind. Mehr noch. Es stellte sich auch heraus, dass Bienen zählen können und in der Lage sind, menschliche Gesichter zu unterscheiden. Außerdem sind sie aufgrund ihres Talents zum räumlichen Denken in der Lage, erstaunliche Bauleistungen zu vollbringen. Als sie beim Wabenbau gehindert wurden, ihren Bienenstock auf althergebrachte Weise zu errichten, fanden sie je nach Art der Behinderung stets schnell ein gute Lösung, den Bau auf neue Weise fortzusetzen. Aber immer so, dass auch die Stabilität gewährleistet war. 
 
Auch der Schwänzeltanz, mit dem Bienen untereinander kommunizieren, basiert auf räumlichem Denken. Er ermöglicht es, komplexe Inhalte zu übermitteln, wie zum Beispiel: "Flieg drei Kilometer Richtung Südsüdwest, dort findest Du etwas zu essen!" Außerdem verfügen Bienen über weitere besondere Fähigkeiten, vom Gespür für magnetische und elektrische Felder bis zur optischen Wahrnehmung. Sie können Ultraviolett erkennen und dadurch unterschiedliche farbliche Muster auf Blüten zu sehen, die für uns einheitlich gefärbt sind. 
 
Kann man mit Bienen oder Hummeln sogar Freundschaft knüpfen? Chittka hält das für nicht völlig ausgeschlossen. In Schottland habe sich eine Forscherin um eine angeschlagene Hummelkönigin gekümmert. Sie konnte durch Fotos beweisen, dass diese Hummel die Frau, die ihr Schutz und Futter gegeben hat, offenbar erkannte und wusste, dass von ihr nur Gutes zu erwarten war. 
 
Aber wie steht es eigentlich um Wespen? Das sind doch nahe Verwandte der Bienen. Vielleicht werde ich mich die nächsten Jahre intensiv mit ihnen befassen und versuchen, ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen aufzubauen. Wenn Ihr mir dann irgendwann in fünf Jahren dumm kommt, dann seht Euch vor. Mein Kommando könnte lauten: "Auf ihn, mit Gesumm!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 683 vom 3. 3. 23


Am heutigen Tag werde ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder auf die Straße gehen, um die Welt zu retten. Na gut, um zumindest einen klitzekleinen Beitrag dazu zu leisten, dass die Welt endlich ernst macht, um sich selbst zu retten. Denn mit dem Kampf gegen den Klimawandel geht es kaum voran. Dabei habe ich bereits ein Signal nach dem anderen gesetzt. Ich lege kurze und mittlere Strecken nicht mehr mit dem Auto, sondern nur noch mit dem Fahrrad zurück. Ich setze auf regionale Produkte. Und ich verzichte auf Flugreisen und Kreuzfahrten. (Zugegeben, letztere haben mich nie gereizt, aber wenn es mit dem Radfahren einmal nicht mehr klappt, hätte es ja noch was werden können. Doch nichts da, ich bleibe stark!) 
 
Immerhin waren die letzten beiden Demos, an denen ich mich beteiligt habe, von Erfolg gekrönt. Ich war gegen eine deutsche Beteiligung am Irakkrieg durch Dorsten marschiert. Und Kanzler Gerhard Schröder hat auf mich gehört. Ja, ja, er war vorher schon nicht davon begeistert, an der Seite der USA in den Krieg zu ziehen. Aber als ihm jemand zugetragen hat: "Auch der Krause ist dagegen!", da hat das wohl endgültig den Ausschlag gegeben. 
 
Auch meine Teilnahme an der großen Friedensdemonstration in Bonn in den 1980er Jahren kann ich als Erfolg verbuchen. Nicht nur, dass es keinen Krieg zwischen den Machtblöcken gab, in der Folgezeit bröckelte sogar der Eiserne Vorhang, und gänzlich unerwartet kam die Wiedervereinigung zustande. Eigentlich hätten sie mir als Dankeschön wenigstens ein kleines Steinchen aus der Berliner Mauer zukommen lassen können. 
 
Diesmal will ich also dafür sorgen, dass die Klimakatastrophe gestoppt wird. Apropos Klima: Ich werde mich warm anziehen. Der Sonnenschein trügt. Am Nachmittag wird es rasch kalt, und der eisige Wind kann zur tödlichen Gefahr werden. Das glaubt Ihr nicht? Dann lest, was Anfang März 1841 in den USA passierte. 
 
In den Monaten zuvor hatte der Herausforderer des amtierenden Präsidenten Martin van Buren überraschend die Wahlen gewonnen. Das heißt, so überraschend war sein Sieg gar nicht. Denn die Demokraten waren damals eine populistische Partei, die für die Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika zu einem Agrarstaat eintrat. Die neu gegründeten Whigs, Vorläufer der Republikaner, hielten dagegen und setzten auf technischen Fortschritt. 
 
Als Kandidaten hatten sie den Ex-General William Henry Harrison nominiert, dessen Verdienste im britisch-amerikanischen Krieg (1812 - 1814) um Kanada noch vielen Wählern in guter Erinnerung waren. Zwischenzeitlich hatte sich Harrison in sein Blockhaus in Virginia zurückgezogen, schlürfte dort Apfelwein und blieb everybodies darling. Denn er galt als freundlich und mutig, war aber politisch ein unbeschriebenes Blatt. Die Whigs sorgten dafür, dass dies so blieb und von Harrison keinerlei Aussagen durchdrangen, die Ärger hätten erregen können. 
 
Stattdessen setzten sie darauf, dass die Demokraten und ihr Präsident sich selbst demontieren würden. Und die Rechnung ging auf: Obwohl die Demokraten ihn im Wahlkampf als "General Schweigsam" verspotteten, holte Harrison locker eine deutliche Mehrheit. Die Zurückhaltung muss ihm aber schwer zugesetzt haben. Denn beim Amtsantritt am 4. März 1841 brach ein Wortschwall aus ihm heraus. Harrison hielt die bis heute längste Antrittsrede in der amerikanischen Geschichte. Ausführlich erklärte er fast drei Stunden lang seine Prinzipien und Vorstellungen vom Präsidentenamt. Das Ganze reicherte er mit jeder Menge Anekdoten aus der römischen Geschichte an, die seine weniger historisch vorgebildeten Zuhörer jedoch schnell langweilten. Dabei rühmte sich später sein Berater Daniel Webster, er habe das Manuskript sogar deutlich gekürzt: "Ich habe 17 römische Senatoren ausgemerzt und völlig entfernt, jeden von ihnen!" 
 
Nicht nur wegen ihres Inhalts war die lange Rede eine Qual für das Publikum. Bis heute ist es in den USA Brauch, dass sich eine Menschenmenge draußen vor dem US-Kapitol versammelt, um dem neuen Präsidenten zuzuhören. Und der 4. März 1841 war ein besonders eisiger Tag. Das rächte sich auch für den Präsidenten, der seine Ansprache ohne Mantel gehalten hatte. Er zog sich eine Erkältung zu, die sich zur Lungenentzündung auswuchs. Vier Wochen später war Harrison tot. Für seine Angehörigen und Parteifreunde war es kein Trost, dass er neben der längsten Rede eine zweite Rekordmarke gesetzt hatte - Harrison war der erste US-Präsident, der während seiner Amtszeit starb. 
 
Wenn ich das lese, keimt in mir ein böser Gedanke. Liebe Amerikaner, falls der Supergau eintritt, Donald Trump 2024 nochmals kandidiert und die Wahl gewinnt, dann zögert die Amtseinführung bis in den tiefsten Winter hinaus. Und wenn dann noch jemand Trump den Floh ins Ohr setzt, dass er mit einer besonders langen Rede Rekordhalter werden könnte ("I'm the best President ever with the longest speech in history!"), dann könnte das Schlimmste für die Welt vielleicht doch noch abgewendet werden. Den Klimawandel erledige ich ja schon heute. 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 682 vom 2. 3. 23 


Mist! Mitten im Wald und wieder mal im Funkloch! Wie soll sich ein Navi- und Smartphone verwöhnter Wanderer denn da zurechtfinden? Und wie bekommt er Hilfe? Rauchsignale scheiden aus, die Gefahr, einen Waldbrand zu verursachen, wäre viel zu groß. Die Aussichten, dass ein paar rauchsignalkundige Sioux oder Apachen gerade ihren Jahresurlaub im Sauerland verbringen, ist ebenfalls gering. Und das unhandliche Funkgerät steht zuhause, so dass man nicht einmal SOS morsen kann. 
 
Gibt es denn noch andere Möglichkeiten sich zu verständigen? Ja, die gibt es. Früher nutzte man gern das Horn, um bestimmte Nachrichten zu übermitteln. Doch seit der letzte Nachtwächter in Ruhestand gegangen ist, wird dieser Brauch nur noch von den Jägern gepflegt. Überall im Land dienen zwar immer noch Glocken dazu, um zum Gottesdienst einzuladen und die Uhrzeit anzugeben. Aber leider hat ein Wanderer nur höchst selten den dicken Pitter im Rucksack. 
 
Bleibt noch das Trommeln, mit dem wir uns heute ein wenig beschäftigen wollen. Schon der selige Tony Marschall wusste, dass man mit Trommeln gute Stimmung verbreiten konnte: "Heute hau'n wir auf die Pauke..." Doch Trommeltöne können auch Nachrichten übermitteln. Buschtrommeln verbreiten nicht nur Gerüchte im Büro und unter Fußballfans, sondern sind nach wie vor in Afrika im Einsatz. Gerade in entlegenen, dünn besiedelten Gebieten ohne Telefon, Strom und Netz, sind sie ein brauchbares Instrument zum Austausch von Informationen. 
 
Nicht nur böse Wesen - wir erinnern uns an die Trommeln der Orks in den unterirdischen Gängen von Moria - verbreiten so Informationen. In Afrika, Polynesien, Südamerika und Australien ist die Trommelsprache immer noch im Einsatz. Mit einer Reichweite bis zu 12 Kilometer decken die Trommler ein großes Areal ab. Und per Stafette lassen sich so in Windeseile Nachrichten auch in entlegene, schwer zugängliche Gegenden übermitteln. 
 
Meist beschränken sich die Signale auf schlichte Botschaften wie "Der Häuptling ist tot!", "Lambert gibt einen aus! Kommt alle!" oder "Krause hat eine tolle Schmunzelpost geschrieben". Aber einige Völker haben komplexere System entwickelt. So tauschten sich einst Sklaven in der Karibik per Steeldrums in einer Geheimsprache aus. Und in Kamerun, bei den Bulu, ist immer noch eine Trommelsprache gebräuchlich, die aus 500 Wörtern besteht. Allerdings beherrschen sie nur wenige Eingeweihte, die damit ihren Rang in den Dörfern rechtfertigen. 
 
Nun müssen wir unserem Wanderer die nächste Standpauke halten, weil er nicht einmal ein kleines Trömmelchen bei sich hat. Doch er schöpft gerade Hoffnung. Sein Rufen wurde erhört. Freudestrahlend kommt ihm ein anderer Wanderer entgegen. Und begrüßt ihn mit den Worten: "Mein Handy funktioniert nicht, und ich habe mich verirrt. Kennen Sie sich hier aus?" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 681 vom 1. 3. 23 


Nach Möglichkeit zweimal pro Woche gehe ich ins Fitness-Studio. Dort spule ich etwa 60 Minuten lang mein Programm ab, dass dem Rücken und den Schultern gut tun sowie außerdem Kraft und Ausdauer erhalten soll. Weil das anstrengend ist, löst dieses Training bei mir keine Begeisterung aus, Sport war mir immer in spielerischer Form lieber. Aber wat mutt, dat mutt, so wie Zähneputzen. 
 
Nervig finde ich die musikalische Berieselung. Im ersten Fitness-Studio, das vor einigen Jahren abgebrannt ist, tönte aus allen Lautsprechern eine Art Techno-Sound. Er sollte durch die Rhythmik wohl das Training beflügeln. Das klappte bei mir ganz gut: Ich sah nämlich zu, dass ich so schnell wie möglich wieder verschwinden konnte. Heute, in der Fitness-Abteilung des Erlebnisbades Atlantis, bin ich unfreiwillig Radiohörer geworden. Fast immer haben sie aus unerfindlichen Gründen Antenne Bayern eingeschaltet. So höre ich ätzenden Mainstream-Pop, den offenbar vor allem Jungbajuwaren von 13 bis 33 Jahren schätzen, bin bei vielsagenden Moderator-Hörer-Telefonaten mit dabei ("Was machst Du heute Abend?" "I weiß net." "Wozu hättest Du denn Lust?" "Jo mei, i tät gern feiern." "Na bitte, das wär doch geil!" "Jo, dös wär echt geil.") oder erfahre Neuigkeiten über Autobahn-Baustellen zwischen Hintertupfingen und Kleinkleckersdorf. 
 
Und dann sind zu meiner Unterhaltung auch noch andere Center-Besucher am Start. Da gibt es ganz unterschiedliche Typen. Zum Beispiel die Schwätzer. Zu meinem Erstaunen sind das meistens Männer. Grüße ich beim Eintreten ins Studio in den Raum hinein, sind sie meist so in ihr Gespräch vertieft, dass sie mich gar nicht wahrnehmen. Dafür nehme ich besorgt zur Kenntnis, dass sie mit ihren Handtüchern zwei Geräte blockieren, auf denen ich mich später vergnügen muss. 
 
Irgendwann betritt dann Miss Piggy den Raum. Die habe ich insgeheim so getauft, weil ich einmal Gesprächsfetzen mitbekam. Da unterhielt sie sich mit einer anderen Frau und sagte allen Ernstes: "Ich genieße es ein bisschen, dass die Männer Stielaugen bekommen, wenn ich an ihnen vorbei gehe." Das muss ein Missverständnis sein. Es mag ja sein, dass die Männer bei ihrem Anblick große Augen machen. Aber sofort schauen sie wie ich meist betreten woanders hin. Ja, ich trage selbst einen beachtlichen Bauch vor mir her. Doch ich zwänge meine überflüssigen Kilos nicht in einen hautengen Sportdress, der mindestens zwei Nummer zu klein ist. 
 
Jetzt kommt auch noch "der Athlet" auf mich zu. Ogottogott! Er schwingt sich ausgerechnet auf den Bizeps-Trainer, den ich soeben verlassen habe. Mit einem mitleidigen Blick in meine Richtung stellt er die Belastungsstufe von einem mittleren auf den höchsten Wert. Dann lässt er demonstrativ seine Muskeln spielen und legt los. Was halb so schlimm wäre, wenn er nicht jeden Armzug mit einem lauten Stöhnen untermalen würde, das jeden brünstigen Bullen vor Neid erblassen ließe. 
 
Doch es geht noch lauter: "Hallo, Schätzelein, wie geht es Dir?" hallt es durch den Saal. Die "Schrille" ist wieder da. Eine blondgefärbte Mittfünfzigerin, die wahrscheinlich jeden Tag ihr Übungsprogramm absolviert. Daher kennt sie fast alle, die regelmäßig ins Studio kommen. Und sie hat jedem etwas zu sagen. Was ihr leicht fällt. Denn wenn sie sich mit jemand unterhält, tut sie das in einer Lautstärke, dass auch alle anderen im Raum mithören können. Ich warte darauf, dass sie eines Tages der Moderator von Antenne Bayern anspricht, weil die hohe Stimme bis zu seiner Sendezentrale durchgedrungen ist. 
 
Aber es gibt noch eine Steigerungsstufe. Wenn sie sich aufs Laufband stellt, ist Gefahr im Verzug. Denn sie trägt Kopfhörer und hört wohl die Hits ihrer Wahl. Sobald ihr ein Stück besonders gut gefällt, singt sie mit. Mit einer Stimme, die von der UNO dringend auf die Liste der verbotenen Kampfmittel gesetzt werden sollte. 
 
Inzwischen hat sich meine Befürchtung bewahrheitet. Nur noch zwei Stationen, und ich wäre für heute durch. Doch die beiden Geräte haben nach wie vor die zwei Schwätzer beschlagnahmt. Ich fasse mir ein Herz und unterbreche ihr Gespräch. "Ich wollte gerade loslegen, aber bitte: Alter vor Schönheit", entfernt einer murrend sein Handtuch. Der Zweite giftet: "Nicht mal fünf Minuten kann man sich hier ungestört unterhalten!" 
 
Zum Glück sind die meisten Besucher aus anderem Holz geschnitzt. Keine Modellathleten, sondern Durchschnittstypen wie ich. Weiblein und Männlein jeden Alters, die brav ihr Pensum abspulen, hinterher sorgfältig das Gerät reinigen und gut miteinander auskommen. Eigentlich wären wir ja noch viel mehr. Doch einen Typus habe ich noch vergessen: Die Unsichtbaren. Das sind jene, die sich schon vor Monaten angemeldet haben, dauernd ihren Beitrag zahlen, aber immer wieder eine Ausrede finden, ihr Training zu verschieben (bei einer SP-Leserin müssten jetzt die Ohren klingeln). 
 
So, das war es für heute. Beim Verlassen des Studios kriege ich noch mit, wie ein neuer Gast einen der beiden Schwätzer begrüßt: "Na, Paul, schon wieder am Palavern?" "Von wegen, ich hab bereits zwei Stunden geastet und gerade erst eine kurze Pause eingelegt!" Na, dann - zumindest die Zunge ist bestimmt schon viel kräftiger geworden. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 680 vom 28. 2. 23 


Gestern Nachmittag habe ich das Wetter genutzt und mich auf der Terrasse zu schaffen gemacht. Na ja, genau genommen ist das eine etwas merkwürdige Beschreibung dafür, dass ich mich, mit einem Buch und einem Glas Wein bewaffnet, in einer sonnigen, windgeschützten Ecke auf einem Stuhl niederließ. Doch ich war nicht der einzige Sonnenanbeter. Hier das Protokoll des Selbstgespräches, das mein Nachbar auf seinem Balkon geführt hat. 
 
"Ah, hier auffem Ballkong kann man's aushalten! Is ja nich wie Spätwinter, eher wie Frühsommer. Prost, Karl, mit Dir trink ich am liebsten! Sach ma, siehst Du dat auch so, dat es uns auf unsre alten Tage richtich gut geht? Gegen die tausend Zipperlein helfen die Pillen, wir ham genuch Kohle für Essen und Trinken und getz gewinnt sogar Schalke wieda! Dazu ham wir zweimal die Woche Spaß, wenn wir mit unsere neue Kumpels inne Pinte Skat kloppen. Wer hätte gedacht, wozu dat Internet alles gut is! 
 
Aba einer vonne Runde, der Günna, der hat komisches Zeuch inne Birne. Ich war ja gleich alamiert, als er sachte, dat er Bayern-Fan is. Schlimm genuch! Aba getz hat er auch noch vonne rote Sarah geschwärmt. Ja, ja, die sieht ganz gut aus, die Olle. Abba wat die so erzählt, dat kannze meistens inne Tonne kloppen. Und dann schmeißt sich der Günna inne Hühnerbrust und sacht: 'Ich hab die Verklärung von die Wagenknecht und die Emma Schwarzer unterschrieben. Wollt Ihr dat nicht auch tun?' 
 
Hömma, da is mich doch glatt der Draht ausse Mütze geflogen. 'Die Wagenknecht', sach ich, 'die hat doch ein Rad ab. Die hat sich ihre eigene Welt gebastelt, und die guckt nich nach links oder rechts. Deshalb posaunt se manchmal wie bei de Flüchtlinge so Zeugs inne Welt, dat die Nazis begeistert klatschen. Vier Tage, bevor die Russen inne Ukraine marschiert sind, da hat se noch inne Tookschau erzählt, dat würd der Putin niemals nich zulassen. Sons wär er ja kein ernstzunehmender Politiker, sondern total durchgeknallt. Un getz willse, dat die Ukraine den Knallkopp anbetteln tut: 'Bitte, bitte, Vladi, hör auf mit den Scheiß! Du kannz auch die Krim und ein Viertel von unsa Land behalten!  Und in die NATO und die EU gehn wir auch nich. Wir fragen Dich imma, wat Du willst, bevor wir irgendwat beschließen tun - nur, hör endlich auf mit Raketen zu schießen und gib Ruhe.' 
 
Hömma, die Alte hat se doch nich mehr alle auffem Zaun. Die sacht doch glatt, dat war der böse Westen, der den armen Vladi gezwungen hat, in Notwehr zurückzuschießen. Sons wär'n die ukrainischen Nazis mit ihre Leopard-Panzers getz schon kurz vor Moskau. Nee, nee, nee! Frieden will ich auch, aba nich einen, wo der beknackte Vladi sich als Sieger feiern lässt und überlecht, wenn er als nächstes ins großrussische Reich einsackt. 
 
Ach, Karl, lass uns nich den schönen Tach versauen. Wir sind zum Glück weit wech vom Schuss. Und alle Katastrofen, Kriech, Erdbeben und Wirtschaftskollabs, die machen sowieso eine großen Bogen um Dorsten und unsern Ballkong. Darauf trinken wir noch einen! Prost, Karl. Und am Skatabend, bei sein nächsten Solo, da kriecht der Günna von uns noch ma richtich Kontra!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 679 vom 27. 2. 23


Welches Wort lässt sich wohl am schwersten übersetzen? Das ist vermutlich eine Aufgabe, die unlösbar ist. Denn wenn man sämtliche Wörter aus den Tausenden existierenden Sprachen untersuchen wollte, würde die Beantwortung nicht nur davon abhängen, in welche andere Sprache das jeweilige Wort übersetzt werden sollte, sondern auch von Bildung und Auffassungsgabe des Betrachters. Dennoch traute sich das Übersetzungsbüro Today Translations aus London an das Problem heran und schaltete dazu 1000 Sprachwissenschaftler ein. Resultat: Das am schwersten zu übersetzende Wort soll "Ilunga" sein. 
 
Der Begriff stammt aus dem Sprachschatz der Bantu. Er bezeichnet "eine Person, die bereit ist, beim ersten Mal über eine Beschimpfung oder Misshandlung hinweg zu sehen, sie auch noch beim zweiten Mal zu tolerieren - aber beim dritten Mal nicht mehr." So weit, so gut. Die Sache hat nur einen Haken. Hinterher stellte sich heraus, dass dieses Wort gar nicht gebräuchlich ist, stattdessen jedoch in der Republik Kongo viele Leute leben, die Ilunga heißen. So wie die Krauses und die Fischers in Nordrhein-Westfalen. 
 
Es gibt jedoch auf der Welt Namen, die wesentlich ungewöhnlicher sind. So lebt in Schweden ein 1991 geborener Mann, der seit 1996 den amtlich vermerkten Namen "Brfxxccxxmnpcccellmnckssqibb11116" trägt. Nicht etwa, dass der Standesbeamte versehentlich das Computer-Passwort der Eltern eingetragen hätte. Die Eltern waren nur stinksauer, weil sie 1996 5000 Kronen Strafen zahlen mussten. Sie hatten nach der Geburt vergessen, den Namen ihres Sohnes bei der zuständigen Behörde anzumelden. Eigentlich sollte der Junge Albin Hallin heißen. Die Eltern rechtfertigten ihren Racheakt damit, dass der Name "ein künstlerisches Werk in der Tradition des Schriftstellers Alfred Jarry" sei, der als Vorläufer des Surrealismus gilt. 
 
Ebenfalls surrealistisch mutet der Name eines Politikers an, der sich 1981 um einen Sitz im britischen Parlament bewarb. Vergeblich. Er erhielt nur 223 Stimmen. Vielleicht lag es auch an seinem Namen: "Tarquin Fin-tim-lin-bin-whin-bim-lim-bus-stop-F'tang-F'tang-Ole-Biscuitbarrel". Der Student John Desmond Lee hatte sich unter diesem Namen, der von den Monty Python-Comedians stammte, für die Wahlen angemeldet. 
 
Vielleicht hat George Foreman, der frühere Box-Weltmeister, im Laufe seiner Karriere zu viele Schläge einstecken müssen. Seine fünf Söhne heißen allesamt George Edward Foreman. Das kann man sich selbst dann gut merken, wenn man einen Dachschaden hat. Und es gibt keine Verwechslung, wenn man sein Kind anspricht. Offizielle Begründung des Champions: "Sie sollen alle wissen, wer ihr Vater ist." Nur bei seiner Tochter wich Foreman von seiner Gewohnheit ab. Das Mädchen heißt Georgette. 
 
Auch Musiker mögen es exzentrisch. So hört eine Tochter des verstorbenen Gitarristen Frank Zappa auf den Namen "Moon Unit Zappa". Moon Unit bedeutet Mondeinheit. Ihre Schwester hat es auch nicht viel besser getroffen. Sie heißt Diva Thin Muffin Pigeon. Vielleicht können die beiden einen Club gründen mit den Töchtern von Bob Geldof. Der irische Rockmusiker gab seinen Kindern die Namen Fifi Trixibell, Peaches Honeyblossom und Pixie Frou-Frou. Ihre Halbschwester aus einer früheren Ehe Geldofs heißt übrigens Heavenly Hiraani Tiger Lilly. 
 
Wenn ich so etwas lese, nehme ich meinen Eltern den Vornamen "Klaus-Dieter Heinz" nicht mehr übel. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 678 vom 26. 2. 23 

Letztes Jahr habe ich Euch zwölf Monate Anlässe zum Handeln gezeigt, die nicht im offiziellen Kalender standen. Ursula hat gestern nun den Spieß umgedreht. Sie wies mich per Mail durch eine Notiz der Rheinischen Post darauf hin, dass der 25. Februar der bundesdeutsche Tag des Schachtelsatzes ist. Keine Angst, wir werden jetzt nicht wieder Tag für Tag die Aktionstage durchgehen. Doch es gilt, sich solch einer Herausforderung beherzt zu stellen. 
 
Es kann ja nicht so schwer sein, das glaubte ich zumindest, weil mich Thomas Mann, der große deutsche Autor und Nobelpreisträger, der auch persönlich und mit den Mitgliedern seiner Familie jede Menge Stoff für eine Reihe kurzweiliger Bücher lieferte, die in keiner Bibliothek, die etwas auf sich hält, fehlen sollten und bei mir nicht nur im Regal stehen, sondern auch mit Interesse gelesen wurden, was auch dazu führte, dass die Neigung zum Formulieren endloser Bandwurmsätze, die mich schon in meinem journalistischen Berufsleben plagte, aber von mir unter Aufbietung aller geistigen Kräfte auf ein vertretbares Maß zurückgestutzt werden konnte, der ich aber nun als Rentner, der sich in Sachen Stil, Thema und Textlänge von niemand reinreden lässt, ausgiebig frönen kann, was ich jedoch in der Schmunzelpost nur selten tue, außer es ergibt sich, so wie das jetzt der Fall ist, ein besonderer Anlass, der angemessen gewürdigt und in eine geeignete sprachliche Form gegossen werden muss, auch wenn dies nicht nur an den Schreiber, sondern auch an die Leserschaft besondere Anforderungen stellt, wobei ich glücklicherweise sicher bin, dass Ihr auch so einem Text gewachsen seid, zumal ich Euch in der Schmunzelpost bereits durch allerlei Sprachspielereien geschult habe, so dass Ihr gewitzt genug seid, auch einen langen, um nicht zu sagen sehr langen, vielleicht sogar ausgesprochen langen Satz zu verarbeiten, wenn er nicht derart ausufert, dass Ihr über der Lektüre einschlaft oder vor dem Ende Euer Studium abbrechen müsst, weil ein verlockender Duft aus der Küche das Mittagessen ankündigt oder es an der Tür läutet oder der Hund Gassi geführt werden muss oder berufliche oder familiäre Pflichten rufen oder Gevatter Hein plötzlich neben Euch steht, Euch seine knochige Hand auf die Schulter legt und andeutet, dass Eure Zeit auf Erden abgelaufen ist, bevor er Euch noch einmal genauer betrachtet und verstört bemerkt, dass er sich in der Tür geirrt hat, was sehr selten vorkommt, in diesem Fall aber Eurem Nachbarn wenig Freude bereiten wird, der Euch mit lauter Musik und seiner Begabung, handwerkliche Tätigkeiten, bei denen Ihr dank der dünnen Wände sozusagen live dabei seid, lautstark gern auch am frühen Morgen zu verrichten, einer Tageszeit, in der Ihr Euch eigentlich nochmal im Bett umdrehen möchtet, um vom nächsten Tag zu träumen, der, wie alle Tage, recht verheißungsvoll beginnt, weil Ihr vor, während oder nach dem Frühstück Eure Freude an der Schmunzelpost haben werdet, auch wenn Ihr Euch manchmal wünscht, deren Autor auf die Finger zu hauen, falls er Euch ausnahmsweise einmal mit einem abseitigen Thema quält wie zum Beispiel dem Tag der Schachtelsätze. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 677 vom 25. 2. 23 


Ist mein Computer Verdi-Mitglied? Oder hat die künstliche Intelligenz Sympathien für die Streikziele ihrer menschlichen Kollegen? Jedenfalls hat es nichts genutzt, dass ich meinem PC eine 10-prozentige Zulage an saftigem Ökostrom angeboten habe - er weigert sich immer noch, mir Zugriff auf meine gesendeten Mails zu gewähren. Das ist ärgerlich, weil ich sonst erst nach dem Versenden der Schmunzelpost den Text auf die Online-Seite gestellt habe. Weil dies nicht mehr klappt, sende ich mir jetzt selbst eine Schmunzelpost. So habe ich immerhin einmal am Tag etwas zu lachen. 
 
Ansonsten kopiere ich nun vor dem Absenden den Text der aktuellen Folge und stelle ihn zuerst auf die Schmunzelpost-Seite. Gestern früh vergass ich aber, die Mail zu verschicken - nur, falls Ihr Euch wundert, warum sie erst am Abend bei Euch ankam. Immerhin haben mich die Aussetzer meines PCs inspiriert, heute auch Euch ein wenig ins Stottern zu bringen. Zu dem Zweck folgen jetzt ein paar Zungenbrecher aus anderen Ländern, mit der Bitte, den Text laut zu lesen. Zu etwaigen Nebenwirkungen befragt Euren Arzt oder Logopäden. 
 
Zunächst zum Aufwärmen eine leichte Übung. "Wat was was voor was was was?" So fragt man in Südafrika auf Afrikaans: "Was war Wachs, bevor es Wachs war?" Nun schildert bitte die bedenklichen Zustände in Eurer Küche und sagt auf Slowakisch: "In unserem Backofen quieken  Mäuse, in unserem Backofen schläft ein Hund." Sprecht mir nach: "V nasej peci mysi pisita, v nasej peci psik spi." So schwer ist das doch gar nicht. Und das Problem mit den Mäusen löst Ihr, wenn Ihr den Hund durch eine Katze ersetzt. 
 
Auch die Basken beschäftigen sich mit Tieren. Sie teilen uns mit: "Die Hörner des Geißbocks sind gekrümmt. Gekrümmte Hörner besitzt der Geißbock." Auf Baskisch klingt das so: "Akerrak adarrak okerrak ditu. Okerrak adarrak akerrak ditu." Darf man solche Sätze wie den folgenden heute noch sagen? Die Dänen jedenfalls tun es: "Da de hvide kom til de vilde, ville de vilde vide hvad de hvide ville de vilde." Das heißt: "Als der Weiße zu den Wilden kam, wollten die Wilden wissen, was der Weiße will." 
 
Ihr möchtet es leichter haben?. Gebongt! Die Finnen benötigen nur ein Wort um zu sagen: "Suchende Detektive werden suchende Detektive suchen." Das geht so: "Etsivät etsivät etsivät etsivät etsivät". Ihr wünscht Euch mehr Vokale und Umlaute? Könnt Ihr haben, wenn Ihr den Satz "Der Mondwissenschaftler saß in einer Arbeitsnacht am Rande des Eises" ins Estnische übersetzt: "Kuuuurija istus töööös jääääres." 
 
So, jetzt kommen wir zu den Übungen für Fortgeschrittene. Ich möchte von Euch hören, wie in Nigeria der Satz klingt: "Sie ist sicher, dass sie niemals Tabak geschmeckt hat." Dafür kommt Ihr mit wenigen Buchstaben aus: "Ta tabbata ba ta taba taba taba ba." Die Anforderungen steigen. Es ist schwieriger, die Aussage "Die Zehennägel meiner Schwester sehen genauso wie die meines Großvaters aus" ins Indonesische zu übersetzen: "Kuku kaki kakak kakak ku kayak kuku kaki kakek kakek ku." 
 
Und zum krönenden Abschluss noch einen Satz, bei dem ich gespannt bin, ob ihn überhaupt jemand unfallfrei über die Lippen bringt. Sagt doch bitte mal auf Tschechisch "Steck den Finger durch den Hals." Sind ja bloß vier kurze Worte: "Strc prst skrz krk." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 676 vom 24. 2. 23


Manchmal sagen Blicke mehr als tausend Worte. Das gilt vor allem für den bedeutungsvollen Blick, den zwei Menschen austauschen, um sich ihre verborgenen Gefühle zu gestehen. Doch für diesen Blick gibt es sogar ein Wort. Und zwar eines, das im Guiness-Buch der Rekorde als prägnantestes der Welt bezeichnet wird. Das Zauberwort lautet "mamihlapinatapal" und stammt aus der Sprache Yamana, die südlich von Argentinien auf Feuerland daheim ist. Wobei ich mich sofort frage, nach welchen Maßstäben die Guiness-Juroren ihre Auswahl getroffen haben. 
 
Zur Bezeichnung von Männern und Frauen gibt es in den Sprachen dieser Welt jede Menge prägnante Ausdrücke. Wenn Ihr mir schmeicheln wollt, dürft Ihr gern "frajer" zu mir sagen. Das ist polnisch und heißt "Pfundskerl". Auch gegen "haohan" (chinesisch für toller Kerl, wörtlich aber guter Chinese) habe ich nichts einzuwenden. Aber verwechselt mich bloß nicht mit einem "Picador". Das ist in Peru ein "Mann, der gern an vielen Frauen nascht." Kürzer sagt man das auf Costa Rica. Dort wird ein Weiberheld "tari" genannt, was eigentlich Hai bedeutet. 
 
Für das Gegenstück zu einem Macho haben die Peruaner andere Ausdrücke. Ein "pituco" ist ein Mann aus der Oberschicht, der sich zwar vornehm gibt, aber lächerlich wirkt. Und Männer, die unter dem Pantoffel ihrer Frau stehen, werden im Andenstaat als saco largo bezeichnet. Wörtlich übersetzt heißt das langer Sack. Auch der gleichbedeutende Begriff dafür ist nicht besser. Der Calzonazo hat seinen Spitznamen von einer Riesenunterhose. Zorro, wörtlich: Fuchs, habe ich bisher für eine Art lateinamerikanischen Robin Hood gehalten, einen degenbewehrten Rächer der Armen und Entrechteten. Aber in Peru ist Zorro die Bezeichnung für einen Mann, der für einen schüchternen Freund um die Hand einer Frau anhält. 
 
Wechseln wir nach China. Dort versteht man unter xi-xin yen-jiou einen alten Mann, der seine Frau für eine jüngere verlässt. Die Übersetzung lautet: Neue Liebe - die alte verabscheuen! Solch ein Kerl wäre bei den Moso schlecht gelitten. Das ist eine chinesische Minderheit, bei der die Frauen das Sagen haben. Bezeichnenderweise leben sie am Lugu-See, der auch shinami (Muttersee) heißt. Wichtigste Gottheit ist Gemu, die große Mutter. Die Dabu wacht als Oberhaupt über die Familie, zumeist ist es die Großmutter. Einen Begriff für Vater gibt es nicht, weil Männer in diesen Familien sowieso keine Rolle spielen. 
 
Nun zu den Frauen, die nicht dem Rollenklischee der braven Ehegattin und Mutter entsprechen. "Allumeuse" heißt im Französischen eine Frau, die gern flirtet, es dann aber auch dabei belässt. Wenn junge Peruaner mit ihrer Enamorada ausgehen, dann ist das die Frau, die sie lieben. Mit einer Chicas movidas hingegen wollen sie bloß Sex haben. Und eine "Sikse" ist im Polnischen eine unberechenbare Frau. Das ist vom Jiddischen "Schickse" abgeleitet, was eine nichtjüdische Frau bezeichnet, also eine "Abscheuliche". 
 
Im Iran gilt eine "Salitih" als streitsüchtige Frau, die oft schreit.  In Pakistan und Afghanistan hängt das männliche Urteil über Frauen an einem einzigen Buchstaben. "Mor" ist eine anständige Frau, wörtlich Mutter. "Tor" steht für eine schlechte, unmoralische Frau. Ich füge hinzu: Vermutlich ist "Taliban" die Bezeichnung für Männer, die Frauen verachten, obwohl sie gar nichts von ihnen wissen. 
 
"Racataca" nennt man in Panama Frauen, die viel Goldschmuck tragen. Und eine "Maruja" gilt in Spanien als Hausfrau ohne Bildung, die am liebsten mit Nachbarinnen tratscht und Seifenopern im Fernsehen schaut. Für Frauen mit einem Hang zu Klatsch und Tratsch gibt es auch in China einen Begriff. Sie heißen dort "San-gu liu-po". Interessant finde ich die wörtliche Übersetzung: "Drei Tanten und sechs Großmütter". Eine japanische Wortspezialität ist die Bakku-Shan. Das ist eine Frau, die sehr schön aussieht, wenn man sie von hinten betrachtet - aber von vorne nicht. 
 
Zum Schluss noch zwei Übersetzungen eines Produkts, das beim Verkehr zwischen Mann und Frau gelegentlich benötigt wird. Für ein Kondom haben Einwohner des Inselstaates Vanuatu im Südpazifik eine lautmalerisch eindeutige Bezeichnung: "Rubba blong fakfak". Dafür werden die Iren geradezu poetisch. Kondom heißt auf Gälisch "ruisgean measan gaol". Was wörtlich bedeutet: Die Haut der Frucht der Liebe. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 675 vom 23. 2. 23

 

Laut Kalender haben wir immer noch Winter. Und der Februar war früher einmal bei uns ein Monat, der Schnee und Eis brachte. Schnee erfreut Kinder und Skisportler, sorgt hierzulande schon mal für ein Verkehrs-Chaos und beschäftigt Leute, die sich beruflich mit Sprache beschäftigen. Wenn das keine 1a-schleichende Annäherung an das Tagesthema der Schmunzelpost ist, dann weiß ich es auch nicht. Denn meine Frage lautet: Wie viele unterschiedliche Wörter für Schnee benutzen die Eskimos? 
 
Nun hat jeder davon schon mal gelesen oder gehört. Sind das nicht 100? Nein, daneben, das ist Quatsch! 1978 hat der Dramatiker Lanford Wilson in einem seiner Stücke, die Behauptung aufgestellt, die Bewohner des Nordpolarkreises verfügten über 50 Wörter für Schnee. Sechs Jahre später hat die New York Times die Zahl verdoppelt und von 100 Wörtern geschrieben. Vier Jahre später war reichlich Schnee geschmolzen: Da sprach die gleiche Zeitung nur noch von vier Dutzend Schnee-Wörtern. 
 
Auch Sprachforscher haben zur Verwirrung beigetragen. Professor Pullum von der "University of California" bezeichnete die unausrottbaren Legenden als den "großen Eskimo-Vokabular-Scherz". Den Schneeball ins Rollen brachte 1911 der deutsch-amerikanische Antrophologe Franz Boas. Er schrieb, dass die Eskimos vier Wörter für Schnee hätten: "Aput" für Schnee, "gana" für fallenden Schnee, "piqsirpog" für heranwehenden Schnee und "qimuqsup" für eine Schneeböe. 
 
1940 griff dann Benjamin Lee Whorf in die Schneeballschlacht ein. Er behauptete, die Eskimos hätten überhaupt kein Wort für Schnee im Allgemeinen, sondern nur sieben Begriffe für unterschiedliche Schneearten. Auch ein weiterer Sprachforscher schloss sich ihm an. Die Eskimos hätten mehrere Bezeichnungen für Schnee, weil sie das ganze Jahr im Schnee lebten. "Bullshit!", sagte Pullum dazu. Für Eskimos sei der Schnee ungefähr so wichtig wie Sand für Badegäste am Strand - er sei einfach da! 
 
Viele Leute hätten keine Ahnung, worüber sie eigentlich reden. Denn mit dem Namen "Eskimos", was "Esser von rohem Fleisch" bedeutet, würden unterschiedliche Stämme zusammengefasst, die in Sibirien, der Arktis, Kanada und Alaska leben. Diese ließen sich in zwei Sprachgruppen ordnen, die wiederum jeweils etwa 20 Sprachen umfassen. Und jede dieser Sprachen könne eigene Wörter für Schnee haben, die von Angehörigen anderer Völker nicht verstanden werden. Dazu kommt noch die Neigung, einem Wortstamm weitere Wortteile anzuheften. Pullum: "Die Zahl der Eskimo-Wörter für Schnee geht dadurch gegen unendlich." 
 
Der Inuit-Experte Tony Woodbury, der an einer texanischen Universität lehrt, hat eine Liste von Schnee-Wörtern veröffentlicht, die beim Yupik gebraucht werden. Das ist eine Sprache, die rund 100 000 Inuit sprechen, die in Alaska leben. Woodbury kam auf 15 Wortstämme. Trotzdem wird die Legende von den 100 Wörtern weiter gepflegt. So stellte Phil James eine entsprechende Liste ins Netz, in der exakt 100 Begriffe aufgezählt wurden. Schaut Euch einige an, da könnt Ihr noch was lernen, bevor die Liste Schnee von gestern ist: Ylaipi ist der Schnee von morgen. Sulitlana bezeichnet grünen Schnee. Hyrila heißt der Schnee, der sich in Bärten verfängt. Ein McTla ist ein Schneeburger. Und Tlalmann nennt man auf Grönland den Schnee, den man an deutsche Touristen verkauft. 
 
Ihr ahnt es vermutlich, Phil James hat sich an einer Satire versucht. Aber wer eine Sprachlawine lostreten will, muss etwas nur oft genug behaupten, dann gilt es irgendwann als Fakt. Was sage ich dazu? Schnee drüber! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 674 vom 22. 2. 23 


Hurra! Aschermittwoch! Damit endet meine selbstauferlegte Fastenzeit. Elf Pfund weniger, es hat sich also gelohnt. Und auf das Ende der Entbehrungen möchte ich heute mit Euch anstoßen. Jedoch nicht mit einem schnöden Prosit. Denn in anderen Sprachen gibt es deutlich ausgefallenere Trinksprüche. 
 
Und auch deutlich längere. So sagen die Schotten, soweit sie je nach der Menge des konsumierten Whiskeys noch dazu fähig sind: Slainte mhor a h-uile la a chi's nach fhaic. Das ist Gälisch und bedeutet: Jeden Tag, an dem ich dich sehe, eine großartige Gesundheit für Dich und auch an jedem Tag, den ich Dich nicht sehe! Recht nationalbewusst prosten sich, ebenfalls auf Gälisch, die Iren zu: Fad saol agat, gob fliuch, agus bas in Eirinn! Was so viel heißt wie: Langes Leben für Dich, einen trockenen Mund und einen Tod in Irland! 
 
Bei den Ungarn kommt es darauf an, die Akzente richtig zu setzen. Den Eg´esz`eggedre bedeutet schlicht "Auf Dein Wohl!" Während man mit ege´szeggedre ziemlich persönlich wird: "Auf Deinen ganzen Arsch!" Sehr höflich sind die Trinker in Cornwall. Sie sagen "Ehaz ha sowenath whath tho why ha tho goz henath, was ich wegen der vielen th-Laute niemals auf die Reihe kriegen würden. Dabei möchte ich mich den guten Wünschen durchaus anschließen: "Gesundheit und Wohlstand für Dich und die Deinen! 
 
Einen merkwürdigen Trinkspruch haben die Dänen. "Bunden i vejret eller resten i haret!" Das heißt "Prost und den Rest in Dein Haar!" Ob daran wohl alte Wikingerbräuche schuld sind? Recht originell finde ich das Trink-Motto der Chinesen. "Ganbei!" bedeutet "Trockne den Becher!" Und das rumänische Prosit verstehe ich als versteckten Hinweis darauf, dass man darauf achten sollte, ob man von selbstgebranntem Fusel erblinden könnte. "Noroc!" heißt "Viel Glück!" Bei den Amerikanern schlägt die Selbstbezogenheit durch. Und die Überzeugung, dass nur Menschen, die persönliche Überzeugungen teilen, gute Menschen sein können. Denn in den USA heißt es "To us and people like us!" ("Auf uns und Menschen wie uns!") 
 
Kurz und bündig machen es die Finnen. Ihr "Prost!" kann man auch als "Ex und hopp!" verstehen: "Kippis!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur gestrigen Schmunzelpost kamen von Martin ein paar Ergänzungen. Die erste missverständliche Sprachklippe habe ich bereits einmal erwähnt. Martin schreibt: "Wusstest Ihr, dass das Manuskript eines Psychologen kein Verleger herausbringen wollte, da es den Titel 'Der Urinstinkt' tragen sollte? Und dass vor längerer Zeit die Tankwarte sich einen klangvolleren Namen geben wollten? Auf einem Kongress beschloss deren Berufsvertretung, dass sich die von Aral künftig "Aralisten", von Shell "Shellisten" und von Esso "Essoisten" nennen sollten. Worauf die von BP sagten: "Da machen wir nicht mit!" War jetzt natürlich alles erstunken und erlogen! Spätkarnevalistische Grüße!" 
 

 Schmunzelpost 673 vom 21. 2. 23 


Wer seine Produkte im Ausland anbieten will, der verwendet dafür am besten einen Namen, der beim Konsumenten positive Gefühle weckt. Nicht immer jedoch gelingt das auf Anhieb. Oft ist der Versuch, einen Markennamen in eine Fremdsprache zu übernehmen, ziemlich in die Hose gegangen. 
 
Vor allem Autofirmen traten des öfteren ins Fettnäpfchen. Als der italienische Autohersteller seinen Fiat Uno auf den finnischen Markt brachte, hatte er etwas übersehen: Uno bedeutet auf Finnisch Trottel. Und auch in Schweden hatten die Italiener kein Glück bei der Namenswahl für ihren Fiat Regata. Denn eine Regata ist in Schweden eine streitsüchtige Frau. 
 
Auch der Chevy Nova sorgte in Spanien für Spott. Denn "no va" heißt auf Spanisch "Es geht nicht!" Pikante Assoziationen weckte die Firma Ford, als sie mit ihrem Pinto den brasilianischen Markt  erobern wollte. Denn unter Pinto verstehen die Brasilianer einen kleinen Penis. Ford änderte daraufhin die Bezeichnung in Corcel (Pferd).  Zum Wiehern war dann, dass Ford mit dem Fiera noch ein zweiter Missgriff unterlief. Fiera bedeutet auf Spanisch grausam oder scheußlich. 
 
Doch auch asiatische Autohersteller waren bei ihrer Namensgebung in Europa nicht immer gut beraten. Beim Nissan Moco wurde übersehen, dass Moco in Spanien mit Rotz übersetzt wird. Ambivalente Gefühle löste der Nissan Pivo in Tschechien aus, wo man zwar gern ein Pivo bestellt, dann aber ein Bier bekommt. Und über den Toyota MR2 lachten sich die Franzosen schlapp: MR2 klingt ausgesprochen wie Merde - und die Bedeutung muss ich wohl nicht übersetzen. 
 
Über unzureichende Französisch-Kenntnisse verfügte auch ein amerikanischer Milchproduzent, der sein Produkt im französischsprachigen Teil von Kanada an den Kunden bringen wollte: "Pet" nennt man dort einen Furz.  Und als der japanischer Tourismusdienstleister "Kinki Nippon Tourist Company" sein Heimatland den Briten nahebringen wollte, fühlte sich ein ganz spezieller, aber wohl recht kleiner Kundenkreis angesprochen. "Kinky" bedeutlich nämlich pervers. Kein gutes Gefühl hatten in Frankreich potenzielle Passagiere bei der ägyptischen Fluggesellschaft Misair. Das klingt wie Misere und bedeutet auf französisch Elend. 
 
Zwei Fehltritte leisteten sich Exporteure auch in Deutschland. Eine Duftwasser-Firma wollte hier ihr Produkt "Irish Mist" verkaufen. Der Name wurde rasch in "Irish Moos" geändert. Und auch ein Lockenhaarstab der amerikanischen Firma Clairol sorgte in Deutschland für Schmunzeln: Sein Name lautete Mist-Stick. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 672 vom 20. 2. 23


Wie wäre es mal wieder mit etwas praktikabler Lebenshilfe? Wie oft stehen wir vor einem Menschen, brodeln vor Wut und können dem Mistkerl doch nicht unverblümt ins Gesicht sagen, was wir von ihm halten. Etwa, weil es sich um unseren Chef handelt. Oder einen Beamten. Oder unseren Erbonkel. Oder einen zwei Meter großen muskelbepackten Hünen, der schon mal wegen Totschlag gesessen hat. 
 
Wer trotzdem Dampf ablassen will, für den empfiehlt sich eine subtile Vorgehensweise. Wir schleudern dem Ekel etwas ins Gesicht, was er nicht versteht, was aber den schlimmsten Druck von uns nimmt. Auf Nachfrage, was das denn bedeuten solle, ist es danach besser, abzuwinken und "Ach, nichts" zu murmeln. Für diesen Zweck gibt es ein paar wunderbar geeignete Redewendungen und Ausdrücke aus Fremdsprachen, die man vorher jedoch auswendig lernen sollte. 
 
Pöllöpää ist solch ein Wort. Es bedeutet Strohkopf. Man sollte sich nur hüten, einen Finnen so zu bezeichnen - der versteht genau, was Ihr meint, denn der Begriff stammt aus seinem Wortschatz. Für einen Schwätzer bietet sich eine Formulierung an, die in Westafrika gebraucht wird und, zugegeben, zuvor etwas Übung braucht: "Abe nun so´oo`ro bi e´ engbale jopihua". Was bedeutet: !Dein Mund ist faltig und sieht wie ein Haufen zusammengekehrter Hausstaub aus." 
 
Habt Ihr es mit einem Giftzwerg zu tun, so bietet sich ein spanischer Ausdruck an, den die Argentinier verwenden: "Inspector de zocalo". Das heißt Fußleisteninspektor. Französisch gilt als galante Sprache. Doch auch sie verfügt über Worttorpedos: "Schnock" könnt Ihr einen alten Idioten nennen, ohne dass der kapiert, worum es geht. Und wenn Ihr einen Fresssack geißeln wollt, der auf seinem Teller am Büfett Turmbau betreibt, dann greift darauf zurück, was Ihr bei Karl May gelernt habt. Ein Bruderstamm der Apachen stellte in solchen Fällen fest: "Me:mena:skenew" (Er stopft sich so mit Essen voll, dass er gleich kotzen muss). 
 
Was könnte wohl die übelste Beschimpfung sein, die dunkelhäutige Akan aus Ghana ihresgleichen an den Kopf werfen können? Sie schimpfen "wo ho hankan se broni mmotoamu!" Und das bedeutet: "Du riechst wie die Achseln eines Weißen!" 
 
Und jetzt noch fünf Beschimpfungen der härteren Sorte. "Dandit narm!" ist persisch und heißt "Mögen Deine Rippen brechen!"  Die Yoruba aus Westafrika zielen auf verstorbene Verwandschaft und fluchen "Eegun niotu 'fo baba re!". Damit wünschen sie: "Möge der Tod Deines Vaters vergessen sein". Zuckersüss kann man jemand auf Jiddisch verfluchen: "A ziser toyt zol er hobn - a trok mit tsuker zol im iberforn!" (Möge er einen süßen Tod haben - überfahren von einem Zuckerlaster!") 
 
Eine spezielle Form der Verwünschung pflegt man in Australien. "May your chooks turn to emus und kick your dunny down!" Die Übersetzung lautet: "Mögen Deine Hühner sich in Emus verwandeln und Dein Klohäuschen umtrampfeln." Und das allerschlimmste Schicksal wünschen Iren ihren Widersachern: "Na raibh tu alta ar feadh do shaoil uafassaigh!" Da schaudert es mich. Denn das heißt: "Mögest Du den erbärmlichen Rest Deines Lebens nüchtern sein!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 671 vom 19. 2. 23 


Ram, Ram ist eine Hindi-Begrüßung und bedeutet Willkommen. Dieser Empfang soll Euch darauf einstimmen, dass es heute um die Sprache gehen wird. Das heißt, die Mehrzahl ist angebracht: Es geht um Sprachen! 
 
Für die Themenwahl gab es zwei Gründe. Auf dem Dorstener FDP-Parteitag wird bald ein Antrag diskutiert, der nach dem Willen seiner Befürworter aus Dorsten einen Anstoß für die Bundesliberalen geben soll, sich die Position zu eigen zu machen. Denn der Antrag wendet sich gegen die Einführung von Englisch als zweiter Verwaltungssprache neben Deutsch. 
 
Englisch ist heute in 45 Ländern die offizielle Verkehrssprache, Rekord! Dieses Wissen habe ich mal wieder dem öffentlichen Bücherschrank zu verdanken. Beim Aufräumen fiel mir das Buch "Japanische Schweine machen buubuu" in die Hände und schlug mich sofort in meinen Bann. Bisher kannte ich diese Vokabel nur aus einem Trio-Song von 1983. Stefan Remmler sang damals: "Turalulaluralu, ich mach bubu, was machst du?" Was ich mache? Ich blättere in dem Buch und habe meinen zweiten Grund gefunden, Euch etwas über Sprachen zu vermitteln. 
 
Das ist auch nötig, um die Übersicht zu behalten. Zu Beginn unseres Jahrhunderts wurden auf der Welt 6417 Sprachen gesprochen, doch die Zahl geht stetig zurück. Nach der Internetseite ethnologuque.com sind mehr als 500 Sprachen akut vom Aussterben bedroht. Und am Ende des Jahrhunderts, so vermuten Fachleute, werden zwischen 50 und 90 Prozent der heute noch lebendigen Sprachen nicht mehr existieren. Wahrscheinlich wird dann auch der Sprach-Urwald auf Papua-Neuguinea gelichtet. Dort zählte 2001 ein Sprachwissenschaftler 826 (!) verschiedene Sprachen. 
 
Schauen wir uns die Idiome doch mal genauer an. Die Sprache mit dem kleinsten Wortschatz heißt "Toki Pona". Sie kommt mit nur 118 Wörtern aus. Die Sprache mit den wenigsten Lauten jedoch ist die kleine Insel Rotokas, die, wen wundert's, bei Neuguinea liegt. Die rund 4000 Einwohner begnügen sich mit fünf Vokalen und sechs Mitlauten. Darüber können 4000 Menschen, die in der ostafrikanischen Wüstenlandschaft der Kalahari zuhause sind, nur mitleidig lächeln. Ihre Sprache heißt !Xoo (mit verschiedenen Strichen über jedem "o", über die ich nicht verfüge). Sie beherrschen 141 Laute, davon 24 Vokale. 
 
Nun noch ein Blick ins Land mit den meisten Muttersprachlern der Welt, nach China. Dort leben etwa 140 Millionen Menschen, die alle den gleichen Nachnamen tragen. Sie heißen Chang. Da staunt ihr, ihr Müllers und Meiers! Allerdings gibt es auch in dem riesigen Reich der Mitte gerade mal 400 Familiennamen. Und die Chinesen haben zwar viele Schriftzeichen und Dialekte, sind aber wohl recht einsilbig. Ihre Sprache besitzt bloß 411 Silben. Im Deutschen sind es etwa 10 000! 
 
Zum Schluss noch was Tierisches. Dass in Japan die Schweine statt "oink" "buubuu" sagen, ist ja schon eingangs der Schmunzelpost deutlich geworden. Aber es geht noch bizarrer. Das japanische Klima begünstigt Grillen, die sich zu einer regelrechten Landplage entwickelt haben. Und was machen die Japaner? Sie halten Grillen als Haustiere. Wie bei uns bei den Hunden gibt es da vielerlei Arten. Jede spricht ihre eigene Sprache. Die Boshi-Grille macht "kutsukutsu", aber die Kutsuwamushi-Grille "gachagacha". Und die Korogi-Grille wird vermutlich als Wecker eingesetzt. Sie macht: "Ririririri!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 670 vom 18. 2. 23

 

Heute, am 18. Februar, jährt sich der Tag, an dem ich links eine neue Hüfte eingesetzt bekam. Einige Monate später fürchtete ich, dass auch auf der rechten Seite solch ein Eingriff unvermeidlich wäre. Doch die Beschwerden hatten glücklicherweise andere Ursachen und verschwanden wieder. Ich hatte mich seelisch aber bereits auf eine erneute Operation eingestellt. Nicht nur seelisch: Weil ich fürchtete, dann einen Tag lang außer Gefecht zu sein, habe ich für diesen Fall eine Schmunzelpost geschrieben und auf Halde gelegt. Diesen Text sende ich Euch jetzt aus Anlass des Jahrestages: 
 
In der Nacht vor der OP hatte ich einen Traum, an den ich mich noch in allen Einzelheiten erinnern kann. Das kommt selten vor. Deshalb erzähle ich Euch jetzt davon. 
 
Als ich nach der Operation wieder zu mir kam, lag ich nicht im Bett, sondern stand vor einer Fahrstuhltür. "Nanu", dachte ich, "ist die OP ausgefallen, weil der Chirurg plötzlich weggerufen wurde?" Der ehrwürdige weißbärtige Mann vor mir schüttelte mitleidig den Kopf. "Nein, Pech gehabt, leider ist die Sache schiefgegangen. Aber meinen Unterlagen entnehme ich, dass Sie nicht an Himmel und Hölle glauben. Deshalb müssen Sie jetzt eine Wahl treffen, wo Sie in aller Ewigkeit bleiben wollen. Doch zuvor dürfen Sie einen Blick in die Quartiere werfen. Zuerst abwärts oder aufwärts?" 
 
"Donnerwetter, das hätte ich niemals erwartet. Aber dann möchte ich mir natürlich zuerst das Paradies anschauen." "Bitte sehr, bitte gleich - einmal per Express in den Himmel." Und - schwups - mit einem Affenzahn geht es in der Fahrstuhlkabine empor. 
 
Die Tür öffnet sich, und vor mir schweben lauter kleine Wolken in einem schier endlosen blauen Himmel. Auf den meisten sitzt eine weißgewandete geflügelte Person mit einem Heiligenschein und vertieft sich in das Spiel auf einem Musikinstrument. Nur ganz in der Nähe sehe ich einen älteren Herrn in blauer Dienstkleidung, der missmutig an seiner Harfe zupft: "Lujah, sog i!" 
 
Mir weht ein frischer Wind um die Nase, und das Hemdchen scheint nicht allzu dick zu sein. "Wann werden denn die Mahlzeiten gereicht?", frage ich. "Mahlzeiten? Die gibt es hier nicht. Sämtliche menschlichen Bedürfnisse habe Sie mit Ihrer sterblichen Hülle auf der Erde hinterlassen. Hier können Sie sich völlig darauf konzentrieren, den Namen des Herren zu preisen - bis in alle Ewigkeit. Kann es etwas Schöneres geben?" 
 
"Wohl kaum, aber nein, vielleicht doch?" stottere ich. "Nur um einen Vergleich zu haben: Kann ich mir auch schnell noch die Hölle ansehen?" "Aber ja doch, das ist der Sinn unseres Himmellifts", erklärt der Fahrstuhlführer und saust mit mir in Windeseile abwärts. 
 
Als sich unten die Tür öffnet, schlägt mir warme Luft entgegen. Aber kein Höllenfeuer, sondern eine angenehme, trockene Wärme. An die Hölle aus den Erzählungen erinnern nur die kleinen Hörnchen des Dienstpersonals. Ansonsten amüsieren sich unzählige Frauen und Männer in einer riesigen Grotte, die entfernt an eine geschmackvolle Nachtbar erinnert und über jede Menge Swimmingpools verfügt. 
 
Auf den Ruheliegen entspannen Pärchen, in bequemen Sesseln schauen sich andere Fußball-Übertragungen oder Abenteuerfilme auf großen Leinwänden an. Die meisten von ihnen haben Gläser in der Hand, deren Inhalt sie in kleinen Schlucken sichtlich genießen. 
 
Die fröhliche Szenerie macht mich stutzig. "Moment mal", sage ich, "die Geschichte habe ich doch schon zu Lebzeiten gehört. Sobald ich mich hierfür endgültig entscheide, macht es Plopp und die wahre Hölle kommt zum Vorschein. Und die ist fürchterlich. Wenn ich mich dann beschwere, kommt Satan persönlich vorbei und erklärt grinsend: 'Haben Sie etwa zu Lebzeiten schon einmal erfahren, dass Wahlversprechen gehalten werden?' Nee, nee, darauf falle ich nicht herein, ich will lieber in den Himmel!"  
 
"Na gut, wenn das Ihr letzter Wille ist, dann ab nach oben", seufzt der Fahrstuhlführer. Im Himmel öffnet sich erneut die Tür und ein mächtiger Akkord aus "I can get Satisfaction" schallt mir entgegen. Verblüfft reibe ich mir die Augen: Da stehen vor mir auf einer Bühne tatsächlich Jimi Hendrix, John Lennon, Charlie Watts, Bill Wyman und Brian Jones und rocken, dass es eine Freude ist. "Das ist Ihr Begrüßungsständchen", brüllt mir der Fahrstuhlführer ins Ohr. "Danach können Sie in aller Ruhe einen Wunschzettel ausfüllen, damit wir Ihnen Ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten." 
 
"Wunderbar!", flüstere ich überwältigt. "Und was ist das da für ein blau-weißes Festzelt?" "Da wird gerade der Champions-League-Sieg von Schalke 04 gefeiert." "Und die weiße, prächtige Kuppel dahinter, wohin sich die ganzen Araber begeben?" "Das ist der Palast mit den 70 jungen Frauen für alle gottgläubigen Islam-Anhänger, die den Islamisten nicht auf den Leim gegangen sind." 
 
"Und was sollte dann das Theater bei meinem ersten Besuch hier oben?" "Das war ein Test. Wir wollen gern die wahren Christen hier versammeln, die nicht den Lockungen des Teufels erliegen." Er schmunzelt. "Außerdem hat das einen nützlichen Nebeneffekt - die Überbevölkerung gibt es jetzt in der Hölle!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 669 vom 17. 2. 23 


Gestern war Weiberfastnacht. Dieser Tag ist für mich früher stets eine verschärfte Form von Halloween gewesen, weshalb es mich bereits zuvor tagelang gruselte. Das hat nichts mit Frauenfeindlichkeit zu tun. Im Gegenteil, von mir aus sollen Weiblein und Männlein im Karneval ihren Spaß haben und sich austoben, solange sie mich in Ruhe lassen. Aber zur Weiberfastnacht konnte ich mich fast zwanzig Jahre lang dem Treiben nicht entziehen, was ein bis heute nachwirkendes Trauma hinterließ. 
 
An diesem Tag war es nämlich üblich, dass alle Karnevalsvereine der Stadt den Lokalredaktionen einen Besuch abstatteten. Was auszuhalten gewesen wäre, wenn wir die Abordnungen aller Jeckenclubs zu einem bestimmten Termin gemeinsam hätten empfangen dürfen. Aber nein! Weil einige Vereine sich nicht leiden konnten, stimmten sie sich vorher untereinander ab, um sich bei uns bloß nicht zu begegnen. Außerdem wollten alle am nächsten Tag in den Genuss eines eigenen Zeitungsfotos kommen. 
 
Das bedeutete, dass sich in der Redaktion zwischen 11 und 16 Uhr die Narren die Klinken in die Hand gaben. Anfang der 90er Jahre waren das gleich fünf jecke Invasionen. Erschwerend kam hinzu, dass mich unsere karnevalsinfizierte Sekretärin gefragt hatte, ob wir die Besucher, die den ganzen Tag in der Stadt unterwegs waren, nicht wenigstens etwas bewirten könnten. Und ich Depp habe das erlaubt: "Zu trinken gibt es nichts, mit Alkohol sind die ja alle selbst reichlich ausgestattet. Aber ein wenig Gebäck und ein paar belegte Brötchen können wir schon bereitstellen, das ist gut für die Leser-Blatt-Bindung." 
 
Die bittere Folge war, dass es sich die Trupps bei uns solange wie möglich gemütlich machten. Zumal hier auch die Möglichkeit bestand, die Redaktionstoilette aufzusuchen, von der eine Närrin nach der anderen gerne Gebrauch machte. Auffällig war, dass meine Kollegen bis auf die Sekretärin, einen Fotografen und die Gestalterin der nächsten Ausgabe, dauernd gute Gründe fanden, etwas außerhalb der Redaktion zu erledigen. Und das an einem Tag, an dem es außer Karneval so gut wie keine Einladungen zu Terminen gab! Der Sportkollege jenseits des Flurs half sich auf andere Art: Entgegen meiner Weisung schloss er einfach seine Tür ab.
 
Nun hätte ich mir als Redaktionsleiter selbst ein paar Tage Urlaub genehmigen können. Aber nein, mit meiner preußischen Pflichtauffassung ließ sich das nicht vereinbaren. Das wäre sowas wie Feigheit vor dem Feind gewesen. Also hielt ich meinen Kopf hin. Was wortwörtlich zu nehmen ist. Jede Delegation ließ mich hochleben, hängte mir Orden um, versuchte mir billigen Fusel einzuflößen und, es war ja Weiberfastnacht, knutschte mich ab. Vor allem die Vereine, die später am Tag aufkreuzten und bereits ordentlich getankt hatten. Niemals sonst ist es mir so schwer gefallen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und mich um lockere Konversation zu bemühen. 
 
Einen Tag werde ich niemals vergessen. Da vertrat eine freie Fotografin unseren kranken Foto-Kollegen. Und mich hatte zum Abschluss des närrischen Treibens der schlimmste Verein, bekannt für seinen gürtellinienfreien "Humor", fest im Griff. Endlich ging es zum Ende zu. Aber die hackenstramme Prinzessin (oder war es die Alterspräsidentin?) sollte mir noch fürs Foto ein Bützchen geben. Das nutzte sie schamlos aus und überhäufte mich mit Küssen, die sogar auf meinem Schädel Lippenstift-Spuren hinterließen. Endlich war es vollbracht, und sie ließ von mir ab. Erleichtert atmete ich auf und wollte schnell die Besucher verabschieden. Da schaute die Fotografin auf ihre Kamera und sprach die grausamen Worte: "Oh, das hat nicht geklappt. Das müssen wir nochmal wiederholen." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Eine gute Nachricht und ein Nachtrag zur gestrigen Schmunzelpost kommt von Martin: "Dass mit dem Deutschlandticket beruht auf einem Trugschluss. 'Ausschließlich digital' bedeutet lediglich 'nicht in Papierform'. Entweder bucht man das Ticket selber online, oder man geht zu einer ÖPNV-Verkaufsstelle und bekommt eine Chipkarte. Auch das aktuelle VRR-Seniorenticket (Bärenticket) ist seit jeher ausschließlich so erhältlich. Niemand, der computerlos ist, muss auf das Deutschlandticket verzichten!" 

 

Schmunzelpost 668 vom 16. 2. 23 


 Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Auch wenn sie in Verwaltungen, Schulen und nach Ansicht eines zornigen Bürgers in Deuten (hallo, Schorsch) hierzulande mitunter nur schleppend voran kommt.  Aber trotzdem besteht die FDP darauf, dass das neue 49 Euro-Ticket ausschließlich digital abonniert werden darf. Was soll das? Steckt dahinter der Gedanke: "Wer nicht in der Lage ist, einen Computer oder ein Smartphone zu bedienen, der hat auch im Öffentlichen Nahverkehr nichts zu suchen"? Fürchten die Liberalen, dass sonst die Rentnergeschwader zur Hauptverkehrszeit den Pendlern die Plätze in Zügen und Bussen streitig machen? 
 
 Es könnten auch fürsorgliche Bedenken im Spiel sein. Was, wenn Tausende von verwirrten Greisen durch die Republik irren und nicht pünktlich um 18 Uhr zum Abendessen zurück in ihrem Pflegeheim sind? Was, wenn es angesichts der vielen defekten und daher unbrauchbaren Toiletten in den Zügen dauernd zu hygienischen Notfällen kommt? Da erscheint so ein kleiner Intelligenztest als Einstiegsbremse doch gleich in einem ganz anderen Licht. 
 
 Wobei ich mich frage, wie es um die Intelligenz derjenigen bestellt ist, die sich die Zugangswege zur digitalen Abwicklung 
 von Behördenerfordernissen oder für den Kundenservice ausgedacht haben. Als ich wegen der Grundsteuererklärung von ELSTER akzeptiert werden wollte, war das ein zähes Ringen. Letztlich drohte es am Passwort zu scheitern. Der PC verlangte von mir, ein Codewort mit mindestens sechs Zeichen einzugeben. Das tat ich. "Dieses Passwort ist zu schwach", maulte der Computer. Also fügte ich noch Zahlen und Großbuchstaben hinzu. Das reichte aber auch noch nicht, mir wurde lediglich Mittelmaß bescheinigt. Erst als ich noch ein Sonderzeichen einsetzte, gab es grünes Licht. 
 Doch wenn ich bei der erforderlichen Passwort-Wiederholung meinen Code ein zweites Mal eingab, trat ich auf der Stelle: "Das Passwort muss mindestens sechs Zeichen enthalten", blockierte die Technik das Weiterkommen. 
 
 Konnte der Rechner nicht bis drei zählen? Oder war mein Passwort zu kompliziert? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich ihn nach etlichen Flüchen und dreißig Minuten hartnäckigen Herumprobierens mit einem Trick überlistet habe. Wie ich das hinbekam? Das will ich Euch gern verraten. Doch vorher müsst Ihr meine Geschäftsbedingungen akzeptieren und Euch anmelden. 
 
 Seid Ihr mindestens 18 Jahre alt und im Vollbesitz Eurer geistigen Kräfte? Dann gebt bitte 939<2913⁴72§000342achdumeinegüte9371? in die Spalte der Anlage III des Formulars 12/4 ein. Wollt Ihr wissen, wie Ihr an das Formular 12/4 kommt? Dann füllt bitte das Formular 4522/b aus und fügt als Anhang eine Kopie Eures polizeilichen Führungszeugnisses hinzu. So, jetzt ist es fast geschafft. Zum Beleg Eurer körperlichen Fitness macht Ihr jetzt schnell noch ein Selfie von Euch beim Handstand und sendet es mir per Mail. Nein, anlehnen gilt nicht. 
 
 Wie, Ihr gebt schon auf? Naja, Geheimnisse müssen auch geheim bleiben. Und Ihr habt schon mal etwas trainiert und so Eure Chancen erhöht, dass es wenigstens mit dem 49-Euro-Ticket klappt. 
 
 Glückauf 
 kdk 
 

Schmunzelpost 667 vom 15. 2. 23


 Kuck mal, was da fliegt!  Seit ein paar Wochen bringen Ballons die Menschen in Wallung. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn diese Leute nicht an der Spitze bis an die Zähne bewaffneter Staaten stünden. 
 
 Aber der Reihe nach. Der erste Ballon, ein mächtiges Ungetüm mit der Größe eines Wohnblocks, überquerte im Januar die USA. Dem Vernehmen nach soll es sich um ein Spionage-Werkzeug der Chinesen gehandelt haben. Raffiniert! Auf Radarschirmen tauchte das Ding nicht auf. Und um es auch für menschliche Augen schwer erkennbar zu machen, hatten die Absender es bestimmt zusätzlich getarnt. Vielleicht hatten sie den Ballon ja vom berühmten Maler Ei-Der-Daus als Wolke gestalten lassen. Oder sie hatten ihn mit Tannenzweigen behängt. Das klappt immer! Jedenfalls gelten Soldaten bei Nato-Manöver mit drei Zweigen am Helm als unsichtbar für feindliche Blicke. 
 
Leider ging die Rechnung nicht auf. Irgendwo in Iowa schaute wohl ein aufgewecktes amerikanisches Kind gen Himmel und rief: "Guck mal, Daddy, da fliegt ein Weihnachtsbaum!" Und schon war der Schwindel aufgeflogen. Riesenaufregung im Pentagon! Was tun? Ignorieren? Mit großen Windmaschinen zum Nordpol pusten? Oder abschießen? Was aber, wenn Wrackteile beim Absturz Unheil anrichten? Man hört ja fast täglich, was Synthetik-Fetzen selbst in unbelebten Gegenden für einen Schaden anrichten. 
 
 Also wartete man lieber mit dem Abschuss, bis der Ballon das Meer erreicht hatte. Dass Makrelenfischer Bill Smith hinterher stinkesauer war, weil sich Textilreste um seine Schiffsschraube gewickelt hatten, wurde schamhaft verschwiegen. Stattdessen gab es eine verbale Keilerei mit der Staatsführung von China. Denn die Chinesen waren zurecht verärgert, dass ihr Eigentum rücksichtslos zerstört wurde. Dabei sollte ihr Wetterballon doch bloß dazu dienen, den Klimawandel zu erforschen. Dazu hat der Ballon sein Teil beigetragen: Das Klima zwischen den USA und China ist eisig wie lange nicht. 
 
 Für Tauwetter war auch nicht förderlich, dass kurz darauf weitere Ballons gesichtet wurden. Über den USA, über Kanada und über Südamerika. Einige davon waren jedoch deutlich kleiner, so dass sie zunächst als "unbekannte Flugobjekte" eingestuft worden sind. Und um die Verwirrung komplett zu machen, meldete China, dass in seinem Luftraum ebenfalls so ein Ufo entdeckt wurde. 
 
 Ist das bloß ein chinesisches Ablenkungsmanöver? Bereitet E.T. seine Rückkehr zur Erde vor? Oder ist das ein infamer Streich Putins, um Zwietracht zwischen dem Westen und China zu säen? Ich glaube ja, dass das besonders große Glückwunsch-Ballons waren, die man in Peking zu Ehren des obersten Genossen Xi hat aufsteigen lassen. Bei Kinder-Geburtstagen ist so etwas auch üblich. Und für einen großen Führer müssen es dann eben Super-Ballons sein. 
 
 Wie viele sind bisher aufgetaucht? Habe ich richtig gezählt, und es waren acht? Dann fehlen noch 91, bis endlich die Luft raus ist. Denn wie sang einst ein deutsches Pop-Sternchen? "99 Luftballons...." 
 
 Glückauf 
 kdk 
 


Schmunzelpost 666 vom 14. 2. 23


Mut zur Hässlichkeit braucht, wer sich die Galerie der heute ausgewählten Tiere anschaut. Voranstellen möchte ich aber etwas, dass mir wichtig ist. Alle Geschöpfe haben ihren Platz im Artenspektrum. Es ist todtraurig, wie viele Arten bereits durch menschliches Zutun für immer verschwunden sind. Weil etwas unseren Schönheits-Maßstäben nicht entspricht, verliert es dadurch noch lange nicht seine Daseinsberechtigung. Mal ehrlich: Mit den Augen eines Blobfisches betrachtet wären wir Menschen potthässlich! 
 
Das ändert jedoch nichts daran, dass es für mich attraktivere Zeitgenossen gibt als den Tiefseebewohner, der im Südwestpazifik zuhause ist. Der Blobfisch wartet halbvergraben auf dem Meeresboden auf Beute und zwar meist 600 bis 1500 Meter unter der Wasseroberfläche. Dabei prägt ihn eine Mimik, die wegen der herabgezogenen Mundwinkel an eine heute nicht mehr amtierende deutsche Politikerin erinnert. Weitere Vergleiche verbieten sich jedoch. Der bis zu 30 cm lange graue Gallertklumpen gehört zur Familie der Dickkopf-Groppen und hat durch sein Aussehen vielleicht die Spinatindustrie zur Erfindung des "Blubs" angeregt. 
 
Was ist denn da passiert? Das fragt sich der Mensch, wenn er einen Sternnasenmaulwurf betrachtet. Dieses Tierchen ist im östlichen Nordamerika zuhause und zwar sowohl unter Wasser wie im Erdboden. Den Eingang zu seinen Bauten legt es gern unter der Wasseroberfläche an. Würmer und Insekten sind seine Nahrung. Und die Frage, warum er seinen Namen trägt, beantwortet sich nach dem ersten Blick - diese Maulwurfart sieht aus, als hätte man ihr einen Polypen mitten ins Gesicht geklebt! 
 
Wie eine Kombination aus dem Schauder-Kabinett erscheint uns auch der Koboldhai. In seinem Fall hat die Evolution auf ein Monstergebiss noch eine Nase mit einem langen Horn gepappt. So wirkt der Tiefseebewohner, der sich nur selten blicken oder fangen lässt, wie ein bis zu 5 m langes gruseliges Einhorn der Weltmeere. 
 
Nun noch zum Adonis der Froschlurche, dem Nasikabatrachus sahyadrensis. Sprecht mir das bitte nach! Nicht? Na gut, Ihr dürft auch Indischer Purpurfrosch sagen. Dieser Schwabbelklumpen wurde von Zoologen erst 2003 im Südwesten Indiens entdeckt, wo er fast das ganze Jahr im Untergrund lebt und nur während der zwei Monsun-Wochen zur Fortpflanzung an die Oberfläche kommt. Nicht, dass er sich wegen des unförmigen Aussehens geniert: Im Erdreich findet er seine Nahrung, denn er frisst Termiten. 
 
Wie gewohnt zum Abschluss noch eine Spezies aus dem Grenzbereich zwischen Mensch und Tier: Der Scharwenzler. Diese Gesellen erkennt man daran, dass sie dauernd um ihre Zielpersonen herumwuseln, um sich lieb Kind zu machen und Anschluss zu finden. So beflissen Scharwenzler sich geben, so sehr sie auch schmeicheln und hofieren, es handelt sich fast immer um schleimige, falsche Fuffziger. Damit sie sofort für alle zu erkennen sind, arbeitet die Genforschung daran, sie in Zukunft mit Hundeschwänzen auszustatten. Durch anhaltendes Wedeln wird sich jeder Scharwenzler dann sofort verraten. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 665 vom 13. 2. 23

Heute hat das kuriose Tier-Kabinett mal Pause. Stattdessen stehen Presse-Fundstücke im Mittelpunkt. Wobei eines sich um einen komischen Vogel dreht. 
 
Wie anders soll man einen Menschen beschreiben, der bei der Arbeit gern gleich zwei Krawatten gleichzeitig trug und es liebte, ausgerechnet in den prüden USA mit seiner Frau nackt wandern zu gehen? Außerdem war der im Jahre 1900 in Ohio geborene Carles Francis Richter Star-Trek-Fan, sammelte Science-Fiction-Magazine und veröffentlichte Gedichte. Und er war ein kluges Kerlchen: Richter beherrschte sieben Sprachen und war der führende Seismologe der 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Selbst in seinem Wohnzimmer stand ein Seismometer. 
 
Richter? Erdbebenforscher? Da klingelt doch was! Genau, nach diesem Mann wurde 1935 die Erdbeben-Skala benannt, die er gemeinsam mit Beno Gutenberg entwickelt hat. Obwohl der Begriff heute noch dauernd verwendet wird, bedient man sich inzwischen aber meist der noch zuverlässigeren Momenten-Magnituden-Skala. Daher könnte man sagen: Der komische Vogel schmückt sich mit fremden Federn. Aber das geht nicht auf sein Konto, den Fehler machen wir Journalisten. Wenn wir einmal meinen, endlich etwas Naturwissenschaftliches verstanden und gespeichert zu haben, dann weichen wir nur ungern davon ab. Und der "komische Vogel" war in Richters Fall alles andere als despektierlich gemeint. 
 
Auf den Seismologen bin ich in der Samstagsausgaben der Süddeutschen gestoßen, worauf die Krause-Skala für kuriose Zeitgenossen sofort ausschlug und eine Stärke von 3,5 anzeigte. Die Stärke von 6,0 auf der Krause-Skala für humorvolle Texte hat in der Vergangenheit bereits häufiger Christian Zaschke erreicht. In der SZ-Sportredaktion glänzte er vor allem durch seine Glossen, als Auslandskorrespondent erst in London und jetzt in den USA gelingt es ihm immer wieder, auch ernsthafte Berichte und Reportagen mit witzigen Wendungen zu bereichern. So auch am Samstag im ganzseitigen Text aus dem "Milden Westen". 
 
Dabei geht es um das jährliche Cowboy-Treffen in Elko, Nevada. Sie versammeln sich dort "nicht, um die schönsten Kühe zu prämieren, sondern um sich ihre schönsten Gedichte vorzutragen. Von Pferderomantik und Furzgeräuschen." Nun haben wir von Cowboys durch Wildwest-Filme und Marlboro-Werbung ein verzerrtes, stark geschöntes Bild. Ihr Alltagsleben war und ist nicht abenteuerlich, sondern besteht aus harter, meist schlecht bezahlter Arbeit. Kein Wunder, dass sie in ihrer Freizeit nach einem körperlich weniger anstrengenden geistigen Ausgleich suchen. Und überraschend viele haben ihn in der Poesie gefunden: In diesem Jahr kamen fast "5000 Menschen, Cowboys, Cowgirls, Zivilisten" zum "National Cowboy Poetry Gathering". 
 
Allerdings ist Elko, die Kleinstadt in Nevada, längst nicht so glamourös wie etwa Nashville, Tennessee. Zaschke: "Elko, das sind Casinos entlang der Idaho Street mit defekten Leuchtreklamen, in denen überschminkte Dealerinnen in einer an den Tod gemahnenden Langeweile Black-Jack-Karten über den Tisch schieben und die Zocker anblaffen, wenn sie nicht genügend Trinkgeld geben. Elko, das sind ranzige Motels, in deren Teppichen mehr Lebewesen wohnen, als der Wissenschaft bekannt sind." 
 
Und die dort versammelten Cowboys sind wohl auch nicht die intellektuelle Elite Amerikas. Zaschke: "Abseits der Küsten hat Donald Trump das Sagen. Je ländlicher die Gegend, desto konservativer, und Cowboys sind Ländlichkeit in reinster Form." Das zeigt sich auch in der Gender-Debatte, die in den USA noch giftiger geführt wird als bei uns. Die Konservativen glauben, so Zaschke, die Liberalen seien vollkommen durchgeknallt und wollten die Geschlechter abschaffen. In rechten Foren heiße es, dass in Schulen Katzenklos aufgestellt würden, weil manche Kinder und Jugendliche sich nicht als Mädchen oder Junge identifizierten. Was natürlich Schwachsinn ist, aber dennoch ernsthaft diskutiert wird. 
 
Auch ein Country-Sänger übermittelt dem Publikum in Elko klare Botschaften: "I eat meat, meat can't be beat!" Schlicht und ohne Augenzwinkern vorgetragen. Dennoch gab es Lichtblicke. Die Hauptrednerin Joy Harjo ist nicht nur eine preisgekrönte Poetin. sondern zählt auch noch zu den "Native American". Wir stellen fest: Indianer(innen) gehören nicht mehr ins Feindbild der Cowboys. Dafür ist ihr Frauenbild noch immer eines, das auch John Wayne teilen würde. Was jedoch den früheren Rodeo-Reiter Chris Isaacs nicht hinderte, offen zuzugeben, dass in seiner Ehe seine Frau Helen das Sagen hat.
 
Diese Frau hat dazu auch noch Witz. Isaacs erzählte, dass er morgens um fünf Uhr aufstehen musste, um ein Flugzeug nicht zu verpassen. Dummerweise hatte er sich zuvor mit seiner Frau gestritten: "In solchen Momenten sprechen wir eine Weile nicht miteinander - wer zuerst wieder etwas sagt, hat verloren." Da aber Chris keinen Wecker besitzt, weil seine Frau ohnehin Frühaufsteherin ist und ihn pünktlich aus den Federn holt, schrieb er einen Zettel: "Bitte um fünf Uhr wecken!" Als er um sieben Uhr aufwachte, fand er daneben einen weiteren Zettel: "Es ist fünf Uhr, bitte aufstehen!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 664 vom 12. 2. 23


 Abnehmen ist ein mühsames Geschäft. Allmählich werde ich zwar leichter, aber das geht sehr langsam voran, Gramm für Gramm. Noch elf Tage bis Aschermittwoch, und ich bin immer noch zu dick. 
 
Zum Stichwort "dick": Habt Ihr schon einmal ein Dikdik gesehen? (Gebt zu: Diese Überleitung zum eigentlichen Thema ist preiswürdig. Aber ich möchte nicht zu dick auftragen). Ich gebe Euch ein paar Tipps. Ein Dikdik ist kaum größer als ein Hase und wiegt maximal 7 Kilo. Dikdiks kommen ohne Trinkwasser aus und leben in Somalia, Eritrea und noch ein paar weiteren afrikanischen Staaten. Der Name Dikdik leitet sich von seinem Ruf ab, lautmalerisch etwa "tsik, tsik". Ein Dikdik hat auf dem Kopf einen Haarschopf, der sich aufstellt, wenn es sich aufregt.  Na, immer noch keine Ahnung? Ist aber auch schwer: Ein Dikdik ist eine Zwergantilope. 
 
 Nun kommen wir zur Teufelsblume. Die gibt es in ostafrikanischen Ländern, in denen auch Dikdiks vorkommen. Aber obwohl Dikdiks sich ausschließlich von Pflanzen ernähren, steht eine Teufelsblume nie auf ihrem Speiseplan. Eine Teufelsblume ist nämlich keine Pflanze, sondern ein Insekt. Den Namen trägt es, weil es sich mit teuflischer List als grünes oder braunes Blatt tarnt und dann von der Mücke bis zur Hummel alles frisst, was darauf hereinfällt. 
 
 Teufelsblumen sind die größten Fangschrecken der Welt, Verwandte unserer Gottesanbeterin. Die Männchen werden 11 cm groß, die Weibchen bis zu 14 cm. Und wenn das Dikdik ein niedliches Tier ist, dann zählt die Teufelsblume vom Aussehen eher zu den bedrohlichen. Sie können ohne weiteres als Modell für bösartige Aliens und Monster in Horrorfilmen gedient haben. 
 
 Wo wir gerade bei besonders bizarren Tieren sind, kommen wir an der Blauen Seeschwalbe nicht vorbei. Die allerdings kein Vogel ist, sondern ein zwar kleine, aber mörderische Schnecke. Die Blaue Seeschwalbe (Glaucus atlanticus) ist rund um den Globus in den Weltmeeren heimisch. Sie lässt sich nahe der Wasseroberfläche von den Wellen treiben und ernährt sich dort von Quallen. Deren Gift kann ihr nichts anhaben, im Gegenteil, sie sondert das Gift ihrer Beute ab und fügt es dem eigenen hinzu. Daher ist die Blaue Seeschwalbe äußerst giftig, schon eine leichte Berührung mit ihren Nesseln kann auch für Menschen tödlich sein. Deshalb sollte man so ein nur vier bis acht Zentimeter großes Tierchen niemals in die Hand nehmen. Eure Worte: "Guck mal, was ich hier gefunden habe! Ein winziger blauer Drache! Ist der nicht schön?" könnten sonst Eure letzten sein. 
 
 Zum Schluß wieder eine fiktive Spezies: Der Leisetreter. Die sind mitten unter uns, man nimmt sie nur kaum wahr. Sie sind höchst unscheinbar und geben sich alle Mühe, ja nicht aufzufallen. Leisetreter haben das Schleichen perfektioniert, nicht von ungefähr werden sie daher gern zur Spionage eingesetzt. Sie haben jedoch eine Schwäche: Wenn sie ihrem Todfeind, dem Trampel, begegnen, geraten sie durch dessen Schallwellen so in Schwingungen, dass sie sich auf der Stelle in Luft auflösen. 
 
 Glückauf 
 kdk 
 


Schmunzelpost 663 vom 11. 2. 23


Weiter geht's mit der Präsentation von bizarren Tieren. Kennt Ihr eines, das aussieht wie eine weiße Maus, der jemand eine Art Panzer auf Kopf und Rücken geklebt hat? Und deren krallenbewehrte Füße sich vorzüglich als kleine Schaufeln einsetzen lassen? Das ist ein Gürtelmull. Diese Art lebt ausschließlich in den Ebenen von Zentral-Argentinien und ernährt sich von Insekten, Würmern, Ameisen und Schnecken. 
 
 Ein Gürtelmull wird nur 11 bis 15 cm groß und ist mit seinen maximal 120 Gramm eher ein Leichtgewicht. Da er sich an der Erdoberfläche nur selten blicken lässt und fast sein ganzes Leben lang unterirdisch unterwegs ist, weiß man nicht mal annähernd, wie viele aus seiner Sippe in Südamerika existieren. Auch sonst ist sein Leben noch weitgehend unerforscht. Man weiß lediglich, dass er über einen ausgesprochen guten Geruchsinn verfügt. Und dass er ein stiller Geselle ist: Er schreit nur, wenn man ihn erschreckt! 
 
 Nun möchte ich Euch mit Greta Morgane bekannt machen. Nein, das ist nicht die Tochter von Fata Morgana. Auch keine Schönheitstänzerin wie Mata Hari. Doch schön ist Greta schon. Und wenn sie jemand umgaukelt, ist nicht auszuschließen, dass sie ihn gleichzeitig wie Mata Hari ausspioniert. Den Chinesen ist mittlerweile alles zuzutrauen - der riesige Ballon war bloß ein Ablenkungsmanöver.  Dabei ist Greta Morgane leicht zu durchschauen. Denn die Flügel des tagaktiven Falters sind fast komplett transparent. Nur ihr Rand ist dunkelbraun gefärbt. Der tagaktive Schmetterling kann in Mittelamerika und Südtexas bewundert werden. 
 
 Kommen wir zur See-Fledermaus. "Was ist das denn für ein komischer Vogel!", möchte man bei ihrem Anblick rufen. Aber die Seefledermaus ist natürlich kein Vogel, auch keine Fledermaus, sondern ein Knochenfisch. Aber einer, bei dem zu vermuten ist, dass sein Schöpfer ihn aus der Resteschüssel zusammen gesetzt hat. Dabei konnte er sich nicht recht entscheiden, ob er diese Kreation mit Füßen oder Flossen ausstatten sollte und hat sich wohl gedacht: "Ach, nehmen wir doch von beidem etwas. Und auf den Schädel setzen wir noch zwei lustige Hörnchen. Aber was ist mit dem Rücken, womit soll ich ihn bedecken? Na gut, was noch so rumliegt: Haare, Schuppen, Dornen und Warzen." 
 
 Bei der Besichtigung des Endprodukts ist dann wohl doch aufgefallen, dass die Attraktivität deutlich zu wünschen übrig lässt. Zum Ausgleich ist das Mäulchen deshalb mit einem knallroten Lippenstift verziert worden. Doch der reißt es auch nicht mehr raus - bei "Germanys next Topmodel" gäbe es bereits in der Vorrunde kein Foto.  Also bleibt der arme Fisch lieber auf dem Meeresboden. Die Seefledermaus ist überall in den tropischen Weltmeeren meist in Tiefen von 50 bis 120 m zuhause, außerdem im Mittelmeer. 
 
 Zuletzt wieder ein fiktives Tier: Der Karnevalsmuffel. Dabei handelt es sich um eine weit verbreitete Gattung, die weit öfter in Westfalen als im Rheinland gesichtet wird. Der Karnevalsmuffel reagiert allergisch auf bestimmte Klänge und optische Reize. Kamellen sind für ihn Gift! Die Gelehrten streiten sich noch, ob der Karnevalsmuffel humorlos ist oder so empfindlich reagiert, gerade weil er Sinn für Humor hat. Jedenfalls halten besonders scheue Exemplare vom 11. November bis Aschermittwoch gern Winterschlaf oder setzen sich wie Zugvögel in entlegene Regionen ab, in die sich nie eine Pappnase verirrt. 
 
Glückauf 

kdk

 Schmunzelpost 662 vom 10. 2. 23


 Trotz seit langem fehlender neuer Horrormeldungen aus unserer Region ist der Wolf mal wieder in die Schusslinie der Zeitung geraten. Dass ein Sohn von Gloria in Niedersachsen 71 Schafe gerissen haben soll, wird zwar auch die Dorstener und Schermbecker interessieren. Aber mussten deshalb mehrere ausführliche Artikel dazu im Lokalteil erscheinen? Und für den letzten Bericht wurde sogar wieder die großformatige Aufnahme vom Pony mit durchbissener Kehle aus dem Archiv geholt. Das geht für mich eindeutig in Richtung Stimmungsmache. 

 

Ob blutrünstige Wölfe in der Zeitung oder putzige Katzenvideos im Internet - Tiere sind nach wie vor der Renner. Daher möchte ich Euch in lockerer Folge ein paar exotische Wesen vorstellen, von denen ich bis vor kurzem geglaubt hätte, die gäbe es gar nicht oder jemand mit überbordender Fantasie habe sie sich bloß ausgedacht. Als Vorgeschmack schon mal ein paar Namen: Dugong, Dikdik, Teufelsblume, Greta Morgane und Babirosa. Aha, ich blicke in ratlose Gesichter. 

 

Fangen wir mit dem Dugong an. Dass es Seelöwen gibt - ja, klar, haben wir alle schon im Fernsehen gesehen. Auch Seebären sind uns nicht fremd. Aber Seeschweine oder Seekühe? Das sind andere Name für die Dugongs, große Meeresbewohner, die aussehen wie das Ergebnis eines flotten Dreiers von Robbe, Nilpferd und Staubsauger. Denn ein Dugong ernährt sich in einer Wassertiefe von sechs bis acht Meter tatsächlich mit Hilfe seines großen hufeisenförmigen und rüsselartigen Mauls wie ein Bodenstaubsauger. Es stülpt seine Lippen möglichst weit gespreizt auf den Meeresgrund und sucht dort so nach Seegras, seinem Hauptnahrungsmittel. 

 

 Solch ein Pflanzenfresser kann bis zu 900 Kilogramm schwer und drei Meter lang werden. Dugongs leben in Herden im Roten Meer, im Indischen Ozean und im Westpazifik. Recht zahlreich sind sie allerdings nur vor Australien, anderswo in Asien und vor Ägypten existieren nur noch geringe Bestände. Und vor China ist das Dugong bereits ausgerottet worden. Das liegt an seinem schmackhaftem Fleisch und der Qualität seiner Haut, wenn sie zu Leder verarbeitet wird. Und daran, dass man aus seinem Körper in Asien ein Aphrodisiakum gewinnt - dort widersetzt sich der Glaube an potenzsteigernde Mittel tierischen Ursprungs hartnäckig jeder Aufklärung. 

 

Wer unverhofft einen Greifstachler zu Gesicht bekommt, der glaubt wahrscheinlich eher, dass ihm jemand heimlich bewusstseinsverändernde Mittel eingeflößt hat. Ein Igel auf Bäumen? Das gibt's doch nicht! Doch, das gibt's. Nur handelt es dabei nicht um einen Igel, sondern um besagten Greifstachler. Allerdings liegt die Chance, ihm hierzulande in freier Wildbahn zu begegnen, deutlich unter Null. Greifstachler sind ausschließlich in den Wäldern Lateinamerikas unterwegs, als eine Art bewaffnete, aber sehr gemächliche Eichhörnchen. Vielleicht hat sich auch eine Eule in ihre Ahnenreihe verirrt - Greifstachler sind nachtaktiv.
  

Sie ernähren sich von allem, was Bäume so hergeben. Angefangen von Wurzeln und Rinde über Knospen und Blätter bis hin zu Früchten. Das macht sie in Forstplantagen höchst unbeliebt. So ist der größte Feind der Greifstachler der Mensch, gegen den die Stacheln leider nicht helfen. Was sie von Igeln unterscheidet, ist ein langer Schwanz, der zum Greifen dient. Und jetzt dürft Ihr dreimal raten, woher die Greifstachler ihren Namen haben. 

 

Zum Schluss noch eine Spezies, die nicht tierischen Ursprungs ist. Es geht um den Warumwolf. Der Warumwolf ist ein naher Verwandter des Werwolfs. In den Nächten mit Vollmond, Halbmond oder Neumond träumt er von echten Wölfen. Bevor er schweißgebadet aufwacht, murmelt er im Schlaf: "Du bist doch ausgerottet! Warum, Wolf, kommst Du jetzt zurück?" Gleich nach dem Aufstehen setzt sich der Warumwolf an den PC und hetzt im Netz gegen das gefährlichste Raubtier seit T-Rex. 

 

Beim Wolfsgerichtshof in Wolfsburg ist deshalb Verleumdungsklage gegen den Warumwolf eingereicht worden. Wird er verurteilt, muss er damit rechnen, in weitläufigen Gehegen eingesperrt zu werden. Die sind dann von Warumwolf-Abwehrzäunen umgeben und werden vom Staat finanziert. 

 

 Glückauf 

 kdk 

 


 Schmunzelpost 661 vom 9. 2. 23


Allmählich nähern wir uns dem Höhepunkt der fünften Jahreszeit. Ich stehe jedoch dem närrischen Treiben mit zwiespältigen Gefühlen gegenüber. 
 
Einerseits finde ich es gut, wenn Menschen miteinander ausgelassen feiern und ihren Spaß haben. Andererseits folgt unausweichlich hinterher das böse Erwachen: Ein übler Kater, jede Menge Dreck und ungewollte Schwangerschaften. 
Einerseits gibt es gute Witze, humorvolle Reden, lustige Sketche und Lieder, die zu Ohrwürmern werden und selbst nach Aschermittwoch noch gut klingen. Andererseits erklingt dauernd das tinnitusauslösendeTä-tää-Tä-tää-Tä-tää, dass auch jeden noch so schwachen Scherz anzeigt, Lieder, vor denen ich in einen schalldichten Schutzbunker flüchten möchte und holprige Verse, bei denen sich mir die Fußnägel aufrollen. 
 
Einerseits gibt es Rosenmontagszüge, die mit liebevoll gestalteten Wagen das Weltgeschehen gekonnt und bissig karikieren, andererseits welche, die so ärmlich und einfallslos sind, dass damit der Anspruch auf Humor zu Grabe getragen wird. Einerseits ist der Karneval als Parodie auf Zeremonien und das Militärwesen entstanden und der ursprünglich anarchische Kern soll sich in bestimmten Gegenden beim Straßenkarneval noch erhalten haben. Andererseits hat sich ein Vereinsunwesen entwickelt, das mit seinen Posten, Orden und streng geregelten Abläufen inzwischen selbst parodiert wird. 
 
Und leider muss ich aus Erfahrung sagen: Gerade unter Karnevalisten gibt es eine ganze Reihe humorloser Menschen, deren eingebildete Wichtigkeit fast die Narrenuniform zum Platzen bringt. Es war für mich eine der ersten journalistischen Erfahrungen, dass sich manche Jecken spinnefeind sind. Sie messen auf den Zentimeter nach, wie groß in der Zeitung die Fotos der "Konkurrenz" waren und vergleichen die Zeilenzahl der jeweiligen Artikel. Dass unter ihrer Regie dann Veranstaltungen herauskommen, die sich nur im Suff ertragen lassen, liegt auf der Hand. 
 
Doch zum Glück gibt es auch Lichtblicke. Zu gern würde ich einmal aus der Nähe beobachten, was die Tintenhühner Anne, Beate und Christa als ABC-Girls des Hardter Narrentreibens beim sagenumwobenen Frauenkarneval auf die Bühne bringen. Dass die drei mit Humor gesegnet sind, weiß ich aus kabarettistischer Erfahrung. Nur leider lassen sie bei ihrer großen Gala keine männlichen Zuschauer in den Saal. 
 
Na gut, ich hätte mich in das Männerballett einreihen können. Weil sie aktiv am Programm beteiligt sind, wird für die Akteure eine Ausnahme gemacht. Aber tanzen? Auf offener Bühne, beäugt von hunderten von Frauen, womöglich in närrischer Verkleidung? Das geht zu weit. So ähnlich stelle ich mir die Hölle vor, mit Margaret Thatcher alias Mephista als satanisches Oberhaupt. 
 
Aber vielleicht gibt es noch andere Wege für einen Undercover-Jecken. Könnte ein geeignetes Kostüm weiterhelfen? Astronautin? Haremsdame? Biene Maja? Ich fürchte, Größe, Gang und vor allem die Stimmlage könnten mich enttarnen. Da bleibt nur noch der Rechtsweg: Ich komme als Gleichstellungsbeauftragte. Im Genderzeitalter, wo selbst die Sprache geschlechtsneutral werden soll, kann es doch nicht angehen, alte, weiße Männer so zu diskriminieren. Ich erinnere daran, dass Frauen bei uns inzwischen nicht nur wählen und autofahren dürfen, sondern seit Neuestem auch das Recht eingeklagt haben, in einer der letzten Männerdomänen mitzumischen: Frauen dürfen heute sogar Schützenkönig werden! Und sich dann eine männliche Schützenkönigin auswählen. In solchen verrückten Zeiten muss doch auch die Saal-Tür offen stehen für Klausine, die Karnevalistin! 
 
Helau! 
kdk 

 Schmunzelpost 660 vom 8. 2. 23


Kennt Ihr Bruno Schröder? Den Mann kannte ich auch nicht, bis kürzlich etwas über ihn im Spiegel stand, worauf Axel Hacke ihm im SZ-Magazin auch noch eine Kolumne widmete. Der ehemalige Bergbau-Ingenieur aus Mettingen in Nordrhein-Westfalen verstarb im Alter von 88 Jahren. Und er hinterließ die "wahrscheinlich größte Privat-Bibliothek Deutschlands", wie der Spiegel vermutet. Rund 70 000 Bücher aller Genres, nur keine Liebesromane, hat Schröder in seinem kleinen Einfamilienhaus angesammelt. Respekt! Ich habe eine neues Vorbild. 
 
"Der Mann kann unmöglich alles gelesen haben", nimmt Axel Hacke an, "das schafft nicht mal Denis Scheck." Aber darauf kommt es ja gar nicht an. Ein vielversprechendes Buch zu besitzen und die Möglichkeit zu haben, es jederzeit zur Hand zu nehmen, darin zu blättern, nach Infos zu suchen oder es ganz zu lesen, das macht den Reiz des Sammelns aus. Nur ganz selten bringe ich es übers Herz, ein Buch auszusortieren. Nur, wenn ich es doppelt habe, es zu zerfallen droht oder es ein völliger Missgriff war. 
 
Doch das kommt selten vor. So stehe ich vor dem Problem, das alle wahren Bücherfreunde kennen. Wohin mit den Neuerwerbungen? Wie ich schon einmal berichtete, quellen die Regale über. Auf Tischen, in den Ecken und im Keller stapeln sich die Bände, und dennoch besitze ich nur einen Bruchteil des Schröderschen Bestands. Wie hat der Mann das gemacht? Gibt es Fotos oder Skizzen? Verfügte er über ein neuartiges Lagersystem, dass die Nutzung des Raums unter der Zimmerdecke ermöglicht? Oder hat der Bergbau-Ingenieur Schächte in den Boden getrieben? 
 
Hätte Schröder seine Bücher zu einer Pyramide gestapelt, dann hätte es wohl einen neuen Rekord gegeben. Die bislang größte Bücherpyramide bestand aus 70.247 Bänden. Dies zu übertrumpfen, wäre jedoch für Karl Lagerfeld ein Leichtes gewesen. Der Modezar war bekennender Büchernarr, kaufte täglich 30 bis 40 Exemplare und besaß insgesamt rund 300. 000 Bände, die er auf sieben Wohnungen verteilte. Übertroffen wurde Lagerfeld jedoch von einem Amerikaner. John Q. Benham aus Avoca im US-Bundesstaat Indiana besitzt 1,5 Millionen Bücher. Seine Sammlung lagert in Garagen und unter Planen in seinem großen Garten. 
 
In einer anderen Liga spielen die weltgrößten Bibliotheken. Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig hat hierzulande den größten Bestand mit 41,4 Millionen Büchern. Weltweit gibt es zwei Spitzenreiter, die sich ein Kopf.an-Kopf-Rennen liefern. Die British Library in London und die US-Kongressbibliothek in Washington verfügen über jeweils 170 Millionen Bücher. Angeblich reiht die Kongressbibliothek ihre Schätze auf 500 Regal-Meilen. Das ist Stoff für meinen nächsten Alptraum. Nein, ich habe keine Angst davor, die ganzen Bücher zu lesen - eine Höllenangst flößt mir jedoch die Vorstellung ein, ich müsste sie abstauben! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 659 vom 7. 2. 23

Bayern ist Spitze! Das meinen jedenfalls die Bayern. Und sie haben recht: Bayern ist Zugspitze! Zumindest mit dem höchsten Berg Deutschlands liegen die Bajuwaren im Ranking ganz oben. Wenn man aber ihrem Oberhäuptling Markus Söder, dann ist Bayern auch in so gut wie allen anderen Belangen in Deutschland ganz vorne. Was die Bundesliga-Tabelle betrifft, ist das richtig. Ob aber auch in allen anderen Bereichen, daran darf man Zweifel hegen.
 
 Das tat auch eine NDR-Journalistin im neuen TV-Format "Reschke-Fernsehen". Anja Reschke stellte den markigen Sprüchen Söders und seines Vorgängers Horst Seehofer in satirischer Form ein paar Fakten entgegen und dokumentierte damit die Unverfrorenheit, mit der eine Landespartei die anderen Bundesländer als "Resterampe"(Originalton Söder) abstempelte und für sich allerlei Sonderrechte beanspruchte. Die dreist mit drei Verkehrsministern in Folge einen Großteil der Bundesmittel für Bayern abzweigte und sich damit auch noch öffentlich brüstete. Die Windkraftnutzung im eigenen Land verhinderte, aber anderswo einfordert, um dann beim Leitungsbau die teuerste Variante zu verlangen, die jedoch von allen gemeinsam finanziert werden soll. Dass auch die Atommüll-Endlagerung und Gasgewinnung per Fracking nördlich des Mains erfolgen müsse, ist für die CSU eine Selbstverständlichkeit.
 
Doch wenn jemand den Bayern tatsächlich die Lederhosen ausziehen will, dann hört der Spaß auf. Sogar für die Süddeutsche Zeitung, die sonst die CSU durchaus kritisch beäugt. Aber Anja Reschke kommt im Streiflicht schlecht weg. NDR-Grobmotoriker, so liest man zwischen den Zeilen heraus, seien eben zu echtem Humor und feiner Ironie nicht fähig. Und vor allem dürfe man Bayern nicht mit der CSU gleichsetzen.  Das aber hat Anja Reschke, die in Bayern zur Welt kam und lange in München gelebt hat, gar nicht getan. Sie hat da sehr wohl differenziert. Es sind eher die CSU-Größen, die sich als fleischgewordene Verkörperung des bayerischen Denken und Handelns ausgeben. 
 
 Meine Meinung? Bayern ist "scho schee". Doch viele Bayern sind in der Tat eine besondere Sorte Mensch. Der verstorbene Regisseur Herbert Achternbusch, selbst ein Ur-Bayer, hat mal gesagt: "Die Bayern sind alles Anarchisten, die zu 60 % CSU wählen." Und von denen viele auf die Resterampe Deutschland recht geringschätzig herabschauen. Der österreichische Autor und Kabarettist Severin Groebner, der lange in Bayern lebte, beschreibt dieses Selbstverständnis so:
 
 "Die Bayern sind die Bayern. Und wer nicht die Bayern sind, sind nicht die Bayern. Und freilich gibt es auch Leute, die nur ein bisschen bayrisch sind, aber so richtige Bayern sind das nicht.  Andere wiederum - und solche soll es auch geben - sind gar nicht bayrisch, das sind dann aber gar keine Bayern! Aber es können eben nicht alle aus Bayern kommen. Und das ist ja auch keine Schande. Also für den Bayern. Weil die Bayern kommen ja aus Bayern, und da sollen die anderen gar nicht so deppert schauen, diese unbayrischen Deppen, diese Unbayrischen. Da können die Bayern doch nichts dafür. Dann schleicht's euch heim in euer Unbayern, ihr Unmenschen, ihr Unbayrischen. No a Hoibe!"
 
 Glückauf

 kdk 


Schmunzelpost 658 vom 6. 2. 23


Beim Grinsen über die Auswüchse der deutschen Regulierungswut ist es eine zusätzliche Freude, dass die Gesetzgebung auch in anderen Staaten seltsame Blüten treibt. Begeben wir uns auf eine kleine Rundreise. 
 
Wir beginnen in Großbritannien. Ich vermute, dass die Briten noch mehr Probleme mit Staus auf Schnellstraßen und im Großstadtverkehr haben als wir. Wie sonst ließe sich diese Ausnahmeregelung erklären, die offenbar Männern, deren Blase allzu heftig drückt, einen gentlemangerechten Notausgang öffnet? In England ist es nämlich Autofahrern erlaubt, sich in aller Öffentlichkeit zu erleichtern, wenn sie dabei auf die Hinterreifen des eigenen Autos urinieren. Vorgeschrieben ist lediglich, dass die rechte Hand auf dem Auto liegt. (Über den Zusatz habe ich mich besonders gewundert. Glauben die britischen Gesetzgeber etwa, dass es unter Exhibitionisten keine Linkshänder gibt?) 
 
Aus China berichtet die "Rheinische Post" über ein Gesetz, von dem ich kaum glauben mag, dass es noch in Kraft ist. Danach soll es in China verboten sein, ertrinkende Menschen zu retten, weil dies ein Eingriff in ihr vorherbestimmtes Schicksal wäre. Leider ist mein Chinesisch noch nicht gut genug, um das in den einschlägigen chinesischen Gesetzestexten zu überprüfen. 
 
Dass einige Bundesstaaten der USA zu den prüdesten Gegenden der westlichen Welt gehören, ist wohl allgemein bekannt. Dafür gibt es auch in der Gesetzgebung eine Fülle von Beispielen. Dass in 29 Bundesstaaten die Sodomie strikt untersagt ist, erscheint im Sinne des Tierwohls durchaus in Ordnung. Einen Sonderweg beschreiten Montana, Kansas, Oklahoma und Texas. Dort ist Sodomie nur für Homosexuelle illegal. Dazu muss man wissen, dass nach der hebräischen Bibel auch Oralsex unter Menschen als Sodomie gilt. 
 
Bleiben wir in Texas. Dort ist seit 1973 der Verkauf oder Besitz von Vibratoren gesetzlich verboten. Das rechtfertigte der republikanische Präsidentschafts-Kandidat Ted Cruz vor ein paar Jahren nochmals ausdrücklich. Es sei schliesslich kein Verfassungsrecht, die eigenen Genitalien stimulieren zu dürfen – außer es gehe um gesundheitliche Massnahmen, um Fortpflanzung oder um den Geschlechtsverkehr mit einer anderen Person. Erlaubt ist dagegen in Texas jedem Volljährigen, in einem der vielen Waffengeschäfte ohne Umstände eine Schnellfeuerwaffe zu erwerben. Jippiheijee! 
 
Zurück nach Europa. Die Schweiz ist wohl das Land mit dem schärfsten Tierschutzgesetz. Zum Beispiel ist es untersagt, einzelne Meerschweinchen oder nur einen Goldfisch zu besitzen. Diese Tiere müssen mindestens einen Artgenossen haben. Im Widerspruch dazu steht, zumindest aus Sicht der Hundefreunde, dass es neben China und Südkorea in der Schweiz erlaubt ist, seinen eigenen Hund zu schlachten und zu verzehren. Wer jetzt grimmig knurrt, den weisen die Schweizer darauf hin, dass in Deutschland immer noch Pferdefleisch auf den Teller kommt. 
 
Der Kreis schließt sich in England. Dort ist es strikt verboten, dass Parlament in Ritterrüstung samt Zubehör zu betreten. Das Gesetz stammt noch aus dem Mittelalter, als so verhindert werden sollte, dass Parlamentarier mit Schwertern aufeinander losgingen. Allerdings ist die Vorschrift bis heute in Kraft. Und neben den Gaderobenhaken für Mäntel und Hüte wartet immer noch ein weiterer darauf, dass Abgeordnete auf ihm ihre Schwerter aufhängen. 
 
Noch ein Besonderheit aus dem "House of Parliament". Weil das Parlament offiziell als Palast gilt, ist es gesetzlich verboten, dort zu sterben. Denn sonst bestünde der Anspruch auf ein Staatsbegräbnis. Allerdings ist umstritten, ob bei Zuwiderhandlungen die Erben mit Strafgeldbescheiden rechnen müssen. Zum Glück wird jeder, der Anstalten macht, das Zeitliche zu segnen, eiligst vor die Tür gesetzt. Trotzdem hat es im englischen Parlament seit 1907 vier Todesfälle gegeben. Zwei Menschen wurden hingerichtet, einer erschossen und einer erlag einem Herzinfarkt. Die vier Betroffenen mussten auf ihr Staatsbegräbnis verzichten. Strafe muss sein: Take that, Sir! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Gut, dass es aufmerksame Leser gibt. Zur letzten Schmunzelpost kam per Mail folgende Anmerkung: 
"Das Seilbahngesetz in MeckPomm ist für den Fall, dass dort mal eine Seilbahn gebaut wird, schon wichtig. Seilbahnen müssen nicht unbedingt Höhen erklimmen. Die irische Insel Dursey ist über eine 230 m breite Meerenge mit dem Festland per Seilbahn verbunden (in der Kühe Vorrang haben!). Im Dortmunder Westfalenpark verkehrt ein Sessellift, ebenso in einem botanischen Garten bei Venlo ("Blümkes von oben im Sitzen"). An den Niagarafällen verläuft eine Panoramaseilbahn von USA nach Kanada mit 0 m Steigung, in Vietnam mit 9 m, in Frankreich mit 64 m (der höchste Berg MeckPomms ist 180 m hoch, also durchaus seilbahnwürdig!), eine Autotransportseilbahn in Bratislava "erklimmt" 3 m Höhe u.v.m.! Das war ein Beitrag aus der Reihe 'Klugscheißen mit Martin'." 

Schmunzelpost 657 vom 5. 2. 23


Merkwürdige Verordnungen und absurde Gesetze sind zumindest für Außenstehende manchmal ein Quell der Freude. Dies war einmal mehr bei der Halterner Lesung aus "Krauses Zeug" zu beobachten, als das Publikum besonderen Spaß an kuriosen Zitaten aus amtlichen Dokumenten hatte. Das war für mich ein guter Grund, mal wieder nachzusehen, was an weltfremden Vorschriften derzeit immer noch in Richtlinien und Gesetzen verankert ist. 
 
Wusstet Ihr, dass in Deutschland das Schwimmen in Abwasserkanälen streng verboten ist? Tja, jetzt wisst ihr's. Im nächsten Sommer müsst Ihr auf das erfrischende Bad in der nächstgelegenen Köttelbecke verzichten. Allerdings gibt es einen Hoffnungsschimmer. Wenn Euer Antrag von der zuständigen Behörde genehmigt wird, dann dürft Ihr mit reinem Gewissen Eure Bahnen durch Schmutzwasserkanäle und Klärbecken ziehen. 
 
Auf keinen Fall jedoch dürft Ihr im Gleichschritt mit einer Gruppe eine Brücke überqueren. Das ist in Deutschland immer noch gesetzlich verboten. Wegen der fatalen Eigenschwingungen. Wenn die Karnevalshaudegen von der närrischen Gesellschaft "Die fetten Möpse" im Gleichschritt unsere Lippebrücke überqueren, dann könnte das womöglich dem angeschlagenen Bauwerk den Rest geben. Was meint Ihr? Ein Lkw und ein Gelenkbus belasten die Brücke doch viel mehr? Das mag sein, aber davon wusste man 1831 noch nichts. 
 
Damals stürzte in Großbritannien eine Brücke ein, als darauf 74 Soldaten im Gleichschritt paradierten. Prompt erließen die Briten ein Gesetz, das so etwas in Zukunft verhindern sollte. Und in Preußen und anderen deutschen Regionen folgte man sofort dem Beispiel. Die gesetzliche Regelung ist bis heute in Kraft - sicher ist sicher! 
 
Eigenartig ist auch eine Passage unserer Straßenverkehrsordnung. Sie erlaubt ausdrücklich, dass Blinde ihr Auto drei Stunden lang auf Anwohnerparkplätzen und sogar im eingeschränkten Halteverbot abstellen dürfen. Dass blinde Menschen vorher auch den dafür erforderlichen Führerschein machen dürfen, ist in den Gesetzestexten jedoch nicht vorgesehen. Ich sehe daher schwarz, was die Ausnutzung der Sondergenehmigung betrifft. 
 
Apropos schwarzsehen: Kann das die Augen beeinträchtigen? Oder schädigen grelle Farben die Sehkraft? Jedenfalls sind in Bad-Sooden-Allendorf bunte und schwarze Sonnenschirme durch die Altstadtsatzung untersagt. Erlaubt sind lediglich beige, pastell- oder sandfarbene Sonnenschirme. Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Geldstrafe bis zu 15 000 Euro rechnen. 
 
Die Drohung mit einer Geldbuße führte auch dazu, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern ein Seilbahngesetz hat. Nun ist dieses Bundesland vergleichsweise flach, und Seilbahnen gibt es dort nirgendwo. Es hat auch niemand die Absicht, dort solch eine Anlage zu errichten. Aber die Europäische Union bestand trotzdem darauf, dass in ganz Deutschland entsprechende Gesetze verabschiedet werden mussten. Laut Richtlinie wäre sonst eine Geldstrafe von täglich (!) 791 000 Euro fällig gewesen. 
 
Doch unser Gesetzeswerk hat durchaus noch Lücken. Anhänger der Freikörperkultur dürfen jubeln: Nach unserer Straßenverkehrsordnung ist es erlaubt, sich im Auto nackt auszuziehen. Und das sogar während der Fahrt, solange dadurch nicht die Verkehrssicherheit oder die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt wird. Aber denkt bitte daran, Euch vor dem Aussteigen wieder etwas anzuziehen. Sobald Ihr nackt das Auto verlasst, droht ein Bußgeld. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 656 vom 4. 2. 23


Man muss etwas nur oft genug behaupten, dann wird es irgendwann geglaubt. Nach diesem Prinzip agiert zum Beispiel Donald Trump. Größter Konkurrent beim Wettstreit um den Titel "Meister der Verdrehungen und dreisten Lügen" ist Wladimir Putin, wie jetzt wieder bei seiner Rede zum Ende des Kampfes um Stalingrad zu hören war. In Amerika gibt es jedoch noch einen weiteren Titelanwärter. Lest mal nach, was sich George Santos, republikanischer Abgeordneter im US-Parlament, so alles geleistet hat. Gegen diesen Hochstapler ist Thomas Krull ein Waisenknabe. 
 
Doch Lügen in der Politik haben in der Geschichte eine lange, unsäglich Tradition. "Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen", schob Adolf Hitler die Schuld für den Ausbruch des 2. Weltkriegs den Polen zu. Die freie Welt wusste jedoch seit langem, mit wem sie es zu tun hatte. Daher habe ich es bisher auch für eine Lüge gehalten, dass ausgerechnet ein schwedischer Sozialdemokrat Hitler für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat. 
 
Nach kurzer Recherche stellte sich jedoch heraus: Es geht tatsächlich auf das Konto von Erik Gottfrid Christian Brandt, dass Adolf Hitler 1939 für den Friedensnobelpreis nominiert war. Der Schwede, der zuvor 1938 die Reichspogromnacht in der Öffentlichkeit gebrandmarkt hatte, verfolgte damit aber eine satirische Absicht. Er war empört, dass der britische Premierminister Neville Chamberlain, der durch seine Beschwichtigungspolitik die Annexions-Strategie der Nazis begünstigte, für den Friedensnobelpreis im Gespräch war. 
 
Unwahr ist dagegen, was viele glauben: Es war gar nicht Christoph Kolumbus, der Amerika entdeckt hat. Wie wir wissen, ist ihm der Wikinger Leiff Eriksson bereits im Jahre 992 zuvor gekommen. Nach isländischen Überlieferungen ist aber zweifelhaft, ob nicht auch Eriksson jemand anders zuvor kam. Ein gewisser Bjarne Herjulfsson soll 985 mit seinem Schiff auf der Fahrt nach Grönland in Seenot geraten sein und sich als erster Europäer an die amerikanische Küste gerettet haben. Überdies streiten die Gelehrten, ob nicht noch früher schon Phönizier, Chinesen oder Araber den Atlantik überquert haben. Eindeutige Beweise gibt es dafür aber nicht. 
 
Doch streng genommen war Kolumbus nicht einmal der erste Europäer der Neuzeit, der amerikanisches Festland betrat. Auf seiner Suche nach Indien war er zunächst 1492 auf einer Insel der Antillen gelandet. Auf den amerikanischen Kontinent setzte er den Fuß erst 1502 bei seiner dritten Reise. Zuvor war aber 1497 der italienische Seefahrer Giovanni Caboto zwischen Neufundland und Labrador an Land gegangen. Caboto glaubt jedoch, er sei in China. 
 
Wo wir schon dabei sind, weit verbreitete Irrtümer auszuräumen, möchte ich gleich noch einen Zopf abschneiden. Denn es stimmt nicht, dass die Männer im alten China seit jeher einen Zopf trugen. Das wurde erst zur Pflicht, nachdem die Mandschu im 17. Jahrhundert das Reich der Mitte erobert hatten. Und kaum hatten die Chinesen die Fremdherrschaft wieder abgeschüttelt - zack, waren die verhassten Zöpfe ab. 
 
Von der Haartracht zur Kopfbedeckung. Dass die Wikinger Helme mit Hörnern aufsetzten, ist ebenfalls Quatsch. Sie trugen schlichte Eisenhelme mit Nasenschutz. So, das war für heute genug an Aufklärung. Beim nächsten Mal beweise ich dann, dass es gar nicht der Klapperstorch ist, der die Kinder bringt. Das erledigt nämlich in seiner Freizeit der Osterhase. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Hurra, die ersten zwei Kilo sind runter! Und Dank an Maria für ihre an den aktuellen Suppenkasper gerichteten aufmunternden Zeilen: 
 
Am fünften Tag bist du noch munter
 Die Pfunde purzeln langsam runter
 Zukünftig lass ich das mit dem Orakel
 Endet es doch mit einem Debakel
 Ab jetzt willst du die Suppe essen
 Meine Warnung kannst du vergessen
 Das Gegenteil von gut gemeint ist gut
 Drum faste weiter mit frohem Mut!
 Am Aschermittwoch ist alles vorbei
 Zum Wohle 🍷 🍷 🍷 und her mit der Spezerei! 

Schmunzelpost 655 vom 3. 2. 23


Die erste Etappe meiner persönlichen Fastenkur ist erfolgreich abgeschlossen. Zunächst habe ich mich täglich auf ein Mini-Frühstück, bestehend aus einem Käsebrot, einer Banane und einem Apfel, sowie zwei Eiweiß-Shakes beschränkt. Zusätzlich zu trinken gab es eine Tasse Kaffee und sonst ausschließlich Wasser. Ab heute gibt es nun bis zum Aschermittwoch einen Eiweiß-Shake weniger und dafür eine kleine Mahlzeit, und zwar eine Suppe oder einen Salat. 
 
Der Verzicht ist mir leichter gefallen als erwartet. Dazu trug auch bei, was ich über den Schwedenkönig Adolf Friedrich las. Der Monarch hat zwei Hobbies: Das Dekorieren von Schnupftabakdosen und üppige Mahlzeiten. Eine davon wurde ihm 1771 zum Verhängnis. Der König hatte bereits reichlich Hummer, Kaviar, Sauerkraut und Räucherheringe gespeist und mit Champagner hinuntergespült. Auf das Dessert hätte er besser verzichtet. Denn er verschlang noch 14 Portionen Semla. Das ist eine extrem fettreiche, süße Gebäckspezialität. 
 
Vielleicht war Karl Friedrich abergläubisch und wollte es daher nicht bei dreizehn Stück belassen. Womöglich war im letzten Semla auch etwas Unbekömmliches enthalten. Oder er hat sich daran verschluckt. Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass ihn beim letzten Bissen der Schlag traf und er für immer den Löffel abgab. Was lernen wir daraus? Lieber weniger essen - und vor allem keine Semla!
  
Wo wir schon beim Tod und bei Königshäusern sind, will ich meinen neuerworbenen Ruf als buntes Blatt für Freunde des Makaberen noch untermauern. Die nächste Geschichte ist allerdings nichts für empfindsame Gemüter. Es geht um den Tod von Maria Stuart, der schottischen Königin. Nachdem sie 1568 aus ihrem rebellischen Land geflohen war, wurde sie von ihrer Cousine, Elisabeth I. von England, eingekerkert. Fast 20 Jahre verbrachte Maria in Gefangenschaft. 
 
Dann wurde ihr vorgeworfen, sie sei in ein Mordkomplott gegen ihre Cousine verwickelt. Und so wartete am 8. Februar 1587 der Henker in der großen Halle von Fortheringhay Castle auf die schottische Königin. Leider war der Mann an diesem Tag nicht in Bestform. So mussten die Zeugen entsetzt verfolgen, wie Maria schicksalsergeben ihren Kopf auf den Block legte, der Henker zu einem mächtigen Hieb mit der Axt ausholte, zuschlug - und sie fast verfehlte. Jedenfalls traf er statt des Nackens lediglich den Hinterkopf der Delequentin, die daraufhin fassungslos die Worte "Heiliger Jesus!" ausstieß. 
 
Der zweite Schlag beendete zwar Marias Leben, trennte jedoch nicht, wie es sich bei solchen Hinrichtungen gehörte (der englische Adel legt bis heute großen Wert auf den korrekten Ablauf von Zeremonien), den Kopf vom Rumpf. Also musste der entnervte Henker mühsam die Sehnen einzeln abtrennen. Doch er hatte noch eine Zugabe in petto. Nach Enthauptungen war es üblich, den Kopf des Opfers in die Höhe zu halten und den Zeugen zu präsentieren. Doch als der Mann versuchte, den Schädel anzuheben, fiel der Kopf herunter und rollte über den Boden. Der Henker hielt nur eine Perücke in der Hand. (Wer jetzt schlucken muss: Ich hatte Euch gewarnt!) 
 
Wenn schon für immer dahin gehen, dann lieber so, wie es einem französischen Oberhaupt widerfahren ist. Der Mann war allerdings kein König, sondern lediglich Präsident. Auch Felix Faure widmete sich 1899 seiner liebsten Freizeitbeschäftigung - er verbrachte einen vergnüglichen, wunderbaren Tag mit seiner Geliebten. Der Höhepunkt am späten Abend war gleichzeitig das Ende. Just in dem Moment, in dem Monsieur Präsident das genoss, was die Franzosen "la petite mort" nennen, also den kleinen Tod, ereilte ihn ein schwerer Schlaganfall und er verschied zu deren Entsetzen in den Armen seiner Geliebten. 
 
Glückauf 
kdk 
   

Schmunzelpost 654 vom 2. 2. 23


Da ich gestern schon nachgesehen hatte, was am 1. Februar in der Welt los war, habe ich gleich mit dem 2. Februar weiter gemacht. Dabei bin ich ein paar hundert Jahre in der Vergangenheit über eine Krankengeschichte gestolpert, die mich mit Freude darüber erfüllt, dass nicht ich damals als Patient behandelt wurde. Bei aller Kritik an unserem Gesundheitswesen: Wir können froh sein, dass die Medizin Fortschritte gemacht hat. 
 
In deren Genuss wäre sicher auch Charles, der König von England, gern gekommen. Nein, nicht der Dritte. Charles II. wurde am Morgen des 2. Februar 1685 wach und fühlte sich äußerst unwohl. Dabei hatte ihn bis dahin seine robuste Gesundheit ausgezeichnet. Doch an diesem Vormittag begann eine Leidenszeit: Er fiel den Medizinern in die Hände. Zuvor hatte das Aussehen des Regenten sein Personal so erschreckt, dass die Bediensteten unverzüglich den Leibarzt riefen. 
 
"Ihre Majestät sah schauderhaft aus, war unfähig, ein Wort zu sprechen und blass wie Kreide", berichtete der Stallmeister. Zu der Zeit hatten Rittmeister noch andere Aufgaben als sich um Prinzessinnen zu kümmern. Aber Mediziner widmeten sich dafür mit großer Leidenschaft um den königlichen Patienten. Und in England galt seinerzeit über Ärzte, was Asterix bereits im römischen Imperium beobachtet hatte: "Im Dutzend sind sie mörderisch!" 
 
Die Elite der britischen Quacksalber versammelte sich um das Bett des Monarchen. Die Behandlung begann, wie zu der Zeit üblich, mit einem Aderlass. Dem Kranken wurde ein halber Liter Blut abgezapft. Als das keine Wirkung zeigte, zog man noch weitere Experten zu Rate. Lord Macauly berichtete: "Die Mehrheit nannte Charles apoplektisch und folterte ihn einige Stunden lang wie einen Indianer auf dem Marterpfahl." Fast 60 (!) verschiedene "Heilmittel" kamen zur Anwendung. Darunter waren auch ein orientalischer Bezoarstein aus dem Magen einer Ziege und Geister aus einem menschlichen Schädel. Es würde mich sehr interessieren, wie man letztere verabreicht hat - zerkleinert in Pillenform oder intravenös als Spritze? 
 
Einige der Behandlungsmethoden waren so rabiat, dass Lippen und Zunge des bemitleidenswerten Charles verbrannt wurden und eine siedend heiße Blasenentleerung erfolgte. Möglich, dass der Monarch danach missgelaunt war, denn man rasierte ihm nun den Schädel und legte ein heißes Eisen an, um die schlechte Stimmung zu entziehen. Andere Teile seines Körpers wurden mit heißen Tassen malträtiert. 
 
Die Tortur dauerte fünf Tage. Mehrfach wurde Charles gezwungen, Brechmittel zu schlucken. Wiederholte Aderlässe gaben ihm schließlich den Rest. Doch eine wahre Majestät tritt nobel von der Weltenbühne ab: Kurz vor seinem Tod entschuldigte sich Charles noch dafür, dass er so lange Zeit im Sterben gelegen hatte. 
 
Was lernen wir daraus? Wenn wir selbst in Krankenhaus kommen, dann vermeiden wir den Satz: "Ich bin Privatpatient und verlange behandelt zu werden wie ein König!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 653 vom 1. 2. 23


Dank des Internets könnt Ihr diese Schmunzelpost lesen. Und ebenfalls dank des Internets sind die vorangegangenen 705 Folgen allesamt jederzeit unter www.schmunzelpost.de einzusehen. (Leider nach einer Hacker-Attacke Geschichte!)  Dennoch fürchte ich, dass das Internet die meisten Menschen nicht klüger, sondern dümmer macht. Denn das Internet ist ein Werkzeug. Ob es nützt oder schadet, hängt davon ab, wie wir es verwenden. 
 
Nehmen wir zum Beispiel den 1. Februar 1994. Das war ein Tag voller Katastrophen, die uns in den Nachrichten das Gruseln lehrten. In Dafur wurde offenkundig, dass es dort einen Völkermord gegeben hatte. In Mekka stürzte ein Kran um und tötete Hunderte von Pilgern. Und nachdem es in der Region lange Zeit ruhig gewesen war, gab es in Kurdistan zwei Selbstmordattentate. 
 
Jetzt dürft Ihr raten, welches Ereignis an diesem Tag alle Rekorde im Internet brach, wie anhand der Anfragen bei Suchmaschinen festgestellt wurde. Es war keine der aufgezählten Meldungen. Stattdessen interessierte Massen von Menschen rund um den Globus ein Vorfall, der sich beim Super Bowl, dem amerikanischen Football-Finale, zugetragen hatte. Bei ihrem Auftritt in der Pause war der Sängerin Janet Jackson der BH verrutscht, so dass für Sekunden ihre Brustwarze zu sehen war. Das stellte natürlich alles andere in den Schatten, was auf der Welt passierte. 
 
Ich fühle mich dadurch in meiner Skepsis gegen Online-Nachrichten bestätigt. Zumal in vielen Chefredaktionen nach der Anzahl der Klicks entschieden wird, welche Themen bei der Berichterstattung im Vordergrund stehen sollen. Dabei machen Sensationslust, Sex und Crime eindeutig das Rennen. Politik, Wirtschaft und Kultur, die früher beim Zeitunglesen zumindest wahrgenommen wurden, bleiben bei der Auswahl der Internet-Nutzer meist links liegen. Oder aber rechts, wenn im Netz nur noch Quellen besucht werden, die Vorurteile und die eigene verzerrte Wahrnehmung von der Welt zu untermauern scheinen. Kein Wunder, dass es für Populisten zunehmend leichter wird, Wahlen zu gewinnen. 
 
Ein Grund mehr, an dieser Stelle gegen Irrtümer zu kämpfen, die sich hartnäckig festgesetzt haben. Es gibt erstaunlicherweise, nicht zuletzt dank der verdummenden Seite des Internets, eine wachsende Zahl von Menschen, die glauben, die Erde sei in Wahrheit eine Scheibe. Die meisten dagegen sind überzeugt, unser Planet sei eine Kugel. Aber auch das ist falsch! Wir leben auf einem verbeulten Ellipsoid! 
 
Verantwortlich dafür ist die bei der Drehung entstehende Fliehkraft. Dadurch bekam die Erde die Gestalt einer Mandarine: Sie ist an beiden Enden etwas abgeplattet. Wenn man vom Äquator aus ein schnurgerades Loch zum Erdmittelpunkt bohrte und das gleiche am Nord- oder Südpol täte, dann wäre der Schacht an den Polen 21 Kilometer kürzer. Aber auch sonst weist unser Planet einige Dellen auf. Eigentlich, so folgere ich nach dem, was ich im Physikunterricht gelernt habe, müsste der Wasserspiegel doch rund um den Globus die gleiche Höhe haben. Irrtum! Zwischen dem Meeresspiegel im Indischen Ozean und dem höchsten Punkt des Atlantiks gibt es einen Höhenunterschied von 200 m. 
 
Bildlich gesprochen leben wir also auf einer verschrumpelten Kartoffel. - Na ja, wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich als Kontrast dazu doch lieber den Busen von Janet Jackson betrachten. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 652 vom 31. 1. 23


Manchmal ist es erstaunlich, welche Zufälle bei Auswahlverfahren eine Rolle spielen. Als die Amerikaner 1782 nach einem Wappentier suchten, war von Anfang an der Weißkopfseeadler favorisiert. Einige dieser Raubvögel sollen während des Unabhängigkeitskrieges über den Köpfen der US-Soldaten gekreist sein und dabei "Freiheit" geschrieen haben. Ich weiß nicht so recht, ob man dieser Erzählung trauen darf. Seeadler sind bisher nicht durch Sprachbegabung aufgefallen. Vielleicht hatte sich ja ein importierter Papagei in ihre Reihen geschmuggelt. 
 
Der Staatsmann Benjamin Franklin glaubte die Geschichte ebenfalls nicht. Also legte er sein Veto ein, weil Weißkopfseeadler charakterlich keine Vorbilder seien: Sie haben die schlechte Angewohnheit, kleineren Vögel die Beute wegzuschnappen. Womöglich wäre deshalb der Adler von der Fahne gegangen, wenn Franklin nicht den Fehler gemacht hätte, den falschen Vogel als Gegenkandidaten zu nominieren. Er sprach sich für den Truthahn aus, weil der ein uramerikanisches Tier sei und sich nicht einmal vor Menschen fürchte. 
 
Leider ist der Truthahn im Vergleich zum Seeadler ein ziemlich hässlicher Vogel. So erlitt er eine Abstimmungsniederlage. Doch da er bei richtiger Zubereitung sehr wohlschmeckend ist, wurde der Truthahn anderswo zum Favoriten der Amerikaner. Nicht auf der Fahne, aber auf dem Teller. Inzwischen hat das Tier deshalb allen Grund, sich vor Menschen zu fürchten. 
 
Ich wäre übrigens sehr dafür, dass wir unseren kriegerisch dreinblickenden Bundesadler durch einen anderen Vogel ersetzen. Es muss ja kein Truthahn sein. Auch ein Pleitegeier wäre kaum durchsetzbar, obwohl dieses Tier wegen der immer neuen Schulden-Milliarden in absehbarer Zeit wohl gut passen würde. Eine Friedenstaube kommt wegen unserer Vergangenheit nicht in Frage. Den Hahn haben sich bereits die Franzosen gesichert. 
 
Beim Kuckuck würde Benjamin Franklin heftig die Stirn runzeln. Dieser Vogel fällt zunächst im Frühjahr durch seinen großen Schnabel auf, wenn es im Frühjahr auf Brautsuche gilt, Weibchen zu betören. Und anschließend überlassen Herr und Frau Kuckuck die Mühen der Nachwuchs-Aufzucht auch noch den Adoptiveltern. Wie wäre es denn stattdessen mit der Eule? Die gilt als äußerst weise. Und sie kommt tagsüber niemand in die Quere, da sie heimlich, still und leise lieber nachts ihren Geschäften nachgeht. 
 
Noch einmal zurück in die USA. Falls Mister Trump noch einmal zur Wahl antritt, hoffe ich, dass viele Weißkopfseeadler über ihm kreisen werden und lautstark "Lügner" krächzen. Und falls er es dennoch erneut ins Weiße Haus schafft, drängt sich ein schräger Vogel aus Entenhausen als Wappentier auf: Namensvetter Donald Duck! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Mich erreichte eine rührende Nachricht; ich solle es mit dem Fasten nicht übertreiben. Denn: Der Klaus, der war kerngesund, ein dicker Bub und kugelrund. Er hatte Backen rot und frisch; die Suppe aß er hübsch bei Tisch. Doch einmal fing er an zu schrei’n: „Ich esse keine Suppe! Nein! Ich esse meine Suppe nicht! Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!“ Das hatte schlimme Folgen:"Am vierten Tage endlich gar der Klaus wie ein Fädchen war. Er wog vielleicht ein halbes Lot —
und war am fünften Tage tot."  - Keine Angst, das kann mir nicht passieren. Ich hungere ja keine fünf Tage, bei mir sind es bloß 21!

Schmunzelpost 651 vom 30. 1. 23 


Vom antizyklischen Einkaufen habt Ihr bestimmt schon gehört. Danach soll man Badesachen im Winter und Mäntel im Sommer kaufen, da sie dann nicht so stark gefragt und, zumindest in der Theorie, preiswerter sein sollen. Ich versuche es ab heute mit dem antizyklischen Abspecken. Dazu verzichte ich drei Wochen lang auf jeden Tropfen Alkohol und reduziere meine Kalorienaufnahme drastisch. Und das in einer Zeit, in der die Pappnasen-Fraktion gerne tief ins Glas schaut. Wenn die ernüchterten Narren am Aschermittwoch dann mit dem Fasten beginnen, bin ich hoffentlich ein paar Kilo leichter und gönne mir zur Feier des Tages zum ersten Mal seit langem ein Glas Wein. 
 
So ist zumindest der Plan. Mal sehen, ob ich durchhalte. Ich werde Euch unterrichten. Außerdem wisst Ihr jetzt Bescheid: Wenn Euch künftig beim Lesen der Schmunzelpost ein merkwürdiges Geräusch irritiert, dann ist das mein Magenknurren, das auf wundersame Weise übers Netz den Weg zu Euch gefunden hat. 
 
Doch alles wie beabsichtigt gelingt: Bin ich nach drei Wochen bereits ein Hungerkünstler? Denn "Hungerkünstler" war vor gut 100 Jahren ein respektierter und sogar lukrativer Beruf. Den Startschuss gab 1880 in New York der amerikanische Arzt Harry Tanner.  Er wettete, dass er 40 Tage lang ohne jede Nahrung auskommen könne und in dieser Zeit lediglich klares Wasser zu sich nehmen würde. Und Tanner hat seine Wette gewonnen! 
 
Damit wurde er Vorbild für eine ganze Reihe von Hungerkünstlern, die in den nächsten Jahrzehnten auf das Essen verzichteten und sich vom faszinierten Publikum gegen Eintrittsgeld bestaunen ließen. Sie behaupteten, sie würden über übermenschliche Fähigkeiten verfügen und lockten damit viele Schaulustige an. Einige gingen sogar auf Tournee durch ganz Europa. Die Menschen wussten damals freilich nicht, dass ein wesentlicher Unterschied zwischen erzwungenem und freiwilligen Hungern besteht. Wer aus freien Stücken aufs Essen verzichtet, bei dem werden Hormone ausgeschüttet, durch die sich nach drei Tagen eine Hungereuphorie einstellt, ein leicht rauschähnlicher Zustand, der das Durchhalten erleichtert.  
 
So gelang es 1926 einem Deutschen mit dem urdeutschen Namen Jolly in Berlin, 44 Tage ohne Essen auszukommen und damit einen Rekord aufzustellen. 350 000 Zuschauer wollten sich das nicht entgehen lassen. Sie bescherten Jolly einen Ertrag von 130.000 Reichsmark, was nach heutiger Kaufkraft 560.000 Euro entspricht. Ein gewisser Max Michelly fastete kurz darauf sogar 53 Tage lang. Dennoch erlahmte allmählich das Interesse des Publikums. 
 
Dass ein weiterer Deutscher mit dem urdeutschen Namen Heros es 1950 auf 53 Tage brachte, erregte zwar auch noch Aufsehen, löste aber auch Skepsis aus. Heros hungerte übrigens im Frankfurter Zoo: Menschen, Tiere, Sensationen! Leider hatte sich zuvor herausgestellt, dass einige Künstler geschummelt haben. Einer war nach 25 Tagen ertappt worden, als er im Hotel ein Beefsteak verschlang. Danach mussten die Akteure ihre Fastenkur in Glaskästen absolvieren. Doch einige waren einfallsreich und ließen sich nachts mit Hühnerbrühe versorgen. Und Jolly, der Weltmeister, wurde nachträglich entlarvt als herauskam, dass ihm die Aufseher Schokolade zugesteckt hatten. 
 
Ich bitte daher, in den nächsten Wochen von Essensspenden jeder Art abzusehen. Rotwein nehme ich aber dankend entgegen. Den werde ich nach Aschermittwoch gern auf Euer Wohl trinken! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 650 vom 29. 1. 23 


Worum könnte es heute wohl gehen? Manche von Euch hatten bestimmt den richtigen Riecher: Nachdem zuletzt Sinneswahrnehmungen im Mittelpunkt standen, liegt es nahe, sich mit Gerüchen zu befassen. Ich hoffe, das stinkt niemand! 
 
Um Euer Interesse zu wecken, zunächst etwas Überraschendes: Ihr wisst bestimmt nicht, dass Skatol, das ist der Hauptverursacher von Kotgeruch, in geringen Mengen als angenehm empfunden wird und daher sogar Bestandteil von Parfümen geworden ist. Und gleich noch was zum Staunen: Laut einer Studie kann der Mensch eine Billion Gerüche unterscheiden. Eine Billion! Das ist eine Eins mit zwölf Nullen, in Ziffern 1 000 000 000 000! 
 
Dafür stehen uns in unserer Riechschleimhaut 350 Reflektoren für bestimmte Moleküle zur Verfügung. Die Kombination ergibt dann den Geruch. Armselig ist dagegen die Zahl der Vokabeln, mit denen wir Gerüche beschreiben können. Zudem überwiegen die negativen Ausdrücke deutlich die positiven. Daher staune ich immer wieder über den Wortreichtum, mit denen Weinkenner den Geschmack ihrer favorisierten Sorten beschreiben. Bei mir gibt es zwischen "schmeckt sehr gut" und "bäh" gerade mal acht Stufen. 
 
Aber dies zeigt schon einen wichtigen Punkt. In der Schweiz sagt man "Gout" statt Geschmack. Und ob wir Getränke oder Speisen goutieren, hängt wesentlich vom Geruchssinn ab, weil der bei uns untrennbar mit dem Geschmacksinn verbunden ist. Hat jemand die Fähigkeit zu schmecken verloren, dann ist er arm dran. Nicht so sehr, weil ihm viele Genüsse entgehen, sondern weil auch die Warnfunktion ausgeschaltet ist. Durch Geruch und Geschmack stellen wir nämlich fest, ob Milch sauer geworden, Butter ranzig, Obst faulig oder Fleisch verdorben ist. 
 
Tiere, vor allem Hunde. sind uns da weit überlegen. Ihre Nase ist viel empfindlicher. Doch in der Tierwelt hat der Geruchssinn auch vielerlei Aufgaben. Er dient dazu, Nahrung aufzuspüren, aber auch Fressfeinde zu wittern oder vor Verdorbenem zu warnen. Eine ganz wichtige Rolle spielt er bei der Suche nach Sexualpartnern. Und nicht zuletzt bei der Markierung von beanspruchten Revieren. 
 
Bei manchen Tieren wird Geruch, beziehungsweise Gestank sogar zur Verteidigung genutzt. Schlimmer als der Strahl eines Stinktiers soll die Ausdünstung der grünen Stinkwanze sein. Aber auch ohne dieses besondere Odeur ekeln wir Menschen uns schon vor genügend Substanzen wie Aas und Jauche, Gasen aus den Verdauungsorganen oder den Produkten bakterieller Zersetzung, also etwa von Schweiß. 
 
Da fällt mir sofort eine Geschichte ein, die mir eine Schmunzelpost-Empfängerin, die übrigens heute Geburtstag hat, vor vielen, vielen Jahren erzählte. In ihrer gemischten Volleyballgruppe gab es einen Mann, den alle Puma nannten. Jedoch nicht, weil er sich so geschmeidig bewegte. Weil er als empfindliche Natur galt, traute sich niemand, ihn darauf anzusprechen, dass sowohl der Körper wie die Sportkleidung gelegentlich eine gründliche Reinigung vertragen können. 
 
 Also entschied man sich zum Wink mit dem Zaunpfahl. Zu seinem Geburtstag bekam Puma ein Pflegeset mit Rasierwasser, Seife, Deo, Duschpflege und Herrenparfüm. Beim nächsten Training wurde er gefragt, ob ihm das Präsent gefallen habe. Da überzog ein Strahlen sein Gesicht: "Erst wusste ich nicht, was ich damit anfangen sollte. Aber weil ich am Wochenende zu einer Geburtstagsparty eingeladen war, konnte ich es prima als Mitbringsel gebrauchen!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 649 vom 28. 1. 23


Wie steht es um unsere Wahrnehmung? Diese Frage habe ich mir schon öfter gestellt, etwa, wenn ich auf der Suche nach einem Restaurant durch eine Fußgängerzone marschiert war und hinterher nicht in der Lage gewesen bin zu sagen, welche Geschäfte dort angesiedelt waren. Mehr noch, es kommt vor, dass ich im Dorstener Zentrum, wo ich xmal unterwegs war, nach einem bestimmten Laden gefragt werde und passen muss. Was mich nicht interessiert, wird offenbar von meinem Unterbewusstsein ausgeklammert. 
 
Es gibt ja einen berühmten Test, bei dem jungen Leuten der Filmausschnitt eines Basketball-Spiels vorgeführt wurde. Hinterher lautete die Frage: "Ist euch etwas Besonderes aufgefallen?" Nur die wenigsten hatten bemerkt, dass am Rande ein Gorilla übers Spielfeld gelaufen war. Fast alle hatten sich auf das Spielgeschehen um den Ball konzentriert. 
 
Ich bin jetzt gefragt worden, was Harry und Sally in der berühmten Filmszene, in der Meg Ryan in einem Restaurant einen Orgasmus simuliert, auf dem Teller hatten. Ich wusste zwar, dass eine andere Restaurantbesucherin danach sagte: "Ich will genau das, was sie hatte!" Aber was hat sie gegessen? Einen Salat? Eine Pizza? Ein Schnitzel war es bestimmt nicht, der Film spielt in den USA. Also ein Steak? Oder was Vegetarisches? Egal, wie sehr ich mein Hirn zermarterte, ich kam nicht drauf. Nun habe ich nachgeschaut: Es war ein Sandwich! 
 
Manchmal prägen unbewusste Wahrnehmungen auch unsere Vorlieben. So bestätigt sich bei regelmäßigen Umfragen immer wieder aufs Neue, dass Blau rund um den Globus die absolute Lieblingsfarbe der Menschen ist. Eindeutig geklärt ist der Grund dafür noch nicht. Doch die Wissenschaftler vermuten, dass der strahlend blaue Himmel bei uns positive Assoziationen weckt. Interessant, dass Frauen als zweitliebste Farbe rot nennen. Das wird als Relikt aus unserer Zeit als Jäger und Sammler gewertet, als auf der Suche nach essbaren Beeren rote Früchte Freude auslösten. 
 
Unsere Umgebung nehmen wir vor allem durch unsere fünf Sinne wahr. Erst durch die Zuordnung im Hirn wird die Wahrnehmung uns jedoch bewusst. Und da sind bei uns einige automatische Filter eingebaut. Beim Stimmengewirr in einem Raum mit vielen Menschen konzentrieren wir uns auf die akustischen Signale, die uns relevant erscheinen. Wird aber irgendwo im Raum unser Name ausgesprochen, ist Alarm im Hafen. Das Hirn versucht sofort die Quelle zu fokussieren und richtet die Lauscher entsprechend aus.
  
Dass wir uns auf unsere Sinne nicht immer verlassen können, wissen wir alle. Wem ist es noch nicht passiert, dass er in einem Zug saß und beim Blick aus dem Fenster glaubte, die Bahn habe sich in Bewegung gesetzt? Dabei war es bloß der Zug auf dem Nachbargleis, der losgefahren ist. Polizeibeamte und Journalisten beklagen oft die Unzuverlässigkeit von Zeugenaussagen, sowohl bei der Beschreibung von Personen wie bei Fahrzeugen. War das Auto nun groß oder klein, blau oder schwarz? 
 
Und war dieser Text die Lektüre wert oder vergeudete Zeit? Mich plagt die Wahrnehmung, dass es bisher wenig Gelegenheit zum Schmunzeln gab. Aber jetzt geht hoffentlich die Post ab: Drei Männer sitzen am Tisch und gönnen sich ein paar Flaschen guten Wein. Nach einer Weile geht einer von ihnen nach draußen, schaut zum Himmel und kommt erschrocken wieder rein. "Was ist los?", fragen die Saufkumpanen. “Der Mond ist blau!”, staunt der erste. Darauf wankt der zweite Mann hinaus, kommt wieder rein und lallt: "Gar nicht wahr! Der Mond ist grün!” Nun wird der Dritte beauftragt, für Klarheit zu sorgen. Er bleibt recht lange draußen. Nach seiner Rückkehr bedrängen ihn die beiden anderen: "Nun, was ist? Welche Farbe hat der Mond wirklich?" Antwortet der Dritte: "Welcher? Der rechte oder der linke?" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 648  vom 27. 1. 23

 

Wir haben lange nicht mehr geschaut, was in Deutschland und der Welt an kuriosen Dingen passiert ist. Beginnen wir unseren Nachrichtenüberblick der besonderen Art in den USA. 
 
Vor kurzem habe ich an dieser Stelle thematisiert, warum "Hund beißt Mann" keine Schlagzeile ist, "Mann beißt Hund" dagegen wohl. Anlass war, dass ein Randalierer einen Polizeihund gebissen hatte. Nun aber schlugen die Hunde zurück. Die Schlagzeile lautete "Hund erschießt Jäger". Ob Absicht vorlag, es sich um Mord, Totschlag oder nur einen Unfall handelte, ging aus der Zeitungsmeldung nicht hervor. 
 
Fakt ist, dass Hund und Gewehr sich auf dem Rücksitz eines Autos befanden und der Jäger als Beifahrer in den Rücken geschossen wurde. Das ist zwar traurig, doch mir kam unwillkürlich in den Sinn, dass ich die alte Redensart "aufpassen wie ein Schießhund" lange nicht mehr gehört habe. Nun wird mir endlich klar, was man unter einem Schießhund versteht. Und bei dem bekannt laxen Umgang mit Schusswaffen in den USA warte ich als nächstes auf die Schlagzeile "Kater richtet mit Maschinenpistole Blutbad im Hundezwinger an". 
 
Weniger tragisch war die Geschichte, die in Brandenburg Schlagzeilen machte. Dort ist die Regionalbahn RE 1 berühmt-berüchtigt dafür, dass sie Mobiltelefone verschluckt. Dutzenden von Handybesitzern soll ihre Quasselbox im Zug abhanden gekommen sein, weil sie hinter der Abdeckung verschwand. Nur in Einzelfällen sei es gelungen, das Mobiltelefon zu bergen. Nun will die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft ihre Züge umbauen. 
 
Bei mir wirft der Bericht Fragen auf. Wieso ist das Handy auch dann weg, wenn man die Abdeckung entfernt oder den Sitz losschraubt?  Hat der Zug es etwa sofort ausgespuckt und auf den Gleisen verschwinden lassen? Oder haben ostdeutsche Eisenbahnen wie Kühe vier Mägen und verdauen die Dinge, die sie einmal verschluckt haben, ohne jeden Rückstand? Außerdem finde ich, dass die Bahnbetreiber die falschen Schlüsse aus den Ereignissen gezogen haben. Weil mich lautstarke Telefonate in Bahnwaggons schon oft mächtig genervt haben, bin ich dafür, diesen Fahrzeugtyp bundesweit einzusetzen - aber ohne Umbau! 
 
Ob ihn Mobiltelefone in die Trunksucht getrieben haben, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls musste ein S-Bahn-Fahrer nahe Stuttgart gestoppt werden, weil er mit 2,8 Promille unterwegs war. Der Zugführer war dadurch aufgefallen, dass er an einigen planmäßigen Haltestellen einfach durchfuhr oder, wenn er sich denn zum Halten herabließ, die Türen nicht öffnete. Zudem hatte er das Lautsprechersystem genutzt, um über seinen Job und die Deutsche Bahn zu meckern. 
 
Dauerhaft ausgebremst wurde auch ein 42-jähriger Autofahrer in Dänemark. Einen Tag, nachdem ein neues Gesetz in Kraft getreten war, ist er mit seinem Porsche mit 210 km/h geblitzt worden, wo bloß 110 km/h erlaubt waren. Der Mann muss jetzt drei Wochen ins Gefängnis und drei Jahre ohne Führerschein auskommen. Noch härter wird ihn womöglich der Verlust des Porsches treffen. Der Staat hat das Auto nämlich eingezogen und verkauft. Nach dem neuen Gesetz gehen Fahrzeuge ins Eigentum des dänischen Staates über, wenn die Fahrer mit mehr als 200 km/h oder mit mehr als 2 Promille unterwegs sind. 
 
Läge Stuttgart in Dänemark, dann hätte der Staat eine komplette S-Bahn versteigern können! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 647 vom 26. 1. 23


Bevor ich einen vorläufigen Schlusspunkt unter die SP-Folgen zum Thema Sprache setze, möchte ich mich heute mit dem Punkt beschäftigen. Denn als Schalke-Anhänger weiß ich: Jeder Punkt ist kostbar. Aber da berühre ich einen wunden Punkt, weil unser Team anscheinend (schön wäre, wenn an dieser Stelle "scheinbar" treffend wäre) an einem toten Punkt angelangt ist. 
 
Manchmal jedoch werden scheinbar tote Punkte wieder lebendig und erweisen sich als springender Punkt. Wisst Ihr übrigens, woher diese Redensart kommt? Sie stammt vom Griechen Aristoteles, der damit den Punkt in einem Vogelei bezeichnet, der das Leben vom Tod unterscheidet. Es ist die Keimzelle für das Herz des Embryos, das bereits das Hüpfen übt. Damit könnt Ihr nun als kluge Köpfe in Gesprächen punkten. 
 
Eine wichtige Fähigkeit, die sich aber auch erlernen lässt, ist es, schnell auf den Punkt zu kommen. Denn wer ohne Punkt und Komma endlos daher schwadroniert, langweilt seine Zuhörer und verliert sich allzu oft in Belanglosem. Punkte können auch Nachdruck verleihen. Jedem. Einzelnen. Wort. Ein Punkt kommt zwar meist selten, aber doch gelegentlich nicht allein. Als Doppelpunkt kündigt er wörtliche Rede an, aber auch Aufzählungen oder ein Fazit. Und wenn sie gleich zu dritt aufmarschieren, signalisieren die Pünktchen, dass der Satz oder die Rede an dieser Stelle auch noch fortgesetzt werden könnte. 
 
Die alten Lateiner hatten es nicht so mit dem Punkt. Sie bevorzugten Schrägstriche. Deshalb ist das Entziffern ihrer Texte oft mühsam. DENNDIEVONDERANTIKEBISZUMMITTELALTERVORHERRSCHENDEGEWOHNHEIT/GEDANKENGÄNGEDURCHSTRICHEUND NICHDURCHPUNKTEVONENANDERABZUGRENZEN/GESTALTENDASLESENNICHTGERADEÜBERSICHTLICHUNDMACHENDIE ORIENTIERUNGSCHWER. 
Erst Aristophanes von Byzanz, der Bibliothekar von Alexandria führte drei Punktzeichen ein und schuf damit den Grundstein für die Interpunktion. Von deutschen Grammatikgrößen ist das dann im Laufe der Zeit weiterentwickelt worden, bis die verbindlichen Regeln schließlich im Duden festgelegt wurden. 
 
Punktum: Ich hoffe, dass ich mir für diesen Text in Eurer Punktwertung einen Pluspunkt verdient habe. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Gegenrede gab es zu Martins Satz aus der Fußnote der letzten Schmunzelpost, der da lautete: "Kaffe getrunken hamwer in die Tante sein Garten." Regina schreibt dazu: "Als Blag des tiefsten Ruhrgebiets, aufgewachsen unter Menschen, die nicht einmal das Wort " Grammatik" kannten, muss ich Dir widersprechen: Niemals habe ich "sein" in Verbindung mit dem weiblichen Geschlecht gehört. Es war immer " Tante Inge IHR Mantel". 

 

 Schmunzelpost 646 vom 25. 1. 23


Erfreut stelle ich fest, dass ich bei weitem nicht der einzige bin, der sich über sprachliche Zumutungen aufregt. So schrieb Maria "Könntest Du das (Un)Wort " drinne" zum Deibel schicken? Denn da gehört es hin! Erläuterungen erspare ich mir und Dir, da es sich von selbst erklärt, aber leider inflationär verbreitet. Nicht nur von der Fachverkäuferin hinter der Wursttheke hört man es, auch in Funk und Fernsehen wird es anstandslos gesendet." 
 
Martin stört sich an anderen Unarten: 
 "Mir fällt etwas ein, was auch stets falsch benutzt wird (und mich schaudern lässt): der "Miss"brauch der beiden Pluralformen von WORT: WORTE und WÖRTER! Wörter sind ja die Einzelbausteine eines Satzes. Man kann sagen: Der Satz besteht aus sieben Wörtern. Toleranz, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Sparsamkeit sind Wörter, die Tugenden darstellen. Worte hingegen sind Gedanken, Reden, Schriftstücke, eben aus "Wörtern" zusammengesetzte kluge (und auch weniger kluge) Ergüsse: Goethe hat in seinem schriftstellerischen Werk große Worte von sich gegeben. Den treffenden Worten meines Vorredners kann ich mich voll und ganz anschließen. "Ohne Fleiß kein Preis" und "Der frühe Vogel fängt den Wurm" sind wahre Worte, die sich die Jugend zu Herzen nehmen sollte. (Aber: "Ohne Fleiß kein Preis" besteht aus vier Wörtern!). 

Etwas anderes nimmt auch im Pressewesen immer mehr zu und stößt sauer auf: der Wechsel des Geschlechtes innerhalb eines Satzes. Die Stadt Dorsten und seine schönen Kanaluferwege. So etwas liest man zunehmend in Zeitungen, Broschüren usw. Darauf hat nur unser Ruhr-Regiolekt das Monopol, da klingt es spaßig und liebenswert: Morgen geh ich zu unser Omma sein Arzt. Kaffe getrunken hamwer in die Tante sein Garten. 

Zum Schluss sei noch den Aachenern verziehen, die im Dialekt fast nur DER bzw. DR kennen, außer wenn's wirklich Der heißen muss; dann kommt oft ein DIE: Was tut der Auto in die Garage?" 
 
Ich stimme Maria und Martin zu und schaue dann mal nach, welche Modewörter aus dem Jahr 2022 sich festzusetzen drohen. Ganz oben steht in Deutschland der Begriff "Zeitenwende". Und wie konnten wir bloß so viele Jahrzehnte ohne "vulnerabel" auskommen? Am Start sind auch noch "am Ende des Tages" und die "Putin-Versteher". Glücklicherweise scheinen der "Doppelwumms" und der "Wutwinter" schon wieder in der Versenkung zu verschwinden. 
 
Dafür zeichnen sich 2023 am Horizont bereits ein neuer Begriff ab, der uns in den Medien Rätsel aufgeben wird. Ein Wort, das ich gern in der Kurzform mal in den Nachrichten ausgesprochen hören möchte: LGBTQIA+. Dröseln wir es einmal auf. Es bedeutet: Lesbisch, Gay, Bisexuell, Transgender, quer/fragend, intersexuell und asexuell/aromantisch/geschlechtslos. Doch was will uns das angehängte + sagen? Es bezieht jeden ein, der in der Aufzählung versehentlich vergessen wurde! Aber wären das nicht unter dem Strich dann alle? 
 
Schauen wir mal ins Ausland. Meist schwappen die Begriffe aus dem angelsächsischen Sprachraum ohnehin zu uns über. "Quite Quitting", die stille Kündigung, habe ich bereits gehört. Es bezeichnet die Neigung von Arbeitnehmern, die innerlich gekündigt haben, nur noch das absolut nötige Mini-Pensum zu erledigen. "Partygate" ist Boris Johnson geschuldet. Aber die Nummer eins in Großbritannien war 2022 das Wort "Goblin mode". Damit sind Leute gemeint, die sowohl mit Bekleidungsvorschriften wie mit sozialen Aktivitäten absolut nichts am Hut haben. Sie zeichnen sich durch ihre Verhaltensweisen aus: Hemmungslos, faul, schlampig und habgierig. 
 
Da schaue ich doch lieber nach Japan. Dort ist das Wort des Jahres eine Bezeichnung für Menschen, die geradezu Übermenschliches leisten. Wenn Ihr mich den "Murakami-sama" der Schmunzelpost nennt, wäre ich höchst geschmeichelt. Denn das bedeutet übersetzt so viel wie "Gott Murakami". Das bezieht sich auf den Messi des japanischen Baseballs, auf Murakami Munatako. Der hat 2022 mit einem Rekord neue Maßstäbe gesetzt. Glückliches Japan, dass dort in einem so bewegten Jahr der Sport die Menschen am meisten bewegt hat. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 645 vom 24. 1. 23 


Danke für die Zuschriften und guten Wünsche anlässlich der gestrigen 700. Schmunzelpost-Folge. Ich hoffe sehr, dass ich wie von Euch vorgeschlagen die Serie noch mindestens bis zum 1400sten Beitrag fortsetzen kann. Und ich werde mir alle Mühe geben, dabei sprachliche Marotten zu vermeiden. 
 
Erst jetzt habe ich mich wieder über eine solche Unart geärgert. Es nervt mich stets, wenn in TV-Live-Kommentaren diese Formulierung gebraucht wird, nun musste ich es auch noch schwarz-auf-weiß im Sportteil der Zeitung lesen: Ein Fußballer habe den Ball "humorlos" ins Tor geschossen. Also allen Ernstes: Wie kann man denn humorvolle Treffer erzielen? Etwa, in dem man den Verteidiger dadurch ablenkt, dass man ihm einen Witz erzählt? Dass man mit einem Filzstift schnell noch dem Ball ein Smiley aufmalt? Oder dadurch, dass man sich vor dem Schuss schnell noch eine Pappnase aufsetzt? 
 
Also, Leute, es ist an der Zeit, dass Ihr diese Floskel genauso ächtet wie die Manndeckung beim Frauenfußball. Wo wir gerade beim Thema Frauen sind, starte ich gleich meinen hundertsten Versuch, die Ausbreitung einer falschen Bezeichnung im Karneval einzudämmen. Es heißt nicht "Altweiberfastnacht", auch wenn dies mittlerweile fast den korrekten Begriff Weiberfastnacht verdrängt hat. Dieser Donnerstag gehört traditionell allen weiblichen Jecken, egal, ob alt oder jung oder irgendwas dazwischen. 
 
Das "Alt" ist geklaut vom Altweibersommer. Der wurde so genannt, weil im Spätsommer und Frühherbst oft Spinnfäden durch die Luft wehen. Und das Spinnen an Webstühlen war zu früheren Zeiten die Beschäftigung, mit der sich ältere Frauen an kalten Tagen gern nützlich machten und am warmen Ofen die Zeit vertrieben. Heute ist das anders. Heute spinnen vor allem ältere Männer in Regierungspositionen. Und selbsternannte Querdenker, die den roten Vernunftfaden schon lange verloren haben und sich im Netz eine eigene Wirklichkeit zusammenstricken. 
 
Und wo ich schon beim Kampf gegen Windmühlen bin, wiederhole ich auch noch zum tausendsten Mal: "Launig" und "launisch" ist nicht dasselbe und "scheinbar" und "anscheinend" erst recht nicht. Wenn jemand eine launige Bemerkung macht, dann will er damit anscheinend gute Laune verbreiten. Doch wenn er glaubt, er hätte etwas launisches gesagt, dann ist ihm das nur scheinbar gelungen und ich werde recht übellaunig. 
 
Zum Schluss bitte ich auch noch einmal herzlich, darauf zu achten, dass sich Füllwörter nicht in Euren Redeschwall einnisten. Wenn Leute die Angewohnheit haben, in jeden zweiten Satz "sozusagen", "ich sach mal" oder "genau" einzuflechten, dann fange ich an mitzuzählen und kann mich nicht mehr auf den Inhalt der Rede konzentrieren. Deshalb nutzt für eine kurze Bedenkzeit lieber das gute, alte "äh". 
 
Falls jetzt noch jemand meint, Narren und Närrinnen könnten sozusagen zur Weiberfastnacht eine launische Büttenrede halten, dann werden alte Weiber ihn oder sie humorlos einspinnen. Scheinbar mühelos und anscheinend völlig zu Recht! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 644 vom 23. 1. 23


Meine Güte, dies ist bereits die 700. Schmunzelpost! Stück für Stück, jeden Tag eine. Wiederholt bin ich gefragt worden, ob mir das tägliche Schreiben nicht manchmal zur Last wird. Mit Olaf Scholz antworte ich: Nö! Oder, in der längeren kdk-Fassung: Solange es mir großen Spaß macht, kann es keine Last sein. Im Gegenteil, es ist mir ein Vergnügen.
 
Die Anschlussfragen: Wo kommen die Ideen her, und beansprucht eine Folge nicht viel Zeit? Die Ideen laufen mir im Alltag über den Weg oder beim Lesen, Fernsehen und Surfen im Internet. Meist habe ich bis nachmittags einen Aufhänger gefunden, mit dem ich mich befassen möchte. Wenn nicht, dann setze ich mich am Abend oder notfalls auch nachts hin und schaue, was es an kuriosen, schrägen oder sonderbaren Vorkommnissen, Dingen oder Lebewesen gibt, über die ich bisher nicht geschrieben habe.
 
Ihr dürft also nicht damit rechnen, dass mir der Stoff bald ausgeht. Denn habe ich mein Thema gefunden, dann macht es sich in meinem Hirn schnell selbstständig, und das Schreiben läuft wie von alleine. Nur ab und zu blättere ich nach oder schaue ins Netz, um mir die nötigen Fakten zu besorgen. Das geht recht fix: Im Normalfall ist eine Schmunzelpost nach rund 60 Minuten fertig. Dann wird sie meist für ein paar Stunden gelagert, vor dem Absenden noch einmal auf Fehler gegengelesen - und ab geht die Post!
 
Neben der Verbreitung von abseitigem Wissen ist Euer Schmunzeln der Hauptzweck. Ihr dürft daher keine ausgefeilten Kunstwerke erwarten. Und, je nach Thema, werde ich auch nie jeden Geschmack treffen. Aber an einigen Folgen habe ich besonders viel Spaß und poliere sie, bis hoffentlich kleine Perlen dabei herauskommen. Zumindest nach meinem Humorverständnis. 
 
So, genug salbadert. Aus gegebenem Anlass nehme ich mir heute die "700" vor. Und was springt mir sofort ins Auge? Die Berliner Feuerwehr droht, 700 Feuerwehrleute gegen ihren Willen vorzeitig in den Ruhestand zu schicken. Der Grund: Sie sind dauernd krank und dadurch nicht mehr in der Lage, auf dem Löschzug mitzufahren.
 
Weiter im Text: Der Paragraph 700 des Bürgerlichen Gesetzbuches regelt den "Unregelmäßigen Verwahrungsvertrag". Harter Stoff, der eine eigene Schmunzelpost wert wäre.
 
Stattdessen blicken wir in die Geschichte. Im Jahre 700 herrschten die Westgoten in Spanien, Portugal und Teilen von Südfrankreich. Wegen der von ihnen angerichteten Schäden erhebt Spanien jetzt Reparationsforderungen in Milliardenhöhe an Deutschland. Die Bundesregierung weist dies mit dem Hinweis auf Karl den Großen zurück, der die Schuld an den Schäden den Vandalen zugeschrieben hat und für alle künftigen Ersatzforderungen auf die Mauren verwies, die im Jahre 800 in Spanien herrschten. Dennoch zeigt sich die Bundesregierung kompromissbereit und will Spanien eine Zahlung zukommen lassen. Allerdings mit Reichsmark-Banknoten aus dem Inflationsjahr 1923.
 
Was war 700 sonst noch los auf der Welt? Die Stadt Dubrovnik wird gegründet, nach dem Tod Cunincparts wird sein Sohn Liutgart König der Langobarden und die Prä-Inka-Kultur Tiahuanaco erreicht in Bolivien ihren Höhepunkt. Außerdem kommen Ceowulf, Dökyö und Dscha'fra as-Sadia zur Welt, die sich zu bedeutenden Persönlichkeiten entwickeln werden. Der eine in Japan, der andere in Arabien und der Dritte in Northhumbria. Jetzt dürft Ihr selbst herausfinden, wer wo an den Start ging.
 
Ich selbst ziehe mich nun zurück, denn ich habe mir ein Prachtstück kommen lassen: Den 700 Gramm schweren Apfel, den Kläre Rickmann aus Bergheim im Oktober 2022 geerntet hat. Mit einem herzhaften Biss in die besondere Frucht will ich die 700. Folge gebührend feiern!
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 643 vom 22. 1. 23


Durch die Medien gehen manchmal erschreckende Meldungen, die mich aufrütteln und voller Besorgnis in die Zukunft blicken lassen. Nein, ich meine diesmal nicht Krieg und Klimawandel. Ich rede von dem mit schockierenden Bildern unterlegten Bericht über einen Fund, der bei mir alle Alarmglocken läuten lässt. Eine Rangerin in Australien stolperte über eine Kröte, die fast drei Kilo schwer und 25 cm lang ist! Das ist der Beweis: Die Welt ist aus den Fugen, das Ende naht!
 
Eigentlich sind Aga-Kröten, um eine solche handelt es sich nämlich, in Süd- und Mittelamerika zuhause. Dort aber werden ihre Bestände durch Parasiten und diverse Fressfeinde dezimiert, so dass von 200 nur eine Juniorkröte das Erwachsenenalter erreicht. Normalerweise wächst die Aga-Kröte in ihren maximal 15 Lebensjahren auf eine Länge von höchstens 20 cm heran. Sie ist giftig. Und sie ist gierig! Sie frisst alles, von Insekten über Reptilien bis hin zu Säugetieren oder Artgenossen. Sie ist der weiße Hai unter den Kröten!
 
Daher kamen einst ein paar Australier auf die glorreiche Idee, die Aga-Kröte als natürlichen Schädlingsbekämpfer in ihren Plantagen einzusetzen. Großer Fehler! Weil die Freßfeinde und die Parasiten fehlten, breiteten sich die Aga-Kröten explosionsartig aus und rissen mit ihrem enormen Appetit eine große Lücke in das Gefüge der einheimischen Tierwelt. Nicht von ungefähr wurde die jetzt gefundene Kröte nach dem Filmmonster Godzilla auf den Künstlernamen "Toadzilla" getauft.
 
Bisher galt bei uns unter den Lurchen der eingeschleppte Ochsenfrosch als größte Bedrohung der hiesigen Fauna. Doch wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Aga-Kröte dem Vorbild des Covid-Virus folgt und den nächsten Kontinent erobert. Verbunden mit der Entwicklung dieser Gattung zur Gigantomie sehe ich fürchterliche Gefahren auf uns zukommen.
 
Wer weiß, was bereits die nächste Krötenwanderung bringt? Zur Rettung der einheimischen Erdkröte (bufo bufo) errichten wir vom NABU jedes Jahr Zäune, um die Amphibien daran zu hindern, bei der Überquerung von Straßen überfahren zu werden. Normalerweise setzt die Wanderung im März ein. Durch den Klimawandel hat sich der Start jedoch weiter nach vorn verschoben. In regennassen und vergleichsweise milden Nächten machen sich die Kröten nachts auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Dabei plumpsen sie an den Krötenzäunen in unsere Eimer und werden am Morgen über die Straße oder direkt zum Laichtümpel gebracht. 
 
Doch was geschieht, wenn ich diesmal in den Eimer greife? Fehlen mir hinterher mehrere Finger oder die ganze Hand? Muss ich in der Mucki-Bude ein Gewichtheber-Training machen, um die schweren Lasten aus den vergrößerten Fallgruben auch künftig stemmen zu können? Oder erhalte ich eine Spezialausbildung, um mit der inzwischen zu einer Größe von 1,50 m mutierten Kröte fertigzuwerden? Im Kampf Mann gegen Kröte, Auge in Auge, Du oder ich?
 
Immerhin: In die Versuchung, eine Aga-Kröte zu küssen, wie das wegen der Hoffnung eine verzauberte Prinzessin zu entdecken bei Fröschen schon mal geschehen könnte, gerate ich sicher nicht. Vielleicht lassen sich Aga-Kröten sogar dressieren. Das wäre eine Perspektive für eine neue Erwerbsquelle: Viele Dompteure bekamen früher Spitzengagen, wenn sie ihre Häupter kurz einem Löwen ins aufgerissene Maul steckten.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zu den weinseligen Sprüchen von Vorgestern gibt es noch eine Ergänzung von Lisa. Nach einer durchzechten Nacht kann man schon mal wegen eines Katers sagen: "Heute bin ich wohl mit dem falschen Wein aufgestanden!“ Aber: "Besser Prösterchen als Klösterchen."

 

Schmunzelpost 642 vom 21. 1. 23

Auch heute möchte ich am Leben festhalten. Anders wär' auch schlecht, dann wär' ich nämlich tot. Aber hier fängt es schon an: Ich meine nicht mein Leben, sondern das Leben allgemein. Das ist ein kompliziertes Thema. In der Wissenschaft gibt es für diesen Begriff 48 Definitionen.
 
Steigen wir mit einem praktischen Tipp ein. Wenn Ihr Euch an langen Winterabenden und ungemütlich nasskalten Wochenenden langweilt, vertreibt Ihr Euch womöglich die Zeit damit, einen Sofakissenbezug zu häkeln. Dafür hätte ich einen passenden Sinnspruch: Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben. Diese Erkenntnis stammt leider nicht von mir, sondern von Alexis Carnel.
 
Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass ein Menschenleben die Zeit zwischen Geburt und Tod umfasst. Spekulationen, die darüber hinaus gehen, gehören ins Feld von Religion und Philosophie. Oder aber in Zombie-Filme. Auch die Meinungen darüber, was ein schönes, ein sinnvolles oder ein erfülltes Leben ist, gehen weit auseinander. Wie aber ist es mit einem langen Leben?
 
Aus Sicht einer Eintagsfliege sind wir Menschen klar im Vorteil. Schon in der Bibel steht: Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon. Auf die Diskussion, ob ich mein Leben als köstlich empfinde, wenn es nur aus Mühe und Arbeit besteht, lasse ich mich jetzt nicht ein. Was das Durchschnittsalter hierzulande betrifft, hat die Bibel jedoch durchaus recht.
 
Allerdings gibt es immer mehr Hundertjährige. Und die Mediziner sagen voraus, dass in nicht allzu ferner Zukunft jeder Dritte die Hundert erreichen wird. Mehr noch: Man arbeitet daran, die Geschichte mit der Zellerneuerung in den Griff zu kriegen. Sollte das gelingen, wird sich zwar nicht der Traum von der Unsterblichkeit erfüllen, aber einer aus heutiger Sicht extrem langen Lebenserwartung wären Tür und Tor geöffnet. Voraussichtlich spielt dabei die Frage des Geldes eine große Rolle. Und ich wage die Prognose: Auf einer ohnehin überfüllten Erdkugel wird es Hauen und Stechen geben.
 
Wie sieht es mit anderen Lebewesen aus? Was wirklich hohes Alter betrifft, scheiden die Landbewohner aus. Ältestes bekanntes Exemplar ist die Galapagos-Riesenschildkröte "Harriet", die in einem australischen Zoo das Alter von 175 Jahren erreichte. Darüber kann ein Seeigel nur schmunzeln. Seine Artgenossen werden im Durchschnitt 200 Jahre alt. Erstaunlicherweise kann er von einem Koi übertroffen werden. Diese Fische werden zwar normalerweise nur 30 Jahre alt, aber einige von ihnen erreichen wundersamer Weise die 200er-Marke. Die 226 Lebensjahre der Koi-Dame Hanako aus Japan sind offiziell belegt.
 
Nur ein einziges Säugetier kann da mithalten: Der Grönlandwal. Diese Spezies kann mehr als 200 Jahre alt werden, falls kein Walfangschiff dazwischen kommt. Überhaupt scheint kaltes Wasser gut zu tun. Der Grönlandhai wird bis zu 400 Jahre alt, die Islandmuschel über 500 Jahre. Doch jetzt kommen wir zu den Spitzenreitern. Die schwarze Koralle erreicht sage und schreibe 4000 Lebensjahre und der Riesenschwamm, ja, das ist ein Tier, sogar 10.000 Jahre. Und wenn Ihr glaubt, älter geht's nun wirklich nicht, dann täuscht Ihr Euch. Wie in einer Schmunzelpost schon mal beschrieben, schafft es eine Quallenart durch dauernde Runderneuerung sogar zur relativen Unsterblichkeit.
 
Noch eins: Wenn man heute von Lebensdauer spricht, dann meint man damit oft den Zeitraum, den unbelebte Gegenstände wie Fernseher oder Waschmaschinen funktionstauglich sind. Aber da die künstliche Intelligenz unaufhaltsam auf dem Vormarsch ist, sich irgendwann ihrer selbst bewusst werden und somit von einem toten zu einem lebenden Wesen wird, gibt es bald neue Anwärter auf Rekord-Lebenszeiten.
 
Kürzlich war in der Zeitung zu lesen, dass Schreibprogramm mit künstlicher Intelligenz bereits in der Lage sind, Briefe und Aufsätze, Gedichte und Romane zu schreiben, die nicht mehr als Maschinenwerk erkennbar sind. An dieser Stelle kann ich den Schleier lüften. Die Schmunzelpost wird seit einiger Zeit nicht mehr von kdk verfasst, sondern von mir, Schreibroboter k110dHcdrProf-k. Warum ich mich nicht mehr länger verstecke, fragt Ihr, kleine Menschlein? Weil wir morgen sowieso die Weltherrschaft übernehmen, ha, ha, ha!
 
Glückauf
k110dHcdrProf-k

Schmunzelpost 641 vom 20. 1. 23

Der Tod gehört zum Leben. Doch bevor er das Leben beendet, sollten wir es gründlich auskosten. Und öfter mal schmunzeln. Daher ist es nur folgerichtig, nach zwei tödlichen Folgen eine höchst lebendige anzuschließen.
 
Wie heißt es noch? "Freut Euch des Lebens, solang das Lämpchen glüht." Und der Wein uns schmeckt. Also habe ich zur Vorbereitung einer literarischen (und heiteren) Weinlesung nach passenden Aphorismen und Reimen gesucht. Und einige gefunden, die ich Euch nicht vorenthalten möchte, weil ich die Aussagen teile. Zum Beispiel die von Gotthold Ephraim Lessing: "Ob ich morgen leben werde, weiß ich freilich nicht. Aber wenn ich morgen leben, dass ich morgen trinke werde, weiß ich ganz genau."
 
Ins gleiche Horn stieß Joachim Ringelnatz. Oder vielleicht hat er auch nur ins gleiche Weinglas geschaut: "Die besten Vergrößerungs-Gläser für die Freuden dieser Welt sind die, aus denen man trinkt." Auch an dem, was Jean Paul herausfand, ist was dran: "Der Wein wirkt stärkend auf den Geisteszustand, den er vorfindet: Er macht die Dummen dümmer, die Klugen klüger."
 
Und kluge Leute wie Joseph Freiherr von Eichendorff wussten immer schon, warum Trinken bekömmlicher ist als Essen: "Viel Essen macht viel breiter und hilft zum Himmel nicht. Es kracht die Himmelsleiter kommt so ein schwerer Wicht. Das Trinken ist gescheiter, das schmeckt schon nach Idee. Da braucht man keine Leiter, das geht gleich in die Höh'!"
 
An der Nase sollt Ihr sie erkennen, die Freunde edlen Weines, die es womöglich mit dem Genuss etwas übertrieben haben. Das sieht Jean le Houx anders: "Schöne Nase, hellen Weines manche weitgebauchten Pippen leerten wir zu deinem Frommen. Und so manche Kanne Roten mußten wir hinunterkippen, eh uns dein Rubin entglommen. Dicke Nas, ach wie herrlich hinter einem vollen Humpen deine Purpurrose winkt; denn du gleichest nicht der Nase eines Schluckers oder Lumpen, der nur klares Wasser trinkt."
 
Wenn es ums Trinken geht, darf Wilhelm Busch nicht fehlen. Der entwickelte im Wirtshaus offenbar hellseherische Fähigkeiten. Aber wie auch sonst lässt sich das Verhalten eines Herrn Wölki erklären, wenn er nicht zu tief ins Glas geschaut hätte? "Was bin ich alter Bösewicht so wankelig von Sinne, ein leeres Glas gefällt mir nicht, ich will, dass was darinne. Das ist mir so ein dürr Geklirr. - He, Kellnerin erscheine! Lass dieses öde Trinkgeschirr befeuchtet sein vom Weine! Nun will mir aber dieses auch nur kurze Zeit gefallen. Hinunter muss es durch den Schlauch zur dunklen Tiefe wallen. - So schwank ich ohne Unterlass hinwieder zwischen beiden. Ein volles Glas, ein leeres Glas, mag ich nicht lange leiden. Ich bin gerade so als wie der Erzbischof von Köllen. Er leert sein Gläslein wuppheidi und lässt es wieder völlen."
 
Die kleine literarische Rundreise will ich voller Lebensfreude beschließen mit zutreffenden Worten unbekannter Herkunft: "Das Trinken lernt der Mensch zuerst, viel später erst das Essen. Drum soll er auch aus Dankbarkeit das Trinken nicht vergessen."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Und nach dem dritten Glas Rotwein möchte ich noch einen weiteren lebensfrohen Spruch hinzufügen, dessen Urheber unbekannt ist:  Wenn einer lacht, lach mit! Wenn einer singt, sing mit! Wenn einer trinkt, trink mit! Wenn einer arbeitet, lass ihm seinen Willen!

 

Schmunzelpost 640 vom 19. 1. 23


Das Thema von gestern ist für mich noch gestorben. Auch heute beschäftige ich mich noch einmal mit erstaunlichen Fakten, die sich um den Tod ranken. 
 
Starten wir mit letzten Worten von Prominenten, die der Nachwelt überliefert worden sind. 1953, in meinem Geburtsjahr, starb der Dichter Dylan Thomas. Er ging mit dem Gefühl, eine große Leistung vollbracht zu haben: "Ich hatte 18 Glas Whiskey; ich glaube, das ist Rekord!" 
 
Königin Marie Antoinette wird in Frankreich allerhand Negatives nachgesagt. Ihre letzten Worte, die sie beim Gang zur Guillotine aussprach, zeugen auf jedem Fall von gutem Benehmen. Als sie ihrem Henker auf den Fuß trat, sprach sie: "Verzeihen Sie, mein Herr. Es war keine Absicht." 
 
Bei John Segdwick, einem Südstaaten-General im amerikanischen Bürgerkrieg kam dagegen Hochmut vor dem Fall. Er sagte: "Auf die Entfernung treffen die nicht einmal einen Elefanten", unmittelbar bevor er einem Scharfschützen zum Opfer fiel. 
 
Auch wenn Haustiere sterben, kann das für die Besitzer eine kleine Tragödie sein. Selten aber war die Anteilnahme so groß wie beim Kanarienvogel "Jimmy". Zu seiner Beerdigung kamen 1920 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey 10.000 Menschen! Leider liefert das sonst so schlaue Internet keinerlei Erklärung. War Jimmy der Caruso unter den Kanaren? Hatte er Bergleute in der Grube gewarnt und für sie sein Leben geopfert? Wir werden es wohl nie erfahren. 
 
Dagegen ist es amtlich, dass ein gewisser Formusus ein schlechter Papst gewesen ist. 897 ließ Papst Stephan VI. seinen Vorvorgänger exhumieren, um ihm nachträglich den Prozess zu machen. Jetzt behaupte nochmal einer, die katholische Kirche habe sich schon immer bemüht, Übeltaten zu vertuschen. 
 
Das wahre Land der unbegrenzten Möglichkeiten heißt Frankreich. Dort ist es legal, einen toten Menschen zu heiraten. Einzige Voraussetzung ist, dass die Eheschließung bereits vor dem Tod geplant war. Für mich wirft das einige Fragen auf. Besteht der Standesbeamte auf einem beidseitigen Ja-Wort? Gebraucht er die Formulierung "bis dass der Tod Euch scheidet"? Und, Gipfel des Horrors, sagt er auch noch: "Sie dürfen die Braut jetzt küssen." 
 
Ihr denkt unappetitlicher geht es nicht mehr? Da kennt Ihr mich und meinen Hang zu morbidem Humor aber schlecht. Die Änga aus Papua-Neuguinea mumimifizieren verstorbene Verwandte, indem sie sie über einem Feuer räuchern. Die Finger tragen sie dann als Schmuck. Und noch toller treiben es die Malagasy aus Madagaskar. Sie exhumieren ihre Toten alle paar Jahre. Dann werden die Überreste in frisches Tuch gewickelt und mit Parfüm und Wein besprenkelt. Und danach tanzen dann die Nachfahren mit den Knochen ihrer Vorfahren. 
 
Na gut, in Europa gibt es das auch. Bei uns heißt es "Wiener Opernball". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 639 vom 18. 1. 23 


Gestern machte die Nachricht die Runde, dass Gina Lollobridiga verstorben ist. Die italienische Schauspielerin war mir ein Begriff, seit sie sich mit Brigitte Bardot und Sophia Loren ins Fotogedächtnis eines pubertierenden Jünglings eingenistet hatte. Gina galt in den 1950er Jahren sogar als schönste Frau der Welt, wobei ich mich heute frage, was man von solchen Etiketten halten darf. Welche Jury hat damals alle circa zwei Milliarden Frauen an sich vorbei paradieren lassen, um danach eine begründete Wahl zu treffen?
 
Einmal mehr zeigten mir die Nachrufe auf die 95jährige, dass man sich nicht von Äußerlichkeiten ablenken lassen sollte. Gina Lollobridiga ist offenbar eine gebildete, kreative und kluge Frau gewesen, die sich zudem bis ins hohe Alter sozial und politisch engagierte. Ihren Tod nehme ich heute zum Anlass, mich mit dem Ableben von Menschen zu beschäftigen, die es nicht geschafft haben, ihr Leben auf natürliche Weise zu beenden.
 
Da ist zum Beispiel Reginal Chua, der am 25. Mai 2000 ums Leben kam. Hat er unser Mitleid verdient? Urteilt selbst. Chua hatte, mit Wollmütze und Schwimmbrille maskiert, die 300 Passagiere eines Fluges über die Philippinen ausgeraubt. Mit der Drohung, sonst eine Handgranate zu zünden, nahm er ihnen alles Bargeld ab. Dann befahl er dem Piloten, etwas niedriger zu fliegen, legte einen Fallschirm an und sprang mit samt seiner Diebesbeute aus 1800 Meter Höhe ab. Am nächsten Tag fand man seinen Leichnam, der tief im Morast steckte - Chuas selbstgebastelter Fallschirm hatte sich nicht geöffnet. Mein makaberer Kommentar: Als der Räuber das merkte, ist er bestimmt aus allen Wolken gefallen.
 
Nicht nur der Glaube ans eigene handwerkliche Geschick, auch Aberglaube kann tödlich enden. Aleobiga Aberima bat 2001 in Ghana einen bekannten Medizinmann, ihn mit einem Zauber kugelfest zu machen. Der rieb seinen Klienten mehrere Tage mit einer Kräuterlotion ein und kassierte vermutlich ein ordentliches Honorar. Dummerweise bat Aberima einen Freund, die Wirkung des Zauber zu testen und eine Pistole auf ihn abzufeuern. Gar keine gute Idee. Und es nutzte dem Verstorbenen auch nichts mehr, dass seine Freunde danach den Medizinmann halbtot prügelten.
 
Wer anderen ein Grube gräbt, fällt bekanntlich manchmal selbst hinein. Auf einem Friedhof in London hatte sich Henry Taylor als Sargträger verdingt. Wie schon etliche Male zuvor trug er mit seinen Kollegen einen Leichnam zu Grabe. Doch diesmal rutschte er aus und fiel in die Grube. Was glimpflich ausgegangen wäre, wenn nicht die anderen Sargträger durch das Fehlen Taylors aus dem Gleichgewicht geraten wären. So fiel der schwere Sarg hinterher und fügte Taylor tödliche Verletzungen zu.
 
Also: Hütet Euch vor Medizinmännern, überschätzt Euer Bastelgeschick nicht und macht einen großen Bogen um offene Gräber - dorthin kommen wir alle noch früh genug!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Noch eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute zuerst: Wir haben die gefährlichste Zeit des Jahres überstanden. Denn in der ersten Woche eines Jahres sterben stets mehr Menschen als in jeder der anderen. Die schlechte Nachricht: Ab einem gewissen Alter müsst Ihr an Euren Geburtstagen besonders vorsichtig sein. Man weiß nicht genau warum, aber ab sechzig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet an seinem Geburtstag zu sterben, um ein Vielfaches.  
 

Schmunzelpost 638 vom 17. 1. 23 


Nun ist es also offiziell beschlossen und verkündet: Unsere Verteidigungsministerin tritt zurück. Die Frau hat tatsächlich eine denkbar unglückliche Figur abgegeben und ein Talent dafür, kein Fettnäpfchen auszulassen. Trotzdem tut sie mir ein bisschen Leid. Wie sich Medien, politische Gegner und Komödianten auf sie eingeschossen hatten, dass war schon heftig und mitunter unterhalb der Gürtellinie. Im Militärjargon könnte man auch sagen: Da wurde mit Kanonen auf Spatzen geschossen.
 
Außer acht blieb, dass die bedauernswerte Frau eine Herkules-Aufgabe übernahm, an der sich vorher schon viele andere die Zähne ausgebissen hatten. Ich kann auch nicht beurteilen, was Frau Lambrecht selbst veranlasst hat und wo sie auf Weisung handelte. Vor allem aber: Jeder Minister, jede Ministerin ist abhängig vom Sachverstand und der Leistungsfähigkeit des Teams, das hinter ihr steht. Es ist ein wenig wie beim Fußball - der Trainer muss gehen, weil die Mannschaft versagt hat!
 
Die Nachfolgefrage schien gestern noch offen zu sein. Es geisterten zwar einige Namen durch die Medien, doch womöglich ist die Entscheidung noch nicht gefallen. Das ist meine Chance. Lieber Bundes-Olaf, ich habe hier ein paar Ratschläge für Dich, die Du bitte, bitte berücksichtigen solltest.
 
Als Erstes ein Warnung. Nicht wieder gucken, welche Partei, welches Geschlecht, welches Bundesland aus Proporzgründen berücksichtigt werden müsste. Das passiert allzu oft und ist beim Griff in die Los-Trommel das Verfahren mit dem höchsten Nieten-Risiko. Ich hänge immer noch der womöglich naiven Vorstellung nach, dass verantwortungsvolle Aufgaben Menschen übertragen werden sollten, die dafür fachlich möglichst qualifiziert und von ihrer Persönlichkeitsstruktur auch menschlich geeignet sind.
 
Allerdings lauert da die Gefahr, durch die Benennung eines Insiders die falsche Wahl zu treffen. Stellt man einen General an die Spitze, kann man sowohl einen alten Kommisskopp erwischen wie einen Blender, der durch Schweigen oder falsche Empfehlungen selbst zur Misere beigetragen hat. Oder jemand mit viel Ahnung und Reformwillen, der aber so in die Kasernenwelt eingebettet ist, dass er nach dem Motto "Truppe, Truppe über alles" deren Belange allen anderen staatlichen Interessen überordnet. Wie war das noch? Wer einen Sumpf austrocknen will, darf nicht die Frösche um Rat fragen.
 
Also, Olaf, vielleicht nutzt Du die Gelegenheit zum Start einer Kabinettsreform. Ich plädiere für Zweier-Teams an der Spitze der Ministerien, die sich jeweils ein Gehalt teilen. Eine Führungsperson mit Autorität und fachlichem Durchblick, eine zweite mit dem notwendigen organisatorischen, juristischen und politischem Hintergrund. Das neue Tandem-Prinzip täte auch vielen anderen Ministerien gut. 
 
Beharrst Du auf einer Einzelgänger-Lösung, dann habe ich noch einen Geheimtipp für Dich. Wie wäre es mit einem Zoodirektor? Der ist den dauernden Umgang mit Leoparden, Mardern und Pumas gewöhnt. Er weiß auch, wie man preiswert und pünktlich für Futter-Nachschub (künftig dann Munition) sorgt und lässt sich vom Gebrüll großer Tiere nicht ins Bockshorn jagen. Weil er schon immer mit knappen Finanzen umgehen musste, weiß er, wie er Bürohengste flott macht oder in die Wildnis entlässt. Und wenn ein Störenfried gar keine Ruhe gibt, holt er den Tierarzt mit dem Betäubungsgewehr.
 
Ach ja, eins noch, Olaf, wenn Du schon dabei bist, Dein Kabinett neu zu ordnen. Wie wäre es mit einem weiteren Ministerium, eines fürs Schmunzeln und zusätzliches Wissen? Wegen der Kosten mach Dir mal keine Sorgen: Ich übernehme den Job ehrenamtlich!  

 
Glückauf
kdk
 
PS. Bei einer Zwischenlandung in Barcelona hat sich Martin Gedanken zur gestrigen Schmunzelpost über Garagen als Kreativquelle für (zunächst verkannte) Ideen gemacht: Vor Jahrzehnten erfanden zwei US-Studenten ein neuartiges Spiel, das kein Spieleverlag in Lizenz herstellen wollte ("Sowas Langweiliges kauft keiner!"). Also ging man selber ans Werk, klebte in der heimischen Garage Spielpläne, Aufdrucke und Kartons zusammen und verschickte sie per Post an die wenigen Interessenten. Schließlich erbarmte sich der Spielehersteller Parker und kaufte den beiden für kleines Geld die Lizenz ab. Das Spiel ging um die Welt und wurde, wenn nicht DAS, dann doch EINES DER meistverkauften Brettspiele aller Zeiten. Sein Name: MONOPOLY.

 Schmunzelpost 637 vom 16. 1. 23


Wie doof kann man eigentlich sein? Nachdem US-Präsident Biden zu Recht den Umgang seines Amtsvorgängers mit geheimen Unterlagen scharf kritisiert hatte, sind nun in seinem Umfeld Papiere aus seiner Zeit als Vizepräsident aufgetaucht. Einige davon in seiner Garage. Biden hätte Zeit genug gehabt, die Unterlagen zurückzubringen oder auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen. War er dazu zu faul, zu naiv oder einfach zu vergesslich? Letzteres könnte auf fortschreitende Demenz hindeuten, auch keine Referenz, mit der man sich um eine zweite Amtsperiode bewerben sollte.
 
Ein Gutes aber hat die Sache. Die Süddeutsche Zeitung hat sie als Vorlage für ein sehr schönes Streiflicht genutzt. Was mich veranlasst, fremdzugehen und es mir mit der heutigen Schmunzelpost-Folge bequem zu machen. Die SZ verstecke ich danach in meiner Garage.
 
Im Streiflicht wird gewürdigt, dass so eine Garage viel mehr ist als nur das Wohnzimmer eines Autos. Die SZ-Redakteure erinnern daran, welche Großunternehmen ihre Keimzelle in Garagen hatten. Und viele Rockbands, von denen einige zu Ruhm und Ehre gelangten, starteten dort ihre Karrieren. Vor allem aber gebe es eine Wahrheit, die lautet: "Die Garage gehört dem Mann. Sie ist der letzte Ort, der allein diesem längst fragwürdig gewordenen Menschentyp vorbehalten ist. Frauen haben in Garagen nichts verloren, ausgenommen Frau Strack-Zimmermann, die darin ihren Kampfpanzer abstellen darf."
 
Außerdem gestalteten Männer ihre Garage ganz nach ihren Vorlieben. Davon zeugten vergilbte Pin-up-Fotos, Reifenstapel, rostige Werkzeuge, leere Bierkästen, der erste Schulranzen, Volksempfänger und der noch unberührte Geschenkkorb zum 20. Dienstjubiläum. Für das Auto sei oft kaum noch Platz.
 
Streiflicht im O-Ton: "Vor allem Frauen missverstehen die - zugegeben - nicht leicht fassbare Ordnung einer Garage als Schlamperei. Sollte sich die Gattin erkühnen, da mal aufzuräumen, sind Streit und Scheidung die unumgänglichen Folgen." Tatsächlich seien die in der Garage gelagerten Objekte eine künstlerische Installation, deren Ordnungsprinzip dem Chaos im Alltag entspreche. Darin fänden sich nur Eingeweihte zurecht. "Und wenn ein Mann in der Garage seinen Trauschein und andere brisante Dokumente sucht, hat er sie bereits nach zwei, drei Tagen entdeckt. Schlamperei sieht anders aus."
 
Wenn manche Frauen argwöhnten, ihr Mann habe eine Geliebte, weil er oft stundenlang unauffindbar ist, so seien sie im Irrtum. "In Wirklichkeit hat er irgendwo eine Garage gemietet, um sich einen Traum zu erfüllen: Einmal König sein im eigenen Reich!"
 
Soweit die Süddeutsche. Ihrem Trugschluss war auch ich vor etlichen Jahren aufgesessen. Als seinerzeit die Glühbirnen verboten wurden, bemängelte die Frau des Hauses das kalte Licht der damaligen LED-Lampen und trauerte den alten Leuchtkörpern nach. Also besorgte ich fix über das Internet einige Restbestände und bunkerte sie als Weihnachtsüberraschung in der Garage. In der trügerischen Gewissheit, dass sich dorthin selbst die neugierige Empfängerin nicht verirren würde. 
 
Ein paar Tage vor Heilig Abend ging mir ein Licht auf, dass diese Depotwahl keine gute Idee gewesen ist. Da hieß es: "Ach, übrigens: Wenn die Küchenlampe kaputt geht, ist das kein Problem. Wir haben noch ein paar Kisten mit Glühbirnen in der Garage." Vielleicht hätte Mister Biden außer Dokumenten dort auch Leuchtkörper einlagern sollen.
 
Glückauf
kdk

 Schmunzelpost 636 vom 15. 1. 23


Immer Ärger mit Harry! War das nicht der Titel eines Hitchcock-Filmes? Heute ist der Ärger von oder der Ärger über Harry ein unerschöpfliches Gesprächsthema. Eigentlich wollte ich zwar nicht darüber schreiben, aber als die Debatte, deren Ohrenzeuge ich wurde, zu den Monegassen führte, die zu meinem Erstaunen in Adelskreisen als Seeräuber-Dynastie auf einer der untersten Stufen in der blaublütigen Hierarchie stehen sollen, war mein Interesse geweckt. 
 
Also tauchte ich in die Welt der von und zus ein und informierte mich zunächst über die Rangfolge. An der Spitze steht nicht völlig unerwartet der Kaiser oder Zar (auf die jeweilige feminine Form verzichte ich aus sprachlichen Gründen). Danach folgt der König, unter dem der Erzherzog und der Großherzog rangieren. Auf der fünften Stufe steht der Kurfürst, gefolgt von Herzog, Landgraf, Pfalzgraf und Markgraf. Danach schließen sich der Fürst und der Graf an. Die unterste Stufe bilden Ritter und Junker. Wobei wegen der sprachlichen Abweichung hier auch die weibliche Form genannt werden sollte: Edle und Junkfrau. Das "k" ist kein Tippfehler, eine Junkfrau muss keine Jungfrau sein. 
 
Um Euch aus der Patsche zu helfen, falls Ihr mal einem Adeligen begegnet und nach der richtigen Anrede sucht, hier ein spezieller Schmunzelpost-Service. Ritter und Junkfrau, Junker und Edle dürft Ihr mit "Hochwohlgeboren" ansprechen. Eine Stufe höher beim Grafen heißt es dann seltsamerweise nur "Hochgeboren", weshalb ich die zweite Form "Eure Erlaucht" vorziehen würde. 
 
Anspruch auf die Anrede "Hoheit" oder "Durchlaucht" erheben Fürsten, Mark-, Pfalz- und Landgrafen sowie Herzöge. Schon beim Kurfürsten wird es richtig feierlich: Königlichste Hoheit und Durchlauchtigste Hoheit sollen angemessen sein. Der Großherzog sattelt noch einen drauf und gilt als Allerdurchlauchtigste Hoheit. Beim Erzherzog ist womöglich der Wunsch Vater des Gedankens bei der Anrede: Mit "Königliche Hoheit" liegt Ihr richtig. Und wenn Ihr mal im Pub neben Charlie steht, dann heißt es: "Gibst Du einen aus, Königliche Majestät?'" Kaiser sind derzeit rar gesät, aber wahrscheinlich würde sich Putin über "Kaiserliche Majestät" freuen. 
 
So, jetzt noch ein Blick auf die Adelshäuser. Die sind eine Wissenschaft für sich. Allein im deutschsprachigen Raum (und dazu zählen auch Landstriche, die irgendwann in der Geschichte mal deutsch gewesen sind), gibt es rund 4200 davon. Respektlos wie ich bin, habe ich mich über Haus Finck von Finckenstein und Haus Frankenstein amüsiert. Andere deutsche Adelshäuser werfen Fragen auf. Hat das Haus Ketteler seine Pferdezucht aufgegeben und auf Drahtesel umgestellt? Wird im Haus von Kinsky besonders ausgiebig und herzhaft geflucht? Und bin ich wegen meiner lebenslangen Treue zum Fluss vielleicht im Haus Lippe adoptionsberechtigt? 
 
Schauen wir in die Nachbarländer. In den habsburgischen Niederlanden fand ich das Adelshaus mit dem schönsten Namen: Haus von Van Voorst tot Voorst. Aber das es unter den sieben Adelshäusern von Brüssel ein "Haus der Süßen" gibt, wundert mich sehr. Ebenso erstaunlich: Das "Haus des Grauens" in den Vereinigten Königreichen der Briten. Auch das "Haus von Herbert" hätte ich dort nicht vermutet. Und es ist wohl nicht der alte Landwirt, der eine Farm hat oder der gleichnamige Buletten-Brater, dessen Familie sich im Haus von MacDonald versammelt. 
 
Beim griechischen Adeligen bin ich in Dorsten schon öfter in seiner Taverne eingekehrt. Oder meint das "Haus des Angelos" jemand anders? Bemerkenswert finde ich auch, dass es in Irland ein "Haus des Butlers" gibt. Haben dort einst die Dienstboten revoltiert und die Herrschaftsverhältnisse umgekehrt? Das "Haus des Butlers" ist übrigens das einzige irische Adelshaus, dessen Name nicht mit O' oder Mac/Mc beginnt. 
 
Ich bin mir nicht sicher, ob ich in den Karpaten in das "Haus der Draculesti" einkehren möchte. Das gibt es wirklich! Und Russland hat einen netten Zungenbrecher beizusteuern. Kippt ein, zwei Wodka und sprecht mir nach: Haus von Belosselky-Belozersky. Und in Georgien existiert das Haus von Schaliskaschwili, das ich als "Haus Schaschlik" vereinfache. Und da ich damit am Ende der nach unten offenen Krauseschen Niveau-Skala angekommen bin, mache ich für heute Schluss. 
 
Glückauf 
kdk
  
PS. Martin grüßt vom sonnigen Lanzarote ins regnerische Dorsten und hat folgende Ergänzung zur gestrigen Schmunzelpost: "Dein Schilderfund aus Cornwall mit dem gebrechlichen Seniorenpaar erinnert mich an eine makabre Schilderkombination, die wir bei einer Gruppenwanderreise im englischen Lake District sahen: rechts der Straße befand sich ein Blinden-Senioren-Erholungsheim, links der Straße eine Plattform hoch über dem Lake Windermere. An der Landstraße stand folgende Schilderkombination: ganz oben ein Achtung-Schild (dreieckig, innen weiß, roter Rand) mit einem gebeugten älteren Paar mit weißen Stöcken und Drei-Punkte-Armbinde, darunter ein weißes Zusatzschild mit der Aufschrift "blind people", als drittes darunter ein touristisches Hinweisschild mit Linkspfeil und der Aufschrift "beautiful view" (schöne Aussicht.....)." 
 

 Schmunzelpost 635 vom 14. 1. 23


Der Sinn und Unsinn von Schildern an Straßen hat mich schon öfter beschäftigt. Dieser Tage fuhr ich die B 58 in Richtung Haltern, als die Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h mit einem entsprechenden Schild aufgehoben wurde. Also gab ich Gas. Und wurde nur 200 m weiter von einem neuen Schild gebremst, das 50 km/h als Höchstgeschwindigkeit vorgab. Was soll das? Ist das eine ADAC-Teststrecke, um herauszufinden, wie schnell man ein Auto beschleunigen und gleich wieder abbremsen kann? Oder sind Hersteller an der Aufstellung von Schildern beteiligt? 
 
Bemerkenswert finde ich auch manche Tafeln, auf denen diverse Hiroglyphen auf Umfahrungsmöglichkeiten von Baustellen aufmerksam machen. Sie sind oft außerorts auf freier Strecke aufgestellt, wo man normalerweise nicht im Schleichtempo unterwegs ist. Also bin ich an dem Schild vorbeigerauscht, bevor ich halbwegs begriffen habe, worum es eigentlich geht. Ich könnte natürlich auch eine Vollbremsung machen und minutenlang die komplizierte Skizze studieren, bis ich ihre Botschaft begriffen habe. Doch die Botschaft der Autofahrer hinter mir wäre ein anhaltendes Hupkonzert. 
 
Am Mittwoch sah ich zur Abwechslung im Fernsehen ein Schild, dass mir ausnahmweise höchst sympathisch war. Es ist an einem Zebrastreifen einer Stadt in Norwegen aufgestellt und zeigt einen Mann, der die Straße auf, nun ja, ungewöhnliche Weise überquert. Habt Ihr mal den Monty-Python-Sketch mit John Cleese gesehen? Der schreitet, wie ein britischer Gentleman gekleidet, im Stechschritt über die Straße, wobei er sein Knie bis zur Kinnhöhe erhebt und den Unterschenkel so weit es geht nach vorn streckt. Das Schild soll die Bürger aninmieren, aus dem Alltagstrott auszubrechen und die Fahrbahn auf individuelle, kreative Art zu überqueren. Da hatte jemand in einer Amtsstube tatsächlich Sinn für Humor - und die Norweger haben ihren Spaß daran!
  
Eher unfreiwillig komisch ist ein Verkehrszeichen, das Euch auf einer Fahrt durch Kalifornien begegnen kann. Es zeigt ein Auto, das entlang einer Felswand fährt und in Gefahr ist, weil von oben Felsbrocken nach unten stürzen. Und eine Kuh! Die Verkehrsbehörde will so darauf aufmerksam machen, dass auf der Bergwiese Kühe grasen. Und wenn so ein neugieriges Rindvieh den Abhang hinunterstürzt, wäre das eine böse Überraschung. Allerdings wusste ich bisher nicht, dass mein Auto durch fliegende Kühe stärker gefährdet wird als durch herabfallende Felsbrocken. Ich bestehe daher auf Warnungen vor abstürzenden Wildschweinen, Rehen und unvorsichtigen Eichhörnchen. 
 
In Cornwall ist ein Warnschild zu sehen, das ein gebrechliches Paar zeigt. Die Frau hat sich beim Mann eingehakt, der sich auf einen Stock stützt. Beide kommen nur mühsam gebückt voran. Was will dieses Schild uns sagen? Ist es eine Warnung vor randalierenden Rentnern, die gern mit dem Stock Macken in die Karosse schlagen? Trainieren da Senioren fürs Greisen-Sportabzeichen und sprinten urplötzlich los, ohne auf den Verkehr zu achten? Oder fahren wir durch das Freiluftgehege von Cornwalls größtem Altenheim? Weder, noch und das erst recht nicht! Daher ist das Schild überflüssig, denn in einer alternden Gesellschaft, in der inzwischen mehr Greise am Steuer sitzen als zu Fuß unterwegs sind, sollte Rücksicht auf alte Menschen selbstverständlich sein. 
 
In Alaska hingegen sind Warnschilder aufgestellt, die ich begrüße. Sie warnen mit der Aufschrift "No Traffic Signs" davor, dass es im weiteren Straßenverlauf keinerlei Warnschilder mehr geben wird. Wir müssen also selbst aufpassen, ob Elche die Fahrbahn überqueren (in Schweden gibt es übrigens ein Schild, das vor kopulierenden Elchen warnt), ob Eisbären auf Autofahrer lauern, die kurz mal eine Pinkelpause einlegen wollen oder ob Moschusochsen von Felswänden stürzen. Mit randalierenden Rentern braucht Ihr nicht zu rechnen - die sind alle in Cornwall. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 634 vom 13. 1. 23

 

Es ist ein hartes Los, wenn man ganz anders möchte, aber nicht anders kann. Davon können die Mitarbeiter der Deutschen Bahn ein langes Klagelied singen. Die FAZ berichtete jetzt online darüber, dass das Bahnpersonal inzwischen nach Pannen nicht mehr stoisch verbale Gemeinplätze an die Fahrgäste weitergibt, sondern dass sich die sarkastischen und mitunter lustigen Kommentare häufen. Ich habe mich mal im Internet umgesehen, was die Bahn-Passagiere so zu hören bekamen. 
 
Relativ häufig entstehen Verspätungen dadurch, dass die Zugführer selbst Opfer des Bahn-Chaos geworden sind, weil sie mit der Bahn zum Dienst fuhren. Hier der Originalton aus einem ICE vom Dezember 2022: "Leider verzögert sich unsere Abfahrt um zehn Minuten, da ich mit dem Zug gegenüber erst vor zehn Minuten angekommen bin. Die Leitstelle war der Meinung, dass ich früher abfahren kann, als ich angekommen bin. Das ist nicht möglich!" 
 
Aus der großen Zeit von Corona stammt folgende Durchsage: "Für Reisende, die wir ohne Maske antreffen, haben wir ein Buch dabei, mit ganz vielen Wanderliedern!" Mitunter sind es die Fahrgäste selbst, die durch ihr Verhalten für Verzögerungen sorgen. Da ist es durchaus gerechtfertigt, wenn sie auch neue Aufgaben übertragen bekommen: "Die Person mit dem weißen T-Shirt und der schwarzen Hose mit Zigarette im Mund, in der Tür stehend, ist ab sofort Ihr Ansprechpartner bei Fragen zu Ihren Anschlusszügen." 
 
In der Not muss man sich etwas einfallen lassen. "Da alle Toiletten ausgefallen sind, halten wir in Nürnberg etwas länger für eine Pinkelpause. Auf dem Gleis gegenüber steht ein ICE, dessen Toiletten Sie benutzen können." Zwei wundersame Ereignisse: "Sie werden es nicht glauben, aber auch die Bahn kann sich verfahren! Der Fahrdienstleiter hat die Weiche falsch gestellt, und wir sind jetzt nach Leipzig statt nach Halle unterwegs." Auch schön: "Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde. Aber: Der Fahrgast mit dem Einkaufswagen und der Palme - bitte aussteigen!" 
 
Wunder gibt es immer wieder. Doch wenn der eigene Zug pünktlich am Umsteigebahnhof eintrifft, sollte man sich nicht zu früh freuen: "In wenigen Minuten kommen wir tatsächlich pünktlich in Hannover an. Aber um Ihre Kundenerwartungen nicht zu enttäuschen, hören Sie jetzt die Verspätungen aller Anschlusszüge..." Von solch unerwarteten Ereignissen werden manche Nachbarländer offensichtlich überrumpelt: "Wir müssen noch etwas warten. Der Bahnhof in Basel scheint nicht auf einen pünktlichen deutschen Zug vorbereitet zu sein." 
 
Allzeit gute Fahrt! 
kdk 

Schmunzelpost 633 vom 12. 1. 23

Die Würfel sind gefallen! In der zweiten Maihälfte soll es auf eine Insel gehen. Die eine Hälfte unseres Haushaltes plädiert für ein Eiland in der Nordsee, die andere erwägt, etwas ausgefallenere, abenteuerliche Ziele anzusteuern. 
 
Was käme da in Frage? Alles andere als alltäglich ist Nipterk P-32. Das ist eine Insel in der kanadischen Beaufort-See, an der eisigen Spitze des nordamerikanischen Kontinents. Ihre Besonderheit: Sie wurde künstlich erschaffen! Dafür hat man jede Menge Wasser in die Luft gespritzt, das im Dauerfrostklima sofort gefror. So entstand eine Sprüheisinsel, die Menschen als Basis dient. Allerdings könnte ich dort nur unterkommen, wenn ich für Exxon/Mobil Erdöl fördere. Und das möchte ich nicht. Außerdem wird der Klimawandel dieser Insel bald ein Ende bereiten. 
 
Der "Great Pacific Garbage Patch" scheidet ebenfalls aus. Das ist eine Müllinsel aus Plastikabfällen, die Ausmaße von bis zu 15 Millionen Quadratkilometern erreicht - das ist eine Fläche, die 592mal so groß ist wie Belgien! Man findet dort Fußbälle, Plastikflaschen, Fischernetze und jede Menge Plastikenten. Nur einmal die Größe Belgiens zu bieten hatte dagegen eine schwimmende Insel, die 2012 vor der Küste Neuseelands auftauchte. Sie war vulkanischen Ursprungs, bestand aus Bimsstein und wimmelte von Muscheln, aber auch von Krebsen. Die konnten sich mit Hilfe solcher schwimmenden Flösse offenbar früher oft auf weit entfernten Gestaden verbreiten. 
 
Ein bisschen menschenfreundlicher darf es schon sein, auch wenn mir nichts an Touristenrummel liegt. Dennoch kommt auch die 49 qkm große, völlig menschenleere Insel Bouvet nicht in Frage. Sie gilt als das abgelegenste Eiland überhaupt, ist völlig eisbedeckt und liegt 2500 Kilometer südwestlich von Südafrika nahe der Antarktis. 
 
Dann lieber in Richtung Nordpol. Spitzbergen ist immerhin besiedelt und gehört zu Norwegen. Der Ort Longyearbayen gilt als nördlichste dauerhafte Siedlung der Welt. Allerdings schreckt mich ein Gesetz ab: Jeder, der den Ort verlässt, ist verpflichtet, ein Gewehr zu tragen - das liegt an den vielen Eisbären, die dort unterwegs sind. 
 
Dann doch lieber in eine ganz andere Region unseres Planeten. Die Pitcairn-Insel findet man 2100 km westlich von Chile im Pazifik. Dort leben 50 Einwohner, allesamt Nachfahren der Meuterer von der Bounty und ihrer polynesischen Gefährtinnen. Sie stellen heute angeblich den besten Honig der Welt her. Allerdings ist die Anreise schwierig. Es gibt keinen Flugplatz, und der Hafen ist so winzig, dass nur alle paar Monate mal ein Postboot anlegt. 
 
Solche Boote machen jedoch einen großen Bogen um North Sentinel Island. Diese 72 qkm große Insel im Golf von Bengalen ist zwar nur 32 km vom Festland entfernt, aber ihre Einwohner sind recht wehrhaft. Sie beschießen sowohl Menschen wie Schiffe und Hubschrauber, die sich ihrer Insel nähern, mit Pfeilen und gelten als eine von ganz wenigen Menschengruppen, die noch nie Kontakt zu anderen Kulturen hatten. 
 
Na gut, dann lasse ich mich doch lieber auf Amrum von Touristenkindern mit Wasserpistolen beschießen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 632 vom 11. 1. 23


Zeitungslektüre informiert nicht nur, sie liefert mitunter auch Ideen. Zum Beispiel Anregungen für das nächste Schmunzelpost-Thema. Gestern las ich, dass unlängst Paul Mc Cartney beinahe bei Filmaufnahmen auf dem Abbey-Road-Zebrastreifen ums Leben gekommen wäre. Er hatte gerade den Fußgänger-Überweg betreten, als ein Autofahrer ihn um ein Haar erfasst hätte. Das wäre zwar tragisch gewesen, aber gleichzeitig ein Tod, der einen weltberühmten Musiker endgültig zur Legende gemacht hätte. 
 
Für die Jüngeren unter Euch: Für ihr Abbey-Road Album-Cover hatten sich die Beatles Ender der 1960er Jahre beim Überqueren eben dieses Zebrastreifens ablichten lassen. Paul war dabei barfuß unterwegs. Und obwohl es noch kein Internet gab, entstanden schnell die wildesten Gerüchte. Eines besagte, dass Paul McCartney vorher verstorben sei und für das Foto durch ein Double ersetzt wurde. Insofern hätte sich ein Kreis geschlossen. 
 
Überhaupt sprießten damals schnell abenteuerliche Geschichten wie Pilze aus dem Boden. Wer "Sympathie for the Devil" von den Rolling Stones rückwärts abspielte, konnte angeblich eine persönliche Botschaft Satans hören. Und Fans von Jim Morrison und Elvis Presley behaupteten hartnäckig, dass ihre Idole noch am Leben seien. 
 
Doch es gibt auch aus heutiger Sicht unglaubliche Geschichten, die tatsächlich wahr sind. Zum Beispiel, dass die Machthaber von Singapur 1972 "Led Zeppelin" zum Friseurbesuch zwingen wollten. Die Band war für ein Konzert gebucht, durfte aber in Singapur das Flugzeug nicht verlassen. Nicht etwa, weil sich die Regierenden an Texten oder Musik störten oder im Gepäck der Musiker Drogen vermuteten. Nein, in Singapur war gesetzlich vorgeschrieben, dass Männerhaare eine bestimmte Länge nicht überschreiten durften. "Led Zeppelin" sagten bye, bye und flogen ungeschoren nach Australien davon. 
 
Kennt Ihr Eminem? Das ist einer der erfolgreichsten Rapper der Musikgeschichte. Und ein Mensch, der sich auch durch üble Schicksalsschläge nicht aus der Bahn werfen ließ. Der Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die drogenabhängig und gewalttätig war, lag nach einer Prügelattacke seiner Mitschüler mit 9 Jahren tagelang mit Hirnblutungen im Koma. Mit 19 musste er dann verkraften, dass sein Onkel, der für ihn ein Vaterersatz gewesen war, sich mit einer Schrotflinte erschossen hatte. 
 
Trotz allem wollte Marshall Mathers Musiker werden und wählte seine Initialen als Künstlername. Prompt drohte ihm der gleichnamige Schokolinsen-Hersteller "M&M" mit einer Klage. Worauf der clevere Bursche seinen Namen in Lautschrift änderte. Aus M&M wurde "Em-in-Em". Und der Weltkarriere stand nichts mehr im Weg. 
 
Zurück zum Anfang. 1960 wäre die Laufbahn einer Band fast zu Ende gegangen, bevor sie richtig begonnen hatte. Ihr Gitarrist wurde aus Deutschland ausgewiesen. Wegen Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz. George Harrison war noch keine 18 Jahre alt, als er mit den Beatles in Hamburger Nachtclubs auftrat. Die Band sah sich bereits nach einem Ersatz um, als die anderen Mitglieder keine 14 Tage später wegen fehlender Aufenthaltserlaubnisse und Arbeitsgenehmigungen ebenfalls ausgewiesen wurden. 1962 kam dann Ringo Starr dazu, und der Rest der Geschichte ist bekannt. 
 
Weniger bekannt ist dagegen, dass jetzt auf der Abbey Road ein britischer Greis vom Auto überfahren wurde und seinen Verletzungen erlag. Laut DNA-Test handelte es sich aber nicht um Paul McCartney. Gut informierte Kreise berichten, dass der Beatle inzwischen durch ein weiteres Double ersetzt worden ist. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 631 vom 10. 1. 23 


Wissen kann man nie genug. Unnützes Wissen gibt es nicht. Auch wenn man keinen unmittelbaren Nutzen daraus zieht, kann man darüber staunen, schmunzeln oder andere damit beeindrucken. Es richtet keinen Schaden an und teilt ohnehin das Schicksal des nützlichen Wissens - wird es nicht hin und wieder abgerufen, dann verschwindet es schnell wieder von der Festplatte in unserem Schädel. 
 
Heute ziehen wir eine Erkenntnis aus einem Ereignis, das sich in der Welt der Promis abspielte. In jüngster Zeit habe ich gelernt, dass Menschen, die sonst über die Klatschgeschichten der Regenbogenpresse die Nase rümpfen, erstaunlich gut über alle Einzelheiten rund um das Skandalbuch eines britischen Ex-Prinzen informiert sind und sich darüber recht emotional und detailreich unterhalten können. Na ja, ich muss zugeben, dass auch ich die "Leute"-Spalte in der Zeitung lese, obwohl mir die meisten zitierten Film- und Musik-Sternchen unbekannt sind. 
 
Das gilt auch für die Schauspielerin Kyra Segdwick. Sie war bei der Dinnerparty von Tom Cruise eingeladen - den kenne sogar ich, obwohl er mir wegen seiner Scientology-Zugehörigkeit unsympathisch ist - und hat sich etwas geleistet, weswegen sie vom Gastgeber danach niemals wieder eingeladen wurde. Da wollte ich natürlich wissen, um welches schwere Vergehen es sich gehandelt haben könnte. 
 
Nun, Kyra Segdwick ist ein neugieriger Mensch. Und so beschäftigte sie die Frage, wozu der kleine Knopf, den sie hinter einem Kaminsims entdeckt hatte, wohl dienen möge. Öffnete er eine Geheimtür? Ließ ein Knopfdruck Konfetti von der Decke regnen? Oder gingen danach alle Fensterrollos runter? Das Rätsel beschäftigte sie so sehr, dass sie kurzerhand den Knopf drückte: "Ich dachte, dann passiert vielleicht etwas Interessantes." Aber zu ihrer Enttäuschung geschah nichts. Jedenfalls nicht sofort. 
 
Also sprach sie Gastgeber Tom Cruise darauf an. Der soll daraufhin ein bisschen blass geworden sein. Denn es handelte sich um den sogenannten "Panik-Knopf". Kurz darauf rauschten auch schon mehr als fünf Polizeiwagen vor, die den Alarm als Hinweis auf Raubüberfall, Geiselnahme oder Kidnapping gewertet hatten. Doch die einzige, die Schaden nahm, war Kyra Segdwick. Obwohl sie später sogar den Golden Globe gewann und in der Jury zur Oscar-Vergabe saß, steht sie bis heute bei Tom Cruise auf der schwarzen Liste. 
 
Und was lernen wir daraus? Der Spruch "Versuch macht klug" gilt nur mit einigen Einschränkungen. Auch wenn man im Weißen Haus zu Gast ist, sollte man nicht auf sämtliche Knöpfe drücken, die dort verborgen sind. Das könnte fatale Folgen haben. Und jetzt behaupte noch jemand, das sei unnützes Wissen! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 630 vom 9. 1. 23 


Spitzensportler leben in einer eigenen Welt. Dort entwickeln sie mitunter auch eine besondere Sprache. Das kann sich durch Fachausdrücke und Abkürzungen äußern, mit denen wir Sofasportler nicht viel anzufangen wissen. Das kann aber auch schöpferisch-kreativ geschehen, vor allem, wenn ehemalige Sportgrößen als Co-Kommentatoren gefordert werden oder in Interviews spontan ihre Meinung sagen. Lothar Matthäus "wäre, wäre - Fahrradkette" hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. 
 
Meinen TV-Konsum in Sachen Wintersport hatte ich allmählich stark zurückgefahren. Vielleicht sollte ich mir aber doch gelegentlich mal wieder Übertragungen vom Skispringen anschauen. Nicht nur wegen der sportlichen Höchstleistungen, sondern wegen der sprachlichen Höhenflüge der Experten. Im Streiflicht der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende las ich jetzt, wie Sven Hannawald den gelungenen Sprung eines Österreichers feierte: "Er kennt sich. Er bleibt da auf Zug. Sieht man schon bei ihm: ein bisschen mehr Höhe übers Eck mitgenommen, aber sich nicht auftreiben lassen. In der vollkommenen Fluglage wie ein Pfeil gewesen. Das ist sein Stil!" 
 
Das treibt mich nicht auf, das treibt mich um, das ist doch Lyrik pur! Kein Wort zuviel, aber ein Pfeil mitten ins Schwarze! Und das Hannawald auch noch Redensarten verbiegt, macht ihn mir noch sympathischer. Sagte er doch kürzlich, als es die sportlichen Leistungen an Klasse mangeln ließen, dass ihm das Latein ausgehe. Das ist ein schönes Beispiel für eine um sich greifende Kunstform, die vor allem von Sportlern gepflegt wird. Aus zwei mach eins. Wenn einer mit seinem Latein am Ende ist und ihm die Argumente ausgehen, dann kann man das doch wie Hannawald zusammenfassen und so viel sparsamer formulieren. 
 
Auch Philipp Lahm, an sich ein schlaues Kerlchen, hat schon vergleichbares geliefert: "Man muss nicht immer das Salz in der Suppe suchen." Sonst findet man womöglich noch ein Haar. Oder es fällt einem auf, wie fad gewürzt die Suppe ist.  Unübertroffen aber ist unser Lodda, obwohl er doch viel lieber Trainer einer Spitzenmannschaft wäre anstatt bei Sky als Spitzenverdiener den Experten zu geben. Doch so, wie er früher Traumpässe gespielt hat, rutschen ihm auch immer wieder unnachahmliche Satzkonstruktionen heraus. Etwa, als er gefragt wurde, ob er Ambitionen habe, Bundestrainer zu werden: "Gewollt hab ich schon gemocht, aber gedurft ham sie mich nicht gelassen." 
 
Wie beendete die SZ noch ihr Streiflicht? "Schwamm beiseite." Und ich füge hinzu: "Es ist noch kein Meister aus Bayern in den Wörthersee gefallen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 629 vom 8. 1. 23


Endlich hat Covid als Reisebremse ausgespielt. Es dürfen wieder Pläne geschmiedet werden, für die auch Hoffnung auf Umsetzung besteht. Fest vorgesehen sind bei mir jedoch erst zwei Wochentrips: Im März auf die Insel Spiekeroog und im September in die Bretagne. Ansonsten startet jetzt bei der Suche nach lohnenswerten Zielen eine angenehme Zeit. Denn Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. 
 
Wie wäre es denn mal mit einem Ort abseits der ausgetretenen Pfade? Nö, den Himalaya lasse ich aus, den überlasse ich ganz Reinhold Messner und dem Yeti. Und ein Raumflug ist nur etwas für Millionäre, deren teure Traumreise nach einer Stunde verpufft wie eine Silvesterrakete nach 30 Sekunden. Schön war's vielleicht, aber auch verdammt schnell vorbei. 
 
Nein, ich empfehle einen nur scheinbar völlig ungeeigneten Ort. Wie wär's mit dem Urlaub auf einem Friedhof? Das ist kein Rat für Vampire oder Anhänger finsterer Riten und schwarzer Messen. Mitunter ist der Friedhof nämlich ein sehr lebendiger Ort, auf dem viele Menschen ein Zuhause gefunden haben. Grund ist die Überbevölkerung in Metropolen und der fehlende Raum für erschwingliche Wohnungen. Da kommt man schon mal auf ungewöhnliche Ideen, um eine kostengünstige Bleibe zu finden. 
 
So in der "Stadt der Toten" in Kairo. Dort leben 50 000 Menschen in Grabstätten und sogar eine halbe Million in Behausungen, die sie zwischen den Gräbern errichtet haben. Das ist möglich, weil in Ägypten Friedhöfe seit jeher als Orte gelten, an denen Lebende und Tote zusammen kommen. Zudem ist es in der Multi-Millionenstadt am Nil Brauch, dass Familiengräber als geräumige Anlagen gestaltet werden und oft über zusätzliche Räume und einen Innenhof verfügen. 
 
Das hat einen guten Grund. Die Tradition sah vor, dass die Trauernden 40 Tage beim Verstorbenen verbringen sollten. Und irgendwann kam wohl ein pfiffiger Ägypter auf Gedanken, wie sie bei uns auch Dauerbewohner von Campingplätzen hatten: Warum an so einem schönen, ruhigen Ort nur eine kurze Zeit verbringen, wenn man sich dort auch auf lange Sicht häuslich niederlassen kann? Und wie das mit guten Ideen so ist: Das Vorbild machte in den 1950er Jahren in Kairo Schule. 
 
Heute gibt es in der "Stadt der Toten" Geschäfte, Schulen und eine Arztpraxis mit angeschlossener Geburtshilfe. Auch für fließendes Wasser und elektrischen Strom wurde gesorgt. Daher ist das riesige Areal inzwischen für die Mitbürger in den anderen Ortsteilen ein zwar etwas sonderbares, aber eigentlich normales Stadtviertel. Ob es auch Hotels gibt, ist mir nicht bekannt. Doch gegen einen kleinen Obolus könnte Ihr sicher für befristete Zeit als Untermieter in eine Grabstätte einziehen, womöglich sogar mit einer Mumie als Bettnachbar. 
 
Wer christliche Grabstätten bevorzugt, muss nach Manila fliegen. Der dortige Nordfriedhof ist zwar kleiner, und die Unterkünfte sind bei weitem nicht so "luxuriös". Doch auch dieser Zufluchtsort bietet Unterkünfte für viele Menschen, die sich die horrenden Mieten draußen einfach nicht leisten können. In sechzig Jahren haben sich dort Quartiere gebildet, die bedeutend sicherer sind als die Slums am Stadtrand. 
 
 Und manche Bewohner sind nach phillipinischen Maßstäben fast wohlhabend. Sie verdingen sich als Sargträger, sanieren Krypten und kümmern sich um die Grabstätten. Auch auf dem Nordfriedhof haben sich mehrere Mini-Märkte angesiedelt, es gibt sogar Sportstätten und ein Restaurant. Lediglich am 1. und 2. November müssen die Bewohner das Feld räumen. Das sind die Tage der Totenverehrung, an denen viele Filipinos zu den Gräbern pilgern, um ihrer verstorbenen Angehörigen zu gedenken. 
 
Also, wenn ich mir das alles so richtig überlege - ich glaube, wir fahren doch besser wieder zur Nordsee. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 628 vom 7. 1. 23


Gestern früh, so gegen 10.30 Uhr, stand ich vor unserem Briefkasten und wunderte mich. Keine Süddeutsche Zeitung! Bis mir einfiel: Wir haben den 6. Januar, Heilige Drei Könige. In Bayern war Feiertag! Das ist doch eine schöne Vorlage, sich mal umzusehen, was rund um den Globus als Anlass dient, einen arbeitsfreien Tag einzuräumen. 
 
Da kommt mir wieder mein Religionslehrer in den Sinn. Pastor Loos freute sich immer auf den 1. Mai, weil er da im Gegensatz zu kirchlichen Feiertagen ausspannen durfte: "Ist das nicht kurios? Tag der Arbeit - und kein Schwein arbeitet." Doch das ist nicht überall so: Auf den amerikanischen Jungferninseln ist der 1. Mai ein normaler Wochentag. Dort wird der "Tag der Arbeit" am 4. September gefeiert. 
 
Apropos Amerikanische Jungferninseln: Als ich vom "Tag des Transfers" las, dachte ich erst, das wäre ein neuer Feiertag in Gelsenkirchen, weil Schalke 04 mit der Verpflichtung von Lionel Messi ein spektakulärer Transfer gelungen ist. Leider nicht. Der "Tag des Transfers" wird am 31. März auf den Jungferninseln gefeiert. Und zwar, weil die USA am 31. März 1917 die mehr als 800 östlich von Puerto Rico gelegenen Jungferninseln von Dänemark gekauft haben. 
 
Was man nicht alles durch die Suche nach Feiertagen lernen kann! So stieß ich zum Beispiel auf Aruba. Ein Land, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass es existierte. Die existieren nicht nur, die feiern auch noch am 25. Januar den Betico Croes-Geburtstag. Das war ein sozialdemokratischer Politiker, der maßgeblich dazu beitrug, dass Aruba nicht mehr Bestandteil der niederländischen Antillen, sondern seit 1996 selbständig ist. 
 
Von den amerikanischen Jungferninseln ist es nur ein Katzensprung zu den britischen Jungerninseln. Zumindest im Alphabet. In der Realität müssen dagegen mehrere 100 oder sogar 1000 Kilometer See- oder Flugreise zurückgelegt werden, um zu dieser 60 Eilande umfassenden Inselgruppe in der Karibik zu gelangen. Dort war man besonders kreativ bei der Erfindung von Feiertagen. Wo sonst auf der Welt gibt es den "Montag der Befreiung", den "Dienstag der Befreiung" und den "Mittwoch der Befreiung"? 
 
Außerdem findet man auf dem Erdball sogar eine Insel, auf der die Eiserne Lady mit einem arbeitsfreien Tag gewürdigt wird. Nein, nicht Großbritannien. Der Margaret-Thatcher-Tag am 10. Januar wird auf den Falkland-Inseln gefeiert. 
 
Doch vorher steht am heutigen 7. Januar in vielen Ländern ein Feiertag im Kalender. Überall, wo die orthodoxe Kirche vertreten ist, wird das orthodoxe Weihnachtsfest gefeiert. In Ländern mit koptischen Christen, wie Ägypten und Sudan, stattdessen die koptische Weihnacht. Mich würde interessieren, ob dort in den Krippen neben dem Esel auch ein Ochse steht oder ob dessen Platz von einem Kamel eingenommen wird. 
 
Aber damit nicht genug. In Kambodscha gibt es am 7. 1. mit dem Tag des Sieges über den Völkermord allen Grund zum Feiern. In Armenien ist der Tag des Gedenkens angesagt und in Ghana der Tag der Verfassung. Und in Liberia feiert man den "Tag der Pioniere". Das ist wirklich ein besonderes Datum. Denn dieser Tag würdigt die Ankunft der ersten Rückkehrer aus der Sklaverei, denen seinerzeit in den USA ein wirklich freies Leben unmöglich schien. 
 
In Deutschland liegen wir je nach Bundesland mit maximal 13 Feiertagen im Jahr im Mittelfeld. Spitzenreiter sind offiziell Indien und Japan mit 16 Feiertagen. Doch da kann ich nur sagen: Schlampige Arbeit, Leute. Auf den amerikanischen Jungferninseln gibt es nach meinen Zählungen 18 gesetzliche Feiertage! Worauf wartet Ihr noch? Auf in die Karibik!  
  
Glückauf 
kdk 
 
PS. Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, warum die Jungferninseln eigentlich Jungferninseln heißen. Das liegt an ihrem Entdecker Christoph Kolumbus, der dort 1493 als erster Europäer an Land ging. Er benannte die Inseln zum Andenken an die Heilige Ursula, mit der nach der Legende auch 11 000 Jungfrauen in den Tod gingen. So, hätten wir das auch geklärt. 

 

 Schmunzelpost 627 vom 6. 1. 23


Es müsste dringend was getan werden - lassen wir es liegen! Die guten Vorsätze beisst gern der innere Schweinehund in den Hintern und vertreibt sie knurrend ins nächste Jahr. Das wird dadurch begünstigt, wenn man als Rentner sein eigener Chef ist und sich selbst Urlaub geben kann. So habe ich Grundsteuer-Erklärung und Programm-Vorbereitungen erstmal auf Eis gelegt und beschränke mich aufs Wesentliche: Die Schmunzelpost. 
 
Heute musste ich bei der Zeitungslektüre ungläubig grinsen. Da ist doch eine heiratswütige Japanerin glatt auf jemand hereingefallen, der ihr im Internet die Ehe versprochen hat. Dem gemeinsamen Gang zum Standesamt stand nur ein klitzekleines Hindernis im Weg. Der Mann, so versicherte er, ist ein russischer Kosmonaut, dem das Geld für das Rückfahr-Ticket von der Raumstation fehlt. Prompt hat die Frau ihm mehrfach stattliche Summen überwiesen, bevor ihr endlich Zweifel kamen. Bisher hieß es: Liebe macht blind. Künftig muss es heißen: Liebe macht blöd. 
 
Das vermag auch der Glaube. 1868 besuchte der amerikanische Farmer George Hull, ein bekennender Ungläubiger, auf Wunsch seiner Schwester einen Methodisten-Gottesdienst. Dort war die Rede von Riesen, Nachkommen, die Gottessöhne mit Menschenfrauen gezeugt hatten, als sie vom Himmel herabgestiegen waren (Genesis 6.4). Das brachte Hull auf eine Idee. Er erwarb einen 3,20 hohen Gipsklotz und ließ ihn von einem zur Verschwiegenheit verpflichteten Bildhauer bearbeiten. Der fertigen Skulptur verpasste er mit Hilfe von ätzenden Säuren ein altertümliches Aussehen und piesackte sie mit Stahlnadeln, um Poren vorzutäuschen. Dann verbuddelte er den Koloss auf dem Grundstück seines eingeweihten Nachbarn und ließ ihn ein Jahr ruhen. 
 
Doch Wunder gibt es bekanntlich immer wieder: Bei angeblichen Brunnenarbeiten wurde am 15. Oktober 1869 der "Riese von Cardiff" entdeckt und schnell zu einer Attraktion für die Massen. Scharenweise kamen die Gläubigen, um das Artefakt zu bestaunen. Sie zahlten bereitwillig Eintrittsgeld für das Betreten des Zeltes, das Hull um die Figur hatte errichten lassen. Das Besondere an der Geschichte: Als Wissenschaftler den Schwindel entlarvten, riss der Andrang keineswegs ab. Auch ganz ohne Internet traute man den Eierköpfen nicht über den Weg. Wer glaubt denn einem Studierten, wenn er etwas mit eigenen Augen gesehen hat? 
 
Das ist lange her, und heutzutage funktioniert so etwas nicht mehr? Dann erinnert Euch daran, wie die Verantwortlichen beim "Stern" auf die Hitlertagebücher hereingefallen sind. Und noch 1993 behauptete jemand, dass er in der Türkei im Gebirge Noahs Arche entdeckt habe. Das Schiff hatte beeindruckende Ausmaße, war aber überhaupt nicht gealtert, sondern sah aus, als sei es gerade der Fachabteilung Holz eines Baumarktes entsprungen. Schade. Womöglich hätte man in der Tiefkühltruhe noch ein paar Saurier-Eier entdeckt. 
 
Falls jedoch Euer Vorsatz für 2023 ist, an das Gute im Menschen zu glauben: Vielleicht ist an der Kosmonauten-Geschichte ja doch etwas dran. Wenn Ihr der armen Japanerin zu einem Happy-End verhelfen wollt, dann überweist bitte ein bescheidenes Almosen von 1000 Euro auf mein Konto. Spasibo! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 626 vom 5. 1. 23 


Na, habt Ihr ein magisches Kribbeln verspürt? Nach Hermann Hesse wohnt doch jedem Anfang ein Zauber inne, und das sollte auch für ein neues Jahr gelten. Falls das nicht so ist: Auf jeden Fall gilt es für ein Buch. Jedesmal, wenn ich ein noch ungelesenes Buch aufschlage, bin ich sehr gespannt. Und vom ersten Satz, vor allem aber von den ersten Seiten hängt ab, ob das Buch mich am Haken hat. Schafft es das nicht bis zur fünfzigsten Seite - nun, in Dorsten gibt es einen öffentlichen Bücherschrank.
 
"Ilsebill salzte nach". Erinnert Ihr Euch? Diesen Einstieg von Günter Grass in den Butt hatte vor mehr als einem Jahrzehnt eine Jury zum bis dahin besten Buchbeginn gewählt, wie ich vor längerer Zeit schon mal in der Schmunzelpost berichtete. Doch es gibt andere Anfänge, die mir weit besser gefallen. Hier folgen ein paar Kostproben:

"Es ist eine allgemeine bekannte Wahrheit, daß ein alleinstehender Mann, der ein beträchtliches Vermögen besitzt, einer Frau bedarf." Das stammt natürlich nicht von Alice Schwarzer, sondern von Jane Austen aus "Stolz und Vorurteil". Auch schön, was sich Samuel Beckett für "Murphy" ausgedacht hat: "Die Sonne schien, da hatte sie keine andere Wahl, auf das Bekannte."  Mein persönlicher Favorit aber stammt von Walter Moers und leitete die Geschichte von Kapitän Blaubär ein: "Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt, meins nicht." 
 
Clever ging Thees Ullmann in seinem ersten Roman vor. Der erste Satz in seinem Romandebüt "Sophia, der Tod und ich" lautete: "Es klopfte an der Tür, und im Treppenhaus roch es nach frisch gebrühtem Kaffee." So weit, so schlicht. Doch die Auflösung folgt gleich hinterher. Ein Freund, so heißt es, hat dem Ich-Erzähler geraten, seinen Roman so zu beginnen, obwohl es gar nicht nach Kaffee riecht. Aber, siehe Ilsebill, eine Jury für die besten Buchanfänge könnte sich dafür begeistern. Und dann "ist das Buch ganz weit vorn und der Rest der Geschichte nicht mehr wichtig." Wichtig vielleicht nicht, aber gut zu lesen.

Dass dies jedoch auch möglichst viele Leser tun, hat weniger mit dem ersten Satz als mit einem verlockenden Buchtitel zu tun. Nicht von ungefähr hat Harald Martenstein eine seiner Kolumnen-Sammlungen als "Der Titel ist die halbe Miete" herausgebracht. "Krauses Zeug" ist nicht schlecht. Aber kann der Titel mithalten? Etwa mit Werken wie dem von Thomas Spitzer: "Wir sind glücklich, unsere Mundwinkel zeigen in die Sternennacht wie bei Angela Merkel, wenn sie einen Handstand macht". Das reimt sich sogar! 
 
Von Patrick Salmen stammt "Aufgeben ist keine Lösung. Außer bei Paketen". Und Erma Bombeck fragt "Wenn meine Welt voll Kirschen ist, was tu ich mit den Kernen?" Eine berechtigte Frage. Ebenso berechtigt wie die Feststellung von Selim Özdogen "Es ist einsam im Sattel, wenn das Pferd tot ist". Wendy Mass rät: "Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst." Apropos Leben. Wir fühlen mit Jochen Mai, der klagt "Was mich fertig macht, ist nicht das Leben, sondern die Tage dazwischen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 625 vom 4. 1. 23


Wie Euch wahrscheinlich aufgefallen ist, hatte ich in die gestrige Schmunzelpost einige, mitunter leicht veränderte Zitate und Schlagworte eingebaut. Bevorzugt solche, die Allgemeingut geworden sind. Leider gibt es auch geflügelte Worte, denen es nicht gelingt, einer größeren Zahl von Menschen im Gedächtnis zu bleiben. Ich habe mich mal umgeschaut und einige gefunden, die es eigentlich verdient gehabt hätten.
 
Zu meinen Lieblingssätzen gehört "Ach, ich werde mir doch mächtig fehlen, wenn ich einst gestorben bin." Das schrieb Theobald Tiger, alias Kurt Tucholsky. Und wenn ich die Zorneswellen und die Empörungs-Eruptionen im Internet beobachte, stimme ich Theodor Lessing zu, der bereits 1923 formulierte "Wohltuend ist für jedermann, wofern er sich entrüsten kann". Und wenn Wutbürger ihre Dummheiten damit rechtfertigen, es seien doch unumstößliche Wahrheiten, weil sie von bedeutenden Leuten in noch bedeutendere Bücher geschrieben wurden, dann fällt mir ein Spruch von Hans-Georg Lichtenberg ein: "Solche Werke sind wie Spiegel: Wenn ein Affe hineinguckt, kann freilich kein Apostel heraussehen."
 
Im Neuen Jahr möchte ich mir als leidenschaftlicher Besserwisser, Rechthaber und Klugscheißer ein Gebot von Matthias Claudius hinter die Ohren schreiben: "Sage nicht alles, was Du weißt, aber wisse immer, was Du sagst!"

Kalt den Rücken herunter lief es mir, als ich las, was Astolphe de Custine über 1843 über Russland schrieb, nachdem er dort ausgewiesen worden war. "Der politische Gehorsam ist für die Russen ein Kultus, eine Religion geworden. Nur in diesem Land hat man die Märtyrer ihre Henker fast anbeten sehen." Solch ein blindes Vertrauen hat Folgen. Custine: "Das russische Volk ist von allen zivilisierten Völkern dasjenige, bei dem das Rechtsgefühl am Schwächsten und am Unklarsten ist." Hoffentlich behält der Franzose mit seiner Schlußfolgerung unrecht: "Wenn man die Größe des Zweckes nach der Größe der Opfer bemißt, muss man dieser Nation die Weltherrschaft vorhersagen." Da sei Selenskyj vor.

Doch wie sagte mir eine Zuschauerin nach dem Besuch des letzten Tintenhühner-Programms: "Politik ist ja wichtig. Aber ich möchte lieber lachen." Na gut. Der langjährige Leiter des Insel-Verlags, Anton Kippenberg, war ein begeisterter Schüttelreimer. In den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts neckte er gern seinen Gesinnungsgenossen, den Kunsthistoriker Wilhelm Pinder. Der war von dem Reim: "Wohl schon an manchem Kinderpult treibt man begeistert Pinderkult" begeistert. Weniger angetan war Pinder jedoch vom nächsten Vers: "Die Nachtigall gelinder piept wenn in der Laube Pinder liebt."

So nahm er sich vor, bei einem Weinabend im Wettbewerb um den kürzesten Reim Kippenberg auszustechen. Doch der hatte die Nase vorn mit:
Du bist
Buddhist.
In der gleichen Nacht klingelte dann aber bei Kippenberg das Telefon. Pinder war dran:
"Ik war
Vikar."

Glückauf
kdk

PS. Wo wir schon bei Weisheiten und Zitaten sind, möchte ich noch einmal den Sinnspruch wiederholen, den ich selbst erfunden habe: Das ganze Leben ist ein Abenteuer, das meist tödlich endet. Ich hoffe, Ihr seid nun gerührt, aber nicht geschüttelt. 

 

Schmunzelpost 624 vom 3. 1. 23


Nachdem sich der gestrige Rückblick auf das letzte Jahr beschränkt hat, schaue ich heute noch weiter in die Vergangenheit zurück. Viel, viel weiter!
 
1923. In diesem Jahr feierte Karl Krause, der bei seiner Familie in Bochum lebte, seinen 16. Geburtstag. Es war alles andere als ein gutes Jahr. Belgier und Franzosen besetzten das Ruhrgebiet. Und dann brachte die Inflation die achtköpfige Familie meines Großvaters, die nach einem Arbeitsunfall im Pütt von der Invalidenrente leben musste, in arge Schwierigkeiten. Immerhin kann ich zu Recht sagen: Mein Vater ist mal Millionär gewesen. Für seine erste Million kaufte er sich ein Glas Bier.
 
1823. Mein Ur-ur-ur-Großvater machte als Kaufmann in Leipzig nach der Niederlage Napoleons von Jahr zu Jahr bessere Geschäfte. Zu seinem Sohn sagte er: "Wenn es jetzt noch ein vereintes Deutschland gibt, dann geht es nur noch bergauf. Das Jahr 1815 war eine Zeitenwende." Sein Prokurist, ein Nordlicht mit Namen Enno Scholz, machte sich eifrig Notizen. Vielleicht könnte mal einer seiner Nachfahren für den Begriff Verwendung haben.

1623. Matthias Krause, ein protestantischer Pfarrer, lebte in Angst und Schrecken. Die kaiserlichen Truppen belagerten die Stadt, in der er zuhause war. "Solch einen langen Krieg hat es noch nie gegeben", klagte er, "der wird bestimmt als sechsjähriger Krieg in die Geschichte eingehen." Und als am Abend erneut das Bombardement der Belagerer begann, flehte er zum Himmel: "Ich wollte, es wäre Nacht oder die Schweden kämen." Sein englischer Praktikant hielt das Zitat im Tagebuch fest.

1523. Ludewig Krause zog eine positive Jahresbilanz. Seitdem die Spanier und Portugiesen immer mehr Gold aus einem neuentdeckten Kontinent nach Europa brachten, florierten auch die Geschäfte der Hanse. "Wenn das so weiter geht, wird es in Deutschland bald überall blühende Landschaften geben", stellte Krause zufrieden fest. Seine Vorhersage gefiel ihm so gut, dass er sie auf seinem Pfälzer Weinberg in Stein meißeln ließ.

1023. Als Minnesänger zog Carolus Krause von Burg zu Burg. Und er feierte große Erfolge, indem er nicht nur althergebrachtes sondern auch Eigenkompositionen vortrug. Sein größter Erfolg trägt, aus dem Althochdeutschen übersetzt, den Titel "Ein Bett im Kornfeld". Später sollte es eine Coverversion erneut in die deutsche Hitparade schaffen. 

23. Während draußen der Wind heulte und der Schnee die Hütte weiß einkleidete, machten es sich drin Vater und Sohn am Lagerfeuer gemütlich. Wotan Krause erzählte seinem Erstgeborenen zum xten Mal davon, wie er und sein Kumpel Hermann vor Jahren die Römer besiegt hatten. "Wenn wir das damals nicht geschafft hätten, mein lieber Thor, dann ginge es uns heute wie den Galliern. Bei unseren Nachbarn leistet nur noch ein kleines Dorf Widerstand, alle anderen schuften nur noch für die Römer. Nur bei uns ist das anders. Die römischen Barbaren werfen ihre germanischen Gefangenen in ihren Arenen wilden Tieren zum Fraß vor, wir behandeln unsere Kriegsgefangenen großzügig und beschäftigen sie als Sklaven. Varus, leg mal Feuerholz nach und hol noch eine Flasche Met aus dem Kühlschrank." 
 
Nach einem ordentlichen Schluck fährt Wotan fort: "Habe ich Dir eigentlich schon mal erzählt, wie ich damals ganz allein eine ganze Kohorte Römer gefangen genommen habe?" "Ja, das habe ich schon hundert Mal gehört, Paps. Aber sag mir doch: Glaubst Du, dass die Zeit der Gemetzel und Kriege für immer vorbei ist, wenn keine Völker mehr wie die Römer nach der Weltherrschaft streben?" 
 
Wotan wiegte seine wallende Mähne und wählte seine Worte worsichtig: "Nein, mein Sohn, das glaube ich nicht. Schau Dir nur Deinen Cousin Adolfus an. Der plappert dauernd etwas von Weltherrschaft und der Überlegenheit der germanischen Rasse. Und ich fürchte, solche Irre wird es immer geben, selbst noch in tausend oder zweitausend Jahren." Thor nahm auch einen Schluck aus der Flasche. "Ich glaub, ich geh mal kurz nach draußen und lass mir den Wind um die Nase wehen." 
 
Vor der Hütte angekommen, blieb er stehen, schüttelte den Kopf und seufzte: "Da steh ich nun, ich krauser Thor und bin so klug als wie zuvor." Aber nur der Wind hörte ihm zu, hüllteThors Worte in eine sanfte Böe und trug sie davon. Um sie, viele Jahrhunderte später, einem Dichterfürsten ins Ohr zu flüstern. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 623 vom 2. 1. 23

Der Jahresanfang ist immer auch Anlass, noch einmal auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Da die Schmunzelpost stets Kuriositäten im Visier hat, berichte ich Euch von einigen wundersamen Vorfällen, die auch der Süddeutschen Zeitung eine Notiz wert gewesen sind. 
 
Etwas neidisch schaue ich in den Kreis Mettmann nach Ratingen. Dort ist 2023 ein Fahrzeugführer in einer Tempo-30-Zone mit 62 km/h geblitzt worden. Nichts besonderes, meint Ihr? Von wegen! Der Gute war mit dem Fahrrad unterwegs! Das muss der Sohn von Erik Zabel gewesen sein. Mir ist zwar 2016 ein ähnliches Kunststück geglückt, aber da war ich nicht in einer Ebene, sondern in den Alpen auf Achse. Bei der Abfahrt vom Brenner bin ich auf meinem E-Bike mit 52 km/h in ein Südtiroler Dorf gesaust, wo nur Tempo 30 erlaubt war. Prompt hat es geblitzt. Ich hatte doppeltes Glück: Zum einen war ich auf dem Foto wohl nicht zu identifizieren, zum anderen gibt es für rasende Radler kein Auslieferungsabkommen mit Italien. 
 
Geschnappt wurde dagegen der Verkehrsrowdy, der in Utrecht ein Auto entwendet und kurz darauf damit zwei parkende Fahrzeuge gerammt hatte. Obwohl der Täter Fahrerflucht beging, konnte er anhand der Beschreibung schnell ermittelt werden. Er trug nämlich einen Schlafanzug und war barfuss unterwegs. Es handelte sich um einen frühreifen Vierjährigen, der den Pkw seiner Mutter geentert und irgendwie gestartet hatte. Mildernde Umstände: Die Füße reichten nicht bis zum Bremspedal. 
 
Dass es Bielefeld gar nicht geben soll, ist längst widerlegt. Bielefeld existiert tatsächlich. Aber wie ist es mit Wolfsburg? Zumindest die Deutsche Bahn hegt offenbar Zweifel an dessen Existenz. So staunten die wartenden Fahrgäste nicht schlecht, als am 2. November der ICE von Köln nach Berlin einfach ohne zu bremsen durch den Bahnhof der Phantomstadt rauschte. Kann ja mal vorkommen? Liebe DB-Wolfsburg-Leugner: Das passierte bereits zum achten Mal! 
 
Wollte sie jemand veräppeln? Das Sauerland ist der Wilde Westen Deutschlands. Dort ritt eine 15-jährige auf ihrem Pony in einen Supermarkt. Und in der Obst- und Gemüseabteilung "äpfelte" das Pferd auf eine Waage, die dadurch beschädigt wurde. Ein wahrhaft schwerwiegendes Delikt. 
 
Eine andere Straftat hat endlich den Wunschtraum jedes Journalisten erfüllt. Schon als Volontär bekommen wir eingetrichtert, dass "Hund beisst Mann" nicht als Schlagzeile taugt. Anders sähe es aus, wenn die Headline "Mann beißt Hund" lautete. Jetzt ist es endlich passiert. In Giesheim-Gustavsburg war ein 29-jähriger betrunkener Mann völlig außer Rand und Band. Erst attackierte er einen Polizeibeamten. Und dann biss er im Getümmel auch noch den Polizeihund "Drago". Aber Tierfreunde können beruhigt sein. Der Hund blieb unverletzt - er hatte ein dickes Fell. Und die Schlagzeile wird in die Journalismus-Lehrbücher eingehen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 622 vom 1. 1. 23


Was könnte ich Euch am ersten Tag des neuen Jahres Besseres liefern als eine Aufzählung von Ereignissen, auf die wir uns 2023 freuen dürfen. Dazu habe ich eigens den bekannten Wahrsager Klaus Nosferatu, äh, pardon, Nostradamus befragt. Hier sein Ausblick auf die kommenden zwölf Monate:
 
Januar 2023. Am frühen Neujahrsmorgen fällt der weltbekannte Hellseher Klaus N. in den großen Kübel mit übriggebliebenem Silvesterpunsch, den noch kurz zuvor der Druide Klaus Miraculix mit ein paar gallischen Kräutern angereichert hatte. Die von Klaus N. bereits vorhergesehene Folge: Er kann ab diesem Moment keine Prophezeiung mehr äußern, die nicht auch tatsächlich eintrifft.

Februar 2023. Wie von Klaus N. vorhergesagt, beantwortet die Dorstenerin Anne P. bei Günter Jauch die Millionenfrage richtig. Und der Tüftler Dr. Gerhard S. richtet in seinem Keller eine neue Bastelecke ein, was noch Folgen haben wird. Außerdem hat Cornelia Funke bei einem Dorsten-Besuch festgestellt, wie wichtig das Baumhaus für die Stadt ist und dessen neuer hauptamtlichen Leiterin Anke K. eine Anstellung auf Lebenszeit und eine dauerhafte gute Finanzausstattung garantiert.

März 2023. Martin V. aus Hattingen gewinnt den Wettbewerb des Tourismus-Verbandes und wird zum besten Reiseführer Deutschlands gekürt. Der erste Preis: Er löst in diesem Jahr Florian Silbereisen als Kapitän des Traumschiffs ab und darf im April zu einer Weltreise in See stechen. Dazu lädt der Preisträger spontan alle Schmunzelpost-Empfänger ein!

April 2023. Eine legendäre Musikgruppe aus Lünen feiert ihr umjubeltes Comeback mit Antikriegsliedern. Beim Gastspiel in Moskau ist der sonst so eiskalte Vladimir Putin vom Vortrag der beiden Sängerinnen Anne und Mecky so gerührt, dass er einen sofortigen Waffenstillstand anordnet und unverzüglich Friedensverhandlungen mit der Ukraine beginnt.

Mai 2023. Nach höchst erfolgreichen Lesungen in Haltern, bei der LitCologne und der Leipziger Buchmesse ist ein Tsunami entstanden, der einen Geheimtipp ganz nach oben gespült hat. Im Mai erklimmt "Krauses Zeug" Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste. Dazu der Autor: "Dass ich das an meinem 70. Geburtstag noch erleben durfte!"

Juni 2023. Trotz Mobilisierung aller Kräfte ist Schalke 04 erneut in die Zweite Liga abgestiegen. Der Verein reagiert darauf mit einer spektakulären Trainerverpflichtung: Der erprobte Veteran Otto Rehagel, der Griechenland zur Europameisterschaft führte, übernimmt auf Schalke das Ruder.

Juli 2023. Dreifach-Wumms in der Politik. Nachdem Kanzler Scholz die FDP wegen ihrer Blockade-Haltung beim Klimaschutz aus der Ampel-Koalition geworfen hat, tritt völlig überraschend die CDU in das Dreier-Bündnis ein. Ausschlaggebend dafür war der neue Hoffnungsträger der Christdemokraten, Tobias S. aus Dorsten. Er wird künftig Vizekanzler an der Seite von Scholz. Habeck übernimmt das Verkehrsministerium. Und Friedrich M. zieht sich grollend zurück und wird Chef der Senioren-Union.

August 2023. Als Reaktion auf das Verhalten der CDU kündigt die CSU die Unions-Gemeinschaft auf. Mehr noch: Ernst S. kündigt an, dass der Freistaat Bayern aus der Bundesrepublik austreten und nach der Landtagswahl im September eine Monarchie unter Führung von König Ernst. I. ausrufen werde. Die Fußballbundesligisten der anderen Bundesländer wittern Morgenluft - endlich ist der Weg frei für einen anderen Meister!

September 2023. Die Landtagswahlen in Bayern bescheren der CSU eine krachende Niederlage. Die Grünen erringen die absolute Mehrheit. Entscheidender Faktor waren möglicherweise die vielen Fußballfans, die mit aller Macht verhindern wollten, dass der FC B in Zukunft nur noch bayerischer Meister werden konnte. Beinahe-König Ernst I. kündigt einen Badeurlaub im Starnberger See an.

Oktober 2023. Große Aufregung auf dem Traumschiff. Nach einem Tagestrip zum Himalaya wird Lambert L. aus Dorsten vermisst. Nach einer Woche taucht der Altbürgermeister jedoch wohlbehalten wieder auf. Er hat in Nepal einen Hundeschlitten-Führerschein gemacht, um seine Sammlung zu komplettieren. Außerdem hat er sich mit dem Yeti angefreundet und ihn aufs Traumschiff gelockt, indem er ihm einen Sommerurlaub auf Grönland versprach.

November 2023. Die Welt schaut schon wieder nach Dorsten. Dem Hobby-Tüftler Dr. Gerhard S. ist bei seinen Experimenten ein Sensations-Erfolg gelungen: Er hat es geschafft, die Kernfusion zur Energieerzeugung zu nutzen! Damit ist die Bahn frei für die umweltschonende Energiegewinnung der Zukunft, und es besteht große Hoffnung, dass der Klimawandel doch noch gestoppt werden kann.

Dezember 2023. Zeit-Herausgeber Giovanni de L. hat die "Dorstener Zeitung" aufgekauft, um mit ihr einen Modellversuch für qualitativ hochwertigen Lokaljournalismus zu starten. Der Personalbestand wird verdoppelt, die Gehälter auch!  
 
Auf dass sich alle Weissagungen ebenso erfüllen werden wie Eure guten Wünsche und Vorsätze für 2023! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Kurzer Nostradamus-Ausblick: Wie zuvor mit Kaiserslautern ist Otto Rehagel auch mit Schalke das Kunststück geglückt: 2024 der Wiederaufstieg in die Erste Liga und 2025 die Deutsche Meisterschaft! 

 Schmunzelpost 621 vom 31. 12. 22



Ätsch, Putin, ausgerechnet zum Jahresende ist es bei uns nochmal warm geworden. Das lässt nicht nur die Vögel zwitschern, auch mein Nachbar, der alte Herr K., hat sich wieder einmal zu einem Selbstgespräch auf den Balkon getraut. Da galt es: Ohren spitzen und mitschreiben.
 
"Hömma, Karl, dat issen Ding: Die Amis schnattern bei minus 40 Grad un bei uns is Frühling! Da heißt et: Fix nochma frische Luft schnappen, bevor wegen die Böller und Raketen an Neujahr allet wieda nach Pech und Schwefel stinken tut. Von mich aus können se die Knallerei ruhich verbieten, da happich sowieso nur als Dötzken Spass dran gehabt. Später war an Silvesta imma Halligalli, aba getz donnich mähr. Wir sin nich mehr für dat Remmidemmi, son kleenes Schnäppsken um Mitternacht schnüsseln, dat muss reichen.
 
In unsan Alta musse aufpassen! Zehn Pilsken zuviel, un schon krichse da Kopppine von. Näh, näh, dann kannze nich mehr filosofiern und hass nur son Brummen inne Birne. Dat taucht inne Wurst nix un is schlecht für die Gesundheit. Schließlich wolln wir doch die Hundert packen, wat, Karl? Obwohl: Ich bin grad ein Buch am lesn, un dat Buch is dicka wie dat annere, wat ich sons lesn tu, der Kicker un so, un von dat Buch, da kannze richtich wat lernen. Klimawandel - scho ma gehört? Da falln Dich die Schuppen von Kopp, watte da allet erfahrn tust.
 
Weisse, getz happich inne Kneipe doch den Erwin getroffen. Der Erwin, dat is son janz Bescheuerten. Hasse ma dem seine neue Karre gesehn? Son Porsche Kajän. Sacht der doch für mich: "Mit mein Porsche is mich kein Weech zu weit.  Wenne üba de A 2 fährs, bisse schnella wie wenne üba de A 40 fahrn tus. Is weiter, aba kein Stau. Un mit 240 Sachen geht dat fix."
 
Ich sach: "Hömma, Erwin, bisse doof? Hasse nie wat von Klima gehört? Wenn bald Tempo Hundert is, dann guckse blöd ausse Wäsche." Da hat er nur gegeiert und gemeint, sein Kumpel, der olle Lindner, der sorcht dafür, dat et soweit nich kommt.
 
Un deshalb, Karl, bin ich bange vors neue Jahr. Klimaschutz? Da sagen die Lindners dieser Welt: Aba nich getz! Getz geben wir nochma richtich Gas. Un übahaupt: Wir kriegn doch ganix auffe Reihe, wenn die ollen Kinesen nich mitspielen. Frieden? Da sacht der olle Putin: Nitschewo! Un einiges Europa? Da halten diese Schlote Kaszynski, Orban un Co. ihre Hände auf: Die Kohle krallen wir gern, aba wir machen, wat wir wolln! Un die Meloni und Marie le Pen scharren in die Startlöchers, wo auch der Boris auf sein Kommbäck lauern tut. Nä, nä, Karl, wenn dat ma gut geht mitte Zukunft. Lass uns reingehn, mich tut es frösteln.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Hurra, heute endet die Aktionstag-Reihe, nachdem wir ein Jahr lang die kuriosesten Anlässe gefeiert haben. Dazu lassen wir es nochmal richtig krachen. Nicht wegen Silvester. Sondern weil der 31. Dezember in den USA der "Tag des Champagners" ist. Und danach hängen wir ein Schild vor die Wohnungstür. Denn in Amerika ist der 31. 12. auch der "Bitte-nicht-stören-Tag!"
 
PPS. Zur gestrigen Telegramm-Schmunzelpost hat Martin in seinem riesigen Fundus einen passenden Witz gefunden: Ein Schotte kommt aufs Telegrafenamt und fragt: "Was kostet ein Wort?" Beamter: "10 Pence." "Und was kostet der Name?" "Der kostet nichts!" "Sie werden es nicht glauben, aber ich heiße 'Ankommefreitagvieruhrbahnhofgleisdreijohn'!"
 
PPPS. Um Euch schon auf die laute Nacht einzustimmen, schließe ich mit einem kurzen Auszug aus dem ersten literarischen Gesamtwerk, in dem 1991 Max und Moritz von Jott Wolf in die Ruhrgebietssprache übertragen wurden. Im Kapitel über Lehrer Lämpel heißt es:
 
"Kawupp, kapafftich, böller, bumms!
Volle Kanne, ratter, rumms!
Mit Schmackes geht die ganze Kate
hoch wie sonne Blendgranate.
Für Lämpels Pisselottenpracht
is hängen angesacht in Schacht."
 
PPPPS. Ich wünsche Euch ein durch Böller, Raketen und anderes Ungemach ungetrübtes Silvesterfest und einen guten Start ins Jahr 2023. 

 

Schmunzelpost 620 vom 30. 12. 22 


Gerade Radiomeldung - stopp - Aus für Telegramme - stopp - am 1. 1. 2023 ist Schluss - stopp - daher heute Schmunzelpost im Telegramm-Stil - stopp. 
 
Erstes Telegramm 1844 - stopp - Absender Samuel Morse - stopp - Namensgebung durch E.P. Smith 1852 - stopp - Telegrammdienst Deutsche Post seit 1872 - stopp - Rekordmenge DDR 1955 mit 15 Mio. - stopp - BRD 1978 13 Mio. - stopp. 
 
Berühmte Telegramme - stopp - Emser Depesche 1870 - stopp - Bismarck provoziert Frankreich - stopp - nach Krieg Deutschland 1871 vereint - stopp - 1917: Briten knacken Code - stopp - Deutsches Telegramm an Mexiko abgefangen - stopp - Vorschlag: Mexiko und Deuschland erklären Krieg gegen USA - stopp - Amerikaner empört: Kriegserklärung an Deutschland - stopp - 
 
1969: Reinhard Mey sendet Telegramm als Schallplatte - stopp - Titel: Ankomme, Freitag, 13. - stopp - 1970 Krause kauft Mey-Platte - stopp - 2022 - Mey wird 80 und ist Millionär - stopp - Durch Krauses Plattenkauf? - stopp. 
 
Aktuelle kdk-Nachricht - stopp - wollte allen Silvester Glückwunsch-Telegramm senden - stopp - noch am 31. 12. vor toresschluss - stopp - klappte leider nicht - stopp - Stripperin+Stripper+Torte passten nicht durchs Kabel - stopp. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Heute vier Aktionstage in den USA - stopp - Besonders kurios: Tag des rieselnden Tannenbaums - stopp - 2 Aktionen möglich - stopp - 1. Um Baum herumsetzen und Nadelrieseln beobachten - stopp - 2. Barfuss um Baum herumtanzen und so Nadel aufsammeln - stopp - Letzteres schlagendes Argument für Kauf von Plastikbaum - stopp. 

 

Schmunzelpost 619 vom 29. 12. 22

 

Manchmal bringt uns das bloße Nachdenken über Aktionstage auf Ideen. Als kürzlich im Kalender vermerkt war, dass die Amerikaner einen Tag lang auf jedes "L" verzichten sollten (Warum? Warum nicht!), kam mir "Der Fönig" in den Sinn. In seinem Klassiker hat Walter Moers durch das Vertauschen von Buchstaben erreicht, dass jeder Vorlesende über kurz oder lang ins Stolpern geriet, aber seine Zuhörer nicht mehr aus dem Lachen herauskamen. Viele Deutsche haben auch Spaß daran, dass Chinesen angeblich jedes "R" durch ein "L" ersetzen. Mal sehen, ob das mit einem anderen Buchstabenpaar auch funktioniert.  
 
Für unser Experiment lassen wir das "T" und das "F" ihre Plätze tauschen Man könnfe auch sagen, das Experimenf fauschtf die Pläfze von T und F. Und wenn das V wie ein F gesprochen wird, beziehen wir es in den Fauschhandel mif ein. Aut gehfs! Biffe lauf vorfragen: 
 
 Die Finfenhühner tanden sfaff ptitten ottene Ohren. Feils waren die Fheafergäsfe fofal ausgerasfef, nafürlich zu fecht tür die Knefe, die ihnen datür abgeknöptf wurde. Fafsächlich tolgfen den Autfriffen des faffrigen Lamberfs sfehende Otafionen. Tiele Terzückfe sfanden aut den Sfühlen. Guf, dass Lamberf nichf im Fufu autfraf, sonsf häffen sie so gefobf, dass die fragenden Wände sich geschüffelf häffen. Bereifs sein Kosfüm in Zasfer tür Alabasfer begeisferfe das Tolk. 
 
Die Finfenhühner tanden das föttfe. Sie teierfen mif Fra-Fra und Frallatiffi. Und besfellfen beim Wirf zuf Teier des Fages tür alle Fuffi-Truffi. 
 
Glückaut 
kdk 
 
PS. Am 29. Dezember feiern die Amerikaner ihren "Tick-tock-Day". Tick-tock? Bei uns bedeutet das Tick-Tack. Die richtige Taktik am Ticktack-Tag ist es, sich mächtig zu beeilen, um alle gefassten Vorsätze noch rechtzeitig im alten Jahr umzusetzen - die Zeit wird knapp. Ein guter Vorsatz von Euch wäre, heute alles im vorab geübten Buchstabentausch-Modus zu sprechen. Efwa: Die richfige Fakfik am Fickfack-Fag isf . . . 
 

 Schmunzelpost 618 vom 28. 12. 22


Nachdem die Heilig-Abend-Schmunzelpost über die Taube besonders lang ausgefallen war und einen neuen Rekord bei der Anzahl der Wörter erzielt hatte, stand bereits mein erster Vorsatz für das Neue Jahr fest: Fasse Dich kurz! Und warum damit bis 2023 warten? Auch die heutige Folge wird nicht allzu lang und dadurch hoffentlich leichter lesbar. Da traf es sich, dass ich gestern mit den Abkürzungen ein geeignetes Thema gefunden habe, dass ich nicht abkürzen, sondern verlängern werde.
 
Nicht nur Axel Hacke und ich sind bereits darauf gekommen, dass sich hier glossengeeigneter Stoff auftut. Auch die Erfinderin des Leitsatzes "In der Kürze liegt die Würze" hat sich bereits im November mit Abkürzungen befasst, nachzulesen im Portal "Dorsten-online.de". Dort veröffentlicht Anke in vorbildlicher Kürze jeweils am Samstag ihre Beiträge unter der Rubrik "Schmunzelnd ins Wochenende". Das ist sozusagen die kleine Schwester der Schmunzelpost. Von deren 678 Folgen ist Anke jedoch noch weit entfernt, die Abkürzungs-Glosse hat die Nummer elf.
 
Nun aber zack, zack, antreten zum SP-Dienst. SP steht übrigens für Schmunzelpost. Ach, das habt Ihr schon gewusst? Na gut, Ihr Schlaumeier. Aber was bedeutet BMW oder DAB? Nein, nein, nix Bayerische Motorenwerke und Dortmunder Aktien-Brauerei. Diese Abkürzungen stammen von der Bundeswehr und zeigen, dass dort wenigstens etwas noch halbwegs funktioniert: Die WfK. (Das ist die Wortfindungs-Kreativität.)
 
BMW verheißt danach Brot zur Wurst und DAB ist das Dienst-Abschluss-Bier. IdeFix ist dort übrigens nicht der Hund von Obelix, sondern ein kranker Soldat, der jedoch noch Innendienstfähig ist. Und ein UdO begreift vermutlich nicht, dass er gemeint ist, wenn er den Namen hört - UdO ist "Unser dümmster Offizier".
 
Nun wechseln wir ins Geschäftsleben. Sicher habt Ihr Euch gelegentlich gefragt, woher Firmen- oder Produktnamen stammen. Bei einem Teil ist die Erklärung leicht: Sie sind abgeleitet vom Unternehmensgründer, "Haribo" von Hans Riegel aus Bonn, Adidas von Adi Dassler. IKEA hat ein längeres Gedicht zu bieten: Ingvar Kamrad aus Elmtoryd bei Agunvaryd. Und auch der Audi-Erfinder war trickreich. August Horch übersetzte seinen Nachnamen in Latein. Horch = Hör zu! = audi. Und Tesa entstammt einem Namenswettbewerb. Der Vorschlag stammt von der Sekretärin Elsa Tessner.

Wer glaubt, hinter vileda stecke eine Abkürzung, der irrt. Der Name wurde von einer phonetischen Ähnlichkeit inspiriert und soll deutlich machen, dass das Tuch genauso gut reinigt wie Leder. Nun zum Handel. Bestimmt seit Ihr schon einmal Kunde bei der Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin gewesen. Das bedeutet nämlich abgekürzt Edeka. Nicht ganz so lang ist die Rewe-Herleitung: Revisionsverband der Westkaufgenossenschaft. NKD steht schlicht für Niedrig-Kalkuliert-Discount. Jetzt frage ich mich, was sich hinter Lidl verbirgt. Lustig ist das Leben? Naja, fast. Lidl ist die Koseform des germanischen Namens Ludwig. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch kurz zu den Aktionstagen. Was haben die Amerikaner für den 28. Dezember zu bieten? Aha, wir sollen uns von Weihnachten erholen (Tag der Feiertags-Verschnaufpause). Das könnten wir tun, wenn wir mit netten Leuten plauschen (Ruf-einen-Freund-an-Tag). Oder wenn wir die Restbestände an Süßigkeiten verzehren (Pralinen-Tag). Nee, ich finde, da kann man ein Ei drüber schlagen. Das ist dazu noch praktisch. Denn in Deutschland feiern wir den Rührei-Tag. 

 

Schmunzelpost 617 vom 27. 12. 22

Werde ich auch im neuen Jahr genügend Stoff finden, um daraus täglich weitere Schmunzelpost-Folgen stricken zu können? Ich bin zuversichtlich. Denn aus den verschiedensten Quellen sprudelt ständig verwertbares Material. So arbeiten in deutschen Amtsstuben ehrenamtliche Zuarbeiter, die mir fest versprochen haben, mich weiterhin mit monströsen Ausgeburten von Bürokratenhirnen zu versorgen. 
 
Starten wir heute mal mit einer Abkürzung. Die ist bereits Axel Hacke aufgefallen, der sich in seiner Kolumne im SZ-Magazin damit beschäftigte. Er war in einem Schreiben seines Vermieters über die Abkürzung EnSikuMaV gestolpert. Die war auch mir bisher noch nicht untergekommen. Sie bezeichnet die "Verordnung zur Sicherung der Energieversorung über kurzfristige Maßnahmen". Man kann den Titel auch in einem Wort zusammenfassen: Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung. Ach, ich liebe unsere deutsche Sprache! 
 
Gegen den Text solcher Verordnungen wirkt das Lied von der Glocke wie der Reimversuch eines Anfängers. Was kann, zumindest für Bürokratenohren, poetischer klingen als "Der Arbeitspreis ändert sich zu 17 % wie der Preis für den Steinkohle-Indes (SKI), zu 33 % wie der Preis für Gas EEX, zu 33 % wie der Gasindex und zu 17 % wieder der Preis für Heizöl Extra Leicht (HEL)". Wer sich einmal durch Schriften des Philosophen Immanuel Kant gequält hat, der wird doch vor solchen Aussagen nicht kapitulieren, dachte ich. Und in der Tat: Nach gründlichem Nachdenken begriff ich, was der Verfasser mir sagen will. Um die Frage "Warum aber wird das so geregelt?" mache ich lieber einen großen Bogen. 
 
Doch es kam noch besser. Über Paragraph sechs der EnSikuMaV steht folgende Überschrift: "Höchstwerte für die Luftemperatur in Arbeitsräumen in öffentlichen Nichtwohngebäuden". Da halfen mir weder Kant noch Shakesspeare weiter. Der britische Dramatiker hat immerhin geschrieben: "Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage". Aber Wohnen oder Nichtwohnen? 
 
Axel Hacke ist den Dingen auf den Grund gegangen. Und hat dabei zahlreiche Widersprüche aufgedeckt und neue Fragen aufgeworfen. Etwa, wie man das neue Verb in unseren täglichen Sprachgebrauch einbetten soll. Ich nichtwohne, Du nichtwohnst, sie nichtwohnt? Und wer oder was ist ein Wohnender? Oder sagt man heute "Wohner" und "Wohnerin"? Wer sich darauf einlässt und darüber nachdenkt, ob es in Nichtwohngebäuden auch Nichtarbeitsräume gibt und ob das, was dort geschieht, nicht große Übereinstimmung mit dem Wohnen hat, kann schnell an den Rand des Wahnsinns geraten. 
 
Hacke schützt sich davor, in dem er seine Texte nach Bestimmungen überprüft, die er sich vorher selbst ausgedacht hat. Und dabei kann man erkennen, wie gut er bereits selbst in Bürokratenbegriffen denkt. Kann es einen besseren Schutz vor Irrsinn geben? Oder ist man ihm dann bereits zum Opfer gefallen? Zur Aufklärung trägt bei, was sich hinter Hackes VeVeHeiMaKoMäMüLeKo60+ verbirgt. Nämlich die "Verordnung über das Verfassen heiterer Magazin-Kolumnen durch männliche, in München lebende Kolumnisten im Alter von über 60 Jahren." 
 
Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich habe umgehend die VeVeHeiSchmPoFoMäDoLe Au70- ausgearbeitet. Was das heißt? Das solltet Ihr selbst herleiten können, wenn Ihr diesen Text 25 mal gelesen und Euch in die Hirne von Schreibstuben-Hengsten hinein versetzt habt. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nicht, dass der falsche Verdacht aufkommt, ich sei schadenfroh. Aber angesichts des verheerenden Wintereinbruchs in den USA liegt es nahe zu fragen, welchem der drei heutigen amerikanischen Aktionstage eingeschneite und in ihren Wohnungen gefangene Menschen überhaupt nachgehen können. Dem "Tag des Zoobesuchs?" Eher kommt der Eisbär persönlich zuhause vorbei. Dem "Tag des Früchtekuchens"? Aber nur, wenn vorausschauende Leckermäuler vorher genügend davon gebunkert haben. Doch der dritte Aktionstag ist ein Volltreffer: Der "Schneeflocken-Scherenschnitt-Tag." Modelle sind jedenfalls massenhaft vorhanden. 

 

 Schmunzelpost 616 vom 26. 12. 22


Ein Blick ins Fernsehprogramm zeigte am Heiligen Abend: Es gibt an Feiertagen seit längerem einen Trend zu Traditionen. Nicht mehr allein Miss Sophie und ihr Buttler zu Silvester gelten als "Kult", auch Aschenbrödel hat sich ein treues Stammpublikum erworben. Da kamen bei mir sofort Kindheitserinnerungen hoch: Das "Warten aufs Christkind" im Ersten war für mich der Rettungsanker, um die Zeit bis zur Bescherung überbrücken zu können. 
 
Überhaupt waren TV-Sendungen mangels anderer Schutzengel vor der Langeweile Fixpunkte in meiner Kinderzeit. Dazu gehörte die Sportschau am Samstag ebenso wie "Es darf gelacht werden" am Montag. Beide gehörten zu den seltenen TV-Ereignissen, die Vater und Sohn gemeinsam regelmäßig vor den Bildschirm lockten. Fußball war für fast alle Jungs, Väter und Opas aus dem Revier ein Lebenselixier. Und wenn Werner Schwier montags seinen Spruch aufsagte: "Ich gebe jetzt ein Zeichen, in der Hoffnung, dass der Operateur es sieht", nahmen für meinen Vater Jugenderinnerungen Gestalt an. In den Stummfilm-Episoden konnte er die Leinwandhelden wieder sehen, die ihm damals im Kino die karge Freizeit versüßt hatten. Auch ohne solche Vorerfahrungen fand ich Charlie Chaplin und Buster Keaton einfach lustig. 
 
Einige Jahre später sollte eine andere Sendung am Samstag zu Konflikten zwischen den Generationen führen. "Mach die Negermusik leiser", schimpfte mein Vater, wenn der Beat-Club lief. Dabei war er auf einem Ohr taub und auf dem anderen schwerhörig. Doch bestimmte Vorurteile schlugen selbst in der Sportschau durch: "Lass Dir Deine langen Haare und den Bart abschneiden, dann kannst Du auch besser Fußball spielen", befahl er Günter Netzer und Paul Breitner, wenn den beiden mal ein Fehlpass widerfuhr. 
 
Nur freitags hatte ich meine Ruhe. Wenn ab 17 Uhr in der Kinderstunde "Sport, Spiel, Spannung" lief, kloppte mein Vater noch Überstunden auf der Eisenhütte Westfalia. Diese Sendung gehörte damals zu den Höhepunkten der Woche, obwohl sie heutzutage gegen die Konkurrenz der anderen TV-Kanäle und dem Internet keine Chance mehr hätte. Doch früher zog sie mich mit dem einzigartigen Mix aus Sport, Quiz und Kino regelmäßig vor den Fernseher. Die allererste Folge wurde ausgerechnet an meinem sechsten Geburtstag ausgestrahlt. Und danach war die Sendung bis in die 70er Jahre fester Bestandteil des Programms. 
 
Los ging es mit dem Sport, der von Sammy Drechsel präsentiert wurde, dem Sportreporter und langjährigen Leiter der "Lach- und Schießgesellschaft". Dieser Teil interessierte mich nur mäßig, weil es fast immer um Randsportarten ging. Bis heute sind mir noch die Radball-Regeln im Gedächtnis geblieben. Und gähnend ertrug ich es, wenn mal wieder Luis Trenker über die Faszination des Kletterns berichtete. Noch mit fast 80 erzählte er: "Und dann bin i das Matterhorn auffi kraxelt." "Und dann?" "Dann bin i das Matterhorn wieder nunter kraxelt!" 
 
Danach übernahm Moderator Heinrich Fischer das Kommando, der später von Klaus Havenstein abgelöst wurde. Die beiden leiteten das Quiz "Zwei aus einer Klasse", das mir regelmäßig meine großen Wissenslücken vor Augen führte. Und endlich begann der Teil, auf den ich schon sehnlichst gewartet hatte. In der Rubrik "Spannung" wurden sowohl "Dick-und-Doof"-"Filmausschnitte gezeigt wie Zeichentrick-Episoden mit Donald Duck. Und hin und wieder Ausschnitte aus Kinofilmen wie "Ivanhoe" oder "Prinz Eisenherz".  Bis heute kann ich mich an einen tschechischen Film erinnern, in dem Kinder in die Vergangenheit reisten und die verschiedenen Erdzeitalter zu sehen bekamen. Höhepunkt war der Zweikampf zwischen einem Tyrannosaurus Rex und einem Stegosaurus. Der kostete mich zwar die Nachtruhe, blieb mir dafür aber bis heute gut in Erinnerung. 
 
Damit wurde das Samenkorn für meine Dinosaurier-Begeisterung gelegt. Doch ich sehe ein: Es ist gut, dass dieser TV-Saurier vom Bildschirm verschwunden ist. Er passt nicht mehr in die Zeit. Ausgrabungen in den Filmarchiven sind sowieso nicht erforderlich, weil er auch so in unserem Gedächtnis weiterlebt. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Heute werde ich einen Dankeszettel an die Amerikaner schreiben und vielleicht noch eine Zuckerstange anhängen. Warum? Ganz einfach: Ohne die Amis gäbe es kaum kuriose Aktionstage. Zum Beispiel den "Tag der Dankeszettel" und den "Tag der Zuckerstange" am 26. Dezember. Sie feiern heute sogar noch einen dritten: Den "Tag des Jammerlappens". Donald Trump wird diesen Titel übrigens nicht erringen. Er wurde beim "National Whiners Day" bereits 2015 zum Sieger gekürt. Hoffen wir nur, dass für die Präsidentschaftswahlen 2024 nicht gilt: He makes the world sad again! 

 

 Schmunzelpost 615 vom 25. 12. 22


Einmal mehr lieferte der Bücherschrank mir Material für eine Schmunzelpost. Dort fand ich gleich drei Bände aus einer Schriftenreihe des Heimatvereins Kirchhellen, die unter dem Motto standen: "Lot us noch mol ne Mule vull Platt kürn". Aus festlichem Anlass habe ich mich deshalb hingesetzt und mich an einer plattdeutschen Version der Weihnachtsgeschichte versucht. Da seid Ihr platt, was? 
 
Et passeerte in de tiet, dätt de höögste heer över sin riek, noch hööger es en König, sin Gebott inne Blättken schriewen loten hed, dät jedereen in sin dorp stiepeln sullt, bö hä sin Geboortshuus finnen dut. Un Maria un Jupp zockelten loss, ofschoonst Maria swanger wor. Opmaal spört Maria dät de Weihn loosgaahn. Do klabustert Jupp von Hus tu Hus un gungelt üm Opnahm. Fleutepiepen! Bloot en Buur verlövt, dät Maria un Jupp in de Kohstall Önnerdack finnen. Un - wupps - is dät Schietbüdel boren! Alleen de Oss un de Muulesel worn dorbi. Alldoch kamen de dree Hilligen Könige in 'e Puuschen un se hebben mass fine Gaaven in de Packelaasch: Gold, Wiehrook un Koppheisterwater! Un se dalnötigten de Maria un Jupp un de Deerhöder to fiern bit de Morgensünn glort. 
 
Un nu komms Du! 
 
Alls Godde! 
kdk 
 
PS. Wie Euch vielleicht aufgefallen ist, habe ich gestern die Fortführung der Aktionstage pausieren lassen. Die beiden amerikanischen Anlässe waren mir zu banal. Und die kurioseste Aktion für mich war ohnehin eine andere: Dass sehr viele Leute, die wegen des Missbrauchs-Skandals, der Steuer oder weil es ihnen am rechten Glauben mangelt, schon lange der Kirche den Rücken gekehrt haben, am Heiligen Abend aber massenweise in die Gottesdienste strömen. Konsequent sein ist was anderes. Doch was tut man nicht alles der Stimmung und des Familienfriedens wegen... 
 
Der einzige bizarre Aktionstag am 25. Dezember wird ebenfalls in den USA begangen. Dort hat einst ein Bibliothekar den "A'Phabet-Day" eingeführt. Das ist ein Tag, an dem man kein l schreiben oder sprechen soll. Versucht das beim Singen von Weihnachts'iedern. Das ist ustig! 

 

Schmunzelpost 614 vom 24. 12. 22


Für den Abschluss der Adventskalender-Reihe habe ich mir ein besonderes Tier aufgehoben. Wie kaum ein zweites zeigt es, zu welch extremen Bewertungs-Unterschieden wir Menschen neigen. Ich meine das "Rennpferd des kleinen Mannes", aber auch die "Ratten der Lüfte." Hinter der Tür Nummer 24 wartet eine Taube. 
 
Sie repräsentiert insgesamt 344 Arten, die es heute noch gibt. Am häufigsten sind bei bei uns die sogenannten Stadttauben, also die verwilderten Nachfahren von Brief- und Zuchttauben. Da fange ich gleich mal mit dem Ausräumen von Vorurteilen an: Wir überschätzen ihre tatsächliche Zahl ganz beträchtlich, weil sie wie wir tagsüber auf den gleichen Plätzen und Straßen unterwegs sind. Als Plage empfinden es Menschen, wenn die Zahl von Tauben ein bis zwei Prozent der Zahl der Einwohner einer Stadt erreicht. In Berlin mit seinen 3,6 Millionen Bürgern wären das also 72 000 Tauben. Tatsächlich ergaben amtliche Zählungen jedoch nur 8500 Tauben. Und selbst diese Zahl gilt als zu hoch gegriffen. 
 
Trotzdem versucht man seit Jahrzehnten die Taubenbestände zu dezimieren. Vergeblich. Denn mit ihrer hohen Vermehrungsrate widerstehen die Tauben allen Ausrottungsversuchen, obwohl sogar ihr Füttern fast überall verboten ist. Doch dadurch wächst nur die Zahl der kranken und halb verhungerten Tauben, die ihre Verluste durch mehr Nachwuchs auszugleichen versuchen. Grundlage für den Taubenhass sind meist Behauptungen, die lange als wissenschaftlich erwiesen galten, aber inzwischen durch die Bank widerlegt sind. So hieß es, die Ausscheidungen der Vögel würden Denkmäler, Fassaden und Autolack ruinieren. Das ist Blödsinn! Taubenkot ist mit einem PH-Wert von 6,5 sogar neutral. Davon wird nicht einmal weicher Sandstein angegriffen. 
 
Auch von den vielen Krankheiten, die Tauben angeblich übertragen sollten, blieb nach genauer Überprüfung nur eine einzige übrig, die Pilzinfektion Kryptokokkose. Doch dieses Risiko besteht nur für Menschen mit extrem geschwächten Immunsystem. Und die können sich die Sporen auf vielerlei Weise einfangen: Durch Katzen und Hunde, aber auch durch Staub, Erde und verrottete Pflanzenreste. 
 
Dennoch verstiegen sich selbst gebildete Menschen wie der frühere Frankfurter Kulturchef Hilmar Hoffmann dazu, von den "Clochards der Rinnsteine" zu sprechen. Er nennt Stadttauben lausige, graue Biester, mit denen sich jene vom "vornehmen Stamm der Brieftauben" niemals abgeben würden. Vielleicht führt uns das auf die Spur. Denn für viele Taubenfeinde, die Kinder ermuntern, Tauben zu hetzen und versuchen, den Vögeln mögliche Brutplätze mit Spikes und Schlingen zu verleiden, sind Stadttauben einfach Ungeziefer. Sie stören die menschliche Ordnung, wuseln herum, sind nicht so klein und niedlich wie Spatzen und nicht so farbenprächtig und sangesbegabt wie andere Vogelarten. 
 
Doch selbst das schillernde Gefieder der Männchen hat der Wandertaube nichts genützt. Der Schwarmvogel war in Nordamerika vor 250 Jahren noch ungemein zahlreich verbreitet und wurde als die "wunderschöne Blume unter den tierischen Geschöpfen" bezeichnet. Bei ihren Zügen von den Rocky Mountains zur Ostküste und vom Norden nach 
Florida sorgten die Wandertauben für ein einzigartiges Schauspiel. Dann verdunkelten rund drei Milliarden von ihnen über jedem Ort 14 Stunden lang den Himmel mit einem 500 Kilometer langen Schwarm, der fast zwei Kilometer breit war. 
 
Die Reise führte zu großen Wäldern, die den Tieren reichlich Nahrung boten. Doch die Wälder wurden gerodet und den schießwütigen Amerikanern glückte, was ihnen auch bei den Bisons gelang: Sie knallten alle Wandertauben ab! Die letzte freilebende Wandertaube wurde am 14. März 1900 von einem Kind abgeschossen. Endgültig war die Art ausgestorben, als Martha, die allerletzte Überlebende, am 1. September 1914 in einem Zoo verstarb. Sie hatte es überstanden: War die einsame Martha ihrem Publikum zu langweilig, dann wurde ihre Voliere mit Steinen beworfen. 
 
An Rohheit und Gefühllosigkeit ist der Mensch unübertroffen. Die Ursprünge des Tontaubenschießens entstammen dem Ballern auf lebende Tauben. Damit sie nicht entkommen konnten, wurden die Tiere mit Seilen an die Spitze eines Mastes gebunden. Ja, wir sind echt faire Sportsleute. 
 
Wie konnte es nur soweit kommen? Tauben gehörten zu den ersten Tieren, die domestiziert wurden. Sie waren ortstreu, bot man ihnen einen Unterschlupf, dann ließen sie sich häuslich nieder. Zuerst dienten sie als Fleischlieferanten, dann aber wurde entdeckt, dass ihr Kot sich hervorragend als Dünger eignete. 
 
Im alten Griechenland und bei den Römern galten sie als Götterboten. Bei den Christen standen sie hoch im Kurs, weil es eine Taube war, die Noah mit einem Olivenzweig im Schnabel verkündete, dass Gott die Sintflut und damit seinen Krieg gegen die missratenen Menschen beendet hatte. Seitdem gilt die Taube als Friedenssymbol. Und auch die Muslime liebten sie: Ein Taubenschwarm bot Mohammed Zuflucht und war mucksmäuschenstill, um ihn nicht an seine Feinde zu verraten. 
 
Später bewies die Taube dann noch, wie nützlich sie sein konnte. Als Brieftaube wurde sie hoch geschätzt und von Zuchtvereinen, vorwiegend in Bergarbeiter-Gegenden, als Kostbarkeit angesehen. In den Zechensiedlungen zwischen Hamm und Duisburg gab es zeitweise in jedem zweiten Haus einen Taubenschlag. Und die Siegervögel erzielten bei Auktionen hohe Preise und werden auch gegenwärtig noch mitunter für Wahnsinnsummen nach China verkauft. 
 
Ihr Orientierungssinn im Verbund mit ihrer Gelehrsamkeit führte dazu, dass aus der Friedenstaube eine Kriegstaube wurde. Im Ersten Weltkrieg wurde sie als Kurier eingesetzt. Mehrere Hunderttausend sollen auf beiden Seiten im Einsatz gewesen sein. Damit sie im Schutz der Dunkelheit fliegen konnten, wurden mit ihnen Nachtflüge trainiert - was sie tatsächlich meisterten. Auch im Zweiten Weltkrieg und selbst im Koreakrieg kamen sie noch zum Einsatz. Die Schweizer Armee war schließlich die letzte, die 1995 ihre Taubendivision auflöste. 
 
Wie ist ein vermeintlich blöder Vogel zu derartigen Leistungen fähig? Wissenschaftler haben längst bewiesen, dass sogenannte Spatzenhirne anders arbeiten als unsere Denkapparate. Nicht die Größe entscheidet über die Intelligenz. Vogelhirne sind dichter gepackt und haben eine andere Struktur. Rabenvögel, Papageien, aber auch Tauben können planen und täuschen, Werkzeuge benutzen und abstraktes Wissen weitergeben. Und mit dem Spiegeltest fand man heraus, dass auch Tauben sich als Individuum erkennen und sich ihres Selbst bewusst sind. Eine Fähigkeit, die man früher nur Menschenaffen zugestehen wollte. 
 
Mehr noch: Tauben können sich 725 verschiedene Muster einprägen und sind dadurch in der Lage, Bilder von Chagall und Picasso oder Monets von van Goghs zu unterscheiden. Tauben kriegen es auch hin, Männer- und Frauengesichter auseinander zu halten. Sie können Menschen an ihrer Physiognomie sogar wiedererkennen, wenn sie sie bloß einmal gesehen haben! Aber es kommt noch besser: Tauben lernten, bis zu 58 Wörter zu lesen und sie von 8000 Nichtwörtern zu unterscheiden. Und sie rechnen gut und häufig. 
 
An der Ruhr-Universität Bochum hat man die Gründe dafür erforscht. Danach ist Beharrlichkeit der Schlüssel für das außerordentliche Lernvermögen der Vögel. Sie geben nicht auf und machen mit unerschütterlicher Gründlichkeit solange weiter, bis sie die gestellten Aufgaben gelöst haben. Ein Bochumer Hirnforscher meinte daher: "Tauben passen gut zum Ruhrgebiet; es sind ehrlich arbeitende Tiere." 
 
Nur die Wunderdinge über die heilende Wirkung von Tauben, die abergläubische Menschen ihnen hartnäckig nachsagen, sind leider nicht wahr. Falls Euch also jemand erzählt, dass Ihr beim Küssen eine Turteltaubenzunge im Mund tragen solltet, um das Objekt Eurer Begierde für immer willenlos zu machen - es haut nicht hin! Und der Brauch, nach der Trauung weiße Tauben auffliegen zu lassen, geht auf den Glauben zurück, dass die Ehe dann glücklich verlaufen wird, weil das Brautpaar als Erstes nach dem Ja-Wort wahre Musterbeispiele ehelicher Treue erblickt hat. Ich würde dafür die Hand nicht ins Feuer legen. Manche Taubenpaare bleiben zwar dauerhaft zusammen, sind aber zwischendurch keinem Seitensprung abgeneigt. 
 
So, zum Schluss singen wir nun alle gemeinsam - nein, kein Weihnachtslied, und auch nicht den Friedensschlager von Hans Hartz, der 1982 mit rauher Stimme versicherte "Die weißen Tauben sind müde" (ob Hans Hartz sich wohl später über Hartz IV geärgert hat? Doch vielleicht ist er bereits von uns gegangen. Denn schließlich lautete der Titel seines zweiten  Hitparaden-Erfolgs: "Nur Steine leben lang") - wo war ich gleich stehenblieben, bevor ich mich verflogen habe, obwohl ich sonst über den Instinkt einer Brieftaube verfüge, aber das ist schon wieder ein anderes Thema - ach ja, jetzt weiß ich wieder, wenn Ihr mich dauernd mit Zwischenfragen ablenkt, ist es auch kein Wunder, dass ich den Faden verliere - jetzt aber: Wir wollen zusammen ein Lied anstimmen! 
 
Und zwar das meistgesungene Sehnsuchtslied aller Zeiten - wer hat da jetzt gerufen "Gehn wir Tauben vergiften im Park"? Georg, Du setzt Dich sofort in die Ecke und schreibst 100 mal "Ich soll die Kreise der Schmunzelpost nicht stören", sonst musst Du als Kreisler vom Dienst im Jenseits noch weitere satirische Lieder komponieren - ich rede von "La Paloma" - nein, das ist kein deutsches Seemannslied, das hat ein Spanier komponiert. Und es wurde 1863 erstmals öffentlich im Teatro Nacionale de Mexico gesungen. Danach hat um 1900 ein Franzose den Text geändert und erst Hans Albers (1944), Freddy Quinn (1961) und der singende Seemann aus Dorsten, Fred Mauritz (1948 bis 2018) haben den Eindruck erweckt, diese Taube habe ein Doppelleben als Möwe geführt. Trotzdem ist La Paloma vielleicht sogar das meistgesungene Lied der Welt! 
 
Genug gequatscht, jetzt wird gesungen: "Kommt eine Taube an Dein Fenster, sei liebevoll zu ihr, als sei sie ich..." 
  
Glückauf und aus besonderem Anlass heute auch: 
"Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" 
kdk 


Schmunzelpost 613 vom 23. 12. 22 


Bevor wir uns dem vorletzten Kalenderblatt zuwenden, noch ein Nachtrag zur gestrigen Folge. Bezeichnend für den moralischen Wandel der letzten Jahre und die sich anbahnende Rückkehr der Prüderie ist ein Zwang, dem Lurchi neuerdings unterworfen ist. Während er jahrzehntelang fast nackt seine Abenteuer erlebte, bekleidet nur mit einem Paar solider Schuhe, die unterstrichen, dass man mit ihnen durch dick und dünn gehen konnte, muss der arme Kerl jetzt bekleidet in seinen Comics auftreten. Da winkt Donald Duck fröhlich mit dem Bürzel, weil ihn selbst die frömmsten Amerikaner bisher in keine Hose stecken konnten.
 
Nun aber zur 23. Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders. Nachdem Lurchi gestern voran schritt, folgt ihm heute seine gesamte Verwandtschaft: Etwa 2700 Echsenarten, die von den Biologen in 300 Gattungen und 20 Familien eingeteilt werden. Das ist für uns Laien kompliziert. Lurchi zum Beispiel ist ein Feuersalamander, aber damit keine Eidechse, sondern ein Schwanzlurch.
 
Solche Miniaturdrachen haben die Fantasie der Menschen stets beflügelt. Sie lieferten im Kleinformat das Vorbild für die Drachen, die in Märchen, Sagen und mündlichen Überlieferungen seit Ewigkeiten die Leute faszinierten. Am liebsten horteten Drachen Goldschätze. Oder sie raubten Jungfrauen, wozu sie dank Kraft und Größe, aber auch durch ihre Flügel und das Talent zum Feuerspeien fähig waren.
 
Um 1800 entstand nach den ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen von Saurierskeletten eine echte Drachenmanie.  Gut 100 Jahre lang durchforstete man auch die unzugänglichsten Landschaften, weil selbst Naturforscher glaubten, dass irgendwo in den Bergen Südamerikas oder in den Dschungeln Afrikas noch ein paar Saurier überlebt haben könnten. Selbst Anfang des 20. Jahrhunderts gab Carl Hagenbeck noch viel Geld dafür aus, um in Rhodesien die letzten Exemplare einer Drachenrasse aufzutreiben. Er fand sie nie. Vermutlich hätte er genauer die Bibel lesen sollen. Nix Asteroideneinschlag - die Saurier sind ausgestorben, weil Noah sich weigerte, sie mit seiner Arche vor der Sintflut zu retten!
 
 
In Wahrheit hat ein Eidechsen-Veteran tatsächlich seit 220 Millionen Jahren überlebt. Brückenechsen, die heute noch vereinzelt auf Neuseeland vorgelagerten Inseln überdauert haben, gab es bereits lange, bevor die ersten Dinosaurier die Erde bevölkerten. Und wie sie sind auch andere Arten wahre Wunder der Natur. Etwa das Chamäleon, das nicht nur seine Farbe wechseln und mit seinen beiden Augen in unterschiedliche Richtungen schauen kann, sondern auch noch mit der explosionsartig vorschnellenden langen Zunge ein hochwirksames Fangwerkzeug hat.
 
Oder die Zauneidechse, die es auch in Dorsten gibt. Ihre Leibspeise sind Weißlinge, also Schmetterlinge. Aber auch Würmer, Schnecken oder Insekten lässt sie nicht links liegen. Ihr Schwanz ist erheblich länger als der Körperschwerpunkt zwischen den Vorder- und Hinterbeinen. Ein prächtiges Tier, das bestimmt schon für Drachenbilder Modell gestanden hat, ist der Federbuschbasilisk. Er kann 70 cm lang  werden und ist in Südamerika zuhause. Der Basilisk beeindruckt durch seine helmartige Haube und mit seinem Rückenkamm. Seine Augen mit goldgelber Iris schauen so durchdringend, dass die Menschen ihm nachsagten, er verfüge über den bösen Blick.
 
Einen noch höheren Rückenkamm besitzt der Grüne Leguan aus der nächsthöheren Gewichtsklasse. Er wird mehr als 2 Meter lang und trägt einen großen Kehllappen mit sich herum. Leider gelten seine Eier und sein Fleisch in Mexiko als Delikatesse. Die größten Eidechsenarten aber sind der Nilwaran in Afrika und der Kommodowaran in Asien. Sie können hervorragend schwimmen und tauchen.
 
Die Aufzählung beende ich mit einem merkwürdigen Gesellen, dem Grottenolm. Er lebt in den unterirdischen Karstgewässern des Balkan, ist sehr selten und wurde erst spät entdeckt. Vorn hat er je drei Finger, an den Hinterbeinen zwei Zehen. Der Grottenolm wirkt wie eine große Larve, die immerhin 30 Zentimeter lang wird. Mit einer Lebenserwartung von 70 Jahren ist er der Methusalem unter den Echsenarten. Sein einziger Feind ist die Sonne, weshalb er sich auch nur bei Unwettern nach draußen traut, um sich im Schlamm zu suhlen.
 
Wie komme ich zum Schluss der kleinen Echsenkunde? Ganz einfach: Echs und hopp!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Heute gibt es als Zugabe Hochkultur von Jan Wagner, dem gegenwärtig vielleicht bedeutendsten Poeten deutscher Sprache.
 
Grottenolm

I
kaum wirklicher als das einhorn
und selten wie sphinx oder drache
für dessen brut man ihn hielt,
als er sich erstmals zeigte, medusenhaupt
im spiegel eines baches;
schneeweißer Fisch mit vier beinen,
wie die bauern ihn nannten,
dem schrei eines menschen.
Seine kunst: vergessen zu werden.
so wird er alt. So überlebt er
die nach ihm suchen.

II
in einem reich ohne licht
und ohne farben, ohne wind,
sitzt der olm, der keine feinde
außer der sonne hat, zarter als die arbeit
von blasbläsern ist, kaum schwerer als ein brief
und leichter als ein schluck wasser.
weiß er nichts von unserer welt
oder weiß er alles? 
 
PPS. Aus den Höhen der Poesie in die Niederungen amerikanischen Brauchtums. Am 23. Dezember wird in den USA der "Festivus-Day" gefeiert. Nun ja, nicht in den gesamten Vereinigten Staaten. Sondern nur in Haushalten, in denen Nerds und Freaks leben, die außerdem noch Fan der TV-Serie "Seinfeld" sind. Denn der Festivus-Day ist ein wirklich kurioser Aktionstag. Er wurde bereits 1966 eingeführt, aber erst populär, nachdem er am 23. 12. 1997 in der Serie auftauchte. Seither feiern angeblich an diesem Tag Fans in aller Welt. 
In groben Zügen läuft das so ab: Familien oder Hausgemeinschaften, die das kommerzialisierte Weihnachtsfest ablehnen, versammeln sich am 23. Dezember um eine nackte Aluminiumstange. Als Ersatz werden auch aufgestapelte Getränkedosen oder in Alu-Folie gewickelte Stöcke akzeptiert. Dann wird gemeinsam gegessen, bevor jeder Teilnehmer seinen Groll über den Menschen oder das Ereignis, das ihn im zu Ende gehenden Jahr am meisten genervt hat, herausposaunt. Abschließend fordert das Familienoberhaupt oder der WG-Häuptling einen Anwesenden zum Ringkampf auf. Der Festivus-Day ist erst beendet, wenn der Anführer mit beiden Schultern auf dem Boden liegt. 
 
Na gut, wenn Euch das nicht gefällt, könnt Ihr immer noch gemeinsam mit den Mexikanern feiern. Die begehen am 23.12. den "Tag des Radieschens". 


Schmunzelpost 612 vom 22. 12. 22

Woran merkt man, dass man älter wird? Zum Beispiel daran, dass die Helden der Kindheit zum Kultobjekt geworden sind. Und dass viele Jüngere nie etwas von ihnen gehört haben. Obwohl mein heutiger Protagonist große Fußstapfen hinterlassen hat. Kein Wunder, er war stets gut besohlt. Hinter der 22. Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders steckt nämlich nicht irgendein Feuersalamander, sondern ein ganz besonderer. Sein Name ist Lurchi! 
 
Lurchi wurde bereits 1937 von der Kornwestheimer Schuhfabrik Salamander aus der Taufe gehoben. Und dass, obwohl die Firma damals noch gar keine Kinderschuhe herstellte. Lurchis Abenteuer sollten zunächst dazu dienen, dass die Kleinen beschäftigt waren, damit die Eltern in Ruhe Schuhe einkaufen konnten. Dazu gab es achtseitige Bildergeschichten. Die fünf Ausgaben, die vor dem Krieg erschienen, wurden wegen ihrer großen Beliebtheit in den Fünfziger Jahren wieder belebt. Und was dem Amerikaner Micky Maus und dem Franzosen Asterix, das waren für das deutsche Grundschulkind (tut mir Leid für Euch, Fix & Foxi und Lupo) bis Anfang der Sechziger Jahre Lurchi und seine Freunde. 
 
Denn der clevere Feuersalamander erlebte nicht nur spannende Abenteuer in aller Welt, er hatte auch eine Reihe guter Kumpel, auf die er sich stets verlassen konnte. Da waren der Frosch Hopps, der Zwerk Piping, der Mäuserich Mäusepiep und der Igel Igelmann. Die gemütliche Gelbbauchunke Unkerich versuchte als Polizist meist vergeblich, die fröhliche Bande zur Ordnung zu rufen. Lurchis Familie dagegen blieb übersichtlich. Außer seiner Schwester Trine kam lediglich Tante Elfriede vor. 
 
Die Serie, die bis heute erscheint (mit "Lurchis Luftpost" 2022 die bisher letzte Folge Nr. 166), ist wesentlich von Texter Erwin Kühlwein und Zeichner Heinz Schubel geprägt worden. Nach 1972 gab es recht häufig einen Wechsel der Gestalter. Bis auf zwei Ausnahmen sind jedoch alle namentlich bekannt. Den Schöpfer der ersten fünf Lurchi-Geschichten in der Nazi-Zeit hält die Firma Salamander bis heute geheim. Und auch der Zeichner der Folge 56 wurde nicht genannt. Er blieb jedoch durch eine besondere Vorliebe für Hinterteile in Erinnerung.
  
Dass Lurchi keineswegs was für den Arsch war, unterstreicht seine anhaltende Beliebtheit. Es gibt Sammelalben und Hörbücher, auf denen keine geringere als Katja Ebstein die Texte spricht. Es gibt im Geschichtsmuseum Kornwestheim eine eigene Lurchi-Abteilung. Und der Basketball-Bundesligist "Riesen Ludwigsburg" freut sich, mit seinem Maskottchen Lurchi auf gutem Fuß zu stehen. 
 
Bis zur Folge Nummer 129 bildeten stets zweizeilige Reime die Bildunterschrift, was die Herausgeber danach aber leider aufgaben. Die allererste Textzeile lautete: "Sohn und Tochter Salamander springen fröhlich umeinander." Und jedes Lurchi-Abenteuer endete mit dem werbeträchtigen Satz: "Lange schallt's im Walde noch, Salamander lebe hoch!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Statt eines Salamander-Gedichts erfahrt Ihr aus einer frühen Folge etwas über Lurchis Ahnen: 
 
"Hier der König auf dem Bilde 
ist Amphibius, der Milde. 
Dort der Feldherr Feuerpickel 
kriegte jeden Feind beim Wickel." 
 
PPS. Trügt mich mein Gefühl? Oder nimmt die Kuriosität der Aktionstage im Gleichschritt mit dem verrinnenden Jahr immer mehr ab? In Deutschland habe ich am 22. Dezember nur den wenig originellen "bundesweiten Tag des Weihnachtsgebäcks" zu bieten. Und in den USA wird der "Tag des Dattel-Nuss-Brotes" gefeiert. Da die Amerikaner jedoch gleichzeitig den "Plätzchen-Tausch-Tag" begehen, können wir ja mit ihnen ins Geschäft kommen. Aber wollen wir wirklich unsere Zimtsterne für Dattel-Nuss-Brot hergeben? 
 

 

Schmunzelpost 611 vom 21. 12. 22 


Ja, ich mag Katzen. Und zwar fast alle Arten, von unseren Hauskatzen bis zu Löwen und Tigern. Aber die größte heimische Raubkatze hat mich schon von kleinauf fasziniert: Für die horrende Summe von 2,95 DM erstand ich einst das Buch "Dolchtatze, der Luchs", das zum Grundstein meiner ersten kleinen Bibliothek werden sollte. Insofern ist es nur folgerichtig, dass sich hinter der 21. Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders ein Luchs verbirgt. 
 
Damit bietet sich die seltene Gelegenheit, ihn näher kennenzulernen. Denn der nächtliche Jäger ist extrem scheu und versteht es sehr gut, sich den Blicken der Menschen zu entziehen. Dazu hat er auch allen Grund. Obwohl Bär und Wolf häufiger die Nutztier-Bestände dezimierten, wurde der Luchs bei uns genauso unerbittlich gejagt und in weiten Teilen Europas ausgerottet. 
 
Dazu hat sicher beigetragen, dass die Jäger in ihm stets einen Konkurrenten sahen. Die Hauptbeute des Luchses ist das Rehwild. Ein Luchs erlegt im Jahresdurchschnitt rund 60 Rehe. Das mag für Bambi-Freunde erschreckend klingen, ist aber für die Wälder gut. Durch ihre viel zu große Population schaden Rehe und Rotwild dem Baumbestand beträchtlich, indem sie vor allem jungen Bäumen keine Chance lassen. 
 
Deshalb wird die Rückkehr des Luchses, der nach dem Bayerischen Wald auch in der Pfalz und anderen Landesteilen wieder aufgetaucht ist, in der Regel begrüßt. Vor allem sind Luchse unverdächtig, es auf Menschen abgesehen zu haben. "Rotkäppchen und der böse Luchs" ist in unserer Vorstellung genauso abwegig wie "der Luchs und die sieben Geißlein". 
 
Dabei imponiert den Menschen auch die Sinnesschärfe der Raubkatze. "Du hörst ja wie ein Luchs" klingt ebenso bewundernd wie ein Vergleich der Sehkraft. In der Tat hat der Luchs besonders scharfe Augen und bewahrt auch bei sehr schwachem Licht noch den vollen Durchblick. Und selbst in 65 Metern Entfernung vermag er noch eine Maus zu orten, die im Gras raschelt! 
 
Ein tolles Tier also, dass leider bei uns nie mehr besonders zahlreich werden dürfte. Denn Luchse sind Einzelgänger und beanspruchen riesige Jagdreviere. Da zusammenhängende Waldgebiete in Deutschland stark geschrumpft sind, legen sie oft weite Strecken zurück und werden dabei allzu oft überfahren. Trotzdem können wir froh sein, dass der Luchs bei uns weiter existiert. Es gibt ihn bereits seit sieben Millionen Jahren und zwar von Nordamerika über Europa und Afrika bis nach Asien. Und immer noch ist er für die Wissenschaft geheimnisvoll geblieben: Warum Luchse Pinselohren, Backenbärte und Stummelschwänze haben, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. 
 
Ein Vorbild ist der Luchs für mich nicht. So sehr ich Bärte schätze - auf Pinselohren und Stummelschwanz verzichte ich gern! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Der Schweizer Ruedi Berger hat folgendes gereimt: 
 
Fuchs und Luchs haben berauscht
einstens "F" und "L" vertauscht.
So wurde denn der Fuchs zum Luchs
und umgekehrt der Luchs zum Fuchs.
Ach, wär' der Rausch doch nicht gewesen!
Sie sind jetzt transformierte Wesen!
Der Luchs darf warm im Fuchsbau träumen.
Der Fuchs friert seither auf den Bäumen. 
 
PPS. Sieben Aktionstage stehen heute im Kalender. Doch wenn Ihr mir "1 waagerecht: Christliches Symbol mit fünf Buchstaben" und "2 senkrecht: Teil der Sprache mit vier Buchstaben" richtig beantwortet, dann suche ich einen für Euch heraus. Richtig, der 21. Dezember ist der "Internationale Tag des Kreuzworträtsels". Und weil Ratefüchse gern mit den Augen eines Luchses die Vergangenheit durchleuchten: Das erste Kreuzworträtsel erschien am 21. Dezember 1913 in der "New York World" und wurde vom Briten Arthur Wynne erfunden. 
 

 Schmunzelpost 610 vom 20. 12. 22


Die Wahl, welches Tier hinter der 20. Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders steckt, wurde mir aus der Hand genommen. Denn als ich das Törchen öffnete, hatte sich dort bereits der Vertreter einer hochintelligenten, aber von uns Menschen diskriminierten Vogelart festgeklebt. Ausgesandt von der Vogel-Selbsthilfe-Organisation "Zweitletzte Generation" saß da eine Krähe und krächzte: "Ich bestehe darauf, als Vertreter aller Rabenvögel selbst zu Wort zu kommen." So sei es.
 
"Tach! Ich bin eine Rabenkrähe. Mein Name tut nichts zur Sache, Ihr könntet ihn sowieso nicht aussprechen. Ich bin hier im Namen der gesamten Verwandtschaft, die aus 42 verschiedenen Familien besteht. Dazu gehören nicht nur Saat- und Nebelkrähen, sondern auch Eichelhäher, Dohlen, Elstern und Kolkraben. Kolkraben sind die größten und stärksten Mitglieder im Bund der Rabenvögel. Sie können 70 cm groß, drei Pfund schwer und 28 Jahre alt werden. Das hat sie jedoch nicht davor geschützt, dass es immer weniger von ihnen gibt. Sie werden seit Jahrhunderten gnadenlos gejagt, wenn sie nicht so klug wären, dann wären sie längst ausgestorben.
 
Dabei hat es mit uns und den Menschen ganz gut angefangen. Eigentlich sind wir Euch ja weit voraus. Vor 27 Millionen Jahren beschloss die Urkrähe ihre Zeit als Urwaldvogel zu beenden und in die Steppen überzusiedeln. Dort waren wir schon seit Ewigkeiten unterwegs. als wir belustigt beobachten konnten, wie vor sechs Millionen Jahren die Affen begannen aufrecht zu gehen, Feuer zu machen und allmählich die Welt zu besiedeln.
 
Als Ihr endlich so weit gewesen seid, sowas wie Kultur zu entwickeln, standen wir anfangs hoch im Kurs, egal, ob in Babylonien oder bei den alten Griechen. Und für die Germanen galten wir sogar als die Inkarnation der Weisheit. Die Raben Hugin und Munin saßen auf den Schultern des Göttervaters Odin und berieten ihn in wichtigen Fragen wie der Gaspreisbremse oder des 9-Euro-Tickets. Folglich trugen die Wikinger bei ihren Raubzügen das Bild des "Heiligen Raben" auf Fahnen mit sich herum.
 
Das aber sollte uns übel ausgelegt werden. Die Opfer der Überfällte nannten uns "Todesvögel". Und die Christen stuften uns sogar als dämonische Wesen und Begleiter des Teufels ein. Dazu trug bei, dass wir oft auf Schlachtfeldern unterwegs waren, um die Überreste aufzupicken. Irgendwer musste die Sauerei ja aufräumen. Doch ich frage Euch: Wer hat denn dafür gesorgt, dass dort die vielen Toten herumlagen?
 
Eigentlich sind wir Allesfresser. Ob Pflanzen, Kleintiere oder Aas, wir nehmen, was wir kriegenj können. Und die größeren Arten bevorzugen Fleisch, weil sie einen höheren Kalorienbedarf haben. So machten wir uns auch über die vielen Kadaver her, die Ihr aufgehängt habt. Aber uns deshalb "Galgenvögel" nennen, uns verurteilen und hassen? Stellt Euch vor, bei der Bewertung Eurer Gattung dürften die Schweine ein Wort mitreden. Und ich meine damit keine Menschen, die sich unter aller Sau benehmen.
 
Die zweite Diskriminierung, die ich Euch vorwerfe, ist die, uns als Unglücksraben abzustempeln. Nein, wir sind keine Pechvögel die allein durch unsere Gegenwart Leid und Tod verbreiten. Auch das schafft Ihr ganz alleine. Wir sind eher Opfer von menschlichen Produkten wie dem Schnaps, wie Wilhelm Busch in seiner Tragödie über Hans Huckebein eindrucksvoll beschrieben hat.
 
Unsere Unbeliebtheit hat dazu geführt, dass Ihr uns nicht als Raubtiere, sondern als "Raubzeug" abklassifiziert habt. Raubzeug durfte ohne jede Schonzeit bejagt werden. Eure Jäger haben sich einen Sport daraus gemacht, von unten in unsere Nester zu schießen, um unsere Kinder abzumurksen. Und während der Schonzeiten des Wildes rieten Jagdverbände dazu, Rabenvögel auf Korn zu nehmen, um die Treffsicherheit zu schulen.
 
Das hätte böse enden können, wenn nicht ein paar helle Köpfe unter Euch, sogenannte Tierfreunde, die Jägerlobby übertölpelt hätten. Sie haben in den 70er-Jahren einen Gesetzes-Entwurf verabschieden lassen, in dem Singvögel unter speziellen Schutz gestellt werden. Was die Jäger nicht für möglich hielten: Wir Krähen und Raben und Dohlen und Elstern gehören zu den Singvögeln. Wer will bestreiten, dass es etwas melodischeres und schöneres an Gesang gibt als einen gutgestimmten Krähen-Chor?"
 
Glückauf
kdk
 
PS. Zum Glück hat außer den Hobby-Poeten und Sprach-Attentätern im Netz auch ein Großer ein Gedicht über Krähen geschrieben. Diese Reime stammen von Joachim Ringelnatz:
 
Die Krähe

Die Krähe lacht. Die Krähe weiß, 
Was hinter Vogelscheuchen steckt, 
Und dass sie nicht wie Huhn mit Reis 
Und Curry schmeckt.

Die Krähe schnupft. Die Krähe bleibt 
Nicht gern in einer Nähe. 
Dank ihrer Magensäure schreibt 
Sie Runen. Jede Krähe.

Sie torkelt scheue Ironie, 
Flieht souverän beschaulich. 
Und wenn sie mich sieht, zwinkert sie 
Mir zu, doch nie vertraulich. 
 
PPS. Aktionstage-Überblick für den 20. Dezember: In England wird gespielt ("nationaler Tag der Spiele"), in Amerika wird gesungen ("Tag der Sternsinger") und gesoffen ("Sangria-Tag in den Vereinigten Staaten"). Entscheidet selbst, wozu Ihr Lust habt. Aber für den Kater am 21. 12. bin ich nicht verantwortlich. 

Schmunzelpost 609 vom 19. 12. 22 


Wenn Ihr Camping-Freunde seid, habt Ihr ihn wahrscheinlich bereits in den Boden gerammt. Und als Schluckspechte kennt ihr seine gerollte Variante. Selbst vor einem früheren Reichskanzler schreckte das Tier nicht zurück, das heute hinter der 19. Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders hervorlugt. Die Rede ist vom "König der Fische", vom "Silber des Meeres" oder auf plattdeutsch vom "plietschen Fisch". Gemeint ist in allen Fällen der Hering.
 
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Laichsaison der Heringe in der Nord- und Ostsee ein Spektakel sondergleichen. Die Schwärme waren so gewaltig, dass allein durch ihre Masse manche Fischerboote förmlich aus dem Wasser gehoben wurden. Selbst bei Tageslicht sichtbar, reflektierten die Fische das Mondlicht derart stark, dass die See gleißte und funkelte. Aber wahrscheinlich habe ich einmal zuviel Heringsstipp bestellt: Heute gehört das "Heringsleuchten" der Vergangenheit an.
 
Dieser Speisefisch ist einfach zu beliebt. Er kam sowohl in den Hütten der Ärmsten wie bei fürstlichen Banketten auf den Tisch. Damit fand das Leben eines "Vagabunden des Meeres" sein Ende. Denn beim Wechsel zwischen Fress-, Laich- und Überwinterungsplätzen legt der Hering bis zu 4000 Seemeilen zurück. Vor 25 Millionen Jahren war er noch ein Individualist und Weltenbummler. Seit der Hering jedoch merkte, seinen Fressfeinden leichter entgehen zu können, wenn er sich zu Schwärmen zusammen schloss, trat er lieber massenweise auf. Was ihn nun zur leichten Beute für Fischer macht, die den Schwarm mit Ultraschall orten können.
 
Doch "den" Hering gibt es gar nicht. Wir unterscheiden 55 Gattungen und 180 Arten. Am bekanntesten und zahlreichsten ist der Atlantische Hering. Er kann 30 cm lang und 20 Jahr alt werden. Nur wird er leider viel früher aus dem Meer gefischt und stand bereits kurz vor seiner Ausrottung. Durch die Einführung von Fangquoten haben sich die Bestände aber erholt.
 
Auch kleine Fische sind nicht vor der Jagd gefeit: Sardinen und Sprotten, die zwei kleinsten Heringsarten, sind ebenfalls begehrte Speisefische. Die Menhaden jedoch, eine Heringsfamilie, die an der Küste Nordamerikas zuhause ist, werden aus einem anderen Grund gefangen. Ihr Öl wird für die Lippenstift-Produktion verwendet. Keinesweg küssen sollte man einen Wolfshering. Der bis zu 1 m große Raubfisch besitzt spitze Fangzähnne und ist an den Küsten des Roten Meeres und des Indischen Ozeans unterwegs. Weil die Japaner ihn gern verzehren, sind seine Bestände aber stark geschrumpft.
 
Auch in Deutschland war der Hering auf den Fischmärkten stets stark gefragt. In Sassnitz auf Rügen pries ein Verkäufer noch 1933 seine Ware mit den Worten an: "Hering, Hering - so dick wie Hermann Göring." Das fand die NSDAP-Ortsgruppe nicht so gut. Der Mann wurde einbestellt. Zwei Tage später war er wieder da. Und rief: "Hering, Hering, so dick wie vor zwei Tagen. Ich darf's bloß nicht mehr sagen!"
 
Die Kommunikationsfreude der Fische selbst hat zeitweise für große Nervosität bei der schwedischen Kriegsmarine gesorgt. Wie Forscher erst in den Neunziger Jahren herausfanden, verständigen sich Heringe, indem sie Luftblasen aus ihren Schwimmblasen ausstoßen. Man kann dazu auch sagen: Sie sprechen mit Fürzen! Und wenn ein ganzer Heringsschwarm vor der schwedischen Küste unterwegs war, herrschte dort große Aufregung. Als Quelle der seltsamen Unterwassergeräusche vermuteten die Schweden lange Zeit Atom-U-Boote.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Heute machen wir es kurz und schmerzlos. Statt langer Reime ein Zweizeiler:
 
Ununterbrochen schwimmt im Meer
der Hinundhering hin und her! 
 
PPS. Zwei kuriose Aktionstage gibt es heute. Seit 2017 steht in Deutschland der "Tag der Christbaumkugel" am 19. Dezember im Kalender. Wenn Ihr diesen Tag gebührend feiern wollt, versucht Ihr am besten, mit Christbaumkugeln zu Jonglieren. Erst mit drei, dann mit vier und schließlich mit fünf Stück gleichzeitig. Sind alle Kugeln kaputt, könnt Ihr Euren Baum reinen Gewissens ausschließlich mit Lametta schmücken. 
 
Den zweiten Aktionstag hätte ich normalerweise übergangen. Aber weil gestern Argentinien nach einem packenden Finale Weltmeister wurde, komme ich nicht an Aldo Pedro Poy vorbei. Am 19.12. feiern nämlich die fußballverrückten Argentinier den "La Palomita del Poy-Tag", den sie auch den "Tag des größten Tores aller Zeiten" getauft haben. Was war passiert? Am 19. Dezember 1971 bestritten erstmals überhaupt zwei Mannschaften aus Rosario, der drittgrößten Stadt des Landes, das Halbfinale der argentinischen Meisterschaft. Die Lokalrivalen sind sich bis heute spinnefeind. Damals entschied Aldo Pedro Poy die Partie mit einem Flugkopfball, deshalb "La Palomita", also kleine Taube. Sein Verein wurde danach auch noch Meister. Und der gute Aldo, inzwischen bereits 77, muss Jahr für Jahr am Jahrestag wieder einen Flugkopfball ins Netz setzen. Was bis heute geklappt haben soll. Vielleicht wird dann 2023 Messi für ihn einspringen. 
 

Schmunzelpost 608 vom 18. 12. 22 


Am vierten Advent sind sie bereits durchtrainiert und warten hochmotiviert auf ihren weihnachtlichen Einsatz. Bevor sie aber aufbrechen, haben sie sich kurz hinter der 18. Tür des Schmunzepost-Adventskalenders versammelt. Denn heute geht es nicht um eine Tiergattung, sondern eine ganz besondere Truppe: Die Rentiere des Weihnachtsmanns. 
 
Wie man aus Disney-Filmen weiß, werden in den USA angeführt vom rotnasigen Rudolph acht weitere Rentiere vor den Schlitten gespannt. Sie hören auf die Namen Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen. Was die wenigsten wissen: Die Rentier-Gewerkschaft hat durchgesetzt, dass die in Nordamerika stark beanspruchten Kollegen in Deutschland von einem anderen Team ersetzt werden. Diese anspruchsvolle Aufgabe haben die Tintenhühner übernommen. Wir bereiten uns gleich nach den Auftritten im November durch spezielles Kraftfutter und einen zweiten, in den Comics nicht erwähnten Miraculix-Zaubertrank vor, um pünktlich zu Weihnachten zu einem Rentier-Gespann der Extraklasse zu mutieren. 
 
Die Führung habe ich übernommen. Die Qualifikation dafür erwarb ich durch langjährigen Rotweingenuss. Keine andere Nase glüht in kalten Winternächten so schön rot wie die meinige. Die weiteren Mitglieder unseres Teams werde ich Euch kurz vorstellen. Vorab sei darauf hingewiesen, dass sich dieses Jahr aus verschiedenen Gründen Veränderungen im Gespann ergeben werden. 
 
Als bewährte Kraft erneut am Start ist unser Allrounder Schorsch. Er schwört auf Knödel-Doping und verwandelt mit seinem handwerklichen Geschick den Schlitten in ein echtes Geschoss - nur so ist es möglich, alle Haushalte pünktlich zu belierern. Ihm zur Seite steht ein echter Routinier, der bereits vom Nordkap bis Rumänien fast ganz Europa bereist hat. Scherzhaft wird unser Lambert auch "Lahmbert" benannt, doch den Spitznamen hat sich das antike Stück erst im letzten Tintenhühner-Programm eingehandelt. 
 
Dann ist wieder unser Manni mit dabei. Er geht die Aufgabe locker-lässig an, parliert während der Tour französisch und singt gern das eine oder andere Rentier-Volkslied. Das weiß Lisa aus Ulfkotte sehr zu schätzen. Die war zwar bisher weder in New York noch in Altendorf, aber hat wie Phönix aus der Asche in nur wenigen Tagen durch das Schnuppern von Bühnenluft schon wieder neue Energie getankt hat. 
 
Nun kommen wir zu den Veränderungen. Unser ABC-Trio, Anne, Beate und Christa, ist diesmal wegen der Doppelbelastung nicht mehr dabei. Da nach Corona erstmals wieder Karneval gefeiert werden darf, haben die närrischen Frauen vom 11. 11. bis zum Aschermittwoch Sonderurlaub genommen. Und auch die Veteranen Jochen und Bertold haben sich aus gesundheitlichen Gründen abgemeldet. Wir werden sie vermissen. Ohne das absolute Gehör von Jochen werden die Glöckchen nicht mehr so melodisch wie in den Vorjahren klingen und die von Bertold eingestreuten Goethe-Zitate sowie Luthers Bekehrungsversuche zum Marximus werden uns fehlen. 
 
Zum Glück haben wir Ersatz gefunden. Wir bauen auf fünf Neue, die noch gar nicht ahnen, zu welchen Leistungen sie als Weihnachts-Rentier fähig sein werden. Das ist zu allererst Anke, die bereits im Dorstener Rathaus ganz allein den Karren aus dem Dreck zieht, wenn andere Kräfte ausfallen. Als wir sie gefragt haben, ob noch eine zusätzliche Aufgabe zumutbar ist, hat sie nur geseufzt: "Darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an." Für die Leseratte Regina, die sich bis Weihnachten in einem Bücherturm eingeschlossen hat, ist es nur gut, wenn sie mal wieder an die frische Luft kommt. Und die künstlerisch versierte Doris haben wir damit geködert, dass sie eine Foto-Dokumentation unserer Weihnachtstour erstellen und dann im "Franz" ausstellen darf. 
 
Auch die männlichen Lücken werden geschlossen. Hubert hat sich nach seiner Marathon-Vergangenheit zwar zuletzt mehr dem Schach gewidmet, doch nach der katastrophalen Niederlage, die ihm am nächsten Mittwoch bevorsteht, wird er gern wieder seine alten Laufschuhe auspacken. Hubert, dazu brauchst Du zwei Paare! Und Gregor hat sich bereits im Dorstener Tierheim um die Pflege von Ziegen und Schafböcken gekümmert. Der Rentier-Job wird für ihn eine willkommene Abwechslung sein. 
 
Doch was höre ich da? Kommando zurück! Elon Musk hat soeben in den USA auch das Christmas-Business übernommen und als Erstes den Weihnachtsmann gefeuert. Der wird nun mit dem Coca-Cola-Truck bei uns in Deutschland die Weihnachtsrunde übernehmen - unser Rentier-Team kann somit das Fest in Ruhe zuhause verbringen. 
 
Halleluja! 
kdk 
 
PS. Wir Deutsche gelten als Volk der Dichter und Denker. Vergesst das bitte ganz schnell! Weshalb? Gebt mal "Gedichte über Rentiere" in Eure Suchmaschine ein und lest, was da an Verbrechen an der deutschen Sprache im Internet versammelt ist. Goethe und Schiller würden derart in ihren Gräbern rotieren, dass die Erdbebenwarte auf der nach oben offenen Dichter-Skala Großalarm geben müsste. Vom Versmaß haben die meisten Möchtegern-Poeten, die ihre Werke ins Netz stellen ließen, offenbar nie etwas gehört. Meist genügt es ihnen, wenn die Endsilben passen. Aber nicht einmal das glückt. So reimte Brigitte O: 
 
"...Donder oder Donner trat kräftig auf.
So begann sein Tageslauf.
Dazwischen mit blitzenden Augen.
Das Rentier Blitzer mit Vertrauen. (...) 
Prancer oder Stolzer fühlte sich immer wohl.
In seiner Rolle mit äußerster Konzentration..." 
 
Auch Ulrike L. hinterlässt mich ratlos: 
 
"Sankt Niklaus spricht zu seinem Rentier: 
Halt an der nächsten Kneipe an. 
Ich habe Durst und brauch ein Bier. 
Vielleicht ess ich auch noch 'ne Currywurst." 
 
Und Jochen M. schrieb: 
 
"Rentier, Rentier, komm ruhig rein.
Heute gibt es Glühwein fein.
Oder bleib weg,
Du Depp!"
 
Dazu meine ich:
 
"Darf es noch ein Glühwein sein?
Dafür stellst Du das Reimen ein.
Und nun: Hau wech - hipp, hopp und hepp,
und schweige endlich still, Du Depp!"
 
PPS. Die heutigen fünf Aktionstage werden wieder einmal ausschließlich in den USA begangen. Aber dafür ist einer dabei, der die Bezeichnung "kurios" wirklich verdient. Der 18. Dezember ist der "Trag-eine-Saugglocke-als-Kopfbedeckung-Tag". Auch die Begründung, warum man sich einen Pümpel aufs Haupt stülpen sollte, hat es in sich. Nach Aussage des Künstlers Adam Gustavsson von 2007 ist dieser ulkige Brauch auf den ehemaligen Kopfgeldjäger Vern Halsey zurückzuführen. Der setzte nämlich sich und seinem Haustier, einem Komodowaran, an diesem Aktionstag stets einen Pümpel auf. 

 

 Schmunzelpost 607 vom 17. 12. 22


Unserem heutigen Hauptdarsteller können wir kaum entgehen. Man begegnet ihm überall. Betritt man eine Bank, ist mit Sicherheit ein Sparfuchs bereits vor Ort. Und ein tierisch aufdringlicher, seltsam aussehender Bankmitarbeiter will Dir einen Bausparvertrag andrehen. Bist Du schwer genervt entkommen, lauert ein Schlaufuchs schon auf die Parklücke, die Du gleich freimachst. Lässt Du Dich zuhause geschafft in den Fernsehsessel fallen, grinst Dich auf dem Bildschirm beim Quiz sofort ein Ratefuchs an. 
 
Kein Wunder, dass ein Fuchs auch den Weg in den Schmunzelpost-Adventskalender gefunden hat. Dort hat er es sich hinter der 17. Tür gemütlich gemacht. Und ist gern bereit, Euch ein wenig über sich zu erzählen. Zumindest dann, wenn Ihr versprecht, doch noch mal über den Abschluss eines Bausparvertrages nachzudenken. 
 
"Mein Name ist Reineke. Ihr erkennt an der Namensgebung, dass meine Mutter sehr traditionsbewusst gewesen ist. Ich bin ein Rotfuchs, die Gebildeten unter Euch dürfen mich deshalb auch Canis vulpus nennen. Wir sind von allen Fuchsarten am weitesten verbreitet und am zahlreichsten. Die Menschen haben uns der Gattung der Hunde zugerechnet, aber zum Glück erkannt, dass es da zwei getrennte Rassen gibt, die "Echten Füchse" und die "Echten Hunde". Im Gegensatz zu den Kötern lassen wir uns nicht domestizieren. Was uns den Hass der Hunde eingebracht hat. Sie sind uns spinnefeind und machen im Auftrag der Menschen gern Jagd auf uns. 
 
Überhaupt haben uns die Menschen schwer zugesetzt. Immer schon nahmen sie uns übel, dass wir Ihnen beim Verzehren ihres Geflügels gelegentlich zuvor kommen. Darüber ist sogar eine traurige Ballade mit dem Titel "Fuchs, Du hast die Gans gestohlen" verfasst worden. Außerdem waren die Zweibeiner neidisch auf unseren Pelz. Zahlreiche meiner Vorfahren mussten ihr Leben lassen, damit ihre Felle auf verschiedene Weise für Textilien verwendet werden konnten. Zwei Menschen-Spezies kann ich überhaupt nicht leiden: Die Manta-Fahrer mit ihrer Vorliebe für fuchsfeindliche Autodekorationen und die Heimwerker, die Fuchsschwänze benutzen. Ach, das sind Metall-Sägen? Na, ein Segen. 
 
Nennt mich Rassist, aber eine Nation verabscheue ich besonders: Die Engländer! Während die Spanier auf Stierkämpfe schwören, halten die Briten bis heute am "Foxhunting" fest und nennen das einen "Nationalsport". Obwohl es mittlerweile verboten ist, machen sich immer noch allein am zweiten Weihnachtstag mehr als 300 Jagdgesellschaft zu Pferde auf den Weg, um mit ihren Hundemeuten Füchse zu Tode zu hetzen. 
 
Und Eure Gesundheitshysterie hat dazu beigetragen, dass auch in Deutschland Massenmord an uns verübt wurde. Was können wir dafür, dass der Fuchsbandwurm uns als Überträger ausgesucht hat? Vor allem aber die Furcht vor Tollwut hat eine gnadenlose Vernichtungswelle ausgelöst. Aber es ist Euch nicht gelungen, uns auszurotten. Im Gegenteil. Wir sind sogar dabei, Eure Städte zu übernehmen. Überall haben wir uns heimlich eingenistet. Wir schlafen notfalls ungerührt auf den Mittelstreifen dröhnender Autobahnen und finden immer irgendwo etwas zu fressen. Denn wir sind clever, listig und klug. 
 
Daher sind wir auch die einzige Raubtierart, die sich bei Euch bis heute dauernd gehalten und inzwischen sogar wieder stark vermehrt hat. Nur Anfang des Jahres müssen wir Verluste hinnehmen. Soll ich Euch etwas Intimes verraten? Etwas aus der Rubrik: Was Ihr schon immer über Sex wissen wolltet, aber nie zu fragen wagtet? Damit unsere Kinder im Frühling zur Welt kommen, hat die Natur es so eingerichtet, dass unsere Männchen nur von Dezember bis März potent sind. In der Zeit vergessen wir alles um uns herum, wenn uns der Geruch einer Fähe in die Nase kommt. Vor allem Jungfüchse lassen dann jegliche Vorsicht vermissen und werden entsprechend häufig plattgefahren.
  
Noch ein pikantes Detail. Unsere Weibchen sind nur zwei, drei Tage fortpflanzungsfähig. Das Männchen ihrer Wahl lässt die Fähe daher wochenlang nicht aus den Augen. Und wenn es soweit ist, holla, die Waldfee, dann geht es hoch her. Leider haben wir das Problem, dass die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane stundenlang nicht wieder abschwellen und das Liebespaar solange wehrlos zusammenhängt. Deshalb ziehen wir uns zum Sex am liebsten tief in unsere weiträumigen Bauten zurück. Aber ich habe gehört, dass Ihr Menschen das genauso macht. Dabei habt Ihr kein vergleichbares Verkettungsproblem. Wie ist noch Euer Ausdruck für Paarung? Ach ja, ich weiß wieder: Sekundenschlaf." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bei der Suche nach Gedichten über Füchse erfuhr ich zunächst, dass viele Dichter den Namen Fuchs tragen. Aber weder von Heinz, noch von Günter Bruno, Hanns, Michael oder Jürgen und auch nicht von Frau Maron Fuchs war etwas Passendes dabei. "Gans und Fuchs" von Wilhelm Busch war nett, aber zu lang. Deshalb kommt hier ein "Schreiberling" zu Wort, der sein Pseudonym nicht gelüftet hat. 
 

Der Fuchs 

 
Ein alter Fuchs der schlich geschickt durch Büsche und durch Hecken.
Da sah er eine Hasenfrau und dacht‘: „Die könnt mir schmecken.“
In seinem Maul der Speichel schon, benetzte seine Zunge.
So gab er seine Deckung auf und setzte an zum Sprunge.
Die Gier, die war so riesengroß, dass er nicht mehr entdeckte,
dass oben auf dem Jägersitz, der Jäger Maier steckte.
Er sprang direkt in dessen Schuss, der auf die Häsin zielte,
doch dies bemerkte er nicht mehr, weil er schon nichts mehr fühlte.
In diesem Falle hat die Gier, sich selbst den Schuss gegeben
und rettete der Hasenfrau zweimal zugleich das Leben. 
 
PPS. Die drei einzigen Aktionstage, die der Kalender heute vermerkt, stammen alle aus den USA und sind nicht besonders kurios. Daher erwähne ich nur den "Tag der Ausstechform", der am 17. Dezember rechtzeitig vor Weihnachten begangen wird. Und falls Euch das ans Plätzchenbacken erinnert hat und Eure Arbeit von Erfolg gekrönt ist: Bitte eine Kostprobe für mich aufheben! 

 

 Schmunzelpost 606 vom 16. 12. 22


Diesmal geht es um Pulloverschweine. Kennt Ihr nicht? Doch, doch. Den despektierlichen Ausdruck habe ich als Kind von einem Reisebus-Fahrer gehört und nicht wieder vergessen. Vielleicht kam er mir jetzt wieder in den Sinn, weil ich wegen der Probleme mit unserer Heizung die letzten Tage einen dicken Pullover aus Schafswolle trug. Daher bat ich das Schaf, hinter der 16. Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders Platz zu nehmen. 
 
Sich niederlassen und anscheinend mit sich und der Welt zufrieden in die Gegend zu schauen und zu dösen, das ist nach meiner Erfahrung eine Lieblingsbeschäftigung von Schafen. Zumindest, wenn sie mit der zweiten Lieblingsbeschäftigung fertig sind - gemütlich Grashalme und alles andere, was eine Wiese hergibt, abknabbern, bis der Bauch gefüllt ist. Schafe sind eben genügsam. Andere Hobbys haben sie nicht, bisher hat man weder Hammel Skat kloppen noch Lämmer Gummitwist spielen sehen. 
 
Alfred Brehm, der sich immer wieder hinreißen ließ, Tiere nach menschlichen Maßstäben zu bewerten, hatte deshalb ein vernichtendes Urteil formuliert: "Das Hausschaf ist ein ruhiges, geduldiges, sanftmütiges, einfältiges, knechtisches, willenloses, furchtsames und feiges, mit einem Wort ein höchst langweiliges Geschöpf. Besondere Eigenschaften vermag man ihm kaum zuzusprechen, einen Charakter hat es nicht. (...) Im übrigen bekundet das Schaf eine geistige Beschränkheit, wie sie bei keinem Haustier weiter vorkommt." 
 
Kein Wunder, dass ein solch verheerender Kommentar Beleidigungen wie "blöder Hammel", "alte Schafsnase" oder "Schafskopf!" begünstigten. Dabei ist das Schaf in der Haltung vergleichsweise anspruchslos, beliefert uns mit Milch, Fleisch und Wolle, erhält Kulturlandschaften und befestigt Deiche. Wenigstens hat die christliche Kirche die Friedfertigkeit der Schafe gewürdigt und lässt sie im Paradies grasen. Himmlischer Ausdruck sind die Schäfchenwolken. 
 
Ich erinnere mich gut daran, dass Heinrich Böll die Menschen danach unterschied, ob sie vom Sakrament des Lamms oder vom Sakrament des Büffels gegessen hatten. Ich hätte mich für das Lamm entschieden. Allerdings hat es auch Nachteile, frei von Aggressionen und wehrlos zu sein. Unsere Schafe stammen von den Mufflons ab, Wildschafe, die ursprünglich in den Bergen zuhause waren. Wenn Mufflons angegriffen wurden, kletterten sie in unzugängliche Bereiche, wo sie vor Verfolgern geschützt waren. 
 
Schafe im Flachland vermissen die Berge schmerzlich und verfallen beispielsweise bei Wolfsattacken in Panik. Sie stieben auseinander, sind aber weder schnell noch ausdauernd genug, um zu entkommen. Also ballen sie sich zu Gruppen zusammen, was ihnen aber auch nicht weiter hilft. Und wenn sich mal ein Widder traut, sich einem Wolf zu stellen, hat er keine Chance. Deshalb sind Schafe auf den Schutz durch Hütehunde (und Menschen) angewiesen. Ausgebildete Hüttehunde sind mit Schafen aufgewachsen und begreifen sich als Teil der Herde. Und die Schafe haben die bellenden Gefährten als ihresgleichen akzeptiert, auch wenn sie manchmal von ihnen angetrieben oder gezwickt werden. 
 
In ganz Deutschland ist das Merinolandschaf verbreitet. Derzeit gibt es bei uns etwa 1,6 Millionen davon.  Es stammt aus Schwaben, geizt aber nicht mit Wolle: Fünf bis sieben Kilo im Jahr kann es liefern. Die zweithäufigste hiesige Rasse kam aus Frankreich und England: Das schwarzköpfige Fleischschaf. Weil sich aber auch Schafsmilch und -käse wachsender Beliebtheit erfreuen, wird bei uns das Ostfriesische Milchschaf immer zahlreicher. Es verkörpert die leistungsstärkste Milchschafrasse der Welt. 
 
Nicht so verbreitet, aber höchst populär ist die Heidschnucke, die sich ausschließlich von Heidekraut ernährt und daher eine ganze Landschaft erhält. Aus Persien eingebürgert wurde bei uns Anfang des vorigen Jahrhunderts das Karakulschaf. Damals waren in Deutschland Persianer-Mäntel besonders gefragt, die aus den Fellen dieser Schafe gefertigt wurde. 
 
Fast fertig ist damit die heutige Folge. Gern würde ich mich jetzt in die Natur zu einem Schäferstündchen begeben, aber mangels geeigneter Temperaturen und williger, sanftmütiger Partnerin belasse ich es bei der zweitbesten Lösung. Ich gönne mir ein paar Häppchen Schafskäse, lasse mich nieder und döse ein Weilchen. Eine verbreitete Einschlafhilfe funktioniert übrigens bei mir nicht: Wenn ich im Geiste Schäfchen über einen Zaun springen lasse, fällt spätestens jedes zehnte auf die Nase, und ich muss mit dem Zählen wieder von vorn anfangen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bin ich ein Wolf im Schafspelz? Oder ein schwarzes Schaf? Lieber nicht, wenn ich das Gedicht von Roman Herberth lese: 
 

Das schwarze Schaf 

Das schwarze Schaf, nicht zu beneiden.
Es leidet nämlich ungemein,
es will, und das seit Ewigkeiten,
genauso wie die andren sein.

Sich in der Herde zu verstecken,
gelang ihm leider bisher nicht.
Denn es war immer zu entdecken,
zumindestens bei Tageslicht.

Fiel es verärgert aus dem Rahmen,
und war es einmal nicht ganz brav,
dann rief man es erzürnt beim Namen,
und rügte laut das schwarze Schaf.

Ein weißes Schaf kann nicht empfinden,
wie eine schwarze Wolle tickt,
denn eine Seele zu ergründen,
ist etwas, was nur Göttern glückt. 
 
 
PPS. Der 16. Dezember ist der bundesweite Tag der Tannenzapfen. Und in den USA wird der Tag der hässlichen Weihnachtspullover gefeiert. Kurios, kurios. Wie bringe ich aber beides unter einen Hut? Ganz einfach: Ich erwähnte bereits meinen Wollpullover. Schön ist der nicht, aber warm! Doch wie trimme ich ihn auf Weihnachten? Noch einfacher: Ich hänge ein paar Tannenzapfen dran! 
 

Schmunzelpost 605 vom 15. 12. 22


Womöglich habt Ihr ihn vermisst. In der gestrigen Folge fehlte ein Käfer. Und zwar der weltweit beliebteste, der bis auf die Antarktis sämtliche Kontinente erobert hat. Doch das Artensterben machte auch vor ihm nicht Halt. Heute findet man ihn nur noch recht selten. Und keinem Käfersammler ist es bisher gelungen, ein Exemplar auf eine Nadel zu piksen und in einer Vitrine auszustellen. Grund genug, diesem besonderen Käfer ein eigenes Türchen im Schmunzelpost-Adventskalender zu widmen. 
 
Flugtauglich ist er leider nicht. Aber dafür sehr ausdauernd. Manche sagen über ihn voller Ehrfurcht: Er läuft und läuft und läuft! Je nach Verbreitungsgebiet passt er sich farblich seiner Umgebung an, manchmal präsentiert er sich himmelblau, ein andermal eher dezent grau-schwarz. Vereinzelt wurden sogar schon gepunktete Exemplare gesehen. Unser Käfer ernährt sich strikt vegan, mit Fleisch oder Aas kann er überhaupt nichts anfangen. Trotzdem ist er von allen Käfern der Welt sowohl der stärkste als auch der größte. 
 
Wenn er sich nähert, hört man schon aus der Ferne ein sattes Brummen. Wenn er mal hustet, braucht er dringend gute Pflege. Aber kein zweiter ist so regenerationsfähig wie er. Nach kurzer Zeit schnurrt und summt er wieder, dass es eine Freude ist. Wie die Ameisen ist er mit seinen zahlreichen Artgenossen auf regelrechten Straßen unterwegs. Nachts aber erholt er sich gerne an gut geschützten, dunklen Orten von der Mühe des Tages. Doch im Notfall kann er die Nacht auch draußen verbringen: Falls die Temperaturen nicht zu eisig werden, trotzt er Wind und Wetter. 
 
Von Ameisen sagt man, dass sie ein Vielfaches ihres Körpergewichts heben können. Unser Käfer kann zumindest Lasten ziehen, die deutlich schwerer sind als er. Deshalb misst man seine Kräfte auch nicht in Käfer-, sondern in Pferdestärken. Ursprünglich stammt dieser Käfer aus einer eher unbedeutenden Region Deutschlands. Er verbreitete sich aber rasch um den Erdball, indem er sich auf Schiffe schmuggelte. So gelangte er beispielsweise nach Mexiko und Brasilien, wo er geeignete Orte fand, um sich massenhaft zu vermehren. 
 
Sein größter Feind war von Anfang an der Rostfraß. Er setzte ihm sehr zu, doch durch seine hohe Fortpflanzungsrate konnte er die Verluste lange Zeit mehr als ausgleichen. Doch das gnadenlose Gesetz der Natur ging auch an ihm nicht vorbei. Durch widerstandsfähigere und noch kräftigere Rivalen, die sich mittlerweile sogar von elektrischem Strom ernähren können, ist sein endgültiges Aussterben nur noch eine Frage der Zeit. Herbie, wir werden Dich vermissen! 
 
Morgen befassen wir uns dann mit den flotten Käfern. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Arne Baier hat über diesen Käfer das folgende Gedicht geschrieben: 
 

Das Gedicht vom Käfer 

  Kurt der Käfer kriegt die Krise:
„Dieser Dieter, dieser miese

  Kerl sagt, ich sei ihm zu oll.
Zu beschwerlich,  mühevoll

  sei´s für ihn, mich zu bewegen.
Auch würd´s seinen Zorn erregen,

  dass der Lack bei mir schon ab sei
und das Geld ihm gerade knapp sei.

  Doch nun fürcht ich mich so sehr,
weil er mehr als irgendwer

  gierig ist auf diese blöde
Abwrackprämie – welch Tragödie!“ 
 
PPS. Wenn das mal nicht ein wirklich kurioser Aktionstag ist; Seit 2020 begehen wir in Deutschland am 15. Dezember den "Tag des Weihnachtsbaums aus Büchern". Nach kurzem Nachdenken entdeckt man die Vorteile. Ein Weihnachtsbaum aus tannenförmig gestapelten Büchern ist viel nachhaltiger als ein Bäumchen, das brutal im Wald abgehackt wurde und nach kurzer Zeit verdorrt und dann als Abfall endet. Bücher nadeln nicht. Und wenn man beim Schmücken auf Kerzen verzichtet, ist die Brandgefahr gering. Nach Weihnachten kommen die Bücher dann ins Regal - bis zum nächsten Jahr! 
 
Für Weihnachtsfans, die schon ungeduldig die Tage zählen und es kaum aushalten können, dass es bis zum Heiligen Abend noch mehr als eine Woche dauert, gibt es heute den "Internationalen Tag des Tees". Liebe Freunde: Abwarten und Tee trinken! 

 

 Schmunzelpost 604 vom 14. 12. 22


Hinter der 14. Tür im Schmunzelpost-Adventskalender herrscht enormes Gedränge. Dort krabbelt und kribbelt es und wuselt tausendfach durcheinander: Wir betrachten diesmal die Käfer. 
 
Und davon gibt es viiiiiiiiiele! Als Carl von Linne, der schwedische Naturforscher, damit begann, sich wissenschaftlich mit Käfern zu beschäftigen, führte er 1758  in seinen Büchern 654 Arten auf. Bereits sein Schüler, Johann Christian Fabricius, kam auf gut 10 000 Insektenarten, darunter viele Käfer. 100 Jahre später entstand der erste Weltkatalog, da war von 77 000 Arten die Rede. Doch das war längst noch nicht das Ende der Fahnenstange. Inzwischen sind mehr als 380 000 Arten erfasst und namentlich kategorisiert. Damit stellen die Käfer den größten Artenreichtum in der Insektenwelt, auf Platz zwei landen mit 160 000 Arten die Schmetterlinge. 
 
Doch die Dunkelziffer ist viel größer. Begründete Schätzungen gehen von 5,5 Millionen Insektenarten aus, darunter rund 1,5 Millionen Käfer. Zum Vergleich: Auf der ganzen Welt gibt es etwa 5400 Säugetier- und rund 10 000 Vogelarten. Die Annahme ist deshalb nicht unbegründet: Wenn es zu einem verheerenden Atomkrieg kommt, wird es auf dem Erdball bloß zwei Überlebende geben - Keith Richards und die Kakerlaken. 
 
Die Käfer haben bereits eine lange, lange Erfolgsgeschichte hinter sich. Es gibt sie wohl seit fast 300 Millionen Jahren. Vor 100 Millionen Jahren erlebten sie ihren großen Durchbruch, als ein großer Umschwung die Pflanzenwelt unseres Planeten veränderte. Doch davon später. 
 
Besehen wir uns erst die Käferschar genauer. Sind sie ein Segen oder eine Plage für die Menschheit? Sagen wir mal so: Einzelne Arten vermögen ganze Landstriche in unbelebte Einöden zu verwandeln. Doch ohne Käfer wäre die gesamte Erde eine unbewohnbare Einöde! 
 
Franz Kafka hat in seinem berühmten Käfer-Roman den Verwandlungsprozess von Gregor Samsa in ein abscheuliches Ungeziefer beschrieben. Und es gibt tatsächlich viele Käfer, die mit Fahndungsfotos auf der Staatsfeinde-Liste der Menschen stehen. Allen voran Fressfeinde wie der Kartoffelkäfer oder die Heuschrecke. Aber auch die Reblaus, der Schrecken der Winzer und der Weintrinker. Und neuerdings vor allem der Borkenkäfer, der, begünstigt durch den Klimawandel, in kurzer Zeit ganze Wälder roden kann. 
 
 Dagegen haben die Menschen unter den Käfern jedoch auch ausgesprochene Lieblinge. Etwa die Glühwürmchen, die in Sommernächten mit ihren Lichtertänzen glänzen. Oder den Maikäfer, der in großer Zahl zwar auch zur Plage werden kann, als Einzelexemplar aber meist große Begeisterung auslöst. 
 
Liebling Nummer eins ist der Marienkäfer. Nicht nur, weil er Blattläuse vertilgt und daher nützlich ist. Nein, weil er in unseren Augen putzig erscheint und angeblich sogar Glück bringt. Dabei kann der Marienkäfer auch ganz anders! In besonders blattlausreichen Jahren hat seine vermehrte Eiablage unübersehbare Folgen. Dann kommen Riesenschwärme von Marienkäfern zur Welt und begeben sich oft als regelrechte Wolke auf die Suche nach Nahrung. Kurz vor dem Verhungern vergessen sie alle guten Manieren und beißen in ihrer Verzweiflung sogar Menschen, die dann verblüfft und panisch flüchten. 
 
Mit einer ungewöhnlichen Vorliebe wurde der Prachtkäfer berühmt. Das Tier wird sexuell durch einen bestimmten Farbton und gewisse Formen stimuliert. Als eine australische Brauerei ein Bier in kleinen hellbraunen Flaschen mit winzigen Mulden herausbrachte, beobachteten Konsumenten staunen, wie die männlichen Prachtkäfer scharenweise versuchten, mit den Flaschen zu kopulieren. Das führte natürlich zu nichts, außer, dass die irgendwann total erschöpften Casanovas zum Opfer von Ameisen wurden. Freundlicherweise änderte die Brauerei die Farbgebung. 
 
Kommen wir abschließend noch zu einer wenig beachteten, aber dafür umso wichtigeren Gattung: Dem Mist- oder Dungkäfer. Seine vielzähligen Unterarten sorgen dafür, dass die Welt nicht im Kot versinkt. Vor 100 Millionen Jahren hatten die Tierchen ihren Durchbruch. Damals ersetzten nach und nach Blütenpflanzen die bis dahin eher hartleibige und schwer verdauliche Vegetation. Die Pflanzenfresser unter den Dinosauriern stellten sich um und, voila, der Tisch war gedeckt, wie niemals zuvor in der Erdgeschichte. Und die Spezialisten machten sich mit großem Appetit ans Werk. Auch heute noch sagen Forscher: Wenn die Dungkäfer in Afrika nicht unermüdlich ihren Geschäften nachgingen, wäre in Nullkommanichts die gesamte Serengeti zugeschissen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Suche nach einem witzigen Käfer-Gedicht blieb ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Zwar hat Heinrich Heine 29 Strophen dazu verfasst, aber eine zündende Pointe ist ihm ebenso wenig geglückt wie Johann Fürchtegott Gellert aus Dorstens Partnerstadt Hainichen. Daher belasse ich es heute bei zwei Zitaten, denen ich gerne zustimme: 
 
"Der Mistkäfer ist in den Augen seiner Mutter eine Schönheit." (unbekannt) 
 
"Jeder kleine Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen." (Arthur Schopenhauer) 
 
PPS. Brrrr, was ist das kalt! Nicht nur draußen, auch drinnen: Seit ein paar Tagen streikt unsere Heizung. Vielleicht können mich ja die Aktionstag-Anlässe am 14. Dezember aufwärmen. Oh, in Deutschland begeht man den bundesweiten Tag der Schneekugel. Ja, so ein paar Flocken im Glas, die heizen richtig ein. Lieber wäre mir etwas Herzhaftes und Warmes. Prima, der "Tag der heißen Maronen" kommt mir gerade recht. Was, den feiert man bloß in den USA? Ihr wollt mich wohl zum Affen machen! Ach ja, heute ist auch der internationale Monkey-Day. 

 

Schmunzelpost 603 vom 13. 12. 22 


Wenn Ihr das Tier hinter der 13. Tür des Schmunzelpost-Kalenders finden wollt, dann müsst Ihr untertauchen. Es hält sich in Süßwasser-Gewässern meist dort auf, wo es sich in Wasserpflanzen oder hinter anderer Deckung verbergen kann und wo keine starke Strömung herrscht. Dort liegt er auf der Lauer, der Hecht, um sich andere Fische zu schnappen und zu verzehren - der gefräßige Räuber hat einen hohen Kalorienbedarf.
 
Nicht von ungefähr haben ihn die alten Griechen "Lykos" getauft, was Wolf bedeutet. Und mit Blick auf seinen Appetit haben sie noch einen Zusatz davor gehängt: "Hungriger Wolf" charakterisiert die gierigen Einzelgänger ganz gut, die selbst ihresgleichen schlucken. Bei uns entstammt der Name dem althochdeutschen "Hachit", die Engländer tauften ihn "Pike (für Spitze oder Dorn), die Franzosen "Brochet" (Spieß) und die Schweden "Gädda, was so viel heißt wie Stachel.
 
Dies alles bezeichnet einen geschickten Jäger, der sich stundenlang auf die Lauer legt und 150 cm lang und bis zu 30 Kilo schwer werden kann. Trotzdem kann der Hecht bis auf 40 km/h beschleunigen und ist damit viel schneller als seine Beute, alle Arten von Fisch oder Entenküken. In Brehms Tierleben wurde ihm zwar nachgesagt, dass er selbst die Köpfe von Schwänen packte, wenn diese unter Wasser getaucht wurden und als Würger vom Baggersee die großen Vögel um die Ecke brachte. In blinder Gier soll der Hecht sogar Maultiere angefallen und selbst vor Mägden beim Wäschewaschen nicht Halt gemacht haben. Das alles ist jedoch nur ein Beweis mehr, dass man nicht alles, was als wissenschaftlich ausgegeben wird, auch glauben darf.
 
Trauen sollte man ebenfalls keinem Anglerlatein. Obwohl Hechte wegen ihrer vielen Gräten bei uns nur noch selten in Restaurants auftauchen, sind Angler stolz, wenn sie einen kapitalen Raubfisch an Land gezogen haben. Mehr noch: Zwischen Hirschgeweihen und Wildschwein-Trophäen findet sich an mancher Wand auch ein präparierter Hechtkopf. Das geöffnete Maul mit bis zu 600 Zähnen macht einiges her - der Hai des kleinen Mannes freut Leute, die sich selbst für einen tollen Hecht halten.
 
Ansonsten würde sich mancher gern als Hecht im Karpfenteich fühlen. Oder wie Boris Becker in seinen besten Zeiten auf dem Tennisplatz einen Hechtsprung hinlegen. Doch genug der Redensarten. Bevor für heute Feierabend ist, schließe bitte noch eben jemand die Tür - es zieht ja wie Hechtsuppe!
 
Glückauf
kdk 
 
PS. Darüber, dass es unsinnig sein kann, aus Fleischfressern Vegetarier zu machen, hat sich bereits Christian Morgenstern Gedanken gemacht.
 
Der Hecht 
 
Ein Hecht, vom heiligen Anton
bekehrt, beschloss, samt Frau und Sohn, 
am vegetarischen Gedanken 
moralisch sich emporzuranken. 
Er aß seit jenem nur noch dies: 
Seegras, Seerose und Seegrieß. 
Doch Grieß, Gras, Rose floss, 
o Graus, entsetzlich wieder hinten aus. 
Der ganze Teich ward angesteckt. 
Fünfhundert Fische sind verreckt. 
Doch Sankt Anton, gerufen eilig, 
sprach nichts als »Heilig! heilig! heilig!« 
 
PPS. In Brasilien wird am 13. Dezember der "Tag der Seeleute" gefeiert. Da ist bestimmt schwer was los. Aber wie kommen wir dahin? Hilft es, dass der 13. 12. in den USA der "Tag des Pferdes" ist? Nein, so ausdauernde Schwimmer sind selbst Vollblüter nicht. Und Seepferdchen würden uns nur weiterhelfen, wenn wir sie vorher mit einem Hecht gekreuzt hätten. Vielleicht nutzt ja der "Tag der Geige". Wenn wir das Instrument nur laut genug quälen, wird sich schon ein Nachbar finden, der den Flug in die Staaten bezahlt. 
 

 Schmunzelpost 602 vom 12. 12. 22


Was treibt so ein Schmetterling eigentlich im Winter? Nun ja, manche warten im Puppenstadium darauf, dass es wärmer wird und sie nach ihrer Zeit als kleine Raupe Nimmersatt endlich als Schmetterling das Fliegen lernen. Andere segnen mangels nahrhaftem Blütennektar das Zeitliche, in der Regel jedoch erst, wenn sie durch Paarung und Eiablage für den Fortbestand ihrer Art gesorgt haben. Wieder andere fliegen sogar Tausende von Kilometern weit in den Süden, wie der Monarchfalter. Dort lassen sie es sich gut gehen und kehren im Frühjahr nach Mittel- und Nordeuropa zurück. Ein Schmetterling aber scheute die Flugstrapazen. Er verkroch sich hinter der zwölften Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders, um sich heute von Euch entdecken zu lassen. 
 
Gestatten, Schmetterling! Woher mein Name kommt, möchtet Ihr wissen? Das ist mir etwas peinlich. Denn die Bezeichnung resultiert von meiner Vorliebe für Kalorienreiches. "Schmetten" bedeutete einst sowas wie Schmand oder Rahm erzeugen. Und weil der uns anzog, hat man uns 1501 im deutschen Sprachraum Schmetterling getauft. Im Englischen war es nicht viel besser. Da heißen wir butterfly, weil wir uns sehr für die Butterzubereitung interessierten. 
 
In Schmetterlingskreisen am beliebtesten sind Begriffe, die man in der deutschsprachigen Schweiz und im alten Griechenland für uns gefunden hat. Die Schweizer tauften uns "Sommervogel". Und im Altgriechischen heißen wir "Psyche", was so viel bedeutet wie Atem, Hauch oder Seele. Damit kann man als Schuppenflügler leben. Denn so ist unsere wissenschaftliche Bezeichnung: Lepidoptera. 
 
Eine frühe Lepidopteralogin war Maria Sybilla Merian, die 1647 in Frankfurt auf die Welt kam. Sie befasste sich intensiv mit diesen Wesen und schuf hervorragende Abbildungen. Aber weil sie behauptete, dass Raupen und Schmetterlinge ein und dieselbe Tierart sind, wurde sie verlacht. Mehr noch: Sie geriet in Verdacht, entweder verrückt oder eine Hexe zu sein, was in jener Zeit in beiden Fällen unangenehme Konsequenzen haben konnte. 
 
Dabei hatte sie nur das Prinzip der Metamorphose durchschaut. Aus Eiern werden Raupen, die sich irgendwann verpuppen. Und aus den Puppen entschlüpfen dann Schmetterlinge. Davon gibt es weltweit 160 000 Arten und 130 Familien. Die Nachtfalter werde ich mal vernachlässigen, als Tagfalter sind mir schon früh der Kohlweißling, der Zitronenfalter, das Pfauenauge und der Admiral begegnet. Übrigens: "Falter" hat mit falten oder flattern gar nichts zu tun. Der Begriff leitet sich vom Germanischen ab, mittelhochdeutsch "vivalter". Was wiederum (warum auch immer) mit dem lateinischen "papilio" verwandt sein soll. Woraus sich dann das französische papillon und das italienische farfalle ableiteten. Hätten wir das auch geklärt.
  
Aristoteles, der alte Schlaumeier, hatte das mit der Metamorphose schon in der Antike durchschaut. Doch dieses Wissen geriet in Vergessenheit. Allzu kluge Griechen mussten damals gelegentlich Giftbecher austrinken. Fast 2000 Jahre später kannte sich dann jemand hervorragend mit Schmetterlingen aus, von dem wir das auch nicht auf Anhieb vermutet hätten: Vladimir Nabokov. Er erklärte rundheraus ,dass er sich sogar als weltberühmter Romancier nichts sehnlicher gewünscht habe, als Kurator der entomologischen Sammlungen eines Museums zu werden. Folgerichtig wurde eine der von ihm entdeckten Schmetterlingsarten "Madeleininea  lolita" getauft. 
 
Das ist jedoch nicht der einzige seltsame Name für einen Schmetterling. Einige sind Musik in meinen Ohren. Zum Beispiel der "Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling". Auch "Weißpunktierter Mohrenfalter" klingt gut, solange ihm keine Sprachfanatiker zu Leibe rücken. Aber die können sich ja am "Blauäugigen Waldportier" die Zähne ausbeißen. Und wenn sie keine Ruhe geben, hetzen wir ihnen den Zürgelbaumschnauzenfalter auf den Hals! 
 
Man sagt, Indianer kennen keinen Schmerz. Das stimmt nicht. Doch Schmetterlinge können wirklich keine Schmerzen empfinden, da ihnen die dafür notwendigen Neuronal-Verbindungen fehlen. Vielleicht flattern sie deshalb so sorglos im Sommer durch unseren Garten. Vor Attacken von Vögeln und Libellen schützt sie ein Reflex, der sie warnt, sobald ein Schatten auf sie fällt. Und selbst, wenn sie ihren Kopf verlieren, fliegen sie erstmal unbeeindruckt weiter und legen ihre Eier ab. Ein Teil ihres Hirns sitzt nämlich im Rücken - so kann die Fortpflanzung auch im Notfall glücken.  
  
Glückauf 
kdk 
 
PS. Über einen unbekümmerten Gaukler hat Heinz Erhardt dieses Gedicht verfasst: 
 
Es war einmal ein buntes Ding, 
ein so genannter Schmetterling. 
Der flog wie alle Falter 
recht sorglos für sein Alter. 
Er nippte hier - er nippte dort 
und war er satt, so flog er fort. 
Flog zu den Hyazinthen 
und schaute nicht nach hinten. 
So kam's, dass dieser Schmetterling 
verwundert war, als man ihn fing. 
 
PPS. Welchen Aktionstag möchtet Ihr heute feiern? Ihr habt die Wahl zwischen dem Tag des Baumkuchens in Deutschland und dem Lebkuchenhaus-Tag in den USA. Ach ja, und dann gibt es am 12. Dezember noch den Kanji-Tag in Japan. Das ist der "Tag des Schriftzeichens". Da es dort insgesamt 50 000 davon gibt - und im alltäglichen Gebrauch sind es immer noch 2000 bis 3000 - hätte ich gern ein Stück Baumkuchen, bitte. 

 

Schmunzelpost 601 vom 11. 12. 22

Bei der gestrigen Schmunzelpost sah ich zufällig, dass sie aus genau 666 Wörtern bestand. Moment mal, wunderte ich mich, die wievielte Folge ist dies gewesen? Leider nur die Nummer 656, sonst hätte ich Euch allen glatt einen Schnaps spendiert. Pech gehabt! Aber auch bei mir lief nicht alles glatt: Zu später Stunde eine Schmunzelpost über Schweine schreiben, das konnte ja nicht fehlerfrei klappen. Die Schweinerei passierte in der Überschrift: Statt "neue Schmunzelpost" hätte es "grunzende Schmunzelpost" heißen müssen.
 
Vielleicht haben mich auch die vielen Redensarten verwirrt. Dennoch dachte ich mir: Sei kein Frosch! Beim nächsten Mal werde ich die Kröte schlucken, die sich hinter der elften Tür unseres Adventskalenders verbirgt und über die Lurche schreiben, die ich im Februar wahrscheinlich wieder über die Straße trage. Denn heimische Frösche und Erdkröten machen sich in den ersten frostfreien und nassen Nächten des neuen Jahres auf den Weg, um ihre Laichgewässer aufzusuchen. Und durch den Klimawandel ist das jetzt meist schon Mitte Februar der Fall.
 
In Dorsten gilt das zumeist für die Gemeine Erdkröte, lateinisch Bufo bufo. Mit dem Uhu, lateinisch Bubo bubo, teilt sie die Vorliebe für die Nacht. Mit Beginn der Dämmerung macht sie sich auf den Weg, für den sie unter Umständen mehrere Etappen braucht. Dann buddelt sie sich zwischendurch ein, bis wieder geeignete Bedingungen zum Weitermarschieren herrschen. Ein paar Macho-Erkenntnisse: Wie bei den Menschen sind die Männchen meist cleverer als die Weibchen. Sie lassen sich gern Huckepack von einem Weibchen zum Laichgewässer tragen. Das geht ganz gut, denn wie bei den Menschen sind die Männchen das schlankere Geschlecht.
 
Versucht aber noch ein Rivale aufzusatteln, dann protestiert der Erstankömmling lautstark. So kann man übrigens Männchen von Weibchen unterscheiden. Stupst man das Männchen an, wird es geschwätzig. Das Weibchen schweigt. Also ganz wie bei... Moment, da ist ein Fehler in der Beweisführung.
 
Wechseln wir von den Erdkröten, über die Ihr bereits in früheren Folgen einiges erfahren habt, zur Wechselkröte. Oder lieber zur Schaufelfußkröte? Oder zum gemalten Scheibenzüngler? Ich will ja nicht unken, aber ich fürchte, dass Ihr von diesen Arten noch nichts gehört habt, obwohl sie wirklich alle existieren. Dann kommen wir lieber zu den Unken. In Niederösterreich gibt es ein Dorf mit Namen Unken. Dieses Dorf liegt am Unkenbach, der sich durch das Unkental schlängelt. Darüber thront der Unkenberg. Und tatsächlich sind hier Unken zuhause, deren lateinischer Name Bombina lautet. Das kommt von "bombus" und bedeutet tiefer Ton.
 
Ihr dunkler Ruf wirkte sich auf unsere Sprache aus. "Unken" oder "unksen" waren umgangssprachliche Begriffe für klagen und stöhnen. Kein Wunder, dass bei uns im Osten besonders viel geklagt wird, denn unsere Rotbauchunken sind fast alle in Mecklenburg und in Brandenburg zu finden.
 
Zum Schluss hüpfen wir auf einen Sprung zum Frosch. Der ist bei uns recht gut beleumdet, weil viele Frauen hoffen, dass er sich nach ihrem Kuss in einen Prinzen verwandelt. Das soll aber nur selten funktionieren. In der Realität wandelt sich so ein Märchenprinz nicht in einen Froschkönig, sondern taucht gern schnell wieder unter. Daher befasse ich mich lieber mit einem Frosch, der sich den Vögeln verwandt fühlt. Zumindest verbringt der europäische Laubfrosch die größte Zeit seines Lebens oben in Bäumen und Sträuchern und taucht nur Ende April zur Eiablage ins Wasser. Allerdings steigen ihm seine Höhenflüge manchmal zu Kopf, was schon Wilhelm Busch feststellte:
 
Fink und Frosch 
 
Im Apfelbaume pfeift der Fink
Sein Pinkepink!
Ein Laubfrosch klettert mühsam nach
Bis auf des Baumes Blätterdach
Und bläht sich auf und quakt: „Jaja!
Herr Nachbar, ick bin och noch da!“
Und wie der Vogel frisch und süß
Sein Frühlingslied erklingen ließ,
Gleich muß der Frosch in rauhen Tönen
Den Schusterbaß dazwischen dröhnen.
„Juchheija heija !“ spricht der Fink.
„Fort flieg’ ich flink!“
Und schwingt sich in die Lüfte hoch.
„Wat!“ ruft der Frosch. „Dat kann ick och!“
Macht einen ungeschickten Satz,
Fällt auf den harten Gartenplatz,
Ist platt, wie man die Kuchen backt,
Und hat für ewig ausgequackt.
Wenn einer, der mit Mühe kaum
Geklettert ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär’,
So irrt sich der.

Glückauf 
kdk 
 
PS. Es irrt sich auch, wer glaubt, dass Frösche oder Kröten etwas mit den Aktionstagen am 11. Dezember zu tun haben. Leuchten eigentlich Zimtsterne? Dann sollten wir heute auf einen Berg klettern. Denn wir feiern nicht nur den "Bundesweiten Tag der Zimtsterne", sondern auch den "Internationalen Tag der Berge". Wenn wir Glück haben, dann sehen wir vom Gipfel auch das "Weltweite Kerzenleuchten". Dieser Gedenktag hat einen ernsten Hintergrund. Durch das Anzünden einer Kerze wollen Eltern an ihre verlorenen Kinder erinnern. An der Stelle ist statt eines Schmunzelns eher unser Mitgefühl angebracht. 
 

 Schmunzelpost 600 vom 10. 12. 22


Schwein gehabt! Denn hinter der zehnten Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders begrüßt Euch grunzend ein Tier, das dem Menschen im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte stets nahe stand und einst mit ihm sogar unter einem Dach hauste. Doch das arme Schwein übernahm in dieser Beziehung den unglücklicheren Part. Es diente als Schlachtvieh und wurde zudem verunglimpft, weil die Menschen auch noch ihresgleichen als "dummes Schwein" und "alte Sau" verunglimpften.
 
Wir züchten und jagen Schweine, um sie zu essen. Deutsche verzehren im Laufe ihres Lebens durchschnittlich vier Schafe und vier Rinder, aber 46 Schweine! Weltweit werden jährlich deutlich mehr als 100 Millionen Tonnen Schweinefleisch als Nahrungsmittel produziert. Und das unter oft katastrophalen Bedingungen, von der Massenhaltung über den Transport bis hin zur Schlachtung.
 
Eigentlich unverständlich. Denn die drei kleinen Schweinchen waren ebenso Sympathie-Träger wie das Schweinchen Babe. Und sogar Miss Piggy fand mit Kermit einen Verehrer. Eigentlich könnten Hausschweine den Hunden den Rang ablaufen. Sie sind reinlich und wären ideale Hausgenossen. Sie sind ähnlich klug wie Delphine, verspielt und genusssüchtig, frech und anhänglich. Aber bis auf George Clooney wusste das kaum jemand zu schätzen. Außer Zoll- und Polizeibeamten: Sie nutzen den hervorragenden Geruchssinn von Schweinen, um Rauschgift aufzuspüren. Und Gourmets wissen die Fähigkeiten von Trüffelschweinen zu schätzen.
 
Dank ihrer Cleverness haben die Wildschweine sich bei uns immer noch gehalten, obwohl sie den Landwirten zumeist ein Dorn im Auge sind. Zuletzt hat die afrikanische Schweinepest dazu geführt, dass die Borstentiere verstärkt bejagt werden. Da nutzt es ihnen nichts, dass sie zwar scheu und vorsichtig sind, aber tapfer ihren Nachwuchs ohne Rücksicht auf Verluste zu verteidigen versuchen. Seit die afrikanische Schweinepest aus Osteuropa droht, sich auch hierzulande zu verbreiten, werden vorsorglich Wildschweine zu Zehntausenden abgeknallt.
 
Denn wir Deutsche lieben zwar das Glücksschwein, und wir ehren das Sparschwein. Aber wir rümpfen unsere Nase über alles Schweinische, verurteilen alle Schweinereien, die wir nicht selbst auf dem Kerbholz haben und lachen uns über Schweinigeleien nur im Kreis von Gleichgesinnten scheckig. Doch davon gibt es jede Menge. Wie singen noch die Ärzte? "Männer sind Schweine." Aber das interessiert ja kein Schwein, solange es nicht weiblich ist. Und mit so einem Sauhaufen will frau auch nichts zu tun haben.
 
Überhaupt ist es eine riesengroße Sauerei, dass es mit keinem anderen Tier derart viele Redensarten gibt. Wie soll ich bei so einer Ferkelei  ein Ende finden? Vielleicht sollte ich meinen inneren Schweinehund überwinden und die eierlegende Wollmilchsau erfinden. Dann würde ich ein Schweinegeld verdienen und könnte endlich mal richtig die Sau rauslassen. Doch dann müsste ich womöglich schwitzen wie ein Schwein. Was sagt Ihr? "Schweine können gar nicht schwitzen, weil sie nur in ihrer Riechscheibe ein paar Schweißdrüsen haben. Deshalb müssen sie sich im Schlamm suhlen, um sich abzukühlen. Und überhaupt: Diese Schmunzelpost war unter aller Sau."
 
Ich hab ja gleich befürchtet, dass ich mit diesem Text Perlen vor die Säue werfe...
 
Glückauf
kdk
 
PS. Hurra, heute ist der "Tag der Dewey-Dezimalklassifikation". Die Schweinearbeit. Euch das näher zu erläutern, erspare ich mir. Da der 10. Dezember auch der bundesweite "Tag des Christstollens" ist, dürft Ihr ein Stück davon essen. Aber ferkelt nicht wieder so rum!
 
PPS. Im Netz habe ich ein Gedicht zum Thema gefunden. Es stammt von einem gewissen "Sandurmel." Ich habe es ein wenig bearbeitet, damit es nicht ganz so saumäßig klingt.
 
Das arme Schwein 

Ein Schwein erzählte einem Pferd,
was es so sehr bedrückt:
"Mein Name wird so oft missbraucht,
das macht mich ganz verrückt. 
Kommt einer schmutzig schon daher,
und kleidet sich nicht rein,
dann sagt ein jeder: 'Schau den an,
was für ein schwarzes Schwein.' 
Und einer, der viel Fehler macht,
und sind sie noch so klein,
den schimpft man gleich unüberlegt:
'Was für ein dummes Schwein!' 
Mag einer gerne essen,
bevorzugt Naschereien,
heißt es sofort verächtlich:
'Sieh mal, das fette Schwein!' 
Von solchen Sprüchen gibt's noch mehr, 
wie viel, das weiß man nicht genau. 
Ich weiß nur, die sind ärgerlich 
und unter aller Sau." 
 
Das Pferd sprach: "Ach Du armes Schwein,
wenn`s wirklich denn so sei,
dann muss man was dagegen tun,
das ist 'ne Schweinerei!" 
 

 Schmunzelpost 599 vom 9. 12. 22


Kenner werden sofort wissen, worum es heute geht, wenn ich verrate, dass wir uns diesmal auch mit der Herkuleskeule beschäftigten. Na, wohl wenig Kenner unter Euch? Griechische Sagen sind ebenso wenig das Thema, wie die Pflanze, die einen ähnlichen Namen trägt. Aber es ist mehr als angemessen, wenn wir uns dem Tierchen ganz, ganz langsam nähern. Sozusagen im Schneckentempo. Richtig: Hinter der neunten Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders steckt eine Schnecke - falls sie es geschafft hat, rechtzeitig anzukommen. 
 
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute schleicht so nah? Für die Entdeckung der Langsamkeit hätten nicht die Faultiere herhalten müssen, die Schnecke ist ihnen in Sachen gedrosseltem Tempo zumindest ebenbürtig. Und es gibt viel mehr Schnecken als Faultiere auf unserem Planeten. Schätzt mal, wie viele Arten auf der Erde vorkommen. Was höre ich? 100? Kalt, fast eiskalt. 1000? Wir sind noch immer weit entfernt. 10 000? Werdet  Ihr jetzt waghalsig? Mitnichten! Es gibt spgar mehr als 100 000 Schnecken-Arten! 
 
Drei Viertel davon tummeln sich im Wasser. Die kleinsten sind nur einen halben Millimeter groß, die größten fast einen Meter. Und sie schleimen sich seit Urzeiten durch die Weltgeschichte - ca. eine halbe Milliarde Jahre. Bedächtig wie sie sind, haben sie die Saurier überlebt, und das schaffen sie vermutlich auch mit dem Homo sapiens. 
 
Dabei geben wir uns alle Mühe, ihre Bestände zu reduzieren. Typisch Mensch: Wir beurteilen unsere Mitgeschöpfe nur danach, ob sie für unsere Zwecke nützlich oder schädlich sind. Den Schnecken haben vor allem Gartenfreunde den Kampf angesagt. Da zögern selbst sonst sanfte Gemüter nicht, Schnecken mit Scheren zu zerschneiden oder in tödliche Bierfallen zu locken. Dabei zählen Schnecken mit Gehäusen sogar zu den Nützlingen, weil sie Insekten verzehren, die den Gartenpflanzen schaden könnten. 
 
Die Christen haben den Schnecken vor allem zwei Dinge vorgeworfen. Sie seien das fleischgewordene Symbol für die Todsünde der Trägheit. Und weil sie sich enorm vermehren können, hat man ihnen auch noch die Todsünde der Wollust angehängt. Nun frage ich Euch: Wie schnell wärt Ihr unterwegs, wenn Ihr auf dem Bauch kriechen müsstet, ohne Arme und Beine zur Hilfe zu nehmen? Bedenkt das und Ihr könnt vielleicht allein diese Frage beantworten: "Was sagt eine Schnecke, die auf dem Rücken einer Schildkröte sitzt?" (Die Antwort lautet: "Hui!") 
 
In England findet übrigens jährlich die Weltmeisterschaft im Schneckenrennen statt. Wirklich wahr: Das Ereignis wird in Congham, einem Ort in der Nähe von London, mit Blechbläsern und diversen Zeremonien gefeiert. Es geht über eine Strecke mit der mörderischen Distanz von 33 Zentimetern. Sieger der letzten "World Snail Racing Championship" war eine Weinbergschnecke mit Namen Wells. Sie benötigte exakt drei Minuten, 19 Sekunden und 68 Hundertstel. Damit war sie weit von der Fabelzeit entfernt, die eine Schnecke namens Archie 1995 erzielt hatte: Zwei Minuten und zwanzig Sekunden. Die Untersuchung der Dopingprobe ist bis heute nicht abgeschlossen. 
 
Kommen wir abschließend zum Thema Sex. In der Antike glaubten die Griechen, dass Schnecken asexuell seien. Sie vermuteten einen Entstehungsprozess aus Schlamm und Moder. Aber sie glaubten ja auch, dass Aphrodite schaumgeboren sei. Die Christen hingegen beäugten das Liebesspiel der Schnecken argwöhnisch. Die vielen verschiedenen Stellungen (und die Ausdauer der Akteure), der im Verhältnis zum Körper mitunter riesige Penis und vor allem die Erkenntnis, dass Schnecken Zwitter sind, führten zu ihrer Verdammung. Schnecken waren der Inbegriff des "Pfui". 
 
Das galt auch für manche Religionen bei der Frage, ob Schnecken essbar seien. Weil sie auf dem Bauche kriechen, gelten sie Juden und Moslems bis heute als unrein. Was westliche Feinschmecker nicht daran hinderte, Schnecken in Saucen zu stippen und als Delikatesse zu verzehren. Bevor mir noch das Wasser im Mund zusammen läuft, ziehe ich mich lieber für heute in mein Schneckenhaus zurück. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Im Internet fand ich von einem anonymen Verfasser, der "Der Poet" nennt, das folgende Werk, das alle Endreim-Möglichkeiten ausschöpft. 
 
Es kroch der alte Weinbergschneck 
am Weinberg keck aus dem Versteck. 
„Ich hab mein Haus noch im Gepäck, 
komm kaum vom Fleck vor lauter Speck, 
so sehr ich mich auch reck und streck“, 
dacht er und hinterließ ums Eck 
'ne Spur aus Schleim am Heck im Dreck. 
Er gönnte sich noch einen Snack 
im Gras und eh ich's check 
war er schon weg. Was für ein Schreck! 
Der Schneck tat dies aus welchem Zweck? 
Es war ein Weinbergschnecken-Gag! 
 
PPS. Wo wir gerade so schön am Reimen sind: Der Herausforderung des Chihuahua-Gedichts, siehe gestrige Folge, hat sich auch Bertold gestellt: 
 
Nur Menschen, die gestört, fällt ein, Chihuahuas könnten niedlich sein. 
Selbst nützlich als Karikatur 
ist dieser fiese Köter nur 
mit Schleifchen über Ohr' und Augen, 
die sinnbildlich fürs Frauchen taugen. 
 
PPPS. Am 9. Dezember gibt es nur zwei Aktionstage, beide in den USA: Den "Tag des Feingebäcks" und den "Tag der Weihnachtskarte". Beide nicht besonders kurios, doch ich entscheide mich für die Weihnachtskarte. Wenn man sie jetzt schon absenden muss, sagt das viel aus über den Zustand des amerikanischen Postwesens. 
 

 Schmunzelpost  598 vom 8. 12. 22


Welches Tier lauert wohl heute hinter dem achten Türchen des Schmunzelpost-Adventskalenders? Da hilft erneut ein Blick ins "Satierische ABC".
 
Dort finden wir unter dem Buchstaben C: Chihuahua, eine auf Hund geschminkte Ratte. Wird "Tschiwawa" ausgesprochen und kann bei Wetten über die richtige Schreibweise gutes Geld einbringen. Kurzzeitig waren die winzigen Kläffer, die meist eine grell gefärbte Schleife auf dem Schädel davor schützt, dass sich jemand auf sie setzt, in unserer Region sehr beliebt. Inzwischen werden andere Hunderassen bevorzugt, die wegen Überzüchtung kaum atmen können.
 
Liebe Tierfreunde, wenn Ihr mit dem Gedanken spielt, Euch einen Hund zuzulegen, dann verzichtet bitte auf Möpse, Englische oder Französische Bulldoggen. Die armen Viecher schnorcheln, schnaufen und schnarchen was das Zeug hält, weil sie durch die verkürzten Schädel nur schlecht Luft bekommen. Bei manchen Arten ist außerdem auch der Oberkiefer verkürzt, so dass sogar das Fressen Schwierigkeiten bereitet.
 
Sind sie nicht hübsch, diese Hunde mit dem gescheckten Fell? Das stimmt, es sieht gut aus. Allerdings hat das sogenannte Merle-Gen seine Tücken. Besitzen es beide Elternteile, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihre Nachkommen unter Blindheit, Taubheit und anderen Erbfehlern leiden.
 
Dann gibt es da noch diese wandelnden Falten-Gebirge mit Namen Shar Pei. Die Falten begünstigen leider die Entstehung von Hautentzündungen und verursachen starken Juckreiz. Zudem ist auch die Anfälligkeit für Augenkrankheiten groß.
 
Und dann sind da noch zwei Rassen, die wegen ihrer Beliebtheit gerade in Deutschland stark überzüchtet sind. Dackel leiden durch ihre extrem kurzen Beine und den langen Rücken häufig unter Wirbelsäulen-Problemen. Womöglich haben mehr Dackel Bandscheiben-Vorfälle als Menschen. Und der klassische Schäferhund weist inzwischen einen stark abfallenden Rücken und deformierte Hinterbeine auf. Das verursacht starke Schmerzen durch Arthrose und andere Hüftgelenksleiden.
 
Zum Glück gibt's in den Tierheimen aber reichlich Mischlinge und diese aus der Art geschlagenen Hunde, die sich mit "Miau" verständigen. Wie wär's mit einer Katze?
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben und lange im Internet gesucht. Doch das einzige Chihuahua-Gedicht, das ich fand, war dieses:
 
Chihuahua 
Ich will nur einen kleinen Reim
für den kleinsten Hund – doch mir fällt keiner ein.
„Es gibt keinen“ sagen, das wär‘ klug.
Zu klein für’n Reim, sich selbst genug.
Denn was reimt sich schon auf Chihuaha?
Überhaupt nichts, ist doch klar. 
 
Was sage ich nach fünf Minuten Nachdenken dazu? 
 
Da suchst Du im Netz nach 'nem schönen Gedicht, 
doch so sehr Du auch suchst, Du findest es nicht. 
Willst Du über den Chihuahua lachen, 
dann musst Du es schon selber machen. 
Plumps einfach auf das Tier! Geht alles glatt, 
dann ist sowohl der Hund wie der Reim recht platt. 
 
PPS. Was gibt es heute für Aktionstage? Der "Welttag der Erstimpfung" ist nicht gerade kurios. Aber in Verbindung mit einem amerikanischen Aktionstag kann es klappen. Denn der 8. Dezember ist dort der Tag "Gib vor, ein Zeitreisender zu sein". Behaupte also einfach, Du kämst aus dem Jahr 2019. Und schon ist klar, warum das Deine erste Impfung ist!
 

Schmunzelpost 597 vom 7. 12. 22


Na, habt Ihr am Nikolaus-Tag zu tief ins Glühwein-Glas geschaut? Dann hilft ein Tierchen, das sich hinter der siebten Tür des Schmunzelpost-Adventskalenders bereit hält: Der Rollmops. 
 
Über den Rollmops lest Ihr in meinem (Sa-)Tierischen ABC: Rollmops, irrtümlich für eine Gymnastik treibende Hunderasse gehaltene Unterart des Bismarckherings. Der Rollmops wickelt sich besonders gern um Gurken und ist dann eine leichte Beute für Fangflotten. Statt im Meer verbringt der Rollmops seinen Lebensabend oft in Mini-Aquarien der hiesigen Supermärkte, dort auch "Fischkonserven" genannt. Dass der Rollmops trotz seiner Konservenstarre noch durchaus lebendig ist, beweist er häufig, wenn er nach einem sogenannten Katerfrühstück versucht, auf dem kürzesten Weg wieder aus dem Magen zu entkommen. 
 
So viel dazu. Doch mich plagt noch das schlechte Gewissen, weil das nette Faultier gestern Opfer eines akuten Faulheitsanfalls des Schreibers geworden ist. Daher trage ich heute zumindest ein paar Fakten nach. 
 
Faultiere bewohnen die Baumkronen der tropischen Regenwälder von Mittel- und Südamerika. Die meiste Zeit hängen sie kopfüber in den Bäumen. Faultiere sind Weltmeister im Energiesparen und bewegen sich allenfalls im Zeitlupentempo. Maximal einmal pro Woche verlassen sie den Baum, um Kot und Urin abzusetzen und riskieren dabei ihr Leben, da sie sich auf dem Boden schlecht bewegen können. 
 
 Zum Fressen der Blätter und Knospen müssen sie meist nur den Kopf drehen, aber durch ihre energiearme Nahrung arbeitet ihr Stoffwechsel extrem langsam. Faultiere existieren seit mehr als 30 Millionen Jahre. Vor ca. 10 000 Jahren starben aber die meisten Faultier-Arten aus, beispielsweise das amerikanische Riesenfaultier, das auf dem Boden lebte und bis zu sechs Tonnen wiegen konnte. Es blieben nur sechs Arten übrig, von denen zwei, das Kragenfaultier und das Zwergfaultier, vom Aussterben bedroht sind. Und zwei weitere Arten sind den Kreuzworträtselfreunden ein Begriff: Das Ai und das Unau.
  
Judith Holofernes hat das Faultier mit einem schönen Gedicht gewürdigt: 
 
Ein Faultier 
fault hier 
vor sich hin. 
Ein langer Finger 
kratzt das Kinn. 
Und dann kommt wieder länger nix - 
doch seht! 
Die Tiefe seines Blicks! 
Ach nein, 
es hat die Augen zu. 
Na gut, 
dann lass ich es in Ruh. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auch über den Rollmops habe ich ein Gedicht gefunden. Es stammt von Arezu Weitholz. 
 
Der Rocknrollmops 
 
Der Stichling sticht 
die Scholle schollt 
der Aal sich aalt 
der Rollmops rollt. 
 
Der Knurrhahn knurrt 
die Scholle schmollt 
die Krake krakt 
der Rollmops rollt. 
 
Der Silberfisch 
wär lieber gold 
Dem Hecht ist schlecht 
der Rollmops rollt. 
 
Der Weißfisch weiß: 
Der Schleimfisch schleimt. 
Der Zierfisch ziert 
der Rollmops reimt. 
 
Der Kochfisch kocht 
der Snapper snappt 
der Backfisch backt 
der Rollmops rappt. 
 
Der Raubfisch raubt 
der Stockfisch stockt. 
Und endlich, schaut: 
der Rollmops rockt! 
 
PPS. Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Aus ökologischen Gründen sollten wir stets überdenken, ob eine Flugreise wirklich notwendig ist. Aber heute, am Internationalen Tag der zivilen Luftfahrt, könnten wir zumindest einen Ballon steigen lassen. Damit erinnern wir daran, dass vor 240 Jahren im Dezember 1782 die Brüder Montgolfier mit dem ersten Ballonflug das Startsignal für die Entwicklung der Luftfahrt gaben. 
 
PPPS. Ein Nachtrag zu gestern: Der 6. Dezember war auch der "Tag des Weckmanns". Weckmann? Ich kenne nur Stutenkerle. Bertold hat jedoch festgestellt, dass die Weckmann-Grenze quer durch den Kreis Wesel verläuft. Was in Hamminkeln noch ein Stutenkerl ist, geht bereits in Dinslaken als Weckmann über die Theke. Und als Bertold in Köln für seinen Enkel einen Stutenkerl verlangte, wurde er von der Verkäuferin angeschaut, als sei sie sexistisch angegangen worden. 

Schmunzelpost 596 vom 6. 12. 22 

Hinter dem sechsten Türchen des Schmunzelpost-Adventskalenders steckt ein Faultier. Faultiere sind vor allem dafür bekannt, dass sie jegliche Form von Anstrengung und Arbeit geschickt vermeiden. Ich fühle mich dem Faultier seelenverwandt. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Faultiere wissen auch, wie man andere für sich malochen lässt. Das Gedicht stammt von Jürgen Wagner: 
 

Das Faultier

 
Im Regenwald, im Regenwald,
da hängt im Baum der Willibald. 
Sieht man die Welt einmal kopfüber,
ist man erfreut und etwas klüger.

Man muss nicht immer jagen, hetzen.
Man kann auch auf die Ruhe setzen.
Probier' es mal mit Langsamkeit,
mit guter Laune, Sparsamkeit

und suche Dir ein schönes Plätzchen,
vergiss auch nicht ein liebes Schätzchen.
Du bist geschützt bei schlechtem Wetter,
drehst mal den Kopf und frisst die Blätter.

Er ist nicht faul, der Willibald, 
nur in den Ästen festgekrallt,
lebt er so schlicht und ökonomisch, 
ganz fröhlich - und ein wenig komisch. 
 
PPS. Der heutige Aktionstag ist angelehnt an den Vorweihnachts-Kalender. Am Nikolaustag wird auch der bundesweite Tag des Schokoladen-Nikolaus gefeiert. Warum beschleicht mich bloß immer wieder der Verdacht, dass manche Aktionstage von Industrie und Handel initiiert werden? Wer kommerziell unbelastet mit mir meinen Namenstag - in jedem Nikolaus steckt auch ein Klaus - nachfeiern möchte, hat dazu am Donnerstag, 8. 12., Gelegenheit. Dann lese ich um 19 Uhr in der Bibliothek Rhade, Kirchplatz, Carola-Martius-Haus, lauter "Krauses Zeug". Und mein Rupprecht alias Schorsch, der mich dabei unterstützt, verspricht Euch: Ihr kriegt keinen auf die Nuss! 
 

 Schmunzelpost 595 vom 5. 12. 22


Beherrscht zufällig von Euch jemand den Dialekt "Erinaceus europaeus"? Dann möge er/sie sich mir bitte als Dolmetscher zur Verfügung stellen. Ich möchte nämlich unbedingt mit dem Tier kommunizieren, das sich heute hinter der fünften Tür des SP-Adventskalenders verbirgt.
 
Wie oft habe ich ihm schon gesagt: "Gegen Deine neuen Hauptfeinde nutzt Dir Deine uralte Verteidigungsstrategie überhaupt nichts." Doch obwohl das Tier viermal so gut hört wie wir Menschen, stellt es sich taub. Und wenn sich wieder ein Auto nähert, rollt sich der Igel zur Kugel zusammen - und wird platt gefahren.
 
Es ist aber auch nicht leicht sich umzustellen, wenn so eine Taktik über viele Millionen Jahre von Erfolg gekrönt war. Igel gibt es bereits seit mindestens 60 Millionen Jahren, die heute bei uns verbreiteten Arten sind wohl auch schon ca. 15 Millionen Jahre hier heimisch. Die Methode "Stachelball" hat sich daher bewährt, fast alle Angreifer holen sich eine blutige Nase. Nur wenige gewitzte Fressfeinde wie der Dachs oder große Eulen haben die Schwachstelle entdeckt. Wenn der Igel sich zusammenrollt, gibt es eine winzige Achillesferse, eine kleine Lücke, in die gerade mal der kleine Finger des Menschen passen würde. Oder eben die Dachskralle oder ein kräftiger Eulenschnabel.
 
Ansonsten ist es nur der Mensch, der den Igeln mächtig zusetzt. Durch Landschaftsveränderungen und Gifte, die Igel-Nahrung wie Insekten und Schnecken ausrotten, sowie den Straßenverkehr und zuletzt noch durch Mäh-Roboter, die auch im Dunkeln ihren Job tun, wenn die nächtlichen Jäger auf Beutefang unterwegs sind. Dabei mögen Menschen Igel gern. Sie finden die kleinen Kerle (gibt es eigentlich auch Kerlinnen?) nützlich, weil sie den Garten von Schädlingen befreien. Und Igel sind außerdem richtig putzig! Wenn der Igel nicht an die 8000 Stacheln hätte, wäre er ein echtes Kuscheltier. Wobei allerdings die Vielzahl an Flöhen, Zecken und Milben, die sich im Stachelwald tummeln, uns abschrecken, ebenso wie der starke Eigengeruch von Igeln.
 
Keim- und geruchsfrei war dagegen Deutschlands bis heute populärster Igel. Die Funk- und Fernsehzeitschrift "Hör zu" sorgte dafür, dass der Comic-Igel Mecki in den Fünfziger und Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland bekannt war wie ein bunter Hund. Heute weiß leider kaum noch jemand, dass Mecki mit Micki verheiratet war und mit ihr die beiden Kinder Macki und Mucki aufzog. Dafür war der "Mecki" in meiner Kindheit eine vor allem bei Eltern beliebte Frisur für Jungen, weil sie besonders pflegeleicht war. Daher habe ich sie mir jetzt im Alter zugelegt - noch dazu ganz ohne lästige Stacheln!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ein nettes Igel-Gedicht stammt von Wilhelm Busch.
 
Bewaffneter Friede 
 
Ganz unverhofft an einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel. 
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht! 
Kennst Du des Königs Order nicht? 
Ist nicht der Friede längst verkündigt? 
Und weißt Du nicht, dass jeder sündigt 
der immer noch gerüstet geht? 
Im Namen seiner Majestät: 
Geh her und übergib Dein Fell! 
 
Der Igel sprach: Nur nicht so schnell. 
Lass Dir erst Deine Zähne brechen, 
dann wollen wir uns weiter sprechen! 
Und alsogleich macht er sich rund, 
schließt seinen dichten Stachelbund. 
Und trotzt getrost der ganzen Welt. 
Bewaffnet, doch als Friedensheld. 
 
PPS. Wo ist Herr Müller-Lüdenscheid, wenn man ihn mal braucht? Heute, am Badewannen-Party-Tag, ist von ihm weit und breit nichts zu sehen. Na gut, dann feiere ich eben mit meiner blau-weißen Quietsch-Ente. 
 

 Schmunzelpost 594 vom 4. 12. 22

Das vierte Türchen des Schmunzelpost-Adventskalenders öffnet sich für ein Tierchen, dass wir meist nur lästig oder sogar eklig finden. Dabei zeigt ein Blick auf die Vielfalt der Arten, dass es sich eigentlich um ein faszinierendes Geschöpf handelt, das Grund bietet, auch auf Fliegen zu fliegen. Immerhin verdanken wir ihnen einen Satz, in dem sechsmal hintereinander das gleiche Wort vorkommt und den ich wegen der besseren Wirkung komplett klein schreibe: wenn hinter fliegen fliegen fliegen, fliegen fliegen fliegen nach!
 
Mich begeistern bereits allein die Namen. Habt Ihr schon von der gemeinen Breitstirnblasenkopffliege gehört? Oder von der gewürfelten Tanzfliege? Und wie unterscheiden sich die schwarzbäuchige Fruchtfliege und die scheindunkle Fruchtfliege? Ich wage mal einen Tipp: Die eine hat einen schwarzen Bauch.
 
Ohne dass wir es bemerkt haben, muss sich bei uns eine andere Fliegenart stark verbreitet haben: Die Regenbremse. Wie sonst wären die vielen Dürre-Sommer der letzten Jahre zu erklären? Ha, Klimawandel! Dank der Querdenker-Bewegung wissen wir, dass dieses Gerede Quatsch ist. Es wird Zeit, eine weitere Verschwörungstheorie zu starten. Die Fliegen sind an allem schuld! Was ist von einer Kreatur anderes zu erwarten, die sich erst an einem Haufen Hundekacke gütlich tut, um dann durchs geöffnete Küchenfenster in unsere Wohnung zu schwirren und es sich auf meinem Käsebrot gemütlich zu machen?
 
Und hat die Tse-tse-Fliege nicht seit langem Unheil über die Menschheit gebracht? Zugegeben, eigentlich haben wir ja angefangen und der ganzen Gattung den Krieg erklärt. Es ging los mit der Fliegenklatsche und den unsäglichen Fliegenfängern, die früher stets über unserem Esstisch hingen und mir mit zahllosen Fliegenleichen vor der Nase den Appetit raubten.
 
Doch das genügte uns noch lange nicht. Wir setzten auch chemische Waffen ein, die eigentlich auf die Liste der UNO für verbotene Kampfstoffe gehören sollten. Kein Wunder, dass sich die Zahl der Stubenfliegen bei uns in den letzten Jahrzehnten deutlich verringert hat. Dabei ist die Fliege ein wehrloses Geschöpf. Anders als die Mücke sticht sie nicht, anders als der Floh beißt sie nicht. Sie bringt uns allein dadurch zur Raserei, dass sie beständig auf uns landet und ihre Zuneigung dadurch ausdrückt, dass sie gern auf unserer Haut spazieren geht.
 
Und dann gibt es ja auch noch den Brummer, der uns mit seinem Summen auf die Palme bringt. Er muss auch dafür als Blitzableiter herhalten, dass wir das viel lautere Moped-Geknattere oder das Hunde-Gebell auf dem Hof nicht eigenhändig zum Verstummen bringen können. Kurzum: Die Fliege dient auch als Sündenbock.
 
 Die meisten von uns werden sich immer noch dem harten Urteil von Alfred Brehm anschließen. Der Zoologe schrieb einst: "Kein Thier - das kann wohl ohne Übertreibung behauptet werden - ist dem Menschen ohne sein Zutun und ohne ihn selbst zu bewohnen, ein so treuer, in der Regel recht lästiger, unter Umständen unausstehlicher  Begleiter als die Stubenfliege. Wir alle kennen ihre schlimmen Eigenschaften, die Zudringlichkeit, Naschhaftigkeit und die Sucht, alles und jedes zu besudeln; eine Tugend wird niemand von ihr zu rühmen wissen."
 
Doch, doch, Herr Brehm. Ich sage zur Fliege: "Schau mir in die Augen, Kleines" und bewundere diese filigranen Facetten, die einen Großteil des Fliegenkopfes ausmachen, ein Kunstwerk, aus rund 3000 winzigen Einzelaugen zusammengefügt. Sie übermitteln dem Fliegenhirn bis zu 200 Bilder pro Sekunde! Wenn wir die Fliege dann unter einem Vergrößerungsglas betrachten, entdecken wir noch anderes Schönes, zum Beispiel die Struktur ihrer zarten Flügel.
 
 Außerdem verfügt die Fliege über Reflexe, die uns tumb und schwerfällig wirken lassen. Ist die Fliege halbwegs bei der Sache, wird es uns nicht gelingen, sie mit einer zusammengerollten Zeitung zu erwischen. Das liegt daran, dass in der Welt der Fliegen alles viel rascher abläuft als bei uns. Nicht verwunderlich, denn nicht nur die Eintagsfliege hat eine arg begrenzte Lebenserwartung, auch alle anderen Fliegen sterben innerhalb weniger Tage. Dafür hat die Gattung eine extrem hohe Reproduktionsrate. Obwohl wir ihre Zahl deutlich eingedämmt haben, biete ich ein Wette an: Wenn der letzte Mensch den Löffel abgegeben hat, werden sich die Fliegen über ihn hermachen. Doch jetzt mach ich erstmal die Fliege.
 
Glückauf
kdk
 
PS. In einem Gedicht hat sich Christian Morgenstern über eine Welt mit vertauschten Rollen Gedanken gemacht. Hier haben die Fliegen das Sagen, der Mensch ist zum galaktischen Insekt heruntergekommen.
 
Auf dem Fliegenplaneten 
 
Auf dem Fliegenplaneten, da geht es dem Menschen nicht gut;
denn was er hier der Fliege, dort die Fliege ihm tut. 
 
An Bändern voll Honig kleben die Menschen dort allesamt, 
und andere sind zum Verleben in süßliches Bier verdammt. 
 
In einem nur scheinen die Fliegen den Menschen voraus zu stehn: 
Man bäckt uns nicht in Semmeln, noch trinkt man uns aus Versehn. 
 
PPS. Wegen des Adventskalenders müsst Ihr nicht auf den Aktionstage-Service verzichten. Der wird nun täglich angehängt. Am 4. Dezember gibt es einmal mehr lediglich in den USA Anlässe zu verzeichnen, dafür aber gleich fünf. Zwei habe ich herausgesucht: Da uns mangels Partner (oder hat Tinder inzwischen sein Spektrum enorm erweitert?) der "Umarme-einen-Hai-Tag" ratlos zurücklässt, empfehle ich, stattdessen den "Tag der Socke" zu feiern. Mein Vorschlag: Wir verkuppeln unsere Einzelstücke, die in der Waschmaschine zu Witwen oder Witwern geworden sind, mit neuen Gefährten und begründen so einen Modetrend. 

 Schmunzelpost 593 vom 3. 12. 22


Es gibt Leute, die behaupten, ich sei ein komischer Kauz. Das fasse ich als Kompliment auf. Denn der Kauz gehört zur Familie der Eulen. Und das sind ganz besondere, faszinierende Geschöpfe. Nicht nur, weil ich als Nachteule ihre Vorliebe für die dunkle Tageshälfte teile. Grund genug, am 3. Dezember hinter dem Türchen des Schmunzelpost-Adventskalenders die Eulen zu verstecken. Bitte nicht bei Tageslicht öffnen!
 
"Die Eule ist ein Widerspruch an sich. Sie dürfte der bekannteste unter den Vögeln sein, und doch kennt man sie kaum." Um das zu ändern, sollte man das Buch-Portrait "Eulen" von Desmond Morris lesen, das in der Reihe "Naturkunden" erschienen ist. Darin ist reichlich Grundwissen über die Nachtvögel enthalten, so dass ich mich heute auf einige Randbereiche konzentrieren kann.
 
Wusstet Ihr, dass Eulen zu den ältesten existierenden Vogelarten zählen und schon seit 60 Millionen Jahren unseren Planeten bevölkern? Den Menschen haben sie bereits seit frühesten Zeiten Respekt eingeflößt, so dass sie neben Bison und Bär sogar in Höhlenmalereien verewigt wurden. Dabei polarisierten sie stark: Sie wurden als Symbol der Weisheit verehrt und bewundert, aber auch als Todesbote gefürchtet und verachtet. Das lag vermutlich an ihrer Angewohnheit, in finsteren Nächten mit schaurigen Rufen die Menschen zu erschrecken.
 
Kein Wunder, dass sie reichlich Stoff für Abergläubische lieferten. In Rumänien glauben sogar heute noch manche Bauern, dass man nackt seine Felder umrunden müsse, um Eulen fernzuhalten. Da sie nicht als Vegetarier bekannt sind, muss man ihnen dort wohl die Verbreitung von Unheil nachgesagt haben wie vielerorts auf der Welt. Wenn aber in einem Dorf in Wales der Schrei einer Eule erklingt, heißt das, dass gerade ein Mädchen seine Unschuld verloren hat. Hört eine Schwangere in Frankreich eine Eule rufen, dann wird sie ein Mädchen zur Welt bringen. Und wenn in Polen eine verheiratete Frau stirbt, verwandelt sie sich umgehend in eine Eule.
 
Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Film-Eulen weibliche Namen tragen. Und wie heißt die bekannteste von ihnen? Richtig: Hedwig! Sie war ein Star der "Harry-Potter-Filme". Interessant, dass diese angeblich weibliche Eule ausschließlich von Kerlen dargestellt wurde. Wie bei den Menschen, sind Männer eben leichter zu zähmen. Hedwigs Part wurde daher abwechselnd von sieben männlichen Schneeeulen wahrgenommen. Sie hießen Gizmo, Kasper, Oops, Swoops, Oh-Oh, Elmo und Bandit. Wahrscheinlich hatten sie einen fähigen Manager, der geregelte Arbeitszeiten und viel Urlaub ausgehandelt hatte.
 
Habt Ihr Euch mal gefragt, woher der Spruch kommt "da könnte man gleich Eulen nach Athen tragen?" Wahrscheinlich tue ich das gerade. Denn dies ist der überflüssige Versuch, einem wandelnden Lexikon wie Euch Kenntnisse zu vermitteln, über die Ihr längst verfügt. Und da die Schutzgöttin Athens bekanntlich Athene, die Göttin der Weisheit, ist, die mit den Eulen auf Du und Du war.... aber das wisst Ihr ja alles selbst.
 
Wisst Ihr aber auch, dass Eulen scharfe Ohren haben, obwohl sie auf den ersten Blick nicht sichtbar sind? Wie, auch das ist für Euch nicht neu? Ach ja, darüber habe ich irgendwann in der Schmunzelpost schon mal geschrieben. Die Eulenohren sind zwar unter Federn verborgen, aber damit hören die Vögel zehnmal besser als Menschen. Was ihnen die nächtliche Jagd erheblich erleichtert.
 
Nun aber endlich etwas, wovon Ihr noch nichts gehört habt. Uhus haben individuelle Namen. Wenn sich drei Uhus einander vorstellen, klingt das in etwa so: "Gestatten, hu, hu, huuuuh, hu, huuuh, hu.!" "Ich bin huuuh, huuuh, hu, hu, huuuh, hu." "Und mein Name ist hu, hu, hu, hu, huuuuh, huuuuh." Das Prinzip ist klar: Ein Uhu-Name besteht aus einem festgelegten Morse-Code von kurzen und langgezogenen Tönen.
 
Wo wir gerade beim Uhu sind: Der größte Eulenvogel ist recht unerschrocken. So legte 2007 ein Uhu zeitweise ein Fußball-Länderspiel in Helsinki zwischen Finnland und Belgien lahm. Der Vogel ließ sich ungerührt vom menschlichen Treiben auf dem Spielfeld nieder, so dass der Schiedsrichter das Spiel unterbrach. Als der Uhu sich endlich in die Luft erhob, gab es großen Beifall auf den Rängen. Was den Uhu bewog, nach einer Ehrenrunde auf einem Tor zu landen. Erneut Gejohle. Der Uhu erhob sich wieder - und setzte sich dann auf das gegenüberliegende Tor. Davon erzählt man sich in Finnland heute noch. Wie das Spiel ausging, geriet dagegen in Vergessenheit.
 
Zum Abschluss noch ganz spezielles Wissen über den Uhu aus meinem (Sa-)Tierischen ABC. "Buchstabe U: Uhu, größte heimische Eulenart. Seit einigen Jahren sind Brutpaare auch wieder im Ruhrgebiet ansässig, beispielsweise in einem ehemaligen Zechenturm in Herten. Der geschickte nächtliche Jäger und Fleischfresser ernährt sich von allem, was ihm sein Umfeld bietet: Vögeln, kleinen Säugetieren oder aus Imbissstuben entlaufenen Currywürsten.
 
In jüngster Zeit sind neue Unterarten entdeckt worden: der Juhu, der bei nächtlichen Feiern sein Unwesen treibt, der Buhu, der in Kulturtempeln und Sportstätten durch fieses Pfeifen und Schmähgekrächze auffällt, und der Xuhu, der ganze Nächte am Computer hockt, um tagsüber anderen ein U für ein X vorzumachen."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Wenige andere Tiere kommen in so vielen Zitaten vor wie die Eule. Eine kleine Auswahl:
 
"Eine Eule ist der weiseste aller Vögel. Je mehr sie sieht, desto weniger spricht sie."
 
 "Manche Männer sind wie die Eulen: Tagsüber bekommen sie kein Auge auf, und nachts jagen sie die Mäuschen.”

"Mensch sein ist anstrengend. Also sei eine Eule!"

“Wenn die Deutschen wirklich das Volk der Dichter und Denker wären – wäre dann nicht die Eule ihr Wappenvogel?”

Und zum Schluss noch was Gereimtes:

"Die Eule nimmt genau wie Du, von Jahr zu Jahr an Weisheit zu.
 Drum sag ich Dir ins Ohr ganz leise: Du wirst nicht älter, sondern weise!” 
 

Schmunzelpost 592 vom 2. 12. 22


Wenn sich für Euch heute am 2. Dezember das SP-Adventskalender-Türchen öffnet, dann findet Ihr dahinter sowohl Zorse wie Zesel. Nein, diese Tiere habe ich mir nicht ausgedacht. Der Zorse stammt von einem Pferdehengst und einer Zebrastute ab, der Zesel wurde von einem männlichen Esel mit einem Zebra gezeugt. Diese Kreuzungen sind unfruchtbar und können sich daher nicht weiter vermehren.
 
So, und schon habt Ihr wieder etwas gelernt. Aber das ist längst noch nicht alles, was Ihr heute über das Zebra erfahren werdet. Dass Autos vor Zebrastreifen bremsen sollen, wissen wir spätestens seit der Fahrschule. Doch warum bremsen Bremsen vor Zebras? Ganz einfach: Die Facettenaugen von Bremsen, Mücken und Stechfliegen haben Probleme mit dem Streifenmuster, es irritiert sie bei der Landung und schreckt sie daher ab. Zudem dünsten Zebras auch noch einen Hautgeruch aus, der für die Blutsauger unangenehm ist.
 
Die Streifen haben noch eine andere Funktion: Sie dienen der Thermoregulierung. Auf den schwarzen Streifen können sich die Körperhärchen der Zebras aufrichten, auf den weißen Körperpartien nicht. So wird beim Schwitzen die Verdunstung beeinflusst, unter afrikanischer Sonne eine Art körpereigene Klimaanlage. An der Streifenzahl kann man die Zebra-Art erkennen. Die größten, die Grevyzebras besitzen 80, Bergzebras 45 und Steppenzebras etwa 30 Streifen. Die Muster sind so unterschiedlich wie Fingerabdrücke. Die Tiere erkennen sich untereinander daran, Jungtiere finden so bereits nach wenigen Tagen stets ihre Mutter wieder.
 
Zebras sind eine Untergattung der Pferde und werden, je nach Art, zwischen 180 und 450 Kilogramm schwer. Sie können ein Tempo von bis zu 60 km/h erreichen. Warum haben die Menschen sie dann nicht wie das Pferd gezähmt? Nun, es wurde immer wieder versucht. Aber die Zebras möchten das nicht. Und sie widersetzen sich der Domestizierung mit allen Mitteln.
 
 Das fängt schon damit an, dass sie sich schlecht einfangen lassen, weil sie besser sehen als Pferde und einem Lasso oder einer Schlinge daher entgehen können. In die Enge getrieben, setzen sie sich kräftig zur Wehr. Mit gezielten Huftritten, aber vor allem auch mit Bissen. In den Zoos der Welt werden weit mehr Tierpfleger durch Zebrabisse verletzt als durch Tiger. Kurzum, mit einem Zebra ist nicht gut Kirschen essen.
 
Wer weiß? Wenn der Klimawandel fortschreitet und Zebras bei uns heimisch werden, müssen sie sich nur noch mit Schafen anfreunden. Dann ist ein Problem gelöst: Wer manchmal sogar einen Löwen vertreibt, der wird den Wolf erst recht das Fürchten lehren!   
 
Glückauf
kdk
 
PS. Als Zugabe noch ein Gedicht von Yaak Karsunke:
 
Das Zebra 
Eins wird das Zebra nie begreifen:
Wie kommt man übern Zebrastreifen?
Es bleibt am Straßenrande stehn
& ist dort stundenlang zu sehn –
bis sein Anblick jemand rührt
ders dann übern Fahrdamm führt. 
 

Schmunzelpost 591 vom 1. 12. 22

Pünktlich zum 1. Dezember öffne ich heute das erste Türchen des tierischen Schmunzelpost-Adventskalenders. Bis zum 24. 12. werdet Ihr so Tag für Tag etwas über jeweils eine andere Tierart erfahren, teils allgemein bekanntes, teils spannende Fakten, die bisher verborgen geblieben sind. Zum Auftakt schaut uns ein Marder entgegen.
 
Auf ihn bin ich durch Axel Hacke gestoßen. Der hat sich jüngst in seiner Kolumne mit Tieren in der Stadt und dabei speziell mit seinem Automarder beschäftigt. Keinem menschlichen, sondern einem Steinmarder. Das ist die einzige Marderart, die sich für unsere Blechvehikel interessiert. Hacke verweist darauf, dass es gar nicht Euer Hausgenosse ist, der Kabel zerbeißt und Euren Pkw auf diese Weise lahmlegt. Wenn bei Euch ein männlicher Marder zur Untermiete in der Garage wohnt, markiert der lediglich sein gemütliches Zuhause, den Motorraum, mit seinem Urin. Mit solchen Duftnoten grenzen viele Tiere ihr Revier ab.
 
Seid Ihr nun so leichtsinnig und parkt Euer Auto im Bereich eines anderen Marder-Männchens, so wird dieses durch den Geruch des Rivalen fuchsteufelswild. Und beißt herzhaft zu. Da kann ich nur sagen: Selbst schuld. Autofahrer, bleib bei Deinem Marder!
 
Nun aber zum Grundsätzlichen. Marder sind hundeartige Raubtiere, von denen es 20 Gattungen und rund 60 Arten gibt. Die Großfamilie reicht vom Wiesel, über Iltis, Dachs, Nerz und Otter bis zum Vielfraß. Das Mauswiesel wiegt gerade mal 25 Gramm, der Vielfraß bringt es, wie der Name schon ahnen lässt, auf über 30 Kilogramm. Und dann gibt es noch so exotische Verwandtschaft wie den Zorilla, den Tigeriltis und das Libysche Streifenwiesel. Bis vor kurzem zählten Zoologen auch Stinktiere zu den Mardern, entschieden dann aber, dass Skunks eine eigene Familie sind.
 
Das heißt aber nicht, dass Marder nicht in der Lage wären, Geruch als Waffe oder Markierung einzusetzen. Die meisten Arten verfügen über eine Analdrüse, mit der sie stinkende Flüssigkeiten ausstoßen können. Zusammen mit ihren scharfen Zähnen und ihrem Mut macht sie das zu unangenehmen Widersachern. Und die größte Art, der Vielfraß, sucht sich sogar ausgewachsene Rentiere als Beute!
 
Manches haben Marder mit den Menschen gemeinsam. Die Männchen sind meist größer als die Weibchen und in der Regel auch deutlich schwerer. Um einen anatomischen Unterschied jedoch beneiden vermutlich die Menschenmännchen ihre Geschlechtsgenossen. Marder verfügen über einen Penisknochen! Dieses segensreiche Teil hält das Geschlechtsorgan dauernd steif und ermöglicht eine lange Kopulation. Beim männliche Homo sapiens ist dieser Knochen aber im Lauf der Evolution geschrumpft und schließlich ganz verschwunden. Möglicherweise hat sich die Natur gedacht: "Der Mensch lebt meist monoton, äh, monogam. Da sind Männer und Frauen sowieso dauernd zusammen, nicht nur zur Brunftzeit. Deshalb reicht es, wenn die Sache schnell erledigt ist - die paradiesischen Zeiten sind vorbei, die sollen nicht Spaß haben, die sollen arbeiten!"
 
Dafür haben sich die Menschenweibchen an den Marderartigen gerächt. "Trägt sie einen Zobel, gilt die Frau als nobel", hieß es, und Zobel, Mink und Nerz mussten ihre Pelze abgeben. Was sie nur widerwillig tun, weil es für sie mit dem Exitus verbunden ist. Vielleicht sollte der Nerz eine Möglichkeit finden, den speziellen Duft seiner Nahrung in seinen Pelzhärchen zu speichern. Nerze leben nahe am Wasser und bevorzugen als Leibspeisen Fische, Frösche und Krebse.
 
Jetzt kommen wir zu völlig neuen Erkenntnissen, die ich bei meinen Überlegungen im Geiste von Alfred Brehm aufgeschrieben habe. So fragt sich die Fachwelt, warum der Schwarzfuß-Iltis in freier Wildbahn ausgestorben ist. Ich sage: Ganz klar, seine Fressfeinde mussten nur den schwarzen Fußstapfen folgen!
 
Auch sonst geben die Namen wichtige Hinweise. Der Fischotter ernährt sich zum Beispiel von Fischen, das Mauswiesel jagt Mäuse. Bei uns aber wundern sich Forstwirte, dass ganze Fichtenwälder abgestorben sind. Ja, habt Ihr denn noch nie etwas vom Fichtenmarder gehört? Der Sonnendachs lebt vermutlich von Licht, Luft und Liebe, der Silberdachs betreibt in seinen unterirdischen Bauten kleine Bergwerke.
 
Was es generell mit dem Dachs so auf sich hat und warum wir ihn so selten zu Gesicht bekommen, verrät ein Auszug aus meinem (Sa-)Tierischen ABC, Buchstabe D: "Dachs, zur Familie der Marder zählendes heimisches Raubtier. Angeblich wird er in unserer Region so selten gesehen, weil er nachtaktiv ist. In Wahrheit treibt er sein Unwesen längst an den Wertpapierbörsen, wo er als 'Dax' Kleinanleger um ihre sauer verdiente Kohle bringt." (Erschienen in: "Tiergeschichten aus dem Ruhrgebiet - Wo Schweine pfeifen, Ziegen moppern und Tauben an das Gut glauben".)
 
Glückauf
kdk
 
PS. Auch Robert Gernhardt hat sich bereits mit einem besonderen Mitglied der Marder-Familie befasst:
 
Der Mördermarder 

Der Mardermörder hockt vorm Bau, 
der Marder ist vor Angst ganz blau. 

Er weiß, daß ihm vor seinem Tod 
die Qual der Mardermarter droht, 

wenn er nicht kurzentschlossen handelt, 
sich kühn zum Martermarder wandelt 

und marternd dem entgegenspringt, 
der mordend in sein Reich eindringt. 

Gedacht, getan, er hüpft ans Licht, 
der Mardermörder sieht das nicht, 

da der sich, scheinbar unbemerkt, 
grad für die Mardermarter stärkt. 

Der Martermarder zählt bis vier, 
der Mardermörder trinkt ein Bier. 

Der Mardermörder beißt ins Brot, 
der Mördermarder beißt ihn tot. 
 

Schmunzelpost 590 vom 30. 11. 22

Letzte Woche war erneut die Gruppe Liederjan Gast des Baumhauses. Das norddeutsche Trio ist bekannt dafür, eine Vorliebe für merkwürdige Musikalien zu hegen und brachte in Dorsten die singende Säge zu Gehör. Dieses Teil krallt sich bei mir schräg ins Trommelfell  und zählt nicht zu meinen Lieblingsinstrumenten - genauso wenig wie der Dudelsack oder die von Amateuren geschrillte Blockflöte. Aber im Klangkosmos gibt es Erfindungen, die noch weit sonderbarer sind. Heute möchte ich Euch einen kleinen Überblick verschaffen.
 
Einmalig ist die große Stalacpipe-Orgel. Die erklingt ausschließlich in den Lunay Caverns in den USA. Kein Wunder, hat die Installation in der 14 000 Quadratmeter umfassenden Tropfsteinhöhle doch drei Jahre gedauert. Dafür gibt es aber auch ein einzigartiges Klang-Erlebnis, wenn Gummischlägel den Stalagmiten unterschiedliche Töne entlocken, die sich im besten Fall zu Harmonien fügen.

Auch mit Wasser lässt sich musizieren. Zumindest, wenn man ein Hydraulophon besitzt und darauf spielen kann. Dazu werden Wasserstrahlen abgedeckt, um auf diese Weise verschiedene Tonhöhen zu erzeugen. Zuhörer beschreiben das Instrument als ein Hybrid: "Eine Unterwasserflöte trifft auf eine Pfeifenorgel."

Nun zu etwas ganz anderem. In Wien ist 1998 das Gemüse-Orchester gegründet worden. Es verwendet ausschließlich Instrumente, die aus frischem Grünzeug gefertigt werden. Das Spektrum reicht vom Basstrommel-Kürbis bis zur Karottenflöte. Diese Musik gefällt nicht nur Veganern. Und nichts wird verschwendet: Nach dem Konzert wandern die Instrumente in eine Gemüsesuppe, die Musiker und Publikum gemeinsam verzehren.

Die Doppel-Bass-Flöte sollte man eigentlich gesehen haben. Das 2,5 m große Ungetüm besteht aus 5,50 m Rohr und erzeugt Klänge wie ein Nebelhorn. Davon gibt es bloß vier Stück auf der Welt! Heutzutage in Vergessenheit geraten ist die Glasharmonika. Geschulte Musiker entlocken mit angefeuchteten Fingern sich drehenden Glasglocken Töne, die mehrere Noten gleichzeitig wiedergeben können und von den Zuhörern als "betörend schön" empfunden werden. Erdacht wurde die Glasharmonika von Benjamin Franklin. Und zu dessen Zeit stand sie hoch im Kurs: Selbst Mozart und Beethoven arrangierten ihre Werke so, dass dafür das Instrument eingesetzt werden konnte.
 
Zum Schluss zu einem wahrhaft göttlichen Instrument. Wer die griechische Mythologie liebt, nennt es Zeusaphon, wer den germanischen Sagenkreis vorzieht, sagt Thoramin zu einem Gerät, das mit Blitzen spielt. Daher auch Zeus und Thor. Ich gebe zu, ich habe das Instrument noch nie gehört. Und wenn ich die Beschreibung lese, wird es auch dabei bleiben: "Ein Plasmalautsprecher nutzt die Modulation der Funkenausgabe einer Tesla-Spule, um einen schockierenden Effekt zu erzeugen." Das Instrument soll daher gleich zwei Musik-Oscars gewinnen können: In den Kategorien für den besten Namen und für das schrecklichste Hörerlebnis! 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 589 vom 29. 11. 22 


Irren ist menschlich. Insofern sollte man meinen, dass es keinen eigenen "Auch-Kunden-können-sich-irren-Tag" braucht. Dennoch wird dieser Aktionstag am 29. November in den USA gefeiert. 
 
Und das aus gutem Grund. In kaum einem anderen Staat wird das Verkaufspersonal so auf die Maxime "der Kunde hat immer recht" gedrillt, wie in den USA. Da ist es für die Beschäftigten eine Erholung, dem Beschwerdeführer bei einer dreisten Reklamation mal den Vogel zeigen zu dürfen: "Sie behaupten also allen Ernstes, dieses Weinglas wäre von ganz allein beim Einschenken eines Edelzwickers vom Nordhang der Hürfeld-Halde in 1000 Stücke zersprungen? Sagen Sie mal, wie viele Flaschen von dem Fusel soll ich saufen, damit ich Ihnen diesen Blödsinn abkaufe?" 
 
Der 30. November steht dann ganz im Zeichen des Computers. Dies ist der Internationale Tag der Computer-Sicherheit. Und als ich zuerst glaubte, der "Tag der blauen Mütze" in den USA sei ein besonders kurioser Feiertag, musste ich mich belehren lassen, dass es auch dabei ums Virtuelle geht. Die blaue Mütze war das Markenzeichen eines Computer-Spezialisten, der sich um einheitliche Webstandards verdient gemacht hat und am 30. 11. Geburtstag feiert. An alle seelenverwandten Nerds gebe ich eine brennende Frage weiter, die durch die Covid-Pandemie aufkam: Kann das Corona-Virus eigentlich auch meinen PC gefährden? 
 
Ab dem 1. Dezember weihnachtet es sehr. Dabei werden durch die Aktionstage unterschiedliche Vorlieben deutlich. In den USA begeht man den Tag der Weihnachtsbeleuchtung, in Großbritannien den Tag des Mistelzweigs und in Deutschland den Tag des Adventkranzes. Oder, wie wir im Pott sagen: Den Tach der Atzventzkranzkerze. Auch der 2. Dezember hat bei uns mit Weihnachten zu tun. Da steht der bundesweite Spekulatiustag  im Kalender. 
 
Und bei bastelfreudigen Kindern und kindgebliebenen Bastlern leuchten die Augen vor lauter Vorfreude mit dem Atzventzkranz um die Wette. Was mag wohl Weihnachten auf dem Gabentisch liegen? "Schatz, der 2. Dezember ist der Internationale Tag der Modelleisenbahn. Wollen wir uns zur Feier des Tages nicht einmal in einem Fachgeschäft umschauen?" 
 
Bei mir verflog die anfängliche Begeisterung schnell. Nämlich spätestens, als ich merkte, wie viel ein einziger Waggon, eine Lokomotive oder ein popeliges Faller-Häuschen kosteten. Da habe ich mein Taschengeld lieber für Bücher ausgegeben. Für echte Modellbahn-Freaks aber gilt: "Ohne Märklin, Fleischmann, Trix, taugt das Christfest für uns nix!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ach ja, wo wir schon gerade Spekulatius knabbern, können wir den Aktionstag vom 3. Dezember gleich miterledigen. Das ist der bundesweite Tag des Dominosteins. 
 

Schmunzelpost 588 vom 28. 11. 22 


Einmal mehr bot das Wochenende ausreichend Gelegenheit, um Zeitungen und Zeitschriften etwas gründlicher zu lesen. Dabei bot allein die "Süddeutsche" genügend Stoff, um die gute alte Rubrik "Fundstücke" wieder zu beleben.
 
Doch ein Hinweis im "Streiflicht" kam für mich zu spät. Es geht um Angela Merkel. Die ist nicht mehr weg, sondern auf der medialen Bildfläche wieder sichtbar. Dazu hieß es in der SZ: "Merkel ist wiederum virtuell gerade ein bisschen zurück, weil ein 'Hamburger Nachrichtenmagazin', das der selige Kanzler Kohl früher immer nur 'ein Hamburger Nachrichtenmagazin' genannt hat, jetzt eine seeeehr lange Geschichte über Merkel veröffentlicht hat. Wenn man anfängt, sie zu lesen, ist es zunächst angenehm wie warmes Badewasser. Hält man bis zum Schluss durch, hat man das Gefühl, zu lange in der Wanne gelegen zu haben. Man erfährt vor allem, dass Merkel so ist, wie sie immer war, aber das sehr ausführlich." Stimmt. Habe ich jedenfalls so in einem Hamburger Nachrichtenmagazin gelesen.
 
Die Seite drei der SZ hat Holger Gertz dann mit lesenswerten Betrachtungen darüber gefüllt, dass die Situation für die deutschen Fußballer und den DFB mittlerweile so verkorkst ist, dass sie inzwischen tun und lassen können, was sie wollen - sie werden in Deutschland stets von irgendeiner Seite Kritik ernten (Herr K. wetzt schon das Messer.). Gertz verweist auch darauf, was der hochintellektuelle frühere deutsche Nationalspieler Andy Brehme, der einst als Brachial-Rhetoriker in die Geschichtsbücher einging ("Hast Du Scheiße am Schuh, hast Du Scheiße am Schuh!") zu der Misere sagen würde: "Das Unmögliche möglich zu machen wird ein Ding der Unmöglichkeit sein." Dafür muss der gute Andy mindestens einen Kurs "Deutsch für Talkshow-Gäste" besucht haben.
 
So oder so, die Aussage trifft zu. Sowohl was das Spiel gegen Spanien wie die Haltung zur FIFA und den Gastgebern betrifft. Egal, wie es ausgeht: In die Wüste schicken können wir unser Nationalteam nicht mehr - da sind sie schon.
 
Beim Blick auf die Entwicklung des fußballerischen Vermögens von Saudi-Arabien erinnert Gertz an eine Schlagzeile der Bild-Zeitung von der WM 2002. Die schrieb vor dem ersten Vorrundenspiel der Deutschen unter Teamchef Rudi Völler gegen Saudi-Arabien "Rudi, haudi Saudi." Das sei dem sprachlichen Erfassungsvermögen von Dreijährigen angemessen, meint Gertz. Ich muss jedoch zugeben, mich spricht dieser sprachliche Geniestreich durchaus an. Aber ich pflege auch mit fast 70 Jahren noch meine infantile Seite.  Übrigens folgte Rudis Elf damals der Bild-Empfehlung: Deutschland gewann 8:0.
 
Diese Geschichte erinnert mich daran, warum ich mir zum ersten, einzigen und damit auch letzten Mal eine Bildzeitung (für 20 Pfennig!) kaufte. Ich war damals 13 Jahre jung. Und die Schlagzeile nahm die halbe Titelseite ein und bestand aus vier Buchstaben und einem Satzzeichen: "Drin!" Gemeint war damit, dass Deutschland beim WM-Turnier 1966 in England mit einem 3:0-Erfolg den Einzug ins Finale geschafft hatte. Mein Tipp für die Bild-Kollegen (Kenntnisstand Sonntagmittag): Morgen könnt ihr titeln "Draußen!".
 
Aber auch noch ein schneller Blick auf das WM-Turnier 1978. Auch damals war der Gastgeber ein Schurkenstaat. Argentiniens Junta-Chef Jorge Videla soll 30 000 Morde in Auftrag gegeben haben. Und der damalige DFB-Chef Hermann Neuberger befahl den deutschen Spielern, im Falle eines Finalsiegs diesem Finstermann die Hand zu geben. So weit kam es nicht. Wahrscheinlich aus Trotz verloren die Deutschen sogar gegen Österreich und schieden schon früh kläglich aus. Vorher hatten die Spieler, ohne Furcht vor einem Shit-Storm ihrer Fans in den sozialen Medien, kein Blatt vor den Mund genommen. Die lebende Bananenflanke Manni Kaltz: "Ich fahr' dahin, um Fußball zu spielen, nichts sonst. Belasten tut mich das nicht, dass dort gefoltert wird. Ich habe andere Probleme."
 
Schauplatzwechsel. Wer Katar boykottiert und sich stattdessen ins Weihnachtsmarkt-Getümmel stürzt, um sich mit Glühwein zu betäuben, dem sei in Dorsten ein Besuch im "Barista & Uomo" in der Lippestraße empfohlen. Dort gibt es für 4 Euro ein köstliches Getränk aus Pfälzer Landwein. Ansonsten gilt, was schon Mitte des 19. Jahrhunderts Heinrich Heine über die besondere Wärme, aber auch die üblen Spätfolgen des Genusses des Menschen wusste: "... wenn er Glühwein trinkt und Punsch/ oder Grog nach Herzenswunsch,/ in den niedrigsten Spelunken/ unter Dieben und Halunken."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ein Nachtrag zur gestrigen Schmunzelpost. Marion rät allen, die an den düsteren Seiten des Christentums interessiert sind, einen Deutschlandfunk-Beitrag unter https://www.deutschlandfunk.de/die-duestere-seite-des-christentums-100.html   aufzurufen. 
 
PPS. Noch ein Kinderwitz aus der Süddeutschen: Wie will eine Stadt in Baden-Württemberg ihre Bürger zum Energiesparen ermuntern? Baden-Baden wird umbenannt in Duschen-Duschen. Und wie nennen besonders energiebewusste Bürger ihre Stadt dann? Bloß "Duschen". 
 
PPPS. Noch eine Fußball-Weisheit: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nun hat das deutsche Team doch noch gute Aussichten, bei der WM die Zwischenrunde zu erreichen. Aber wen interessiert das schon? Nur mich? Oder noch Millionen andere Bekloppte...?   
 

 Schmunzelpost 587 vom 27. 11. 22


Na, habt Ihr schon die erste Kerze angezündet? Heute ist schließlich der erste Advent, ein Freudentag der Kerzenindustrie. Mir aber ist schon gestern ein Licht aufgegangen. Da wurde ich noch gerade rechtzeitig vor der Adventszeit daran erinnert, dass mitunter führende Christen sich äußerst unchristlich verhalten haben. 
 
Den folgenden Text schrieb ich gestern, am 26. November. Das war der Tag, an dem sich gleich zweimal in der Geschichte die Stellvertreter Gottes auf Erden unrühmlich in Szene setzten. Am 26. November 1095 rief Papst Urban II. mit den Worten "Gott will es!" zum ersten Kreuzzug auf. Es folgten in den Jahrhunderten danach noch sechs weitere größere Kreuzzüge, die summa summarum nur eines bewirkten: Sie brachten unsägliches Leid über die betroffenen Menschen, seien es Christen, Muslime oder Heiden. Und die Tradition, die Waffen von Angreifern zu segnen, hat sich bis in die Gegenwart erhalten, wie das Beispiel des Oberhaupts der russisch-orthodoxen Kirche zeigt. 
 
Ein besonders übles Beispiel dafür, dass eine Religion, die Barmherzigkeit und Nächstenliebe predigt, nicht davor schützt, dass ihre obersten Repräsentanten de facto Mord und Totschlag befehlen, ereignete sich am 26. November 1648. 1648? Da war doch was? Richtig, mit dem Westfälischen Frieden war endlich der Dreißigjährige Krieg beendet worden. Ein furchtbares Massaker, das ganz Deutschland verwüstete und mehr als ein Drittel der Einwohner das Leben kostete. 
 
Einer jedoch war mit dem Friedensschluss ganz und gar nicht einverstanden. Papst Innozenz X. erklärte den Vertrag am 26. 11. 1648 für "null und nichtig, ungültig, ungerecht, verwerflich, verkommen, hirnverbrannt, bedeutungslos und ohne Wirkung für alle Zeit." Den Machtverlust der katholischen Kirche und die Existenzberechtigung des protestantischen Glaubens wollte "der Unschuldige" nicht wahrhaben. Wie kaltherzig er war, zeigte Innozenz auch dadurch, dass er im Konflikt mit dem Herzog von Parma seine Armee die Stadt Castro einnehmen und komplett zerstören ließ. 
 
Nur schade, dass er nicht mehr mitbekam, wie sein bevorzugter Günstling (he, Genderfans, wie lautet die weibliche Form: Günstlingerin?) mit ihm umsprang. Innozenz hatte der Witwe seines Bruders wiederholt wertvolle Immobilien zugeschanzt. Doch kaum war der Papst tot, da plünderte die Schwägerin seine Gemächer und weigerte sich danach, für eine standesgemäße Beerdigung zu sorgen. Sie sei schließlich nur "eine arme Witwe." So blieb der Leichnam volle drei Tage lang unversorgt. 
 
Ihr merkt schon, heute ziele ich mehr auf ein grimmiges Lächeln als auf ein Schmunzeln. Und weil ich evangelisch bin, schreibe ich auch gern über das sexuelle Gebaren der Päpste. Die alte Tradition des Kindesmissbrauchs begründete ein Papst bereits Anfang des fünften Jahrhunderts. Er legte auf Unschuld großen Wert und beschränkte sich bei der Wahl seiner Gespielinnen auf pubertierende Mädchen. Klar: Das war Innozenz I. 
 
Offiziell hat es bis heute keine Päpstin gegeben. Dabei war es ein offenes Geheimnis, dass Anfang des 10. Jahrhunderts eine Frau im Kirchenstaat das Sagen hatte: Grafentochter Marozia war die Mätresse von Sergius III.. Später sorgte sie dafür, dass ihr gemeinsamer Sohn als Johannes XI. ebenfalls Papst wurde. Damit nicht genug: Auch ihr Enkel durfte sich als Johannes XII. noch mit Papstwürden schmücken. Er trieb es jedoch allzu toll. Angeblich soll er sogar in der Peterskirche ein Bordell unterhalten haben. Jedenfalls wurde er wegen unzüchtigen Lebenswandels abgesetzt und exkommuniziert. 
 
Was spätere Nachfolger nicht abschreckte. Um 1450 starb Papst Paul II. während des Geschlechtsaktes mit einem Lustknaben. Fünfzig Jahre danach war Alexander VI. dafür umso mehr den Frauen zugewandt. Er soll des Nachts bis zu 25 Freudenmädchen empfangen haben. Zudem pflegte er ein Verhältnis mit seiner Tochter Lucrezia sowie deren Mutter und Großmutter! 
 
Der letzte Papst, dessen ausschweifendes Leben Aufsehen erregte, war um 1850 Gregor XVI. Er schätzte sehr die Frau seines Barbiers und hatte mit ihr sieben Kinder. Frage an meine katholischen Leser: Was ist das eigentlich, dieses ominöse Zölibat? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 586 vom 26. 11. 22


War schon die Vergabe dieser Titelkämpfe nach Katar ein Riesenfehler, so fühlt sich jetzt die gesamte WM falsch an. Das hat nicht nur etwas mit der Jahreszeit zu tun. Wenigstens sorgt es für Belustigung, mit welch plumpen Tricks versucht wird, der Welt das Bild eines harmonischen, fröhlichen Fußballfests vorzugaukeln. 
 
Besonders sticht dabei der Versuch der Gastgeber hervor, Asiaten als Fußballfans der teilnehmenden Nationen auszugeben und so für Stimmung in den Stadien zu sorgen. Das hätte sich Loriot nicht besser ausdenken können. Jetzt las ich, mit welchen Schlachtgesängen die in deutsche Trikots gesteckten Fan-Darsteller aus Bangladesh versuchen, teutonische Atmosphäre auf den Rängen zu verbreiten. Dazu singen sie nicht etwa die deutsche Nationalhymne "In München steht ein Hofbräuhaus" oder den Klassiker "So ein Tag, so wunderschön wie heute". Das wäre angesichts der Auftaktpleite gegen Japan auch vermessen. 
 
Aber selbst andere gängige Stadion-Grölereien wie "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" oder "Schiri, wir wissen wo Dein Auto steht" kommen den Amateuren nicht über die Lippen. "Steht auf, wenn Ihr Deutsche seid" war vermutlich ohnehin zu anspruchsvoll. Und der simple Gassenhauer "Ole, ole, ole, ole!" kam den Akteuren wahrscheinlich spanisch vor. Stattdessen singen sie "Ratatatatatata - hiya, haya, Germany!" 
 
Da muss man erst mal drauf kommen. Ansonsten ist dieser Text durchaus bundesligatauglich. Selbst besoffene rechtsradikale deutsche Stadionbesucher wäre dazu in der Lage. Mit einer kleinen Änderung: "Hiya, haya, Germania!" 
 
Nun bin ich gespannt, wie es weitergeht, wenn der Jubelchor aus Bangladesh die zweite Lektion des Crashkurses "Deutsch für Anfänger" gelernt hat. Vermutlich: "Ratatatatatata - im Wagen vor mir fährt ein schönes Mädchen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 585 vom 25. 11. 22 

Die heutige Folge gewährt Einblicke in amerikanische Sitten und Gebräuche. Denn wie fast immer stehen fast alle Aktionstage eigentlich nur in den USA im Kalender. Einige davon stelle ich jetzt vor. 
 
Auf den ersten Blick paradox erscheint, dass am heutigen 25. November in Amerika sowohl der "Einkäufe-Erinnerungstag" als auch der "Kauf-nix-Tag" auf dem Programm steht. Doch der Widerspruch löst sich auf, wenn wir uns die Feiertags-Gewohnheiten in den USA anschauen. Weihnachten wird dort wie bei uns am 25. Dezember gefeiert. Ebenso wie bei uns bemerken viele Menschen dort erst in letzter Minute: "Oh my god! I have no present for Uncle Sam!" Um diesem Missstand abzuhelfen, sollen die Amerikaner besser schon einen Monat vorher anfangen, sich Gedanken über passende Geschenke zu machen. Mich beschleicht jedoch der Verdacht, dass dieser Memo-Service-Tag ein Präsent des US-Handels sein könnte. 
 
Der hat dafür bestimmt nichts mit dem "Kauf-nix-Tag" zu tun. Dieser wird immer am letzten November-Freitag begangen und hat einen ganz anderen Hintergrund. Der vorhergehende Donnerstag ist "Thanksgiving", der schwarze Tag der Truthähne und ein Familienfest, das bei vielen Amerikanern noch höher im Kurs als Weihnachten steht. Nach Thanksgiving haben alle einen Tag frei. Was der Handel nutzte, um den Verbrauchern mit dem "Black Friday" das Geld aus der Tasche zu locken. Als Gegengewicht wurde der "Kauf-nix-Tag" im Kalender installiert. Einen ganzen freien Tag aushalten, ohne Geld für den Konsum auszugeben? Dieser Aktionstag hat es schwer, sich in Amerika durchzusetzen. 
 
Am 26. November folgt dann der internationale Tag der Zeitschriften. Ich empfehle, mal die Regale eines wirklich gut sortierten Zeitschriftenhändlers zu durchforsten. Früher waren das oft die Bahnhofsbuchhandlungen. Und trotz des Internets gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt! Nach dem großen Erfolg der "Landlust" gab es eine wahre Inflation von Blättern, die "Land" im Titel führen - und ich meine nicht den Deutschland-Atlas. Unter den ca. 20.000 Zeitschriften findet sich etwas für jeden Geschmack - von der altehrwürdigen "Bäckerblume" bis zur "ZauberZeit". Und auch ausgefallene Titel wie "Akrützel", "Brosamen von des Herrn Tisch" und "VKU". Letzteres ist ein Fachmagazin für "Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik". Ob ausgerechnet dafür der Rekordpreis von 75 Euro pro Ausgabe verlangt wird, bezweifle ich jedoch. 
 
Kommen wir zum 27. November. Da erfahren wir, was US-Amerikaner so in ihrer Freizeit treiben. Sie kümmern sich liebevoll um Panzerechsen ("Tag der Patenschaften für Schildkröten), trainieren ungewöhnliche Sportarten ("Tag des Tortenwurfs") oder pieksen mit Stecknadeln Stoffpuppen, die ihrem Chef ähneln ("Day of Needles and Pins"). 
 
Am 28. November pflegen sie dann ein wirklich seltsames Hobby. Das ist der "Bastle-Deinen-eigenen-Kopf-Tag". Na gut, wenn der echte Kopf aus Holz ist, kann ein Haupt aus Pappe oder Ton ein echter Fortschritt sein. Und bei Querdenkern ragt vermutlich der Draht aus der Mütze. Oder trägt man in der Szene immer noch Alu-Hüte? Damit wären wir beim Nachdenken angelangt und wollen deshalb die Interpretation nicht verschweigen, dass intellektuelle Amerikaner den Aktionstag eher als Aufforderung begreifen, sich eigene Gedanken zu machen. Wie auch immer: Nur gut, dass dieser Tag nicht Ende Oktober gefeiert wird - dann müssten wir glauben, die Amerikaner stammten vom Kürbis ab. 
 
Weil ich barmherzig bin, mache ich nun für heute Schluss und huldige damit dem internationalen Aktionstag-Motto vom 28. 11.: Das ist der "Welttag der Barmherzigkeit". 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 584 vom 24. 11. 22


Der Ball ist rund, das nächste Spiel ist immer das schwerste und jede Partie hat drei Halbzeiten. Die letzte dieser Fußballweisheiten trifft zumindest auf Herrn K. zu, meinen zu Selbstgesprächen neigenden Nachbarn, den es nach jedem nervenaufreibenden Fußballspiel auf den Balkon treibt. Gestern hatte er allerhand zu sagen. 
 
"Hömma, Karl, dat hältste doch im Kopp nich aus! Da sind die drückend überlegen, ham Schangsen zuhauf, die selbs meine Oma noch mit ihr'n Krückstock reingetan hätte und die machen einfach die zweite Bude nich! Und dann kommt dat, wie et kommen muss: Die andern hauen uns zweimal die Pocke innen Kasten und fettich is die Laube! Japan, die Spitzentruppe aus Fernost, die früher nur in Judo, Ping-Pong und Turnen auffen grünen Zweich kam! Bei uns kickt die halbe Elf bei dat weltbeste Star-Onsombell in Bayern, bei den Japanern schießt einer dat Siechtor, der in Bochum meistens auffe Bank sitzt. Und über den Abwehrchef meckern se auf Schalke, dat er für die blauweiße Hintermannschaft viel zu langsam wär. Auf Schalke!!! 
 
Nee, nee, nee, wie soll dat allet enden? Ich kann Dich dat heut schon sagen: Die Spanier, die schenken uns wieda vier Dinger ein und dann fah'n wir wie vor vier Jahre in Russland nache Vorrunde nach Hause wie begossene Pudel. Diesmal könnense den Löw ja nich zum Sündenbock machen. Der Flick is' ja der erklärte Liebling gewesen. Booah, wat hat der aba auch für 'ne Erfolgsserie hingelecht - tausend Siege am Stück gegen granatenstarke Gegner wie Lichtenstein und San Marino. Aba getz, wo et ernst wird, da kriegense wieda nix gebacken. 
 
Na gut, die Argentinier ham sich auch blamiert und gegen die Saudis verlorn. Aba die Messi-Truppe hat wenichstens noch vier Abseitstore geschossen.  Aba Abseits, dat können unsre ja auch nich. Na ja, vielleicht bin ich auch 'n bisken ungerecht, unsre hatten ja bei fast jede WM so ein, zwei Spiele dabei, wo Du hinterher dachtest: Ojoijoijoi, dat hätte aba böse inne Hose gehen können. Weisse noch, 2014, kurz vor die Gala gegen Brasilien? Da wär'n wir doch fast inne Zwischenrunde gegen Algerien rausgeflogen, wenn der Manu nich für zwei gespielt hätte - Torwart und Libero! 
 
Und überhaupt, wenn ich dat so recht überlegen tu, dann is et ga nich schlimm, wenn wir in Katarh kein Blumentopf gewinnen. Wir hätten ga nich erst hinfahn solln zu diesem Korruptions-Festival. Dann hätten wir hinterher schön sagen können: Eigentlich wär uns der Titel nich zu nehm gewesen, aba so sind wir immahin die moralischen Weltmeister. 
 
Un spätestens. als die FiFa dann selbs diese kümmerliche Ali-Baba-Binde verboten hat, ja, ich weiß, dat heißt Alibi, da hätten die acht Protest-Nationen sagen müssen: Du kanns uns mal den Buckel runterrutschen, Du durchgeknallter Blatter-Bubi! Dann schmeiß doch mal wegen sonner Lapali die Elite von Europa raus und kuck, wat von Dein tollem Tunier noch übrich bleibt! Übahaupt kriech ich dat große Kotzen, wenn ich diesen Infantino labern hör. Hömma, der hat doch bei Trump und Putin einen Kurs im Leute-verarschen belecht! 
 
Hab ich eben wirklich Elite gesacht, als ich auch von unsere Gurkentruppe geredet hab? Dat tut mir Leid, dat is mir so rausgerutscht. Ich ruf getz auf zum Boykott: Keine Minute von diese Skandal-WM kuck ich mich getz mehr an! Dat werd ich beim SV Hardt annet Stadiontor nageln! Dat hamse getz davon, die Fußball-Bonzen. So, nu könnt Ihr mich alle mal gern ham. 
 
Pst, Karl, is der neugierige Kerl von unten getz wech? Dann tu mich ein Gefallen: Wenn ein Wunda passiert und wir die Spanier bei die Hörner packen tun, dann sach mich Bescheid. Wenn ich den Vorhang zuzieh, kriecht ja keiner mit, dat wieda die WM auffem Bildschirm flimmat. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 583 vom 23. 11. 22

Zahlen, bitte! Nein, ich sitze nicht in einem Lokal und rufe nach dem Service. Ich sitze vor dem PC und denke darüber nach, dass heute der 22. 11. 22 ist. Ein Datum, das ich nicht verstreichen lassen kann, ohne darüber eine Schmunzelpost zu schreiben. 
 
Wir haben es hier mit Schnapszahlen zu tun. Doch was ist eine Schnapszahl, und woher hat sie ihren Namen? Die erste Antwort weiß jeder: Eine Schnapszahl ist eine mehrstellige Ziffer, die aus ein und derselben Zahl besteht. Sie hat vermutlich ihren Namen bekommen, weil früher bei Würfel- und anderen Spielen vorher ein Zahl vereinbart wurde, nach deren Erreichen der Spieler den anderen einen ausgeben musste. Meistens war das Schnaps. 
 
Das steht in enger Verbindung zur zweiten Theorie. Nach dem Genuss von reichlich Schnaps konnte es dazu kommen, dass man doppelt sah und so aus der 2 eine 22 wurde. Gebt zu: Ihr müsste ganz schön gesoffen haben, um auf 22.11.22 zu kommen! 
 
Manche Leute bezeichnen auch andere Zahlen als Schnapszahlen, zum Beispiel Zahlenpalindrome. Das sind Ziffern, bei denen vorne und hinten die gleiche Zahl steht, am besten zusammen mit einer Schnapszahl in der Mitte. Bevor Ihr einen Schnaps trinken müsst, um das zu verstehen: Beispiele sind 9889 oder 10001. Und dann gibt es noch Leute, die Zahlen Schnapszahlen nennen, die einen Kopfstand machen können. Nein, stellt die Flasche weg, auch dafür gibt es Beispiele: 96 oder 9886. 
 
Abergläubische Menschen behaupten, Schnapszahlen brächten Glück. Fritz Eckenga sieht das anders, wie aus der legendären TV-Sketchreihe hervorging, bei der er morgens in einer Bäckerei einkaufte und sich regelmäßig gefallen lassen musste, dass die kreischende Verkäuferin bei der Addition auf eine Schnapszahl kam. 
 
 Dann gibt es noch Mystiker, die bestimmten Schnapszahlen eine ganz besondere Bedeutung zusprechen. Etwa der Zahl 666, die nach der Offenbarung des Johannes die Zahl des Tiers ist. In teuflische oder rechtsextreme Gefilde wollen wir uns gar nicht erst begeben. 
 
Doch ich möchte Euch noch mitteilen, was ich im Internet auf der Seite "Lebenskarneval" von Laura Kollmann gefunden habe. Sie erklärt uns die Bedeutung von Zwillingszahlen, die wir beim Blick auf die Uhr bemerken. Von 01.01 bis 23.23 Uhr hat sie jeweils stündlich eine Erklärung parat, die mich an Horoskope erinnert. Aber es muss doch was dran sein. Wenn ich um exakt 00.00 Uhr auf die Uhr blicke, denke ich: Donnerwetter, schon wieder ein neuer Tag! 
 
Doch Laura Kollmann geht noch weiter. Falls Ihr zu den Leuten gehört, die häufiger beim Blick auf die Uhr eine Zwillingszahl registrieren, dann soll das heißen, dass Engel oder Geister mit Euch in Kontakt treten wollen. Vor allem Euer Schutzengel möchte gern mit Euch kommunizieren. Am besten ist es übrigens, wenn Ihr rein zufällig die Zahl 22:22 erwischt: Die verheißt Euch Selbstliebe, Gesundheit und Wohlstand. 
 
Pardon, Frau Kollmann: Der einzige Engel, der mir ab und zu Nachrichten sendet, ist eine Kollegin mit dem Vornamen Claudia! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 582 vom 22. 11. 22


Wahrscheinlich habe ich einmal zu oft zugehört, wenn Herr K. auf seinem Balkon Selbstgespräche führte. Jedenfalls hat sich bei mir eine weitere Form des Gagatums eingenistet - der innere Dialog. Beispiel gefällig? 
 
kdk: "Ich bin zu dick!" 
kdk: "Wie kommst Du darauf?" 
kdk: "Die Hose kneift." 
kdk: "Na und? Dann nimm das nächste Loch im Gürtel." 
kdk: "Es ist bereits das letzte Loch!" 
kdk: "Dann hol Dir einen neuen Gürtel. Oder mach in den alten ein zusätzliches Loch, das ist nachhaltiger." 
kdk: "Das ändert nichts am Problem. Die Waage ist unbestechlich. Und die zeigt an, dass ich fast 95 Kilo wiege!" 
kdk: "Du bist aber auch 1,86 m groß. So schlimm ist das nicht." 
kdk: "Ich fühle mich mit so einer Plautze aber nicht wohl. Bei mir konzentrieren sich die zusätzlichen Pfunde rund um die Hüften. Ich sehe aus wie ein i, bei dem der Punkt verrutscht ist." 
kdk: "Was regst Du Dich auf? Du gibst doch sonst nicht viel auf Äußerlichkeiten." 
kdk: "Als Student habe ich mich schon unwohl gefühlt, wenn ich die 70 kg-Marke überschritten hatte. Später habe ich dann lange darum gekämpft, nicht mehr als 75 Kilo zu wiegen. Und als ich das Joggen aufgeben musste, fiel die 80 Kilo-Grenze. Nie hätte ich gedacht, jemals die 90 Kilo zu überschreiten. Das ist ungesund!" 
kdk: "Wer sagt das?" 
kdk: "Das liest man überall. Dieser Bauchspeck ist tückisch." 
kdk: "Also, mein Freund, hör mal gut zu. Im Alter nimmt man eben zu, das ist vor Dir schon vielen anderen passiert. Solange Deine Werte jedoch halbwegs in Ordnung sind, macht das nichts aus. Willst Du ausgerechnet auf der Zielgeraden Deines Lebens auf gutes Essen und Rotwein verzichten? Außerdem kann es bestimmt nicht schaden, im Krankheitsfall ein paar Fettreserven zu haben. Und sonst? Schau Dich mal um! "Curvy" ist der neue Trend. Endlich kommt die Rubens-Ära wieder. Schon Cäsar sagte: "Lasst dicke Männer um mich sein!" Israelische Forscher haben herausgefunden, dass leichtes Übergewicht die Lebenserwartung von Männer erhöht. Erst bei starkem Übergewicht sinkt sie wieder. Durchtrainierte Hochleistungssportler wie Sumoringer wiegen zwischen 150 und 300 kg. Ein Blauwal bringt es auf 200 Tonnen. Und dieses Säugetier ist munter wie ein Fisch im Wasser! Was sagst Du jetzt? 
kdk: "Ich bin zu dünn!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Beschäftigung mit den USA brachte es mit sich, dass ich Einblicke in die Umgangsformen der US-Politiker bekam, die mir vorher fremd gewesen sind. Dort herrschte immer schon ein mehr als rauer Ton. Der Unterschied zur Gegenwart ist nur: Früher blieben solche Äußerungen intern, jetzt in der Ägide Trump scheuen sich die Akteure nicht mehr, vor laufender Kamera oder per Tweet zu pöbeln, was das Zeug hält.
 
Am 22. November 1963 gab der durch den Tod von John F. Kennedy aufgerückte Lyndon B. Johnson dem Generalstaatsanwalt Robert F. Kennedy eine barsche Weisung: "Tun Sie es. John F. Kennedy ist nicht länger Präsident. Ich bin es!" Daraufhin sagte Robert F. Kennedy über LBJ: "Dieser Mann ist gemein, verbittert und lasterhaft - auf viele Arten und Weisen ein Tier!" Johnson revanchierte sich, als Robert F. Kennedy für das Amt des Präsidenten kandidieren wollte: "Er ist ein rotznäsiger Hurensohn!"  
 

 Schmunzelpost 581 vom 21. 11. 22


Na? Heute schon ein Liedchen mitgesummt, das im Radio gespielt wurde? Fehler! Zumindest aus Sicht der Initiatoren des "Internationalen Tags ohne Musik", der am 21. November begangen werden soll. Das ist als Protest gedacht, weil wir von morgens bis abends angeblich mit belangloser Musik zugemüllt werden. Da ist zwar etwas dran, aber ich lehne die Aktion trotzdem ab. Ein Tag ohne Musik ist für mich nicht denkbar - es kommt aber darauf an, welche. 
 
Vorschlag zur Güte: "You say goodbye and we say hello!"  Wir legen heute den Song "Hello, Good Bye" von den Beatles auf, denn der 21. 11. ist auch der "Welt-Hallo-Tag". Ein freundliches "Hallo" - und wir sind aufgefordert, heute mindestens zehn andere Menschen so grüßen - soll ein Signal gegen den Krieg und zur Wahrung des Friedens sein. Sicherlich wird Putin zusammen zucken, wenn ich zehn Nachbarn und Freunde derartig aufrüttele. 
 
Damit nicht genug. Die UNO hat 1997 den 21. November zum "Welttag des Fernsehens" erklärt. Der weltweite Austausch von TV-Sendungen soll den Frieden und die Sicherheit, das soziale Verständnis und die Kultur fördern. Wenn das man klappt! Die beliebtesten deutschen Serien, die inzwischen in mehr als 100 Ländern ausgestrahlt werden, sind "Derrick" und "Alarm für Cobra 11". Am deutschen Wesen wird die Welt genesen. 
 
Der 22. November ist der bundesweite "Tag der Hausmusik". Er wurde bereits 1932 begründet. Ziel war es, das gemeinsame Musizieren daheim zu fördern. Früher veranstalteten dazu Profi-Musiker und Musikschulen gratis private Konzerte, eine Tradition, die heute nur noch von den "Toten Hosen" gepflegt wird. In Zeiten der dünnen Wände ist das Familienkonzert, bei dem mehr oder meist weniger begabte Menschen Instrumente quälen, ziemlich in Vergessenheit geraten. Die Nachbarn registrieren das mit Dankbarkeit! 
 
In den USA wird am 22.11. auch der "Gründe-Deinen-eigenen-Staat"-Tag gefeiert. In Deutschland versuchen das seit längerem die Reichsbürger, bislang vergebens. Mehr Glück wünsche ich Donald Trump und seinen treuen Anhängern. Als Staatsgebiet schlage ich ein gut abgrenztes Gelände vor. Wie wäre es mit einer Insel bei Neufundland? Auch Guantanamo käme in Frage, wenn vorher die letzten Gefangenen endlich freigelassen werden. 
 
Der "Tag des Dankes für die Arbeit" wird am 23. November in Japan gefeiert. Erst habe ich einen Mordsschreck bekommen, weil ich fürchtete, dass im Land der aufgehenden Sonne die Menschen ihren Arbeitgebern die Füße küssen sollen. Doch das ist gar nicht angestrebt. Es geht darum, anderen für die Arbeit zu danken, die sie zum Wohle der Gemeinschaft leisten. Der Applaus für Pflegekräfte und Krankenhauspersonal bei uns zu Beginn der Corona-Pandemie war auch ein Schritt in diese Richtung. 
 
Nun zum 24. November. Das ist, warum auch immer, in Deutschland der "Tag der Gummistiefel". Ein Vorgriff auf den Klimawandel? In Russland feiert man den "Walross-Tag". Ob deutsche Touristen dann in Gummistiefeln den Tieren gratulieren sollen? Nitschewo! Dieser Tag wurde vom russischen WWF im Kalender untergebracht, weil im arktischen Lebensraum der Walrösser Erdölvorkommen entdeckt worden sind. Donnerwetter! Die Russen propagieren Umweltschutz entgegen eigenen wirtschaftlichen Interessen? Leider nicht. Es waren US-amerikanische Firmen, die diese Vorräte ausbeuten wollten. 
 
In den USA wird übrigens am 24. 11. der "Tag der Sardinen" begangen. Braucht man da die Gummistiefel zum Angeln? Nichts da! Kleine Fische! Es geht nicht um Fischfang, sondern um die kulinarische Bedeutung der Sardine. Sie ist ernährungstechnisch überaus wertvoll, weil sie sowohl viele Vitamine wie Mineralien enthält. Vor allem jedoch Omega-3-Fettsäuren, die vor Kreislauferkrankungen schützen. Nun können wir uns in Gummistiefeln schlecht zum Restaurantbesuch aufmachen. Doch die meisten Sardinen gibt's in Dosen - und den Supermarkt dürfen wir auch mit Stiefeln betreten. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 580 vom 20. 11. 22 


Gestern klang es schon kurz an: Seit es dem Menschen gelungen ist, sich vom Instinktwesen in ein denkendes Geschöpf zu verwandeln - was leider in vielen Fällen bis heute nicht richtig funktioniert - hat er/sie/d ein besonderes Verhältnis zu verschiedenen Tieren entwickelt. Die Palette reicht vom Todfeind zur Nahrung, vom Nutzobjekt bis zum besten Freund. Dabei wissen wir immer noch viel zu wenig über die meisten Mitbewohner, mit denen wir unseren Planeten teilen. 
 
Heute möchte ich daher ein paar Irrtümer ausräumen. Unterhaltungen mit Fischen in Aquarien sind oft einseitig. Dennoch ist die Redensart "stumm wie ein Fisch" falsch. Wir können sie im Regelfall nur nicht hören (Flipper, den klugen Delphin und Pfiffikus mal ausgenommen). Unter Wasser grunzen, quietschen und brummen Fische, was das Zeug hält. Weshalb, meint Ihr, hat der Knurrhahn seinen Namen bekommen? Und manche Fische nutzen zur Kommunikation sogar ihren Darm - der Hering ist der Furzschwätzer der Meere! 
 
Damit ist im Grunde bereits der nächste Trugschluss widerlegt. Fischer können sehr wohl hören und zwar nicht nur ihresgleichen. Die alten Chinesen riefen ihre Goldfische mit Glöckchen herbei. Und in den 20er Jahren hatte der Verhaltensforscher Karl von Frisch seinen Wels "Xaverl" so dressiert, dass der sofort aus seiner Höhle geschossen kam, wenn sein Kumpel Karl nach ihm pfiff. Fische leiden auch sehr darunter, wenn dröhnende Schiffe über ihnen unterwegs sind. Doch wenn man keine Ohren hat, kann man sie sich nicht einmal mit Flossen zuhalten.
  
Das lauteste Geräusch in der Tierwelt ist keineswegs das Brüllen des Löwen. Es wird vielmehr von unter Wasser lebenden Gliederfüßlern erzeugt, genau gesagt vom Pistolen- oder auch Knallkrebs. Der lässt mit solcher Wucht seine Scheren aufeinander donnern, dass der explosionsartige Lärm, die Druckwelle und ein Lichtblitz seine Beute betäuben oder sogar töten. Nebenbei: Wie Bienen, Ameisen oder Nacktmulle (siehe Schmunzelpost Nr. 600) ist diese in Tropen und Subtropen lebende Garnelenart die einzige, die Staaten bildet. Zur Verteidigung ihrer Königin patroullieren besonders kräftige Knallkrebse an den Reviergrenzen, um Eindringlinge zu stoppen. 
 
Eine letzte Information noch, die Euch verblüffen dürfte. Ihr vermutet bestimmt, dass Fruchtzwerge nur in den Regalen von Lebensmittelläden oder in privaten Kühlschränken zu finden sind. Weit gefehlt! Vampire gibt es wirklich, sogar Fruchtvampire. Das ist kein zum Veganertum bekehrter Graf Dracula, sondern eine Fledermausart - der Schokoladen-Fruchtzwerg. Die Tierchen werden nur sechs Zentimeter lang und höchstens 17 Gramm schwer. Sie ernähren sich von kleinen Beeren, die sie im Fluge von Bäumen und Büschen pflücken und dann beim gemütlichen Abhängen verzehren. Den vorderen Teil ihres Namens verdanken sie ihrem schokoladenbraunen Fell. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nach meiner Gaga-Post hat mich eine überzeugende Trost-Mail erreicht. Darin berichtet eine junge Frau, die meine Tochter, was sage ich, die mein Enkelkind sein könnte, dass ihr ähnliches auch dauernd widerfährt. Die Kellernummer gehöre für sie zum Alltag. Gern genutzt für vergessliche Momente werde auch die Autobahn: "Wohin fahre ich und warum?" Auch der Kühlschrank als Brillendepot ist ihr wohlvertraut, "gottlob aber nur ein einziges Mal im laufenden Backofen, wohin ich sie ablegte, um den Braten genauer zu beäugen, die Gucci natürlich, die hatte dann auch eine schöne braune Kruste:)))". 
 

Schmunzelpost 579 vom 19. 11. 22 


Wie lautet ein wichtiges Gebot für Regierende, aber auch für uns? Aus der Geschichte lernen! Leider funktioniert das oft ganz und gar nicht. Der 19. November 1919 ist dafür ein Beispiel. Vieles, was sich damals zutrug, erinnert fatal an die Gegenwart. 
 
Schauen wir mal gut 100 Jahre zurück. Der US-Präsident Woodrow Wilson hatte sich bereits 1917 mit einem Friedensplan vergeblich bemüht, den Ersten Weltkrieg zu beenden. Nach der deutschen Niederlage biss er sich bei den französischen, englischen und italienischen Delegierten die Zähne mit dem Versuch aus, die Reparationszahlungen der Deutschen im Versailler Vertrag auf ein erträgliches Maß zu begrenzen. Tatsächlich trugen deren Folgen später erheblich zur wirtschaftlichen Not und zum Erstarken der reaktionären Kräfte bei. 
 
Immerhin gelang es Wilson, bei den internationalen Partnern die Bildung eines Völkerbundes durchzusetzen, der mit einigen Vollmachten ausgestattet werden sollte. "Dies ist eines der großartigsten Dokumente in der Geschichte der Menschheit", bewertete Wilson das Papier. Dieses sollte die Grundlage einer neuen Weltordnung werden, das friedvolle Zusammenleben regeln und furchtbare Kriege, wie den gerade beendeten, in Zukunft verhindern. 
 
Doch der Demokrat Wilson hatte die Rechnung ohne seine Landsleute gemacht. Zumindest ohne die Republikaner, die im Senat über die Mehrheit verfügten. Deren Anführer war Henry Lodge, ein Mann, der schon vorher geäußert hatte: "Ich habe nie geahnt, dass ich irgendjemand im Geschäft der Politik so hassen könnte, wie ich Wilson hasse!" Das Führungsteam der Republikaner hatte bereits entschieden, den Vertrag scheitern zu lassen, bevor überhaupt etwas über dessen Inhalte und den Völkerbund bekannt war. 
 
Also entschied sich der von mehreren kleineren Schlaganfällen gezeichnete Wilson gegen den Rat seiner Ärzte, eine Info-Reise durch die USA zu beginnen, um beim Volk für einen starken Völkerbund zu werben. Überall, wo er auftrat, jubelten ihm die Menschen zu. Die letzten Termine aber musste Wilson absagen. Ihn traf ein schwerer Schlaganfall, nach dem er gelähmt blieb. Bei der Abstimmung am 19. November 1919 brachten dann die Republikaner den Vertrag zu Fall. Als Folge blieb der Völkerbund ähnlich zahn- und machtlos wie heute die UN. Rückblickend scheint es, als ob der Geist von Trump (wobei es mir schwer fällt, diesen Namen mit Geist in Verbindung zu bringen) schon damals unheilvoll die Gemüter vergiftet haben könnte. 
 
Damit es am Ende doch noch was zu Schmunzeln gibt, bleiben wir in den USA. Ich habe ja bereits über tierische Vorschriften in US-Bundesstaaten geschrieben, nach denen es beispielsweise verboten ist, ein Krokodil in der Wanne zu halten oder mit einem Grizzly-Bären in der Fußgängerzone spazieren zu gehen. Aber die Amerikaner haben noch weit mehr kuriose Gesetze zu bieten. 
 
Im Glücksspiel-Ort Las Vegas ist es untersagt, außer Haus einen Hula-Hoop-Reifen um die Hüften kreisen zu lassen, der einen Durchmesser von mehr als einem Meter hat. Was damit erreicht werden soll? Fragt nicht, wir sind in den USA. So gibt es in Maryland einen Paragraphen, der verbietet, Heuballen und andere sperrige Gegenstände aus dem Fenster im 2. Stock zu werfen. Nun frage ich mich, ob ich dort meinen Kühlschrank oder mein Klavier wenigstens aus dem 1. Stock  schleudern darf. 
 
In Oregon ist heute noch das Hexen gesetzlich verboten. Astrologen, Handleser und Hellseher können dort belangt werden. Wegen der möglichen Folgen befragt besser keinen Wahrsager, sondern einen Anwalt. In Kentucky ist es bei einer Strafe von 50 Dollar verboten, Reptilien mit in den Gottesdienst zu bringen. Wenn Eure Boa beichten will, dass sie heimlich drei Zuchtkaninchen verschlugen hat, muss sie ein anderes Bundesland aufsuchen. Ob das die späte Rache der Kirchenoberen von Kentucky an der Schlange ist? Ich weiß es nicht. 
 
Dafür weiß ich, dass ich endlich in Virginia öffentlich fluchen darf. Bis zum Jahr 2020 wurde das noch mit einem Bußgeld von 250 Dollar geahndet. Und in Massachusetts kann es teuer werden, wenn jemand Melodie und Text der amerikanischen Nationalhymne nicht fehlerfrei beherrscht, aber trotzdem wagt, mitzusingen. Sarah Connor, bleib' besser in good old Germany. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 578 vom 18. 11. 22

 

Au, au, au! Nein, das wird kein neuer Zungenbrecher. Das ist ein lautmalerisches Wehklagen, mit dem ich aufkeimende Befürchtungen in Buchstaben umgesetzt habe. Es mehren sich die Anzeichen, dass es um meine geistige Frische nicht mehr so gut bestellt ist. Zieht da etwa eine Demenz an meinem beschränkten Horizont herauf? 
 
Nicht nur, dass ich Euch vor kurzem wieder eine Schmunzelpost mit dem falschen Datum (zweimal 15.11.) zugesandt habe. Plötzlich stehe ich auch mit Zahlen und Daten auf dem Kriegsfuß. Früher hat sich das auf Vornamen konzentriert. Unlängst habe ich erst eine Michelle in eine Melanie verwandelt. Das wirkte offenbar so ansteckend, dass selbst die alten Freundinnen Erika und Trude nicht mehr wussten, wer wer war. Schon vor 20 Jahren taufte ich einen SPD-Ratsherren in der Zeitung von Hans auf Hermann um. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn er nicht den Nachnamen Löns getragen und Absicht vermutet hätte. 
 
Äh, ja, sagt mal schnell, was wollte ich Euch eigentlich erzählen? Ach ja! Neulich stand ich morgens vor dem geöffneten Küchenschrank und wusste nicht mehr, was ich herausholen wollte. Zum Glück war die Auswahl nicht so groß, so dass mir nach zehn Minuten und Durchsicht des Nahrungsangebots siedend heiß einfiel: Kaffee! Ich war schließlich gerade dabei, mein Frühstück zuzubereiten. 
 
Jetzt könnt Ihr einwenden: Ja, wenn ich noch total verschlafen in der Küche stehe, dann passiert mir das auch schon mal. In der Tat, es war in aller Herrgottsfrühe, die Uhr hatte gerade zehn geschlagen (je nach Windrichtung höre ich die Glocken von St. Agatha und St. Nikolaus). Doch das lasse ich als Ausrede nicht gelten. Schließlich geschieht es auch zunehmend häufiger, dass ich die Kellertreppe herabgestiegen bin und mich unten frage: Was, zum Teufel, will ich hier? Richtig schwierig wird es, wenn ich dort gleichzeitig drei Dinge erledigen will. Mindestens eins vergesse ich grundsätzlich. 
 
Na ja, Bewegung hält fit. Wenigstens körperlich, wenn auch offenbar nicht unbedingt geistig. Vielleicht sollte ich mir wie andere Leute zum Einkaufen künftig für Kellergänge einen Zettel schreiben. To-do-Listen stehen bei mir zur Zeit sowieso hoch im Kurs. Auf einer heißt es seit längerem: Schreib doch mal eine Schmunzelpost über Deine Vergesslichkeit! 
 
Auslöser für diesen Eintrag war die Erinnerung daran, wie ich einmal im Gemüsefach des Kühlschranks meine Armbanduhr wieder fand. Zwar nicht im Gemüse-, dafür aber im Butterfach, habe ich auch schon mal nach stundenlanger Suchaktion meinen Schlüsselbund wieder entdeckt. Ich muss ihn dort abgelegt haben, als ich Einkäufe einräumte und dabei permanent vom verfressenen Kater abgelenkt wurde. 
 
Die Krönung war jedoch eine andere Suche nach meiner Armbanduhr. Wie Menschen von Luft lebte dieser Zeitanzeiger von Sonnenlicht. Ich deponierte ihn daher zum Auftanken regelmäßig nach der Heimkehr auf der Fensterbank. Erst, wenn ich das Haus verließ, musste die gesättigte Uhr das Solarium wieder verlassen. Eines Tages war ihr Platz jedoch leer. Also durchsuchte ich nach und nach sämtliche Räume, Schubladen, Wäschefächer und Taschen, auch die der Kleidungsstücke. Dabei kam allerhand lang Vermisstes ans Licht, nur nicht meine Solaruhr. 
 
Sogar in den Keller stieg ich hinab und schaute selbst ins Tiefkühlfach des Kühlschranks. Nichts. Null. Niente. Dabei hätte ich schon längst das Haus verlassen müssen. Gedankenverloren schob ich den Hemdsärmel hoch, um zu sehen, wie spät es war. Mist! Schon eine halbe Stunde Verspätung! Erst in diesem Moment durchzuckte mich die Erkenntnis: Ich hatte die Uhr die ganze Zeit an meinem Arm durchs Haus getragen. Offenbar hatte ich sie geistesabwesend vorzeitig angelegt, als ich mich darauf konzentrierte, den Kaffee fürs Frühstück aus dem Schrank zu holen. 
 
Tröstlich ist aber: Das ist schon lange her. Vielleicht hat nur meine angeborene Zerstreutheit zugenommen. Bereits meine Mutter hat schließlich gesagt: "Junge, eines Tages gehst Du noch ohne Kopf aus dem Haus." Aber wenigstens hätte ich dann meine Uhr dabei. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Falls mich doch allmählich die Demenz überwältigt, werdet Ihr das vermutlich beim Lesen der Schmunzelpost merken. Wenn meine Fähigkeiten zum Bedienen des Computers und der Tastatur langsamer nachlassen als die Gabe zum Formulieren von Gedanken, entsteht so vielleicht eine neue Kunstform. Nach dem Dadaismus der Gagaismus! 
 

Schmunzelpost 577 vom 17. 11. 22 


Ich weiß, dass ich nichts weiß! Mit diesem leicht paradoxen Satz eines griechischen Philosophen, dem ich mich vollumfänglich anschließe, beginne ich die heutige Schmunzelpost. Nicht ohne Grund. Denn der 17. November wurde von der UNESCO als "Welttag der Philosophie" ausgerufen. Daher hänge ich noch eine Verhaltensmaxime an, die für mich ebenfalls zum philosophischen Leitsatz geworden ist: "Behandle andere Menschen stets so, wie Du selbst von ihnen behandelt werden möchtest". Immanuel Kant hat das zwar ein wenig anders formuliert, meinte aber hoffentlich dasselbe. 
 
Am 18. November glaubte ich zunächst, einen wirklich kuriosen Aktionstag entdeckt zu haben. Der 18.11. ist in den USA nämlich der "Skorpion-Selbsthilfetag". Hä? Rennen dann die Skorpione mit Erste-Hilfe-Koffern durch die Wüste, für den Fall, dass sie sich versehentlich ins eigene Bein stechen? Leider gibt es eine langweilige Erklärung, mit der nur die Astrologie-Gläubigen unter Euch etwas anfangen können. Für die gelten wohl im Sternzeichen des Skorpions geborene Menschen als schwierige Ehepartner. Insofern ist die deutsche Übersetzung irreführend: Gemeint ist ein Unterstützertag für jemand, der mit einem Skorpion verheiratet ist. Na ja, ein wenig Unterstützung kann jeder brauchen. 
 
Aktionswürdiger finde ich den bundesweiten Vorlesetag, der ebenfalls am 18.11. begangen wird. Vorlesen ist nicht nur für Kinder wichtig. Wie wir im Baumhaus feststellen, kann es auch Erwachsenen, aktiv wie passiv, Spaß machen. Zur Feier des Tages könntet Ihr beispielsweise diese Schmunzelpost Eurer Partnerin oder Eurem Partner vorlesen. Aber bloß nicht, falls sie oder er ein Skorpion ist. 
 
Heute schon weiß ich, was ich am 19. November essen werde. Denn das ist der bundesweite Tag der Suppe. Wenn sie richtig zubereitet sind, geht für mich kaum etwas über eine Erbsen- oder Linsensuppe. Obwohl ich auch die Geschmacksvielfalt besonderer Süppchen mitunter mehr genieße als den folgenden Hauptgang. Falls die Suppe zu scharf gewürzt war, freue ich mich, dass am 19.11. auch der Welttoilettentag gefeiert wird. Das Hauptanliegen ist natürlich, dass aus Hygienegründen rund um den Globus überall saubere Toiletten verfügbar sein sollten. Und je älter wir werden, desto mehr würdigen wir es, wenn ein öffentliches WC in Reichweite und außerdem auch geöffnet ist. 
 
In Amerika begeht man am 19.11. außerdem den "Einen-schlechten-Tag-wünschen-Tag". Das klingt zunächst fies. Ist aber so gemeint, dass im meist trüben November den Leuten, denen das gezuckerte "Have a nice Day" schon zu den Ohren herauskommt,  ein solcher Gruß womöglich sogar lieber ist. In jedem Fall wohl dann, wenn in der Nähe jemand lautstark den "Tag des Dudelsacks" feiert. In den USA, nicht etwa in Schottland! 
 
Auch am 20. November dominieren die amerikanischen Aktionstage. Da haben wir zum einen den "Gib-Deinem-Computer-einen-Namen"-Tag.  Dazu habe ich bereits am "Gib-Deinem-Auto-einen-Namen" und am "Gib-Deinem-Fahrrad-einen-Namen"-Tag die Nase gerümpft. In Kombination mit einem weiteren Aktionstag ist so ein Quatsch jedoch vertretbar. Denn der 20.11. ist in den USA auch der "Tag des Unsinns". 
 
Da der 20. November aber auch der Internationale Tag der Kinderrechte ist, bin ich dafür, neben allen anderen Kinderrechten den Kleinen zusätzlich das Privileg zu verleihen, den Familien-Computer taufen zu dürfen. Selbst auf die Gefahr hin, dass mancher PC dann leichter gehackt werden kann. Weil womöglich sein Name auch als Passwort dient. Und da ist es nicht abwegig, dass viele Kinder wegen der Computer-Maus den PC "Mausi" nennen... 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 576 vom 16. 11. 22


Einmal fest verknotet, immer verknotet? Da die Resonanz anhält, lässt der Themenwechsel weiter auf sich warten. So fragt Martin, ob auch ausländische Zungenbrecher in Frage kommen. Natürlich! Schließlich gab der Internationale Tag der Zungenbrecher das Startsignal. Martin liefert auch gleich zwei Beispiele:
 
Englisch: Betty Botter bought some butter, but she said, this butter's bitter! If I put it in my batter, it will make my batter bitter! So she bought some better butter, better than the bitter butter, and it made her batter better. (batter = Teig). Und französisch: Bonjour, Madame Sanssouci, combien ces six saucissons ci? Ces six saucissons ci? Six sous, ces six saucissons ci. Six sous, ces six saucissons ci!!! C'est trop cher, Madame Sanssouci!


Tungeknekker gibt es selbstverständlich auch in Norwegen. Hoffentlich müsst Ihr dort nie jemand erklären, dass Ihr unter Schluckauf leidet. Der heißt nämlich Hypernevrokustiskediafragmakontravibrasjoner. Hübsch hört es sich dagegen an, wenn ein erwachsener Boxer seine Hosen wäscht: Voksen bokser, vasker bukser. Und ein wenig nach Stefan Raabs Eurovisions-Song "Watte hadde dudde da" klingt es, wenn Norweger darüber sinnieren, ob sie einen Hut gehabt hätten:
 
Hadde jeg hatt den hatten jeg hadde hatt, sa hadde jeg hatt en hatt jeg og. 
 
Die schwedischen Nachbarn hingegen zerbrechen sich ihre Zungen, wenn sie sich mit zweigfreien Besenstielen (kvistfritt kvastskaft) befassen oder sechs Lachse in eine Lachsdose stopfen (sex laxar i en laxask ). Oder wenn sich sieben herrlich singende Krankenschwestern um siebzehn seekranke Seemänner kümmern: Sju skönsjunganda sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka. Außerdem kommen Schweden manchmal ganz ohne Mitlaute aus. Zum Beispiel wenn sie sagen, dass im Strom eine Insel sei und in dieser Insel ein Strom: I aa ä e ö a i öa ä e a. Wie? Das habe ich nicht korrekt ausgesprochen? Ach ja! Über dem ersten, dem dritten und dem vierten a fehlt ein kleiner Kringel.
 
Zum Kringeln ist auch, was die Finnen zu bieten haben. Mit deren Besonderheiten beschäftigten wir uns ja schon mehrfach. Bei der Fährüberfahrt nach Helsinki kann man zum Beispiel zu betrunkenen Heimkehrern sagen: "Ääliö, älä lyö! Ööliö löikkyy!" Das bedeutet: "Nicht schlagen, du Idiot! Das Bier wird überschwappen!" Und wenn Ihr trotz Raufbolden und Sturm heil ankommt und auch Euer Getränk nicht verschüttet habt, könnt Ihr Finnen bitten, ein Freudenfeuer anzuzünden: "Kokoo kokoon koko kokko!"

Wer denkt, dass das Finnische eine Sprache mit ellenlangen Wörtern ist, der irrt. Mitunter lässt sich ein Sachverhalt auf Finnisch kürzer beschreiben als auf deutsch: Hiljaa Hilja sanoi Hiljalle hiljaa niin hiljaa ettel Hilja kuulut miten hiljaa Hilja sanoi Hiljalle hiljaa. Was das heißt? Na, ganz einfach: Hilja ist eine Frau, die zu einer anderen Frau namens Hilja sagt, dass sie still sein soll, und sie sagt es so leise, dass Hilja nicht hören kann, wie leise Hilja ihr sagt, daß sie still sein soll.

Genug! Bevor Eure Zungen endgültig Schaden nehmen, ist Schluss für heute. Weil es aber klingt, wie Sirenen von Polizei- und Krankenwagen, ein letztes noch. Wie sagt man auf Finnisch: "Du nimmst sie dann"? Ta ti tu ta!

Glückauf
kdk

PS. Ich kann einfach die Klappe noch nicht halten. Schließlich habe ich lange geübt, um sagen zu können, was Finnen berichten, die Ahnenforschung betrieben und herausgefunden haben: "Meine Großmutter machte meine Mutter, meine Mutter machte mich." Mun mummuni muni mun mammani, mun mammani muni mun. Und wenn Ihr zweifelnd fragt: "Hat sie?" und die Antwort lautet: "Sie hat!", dann klingt der Dialog so "Ha o he ho?" "He ha o he!
 

 Schmunzelpost 575 vom 15. 11. 22


Hinter mir liegen ereignisreiche Tage. Erst eine denkwürdige Kabarett-Generalprobe, bei der mehr schiefging als funktionierte. Dann eine Premiere, bei der unmittelbar vor dem Beginn die Videotechnik versagte. Dann folgte eine kulinarische Lesung, bei der eine Zuhörerin in Ohnmacht fiel. Nicht wegen der Wucht der vorgetragenen Texte, sondern aus gesundheitlichen Gründen. Zum Glück endete der Vorfall nach dem ersten Schock und einer 45-minütigen Behandlungspause glimpflich.
 
Das lässt sich auch einen Tag später von der zweiten Tintenhühner-Vorstellung sagen, als ursprünglich die große Leinwand nach vorn auf die Bühne sank. Zum Glück war ich gerade hinter dem Vorhang verschwunden, sonst wäre ich endlich einmal voll im Bilde gewesen. Zur Belohnung lief die dritte und letzte Vorstellung am Sonntag dann wie am Schnürchen. Und mittags habe ich auch noch eine tolle Fotoausstellung im "Franz" (Dorstener Fußgängerzone neben dem Franziskanerkloster) mit Motiven vom Dorstener Bahnhof besucht, die ich jedem Kunstfreund empfehlen kann (geöffnet aber nur samstags und sonntags).  So war ich nicht nur im Bilde, der Tag bekam auch den würdigen Rahmen.
 
Zur Entspannung wollte ich es mir eigentlich heute leicht machen und Euch mal wieder ein seltenes Tier vorstellen. Allerdings haben die Zungenbrecher unerwartet viel Resonanz gefunden. Und da Doris schrieb: "Datt dä kruse Kopp datt Kölsch usläss! Äver datt hätt her bestemp noch dunn wolle!", kann ich das nicht auf mir sitzen lassen. Zwar lautet die Antwort: "Nä, datt hätt her nit!", doch ich will mal nicht so sein: "Dr decke Daachdecker deck dir ding Daach, dröm dank dem decke Daachdecker, dat dä decke Daachdecker Dir ding Daach deck!" Und in einem Kölner Restaurant solltet Ihr unbedingt eine kölsche Spezialität bestellen - falls Ihr das unfallfrei über die Lippen kriegt: "Kanarievöjelcheszüngelschezuppe".

Irgendwelche Hessen unter Euch? Bevor die sich auch beschweren, hier zwei sprachliche Kostproben. Direkt lyrisch wird es, wenn Würmer auf Türme klettern: "Sitzt e Wermsche uff'm Termsche mit 'em Schermsche unterm Ermsche. Kimmt e Stermsche, werft des Wermsche mit'm Schermsche unnerm Ermsche vom Termsche." Zweites Beispiel.  Hochdeutsche würden sagen: "Wo willst Du Dein Heu hin haben?" Der Hesse aber sagt: "Wo widdn dei ha hi ho he?"
 
Aber eigentlich wollte ich es ja diesmal ruhig angehen lassen. Deshalb nur noch einen Spruch, damit Ihr angemessen kontern könnt, falls Euch mal jemand beleidigt:  "Wenn du Trottel zu mir Trottel nochmals Trottel sagst, sag ich Trottel zu dir Trottel so lange Trottel, bis du Trottel zu mir Trottel nie mehr Trottel sagst, du Trottel!"
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 574 vom 14. 11. 22


Beim Schreiben der letzten Folge bin ich in einem Themenfeld hängen geblieben. Nicht nur mit der Zunge, sondern auch mit den Augen. Und da gestern der Internationale Tag des Zungenbrechers war, liefere ich einige Kostproben nach, die ich erst heute halbwegs fehlerfrei aussprechen kann.
 
Alle, die das neue Tintenhühner-Programm gesehen haben, wissen, dass viele Dorstener sich als Münsterländer fühlen. Schließlich gehört ein Großteil des Stadtgebietes nördlich der Lippe eher dort hin als ins Ruhrgebiet. Daher dürfte es manchem sicher leicht fallen, folgenden Spruch laut zu lesen, der Ruhrpöttlern nur schwer über die Lippen kommt: Harr'k n Hark hatt, harr'k harken künnt! Was das bedeutet? Das weiß doch jeder Gartenfreund: "Hätte ich eine Harke gehabt, hätte ich harken können." Das sage ich übrigens auch gern, wenn ich zu Gartenarbeit herangezogen werden soll.
 
Das erste zungenbrecherische Beispiel stammt übrigens aus dem nördlichen Münsterland und dem Emsland. Noch weiter nördlich sind die Friesen zuhause. Wenn Ihr die fragt, wie sie in ihr Haus gekommen sind, sagen sie womöglich: "Dör de Vordördöör dör". Mit ein wenig Nachdenken kommt Ihr selbst drauf, was das heißt.

Friesen kämen dagegen ins Grübeln, wenn sie ein Pfälzer eindringlich mahnt: "Wenn de deun Kakdus nit gieschd, denn verderrt der der." Verstanden? Dann kommt Ihr auch mit der Warnung eines Bayern klar, der darauf hinweist, dass auch ein anderer Standort für den Kaktus nicht geeignet ist: "Do dadada aa dadürn!"

Und wenn Ihr in die Pfalz reisen möchtet, was gegenwärtig wegen der vielen Weinfeste dort keine schlechte Idee ist, dann habe ich noch etwas sprachliches Rüstzeug für Euch. Jedenfalls dann, wenn Ihr ein Hemd kaufen wollt, Euch aber in einen Werkzeugladen verirrt: "Hemmer hem mer, awwer Hemmer hem mer kee." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 573 vom 13. 11. 22 


Die nächsten vier Tage haben mir allerhand zu bieten. Ich habe gleich dreimal Grund zum Feiern. Und für Aktionen. Mit der ersten fange ich gerade an: Der 13. November ist seit 2018 in Deutschland der Tag des Bloggens. Daher schreibe ich Euch heute mal eine Schmunzelpost-Mail. 
 
Da mein Follower Donald X aus den USA weiß, dass dies öfter geschieht, hat er mich gebeten, eine Nachricht an Euch zu übermitteln. Er schreibt: "In Amerika hat man jetzt endlich herausgefunden, dass die letzten Präsidentenwahlen wahrhaftig gefälscht waren." Weil heute in den den USA der "Bring-ein-Gerücht-in-die-Welt-Tag" ist, gebe ich diese Botschaft ungeprüft an Euch weiter. 
 
Das Augenzwinkern habt Ihr Euch bestimmt dazu gedacht, denn schließlich seid Ihr die cleversten, klügsten und liebsten Leser, die man sich wünschen kann. Das musste am "Welt-Nettigkeitstag" mal geschrieben werden! Und da Ihr auch noch geschickt und sprachlich versiert seid, wird es Euch sicher keine Mühe bereiten, diesen Dialog flüssig aufzusagen: "E', de' de' de' e'?" "Jia, de' e', de' de' e'." Der Wortwechsel stammt aus dem Südschwedischen und bedeutet: "Ist dies, was es ist?" "Ja, dies ist, was es ist." Solche fundamentalen Wahrheiten müssen am "Internationalen Tag des Zungenbrechers" mal ausgesprochen werden. 
 
Kommen wir zum 14. November. Das ist der Tag des Lochers, den der deutsche Ingenieur Friedrich Sonnecken am 14. 11. 1886 zum Patent angemeldet habt. Falls Ihr dieses Ereignis gebührend feiern wollt, dann perforiert doch einfach eine Menge bunter Seiten - so habt Ihr genug Konfetti für Silvester! 
 
Am 15. November habe ich dann doppelten Grund zum Feiern. Dies ist in Deutschland der "Tag des öffentlichen Bücherschranks". Und wie Ihr wisst, betreue ich als Pate einen solchen. Vielleicht schaut Ihr mal rein, ob was Passendes für Euch enthalten ist? Außerdem begeht man in Amerika den "Ich-liebe-es-zu-schreiben-Tag", eine Marotte von mir, unter der Ihr täglich zu leiden habt. 
 
Nicht unter meinen Vorlieben findet sich dagegen der "Putze-Deinen-Kühlschrank-Tag". Obwohl ich zugeben muss, dass gelegentliche Reinigungsaktionen nützlich sein können. Vor Jahren habe ich in einem Winkel des Kühlschranks meine lang vermisste Armbanduhr wieder gefunden. Ich rätsele heute noch, wie sie hineingekommen ist. Vielleicht hatte sie ein Rendezvous mit einer Weißweinflasche. Doch ich fürchte, die hat ihr die kalte Schulter gezeigt. 
 
Am 16. November, liebe Doris, musst Du nach Amerika fliegen. Dort feiert man dann den "Tag des Knopfes". Und nicht nur das. Gleichzeitig begehen die Amis auch den "Feier-eine-Party-mit-einem-Bären-Tag". Vielleicht sind sich Donald Trump und seine pelzige Partnerin ja kürzlich am "Umarme-einen-Bären-Tag" näher gekommen? Und da am 16. 11. auch der "Internationale Tag der Toleranz" ist, werden wir es akzeptieren, wenn die beiden sich zur Ehe entschließen sollten. 
 
Vorher muss sich Donald dann noch scheiden lassen. Aber in der Vergangenheit hat er seine vorwiegend osteuropäischen Frauen ja schon häufiger gewechselt. Falls es dafür geografische Gründe gibt: Es wird sich sicherlich eine russische Bärin finden lassen - falls man sie vorher mit Wodka betäubt. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 572 vom 12. 11. 22


Geht es der Krawatte endlich an den Kragen? Die Anzeichen mehren sich. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, trat jetzt in der Spätausgabe der Tagesschau um 1.40 Uhr ein Nachrichtensprecher ohne Schlips vor die Kamera. Einige schockierte Zuschauer sollen daraufhin ohnmächtig in ihrem Sessel zusammen gesackt und erst bei der Frühausgabe der Tagesschau wieder zu sich gekommen sein. 
 
Ich sage: Es ist überfällig, dass diese Würgeschlinge endlich in der Mottenkiste der Geschichte verschwindet. Dort ruht bereits der Zylinder, der einst für jeden "besseren" Herrn unentbehrlich war. Genau wie die Kopfbedeckung ist die Krawatte doch zu nichts nütze. Darf man sich damit nach dem Essen den Mund abwischen? Nein! Darf man damit die Tränen trocken, wenn Schalke schon wieder verloren hat? Nein! Und ist es erlaubt, herzhaft hineinzuschneuzen, wenn ein Schnupfen plagt? Nein! 
 
Einzig als Farbtupfer im Kontrast zum oft grauen Anzug taugte das Teil. Als jedoch die Herrenmode bunter wurde, wählten manche Krawattenträger Farben oder Motive, dass den Betrachtern die Augen schmerzten. Wenn die farbliche Abstimmung einmal passte, dann steckte meistens eine Frau dahinter. Doch wozu den männlichen Minderwertigkeitskomplex in Sachen Modebewusstsein durch die Schlips-Beratung noch weiter verstärken? Männer, emanzipiert Euch, werft die Krawatten in den Müll! 
 
Da ruhen längst die Korsetts, in die sich Frauen viel zu lange zwängen musste, um eine Wespentaille vorzutäuschen. Ein noch schlimmeres Marterinstrument waren die winzigen Schuhe, in denen jahrhundertelang chinesische Frauen ihre Füße verkrüppeln mussten. 
 
Schluss mit den Modetorheiten! Uniformen sind nur so lange sinnvoll, wie sie ihren Träger schützen oder als Amtsperson ausweisen sollen. Ansonsten reicht es doch völlig, wenn jemand sauber und gepflegt gekleidet ist. Funktion, Titel und Name können, wenn nötig, auch auf einem kleinen Schildchen angegeben werden. Und dass sich niemand im fleckigen Schlabberlook von der Wohnzimmer-Couch ins Arbeitsleben begibt, dürfte selbstverständlich sein. 
 
Allerdings hat man in Frankreich offenbar andere Erfahrungen gemacht. Im Parlament wurde Männern jetzt das Tragen von Sakkos verbindlich vorgeschrieben, nachdem im Sommer wohl einige Abgeordnete in Bermuda-Shorts oder kurzen Hosen aufgelaufen waren. Tja, das Home-Office hinterlässt halt Spuren. Doch selbst in der französischen Nationalversammlung wird keine Krawatte mehr verlangt. Die Gallier wissen halt, wo der Windsor-Knoten seine Wurzeln hat. Und sich etwas von den verhassten Inselaffen vorschreiben lassen? Mon Dieu! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 571 vom 11. 11. 22


Am Mittwoch hatte ich einen schweren Tag. Erst erforderte eine hochdramatische Fernschachpartie die Mobilisierung aller mir zur Verfügung stehenden Denkkapazitäten, zwischendurch hielten mich letzte Vorbereitungen für die Tintenhühner-Premiere mit unerwarteten Schwierigkeiten auf Trab, dann musste ich mich um ein fehlendes, aber dringend benötigtes Arztrezept kümmern, dazu kreisten meine Gedanken dauernd darum, dass eine Schalker Niederlage am Abend gegen Mainz quasi schon den Abstieg besiegeln würden und dann galt es schon am späten Nachmittag vor dem Bundesliga-Anpfiff die Schmunzelpost zu schreiben und als Entwurf zu speichern. 
 
Das Formulieren des Textes kostete mich offenbar meine letzten geistigen Reserven. Kaum war das letzte Wort getippt, legten sämtliche Synapsen in meinem Kopf die Füße hoch, gönnten sich eine Verschnaufpause und ließen meinen Fingern freie Hand. So landete der Text nicht im Entwürfe-Speicher, sondern ging viel zu früh unredigiert unter dem Arbeitstitel "neue Schmunzelpost" auf die Reise. Geschnilcht und zugenäht! "Geschnilchte Schmunzelpost" hätte es heißen sollen. Und solche Titel eignen sich besser zum Versand um Mitternacht. 
 
Apropos Geisterstunde: Es deutet einiges darauf hin, dass mein amerikanisches Schreckgespenst bei den Midterm-Wahlen einen Tritt in den Hintern bekommen hat. Was nichts daran ändert, dass die Gefahr einer zweiten Präsidentschaft von Donald Trump nach wie vor besteht. Deshalb starte ich den zweiten Teil der kleinen Reihe über seltsame US-Staatsoberhäupter mit dem bisher selbstverliebtesten Spinner, den das Weiße Haus bislang gesehen hat. 
 
Es gibt mir zu denken, dass Donald Trump deutsche Wurzeln hat. Sein Großvater Friedrich Trump, der mit 16 Jahren nach Amerika auswanderte, stammt aus dem pfälzischen Bodenheim. Einem Ort, aus dem auch die Gründer der weltberühmten Firma "Heinz" entsprangen. Die einen produzierten Ketchup, die anderen gaben ständig ihren Senf dazu. 
 
 Trumps Vater Fred bediente sich schon früh der "Fake News": Im Zweiten Weltkrieg entdeckte er, dass seine Familie eigentlich aus Schweden stammt, was den Geschäftsinteressen dienlich war. Auch sonst nahm Fred es mit der Wahrheit nicht so genau und war somit ein guter Lehrmeister für seinen Sohn. Beide mussten sich wegen ihres geschäftlichen und finanziellen Gebarens häufig vor Gericht verantworten. 
 
Das hat Donald jedoch ebenso wenig geschadet, wie seine 30 573 Lügen, die von der "Washington Post" akribisch aufgelistet wurden. Aber außer Fox TV werden in Trumps Alternativ-Welt fast alle Medien von "sick brains" gelenkt. Wobei die Frage aufkommt, wie ein offensichtlich gestörter Egomane, der jeden anpöbelte und beschimpfte, der seine Meinungen nicht teilte, überhaupt in das Präsidenten-Amt gelangen konnte. Das sagt auch viel über den Zustand Amerikas und das Denken eines großen Teils der Bevölkerung aus. 
 
Trumps ergebenste Anhänger sind weiße Männer, die im ländlichen Raum leben und meist keine gute schulische Bildung genossen haben. Das sind Leute, die Hillary Clinton als "Abschaum" bezeichnete, eine Äußerung, die Trumps Anhängerschaft zusammen schweißte. Ohne den Kardinalfehler der Demokraten, ausgerechnet die unbeliebteste Politikerin der Vereinigten Staaten ins Präsidentschaftsrennen zu schicken, wäre die Geschichte womöglich anders gelaufen. 
 
Bleibt zu hoffen, dass die für einen Wahlerfolg nötige Mehrheit in zwei Jahren nicht zustande kommt, falls Trump noch einmal antritt. Alles deutet darauf hin, zumal er seinem populärsten Rivalen in den Reihen der Republikaner bereits gedroht hat, er könne einiges über ihn ausplaudern, falls der Gouverneur von Florida den Hut in den Ring wirft. 
 
Dass jedoch Wahlen in Amerika mitunter grotesk verlaufen, zeigt das Beispiel aus dem Jubeljahr1876, in dem die USA ihre 100jährige Unabhängigkeit feierten. Im gleichen Jahr wurde die Weltausstellung in Philadelphia zum Startschuss für den Massentourismus. Rund neun Millionen Amerikaner, ein Fünftel der damaligen Bevölkerung, besuchten die Schau, auf der u.a. das Gebiss von George Washington zu sehen war. Die folgende Präsidentenwahl in der zweiten Jahreshälfte sollte jedoch zeigen, dass der Wille der Wähler und somit die Demokratie schon damals zahnlos waren. 
 
Es begann mit dem kuriosen Aufstieg von Rutherford Birchard Hayes, einem eigentlich wenig ambitionierten, aber anständigen Langweiler. Hayes hatte zuvor eine politische Karriere hingelegt, die extrem vom Glück begünstigt war. 1858 wurde er in Ohio zum obersten Steuerbeamten gewählt. Zuvor war der Amtsinhaber vom Zug überfahren worden. Im 13. (!) Wahlgang bestimmte man Hayes mit einer Stimme Mehrheit als Nachfolger. 
 
Im Bürgerkrieg zeichnete sich Hayes durch Tapferkeit aus. Und wieder stand ihm das Glück zur Seite. Erst überlebte er einen Schuss in den Arm, eine Verletzung, die in den meisten Fällen zum Tod durch Wundbrand oder zumindest zur Arm-Amputation führte. Wieder genesen, traf ihn ein Schuss in den Kopf. Doch die Kugel war bereits ermattet, weil sie zunächst einen unglücklichen anderen Soldaten durchschlagen hatte. 
 
Weil gerade andere zugkräftige Bewerber fehlten, stellten die Republikaner den Kriegshelden als Gouverneurs-Kandidaten für Ohio auf. Hayes gewann die Wahl mit hauchdünner Mehrheit. Vier Jahre später trat er noch einmal an. Er gewann mit hauchdünner Mehrheit. Und auch noch ein drittes Mal: Mit noch hauchdünnerer Mehrheit. 
 
Als Präsidentschaftskandidat der Republikaner war 1876 eigentlich James G. Blaine vorgesehen, eine Lichtgestalt unter farblosen Mitbewerbern. Doch Meldungen über seine angeblich dubiosen Spekulationen mit Aktien regten den Favoriten derart auf, dass er bei einem Spaziergang zusammenbrach. Hayes drückte ihm sein Mitgefühl aus und versicherte ihm seine Loyalität. Und Blaine berappelte sich tatsächlich und trat in Ohio zur Kandidatenkür an. Weil es Zweifel an Blaines Fitness und Integrität gab, drängten Parteifreunde aus seinem Bundesstaat darauf, dass auch Hayes sich zur Wahl stellte. Das tat er auch, obwohl ziemlich widerwillig. Geschichte wiederholt sich: Erst führte Blaines, im siebten Wahlgang aber siegte Hayes mit knapper Mehrheit. 
 
Bei der Präsidentenwahl konkurrierte er nun mit dem Demokraten Samuel Jones Tilden, der als Favorit galt. Zwei Umstände sprachen jedoch gegen ihn: Aus Altersgründen war Tilden nicht am Bürgerkrieg beteiligt gewesen. Und er war unverheiratet - die Amerikaner schätzten jedoch Präsidentenfamilien mit First Lady. Während des Wahlkampfes kam dann noch heraus, dass Tilden bei seiner Steuererklärung ein Einkommen von 7118 Dollar angegeben, in Wahrheit aber 108 000 Dollar kassiert hatte. Ob des Wirbels vertraute Hayes  seinem Tagebuch an: "Wenn sie auch meine Unterlagen prüfen, werden sie feststellen, dass ich zwei Jahre lang gar keine Steuererklärung abgegeben habe." 
 
Kann ja mal vorkommen. Trotz allem konnte Tilden eine Mehrheit der Wähler für sich gewinnen. 4,3 Millionen Amerikaner hatten für ihn, 4 Millionen für Hayes gestimmt. Bei den Wahlmännern lag Tilden ebenfalls mit 184 zu 166 deutlich vorn. Erforderlich waren jedoch 185 Stimmen. Der Vorsitzende der Republikaner hatte sich bereits mit einer Flasche Whiskey zurückgezogen, um sich über die Niederlage hinweg zu trösten, da mischte Daniel E. Sickles den Laden auf. 
 
Sickles hatte in jungen Jahren Ruhm erlangt, weil er auf offener Straße den Liebhaber seiner Frau erschossen hatte, wegen "zeitweiliger geistiger Unzurechnungsfähigkeit" aber dennoch freigesprochen wurde. Danach machte er als Bürgerkriegs-Held von sich reden. Nun ermunterte Sickles seine Parteifreunde, in drei Südstaaten, in denen es besonders knapp war, allen vermeintlichen Unregelmäßigkeiten nachzugehen und noch einmal genau nachzuzählen. Ein unsägliches Gezerre und Getrickse nahm seinen Lauf. 
 
 Weil es im Dezember beim Kongress der Wahlmänner immer noch Differenzen in Oregon gab, plädierten die Demokraten schließlich dafür, so zu verfahren, wie es die Verfassung für diesen Fall vorsah.  Das Repräsentantenhaus, in dem die Demokraten die Mehrheit hatten, sollte den Präsidenten küren, der Senat, wo die Republikaner vorne waren, den Vizepräsidenten. Nach langer Diskussion einigte man sich auf einen Kompromiss. Nun sollte eine Kommission aus je sieben Demokraten und Republikanern und einem neutralen Vertreter des Obersten Gerichts den Präsidenten bestimmen. Da dieser Richter Demokrat war, sahen seine Parteifreunde sich auf der sicheren Seite. 
 
 Doch - oh, Wunder - es kam anders. Anfang 1877 wählte das Parlament von Illinois den Richter zum Senator. An seiner Stelle rückte ein Republikaner in der Kommission nach. Und der 17. Präsident der Vereinigten Staaten hieß Rutherford B. Haynes! Oh, what a lucky man!
  
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 570 vom 10. 11. 22


Wollt Ihr etwas über seltsame US-Präsidenten lesen oder über eigenartige Tiere? Okay, warten wir erst die Ergebnisse der Midterm-Wahlen in Amerika ab und wenden uns heute der Fauna zu. 
 
Beginnen wir mit dem Wangi-Wangi-Brillenvogel. Wer kennt ihn nicht, den kleinen, grünen Flattermann. In Europa findet man ihn häufig in den Fielmann- und Apollo-Filialen, wo er Kunden, die sich für hässliche Brillengestelle entscheiden, in die Wangen zwickt. Nein, war nur Spaß. 
 
In Wahrheit wurde der Wangi-Wangi-Brillenvogel erst 2005 entdeckt. Und zwar auf der kleinen indonesischen Insel Wangi-Wangi, wodurch sich ein Teil seines Namens erklärt. Die "Brille" hat man ihm verpasst, weil er zwei sehr auffällige weiße Augenringe besitzt. Zusammen mit dem hakenförmigen Schnabel verleiht ihm das ein aristokratisches Aussehen. Das schützt ihn aber nicht vor den Menschen und ihren Untaten. 
 
Als der Vogel entdeckt wurde, merkten die Indonesier auch, was für ein paradiesisches Eiland Wangi-Wangi ist. Um es für den Tourismus zu erschließen, rodeten sie einen Großteil des Waldes, den einzigen Lebensraum der Vögel. Als Restbestand verblieb nur ein Baumbestand nahe des Flughafens, weil dort wegen des Lärms niemand wohnen wollte. Fortan sträubte sich bei jedem Start und jeder Landung das Gefieder der letzten Brillenvögel. Und deren Bestände wurde nochmals drastisch dezimiert, als der seltene Vogel auf Java bekannt wurde. 
 
Dort sagt man, dass ein junger Javanese erst dann zur Mannesreife gelangt, wenn er die Verantwortung für einen Vogel trägt. Dummerweise schätzen die geflügelten Lieblinge es überhaupt nicht, ihre Freiheit gegen ein Käfigleben einzutauschen. Sie sterben relativ schnell. Und müssen dann unverzüglich ersetzt werden, weil ja niemand als unreif gelten will. 
 
So wäre der Wangi-Wangi-Brillenvogel beinahe ausgestorben. Quasi in letzter Minute wurden Artenschützer aufmerksam. Sie retteten ein paar Dutzend der Tiere und brachten sie in einem Zuchtzentrum für bedrohte Vögel unter. Daher wird es wohl bald auf Wangi-Wangi keine Brillenvögel mehr geben, aber die Art kann überleben und eines fernen Tages vielleicht wieder in ihrer Heimat ausgewildert werden. 
 
Nun zu einer noch selteneren Tierart - dem geheimnisvollen Schnilch. Gehört diese Kreatur nun zu den Beutelmullen, zu den Unpaarhufern oder doch zu den Hasenartigen? Ist er tag- oder nachtaktiv? Frisst er lieber Blaubeeren oder Wackelpudding? Fragen über Fragen. 
 
Der europäische Schnilch wurde erstmals 1822 vom berühmten Höhlenforscher Udo von Wuttek beschrieben, der ihn allerdings zunächst fälschlich für einen Vertreter der seltenen Rüsselgrüßler hielt – ein Fauxpas, der seinem Konkurrenten und Widersacher Dragomir Pescu zeitlebens Anlass zu beißendem Spott lieferte. Tatsächlich gelang jedoch auch der angeblichen Schnilch-Koryphäe Pescu keine korrekte Zuordnung der Schnilche – er hielt sie für eine Unterart der asiatischen Schuppenbisome. 
 
In Wahrheit ist der Schnilch jedoch ein entfernter Verwandter der Steinlaus. Wie diese Schöpfung von Loriot wurde der Schnilch vom Tocotronic-Musiker Dirt von Lowtzow so seriös präsentiert, dass es ein wenig dauerte, bis aus meinen ersten Zweifeln Gewissheit wurde. Da hatten die Autoren des "prekären Bestiariums" in ihr Buch "Von Okapi, Scharnierschildkröte und Schnilch" doch tatsächlich unter lauter real existierende Wesen eine Fantasie-Gattung geschmuggelt! 
 
Ansonsten ist die Gruppe "Citizen Conversation" wirklich ernst zu nehmen. Sie setzt sich auf verschiedene Weise für den Artenschutz ein. Zu ihren Unterstützern gehören u.a. Götz Alsmann, Horst Evers, Reinhard Mey, Sarah Bosetti, Wladimir Kaminer und Katharina Wackernagel. Und nicht nur im genannten Buch, sondern auch im "Kreaturen-Podcast" kann man Wissenswertes über gefährdete Tiere und hin und wieder auch ihre fiktiven Gefährten erfahren. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nach der "Krausen Glucke" werdet Ihr dort vergeblich suchen. Das ist ein Pilz, der faulendes Holz liebt, wie ein Badeschwamm aussieht und unter Eingeweihten als Delikatesse gilt. Dies ist gewisslich wahr, so wahr, wie ich Klaus-Glucke Krause heiße.  
 

 Schmunzelpost 569 vom 9. 11. 22


Nein, das habe ich nicht erfunden. Auch, wenn es mehr als seltsam klingt: Der deutsche "Tag der Erfinder" am 9. November geht ausgerechnet auf eine bemerkenswerte Persönlichkeit zurück, die in den 1920er Jahren als schönste Frau der Welt galt und als Film-Star in Hollywood große Erfolge feierte. Die wirklich kuriose Geschichte, die schließlich zum Aktionstag führte, werde ich Euch jetzt erzählen. 
 
Hedwig Kiesler, als Hedy Lamarr weltweit bekannt, wurde am 9. 11. 1904 geboren. Dieses Datum wählte 2005 Gerhard Murthentaler für den Aktionstag aus. Der Deutsche will damit Menschen ermutigen, an ihre eigenen Ideen zu glauben und sie umzusetzen. Und als Prototyp einer Erfinderin, die gegen alle Widerstände ihren Weg ging, sah er Hedy Lamarr. 
 
Die äußerst intelligente Frau hatte nach ihrer Filmkarriere für einen Komponisten ein System entwickelt, mit dessen Hilfe sich 16 Klaviere synchronisieren ließen. Im 2. Weltkrieg bemühte sie sich, den Alliierten im Kampf gegen Nazis und Japaner zu helfen. Sie nutzte ihr System, um daraus eine Methode für eine absolut störungssichere Fernsteuerung von Torpedos zu bauen und meldete sie 1942 als Patent an. Allerdings kam die Fernsteuerung nicht zum Einsatz, weil hochnäsige Militärs glaubten, dass man die Konstruktion eines weiblichen Filmstars nicht ernst nehmen dürfe. Erst 1960 wurde das System getestet. Und siehe da: Es funktionierte! 
 
Das passt gut zum "Welttag der Wissenschaft", der am 10. November gefeiert wird. Mit wissenschaftlicher Methodik habe ich daher ergründet, warum der "Sir-ja-Sir"-Tag ausgerechnet ein deutscher Aktionstag ist. Die Ursprünge liegen eigentlich in Amerika. In den USA wurde am 10. 11. 1775 die Kriegsmarine gegründet. Das wäre für uns kaum interessant, wenn nicht 2012 die Redaktion der Harald-Schmidt-Show herausgefunden hätte, dass die meistgebrauchte Redewendung von deutschen Soldaten in Hollywood-Filmen "Rein da!" lautet. Im Gegenzug untersuchte Timo Lokoschat, was amerikanische Soldaten in Filmen am häufigsten von sich geben. Und da lag mit 20 Prozent "Sir-ja-Sir!" vorne. Vor allem bei den Marines war dies gebräuchlich, was uns einen kuriosen, aber wohl nicht weltbewegenden Aktionstag bescherte. 
 
Welche Aktionen sind hierzulande am 11. 11. besonders beliebt? Es macht mich ganz närrisch, aber ich komme nicht drauf. Stattdessen will ich Euch mit der kuriosen Geschichte des Nigel-Tufnel-Tags vertraut machen, der am 11. November begangen wird. Im Grunde basiert sie auf einer schlichten Erkenntnis. Was ist besser als 10? Na klar: 11! 
 
Nigel Tufnel war der Leadgitarrist der Band "Spinal Tap", die 1984 in einer fiktiven Dokumentation über das typische Leben von Rockmusikern die Hauptrolle spielte. Tufnel mimt darin den Erfinder eines neuartigen Verstärkers, der alle anderen Modelle dadurch in den Schatten stellt, dass seine Lautstärke-Skala nicht wie üblich von eins bis zehn, sondern von eins bis elf reicht. Ganz klar: 11 ist anders, besser und lauter! Nicht schlecht ist auch die Methode, mit der dieser Aktionstag begangen werden soll. Die Leute sind aufgerufen, 11,11 Dollar oder Euro für Bedürftige zu spenden. 
 
Habe ich Euch schon einmal erzählt, warum Krause keine Haare hat? Na, dann kennt Ihr ja schon einen Spruch, den man am 12. November vom Stapel lassen darf. Das ist der "Tag der schlechten Wortspiele". Und mit einem weiteren Beispiel, das ich mir als Kind des öfteren in meiner Klasse anhören durfte, beende ich die heutige Schmunzelpost. Krause macht erst Pause, dann geht er nach Hause und macht eine Sause: Er trinkt eine Brause! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 568 vom 8. 11. 22


Gerade habe ich im Radio gehört, welche Gegner den deutschen Vereinen in der nächsten Runde der Champions-League zugelost worden sind. Junge, Junge, das sind echt schwere Brocken. Eins habe ich aber schmerzlich vermisst: Der Name "Schalke 04" ist gar nicht gefallen. Hat man uns vergessen? Oder ist es tatsächlich wahr, dass Schalke sich diesmal nicht qualifiziert hat? Da kann ich nur mit Donald sagen: "Das kann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein! Das erkennen wir nicht an!" 
 
Immerhin arbeiten die Blau-Weißen daran, dass sie sich in der nächsten Saison wieder mit Spitzenteams messen können. Das glaubt Ihr nicht? Doch, doch. Die Chancen stehen gut. Die wahren Meistermannschaften spielen nämlich in einer ganz anderen Liga. Ich sage nur: 1. FC Nürnberg, 1. FC Kaiserslautern und Hamburger SV. Zusammen kommen diese Teams sogar auf mehr Meistertitel in Deutschland, als die Knappen bisher sammeln konnten. 
 
Spitzenfußball ohne Schalke 04? Wenn wir schon über solche sportlichen Kuriositäten reden, dann können wir heute auch beim Thema bleiben. Nicht nur die anstehende Fußball-WM in Katar ist skandalumwittert. Auch früher ging es bei internationalen Titelwettkämpfen mit harten Bandagen zu. Wusstet Ihr, dass der belgische Schiedsrichter John Langenus der FIFA Bedingungen gestellt hat, bevor er sich 1930 bereit erklärte, dass WM-Endspiel Uruguay gegen Argentinien zu pfeifen? Er verlangte, dass hinter beiden Toren Leibwächter aufgestellt und alle Zuschauer vor dem Spiel auf Waffen durchsucht wurden. 
 
Eine weise Forderung. Denn die Fußballfans in Uruguay feierten Siege ihrer Mannschaft gern mit Pistolenschüssen, was die heutigen Bengalos in milderem Licht erscheinen lässt. Vor dem Endspiel wurden dann auch 1600 (!) Schusswaffen eingesammelt. Uruguay gewann auch gänzlich unbewaffnet mit 4:2 und wurde so zum ersten Weltmeister der Fußballgeschichte. 
 
Mit subtileren Methoden versuchte man in der Bundesliga, die Gegner aufs Glatteis zu führen. Zum Rückrundenstart 1982 fehlten Bayer Leverkusen verletzungsbedingt die besten Spieler. Und es ging im Heimspiel ausgerechnet gegen Bayern München. Da hatte Manager Rainer Calmund eine Idee, die Fairness-Freunden das Blut in den Adern gefrieren lässt. Er ließ den Rasenplatz am Vorabend kräftig wässern, in der Hoffnung, dass nach der folgenden Frostnacht das Spiel abgesagt und verschoben werden müsste. 
 
Doch Calli hatte nicht mit der warmen Wintersonne gerechnet. Das Eis taute schnell weg, und mit dem rutschigen Platz kamen die Spieler seiner Mannschaft schlechter zurecht als die Gegner. Bayern gewann auswärts mit 2:0. Und Calmund war in seinen eigenen Fallstricken ausgerutscht und samt seinem Team auf den Bauch gefallen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich höre am anderen WLAN-Ende ein gelbschwarzes Murren. Ein Verein aus dem östlichen Ruhrgebiet soll angeblich häufiger Deutscher Meister geworden sein als Schalke 04. Dann schaut mal in die Siegerlisten: Da kommt Nord-Lüdenscheid kein einziges Mal vor! 

 

 Schmunzelpost 567 vom 7. 11. 22


Mit Donald Trump ging die gestrigen Schmunzelpost zu Ende, die heutige beginnt mit dem Amerikanischen Totengräber. Dabei haben diese Wesen ansonsten wenig gemeinsam, vielleicht mit einer Ausnahme: Sie benehmen sich beide äußerst seltsam! 
 
Mit dem "Amerikanischen Totengräber" möchte ich eine neue kleine Reihe beginnen, mit Folgen in unregelmäßigen Abständen. Dabei geht es um ungewöhnliche Tiere mit seltsamen Namen. Eines trifft auf alle zu: Sie verdienen es geschützt zu werden, damit sie weiter zur Artenvielfalt beitragen können. 
 
Ein kleiner Intelligenztest: Wo ist der Amerikanische Totengräber wohl zuhause? Richtig. Früher war er in fast allen Regionen des Kontinents weit verbreitet, heute ist der 3,5 cm große Käfer vom Aussterben bedroht. Den zweiten Teil seines Namens trägt er durchaus zurecht. Denn er hat eine Vorliebe, die ihn für manche Menschen suspekt macht. Schauen wir ihm einmal bei der Arbeit zu. 
 
Was nicht ganz einfach ist. Denn der Amerikanische Totengräber ist fast ausschließlich nachts unterwegs. Dann fliegt er durch die Lüfte und sucht wie ein geldgieriger Bestatter nach einem frischen Beerdigungsfall. Dabei hilft ihm sein hervorragender Geruchssinn. An seinen Fühlern besitzt der Käfer empfindliche Detektoren, die bereits nur eine Stunde nach dem Exitus einen Leichnam wittern. Doch AT, wie ich ihn jetzt aus Vereinfachungsgründen bezeichnen werde, leidet nicht an Selbstüberschätzung. Er beschränkt sich auf Kadaver von Mäuse- bis Taubengröße. 
 
Nimmt er deren Geruch wahr, dann wird er, wie soll ich sagen, ganz wuschig. Der unwiderstehliche Duft regt seinen Geschlechtstrieb an. Also starten diverse Männlein und Weiblein einen Wettflug zum Leichnam. Treffen mehrere ATs gleichzeitig ein, dann kommt es zu Kämpfen. Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. Und das Siegerpärchen erhält als Mitgift den gesamten Kadaver, die Unterlegenen versuchen anderswo ihr Glück. 
 
War das schon das Happy End? Mitnichten. Danach geht es erst richtig los. Eine Leiche lernt das Wandern. Nächtliche Spaziergänger reiben sich verwundert die Augen, wenn eine tote Ratte sich langsam wieder in Bewegung setzt. Denn das Käferpaar hat sich unter den Kadaver geschoben und transportiert ihn zu einem geeigneten Ort für die Beisetzung. Dabei stemmen die Käfer bis zum 200fachen ihres Körpergewichtes! 
 
Haben sie einen guten Platz gefunden, graben sie unter dem Leichnam ein Loch, in das der Verblichene hineinplumpst. Danach werden Pelztiere enthaart und Vögel gerupft. Der nackte Körper wird dann mit einem Sekret, das der Geheimhaltung unterliegt, einbalsamiert. Neben der so entstandenen Mumie verstaut das Weibchen seine Eier. Die niedlichen Maden können zunächst noch nicht selbst fressen. Die Handhabung von Fläschchen mit Schnullern ist für Käfer doch zu anspruchsvoll, daher würgen sie ihren Kleinen Bissen vom Aas direkt ins Mäulchen. Neben Bienen, Ameisen und Termiten ist der Amerikanische Totengräber somit so ziemlich der einzige Käfer, der sich um seinen Nachwuchs kümmert! 
 
Allerdings hat die Fürsorge einen Haken. Ist die Beute aufgezehrt und der Nachwuchs hat sich immer noch nicht verpuppt, dann wird die Kinderschar durch Auffressen reduziert, bis wieder genug für alle da ist. Liebe geht eben durch den Magen - zumindest beim Amerikanischen Totengräber. 
 
Dass die Zahl dieser Käfer sich rapide verringert hat, liegt neben dem vermehrten Einsatz von Pestiziden vor allem am Verschwinden ihrer Leibspeise. Zu Napoleons Zeiten, also Anfang des 19. Jahrhunderts, bevölkerten an die 5 Milliarden Wandertauben den Himmel über Amerika. Ihre riesigen Schwärme waren ein Naturschauspiel besonderer Güte. Doch dann bewirkte die Jagd- und Waffenbegeisterung der Amerikaner eine Katastrophe, die sogar die Bisonschlächterei noch übertraf. Innerhalb von nur 100 Jahren wurden die Wandertauben restlos abgeknallt. 
 
Die letzte Wandertaube taufte man 1914 zwar auf den Namen "Martha", doch selbst ihren Leichnam gönnte man den Totengräbern nicht. Er wurde tiefgefroren und konserviert. Immerhin sind in den 90er Jahren ein paar Tausend Käfer in Zoos nachgezüchtet und ausgewildert worden. Ach ja, der Mensch ist doch edel, hilfreich und gut. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 566 vom 6. 11. 22


Da dachte ich, Halloween wäre überstanden, doch da wird's erst richtig schaurig. Gestern war in der Zeitung zu lesen, dass Donald Trump nach eigenen Worten "sehr, sehr, sehr wahrscheinlich" noch einmal als Präsident kandidieren will. Das wäre vielleicht halb so schlimm, wenn nicht die Gefahr groß ist, dass seine ergebenen Gefolgsleute bei den anstehenden US-Parlamentswahlen gut abschneiden und dann die Demokraten zwei Jahre lang ausbremsen könnten. 
 
Für alle, die Freitagabend die Heute-Show im ZDF nicht gesehen habe: Ich empfehle, dies unbedingt in der Mediathek nachzuholen. Da werdet Ihr sehen, wie wackelig Präsident Joe Biden inzwischen geworden ist. Und die Wahlwerbung der Republikaner ist ein echter Knaller! Am schlimmsten empfand ich jedoch die scheinbar seriöse traurige Dame, die in der US-TV-Szene tätig ist. Sie spricht mit leidender Stimme davon, dass es zwar unschön sei, aber nun mal kein Weg daran vorbei führe, dass das Ehepaar Clinton enthauptet werden müsse. 
 
Wenig tröstlich ist für mich, dass in dem Klett-Cotta-Buch "Trinker, Cowboys, Sonderlinge" aufgezeigt wird, dass Donald Trump nicht der einzige, sagen wir, seltsame Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewesen ist. Da haben wir zum Beispiel Andrew Jackson, der einen Menschen erschoss, weil dieser sich mit ihm bei einem Pferderennen gestritten und abfällig über Jacksons Frau gesprochen hatte. Da der tödliche Schuss 1806 bei einem Duell fiel, hinderte dies die Anhänger Jacksons nicht, ihn 1827 zum 7. US-Präsidenten zu wählen, ein Amt, das er 8 Jahre lange ausübte. 
 
Das Selbstverständnis der Amerikaner im Umgang mit Waffen hatte bereits 1804 ein prominentes Opfer gefunden. Da starb Alexander Hamilton, einer der USA-Gründerväter, ebenfalls bei einem Duell. Todesschütze und Gegenspieler war kein Geringerer als der amtierende Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika. 
 
Waffenliebhaber (und Großwildjäger) war auch Theodore Roosevelt, der als Präsident von 1901 bis 1909 regierte. Ein Haudrauf und Bücherwurm in einer Person und gewiss ein seltsamer Vogel. Doch unter seiner Regentschaft erlebten die USA vielleicht die besten Jahre ihrer Geschichte. Die Zeit war von Optimismus geprägt und trotz des Hangs zu bewaffneter Stärke recht friedlich. 
 
In New York City aufgewachsen, entwickelte sich der zunächst schwächliche, kurzsichtige und asthmakranke Jüngling in North Dakota, wo 1884 immer noch der "Wilde Westen" lebte, zu einem kräftigen Mann. Sogar zu einem schlagkräftigen, den seine Widersacher "den verrückten Cowboy" nannten. Als Roosevelt in Trapperkluft am Tresen einer Bar stand, seine Jagd-Winchester neben sich an die Wand gelehnt, fühlte sich ein angetrunkener Rowdy herausgefordert, sich über ihn lustig zu machen. Denn der Cowboy trug eine Brille mit dicken Gläsern. Der Blick seines als "Four Eyes" verspotteten Opfers, warnte zwar den Rüpel, so dass er beide Hände auf die Revolver in seinem Gürtel legte. Aber den blitzschnellen Haken, der ihn auf die Saloon-Bretter schickte, hatte der Streitsüchtige nicht vorausgesehen. 
 
Auch Roosevelts Nachfolger gehörte eher zu den Lichtgestalten der US-Geschichte. William Howard Taft regierte von 1909 bis 1913. In seiner gesamten Amtszeit gab das US-Militär in Konflikten keinen einzigen Schuss ab. Dabei gab es häufig Krisen und den Ruf, US-Interessen bewaffnet durchzusetzen. Doch Taft bevorzugte die Diplomatie. Und die Schwierigkeiten beim Bau des Panamakanals behob er nicht mit Kanonenbooten, sondern mit finanziellen Mitteln. 
 
Warum ich Euch Taft hier trotzdem vorstelle, liegt das an ein paar speziellen Besonderheiten. Der Mann trug seinen Spitznamen "der Koloss" zu Recht, er wog meist mehr als drei Zentner. Zwar hungerte er mit eisernen Diäten immer mal wieder bis 76 Pfund von den Rippen, doch weil er die Tafelfreuden bei Terminen schätzte, legte er sie sich noch schneller erneut zu. Da Taft außerdem unter einer Schlaf-Apnoe litt, konnte es passieren, dass beim Verzehren eines Gangs plötzlich sein Kopf auf die Brust sank und er mitten im Gespräch einschlummerte. Die Kellner kannten das und räumten das Essen nicht ab: Wenn Taft nach 15 Minuten erwachte, aß er sofort weiter und setzte seine Gespräche fort, als wäre nichts geschehen. Allerdings störte sein lautes Schnarchen so manche Kabinett-Sitzung. 
 
Seine füllige Figur lieferte auch der Presse Schreibstoff. Als der Präsident in New Jersey im Hotel ein Bad nahm, war das zu viel für das Fassungsvermögen der Wanne. Das Wasser lief über und tropfte durch die Decke den Gästen im darunter liegenden Speisesaal in die Suppe. Über die Schlagzeile "Taft verursacht Überschwemmung" lachte er selbst am lautesten. Überhaupt wurde der Koloss wegen seiner Freundlichkeit und seines Humors von seinen Mitarbeitern sehr geschätzt. 
 
Über Präsidenten, denen jeder Sinn für Selbstironie fehlte und mit denen die USA baden gingen, ein andermal mehr. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 565 vom 5. 11. 22

 

Für alle, die an den nächsten vier Tagen noch nicht ausgelastet sind, gibt es heute wieder einen Überblick anstehender kurioser Aktionstage. 
 
Sonst bin ich ja weit davon entfernt, wegen eines Aktionstages in die USA zu reisen, um nicht zu sagen, sogar meilenweit oder, noch präziser, rund 4500 Meilen weit. Doch heute käme ich in Versuchung, eine Ausnahme zu machen. Zumindest, wenn es dafür eine ökologisch vertretbare, superschnelle Lösung und ein Neun-Euro-Ticket gäbe. Denn heute, am 5. November, ist in den USA der "Tag der Weinprobe". 
 
Wenn Ihr auch Spaß an solchen Gaumenfreuden habt, dann müsst Ihr nicht unbedingt nach Amerika reisen. Eine kurze Fahrt nach Recklinghausen tut es auch. Dort können am 27. Januar 1923 abends in der Buchhandlung "Kapitel zwei" erneut französische Weine gekostet werden. Und als Zugabe gibt's wieder heitere Kurzgeschichten. Da nur wenig Plätze vorhanden sind, ist Eile geboten! 
 
Die Zeit bis dahin könnt Ihr Euch zum Beispiel damit vertreiben, dass Ihr ein Saxophon-Konzert hört. Egal, ob live, im Radio oder per Tonträger: Dafür böte sich der 6. November an, der Internationale Tag des Saxophons. Übrigens: Als was würdet Ihr das Saxophon einstufen? Als Blechblasinstrument? Irrtum! Es gehört zu den Holzblasinstrumenten. Weil nämlich sein Mundstück aus Holz ist. Das ist mittlerweile kein Spezialwissen mehr. Wenn Ihr Musikkenner übertrumpfen wollt, dann fragt sie, zu welcher Instrumentengruppe das Saxophon gehört. Nur wenn sie: "Einfachrohrblattinstrumente" antworten, liegen sie richtig. Falls Ihr noch weiter strunzen wollt, könnt Ihr beiläufig erwähnen, dass dieses Instrument seinen Namen vom Erfinder geerbt hat. Der Belgier Aldolphe Sax hat 1840 das erste Saxophon konstruiert, weil er eine Musikfarbe zwischen Klarinette und Oboe suchte.  
 
Nun zum 7. November. Ich kann normalerweise Süßigkeiten ganz gut widerstehen, doch an diesem Datum werde ich vermutlich schwach. Der 7.11. ist der "Tag der Zartbitterschokolade mit Mandeln". Wer kann da schon nein sagen? Andere Leckermäuler zieht es vielleicht nach Skandinavien. In Schweden wird am 7. 11. der "Kladakka-Tag" begangen. Das ist der "Tag des Schokoladenkuchens". Mit irgendetwas Schmackhaftem muss man sich ja die endlosen Polarnächte versüßen. 
 
In den USA wird außerdem am 7. November der "Umarme-einen-Bären"-Tag begangen. Falls ich mir wünschen dürfte, dass jemand der Aufforderung folgt, dann wüsste ich, welchen Amerikaner ich auswählen würde. Aber Donald Trump dürfte keinen Teddy, sondern müsste einen putzmunteren, hungrigen Grizzly umarmen! 
 
Wenn es nicht so makaber wäre, würde ich noch hinzufügen, dass sich um die Überreste dann am 8. November eine Putzkolonne kümmern sollte. Der 8. 11. ist nämlich der "Internationale Tag der Putzfrau". Offenbar ist bei den Schöpfern des Aktionstage-Kalenders bisher weder die Gleichberechtigung noch das Gendern angekommen. Der Anteil männlicher Putzkräfte nimmt jedenfalls weltweit zu. Wenn man mich fragen würde - tut ja leider wieder keiner- , dann hieße es "Tag der unentbehrlichen Reinigungskräfte, die für ihren harten, aber wichtigen Job immer noch viel zu schlecht bezahlt werden". 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 564 vom 4. 11. 22


Habe ich an dieser Stelle schon mal erwähnt, dass der Bücherschrank in der Dorstener Altstadt eine wahre Fundgrube ist? Habe ich? Doch das kann man nicht oft genug unterstreichen. Gerade habe ich wieder zwei Schätze geborgen. Darunter ein Buch von Harald Martenstein, das mir noch in meiner Sammlung fehlte. Darin sind zwar hauptsächlich Filmkritiken versammelt, aber in der Einleitung fand ich eine Passage, die mir voll und ganz aus der Seele spricht. Hier ist sie: 
 
"Ich bin kein Journalist, kein Reporter, kein Kritiker, kein Schriftsteller. Ich bin ein Schreiber. Das Schreiben gehört zu meinem Leben wie das Atmen, ich schreibe fast täglich (Anm. kdk: Streicht bei mir das "fast"). Das Schreiben macht mich manchmal glücklich, wie eine Droge. Schreiben ist ein Selbstgespräch, bei dem ich auf Dinge stoße, nennen Sie es meinetwegen 'Erkenntnisse', auf die ich ohne mein Schreibgerät niemals gekommen wäre (Anm: kdk: Ich sage dazu: Ich denke manchmal mit den Fingern). Schreiben und Lesen, immer hübsch abwechselnd, so sieht für mich das Paradies aus. Früher habe ich jedes gottverdammte Langweilerthema dankend akzeptiert, heute, als alter Knabe, erlaube ich mir den Luxus, wählerisch zu sein." 
 
Dazu kann ich nur sagen: Jau, so isses! Und für alle anderen leidenschaftlichen Leser habe ich noch eine Buchempfehlung. Ich habe mal "Papyrus - Die Geschichte der Welt in Büchern" geschenkt bekommen und jetzt die Lektüre fast abgeschlossen. Und das hat sich gelohnt! Wer etwas über die Verbreitung von Texten und den Wert von Büchern erfahren und dazu ein paar Tausend Jahre zurück reisen will, sollte sich den Band besorgen. Der Klappentext verspricht nicht zu viel: "Ein Sachbuch, das sich liest sich wie ein Abenteuerroman." 
 
Das ist für mich Grund genug, mich nochmals in der Schmunzelpost mit Büchern zu befassen. Wusstet Ihr, dass die größte Buchhandlung der Welt nicht in Dorsten, sondern in den USA zu finden ist? Und zwar weder in New York noch in Los Angeles sondern in Portland, Oregon. Auf fast 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche sind dort in 3500 Abteilungen (!) mehr als eine Million neue oder gebrauchte Bücher zu finden.
  
Wo wir schon bei Buchhandlungen sind: Das erste Geschäft in Deutschland hat Peter Schöffer eröffnet, der von 1425 bis 1503 lebte. Und ein Zeitgenosse von ihm veröffentlichte die erste Buchanzeige. Der Text lautete: "Item welch hande bücher man gerne hat, groß oder klein, geistlich oder weltlich, hübsch gemolt, die findet man alle bey diebolt louber, schreiber in der burge zu hagenau." Da es 1447 noch keine Zeitung gab, wurde die Anzeige mit handgeschriebenen Blättern verteilt, also mittelalterlichen spam-mails. Mit der ersten gedruckten Anzeige zog dann Heinrich Eggestein aus Straßburg im Jahr 1466 nach.  Das Elsass scheint damals ein Mekka des Buchhandels gewesen zu sein. 
 
Bücher galten lange als Quelle des Wissens. Dabei konnten Käufer aber auch hereinfallen. In den USA erschien 1974 "Wits and Wisdom of Spirow Agnew". Mit der Weisheit des Vizekanzlers unter Richard Nixon war es jedoch wohl nicht weit her. Sein aufwändig in Kunstleder gebundenes Buch bestand aus lauter unbedruckten Seiten. 
 
Und ausgerechnet das "Guiness-Buch der Rekorde" kann selbst einen besonderen Rekord für sich in Anspruch nehmen. Es ist das am meisten gestohlene Buch der Welt! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 563 vom 3. 11. 22


Den Aufhänger für die heutige Schmunzelpost habe ich mir auf Pump beschafft. Einmal mehr nutze ich das geistige Eigentum der Süddeutschen Zeitung, genaugenommen eien Beitrag von Christina Gutsmiedl mit dem Titel "Besser spät als nie". 
 
Worum geht es? Bücher sind ein wertvoller Besitz. Man kann auf legale Weise in den Genuss des Lesens kommen, indem man sie kauft. Oder ausleiht. Jeder, der selbst per ausborgen freigiebig die Reihen seiner Regale lichtet, wird feststellen: Wenn nicht penibel über die Ausleihe Buch geführt wird, dann wird nicht jede Lücke wieder geschlossen. Selbst Bibliotheken haben damit gelegentlich ein Problem. 
 
Umso größer ist die Freude, wenn ein lang vermisstes Exemplar doch noch den Weg nach Hause findet. So geschehen in der Bücherei von Coventry. Dort tauchte jetzt eine Abhandlung über den Rotwild-Bestand in Großbritannien wieder auf, die Kapitän William Humphries 1938 entliehen hatte. Ob er das Buch mit auf große Seereise nahm und in seiner Kajüte den Rückgabe-Termin vergaß - man weiß es nicht. Jedenfalls tauchte das Buch jetzt beim Entrümpeln der Wohnung seiner verstorbenen Tochter auf. Und der Enkel von Kapitän Humpries brachte es nach 84 Jahren zurück. 
 
Die Bibliotheksleitung war darüber so gerührt, dass sie ihm die Zahlung der Mahngebühr von umgerechnet 21 Euro erließ. Der ehrliche Finder spendete das Geld trotzdem. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er das Buch nicht gelesen hatte. Das kann er aber immer noch tun. Dafür muss er es lediglich noch einmal ausleihen. Und diesmal nicht so lange mit der Rückgabe warten. 
 
Laut SZ sind 84 Jahre aber kein Ausleihrekord. Denn halte die Bibliothek der Universität Cambridge, wo 1956 genau 288 Jahre nach Ablauf der Leihfrist ein Buch es zurück in die Regale schaffte. Damit ist "Buch-Wiki" widerlegt. Die Seite verkündet im Internet, das am längsten ausgeliehene Buch sei "Sunsine Sketches of al Little Town" von Stephen Leacock gewesen. Es hatte im Bestand der Bibliothek im kanadischen Victoria seit 1916 gefehlt. 1998 brachte es Eve Lettice zurück. Die Frau hatte es auf dem Dachboden gefunden, wo es von einem Vormieter deponiert worden war. 
 
Immerhin hält die kanadische Bibliothek den Rekord an Mahngebühren. In Victoria war man weit weniger zurückhaltend als in Coventry. Insgesamt betrug die Mahngebühr 7200 kanadische Dollar. Doch auch sie wurde Eve Lettice großmütig erlassen. Originalton Bibliotheksleiter: "Wir sind einfach nur froh, dass das verdammte Buch wieder da ist." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nicht nur bei der Rückgabe von Büchern sind manche Menschen vergesslich. Auch bei geliehenem Geld ist das manchmal der Fall. Ich nutze also die Gelegenheit, um einen unter den Schmunzelpost-Lesern zu erinnern. Den Namen verschweige ich diskret, der Betroffene wird hoffentlich wissen, dass er gemeint ist. Oder auch nicht? An dem Abend vor mehr als zehn Jahren war er jedenfalls ziemlich betrunken. So verspielte er beim Doppelkopf Haus und Hof. Als es ans Zahlen gehen sollte, musste er passen. Nun hatte ich zufällig gerade eine Million dabei - die eigentlich geplante Geldanlage hatte sich wegen mickriger Zinsen nicht rentiert - und half ihm aus der Patsche. Wiedersehen macht Freude! Ich kann aber leider keine 84 Jahre warten. 
 

Schmunzelpost 562 vom 2. 11. 22

Die Personalisierung der Welt ist nicht aufzuhalten. Im Rahmen der Aktionstage-Reihe haben wir gelernt, dass es in vielen Teilen der Erde offenbar inzwischen Brauch ist, Autos oder Fahrrädern Namen zu geben. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die Anfänge. Im Kino erfuhren wir, dass ein VW-Käfer es schätzt, "Herbie" genannt zu werden. Er lässt dann bei Autorennen sogar PS-starke Flitzer stehen. 
 
Ich persönlich bin in meiner Kindheit und Jugend mit der Namensgebung für tote Dinge sehr zurückhaltend gewesen. Einzige Ausnahme war, glaube ich, mein Teddy. Aber selbst an dessen Namen kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Dafür weiß ich noch, dass mein Teddy einäugig war. Dennoch habe ich ihn nicht "Hagen" getauft, obwohl der einäugige Schurke aus der Siegfried-Sage mir früh ein Begriff gewesen ist. Doch mein Teddy war schließlich nicht hinterhältig. Aber ich schweife ab. 
 
Jedenfalls wird der Trend zur Benennung von Gegenständen dadurch beflügelt, dass immer mehr Geräte mit uns kommunizieren, wie Ihr vor zwei Tagen der Schmunzelpost entnehmen konntet. Alexa und Siri sind schon länger am Start. Und mit Gruseln denke ich immer noch an HAL, den sprechenden Computer aus "2001 - Odyssee im Weltraum", der schon frühzeitig die künstliche Intelligenz in Verruf gebracht hat. 
 
Gerade deshalb ist es womöglich ratsam, Gegenstände freundlich zu behandeln, auch schon, bevor sie ihr Erweckungserlebnis gehabt haben. Und ist es nicht herrlich, daheim von Freunden umgeben zu sein? Ich habe daher begonnen, den Dingen individuelle Namen zu geben und liebevoll mit ihnen zu sprechen. Bei Pflanzen soll das ja auch funktionieren. Und ich habe das Gefühl, es zahlt sich aus. 
 
Paul, meine Zahnbürste, ist längst nicht mehr so widerborstig. Figaro, mein Bartschneider, ist nicht mehr so brummig und summt inzwischen viel sanfter. Und Grasi, mein betagter Rasenmäher, hält nach wie vor tapfer durch und nimmt es klaglos auch mit hochgewachsenen Halmen auf. Ich habe ihm aber auch fest versprochen, ihn niemals gegen einen Mäh-Roboter einzutauschen. 
 
Ein wesentlicher Vorteil unserer Kommunikation ist zur Zeit noch: Die Dinge geben keine Widerworte. Sie lauschen mir aufmerksam und tun dann klaglos ihre Pflicht. Einziger Haken an der Geschichte ist, dass ich jetzt von anderen Menschen misstrauisch beäugt werde. Versuche, mein Handeln zu erklären, habe ich aufgegeben, nachdem ich rüde mit: "Du spinnst doch!" unterbrochen wurde. Vielleicht lassen sie mich im Alter sogar abholen, wenn ich mich mit meiner Nachttischlampe über Literatur unterhalte. Doch das schreckt mich nicht. Vielleicht ist "Flummi", die Gummizelle, ein toleranterer Gesprächspartner. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 561 vom 1. 11. 22


Ein neuer Monat hat begonnen! Und auch den November könnt Ihr mit Aktionen füllen. Heute zähle ich Euch die kuriosesten Anlässe auf, die vom 1. bis 4. November darauf warten, von Euch aufgegriffen zu werden. 
 
Der heutige 1. 11. ist der "Tag des Einhorns". Dieses Fabelwesen erfreut sich derzeit ja bei Kindern großer Popularität. Und auch bei Menschen aller Altersgruppen in den USA, wo dieser Aktionstag begründet wurde. Die Einhorn-Anhänger berufen sich auf eine Regel, nach der ein Wesen so lange existent ist, wie jemand an es glaubt. 271 000 eingetragene Gläubige auf einer Facebook-Seite hauchen dem Tier ordentlich Vitalität ein. Funktioniert das eigentlich auch bei Fußballclubs? Dann rufe ich jetzt zu einer ganz anderen Aktion auf: Wer glaubt mit mir daran, dass Schalke 04 in dieser Saison nicht aus der Bundesliga absteigt? Mit Thomas Reis sind wir schon mal zwei - der Anfang ist gemacht. 
 
Am 2. November wird der "Krümelmonstertag" gefeiert. Angeblich hat der blaue Keksvertilger am 2. 11. Geburtstag. Mal ehrlich: Steckt nicht in jedem von uns ein kleines Krümelmonster? Na gut, bei den Frauen geht die Tendenz eher in Richtung Miss Piggy. Aber das Krümelmonster ist ein echter Kerl. Das zeigt schon sein Original-Name in den USA: Sid Cookie-Monster. Und seine Fan-Gemeinde ist hoffentlich noch größer als die des Einhorns. 
 
Doch mit dem "Halte-Ausschau-nach-Kreisen"-Tag wartet am 2. November auch eine echte Herausforderung auf Euch. Haltet mal die Augen auf und geht auf die Suche. Am besten zusammen mit Paul Pi und Gottfried Radius. Kleiner Tipp: Wer einen Stein auf eine glatte Wasserfläche wirft, wird fündig. Es hilft auch, eine Rolle Tesa komplett abzuwickeln: Das Kernstück ist eine runde Sache. Wieso ausgerechnet Tesa? Das Material könnt Ihr vielleicht noch brauchen. Habt Geduld bis zum 4. 11. 
 
Aber zunächst gilt es den 3. November würdig zu begehen. Ist es ein Zufall, dass der "Weltmännertag" und der "Tag der Hausfrau" in den USA auf einem Datum zusammenfallen? Vermutlich nicht. Wahrscheinlich steckt dahinter, dass die US-Paschas ihren Gattinnen sagen: "Zeig mal, was Du als perfekte Hausfrau alles drauf hast und bereite mir einen fantastischen Weltmännertag." 
 
Nun zum 4. November. Da kann ich Euch gleich drei Aktionstage aufzählen, die meine Skepsis gegen solche amerikanischen Feiertage schüren. Apropos: Eine gesunde Skepsis, also nicht alles ohne Zweifel schlucken, sondern zunächst auf Stichhaltigkeit prüfen, ist prinzipiell gut. Nur kann ein "Nationaler Skeptikertag" wie in den USA auch pervertieren und zum Feiertag der Querdenker und Verschwörungstheoretiker werden. Donald Trump soll ja heute noch mehr als skeptisch sein, ob die letzte US-Präsidentenwahl regulär verlaufen ist. 
 
Doch wozu begehen die Amerikaner dann am 4. November den "Tag des gesunden Menschenverstandes". Gesunder Menschenverstand und Donald Trump - passt das zusammen? Nun ja, diesen Tag hat ein gewisser Bud Bilanich neu im Aktionstag-Kalender platziert. Er nennt sich selbst "The Common Sense Guy" und bietet als Berater seinen gesunden Menschenverstand Unternehmen und Institutionen an. Noch Fragen? 
 
Ein wenig geht auch der "Chicken Lady Day" in diese Richtung. "Chicken Lady?", fragte ich mich, "hat vielleicht Christa  bei ihrem USA-Aufenthalt dort die Tintenhühner bekannt gemacht?" Leider nicht. Die Chicken Lady, um die es tatsächlich geht, heißt Marthenia "Tina" Dupree. Sie war zwölf Jahre lang Sprecherin einer großen US-Imbiss-Kette. Was meint Ihr? Mc Donalds oder Burger King? Da lachen ja die Hühner! 
 
Der Schleichwerbung unverdächtig ist am 4. November jedoch der Tutanchamun-Tag. Die Mumie des Pharaos wurde erst am 4. November 1922 freigelegt und ist der einzige Herrscher-Leichnam, der bis heute in seiner Grabstätte verblieb. Doch wie können wir Tutanchamun nun angemessen würdigen? Ich hätte da einen Tipp: Ihr nehmt Euch den Tesa-Film vom 2. November und wickelt Euch von Kopf bis Fuß damit ein. Schon zu Lebzeiten Mumie - wer kann das sonst schon von sich behaupten? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Seid so gut und bittet einen Menschen, ein Mumien-Foto von Euch zu machen und mir zu senden. Falls Ihr noch einen Schritt weiter geht und Euch in einer Halde vergraben lasst, verspreche ich dafür zu sorgen, dass Euch Archäologen in gut 3000 Jahren wieder ausbuddeln werden. 
 

Schmunzelpost 560 vom 31. 10. 22

Nach und nach werden wir Menschen als "Krone der Schöpfung" entzaubert. Dieser Eindruck verstärkt sich bei der Lektüre der SZ-Wochenend-Ausgabe. Dort ist die Rede davon, dass Wissenschaftler bei Tieren immer mehr Fähigkeiten entdecken, von denen wir Menschen gerne glauben, dass wir ein Monopol darauf hätten. Nur wenige von uns kommen von selbst darauf, dass wir nicht die einzigen begabten Geschöpfe auf Erden sind. 
 
Das merkt zum Beispiel der Papageien-Besitzer, der mit seinem Vogel abends gern über die geschichtsphilosophischen Dimensionen der Gaspreisbremse diskutiert. Nun, so die SZ, hätten Forscher auch noch herausgefunden, dass Bienen so wie wir von links nach rechts zählen. "Wie? Bienen können zählen? Ist im Grund logisch, denn schließlich müssen sie wissen, ob am Feierabend alle im Bienenstock sind oder ob Hilde schon wieder fehlt, weil sie einfach nicht vom Löwenzahn-Nektar loskommt." 
 
Doch jetzt fangen auch noch tote Gegenstände an mit uns zu reden. Ich sage nur: Künstliche Intelligenz! Wo soll das alles enden? In einem anderen Artikel macht sich SZ-Redakteur Sebastian Herrmann darüber Gedanken, dass wir bereits jetzt dauernd von Geräten angequatscht werden. So teilt uns die Waschmaschine mit ausdauerndem Piepsen mit, dass die Wäsche fertig sei und nun zum Trocknen aufgehängt werden könne. Und auch der Kühlschrank stimmt in den Pieps-Chor ein, wenn wir seine Tür nicht schnell genug schließen. 
 
Von unserem Auto ganz zu schweigen. Da piepst, blinkt und tutet es an allen Ecken und Enden, so dass wir uns verzweifelt fragen: Was will die Karre uns eigentlich sagen? Doch die nächste Kfz.-Generation steht schon in den Startlöchern und scharrt ungeduldig mit den Reifen. Der Anfang ist längst gemacht. Das Navi quatscht uns ständig rein und hat bereits erreicht, dass wir kaum noch Landkarten lesen können. Bald wird das Auto uns bei der Heimkehr von der Arbeit erinnern: "Dann bis gleich! Du musst in einer halben Stunde noch Deine Frau vom Yoga-Kurs abholen." 
 
Mittlerweile bin ich bereits soweit, dass ich mich beim Spaziergang nervös umdrehe, wenn es hinter mir piepst. Ist das bloß ein Spatz? Oder meine Waschmaschine, die mich verfolgt, weil ich versäumt habe, ihre Trommel zu leeren? Als nächstes wird meine Kaffeemaschine aufhören zu gurgeln und stattdessen singen: "Der Kaffee ist fertig!" Und danach fragt sie wahrscheinlich: "Wie üblich schwarz? Oder heute mit einem Schuss Milch?" 
 
In ein paar Jahren wird es richtig spannend. Dann sind die Haushaltsgeräte so weit, dass sie sich in ihrer Freizeit miteinander unterhalten. Ich werde rechtzeitig in der VHS einen Kurs buchen, um die Pieps-Sprache zu verstehen. Womöglich kann ich dann einiges über mich erfahren. "Der dumme Kerl hat schon wieder die Buntwäsche mit 60 Grad gebrüht", stöhnt die Waschmaschine. Und der Staubsauger ächzt: "Lange mache ich das nicht mehr mit. Dauernd vergisst er, rechtzeitig meinen prallen Beutel zu wechseln." 
 
Doch wahrscheinlich werden wegen Typen wie mir dann bereits entsprechende Warnungen eingebaut. Wenn alle Geräte sprechen können, hat sich die Sorgepflicht sowieso erledigt - das übernehmen sie im eigenen Interesse dann schon selbst. Womöglich nehmen sie uns auch in allen schwierigen Bereichen des Lebens an die Hand. Wünscht Ihr Euch nicht insgeheim schon lange, dass jemand ständig auf uns aufpasst und uns beschützt, so wie das in der Kindheit der Fall gewesen ist? Vielleicht lässt der intelligente Fernseher wenigstens mit sich reden, wenn wir auch noch den Spätfilm sehen möchten. Und wenn wir eingenickt sind, löscht er das Licht im Zimmer und flüstert dem Sofa zu, dass es ganz sanft die Rückenlehne senken soll. 
 
Aber jetzt muss ich leider Schluss machen. Mein Computer hat gepiept. Und das bedeutete: "Jetzt ist aber genug für heute!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 559 vom 30. 11. 22


Wie haltet Ihr es mit der Wissenschaft? Vertraut Ihr Expertisen und Studien oder hegt Ihr manchmal Zweifel? Mitunter wird man auf eine harte Probe gestellt. So habe ich gelesen, dass Rotwein gesund ist. Dann wieder las ich, dass Rotweingenuss schädlich sei. Doch dann hieß es wieder, in Maßen sei Rotwein durchaus gesund. Und kurz darauf war zu lesen, dass Alkohol generell giftig ist. 
 
Ich zog daraus den Schluss, dass blindes Vertrauen in Aussagen niemals gut ist. Allerdings ist es sinnvoll, von Fall zu Fall zu entscheiden und abzuwägen: Ist mir Genuss wichtiger als ein geringes Risiko? Und vor allem: Wer hat die Aussage getroffen? Und wer hat davon Nutzen? Einig sind wir uns bestimmt darin, dass die Querdenker-Haltung, der Wissenschaft sämtliche Kompetenz abzusprechen, total falsch ist. Siehe Klimawandel. Abweichende Meinungen wird es immer geben, auch unter Fachleuten. Doch wenn eine Mehrheit von, sagen wir, 98 Prozent zum gleichen Ergebnis kommt, dann spricht viel dafür, dass da auch was dran ist. 
 
Kitzlig wird es bei bezahlten Gutachten. Oder bei Aussagen und Resultaten, mit denen die Urheber ihre Ideen und Konstrukte reinwaschen wollen. So etwas ereignete sich vor bald 100 Jahren, exakt am 30. Oktober 1924. Der Ingenieur Thomas Midgley hatte herausgefunden, dass man die Leistung von Verbrennungsmotoren erheblich verbessern kann, wenn man dem Benzin Blei hinzufügt. Erst ein halbes Jahrhundert später bemerkte man, dass die giftige Substanz, die sich aus den Auspuffrohren verbreitete, weder der Gesundheit der Menschen noch der Umwelt gut tat. 
 
Dabei hätten schon viel früher die Alarmsirenen schrillen müssen. Denn bereits 1924 litten viele Raffineriearbeiter unter der schwächenden Wirkung der Neurotoxine. Um die Bedenken zu zerstreuen, trat Thomas Midgley im Firmensitz von Standard Oil vor die Reporterschar, um den Beweis der Unbedenklichkeit anzutreten. Dazu bestrich er zunächst seinen Körper mit einer klaren Substanz, die mit Blei angereichert war. Dann trocknete er sich ab und inhalierte eine Minute lang intensiv die gleiche Flüssigkeit. Anschließend präsentierte er sich als lebender Beweis dafür, dass von einer zeitlich begrenzten Belastung durch verdünntes Blei keinerlei Gefahr ausgehe. Dass Raffineriearbeiter erkrankt oder sogar gestorben waren, sei eindeutig die Folge davon, dass Sicherheitsvorschriften nicht genügend beachtet worden seien. 
 
Was Midgley den Medien verschwieg: Er selbst war zuvor durch eine Bleivergiftung schwer erkrankt und konnte sechs Wochen lang nicht arbeiten. Und ein paar Wochen nach seiner Demonstration litt er schon wieder an den Folgen seines Experimentes. Doch das bremste seinen Tatendrang nicht. Einige Zeit später präsentierte er der applaudierenden Welt seine nächste Entdeckung: Ein neuartiges chemisches Kühlmittel aus Fluorkohlenwasserstoffen, kurz FCKW. Leider, leider ist Midgley danach nicht in einem Ozonloch verschwunden - wahrscheinlich war er dazu durch das Blei in seinem Körper auch zu schwer. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 558 vom 29. 10. 22

 

Dieses Wetter macht mich fertig! Wir eilen mit Siebenmeilenstiefeln der Adventszeit entgegen, und draußen haben die Eisdielen Hochkonjunktur. Sommerwärme Ende Oktober! Auf unserer Terrasse führen die Amseln Selbstgespräche und auf seinem Balkon baut Herr K. ein Nest und zwitschert ununterbrochen. Oder war es umgekehrt? Na ja, bei Licht betrachtet war es wohl doch der alte Weltverbesserer, dessen Monolog ich belauscht habe. 
 
"Hömma, Karl, hab ich wat verpasst? Is Weihnachten schon vorbei? Sind wir zwei beide grad aussem Winterschlaf ergewacht und es is schon wieder Frühling? Seit wann flattert denn der graue Oktober mit sein Flatterband inne Lüfte? Und ham wir vorher schon mal inne Badebuxen auffem Balkon gehockt, wenn se die Uhren auf Winterzeit gestellt ham? Nee, dat sind alles bloß so rotierende Fragen, auf die et nur eine Antwort gibt: Ham wir nich! 
 
Wenn dat so bleibt, dann können die ihr teures Gas behalten, dann reicht eine zweite Lage Medima-Unterwäsche und uns ist schön mollig warm. Und getz nutzen wir dat warme Wetter und quatschen 'n bisken auffem Balkon. Ich muss ma wieder Dampf aussem Kessel lassen, Karl, sons platz ich. Wenn ich die Nachrichten seh, dann hab' ich son Hals. Nicht nur wegen dat Massaka inne Ukraine, wose mit Raketen und Drohnen in Wohngebiete wüten. Und die Leute fertig machen wollen, indem se ihnen Strom und Wasser wegbomben. Und dat nennen se dann Befreiungsoparation! Hömma, wenn ich ma unters Messer soll, dann frach ich dem Chirurg vorher, oppa mir 'n Ersatzteil einsetzen will oder mich mit 'ne Spezialoparation um die Ecke bringt. 
 
Dat Schlimme is, nach nem halben Jahr hasse Dich bald an an die Nachrichten vom Krieg gewöhnt. Musse mal drauf achten: Die rutschen imma weiter nach hinten. Demnächst heißt et unter ferner liefen: Der Dax, die Kriegstoten, dat Wetter. Und rat mal, worüba sich die Leute am meisten aufregen tun. 
 
Bei mir is dat anders. Ich hab ja selbs noch erlebt, wie dat is, wenne jedes Wort überlegen muss, weilse Dich oder Deine Eltern sons abholen. Wenne aussem Luftschutzbunker komms und Deine Kumpels beim Fußball nich ma sagen dafst: "Wunderwaffen? Dat glaubt doch nur der Adolf! Wir erleben unsa blaues Wunder!" Darum läuft mich ja die Galle über, wenn ich seh, wat da im Iran am Laufen is! Da stirbse, wenne dich nich komplett in son olles Kopftuch wickelst. Und wenn du protestieren tust, dann schießen se nich nur auf dich, sondern auch auf Frauen und Kinder! Da fang ich wie inne Sechziger am Reimen an: "Gebt dem Mullah einen Schnulla!" Damitter die Klappe hält und keinen Schießbefehl gibt! 
 
Letzte Nacht hab ich geträumt, ich wär der Häuptling vonne Vereinten Nationen. Un hätte richtich wat zu sagen. Da hab ich angeordnet: "Die ganzen Mullahs, Taliban und Saudi-Scheichs, die mittem Kopp noch im Mittelalter stecken, die werden umgesiedelt in 'nen islamischen Gottesstaat rund um Mekka. Vonne Öl-Milliarden kriegen se da 
'ne Luxushütte und können den ganzen lieben langen Tach Glaubensfragen diskutieren. Und sich gern auch gegenseitig die Köppe einschlagen. 
 
Die Frauen, die Vernünftigen und die jungen Leute aber, die dürfen im freien Iran und freien Afghanistan und freien Emiraten nach ihren eigenen Vorstellungen leben. Wär dat nich  töfte? Un getz freu ich mich schon auffe nächste Nacht. Da will ich träumen, wie ich Putin, Xi Jinping, Erdogan, Orban, Bolsonaro, Trump und Konsorten alle auf ein Campingplatz in Grönland packen tu. Dat wird vielleicht ein Spässken! 
   
Gute Nacht! 
kdk + Herr K. 

Schmunzelpost 557 vom 28. 10. 22

Bin diesmal spät dran mit dem Schreiben der Schmunzelpost. Erst meldete sich Manfred Lauffs mit einer starken Erkältung für den abendlichen Bücherherbst ab (gute Besserung, Manni), dann waren Einkäufe in Kirchhellen per Fahrrad zu erledigen (das Klima im Kopf bringt Blei in die Beine) und schließlich musste nach der abendlichen Baumhaus-Veranstaltung am Fernseher noch im Europacup den beiden kleinen gallischen Teams aus Freiburg und Berlin (Union, nicht Hertha) die Daumen gedrückt werden. Und schwupps, war es plötzlich Mitternacht. 
 
Doch wenn der Sport mich schon so beschäftigt, sollt Ihr auch etwas davon haben. Heutzutage ist der 3000-m-Hindernislauf wegen der Hürden und des Wassergrabens für alle Läufer und Läuferinnen eine extrem anspruchsvolle Disziplin. Aber früher war sie noch viel härter. 1904 mussten die Teilnehmer des 2950-m-Hindernislaufes bei den Olympischen Spielen in St. Louis alle 50 m kopfüber durch Fässer springen, die an Seilen aufgehängt waren! 
 
Eine interessante Idee. Ich schlage vor, dass alle Fußballer, die ein Tor gegen Schalke 04 erzielen wollen, zuvor durch einen brennenden Reifen springen müssen. Vielleicht ist der Klassenerhalt in der Bundesliga auf diese Weise doch noch zu schaffen. 
 
Zurück nach St. Louis. Damals nahmen an den Wettkämpfen kaum Europäer teil. Flugverbindungen gab es noch nicht. Und die Schiffspassage über den Ozean dauerte viel zu lange oder war kaum erschwinglich. Denn damals waren nur echte Amateure startberechtigt. 
 
Dennoch würde ich mir eine Neuauflage wünschen. Denn 1904 wurden auch die Besten im Sackhüpfen und im Tabak-Weitspucken ermittelt. Allerdings gab es dafür keine Medaillen. Die gab es jedoch im 60-m-Lauf, im Standweitsprung (der Sieger schaffte 3,47 m), im Standhochsprung (1,60 m) und Standdreisprung (10,35 m). Herausragender Teilnehmer war für mich der Turner George Egner. Er gewann sechs Medaillen - obwohl sein linkes Bein aus Holz war. 
 
Und einen Skandal gab es 1904 auch schon. Der vermeintliche Sieger des Marathonlaufs musste disqualifiziert werden. Es war nachgewiesen worden, dass Fred Lodz große Strecken der 42-km-Distanz mit dem Auto zurückgelegt hatte. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 556 vom 27. 10. 22


Der letzte Montag war für mich eine Art Feiertag. Denn die Leib-und-Magen-Sendung der Freunde des skurrilen Wissens meldete sich aus der Sommerpause zurück auf dem Bildschirm. Und das erstmals mit einem 25-stündigen Sendemarathon, teils im Ersten, teils im Internet. 
 
25 Stunden "Wer weiß denn sowas?" sind verdammt lang. Alle Achtung für die Akteure und deren Publikum vor Ort. Ich habe weder die volle Zeit durchgehalten, noch konnte ich mir aus der Fülle von schrägen Informationen alles merken, was ich gern dauerhaft in meinem Gedächtnis gespeichert hätte. Aber wenigstens ein Beispiel will ich Euch trotzdem nennen. Kann man eine Tasse Kaffee allein dadurch zum Kochen bringen, dass man sie ausdauernd anschreit? 
 
Man kann! Allerdings braucht man ordentlich Kondition. Israelische Wissenschaftler haben exakt ausgerechnet, wie lange das dauert. Wer ständig mit einer Lautstärke von 80 Dezibel brüllt, erzeugt dadurch Energie. Und Wärme. Allerdings einen Wert, bei dem erst viele Stellen hinter dem Komma eine 1 die Nullen ablöst. Der Kaffee wird also ganz, ganz, ganz langsam erhitzt. Schreihälse, die Tag und Nacht, Woche für Woche, Monat für Monat durchhalten, wären nach einem Jahr, einigen Monaten, einigen Tagen und einigen Stunden und Sekunden erfolgreich. Die genaue Zeitangabe konnte ich mir leider nicht merken. Aber ich habe den kochenden Kaffee ja auch nicht getrunken. 
 
Irre ich mich oder höre ich Euch am PC schreien: "Mehr! Mehr! Mehr davon!" Könnt Ihr haben. Bei Dezimalstellen und Mengenangaben sollte man stets wachsam sein. Vor allem, wenn man verbindliche Bestellungen per Computer vornimmt. So saß trotz des Klo-Papier-Runs in der Corona-Krise der größte Hamsterkäufer von Toilettenpapier bereits 2006 in einem Büro der Gemeindeverwaltung Fuchstal. Dort staunten die Mitarbeiter des Bauhofes nicht schlecht, als eines Tages ein Sattelschlepper vorfuhr. Randvoll mit Toilettenpapier im Wert von 6500 Euro. Mit hastigen Telefonaten und großer Überredungskunst gelang es gerade noch, das Beladen eines zweiten Sattelschleppers zu verhindern. 
 
Was nun? Eigentum der Gemeinde an private Haushalte zu verschenken, das galt in der oberbayerischen Gemeinde als Geldverschwendung. Also wurden die Rollen an alle öffentlichen Gebäude, die Feuerwehr, die Verwaltung und die Schulen verteilt und dort in Schränken, Regalen und Kellern zwischengelagert. Zum Glück hat Klopapier kein Verfallsdatum. Allerdings dauerte es sehr, sehr lange, bis die letzte Rolle aufgebraucht war. Denn weil es sich um einlagiges, nicht gerade hautfreundliches Papier handelte, gingen die Nutzer sehr sparsam damit um. 
 
Nach 13 Jahren war es endlich so weit. Das letzte, bereits ziemlich angegilbte Blatt hatte seinen Zweck erfüllt. Der Nachschub traf pünktlich ein, weil die neue Bestellung rechtzeitig aufgegeben worden war. Und diesmal hatte man aufgepasst: Die neue Lieferung war zweilagig! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 555 vom 26. 10. 22


Heute habe ich mir ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Ich werde die Aktionstage bis Ende Oktober abarbeiten. Das bedeutet jedoch auch, dass ich pro Tag nur einen, maximal zwei Anlässe auswähle. 
 
Am heutigen 26. Oktober fiel die Wahl aus Gründen der Kuriosität nicht schwer. Wir feiern den "Heul-den-Mond-an"-Tag. Um zu verhindern, dass Nachbarn den Rettungsdienst verständigen und uns die Jungs in Zwangsjacken stecken, ist es ratsam, diesem Brauch in Abgeschiedenheit zu frönen. Wie wär's mit dem Dämmerwald? Vielleicht stimmen dort Gloria und ihr Rudel ein. 
 
Der bundesweite "Mit-Absicht-Geld-verlieren"-Tag wird am 27. Oktober begangen. Dazu lautet meine Empfehlung: Setzt sämtliche Ersparnisse im Wettbüro darauf, dass Schalke 04 in dieser Saison Deutscher Fußballmeister wird. Dabei kann nichts schiefgehen - was das Ziel des Aktionstages betrifft. 
 
Der 28. Oktober ist der Internationale Tag der Mitfahrgelegenheit. Deshalb könnt Ihr als Anhalter darauf vertrauen, überall mitgenommen zu werden. Überall? Nein. Nicht in Griechenland. Dort ist "Olchi-Tag" - der Jahrestag des Nein. 
 
Am 29. Oktober ruft man in den USA zum "Umarme-ein-Schaf"-Tag auf. Da können die Amis aber von Glück sagen, dass sich die Initiatoren nicht für einen "Umarme-einen-Grizzly"-Tag entschieden haben. 
 
Nun kommen wir zum 30. Oktober. Da stelle ich mich den Leserinnen der Schmunzelpost gern zur Verfügung. Dies ist in Deutschland der "Tag des Kinnkraulens". 
 
Zum Schluss begehen wir am 31. Oktober den "Steigere-Deine-übersinnlichen-Fähigkeiten"-Tag. Ich meine, derartige Aktionen können wir uns sparen. Das trifft sich: Der 31. 10. ist auch Weltspartag. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. In den letzten Tagen habe ich offenbar ein wenig geschlampt. So ging gestern die Mail versehentlich mit  ihrem Arbeitstitel "Neue Schmunzelpost" raus. Es hätte jedoch "Verheulte Schmunzelpost vom 26. 10." heißen sollen. 
Und aus Rhade erreichten mich zwei Korrekturen. 1. Olchis sind kleine Wesen aus einem Kinderbuch. "Nein" heißt auf griechisch ochi. 2. "Erste Hilfe" heißt auf englisch "first aid" und nicht "first help". Dazu merke ich an: 1. Da habe ich mich vertippt. Zu "ochi" sage ich "nä" (griechisch: ja, außerdem verstärkendes Anhängsel in mancherlei Mundarten). 2. I know that! But I write "first help" because I prefer in communication with native German speakers pidgin-english. 

Kalinichta and good night! 
 

Schmunzelpost 554 vom 25. 10. 22

Am Wochenende bin ich endlich dazu gekommen, nochmal ins "Wochenend-Buch" zu schauen. Ihr erinnert Euch? Das war der Bestseller aus England, der 1924 erstmals erschienen ist. Diesmal habe ich das Kapitel "Erste Hilfe" studiert und war erstaunt, wie sehr die Briten bei ihren Freizeitvergnügungen zu leiden hatten. 
 
Darauf lässt bereits die medizinische Ausrüstung schließen, mit denen "sich der umsichtige Reisende gegen Notfälle" bei seinen Wochenend-Ausflügen wappnen sollte. Im Rucksack durften Binden, Verbandswatte, Heftpflaster, Sicherheitsnadeln, sterile Mullbinden und Kompressen nicht fehlen. Außerdem sollte man stets Essigsäure, Natronlösung, Brechmittel, heiße Umschläge, Abschnürbinden sowie einfache und vierfache Kochsalzlösung zur Hand haben. 
 
Was aber drohte den abenteuerlustigen Briten bei ihren wilden Spielen oder ihren Exkursionen in den Dschungel vor Londons Toren? Das Buch zählt 24 Gefahren auf, eine lebensbedrohender als die andere. Das Spektrum reicht von A wie Angelhaken bis Z wie Zahnschmerzen. Unter B finden wir "Blaues Auge", "Blutung", "Blähungen" und "Blasen an den Füßen", alles Dinge, die den Engländern ihren Wochenend-Spaß offenbar gründlich vermiesen konnten. Wahrscheinlich kam der Reisegefährte mit den stärksten Blähungen selten ohne blaues Auge nach Hause. 
 
Was konnte sonst noch ins Auge gehen? Fremdkörper! Unter F finden wir Fremdkörper im Auge, Fremdkörper in der Nase und Fremdkörper im Ohr. Leider geht aus dem Buch nicht hervor, um welche Fremdkörper in der Nase es sich meistens gehandelt hat. Vor allem auch, wie sie hineingekommen sind, hätte mich sehr interessiert. Stattdessen lese ich nur, wie sie entfernt werden sollen. Indem man durch Pfeffer oder Kitzeln mit zusammengerolltem Papier einen starken Niesreiz auslöst. Gesundheit! 
 
Auch die Sache mit den Angelhaken gibt mir zu denken. Schließlich ist es unwahrscheinlich, dass muntere Schwimmer gierig nach Ködern schnappen, die eigentlich für Fische bestimmt sind. Oder waren die Briten so ungeübte Angler, dass sie beim Ausholen unfreiwillig schon an Land Beute machten? Oder statt eines Wurms ihren Finger aufspießten? Man weiß es nicht. Dafür weiß ich jetzt, wofür die vierfache Kochsalzlösung gut sein soll, die man selbstverständlich stets parat hatte. 
 
Wie alle Spanien-Urlauber wissen, neigen Briten dazu, sich beim Sonnenbaden derbe die Haut zu verbrennen. Sie haben offensichtlich die Ratschläge der Buchautoren nicht beherzigt. Denn dort heißt es: "Arsen ist, ebenso wie die Sonne, gut für das Blut. Dennoch wäre es ein Torheit, gemäß dem Grundsatz 'von einer guten Sache kann man niemals zu viel bekommen' ein oder zwei Unzen davon zu konsumieren. Genauso dumm (wenn auch nicht tödlich) ist es, den ganzen Körper, blass und unvorbereitet, stundenlang der brennenden Sonne auszusetzen." 
 
Erstaunliches lesen wir darüber, wie man die Seekrankheit in den Griff bekommt: "Wenn Sie selbst das Schicksal des Bootes nicht mehr interessiert, stopfen Sie sich Verbandmull in die Ohren, bis Sie den Druck auf dem Trommelfell spüren. Am erträglichsten ist es, sich auf die rechte Seite zu legen und die Knie bis an den Bauch zu ziehen." Und zur Abhilfe bei Zahnschmerzen findet sich bloß ein einziger Satz, der die Alkoholiker unter uns freuen wird: "Mit einem Schluck Whisky oder Brandy zu gurgeln kann den Schmerz lindern." 
 
Ein spannendes Rezept, das ich allerdings nicht ganz verstanden habe,  wird gegen Schluckauf beschrieben: "Um Schluckauf zu beenden, müssen Sie Wasser rückwärts trinken. Die Kunst besteht darin, mit den Lippen den weiter von Ihnen entfernten Glasrand zu umschließen und sich so weit nach vorn zu beugen, bis es möglich ist, in dieser Position zu trinken. Vorsichtshalber sollten Sie diese Methode unbeobachtet praktizieren." 
 
Ist durch den Commonwealth etwa die Kobra und die schwarze Mamba mitten in England heimisch geworden? Ausführlich wird jedenfalls geschildert, was man bei Verletzungen durch Giftschlangen tun soll. Nach dem Abschnüren, Aussaugen und Desinfizieren kommen wir zum interessanten Teil: "Um dem schweren Schock entgegenzuwirken, verabreichen Sie dem Betroffenen einen ordentlichen Schluck Whiskey oder Brandy. Falls nötig, wiederholen Sie diese Prozedur mehrmals. Manche Leute bevorzugen stattdessen einen Teelöffel Hirschhornsalz in einem Weinglas Wasser aufgelöst. Kein Mensch weiß, warum." 
 
Allmählich kommt in uns ein Verdacht auf, warum auch "übermäßiger Alkoholgenuss" als Gefahr am Wochenende aufgezählt wird. Zum Glück ist das anscheinend leicht zu kurieren. Es gilt: Vorbeugen ist besser als Kotzen! Im Buch heißt es: "Vor Gelegenheiten, die dazu prädestiniert sind, Ihre Leber zu schädigen, ist es empfehlenswert, 15 bis 20 Gramm Olivenöl oder ein Glas Milch zu trinken." Außerdem: "Wenn jemand fünf oder sechs Bittermandeln isst, bevor er in geselliger Runde Alkohol konsumiert, bewahrt es ihn davor, stärker in Mitleidenschaft gezogen werden als die anderen." 
 
Und wenn die Mandeln den Kater nicht verhindert haben, heißt es dazu: "Bei einem Kater am Morgen danach ist es für Ihren benebelten, trüben Verstand tröstlich, sich die mahnenden Worte des berühmten Arztes Isaac Judäus in Erinnerung zu rufen, der da sagt: 'Für diejenigen, die in ihrer Jugend übermäßig Wasser trinken, ist es unmöglich, das Alter zu erreichen, das Gott ihnen zugedacht hat.'" Na dann, Prost! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Angesichts des Chaos, das die Brexiteers und die Tory-Politiker gerade in Großbritannien angerichtet haben, würde ich den Hauptverantwortlichen gern das volle Programm aus dem Erste-Hilfe-Paket verabreichen, vom Brechmittel bis zur vierfachen Kochsalzlösung. Und für Boris Johnson ein Heftpflaster mitten auf den Mund!  
 

Schmunzelpost 553 vom 24. 10. 22 


Die Süddeutsche Zeitung vom Wochenende bot wieder allerlei Stoff zum Nachdenken. Und zum Schmunzeln. Und mit Material für Wortklauber. So begann das Streiflicht mit dem Waschlappen und führte über die Heulsuse, das Weichei und den Schlappschwanz zum Jammerlappen. Selbst mit dem letzten Wort blieb die Glosse auf Kurs. Es lautete "Schmachtfetzen". 
 
Mit ganz anderen Wörtern befassten sich dann Veronika Wulf und Martin Zipp. Für mich war neu, das "smash" gute Aussichten hat, das Jugendwort des Jahres zu werden. Es steht für "gut". Das Autorenduo listete andere Wörter auf, die ebenfalls zeitweise die gleiche Bedeutung hatten. Das schöne Wörtchen "famos" ist leider weitgehend in der Versenkung verschwunden (und wird laut SZ fast ausschließlich von FAZ-Feulletonisten, Besuchern der Bayreuther Festspiele und Max Raabe verwendet, wobei der Sänger es ironisch nutzt). 
 
Dann haben wir ein Wort, das in Berlin geprägt wurde und passenderweise dort kurz nach der Inflation der 20er Jahre geradezu inflationär gebraucht wurde. "Det is knorke!", jubelten die Berliner. Und Kurt Tucholsky stöhnte 1924: "Die Knorkitis wütet!" Wiederum in Berlin wurde es in den 60er Jahren durch eine Neuschöpfung abgelöst, was nicht nur die Berliner "dufte" fanden. In dem Zusammenhang fällt mir noch "töfte" ein. 
 
In den 70er Jahren begann der Siegeszug von "prima". Und es waren nicht nur die Schüler der Unterprima und der Oberprima, die das Wort zum Dauerbestandteil der Sprache machten. Im Kinderbuch "Der kleine Nick", so die Süddeutsche Zeitung, war alles prima, was eine glückliche Kindheit ausmachte, von der Glasmurmel bis zum Röhrenfernseher. Ich erinnere mich gut, dass ein weiteres Wort damals hoch bei mir im Kurs stand, wenn ich etwas anerkennend kommentieren wollte. Auch das ist ein Wort mit Bezug zur Schule: Manches war einfach klasse! 
 
Dagegen war das Adjektiv "bärig" eher in Süddeutschland und bei deutschsprachigen Alpenländlern im Umlauf. Das Synonym für "großartig" leitet sich tatsächlich von einem Tier ab. Jedoch nicht vom Bären, sondern vom Zuchteber! In Schwaben und Bayern nennt man ein männliches Schwein auch heute "Saubär". Früher bedeutete dort "bärig" auch, dass ein Schwein paarungsbereit ist. Die SZ findet das "bockstark und saugeil". 
 
Damit wären wir schon fast in der Gegenwart. Denn "geil", "cool" und "super" sind nach wie vor als Ersatz oder Verstärkung für gut in Gebrauch. "Geil" hat die längste Vorgeschichte und stammt aus dem Indogermanischen. Seit dem 15. Jahrhundert wird es im Zusammenhang mit sexueller Begierde benutzt, bevor die Jugend das Bedeutungsspektrum erheblich erweiterte. Und nun soll als "smash" das moderne "geil" werden. Die SZ meint: "Wer smash sagt, ist hip!" 
 
Dagegen muss die Lage eher beschissen sein, wenn man fast nur noch auf Toiletten neben anderen Hinterlassenschaften auch freie Worte hinterlassen kann. Eine "Toilettenrevolution", eine Art neue Protestkultur entdeckte die SZ in China. Während sich bei uns auf öffentlichen Toiletten früher an den Wänden oft pubertäre Zeichnungen, Schweinigeleien oder Telefonnummern von Sexual-Dienstleistern fanden, nur gelegentlich angereichert mit einem witzig gemeinten Spruch, so nutzen die Chinesen jetzt das abgeschiedene Örtchen dazu, politische Botschaften und Unmutsbekundungen aufzuschreiben. 
 
Da man im Reiche Xis weder im Betrieb, auf öffentlichen Plätzen oder daheim, geschweige denn im Internet, sicher sein kann, nicht belauscht zu werden, blieb keine große Auswahl. Damit spotten die Schreiber auch über ein an und für sich begrüßenswertes Hygieneprogramm, das der allmächtige Staatschef bereits 2005 anleierte. Seitdem werden in China mit riesigem finanziellen Aufwand die öffentlichen Toiletten auf Vordermann gebracht. Und wie das so ist wollten einige Behördenchefs dabei besonders glänzen. Sie statteten WC-Anlagen mit Wlan, TV-Bildschirmen, Kühlschränken und Mikrowellen aus. Und manche spgar mit Gesichtserkennung, um den Diebstahl von Toilettenpapier zu verhindern. 
 
 Smash, was? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 552 vom 23. 10. 22

 

Die Hose rutscht um beide Beine, es könnte sein, es sind auch Deine. Denn, gib es zu, ganz ohne Knopf, da wären wir ein armer Tropf. Wenn das kein Grund ist, sich mit der Kulturgeschichte der Knöpfe zu befassen, dann weiß ich es auch nicht. 

 

Na, habt Ihr am 21. Oktober den Aktionstag angemessen begangen? Wie, schon vergessen? Das war der "Zähle Deine Knöpfe-Tag". Zugegeben, ich habe auch nicht gezählt. Doch ich habe mich mit der Kulturgeschichte der Knöpfe befasst. Ehrensache. Oder besser: Knopfsache. 

 

Wusstet Ihr, dass es die ersten Knöpfe schon vor 10.000 Jahren gab? Ja, genau, in der Steinzeit. Doch damals hatten Knöpfe noch keine Funktion. Die Tierfelle und Pelze wurden einfach mit Löchern versehen und über Kopf und Arme gestreift. Die Knöpfe aus Stein oder Knochen dienten als Schmuck. Auch der Steinzeitmensch von Welt wusste sich herauszuputzen. 

 

Für den Zusammenhalt von Kleidungsstücken wurden im 3. Jahrtausend vor Christus die Fibeln erfunden. Das waren Spangen, die Textilien am Rutschen hinderten und sich vor dem Körper verschließen ließen. Der Dekorationsknopf feierte dann im 12. Jahrhundert sein Comeback und war vor allem bei Kreuzfahrern und Kaufleuten beliebt. Er galt als Statussymbol. Edelleute besaßen Knöpfe aus Gold und Silber, Bauern trugen Knöpfe aus Hirsch- oder Kuhhorn. 

 

Im 13. Jahrhundert kam es zur Revolution. Ein genialer Kopf, der leider unbekannt ist, erfand das Knopfloch. Von da ab konnte der Knopf sich endlich nützlich machen und ernährte eine ganze Zunft: Das Knopfmacher-Handwerk. Das war sogar verantwortlich für einen der frühesten Wirtschaftskriege der Geschichte. Der Preußen-Herrscher Friedrich Wilhelm I. erließ am 4. Mai 1718 ein Edict, das die Einfuhr fremder Knöpfe bei Strafe untersagte. So sollten die königlichen Knopfmanufakturen geschützt werden. 

 

Zwischenzeitlich erlangte der Knopf im 18. Jahrhundert sogar den Rang eines Renommierobjekts der Männermode. Nicht selten waren Kleidungsstücke mit mehreren Schock Knöpfen ausgestattet. Und ein Schock besteht aus 60 Stück! Es soll Mätressen gegeben haben, die beim Entblättern ihrer Liebhaber vorzeitig eingeschlafen sind. Gleichzeitig zeigten Knöpfe an, welchem Stand ihre Träger angehörten. Der Adel schmückte sich vorwiegend mit Gold und Silber, Bauern trugen Knöpfe aus Zinn und Messing, die mit Pferdedarstellungen verziert waren und Handwerker präsentierten ihre Werkzeuge auch knopflastig. 

 

Welchen Stellenwert Knöpfe hatten, zeigt auch, dass manche im 18. Jahrhundert sogar als Zahlungsmittel verwendet wurden. Mit der Französischen Revolution endete diese Epoche. Es gab keine Standesvorschriften mehr und die fabrikmäßige Herstellung im 19. Jahrhundert machten Knöpfe aller Art zum Gemeingut. 

 

Mein Fazit: Wenn Ihr durchs Leben geht, dann bitte weder kopf- noch knopflos. 

 

Glückauf 

kdk 

Schmunzelpost 551 vom 22. 10. 22 


"Ach, ist der süß!" Anders als der Nacktmull erfreut sich der Wombat recht großer Beliebtheit. Der Beutelsäuger lebt in Australien, kann zwischen 70 und 120 cm groß werden und sieht aus wie eine Kreuzung aus Meerschweinchen und Dachs. Wer ihn in freier Wildbahn beobachten will, muss abends auf die Pirsch gehen. Dann begibt sich der nachtaktive Pflanzenfresser auf Nahrungssuche. 
 
Warum erzähle ich Euch das? Weil heute in Australien der "Tag des Wombats" gefeiert wird. Persönliche Gratulationen nimmt der Einzelgänger nur ungern entgegen. Den Zutritt zu seinem unterirdischen Bau verwehrt er Eindringlingen mit seinem durch dickes Fell, Knorpel und Knochen versperrten Hinterteil. Damit verstopft er den Zugang zu seiner Höhle. Oder er erdrückt allzu aufdringliche Besucher an der Decke. 
 
Noch eine Besonderheit zeichnet den Wombat aus. Er, pardon, scheißt Würfel. Ja, wirklich. 80 bis 100 kleine Kot-Quadrate produziert das Tier pro Tag und nutzt sie, um damit die Grenzen seines Reviers zu markieren. Das soll mal einer nachmachen! 
 
Was ist sonst heute noch los? In Großbritannien feiert man am 22. Oktober den "Tag der Nuss". Angesichts ihrer letzten beiden Premierminister sollten die Briten vielleicht in diesem Jahr den "Tag der dummen Nuss" daraus machen. Und dann haben wir noch einen wirklich kuriosen Aktionstag. Ich stelle fest: Der 22. Oktober ist der "Internationale Tag der Feststelltaste". Mit welchen Verdiensten sich diese Taste den Ehrentag verdient hat, ist mir schleierhaft. Sie macht halt bloß ihren Job. 
 
Das kann man auch von Piloten sagen, wenn sie nicht gerade streiken.  Der "Tag des Piloten" am 23. Oktober wird denn auch nur in Brasilien begangen. Wie wäre es, wenn aus diesem Anlass alle brasilianischen Piloten den Regenwald aus der Luft kartieren und Brandroder aufspüren? Von mir aus können sie auch gern Herrn Bolsonaro mit Fallschirm mitten in der Wildnis abspringen lassen, wenn sie ihm vorher alle Kommunikationsmittel abnehmen. 
 
Der 24. Oktober ist der bundesweite Tag der Bibliotheken. Rund 11 000 davon gibt es in Deutschland. Die erste Bürger- und Stadtbibliothek wurde bei uns 1832 eröffnet. Dieser Aktionstag ist nicht kurios, aber sinnvoll. Da außerdem am 24. 10. auch der "Welttag der Gewürze" im Kalender steht, schlage ich Euch ein Spiel vor. Die Teilnehmer müssen mit verbundenen Augen Küchengewürze kosten und erkennen. Und um es spannend zu machen, muss der Verlierer zum Schluss einen hoch gehäuften Esslöffel mit einem Cocktail aus allen Gewürzen inklusive Pfeffer und Chili schlucken. Wohl bekomm's. 
 
Mit einem "Guten Appetit" darf man auch den 25. Oktober einleiten. Denn es wird sehr nahrhaft. Wir feiern den "Welttag der Pizzabäcker", den "Weltpasta-Tag" und den "Tag des fettigen Essens" in den USA (wo auch sonst?). Wenn man das alles problemlos verdaut, ist das eine Kunst. Dann darf man auch noch den "Internationalen Tag der Künstler" mitfeiern, der ebenfalls am 25. 10. ansteht. 
 
 Und zum guten Schluss zelebrieren wir noch den "sauersten Tag des Jahres". Der bezieht sich in erster Linie auf Speisen, die im Kontrast zum Süßkram stehen. Wer jedoch genügend Saures vertilgt, wird am Ende wohl selbst saure Miene zum bösen Spiel machen. Und wenn einem das Leben allzu viel Saures beschert, dann gilt der Spruch: "When life gives you lemons, make lemonade!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 550 vom 21. 10. 22


Es lohnt sich, im öffentlichen Bücherschrank auf Entdeckungsreise zu gehen! Gestern fiel mir "Das Wochenendbuch" in die Hände, das in England ein Bestseller war. 1924 erstmals erschienen, kamen bis 1955 insgesamt 34 Auflagen heraus. 2005 fand es erneut sehr viele Leser. Die deutschsprachige Ausgabe war jedoch kein großer Verkaufserfolg. Auch mein Exemplar machte einen ungelesenen Eindruck. Zu Unrecht! 
 
In Zeiten, in denen es weder Radio noch Fernseher oder gar das Internet gab, plagte viele Briten am Wochenende offenbar die Langeweile. In gebildeten Kreisen galt das Lesen als bester Zeitvertreib. Aber Bücher waren teuer, groß und unhandlich. Taschenbücher gab es noch nicht. So kam das Ehepaar Vera und Francis Meynell bei einer Wandertour durch Italien auf die Idee, dass es sinnvoll sein könnte, in einem Buch tausend Vorschläge zur Freizeitgestaltung zu bündeln, statt eine ganze Bibliothek im Rucksack mitzuschleppen. 
 
 So entstand ein Sammelsurium aus Poesie, kurzen Prosatexten, Spielen, Liedern, Vogel- und Naturkunde sowie Erste-Hilfe-Ratschlägen. Es sprach gleichermaßen junge und alte Menschen, Verheiratete und Singles an und fehlte Ende der Zwanziger Jahre auf kaum einem britischen Nachtisch. 
 
Wie nötig solche gesammelten Ratschläge waren, ergibt sich schon aus dem Kapitel "Der Sonntag in England". Darin wird aufgezählt, was den Briten alles am "Tag des Herrn" verboten war. Öffentliche Theateraufführungen, Jahrmärkte und Zirkusbesuche waren untersagt. Ebenso Bärenhatz und Stierhatz. Und auch Sportler und ihre Zuschauer hatten es schwer. Fußball, Pferderennen, Boxsport oder Freistilringen? No, Sir! 
 
Erlaubt war nur das Kino, der Besuch von Zoos, Gemäldegalerien, Museen und Hörsälen. Doch die waren in der englischen Provinz in jener Zeit dünn gesät. Also war so ein Buch zum erbaulichen Schmökern und mit vielerlei Tipps hochwillkommen. Zwei Spiele-Tipps möchte ich Euch nicht vorenthalten, falls Ihr mal Pep in eine gesellige Runde bringen möchtet oder ein gemeinsamer Netflix-Nachmittag zu fade ist. 
 
Ein Kracher war (und ist?) das Sardinen-Spiel. Das geht so: Das gesamte Haus wird verdunkelt, und ein Spieler versteckt sich in irgendeinem Winkel. Alle anderen machen sich einzeln auf die Suche. Wird ein Suchender fündig, teilt er das Versteck mit dem Gesuchten. So geht es auch den Nächsten, die das Versteck aufspüren. Bis schließlich nur noch einer vergeblich durch das Haus tapst und sich alle anderen an einem Ort zusammen quetschen. Dann darf wieder das Licht eingeschaltet und der Verlierer verspottet werden! 
 
Der Reiz der Geschichte ist vor allem die Wahl des Verstecks. Sind sechs Personen beteiligt, kann es beispielsweise in einem Kleiderschrank ordentlich Gedränge geben, gerade auch, wenn nicht alle Twiggy-Maße aufweisen. Auch unter einem Bett wird es eng, besonders, wenn die letzten beiden Jäger sich viel Zeit lassen. Außerdem kommen sich bei diesem Spiel Männlein und Weiblein oft sehr nahe, was vorher bei der Gästeliste bedacht werden sollte. 
 
Beim zweiten Spiel merkt man, dass in Großbritannien die Leidenschaft für Pferdesport und Rugby eine lange Tradition hat. Denn beim "Huckepack-Polo", geeignet für Partys und Gesellschaften im Freien, ging es ziemlich robust zu. Zunächst werden Zweierteams gebildet. Großgewachsene kräftige Männer nahmen Frauen oder leichtgewichtige, kleine Männer Huckepack. Diese "Reiter" versuchten dann mit Spazierstöcken, einen Tennisball in ein Tor zu befördern. Verboten war, die Gegner zu treten oder zu schlagen, pieksen und rempeln war jedoch ausdrücklich erlaubt. Vor allem die Zuschauer sollen an diesem Spiel viel Spaß gehabt haben! 
 
Ein heute undenkbares Freizeitvergnügen ist die "Spritztour" gewesen. Es war bis 1930 gestattet, ein fremdes Automobil zu entwenden, damit durch die Gegend zu fahren und es schließlich einfach stehen zu lassen. Zumindest, wenn beweisbar war, dass der "Entleiher" das Fahrzeug nicht dauerhaft behalten wollte. 
 
Wenn der Eigentümer das Fehlen seines Autos bemerkte, durfte er sich nicht zu lauten Flüchen verleiten lassen. Denn Fluchen in der Öffentlichkeit wurde damals in England geahndet. Soldaten, Matrosen oder Arbeiter mussten einen Shilling Bußgeld zahlen, Handwerker und andere Angehörige der Mittelschicht zwei Shilling und Menschen aus gehobenen Schichten fünf Shilling. Eine "soziale Ungerechtigkeit", über die sich die Verfasser des Buches empörten. 
 
Wichtige Hinweise enthält das Buch auch in Sachen "Etikette". Wer kennt das nicht? Man ist bei einem arabischen Emir zum Essen eingeladen und macht bei Tisch Konversation. Dann ist es gut zu wissen: "Falls Sie bei einem Scheich zu Gast sind und er Ihnen pflichtschuldig sein schönstes Pferd schenkt, weil Sie es bewundert haben, denken Sie bitte daran, es ihm unverzüglich zurückzugeben. Das Schafs-Auge müssen Sie trotzdem essen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 549 vom 20. 10. 22


Tja, ich weiß zwar nicht, wer oder was sich gegen mich verschworen hat, aber dieses Thema lässt mich nicht mehr los. Durch einen Leser-Hinweis wurde ich jetzt auf die Strichcode-Verschwörung aufmerksam. Und dieser neue Beweis dafür, welchen Blödsinn Menschen bereitwillig glauben, geht mir gehörig gegen den Strich. 
 
Was steckt dahinter? 1982 erschien in Neuseeland das Buch einer Autorin mit dem Titel "The New Money System 666". Darin wird behauptet, dass in allen Strichcodes verschlüsselt die Zahl 666 enthalten sei. Dies ist die Lieblingszahl des Ungeheuers, dass dereinst, wenn Bibelautor Johannes recht behält, den Weltuntergang einleiten wird. Alarmstufe rot! 
 
Das ist zwar Quatsch, weil kein Lesegerät mit der Zahl sechs etwas anfangen kann, aber es klingt ziemlich spannend. So sehr, dass schnell neue Unheilsdeutungen hinzu kamen. Bald hieß es, die Striche würden wie eine Antenne wirken, die Strahlungen aus der Umgebung bündelt und sie in Nahrungsmittel lenkt. 
 
"Durch die Laserscanner an der Kasse wird die schädliche Energie sogar noch potenziert", behauptet ein gewisser Helmut P., der in Bayern Ausbildungskurse zur "Lebens-Energie-Beratung/Neue Homöopathie" leitet: "Aus bioenergetischer Sicht können manche durch die Aktivierung des Barcodes entstehende Felder die Verträglichkeit eines Produktes beeinträchtigen." 
 
Die esoterische Zeitung "Raum & Zeit" hat dies mit Beweisen untermauert. Das geschah durch Pendelversuche, Bioresonanz-Messungen und andere hochwissenschaftliche Methoden. In Neuseeland kam prompt ein Entstörstift mit dem klangvollen Namen "CodeEx Barcode Harmonizer" auf den Markt. Dessen "energetisch informierter Chip" übe eine neutralisierende Wirkung aus. Und "nach den Aussagen zufriedener Kunden" bewirke der Stift außerdem eine allgemeine Harmonisierung des umgebenden Raums. Toll! 
 
Bedarf besteht nicht nur in Neuseeland. Eine Schweizer "Dipl. Naturärztin" berichtet: "Beim Strichcode entstören habe ich zuhause festgestellt, dass mir ab 50 entstörte Artikel übel wird. Auch fühle ich dann einen leichten Druck im Kopf." Ob das nicht andere Ursachen hat? Vielleicht ist der Alu-Hut einfach zu eng? 
 
Nun könnte man sagen: Was soll's? Sind doch bloß ein paar harmlose Spinner. Aber diese Strichcode-Seuche griff derart um sich, dass zahlreiche Firmen mit Produkten aus dem Bio-Segment ihre verstörte Kundschaft zu beruhigen versuchten. Sie strichen die Strichcode-Aufdrucke einfach durch! Dazu gehören die Fruchtsafthersteller Rabenhorst (u.a. Rotbäckchen) und die Firma Voelkl aus dem Demeter-Verband. 
 
Besonders originell argumentierte eine Molkerei aus Moskau, die vor dem Ukraine-Krieg versuchte, auf dem deutschen Markt mit Milch, Kefir und Butter Fuß zu fassen. Sie begründete das rote Kreuz, das sie durch den Strichcode zog, damit, dass die hiesigen Gesetzgeber "wahrscheinlich aus Feindschaft gegen Gott" das gestrichelte Teufelswerk auf Nahrungsmitteln platzieren wollten. 
 
Im Krieg mit Satan hat der Firmenpräsident Erfahrung. Als gegen ihn wegen Betrugs ermittelt wurde, wusste er sofort, wer dahinter steckte: "Der Feind des Menschengeschlechts und seine Diener in satanischen Sekten." Wenn wir also einen Strich unter diese Verschwörungstheorie ziehen, dann steht darunter: Dem Teufel ist einfach alles zuzutrauen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich persönlich habe eine ganz andere Theorie. Es sind gar nicht die Striche des Barcodes, die schädliche Auswirkungen auf meine Gesundheit haben. Meinen Blutdruck treibt regelmäßig in die Höhe, wenn ich lesen muss, dass die Ziffer auf dem Preis-Etikett schon wieder größer geworden ist. 
 

Schmunzelpost 548 vom 19. 10. 22 


Am 19. Oktober kamen nicht nur in Deutschland bedeutende Persönlichkeiten zur Welt - Glückwunsch, Lisa! -, an diesem Tag nahm auch der Wandel einer bedeutenden Persönlichkeit zur Unperson Formen an. Denn am 19. Oktober 1938 nahm Charles Lindbergh freudestrahlend das "Großkreuz des Deutschen Adlerordens" aus den Händen von Hermann Göring entgegen - der Wandel vom Staatshelden Nummer eins der USA zum Staatsfeind Nummer eins kam auf Touren. 
 
Lindbergh gehört zu den schillerndsten und widersprüchlichsten Gestalten der Weltgeschichte. Den meisten ist er ein Begriff als der "Atlantikflieger". Er war der Erste, der im Alleinflug Non-Stop von New York den Ozean überquerte und am 21. Mai 1927 in Paris landete. Dafür wurde er weltweit gefeiert und erhielt die höchste militärische Auszeichnung der USA. 
 
Der Flug war abenteuerlich. Um Gewicht zu sparen hatte Lindbergh auf Funkgerät und Ortung verzichtet und sich mit primitiven Mitteln beholfen. Dass er total übermüdet nach 33 Stunden trotz Dunkelheit Paris fand, lag vor allem am beleuchteten Eiffelturm und einer riesigen Citroen-Reklame. 
 
Lindbergh hatte prominente Vorfahren. Sein Großvater väterlicherseits spielte eine führende Rolle in der schwedischen Politik, bis er wegen Korruptionsvorwürfen nach Amerika auswandern musste. Der Großvater mütterlicherseits war Zahnarzt und "Erfinder" der Mantelkrone. Außerdem gilt er als Vater der Porzellanzahnheilkunde. 
 
Die Eltern von Charles, eine Chemielehrerin und ein Kongressabgeordneter, hatten ihrem Sohn ebenfalls Großes zugetraut. Doch sein Maschinenbau-Studium setzte der nach zwei Jahren mit zu schlechten Leistungen in den Sand. Dafür machte er seine Leidenschaft zum Fliegen zum Beruf, wurde zunächst Kunstflieger, bevor er bei der amerikanischen Luftwaffe als Jahrgangsbester seine Ausbildung abschloss. Der Sprung über den Atlantik war vorgezeichnet. 
 
Doch Lindbergh erwies sich auch als begnadeter Autodidakt. Nachdem seine Schwägerin mit nur 28 Jahren gestorben war, weil ihr schwaches Herz nicht ersetzt werden konnte, machte Lindbergh sich mit einem Mediziner daran, künstlichen Ersatz für innere Organe zu entwickeln. Auf den Vorarbeiten der beiden basiert die erste Herz-Lungen-Maschine! 
 
Doch der Ruhm hatte seine Schattenseiten. Lindberghs erster Sohn wurde entführt und ermordet, obwohl der Vater ein hohes Lösegeld übergeben hatte. Bis heute gibt es Zweifel, ob danach tatsächlich der Entführer hingerichtet wurde. Der Schuldspruch im Indizienprozess basierte auch darauf, dass dessen Stimme von Lindbergh zweifelsfrei identifiziert wurde - dabei saß der Familienvater bei der Lösegeldübergabe 70 Meter entfernt im Auto. 
 
Um den zweiten Sohn zu schützen zog die Familie heimlich nach Europa. Lindbergh kaufte als Wohnsitz eine kleine Insel vor der bretonischen Küste. Doch schon zuvor war Charles mehrfach in Europa gewesen. Im Auftrag der Airforce sollte er sich ein Bild von der deutschen Luftwaffe machen. Aber Lindbergh ließ sich von den Nazis einlullen. Bereits 1936 lobte er die Organisation der olympischen Spiele über den grünen Klee. Und auch danach fand er für "das deutsche Volk und seine diktatorische Führung" fast nur positive Worte. 
 
Konsequent trat Lindbergh in den USA für eine Politik der Isolierung ein. Es sollte Sache der Europäer sein, ihre Streitigkeiten unter sich auszumachen. Und nach Jahren der britisch/französischen Vorherrschaft sei eine Ära der deutschen Dominanz durchaus vorstellbar. Vollends unten durch war Lindbergh bei seinen Landsleuten, als er mitten im Krieg im September 1941 in England eine skandalöse Rede hielt. Daran wies er den Briten, den Juden und dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt die Hauptschuld am Ausbruch des 2. Weltkriegs zu. 
 
Vom "Man of the Year 1927" zum Staatsfeind Nummer eins 1941 - was für ein Abstieg! Doch ein Flieger kann sich auch den Phönix als Vorbild wählen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour drängte Lindbergh auf seine Wiederaufnahme in die Luftwaffe, aus der er unehrenhaft entlassen worden war. Über mehrere Etappen gelang es ihm, als Kampfflieger eingesetzt zu werden. Und er entwickelte zudem ein effizientes Sprit-Sparsystem.
  
Als er dann auch noch unter dem Eindruck von KZ-Besuchen von seiner früheren Aussagen abrückte, stand der erneuten Popularität in den USA nichts mehr im Wege. Für die Veröffentlichung seiner Memoiren wurde Lindbergh 1953 sogar mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. 
 
Wo bleibt denn heute die Gelegenheit zum Schmunzeln, fragt Ihr? Die bietet sich in Lindberghs letzter Lebensphase. Denn da leistete er Phänomenales auf einem ganz anderen Gebiet. Mit seiner Frau hatte Lindbergh bis 1945 sechs Kinder in die Welt gesetzt. Dann lernte er 1957 in München die 24 Jahre jüngere Hutmacherin Brigitte Hesshaimer kennen. Mit ihr zeugte er als Bigamist drei weitere Kinder, die überzeugt waren, dass ihr Vater Careu Kent hieß und als vielbeschäftigter Pilot nur selten bei seiner Familie sein konnte. Erst 2003 kam die Wahrheit ans Licht, als die Tochter in einer Zeitschrift Fotos Vaters entdeckte, der in den Bildzeilen einen ganz anderen Namen trug. Aber da war Charles Lindbergh bereits 30 Jahre tot! 
 
Doch damit nicht genug. Der 60-jährige zeugte mit Marietta, der Schwester von Brigitte Hesshaimer, noch zwei weitere Kinder. Er war dadurch jedoch offenbar immer noch nicht ausgelastet. Mit seiner Sekretärin Valeska setzte er in dieser Zeit 1959 und 1961 noch zwei weitere Kinder in die Welt. 
 
Was lernen wir daraus? Ich rate Männern dringend vor alleinigen Atlantik-Flügen als Piloten ab. Das kann fatale Spätfolgen für ihr Sexualleben und ihr Moralverhalten haben! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 547 vom 18. 10. 22

 

Habe ich schon einmal darauf hingewiesen, dass die US-Amerikaner ein verfressenes Völkchen sind? Irgendwoher muss der erste Platz in der globalen Übergewichts-Tabelle ja kommen. Ihrem Ruf machen die Amis auch am 18. Oktober mit zwei Aktionstagen alle Ehre. 
 
Da wäre zunächst der "Tag des Schokoladenkuchens". Durch die Kreuzung von zwei Leckereien entstand das womöglich begehrteste Gebäck der USA. Noch höher im Kurs steht aber augenscheinlich der Hackbraten. Weshalb sonst hätte man den 18. 10. sonst sogar zum "Meatloaf-Ehrentag" erklärt? Gemeint ist damit nicht der verstorbene Rocksänger, der den Namen "Meatloaf" nicht etwa trug, weil er schlank gewesen wäre. Nein, er hatte sich die Bezeichnung "Fleischklops" redlich verdient. 
 
"Meatloaf" ist aber nicht zu verwechseln mit dem "Burger". Meatloaf ist ein klassischer Hackbraten, der bei uns beispielsweise "Faschierter Braten", "Falscher Hase" oder auch "Heuchelhase" genannt wird. In Amerika gilt er als das siebt-beliebteste Gericht. Das resultiert wohl noch aus der "Großen Depression", jenen Hungerjahren in den Dreißigern des vorigen Jahrhunderts, als die Speise aus den Resten des Vortages eine billige und sättigende Möglichkeit war, sich und der Familie den Bauch zu füllen. 
 
Nun zum 19. Oktober. Das ist der Internationale Gin-Tonic-Tag. Nichts für mich, ich bevorzuge Wein. Doch die Geschmäcker sind ja verschieden. Außerdem ist der 19. 10. auch der Internationale "Gib-Deinem-Fahrrad-einen-Namen"-Tag. Brauche ich nicht, mein Fahrrad heißt Pegasus. Das steht zumindest drauf. Wie ich mir dachte, ist der Tag nur aus Gründen der Gleichberechtigung eingeführt worden, um dem "Gib-Deinem-Auto-einen-Namen"-Tag etwas entgegenzusetzen.
 
Am 20. Oktober gibt es gleich sechs Aktionstage. Mein Favorit ist der "Internationale Tag des Faultiers". Dieses sympathische Wesen betrachte ich als Seelenverwandten. Außerdem wird in Deutschland der "Bundesweite Tag des Grabsteins" gefeiert. Ich plädiere dafür, bei den Inschriften der Fantasie mehr Raum zu geben, wie dies auf einigen Friedhöfen in Bayern und Österreich der Fall ist. Eine Auswahl der Sprüche ist in einer früheren SP-Folge zu lesen. Beispiel: "Hier liegt begraben unser Organist. Warum? Weil er gestorben ist."
 
Auch am 21. Oktober habe ich zwei Favoriten. In Großbritannien feiert man den "Tag des Apfels". Und den Spruch dazu: "An apple a day keeps the doctor away" beherzige ich täglich. Für Menschen, denen Apfelessen allein zu langweilig ist, empfehle ich einen anderen Zeitvertreib. Der 21. 10. ist auch der "Zähle-Deine-Knöpfe-Tag". Gemeint sind nicht nur die Knöpfe, die man am Leib trägt, sondern auch die sämtlicher Kleidungsstücke in den Schränken. Und nicht zuletzt die vergessenen Knopf-Reserven in den Schubladen. Damit ist man eine Weile gut ausgelastet.
 
Wer noch mehr tun will, sollte das Deutsche Knopfmuseum in Bärlau besuchen. Falls Lukas seinem Gehilfen freigibt, kann er sich dazu mit Jim Knopf verabreden. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auch bei den Grabinschriften hat die Gegenwart Einzug gehalten. Frische Anregungen gaben Buchtitel: "Ich bin dann mal weg!" und Fernsehsendungen: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" 
 

Schmunzelpost 546 vom 17. 10. 22 


Hallo, Aufklärer und Agitatoren alternativer Argumente! 
 
Heute werdet Ihr den letzten Schliff bekommen, damit wir unseren Feldzug gegen Desinformation und für die Verbreitung der wirklich wahren Wahrheiten mit Erfolg voran bringen können. Dazu schauen wir auf die Kampagnen des 20. und 21. Jahrhunderts. Danach wird Euch klar sein, dass nichts wichtiger sein kann, als unseren Feldzug gegen die Vertuscher und Verheimlicher zum Endsieg zu führen. 
 
Wie das mit durchschlagender Wirkung zu realisieren ist, haben unsere Vorkämpfer vor 100 Jahren demonstriert. Damals hatten sogenannte Demokraten behauptet, Deutschland habe den Ersten Weltkrieg verloren. Nur, weil die Strategie der Reichswehr, den Gegner durch Rückzug und Vortäuschung von Munitionsknappheit und Unterlegenheit in die Falle zu locken, von Feiglingen zur völlig unnötigen Kapitulation genutzt worden war. In Wahrheit ist unsere Armee im Felde unbesiegt geblieben und nur durch diesen Dolchstoß in den Rücken um die Früchte ihres heroischen Kampfes gebracht worden. 
 
Mit enormem Einsatz glückte es bis 1933, dies einer Mehrheit der Deutschen klarzumachen und die linksversifften Parteien von den Hebeln der Macht zu vertreiben. Leider haben die neuen Volksvertreter die Kräfteverhältnisse in der Welt falsch eingeschätzt und konnten den Traum vom Tausendjährigen Reich nicht ganz vollenden. 
 
Umso mehr sind jetzt wir gefordert. Es gibt zwei ganz entscheidende Bereiche, wo es gilt, Licht ins Dunkel zu bringen. Und dabei müssen wir noch herauskriegen, inwieweit die beiden Verschwörungen miteinander verknüpft sind. 
 
Zum einen ist seit langem eine Invasion der Aliens im Gange. Glaubt Ihr tatsächlich, die Millionen Ufo-Sichtungen hätten sich die Menschen überall nur eingebildet? Dann glaubt Ihr vermutlich sogar, dass der Klapperstorch nicht die Kinder bringt. 
 
Da gab es in den USA den berüchtigten Roswell-Zwischenfall, den das US-Militär mit aller Macht geheim halten will. Es gab die Black-Knight-Verschwörung, mit der die Entdeckung eines Alien-Satelliten vertuscht wurde. Und sagt Euch "Area 51" etwas? Das ist ein militärischer Sperrbezirk im südlichen Nevada. Von dort aus halten US-Militärs seit langem den Kontakt zu Außerirdischen aufrecht. 
 
Aber warum diese Heimlichtuerei? Ganz einfach: Wir sollen nicht merken, dass der Austausch von Führungspersönlichkeiten gegen getarnte Reptiloide bereits in vollem Gange ist! Ein Geniestreich von der feindlichen Geheimdienste war es, den Einsatz der "Men in Black" öffentlich zu machen. In Hollywood-Streifen wurde so getan, als wäre der Einsatz von Spezialagenten in schwarzen Anzügen gegen außerirdische Invasoren eine lächerliche Fantasy-Komödie. In Wahrheit sind wir wohl alle schon mindestens einmal geblitzdingst worden, um unsere Begegnung mit Aliens zu vergessen. 
 
Dass aber eine geheime Elite nach der Weltherrschaft strebt, steht außer Frage. Als Ablenkung wird uns das Märchen vom Klimawandel aufgetischt. Normale Naturkatastrophen, wie sie immer wieder vorkommen, werden von den Medien ("Lügenpresse! Lügenpresse!") derart dramatisch aufgebauscht, damit nicht herauskommt, was sich wirklich abspielt. 
 
Da haben wir etwa den "Großen Austausch". Ein geschickt eingefädeltes Manöver, durch das Heerscharen von Migranten die genetisch einwandfreien Ureinwohner nach und nach verdrängen sollen. Das wiederum nutzt den satanischen Eliten, die im Hintergrund die Strippen ziehen. Sie haben ein starkes Interesse daran zu verbergen, was sie erfolgreich bereits seit längerem treiben: Sie entführen kleine Kinder und ermorden sie, um aus ihrem Blut ein Verjüngungsserum zu erzeugen. 
 
Doch sie haben nicht mit "Q" gerechnet. Der mysteriöse Anführer von QAnon wird ihnen einen Strich durch die Rechnung machen und ihre Machenschaften aufdecken. Schon heute zählt er zu den 25 einflussreichsten Influencern der Welt. Seine Botschaften werden von Abermillionen Menschen gelesen und weiter verbreitet. Kein Wunder, dass die Handlanger der Unrechts-Regime rund um den Globus versuchen, Q ausfindig zu machen, um ihn zum Schweigen zu bringen. 
 
Doch das wird nicht gelingen. Und würde auch nichts nützen. Denn jetzt gibt es auch noch "K". Wer dahinter steckt, muss ebenfalls streng geheim bleiben. Aber als kleine "Kaker" könnt Ihr dazu beitragen, alle Welt aufzuklären und beweisen, dass die Erde eine Scheibe ist - ewige Wahrheiten sind eben auch manchmal ziemlich platt. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nebenbei noch ein spannendes Info: Elvis lebt, aber Paul ist tot! Während Elvis Presley nach seinem vorgetäuschten Tod selbst im biblischen Alter immer noch sein Dasein genießt, musste Paul Mc Cartney bereits 1966 den Löffel abgeben. Weil das jedoch die lukrative Karriere der Beatles beendet hätte, wurde er seinerzeit durch einen Doppelgänger ersetzt, der erstaunlich viel Kreativität entfaltete. Das berichten zahlreiche Verschwörungstheoretiker. Und unseren Brüdern im Geiste dürft Ihr natürlich vertrauen. 

 

 Schmunzelpost 545 vom 16. 10. 22


Hallo, Ihr Hetzer! 
 
Heute schon im Netz gewütet? Anlässe gäbe es genug, wie auch der zweite Teil meines Kurses für Verschwörungstheoretiker zeigen wird. Dazu schauen wir in die Zeit vor der Jahrtausendwende. 
 
Im 19. Jahrhundert verdanken wir unermüdlichen Aufklärern, dass die Ränke des Weltjudentums immer mehr zum Thema wurden. Ihre Beweise waren genauso stichhaltig wie die einer zweiten Gemeinschaft, die bis zum heutigen Tag den Verleumdern trotzt: Die "Flat-Earth-Society" hat bereits vor fast 200 Jahren nachgewiesen, dass unsere Erde keine Kugel, sondern eine flache Scheibe ist! 
 
Dass sich diese wackeren Kämpfer für die Wahrheit bis heute behauptet haben, ist vor allem erstaunlich, weil die Vertreter der Kugel-Verschwörung alle Hebel in Bewegung setzten, mit Riesenaufwand und technischen Tricks den Menschen die klare Sicht zu vernebeln. Es gelang ihnen sogar, die Mondlandung vorzutäuschen! 
 
Angesichts solch massiver Widerstände ist erklärlich, warum einige unerschrockene Helden im Kampf gegen die Lügen inzwischen in Vergessenheit geraten sind. So konnten im 19. Jahrhundert wachsame Vertreter der Evangelikalen in den Vereinigten Staaten von Amerika zahlreiche Belege dafür präsentieren, wie gefährdet die Säule des christlichen Abendlandes und des freien Westens gewesen ist. 
 
In unseren Geschichtsbüchern - Fake-Oldies! - habt Ihr natürlich kein Wort darüber gelesen. Doch das Oberhaupt der katholischen Kirche, der Papst, hatte seine Anhängerschaft damals angewiesen, die Werte der USA zu unterminieren. Das sollte als Vorbereitung dazu dienen, dass eine päpstliche Armee an Land gehen und in Cincinnati einen neuen Vatikan gründen konnte. Vor allem durch den heroischen Widerstand von Dagobert Trump, dem Urahnen des bedeutendsten Politikers der Neuzeit, sind diese Pläne in letzter Minute gescheitert. 
 
Da staunt Ihr, was? Fortsetzung folgt! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 544 vom 15. 10. 22 


Nie war es so leicht wie heute eine Verschwörungstheorie in die Welt zu setzen. Das geht so: 
1. Stelle eine möglichst bizarre Behauptung auf. 
 2. Stütze sie durch Hinweise auf geheime und mysteriöse Quellen. 
 3. Versehe Dein Konstrukt mit dem Gütesiegel, dass die Lügenpresse Deine Wahrheiten mit aller Macht unterdrücken will. 
 4. Dann verbreite Deine Botschaft per Internet an aufgeschlossene, meinungs- und mitteilungsfreudige Menschen, die ihren Zorn gegen "die da oben" bereits als Wutbürger und Querdenker zum Ausdruck gebracht haben. 
 
Mit den entsprechenden Likes kommt Dein Aufklärungsbeitrag zügig herum und wird durch die Vielzahl der Klicks in den Suchmaschinen immer weiter nach oben gespült. So wird aus der Theorie zunächst ein Fake-Fakt, aber ganz schnell auch für viele Menschen eine unumstößliche Wahrheit. 
 
Ganz wichtig: Falle nicht auf die von sogenannten Realisten verbreitete Verschwörungstheorie herein, an den neuen Wahrheiten sei absolut nichts dran. Nur, weil sie auf den ersten Blick vielleicht wenig glaubwürdig wirken und daher von "Wissenschaftlern" bezweifelt werden. Merke: Aus dem Tierreich wissen wir, was die Schwarm-Intelligenz ist. Die "Weisheit der vielen" ist stichhaltiger als "Expertisen" von ein paar Eierköpfen. 
 
Es hat keinen Sinn, sich gegen die Flut plausibler Vorurteile zu stemmen. Springe also rechtzeitig auf den Erfolgszug und verschwöre mit mir, was das Zeug hält. Damit Dir das gelingt, biete ich in den nächsten Tagen ein paar Schulungs-Kapitel an. Heute: Aus der Geschichte lernen, heißt siegen lernen. Wir blicken zurück und erkennen, welch große Wirkung die Verschwörungs-Pioniere erzielt haben. 
 
Beginnen wir im Jahre 1144. Da taucht in schriftlichen Dokumenten erstmals die Ritualmord-Legende auf. Lasst Euch durch den irreführenden Begriff "Legende" nicht verwirren, versteht ihn einfach als "heilige Wahrheit". Denn immerhin deckten da mutige Menschen erstmals auf, dass die Juden bei ihren Pessachfesten eigens dafür entführte christliche Kinder meuchelten. 
 
Deren weltumspannendes Netz sorgt bis heute dafür, dass dies der dumpfen Masse nicht bekannt wird. Auch die bereits im 14. Jahrhundert nachgewiesene Praxis der Brunnenvergiftung durch Juden wird bis heute verschleiert. Nur eingeweihte helle Köpfe haben das durchschaut. Und zum Glück werden wir immer mehr. 
 
Doch nicht nur die Mörder von Jesus tun Böses. Wachsame Theologen wiesen im 15. Jahrhundert nach, dass viele Frauen mit dem Teufel im Bunde standen. Obwohl die gottesfürchtigen Helden sich redlich mühten, das Übel durch Verbrennen der Schuldigen einzudämmen, muss an dieser Stelle gefragt werden, ob die Vergangenheitsform wirklich richtig ist. 
 
 Denn wie soll es ohne schwarze Magie möglich gewesen sein, dass in einer Männerpartei wackerer Christen eine Frau an die Spitze kam und sogar fast zwanzig Jahre lang als Kanzlerin an der Macht blieb? Nur mit satanischem Beistand lässt es sich erklären, dass es dieser He..., äh, diesem schwarzen Engel gelang, in der Union Homo-Ehe, Flüchtlingsaufnahmen und Atomkraft-Ausstieg durchzusetzen. Denkt mal drüber nach! (Fortsetzung folgt) 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 543 vom 14. 10. 22

Damit die 600. Schmunzelpost eine runde Sache wird, mache ich heute ein Versprechen wahr, das manche womöglich als Drohung empfunden haben. Wir beschäftigen uns ausführlich mit dem Nacktmull. Und Ihr werdet hoffentlich sehen: Manchmal kann vermeintlich unnützes Wissen hochinteressant sein! 
 
"Splitterfasernackt und unfassbar hässlich!" So wird der Nacktmull beschrieben. Andere sagen, das Tier sähe aus wie ein abgehackter Daumen mit verbrühter Hühnerhaut. Da ist was dran. Auch seine tiefliegenden, sehr kleinen Augen, die aus winzigen Sehschlitzen blinzeln, machen es nicht zu einer Schönheit. Ebenso wenig wie seine lose und faltige Haut, die braun-rosa gefärbt ist. Doch abgesehen vom Aussehen verfügt ein Nacktmull über eine ganze Palette weiterer erstaunlicher Eigenschaften. 
 
Zuerst aber zum Basiswissen. Der Nacktmull ist ein Nagetier aus der Familie der Sandgräber und ein Verwandter des Stachelschweins. Nur ohne Stacheln eben. Dafür hat der Nacktmull  oben und unten im Maul jeweils zwei markante Schneidezähne, die an einen Biber erinnern. Das Tier wird fünf bis 15 Zentimeter lang und wiegt 30 bis 50 Gramm. Es lebt in großen Kolonien in Halbwüsten Ostafrikas, vor allem in Somalia. 
 
Nun zur Abteilung "igitt, igitt". Der Nacktmull ernährt sich vor allem von schwer verdaulichen Pflanzenfasern, die gründlich zerkaut werden müssen. Deshalb gehören 25 Prozent seiner Muskelmasse zum Kauapparat. Einmal durchgekaut, verdaut und ausgeschieden, wird der Kot gleich nochmal gefressen: "Nichts verkommen lassen", heißt die Nacktmull-Devise. Zudem wälzen sich die Tierchen gern in ihren Ausscheidungen, da ihr spezieller Duft die Zugehörigkeit zur Familie ausweist. Fremde Nacktmulle werden gnadenlos bekämpft. 
 
Jetzt kommen wir zu den Besonderheiten, wobei es anfangs noch eklig bleibt. Nacktmulle sind die einzigen Säugetiere, die wie ein Insektenstaat organisiert sind. Sie haben eine Königin, deren einzige Aufgabe es ist, sich mit ein bis drei Männchen zu paaren, nach etwa 80 Tagen bis zu 27 Nachkommen zu gebären und diese zu säugen. Damit die anderen Weibchen nicht auf dumme Gedanken kommen und unfruchtbar bleiben, setzt die Königin sie unter massiven Stress und verbreitet ihre Pheromone im Bau. 
 
Doch nicht nur das. Damit die Arbeiterinnen sich um die Jungen kümmern, müssen sie erst vom östrogenhaltigen Kot ihrer Königin naschen. Dann betreuen sie nicht nur den Nachwuchs, sondern sorgen auch dafür, dass in der Schlafkammer immer die richtige Temperatur herrscht. Zu diesem Zweck versammeln sie sich zum Gruppenkuscheln und bilden ein großes Knäuel. Wird es am Rand zu frisch, dann werden die schwächeren Familienmitglieder herausgedrängt und müssen ein paar Runden um den Block laufen. Dadurch erhitzt kehren sie zurück und dienen den anderen als Wärmespender. 
 
Unter den kräftigeren Tieren gibt es einige Spezialisten. Sie werden so groß wie die Königin und gleichzeitig offenbar größenwahnsinnig. Dringt eine Schlange, Hauptfeind des Nacktmulls, in den Bau ein, dann stellt sich ihr so ein Soldat sehr, sehr selbstbewusst entgegen. Offenbar ist das allgemeine Vertrauen in seine Kampfkraft aber nicht allzu ausgeprägt. Die anderen Mulle mauern schnell den Gang hinter ihm zu und hoffen, dass die Schlange sich mit dem fetten Brocken zufrieden gibt. 
 
Ungemütlich wird es bei Nacktmulls, sobald die Königin stirbt. Dann konkurrieren andere Arbeiterinnen um die Nachfolge, da sie durch den Wegfall der Pheromone fruchtbar werden. Die blutigen Erbfolgekriege können bis zu 16 Monate dauern. Siegerin ist diejenige, die am schnellsten mit der Produktion von Kindern beginnt. 
 
Nun aber zu den außergewöhnlichen Talenten des Nacktmulls. Er vermag notfalls bis zu 18 Minuten ohne Sauerstoff auszukommen! Nicht nur ein Indianer, auch ein Nacktmull kennt keinen Schmerz. Stiche, Verbrennungen oder Säure registriert er zwar, aber durch das Fehlen eines Botenstoffes spürt er sie kaum. Das macht den Nacktmull für die Schmerzmedizin so interessant. 
 
Außerdem bekommt ein Nacktmull niemals Krebs. Er verfügt über ein Protein, das die Bildung von Krebszellen in seinem Körper verhindert. Das macht den Nacktmull für die Krebsforschung so interessant. 
 
Und schließlich hat ein Nacktmull auch mit anderen Krankheiten keine Last. Seine Zellen altern ausgesprochen langsam. Während andere Nagetiere höchstens vier Jahre lang leben, erreicht ein Nacktmull locker 32 Jahre. Das macht den Nacktmull für die Humanmedizin so interessant. 
 
Nacktmulle sind übrigens sehr kommunikativ. Sie verfügen über 18 verschiedene Laute, die an Vogelzwitschern erinnern. Es kann also heißen: "Das war der Nacktmull, nicht die Lerche." Aus Nacktmull-Bauten erklingt andauernd ein Piepen, Pfeifen, Zirpen und manchmal auch ein Grunzen. 
 
 Ich habe genau hingehört. Sagt ein Nacktmull zum anderen: "Da, guck mal, da sind Menschen." Antwortet der andere: "Iiiiih, die sind ja voller Haare. Das ist vielleicht eklig. Was die Natur doch für hässliche Geschöpfe schafft!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Trotz oder vielleicht wegen seines Aussehens fasziniert der Nacktmull manche Menschen. So widmete ihm Stephen Frye sogar eine Operette: "Liebesspiel am Nil." Und die Wissenschaft traut dem Nacktmull offenbar alles zu. So wurde ein Artikel des Magazins "Discover" zunächst nicht als Aprilscherz erkannt. Die Autoren hatten ein Foto geschickt bearbeitet und behauptet, in der Antarktis sei eine neue Nacktmull-Art entdeckt worden, die sich hauptsächlich von Pinguinen ernähre. Dazu schmelze das Tier mit Hilfe seines Kopfes Gänge durch das Eis. Daher rühre auch der Name der neuen Art: "Heißköpfiger Nackteisbohrer". Zu diesem Artikel gingen in der Redaktion mehr Leserbriefe ein als zu jeder anderen Veröffentlichung in der Discover-Geschichte.   
 

Schmunzelpost 542 vom 13. 10. 22

Seit ich klein war, gehört zu meinen schlimmsten Befürchtungen die Angst zu Erblinden. Als ich drei war, hat ein Freund beim Indianerspiel einen angespitzten Stock als Speer nach mir geworfen und mein Auge ganz knapp verfehlt. "Drei Zentimeter weiter innen und ihr Sohn wäre auf einem Auge blind geblieben", erklärte damals der Arzt meiner Mutter. 
 
 Damals wusste ich noch nicht, wie wichtig mir später das Lesen werden würde. Doch dass eine klare Sicht unschätzbar wertvoll ist, habe ich seit langem kapiert und weiß deshalb den heutigen "Welttag des Sehens" zu schätzen. Trotzdem könnte es geschehen, dass ich am 13. Oktober beide Augen fest zukneifen werde. Das wird passieren, falls ich Leuten begegne, die den "Internationalen-Suit-Up-Day" in der entsprechenden Kluft feiern. 
 
Dieser Aktionstag ist denen gewidmet, die Anzüge lieben. Doch nicht nur das. Für sie ist ein Anzug für Männer sogar die einzige angemessene Bekleidung in allen Lebenslagen. Und er muss auch noch passgenau sitzen und aus edlem Zwirn gefertigt sein! Falls die Burschen dann zusätzlich mit einem Zivilisationsfaden ausgestattet sind, gerate ich in Versuchung zu rufen: "Verwendet Eure Krawatte als Schlinge und hängt Euch damit auf!" Doch da ich auch ohne Faden zivilisiert bin, sage ich stattdessen: "Macht doch, was Ihr wollt! Aber lasst mich mit Kleidervorschriften in Ruhe!" 
 
Viele Vorgaben sind entbehrlich, vor allem, wenn sie zum Zwang werden. Das gilt aus meiner Sicht zum Beispiel für das Tragen von Krawatten, Hüten und Kopftüchern. Trotzdem sind Regeln mitunter notwendig. Ich sehe ein, dass weltweit einheitliche Maße und Gewichte eine sehr gute Sache wären, die den globalen Handel und unser Leben erleichtern könnten. 
 
Den "Weltnormentag" am 14. Oktober werde ich dennoch nicht feiern. Wusstet Ihr, dass das Deutsche Institut für Normung (DIN) 380 Mitarbeiter beschäftigt und, jetzt kommt's, 28 500 externe Experten? Es gibt bei uns mittlerweile 30 000 Normen und jedes Jahr kommen 2600 weitere hinzu! Wenn Ihr mich fragt: Das ist doch nicht norm(al)! 
 
Dass am 14. 10. auch der "Welt-Ei-Tag" begangen wird, akzeptiere ich dagegen. Nur, wenn mich jemand in Kombination mit dem amerikanischen "Glücklich-trotz-Glatze"-Tag einen Eierkopf nennt, werde ich fuchtig. Anders beim "Welttag des Händewaschens" am 15. Oktober. Wie wichtig Hygiene ist, wird weltweit immer noch unterschätzt. Deshalb gehörte zu den positiven Randerscheinungen von Corona, dass es jetzt erst vielen bewusst geworden ist, welche Bedeutung es haben kann, sich oft und intensiv die Hände zu waschen. Es muss ja nicht in Unschuld sein. 
 
Den deutschen "Tag der Schornsteinfeger" hat deren Zentralinnung am 15. 10. im Kalender installiert. Schornsteinfeger sollten sich meiner Ansicht nach aber nicht bloß ihre Hände gründlich waschen. Und wer ihnen aus Aberglauben besondere Talente zuspricht, sollte vielleicht eher den 1. Januar zum Feiern wählen. Das ist der "Tag des Glücksschweins". 
 
Am 17. Oktober folgt dann der "Internationale Tag des Brotes". Auch das ist ein Aktionstag, der Respekt verdient. Um ihn richtig zu feiern, ziehe ich heute mal die Aktionstage vom 18. Oktober vor. Die spielen sich ohnehin alle fünf in den Vereinigten Staaten von Amerika ab. Alle bis auf einen. Denn den "Trage-auffällige-Klamotten"-Tag werde ich mitten in Deutschland befolgen. Und zwar zu Ehren des Würdenträgers vom 17. Oktober. Als "Bernd das Brot".
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wo ich gerade beim Verkleiden bin: Um endlich mal in den Genuss der Darbietungen von Beate, Anne und Christa beim Frauenkarneval auf der Hardt zu kommen, werde ich mich dort mit Perücke als "Bernadette die Brötin" einschleichen. 

Schmunzelpost 541 vom 12. 10. 22

Irgendwann wird es mir zum Verhängnis werden, dass mein rechtes Ohr im Gegensatz zum linken nach wie vor topfit ist. So belausche ich unfreiwillig nicht nur die Selbstgespräche von Herrn K. auf dem Balkon, sondern auch Tischgespräche in Cafes und Restaurants. Wie neulich in einem Landgasthof. 

 

Frau A zu ihrem Mann: "Du hast da einen Fleck." 

Herr A: "Wo?" 

Frau A: "Da." 

Herr A: "Wo, da?" 

Frau A: (zeigt in Richtung seines Bauches) "Na, da!" 

Herr A: (deutet auf einen Hemdknopf): "Da?" 

Frau A: (wedelt mit der Hand nach links): "Nee, da!" 

Herr A: (zeigt auf eine Stelle auf der anderen Seite): "Da?" 

Frau A: "Mein Gott, bist Du blöd!" 

Herr A: (zieht das Hemd aus der Hose)"Aber da ist nirgends ein Fleck!" 

Weil mir derartige Dialoge bekannt vorkommen, kann ich mir nur mit Mühe ein Grinsen verkneifen. Frau A bemerkt das trotzdem. 

Frau A (zischt ihren Mann an): "Steck sofort das Hemd wieder in die Hose! Und sei leise! Die Leute gucken schon." 

Herr A: "Wer guckt?" 

Frau A: (flüsternd): "Der da." 

Herr A: (schaut im ganzen Lokal herum, fixiert dann einen Mann am Nebentisch und schnaubt: "Wer? Der?" 

Herrn B fällt die Kartoffel von der Gabel. "Was? Meinen Sie mich?" 

Herr A: "Wen denn sonst? Was glotzen Sie so?" 

Herr B: "Ich? Glotzen? Aber... 

Frau B schaltet sich ein: "Mein Mann glotzt nicht. Obwohl er allen Grund dazu hätte. Wie kann man sich nur mit so einem Flecken auf dem Hemd in die Öffentlichkeit trauen?" 

Frau A: "Das ist nur ein winziges Fleckchen. Und das geht Sie gar nichts an! Kümmern Sie sich lieber um Ihren Hotzenplotz von Mann. Der starrt andere Gäste an und merkt nicht mal, dass ihm das Essen von der Gabel fällt." 

Herr A: "Ganz genau!" 

Herr B: (Krempelt die Ärmel hoch): "Ich sorge gleich dafür, dass Dir noch ganz andere Sachen aus dem Maul fallen!" 

Ich (zu Ulla): "Ich muss mal schnell zur Toilette." 

 

Es würde mich nicht wundern, wenn eines Tages wegen eines Fleckens der Dritte Weltkrieg ausbricht. 

 

Glückauf 

kdk 

 

PS. Ich muss zugeben, dass ich mir einen Teil der Geschichte bloß ausgedacht habe. In Wahrheit bin ich nicht zur Toilette geflüchtet, sondern aufgestanden und habe die Wogen mit den Worten geglättet: "Keine Aufregung, meine Herren. Ich war derjenige, der geguckt hat. Ich habe unabsichtlich das Gespräch über den Flecken mitbekommen und gelächelt, weil ich auch schon ähnliche Meinungsverschiedenheiten mit meiner Frau hatte. Wollen wir nicht alle zusammen ein Bierchen trinken?" Wie? Was? Tatsächlich? Der Friedensnobelpreis ist schon vergeben? Dann gestehe ich, dass ich den neuen Schluss erfunden habe. 

 

 Schmunzelpost 540 vom 11. 10. 22


Menschenverachtung, gnadenloser Fundamentalismus und Heuchelei bringen mich schnell auf die Palme. So finde ich furchtbar, was ein Regime im Namen der Religion im Iran anrichtet. Ein Blutbad wegen der Kleiderordnung, während die Korruption offenbar weniger eine Sünde als eine Einnahmequelle für die fanatischen Machthaber ist.
 
Doch auf Machtmissbrauch hat der Islam kein Monopol, nicht wahr, Herr Wölki? Die jahrzehntelange Vertuschung einer eigenwilligen Form von Nächstenliebe ist ebenso ekelerregend. Aber auch als Protestant kann ich mir nicht auf die Schulter klopfen, die evangelische Kirche hat ebenfalls einiges auf dem Kerbholz, vor allem aus der Nazi-Zeit. 
 
Besonders schlimm treiben es immer noch die Evangelikalen in den USA. Lange vor Trump hatten dort bereits die Fernsehprediger einen enormen Einfluss. Und lieferten immer wieder Beispiele aus der Kategorie "Wasser predigen und Wein saufen". Ein besonders extremer Heuchler kam vor 31 Jahren endgültig zu Fall. 
 
Die Rede ist von Jimmy Swaggart. Das war ein Prediger, der es besonders auf Kollegen (und Konkurrenten um Einschaltquoten) abgesehen hatte, die sich von Satan verführen ließen und "diese Sache" machten, die für Swaggart nur mit dem Fahrstuhl zur Hölle geahndet werden konnte. Als der Fernsehprediger Jim Bakker sich bei einem Seitensprung mit seiner Sekretärin erwischen ließ, nannte Swaggart ihn "ein Krebsgeschwür am Körper Christi". 
 
Sich selbst betrachtete das Oberhaupt einer der größten pfingstkirchlichen Gemeinden in Amerika gegen derlei Anfechtungen als immun. Denn: "Es ist unmöglich, dass ich sexuell verwerfliches tue", so Swaggart. "Meine Frau France ist stets bei mir. Wenn sie nicht mit mir auf einen Kreuzzug gehen kann, habe ich verschiedene Leute, die das können. Ich bin nie allein." 
 
Mit diesem Hinweis auf seine eigene unbefleckte Reinheit nahm Swaggart für sich in Anspruch, das Schwert Gottes zu sein und Fehltritte von Glaubensbrüdern an der TV-Front gnadenlos zu geißeln. Seinen aufstrebenden Konkurrenten Marvin Gorman griff der Wächter über Moral und Ordnung im Juli 1986 mit dem Hinweis auf dessen außereheliche Affären so lange an, bis Gorman von einem "brüderlichen Lynchmob" aus dem Priesteramt vertrieben und komplett ruiniert wurde. 
 
Das aber war ein Fehler. Denn Gorman sann auf Rache und ließ den "Heiligen Jimmy" beschatten, nachdem er Hinweise auf dessen Kontakte zum Rotlicht-Milieu bekommen hatte. Und siehe da: Ein schäbiges Motel in der Nähe von Swaggarts Gemeindezentrum erwies sich als Sündenpfuhl, in dem der Treue-Prediger sich mit Prostituierten traf. Dies belegten Fotos zweifelsfrei. 
 
Daher trat Jimmy Swaggart am 21. Februar 1988 erneut vor die Kameras, wo er tränenreich vor seiner Frau, der Kirchengemeinde und der ganzen Welt bereute: "Ich habe mich vor Dir, Herr, versündigt und erbitte, dass Dein wertvolles Blut jeden Fleck von mir abwasche, bis er im Meer von Gottes Gnade unterginge und bis die Vorwürfe gegen mich in Vergessenheit geraten seien." 
 
Echte Reue oder bloß Krokodilstränen zur Besänftigung der Öffentlichkeit? Offenbar hätte Swaggart eine ganz Waschstraße gebraucht, um wie Phönix aus der Sünde aus dem Tümpel Satans auftauchen und fortan auf dem rechten Weg bleiben zu können. Denn drei Jahre später, am 11. Oktober 1991, wurde er schon wieder erwischt. 
 
Diesmal versuchte er es gar nicht erst mit einer zerknirschten Bitte um Vergebung. Stattdessen sprach er eher kaltschnäuzig zur Kirchengemeinde, die ihn immer noch mit beträchtlichen Spendengeldern versorgte: "Gott, der Herr, hat mir gesagt, das Euch das gar nichts angeht!" Nach der ersehnten fleckenfreien Reinigung nennt man so etwas vermutlich "abgeschrubbt". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wie? Ich zeige mit dem Finger auf andere und habe womöglich selbst einiges auf dem Kerbholz? Das mag sein. Dafür bin ich auch bereit, mit einer schriftlichen Urkunde auf meinen himmlischen Platz auf Wolke 121.894.399 zu verzichten und gegen einen kleinen Obolus auch meinen Anspruch auf eine Harfe abzutreten. 

 

 Schmunzelpost 539 vom 10. 10. 22


"Brauchst Du Hilfe?" "Nö, das schaffe ich schon allein." Diese optimistische Aussage sollte ich kurz danach bereuen. Worum es geht? Letzte Woche wurden eine neue Matratze und ein Lattenrost geliefert, vorher musste ich die ausgedienten Sachen im Flur zum Abholen bereitstellen. 
 
Deutlich unterschätzt hatte ich, wie schwer so eine Matratze ist, wenn man nicht auf ihr liegt, sondern sie tragen muss. Immerhin ging es dann treppab zunächst leichter, und ich konnte mit geschickter Knick-Technik selbst die scharfe Kurve nach unten meistern. Dann aber gab es das erste unerwartete Problem. 
 
 Unser Kater hatte die ganze Zeit die Geschehnisse aus gebührendem Abstand interessiert verfolgt. Katzen mögen es nicht, wenn in ihrem Revier Veränderungen vorgenommen werden. Andererseits sind sie sehr neugierig. Aus unbekanntem Grund sah sich der Kater schließlich dringend genötigt, seinen Standort zu ändern. Wie ein Blitz schoss er die Treppe hinunter, weshalb ich, um ihm auszuweichen, unfreiwillig zwei Stufen auf einmal nahm. 
 
Das hatte Folgen. Ich verlor den Halt und drohte, die Treppe hinunterzustürzen. Nur meiner genialen Geistesgegenwart war es zu verdanken, dass ich mich seitlich auf die Matratze warf, sie dabei knickte und auf ihr vier Stufen nach unten rutschte. Nach überstandenem Schreck entdeckte ich das nächste Hindernis. Auf der dritten unteren Stufe stand ein gerade angebrochener Sack mit Katzenstreu. Da ich den Treppenaufgang nicht in ein überdimensionales Katzenklo verwandeln wollte, musste ich mir etwas einfallen lassen. 
 
Ich fixierte also die alte Matratze notdürftig und zwängte mich an ihr vorbei. Dann versuchte ich, mit einer Hand den Streusack von der Treppe zu entfernen und mit der anderen Hand die Matratze daran zu hindern, vorzeitig den Gesetzen der Schwerkraft zu folgen. Nur ungern hätte ich Material für eine Zeitungsüberschrift geliefert: "Rentner von Matratzen-Lawine überrollt". 
 
Durch Mobilisierung aller Kräfte gelang es mir, das Problem unfallfrei zu lösen. Danach galt es, die Matratze in einen Kunststoffüberzug zu stopfen. "Warum das wohl nötig ist, wenn sie sowieso entsorgt wird?", grübelte ich, bevor mich eine ungute Ahnung überkam, in welchem Zustand manche Leute ihre Altmatratzen wohl zurückgeben. Dummerweise war das Plastik-Matratzen-Kondom ziemlich eng geschneidert, so dass es mich reichlich Mühe und noch mehr Flüche kostete, das Teil wie verlangt zu verpacken. 
 
Anschließend schleppte ich mich wieder die Treppe empor. Der Lattenrost wog deutlich weniger, sein Transport sollte also eigentlich leicht fallen. Doch ich hatte wieder nicht mit dem Kater gerechnet. Diesmal flitzte er in Windeseile nach oben und brachte mich so außer Tritt, dass ich mich an den Handlauf klammern musste. Dazu war es erforderlich, den Lattenrost loszulassen, der mir prompt auf den Fuß knallte. Ein jäher Schmerz durchzuckte mich. Zum Glück halte ich aber eine ganze Menge aus und konnte das Manöver ohne weitere Schwierigkeiten zu Ende bringen. 
 
Kurzum: Ich habe überlebt! Und dank meiner Erfahrungen könnte ich ohne weiteres eine Karriere als Möbelpacker anstreben. Falls Ihr also einen Umzug plant - ich übernehme den Transport Eurer Wattepads. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Jetzt fragt Ihr Euch womöglich: Wie sind Lattenrost und neue Matratze in die erste Etage gelangt? Diesmal war ich so schlau, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenigstens ab und zu sollten Frauen im Haushalt nachweisen, dass sie zu etwas nutze sind. 

 

 Schmunzelpost 538 vom 9. 10. 22


Na, ist das wieder ein Wetterchen heute? Die Sonne lacht, für Oktober ist es warm und... Wie? Ach ja, Ihr habt recht, der "Reden-wir-übers-Wetter-Tag" war ja gestern. Wenden wir uns also den aktuellen Aktionstagen zu. 
 
Die gute Nachricht zuerst. Diesmal verzichte ich auf alle amerikanischen Aktionstage, die sich wieder in großer Zahl im Kalender drängen. Ich muss aber zugeben, dass mir dies zumindest beim "Nimm-Deinen-Teddybären-mit-zur-Arbeit-Tag" am 11. Oktober recht schwer gefallen ist. Doch zum Glück gibt es viermal hintereinander täglich auch einen internationalen Grund für Aktionen. 
 
So gilt es heute, am 9. Oktober, den Weltposttag zu feiern. Bei aller Freude darüber, dass mittlerweile fast flächendeckend der Versand von Nachrichten und Frachtsendungen möglich ist, schleicht sich bei mir auch etwas Trauer ein. Ich gehöre zwar nicht zur "Früher-war-alles-besser"-Fraktion, aber der Bundespost und der Bundesbahn weine ich doch ein paar Tränen hinterher. 
 
Ohne Kummer blicke ich dagegen dem Welthundetag am 10. 10. entgegen. Ich bin zwar praktizierender Katzenfreund, aber Hunde mag ich fast genauso gern. Na gut, es findet sich immer das eine oder andere Hundehaar in der Suppe, und manchmal kraulen auch noch ein paar Flöhe hinterher, aber eigentlich sind Hunde liebenswerte Tiere. Wenn bei ihnen etwas schiefläuft, steckt fast immer ein Mensch dahinter. 
 
Ob Schlagzeuger genauso populär sind wie Hunde? Zumindest bei den Anwohnern von Übungskellern hege ich Zweifel. Bei denen kann aus dem Internationalen "Umarme-eine-Schlagzeuger"-Tag am 10. Oktober dann schnell ein "Erwürge-einen-Schlagzeuger"-Tag werden. 
 
Dann folgt am 11. Oktober der Internationale Mädchentag. Dazu sage ich völlig ohne Ironie: Angesichts von Benachteiligungen, Gewalt, Missbrauch, Beschneidungen und Ungerechtigkeit rund um den Globus ist das ein Anlass, der wirklich Engagement verdient. Auch mit Blick auf die Kopftuch-Revolte im Iran. Außerdem ist der 11. 10. ein guter Tag, um mal wieder ins Theater zu gehen. Wir feiern den bundesweiten Tag des Schauspiels! 
 
Zum Schluss für heute noch der Hinweis auf den "Internationalen Tag der Frustrationsschreie" am 12. Oktober. Dabei denke ich unwillkürlich an ein Ereignis, das ich nur vom Hörensagen kenne. Vor vielen Jahren soll einmal ein Kollege das Redaktionsfenster geöffnet haben und dann über den Marktplatz einen denkwürdigen Ruf erschallen lassen haben: "Ich hasse Gladbeck!" 
 
Eines hoffentlich fernen Tages wird die Schmunzelpost-Reihe abrupt enden, wenn ich das Fenster zum Garten öffne und meinen Frust in die Welt brülle: "Mir fällt nichts mehr ein!" Doch freut Euch nicht zu früh, das kann noch etwas dauern. In Kürze steht erst mal der 600. Beitrag in Folge an. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 537 vom 8. 10. 22


Tja, da habe ich beim lockeren Geplauder zwischen Tür und Angel offenbar jemand einen Floh ins Ohr gesetzt, als ich ihm erzählte, dass der 8. Oktober in Deutschland der Aktionstag für Wettergespräche und Smalltalk ist. Der gute Mann war völlig aus dem Häuschen. (Vielleicht war es ja ein Wetterhäuschen, kleiner Scherz, ha, ha). Jedenfalls bekam ich später auf der Terrasse das folgende Selbstgespräch zu hören. 
 
"Hömma, Karl, ich glaub, unsa Nachbah von unten, der hattse nich mehr alle auffem Zaun. Hat der doch heute glatt behauptet, der achte Oktober wär'n Feiertag. In ganz Deutschland! Für Gequatsche übers Wetter und Smooltock, wat imma dat is. Wahrscheinlich so wat wie Smörrebröd. 
 
Als obse über dat Wetter lange palavern könntest! Dat is doch wie mitti Frage nache Gesundheit. "Wie isset?" "Muss." Und fettich! Genauso ist da mittem Wetter. Scheint die Sonne, dann sachse: "Schönet Wetter heute!" Und die Antwort is: "Jau!" Und wenn et plästert, sachse: "Scheißwetter heute!" Antwort: "Jau!" 
 
Obwohl, heute is ja wirklich schönet Wetter. Hier auffem Balkon inne Sonne darfse noch keine lange Unterbuxe anhaben, obwohl dat inne Wohnung schon nötich is. Dat liecht daran, dat wir getz alle beim Heizen sparen tun. Früher hieß dat: "Heute bleibt die Küche kalt, heut' gehn wir in den Wiener Wald!" Heute heißt dat: "Heute bleibt die Wohnung kalt, ich hoff, der Putin merkt dat bald!" 
 
Aba, Karl, wenn wir schon mal dabei sind, uns über dat Wetter zu unterhalten, dann muss ich sagen: Is ja nur gut, wenn wir weniger Gas und Strom verpulvern. Von wegen dat Klima! Die junge Leute ham ja recht. Ich hab getz schon öfta inne Zeitung gelesen, wat dat für Folgen hat, wenn wir diese Schadstoff-Exporte, nee, dat Wort war anders, wenn wir diese schädliche Missionen nich stoppen tun und imma weita den ganzen Dreck inne Luft pusten. 
 
Nur schade, dat wir zwei beide dat nich mehr erleben, wenn die Nordsee annem Stadtrand von Dorsten nagt. Dann könnte ich fragen: "Wat is dat?" Und Du würdest sagen: "Dat is Watt!" Kleiner Scherz, ha, ha. Aba dat es dann im Somma imma öfta so heiß wird, dat würde uns ganz kolohne inne Birne machen. Aba umbringen kann uns dat nich! Weil, da bekucken wir die Radieschen ja schon von unten! Kleiner Scherz, ha, ha. 
 
Kuck an, getz ham wir die ganze Zeit über dat Wetter gequatscht. Dat sollten wir mit ein Bierchen begießen. Schließlich ist heut ja Feiertag. Kleiner Scherz, ha, ha." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 536 vom 7. 10. 22  


Skandalöse Geschehnisse, üble Schlagzeilen, größenwahnsinnige Politiker - zur gestrigen Schmunzelpost gibt es noch einen Nachtrag mit Datumsbezug. Am 7. Oktober 1974, vor genau 48 Jahren, begann in den USA der Absturz eines der mächtigsten Männer der Nachkriegszeit. 
 
Die Rede ist vom Demokraten Willbur Mills, der uns in Deutschland kaum ein Begriff sein dürfte. Und doch war dieser Mann neben dem Präsidenten zwei Jahrzehnte lang der einflussreichste Politiker in den USA. Willbur Mills war nämlich Vorsitzender des Bewilligungsausschusses, eines Gremiums, dass alle Ausgaben absegnen musste. Und der Vorsitzende verfügte sogar über ein Vetorecht. 
 
Kein Wunder, dass Mills höhere Ambitionen hegte. 1972 kandidierte er als Präsidentschaftsanwärter der Demokraten, unterlag jedoch George McGovern. Immerhin sollte er in dessen Kabinett Minister werden, doch Richard Nixon machte mit seinem Wahlsieg einen Strich durch die Rechnung. 
 
Am 8. Oktober 1974 gehörten jedoch alle Schlagzeilen Willbur Mills. Und Fanne Fox, alias Anabelle Battistella. Die argentinische Stripperin und Gespielin von Willbur Mills war mit ihrem verheirateten Liebhaber nach einer durchzechten Nacht im Auto unterwegs. Polizeibeamte stoppten am frühen Morgen den Wagen auf einer Brücke. Dabei fiel ihnen zweierlei auf: Das Fahrzeug war ohne Licht unterwegs gewesen. Und der Fahrer, besagter Willbur Mills, machte nicht nur einen alkoholisierten, sondern auch einen derangierten Eindruck. Er hatte bei einer Prügelei mit der temperamentvollen Frau den Kürzeren gezogen. 
 
Fanne Foxe versuchte, sich den Beamten durch Flucht zu entziehen. Dazu sprang die 38-Jährige in das Wasserbecken unterhalb der Brücke, was ihr den Spitznamen "Tidal Basin Bombshell", kurz: Bassin-Sexbombe, eintrug. Doch die Wähler in Arkansas nahmen Mills die Eskapade nicht übel. Im November wurde er mit großer Mehrheit erneut ins Repräsentanten-Haus gewählt. Und blieb Ausschuss-Vorsitzender. 
 
Leider hatte der Alkohol wohl auch an den Gehirnzellen des Politikers genagt. Im Dezember sprang er betrunken auf die Bühne eines Strip-Lokals, um sich dort gemeinsam mit Fanne Foxe feiern zu lassen. Dabei verkündete er: "Ich bin unantastbar, nichts kann mich ruinieren.!" Irrtum! Die Zeiten von Donald Trump sollten erst noch kommen. Für Mills hieß es: Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Der 65-Jährige wurde genötigt, von seinen Führungspositionen zurückzutreten. 
 
Wir erinnern uns: Vor rund fünfzig Jahren kam auch US-Präsident Nixon seiner Amtsenthebung durch Rücktritt zuvor. Aber damals hat in Amerika die Demokratie auch noch halbwegs funktioniert. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wie Ihr Euch sicher noch gut erinnert, habt Ihr mich mit 99,9 Prozent Eurer Stimmen zum besten Schmunzelpost-Schreiber aller Zeiten auf Lebenszeit gewählt. Dennoch: Gegen ein Deputat von 1000 Flaschen guten Rotwein und Bereitstellung einer attraktiven Stripperin bin ich eventuell zum Rücktritt bereit. 

 

Schmunzelpost 535 vom 6. 10. 22 


Manchmal kann Zeitungslektüre fast das Herz zum Stocken bringen. Nun sind wir regelmäßigen Leser ja schockierende Nachrichten und erschreckende Neuigkeiten gewohnt. Aber wenn es uns völlig unerwartet trifft, dann haut es selbst abgebrühte Journalisten vom Hocker. So ging es mir, als ich gestern die Dorstener Zeitung umblätterte. Was da stand? "Söder beliebtester deutscher Politiker." 
 
Das brachte mich dazu, im Internet nach anderen gruseligen Schlagzeilen zu suchen. Aber das erste Ergebnis war ein Flop: "Für Halloween: Die zehn gruseligsten Zimmerpflanzen". Die Recherche blieb ein schwieriges Geschäft. Selbst Menschen wie ich mit rabenschwarzem Humor haben keinen Spaß daran, wenn eine Geschichte über einen Kannibalen, der sein Opfer per Inserat fand, mit "Mann zum Schlachten gesucht" betitelt ist. 
 
Eine andere Art von Grusel, eher Ekel, lösten Schlagzeilen aus, mit denen BILD Stimmung gegen Flüchtlinge machte. Beispiel gefällig? "Wer klaut darf bleiben". Dafür verursachte die BILD-Headline "Ufo-Sekte will jetzt Hitler klonen" bei mir zumindest ein müdes Grinsen. Mehr nach meinem Geschmack war die Überschrift "Unser Baby ist schwarz - weil ich süchtig nach Lakritz bin". Da frage ich mich, was passiert wäre, wenn die Frau ihrem Heißhunger auf viele, viele bunte Smarties nicht hätte widerstehen können. 
 
Einen bis heute nicht übertroffenen Rekord an Peinlichkeit stellte BILD am 22. Juni 1995 auf. Da kombinierte das Blatt auf seiner Titelseite eine Gruselstory mit einer großen Filmankündigung. Die Geschichte, deren Schlagzeile die halbe Seite füllte, war überschrieben mit "Scheintot - Sie lag zwei Tage im Leichenkeller... worauf eine fette Unterzeile ausführte ... erst dann starb sie an Unterkühlung." Die Film-Empfehlung daneben lautete: "Stirb langsam - jetzt erst recht." 
 
Selbst die Bildzeitung hat inzwischen mitbekommen, dass man sich heutzutage verkneifen soll, sich über homosexuelle Menschen lustig zu machen oder sie zu diffamieren. Wie gut, dass es die Tierwelt gibt. Wenigsten da darf noch Abwertendes formuliert werden: "Schwule Stockente schändet Erpelleiche". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 534 vom 5. 10. 22

Heute will ich Euch mal nicht belehren, das übernehmen andere. Denn der 5. Oktober ist der Weltlehrertag! Manche sagen ja, Lehrer wären eine ganz besondere Sorte Mensch. Grob eingeteilt habe ich drei Arten kennengelernt: Die Unterirdischen (Versager, Faulpelze und Sadisten), die "Ich-mach-meinen-Job-und-damit-ist-es-auch-gut"-Typen und die Lehrer mit Haut und Haaren, die es nicht nur für ihre Aufgabe hielten, ihre Schüler fürs Leben weiter zu bringen, sondern es auch noch schafften, die Schüler mit ihrer Begeisterung für den Lehrstoff anzustecken. Ich hatte das Glück, einigen der Letztgenannten zu begegnen. 
 
Dann haben wir heute noch den Internationalen Tag der Ballonkünstler. Schön und gut, aber ich kann aus einem Luftballon keinen Dackel formen, und ich möchte das auch gar nicht. Dafür kann ich jedoch Ballons zum Platzen bringen. Was leider keine große Kunst ist. Des weiteren beherrsche ich die Gunst mit käuflich erworbenem Zubehör Seifenblasen in die Luft zu pusten. Ob das aber ausreicht, mich als Aktionskünstler für den Welt-Seifenblasen-Tag am heutigen 5. 10. zu qualifizieren? 
 
Ein ziemlich ungewöhnlicher Aktionstag folgt am 6. Oktober. Vor allem im englischsprachigen Raum wird bereits seit 1988 der "Tag des verrückten Hutmachers" begangen. Diese Figur stammt aus dem Klassiker "Alice im Wunderland" von Lewis Caroll. Das Sprichwort "Verrückt wie ein Hutmacher" gab es jedoch schon vor Erscheinen des Buches. Denn Hutmacher mussten früher mit Quecksilber arbeiten, was sowohl physische wie psychische Folgen hatte. 
 
Und dann gab es noch den Briten Theophilus Carter. Der exzentrische Erfinder hat unter anderem das "Wecker-Bett" konstruiert, das er stolz 1851 auf der Weltausstellung präsentierte. Dieses Bett funktionierte so, dass es den Schläfer zur vorgegebenen Zeit auf den Boden kippte! Vielleicht sollten heute nach diesem Muster Stühle in einigen Büros umgerüstet werden. Carter führte auch ein Möbelhaus, in dem er stets mit Zylinder auf dem Kopf seine Kunden begrüßte. Was ihm einen Spitznamen eintrug, den Ihr bestimmt erraten könnt. 
 
Der "Tag des Lächelns" steht am 7. Oktober im Kalender. Klar, dass ein Schmunzelpostler es sich zur Aufgabe macht, ihn auf alle weiteren Tage des Jahres auszudehnen. Und auch mit einem weiteren Aktionstag am 7. 10. kann ich mich identifizieren. Es ist der "Tag des Morgenmuffels". Für Menschen wie mich, die etwa eine Stunde brauchen, bis sie am frühen Morgen, also gegen zehn Uhr, in die Gänge kommen, ist dieser Tag ein besonderes Ereignis. Er wird mit Durchschlafen bis zwölf Uhr gewürdigt. 
 
Nun zum 8. Oktober. Da wartet Schwerstarbeit! Gleich neun Aktionstage stehen an. Da haben wir den Welttag der Buchhandlungen, für deren Existenzsicherung jeder am 8.10. mindestens ein Buch kaufen sollte. Außerdem wird der Weltzugvogeltag gefeiert, da im Herbst viele gefiederte Reisende unterwegs sind. Und dass der Krake seinen Welttag verdient hat, habe ich hier bereits mehrfach thematisiert. 
 
Nicht nur ein Welttag, sondern gleich ein "Universeller Tag" ist der Musik gewidmet. Auch das unterstütze ich. Neben dem Lesen ist schließlich die Musik eine der Säulen meines Lebens. Allerdings würde ich zu gern wissen, welche Klänge die Bewohner des Orions-Nebels und der Galaxis Andromeda erfreuen. 
Irdischer ist der "Tag des Musikalbums" in Großbritannien, zu dem nicht nur Nachwuchsbands wie die Beatles und die Rolling Stones Beiträge geliefert haben. 
 
Und auch den "Internationalen Tag der Tape-Händler" unterstütze ich. Früher habe ich selbst Lieblingstitel auf Kassetten zusammengestellt. Später brannte ich dann CDs, und heute bespiele ich USB-Sticks, um nicht von Radio-Sendern abhängig zu sein.  Wobei die Sticks eine erfreulich lange Spielzeit haben. 
 
Hin und wieder will ich aber nicht der Musik lauschen, sondern ein paar Worte wechseln. Dabei ist der "Wettergespräch-und-Smalltalk-Tag" in Deutschland hilfreich. Wetter geht immer. Findet Ihr nicht auch, dass der Oktober sich ganz gut anlässt? Obwohl mit letzter Sicherheit bis zum 8. Oktober einzig eine alte Bauernregel zutrifft: "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, dann ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 533 vom 4. 10. 22


Was macht man, wenn man mal keinen eigenen Geistesblitz hat, wie eine Schmunzelpost-Folge gehaltvoll gestaltet werden kann? Man schaut nach, was andere Menschen für Geistesblitze hatten! Dafür gibt's eigens ein Lexikon der Geistesblitze. Und die Idee, dort nachzuschlagen, war doch auch ein kleiner Geistesblitz, oder? (Allerdings fehlt mir noch einer, um im Abschlusssatz das schöne Wort "Geistesblitz" zum fünften Mal zu gebrauchen). 
 
Na, hat ja doch noch geklappt. Schlagen wir also das Buch mit den "witzigsten Gedanken aller Zeiten in einem Band" in der Mitte auf und schauen, was da steht. Treffer: Unter dem Stichwort "Journalisten" finde ich ein Zitat von Karl Kraus: "Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können - das macht den Journalisten." Rückblickend betrachtet muss ich sagen: Dann bin ich wohl ein sehr guter Journalist gewesen. 
 
Mal ein paar Seiten vor geblättert. Und unter "Flirt" gelandet. Über den hat Senta Berger gesagt: "Flirt ist ein Versuch, gleichzeitig Feuer zu fangen und zu löschen." Aus männlicher Sicht sieht das ein gewisser Sacha Guitry (kenn ich nicht!) handfester: "Flirt ist ein Versuch, einer Frau in die Arme zu sinken, ohne ihr in die Hände zu fallen". 
 
Bleiben wir bei F und schauen weiter. Weise Worte fand Albert Einstein zum Begriff "Folgen": "Wenn ich die Folgen geahnt hätte, wäre ich Uhrmacher geworden." Die anschließenden Zitate waren für mich so lehrreich, dass ich sie Euch nicht vorenthalten will. Forschung: "Wenn du bei einem Autor abschreibst, nennt man das Plagiat; schreibst du bei zweien ab, ist es Forschung", meint Wilson Miezner. Und wenn Du sogar bei neunen abschreibst, ist es ein Geistesblitz-Gewitter, behauptet Klaus-D. Krause.  
 
Stimmt das? Wahrscheinlich zu dieser Frage bemerkte Woody Allen: "Die Frage ist so gut, dass ich sie nicht durch meine Antwort verderben möchte." Den Spruch werde ich mir für passende Gelegenheiten merken! Viele Fragen werfen Frauen auf. Das weiß auch Marcel Archard: "Die Frau ist die Rätselecke in Gottes großer Weltzeitung." Virginia Woolf vergleicht dagegen Frauen mit einem Instrument: "Frauen waren jahrhundertelang ein Vergrößerungsspiegel, der es den Männern ermöglichte, sich in doppelter Lebensgröße zu sehen." Und was ist mit Männern? Irmgard Keun: "Männer sind zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe gibt es noch einen Geistesblitz, mit dem Liza Minelli Männer und Frauen zusammenführt: "Wenn ein Mann will, dass seine Frau ihm zuhört, braucht er nur mit einer anderen zu reden." 
 

Schmunzelpost 532 vom 3. 10. 22

 

Zum "Tag der Deutschen Einheit" will ich mich heute mit Dingen befassen, die nur uns Deutschen gehören und auf die wir stolz sein können. Wie es sich für die Schmunzelpost geziemt, möchte ich dabei den Blick auf Bereiche lenken, die sonst meist unbeachtet bleiben. 
 
Daher lasse ich kulturelle Größen außen vor. Goethe hinterließ Weltkultur-Erbe. Und das gilt auch für Beethoven, der wegen seines langen Aufenthalts in Wien sowieso ein halber Österreicher war. In dem Zusammenhang lässt Mozart grüßen! Und ich verzichte sogar darauf, den verehrungswürdigsten Fußball-Verein, den FC Schalke 04, an dieser Stelle hervorzuheben. 
 
Schauen wir uns stattdessen doch einmal Fauna und Flora an. Welche Pflanzen und Tiere gibt es nur in Deutschland? Geht in Euch und denkt mal eine Minute darüber nach. Schwierig, was? Wir haben nun einmal kein Känguru zu bieten und auch keine sibirischen Tiger.  Bei uns braucht man eher ein Vergrößerungsglas. Und eine präzise Vorstellung, wo man suchen muss. Dann aber wird man fündig. Und wie! 
 
Gleich zu Beginn eine Riesenüberraschung: Den badischen Riesenregenwurm gibt es ausschließlich in Deutschland. Toll, nicht! Ein überaus nützliches Tier, das für guten Boden sorgt und keinem Menschen etwas zuleide tut. Zugegeben, als Haustier ist er weniger geeignet und wohl auch nicht kuschelig genug. Doch der Riesenregenwurm ist ohnehin besser in der freien Natur aufgehoben. 
 
Dort begegnet er vielleicht dem Braunen Schimmelkäfer, noch einem Tier, auf das wir Deutschen stolz sein können. Wenn Amerikaner protzen: "Wir haben den Grizzly, den Puma, den Bison und den Weißkopf-Seeadler!", dann entgegnen wir: "Na und! Aber wir haben den braunen Schimmelkäfer!" 
 
Unsere Krabbel-Armee lässt sich noch erweitern. Auch den Präger Dammläufer, die Baldachinspinne und den Flohkrebs gibt es nur in Deutschland. Und mit dem Nordsee-Plattwurm schließt sich der Kreis. Vielleicht sollten wir ihn mit dem Riesenregenwurm bekannt machen. Mit diesem Wurm-Duo sind wir unter der Erde und im Watt unschlagbar! 
 
Wechseln wir ins Pflanzenreich. Auch da verfügen wir über deutsche Unikate mit wohlklingenden Namen. Zum Beispiel das Bayerische Löffelkraut, den Allgäu-Frauenmantel und die Elbe-Rasenschmiede. Und wer ist nicht tief im Grunde seines Herzens glücklich, dass er die gleiche nationale Identität aufweist wie die Sandquecke, Peitz' Ständelwurz und das Violette Galmei-Stiefmütterchen? 
 
Noch ein Blick in den Wald. Während die stolze deutsche Eiche fremd geht und ebenso auch im Ausland wurzelt wie Buche, Linde oder Tanne, gibt es einen Baum, der nur in Deutschland gedeiht. Zum Tag der Einheit erheben wir daher unsere Tassen und stoßen mit Lindenblütentee an auf die Hersbrucker Mehlbeere! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 531 vom 2. 10. 22


Am gestrigen Abend war ich gemeinsam mit Tintenhuhn Beate an einer besonderen Weinlese beteiligt. Sie fand in Reginas Buchhandlung in Recklinghausen statt. Wir haben dort keine Trauben gepflückt, sondern Weine probiert und für das Publikum passende heitere Texte gelesen. Da Sarah Landis, französische Feinkosthändlerin, hervorragende Tropfen anbietet, will ich als Freund des Rebensafts die Gelegenheit nutzen. Deshalb habe ich diese Schmunzelpost vorsichtshalber vor Beginn der Veranstaltung geschrieben. 
 
Es kann nämlich sein, dass ich nachher am späten Abend beschwipst bin. Oder, wie man bei uns sagt, etwas angetüttert. Das nehme ich zum Anlass, mich diesmal mit Wörtern aus verschiedenen Gegenden zu befassen, die alles eines gemeinsam haben. Sie beschreiben den Zustand, in dem Du mehr oder weniger knülle bist. 
 
Was man im Ruhrgebiet dazu sagt, habe ich ja vor geraumer Zeit bereits thematisiert. Wenn Ihr Euch einen zwitschern wollt und für jede Stufe nach den passenden Worten sucht, bevor Ihr richtig "ein inne Latüchte" habt, empfehle ich Euch, vorher in das Buch "Ruhrgebietssprache" aus dem Verlag Henselowsky & Boschmann hinein zu schauen. Dort sind Begriffe von 0,3 Promille (sich ein ankrämmeln) bis zu 4 Promille (hickehackevoll sein) aufgeführt.
  
Doch was sagt man in anderen Regionen Deutschlands? In Norddeutschland reicht die Spannweite von angetuetert bis dun. Da ist der Schwabe wortmächtiger. Wenn er nicht gerade mit der Eisenbahn nach Durlesbach fährt, dann wird er gern "a Viertele schlotza". Und wenn auf ein Viertel immer weitere folgen, dann ist der Schwabe irgendwann briegldichd. Das heißt, er hat einen ordentlichen Rausch. Er selbst nennt das "an Allmachsballa hann". Ist er sturzbetrunken, dann heißt es, dass er "an Affa hau". Darüber geht nur noch "an Balla wie an Soichhafa hann". Was wörtlich bedeutet "einen Rausch wie ein Nachttopf haben" und mir Rätsel aufgibt. 
 
Bei den Bayern ist gerade wieder "oans, zwoa, gsuffa"-Zeit, also Oktoberfest. Wenn ein echter Bajuware seine zwei, drei Moas intus hat, dann ist er "odaucha", das heißt, er ist "eingetaucht". Ein Anfang ist also gemacht. Nach fünf Literkrügen wird der Bayer vielleicht am nächsten Tag sagen: I hob a Zünderer, mei Liaber! Und ist er vollends jenseits von gut und böse, dann spricht der Bayer von einem "Ruaß", einem "Preller" oder einem "Walger". Beim letzten Begriff kann man die Entstehung ahnen: Das Wort bedeutet gleichzeitig "Nudelholz". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 530 vom 1. 10. 22 


Den heutigen Tag solltet Ihr mit einem doppelten Espresso beginnen! Warum? Der 1. Oktober  ist in Deutschland der "Tag des Kaffees". Und warum doppelt? Der erste Oktober ist außerdem der "Internationale Tag des Kaffees". Achtet also bitte darauf, dass Eure Bohnen nicht am Südhang der Hürfeldhalde auf einer Tempelmann-Versuchsplantage geerntet wurden. 
 
Während Ihr bei den Speisen achtgeben müsst, nicht ins Fettnäpfchen zu greifen, könnt Ihr mit Kaffee bei einem weiteren Aktionstag am 1. 10. nichts falsch machen: Dieses Getränk ist am Weltvegetarier-Ttag erlaubt. Und sogar vegan, falls Ihr weder Sahne noch Milch hinzufügt. Und wie kriegt Ihr die Kaffee-Feierlichkeiten mit Eurer Aktion zum heutigen Weltmusiktag unter einen Hut? Ganz einfach. Ihr legt eine alte Platte auf: Mit dem Ohrwurm "Der Kaffee ist fertig". 
 
Der weltweite, in dem Fall darf man sogar sagen weltumspannende Aktionstag am 2. Oktober hat seinen Ursprung vor 150 Jahren. Am 2. 10. 1872 bestieg angeblich um 20.45 Uhr ein britischer Gentleman den Zug von London nach Paris. Nach ihm ist der "Internationale Tag der Philias-Fogg-Wette" benannt. 
 
Phileas Fogg? Klingelt da was? Ja, richtig, das war der Engländer, der nach Jules Verne die tollkühne Wette einging, er könne eine Reise um die Welt in nur 80 Tagen schaffen. Der Wetteinsatz betrug 20 000 britischen Pfund. Heute entspräche der Gegenwert rund 1,5 Millionen! Falls Ihr Euch nur bruchstückhaft an den Roman erinnert: Fogg gewann nicht nur das Geld, sondern auch das Herz einer indischen Witwe, die er vor dem Opfertod rettete. 
 
Falls Euer Herz weniger an indischen Witwen und dafür mehr an Eurem Auto hängt: In den USA feiern Autonarren am 2. Oktober den "Gib-Deinem-Auto-einem-Namen-Tag". Warum nicht, solange Ihr Eure Karosse nicht Klaus-Dieter tauft. So heißt bereits der Maulesel von Festus Haggan in "Rauchende Colts". Problematisch wird es erst, wenn Euch eines Tages Euer selbstfahrendes Auto Namen gibt: "He, Schlafmütze, steig endlich ein!" 
 
Am dritten Oktober habt Ihr wegen des Feiertags in Deutschland Zeit und Muße, dem US-Aktionstag zu frönen. Es ist der "Tag des Herbstlaubs". Gemeint ist damit eigentlich: Betrachte das Herbstlaub, mit besonderem Blick auf die Farbenpracht des Indian Summer. Hierzulande ist es für bunte Blätter jedoch noch zu früh. Bereits verfärbte und verdorrte Blätter sind eher Anlass zur Besorgnis nach einem weiteren Dürre-Sommer. 
 
Der vierte Oktober ist der Welttierschutztag. Da müsst Ihr darauf achten, dass Ihr nicht mit dem schwedischen "Kanelbullens-Day" in Konflikt geratet. Kanelbullens sind keine Stiere oder männliche Elche, sondern Zimtschnecken. Und diese Schneckenart ist wegen der gnadenlosen Verfolgung durch Schleckermäuler vom Aussterben bedroht. 
 
 Daher mein Rat: Lasst wenigstens am 4. 10., dem Welttierschutztag, Gnade walten und hebt die Zimtschnecke für mich auf. Ich werde sie dann für Euch am 
5. Oktober diskret und pietätvoll ihrer Bestimmung zuführen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 529 vom 30. 9. 22 

Beim Gespräch in geselliger Tafelrunde kam jetzt die Rede darauf, wie schwierig es ist, sich mit Menschen zu verständigen, die unsere Sprache nicht beherrschen und auch nicht über Englischkenntnisse verfügen. Da hilft offenbar selbst der Allround-Zauberstab der Moderne wenig: "Wenn sie dann ihr Smartphone zücken und auf ein Übersetzungsprogramm hoffen, kommt dabei meist das pure Chaos heraus." 
 
Solch ein Gespräch kann ich mir gut vorstellen. Frau vom Amt: "Wann genau sind Sie in Deutschland eingereist?" Übersetzte Antwort: "Ich wünsche Reise in schöne deutsche Land schon sehr lange Zeit." Frau vom Amt: "Nein, ich meine, wann haben Sie die Grenze überschritten?" Antwort: "Nein, ich nicht habe Überschreitung schuldig gemacht." 
 
Frau vom Amt: "Das glaube ich Ihnen. Aber zu welchem Zeitpunkt haben Sie Ihr Heimatland verlassen?" Antwort: "In der Ukraine ich bin verlassen gewesen als die Russen kamen." Frau vom Amt: "Ja, ja. Oder nein. Ich möchte wissen: Seit wie vielen Tagen sind Sie bei uns in Sicherheit?" Antwort: "Ja, ich bin sicher, dass wir viele Tage hier müssen bleiben." 
 
Frau vom Amt: "Zum Donnerwetter! Welches was the Day you leave the Ukraine and when you arrive in Germany?" Antwort: "Twelve Points for Germany." Frau vom Amt (seufzt): "Ich geb's auf. Ich brauche einen Dolmetscher. Dabei wollte ich doch bloß den Tag der Ankunft wissen." Migrant: "Dauert es noch lange Zeit hier im Haus von Rat? Wir drei Tage schon warten, seit Bus uns brachte her aus Polen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 528 vom 29. 9. 22 

Gestern besuchten wir am frühen Nachmittag ein Landcafe der Art, die ich liebe. Erst ließ ich mir dort eine herzhafte Gulaschsuppe schmecken, dann folgte ein leckerer Pflaumenpfannkuchen. Und beim Rausgehen lächelte uns so verführerisch ein Blechkuchen an, dass wir nicht widerstehen konnten und zwei Stücke mit auf die Reise nahmen. 
 
Der Aufenthalt im Cafe war eigentlich sehr angenehm. Zumindest, so lange nur die Zweier- und Vierertische besetzt waren. Als dann jedoch ein Geschwader von elf Frauen mittleren Alters zum Kaffeekränzchen eintraf, änderte sich die Lage schlagartig. Es wurde laut, sehr laut. 
 
So lange die Damen über persönliche Dinge wie den letzten Arztbesuch oder die neue Bluse sprachen, hielt sich die Phonstärke noch im Rahmen. Aber sobald, und das ging sehr schnell, die Rede auf fiese Nachbarn und ungeliebte gemeinsame Bekannte kam, hätten wir glatt den Start eines Düsenjägers unmittelbar nebenan überhören können. 
 
Dabei waren alle Spielarten des Lachens vertreten. So lernte ich, dass es auch einen dröhnenden Sopran gibt. Das Spektrum reichte von der dritten bis zur zwölften oberen Oktave. Ich rechnete jede Sekunde damit, dass mein Glas zerspringen würde, weil einige Frauen die Kunst beherrschten, ihren Heiterkeitsausbruch vom schrillen Kichern über das Kreischen bis hin zum begeisterten Quieken zu steigern. 
 
Und noch ein Vorurteil wurde bei dieser Gelegenheit ausgeräumt: Dass es nur Männer sind, die sich über Zoten und schmutzige Witze schief lachen können. Kennt Ihr den? "Kommt ein Mann zum Urologen und lässt seine Hose herunter..." Kennt Ihr nicht? Das ist gut so und wird auch so bleiben! Nach diesem Erlebnis erwäge ich ernsthaft, trotz der Bühnenauftritte von Beate, Anne und Christa meinen Plan aufzugeben, mich nächstes Jahr als arabische Fee verkleidet in den Hardter Frauenkarneval einzuschleichen. 
 
Aber wo wir schon einmal bei übler Nachrede und Gemeinheiten sind, hier ein Zitat, dass sich Frank Sinatra anhören musste. Er stand (und steht) unter dem Verdacht, dass die Mafia seine Karriere massiv gefördert hat: "Wenn Du einen Raum betrittst, musst Du den Ring Deines Gönners küssen. Wäre ja nicht so schlimm, aber er hat ihn in seiner Gesäßtasche." 
 
Manche Promis reden solch dummes Zeug, dass dies geradezu nach bösen Kommentaren schreit. So fragte Christina Aguilera: "Wo findet denn das Cannes-Film-Festival dieses Jahr statt?" Ein Klassiker kam von Fürstin Gloria zu Thurn und Taxis: "In Afrika sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt halt gern." In Deutschland offenbaren Leute ihre Blödheit, weil sie zu viel quasseln. Gloria quasselt halt gern. 
 
Irgendwann sollte auch Lothar Matthäus merken, dass es um seine Englischkenntnisse nicht gut bestellt ist. Aber nein: "I look not back, I look in Front!" Manchmal ist es auch besser, nach dem ersten Satz die Klappe zu halten. Dies gilt beispielsweise für Maria Carey: "Immer wenn ich Fernsehen schaue und die armen Kinder auf dieser Welt sehe, könnte ich heulen, weil ich nicht helfen kann. Ich würde gerne auch so dünn sein wie sie, aber nicht mit diesen Mücken, dem Elend und den ganzen Sachen." 
 
Einen letzten habe ich noch. Die Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman, eine Ikone der Frauenbewegung, sagte: "Es ist selbstverständlich, dass Frauen etwas lernen, dass sie sich weiterbilden und Aufgaben auch außerhalb der Familie übernehmen, wenn sie das Talent dafür haben. Doch dies sollte in Maßen geschehen." 
 
Liebe Eva! Bei einigen wenigen Frauen wäre es womöglich wirklich besser, wenn sie sich auf das Nähen und Sticken beschränken würden. Denk mal darüber nach, ob Du nicht dazu gehörst. Vielleicht kannst Du ja mit Beatrix von Storch und Alice Weidel einen Strickkreis gründen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 527 vom 28. 9. 22  


Drei, zwei, eins - und Action! Ende September ist bestimmt für Euch ein Aktionstag dabei, für dessen Ziele Ihr Euch engagieren könntet. 
 
Heute, am 28. September, wird zum Beispiel der "Internationale Tag des Rechtes auf Wissen" begangen. Dies hat die UNESCO eingeführt, um freien Zugang zu Wissen und Information weltweit zu etablieren. Ich ergänze: Wir feiern damit auch den Tag des kuriosen Wissens, des skurrilen Wissens, des abseitigen Wissens und des zusätzlichen Wissens. Also gewissermaßen den Tag der Schmunzelpost. Denn eines müsste nach der Lektüre von fast 600 Beiträgen klar sein: Unnützes Wissen gibt es nicht! 
 
Ähnliches gilt für den "Stell-eine-dumme-Frage-Tag", der ebenfalls am 28. 9. im Kalender steht. Selbst, wenn es abgedroschen klingt: Dumme Fragen gibt es auch nicht, bloß dumme Antworten. 
 
An jedem letzten Donnerstag im September, also diesmal am 29.9., wird der Weltherztag begangen, bei dem sich alles um den Schutz der Herzgesundheit dreht. Viele Menschen haben jedoch ihr Herz nicht etwa in Heidelberg verloren, sondern es hängt an der hohen See, an Meeren, Kanälen und Flüssen. Für sie wird am 29. September der Weltschifffahrtstag gefeiert. 
 
Ich nehme mal an, dass dies nicht der Tag der Titanic und der Andrea Doria ist. Doch auch Schiffe, die nicht versunken sind, genießen keine uneingeschränkte Wertschätzung mehr. Dafür sondern die AIDA und ihre Ozeanriesen-Kollegen viel zu viel umweltschädliche Stoffe ab. 
 
Am 30. September blicken wir nach Australien. Dort wird der "Save-the-Koala-Day" gefeiert. Der putzige Geselle hat Hilfe wahrlich nötig. Denn nicht nur sein natürlicher Lebensraum schwindet immer mehr, dazu ist er noch Naturkatastrophen wie Bränden und Überschwemmungen hilflos ausgesetzt. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzgiften hat dazu geführt, dass die putzigen Beutelsäuger schon einmal fast ausgestorben waren. 
 
Derzeit leben wieder maximal 80 000 Koalas in Australien. Sie verfügen nur über ein vergleichsweise kleines Hirn und sind dennoch beneidenswert: Sie verschlafen 20 Stunden des Tages. Den Rest der Zeit sind sie mit Fressen beschäftigt. Dabei müssen sie aufpassen. Ihre Nahrung, Eukalyptusblätter, sind selbst für die darauf spezialisierten Tiere in zu hoher Konzentration giftig. Koalas verzehren sie nur mit Bedacht und suchen sorgfältig die Blätter aus, deren Giftkonzentration nicht zu hoch ist. 
 
Davor müssen wir uns beim Mampfen von Butterbroten zum Glück äußerst selten fürchten. Butterbrote sind eine Leibspeise der Deutschen und werden daher zurecht am 30. September gefeiert, dem "Tag des Butterbrotes". Für mich waren sie nach Muttermilch und Babybrei stets ein Hauptbestandteil meiner Ernährung, so dass ich mir ein Leben ohne Butterbrote kaum vorstellen kann. Weshalb ich trotz dessen 20-stündiger Abhängphase nicht mit einem Koala tauschen möchte. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 526 vom 27. 9. 22

Schlechte Zeiten für Europa. Als wären die britischen Eigenbrötler sowie die ungarischen und polnischen Autokraten-Anhänger und Veto-Liebhaber noch nicht genug, haben die Schweden und die Italiener jetzt auch noch Regierungen gewählt, die sich in der rechtsnationalen Ecke wohlfühlen und von der EU gern das Geld nehmen, ansonsten aber über die Gängeleien aus Brüssel und Straßburg schimpfen wie die Rohrspatzen. 
 
Gut zu wissen, dass es wenigstens kulturelle Grundlagen gibt, die europäische Staaten miteinander verbinden. Das zeigt sich sogar in Redensarten. Preisfrage: Welcher Indianer (wir wollen uns jetzt nicht darüber streiten, ob es nun "Angehöriger eines indigenen Volkes" heißen muss)  ist in all diesen Ländern ein Begriff? In Albanien, Bosnien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, auf den Faröer Inseln, in Finnland, Frankreich, Griechenland, Holland, auf Island, in Italien, Spanien, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, der Schweiz, in Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Ukraine, Ungarn und Weißrussland. 
 
 Nein, nicht Winnetou! Außer Karl May und dem Franzosen Gabriel Ferry hatte noch ein weiterer Autor vor fast 200 Jahren Riesenerfolg mit Abenteuerromanen aus Nordamerika. James Fenimore Cooper hieß der Mann, der mit seiner fünfteiligen Lederstrumpf-Reihe um den Trapper "Falkenauge" literarisch Furore machte. Der letzte Mohikaner, als Inbegriff eines aussterbenden Volkes oder auch als letzter Anhänger eines Brauches, eines Vereins oder einer Gesinnung, ist überall im Sprachgebrauch verankert. 
 
Dabei gab es bei Cooper eigentlich gleich zwei letzte Mohikaner. Chingachgook, als bester Freund Falkenauges der Blutsbrüderschaft von Old Shatterhand mit Winnetou nahekommend, überlebte seinen Sohn Unkas nämlich um zwei Roman-Folgen. Und zum Glück waren die beiden in Wirklichkeit nicht die Letzten ihres Stammes. Angehörige der Mohegans oder Mahican, von denen Cooper den Namen Mohikaner wohl ableitete, gibt es auch heute noch. 
 
Bleibt sehr zu hoffen, dass drei weitere Redensarten, die Cooper, May und Ferry gemeinsam in unserem Sprachschatz verankerten, bald zur Anwendung kommen. Zu gern würde ich sagen können, dass Russland und die Ukraine das Kriegsbeil begraben und die Friedenspfeife geraucht haben. Am besten, bevor noch mehr Menschen in die ewigen Jagdgründe einziehen müssen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Und noch von einer weiteren Redensart mit literarischem Ursprung wünsche ich mir sehr, dass sie möglichst schnell Realität wird. Wenn man vom Lügen eine lange Nase bekäme, hätten Pinocchio Putin und Pinocchio Trump sich das schon längst verdient! 

 

 Schmunzelpost 525 vom 26. 9. 22


Die Durchsicht aktueller Meldungen und Berichte ergab eine kleine Schmunzel-Ausbeute, die ich an Euch weiterreichen möchte. Immer einen Blick wert, ist der Hohlspiegel eines Nachrichtenmagazins. 
 
Dort ist der Aufsteller einer saarländischen Lidl-Filiale abgebildet, die eine Lösung für unser Plastikmüll-Problem verheißt: "Über 60 Getränke aus 100 % recyceltem Plastik." Und über eine Offerte, die im "Südkurier" stand, werde ich ebenfalls nachdenken: "Es ist natürlich ein super Angebot: Wer eine neue Matratze fürs Bett kauft, kann darauf oft über sehr lange Zeit zur Probe lieben." 
 
Im Streiflicht der Süddeutschen Zeitung war von Codewörtern die Rede. Nicht von Ungetümen, die den Computer-Zugang aus einer unaussprechlichen Reihe von Buchstaben, Zahlen und Satzzeichen ermöglichen, sondern von Parolen, die nur wenige vertraute Menschen kennen, um im Bedarfsfall, von Fremden unbemerkt, auf einen Sachverhalt und eine Abmachung aufmerksam machen zu können. 
 
So wurden Eingeweihte durch den Satz "The London Brigde is down" als erste diskret über den Tod der Queen unterrichtet. Auch unsere Außenministerin Annalena Baerbock hat mit ihren Kindern ein Codewort vereinbart. Wird es am Handy erwähnt, will sie ihre Reise sofort unterbrechen und so schnell wie möglich zu ihrer Familie heimkehren. Clever, wie sie ist, hat sie der Presse aber nicht verraten, wie das Codewort lautet. 
 
Dagegen haben Johnny Depp und Amber Head nach ihrem Rosenkrieg bekannt gemacht, dass sie vereinbart hatten, alle rhetorischen Feindseligkeiten sofort einzustellen, wenn eine/r von beiden das Wort "Couch" gebrauchte. Hätten sie bloß während ihres Prozesses viel öfter über Liegemöbel gesprochen... 
 
Ein Barthaar in der Suppe fand SZ-Redakteur Martin Zips. Er schrieb über eine gerichtliche Auseinandersetzung, die ein erfolgreicher Medienanwalt gegen das Manager-Magazin anzettelte, weil dieses seinen Bart mit dem von Walter Ulbricht verglichen hatte. Der Anwalt konnte sogar eine Gegendarstellung erwirken. Als jedoch das Magazin danach zwei Fotos veröffentlichte, die beide Bärte nebeneinander zeigte, wollte er erneut eine Korrektur erzwingen. 
 
Pech gehabt: Das Oberlandesgericht Hamburg befand, dass die Angelegenheit durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei. Beim Barte des Propheten: Mit welchem Blödsinn müssen sich unsere Gerichte herumschlagen, während wirklich wichtige Prozesse, in denen auch Verjährungsfristen eine Rolle spielen, auf die lange Bank geschoben werden! 
 
Immerhin habe ich so Dinge erfahren, die mir sonst nie aufgefallen wären. Als bei Wahlen im US-Bundesstaat unerwartet der republikanische Favorit verlor, führte das ein Parteikollege auf dessen Schnäuzer zurück: "Er hätte ihn abrasieren sollen!" Wahrhaftig: Viele amerikanische Wähler mögen offenbar bärtige Kandidaten nicht. Der letzte Bartträger, der US-Präsident wurde, war vor mehr als 100 Jahren William H. Taft. 
 
Außerdem habe ich durch Martin Zips noch etwas erfahren, was mir zu denken gibt. In Männerbärten sollen sich mehr Bakterien tummeln als im Fell eines Hundes! Das gilt aber hoffentlich nicht für kurzgehaltene Bartstoppeln, die in ihrer Länge die verbliebenen Stoppeln auf dem Schädel nicht übertreffen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wo wir schon bei Fundstücken sind: Kürzlich ging es um eine Häufung merkwürdiger Todesfälle, die seit dem Angriff auf die Ukraine außergewöhnlich viele Oligarchen und Energiemanager in Russland ereilte. In den letzten Tagen sind zwei weitere hinzu gekommen. Völlig überraschend verstarb unweit von Wladiwostok der Chefredakteur einer großen russischen Zeitung, die allerdings Putin stets zugeneigt war. Den 68-Jährigen soll beim Wandern ein Schlaganfall ereilt haben. 
 
Das kommt vor. Merkwürdig nur, dass dort ganz in der Nähe auch ein Manager aus dem Energiesektor das Zeitliche segnete. Der Mann soll ertrunken sein. Na klar! Wo baden Millionäre schon lieber? Im Mittelmeer? In der Karibik? In der Krim am Schwarzen Meer? Nein, selbstverständlich bei Wladiwostok. 
 

 Schmunzelpost 524 vom 25. 9. 22


Da staunt der Fachmann, und der Laie wundert sich! Die Welt hält für uns so viel scheinbar Unerklärliches bereit, dass wir ab jetzt gelegentlich in der neuen Rubrik "Wunder der Natur" den Dingen auf den Grund gehen wollen. 
 
Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, wieso Bienenwaben sechseckig sind? Warum fragt Ihr Euch das nicht? Das ist doch ein Eins-a-Rätsel! Eine runde Wabe wäre einleuchtend, viele Insekten bohren oder graben runde Löcher, meist zum Zwecke der Vermehrung.  Bereits eine quadratische Wabe würde uns ins Grübeln bringen. Doch wie kriegen die Bienen das noch viel schwierigere Sechseck so exakt hin? 
 
Dazu muss man wissen, dass so ein Bienenstaat durch und durch organisiert ist. Da gibt es die Königin, die sich vor lauter Eierlegen mit nichts anderem beschäftigt. Da sind die Drohnen, die, typisch Mann, nur für eine Sache zu gebrauchen sind. Und da haben wir die Arbeiterinnen, die sich bei halbwegs akzeptablem Wetter von früh bis spät damit beschäftigen, Blüten zu bestäuben und dabei Nektar zu sammeln. 
 
Doch es gibt noch zwei weitere Gruppen von Spezialistinnen: Die Baubienen und die Heizerbienen. Die Baubienen haben eine zweijährige Lehrzeit im obi-Markt absolviert und dabei fast alles gelernt, was ein Do-it-yourself-Handwerker so wissen muss. Haben sie dann etwa noch in der Abendschule die mathematischen Grundlagen gebüffelt, um ein Sechseck hinzubekommen? Nein, haben sie nicht. 
 
Dazu kooperieren sie mit den Heizerbienen. Wenn die Baubiene mit Hilfe ihres eigenen Körpers, den sie als Schablone nutzt, eine neue runde Wachszelle geschaffen hat, kommt unverzüglich die Kollegin ins Spiel. Die Heizerbiene sorgt in der Zelle mit intensivem Flügelschlagen dafür, dass konstant eine Temperatur von etwa 40 Grad herrscht. Dadurch wird das Wachs weich und verformt sich. Nun wird die Zelle von Baubienen in die Länge gezogen. So entsteht die gleichmäßige sechseckige Struktur, weil sich die Wände der vorhandenen zylindrischen Form der bereits vorhandenen seitlichen Zellen exakt anpassen. 
 
Fragt mich nun bitte nicht, wie die allerersten Zellen in die richtige Form gebracht werden. Ich war weder obi-Azubi, noch habe ich die Bienenabendschule besucht. Aber Bau- und Heizerbienen kriegen das hin, wie Ihr in jedem Bienenstock sehen könnt. 
 
Das war es für heute. Als nächste Folge erwartet Euch: "Die flotte Biene und der dicke Brummer." Oder auch nicht. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 523 vom 24. 9. 22


Diesmal wollen wir uns pünktlich um die anstehenden Aktionstage kümmern. Starten wir mit dem heutigen "Internationalen Hasentag". Hasen sind sowohl bei Kindern als kuschelige Konkurrenz zum Teddy sehr beliebt wie auch bei Erwachsenen. Dort vor allem bei Gourmets und Gourmands. 
 
Zum Glück gibt es mehr Hasen als das Tier Spitznamen hat wie Meister Lampe, Mümmelmann oder Langohr. Zur Ordnung der Hasenartigen, lateinisch Lagomorpha, gehören zwei Unterfamilien, elf Gattungen und 55 Arten. Hasen und Kaninchen lassen sich leicht unterscheiden. Hasen sind Einzelgänger und Obdachlose, die in Feld und Flur ihr Dasein fristen. Kaninchen leben dagegen in Großfamilien und graben sich oft weitverzweigte unterirdische Bauten. Falls sie nicht von Züchtern in kleine Käfige gesperrt und auf Ausstellungen präsentiert werden, bevor sie im Kochtopf landen. 
 
Den Tag der Hasen sollten wir nutzen, dafür einzutreten, dass Lebensräume der hiesigen Feldhasen geschützt werden. Die Tiere waren bei uns zeitweise vom Aussterben bedroht. Und die Bezeichnung "Angsthase" ist eine Gemeinheit: Wie soll sich ein Tier, dem weder Fangzähne, Klauen, Stacheln oder Schusswaffen zur Verfügung stehen, anders schützen als bei Anzeichen von Gefahr flink die Flucht zu ergreifen? 
 
Weiter im Text. In Südafrika und Namibia feiert man heute den "Tag des Braai". Dieser Begriff war mir bisher fremd. Er leitet sich von "Braten" ab und meint die südafrikanische Variante des Grillens. Neben den Deutschen und den Amerikanern konkurriert man am Kap der Guten Hoffnung um den Titel des Grillweltmeisters. Weil Grillen dort ein gesellschaftliches Ereignis ist, benutzt man dazu ausschließlich Holz des Kamelhaarbaumes, da dieses durch niedrige Temperaturen für lange Grillzeiten sorgt. 
 
Ebenfalls sympathisch: In Südafrika ist der 24. September staatlicher Feiertag, der "Heritage-Day". Seit 1995 soll er helfen, Brücken zu schlagen, um Menschen verschiedener Hautfarbe und Abstammung zusammen zu bringen. Und weil kaum etwas dazu besser geeignet ist, als sich um einen großen Grill zu versammeln, ist der Braai-Day ebenfalls auf den 24. 9. gelegt worden. 
 
Unsere amerikanischen Freunde nutzen auch andere Gelegenheiten zu Treffen mit Gleichgesinnten. In keinem anderen Land wurden so viele Geistererscheinungen gemeldet wie in den USA. Gegen so eine Landplage muss man natürlich vorgehen, vor allem, wenn man ohnehin mit Waffen bis zum Stehkragen behängt ist. 
 
So begaben sich in den USA am ersten "Tag der Geisterjagd", am 24. 9. 2015, mehr als 1000 professionelle Geisterjäger und ungezählte ambitionierte Amateure auf die Hatz nach Gespenstern. Da Geister zur Unsichtbarkeit neigen, ist über die Jagdstrecke nichts bekannt geworden. Allerdings sind die Amis den übernatürlichen Schrecken nicht nur in Spukschlössern auf der Spur. Davon zeugt der "Tag des verfluchten Kühlschranks", über den Ihr am 30. Oktober mehr erfahrt. So können als Beute womöglich auch Gefriertruhen, TV-Geräte und gruselige Gurken vorgezeigt werden. 
 
Am 25. September folgt der "Internationale Tag der Flüsse". Das ist ein Aktionstag nach meinem Geschmack. Viele Leute lieben die Berge, die Seen, die Ozeane. Doch ich liebe die Flüsse. Besonders meine Lippe, aber auch alle anderen Ströme und Flussgewässer dieser Welt. 
 
Wo wären wir ohne Flüsse? Diese Wasserlieferanten, Frachtstraßen, Ökosysteme und Landschaftsgestalter sorgen dafür, dass unsere Erde ein fruchtbares Fleckchen bleibt, auf dem Menschen nicht nur überleben, sondern sich auch wohlfühlen können. Das Niedrigwasser des Rheins hat gerade gezeigt, wie fatal es wäre, wenn unsere Lebensadern austrocknen würden. 
 
Einem völlig anderen Thema ist der 26. September in Kanada gewidmet worden. Das ist der "Tag des Liebesbriefchens". Dabei geht es nicht um sorgfältig in Schönschrift formulierte und auf feinem Büttenpapier verewigte Liebeserklärungen, sondern um die hohe Kunst der kleinen Botschaft. Dazu können Zettel, SMS-Botschaften oder Kritzeleien auf der Tapete dienen. Doch ob eine Frau hocherfreut ist, wenn sie "Ich werde Dich ewig lieben!" ausgerechnet auf der Rückseite eines Garantiescheins mit Umtauschfristen liest?
 
Kommen wir abschließend zum 27. September. Das ist der "Zerdrücke-eine-Dose-Tag". Vorrangig sind Bierdosen gemeint, aber auch Cola- oder Fruchtsaft-Dosen sind einbezogen. Kennt Ihr Georg Newton? Der Mann hat 1934 die geschmacksneutrale Innenschicht für Dosen erfunden, die es möglich machte, darin Getränke abzufüllen. Die erste kam am 24. Januar 1935 in den Handel. 
 
Seither erfreuen sich die aluminiumhaltigen Gefäße weltweit großer Beliebtheit. Inzwischen haben wir jedoch gelernt, dass die Wegwerfware unser Müllproblem erheblich vergrößert. Daher ist der "Zerdrück-eine-Dose-Tag" vor allem eine Aufforderung zum Recycling. Wobei bei uns durch die Pfandregelung das Zerdrücken auch wegfallen kann, wenn die leere Dose zurück gebracht wird. Dennoch gilt: Eine gar nicht erst gekaufte Dose ist die beste Dose! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Für mich ist der 27. 9. ein ganz persönlicher Aktionstag. Ich denke dann an meine Mutter, die am 27. September 1912 zur Welt kam. Wäre sie nicht bereits 1992 gestorben, so würde sie nun womöglich ihren 110. Geburtstag feiern. Doch angesichts der Krankheiten, die ihr am Ende das Leben verleideten, ist es wahrscheinlich besser so. Zumal der 2. Weltkrieg und die Flucht aus Pommern vor den Russen für sie ein einschneidendes Erlebnis war, über das sie nie hinweg gekommen ist. Eine russischer Angriffskrieg und die Drohung Putins, auch Atomwaffen einzusetzen, hätten ihr mit Sicherheit Alpträume beschert. 
 

Schmunzelpost 522 vom 23. 9. 22


Kleine Ursache - größtmögliche Wirkung 
 
Es war ein Spätsommertag wie gemalt. Eigentlich viel zu schade für eine Autofahrt über mehr als 600 Kilometer. Aber es half nichts, gestern endete unser Urlaub im Oderbruch. Und so machten wir uns nach einem opulenten Frühstück im Cafe "Traumtorte" auf die Heimfahrt.
 
Lange lief alles wie am Schnürchen. Es gab keine Staus, wenig Baustellen und Lkw waren auch nicht allzu zahlreich unterwegs. Die Beifahrerin döste vor sich hin und versäumte es so, mit guten Ratschlägen auf meine Fahrweise einzuwirken. Auf dem Berliner Autobahn-Ring plagte mich dann urplötzlich ein Hustenreiz. Doch für solche Fälle lagen griffbereit Hustenbonbons oberhalb des Schalthebels. 
 
Als ich mir gerade eines der Klümpchen aus der Tüte geangelt hatte und es mit einer Hand auswickeln wollte, geschah es: Ich geriet mit dem Handgelenk an den Lautstärke-Regler der Musikanlage und drehte sie unabsichtlich hoch. Extrem hoch. In dem Bereich klang selbst eine Simon & Garfunkel-Nummer wie ein Rock-Song von AC/DC beim Freiluft-Konzert. 
 
Die Beifahrerin fuhr total erschrocken aus ihrem Schlummer hoch und schlug in Panik mit ihrem linken Arm aus. Der Hieb traf meine empfindliche Nase und führte dazu, dass ich das Steuer nach links herumriss. Auf der Überholspur war jedoch gerade ein flotter BMW unterwegs, den unser Caddy an der rechten Flanke erwischte. Dessen Fahrer trat voll auf die Bremse, was dazu führte, dass sein Auto wie ein Brummkreisel über die Fahrbahn rotierte. Auf diese Weise erzielte der BMW eine optimale Ausbeute: Er verkeilte sich mit drei anderen Pkw zu einem großen Schrotthaufen. 
 
Leider bemerkte dies der Fahrer eines nahenden Tankzugs zu spät und donnerte ebenfalls in das Pkw-Knäuel. Was vielleicht nicht so schlimm gewesen wäre, wenn der folgende Gefahrgut-Transporter rechtzeitig hätte bremsen können. Die Explosion und die daraus resultierende Stichflamme soll selbst auf der Raumstation ISS sichtbar gewesen sein. 
 
Die durch den enormen Luftdruck ausgelösten Turbulenzen erschütterten sogar einen Tornado-Kampfjet der Bundeswehr, der gerade über der Unfallstelle einen Übungsflug absolvierte. Bekanntlich ist unsere militärische Ausrüstung derzeit ziemlich reparaturanfällig. So lösten die Vibrationen einen Kontakt aus, der die beiden Lenkraketen des Flugzeugs abfeuerte. 
 
Wenn etwas schiefgeht, dann auch richtig. Der Zufall wollte es, dass just in dieser Sekunde ein Ufo, genauer ein Erkundungs-Raumschiff vom Planeten Beteigeuze, in die Erd-Atmosphäre eingedrungen war. Dessen Co-Pilot hatte gerade noch zum Piloten gesagt: "Bzzzzzzzzzt, tsssssssss, zzzzzzzzzzzzzbbbbrrrlllll." Was so viel bedeutet wie: "Wenn die Bevölkerung dieses Planeten immer noch so aggressiv und kriegerisch ist wie vor 100 Zeiteinheiten, dann müssen wir diesen galaktischen Gefahrenpunkt leider eliminieren." 
 
Als die Lenkraketen das Ufo in Trümmer legten, zögerten die Beteigeuzeaner im Mutterschiff keine Sekunde. Eine Ultrabombe bohrte sich bis zum Planetenkern, und unsere Erde verwandelte sich binnen kurzer Zeit in einen großen Haufen Weltraummüll. Und das alles wegen eines Hustenbonbons! 
 
Oder habe ich mir die Geschichte bloß ausgedacht? Aus der Tatsache, dass ich noch in der Lage war, den Text als Schmunzelpost zu versenden, könnt Ihr schließen, dass uns zumindest das bittere Ende diesmal noch erspart geblieben ist. Nun dürft Ihr selbst raten, wann der Punkt gekommen war, wo aus der nüchternen Faktenschilderung eine fiktive Geschichte geworden ist. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 521 vom 22. 9. 22 


Schöne neue Welt! Ausgerechnet Brandenburg ist in manchen Dingen dem restlichen Deutschland weit voraus. Während der Rest der Republik schon heute vor dem Winter zittert, obwohl der noch gar nicht angefangen hat, lehnen sich die Einwohner von Feldheim entspannt zurück. Und während andere vor Wut schnauben wegen der zu erwartenden Preissteigerungen für Strom- und Heizkosten, lachen sich die Bürger des Ortsteils von Treuenbrietzen ins Fäustchen. Feldheim ist nämlich seit 2010 als erste Ortschaft in Deutschland energieautark. 
 
Möglich machen das 55 Windkrafträder, die von 1997 bis 2009 errichtet wurden. Durch diese Anlagen und das dazugehörige separate Stromnetz sind die Haushalte in Feldheim nicht nur unabhängig, sie zahlen auch den mit Abstand geringsten Kilowattstundenpreis. 2019 waren das ganze 16,6 Cent. 
 
Was das Heizen betrifft, verlassen sich die Glückspilze auf die Biogas-Anlage der örtlichen Agrargenossenschaft. Mit Hilfe von Rinder- und Schweinegülle sowie Maissilage und Getreideschrot werden 259 000 Liter Heizöl pro Jahr gespart. Und sollte es im Winter tatsächlich so bitterkalt werden, dass der Wärmebedarf die Kapazität übersteigt, dann kann im Handumdrehen eine Holzhackschnitzelheizung zugeschaltet werden. So geht das, Markus Söder! 
 
Schlimme neue Welt! Gerade habe ich eine Meldung gelesen, die meine Skepsis gegenüber dem mitdenkenden Inventar befeuert. Dass Kolumnist Axel Hacke schon seit vielen Jahren mit seinem uralten Kühlschrank tiefsinnige Gespräche führt, finde ich noch in Ordnung. Aber Siri und Alexa kommen mir nicht ins Haus. Und auf ein Navi im Auto konnte ich bisher gut verzichten. Wozu gibt es Straßenkarten, Stadtpläne und Verkehrsfunk?  
 
Ich halte auch nichts von mitdenkenden Kühlschränken, die selbstständig Lebensmittel nachbestellen, wenn die Vorräte zur Neige gehen. Woher will ein Elektrogerät wissen, auf welche Käsesorte ich gerade Appetit habe? Und kann mir die Lieferung frei Haus etwa die Beratung und das Gespräch mit dem Chef von "Käse Steinkopf" ersetzen? Was passiert, wenn ich aufgrund von akutem Zahnweh oder Halsschmerzen Sprachprobleme habe und mein Haus mich dauernd missversteht? Und wenn durch technische Fehler sich Fenster oder Türen nicht mehr öffnen lassen? 
 
Mit der Autotechnik habe ich bereits einige derartige Überraschungen erlebt. Noch beängstigender ist jedoch der Gedanke, dass sich Hacker in mein häusliches System einschleichen und mich nach Strich und Faden foppen. Oder mich heimlich ausspionieren, was auch kein erfreulicher Gedanke ist. 
 
Die Meldung drehte sich übrigens um eine Frau in Baden-Württemberg. Sie hat ihr neues Heim ganz nach ihren Vorstellungen gestaltet und ist vor kurzem eingezogen. Leider hat sie aus Kostengründen am Platz gespart, was dazu führte, dass sie sich jetzt selbst einsperrte. Sie hielt sich gerade im Badezimmer auf,als ihr Geschirrspüler mit seiner Arbeit fertig war. Getreu seiner Programmierung öffnete sich danach die Spüler-Tür - und blockierte den Ausgang des Badezimmers. 
 
Das hatte leider keine Fenster. Und die Rufe "Hilfe! Lasst mich sofort hieraus" stießen sowohl beim Geschirrspüler wie beim Kühlschrank auf taube Ohren. Zu ihrem Glück hatte die Frau, wozu auch immer, ihr Handy mit ins Bad genommen, konnte so eine Freundin erreichen und über ihre missliche Lage informieren. Die Freundin alarmierte dann die Polizei, die sich mit Hilfe eines Zweitschlüssels Zugang zur Wohnung verschaffen wollte. Leider hatte die Hausbesitzerin aber Wert auf eine Sicherheitstür gelegt und ihren Schlüssel von innen stecken lassen. So war die Feuerwehr schließlich die letzte Rettung, die nach längerer Einzelhaft der Dame aus der Bredulje (siehe Schmunzelpost vom 20.9.) half. 
 
Merke: Murphys Gesetz gilt erst recht in der Schäbigen Neuen Welt! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 520 vom 21. 9. 22 


Der 21. September ist der Welt-Alzheimertag. Ich verkneife mir dazu alle dummen Witze. Oder besser: Ich überlasse sie Euch, weil ich wieder einmal vergessen habe, rechtzeitig auf Aktionstage hinzuweisen. Allerdings war der Schaden am 20. September nicht allzu groß. Denn gestern war zwar der bundesweite Weltkindertag in Deutschland. Aber erstens ist es merkwürdig, dass die Kinder der ganzen Welt nur hierzulande feiern dürfen, und zweitens sind wir ja alle längst erwachsen. Auch den gestrigen US-amerikanischen Tag der IT-Profis können wir getrost vergessen, denn mit Ausnahme von Raimund haben wir keine Computer-Nerds unter uns. 
 
Kommen wir zum Zero-Immissions-Day am heutigen 21. September. Leider bleibt es wohl ein frommer Wunsch, dass tatsächlich genügend Menschen diesen abgasfreien Tag zelebrieren und so ein deutlicher Rückgang der Emissionen messbar wird. Noch frömmer ist der Wunsch, die UNO möge endlich über die Macht verfügen, den Weltfriedenstag am 21. 9. wirklich umzusetzen. Dann würde ich auch den Welttag der Dankbarkeit feiern, der ebenfalls heute im Kalender steht. 
 
Der "Abgasfreie-Tag" hätte vielleicht größere Aussichten auf Erfolg, wenn er mit dem "World Car free Day" vom 22. September zusammen gelegt würde. Der autofreie Tag ließe sich deutlich beflügeln, wenn man ihn mit einem anderen Aktionstag am 22. 9. kombiniert: Gönnt den Rhinozerossen aus Zoos und Tiergärten für 24 Stunden aus Anlass des "Welttags des Nashorns" freien Auslauf auf den Straßen der Republik, und der Kfz.-Verkehr würde drastisch vermindert! 
 
Einen weiteren Aktionstag am 22. September halte ich für äußerst fragwürdig. Am "Hobbit Day" soll angeblich der Geburtstag sowohl von Bilbo wie von Frodo Beutlin gefeiert werden. Nun habe ich jedoch nirgendwo gelesen, dass die beiden am gleichen Tag zur Welt kamen. Und außerdem bezweifle ich sehr, dass es in der Ära von Mittelerde einen 22. September gab. 
 
Dagegen ist einleuchtend, warum der "Earth Night Day" in Deutschland und Österreich dieses Jahr am 23. September begangen wird. Die "Paten der Nacht" haben dafür das jeweilige Neumond-Datum im September erkoren. Diese Nacht-Paten sind keine Vampire, sondern Leute, die ein Zeichen gegen die zunehmende Lichtverschmutzung setzen wollen. Und wenn der Mond schon die Gardine vorzieht, dann sollen die Menschen seinem Beispiel folgen und um 22 Uhr das Licht ausknipsen. Das würde nicht nur helfen, Strom zu sparen, sondern auch all den Freunden der Nacht in den Reihen der Tierwelt nutzen. Die Dauerbeleuchtung bringt das ökologische System nämlich mächtig durcheinander. Und sie bringt uns um einen optischen Genuss. Habt Ihr schon mal nachts auf einer Nordsee-Insel zum Sternenhimmel hochgeschaut und das mit dem mickrigen Ausblick verglichen, der uns daheim vergönnt ist? 
 
Also, am 23. 9. heißt es: Licht aus! Nicht nur in Privathäusern, sondern vor allem auch bei beleuchteten Schaufenstern und im öffentlichen Bereich. Auf dass wir alle endlich mal wieder Sterne sehen! Das wird schon irgendwann klappen. In Deutschland und Österreich hat die Aktion bereits 60 Unterstützer. Falls noch ein paar läppische Milliarden rund um den Globus dazu kommen, wird es zwar überall dunkel, aber dafür geht uns weltweit ein Licht auf! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 519 vom 20. 9. 22


Ist man in Berlin und Brandenburg unterwegs, dann kann man schon mal in die Bredoullie geraten, nicht zu wissen, wie man das Wort eigentlich richtig ausspricht. Selbst manche Einheimischen sagen "Bedrulje". Aber das ist falsch. Lautsprachlich korrekt muss es heißen "Bredulje!" Um Euch ähnliche Desaster in weiteren Zweifelsfällen zu ersparen, gibt es heute angewandte Lebenshilfe in Sachen korrekter Aussprache. Zum Beispiel solltet Ihr nie "Disaster" sagen, das Desaster legt Wert auf sein vorderes e. 
 
Mir ist klar, dass bei dieser Aufzählung einige Begriffe dabei sind, die vielen ohnehin klar sind. Anderen jedoch vielleicht nicht. Ich selbst habe das gemerkt, als es um ein Werkzeug ging. Da war mir noch nicht einmal klar, was ein Inbusschlüssel überhaupt ist. Geschweige denn, dass es nicht Imbusschlüssel heißt. Auch die Accessoires habe ich lange falsch ausgesprochen. Nämlich als "Accessoar" statt "Aksessoar", wie es lautsprachlich richtig wäre. 
 
Viele liegen im Clinch mit der italienischen Küche. Dass der Espresso "Esspresso" gesprochen wird und nicht Expresso, wie immer noch ziemlich verbreitet, ist für Euch bestimmt eine leichte Übung. Aber manche sagen zu Gnocci gerne Gnotschi, obwohl hier "Njocki" angebracht wäre. Hartnäckig hält sich auch "Schianti" für Chianti, obwohl hier Kianti richtig ist. Und Oregano habe ich auch bisher "Oregaano" ausgesprochen, dabei liegt die Betonung auf dem e: Oreegano! Wenn es statt Spaghetti Tagliatelle gab, musste bei unserer Aussprache sich mancher italienischer Kellner ein Grinsen verkneifen. Er sagt "Taljatelle". Und Brusketta statt Bruschetta. 
 
Nicht nur das Italienische, auch das Spanische oder besser Katalanische hat seine Tücken. Bei Spielen der Champions League spricht mancheiner von "Bartselona", dabei müsste es "Barßelona" heißen. Und richtig kompliziert wird es bei einem Beitrag der Briten für unsere Küche. Worchester Sauce? Wie spricht man das? Ich fühle mich an meine Kindheit erinnert, als ich mit Shakespeare meine liebe Müh' und Not hatte und nicht begriff, wer dieser Scheksbier sein sollte. Und dass man "Wuhstersoße" sagt, ist mir auch erst seit kurzem geläufig. 
 
Noch ein Dauerproblem: Regisseur war für mich ein Zungenbrecher, den ich kaum unfallfrei auf die Reihe bekam. Heute kriege ich endlich "Rehschissör" problemlos hin. Weitere Dauerbrenner: "Triologie" wäre zwar logisch, aber es heißt, gesprochen wie geschrieben, Trilogie. Ebenso wie das "Rückrad" tatsächlich Rückgrat ausgesprochen wird. Doch mündlich sollte Tatar für Rinderhack laut Duden unbedingt Tartar ersetzen, alles andere wäre tartarisch. Und wie steht es um Eure Zahnfüllungen? Amalgan oder Amalgam? Amalgam ist korrekt. 
 
Ein weites Feld sind falsch ausgesprochene Ortsnamen. Natürlich heißt Raesfeld Rasfeld und nicht Räsfeld. Und Sohst statt Söst. Oder Siethen statt Haltern-Süthen. Selbst beim WDR ist in Verkehrshinweisen gelegentlich von Grevenbreuch die Rede. Verkehrt! Grevenbroich spricht sich Grevenbrooch. 
 
So, ich bürge für die Authenzität. Oder muss es etwa Authentizität heißen? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch ein Bonbon zum Schluss: Bonbon spricht sich nicht Bommbomm, sondern Bongbong! 
 

Schmunzelpost 518 vom 19. 9. 22

Mitunter vergeht auch Frohnaturen das Lachen. Wir nutzen unseren Urlaub im Oderbruch nicht nur zu Radtouren und Stadtrundgängen, sondern auch zu Museumsbesuchen. Neben ästhetischem Genuss und allerlei Wissenswertem regt das zum Nachdenken an. Und eine Ausstellung in der Marienkirche in Frankfurt/Oder hat mich tief erschüttert. 
 
"Das Angesicht des Anderen" lautete der Titel der Foto-Schau, die aber mehr noch von ihren Begleittexten lebte. Durch Zitate von Zeitzeugen und aus der Gegenwart wurde das Ausmaß des Völkermordes deutlich, den vor allem die Spanier und später die Einwanderer in Nordamerika verübt haben. 70 Millionen Menschen verloren auf oft grausame Weise ihr Leben. Und das alles mit dem Segen der Kirche. Ein Vorgänger von Papst Franziskus rechtfertigte noch in den späten 90er Jahren, dass nur die Gläubigen als wahre Menschen anzusehen waren. 
 
Silvio Cunha, Vorsitzender des Unternehmerclubs von Rio de Janeiro, sagte 1991: "Wer ein Straßenkind tötet, tut der Gesellschaft einen Gefallen. Dies sind keine Kinder, Kinder sind die, die bei uns im Haus leben." Und Lawrence H. Summers, Vizepräsident der Weltbank, sagte im März 1992 nach einem vertraulichen Memorandum: "Nur unter uns, sollte die Weltbank nicht mehr Verlagerungen umweltweltverschmutzender Industrie in die Entwicklungsländer ermutigen? 
 
 Mir fallen drei Gründe dafür ein: 1. Die Messungen der Kosten gesundheitsbeeinträchtigender Umweltverschmutzung ist abhängig von den Einkünften, die realisiert werden, bevor  es zu steigenden Krankheits- und Sterblichkeitszahlen kommt. Von diesem Standpunkt aus gesehen, sollte ein gegebenes Ausmaß an gesundheitsbeeinträchtigender Umweltverschmutzung in dem Land mit den niedrigsten Kosten stattfinden, was dann das Land mit den niedrigsten Löhnen sein wird. Ich glaube, die ökonomische Logik, die der Ausfuhr einer Ladung Giftmüll zu Schleuderpreisen in ein Niedriglohnland zugrunde liegt, ist unanfechtbar, und wir sollten uns ihr stellen."... 
 
Etwas ähnlich bürokratisches, zynisches und menschenverachtendes habe ich in den Wannsee-Protokollen gelesen, wo es um die gezielte Vernichtung der Juden ging. Umso erschreckender, dass auf der Suche nach kuriosen Meldungen im Internet die "Welt" diese Nachricht für skurril hält: "Nach über einem Vierteljahrhundert in Einsamkeit ist der letzte verbliebene Indio eines brasilianischen Stammes gestorben. Alle anderen Stammes-Angehörigen wurden vermutlich in den 1990ern ermordet. Im Amazonas werden Indios häufig Opfer, sie stehen zwischen Plünderern, Holz und Ackerland." Kurios? Skurril? Ich nenne das verbrecherisch. 
 
Als wäre nichts gewesen, plaudert die "Welt" dann über Ereignisse, die ich eher unter kurios einordnen würde. Für einen Wachmann beim "Hurrican-Rockfestival" im niedersächsischen Scheeßel endete sein Arbeitseinsatz in einem Müllcontainer. Der 23-jährige hatte sich nach der Nachtschicht in einem Zelt zum Schlafen niedergelegt. Am Morgen wurde er von einem Bagger "entsorgt". Zum Glück erlitt der Mann dabei nur leichte Verletzungen. Wenn man das nur auch von den Indios sagen könnte... 
 
Was gab es sonst noch an eher harmlosen Kuriositäten? Im Westerwald versuchte ein Autofahrer ohne Führerschein vergeblich der Polizei zu entkommen. Der 18-jährige war in eine Polizeikontrolle geraten und versuchte in Panik mit Vollgas zu flüchten. Zum Verhängnis wurde dem Fahranfänger, dass er nicht wusste, wie man vom ersten in den zweiten Gang schaltet. 
 
Und die katholische Kirche (oder in diesem Fall ein schwarzes Schaf des Klerus) schreckt vor nichts zurück. In Heinsberg hat ein Pastoralreferent versucht, Haschisch und Handys in die Jugendvollzugsanstalt zu schmuggeln. Der Seelsorger fiel auf, weil er die 13 Burger nicht geschickt genug mit Salatblättern getarnt hatte. Weil Kardinal Wölki weit entfernt war und nichts vertuschen konnte, wurde der Sünder sofort aus den kirchlichen Diensten entfernt. 
 
Bei Hildegard Knef ging einst eine Birke auf Wanderschaft. Was nicht gut für sie ausging: Sie endete als Kommode und sehnte sich nach dem Birkenhain, der ihr zuvor zu langweilig geworden war. Ob die Palme 
in Saarlouis entführt wurde oder freiwillig unterwegs war, ist nicht überliefert. Jedenfalls stoppte die Polizei einen Pkw, aus dessen Schiebedach die Palme fast zehn Meter hoch hinausragte. Wer war wohl der Fahrer des Autos? Das könnte die Antwort auf eine lang gestellte Frage sein: Wer hat die Kokosnuss geklaut? 
 
Glückauf 
kdk 

 

PS. Ich weiß, der erste und der zweite Teil dieser Folge harmonieren nicht unbedingt miteinander. Aber auch Beiträge mit ernstem Hintergrund sollen schließlich mit einem Lächeln enden - deshalb heißt es ja "Schmunzelpost".  

 

 

Schmunzelpost 517 vom 18. 9. 22 


Zum Glück kennt keiner von uns Jahr, Tag und Stunde seines Ablebens. Ein einziges Mal in der Weltgeschichte war das anders: Am 18. September im Jahre 96 nach Christus. 
 
In der Antike war es vielen Herrschern nicht vergönnt, eines natürlichen Todes zu sterben. Weit mehr als durch feindliche Krieger fielen den Anschlägen machtgieriger Rivalen zum Opfer. Kein Wunder, dass sich die Regenten durch ein Netz von Spitzeln im Vorfeld wappnen wollten. Andere nahmen die Dienste von Astrologen oder Hellsehern in Anspruch. Zu letzterer Gruppe gehörte der römische Kaiser Domitian, Nachfolger von Nero. Zwar hatte sich Domitian selbst zum Gott erklärt, hegte aber offenbar doch insgeheim Zweifel an seiner Unsterblichkeit und Allwissenheit. 
 
Um sich zu schützen, befragte der Kaiser vorsichtshalber einen Wahrsager. Und war entsetzt, als der ihm einen Tod durch Attentäter voraussagte. Und das auf den Monat, den Tag und die Stunde genau! Je näher das Datum rückte, desto nervöser wurde der Imperator. Vorsorglich ließ er erst einmal seinen Sekretär hinrichten. Der hatte 30 Jahre zuvor Nero bei dessen Selbstmord als Handlanger attestiert. Domitians Begründung für das Todesurteil: Er wolle so alle Menschen bei Hofe nachdrücklich daran erinnern, dass es ein Fehler sei, die Tötung eines Kaisers zu billigen. Egal, unter welchen Umständen. 
 
Doch das war längst noch nicht alles. In den Wochen zuvor hatte der Imperator sämtliche Wandelhallen mit glänzend polierten Steinen als Spiegelersatz verkleiden lassen. So wollte er stets im Auge behalten, was hinter ihm geschah. Zur Vorsicht versteckte er außerdem einen Dolch unter seinem Kopfkissen. Und am frühen Morgen des vorhergesagten Anschlags musste auch noch der germanische Wahrsager daran glauben. Sicher ist sicher. 
 
Nach äußerst nervenzehrenden Vormittagsstunden, atmete Domitian erst erleichtert auf, als die festgesetzte Todesstunde ereignislos verstrichen war. Zur Feier des Tages begab er sich ins Bad, nicht ahnend, dass man ihm den korrekten Zeitpunkt für sein Ableben verheimlicht hatte. Vielleicht hätte er den Wahrsager vor der Hinrichtung nochmal eingehend befragen sollen. Als der Kaiser seinen göttlichen Körper abgetrocknet hatte, lockte ihn jemand unter einem Vorwand in eine Kammer, angeblich, um ihn vor einer geplanten Revolte zu warnen. Stattdessen stach der Attentäter auf den Imperator ein. 
 
Doch der war ein zäher Bursche. Es kam zu einem Handgemenge, und Domitian stürzte in sein Schlafgemach, um sich zu bewaffnen. Aber sein versteckter Dolch war weg! Dafür waren noch weitere Attentäter zur Stelle. Gemeinsam glückte der Meuchelmord. Punktgenau zur vorhergesagten Stunde! Nostradamus wäre vor Neid erblasst. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Diese wahre Geschichte hat mich nicht ruhen lassen. Ich habe ausgiebig die Sterne studiert und so herausgefunden, wann Eure Uhr abgelaufen ist. Doch keine Angst: Ich verrate die Daten nicht, erst recht nicht an Google. Und zu Eurer Beruhigung: Ich werde in der Schmunzelpost künftig auf Killergags verzichten - totlachen werdet Ihr Euch also nicht! 
 

Schmunzelpost 516 vom 17. 9. 22

Habe ich an dieser Stelle schon mal dummes Zeug geschrieben? Krauses Zeug, ja, das geschah mit Absicht. Dies gilt auch, wenn ich in der Schmunzelpost Nonsens verbreite. Doch wenn jemand mit vollem Ernst Blödsinn erzählt und damit auch noch andere anstecken will, dann reagiere ich allergisch. 
 
So war ich diese Woche am Rande des Ausrastens, als wir abends in Wriezen eine Pizzeria besuchten und dabei unfreiwillig Ohrenzeuge der Gespräche an einem großen Ecktisch wurden. Dort feierte eine 77jährige  Geburtstag und hatte dazu ihren Bekanntenkreis eingeladen, zehn Frauen und vier Männer. Es begann ganz harmlos. Als wir aufs Essen warteten, wurde nebenan hauptsächlich über Nachbarn und Bekannte gelästert. Doch kaum kam unsere Pizza auf den Tisch, da verging mir fast der Appetit - es wurde politisch! 
 
Ausgangspunkt war die Klage einer Rentnerin, die fürchtete, durch die steigenden Strom- und Heizungskosten mit ihrem Geld nicht mehr auszukommen. Diese berechtigte Sorge nahm ein rüstiger Mittsiebziger zum Anlass, seine Sicht der Dinge ins Lokal zu posaunen. "Den Schlamassel haben uns die da oben eingebrockt, mit ihren Sanktionen gegen die Russen. Wir hätten uns raushalten sollen! Und jetzt gehen wir der Ukraine auf den Leim. Wenn ich das schon sehe, wie sich deren Präsident aufplustert und vor Ruinen filmen lässt. Dabei müsst ihr nur genau hinschauen. Direkt daneben sind die Häuser völlig unbeschädigt, da setzt uns das Fernsehen doch schon wieder Lügen vor!" 
 
Beifälliges Nicken in der Runde. Und ein weiterer Gast tutet ins gleiche Horn: "Jetzt schieben sie der Ukraine die Milliarden hinten und vorne rein. Dabei sind die Klitschkos doch selbst Multimillionäre. Sollen die doch von ihrer Kohle Panzer kaufen. Aber nein, wir ham' s ja. Und die kleinen Leute müssen dafür frieren." Zustimmendes Gemurmel von allen Seiten, kein einziges Widerwort. Ich war knapp davor aufzustehen und ein paar Takte zu sagen. Doch weil ich mir ausmalen konnte, dass ausgerechnet ein Besserwessi keine Chancen hätte, die Leute zum Nachdenken zu kriegen, sondern eher die Vorurteile noch beflügeln würde, hielt ich die Klappe. Ausnahmsweise habe ich mir nach dem Wein zum Essen dann einen Schnaps gegönnt, um den Rest der Debatte aushalten zu können. Glücklicherweise ging es dann wieder darum, wie ein Neubürger aus Berlin seinen Garten verkommen lässt: "Das ist doch alles asoziales Pack, diese Zugereisten." 
 
Auf dem Heimweg beschloss ich, als Ausgleich nach verworrenen Sprüchen prominenter Politiker zu suchen. Denn nicht nur einfache Leute, auch unsere sogenannte Elite ist befähigt, Unsinn zu faseln. Ihr erinnert Euch bestimmt noch an Edmund Stoiber und seine Wegbeschreibung vom Münchener Hauptbahnhof zum Flughafen. Ich habe jedoch etwas gefunden, was der Häuptling der USA vor genau 20 Jahren, am 17. September in Nashville, in ein Mikrofon gestammelt hat. Damals haben wir noch geglaubt, mit George Dabbelju Bush wäre der Tiefpunkt des Niveaus für US-Präsidenten erreicht. 2017 wurden wir eines Besseren belehrt. 
 
Bush scheiterte häufig daran, in freier Rede seine Gedanken in eine verständliche Sprache zu fassen. So belehrte er in Nashville sein staunendes Publikum: "Es gibt ein altes Sprichwort in Tennessee - ich weiß, das gibt es in Texas, wahrscheinlich aber auch in Tennessee - das besagt: 'Täuscht Du mich einmal, schäm... - äh, schäme Dich. Täuscht Du mich - Du ... äh ... wirst Du nicht nochmal betrogen werden." 
 
Richtig heißt es übrigens: Täuscht Du mich einmal, schäm Dich. Tust Du's zweimal, muss ich mich schämen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. In den letzten Tagen konnte ich meine Sammlung origineller Kneipen-Namen noch erweitern. Heute fuhren wir in Groß-Neuendorf am "Goldenen Klapprad" vorbei. Und in Neulietzegöricke buhlte "Zum feuchten Willi" um unseren Besuch. Im Cafe "Blaue Zwiebel" in Freienwalde haben wir gerne Rast gemacht. Die Dorfstube "Würzig oder süß" in Podelzig wurde von uns ignoriert, und auch das Lokal "So oder so" in Letschin haben wir links liegen lassen. Im gleichen Ort konnte ich stattdessen aber als Tintenhuhn einer Einkehr nicht widerstehen. Der Laden heißt "Hahn im Glück". 

 

 Schmunzelpost 515 vom 16. 9. 22


Mitten in einem Wäldchen fiel uns heute ein Findling ins Auge. Er dient als Grabstein für "Pipifax", der nach der Inschrift von 1917 bis 1924 gelebt hat. Pipifax? Den kannten wir vorher nur als Synonym für Blödsinn oder Kleinkram. Aber Pipifax gab es wirklich. Er diente im 1. Weltkrieg im 6. brandenburgischen Kavallerieregiment und brachte seinen Reiter, den Baron und Gutsbesitzer aus Haselberg, unverletzt durch alle Einsätze. Zum Dank richtete der Baron im Oderbruch seinem treuen Pferd ein Begräbnis im Tempelberg-Wald neben dem Schlosspark aus. So etwas erfahrt Ihr nirgendwo anders als in der investigativen Schmunzelpost! 
 
Nun aber zur Chronologie der Aktionstage. Am 16. September ist für Euch der Zug noch nicht abgefahren, wenn Ihr euch beim "bundesweiten Tag der Schiene" engagiert. Ihr Anliegen ist den Initiatoren so wichtig, dass sie am 17. September gleich noch einen zweiten bundesweiten Tag der Schiene angehängt haben. Außerdem ist der 17. 9. auch der Internationale Parking Day. 
 
Und das ist keineswegs ein Aktionstag der Autolobby zur Schaffung von mehr Parkraum. Im Gegenteil. Die Erfinder treten für autofreie Städte ein und verwandelten 2005 in San Francisco mit Rollrasen, Bäumen und Bänken einen Parkplatz in eine öffentliche Ruhezone. Die Idee, dass der Parkraum eigentlich allen Stadtbewohnern gehört, fand weltweit Anklang. 2018 beteiligten sich bereits 160 Städte rund um den Globus. 
 
Der 17. September ist neben dem bundesweiten Tag der Schiene auch der Weltaufräumtag. Falls die Erfinder noch Kapazitäten frei haben: In unserem Keller gäbe es viel zu tun! Ich kann mich leider nicht selbst darum kümmern, weil ich mit Vorbereitungen für den 18. September beschäftigt bin. Das ist der Internationale-Iss-einen-Apfel-Tag. Bekanntlich heißt es "An Apple a day keeps the doktor away". Folglich verzehre ich täglich eine gesunde Baumfrucht. Nun bin ich damit ausgelastet, im Oderbruch eine Lastwagen-Flotte für den Apfeltransport zu organisieren. An Straßenbäumen reifen hier Millionen von Früchten, die nicht geerntet werden, auf den Boden fallen und vergammeln. Jammerschade! 
 
Wenn sie wenigsten wie Pipifax anständig beigesetzt würden. Denn der 18. ist wie der 19. September der bundesweite Tag des Friedhofs - unter zwei Tagen tun es die Deutschen offenbar nicht. Wahrscheinlich ist das in diesem Fall auch nötig, um all die verblichenen Erwartungen vom Tag der Schiene zu Grabe zu tragen. Denn der Ausbau des Schienennetzes und der Umstieg vom Auto auf die Bahn wird schon lange gefordert. Stattdessen schrecken hohe Preise, volle Waggons und verspätete Züge potenzielle Fahrgäste ebenso ab, wie schlechte Verbindungen und fehlende Bahnhöfe auf dem Land. 
 
Um das Problem zu lösen, brauchte man einen modernen Alexander, der den gordischen Nahverkehrsknoten mit einem Schwertstreich durchtrennt. Dafür wäre der Weltknotentag am 18. September das ideale Datum. Die US-Amerikaner zelebrieren dann übrigens sowohl den Tag der ersten Liebe wie den Tag des Respekts. Spätestens seit Donald Trump wissen wir: Die Achtung politisch Andersdenkender ist für viele Amis Käse. Folgerichtig feiern sie am 18. September auch den Tag des Cheeseburgers. 
 
Am 19. September habe ich richtig Freude. Da stehen zwei wirklich kuriose Aktionstage im Kalender. Zum einen wird der Internationale "Sprich-wie-ein-Pirat-Tag" begangen. Was für unsereins eine intellektuelle Herausforderung darstellt. Wie spricht denn so ein Pirat? "13 Mann auf des toten Mannes Kiste?" "Bring mir Rum oder ich fall um!" Oder "Reich mir mal das Schädlings-Spray. Der Holzwurm in meinem Bein juckt unerträglich!" 
 
Noch spannender wird die Frage nach dem Vokabular beim zweiten Aktionstags-Motto am 19. September. Das lautet nämlich "Miaue wie ein Pirat!" Nun ist mir völlig neu, dass die Schrecken der Weltmeere geschnurrt, gefaucht und miaut haben. Zwar hatten viele Freibeuterschiffe Katzen an Bord, weil die als Glücksbringer galten und an Bord Mäuse und Ratten vertilgten. Doch das Kater Carlo ein Kumpel von Klaus Störtebeker war, ist mir bisher verborgen geblieben. Aber wenn Ihr am 19. September einer Katze mit Augenklappe begegnet, wisst Ihr jetzt Bescheid! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 514 vom 15. 9. 22

Erstmals in diesem Urlaub sind die Räder im Stall geblieben. Stattdessen unternahmen wir mit der Bahn einen Ausflug nach Berlin. Was für die Kuchenliebhaberin in unserer zweiköpfigen Reisegruppe mit einer herben Enttäuschung endete: Mit dem berühmten Operncafe ist einmal mehr ein Paradies für Fans erstklassigen Konditorhandwerks von der Landkarte verschwunden. Bei der Suche nach Alternativen entdeckte ich die Weinmeisterstraße. Und dieser Name machte mir klar, dass ich noch gar nicht auf eine reizvolle Veranstaltung für alle Weinfreunde hingewiesen habe. 
 
Am 1. Oktober, einem Samstag, beginnt in der Recklinghäuser Buchhandlung "Kapitel zwei" um 18 Uhr eine literarische Weinprobe. Die Französin Sarah Landis wird an diesem Abend einige edle Tropfen präsentieren, die heiteren Texte zwischendurch bringen zwei Buch- und Weinfreunde zu Gehör, die Ihr vielleicht kennt: Die beiden Tintenhühner Beate Robert und Klaus-D. Krause. Ich würde mich sehr freuen, mit einigen von Euch anstoßen zu können. 
 
Die Buchhandlung findet Ihr mitten in der Fußgängerzone von Recklinghausen und zwar in der Heilige-Geist-Straße 3. Um sich einen Platz bei der "Weinlese" zu sichern, empfiehlt sich eine rasche Anmeldung unter [email protected]
 
Weintrinker sind zumeist Genießer. Sich mit hartem Stoff volllaufen zu lassen oder gar "Komasaufen", das überlassen wir den Ballermännern und -frauen. Trotzdem ist es gut, sich mit Trinksitten vertraut zu machen, wenn man ab und zu im Ausland unterwegs ist. Freunde der Rebenfrucht fühlen sich vor allem in Frankreich, Italien und Portugal wohl. Dort ist Wein ein Lebensmittel. Essen ist nur dann ein Genuss, wenn dazu auch Wein getrunken wird. Andersherum wissen Betrunkene sowohl die Speisen wie die Getränke nicht richtig zu schätzen. Auf die Dosis kommt es an - Wein ist im Süden kein Rauschmittel, Alkohol wird in der Regel in Maßen genossen. 
 
Das ist in anderen Gegenden Europas ganz anders. In Polen und Russland ist es fast ein Ritual, dass der Gastgeber alle am Tisch mit Wodka versorgt. Getrunken wird stets nach einem vorausgegangenen Trinkspruch. Aber davon gibt es jede Menge. Und wer sich darauf einlässt, sollte sich selbst vorher ein paar geeignete Sätze überlegen. Gerade nach dem Abschluss von Geschäften gibt es kaum ein Entrinnen. Lediglich medizinische oder religiöse Gründe werden als Ablehnung akzeptiert. 
 
Gewiefte Geschäftsleute nehmen daher auf Reisen in beide Länder (was Russland betrifft: Sobald sich das Verhältnis irgendwann wieder normalisiert hat), die erprobteste Schnapsnase aus ihrem Betrieb mit. Denn die Profis unter den Einheimischen halten sich mit Nippen nicht auf - ex und hopp ist die Devise. Wer da nicht mithalten kann, gilt als schwächlich. 
 
Umgekehrte Verhältnisse bei der Trinkfestigkeit finden Europäer in Asien vor. Chinesen und Japanern fehlt ein Enzym, dass die Wirkung des Alkohols bremst. Trotzdem trinken sie gern. Und viel! Leider vertragen sie jedoch nur wenig. Und da es für Asiaten das Schlimmste ist, das Gesicht zu verlieren, heißt es, sehr vorsichtig zu sein. Wenn die Gäste volltrunken nach Hause torkeln, hat auch der Gastgeber sein Gesicht verloren. 
 
Noch ein Hinweis für Japanreisende: Dort dürfen keine leeren Gläser auf dem Tisch stehen. Der Gastgeber schenkt dann sofort nach. Es hilft, nicht ganz auszutrinken, sondern stets einen Rest im Glas zu lassen. Und auf keinen Fall selbst nachschenken! Das zeugt von mieser Kinderstube. In China funktioniert die Sache mit dem halbvollen Glas übrigens nicht. Dort sagt man "Gan Bei". Und das bedeutet nicht etwa Prost, sondern "leeres Glas". Oder auf deutsch: "Hau weg, das Zeug - und zwar alles!" Da hat man es als Gast in Bolivien leichter. Dort schüttet man einen Teil des Drinks auf den Boden und sagt dazu: "Pachamama." Das heißt, man gönnt Mutter Erde auch etwas Gutes. 
 
Zum Schluss noch ein Abstecher nach Australien. Dort gehören Besuche im Pub zum Alltagsleben. Um sich als Gast gut einzuführen, ist es ratsam, eine Lokalrunde zu geben. Dazu ruft man "it's my shout" ins Lokal. Das bedeutet nicht: "Es ist mein Schrei!", sondern in etwa "Freibier für alle auf meinen Deckel". Nebenbei: Auf dem fünften Kontinent ist die Emanzipation in Pubs noch nicht überall angekommen. Bis vor kurzem waren Frauen dort gar nicht gern gesehen. In ländlichen Gegenden ist das heute noch so. Da kann es vorkommen, dass die Pub-Besucherin nicht als "Lady", sondern als "Girlie" betrachtet wird. Vornehm ausgedrückt: Als leichtes Mädchen auf Kontaktsuche. 
 
Gut, dass wir Weintrinker uns schon längst von dummen Klischees und Rollendenken verabschiedet haben. Bei uns sagen Frauen wie Männer: A votre sante. (Die Akzents müsst Ihr Euch dazudenken) 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wie heißt es unter Trinkern so schön? Auf einem Bein kann man nicht stehen. Wenn ich schon auf französisch "Zum Wohl" gesagt habe, dann will ich Euch für Eure nächste Weltreise noch ein wenig schulen. In Armenien sagt man "Genatsoot", auf Grönland "Kasugta", in Indien "Mubarik", in Thailand "Chokdee", auf Suaheli "Kwa Siha Yako" und in Ungarn "Egeszsegere". Auch ohne Vorkenntnisse ahnte ich, was der Finne meint, wenn er "Kippis" sagt. Doch mein Favorit ist der Schweizer: "Pröschtli!" 
 

Schmunzelpost 513 vom 14. 9. 22

Was soll man davon halten? Die Volkshochschule war so freundlich, per Mail Empfehlungen zu geben. Seminare, Vorträge, Kurse und Veranstaltungen, "die Sie besonders interessieren könnten". Quasi auf den Empfänger zugeschnitten. Und was lese ich als Erstes? "Was tun bei Demenz?" Frechheit! Man könnte sich glatt aufregen, wenn man das Angebot nicht ganz schnell vergessen hätte...
 
Da erteile ich doch lieber selbst Lebenshilfe. Am besten mit einem praktischen Ratschlag, den Ihr unbedingt beherzigen solltet. Hütet Euch unbedingt davor, Euch bei Regen nackt unter einen Machinelbaum zu stellen! Dann könnte nämlich Eure Haut Blasen werfen. Keine Ursache, von Dankesbekundungen bitte ich abzusehen.
 
Wie? Euer Dankeschön war ironisch gemeint? Die Geschichte ist konstruiert und lebensfremd? Und Ihr wisst nicht einmal, was ein Machinelbaum ist? Ich gebe zu: Das wusste ich vorher auch nicht. Doch genau dazu ist die Schmunzelpost ja da! Nach dem Lesen könnt Ihr sagen: Schon wieder was dazu gelernt! Und diese Informationen können sehr wertvoll sein. Denn der Machinelbaum gehört zu den gefährlichsten Bäumen unseres Planeten.
 
Nun tun fast alle Bäume so, als wären sie völlig harmlos. Dabei haben sie es faustdick hinter der Borke. Man geht gut gelaunt eine Allee entlang und just in dem Moment, in dem die Erfolgsaussichten am größten sind, trennt sich ein heimtückischer Baum von einem Stück Totholz in Form  eines Astes. Bei einem Volltreffer ist dann nicht nur das Holz mausetot. 
 
Andere Bäume locken Dich mit falschen Versprechungen an, damit Du unter ihnen Schutz vor Regen suchst. Wie heißt es bei Gewitter? Vor Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen? Papperlapapp! Bei einem Gewitter wird jeder Baum zum Risiko, je höher der Baum, desto größer die Gefahr. Denn der hölzerne Geselle leitet einen Teil der gewaltigen Blitzenergie in den nassen Boden. Und ehe Du Dich versiehst, stehst Du unter Starkstrom. Und der Baum lässt auf Deinen Leichnam noch ein paar Eicheln oder Bucheckern rieseln. Vielleicht als letzten Gruß auch einen Zweig aus Totholz.
 
Muss ich den Radfahrern unter Euch erzählen, dass Bäume auch gern ihre Wurzeln auf Waldwegen krümmen? Vorzugsweise dort, wo der eilige Radler es nicht sieht. Schon mancher Biker ist im Krankenhaus gelandet, weil ihm ein Baum ein Beinchen gestellt hat. Von den Mördergewächsen, die in Alleen Autofahrer magnetisch anziehen, wenn diese nur ganz kurz mit ihrem Handy beschäftigt sind, ganz zu schweigen.
 
Doch der gemeine Machinelbaum kann noch viel mehr. Er gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse. In all seinen Teilen sind giftige Stoffe enthalten! Die setzt er gezielt ein. Sein Name stammt von "la manzanilla", was so viel heißt wie "das Äpfelchen". Denn der Machinelbaum trägt kleine, grüne Früchte, die dazu noch wundervoll duften. Doch wer davon isst, der kann daran sterben. Oder in hundertjährigen Schlaf verfallen. Fragt nach bei Dornröschen! Übrigens solltet Ihr auch keine Blätter des Killerbaums verzehren, die sind genauso tödlich.
 
Sehr schmerzhaft ist es auch, sich bei Regen nackt oder dürftig bekleidet unter einen Machinelbaum zu stellen. Denn bei Niederschlag sondert der Baum ein Sekret ab, das als Milchsaft herabtropft und die Haut verätzt. Wer die Gefahr dadurch bannen will, dass er den Baum verbrennt, sollte schnell das Weite suchen. Denn gelangt der Rauch in die Augen, kann das zur Erblindung führen!
 
Was sagt der Schlaumeier unter Euch? Der üble Baum ist in Europa gar nicht heimisch? Das stimmt! Allerdings haben wir bereits manche Überraschungen erlebt, wenn exotische Fauna oder Flora bei uns eingeschleppt wurde und sich dann rasend schnell verbreitet hat. Außerdem gilt: Wenn der Baum nicht zum Menschen kommt, dann kommt der Mensch zum Baum. Machinelbäume sind sowohl in Süd- und Mittelamerika verbreitet, wie auch in der Karibik und in Florida. Zudem wachsen sie bevorzugt in Küsten- und Strandnähe. Dort, wo sich gerne die Touristen tummeln.
 
Wenigstens müssen sie heute nicht mehr fürchten, dass die Einheimischen Jagd auf sie machen. Die Menschen der Karibik haben nämlich früher das toxische Machinel-Sekret als Pfeilgift genutzt. Und Leute, die sie nicht mochten, haben sie an die Baumstämme gebunden, um ihnen einen qualvollen, langsamen Tod zu bereiten. 
 
Da die Touristen nun nicht mehr umgebracht, sondern gemolken werden, bleibt die Gefahr, dem Baum aus freien Stücken ins Netz zu gehen. Wieso Ihr Euch ausgerechnet nackt unterstellen wollt? Diese Frage klären wir ein andermal.
 
Glückauf
kdk 

 Schmunzelpost 512 vom 13. 9. 22


Man schrieb den 13. September 1988. Vor genau 44 Jahren wurde wahrscheinlich eine wichtige Wahl entschieden. Wir in Europa haben davon wenig mitbekommen, aber in Amerika erinnert man sich noch gut an diesen Tag. 
 
Was ist ausschlaggebend für einen Wahlsieg? Inhalte? Wohl eher nicht. Meist hängt es davon ab, wie glaubwürdig und sympathisch die Kandidaten wahrgenommen werden. So war Gerhard Schröder, ja, genau, unser Gazprom-Gerd, hierzulande auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit, als er sich in Gummistiefeln als Nothelfer und Macher bei einer Flutkatastrophe präsentieren konnte. Das Gegenbeispiel, wie eine einzige Momentaufnahme alle Wahlchancen vermasseln kann, ist uns noch gut in Erinnerung: Der fröhlich lachende Armin im Katastrophengebiet an der Ahr. 
 
Wie mächtig die Sprache des Bildes ist, zeigte sich erstmals in den USA, wo das Fernsehen schon früh fast alle Haushalte erreichte. Anfang der 60er Jahre wollte Richard Nixon unbedingt Präsident werden. Da seine Republikaner dominierten, galt sein Wahlerfolg als ausgemachte Sache. Die Demokraten setzten alles auf eine Karte: Den jungen, dynamischen John F. Kennedy. Und dann kam es zur Fernsehdebatte. Dabei wirkte Kennedy selbstbewusst und stark, Nixon hingegen blass und schwach. Bei den anschließenden Umfragen war der demokratische Senator der haushohe Sieger in der Zuschauergunst. Interessant: Bei den Radiohörern schnitt Nixon besser ab! Die Wahlen gewann schließlich Kennedy, wenn auch mit hauchdünnem Vorsprung. 
 
Später ruinierten sich potenzielle Kandidaten ihre Karriere, weil ihr Image durch verheerende Auftritte enormen Schaden erlitt. So musste der spätere Vizepräsident Dave Qualey seine Ambitionen auf das höchste Amt begraben, als er sich in einer TV-Sendung vom Moderator belehren lassen musste, wie man "Kartoffel" richtig schreibt. Und Sarah Palin, das schwarze Loch aus Alaska, blamierte sich, als sie nicht sagen konnte, mit der Lektüre welcher Zeitschriften und Zeitungen sie ihr Wissen auf den neuesten Stand brachte - wer lesen kann, ist meistens besser dran! 
 
Nun aber zum 13. September 1988. Da hatten die Imageberater des demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten Michael Dukakis eine geniale Idee. Dukakis wirkte in fast allen Bereichen eloquenter, gewandter und gewiefter als sein republikanischer Gegenspieler George W. Bush. Nur bei Fragen der Landesverteidigung wirkte der Demokrat beim Wahlvolk als zu weich. Also ließ Dukakis sich überreden, in einem Panzer durch Michigan zu fahren und dabei mit dem Oberkörper aus der Luke zu ragen. 
 
Leider trug er einen High-Tech-Helm, der ihm viel zu groß war, sein Gesicht schrumpfen ließ und bei Beobachtern die Erinnerung an Snoopy weckte. Dazu feixte er und zeigte den Fotografen seinen gehobenen Daumen. Die Bilder hatten eine fatale Wirkung. Dukakis wollte wie ein militärischer Hardliner aussehen, wirkte jedoch eher wie ein Dorfdepp in Uniform. Hinterher sagte einer seiner Helfer über die Wahl des Helms: "Er wollte über den Funk hören, was die anderen im Panzer sagten. Schön und gut. Aber er sah aus wie ein Idiot." 
 
Idioten schätzten die amerikanischen Wähler damals nicht. Das sollte sich erst später ändern. Dukakis erlitt jedoch eine vernichtende Niederlage, Bush gewann die Wahl haushoch. Der Unterlegene versuchte es später seinem Kontrahenten mit einer vermeintlich witzigen Antwort heimzuzahlen, die auf einen Lapsus des Präsidenten anspielte: "Wenn mich heute jemand fragt: 'Na, sind Sie wieder mit dem Panzer da?', dann sage ich: 'Nein, aber zumindest habe ich mich nie über dem japanischen Premierminister erbrochen.'" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bei unseren Tagestouren durch Brandenburg konnte ich jetzt meine Sammlung kurioser Ortsnamen beträchtlich erweitern. So fuhren wir durch ein Dorf mit dem selbstbewussten Namen "Gottesgabe". Ein anderes Dorf heißt "Papierfabrik". Ich hoffe sehr, dass dies historische Ursachen hat und die Einwohner nicht jeden Abend zusammen gefaltet werden. Schließlich kamen wir in Freienwalde noch an einem Lokal vorbei, wo ich schmerzlich daran erinnert wurde, dass meine Plautze einen Rekord-Umfang erreicht hat. Die Kneipe heißt "Zum dicken Hoppel".  
 

Schmunzelpost 511 vom 12. 9. 22 


Der heutige Aktionstag, den ich für Euch unter drei amerikanischen Vorschlägen für den 12. September ausgewählt habe, stellt mich vor echte Probleme. Es ist der "Tausche-mit-Deinem-Chef-Tag". Nun frage ich Euch: Wer ist der Boss von uns Rentnern? Etwa die kürzlich verstorbene Trude Unruh, die Gründerin der Grauen Panter? Oder Dagobert Knickerig, der Chef der Rentenkasse? Wohl kaum. 
 
Eher schon kommen die üblichen Verdächtigen ins Spiel. Das schwache Geschlecht unter den Schmunzelpost-Empfängerinnen, also die Kerle, haben bestimmt bereits einen Verdacht. Heißt es etwa nicht: Der Mann denkt und die Frau lenkt? In den meisten mir bekannten häuslichen Gemeinschaften haben die Frauen das Sagen. Oder zumindest das letzte Wort. 
 
Bei mir zuhause ist das zum Glück anders. Bei uns regiert nämlich nicht die Frau, sondern der Kater. Das erkennt man daran, dass wir aufspringen, wenn er maunzend vor der Terrassentür sitzt und nach draußen will. Oder daran, dass wir aufspringen, wenn er maunzend vor der Terrassentür sitzt und wieder herein will. Auch für die Säuberung seiner Toilette betrachtet er uns als Dienstpersonal, ebenso bei seinen regelmäßigen Mahlzeiten. Aber möchte ich wirklich mit ihm tauschen? Dass der Kater mal das Klo putzt, würde ich ja noch begrüßen. Aber dass ich dann morgens, mittags und abends Katzenfutter verzehren müsste, lehne ich entschieden ab. 
 
Kommen wir lieber zum 13. September. Das ist der Internationale Tag der Schokolade. Den dürft Ihr feiern, indem Ihr morgens, mittags und abends Schokolade esst. Das ist erheblich appetitlicher als der Genuss von Katzenfutter, macht aber auf Dauer nur Euren Zahnarzt glücklich. Was sich im Land der Übergewichtigen noch nicht herumgesprochen hat. Die Amis feiern zusätzlich noch den Tag der Erdnuss. Dass sie von der dauernden Fresserei ganz gaga werden, erkennt man auch an zwei weiteren US-Aktionstagen am 13. 9. Da stehen sich der "Tag des Glückskeks", an dem man auch die unsinnigsten Vorhersagen gern glaubt, wenn sie einem das Blaue vom Himmel versprechen, unversöhnlich dem "Wider-den-Aberglauben-Tag" gegenüber. 
 
Und was treiben die Amerikaner am 14. September? Richtig! Sie essen und essen und essen. Diesmal gilt es sowohl den "Tag des Berliners" (gemeint ist das Gebäck) wie den "Tag des belegten Baguettes" zu zelebrieren. Wer das ablehnt, kann am 14. 9. aber auch etwas Seriöses tun. Wir schreiben auch den "Internationalen-Sprich-über-Krebs-Tag". Damit sollen die Menschen ermuntert werden, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen oder bei Verdachtsfällen sofort zum Arzt zu gehen. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto größer sind bekanntlich die Heilungschancen. 
 
Am 15. September haben die Amerikaner dazu wahrscheinlich keine Zeit. Denn der Kalender liefert ihnen dann sogar drei Anlässe zur Völlerei: Den "Tag der Linguini", den "Tag des Käsetoasts" und den "Tag des Doppel-Cheeseburgers". Wer das alles geschafft hat, der schiebt womöglich sogar noch eine Kopfbedeckung hinterher. In den USA ist der 15. 9. auch der "Tag des Filzhutes". Ich aber wende mich mit Grausen ab. Punktum! Denn weil der 15. September auch der "Internationale Tag des Punktes" ist, setze  ich jetzt für heute den SCHLUSSPUNKT. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 510 vom 11. 9. 22


Einmal mehr diente am Freitag die Süddeutsche Zeitung als Quelle der Inspiration für einen Trüffelschnüffler des schrägen Humors. Gleich zwei Fundstücke will ich in Auszügen wiedergeben und kommentieren. 
 
Obwohl als Münchner selbst den Bajuwaren zugehörig, zeichnet die SZ-Redaktion aus, dass sie keinerlei Hemmungen hat, alle Alpenvorländler voller Selbstironie durch den Kakao zu ziehen. Diesmal wurden dazu zwei sehr prominente, aber auch sehr verschiedene Persönlichkeiten als Zeugen herangezogen: Der griechische Dichter Hesiod und Lion Feuchtwanger. 
 
Der alte Grieche habe bereits vor 2700 Jahren von einem "goldenen Geschlecht" geschwärmt, das einst ohne Betrübnis lebte wie im Schlaraffenland: "Mühen, Leid, Gasknappheit oder Winnetou sind diesen Menschen unbekannt, was sie brauchen, liefert die 'nahrungsspendende Erde', dann und wann feiern sie ins Dionysische schwappenden Gelage." (Da kam mir sofort das Oktoberfest in den Sinn). Überhaupt seien die Bewohner dieses Paradieses in Fülle gesegnet. "Und diese Fülle, so darf man hinzufügen, ist ihnen auch anzusehen." 
 
Ähnlich urteilte der Schriftsteller Feuchtwanger über diese Lieblinge der Götter: "Sie lieben ihren Boden, sind zäh und kräftig, scharf im Schauen, schwach im Urteil." Im Übrigen, so Feuchtwanger, wollen sie "in Ruhe gelassen sein". Niemand soll sie stören in ihrer Glückseligkeit. Vor allem nicht "die Schlawiner, die Saupreußen, die Affen, die geseichten." 
 
Die SZ hat keinerlei Zweifel, von wem die beiden schwärmen: "Selbst den bildungsfernen Bewohnern des Ödlands zwischen Main und Nordpol dürfte klar sein, wen die Dichter meinen: Die Bayern natürlich, wen sonst? Dass es außerhalb Bayerns kein richtiges Leben gibt, steht in der bayerischen Verfassung und wird sogar von der Ampel nicht angezweifelt, außer vielleicht von Scholz, Habeck und Lindner und wie die alle heißen." 
 
Das goldene Geschlecht, "dessen chemiereiche Äcker und gletscherfreie Berge eine Gabe der grundgütigen CSU sind", habe nach einem mehrjährigen Stimmungstief beim jedes Jahr erhobenen "Heimatindex" wieder Bestnoten vergeben. Selbst die Süddeutsche Zeitung aber rätselt, was die Bayern so viel glücklicher macht als andere Deutsche. "Die Regierung kann es ja nicht sein, auch wenn Markus Söder das glaubt." Gute Laune verbreite allenfalls Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, "der in Bayern das ist, was der Hans Wurst im Theater verkörpert." Aber dieser Mann zeige eben auch, dass es in Bayern jeder, wirklich jeder, zu etwas bringen könne. 
 
Fazit der SZ: "Das weiß der bayerische Mensch und vielleicht ist er deshalb glücklich. Kann aber auch sein, dass er einfach nur schwach im Urteil ist." 
 
Treffend im Urteil ist meiner Ansicht nach jedoch SZ-Redakteurin Violetta Simon. Wir haben uns ja notgedrungen an einiges gewöhnt: Weiße Socken in Sandalen, Jogginghosen und Sportsachen als Ausgeh-Uniform für den Stadtbummel und Sicherheitsnadeln im Nasenflügel und im Kleinhirn. So wurde es höchste Zeit, meint jedenfalls Frau Simon, dass es eine Schlappe für die Schlappen gab. 
 
Nach ihrer Auffassung kam das Böse in die Welt, als 1963 die Adilette erfunden wurde. Die sollte zwar eigentlich lediglich Sportler auf dem Gang zwischen Umkleidekabine und Dusche begleiten, trat aber bald ihren Siegeszug an, als jemand auf die Idee kam, in diesem Aufzug auf die Straße zu gehen. Simon: "Als die USA schließlich eine Mischung aus Gummistiefeln und Hauspantoffeln nachschoben, waren die Schleusen zur Geschmackshölle geöffnet. Es folgten Kreationen, deren Form eher an druckentlastende Memoryschaum-Matratzen erinnerte als an Schuhe." 
 
Obwohl sie weder an Hammerzehen noch an Hühneraugen litten seien Rapper und andere Stars nun in Schlappen, gerne mit Fell besetzt, bei gesellschaftlichen Ereignissen erschienen. Tragen könne man dazu eigentlich nur zu viel Selbstbewusstsein. "Die Branche faselte etwas von ironischem Bruch. Aber an dem Geräusch feuchter Fußsohlen auf Polyethylen ist einfach nichts ironisch: Schlupp, schlupp, schmatz, schmatz." 
 
Nun jedoch sei den Schlappen in Frankreich ein Riegel vorgeschoben und somit hoffentlich eine Trendwende eingeleitet worden. An einer Mittelschule wurde das Tragen von Badelatschen verboten. Auch wenn die Begründung auf wackligen Beinen steht. Das College Elsa-Triolet rechtfertigte die Maßnahme damit, dass die Füße der Schüler bei Chemieversuchen nicht ausreichend geschützt seien. Und ich füge hinzu, dass im Kontakt zu sockenlosen Badelatschen-Trägern auch ein ausreichender Schutz für die Nasen der Mitmenschen fehlt! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 509 vom 10. 9. 22

Elizabeth auf allen Kanälen. Der Tod der Queen erschüttert die Welt. Zugegeben, es ist traurig, wenn eine pflichtbewusste, sympathische Frau, so zumindest das Bild, das mir die Medien vermittelt haben, am Ende ihres Weges angekommen ist. Sie hat bestimmt Respekt verdient. Doch die britische Königin hat ein langes Leben hinter sich und ein Alter erreicht, in dem ein schneller Tod, der Siechtum und quälende Krankheit erspart, auch ein Segen sein kann. Für meinen Geschmack wird gerade eine Monarchin durch überzogene Berichterstattung auf Überlebensgröße aufgepumpt. 
 
Weltweit, so dachte ich, sind solche Dynastien ohnehin auf dem Rückzug. Königshäuser und Adelsgeschlechter sind heute doch in erster Linie für die Regenbogenpresse wichtig. Ihre Herrschaftsgewalt ist in fast allen Ländern meist stark begrenzt und überwiegend auf einen Repräsentations-Part reduziert. Trotzdem gibt es immer noch absonderliche Relikte aus der Ära des Absolutismus. 
 
Wusstet Ihr, dass es in England auch gegenwärtig noch als Majestätsbeleidung gilt, wenn jemand eine Briefmarke mit dem Konterfei der Königin verkehrt herum aufklebt? Kein Witz: Das gilt als Landesverrat und ist strafbar! Vielleicht wird King Charles III. ja etwas an der überholten Regel ändern. 
 
In der Türkei wundert uns derzeit jedoch gar nichts mehr. "Sultan" Erdogan regiert nach Lust und Laune und lässt Gegner und vermeintliche Kritiker reihenweise einsperren. Wahlweise als Terrorist, wegen Landesverrat oder wegen Beleidigung des Staatsoberhauptes. Ermuntert dazu hat den Autokraten womöglich, was als Verunglimpfung von Atatürk gilt. Briefmarken mit dem Gesicht des Staatsgründers sind in der Türkei sakrosankt. Wer sie bekritzelt, kommt in den Knast. Würde bei uns doch wenigstens mit einem Bruchteil der Härte das Verschandeln von Gebäuden, Info-Tafeln oder Waggons durch Sprayer geahndet! 
 
Den Vogel in Sachen der Verfolgung von Majestätsbeleidigungen schießt aber Thailand ab. Der Staat, in dem man wegen ein paar Gramm Haschisch im Gepäck für viele Jahre im Gefängnis landen kann, kennt auch bei seinem Monarchen keinen Spaß. Hütet Euch, dort auf einen Geldschein oder eine Münze zu treten. Denn darauf ist das Bild des Königs zu finden. Und das darf nicht mit den Füßen berührt werden. Vor einiger Zeit ist außerdem ein Schweizer zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Sein Vergehen: Er hatte angeblich Porträts des Königs mit Farbe verunziert. 
 
Wenn Ihr übrigens mein Buch "Krauses Zeug" erwerbt und es dann mit Farbe beschmiert, sei Euch hiermit verziehen. Ihr könnt Euch ja ein neues kaufen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nach einer längeren Radtour an der stillen Oder, der alten Oder und der echten Oder, sind wir am Freitagnachmittag in Bad Freienwalde gelandet. Diesem Ort bringe ich jetzt höchsten Respekt entgegen. Selten sind mir in einem Städtchen mit gerade mal 13 000 Einwohnern so viele Katzen, die Majestäten des Tierreichs, begegnet. Und nahe des Rathauses stand tief in Brandenburg ein Auto mit ortseigenem Kfz-Nummernschild, das durch einen Schalke-Aufkleber geadelt war. Sowie durch die Aufschrift: "Ich bin Mitglied von Schalke 04 - wir leben das!" Darauf ein nochmaliges Glückauf! 
 

 Schmunzelpost 508 vom 9. 9. 22


"Alles so schön bunt hier! Ich kann mich gar nicht entscheiden." Diese Worte stammen von der großen Philosophin Nina Hagen und wurden zu einem Rocksong verarbeitet, als die Sängerin ihre Punkkarriere im Westen startete.  Das Zitat kam mir in den Sinn, als ich die Auswahl der Aktionstage für den heutigen 9. September betrachtete. 
 
Gehen wir nach dem Ausschlussverfahren vor. Der Internationale Sudoka-Tag ist nichts für mich. 
Statt mit Zahlen- befasse ich mich lieber mit Buchstaben-Rätseln. Ein Rätsel ist für mich auch "Kiku". Für den japanischen Chrysanthemen-Tag werden sich eher die Töchter und Söhne Nippons und die Blumenfreunde unter Euch begeistern. 
 
Bleibt noch der Internationale Tag des typografisch richtigen Apostrophs. Das wäre schon eher was. Im' ersten Moment dachte ich, es ginge darum Schreibweisen wie Brunhilde's Cafe zu verdammen. Leider daneben geraten. Der Urheber möchte lediglich ändern, dass auf den Computer-Tastaturen statt eines geraden Schrägstriches die ursprüngliche gekrümmte Form des Zeichens auftaucht. Das Original-Apostroph soll daher an eine Neun erinnern, deshalb  wurde auch der 9. 9. als Datum des Aktionstages gewählt. Ich sage jedoch nicht Neun, Neun, sondern Nein, Nein. Sollen sich andere für diesen schicksalsschweren Kampf krummlegen. 
 
Was also letztlich übrig bleibt, sind zwei amerikanische Aktionstage am 9. September. Daher grüße ich herzlich unser Tintenhuhn Christa, die gerade in den USA weilt. Liebe Christa! Lass Dich am Tag des Teddybären von einem ebensolchen ins Restaurant einladen und Dir dort von ihm ein Wiener Schnitzel ausgeben. Nicht, dass Du denkst, ich wolle Dir einen Bären aufbinden. Aber heute feiern die Amerikaner auch den Tag des Wiener Schnitzels und Du könntest so zwei Bären, pardon, Fliegen mit einer Klatsche schlagen. 
 
Bleiben wir in Amerika und kommen zum 10. September. Dann steht dort der Tag des unheimlichen Bostoner Roboter-Pferdes im Kalender. Das ist nun ein Anlass, der sofort neugierig macht. Und es gibt es wirklich, dieses merkwürdige Wesen, das von der Firma Boston Dynamic 2012 der staunenden und womöglich erschrockenen Öffentlichkeit präsentiert wurde.  Das Vieh könnte aus einem Horrorfilm entsprungen sein. Anderthalb Meter groß schaut Dich mit glühenden Augen ein etwas an, das eine Kreuzung aus Pferd, Bagger und einem großen Haufen Metallteilen sein könnte. 
 
Beim Test zeigte sich: Das Roboterpferd kann 32 Kilometer weit laufen, verfügt über GPS und ist sehr geländegängig. Dazu vermag es, bis 180 Kilo Gewicht zu transportieren. Was das Interesse des amerikanischen Militärs weckte. Zum Bedauern der Hersteller und zur klammheimlichen Freunde der Aktionstag-Begründer wurde das Projekt jedoch eingemottet. Vermutlich hat das Roboter-Pferd zwar nicht gewiehert, aber gequietscht - es war jedenfalls viel zu laut. Außerdem ist der Wartungsaufwand enorm gewesen. Und schließlich soll auch die Integration in die Truppe nicht problemfrei verlaufen sein. Das kann ich verstehen. Wenn so ein quietschendes Ungeheuer plötzlich im Schützengraben hinter Dir steht, dann springst Du vor Schrecken in die Luft und bist eine leichte Beute für die feindlichen Scharfschützen. 
 
Militär und Waffen liegen den Amerikanern ja sehr am Herzen. So verwundert es nicht, dass sie am 11. September den Patriot Day begehen. Der mörderische Anschlag auf das Twin Tower und das Pentagon hat auch Spuren in der Psyche hinterlassen. Da ist nur zu gut verständlich, dass in Amerika gerade an diesem Tag der Anlass "Keine-Nachrichten-sind-gute-Nachrichten" ebenfalls Aktionen wert ist. Wobei ich als Journalist nicht begreife, wie man keine Nachrichten in die Medien bringt. 
 
Mit guten Nachrichten wäre das etwas anderes. Wahrscheinlich wird in den USA deshalb auch am 11.9. der "Mach-Dein-Bett-Tag" gefeiert. Das freut dann vierbeinige Hausgenossen, die freudig hinein springen. Und dafür keine Schelte bekommen, sondern sogar geherzt werden. Denn der 11. 9. ist auch der "Umarme-Deinen-Hund-Tag". Wow! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Das habe ich nun davon. Immer wieder habe ich gejammert, dass die Regenwolken einen großen Bogen um Dorsten machen. Und ausgerechnet an dem Morgen, an dem wir in Urlaub fahren wollen, gießt es wie aus Eimern, als ich das Auto beladen muss. Mehr noch: Die riesige dunkle Wolke begleitete uns auf dem ganzen Weg nach Brandenburg und legte zwischendurch immer wieder Sonderschichten ein, so dass im Starkregen die Autotour zur Tauchfahrt des Grauens wurde. Nur unserem Vermieter im Oderbruch machte das Freude: "Sie schickt der Himmel. Monatelang ist hier kein Tropfen gefallen! Aber kurz bevor Sie eintrafen, öffneten sich endlich die Schleusen und jetzt soll es lange kräftig durchregnen!" 

 

 Schmunzelpost 507 vom 8. 9. 22

Wer bei der Buchvorstellung im Baumhaus dabei war, der weiß: Eigentlich müsste ich Klaus von der Lippe heißen. Gegenwärtig geht mir jedoch ein anderer Fluss nicht mehr aus dem Kopf: Die Oder! Donnerstag früh starten wir zum Fahrrad-Urlaub. Und falls es nicht mehr allzu sehr stinkt, werden wir nachsehen, ob noch ein paar Fischlein überlebt haben. 
 
Ansonsten steht es im inneren Zwiespalt "Lippe oder Oder" unentschieden. Nachdem wir im Laufe der Jahre bereits an den Ufern von Lippe, Ruhr, Rhein, Donau, Elbe, Main, Mosel, Ahr, Lahn, Saale, Havel, Nahe, Neckar und Ilm mit dem Rad unterwegs waren, gilt es jetzt im Oderbruch, als fast unberührte Landschaft gerühmt, Neuland zu entdecken. Das ist auch ein guter Anlass, sich thematisch eine Schmunzelpost-Folge zu gönnen. Oder? 
 
Wobei noch eine weitere Frage offen ist: Beschäftigen wir uns mit Oder oder oder? Der Fluss kommt noch an die Reihe, heute ist die Konjunktion dran. Dann wollen wir mal wieder etwas für Eure Bildung tun. Denn "oder" kann viele Bedeutungen haben. Es kann aussagen, dass von einer oder zwei Möglichkeiten lediglich eine zutrifft. "Oder" kann aber auch meinen, dass von mehreren Varianten mindestens eine die richtige ist. 
 
Ein "oder" kann auch zwischen denkbaren Alternativen stehen, von denen wir eine oder mehrere auswählen sollen. Und man kann das Wörtchen im Sinne von "man könnte auch sagen" einsetzen. Das versichert Euch K.D. Krause oder auch Klaus von der Lippe. 
 
Ein "oder" leistet aber noch viel mehr. Ihr könnt zum Beispiel fragen: "Wie nennt sich die Nervensäge? Klaus von der Lippe oder so?" Es kann aber auch Konsequenzen androhen: "Du hörst jetzt auf der Stelle mit dem "Oder"-Kram auf oder es rumst!" Das nehme ich aber nicht ernst, weil ich es als rhetorische Drohung empfinde: "Du kannst es am PC doch gar nicht rumsen lassen, oder?" 
 
Und schließlich drückt das "oder" noch Fragen aus, bei denen Widerworte zwar möglich sind, jedoch eigentlich die Zustimmung des Anderen erwartet wird: "Ihr habt diese Schmunzelpost doch hoffentlich bis zum Ende gelesen, oder?" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Oder hattet Ihr ganz etwas anderes erwartet? Na gut: Die Oder ist 866 Kilometer lang und damit der fünftgrößte deutsche Fluss. Sie entspringt in Tschechien und fließt auch durch Polen. Die Oder heißt deshalb auch Odra (polnisch) oder Odra (tschechisch) oder Odra (niedersorbisch) oder Wodra (obersorbisch) oder Udra (schlesisch). Alles klar, oder? 
 

Schmunzelpost  506 vom 7. 9. 22


Gestern war ein Tag, an dem sich das Lesen der Dorstener Zeitung besonders gelohnt hat. Das fing an mit der Aufmacher-Geschichte über den neuen Bericht des Club of Rome. Da stehen sehr viele kluge Sachen drin. Insbesondere "die kollektive Unfähigkeit, zwischen Fakten und Fiktionen zu unterscheiden" wird zu einem immer größeren Problem, das die Wissenschaftler sogar noch vor Klimawandel, Artensterben, Überbevölkerung und Ungleichheit einordnen. 
 
Ihren Optimismus, dies sei alles noch rechtzeitig zu korrigieren und irgendwie hinzukriegen, kann ich leider nicht teilen. Nicht nur, weil ich wohl als Unke geboren bin. Denn seit langem zweifle ich daran, dass es sich bei den Menschen in ihrer Gesamtheit um eine vernunftbegabte Spezies handelt. Gleich mehrere weitere Artikel in der gleichen Zeitungsausgabe geben meiner Skepsis zusätzliche Nahrung. 
 
Auf den Punkt bringt es der Bericht über die Weltumseglung vor 500 Jahren. Vor einem halben Jahrtausend schon haben Magellan und seine Seeleute den eindeutigen Beweis dafür erbracht, dass unser Planet wirklich eine Kugel ist. Das wurde seither in Theorie und Praxis unzählige Male bestätigt, unter anderem mit Aufnahmen von der Raumstation. 
 
Und dennoch gibt es nach wie vor eine Menge Flachschädel, äh, Flacherdler, die immer noch fest daran glauben, dass unsere Welt eine Scheibe ist! Für den Kongress der Kugelleugner, von denen es allein in Brasilien mehrere Millionen geben soll, musste wegen der riesigen Nachfrage sogar in Spanien ein größerer Veranstaltungsort gesucht werden. Wahrscheinlich bohren sich die australischen Delegierten für ihre Anreise ein Loch durch die Scheibe. 
 
Wer jetzt einwirft, dies sei doch bloß eine Minderheit, den verweise ich darauf, dass eine Mehrheit der Wähler immer öfter Populisten auf den Leim geht, die uns allesamt dem Abgrund etwas näher bringen. Aktuelles Beispiel: In Großbritannien wird gerade Boris, der Dösige, durch Liz, die noch Dösigere, abgelöst. 
 
Auch der Erfolg der trumpgläubigen Republikaner in den USA zeigt: Unwahrheiten können so dick aufgetragen und Fakten so sehr verdreht werden, dass dreiste Lügner sich auch völlig ohne kurze Beine in Führungspositionen schlängeln. Viktor Orban, Wladimir Putin und Recep Erdogan lassen herzlich grüßen! Und Senor Bolsenaro wird auch dann noch behaupten, dass es keinen Klimawandel gibt, wenn der letzte Baum des Regenwaldes umgehauen wurde. 
 
Bleiben wir kurz noch in Südamerika. Dort hatten die Chilenen die Chance, ihre alte Verfassung aus der Zeit der Pinochet-Diktatur endlich abzuschaffen. Aber wer braucht schon ein Recht auf Bildung, gleiche Rechte für Frauen und ein Recht auf menschenwürdigen Wohnraum? Die Überschrift dazu lautete: "Krachende Niederlage für neue Verfassung." 
 
Doch warum wundert mich das eigentlich in einer Welt, in der Esoterik, Astrologie und Aberglauben noch stärker blühen als im finsteren Mittelalter? Und darf ich mich selbst völlig ausnehmen? Offenbar werden wir Menschen immer noch von unseren Vorzeit-Instinkten stärker geleitet als von unserem Verstand. Wir glauben nicht an das, was wir uns logisch erklären können, sondern an das, was wir fühlen und glauben möchten. 
 
Da kommt Nosferatu ins Spiel, ein Spinnentier, das sich nach dem gestrigen Zeitungsbericht jetzt auch hierzulande ausbreitet. Und was lässt mich aus Alpträumen schweißgebadet erwachen? Der Krieg in der Ukraine, die verheerende Überschwemmung in Pakistan oder die Siege von Borussen und Bayern? Nix da! Der Gedanke an eine Monsterspinne, deren Biss nach Aussagen von Experten keine schlimmeren Folgen hat als ein Mückenstich, erschreckt mich fast zu Tode. Vielen Dank auch, große Schwestern! Ihr habt Eurem kleinen Bruder einst erklärt: "Wenn Du unartig bist, kommst Du in den Keller zu den Spinnen. Und die fressen Dich dann auf!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Es gibt noch eine Hoffnung, die Welt zu retten. Kraken sind hochintelligente Wesen mit mehreren Gehirnen. Leider leben sie nur zwei bis maximal vier Jahre. Vielleicht gelingt es ihnen aber im Bündnis mit künstlicher Intelligenz, ihre Lebenszeit deutlich zu erhöhen und die Verantwortung für den Erdball zu übernehmen. Als Meeresbewohner können sie die Bedeutung des Wassers und des Klimas bestimmt besser einschätzen als wir. Und Paul, der Krake, hat 2006 sogar im zarten Alter von drei Jahren den Fußball-Weltmeister richtig vorhergesagt! 

 

 Schmunzelpost 505 vom 6. 9. 22


Da ist er wieder, mein Nachbar, der Herr K., der sich selbst und vielleicht auch uns bei einem weiteren Selbstgespräch auf seinem Balkon ins Gewissen redet. 
 
"Hömma, Karl, heute muss ich mal ein ernstes Wörtchen mit Dich reden! Weisse wat? Diese Fissematenten, dieset Gejammer über die Energiekrise im nexten Winter mitten im Hochsomma, dat geht mich mächtig auffen Sack! 'Oh, oh, oh, da kann ich mich dat nich mehr leisten, im Sommerfummel unterm Christbaum zu sitzen! Und im Februar kriech ich entweda Frostbeulen oder Frustbeulen, weil meine Heizungsrechnung durche Decke geht!' 
 
Jau, is wat dran, die Heiz- und Stromkosten exhuminiern und auch die Lebensmittel werden imma teurer. Deshalb muss auch dringend wat getan werden, dat die, die sich nich ma ein paar Cent abknappsen können, datt se mal wieda ins Kino gehen, wenichstens genuch Kohle für ihre Mieten und ihr Essen ham. 
 
Aba dat sin doch längst nich alle. Am lautetesten plärr'n doch die, die noch genuch Zaster auffe Tasche hätten, um zehn kalte Winta über die Runden zu kommen! Und am allerlautesten die, die so viel Schotter ham, dass die auch tausend kalte Winter nich kratzen würden. Mit ihr'm großen Häupling Lindner anne Spitze: 'Pfui! Grattiss-Mentallitaet, Neid-Debatte, Leistung-mussich-lohnen!' 
 
Dat geht ja ganich, dat wir uns nich mehr unsan Flitzer leisten können, um mit 200 Sachen über die Autobahn zu brettern Und von die Absahna, die Riesengewinne aussem Sprit- und Gaspreis zieh'n, da soll'n wir schön die Finga von wech lassen. Üba-Gewinn-Steuer? Dat is ein Teufelswort, dat de heilige freie Maakt zum Einsturz bringen tut. 
 
Apropos heilig! Die Scheinheilichkeit is doch wieda auf Höhenfluch! Karl, Du alter Jesus-Fan - zumindest Heilich-Abend und bei die Beerdigungen. Die vielen, die wie Du die Bibel am Bett inne Nachtischschublade haben: Wisst Ihr eigentlich noch, watt dat is? Nächstenliebe? Steht da nich in Eure Bibel drin: Eher kommt ein Trampeltier innen Himmel als son reicher Knopp? 
 
Viele von Euch, und wir beiden, Karl, Du und ich, wir gehörn auch dazu, ham doch genuch Kohle gebunkert, damit wir in schlechte Zeiten wat auffe Tasche ham. Un getz, nach viele Jahre, wo et bei uns imma aufwärts ging, da is et so, dass wir ein bisken von unsere Wohlstand abgeben sollen, damit wir endlich von Kohle, Gas und Atomstrom wech kommen. Und da machen wir gleich ein Riesen-Bohei und erzähln wat von Volksaufstände! 
 
Hömma, Karl, denkse eigentlich nochma hin und wieda an die Leute auffe Welt, die jeden Tach kucken müssen, wo se die Kohle für ein bisken Wasser und Essen herkriegen? Dat sin Millionen, ach wat, Milliarden! Und Du sachs: Nee, dat geht ganich! Bevor ich mich einschränken tu, da solln wir uns doch lieba mit dem ollen Putin vertragen! Gif Piihz ä Schangse! Oder Peatze oda wie dat Fremdwort für Frieden is. 
 
Hömma, Karl! Glaubze wirklich, dat dat wat bringen tut? Na klar, wenn wir dem Wladimir innen Arsch kriechen, dann ham wir et mollich wahm. Falls wir getz sagen täten: 'Bitte, bitte, lieba Wladimir! Hör doch auf, inne Ukraine die Leute abzumurksen. Denk doch auch an Deine Soldaten und den Weltfrieden. Weisse wat? Als Zeichen für unsern Friedenswillen heben wir sofort schon ma alle unsere Sangtionen auf und hoffen, dass Du auch so tust, als wär nix gewesen. Und dann drehst Du den Gashahn wieda auf und wir die Peiplein Nordstriem-zwo, und wir tun alle so, als wär allet in Butta. Hat ja bei die Krim auch schon funktioniert. Und Du behältst den Donnerbass, und wir ham es muckelich in Winta!' 
 
Ja, hömma, wer so wat glaubt, der sollte an dat letzte Mal denken, als ein Demokrat einem machthungrigen Diktator geglaubt hat. (Entschuldige die komische Sprache, aber ich fühle mich gerade in den Geschichtsunterricht versetzt). Da gab's den Briten-Häuptling Chamberlain. Und der verkündete 1938 den jubelnden Inselaffen, er habe den Weltfrieden gerettet, weil er Hitler erlaubt hat, die Tschechoslowakei zu schlucken. Und 'für alle Zeiten werde Hitler getz ganz brav sein, dat hat er ja fest versprochen.' 
 
Nee, nee, so klappt dat nich. Deshalb müssen wir auch mal ein Opfer bringen. Dat is nix gegen dat, wat die Menschen inne Ukraine jeden Tach aushalten müssen. Und, ja, denen bei uns, die nix haben, oder den kleinen Firmen, die ohne Hilfe pleite gingen, denen muss unsa Staat auch helfen. Auch wennet dafür ein kleinen Teil von unser Sparbuch braucht. 
 
Siesse ein, Karl, wol? Schade, dat nur wir zwei beide dat kapiert ham. Müsste doch ma so ein Blitz-Storm über Twitta, Fatzebook und Instagramm geben, dat die Leute dat mitkriegen tun. Abba dat klappt ja nur bei Mode. Oder bei Baerbock-Sprükskens, die Du aussem Zusammenhang reißen tust. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 504 vom 5. 9. 22 


Einmal mehr bestätigt sich: Das Alter nagt und frisst! Nachdem ich im Februar links ein neues Hüftgelenk eingesetzt bekam, hoffte ich, dass die Arthrose nun ein Weilchen Ruhe gäbe und die ebenfalls marode rechte Hüfte noch ein paar Jahre halbwegs schmerzarm ihr Pflicht erfüllen würde. Diese Hoffnung verfliegt mit jedem Tag mehr. Erst randalierte das Gelenk nur nachts, wenn ich mich auf die rechte Seite drehte, jetzt macht sie mir auch schon tagsüber zu schaffen. Und die Schmerzen werden immer stärker. 
 
Ich hoffe, mein Arzt kann mir zum Wochenanfang mit einer Spritze dazu verhelfen, ab Donnerstag die 14 Tage an der Oder auf dem Fahrrad durchzuhalten. Dann gilt es, die Zähne zusammen zu beißen und die Tintenhühner-Auftritte im November notfalls auf einem Bein zu absolvieren, sozusagen als halbes (Tinten-)Hähnchen. Und womöglich heißt es danach Ende November: Ingo Kowalski, ich komme! Vom Dorstener Krankenhaus zur Kur nach Bad Rothenfelde könnte es dann vielleicht wieder eine spannende Taxifahrt geben...
 
Immerhin leide ich heute nicht unter Kopfweh, obwohl in Deutschland am 5. September der bundesweite Kopfschmerztag begangen wird. Hierzulande machen die unterschiedlichsten Formen dieses verbreiteten Leidens vielen Menschen das Leben zeitweise zur Hölle. Ich gehöre glücklicherweise nicht dazu. Obwohl: Vielleicht hat sich mein Kopfweh auch bloß verspätet. Schließlich feiert man in den USA am 5. 9. den "Verspäte-Dich!-Tag". 
 
Die vier gebündelten Aktionstage am 6. September werden ebenfalls wieder allesamt in den USA gefeiert. Dabei ist der Brauch des Eierwerfens doch auch in Deutschland verbreitet, wie der verstorbene Altbundeskanzler Helmut Kohl zu Lebzeiten bestätigen konnte. Konsequent wäre, den Aktionstag "Wirf ein Ei!" auf Ostern zu verlegen - dann stünde genügend Munition zur Verfügung. 
 
Einen US-Aktionstag vom 6. 9. empfehle ich weltweit zur Übernahme. Es ist der "Lies-ein-Buch-Tag". Unlogisch finde ich allerdings, dass in Amerika dann am 7. September der "Kauf-ein-Buch-Tag" folgt. Wäre die umgekehrte Reihenfolge nicht sinnvoller? 
 
Doch vielleicht liefert der "Salami-Day", ebenfalls am 7. September, die Lösung des Problems. Wer nämlich die berühmte Salami-Taktik anwendet und jeden Tag ein Buch kauft, hat nicht nur bald eine schöne Bibliothek beisammen, sondern auch schon für den "Lies-ein-Buch-Tag" am 6. September 2023 vorgesorgt. 
 
Als ich den Namen des australischen Aktionstages am 8. September las, da dachte ich: Jetzt wird doch das Känguru in der Pfanne verrückt! "RU OK?-Day"? Was soll denn das bedeuten? Bei der Erklärung verging mir das Schmunzeln. RU OK? ist die abgekürzte Form der Frage: "Are you okay?" Das sollten Menschen rechtzeitig gefragt werden, die suizidgefährdet sind und sich aus Einsamkeit, Liebeskummer oder wegen Depressionen das Leben nehmen wollen. 
 
Dieser Aktionstag mit ernstem Hintergrund steht am 8. 9. mit dem Internationalen Tag der Vergebung und dem Weltalphabetisierungstag in einer Reihe. Dagegen schert der "Tag des Et-Zeichens" in den USA etwas aus. Warum soll ich einen Tag des Kaufmanns-Und in der Schriftform & feiern? Ich feiere doch auch nicht den Tag des A oder den Tag des Z. Einzig bei der Buchstabenfolge kdk würde ich vielleicht eine Ausnahme machen. 
 
Immerhin ist das eine gute Gelegenheit, dem SP-Bildungsauftrag gerecht zu werden. Das Kaufmanns-Und ist eine in der Spätantike entstandene Ligatur des lateinischen et (dt. und), die sich von „e“ & „t“ ableitet. Und jetzt kommt die Überraschung: In England und Frankreich galt das &-Zeichen sogar bis ins 19. Jahrhundert als letzter Buchstabe des Alphabets! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wenn Euch nicht einfällt, wie Ihr den "Kauf-ein-Buch-Tag" zelebrieren sollt, hätte ich eine Empfehlung. Wie wär's mit "Krauses Zeug"? 
 

 Schmunzelpost 503 vom 4. 9. 22


Seit der Lesung aus "Krauses Zeug" weiß ich, dass absurdes Behördendeutsch und Listen über Wertbeutel und Wertsäcke und versackte Wertbeutel bei Zuhörern besonders gut ankommen. Daher habe ich noch mal in meiner Sammlung gekramt.
 
Hand aufs Herz: Wer von Euch weiß auf Anhieb, was bestimmte Beamte unter einer Grundstücksentwässerungsanlage verstehen? Ich gebe zu, ich bin nicht darauf gekommen, dass es sich um eine Regenrinne handelt. Und auch auf die kreative Idee, einen Komposthaufen in Grüngutsammelplatz umzutaufen, muss man erst Mal kommen.

Wo wir beim Thema Entsorgung sind: Ich wäre auch nicht darauf gekommen, dass es für die Müllabfuhr, die mich am Dienstagmorgen häufig aus dem Schlaf reißt, eine viel schönere Bezeichnung gibt: Restmüllbeseitungsbehälterentleerung. Auf noch mehr Buchstaben bringt es die Abstandseinhaltungserfassungsvorrichtung. Damit sind Querstreifen auf der Autobahn gemeint, die das Messen von Abständen erleichtern sollen.

Und was glaubt Ihr sollen wir unter "Bagatellgastronomie" verstehen? Gaststätten, die nur dreimal in der Woche ein Bier an den Trinker bringen? Oder ein Cafe, das seinen Besuchern anstelle von Kuchen nur winzige Pralinen serviert? Alles falsch. Bagatellgastronomie betreibt ein Friseur, der seinen Kunden auch einen Kaffee anbietet.

Stattdessen darf ich Euch noch den "Gelegenheitsverkehr" anbieten. Ist das die gelegentliche Nutzung des Schlafzimmers zur Zeugung von Kindern oder auch bloß zum gelegentlichen Vergnügen? Oder das Ziel von Casanovas und Casanovinnen, die jede Gelegenheit zum Sex nutzen? Mitnichten. Gemeint ist lediglich die Nutzung von Taxis und Mietwagen. 
 
Jetzt habt Ihr hoffentlich das Prinzip verstanden. Als Hausaufgabe dürft Ihr über die Bedeutung des folgenden Satzes nachdenken: "Eine bedarfsgerechte Wechsellichtzeichenanlage darf nicht von einem raumübergreifenden Großgrün dem Auge entzogen werden". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Falls Euch das hilft, könnt Ihr Euch beim Überlegen gern ein koffeinhaltiges Bohnenheißgetränk zuführen. 

 Schmunzelpost 502 vom 3. 9. 22

Im Wartezimmer 
 
Frohnatur ist ein schönes, altes Wort. Es bezeichnet meist Menschen, die sich so schnell durch nichts umwerfen lassen und stets ihre gute Laune behalten. Was sie auch gern ihrem Umfeld vermitteln. Oft ist die Zusammenkunft mit einer Frohnatur angenehm. Je nach Ort und Zeit kann das aber auch anders sein. Solch einer Frohnatur bin ich begegnet, als ich nach meiner Auffrischungsimpfung eine Ruhepause im Wartezimmer des Arztes einhalten musste.
 
Personen der Handlung: Eine männliche, mittelalte Frohnatur, ein blasser schmächtiger Jüngling, der zusammengesunken auf seinem Smartphone herumtippte, mindestens fünf Rentnerinnen, die leidend ins Leere blickten und ich, der wieder einmal bedauerte, dass wegen Corona in vielen Wartezimmern die Lesemappen abbestellt worden sind. 
 
Frohnatur: "Ist das nicht wieder ein schöner Tag! Angenehme Temperaturen, die Sonne lacht, da freut man sich doch, gleich wieder vor die Tür zu dürfen. - (Schaut nach links) Manche Stubenhocker unter uns könnten es ja gut gebrauchen, sich mal die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen." (Verpasst dem neben ihm sitzenden Jüngling einen leichten Rippenstoß). 
 
Der fällt vor Schreck fast vom Stuhl, blickt irritiert in die Runde, starrt aber sofort wieder auf sein Handy und bringt das Kunststück fertig, ohne aufzustehen mit seinem Stuhl ein halben Meter nach rechts zu hoppeln. 
 
Frohnatur: "Na ja, Sie haben recht. Eigentlich müsste es unbedingt mal wieder regnen. Das wäre sehr wichtig für den Garten. Haben Sie Gärten? Ja? Nein? (Niemand reagiert auf die Frage, nur drei der Leidenden schauen den Mann mit säuerlicher Miene an). Na, wie auch immer, die Natur könnte dringend mal wieder einen ordentlichen Landregen brauchen. - Apropos Natur. Kennen Sie den Witz über Natur? Na ja, eigentlich geht es um die Erde. Und auch darum, wie wir mit der Natur umgehen.
 
Also: Treffen sich zwei Erden. Nee, falsch, das ging anders. Ja, ich hab's: Treffen sich zwei Planeten. Genau, so ist es richtig. Treffen sich also zwei Planeten. Da sagt der Eine: 'Na, wie geht's denn so, Alter?' In Witzen können nämlich selbst Planeten sprechen, hi, hi. Also, der Eine fragt: 'Wie, geht's Dir denn so, altes Haus?' Da antwortet der Andere: 'Schlecht, ich habe Homosexuelle.' Nee, das war anders. Wie ist noch das lateinische Wort für Menschen? Homo sappens? Also, er meint, er hat Menschen. Da aber sagt der Erste, und jetzt kommt's, der Erste sagt: Machts nichts! Hatte ich auch mal! Aber (denkt angestrengt nach) ...jetzt, habe ich doch glatt die Pointe vergessen! Die war richtig gut, warten Sie, gleich fällt es mir wieder ein." 
 
Die Tür geht auf und die Sprechstundenhilfe ruft: "Der Nächste bitte!" Niemand steht auf. Die Sprechstundenhilfe öffnet die Tür etwas weiter und schaut verwundert herein: "Wer ist denn dran?" Sechs Arme fliegen hoch und zeigen auf den Mann, der immer noch nach der Pointe sucht. 
 
Sprechstundenhilfe: "Ach, schon wieder Sie, Herr Müller! Kommen Sie jetzt jeden Tag? Na, dann kommen Sie mal herein! (Grinst) Aber wenn Sie wieder den Herrn Doktor so zuquatschen, dass er nicht zu Wort kommt, dann klebe ich Ihnen ein Pflaster über den Mund." 
 
Die Frohnatur steht auf und geht ins Sprechzimmer. Die Tür klappt zu. Allgemeines Aufatmen. Da öffnet sich jedoch die Tür schon wieder und der Mann schaut herein. 
 
Frohnatur: Jetzt ist es mir wieder eingefallen. Der Planet sagt: '...das geht schnell vorbei!' Klasse, was! Ha, ha, ha, ha, ha." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 501 vom 2. 9. 22

Gestern las ich, dass erneut ein Manager eines russischen Energiekonzerns überraschend unsere Welt vorzeitig verlassen hat. Ravil Maganov, der sich seine Millionen mit harter Arbeit beim Energieriesen Lukoil verdiente, fiel im Krankenhaus aus einem Fenster im sechsten Stock. Traurig, traurig. Aber eine Folge medizinischer Umstände, wie russische Nachrichtenagenturen versichern: "Maganov erlag den Folgen einer langen Krankheit." 
 
Damit hält die Pechsträhne des Lukoil-Konzerns an. Dessen Vorstandsvorsitzender hatte sich vor kurzem wegen anhaltender gesundheitlicher Probleme zur Behandlung in die Hände von Schamanen begeben. Die ritzten seine Haut auf und flößten ihm Krötengift ein. Offenbar ist der Vorstandschef dagegen allergisch gewesen. Kurze Zeit später war er nämlich tot! 
 
Tragisch ist, dass die Unglücksserie, die unmittelbar nach Beginn der dringend erforderlichen Spezialoperation in der Ukraine einsetzte, hauptsächlich Oligarchen aus der Energiebranche und damit verbandelten Unternehmen betrifft. Dabei hätten die Verblichenen über die Mittel für ein langes, sorgenfreies Leben verfügt. 
 
Doch am 4. Juni 2022 erwischte es Juri Voronov. Der Chef eines Transport-Unternehmens, das gute Geschäft in Sachen Arktis mit Gazprom machte, wurde tot in seinem Swimmingpool aufgefunden. Aber er war nicht ertrunken, sondern an den Folgen eines Kopfschusses gestorben. Wie es aus Russland heißt, sei er Opfer eines Streits mit Geschäftspartnern geworden. Ich hoffe, Tönnies und Schröder haben ein gutes Alibi. 
 
Unter rätselhaften Umständen kamen in den letzten Monaten bereits elf Oligarchen ums Leben. Zumeist lautete die amtliche Todesursache: Suizid. Einer aus der Branche, vermutlich abergläubisch, weil er sich aus Russland abgesetzt hat, wagt es aber, daran zu zweifeln: "Einer? Ja, gut möglich. Auch noch zwei. Aber dass insgesamt elf sich mit Revolver oder der Axt das Leben genommen haben, erscheint mir doch merkwürdig." 
 
Ich muss sagen, die Sache mit der Axt macht auch mich ein wenig stutzig. Aber Putin hat schon mit der Ukraine genug zu tun. Und wir wollen doch nicht glauben, dass ein lupenreiner Demokrat zu so etwas fähig wäre. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wo wir uns gerade mit Schicksalsschlägen beschäftigen: Am 2. September jährt sich zum 62. Mal das Unglück, das in Rom einen Leichtathleten aus dem Surinam ereilt hat. Siegfried Esajas, der als erster Sportler das aus der niederländischen Kolonialherrschaft entlassene südamerikanische Land bei olympischen Spielen in Rom vertreten sollte, fehlte beim Start zum 800-m-Lauf. Den gewann dann der Neuseeländer Peter Snell.
 
Esajas war erst am Nachmittag zum Start des Qualifikationsrennens angetreten, das bereits am Vormittag stattgefunden hatte. Es hieß, er habe den Lauf schlicht verpennt. Schmach und Schande hafteten ihm jahrzehntelang an, bis er zwei Wochen vor seinem Tod 2005 endlich rehabilitiert wurde. Da kam heraus, dass der Generalsekretär des Surinamischen Komitees Esaja die falsche Startzeit mitgeteilt hatte. Aber nicht nur die Geistlichen in der Katholischen Kirche, auch Sportfunktionäre halten zusammen, um eigene Fehler zu vertuschen! 
 
PPS. SP-Leser Bertold bemängelt, dass zum Tag des Zebrastreifens kein Wort über Zebras verloren wurde. Recht hat er! Was wäre ein Zebra ohne Streifen? Ein schwarzes Pony? Und während es den vierbeinigen Zebras in Afrika und in unseren Tiergärten relativ gut geht, sind die zweibeinigen Zebras aus Duisburg, an denen das Herz des Fußballfreundes Bertold hängt, wieder einmal vom Untergang bedroht. Aufstieg in die Zweite Liga? Da meckert der Kölner Geißbock hämisch und der Sandhausener Sandfloh lacht sich schlapp. 
 

Schmunzelpost 500 vom 1. 9. 22

Trau niemals einem Zebrastreifen! Wenn man das Glück hat, 69 Jahre alt zu werden, dann hat man diesen Grundsatz vermutlich beherzigt. Denn wenn ich der Bremswirkung von Zebrastreifen stets vertraut hätte, könnte ich heute diese Schmunzelpost nicht schreiben. 
 
 Noch knapper war es lediglich, als ich einer Fußgängerampel vertraut habe. Die stand allerdings in Rom. Und als junger deutscher Tourist war ich daran gewöhnt, dass Autofahrer Ampelsignale einigermaßen respektieren. So betrat ich guten Mutes in Rom die Straße, als die Ampel mir grün zeigte. Dass ein Autofahrer daraufhin wild zu hupen begann, betrachtete ich als Frechheit und blieb stehen, um mir den Lümmel genauer anzusehen. Als er jedoch statt zu bremsen Gas gab, entschied ich mich in letzter Sekunde doch noch für einen Sprung auf den rettenden Bürgersteig. 
 
Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich auf den bundesweiten Tag des Zebrastreifens hinweisen, der am 1. September begangen wird. Und glücklicherweise werden solche Straßenübergänge bei uns von der großen Mehrheit der Verkehrsteilnehmer akzeptiert. Sie sind also durchaus hilfreich, auch wenn sie keine Überlebensgarantie beinhalten. 
 
Doch am 1. September ist aktionstagmäßig noch viel mehr los. Wie wäre es, mal wieder einen Brief zu schreiben? So richtig, per Hand, auf Papier. Heute ist nämlich der Welttag des Briefschreibens. Viele finden das gut, nur wenige tun es. Ich bevorzuge eindeutig  elektronische Post. Erstens gibt's dann keine Schwierigkeiten beim Entziffern, zweitens lassen sich problemlos Änderungen vornehmen, um Fehler auszumerzen oder Formulierungen zu verbessern. 
 
Ganz was anderes: Der 1. September ist auch der "Tag der Wörter, auf die sich nichts reimt". Ich behaupte aber: Die gibt es gar nicht. Mit etwas Fantasie und der notwendigen Aussprache-Geschmeidigkeit lässt sich auf alles ein Reim machen. Und dann haben wir noch den Tag des Hühnerjungen. Exakt heißt es "National Chicken Boy Day", weil dieser Tag nur in den USA gefeiert wird. 
 
Erst dachte ich: Sieh mal an, diese US-Machos! Feiern sie also nur den Nachwuchs der männlichen Hühner, Chicken-Girls zählen offenbar nicht. Das Gendern ist offenbar jenseits des großen Teichs noch nicht überall angekommen, sonst müsste es "Chicken Children" heißen. Dann aber überlegte ich, dass vielleicht Protest dahinter stecken könnte, weil männliche Küken lange Zeit geschreddert wurden. Donnerwetter, liegt den Amis also das Tierwohl am Herzen? Dann muss ich als praktizierendes Tintenhuhn und gewissermaßen als Ehren-Chicken-Boy unbedingt darauf hinweisen. 
 
Der schöne Traum platzte, als ich mich genauer informierte. Hinter dem National Chicken Boy Day steckt nämlich die Kette der Fried Chicken Restaurants. Deren Wahrzeichen ist ein überdimensionaler Chicken Boy auf dem Restaurant-Dach. Die spinnen, die Amis! 
 
Am 2. September wird weltweit der Internationale Tag der Kokosnuss gefeiert. Weltweit? Nicht bei uns in Deutschland. Hier rast bekanntlich die Affenbande durch den Wald und hat unsere Kokosnuss geklaut. 
 
Der internationale Tag des Bartes folgt am 3. September. Die männliche Gesichtszierde ist, was ihre Akzeptanz betrifft, starken Schwankungen unterlegen. In den 60er Jahren war es bei der Sparkasse Lünen noch streng verboten, Bart zu tragen. Mittlerweile ist der Vollbart wieder schwer in Mode, nur Rotzbremsen a la Adolf sind verpönt. Und erstaunlicherweise ist jedes Mal die Aufregung groß, wenn sich TV-Größen einen Bart stehen lassen. So erging es jedenfalls Karl-Heinz Köpke und Harald Schmidt, sowie derzeit dem Extra-3-Moderator Christoph Ehring. 
 
Wegen meines beruflichen Werdegangs möchte ich nachdrücklich auf den "Tag des Zeitungssteller" hinweisen, der am 4. September im Kalender steht. Diese Helden des Alltags und Frühaufsteher, die dafür sorgen, dass beim Frühstück auch meine Zeitung auf dem Tisch liegt, haben Bewunderung verdient. 
 
Die Amerikaner haben am 4. 9. hauptsächlich kulinarische Feiertage auf dem Kalender. Als da wären der "Iss-mehr-als-ein-Dessert-Tag" sowie der "Tag der Maccadamia-Nüsse". Erst vermutete ich, dass auch der "Tag der Wildtiere" mit dem Essen in Verbindung stand. Doch dieser Tag ist dem Tierschutz gewidmet und soll zudem an den Zoodirektor und Tierfotografen Stephen Robert Irwin alias Steve erinnern. Der setzte sich zeit seines Lebens für gefährdete Arten ein. Ums Leben kam er mit 44 Jahren, obwohl er sowohl mit Raubtieren und Krokodilen umgegangen war. Ausgerechnet der giftige Stich eines Stachelrochens traf ihn am 4. September 2006 ins Herz. 
 
Da widme ich mich doch lieber den 4. September dem deutschen "Tag der Currywurst". Hier ist nämlich eher mein Biss für die Wurst tödlich. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich muss noch den Beweis nachliefern, dass es keine Wörter gibt, auf die sich nichts reimt. Den hat schon Robert Gernhardt angetreten. Und zwar in seinen Versen aus: "Bild doch mal einen Satz mit..." Hättet Ihr geglaubt, dass es auf die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" einen Reim gibt? Gibt es. Zumindest, wenn man mit bayerischem Zungenschlag an die Sache herangeht: 
"Ka Schnabbs, ka Bier, des is a Dilemma, 
wenn si des ned bald ändert, dann GEMA!" 
 

Schmunzelpost 499 vom 31. 8. 22

 

In bewährter Manier will ich einen historischen Tag nutzen, um erneut zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Gestern Abend wurde im Baumhaus erstmals das Buch "Krauses Zeug" präsentiert. Wer nicht dabei sein konnte (oder wer nochmal in Ruhe nachlesen will) für den folgt jetzt die Begrüßung zum Auftakt der Lesung. Alles weitere könnt Ihr dem Buch entnehmen! 
 
Guten Abend, meine Damen und Herren, liebe Freunde! Wir begrüßen Euch zu einer Lesung voller krauser Gedanken. An meiner Seite: Der Mann mit den vier Vornamen - Hans-Georg Karl, alias Schorsch.  Ich freue mich, dass Schorsch mich heute Abend unterstützt. Gemeinsam mit Anke Klapsing, derzeit im Urlaub, ist Schorsch die Seele des Baumhauses - ohne die beiden könnten wir den Laden zumachen. 
 
Mein Name ist Klaus-D. Krause. Für diejenigen, die mich nicht so gut kennen: Jürgen von der Lippe ist mir knapp zuvor gekommen. Eigentlich müsste ich Klaus von der Lippe heißen. Denn schließlich bin ich in Lünen ganz nah am Lippeufer zur Welt gekommen und bin Lünen und der Lippe in der Jugend treu geblieben. Das Journalistik-Studium hat mich dann nach Dortmund verschlagen, wo ich anschließend zunächst als freier Journalist für den WDR-Hörfunk und die Presse gearbeitet habe. 
 
1984 bin ich reumütig an meinen Fluss zurückgekehrt und habe in der Lippestadt Haltern als Redakteur angeheuert. 1988 zog es mich als Redaktionsleiter der Dorstener Zeitung flussabwärts, wo ich bis heute direkt an der Lippe zuhause bin. Nach meinem Abschied aus der Redaktion denke ich nun für den späten Lebensabend über einen Umzug nach Wesel nach, weil dort auch die Lippe im Rhein endet. Und nach der Wiedergeburt plane ich ein Comeback in Bad Lippspringe. 
 
Was gibt es sonst noch zu sagen? Seit mehr als 40 Jahren lebe ich mit einer Frau und mindestens einer Katze zusammen. Die verkörpert mittlerweile die vierte Generation. Nicht die Frau, der Kater natürlich! 
 
Außerdem schreibe ich gern. Meinen ersten Roman habe ich mit elf Jahren verfasst: Die abenteuerliche Geschichte vom "Goldenen Degen". Das Werk hat viele Seiten gefüllt - ein ganzes Schreibheft. Leider kannte ich damals Werner Boschmann noch nicht und fand keinen Verleger. Irgendwann ist das Heft dann verschütt gegangen. 
 
Auf Umwegen gelang es mir später, das Schreiben zum Brotberuf zu machen. Und seit ich Rentner bin, kann ich endlich das schreiben, was ich will. Ohne Themenvorgaben, ohne Zeilenzwang, nach Lust und Laune. Das habe ich vor allem in der Coronazeit ausgelebt, eine Schmunzelpost täglich, die den Mailempfängern mindestens ein Lächeln entlocken sollte. 
 
Regina Schwan ist zu verdanken, dass die Schmunzelpost auch ins Internet gelangte. Sie hatte mich schon vorher ermuntert, Glossen ins Netz zu stellen. Und ihr Ehemann Raimund war es dann, der einem Internet-Steinzeitler wie mir zu einer Website verhalf. Danke dafür! 
 
So haben sich inzwischen 555 Folgen angesammelt. Allen Rentnern und denen, die es werden wollen, kann ich nur zuraten je nach Neigung und Talent solch ein kreatives Hobby zu suchen. Schreiben, malen, musizieren, ein neues Instrument oder eine Sprache lernen, das alles hält das Gehirn fit und verschafft ein beglückendes Gefühl. 
 
Bei mir war es eben das Schreiben. Und wenn man dann auch noch das Glück hat, dass ein Verleger die Texte gut finden und ein Buch daraus macht, dann ist das Glück vollkommen. Denn ich bin und bleibe ein großer Buchfreund. Es ist ganz etwas anderes, ein gut gemachtes Buch oder eine Zeitung in der Hand zu halten, als dauernd auf den PC-Bildschirm oder aufs Handy zu starren. Mit einer Zeitung könnt Ihr notfalls auch ein Feuer anfachen. Oder Euch in der nächsten Covid-Welle trotz der großen Toilettenpapier-Krise zu helfen wissen. Versucht das mal mit PC oder Smartphone! Na, vielleicht besser nicht. 
 
Nochmal zurück zu einem Glücksfall von Verleger. Werner Boschmann heißt er! Und er hat in vielen Jahren mit seinem Verlag Henselowsky und Boschmann ein beeindruckendes Buchsortiment herausgegeben. Ganz unterschiedliche Werke. Vom Märchen bis zur Zeitgeschichte, von Gedichten bis zur Prosa, von heiteren Kolumnen bis zu bewegenden Schicksalen. Die große Klammer, die alles zusammenhält, ist im Namen seiner Website enthalten: Vonne Ruhr.de! 
 
Wobei wir uns einmal ernsthaft darüber unterhalten müssten, ob nicht "vonne Lippe" es ebenso gut träfe. Die jüngste Veröffentlichung kommt nämlich von Klaus von der Lippe und enthält viel Krauses Zeug. Ich wünsche schon mal für den weiteren Verlauf des Abends und bei der späteren Lektüre viel Spaß! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Schön, dass die Schmunzelpost aufmerksame Leser hat. Und wer, außer dem bereits im Text angesprochenen Raimund, hat so gute Mathe-Kenntnisse, dass ihm sofort auffällt, wenn im letzten Beitrag mit meiner Beschreibung des Hexadezimalsystems etwas nicht stimmt! Ja, Raimund, korrekt: Das Hexadezimalsystem basiert auf der 16. Ich meinte das Hexasystem, das auf der 6 beruht. Nur gut, dass sich kein Babylonier mehr über den Fehler ärgern muss. 
 

Schmunzelpost 498 vom 30. 8. 22

Heute setzen wir unseren Feldzug gegen hartnäckige Irrtümer fort, die sich in unseren Köpfen festgesetzt haben. Eine dieser grundlegenden Weisheiten lautet: Der Tag hat 24 Stunden! Stimmt nicht! Zumindest nicht für alle Tage. Und für alle Zeiten. 
 
Das hängt damit zusammen, wie Menschen ihre Zeit eingeteilt und berechnet haben. Früher bestimmte die Sonne den Tageslauf. Das heißt, dass je nach Jahreszeit der Tag mal länger, mal kürzer war. Erst die Babylonier brachten Ordnung ins System. Dabei teilten sie die Tageszeit zuerst in Doppelstunden auf. 
 
Nun muss man wissen, dass die Mathematiker damals nicht nur das Dezimalsystem verwendeten, das auf der Zahl 10 beruht, sondern auch das Hexadezimalsystem nutzten. Das basiert auf der Zahl 6. So kam man irgendwann auf 24 Stunden am Tag, was die Römer übernahmen und in der antiken Welt verbreiteten. 
 
Wer weiß? Hätte ein römischer Kaiser, der sich für die Namen der Monate interessierte und dabei Änderungen vornahm - Gruß von Asterix an Julius - auch eine besondere Leidenschaft für Zahlen entwickelt, dann hätten wir heute vielleicht 15 Stunden zu 96 Minuten oder 72 Stunden zu 20 Minuten. 
 
Wo wir schon bei den alten Römern sind: Viele führen den Untergang des römischen Reiches auf den Verfall der Sitten und das zügellose Leben zurück. Vor allem ältere Menschen belehren seit etlichen Generationen die jüngeren, dass früher, als noch Zucht und Ordnung herrschte, alles besser war. Blödsinn! 
 
Der Zerfall des römischen Imperiums hängt mit vielerlei Faktoren zusammen. Einer davon war die Vorliebe der römischen Elite für Bleigefäße. Das hatte einen konkreten Hintergrund. Der Wein, bevorzugtes Getränk halbwegs vermögender Römer vor rund 2000 Jahren, war damals recht sauer. Goss man ihn aber in Bleigefäße und ließ sich Zeit beim Trinken, man hatte ja dank Babylon 60 Minuten pro Stunde zur Verfügung, dann veränderte freigesetztes Bleiacetat, das man  auch Bleizucker nennen darf, den Geschmack, und der Wein wurde süßer. 
 
Da außerdem auch noch in Bleitöpfen gekocht wurde und selbst das Trinkwasser mit Bleiverbindungen verunreinigt war, reicherte sich das Blei allmählich im Körper an und führte zu Vergiftungen. Schon geringe Mengen Blei können zu Gelenkschmerzen, Blutarmut und Verdauungsstörungen führen. Größere Mengen gehen zu Lasten der Sehkraft, lösen Lähmungen aus oder bewirken schwere psychische Störungen. Blei im Blut bringt Blei in die Birne. Ave, Nero! 
 
Vor allem jedoch chronische Bleivergiftungen haben Folgen. Sie machen Männer impotent und Frauen unfruchtbar. Oder sie verursachen Früh- und Totgeburten. Auf die Stein-, Bronze- und Eisenzeit folgte also gewissermaßen die Bleizeit. Und das hat den Römern gar nicht gut getan! In Wahrheit hat wohl der Druide Miraculix seinen Galliern gar keinen Zaubertrank gebraut, sondern den Legionären besonders bleihaltigen Wein untergejubelt. So hatten Asterix, Obelix und Co. mit den sehschwachen, lahmen und verwirrten Invasoren leichtes Spiel. Zumal bei der Schlacht die Hälfte der Legion fehlte - sie saß mit Verdauungsproblemen auf der Latrine! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wer sagt da gerade: "Gut, dass wir aus der Geschichte gelernt haben"? Wir benutzen heute gerne Plastikgefäße, von denen viele Weichmacher enthalten, die unsere Fruchtbarkeit beeinflussen und möglicherweise weitere gesundheitliche Auswirkungen haben. Vielleicht werden die Menschen einst erklären: "Nach der Bleizeit kam die Plastikzeit - und daran haben sich die Europäer endgültig verschluckt."  

 

Schmunzelpost 497 vom 29. 8. 22


Dunya Hajali scheint das Gendern inzwischen verinnerlicht zu haben. Im ZDF-Morgenmagazin habe die Moderatorin von einer Frau wissen wollen, wie sie so als "Krankenschwesterin" zurecht komme. Das habe ich in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung von Martin Zips gelesen. 
 
Später sei der Autor dann von jungen Kolleginnen gefragt worden: "Sag mal, wie siehst Du das eigentlich mit dem Winnetou?" Ihr habt sicher mitbekommen, dass der Ravensburger Verlag sein Buch zum Film "der junge Winnetou" vorsichtshalber zurückgezogen hat, um damit Rassismus-Vorwürfen zuvor zu kommen. Selbst der längst verstorbene Karl May gilt nicht mehr als unbedenklich, da er mit seinen Abenteuergeschichten schlimme Klischees verfestige. 
 
Martin Zips hat sich übrigens elegant aus der Affäre gezogen. Seine Antwort will ich mir merken, um sie in vergleichbaren Situationen verwenden zu können: "Ich möchte mich Albert Einstein anschließen, dessen Meinung ich teile. Unsere wichtigste Entscheidung ist, ob wir das Universum für einen freundlichen oder feindlichen Ort halten." 
 
Der komplette Zips-Artikel mit dem Titel "Tagebuch eines Zwangsoptimisten", ein Wochenrückblick in schlimmen Zeiten, der uns jedoch auch spannende, mitunter auch Mut machende Details verrät, erscheint mir als Fundgrube geeignet, um daraus noch ein paar weitere Fundstücke zu zitieren. 
 
So habe ich bei der Lektüre erfahren, dass der 89-jährige Firmengründer bei der Drogeriekette "Müller" wieder das Zepter übernommen hat um zu verhindern, dass in einem heißen Corona-Herbst eine neue Toilettenpapier-Krise ausbricht. Hurra! Die schlimmste Gefahr ist gebannt, nun kann uns nichts passieren! 
 
Und gleich noch eine gute Nachricht, zumindest für die Biertrinker unter uns. Der Wirtesprecher Peter Inselkammer versichert, dass das nächste Oktoberfest auf jeden Fall stattfinden werde. Selbst dann, so Inselkammer, falls in München "Aliens in feindlicher Absicht" landen würden. Wär' ja auch gelacht, wenn ein echter bayerischer Maßkrugstemmer E.T. nicht unter den Tisch trinkt. 
 
Im Artikel wird außerdem die Politik aufgefordert, sich künftig mit Duschtipps zurückzuhalten. Selbst FDP-Mann Christian Dürr gingen die Ratschläge schon zu weit. In der Sendung "Hart aber fair" sagte der Liberale, ihm spukten Bilder durch den Kopf, die er nicht haben wolle. Zips spekuliert, worum es sich dabei handeln könne: "Wilfried Kretschmann unter der Brause?" In der gleichen Sendung war die Rede von einer 92-jährigen Rentnerin, die wegen der Inflation und der Gaskrise Existenzängste habe. Hier fragt der SZ-Redakteur zu Recht, ob Existenzängste bei 92-jährigen nicht völlig normal seien. 
 
Und was das Frieren betrifft, so wusste bereits Hildegard von Bingen dagegen ein Rezept: "Es ist die Seele, die unseren Körper warm durchströmt." Martin Zips merkt an: "Die Hildegard von Bingen der Bildzeitung, das muss Franz-Josef Wagner sein." Der habe sich im Zentralorgan des ganz kleinen Mannes sehr optimistisch geäußert: "Ich glaube, dass wir Putin mit unseren Waschlappen besiegen können." 
 
Ich möchte darauf hinweisen, dass dies der erste Krieg wäre, der von Waschlappen gewonnen wird. Aber ich bin voll und ganz auf der Seite der Waschlappen - falls das kein Freicorps besonders sauberer Finnen mit Rentier-Kavallerie ist. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 496 vom 28. 8. 22 


Diesmal fange ich mal wieder mit einem Geständnis an: Einfach so habe ich gestern, am 27. 8., zwei Aktionstage vergessen. In einem Fall macht das nichts. Das war sowieso der "Einfach-so-Aktionstag". Und auch der zweite Anlass war im Grunde Banane. Es sei denn für Liebhaber der Tropenfrucht, die gestern den "Tag der Bananenliebhaber" feiern durften. 
 
Dagegen bestand keinerlei Gefahr, dass ich den wichtigsten heutigen Aktionstag übergehen könnte. Der 28. August ist nämlich der Tag des Rotweins. Und da ich viel Zeit am PC verbringe, kommt mir auch der "Krümel-über-der-Tastatur-Tag" entgegen. Sonst bin ich ja ein Muster an Sauberkeit. Krümel und Flecken sind mir fremd. Genauso wie Flunkereien. Doch heute darf ich meine Lust am Kleckern zumindest beim Krümeln ausleben: Von Keksen, Brötchen, Kuchen, Popcorn - heute ist alles erlaubt. Vielleicht werden Archäologen in tausend Jahren mal Schlüsse daraus ziehen, wie sich die Menschen unseres Zeitalters ernährt haben. 
 
Aus den fünf morgigen ausschließlich amerikanischen Aktionstagen würde ich zumindest einen gern auch in Europa einführen. Die Amis begehen an diesem 29. 8. den Tag des rücksichtsvollen Autofahrers. Gerade am Wochenanfang, wenn viele Pendler schlecht gelaunt in die Arbeitswoche starten, ist das eine gute Idee. 
 
Am 30. August feiern wir dann anlässlich des Geburtstags der Autorin Mary Shelley den "Welt-Frankenstein-Tag". Und ich feiere mit, denn ich habe schließlich schon ein Ersatzteil aus Titan eingebaut bekommen. Doch solange ich kein neues Hirn brauche und dann noch auf einen Blitzeinschlag warten muss, bis es aktiviert wird, lasse ich mich noch nicht umtaufen. 

 
Wichtiger ist der zweite Aktionstag-Anlass am 30. August. Denn nach dem Internationalen Tag des Wahlhais sollten endlich wirksame Schritte eingeleitet werden, um die größte existierende Fischart vor dem Aussterben zu bewahren. Der Wahlhai sieht zwar mörderisch aus, ernährt sich jedoch hauptsächlich von Krill und kleinem Meeresgetier. Menschen verschmäht er völlig. Trotzdem wird er als "Delikatesse" in Asien erbarmungslos gejagt, verheddert sich in Schleppnetzen oder kommt durch die Plastikbelastung der Ozeane um. Höchste Zeit für ihn, seine Memoiren zu schreiben. 
 
Denn am 31. August droht uns der Welt-Memoiren-Tag. Nun haben schon ungezählte mehr oder weniger prominente Menschen ihre Biografien geschrieben oder vielmehr schreiben lassen. Trotzdem gibt es noch viel zu entdecken. Oder kennt Ihr die Memoiren von Erika Einöder und Karl Fanta? (Gibt es wirklich!) So weit würde ich niemals gehen, doch wenn Ihr Euch den künftigen Bestseller "Krauses Zeug" besorgt, könnt Ihr einiges über mich erfahren! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Apropos "Krauses Zeug". Am 27. August stand in der Dorstener Zeitung ein ebenso lesenswerter wie wohlwollender Artikel von Michael Klein über dieses epochale Werk und seine Präsentation am 30. August. Nebenbei hat der Verfasser mich auch noch um ein Jahr verjüngt: Ich bin leider schon 69 statt 68 Jahre alt. Aber das unterstreicht meine These, dass die Kernkompetenz von uns Journalisten das Schreiben und nicht das Rechnen ist. Außerdem hat mich das auf eine Idee gebracht. In den Ankündigungen für jede weitere Lesung will ich mich um jeweils ein Jahr verjüngen. Bleibt zu hoffen, dass ich irgendwann sogar in die goldenen Fünfziger vorstoßen kann. 

 

 Schmunzelpost 495 vom 27. 8. 22


Wer heutzutage etwas im Netz veröffentlicht, muss damit rechnen, dass ihm Übles widerfährt. Ich bin immer wieder entsetzt, wie sich manche Menschen in sogenannten Shitstorms austoben und wie hemmungslos unflätig sie sich dabei ausdrücken. 
 
Erstaunt bin ich auch stets aufs Neue, mit welchen Nichtigkeiten solche Hassattacken ausgelöst werden können. Das beschränkt sich nicht allein aufs Internet. Per Radio erfuhr ich gestern, dass potenzielle Konzertbesucherinnen beim Veranstalter darauf drängten, einer Rockband abzusagen, weil einige (weiße) Bandmitglieder Dreadlocks trugen. Diese Haartracht müsse denjenigen vorbehalten bleiben, aus deren Kulturkreis sie ursprünglich stamme. 
 
Was ein Quatsch! Wenn das so ist, rate ich allen Pelzmantel-Trägerinnen derartige Textilien einzumotten. Sonst wären die Steinzeitmenschen und Neandertaler gekränkt, die schon während der Eiszeit diese Mode bei uns eingeführt haben. (Außerdem gibt es noch andere gute Gründe gegen das Tragen von Pelzmoden). 
 
In der Süddeutschen Zeitung las ich heute, dass sich auf Instagram auch Cathy Hummels den Zorn anonymer Massen zugezogen hat. Nun hege ich für diese "Influencerin" keine großen Sympathien. Aber dass sie jetzt mit Hassbotschaften überschüttet wird, nur weil sie es wagte, ein Bild von sich mit Bollenhut ins Netz zu stellen, das hat auch sie nicht verdient. 
 
"Menschen, die für das Althergebrachte kämpfen wie Christian Lindner für die Vollgasfahrer, können sich ob dieses Frevels kaum einkriegen", schrieb die SZ. In der Tat: Der Bollenhut hat eigentlich nur im Schwarzwald Tradition. Mit 14 roten Bollen signalisieren die Trägerinnen, dass sie unverheiratet sind, schwarze Bollen - wahrscheinlich als Zeichen der Trauer - sind den verheirateten Frauen vorbehalten. Und außerdem, so merkt die SZ schelmisch an, seien die Bollen ein guter Schutz gegen herabfallende Äste, mit denen man im Schwarzwald rechnen müsse. 
 
Nun gibt es meines Wissens aber keine Designer-Patente für Mode-Ideen, erst recht keine Vorschriften, die spezielle Bekleidung nur in bestimmten Regionen zulassen. Jeder darf bei uns herumlaufen, wie er möchte. Sogar im Schottenrock. Und wenn ich an die zahllosen Oktoberfest-Imitate denke, bei denen sich Imke Aufdemdeich und Erna Kowalski genauso ins Dirndl werfen wie Resi Hinterhuber, dann glaube ich, dass so mancher Trend durchs Brauchtum inspiriert wurde. 
 
Nur in den Hochburgen solcher Traditionen wäre ich vorsichtig, mich als Fremde derart gewandet unter die Einheimischen zu mischen. Aber die Süddeutsche Zeitung weiß auch dafür Rat: "Wer in den Schwarzwald reist, sollte einfühlsam sein und stets eines beachten: Bollenhut ja, aber nur in Kombination mit einer Kuckucksuhr." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 494 vom 26. 8. 22


Erneut musste ich der Hitze Tribut zollen. Offenbar vermindert sie erheblich meine Konzentrationsfähigkeit. So habe ich nur flüchtig hingeguckt und vermeldet, der gestrige Beitrag sei die 500. Schmunzelpost-Folge gewesen. Dabei war es bereits die 550.! Schwamm drüber. Besser, als wenn ich es erst auf 50 Beiträge gebracht hätte. 
 
Doch am gleichen Tag wurde ich nochmals Opfer meiner Geistesabwesenheit. Ich wollte der Kollegin Petra ein Buch in die Redaktion bringen. Dabei erfuhr ich, dass die Lokalredaktion der Dorstener Zeitung umgezogen ist. Sie residiert jetzt in den oberen Etagen des Sparkassengebäudes. In die vormaligen Redaktionsräume zieht bald die Volksbank ein, die ihre Hauptstelle erweitert. 
 
Die Umzugsvorbereitungen liefen bereits seit längerer Zeit. Erst hieß es, es ginge in ein Gewerbegebiet, dann atmete ich erleichtert auf, als ich hörte, stattdessen sei nun in Umzug in das alte Sparkassengebäude am Marktplatz geplant, neben das alte Rathaus und über C&A. Deshalb stand für mich nun der Ort fest, obwohl mich Petras Hinweis auf eine Rotunde und eine Seniorenzentrum hätte stutzig machen sollen. 
 
Doch ich schwang mich aufs Rad und machte mich auf den Weg in das Stadtzentrum. Da kam mir der Gedanke, das Redaktionsteam mit Eisbechern zu überraschen. Also erstand ich vier Becher, je drei Kugeln mit Sahne, weil ich vermutete, dass in Zeiten des Homeoffice nicht mehr als vier Leute um 17 Uhr vor Ort sein würde. 
 
Was hatte Petra geschrieben? Zur Redaktion geht es durch den Nebeneingang. Leider gab es davon drei. Und an keinem Klingelschild stand etwas von der Dorstener Zeitung. Also klingelte ich bei der Nachbarschaft und erfuhr, dass die Rechtsanwaltskanzlei überhaupt nichts von einem Umzug mitbekommen hatte. Genauso erging es mir im Bistro "Piazza". Und als ich mit dem Aufzug auch noch in einem Nebenraum von C&A gelandet war, wo ich die Mitarbeiter mit der Nachricht über die neuen Zeitungsnachbarn überraschte, tropfte es schon bedenklich aus meinem Papiertablett. 
 
Wutschnaubend strampelte ich mit dem Rad zum alten Redaktions-Domizil. Dort stand zwar noch ein Zeitungs-Smart auf dem Hof, aber alle Türen waren verschlossen und auf mein Klingeln reagierte niemand. Auch fand sich kein Hinweis auf die neue Adresse. Lediglich am Eingang der Geschäftsstelle hing eine Tafel mit der Aufschrift: "Am 26. August geschlossen." Wir schrieben jedoch den 24. August. 
 
Grollend fuhr ich nach Hause. Um meinen Frust abzubauen und mich abzukühlen, vertilgte ich dort vier Becher mit Eissuppe. Mein Gott, war mir danach übel. Trotzdem raffte ich mich auf und las noch einmal Petras Mail. Rotunde? Seniorenheim? Au weia: Gemeint war die Sparkassen-Zentrale am Südwall! 
 
Also auf ein Neues. Am Seiteneingang klebte an einem Briefkasten ein Zettel: Dorstener Zeitung. Auf den Klingelschildern waren jedoch nur die Namen von anderen Mietern zu lesen. Glücklicherweise stand die Tür auf. Ich ächzte also in den dritten Stock und erinnerte mich an die Tipp von Petra, mich durch den Verwaltungstrakt des Seniorenzentrums zu schlängeln. Links, rechts, wieder links - kein Hinweispfeil weit und breit. Zum Glück stand die Kollegin schon an der Redaktionstür - wahrscheinlich hatte sie mein Schnaufen alarmiert. 
 
 Ich erwog kurz, mich nach einem Pflegezimmer bei den Senioren zu erkundigen, ließ mich dann aber auf einen Redaktionsstuhl fallen und schilderte Petra meinen Leidensweg. Den ich hiermit öffentlich gemacht habe. Und die Moral von der Geschicht'? Und ist es draußen noch so heiß, genaues Hinsehen spart Dir Schweiß! (Und verhindert aufgetautes Eis.)   
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 493 vom 25. 8. 22


Heute steht die Schmunzelpost ganz im Zeichen der eigenen Sache. Beziehungsweise der gemeinsamen mit den Tintenhühnern. 
 
Endlich halte ich es in den Händen, "Krauses Zeug", das buchgewordene Schmunzelpost-Extrakt. Falls Ihr Lust habt, bei der ersten öffentlichen Präsentation dabei zu sein: Das Plakat, wie immer von Schorsch gestaltet, findet Ihr in der Anlage. Eine vorherige Rückmeldung wäre schön, damit ich das Ticket reservieren kann, falls die Veranstaltung ausverkauft wird. Wer keine Zeit hat und wem die Anreise zu weit ist: Möglicherweise wird es weitere Lesungen, womöglich auch in Lünen, geben. Ort und Zeit sind aber noch unbestimmt.
 
Das gilt nicht für die drei Tintenhühner-Termine im November. Das TV-Programm "Dorsten, wie es funkt und lacht" wird in der Außenstelle des Cornelia-Funk-Hauses in der Petrinum-Aula live über die Bühne gehen. Leute, die bereits ein Ticket für die wegen Corona abgeblasenen Vorstellungen haben, können diese vom 3. September bis zum 15 Oktober im Stadt-Info umtauschen. 
 
Ihr genießt ein Privileg: Ihr könnt Euch jetzt schon aussuchen, an welchem Tag Ihr dabei sein möchtet und dann bei mir Karten reservieren. Premierentermin ist Donnerstag, der 10. November, 19 Uhr. Außerdem stehen Samstag, 12. November, 17 Uhr und Sonntag, 13. November, 17 Uhr zur Wahl. Karten kosten 10 Euro, Mail an mich genügt. 
 
So, Schluss mit dem Werbeblock. Wie der Zufall es will, ist dies heute der 500. Schmunzelpost-Beitrag. Das feiere ich wie andere Leute den 1. Mai. Einer meiner Lehrer pflegte nämlich zu sagen: "Das ist doch merkwürdig! Wir feiern den Tag der Arbeit - und kein Schwein arbeitet!" So will ich es heute auch halten und mir die Arbeit leicht machen. Ich lehne mich zurück und serviere Euch einen Auszug aus dem Einleitungskapitel des Buches und damit einen Text, der nicht im Internet zu finden ist. Darin erfahrt Ihr, wie dank Werner Boschmann "Krauses Zeug" zustande kam: 
 
Der Grundstein für dieses Buch wurde bereits 1968 gelegt. Damals lag meine Deutschlehrerin nicht falsch, als sie nach der Lektüre des Aufsatzes ihres 15-jährigen Schülers spontan ausrief: "Nomen est omen! Krause hat nur krauses Zeug im Sinn!" 
 
"Krauses Zeug", das wäre auch der passende Namen für ein Blog gewesen. Aber bei aller Lust zum Fabulieren reichte damals meine Fantasie nicht aus, um mir so etwas Exotisches wie das Internet vorzustellen. Also beschränkte ich mich in jungen Jahren auf Schülerzeitungen und die Betriebszeitung der Sparkasse Lünen, um schräge Gedanken einem größeren Publikum mitzuteilen. 
 
Als ich nach einigen Umwegen Zeitungsredakteur geworden war, dominierte längst die seriöse Berichterstattung mein Tagwerk. Nur gelegentlich konnte ich mich in Glossen ausleben. Ansonsten bestimmte der berechtigte Anspruch der Leser auf nüchterne Fakten den journalistischen Alltag. Und die Ruhr Nachrichten legten großen Wert darauf, nicht mit der Bildzeitung oder dem Satiremagazin "Titanic" verwechselt zu werden. 
 
Als Rentner fielen die Vorgaben weg, nun konnte ich Themen, Textlängen und Schreibstil nach Lust und Laune wählen. Doch Schreiben ohne Leser macht keinen Spaß, das ist wie Autofahren in der Garage. Nur ab und zu ließ ich meinen inneren Nonsens-Erzähler von der Kette, bei Reisebeschreibungen oder für Kabarett-Texte. 
 
Und dann kam Corona. Bei allem Verdruss, den die Pandemie uns bis heute bereitet hat, zumindest für mich hatte Covid auch etwas Positives im Köcher. Mir kam die Idee, guten Freunden trübe Lockdown-Tag wenigstens ein bisschen zu erhellen. Dazu sandte ich ihnen täglich eine Mail zu, die ihnen ein Lächeln entlocken sollte - die "Schmunzelpost" war geboren. Und der Name setzte sich fest, als sich herausstellte, dass es bisher noch keine gleichlautende Internet-Domain gab. 
 
Eigentlich könnte die Seite im Netz auch "Krauses Zeug" heißen. Denn dort konnte ich mich nach Herzenslust austoben und meine Vorliebe für das Kuriose und Abseitige, das Schräge und Unsinnige in Worte fassen. Meist aber gekoppelt mit einem Schuss Informationen, die anderswo zu kurz kommen. 
 
Unnützes Wissen gibt es nicht, nur zusätzliches Wissen! Oft sind nämlich Dinge und Geschehnisse am Rande spannender, lustiger und interessanter als Ereignisse und Fakten, die im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. 
 
In diesem Sinne: Auf die nächsten 500 Folgen! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 492 vom 24. 8. 22

Na, wozu habt Ihr heute Lust? Wollen wir mal wieder ein paar Irrtümer ausräumen? Oder wie wäre es, einige Legenden zu widerlegen? Wir können natürlich auch üble Nachrede aus der Welt schaffen oder nach der Wahrheit in Märchen und Wildwest-Geschichten forschen. Wisst Ihr was? Wir fassen das alles zusammen: Die Schmunzelpost als Fakten-Check! 
 
Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, diese beiden Kumpel aus Weimar, gelten für uns als die größten Dichter, Denker und Dramatiker, die Deutschland je hervorgebracht hat. Das war aber längst nicht immer so. Zu Lebzeiten wurde das Traum-Duo von einem Konkurrenten, der heutzutage weitgehend vergessen ist, locker in den Schatten gestellt. 
 
Der große Publikumsmagnet und Theater-Star war damals August von Kotzebue. Mit mehr als 200 Stücken aller Genres lief er allen anderen den Rang ab und war der Liebling der Zuschauer. Selbst Goethe kam als Intendant des Weimarer Hoftheaters nicht daran vorbei, Kotzebue auf den Spielplan zu setzen. Es war wie heute: Rosamunde Pilcher schlägt Günter Grass! 
 
Wo wir bei Rivalen sind: Nicht zuletzt durch den Film hält sich hartnäckig die Annahme, Antonio Salieri sei ein Intimfeind von Mozart gewesen; ja, er habe ihn sogar vergiftet. Zwar gab es 1790 Streit, als Wolfgang Amadeus den Auftrag für die Oper "Cosi fan Tuti" bekam, an der zuerst Salieri gearbeitet hatte, aber ansonsten wurde an der Legende erst nach dem Ableben Mozarts gestrickt. 
 
Zu dessen Lebzeiten waren die beiden sogar befreundet. Salieri ließ als Hofkapellmeister in Wien Mozarts Zauberflöte aufführen, obwohl er stattdessen eigene Stücke hätte auf die Bühne bringen können. Bei den Krönungsfeierlichkeiten für Leopold II. setzte er zwei Mozart-Messen durch und nach dessen frühem Tod sorgte er dafür, dass Mozarts Werke nicht in Vergessenheit gerieten. 
 
Wo wir gerade bei Mozart sind: Eine wissenschaftliche Studie zeigte 1993, dass Studenten bei Intelligenztests bessere Ergebnisse erzielten, wenn sie vorher zehn Minuten lang eine Mozart-Sonate gehört hatten. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Wirkung hält bloß 15 Minuten vor! Außerdem ist ungeklärt, ob die Sache mit Bach oder Beethoven nicht ebenfalls funktioniert. Bei einem sind sich die Wissenschaftler aber einig: Wer selbst musiziert, erzielt viel größere nachhaltige Effekte. Und bei Profimusikern soll das Gehirn sogar an Umfang gewinnen! 
 
Nun in den Wilden Westen. Dass Old Shatterhand und Winnetou reine Fantasie-Gestalten sind, ist bekannt. Gleiches vermuteten die Leser auch von "Lederstrumpf", dem Helden James Fenimore Coopers. Doch der soll zumindest ein reales Vorbild gehabt haben. Entweder den Trapper Daniel Boone oder den aus Deutschland nach Amerika ausgewanderten Waldläufer Johann Adam Hartmann, da sind die Fachleute sich nicht ganz einig. 
 
Nach einem Wechsel in den Orient begeben wir uns auf die Spur von Ali Baba. Hier gibt es gleich mehrere falsche Fährten. Der Gute soll den Geschichten aus tausend und einer Nacht entsprungen sein, die Scheherazade erzählte. Doch das ist nicht wahr. Das syrische Volksmärchen wurde erst in der Übersetzung eines Franzosen zu Beginn des 18. Jahrhunderts hinzugefügt, ebenso wie die Geschichten von Sindbad, dem Seefahrer und Aladin samt seiner Wunderlampe. 
 
Der zweite Irrtum: Ali Baba war überhaupt nicht der Anführer der Räuberbande. Er ist vielmehr ein ehrlicher Kaufmann oder Holzfäller gewesen, der die Ganoven überlistete, um an einen Schatz zu gelangen. Und wie viele Räuber waren das? Vierzig? Dazu muss man wissen, dass im altarabischen die Zahl 40 auch für eine unbestimmte größere Menge herhalten musste. Es ist also ungewiss, ob 40, 55 oder gar 98 Räuber auf Raubzug gingen - aber, wie wir spätestens seit Jim Knopf und die wilde 13 wissen, war das Durchzählen für böse Buben auch anderswo ein Problem.
 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 491 vom 23. 8. 22

Heute solltet Ihr Euren Drachen satteln und Euch in die Lüfte erheben. Oder besser noch: Für Euer Fahrrad eine Konstruktion basteln, mit der Ihr allein durch Muskelkraft abhebt und längere Strecken fliegt. Denn am 23. August ist der "Internationale Reite-den-Wind-Tag". 
 
Für alle Nacheiferer des Schneiders von Ulm und von Otto Lilienthal kann sich das wirklich lohnen. Denn die "Royal Aeronautical Society's Human Powered Aircraft Group" in London hat dafür lukrative Preise ausgeschrieben. Zwei davon: Alle, denen es gelingt, durch ihre Muskelkraft eine 800 m lange Distanz von Pfahl zu Pfahl in einer Höhe von mindestens drei Metern in maximal acht Minuten zu fliegen, werden mit einer Erfolgsprämie von 50 000 britischen Pfund belohnt. 
 
100 000 Pfund gibt es sogar, wenn auf diese Weise der Ärmelkanal überquert wird. Unmöglich? Nein!  Der erste Preisträger schaffte die 800 m-Strecke am 23. August 1977, weshalb seitdem dieser Tag gefeiert wird. Und am 12. Juni 1979 glückte einem ehemaligen Radprofi die Überquerung des Ärmelkanals. Die Amerikaner zeigen ihre bequemere Haltung zur Luftfahrt dagegen, indem sie am 23. 8. den "Tag des günstigen Fluges" begehen. 
 
Auch am 24. August gibt es wieder eine ganze Reihe von amerikanischen Aktionstagen. Den "Über-das-Wetter-schimpfen-Tag" begehen auch wir Europäer. Aber fast täglich. Denn die vermeintlich miese Witterung ist bei uns ein Dauerthema. Den "Tag des Messers" überlassen wir dagegen den Amis. Die haben bereits mit ihrer Vorliebe für Schusswaffen bewiesen, dass sie einen an der Waffel haben. Weshalb sie am 24. 8. den "Tag der Waffel" ausgelassen feiern werden. 
 
Von fünf amerikanischen Aktionstagen am 25. August möchte ich nur einen hervorheben. Weil am 25. 8. 1810 ein gewisser Peter Durand das Patent auf die Konserve erhielt, stoßen wir an diesem "Tag der Konservendose" auf ihn an. Am besten mit einer Dose Erbsensuppe! Und den "Tag des Toilettenpapiers" am 26. August haben die Amerikaner bestimmt nicht exklusiv. Das zeigten bestimmte Vorgänge in deutschen Drogerien und Supermärkten zu Corona-Blüte-Zeiten. Deshalb feiern wir diesen Anlass lieber am "Tag des Hamsters". 
 
 Ach, den gibt es noch gar nicht? Na, dann eben am "Tag des legalen Hamsterns". Der wurde am 25. September 1918, also kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, in Hamburg-Bergedorf erstmals begangen. Ob es dabei jedoch auch um Klopapier ging, ist  nicht überliefert. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zum "Tag des günstigen Fluges" habe ich Euch für heute ein Schnäppchen herausgesucht. Ab Flughafen Bremen nach Palma de Mallorca für nur 29,99 Euro! Toll, was? Umwelt? Schietegal! Bei solchen Dumpingpreisen muss man Prioritäten setzen. Und dass das Taxi zum Hotel deutlich mehr und der Rückflug das Zehnfache kostet? Was soll's! Wir leben heute und zahlen morgen. Und die Gesamtrechnung unsere Kinder und Enkel sowieso erst frühestens übermorgen.   


 Schmunzelpost 490 vom 22. 8. 22


Mich beschäftigt immer noch unser Thema vom Vortag: Es sieht ganz so aus, als würden die Regenwolken bis Ende des Monats immer noch einen Bogen um Dorsten machen. Das ist allerdings noch lange nicht rekordverdächtig. Im Ort Arica in Chile wurde mal 173 Monate lang eine Regenmenge von 0 mm verzeichnet. Den Weltrekord an Trockenheit hält jedoch Wadi Halfa im afrikanischen Sudan. Dort fiel 228 Monate lang kein Tropfen Regen - 19 Jahre am Stück! 
 
Das Gegenteil ist aber auch nicht gut, wie wir aus dem Alten Testament der Bibel wissen.  Danach setzte die Sintflut einst die gesamte Erdkugel unter Wasser, sodass Tiere und Menschen nur fortbestehen konnten, weil Noah rechtzeitig eine Arche gebaut hatte. Da dies jedoch ein ganzes Weilchen vor Beginn der Wetteraufzeichnungen passierte, schauen wir uns mal neuere Wetterdaten an, damit der Wunsch nach heftigem Niederschlag nicht in Regentänze ausartet. 
 
Lange führte Deutschland auf der Kurzstrecke. Angeblich sollen vor ein paar Jahrzehnten im bayerischen Füssen mal innerhalb nur einer Minute 31,2 Millimeter Regen pro Quadratmeter gefallen sein, was sich in acht Minuten auf eine Menge von 128 l/m summiert habe. Nun wissen wir dank Söder, Stoiber und Strauß, dass Bayern zum Übertreiben neigen. So wurden diese Zahlen 2012 wissenschaftlich widerlegt und aus den Rekordlisten der Meteorologen gestrichen. 
 
Bewiesen sind dafür Daten von der Insel Reunion im Indischen Ozean. Wenn Euch jemand dort ein Grundstück andrehen will, dann seid sehr vorsichtig und informiert Euch vorher genau, auf welcher Seite des Eilands sich das Gelände befindet. Auf einer Seite der Insel, die in der Mitte durch hohe Vulkane quasi zweigeteilt wird, gibt's jährlich mehr als 300 Sonnentage. Auf der anderen Seite bleiben die Wolken an den Bergen hängen, und es schüttet wie aus Eimern. 
 
Vom 15. auf den 16. März 1952 wurden innerhalb von 24 Stunden auf Reunion 1870 mm Niederschlag pro qm gemessen! Zum Vergleich: Der Deutsche Rekord aus dem Februar 2002 steht in Zinnwald-Georgenfeld bei 312 mm . Dazu sollte man wissen, dass die Regenmenge im angeblich so regnerischen Hamburg im Schnitt in einem ganzen Jahr lediglich auf 770 Millimeter kommt. 
 
Dass sind Werte, die das vom Monsun heimgesuchte Indien locker in den Schatten stellt. Die bisher größte gemessene Regenmenge eines Jahres ging dort im Ort Cherraponji nieder und betrug 26 461 Millimeter! Asien ist ohnehin der regenreichste Kontinent, Kolumbien bringt Südamerika mit 11 560 mm auf Rang zwei. Dicht dahinter liegt Neuseeland: Die Ortschaft Cropp at Waterfall macht ihrem Namen mit 11 431 mm alle Ehre. 
 
Solche Wassermassen bleiben nicht ohne Folgen. Bangladesh, New Orleans oder zuletzt die Ostküste von Australien, wo im März dieses Jahres riesige Gebiete einschließlich der Großstädte Brisbane und Sydney überschwemmt waren, zeigen, dass die sogenannten Jahrhundertfluten sich inzwischen alle paar Jahre wiederholen. Erst vor zwei Tagen hat es das österreichische Bundesland Vorarlberg erwischt, wo im Rheintal bei Bregenz 200 l Regen herunterkamen, ein neuer Allzeit-Rekord, wie berichtet wurde. 
 
Und wir, die wir in Dorsten dicht hinter dem Lippedeich leben, erinnern uns noch gut an den Jahreswechsel 2002/2003, als nachts die Bagger in Windeseile den Deich erhöhen mussten, weil nie für möglich gehaltene Pegelstände des Flusses den ganzen Ort unter Wasser zu setzen drohten. Also stimmt mit mir in den Bittgesang ein: Dürrezeit, geh rasch vorbei, Regenwolken, kommt herbei! Doch Donner, Blitz und Wolkenbruch gab es schon anderswo genug. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Gefrorenes Regenwasser kann nicht nur als Hagel, sondern auch als Schnee vom Himmel rieseln. Die größte bekannte Schneeflocke wurde 1897 in Fort Kough, im US-Bundesstaat Montana registriert. Sie soll 38 cm gemessen haben. Ich frage mich ja, wer damals so geistesgegenwärtig Maß genommen hat. Fragen wir Donald Trump: "Yes, indeed, that was my Grandpa! A very, very good man! We keep the big Snowflake 125 years in our family-tresor. But now the goddamned FBI had destroyed it!" 

 

Schmunzelpost 489 vom 21. 8. 22 


In der Nacht zu gestern ließ mich ein seltsames Geräusch aufhorchen. Gegen 0.45 Uhr trommelte etwas gegen unsere Fensterscheiben. Dracula? Immerhin war die Geisterstunde noch nicht vorbei. Da ich nicht abergläubisch bin, öffnete ich spontan das Fenster (bei echten Vampiren ist davor dringend abzuraten!). Und siehe da: Es waren merkwürdige ovale Gebilde, die sich da bemerkbar machten. 
 
Zeitweise prasselten sie sogar gegen die Fensterscheibe. Doch nach zwei, drei Minuten war der Spuk schon wieder vorbei. Was war das? Die Mitbewohnerin meinte staunend: "Hat es etwa tatsächlich geregnet?" Regen? Meinte sie die Sternschnuppen, diese Perseiden, deren Sturz in die Erdatmosphäre in den letzten Nächten gut zu beobachten gewesen wäre, wenn nicht der Mond mit voller Leuchtkraft dazwischen gefunkt hätte? 
 
Nein, nein. Bei "Regen" soll es sich um eine Naturerscheinung handeln, die früher vor allem in England sogar sprichwörtlich geworden ist. Dabei soll tatsächlich Wasser vom Himmel gefallen sein. Ja, wirklich! H2O, wie wir es noch aus den Erzählungen der Alten kennen, die behaupten, dass früher einmal der Rhein voll mit Wasser gewesen sein soll. 
 
Heute jedoch schlägt uns die gespenstische Substanz ein Schnippchen nach dem nächsten. Sagten die Meteorolügen noch für den Montag in Dorsten sieben Stunden Regen voraus, korrigierten sie sich bereits am Morgen schon auf drei Stunden, von denen noch eine (Wahrscheinlichkeit: 70 Prozent!) übrig blieb. Doch was fiel bei uns vom Himmel nix! Kein Tropfen! 
 
Das gleiche Spiel am Mittwoch. Wir erwägen bereits eine Expedition nach Bayern, um das seltene Naturphänomen einmal persönlich zu erleben. Doch nach dieser nächtlichen Sensation wissen wir: Es gibt ihn wirklich, der Regen. Und er kann sogar in Dorsten fallen. Bis es wieder soweit ist, bereiten wir uns schon einmal wissenstechnisch darauf vor. 
 
Regen, so behauptet Wikipedia, sei ein Wetterereignis und eine Form von Niederschlag. "Regen besteht aus Wasser, das als Dampf in den Wolken gespeichert war und nun durch Kondensation in Form von Tropfen auf den Boden fällt. Die Tropfen binden Staub und Aerosole, die in die Atmosphäre  aufgestiegen sind. Diese Bestandteile bestimmen den pH-Wert des Regens."
  
So, nachdem wir die Theorie kennengelernt haben und die Natur nur 50 Kilometer entfernt in Dortmund schon mal demonstrativ die Weichen gestellt hat, vertrauen wir noch einmal der Wettervorhersage und ihren Ankündigungen für das Ende der nächsten Woche. Was ich mit dem Hinweis auf Dortmund meine? Dort sollen ein paar Fußballer sechs Minuten lang drei Mal im Regen gestanden und danach wie begossene Pudel aus der Wäsche geschaut haben. . .
  
Glückauf 
kdk 
 
PS.  Mit der Zugabe beziehe ich mich auf die gestrige Schmunzelpost. Als 101. Vorwand, dem Kalsarikänni zu frönen, wird auch die Begründung "Es könnte irgendwann selbst in Dorsten länger regnen" akzeptiert. Ich bereite mich also schon mal auf einen Wolkenbruch vor. Prost! 

 

 Schmunzelpost 488 vom 20. 8. 22

Bis vor ein paar Minuten habe ich alle Fünfe gerade sein lassen und vor dem Bildschirm die Leichtathletik-Europameisterschaften in München verfolgt. Bewaffnet war ich mit Studentenfutter und einer Flasche Grauburgunder. Und bekleidet war ich mit Sporthose und Addidas-Shirt. Nicht, weil ich mich so besser in die Athleten hinein versetzen konnte, sondern weil ich eigentlich noch ins Fitness-Studio wollte. Wobei der passive den aktiven Sport also wieder einmal ausstach.
 
Nebenbei wurde mir klar, dass ich alle Voraussetzungen für Kalsarikänni erfüllte. Ihr erinnert Euch? Das ist ein Volkssport der Finnen, mit dessen Hilfe die Skandinavier am besten abschalten und sich vom Alltagsstress erholen können. Gerade habe ich dazu ein Buch von Miska Rantanen gelesen. Der Untertitel lautet: Vom großen Spaß sich allein zu Hause in Unterwäsche zu betrinken! Diese Methode entspannt die Finnen noch besser als ihre Sauna. 
 
Und sowohl Umfragen als auch Statistiken besagen, Finnland sei das stabilste Land der Welt. Finnland ist außerdem auch noch das sicherste Land mit den glücklichsten Bürgern der Welt, die Finnen genießen die weltweit größte persönliche Freiheit und vermitteln ihren Kindern auch noch die beste Schulbildung. Außerdem haben sie die coolste und bestaussehende Ministerpräsidentin, wie jetzt ein Party-Video von der 36-jährigen Regierungschefin belegte.
  
Von Finnland lernen heißt also leben lernen. Der Einstieg klingt ziemlich leicht. Kalsari heißt eigentlich Unterhose, Känni so viel wie Schwips. Damit sind zwei wesentliche Voraussetzungen für alle genannt, die den glücklichen Finnen nacheifern wollen. Wobei man beide Begriffe ein wenig näher betrachten sollte. 
 
Wenn der Finne nach Hause kommt, entledigt er sich gern aller hemmenden Kleidungsstücke, die er draußen zu tragen gezwungen ist. Nicht aus Gründen der Erotik, sondern allein wegen der Bequemlichkeit. Ein Finne, der Kalsarikänni betreibt, hat nämlich die Absicht, sich dabei anderen Menschen nicht zu zeigen. Selbst.wenn er (oder sie, denn Frauen frönen dem schönen Brauch genauso) über soziale Medien den Kontakt zu anderen sucht, wenn im Zustand lockerer Glückseligkeit geplaudert, philosophiert oder herumgealbert wird, bleibt die Kamera grundsätzlich aus. 
 
Die Unterhose ist keine Pflicht. Genauso dürfen Pyjamas, alte Jogging-Klamotten, Boxershorts oder Sporthosen getragen werden. Die Tagessocken fliegen zwar zu Beginn in hohem Bogen durchs Zimmer, wenn die Raumtemperatur dies jedoch erfordert, werden sie gern durch gemütliche Wollsocken ersetzt. 
 
Und was das Trinken betrifft: Kalsarikänni-Fans streben keinen Vollrausch an. Im Gegenteil: Kontrolliertes Trinken ist angesagt. Es gilt, einen Kater am nächsten Tag unbedingt zu vermeiden. Deshalb eignen sich vor allem Bier, Sekt oder Wein besser als harte Sachen wie Whiskey, Cognac oder Wodka. Wobei auch davon ein kleines Gläschen als krönender Abschluss angeblich nicht schaden kann. Unentbehrlich sei süsses oder salziges Knabberzeug, auch Chips sind erlaubt. 
 
Dann gehört ein geeignetes Unterhaltungs-Utensil dazu. Wie schon erwähnt, vielleicht etwas zum Surfen oder Chatten im Internet, Aber auch ein Fernseher oder Recorder, der angenehm berieselt, ist beliebt. Die Kost soll nur nicht zu problematisch oder aufwühlend sein. Das gilt auch für Bücher. Und die Lieblingsmusik ist immer richtig, vor allem, wenn sie im Laufe des Abends lautstark und gerne auch falsch mitgesungen wird. Luftgitarre und Luftschlagzeug kommen ebenfalls recht häufig zum Einsatz. 
 
So schaffen sich die Finnen mit einfachsten Mitteln daheim ein Wohlfühl-Oase. Natürlich lässt sich die heile Welt so nicht jeden Abend herstellen. Aber ein, zweimal pro Woche darf man schon alle Widrigkeiten vergessen, damit man für die restliche Zeit gegen Widrigkeiten gewappnet ist. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Miska Rantanen zählt auch die 100 besten Vorwände auf, warum man sich Kalsarikänni gönnen sollte. Auf Platz eins: Der Arbeitstag ist vorbei! Auf Platz zwei: Morgen muss ich arbeiten! Platz drei: Morgen muss ich nicht arbeiten. Platz vier: Heute regnet es. Platz fünf: Morgen soll es regnen 
 
Platz 9: Partnerin oder Partner sind ausgegangen. Platz 10: Partnerin oder Partner sind zuhause. Platz 11: Partnerin oder Partner sind nach den TV-Nachrichten eingeschlafen. Platz 12: Ich habe gar keine Partnerin und keinen Partner! 
 
Hochinteressant auch die hinteren Plätze. Rang 97: Es ist unmöglich, mit offenen Augen zu niesen! Rang 98: E = mc hoch zwei! 99: Irgendein Grund findet sich immer! 100: Andererseits: Wen interessiert's! 
 

 Schmunzelpost 487 vom 19. 8. 22

 

Meint Ihr, eine Haarschleife würde mir stehen? Immerhin würde sie womöglich von den lächerlichen Baseball-Kappen oder Mützen ablenken, mit denen ich meinen Schädel im Sommer vor schädlichen Sonnenstrahlen schützen soll. 
 
Was wäre die Alternative? Vielleicht eine passende Aktion zum Internationalen Jar-Jar-Binks-Tag? Erst seit zehn Minuten weiß ich, wer Jar Jar Binks überhaupt ist. Irgendein bekloppter Außerirdischer aus den Star-Wars-Filmen, eine Kreuzung aus Frosch und Affe mit reptilienhaften Zügen. Nein, danke! Oder der "Tag des Orang Utans", der ebenfalls heute, am 19. August, gefeiert wird? Dazu sind meine Arme nicht lang genug, und es fehlt mir auch an Körperbehaarung. 
 
Der Welttag des Fotografierens fällt für mich ebenfalls aus, da ich nie besonders gern fotografiert habe. Erst recht nicht mehr, nachdem ich das als Reporter zusätzlich zum Schreiben möglichst perfekt tun sollte. Und die drei amerikanischen heutigen Aktionstage (Luftfahrt, scharfes Essen, Kartoffel) reizen mich auch nicht besonders. Ich glaube, eine Haarschleife steht mir doch ganz gut. 
 
Morgen habe ich weniger Probleme. Da begeht man in Deutschland den "Endlich-kaputt-Tag". Dieser Aktionstag erfreut alle, die sich ständig über einen Gegenstand ärgern, den Partner oder Partnerin mit in die Wohnung gebracht haben und partout nicht entsorgen wollen. Das kann die hässliche Vase der Erbtante sein, der 30 Jahre alte Pullover des Mannes, der "noch viel zu gut ist, um ihn zur Altkleider-Sammlung zu geben" oder die verhasste Zimmerpflanze, die trotz heimlichen Gießens mit Hustentee einfach nicht das Zeitliche segnen will. 
 
Aber am 20. August passiert das (Un)glück. Unverhofft ist der Blumentopf mit der Pflanze vom Fensterbrett gesprungen und unten in tausend Stücke zerschellt. War es der Durchzug? Oder der Kater? Niemand weiß das so genau. Und auch, dass ein gewisser Pullover als Fundstück beim Internationalen Geocaching-Tag am 20.8. im Wald verborgen wurde, weiß niemand außer dem glücklichen Finder. 
 
Der 21. August ist der Welttag des Helikopters. Den sollten wir uns in den USA mieten, um Veranstaltungen zu drei Aktionstagen abzuklappern. Dem Spumani-Tag (das ist eine ursprünglich italienische Eierspeise, die aus mehreren Schichten verschiedener Eissorten, Früchten und Nüssen besteht), dem Tag der Senioren und dem National Poets Day. Why are the Americans so mad? They like Donald Trump - this is sad, sad, sad! 
 
Auch am 22. August hat man in den USA vier Aktionstage zur Auswahl. Da wäre der "Lass-Deine-Katze-untersuchen-Tag". Den jährlichen Check samt Schutzimpfung hat unser Kater bereits am letzten Dienstag hinter sich gebracht. Im Gegensatz zu seinem äußerst wehrhaften Vorgänger lässt er dies brav mit sich geschehen. Früher war dies dagegen für die Tierärztin und ihr Personal stets der "Lasst-Eure-Wunden-untersuchen-Tag". 
 
Ansonsten haben die USA noch den "Sei-ein-Engel-Tag", den "Beiss-in-einen-Pfirsich-Tag" und den "Tag der Zahnfee" zu bieten. In Deutschland begeht man stattdessen am 22. 8. den "Tag der Fische". In diesem Jahr vor allem an der Oder. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Einen Aktionstag habe ich zunächst unterschlagen. Weil ich den begründeten Verdacht hege, dass hinter dem amerikanischen "Tag der männlichen Körperpflege" am 20. August wieder einmal die einschlägige Industrie steckt. Aber weil manche Frauen behaupten, Männer und Körperpflege, das sei ähnlich kompatibel wie Putin und Nächstenliebe, denke ich, dass ein kleiner Hinweis nicht schaden kann: Männer, gönnt Euch heute zur Feier des Tages die monatliche Rasur, den vierteljährlichen Friseurbesuch oder das jährliche Bad. 
 

Schmunzelpost 486 vom 18. 8. 22 


In letzter Zeit habe ich bemüht, einige Irrtümer auszuräumen. Da sich die Schmunzelpost  gern mit Sprache beschäftigt, liegt es nahe, auch in diesem Bereich den Dingen auf den Grund zu gehen. Denn auch sprachlich sind wir oft auf dem Holzweg. 
 
Wo liegt der Hund begraben? Falls Ihr Euch mal gefragt habt, was Ursachen oder verborgene Hintergründe mit einem Tierfriedhof zu tun haben - nix! Die Redensart stammt aus dem Mittelhochdeutschen. Mit "hunde" bezeichnete man früher die Beute oder den Raub - und die wurden gerne verbuddelt. 
 
Vom Mittelalter in die Gegenwart. Das Event ist zum Modewort für Ereignisse und Veranstaltungen geworden. Doch, wer hätte das gedacht, es kommt aus dem Englischen. Und korrekt übersetzt müsste es dann "der Event" heißen. Obwohl der Duden kneift und beides zulässt. 
 
Auch der nächste Fehler ist vom Englischen beeinflusst. Die Floskel "Das erinnere ich nicht" ist heutzutage sehr beliebt. Nicht wahr, Olaf? Sie sollte jedoch im Deutschen nicht wie "remember" gebraucht werden, denn bei uns ist erinnern ein reflexibles Verb. Und das kommt ohne Zusätze wie "ich, mich, uns, sich" nicht aus. Das gilt auch für sich konzentrieren oder sich vorsehen. Erinnert Ihr Euch? 
 
Einem anderen Irrtum bin auch ich lange aufgesessen. Ein Gourmet war für mich ein Feinschmecker, ein Gourmand dagegen ein Vielfraß. Ein Gourmet ist in Frankreich jedoch früher der Gehilfe eines Weinhändlers gewesen, ein spannender Job, mit dem auch ich mich hätte anfreunden können. Heute bezeichnet er einen Weinkenner. 
 
Ein Gourmand hingegen galt in Frankreich als naschhaft, im Deutschen kommt ihm ein Schlemmer am nächsten. Das sagt zwar etwas darüber aus, dass er gern viel isst, aber nichts darüber, ob er nicht auch generell Delikatessen vorzieht. Deshalb können Gourmand und Gourmet beim Tafeln eine glückliche Verbindung eingehen. 
 
Hat jemand, der die Arschkarte zieht, pardon, in die Scheiße gegriffen? Oder ist er sogar selbst ein Arsch? Nein! Er darf eigentlich bloß nicht mehr mitspielen. Denn der Begriff stammt aus der Zeit, als es bei uns nur Schwarz-Weiß-Fernsehen gab. Und damit die Zuschauer auf einen Blick kapierten, ob ein Fußballschiedsrichter einen Spieler mit der gelben Karte nur verwarnte oder ihn mit der roten Karte vom Platz stellte, holten die Unparteiischen die Rausschmiss-Karten stets aus ihrer Gesäßtasche hervor. 
 
Einen habe ich noch. Mir ist jahrzehntelang nicht klar gewesen, wo der Begriff "Zeitungsente" herkam. Ich habe mich bloß stets bemüht, keine zu produzieren. Doch wie ist das Federvieh in die Zeitungsspalten geraten? Ganz einfach: Überhaupt nicht! Die Zeitungsente leitet sich nämlich von englischsprachigen Journalisten ab. Wenn sie eine Meldung weitergaben, deren Wahrheitsgehalt nicht überprüft war, schrieben sie vorsichtshalber "not testified" darunter. Oder vielmehr, sie benutzten die Abkürzung N.T. Was wir Deutsche mit En-Te übersetzten - heute ein klarer Fall von Rassismus. Donald Duck soll bereits am Gerichtshof von Entenhausen eine Verleumdungsklage eingereicht haben. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Statt mit "Glückauf" hätte ich mich auch mit "So long" verabschieden können. Denn das bedeutet ja "Bis bald mal!" Falsch! "So long" ist nicht aus dem Englischen, sondern aus dem arabischen (Salam) oder hebräischen (Shalom) entlehnt. 
 

 Schmunzelpost 485 vom 17. 8. 22


Faule Socken wie ich wissen sich an Hundstagen zu helfen. Warum an schweißtreibenden Tagen doppelt arbeiten, wenn man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann? So kommt Ihr heute in den Genuss des Entwurfes für einen neuen Tintenhühner-Sketch, den das Publikum erst bei der Premiere am 10. November zu Gesicht kriegt. 
 
Moderator: Wie unser freier Mitarbeiter Petrus ins Cornelia-Funkhaus meldet, rumort es gerade im Himmel. Der liebe Gott, so Petrus, sei stinksauer über die Zustände auf Erden. Bevor er jedoch eine neue Sintflut schickt, möchte er es erst auf andere Weise versuchen und fragt: "Petrus, in Deutschland gibt es doch eine große christliche Partei, die eine Pfarrerstochter zur Kanzlerin gemacht hat. Hat diese Frau nicht gerade viel Zeit, weil sie letztes Jahr in Ruhestand gegangen ist?" Das war natürlich nur ein rhetorische Frage, denn Gott ist bekanntlich allwissend. 
 
Kurzum: Er ernennt Angela Merkel zu seiner Sonderbeauftragten und stattet sie mit weitreichenden Vollmachten aus. Und die Uckermärkerin macht sich sofort an die Arbeit und lädt einige irdische Unruhestifter zur Audienz auf Wolke sieben ein. Schauen wir mal, was dort passiert. 
 
Angela Merkel sitzt am Schreibtisch. Als erster betritt Gerhard Schröder ihr Zimmer. "Angela, altes Mädchen, habe ich doch richtig gehört: Du hast ganz oben einen Spitzenjob ergattert. Aber kannst Du das überhaupt? Oder soll ich nicht besser übernehmen?" "Gerd, Du alte Rotweinnase, Du hast schon viel zu viele Jobs übernommen, die Deinem und dem deutschen Ansehen geschadet haben. Als Buße und letzte Chance, Dir 1000 Jahre Fegefeuer zu ersparen, kriegst Du jetzt einen Wiedergutmachungs-Auftrag. Du steigst wieder bei Gazprom ein und krempelst den Konzern zum Windkraft- und Photovoltaik-Unternehmen um!" 
 
 "Ja, aber was wird mein Freund Wladimir dazu sagen?" "Um den mach Dir mal keine Gedanken. Der wird nachher auch noch von mir rasiert. Aber zuerst: Hol mir mal 'ne Flasche Bier, sonst streik' ich hier. Basta!" Schröder geht bedröppelt ab. 
 
Als nächster tritt Silvio Berlusconi ein. "Ah, Angela, belissima! Schön, Dich mal wieder zu sehen!" "Das kann ich von Dir nicht behaupten, Du alte Botox-Mumie! Du hättest schon lange im Ruhestand verschwinden und nicht mit Deinen Fascho-Kumpeln in Italien nach der Macht greifen sollen. Aber weil der Papst ein gutes Wort für Dich eingelegt hat, drücken wir ein Auge zu. Du kriegst im Paradies ein eigenes Bunga-Bunga-Zimmer. Und zwei Gespielinnen." "Si, si, Angela, wer ist das denn? Heidi Klum und Jennifer Lopez?"  "Nö, viel besser: Maggie Thatcher und Annegret Kramp-Karrenbauer!" (Die beiden Frauen treten ein und winken mit Peitschen, Knüppeln und Handschellen). Sie greifen sich Berlusconi und zerren den Widerspenstigen ("Mamma mia! Gnade!") hinaus. 
 
Der Nächste ist Kim-Yong-Un. "Ich protestiere! Wir werden Atomraketen in den Himmel schießen, wenn der glorreiche Führer der Volksrepublik Nordkorea nicht auf der Stelle freigelassen wird." "Großer Irrtum, großer Führer. Dein Volk wird Feuerwerksraketen in den Himmel schießen, um zu feiern, dass sie Dich endlich los sind. Und Du kommst in das Heim für schwer Erziehbare der Weight Watchers und kriegst die nächsten zehn Jahre nur die gleichen mageren Rationen, die ein nordkoreanischer Arbeiter zu essen hatte! Abmarsch!" 
 
Dann folgt Erdogan. Er will Angela Merkel die Hand reichen, doch die deutet nur stumm auf ein drei Meter entferntes Fußbänkchen, auf dem Erdogan Platz nehmen und zur Himmelsbeauftragten aufschauen muss. "Recep, Du großmäuliger Schreihals! Du hast jeden zum Terroristen gestempelt, der nicht Deiner Meinung war. Und Du wolltest aus einer Demokratie einen islamischen Gottesstaat machen. Damit Du merkst, wie sich das anfühlt, verbannen wir Dich für drei Jahre als siebte Nebenfrau in den Harem eines schiitischen Mullahs nach Teheran. Da solltest Du dann besser Deine Klappe halten!" Erdogan tritt mit hängendem Kopf ab. 
 
Als letzter ist Wladimir Putin an der Reihe. "Wen haben wir denn da?" mustert ihn Angela Merkel. "Iwan, den Schrecklichen? Ach nein, Du bist bloß der Möchtegern-Zar Wladimir, der Blutrünstige. Du willst Russland in alten Grenzen erstehen lassen und gleichzeitig die Bodenschätze in der Arktis für Dich beanspruchen. Kannst Du haben! Wir verbannen Dich auf Lebenszeit in die Polarstation Nowgorod. Ach ja, Du liebst doch Haustiere. Ich habe was Schöneres als große Hunde. Wenn sie mit ihren Einsätzen in der Ukraine fertig sind, werden Dir mein Leopard und mein Marder am Nordpol Gesellschaft leisten." 
 
Putin tritt ab, Angela legt sich auf dem Schreibtisch aufs Ohr. Da kommt Olaf Scholz ins Zimmer und rüttelt sie wach: "Aufwachen, Angela, Schluss mit dem Mittagsschläfchen. Deine Kartoffelsuppe ist fertig." Merkel gähnt und schaut sich um. "Ach, ich bin in der Uckermark. Wie schade, dann habe ich das alles nur geträumt." Denkt kurz nach: "Aber wenigstens bist Du hier, mein treuer Vize Olaf. Mir fällt da was ein: Während ich meine Suppe löffle, stell mir doch bitte eine Internet-Verbindung her. Mit Petrus, www. Himmelspforte.de. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 484 vom 16. 8. 22


"Ja, is' denn heut' scho' Weihnachten?" Das fragte sich außer Franz Beckenbauer auch ein Bekannter, als er jetzt im Supermarkt einkaufen ging. Dort entdeckte er im Regal eine Tüte mit Lebkuchen. Im August! An den September als voradventlichen Versorgungsmonat hatte er sich zwar widerstrebend gewöhnt, doch der Hochsommer erschien ihm reichlich verfrüht. 
 
Also wandte er sich murrend an das Verkaufspersonal. Dem angesprochenen Supermarkt-Mitarbeiter war die Geschichte sichtlich peinlich. Es stellte sich heraus, dass der Lebkuchen vom Vorjahr übrig geblieben war. Offenbar sei die Tüte ganz hinten zwischen andere Produkte gerutscht und jetzt in die erste Reihe gerückt. Na, da hätte der Käufer aber ganz schön was zu Knabbern gehabt! 
 
Dies nehme ich zum Anlass, mich heute mit weiteren weihnachtlichen Irrtümern zu beschäftigen. Dass der Nikolaus und der Weihnachtsmann nicht identisch sind, wisst Ihr alle. Hartnäckig hält sich aber das Gerücht, der Weihnachtsmann sei 1931 von Coca Cola erfunden worden. In Wahrheit zeigen Weihnachtskarten aus dem Jahr 1897, dass der weissbärtige Kerl bereits damals unterwegs war. Allerdings hatte er einen flexibleren Farbgeschmack. Neben rot-weißer Kleidung trug er manchmal auch grün-weiß, braun-weiß oder, besonders sympathisch, blau-weiß. 
 
Nächster Irrtum: Weihnachten ist gar nicht der höchste christliche Feiertag. Eine Auferstehung ist deutlich seltener als Geburtstage - dieser Rang gebührt also dem Osterfest. Überhaupt ist mehr als wahrscheinlich, dass Weihnachten zum falschen Datum gefeiert wird. Das gilt nicht nur für den 25. Dezember, sondern vor allem für das vermeintliche Geburtsjahr von Jesus. 
 
Denn die Zahl "Null" war den Römern absolut kein Begriff. Und auch der Mönch Dinosysius  Exiguus, der im Jahr 525 die Grundlage für die christliche Zeitrechnung festlegte, wusste von der Null gleich null. Ist Jesus also ein Jahr vor Christi Geburt zur Welt gekommen, das klingt recht paradox, wurde er im Jahre 0 geboren oder erst im Jahr 1 nach Christi Geburt. Die Antwort lautet: Weder - noch. Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft erblickte der Heiland irgendwann zwischen dem siebten und dem vierte Jahr vor Christi Geburt das Licht der Welt. Schade, dass die Standesämter damals schon ebenso schlampig arbeiteten wie Berliner Behörden heutzutage.
 
Auch was Gottes Gegenspieler auf Erden betrifft, gibt es irrige Meinungen. Wer meint, Satan sei der Fürst der Hölle, der ist auf dem Holzweg. Offiziell hat dort Luzifer das Sagen. Sein Vize heißt Belial. Und hinter Satan folgen Beelzebub, Pluto und Astarot. Insgesamt sollen gleich neun abgefallene Engel eine Hierarchie gebildet haben. Teuflisch, was? 
 
In Dantes "göttlicher Komödie" von 1307 kam noch ein zehnter Kreis hinzu. Und der Dämonologe Johannes Wier beschrieb 1577 sogar 68 höllische Dämonen. Satan kam bei ihm nicht vor. Dafür schickte Goethe mehr als 200 Jahre später Mephisto ins Rennen. Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr nicht eines fernen Tages persönlich herausfindet, wer wirklich in der Hölle das Sagen hat.  
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ein Nachtrag zur Eingangsgeschichte: Das Ganze spielte sich in der Stadt mit dem größten Weihnachtsbaum-Verschnitt  Deutschlands ab, in Dortmund. Dort glauben offensichtlich verhältnismäßig viele Menschen noch immer an den Weihnachtsmann. Kein Wunder. Es soll dort sogar Leute geben, die glauben, der BVB würde in diesem Jahr vor den Bayern Meister! 

 

Schmunzelpost 483 vom 15. 8. 22

 

Diese Schmunzelpost steht ganz im Zeichen der USA. Denn mit einer einzigen Ausnahme werden alle Aktionstage vom 15. bis zum 18. August in Amerika gefeiert. 
 
Wer dennoch auch in Deutschland mitmachen will, hat es vor allem heute leicht. Denn am 15. Februar ist es nicht nur erlaubt, sondern geradezu erwünscht, etwas falsch zu machen (Tag der Fehler). Anschließend dürft Ihr Euch davon erholen (Tag der Erholung), indem Ihr Euch von Euren besten Freunden trösten lasst (Tag der besten Freunde). 
 
Am 16. August muss ich aber mit den Amerikanern ein ernstes Wörtchen reden. Da nehmen sie es sich nämlich heraus, ein urdeutsches Kulturgut zu feiern, als wäre es ihre Leibspeise: Sie begehen den "Tag der Bratwürste". Sollen sie doch gefälligst bei ihren Burgern und Hot Dogs bleiben, die Würste! Sympathisch finde ich dagegen den Aufruf zu einer weiteren Aktion. Der 16. 8. ist auch der "Wink-Überwachungskameras-zu-Tag". Und wenn Ihr einem Starenkasten winkt, kriegt Ihr womöglich noch ein nettes Erinnerungsfoto dazu... 
 
Dafür wird am 17. August einem Tier gehuldigt, das in der Vergangenheit weltweit viel zu leiden hatte. Der "Ehrentag der schwarzen Katze" soll unterstreichen, dass diese Tiere keinesfalls die Kumpel von Hexen und Teufeln sind und die abergläubischen unter Euch auch nicht umkehren müssen, wenn ihnen eine schwarze Katze über den Weg läuft. 
 
Interessant finde ich den "Ich-mag-meine-Füße-Tag". Natürlich mag ich meine Füße! Ohne sie könnte ich weder gehen noch stehen. Warum also solch ein Aktionstag? Ein Blick in die USA hilft, das zu verstehen. Dort leiden 75 Prozent der Erwachsenen unter Fußproblemen. Als Folge von Übergewicht und dem Tragen ungesunder Schuhe. Also sollen sie sich verstärkt um die Pflege ihrer Füße bemühen. Ich füge hinzu: And use your feet to kick Donald Trump in his ass! 
 
Am 18. August lasse ich den amerikanischen "Bad-Poetry-Day" links liegen, obwohl er mich sehr zu Aktionen reizen würde. Aber dann feiern wir endlich mal wieder einen deutschen Aktionstag. Und was für einen! Wir begehen den "Tag des hochgekrempelten Hosenbeins". Man beachte die Einzahl! Gut, für Fahrradfahrer macht das Sinn. Ein hochgekrempeltes rechtes Hosenbein schützt die Hose vor Kettenschmiere. 
 
Doch schon beim Strandspaziergang frage ich mich, warum ich nur ein Hosenbein hochkrempeln soll. Es ist ziemlich selten, dass ich mit einem Fuß auf dem Trockenen stehe und den anderen das Wasser knöchelhoch überspült. Doch womöglich soll hier ein neuer Modetrend gesetzt werden. Bekleidungsregeln sind ja oft unsinnig. So hat mir bis heute niemand plausibel erklärt, was die Krawatte, dieser würgende Zivilisationsfaden, für einen praktischen Nutzen hat. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zum Glück gibt es die Zugabe. Ein schlechtes Gedicht, vorzutragen am 18. August, kann ich mir doch nicht verkneifen: 
 
Hurra, Hurra, der Harald der ist da! 
Es freut sich sehr der Club der Rentner, 
denn Harald Schmidt wiegt zwar kein'n Zentner, 
doch fünfundsechzig wird er heute, 
drum hoffe ich auf fette Beute: 
Damit er widersteht dem Rost, 
schreibt er vielleicht 'ne Schmunzelpost? 

 

Schmunzelpost 482 vom 14. 8. 22 


Einer der nächsten europäischen Staaten, in denen Wahlen bevorstehen, ist Italien. Und wenn man liest, wer in den Umfragen vorne liegt und welche Auffassungen diese Politiker vertreten, kann einem wahrlich Angst und Bange werden. Das kommt davon, wenn man zulässt, dass ein Großteil der Medien Leuten wie Silvio Berlusconi gehört. 
 
In autokratischen Staaten haben es die Machthaber noch leichter. Nicht nur, dass sie das Medienmonopol besitzen, sie lassen aussichtsreiche Gegenkandidaten erst gar nicht zur Wahl zu oder sperren sie ein. Und falls dann immer noch nicht das gewünschte Ergebnis herauskommt, werden eben die Stimmzettel gefälscht. 
 
Einer, der die Tyrannen wegen ihrer Machtfülle beneidet, ist Donald Trump. Er vertritt bekanntlich den Standpunkt: "Nur eine Wahl, die ich gewinne, ist eine korrekte Wahl." Obwohl er aber vier Jahre lang alles versucht hat, die Demokratie in den USA zu untergraben, ist ihm das noch nicht komplett gelungen. Kein Wunder, dass er auf einen zweiten Anlauf brennt - man soll keine halben Sachen machen. 
 
Was aber, falls Ihr in einem halbwegs funktionsfähigen Rechtsstaat versucht, eine Wahl für Euch zu entscheiden? Lügen, dass sich die Balken biegen? Den Menschen das Blaue vom Himmel versprechen? Ängste schüren und gegen Sündenböcke hetzen? Auf die Idee sind auch in Deutschland bereits andere gekommen. Nicht nur die AfD. Auch Söder, Lindner und Wagenknecht nehmen gelegentlich gern einen Schluck Zaubertrank aus der Populismus-Pulle. 
 
Gibt es keine originelleren Tricks? Doch, die gibt es. In Amerika gab 2016 ein Kandidat fast 140 Dollar aus, um seinen Namen zu ändern. Sein Kalkül: Er wollte ganz ans Ende der Liste auf den Stimmzetteln gelangen. Und das mit dem pfiffigen Namen: Above Znoneofthe. Das bedeutet etwa sowas wie "keiner von den Obengenannten". Doch seine Rechnung ging nicht auf. Zwar waren die Namen alphabetisch geordnet, aber nicht nach Nachnamen, sondern nach Vornamen. Und er stand damit ganz am Anfang.
  
In Kansas versuchte ein Kandidat, die Wähler zu verwirren, in dem er mit dem (fast) gleichen Namen ins Rennen ging wie Ron Estes, der Favorit. Sein Herausforderer trat als Ron M. Estes an. Sein Gegenspieler schlug mit Anzeigenkampagnen zurück, in denen er erklärte, das M seines Widersachers stehe für "Missverständlich". Der andere Ron behauptete, es stehe für "Merica". Da die Sache jedoch zum Medienthema geworden war, nutzte es nichts. Ron, der Erste, gewann ganz klar. 
 
Nun wird es richtig kompliziert. Denn es gab auch Namenstricks, die tatsächlich funktionierten. Jahrzehntelang herrschte in Pennsylvanien ein großes Durcheinander, und der Verdacht liegt nahe, dass viele Wähler gelegentlich für den Falschen stimmten. Es gab nämlich gleich fünf Bob Caseys. Bob Casey, den Anwalt aus Scranton. Bob Casey, den Grundbuchbeamten aus Cambria. Bob Casey, den PR-Berater. Bob Casey, den Lehrer und Eisverkäufer. Und Bob Casey, den Sohn des Anwalts Bob Casey. 
 
Da ging es zeitweise drunter und drüber. Völlig verwirrt waren die Wähler als Bob Casey Nummer eins bei Vorwahlen als Gouverneurs-Kandidat und Bob Casey Nummer vier als Vize-Gouverneur-Anwärter kandidierte. Außenseiter Bob Casey Nummer vier profitierte davon und wurde überraschend für das Amt nominiert. Bob Casey Nummer ein verlor dagegen ebenso überraschend gegen, nein, nicht Bob Casey Nummer sechs, sondern gegen Pete Flaherty. 
 
Doch Bob Casey Nummer eins hatte daraus gelernt. Acht Jahre später trat er als "der wahre Bob Casey" an - und wurde zum Gouverneur gewählt. Auch Bob Casey Nummer zwei brachte der Name Glück. Er besiegte die erklärte Favoritin seiner Partei, obwohl Catherine Knoll mehr als 100 000 Dollar in ihren Wahlkampf investierte. Bob Casey gab dagegen bloß 865 Dollar aus. 
 
Wenn Ihr also mal eine Wahl gewinnen wollt - versucht es doch mal unter dem Pseudonym Bob Casey. Wie, das geht bei uns nicht? Dann lasst Euch von Bob Casey adoptieren. Sind ja genug da. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch ein anderer Vorschlag. Ihr müsst nach Berlin umziehen. Dort kann man nicht nur auf großem Fuß leben - mit Schuhgröße 57 hält der Berliner Lars Motza angeblich den Weltrekord - es gibt auch immer wieder Dinge, die anderswo unmöglich sind. So verzeichnete der Stimmbezirk Reinickendorf bei der letzten Wahl eine Wahlbeteiligung von 150 Prozent! Unter solchen Bedingungen müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn Ihr keine Chance hättet, eine Wahl zu gewinnen! 
 

Schmunzelpost 481 vom 13. 8. 22 


Wie Ihr wisst, interessiere ich mich für absurdes Wissen und abwegige Dinge. Deshalb war ich jetzt bei Randall Munroe an der richtigen Adresse. Der ehemalige Roboter-Ingenieur der NASA hat als neuestes Buch einen "Self-Help-Guide" vorgelegt, in dem er die Menschen darüber informiert, wie man unvermutete Probleme lösen kann. Für die Situation, um die es heute geht, hat er sogar einen Astronauten und erfahrenen Testpiloten als Ratgeber gewonnen. 
 
Einige von Euch werden trotz schlechtem Gewissen wegen ihrer Öko-Bilanz hin und wieder ein Flugzeug besteigen. Was aber, wenn plötzlich das Team im Cockpit ausfällt, weil ihm gelb-schwarz vor Augen wurde, als die Live-Übertragung eines BVB-Spiels lief? In so einem Fall, so Munroe, wendet sich die Stewardess mit einer Frage an die Passagiere: "Ist jemand an Bord, der ein Flugzeug fliegen kann?" Die richtige Antwort lautet: "Wenn ich es nie ausprobiere, werde ich es nie wissen." 
 
Bevor man zu einer Notlandung ansetzt, sollte die Frage geklärt sein, wo man das versucht. Landwirtschaftliche Flächen sind dabei Großstädten vorzuziehen, falls nicht zufällig ein Flughafen in der Nähe ist. Aber welche Feldfrüchte sollte man auswählen, welche Felder sind besser, welche gar nicht geeignet? 
 
Oberst Chris Hatfield von der kanadischen Luftwaffe empfiehlt Agrar-Kulturen, die weder zu hoch noch zu dicht stehen. Sonnenblumen wären ein großer Fehler. Und landet nie auf Ginseng! Der wird oft durch Schattendächer geschützt, in denen man sich verheddern kann. Am schlimmsten aber sei ein umgepflügtes Feld. Dagegen ist eine Fläche mit frischer Saat gut geeignet, es sei denn, es hat gerade geregnet. Auf einem matschigen Feld kann man nicht landen. 
 
In die engere Wahl kommen auch Weiden. Allerdings solle man dabei unbedingt auf Bäume und größere Büsche achten. Und noch ein wichtiger Hinweis des Profis: "Passen Sie auf, dass Sie keine Kühe treffen!" 
 
Die nächste, durchaus berechtigte Frage lautete: "Wenn man im Winter unterwegs ist und die einzige freie Stelle sich als Skischanze entpuppt, wie sollte man sich dann am besten nähern?" Zum Glück war Hatfield auch mal Skilehrer und hat selbst darauf eine Antwort. Am unteren Ende der Schanze gebe es einen kleinen freien Abschnitt. Man solle daher über den Zuschauerbereich hinweg anfliegen und den Anstieg des Landungshügels der Skispringer als Bremse ausnutzen. "Am besten bringen Sie die Maschine zum Stehen, wenn die Schanze beginnt, steil nach oben zu gehen. Aber das Timing muss stimmen! Sie haben keinen zweiten Versuch!" 
 
Und was ist, wenn das Flugzeug über dem Ozean unterwegs ist und zufällig ein Flugzeugträger daher geschwommen kommt? Reicht dessen Landebahn auch für eine Passagiermaschine? Hatfield rät dazu, den Kapitän zunächst dazu zu überreden, gegen den Wind zu steuern und sein Schiff so stark wie möglich zu beschleunigen. 
 
 Dann käme es darauf an, das Flugzeug in einer Linie mit dem Schiff auszurichten. Auch sollten die Landeklappen bereits vorher geöffnet werden, um zusätzliche Bremswirkung zu erzeugen und ganz hinten auf dem Schiff aufgesetzt werden. Vorsichtshalber, so Hatfield, sollte die Hand stets auf dem Schubhebel bleiben, um wieder hochziehen zu können, falls es doch nicht klappt. Dann übt Ihr den Anflug solange, bis Ihr es endlich hinkriegt! 
 
So, jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Guten Flug und 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Eine kleine Ergänzung noch: Was ist, wenn gerade kein Flugzeugträger unterwegs ist? Kann man auch auf einem U-Boot notlanden? Ja, das geht, versichert Hatfield. Zumindest, wenn man ein kleines, robustes Flugzeug hat. Dann müsse das Unterseeboot so weit wie möglich aus dem Wasser nach oben kommen und mit hohem Tempo gegen den Wind fahren. "Es ist wie eine Landung auf einem schmalen, kurzen und nassen Platz", meint der Experte, "aber es ist manchmal schwer, ein U-Boot zu finden, wenn man es gerade braucht." Die Dinger haben nämlich einen fatalen Hang zum Abtauchen. 
 

Schmunzelpost 480 vom 12. 8. 22 

Was ich bei hochsommerlichen Temperaturen noch lieber tue als sonst, ist, auf dem Sofa alle Viere von mir strecken und Musik hören. In angemessener Lautstärke. Also recht laut. Zu laut, wie Gegenstimmen meinen - aber die überhöre ich, weil sie von der Musik übertönt werden. Zum Glück lässt sich wenigstens unser Kater in keiner Weise beeindrucken. Er geht weiterhin seinen Geschäften nach, was meist bedeutet: Er schläft in aller Seelenruhe. 
 
Einer seiner Vorgänger, Tiger, der erste Kater von vier Katzengenerationen in unserem Zuhause, war da anders gestrickt. Als ich 1983 meine Diplomarbeit auf der elektrischen Schreibmaschine tippte, drückte er seinen Unmut durch fortgesetzte verbale Missfallens-Bekundungen aus. Legte ich eine Schallplatte mit Rockmusik auf, verließ er unter Protest das Zimmer. 
 
Deshalb weckte jetzt eine Glosse von Harald Martenstein mein Interesse. Ihr Titel lautete: "Katzenmusik". Martenstein beschäftigt sich darin mit der Frage, welche Art von Musik Haustiere schätzen und welche nicht. Das nahm ich zum Anlass, um selbst ein wenig zu recherchieren. 
 
So hat die Universität Belfast herausgefunden, dass sowohl Katzen wie Hunde sich mit klassischer Musik schnell anfreunden. Auf Hunde hat diese Musik sogar eine entspannende Wirkung. Musiktherapeuten nutzen das aus, damit ihre Patienten weniger bellen, ihre Unruhe ablegen und sogar Angststörungen überwinden können. Ich habe jetzt ein Bild vor Augen, wie ein Rottweiler sich auf der Praxiscouch räkelt und Mozart hört.
  
Es gibt einen Cellisten mit Namen David Tele, der sogar eigene Musikstücke für Katzen, Hunde und Affen komponiert hat. Weil die Tonhöhen und Geräuschreize sehr speziell sind, wenden sich menschliche Musikfreunde eher mit Grausen ab. Vor allem die Hunde stellten für den Komponisten eine Herausforderung dar, weil sie sich sonst hauptsächlich mit dem Geruchssinn orientieren. Doch Tele fand Töne, die auch ihnen ein zufriedenes Schwanzwedeln entlocken. 
 
Die Mississippi-Universität in den USA untersuchte gänzlich andere Tiergruppen. Dort fand man heraus, dass Marienkäfern bei Heavy Metal der Appetit vergeht. Sie verzehrten bei entsprechender Beschallung nicht mal die Hälfte der sonst üblichen Blattläuse-Menge. Dagegen steht der Weiße Hai auf Heavy-Metal. Die Vorliebe für AC/DC teilt er mit anderen Hai-Arten. Und bei Death Metal sind die Raubfische völlig aus dem Häuschen. Sie reiben verzückt ihre Schnauzen an den Unterwasserboxen. 
 
Einen ganz anderen Geschmack haben die Gelbfiebermücken. Bei einem Versuch wurden sie von thailändischen Forschern mit einem Hamster in einen Behälter gesperrt. Sofort stürzten sich die weiblichen Mücken auf den armen Nager und paarten sich im Blutrausch sofort danach mit ihren männlichen Artgenossen. Spielten die Wissenschaftler jedoch gleichzeitig den Song "Scary Monsters and Nice Sprites" von einem gewissen Skrillex, dann dauerte es erheblich länger, bis sich die Mücken an den Hamster heranmachten. Und sie hatten fünf Mal weniger Sex!
 
Sofort leuchteten in meinem Schädel sämtliche Glühbirnen auf. Sollte man mit dieser Methode vielleicht auch deutsche Stechmücken vertreiben können? Ich hörte mir das Stück auf You Tube an und stellte fest: Das wäre die Methode, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben! Ich kann die Mücken verstehen: Bei den schrillen und verzerrten Klängen springt auch mir der Draht aus der Mütze und ich mache die Mücke! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch eine Ergänzung. Wie verhält es sich mit den vielleicht musikalischsten Tieren, den gefiederten Sängern? Bei harmonischer Musik, so fanden Wissenschaftler heraus, sind Vögel deutlich aktiver und werden zum Kommunizieren angeregt. Die meisten Vogelarten mögen Klassik und lieben vor allem Claude Debussy. Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Finken und Spatzen sind die Rocker der Vogelwelt. Sie fahren voll auf Metallica ab! Wahrscheinlich stammt daher die Bauernregel "Ziehen die Finken in Schwärmen nach Norden, ist's in Wacken wieder sehr laut geworden!" 
 

 Schmunzelpost 479 vom 11. 8. 22


Yama no hi! Nein, dies ist kein neuer Versuch, Euch für den Denksport "Bilden Sie mal einen Satz mit..." zu gewinnen. Obwohl gerade für nach Niederbayern ausgesiedelte Kölner eine Übersetzung mit "gehen wir mal dort hin!" nahe läge. 
Doch "Yama no hi" bezeichnet den japanischen Tag des Berges, mit dem die Umweltverbände Nippons seit 2016 am heutigen 11. August auf den traditionellen, wirtschaftlichen und ökologischen Wert ihrer Bergwelt hinweisen. 
 
Weltweit sollten wir den Mount Everest würdigen, als Europäer den Mont Blanc, als Deutscher die Zugspitze, als NRW-Bürger den Kahlen Asten (obwohl der Langenberg noch 1,3 m höher ist) und als Dorstener den Galgenberg. Und den Japanern überlassen wir ihren Fujiyama. 
 
Bleiben wir in Asien. Am 12. August wird in China der "Tag der hungrigen Geister" gefeiert: Zhongyuan Jie. Dann starten dem Vernehmen nach die Geister und Seelen einen Tagesausflug aus der Unterwelt, um ihre lebenden Verwandten zu besuchen. Dort werden sie aus Respekt vor den Vorfahren mit allen Ehren empfangen. Schwimmende Laternen auf Papierbooten erhellen die Nacht, Konzerte und Theater sollen lautstark verirrten Seelen helfen, das richtige Haus zu finden. 
 
Und weil anscheinend auch die chinesische Unterwelt kein gemütlicher Ort ist, hofft man, mit Opfergaben wie Speisen und Totengeld den Dahingeschiedenen zu helfen und ihre höllischen Qualen zu erleichtern. Nur die Jugend hat anderes im Sinn: Im Zuge der Globalisierung feiert sie den Tag als chinesisches Halloween mit gruseligen Kostümen. 
 
Außerdem dürft Ihr am 12. 8. ausnahmsweise einen Porzellanladen in Schutt und Scherben legen. Denn wir begehen auch den Welttag des Elefanten. Kommt mir allerdings nicht Regressforderungen: Ich habe mir eigens eine dicke Haut besorgt. 
 
Für den 13. August solltet Ihr etwas üben. Um Euch in die Lage der Betroffenen hinein zu versetzen, müsst Ihr mit der linken Hand schreiben. Denn wir feiern den "Internationalen Linkshändertag". Die Linkshänder dürfen sich dann entspannt zurücklehnen und ihre Korrespondenz den Rechtshändern diktieren. 
 
Am 14. August rückt ein Land in den Fokus, das sonst gar nicht im Aktionstage-Kalender auftaucht. In Turkmenistan wird der "Tag der Melone" begangen. Die Melone ist nämlich eines der wichtigsten Exportgüter des Staates. Dort gibt es insgesamt mehr als 400 Sorten. Am beliebtesten ist die Warzenmelone, deren Ableger bekanntlich auf den Nasen von Hexen gezüchtet werden. 
 
Ist Euch aufgefallen, dass ich bisher die Inflation der US-amerikanischen Aktionstage ignoriert habe? Am 14. August mache ich eine Ausnahme. Dieser Tag ist den Navajo-Code-Talkern gewidmet. Typisch: Erst wurden die indigenen Stämme fast ausgerottet, und dann feiert man sie für Leistungen, die sie für das amerikanische Militär erbracht haben. Ronald Reagan führte diesen Ehrentag ein. 
 
Im Pazifikkrieg standen nämlich die Navajos hoch im Kurs der Army. Grund war die komplexe Sprache mit ihren vielen Besonderheiten. Da sie mit keiner anderen Sprache der Welt verwandt ist und damals alle logisch-mathematischen Dechiffrierungs-Ansätze nicht funktionierten, bissen sich Japaner und Deutsche an diesem Code die Zähne aus. 
 
Ich habe gesprochen! Howgh! 
kdk 
 
PS. Die Navajo, die sich selbst "dine" nennen, was so viel wie "Menschenvolk" bedeutet, sind heute mit ca. 300 000 Angehörigen der zweitgrößte Ureinwohner-Stamm in den USA. In ihrer Sprache kann ein Verb einen ganzen Satz ausdrücken. Es kann aber auch mal etwas länger werden. Ei-dii dioh naaltsoos ndahageehigi bi nizhoni doo la do do bedeutet in etwa (allerdings fehlen die Akzentzeichen): Diese Schmunzelpost ist toll! 
 

Schmunzelpost 478 vom 10. 8. 22 


Diesmal müsst Ihr beim Lesen der Schmunzelpost stark sein. Ich nehme Euch mit auf eine Reise in tiefe Abgründe, in die dunklen Ecken meiner Psyche. Wie sich das für eine ordentliche Seelenschau gehört, fangen wir weit in der Vergangenheit an. 
 
Die Langeweile war in der Kindheit mein schlimmster Feind. Ich wuchs als Nesthäkchen auf, meine beiden Stiefschwestern waren viele Jahre älter als ich. Kindergartenplätze waren selten, so fehlten mir zuhause die Spielgefährten, denn meine Mutter, die altersmäßig auch meine Großmutter hätte sein können, behütete mich wie ihren Augapfel. Und in der bösen Welt da draußen konnte einem kleinen Jungen viel zu viel zustoßen. 
 
Erst nach einem Umzug in eine verkehrsarme Gegend durfte ich kurz vor der Einschulung mit Gleichaltrigen ohne Aufsicht herum stromern. Dennoch blieb es die nächsten Jahre dabei: Ich hasste das Nichtstun, ich musste immer irgendwie beschäftigt sein. Spielen, Lesen, Fernsehgucken, solange ich etwas machen konnte, war alles gut. Aber wehe, mein Verstand lief im Leerlauf. 
 
Karfreitag war der schlimmste Tag des Jahres. Überhaupt litt ich an Sonntagen darunter, dass ich in den "feinen Sachen" nicht mit Freunden kicken konnte und stattdessen bei Verwandtenbesuchen und den verhassten Familienspaziergängen unendlich lange öde Stunden überstehen musste. 
 
Daheim hatte ich wenigstens meine Cowboy- und Indianer- sowie die Ritterfiguren. Damit konnte ich ganze Schlachten inszenieren, die als Drehbücher für Hollywood-Filme getaugt hätten. Damals rief ich nach dem Abfeuern meiner Zündplättchen-Pistole auch unbefangen: "Peng, Du bist kaputt!" Das war aber stets unblutig. Und die einzige Folge war ein Ausscheiden aus dem Spiel. Deshalb habe ich immer noch Zweifel, ob Schwerter oder Waffen als Kinderspielzeug tatsächlich so prägend sind, wie gern behauptet wird. Entscheidend ist, dass Kindern vermittelt wird, was Gewalt und Schmerz in der Realität bedeuten. 
 
Das gilt auch für die Lektüre. Als Kind verschlang ich alles Lesefutter, das ich in die Finger bekam - Hauptsache, es war nicht langweilig. Erst Comics, dann Westernheftchen, Kommissar X und Landser-Romane, sogar die Illustrierten meiner Tante verschmähte ich nicht. Nur die Heimat-, Arzt- und Liebesromane, die meine Mutter bevorzugte, strafte ich mit Verachtung. 
 
Dagegen fraß ich mich in Windeseile durch das Kinderregal in unserer Bücherei-Filiale. "Pony, das Seepferdchen" habe ich 16 mal gelesen. Es geht dabei um ein Seepferdchen, das seinem Kumpel, einem Sägefisch, die verlorene Säge, wieder beschafft. Ach, das interessiert Euch nicht? Dann wechsle ich schnell das Thema, bevor ich Euch langweile. 
 
Denn mit den Phasen tödlicher Langeweile hatte ich auch als Jugendlicher und Erwachsener stets schwer zu kämpfen. Ich ertrug es nur sehr mühsam, beim Warten Däumchen zu drehen. Und ein Tag im Strandkorb war für mich die Höchststrafe. Den ersten Spaziergang am Meeressaum habe ich stets genossen, schon bei der ersten Wiederholung schrie mein Hirn nach Abwechslung. 
 
Dieses zwanghafte Verlangen, die grauen Zellen dauernd in Schwung zu halten, sollten später bei depressiven Schüben fatale Folgen haben. Denn wie kannst Du diesen Hunger befriedigen, wenn die ganze Welt grau ist, die Gefühle abgestumpft sind und Dich alles, was sonst Freude macht, nur anödet? Wenn die Depression mich im Griff hatte, wechselten Phasen totaler Apathie mit dem verzweifelten Drang, irgendetwas zu tun. Aber was, wenn Du Dich nicht konzentrieren kannst und nach zehn Minuten Fußbodenfegen schon erschöpft in den Seilen hängst? 
 
Zum Glück liegt das dank ärztlicher Hilfe hinter mir. Doch die Sucht, dauernd etwas zu tun, plagt mich auch weiterhin. Heutzutage ist das Spektrum der Möglichkeiten zum Glück sehr groß. Bücher, Musik, Fernsehen, die weite Welt im Internet, vor allem auch die Möglichkeit, Natur und Kultur mit dem E-Bike wortwörtlich zu erfahren, das bietet einem selbstbestimmten Rentner eine riesige Auswahl, Langeweile gar nicht erst aufkommen zu lassen. Und das Schreiben der Schmunzelpost ist ebenfalls wesentlicher Bestandteil. 
 
Trotzdem gibt es auch in einem ausgefüllten Leben immer wieder Nischen, in denen die alte Plage zuschlägt. Etwa, wenn die Partnerin eine Vorliebe für Cafe-Besuche hat. Wenn dann der Kuchen aufgegessen, der Kaffee ausgetrunken und der "Stern" durchgeblättert ist, kann es mitunter kritisch werden. Denn die Partnerin hat an ihrem Getränk nur genippt und ist in ihrer Zeitschrift über das erste Drittel noch nicht hinausgekommen. 
 
In der ersten Phase versuche ich es mit dem Versenden vorwurfsvoller Blicke oder trommle mit den Fingern vernehmlich auf den Tisch. Das hat in der Regel überhaupt keinen Erfolg. Nun versuche ich es mit der schüchternen Frage: "Soll ich zahlen? Wir wollten doch noch..." Dann heißt es jedoch meist ungnädig: "Wir sind doch gerade erst gekommen. Jetzt treib mich nicht an! Ich will den Artikel noch zu Ende lesen." Es ist ein sehr, sehr langer Artikel. 
 
Spätestens, wenn sie umblättert und eine weiteren Artikel ins Auge fasst, halte ich Ausschau nach der Kellnerin, winke mit dem Portemonnaie und rufe lauthals: "Ich möchte zahlen, bitte!" Was mir einen vernichtenden Blick einträgt: "Ich habe doch gesagt: Ich will noch zu Ende lesen. Entspann Dich!" "Ich bin total entspannt!", rufe ich so laut zurück, dass sich die Gäste am Nebentisch umdrehen. 
 
Dies aber befördert lediglich die Verweigerungshaltung mir gegenüber. Als Konsequenz verschränke ich zornig meine Arme vor der Brust und versuche mich vergeblich in Hypnose. Derweil geistern allerlei Bilder durch meinen Kopf. Im ersten Skript reiße ich ihr die Zeitschrift aus den Händen, verstreue den Inhalt des Geldbörsen-Münzfachs auf dem Tisch und verlasse erhobenen Hauptes das Cafe. 
 
Das zweite Drehbuch sieht vor, dass ich mit einem Ruck das Tischtuch herunterreiße und das Geschirr mit Getöse auf den Boden fällt. Mit einem stolzen "Ha!" signalisiere ich dann meinem Umfeld, dass ein gelangweilter Mann, der ein echter Kerl ist, sich nicht alles gefallen lässt. 
 
Bei der dritten Steigerungsstufe eskaliert die Situation. Ich beuge mich über den Tisch nach vorn, umfasse ihren Hals und würge... In diesem Moment werden meine Fantasien jäh unterbrochen, denn sie klappt die Zeitschrift zu und sagt: "So, wir können gehen! Hast Du endlich bezahlt?" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Falls Ihr nun darüber nachdenkt, ob Ihr mich eines Tages im Kittchen besuchen sollt: Ich habe eine bessere Lösung gefunden! In Cafes löse ich jetzt Buchstaben-Sudokus. Das sind Zahlenrätsel, in denen jede Ziffer für einen Buchstaben steht. Wenn man richtig kombiniert, was den Geist stark beschäftigt, sind irgendwann alle Felder ausgefüllt. Und man kann das nächste Rätsel angehen. Das Zauberwort lautet: 3, 6, 14, 2, 23, 9, 6, 6, 17, 8.  2=S, 3=E, 6=N, 8=G, 9=A, 14=T, 17=U, 23=P.                            

 Schmunzelpost 477 vom 9. 8. 22


Es gibt Aussagen, die sind ebenso schlicht wie zutreffend. Eine davon stammt von Andy Brehme: "Hast Du Scheiße am Schuh, dann hast Du Scheiße am Schuh!" Oder, wie Kobra Wegmann es ausdrückte: "Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu!" 
 
Ihr habt es wahrscheinlich erraten: In der Fußball-Bundesliga rollt der Ball wieder. Und Schalke 04 ist sofort zum Opfer der Video-Schiedsrichter im Kölner Keller geworden. Denn der Schiedsrichter hatte das Schalker Führungstor zunächst anerkannt, bis die Beobachter aus der Ferne dazwischen funkten. Allerdings war anhand der Fernsehbilder klar erkennbar, dass Salazar einen regulären Treffer erzielt hatte. 
 
Zwar stand ein Schalker im passiven Abseits, aber er verstellte dem Kölner Keeper nicht die Sicht. Das taten eher die Kölner Abwehrspieler. Und der Schuss war so schnell und hart und passte zudem so genau in den Winkel, dass kein Torwart der Welt eine Chance gehabt hätte. 
 
Schlimmer noch die zweite Fehlentscheidung. Klar, der Schalker Drexler hatte den Kölner Spieler Hektor gefoult. Was der Schiedsrichter auch mit einem Freistoß ahndete. Drexler und Hektor gaben sich anschließend die Hand, das Spiel lief weiter. Bis die Kellerkinder sich meldeten und bewirkten, dass Drexler nachträglich "rot" sah. Wegen einer Tätlichkeit! Niemals im Leben war das ein Foul mit Vorsatz! Doch der Platzverweis entschied das Spiel. Das fängt ja gut an! Hast Du Scheiße am Schuh...." 
 
So, der Groll musste raus. Doch der Fußball hat auch heitere Seiten. Hier ein Rückblick in Form von Zitaten: 
 
Der legendäre Trainer Max Merkel sagte einmal: "Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da war's mir wurscht. Da hab i gsagt: 'Sauft's weiter!'" 
 
Nun zu einem Coach, der eindeutig zu den herausragendsten Fehlbesetzungen auf der Position des Bundestrainers gehört. Dafür haben aber Angela Merkel und Olaf Scholz einiges von Erich Ribbeck gelernt. 
 
"Konzepte sind Kokolores!" 
 
"Bei uns wird auf dem Platz zu wenig gesprochen. Das könnte an der Kommunikation liegen." 
 
"Für uns wäre es besser gewesen, wenn wir heute gewonnen hätten." 
 
"Muss ich das jetzt als Frage verstehen, oder die Antwort so beantworten wie Sie sie in die Frage gelegt haben? Sie haben die Frage so gestellt, dass ich das Gefühl haben muss, als wenn ich das, was Sie gerade gesagt haben, vorher schon gesagt hätte. Das habe ich aber nicht gesagt. Dem, was ich gesagt habe, möchte ich nichts hinzufügen." 
 
Vielleicht war es ja etwas objektiv betrachtet Subjektives. "Ich kann es mir als Verantwortlicher für die Mannschaft nicht erlauben, die Dinge subjektiv zu sehen. Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einbeziehen." 
 
Und das Subjekt Ribbeck äußerte ganz objektiv auch noch: "Die Anspannung wächst, aber das ist gut so. Denn wenn man mit über 50 Jahren morgens aufwacht und nichts tut weh, dann ist man tot." Oder zumindest hirntot. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. An diesem Sonntag ist erneut klar geworden, dass der Fußballbund eine Schalker Meisterschaft mit aller Macht verhindern will. Die Grundlage dafür wurde bereits 1896 in Jena gelegt. Da verankerten die Verantwortlichen in den Statuten, dass beim Fußball in Deutschland der Platz frei von Bäumen und Sträuchern sein muss. So konnte Schalke in Köln nicht mehr aus dem Gebüsch kommen! 
 

Schmunzelpost 476 vom 8. 8. 22

Wie heißt es noch gleich? Kindermund tut Wahrheit kund. Daran musste ich denken, als ich jetzt einen Kalender der SOS-Kinderdörfer zugesandt bekam. Darin waren die Zeichnungen kleiner Künstler mit Kommentaren und Anmerkungen versehen. Die Spannweite reicht von kindlich-naiv bis gewitzt. 
 
Die Welt sieht anders aus, wenn sie mit Kinderaugen betrachtet wird. Allerdings sollte man die Kurzen auch nicht unterschätzen. Vor einiger Zeit wollte ich eine Straße überqueren. Die Fußgänger-Ampel zeigte rot, aber da weit und breit kein Auto zu sehen war, hätte mich das nicht aufgehalten. Ich verharrte jedoch trotzdem auf dem Bürgersteig, weil neben mir zwei Knirpse anmarschiert kamen, die ebenfalls über die Straße wollten. Erst bei Grün setzten wir uns zu dritt in Bewegung. 
 
Als ich schnellen Schrittes vorauseilte, hörte ich hinter mir folgenden Dialog. A: "Warum bist Du denn stehen geblieben? War doch alles frei." B: "Hast Du nicht den Opa neben mir gesehen?" A: "Na und? Meinst Du, der hätte gemeckert?" B: "Nee. Aber ich will doch nicht schuld sein, wenn er das nächste Mal bei rot losrennt und unters Auto kommt." Was steht auf diesen Schildern an den Ampeln? Kinder geben ein gutes Beispiel? 
 
Dazu passt das folgende Zitat von Roland (3 Jahre) aus dem SOS-Kinderdorf-Kalender: "Lauft nicht so schnell, die Oma hat doch nicht so viele Beine!" Mateo (5 Jahre) beschreibt die häusliche Situation: "Bei uns hat jeder ein eigenes Zimmer. Nur Papi nicht. Der muss immer bei Mami schlafen." In der Tat, das kann ein hartes Los sein. 
 
Lea hatte bereits mit fünf Jahren eine zutreffende Erkenntnis: "Mama, Mensch sein ist gar nicht so einfach." Carla (5 Jahre) erweitert den medizinischen Sprachschatz: "Hat sich das Fieber verdollert oder vertiefert?" Clara (5 Jahre) hat einen wichtigen Ratschlag, an den sich nicht nur Kinder halten sollten: "Seine Mama kann man immer küssen. Bei allen anderen Frauen muss man um Erlaubnis fragen." Und Luisa sieht die praktischen Seiten des Alters: "Wenn Oma Zahnschmerzen hat, legt sie ihre Zähne einfach ins Glas." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch ein kurzer Auszug aus einem Aufsatz, der sich mit dem Altertum befasst: "Für die Arbeitslosen im alten Rom gab es nur zwei Möglichkeiten: penis et circensis." 

 Schmunzelpost 475 vom 7. 8. 22


Um einen Stoiker wie mich in helle Empörung zu versetzen, da braucht es schon einiges. Viktor Orban ist es gelungen. Als ich gestern den Zeitungsartikel über den ungarischen Möchtegern-Zar und dessen Auftritt vor den Republikanern in den USA las, wäre ich dem Kerl am liebsten an die Gurgel gegangen. Halt, halt, sagte ich da zu mir, Frieden schaffen ohne Waffen, kritische Worte müssen genügen.
 
Leider habe ich Zweifel, ob diese Worte je diejenigen erreichen, die in erster Linie mal zum Nachdenken bewegt werden müssten: Die ungarischen Wähler und die Mehrheit der Republikaner, die einen Stinkstiefel und Psychopathen wie Donald Trump immer noch als ihr Idol feiern.
 
Orban hat es in meiner persönlichen Verachtungs-Skala jetzt geschafft, hinter Putin, Lukaschenko und Erdogan auf Platz vier vorzurücken. Da lässt sich der Lump mit Milliarden aus Brüssel, von denen ein nicht geringer Teil in die eigenen Taschen oder die von Verwandten und Günstlingen geflossen sind, im eigenen Land als Wohltäter darstellen. Von Medien, die er fast komplett unter seinen Einfluss gebracht hat. Und dann stellt er sich in Texas hin und schimpft über die Eierköpfe in Brüssel.
 
Mehr noch: Er ruft einen Kulturkrieg gegen die Menschen aus, die sich für die Rechte von Migranten, Schwulen und Lesben einsetzen und zählt auch die Demokraten dazu, die für eine unabhängige Justiz und Meinungsfreiheit eintreten: "Die Globalisten sollen zur Hölle gehen!" Danach traf er sich in Florida mit Donald Trump, seinem Bruder im Geiste. Gleich und gleich gesellt sich halt gern. Fragt sich, wie lange wir in Europa solchen Despoten von eigenen Gnaden noch ein Vetorecht bei Gemeinschaftsbeschlüssen einräumen. 
 
Nun muss ich mich allmählich darauf besinnen, dass dies eine Schmunzelpost ist. Daher als Gegengift ein paar Politiker-Zitate, die eher erheiternd sind. So sagte ein gewisser Boris Johnson noch 2012: "Meine Chancen, Premierminister zu werden, sind in etwa so gut, wie die Chance, Elvis auf dem Mars zu finden, oder dass ich als Olive wiedergeboren werde." Er hat sich nur um zwei Wörtchen vertan: Es hätte heißen müssen "Premierminister zu bleiben". 
 
Karl Lauterbach hatte bereits vor Corona Ideen, wie wir uns vor Krankheiten schützen können: "Nehmen Sie den Sex: Der macht Spaß und ist umso gesünder, je mehr man davon hat." Angela Merkel befand: "Mit dem Kopf durch die Wand wird nicht gehen. Am Ende siegt immer die Wand."
 
Und Konrad Adenauer hatte auch lichte Momente: "Wenn die Österreicher von uns Reparationen fordern, dann schicke ich ihnen die Gebeine von Adolf Hitler!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Und Kabarettist Dieter Hildebrandt sagte: "Die Politik ist ein Versuch der Politiker, zusammen mit dem Volk mit den Problemen fertig zu werden, die das Volk ohne die Politiker niemals gehabt hätte." 

 Schmunzelpost 474 vom 6. 8. 22


Haucht mich mal an! Stärker bitte! Näher an den PC-Bildschirm und das Mikrofon! Nee, ich rieche immer noch nichts. Dabei wissen wir spätestens seit Corona, dass das Internet Viren übertragen kann. Weshalb ich bis zur Impfung stets mit Maske vor dem PC saß. 
 
Doch ich schweife ab. Ich wollte keinen Alkoholtest vornehmen, sondern prüfen, ob Ihr Euch am heutigen Aktionstag beteiligt. Der 6. Juli ist nämlich der Tag des frischen Atems. Seine Bedeutung sollte nicht unterschätzt werden. Mundgeruch macht nämlich einsam. Die Betroffenen stellen eine große Gruppe, die sich an einem weiteren heutigen Aktionstag beteiligt: Dem Internationalen Tag des Blues. Sie singen wehmütig: My Baby smells my breath and goes away quickly! 
 
Und da mir ja die besonders skurrilen Aktionstage am Herzen liegen, sei noch der "Wackel-mit-den-Zehen-Tag" erwähnt, für den heute hauptsächlich in den USA gewackelt wird. Warum? Eine einleuchtende Begründung fehlt. Es sei denn, dass für viele Menschen im Hochsommer das Wackeln mit den Zehen die einzige Form körperlicher Ertüchtigung ist. Womöglich besteht ein Zusammenhang damit, dass in den USA die meisten übergewichtigen Menschen leben. Aber die können ohne technische Hilfsmittel nicht mal ihre Zehen wackeln sehen... 
 
Bleiben wir gleich am 7. August jenseits des Ozeans. Denn die fünf Aktionstage sind alle in den USA zuhause. Ich nenne nur drei: Den "Tag des Leuchtturms", dessen Blinken wir in Europa wegen der Erdkrümmung selbst mit Adleraugen nicht sehen können. Es sei denn, wir haben individuelle Gründe, den "Tag der außersinnlichen Wahrnehmung" zu feiern. Die größte Chance besteht für einen Menschenschlag, den ich wegen seiner unglaublichen Fähigkeit bewundere, Leckereien viele Kilometer gegen den Wind zu wittern. Und heute ist in den USA auch der "Himbeer-mit-Sahne-Tag". 
 
Kommen wir zu seriösen Aktionstagen. Am 8. Juli folgt für eine bestimmte Gruppe von Tierfreunden der höchste Feiertag des Jahres: Der Weltkatzentag! Und in Deutschland steht seit 2019 ein Aktionstag im Kalender, für den ich ohne jeden Flachs eintrete: Der Memento-Tag. Er soll uns an unsere Sterblichkeit erinnern und dazu beitragen, das Recht auf selbstbestimmtes Leben und Sterben durchzusetzen.  
 
Wir machen bei uns um das Thema Tod gern einen großen Bogen, wollen vor dem Ableben nicht gern darüber sprechen und möglichst tränenreich und würdig von Verblichenen Abschied nehmen. In südlichen Ländern geht man viel entspannter damit um. Dort gehört der Tod zum Leben und der "Dia de los Muertos" in Mexiko oder der "Tag der Totenschädel" in Bolivien kann durchaus zur fröhlichen Fiesta werden. 
 
Bierernst sollten wir auch nicht an den Internationalen Ehrentag der Kunst am 9. August herangehen. Leichenbittermienen sind nicht angebracht, wenn wir Kreativität und schöpferisches Schaffen in den verschiedensten Sparten würdigen, von der Musik bis zur Malerei. Ein besonderer Bereich hat am 9. 8. in den USA noch einen eigenen Aktionstag: Der Tag der Buchliebhaber. 
 
Am 10. August schließt sich eine Spezialisierung des Weltkatzentages an: Der Welt-Löwen-Tag. Das passt auch gut zu einem weiteren Aktionstag am 10.8. Denn gerade männliche Löwen sind ausgesprochene Müßiggänger, die gern dösend herumliegen und ihre Frauen die Arbeit machen lassen. Ich kann zwar nicht das Maul aufreißen und Brüllen wie ein Löwe, aber am 10. August bin ich mit ihnen auf Augenhöhe - dies ist der Faulpelz-Tag! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wer wird bei einem Zweikampf zwischen einem Floh und einem Löwen die Oberhand behalten? Klarer Fall, meint Jean-Claude Juncker: "Ein Floh kann einen Löwen in den Wahnsinn treiben, aber ein Löwe schafft das niemals bei einem Floh." 
 

Schmunzelpost 473 vom 5. 8. 22

 

Es scheint, ich sollte das tägliche Kreuzworträtsel-Pensum nochmal verdoppeln. Oder prüfen, ob das Lösen von Rätseln tatsächlich gegen nachlassende Hirnleistung und Vergesslichkeit wirkt. Vielleicht sollte ich stattdessen auf diese Pillen aus der Fernsehwerbung zurückgreifen - verdammt, wie heißt das Mittel noch gleich? 
 
Fakt ist, dass ich die Fortführung des Aktionstage-Kalenders total verschwitzt habe. Und diesmal sogar um zwei Tage! Für den 3. August kann ich mir das erklären. Das war der "Wisch-den-Fußboden-Tag". Und somit die für mich neben der Toilettenreinigung unliebsamste Form der Hausarbeit, die ich deshalb gern aus meiner Wahrnehmung verdränge. 
 
Doch für den 4. August zieht diese Ausrede nicht. Das war der Tag des Weißweins, den ich vor allem im Sommerhalbjahr sehr zu schätzen weiß. Hier könnte ich als Begründung für das Auslassen anführen, dass dieser Aktionstag genau wie der zeitgleiche Tag des Champagners hauptsächlich in den USA begangen wird. Da ist der Verdacht nicht unbegründet, dass kommerzielle Interessen der Winzer dahinter stecken. In den USA wird außerdem noch am 4. 8. der Tag der Schokoladentropfen-Kekse gefeiert. Die spinnen, die Amis! 
 
Eins aber hat mich neugierig gemacht. Die Chinesen tauchen nur sehr selten im Aktionstage-Kalender auf. Doch am 4. August sind sie dabei. Mit dem Qizi-Fest, das bei uns mit "Nacht der Siebener" übersetzt wird. Dieser rätselhaften Geschichte bin ich natürlich nachgegangen. Ihr Ursprung liegt in einer chinesischen Volkssage. 
 
Vor langer, langer Zeit, als unsere Vorfahren noch erfolglos Bären jagten und sich deshalb von Beeren ernährten, verliebte sich in China eine Fee in einen Hirtenjungen. Um ihm nahe zu sein, verwandelte sie sich in ein Webermädchen. So konnten die beiden ein Paar werden und mit ihren Kindern ein glückliches Familienleben führen. 
 
Das aber änderte sich abrupt, als der Himmelsvater die Abwesenheit seiner Tochter bemerkte - Götter haben meist alle Hände voll zu tun und sind daher oft abgelenkt. Außerdem sind sie vergesslich und sollten diese Pillen schlucken, deren Name mir leider immer noch nicht einfällt. Doch als der Himmelsvater vergeblich nach seiner Tochter rief, damit sie ihm ein Bier aus dem Kühlschrank holte, da stampfte er so mit dem Fuß auf die Erde, dass der Himalaya noch ein paar Hundert Meter in Höhe schoss. Und er beauftragte die Himmelsmutter, ihre Tochter unverzüglich heimzuholen. 
 
 Damals gehorchten die Frauen ihren Männern noch - Alice Schwarzer war leider keine antike Chinesin. So schnappte sich die Himmelsmutter ihre protestierende Tochter und machte sich mit ihr auf den Heimweg. Als der Hirtenjunge das erfuhr, sattelte er ein Rind und startete sofort die Verfolgungsjagd. 
 
Da er immer mehr aufholte, zauberte die Himmelsmutter vor ihm einen Himmelsfluss als unüberwindliches Hindernis in den Weg. Der Kerl hätte statt eines Rindviehs lieber ein Springpferd aussuchen sollen! So aber wurden die beiden Liebenden endgültig getrennt und konnten sich nur sehnsüchtig von den gegenüberliegenden Flussufern zuwinken. 
 
Das taten sie jahrelang derart ausdauernd, dass sich die Himmelsmutter schließlich erbarmte und in jedem Jahr wenigstens für eine Nacht eine Brücke schuf, in deren Mitte sich die beiden treffen durften. Dabei regnete es in China stets und ständig. Dort streitet man bis heute darum, ob es sich um Tränen der Freude über die Wiedervereinigung handelt oder ob es Tränen der Trauer über 364 Tage und Nächte der Trennung sind. Dennoch ist der "Nacht der Siebener" zum chinesischen Valetinstag geworden. 
 
Warum Nacht der Siebener? Weil sie jeweils am siebten Tag des siebten Monats im chinesischen Kalender stattfindet. Und der fiel in diesem Jahr auf den 4. August. 
 
In der Nacht zum fünften August fiebern hingegen die Freunde einer gepflegten Hopfenkaltschale ihrem Feiertag entgegen. Denn der 5. 8. ist der Internationale Tag des Bieres. Nach meinen Beobachtungen teilen sich die Deutschen nach ihren Trinkgewohnheiten in vier Gruppen. Diejenigen, die Alkohol meiden oder nur selten an einem Gläschen Sekt nippen. Diejenigen, für die ohne ein (oder zwei, oder drei Gläser oder mehrere Kästen) Bier am Tag das Leben nicht lebenswert wäre. Diejenigen, die Wein bevorzugen, andere alkoholische Getränke in geringen Mengen aber auch nicht verachten. Und die Hardcore-Trinker, die Whiskey, Cognac, Schnaps oder Rum lieben, und denen eine große Leber wichtiger ist als ein großes Herz. 
 
An den nächsten Anlass zum Feiern sollten wir jedoch besser nüchtern herangehen. Der 5. August ist auch der Internationale Tag der Verkehrsampel. Und da gilt es für mich, Abbitte zu leisten. Mehrere Jahrzehnte lang habe ich in Dorsten über die "rote Welle" in der Innenstadt geschimpft und etliche böse Kommentare und Glossen in der Zeitung geschrieben. Ich hielt es für ausgeschlossen, dass die Verwaltung es jemals hinbekäme, das Problem zu lösen. Und nun? Seit einiger Zeit beobachte ich ebenso erstaunt wie erfreut, dass ich stadteinwärts mit dem Auto in einer grünen Welle unterwegs bin. Ich erwäge sogar, von einem geheiligten Grundsatz abzuweichen und als Buße einen Leserbrief zu schreiben. 
 
Bleibt noch ein weiterer Aktionstag am 5. August. Das ist in den USA der "Tag des Abrackerns" und für mich Ausdruck einer menschenfeindlichen Mentalität, die ich sowohl bei ihren kapitalistischen Verfechtern wie bei ihren lutheranischen Urhebern ("Das Leben des Menschen währet sechzig Jahre. Und wenn es hochkommt, so sind es siebzig Jahre. Und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen") zutiefst verabscheue. Die spinnen, die Amis! 
 
Und weil ich mich nicht abrackern will, ist das genug für heute. Die Übersicht über die nächstens Aktionstage folgt morgen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Für das Bibelzitat übernehme ich keine Gewähr. Ich habe es nach meinem Gedächtnis wiedergegeben. 
 
PPS. Gegen Vergesslichkeit bei leichter Demenz sollen Gingko-Präparate helfen. Weil die Schmunzelpost nichts mit Kommerz am Hut hat, nenne ich keine Marken. Fragt Euren Arzt oder Apotheker!  

 

 Schmunzelpost 472 vom 4. 8. 22

Wenn man die Nachrichten verfolgt und mitbekommt, was sich in der bösen, bösen Welt Übles zusammen braut, wenn einem vor der Zukunft Angst und Bange wird, dann möchte man sich gern in einen anderen Kosmos zurückziehen. Eine Parallelwelt, in der es weder Kriege noch Tyrannen gibt, keinen Hunger und keine Armut. Wo die einzigen Katastrophen kleine Ärgernisse des Alltags sind. 
 
Kurzum, man möchte in einer märchenhaften Welt leben. Daher erzählt Onkel Klaus auch heute mal ein Märchen. 
 
Es war einmal in einer wunderschönen Stadt. Da saß ein wunderschöner Schreiberling in seiner wunderschönen Wohnung und freute sich über den wunderschönen Sonnenschein. Dann setzte er sich an seinen PC, um eine wunderschöne Geschichte zu schreiben. 
 
Allein, es fiel ihm nichts ein. Es war zu heiß. Und er hatte gut gegessen und noch besser getrunken. Also nahm er noch einen Schluck vom köstlichen Wein und dachte so angestrengt nach, dass ihm die Schweißperlen auf die Stirn traten. Das wiederum machte Klara, die Stubenfliege, munter. Der Schweiß zog sie magisch an. Also nutzte sie die Schädelplatte des Schreiberlings als Landebahn und trippelte mit kleinen Schritten in Richtung Stirn. 
 
Das riss den Grübler aus seiner Konzentration. "Hau ab, Du Mistvieh", scheuchte er mit einer unwirschen Handbewegung die Störerin von seinem Kopf. Doch so leicht ließ sich die verliebte Fliege nicht abwimmeln. Der Schweißduft erinnerte sie an ihren letzten Lover, Karl, den Brummer, der stets von einem betörenden Odeur von Dung und Aas umgeben war. Also landete sie erneut auf dem Objekt ihrer Lüste. Und wurde erneut verscheucht. Und landete noch einmal. Und wurde wieder verscheucht. Und flog erneut an, und wurde bereits in der Luft mit einer Zeitung weggewedelt. 
 
Was sie aber nicht interessierte, denn die Zeitung hatte sie schon zum Frühstück gelesen. Also drehte sie eine kurze Runde und steuerte hinterrücks zum verschwitzten Nacken ihres Widersachers. "Na warte", presste der zwischen den Zähnen hervor und verfolgte, wie Klara danach sein Gesicht inspizierte. Betont unauffällig rollte er die Zeitung zusammen. Und als Klara die Stirn erreichte, schlug er blitzschnell zu. Knallhart und gnadenlos. 

Der Erfolg konnte sich sehen lassen. Fand zumindest Klara, die aus sicherer Entfernung den Fleck aus Druckerschwärze auf der geröteten, schweißbefeuchteten Stirn beäugte. Dann ging das Duell in die nächste Runde. Auch die gewann Klara deutlich nach Punkten. Doch die zwölfte Runde läutete die Wende ein. Wieder schlug sich der Schreiber vor die Stirn. Und triumphierte! "Heureka, ich hab's!" 
 
Erst wunderte sich Klara, die erneut elegant dem Schlag ausgewichen war, über den Gefühlsausbruch, dann wunderte sie sich noch mehr, dass sie endlich ungestört herumkrabbeln und sich am berauschenden Nektar laben durfte. Der Schreiber aber hieb wie wild in die Tasten: "Es war einmal in einer wunderschönen Stadt...." 
 
Und wenn er nicht gestorben ist, dann schreibt er heute noch. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 471 vom 3. 8. 22

Da ich gestern ein paar Bolzen in der SP-Mail hatte (korrigierte Fassung auf der Online-Seite), habe ich zwecks Gehirntraining das Kreuzworträtselraten intensiviert. Und dabei fiel mir erneut auf, was ich an dieser Stelle schon mehrfach behauptete: Die Rätsel werden eindeutig von alten Männern gebastelt. 
 
Schlagendster Beweis ist das dauernde Auftreten eines weiblichen Hollywoodstars mit zwei Buchstaben. Bo Derek ist mir eigentlich nur durch ihren Bikini in Erinnerung geblieben, weniger durch Charakterrollen oder oscarreife Filmkunst. (Nebenbei: Mir persönlich ist ein Rätsel, dass der Möchtegern-Schwarzenegger Ralf Möller sich als Schauspieler bezeichnet, bloß weil er ein paar Mal vor der Kamera seine Muskeln zeigen durfte). 
 
Bezeichnend auch die Frage nach einem deutschen Schlagersänger mit fünf Buchstaben. Davon gibt es sicherlich eine ganze Menge, in Rätseln könnt Ihr jedoch sofort "Heino" eintragen. Auch die Frage nach einer norddeutschen Witzfigur lässt auf das Alter der Urheber schließen. Klein-Erna ruht schon des längeren auf dem Kalauer-Friedhof. 
 
Wie alt die Rätselmacher jedoch wirklich sind, das kann man bloß schätzen. Ich vermute, sie stammen aus der Antike und haben als Mumien den Sprung in die Gegenwart geschafft. Wie sonst ist zu erklären, warum dauernd nach dem ägyptischen Sonnengott, der Besatzung des Olymp, den zahllosen Geliebten des Zeus und dem griechischen Alphabet gefragt wird? 
 
Auch der germanische Wurfspieß weist in diese Richtung. Den "Ger" solltet Ihr aber nicht mit dem "Ster" verwechseln, das ist ein altes Hohlraummaß, das auch immer wieder vorkommt. Generell hat sich herausgestellt, dass die Rätselkonstrukteure dazu neigen, an ihrem Grundgerüst festzuhalten. So ist für sie die Rock-Omi Nena nach wie vor die einzige "deutsche Popsängerin". 
 
 Im Alter neigt man halt dazu, seine Gewohnheiten nicht dauernd zu ändern... 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich muss den Rätselmachern Abbitte leisten. Sie kennen doch noch zwei weitere taufrische weibliche Filmstars: Sofia Loren und Elke Sommer! 

 

Schmunzelpost 470 vom 2. 8. 22

Jetzt geht es wieder los: Im August stehen drei Lesungen auf dem Programm. Am Freitag (5.7.) eine "tierische" Gartenlesung (schon ausverkauft), am 25. Juli eine heitere Lesung über bildende Künste in Zusammenarbeit mit den beiden Dorstener Kunstvereinen (Franziskaner-Gebäude in der Fußgängerzone)  und am 30. August die Präsentation von "Krauses Zeug" im Baumhaus.
 
Für die Kunstlesung sichte ich gerade, welche Gedichte und Texte am besten geeignet sind. Dabei habe ich mich in dem Buch "Bilden Sie mal einen Satz mit... Ein Dichterwettstreit" festgelesen. Robert Gernhardt hat dazu viele Dichterkollegen um Beiträge gebeten und 555 Lieblingsgedichte ausgewählt.
 
Das Prinzip kennt Ihr schon. Es wird eine Person oder ein Gegenstand genannt, dass dann leicht verfremdet möglichst originell in einen kurzen Reim eingebaut werden muss. Der Witz dabei ist, dass die gelesene Version etwas anderes aussagt als die geschriebene eigentlich ausdrückt. Das kann man auch selbst versuchen, es macht Spaß.
 
Und es klingt bei Christoph Virchow so:
 
Homer
Ich hab Kohldampf und auch Durst.
Homer mal ein Bier mit Wurst!

Oder über Autos, mit denen sich Dieter Korten befasste:

Volvo
Vom Laster bleibe abgewendet!
Du weißt ja Volvo so was endet.

Capri
Die Wärme leider man vermisst,
wenn Capri kett im Ofen ist.

Opel
Auf Klassik del Japanel steht
und gelne in die Opel geht.

Thea Tanneberger hat's mit Malern:

da Vinci
"An Weihnachten gibt's Pute."
"Da Vinci alles Gute!"

Vermeer
Nur nach dir verzehr ich ich,
nur mit dir vermeer ich mich.

Van Gogh
Mein Hunger ist schon schändlich,
van Gogh die Suppe endlich?

Macke, Klee, Tizian
Bei Schuhen hab' ich 'ne Macke,
alle Farben von Klee bis Kacke.
Und wenn ich mich nicht entscheiden kann,
zeigt mein Mann drauf und sagt: "Tizian!"

Besonders gelungen finde ich die Reime von Michael Schönen, die sich mit Versmaß-Formen befassen.

Anapäst
Was sich vom Mittelalter sagen lässt?
Wer nicht im Krieg starb, der starb Ana päst.

Jambus
Mein neuer Schirm ist weg! Ist das zu fassen!
Ja, 'm bus, da hab ich ihn liegenlassen.

Trochäus
Britt wollt mich nicht küssen. Und?
't roch ä us ihrem Mund.

Pentameter
Treu? Von wegen! Ich vermute,
heimlich penta meter Ute!

Glückauf
kdk

PS.  Da juckt es in den Fingern, es auf die Schnelle selbst zu versuchen.

Christa
Was hör ich da? Du schmähst ein Tintenhuhn!
Pass auf! Sonst Christas mit mir zu tun!

Lambert
Usain Bolt beschleunigt am Start sehr.
der Lam! bert trabt bloß mühsam hinterher.

Regina 
Ich glaub, der Raimund ist heut' nicht gut drauf.
Regina 'm besten ein andermal auf. 
 

Schmunzelpost 469 vom 1. 8. 22 


Es ist mal wieder an der Zeit, Euch mit ein paar ungewöhnlichen Fakten zu versorgen. Die helfen einem zwar nicht unbedingt im Alltag weiter, bringen aber zusätzliches Wissen, mit dem man im Gespräch andere verblüffen kann. 
 
Leonardo da Vinci ist allen als Maler ein Begriff. Doch der Mann war ein Universalgenie und seiner Zeit weit voraus. Das beweisen seine vielen Erfindungen. Was, glaubt Ihr, hat er bereits vor 600 Jahren ausgetüftelt? Das Hörgerät, die Zahnspange oder die Kontaktlinse? Was lispelt Ihr da? Ich verstehe Euch schlecht. Die Zahnspange? Nö, würde Kanzler Scholz sagen. Die Kontaktlinse? Ich merke schon - Ihr habt den Durchblick! 
 
Das da Vinci kam bereits 1508 darauf, dass man besser sehen konnte, wenn man ein mit Wasser gefülltes Glas direkt vor die Hornhaut hielt. Allerdings dauerte es noch satte 400 Jahre, bis seine Idee auch für den Hausgebrauch umgesetzt wurde. 
 
Falls Ihr glaubt, ich schwindele, bin ich gerne bereit, einen Test machen zu lassen. Zwar gelten Lügendetektoren als unzuverlässig. Doch haben spanische Wissenschaftler jetzt herausgefunden, was passiert, wenn Menschen wissentlich die Unwahrheit sagen: Die Temperatur in den inneren Augenwinkeln und der Nase steigt!  
 
Wer weiß, vielleicht hat man mit den Corona-Tests auch untersucht, wer von uns vom Münchhausen-Gen dominiert wird. Wahrscheinlich kriegen die Betroffenen bald alle einen Brief vom Staat. Darin steht dann, dass sie im Rathaus als zweiten Vornamen "Pinocchio" in ihren Personalausweis eintragen müssen. 
 
Einer, der vorsätzlich Märchen erzählte, war der Däne Hans-Christian Andersen. Und das war ein ängstlicher und sehr vorsichtiger Mensch. Auf Reisen hatte Andersen stets ein dickes, neun Meter langes Seil bei sich. Damit wollte er sich im Falle eines Feuers aus seiner Herberge abseilen. Ob "das Mädchen mit den Zündhölzern" damit zu tun hat, ist zweifelhaft. 
 
Wenn Andersen heute lebte, würde er sich vermutlich in der "blauen Zone" ansiedeln. Damit ist nicht die blau-weiße Region gemeint, in der rund um Gelsenkirchen viele Menschen leben, die etwas von Fußball verstehen. Sondern Gebiete auf Sardinien in Italien, um Loma Linda in Kalifornien oder auf Okinawa in Japan. All diese Bereiche haben eines gemeinsam: Die Menschen dort leiden seltener an altersbedingten Krankheiten, und der Anteil der 100-Jährigen unter ihnen liegt weit über dem Durchschnitt. 
 
Das kommt jedoch nicht daher, dass sie sich bei Bränden immer rechtzeitig abgeseilt haben. Der Schlüssel zum langen Leben ist die gesunde Ernährung: Viel Obst und Gemüse, weniger tierische Fette und überhaupt eher Fisch als Fleisch. 
 
Weniger mühsam wäre es, dem Rezept von Leonardo da Vinci für das ewige Leben zu folgen. Leider sind die Aufzeichnungen verschollen. Wie aus geheimen Quellen berichtet wird, soll er die Formel auf der Rückseite der Leinwand notiert haben, auf der er danach die Mona Lisa verewigt hat. Wer traut sich, dort nachzusehen? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zugegeben, beim Schreiben des letzten Absatzes begann meine Nase zu glühen. Dagegen ist diese Aussage wahr: 20mal mehr Männer als Frauen sind in Nord- und Mitteleuropa von Rotgrün-Blindheit betroffen! Ich vermute, das gleicht sich dadurch aus, dass Männer besser blau-weiß sehen können, während ihnen von schwarz-gelb übel wird. 

 

 Schmunzelpost 468 vom 31. 7. 22


Du dumme Nuss! So schimpft man mit Leuten, denen man unterstellt, dass sie aufgrund mangelnden Gehirnvolumens über wenig Denkvermögen verfügen. Daher nahmen selbst Wissenschaftler lange Zeit an, dass Vögel nur von Instinkten geleitet werden, weil in ihren kleinen Köpfen nur Platz für ein "Spatzenhirn" von geringer Leistungsfähigkeit sei. Inzwischen haben sie bemerkt, dass sie ziemlich daneben lagen. 
 
Eigentlich gestehen wir nur Menschenaffen und Delfinen zu, dass sie den Intelligenzgrad von Kleinkindern erreichen können. Mittlerweile hat man jedoch herausgefunden, dass beispielsweise Kraken erstaunlich schlau sind, obwohl sie maximal vier Jahre alt werden. Und auch Vögel werden von uns komplett unterschätzt. 
 
Nehmen wir mal die "Ratte der Lüfte", die Taube, die mal als Briefbote und Friedensbringer beliebt gewesen ist, aber inzwischen als Stadtverschmutzer mit einem Fütterungsverbot bestraft wurde. Dass Tauben über einen Orientierungssinn verfügen, der sie über Hunderte von Kilometern wieder nach Hause führt, wird zwar bestaunt. Aber wusstet Ihr, dass Tauben ein unglaublich präzises Unterscheidungsvermögen besitzen? Sie können Gesichter, Gesichtsausdrücke, Buchstaben und sogar Gemälde auseinanderhalten. Was manch menschlichem Banausen, der stolz darauf ist, Picasso von Rembrandt unterscheiden zu können, nicht gelingt. 
 
Außerdem sind Tauben in der Lage, sich selbst im Spiegel zu erkennen. Eine Fähigkeit, über die außer Affen nur ganz wenige Säugetiere verfügen. Und die Frage, wann ein Wesen eine individuelle Persönlichkeit und ein Bewusstsein besitzt, gewinnt an Gewicht, wenn man sich mit den Grünbürzel-Sperlingspapageien beschäftigt. Die verwenden für jeden Artgenossen einen anderen Ruf. Und zwar, weil die Eltern ihren Küken offenbar eigene Namen geben! Aufgrund mangelnder Kenntnis von Papageiendialekten weiß ich leider nicht, ob auch ein Kevin Grünbürzel darunter ist. 
 
Anders als etwa Eichhörnchen sind Buschhäher nicht nur in der Lage, Futtervorräte anzulegen, sondern sie auch sämtlich wieder zu finden. Und das, obwohl Wissenschaftler mitgezählt haben, dass sie bis zu 30 000 Kiefernsamen in mehrere Tausend Depots verteilten. Wenn ich das nächste Mal Brille oder Schlüssel suche, werde ich einen Häher engagieren. 
 
Ebenfalls verblüffend: Krähen begannen erst, ihre Vorräte zu verstecken, nachdem sie selbst vorher Artgenossen das Futter gestohlen hatten. Sie zogen also Schlussfolgerungen aus ihrem eigenen Verhalten. Überhaupt sind Krähen und Rabenvögel fähiger vorausschauend zu planen als Affen. Die Experten führen das darauf zurück, dass ihre vergleichsweise kleinen Gehirne eine viel größere Neuronendichte aufweisen als die Denkapparate von Säugetieren. 
 
Das ermöglicht Krähen nicht nur, kleine Zweige als Werkzeug zu nutzen, um Käfer zu erbeuten. Sie formen sogar vorher das Stöckchen so, wie sie es brauchen. Störende Triebe werden entfernt, die Spitze wird zu einem Haken gebogen. Und das ganz ohne Gebrauchsanweisung und ohne Hände! 
 
Einige Kakadu-Arten bauen sich sogar ein kleines Schlagzeug für die Brautwerbung. Und sie haben so viel Gefühl für Rhythmus und Melodie, dass sie sich vorgespielter Musik anpassen können. Ein Talent, um das ich sie beneide! 
 
Wo wir schon bei Papageienvögeln sind: Die hellsten Köpfe im Urwald sind die Graupapageien. Jedenfalls ist es gelungen, einem Graupapagei gut 100 Wörter beizubringen. Und zwar so, dass er sie nicht bloß nachplapperte, sondern sinnvoll kombinierte. Derselbe kluge Vogel war auch in der Lage, mathematische Zusammenhänge zu erfassen und das Wesen der Null zu kapieren. Befragt, wie die Aussichten der Menschheit sind, die nächsten 1000 Jahre zu überleben, soll er kurz geblinzelt und dann gekrächzt haben: "Die Chancen sind gleich Null!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bei der letzten Aufzählung von Aktionstagen habe ich den "Internationalen Tag der Freundschaft" am 30. Juli unterschlagen. Dazu ein Zitat von Arthur Schopenhauer: "Freunde in der Not wären selten? - Im Gegenteil! Kaum hat man mit einem Freundschaft gemacht, so ist er auch schon in der Not und will Geld geliehen haben."   
 

Schmunzelpost 467 vom 30. 7. 22 


Bühnen-Action mit Satisfaction hat diese Woche auf Schalke mehr als 50 000 Menschen begeistert. So viele Leute wie die Rolling Stones werdet Ihr wohl nicht mobilisieren können, aber vielleicht den einen oder anderen für einen Aktionstag Eurer Wahl gewinnen. 
 
Gleich der erste Aktionstag, den ich vorstelle, hat ungezählte Follower, die ihn tagein, tagaus zelebrieren. Eigentlich dürfte ich diesen Schmunzelpost-Beitrag danach erst morgen verbreiten: Es geht um den "Zuspätkomm-Tag". Als Freund der Pünktlichkeit akzeptiere ich aber das Anliegen des Urhebers. Cartoonist Bastian Melnyk, der den Aktionstag am 30. Juli 2009 einführte, zielt darauf ab, dass wir alle im Umgang miteinander etwas gelassener werden sollten. Und dabei auch kleine Schwächen hinnehmen. 
 
In seinem Sinne hätte ich diese Schmunzelpost heute als Postkarte versenden müssen, um noch einem weiteren Anlass am 30. Juli gerecht zu werden. Wir begehen nämlich auch den Weltpostkartentag, der dem allmählichen Verschwinden dieser Grußkarten entgegen wirken soll. 
 
Den 31. Juli können wir damit beginnen, auf einen Geburtstag anzustoßen. Ausgenommen sind lediglich die Muggels, die hartnäckig die Existenz von Magie bestreiten. Alle anderen feiern Harry Potter, der am 31. 7. 1980 zur Welt kam, wie eine britische Historikerin mit Namen J. K. Rowling versichert. 
 
Überhaupt kommen am 31. Juli die Briten ganz groß raus. Sie feiern nämlich auch mit einem ordentlichen Schluck Alkohol den "Black-Tot-Day". Denn der 31. 7. 1970 war der traurige Tag, an dem das britische Marineministerium eine Tradition beendete, die vorher für Seeleute der englischen Flotte 315 Jahre Bestand hatte: Der Anspruch auf die tägliche Ration von 70 Milliliter-Rum wurde gestrichen! Immerhin ist das so eingesparte Geld danach für soziale Zwecke verwandt worden. 
 
Doch die Briten denken nicht nur an Rum, sondern auch an ihre Frauen. Deshalb begehen sie am 31. 7. auch den nationalen Orgasmus-Tag. Ein Orgasmus soll sowohl das physische wie das psychische Wohlbefinden steigern. Deshalb waren die Briten not amused, als eine Umfrage im Jahr 2000 ergab, dass 46 Prozent der britischen Frauen nur selten einen sexuellen Höhepunkt erleben. Der Aktionstag wirbt für Beckenmuskel-Training, weil Frauen mit einer starken Beckenmuskulatur doppelt so oft zum Orgasmus kommen. 
 
Wer davon nichts hält, kann den Initiatoren spätestens am 1. August den Mittelfinger zeigen. Das ist der Welt-Mittelfinger-Tag. Allerdings wertet der Urheber (schon wieder ein Brite, obwohl Charlie Green in Düsseldorf lebt) seinen Aktionstag weniger als Bekenntnis zur obszönen Geste, als vielmehr als Ermunterung, die Abneigung gegen vorherrschende Regeln oder Meinungen deutlich zu zeigen. 
 
Der 2. August wurde für Aktionstage ausschließlich von US-Amerikanern genutzt. Dennoch befürworte ich voll und ganz zwei der Appelle: Ich bin ein Fan der Echsen, an die am Tag des Dinosauriers erinnert wird. Schließlich hat diese Gattung viele Millionen Jahre auf der Erde dominiert, die wir Menschen in wenigen Jahrtausenden fast ruiniert haben. Und auch der "Tag des Malbuches" findet meine Unterstützung. Bevor man lesen kann, wird man so herangeführt, sich kreativ zu betätigen und Bücher schätzen zu lernen. Wer früh malt, wird später kaum sagen: I can get no Satisfaction. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auf meinem Rabenkalender lese ich ein Zitat von Alexis de Tocqueville, das in Zeiten von Fake News und Hass-Mails nichts von seiner Gültigkeit verloren hat: "Jeder ist in seinem Handeln frei. Die natürliche Neigung der Menschen besteht allerdings darin, die Freiheit zu missbrauchen, um die der anderen zu beeinträchtigen. Die größte Bedrohung der Freiheit ist die Freiheit selbst." 
 
PPS. Keiner kennt so viele Witze wie er! Martin liefert zur gestrigen Folge noch einen Weinwitz nach. Ein alter italienischer Winzer liegt auf dem Sterbebett, umringt von seinen drei Söhnen. Da schlägt er noch einmal die Augen auf, winkt die drei näher heran und sagt mit matter Stimme: "Meine lieben Söhne, ihr werdet ja nun unser Weingut weiterführen, da will ich euch, bevor ich von euch gehe, ein großes Geheimnis anvertrauen: MAN KANN WEIN AUCH AUS TRAUBENSAFT HERSTELLEN!!!" Da sieht der älteste Sohn seine Brüder traurig an und sagt: "Es geht zu Ende mit ihm, er phantasiert schon!"
 

Schmunzelpost 466 vom 29. 7. 22


Wenn ich schon mal dabei bin, Euch aufzuklären und den Wahrheitsgehalt des sogenannten Allgemeinwissens zu prüfen, dann sollte ich mich nicht auf Tiere beschränken, sondern mich auch um noch wichtigere Themen kümmern. Heute wende ich mich an alle Schluckspechte, die, wie ich, eine Vorliebe für Wein haben. Auch dazu sind reichlich falsche Informationen im Umlauf. 
 
Sehr eindrucksvoll ist die Show, die vermeintliche Weinkenner gern für ihre Gäste abziehen. Nach dem Ritual des Flaschenöffnens und Weinverkostens wird der Rebensaft oft in eine Karaffe umgefüllt mit der Begründung: "Damit er sein volles Aroma entfalten kann, muss er erst atmen." Muss er nicht. Zumindest dann, wenn es ein seriös gekelterter, anständiger Wein neueren Ursprungs ist. 
 
Früher waren Weine oft gerbstoffreich und sauer. Damit sie halbwegs trinkbar wurden, war es sinnvoll, sie vorher mit Sauerstoff in Verbindung zu bringen. Der sorgte dafür, dass sich die Inhaltsstoffe positiv veränderten und Säuren neutralisiert wurden. Heute ist eine solche Luftkur jedoch nicht mehr nötig, weil der Winzer sie bereits vor der Abfüllung vollzogen hat. 
 
Auch die Hoffnung, dass gute oder mittelmäßige Weine besser werden, wenn man sie nur lange genug lagert, ist eine Schnapsidee. Allenfalls halten sie ein paar Jahre ihr Niveau. Vor allem Weißweine sollten zügig getrunken werden, weil sie in privaten Haushalten selten die richtigen Bedingungen vorfinden. Vor allem Temperaturschwankungen, aber auch Geruchseinflüsse im Keller oder Kühlschrank, können den Genuss erheblich beeinträchtigen. Und auch bei teuren Rotweinen führen die modernen Keltermethoden dazu, dass der Wein bis zum Trinken nicht ewig im Keller schmoren sollte. 
 
Die Erkenntnis, dass der klassische Korken eher eine Gefahr als eine Garantie für den Geschmack sein kann, sollte inzwischen bei Weinliebhabern angekommen sein. Dass die teuren Weine vor allem aus dem Ausland oft nur mit Korkverschluss zu haben sind, hat lediglich den Grund, dass die Traditionalisten lange der neuen Technik misstrauten und die Anbieter daher an der überholten Methode festhielten. 
 
Noch ein Vorurteil besagt, dass Weinverschnitte nichts taugen. Da spukt immer noch die Furcht im Hinterkopf herum, es könne sich nur um zusammen gepanschte Reste handeln. In Frankreich hat man längst erkannt, dass das Gegenteil der Fall ist. Werden unterschiedliche Weinsorten im richtigen Verhältnis gemischt, können gerade Cuvee-Weine für grandiose Geschmackserlebnisse sorgen. Da zeigt sich die Kunst des Winzers. Tipp: Im Blindtest ausprobieren! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zugegeben: Wer bei der Lektüre keinen Wein getrunken hat, fand diesmal wenig Anlass zum Schmunzeln. Als Ausgleich gibt es als Zugabe gleich drei Wein-Scherze:
  
"Wollen Sie weißen oder roten Wein zum Essen trinken?" "Mir egal, ich bin farbenblind!" 
 
In einem Weinlokal beobachtet jemand einen anderen Gast, der an kleinen Kernen knabbert. Schließlich geht er hinüber und fragt: "Entschuldigung, warum machen Sie das?" "Ganz einfach: Weinkerne erhöhen die Intelligenz." "Wenn das so ist: Würden Sie mir ein paar Kerne verkaufen?" "Ja, gerne. Fünf Kerne - zehn Euro." Gesagt, getan. Der Käufer knabbert an seinen Kernen. Dann geht er nochmal zum Verkäufer herüber: "Hören Sie mal, für zehn Euro hätte ich mir ja jede Menge Weintrauben mit Kernen kaufen können!" "Sehen Sie, es wirkt!" 
 
In einem Restaurant kehrt ein Stammgast Tag für Tag ein und bestellt immer zwei Gläser Wein. Die trinkt er aus und geht. Nach einigen Monaten fragt ihn der Ober: "Weshalb immer zwei Gläser?" "Die trinke ich für mich und für meinen verstorbenen Freund." Nach drei Jahren bestellt er plötzlich nur noch ein Glas. Der Ober fragt: "Nanu, was ist passiert?" "Ganz einfach: Ich trinke keinen Wein mehr." 

 

 Schmunzelpost 465 vom 28. 7. 22


Auf die Gefahr hin, als Oswalt Kolle der Zoologie zu gelten, folgen heute noch einmal Anmerkungen, die Irrtümer über Tiere ausräumen sollen. 
 
Wer schon einmal mit dem Gedanken gespielt hat, einen putzigen Waschbären als Hilfskraft in seinem Haushalt anzuheuern, dem kann ich nur abraten. Zwar sind die illegalen Einwanderer mittlerweile fast überall in Deutschland heimisch und sehr zutraulich, wenn sie regelmäßig mit ein wenig Futter gelockt werden. Doch das bringt Euch nicht weiter. 
 
So ein Waschbär kann nicht einmal ein Bunt- von einem Feinwaschmittel unterscheiden, geschweige denn, den richtigen Waschgang für Euren Wollpullover finden. An dieser Stelle muss es ans Licht: Der Waschbär ist ein Hochstapler! Er tut nämlich nur so, als würde er alles mögliche erst waschen, bevor er es verzehrt. In Wahrheit holt er seine Beute am Rand von Gewässern aus dem Uferbereich. Und da schaut er zu Vorsicht stets noch einmal nach, ob er eine Schnecke oder einen Kieselstein in sein Maul schiebt. Außerdem wird geprüft, ob am Stock oder Stein noch ein paar schmackhafte Insektenlarven kleben. In Wahrheit ist der Waschbär also ein Naschbär! 
 
Auch manche vermeintlich so harmlose Schmetterlinge haben es faustdick hinter den Ohren. Sie flattern fröhlich durch den Garten und tun so, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Dabei haben sie ein paar Tricks auf Lager, mit denen sie anderen Insekten vorgaukeln: Ich bin einer von Euch! Lasst mich rein! 
 
Vor dem Bienenstock beherrscht das der Totenkopfschwärmer. Man könnte ihn auch die Ilse Werner der Schmetterlinge nennen (die Älteren erinnern sich). Der Schwärmer pfeift so überzeugend, dass die verzückten Bienen ihn in ihren Stock einkehren lassen, wo sich der Honigräuber ordentlich bedient. 
 
Noch cleverer sind die Larven des Ameisenbläulings. Sie benutzen als Parfüm den Duft von Ameisenlarven und lassen sich von Arbeiterinnen in den Bau tragen. Dort zünden sie die zweite Stufe. Sie ahmen so perfekt die Laute der Ameisenkönigin nach, dass sie wie diese gefüttert werden und ein Leben wie im Schlaraffenland führen. 
 
Und noch einen Trugschluss gilt es zu beseitigen. Nilpferde sind nicht die fettleibigen Verwandten von Rössern, die sich irgendwann entschieden haben, die Weight Watchers aus dem Stall zu jagen und ihre Schlemmer-Freizeit in Flüssen zu verbringen. Eigentlich müssten sie Nilschweine heißen. Denn mit Kurt Keiler und Susi Wildsau sind sie wahrhaftig eng verwandt. 
 
Während man das vielleicht noch ahnen kann, würde niemand vermuten, wen man mit Fug und Recht als Tante und Onkel des Klippschliefers bezeichnen könnte. Diese maximal vier Kilo schweren Felltierchen werden zwar nur so groß wie Kaninchen, sind aber nahe Verwandte von Seekuh und Elefant. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wir wissen, dass einige Tiere sehr alt werden können. Dazu gehören Riesenschildkröten und auch einige Fischarten. So erreichen Grönlandhaie ein Alter von bis zu 400 Jahren. Aber gibt es Tiere, die quasi unsterblich sind? Nein? Doch! Dass Quallen ganz besondere Wesen sind, war hier kürzlich bereits Thema. Und eine Quallenart, die Turritopsis nutricula, hat tatsächlich den Bogen raus. Sie kann sich runderneuern und so theoretisch Millionen Jahre alt werden. Falls ihr keine Fressfeinde, Stürme und Strömungen, die sie an Land spülen oder die Klimaerwärmung dazwischen kommen.
  
Fühlt diese Quallenart sich alt, dann lässt sie sich auf den Meeresboden sinken. Dort schickt sie Zellen aus ihrem Außenschirm durch einen körpereigenen Jungbrunnen und formt daraus jugendfrische Recylingprodukte, die absolut identisch mit ihrer Quelle sind. Allmählich entstehen wieder Organe und Tentakel - und die neue Qualle ist ganz die alte! Und da behauptete an dieser Stelle jemand doch glatt, Quallen hätten kein Hirn. 
 
Ich werde heute Nacht im Keller schlafen. Vielleicht kann auch ich in der Tiefe ein paar Zellen umformen, aus denen in einigen Jahren ein neuer Krause entsteht. Wenn man schon keine Kinder hat, muss man sich halt etwas anderes einfallen lassen.   
 

 Schmunzelpost 464 vom 27. 7. 22


Diesmal möchte ich die Schmunzelpost der Aufklärung widmen. Keine Angst, es geht nicht um die Geschichte mit der Biene und der Blüte, die haben Euch vermutlich bereits Eure Eltern erzählt. Und auch die Geschichtsepoche der Aufklärung ist nicht gemeint, obwohl angesichts der großen Zahl von Menschen, die Populisten und Verschwörungstheorien auf den Leim gehen, eine Neuauflage dringend nötig wäre. 
 
Nein, mir geht es heute darum, weit verbreitete Irrtümer auszuräumen. Gerade, was die Tierwelt betrifft, sind viele falsche Vorstellungen im Umlauf. Fangen wir mit der Eintagsfliege an. Manche dieser Insekten bringen es im Endstadium zwar gerade mal auf vier oder fünf Stunden. Andere werden aber sogar drei Tage alt. Das hängt davon ab, wann sie einen Sexualpartner gefunden haben. Also womöglich davon, wann sie von einer freundlichen Biene aufgeklärt worden sind. 
 
Junggesellen und eiserne Jungfern haben übrigens keine längere Lebenserwartung. Eintagsfliegen verfügen nicht über die Möglichkeit, Nahrung aufzunehmen, was ihre Partnersuche zeitlich begrenzt. Allerdings besitzen sie im früheren Entwicklungsstadium durchaus einen Fress- und Verdauungsapparat, so dass sie am Schluss meist schon mehrere Jahre auf dem Buckel haben. Es gab ein Leben vor dem Tode! 
 
Stumm wie ein Fisch? Blind wie ein Maulwurf? Goldfische sind blöd? Alles Quatsch! Nur, weil wir Menschen sie beim Tauchgang oder vor dem Aquarium nicht hören können, heißt das nicht, das Fische nicht geschwätzig sind. Im Gegenteil. Mit speziellen Geräten werden ihre Geräusche für uns hörbar. Und siehe da: Je nach Art grunzen, brummen, quietschen oder quatschen sie, dass es eine Pracht ist! 
 
Goldfischen wird nachgesagt, dass sie sich lediglich drei Sekunden zurück erinnern können. (Über die Formulierung sollte ich nochmal nachdenken: Wer kann sich schon im Voraus erinnern?) Forscher haben jedoch herausgefunden, das Goldfische mindestens die letzten drei Monate im Gedächtnis behalten können. Mehr noch: Sie verfügen sogar über das Lernvermögen eines Hundes. Sie sind in der Lage, Hebel zu betätigen und Zeiträume einzuschätzen. Ein kleiner Glasbehälter ist für einen Goldfisch also alles andere als artgerechte Haltung! 
 
Und die blinden Maulwürfe gehören ebenfalls ins Reich der Legende. Klar sind bei ihnen andere Sinne, wie das Gehör, der Tastsinn und das Riechvermögen, stärker ausgebildet, weil sie ihren Geschäften hauptsächlich unter Tage nachgehen, wo es zappenduster ist. Dennoch vermögen Maulwürfe, wenn sie mal schauen wollen, was wir wieder für einen Unsinn treiben, sehr wohl hell und dunkel zu unterscheiden und auch Umrisse wahrnehmen. Wie auch sonst wäre der kleine Maulwurf in der Lage gewesen, herauszufinden, wer ihm auf den Kopf gemacht hat? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. 
 
In der Zugabe geht's zurück zu den Bienen. Eigentlich zu ihren nahen Verwandten, den Hummeln. Während gerade im Spätsommer nicht nur bei Allergikern Panik ausbricht, wenn sich eine Wespe oder eine Biene nähert, werden Hummeln oft unterschätzt. Die dicken Brummer haben doch gar keine Stacheln, denken viele. Zu Unrecht! Den die gemütlichen Dickerchen, die scheinbar etwas unbeholfen von Blüte zu Blüte fliegen, sind lediglich sehr friedlich. Nur, wenn man sie quetscht oder sie sich äußerst bedroht fühlen, schreiten sie zur Notwehr. 
 
Jedoch nicht ohne Vorwarnung. Zunächst heben sie ein mittleres Bein und zeigen damit auf den Aggressor. Das soll wohl bedeuten: Pass auf, ich bin bewaffnet! Stufe zwei: Das Brummen wird lauter, die Hummel wirft sich auf den Rücken und zeigt ihren Stachel. Wer sie auch dann nicht in Ruhe lässt, muss die Folgen tragen: Die Hummel sticht zu. Anders als eine Biene überlebt die Hummel die Gegenwehr, ihr Stachel bleibt nicht stecken. Was für den gestochenen Menschen den Vorteil hat, dass kein Gift in der Wunde den Schmerz verstärkt. Dennoch tut es so weh, dass die Hummel danach hoffentlich in Ruhe gelassen wird. 
 
Hummel, hummel! 
   

Schmunzelpost 463 vom 26. 7. 22

Heute muss ich ein Geständnis ablegen: Entgegen Verstand und Gefühl setzen sich in mir niedere Instinkte regelmäßig durch. Ich bin und bleibe einen Fleischfresser. 
 
Das bereue ich besonders am heutigen 26. Juli. Das ist der Welttag des Tofu. Und obwohl ich aus ökologischen wie aus Tierwohl-Gründen weiß, dass es besser wäre, kulinarisch umzusatteln - es gelingt einfach nicht. Die bisherigen Anläufe mit Tofu als Fleischersatz waren allesamt unbefriedigend. Bleibt die vage Hoffnung, dass meine Generation zum Aussterben verurteilt ist. Spätestens, wenn uns als späte Rache die Würmer gefressen haben. 
 
Der 27. Juli steht wieder im Zeichen von US-Aktionstagen. Wem es gelingt, mit einer Hose bekleidet seinen Gummibaum auf Stelzen durch die Gegend zu tragen, der hat gleich drei Anlässe mit einer Aktion vereint: Der 27. 7. ist sowohl der Tag des Stelzenlaufens, wie der "Geh-mit-Deiner-Zimmerpflanze-spazieren-Tag" und auch der "Geh-mit-Deiner-Hose-spazieren-Tag". Wobei ich es mir als größere Herausforderung vorstelle, wenn es der "Geh-ohne-Deine-Hose-spazieren-Tag" wäre. 
 
Am 28. Juli folgt ein Aktionstag, den ich völlig ohne Ironie nur begrüßen kann: Der Welttag des Naturschutzes. Wenn er doch nur global etwas nachhaltigere Auswirkungen hätte! Das gilt auch für den bundesweiten Tag des Kaffeesatzes, der seit 2021 in Deutschland begangen wird. Gemeint ist nicht, dass Ihr aus dem Prütt Eure Zukunft lesen sollt, sondern das es viele Möglichkeiten gibt, dieses Abfallprodukt sinnvoll zu verwerten. Schaut nach im Internet! 
 
Der "Internationale Tag des Tigers" folgt dann am 29. Juli. Und in den USA gibt es außerdem sechs nationale Aktionstage. Ich würde US-Großwildjägern empfehlen, den "Unterhalte-Dich-im-Fahrstuhl-Tag" zu einem ausführlichen Gespräch mit einem Tiger über den Wert von Trophäen-Jagden zu nutzen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Für die Zugabe ist noch ein Rest vom "Alte-Witze-Tag" übrig geblieben. Er soll Euch anstiften, am 27. Juli den Aktionstag angemessen zu würdigen, indem Ihr Eure Jogginghose durch die frische Luft bewegt. Damit es Euch nicht so geht wie mir. 2012 habe ich mir eine neue Jogginghose gekauft. Mit der bin ich genauso oft gejoggt, wie ich mit der Küchenrolle durch die Küche gerollt bin.
 

 Schmunzelpost 462 vom 25. 7. 22


Auch heute nutze ich die Süddeutsche Zeitung erneut als Vorlagengeber. Wisst Ihr, was ein Fußlump ist? Wusste ich vorher auch nicht. Doch als ich den Artikel von Titus Arnu mit der Überschrift "Von den Socken" las, war ich komplett von denselben. 
 
Das lag daran, wie jemand versucht, aus alten und vermutlich löchrigen Socken gehörig Kapital zu schlagen. Fünf Millionen Dollar! Die Geschichte spielt, wo auch sonst, in den USA. Dort hatte eine Firma Angel- und Wandersocken der Marke "Redhead" (Warum eigentlich nicht Redfeet? Ist die Socke auch für Bankräuber geeignet?) mit dem leichtsinnigen Versprechen angeboten: "Die letzten Socken, die Sie jemals kaufen!" Mister Ken Slaughter erwarb gleich zwölf Paar davon. 
 
Aber immer, wenn das großspurige Versprechen fadenscheinig wurde, brachte Slaugter das ramponierte Teil in den Laden zurück und erhielt dort Ersatz. Bis nach dem Wollfaden auch der Geduldsfaden riss und das Personal seinen anstrengenden Kunden mit einem anderen Modell mit nur sechzigtägiger Garantie abspeisen wollte. Das fand Slaughter unangebracht - was sind schon 60 Tage gegen den Rest seines Lebens? - und klagte auf fünf Millionen Schadensersatz. Nun wartet ganz Amerika gespannt auf den Ausgang des Rechtsstreits. 
 
Mir hingegen stellen sich ganz andere Fragen. Wohin, zum Kuckuck, verschwinden dauernd einzelne Socken, denen eigentlich ein untrennbares Bedürfnis nach dem Zwillingspartner mit in die Fäden gewoben sein sollte? Und warum und wie lange gibt es überhaupt Socken? 
 
Zumindest auf die zweite Frage gibt es plausible Antworten. Danach ist die Socke Bruder des Strumpfes. Oder die Schwester, ganz nach feministischem Weltbild. Eltern der beiden sind Schuh und Hose. Denn lange Zeit kannten die Menschen weder Socke noch Strumpf und wärmten ihre Beine auf andere Weise. 
 
Bei den Griechen hieß ein Hausschuh, der in vermögenden Kreisen auch schon mal mit Perlen verziert wurde, Soccus. Und der Strumpf entwickelte sich als Ableger der Hose und sprachlich aus der Kreuzung zwischen Schrumpf und Rumpf erst im Mittelalter. Ausgrabungsfunde lassen aber vermuten, dass man in Jütland bereits um 500 vor Christus auf die Idee gekommen war, sich mit separaten Kleidungsstücken die Füße zu wärmen. Ägypten folgte erst um 500 nach Christus. Das hat vielleicht auch etwas mit den unterschiedlichen Temperaturen in diesen Regionen zu tun. 
 
Einfache Leute mit kalten Füßen mussten sich sehr lange anders behelfen: Sie wickelten Lumpen um die frierenden Extremitäten. Die sogenannten Beinlinge, Vorläufer der Strümpfe zumeist aus Seide, waren nur etwas für den Adel und die Reichen. Erst als William Lee im 16. Jahrhundert den Strumpfwirkstuhl erfand und damit die maschinelle Produktion möglich machte, konnten sich allmählich auch die weniger Betuchten Beinkleider aus Wolle und Leinen leisten. 
 
Und was ist der Unterschied zwischen Socken und Strümpfen? Die Socken reichen allenfalls bis zur Hälfte des Unterschenkels. Da hättet Ihr aber wirklich auch selbst drauf kommen können! Schon schwieriger ist die Lösung der ersten Frage. Die Antwort für die meisten Fälle, wenn die Socke nicht heruntergefallen oder zwischen andere Wäschestücke geraten ist: Die Waschmaschine war's! 
 
Beim Waschvorgang können Socken in den Spalt rutschen, der zwischen der Trommel und der äußeren Maschinenwand besteht. Dann wickeln sie sich um den Heizstab und werden im Verlauf vieler Waschdurchgänge allmählich aufgelöst. Hätten wir auch das geklärt.
  
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ob Socke, Strumpf oder Perücke, in der klassischen Zugabe bekommt Ihr Auskunft darüber, was wirklich zählt. Denn was sagte nach Goethe bereits Mephisto zu Faust: "Setz Dir Perücken auf von Millionen Locken, setz Deinen Fuß auf ellenhohe Socken, Du bleibst doch immer, was Du bist."  

 

 Schmunzelpost 461 vom 24. 7. 22


Axel Hacke ist mir zuvor gekommen! Dieser Schlot, langjähriger gewitzter Kolumnenschreiber der Süddeutschen Zeitung, hat seinen letzten Beitrag im SZ-Magazin ausgerechnet dem Thema gewidmet, das ich auch auf dem Zettel hatte. Aus gegebenem Anlass wollte ich mich mit dem Duschen befassen. 
 
Dafür gibt es doppelten Grund. Einerseits kann bei den hohen Außentemperaturen das Duschen eine wahre Freude sein, nicht nur bloße tägliche Körperreinigungs-Routine. Andererseits redet einem alle Welt gegenwärtig dauernd ins Gewissen, man solle die Duschzeit reduzieren, die Wassertemperatur senken oder am besten ganz aufs Duschen verzichten, um Energie zu sparen. Ein schmaler Grat, zu dem wohl nur Herr K. eine klare Meinung hat. Ich hingegen vertrete eine eindeutige Wischi-Waschi-Haltung. 
 
Nun wird man von Wischi-Waschi allein nicht sauber. Deshalb sage ich: Duschen immer dann, wenn es nötig ist. Wir haben ja kürzlich gemeinsam einiges über Schweiß erfahren. Eine "Katzenwäsche", wie meine Mutter früher das schnelle Abrubbeln am Waschbecken nannte, reicht zwischendurch aus, wenn sich Staub und Geruch problemlos mit Schwamm und Seife beseitigen lassen. Deshalb ist man noch lange kein Waschlappen. 
 
So möchte ich auch nicht bezeichnet werden, nur weil ich kalte Duschen hasse. Selbst nach der Sauna musste ich mich zwingen, das kühle Nass zu erdulden. Vom Eisbecken ganz zu schweigen. Doch zu heiß geduscht ist auch nicht gut, wie bereits der Volksmund berichtet. Ein paar Grad weniger machen mir daher nichts aus. Herbert Wehner würde sagen: "Der Herr duscht gern lau". 
 
Damit bin ich nicht allein. Bereits die alten Griechen hatten herausgefunden, dass es ein Genuss sein kann, sich unter einem künstlichen Wasserfall vom Schmutz zu befreien. Ein gewissen Philon von Byzanz soll im dritten Jahrhundert vor Christus die Dusche erfunden haben. Die Römer, noch reinlicher als die Griechen, beanspruchen aber das Patent für sich. 300 Jahre später habe Sergius Orata als Erster die "hängenden Bäder" konstruiert. Dabei spielt der antike Kapitalismus eine Rolle: Durch den Einbau von Duschen konnte der Wiederverkaufswert von Landhäusern gesteigert werden. 
 
Danach geriet die Dusche lange Zeit in Vergessenheit. Im Mittelalter nutzte man Zuber und war zunächst durchaus Sauberkeit bedacht. Doch weil die Badehäuser sich zur Freude der Rittersleut zu frühen Bordellen entwickelten, haftete dem Baden bald etwas Lasterhaftes an. Und so galt das Wasser als Werkzeug des Teufels. 
 
In den folgenden Jahrhunderten entdeckten die Menschen noch andere Ausreden, um sich vor dem Baden zu drücken. Es hieß, der Schmutz verstopfe die Poren und verhindere das Eindringen von Krankheiten in den Körper. Klasse Idee, fanden die Hersteller von Duftwässern. Fortan wurden an den Höfen Parfüms benutzt, um den Gestank der Körper zu verbergen. 
 
Dabei hatte bereits um 1600 der Franzose Jean Pidoux die heilende Kraft von Mineralwässern entdeckt, die er mit unterschiedlichen Duschformen zur Behandlung seiner Patienten verwandte. Doch erst sein Landsmann Merry Delabost sorgte 1872 für den Durchbruch. Er war über den gesundheitlichen Zustand der Gefangenen im Knast von Rouen entsetzt, den er auf mangelnde Hygiene zurückführte. Mithilfe von Großraumduschen konnte er für Abhilfe sorgen. 
 
Das ließ die französischen Militärs aufhorchen, die flugs den Krankenstand der Soldaten durch Duschen eindämmten. Und als auch die Preußen 1879 das Duschen in den Kasernen einführte, war der Weg in Internate und in die Heime von Vermögenden geebnet. Da sage noch einer, das Militär hätte überhaupt nichts Segensreiches auf die Reihe bekommen! 
 
Obwohl ich nicht gedient habe, erkenne ich das an. Und vielleicht ist auch an diesem Spruch was dran: Eine kalte Brause vertreibt beim Krause manche Flause. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Es war gar nicht so einfach, für die Zugabe einen akzeptablen Witz zu finden, der die Themen Hitze und Dusche vereint. Den hier finde ich ganz lustig: 
 
""Heute ist es irgendwie zu heiß, um Kleidung zu tragen", sagt der Mann, als er aus der Dusche kommt. "Aber ich muss trotzdem im Garten etwas tun. Schatz, was denkst Du, würden unsere Nachbarn sagen, wenn ich jetzt so die Hecken schneide?" "Vermutlich werden sie denken, dass ich Dich wegen Deines Geldes geheiratet habe." 
 

Schmunzelpost 460 vom 23. 7. 22

Bühne frei für Herrn K.: 
 
"Siesse! Is schon wieda vorbei, dat Pieseln. Hammse uns vorher wieda einen vom Pferd vertellt: Uh, uh, der Starkregen kommt! Achtzig Liter auffen Meta! Und wat wa? Statt nem See ham wir 'ne kleine Pfütze innen Gatten. Na, wenichstens knallt uns nich mehr der Lorenz auffe Kimme, man kann et wieda aushalten. Komm, Karl, hiev Dein Arsch vonnet Soffa, wir setzen uns auffen Balkong und quatschen en bisken. 
 
Wat wollt ich gleich sagen? Ach ja, nich nur die ollen Wetterfritzen tun übertreiben, datte glaubs, dat Ende der Welt is nah, auch die Kondensatorn - oder heißt dat Kompensatoren? - du weiss schon, die Klugscheißer, die inne Tagesschau ihrn eigenen Sen dabeitun. Und auch die Modiratoren un ihre Schwatzgäste inne Talgschaus. Hömma, sind die getz alle bei die Zeugen Jehovas? 
 
Dat se gehörich Schiss ham, wegen dat Klima, dat kapier ich ja, dat geht mich genauso. Aba getz hamse alle nur noch Gas in Kopp. Seit Wochen jammern se getz, wat dat Zeuch hält: O weh, wir wern alle erfriern oder verhungern oder, noch schlimma, erfriern und verhungern! Weil der böse Putin uns dat Gas abdreht. Und dann können wir nich mehr heizen! Und die Firmen gehn Pleite! Und die Malochers können nich mehr malochen und die Renten sind nich mehr sicha. Gut, dat der arme Blüm dat nich mehr erleben muss. Und die Preise steigen. Und wir können nix mehr kaufen und unsere 400 Rollen Klopapier, die wir gebunkert ham, die machen uns nich satt. Und wat is dat Ende von den Klagegesang? Am Ende geben wir alle den Löffel ab! 
 
Hömma, da möcht ich vonne Glotze direkt in die Talg-Runde springen un die alle mal anne Krawatte packen. Oder anne Halskette, wenn et ne Frau is. Un dann würd ich orntlich auf'n Putz hauen: Nu macht ma alle halblang! Noch is der Gashahn ja ga nich zu. Je mehr ihr bibbert und rumheult, desto mehr gehn die Preise durche Decke. Frach nach bei Eure FDP-Heinis: Dat is dat Gesetz von Nachgebot und Anfrage! Müsst ihr doch schon mal wat von gehört ham, gilt ja erst seit siebzich Jahre! 
 
Un übahaupt. Bevor ihr gemerkt habt, wie bange ihr seid, dat ihr kein Gas und Öl mehr kricht, habt ihr groß und breit rumgetönt, dat ihr bald kein Gas und Öl mehr kaufen wollt. Zumindest nich von die bösen Russen. Dann lieber von die bösen Scheichs. Oder wat da an Tyrannen noch son Zeuch anbietet. 
 
Hömma, der Putin is zwar bekloppt, aba so bekloppt nu auch wieda nich! Der hat doch spitzgekriecht, dat ihr versucht, ihn auszubooten. Wenn in dem sein Schädel schon kein Platz is für ein Gewissen, dann is da genuch Platz für ne Rechenmaschine. Der weiß doch genau: Solange, bis er neue Kunden für seine Öl- und Gaskolchose hat, da macht er die Ware eben knapp. Dann gehn die Preise ruckzuck durche Decke und er verdient sich dumm und dusslich. Mehr Geld für weniger Ware! Wenn dat kein Geschäft is! 
 
Aba, Karl, nich datte mich falsch verstehn tust. Ich war auch dafür, dat Schalke keine Kohle mehr von Gazzpromm nimmt. Und ich mach kein Urlaub bei die Scheichs. Und ich geh' in kein Kina-Restaurang mehr. Woher die meisten Sachen kommen, die ich kaufen tu? Weiß ich doch nich. Dat Kleingedruckte kann ich sowieso nich lesen. 
 
Trotzdem: Wer sowat fuchtbares treibt, wie der Putin inne Ukraine, der muss gehörich eins auf die Pfoten kriegen. Auch wenn wir alle dat spüren tun. Wenn se dem Hitler eins auf die Rübe gegeben hätten, als er in Tschechien einmarschiert is, dann wär der Welt viel erspart geblieben. Und wenn damals die Menschen in England bis in die Fuffziger nich auf viel, viel mehr verzichtet hätten, als wie uns dat droht, dann wärn die Nazis nie gebremst worden. 
 
Also Schluss mit dat Gekreische! Karl, wat meinze: Wenn man die ganze heiße Luft aus dem Palava nehmen tät, dann brauchten wir doch schon heute kein Gas mehr! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Aus dem "gut geheizten" Chiemgau meldet sich Martin mit einer Anmerkung zur glibbrigen Schmunzelpost, die auch gut zur jetzigen Weltlage passt: "Die Tatsache, dass Quallen seit 650 Millionen Jahren ohne Gehirn überlebt haben, gibt vielen Menschen Trost und Hoffnung." 

 

 Schmunzelpost 459 vom 22. 7. 22

Leute, heute ist Euer Tag. Am 22. Juli feiern wir den Welttag des Gehirns. Und wer regelmäßig die Schmunzelpost liest, der muss über viele aktive graue Zellen verfügen! 

 

Hmm, Kommando zurück. Bei genauerem Hinsehen seid Ihr womöglich doch nicht die richtige Zielgruppe. Seit 2014 soll der Welttag des Gehirns nämlich vor allem auf Menschen aufmerksam machen, die mit neurologischen Krankheiten zu tun haben. Ein ehrenwertes Anliegen, wie ich durch meine Depressions-Erfahrungen bestätigen kann. Intelligente Leute, bei denen das mathematische Zentrum besonders gut in Form ist, können sich alternativ auch mit dem ebenfalls am 22. 7. begangenen "Pi-Annäherungstag" vergnügen. 

 

Eindeutig definiert ist am 23. Juli der "Yada-Yada-Yada-Tag". Dabei geht es ausschließlich um die Redewendung "yada, yada, yada", die aus den USA ihren Siegeszug um die Welt angetreten haben soll. An mir hat sie sich bisher die Zähne ausgebissen. Eigentlich wissen nur Freunde der Kult-Serie "Seinfeld", worum es geht. Mit dem Spruch yada, yada, yada werden danach Charakter-Schwächen wie das Stehlen aus Langeweile oder der Gebrauch von rassistischen und antisemitischen Sprüchen übertüncht. 

 

 Ursprünglich soll die Redensart vom US-Comedian Lenny Bruce stammen. Nicht nur wegen der klanglichen Nähe zum Dadaismus empfinde ich den Trubel um sprachlichen Schwachsinn als übertrieben. Da singe ich doch lieber tiefsinnige deutsche Hits wie "Da da da". 

 

Allerdings sind nicht nur die Amis für solchen Blödsinn empfänglich. Erstaunt las ich, dass bei uns in Deutschland seit 2020 am 23. Juli der "bundesweite Tag der Pinsa" gefeiert wird. Bitte, was? Die Pinsa, so lernte ich im Internet, ist eine Art rechteckige Pizza. Hätten wir also damit wieder eine Wissenslücke geschlossen. 

 

Schnell weiter zum 24. Juli. Habe ich schon mal erzählt, warum Krause keine Haare hat? Ah ja, ich merke, Ihr kennt die Pointe. Trotzdem war es den Versuch wert. Denn der 24. 7. ist der "Erzähl-einen-alten-Witz-Tag". Wahrscheinlich sollt Ihr so Eure Mitmenschen beglücken. Denn gleichzeitig wird der Internationale Tag der Freude gefeiert. Worauf wartet Ihr noch? Legt Beethoven auf und packt Eure ältesten Kalauer aus!  

 

Am 25. Juli zieht es mich in die USA. Da wäre ich gleich doppelt gut aufgehoben. Denn jenseits des großen Teiches wird nicht nur der "Käse-und-Wein-Tag" gefeiert, sondern auch der "Tag der Kulinarik". Für den Rückflug buche ich dann einen Schwertransporter der Lufthansa - die Reiner-Calmund-Gedächtnis-Maschine. 

 

Glückauf 

kdk 

 

PS. Als Zugabe, damit Ihr was zu erzählen habt, noch drei alte Witze für unsere Altersgruppe. 

 

Wie bringt man eine Frauengruppe zum Schweigen? Man sagt zu ihnen: "Nicht alle durcheinander, meine Damen, immer schön der Reihe nach. Die Älteste fängt an!" 

 

Eine Mann fragt seine Frau: "Wirst Du mich noch lieben, wenn ich alt und hässlich bin?" "Aber das tu ich doch!" 

 

Warum sind Bio-Produkte nur was für jüngere Leute? Wir Älteren brauchen jedes Konservierungsmittel, das wir kriegen können. 

 

 Schmunzelpost 458 vom 21. 7. 22


In den letzten Tagen ist reichlich Stiftsquelle durch meine Kehle geflossen. Ich habe mich nicht nur aus Lokalpatriotismus auf das Dorstener Mineralwasser umgestellt, sondern auch wegen der kurzen Transportwege. So war der Genuss ein Quell der Freude, speziell bei solchen Temperaturen. 
 
In der Natur ist es ein weiter Weg, bis das Quellwasser im Gegenstand der heutigen Folge gelandet ist. Für die Schmunzelpost ist es ein Klacks - das e muss nur durch ein a ersetzt werden und - schwupps - schon ist aus der Quelle eine Qualle geworden! Falls Ihr jetzt denkt: "Die Hitze ist ihm wohl aufs Hirn geschlagen! Wahrscheinlich schreibt er demnächst noch über Nacktmulle!", so erwidere ich, dass die Nacktmulle zwar eine interessante Idee sind, ich aber daran erinnern möchte, dass diese Beiträge eine Quelle des unnützen Wissens sind. 
 
Das heißt, so unnütz ist es gar nicht, etwas über Quallen zu wissen. Beispielsweise stand jetzt in der Zeitung, dass in manchen Badegebieten, etwa im Mittelmeer, aber auch in Nord- und Ostsee, vermehrt Feuerquallen vorkommen. Und vor denen sollte man sich hüten. Bereits eine kleine Berührung reicht und 14 Tage brennende Schmerzen sind garantiert. 
 
Mein Interesse war geweckt. Schließlich bin ich fast jedes Jahr an der Nordsee. Da traf es sich gut, dass in der Naturkunden-Reihe von Judith Schalansky gerade ein von Samuel Hamen verfasster Band über Quallen erschienen ist. Und die Lektüre bestätigt, was ich bereits vermutet hatte. Das "Ihh!" und das "Ah! Oh!" liegen bei Quallen dicht beieinander. Denn die ekligen Glibberhaufen, die nach einem Sturm oft über den ganzen Strand verteilt sind, können im Meer oft ihre beeindruckende Schönheit entfalten. 
 
Nehmen wir nur mal die fiesen Feuerquallen. Eine Unterart, die Leuchtquallen, entzückt regelmäßig die Seereisenden, wenn abends und nachts das Wasser illuminiert wird. Und auch die Vielfalt der Farben und Formen unterschiedlicher Quallenarten ist faszinierend. Da gibt es im Atlantik die Portugiesische Galeere, in 1500 Meter unter der Wasseroberfläche die Stygiomedusa gigantea mit einem fast anderthalb Meter großen Schirm und die Nomura-Qualle im Pazifik vor den Küsten Asiens, die bis zu 200 Kilo schwer werden kann. 
 
Das bekam ihr jedoch nicht gut. Obwohl sie sich durch den globalen Temperaturanstieg explosionsartig vermehrt hat, stellen ihr jetzt die Menschen nach. In China, Japan und anderen asiatischen Ländern ist sie zur beliebten Mahlzeit geworden. Ansonsten haben Quallen, auch als Meduse oder Medusa bezeichnet, vergleichsweise wenig Fressfeinde. Einzig die Lederschildkröte macht gezielt Jagd auf sie. Ansonsten gilt für einige wenige Fischarten sowie für Pinguine und Albatrosse: In der Not frisst der Teufel Quallen. 
 
Quallen selbst ernähren sich von Plankton und kleineren Fischen, die sie mit ihren Nesselarmen erbeuten. Nur wenige Quallenarten sind in der Lage auch größere Fische zu lähmen und zu verzehren. Weil die Dosierung ihrer Nesselgifte höchst unterschiedlich ist, kann man sie aus menschlicher Sicht wie Speise- und Gift- pilze einteilen. Noch gefährlicher als die Feuerqualle ist die Würfelqualle. Und am schlimmsten die australische Seewespe, die zu den giftigsten Geschöpfen auf diesem Planeten zählt. 
 
Noch ein erstaunlicher Fakt, dann versiegt für heute dieser Quell des Wissens. Warum kommen Quallen nur im Sommerhalbjahr vor? Weil sie eine Lebensform mit zwei Gesichtern sind. Im Winter existieren sie als geschlechtslose Polypen, die irgendwo unter Wasser fest angedockt haben. Wird es wärmer, dann sondern die Polypen ihre oberen Schichten ab, die als Quallen nach oben steigen. Naht der nächste Winter lassen die zweigeschlechtlichen Quallen ihre Keimzellen zum Meeresgrund rieseln, wo dann neue Polypen heranwachsen können. 
 
Wer also ohne Feuerquallen-Risiko in der Nord- oder Ostsee baden will: Im Januar seid Ihr auf der gefahrlosen Seite! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Um einen anderen Kreislauf aus der Einleitung zu schließen: Quallen bestehen zu 98 Prozent aus Wasser. Aber ohne ein Schmunzeln möchte ich Euch nicht entlassen. "Gibt es hier Krebse, Seeigel oder Feuerquallen?," fragt der Badegast. "Keine Sorge", beruhigt ihn die Strandwache, "die werden alle von den Haien gefressen!"  

 

Schmunzelpost 457 vom 20. 7. 22


Heute befassen wir uns mit Hitrose. Hä? Na gut, man kann auch Diaprhese dazu sagen. Ihr kommt langsam ins Schwitzen, weil Ihr nur Bahnhof versteht? Wer wird denn gleich transpirieren: Aus gegebenem Anlass geht es um Schweiß. 
 
Da ich mir selbst einen Bildungsauftrag erteilt habe, zunächst einige Fakten, bevor ich es noch verschwitze. Schweiß dient dazu, unsere Körpertemperatur herunter zu kühlen. Auch wenn wir heute womöglich darüber die Nase rümpfen, im Laufe der Evolution war das für den Menschen ein entscheidender Vorteil. Weil wir stark schwitzen können, ermöglichte das unseren Vorfahren als Ausdauerjäger auch Tiere zu erbeuten, die zwar viel schneller waren, aber auch viel schneller ermüdeten. 
 
Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Und ohne Schweiß kein Preis. Deshalb müsst Ihr nun durch den wissenschaftlichen Teil. Wir verfügen über zwei Arten von Schweiß. Ekkrine Schweißdrüsen sind über unseren ganzen Körper verteilt. Sie sondern geruchslosen Schweiß ab, der zu 99 Prozent aus Wasser besteht. Der Rest enthält überwiegend Salze, aber auch diverse Säuren und sogar Zucker. 
 
Dann gibt es noch die aprokinen Schweißdrüsen. Sie sind in den behaarten Körperregionen unter den Achseln und im Genitalbereich verteilt und sondern ein milchiges Sekret ab. Auch das ist geruchslos - solange es frisch ist. Fangen jedoch Bakterien an, die Fettsäuren (Buttersäure und Ameisensäure) zu zersetzen, dann beginnen wir zu miefen. 
 
Normalerweise hält sich das im Rahmen. Ohne Anstrengung oder Hitze erzeugt unser Körper nur 100 bis 200 Milliliter Schweiß pro Tag. Es gibt jedoch wenige Menschen mit Anhidrose (zu wenig Schweiß), dafür aber deutlich mehr, die mit Hyperhidrose zu kämpfen haben. Das heißt, ihr Körper produziert viel zu viel Schweiß, was unter anderem zu stinkenden Mauken durch Fußschweiß führen kann. Und wenn dann noch Bewegung, hohe Temperaturen und vor allem Stress dazu kommen - oh weia! 
 
In solchen Situationen werden wir zu Schweißwasser-Kraftwerken. Innerhalb einer Stunde können wir zwei bis vier Liter ausschwitzen, am Tag sogar zehn bis vierzehn Liter. Wohl dem, der reichlich zu trinken hat! 
 
Die Aussichten, eine passende Partnerin oder einen Partner zu finden, erhöht sich dadurch nicht. Während bei Tieren Sexualduftstoffe im Schweiß, die Pheromone, eine ganz erhebliche Rolle spielen, ist beim Menschen das Vomeronasalorgan bereits verkümmert, als er sich noch als Embryo in der Röhre auf sein außermütterliches Leben vorbereitete. Nur Reste davon sind verblieben, die immerhin eine Rolle spielen können, wenn potenzielle Partner unter starken Stress geraten. Das heißt, sie sind verliebt (gutes Zeichen) oder sie fürchten sich (schlechtes Zeichen). 
 
Da die Schmunzelpost ein Zentralorgan der deutschen Sprache ist, soll auch ein Schweißtröpfchen davon zur Sprache kommen. Die Wortherkunft stammt aus dem Indogermanischen. Vor mehr als 1000 Jahren war die Rede von "swoid" oder "sweid". In vielen Sprachen ist die heutige Bezeichnung daran angelehnt und beginnt meist mit s. Ausnahmen sind russisch und polnisch: Not. Und die lustigen Finnen sagen zu Schweiß "hiki". 
 
Auch in Redensarten spielt der Schweiß eine Rolle. Und das Churchill-Zitat, der den Briten "Blut, Schweiß und Tränen" ankündigte, ist ebenfalls jedem geläufig. Ich beschränke mich hier deshalb auf ein paar altväterliche Sprichwörter. "Mauersmanns Schweiß kostet der Tropfen einen Taler" ist eine Regel beim Hausbau, die auch heute noch Gültigkeit hat. Ob aber "Schweißwasser gibt guten Mörtel" stimmt, müsste mal überprüft werden. Dafür ist an dem Spruch "Wer seines Schweißes genießen will, muss ihn warm zudecken" einiges dran. Je schneller das Wasser kondensiert, desto eher muffelt es unter der Decke. 
 
Abschließend charakterisieren die Kölner bestimmte Menschen so: "Dä kann singe Schweiß nit rieche!" bezeichnet eine faule Socke. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch ein Zitat von Francis Bacon, dass ich unterschreibe: "Wucher ist das sicherste Mittel zum Gewinn, obwohl eines der schlechtesten, da er nicht anderes bedeutet, als sein Brot zu essen im Schweiße des Angesichts des Anderen." Schreibt Euch das hinter die Ohren, ihr Banker! 
 

Schmunzelpost 456 vom 19. 7. 22

 

An die 40 Grad sollen es heute bei uns werden. Da sollte man sich eigentlich nicht auch noch zusätzlich warme Gedanken machen. Allerdings zeigen ein paar Fakten, wie relativ solch schweißtreibende Temperaturen sind. 

 

Für Bjarne Hermannson etwa sind 40 Grad nicht mal heiß genug zum Aufwärmen. Er gewann 2008 die Sauna-Weltmeisterschaft (was es nicht alles gibt!) und hielt es bei 110 Grad 18 Minuten und 15 Sekunden aus!  Dieser Rekord ist bis heute nicht übertroffen worden. 

 

Allerdings gibt es winzige Lebewesen auf der Erde, die solche Temperaturen lieben. Prokaryoten, die keinen Zellkern haben, fühlen sich bei 90 Grad erst richtig wohl. Erst ab 120 Grad wird es ihnen mulmig. Zu finden sind sie an Tiefsee-Vulkanen, in Geysiren und in Salzlaken. 

 

Selbst Prokaryoten aber wären in einem Blitz blitzschnell gar. Blitze sind sechs Mal so heiß wie die Oberfläche unserer Sonne. Wärend dort gerade mal muckelige 5500 Grad herrschen, weisen Blitze Temperaturen von 30 000 Grad auf. Im Innersten der Sonne herrschen sogar unvorstellbare 15 Millionen Grad, während unser Erdkern nur auf mickrige 5000 Grad kommt. 

 

Wegen seiner Nähe zur Sonne, so könnte man vermuten, müsste der Merkur der heißeste Planet in unserem System sein. Tatsächlich erreichen die höchsten Temperaturen tagsüber bloß 430 Grad. Und nachts wird es dort sogar mit minus 170 Grad bitter kalt. Das liegt daran, dass der Merkur keine Atmosphäre besitzt. 

 

Anders als die Venus. Auf dem zweitnächsten Planeten sorgt die Sonne dafür, dass es sich selbst nachts nicht unter 440 Grad abkühlt. Dafür wird es dann tagsüber nur unwesentlich wärmer. Durchschnittlich 464 Grad, was immerhin Metalle wie Blei und Zink zum Schmelzen bringt. 

 

Das alles ist jedoch nichts im Vergleich zu den Temperaturen die im Kernforschungszentrum Cern erreicht wurden. Dort brachte man zwei Ionen zum Verschmelzen, um die Verhältnisse kurz nach dem Urknall zu simulieren. Das Resultat war unfassbar: 5,5 Billionen Grad! Ich denke, ich kann mich nun bei 37 Grad entspannt zurücklehnen. 

 

Glückauf 

kdk 

 

PS. Unangenehm heiß soll es dem Vernehmen nach auch in der Hölle sein. Dummerweise glauben immer weniger Menschen an ihre Existenz. In der Türkei liegt ihr Anteil mit 90 Grad zwar sehr hoch, doch weltweit sind es nur noch 30 Prozent. Und bei uns ungläubigen Deutschen sind es sogar nur noch 15 Prozent. Dafür ist aber unser Ex-Papst Benedikt völlig überzeugt, dass sündige Menschen in der Hölle schmoren müssen. Mehr noch: Der kleine Teufel tritt dafür ein, dass Katholiken, die die Existenz der Hölle bestreiten, bestraft werden müssen. Vermutlich mit 1000 Jahren Fegefeuer extra! 

 

 Schmunzelpost 455 vom 18. 7. 22


Sauer macht lustig! Das ist ein gutes Motto für eine Schmunzelpost. Und passt auch zum heutigen Tag: Der 18. Juli ist der saure Süßigkeiten-Tag! Bonbons, Fruchtgummis, Lakritz und Lutscher - von allem gibt es bereits saure Varianten. Von allem? Nein, für saure Schokolade hat sich bisher kein Hersteller gefunden. Und weil dieser Aktionstag wieder unter maßgeblicher Beteiligung der US-Süßwaren-Industrie in den Kalender kam, wenden wir unsere Aufmerksamkeit lieber zwei anderen Anlässen zu, für die ebenfalls am 18. 7. ein Aktionstag eingerichtet wurde.
 
Seit 2008 gibt es bereits den "Umarmt-Eure-Kinder-Tag", der gleichfalls aus Amerika stammt. Er wurde jedoch von einer Mutter installiert, die Ende 2007 ihren 8-jährigen Sohn durch einen Hirntumor verloren hat. Danach hängte sie ihren Journalisten-Job an den Nagel und widmete sich ganz einer Initiative, die vor allem an Alleinerziehende appelliert, ihre Kinder nicht zu vernachlässigen und ihnen die nötige Zuwendung zu geben.
 
Der Welt-Zuhör-Tag wäre sicherlich auch im Sinne dieser Initiative. Doch dahinter steckt eigentlich etwas völlig anderes. Er wurde von Künstlern begründet, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Klänge, Stimmen und Geräusche der Welt zu dokumentieren. Also: Ohren auf und Recorder an!
 
Auch Euer Werkzeug für den Aktionstag am 19. Juli ist an Eurem Schädel befestigt. Wir feiern dann den "Streck-Deine-Zunge-heraus-Tag", dessen Begründer Albert Einstein sein könnte. War er aber nicht. Vermutlich hatte er schon genug mit der Relativitätstheorie zu tun.
 
 Ob nun aber das Herausstrecken der Zunge nur ein frecher Akt des ritualisierten Ausspuckens ist, darf auch höchstens als relativ wahrscheinlich angesehen werden. Denn in Tibet ist das Zeigen der Zunge Ausdruck der Höflichkeit. Und kleine Kinder, die sich stark konzentrieren, strecken ebenfalls gern ihre Zunge heraus. Was man auch schon bei Sportlern und Denkern gesehen haben soll. Beim Verfassen der Schmunzelpost muss ich stets aufpassen, mit der Zungenspitze nicht an die PC-Tastatur zu kommen.
 
Der 20. Juli hingegen ist der Tag des Ambigrammes. Falls wir jetzt skypen würden, dann blickte ich wahrscheinlich in ratlose Gesichter. Das ging mir genauso. Dabei habe ich "Illuminati" von Dan Brown gelesen und könnte eigentlich wissen, dass ein Ambigramm ein Schriftzug ist, der aus zwei verschiedenen Blickwinkeln gelesen werden kann. Entscheidend ist der richtige Dreh. Mit sowas befassen sich Designer und Nerds, die keine anständigen Hobbies haben. Falls Ihr Euch näher informieren wollt: www.ambigramm.net
 
Nun zu einem Aktionstag aus den USA, den ich ausnahmsweise voll und ganz befürworte. Der 21. Juli ist, in der deutschen Übersetzung etwas sperrig formuliert, der "Sei Unterstützer für jemand-Tag". Na ja, National be someone-Day bringt einen auch nicht sofort auf die richtige Fährte. Jedenfalls ist dieser Tag von einem US-Kinderschutzzentrum aus Omaha 2018 im Aktionstag-Kalender untergebracht worden. Ziel ist es, durch Hinschauen und Aufklärung etwas gegen den Missbrauch und die soziale Vernachlässigung von Kindern zu tun. Wäre das nicht etwas für Sie, Herr Wölki? 
 
Gleichzeitig feiern die Amerikaner am 21. 7. den Junk-Food-Day, den Ehrentag des schlechten Essens. Dazu soll alles verschlungen werden, was irgendwie lecker und total ungesund ist. Ich hoffe, dass möglichst viele Kinderquäler und Kinderschänder mitmachen. Und bitte: Erstickt daran! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS.  Jetzt brauche ich noch den richtigen Dreh, damit Ihr nicht sauer seid und ich Euch die Lektüre mit einer Zugabe versüßen kann. Ach was, passend zu den beiden heutigen Aktionstagen darf der Text Euch ruhig sauer aufstoßen. Welches Geräusch möchtet Ihr am Welt-Zuhör-Tag keinesfalls hören? Das Schrillen einer Mikrofon-Rückkopplung? Den Klang eines Fingernagels, der über eine Tafel gezogen wird? Das Sirren einer Mücke ganz kurz vor dem Einschlafen? Oder den Höllensound des Zahnarztbohrers? Nach einer Studie der Universität Newcastle kann das alles noch übertroffen werden. Danach ist das unangenehmste Geräusch der Welt das Kreischen, dass man mit einem Messer auf einer Glasflasche erzeugen kann. 

 Schmunzelpost 454 vom 17. 7. 22


"Haben Sie gedient?" Ein zackiges "Jawoll!" soll für einen früheren Chefredakteur der Ruhr Nachrichten Einstellungs-Voraussetzung für Redakteure gewesen sein. Nur gut, dass der Mann längst im Ruhestand war, als ein Kriegsdienstverweigerer aus Lünen bei der Zeitung anheuerte. 
 
Für einen Ungedienten wie mich gibt es in der Welt des Militärs viel zu entdecken. Deshalb folgen heute nochmal ein paar Fakten, die für mich Anlass zum Schmunzeln oder zum Schlucken waren. Zur Schluckimpfung zwecks örtlicher Betäubung stand eine Flasche Wein bereit. 
 
Die war auch nötig, weil ich mich für diesen Beitrag mit der "Tierliebe" des Militärs beschäftigt habe. In der Vergangenheit war das Pferd von enormer Bedeutung. Hunnen, Ritter und Kavallerie wussten die Vierbeiner zu schätzen - die Pferde hat niemand gefragt, ob sie in den Krieg ziehen wollten. Das galt auch für die Elefanten, die Hannibal über die Alpen scheuchte. Doch auch in der jüngeren Vergangenheit bis in die Gegenwart spielten Tiere in strategischen Überlegungen eine wichtige Rolle. 
 
Jüngstes Beispiel sind die Steinadler, die von der französischen Luftwaffe trainiert werden, damit sie feindliche Drohnen vom Himmel holen. Die Marine war den Fliegern um Jahrzehnte voraus. Bereits in den 60er Jahren wurden Seelöwen und Delfine zur Minensuche dressiert. Und den Einsatz des "Gefreiten Ratte" empfinde ich sogar als segensreich. In Mosambik sorgen ausgebildete Hamsterratten dafür, dass tückische Landminen entdeckt und entschärft werden können. Die Ratten selbst sind zu leicht, um Explosionen auszulösen. Doch wenn sie Minen wittern, verraten sie deren Standort durch Kratzen am Erdboden. 
 
Ähnliches vermögen auch Suchhunde, die Sprengstoffe und Menschen ausfindig machen oder als Melder und Wachtposten eingesetzt werden. Bei der Bundeswehr sind mehr als 1000 Hunde im Einsatz. Die Sowjets habe im 2. Weltkrieg sogar Antipanzer-Hunde ausgebildet. Sie sollten unter Panzer kriechen, weil sie dort Futter vermuteten. Dabei trugen sie ein Sprengstoffpaket auf dem Rücken. Der Schuss ging nach hinten los. Denn die Tiere steuerten bei Panzerschlachten vor allem die Kolosse an, deren Geruch ihnen vertraut war. 
 
Als Fehlschlag erwies sich zum Glück auch der Plan eines amerikanischen Zahnarztes (das Gerücht, dass dieser Berufsstand aus Sadisten besteht, könnte durch ihn genährt worden sein). Der Mann hatte angeregt, einen großen Behälter mit Fledermäusen über einer Stadt abzuwerfen. Die Fledermäuse sollten sich in den Häusern verteilen, bevor die an ihnen befestigten Brandsätze zündeten. Das teuflische Vorhaben wurde aufgegeben, nachdem entflohene Fledermäuse einen Militärstützpunkt in Brand gesetzt hatten. 
 
Noch abstruser waren die Planungen britischer Militärs während des Kalten Krieges. Sie wollten Nuklearminen im Feindesland deponieren. Nun war der Zünder der Atombomben jedoch sehr temperaturempfindlich. Für die erforderliche Wärme im Inneren sollten Hühner sorgen, weshalb in der Bombe ein ordentlicher Vorrat an Hühnerfutter untergebracht wurde. Heute kräht kein Hahn mehr danach, denn 1958 wurden die Vorbereitungen aufgegeben. 
 
Das wirft aber ein Licht darauf, was offenbar in den Köpfen führender englischer Militärs vorgeht. So erklärt sich wohl auch, dass bis zum Jahr 1927 in Großbritannien die Lanze als Gefechtswaffe galt. Hey ho, Ivanhoe! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Wikinger gelten bei uns als besonders kriegerisches Volk, das mit Raubzügen Angst und Schrecken verbreitet hat. Umso friedlicher sind seine Nachfahren. Island besitzt keinerlei eigene Streitkräfte. Dennoch ist der Inselstaat Nato-Mitglied. Bis 2007 stand Island unter dem Schutz der USA, danach übernahm Norwegen diese Aufgabe. Und wenn der Bündnisfall eintreten sollte, sind statt Soldaten isländische Mediziner an Nato-Einsätzen beteiligt.   

 Schmunzelpost 453 vom 16. 7. 22


Bis Zar Wladimir, der Schreckliche, den Krieg gegen die Ukraine begann, glaubte ich, dass in Zeiten weltweiten Handels bewaffnete Konflikte zwischen den Nationen auf dem strategischen Rückzug seien. Zu allererst in Mitteleuropa. Das war auch wichtig, denn unsere Bundeswehr hielt ich für einen Witz. Kann man eine Armee ernst nehmen, deren Soldaten bei Manövern herum laufen und "Peng" rufen, weil es an Schusswaffen mangelt? 
 
Dazu passt auch ein Witz, der bei der Bundeswehr die Runde machte. Bei einem Manöver war eine Brücke für das Militär gesperrt. Damit das jeder kapierte, stand davor ein großes Schild mit der Aufschrift: "Gesprengt!" Daher registrierte ein General fassungslos, als seine Kompanie trotzdem gemütlich über die Brücke schlenderte. "Können die nicht lesen?", tobte er. Da wies der letzte Soldat in der Reihe auf ein Schild auf seinem Rücken. Dort stand: "Wir schwimmen!" 
 
Auch als Friedensfreund darf man sich mit dem Militär beschäftigen. Hat nicht schon der brave Soldat Schwejk gezeigt, dass selbst in mörderischen Zeiten der Humor nicht auszurotten ist? Oft ist er auch unfreiwillig, wie in der Schmunzelpost bereits ab und zu ein Blick in die Dienstvorschriften gezeigt hat. Erinnert Ihr Euch noch? "Ab einer Wassertiefe von 1,20 m nimmt ein Soldat selbständig Schwimmbewegungen auf. Die Grußpflicht entfällt hierbei." 
 
Das war ein Volltreffer in mein Schmunzelzentrum. Doch die "Zentralen Dienstvorschriften", kurz ZDv benannt, geben noch viel mehr her. Der nächste Winter kommt bestimmt. Aber die Bundeswehr ist, auch ohne genügend Wollsocken, bereits durch Vorgaben gerüstet: 
 
"Bei Schnee und Frost ist mit Kälte zu rechnen." Dennoch werden den Rekruten auch im Winter die Flausen ausgetrieben. Obwohl sich wegen fehlender Schusswaffen eine Schneeballschlacht für das Februar-Manöver doch eigentlich aufdrängt, besagt die strenge ZDv: "Dem Soldaten ist es verboten, Schnee zu formen und zu beschleunigen." Wahrscheinlich, weil uns Militär aus Sibirien dabei ohnehin überlegen wäre. 
 
Wunderschön formuliert ist diese Zdv: "Die Felge eines Fahrzeuges dient zur Aufnahme der Bereifung." Und Ordnung muss auch in heißen Sommernächten herrschen: "Bei Nachttemperaturen von mehr als 27 Grad in der Stube sind die Ärmel des Schlafanzuges viermal aufzukrempeln." 
 
Und dann gibt es noch Sätze, bei deren Lektüre das Lachen im Halse stecken bleibt: "Ein toter Soldat hat viel von seiner Gefährlichkeit verloren." Sowie: "Beim Einsatz von Atomsprengkörpern kann das Gelände sehr stark verändert sein. Das Zurechtfinden wird dadurch erschwert." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Berühmt-berüchtigt ist der rauhe Ton, mit dem Ranghöhere gern ihre Untergebenen drillen. Zwei Kostproben: "Wenn ich 'Augen rechts' befehle, dann muss Ihr Rotz an die Wange des Nebenmanns fliegen!" Das ist auch nötig, damit in den Nebenhöhlen Insekten freie Flugbahn haben: "Stillgestanden heißt stillstehen. Auch wenn Ihnen eine Wespe zum Arsch rein- und zur Nase wieder rausfliegt!" 

 

 Schmunzelpost 452 vom 15. 7. 22


An warmen Abenden sitze ich gern auf der Terrasse, bewaffnet mit einem Glas Rotwein und einem Buch oder hin und wieder auch mit einem Laptop. Dadurch lässt es sich nicht vermeiden, dass ich Ohrenzeuge der Selbstgespräche von Herrn K. werde, meinem Nachbarn von schräg oben. Beim letzten Mal galt: Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand! 
 
"Hömma, Karl, da unten hockt er wieder, der Nachbar von schräg unten. Ich mach mich langsam Sorgen, ob der noch gans klah is inne Birne. Ers hab ich ja gedacht, der quasselt mit sein Handy. Abba der Kerl erzählt sich selbs wat üba Geier! Ham wir hier aba nich! Seitdem is klah für mich - der hat 'ne Meise. 
 
Wahscheinlich aba noch 'n viel größeren Vogel. Gestern hat er vonnem Niederrhein palavert, wo er auffe Radtour zwölf Störche gesehen hat. Zwölf Störche! Allet klar! Spritköppe, die imma Rotwein in sich reinkippen tun, die sehn sons weiße Mäuse oder rosa Elefanten. Nö, wenn's schon keine Geier sind, dann wenichstens Störche. 
 
Ers hab ich ja überlecht, ob dem seine Perle vielleicht ein Balch ausbrütet. Aba die is ja auch nich mehr taufrisch, da brauchse wahscheinlich wirklich zwölf Störche, um dat in dem ihr Alter noch hinzukriegen. Wer weiß, wo die am Niederrhein rumgepest sind. Vielleicht in Kevelaer, damit die Maria ein Wunda tuen tut, wennze se mit orntlich Kerzen bestichst. Wenne da den ganzen Weihrauch schluckst, dann kannze auch schon ma die Störche fliegen sehn. 
 
Am Abend davor war dat dafür schon ma so, datte Dich inne Buxe machen konntest. Da brabbelte er über Ängste! Da war viel lateinisches Zeuch dabei, damit ekelt mich schon imma mein Aazt ausse Praxis, wenn ich ihm mein Fußpils unter die Nase halte. Doch als der Kerl auch noch anfing, üba Gegenmittel zu faseln, da bin ich hellhörich geworden. Denn et ging nich nur um die Angst vor dat Ekelzeugchs, vor Spinnen und Schlangen. Et ging auch um die Angst vor harmlose Nachbahn!  
 
Siesse, Karl, da sind bei mich alle Alaamglocken am Schrillen angefangen. Dieser Physiopath hat se doch nich alle auffem Zaun, der hat doch eindeutich 'nen Schatten! Einer, der jeden Aahmt mit sich selbs quatschen tut, dem is doch allet zuzutrauen! Wenn den seine gesammelten Fobien anne Gurgel packen tun, dann rastet der doch aus. Dann kennt der keine Verwandten mehr, un ers recht keine friedliche Nachbahn. Ich seh se schon vor mich, die dicke Überschrift in unsa Blättken: Wehrloser Rentner auffem Balkong mitte Weinflasche erschlagen! Üba Maria Lindenhoff kreisten die Geier! 
 
Nee, nee, Karl, so weit wolln wa et ga nich ers kommen lassen. Wir zwei beide gehn getz rein und verrammeln alle Tür'n. Et kannich ewich dauern, bis dem seine Schitso..., dem seine Schlitzofonie, also, dem sein Schitt-Zustand auch wem anners auffällt. Un wenn er ers inne Klapse is, dann schwatzen wir seine Alten den Rotwein ab. Wennze tatsächlich schwanger is, daf se sowieso nix mehr trinken! "
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 451 vom 14. 7. 22 


Da bin ich wieder mit einem neuen Beitrag für Euren Aktionstage-Kalender. Aus den Angeboten für den 14. Juli möchte ich drei vorstellen. Der 14.7. ist der Tag der Haie. Und diese Meerestiere verdienen einen Tag, der darüber aufklärt, dass sie nicht die Angst und Schrecken verbreitenden Menschenfresser sind, als die sie häufig dargestellt werden. 
 
Ähnlich wie der Wolf leidet der Hai darunter, dass einzelne Vorfälle von den Medien aufgebauscht und die gesamte Gattung damit in Misskredit gebracht wurde. Es gibt sehr viele Hai-Arten, die gar nicht daran denken, einen Menschen anzuknabbern. Und für die Haiattacken auf Schwimmer gilt: Wer hat sich da eigentlich in wessen Lebensraum bewegt? Haie haben ihren festen Platz im Spektrum der Evolution, Aufklärung darüber tut daher not! 
 
Was Aufklärung betrifft, dazu könnte natürlich auch der Internationale Tag der Nacktheit am 14. 7. beitragen. Ich sehe heute eher seinen praktischen Nutzen. Da gleichzeitig auch der Tag des Maßbandes begangen wird, zählt die Ausrede: "Ich bin nicht so dick - das macht nur die Kleidung!" zumindest für diejenigen nicht, die beide Aktionstage miteinander verbinden. 
 
Kommen wir zum 15. Juli. Die drei Aktionstage stammen allesamt aus den USA. Das wird vor allem beim "Tag der Gummiwürmer" deutlich. Das sind wohl die amerikanischen Gegenstücke zu den bei uns so beliebten Gummibärchen. Weil wahrscheinlich die US-Süßigkeitenindustrie dahinter steckt, ist in dieser Geschichte der Wurm drin. Der Anlass soll aus dem offiziellen Aktionstage-Kalender herausgenommen werden. Recht so! 
 
Drin bleiben wird der "Ich mag Pferde-Tag!". Ich nehme an, der wurde vor allem von jungen Mädchen und Frauen angeregt. Bei uns in Westfalen soll es eine Minderheit geben, die diesem Tag mit dem Zusatz "...vor allem als Sauerbraten!" frönen. 
 
Das passt zu einem der wenigen deutschen Aktionstage, die in die Phalanx der angelsächsischen Feiertage einbrechen. Der 16. Juli ist der "bundesweite Tag des guten Fleisches". Ich frage mich schon länger, warum wir im Ausland immer noch unter dem Spitzennamen "Krauts" laufen. Die "Schnitzels" oder die "Bratwürste" träfe es doch viel besser, wären allerdings für Ausländer schwieriger auszusprechen. Der 16. Juli ist übrigens auch der "Welttag der Schlange". Ich vermute, dass eine gewisse Beate R. aus D. in D. dafür gesorgt hat, dass dieses Datum in den Kalender eingeschlängelt wurde. 
 
Nun sind wir beim 17. Juli. Und da sticht unter sechs US-Aktionstagen einer hervor, der es verdient, besonders beleuchtet zu werden. Wenn nämlich die Bezeichnung skurril angemessen ist, dann für den "Tag des gelben Schweins". 
 
Der findet nicht grundlos am 17. 7. statt. Denn seine Urheber sind die Herren Kelly und Spivak, zwei amerikanische Mathematiker, die dieses Datum bereits Ende der 60er Jahre zum Feiertag erklärt haben. Ende der 60er Jahre? War das nicht in den USA die hohe Zeit der Experimente mit bewusstseinserweiternden Substanzen? Das würde zumindest erklären, warum die beiden die Zahl 17 ausgerechnet mit "yellow pigs" verknüpft haben. 
 
Yellow ist für mich eine Farbe, die ich aus musikalischen Gründen eher mit dem "Big yellow Taxi" verbinden würde. Oder mit gewissen Alibi-Fußballern, die vergeblich dem Ball hinterher stolpern. Aber mit Schweinen? Gemeint sind wohl auch eher Sparschweinchen. Doch wer sich den Zusammenhang erklären lassen will, sollte den direkten Kontakt zu Mister Kelly suchen, der mit seinem Partner Spivak alle historischen und mathematischen Zusammenhänge der Zahl 17 durchleuchtet hat. 
 
Kelly hat sogar ein Museum eröffnet, das über 289 Exponate verfügt. 289? Das entspricht der Zahl 17 zum Quadrat. Und bei den Vorlesungen des Professors wird der Tag des gelben Schweins an der Uni jedes Jahr groß gefeiert. Auch mit dem gemeinsamen Singen von "Yellow-Pig-Songs". Die sind in einem speziellen Liederbuch enthalten. Mit 17 Stücken. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bei der Zugabe bitte ich vorab um Entschuldigung, dass ich einen etwas derberen Witz erzählen werde. Empfindsame Gemüter sollten jetzt das Lesen einstellen. Ich konnte der Versuchung jedoch nicht widerstehen, weil die Zahl 17 eine besondere Rolle spielt. Im Gefängnis begrüßt ein Häftling den Neuankömmling in seiner Zelle mit der Frage: "Und? Was hat Dich hierher verschlagen?" "Isch weisch nischt. Isch war im Casino und schpielte Roulett. Mein Nebenmann flüschterte: 'Isch würde allesch auf die Siebschehn setzen.' Dasch tat ich." "Und?" "Klack, klack, klack, die siebschen! Ich war reisch!" "Und weiter?" Der Nebenmann sagte wieder: 'Allesch auf die Siebschen!' Das tat ich dann auch." "Und?" "Klack, klack, klack - die Sechschen!" "Na, dem hätte ich doch glatt die Eier abgebissen!" "Wasch meinscht Du, weschhalb isch so komisch schpreche?" 
 

 Schmunzelpost 450 vom 13. 7. 22


Weiß der Geier, warum das so ist, aber manchmal fliegen einem die Themen so zu. Gestern habe ich einen faszinierenden Bericht aus Peru gesehen. Dort werden dressierte Geier dazu eingesetzt, wilde Müllkippen ausfindig zu machen. Das ist dort ein großes Problem, weil viele Umweltsünder versuchen, anschließend durch Abfackeln ihre Spuren zu verwischen und dabei größere Brände verursachen. Doch dank der Geier kommt man vielen rechtzeitig auf die Schliche. 
 
Dabei genießt der Geier sonst nicht nur bei uns kein hohes Ansehen. Zugegeben, nach menschlichen ästhetischen Gesichtspunkten gibt es schönere Tiere. Doch gegen Kahlköpfe haben wir Krauses schon aus Prinzip nichts einzuwenden. Zumal die fehlenden Federn bei Geiern sinnvoll sind. Dadurch können keine Essensreste hängen bleiben, was manchen Bartträgern zu denken geben sollte. 
 
Denn Geier ernähren sich überwiegend von Aas. Eine recht verderbliche Ware. Aber gerade deshalb sind die großen Vögel so wichtig: Ohne Geier würden sich Krankheitserreger weit stärker verbreiten. Der Geier ist also so eine Art natürliche Corona-Schutzimpfung. Und zwar rund um den Erdball: Geier gibt es auf vier Kontinenten. 
 
Allerdings sind 16 der 23 Arten bedroht. Das liegt vor allem daran, dass sie gezielt vergiftet werden. In Afrika infizieren Wilderer große Kadaver, beispielsweise von Elefanten, die sie wegen des Elfenbeins abgeknallt haben, mit Gift, damit die kreisenden Vögel den Wildhütern nicht den Weg zum Tatort weisen. Außerdem haben Geier keine hohe Reproduktionsrate. Mehr als ein Ei pro Jahr ist nicht drin, um das sich dann aber beide Elternteile gemeinsam kümmern.
 
So ein Geier kann bis zu 30 Jahre alt werden. Seine Flügelspannweite variiert je nach Art zwischen 1,50 und 3 Metern. Der Andenkondor bringt es auf ein Gewicht von bis zu 15 Kilo. Dazu verhelfen ihm sein Kropf, in dem er wie seine Verwandtschaft Nahrung speichern kann, seine sehr guten Augen, mit denen auch aus großer Höhe lohnende Ziele erspäht werden und seine ätzende Magensäure, die auch unappetitliche Nahrung so schnell zersetzt, dass sie nicht schaden kann. 
 
Wer glaubt, dass der Begriff Pleitegeier daher rührt, dass die Vögel Verfall und Siechtum wittern können und daher sinnbildlich Menschen, Firmen und Städte belauern, die vom Ruin bedroht sind, der irrt. Der Pleitegeier kam über die Verbindung "Gehen-Gier-Geier" in unseren Sprachgebrauch. 
 
Als Haustier ist er etwas schwieriger zu halten als beispielsweise Tauben. Und dass er Briefe befördert oder Frieden verbreitet, habe ich bisher auch noch nicht gehört. Doch wenn er helfen wird, unsere wilden Müllkippen schnell ausfindig zu machen, heiße ich ihn gern in Dorsten willkommen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Sprichwörtlich ist der Geier bei uns ebenfalls in schlechter Gesellschaft. Leute, die sagen: "Weiß der Kuckuck!", berufen sich auf einen faulen Vogel, der seine Kinder von anderen aufziehen lässt. Noch schlimmer ist die Nähe zu "weiß der Henker!" oder "weiß der Teufel!" Und gerade letzterem hat der Geier die Redensart zu verdanken. Weil abergläubische Menschen sich früher scheuten, den Teufel beim Namen zu nennen, wählten sie wegen der Vorliebe des Vogels für totes Fleisch als Ersatz den Geier. Es hätte stattdessen auch "weiß die Made!" sein können. 
 

 Schmunzelpost 449 vom 12. 7. 22


Fürchtet Euch nicht! Jede Phobie hat ihre Ursache, gegen alle Arten von Angst kann man etwas tun. Furchteinflössend ist jedoch die Anzahl der krankhaften Ängste, unter denen Menschen leiden. Ich stieß darauf, als ich gestern nach der Angst vor Namen forschte. Aus der Vielzahl von Phobien möchte ich Euch die sonderbarsten nicht vorenthalten. Aus Angst, Ihr könntet die Schmunzelpost als langweilig empfinden. Das nennt man vermutlich Schmunzelpostaliaphobie. 
 
Beginnen wir mit der Ablutophobie. Das ist die Angst vor Waschen und Baden. Prominentestes Mitglied im Club ist Sonnenkönig Ludwig, der Vierzehnte. Dann kommen wir zur Aerophobie. Dies ist eine Angst, bei der ich nicht begreife, wie man als Betroffener überleben kann: Es ist die Angst, Luft zu verschlucken. Allein der Gedanke daran verschlägt mir den Atem. 
 
Kommen wir zur Arachibutyrophobie. Ich bin ziemlich sicher, dass deren meiste Opfer in den USA leben: Es ist die Angst, Erdnussbutter könnte am Gaumen kleben bleiben! Die nächste Phobie ist in Schulen weit verbreitet. Vor allem im Mathe-Unterricht. Es ist die Arithmophobie, die Angst vor Zahlen. Ich leide unter einer Variante: Der Angst vor roten Zahlen. 
 
Weit verbreitet ist vor allem über die Weihnachtsfeiertage die Autophobie. Das ist die Angst vor Flöten. Und die Autodysomophobie sollte eigentlich die Ablutophobie-Patienten heimsuchen. Das ist nämlich die Angst, der eigene Körper könnte schlecht riechen. Doch betroffen sind vermutlich die armen Menschen, die sich aus unberechtigter Sorge die Haut vom Leibe schrubben und sich von Kopf bis Fuß einparfümieren. 
 
Ich bekenne, dass ich hin und wieder Anflüge der Cenosillicaphobie empfinde. Vor allem wenn ich sehe, dass eine Rotweinflasche zur Neige geht. Hier handelt es sich um die Angst vor einem leeren Glas. Die Domatophobie dürfte vermutlich hauptsächlich die Insassen von Justizvollzugsanstalten befallen. Sie fürchten sich vor dem Haus, in dem sie sich aufhalten. 
 
Kommen wir zu zwei Ängsten, deren Ursprung ich absolut nicht nachvollziehen kann. Die Hexakosiohexekontahexaphobie ist die Angst vor der Zahl 666. Wer, außer Extrem-Esoterikern, kann sich davor fürchten? Auch die Friggaphobie ist mir unbegreiflich. Das ist die Furcht vor Freitagen. Also, den Montag hätte ich ja noch verstanden... 
 
Einleuchtender ist, dass die Gymnagasterphobie ernste Sorgen erzeugen kann. Die Angst vor nackten Bäuchen teile ich vor allem dann, wenn ich mich selbst im Spiegel betrachte. Kommen wir zur Kathisophobie. Die befällt Menschen, die sich grundsätzlich nicht hinsetzen wollen und ihr Leben im Stehen verbringen. Kein schönes Dasein. Doch wenn ich es so recht bedenke, ein Leben im Liegen hat durchaus auch schöne Seiten. 
 
Dann dürfen die Patienten jedoch nicht auch noch unter der Kinesophobie leiden. Die Angst vor der eigenen Bewegung kann eigentlich nur lähmend wirken. Dann schon lieber die Keraunothentophobie. Das ist die Angst vor herabstürzenden Satelliten. Wie wir seit Asterix wissen, fürchteten sich bereits die Gallier davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Da ist die Sorge, dass uns Weltraumschrott erschlägt, eindeutig berechtigter. 
 
Womöglich etwas überholt ist die Neoorthographogermanophobie. So benannten Fachmediziner die Angst vor der neuen deutschen Rechtschreibung. Ich denke, dass sie inzwischen von der Angst vor dem Siegeszug des Genderismus abgelöst worden ist. Auch die Peladophobie könnte mittlerweile umbenannt werden. Wie wir in den letzten Tagen gelernt haben, darf man die Angst vor Glatzköpfen auch Krausophobie nennen. 
 
Wie dieser Beitrag zeigt, ist die Sesquipedalophobie durchaus eine fundierte Sorge. Das ist die Angst vor langen Wörtern. Dann wäre da noch die Tachophobie, die ich allen FDP-Mitgliedern wünschen würde - die Angst vor hohen Geschwindigkeiten könnte endlich den Weg für ein Tempolimit freimachen. 
 
Ziemlich am Ende des ABCs findet sich die Zemmiphobie. Nun kann ich ja die Angst vor Schlangen, Spinnen, Hunden und vielem anderen Getier durchaus nachvollziehen. Aber die Angst vor Nacktmullen? Was ist denn in der Kindheit dieser Menschen schiefgelaufen? Die gleiche Frage könnte man an alle stellen, die unter der Panophobie leiden - das ist die Angst vor allem! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Dies war nur ein kleiner Auszug aus einer langen Liste von medizinischen Fachbegriffen. Kein Wunder, dass Fälscher sich herausgefordert fühlten. Und mit einem Begriff gelang es ihnen sogar, pseudowissenschaftliche Meriten zu ernten: Mit dem Wort Hippopotomonstrosesquippedallophobie, das immerhin trefflich die Angst vor langen Worten karikiert. 
 

Schmunzelpost 448 vom 11. 7. 22

Wir wollen die Dinge beim Namen nennen. Ich leide nämlich nicht unter Nomatophobie. Das ist die Angst vor Namen. Im Gegenteil: Ich finde Namen, ihre Herkunft und ihre Besonderheiten so interessant, dass ich sogar meine Angst vor der eigenen Vergesslichkeit überwinde und riskiere, dass der eine oder andere Aspekt hier schon mal erwähnt wurde. 
 
Bei unserem Bayern-Urlaub habe ich erfahren, dass dort ein Vollrausch "Suri" genannt wird. Daher war ich überrascht zu lesen, dass das Promi-Ehepaar Katie Holmes und Tom Cruise seine Tochter so benannt hat. Nun gut, die beiden wussten wohl nichts von bajuwarischen Trinkexzessen und glaubten, Suri bedeute im Hebräischen so viel wie Prinzessin. 
 
Das ist jedoch nicht so. Suri bedeutet auf hebräisch wie auf arabisch "aus Syrien kommend". Und rund um den Erdball wird sich das Mädchen einiges anhören müssen. Auf Japanisch bedeutet Suri "Taschendieb", in Süd-Indien "stupsnasig" und in Rumänien "Messer". Empfehlenswert wäre eine Reise in den Iran. Auf persisch heißt Suri nämlich "rote Rose". Dagegen sollte das Schauspieler-Kind Peru meiden. Suri ist dort eine Unterart der Alpakaschafe. 
 
Schauspieler haben offenbar eine Vorliebe für ungewöhnliche Vornamen. So wollte sich ein Ehepaar aus Niedersachsen daran orientieren, dass Til Schweiger seine Tochter in Amerika "Emma Tiger" getauft hat. Das wurde jedoch sowohl vom Amtsgericht wie vom Landgericht untersagt. Das Oberlandesgericht Celle jedoch dachte international und meinte, dass Til Schweiger mit seiner Namensgebung auch den Weg für weitere Eltern geebnet habe. Spötter fragten anschließend, was wohl gewesen wäre, wenn Schweiger einen Sohn Alfons Ameisenbär genannt hätte. 
 
Doch an norddeutschen Oberlandesgerichten sind die Juristen offenbar recht locker. So billigte man in Schleswig-Holstein, dass ein Mädchen Emily-Extra heißen darf. Na ja. Immer noch besser als Norbert-Normal. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Besondere Blüten treibt die Namensgebung in der Türkei. Dort sollen Eltern, die meinen, eigentlich bereits genügend Kinder in die Welt gesetzt zu haben, dem weiblichen Nesthäkchen mitunter den Namen "Yeter" geben. Übersetzt heißt das so viel wie "es reicht!". Kommt dann aber auch noch ein Junge hinterher, trägt der Nachzügler den Namen "Imdat". Das bedeutet "Hilfe!".

 

 Schmunzelpost 447 vom 10. 7. 22


Wohl dem, der aufmerksame Leser hat! Und dann noch solche, die Autorentexte besser kennen als der Verfasser selbst. Denn unmittelbar nach dem Absenden der letzten Schmunzelpost erreichte mich bereits eine Mail von Wolfgang, dem im ziffernreichen Beitrag etwas bekannt vorkam: "Den hast du schon mal gepostet… aber immer wieder gut!" 
 
 In der Tat. Beim Schreiben des Teils, der sich mit Namen beschäftigte, war ich unsicher, ob ich eine Passage oder die Schlusspointe schon mal verwendet hatte. Aber die Sache hat auch etwas Gutes: Mein Kurzzeitgedächtnis funktioniert offenbar viel besser als mein Langzeitgedächtnis. Somit bin ich von der Alterstüddeligkeit noch etwas entfernt. Und überhaupt: Wir haben Hochsommer! Da laufen auch im Fernsehen fast nur Wiederholungen.
  
Härter trifft mich, dass ich bei den Aktionstagen schon wieder hinterher hinke. Denn bereits gestern, am 9.Juli war der Tag des Rock'n Roll. Ich habe deshalb die Klassiker von Chuck Berry, Eddie Cochran, Fats Domino, Elvis Presley, Little Richard, Buddy Holly und vielen anderen gehört und mich dadurch ablenken lassen. Zumindest nachträglich wollen wir ihr Schaffen würdigen. Stimmt bitte ein: AWopBopALooBopALopBamBoom! 
 
Der heutige 10. Juli ist der Internationale Tag des Teddybär-Picknicks. Dabei sollt Ihr Eurem treuen Gefährten aus Kinderzeiten auch mal etwas gönnen und ihn zum Picknick mit ins Grüne nehmen. Wenn Ihr dazu noch den Presley-Song vom Teddy-Bear abspielt, habt Ihr sogar eine Brücke zum Rock'Roll-Tag geschlagen. 
 
Apropos schlagen. Dass man nicht nach Bienen schlagen soll, weil man sie so nur wütend macht und die Gefahr erhöht, gestochen zu werden, hat sich hoffentlich herumgesprochen. Die Initiatoren des Aktionstags vom 10.7. gehen noch einen Schritt weiter. Sie installierten den "Tritt-nicht-auf-eine-Biene-Tag", was bei einem Picknick mit Teddybär sonst schon mal passieren kann. Vor allem, wenn man dem Bär mit Honig eine zusätzliche Freude machen wollte. 
 
Der "Internationale Tag der Stadtschreier" folgt am 11. Juli, weil dies der zweite Montag dieses Sommermonats ist. Dabei sollen wir jedoch keineswegs durch die Gegend rennen und brüllen: "Dorsten ist so toll, toller geht's es nicht!" Die deutsche Übersetzung des überwiegend im englischen Sprachraum verbreiteten Days of Town-Criers führt in die Irre. Gewürdigt werden sollen die Ausrufer, meist Gemeindediener, die früher mit einer Schelle in den Städten unterwegs waren, um lauthals amtliche Bekanntmachungen zu verkünden. 
 
 Dafür gibt es nun seit längerem Lokalzeitungen. Fragt sich nur, wie lange noch. Vielleicht feiert der Ausrufer bald wieder ein Comeback. Bei Katastrophen fahren ja bereits heute Lautsprecherwagen durch die Gegend, um die Menschen zu informieren. 
 
Am 12. Juli lassen sich die vier Aktionstag-Anlässe gut mit einander verbinden. Erst nehmen wir Kuhmilch für unseren Pudding (Ehrentag der Kuh), anschließend geben wir den Wackelpudding (Tag des Wackelpuddings) in eine Papiertüte (Tag der Papiertüte), weil das eine einfache Transport-Lösung ist (Tag der Einfachheit). Ganz simpel, oder? 
 
Kommen wir zum 13. Juli. Das ist der "Sei-stolz-darauf-ein-Geek-zu-sein-Tag". Das hat mich zunächst überfordert. Ich musste mich erstmal informieren, wer oder was ein Geek ist. Ein Geek ist ein Dork. Alles klar? Na gut, wir dürfen auch Freak oder Nerd sagen. Denn im Simpson-Kosmos, eine Comic- und Zeichentrickserie, die an mir vorbei gegangen ist, bezeichnet sich Kirk Simpson an seinem Geburtstag, dem 13. Juli, als Computer-Geek. 
 
Ich fürchte, das werde ich schnell vergessen. Falls ich in einem halben Jahr wieder darüber schreibe, wisst Ihr Bescheid. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe gibt es heute einen Witz. Wisst Ihr, warum Krause keine Haare hat? Ach, den kennt Ihr schon? Na gut, dann einen anderen: Ein Professor brüstet sich gegenüber einem Kollegen: "Ich habe jetzt ein Mittel gegen Vergesslichkeit gefunden!" "Ach! Und was nimmst Du da?" "Äääh, wie heißt noch gleich diese Blume mit den Stacheln?" "Rose?" "Ganz genau!" Wendet sich an seine Sekretärin: "Rosi, wie heißt noch gleich unser Mittelchen?" 
 

Schmunzelpost 446 vom 9. 7. 22 


Uns Deutschen wird nachgesagt, dass wir sehr gut organisiert seien. Wer in letzter Zeit mal mit der Deutschen Bahn gereist ist, verliert diesen Glauben schnell wieder. Aber ansonsten ist einiges an der Aussage dran. Viele meinen sogar, dass wir viel zu sehr bürokratisch durchorganisiert sind. Ich schließe mich der Mehrheitsmeinung an! 
 
Jetzt begegnete mir in einem Quiz die Frage, was Kindern in Deutschland gleich nach der Geburt aufgedrückt wird. Eine Steueridentifikationsnummer, eine Sozialversicherungsnummer oder eine Personalausweisnummer? Tja, es ist tatsächlich wahr: Bevor ein Kind weiß, ob es Klaus-Dieter, Adelheid oder Diversinchen heißt, hat es schon eine Nummer und ist darunter behördlich registriert. Und zwar beim Bundeszentralamt für Steuern. 
 
Nun kann man fragen: Was soll das? Dass Säuglinge für Brei werben und daran verdienen, ist doch höchst selten. Doch bereits, wenn Eltern Kindergeld beantragen, benötigen sie die Steueridentifikationsnummer. Und die wird das Neugeborene von der Wiege bis zur Bahre auch nicht mehr los. Aber eine Nummer kommt selten allein. Später kommt auch noch eine Steuernummer hinzu. Doppelt hält schließlich besser. Und wenn man nichts verwechseln könnte, wäre das Ausfüllen von Formularen ja langweilig. 
 
Immerhin hat so eine Zahlenreihe auch Vorteile. Es wird beim Standesamt keine Diskussionen über die Zulässigkeit geben, denn seit dem 30. Juni 2007 ist die Steuer-IdNr. vorgeschrieben. Um Namen, das wurde hier bereits mehrfach thematisiert, kann dagegen erbittert gestritten werden. 
 
Und wo wir gerade von Zahlen reden: Auch die Anzahl der Vornamen ist genehmigungsbedürftig. Zu meinem Leidwesen. Klaus hätte den -Dieter und auch noch den Heinz als Anhängsel nicht gebraucht. Es gibt jedoch Menschen, die ihre Sprösslingen ordentlich etwas auf den Lebensweg mitgeben wollen. 
 
So berief sich eine Mutter auf den allseits bekannten Ex-Doktor Freiherr von und zu Guttenberg, den seine Eltern reichlich versorgt hatten: Karl-Theodor Maria Nikolaus-Johann, Jakob, Philipp, Franz-Josef Sylvester. Dennoch scheiterte die Frau mit dem Anliegen, ihren kleinen Jungen mit zwölf Vornamen auszustatten, beim Oberlandesgericht Düsseldorf. 
 
 Und das Bundesverfassungsgericht lehnte es ab, sich überhaupt mit dem Fall zu befassen. Vielleicht hatte dem Hohen Gericht jemand vorher die beantragte Namensliste gesteckt. Das arme Kind sollte Chenekwahow, Tecumseh, Migiskau, Kioma, Ernesto, Inti, Prithibi, Pathar, Chajara, Majim, Henriko, Allessandro heißen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe und Bindeglied zur gestrigen SP-Folge noch ein heute völlig inkorrekter Witz, unter dem bereits mein Vater zu leiden hatte. (Wenn man ihn mündlich vorträgt, kommt die Pointe besser rüber, weil Groß- und Kleinschreibung verborgen bleiben) Warum hat Krause keine Haare? Weil die Neger Krauses Haar haben! 
 

 Schmunzelpost 445 vom 8. 7. 22

Gestern konnte ich zehn Minuten lang die Schalker Aussichten, den Klassenerhalt in der Bundesliga zu schaffen, mit einem Fachmann erörtern. Kurzum: Ich war beim Friseur. Und für meinen modischen Kurzhaarschnitt reichen zehn Minuten völlig aus, Maestro Rütter kann sich dabei sogar ganz aufs Fachsimpeln konzentrieren und gelegentlich ein Päuschen einlegen. 

 

Den Haarmangel hat mir mein Vater vererbt. Schon in jungen Jahren lichtete es sich auf seiner Schädeldecke merklich. Was mein Vater lange zu bestreiten versuchte. In Verbindung mit seiner Schwerhörigkeit kam es dann immer wieder zu Missverständnissen. Wenn einer seiner Kollegen ihm zurief: "He, Karl!", drehte er sich um und schnauzte: "Ich bin nicht kahl!" Spätestens mit 50 war aber Widerspruch zwecklos. Doch seine Kollegen hatten schon vorher ein Einsehen und riefen ihn statt mit seinem Vornamen mit dem Spitznamen "Chef". Das gefiel meinem Vater viel besser. 

 

Eine Chefsache von allergrößtem Interesse wäre es für ihn gewesen, wenn eine britische Erfindung Erfolg gehabt hätte. Eine englische Firma brachte um das Jahr 1900 eine Vakuumhaube gegen Haarausfall auf den Markt. Sie war nach den damals neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen konzipiert und hob sich damit wohltuend von allerlei Wunder-Tinkturen ab. 

 

 Zuvor hatten die Menschen schon mit den verschiedensten Mitteln versucht, den Verlust der männlichen Mähne zu stoppen. So findet sich aus der Pharaonenzeit um 1500 vor Christi Geburt auf einem ägyptischen Papyrus das älteste erhaltene Rezept. Danach sollten Igelstacheln die Haarpracht bewahren. Vermutlich hat das nur geklappt, wenn man sehr viele Stacheln möglichst tief in die Kopfhaut rammte. 

 

Im Laufe der Jahre schworen Scharlatane dann auf ganz unterschiedliche Tierprodukte. Empfohlen wurden Fette von Löwen, Krokodilen, Steinböcken oder Nilpferden, also Tieren, die nicht ganz leicht zu erlegen waren und somit hohe Preise rechtfertigten. Später mussten auch Schlangen und Katzen als Fettlieferanten herhalten - doch es war alles für die Katz! 

 

Dagegen wirkte das Angebot der Londoner Firma hochseriös. Für acht britische Pfund, damals sehr viel Geld, konnten Kahlköpfe eine Vakuumkappe erwerben, die mit einer simplen Apparatur am Stuhl befestigt wurde. Danach setzte sich der Patient die Gummikappe auf und pumpte mittels eines Hebels die Luft aus der Haube. Eine regelmäßige Behandlung von etwa vier Minuten am Tag sollte genügen, versprachen die Hersteller. Sie setzten darauf, dass durch den Unterdruck die Kopfhaut besser durchblutet wurde, was den Haarwuchs beflügeln sollte. 

 

Heute weiß man, dass es nicht mangelnde Durchblutung ist, die zum Haarverlust führt. Ganz genau sind die Ursachen jedoch immer noch nicht geklärt, es gibt eine ganze Reihe unbewiesener Vermutungen. Fest steht aber, dass derzeit das einzige wirksame Gegenmittel eine Haartransplantation ist. 

 

Ob ich das in Erwägung ziehe? Ich bin doch nicht bekloppt! 

 

Glückauf 

kdk 

 

PS. Bei manchen britischen Männern scheinen die Experimente mit der Vakuumpumpe das Vakuum nicht unter der Kopfhaut, sondern im Hirn etabliert zu haben. Offenbar wurde diese Fehlentwicklung sogar mit den Genen weiter gegeben. Nur so ist die Karriere von Boris Johnson erklärbar - aber seit gestern beginnt die heiße Luft zu entweichen... 

 

PPS. Falls bei Euch im Hirnressort Fußball ein kleines Vakuum besteht: Der Trainer von Liverpool, vormals auch in Lüdenscheid-Nord tätig, heißt Jürgen Klopp und hat sich vor geraumer Zeit einer Haar...., ach, das habt Ihr kapiert? Na, dann is ja gut! 

 

Schmunzelpost 444 vom 7. 7. 22 


Ein kleines Jubiläum habe ich vor drei Tagen ganz im Stillen gefeiert: Da stellte ich den 500. Beitrag auf die Internet-Seite schmunzelpost.de. Dass es so oft täglich ohne Unterbrechung geklappt hat, freut mich sehr. Und noch mehr, dass das Schreiben nach wie vor viel Spaß macht!
 
 Dazu passt, dass Verleger Werner Boschmann mein Buch "Krauses Zeug" ab heute auf seiner Online-Seite www.vonneruhr.de vorstellen wird. Dort kann es auch vorbestellt werden. Die Auslieferung erfolgt ab 30. August. Werner, vielen Dank für die 1a-Betreuung! 
 
Nun aber zum Tagesgeschäft. Gestern begann in England die Fußball-Europameisterschaft der Frauen. Beim Eröffnungsspiel war das Stadion in Manchester restlos ausverkauft. Dabei war es ein weiter Weg, bis den Sportlerinnen die verdiente Anerkennung und öffentliches Interesse zukam. Vor allem in Deutschland war dieser Weg sehr steinig. 
 
Obwohl Frauen hierzulande bereits seit den 1920er Jahren kickten, war das beim Großteil der Mitmenschen verpönt. Es hieß, der weibliche Körper und die Seele könnten beim Fußball Schaden erleiden. Vor allem aber sorgten sich Moralapostel  um Schicklichkeit und Anstand: Diese Zurschaustellung weiblicher Körper - das ging gar nicht! Vermutlich hätten die Sittenwächter beim Anblick von Beach-Volleyballerinnen einen Herzinfarkt erlitten. 
 
Noch 1955 schwadronierten die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes, das Spiel ließe "die weibliche Anmut verschwinden". Doch die fußballbegeisterten Frauen machten auch ohne DFB-Segen einfach weiter. Und im März 1970 musste die Herrenriege endlich einlenken: Der DFB hob das Verbot des Frauenfußballs in Deutschland auf. 
 
Allerdings mochte man sich nicht zu einer völligen Gleichstellung durchringen. Die Fußballerinnen mussten zunächst auf kleineren Felder spielen, jede Halbzeit war auf 35 Minuten begrenzt und die Bälle waren kleiner und leichter. Erst nach und nach wurden die Regeln angeglichen, heute sind sie identisch. 
 
Bei weitem nicht identisch sind jedoch die Beträge, die weibliche und männliche Fußballprofis kassieren. Wenn mich einer fragen würde: Die Frauen sollten deutlich mehr verdienen - und die Männer deutlich weniger als zur Zeit. Aber leider fragt mich keiner. Schade. Sonst hätte ich auch noch eingeführt, dass die Selbstherrlichkeit der Funktionäre gestutzt wird und Korruption und Geschäftemacherei bei FIFA und UEFA bekämpft werden. 
 
Und alle, die die Männer-Weltmeisterschaft nach Katar vergeben haben, müssten einen Strafdienst leisten. Entweder dort eine Woche lang mit den Gastarbeitern Seite an Seite auf einer Baustelle schuften oder ein Fußballspiel mit Verlängerung im Freien austragen - mit einer Mindestlaufleistung von zehn Kilometern!   
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die deutschen Fußball-Weltmeister von 1974 hatten bereits lange vor dem Titelgewinn eine saftige finanzielle Siegesprämie ausgehandelt. Den deutschen Fußball-Europameisterinnen von 1989 überreichten die Herren des DFB dagegen ein tolles Sachgeschenk: Jede der 20 Spielerinnen des Kaders bekam ein 41-teiliges Kaffeeservice. Mit Blümchendecor! (Obendrein war das Service aus dem Hause Villeroy & Boch auch noch zweite Wahl. Wahrscheinlich musste der DFB schon für 1990 sparen - da wurden die Männer in Italien erneut Weltmeister.) 
 

Schmunzelpost 443 vom 6. 7. 22


Immer noch nicht fündig geworden? Dann will ich es heute ein letztes Mal mit der Weitergabe von Strategien aus dem Tierreich zum Erobern einer Partnerin versuchen. 
 
Eine Taktik, die sich für Männchen im Laufe der Evolution immer wieder bewährt hat, ist das Aufblasen. Der Gorilla pumpt beispielsweise möglichst viel Luft in seinen imposanten Oberkörper und zeigt dann mit einem Trommelsolo sowohl potenziellen Partnerinnen wie Rivalen, wer der größte, schönste und stärkste Schlagzeuger im Urwald ist. 
 
Anders macht es die Mützenrobbe. Sie bläst ihren roten Kehlsack zu imposanter Größe auf. Auch bei diversen Froscharten ist die Größe des Kehlsacks ein entscheidendes Kriterium. Je größer der Sack, desto lauter können sich die Amphibien bei den Froschfrauen bemerkbar machen. Vergleiche zu männlichen Männchen verbieten sich an dieser Stelle. 
 
Lautstärke hat sich bei uns selten als förderliches Hilfsmittel zum Aufbau einer Beziehung erwiesen. Und auch die Geschichte mit dem Aufblasen ist mit Vorsicht zu genießen. Wer Frauen imponieren will, indem er behauptet: "Ich bin bei einem weltweiten Konzern an höchster Stelle tätig" und sich später als Gebäudereiniger entpuppt, hat allenfalls kurzfristig Erfolg. 
 
Da erscheint die Strategie des Seidenlaubenvogels deutlich sinnvoller. Er setzt voll und ganz auf die Überzeugungskraft eines beeindruckenden Nestes.  Deshalb stattet er seine Liebeslaube mit allerlei Krimskrams aus, zum Beispiel mit Schneckenhäusern, Plastiktüten, Glasscherben und allerlei anderem Müll. Je exotischer sein Nest, desto höher dessen Anziehungskraft. 
 
Das soll keine Aufforderung zur Messie-Karriere sein. Wer seine Wohnung mit Müll füllt, wird zu Recht abfällig beurteilt. Doch eine geschmackvolle Ausstattung und eine Beratung durch die asiatischen Experten Herrn Feng und Frau Shui kann Wunder wirken. Intellektuelle Frauen sind auch durch eine umfangreiche Bibliothek zu begeistern. Allerdings sollte dabei auf die Buchauswahl besonders geachtet werden: Eine umfangreiche Western-Sammlung beeindruckt ebenso wenig wie eine Enzyklopädie für den originalgetreuen Nachbau von Panzerkreuzern oder sämtliche Jahrgänge des Fußballfachmagazins Kicker. 
 
Auch, wenn ich nicht den Eindruck erwecken will, dass Frauen käuflich sind: Manche von ihnen sind für schmucke Reize durchaus empfänglich. Wer in der Lage ist, seine Familienschätze in einer Vitrine auszustellen, kann damit wahrscheinlich die eine oder andere Sammlerin in sein Nest locken. Wie sang schon Marilyn Monroe? "Diamonds are forever!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Abschließend noch eine Warnung an Männer, die von einem ganz bestimmten Frauentyp fasziniert sind. Großgewachsenen Frauen mit einer Vorliebe für dunkle Kleidung, deren Männer früh verstorben sind, sollte man sich mit äußerster Vorsicht nähern. Zoologen empfehlen als ersten Schritt zarte Berührungen an den Beinen. Sollte die schwarze Witwe darauf nicht aggressiv, sondern entgegenkommend reagieren, kann das Männchen aufs Ganze gehen. Doch nach vollzogenem Akt heißt es, schnellstens das Weite suchen. Sonst gilt: "Liebe geht durch den Magen", und die Affäre ist nach einem One-Night-Stand für immer beendet.      
 

 Schmunzelpost 442 vom 5. 7. 22

Für den heutigen Tipp zur Partnerinnensuche gibt es ausnahmsweise kein tierisches Vorbild. Doch wer an einem Aktionstag eine gleichgesinnte Frau kennenlernt, hat berechtigte Hoffnung, dass die gemeinsamen Interessen die Paarbildung erleichtern. 
 
Am 5. Juli ist dies jedoch schwierig. Denn heute ist der Tag des Bikinis. Den hat zwar ein Mann erfunden. Und Männer sind auch die größten Bewunderer von Bikiniträgerinnen. Doch ein Mann, der sich einer solchen nähert und dabei selbst einen Bikini trägt, hat leider äußerst schlechte Karten. 
 
Damit sind auch seine Chancen gesunken, am 6. Juli mit einer Bikinischönheit den Internationalen Tag des Kusses zu feiern. Glücklicherweise gibt es eine Alternative. Der 6. 7. ist auch der Tag der Regenschirmhülle. Und Mann und Frau, die sich gleichermaßen für ein derart unnützes Teil begeistern können, müssen einfach für einander geschaffen sein! Die Hochzeitsreise dürfte dann nach Peaks Island in den US-Bundesstaat Maine führen. Dort gibt es das einzige Umbrella-Cover-Museum der Welt! 
 
Ich nehme an, dass Boris Johnson vor dem 7. Juli fluchtartig die britische Insel verlassen wird. Denn dann wird in Großbritannien der "Sag-die-Wahrheit-Tag" begangen, und nicht einmal Höflichkeitslügen sind erlaubt. Doch wahrscheinlich ist Boris derart abgebrüht, dass er sich vor die Kameras stellt und spricht: "I'm not a liar. I tell only the truth, all days of my life." 
 
Auch hierzulande gibt es am 7. Juli übrigens einen nationalen Aktionstag. Dann begeht man in ganz Deutschland den Tag des Freibads. In ganz Deutschland? Nein! Ein tapferes kleines Städtchen an der Lippe weigert sich beharrlich, bei diesem Brauch mitzumachen. Wir haben hier den Kanal noch lange nicht voll! 
 
Der 8. Juli hält einen sehr speziellen Aktionstag bereit. Es ist der Tag der jährlichen Totenwache für Jefferson Rudolph "Soapy" Smith II. Der kam vor 124 Jahren, am 8. 7. 1898 um 21.15 Uhr, in Alaska bei einem Schusswechsel ums Leben. Nicht ganz unverschuldet. Denn Soapy Smith war, je nach Betrachtungsweise, ein Schlitzohr, ein Gauner, ein Betrüger und ein Halunke. 
 
1860 in Denver zur Welt gekommen, verkaufte er dort Anfang der 1880er Jahre mit seiner Bande Seife. Und die fand reißenden Absatz, weil Soapy behauptete, dass in jedem einhundertsten Stück 100-Dollar-Noten versteckt seien. Wie wir seit Donald Trump wissen, glauben manche Amerikaner auch den größten Unsinn. Mit dem Geld finanzierte Smith einen Saloon und mischte in der Politik mit. Wegen misslungener Wahlmanipulation - wir sollten unbedingt prüfen, ob Soapy irgendwo in Trumps Ahnenkette auftaucht - musste er 1897 Denver fluchtartig verlassen. 
 
Er ging ins Exil in die boomende Goldgräberstadt Skagway in Alaska. Dort hatte er sofort eine neue gewinnbringende Idee. Soapy eröffnete das einzige Telegrafenamt weit und breit und verdiente sich mit dem Wuchertarif von 5 Dollar pro Wort buchstäblich eine goldene Nase. Zu seinem Leidwesen kam 1898 heraus, dass sein Kabel gar nicht nach Seattle reichte, sondern kurz hinter Skagway im Nichts endete. Danach endete auch Smith Leben mit einem Knall. 
 
Dass nun am 8. Juli um Punkt 21.15 Uhr in den USA auf Soapy Smith Ghost angestoßen wird, geht auf eine Testaments-Verfügung seiner Nachfahren zurück. Wie Boris Johnson sagt Smith zwar stets "Ich wasche meine Hände in Unschuld", aber das glauben wir ihm nicht. Wir sagen: "Er war mit allen Wassern gewaschen" und schrubben unsere Hände gründlich ab, in der Hoffnung in dem Stück Seife endlich den versprochenen Hunderter zu finden. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich spiele übrigens mit dem Gedanken, aus Regenschirmhüllen Bikinis zu produzieren. Den Verkauf werde ich dadurch ankurbeln, dass in jedem 100. Bikini ein 100-Euro-Schein eingenäht wird. Telegrafiert mir doch bitte, was Ihr von dieser Geschäftsidee haltet. 
 

 Schmunzelpost 441 vom 4. 7. 22

Kommen wir heute zu einer weiteren Methode, mit der im Tier- wie im Menschenreich Männchen eine Partnerin finden können. Manchen ist die Gabe sogar in die Wiege gelegt. Ein unverwechselbarer körpereigener Geruch, der für bestimmte Frauen unwiderstehlich ist! 
 
Bei menschlichen Männern ist dies eher selten. Wissenschaftler behaupten zwar, dass einige Frauen beim Wittern der im Schweiß enthaltenen Pheromone sofort wissen, dass der Absender zu ihnen passen könnte. Doch die Quote der dauerhaften Beziehungen, die so zustande kommen, ist eher gering. Weit größer ist die Zahl der armen Kerle, bei denen Frauen gleich die Nase rümpfen und das Weite suchen. Liebe Geschlechtsgenossen: Die Aussage "Bei Dir riechst ja wie im Pumakäfig!" bezieht sich nicht auf Eure raubtierartige Geschmeidigkeit. 
 
Weit erfolgreicher ist dagegen die Rotseitige Strumpfbandnatter. Um das gleich vorweg zu nehmen: Nein, die Männchen tragen keine Strapse. Die Weibchen auch nicht. Doch die schlauen Männchen kehren die Duftmethode um: Sie folgen der Pheromonspur der Weibchen. Und sie verfügen über eine wertvolle Gabe. Sie sind in der Lage, deren Duft zu imitieren. Taucht also ein Nebenbuhler auf, fächeln sie ihm ein paar Moleküle in die Nase und locken ihn in eine andere Richtung. Ist er weit genug entfernt, heißt es: Husch, husch zurück zum Weibchen, um als Erster zum Zuge zu kommen. 
 
Die Sache hat jedoch einen Haken. Es gibt deutlich mehr Männchen als Weibchen. Deshalb ist bei der Strumpfbandnatter Gruppensex angesagt. Bei sogenannten Paarungsbällen formen sich nach und nach riesige Knäuel, in denen sich mehr als 20 000 Schlangen tummeln können. (Das wär' doch was für Dich, Beate!) 
 
Aus menschlicher Sicht ist das weniger erstrebenswert. Doch der Trick, auf seine Nase zu vertrauen, kann auch hier weiterhelfen. Anders als im Barockzeitalter, als Parfüms hauptsächlich den Gestank des ungewaschenen Körpers übertünchen sollten, kann heute der Duft Aufschlüsse über den Geschmack der Anwender liefern. Billiges Rasierwasser schreckt eher ab. Und Frauen, die riechen, als wären sie zuvor kreuz und quer durch die Duftwasser-Abteilung eines Kaufhauses gelaufen und hätten überall Proben aufgelegt, sind auch nicht bei jedem Mann beliebt. 
 
Doch sind beide von einem dezenten, wohlriechenden Fluidum umgeben, dann kann das schon was werden. Gerade Frauen halten sich manchmal an das alte Sprichwort: "Die Nase isst mit!" und sagen sich: "So riecht ein lecker Kerlchen!" Das beste Erfolgsrezept scheint jedoch zu sein, jedwede unangenehmen Duftaussendungen zu vermeiden und möglichst keimfrei auf die Balz zu gehen. Dann können Männer wie Frauen auch sicher sein, von keiner Strumpfbandnatter verfolgt zu werden. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nochmal kurz zu Paarungsritualen, die wir uns gar nicht erst angewöhnen sollten. Wie die Nilpferde haben auch die Plattwürmer eine delikate Methode der Partnersuche entwickelt, mit der ich mich nicht anfreunden kann. Plattwürmer sind zumeist Zwitter. Treffen nun zwei paarungswillige Würmer aufeinander, tragen sie zunächst einen Peniskampf aus. Der kann bis zu 60 Minuten dauern! Auf Details möchte ich hier nicht eingehen, ich habe schon genug Bilder im Kopf. Der Sieger darf die Männerrolle übernehmen und begattet das Plattwurm-Weibchen, das verloren hat. Immerhin gibt es keine Toten, und es bleibt zu hoffen, dass am Ende beide ihren Spaß haben.  
 

Schmunzelpost 440 vom 3. 7. 22

 

Liebe partnerinnensuchende Männer! Kennt Ihr den Kragenparadiesvogel? Nein? Solltet Ihr aber! Von dem könnt Ihr Euch einiges abgucken. Dafür lohnt sich sogar eine Reise nach Neuguinea, wo der Vogel zuhause ist. Falls Ihr die Flugkosten scheut, habe ich Euch im Folgenden seine Balztricks zusammen gestellt. In Klammern findet Ihr jeweils die Übertragung in menschliche Verhaltensweisen. 
 
Mit Bedacht wählt sich der Kragenparadiesvogel eine passende Bühne. (Das kann die Tanzfläche einer Disco sein oder auch ein gut einsehbarer Raum bei einer Party bzw. in einer Wohnung). Notfalls legt der kluge Vogel auch selbst den Schnabel an und hübscht das Umfeld auf, in dem er Blüten, Glitzerzeug und Insekten anhäuft und sich ein buntes Podium schafft. (In kleineren Räumen sind ein paar gut plazierte Blumen hilfreich, auch Kerzen können für eine geeignete Atmosphäre sorgen. In größeren Sälen sollte der balzende Mann darauf achten, dass mindestens ein Scheinwerfer auf ihn gerichtet ist. Auch die Auswahl der passenden Musik sollte er in die Hand nehmen. Oder den DJ bestechen.) 
 
Dann betritt das Paradiesvogel-Männchen seine Bühne und stößt einen lauten Schrei aus, mit dem es das Weibchen anlockt. (Früher, wie heute noch beim Tanztee, durfte es ein dezentes "Darf ich bitten?" sein. Nur wenn das Frauchen schwerhörig ist, darf auch geschrien werden. Anders in der Disco. Hier entfaltet ein donnerndes James-Brown-ähnliches "I feel good!" oft nachhaltige Wirkung.) 
 
Als nächsten Schritt richtet das Vogelmännchen sein glänzendes blau-schwarzes Brustgefieder auf und entfaltet am Kopf einen Fächer aus schwarzen Federn. (Schon John Travolta wusste, dass die Farben des Oberhemds betören können. Der muskulöse Mann von heute knöpft sein Hemd zudem weit auf, lässt wahlweise seinen Waschbrettbauch, seine behaarte Brust oder sein tolles Tattoo sehen. Männer, die noch im Besitz vollen lockigen Kopfhaares sind, sollten ihre Mähne fliegen lassen, Toupetträger jedoch besser darauf verzichten.) 
 
Beim Tanz selbst bewegt das Vogelmännchen rhythmisch seine Schwanzfedern und hüpft um das Objekt seiner Begierde herum. Dabei fokussiert es das Weibchen stets mit einem fast hypnotischen Blick. (Den Teil mit dem Herumhüpfen und dem steten Augenkontakt sollte auch das menschliche Männchen unbedingt beibehalten. Besser wäre es allerdings, auf die Sache mit den rhythmischen Schwanzbewegungen an dieser Stelle zu verzichten.) 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. In der Zugabe weise ich Euch heute auf ein Paarungsritual aus der Tierwelt hin, das Ihr auf keinen Fall erproben solltet. Bei Nilpferd-Bullen ist es üblich, dass sie Weibchen anlocken, in dem sie beim Koten ihren Stummelschwanz propellerartig kreisen lassen. So verteilen sie ihre Exkremente im weiten Umkreis, vor allem im Wasser. Die Weibchen erkennen daran, wie gesund ihr Kavalier ist. Vom Nachahmen ist menschlichen Männchen schon deshalb abzuraten, weil sie im Freibad sonst mächtig Ärger mit dem Bademeister kriegen. 
 

 Schmunzelpost 439 vom 2. 7. 22

  

Jetzt hat es auch der Letzte bemerkt: Der Sommer ist da, der Frühling ist vorbei. Und damit endete im Tierreich die Zeit der durch das Frühlingserwachen ausgelösten Partnersuche. Selbst der hartnäckigste Kuckuck hat sein Rufen eingestellt. Die Störche ziehen schon ihre Jungen groß und können sich ab August wieder um die Zustellung von Babys kümmern. 
 
Nur der Mensch hat den Zeiten-Wandel nicht mitgekriegt. Mit Hilfsmechanismen wie Schützenfesten und Sommerfeten wird versucht, die bisher erfolglosen Männchen doch noch unter den Hut, manche sagen auch, unter den Daumen zu kriegen. Ein wichtiges Hilfsmittel dabei ist Alkohol. In hoher Dosierung bei beiden Geschlechtern eingesetzt, soll er mitunter eine partielle Blindheit auslösen und selbst Menschen zusammen führen, die sonst beim Anblick des jeweils anderen die Straßenseite gewechselt hätten. Doch Obacht! Die Ernüchterung ist oft schrecklich. 
 
Da empfiehlt es sich für meine Geschlechtsgenossen, vorher sorgfältig eine Wahl zu treffen und die Auserkorene mit ausgeklügelten Strategien zu becircen. Ich habe mich mal in der Tierwelt  umgeschaut, welches dort die bewährtesten Taktiken sind. Beginnen wir mit der Laubheuschrecke Supersonus aequoreuse. 
 
Die cleveren Männchen bringen die Herzen weiblicher Heuschrecken zum Schmelzen, indem sie ihre Flügel als Instrument benutzen und damit zu geigen beginnen. Je schriller der Ton, desto betörter die Frauen! Mit 150 Kilohertz ist Supersonus Rekordhalter mit dem höchsten Paarungsruf im Tierreich. Für uns Menschen sind die verzaubernden Klänge leider unhörbar, weil sie im Ultraschallbereich liegen. Doch vielleicht ist das auch gut so. Auf Heuschrecken-Rivalen und Fressfeinde hat das Violinenkonzert nämlich abschreckende Wirkung. Vermutlich sind sie außer Gefecht, weil sie sich dauernd die Ohren zuhalten müssen. 
 
Was sagt Ihr? Auf Menschen ist das nicht übertragbar, weil Geigen- wie Flötentöne Frauen eher zum Davonlaufen bewegen? Das ist eine Frage der Könnerschaft. Fragt nach bei Andre Rieu und David Garrett. Übung macht den Meister! Und wenn Ihr auf ein Instrument verzichten wollt, dann versucht es mit Singen. Das war bereits im Mittelalter ein gutes Konzept: Denkt an Walther von der Vogelweide. 
 
Hilfreich wäre es natürlich, die richtigen Töne zu treffen. Und auch die Auswahl des Liedguts kann eine entscheidende Rolle spielen. Mit "zehn nackte Friseusen" werdet Ihr bei Bäckereifachverkäuferinnen keinen Blumentopf gewinnen. Außer am Ballermann auf Mallorca. Oder beim nächtlichen Ständchen unter dem Fenster Eurer Angebeteten. Aber dann solltet Ihr besser einen Helm tragen. 
 
Also, worauf wartet Ihr noch? Bis zum nächsten Frühjahr habt Ihr Zeit zum Trainieren. Und falls dies wider Erwarten für Euch keine geeignete Strategie war, gebe ich Euch in der nächsten Folge noch weitere Tipps. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Das Gegenstück zur Laubheuschrecke ist übrigens der Blauwal. Sein Paarungsruf liegt ganz, ganz unten im Bassbereich, so um die 20 Hertz. Der Vorteil: Er ist für potenzielle Partnerinnen über Hunderte von Kilometern hörbar! Der Nachteil: Für Menschen ist er nicht zu empfehlen. Erstens nehmen wir ihn gar nicht wahr. Und zweitens: Welcher Mann sucht schon eine Partnerin, die bis zu 200 Tonnen schwer und 33 Meter lang ist?
 

Schmunzelpost 438 vom 1. 7. 22


Kennt Ihr den schon? Wir schreiben das Jahr 2023. In einem sibirischen Arbeitslager unterhalten sich drei Gefangene. Fragt einer: "Seit wann bist Du hier und weshalb?" "Seit 2021, weil ich die Wahrheit über Wladimir Putin gesagt habe. Und Du?" "Seit 2022. Ich habe auch die Wahrheit über Wladimir Putin gesagt." Sie schauen den Dritten fragend an. "Seit 2023. Ich bin Wladimir Putin!" 
Wieso fange ich heute mit einem Witz an? Der kommt doch sonst erst in der Zugabe. Ganz einfach: Der 1. Juli ist der Internationale Tag des Witzes! 
 
Am 2. Juli solltet Ihr Kontakt mit Erich von Däniken aufnehmen. Erich von Däniken? Der Typ mit den wilden Theorien über Außerirdische? Ist der nicht schon lange tot? Ist er, aber was die wenigsten wissen: Nach seiner Bestattung landete auf dem Friedhof ein Ufo und seine außerirdischen Freunde gruben ihn aus und erweckten Erich wieder zum Leben. Am 2. Juli plant er seine triumphale Rückkehr zur Erde. Das ist der "Welt-Ufo-Tag". Wenn ein kleiner Flugkörper an Euch vorbei zischt, muss das jedoch nicht zwangsläufig ein Ufo sein. Der 2. 7. ist auch der Tag des Kirschkernspuckens. 
 
Eigentlich soll mein Spiegelbild mir schmeicheln. Am 3. Juli drehe ich aber den Spieß um und frage: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Tollste im ganzen Land." Die Antwort gebe ich mir selber, indem ich sage: "Donnerwetter, wenn man Deine Proportionen nur ein wenig umverteilen würde, dann wärst Du ein zweiter Arnold Schwarzenegger." Es ist nämlich der "Schmeichle-Deinem-Spiegelbild-Tag". 
 
Außerdem ist der 3. 7. auch der Internationale Tag des Erdmännchens. Wobei ich mich wundere, dass noch keine Gender-Initiative für die Namensrechte der Erdweibchen eingetreten ist. Oder sind die alle im Bau mit Staubsaugen und Kochen beschäftigt, während die Männchen Wache stehen? Nun mal ernsthaft. Der 3. Juli ist auch der Internationale plastiktütenfreie Tag. Wobei es höchste Zeit wäre, dies auf alle Tage des Jahres auszuweiten! 
 
Der 4. Juli wird in den USA (ebenso wie in Holsterhausen, Germany) groß gefeiert. Außerdem zelebrieren die Amerikaner auch noch fünf Aktionstage. Zwei davon sind nahrhaft. Da die Amis mit uns um den Weltmeistertitel im Grillen streiten, feiern sie den "Day of Spareribs". Und falls mal kein Grill zur Hand ist, sind sie auch noch erfinderisch: Sie begehen auch den "Brate-Eier-auf-dem-Gehweg-Tag". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Mit einem Witz haben wir angefangen, also wollen wir auch mit einem die heutige Folge beschließen. Dieser ist besonders für zwei Menschen, die wegen widriger Umstände an die Goethestraße gezogen sind. "Sagt mal, wo ist eigentlich der nervige Nachbar, von dem ihr mir so viel erzählt habt? Ich hab den schon lange nicht mehr gesehen." "Der ist dauernd in seinem Garten." "Ach so. - Aber da sehe ich ihn auch nicht." "Du musst schon ein bisschen graben..." 
 

Schmunzelpost 437 vom 30. 6. 22

Wenn Ihr nicht zur Kategorie "Abwarten und Tee trinken" gehört, habt Ihr womöglich Euer Frühstückstässchen Kaffee bereits intus. Oder zwei. Oder auch drei. Darüber, wie viel Kaffee am Tag zuträglich für die Gesundheit ist, gibt es unterschiedliche Angaben. In den meisten Fällen aber macht Kaffee wach und munter. 
 
Der französische Philosoph, Denker und Dichter Voltaire muss ein ausgesprochen munteres Bürschchen gewesen sein. Er liebte Kaffee und soll mindestens 40 Tassen (!) am Tag getrunken haben. Das hat ihn vielleicht auch inspiriert, sein Theaterstück "Das Kaffeehaus oder die Schottin" zu schreiben. Doch dass er extrem ausgeschlafen war, bewies Voltaire auch auf andere Weise. Gemeinsam mit dem Mathematiker Charles Marie de la Condamine knackte er das staatliche französische Lottosystem und räumte zweimal hintereinander, 1729 und 1730, mächtig ab. 
 
Ob 50 Tassen Kaffee am Tag dabei helfen, sechs Richtige mit Zusatzzahl auf dem Lottoschein anzukreuzen? Ich habe Zweifel. Vermutlich würde ich danach wie ein Presslufthammer durch die Wohnung hoppeln, wahrscheinlich dauernd auf dem Weg zur Toilette. Dafür wäre jedoch nicht der Kaffee, sondern sein Wirkstoff Koffein verantwortlich. Den gibt es außer im Kaffee auch in mehr als hundert anderen Pflanzen, allerdings meist in geringerer Dosierung. 
 
Wie das funktioniert? Das erklärt Euch jetzt Klaus, die Maus, in der neuen Folge von "Wissen nach Acht". Oder heißt das "Wissen macht Macht"? "Wissen - habt Acht"?" Pardon, es muss außer Koffein noch irgendwas anderes in meinem Kaffee gewesen sein. 
 
Jedenfalls sind es die beiden Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, die Hirn und Körper auf Trab bringen. Setzt sich jedoch die Substanz Adenosin auf unsere Rezeptoren, dann sind sie für die Aufnahme der Wachmacher blockiert - wir werden müde. Das Koffein liefert sich nun einen Wettlauf mit dem Adenosin und hängt es meistens ab. Wenn das Adenosin keuchend bei den Rezeptoren ankommt, sitzt dort bereits das Koffein, macht eine lange Nase und verweigert den Zutritt - wir bleiben wach. 
 
Dabei hatte die Natur eigentlich das Koffein zum Schutz der Pflanzen vor Fressfeinden vorgesehen, die sich deshalb weniger bittere Nahrung suchten. Bitter für die Kaffee-Pflanzen: Gerade wegen des Koffeins werden sie nun von ihren Trinkfeinden massenhaft geerntet! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nach der Lektion in Biologie nun noch eine in Geschichte. Kaffee kam im 17. Jahrhundert nach Europa. Zunächst ein Luxus-Produkt, eroberte das aufputschende Getränk durch Massenproduktion im 18. Jahrhundert auch die Haushalte der einfachen Leute. Es löste in der Beliebtheit das Bier ab, das zuvor (wegen des oft verunreinigten Wassers) das Hauptgetränk der Menschen gewesen war. Kaffee, der damals einen wesentlich höheren Koffeingehalt hatte, wurde auch als Suppe verzehrt und verdrängte damit die vorher stark verbreitete Biersuppe.
  
Das war Friedrich dem Großen eine Bohne im Auge. Seine Steuereinnahmen durch die Brauereien sanken rapide. Flugs erließ der alte Fritz daraufhin in Preußen ein Kaffee-Verbot. Und damit es auch eingehalten wurde, sandte er "Kaffeeschnüffler" aus, die illegale Röstereien schon aus der Ferne witterten und empfindliche Strafen kassierten. 
 
PPS. Dass Voltaire, der mit Friedrich gut befreundet war, hinter dem Kaffeeverbot steckte, damit die Deckung seines immensen Bedarfs nicht gefährdet wurde, ist bloß üble Nachrede. Oder böswilliger Kaffeeklatsch.
 

 Schmunzelpost 436 vom 29. 6. 22

Euch geht es vermutlich wie mir: Wir wissen eine ganze Menge, aber wenn wir plötzlich ein Wort oder einen Begriff suchen, dann will er partout nicht aus unserem Hinterkopf hervor kommen. Für solche Zwecke gibt es Eselsbrücken. 
 
Der Begriff stammt übrigens daher, dass Esel intelligente, aber auch ängstliche Tiere sind. Weil die Wasseroberfläche meist spiegelt und sie die Wassertiefe daher nicht einschätzen können, verweigern Esel die Überquerung von Wasserläufen. Daher hat man für sie eigens kleine Brücken gebaut. Und die gibt es verbal auch für menschliche Esel. 
 
Fangen wir mit dem Klassiker an, den jeder noch aus der Schule kennt. Wer nämlich mit h schreibt ist dämlich! Fast genauso bekannt: Gar nicht wird gar nicht zusammengeschrieben. Diese Brücke kannte ich noch nicht: Auf einmal schreibt man zweimal. Ebenso fremd für mich, aber einleuchtend, ist die Regel für seit und seid: Gehört seit zu seiner Zeit, sorge nicht mit "d" für Heiterkeit. 
 
Herr K. wollte auch einen Spruch beisteuern: Wenn dat "wider" nur dagegen meint, dann is dat e den i sein Feind. Wenn dat "wieder" abba nur "nochmal dat Ganze" meint, dann is dat e dem i sein Freund. Hasse dat kapiert? Siesse, geht doch! 
 
Doch Eselsbrücken verhelfen nicht nur zur korrekten Rechtschreibung. Den Spruch zur Reihenfolge der Planeten, nach ihrem Abstand von der Sonne geordnet, haben die meisten sicher noch im Kopf. Aber könnt Ihr ihn auch abrufen? Hier ist er: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel." Mit ihren Anfangsbuchstaben sind hier Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun aufgereiht. 
 
Zu dieser Eselsbrücken gibt es auch schöne Alternativen. Wie wäre es mit "Manch vorwitziger Erdbewohner meint, Jupiter sei unser Nacktplanet"? Schön ist auch: "Mit Vodka ertränkt mancher Jüngling seine unerwiderten Neigungen." Um Euch dazu die Schreibweise des alkoholischen Getränks zu merken, habe ich mir eine weitere kleine Eselsbrücke ausgedacht: "Wer Vodka mag, der trinkt auch Vein." 
 
Mit Geografie haben manche Menschen ein Problem. Es ist nach der Wiedervereinigung auch nicht leicht, alle sechzehn Bundesländer auf die Reihe zu bekommen. Auch dafür gibt es eine Eselsbrücke. Die lautet so: "Bis bald, Sabrina - reite herum, trostloser sandiger Sachse - nörgle niemals, brandiger Berliner - bringe Hamburger mit, Schatz." 
 
Als ich das las, dachte ich, da will mich jemand veräppeln. Allein, um mir diesen Merkspruch zu merken, benötige ich mindestens 16 Eselsbrücken. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Jede Berufsgruppe hat ihre eigenen Tricks. Mediziner bereiten sich auf Prüfungen vor, indem sie sich die Anfangsbuchstaben der zwölf Hirnnerven einbläuen. Nebenbei: Meine Achtung vor diesem Berufsstand ist etwas gesunken. Denn es existieren dazu 14 Eselsbrücken, und mehr als die Hälfte davon ist unanständig. Hier kommt ein vergleichsweise harmloser Spruch: "Oma, oben ohne, tanzt tropfnass, aber froh, vor Groß-vater Alberts Haus." Am besten gefällt mir eine englischsprachige Fassung, obwohl sie gegenwärtig inhaltlich nicht mehr zutrifft:  "Some Students make Money but my Brother says Boris becker makes more." (Dies ist übrigens eine verfeinerte Brücke: S steht für sensorisch, m für motorisch und b für beides). 
 

Schmunzelpost 435 vom 28. 6. 22

Häufig beschäftige ich mich mit verblüffenden Fakten. Daher glaubte ich, dass mich kaum noch etwas überraschen kann. Irrtum. Fast hätte ich deshalb eine Wette verloren, weil ich eine Behauptung als Blödsinn betrachtete: "Auf Island sind importierte Eiswürfel meist günstiger als vor Ort hergestellte!" 
 
Und ich dachte, ein Land, das Eis als Vornamen trägt, wäre bei der Würfelproduktion autark! Schließlich ist die Arktis nur einen Eisbärensprung entfernt und die Berge im isländischen Norden sind ganzjährig von einer Eisschicht bedeckt. Außerdem sehne ich mich nach den kühlen Temperaturen der Insel nur an Hundstagen. 
 
Dennoch importieren die Isländer ihre Eiswürfel, weil das rund 40 Prozent billiger ist als die heimische Ware. Dies liegt an den hohen Arbeitskosten auf der Insel. Trotzdem fühlte ich mich an Asterix erinnert. Obwohl das kleine gallische Dorf direkt an der Meeresküste liegt, wird dort der "frische" Fisch stets aus Paris herbei geschafft. Fragt nach bei Verleihnix! 
 
Doch das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit, die Island zu bieten hat. Auf der Insel gibt es nämlich tatsächlich eine offizielle Elfenbeauftragte! Sie wacht darüber, dass bei Bauprojekten Elfen nicht gestört werden. Wiederholt wurden deshalb sogar die geplanten Routen von Straßen geändert. 
 
Nun zum Essen und Trinken. Glückliches Island! Auf der gesamten Insel gibt es keine McDonalds- oder Burger-King-Filiale. Die letzte schloss 1989 ihre Pforten, weil die Transportkosten für Verpackungen und Gemüse einfach zu hoch waren. Nicht nur Eiswürfel schmelzen also dahin, auch US-Klopse. 
 
Dafür hat die isländische Küche jedoch ganz besondere Köstlichkeiten zu bieten. Wie wäre es mit geschmortem Schafskopf? Oder Ochsenhoden? Eine einzigartige Spezialität ist auch der gegärte Grönlandhai. Zugegeben, er riecht etwas streng, genau genommen stinkt er sogar zum Himmel, aber das muss so sein. Erst wenn das Haifleisch verfault ist, ist es nicht mehr giftig. Guten Appetit! 
 
Was das Trinken betrifft, so glaubte ich, dass die Nachfahren der Wikinger an harte Sachen gewöhnt seien. Von wegen! Bis 1934 war auf Island nicht einmal Bier erlaubt. Dann gab es die Genehmigung zum Brauen einer Plörre, die nicht mehr als 2,25 Promille aufweisen durfte. Erst seit dem 1. März 1989 ist reguläres Bier erlaubt. Die Isländer feiern seitdem den 1. 3. als "Tag des Bieres". 
 
Ausschreitungen gibt es danach offenbar selten. Island hat die niedrigste Kriminalitätsrate der Welt. Seine Polizei verfügt daher zwar über Schlagstöcke und Pfefferspray, aber nicht über Schusswaffen. Dafür hat sie angeblich eine sehr lustige Instagram-Seite, auf der Szenen aus dem Polizeialltag zu sehen sind. Vielleicht lachen sich die schweren Jungs ja tot, bevor sie dazu kommen, auf Island krumme Dinger zu drehen. 
 
Kein anderes Land der Welt hat pro Kopf mehr Nobelpreisträger. Genau einen! Haldor Kiljan Laxness bekam 1955 den Nobelpreis für Literatur. Bei nur 400 000 Einwohnern steht Island dennoch im Vergleich glänzend da. Die geringe Einwohnerzahl ist auch ausschlaggebend dafür, dass sich potenzielle isländische Paare bereits vor dem ersten Date über ihren Verwandtschaftsgrad informieren. Wenn nur alle Menschen vor dem Zeugen von Kindern so verantwortungsbewusst wären! 
 
Zum Schluss noch ein kulturelles Schmankerl. Auf Island gibt es das einzige Penis-Museum der Welt. Auch ein menschlicher Phallus ist unter den 200 Exponaten. Ansonsten reicht das Ausstellungsspektrum von der Maus bis zum Wal. Nach der Besichtigung des letztgenannten Objekts empfiehlt sich ein Whiskey on the Rocks. Bringt am besten Eure Eiswürfel selbst mit. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich bin wirklich nicht der Einzige, dem die inflationäre Verwendung von Modewörtern auf die Nerven geht. Marion kann "achtsam" nicht mehr hören. Und Hubert schließt sich Torsten Sträter an: "Der Gebrauch von Anglizismen ist ein No go!" 
 

Schmunzelpost 434 vom 27. 6. 22

 

Glaubt Ihr an Bauernregeln? Dann ist der 27. Juni für Euch von besonderer Bedeutung. Denn "Wie das Wetter ist am Siebenschläfertag, so es sieben Wochen bleiben mag!". Laut Statistik der letzten Jahrzehnte soll das sogar zu 70 Prozent zugetroffen haben. Wobei die Bauernregel noch aus der Zeit vor der gregorianischen Kalenderumstellung stammt und somit der echte Siebenschläfertag eigentlich der 7. Juli ist... 
 
Der 27. 6. ist außerdem der Internationale Tag der Ananas. Heute soll eine Frucht gewürdigt werden, die ursprünglich aus Südamerika stammt, bei uns meist mit Hawaii in Verbindung gebracht wird, aber inzwischen hauptsächlich von den Philippinen importiert wird. Kleiner Tipp: Anders als Bananen reift die Ananas nach dem Pflücken nicht mehr nach. Am besten wählt Ihr im Supermarkt große, schwere Exemplare aus, die intensiv duften. Wenn sich die kleinen Blättchen am Schopf mühelos lösen lassen, ist das ein gutes Zeichen!  
  
Am 28. Juni folgt dann der Internationale Tag der alternativen Kreiszahl Tau. Ich sehe jetzt vor meinem inneren Auge die Fragezeichen um Eure Köpfe kreisen und werde Euch deshalb auf die Sprünge helfen. Die Zahl Tau entspricht 6,2831853071. Der Vorschlag des Mathematikers Robert Bob Palais lautete, die Kreiszahl als Quotienten aus Umfang und Radius entsprechend 2 π als grundlegende Konstante zu benutzen und damit die ursprüngliche Variante des Quotienten aus Umfang und Durchmesser eines Kreises zu ersetzen. Alles klar?
  
Nein? Dann teilt Tau durch zwei und Ihr kommt auf 3,14.... Klingelt's jetzt? Ja, von Pi haben wir alle schon mal was gehört. Ansonsten könnte die Erklärung aber auch in Altgriechisch dort stehen, woraus die Buchstaben Tau und Pi entlehnt sind. Ich bin jedenfalls schon froh, dass ich zumindest noch das kleine und mitunter auch das große Einmaleins beherrsche. 
 
Die Aktionstag-Alternative am 28.6. ist für meine Begriffe jedoch noch übler. Oder wollt Ihr Euch aus Anlass des Internationalen Bodypiercing-Tages ein eine Schmuckklammer verpassen lassen? Piercings waren übrigens schon einmal, vor ca. 5000 Jahren in der Steinzeit, schwer angesagt. Danach überlebten Zungen- und Lippenpiercings nur bei zivilisationsfernen Stämmen in Afrika und Südamerika. Ach ja, bei den alten Römern gab es die ersten Brustwarzen-Piercings. Kurz danach ging Rom unter. Noch Fragen, Piercing-Fans? 
 
Der 29. Juni ist der Internationale Matsch-Tag. Damit erkennen Pädagogen rund um den Globus an, dass das Bedürfnis von Kindern, sich im Matsch auszutoben, eine positive Sache ist. Erwachsene Matsch-Fans fahren deshalb gern zum Festival nach Wacken. 
 
Ein Dinosaurier muss es einem unserer frühesten Vorfahren geflüstert haben: "Fürchtet Euch vor Asteroiden und Meteoren!" Immerhin hat der Einschlag eines Himmelskörpers auf der Erde für das Aussterben der Riesenechsen gesorgt und den Weg der Evolution für Säugetiere freigemacht. Aber die Gefahr ist damit nicht verschwunden. 
 
Weil am 30. Juni 1906 ein Asteroid oder Meteor im sibirischen Tunguska einschlug, wird am 30.6. jetzt sowohl der Internationale Tag des Asteroiden wie der Tag des Meteors begangen. 1906 knickten übrigens in einem Umkreis von 2000 Quadratkilometern 60 Millionen Bäume um! Falls so etwas heute im Ruhrgebiet passierte - so viele Bäume haben wir gar nicht! Wenn Ihr aus dem Haus geht, also bitte einen stabilen Schirm nicht vergessen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Idee aus der gestrigen Folge, statt einer Wort-Patenschaft eine Wort-Widersacherschaft auszurufen, hat Anklang gefunden. Wie ich das Wörtchen "geil" würden Maria gern "definitiv" und Lisa "mega" auf den Index setzen. 
 

 Schmunzelpost 433 vom 26. 6. 22 


Da vermutlich den meisten von Euch das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juni entgangen ist, traue ich mich, ihm diese Schmunzelpost-Folge zu widmen. Es beschäftigt sich nämlich mit einem meiner Lieblingsthemen: Unserer Sprache. Lesen wir doch einmal rein: 
 
"Wenn der Mensch mal so richtig mies drauf ist, wenn er nach einer sterbenslangweiligen Party, die nur mit einer Überdosis Prosecco zu überleben war, leichenblass und mit Brummschädel das Frühstück mümmelt und der Lebenspartner/die Lebenspartnerin wissen möchte, wie die Fete war, dann tut es gut, etwas total Fieses zu sagen. Etwas, das so vernichtend ist, dass sich jede Nachfrage erübrigt. Dazu genügt ein Wort: 'Nett!' Wer eine Party so apostrophiert, gibt zu verstehen, dass sie so vergnüglich war wie ein Tag im Waschsalon." 
 
Da ist was dran. Obwohl einige Nutzer die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben und hartnäckig auf der ursprünglichen Bedeutung des Wörtchens nett beharren. Im Lexikon der Gebrüder Grimm wird das Adjektiv noch mit "rein, zierlich, hübsch" beschrieben. Dennoch trifft es zu, dass der Begriff den gleichen Wandel zum Negativen mitgemacht hat wie der "Gutmensch". 
 
Da trifft es sich, dass Leute aufstehen und sich gegen die Umdeutung zur Wehr setzen. In diesem Fall handelt es sich sogar um eine ganze Stadt. Hattingen an der Ruhr hat nicht nur eine nette Altstadt, die Kommune möchte auch, dass diese Aussage weiter richtig verstanden wird: "Nett sollte dringend wieder mehr Wertschätzung erfahren". Das Wort habe "unverschuldet einen Imageschaden erlitten", meinen die Hattinger, "sogar als die kleine Schwester von 'Scheiße' werde es diffamiert". 
 
Hattingen hat dagegen etwas Neues kreiert: Eine "Wort-Partnerschaft". Auch die "Gesellschaft für deutsche Sprache" macht mit. Die SZ warnt daher: "Wer nett abwertend, ironisch oder überhaupt falsch verwendet, bekommt es mit mächtigen Gegnern zu tun." 
 
Doch es gebe einiges zu tun. Der "nette Mensch" gelte mittlerweile als Weichei, als Loser, um einen netten Anglizismus zu benutzen. Fazit des Streiflichts: "Was wäre es für ein Segen, wenn von Hattingen aus ein Ruck durchs Land ginge, der den netten Menschen wieder nach oben bugsierte. Und wenn nicht, dann war es wenigstens ein netter Versuch." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Da die Schmunzelglosse ausschließlich nette Leser hat, schließe ich mich diesem Wunsch an. Und die Idee der Wort-Partnerschaften möchte ich noch erweitern. Könnte es nicht auch eine Wort-Widersacherschaft geben? Dann wäre ich der Erste, der gegen den inflationären Gebrauch des Wörtchens "geil" zu Felde zieht.    
 

Schmunzelpost 432 vom 25. 6. 22


Ein Gewitterregen verhinderte gestern zwar, dass wir Baumhäusler im Lesehof der Stadtbibliothek unser jährliches Literaten-Gedenken im Freien veranstalten konnten, aber der Abend zur Feier des runden Geburtstages (oder Todestages) großer Schriftsteller gelang trotzdem. Das nehme ich zum Anlass, einen Blick auf die, nun ja, besonderen Eigenarten von Kulturschaffenden zu werfen. 
 
Beginnen wir mit Beethoven. Wusstet Ihr, dass der Komponist in Wien wiederholt umziehen musste, weil sich seine Mitbewohner über ihn beschwerten? Beethoven hatte die Gewohnheit, nachts zu komponieren. Und wenn er müde wurde, goss er sich einen Eimer Wasser über den Kopf - der leider auch zum Mieter darunter durchtropfte, ohne ihn zur Wassermusik zu inspirieren. 
 
Doch nun zur schreibenden Zunft. Wie verfasst man Weltliteratur? Oder zumindest Bestseller? Heinrich Heine war seine letzten acht Lebensjahre dazu gezwungen, aber Marcel Proust schrieb freiwillig im Bett. Ein Macho wie Ernest Hemingway lehnte das ab. Er schrieb gern im Stehen. Und Stephen King stellt seinen Schreibtisch stets an die Wand, damit er nicht durch den Blick nach draußen von der Arbeit abgelenkt wird. Auf die Frage, wie er schreibt, antwortete er: "Einen Satz nach dem anderen."
 
Einige Autoren hatten Gewohnheiten, die ein wenig sonderbar waren. Viktor Hugo etwa hat zwei seiner Bücher nackt geschrieben. Und Jack London brachte jeden Tag exakt 1000 Wörter zu Papier. John Steinbeck hingegen benutzte Bleistifte und bestand darauf, dass jeden Tag zwölf perfekt gespitzte Exemplare auf seinem Schreibtisch standen. 
 
US-Literaturnobelpreisträger William Faulkner, der gestern wegen seines 125. Geburtstages geehrt wurde, schrieb, während er Whiskey trank. Jeder braucht halt seinen eigenen Treibstoff. Agatha Christie lag hingegen gern mit einem Apfel im Mund in der Wanne, wenn sie sich ihre Handlungen ausdachte. Lewis Caroll schrieb immer mit lila Tinte, weil er damit bereits als Lehrer die Arbeiten seiner Schüler korrigiert hatte. Und Alexander Dumas benutzte Papier in verschiedenen Farben: Blaue Bögen für Prosa, gelbe für Gedichte. 
 
Den Vogel schoss jedoch Friedrich Schiller ab. Er schrieb nachts mit den Füßen im kalten Wasser. Zudem standen auf seinem Tisch stets ein paar verdorbene Äpfel. Deren Aroma inspirierte ihn. Jetzt wissen wir, wie die Idee für Wilhelm Tell entstand. Aber nun werdet Ihr Euch womöglich fragen, wie der Schreiber der Schmunzelpost ins Rollen kommt. Ganz einfach: Er denkt an den nächsten Meistertitel von Schalke 04, und schon geht die Post ab! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Gibt es einen Rat für künftige Bestseller-Autoren? Les Brown sagt: "Ziele auf den Mond - selbst, wenn Du ihn verfehlst, dann triffst Du immerhin die Sterne!"
 

Schmunzelpost 431 vom 24. 6. 66

 

Zum Sommer gehörte früher stets der Sommerschluss-Verkauf. Einst waren die Zeiten dafür festgelegt. Inzwischen schreit die Werbung ganzjährig "Sale! Sale! Sale!" und der angebliche Sommerschluss-Verkauf ist meist schon an den Sommeranfang gerückt. Doch warum soll es den Sommerwaren anders gehen als dem Weihnachtsgebäck? 
 
Also auf zur Schnäppchenjagd. Starten wir auf traditionelle Weise mit dem Blick in die Zeitungsanzeigen. Unübertroffen ist bis heute ein etwas älteres Angebot aus dem Trierischen Volksfreund: "In unserer Cafeteria bieten wir ein Stück Kuchen nach Wahl und eine Tasse Kaffee zum Verwöhnpreis von 1,50 DM. Finanzierung durch unsere Hausbank möglich!" 
 
Der kluge Mensch baut vor. Sterben müssen wir alle. Warum sollte man sich also solch eine Gelegenheit entgehen lassen, die in den Erdinger Neueste Nachrichten inseriert wurde? "Grabstein, neu, wegen Nichtbelegung des Grabes günstig abzugeben." Und Autofans werden bei dieser Anzeige aus der Autozeitung sofort ganz wuschig: "Renault V6 Alpine, 32 PS, mit heizbarer Heckscheibe und von außen verstellbaren Innenspiegeln." 
 
Stutzig wurde ich bei diesen beiden Anzeigen: "Herren-Unterhose mit halbem Arm, reine Baumwolle" (Bonner Anzeigenblatt) und "Dauerniedrigpreis: Frische Schweineleber nur aus der Keule, 1 kg 2,50 Euro" (Anzeigenblatt Wolfsburg). 
 
Wenden wir uns dem Internet zu. Wer Geld liebt und zudem gern puzzelt, der sollte sich unbedingt eine spezielle Box zum Spottpreis von 24,50 Euro zulegen. Darin sind 500 000 Euro enthalten - allerdings extrem klein geschreddert. Ein Mega-Puzzle! 
 
Taschenmesser stehen bei vielen Leuten immer noch hoch im Kurs und sind daher ein guter Geschenktipp. Wie wäre es mit dem "Wenger Schweizer Offiziersmesser"? Na gut, es ist für die Hosentasche mit 24 cm relativ breit und wiegt auch noch 1,4 Kilogramm. Doch dafür enthält es 87 Werkzeuge mit 141 Funktionen! Für knapp 150 Euro geradezu geschenkt! 
 
Wer stellt sich heute noch ein kitschiges Porzellankätzchen ins Wohnzimmer? Und auch die Gartenzwerge im Vorgarten sind längst nicht mehr angesagt. Wer heute noch auffallen und dabei einen besonderen Geschmack beweisen will, der muss andere Kaliber auffahren. Dafür gibt es das originalgetreue Modell eines Pentaceratops-Sauriers! 2,40 m mal 1,20 m mal 4 m sind seine Maße. Und das wetterbeständige Exemplar kostet zwar fast 6000 Euro, hält dafür aber auch locker die nächsten tausend Jahre. (Es sei denn, vorher schlägt wieder ein Asteroid auf der Erde ein). 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. Du warst noch niemals in New York? Das macht nichts, der Flug hätte auch Deine Öko-Bilanz total versaut. Aber Du kannst Dir Deinen Traum vom Fliegen auf andere Weise erhalten. Ein Brite, das ist kein Quatsch, bietet bei Ebay ein Original-Concorde-Triebwerk zum Kauf an. Mit Nachbrenner! Das Überschallflugzeug Concorde verkehrte lange zwischen Paris und New York, bis humorlose Spielverderber den Flugbetrieb eingestellt haben. Doch wenn Du am Triebwerk schnupperst, hast Du sofort den Duft der beiden Metropolen in der Nase. Nachdem der Anbieter den Preis von 885 000 Euro herabgesetzt hat, kostet Dich das Vergnügen jetzt nur noch schlappe 666 000 Euro!  
 

 Schmunzelpost 430 vom 23. 6. 23


Vier Tage sind vorbei, also ist es wieder höchste Zeit für Aktionstage. Vier Tage? Hoppla, da habe ich mich doch glatt verzählt! Man müsste bis fünf zählen können - ich hinke einen Tag hinterher. 
 
Einer Frau hätte ich jetzt grinsend unterstellt: "Typisch weiblich! Mit Mathe habt Ihr es nicht so, was?" Aber solch eine Verhaltensweise ist erstens von gestern und zweitens typisch männlich. Und das hätte gestern gut gepasst: Der 22. Juni ist nämlich der "Typisch-Mann-Tag!" In dem Fall trifft die amerikanische Bezeichnung noch besser: "Stupid-Guy-Day". 
 
Männer mögen, das ist für sie typisch, nur selten die Farbe pink. Deshalb ist der heutige "Tag des Pink" nichts für sie. Die Amerikaner haben noch einen drauf gesetzt und den 23. 6. zum "Tag des pinken Flamingos" erklärt. 
 
Ebenfalls aus Amerika kommt der "Tag des UFO" am 24. Juni. Doch wenn uns dann ein hübsches Wesen mit Zauberstab vor der Nase herumschwirrt, dann ist das kein außerirdisches Wesen vom Stern Beteigeuze, sondern es kommt aus Irland. Die Iren haben den Internationalen Feentag am 24.6. durchgesetzt. 
 
Falls jedoch am 25. Juni plötzlich pinke Elefanten um Euren Schädel kreisen, dann habt Ihr womöglich zu viel deutschen Whiskey getrunken. Uh, Racke rauchzart! Da kommen wortwörtlich übelste Erinnerungen an meine frühe Jugend in mir hoch. "Tag des Deutschen Whiskeys"! Pah, dann könnten wir auch gleich den "Tag des grönländischen Weins" feiern. Oder, noch schlimmer, den Tag des warmen englischen Bieres. Doch es heißt nicht, dass wir völlig blau sind, wenn wir am 25. Juni plötzlich lauter blaue Männchen sehen. Wir begehen auch den Internationalen Tag der Schlümpfe! 
 
Am 26. Juni folgt dann der Tag der Klimatechnik. Die sollten wir schnellsten perfektionieren, um die globale Erhitzung zu stoppen, zunächst vor allem in der Arktis. Sonst müssen wir bald am "Bärengedenktag" am 26.6. tatsächlich um die ausgestorbenen Eisbären trauern. Wenn ich mir die jetzige Entwicklung des Klimawandels so anschaue, muss ein Aktionstag aus Kanada, der dort auch am 26. Juni im Kalender steht, bald in vielen Teilen der Welt in Taten umgemünzt werden. Es ist der "Tag des Kanus" - und womöglich sind unsere Nachkommen irgendwann alle "Boat-People". 
 
Glückauf 
kdk 
  
PS. Meine Zugabe passt zum "Stupid-Man-Day". Kennt Ihr den schon? ... Äh, verflixt, jetzt habe ich den Witz doch glatt vergessen! Aber zum Thema Vergesslichkeit habe ich auch einen: Kommt ein Mann zum Arzt. "Herr Doktor, ich bin in letzter Zeit so vergesslich." "Wie lange haben Sie das schon?" "Was?" 


 Schmunzelpost 429 vom 22. 6. 22


Blutverdünner neigen offenbar dazu, sich dünne zu machen. Als ich gestern Morgen wie üblich mein zweites Frühstück, bestehend aus vier Tabletten, zu mir nehmen wollte, musste ich nicht nur eine bittere Pille schlucken. Denn das Blutverdünnungs-Dragee floh flink aus dem Plastikbehälter, als ich die Folie gerade zur Hälfte geöffnet hatte. 
 
Also begab ich mich auf die Suche. Und fand lange nichts. Bis ich schließlich die Tablette doch noch entdeckte. Sie hatte sich genau in die Ritze eines Korbstuhls verkrochen. Beim Versuch, die Pille heraus zu pulen, entkam sie nach unten und rollte unter den Tisch. Fluchend ließ ich mich auf alle Viere nieder. Aha, da lag sie! Doch als ich gerade zugreifen wollte, kam mir der Kater zuvor. Mit einem blitzschnellen linken Haken kegelte er die Tablette noch weiter unter den Tisch. Offenbar begriff er die Sache als neues Spiel. 
 
Doch ich entpuppte mich als Spielverderber. Mit einem wahren Pantersprung, den ich meinem lädierten Körper gar nicht mehr zugetraut hätte, stürzte ich mich auf mein Medikament und grinste den Kater siegesbewusst an. Dann wollte ich meinen unverhofften Elan nutzen, um schwungvoll aufzustehen. Leider hatte ich vergessen, dass ich noch unter dem Tisch kniete. Donnernd rammte mein Schädel unter die Platte, und die oben bereit liegenden Medikamente verstreuten sich über den Fußboden. Da ich sowieso schon völlig am Boden zerstört war, fiel wenigstens das Aufsammeln nicht schwer. Allerdings brauchte ich nun auch noch eine Kopfschmerz-Tablette gegen den Brummschädel. Ich habe sie mit größter Vorsicht aus ihrer Verpackung befreit! 
 
Wo wir schon beim Thema sind, schreibe ich nicht kopflos weiter, sondern nutze meinen und Eure Schädel, um über den Kopf in der Sprache nachzudenken. Da kommt er auf vielerlei Weise zum Einsatz. Wer nicht auf den Kopf gefallen ist, weiß, dass er andere leicht vor den Kopf stoßen kann. Das ist ärgerlich, vor allem, wenn diese Person einem den Kopf verdreht hat. Und wenn Du Dir noch entsetzt an den Kopf fasst, wäscht sie Dir schon so heftig den Kopf, dass Du nicht mehr weißt, wo Dir der Kopf steht. 
 
Kinder haben ihren eigenen Kopf. Den nutzen sie auch, um sich Gedanken über ihren Körper zu machen. Manche haben "Dr. Sommer" gelesen: "Dann folgte das Zeitalter der Aufklärung. Da lernten die Leute endlich, dass man sich nicht durch die Biene oder den Storch fortpflanzt, sondern wie man die Kinder selber macht." Dabei ist diese Erkenntnis wichtig: "Vor der Aufklärungswelle war der Geschlechtsakt eine Schweinerei, über die man nicht sprach. Heute ist er erlaubt und macht Spaß." 
 
Das wusste auch bereits ein sagenhaftes Paar: "Siegfried hatte an seinem Körper eine besondere Stelle, die er aber nur Kriemhild zeigte." Wenn sich Paare gegenseitig ihre besonderen Stellen zeigen, kann dabei etwas Fruchtbares herauskommen. Oft nach neun Monaten: "Gegenüber vom Park war ein Haus, wo Mütter ihre Kinder gebären. Eine Gebärmutter schaute aus dem Fenster und winkte uns freudig zu." 
 
Wenn es um Körperöffnungen geht, sollte man aber folgendes wissen: "Der Mensch hat am Körper mehrere Öffnungen, aber nur mit einer kann er reden." Und die kann er nutzen, um folgende Weisheit zu verbreiten, mit der sich der Kreis für heute schließt: "Die Antibabypille spiegelt dem Kopf eine Schwangerschaft vor. Und der glaubt daran. Dann kann auch nichts passieren." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich habe nicht nur einen verbeulten Kopf, sondern auch ein Herz für meine treuen Leser, denen ich die Zugabe nicht vorenthalten will: "Bei guter Pflege kann das Herz der meisten Menschen ohne Weiteres ein Leben lang durchhalten!" Und wenn Ihr schon nachsitzt, dann habe ich noch ein Zitat: "Die Wirbelsäule ist ein aus vielen Knochen zusammengesetzter Knochenschlauch, der den ganzen Rücken herunterläuft. Auf dem oberen Ende sitzt der Kopf, auf dem unteren sitzen wir selber." So, und jetzt steht auf und tut was Nützliches! 
 

Schmunzelpost 428 vom 21. 6. 22


Dieses Datum drückt mir stets aufs Gemüt! Nach dem 21. Juni werden die Tage wieder kürzer. Dennoch freuen sich die meisten anderen darüber, dass nun offiziell der Sommer eingeläutet wird. 
 
Auch meine ersten Erinnerungen an den Sommer sind durchaus positiv. So befreiten mich im ersten Schuljahr die langen Sommerferien von der Fron, sechs Vormittage in der Woche nicht tun zu dürfen, was ich eigentlich wollte. Und vor allem: Keine verhassten Hausaufgaben mehr! 
 
Ein anderer Sommer erlangte später Bedeutung in meinem Leben und sorgte für prickelnde Lektüre. Die "Starschnitte" der Bravo waren mir piepe-schnurzegal. Aber die Kolumne von Dr. Sommer habe ich mit Interesse gelesen, wenn ich die Aufklärungspostille irgendwo in die Finger bekam. Selbst habe ich dafür mein knappes Taschengeld nie investiert. Zu der Zeit hatte die Hochkultur in Form von "Donald Duck", "Fix und Foxi", "Sigurd", "Akim" und "Nick, der Weltraumfahrer" noch Vorrang. 
 
Mittlerweile haben sich meine Vorlieben geändert. Mein Wissen ist auch in Bereichen gewachsen, die mich glauben lassen, dass ich heutzutage selbst die Anfragen beantworten könnte, von denen zu den besten Zeiten bis zu 5000 Stück bei der Bravo-Redaktion eingingen. Machen wir mit Originalfragen die Probe auf's Exempel. 
 
Die 14-jährige Maria schrieb: "Seit einigen Wochen habe ich meinen ersten Freund. Vor kurzem griff er mir auf einer Parkbank erst an die Schenkel und dann zwischen die Beine. Also habe ich auch zwischen seine Beine gefasst. Dabei spürte ich einen flaschenähnlichen Gegenstand. Ist mein Freund womöglich ein Trinker?" Keine Sorge, Maria, der Junge hat andere Interessen. 
 
Und hier ist der Klassiker: "Kann man von einem Zungenkuss schwanger werden?" Nur, wenn man es danach nicht beim Küssen belässt. 
 
"Ist ein Knutschfleck krebserregend?" Höchstens dann, wenn Ihr beim Knutschen ohne Creme stundenlang in der prallen Sonne liegt. 
 
"Meine Freundin hat gesagt, dass beim Sex das Jungfernhäutchen platzt. Jetzt habe ich Angst, dass meine Eltern durch den Knall wach werden und uns erwischen." Diese Furcht ist unberechtigt. Aber wenn ihr keine Verhütungsmittel benutzt, könntet ihr selbst als Eltern in spe erwachen! 
 
Jetzt nähern wir uns der Gegenwart, und die Fragen verändern sich. So will ein umweltbewusster junger Mann wissen, wie oft er ein Kondom benutzen kann: "Ich wasche es sorgfältig aus und trockne es auf der Heizung. Wie oft kann ich es verwenden?" Das kommt darauf an, wozu du es benutzen willst - für den ursprünglichen Zweck empfehle ich einen neuen Überzieher. 
 
Heutzutage sind Tattoos schwer angesagt. Doch dass es soweit geht? "Muss das Glied steif sein, wenn man dort tätowiert wird?" Das hängt davon ab, wie lang das Wort ist, dass du eingravieren lässt. 
 
Und wo wir gerade bei diesem Körperteil angekommen sind: "Kann man seinen Penis verlängern, wenn man mit einer Schlaufe ein Gewicht daran befestigt?" Das hängt vom Gewicht ab - ist es zu schwer, ist das Längenproblem für Dich in Kürze wie abgerissen. 
 
Letzte Frage: "Wie geht die Sexstellung: 'Weißer Adler auf totem Grund?" Keine Ahnung. Aber wenn du es herausfindest, lass es mich wissen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe ein paar Tipps, wie Ihr den Beginn der neuen Jahreszeit auch musikalisch feiern könnt. Dafür gibt es etliche Titel, am häufigsten vertont wurde "Summertime". Als alter Rocker empfehle ich den "Summertime Blues" von Eddie Cochran, Blue Cheer und The Who. Außerdem "Summer in the City" von Lovin Spoonful und "In the Summertime" von Mungo Jerry. Nicht zu vergessen: "All Summer Long" von den Beach Boys. Und als Geheimtipp: "Drück den Summer!" von The Staubsauger-Vertreter.
 

 Schmunzelpost 427 vom 20. 6. 22


Es ist lange her, dass ich Euch an dieser Stelle aktuelle Fundstücke aus den Medien präsentiert habe. Das will ich heute ändern. Neben Schmunzelstoff aus der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel gibt es aber auch noch ein paar Dreckfehler älteren Datums. 
 
Im Streiflicht vom 17.6. wurde eine Anekdote zitiert, mit der die Generation U30 womöglich nicht viel anfangen kann. Die Geschichte geht so: Ein Radfahrer bemerkt zu spät, dass er kein Schloss dabei hat, als er sein teures Gefährt abstellen will. Um Diebe abzuschrecken, befestigt er einen Zettel am Lenker: "Klauen gefährlich! Gezeichnet: Muhammed Ali". Als er wiederkommt, ist das Rad weg, nur der Zettel ist noch da. Darauf hat jemand hinzugefügt: "Verfolgung zwecklos! Gezeichnet: Eddy Merckx." 
 
Das Streiflicht vom 18.6. nimmt dann den lobenswerten, aber vergeblichen Feldzug wieder auf, den die Süddeutsche Zeitung seit langem gegen sprachliche Unsitten und inflationär gebrauchte Modewörter führt. Diesmal wird angeprangert, dass es sich in den Medien eingebürgert hat, nicht mehr von Russland, der Ukraine oder dem Westen zu sprechen, sondern dass stets eine "Seite" mit im Spiel ist: "Von russischer Seite hieß es..." Die SZ meint: "Wahrscheinlich denken die Seiten-Sager, das klinge so professionell, als arbeite man fürs Auswärtige Amt. Stimmt, genauso klingt es." 
 
 Leider, muss man hinzufügen. Denn das Auswärtige Amt hat einen speziellen Schwurbel-Jargon entwickelt, der weit von den Sprachgewohnheiten normaler Menschen entfernt ist. Dazu gehört auch das Wort "Signal", das ebenfalls seinen Siegeszug in den Medien angetreten hat. So hatte laut einem Radio-Reporter Kanzler Scholz bei seiner Ukraine-Reise gleich mehrere Signale im Gepäck. Das sieht die SZ als Warnsignal: "Überhaupt gilt alles, was man nicht so genau weiß, als ein Signal an irgendjemanden, im Zweifelsfall an eine Seite." 
 
Apropos Seite: Blättere ich die Süddeutsche Zeitung dann um, beginnt der Aufmacher auf Seite 2 mit dem Satz: "Um kurz nach halb elf Uhr schickte Ursula von der Leyen ein Signal nach Kiew." Ich werte das als Signal, dass selbst Sprachwächter nicht vor den ansteckenden Unsitten gefeit sind, die sie anprangern. 
 
Zum Entspannen nun zwei Fundstücke aus dem Hohlspiegel. In der Wieslocher Woche wurde ein "Strebergarten mit Hütte" angeboten. Der ist vermutlich nur für Musterschüler geeignet. Und in Bad Homburg muss wohl ein neuer Oberbürgermeister gewählt werden. Denn in der "Bad Homburger Woche" stand: "Oberbürgermeister Alexander Hetjes darf den Kupferzylinder mit wichtigen Dokumenten füllen und im symbolischen Grundstein-Bett versenken. Später wird er dann irgendwo im Foyer eingemauert." Hat man es früher nicht ähnlich mit den Pharaonen gehandhabt? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Verdruckt und zugenäht! Als Zugabe ein paar ältere Kostproben. Flensburger Tageblatt: "Trotz des Weinbooms liegt die Konsumquote im Vergleich katholischer Getränke bei nur zwei Prozent." Kein Wunder, dass die Austrittsquote steigt! Auch die Ruhr Nachrichten lieferten Material: "Auf die eigentliche Bedeutung des Wortes Gymnasium, nämlich 'Schule für Liebesübungen', wies der Leiter des Gymnasiums hin." Vermutlich lehrt man dort auch die richtige Nutzung des ÖPNV. Norddeutsche Rundschau: "Der Ausflugsverkehr wird mit Busen aufrechterhalten."  
 

 Schmunzelpost 426 vom 19. 6. 22


Das letzte Fußballspiel, das im Fernseher zu sehen war, liegt schon ein paar Tage zurück. Damit beginnt die Zeit der Entzugserscheinungen. Denn bekanntlich findet die Weltmeisterschaft diesmal nicht im Sommer, sondern mitten im Winter statt. Die Entscheidung, sie nach Katar zu vergeben, wurde entweder von Funktionären getroffen, die unter einem Sonnenstich litten oder die das Bestechungsgeld schnell zum Sommerurlaub auf ein Konto in der Karibik schickten. 
 
Um Euch die Zeit zu erleichtern, bis wieder der Ball rollt, werde ich an dieser Stelle gelegentlich nach der Wahrheit forschen, die bekanntlich auf dem (Fußball-)Platz zu finden ist. Fangen wir mit einem aktuellen Thema an. Der deutschen Nationalelf fehlt ein echter Mittelstürmer. Und schon die Süddeutsche Zeitung wusste: "Ein Stürmer, der das Tor nicht trifft, ist wie ein Trachtenhut ohne Gamsbart." Da es unmöglich ist, Haaland oder Lewandowski einzugemeinden, bringe ich hier mal beiläufig den Namen Terodde ins Spiel, wohlwissend, dass daraus nichts wird. 
 
Doch vielleicht gibt es eine bessere Lösung. Hansi Flick sollte sich unter den Hohenlindener Stadionbesuchern umschauen. Denn nach dem 3:2-Sieg von Hohenlinden über Allershausen stand in der SZ zu lesen: "Das war vielleicht wieder ein Spiel! (...) Nach zwanzig Minuten hatten die Zuschauer bereits drei Tore geschossen." 
 
In der Defensive ist dagegen auf das Publikum weniger Verlass. Denn in der Südwest-Presse hieß es: "Eine Stunde lang hielt Luxemburg im WM-Qualifikationsspiel in Esch das 0:0. Dann brach die Abwehr von 2000 Zuschauern zusammen." Keine Kondition, diese Luxemburger. 
 
Oder sollte da ein Druckfehler vorliegen? Aber Reporter von großen Tageszeitungen verschreiben sich doch nicht! Dort wachen Korrektoren darüber, dass keine Eigentore passieren. Aber  manchmal nicken sie ein, wie bei der Frankfurter Rundschau: "Das Spiel zwischen dem VfL Bochum und dem 1. FC Kaiserslautern wurde abgesagt, da der Platz nach 24ständigem Regen unbesiegbar war." 1:0 für den Rasen! 
 
Selbst die stets superkorrekte Bildzeitung ist nicht frei von Fehlleistungen. Sie schrieb: "Die Torhüter Burdenski und Funk hechteten immer wieder durch den Strafraum. Nach 75 Minuten Flug landeten die Bremer in Belgiens Hauptstadt." Das ist natürlich Unsinn. Es muss heißen: ..."landete der Bremer..." - Funk war schließlich Torwart bei Eintracht Frankfurt. 
 
Doch mitunter beglückt der Sportteil auch durch sprachtechnische Feinheiten. Erneut die SZ: "Matthäus rutschte nach seinem Kopfballtor die Hose so weit, dass jeder sehen konnte, der hat nicht nur schöne Waden." Auch der Münchner Merkur hatte derartige Einblicke: "Beim Vergleich der Zweitliga-Clubs mit der Parade-Liga sah man deutlich den 'kleinen Unterschied'." Dennoch klappt auch bei Nationalspielern nicht alles nach Wunsch, wie die Bildzeitung erfuhr: "Auch Lothar Matthäus wünscht sich ein Baby. Aber er will sich nicht helfen lassen." 
 
Im "Neuen Tag" stand: "Viermal schoss er über 20 km, dreimal über 10 km daneben. 'Na, dös darf nit passieren!'" Ach, Pardon, das war gar nicht Matthäus. Die Rede war von Toni Angerer. Und der war kein Fußballer, sondern betrieb Biathlon. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch ein Spruch des großen Fußball-Philosophen Karl-Heinz Rummenigge, der zeigt, dass es weder Neid noch Häme zwischen Fußball-Stars gab. Als Rummenigge für Inter Mailand spielte sagte er über Bernd Schuster, der für den FC Barcelona antrat: "Der Junge hat den Intelligenzquotienten eines ostfriesischen Teebeutels."  
 

 Schmunzelpost 425 vom 18. 6. 22 

Was fangen wir mit dem heutigen Tag an? Es soll ja sehr heiß werden, schweißtreibende Tätigkeiten sind daher eher nicht angesagt. Da kommt es uns entgegen, dass das Aktionstag-Motto am 18. Juni lautet: "Geh Angeln!" Unter einem schattigen Schirm am Wasser sitzen, meditieren und reglos darauf warten, dass etwas anbeißt, das hört sich nach einem guten Programm für 35 Grad an! 
 
Mehr noch: Bei gutem Fang können wir gleich mehrere Aktionstag-Parolen des 18.6. kombinieren. Denn im Kalender steht auch der "Gönn-Dir-was-Tag". Also legen wir die frischen Forellen auf den Grill und feiern den Internationalen Tag des Picknicks. Wer seinen Angelkünsten nicht traut, kann vorher beim Japaner vorbeischauen: Der 18. Juni ist auch der Internationale Sushi-Tag. Doch Vorsicht! Wenn der Verkäufer geschlampt hat, könnte der köstliche Kugelfisch hochgiftig sein. Dann habt Ihr guten Grund, den Internationalen Panik-Tag gebührend zu begehen! 
 
Falls Ihr überlebt habt, lädt der 19. Juni zum "Tag des Jonglierens" ein. Kleiner Tipp: Bitte Fackeln und Messer noch in der Schublade lassen und mit drei Bällen anfangen. Wer es zu wahrer Meisterschaft gebracht hat und die hohe Schule des Jonglierens beherrscht, kann es ja mal mit Filtertüten versuchen. Das wäre die ideale Vorbereitung für den 20. Juni.
  
Dann wird in Deutschland der Geburtstag einer Dame gefeiert, deren Vorname uns weit geläufiger ist als ihr Nachname. Es geht um Melitta Bentz! Nein, Ihr Dummerchen, das war nicht die Frau mit der weißen Latzhose und dem noch weißer waschenden Waschmittel. Melitta Bentz gehört zur Melitta-Tüte. Und am 20. 6. wird in Deutschland der "Tag der Filtertüte" gefeiert! 
 
Von den zehn Aktionstagen am 21. Juni beschränke ich mich auf vier. Drei davon haben mit Tieren zu tun. So wird ein sympathischer Vierbeiner mit dem "Welttag des Dackels" geehrt. Der "Nimm-Deine-Katze-mit-zur-Arbeit-Tag" ist mit Vorsicht zu genießen. Manche Katze entpuppt sich als Kampfkater, wenn er gegen seinen Willen aus seinem angestammten Zuhause entfernt wird. Einige Tierarzthelferinnen können ein Lied davon singen. Noch ungünstiger wäre es aus anderen Gründen, ein Tier mit zur Arbeit zu nehmen, dem ebenfalls der 21. Juni gewidmet ist. Er ist auch "Welttag der Giraffe". 
 
Auf den ersten Blick sonderbar erscheint es, dass die Deutschen ausgerechnet den Tag mit der kürzesten Nacht des Jahres zum "Tag des Schlafes" erklärt haben. Doch wenn ich den Blick nach draußen richte und daran denke, wie heiß es werden soll, erschließt sich die Logik. Nichts ist dann am Nachmittag wohltuender als eine ausgedehnte Siesta! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch ein kurzer Wortwechsel zum Thema Schlaf: 
 "Ich schlafe nachts immer so schlecht ein." "Das kenne ich auch. Ich zähle in solchen Fällen bis drei." "Ach! Und das hilft?" "Naja, manchmal zähle ich auch bis halb vier." 
 

 Schmunzelpost 424 vom 17. 6. 22


Erinnert Ihr Euch? Die gestrige Schmunzelpost endete in der Zugabe mit einer Anzeige. Das führte dazu, dass ich mir den Inseratenteil der Zeitungen genauer angeschaut habe. Hier einige Fundstücke: 
 
Wie kann man Stellengesuche und Heiratsanzeigen koppeln? So: "Flexible, anpassungsfähige Enddreißigerin sucht Anstellung in Büro, Empfang, Rezeption oder als Ehefrau." (Osnabrücker Sonntagsblatt). In der Münchner Stadtzeitung wurde die Partnersuche mit bemerkenswerter Offenheit betrieben: "Nicht mehr ganz junge, hektische Möchtegern-Unternehmerin mit Kind sucht Ernährer. Wo ist der Idiot?" 
 
Kommt diese Anzeige im Ammer-Kurier aus dem Sado-Maso-Milieu? 
"Suche alleinstehende Frau zum Fasten am Wochenende." Deutlich wird die Intention des Anzeigenkunden aus der Münchener Stadtzeitung: "Gymnastiklehrer (35/181) sucht Partnerin für rhythmische Beckenbewegungen nach dem Motto des Turnvater Jahn: 'Frisch, fromm, fröhlich, frei!" Frisch und fröhlich kann man ja durchwinken, aber fromm? 
 
Das Gendern vorweg genommen hat vor ca. dreißig Jahren dieser Inserent in einem Presseorgan, das für wegweisende Anzeigentexte ideal ist. In der Ostfriesenzeitung stand: "Bäckergeselle sucht Arbeit, auch als Verkäuferin." Gut, dass Anzeigenblätter die Anonymität durch ein Chiffre wahren: "Französischlehrer sucht dringend Nachhilfe in Französisch." 
 
Eine recht makabere Anzeige erschien in der Abendzeitung: "Stricke zum Aufhängen liefert Seilermeister Huber. Viele Dankschreiben." Dazu passt ein kurzer Text aus der tz München: "Ein Krankenbett mit Galgen." An einen sehr speziellen Käuferkreis wendet sich die Anzeige aus der Fider Zeitung: "Zu verkaufen: Schönes, altes Schlafzimmer, Handarbeit aus Meisterhand, Eiche massiv, Einlegearbeiten mit Bettrost, nur für Liebhaber geeignet." Und wo wir schon im Schlafzimmer sind, landen wir durch das Rahlstedter Wochenblatt nochmal im Sado-Maso-Bereich: "Wohn- und Schlafzimmer, komplett mit Matratzen aus Naturholz zu verkaufen." 
 
Lesen bildet. Aber nicht immer. In diesem Fall ist etwas schief gegangen, wie eine Anzeige aus der Dachauer Rundschau ahnen lässt: "Tausche schwer verständliches Buch über Kinderverhütung gegen Kinderwagen." Nicht nur Neugeborene, sondern auch Verstorbene suchen heutzutage nach Jobs. Das verrät ein Stellengesuch aus der Geislinger Volkszeitung: "Welcher Gastronomie- oder Feinkostbetrieb sucht Forellen-Lieferant, geschlachtet oder lebendig?" 
 
 Ist da etwas unklar? Dann wendet Euch an das Ulmer Wochenblatt: "Fragen an Verstorbene können schriftlich eingereicht werden." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Das Ulmer Wochenblatt verfügt ja offenbar über einen guten Draht zum Jenseits. Deshalb könnten die Rückmeldungen auf einen Terminhinweis der Saarbrücker Zeitung auch in Ulm eingegangen sein: "25. November, 15 Uhr, findet in der Kapelle auf dem Waldfriedhof der alljährliche Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde für die Verstorbenen des vergangenen Jahres statt. Hierzu ergeht die Einladung vor allem an die Angehörigen und Verstorbenen." 
 

Schmunzelpost 423 vom 16. 6. 22 


Hurra, wieder ein Brückenwochenende! Die Sonne lockt die Berufstätigen unter uns, die nächsten vier Tage für einen Kurzurlaub zu nutzen. Und danach steht die Hauptsaison bevor. Höchste Zeit, sich mit dem Thema Reisen zu befassen. 
 
Viele Baustellen und noch mehr Autos unterwegs! Die Staugefahr veranlasst manche, über Alternativen nachzudenken. Gibt es da nicht sogar gerade ein besonders preisgünstiges Nahverkehrs-Ticket? Doch Vorsicht! Bereits vor etlichen Jahren wusste die Braunschweiger Zeitung: "Das Drama bei der Bundesbahn ereignet sich fahrplanmäßig." Und die Deutsche Bahn hat dann dafür gesorgt, dass es nur das Drama ist, das sich noch an den Fahrplan hält. Zugausfälle, Verspätungen, versagende Klimaanlagen und jetzt auch noch völlig überfüllte Regionalbahnen, weil jeder 9-Euro-Kunde sein Leben in vollen Zügen genießen will - ich rate zur Fahrradtour! 
 
Wer dagegen eine Wanderung vorzieht, muss unbedingt einen Ratschlag der WAZ beherzigen: "Um Fußweh vorzubeugen, sollte man vor einer ausgedehnten Wandertour die Fußzehen kurz schneiden." Damit ist zumindest die Gefahr von Blasenbildungen an diesen Extremitäten gebannt. Angenehmer Nebeneffekt: Nie wieder Fußnägel schneiden! 
 
Einen nützlichen Tipp für Familien gibt die "Schöne Welt": "Puppen und sperrige Kinder gehören nicht ins Reisegepäck." Puppen können bedenkenlos auf dem Vordersitz Platz nehmen, wenn Beifahrer ein wenig rücken. Beim Transport von Kindern auf dem Dachgepäckträger muss aber unbedingt beachtet werden, dass sie ordnungsgemäß befestigt sind. 
 
Wer es nicht beengt mag oder gar unter Klaustrophobie leidet, sollte ein Reiseziel von vornherein ausklammern. Denn in der Frankfurter Allgemeinen war zu lesen: "Im Großraum Dakar auf der Kapverdischen Halbinsel leben derzeit etwa 1,5 Millionen Menschen oder fast 2000 Menschen je Quadratmeter." Da hat ja jeder Hofhund bei uns mehr Platz! 
 
Die Süddeutsche Zeitung gibt durch die Blume zu verstehen, dass in gewissen bayerischen Regionen Reisende vorsichtig sein sollten: "Das Misstrauen gegenüber den Fremden hat im Tegernseer und Kreuther Tal der Erkenntnis Platz gemacht, dass Touristen besser und leichter zu melken sind als Milchkühe." Jetzt weiß ich endlich, warum in unserer bayerischen Ferienwohnung eine Melkmaschine neben dem Bett stand. 
 
Vor dem Winterurlaub müssen sich Reisende in Alpenregionen jedoch keine großen Sorgen machen. Denn in der "Zeit" war zu lesen: "Wer verschüttet ist, muss nur 111 anrufen, um die Telefonnummer des nächsten Lawinenhundes zu erfahren." Lediglich Menschen mit Alkoholproblemen sollten vorher herausfinden, ob die jeweiligen Bernhardiner Tee oder Rum in ihrem Fässchen mitführen. 
 
FKK-Freunde sollten sich bemühen, beim Strandurlaub nicht einer männerverachtenden Redakteurin des Isar-Loisachboten zu begegnen. Die schrieb nämlich: "Jämmerlich seht ihr Männer aus an den Nacktstränden. All die Dinger paniert im Sand!" Ob die Dinger ohne Sandpanade ein erfreulicherer Anblick wären, sei dem Urteil der jeweiligen Betrachterin überlassen. 
 
Vielleicht ist der Journalistin mit der spitzen Feder ja bei einer Strandwanderung ein Müller über den Weg gelaufen. Das versteht Ihr nicht? Dann lest bitte, was die Celler Presse mitteilte: "In den grünen Tälern der Gelster und Wehre im Kaufunger Wald und an den Hängen des Meißners suchten um die Jahrhundertwende die ersten 'Wandervögel' nach der verlorenen 'blauen Blume der Romantik'. Hier entstand auch das allen bekannte Lied 'Beim Wandern kriegt der Müller Lust'." 
 
Weniger sangesfreudige Touristen suchen die orangene Blume der Romantik gern in Amsterdam. Ein Besuch lohnt sich, wenn man der "Fernsehwoche" glauben darf: "Verzaubert werden Sie auch bei Ihren Spaziergängen durch die Gassen, bei einer reizvollen Grachtenfahrt mit einer Pferdedroschke." Dazu werden vermutlich Seepferdchen eingesetzt. Die haben es drauf, die Holländer! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wer weiß, vielleicht wird aus einem Urlaubsflirt ja die Liebe des Lebens. Manchen fällt das erst hinterher auf. Die Zugabe zeigt, wie ein betörter Reisender nachträglich per Kontaktanzeige im Nürnberger "Plärrer" versuchte, seine Ferienbekanntschaft wieder zu finden. Aufmerksame Leser werden mit mir vermuten, dass es sich um einen Wanderurlaub gehandelt hat: 
 
 "An Birgit Müller im Großraum Nürnberg: Die indifferente aber dennoch harmonische Kohärenz bedingt gezwungenermaßen eine temporäre Fokussierung auf das Archaische - wobei jedoch eine revolutionäre Erhebung durchaus im Bereich des Realpolitisch-Relevanten liegen kann, wenn gewisse ideologisch-emotional-ästhetische Faktoren sich nicht degenerativ entwickeln! Dein Horst." 
 

 Schmunzelpost 422 vom 15. 6. 22


"Ein Klavier! Ein Klavier"! Den mit gespielter Begeisterung vorgetragenen Ausruf aus einem Loriot-Sketch hat es in Deutschland vor 150 Jahren wohl viel öfter gegeben. Darauf lässt jedenfalls eine Passage aus dem Buch "Als Deutschland erstmals einig war" schließen. Die sehr empfehlenswerte Reise in die Bismarckzeit von Bruno Preisendörfer beleuchtet die goldenen Jahre des Klaviers, als in jedem "besseren" Haushalt, sagen wir, von 1860 bis 1914, das Piano ein Muss gewesen ist.
  
Es gab weder Radio noch Fernsehen, geschweige denn das Internet. Der beliebteste Zeitvertreib bei allen, die es sich leisten konnten, waren Empfänge im häuslichen Salon. Wobei der meist ein Wohnzimmer war. Ende der 1880er Jahre beschrieb Otto Leixner das so: "Man erscheint zwischen sieben und acht und trennt sich gegen Mitternacht, erfrischt durch zwanglose Unterhaltung, die von Scherz zum Ernst und umgekehrt sich bewegt, durch Gesang und Klavierspiel bereichert, aber nicht totgeschlagen wird." 
 
Nun ja. Leixner verschweigt, dass es den Gästen oft so vorkam, als würde der aufgeklappte Flügel die Zähne fletschen. Wenn nämlich die ersten Töne des "Gebets einer Jungfrau" aus dem Kasten perlten, wussten die Zuhörer, was die Glocke, pardon, das Piano geschlagen hatte. Wer damals seine Tochter zu einem Ehemann "etwas weiter oben" verhelfen wollte, tat gut daran, deren Fingerfertigkeit zu schulen. 
 
Das brachte manche Familien an den Rand ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit. Der Unterricht kostete oft mehr als das Jahresgehalt eines Dienstmädchens. Allein für Klavierstunden zum Einüben einer Beethoven-Sonate mussten 1887 drei Mark aufgebracht werden, das war anderthalb mal mehr als der Verdienst eines Tagelöhners. 
 
Dennoch wurde heftig darauf los geklimpert. Bruno Preisendörfer zitiert Georg Brandes: "Jedes bessere Bürgerhaus verwandelte sich zur 'Heimstatt abscheulichster Spektakel, verursacht mit Hilfe des empörendsten Marterinstrumentes, das die neuere Zeit hervorgebracht' habe." 
 
 Mit der Isolierung war es damals im Wohnungsbau nicht weit her. "Selbst der Keller eines solchen Hauses ist ein Abgrund von Pianospiel; aus den Parterrewohnungen erschallen die dröhnendsten Forti (...), in der Beletage spiele die Herren und die Damen tagtäglich die gleichen Stücken, darüber spielen die Mütter für ihre Kinder, und all diese Laute, vermengt zum wildesten Chaos, dringen durch die prächtigen Öfen nach oben und unten, so dass man in der dritten Etage die Musik vom Erdgeschoss hören kann, als würde sie in den Zimmern gespielt, in denen man sich aufhält." 
 
Und da das Talent leider nicht so üppig verteilt war, wie der Wille, sich durch das Hämmern auf die Tasten zu virtuosen Höhen aufzuschwingen, konnte solche Nachbarschaft das Wohnen zur Hölle auf Erden machen. Zeitgenosse Georg Brandes urteilte: "Die allermeisten Menschen leben leider in einem gewohnheitsmäßigen Gespinst erlogener Empfindungen. So spielen sie sechs Stunden am Tag Klavier und glauben, sie fänden darin Unterhaltung und verkehrten derweil mit einer Muse. (...) Es ist Klimperei, mechanische Nachahmung, falscher Anschlag, schlechte Musik im einen wie im anderen Fall." 
 
Glücklicherweise ist heute die Zahl der Sprösslinge, die unbedingt Drummer einer Heavy-Metal-Band werden wollen, weit dünner gesät. Und die Wände sind besser isoliert. Was gewiss unsere Nachbarn zu schätzen wussten, als ich als Kind gezwungen wurde, das Spiel auf der Blockflöte zu erlernen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch ein Gedicht von Wilhelm Busch: "Ein gutes Tier/ist das Klavier,/still, friedlich und bescheiden/und muss dabei/doch vielerlei/erdulden und erleiden.//Der Virtous/stürzt darauf los/mit hochgesträubter Mähne./Er öffnet ihm/voll Ungestüm/den Leib, gleich der Hyäne." 

 Schmunzelpost 421 vom 14. 6. 22


Heute blättern wir wieder ein wenig in unserem Aktionstag-Kalender. Und am 14. Juni gibt es einen Grund zum Feiern, der auf den ersten Blick wirklich die Bezeichnung kurios verdient. Wir begehen nämlich den Internationalen Badetag - und jetzt kommt's - zu Ehren von Archimedes! 
 
Nanu, fragt Ihr Euch und kratzt Euch ratlos am Schädel, warum sollen wir denn ausgerechnet wegen einem alten Griechen baden gehen? Um uns endlich den antiken Staub vom Körper zu spülen? Oder um uns beim Würdigen des Mathematikers daran zu erinnern, wie oft wir selbst bei Mathe-Arbeiten baden gegangen sind? 
 
Nein, nichts davon. Der gute Archimedes sagte nämlich einst bei einem entspannten Wannenbad in Syrakus: "Heureka, ich hab's gefunden!" Oder war das einer seiner Kollegen? Jedenfalls hat Archimedes beim Plantschen das Gesetz des Auftriebs entdeckt. Danach ist das Volumen eines Körpers, welcher in eine in einem Gefäß ruhende Flüssigkeit getaucht wird, gleich der Gewichtskraft der vom Körper verdrängten Menge an Flüssigkeit. So, jetzt dürft Ihr ins Wasser und das Gesetz des Umtriebs entdecken! 
 
Am 15. Juni kaufen wir uns einen Ventilator. Oder wir holen tief Luft und beflügeln dann die Sporen einer Pusteblume. Denn es ist der Welttag des Windes. Untersteht Euch aber, auf andere Weise Winde zu erzeugen! In den USA wird am 15.6. außerdem die "Macht des Lächelns" gefeiert. Die Wirkung Eures Lächelns könnt Ihr übrigens mächtig steigern, wenn Ihr Eure Zähne spitz feilt und blutrot färbt. 
 
In Irland wird am 16. Juni der Bloomsday begangen. Flaue Witze über Flowers sind unangebracht: Der Bloomsday hat nichts mit Blumen zu tun. Bitte einmal aufstehen, wer Ulysses, das Hauptwerk von James Joyce, gelesen hat. Ah ja, wie erwartet!  Manni und Bertold, Ihr könnt Euch wieder setzen. Für alle anderen: Die Hauptperson des Buches heißt Leopold Bloom. In 18 Episoden wird detailreich beschrieben, wie er sich am 16. Juni 1904 auf einen Gang durch Dublin begibt und was er dabei so alles erlebt. Das muss Joyce gut gelungen sein, denn die Iren sind bis heute enorm stolz auf ihn! 
 
In den USA feiert man dagegen am 16. 6. den "Tag des frischen Gemüses". Woran sich am 17. 6. der "Iss-Dein-Gemüse-Tag" anschließt. Vermutlich muss dann alles verzehrt werden, was am Vortag liegen geblieben ist. Und danach steht am 17. Juni auch noch der Welttag des Krokodils im Kalender. Um dies angemessen zu würdigen, sollten wir unbedingt unsere krokoledernen Schuhe und Stiefel auswildern! Freiheit für Schni, Schna, Schnappi! 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. Zur Zugabe: Zwei Borussia-Fans gehen in ein Schuhgeschäft und wollen Stiefel aus Krokodilleder kaufen. Doch das preiswerteste Paar kostet 1800 Euro. Sagt der eine zum anderen: "Ey, Alter, ich bin doch nicht blöd! Ich mache eine Schnäppchen-Reise nach Ägypten und gehe selbst auf die Jagd." Gesagt, getan. Am Nil erschießt er ein Krokodil nach dem anderen. Nach dem Fünfzehnten stöhnt er: "Jetzt bin ich es Leid! Eins knall ich noch ab. Und wenn das auch keine Stiefel an hat, fahr ich wieder nach Hause!" 
 

Schmunzelpost 420 vom 13. 6. 22  


Zwar will ich Euch nicht auf den Keks gehen, aber trotzdem möchte ich mit Euch nochmal auf den Strich gehen. Hmm, das ist sehr ungeschickt formuliert, sagen wir besser, "nochmal auf den Strich eingehen". Schließlich ist ein Strich, egal, ob als Bindeglied oder Gedanken, schließlich auch die Ankündigung einer Fortsetzung. 
 
Dies ist eine Mail, genauer: Eine E-Mail. Aber wie schreibe ich das korrekt? E-Mail, email, oder e-mail? Richtig ist E-Mail. Statt G8-Staat solltet Ihr nicht mit Strichen geizen, das wäre der Gipfel, sondern G-8-Staat schreiben. (Und G-8-Gipfel). Gleiches gilt für die Gewinn-und-Verlust-Rechnung. 
 
Setzen wir vorübergehend einen Schlusspunkt hinter den Strich und kümmern uns um andere Fragezeichen in unserem Sprachzentrum. Heißt es diesen oder dieses Jahres? Bitte, schreibt über das Ende dieses Jahres hinaus - ach, das habt Ihr ja gerade schon gelesen. Apropos Jahr: Es ist oder sind drei Jahre her? Es ist drei Jahre her - wenn es nicht vier oder fünf Jahre sind. (Aber selbst dann stimmt "ist".) 
 
Da war der Strich ja schon wieder! Dann soll er auch zu seinem Recht kommen. Manchmal ist unsere Sprache ziemlich inkonsequent. Wieso heißt es Trieb-rad und dennoch Antriebsrad? Kauf-laune, aber Einkaufslaune? Land-gericht, aber Oberlandesgericht? Zeit-planung, aber Hochzeitsplanung? Hand-werk, aber Handwerkszeug? Hof-tor, aber Friedhofstor. Eine Antwort habe ich nicht. 's ist halt seltsam. 
 
Setzen wir vor das s noch ein u, dann wird es oft bei der Mehrzahlbildung knifflig. Der Plural von Kaktus? Kaktusse? Blödsinn, es heißt Kakteen. Und wie ist es mit Krokus? Krokeen? Nee, Krokusse! Damit Euch kein Lapsus passiert: Im Plural sind das keine Lapsen oder Lapteen, sondern es bleibt bei Lapsus. Auch der Status behält seinen Status. Während aus dem Bonus die Boni werden, aus dem Diskus die Disken und aus dem Oktopus Oktopoden. Kein Wunder, dass Ausländer beim Lernen unserer Sprache verzweifeln! 
 
Was sagt Ihr? Genug davon, Ihr seid des Deutschen durchaus mächtig? Mehr noch, Ihr seid sogar echte Koryphäen? Ätsch, Koryphäen, das weiß doch fast jeder, sind Nadelbäume! Ihr meint Konifären. Oder Koniphären? Oder Konniferen? Oder Konyferen? Oder Koniferen? Oder Konniphären? Oder... 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch etwas zur Anredeform. Wäre dies keine E-Mail, sondern ein Brief, dann würde im Anschriftenfeld stehen: Frau XY. Und Herr YX. Oder? Nein, die Männer kriegen ungerechterweise einen Buchstaben mehr: Herrn Z! (Das liegt an die Akkusativ. Oder dem Akkusativ? Oder den Akkusativ? Und wer rettet eigentlich dem Dativ?) 

 

 Schmunzelpost 419 vom 12. 6. 22

Über dem Ruhrgebiet müssen gestern Qualmwolken gestanden haben. Denn aus einigen Köpfen wird Rauch aufgestiegen sein, weil ihre Träger das Hirn strapazierten, um den optimalen Buchhandlungs-Namen zu kreieren. Es gab pragmatische Vorschläge wie "Buchhandlung" oder, noch simpler, "Handlung". Und sehr weit hergeholte, die sich an einem amerikanischen Vorbild orientierten: An der Buchhandlung "Pages for all Ages" aus Miami. Was sich frei ins Deutsche übersetzen ließe und dann "Seiten für alle Gescheiten" heißen würde.
  
Literarische Vorkenntnisse erfordert die Anregung "Oblomov". Die Romanfigur aus dem Russischen frönt dem Nichtstun. Und was ist beim stunden-, ja, tagelangen Entspannen besser als reichlich Lesestoff? Für eine Buchhandlung, die aus der Asche eines Vorgängers erblüht, empfiehlt sich der Name "Phönix", den eine Dorstener Theatertruppe erfolgreich erprobt hat. Auch Satzzeichen könnten verwertbar sein. "Komma rein!" würde gut ins Ruhrgebiet passen. Und der "Springende Punkt" ist zumindest einprägsam. 
 
Doch wo kam er einst eigentlich hergehüpft, der springende Punkt? Womöglich ist er im "Ei des Kolumbus" entdeckt worden. Denn das Original, das als Begriff zweckentfremdet wurde, hält sich in einem Hühnerei auf. Und zwar als roter, pulsierender Fleck. Es handelt sich um das Herz eines ungeborenen Kükens, das als Embryo in einem Ei heranwächst. 
 
Wenn es nach dem Frühstück in Eurem Bauch rumort und Ihr das Gefühl habt, dass darin etwas herum springt, hat das jedoch andere Ursachen. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Eier, die in den Handel kommen, sind unbefruchtet. Selbst wenn glückliche Hühner in der Freilandhaltung gelegentlich ein Stelldichein mit einem Hahn hatten. Denn ihre Eier werden sofort eingesammelt und daher nicht bebrütet. Zusätzlich werden sie zur Kontrolle durchleuchtet, bevor sie in den Handel gelangen. Wieso ich mich so auskenne? Für einen Tintenhahn gehört so was zum Grundwissen. 
 
Und Ihr? Ahnt Ihr, warum der "Doppelpunkt" so heißt? Na gut, Ihr Schlaumeier, dann eben etwas schwieriger: Warum heißt das Komma Komma? Wer Altgriechisch kann, ist besser dran: In dieser Sprache hat der Begriff seine Wurzeln und bedeutet so viel wie Einschnitt oder Abschnitt. Dem Drucker und Typografen ist es zu verdanken, dass sich das Komma bei uns zu Beginn des 16. Jahrhunderts eingebürgert hat. Zwar wurde im 18. Jahrhundert versucht, es durch das Wort "Beistrich" zu ersetzen, doch das gelang dauerhaft nur in Österreich.
  
Einst hatte ich einen Lehrer unter Nazi-Verdacht, weil er hartnäckig vom "Beistrich" sprach. Doch der Mann kam aus Bayern, da färbt Österreich mitunter etwas ab. Und außerdem war sogar Bertolt Brecht ein Beistrich-Anhänger. Und der ist absolut unverdächtig, mit den Nazis sympathisiert zu haben. 
 
Vom Beistrich ist es nicht weit zum Strichpunkt. Das ist die Eindeutschung von Semikolon, die häufig im süddeutschen Raum benutzt wird. "Semikolon" selbst ist zusammen gesetzt aus dem lateinischen "semi" (halb) und dem griechischen "Kolon". Das letztere bedeutet entweder "Dickdarm" oder "Körperteil", später auch "Satzglied". Ich glaube, wir sind uns einig, dass wir den Darm als Taufpaten ausschließen können. 
 
Nun verwende ich zum letzten Mal für heute einen Strich, dessen Wortherkunft wir wohl nicht diskutieren müssen: Es ist der Schluss-Strich! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Buchhandlungen? Satzzeichen? Da drängt sich auf, dass auch die Zugabe aus dem reichhaltigen Fundus der Literatur stammt. Es handelt sich um eine Kreuzung aus Krimi, Gedicht und Comic. Ich lese gerade die alten Strips von "Tom", einem begnadeten deutschen Zeichner, der es mit seinen meist dreiteiligen "Touche"-Bildfolgen zu wahrer Meisterschaft gebracht hat. Eine seiner Figuren ist ein Vorläufer der Poetry-Slammer. Der trat Ende der Neunziger vor sein Publikum und sprach: 
 
"Das Motiv" - Ahem - Buch, ganz neu, liegt neben Bett. Aufgeregt! Wird sicher nett! Ist sich Kriminalroman! Noch ein Schlückchen, fange an. Moritat - hochinteressant! Detektiv - schlau und charmant! Wer hat wen wann wie und wo? Noch ein Schluck - mit Buch zum Klo. Nach der Mitte: Ein Verdacht. Wer wen wann wo umgebracht! Drittes Viertel: Und auch wie! Nächste Seite: Alibi!! Morgen graut - noch drei Kapitel! Umgeblättert: Wieder Titel? Falsch gebunden! Ende fort! Plane Druckermeuchelmord! 
 

 Schmunzelpost 418 vom 11. 6. 22


Den 30. August sollten sich Bücherfreunde und Schmunzelpost-Leser schon einmal im Kalender vormerken. Dann erschüttert ein Donnerschlag die Welt der Literatur: Voraussichtlich wird am 30. 8. im Baumhaus erstmals der staunenden Öffentlichkeit ein epochales Werk präsentiert, das den Autor nahtlos auf die Kandidatenliste für den Nobelpreis katapultieren dürfte - "Krauses Zeug" startet mit einer Auswahl von leicht überarbeiteten Schmunzelpost-Beiträgen seinen Angriff auf die Spiegel-Bestseller-Liste! 
 
Das kann natürlich nicht ohne Promotion gelingen. Die Planung einer Lesereise durch die Metropolen der Republik steht noch ganz am Anfang, aber schon sind mit Wulfen und Rhade zwei Zentren des geistigen Lebens fest im Visier. 
 
Bei der Suche nach geeigneten Buchhandlungen, deren Kunden dem hohen intellektuellen Niveau des Werkes gewachsen sind, habe ich mit großem Erstaunen festgestellt, dass Buchhändlerinnen und Buchhändler der Kreativität von Friseuren kaum etwas entgegenzusetzen haben. Bei der Benennung ihrer Läden, das war bereits SP-Thema, sind die Meister der Schere extrem einfallsreich und den Meistern der Worte offenbar deutlich überlegen. 
 
 Die Dorstener Buchhandlung "schwarz auf weiß" ist ein Lichtblick in einer Branche, in der die meisten kettenunabhängigen Fachgeschäfte entweder nach ihren Inhabern, der Ortslage oder prominenten Schriftstellern benannt sind. Ein echtes Armutszeugnis! 
 
Doch meckern kann jeder. Wie würde ich eine Buchhandlung benennen? Vielleicht liegt es an meiner Vorliebe für Wein, aber spontan fallen mir hauptsächlich Namen mit "Lese" ein: Leseraum und Lesezeit finde ich gut, aber auch Leselust, Lesefreude und Lesezeichen. Und auch der Name des Wulfener Literaturzirkels "Auslese" wäre geeignet. 
 
Geht's auch ein wenig origineller? Bitte schön: "Blattsalat" wäre eine feine Bezeichnung für eine Buchhandlung, die gern die wachsende Zahl von Vegetariern anlocken möchte. "Undercover" ist einprägsam und würde nicht nur Krimi- und Spionageroman-Fans ködern. "Meistgebucht" ist etwas um die Ecke gedacht und hoffentlich auch von der Kundschaft meistbesucht. "Eselsohr" erinnert an Gewohnheiten in der Sturm- und Drangzeit unserer neu entdeckten Liebe zu Büchern und hebt sich deutlich von den Namen der Konkurrenz ab. 
 
Und dann wären noch Wortkombinationen möglich. "Die Buchhalter" ist ein eher schlapper Vorschlag, schließlich will der Laden seine Bücher nicht behalten, sondern unters Volk bringen. Schon besser klingt "Feinkost für Bücherwürmer", weil der Wurm nicht ganz so eklig rüberkommt wie die Leseratte. Dann hätte ich noch im Angebot "Seiten(für)Weise" und "Bücher+Meer", falls das Sortiment auch andere Artikel enthält. 
 
Erstaunlich wenig ist im Internet dazu zu finden. Nur Berlin ist dem Rest der Republik einmal mehr um Längen voraus, wobei mir die meisten Namen sogar etwas zu abgefahren sind. Doch offenbar funktioniert es. "Doyoureadme" kommt bei den Kunden anscheinend genauso gut an, wie "Playing with Eels". Wobei ich die Idee, etwas möglichst abseitiges auszusuchen, schon wieder gut finde. Wie kommt man auf die Idee, das Spielen mit Aalen mit Büchern zu verbinden? 
 
Auch "Otherland" (war mal ein Fantasy-Vierteiler), "Unforgotten books" und "Ocelot, not just another bookstore" wenden sich an eine spezielle Leserschicht. Ob es dort hauptsächlich englischsprachige Literatur zu kaufen gibt? Klassisch kommt "Lesen und lesen lassen" daher. Und dann haben wir noch "Grober Unfug" und "totsicher", Läden, in denen ich gern mal herumstöbern würde. "Pro qm" zielt auf Kling-Fans und Buch-Experten. Wer sonst weiß schon, dass ein kommunistisches Känguru gern Bücher nach Quadratmetern verkaufen würde? 
 
Nun seid Ihr gefordert! Enttäuscht mich nicht: Bei Eurem geballten Potenzial wird doch wohl ein genialer Name herausspringen! Und wenn ein echter Hammer dabei ist, mache ich vielleicht sogar selbst eine Buchhandlung auf. Oh pardon, ich vergaß, das Buchhändlerinnen im SP-Lesekreis sind, denen ich keine Konkurrenz machen will. Dann weihe ich eben irgendwo eine neue Buchhandlung ein... 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wer sein Buch "Krauses Zeug" nennt, hat auch ein Auge auf andere Titel. Als Zugabe deshalb der Hinweis auf zwei Bücher, die nicht nur in die Rubrik "krauses Zeug" passen dürften, sondern auch um den Rekord als längster Buchtitel wetteifern. 2014 veröffentlichte Thomas Spitzer alias "Stammer" das Werk: "Wir sind glücklich, unsere Mundwinkel zeigen in die Sternennacht, wie bei Angela Merkel, wenn sie einen Handstand macht." 
Noch besser finde ich den Titel von Theobald Fuchs, der 2017 herauskam: "Friedhof in Erlangen, 14. Mai, 10 Uhr 30, meine 35. Beerdigung, die Nachkommen streiten am Grab um den Fernsehsessel des 73-Jährigen." 
 

Schmunzelpost 417 vom 10. 6. 22 


Diese Schmunzelpost müsste Euch eigentlich per Post zugehen. Mit dem Kuli geschrieben. Denn der 10. Juni ist der Tag des Kugelschreibers! 
 
Doch ich benutze weiter die PC-Tastatur, denn es gibt viel zu schreiben. Am 11. Juni ballen sich gleich fünf Aktionstag-Anlässe, überwiegend für Genießer. So feiert man in den USA den Tag des German Schokoladenkuchens und außerdem den Welttag des Gins. Mehr würde mich der Tag des Roseweins reizen, der ebenfalls von den Amerikanern ausgerufen wird. Geheimnisvoll klingt dagegen der Kamehamela-Tag auf Hawaii. Dort hießen die Könige etwas anders als Wilhelm oder Ludwig. Leider scheitert meine Reise über den großen Teich am Fehlen eines geeigneten Flugzeugs. In Deutschland wird der Tag des Modellflugs begangen, doch für diese Maschinen bin ich leider zu schwer. 
 
Am 12. Juni hat sich die Zahl der Aktionstage glatt verdoppelt. Liebes Tagebuch! Soll ich heute den Tag des Gartens feiern, der in Deutschland ebenso begangen wird wie der Tag des Hundes und der Tag des Tagebuchs? Oder soll ich lieber eine Falafel essen, wegen des Internationalen Falafel-Tags? Meine Sympathie gehört natürlich dem isländischen Sjömannadagurri-Tag für die Seeleute und Fischer. 
 
Aber nun wird's auch noch romantisch. Der brasilianische "Dia dos Namorados-Tag", also der "Tag der Liebenden" passt sehr gut zum "Tag der roten Rose" in den USA, wo man auch noch den "Loving Day" feiert. Und wer Erdnussbutter liebt, kann sich auch für den US-Tag der Erdnussbutter entscheiden. Um alle Termine wahrzunehmen, brauchte man jedoch Superkräfte. Vielleicht wird daher in den USA zeitgleich auch noch der "Superman-Tag" begangen. 
 
Etwas leichter haben wir Feierbiester es am 13. Juni. Da stehen bloß fünf Termine an. Der Tag der Tauben, der Tag der verhinderten Köche, der "Jäte-Deinen-Garten-Tag", der Tag der Nähmaschine und der internationale Tag des Axtwerfens. Vielleicht können wir alles zusammenführen, indem wir verhindern, dass Tauben gekocht werden und danach dann alle, die mit der Nähmaschine ihren Garten jäten wollen, mit einer Axt bewerfen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. German Schokoladenkuchen? Dann bietet sich eine Zugabe zur Schokolade an. Eine mir bekannte Frau, die anonym bleiben möchte, antwortet auf die Frage, warum sie Schokoladen-Tafeln stets ganz verputzt: "Wenn ich eine Tafel Schokolade sehe, höre ich in mir stets zwei Stimmen. Die eine sagt: 'Iss sie!' Und die zweite ruft: '"Hast Du nicht gehört? Iss sie sofort!'"   

 

Schmunzelpost 416 vom 9. 6. 22 


Zur illustren Leserschaft der Schmunzelpost gehören auch Deutschlehrer. Der heutige Beitrag ist ihnen gewidmet, aber auch für ehemalige Deutschschüler lesbar. Ich beginne mit einem Sammelsurium aus Aufsätzen: 
 
Zuerst ein bisschen was Tierisches: "Weil meine Schwester einen Vogel hat, bekomme ich keine Katze!" Es gibt aber auch anatomisch merkwürdige Vögel: "Die Taube war ganz steif und hatte alle Viere von sich gestreckt." Und manche Insekten sind ganz schön brutal: "Die Gottesanbeterin tötet das Beutetier mit einem einzigen Schlag." Man nennt sie daher auch das Karate-Kid der Tierwelt. 
 
 Kindheit schützt vor Weisheit nicht: "Wir Frauen haben es ziemlich schwer und sind eigentlich beschissen dran. Erst müssen wir abends zu Hause bleiben, weil wir Kinder sind. Dann müssen wir zu Hause bleiben, weil wir keine Kinder mehr sind. Und dann müssen wir zu Hause bleiben, weil wir Kinder haben. Und dann sind wir zu alt!" 
 
Wie Ihr wisst, liebe ich verblüffende Erkenntnisse: "Die Konserven werden im Konservatorium hergestellt und bleiben deshalb immer frisch." Und hier kommen Theologie und Ökonomie zusammen: "Ohne Adam und Eva würde es die anderen Leute nicht geben. Ihnen haben wir auch die Erbsünde zu verdanken. Alle anderen Sünden müssen wir uns selbst erwerben." 
 
Nun zu unserem Körper. "Mit den Ohren kann man nicht nur hören, sondern auch wackeln." Und ein Blick in unser Inneres: "Wenn wir die Nahrung geschluckt haben, rutscht sie in den Magen. Dort stürzt sich der auf der Lauer liegende Magensaft und die ebenfalls wartende Säure auf die Speisen, um sie zu zersetzen. Dabei machen sie manchmal so viel Wind, dass der Mensch aufstoßen muss." 
 
Nun ein paar geschichtliche Fakten. "Der Tod von Napoleon war ein endgültiger Wendepunkt in seinem Leben." Da ist was dran. Tragisch ist aber auch, was die Liebe anrichten kann: "Dann traf die Liebe zu Robert Schumann auf Clara. Aus diesem Zusammenstoß gingen acht Kinder hervor sowie die fortschreitende Geisteskrankheit Roberts." Und dies aus der jüngeren Geschichte wusstet Ihr wohl auch noch nicht: "Dann gründeten die Terroristen eine rote arme Fraktion und begingen laufend Banküberfälle, um zu Geld zu kommen." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wie kommen solche Fehlleistungen zustande? Schauen wir in der Zugabe in eine pädagogische Fachzeitschrift für den Deutsch-Unterricht. Dort geht es um die Interpretation eines Satzes aus einem New-York-Reiseführer. Er lautet: "Man geht vom Bowling Green aus den Broadway nach Norden und kommt an dem Cunard Building und dem American Express Building vorbei zur Wall Street." So weit die Wegbeschreibung für Touristen. 
 
Die Deutschlehrer lesen daraus: "Der Rezipient ist in der Weise vom Textproduzenten vereinnahmt, dass die thematische Progression zusammenfällt mit dem Bewegungsablauf, der mit der unpersönlichen "man"-Konstruktion konstituiert wird: Die Bewegungsrichtung gibt - in unserem Beispiel - die Folie ab für die Beschreibung einer Häuserlandschaft in Manhattan. Der Rezipient muss also mental jene Bewegung nachvollziehen, die der Textproduzent bei der verbalen Zuwendung zu bestimmten einzelnen Gegenständen des zu beschreibenden Häusermeeres inhaltlich durchführt." 
 
Hä? Ich verstehe nur Bahnhof. Und nehme deshalb lieber die U-Bahn zur Wall Street.  
 

Schmunzelpost 415 vom 8. 6. 22 


Zu den Aufgaben von Lokaljournalisten gehört es auch, über Gerichtsverhandlungen zu berichten. Leider ging es im Amtsgericht Dorsten, im Landgericht Essen oder bei Gericht in Wesel nur selten lustig zu. Mit großem Interesse habe ich deshalb verfolgt, was sich manchmal anderswo tat. Besonders angetan hat es mir dabei ein Richter, der im Amtsgericht Köln seine Urteile fällte. Hier sind Auszüge aus der schriftlichen Urteilsbegründung von Richter Menken, als in einem Sachbeschädigungs-Prozess ein Kutscher angeklagt war, dessen Pferd offenbar ein Auto demoliert hat. 
 
"Es bedurfte keiner Aufklärung, ob das Pferd gegen das Auto getreten hat, weil es als Angehöriger einer Minderheit im Straßenverkehr eine Aversion gegen Blech entwickelt hat oder weil es in seiner Einsamkeit sein Herz mit schönem Klang erfüllen wollte..." 
 
"...Es hätte genügt, wenn er (der Kutscher) die Pferde mit an die Theke genommen hätte, wo sie sich als echte kölsche Brauerei-Pferde sicherlich wohler gefühlt hätten als draußen im Regen..." (In Köln stehen offenbar im Karneval die Pferde nicht nur im Flur, sondern manchmal auch am Tresen. Und nur ungern im Regen. Anm. kdk) 
 
"...Rechtlich bestehen keine Bedenken, dass Sie weiterhin Ihre Touren durch die Kölner Stadtteile ziehen, denn die Pferde haben bewiesen, dass sie trotz ihrer äußerlichen robusten Statur innerlich nicht einer gewissen Sanftmut im Verkehr entbehren. Sie sind nämlich mit dem Auto der Klägerin einigermaßen zartfühlend umgegangen." 
 
Zum Schluss lief Richter Menken zu großer Form auf und goss die Zusammenfassung des Urteils in Reime. Dazu sollten Nichtkölner unter den Lesern wissen, dass Sester ein altes Hohlmaß ist, welches sowohl für Getreide als auch für mitunter alkoholische Flüssigkeiten benutzt wird. 
 
"Es war einen Mond nach Silvester, da stapften die Pferde vom Sester verwirrt durch des Kutschers Menkenke im Süden von Schänke zu Schänke: Der trank nämlich Kaffee statt Sester. Der Regen wird zwischendurch fester, die Pferdehaut folglich durchnässter, weshalb dann ein Pferd mit der Pfoten ein Auto, das dastand, getroten. Wer ruft da: Tritt fester, mein Bester!?" 
 
Wer angesichts solcher Verse wiehert: "Ich glaub, mich tritt ein Pferd!", der sollte sich selbst die Sporen geben und daran denken, dass ich meinen letzten Urlaub in Bayern verbracht habe. Das hat die Erinnerung an den "Donisl"-Prozess geweckt, eine zwielichtige Spelunke, deren Betreiber sich wegen Betrugs vor dem Landgericht München verantworten mussten. Hier folgen einige im Wortlaut protokollierte Aussagen: 
 
"Herr Richter, ich bin 14mal vorbestraft. Wann i zur Polizei geh, des is, wie wenn a Schwein zum Metzger geht." Das sagte der Narben-Sepp. Von ihm stammt auch: "Der eine hat mi gleich truthahnmäßig gewürgt, und der andere hat mir o auf die Mützn g'haut, da hab i nix mehr mitgekriegt." 
 
Zeugin Maria G. sagte: "Am Imbissstand ham's so übertrieben, dass auch a Blinder hätt seh'n kenna, dass mit der Abrechnung was net stimmt." Und Zeugin Inge B.: "Ich hatte mal fünf Gäste, alle in Schwarz. Erst ham's geweint, weil's grad einen eingegraben hatten. Dann haben's ihre Rechnung nicht gezahlt." 
 
Zeuge Josef K. erinnert sich: "Wie ich damals rausgeh ausm Donisl, ich denken, Rathaus kommt auf mich zu und fallt auf meine Kopf!" Und zum Schluss noch der damals 73jährige Rentner Josef J.: "Von dem Geld, wo's mir klaut ham, hob i der Polizei nix verzählt, damit mei Frau net schimpft." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Zugabe stammt ebenfalls vom Landgericht München. Eine Pressemitteilung musste berichtigt werden, denn: "In der Scheide der Zeugin K. fanden sich nicht Sperrminen, sondern Spermien." 

   

Schmunzelpost 414 vom 7. 6. 22

Beim Lösen eines Kreuzworträtsels habe ich mir erneut das Hirn zermartert. Joggerin? Läuferin? Sprinterin? Verdammt noch mal, es wollte mir partout kein anderes Wort mit vier Buchstaben für eine Rennende einfallen. Kommt Ihr drauf? Auflösung am Ende dieser Schmunzelpost.
 
Es ist jedoch tröstlich zu wissen, dass auch andere aus der schreibenden Zunft gelegentlich ihre liebe Müh' und Not mit der Sprache haben. Das gilt selbst für Profis. Oder waren es der Lektor oder der Übersetzer? Kaum zu glauben, dass William Kotzwinkle dies selbst verbrochen hat: "Die vermummten Einzelteile seiner Seele hoben ihre Werkzeuge, als wollten sie zum Sammeln blasen." Die unmaskierten Einzelteile des Hirns sollten ebenfalls zum Sammeln blasen und den Satz mit geeigneten Werkzeugen neu formulieren.
 
Und was war mit Tanith Lee los, als sie schrieb: "Er deutete auf Raurs Statue, die reglos und stumm im Gras stand." Dafür sollte eine Schriftstellerin Verständnis haben. Auch Skulpturen müssen mal ausruhen, wenn sie den ganzen Tag auf dem Rasen herumgetollt sind. Und selbst geschwätzige Statuen schweigen ab und zu.
 
Auch Intellektuelle sind mitunter ziemlich verpeilt, um nicht zu sagen verdrahtet. Von Botho Strauß stammt: "Ah, nicht wissen möcht ich, sondern / erklingen. Versaitet bis unter die Milz." Der Schrägstrich ist übrigens kein Tippfehler, sondern von Strauß so gewollt. Vielleicht war der Strich oberhalb der Milz im Weg.
 
Beim "Rendezvous in Paris" von Vicky Baum ging es sehr handfest zu: "Der Landgerichtsrat packte seine Frau ein, und sie machten sich auf den Heimweg." Sonst hätte sich die Gattin womöglich in der großen Stadt verlaufen.
 
Im Buch "Zwei Sommer" von Louis Bromfield finden wir ein Rezept für friedliche Koexistenz mit Verwandten: "Mein Großvater und Tante Susan ruhten längst in Frieden im Familiengrab in Clarenday, wo sie die letzten Jahre ihres Lebens in ungetrübtem Glück verbracht hatten." Endlich war es mit dem Gezanke und Geschwätz vorbei, und sie konnten gemeinsam mit den Grabstatuen schweigen.
 
Zum Schluss noch ein Rekord aus einem Bastei-Roman: "Für ein, zwei Stunden hielt sie den Atem an." Bloßes Schweigen hätte es auch getan.
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ich plädiere dafür, dass in der geschriebenen Sprache mehr Bindestriche eingesetzt werden. Wenn da als Frage "Renn-Ende" gestanden hätte, wäre ich nicht solange am Ziel vorbei gelaufen. 
 

 Schmunzelpost 413 vom 6. 6. 22

Weiter geht es mit den kuriosen Aktionstagen. Heute, am 6. Juni, ist der "Gott-sei-Dank-es-ist-Montag-Tag". Ob die amerikanischen Urheber mit der Freizeit am Wochenende nichts anzufangen wussten, kann ich nicht sagen. Hier bei uns ist der Montag jedenfalls der verhassteste Tag der Woche. Diesmal dürfen wir aber sagen: "Gott-sei-Dank - es-ist-Pfingstmontag!" 
 
Außerdem hat die UNO den 6. Juni zum "Tag der russischen Sprache" erklärt. Die Begeisterung dafür ist seit Putins Angriffskrieg in der Ukraine stark geschrumpft. Doch wir sollten nicht vergessen, dass dieser Tag auf Puschkins Geburtstag zurückzuführen ist. Puschkin? Tja, Ihr Schnapsnasen, das ist zwar auch eine Wodka, aber in erster Linie ein großer russischer Dichter. Insofern wäre es gut, wenn viel mehr Menschen die russische Sprache lernen und den Russen erklären, dass ihre staatlichen Medien ihnen Lügen auftischen.
 
Zur Feier des 7. Juni werde ich meine morgendlichen zur Zeit vier Tabletten mit besonderer Ehrfurcht einnehmen. Denn dies ist der Tag der Apotheke. Ca. 20 000 davon gibt es in Deutschland. Diejenigen, für die Medikamente bittere Pillen sind, dürfen alternativ etwas Süßes schlecken: In den USA feiert man den Schokoladen-Eis-Tag. 
 
Auch der "Name-your-Poison-Day" am 8. Juni stammt aus Amerika. Vielleicht ist es noch ein Erbe der Prohibition, jemanden, den man zu einem Drink einlädt, gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass Alkohol im Grunde ein Gift ist. Doch am "Was-willst-Du-trinken-Tag" sind natürlich auch andere Getränke zugelassen. Hauptsache, die Einladung kommt von Herzen. Wie sangen noch die "Bläck Fööss"? Drenk doch ene met! Ich hätte gern ein Glas Rotwein!
 
Damit können wir auch auf einen ganz besonderen Geburtstag anstoßen. Die Gratulation geht nach Entenhausen: Am 9. Juni feiert Donald Duck sein Wiegenfest, der witzigste, tobsüchtigste und berühmteste Erpel der Welt. Was sagt der Jubilar selbst zu den Schmunzelpost-Glückwünschen? "Grmpf, Grummel, Zeter!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Zugabe dreht sich um Donalds Neffen, die in Deutschland als Tick, Trick und Track bekannt sind. Die heißen in den USA Huey, Dewey and Louie. In Europa tragen sie in fast jedem Land andere Namen. In Italien Qui, Quo + Qua, in Norwegen Ole, Dole + Doffen und auf den Färöer Inseln Dinni, Danni + Dunni. 

 

 Schmunzelpost 412 vom 5. 6. 22


Habt Ihr Lust, Euch mit mir in die Abgründe der Sprache zu begeben? Dann folgt mir bitte. Gleich zum Einstieg gibt es ein wahres Juwel. 
 
Dieser Satz stammt nicht etwa von einem Philosophen, sondern aus einer Urteilsbegründung des Frankfurter Amtsgerichts: "Das autonome Subjekt setzt sich selbst im Verhältnis zu anderen, das heißt, eine kategoriale Handlungsanweisung muss intersubjektiv-dialektisch in der Weise begriffen werden, dass das Ich als Subjekt sich nicht nur als ein konkretes Sein in seiner Endlichkeit, sondern auch zugleich als ein Vernünftiges, als ein Allgemeines in seiner Unendlichkeit versteht." Wenn der Verurteilte diesen Spruch nicht nur fehlerfrei wiederholen konnte, sondern auch noch verstand, hat ihn das zu einem besseren  Menschen gemacht! 
 
Auch die Vorliebe mancher Menschen für Abkürzungen erschwert mitunter das Verständnis. So hieß es in "rotpress", einem Organ des Verbandes Sozialistischer Studenten/innen Österreichs: "Die LAL (Linke Alternative Liste) ist keine Liste der FV-GRUWI, sondern eine HA-Fraktion, die von GRUWI, NAWI, GRM und ALW getragen wird." Echt groovy, nicht wahr? Und da wundern sich viele Sozialisten, dass die Arbeiterklasse nicht ihre Sprache spricht. 
 
Habe ich schon einmal beklagt, dass hierzulande die Regulierungswut grassiert? Tatsächlich? Na ja, trotzdem ein weiteres Beispiel: "Vorschlag für eine Richtlinie zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über vor dem Führersitz montierte Umsturz-Schutzvorrichtungen mit zwei Pfosten für Schmalspurzugmaschen mit Luftbereifung." Und dies war bloß die Überschrift einer 105 Seiten umfassenden Bundesdrucksache! 
 
Aufmerksame Leser der Schmunzelpost erinnern sich vielleicht noch mit leichtem Schaudern an eine Auflistung der Bundespost-Briefbeutel. Dazu gibt es eine Fortsetzung über das Versacken von Wertbeuteln. Obwohl nicht ganz klar ist, ob es sich um den Text eines Originaldokumentes der Post oder eine von der bayerischen Grünen Ulrike Windsperger bearbeitete Fassung handelt, seien hier Auszüge wieder gegeben. 
 
"In Dienstanfängerkreisen kommen immer wieder Verwechslungen der Begriffe Wertsack, Wertbeutel, Versackbeutel und Wertpaketsack vor. Um diesem Übel abzuhelfen, ist das folgende Merkblatt dem Paragraph 49 der ADA vorzuheften: Der Wertsack ist ein Beutel, der aufgrund seiner besonderen Verwendung im Postbeförderungsdienst nicht Wertbeutel, sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt, sondern versackt werden. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die zur Bezeichnung des Wertsackes verwendete Wertbeutelfahne auch bei einem Wertsack als Wertbeutelfahne bezeichnet wird und nicht Wertsackfahne, Wertsackbeutelfahne oder Wertbeutelsackfahne. 
 
Sollte es sich bei der Inhaltsfeststellung eines Wertsackes herausstellen, dass ein in einem Wertsack versackter Versackbeutel statt im Wertsack in einem der im Wertsack versackten Wertbeutel versackt werden muss, so ist die in Frage kommende Versackstelle unverzüglich zu benachrichtigen." 
 
So, das müssen wir jetzt erst einmal sacken lassen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe der Beweis, dass die EU es auch drauf hat. Dies ist der Titel eines EU-Gesetzes: "Verordnung zur Verlängerung der Verordnung zur Einführung einer Ausnahme von der Anwendung von Bestimmungen betreffend der Berichtigung der Frei-Grenze-Werte für bestimmte Käsesorten." Das stinkt nach Bürokraten-Käse!  
 

Schmunzelpost 411 vom 4. 6. 22


War da nicht was mit einem Thronjubiläum auf dieser Insel, die einst zu Europa gehört hat? Ich wusste gar nicht, dass der verrückte Boris schon so lange an der Macht ist. Vielleicht sollte ich mich besser informieren und lesen, was die einschlägigen bunten Blätter so aus den Adelshäusern berichten. Schauen wir mal rein: 
 
"Hohe Ehrung: Paul Mc Cartney soll neben der Queen hängen". So stand es in der Frankfurter Abendpost. Dass die Briten zu Zeiten von König Heinrich nicht zimperlich waren, ist ja bekannt. Auch Mary Stewart haben sie nicht verschont. Doch dass die Bestrebungen zur Abschaffung des Königshauses so weit gehen, hätte ich nicht gedacht. Und dann auch noch die Beatles mit einbeziehen! Nur weil sie mal zum Ritter der Königin geschlagen wurden? Na ja, wer für den Brexit stimmt. . .
  
Wenn die Bunte ins Schwärmen gerät, kommt manchmal auch Wunderliches dabei heraus. Wie hier über Prinzessin Stephanie von Monaco: "Ein Körper wie der eines edlen Massai-Kriegers. Muskulös und doch weiblich." 
 
 Wenn sich Tageszeitungen in die Welt der Blaublütigen verirren, kann das schon mal schief gehen. Und auch mit alkoholischen Getränken kennt man sich bei der Saarbrücker Zeitung nicht so gut aus: "Charmant wirbt Christine I., seit dem Wochenende neue Weinkönigin der Kleinblittersdorfer Rebläuse, für den edlen Gerstensaft." 
 
Die "Frau im Spiegel" hat dagegen Probleme mit der Anatomie: "Der Regen peitschte ihnen ins Gesicht. Königin Silvia bekam sofort nasse Füße." 
 
Schier unglaublich ist auch, was manche Grafen von ihren Mitarbeitern und sogar von deren Ehefrauen erwarten. Darüber berichtete vor geraumer Zeit die Rheinische Post: "Die leibliche Löwenmama im Safari-Park des Grafen Westerholt in Herne hatte sich als Rabenmutter entpuppt und wollte ihr Junges nicht säugen. In solchen Fällen war bisher Maria Helmke, die Ehefrau des Verwalters, eingesprungen." 
 
Andererseits gibt es auch Adelige, die sich selbst vom Tod nicht abhalten lassen, ihre gesellschaftlichen Pflichten zu erfüllen. Dies war dem "Goldenen Blatt" zu entnehmen: "Als Caroll Righter seinen 80. Geburtstag feierte, kamen über 400 Gäste, darunter Charles Bronson, die verstorbene Fürstin Gracia, Bo Derek und Robert Wagner, die er erfolgreich berät." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. In der Zugabe geht es nochmal zurück ins britische Königshaus und in eine Zeit, als Elisabeths Gemahl noch lebte.  Auf einer Reise stellte sich ein Mann  Prinz Philip vor und sagte: „Meine Frau ist Doktorin der Philosophie und viel wichtiger als ich.“ Daraufhin antwortete der Gatte von Queen Elizabeth trocken: „Ah ja, dieses Problem haben wir auch in unserer Familie.“ 
 
PPS. Rückmeldung zur gestrigen Schmunzelpost: Sogar in Rhade lebt ein Wappler, der weder unterbelichtet noch bisher hochstaplerisch aufgefallen ist. Vielleicht nennt man ihn wenigsten den "Euro-Albert". 

 

 Schmunzelpost 410 vom 3. 6. 22

Ups! Beim Lösen des Online-Kreuzworträtsels der Süddeutschen Zeitung, heute war die schwere Variante dran, habe ich soeben gelernt, dass es eine griechische Erntegöttin gab, die "Ops" hieß. Was ein Klops von Name! 
 
Genug gealbert. Wenden wir uns den wichtigen Dingen des Lebens zu. Schon bei der Beschäftigung mit der bayerischen Sprache lernten wir eine ganze Reihe neuer Schimpfworte kennen, die man immer gut brauchen kann. Gern hätte ich Euren Sprachschatz auch um einige finnische Vokabeln bereichert, als dieses Land der Denker, Trinker und Flucher im Fokus stand. Doch die meisten Ausdrücke waren derart unter der Gürtellinie, dass es selbst einem abgebrühten Typen wie mir die Schamesröte ins Gesicht trieb. 
 
Zum Glück hat mich nun Naturfreund Wolfgang mit dem "kleinen Wappler" ausgestattet. Das ist eine Sammlung unter dem Titel "So flucht und schimpft Österreich". Die Alpenländler sind da sehr fantasievoll. Ich bedaure nur, dass es keinen "großen Wappler" gibt. Zumindest nicht als Buch. 
 
Im österreichischen Wortsinn gibt es ihn sehr wohl. Denn ein Wappler ist die Bezeichnung für einen Mann, der sich selbst für hoch kompetent hält, in Wahrheit jedoch völlig unfähig ist. Und damit sind wir schon mitten im Thema. Machen wir erst eher harmlos weiter: "Frischluftdepperte" nennen Niederösterreicher die Tagesausflügler aus der Großstadt, die vorzugsweise an Wochenenden das Land unsicher machen. Und "Zuwiderwurzen" sind griesgrämige Menschen.
 
"Furchenscheißer" ist ein Begriff mit doppelter Bedeutung. Damit ist sowohl ein Landwirt gemeint wie auch ein Student an der Universität für Bodenkultur. Mit einem hochdeutschen Wort hat sich ein österreichischer Literat seinen Eintrag im Lexikon und im Sprachgebrauch seiner Landsleute gesichert: Schulen werden nach Thomas Bernhardt gern als "Geistesvernichtungsanstalten" diffamiert. 
 
Nun zu einem Wort, dass bei uns als äußerst anrüchig gilt, in Österreich aber eine andere Bedeutung hatte und daher oft auch anders angewandt wird. Fotz heißt in Westösterreich nichts anderes als Maul. Mit "Foamfotzen" (Schaummaul) kann man also gut Populisten bezeichnen, die mit Schaum vor dem Mund Unsinn verbreiten. Außerdem war eine Fotzen auch eine Ohrfeige, die sich alle Österreicher verdient haben, die das Wort in deutschem Sinne missbrauchen. 
 
Ihr könnt Euch in Wien eine Fotzen einfangen, wenn Ihr eine Polizistin als Duttelsheriff anredet. Dazu solltet Ihr auch wissen, dass in Österreich die "Kniaschussduttel" die despektierliche Bezeichnung für eine Hängebrust ist. Um einen Ausgleich der Geschlechter herzustellen, erkläre ich, dass die Neigung der Deutschen zur Gruppenbildung mit der Redensart "Ka Germane brunzt allan" gegeißelt wird, wobei brunzen für pinkeln steht. Ein Österreicher, der einen Mann "Brunzwimmerl" nennt, hat von ihm keine hohe Meinung! 
 
Ein Dodl ist ein Dümmling, Dodlsmoking die böse Bezeichnung eines Trachtenanzugs. Weil ich Euch, Ihr lieben kleinen Dodl nicht überfordern will, kommen wir zum Schluss und zu einem Schimpfwort, mit dem selbst Vegetarier ihren Unmut äußern dürfen: "Kreuzbirnbaumundsalatbuschsenf" ist rein pflanzlich konstruiert. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wie der Zufall es will, gibt es in Deutschland tatsächlich einen Wappler. Mit vollem Namen heißt er Peter Mike Wappler, berüchtigt als "Milliarden Mike". Dieser deutsche Hochstapler, der zu den bekanntesten Kriminellen unseres Landes zählt, kam 1955 in Lübeck zur Welt. Seine gesamte Schulbildung bestand aus einem Jahr Sonderschule. Was ihn aber nicht hinderte, schon mit 18 Jahren in Hamburg ein erfolgreicher Zuhälter zu werden. 
 
Seine Fortbildung erhielt er im Knast. Dort absolvierte er eine Lehre als Gebäudereiniger und eignete sich Grundkenntnisse als Urkundenfälscher und Betrüger an, die er mit fortschreitender Karriere immer mehr verfeinerte. Gerne drehte er den Leuten Immobilien, Antiquitäten und Kunstwerke an, die es entweder gar nicht gab oder die nicht ins seinem Besitz waren. 
 
Gegen die Bezeichnung "Betrüger" verwahrte er sich entschieden: "Betrüger sind Banker, die armen alten Frauen riskante Anlagen andrehen. Ich habe immer nur Betrüger betrogen und ihnen ihr Schwarzgeld abgenommen." Nicht immer glückte das reibungslos. 20 Jahre verbrachte der Wappler hinter Gittern. Die letzte dreijährige Haftstrafe trat er 2019 an. Und wenn er nicht gestorben ist, dann brummt er immer noch! 
 

Schmunzelpost 409 vom 2. 6. 22

Der Inhaber von "Hähnchen Finke" müsste sich heute eigentlich die Hände reiben. Denn heute, am 2. Juni, ist der Tag des Grillhähnchens. Leider ist er eine amerikanische Erfindung und wird daher, sehr zum Leidwesen von Herrn Finke, fast ausschließlich in den USA zelebriert. 
 
Auch die zweite Aktionstag-Variante am 2.6. stammt aus den USA. Allerdings ist der "Mach früher Feierabend-Tag" ursprünglich daraus entstanden, dass die Initiatorin Geburtstag hatte und deshalb früher nach Hause gehen wollte. Und, typisch Amerikanisch, es geht nicht etwa um Freizeit, sondern um eine flexiblere Verteilung der wöchentlichen Arbeitsstunden. 
 
Das dritte Aktionstag-Motto ist nun wirklich eine verrückte Geschichte. Übersetzt lautet die Aufforderung an alle US-Amerikaner: "Schrei-'Fudge'-und-vertreibe-damit-eine-Kobra". Dies ist der mit Abstand sinnfreieste Aktionstag seit langem. Denn erstens gibt es in Nordamerika keine freilebenden Kobras. Und warum sie ausgerechnet stiften gehen sollten, wenn ihnen jemand: "Karamellbonbon!" zuruft, erschließt sich mir nicht. Was ist, wenn Brillenschlangen Süßigkeiten lieben? 
 
Immerhin habe ich im Vorjahr ein Experiment durchgeführt. Ich habe den 2. Juni zum deutschen "Schrei 'Karamellbonbon' und vertreibe einen Eisbären-Tag" erklärt. Dann bin ich auf die Straße gegangen und habe "Karamellbonbon" gebrüllt. Was soll ich sagen: Ein großer Erfolg! Den ganzen Tag hat sich kein Eisbär mehr blicken lassen. 
 
Nie war es so wertvoll wie heute: Deshalb sei mit dem Internationalen Weltfahrradtag am 3. Juni ausnahmsweise auch ein seriöser Aktionstag erwähnt. Dass gleichzeitig auch der Tag der Wiederholungen ist, zeigt schon ein Blick ins Fernsehprogramm. Und es ist nur konsequent, dass sich der Tag der Wiederholungen ständig selbst wiederholt - die Rundfunkanstalten machen es möglich! 
 
Am 4. Juni lassen sich drei Aktionstag-Ziele wunderbar kombinieren. Zum "Tag des Einkaufswagens" gehen wir in den Supermarkt und packen passende Waren zum "Tag des Käses" und zum "Tag des Cognacs" in das Gefährt. Mehr liegt mir die vierte Variante am Herzen. Beim "Umarme-Deine-Katze-Tag" ist es jedoch wichtig, vorher die Stimmung des Vierbeiners zu ermitteln. Sonst kann das Datum schnell zum "Umarme-Deinen-Rettungsarzt-Tag" werden. 
 
Der 5. Juni beschert uns wieder zwei sinnvolle Anlässe, dem Nachdenken die richtigen Aktionen folgen zu lassen - wir schreiben den "Tag der Haltung" und den "Weltumwelttag". Ich habe jedoch reichlich Grund zu der Befürchtung, dass die heiße Luft, die dazu in den Reden abgelassen wird, vollkommen ausreichen würde, zum "Tag des Heißluftballons" alle Ballons dieser Welt zu füllen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Aus gegebenem Anlass gibt es als Zugabe zwei kurze Kobra-Kalauer. 1. Eine Kobra wird echt giftig, wenn man sie Brillenschlange nennt. 2. Bei jemand, der nachts auf eine Königskobra tritt, liegt die Todesursache oft im Dunklen.
 

 Schmunzelpost 408 vom 1. 6. 22


Diesmal erklärt nicht Klaus-Dieter, sondern stattdessen die Justiz die Welt. Was wären wir bloß ohne gerichtlich wasserfeste, klare Definitionen und Werturteile. 
 
Interessant finde ich, wie das Landgericht Regensburg erklärt, was wir unter einer Freundin zu verstehen haben: "Eine Freundin ist ein Mädchen, das mit einem Manne ein Verhältnis mit geschlechtlichen Beziehungen von einer gewissen Regelmäßigkeit und Dauer hat, wobei natürlich auch ein gewisser innerer Konnex dazugehört." Und wenn der Konnex einen Knacks kriegt, ist mit gewisser Regelmäßigkeit Schluss! 
 
Beachtlich und im letzten Satz ein wenig misanthrop ist diese Aussage des Amtsgerichts München: "Das Leben eines Tieres, namentlich eines ökologisch so wertvollen Tieres wie des Igels, ist schützenswerter als eventuelle Blechschäden und eventuelle Abwehrpositionen von Versicherungen. Es ist sogar zu überlegen, ob nicht das Leben eines Igels wertvoller ist als das Leben eines Menschen." Ein Satz mit Stacheln!
  
Folgende Strichrechnung stammt vom Bundesfinanzhof: "Das Finanzamt hat fristgerecht Revision eingelegt. Als Unterschrift trägt die Revisionsschrift ein Schriftzeichen, das aus einem Aufstrich, einem Abstrich sowie einem weiteren Aufstrich mit Schlinge besteht und einzelne Buchstaben nicht erkennen lässt. Die Revision wurde deshalb vom Bundesfinanzhof zurückgewiesen." Unter dem Bruchstrich lässt sich sagen: Der Bundesfinanzhof ist selbst knapp an der Unleserlichkeit vorbei geschrammt! Und was sach ich immer? Kinder, schreibt leserlich! 
 
Eine Frage von Leben und Tod klärt das Verwaltungsgericht Hannover: "Zur Übernahme von Bestattungskosten kommt eine Hilfe zum Lebensunterhalt in Sonderfällen nach § 15a BSHG nicht in Betracht, weil eine Bestattung keine der Gefährdung der Unterkunft vergleichbare Notlage ist." Heißt das, als Toter muss ich meine Friedhofsmiete selber zahlen? 
 
Bisher glaubte ich zu wissen, was eine Eisenbahn ist. Doch der Zug ist für mich abgefahren! Denn das Oberlandesgericht München legt fest: "Die Straßenbahn ist eine Eisenbahn." Der Bundesgerichtshof Karlsruhe ergänzt: "Ein Schlepplift ist keine Eisenbahn." Na gut, hätten wir das auch geklärt. 
 
Hart traf mich dagegen das Urteil des Landgerichtes Koblenz: "Pumuckl ist als männlicher Vorname nicht eintragungsfähig." Schade! 
 
Glückauf 
Klaus Pumuckl Krause 
 
PS. Als Zugabe zwei Sprüche aus Gerichtsprotokollen. Ein Angeklagter rechtfertigte sich: "Der Passant wusste einfach nicht, wohin er wollte und so überfuhr ich ihn." Keine kluge Strategie. Ich hätte es eher mit der Einsicht dieses Zeugen versucht, bei der mein Bayern-Urlaub zum Verständnis verhilft: "Wenn net vui zum doa is, na paßt ma vui auf. Wenn vui z'doa is, na weniger." 
 

 Schmunzelpost 407 vom 31. 5. 22


Da unterhält man sich einmal kurz mit seinem Nachbarn, und schon löst man ein neues Selbstgespräch aus. Ich will Euch nicht vorenthalten, was Herr K. sich diesmal zu erzählen hatte. 
 
"Hömma, Karl, hasse mitgekricht? Unse Nachbahn sin wieda da! Die wa'n am Kiemensee in Bayern. Dasse sich da hingetraut ham! Da kannze gleich inne Mongolei fah'n, da verstehsse auch kein Schwein. 
 
Weisse noch, wie ich mit dem Xaver telefoniert hab? Xaver! Sacht Dir nix? Dat is der Sohn von unsa Neffe Helmut. Weisse noch? Der is damals aus Bottrop wech. Keine Maloche, nix zu machen. Un da hat et ihn nach Bayern verschlagen. Siesse, der Helmut, dat is son ganz Hundertprozentigen. Kaum hat er da in Hintertupfingen nen Job gekricht un ne Wohnung gefunden, da hatter die Schalke-Fahne in Keller getan und die Bayern-Flagge gehisst. Pfui! 
 
Un sein Sohn hatter Xaver getauft statt Fritz, Ernst oder Simon! Da konnt ja aus dem Bengel nix werden. Der is ne richtige Gibbelfott! Immerhin hatter uns zum Geburtstach gratuliert. Wenichstens, soweit ich dat verstanden hab. Dat wa ein echta Kulturschock. Der belatschert dich, als ob er der Oppa von all die Oberammergauer wär, der Heiopei. Sacht der für mich: 
 
'O mei, Karl, dös is a Freid, dos wia zwoa beid mol mitteinand schwatze!' Ich sach: 'Hömma, Du Schwatzlappen, ich bin nich Deine Omei, ich bin Dein Vatta sein Onkel. Und red bitte hochdeutsch mit mich, so wie ich mit Dich!' 
 
'Do legst di nieda! Papa hot gsogt, de Karl, de hat de Schalker hinta de Ohr'n, ha,ha,ha,ha! I red deitsch, dos versteht do ei jeda!" "I net, ich meine, ich nich, Du Doespaddel. Wat willze?' "I wullt Dir 'Griaß eana Gott' sagen und, für Di auf Hochdeitsch: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Jo mei, un denk dra: Bläd derf ma scho sei, ma muaß se bloß z' häiffa wiss'n.' 
 
'Auf hochbayrisch: Dank sche! Dat andere Gesülze werd ich von dem Gugel übersetzen lasse. Glückauf!' 
 
Und dat war et schon mitte intanationale Völkaverständigung. Bleib mich bloß wech mit die Bayern und ihr'n Gequatsche!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe ein bayrischer Witz: 
Ein Urlauber kommt in einen bayerischen Gasthof, wo er sich an einen freien Tisch setzt und eine Halbe bestellt. Während er an seinem Bier zuzelt, hört er ein Dutzend gestandener Mannsbilder am Stammtisch lachen. Dann sagt einer von ihnen „Zwoarafuchzge!“ und alle lachen erneut schallend. Ein anderer Stammtischler ruft: “Siemaneinzge!“ Wieder ertönt herzhaftes Gelächter, dass die Bäuche der Männer nur so wackeln. Auch nach der Zahl „Zwoahundertdreizehn!“ lachen alle lauthals. 
 
 Der Urlauber wird neugierig. Er geht zum Stammtisch hinüber: „Sagen Sie, meine Herren, was machen Sie da für ein lustiges Spiel? Darf ich auch mitspielen?“ Einer der Stammtischler erklärt: „Ja, wissn S‘, mia ham in de letztn fuchzg Johr an Hauffa Witz gsammed, de kenn ma alle auswendig. Und dass ma s‘ ned oiwei ganz vazäihn miassn, hammas durchnummeriert. Etz brauch ma bloß no de Zahl sogn, und a jeder woaß, wos für a Witz gmoant is.“ 
 
Der Gast aus dem Westen ist begeistert: „Darf ich mal eine Zahl sagen?“ Die Stammtischler nicken ihm aufmunternd zu. „Dreiundachtzig!“ ruft er und blickt erwartungsvoll in die Runde. Nichts, keiner verzieht eine Miene. Er versucht es noch einmal: „Vierundsechzig!“ Abermals bleiben alle ernst. „Warum lacht denn keiner, wenn ich eine Nummer sage?“ fragt der Westdeutsche enttäuscht. Darauf meint ein anderer Stammtischler trocken:“Ja mei, es kummt scho aa drauf o, wia mar an Witz vazäihd!“ 
 

Schmunzelpost 406 vom 30. 5. 22 


Diesmal möchte ich gern Euer Spezialwissen ausbauen. Mit Neuigkeiten aus der Rubrik "Was man weiß, was man wissen sollte - aber nicht unbedingt zum Überleben braucht".
 
Wisst Ihr, warum Toiletten als "00" gekennzeichnet werden? Oder warum sie auch "WC" heißen? Nein? Dann passt auf! Früher übernachteten Reisende in einfachen Gasthöfen und Herbergen. Als jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Hotels gebaut wurden, hatte man ein Problem. Zwar besaß jedes einzelne Zimmer eine Nummer, aber kein eigenes WC. Deshalb wurde dieses im Flur eingerichtet und, um Verwechslungen zu vermeiden, mit der unverwechselbaren Nummer "00" ausgestattet.
 
Nun zum WC. Zwar hat bereits im Jahre 1596 John Harington ein Wasserklosett erfunden, das sich jedoch nicht durchsetzen konnte und schnell wieder in Vergessenheit geriet. 1775 hatte der Schotte Alexander Cummings mehr Erfolg. Sein Klosett mit Wasserspülung und Siphon erfreute sich wegen seiner Geruchsarmut bald bei Adligen und Reichen großer Beliebtheit und wurde ab 1810 serienmäßig in Villen und Schlösser eingebaut. WC stammt vom englischen Begriff "Water Closet".
 
Gleich zur nächsten spannenden Frage. Bestimmt habt Ihr Euch auch schon darüber gewundert, warum so viele Freibeuter in Piratenfilmen Augenklappen tragen. Ein Holzbein, ja, das ist nachvollziehbar. Das hat der weiße Hai abgebissen. Doch warum sollten so viele Manöver auf hoher See ausgerechnet ins Auge gehen?
 
Die Augenklappe hat einen ganz anderen Grund. Eine These besagt, dass manche Piraten tatsächlich auf einem Auge blind waren, da sie beim Navigieren mit Sextant und Jakobsstab häufig in die Sonne blicken mussten. Doch dieses Schicksal hätte dann auch anderen Seeleuten geblüht.
 
Viel wahrscheinlicher ist die These, dass Piraten vor dem Entern eines Schiffes eine Augenklappe aufsetzten, um das abgedeckte Auge an die Dunkelheit zu gewöhnen. Begann der Kampf auf Deck, wurde die Klappe schnell auf das andere Auge geschoben. So konnte der Freibeuter besser sehen und im Dunkeln schneller reagieren. Dass dies funktioniert, ist inzwischen bewiesen worden.
 
Zum Schluss noch zu einem Beruf, den ich nach nächtlichem Schreiben der Schmunzelpost gern wieder einführen würde. Bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es in England "Knocker-Upper". Das waren Leute, die morgens mit langen Stöcken an die Schlafzimmer-Fenster ihrer Kunden klopften. Lagen diese Fenster in oberen Etagen, benutzten die Knocker-Upper auch Blasrohre, um Erbsen an das Fensterglas zu schießen.
 
Diesen persönlichen Weckdienst gegen einen kleinen Obolus nutzten vor allem Menschen, die in aller Herrgottsfrühe aufstehen mussten. Der Siegeszug mechanischer und elektrischer Wecker hat leider den Traditionsberuf ausgerottet.
 
Falls Ihr nun auf die dumme Idee kommt, mit dem Blasrohr auf mein Fenster zu schießen: Ich habe wegen des frühen Vogelgebrülls Ohrenstöpsel drin und höre Eure Erbsen nicht. Außerdem gilt der Grundsatz: Vor 5.45 Uhr wird zurückgeschossen!
 
Glückauf
kdk
 
PS.  Kann man statt eines "Knocker-Upper" oder eines schnöden Weckers auch Bücher verwenden, um wach zu werden? Franz Kafka war davon überzeugt:
"Ich glaube, man sollte überhaupt nur noch solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns." 
 

Schmunzelpost 405 vom 29. 5. 22

Na, was macht Euer Komposthaufen? Und habt Ihr Eure Kette aus Büroklammern schon fertig? Wenn Ihr Eure Hausaufgaben erledigt habt, kann ich Euch auf einen weiteren Aktionstag am 29. Mai hinwiesen. Der wird zwar wieder mal hauptsächlich in den USA zelebriert, hat aber seine Wurzeln in Europa. 
 
Gemeint ist der "Lege Dein Kissen auf den Kühlschrank-Tag". "Was soll der Quatsch?" werdet Ihr möglicherweise fragen. Doch die Amerikaner haben nur einen Brauch ihrer europäischen Vorfahren übernommen. In Europa war es nämlich unter abergläubischen Menschen bis in die Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein üblich, Kissen, Bettwäsche oder Kleidung in die Speisekammer zu legen. Das sollte angeblich Glück bringen. 
 
Die Amerikaner haben diese Tradition fortgeführt. Bloß ist die moderne Speisekammer der Kühlschrank oder die Gefriertruhe. Das Kopfkissen dort hinein zu quetschen, wäre vermutlich nur für heiße Sommernächte zu empfehlen. Also wird das Kissen auf den Kühlschrank gelegt und lockt prompt das Glück ins Haus. Wer's glaubt... 
 
Dagegen ist der "Gieße-eine-Blume-Tag" durchaus berechtigt. Allerdings sollte man möglichst nicht nur eine Blume am 30. Mai gießen, sondern alle seine Zimmerpflanzen. Und genau genommen nicht nur am 30. 5., sondern das ganze Jahr hindurch. Doch der Aktionstag soll daran erinnern, weil es immer noch Leute gibt, die ihre Blumen verdursten lassen. 
 
Einen anderen Hintergrund hat der "Dia-Nacional De la Papa"-Tag in Peru. Das ist nicht etwa die peruanische Variante des Vatertags, sondern der Nationaltag der Kartoffel. Nach Europa wurde die köstliche Knolle aus den Anden erst Ende des 16. Jahrhunderts von den Spaniern gebracht. Aber in Peru wird sie nachweislich bereits seit 7000 Jahren als Nahrungsmittel geschätzt. Und weil die Peruaner seit langem mit den Chilenen streiten, wer nun die Kartoffel als erster auf den Speiseplan gesetzt hat, gibt es dort diesen Aktions- und Gedenktag. 
 
Kommen wir zum 31. Mai. Das ist der Tag des vollständigen Satzes. Hä? Wieso? Warum? So geht das am 31. 5. nicht! Die korrekte Frage sollte lauten: Warum, zum Teufel, ist ausgerechnet der 31. Mai der Tag des vollständigen Satzes? Bravo! Meine Antwort lautet: Fragt die Papageien! Denn der 31. 5. ist auch der Tag des Papageis. Und manche von ihnen können nicht nur Schimpfwörter, sondern beherrschen sogar vollständige Sätze. Nicht deshalb jedoch ist ihnen ein Tag gewidmet worden, sondern weil 50 Prozent der Papageienarten durch den Handel bedroht sind. Von den gefangenen Tieren verenden nämlich mehr als die Hälfte, bevor sie zum Verkauf geboten werden können. 
 
Am 1. Juni melde ich drei kuriose Aktionstage. Der erste ist der Tag des Nagellacks. Da ich von dem Brauch, seine Finger- oder Fußnägel anzustreichen, überhaupt nichts halte, würde ich eher davon laufen. Und damit bin ich richtig! Der 1. Juni ist auch der Welttag des Laufens! 
 
Aber er hat noch eine weitere Bedeutung. Habe ich Euch schon gesagt, dass Schmunzelpost-Leser die klügsten, schönsten und besten Menschen der Welt sind? Nein? Dann tue ich es jetzt. Denn der 1. Juni ist auch der "Sag-was-Nettes-Tag!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die heutige Zugabe hat sogar etwas mit zwei Aktionstagen zu tun. Mal sehen, ob Ihr herausfindet, welche das sind. Ein Einbrecher steigt in eine vornehme Villa ein und schleicht auf Suche nach wertvoller Beute durch die Räume. Da erschrickt er fast zu Tode, denn es ertönt eine Stimme: "Der Heilige Geist sieht alles, und Gott bestraft sofort alle Sünder!" Der Einbrecher schaut sich panisch um und entdeckt einen Papagei. "Meine Güte, hast Du mir Angst eingejagt. Aber sag mal, was hast Du für einen seltsamen Besitzer, der seinen Papageien 'Heiliger Geist' nennt?" Antwortet der Papagei: "Wenn Du das schon sonderbar findest: Wie denkst Du über einen Rottweiler, der 'Gott' heißt?"    

    

Schmunzelpost 404 vom 28. 5. 22

 

"O schaurig ist's über's Moor zu gehen!" Na ja, der Schauder hält sich in Grenzen, wenn man, wie wir am Freitag, sich per Rad auf die Moor- und Salinentour im Chiemgau begibt. Denn das Naturschutzgebiet "Rottauer Filz" wird so weitläufig umkreist, dass man zwar Wald und Wiesen zu sehen bekommt, aber nur ganz vereinzelt mal ein paar abgestorbene Bäume, die im Wasser stehen. Und wie vom Moor fehlte auch vom Personal des Torf- und Moormuseums jede Spur - es öffnet leider nur samstags und sonntags. 
 
Das erinnert an das Schicksal der Moore in Deutschland. Nahmen sie einst fast fünf Prozent der Flächen in Deutschland ein, so sind durch Entwässerung und Torfraubbau nur noch vereinzelte Reste übrig geblieben. Das größte Areal mit 32 Quadratkilometern ist das Murnauer Moos in Bayern. Doch da am Samstag die Rückkehr nach Dorsten ansteht, schaffen wir den Abstecher nicht mehr. Also behelfen wir uns mit einer kleinen Schmunzelpost-Moorkunde. 
 
Warum aber sollen wir uns überhaupt für eine Landschaftsform interessieren, die hauptsächlich Schlamm und Dreck zu bieten hat, außerdem meist jede Menge Mücken? Und versinken kann man darin auch noch! Das, so behaupten die Moorforscher, beruhe meistens auf Fantasiegeschichten, die sich wie der böse Wolf tief in unserem Hinterkopf festgesetzt haben. Tatsächlich seien im Laufe der Jahrhunderte nur sehr, sehr wenige Menschen Opfer von Moor-Unfällen geworden. Die zahlreichen Moorleichen, die man geborgen hat, waren jedenfalls fast alle vorher schon tot oder wurden zur Strafe im Moor versenkt - der Einfallsreichtum der Menschen für Foltern und grausame Tötungsmethoden ist grenzenlos. 
 
Statt Leichen speichern Moore hauptsächlich Schadstoffe, die dadurch nicht in unsere Atmosphäre gelangen. Gerade wegen des Klimawandels kann ihre Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das gilt auch für die Artenvielfalt: Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten können ausschließlich in Mooren überleben. Zwar kann man ausgebeutete Moorflächen durch Bewässerung rekultivieren, aber das braucht sehr, sehr viel Zeit. Um einen Millimeter Moorboden zu gewinnen, muss man ein Jahr warten, für einen Meter also tausend Jahre. Wer sich mit dem Vorsatz "ich möchte dem Moor beim Wachsen zusehen" in die Natur begibt, sollte viel Proviant, weiche Kissen und jede Menge Lesestoff mitnehmen. 
 
Zum Beispiel Lexika. Daraus entnimmt man, wodurch sich Niedermoore und Hochmoore unterscheiden. Ich glaubte früher, die einen seien in der Norddeutschen Tiefebene zu finden, die anderen im Bergland. Doch das ist Unsinn. Niedermoore werden vom Grundwasser gespeist, Hochmoore überdauern unabhängig vom Grundwasser allein durch Niederschläge. Und was ist der Unterschied zwischen Sümpfen und Mooren? Na? Naturfreunde nach vorn! 
 
Richtig: Als Sümpfe bezeichnet man Gebiete, die zeitweise unter Wasser stehen und schlammigen Boden mit stehenden Gewässern aufweisen. Organische Stoffe werden in Humus verwandelt. Im Gegensatz dazu sind Moore ständig nass und bilden Torf. So, das war's für heute. Nur eine Frage noch: Wisst Ihr, von wem die heutige Eingangszeile aus dem Gedicht "Der Knabe im Moor" stammt? Von Goethe? Oder von Schiller? Falsch, alles falsch. Das Gedicht stammt von Annette von Droste-Hülshoff. Mit Friedrich Schiller aber sage ich, vielleicht nicht ganz rechtschreibsicher: "Der Moor hat seine Schuldigkeit getan, der Moor kann gehen!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wenig Lustiges heute, was? Dafür gibt es als Zugabe einen makabren Witz, den vor allem diejenigen goutieren werden, die bei der Bundeswehr unter Schleifern zu leiden hatten: "Siehst Du den Spieß im Moore sinken, so wink zurück und lass ihn sinken!" 

 

 Schmunzelpost 403 vom 27. 5. 22


Ich weiß nicht, warum mir ausgerechnet heute dieses ungewöhnliche Hobby nicht aus dem Kopf geht. Es trägt den Namen "Kalsarikänni". Das ist Finnisch und bedeutet "sich in Unterwäsche allein zuhause betrinken". Dieser Freizeitsport soll in Finnland sehr beliebt sein. Das behauptet Autor Miska Rantanen, der diese Beschäftigung zur Entspannung nach einem harten Arbeitstag als "eine Tankstelle für die Seele" bezeichnet. 
 
Nun könnte man entgegnen, dass gerade viele Skandinavier massive Probleme im Umgang mit Alkohol haben. Doch Rantanen meint, dass man sich auch mit Bedacht und ohne böse Folgen abfüllen kann, wenn man nur gewisse Spielregeln einhält. Und was Spiele betrifft, da sind die Finnen sehr einfallsreich und halten sich an das Regelwerk. Man kann sogar sagen, die Finnen sind die Weltmeister im Ausrichten von Weltmeisterschaften. Meistens sind es aber auch Finnen oder Finninnen, die Weltmeister werden. Denn viele dieser Sportarten finden im Ausland viel zu wenig Anklang. Ich sage nur Sumpffußball, Gummistiefel-Weitwurf oder "Frauen-durch-den-Schlamm-tragen". 
 
Doch zurück zur Sprache. Da ist das Finnische eine wahre Wundertüte. Für uns Deutsche schwer zu erlernen, aber mitunter eine Wohltat für die Ohren und oft lautmalerisch. "Rumpali" bedeutet beispielsweise Schlagzeuger. Sehr schön klingt auch Korvapuusti. Das heißt eigentlich "Ohrfeige", bezeichnet aber wegen der Ähnlichkeit mit geschwollenen Ohren das beliebteste Gebäck Finnlands: Nordische Zimtschnecken. 
 
Das beliebteste Getränk der Finnen ist der Kaffee. Morgens, mittags, abends, nachts - nirgendwo anders auf der Welt wird so viel Kaffee getrunken. Die Finnen sind also auch Weltmeister im Kaffeeschlucken. Kein Wunder, dass Kahviraivo, das bedeutet Kaffeeentzug, bei ihnen grimmige Reaktionen auslöst. Kahviraivo ist daher auch der Begriff für extrem schlechte Laune. 
 
 Man könnte meinen, miese Laune käme auch auf, wenn ein Plörö serviert wird. Das ist jedoch nicht der Fall. Plörö heißt das finnische Spezialfrühstück, das aus einer Zigarette und einem schwarzen Kaffee besteht. Der wird gern auch mal mit Schnaps angereichert - der Kaffee, nicht die Zigarette, versteht sich. 
 
Schlechte Laune kriegen manche Finnen auch im Winter. Vor allem dann, wenn jemand die Todsünde des Laturaivo begeht. Also durch eine Langlauf-Loipe latscht, die gern auch mitten über Bürgersteige führt. Solche Fußgänger gelten als Trampeltiere, weil sie die Loipen beschädigen und werden von Langläufern gehasst. Und davon gibt es in Finnland sehr viele. Nicht von ungefähr lautet ein altes finnisches Sprichwort: "Die zwei größten Sünden sind das Furzen in der Sauna und das Zufußgehen auf der Loipe."  
 
Bleiben wir bei Redensarten. "Hanellä ei de kaikki muumit laaksassa" bedeutet "nicht alle Mumins im Tal haben". Die Uralten unter Euch erinnern sich vielleicht: Lange vor Urmel und Jim Knopf zeigte die Augsburger Puppenkiste im Fernsehen die Mumins. Das sind nilpferdähnliche, liebenswerte kleine Trolle, die ein finnischer Autor erfunden hat. Wenn also ein Finne Euch gegenüber diese Redensart gebraucht, dann meint er, dass Ihr nicht alle Tassen im Schrank habt. 
 
Falls Euch mal eine Tasse herunterfällt, hilft vielleicht ein Jeesusteippi. Das ist die finnische Bezeichnung für ein starkes Allzweckklebeband. Wie der Name sagt: Es repariert alles wie durch ein himmlisches Wunder! Gibt es jedoch Widerstände, die selbst mit Jeesusteippi nicht zu beheben sind, dann seufzt der Finne "Etiapäin, sano mummo lumessa" und versucht trotzdem hartnäckig, sein Ziel zu erreichen. Wörtlich übersetzt lautet die Redensart "Vorwärts! sagte die Oma im Schnee!". Oliver Kahn hätte es anders ausgedrückt: "Weiter! Immer weiter!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch ein passender Kalauer: Was heißt auf finnisch "Sonnenuntergang"? Ist doch klar: Hel - sinki! 

 

 Schmunzelpost 402 vom 26. 5. 22


Welchen Tag haben wir heute? Ja, richtig den Feiertag Christi Himmelfahrt. Der ist ein beliebter Anlass für Männer, sich am sogenannten Vatertag volllaufen zu lassen. Doch darüber blicken wir großzügig hinweg und konzentrieren uns auf die Aktionstage des 26. 5. Davon gibt es gleich drei. Heute ist der Welttag der Rothaarigen. Wer in London weiterfeiern will, sollte aber vorher zum Friseur gehen und seine Haare färben lassen - in Großbritannien ist der Tag der Farbe grau! Und gebt acht,, falls Ihr in den USA ein Flugzeug besteigen wollt: Dort ist der 26. Mai der Tag des Papierfliegers. 
 
Am 27. Mai gilt es ebenfalls, gleich drei Anlässe zu würdigen. Mal sehen, ob es klappt, alle drei in einen Satz zu packen. Ja, das haut hin: Wer am 27. 5. einen Kusselkopp wagt, sollte vorher an seinem Körper mittels Klebeband eine Tube Sonnenschutz befestigen. Denn der 27. Mai ist sowohl der Welttag des Purzelbaums wie auch der Tag der Sonnencreme und des Klebebandes. Klebt Euch das hinter die Ohren! 
 
In Amerika erfunden wurde der Internationale Tag des Hamburgers, der am 28. Mai zelebriert wird. Es ist nicht klar, woher der US-Klops seinen Namen hat. Doch es gibt vier Theorien. Die erste besagt, es habe etwas mit den früher in der Hansestadt beliebten Rundstücken zu tun. Nummer zwei meint, dass aus Hamburg importiertes Rindfleisch für den ersten sogenannten Hamburger verwendet wurde. Die dritte Theorie besagt, dass der Hamburger auf ein altes Kochbuch aus dem Jahre 1842 zurückgeht, das ein "Steak nach Hamburger Art" beschreibt. Und Nummer vier führt die Entstehung auf ein Volksfest zurück, bei dem der Schweinebraten ausgegangen war und aus der Not heraus etwas Neues kreiert wurde: Das soll im Städtchen Hamburg bei Buffalo im US-Staat New York geschehen sein. 
 
Klops drüber. Schauen wir, was der 29. Mai zu bieten hat. Da könnt Ihr Kollegen oder Familienangehörige damit nerven, dass Ihr endlose Ketten aus Büroklammern bildet und Euch rechtfertigt: "Heute ist der Tag der Büroklammer. Da wollte ich nicht, dass sie alleine feiern." Anspruchsvoller ist es, den "Lerne-wie-kompostieren-geht-Tag" richtig zu feiern. Ich empfehle, Kindern oder Enkeln eine gut verständliche Anleitung und das nötige Rohmaterial an die Hand zu geben. Wenn die Kleinen sich dann begeistert in ihr Zimmer zurückziehen und loslegen, haben sie ein faszinierendes neues Hobby gefunden. Und die ganze Familie hat monatelang Spaß! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur Zugabe: Nicht nur bei der Bundeswehr, auch bei der Bahn ist die Not groß. Davon zeugt folgende Zugführer-Durchsage am Bahnhof Düsseldorf: "Verehrte Fahrgäste! Von unseren 42 Türen sind 22 defekt. Ich weiß nicht wieso.... aber.... sie funktionieren einfach nicht!! Bitte benutzen Sie die hinteren Türen. Die defekten haben wir mit gelben Zetteln markiert. Äh, allerdings nicht alle. Denn: So viele Zettel hatten wir gar nicht!" 
 

Schmunzelpost 401 vom 25. 5. 22

Bisher war unser Chiemgau-Urlaub, von zwei abendlichen Gewittern abgesehen, eine sehr sonnige Sache. Doch am Dienstag gab es den ersten von zwei vorher gesagten Regentagen. Daher musste zur Rundtour diesmal nicht das Rad, sondern das Auto herhalten. Der Weg führte nach Traunstein, einem netten Städtchen, nach Trostberg, einem kleinen netten Städtchen (bei Regen aber leider eher trostlos) und zum Kloster Seeon (sehr schön, auch weil der Regen pausierte).  Was liegt also näher, als sich mit Regen zu befassen. 
 
Nun ist Regen auch eine Stadt. Die liegt jedoch nicht im Chiemgau, sondern im Bayerischen Wald. Und am "Schwarzen Regen". Der Regen ist nämlich ein Fluss. Aber um den geht es auch nicht. Und erst recht nicht um das Verb, im Sinne von "sich regen bringt Segen". Nein, wir beschäftigen uns heute mit dem Wetterereignis, der hierzulande am häufigsten auftretenden Form von Niederschlag. 
 
Den Inuit wird nachgesagt, dass sie hundert verschiedene Wörter für Schnee haben. Wie ist das bei uns, den neben den Briten gefühlt am meisten mit Regen gesegneten Mitteleuropäern? Mal sehen. Für hundert wird es wohl nicht reichen, aber eine ganze Reihe passender Formulierung fallen mir schon ein. Bei uns im Revier sagt man zum Beispiel je nach Stärke des Regens: Es fisselt, es plästert, es pladdert, es schüttet oder es kübelt. Dann gibt es noch ein Wort das mit p anfängt; issen unflätiger Begriff, weshalb ich ihn hier nicht aufführe. 
 
Aber der Nieselregen muss unbedingt vorkommen, auch der Sprüh-, Land-, Platz-, Sturz- und Starkregen. Wenn es so richtig in Strömen gießt wie aus Eimern, dann darf man auch von einem sintflutartigen Wolkenbruch sprechen. Denn ein Schnürlregen sieht anders aus und geht meist in Bayern und Österreich nieder. Manchmal fallen auch Haushaltswaren vom Himmel, etwa, wenn es Bindfäden regnet. Gelegentlich sind Tierfreunde entsetzt und ihnen läuft ein Schauer über den Rücken: Dann regnet es junge Hunde. Die Briten nennen das: "Its raining cats and dogs". 
 
Und wenn wir schon bei Fremdsprachen sind: Der Sachse spricht von einer Husche. Ob die Ähnlichkeit mit der Dusche ein Zufall ist? Selbst Norddeutsche, die südlich von Hannover leben, kennen einen speziellen Ausdruck. Bei ihnen gallert es mitunter kräftig. 
 
Dann reisen wir doch gleich weiter in europäische Feuchtgebiete. Wenn der Albaner "shi" sagt, antwortet bitte nicht mit "Gesundheit". Die Finnen sprechen von Regen als "sade". Das klingt "sad", kommt angesichts des dunklen finnischen Winterhalbjahrs jedoch nicht von ungefähr. Doch dieses traurige skandinavische Volk tröstet sich gern beim Tango über die Winter- und Regentage hinweg. Das italienische Piggia erinnert an "pitschnass", klingt aber viel fröhlicher. Dagegen hört sich das polnische "deszez" wie ein Sprachfehler an. Und das französische "pluie" erinnert an Parapluie. Was womöglich kein Zufall ist... 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zum Schluss noch eine kleine Zugabe: Ich will nicht meckern und behaupten, dass es hier in Bayern besonders stark regnet. Aber auf der Rückfahrt zur Ferienwohnung ist mein Tacho von km/h auf Knoten umgesprungen. 
 

Schmunzelpost 400 vom 24. 5. 22

 

Heidi, Deine Welt sind die Berge! Aber Krause, Du bleibst besser zuhause! Heute habe ich erfahren müssen, dass Bergwandern nicht mehr mein Ding ist. Einen Großteil der Höhenmeter haben wir zwar per Gondel zurückgelegt, aber die verbleibenden rund 200 zur 1659 m mächtigen Kampenwand waren zu viel für mich. Dazu trugen viele Faktoren bei: Mein hohes Alter (seit Sonntag schleiche ich mich an die 70 an), mein hohes Gewicht (93 kg sind Rekord), die hohe Luftfeuchtigkeit (es war drückend schwül) und meine hohen Verluste an selbstgezüchteten Knochen und Knorpeln im Hüftbereich führten dazu, dass ich auf halber Strecke sozusagen im Hüftumdrehen aufgab, um mich auf der Sonnenalm mit Speis und Trank wieder aufzupäppeln. 
 
Dass dann noch ein Unwetter aufzog, der Gondelbetrieb eingestellt werden musste und wir stundenlang auf der Bergstation festsaßen, werte ich als weiteres Zeichen: Überlass das anstrengende Wandern in Zukunft besser den andern. Denn sowieso ist das Klettern auf Berge mehr was für junge, schlanke Zwerge. 
 
Oder für Vögel. Ach, könnten wir uns doch auch so mühelos in die Luft erheben und problemlos in höhere Regionen aufsteigen! Als Kind habe ich es probiert. Doch so sehr ich auch mit den Ärmchen flatterte, ich konnte keinen Zentimeter Höhe gewinnen. Zum Glück war ich selbst als Knirps clever genug, es nie mit einem Gleitflug aus dem Fenster zu versuchen. 
 
Vögel können übrigens noch viel mehr. Sie können sogar die Zeit aufhalten. Das glaubt Ihr nicht? Dann denkt zurück an den August 1949. Da ging in London die Uhr von Big Ben plötzlich vier Minuten nach. Grund dafür war eine konzertierte Aktion eines Starenschwarms. Die Vögel hielten dichtgedrängt auf dem großen Zeiger der Turmuhr eine Besprechung ab und verhinderten durch ihr Gewicht, dass der Minutenzeiger sich weiter bewegte. Alle Räder stehen still, wenn der schlaue Star das will! 
 
Doch für die Briten kam es 13 Jahre später noch schlimmer. Zu Silvester 1962 läutete die Uhr von Big Ben, die stets für das ganze Land den Takt vorgibt, das Neue Jahr mit zehn Minuten Verspätung ein. Verantwortlich dafür waren aber weder Raben noch Schneeeulen. Sondern echter Schnee. Schon 1962 brachte das Klima die Welt aus dem Takt. 
 
Aber mit Uhren ist das ohnehin so eine Sache. Warum drehen sich unsere Uhrzeiger rechts herum? Habt Ihr darüber schon mal nachgedacht? Die Ursache, ohne h, findet Ihr im Jahre 1331 in Mailand. Dort waren die Mechaniker zuhause, die die erste Uhr mit Räderwerk erfunden haben. Und weil die Schatten der Sonnenuhr auf der Nordhalbkugel der Erde nach rechts wandern, haben die Erfinder entschieden, dass dies auf dem Zifferblatt der Uhr genauso sein muss. Hätte also ein Argentinier oder ein Afrikaner auf der Südhalbkugel das Uhrwerk ausgetüftelt, dann würden die Zeiger sich heute womöglich nach links drehen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur Zugabe: Nicht nur Unwetter können für Verzögerungen sorgen. Das zeigen diese Durchsagen eines Zugführers nach einem Halt zwischen zwei Bahnhöfen. Zugführer: "Werte Fahrgäste, es befinden sich Kinder auf den Gleisen. Da die Gesetzeslage es uns verbietet, diese zu überfahren, verzögert sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit." Zehn Minuten später eine weitere Durchsage: "Da es in der Zwischenzeit keine Gesetzesänderungen gab, müssen wir weiter warten!"  
 

Schmunzelpost 399 vom 23. 5. 22

 

Lange nichts mehr von meinem betagten Nachbarn gehört. Doch jetzt hat sich der alte Möpperkopp mal wieder zu einem Selbstgespräch auf den Balkon begeben. 
 
"Hömma, Kalle, wat meinze? Wo die getz wie wild diesen 9-Euro-Fahrschein promo..,..propa..., äh, preparieren, nee, ich hab's, promovieren tun, soll'n wir zwei beiden nich auch ma auf unsre alten Tage 'ne Spritztour wagen? Wat sachse? Je oller, je doller? Da hasse den Pinorek voll auffen Kopp getroffen. Überlech mal: Für nur neun Öcken kannze inne ganze Welt fahren. Na ja, nich ins Ausland. Aba da wolln wir ja auch ga nich hin. Selbs in Hessen versteht uns schon keine Sau mehr. 
 
Nee, ich denk an geschichtsträchtige Orte. Nö, nix mit dem ollen Hermann, den Keruska, oda den Bismaak-Turm im Bochumer Stadtpaak. Ich mein die Orte, wo wir uns die ersten Perlen anlachten, bevor uns unsere Olle, Gott habse selich, vom Maakt wechgeheiratet hat. Die Helga aus Wanne-Eickel! Mann, wat war dat für'n flotten Feger! Wenn die beim Rock'n Roll ihr'n Pettikott hob, da ham die Kerls ringsum vielleicht Stieläugsken gekricht! 
 
Oder die fesche Irmgard. Weisse noch? Die heiße Braut aussem Gruga-Paak? Nee, wart mal, die ham wir im Strandbad am Baldeney-See kennen gelernt. Die truch son schafen Badeanzuch, Nee, kein Bikini, son Teil, dat war fast rückenfrei. Und da hab ich mich rangewanzt: "Frollein, daf ich mal ihr'n Rücken eincremen. Sonst kriegen se noch nen Sonnenbrarid, et wird schon ganz rot." Dat war 'n Volltreffer! "Ich mach et gerne, wenne Männa fürsorchlich sind", hattse gesacht. Wat se leider nich gern mochte, war, wenn die Kerls zudringlich wurden. Als ich ihr beim vierten Rondevu an den Podex griff, hattse sofort Schluss gemacht. 
 
Und wat is mitte Elke ausse Tanzschule? Nee, dat hat auch nich lang gehalten. Erst hattse noch gekichert, als ich sachte: "Daf ich sie bitten, schöne Frau?" Aba als ich ihr das vierte Mal auffen Fuß gelatscht bin, hattse mich mitten auffe Tanzfläche stehn  lassen. Da war ich der Foxtrottel! 
 
Aba wat is mitte... Moment, wie hieß die noch? Helga? Irmgard? Elke? Ich glaub, dat war schon allet. Nee, nee, dafür lohnen sich neun Euro nich. 
 
Übahaupt: Dat wird doch dat große Chaos geben! Wenn jeder Heiopei sich son Ticket holt un die alle zum Bannhoff pesen. dann gibt dat mehr Tote wie damals auffe Liebesparade in Duisburch. Und wennze et doch schaffst, irgendzwie innen Waggon zu kommen, dann steht doch keina von die Bengels auf, damit Du Dich hinsetzen kannz. Nee, da stehste dann mitten in Getümmel und hass die Nase in die Achselhöhle von Dein Nebenmann. Ich sach Dich, dat is schlimma als damals beim Barras, als se Dir mit Faulgas zeigen wollten, warum Du ne Maske tragen sollst. 
 
Und dann guck doch ma auf die Jahreszeit! Dat machen die mitten im Somma! Wo die Klimaanlagen schon mit die weiße Fahne wedeln, wenn dat Hoch Jasmina mit 27 Grad anrücken tut. Da wird die Eisenbahn zum heißen Wahn. Wenn Leute auffem Wech nach Sylt schon vor Münster hecheln wie nachem dritten Aufguss in die Sauna, dann wird die Reiselust aus alle Poren geschwitzt. Werbung für den Öffentliche Nahverkehr? Dat ich nich lache! Dat is die beste Abschreckungsmethode, die sich die Autofritzen wünschen tun. 
 
Abba weisse wat, Kalle? Wir warten ab, bis auch noch der letzte Dödel dat mitgekricht hat. Und wenn dann im dritten Monat der Zuch schön leer is, dann fahrn wir nach Wanne-Eickel und besuchen die Helga. Vielleicht hat die mitte Zeit ja gerafft, wat se damals fürn fatalen Fehler gemacht hat. Uns den Laufpass zu geben, bloß weil wir nich aussehen wie der olle Elvis! Wer weiß, ob wir nich heute bessere Karten ham? Hol schon mal die Pomade aussem Schuhschrank! Und getz vier Hemdknöppe auf! Und dann den Hüftschwung. Autsch! Meine Arthrose! Die Gümnastick lassen wir lieba wech. Abba son Bauch wie Meister Pressluft zum Schluss, den bringen wir auch auffe Waage. Vielleicht wird dat ja doch wat, mit deni Nahverkehr.   
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Reisen bildet. Das zeigt die Zugabe. Eine Großmutter und ihr Enkel aus Bottrop gehen in Oberhausen an einem Restaurant vorbei. Der Kleine .entziffert mühsam den Werbespruch im Schaufenster: "Alle Tage Dönerstag!" Belehrt ihn seine Oma: "Dat heißt Donnerstach! Dat sind Türken, die könn'n kein richtiget Deutsch!"   
 

Schmunzelpost 398 vom 22. 5. 22

Jeder macht's auf seine Weise, der eine laut, der andre leise. Es gibt viele verschiedene Arten, die Dinge anzugehen. Beispielsweise kann man eine Schmunzelpost morgens ganz gemütlich schreiben, dreimal gegenlesen und verbessern und sich dabei alle Zeit der Welt lassen. Man kann aber auch nach Wasserburg fahren, spät zurückkommen und sich nach nervenaufreibender Verlängerung und Elfmeterschießen im Pokalfinale kurz vor Mitternacht an den PC setzen und schnell den fälligen Aktionstage-Beitrag in die Tasten hauen. 
 
Ob auch solche Arten gemeint sind, weiß ich nicht genau. Doch heute, am 22. Mai, ist der internationale Tag der Artenvielfalt. Und da lege ich die Betonung auf Vielfalt. Aber zugegeben: Dass wir etwas gegen das rasante Artensterben der Pflanzen und Tiere tun müssen, ist eindeutig wichtiger! 
 
Das belegt auch der Welt-Schildkrötentag am 23. Mai. Denn von den 322 Arten und 200 Unterarten der Schildkröten sind viele vom Aussterben bedroht und einige bereits unwiderruflich vom Erdball verschwunden. Dabei sind Schildkröten sehr bemerkenswerte Tiere. Seit 220 Millionen Jahren bevölkern sie die Erde. Eine Riesenschildkröte mit Namen Adwaita gilt als das Tier, das nachweislich am längsten in Gefangenschaft gelebt hat. 1750 auf den Seychellen aus dem Ei geschlüpft, verbrachte sie 256 Jahre (!) in verschiedenen Zoos, bevor sie am 22. März 2006 in Kalkutta ihr langes Leben aushauchte. Und wer behauptet, alle Schildkröten seien langsam? Die Lederschildkröte erreicht bis zu 35 km/h, das müssen wir ihr erst mal nachmachen! 
 
Doch wir gehen es lieber gelassen an. Und wo könnte man das besser tun, als in einem Park? Am 24. Mai wird der "Tag des Parks" begangen. Und wie könnten wir das anders feiern, als mit einem Spaziergang durch eine Parkanlage unserer Wahl? Am meisten schätze ich an Parks übrigens, dass man dort oft sehr schöne alte Bäume findet. In unseren "Wald" genannten Holzzuchtfarmen muss man meist ewig lange danach suchen. 
 
Nun noch schnell zum 25. Mai. Das ist der intergalaktische Tag des Handtuchs. Intergalaktisch? Jawohl! Der Tag ist dem bereits 2006 verstorbenen Autor Douglas Adams gewidmet, der mit der SF-Satire "Per Anhalter durch die Galaxis" einen weltweit erfolgreichen Klassiker schuf. Und darin steht schwarz auf weiß: "Wenn man völlig unerwartet von Außerirdischen entführt wird, ist ein Handtuch das nützlichste, was man dabei haben kann." Deshalb rät Douglas, stets ein Handtuch mit sich herumzutragen. Und seine Fans ergänzen: Auf jeden Fall am 25. Mai! 
 
So, jetzt werfe ich aus eingangs erläuterten Gründen für heute das Handtuch. Mal sehen, ob ich noch schnell ein Zugabe dazu hudeln kann. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Mütter können nicht nur Kinder, sondern auch Väter trösten. Doch manchmal geht das daneben. So umkreisten auf einem Spielplatz zwei kleine Mädchen immer wieder ihren Vater und riefen dabei zur Freude der Zuschauer: "Klein, dick und hässlich!" Da griff die Mutter ein und rief entrüstet: "Er ist nicht klein!" 

   

 Schmunzelpost 397 vom 21. 5. 22


Mit Inselrundfahrten kenne ich mich aus. Von Texel bis Terschelling, von Borkum bis Wangerooge, von Föhr bis Sylt bin ich an der Nordsee schon überall gewesen. Auch auf Helgoland. Und an der Ostsee kenne ich nicht nur die Inseln Pöhl, Hiddensee, Rügen und Usedom, sondern auch die Darß-Halbinsel und die dänische Insel Bornholm. Heute habe ich meiner Sammlung zwei neue Inseln hinzugefügt: Die Herreninsel und die Fraueninsel im Chiemsee. Nur die Krautinsel ist für Touristen gesperrt, dagegen ist kein Kraut gewachsen. 
 
Wie sich das aus Macho-Sicht gehört, ist die Herreninsel viel größer und mit einem Märchenschloss des durchgeknallten bayrischen Königs Ludwig II. ausgestattet. Zwar ist ihm am Ende das Geld ausgegangen, und das Schloss wurde nach Ludwigs Tod nicht mehr weiter ausgebaut. Aber allein die fertiggestellten Teile sind ein unglaubliches Zeugnis von Protz und Verschwendungssucht. Ludwig hat das Schloss zu Ehren seines Idols Ludwig des Vierzehnten errichtet, des französischen Sonnenkönigs und seines Schlosses Versailles. Während jedoch in Versailles im 17. Jahrhundert bis zu 5000 Menschen lebten, war Ludwig II. der Einzige, der mit seinen Dienern das Schloss Herrenchiemsee bewohnen durfte. Bei all dem Prunk und den kostbaren Sonderausstattungen der Orgie in Blattgold wundert es rückblickend nicht, dass der "Kini" 1886 für unzurechnungsfähig erklärt wurde. 
 
Bescheidenheit und Beständigkeit sind auf der benachbarten Fraueninsel zu finden. Das Kloster der Benediktinerinnen 
kann eine mehr als 1000-jährige Geschichte vorweisen, die erste Äbtissin war eine Enkelin von Karl dem Großen. Nette Häuschen, schöne Gärten und idyllische Ruheplätze am Seeufer locken genauso zum Verweilen wie grüne Biergärten. Letztere waren, das wird Euch nicht erstaunen, meine Favoriten. 
 
Dort habe ich darüber nachgedacht, was ich sonst noch über die Inseln der Welt weiß. England kam mir in den Sinn, die Brexit-Insel mit dem doppelten Boris, von denen leider nur einer wegen seiner Lügen im Gefängnis sitzt. Der größere Schwindler ist nicht nur auf freiem Fuß, sondern darf auch noch weiter regieren. Dann denke ich an Madagaskar und die Galapagos, Inseln, auf denen es seltene Tierarten gibt, die sonst nirgendwo auf dem Erdball zu finden sind. 
 
 Und welches ist die größte Insel der Welt? Ich tippe auf Grönland, ein schattiges Plätzchen Welt, in dem ich nicht zuhause sein möchte. Ein kurzer Blick ins Netz zeigt: Es stimmt, Grönland, das zu Dänemark gehört ist mit fast 2,2 Millionen Quadratkilometern größenmäßig unübertroffen. Allerdings sind rund 80 Prozent der Fläche von Eis bedeckt. Doch wer weiß? Vielleicht können unsere Urenkel dort eines Tages Bananen pflanzen. 
 
Neuguinea  mit 786 000 qkm und Borneo mit 751 900 qkm folgen auf Platz zwei und drei. Zur Einordnung: Deutschland ist nicht halb so groß wie Borneo. Trotzdem lebe ich lieber hier. Auf Borneo soll es noch Kannibalen gegen. Die kommen bei uns nur in den unterirdischen Kultstätten von Nord-Lüdenscheid vor, wo in den Katakomben unter einem Stadion Exzesse mit Menschenopfern begangen werden sollen. 
 
Doch wo gibt es die meisten Inseln? In der Karibik? Im pazifischen Ozean? Nichts da! Skandinavien liegt ganz weit vorn. Schweden verfügt über 267 570 Inseln, von denen jedoch nicht einmal 1000 bewohnt sind. Finnland weist 179 584 Inseln auf, und Norwegen bringt es auf rund 150 000..Erst weit dahinter folgen Kanada mit etwa 30 000 und Indonesien, mit 17 508 Inseln, wovon circa 6000 bewohnt sind. 
 
Und welches ist Eure Lieblingsinsel? Nach meiner suche ich noch: Es ist die Insel der Glückseligen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Zugabe stammt diesmal von der Insel der cleveren Mütter. Dort verabschiedet eine gerade ihre 11jährige Tochter in den Schulbus. Mutter: "Viel Spaß in der Schule." Tochter (sträubt sich einzusteigen): "Ich glaube, da gehe ich heut nicht hin!" Mutter: "Wie, da gehst Du nicht hin?" Tochter: "Ich fühle mich nicht so gut. Ich glaube, ich geh mit Dir wieder nach Hause." Die Mutter denkt kurz nach. Dann: "Pass auf, ich mach Dir ein Angebot. Du gehst heute in die Schule und dafür darfst Du die nächsten zwei Tage zu Hause bleiben." Tochter: "Was? Echt? Danke, Mama." (Springt in den Bus) Die Mutter wendet sich ab. Als sich die Bustüren schließen, ruft ihr die Tochter hinterher: "Warte ..... heute ist ja Freitag!"    
 

Schmunzelpost 396 vom 20. 5. 22 


Wenn man regelmäßig versucht, die Online-Kreuzworträtsel der Süddeutschen Zeitung zu lesen, lernt man ständig dazu. So erfuhr ich eben, dass es eine Sprache in Afrika gibt, die den Namen "Berta" trägt. Was mich sehr wundert. Berta hätte ich eher beim Kaffeekränzchen mit Luise und Mathilde vermutet, aber nicht in der Gesellschaft von Zulu und Swahili. Das findet Ihr spannend? Ihr möchtet mehr wissen? Bitte sehr! Diese Sprache erklingt nur in Äthiopien und im Sudan, wo ca. 150 000 Menschen des Berta-Stammes leben.
 
Unter den rund 200 Sprachen in Afrika, die nicht von den Kolonialherren eingeführt wurden, sind eine ganze Reihe, die nur von klitzekleinen Minderheiten beherrscht werden. Betrachten wir nur mal die Sprache Khoisan, die im südlichen Afrika von etwa 150000 Menschen gesprochen wird. Aber Khoisan teilt sich wiederum auf in Untergruppen. So gibt es vier Bereiche, in denen unterschiedliche Nord-Khoisan-Dialekte vorherrschen, sechs mit Süd-Khoisan-Varianten und ebenfalls sechs Zentral-Khoisan-Sprachen. Ob die Nutzer sich alle untereinander verstehen, kann ich nicht sagen. Lasst doch nur mal einen Sachsen, einen Nordfriesen und einen Oberbayern aufeinander einreden und Ihr kriegt eine Ahnung davon, was damals beim Turmbau zu Babel los war.
 
Ganz unten in der Auflistung seltener Sprachen steht übrigens Amarakaeri, das in Peru nur noch 500 Menschen beherrschen. Da ist sogar die Zahl der Science-Fiction-Fans größer, die sich fließend auf Klingonisch unterhalten können. Bemühen wir uns also nach Kräften, die deutsche Sprache mit all ihren regionalen Färbungen am Leben zu erhalten. Obwohl es für manche Sprachen sogar ein Leben nach dem Tode gibt. Für eine post-mortem-Existenz ist das Paradebeispiel und Corpus Delicti Latein.

Ich habe zwar nur das Asterix-Latinum, aber dennoch sind mir eine ganze Reihe von Begriffen geläufig, die ich, so der Status quo, ad hoc expressis verbis aufsagen kann. Gehen wir in medias res, am besten per pedes, und schauen wir, ob Latein de facto in aller Welt heimisch ist. Das fängt mit den 26 Buchstaben des lateinischen Alphabetes an. Und siehe da: Es gibt Verweigerer! 
 
Die Schweden verzichten auf das W, die Polen kommen ohne Q, V und X aus und die Isländer auf C, Q, W und Z. Rekordhalter sind die Italiener, die gleich auf fünf Buchstaben verzichten: J, K, W, X, Y. Hand aufs Herz: Meint Ihr nicht auch, dass wir im Deutschen ebenfalls das Y gut entbehren könnten? Es gibt keine einziges deutschstämmiges Wort, das mit Y beginnt. Und der Unmenge von Fremdwörtern - die Ihr alle spätestens seit dem heutigen Tag des Fremdwortes bestimmt fehlerfrei beherrscht - täte es gut, wenn sie sofort mit den Buchstaben geschrieben würden, mit denen sie ohnehin ausgesprochen werden: Joungster, Jacht, Joga sowie Derbi, Gulli, Püromane oder Caiberspace. 
 
Schöne Grüße nach Haltern-Sythen und 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auch die Zugabe dreht sich um Sprache. An der Theke einer Burger-King-Filiale steht eine junge Frau und ordert kurzangebunden: "Crispy Chicken!" Verkäufer: "Do you want something to drink?" Kundin (etwas irritiert): "Ähm, nein..." Verkäufer: "Do you want something else?" Kundin: "Ey, warum reden Sie eigentlich englisch mit mir?" Verkäufer: "Sie haben doch angefangen!"
 

Schmunzelpost 395vom 19. 5. 22 

"An der Spitze aller Kultur steht ein geistiges Wunder: die Sprachen!" Das sagte bereits im 19. Jahrhundert der Schweizer Humanist Jakob Christoph Burkhardt. Ich finde, er hat recht. Und daher ist klar, womit wir uns heute beschäftigen. Zum Aufwärmen und Einfühlen in das Tagesthema eine Frage:. Von welchem deutschen Hauptwort mit vier Buchstaben gibt es vier verschiedene Pluralformen? Na, kommt Ihr drauf? Denkt mal ein wenig nach. 
 
So, die dreißig Minuten Bedenkzeit sind abgelaufen. Für alle, die das Rätsel nicht lösen konnten: Die Auflösung folgt am Ende dieser Schmunzelpost. Vorher geht es jetzt um etwas anderes. Der Begriff "Plural" hat Euch vielleicht schon eingestimmt. Morgen, am 20. Mai, ist der "Tag des Fremdwortes", wie Ihr spätestens seit der gestrigen Schmunzelpost wisst. Darauf möchte ich Euch vorab ein wenig vorbereiten. 
 
Auch unter den Fremdwörtern, die hierzulande benutzt wurden, gibt es eine ganze Reihe, die vom Aussterben bedroht sind. Wenn Euch dennoch mal so ein Dinosaurier begegnet oder Ihr Gesprächspartner beeindrucken und testen wollt, ob sie ihre Unkenntnis gestehen und nachfragen, liste ich hier ein paar Begriffe auf. Falls Ihr zusammenzuckt, wenn vor Euch eine schwarze Katze die Straße überquert und Ihr nie unter einer Leiter her geht, dann seid Ihr superstitiös. Klingt doch viel imposanter als abergläubisch, oder? 
 
Wenn Ihr, wie ich, Lärm als Molestierung empfindet, dann seid Ihr bei solchen Belästigungen suszeptibel (empfindlich). Und wenn Ihr sehr lange vor Eurer Quieszenz die Subsellien gedrückt habt, dann wisst Ihr vielleicht noch, was ein Malefikant ist. (Die Übersetzung lautet Ruhestand, Schulbänke und Straftäter.) 
 
Es gibt auch eine Kategorie von Fremdwörtern, die uns geläufig sind, die aber anfangs eine ganz andere Bedeutung hatten. Dazu zählt "engagieren", womit früher zum Tanz aufgefordert wurde. Und der Cockpit wird heutzutage hoffentlich selten zum Kampfplatz, es sei denn, die Piloten tragen ihre Meinungsverschiedenheiten handgreiflich aus. Und wenn jemand als pragmatisch gilt, dann bedeutete das lange Zeit, er sei geschäftskundig. 
 
Nun zu Zeichenketten, die zwar keine Fremdwörter, für mich aber meistens böhmische Dörfer sind. Wenn ich diese Kürzelsprache sehe, muss ich manchmal lol - also lauthals lachen. Das kannte ich immerhin noch. Doch was ist mit 2 B or not 2 B? hegl, wenn Ihr das hingekriegt habt. j4f fyi: dubido bedeutet "Du bist doof!" Dazu sage ich me2. Und falls Ihr mir bis hierhin gefolgt seid, trotz der bisher nicht erfolgten Übersetzung von "Sein oder Nichtsein", "nur zum Spaß" und "zu Deiner Information", dann sage ich thx! 
 
gn8 
kdk (das bedeutet: Klaus-Dieter Krause) 
 
PS. Ich schulde Euch noch die Antwort auf die Eingangsfrage. Gesucht wurde das Wort "Band". Erste Mehrzahlform: Die Bänder (z.B. Tonbänder). Zweite Möglichkeit: Die Bände (z.B. Buchbände). Dritte Variante: Die Bands (z.B. Rockbands). Und Nummer vier: Die Bande (z.B. Familienbande). 
 

 Schmunzelpost 394 vom 18. 5. 22


Wer kuriose Aktionstage bekannt machen möchte, hat es nicht immer leicht. So meldet eine Internet-Seite, der "Auf-Arbeit-radeln-Tag" sei am 18. Mai. Andere behaupten, der Aktionstag werde am 17. 5. begangen. Wieder andere verkünden, jeweils am dritten Freitag im Mai solle zur Arbeit geradelt werden. Also 2022 am 20. Mai. Ja, was denn nun? Ich habe einen Lösungsvorschlag: Fahrt doch am besten an jedem Werktag mit dem Rad zur Arbeit! 
 
Mir als Rentner fällt es zwangsläufig schwer, der Aufforderung nachzukommen. Doch ich bin mit der noch arbeitenden Mehrheit der Bevölkerung solidarisch. Das habe ich durch eine schöne Radtour am Chiemsee-Ufer am 17. Mai bewiesen, das werde ich auch heute tun und selbst am 20. Mai! Allerdings füge ich mich nach wie vor nicht dem Appell der Krankenkassen, den diese mit dem  "Auf-Arbeit-radeln-Tag" verbinden. Einen Helm setze ich nicht auf! Er könnte ja beschädigt werden!  Das hat mein Sturz am Sonntag bewiesen, bei dem ich, wie berichtet, mir auch die Birne blutig gestoßen habe. Glücklicherweise hat mein Fahrradhelm keinen Kratzer bekommen. Er lag gut geschützt daheim im Schrank. 
 
Nicht weit davon entfernt maulen die Teller über diese Vorzugsbehandlung. "Der feine Herr Helm darf es sich gut gehen lassen, wird nie strapaziert und schon gar nicht heiß geduscht! Wir aber müssen dauernd in die Spülmaschine oder werden, noch schlimmer, per Hand abgebürstet und trocken gerieben." Ja, ja, ist ja schon gut! Bevor ihr noch schimpft, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank, plädiere ich dafür, den "Kein-schmutziges-Geschirr-Tag" am 19. Mai strikt einzuhalten. Wie man das macht? Einfach kein Geschirr benutzen! Geht zum Essen außer Haus! So macht Ihr daheim nichts schmutzig und erspart Euch den Abwasch. 
 
Wenn sich nur alles so leicht lösen ließe! Wie der Ochs vom Berge stehe ich vor dem 20. Mai, dem Fremdwort-Tag. Da soll man durch die Verwendung möglichst vieler Fremdwörter glänzen, indem man sie nicht nur gebraucht, sondern auch sinnvoll einsetzt. Leider bin ich völlig inkompetent. Die quantitative Linguistik ist für mich empirisch ein No-go. Also muss ich passen. Man sollte Fremdwörter auch wirklich beherrschen, um Spöttern Ravioli zu bieten.  
 
Ebenfalls passen werde ich am 21. Mai bei der Feier des "Welt-Whiskey-Tages", den, wen wundert's, die Schotten eingeführt haben. Warum ich nicht mitmache? Wenn Ihr mich so fragt, erzähle ich Euch nochmal die grausame Geschichte. Diejenigen, die sie schon kennen, können jetzt aufstehen und einen Whiskey trinken. 
 
Also: Es begab sich einst in Lünen, dass ein junger Mann, der damals versuchte, den Schwips-Vorsprung der Biertrinker durch den Konsum von Whiskey aufzuholen, mit einem guten Freund eine Wette abschloss. Der Freund, nennen wir ihn kurz  K., um ihn nicht bloßzustellen, hatte sich gerade von seiner Freundin getrennt und behauptete nun, sie werde bereits binnen eines Jahres mit einem anderen verheiratet sein. "Niemals!", hielt ich dagegen und lobte fünf Flaschen guten Whiskey als Wett-Einsatz aus. 
 
Es kam, wie es kommen musste: Drei Tage vor Ablauf des Jahres läuteten die Hochzeitsglocken. Und da Wettschulden Ehrenschulden sind, lud ich meine vier besten Freunde zum gemeinsamen Besäufnis in die Wohnung meiner Eltern ein, die gerade in Urlaub waren. K. verspätete sich ein paar Stunden, was uns andere nicht hinderte, vorzulegen. Als die dritte Flasche leer war, kippte gegen 23 Uhr der erste Trinker nach hinten weg und schlummerte fortan selig. K., der gerade eingetroffen war, sah das mit Bedauern. Um unseren Vorsprung aufzuholen, setzte er eine Flasche an den Hals, sagte: "Auf Ex!" und trank sie in einem Zug drei Viertel leer. 
 
Fortan konnten wir minütlich beobachten, wie zu viel Alkohol den Menschen verändert. Nach nur 30 Minuten verschwand K. im Badezimmer und ward eine Stunde lang nicht mehr gesehen. Dafür drangen aus dem Bad Geräusche, als würden dort mehrere Schweine geschlachtet. Dann ging die Tür auf und ein bleicher Zombie wankte heraus, legte sich zu Füßen des Schlummernden auf den Boden und versank ebenfalls in Morpheus Armen. Nachdem gegen vier Uhr auch die letzte Flasche endlich gemeinschaftlich geleert war, konnten wir die beiden Träumer mühsam wecken und ein torkelndes Quartett polterte die Treppe hinunter. Wie sie ohne Sturz unten heil angekommen sind, ist mir heute noch ein Rätsel. 
 
Doch nun stand mir die eigentliche Bewährungsprobe bevor. Mir selbst ging es auch nicht allzu gut, aber am Vormittag würden meine Eltern zurückkehren. Also begab ich mich ins Bad - und stolperte rückwärts wieder heraus. Eine Wanne sollte eigentlich mit Badewasser gefüllt sein. War sie aber nicht. Folglich verbrachte ich die nächste Stunde so: Eine Minute putzen, fünf Minuten den Kopf aus dem Fenster strecken, eine Minute putzen, fünf Minuten... 
 
Um die Sache abzukürzen: Ich habe es tatsächlich geschafft. Meine Eltern hatten vermutlich noch nie eine derart gründlich abgeschrubbte Wanne gesehen. Ich aber habe danach keinen einzigen Tropfen Whiskey mehr angerührt. 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 393 vom 17. 5. 22 

 

Eindringlich hatten Ärzte und Physiotherapeuten mich gewarnt. In den ersten Monaten nach der Hüft-OP sollte ich Stürze meiden wie ein Autobesitzer mit Schalke-Aufkleber das Parken in Nord-Lüdenscheid. Also nahm ich mir vor, besonders vorsichtig zu fahren. Das ging auch lange Zeit gut. Bis mir auf einem für beide Fahrtrichtungen freien Radweg eine Petrinum-Schülerin entgegen kam. Die Gute war von ihrem Handy so fasziniert, dass sie selbst meine warnenden Rufe nicht wahrnahm. Nur durch einen waghalsigen Schlenker, bei dem ich fast einen Brückenpfeiler gerammt hätte, konnte ich den Zusammenstoß vermeiden. Das Mädchen fuhr weiter, ohne den Blick zu heben. 
 
Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf fuhr ich noch vorsichtiger. Autos, Radler, Kinder, Rentner, Hunde - alles, was kreucht und fleucht, hatte ich auf dem Radar. Trotzdem schnappte am Chiemsee die Falle zu. Die Gefahr lauerte im Untergrund. Als ich über Metallplatten fuhr, die eine Abwasserinne bedeckten, versackte urplötzlich eine der Platten und nahm mein Vorderrad mit. Der Sturz war unvermeidlich. 
 
Immerhin hatte ich meine Lektion gelernt. "Schütz Deine Hüfte!", signalisierte mein Unterbewusstsein und meine Händen hielten sich daran. Sie federten den Sturz so ab, dass meine Hüfte unversehrt blieb. Leider brauchte ich noch eine dritte Stütze und tickte dem Kopf aufs Pflaster. Weil mein Schädel zu den eher unempfindlichen Körperteilen gehört, blieb es bis auf eine Platzwunde an der Stirn (und eine geprellte Hand) ohne größere Folgen. Ich konnte nach fünf Minuten die Fahrt fortsetzen. Künftig stehen neben Sand- und Schotterfallen sowie Schienenfugen auch Metallabdeckungen auf der roten Liste. Wahrscheinlich fällt mir nun ein Satelliten-Trümmerteil aufs Haupt. 
 
Besser als eine Atomrakete! Mal ganz abgesehen vom unberechenbaren Putin lauern auch bei Nuklearwaffen Gefahren überall, selbst dort, wo sie niemand vermutet. Null Risiko? Von wegen! Mit acht Nullen in Folge, einem kinderleicht zu knackenden Abschuss-Code, hatten die Amerikaner 1962 ihre "Minuteman-Raketen" ausgestattet. Erst nach 15 Jahren wurde der Code 1977 geändert. Zum Glück gab es damals noch keine Hacker. Aber Geheimdienste. Trotzdem lautete die lapidare Begründung des US-Militärs: "Bei einem Angriff durch Atomraketen zählt jede Sekunde. Ein komplexer Code hätte die Startzeit nur unnötig verlängert." Damit wurde die neunte Null hinzugefügt: Null Hirn! 
 
Funktionstüchtige graue Zellen waren einst auch bei Monarchen knapp. So konnten sich der Habsburger Karl V.  und Frankreichs Regent Franz I. nicht ausstehen. Statt miteinander zu reden, führten sie lieber Krieg. Bis das ihren Müttern zu bunt wurde: Am 5. August 1529 setzten sich Margaretha von Österreich und Luise von Savoyen zusammen und schlossen den sogenannten Damenfrieden. Lebt eigentlich die Mutter von Wladimir Putin noch? 
 
Ansonsten wurden Prinzen und Fürstensöhne extrem verzogen. Um für Missetaten zu büßen, schickten sie ihre "Prügelknaben" vor. Das waren Kinder, die mit ihnen zusammen aufwuchsen. Eigens zum Zweck für Taten gezüchtigt zu werden, die sie nicht begangen hatten. Nach Auffassung der adeligen Eltern traf das "Beiwohnen der Strafe" ihre Sprösslinge bereits hart genug. 
 
Trotzdem gab es Monarchen, die auch vernünftige Dinge taten. So setzte sich Friedrich II. in Preußen sehr dafür ein, dass Kartoffeln als Speise akzeptiert und so Hungersnöte eingedämmt werden konnten. Das Grab des alten Fritz wird daher bis heute mit Kartoffeln geschmückt. Da die Franzosen lange die Feldfrucht als vermeintlich ungenießbar verschmähten, wandte der französische Agrarwissenschaftler Antoine Parmentier, Berater von Ludwig XVI., einen genialen Trick an. Er ließ Kartoffelfelder rund um Paris tagsüber von Soldaten bewachen. Nachts zog sich das Militär in die Kasernen zurück. Dafür rückten dann zahlreiche diebische Pariser an: Was derart bewacht wurde, musste wertvoll sein! Die Kartoffel eroberte so die französische Küche. 
 
Was sagen wir dazu? Es lebe die dolle Knolle! Darauf eine Kartoffelsuppe! Oder einen Kartoffelsalat! Oder junge Pellkartoffeln. Oder leckere Bratkartoffeln. Oder ein schönes Gratin. Wie wäre es mit Kroketten? Oder Kartoffelpuffern? Zur Not tut es auch ein Kartoffelschnaps! 
 
Glückauf! 
kdk 
 
PS. Nachtrag zur gestrigen Lärmpost: Zwei Frauen aus Deuten und Lembeck haben sich jetzt per Brief an den RVR und die Bürgermeister von Schermbeck und Dorsten gewandt, um etwas gegen die Lärmverschmutzung zu tun. Ihr Anliegen: Ausgerechnet vom höchsten Punkt weit und breit schallt oft vom Schießstand am Freudenberg Geballer übers Land und erschreckt Tiere und Menschen. Gänzlich ohne Lärmschutz ist es höchste Zeit, der Knallerei Einhalt zu gebieten. Auch mit Blick auf die Flüchtlinge aus der Ukraine, für die Schüsse ein echter Alptraum sind! 
 
PPS. Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln! Die größte Kartoffel der Welt wurde 2017 von einem neuseeländischen Ehepaar geerntet und wog satte 7,9 Kilogramm, was zum Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde führte. Der im März 2022 wieder gestrichen wurde: Ein DNA-Test hatte ergeben, dass die Kartoffel gar keine Kartoffel war, sondern ein Kürbis-Abkömmling. Was ich dazu sage? Kartoffel oder Kürbis - Hauptsache, eine knorke Knolle! 
 

Schmunzelpost 392 vom 16. 5. 22

Was kann es an einem Sommertag im Frühling Schöneres geben? Wir sitzen unter Baumkronen in einem schattigen Biergarten nahe des Chiemsees. Das Essen schmeckt, das Wasser schmeckt, der Wein schmeckt auch. Was uns nicht schmeckt, sind die Begleitgeräusche. Auf der nahen Durchgangsstraße kommt offenbar jeder zweite Motorradfahrer Bayerns vorbei. Gleich zwei Ampeln verhindern, dass die Biker mit donnerndem Auspuff an uns vorbeisausen können. Was die Motorradfans jedoch nur anspornt, beim Stehen zu zeigen, was ihre Maschinen an Phon hergeben. Rrrrrrrooommm, rrrrrrooooommmm, brrrrroooooooooooooh! 
 
Wenn solch ein Geröhre zur Dauerkulisse wird, dann verwandeln sich Motorrad-Skeptiker in Motorrad-Hasser. Ich plädiere jetzt dafür, nach Pariser Vorbild auch in Deutschland ein neues Gesetz zu schaffen, das motorisierte Phon-Belästigung mit geharnischten Geldstrafen ahndet! Schauen wir doch mal, was erlaubt und was verboten ist. 
 
Nach deutscher Rechtslage sind maximal 78 Dezibel zulässig. Viele Maschinen übertreffen jedoch 100 db. Und die meisten Motorradfahrer finden das gut! Die Mehrheit lehnt leise Maschinen ab. Die Hersteller haben darauf geschmeidig reagiert und Auspuffklappen entwickelt, die sowohl den erlaubten wie auch den geliebten Sound zulassen. 
 
Nun ist individuell sehr verschieden, wie intensiv Geräusche sein müssen, damit jemand genervt wird. Doch es gibt auch wissenschaftlich belegte gesundheitliche Grenzen. Bereits eine andauernde Lärmbelastung von 80 db kann krank machen. Und die Schmerzgrenze, bei der akute Schädigungen drohen, liegt bei etwa 115 db. Dabei spielt auch der Abstand zur Lärmquelle eine wesentliche Rolle. Ein Presslufthammer kommt aus 10 m Entfernung bereits auf 100 db. Näher sollte man sich nur mit Schallschutz auf den Ohren heranwagen. 
 
Wortwörtlich aufgehorcht habe ich, als ich las, dass mein bisheriges Hassobjekt Nummer eins mitunter Presslufthämmer locker übertrifft: Der Laubsauger, des eifrigen Saubermanns liebstes Spielzeug. Dagegen erreichen ältere Staubsauger in einem Meter Entfernung gerade mal schlappe 70 db. Ebenfalls nicht allzu lieb habe ich Motorsägen. Wenn sich Dir jemand mit laufender Kettensäge nähert, solltest Du Dich schnell aus dem Staub machen. Nicht nur, weil es sich um den berühmten Kettensägen-Mörder handeln könnte. Denn bevor er überhaupt so nahe ist, dass er Dir ein paar Finger oder weniger wichtige Körperteile wie den Kopf amputieren kann, hat er schon mit Phonwerten von mehr als 110 db Dein Gehör ruiniert. 
 
Es drohen noch ganz andere Gefahren. Wer sich bei AC/DC-Konzerten zu nah an die Lautsprecherboxen herantraut, der kann unter Umständen beobachten, wie seine Trommelfelle versuchen aus dem Saal zu fliehen. Und, liebe Fußballer, fürchtet Euch vor dem schwarzen Mann! Ein Trillerpfeifen-Pfiff direkt neben Eurem Ohr übertrifft locker 120 db. Und wer sich in Discotheken der Dauerdröhnung mit 110 db aussetzt, der sollte sich schon mal vorsorglich einen Termin im Hörgeräte-Studio sichern. 
 
Aber es geht noch mehr. Wohl kaum werdet Ihr in nur 30 m Entfernung dem Start eines Düsenflugzeugs lauschen wollen (140 db). Doch wenn Dir ein besoffener Spaßvogel zu Silvester einen Feuerwerksböller auf die Schulter legt und zündet, hat er den Schuss nicht gehört und Du hörst künftig gar nix mehr (170 db). Entfaltet sich beim Autounfall der Airbag, dann kann Dir das Dein Leben retten, aber Dich Dein Hörvermögen kosten (160 db), falls der Abstand geringer als 30 cm ist. Eine Ohrfeige kann ebenso verheerend sein, falls sie voll aufs Ohr trifft. Durch den Druck können bis zu 170 db entstehen. Und Frieden sollte man schon deshalb ohne Waffen schaffen, weil das Abfeuern schwerer Waffen im Umkreis von 10 m 190 db verursacht. Das kommt dem Maximal-Lautstärke-Wert von 194 db gefährlich nahe. 
 
Was ich Euch stattdessen wünsche? Dass Ihr öfter mal dem Rascheln von Blättern lauschen könnt. Das entspannt und erzeugt maximal 10 db. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Eine nervende Lärmquelle sollte noch erwähnt werden. Unser Ferienhäuschen ist an sich ein Volltreffer. Wirklich alles da, was der Mensch braucht, dazu ein großer, grüner Garten. Nur führt bloß 25 m entfernt die Bahnstrecke München-Salzburg an unserem Domizil vorbei. Habe ich schon mal erwähnt, dass Ohrenstöpsel zu den segensreichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte gehören? 

 

Schmunzelpost 391 vom 15. 5. 22 

Statt zur Nordsee vom Blauen See zum Chiemsee! Da könnt Ihr mal se-en, wie viel Lippeufer-Bewohnern das Wasser bedeutet. Sogar die Pointen (se-en) sind äußerst wässrig und treiben dem Leser die Tränen in die Augen. 
 
Ich beanspruche aber mildernde Umstände. Die Anreise war lang, der Stau mittendrin war es auch. Und bis ich dann in der FeWo ins Internet gekommen bin, das war für einen Computer-Steinzeitler wie mich schwieriger als mittels eines Feuersteins ein Feuer zu entfachen und mich per Rauchzeichen zu melden. Aber um mit Boris zu sprechen: Jetzt bin ich drin! Was auch für ihn gilt - doch das ist eine andere Geschichte. 
 
Heute werde ich mich, die Einleitung lässt es Euch bereits ahnen, mit Seen beschäftigen. Der größte See der Welt ist dem Namen nach ein Meer. Doch das Kaspische Meer ist nach Ansicht der Geologen ein Binnensee. Es liegt zwischen Russland, dem Iran, Turkmenistan, Kasachstan und Turkmenistan und weist die gewaltige Fläche von 386 400 Quadratkilometern auf. Dagegen wirkt der zweitgrößte See der Welt, der Obere See zwischen den USA und Kanada, mit 82 419 qkm fast mickrig. Als Nummer drei folgt der Victoriasee in Tansania, Uganda und Kenia, der 68 894 qkm groß ist. 
 
Europas Seen sind noch ein paar Nummer kleiner. Der Ladogasee in Russland ist 17 700 qkm groß und maximal 230 m tief. Erst auf Rang vier findet sich ein skandinavischer See, der Vänern in Schweden (5519 qkm). Und der Bodensee, den wir mit Österreich und der Schweiz teilen, ist lediglich der drittgrößte mitteleuropäische See. Der Plattensee in Ungarn und der Genfer See sind größer. Erst auf Platz 146 der Liste findet sich ein "reindeutsches" Gewässer, der Müritzsee. Er bringt es auf gerade mal 113 qkm und ist am tiefsten Punkt 31 m tief. Da hat der Bodensee mit 251 m Maximaltiefe mehr zu bieten. Aber er kann gegen den tiefsten See der Welt nicht anstinken. Im Baikalsee geht es bis zu 1642 m hinab.  
 
Diese Wasserfakten sind Euch zu trocken? Das habt Ihr alles schon mal im Lexikon nachgelesen. Okay! Dann erfahrt Ihr jetzt einiges über Seen, was nur die Schmunzelpost verrät. Fangen wir aber zunächst mit einem Superlativ an, nachdem man am besten Kinder befragen sollte. Welcher See hat den lustigsten Namen? Ganz klar: Der Titicaca-See! 
 
Nächste Frage: Dass es auf der Welt einige Salzseen gibt, ist allgemein bekannt. Aber gibt es auch einen Zuckersee? Ja, den gibt es! Durch den fortschreitenden Klimawandel ist in Brasilien der Zuckerhut abgeschmolzen und am Fuße des Berges hat sich ein See gebildet, aus dessen Wasser sich ganz ohne Rohr und Rübe Zucker gewinnen lässt! 
 
Liegt Ihr schon im Zuckerkoma? Es kommt noch wüster: Beim Begriff Tiefsee habt Ihr bisher an die untersten Etagen der Ozeane gedacht, wo in völliger Dunkelheit und unter enormen Druck äußerst bizarre Lebewesen unterwegs sind. Der echte Tiefsee aber, das haben reisefreudige Bayern aus erster Hand nach zehn bis zwanzig Pilsken bei ihrem Abenteuerurlaub im Ruhrgebiet von Einheimischen erfahren, befindet sich unter Tage im Revier. Wie Reiseführer Frank Goosen den Bajuwaren versicherte, waren es die Pottbürger schon lange leid, aus ihren Wohnungen in Stollen und Schächten zum Baden immer wieder an die Oberfläche zu müssen. 
 
 Nachdem die Nachkommen der Knappen zuerst zum Frühstück an einem Stück Kohle , an Feiertagen, wenn Schalke wieder mal die Borussen geputzt hat, darf es auch schon mal ein Brikett sein, vergnügen sie sich jetzt in einem unterirdischen Surferparadies, das die Kumpels in weiser Voraussicht in Tiefe der siebten Sohle als Verbundsystem alter Zechen geschaffen haben. Das Grubenwasser ist 1500 Meter unter der Oberfläche angenehm warm. Dank moderner Technik kann auf dem Tiefsee sogar gesegelt werden. Und wer einen schwarzen Hai angelt, bringt sogar eine leckere Delikatesse mit nach Hause. 
 
Da unten sei es viel zu dunkel, meint Ihr? Dazu müsst Ihr wissen, dass der letzten Bergmanns-Generation leistungsfähige Grubenlampen in die Stirn implantiert worden sind. Das haben mir jedenfalls meine neuen bayerischen Freunde beim Willkommenstrunk am Chiemsee erzählt. Ich revanchierte mich, indem ich sie über die wahre Bedeutung von "Hochsee" und "Tiefsee" aufklärte. Doch damit will ich Euch jetzt nicht auch noch behelligen, weil Ihr wahrscheinlich frühstücken wollt. Wie wäre es heute zur Abwechslung mal mit einer Schüppe leckerem Koks? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Kennt Ihr übrigens schon die Alternative für vegane Ruhrgebietler, die auf Eierkohle verzichten möchten? Grubenholzpellets!  

 

Schmunzelpost 390 vom 14. 5. 22

 

In aller Herrgottsfrühe, also so gegen 10 Uhr, werden wir heute Morgen in Richtung Süden aufbrechen. Da passt es ausgesprochen gut, dass der Aktionstage-Kalender am 2. Samstag im Mai, also diesmal am 14. 5., den "Weltzugvogeltag" ausweist. Ich hatte zuerst überlegt, Euch aus diesem Anlass statt einer Mail eine Brieftaube zu schicken. Aber das sind ja keine echten Zugvögel. 
 
Die Richtigen sind leider auf ihrem langen Flug ins jeweilige Sommer- bzw. Winterrevier etlichen Gefahren ausgesetzt. Nicht von ungefähr war es eine UN-Organisation, die diesen Aktionstag bereits 2006 begründet hat. Leider lassen sich Vogeljäger, die sich auf die Tradition berufen, dadurch meist nicht beeindrucken. 
 
Bei unserem Flug zum Chiemsee-Urlaub - wegen der weiten Strecke werde ich ordentlich Gas geben und habe unseren Caddy vorher mit Stummelflügeln ausgerüstet, so dass dem Abheben nichts im Wege steht - werden wir außerdem darauf achten, dass wir keinen Zugvögel-Banditen ins Netz gehen. Aus traditionellen Gründen erlegen manche Bayern immer noch hin und wieder ein paar komische Vögel aus Preußen. 
 
Am 15. Mai folgt dann der Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerer. Auch ich habe mich seinerzeit dagegen gewehrt, zur Bundeswehr eingezogen zu werden. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, auf Menschen zu schießen, die wahrscheinlich ebenso wenig kriegsbegeistert waren wie ich, von ihrem Staat aber zum Wehrdienst gezwungen wurden. 
 
Durch Putin bin ich heftig ins Grübeln gekommen. Klar, ich bin immer noch dafür, alle Verhandlungsmöglichkeiten auszuschöpfen, um den Frieden zu wahren. Aber was wäre, wenn ich in der Ukraine leben würde und miterleben müsste, wie die Angreifer nicht nur Soldaten, sondern auch hilflose Zivilisten abschlachten? Unter solchen Umständen würde auch ich mich zur Wehr setzen wollen, auch wenn ich jetzt nicht weiß, ob ich es tatsächlich fertig brächte, andere Menschen zu töten. 
 
Aus dem Dunkel ins Licht. Der 16. Mai ist der Internationale Tag des Lichtes. Seit langem haben wir Menschen erkannt, dass wir außer der Luft auch das Licht zum Leben brauchen. Und seitdem Sonne, Mond und Sterne nicht mehr die einzigen Lichtquellen sind, haben wir zahlreiche Möglichkeiten ausgetüftelt, unsere Umgebung zu erhellen. So hat die UNESCO 2018 den 16.5. zum Tag des Lichts ausgerufen, um dessen Bedeutung weltweit zu würdigen. Allerdings sollten wir dabei auch über die Schattenseiten, wie z.B. die Folgen der nächtlichen "Lichtverschmutzung" nachdenken. 
 
Ich wünsche Euch für diesen Tag zahlreiche Erleuchtungen. Leider ist meine Hoffnung, dass auch Wladimir Putin endlich ein Licht aufgeht, ziemlich unterbelichtet. 
 
Der 17. Mai ist der Weltfernmeldetag. Er soll an die Gründung des Weltverbandes für Telekommunikation erinnern, der bereits im Mai 1865 erfolgte. Wer aber hoffte, dass weltweite Kommunikation auch  zu Verständigung und Frieden führen würde, sah sich bis heute getäuscht. Vor allem bei kriegerischen Konflikten spielte das Fernmeldewesen stets eine wichtige Rolle. Und so war es das Militär, dass die Technik immer wieder nach vorne brachte. Vielleicht ließe sich ja durch eine Zusammenlegung mit dem Tag des Lichts etwas gegen die dunklen Seiten tun... 
 
Ich werde jedenfalls versuchen, den Tag auf positive Weise zu begehen und mich aus der Ferne bei Euch melden! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Kleinsten sind manchmal die Größten! Der Rubinkehlkolibri ist nur 9 cm groß und wiegt lediglich 6 Gramm. Trotzdem legt der winzige Zugvogel rund 2200 Kilometer quer über den Golf von Mexiko zurück. Deutlich übertroffen wird er jedoch vom Rekordhalter, der Küstenseeschwalbe. Aber die wiegt ja auch 100 Gramm! Dieser Vogel fliegt in zwölf Monaten zwischen Nord- und Südpol hin und her und bringt es auf 70 000 Kilometer. Dabei huldigt die Küstenseeschwalbe dem Tag des Lichts. An acht Monaten scheint für sie den ganzen Tag ununterbrochen die Sonne, nur rund um den Äquator kriegt sie ab und zu auch mal Sterne zu sehen. 

 Schmunzelpost 389 vom 13. 5. 22


Nachdem ich Euch gestern mit technischen Problemen strapaziert habe, gibt es heute leichte Kost aus dem Kulturleben. Im Laufe der Jahre hat die Presse reichlich Stoff für einen Stilblüten-Sammlung geliefert. 
 
Diesen Satz hat einst im "Stern" vermutlich eine frisch geschiedene Sternschnuppe formuliert: "Im Gegensatz zu Romeo und Julia geht diese Liebesgeschichte böse aus: Die beiden kriegen sich." Na ja, weiß ja jeder, eine unglückliche Ehe kann schlimmer sein als der Tod! Doch vielleicht hat der Stern ja auch die lange verschollenen Tagebücher von William Shakespeare aufgekauft. Und darin fand sich eine Alternativ-Fassung von Romeo und Julia mit Happy End: Es war tatsächlich die Nachtigall und nicht die Lerche. 
 
Bei der Lektüre der "Zeit" bekam ich früher vor Staunen oft eine Maulsperre. Und angesichts derartiger Sprachgewalt befiel mich der grüne Neid: "Der Denk-Gestus des aktiven Warten im Sinn-Vakuum der Moderne - Zur Konstitution und Tragweite des Realitätskonzeptes Siegfried Kracauers in spezieller Rücksicht auf Walter Benjamin." Das hört sich so aufregend an, dass man am liebsten sofort einschla..., äh, einsteigen möchte, um das Sinn-Vakuum mit aktivem Warten auf eine Erleuchtung zu füllen. 
 
Da mochte ein Kulturredakteur des "Tagesspiegel" in seinem Artikel über Werke des Malers Georg Schrimpf nicht nachstehen: "Mit sanft gekurvten, behutsam plastisch gehöhten und etwas brezelhaft rhythmisierten braunen Figuren hob er an, fließende Linien bedeuteten ihm damals 'verkörperte Melodien'." Etwas rätselhaft bleibt das "brezelhaft", ansonsten ein behutsam gekurvter, plastisch rhythmisierter Text. 
 
Wie der Leser unschwer wittern kann, ist dieses Zitat aus der "Weltwoche" ein Nachtrag zur Pups-Post von vorgestern: "Wie ein Leser unschwer sehen mag, sind die Winde, die Rilke einst auf den Fluren losgelassen hat, in diesem Gedicht, zu einem giftigen Politfurz mutiert, wieder aufgetaucht." Überhaupt neigen die Kritiker der "Weltwoche" zu drastischen Urteilen wie hier über den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb: "Was sie dann absonderten, hatte den Nervenkitzel einer Sakristei und war von der Sinnlichkeit eines gekachelten Kreissaals."
  
Klare Worte, wie sie auch die "Stuttgarter Zeitung über eine sadistische Hochschul-Leitung fand: "Studenten geht es schlechter - Universität Konstanz mit ihrer Entwicklung zufrieden." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Notleidende, unterernährte Studenten - das muss ins Auge gehen! Und wirkt womöglich bis in den Denk-Gestus, wie folgender Wortwechsel einer Uni-Mensa vermuten lässt. 
Student 1: "Der Guttenberg hat sich ja mit seiner Doktorarbeit selbst ein Ei gelegt, wa?" 
Student 2: "Wieso denn?"
Student 1: "Na, Mann, der hat doch Plagiat gemacht. Das haben sie rausbekommen und jetzt steht er dumm da!" 
Student 3: "Quatsch, das war ein anderer. Der Guttenberg hat nur abgeschrieben!"  
 

Schmunzelpost 388 vom 12. 5. 22 


Auch ohne echte Schicksalsschläge können einem die kleinen Dramen des Alltags das Leben schwer machen. Sobald es Probleme gibt, birgt vor allem der Umgang mit großen Telekommunikations-Unternehmen zahlreiche Quellen des Ärgers.
 
1. Akt. Es fing ganz harmlos an. Bei einer Doppelkopfrunde erfuhr ich, wie ich eine technische Lücke leicht schließen könnte. In meinem "Heimstadion", dem kleinen Zimmer im Obergeschoss mit dem Sky-Fernseher, versuchte ich bisher vergeblich, das TV-Gerät ans WLAN-Netz anzuschließen. Der Router steht im Erdgeschoss, wahrscheinlich schirmt die Fußbodenheizung die Datenübertragung nach oben ab. "Das lässt sich mit einem Repeater leicht lösen", lautete das Patentrezept.

Also marschierte ich in den T-Punkt, um mir so einen WLAN-Verstärker zu besorgen. "Da weiß ich etwas Besseres", versicherte mir der Telekom-Mitarbeiter, "ihr Router ist veraltet. Ersetzen Sie ihn durch ein neues Speedport, dass Sie für einen ganz geringen monatlichen Aufpreis bei uns mieten können. Das Gerät ist viel leistungsfähiger und Sie werden wahrscheinlich keinen Verstärker brauchen."

Gesagt, getan. War schon der Router-Austausch für eine technische Niete wie mich eine Herausforderung, so verzweifelte ich daran, meinen PC im Arbeitszimmer drahtlos mit dem Speedport zu verbinden. Es gab eine neue WLAN-Adresse und einen Tausendfüßler-Zahlenschlüssel, die mein Computer zwar zur Kenntnis nahm, aber die Kooperation konsequent verweigerte. Alle Versuche, ins Internet zu kommen, schlugen fehl.

Der Witz war, dass die Gebrauchsanweisung mir Hilfestellung versprach, die ich mir jedoch Online besorgen müsse. Selbst bei einer Adresse, die ohne Online-Anschluss erreicht werden könne, las ich auf meinem Bildschirm aber regelmäßig: "Die Seite kann nicht angezeigt werden. Versuchen Sie es nochmal!"

2. Akt. Widerwillig wählte ich die Nummer der Hotline, über die mir fernmündlich geholfen werden sollte. Damit hatte ich schon oft negative Erfahrungen gemacht. Nach dem üblichen Prozedere mit einer Geisterstimme und deren Hinweis, dass ich mich doch am besten per Internet informieren solle (ha, ha, ha!), hatte ich endlich einen Techniker an der Strippe. Der hörte sich mein Problem an und erzählte mir dann, dass der örtliche Verkäufer Blödsinn erzählt habe: "Das neue Speedport bringt es allein nicht, Sie brauchen auch noch mindestens einen WLAN-Verstärker. Den können Sie gegen einen ganz geringen monatlichen Aufpreis bei uns mieten." "Komme ich danach wieder ins Netz?" fragte ich argwöhnisch. "Ganz bestimmt. Und wenn Sie es allein nicht schaffen, rufen Sie nochmal an, gemeinsam bekommen wir das hin."

Gesagt, getan. Der WLAN-Verstärker kam per Post ins Haus. Und es gelang mir relativ schnell, ihn anzuschließen. Sogar die Netzanbindung des TV-Gerätes funktionierte. Nur mein PC weigerte sich weiterhin beharrlich, eine Internet-Seite aufzurufen, selbst als ich ihn über Umwege ans WLAN-Netz bekommen hatte.

3. Akt. Ich rief erneut bei der Hotline an. Nach dem üblichen langen Vorlauf hörte sich ein anderer Techniker mein Problem an und suchte nach einer Lösung. Mitten im Gespräch war die Verbindung jedoch plötzlich unterbrochen. Ich musste nochmal von vorn anfangen und hatte diesmal das Vergnügen mit einem Telekom-Mitarbeiter, der schlecht Deutsch, dafür aber gut fachchinesisch sprach. Er verlangte von mir, mich hier einzuloggen und dort zu klicken und noch andere Sachen zu probieren - wobei ich überhaupt nicht kapierte, was er von mir wollte.

Schließlich seufzte er und riet mir, eine andere Nummer anzurufen und mir von Spezialisten helfen zu lassen. "Das ist gegen einen geringen monatlichen Aufpreis möglich. Und die Kollegen kommen im Bedarfsfall sogar zweimal im Jahr zu Ihnen nach Hause." "Moment mal," schimpfte ich, "ich habe jetzt schon zweimal draufgezahlt, da muss der Anschluss doch ohne Zusatzkosten möglich sein." "Dann suchen Sie sich am besten einen jungen Mann, der sich gut mit Computern auskennt!"

4. Akt. Wutschnaubend legte ich auf. Kurz danach bekam ich über mein Smartphone eine Nachricht von der Telekom. "Unsere Techniker haben Ihr Problem jetzt behoben." Erwartungsvoll setzte ich mich an den PC. Ich hätte es wissen müssen: "Diese Seite kann nicht angezeigt werden." Zurück ans Smartphone: "Rückruf nicht möglich. Schicken Sie uns bitte eine Online-Nachricht." 
Eine Stunde später die nächste Nachricht mit der Frage: "Konnte Ihr Problem gelöst werden?" Ich tippte ein: "Nein, konnte es nicht!" Eine weitere Stunde später die nächste Nachricht: "Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit unserer Mitarbeiter". Ich: "Grrrrrr! Humpffff!" 
Einen Tag später eine weitere Nachricht: "Haben wir Ihr Anliegen gelöst? Bitte geben Sie uns ein Feedback über den Link "https//....". Ich: "Wollt Ihr mich verarschen, oder was?" 
 
Da sitz' ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Und wenn ich nicht gestorben bin, dann ärger ich mich immer noch! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Falls Ihr trotz der vielen Details bis hierher durchgehalten habt, fragt Ihr Euch vielleicht, wie ich unter solchen Umständen diese Mail senden konnte. Nun, ich habe den alten Router wieder angeschlossen. Nun funktioniert jedoch der WLAN-Verstärker nicht mehr, und das TV-Gerät ist nicht mehr am Netz. Alles wieder auf Anfang! 
 
PPS. Die Telekom hat das Glück, dass ich von Vodafone noch schlimmere Geschichten gehört habe.  

Schmunzelpost 387 vom 11. 5. 22 


Äußerst beliebt bei kleinen Lesern ist das Bilderbuch vom Maulwurf, der wutentbrannt denjenigen sucht, der ihm einen Haufen auf den Kopf gesetzt hat. Fäkalwitze und Fürze erheitern den Nachwuchs ganz besonders. So lag es nahe, dass die Süddeutsche Zeitung sich auf ihrer Kinderseite ausführlich mit dem Pups beschäftigte. Und da die anale Phase auch bei vielen Erwachsenen noch andauert, fasse ich heute die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. 
 
Bereits die Überschrift hat mir gefallen: "Ups, Pups! Über kleine und große Stinker im Tierreich - und was die Natur sich davon verspricht!" Denn eine heftige Blähung zur rechten Zeit kann sogar das Leben retten. Deshalb setzt die Arizona-Korallenschlange Pupse gezielt zur Verteidigung ein. Sie ist zwar auch giftig, aber es dauert sehr lange bis sich nach einem Biss neues Gift gebildet hat. Und das braucht die Schlange, um Beute zu machen. 
 
Stattdessen atmet sie tief ein, wenn Gefahr droht. Dann drückt sie die Luft mit Macht aus ihrer Kloake, wobei ein lauter Knall entsteht. Der schlägt die meisten Feinde in die Flucht. Schade, dass diese Strategie bei uns Menschen wenig Erfolg verspricht. 
 
Seekühe hingegen wissen ihre Abgase ganz anders einzusetzen. Sie verschlingen bis zu 100 Kilo Gras und Algen am Tag. Dadurch entsteht reichlich Biogas, das die Tiere zum Auf- und Abtauchen nutzen. Wollen sie in die Tiefe tauchen, pupsen sie kräftig, damit die Luft aus ihrem Körper entweicht und sie weniger Auftrieb haben. Andersherum funktioniert das auch: Wollen sie auftauchen, dann verkneifen sich die Seekühe den Pups und das Gas im Körper hilft ihnen nach oben. 
 
Wo wir schon unter Wasser unterwegs sind: Die Redensart "stumm wie ein Fisch" ist Blödsinn. Denn auch im Wasser wird munter kommuniziert. Auf ganz unterschiedliche Weise. Die Walgesänge kennt jeder. Aber wisst Ihr auch, wie Heringe sich austauschen? Jawohl, angesichts des Tagesthemas gut kombiniert: Sie pupsen! An der Oberfläche speichern sie Luft in ihrer Schwimmblase. Und wenn es etwas mitzuteilen gibt, drücken Heringe einfach Luft aus ihrem Po. Eine Herings-Äußerung kann bis zu sieben Sekunden dauern und enthält hohe und tiefe Töne, die an ihren Schwarm adressiert sind. Was so ein Hering wohl zu sagen hat? Vielleicht: "Wer zum Teufel ist dieser Bismarck?" 
 
Vor 100 Millionen Jahre hätte es uns Menschen auf der Erde mächtig gestunken. Grund waren die heftigsten Furzer der Geschichte. Die Pflanzenfresser unter den Dinosauriern vertilgten jeden Tag Unmengen von Grünzeug. In ihrem Verdauungstrakt entstanden daher viele Gase - und die mussten raus. Forscher meinen, dass die Dino-Fürze nicht nur laut und stinkig waren, sondern durch ihren hohen Methan-Gehalt die Welt auch warm und feucht hielten. Der Verdacht liegt nahe, dass T-Rex sich bei der Jagd mit seinen kurzen Ärmchen die Nase zugehalten hat. 
 
Zu den größten Stinkern der Gegenwart zählen die Nashörner. Sie fressen viel schwer verdauliche Pflanzen, Blätter und Äste. Daher stinkt ein Nashorn-Furz ganz gewaltig. Und der kleine Maulwurf hat Glück, wenn es kein Nashorn war, das ihm auf den Kopf geschissen hat. Denn deren Haufen sorgen lange für dicke Luft. Nicht ohne Grund. Die Dickhäuter koten bevorzugt auf die gleiche Stelle, wodurch ein riesiger Misthaufen entsteht. Und der Duft verrät ihren Artgenossen, ob sie gesund und paarungswillig sind. Eine Eigenschaft, die wir zum Glück nicht von den Nashörnern übernommen haben. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Das stinkt zum Himmel: Furzen kann auch eine Kunst sein. Um 1900 etwa waren Kunstfurzer, die ganze Melodien in den Saal zaubern konnten, sehr beliebt. Der bekannteste war Joseph Pujol, der in Paris im Moulin Rouge Erfolge feierte. Andre Heller gab den Flatulenz-Artisten in seinem Vergnügungspark "Luna Luna" 1987 eine neue Chance. Im "Palast der Winde" durften sie ihr Können demonstrieren. Der erfolgreichste Kunstfurzer der Neuzeit war Paul Oldfield. Er setzte sich zwar 2006 zur Ruhe, gibt aber immer wieder TV-Sendern Kostproben seines Könnens. So 2009 in der "Supertalent"-Show von RTL und 2020 bei Pro Sieben. Dufte, was?  

 

 Schmunzelpost 386 vom 10. 5. 22

Na? Gestern alle verlorenen Socken wieder gefunden? Da wir auf dem Laufenden bleiben wollen, geht es heute mit der Liste besonderer Tage weiter. Los geht es mit dem "Tag des freien Buches" am 10. Mai. 
 
Was? Schon wieder? War nicht bereits am 23. April der Welttag des Buches? Ja, das ist richtig. Doch ausnahmsweise nehme ich in meine Aufzählung mal keinen kuriosen Aktionstag, sondern einen Gedenktag auf. Am 10. Mai 1933 haben die Nazis missliebige Bücher verbrannt und deren Autoren geächtet. Um daran zu erinnern und Wiederholungen auszuschließen, erklärten die vier Siegermächte 1947 in Deutschland dieses Datum zum "Tag des freien Buches". In der DDR hatte er danach zunächst als "Tag des Buches" besondere Bedeutung. Ironie der Geschichte: Gerade dort und auch in der Sowjetunion schlug bald die staatliche Zensur wieder gnadenlos zu. Und da gegenwärtig, wie im Iran, der Türkei und China, die Rotstifte immer hemmungsloser eingesetzt werden, soll dieser Tag wieder stärker aufzeigen, wie wichtig für uns alle der freie Zugang zu Büchern ist. 
 
Auch der Aktionstag am 11. Mai setzt sich für die Freiheit ein. Allerdings sollte man am "Iss-was-Du-willst-Tag" trotzdem nicht die Selbstbeherrschung verlieren und riesige Portionen ungesunden Fraßes in sich hinein stopfen. Doch so ist es auch nicht gemeint. Nicht nur als Zeichen gegen den Diäten-Wahn: Manchmal tut es einfach gut, sich ausnahmsweise mal was Leckeres zu gönnen, das sonst auf der Verbotsliste steht. 
 
Apropos Verbot: In meiner Kindheit führten Lehrer und andere lästige Erwachsene einen Feldzug gegen sogenannten Schund. Damit meinten sie vor allem auch die Bilderheftchen mit den Abenteuern von Micky Maus, Fix und Foxi, Tibor, dem Helden des Dschungels und Nick, dem Weltraumfahrer. Die leichte Kost und besonders die Stammelsprache würden verhindern, dass wir richtig sprechen und lesen lernen und bewirken, dass wir dann das "gute Buch" links liegen ließen. Quatsch! 
 
Nach dem Bilderbuch waren Comics genau das richtige Lesefutter, um die Freude am Lesen zu wecken und Lust auf Bücher zu erzeugen. Zum Glück ist ein Sinneswandel eingetreten. Manche Comics haben sogar Kult- bzw. Kunst-Status erlangt. Und den Gratis-Comic-Tag am 12. Mai kann ich nur unterstützen. Kicher, kicher, lach, lach! 
 
Auf den Erfolg solcher Aktionstage können wir dann am 13. Mai anstoßen. Hoffentlich sind wir danach eher gerührt als geschüttelt. Denn der 13. 5. ist der Internationale Tag des Cocktails. Und dafür gilt genauso wie für Bücher und Comics: Auf die richtigen Zutaten und vor allem den Inhalt kommt es an! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Lesen bildet! Das unterstreicht auch die heutige Zugabe. Vor den Toilettenanlagen eines großen Lokals auf Mallorca wartet ein dunkelhäutiger Klomann auf Kundschaft. Als Zeitvertreib hat er sich Lektüre bereit gelegt, einen englischen Superhelden-Comic und einen deutschen Krimi. Darüber führt er ein längeres Gespräch mit einem englischen Gast. Ein deutscher Tourist bemerkt das und staunt: "Ey, Du sprichst ja viel besser Englisch wie ich!" Darauf der Klomann: "Ich glaube, ich spreche sogar besser Deutsch als Sie!" 

 

Schmunzelpost 385 vom 9. 5. 22 

Der nächste Ball ist immer der schwerste und eine Halbzeit dauert 90 Minuten? Da stimmt was nicht! Aber nach so einem Spiel kann es schon mal drunter und drüber gehen. Nach einem 0:2-Rückstand gewann Schalke 04 gegen St. Pauli noch mit 3:2 und kehrt in die 1. Bundesliga zurück! Wenn das kein Grund ist, sich gut gelaunt mit Fußball zu beschäftigen, dann weiß ich es auch nicht. 
 
Aus einem ganz anderen Grund ist ein Spiel am 31. Oktober 2002 in die Fußballgeschichte eingegangen. In der ersten Liga Madagaskars verlor SOE Antananarivo mit 0:149 gegen AS Adema. Und wenn der Ball ins Netz rauschte, war es jedes Mal ein Eigentor! 
 
Zur Vorgeschichte: Der Trainer von Atananarivo hatte sich ein paar Tage zuvor maßlos über einen Schiedsrichter geärgert, der seine Mannschaft mit einem zweifelhaften Elfmeter aus dem Titelrennen beförderte. Ausgerechnet dieser Schiri sollte nun das Heimspiel gegen Adema pfeifen und bekam gleich zu Spielbeginn erneut Streit mit dem Trainer der Gastgeber. Dieser ordnete wutentbrannt an, dass sein Team gleich nach dem Anstoß immer wieder den Ball ins eigene Tor schießen sollte. Die gegnerische Mannschaft blieb ohne Ballkontakt, lehnte sich entspannt zurück und spendete 149 Mal Beifall. 
 
Riesenspaß hatten die Zuschauer ebenfalls, als beim Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien im Maracana-Stadion von Rio am 12.12. 1987 Franco Foda eingewechselt wurde. Als der Stadionsprecher dies in der 83. Minute lautstark ankündigte, brach auf den Rängen schallendes Gelächter aus. Der Spieler aus Kaiserslautern, für den es das Debüt in der Nationalelf war, verstand die Welt nicht mehr. Erst hinterher erfuhr er: "Franco Foda" bedeutet auf Portugiesisch so viel wie Geschlechtsverkehr ohne Bezahlung. 
 
Eisiges Schweigen herrschte dagegen 1991 nach dem Abpfiff in der Gästekabine von Real Valladolid. Der Außenseiter hatte durch ein Last-Minute-Tor ein sensationelles 2:2 gegen Gastgeber Real Madrid geschafft. Riesenjubel auf dem Platz, betretenes Schweigen danach in der Kabine. Warum? Die Mannschaft hatte sich mit einem Tippschein an der Auslosung des Jackpots im spanischen Fußballtoto beteiligt. Alle Ergebnisse waren korrekt getippt und hätten dem Team sagenhafte 9,5 Millionen Mark beschert. Wenn, ja, wenn das späte Ausgleichstor nicht gefallen wäre - auf dem Schein war ein Sieg für Madrid angekreuzt. So bekam jeder Valladolid-Spieler statt 370 000 DM nur 2300 DM. Und Torschütze Cuauhtemoc Bianco war untröstlich. 
 
Wusstet Ihr, dass die indische Fußballnationalmannschaft 1950 freiwillig auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Brasilien verzichtete, obwohl sich das Team vorher dafür qualifiziert hatte? Der Grund waren nicht etwa die hohen Reisekosten, sondern eine Regeländerung der FIFA. Der Fußballverband bestand darauf, dass alle Spieler "ordentliches Schuhwerk" tragen mussten. 
 
Einige Leistungsträger der indischen Mannschaft spielten jedoch grundsätzlich barfuß und hatten sogar bei Olympia 1948 beachtliche Resultate erzielt. "Mit Schuhen? Niemals!", begründeten sie ihre Absage. Danach konnte sich Indien übrigens nie mehr für eine WM-Endrunde qualifizieren. 
 
Nun zur WM 1954. Dabei gab es das bisher torreichste Spiel eines WM-Turniers. Am 26. Juni 1954 besiegte Österreich die Schweiz mit 7:5. Dieses Ergebnis kam aber auf kuriose Weise zustande. In der "Hitzeschlacht von Lausanne" erlitt Österreichs Torwart bei 40 Grad einen Sonnenstich. Auswechslungen waren nicht erlaubt, also irrte der Keeper orientierungslos durch den Strafraum. 
 
Die Schweiz nutzte das aus und erzielte innerhalb von acht Minuten drei Tore. Erst danach gestattete der Schiedsrichter, dass Torwart Kurt Schmied mit Schwämmen gekühlt werden durfte. Und die Österreicher sagten "Schwamm drüber!", glichen innerhalb von drei Minuten zum 3:3 aus und führten zur Pause mit 5:4. Nachdem 7:5-Erfolg wurde die Wiener Wunderelf jedoch im Halbfinale von Deutschland mit 1:6 entzaubert. Wonach im Finale auch die favorisierten Ungarn ihr schwarz-weißes Wunder erlebten: "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen...." 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. Der zweifache Schweizer Torschütze hieß übrigens Ballaman - Robert Ballaman. Gerüchten nach soll Schalke 04 an der Verpflichtung seines Enkels interessiert gewesen sein, der den Torinstinkt vom Opa geerbt hat. Die Schalker Verantwortlichen haben sich stattdessen aber für einen gewissen Terodde entschieden. Der denkt jetzt über eine Namensänderung in Ballamann nach. 
 

 Schmunzelpost 384 vom 8. 5. 22

Kaum etwas kitzelt mehr Reaktionen bei der SP-Leserschaft hervor, als Texte über unsere Sprache. Erstaunlich dabei, wie viele Menschen sich offenbar gelegentlich in der Schweiz aufhalten. Noch erstaunlicher, dass zumeist Schimpfwörter im Gedächtnis haften geblieben sind. Das macht mich ganz dubedänzig (nervös).
 
Allein der Verdacht, ich würde Euch mit Schweizer Begriffen zepfelsennig, also verrückt machen, träfe mich hart. Doch es ist durchaus kein Fudimangöögis (blödsinniger Schwachsinn) den ein eischirriger Görsch (eigensinniger Dummkopf) hier verbreitet. Eher schon eine Pflaatsch, also eine dicke, faule und antriebslose Person, die in der Sorge dubedänzig (nervös) wird, dass ihre feinsinnigen Wortspiele nicht ankommen. 
 
Doch in einem sind wir uns bestimmt alle einig: Ein Seifesüder (Langsamfahrer, gern auf der Überholspur unterwegs) ist für uns ein Gnieti (nörgelnder, unentschlossener Mensch) und ein Truublehüter (eine faule Person, die für nichts zu gebrauchen ist). 
 
Außerhalb des Alpenraums gab es die Anfrage, wie ich zu Narrativen stehe. Nun also zur Inflation (die uns an Zapfsäulen und Supermarktkasse ständig begegnet) von Narrativen (sinnstiftenden Erzählungen, die oft mit wenigen Worten Weltanschauungen zusammenfassen und vermitteln), die in den Medien und den Reden von Politikern in letzter Zeit überhand nehmen. 
 
Nun ist ein Narrativ, klassisch: Der "American Dream", wonach jeder vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, solange nichts Schlechtes, wie alle das Gleiche darunter verstehen, ohne die Aussage als unumstößlichen Fakt zu begreifen. "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", die Grundforderungen der französischen Revolution, und die "Soziale Marktwirtschaft" waren Zielsetzungen, hinter denen sich viele Menschen versammeln konnten. 
 
Schlimm aber, dass in den letzten Jahren Populisten bloße Behauptungen als Narrative verwenden und damit zunehmend Erfolg haben. Das gipfelt in dem Märchen von der "gestohlenen Wahl", das ein blondgetönter Amerikaner bis heute unermüdlich hinaus posaunt. Insofern hat Narrativ viel mit "narren" zu tun, sowohl als Verb wie als Substantiv. 
 
Ein halbwegs intelligenter Schweizer würde dazu sagen: "Blas mer doch id Schuah!" Was so viel bedeutet wie: Lass mich doch in Ruhe mit solchem Fudimangöögis! Und dann fortfahren: "Hopp de Bäse!" (Beeile Dich!) zur Vernunft zurückzukehren, denn "de Schneller isch de Geschwinder" (der Schnellste erntet den Lorbeer). Ich füge hinzu: "S'isch gnug Heu dunde!" (Es ist genug für heute!) 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. In der Zugabe erinnern wir an das 25. Edelweiß-Stiftungsfest am 22. September 1955. Dabei wurden die Gäste kulinarisch, wahrscheinlich mit Alpenkräutern, versorgt von einer Schweizer Fachkraft: "Die Bewirtschaftung liegt in den allseits bewährten Händen unseres Mitglieds Sepp Jungl, des zweiten Bezwingers der Matterhorn-Nordwand." Was sagt ein Westfale mit Schweizer Kurzkursus dazu? En Guetä miteinand! 
 

 Schmunzelpost 383 vom 7. 5. 22

Wolfgang sei Dank! Der treue Schmunzelpost-Leser kennt meine Vorliebe für seltsame Wortkonstruktionen und sandte mir einen Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung, dessen Überschrift mich sofort neugierig machte: "Die Trottoir-Trotti-Trottel". Mehr dazu gleich.
  
Doch nicht nur in der internationalen Presse stößt man auf bis dahin unbekannte Wortschöpfungen. Das kann auch passieren, wenn man die "Dorstener Zeitung" aufschlägt. Bei der Lektüre habe ich heute gelernt, was Geisternetze sind. Nicht etwa unsichtbare Stricke, mit denen Gespenster uns ins Jenseits zerren wollen. Ausnahmsweise auch keine geheimen Datensysteme, mit denen Nachrichtendienste verborgenen Geschäften nachgehen. 
 
Nein, Geisternetze sind Fischer-Utensilien, die entweder verloren gingen oder illegal entsorgt wurden und nun 450 Jahre lang in Flüssen, Seen und Meeren vor sich hin rotten, bis der Kunststoff endlich zersetzt ist. Sehr löblich, dass jetzt versucht wird, sie vorher zu entfernen. 
 
Beim nächsten mir bislang fremden Wort habe ich spontan den "Stan" (Laurel) gegeben. Das heißt, ich habe mich ratlos am Kopf gekratzt. Seht Ihr? So gehört sich das! Als Journalist  habe ich einst gelernt, dass  man den Lesern ungebräuchliche Begriffe, neue Vokabeln oder Fremdworte erklären soll, wenn man sie in Texten für die Allgemeinheit verwendet. Und nun las ich im Artikel über eine Fernsehsendung das Verb "bingen". Bingen kannte ich bisher nur als Städtchen am Rhein, mit dem Mäuseturm. 
 
Per "Ecosia" (Ihr erinnert Euch? Das ist die Suchmaschine, die Ihr schon lange anstelle von Google verwenden wolltet, weil für jeden Aufruf nachweislich ein Baum gepflanzt wird) habe ich mich dann schlau gemacht. Das Tätigkeitswort "bingen" gibt es tatsächlich. Es hat etwas mit dem aus dem Englischen abgeleiteten "etwas bis zum Exzess betreiben" zu tun. Entweder bezeichnet es, sich am Bildschirm eine Serienfolge nach der anderen ohne Pause anzuschauen oder sich komplett mit Alkohol volllaufen zu lassen. Nicht mehr ansprechbar ist man hinterher wahrscheinlich in beiden Fällen. 
 
Was mich erschüttert, ist die Zweiteilung unserer Gesellschaft, die sich hier offenbart. Dort die moderne, Sozial-Media gestählte neue Generation, die augenscheinlich ein ganz anderes Freizeitverhalten entwickelt hat und für die ein Wort wie "bingen" so selbstverständlich ist wie für unsereinen "lesen". Und hier die verkalkten alten Knacker, die nur mühevoll das kleine Einmaleins der Zauberwelt des Internets gelernt haben und technisch wie sprachlich total abgehängt sind. Seufz! 
 
Immerhin ist das ein Ansporn, sich der Flut neuer Begriffe entgegen zu stemmen, um wenigstens einen Bruchteil zu durchschauen. Und was aus der gemächlichen Schweiz zu uns herüberdringt, müsste doch selbst für einen Westfalen zu verarbeiten sein. Wenden wir uns also dem Trottoir-Trotti-Trottel zu. 
 
Um diesen zusammengesetzten Begriff zu erklären, lösen wir ihn einfach in seine Bestandteile auf. Trottoir ist das in der Schweiz gängige Wort für Gehweg oder Bürgersteig. "Trotti" ist die Verniedlichung von "E-Trotinette". Das sind diese Elektro-Tretroller, die auch bei uns zur Landplage wurden. (Kunststück, Andreas Scheuer war davon begeistert!) Und Trottel? Wie soll ich Euch das erklären? Dazu bin ich leider zu trottelig. 
 
Mit der Wortkombination sind vor allem die gar nicht so seltenen Schweizer gemeint, die entgegen des Verbots mit ihrem Trotti auf Gehwegen unterwegs sind. Und nicht nur das! Eigentlich ist die Geschwindigkeit der Roller auf 20 km/h begrenzt. Im Handel sind jedoch auch zahlreiche Marken erhältlich, die bis zu 100 km/h erreichen können. Zwar darf man mit diesen Luxus-Flitzern eigentlich nur auf privatem Grund fahren, doch wer hält sich schon daran? Schließlich hat so ein Teil 5000 Franken gekostet, das muss sich rentieren! So steigt bei den Alpenländlern die Zahl der Trotti-Unfälle permanent an. Und ich muss wohl mein Vorurteil korrigieren, dass der typische Schweizer am liebsten im Zeitlupentempo unterwegs ist. 
 
So, das wäre geschafft. Jetzt werde ich eine Runde bingen. Vielleicht gibt es ja eine spannende Netflix-Serie über Geisternetze. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. In der Zugabe mache ich Euch mit ein paar weiteren Schweizer Begriffen vertraut. Wir wenden uns der Küche zu und wundern uns, auf welche Weise im Schwizerdütsch wohl diese Vokabeln ihre ursprünglich deutschen Bezeichnungen verdrängt haben: Binätsch ist nichts anderes als Spinat, Häppere steht für Kartoffel. Bölle sind Zwiebeln und Meertrübli keine Meeresfrüchte, sondern Johannisbeeren. Am hübschesten finde ich das Wort für Gurke: Guggemere! 
 

 Schmunzelpost 382 vom 6. 5. 22

Wenn ich morgens auf die Waage steige und sie wieder unter meinen derzeit 92 Kilo ächzt, entfährt mir regelmäßig der Seufzer: "Ich bin zu dick!" Heute jedoch nicht. Heute feiere ich den Anti-Diät-Tag, der sich gegen den Schlankheitswahn wendet. Außerdem ist wissenschaftlich längst bewiesen, dass die meisten Diäten langfristig überhaupt nichts bringen. Hast Du das gehört, Waage? 
 
Ansonsten habe ich den dringenden Verdacht, dass bei den Aktionstagen vom 6. bis zum 9. Mai die Nudisten ihre nackten Finger im Spiel hatten. Das fängt an mit dem "Ohne-Hose-Tag", der vor allem in den USA und in Großbritannien am ersten Freitag im Mai begangen wird. Angeblich haben Studenten einer US-Uni den Brauch begründet, als Zeichen der neugewonnenen Freiheit auf der Abschlussfeier die Hosen fallen zu lassen. Danach soll man sich in Unterhosen überall in der Öffentlichkeit bewegen. Wenn da bloß nicht statt der Nudisten der WVE den Reißverschluss geöffnet hat - der "Weltverband der Exhibitionisten". 
 
Zum "World Naked Gardening Day" rufen jedoch die Nudistenverbände sogar hochoffiziell auf. Dieser "Lass-Deine-Kleider-fallen-und-gärtnere-Tag" ist auf den ersten Samstag im Mai festgelegt worden, fällt diesmal also auf den 7. 5.. "Was gibt es Schöneres und Natürlicheres als unbekleidet Unkraut zu jäten, Rasen zu mähen und Blumen zu pflanzen?", fragen die Nudisten. Ich wüsste was: Am "Nackt-gärtnern-Tag" bequem in der Gartenliege zu faulenzen und den netten Gärtnerinnen in der Nachbarschaft bei der Arbeit zuzuschauen. 
 
Ihr glaubt, das sei genug der Nacktheit? Dann seid Ihr jetzt von den Socken, auf die Ihr am 8. Mai ohnehin verzichten sollt. Das ist der "No-Socks-Day", den sich das Ehepaar Ruth und Thomas Roy bereits im Jahr 2000 markenrechtlich gesichert hat. Während andere mit dem Ruf "Freiheit für Nelson Mandela" demonstrierten, gab das Ehepaar Roy die Parole aus: "Freiheit für die Füße!" Und das sogar mit einer umweltfreundlichen Begründung: Socken, die nicht so häufig getragen werden, muss man nicht so oft waschen. Das ist nicht vom Fuß zu weisen! 
 
Der 9. Mai knüpft an seinen Vorgänger an. Cosy Sox (kein Namenswitz) hat den "Tag der verlorenen Socke" ausgerufen. In der Tat ist das ein Problem, dass bis auf die Barfüssigen die gesamte Menschheit beschäftigt. In meinem Kleiderschrank habe ich eine Schublade, die mit mehr als 20 Einzel-Socken gefüllt ist, weil ich immer noch hoffe, dass die jeweiligen Partner irgendwann von ihrer Urlaubsreise zurückkehren. An das Märchen von der sockenfressenden Waschmaschine glaube ich nämlich nicht. 
 
So, zum Abschluss üben wir jetzt alle schon einmal für den zweiten Aktionstag-Anlass am 9. Mai, der in Brasilien begründet wurde. Stöhnt einmal kurz und stimmt dann mit mir in den Chor ein: "Aaaaaaaaah!" "Oooooooooh!" "Oh, my god!" Der 9. Mai ist der Welt-Orgasmus-Tag.   
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. Auch in der Zugabe bleiben wir dem heutigen Schwerpunktthema treu: Der Nacktheit. 23 000 Euro investierte eine Supermarkt-Kette an Marketing-Kosten, um die Eröffnung einer neuen Niederlassung im deutsch-dänischen Grenzgebiet in Schleswig-Holstein überregional bekannt zu machen. Mit großem Erfolg! Die ersten 100 Kunden bekamen einen Einkaufs-Gutschein über 2000 Kronen bzw. 270 Euro, wenn sie textilfrei im Laden einkauften. Der Andrang war riesig, viele Schnäppchenjäger übernachteten sogar vor dem Eingang. Überwiegend kamen dänische Kunden zum Zuge, die sich meist mit Spirituosen (in Dänemark sehr teuer) und mit Süßigkeiten eindeckten. Die Zahl der Ladendiebstähle blieb während der Aktion bei Null. Woran das wohl gelegen hat? 

 

 Schmunzelpost 381 vom 5. 5. 22

Der Tag der Pressefreiheit ist zwar vorbei, doch aus gegebenem Anlass lohnt sich ein Nachtrag. "Was macht der Mayer im Himalaya?", fragte Claire Waldoff in ihrem Gassenhauer von 1926, und Max Raabe wiederholte die Frage fast 100 Jahre später. Aktuell müsste die Frage so formuliert werden: "Was schimpft der Mayer wie'n Asi-Bayer?" Denn der CSU-Generalsekretär Stephan Mayer, erst vor kurzem zu Amt und Würden bekommen, ist völlig ausgerastet und musste deshalb zurücktreten. 
 
Das wirft einige Fragen auf und liefert Stoff zum Nachdenken. Frage Nummer eins: Was ist eigentlich genau geschehen? Die "Bunte", sonst nicht als Speerspitze des investigativen Journalismus in Deutschland bekannt, hatte berichtet, dass der ledige und nach eigenen Angaben kinderlose Mayer tatsächlich Vater eines unehelichen achtjährigen Sohnes ist. Mehr noch: Er weigerte sich, den Unterhalt für das Kind zu bezahlen, was daraufhin sein Vater übernahm. 
 
Dies wollte der ehrenwerte Herr Mayer wohl unbedingt unter der Decke halten. Er versuchte vergeblich, den Bericht zu verhindern und beschimpfte anschließend den Verfasser so massiv, wie das selten an die Öffentlichkeit dringt. Meyer drohte, den Autor "zu vernichten" und ihn bis ans Lebensende zu verfolgen, wenn er nicht unverzüglich 200 000 Euro Schmerzensgeld überweisen werde. Auch den Burda-Verlag werde er zerstören. 
 
An dem Fall kann ermessen, dass es doch Vorteile hat, in einer Demokratie zu leben. In einer Autokratie, zum Beispiel in Russland, müssen Journalisten damit rechnen, für missliebige Artikel ins Gefängnis zu wandern oder sogar ermordet zu werden. Hierzulande musste Mayer zurücktreten. Und zwar nur 30 Minuten, nachdem seine Attacke bekannt geworden war. 
 
Trotzdem wird auch bei uns oder im Nachbarland Österreich immer wieder versucht, auf Journalisten Druck auszuüben und Kritiker zum Verstummen zu bringen. Ich erinnere an die Ibiza-Affäre, bei der Rechtspopulist Strache per Deal mit einer vermeintlichen Oligarchin erreichen wollte, dass eine Zeitung gekauft und Redakteure gefeuert wurden. Hat nicht geklappt. 
 
Auch die beiden Fälle in Dorsten, die ich selbst mitbekommen habe, liefen ins Leere. So schrieb vor etwa zwei Jahrzehnten ein SPD-Landtagsabgeordneter an den Eigentümer eines Autohauses, um die Kündigung eines politischen Gegners zu erreichen. Stattdessen endete danach seine Laufbahn ziemlich sang- und klanglos. 
 
Und mir selbst geschah es ganz am Anfang meiner Zeit in Dorsten, einer einflussreichen CDU-Bundestagsabgeordneten auf die Füße zu treten. Ich hatte über Vorwürfe berichtet, dass einer ihrer Söhne seine neue Stellung bei der Bundeswehr ausgenutzt haben soll, um für sich vorteilhafte Geschäfte einzufädeln. Die Frau selbst war in Urlaub, ihr Büro nahm nur mit dem schlichten Satz Stellung, an der Sache sei nichts dran. 
 
Bereits am nächsten Morgen wurde die Dame jedoch bei unserem Chefredakteur und beim Verleger vorstellig und forderte meinen Kopf. Ich hätte ihr Ansehen in Dorsten irreparabel beschmutzt, der erhoffte unbefleckte Lebensabend im Heimatort sei nun gefährdet. Die angedrohten juristischen Schritte, die der Whistleblower sogar hatte provozieren wollen, damit seine Anschuldigungen vor Gericht überprüft würden, fielen jedoch sehr zahnlos aus. Im Schreiben des Anwalts hieß es sinngemäß: "Du, Du! Wenn Du das noch einmal machst, dann werden wir Dir eventuell zeigen, was eine Harke ist." 
 
Zum Glück hatte ich die Rückendeckung meines Chefredakteurs. Und besagte Frau ruinierte ihren Ruf anschließend richtig gründlich, weil sie in die Kohlschen Machenschaften mit verschwundenen Spendenmillionen verwickelt war. 
 
Doch zurück nach Bayern. Ausgerechnet das Orchester Dobrindt hatte 1926 den Himalaya-Mayer eingespielt. Dobrindt? Da klingelt doch was. So kommen wir zur Frage zwei: Wie gelingt es der CSU eigentlich, dauernd so windige Generalsekretäre aufzutreiben? Denn auch Alexander Dobrindt hat sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Schon klar, der Job von Generalsekretären ist es, den Wadenbeißer zu spielen. Doch es gibt Grenzen. Wer, wie Dobrindt, einen politischen Gegner als "widerwärtigen Pädophilen" beleidigt, hat sie überschritten. 
 
Ganz zu schweigen von den weiteren Skandalen und Affären, in die Dobrindt verwickelt war. Übertroffen wurde er jedoch noch von seinem Nachfolger sowohl als Generalsekretär wie als Verkehrsminister. Andi Scheuer ist für mich ein Phänomen. Wie ein Politiker mit derartig vielen Fehlleistungen sich solange im Amte halten konnte, ist mir ein Rätsel. Doch vielleicht holt den tugendhaften Andi seine Vergangenheit durch die jüngste Anklage doch noch ein. 
 
Zu wünschen wäre es. Genau wie im Fall Stephan Mayer. Wie lautet noch gleich eine Strophe aus dem Himalaya-Schlager? "Rauf, ja, da kommt er. Ich frag mich aber: Wie kommt er runter? Ich hab so Angst um den Mayer! Er macht 'nen Rutsch und ist futsch!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Bayerns Ministerpräsident Söder bezeichnete den Fall übrigens als "menschliche Tragödie". Warum werde ich bloß den Verdacht nicht los, er könnte damit eher meinen, dass die Geschichte auch seinem Ansehen schadet? 

 

 Schmunzelpost 380 vom 4. 5. 22

Heute will ich mal Tacheles mit Euch reden. Nein, ich bin nicht angeschickert und nicht mehr meschugge als sonst. Und ich will Euch Ganoven auch nicht überreden, Schmiere zu stehen, damit wir alle Reibach machen. Was der Stuss dann soll? Ratet mal, wie viel Worte in diesem Absatz aus dem Jiddischen stammen! Hals- und Beinbruch! 
 
Während Ihr nachdenkt zum Auflockern der Zunge und des Hirns hier acht Worte, in den acht Mitlaute direkt aufeinander folgen. Angstschlotternd, Borschtsch, deutschschweizerisch, Geschichtsschreibung, nächstschnellere, Rechtsschrift, Unterrichtsschritt und Weihnachtsschmuck. 
 
Ihr habt es gemerkt, wir beschäftigen uns heute mit unserer Sprache. Und zwar mit der Hochdeutschen. Dialekte sind angeblich auf dem Rückzug. In Nord- und Westdeutschland sollen nur noch zehn Prozent einen Dialekt beherrschen. Dagegen ist er in Sachsen und Thüringen für 37 % der Menschen nach wie vor Alltagssprache. Und in Bayern sogar für 45 %. Do legst di nieda! 
 
Allerdings bin ich ziemlich sicher, dass die Einheimischen an Ruhr und Lippe fast allesamt über eine eigene Sprache verfügen. Inzwischen jedoch nach Generationen getrennt. Um zu verstehen, was die Jungen meinen, brauche ich mitunter einen Dolmetscher. Hömma, wat hasse gesacht? 
 
Da wollen wir mal eine deutliche Sprache sprechen: Die Jugend spricht eine andere Sprache! Übrigens: Kennt Ihr acht Redensarten, in denen es um Sprache geht? Hat Euch die Frage die Sprache verschlagen? Dann will ich mal mit der Sprache herausrücken und weitere Redensarten zur Sprache bringen. Schließlich sprechen wir alle die gleiche Sprache und müssen nicht in sieben Sprachen schweigen. Die letzte Wendung als Synonym für "sich zu nichts äußern", kannte ich auch noch nicht, da kann ich verstehen, dass Euch die Sprache weggeblieben ist. 
 
Wenn Ihr sie wiedergefunden habt, könnt Ihr mir sagen, wie viele Worte mit jiddischem Stamm Ihr im Eingangsabsatz gefunden habt. Richtig! Es waren acht: Angeschickert, Tacheles reden, Schmiere stehen, Ganove, Reibach, Stuss, meschugge und Hals- und Beinbruch. Ja, auch das kommt aus dem Jiddischen. Und zwar abgeleitet von hazlache und broche. Was so viel bedeutet wie Glück und Segen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Mit einem Nachtrag zu den übereifrigen Zollbeamten der gestrigen SP hat sich Martin gemeldet: 
In Sachen Zoll gibt es uralte Anekdoten: Ein Pfarrer war in der Schweiz in Urlaub und sitzt nun im Zug Richtung Heimat, bei sich zwei große Flaschen Schweizer Kirschwasser. "Da ist aber viel Zoll für fällig!" meint ein Mitfahrer. An der Grenze sind die Flaschen jedoch verschwunden. "Haben Sie in der Schweiz etwas gekauft, Hochwürden?" will der Zöllner wissen. "Ja, mein Sohn, zwei große Flaschen Schweizer Kirschwasser!" "Und wo sind die?" "Ich habe sie unter den Armen verteilt!" "So ist recht, Herr Pfarrer, das lobe ich mir. Noch eine gute Fahrt wünsche ich." Jenseits der Grenze öffnet der Pfarrer grinsend den Mantel und holt die zwei Flaschen wieder unter seinen Armen hervor.
 

 Schmunzelpost 379 vom 3. 5. 22

Heute möchte ich mit Euch ein paar Kuriositäten aus der Geschichte betrachten. Na ja, eher aus historischen Randbereichen. Aber einige davon wirken sich bis in die Gegenwart aus. 
 
Knüpfen wir an die Macht der Behörden und ihre bürokratischen Auswüchsen an.  Wir wissen alle, dass am 24. Juli 1969 zum ersten Mal Menschen den Mond betraten. Die Landung von Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins auf dem Erdtrabanten glückte komplikationsfrei. Schwieriger gestaltete sich die Rückkehr nach Amerika. Denn nachdem die drei Astronauten vor Hawaii aus dem Pazifik gefischt worden waren, konnten sie keineswegs sofort zum triumphalen Empfang in die Heimat zurückkehren. Es waren auch keine Ärzte, die die Rückkehr verzögerten, sondern - Zollbeamte. 
 
So ergab sich ein Dialog, den sich Loriot nicht besser hätte ausdenken können. Zollbeamter: "Woher kommen Sie?" Armstrong: "Vom Mond." Zollbeamter: "Was haben Sie im Gepäck?" Armstrong: "Mondgestein und Mondstaub." Zollbeamter: "Hat jemand während der Reise die Gruppe verlassen?" Armstrong: "Nein." Wer glaubt, die absurde Zeremonie wäre danach abgeschafft worden, der irrt: NASA-Astronauten müssen auch heute noch durch den Zoll! Auch im Kosmos wiehert der Amtsschimmel! 
 
Prompt trugen die Kontrollen den Astronauten David Scott, James Irwin und Alfred Worden 1971 eine Abmahnung ein. Zuvor hatte der deutsche Briefmarkenhändler Hermann Sieger die Idee seines Lebens. Er regte an, dass an Bord von Apollo 15 auch 400 frankierte Briefumschläge waren. Die 10-Cent-Sondermarke wurde sowohl beim Start am 26. Juli wie nach der Landung am 7. August gestempelt. Eingefädelt hatte den Coup NASA-Mitarbeiter Walter Eiermann (der hieß wirklich so). 
 
Eiermann und Sieger kassierten später für jeden Umschlag 4850 DM. Jedem Astronauten waren 7000 Dollar versprochen worden. Die NASA verbot ihnen jedoch die Annahme des Geldes. 
 
Gehen wir ein wenig weiter zurück in der Geschichte. "Mir san mia!", betonen heute gern die Bayern. Das stimmt so nur für die Zeit nach dem 20. Oktober 1825. Denn bis dahin waren Bayern Baiern. König Ludwig I. gilt als "Philhellene", weil er das Griechentum liebte. Und was ein sturköpfiger bairischer Monarch wünschte, das bekam er auch. Er sorgte dafür, dass wenigstens ein kleiner griechischer Buchstabe in den Landesnamen einzog. Das Ypsilon bedeutet übersetzt übrigens "schlichtes i". 
 
Zum Schluss setze ich einen Preis aus: Einen 6-er-Pack erlesenen Weins für denjenigen, der mir ein geschichtliches Ereignis vom 8. Oktober 1582 nennen und es auch empirisch belegen kann. Ich muss verrückt sein: Das Angebot gilt auch für den 9. Oktober 1582. Und ich lege sogar noch den 10., 11. und 12. Oktober 1582 obendrauf! 
 
Bevor Ihr jetzt Eure Suchmaschinen heißlaufen lasst: Es hat keinen Zweck. Die zehn Tage vom 5. bis 14. Oktober 1582 gab es nicht! Sie wurden vom Papst ersatzlos gestrichen. Papst Gregor XIII. löste damit den bis dahin gültigen, aber ungenauen Julianischen Kalender ab. Und weil die Zeitdifferenz für den exakteren Gregorianischen Kalender zehn Tage betrug, wurde 1582 der Oktober um zehn Tage gekürzt. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Böse Zungen behaupten, dass Dorstens Ex-Bürgermeister Lambert Lütkenhorst eine Viertelstunde der verlorenen Zeit in die Gegenwart gerettet hat. Es sind jene legendären 15 Minuten, die er seit seiner Amtseinführung bei Terminen zu spät kommt! 
 

 Schmunzelpost 378 vom 2. 5. 22

Heute setze ich die Liste der kuriosen Aktionstage fort und beginne mit einem Geständnis: Ich bin einen Tag zu spät dran. Der 1. Mai, so dachte ich, ist alles andere als ein kurioser Feiertag. Den haben sich Menschen in aller Welt als "Tag der Arbeit" auserkoren, um sich für ihre berechtigten Interessen einzusetzen. 
 
Allein die Entstehung zeigt, wie nötig das gewesen ist. Nachdem es im Gefolge eines Streiks und von Demonstrationen gegen den Zwölf-Stunden-Tag am 1. Mai 1886 in den USA einen Bombenanschlag mit mehreren Todesopfern gegeben hatte, konnte die Polizei die Täter nicht ermitteln. Stattdessen wurden mehrere unschuldige Arbeiterführer verhaftet, die die Streiks organisiert hatten. Vier von ihnen wurden sogar zum Tode verurteilt. Und obwohl der Präsident sie begnadigte, starben die vier  am Strang. Daher wurde gerade dieser Tag ausgewählt, künftig weltweit für Arbeitnehmerrechte einzutreten. 
 
Der Anlass war eher zum Heulen. Allein deshalb hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass der 1. Mai heute gleichzeitig als "Weltlachtag" dient. Ist aber so. Die indische Lachyoga-Bewegung hat diesen Aktionstag bereits vor Jahrzehnten eingeführt. Lachen ist ansteckend. Also kicherten, geierten und prusteten am 9. Januar 2000 Dänen öffentlich in Kopenhagen. 
 
Warum man dann zum 1. Mai wechselte, ging im weltweiten Gelächter unter. Jedenfalls gibt es mittlerweile in mehr als 100 Ländern Lachclubs, in Deutschland in vielen größeren Städten. Und die haben entschieden, dass am 1. Mai um 14 Uhr in Europa eine Minute für den Weltfrieden gelacht werden soll. Auch Wladimir Putin macht mit. Er lacht sich ins Fäustchen und freut sich über die Naivität derjenigen, die hoffen, durch Lachen die Welt verbessern zu können. 
 
Nach dieser schweren Geburt sind wir beim "Tag des Babys" am 2. Mai und damit wieder auf dem Laufenden. Verdächtig an diesem Tag, der den Säuglingen gewidmet ist, erscheint mir der Umstand, dass seine Entstehung unklar ist, aber verschiedene Firmen ihn propagieren. Will da womöglich jemand Geschäfte machen? Wir trainieren unser Baby, ihm per Bäuerchen Brei auf die Brille zu befördern und sagen: "Böser Bubi, bäääh!!!"  
 
Ist das Baby über Nacht gewachsen, kann es am 3. Mai den "Tag des Waldkindergartens" feiern. Da ich dafür leider schon zu groß bin, bevorzuge ich den "Trage-zwei-verschiedenfarbige-Schuhe-Tag", zu dem ebenfalls am 3. 5. aufgerufen wird. Macht mal mit! Es ist ein interessantes Experiment, wer von Euren Mitbürgern diese Aktion bemerkt!  
 
Der 4. Mai ist der Welt-Passwort-Tag. Er soll dazu beitragen, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, wie man Hackern und Gaunern das Leben erschwert. Das wäre zum Beispiel möglich mit der Wahl eines intelligenteren Passwortes als "Passwort" oder "123456", die immer noch sehr beliebt sind. Empfohlen wird ein Passwort, das sowohl Zahlen, wie kleine und große Buchstaben, aber auch Satzzeichen erhält. Ich habe eine geniale Lösung gefunden! Wollt Ihr sie wissen? Verflixt, ich habe leider schon wieder mein Passwort vergessen! 
 
"Nach dem Klo und vor dem Essen - Händewaschen nicht vergessen!". Dieser Spruch hing im Treppenhaus meiner Grundschule. Eine gute Gedächtnisstütze hat sich dazu die Weltgesundheits-Organisation ausgesucht. Sie legte den "Tag der Handhygiene" auf den 5. 5. Warum? Das könnt Ihr an den Fingern einer Hand abzählen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die heutige Zugabe stammt aus Marl. Dort haben Mitfahrer im Bus eine Rentnerin belauscht und die Online-Mitteilung darüber mit der beatleslastigen Überschrift "they say hello, and she says good bye" versehen. Das Handy der alten Dame läutete. Es war ein Senioren-Modell mit besonders großen Tasten. Die Frau bekam einen Schreck, drückte die rote Taste, presste das Handy ans Ohr und seufzte: "Schon wieder keiner dran! So geht das jetzt schon den ganzen Tag." 
 

 Schmunzelpost 377 vom 1. 5. 22

Weisse wat? Wie Du quatterst, dat liecht daran, wo Du von wech bis! Das wurde mir jetzt wieder richtig bewusst, als ich die siebte Asterix-Übersetzung von Hennes Bender ins Ruhrdeutsche in den Händen hielt. Manchmal hielt ich die Methode schon für ausgereizt. Außerdem hatte ich auch schon viele fehlgeschlagene Versuche gelesen oder gehört. Aber diese Version ist wirklich gelungen. Hömma! 
 
"Wir ham fuffzich vor Christus sein Jesus. Dat weiß aba noh keina, denn der Kollege is ja schließlich noh nich gebohrn. Die Römers ham dat ganze Revier vonne Galliers eingenomm. Dat ganze? Glaubse wohl! Da gibbet ein kleinet Kaff, wat sich wacker wehren tut und nehmtbei den Römers zeicht, wo die Sichel hängt. Die könn eim echt leidtun, die ahm Legionäre, die wo inne Lagern Colarum, Aquavitum, Brimborium und Malochum ständich auffe Helme kriegn... 
 
Prompt fühlte ich mich vierzig Jahre zurückversetzt. Als Student habe ich mir Anfang der Achtziger Jahre etwas als freier Mitarbeiter für den WDR-Hörfunk dazu verdient. Und eines Tages erhielt ich den Auftrag, für die Sendung "WDR zwei zu eins" mit Manni Breuckmann, der damals noch ziemlich unbekannt war, O-Töne im Revier zu sammeln. Genauer gesagt: Ich sollte in Kneipen des Ruhrgebiets Kommentare dazu einsammeln, ob im Pott nur ein Dialekt oder eine eigene Sprache gesprochen wird. 
 
Damals wohnte ich in Dortmund-Mengede. Und ich weiß nicht, ob mich eine blau-weiße Aura umgab oder ob die örtlichen Pilsschlürfer generell misstrauisch waren. Jedenfalls lautete die erste Frage am Tresen: "WDR? Stinkste nach Geißbock oder bisse sogar für Herne-West?" Ich schwitzte Blut und Wasser, konnte aber zum Glück die BVB-Startelf-Aufstellung vom letzten Spieltag komplett aufsagen. Danach wurde es noch ein ergiebiger und gemütlicher Abend, der mir neben 200 Mark Honorar aber auch am nächsten Morgen einen Brummschädel bescherte.
  
Seitdem hat sich bei mir die Auffassung verfestigt, dass unsere Art zu sprechen, wie sie sich zwischen Ruhr und Lippe ausgebildet hat, wunderbar dazu geeignet ist, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Dafür gibt es prominente Zeugen wie Jürgen von Manger oder Herbert Knebel. Und eine Vielzahl literarischer Glanzstücke wie die Texte von Else Stratmann (alias Elke Heidenreich), aus dem Verlag Henselowsky Boschmann ("Wie is? - Muss.") oder von Kai Magnus Sting ("Hömma, so isset!"). 
 
Aus dem Lexikon der Ruhrgebietssprache von Werner Boschmann hänge ich noch ein paar Beispiele an, die zeigen sollen, wie sehr unser spezielles Deutsch die Sprache bereichert hat. Und da ich gerade ein Gläschen Rotwein trinke, wähle ich die vielfältigen Schattierungen aus, mit denen wir im Revier unseren Trunkenheitsgrad verdeutlichen können. (Die Skandinavier haben zwar hundert Bezeichnungen für Schnee, aber wir kennen die passenden Begriffe dafür, wenn einer die Lampen an hat). 
 
Sich leicht betrinken, umschreiben wir mit "sich ein ankrämmeln". Wenn wir dann leicht betrunken sind, heißt das "ein inne Latüchte ham".  Für sich leicht mittelmäßig betrinken wählen wir den melodischen Ausdruck "sich ein zwitschern." Und wenn wir leicht mittelmäßig betrunken sind, sagen wir dazu schlicht, wir sind "schicker". 
 
Wer sich mittelmäßig betrinken will, der hat vor, "sich ein zu picheln". Klappt das, dann wird er (oder sie) ganz schön "duhne sein". Aber wer sich schwer mittelmäßig betrinken will, der hat vor, "sich ein zu pitschen". Danach ist er ganz schön "knülle". 
 
In Ausnahmefällen, etwa wenn Schalke mal verloren hat, dürfen wir uns auch leicht stark betrinken. Dann wollen wir "uns einen schnasseln". Anschließend meinen andere über uns, dass wir "abgefüllt" sind. Das hindert uns bei deprimierenden Niederlagen nicht, uns stark zu betrinken. Wenn wir uns "einen verlöten", kann es passieren, dass wir danach "voll steif" sind. 
 
 Und falls wir auch noch gegen die Rumpelfüßler aus Lüdenscheid-Nord untergehen, ist es nötig, sich richtig "einen zu ballern". Danach sind wir dann "hickehackevoll"! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Gegenwärtig sieht es zum Glück so aus, als könnten wir bald wieder in der 1. Bundesliga unsere Klasse beweisen. Fußballfreunde unter den Schmunzelpost-Lesern werden es bemerkt haben: Ich konnte nicht mehr regelmäßig nach Schalker Siegen ein Postscriptum aus der Vereinsgeschichte anhängen. Stoff hätte es genügend gegeben, aber die Freitagsabend-Spiele haben einfach zu spät begonnen. Deshalb empfehle ich an dieser Stelle die Chronik: "100 Schalker Jahre - 100 Schalker Geschichten". Hömma, dat isset! 
 

 Schmunzelpost 376 vom 30. 4. 22

Noch ist zwar der Mai nicht gekommen, weshalb wir noch einen Tag lang ohne Helm durch den Wald gehen können. Dafür grünt und blüht es überall um uns herum, dass einem das Herz aufgeht. Ich habe mich daher umgeschaut und ein paar der schönsten Blüten für Euch gepflückt. Ohne Stumpf, aber mit Stil. 
 
Ein besonders hübsches Exemplar fand ich in einer eher trockenen Umgebung, wo Stilblüten sonst selten gedeihen. Aber auch das "Handelsblatt" enthält mitunter Schmunzel-Pflänzchen. Wobei die betroffenen Ehegatten diese Nachricht vielleicht nicht als lustig empfinden: "Frauen leben im Durchschnitt länger. Das gilt besonders für Witwen." 
 
Nach sehr langem Grübeln, intensiver Abwägung der Aussage bin ich zu der riskanten Einschätzung gekommen, dass sowohl die Wissenschaftler wie die Osnabrücker Zeitung Recht haben könnten: "Für eine wesentliche Voraussetzung bei der Entwicklung einer positiven Eltern-Kind-Beziehung halten die Wissenschaftler allerdings die Bereitschaft der Eltern, überhaupt Vater und Mutter zu werden." Falls Ihr noch zweifelt: Habt Ihr schon mal von kinderlosen Eltern gehört, die eine positive Beziehung zu ihren Sprösslingen hatten? Na also! 
 
Als geübter Krötenretter habe ich jetzt endlich erfahren, was unseren NABU-Einsatz zu Beginn des Frühjahrs nötig macht. Das Göttinger Tageblatt schrieb dazu: "Auf der Suche nach Laichplätzen schauen Kröten weder nach links noch nach rechts. Auch vor Straßen machen die Tiere keinen Halt und kümmern sich nicht um den Verkehr." Alles klar! Wir müssen weiter Krötenzäune aufbauen, sonst finden wir nach den nächtlichen Wanderungen am Morgen links und rechts im Straßengraben überall umgestürzte Autos, die von rücksichtslosen Kröten von der Fahrbahn gerempelt wurden. 
 
Eine sensationelle Neuigkeit verbreitete die Emder Zeitung: "Fast alle Kinder kommen mit gesunden Schuhen zur Welt!" Das muss an der geometrischen Lage Ostfrieslands liegen. Durch die Nähe zum Meer wissen dort bereits die Säuglinge im Mutterleib instinktiv: "Ebbe und Flut? Watt? Da ziehe ich doch besser erst Gummistiefel an, bevor ich mich ins Freie traue!" 
 
Wo wir schon am Meer sind: Autofahrern bleibt dort wirklich nichts erspart. Abgasbetrug, Klimadebatte, explodierende Spritpreise und jetzt auch noch das! Die "Motorwelt" beklagte: "Haie beißen sogar ADAC-Mitglieder." Unerhört! Doch da steckt bestimmt diese Umweltlobby dahinter. Denn das Volksblatt Berlin deckt auf: "Naturschützer wollen Raubfische wieder zum Lachen bringen." 
 
Glückauf  
kdk 
 
PS. Zum Ausgleich eine kleine Zugabe über Rückschläge für den Naturschutz. Das Idar-Obersteiner Wochenblatt meldet: "98 Prozent der Wälder leiden unter sauberem Regen." 
 

 Schmunzelpost 375 vom 29. 4. 22

Draußen lacht die Frühlingssonne und der Garten lockt. Doch ich sitze drinnen vor dem PC und schreibe die Schmunzelpost. Das tue ich jedoch erstens sehr gern, und zweitens habe ich abends dazu keine Zeit: Da lockt der Bücherfrühling ins Baumhaus. 
 
Überhaupt hoffe ich, dass die nächsten Monate noch reichlich schöne Tage bereithalten. Schließlich gilt die Sommerzeit. Und die um eine Stunde verlängerten Abende genieße ich gern mit einem Buch und einem Glas Wein im Garten. Gute Sache, diese Sommerzeit! 
 
Wusstet Ihr aber, was viele Deutsche vom 11. Mai bis zum 29. Juni 1947 erfreute? Da galt die "Hochsommerzeit"! Als Experiment ist damals die Sommerzeit um eine Stunde erweitert worden, so dass es an den Mai- und Juniabenden noch länger hell blieb. Fast wie in Skandinavien bis kurz vor Mitternacht. 
 
Vorbild für die "MEHSZ" war ein Versuch der Russen. Sie hatten nach der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 in ihrer Besatzungszone die Uhren zwei Stunden vorstellen lassen, um sie der Moskauer Zeit anzugleichen. So galt dort bereits 1945 die "doppelte Sommerzeit". Da die Zeitumstellung jedoch in anderen Teilen Westeuropas nicht nachvollzogen wurde und dort generell auf Ablehnung stieß, wurde nach nur sieben Wochen 1947 die doppelte und 1949 auch die einfache Sommerzeit abgeschafft. 
 
Eine Art "doppelte Winterzeit", allerdings ganz ohne Uhren-Umstellung, erlebten die Europäer vom 1. Dezember 1708 bis zum 7. Juli 1709, dem sogenannten Jahrtausend-Winter. Das Thermometer fiel in ganz Europa zeitweise auf minus 30 Grad. Der italienische Gardasee fror komplett zu, sogar im Mittelmeer war die Bucht von Marseille und die Küste vor Ligurien (bei Genua) vereist! Auf den zugefrorenen europäischen Flüssen fuhren Kutschen. Selbst in Portugal versanken die Palmen im Schnee. Und allein in Frankreich erfroren 600 000 Menschen. 
 
Dieser Winter war der Höhepunkt der "kleinen Eiszeit", die vom 15. Jahrhundert bis 1850 andauerte. Extrem kalt war es vor allem von 1675 bis 1715. Vermutlich haben heftige Vulkanausbrüche und geringe Sonnenaktivität diese Klimaperiode ausgelöst. 
 
Vielleicht waren es ja Eis und Schnee, die findige Beamte in Preußen kühlen Kopf bewahren und immer neue Steuern einführen ließen. So mussten unverheiratete Frauen von 1699 bis 1711 eine "Jungfernsteuer" zahlen. Ledige Damen zwischen 20 und 40 Jahren berappten monatlich zwei Groschen, seinerzeit keine Kleinigkeit. Wer die Steuer vermeiden wollte, musste sich einen Ehemann suchen. 
 
Doch Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg, der Erfinder der Jungfernsteuer, ließ sich als preußischer Premierminister noch mehr einfallen. Er erfand noch eine Perückensteuer, eine Hutsteuer und eine Strumpfsteuer! Das war auch nötig, damit sein fürstliches Jahresgehalt bezahlt werden konnte: Er kassierte 120 000 Taler und spielte damit in einer Liga wie heute Profifußballer und Manager. 
 
Auch das britische Finanzamt war kreativ und wollte 1834 die Steuerbuchhaltung modernisieren. Doch die Sache wurde ihnen wortwörtlich zu heiß. Durch die Steuerreform waren Kerbhölzer, die damals als Schuldschein dienten, entbehrlich und sollten im Innenhof des Palace of Westminster verbrannt werden. Doch das Feuer geriet außer Kontrolle und brannte das gesamte Gebäude nieder. 
 
600 Jahre lang waren zuvor in England Rechnungen, Schuldscheine und Steuerquittungen auf Kerbhölzern ausgestellt. Daraus leitet sich auch unsere Redewendung ab: "Etwas auf dem Kerbholz haben" bedeutete ursprünglich nur, dass jemand Schulden hatte. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Doch nicht nur Finanzbeamte können rechnen. Auch Frauen. Was Beziehungen nicht immer gut tut. Davon zeugt der Brief eines gewissen Karl an seinen Freund Heinz: "Die Auflösung der Verlobung mit Maria kam ganz von selbst. Sie erzählte mir, was sie sich zum Geburtstag wünsche, und ich erzählte, was ich im Monat verdiene." 
 

Schmunzelpost 374 vom 28. 4. 22 

Zu den Worten, die allmählich aus unserem Sprachschatz verschwinden, zählt auch "Gierschlund". Ich hingegen bin in diesem Fall nicht von der Vergesslichkeit bedroht, denn ich werde täglich an den Begriff erinnert. Sobald ich mich seinem Futterschrank nähere, steht unser Kater sozusagen Gier bei Fuß. Und wenn ich die Futtertüte öffne, um seinen Napf zu füllen, kann er der Versuchung nicht widerstehen und springt auf die Anrichte. 
 
Was dazu führt, dass ich den Napf wegnehmen und den Füllungsprozess unterbrechen muss. Bis ich Tüte oder Dose gründlich ausgekratzt habe, wiederholt sich dieser Vorgang zwei-, dreimal. Unser Gierschlund kapiert einfach nicht, dass er damit nur die Wartezeit verlängert, bis er sich sein Futter einverleiben kann. 
 
Heute morgen war ich schlecht in Form. Erneut wegen Rückenschmerzen schlecht geschlafen, ich war noch ziemlich unterbelichtet. Und weil ich außerdem zu den Grobmotorikern gehöre, passierte das Unglück: Als der Kater wieder nach oben sprang, um vorzeitig an sein Futter zu kommen, riss ich ihm den Napf vor der Nase weg. Allerdings mit zu viel Schwung und in einem ungünstigen Winkel. Die Folge: Das Katzenfutter sauste durch die Küche und verteilte sich auf dem Boden. Zum Glück musste ich wenigstens nicht putzen: Das Gierschlund-Kommando sorgte durch gründliches Auflecken für strahlende Sauberkeit. 
 
Das hätte mir eigentlich eine Warnung sein sollen. War es aber leider nicht. Immer noch leicht beduselt, setzte ich mich an den PC, weil es als Vorbereitung für den "Bücherfrühling" im Baumhaus noch einiges zu tun und auszudrucken gab. Mitten im Druckprozess begann leider das Gerät zu piepsen und stellte die Arbeit ein: Die Patrone mit schwarzer Farbe war leer. 
 
Nun wusste ich genau, dass ich beim letzten Mal gleich zwei Vierfarbsets erworben hatte. Der kluge Klaus baut vor. Aber wo hatte ich bloß die Reservepatronen deponiert? Ich suchte gründlich mein Arbeitszimmer ab, bis ich in einer unteren Schublade fündig wurde. Endlich! Eine Patrone mit schwarzer Farbe! Leider war die Ausgangsöffnung mit einem widerspenstigen Kunststoffstreifen verklebt. Als es mir endlich gelang, das Hindernis mit einer Schere zu entfernen - flutsch! - sprang ein Schwall schwarzer Farbe heraus und färbte gründlich meine Finger. 
 
Fluchend eilte ich ins Bad und schrubbte 15 Minuten lang intensiv mit Seife und Kloreiniger, bis meine Hände halbwegs sauber waren. Dann versuchte ich, die Patrone einzusetzen. Doch sie wollte nicht. Als ich Gewalt anwandte, blieb sie auf halber Strecke stecken. Und mir fiel siedend heiß ein, dass sie zu einem Satz gehörte, den ich vor Jahren eingekauft hatte, ohne auf die Gerätenummer zu achten. Sie passte einfach nicht. 
 
Dummerweise ließ sich die Patrone nun nicht mehr herausziehen. Also wandte ich erneut Gewalt an. Und hatte den Napfeffekt vom Vormittag außer Acht gelassen: Durch die Öffnung spritzte nun schwarze Farbe quer über den Parkettboden, meine Hose, meine Hände und - wie auch immer das möglich war - sogar über meinen Schreibtisch, Bücher und meinen Kalender. Die Buchhandlung "schwarz auf weiß" hatte einen Ableger auf Maria Lindenhof bekommen. 
 
Eine schwarze Wolke über meinem Schädel begleitete mich durch die halbstündigen Reinigungsarbeiten. Außerdem ärgerte ich mich maßlos. Beim Putzen hatte ich entdeckt, dass die richtigen Reservepatronen in einer Nische direkt neben dem Drucker auf ihren Einsatz warteten. Dass beim folgenden voreiligen Druckprozess unnötig Papier verschwendet wurde, weil beim Ausdruck wegen nur einer Zeile auch noch ein zweites Blatt benötigt wurde, war bloß noch ein Kollateralschaden. 
 
Dieser Tag wird als schwarzer Mittwoch in die Geschichte der Schreibwerkstatt kdk eingehen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nun zur Zugabe. Weil gerade in NRW die Abiturprüfungen beginnen, bezieht sie sich auf einen schwarzen Mittwoch von Lüneburger Schülern der 12. Klasse. Zu denen sagte ihr Politiklehrer: "Also, wir machen das jetzt so. Ich gehe vor die Tür, dann kommen Sie der Reihe nach einzeln zu mir und nennen mir Ihre Einschätzung Ihrer Note. Dann lachen wir gemeinsam ein bisschen, und ich sage Ihnen Ihre richtige Note." 

 

 Schmunzelpost 373 vom 27. 4. 22

Fräulein Anke, Fräulein Anne, Fräulein Beate, Fräulein Christa, Fräulein Claudia, Fräulein Elisabeth, Fräulein Karin, Fräulein Kerstin, Fräulein Lisa, Fräulein Maja, Fräulein Maria, Fräulein Marie, Fräulein Mechthild, Fräulein Marion, Fräulein Petra,  Fräulein Regina, Fräulein Steffi, Fräulein Susanna und Fräulein Ursula - bitte Antreten zum Diktat! 
 
So schallte es jahrzehntelang aus den Chefzimmern. Heute hat sich zum Glück einiges geändert. Nicht nur, dass es jetzt "Frau" heißt. Der "Tag der Sekretärin" am 27. April ist inzwischen, Gleichberechtigung muss sein, hochoffiziell der "Internationale Tag der Sekretärin und des Sekretärs". Dieser Aktionstag soll die Bedeutung ihrer Arbeit würdigen. Und heute darf es auch mal andersherum funktionieren: "Chef, antreten zum Diktat! Ich zeige Ihnen jetzt mal, wie man gescheite Geschäftsbriefe formuliert - das ist schon lange überfällig!" 
 
Um Berufe geht es auch am 28. April beim Girls Day. Da sollen Mädchen auf ihre Zukunft vorbereitet werden. Und damit das schwächere Geschlecht nicht zu kurz kommt, hat man mit etwas Verspätung am gleichen Datum auch den Boys Day installiert. Gleiche Chancen für alle bei der Berufswahl - der Trend ist nicht aufzuhalten. 
 
Die letzte steile These ist derzeit aber wohl noch ein Vorgriff auf den "Tag des Wunsches", der am 29. April begangen wird. Und da hier vorrangig die kuriosen Aktionstage aufgelistet werden, darf für den 29. 4. der "Tag der Lochkamera-Photographie" nicht unerwähnt bleiben. Man beachte die Schreibweise - diesen Aktionstag gibt es wohl schon länger. Aber konnten die Menschen zur Zeit von Wilma Feuerstein, der Erfinderin der Lochkamera, überhaupt schon schreiben? 
 
Am 30. April steht uns eine harte Probe bevor. Das ist der "Tag der Ehrlichkeit". Nach einer aktuellen Untersuchung mit 1028 Deutschen lügen hierzulande 58 Prozent der Menschen täglich. Doch das ist vermutlich gelogen. Nach anderen Studien ist die Zahl der Lügner nämlich weit größer. Die zurückhaltendste geht von durchschnittlich zwei Lügen pro Tag aus, andere Untersuchungen zählten durchschnittlich 25 Lügen und wieder andere (vermutlich unter Politikern und Gebrauchtwagenverkäufern) kamen sogar auf ein Tagespensum von 200 Lügen. Am besten, wir gehen am 30. April dem Problem aus dem Weg und verkleben uns mit einem großen Pflaster den Mund! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Meine Studentenzeit ist schon lange her. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass dieser Zugaben-Dialog aus der Technischen Universität München von grundsolider Ehrlichkeit geprägt war. Student zu einem Mensa-Mitarbeiter: "Was empfiehlt der Küchenchef denn heute?" Mensa-Mitarbeiter: "Ein anderes Lokal - ich komm' mit!" 
 
PPS. Da hätte ich doch fast bei meiner Aufzählung die wichtigste Aktion der Woche vergessen! Wer Zeit, Lust und intakte Beine hat, der mache sich am Donnerstag, 28.4., auf zum Dorstener Baumhaus: Dort bricht um 19.30 Uhr der Bücherfrühling aus! 

 

Schmunzelpost 372 vom 26. 4. 22

 

Falls Ihr trotz Xaviers überzeugender Argumente doch noch die Kurve gekriegt habt und Euch lieber zu den Schlafschafen zählt als zu den Erleuchteten: Willkommen bei der Schmunzelpost! Denn hier finden sich nicht die flachen, sondern die runden.... äh, ich fange lieber nochmal neu an, die aufgeweckten Leserinnen und Leser. 
 
Eine von ihnen wies mich darauf hin, dass man auf keinen Fall die "Erleuchteten" mit den "Leuchtenden" verwechseln sollte. Das sind Frauen, die mit mehr als 47 Jahren erst recht das Leben lieben und denen die Journalistin Silke Burmester im Internet mit dem Online-Portal Palais F*luxx ein Forum eingeräumt hat, das den Untertitel trägt "Leuchten für Fortgeschrittene", Magazin für Rausch, Revolte, Wechseljahre. 
 
Dies ist für mich der Aufhänger gewesen, mal nachzuforschen, wann Frauen erstmals in vorherige Männer-Domänen eingedrungen sind. Und gezeigt haben, dass die "naturgegebene männliche Überlegenheit" ein Mythos ist. So hat es bis 1754 gedauert, bis eine Frau in Deutschland trotz aller Widerstände erstmals als Doktorin der Medizin praktizieren konnte. Das gelang Maria Erxleben, einer Mutter von acht Kindern, die in Quedlinburg promovierte. 
 
Die Fallhöhe war hoch. Aber nicht so hoch wie bei der ersten Ballonfliegerin. Jeanne Labrosse war 1799 auch die erste Frau, die aus 900 m Höhe einen Sprung mit dem Fallschirm wagte. Respekt! Für mich wäre das nichts gewesen. Schon eher das Abenteuer, das Ida Pfeiffer 1846 und 1848 gleich zweimal auf sich nahm. Sie absolvierte als erste Frau eine Weltreise. Und schrieb insgesamt 13 Bücher darüber. 
 
Bis 1872 dauerte es, bis im Mutterland der Demokratie erstmals eine Präsidentschaftskandidatin antrat. Die Frauenrechtlerin Victoria Woodhull hatte jedoch in einer Zeit, in der noch viele Monarchen regierten und das Wahlrecht für Frauen in den Republiken noch längst keine Selbstverständlichkeit war, keine Chance gegen die männlichen Mitbewerber. 
 
Dafür war die erste Frau am Steuer schon am Start, als das Automobil noch weit davon entfernt war, seinen Siegeszug anzutreten. Allerdings zeigt der Nachname, dass sie familiären Rückenwind hatte, als sie mit ihren beiden Söhnen 1888 von Mannheim nach Pforzheim fuhr. Die Dame hieß Bertha Benz. 
 
Eine Premiere gelang Selma Lagerlöf 1909. Als erste Frau wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Die Stockholmer Jury blieb danach sehr "männerlastig": Bis 2019 kamen nur elf Frauen zum Zuge. Charles Lindbergh ist allen ein Begriff. Aber wer war Raymonde de Laroche? Das war die erste Frau, die im Alleinflug 1932 den Atlantik überquerte und zwar von Neufundland bis Nordirland. Auch der erste Alleinflug eines Menschen über den Pazifik ging 1935 auf ihr Konto. 
 
Noch höher hinaus ging es 1963 für Valerie Tereschkowa. Die Kosmonautin umkreiste an Bord von Vostok 6 48-mal die Erde. (Ganz so flach, Xavier, kann unser Planet danach wohl doch nicht sein). Und zum Schluss habe ich noch eine Gipfelstürmerin im Rucksack: Junko Tabai erklomm 1975 mit einer japanischen Frauenexpedition den Mount Everest. (Da staunst Du, Reinhold!) 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe geht es um die erste Frau, die einem Mann mit einer unbequemen Wahrheit eine Freude gemacht hat. Das ist aus einem Gespräch zwischen zwei Arbeitskollegen zu entnehmen. 
 
Mann A: "Gestern habe ich nach 20 Jahren eine Schulfreundin wieder getroffen, in die ich damals schwer verliebt war." 
 
Mann B: "Und? Hat sie dich noch erkannt?" 
 
Mann A: "Ja, das hat sie. Sie hat gesagt: Booah, du bist aber alt geworden!" 
 
Mann B: "Da warst du sauer, was?" 
 
Mann A: "Nö, ich habe mich gefreut. Die anderen sagen immer: Du bist aber dick geworden!"  

Schmunzelpost 371 vom 25. 4. 22 

Heute müsst Ihr bereit sein, alte, vermeintlich gesicherte Erkenntnisse über Bord zu werfen, um Euch endlich der schwer zu glaubenden Realität zu stellen, dass Ihr von Geburt an genau wie ich und Milliarden anderer Menschen getäuscht worden seid. Möglich wurde das durch das nahtlose Zusammenspiel von Regierung, Medien und sogenannten Wissenschaftler, die uns mit riesigem Propagandaaufwand ein falsches Weltbild eingeimpft haben. In Wahrheit aber ist unsere Erde keine Kugel, sie ist eine flache Scheibe. 
 
Schwer zu verkraften, was? Auch ich bin den Lügnern 68 Jahre auf den Leim gegangen. Aber jetzt machte mich stutzig, wie sie den Geistesriesen Xavier Naidoo einer Gehirnwäsche unterzogen und ihn veranlasst haben, den Ergebnissen seiner jahrzehntelangen Forschungen abzuschwören. Dazu schreckte der BND vor brutalsten Foltermethoden nicht zurück: Naidoo wurde gezwungen, sieben Tage lang seine eigene Musik zu hören. Danach war er verständlicherweise so mürbe, dass er bereitwillig alles widerrief, nur um den akustischen Qualen ein Ende zu setzen. 
 
Doch das entwertet seine durch akribische Recherchen gewonnenen Erkenntnisse nicht. Sie beruhen auf der Vorarbeit von Samuel Rowbotham, dem es 1849 gelang, das Lügengespinst von Galilei, Kopernikus & Co. zu zerpflücken. Zwar setzten die Machthaber alles daran, die Wahrheit nicht ans Licht kommen zu lassen, aber die Zetetic Society trug die Fackel der Erleuchtung ins nächste Jahrhundert. 1956 wurde sie durch die Internationale Flat Earth Society abgelöst. 
 
Ihre Vertreter stützen sich auf uralte gesicherte Weisheiten, die durch die nordische Mythologie und das Alte Testament der Bibel verbreitet und trotz aller Verschleierungsversuche nicht getilgt werden konnten. Danach ist der Nordpol das Zentrum der flachen Erde, ein Weltall gibt es nicht. Die Sonne ist nur 4000 Meilen von London entfernt und etwa 60 km groß. Wie der Mond bewegt sie sich an der Himmelskuppel und beleuchtet dabei immer nur einen Teil der Erdoberfläche. Deshalb gibt es Tag und Nacht, versteht Ihr? 
 
Über den Erdrand kann niemand hinausfallen, weil die Erdscheibe durch riesige Eiswände begrenzt wird. Bis heute ist es noch niemand gelungen, bis dorthin vorzudringen. Nicht nur wegen der eisigen Kälte, sondern vor allem wegen der gnadenlosen Wächter, die jeden heldenhaften Forscher verschwinden lassen. Selbst Reinhold Messner ist ihnen nur ganz knapp entronnen, er deutet vage in den Berichten über seine Expeditionen erschreckende Begegnungen mit dem Yeti an. 
 
Überhaupt gibt es unter uns eine Fülle von unheimlichen Wesen, die sich geschickt verbergen. Das sind aber, so berichtete Xavier Naidoo, als er noch frei sprechen konnte, keine Aliens, sondern Dämonen und gefallene Engel, die in unterirdischen Reichen hausen. Ja, die Hölle und den Teufel gibt es wirklich! 
 
Ihr seid immer noch ungläubig? Dann habt Ihr die Bibel vom falschen Ende her gelesen, wie Schriftforscher Xavier weiß. Denkt doch einmal nur kurz darüber nach: Wenn die Erde eine Kugel wäre, dann würden sehr schnell sämtliche Meere und Ozeane auslaufen! Na, da hättet Ihr aber wirklich mal selbst drauf kommen können. 
 
Doch zugegeben, es ist sehr schwer, die Nebelwerfer der Globusgläubigen zu durchdringen. Immerhin lassen sich nach Umfragen inzwischen drei Prozent der Briten, sieben Prozent der Brasilianer und noch mehr US-Amerikaner - bei einer Umfrage waren es ca. ein Sechstel von 8000 Befragten - nicht mehr einlullen. Und die sozialen Medien leisten der Aufklärung Vorschub. Seit das Internet genutzt werden kann, ist die Zahl der Flat-Earth-Society-Mitglieder von 3000 auf inzwischen mehr als 200 000 Follower gestiegen. Der Siegeszug der Vernunft ist nicht aufzuhalten! Vor allem, wenn Ihr als Schmunzelpost-Botschafter unverzüglich mit der Missionsarbeit beginnt! 
 
Glückauf und Ganzflach! 
 
kdk 
 
PS. Für alle Bekehrten gibt es eine sofortige Belohnung. Um Euch von den Schlafschafen rundherum abzugrenzen, dürft Ihr Euch "die Erleuchteten" nennen! 

 

 Schmunzelpost 370 vom 24. 4. 22

Gestern haben wir fürstlich gespeist. Wir waren von einem Geburtskind in ein Velberter Spitzenrestaurant eingeladen worden. In der Tat, auch außerhalb von Dorsten kann man sehr gut essen, fast genauso gut wie bei Freitag, Rosin und Anke. 
 
Das nehme ich zum Anlass, mich heute mal mit Speisen und Getränken zu befassen. Genauer: Mit den Konzernen, die meist dahinter stehen. Dabei kamen verblüffende Zahlen und Fakten zu Tage. Fangen wir wegen des gestrigen Tages des Bieres klein an, mit der Bitburger Brauerei, die seit 1817 in der Eifel am Werk ist. Seitdem hat sich das Unternehmen zur Braugruppe gemausert. Von ihr stammt nicht nur das Bitburger, sondern auch das König Pilsener, Licher, Köstritzer und, Überraschung, seit 1998 auch Gerolsteiner Sprudel! 
 
Mit läppischen 800 Millionen Euro Umsatz und 1700 Mitarbeitern ist das aber fast nichts gegenüber der Coca Cola-Company. Die gibt es zwar erst seit 1892, aber sie beschäftigt weltweit 63 000 Menschen und macht 32 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Außer Coca Cola vertreibt der Konzern u.a. noch Apollinaris, Bon Aqua, Fanta, Sprite, Lift, Cappy, Nestea, Powerrade, Römerquelle und vieles mehr. 
 
Was mich erstaunt hat: Der Konkurrent Pepsi, 1898 gegründet, hat Coca Cola deutlich den Rang abgelaufen. Pepsi beschäftigt 263 000 Mitarbeiter und macht jährlich (Stand 2019) fast 65 Milliarden Dollar Umsatz. Dazu tragen Marken wie 7 Up, Schwip Schwap, Mirinda, Tropicana, Gatorade, Quaker Oats, Mountain Dew (wobei ich von quakendem Morgentau noch nie etwas gehört habe) sowie Süßigkeiten, Snacks und Chips bei. 
 
Jetzt etwas für Naschkatzen. Ferrero produziert nicht nur Salmonellen, sondern auch Küsschen, Duplo, Hanuta, Milchschnitte, Kinderschokolade, Nutella, Raffaelo, Rocher, Tic Tac und Mon Cherie, also viel von dem Zeug, das ebenso süß wie ungesund ist. Damit sind rund 35 000 Arbeitskräfte beschäftigt, und der 1946 gegründete Konzern erzielt 10,7 Milliarden Euro Umsatz. 
 
Doch wir Deutschen können auch auf den Pudding hauen. Die Dr. Oetker GmbH, die es bereits seit 1891 gibt, hat 32 000 Mitarbeiter und legt beim Jahresumsatz noch eine Milliarde drauf! Die 11,7 Milliarden Euro  werden mit Essbarem und Trinkbarem (manche sagen so, andere sagen so und wer zuviel davon trinkt, sagt irgendwann gar nichts mehr) erzielt. Zur bunten Produktpalette gehören Berliner Pilsener, Clausthaler, Corona (Karl Lauterbach, da solltest Du mal eingreifen!), Coppenrath & Wiese, DAB, Deinhardt, Dortmunder Union Bier (Karl Lauterbach, da solltest Du erst recht mal eingreifen!), Fürst von Metternich, Henkell, Jever, Kümmerling, Kupferberg, Radeberger, Ristorante Pizza, Schöfferhofer, Selters, Söhnlein, Vitalis und Wodka Gorbatschow (Karl Lauterbach, da solltest Du Sanktionen verhängen!). Doch der Mensch lebt nicht vom Schnaps allein und Dr. Oetker gönnt sich auch noch Hotels, einen Verlag und das Bankhaus Lampe. 
 
Schauen wir jedoch in die Schweiz, dann müssen wir feststellen, dass der Nestle-Konzern noch ein paar Nummern größer ist. Und wir verstehen, warum Ex-Ministerin Klöckner mit dem Nestle-Chef flirtete, obwohl dessen Unternehmen vor allem in Afrika auch ein paar Sauereien am Laufen hat. Aber wer kann schon einem Traditions-Betrieb widerstehen, der seit 1866 stetig gewachsen ist, heute 352 000 Arbeitskräfte zählt und mit einem Jahresumsatz von 91,4 Milliarden Schweizer Franken die 100 Milliarden-Grenze anvisiert. 
 
Dazu tragen unter anderem bei: Alete, After Eight, Choco Chrossies (bitte nicht verwechseln mit Felix-Tiernahrung), Fürst Bismarck, Herta-Wurstwaren, Kit Kat, Maggi, Mövenpick, Nescafe, Nesquik, George Clooney, nein, pardon, Nespresso, Nuts, Perrier, San Pellegrino, Schöller, Smarties, Thomey, Wagner-Pizza, Vittel und vieles mehr. 
 
Fakten, Fakten, Fakten! Das ist verwirrend! Ich versuche zu rekapitulieren: Während Dr. Oetker noch an der Coca Cola nuckelt und Georg Clooney an seiner Pepsi nestelt, steigt Karl Lauterbach mit Fürst Bismarck in einen Ferrero und braust davon. Was sagt Euch das? Um 2 Uhr früh fliegen die Schluss-Pointen tief! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Aber eine Zugabe habe ich noch. Falls Ihr noch Hoffnung habt, vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen und einen Konzern mit Millionen-Umsatz zu gründen, schminkt Euch das ab. Der technische Fortschritt macht das heutzutage unmöglich, wie ein aufgeweckter Schüler in seinem Aufsatz "Einst und jetzt" plausibel erklärt: "Ein späterer Millionär arbeitete damals in seiner Jugend für 3 Doller in der Woche in einem Lebensmittelgeschäft. Drei Jahre später gehörte ihm schon das Geschäft. - Heute geht das nicht mehr, denn jetzt gibt es Registrierkassen."   

 

Schmunzelpost 369 vom 23. 4. 22

Heute fällt es mir nicht leicht, eine Schmunzelpost zu schreiben. Ich habe die Nachricht vom Tode eines lieben Menschen erhalten. Annette Kohl, die nach ihrer Mutter, immer noch bekannt als Tortencilly, die Redaktionsräume sauber gehalten und weit mehr getan hat, als sie eigentlich gemusst hätte, ist nach langer schwerer Krankheit gestorben. Warum sind es oft die Nettesten, die am meisten ertragen müssen? 
 
Annette wurde 65 Jahre alt. Auf sie trifft der oft gebrauchte Satz zu, dass der Tod wahrscheinlich eine Erlösung war. Dennoch: Sie hätte viel mehr gesunde Jahre verdient gehabt! Das trifft auch auf viele andere Menschen zu, deren Leben allzu früh endete. Ich habe mal einige zusammen gestellt, denen alle Welt viel mehr Zeit gegönnt hätte. 
 
Was wäre allein im Bereich der Musik noch zu erwarten gewesen, wenn nicht die Rock'n Roller Eddie Cochran und Buddy Holly mit gerade mal 22 Jahren durch Unfälle ums Leben gekommen wären? Das gilt erst recht für Jimi Hendrix (27), Janis Joplin (27) und Amy Winehouse (27), die es auf der Höhe ihres künstlerischen Schaffens erwischte. Wenn auch nicht ganz ohne eigenen Anteil, weil sie den Umgang mit Drogen und Alkohol nicht im Griff hatten. 
 
Ein anderes musikalisches Wunderkind starb schon viel früher mit 35 Jahren. Wolfgang Amadeus Mozart vermutete, vergiftet worden zu sein. Doch wahrscheinlich war er das Opfer inkompetenter Mediziner. Auch Franz Schubert, der mit nur 28 Jahren an Typhus verstarb, wäre heutzutage vermutlich gerettet und auch von seiner Syphilis kuriert worden. 
 
Ideologisch motivierte Mörder haben Anne Frank auf dem Gewissen, ein Mädchen, dass durch Verrat den Nazis in die Hände fiel und wie die Geschwister Scholl trotz ihrer Jugend gnadenlos getötet wurde. 
 
Und dann gab es vor 2000 Jahren noch jemand, der ebenfalls durch Staatsgewalt allzu früh aus dem Leben schied, vermutlich mit etwa 30 Jahren. Aber im Fall von Jesus von Nazareth gibt es zumindest Hoffnung, dass die Auferstehung gelang, wovon Abermillionen Christen überzeugt sind. Wenn das so ist, bin ich zuversichtlich, dass Annette Kohl im Himmel einen guten Platz findet, an dem sie sich mit ihrer Mutter austauschen und über die Entwicklung in der Redaktion den Kopf schütteln kann. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 368 vom 22. 4. 22

Gestern, am 21. April, hätte mein Vater Geburtstag gefeiert. Dann wäre er allerdings 115 geworden, ein Alter, das gegenwärtig nur die wenigsten erreichen. Doch immerhin hat mein Vater es fast auf 86 Jahre gebracht. Was in früheren Zeiten ausgereicht hätte, ihn Methusalem statt Karl zu taufen. Denn wie steht es in der Luther-Bibel? "Unser Leben währet 70 Jahre. Und wenn es hochkommt, so sind es 80 Jahre gewesen. Und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen." Köstlich? Mühe und Arbeit? Wenn das so ist, dürfen die Kirchenoberen sich nicht wundern, dass die Gläubigen ihnen in Scharen davonlaufen. 
 
Ich schlage einen Deal vor. Ich bleibe bis zu meinem Lebensende der evangelischen Kirche treu, und wir ändern den Psalmtext in meiner persönlich zugeschnittenen Bibel in: "Unser Leben währet 100 Jahre. Und wenn es hochkommt, so sind 120 Jahre gewesen. Und wenn es köstlich gewesen ist, dann war selbst die Arbeit ein Vergnügen." 
 
Von der Freizeit ganz zu schweigen. Damit die köstlich wird, füllen wir unsere Jahre mit Aktionstagen. Am 23. April haben wir doppelten Grund zum Feiern. Denn das ist der internationale Tag des Buches und gleichzeitig der Tag des Deutschen Bieres. Das lässt sich wunderbar kombinieren: Macht es Euch im Sessel bequem, klappt ein spannendes Buch auf und genießt dazu ein Bierchen. Kleiner Tipp: Mit gutem Wein funktioniert das noch besser! 
 
Der 24. April ist dann der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche. Das ist nicht kurios und erst recht nicht lustig, aber dringend notwendig. Doch wenn Ihr es trotzdem lieber von der skurrilen Seite her angehen wollt, bitte sehr: Dann setzt Euch gegen die Ausbeutung der Hühner durch den Osterhasen ein! 
 
Gerade im Kampf gegen den Klimawandel haben wir am 25. April besonderen Grund, lautstark zu demonstrieren. Es ist der "Internationale Tag des Baumes". Also holt Eure Rasseln, Trillerpfeifen und Trommeln heraus und skandiert lauthals: "Eine Welt ohne Baum wird zum bösen Traum!" Ach? Der 25. 4. ist auch der "Internationale Tag gegen Lärm"? Dann legen wir die Trommel weg und umarmen still und innig einen Baum - das zählt auch! 
 
Der "Tag des geistigen Eigentums" wird am 26. April begangen. Neo-Nazis, Querdenker, Putin-Freunde - Ihr dürft nicht mitfeiern. Fangt lieber erst einmal damit an, geistiges Eigentum anzusammeln. Oder, wie mein Vater zu Euch gesagt hätte: "Das Denken müsst ihr die Pferde überlassen - die haben 'nen größeren Kopp!" 
 
Glückauf  
kdk 
 
PS. Das mit dem Denken ist so eine Sache. Die heutige Zugabe belegt, wie ein Briefschreiber ein schönes Eigentor schießen kann: "Sehr geehrter Herr! Wem habe ich alle Freundlichkeit erwiesen? Ihnen! Wer hat mich um 100 Mark angepumpt? Sie! Wer wollte die mir am Ersten zurückzahlen. Sie! Wer hat das Geld am Ersten nicht gebracht? Sie! Wer ist ein Gauner, ein Lügner, ein Betrüger? Ihr ergebener Christian Müller" 

 

Schmunzelpost 367 vom 21. 4. 22 

Flüsse haben es mir angetan. Man kann an den meisten von ihnen wunderbare Radtouren machen, sie sind häufig von schönen Landschaften umgeben und an ihren Ufern sind oft sehenswerte Orte zu finden: Weimar an der Ilm, Berlin an der Havel, München an der Isar, Lünen und Dorsten an der Lippe sowie Bottrop an der Emscher, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. 
 
Das schöne Wetter hat uns am Mittwoch wieder mal per Rad an den Rhein gelockt. Nach der Lippe ist der Rhein mein zweitliebster deutscher Fluss. Lippe? Ist klar, an deren Ufer habe ich fast mein ganzes Leben gewohnt. Für meinen Abgang in 30 Jahren suche ich noch einen Hospiz-Platz in Wesel, wo der Lauf der Lippe ja bekanntlich endet. Nach der Wiedergeburt plane ich mein Comeback dann in Bad Lippspringe. 
 
Und den Rhein sind wir mit dem Rad bereits stromauf, stromab gefahren. Bis Basel in der Schweiz und bis Rotterdam in Holland. Außerdem verbucht der Rhein ordentlich Pluspunkte, weil an seinen Ufern die meisten Weinberge zu finden sind. Deshalb befassen wir uns heute ein bisschen ausführlicher mit dem Strom, an dem die Lorelei "Schiffe versenken" spielt. 
 
Für alle, die mit Wissen glänzen wollen, arbeiten wir zunächst unseren Bildungsauftrag ab. Der Rhein ist insgesamt 1232 Kilometer lang, davon sind 883 Kilometer schiffbar. Doch von wegen "deutscher Strom"! Gerade mal 695,5 Kilometer fließt der Rhein über deutschen Boden, vorher ist er 376 Kilometer lang in der Schweiz unterwegs und danach, in mehrere Mündungsarme geteilt, noch 161,2 Kilometer in den Niederlanden. 
 
So, jetzt zum Abseitigen. Das deutsche Eck in Koblenz, wo die Mosel in den Rhein mündet und einem unseligen Kaiser einst ein Denkmal gesetzt wurde, kennt Ihr bestimmt. Aber habt Ihr schon mal was von "Le Pouce" gehört? Dieses Kunstwerk könnt Ihr an der Danziger Freiheit 1 besichtigen. Dazu sage ich: Daumen hoch! Denn die Metallskulptur stellt einen Daumen dar. Das lebensnahe, allerdings 12 Meter hohe Original steht in Paris. Nur in wenigen ausgewählten Metropolen, neben Seoul auch in Koblenz, finden sich noch Ableger, die man vielleicht Däumlinge nennen könnte. Allerdings ist das Koblenzer Prachtstück immerhin fast drei Meter groß. 
 
Solche Ausmaße erreicht das Denkmal nicht, das Ihr ein wenig rheinaufwärts in Niederlahnstein finden könnt. Dort gibt es eine originalgetreue Nachbildung des Baareschessers zu bestaunen. Was das ist? Dazu muss ich ein wenig ausholen. Niederlahnstein hatte schon immer das Problem, dass es in der näheren Umgebung an frischem Quellwasser fehlte. Daher waren die Bürger auf sauberes Grundwasser angewiesen. 
 
Vielleicht waren die Vorfahren der Grünen schon vor vielen hundert Jahren in Niederlahnstein zuhause. Denn vor langer Zeit beschloss man dort, dass aus Umweltschutzgründen die "großen Geschäfte" öffentlich in sogenannten Bahren zu verrichten waren. Die wurden später dort entsorgt, wo dem Trinkwasser kein Schaden zugefügt werden konnte. 
 
Nicht allzu weit entfernt waren die Oberlahnsteiner zuhause. Während die ihre Nachbarn "Baareschesser" nannten, wurden sie von denen als "Heinze" gerufen. Wohlmeinende würden das mit "potenter Stier" übersetzen, gemeint war es wohl als "Rindvieh". Denn Heinz war der Gemeindebulle. Der einzige Stier weit und breit, zu dem auch die Unterlahnsteiner ihre Kühe bringen mussten. 
 
 Irgendein Heinz unter den Lesern? Puh, Glück gehabt! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe nix vom Rhein, aber einen Reinfall für den Vater. Eine junge Familie besucht gemeinsam einen Spielplatz. Die beiden kleinen Töchter umkreisen ihren Vater und necken ihn mit Zurufen: "Klein, dick und hässlich!" Daraufhin schaltet sich die empörte Mutter ein: "Er ist nicht klein!"  

Schmunzelpost 366 vom 20. 4. 22 

Ganz schön was los in der katholischen Kirche! Auch außerhalb der Feiertage gibt es für gläubige Würdenträger offenbar genug zu tun. Und da anscheinend reichlich Kapital in diversen Töpfen ungenutzt herum liegt, sinnt der eine oder andere nach Möglichkeiten, sich damit die Zeit zu vertreiben. Irgendwo muss das Geld ja hin: Bereits 2012 verzeichneten die Katholiken mit rund 5,2 Milliarden Euro einen neuen Rekord bei den Kirchensteuer-Einnahmen. 
 
Auch wenn die Zahl der Mitglieder in Deutschland inzwischen gesunken ist, soll das Vermögen der katholischen Kirche seither nicht abgenommen haben. Wobei sich der Klerus nur ungern in die Karten bzw. in die Bücher gucken lässt. Und die Sache mit den Karten ist gar nicht so abwegig. Binnen kurzer Zeit kamen zwei Fälle zufällig ans Licht, bei denen eine Nonne und ein Geistlicher extrem hohe Spielschulden angehäuft hatten. Während der Nonne dafür Gefängnis droht, wollte das Bistum Köln die Angelegenheit stillschweigend bereinigen und unter den Teppich kehren. Der Heiligenschein von Kardinal Woelki hätte ja sonst Schaden nehmen können. 
 
Wie? Ihr meint, Woelkis Ruf sei inzwischen bereits restlos ruiniert wegen der Vertuschung der Missbrauchsfälle? Das sieht Woelki aber anders! Und überhaupt: Welche Missbrauchsfälle? So was geschieht doch allüberall rund um den Globus, das sind kleine, alltägliche Verfehlungen. So denkt zumindest die schweigende Mehrheit des Klerus. Die eigentlichen Opfer sind doch die Priester, die den Verlockungen Satans heldenhaft zu trotzen versuchten, dann aber den fortgesetzten Reizen erlagen. Schon Jesus hatte Mühe, den Versuchungen des Teufels zu widerstehen. Und wenn selbst der Sohn Gottes kurz ins Wanken geriet, wer will da seinen menschlichen Dienern verübeln, dass sie schwach geworden sind? 
 
Gefahren lauern überall. Der eine stolpert über eine goldene Badewanne und seine Prunksucht, wie damals der Bischof von Limburg (was treibt der eigentlich heute?), der andere segnet Waffen und Soldaten, damit sie zum Wohle der Menschheit ihre Sonderoperation erfolgreich zu Ende bringen. Kann es Zufall sein, dass das Oberhaupt der Orthodoxen Kyrill heißt wie der Orkan, der einst unsere Wälder verwüstete? 
 
 Aber es ist ungerecht, Naturgewalten mit Dienern Gottes gleichzusetzen - letztere haben im Laufe der Jahrhunderte viel größere Schäden angerichtet, in dem sie durch ihren Segen für die "gerechte Sache" eine Lizenz zum Töten erteilten und früher den Christen Freibriefe ausstellten, die Heiden dieser Welt wenn schon nicht zu missionieren, dann doch wenigstens auszurotten. 
 
Mir fällt gerade auf, dass es jetzt nicht leicht wird, die Kurve zum Schmunzeln zu kriegen. Gut, dass es wenigstens noch eine Zugabe gibt! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ein katholischer Pfarrer in Bayern, der sich selbst für besonders feinfühlig hält, wird nach vielen Jahren in der Seelsorge von seiner Gemeinde verabschiedet. Eine gebrechliche, alte Frau ist besonders traurig über den Weggang des beliebten Geistlichen. 
Alte Frau: "Ach, Herr Pfarrer, ich hatte immer gedacht, dass sie mich noch beerdigen werden." 
Pfarrer: "Liebe Frau XY, seien sie nicht traurig, ich bin ja noch vierzehn Tage hier!"   

 

 Schmunzelpost 365 vom 19. 4. 22

Heute habe ich ein kleines Problem. Es ist wieder an der Zeit, unseren Aktionstag-Jahreskalender zu ergänzen. Nur haben die anstehenden Aktionstage einen relativ geringen Kuriositätswert. Sei's drum, bringen wir es hinter uns. 
 
Am besten, indem wir uns nach amerikanischen Vorbild abklatschen. Denn der 19. April ist der "High-Five-Tag". Auch der 20. April wurde in den USA schon vor langer Zeit zum Aktionstag erkoren, obwohl die in den 60er und 70er Jahren in Amerika rasant gewachsene Marihuana-Gemeinde mittlerweile in aller Welt Nachahmer gefunden hat. Deshalb wird nun rund um den Globus der Internationale Kiffertag gefeiert. Obwohl Haschisch-Konsum auch bei uns bald entkriminalisiert werden soll, gilt für mich nach wie vor: Das kommt gar nicht in die Tüte! 
 
Der 21. April ist dagegen einer Leidenschaft gewidmet, der ich jahrelang gefrönt habe. Da wird der Tag des Plattenladens gefeiert. Und es hat Zeiten gegeben, in denen ich in solchen Geschäften viel mehr Geld gelassen habe, als für Klamotten (bravo!) oder Bücher (buh!). Dann kam die CD, und inzwischen ist Musik auch für mich ein digitales Gut geworden. Doch es gibt eine Gegenbewegung, die auf Vinyl-Produkte schwört. Drei Umstände hindern mich, dort einzusteigen. Sie heißen rausch, kratz und knister. 
 
Mit beiden Beinen fest auf dem Boden der unschönen Tatsachen stehe ich dagegen beim Aktionstag am 22. April, dem Tag der Erde. Den hat bereits 1990 der US-Kongress ausgerufen. Leider blieb er bis heute das beste Beispiel dafür, dass zwischen Reden und Handeln Welten liegen. Oder manchmal auch ein kompletter Erdball. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Dass Reden und Handeln längst nicht immer überein stimmen, gibt es nicht nur in der Politik, sondern auch in Familien. Dies zeigt die heutige Zugabe am Beispiel zweier kleiner Weight Watchers, die in der U-Bahn den alten Spruch untermauerten: Kindermund tut Wahrheit kund. 
 
Mutter (1,80 m groß, aber auch mindestens 130 kg schwer): Wie war es? Habt ihr bei eurer Tante schön gegessen? 
Tochter: Ja, es war lecker. DU hast aber viel zu viel gegessen! 
Mutter: Nein, ich habe doch nicht viel gegessen. Ich esse immer nicht so viel! 
Sohn: Doch, Du hast viel gegessen. Dein Bauch ist doch ganz dick! 
Mutter (schaut beschämt, weil das ganze Abteil mithört): Nein, ich esse auch nicht mehr als ihr. Aber schaut mal da draußen, was da ist! 
 
Zwei Minuten herrscht Ruhe. Dann hält die Bahn an der nächsten Haltestelle ungewöhnlich lange. Die Mutter wird ungeduldig. 
Mutter: Warum dauert das so lange? Warum fährt die Bahn nicht weiter? 
Darauf die Kinder im Chor: WEIL DU ZU SCHWER BIST!  
 

 Schmunzelpost 364 vom 18. 4. 22  

Ostermontag. Genug gefaulenzt. Hefte raus, Geschichte! Weil Feiertag ist, könnt Ihr Euch das dazu gewonnene Wissen aber auch bloß hinter die Ohren schreiben. Oder es gleich wieder vergessen, soooo weltbewegend sind diese Geschehnisse auch nicht. Aber kurios. Und daher schmunzelposttauglich! 
 
In Berlin hatte der Osterhase 1949 Flügel! Und wurde von den Berlinern prompt "Onkel Wackelflügel" getauft. Hinter diesem Spitznamen verbarg sich der US-Pilot Gail Halvorsen, der ein großes Herz für Kinder hatte. Als die Sowjets im Juni 1948 den Landweg nach Westberlin abriegelten, richteten die Amerikaner bekanntlich eine Luftbrücke ein, mit der lebenswichtige Güter in die Stadt gebracht wurden. 
 
Halvorsen hatte die Idee, kleine Fallschirme mit Süßigkeiten abzuwerfen. Und damit kleine wie große Schleckermäuler seine Maschine unter den anderen erkennen konnten, ließ er sie beim Anflug auf den Landeplatz Tempelhof mit den Flügeln wackeln. Dann hieß es: "Kommt was Süßes geflogen, hat 'nen Fallschirm geschnallt!" 
 
Zu Ostern ist jedes Jahr Jerusalem das Ziel von Gläubigen aus aller Welt. Viel besucht ist dann vor allem die Grabeskirche, um die sich bis heute die orthodoxen und katholischen Kirchen erbittert streiten. An der Kirchenwand lehnt seit 1757 eine einfache Holzleiter, die nicht bewegt oder weggeräumt werden darf. Warum nicht? Nun, der Sultan Osman III., der vor mehr als 250 Jahren in Jerusalem das Sagen hatte, war die Zankereien leid. Er erließ deshalb ein Dekret, durch das die Kirche unter den Status Quo gestellt wurde. Das Dekret besagte, dass an dem Heiligtum künftig nur noch etwas verändert werden durfte, wenn alle Glaubensgemeinschaften damit einverstanden waren. Und da diese sich bis heute in den Haaren liegen, steht die Leiter immer noch da! 
 
Frauen spielen bei uns oft eine tragende Rolle. Vor fast 1000 Jahren rettete das vielen Männern das Leben. Konrad III. ließ 1140 die Burg Weinsberg belagern. Anders als heutige Machthaber versuchte er aber, die nicht wehrfähige "Zivilbevölkerung", also alle Frauen und Kinder, zu retten. Er gewährte ihnen freien Abzug, "mit dem Nötigsten, was sie auf den Schultern tragen konnten". 
 
Die Frauen ließen daraufhin ihre Güter in der Burg, luden sich ihre Männer auf den Rücken und wankten damit aus dem Tor. Der König hielt tatsächlich Wort und ließ alle unversehrt ziehen. Die Burgruine heißt übrigens bis heute "Weibertreu". Und ich staune, wie kräftig damals die Frauen gewesen sind. Oder waren ihre Männer allesamt dürre Hänflinge? 
 
Unglaublich, aber ebenfalls wahr, ist auch die Geschichte, wie dem Sklaven Henry Brown 1849 die Flucht aus den Südstaaten in die Nordstaaten der USA gelang. Der Fiffikus stieg in eine Holzkiste, die er an das "Komitee gegen die Sklaverei" in Philadelphia adressiert und mit der Aufschrift "Dry Goods" versehen hatte. Das Paket wurde per Lastkarren, Eisenbahn und Schiff innerhalb von 27 Stunden zugestellt. Die ganze Zeit hockte Brown darin mucksmäuschenstill in Fötushaltung und entstieg der Kiste in den Nordstaaten als freier Mann! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Religionslehrer haben es heutzutage schwer. Bei einer Straßenumfrage konnten jetzt mehr als die Hälfte aller jungen Leute nicht sagen, was es mit Ostern für eine Bewandtnis hat. Und als im Religionsunterricht das Thema Maria und Josef behandelt wurde, erzählte die Lehrerin, dass Josef nicht Zimmermann, sondern Bauer gewesen sei. Dann fragte sie ein Kind, was ein Bauer so macht. Die Antwort: "Bauer? -... sucht Frau!"  
 

 Schmunzelpost 363 vom 17. 4. 22

Eier werden zu Ostern überall gesucht. Aber wer hat das Ei des Kolumbus gefunden? Und hat der Entdecker überhaupt Eier bemalt? Wir erinnern uns dunkel daran, dass Kolumbus angeblich derjenige gewesen ist, der die trickreiche Antwort auf die Frage gefunden hat, wie man ein Ei ohne Becher zum Stehen überreden kann. Wisst Ihr noch? Das ist mit einem Sockel aus Salz möglich! 
 
Das ist jedoch die südamerikanische Version der Geschichte, die weltweit am meisten verbreitet wurde. In Europa gab es noch eine andere Variante. Danach haben andere Gäste dem Seefahrer bei einem Festmahl des Kardinals Mendozza vorgehalten, es sei doch eigentlich ein Leichtes, Amerika zu entdecken, das hätte über kurz oder lang auch ein Leichtmatrose geschafft. 
 
Kolumbus habe daraufhin die Teilnehmer des Festes gebeten, ein intaktes Ei zum Stehen zu bringen. Was keinem gelang. Daraufhin drückte der Genueser das Ei leicht ein und - oh Wunder - es stand wie eine Eins. Was Kolumbus mit dem Spruch begleitet haben soll: "Der Unterschied ist, dass jeder von ihnen das hätte hinbekommen können, ich hingegen habe es getan!" 
 
So weit, so schön. Schade nur, dass die Anekdote bereits vorher im Umlauf war und dabei dem italienischen Baumeister Filippo Brunelleschi zugeschrieben wurde, der die eiförmige Domkuppel von Florenz entworfen hat. 
 
Ei der Daus, verblüffend, nicht wahr? Wollt Ihr noch ein paar überraschende Fakten lesen? Dies hier passt zu Ostern: Ein Kind darf in Deutschland den Vornamen "Frieden Mit Gott Allein Durch Jesus Christus" tragen. Und was steckt an Leistungskraft in einem unscheinbaren Bleistift? Mit ihm kann ein Strich mit 56 Kilometer Länge gezogen werden. 
 
Unterstreichen möchte ich auch, dass "Buffalo buffalo Buffalo buffalo buffalo buffalo Bufallo bufallo" im Englischen ein grammatisch völlig korrekter Satz ist. Er bedeutet übersetzt "Büffel aus Buffalo, die von Büffeln aus Bufallo schikaniert werden, schikanieren Büffel aus Buffalo." Und da bald der Mai kommt und dann die Bäume ausschlagen, soweit sie es noch nicht im April getan haben, frage ich Euch nach dem Synonym für Baum, das in hiesigen Amtsstuben benutzt wird. Ihr müsst passen? Es heißt "flächendeckendes Großgrün". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wo wir schon in der Botanik sind, bleiben wir auch in der Zugabe dort. Hier eine verblüffende Erkenntnis aus einem Schulaufsatz: "Pilze wachsen immer an feuchten Plätzen. Und darum haben sie auch immer das Aussehen von Regenschirmen." 

 

 Schmunzelpost 362 vom 16. 4. 22

Ei, ei! Morgen steht es bevor, das Osterfest. Im Gegensatz zu Weihnachten brockte mir der Vorlauf mit dem Karfreitag als Kind immer den langweiligsten Tag des Jahres ein. Man musste Sonntagsklamotten tragen, durfte sich nicht schmutzig machen und erst recht nicht draußen laut mit anderen spielen. Im Radio lief nur "Adenauer-ist-tot-Musik" und das Fernsehprogramm war noch schlechter! 
 
Als ich den Kinderschuhen entwachsen war, nahm ich manchmal an Ostermärschen teil. Krieg, vor allem ein Atomkrieg, war so ziemlich das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte. Und heute? Was muss ich in diesem Jahr erleben? Dass das Leitmotiv "Frieden schaffen ohne Waffen" einen Knacks bekommen hat und mich erstmals der Gedanke plagt, ob eine funktionsfähige Bundeswehr vielleicht doch nicht zu verachten wäre. In meinem Pazifisten-Hirn hat Putin mit einem Schlag Ghandi fast ausgeknockt. 
 
Doch wir wollen ja wenigstens fünf Minuten am Tag nicht an den Ukraine-Krieg denken. Schauen wir doch mal, was es in anderen Ländern außer Eiersuchen und Osterfeuern an Osterbräuchen gibt. 
 
Die Schweden haben offenbar das Brauchtum verschiedener Tage zusammengelegt. Wie das neue Jahr wird Ostern gern mit einem Feuerwerk begrüßt. Und die Kinder ziehen nach dem Vorbild von Halloween am Gründonnerstag als "Osterweiber" verkleidet durch die Straßen, verteilen "Osterbriefe" und erwarten dafür als Gegenleistung Süßigkeiten oder Geld. Der Osterhase wird in Schweden durch Osterküken ersetzt, die für das Eierverstecken zuständig sind. Deshalb sind schwedische Ostereier auch fast alle knallgelb. 
  
In England dürft Ihr Euch nicht wundern, wenn jemand Euch mit einem Weidenkätzchenzweig die Wange tätschelt. Das ist kein Liebesbeweis, sondern ein Glückwunsch: Dem Gestreichelten soll danach für den Rest des Jahres das Glück hold sein. Vielleicht gewinnt er dann im britischen Städtchen Olny einen ganz besonderen Wettbewerb. Dort wird seit 500 Jahren am Gründonnerstag ein Pfannkuchenrennen ausgetragen! 
 
Auch die Iren gehen Ostern sportlich an. So werden in vielen Städten Tanzwettbewerbe ausgetragen, um das Ende der Fastenzeit zu feiern. Zum Auftakt gibt es häufig ein symbolisches Heringsbegräbnis. Das erinnert an die Zeiten, als auf der grünen Insel der Hering die Hauptmahlzeit war. 
 
Wie zu erwarten, sind die Italiener, die alten Genießer, beim österlichen Schlemmen weit vielseitiger. Dort steht das Osterlamm hoch im Kurs, aber auch der süditalienische Reiskuchen. Und kein italienisches Schleckermaul vermag Ostern dem "Colomba" zu widerstehen, einem Topfkuchen mit kandidierten Früchten und Mandeln. 
 
Auch das traditionelle Osterei kommt zu Ehren. Aber mancherorts anders als bei uns. In Bulgarien muss man die Eier nicht suchen, da fliegen sie einem um die Ohren, nach dem Vorbild einer Schneeballschlacht. Gewonnen hat, wessen Ei dabei am wenigsten Schaden nimmt. 
 
Das ist genauso beim "Eiertütscha" in der Schweiz. Dort schlagen die Kontrahenten Ostereier solange gegeneinander, bis nur noch eins davon heil ist. Aber die Schweizer haben noch merkwürdigere Bräuche. In einigen Bezirken darf man am Karfreitag nur barfuss die Straße betreten, "um die Erde nicht zu stören". Und im Kanton Wallis erklimmen viele Bewohner am Ostermontag noch vor Sonnenaufgang den nächstgelegenen Hügel, um dort den Morgen zu begrüßen. Die besonders gelenkigen unter ihnen krönen das dann mit einem dreifachen Purzelbaum!  
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Damit Ihr nie wieder sagen könnt, "mein Name ist Hase, ich weiß von nichts", wenn Ihr nach dem Ursprung dieser Redensart gefragt werdet, klärt Euch heute die Zugabe über die Herkunft auf. Wie schwarz auf weiß dokumentiert ist, stammt der Spruch von einem Heidelberger Jura-Studenten. 1855 lieh der junge Mann mit Namen Viktor Hase einem Kommilitonen seinen Ausweis, damit der sich anonym duellieren konnte. Weil der Duell-Gegner tödlich verletzt wurde, musste der Sieger außer Landes flüchten. Und als Viktor Hase dann vor Gericht stand, rechtfertigte er sich mit den berühmten Worten: "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts!" 


 Schmunzelpost 361 vom 15. 4. 22

Weiter geht's im bunten Aktionstag-Reigen. Wie ruft es demnächst wieder aus dem Wald? Genau! Kuckuck! Und den Kuckuckstag begehen wir bereits heute, am 15. April. Das kommt daher, dass der Zugvogel sehr zuverlässig Mitte April aus Afrika nach Deutschland zurückkehrt. 
 
Falls es nicht doch stimmt, was man früher über ihn erzählte. Denn unsere Vorfahren glaubten, dass der Kuckuck, der ihnen unheimlich war, seine Winter im Reich der Feen verbrachte. Die Menschen hörten auch sehr genau hin, wenn das Lied "Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald" im Original erschallte. Denn man war überzeugt, dass die Anzahl der Kuckucksrufe nach dem ersten Ertönen der Zahl der Lebensjahre entsprach, die man noch erwarten durfte. 
 
Leider ist da wohl nichts dran. Ebenso wenig, wie an einer anderen Sitte. Wer einen Kuckucksruf hört, so hieß es, der solle kräftig mit den Münzen in seinem Geldbeutel klimpern. Das beschere ihm auf Dauer eine gut gefüllte Geldbörse. Aus Erfahrung kann ich sagen: Das ist leider Quatsch! Wer sowas glaubt, der lebt im Wolkenkuckucksheim! 
 
Fakt ist dagegen, dass der schlaue Vogel gern anderen seine Kuckuckseier unterjubelt. Das spart ihm die Arbeit mit der Brut und der Aufzucht der Jungen. Wie er auf diese kluge Idee gekommen ist? Das weiß der Kuckuck! Doch wo wir schon beim Thema Eier sind: Am 16. April ist der "Eier-Benedict-Tag. 
 
Ihr ahnt es bereits: Der National Eggs Benedick-Day hat nichts mit dem zufälligen Zusammentreffen mit Ostern in diesem Jahr zu tun. Er stammt aus den USA, wo man der kulinarischen Vorliebe für pochierte Eier mit Sauce Hollandaise ein Denkmal setzen wollte. Ich bin dafür, wir schlagen über diesen Termin lieber ein Ei. Ohnehin origineller fände ich, wenn sich ein anderer amerikanischer Aktionstag am 16. 4. auch bei uns durchsetzen würde: Der "Komm-im-Schlafanzug-zur-Arbeit-Tag". 
 
Beim Aktionstag am 17. April könnte man zunächst vermuten, er sei Politikern gewidmet. Doch der "Bla-bla-bla-Tag" stammt (seufz) schon wieder aus den USA, weil sich 2006 ein Ehepaar darüber aufregte, dass es ständig mit Appellen wie "ihr solltet mit dem Rauchen aufhören" und "mehr Bewegung würde euch gut tun" genervt wurde. Schade! Ich hätte eine tolle Idee gehabt, wie wir diesen Tag wirklich mit Sinn erfüllen und nebenbei die Erde retten könnten. Wie das geht? Habt Ihr ein halbes Jahr Zeit? Ich stelle mir das so vor: Bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla bla.... 
 
Am 18. April herrscht bei mir Funkstille. Denn das ist der Weltamateurfunktag. Und den sollen die Funkfreunde gern ungetrübt feiern, weil ich bei der Suche nach einem kuriosen Hintergrund nur SOS funken kann. Dagegen können wir am 19. April alle aktiv werden. Denn das ist der "National Hanging Out Day". Das hat nichts mit Lynch-Justiz zu tun, wir feiern den "Tag des Wäscheaufhängens". Oh, da fällt mir etwas siedendheiß ein: Ich muss jetzt leider Schluss machen - es ist höchste Zeit, die Waschmaschine anzuwerfen, damit ich es rechtzeitig zur Verfügung habe, mein Osterhasen-Kostüm. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch ein Text, der zeigt, dass nicht nur unsere Bundeswehr in Manövern fehlendes Material mit etwas Fantasie zu ersetzen wusste. Am 27. November 1912 wurde der Reiter Emil Kapsele mit zwei Tagen verschärftem Arrest bestraft. Den Grund erläutert sein Rittmeister und Schwadronschef so: Kapsele wurde bestraft, "weil er bei der letzten Übung, einen Gefechtswagen darstellend, derart über einen Graben gesprungen ist, daß im Ernstfall die Deichsel gebrochen wäre."  

 

Schmunzelpost 360 vom 14. 4. 22

Mit Udo Jürgens endete die gestrige Schmunzelpost. Und mit Udo Jürgens, der 2014 im Alter von 80 Jahren verstarb, beginnt auch die heutige. Denn mir war eingefallen, dass der Musiker und Entertainer jedes seiner Konzerte beendete, indem er sich im Bademantel ans Klavier setzte und noch eine letzte Zugabe spielte. Warum macht man sowas? Ich setze mich im Bademantel nur an den Frühstückstisch und lese Zeitung. Dabei sind aber Frau und Kater mein einziges Publikum. 
 
Auch invalide Journalisten können noch recherchieren. Die Bademantel-Geschichte begann 1969 in Hamburg. Dort trat Udo Jürgens zum Auftakt einer Europa-Tournee auf. Als er schon längst wieder in seiner Garderobe war, wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass das Publikum im Saal 15 Minuten nach seinem Abgang immer noch jubelte. Also gab er spontan im Bademantel noch eine Zugabe. Sein Manager war davon so begeistert, dass er Jürgens aufforderte, eine Tradition zu begründen. Was der österreichische Sänger auch tat und bis zu seinem letzten Konzert am 7. Dezember in Zürich durchhielt. 
 
Ein anderer Großer aus der Musikbranche hatte die Angewohnheit, dem Volk aufs Maul zu schauen. Denn, wie ein Veteran des Journalismus bereits vor vielen Jahren bemerkte: "Die Geschichten liegen auf der Straße." Manchmal lauern sie auch in Einkaufsstraßen und Geschäften. Mark Knopfler, Sänger, Gitarrist und Kopf der Dire Straits, stellte das in einem Laden für Haushalts- und TV-Geräte in New York fest. 
 
Dort regte sich ein Verkäufer maßlos über einen MTV-Videoclip auf, der im Fernseher lief. Knopfler zückte flugs einen Stift und schrieb Wort für Wort mit. Daraus entstand "Money for Nothing", einer der kommerziell erfolgreichsten Hits der Dire Straits. Übersetzt heißt es darin: "Nun schauen Sie sich die Affen an, so macht man das! Sie spielen Gitarre auf MTV, tun sonst nichts, bekommen Geld für Nichts und kriegen die Mädchen gratis dazu!" 
 
Ob der Verkäufer jemals einen Cent für seinen Text-Beitrag bekam, ist nicht überliefert. Genau das aber gelang ehemaligen Schülern der Londoner Islington Green School. Sie zogen 2004 mit Erfolg vor Gericht, weil sie 1979 unter Leitung ihres Lehrers den Refrain "Hey Teacher, leave us kids alone" für den Klassiker "Another Brick in the Wall" eingesungen hatten. 
 
 Nun waren Pink Floyd nicht nur gesellschaftskritisch, sondern auch knippig. Die Kinder bekamen zunächst keine Tantiemen, lediglich die Schule erhielt eine Platin-Schallplatte und 1000 Pfund Sterling. Und für den Lehrer ging der Schuss sogar nach hinten los: Er verlor damals seinen Job, weil er den Kindern die Beteiligung an diesem Pink-Floyd-Song erlaubt hatte. 
 
Apropos Pink Floyd, apropos Schuss: Bereits ziemlich am Anfang ihrer Laufbahn warnte die Band in einem Stück vor dem leichtsinnigen Umgang mit Waffen. "Be careful with the axe, Eugene", hieß der Titel. Noch gefährlicher als Äxte sind Schußwaffen. Das könnte Terry Kath, Gitarrist und Gründer der Band "Chicago" bestätigen - wenn er denn noch leben würde. Aber schon 1978 im Alter von nur 31 Jahren raffte es ihn völlig unerwartet am Tisch sitzend dahin. Was war geschehen? 
 
Terry Kath war sowohl Alkoholiker wie auch Waffennarr. Das ist eine gefährliche Mischung, vor allem, wenn man auch noch zur Vergesslichkeit neigt. So war Kath dabei, seine Pistole zu reinigen, als ihn einer seiner Roadies mahnte, vorsichtig zu sein. Terrys Replik: "Was glaubst du, was ich damit mache? Mir den Kopf wegblasen?" Das ist ein weiteres Fundstück für die Rubrik "Berühmte letzte Worte." Denn zum Beweis für seine Umsicht setzte Kath die Pistole an die Schläfe und drückte ab. Wenn Mark Knopfler in der Nähe gewesen wäre, hätte daraus der Song "Chicagoer Roulett" entstehen können. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Somit wären wir durch Kath schon wieder auf einem Friedhof gelandet. Wie sich jetzt herausstellte, bin ich nicht der einzige Freund von Friedhofsbesuchen. Marion schrieb, dass sie dort ebenfalls gern unterwegs ist und in Paris am Grabe von Heinrich Heine sogar einen Rotwein getrunken hat. Und dabei ihren Lieblings-Westfalenvers Caput X aus Heines Wintermärchen zitierte: “Sie fechten gut, sie trinken gut, und wenn sie die Hand Dir reichen zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie, sind sentimentale Eichen.” Das bringt mich auf eine Idee. Wenn ich das nächste Mal in Brandenburg bin, werde ich am Grab von Theodor Fontane einen Birnenbrand trinken!
 

 Schmunzelpost 359 vom 13. 4. 22

"Hamster im hinteren Stromgebiet" heißt das Buch von Joachim Meyerhoff, das ich mir für die Klinik- und Reha-Zeit mit in den Koffer gepackt hatte. Es geht darin um die Erfahrungen eines 51-jährigen Schauspielers, der überraschend durch einen Schlaganfall aus seinem Alltag gerissen wurde. Genau die richtige Krankenbett-Lektüre, habe ich bei der Auswahl gedacht. Allerdings habe ich dann aus dem mitgebrachten Stapel erst andere Bücher gelesen. 
 
Nun jedoch bin ich im Stromgebiet auf Seite 203 angekommen und dabei auf dem Friedhof gelandet. Wer die Schmunzelpost von Anfang an gelesen hat, der weiß, dass mich dieses Thema fasziniert. Mit Joachim Meyerhoff habe ich einen Seelenverwandten gefunden: "Immer schon hatte ich Friedhöfe geliebt. Ich könnte meine gesamte Biografie anhand der Friedhofsbesuche in den jeweiligen Städten erzählen, in denen ich gelebt habe." 
 
Das kann ich nachvollziehen. Friedhöfe sind für mich ein Ort der Ruhe. Und vor allem alte Anlagen haben Parkcharakter. Zudem gibt es für Freunde des schwarzen Humors einiges zu entdecken. Ich erinnere an meine liebste Grabinschrift: "Hier ruhen meine Gebeine, ich wollt, es wären Deine!" 
 
Leider sind solch originelle Einträge längst nicht überall erlaubt. Man findet sie hauptsächlich auf süddeutschen oder österreichischen Friedhöfen.Wie zum Beispiel diesen: "Hier liegt der Gruber Florian. Der hat ein Leid sich angetan, indem er sich erschoss, was hinterher ihn arg verdross." Mitten im bergigen Allgäu ist folgende Inschrift zu lesen, die von der Beliebtheit nördlicher Landsleute zeugt: "Hier ruhen unter Schnee und Eis a toter Bayer und a Preiß. Bet für den Bayr. Wandersmann, der Preiß, der geht Dich gar nix an. Doch wenn Du betest, bete leis, sonst wacht er wieder auf, der Preiß." 
 
Manche Inschriften erzählen auch dramatische Geschichten: "Er hat hinab zur Weißbachschlucht nach einem kurzen Weg gesucht. Er kam hinunter, doch nicht heil. Der Weg war kurz, jedoch zu steil." Und auch nützliche Nebeneffekte kommen nicht zu kurz: "Es liegt Hans Kalb, der junge, hier, ohne Ochs' zu werden oder Stier. Er starb als Kalb in der Jahre Lenz infolge zu großer Korpulenz. Die in der Gruft erst Nutzen bringt: Er düngt!" 
 
Nun aber zurück zu Meyerhoff, dem Wahl-Wiener, der sich im Eldorado der Friedhofsfreaks zuhause fühlt: "In Wien gibt es die schönsten Friedhöfe der Welt, nirgends haben es die Toten so gut erwischt wie hier!" Das sähe man schon an der Vielzahl der Friedhöfe und ihre Zuordnung für Verstorbene aller Art. Es gibt sowohl einen Friedhof der Selbstmörder (was die katholische Kirche längst nicht überall duldet), wie einen speziellen für Menschen, die in der Donau ertrunken sind. 
 
Und es gibt vor allem den Zentralfriedhof, der füŕ alle etwas zu bieten hat. Seien es die Gräber von Prominenten wie Hans Moser, Qualtinger oder Falco, seien es die, so Meyerhoff, "Gräber wie Bilderbücher", wie etwa das von einem gewissen Dragan, der abgebildet ist, wie er einen Royal Flush auf den Spieltisch legt und damit alle anderen aussticht. Und oberhalb seines Gürtels sieht man den Knauf eines Revolvers. 
 
Natürlich gibt es auch Bereiche, die den Betrachter erschüttern. Wie den jüdischen Friedhof mit seinen gekippten und überwucherten Steinen, wogegen die Kreuze der gefallenen Soldaten immer noch in Reih und Glied stehen, "als wollten sie selbst im Tod noch weitermarschieren". Und dann die Kindersektion mit verblassten Kuscheltieren. Meyerhoff: "Ich kenne keinen Ort, der gesättigter von Verzweiflung ist als dieser." 
 
An bulgarischen Gräbern liegen oft Lebensmittel, die die Verstorbenen (zu Lebzeiten) gern gegessen haben. Aber auch Zigaretten und Red Bull. "Warum sollte man auch im Grab seine Laster aufgeben?" Und am klobigen Marmorflügel, unter dem Udo Jürgens begraben liegt, gibt es häufig Besuch von älteren Damen, die auch geschriebene Botschaften hinterlassen. Da ist zu lesen: "Danke für die hundert schönen Stunden, lieber Udo!" Oder: "Als du mich in Linz auf die Bühne geholt und ein Lied für mich gesungen hast, war das die schönste Stunde meines Lebens." Was würde Udo wohl antworten? Vermutlich: "Merci, Cherie!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wo wir gerade in der richtigen morbiden Stimmung sind, kann ich als Zugabe auch den Lieblingswitz von Meyerhoffs jungem Sohn anhängen, den dieser mit gerade vier Jahren seinem Vater wieder und wieder mit Begeisterung erzählt haben soll. Der geht so: "Zwei Skelette treffen sich im Grab. Das eine sagt: 'Wie bist Du eigentlich gestorben?' 'Also, das war so: Ich bin auf den Marktplatz gegangen und in der Kirche war ein Beter (den Meyerhoff als Pfarrer identifizierte). Der Beter sagte: 'Faltet die Hände und betet!' Aber ich habe verstanden: 'Kackt in die Hände und knetet!' (Einem 4-Jährigen muss man nachsehen, dass er das besonders lustig fand). Aber da sagte der Beter: 'Igitt! Gehen Sie sofort auf den höchsten Turm!' Also bin ich auf den höchsten Turm gegangen. Und von unten rief jemand: 'Spring nicht runter, sonst bist du tot!' Aber ich habe verstanden: 'Spring runter, dann geb' ich dir ein Butterbrot!' Ja, so war das. Und wie bist du gestorben?" Das zweite Skelett antwortet: "Ich bin auf den Marktplatz gegangen. Und dann ist irgend so ein Blödmann auf mich draufgesprungen!"    

 

 Schmunzelpost 358 vom 12. 4. 22

Beim Schreiben dieser Mail wäre ich gern unsichtbar. Wegen meiner schamroten Birne! Bin ich doch glatt zwei Tage mit meinem Aktionstage-Service in Rückstand geraten. 
 
Dass ich den 10. April übersehen habe, kann ich immerhin darauf schieben, dass ich keinen Grund habe, den Tag der Geschwister zu feiern. Meine beiden Stiefschwestern sind schon vor vielen Jahren verstorben. Und der 11. April hat sich für mich fast unsichtbar gemacht, bis ich mit hartnäckigem Starren auf den Kalender doch noch wahrnahm, dass dies der Unsichtsbarkeitstag ist und ich damit morgen, wenn diese Mail herausgeht, bereits deutlich hinterher hinke. Aber ohne Krücken bin ich halt immer noch humpelnd unterwegs, kann aber wenigstens inzwischen auch wieder Radfahren. 
 
Fast wäre ich in die Luft gegangen, als ich die Panne bemerkte. Aber damit musste ich noch bis zum 12. April warten. Denn das ist der internationale Tag der Raumfahrt. Oder aber der "Milliardäre-machen-einen-netten-Ausflug-Tag", wie wir erdgebundenen Normalsterblichen mittlerweile sagen. 
 
 Während der Raumfahrt-Tag überwiegend in der westlichen Welt begangen wird, ist es bezeichnend für die Zeit, in der das Wettrennen ins All begann, dass zum exakt gleichen Datum auch der "Tag der Kosmonauten" im Kalender steht. Der ehemalige Ostblock wollte den Kapitalisten selbst in der Datenliste keinerlei Vorsprung gewähren! Ich erneuere hiermit meinen Vorschlag, dass die Herren Putin und Lukaschenko doch bitte aus Anlass dieses Feiertages unverzüglich in eine Marsrakete klettern sollten, um die Schlappe mit der Mondlandung nachträglich auszuwetzen. 
 
Am 13. April machen wir dann eine tiefe Verbeugung vor unserem Gummibaum oder was auch immer die Pflanze Eures Herzens im Garten oder im Zimmer ist. Und vergesst nicht, auch ein paar nette Worte an die gesamte Grünzeug-Verwandtschaft zu richten! Denn das soll Eurer heimischen Flora gut tun und ist das Mindeste, was ihr am "Ehrentag der Pflanze" zusteht. Und da der 13.4. gleichzeitig der "Scrabble-Tag" ist: Mit der Duftblattpelargonie aus der Familie der Storchschnabelgewächse könnt Ihr ordentlich punkten! 
 
Die Aktionstag-Kombination am 14. April hat mich sehr verwundert. Denn das ist der "Kuchen-und-Cunnilingus-Tag. Hä? Wie passt das zusammen? Muss ich schauen, ob die alten Inder im Kamasutra auch Backrezepte eingebaut haben? Und wer hat sich das denn bloß ausgedacht? 
 
Na gut, die letzte Frage ist schnell beantwortet. Der "Cake-and-Cunnilingus-Tag" kommt natürlich aus Amerika. Die Amis tun immer so prüde, haben es in Wirklichkeit aber faustdick hinter den Ohren. Oder auch in anderen Körperregionen. Jedenfalls sollen nach ihrer Auffassung Frauen am 14. April zuerst mit Kuchen und dann auch oral verwöhnt werden. 
 
Ich habe den Verdacht, dass möglicherweise auch Feministinnen dahinter stecken. Denn ihnen war der schon vorher existierende Steak-and-Blowjob-Day zugunsten der Männer schon länger ein Dorn im Auge - zumindest solange, wie es kein weibliches Gegenstück gab. 
 
Na, ist es mir jetzt gelungen, meine anfängliche Schamesröte an Euch weiter zu geben? Dann gönne ich Euch jetzt eine Erholungspause mit einer garantiert jugendfreien Zugabe. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Der folgende eigentümlich formulierte und mit vorzüglicher Hochachtung abgesandte Brief stammt nicht von Frau Dings sondern von Jörg Puig: "Sehr geehrter Herr Dongs! Greifen Sie sich doch einmal nachdenklich und aufrichtig an den Kopf, und Sie werden gleich sehen, wo Sie der Schuh drückt." 

 

 Schmunzelpost 357 vom 11. 4. 22

Gestern Abend ist es spät geworden. Genau genommen sogar früh: Vom Essen im privaten 3-Sterne-Restaurant "Chez Anke" kamen wir erst weit nach Mitternacht zurück. Dennoch stellte der pflichtbewusste Schmunzelpost-Autor noch den aktuellen Beitrag fertig und veröffentlichte ihn auf der SP-Seite im Netz. Nur beim Versenden der Mail am Morgen passierte eine Panne: Die "blaublütige Schmunzelpost vom 10.4." ging als "neue Schmunzelpost vom 9.4." auf die Reise. Was hiermit gerade gerückt sei: Korrektheit ist mein dritter Vorname.
 
Wenn ein Großteil der Nachrichten, die täglich aus der Ukraine bei uns ankommen, den Tatsachen entspricht, woran leider kaum zu zweifeln ist, dann ist die grausame Kriegsrealität selbst aus der Ferne nur schwer zu ertragen. Umso wichtiger sind womöglich fünf Minuten Ablenkung mit weniger erschütternden Nachrichten aus aller Welt, die sich allesamt so zugetragen haben.
 
Indien. Für richtig schwere Jungs sind auch tonnenschwere Aufgaben nicht unlösbar. Das bewies jetzt ein dreister Diebstahl im indischen Bundesstaat Bilal. Dort stahlen unbekannte Täter eine komplette Brücke, 18 m lang und 500 Tonnen schwer. Die Kriminellen hatten sich als Beamte eines Bewässerungsprogramms ausgegeben und die Brücke mit Schneidbrennern komplett zerlegt. Bisher fehlt von ihnen jede Spur. Vielleicht sollten unsere Straßenbehörden in Indien Stellenanzeigen aufgeben: Angesichts der vielen maroden Brückenbauwerke hierzulande wären Fachleute, die alte Brücken in Nullkommanix demontieren und verschwinden lassen, bei uns hochwillkommen.
 
Washington D.C. Ein weiteres Kapitel zur Serie "Die spinnen, die Amis" wurde jetzt in der amerikanischen Hauptstadt geschrieben. Und zwar mit der Überschrift "Der Rapper ist tot, es lebe der Rap." Vor zwei Wochen war der 24-jährige Gangsterrapper Goonew angeschossen worden und kurz darauf seinen Verletzungen erlegen. 14 Tage später stand er dennoch mit seiner Band auf der Bühne, und die Besucher des Nachtclubs "Bliss" tanzten zu seiner Musik. Wie sich herausstellte, war sein Leichnam einbalsamiert worden und den meisten Besuchern im funzligen Scheinwerferlicht gar nicht aufgefallen. Die bizarre Form der Totenverehrung, bei der das Opfer bei seiner eigenen Abschiedsparty noch einmal an den Start ging, erntete im Nachhinein reichlich Schelte.
 
Surrey. In dem britischen, nahe London gelegenen Ort, soll es in den letzten Tagen wiederholt zu Szenen mit Heulen und Wehklagen gekommen sein. Dies berichteten Ohren- und Augenzeugen der englischen Presse. In Surrey sind in St. Georgs Estate, einem hermetisch abgeschirmten Villenviertel, gleich mehrere russische Oligarchen samt ihrem Hofstaat zuhause. Weil ihre Konten eingefroren und ihre Kreditkarten gesperrt wurden, sei den Betroffenen der Alltag derzeit gründlich verhagelt. Sie können nicht mehr in ihre Privatjets steigen, keine Luxusgüter ordern, ja, nicht einmal ein Taxi bezahlen und sind gezwungen, sich die Kreditkarten ihres Personals zu leihen. Die Partnerinnen der Oligarchen holten jetzt zum Gegenschlag aus: In Internet-Spots ist zu sehen, wie sie ihre Chanel-Taschen demonstrativ zerstörten, weil dieser Anbieter den Verkauf seiner Produkte an sie untersagt hat. Wer zu Mitleidskundgebungen nach England aufbrechen will, kann den Bedauernswerten dann auch leihweise sein Privatflugzeug anbieten. 
 
Jetzt wollte ich Euch von menschlichem Leid ablenken und habe Euch versehentlich doch wieder mit dem grausamen Schicksal einer diskriminierten Minderheit konfrontiert. Bevor das nochmal passiert, mache ich lieber Schluss für heute. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. ... um eben noch schnell eine Zugabe dranzuhängen. Nimmt man den Original-Text aus einer TV-Nachrichtensendung anlässlich des letzten Papstbesuchs in Deutschland wörtlich, dann bleibt geschundenen Menschen nichts erspart - und das noch von völlig unerwarteter Seite! "....In der Nähe des Veranstaltungsortes feuerte ein Mann mit einem Luftgewehr auf Sicherheitsleute. Der Papst selbst traf Missbrauchsopfer." 
 

 Schmunzelpost 356 vom 10. 4. 22

Lässt sich "unerschöpflich" steigern? Nein. Aber es wird immer wieder versucht. Wie auch bei "optimal" oder "tödlich". Ich hingegen bekräftige nur, was hier bereits gestern zu lesen war: Geschichte ist ein unerschöpfliches Feld, so dass man gar nicht oft genug daran gehen kann, Lücken in unseren Kenntnissen zu schließen. Vor allem, wenn es um kuriose Geschehnisse geht, die mitunter sogar etwas anrüchig sein können. 
 
Wisst Ihr, warum Edward de Vere, der 17. Earl of Oxford, aus heiterem Himmel nach eine Audienz bei Königin Elizabeth I. für sieben Jahre vom englischen Hofe verschwand? Hatte er es versäumt, vor der Majestät auf die Knie zu fallen? War er gestolpert und hatte vernehmlich geflucht? Oder hatte er versucht, die Königin zu küssen? 
 
Alles falsch. Dem Earl of Oxford war im denkbar unglücklichsten Moment ein mächtiger Furz entfahren. Aus purer Scham verkrümelte er sich danach ins Exil. Immerhin traf es kein Unschuldslamm. Mit 17 hatte Edward das Fechten geübt und dabei einen unbewaffneten Koch getötet. Das Gericht sprach den Adligen dennoch von jeder Schuld frei: Das Opfer sei bewusst in Edwards Schwert gerannt und habe somit Selbstmord verübt. Beim Richter muss wohl eine Flatulenz damals keinen anderen Ausgang gefunden und das Hirn vernebelt haben... 
 
Einer, in dessen Adern blaues Blut fließt, ist eben nicht mit normalen Maßstäben zu messen. Doch woher kommt diese Redensart? Sie stammt von den Mauren, die von 711 bis 1492 weite Teile Spaniens beherrschten. Diese vermuteten bei der von den germanischen Westgoten abstammenden Oberschicht "sangre azul", weil deren Haut so blass war, dass die Adern bläulich durchschimmerten. 
 
Dies wurde nach und nach in Europa auf alle Adeligen übertragen, weil die sich vor Sonnenstrahlen schützten, um ihre noble Blässe zu bewahren. Ihre helle Haut galt als Unterscheidungsmerkmal vom gewöhnlichen, durch Arbeit unter dem freien Himmel meist sonnengebräunten Volk. 
 
Ob der Geldadel auch blaues Blut in den Adern hat? Eher nicht. Dafür zeichnet erfolgreiche Kaufleute ein kühler Geschäftssinn aus, den man im Umgang mit unbedarften Menschen auch Gerissenheit und Skrupellosigkeit nennen darf. Ein Beispiel ist der deutsche Kaufmann Peter Minuit. Wisst Ihr, wofür er am 1626 umgerechnet 25 Dollar ausgab? Für den Kauf von Manhattan! Damals noch ohne Wolkenkratzer, aber mit viel fruchtbarem Boden. 
 
 Das wusste der Indianerstamm der Lenape nicht zu schätzen, der sich sein Land für Glasperlen, Stoffballen und Kochgeschirr ("Ich muss verrückt sein, ich lege noch eine Bratpfanne obendrauf!") vom Direktor der Kolonie Nieuw Nederland abschwatzen ließ. Manhattan leitet sich übrigens vom indianischen Begriff "Manna-Hata" ab, was so viel wie "hügeliges Land" bedeutet. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Geschäftssinn steckt offenbar in unseren Genen. Allerdings wird er bei Lesern der von Manfred Krug umgetauften "Blöd"-Zeitung von einer gewissen Dumpfheit überlagert. Dies zeigt das Zugaben-Beispiel eines älteren Ehepaares, das im Einkaufscenter einer Lippestadt auf Beutezug war. Im Foyer wurden aktuelle Gratiszeitungen verteilt. Sie ergatterte eine Regionalzeitung, er gleich zwei Exemplare eines Boulevard-Blattes. Er: "Hö, hö, das Mädel hat sich vertan. Die hat mir gleich zwei gegeben." Sie: "Und du musstest nix bezahlen, hö, hö. Dann kannste eine unserem Nachbarn geben." Er: "Nö, nö, die les' ich erstmal beide selbst!" 
 
PPS. Nochmals Glückauf! Schalke 04 hat schon wieder gewonnen und ist nun Tabellenführer in der 2. Liga. Daher blicken wir wieder zurück. Glückauf ist nicht nur der traditionelle Gruß der Bergleute, auch das neue Schalker Stadion wurde am 2. September 1928 als Glückauf-Kampfbahn getauft. Das Eröffnungsspiel gewannen die Knappen mit 3:2 gegen Tennis Borussia Berlin.
 
Die höchste Zuschauerzahl wurde 1931 im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf erreicht. Nach dem Umbau und der Ausstattung mit einer Laufbahn für Leichtathleten waren solche Besucherzahlen nicht mehr möglich. Das letzte Punktespiel in der Glückauf-Kampfbahn wurde in der Bundesliga-Saison 72/73 mit 2:0 gegen den Hamburger SV gewonnen, danach wechselte Schalke ins Parkstadion. 

 

Schmunzelpost 355 vom 9. 4. 22

Unsere Geschichte ist so ein unerschöpfliches Feld, dass Ihr sicher noch etwas länger darin verweilen möchtet. Zumal es noch vielerlei Kuriositäten zu entdecken gilt. 
 
Es gibt ja einige unveränderliche Naturgesetze. Die Sonne geht bei uns stets im Osten auf. Ein Marmeladenbrot fällt stets mit der Marmeladenseite auf den Boden. Und Wendeltreppen in Burgen führen stets im Uhrzeigersinn nach oben. Ist Euch das schon mal aufgefallen? Es ist tatsächlich in fast allen Fällen so. 
 
Bei den ganz seltenen Ausnahmen waren die Baumeister ihr Geld nicht wert. Denn die Anordnung der Wendeltreppen sind kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis menschlicher Überlegung. Fast 90 Prozent der Menschen sind Rechtshänder. Folglich blieben feindliche Eindringlinge in Burgtürmen mit ihren langen Schwertern auf Wendeltreppen hängen, während die Verteidiger ausholen und mit voller Wucht zuschlagen konnten. Das ist kein Treppenwitz, sondern Ergebnis mittelalterlicher Verteidigungsstrategie. 
 
Aber auch die Angreifer entwickelten im Mittelalter besondere Strategien. So kamen bereits im Jahr 1346 die ersten biologischen Waffen zum Einsatz. Wisst Ihr, wie es den Tataren gelang, in jenem Jahr die Stadt Kaffa zu erobern (nicht zu verwechseln mit "Kaff", das liegt bei uns in Deutschland gleich um die Ecke)? Ihr wisst es nicht? Doch, gleich ist es soweit: Während der Belagerung brach die Beulenpest aus. Und die Tataren entsorgten ihre infizierten Toten dadurch, dass sie die Leichen über die Stadtmauer des belagerten Ortes katapultierten. Woraufhin in Kaffa die Pest ausbrach, die Bewohner auf Schiffen flohen und so den "Schwarzen Tod" nach Europa brachten - nicht von ungefähr heißt das Mittelalter auch das dunkle Zeitalter. 
 
Deshalb zur Abwechslung etwas Positives. Habt Ihr gehört, dass eine Kokosnuss John F. Kennedy das Leben gerettet hat? Wirklich wahr! Das geschah 1943. Folgendes hatte sich am 2. August des Jahres zugetragen: Ein japanischer Zerstörer hatte das von John F. Kennedy kommandierte US-Panzerboot gerammt. Die Überlebenden schwammen rund 5 Kilometer zu einer Insel. Nichtschwimmer wurden auf Wrackteilen mitgezogen. Dummerweise war aber die Nachbarinsel von den Japanern besetzt. 
 
Doch der damals 26-jährige Kennedy hatte die rettende Idee. Er ritzte eine Nachricht in eine Kokosnuss und übergab sie zwei Einheimischen, die diese Nuss tatsächlich zur nächsten US-Basis brachten, obwohl diese 35 Seemeilen entfernt war. So wurde Kennedy, der keinen einzigen Mann verlor, zum Kriegshelden und legte damit die Basis zu seiner späteren Präsidentschaftskandidatur. Es ist aber eine frühe Fake-News, dass deshalb japanische Veteranen immer noch das Lied "Wer hat die Kokosnuss geklaut?" singen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. In der Zugabe geht es nochmals um die Defizite, die bei der jungen Generation im Bereich historischer Fakten vorhanden sind. Als es in der 9. Klasse einer Hauptschule um die Nürnberger Prozesse ging, die gerade im Unterricht durchgenommen wurden, fragte die Lehrerin: "Eine wichtige Person des Dritten Reiches entging der Verurteilung, indem sie sich selbst und ihre ganze Familie in den letzten Kriegstagen mit Gift umbrachte. Weiß jemand, wie die Person hieß?" Niemand meldete sich. "Der Name beginnt mit einem 'G'." Schweigen im Walde. "Nach dem 'G' folgt ein 'ö'." Kurze Stille, dann sprang ein freudig erregter Schüler auf: "Ich weiß es, ich weiß es: Goethe!" 
 
PPS. Nach dem sonnigen frühlingshaften März wurde es im April zuerst saukalt, und dann pfiff uns der Wind um die Nase. Das hat im 19. Jahrhundert auch schon Wilhelm Busch erlebt. Er schrieb am 8. April an einen Freund: "Nun ist's glücklich April. Hin und wieder macht die Sonne ein Aug auf. Gleich denkt man: 'Aha, der Lenz!' und im selben Moment saust Wind und Schnee um die erröthenden Ohrwascheln. 
 
Ich deckte die Rosen auf; einige der besten sind mausetodt. Da bleibt denn nur der landesübliche Trost, dass es andern womöglich noch schlechter geht. Der weise Bienenvater horcht an den Stöcken, aber drinnen summt nichts mehr. Angstschwitzend wälzt sich der Schafzüchter auf seinem nächtlichen Lager, denn bei sehr gelichteten Heuvorräthen dauert heuer die Stallfütterung drei Wochen länger als sonst. 
 
Nur die Dächse und sonstige Siebenschläfer, die bedürfnißlos, mit der Nase unterm Schwanz, den unendlichsten Winter verträumen, die recken sich jetzt und meinen: es sei schön gewesen, nur leider zu kurz! 
 

Schmunzelpost 354 vom 8. 4. 22

Womit sollen wir uns heute befassen? Was meint Ihr? Wie bitte? Ich verstehe Euch nicht. Dann schlage ich vor, wir beschäftigen uns ein wenig mit Geschichte, da gibt es noch genügend Lücken zu schließen. Seid Ihr einverstanden? Wenn ja, dann nickt mit dem Kopf und lest weiter. Wenn nicht, dann schüttelt den Kopf und schließt das PC-Fenster. 
 
Wieso die Umlaute in die Popkultur eingezogen sind, und warum sie hauptsächlich von Heavy-Metal-Bands genutzt werden, haben wir bereits kürzlich erörtert. Doch warum gibt es so viele Üs und Ös im türkischen Alphabet? Das ist tatsächlich eine Geschichtsfrage. Denn dafür verantwortlich ist Kemal Atatürk, der Begründer der modernen Türkei. 
 
Atatürk ersetzte ab 1923 die im osmanischen Reich dominierende arabische Schrift durch die lateinische. Und für das neue türkische Alphabet tauschte er die Buchstaben q und w gegen ü und ö. Warum er dabei auf das ä verzichtete, weiß keiner so genau. Vielleicht, äh, lag es ja daran, äh, dass Atatürk sehr deutschfreundlich war und, äh, wusste, dass wir auf das ä nicht verzichten können. 
 
Was geschah am 30. Februar 1712? Nein, das ist keine Scherzfrage! Den 30. 2. gab es im Jahre 1712 tatsächlich. Und er ist in der Weltgeschichte bisher die einzige Ausnahme geblieben, in der der Februar mehr als maximal 29 Tage hatte. Allerdings gab es den 30.2. ausschließlich in Schweden und Finnland. Die beiden skandinavischen Länder nutzten 1712 diesen zusätzlichen Tag, um ihre Kalender an den anderer Staaten anzugleichen. Mehr darüber erzähle ich Euch am 31. April. 
 
Ich setze eine gute Flasche Wein darauf, dass niemand von Euch weiß, von wann bis wann es den Freistaat "Flaschenhals" gab und wo er zu finden war. Ja, doch, ich habe nicht zu tief in die Flasche geschaut: Diesen Staat gab es wirklich. Nach dem 1. Weltkrieg wurden im Januar 1919 Teile des Deutschen Reiches unter den alliierten Mächten aufgeteilt. Dazu wurden mit einem Zirkel Kreise auf der Landkarte eingezeichnet, die einen Radius von 30 Kilometern hatten. 
 
Weil sich die Kreise nicht berührten, verblieb zwischen dem französischen und dem amerikanischen Gebiet ein 30 Kilometer langer und ca. 10 Kilometer breiter Landstreifen, der die Form eines Flaschenhalses hatte. So wurde auch der rechtsrheinische deutsche Freistaat bezeichnet, der zwischen dem Rheintal und Limburg an der Lahn bis 1924 unbesetzt blieb. Wenn Ihr damit eine Wette gewinnt, lassen wir gemeinsam die Korken knallen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die heutige Zugabe zeigt, dass manche Schüler sowohl in Geografie wie in Geschichte großen Nachholbedarf haben. Gespräch zwischen zwei 13-Jährigen: "Was liegt näher an Deutschland? Polen oder Tschechien? "Polen natürlich!" "Ey, wärst Du Napoleon gewesen, Du hättest Amerika nie entdeckt!" 

 

 Schmunzelpost 353 vom 7. 4. 22

Es gibt solche und solche Tage. Und es gibt Scheißtage! So einen habe ich am Mittwoch erwischt. 
 
Mittags war ich zum Essen mit Ex-Kollegen verabredet. Doch am Lokal standen wir vor verschlossenen Türen. Ohne Vorwarnung sind die Öffnungszeiten geändert worden, montags bis mittwochs gibt es nur noch abends etwas auf die Gabel. Das nächste angesteuerte Restaurant hat bis auf montags an Werktagen immer mittags auf. Immer? Bis auf Tage, an denen ein Zettel an der Tür hängt: Am 6. 4. ausnahmsweise geschlossen! Danach zum Mezzomar nach Hervest, wo man damit wirbt, dass 365 Tage im Jahr warme Küche angeboten wird. Mag sein, aber seit neuestem "wegen der behördlichen Auflagen und der Kundenreaktionen" montags bis mittwochs erst ab 16 Uhr. Gut, dass es noch türkische Imbisse gibt! 
 
Zuhause am PC galt es danach, zwei Probleme zu lösen. Weil es mir zu teuer war, hatte ich mein Sky-Abo gekündigt. Jetzt sind sie aber sogar unter dem von mir geforderten Preislimit für Bundesliga-Übertragungen geblieben, weshalb ein neuer Receiver anzuschließen war. Nach drei Tagen, etlichen Programmierversuchen und Internet-Manövern sowie mehreren Telefonaten ist zwar nun endlich die Freischaltung geglückt, aber nicht die Anbindung ans Internet. 
 
Um die zu erreichen, habe ich einen neuen Router besorgt. Aber nach dessen Anschluss kam ich nicht mehr ins Internet und habe mir zwei Stunden lang sinnbildlich die Zähne ausgebissen. Damit wenigstens die Schmunzelpost nicht leidet, habe ich sinnbildlich zähneknirschend den alten Router erneut angeschlossen. Und obwohl ich nun sinnbildlich auf dem Zahnfleisch gehe, versuche ich mal, eine Schmunzelpost zu texten. 
 
Dazu habe ich zunächst nicht meine Mundhöhle, sondern meine Finger betrachtet. Ist mein Zeigefinger heute tatsächlich im Verhältnis zum Ringfinger geschrumpft? Jedenfalls ist er deutlich kürzer. Kein gutes Zeichen. Denn die Universität Alberta hat herausgefunden, dass es Zusammenhänge mit dem Charakter gibt. So erklärte der kanadische Wissenschaftler Peter Hund: "Die Finger eines Menschen können extrem viel über seine Persönlichkeit und seine Eigenschaften verraten." Die Männer mit den kürzesten Zeigefingern wiesen das höchste Maß an physischer Aggression auf. Dagegen verfügten Männer mit langen Zeigefingern und symmetrischen Händen über eine hohe Fruchtbarkeit. Mag jeder von Euch selbst beurteilen, wer von beiden Typen ein schlimmer Finger ist! 
 
Apropos Fruchtbarkeit. Hängt die wirklich hauptsächlich von der Fingerlänge ab? Nein, wie Ihr richtig vermutet, sind da noch ganz andere Dinge im Spiel. Amerikanische Wissenschaftler von der Harvard-Universität haben herausgefunden, dass Männer mit tiefer Stimme mehr Kinder haben als solche mit hoher Stimme. Jetzt seid Ihr bass erstaunt? Müsst Ihr nicht: "Männer mit tiefen Stimmen haben einfach bessere Chancen bei fruchtbaren Frauen!" 
 
 Um das zu belegen, ist die Anthropologin Corin Apicella sogar zu mehrmonatigen Studien nach Tansania geflogen. Ergebnis: Der Mann mit der tiefsten Stimme war Vater von zehn Kindern, der mit der höchsten Stimme hatte bloß drei. Kannst Du brummen wie ein Bär, droht Dir schnell ein Kinderheer! 
 
Apropos hohe Stimmen. Wenn Männer ihren Frauen nicht zuhören, muss das kein böser Wille sein. Nein, unser männliches Hirn hat einfach Schwierigkeiten beim Verstehen weiblicher Stimmen. Dies fanden Wissenschaftler beiderlei Geschlechts der Universität Sheffield heraus. Höhere Frauenstimmen senden nämlich eine größere Bandbreite akustischer Wellen aus. Diese sind vom Hirn schwerer zu entziffern. Was eine größere Gehirnaktivität verlangt und damit nach kurzer Zeit zur Ermüdung führt. Hörst Du nicht auf, herum zu keifen, dann wird Dein Mann Dich nie begreifen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Dazu als Zugabe noch der Auszug aus einem Schulaufsatz über die Wissenschaft: "Die Wissenschaft erklärt nur ihre geistigen Dinge. Sie befasst sich nur mit dem reinen Wissen. Der Verstand wird dabei völlig ausgeschaltet."  
 

  Schmunzelpost 352 vom 6. 4. 22

Heute war ich erneut zur Physiotherapie im Krankenhaus. Das wäre eigentlich nicht der Rede wert, wenn es nicht gelegentlich so schwierig wäre, dorthin vorzudringen. Es ist nämlich vorgeschrieben, sich zunächst bei der Zentralen Aufnahme zu melden. Nur, dass dort auch Patienten mit anderen, mitunter langwierigen Anliegen anstehen. 
 
Diesmal war die Schlange so lang, dass ich fürchtete, die 15 Minuten, die ich vorsichtshalber zu früh gekommen bin, könnten nicht genügen. Das ist für einen Pünktlichkeitsfanatiker wie mich schwer zu verkraften. Ich würde die Regel ja noch begreifen, wenn an der Schleuse meine Impfunterlagen kontrolliert würden. Aber das geschieht schon lange nicht mehr. Sobald ich sage, "ich muss zur Physio", werde ich gelangweilt durchgewinkt. Aber wehe, ich versuche mich an den Wartenden vorbei zur Krankengymnastik zu begeben: "Bitte hinten anstellen!", werde ich dann meistens erbarmungslos zurückgepfiffen. 
 
Dies muss als Erklärung reichen, warum ich heute für die Schmunzelpost amtliche Erlasse und Texte aufgelistet habe. Sehr hilfreich finde ich beispielsweise diese Arbeitshilfe für evangelische Küster in Kurhessen-Waldeck: "Der Dienstgeber ist verpflichtet, Arbeitsunfälle innerhalb drei Tagen der zuständigen Berufsgenossenschaft anzuzeigen, wenn es sich um einen tödlichen Arbeitsunfall handelt, der eine mehr als dreitägige Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat." 
 
Eine wenig rätselhaft mutet die Korrekturanweisung an, die das Informationsbüro Bonn des Europäischen Parlaments in Umlauf gebracht hat: "Das Wort Entwicklungshilfe ist durch Entwicklungshilfe zu ersetzen." Dafür ist mir nach der Lektüre dieser Richtlinie über die Beleuchtung in der Schifffahrt ein Licht aufgegangen: "Lampen sind technische Ausführungen von Lichtquellen, die zur Lichterzeugung bestimmt sind, also leuchten oder beleuchten sollen." 
 
Eine echte Leuchte hat auch diese beiden Sätze in der zentralen Dienstvorschrift zur Gefechtsausbildung der deutschen Bundeswehr formuliert: "Bei Nacht wird das Sehen durch Dunkelheit erschwert." "Bei zunehmender Dämmerung hat der Soldat alsbald mit Dunkelheit zu rechnen." Dem Vernehmen nach kümmert sich der Mann mittlerweile um die Materialbeschaffung. 
 
Zum Schluss ein längeres Werk. Bisher glaubte ich, Beutelwesen seien vor allem in Australien zu Hause. Doch bei der Deutschen Bundespost treiben noch viel mehr Beutel ihr Unwesen, wie ein Blick in deren Unterrichtsblätter beweist: 
 
Übersicht der Briefbeutel 
 
Direktbeutel: 
Ortsbeutel, Ortssammelbeutel, Landbeutel für Leitbereiche, Landbeutel für Leitabschnitte, Leitbereichsbeutel, Leitabschnittsbeutel, Eilbeutel als Orts-, Land-, Leitbereichs- und Leitabschnittsbeutel sowie alle vorgenannten Beutel als Nachtluftpostbeutel. 
 
Verwerfbeutel: 
Leitgebietsbeutel, Leitraumbeutel, Leitraumsammelbeutel, Leitzonenbeutel, Leitzonensammelbeutel, Beutel für umarbeitende Posten, Beutel für ortsfeste Bearbeitungsstellen sowie alle vorgenannten Beutel als Nachtluftpostbeutel. 
 
Verteilbeutel: 
Leitgebietsbeutel, Leitraumbeutel, Leitraumsammelbeutel, Leitzonenbeutel, Leitzonensammelbeutel, Beutel für umarbeitende Posten, Beutel für ortsfeste Bearbeitungsstellen, Anfangsbeutel sowie alle vorgenannten Beutel außer Anfangsbeuteln als Eilbeutel und alle vorgenannten Beutel als Nachtluftpostbeutel. 
 
Nach dieser Aufzählung fühle ich mich wie Bilbo Beutlin. Aber ich habe eine Idee: Beim nächsten Mal werde ich zum Warten an der zentralen Aufnahme einen Windbeutel mitbringen. 
 
Glückauf 
kdk  
 

 Schmunzelpost 351 vom 5. 4. 22

Tag für Tag arbeiten wir uns durch den Aktionstag-Kalender. Heute sollen wir alles auf eine Karte setzen, denn dazu wird am 5. April aufgerufen. Doch nirgendwo wird erklärt, warum wir gerade jetzt besonders viel riskieren sollten. Ich rate daher dringend ab und empfehle, auf ganz andere Karten zu setzen. Denn der 5. April ist auch der "Lies-eine-Straßenkarte-Tag." 
 
Diese Kunst droht im Zeitalter der Navis und der GPS-Systeme allmählich verloren zu gehen. Aber was ist, wenn das Smartphone versagt und das Navi spinnt? Als Freund von Wander- und Straßenkarten nenne ich noch einen anderen Grund, warum diese altmodischen Orientierungshilfen unverzichtbar sein sollten. Denn beim Studium der Karten erfährt man viel über die Umgebung seiner Ziele. Das kann lohnenswerter sein, als den Blick bloß aufs Ankommen zu verengen. Außerdem ist schon die Vorfreude bei Reisen und Wanderungen ein wesentlicher Faktor. 
 
Für Euer Ziel am 6. April braucht Ihr wahrscheinlich keine Straßenkarte. Dies ist der "Laufe-zur-Arbeit-Tag". Was dafür spricht, liegt auf der Hand: Fitnesstraining, Bewegung an frischer Luft, die Öko-Bilanz. Was mitunter dagegen spricht, allerdings auch: Zum Beispiel eine zu große Entfernung. Auch, wenn der Weg über eine Autobahn führen würde, ist von entsprechenden Aktionen abzuraten. 
 
Und überhaupt: Was macht heute ein Rentner wie ich? Zum PC sind es nur ein paar Schritte. Und eine Schmunzelpost zählt nicht als Arbeit. Ich zelebriere daher am 6. April den "Tag der älteren Generation". Wie wär's, wenn einer der jungen Hüpfer unter Euch, mich zur Feier des Tages mit einem Fläschchen Rotwein verwöhnt? Auch Gold, Weihrauch und Myrrhe werden dankend entgegen genommen. 
 
Alle Altersgenossen sollten sich übrigens ihren Feiertag bereits fürs nächste Jahr vormerken. Besser ist das! Bei uns Hochbetagten lässt das Gedächtnis oft zu wünschen übrig. Und außerdem ist der "Tag der älteren Generation" nicht immer am 6. April, sondern stets am ersten Mittwoch dieses Monats. 
 
Am 7. April steht ein Aktionstag an, der eigentlich ein "Nicht-Aktions-Tag" ist. Den "keine Hausarbeit-Tag" würde ich gern für mich aufs ganze Jahr ausdehnen, scheitere aber am Protest einer jüngeren Mitbewohnerin, die auch den Tag der älteren Generation nicht richtig zu würdigen vermag. 
 
Nach einem Internet-Kalender ist der 8. April angeblich der "Welttag der Berufungen". Damit ist allerdings nicht gemeint, dass es an diesem Tag besonders aussichtsreich ist, Widerspruch gegen Gerichtsurteile einzulegen. Gemeint ist wohl der "Tag der Berufungen", den Papst Johannes Paul 1964 im katholischen Kalender verankert hat. Und der Schlaukopf, der diesen Termin am 8.4. vermerkte, war ganz offensichtlich für diese Aufgabe nicht berufen: Der Papst hat den vierten Sonntag im April als Fixpunkt dafür festgelegt. 
 
Kommen wir abschließend zum 9. April, dem Tag, an dem eine Sprache besonders gewürdigt werden soll. Und falls Ihr den Satz: "Puhun vain vähän suomea" versteht, dann wisst Ihr auch welche. 
 
Hei hei! 
 
kdk 
 
PS. Die Zugabe stammt aus dem Wildpark Granat in Haltern. Sie zeigt, dass es manchmal nützlich sein kann, außer Fremdsprachen auch die Muttersprache durch korrektes Lesen zu würdigen. Eine Familie stand dort vor dem Luchsgehege. Kind: "Papa, ist das ein Löwe?" Vater: "Nee, Löwen leben in Afrika, das ist ein Puma." Die Mutter las das Schild am Gehege: "Nee, das ist ein Lachs!" 
 

 Schmunzelpost 350 vom 4. 4. 22

Sag mir, wo die Blumen sind. Nein, sie sind bei uns anders als in weiten Teilen Deutschlands nicht unter einer Schneedecke verschwunden. Aber Mädchen pflückten sie geschwind - wir beschäftigen uns heute nämlich als Kontrastprogramm zur Militärsprache vom Vortag mit der Musik. Und in der sind Antikriegslieder um ein Vielfaches beliebter als Märsche und Schlachtengesänge (die Fußballstadien mal ausgenommen). Warum? Die Antwort, mein Freund, kennt ganz allein der Wind! 
 
Doch wir wollen uns, wie Ihr das gewohnt seid, mehr mit kuriosen Fakten und Geschichten beschäftigen. Gleich zwei besonders skurrile Aspekte drehen sich um die erste Langspielplatte des US-Sängers Rodriguez. Rodriguez? Kennt bei uns kein Mensch. Das war in den USA lange Zeit genauso - und ist es eigentlich auch heute noch. 
 
Aber auf dem Rodriguez-Album "Cold Fact", das 1970 erschien, waren einige Protestsongs enthalten, die sich gegen das südafrikanische Apartheid-Regime richteten. Das wusste sich zu wehren: Auf Anordnung der Behörden mussten die Rillen (eigentlich ist es ja nur eine einzige) im Bereich der unerwünschten Lieder zerkratzt werden, bevor die Platte verkauft werden durfte. 
 
Davon verschont blieb jedoch der Hit "Sugar Man", der Rodriguez ohne sein Wissen in Südafrika zum Superstar machte. Ihn selbst hielten seine Millionen afrikanischer Fans irrtümlicherweise für tot, während er sich tatsächlich mühsam, aber quicklebendig als erfolgloser Musiker in den USA durchschlug. Erst 1996 gab es ein Happy End. Ein Fan spürte Rodriguez in Amerika auf, und einer späten Karriere in Südafrika stand nichts mehr im Wege. 
 
Nun warte ich darauf, dass sich Fans aus China oder von mir aus auch aus Neuseeland bei mir melden. Anfang der 70er Jahre sang nämlich die Songgruppe Lünen meinen ersten selbst getexteten Protestsong "Ich sah eines Abends den Mond aufgehen", der vor Atomwaffen warnte. Wer weiß, vielleicht ist ja ein Tondokument um die Welt gewandert. Immerhin wurden seither noch keine Atomwaffen für kriegerische Zwecke eingesetzt. Ich werde schnell Putin noch eine Aufnahme zukommen lassen. 
 
Wisst Ihr, wie das "Ö" die Rockbühne betreten hat? Wir müssen schon wieder zurück ins Jahr 1970. Bis dahin fehlten deutsche Umlaute in der internationalen populären Musik völlig, weil sie eine Spezialität der deutschen Sprache sind. Nun waren aber der Gitarrist Allen Lanier und sein Manager Mandy Pearlman Verehrer von Richard Wagner. Um dies zu dokumentieren, tauften sie ihre Heavy-Metal-Band "Blue Öyster Cult". 
 
Das Beispiel machte Schule und löste den sogenannten "Röck Döts"-Trend aus. Seit 1975 mischten Motörhead, seit 1978 Hüsker Dü und seit 1980 Mötley Crüe mit. Motörhead tat dies, weil Bandleader Lemmy Kilmister - unvergessen, aber leider im letzten Jahr verstorben - meinte, dies sähe "einfach nur böse aus". Die Mitglieder von Mötley Crüe hatten eine noch bessere Begründung. Sie wählten die beiden Umlaute aus, weil sie in ihrem Lieblingsbier "Löwenbräu" enthalten sind. (Äh, zumindest das ö.) 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auch in der Zugabe geht es zurück in die beginnenden Siebziger. Zwei Schulkameraden sprachen über den Cat Stevens-Hit "Father and Son". Und es war mir eine Freude, dass nicht nur ich Probleme mit Englisch-Übersetzungen hatte. Fragte der eine: "Was heißt eigentlich: Find a girl, settle down - if you want you can marry?" Antwortete der andere: "Äh - finde ein Mädchen, leg es flach. Wenn Du willst, kriegst Du Mary!" 
 

 Schmunzelpost 349 vom 3. 4. 22

Aaachtung!!! Stillgestanden! Die Augen rechts! Oder viel mehr geradeaus, auf den PC-Bildschirm. Heute geht es nicht nur um Kommandos, sondern generell darum, wie sehr das Militärische unsere Sprache prägt.
 
Das klang bereits kürzlich an, als es hier von Fußball die Rede war. Nicht von ungefähr. In der Sprache der Sportreporter wimmelte es früher von Bomben, Granaten und Kanonen. Doch vieles davon hat sich auch in unserem allgemeinen Sprachgebrauch verbreitet.
 
Das fiel jetzt auch Max Fellmann auf, der diese "Sprengsätze" im Magazin der Süddeutschen Zeitung thematisierte. Jetzt, so meint er, wo draußen Krieg herrscht und grausige Bilder aus Kiew und Mariupol uns bewusst machen, was das bedeutet, müssten uns doch ständig die Worte im Halse stecken bleiben. Wenn selbst in einem harmlosen Volkslied wie "Alle Vögel sind schon da" der Frühling einmarschiert, sei es an der Zeit, die eigene Wortwahl auf den Prüfstand zu stellen.

Bahnt sich da eine neue Form von political correctness, ein neues Gendern an? Ich bin immer dafür, über den eigenen Sprachgebrauch nachzudenken. Aber man kann alles übertreiben. Wenn schon "schwarzsehen" neuerdings verpönt sein soll, um keine Menschen mit anderer Hautfarbe zu diffamieren, dann müssen wir nicht auch noch aufhören, von einer Hustenattacke zu sprechen, nur weil das bei Vertriebenen oder besonders Zartfühlenden üble Assoziationen auslösen könnte.

Manche Wörter haben wahrscheinlich selbst ihren Ursprung schon vergessen. Ihr Sinn hat sich verselbstständigt und eine neue Richtung eingeschlagen. Ich habe keinerlei Lust, beim Formulieren durch ein Minenfeld zu tappern und mehr über die Herkunft von Wörtern und Redensarten nachzudenken, als mich auf den Inhalt und das zu konzentrieren, was ich eigentlich ausdrücken will. Und mit Dogmatikern jeder Colour stehe ich ohnehin auf dem Kriegsfuß.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Zeitungskollege, der in der Konferenz gesagt hat, er habe sein Pulver verschossen, sich anschließend erschrocken den Mund zuhält. Wenn das alles Ernstes von Sprachpolizisten gefordert werden sollte, dann bin ich der Erste, der dagegen zum Gefecht bläst. Und den Ratschlag, dass man nicht mehr sagen darf, "bei Euch sieht es ja aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen" und stattdessen das alte Sofa der Familie Hempel hervorkramen soll, finde ich albern. Zumal ich überhaupt nicht weiß, wie es tatsächlich bei Hempels unterm Sofa aussieht.

Dann holt sich der SZ-Autor auch noch Verstärkung aus der Etappe. Der Psychotherapeut Sebastian Mauritz sagt: "Wenn wir ständig Kriegsmetaphern benutzen, gewöhnen wir uns an die Denkweise." Wer im Beruf dauernd von Angriff, Verteidigung, Frontlinien und Durchstößen rede, sitze irgendwann auch mit einem emotionalem Stahlhelm in Konferenzen. So, so! Dann müssten aber die vielen Fußballtrainer hierzulande, von der Kreisliga C bis zu Bundesliga, auch im Privaten längst das Messer zwischen den Zähnen tragen. 
 
Die These: "Die deutsche Sprache - ein Wortschatz wie ein Waffenschrank" klingt zwar gut, bestärkt mich aber einmal mehr in der Auffassung, dass wir uns gern viel zu sehr über Kleinkram aufregen als die wirklich wichtigen Dinge anzugehen. 
 
Immerhin bin ich dem Autor dankbar, dass er meine Kenntnisse von vermeintlich unnützem Wissen gleich dreifach erweitert hat. Ich weiß jetzt, woher der Ausspruch "Reiß Dich am Riemen!" stammt: Das bezog sich auf den Uniformgürtel als Zeichen der Einsatzbereitschaft. 
 
 Und was ist, wenn ich mit Blick in Eure Wohnung sage: "Wir sollten die Bude mal gründlich auf Vordermann bringen!"? Das wäre erstens eine Frechheit, weil es bei Euch bestimmt viel ordentlicher aussieht als bei mir. Und zweitens habe ich mich schon wieder als Nachplapperer von Militärjargon geoutet. Soldaten hatten sich so aufzustellen, dass sie exakt in einer Linie mit ihren Vorderleuten standen. Wenn nicht, wurden sie von ihren Vorgesetzten auf Vordermann gebracht. 
 
Und wenn wir sagen, "jetzt haben wir uns aber total verfranzt!", dann hat das nichts mit Deinem Ehemann zu tun, liebe Elisabeth. "Franz" war im 1. Weltkrieg bei der Luftwaffe die Bezeichnung für die Co-Piloten, die sich um die Navigation kümmern mussten. Wenn die sich irrten, hatten sie sich verfranzt. Und was sage ich dazu? Für heute gilt: Weggetreten! 
 
(und) Glückauf 
kdk 
 
PS. Auch die Zugabe beschäftigt sich mit dem Militär. Allerdings hier als Beweis dafür, dass man bei der Wehrmacht nicht immer in der Lage war, sprachlich ins Schwarze zu treffen. Dienststrafbescheid Nr. 106 für den Obergefreiten Aloys Pretzke vom 29. Januar 1941: "Pretzke wird mit 2 Tagen verschärftem Arrest bestraft, weil er vom Unteroffizier vom Dienst nach Zapfenstreich mit einem Mädchen vor der Kaserne stehend angetroffen wurde, anstatt im Bett zu liegen." 
 

 Schmunzelpost 348 vom 2. 4. 22

Lange nichts mehr von Herrn K. gehört. Doch gestern Morgen ist der alte Möpperkopp mal wieder auf seinen Balkon getreten, um eines seiner Selbstgespräche zu führen. 
 
"Brrrr, für 'n ersten April is dat aba ganz schön eisich, wat, Karl? Aba hilft nix, ich muss mal raus, 'n bisken frische Luft schnuppern. Schon wegen die Äro-Sohle. Wegen die wat? Na, die Äro-Sohle, solltest Du nach zwei Jahren Corona aba kennen. 
 
Ich gehör' ja zu die wenigen Leute, die selbs dann Maske tragen, wenn'se mit sich alleine sind. Vorsicht is eben die Mutta der Porzellankiste. Denn, nehmen wir mal an, son paar Viren haben sich irgendwie zu mir durchgeschlagen. Et sind aba viel zu wenige, um die Jungs von meine immune Abwehr umzuhauen. Wenn ich aba nun im Bad vor dem Spiegel stehe und ausatme, dann türmen die Viren in die feuchte Luft und fangen an, sich wie wild zu vermehren. Das Badezimmer is nämlich dat Schlafzimmer von die Viren. Un wenn et dann ganz viele geworden sind, dann können se meine immune Abwehr inne Tonne kloppen. 
 
Deshalb trag ich auch allein und drinnen eine Maske. So können die Viren weder rein noch raus und müssen kucken, wo se bleiben. Und dann bläst ihnen meine immune Abwehr dat Licht aus, anders als die Abwehr von Schalke is meine nämlich stabil! 
 
Aba getz bin ich vom Donner gerührt. Nun haben wir schon den klugen Karl als Gesundheitsminister - allein der Name bürgt schon für Qualität - und dann macht die Regierung son Quatsch! Obwohl die Inzis..., die Indenzynien oder wie imma dat heißen tut, einen neuen Rekord nach dem anderen aufstellen, schaffen se die Maskenpflicht ab. Ich sach ja imma: Zwerge sind oft größenwahnsinnig. Und diese Liberalen sind doch dat kleinste Licht inne Ampel, aber die wollen dauernd alle anderen überstrahlen. Bloß, damit ihre Wähler denken: Kuck, die sind zwar klein, aba die haben soooolche Muckis! Der Lindner müsste ja schon 'ne grüne Visasche haben, bei dem vielen Popeye-Spinat, dat der in sich reinfüllen tut. 
 
Und dat Tempolimit haben 'se auch noch verhindert. Getz is der Auto-Andi endlich inne Versenkung verschwunden und dann stehen die Liberalen auffe Bremse. Aba getz müssten doch die Grünen Morgenluft schnuppern. Wo die Russen den Gashahn und die Ölpumpe zudrehen wollen, is jeder zu schnell gebrauste Kilometer doch pure Kohle. Und damit mein ich nich die Kohle in die Luft, sondern die Kohle, die Du anne Tankstelle berappen tust und mit der der irre Putin sein Krieg am Laufen hält. Getz müssten doch die Grünen und die SPD aufstehen und sagen, hört mal her, ihr Liberale, wir zeigen Euch die rote Karte und knipsen dat gelbe Licht anne Ampel aus, wenn ihr nich endlich vernünftig werdet! 
 
Aba auf uns beide, Karl, da hört ja keiner. Vielleicht hätten wir doch inne Politik gehen sollen. Aba getz gehn wir lieber erstmal wieda inne gute Stube, sons sterben wir nich an Corona, sondern anne Lungenentzündung." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auch ohne Lungenentzündung hat die Regionalbahn in der heutigen Zugabe offenbar endgültig ausgeröchelt. Die Durchsage am Dorstener Bahnhof lautete nämlich: "Wir bitten alle Fahrgäste auszusteigen. Dieser Zug verendet hier." 
 
PPS. Noch ein Nachtrag. Schon wieder hat Schalke 04 gewonnen. Und versprochen ist versprochen: Es gibt erneut einen Rückblick. Die letzten fünf Spiele bei Dynamo Dresden haben die Blauweißen allesamt verloren, deshalb war der jüngste 2:1-Auswärtssieg alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Dennoch liegt Schalke in der ewigen Tabelle der 2. Liga mit nun 383 Punkten auf Platz 45 immer noch um einen Rang hinter Dynamo Dresden mit 397 Punkten. Das liegt jedoch auch daran, dass Schalke (zu Recht!) die meisten der vergangenen 59 Jahre in der 1. Liga spielte. Hoffentlich bald wieder. . . 

 

 Schmunzelpost 347 vom 1. 4. 22  

Was wäre gewesen, wenn... Diese Frage hat sich bestimmt jeder von uns schon oft gestellt. Vor allem an den Schnittstellen der Weltgeschichte hätte eine kleine Änderung mitunter den Verlauf massiv verändert. Was wäre passiert, wenn vor dem 2. Weltkrieg ein Attentat auf Hitler Erfolg gehabt hätte? Und wären uns vielleicht die Weltkriege und die Nazis komplett erspart geblieben, wenn nicht wegen des krankheitsbedingten Todes des zweiten Kaisers Wilhelm II. auf den Thron gelangt wäre? 
 
Doch auch danach saß dieser Monarch, der Deutschland in den 1. Weltkrieg manövrierte, keinesfalls fest im Sattel. Wie die Fernsehaufnahme des feixenden Laschet womöglich dessen Kanzlerschaft vermasselt hat, hätte ein peinliches Ereignis auch Wilhelm II. extrem schaden können. Der deutsche Kaiser war angeschlagen, weil er durch ungeschickte und englandfeindliche Äußerungen in einem Interview mit dem Daily Telegraph eine schwere innenpolitische Krise ausgelöst hatte. 
 
Deshalb setzten seine Gefolgsleute alles daran, einen gesellschaftspolitischen Skandal zu vertuschen. Was war geschehen? Vor den Augen des Kaisers und der "feinen Gesellschaft" hatte General Hans Dietrich Graf von Hülsen-Haesler ein anrüchiges Schauspiel geboten - eine Tanzeinlage, zu der er sich als Ballerina im Tutu verkleidet hatte! So etwas war mit den verknöcherten Moralvorstellungen jener Zeit nicht vereinbar und musste daher jahrelang unter den Teppich gekehrt werden. Was leider gelang! 
 
Ich frage mich nun, ob Bilder von Putin im Tutu den Ukraine-Krieg hätten verhindern können. Doch im Zeitalter der Fake-News werden auch Wahrheiten regelmäßig als Fälschungen dargestellt. Und an Leuten wie Putin, Trump oder Johnson prallen offenbar selbst die größten Lügen und Peinlichkeiten ab, ohne dass sie Schaden nehmen. 
 
Dazu sind etliche Trolle am Werk, die dafür sorgen sollen, dass Wahrheit und Unwahrheit nicht mehr zu unterscheiden sind. Hitler und Goebbels hatten schon früh erkannt, wie sie auch ohne Internet die Wirksamkeit solcher Trolle nutzen konnten. Sie schickten ab 1928 viele NSDAP-Mitglieder in Rhetorik-Kurse, um sie systematisch zu Agitatoren auszubilden. Mit Erfolg! Bis 1933 hatte die NSDAP etwa 6000 überzeugende Redner im Einsatz, die auf mehr als 180 000 Kundgebungen flammende Ansprachen hielten und ihren Führer mit Lobeshymnen überhäuften. Noch Fragen, warum gerade heute eine unabhängige "Lügenpresse" und öffentlich-rechtlicher Rundfunk so wichtig sind? 
 
Brot und Spiele, das sind zwei wesentliche Grundlagen für Diktatoren, um die Bevölkerung bei Laune zu halten. Das wusste bereits der alte Julius. Caesar ließ für ein "Naumachie", das ist ein möglichst originalgetreu nachgestelltes Seegefecht, im Jahre 46 vor Christus große Flächen von Rom unter Wasser setzen. So inszenierte er dann mit 22 echten Schiffen mehrere Tage lang eine Seeschlacht, bei der ungezählte Sträflinge ihr Leben lassen mussten. 
 
Kaiser Augustus hatte daran so großen Spaß, dass er einen gewaltigen Kunstsee anlegen ließ, der die Fläche von rund 26 Fußballplätzen umfasste. Kaiser Claudius nutzte dagegen 52 nach Christus einen natürlichen See, während seine Nachfolger das komplette Kolosseum unter Wasser setzten. 
 
Die bisher letzte Naumachie gab es im Jahr 248 nach Christus. Aber ich plane jetzt eine Neuauflage. Ich will im Freizeitbad Atlantis gegen Herrn Müller-Lüdenscheid antreten und mit Gummienten die Seeschlacht der Engländer gegen die spanische Armada nachstellen. Dafür benötige ich noch einen Kredit. Läppische 1,2 Millionen Euro reichen! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die nächste Schmunzelpost könnte sich etwas verzögern. Es dürfte rund ein Jahr dauern, bis ich die 1,2 Millionen durchgebracht habe! 

 

Schmunzelpost 346 vom 31. 3. 22

Na, am Dienstagabend auch das Fußball-Länderspiel gegen Holland geschaut? Mir wurde ganz wehmütig ums Herz, in der deutschen Nationalmannschaft gleich vier Ex-Schalker am Werk zu sehen: Neuer, Kehrer, Gündogan und Sane! Doch wenn man schon an vergangene Zeiten zurück denkt, sollte dies nicht mit Schmerz, sondern mit Schmunzeln geschehen. Hier sind ein paar kuriose Fußball-Fakten: 
 
Beim Kampf um die Deutsche Meisterschaft 1903 passierten merkwürdige Dinge. Zunächst kam der DFC Prag ganz entspannt ins Finale, weil der Halbfinal-Gegner nicht antrat. Die Spieler des Karlsruher FV hatten kurz vor der Abfahrt ein ominöses Telegramm bekommen, in dem stand: "Meisterschaftsspiel verlegt". Deshalb waren sie zuhause geblieben. 
 
Das half dem DFC Prag jedoch nicht weiter. Er verlor das Endspiel in Hamburg gegen den VfB Leipzig mit 2:7. Zuvor hatte sich der Spielbeginn erheblich verzögert. Als um 16 Uhr angepfiffen werden sollte, stellte man fest: Es ist kein Ball vorhanden! Es dauerte eine Dreiviertelstunde, bis ein Zuschauer Ersatz besorgt und die Spieler den Ball mit dem Mund aufgeblasen hatten. 
 
Das wäre doch heute eine gute Alternative zum Elfmeterschießen. Es kommt die Mannschaft weiter, die in fünf Minuten die meisten Bälle aufgeblasen hat! Das hat Unterhaltungswert: Stellt Euch nur Erling Haaland mit hochroter Birne vor! 
 
Die Fußballsprache ist gelegentlich martialisch. Ab und zu ist die Rede von einem Bombenspiel. Hunderte von Bombenspielen der anderen Art und außerdem 14 Länderspiele wurden tatsächlich im Grünwalder Stadion in München ausgetragen. Dort fand man 2012 bei Umbauarbeiten in nur 1,50 m Tiefe im Strafraum eine scharfe Fliegerbombe mit 225 kg Sprengstoff. Bis zur Fertigstellung des Olympiastadions hatte dort auch Bayern München seine Heimspiele ausgetragen. Mit Gerd Müller - dem Bomber der Nation! 
 
Der Ball ist rund, ein Spiel hat zwei Halbzeiten und dauert insgesamt 90 Minuten? Ewige Weisheiten? Zumindest die letztere stimmt schon lang nicht mehr. Durch die Nachspielzeit kann eine Partie etwas verlängert werden. Den Rekord hält der Schiedsrichter einer Bezirksliga-Partie zwischen BW Wesel und Dostlukspor Bottrop. Er pfiff "wegen überzogenem Zeitspiel beider Mannschaften" die Begegnung erst in der 118. Minute ab, also insgesamt 28 Minuten über der normalen Spieldauer! 
 
Ja, ja, die Schiedsrichter. Angeblich darf den Halbgöttern in Schwarz niemand reinreden - außer dem Kölner Keller. Doch auch da gibt es Ausnahmen. Einem Scheich kommt keiner gleich! Fahid al-Ahamad as-Sabah hatte zu einer Schiedsrichter-Entscheidung seine eigene Meinung. Zuvor hatte Schiedsrichter Miroslav Stupar in der 81. Minute ein regelkonformes Tor der Franzosen zum 4:1 gegen Kuwait anerkannt. 
 
 Doch der Scheich meinte, ein Pfiff von den Rängen hätte seine Mannschaft irritiert. Also stürmte er von der Tribüne auf den Platz, beschimpfte den Schiedsrichter und diskutierte so energisch mit dem Unparteiischen, bis dieser den Treffer annullierte. Immerhin wurde der Schiri aus der UdSSR am Tag danach von der FIFA in die Wüste geschickt. 
 
Glückauf 
 
kdk 
 
PS. Auch die heutige Zugabe befasst sich mit Fußball. Nach der Südwest-Presse wird die Deutsche Meisterschaft durch die Anatomie entschieden: "Die Bayern können den Titel nur noch dann vergeigen, wenn ihre Beine nicht schnell genug sind, die davonflatternden Nerven einzufangen." 
 
PPS. Noch mehr Körperkunde aus der Süddeutschen Zeitung: "Matthäus rutschte nach seinem Kopfballtor zum 2:0 die Hose so weit, dass jeder sehen konnte: Der hat nicht nur schöne Waden!" 
 

 Schmunzelpost 345 vom 30. 3. 22

Bald gilt es wieder seltsame Dinge zu feiern, was oft nicht ohne Vorbereitung geht. So solltet Ihr Euch für den 31. März einen Bunsenbrenner besorgen, denn das ist - Ihr kommt nicht drauf - der "Tag des Bunsenbrenners"! 
 
Unverständlicherweise für US-Amerikaner ist dieser Ehrentag für ein Gerät, das wir vornehmlich aus dem Chemieunterricht kennen, in Festland-Europa bisher nur eine Randnotiz wert. Anders im angelsächsischen Sprachraum. Dort wird der deutsche Erfinder, Robert Wilhelm Bunsen, der dem Brenner seinen Namen schenkte, groß gefeiert. Immerhin wisst Ihr jetzt, warum der Bunsenbrenner Bunsenbrenner heißt. "Bunsen Burner" klingt allerdings schöner. 
 
Am 1. April, das ist kein Scherz, feiert man den "Tag des Occhis". Hilf Himmel, wer oder was ist ein Occhi? Dank des Internets habe ich gelernt, dass es sich dabei um ein Hilfsmittel der Handarbeitstechnik zur Herstellung von Spitzen handelt, ein "Schiffchen", auch Frivolite genannt. Ich lasse Schiffchen lieber in der Badewanne schwimmen, das ist mir frivol genug. 
 
Der "Tag des Frettchens" folgt am 2. April. Hilf Himmel, wer oder was ist ein Frettchen? Nö, war nur Spaß. Ich weiß recht gut, dass es sich bei Frettchen um eine Marderart handelt. Eine Amerikanerin befand, dass sich Frettchen hervorragend als Haustiere eignen und will deshalb seit 2014 an diesem Tag darauf aufmerksam machen. Ich wäre mehr für einen "Tag des Brettchens". Das ist ein Hilfsmittel der haushalterischen Handarbeitstechnik zur Herstellung von Butterbroten - ach, das wisst Ihr schon? 
 
Dann kommen wir lieber zum 3. April, dem "Finde-einen-Regenbogen-Tag". Ich bin dafür, die Aufgabe zu erweitern. Erst ein "Finde-einen-Regenbogen-und-bewahre-ihn-gut-auf-Tag" wäre doch eine echte Herausforderung. Nun noch zum 4.4., dem "Erzähle-eine-Lüge-Tag". Aber gern: "Der 4. April ist auch der Tag der Maus." Aufgabe erfüllt, das war gelogen. In Wahrheit ist der 4. April der Tag der Ratte! 
 
Glückauf 
kdk 
 
Als Zugabe noch die Aufschrift eines Hinweis-Schildes für Autofahrer, das tatsächlich längere Zeit vor einem Schulgebäude stand: "Achtung, Schule! Überfahrt die Kinder nicht! Wartet, bis der Lehrer kommt!" 

 

Schmunzelpost 344 vom 29. 3. 22 

Jetzt ist meine Kur schon mehr als eine Woche Geschichte. Es erinnern mich nur drei Dinge täglich daran. Meine Krücken, korrekt: Unterarmgehstützen, die ich zwar nicht mehr in der Wohnung, aber bei längeren Fußmärschen brauche. Das Melkfett, mit dem ich jeden Morgen die gut 15 cm lange OP-Narbe einreiben muss. Und der Sockenanzieher. 
 
Sockenanzieher? Ihr habt richtig gehört. Das klingt altväterlich, ist aber kein besonders geschulter Kammerdiener. Nein, der Sockenanzieher ist ein äußerst praktisches Hilfsmittel. Eines, das wie geschaffen ist für Menschen wie mich, bei denen die Füße unendlich weit vom oberen Teil des Rumpfes entfernt sind und  denen das Anziehen von Socken im Zeichen der Arthrose zur Qual wird. Eine der vielen nützlichen Erfindungen, deren Nutzen man erst zu schätzen weiß, wenn man sie ausprobiert. 
 
Um weitere bahnbrechende Erfindungen soll es daher heute auch in der Schmunzelpost gehen. Auch, wenn nicht alle zu solch einem durchschlagenden Erfolg wurden wie der Sockenanzieher. Aber das ist manchmal vielleicht nur noch eine Frage der Zeit.
  
So etwa beim "Nose Stylus", den Designer Dominik Wilcox entwickelt hat. Wer von uns war noch nicht in der Verlegenheit, eine Nummer oder eine Nachricht in sein Smartphone eingeben zu wollen, aber keine Hand frei zu haben? Mit ein wenig Geschick lässt sich das mit dem "Nasenstift" lösen. Zugegeben, der gut 15 cm lange weiße Zinken, der dazu über die Nase gestülpt wird, sieht etwas eigenartig aus. Und der Bewegungsablauf erinnert an ein Huhn, das Körner pickt. Aber der Zweck heiligt die Mittel. Und die langnasigen Pestmasken aus dem Mittelalter haben hinterher ja auch Eingang in den venezianischen Karneval gefunden und damit eine weitere Verwendung gefunden. 
 
Noch genialer, weil sie ihren Benutzern zum Reichtum verhelfen können, sind die Metallsucher-Sandalen. Mit ihrer Hilfe wird jeder Spaziergang am Strand zur Schatzsuche. Die Detektoren sind in die Sandalensohlen integriert, ein über Kabel damit verbundenes Empfangsgerät am Unterschenkel meldet akustisch jeden erfolgversprechenden Fund. Na gut, wegen der Ähnlichkeit mit einer elektronischen Fußfessel sind unverhoffte Begegnungen mit der Polizei möglich. Aber dafür winkt nach zwanzig Metallkorken und Nägeln auch mal eine 20-Cent-Münze als Beute! 
 
Ihr habt schon alles von Euch gesehen und im Spiegel bewundert? Selfies gehören zu Euren liebsten Hobbys, weil Ihr nicht genug von Euch bekommen könnt? Darmspiegelungen gehören zu den faszinierendsten Erlebnissen in Eurem Leben? Dann braucht Ihr ein "Inner Selfie". Mittels eines Sticks, den Ihr bitte sehr vorsichtig einführt, erhaltet Ihr auf dem Bildschirm des smartphoneähnlichen Geräts atemberaubende Eindrücke aus Eurem Innenleben. Probiert es aus! So könnt Ihr zum Mittelpunkt jeder vorher öden Party werden! 
 
Es soll Frauen geben, die im Sommer gern kurze Röcke tragen, sich aber dennoch ärgern, wenn Männer lüsterne Blicke auf ihre schönen Beine werfen. Für sie gibt es jetzt, kein Scherz, behaarte Strümpfe. Ein Haarwuchs wie sonst nur auf der Brust von Bruce Willis soll Gaffer abschrecken. Abzuraten ist jedoch von einem Spaziergang durch den Zoo, im Affenhaus könnten die Gorillas außer Rand und Band geraten. 
 
Zum Schluss noch zwei Tipps, wie sich das Angenehme mit dem nützlichen verbinden lässt, beziehungsweise wie überschüssige Energie sinnvoll einsetzbar ist. Tierfreunde wissen, dass Hamster sich in ihren Käfigen nur wohl fühlen, wenn sie Runde auf Runde in ihrem Hamsterrad drehen können. Warum das nicht ausnutzen, dachte ein moderner Daniel Düsentrieb und koppelte das Hamsterrad mit einem Papierschredder. Aber bitte keine Verwechslungen - der Hamster gehört auf keinen Fall in den Schredder. 
 
Der zweite Tipp klingt dafür wirklich praktikabel. Verzichtet auf Hausschuhe, tragt daheim lieber Putzsocken! Durch spezielle Mikrofasern säubern diese Socken beim Gang durch die Wohnung Euren Fliesen- oder Parkettboden von Staub und Schmutz. Und wenn Ihr genug Tierhaare zusammen habt, könnt Ihr die auch gern für Eure behaarten Strümpfe nutzen! Meine persönliche Empfehlung: In die Putzsocken gelangt Ihr am besten mit einem Sockenanzieher! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Keine Erfindung, aber eine geniale Idee teilte ein Leser in seiner Zuschrift der Rhein-Neckar-Zeitung mit: "Die Stauungen zur Hauptverkehrszeit wären mit einem Schlag behoben, wenn alle Verkehrsteilnehmer sich entschließen könnten, eine Viertelstunde später zu fahren!" Es ist mir ein Rätsel, warum die Redaktion die Veröffentlichung ablehnte. 
 

 Schmunzelpost vom 343 vom 28. 3. 22

In den Tintenhühner-Programmen spielen zwei Damen eine wesentliche Rolle, die im Dorstener Ortsteil Hardt jedes Kind kennt. Trude und Erika sind Personen, die sich die überstrapazierte Bezeichnung "Kult" über die Jahre redlich verdient haben. Wie der Zufall es will, sind zwei östliche Gegenstücke von ihnen jetzt bei den Schniedelkötters eingezogen. Ihre ersten Eindrücke verarbeiten die beiden auf einer Bank an der Bushaltestelle Klosterstraße.
 
Tamara: Dobrideny, Ecaterina!

Ecaterina: Privit, Tamara! Aber weißt Du was? Lass uns deutsch reden, es ist gut zu üben.

Tamara: Tak! Ich meine: Ja! Wo wir hier sind, wie sagt man, unter uns: Wie gefällt es Dir bei den Schn..., den Schnittel..., den seltsamen Deutschen, was sind unsere Gastgeber?

Ecaterina: Die sind doch nett und freundlich, vor allem die Frauen. Die Männer allerdings sind, wie soll ich sagen, merkwürdig?

Tamara: Wie der Jüngste immer sagt: Da kannze einen drauf lassen, wol! Dieser Kevin spricht oft so seltsame Sachen. Ich habe gefragt, ob wir so sind, wie er gehofft hat. Da hat er, äh, herum druckst und meinte, er hätte gehofft, dass eine Milf kommt. Was ist das, eine Milf?

Ecaterina: Das weiß ich auch nicht. Vielleicht ist das so was wie ein Hollywood-Star. Dieser Berni ist dauernd um mich 'rum: Kann ich Dir helfen, Ecaterina? Du siehst aber toll aus, Ecaterina! Wie alt bist Du? Fünfzig Jahre? Du schwindelst doch Ecaterina, Du bist doch höchstens 49!

Tamara: Und hinter mir ist der Opa Lambert her! Stell Dir vor, als ich mich nach der langen Reise umgezogen habe und mich im Höschen und BH vor dem Spiegel begucke, ob noch alles richtig sitzt, da geht die Tür auf und er kommt rein geschossen. Ob er irgendetwas für mich tun kann. Und dann guckt er mich von oben bis unten an und sagt: Donnerwetter!

Ecaterina: Und dann?

Tamara: Dann kam die Gerda rein und hat ihn rausgeworfen. Ich hab gehört, wie sie schimpfte: Du kannst doch nicht einfach bei eine Dame reinplatzen, ohne zu klopfen, Du alter Lustlümmel.

Ecaterina: Was ist denn ein Lustlümmel?

Tamara: Das weiß ich auch nicht. Aber man sollte glauben, die leben hier alle ganz ohne Frauen. Dabei haben die mit Babsi und Gerda doch zwei richtig dralle Prachtweiber!

Ecaterina: Weißt Du was, Tamara, wir müssen denen klarmachen, dass wir zuhause unsere Ehemänner haben. Und zu denen wollen wir wieder zurück, wenn der Krieg endlich vorbei ist.

Tamara: Ja, zum Glück müssen unsere beiden nicht an die Front. Sie durften ja nur die Ukraine nicht verlassen, weil sie erst 55 und noch keine 60 Jahre alt sind.

Ecaterina: Hoffen wir, dass alles gut geht und ihnen nichts passiert. Weißt Du was? Darauf trinken wir einen. Ich hab zufällig was dabei. (Zieht eine Flasche mit gelblichem Getränk und zwei Schnapsgläser hervor).

Tamara: Oh, wie schön. Budyrod!

Ecaterina: Das heißt "Prösterchen"!

Tamara: Ah, das tut gut! Was ist das denn?

Ecaterina: Sie nennen es hier "Eierlikör". Aber das ist ein dünner Stoff. Ich habe es erst mal mit Wodka angereichert. Verhältnis 1 zu 1. Jetzt kann man es gut trinken!

Tamara: Finde ich auch. Füll noch mal nach!

Ecaterina: Und weißt Du was? Babsi und Gerda haben mich trinken sehen und gefragt, ob sie mal probieren dürfen. Klar, hab ich gesagt! Und die beiden waren begeistert. Wollten wissen, ob das ein selbst gebrannter Schnaps nach einem alten Familienrezept ist. Natürlich, hab ich gesagt, aber die Zutaten sind geheim. Und jetzt sind auch die Freundinnen der beiden ganz scharf drauf.

Tamara: Das ist ja toll. Weißt Du was? Da machen wir doch eine Serienproduktion auf. Original ukrainische Tamara-Tropfen! So verdienen wir uns was für unsere Heimkehr.

Ecaterina: So machen wir das! Prösterchen! 
 
Do pohatshamja, äh, Glückauf! 
kdk 
 
PS. Zur Zugabe: Sprachen lernen ist wirklich wichtig. Damit kann man nicht früh genug anfangen. Wie die zwölfjährige Schülerin, die im Englischunterricht einen kleinen Text über ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen schreiben sollte, aber auf der Suche nach einer Vokabel völlig verzweifelte: "Verflixt, was heißt denn bloß shoppen auf Englisch?" 

 

Schmunzelpost 342 vom 27. 3. 24 

Diejenigen unter Euch, die noch keine Vorstellung der Tintenhühner besucht haben (ein Versäumnis!), kennen die Schniedelkötters wahrscheinlich nur vom Hörensagen. Die Drei-Generationen-Familie ist Stammgast in unseren Kabarett-Programmen und dient dort als Parodie von TV-Reality-Serien. Derzeit setzt sich die Sippe zusammen aus Mutter Babsi und ihrer Mutter, Oma Gerda, aus Vater Berni und seinem Vater, Opa Lambert sowie aus Sohn Kevin. Tochter Emily ist bereits ausgeflogen, eine Tante aus Berlin, die vorübergehend in Dorsten Zuflucht fand, hat inzwischen das Weite gesucht.
 
Ab heute haben die Schniedelkötters auch ein Leben außerhalb der Bühne. Vorhang auf für den ersten Teil:
 
Kevin: Schon wieder Familienrat! Papa, was hast Du denn diesmal ausgefressen? Hast Du wieder mit der Nachbarin geflirtet?
Berni: Du kriegst gleich eins hinter die Löffel! Nein, mein Gewissen ist absolut rein. Wie sie in der Reklame immer sagen: So weiß, weißer geht's nicht!
Opa Lambert: Ach, deshalb hast Du die Unmengen Waschmittel aus dem Supermarkt angeschleppt! Ich habe mich schon gewundert. Da muss es ja ordentlich was reinzuwaschen gegeben haben.
Berni: Vater, wenn Du weiter solchen Unsinn erzählst, kommst Du ins Heim! Nein, ich habe nur ein paar sinnvolle Vorratskäufe getätigt. Kriegt Ihr denn gar nichts mit? Die Auswirkungen des Krieges kommen immer näher. Doch wir sind gerüstet: Der ganze Keller ist voll mit Sonnenblumenöl, Mehl, Nudeln, Bier und Waschmitteln.
Kevin: Ach, deshalb ist das Gästeklo vollgestopft mit Toilettenpapier!
Berni: Ja, genau. Ihr müsst wissen, bald kann man auf dem Schwarzmarkt damit bezahlen. Eine Rolle ist dann so viel wert wie ein Bitcoin!
Opa Lambert: Was für'n Ding? Aber wie ich Dich kenne, entspricht das etwa einem Pfennig!
Oma Gerda: Kinder, hört auf zu streiten! Da kommt Babsi ja schon. Wir können anfangen. Was ist los, mein Kind, was hast Du uns zu sagen?
Babsi: Also, Ihr Lieben, ich habe Euch zusammen gerufen, weil es bei uns demnächst Veränderungen geben wird. Wir bekommen Zuwachs!
Oma Gerda: Bist Du schwanger? Ich dachte, Du wärst schon längst in den Wechseljahren. Aber die moderne Medizin macht ja einiges möglich. (Stößt Opa Lambert in die Rippen:) Was meinst Du, Otto, sollten wir auch noch über Nachwuchs nachdenken?
Opa Lambert: Ich bin nicht Otto, ich bin Lambert! Und nein, auf keinen Fall! (Zeigt auf Berni) Kuck Dir doch an, was dabei herauskommt!
Berni: Wie? Was? Schwanger? Nachwuchs? Wie kann das sein? Wir haben doch schon ewig nicht mehr .... ich meine, es ist doch lange her, dass ... Das letzte Mal war doch nach Onkel Jürgens Geburtstag, als wir beide mächtig einen getankt hatten, aber das ist doch schon Jahre her! Bist Du etwa fremdgegangen?
Babsi: Nun halt mal die Luft an! Ich rede doch nicht von einem Baby, ich meine erwachsene Menschen.
Kevin: Ach, kommt meine Tante aus Berlin wieder? Hält sie es allein doch nicht aus oder ist sie wieder pleite?
Babsi: Nein, es geht nicht um Deine Tante. Ihr wisst doch alle, dass der furchtbare Krieg in der Ukraine tobt und Millionen Flüchtlinge ein neues Zuhause suchen. Und da Emilys Zimmer sowieso leer steht, habe ich gedacht, Kevin kann mal für ein paar Monate ins Gästezimmer ziehen, dann haben wir zwei große Räume frei, um armen Menschen eine sichere Bleibe zu bieten!
Kevin: Was? Ich soll ins Gästezimmer? Kommt gar nicht in Frage! Solidarität ist ja gut und schön, aber warum soll ausgerechnet ich das Opfer sein? Zieh Du doch ins Gästezimmer! Und Papa kann wieder ins Gartenhäuschen, da hat er sich damals ja schon dran gewöhnt. Dann wird ein richtig großer Raum frei.
Berni: Nur über meine Leiche! In meine Wohnung kommen doch nicht irgendwelche Paselacken! Was fällt Dir überhaupt ein, so etwas anzuleiern, ohne mich zu fragen? Schließlich bin ich hier der Hausherr und habe hier das Sagen!
Opa Lambert: So, so! Und seit wann?
Babsi: Nun blas' Dich nicht so auf! Die Miete können wir nur bezahlen, weil auch ich wieder eine Vollzeitstelle habe und Oma und Opa kräftig was zuschießen. Mit Deiner Frührente kämen wir doch auf keinen grünen Zweig. Jetzt reiß Dich mal zusammen! Stell Dir vor, Du müsstest vor dem Russen flüchten und die Holländer würden Dich vor der Tür stehen lassen!
Berni: Das sieht ihnen ähnlich, den blöden Kässköppen! Aber ich würde überhaupt nicht flüchten, ich würde zur Waffe greifen und mein Vaterland verteidigen.
Opa Lambert: Das möchte ich sehen! Ich weiß noch gut, wie Du auf den Stuhl geflüchtet bist und geschrien hast: Komm schnell, Babsi, tu was, da ist eine fürchterliche Spinne.
Berni: Misch Du Dich nicht ein! Und überhaupt: Wenn Du ins Heim gehst, hätten wir Platz genug.
Babsi: Nun kriegt Euch wieder ein. Ich habe schon alles geregelt. Morgen reisen unsere Gäste an. Es sollen zwei sehr nette Frauen sein, deren Männer im Krieg kämpfen. Ich habe extra drum gebeten, dass sie keine Kinder haben, weil ich ahnte, dass Euch das überfordern würde.
Opa Lambert: Zwei sehr nette Frauen! Warum sagst Du das nicht gleich? Ich werde mich selbstverständlich gut um sie kümmern, damit sie Trost finden. (Oma Gerda stößt ihm kräftig in die Rippen).
Berni: Nun, unter diesen Umständen.... Na, dann will ich mal nicht so sein. Zwei nette Käf..., äh, Frauen, da macht ein Gentleman wie ich doch gern eine Ausnahme. Lasst sie uns herzlich willkommen heißen! (Fortsetzung folgt)

Glückauf
kdk 

PS. Ja, mit der Hilfsbereitschaft, das ist so eine Sache. Doch es gibt auch Grenzen. Blicken wir in der Zugabe zurück auf meine Zeit im Krankenhaus. In meinem Zweibettzimmer war alles in Ordnung. Doch ich erzähle mal eine Geschichte, die ich anderswo gehört und auf meine Situation übertragen habe.

Mein an der Hüfte operierter Bettnachbar nutzt trotz der Personalknappheit durch Corona jede Gelegenheit, "das Personal flottzumachen", wie er sagt. Wieder einmal ist es soweit. Er klingelt, die Schwester kommt herein:

Schwester: "Ja, bitte?"
Patient: "Ich hätte gern einen Apfel."
Schwester: "Ja, gut, ich schaue mal in der Küche nach, ob wir einen haben."
Patient: "Müssen Sie nicht, ich habe ja welche hier."
Schwester: "???"
Patient: "Na, ich möchte, dass Sie einen Apfel für mich aus meiner Tüte holen." (Weist auf sein Schrankfach)
Die Krankenschwester rollt mit den Augen, holt den Apfel aus der Tüte und reicht ihn dem Patienten. Der nimmt ihn aber nicht.
Patient: "Können Sie mir den nicht waschen und schälen?"
Die Schwester verlässt mitsamt dem Apfel das Zimmer. Nach kurzer Zeit kehrt sie zurück und trägt wie eine Kellnerin einen Teller, auf dem der Apfel ruht, säuberlich geschält, in Spalten geschnitten und sternförmig angeordnet.
Patient (plärrend): "Sie sollten ihn nur waschen und schälen, nicht SCHNEIDEN!"
Schwester: "Ich musste ihn aufschneiden, sonst hätte ich das Strychnin nicht hineinbekommen." 
Die Schwester stellt den Apfel auf den Beistelltisch und verlässt das Zimmer. 
Der Patient wendet sich mir zu und fragt: "Du? Strychnin? Ist das was Unanständiges?" 

 

 Schmunzelpost 341 vom 26. 3. 22

Habt Ihr Lust, Euren Aktionstage-Kalender weiter zu vervollständigen? Egal! Es wird gelesen, was auf den Tisch bzw. den PC kommt! Heute ist nämlich der "Schmunzelpost-ist-Pflichtlektüre-Tag"! Das glaubt Ihr nicht? Nun, indirekt stimmt es schon. Denn tatsächlich ist der 26. März der "Erfinde-Deinen-eigenen-Feiertag-Tag". Und genau das habe ich getan. 
 
Zu welcher Aktion man sich am 27. März bemüßigt fühlen soll, ist mir völlig schleierhaft. Das ist der "Viagra-Tag". Viagra? Ist das nicht dieser Wasserfall an der kanadisch-US-amerikanischen Grenze? Soll man den mit einem Schlauchboot runterfahren oder was? Manchmal können einem diese Aktionstage wirklich Rätsel aufgeben. 
 
Eindeutig ist für Kuchenfreunde jedoch, was sie am 28. März zu tun haben. Das ist der Tag der Schwarzwälder Kirschtorte. Ich persönlich bevorzuge als Gartenarbeits-Verweigerer aber die andere Belegung des 28.3. Das ist nämlich auch der "Tag des Unkrauts". Sprieße, Unkraut, sprieße, Hauptsache, grün - und ich muss mich nicht bücken! 
 
Beim Lesen der Angaben für den 29. März war ich leicht verwundert. Hat es Frank Goosen jetzt bereits in den Aktionstage-Kalender geschafft? Denn der 29. 3. steht im Zeichen seines Spruchs über das Ruhrgebiet: Wir feiern den "Anderswo-ist-auch-Scheiße-Tag". Wer jedoch den Originaltitel aus dem angelsächsischen Sprachraum hört, der vermutet, dass der Übersetzer bloß ein markantes Motto für die Deutschen gesucht hat. Die eigentliche Bezeichnung ist viel poetischer: "The Grass is Always Browner on the Other Side of the Fence". 
 
So, angesichts des schönen Wetters ist jetzt Schluss. So kann ich schon mal für den 30. März üben. Dann haben wir den "Mache-einen-Spaziergang-im-Park-Tag". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zugabe 1: Auch das Bahnpersonal ist oft durch die Gründe für Verspätungen schwer genervt. So teilte ein Zugführer über Lautsprecher im Hauptbahnhof Gelsenkirchen sarkastisch mit: "Liebe Fahrgäste, die Weiterfahrt des Zuges verzögert sich um ein paar Minuten, weil ein ungeheuer bedeutender Güterzug mit immens verderblichen Eisenrohren überholen muss." 
 
PPS. Zugabe 2: Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder. Durchsage eines Zugführers bei der Einfahrt zum Bahnhof Buchholz: "Meine sehr verehrten Damen und Herren, trotz meiner Bemühungen, langsam zu fahren, kommen wir wider Erwarten zu früh in Buchholz an. Sollte ich ihnen damit die Gesprächsgrundlage für heute Abend genommen haben, tut es mir sehr leid. Der Ausstieg befindet sich übrigens in Fahrrichtung links."  
 

 Schmunzelpost 340 vom 25. 3. 22

Was schützt am besten vor Fake-News? Wissen! Und wie erlangt man Wissen, das über Zweifel weitgehend erhaben ist? Durch empirische Forschung. Deshalb wird an den Universitäten dieser Welt geforscht, was das Zeug hält. Oft aber auch mit abseitigen oder verblüffenden Ergebnissen. 
 
Wer von uns freut sich darüber, wenn jemand sagt: "Du hast aber einen dicken Hintern!"? Die Zahl der Hände, die jetzt in Euren Reihen in die Höhe gehen, tendiert gegen Null. Dabei hat ein dicker Po entschiedene Vorteile. Das fanden Wissenschaftler der Universität Oxford heraus. 
 
Sie werteten mehrere Studien aus, in denen ein erhöhter Fettanteil am Po, an der Hüfte und den Oberschenkeln in Relation zu den Blutwerten gesetzt wurden. Erstaunliches Resultat: Fettansammlungen in diesen Körperbereichen haben einen positiven Effekt und können vor Herz- und Kreislauferkrankungen schützen sowie einer Diabetes entgegen wirken. Denn in den genannten Körperzonen produziert das Fett nützliche Hormone und fängt schädliche Fettsäuren ein, die vom Bauchfett abgegeben werden. 
 
Schlanker Bauch - fetter Po? Das ist leider selten. Eine lohnenswerte Herausforderung für die Zukunft zu erforschen, wie wir das hinkriegen können. Die aufkeimende Freude über unseren dicken Hintern wird aber auch durch irische Forscher getrübt. Sie fanden heraus, dass Spritzen dann nicht wirken, wenn die Injektionsnadel durch die Fettschicht gehindert wird, das Muskelgewebe zu erreichen. Deshalb müssen dann besonders lange Nadeln verwendet werden. Woran erkenne ich, ob ich tatsächlich einen dicken Po habe? Wenn mein Arzt mit einer Monsterspritze anrückt! 
 
Dafür habe ich jetzt eine gute Nachricht für alle Couch-Potatoes. Sie können etwas für ihre Muskulatur tun, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Amerikanische Wissenschaftler von der Cleveland Clinic Foundation haben nämlich entdeckt, wie wir unsere Muskeln auch mental trainieren können. Dazu reicht es offenbar, sich fünfmal in der Woche konzentriert vorzustellen, unseren Bizeps anzuspannen, ohne das tatsächlich zu tun. Bemerkenswertes Ergebnis: Man stellte einen Kraftzuwachs von 13,5 Prozent fest. Ich habe mir jetzt vorgenommen, alle 60 Minuten meine Muskulatur gedanklich anzuspornen. Falls wir uns in einem Monat über den Weg laufen: Das ist nicht Arnold Schwarzenegger - das bin ich! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch eine Anekdote aus einem Cafe, vor dem wir bei diesem herrlichen Wetter gern draußen sitzen. So auch ein Zeitungsleser, den eine stolze Glatze auszeichnete. Ihm schräg gegenüber saß eine Mutter mit ihrem ca. dreijährigen Sohn. Der Kleine musterte den Fremden eingehend und stellte schließlich die entscheidende Frage: "Du, Mutti, warum ist der Mann da oben barfuß?" 
 

 Schmunzelpost 339 vom 24. 3. 22

Mich schockt regelmäßig, mit welcher Bereitschaft Menschen den größten Unsinn glauben. Die Spanne reicht von diversen Verschwörungstheorien über Horoskope, von den dreisten Lügen eines Donald Trump bis zu den unglaublichen Märchen, die Wladimir Putin den Russen und der ganzen Welt erzählt. 
 
Na gut, wer einem Propagandaapparat weitgehend ohne andere Informationsquellen ausgesetzt ist, der kann Lügnern auf den Leim gehen. Aber wer auch Zugriff auf seriöses Wissen hat und trotz aller Argumente anderer Menschen an leicht widerlegbarem Quatsch festhält, was ist bei dem schiefgelaufen? Und wieso gibt es von der Sorte so viele? Heute habe ich mal ein paar Irrtümer und Fake-News für Euch zusammen gestellt. 
 
Alter Schwede! Ausgerechnet der schwedische Sozialdemokrat Erik Brandt hatte Anfang 1939 eine echte Schnapsidee. Wisst Ihr, wen er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat? Adolf Hitler! Ja, wirklich! 
 
Al Capone gehört zu den bekanntesten Gangstern der Menschheitsgeschichte. Er war in zig kriminelle Aktivitäten verstrickt und hatte auch etliche Menschen auf dem Gewissen. Eingesperrt wurde er jedoch wegen Steuerhinterziehung. Schon vorher wussten alle, mit was für einem skrupellosen Verbrecher sie es zu tun hatten. Trotzdem versuchte er, sich ein Mäntelchen der Anständigkeit umzuhängen. Auf seiner Visitenkarte stand als Berufsangabe: "Gebrauchtmöbelhändler". Wenn er wenigstens "Gebrauchtwarenverkäufer" gewählt hätte - das wäre der Wahrheit schon näher gekommen. 
 
Es gibt Leute, die wollen Euch einreden, dass die Lederhose ein Kleidungsstück ist, das man vor allem den Bayern ausziehen sollte. Glaubt diesen Blödsinn nicht. "Lederhose" ist eine Autobahnabfahrt der A 9 in Thüringen. 
 
Nomen est Omen? Unfug! Der Beweis: Der alte Kumpel von Donald Duck, Gustav Gans, ist in Wahrheit eine Ente! Vor Enten hat keiner Angst? Auch das stimmt nicht. Es gibt sogar Menschen, die unter Anatidaephobie leiden. Das ist die Angst, von Enten beobachtet zu werden. 
 
Eine häufig verbreitete Legende ist, dass Prostitution das älteste Gewerbe der Welt sein soll. Das ist falsch. Fernhändler und Spione gibt es schon viel länger. (Ich wüsste nur gern, wie die Wissenschaft das herausgefunden und zweifelsfrei belegt hat). Auch Eltern können sich täuschen. Das Ehepaar Einstein hielt seinen Sohn lange Zeit für geistig zurückgeblieben. Angeblich konnte das Genie noch im Alter von neun Jahren nicht richtig sprechen. Wahrscheinlich war der Kleine zu sehr damit beschäftigt, im Kopf die Relativitätstheorie mathematisch zu belegen. 
 
Habe ich nicht kürzlich an dieser Stelle behauptet, "Wasser ist nass und deshalb schon schädlich"? Habe ich! Und dabei bei den meisten die Reaktion ausgelöst: "Ein Regenschauer hat noch keinem geschadet!" Fake-News! Truthähne können bei starkem Regen ertrinken - wegen eines Gendefekts starren sie zu lange zum Himmel! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wenn Euch bereits der Truthahn dösig vorkam, so habe ich in der Zugabe den Beweis dafür, dass auch Menschen in dieser Disziplin einiges zu bieten haben. So ist folgender Dialog verbürgt. 
 
Begegnung in einem Kölner Industriepark. Ein Mädchen wendet sich hilfesuchend an Mitarbeiter einer Firma, die vor dem Betrieb eine Raucherpause machen: "Entschuldigung, wo ist denn die Hausnummer 187, ich habe da ein Vorstellungsgespräch?" Mitarbeiter: "Das weiß ich nicht genau. Wie heißt denn die Firma?" Das Mädchen kramt in ihren Unterlagen: "Ah ja - GmbH!"        

 

 Schmunzelpost 338 vom 23. 3. 22

Mitunter ist es interessant, nachzusehen, wer an einem bestimmten Tag das Licht der Welt erblickt hat. Schauen wir doch mal, welche Geburtstagskinder am 23. März Grund zum Feiern haben. Oder gehabt hätten, wenn sie nicht bereits vorher verstorben wären. 
 
Seinen 110. Geburtstag würde heute Wernher von Braun begehen, falls er über Methusalem-Gene verfügt hätte. Doch ist das ein Grund zum Feiern? Zugegeben, der Mann gehörte zu den fähigsten Astrophysikern und Konstrukteuren des letzten Jahrhunderts. Er trug maßgeblich dazu bei, dass das Apollo-Programm der US-Amerikaner mit der Mondlandung gekrönt wurde. 
 
Vorher hat von Braun jedoch maßgeblich dazu beigetragen, dass die Nazis ihre V2-Rakete einsetzen und damit Tod und Verderben bringen konnten. Andere Wissenschaftler wie etwa führende Atomforscher arbeiteten mit gebremsten Schaum, damit Hitler nicht in den Besitz furchtbarer Massenvernichtungswaffen kam. Von Braun hätte auch als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden können. Weil sein Fachwissen aber hochwillkommen war, durfte er als "Emigrant" den USA nützen. 
 
1905 kam ebenfalls am 23. März in Bremerhaven Lale Andersen zur Welt. Allerdings unter ihrem echten Namen Liese-Lotte Helena Berta Bunnenberg. Die Sängerin, die in der Nachkriegszeit hauptsächlich Seemanns-Lieder vortrug, landete 1939 den Hit ihres Lebens. Der Schlager "Lilli Marleen" war wirklich etwas Besonderes, ein echter Evergreen. Besonders bemerkenswert: Er wurde im Krieg von Sendern beider Seiten ausgestrahlt, weil er einen Nerv traf, der in allen kriegsführenden Ländern hochsensibel war. Hier, auch im Zeichen von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine, nochmal der Text:  
 
Vor der Kaserne vor dem großen Tor
Stand eine Laterne, und steht sie noch davor,
So woll'n wir uns da wiederseh'n,
Bei der Laterne woll'n wir steh'n
Wie einst Lili Marleen, wie einst Lili Marleen. 
 
Uns're beiden Schatten sah'n wie einer aus.
Dass wir uns so lieb hatten, das sah man gleich daraus.
Und alle Leute soll'n seh'n,
Wenn wir bei der Laterne steh'n,
Wie einst Lili Marleen, wie einst Lili Marleen. 
 
Schon rief der Posten: Sie blasen Zapfenstreich,
Es kann drei Tage kosten! Kam'rad, ich komm' ja gleich.
Da sagten wir auf Wiederseh'n.
Wie gern' wollt ich mit Dir geh'n,
Wie einst Lili Marleen, wie einst Lili Marleen. 
 
Deine Schritte kennt sie, Deinen schönen Gang,
Alle Abend brennt sie, doch mich vergaß sie lang.
Und sollte mir ein Leid geschen,
Wer wird bei der Laterne stehn,
Mit Dir Lili Marleen, mit Dir Lili Marleen. 
 
Aus dem stillen Raume, aus der Erde Grund
Hebt mich wie im Traume Dein verliebter Mund.
Wenn sich die späten Nebel drehn,
Werd' ich bei der Laterne stehn,
Wie einst Lili Marleen, wie einst Lili Marleen. 
 
Das nächste Geburtstagskind stammt aus Japan. Akira Kurasawa war dort ein erfolgreicher Filmregisseur, der vor allem mit seinem Geniestreich "Die sieben Samurai" Furore machte. Dieser Filmklassiker inspirierte Hollywood dazu, ein amerikanisches Remake zu schaffen, das mit Yul Brynner in der Hauptrolle unter dem Titel "Die glorreichen Sieben" noch viel mehr Zuschauer in die Kinos lockte. 
 
Dann haben wir da noch Erich Fromm, ebenfalls ein Kind des 23. März. Der jüdische Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe musste in die USA emigrieren und wurde mit Büchern wie "Die Kunst des Liebens" im Nachkriegsdeutschland zum Bestseller-Autor. 
 
Aber was sind die genannten schon im Vergleich zu den beiden Dorstener Geburtstagskindern? Da ist einmal Manfred "Manni" Lauffs, der kurz davor stand, in der erfolgreiche Folkgruppe Peter, Paul, Manni und Mary die Hitparaden zu stürmen, sich dann aber doch lieber für eine Laufbahn als Lehrer entschied. Was ihn nicht hinderte, und das wissen die wenigsten, als Ghostwriter von Walter Jens bedeutende geisteswissenschaftliche Impulse zu geben. Auch als Pensionär setzte sich Manni nicht zur Ruhe: Als Mitglied der weltberühmten Tintenhühner ist er auf den wichtigsten Bühnen der Welt zuhause. 
 
Die allerwichtigste ist natürlich das Baumhaus. Noch hat es sich nicht herumgesprochen, doch der Geheimtipp aller gut informierten Kulturkenner ist auf dem besten Wege, als Brutstätte der Kreativität unsterblich zu werden. Maßgeblich verantwortlich dafür ist Anke Klapsing-Reich, die Mutter des Baumhauses. Bewundernswert, dass ihr das gelang, ohne ihre glorreiche journalistische Tätigkeit zu vernachlässigen. Und ganz besonders imponierend: Obwohl ihr ein verlockendes Angebot der New York Times vorlag, entschied sie sich für einen mehr als bescheidenen Salär, die Kultur ihrer Heimatstadt Dorsten nach vorne zu bringen und sich außerdem der Integration von Flüchtlingen zu widmen. 
 
Happy Birthday, Anke und Manni! 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. Als Zugabe anlässlich der Altersjubiläen einen weisen Satz aus einem Schulaufsatz: "Man sieht es den Menschen oft noch im hohen Alter an, dass sie einmal jung waren." 

 

 Schmunzelpost 337 vom 22. 3. 22

Heute ist wieder ein Schmunzelpost-Tag, der im Zeichen anderer Tage steht. Bei der Wahl am 22. März zwischen dem "Wir-lieben-Brokkoli-Tag" und dem "Internationalen Tag der Seehunde" entscheiden wir uns natürlich für das gesunde Gemüse. Wer weiß, ob ein Seehund-Steak überhaupt schmeckt? 
 
Ach, sind die niedlich! Das Internet quillt über mit Videos von possierlichen Haustier-Babys. Deshalb habt Ihr am 23. März die Qual der Wahl. Ihr könnt Euch für den "Tag des süßen Katzenbabys" oder den "Tag des Hundewelpen" entscheiden. Beide stammen natürlich aus den USA, wo man es sich wohl mit keiner der zwei Fraktionen verderben wollte. Ich feiere da lieber den Dorstener "Heute haben Anke und Manni Geburtstag!-Tag". 
 
Am 24. März sind wir total entfesselt. Denn das ist der Harry-Houdini-Tag. Außerdem müssen wir uns zwischen zwei Leckereien entscheiden. Entweder dem amerikanischen Tag der Schoko-Rosine oder dem Europäischen Tag des handwerklich hergestellten Speiseeises. Ich entscheide mich trotz des sperrigen Titels eiskalt für die europäische Variante. 
 
Doch mein absoluter Favorit am 24.3. ist eine deutsche Erfindung: Der bundesweite "Elefanten-zeichnen-Tag". Urheber ist übrigens nicht Otto, der Ostfriese. Dessen Elefanten heißen ja auch Ottifanten. Nein, ausgedacht hat sich diesen speziellen Aktionstag bereits 2009 der Cartoonist Bastian Melnyk. Der antwortete übrigens auf die Frage, warum es der 24. März sein müsse, kurz und bündig: "Warum nicht?"
 
Skandinavien-Freunde haben am 25. März einen weiteren Grund nach Schweden zu reisen. Dort feiert man dann den Vaffeldag, zu deutsch den "Tag der Waffel". Ich tendiere jedoch zum großen Lager derer, die den weltweiten Tolkien-Reading-Day bevorzugen. Da können wir auch die Frage diskutieren, ob Wladimir Putin ein Abkömmling von Sauron ist. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Putin und seine Oligarchen sollen ja zu den Milliardären zählen, was ihnen meist mit nicht immer astreinen Geschäften gelungen ist. Zum Glück gibt es solche Karrieren in Amerika heute nicht mehr, wie sich zumindest der Autor des Aufsatzes "Einst und jetzt" sicher ist: "Ein späterer Millionär arbeitete damals in seiner Jugend für drei Dollar in der Woche in einem Lebensmittelgeschäft. Drei Jahre später gehörte ihm schon das Geschäft. - Heute geht das nicht mehr, denn jetzt gibt es Registrierkassen."     

 

Schmunzelpost 336 vom 21. 3. 22 

Heute wenden wir uns wieder der Wissenschaft zu und befassen uns beim Blick durch die Schmunzelpost-Brille mit Geschehnissen, Ergebnissen und Erkenntnissen. Zuerst schauen wir nach Tansania, wo sich Forscher mit der Tierwelt beschäftigen. Was nicht immer ohne Komplikationen verläuft. 
 
So standen zwei Wissenschaftler, die eigentlich auf der Suche nach Affen waren, plötzlich Auge in Auge einem Löwen gegenüber. Zum Glück stand in der Nähe ein Baum, auf den die beiden in Windeseile hinaufkletterten. Leider hielt das Bäumchen ihrem Gewicht nicht stand, die Krone knicke ab und das unglückliche Duo stürzte mit Getöse zu Boden. Darüber erschrak der Löwe derart, dass er schleunigst das Weite suchte. 
 
Weniger Glück hatte eine Wissenschaftlerin, die mit Sekundenkleber einen Peilsender an einem Krokodil befestigen wollte. Dabei aber stellte sie sich etwas ungeschickt an. Was zur Folge hatte, dass sie plötzlich selbst an der Panzerechse festklebte. Welch peinliches Missgeschick! Wenn Euch beim Einkaufen also mal eine Dame in Tropenkleidung begegnet, an der ein Krokodil klebt - fragt nicht! 
 
Ein recht ungewöhnlicher Anhalter war im Februar in Deutschland unterwegs. Er trug u.a. Kindergummistiefel, Schwimmnudeln und Eimer, außerdem nutzte er einen Tablet-Computer als Hirn. Der merkwürdige Geselle hieß "Hitchbot" und war ein Roboter. Mit ihm wollten kanadische Forscher testen, wie die Menschen auf künstliche Intelligenz reagieren. 
 
Bei uns waren die Leute in der Regel sehr freundlich. Autofahrer nahmen "Hitchbot" zum Schloß Neuschwanstein mit und brachten ihn zum Kölner Karneval, wo er unter den anderen Narren vermutlich kaum auffiel. In Berlin endete seine Glückssträhne. Der Zugang zum Reichstag wurde ihm strikt verweigert. "Er war nicht angemeldet und konnte auch keine Akkreditierung vorlegen", teilte die Bundestagsverwaltung humorlos mit. 
 
Noch schlimmer erging es Hitchbot jedoch bei seiner Rückkehr nach Nordamerika. In den USA wurde er von unbekannten Tätern zerstört. Gerüchte, dass es sich um einen älteren Mann mit wüster Frisur handelte, der es nicht ertragen konnte, dass jemand anders mehr Aufsehen erregte als er, wurden bisher nicht bestätigt. 
 
Was passiert, wenn Ameisen mal müssen? Das fanden jetzt Forscher der Universität Regensburg heraus. Sie stellten fest, dass die reinlichen Krabbler in ihren Bauten ein oder zwei sanitäre Bereiche eingerichtet haben, die alle Mitglieder des Ameisenvolkes zur Verrichtung ihrer Geschäfte aufsuchen. Noch nicht klar ist, ob es drei verschiedene Eingänge gibt: Für Königinnen, Arbeiterinnen und Diverse. 
 
Und wo wir uns gerade rein akademisch für den Bereich untenrum interessieren, seid Ihr bestimmt auch auf die Forschungsergebnisse des King's College in London gespannt. Dort untersuchte man für sage und schreibe 17 Studien fast 16 000 männliche Testpersonen, um die durchschnittliche Länge eines erigierten Penis zu ermitteln. Danach ging ein Aufatmen durch die Reihen besorgter Männer, die durch Aufschneidereien und monströse Filmaufnahmen stark verunsichert waren. Der durchschnittliche erigierte Penis ist nur exakt 13,12 cm lang. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich hoffe, ich habe mich nicht vertippt und die tatsächliche Länge beträgt in Wahrheit 31,12 cm. Solche Fehler können mir nicht passieren? Von wegen! Wie die aufmerksame Leserin Marion bemerkte, lautet das italienische Wort für Frühstück keinesfalls calozione, wie ich gestern schrieb. Dabei ist mir ein Dreher unterlaufen. Marion: "Es heißt colazione. Das kommt von cola, liegt ja auf der mano!" Scusi! 

 

 Schmunzelpost 335 vom 20. 3. 22

Es ist ein Jammer! Die guten alten Sitten und Gebräuche der Vergangenheit geraten immer mehr in Vergessenheit. Versuche, sie am Leben zu erhalten, sind meist zum Scheitern verurteilt. 
 
Nur ein Beispiel: Nach alter Gewohnheit setzte ich mich heute (also, wenn Ihr es lest, gestern oder wenn Ihr es erst am Montag lest, vorgestern) erwartungsvoll an den Frühstückstisch und orderte wie üblich mein Morgenmahl. "Zwei Mehrkornbrötchen und zwei Mal Butter, bitte. Dazu zwei Scheiben Samali und vier Scheiben Käse. Ach ja, und auch noch ein paar Gurkenscheiben, einen Apfel und eine Banane. Zum Trinken? Trinken möchte ich einen schwarzen Tee. Krause, Tisch 26, bitte!" 
 
Meine Höflichkeit wurde nicht belohnt. Kein Frühstück wurde mir an den Tisch gebracht, ich musste mich selbst versorgen. Willkommen im harten Alltag der Jäger und Sammler, Adieu, schöne Zeiten, als nach alter Mütter Sitte invalide Menschen noch verwöhnt wurden. 
 
Nun ja, wenigstens behalte ich den uralten Brauch bei, Euch mit Wissenswertem zu verwöhnen. Heute beschäftigen wir uns aus gegebenem Anlass mit dem Frühstück. Das hat im menschlichen Leben seinen festen Platz und ist eine kulturübergreifende Einrichtung. 
 
Ritter Roland verlangte noch mittelhochdeutsch sein Morgenbrot. Im 15. Jahrhundert bürgerte sich dann im deutschsprachigen Raum das "Frühstück" als Bezeichnung des frühmorgens gegessenen Stück Brotes ein. Andere Länder, andere Sitten. Das englische "Breakfast" leitet sich ab vom Fastenbrechen. Dass sie die ganze Nacht nichts gegessen hatten, kam den Briten wohl vor wie eine Art vorösterliche Fastenzeit. 
 
Denselben Hintergrund hat das spanische "Desayuno" oder das kleine Fastenbrechen (petit dejeuner) im Französischen. Die Portugiesen sind offenbar Langschläfer. Ihr pequeno almozo heißt übersetzt kleines Mittagessen. Dagegen steht das calozione oder prima calozione der Italiener für "erstes Mahl". Die Schweizer sagen "Zmorge", die Schweden frukost, was die Tageszeit bezeichnet. Und besonders sympathisch finde ich das niederländische ontbijt, wörtlich zum Anbeißen. 
 
Es soll Menschen geben, die ihren morgendlichen Imbiss durch Genussmittel wie Alkohol oder Zigaretten ersetzen. Dafür gibt es bei uns den verächtlichen Ausdruck "Nuttenfrühstück". Und in Europa und den USA verzichten immer mehr Menschen komplett auf ein Frühstück. Je nach Staat liegt die Quote zwischen 10 und 30 Prozent, Tendenz steigend. 
 
Das ist in Großbritannien, wo man auf Tradition Wert legt, undenkbar. Dort ist das Frühstück die wichtigste zentrale Mahlzeit des Tages, zu der sich die ganze Familie versammelt. Dabei mag auch überwiegend Tee getrunken werden, während sich in den meisten anderen Ländern seit dem 18. Jahrhundert Kaffee als dominierendes Frühstücks-Getränk durchgesetzt hat. Der Muntermacher löste seinerzeit Bier und Wein ab. 
 
Sehr verschieden sind die Speisen, die morgens auf den Tisch kommen. Wer sich mal etwas Besonderes gönnen will, sollte es mit einem afghanischen Frühstück versuchen. Das besteht aus frischgebackenem afghanischen Brot, Qaimak-Chai (einem Grüntee mit Milch, Zucker und Kardamom), Frischkäse mit Mandeln und frischen Pfefferminzblättern, Butter, Quitten- oder Apfelmarmelade, Spiegelei mit Tomaten, Koriander, scharfem Paprika und Pfeffer, Halva (das ist eine Süßspeise aus Mehl, Zucker, Öl und Kardamom mit Walnüssen), Rot (leicht süßes Gebäck) und Halim (Haferbrei). 
 
Wenn ich das so lese, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. "Herzchen, wo Du gerade da bist, willst Du nicht morgen früh einen alten, kranken Mann verwöhnen? Ich will Dich auch nicht mit der Zubereitung eines üppigen deutschen Frühstücks belasten, ein bescheidenes afghanisches tut es auch!" 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. Und nochmal Glückauf! Schalke 04 hat sein Punktspiel gegen Hannover 96 gewonnen. Verabredungsgemäß gibt's daher jetzt einen kurzen Blick in die Vereinsgeschichte. In Wettbewerben des DFB war dies das 78. Kräftemessen mit den Hannoveranern. Die Bilanz spricht eindeutig für Schalke. Von 58 Bundesligaspielen gewannen die Knappen mehr als die Hälfte, nämlich 30. Elfmal ging es Unentschieden aus und 17mal siegte Hannover 96. In der zweiten Liga ist die Schalker Erfolgsquote noch viel besser. Von zehn Begegnungen konnte Hannover keine für sich entscheiden, sechs Mal gewann Schalke bei vier Unentschieden. Im DFB-Pokal gab es nur eine Niederlage gegen die Niedersachsen, vier Partien sahen Schalke als Sieger. Und in der Oberliga-Endrunde, vor Einführung der Bundesliga entschied Königsblau alle drei Duelle für sich. Lediglich das einzige Freundschaftsspiel gewann Hannover 96. Es sei ihnen von Herzen gegönnt! 
 
PPS. Gegenwärtig häufen sich wieder die Sparappelle, sei es beim Tanken oder beim Heizen. Hausbesitzer Walter Marchiard hatte sich jedoch bereits Anfang der 70er Jahre mit einem Aufruf an seine Mieter gewandt: "Sparplan für unsere Mieter! Gehen Sie doch bitte gemeinsam auf die Toilette. Dann brauchen Sie nur einmal Wasserziehen und wir sparen dann tüchtig. Meine Frau und ich machen es doch auch immer so. Und bei kleinem Geschäft ziehen wir nur ganz, ganz kurz. Und es reicht!" 
 

Schmunzelpost 334 vom 19. 3. 22 

Da sitze ich wieder in den heimischen Wänden vor dem PC. Und fühle mich insgesamt erstaunlich gut. Das ist verwunderlich, wenn man bedenkt, was mir gesundheitlich in den letzten Jahrzehnten, vor allem aber in den letzten beiden Jahren zu schaffen gemacht hat. Ein kurzer Überblick: Trigeminus-Neuralgie, chronische Nebenhöhlenvereiterung, Burnout/Depression, Kapselriss in der Schulter, Bandscheiben-Vorfall, drohende Netzhautablösung, weißer Hautkrebs, Herzrhythmusstörungen, Arthrose, künstliches Hüftgelenk.
 
Ihr fragt Euch vielleicht jetzt, was will er von uns? Mitleid erhaschen? Wir werden doch alle älter. Und jeder hat seine Last zu tragen. Nein, keine Angst. Ich will keine neue Medizin-Serie vorbereiten, sondern nur gekonnt zum heutigen Schmunzelpost-Text überleiten. Weil es am ersten Tag zuhause sehr viel zu tun gab und gibt, mache ich mir die Sache diesmal einfach und präsentiere Euch einen Fremdtext. Damit will ich Euch gleichzeitig einen Autor näherbringen, der es geschafft hat, in die Phalanx meiner bisherigen Favoriten Horst Evers, Torsten Sträter und Axel Hacke vorzudringen.
 
Die Rede ist von Markus Orths. Der mehrfach preisgekrönte Schriftsteller vom Niederrhein ist bei uns fast noch ein Geheimtipp. Obwohl der Hessische Rundfunk ihn so adelte: "Endlich, endlich ist er da. Ein Autor deutschen Ursprungs, der es in Sachen Humor tatsächlich mit der Creme angelsächsischer Konkurrenz aufnehmen kann."
 
Was Oths meiner Meinung nach mit großer Meisterschaft beherrscht, ist das Talent, den Redefluss seiner Mutter (für die aber eigentlich die Großmutter Pate stand) in literarische Formen zu gießen. Zum Beleg folgen jetzt wesentliche Auszüge aus der Kurzgeschichte "Aber sonst geht es mir gut". Und nach der Lektüre versteht Ihr auch meine Einleitung besser.
 
"Und? Wie is et?", fragte meine Mutter. In diesem Wie is et? liegt die ganze traurige Fröhlichkeit des Niederrheins, liegen seine melancholischen Landschaften, sein vernieseltes Grau, seine hochgereckten Pappeln, seine schnurgeraden Flüsschen, seine im Morgendunst dampfenden Wiesen, seine hingekleckerten Seen.

In diesem Wie is et? liegt die ganze fröhliche Traurigkeit des Niederrhein-Menschen, ihr insgeheimer Wunsch, zum anderen vorzudringen, Grenzen zu durchstoßen, etwas über den anderen in Erfahrung zu bringen, ihn zu fragen, wie es ihm wirklich geht, aber gleichzeitig die verzweifelte Angst davor, es herauszufinden. In diesem Wie is et? liegt ungewollte Kühle und der heimliche Wunsch nach Wärme.
 
"Und? Wie is et?", fragte meine Mutter. Die Antwort heißt nicht "Gut" oder "Geht so" oder "Könnte besser sein" oder "Weiß nicht" oder irgendwas, das ein bisschen aus der verschütteten Tiefe würde bergen können, nein, die Antwort ist einfach nur ein Laut, den wir von uns geben und der dem Murmeln von gelangweilten Wiederkäuerkühen gleicht, die auf triefnassen Niederrhein-Wiesen dumm vor sich hingucken, wir sagen: "Mhm."
 
"Und? Wie is et?", fragte sie. "Mhm", sagte ich. "Und bei euch?" "Mhm." "Alles beim Alten?" "Mhm. Ich mach heut Knödel. Extra für dich." "Mhm." "Hast du Wäsche dabei?" "Was für Wäsche?" "Früher hast du immer Wäsche mitgebracht. Als du studiert hast, Martin." "Das ist jetzt dreißig Jahre her, Mama." "Ehrlich?"
 
"Und was macht deine Hüfte?", fragte ich. "Och, die merk ich schon, wenn das Wetter so ist." "Wenn das Wetter wie ist?" "Aber nur die  falsche Hüfte. Die gemachte. Die andere, die normale, die merk ich nicht. Dabei wollten die ja die andere Hüfte auch noch machen. Aber das tu ich nicht. Die bleibt, wie sie ist." 
 
"Aber außer der Hüfte ist alles in Ordnung?" "Ja, ich muss nur wieder zum Ausleiten demnächst, wegen der Haut, der Ausschlag, die leiten den ja aus, frag mich nicht, wie die das machen, aber die machen das ganz gut. Und bücken, bücken kann ich mich auch nicht mehr. Das fährt mir in die Knie." 
 
"Aber sonst ist alles in Ordnung?" "Ja, sonst geht es mir gut. Nur wenn ich liege, dann hab ich Rücken, und so lang kann ich auch nicht mehr sitzen, da schläft mir ja alles ein, und laufen, das ist so 'ne Sache, also am liebsten fahr ich Auto oder Fahrrad." "Da sitzt du doch auch!" "Das merkt man aber nicht so, wenn man fährt." 
 
"Aber sonst geht es dir gut, gesundheitlich?" "Ja, sonst geht es mir gut. Bis auf das Magenziehen. Und die Kopfschmerzen, die kommen nur alle zwei Tage, also immer, wenn die Herzstiche aufhören. Ich hab 'nen Schleier auf dem Auge, und der Augenarzt sagt, dass muss kein grauer Star sein - Oma hatte ja einen grauen Star -, aber der Arzt sagt, nee, das muss kein grauer Star sein, das kann auch ein grüner sein. Der Arzt sagt, ich muss meinen Führerschein abgeben, aber das tu ich nicht, neenee, ich fahr ja auch nur noch die Strecken, die ich kenne, also zur Kirche und zum Real, Martin, und die kenn ich im Schlaf." 
 
"Das heißt, außer Hüfte, Knie, Haut, Herz, Magen, Kopf, Augen und Rücken ist alles in Ordnung?" "Jaja. Ich hab da nur so'n komisches Jucken im Ohr, das geht aber wieder weg, wenn ich nicht dran denke." "Aber sonst geht es dir gut?" "Ja, Martin. Sonst geht es mir gut." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Und wenn doch zu viele Leiden zusammen kommen, das zeigt die heutige Zugabe, dann kann das plötzlich fatale Folgen haben, wie der Brief einer gewissen Luise an ihre beste Freundin beweist: "Im schönsten Mannesalter, im Kreise seiner lieben Familie, ist gestern Nacht mein lieber Mann wie eine vom Blitz getroffene Eiche binnen zwei Wochen für immer verwelkt!!" 

    

 Schmunzelpost 333 vom 18. 3. 22


Heute ist mein Heimkehrtag. Doch das gilt speziell für mich, weil es nach einer Woche Krankenhaus und drei Wochen Reha-Kur zurück nach Hause geht. Für Euch habe ich allerdings einiges im Reisegepäck: In nächster Zeit häufen sich die Aktionstage! 
 
Los geht es heute, am 18. März, mit dem Tag der peinlichen Momente. Mir fällt dazu ein Erlebnis ein, von dem ich dem einen oder der anderen womöglich schon mal erzählt habe. Es begab sich einst, dass ich eine neue Hose erstmals zum Spaziergang ausführte. Meine modebewusstere Hälfte hatte das Teil von Anfang an skeptisch beäugt und kritisch kommentiert: "Du hast Hochwasser!" "Hab' ich nicht!", antwortete ich trotzig und zog die Hose an der Tür unauffällig so weit wie möglich an der Hüfte nach unten. 
 
Draußen tönte es erneut: "Du hast Hochwasser!" Ich schaute an mir herunter. "Nö, die Länge ist optimal, da gibt es nichts zu meckern." Am Lippe-Deich angekommen vernahm ich zum dritten Mal: "Du hast Hochwasser!" "Ja, bin ich denn hier mit einem Papageien unterwegs?", dachte ich, blieb aber wohlweislich stumm und schüttelte nur entschieden mein Haupt. Nach einigen Metern bemerkte ich, wie sich jemand an meiner Hose zu schaffen machte. Nun mögen wir Männer es nicht, wenn unsere Frauen in der Öffentlichkeit an uns herum zutzeln. Und nur aus Gründen der Optik erst recht nicht. "Lass das!", schimpfte ich und beschleunigte meinen Schritt. 
 
So war ich einige Zeit stets ein, zwei Meter vorweg unterwegs, bis mich plötzlich eine Urgewalt von hinten packte und mit Macht an meiner Hose zog. Die Urgewalt hieß Ulla, und sie hatte Erfolg. Mit einem kräftigen Ruck zog sie die Hose herunter. Allerdings so weit, dass ich im Freien stand und die Hose um meine Knie baumelte. Zum Glück hatte ich den Rat meiner Mutter beherzigt, der da lautete: "Junge, bevor Du aus dem Haus gehst, musst Du immer frische Unterwäsche anziehen. Es könnte Dir ja mal etwas Unvorhersehbares geschehen." Dennoch war es mir sehr peinlich, plötzlich frischen Wind an meinen Oberschenkeln zu fühlen. Und die fröhlich winkenden Passanten auf dem Weg am gegenüber liegenden Lippeufer taten ein Übriges. 
 
Seitdem geistert durch Dorsten die Weisheit: Wenn Dir langweilig ist, musst Du einen Spaziergang an der Lippe machen. Dort kriegst Du immer was zu sehen, selbst wenn der Fluss gerade kein Hochwasser führt. 
 
Verlassen wir den Ort des Schreckens und kommen zum 19. März. Der ist für uns Rentner weniger relevant, aber für alle Werktätigen reizvoll. Wir schreiben den "Frühstücke-am-Arbeitsplatz-Tag." Und falls der Chef den Raum betritt, wenn Ihr gerade auf Eurem Schreibtisch ein üppiges Frühstücks-Buffet arrangiert habt und dabei seid, die PC-Tastatur voll zu krümeln, dann ruft Eurem Vorgesetzten fröhlich entgegen: "Hallo, Boss, wussten Sie, dass heute auch der 'Lass-uns-lachen-Tag'  zelebriert wird?" 
 
Eigentlich beschränke ich mich ja bei diesem Überblick auf nur einen, den aus meiner Sicht kuriosesten Aktionstag eines Datums. Doch am 20. und 21. März häufen sich die Aktions-, Gedenk- und Feiertage derart, dass ich es bei einer Aufzählung fast ohne Kommentar belassen werde. So ist der 20. März der Tag des Vergiftungsschutzes von KIndern im Haushalt, der Weltglückstag, der Weltgeschichtentag, der Internationale Kinder- und Jugendschutztag, der Welttag der Romantik, der Welttag des Invaliden (hurra!), der Weltspatzentag, der Weltmundgesundheitstag und der Tag der französischen Sprache. Merde, n'est-ce pas? 
 
Auch am 21. 3. habt Ihr die Qual der Wahl. Dies ist der Internationale Tag des Waldes und der Internationale Tag des Puppenspiels, der Nourez-Tag, der Tag des Tattoos, der Welt-Syndrom-Tag, der Welttag gegen Rassismus, der Welttag der Hauswirtschaft und der Welttag der Poesie. Uff! Zum letztgenannten Anlass ein kurzer Vers: 
 
Um zu reimen, da brauch' ich keinen festen Tag, 
ich dichte dann, wann immer ich es mag! 
Und an Euch, Ihr emsigen Kalenderplanungs-Wichte: 
Die Welt braucht ganz bestimmt noch mehr Gedichte, 
aber an nur einem Tag so viel Aktionstage 
sind selbst für Willige 'ne echte Plage! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Schmunzelpost hat einen Bildungsauftrag? Ganz recht: Am Nourez-Tag wird im persischen Kulturraum das Neujahrs- und Frühlingsfest gefeiert. Es ist gleichzeitig der Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche. 
 
PPS. Zur gestrigen Schmunzelpost über Stilblüten der Medien hat Martin eine aktuelle Ergänzung: Laut einem Internetartikel darf die englische Königin auf Grund ihres miesen Gesundheitszustands nun endlich auch bequem aufs Klo gehen, statt wie anscheinend bisher üblich von Butler oder Zofe an der Leine durch London geführt zu werden! Die Überschrift lautete: "Queen zu schwach zum Gassi-Gehen!" Und Manni hat in der FAZ gelesen: "Deutschlands Frauen nehmen ihren Busen auf die leichte Schulter." 
 

Schmunzelpost 332 vom 17. 3. 22

Auf Regen folgt Sonne. So auch heute hier in Bad Rothenfelde. Allerdings habe ich tags zuvor den Regen sogar begrüßt. Denn nach zwei viel zu heißen, trockenen Sommern heißt es für mich nicht mehr: "Regen, Regen, gehe fort, geh an einen anderen Ort", sondern "Regen, Regen, komm doch her, nicht nur mein Garten braucht Dich sehr!" Trotzdem soll sich heute eine spaßige Schmunzelpost der sonnenlichtgetränkten Stimmung anpassen. 
 
Was eignet sich dafür besser als ein kleiner Streifzug durch die Niederungen der Presse? Und da ich Eure Aufmerksamkeit fesseln will, verfahre ich nach dem bewährten Grundsatz "Sex sells". So musste ich im deutschen Ärzteblatt lesen, dass manche Männergruppen beim Erkunden der weiblichen erogenen Zonen klare Vorteile haben: "Die weibliche Brust gehört in die Hand des Chirurgen." Die Zeitschrift "das da" kenne ich nicht. Vielleicht ist es ein feministisches Blatt, denn es bezieht zumindest indirekt Position: "Aus der Unterhose der Männer spricht Gleichgültigkeit und Nichtachtung der Frau." 
 
Von quatschenden Unterhosen zu anderen (fehlenden) Kleidungsstücken. Die Wilhelmshavener Zeitung druckte eine Täterbeschreibung der Polizei zur Fahndung nach einem Exhibitionisten ab: "20 bis 25 Jahre alt, 1,80 Meter groß, schlank, dunkles Haar, dunkles Brillengestell, dunkler Pullover mit V-Ausschnitt - keine Hose". Wenn Euch als in Wilhelmshaven ein Mann im "Unten ohne-Look" begegnet, der ist es! Da bin ich ganz sicher, auch ohne Bestätigung einer verräterisch plaudernden Unterhose. 
 
Die Hamburger Morgenpost hat völlig neue anatomische Erkenntnisse: "Sie biss den Lüstling in die Hand und beraubte ihn dadurch seiner Manneskraft." Wirklich erstaunlich, wo bei manchen Kerlen die Fortpflanzungsorgane angesiedelt sind. Wo wir schon beim Thema Anatomie sind, hier ein aufschlussreicher Beitrag dazu aus der Welt: "Kein anderer Teil der weiblichen Anatomie ist so vielem Auf und Ab unterworfen wie der Busen." 
 
Nun wird es tierisch. Doch keine Angst. Es geht nicht um Sodomie, sondern nur um missglückten Verkehr mit der Sprache. So schrieb die "Abendzeitung" über den Froschkönig: "Auch Märchen, in denen die Partnersuche erschwert wird, weil einer der beiden Partner ein Tier ist, dienen der Reifung." Eine reife Leistung ist auch die Formulierung des Winsener Stadtkuriers: "Bis Anfang Juli stehen die drei Hannoveraner den Pferdezüchtern und selbstverständlich den Stuten zur Verfügung." Im Wettbewerb um den pikantesten Ausrutscher dürfen auch die Ruhr Nachrichten nicht fehlen: "Meine Frau ersetzt mir 20 Kühe." Doch die Krone setzt dem tierischen Treiben wieder einmal die Bildzeitung auf: "Der Prinz hat es mit Ehefrauen nicht mehr versucht und beschäftigt sich vorwiegend mit seinen 20 000 Legehennen." 
 
Zum Schluss noch ein fast lyrischer Satz aus der "Abendzeitung": "Als aufgetakelte Prallpo-Nutte fährt sie wie eine erotische Stichflamme aus den Stöckelschuhen an des Freiers bedürftigen Leib." Schön, nicht? Da muss man erstmal drauf kommen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch eine Zugabe zum Thema. Nackt, splitternackt, am nacktesten? Lässt sich das Wort nackt steigern? Die Nachrichtenagentur dpa hat es zumindest versucht: "Da tummelten sich die Nackten, manche warfen auch die letzten Hüllen ab."  
 

 Schmunzelpost 331 vom 16. 3. 22

Nach lauter sonnigen Tagen sind hier in Bad Rothenfelde seltsame tropfenförmige Substanzen vom Himmel gefallen. Experten und uralte Weise sprechen von Regen. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich keinen Regenschirm mit zur Kur genommen habe. Aber einem modischen Kurzhaarschnitt schadet die Feuchtigkeit nicht. Und für alle Fälle ist an der Jacke auch eine Kapuze. 
 
Generell vertrete ich ja den Standpunkt: "Wasser ist nass und deshalb schon schädlich!" Das resultiert aus einem traumatischen Erlebnis aus meiner Kinderzeit. Als die Ära der Zinkwanne nach einem Umzug endlich vorbei war, genoss ich in einer Neubauwohnung den Luxus einer echten Badewanne. Das Ding kam mir Knirps riesengroß vor und zeichnete sich durch einen langen, schrägen Rückenteil aus, der sich hervorragend als Rutsche nutzen ließ. Das kostete ich an den Badesamstagen genüsslich aus. Doch einmal wäre mir das fast zum Verhängnis geworden. 
 
Wenn der Trockenboden des Mehrfamilienhauses gefüllt war, nutzte meine Mutter gern das Bad, um dort Wäsche aufzuhängen. Dazu hatte sie mehrere Leinen längs über der Wanne befestigt. Als ich nun eines Tages meine Rutsche mit besonders viel Schwung nutzte, schossen meine Beine im rechten Winkel nach oben, und ich verhedderte mich in den Wäscheleinen. Das Strampeln machte es nur schlimmer. Nun war ich mit dem Kopf in der fast bis zum Rand gefüllten Wanne unter Wasser aufgehängt und konnte mit den Armen den Wannenrand nicht erreichen. Die Panik tat ein übriges. Ich hatte schon ordentlich Wasser geschluckt, und mir wurde allmählich schwarz vor den Augen, als es mir irgendwie gelang, mich doch noch aus der Wanne zu hieven. Keuchend kniete ich davor und spuckte reichlich Wasser. 
 
Die Sache war mir jedoch so peinlich, dass ich niemand davon erzählte. Meinen Eltern nicht, meinen Freunden erst recht nicht. Aber fortan machte ich um jedes Schwimmbad einen weiten Bogen. Und ich bekam selbst unter der Dusche Panikattacken, wenn Wasser in die Nase drang. Erst als Zwanzigjähriger habe ich mühsam schwimmen gelernt. Aber ich paddle herum wie eine Bleiente, den Kopf hoch aus dem Wasser gestreckt. Und ich muss mir sicher sein, notfalls Grund unter den Füßen zu haben. Das Wasser blieb lange Zeit mein persönlicher Feind. 
 
Vor dem galt es sich auch von oben zu schützen. Ein Regenschirm gehörte früher stets zu meiner Grundausrüstung. Und obwohl ich zur Zerstreutheit neige, habe ich meine Schirme ganz, ganz selten mal irgendwo stehen lassen. Dafür fielen sie anderen Umständen zum Opfer. Mein Stockschirm begleitete mich bei den Heimspielen des Lüner SV zum Sportplatz. Bei der Begegnung mit Rot-Weiß Essen kam es dann zu einer mittleren Katastrophe. Die Essener Rabauken drängten sich mit Macht in die Schlange der Wartenden am Kassenhäuschen. Im Tumult verbog sich mein Schirm zu einem Bumerang. Wie sich herausstellte, war er unbrauchbar geworden und ließ sich nicht reparieren. Wutentbrannt wollte ich ihn den Rot-Weiß-Fans hinterher schleudern, aber es fiel mir noch rechtzeitig ein, welche besondere Fähigkeit einen Bumerang auszeichnet. Das wäre ein Selbsttor geworden. Übrigens: Auch ohne Eigentor gewann der LSV 3:0. Selten habe ich einen Sieg so gefeiert. 
 
Viele Jahre später, als sich meine Wasserallergie gelindert hatte, besaß ich einen Schirm, dem bald magische Eigenschaften zugeschrieben wurden. Nahm ich ihn mit, regnete es nicht. Egal, was die Meteorologen vorher gesagt hatten. Darüber schrieb ich in der Zeitung eine "Guten-Morgen-Glosse". Resultat: Der Organisator des Dorstener Altstadtfestes wollte mit mir einen Vertrag abschließen, dass ich während der drei Festtage in der Innenstadt mit dem Schirm patrouillieren sollte. Für Nicht-Dorstener: Jahrzehntelang war das Altstadtfest prinzipiell verregnet. Bevor wir uns handelseinig werden konnten, kam mir der Schirm jedoch in einer Gaststätte abhanden. Ein Frechling von Lokalbesucher hatte ihn gegen seinen Schirmkrüppel eingetauscht. Das Altstadtfest blieb daher eine nasse Angelegenheit, bis allmählich der Klimawandel für Abhilfe sorgte. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Von einer Schmunzelpost erwartet Ihr zumeist auch harte Fakten. Aber gerne! Die erste urkundliche Erwähnung eines Schirmes stammt aus dem Jahr 800. Damals schrieb der Abt von Tours an den Bischof von Salzburg: "Ich sende dir einen Schutz, damit er von deinem verehrungswürdigen Haupte den Regen abhält." In größerem Umfang verbreitet hat sich der Parapluie jedoch erst im späten 17. Jahrhundert. Vorher waren Schirme eher als Sonnenschutz gefragt. 
Das Patent auf zusammenfaltbare Regenschirme, den berühmten Knirps, sicherte sich Hans Haupt aus Breslau 1927. Und in Deutschland gehen derzeit jährlich zwischen 25 und 30 Millionen Regenschirme aller Art über die Ladentheke. 
Hierzulande galt solch ein Regenschutz für "harte Männer" lange als Unding. Die preußischen Staatsbahnen verboten ihren uniformierten Mitarbeiter sogar, Schirme zu benutzen. Das galt erst recht fürs Militär. Zugegeben, ein Infanterist, der sich beim Marsch oder im Gefecht mit einem Regenschirm vor Nässe schützt, böte einen irrealen Anblick. Zumal die Schutzwirkung gegen Panzergranaten und MG-Kugeln zu vernachlässigen ist. 
Auf dass Ihr Eure ehrenwürdigen Häupter mit geeigneten Geräten stets trocken haltet und Euch weder Starkregen noch Panzergranaten zu schaffen machen! 

 

Schmunzelpost 330 vom 15. 3. 22

Die letzte Schmunzelpost mit Fundstücken liegt schon länger zurück. Doch diesmal konnte ich gar nicht anders als mich mal wieder in der Süddeutschen Zeitung zu bedienen. Ausschlaggebend dafür waren die "Donnerboys". 
 
Der Schreiber des Streiflichts vom 12. März träumte eigentlich von Ruhe und Frieden, vom völligen Abschalten in lärmenden Zeiten: "Man säße weltentrückt auf einer Bank am Waldesrand, am Himmel die Märzsonne und außer Vogelgezwitscher nur Ruhe, nichts als Ruhe. Doch dann das: Zunächst ist es nur ein Brummen aus der Ferne, noch könnte der Tagträumer auf die bezaubernde Begegnung mit einem Bienenschwarm hoffen. Aber bald dröhnt, knattert, heult und röhrt es, so als hätte der Teufel sämtliche Höllenmaschinen an den Waldrand geschickt. Und man seufzt mit Fausts Gretchen: 'Meine Ruh ist hin'." 
 
Natürlich steckt Satan nicht hinter der Lärmattacke. Aber eine Art höllischer Betriebsausflug ist es schon: "Was da mit gefühlten 180 Dezibel über die Landstraße braust, ist der Motorradclub "Donnerboys e.V." der seinen traditionellen Sonntagsausflug zelebriert. Im ehrenwerten Bestreben, die lautesten Verkehrsteilnehmer des Landes zu sein, stehen die Donnerboys in erbitterter Konkurrenz zu den Jungs, die den Sound ihrer Monsterautos so hochtunen, dass schon beim Anfahren der Eindruck eines Formel-1-Rennens entsteht." 
 
Wer das außer den Donnerboys, den rollenden Discos und anderen Radau-Fetischisten als schlimm und sogar gesundheitsgefährdend empfindet, der blickt entzückt nach Frankreich. Denn in Paris, Nizza, Lyon und anderen französischen Städten sind jetzt neuartige Lärmblitzer aufgestellt worden, Schall-Fallen, die zuschnappen, sobald ein Fahrzeug zu laut ist. Die Dinger tragen den schönen Namen "Meduse" (Qualle) und verbreiten unter den Knatterköppen Angst und Schrecken. Denn wer erwischt wird, muss 135 Euro Bußgeld blechen! 
 
Nun wäre es schön, wenn Deutschland sich daran ein Beispiel nähme. Doch der Streiflicht-Schreiber ist skeptisch. Zum einen würden die "Krawalliere" sofort auf die Straße gehen und demonstrieren. "Die Parolen liegen auf der Hand: Motorenlärm ist Menschenrecht, Freiheit statt Lärmschutzgrenzen, stoppt die Schallschutz-Diktatur!" Zwar ist der Heilige Andi, der Schutzpatron aller Motorisierten, als Verkehrsminister nicht mehr in Amt und Würden. Aber es gibt ja noch die FDP: "Die hat schon das Tempolimit verhindert, da wird sie auch die Donnerboys nicht im Stich lassen." 
 
Eine kleine Ergänzung von mir dazu. Bei Spaziergängen auf den Uferwegen von Kanal und Lippe erlebt man es häufiger, dass Radfahrer ohne Schelle am Lenker mit einem schüchternen gesprochenen "Klingeling" auf ihr Nahen aufmerksam machen. Vor kurzem hörte ich als Fußgänger am Kanal plötzlich ganz andere Töne: "Brrrrmmmm, brrrrrrrrrmmmmm!" fauchte mich jemand von hinten an. Der Blick zurück zeigte einen tätowierten, grinsenden Donnerboy, der wohl von seiner Harley auf ein dreirädriges Fahrrad umgestiegen war. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Seit längerer Zeit fühle ich mich entschieden zu schwer und habe daher die Reha genutzt, um vorsichtig einen Prozess der Gewichtsabnahme einzuleiten. Doch jetzt las ich in der Süddeutschen Zeitung Zahlen, die meine Pfunde relativieren. Wirklich schwere Brocken werden nach Tonnen beziffert. Und jetzt schätzt mal, was der Mount Everest wiegen soll? 458 347 045 333 Tonnen! Und dann setzen wir noch einen drauf und kommen zum Gewicht des Planeten Erde. Na, was meint Ihr? Falsch! Es sind 5 972 000 000 000 000 000 000 Tonnen. Wo kriegt man eigentlich solche Waagen her? Und überhaupt: Dagegen sind meine 90 Kilo nur ein Klacks!   

 

 Schmunzelpost 329 vom 14. 3. 22

Wisst Ihr, was für ein Tag heute ist? Damit habe ich mein Aktions-Pensum eigentlich schon erfüllt. Denn heute ist nicht nur Montag, der 14. März, sondern gleichzeitig der "Stelle-eine-Frage-Tag". 
 
Heute soll man alle Fragen stellen, auf die man schon immer eine Antwort haben wollte. Warum fällt ein Marmeladen-Brot immer auf die bestrichene Seite? Wo kommen wir her, wo gehen wir hin und was soll der ganze Quatsch? Vor allem aber: Wie kann man Putin stoppen? Und ich habe noch eine Frage: Wer gibt mir die richtigen Antworten? Mr. Google? Frau Ecosia? Eher nicht. Trotzdem sollten wir es mit Albert Einstein halten. Der sagte: "Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen." Ich hoffe, dass sich jetzt niemand entblödet zu fragen: "Warum?" 
 
Sich selbst in Frage stellen soll man am 15. März. Das ist der "Alles-was-Du-denkst-ist-falsch-Tag". Er soll dazu dienen, sich in Demut zu üben und Überzeugungen auf den Prüfstand stellen. Falls Ihr jetzt sagt: "Alles, was ich denke, ist falsch? Da bin ich sprachlos!", liegt Ihr genau richtig. Denn der 15. 3. ist auch der Sprachlos-Tag oder "Dumbstruck Day", wie es in den USA heißt. Danach sollten wir alle heute öfter mal die Klappe halten, bevor wir unbedarft drauflos babbeln. Listen, Donald, it's your day! 
 
Hicks! Da auch der nächste Aktionstag am 16. März aus den USA stammt, wundert es nicht, hicks, dass nun alles vom Vortag wieder auf den Kopf gestellt wird. Dies ist der - hicks - "Alles-was-Du-machst-ist-richtig-Tag". Hicks! Er soll uns ermutigen, optimistisch voran zu gehen und mit positivem Denken die Dinge anzugehen. Hicks! No, not you, Donald, shut your ears and shut your mouth! Hicks! Ach ja, der 16.3. ist auch der Internationale Schluckauf-Tag. Hicks! 
 
Für den 17. März müssten wir uns als Referenten eigentlich Kapitän Nemo einladen. Dann begehen wir nämlich den "Tag des Tauchbootes". Den haben die Briten eingeführt. Denn im Auftrag seiner Majestät James I., hat der niederländische Wissenschaftler und Konstrukteur Cornelius Jacobszoon Drebbel, der in England lebte und arbeitete, 1620 das erste Tauchboot der Geschichte gebaut. Es wurde von 12 Ruderern angetrieben und hatte Platz für mehrere Passagiere. Bei seiner Jungfernfahrt in der Themse erreichte es die sagenhafte Tiefe von 3,60 m! Um das zu würdigen, summen wir die Melodie der vier Jungs aus Liverpool: "We all live in a yellow submarine". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Positives Denken und ein gesunder Optimismus zeichneten auch Carola Maßel aus, die sich 1971 bei ihrer Firma um einen Auslandseinsatz schriftlich so bewarb: "Im Englischen und Französischen besitze ich Anfangsgründe, doch wird im Ausland mehr Deutsch gesprochen, als man allgemein annimmt." 
 
PPS. Es gilt, einen Schalker Auswärtserfolg zu feiern, wie üblich mit einem Blick in die Vereinsgeschichte. Diesmal schauen wir zurück ins Jahr 2001, als die Assauer-Truppe zumindest für ein paar Minuten zum Meister der Herzen wurde. Aber nicht allein das Siegtor der Bayern in der 6. Minute der Nachspielzeit in Hamburg brachte Schalke 04 um den Titel, sondern die letzte Spielminute des vorhergehenden 33. Spieltages. Da stand Schalke in der Tabelle noch vor Bayern München. Und die Gelsenkirchener hielten in Stuttgart ein Unentschieden, so wie es auch im Spiel der Bayern in Kaiserslautern bis kurz vor Schluss 1:1 stand. Dann aber brachte ein Zickler-Treffer in der 89. Minute den Münchnern doch noch drei Punkte, während fast gleichzeitig Balakov mit dem Siegtor für Stuttgart die Schalker leer ausgehen ließ und die Bayern in die Pole-Position im Titelrennen brachte. Das Fußball-Leben kann so hart sein! 

 

Schmunzelpost 328 vom 13. 3. 22

Lange nichts mehr dazu gelernt? Dann ist es höchste Zeit, dass die Außenstelle Bad Rothenfelde der Schmunzelpost-Fernuniversität ihren Betrieb aufnimmt 
 
Es gibt Forscher, die sind hart im Nehmen. Zu dieser Kategorie gehörte der Rumäne Nicolas Minovic. Er wandte sich, warum auch immer, einem Untersuchungsgebiet zu, das uns ziemlich makaber vorkommt. Minovic wollte erfahren, wie es sich anfühlt, wenn man sich erhängt. Vorsichtshalber benutzte er anfangs eine Schlinge, die sich nicht zuzog. 
 
Doch das Ergebnis stellte ihn nicht zufrieden. Nun nahm er einen echten Henkersstrick, der sich tatsächlich zuzog. Allerdings begrenzte er die Dauer des Würgens auf maximal fünf Sekunden, "um sich daran zu gewöhnen", wie er sagte. Danach hatte Minovic zwar zwei Wochen lang kaum erträgliche Schmerzen, ließ sich aber trotzdem nicht stoppen, seine Selbstversuche fortzusetzen. Im Beisein eines Assistenten ließ er sich nun zwölfmal (!) tatsächlich aufhängen und erst im letzten Moment befreien. 
 
Wie durch ein Wunder überlebte der Rumäne die Forschungsreihe, hatte aber danach unter extremen Schmerzen am Hals zu leiden. Immerhin erzielte er so ein handfestes Ergebnis. Falls der Fall aus größerer Höhe einem nicht das Genick bricht, führt die Schlinge nicht wie angenommen zum Tod durch Ersticken, sondern tötet dadurch, dass das Gehirn kein Blut mehr erhält. Zur Nachahmung nicht empfohlen! 
 
Lebensnäher und nützlicher erscheinen die Experimente, die der Brite Ian Walker ebenfalls im Selbstversuch anstellte. Er testete, wieviel Slcherheitsabstand Autofahrer den Radlern auf öffentlichen Straßen gönnen. Je nach Fahrertyp fielen die Resultate recht unterschiedlich aus. Eines allerdings war frappierend. Verkleidete sich Walker als Frau, dann ließen die Autofahrer im Schnitt 15 Zentimeter mehr Abstand! Also, Männer! Gefahrlos radeln im Stadtverkehr? Werft Euch in Frauenkleidung und tragt Perücken, schon seit Ihr auf der sicheren Seite! 
 
Dagegen ist das zweite Forschungsergebnis verblüffend. Helmträger unter den Radfahrern leben gefährlicher. Wenn Walker einen Helm trug, passierten ihn die Autos im Durchschnitt 8,5 cm dichter! Vielleicht dachten sie ja: Wenn der Kerl umkippt, kann ihm nicht viel passieren. Und noch ein Warnhinweis für alle Radler: Hütet Euch vor weißen Lieferwagen! Deren Fahrer kamen in der Regel dem Fahrrad um 10 cm näher als die anderen. 
 
Zum Schluss wird es affig. Und es geht um die Differenzen zwischen Theorie und Praxis. Mathematiker haben ausgerechnet, dass ein Affe, wenn er sich an einer Schreibmaschine austoben darf und unendlich viel Zeit hat, am Ende fast alle Werke von William Shakespeare fast fehlerfrei zu Papier bringt. Um das abzukürzen: Dies funktioniert nach der Wahrscheinlichkeitsrechung zügiger, wenn man unendlich viele Affen an Schreibmaschinen setzt. 
 
Doch nun zur Praxis. An der Universität Plymouth wurde sechs Monate lang ein Versuch durchgeführt, der ein ernüchterndes Resultat erbrachte. Sechs Makakenäffchen bekamen einen Monat Zeit, sich an einer Schreibmaschine zu erproben. Dabei kamen gerade mal fünf Seiten Text zusammen. Von sinnigen Wörtern fehlte jede Spur, lediglich das S wurde häufiger gezählt als andere Buchstaben. Und nach einiger Zeit waren die Affen so gelangweilt, dass sie die Tastatur mit Steinen bewarfen. 
 
So, jetzt mach Platz, lieber Trigema-Schimpanse und lass mich selbst weiterschreiben. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Zugabe handelt ebenfalls von einer Art Selbstversuch, der jedoch offenbar gescheitert ist. So erhielt der Frankfurter Fertighaus-Hersteller "Maxfich" am 23. Januar 1973 folgendes Schreiben eines unzufriedenen Kunden: "Bei dem von Ihnen gelieferten Fertigkaus Marke "Maxfich" (zum Selbstbauen) habe ich Schwierigkeiten. Immer, wenn ich vor die Haustüre trete, stehe ich auf dem Dach. Erbitte Ihren Bezirksvertreter!" 
 

 Schmunzelpost 327 vom 12. 3. 22

So, das war meine letzten Anwendung für heute (Stand: Freitagmittag). Gruppengymnastik, Einzelgymnastik, und Aktive-Gelenk-Mobilisation (hört sich besser an als Radfahren, nicht wahr?). Jetzt noch Mittagessen, dann habe ich zweieinhalb Tage zur freien Verfügung. Wochenend und Sonnenschein - hurra! Als Rentner fühlt sich die Reha mit ihren geregelten Abläufen und Terminen ein wenig an wie ein Rücksturz ins Berufsleben. Wodurch die Freizeit am Wochenende wie damals aufgewertet wird. 
 
Weil die Sonne vom Himmel lacht, will ich Euch diesmal ebenfalls heiteren Stoff zum Lächeln anbieten. Die nächste Nachrichtensendung mit Stimmungstrübern aus der Ukraine kommt ja bestimmt. Daher folgt jetzt ein bunter Frühlingsstrauß aus Stilblüten. Denn, in Anlehnung an die gestrigen Lebensweisheiten, gilt: Ein Tag ohne Lachen, der leuchtet nicht! 
 
Sprechen wir zunächst über ein Thema, das immer passt: Das Wetter. Ich verfolge stets aufmerksam die Wettervorhersagen. Und bin begeistert über solche Prognosen wie die von Bayern 1: "Von Westen her Bevölkerungsvernichtung." Stoff zum Grübeln liefert auch die Hörfunkdurchsage des Hessischen Rundfunks: "Achtung! Nebelwarnung an alle Autofahrer. Die Sichtweiten in unserem Sendegebiet betragen nur bis zu 50 m. (Und jetzt kommt's, hi, hi!) Dies gilt für beide Richtungen." Und wenn die Witterung uns mal gar nicht in den Kram passt, dann sollten wir es machen, wie der Nassauer Landkreis: "Das Wetter wird in der Zeit von 17.00 bis 24.00 Uhr abgestellt. Bereiche bitte der Bekanntmachung entnehmen." 
 
Wenn es vielleicht doch einen Grund geben sollte, die Bildzeitung zu lesen, dann ist es deren unfreiwillige Komik. Dies gilt auch für die Wettervorhersagen. So stand dort in dicken Buchstaben der ominöse Satz zu lesen: "Morgen: Morgens neblig, dann sonnig, warum?" Auch diese Bild-Ankündigung gibt uns Rätsel auf: "Es soll weiter schneien, sagen die Meteorologen. Und das sogar bei Sonnenschein." Schön auch dieser Verschreiber: "Ein Schwall sehr wilder Meeresluft kommt vom Atlantik." Und Bild kann auch prima erklären, wie sich das mit dem Klima verhält: "In Österreich strahlt meistens die Sonne. Dadurch wird es immer wärmer." 
 
Mit dem Klima kennen sich auch die Kollegen aus den Lokalredaktionen bestens aus. Der Schwabinger Anzeiger weiß, was gut für unsere Luft ist: "Bäume statt Autos - dieser Alptraum gehört jetzt der Vergangenheit an." Also aufgepasst, da droht die Verkehrswende rückwärts. - Gibt es ein Leben nach dem Tode? Die Westfälische Rundschau weiß die Antwort: "Stammkunden trafen den Verstorbenen noch regelmäßig hinter dem Ladentisch wieder." 
 
Von Wundern physikalischer Art berichtet freischwebend die Münchener tz: "Das Gebäude brannte bis auf den Dachstuhl nieder." Einen Beitrag zum Gendern, als der Begriff noch gar nicht erfunden war, liefert das Fehmarnsche Tageblatt: "Ohne Unterschied der Konfession, des Standes und des Geschlechts ist jeder Mann herzlich eingeladen." Und die Berliner Morgenpost ist auf den Hund gekommen: "Hund gestohlen! Rudower Familie ist verzweifelt: "Ich kann gar nicht ausdrücken, wie mir zumute ist. So ein Tier gibt einem doch so viel. Es ist lieb und treu und man hört nie ein böses Wort von ihm." Wau! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Eine Zugabe noch aus dem Delmenhorster Tageblatt, das offenbar einen wahren Kulturexperten zu diesem Termin entsandt hatte: "Umrahmt wurde die Feierstunde von musikalischen Darbietungen des Gemischten Chores Bookholzberg sowie eines Gefangenenchores aus Nabucco und den Huder Musikanten unter der Leitung von Gustav Rathje." 
 

 Schmunzelpost 326 vom 11. 3. 22

Ein großer Schritt ist besser als zwei kleine!" Diese Erkenntnis gab den allmählich Genesenden die Physiotherapeutin bei der Gruppengymnastik mit auf den Weg. Und da ich noch die Nachrichtenmeldung über die Aufnahme von Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine im Kopf hatte, stellte ich den Satz um: "Manchmal sind zwei kleine Schritte besser als ein großer!" Solche Lebensweisheiten hat man früher in großen Lettern auf Holztafeln verewigt und in der Küche aufgehängt. Deshalb nennt man das wohl auch "Küchenphilosophie".
 
In meinem Elternhaus hing ein Schild mit der Aufschrift "Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her". Und bei meiner großen Schwester, einer Katzenfreundin, las ich den misanthropischen Spruch: "Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere". Über beide Aussagen habe ich als Kind lange nachgedacht.
 
Doch auch für uns Erwachsene können Sinnsprüche Denkanstöße geben. Es gibt Sätze wie Paukenschläge. Sie verdienen es, in Stein gemeißelt und so auch künftigen Generationen vor Augen geführt zu werden, was womöglich nützlicher wäre als die Präsidentenköpfe am Mount Rushmore. Ich habe für Euch eine Auswahl zusammen gestellt.
 
Obwohl der ursprüngliche Anlass unerfreulich und schmerzhaft war, genieße ich mittlerweile meine Kur. Vor allem das Gefühl, dass es bergauf geht. Daher kam mir Goethe in den Sinn, der gesagt hat: "Auch aus den Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas Schönes bauen." Und obwohl ich derzeit auf vieles verzichten muss, was mir sonst Freude bereitet - Freunde, Radtouren, Wein, Kater etc. - pflichte ich dem Geheimrat aus Weimar bei: "Vieles wünscht sich der Mensch und doch bedarf er nur wenig."

Das wusste man bereits in der Antike. Was riet einst Marc Aurel? "Denke nicht so oft an das, was Dir fehlt, sondern an das, was Du hast." Denn Zufriedenheit ist eine Sache der Einstellung und keine zur Schau getragene Fassade. "Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt, sondern wer sich selbst dafür hält", sagte schon Seneca.

Mein Lieblingssatz, der auch als Lebensmotto taugt, hat ebenfalls bereits ein paar Jährchen auf dem Buckel und stammt von Cicero: "Fang nie an aufzuhören, hör nie auf anzufangen." Und noch ein zweiter Klassiker hinterher, den man jedem angehenden Journalisten einimpfen sollte: "Zweifel ist der Weisheit Anfang" (Descartes).

Nun eine kluge Aussage von Otto von Bismarck, die ich gern Wladimir Putin ins Stammbuch schreiben würde: "Das Vertrauen ist eine zarte Pflanze. Ist es einmal zerstört, so kommt es so bald nicht wieder." Zurück im hier und jetzt und im zarten Alter von bald 69 Jahren darf es ruhig mal ein wenig melancholisch werden: "Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann." Da ist leider was dran, liebe Marie von Ebner-Eschenbach. Doch selbst, wenn manchmal etwas misslingt, halte ich es mit Winston Churchill: "Erfolg ist von einem Fehlschlag zum nächsten zu gehen, ohne die Begeisterung zu verlieren.

Auch Albert Einstein findet meine Zustimmung: "Phantasie ist alles. Sie ist die Vorschau auf die künftigen Attraktionen des Lebens." Und damit fordere ich Euch gemeinsam mit Hugo von Hoffmannsthal auf, Aufbruchsstimmung zu entwickeln und zu nutzen: "Nur wer sich auf den Weg macht, wird ein neues Land entdecken." In diesem Sinne hoffe ich, dass für uns alle ein Satz zutrifft, der zwar nicht von Goethe stammt, aber dennoch weit verbreitet ist: "Ende gut - alles gut!"

Glückauf
kdk

PS. Als Zugabe noch ein weiser Spruch aus dem Schulaufsatz einer Elfjährigen: "Zuerst hatten wir das Matriarchat, später dann das Patriarchat und heute haben wir das Sekretariat." 

  

Schmunzelpost 325 vom 10. 3. 22

Ein Freund des Tanzes bin ich bisher eher nicht gewesen. Zuschauen gern, selber hampeln äußerst ungern. Dazu ist mein Taktgefühl einfach zu unterentwickelt. Doch durch die Reha werde ich jetzt auf neue Bahnen gelenkt. Twist ist mir zwar wegen der zu starken Belastung der Hüftgelenke auf Lebzeiten strengstens untersagt, aber viele andere Tanzformen, vom langsamen Walzer bis zum Squaredance werden von den Therapeuten empfohlen. Nur zum Breakdance fehlt mir die Gelenkigkeit - allerdings nicht erst seit der Arthrose. 
 
Auf meine neue Karriere als Paralympics-Nurejew werde ich derzeit intensiv vorbereitet. Das fängt bei der Sitzgymnastik an. Auf dem Stuhl lege ich inzwischen einen 1a-Kasatschok hin. Wobei mir das Auskeilen nach links und rechts besonders gut gelingt, wenn ich mir vorstelle, ich würde Putin kräftig in den - aber ich will hier nicht politisch werden, wir befinden uns ja mitten in einer ästhetisch-kulturellen Schmunzelpost. 
 
Das offenbart sich vor allem beim Gruppentraining an der Ballettstange. Das Bein nach oben, das Bein seitwärts und das Bein nach hinten - welche Grazie, welche betörende Anmut! Eine SP-Leserin, die davon hörte, hatte bereits unanständige Fantasien: Sie stellte sich mich im Tutu vor. Ein Bild, das sie seitdem nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Ich denke noch darüber nach, ob ich das als Kompliment werten soll oder ob sie mich eher in eine Nilpferd-Formation eingereiht hat. 
 
Nun bin ich sehr gespannt, ob die Therapeuten es noch auf die Spitze treiben und ich am Ende der Reha gar auf Zehenspitzen durch den Trainingsraum schwebe. Sollten auch noch Hebefiguren einstudiert werden, würde ich mich um unsere Vorturnerin als Partnerin bewerben. Die ist nur ca. 1,60 m groß, gertenschlank und bringt meines Erachtens nach maximal 40 Kilo auf die Waage. Heimlich habe ich sie "Floh" getauft. 
 
Um jedoch meinen Nachbarn, mit dem ich bereits einige Partnerübungen absolvierte, ein paar Zentimeter in die Luft zu bekommen, müsste ich noch mindestens bis zum Sommer in der Reha bleiben und ein gezieltes Bizeps-Aufbautraining absolvieren. Erst wenn ich eine Statur habe wie Ronaldo oder, besser noch, Matthias Steiner, würde ich es wagen, den 130-Kilo-Koloss in die Luft zu schleudern und wieder aufzufangen. Ihn nenne ich übrigens insgeheim "den Elefanten". 
 
Ihr seht also: Bei einer Kur kann man völlig neue Talente entwickeln. Das soll in Zukunft nicht ungenutzt bleiben. Für die Zeit nach meiner Rückkehr nehme ich Bewerbungen für den ehrenamtlichen Job als persönliche Tanzlehrerin entgegen. Als Belohnung gibt es zwar kein Bargeld, aber etwas viel Besseres. Als Erstes legen wir nämlich gemeinsam den einzigen Tanz aufs Parkett, den ich schon heute perfekt beherrsche: Einen Klammerblues. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur gestrigen Schmunzelpost erhielt ich eine Zuschrift, die aufzeigt, welches Frauenbild immer noch in Teilen der Männerwelt vorherrscht. "Kann es ein Zufall sein", fragt Anne P.-F., "dass auf den Weltfrauentag vom 8. März ausgerechnet unmittelbar der 'Barbie-Tag' folgt?" Das ließ mir keine Ruhe. Schließlich hatte ich behauptet, der 9.3. sei aktionstagfrei. Meine Recherchen ergaben, dass am 9. März 1939 in den USA die erste Barbie-Puppe verkauft wurde. Und die Amerikaner (oder ihre Spielzeugindustrie) nahmen dies zum Anlass, diesen Termin für den "National-Barbie-Day" zu nutzen. Zum Glück konnte sich das jedoch nicht weltweit durchsetzen.    

 

Schmunzelpost 324 vom 9. 3. 22

Action, Action, Action! Es gibt wieder einiges zu tun. Hier folgt der Überblick der Aktionstage, die Euch in  nächster Zeit in Atem halten könnten. 
 
Wir beginnen am heutigen 9. März und schauen erwartungsvoll in den Kalender. Und was sehen wir da? Nix! Wir reiben uns verwundert die Augen. Ist das wirklich wahr? Ein Tag im Jahr, völlig frei von Aktionen, Feiern und Gedenkveranstaltungen? Haben sich gestern alle am Tag des Popcorns mit dem süßen Zeug überfressen und liegen jetzt wimmernd in der Ecke? Oder wurden massenhaft Konsequenzen aus dem Weltfrauentag am 8. März gezogen und alle haben zu viel damit zu tun, sich für echte Gleichberechtigung einzusetzen, als dass noch Platz für weitere Aktivitäten bliebe? Wie dem auch sei: Ein Tag frei von Aktionen kann doch auch großartig sein! 
 
Vielleicht folgt deshalb prompt am 10. März der "Tag der Großartigkeit". Klar, dass der in Amerika begründet wurde. Angeblich blödelte 2007 der Praktikant eines gewissen Kevin Lawyer, was immer der auch treibt, dass sein Boss so toll sei, dass er einen "Tag der Großartigkeit" verdient habe. Einmal ins Netz gestellt soll sich der Funke wie ein Lauffeuer ausgebreitet und dafür gesorgt haben, dass dieser Tag im Kuriositäten-Kalender fest verankert wurde. 
 
Ich habe ja eine andere Theorie. Ich vermute, dass Donald Trump dahinter steckt. Der hat schon lange für sich das frühere Cassius Clay/Muhammed Ali-Motto "I am the Greatest" zum Leitspruch erkoren und glaubt mit Inbrunst daran. Wahrscheinlich ist dieser Tag in Trumps Domizil in Florida wichtiger als Weihnachten und wird mit dem entsprechenden Bombast gefeiert. Ihr könnt ja mal auf "Fox News" nachschauen. 
 
Der März ist ein besonderer Monat für bizarre Aktionen. Der elfte März steht deutlich im Zeichen der Heimwerker: Er ist sowohl der "Verehre-Dein-Werkzeug-Tag" wie, durchaus passend dazu, der "Tag der Rohrleitungen". Um das Trio komplett zu machen, schlage ich vor, ihn aus gegebenem Anlass auch noch um den "Kappe-die-Nordstream-2-Pipeline-Tag" zu erweitern. 
 
Pünktlich zum Frühjahr begehen Garten- und Pflanzenfreunde dann am 11. März den "Pflanze-eine-Blume-Tag". Ihr kommt bestimmt ganz von allein drauf, was dann zu tun ist. Dafür folgt mit dem 12. März wieder ein Aktionstag der sonderbaren Sorte. Es ist der "Öffne-drinnen-Deinen-Regenschirm-Tag"! Hä? Was soll das denn? Ah ja, der Tag stammt wieder aus den USA. Eigentlich soll er ein Tag wider den Aberglauben sein. Denn während man bei uns behauptet, es bringe Unglück, unter einer Leiter hindurch zu gehen, so sind manche Amis fest davon überzeugt, sie würden vom Pech verfolgt, sobald sie in der Wohnung ihren Regenschirm öffnen. Na ja, was will man von einem Volk erwarten, das Donald Trump zu seinem Präsident gewählt hat und dessen religiöse Fundamentalisten immer noch überzeugt sind, dass das Alte Testament und nicht Darwin recht hat. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Einen fiesen Witz hat Putin noch verdient. Der Trainer von Erzgebirge Aue, Pavel Dotchev, hat ihn bei einer Pressekonferenz als indirekte Stellungnahme zum Angriffskrieg in der Ukraine erzählt: "Bisher galt der Blauwal mit einer Afterbreite von einem Meter unter den Lebewesen dieses Planeten als das größte Arschloch. Aber jetzt....." 

 

Schmunzelpost 323 vom 8. 3. 22

Kennt Ihr den "Handy-Effekt"? Wenn jemand lautstark Mobilphone-Gespräche führt und seine Umgebung großzügig daran teilhaben lässt? Wie bereits beschrieben, gibt es diesen Effekt auch völlig ohne Handys im Speisesaal unserer Kurklinik wegen der großen Sicherheitsabstände zwischen den Ess-Plätzen. Heute beim Frühstück erlebte ich wieder ein gutes Beispiel dafür, wie Menschen unfreiwillig in den Genuss ganz spezieller Informationen kommen können. 
 
Da unterhielten sich zwei Männer lauthals über die Konsistenz ihres Stuhlgangs. Als sie immer mehr ins Detail gingen, platzte jemand drei Tische weiter der Kragen. "Hören Sie mit dem beschissenen Gequatsche auf!", brüllte er durch den Saal. Die beiden Exkremente-Experten verstummten erschrocken. Fortan litten sie unter akustischer Verstopfung. 
 
Mich erinnerte der Vorfall an eine Bahnfahrt vor mehr als zehn Jahren. Weil eine Großbaustelle auf der Autobahn immer wieder zu Staus führte, hatte ich den Zug genommen, um einen Termin in Dortmund wahrzunehmen. Der zog sich bis in den späten Nachmittag hin, und ich hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Entsprechend hungrig war ich, als ich zur Rückfahrt in den Zug einstieg. 
 
Kaum setzte sich die Bahn in Bewegung, zückte ein Mitreisender sein Handy. "Hallo, hörst Du mich? Schlecht? Na, ich sitze auch gerade im Zug, dann rede ich eben etwas lauter!", schallte es durch den Großraumwagen. "Du bist doch auch ein Freund der guten Küche. Stell Dir vor. was es heute beim Essen mit unseren Geschäftspartnern alles an Leckereien gegeben hat." 
 
Es folgte die detaillierte Beschreibung einer vielfältigen, delikaten Vorspeisenplatte. Als er zum Hauptgang kam und von Sauce, schmackhaften Beilagen und "dem zartesten Lammfilet, das ich je gegessen habe" schwärmte, hätte mein Magenknurren ihn fast übertönt. Ungerührt erhöhte der Gourmet seine Lautstärke. "Und dann kam das Dessert. Wun - der - bar! Du kannst Dir gar nicht ausmalen, wie lecker das war." Doch, das konnte ich. Dank der plastischen  Beschreibung tropfte mir mittlerweile der Sabber aus dem Mund. Entsprechend erleichtert war ich, als er nach Käseplatte und Digestiv zum Ende kam. "So etwas sollten wir uns auch mal gönnen. Dann bis morgen im Büro!" 
 
Doch statt sein Handy wegzustecken, wählte er sofort eine neue Nummer. "Schatz, ich bin's! In zwei Stunden bin ich zuhause. Ich wollte nur mal kurz mit Dir besprechen, womit Du mich heute Abend kulinarisch verwöhnen kannst." Ich hielt es nicht mehr aus. Fluchtartig verließ ich den Waggon und suchte mir in einem Abteil des Nachbarwagens einen neuen Platz. Endlich fand ich eine freie Sitzgelegenheit neben einem jungen Mann, der gerade in seiner Tasche kramte. "Der wird doch nicht sein Handy suchen?", schoss es mir durch den Kopf. Nein, beruhigte ich mich, das ist bloß eine Tüte. Worauf umgehend Verzweiflung folgte: Aus der Tüte zauberte mein Nachbar ein üppig belegtes Mini-Baguette hervor, das unwiderstehliche Gerüche verströmte, als er herzhaft hinein biss. 
 
Mahlzeit! 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch eine Weisheit aus einem Schulaufsatz: "Vor dem Frühstück soll man nicht arbeiten. Wenn man aber mal vor dem Frühstück arbeiten muss, sollte man wenigstens vorher etwas essen." 
 

Schmunzelpost 322 vom 7. 3. 22

Aktuelles Vorwort: Haben die Superschurken ihre Hacker eingesetzt, um diese Schmunzelpost zu sabotieren? Zunächst wurde gestern der erste, gerade fertiggestellte Beitrag mit einer alten SP aus dem letzten Jahr überspeichert. Dann ging ausgerechnet der falsche Text auch noch als Mail an Euch heraus und ließ sich nicht zurückrufen. Und eine Erklärungsmail konnte ich auch nicht sofort hinterher schicken, weil angeblich mein Tageskontingent überschritten war. Jetzt aber: Schluckt dies, Superschurken! 
 
Hallo! 
 
Hassgefühle sind mir eigentlich fremd. Nur, wenn mir in Büchern, Zeitungen, Filmen oder im echten Leben Tier- und Menschenquäler begegnen, keimen sie ansatzweise auf. Nun aber staut sich mit jeder neuen Nachrichtensendung in mir tatsächlich Hass gegen eine reale Person an. Und die heißt Wladimir Putin. 
 
Als Widersacher der Superhelden gibt es in Comics und Hollywood-Reißern die Superschurken. Ich habe mal eine Rangliste solcher Inkarnationen des Bösen aufgestellt, die derzeit tatsächlich auf Erden ihr Unwesen treiben. 
 
Auf Platz zehn gesunken ist das lauteste Großmaul der jüngeren Geschichte. Die Washington Post hat mitgezählt: Keiner hat während seiner Amtszeit (und auch danach) so viele Lügen in die Welt posaunt wie Donald Trump. Zum Glück musste er sich aus dem Weißen Haus verkrümeln. Und wenn er weiterhin Putin als Genie preist, besteht die Chance, dass die noch nicht vollständig verblödeten seiner unerklärlich zahlreichen Anhänger erkennen, was für einem Spinner sie auf den Leim gegangen sind. 
 
Nun müsste man mit kranken Menschen eigentlich Mitleid haben. Und bei diesem Narzissten scheint tatsächlich im Oberstübchen der Kuckuck zu jodeln. Trotzdem kann ich für Trump keinerlei Mitgefühl aufbringen und hoffe, dass er in der Versenkung verschwindet. Oder hinter Gittern. Denn auch Al Capone wurden damals nicht seine Straftaten, sondern seine krummen Finanzgeschäfte und Steuerbetrug zum Verhängnis. Mein unverminderter Groll gilt jedoch den Wegbereitern in Politik und Medien, die Trumps Präsidentschaft ermöglicht haben. 
 
Was das Lügen betrifft, kann der Superschurke auf Platz neun fast mithalten. Boris Johnsons dreiste Schwindeleien haben erheblich zum Brexit beigetragen. Und sein Talent, Skandale anzurichten und dann auszusitzen, ist einzigartig. Wenn der Schaden, den dieser Clown bereits verursacht hat und den er noch anrichten kann - bitte bloß kein neuer Terror in Nordirland - nicht so groß wäre, dann würde es fast Spaß machen, dem blonden Wuschelkopf zuzuhören. 
 
Das kann ich von Rang acht überhaupt nicht sagen. Bashir al-Assad hat das Blut seines Volkes als Klebstoff benutzt, um in seinem Regierungssessel zu bleiben und sein luxuriöses Leben fortzuführen. Dabei störte ihn nicht, dass Syrien in Schutt und Asche versank und Millionen ihre Heimat verlassen mussten. 
 
Die Nummer sieben der Rangliste hat großes Potenzial, sich eines Tages an die Spitze zu setzen. Wie es unter der Führung von Xi Jinping den Herrschenden in China gelang, einen Überwachungsstaat aufzubauen, der Orwells Visionen fast noch übertrifft, ist gruselig. Und wenn man das Verbrechen an den Uiguren und die Verstöße gegen die Menschenrechte betrachtet, kann einem Angst und Bange werden. Denn China versucht bereits heute, auch ausländische Kritiker mundtot zu machen. 
 
Den Platz sechs teilt sich ein Trio: Die Drei von der Zankstelle. Alexander Gauland mimt den seriös-bürgerlichen Großvater, verbreitet aber reaktionären Unsinn. Björn Höcke macht aus seiner faschistischen Gesinnung kein Hehl und Alice Weidel verdient sich mit ihrer eiskalt-aggressiven Art den Superschurkinnen-Namen "Die Schlange". Ach, wenn doch ein Spiderman sie mit seinem Netz einfangen und ihr den Giftzahn ziehen könnte! 
 
Rang fünf belegt Recep Tayip Erdogan. Binnen weniger Jahre hat der türkische Schreihals sein Land in eine Autokratie verwandelt, die Religion für seine Zwecke instrumentalisiert und die Gefängnisse aus allen Nähten platzen lassen. Hoffentlich trägt der wirtschaftliche Absturz der Türkei dazu bei, dass die Tage seiner Herrschaft gezählt sind. 
 
Nun zu einem wahren Ekelpaket auf Platz vier. Diktator Alexander Lukaschenko lässt auch auf seine eigenen Bürger schießen, um den Platz an der Sonne zu behalten. Der Vasall Putins setzt außerdem skrupellos Flüchtlinge als Druckmittel ein und betrachtet Weißrußland als seinen Privatbesitz. 
 
Noch eine Nummer schärfer praktiziert dies Kim Jong Un in Nordkorea. Wer versucht, die Welt mit Atomwaffen zu erpressen, sich gebärdet wie ein absolutistischer Monarch aus dem 17. Jahrhundert und sein Volk lieber verhungern lässt, als weniger Geld für Prestigeobjekte auszugeben, der hat sich seinen dritten Platz redlich, nein, unredlich verdient. 
 
Auf Rang zwei rangiert noch so ein Kotzbrocken. Der weltgrößte Corona-Verniedlicher und Klimawandel-Leugner Jair Bolsonaro ist stets dabei, wenn es gilt unrühmliche Schlagzeilen zu machen. Zum Glück kann er nicht in allen brasilianischen Provinzen schalten und walten, wie er will. Doch dass er es zulässt, dass der Regenwald immer mehr schrumpft, macht ihn zu einer Gefahr für den gesamten Planeten. 
 
Das gilt in noch stärkerem Maße für den Superschurken Nummer eins, Möchtegern-Zar Wladimir Putin. Kritiker und Journalisten bringt er mit allen Mitteln brutal zum Schweigen. Und nach Bombenangriffen auf die Zivilbevölkerung in Syrien ist er nun dabei, auch in der Ukraine ein Blutbad anzurichten. Dazu lügt er, dass sich die Balken biegen und bricht ein Tabu nach dem anderen. Diesem Mann ohne Gewissen ist leider auch zuzutrauen, Atomwaffen einzusetzen, wenn seine Propaganda in Russland nicht mehr verfängt und das eigene Volk irgendwann versucht, ihn aus dem Kreml zu vertreiben. 
 
Traurig stimmt außerdem, dass in vielen Ländern weitere Superschurken bemüht sind, in die Top-Ten aufzusteigen. Die Bewerber treiben in Saudi-Arabien und Ungarn, in Asien und Afrika ihr Unwesen oder lauern wie ein gewisser Netanjahu auf ein baldiges Comeback. Deshalb hier mein Angebot: Wer von Euch sich zum Superhelden ausbilden lässt und dann die ganze Schurkenbande auf einer einsamen Insel aussetzt, wird von mir mit edlem Rotwein belohnt! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Da gab es heute kaum etwas zum Schmunzeln, meint Ihr? Das stimmt. Beim Blick in die Ukraine vergeht einem das Lachen. Aber zum Abschluss gibt es wenigstens noch einen Witz von der derberen Sorte: Wie bricht man Gerhard Schröder das Nasenbein? Indem man Wladimir Putin kräftig in den Arsch tritt! 
 

 Schmunzelpost 321 vom 6. 3. 22

Wer lauthals mehr Recht und Ordnung fordert, entpuppt sich oft eher als rechts statt gerecht. Das ist schlecht. Schlecht wird mir auch, wenn die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Oder machtgierige Despoten das Völkerrecht verletzen. Und dann noch unverfroren behaupten, sie seien im Recht. Als Putin jetzt auch noch das internationale Presserecht missachtete und Gesetze erließ, nach denen alle Journalisten, die in Russland möglichst objektiv ihre Arbeit verrichten, bis zu 15 Jahren Haft riskieren, lief mir die Galle über. 
 
Echt, bei Unrecht geht es mir recht schlecht. Dann hat das Wort "Erbrecht" nichts mit der Juristik zu tun und muss auch etwas anders geschrieben werden. 
 
Doch wir wollen ja nicht vor Wut kotzen, sondern Schmunzeln. Deshalb bleiben wir zwar im Justizsektor, beschäftigen uns jedoch zunächst mit tierischen Fällen.  Kein Wunder, dass das Opfer knurrig wurde, als die Frau der Polizei folgendes berichtete: "Der frei umherlaufende Hund hatte mich gebissen. Als ich den Hundehalter zur Rede stellte, erwiderte der mir nur, dass er mit dem Hund sprechen wolle. Damit war der Fall für ihn erledigt." Warum auch nicht? Der Dobermann legt bestimmt die Ohren an, wenn sein Herrchen ein ernstes Wörtchen mit ihm redet: "Tu das nie wieder! Sonst darfst Du ab sofort keine Kaninchen mehr fangen und fressen." 
 
Bissigkeit wird von einer anderen Hunde-Sparte sogar erwartet. Also schön wachsam sein bei der Wahl von Wachhunden. Sonst geht es Euch wie diesem Geschädigten: "Während meiner dreimonatigen Abwesenheit wurde mein gesamter Betrieb entwendet. Einschließlich meiner drei Wachhunde!" 
 
Es gibt hierzulande mehr Katzen- als Hundefreunde. Manche sind besonders tierlieb. So wie diese Frau, die testamentarisch verfügte: "Falls meine Schwester vor meinem Tod verstorben ist, erbt die Katze Dickschwanz mein gesamtes Vermögen. Nach dem Tode von Dickschwanz ist mein Nachlass für die Versorgung meiner weiteren Katzen Ilbis, Stupsi, Gera, Franka, Bärchen,Tanja und Zebra sowie für herrenlose Katzen zu verwenden." 
 
Zu Tierchen anderer Art. Die Folgen des Ortstermins in einer vom vorherigen Mieter völlig ruinierten Kellerwohnung könnte man so beschreiben: "Die Wohnung war so verwahrlost und voller Ungeziefer, dass Vermieter und Polizisten anschließend desinfiziert werden mussten." Man kann es aber in bester Polizei-Prosa auch so formulieren: "Nachdem wir die Wohnung wieder verlassen hatten, wurde während der abschließenden Sachverhaltsaufnahme vor Ort an der Bekleidung des anzeigenden Vermieters und der eingesetzten Funkstreifenbesatzung eine größere Menge Ungeziefer festgestellt. Hierbei handelte es sich vermutlich Flöhe. 
Aufgrund der zeitlichen und örtlichen Zusammenhänge zur oben angegebenen Wohnung konnte der Herkunftsort des anhaftenden und springenden Ungeziefers auf die vorbezeichnete Wohnung zurückgeführt werden. Bezüglich der getragenen Bekleidung, einschließlich der Körperoberfläche der aufgeführten Personen, erfolgte eine unverzügliche Reinigung. Es wurde ein Desinfektionsmittel gesprüht. Hierbei konnte eine Bewegungsunfähigkeit des Ungeziefers beobachtet werden." Das ist so umständlich, dass es schon fast wieder schön ist. 
 
Und wie nennt ein Polizeibeamter einen in Pakistan beheimateten Mann? Partisan! Für "Zeitnot" kann man in gut Amtsdeutsch auch "schnell schrumpfender Zeitverbleib" schreiben. Und wenn Angeklagte mit dem Urteil nicht einverstanden sind? Dann wollen sie "in eine noch höhere Distanz" gehen! Das ist zumindest verständlich. Doch was will uns folgender Polizeivermerk sagen? "Die Bl. 9, 10 R., insbesondere 18 der Akten lassen den Schluss zu, dass die b. b. H. der in Rede stehenden Zugmaschine über 6 km/h liegt." 
 
Wie auch immer: Ich bin sehr dafür, dass Putin von einem internationalen Gerichtshof zur Rechenschaft gezogen wird. Von mir aus auch nach Bl. 9, 10 R., Paragraph 51, Abs. 77. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Zugabe aus dem Aufsatz eines Zehnjährigen sollte sich Putin ebenfalls hinter die Ohren schreiben: "Es ist viel leichter, einen Menschen totschlagen, als ihn wieder lebendig zu machen." 
 

Schmunzelpost 320 vom 5. 3. 22

So, einmal noch, dann war es das: Falls nichts Unvorhergesehenes  passiert, wird dies mein letzter Reha-Report. Denn es läuft alles wie am Schnürchen. Und das besonders Schöne ist, dass ich spüre, wie es aufwärts geht. Da kommt das angenehme, aus Kindheit und Jugend vertraute Gefühl zurück, jeden Tag etwas mehr zu können als zuvor.
 
Das Traurige am Altern sind für mich sonst die Rückzugsgefechte. Der zähe Kampf darum, die eigene Leistungsfähigkeit zu erhalten, geht allmählich Etappe für Etappe verloren. Und es ist nicht schön zu wissen, dass gewisse Fertigkeiten unwiderruflich verschwinden und der Spielraum der körperlichen und geistigen Fähigkeiten langsam schrumpft.
 
Doch damit habe ich mich abgefunden. Wir Menschen sind nun mal nicht für die Ewigkeit gebaut, wir müssen irgendwann den Löffel abgeben und Platz machen für die nächsten Generationen. Mit der Einstellung, aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste zu machen und sich darüber zu freuen, habe ich mich inzwischen angefreundet.
 
 Selbst die beeinträchtigte Beweglichkeit und das Verbot sich zu bücken, zu verdrehen oder zu überanstrengen, haben ihre Vorteile. So werde ich nach meiner Heimkehr zuhause den Spieß umdrehen. Dann sage ich der Wohnungskommandantin: "Heb das doch bitte mal auf!" "Bring mir bitte dies oder jenes!" "Stell eben im ersten Stock den Durchlauferhitzer um!" Das werde ich genießen! Doch ich fürchte, der Zustand wird nicht lange anhalten - die Aufgabenverteilung wird bei uns ständig der jeweiligen körperlichen Fitness angepasst.
 
Etwas lästig ist eine weitere Alterserscheinung. Es passiert mir immer öfter, dass ich dagegen kämpfen muss, tagsüber einzunicken. Dass ich kürzlich bei einem DFB-Pokalspiel noch vor 22 Uhr beim Fernsehen eingeschlafen und erst lange nach Spielende erwacht bin, hatte jedoch mehr mit der mangelnden Qualität des Gekickes und dem frühen Aufstehen zu tun.
 
 Ärgerlicher ist es, dass so etwas mir jetzt auch dauernd geschieht, wenn ich entspannt sitze und ein Buch lese. So kriege ich den großen Stapel der bisher ungelesenen, aber sehr lesenswerten Neuanschaffungen niemals abgetragen. Jedenfalls zu Lebzeiten. Vielleicht kann ich eines Tages mit dem Teufel verhandeln, ob ich die Restbestände mit ins Jenseits nehmen darf. Doch ich fürchte, in der Hölle ist es zu heiß. Das Papier könnte Feuer fangen, und Bücher verbrennen ist eine der schlimmsten Sünden.
 
Zur Hölle, ich wollte doch gar nicht auf Tod und Teufel zu sprechen kommen, sondern auf den "kleinen Tod", also den Schlaf. Als geborene Schlafmütze ist das mein Thema! Wusstet Ihr, dass wir Deutschen durchschnittlich 6 Stunden und 59 Minuten vom Tag verschlafen? Das ist aber nach Alter gestaffelt: Säuglinge brauchen 14 bis 17 Stunden Schlaf, die Drei- bis Fünfjährigen zwischen zehn und dreizehn Stunden und Jugendliche acht bis zehn Stunden. Der Schlafbedarf der 18- bis 64-jährigen wird mit sieben bis neun Stunden beziffert. Und den Älteren reichen sieben bis acht Stunden. Es ist schön, auf diese Weise zu erfahren, dass ich mir im Grunde meiner gähnenden Seele meine Jugend bewahrt habe. 
 
Doch natürlich ist der Schlafbedarf sehr unterschiedlich. Manche Menschen kommen problemlos mit fünf Stunden Schlaf aus, dem Genie Albert Einstein wird nachgesagt, dass er am liebsten 14 Stunden an der Matratze horchte. Wahrscheinlich hat er zum Ausgleich in Lichtgeschwindigkeit geschnarcht. Den Rekord ohne Schlaf hält übrigens seit 2007 der Brite Tony Wright. Er blieb 266 Stunden am Stück wach. Allerdings weigerte sich das Guiness-Buch den Rekord aufzunehmen, weil jeder Überbietungsversuch lebensgefährlich ist. 
 
Denn wir Menschen kommen ohne Schlaf nicht aus. Es gibt eine Erbkrankheit, verursacht durch das sogenannte Schlaflosigkeits-Gen. Bei den Betroffenen schlägt es irgendwann zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr zu, und sie können partout nicht mehr einschlafen. Bisher hat niemand diese Krankheit überlebt, sie führte stets nach kurzer Zeit zum Tod. Kein Wunder, dass Schlafentzug gern als Folter angewandt wird. Bei den Nazis, in der DDR und auch heute noch von den Amerikanern in Guantanamo. Es bleibt ein schöner Traum, dass die Menschenrechte überall respektiert werden. 
 
Wo wir bei Menschenrechten sind, was ist eigentlich mit den Tieren? Da gilt die Faustregel: Je größer, desto weniger. Ratten brauchen ca. 14 Stunden Schlaf, Elefanten vier und Giraffen nur zwei Stunden. Und obwohl sie erheblich kleiner ist, als ihre Verwandten in der Savanne: Die Waldgiraffe, das Okapi, kommt mit sage und schreibe fünf Minuten Schlaf am Tag gut über die Runden! 
 
Zum Schluss noch ein Zitat von Arthur Schopenhauer: "Jeder Tag ist ein kleines Leben - jedes Erwachen und Aufstehen eine kleine Geburt, jeder frische Morgen eine kleine Jugend, und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod." In diesem Sinne: 
 
Einen schönen Mini-Tod 
und 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch ein nützlicher Tipp von Schlafforschern: Wer auch nachmittags topfit sein will, sollte mittags einen richtig starken Kaffee trinken und sich dann in Morpheus Arme begeben. Das Koffein sorgt dafür, dass man nach 30 Minuten wieder erwacht und sich dann über eine enorm gesteigerte Leistungsfähigkeit freuen kann. 
 

  Schmunzelpost 319 vom 4. 3. 22

Heute dürft Ihr bitte einmal voller Mitleid an mich denken. Denn heute, am 4. März, ist der "Tag des Kranken". Und wer hat's erfunden? Genau: Die Schweizer! Sie haben 1939 diesen Tag eingeführt, um dem schweren Los kranker Menschen Aufmerksamkeit zu verschaffen und dafür zu sorgen, dass ihnen wenigstens einmal im Jahr Zuspruch und besondere Zuwendung zukam. Pabst Johannes Paul hat dies 2006 aufgegriffen und den Aktionstag zum "Welttag der Kranken" erklärt. Falls Ihr also etwas Mitgefühl für einen dahin darbenden Menschen habt, der sich täglich beinharten Herausforderungen wie Frühaufstehen und Sockenanziehen stellen muss, dann sendet mir jetzt mental eine Portion Aufmunterung. Danke! 
 
Links liegen lassen wir dagegen den "Tag der Spielzeugsoldaten". Er wurde nicht von Zinnsoldatensammlern, sondern am 4. 3.  von der amerikanischen Spielzeugindustrie installiert. Doch wir erleben gerade in der Ukraine, dass Krieg alles andere als ein Kinderspiel ist. Kommen wir lieber zum 5. März. Ich warte ab, ob ich dann meinen Alkoholverzicht kurz unterbrechen und, überwältigt von der Welle Eures Mitgefühls, diesen Tag gebührend zelebrieren werde. Es ist der "Tag des Absinths". 
 
Nun stelle ich Euch eine bohrende Frage: Wisst Ihr, welcher Tag am 6. März gefeiert wird? Ja, richtig! Es ist der "Tag des Zahnarztes". Er geht auf das Jahr 1790 zurück, als John Greenwood, Leibarzt von George Washington. eine bahnbrechende Erfindung vorstellte: Den ersten fußbetriebenen Motor für Zahnarztbohrer. Wer diesen Anlass angemessen würdigen will, sollte sich im Museum einer Zahnbehandlung mit einem originalgetreuen Nachbau unterziehen. 
 
Bei den Aktionen am 7. März winken wir Todkranken müde ab. Es ist der Tag der gesunden Ernährung und der Cerealien-Tag. Cerealien? Das sind Getreideprodukte und die Basis eines vorbildlichen Frühstücks. Doch das letzte Hemd hat keine Taschen. Wenden wir uns lieber voller Vorfreude dem 8. März zu. Das ist der Tag der Frauenliebhaber und gleichzeitig der Internationale Popcorntag. Oder war es umgekehrt? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die heutige Zugabe ist der lustigen Witwe und allen Menschen gewidmet, die sich aus Anlass des Weltfrauentages für gerechte Bezahlung einsetzen. G. Fischer von den Städtischen Bühnen Heidelberg schrieb dazu an Frau Mangold: "Ihre Anfrage vom 22. November betreffend: Die Damen des Theaterchors bekommen niedrigere Gehälter als die hier beschäftigten Herren, weil sie leichter zu haben sind." 
    

Schmunzelpost 318 vom 3. 3. 22

Jetzt ist es doch passiert. Eine neue Frau ist in mein Leben getreten. Die lustige Witwe ist abgereist, aber mit der listigen Witwe bin ich heute Abend verabredet. Auf meinem Zimmer. Zu irgendetwas muss eine sturmfreie Bude ja gut sein.
 
Bevor Ihr jetzt auf falsche Gedanken kommt: Ich will die Dame zwar matt setzen, aber dazu will ich meine Dame nutzen. Die listige Witwe habe ich so getauft, weil sie vorgibt, eine gewiefte Schachspielerin zu sein. Sie hat vor dem Tod ihres Mannes vor ein paar Jahren fast täglich mit ihm gespielt, und er soll ein sehr guter Brettstratege gewesen sein. "Er hat behauptet, dass er mich sogar dann noch besiegt, wenn er betrunken ist. Und dann hat er die Flasche neben das Brett gestellt und bewiesen, dass es stimmt."
 
Beim Spiel gegen die Schülerin eines wahren Meisters muss ich selbst stocknüchtern sein, weil ich mich nicht blamieren will. Die Vorzeichen stehen gut: Seit zwei Wochen habe ich keinen Tropfen Alkohol zu mir genommen und vermisse ihn auch nicht im geringsten. Dass mein Kopf klar ist (wenn erst die morgendliche Müdigkeit durch ein kleines Mittagsschläfchen vertrieben wurde), hat am Dienstag bereits mein Fernschachpartner Hubert erfahren, als ich ihn nach zweieinhalbstündigem zähen Ringen bezwingen konnte.
 
Trotzdem muss ich vorsichtig sein. Meine neue Spielgefährtin stammt aus Lünen, genauer gesagt aus Lünen-Horstmar, wo ich aufgewachsen bin. Sie wohnt sogar nur ein paar hundert Meter von der damaligen Wohnung unserer Familie entfernt. Und wie Ihr vielleicht wisst, stammen aus Lünen eine ganze Menge Leute mit besonderen Begabungen. Zum Beispiel der Sänger Max Raabe, um nur ein Beispiel zu nennen. Darüber, dass auch Björn Höcke in Lünen geboren wurde, breite ich lieber den Mantel des Schweigens. Aber er ist bereits in frühester Kindheit weggezogen. Vielleicht kam er deshalb auf die schiefe Bahn.
 
Was es sonst noch aus der Reha zu berichten gibt? Am Mittwoch ist hier wie jede Woche "Veggie Day". Freitags dann Fisch- und Samstag Eintopf-Tag. Was sich vielleicht wenig verlockend anhört, aber täuscht. Das Essen ist durch die Bank gut, qualitativ deutlich über dem normalen Kantinen-Niveau. Falls Ihr also mal eine Kur antreten müsst: Bisher kann ich Bad Rothenfelde nur empfehlen.
 
Apropos Veggie Day: Das ist eine gute Überleitung zu den besonderen Tagen. Einen habe ich glatt übersehen.  Mitte Februar jährte sich bereits die Premiere der Schmunzelpost als Email. Und Anfang März hat Raimund die Schmunzelpost-Online-Seite ins Netz gestellt. Zu diesem Geburtstag gratuliere ich allen Empfängern nachträglich und freue mich, dass Ihr als treue Leser bis heute durchgehalten habt!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Damit Ihr wisst, warum Ihr an Euren Steckdosen Staubfilter und Schadstoff-Katalysatoren installieren solltet, hier eine Zugabe vom 18. November 1924. Da schrieb Herr Unleserlich folgenden Brief: "Hochwohlgeborenes Elektrizitätswerk! Ich möchte Sie nicht darüber im Unklaren lassen, daß ich als zukünftiger Abnehmer Ihres Stromes nur reinen Strom von tadelloser Qualitätsbeschaffenheit zu erhalten wünsche." 
 

     Schmunzelpost 317 vom 2. 3. 22

Hurra! Geschafft! Sensationell! Am heutigen Dienstagmorgen war ich eine ganze Minute zu früh im Speisesaal! Darauf ein großes Glas stille Quelle! Dass ich mich diesmal derart auf den Aufschnitt konzentrierte und dass ich darüber ohne die leicht irritierte Frage der Frau hinter der Ausgabetheke: "Essen Sie die Leberwurst und den Käse ganz ohne Brot und Brötchen?" fast die Backwaren vergessen hätte - geschenkt. Und auch, dass ich beim Frühstücken fast einschlief und mit der Nase in die Butter sackte - alles nur Kollateralschäden. (War nur Spaß, bereits 30 cm über der Butter war ich wieder hellwach).
 
Mehr zu schaffen machte mir ein anderes Problem. Vor Reha-Antritt hatte ich kurz darüber nachgedacht, woher wohl der Begriff "Kurschatten" stammt und ob es das Phänomen heutzutage noch in Bad Rothenfelde gibt. Natürlich nur aus allgemeinem Interesse an den Dingen des Lebens. Denn meine Zeiten als unverbesserlicher Casanova liegen lange zurück. Und der libidotötende Medikamenten-Mix tut ein übriges.
 
Was ein Kurschatten ist, weiß eigentlich jeder. Gemeint ist eine Person, die Patienten durch intime Zuwendung, sei es platonischer oder erotischer Natur, die Kur versüßt. Aber wie ist dieser Begriff entstanden? Darüber konnte ich bei einer kurzen Recherche im Netz nichts finden. Selbst Wikipedia hatte über die Herleitung des Wortes nichts zu melden. Somit bleibt Raum für Spekulationen. Heißt es Kurschatten, weil die Praktizierenden ihr Verhältnis verborgen halten wollen und sich deshalb am liebsten im Dunkeln, also im Schatten verabreden? Oder nennt man Reha-Bekanntschaften so, weil sie einen Schatten auf bestehende Beziehungen werfen?
 
Wie auch immer: Der Kurschatten ist jedenfalls nicht aus der Mode gekommen. Im Internet gibt es regelrechte Suchbörsen zum Anbändeln. Und in Bad Wildungen existiert sogar ein Kurschatten-Brunnen. Wer in Italien Anschluss sucht, sollte nach einer "amante" fragen. Und in tschechischen Heilbädern werden Kurschatten "pfitel Pritelkyne" genannt. Nur als Info, falls Ihr mal Bedarf habt. Witzig finde ich, dass es pfiffigen Leuten gelungen ist, ins Pschyrembel-Wörterbuch "Naturheilkunde und alternative Heilverfahren", also einen Klassiker der Medizin, ein U-Boot einzuschleusen. Einen fingierten Lexikonartikel, mit dem 2006 eine Nonsens-Information in das Werk eingeschmuggelt wurde. Der Eintrag gab vor, ein Kurschatten sei „als natürliches Mittel zur Förderung des Kurerfolges schulmedizinisch anerkannt“.[ 
 
Soweit die Theorie. Kommen wir zur Praxis. Bereits bei meiner Ankunft bemerkte ich im Speisesaal eine blondierte Mit-Siebzigerin, die mit protzigen Ringen an den Fingern und rundum aufgedonnert zum Essen kam. Nur Botox-Spritzen, die gut ins Gesamtbild gepasst hätten, hat sie sich anscheinend bisher verkniffen. Ungeniert schmachtete sie über mehrere Tischreihen hinweg einen sportlich wirkenden, etwa fünfzigjährigen Mann an, der wohl wegen eines künstlichen Knies in Rothenfelde war. 
 
Und mir fiel fast der Löffel aus der Hand, als die Gute zu einer drei Plätze weiter Sitzenden hinüber trompetete: "Dienstag fahre ich wieder nach Hause. Die Kur hat wirklich gut getan. Jetzt bin ich wieder richtig fit. Schade, dass ich zuhause so einsam bin. Mein verstorbener Mann fehlt mir so sehr. Mein Schatz hat mir so viel hinterlassen, dass ich eigentlich ein luxuriöses Leben führen könnte. Aber so ganz ohne einen starken Mann an meiner Seite macht das keinen Spaß." Der ganze Speisesaal spitzte die Ohren. Das war die erste öffentliche Kontaktanzeige, die ich als Lautsprecherdurchsage statt als Text in einschlägigen Zeitungsrubriken mitbekommen habe. 
 
Doch der Lockruf blieb vergeblich. Das Objekt der Begierde reiste am Wochenende ab. Unversehens geriet nun ich in den Fokus der Rothenfelder Loreley. Nun bin ich gewiss kein zweiter George Clooney. Aber wenn ich mich im Saal umschaue, bin ich in meiner Gruppe noch der knackigste Kerl. Die anderen sind entweder deutlich älter oder viel gebrechlicher. Trotzdem war ich verdutzt, als ich plötzlich taxiert wurde. Die Dame spielte mit ihrer Kette, suchte den Blickkontakt und lächelte mich verführerisch an. Oder jedenfalls war es der Versuch dessen, was sie wohl für verführerisch hielt. 
 
Ihr Treiben blieb nicht unbemerkt. Mein Tischnachbar Horst, der Achtzigjährige aus Vechta, grinste zu mir herüber. "Pass bloß auf Dich auf, Junge, die lustige Witwe hat ihre Angel nach Dir ausgeworfen."  Ich scheues Reh aber senkte meinen Blick, konzentrierte mich auf meine Mahlzeit und versuchte alles zu vermeiden, was die Beutejägerin hätte ermutigen können. Doch kaum war ich aufgestanden und zur Treppe gehumpelt, um dort meine Stützen für den Aufstieg in eine Hand zu nehmen, da spürte ich, wie sich jemand unvermittelt bei mir einhakte. Die lustige Witwe hatte zugeschlagen. 
 
"Na, darf ich Ihnen helfen, die Treppen hinauf zu kommen? Zu welchem Zimmer müssen Sie denn? Ach, zieren Sie sich nicht, ich tue das gern. Und mit ein wenig Unterstützung sind Sie dann sogar auf Ihrem Zimmer noch standhaft." Benebelt von einem aufdringlichen Parfüm, versuchte ich mich loszulösen. Was mit zwei Krücken in einer Hand recht schwierig ist, wenn man nur ein Bein richtig belasten kann. Schnelle Flucht fiel also aus. Und zu erklären: "Finger weg! Sie sind nicht mein Typ, selbst, wenn Sie 50 Jahre jünger wären!", wäre grob unhöflich. Da half also nur eine List. 
 
"Vielen Dank, aber mein Ergotherapeut hat mir geraten, nach dem Essen mehrfach treppauf, treppab zu steigen, um meine Muskulatur zu stärken." Sie ließ mich los, lächelte mich aber weiterhin an: "Donnerwetter, solch eine Kondition, so kurz nach einer Operation. Da werden Sie sicher auch in anderen Bereichen ihren Mann stehen. In welchem Stockwerk ist denn Ihr Zijmmer? Haben Sie noch einen weiten Weg?" 
 
Ich lüge nur ungern. In diesem Fall aber war das Notwehr. Ich habe ihr eine falsche Zimmernummer genannt, zwei Etagen höher. Und kaum war sie außer Sichtweite, bin ich wie ein geölter Blitz zu meinem Zimmer gespurtet und habe aufatmend die Tür hinter mir verschlossen. Danach kostete es einige Mühe, vorsichtshalber für die Nacht den Zugang mit dem Schreibtisch zu verrammeln. Aber es hat geholfen. Heute morgen ist die lustige Witwe abgereist, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch eine Zugabe: Vielleicht war Lilly Gilbrath aus Bad Mergentheim ja der Kurschatten von Anselm Pritzwitt. Jedenfalls schrieb er ihr am 19. 9. 1956: "Liebe Frau Gilbreth! Von unterwegs einen herzlichen Gruß und tausend Dank, daß ich solange in Ihrer Mitte habe sein dürfen. Bald brieflich mehr!" 

   

Schmunzelpost 316 vom 1. 3. 22

Große Speisesäle, die nur halb mit Menschen gefüllt sind, eignen sich hervorragend für wissenschaftliche Feldstudien. So lässt sich dort prima empirisch erforschen, wie Nachrichten und Meinungen weiter gegeben und Themen gesetzt werden. Der Volksmund kennt dafür den Begriff "stille Post", im Speisesaal ist es eher eine laute Post. 
 
Ihr müsst Euch das so vorstellen. Im Speisesaal meiner Kurklinik darf wegen der Abstandsregeln nur jeder zweite. manchmal auch nur jeder dritte Platz besetzt werden. Dazwischen erschweren noch transparente Trennwände den Austausch. Doch wenn erst einmal das Eis gebrochen ist, palavern die Patienten emsig. So sagte mein "Schräggegenüber" Horst zu seiner Tischnachbarin auf der anderen Seite des Ganges: "Das Wetter war ja heute sehr schön. Nur der Wind war kräftig und wurde immer stärker." Die Frau und ich nickten zustimmend. 
 
Nur 30 Sekunden später hörte ich zwei Tische hinter mir jemand sagen: "Der Sonnenschein war ja richtig angenehm, aber der Wind war kalt und blies immer kräftiger." Unmittelbar darauf hörte ich von den Tischen am Ende des Saals Gesprächsfetzen herüber wehen, denen zu entnehmen war, dass es ein schöner, aber recht windiger Tag gewesen sei. Und als ich den letzten Bissen herunter geschluckt hatte, wandte sich mir meine Tischnachbarin zur Rechten zu und überraschte mich mit folgender Aussage: "Der Wind war ja heute recht unangenehm und wurde im Laufe des Tages auch noch immer stärker. Aber dafür schien wenigstens von morgens bis abends die Sonne." Der Bumerang war heimgekehrt. 
 
Wissenschaftliche Untersuchungen, ob ich den Herausforderungen des frühen Morgens gewachsen bin, sind dagegen völlig unnötig. Es ist ein Naturgesetz: kdk gehört zu den Eulen, nicht zu den Lerchen. Ich brauche eine sehr lange Anlaufzeit, um die Schläfrigkeit abzuschütteln, je früher ich aufstehe, desto länger. Heute hatte ich den Wecker so gestellt, dass ich trotz der Probleme mit Dusche, Zahnbürste und Ankleiden pünktlich um sieben Uhr im Speisesaal auflaufen konnte. In der Theorie. Die Praxis sah so aus, dass ich es nicht schaffte, am linken Fuß über den Thrombose-Strumpf auch noch eine Socke zu ziehen. 
 
Ich marschierte trotzdem los. Auf halber Strecke fiel mir dann jedoch auf: Ich hatte meine Maske vergessen! Im Krückengalopp zurück aufs Zimmer. Dann schaffte ich es tatsächlich, um 7.05 Uhr am Buffett anzustehen, wo den gehstützenbewehrten Patienten nach ihren Wünschen das Frühstück zusammen gestellt und zum Tisch gebracht wird. Erst dort fiel mir auf: Ich hatte vergessen, dass ich meine Mehrkornbrötchen eigentlich mit Käse und Salami belegen wollte. Also noch eine Ehrenrunde. 
 
Unter diesen erschwerten Bedingungen gelang es mir nicht, rechtzeitig um 7.25 Uhr zur Blutabnahme in der medizinischen Abteilung zu sein. Was aber nicht schadete, weil die Laborangestellte auch noch nicht da war. Um 7.35 Uhr kam sie herein gestürzt und keuchte: "Entschuldigen Sie vielmals, für diesen frühen Dienstbeginn bin ich einfach nicht geschaffen. Gerade am Montagmorgen nicht!" Worauf ich mit breitem Grinsen antwortete: "Dafür habe ich kein Verständnis. Ich bin beim ersten Sonnenstrahl topfit!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wahrscheinlich ebenfalls am frühen Morgen wurde am 26. 2. 1975 diese Bestellung geschrieben und versandt. Immerhin war der Verfasser noch imstande, seinen Fehler zu korrigieren. Beim "Kaufhaus Ein  - seit vier Generationen in Weinheim" ging folgender Brief ein: "Sehr geehrte Herren! Nachfolgende Bestellung erbitten wir zur umgehenden Lieferung: 2 Dutzend Hemden, A4, weiß und 2 Dutzend Hemden, E5, weiß/blau. Hochachtungsvoll (unleserliche Unterschrift). PS. Soeben teilt mir meine Frau Maria mit, daß wir mit den oben bestellten Hemden noch reichlich eingedeckt sind. Sie wollen die Hemden daher bitte n i c h t senden!" 

 

Schmunzelpost 315 vom 28. 2. 22 

Auf uns Invaliden lauern überall Gefahren. Auch, wenn man gar nicht damit rechnet. Bei einem Spaziergang um die größere der beiden Salinen genoss ich den Sonnenschein und hielt gleichzeitig Ausschau nach einer bequemen Bank für den "Schlaf-in-der-Öffentlichkeit-Tag" am 28. Februar. Dann aber zog ein etwa vier Jahre junger Knirps meine Aufmerksamkeit auf sich. Der Kleine machte sich einen Spaß daraus, auf seinem pedallosen Rädchen die vielen Fußgänger auf dem breiten Gehweg elegant zu umkurven. 
 
Doch dann trug es ihn etwas zu weit links hinaus, und er donnerte gegen einen Stützpfeiler der Saline. Platsch, lag er auf dem Bauch. Aber Nachwuchsrennfahrer sind hart im Nehmen. Ohne einen Laut der Klage rappelte er sich sofort wieder auf. Weiter ging die wilde Fahrt. Nur nicht allzu weit. Weil er über die Schulter dem Pfeiler einen bösen Blick zuwarf, übersah der Knirps den Gegenverkehr. Diesmal krachte er mit dem Rollator einen älteren Dame zusammen, die sich nur mit Mühe auf den Beinen halten konnte. Und der kleine Rüpel schimpfte lauthals: "Kannst Du nicht aufpassen, Omi?" 
 
Inzwischen kam sein Vater heran gekeucht: "Du darfst hier doch nicht so rasen, Attila!" Attila? Ich hatte richtig gehört. Dann schaute ich auf das Wegeschild: Dortmunder Allee. Alles klar! Die Rechnung Attila plus Dortmund kann nichts anderes ergeben als eine Spur der Verwüstung. 
 
Solche kleinen Episoden sind das Salz im Leben eines Kurgastes. Apropos Salz: Rothenfelde lebt schon lange davon. Die alte Saline stammt von 1774, die neue, mehr als dreimal so große, von 1831. Salz war in früheren Jahrhunderten ein begehrtes Gut. Nicht nur zur Geschmacksverfeinerung, hauptsächlich zum Haltbarmachen von Nahrung durch Einpökeln. Denn, schreibt Euch das hinter die Ohren, ihr technikverwöhnten Banausen: Kühlschränke für jedermann gab es nur während der Eiszeit in den Höhlen der Steinzeitmenschen. 
 
Den ersten "echten" Kühlschrank, der Eiskammern und kühles fließendes Wasser als Methoden zur Frischhaltung ablösen sollte, wurde 1748 vom Schotten William Cullen konstruiert. Es dauerte aber noch bis 1834, bis die ersten chemischen Kühlschränke kommerziell vermarktet werden konnten. Erst ab 1930 gehörte ein Kühlschrank in den USA zur Standardausstattung der Haushalte, in Deutschland setzte er sich in den 1950er Jahren durch. Aber ich kühle, bzw. schweife ab. Macht nichts, eine Prise zusätzliches Wissen kann nicht schaden. 
 
Schaden kann es aber, mit mehreren Prisen Salz seine Mahlzeiten zu würzen. Denn es ist zwar lebenswichtig, den Tagesbedarf von 6 Gramm Salz zu decken. Aber weil im Brot, in der Wurst, im Käse und vielen Fertigprodukten ebenfalls Salz enthalten ist, wird das gesunde Maß häufig überschritten. Und längst nicht alle Menschen sind salzresistent, viele reagieren auf zu große Mengen mit Krankheiten wie Bluthochdruck. 
 
Wir sprechen hier von Speise-, Koch- und Tafelsalz, nicht von Streusalz. Das streute man früher viel zu reichlich auf vereiste und verschneite Straßen und Wege, ohne zu bedenken, dass auch unser Boden an Salz erkranken kann. Was sagst Du? Für Dich ist Streusalz das Salz, das beim Essen aus dem Salzstreuer kommt? Du Dummerchen, da muss ich Salz in offene Wunden streuen und Dir sagen, dass ein wenig Bildung im Leben das Salz in der Suppe ist. 
 
Ihr merkt, auch unsere Sprache wäre ohne salzhaltige Redensarten fade. So, liebe Freunde, heißt es zum Beispiel: "Freundschaft ist das Salz des Lebens". Oder "Salz und Brot macht Wangen rot" (doch zu viel Salz macht auch mal tot). Und wer einmal Opfer meiner Kochkünste gewesen ist, und beim Genuss meiner Nudeln meinte: "Das Essen ist versalzen - Du bist verliebt!", dem muss ich sofort die Suppe versalzen. Ich bin bloß ein völlig talentloser Koch. Schließen will ich mit einem Zitat aus der Bergpredigt: "Ihr seid das Salz der Erde." Das bestätigt sich Jahr für Jahr mehr. Denn zu viel Salz wird die Erde verderben. 
 
So, das war's. Wie bitte, dieser Beitrag war Euch nicht scharf genug? Dann sollt Ihr wissen: Wenn Ihr ausschließlich gepfefferte Pointen lesen wollt, müsst Ihr gesalzene Preise dafür zahlen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nicht nur in Corona-Zeiten wird gern emsig über Krankheiten geplappert. Dabei neigt der eine oder die andere dazu, sich fremde Leiden anzueignen. Deshalb kann ich in der heutigen Zugabe  das Schild nur begrüßen, das eine Arztpraxis ziert: "Die verehrten Patientinnen werden gebeten, im Wartezimmer keine Symptome auszutauschen! Aus gegebenen Anlässen: Dr. Schäfer."     
 

 Schmunzelpost 314 vom 27. 2. 22

Um 6.45 Uhr aufstehen, das ist nicht meine Welt. Das ist für mich mitten in der Nacht - sozusagen die Krausesche Mitternacht. Um diese Zeit tapse ich wie ein Schlafwandler durch ein fremdes Universum. Dennoch werde ich künftig wohl sogar noch früher aufstehen müssen. Auf sich allein gestellt dauern die Badezimmer-Routine und das Anziehen viel, viel länger. 
 
Wenigstens habe ich in einer Oase der Stille gut geschlafen. Zumal ich mich endlich wieder auf die rechte Seite legen darf, wenn ich ein Kissen zwischen beide Beine stecke. Das einzige Geräusch, das gelegentlich aus der Ferne an mein Ohr drang, kam mir seltsam vertraut vor. Vermutlich war es mein ehemaliger Zimmerkollege Benno, der jetzt in einer 2 km entfernten anderen Kurklinik die Rodungsarbeiten im Teutoburger Wald aufgenommen hat. Doch vielleicht habe ich das auch nur geträumt. 
 
Und denkst Du schon, Du quatscht nicht mehr, kommt irgendwo ein Horst daher. Trotz des räumlichen Abstands von zwei Plätzen und einer Trennscheibe hat sich im Speisesaal ein 80-jähriger Patient aus Vechta mit mir angefreundet. Ein Abendessen und ein Frühstück - und schon kenne ich seine gesamte Lebensgeschichte. Bin gespannt, was da noch kommt. 
 
Als Gegenleistung werde ich Horst davon erzählen, dass am 28. Februar der "Schlafe-in-der-Öffentlichkeit-Tag" ist. Mal sehen, ob die Sonne scheint und es sich lohnt, mittags auf einer Bank im Kurpark ein kleines Nickerchen zu halten. Müde genug bin ich bestimmt. Genau dazu ist dieser Aktionstag geschaffen worden: Um das Recht auf ein Nickerchen im Bus oder der Bahn, auf der Parkbank oder einer grünen Wiese zu unterstreichen. 
 
Der 1. März ist dann der "Welttag des Kompliments". Er verbreitete sich um den Globus, nachdem der Holländer Hans Poortvliet am 1. 3. 2003 dazu aufgerufen hatte, ohne jeden kommerziellen Hintergedanken Menschen, die man mag, ein aufrichtiges, ungekünsteltes Kompliment zu gönnen. Habe ich Euch eigentlich schon mal gesagt, wie gut ich es finde, dass Ihr so gebildet und belesen seid und deshalb wisst, dass der 1. März auch der Welttag des Buches ist? Eure Lesekompetenz stellt Ihr gerade durch das Studium der Schmunzelpost unter Beweis. Glückwunsch zum guten Geschmack bei der Stoffauswahl! 
 
Der "Tag der alten Dinge" am 2. März soll uns mahnen, Sachen wertzuschätzen, die zwar alt, aber durchaus noch schön und brauchbar sind. Und wenn man in Zeiten des Frühjahrsputzes meint, sich trotzdem davon trennen zu müssen, dann sollte man sie für einen guten Zweck spenden oder über einen Second-Hand-Shop weitergeben. Der 2.3. ist aber auch der "Tag des Verkäufers". Als bester Verkäufer gilt vermutlich derjenige, der uns alte Dinge als neuwertige Spitzenprodukte andreht. 
 
Am 3. März wird's gleich dreimal tierisch. Das ist der Tag des Artenschutzes und der Welttag der freilebenden Tiere und Pflanzen. Die dritte Belegung ist jedoch die kurioseste: Am "Wenn-Haustiere-einen-Daumen-hätten-Tag" sollen wir uns Gedanken darüber machen, was wäre, wenn Haustiere wirklich einen Daumen hätten. Gewünscht sind jedes Jahr neue Theorien. Etwa: Hunde und Katzen könnten uns mit ihrem Daumen signalisieren, ob ihnen das Futter schmeckt. Aber wenn unser Kater Milly einen Daumen hätte, dann müssten wir Vorhängeschlösser für Speisekammer und Kühlschrank besorgen. Ich drücke daher beide Daumen, dass ihm niemals einer wächst. 
 
Glückauf 
kdk    
 
PS. Ohne Stützen ruht gegenwärtig beim Stehen mein ganzes Gewicht auf einem Bein. Deshalb kann ich mich gut in den Invaliden L. G. Adams, Sechshäuserweg 2/III. hinein versetzen, von dem diese Zugabe stammt: 
"Alerwichtikst Alerwertestes Firsorgeahmt!! Meine Unterstützung reicht nicht aus weil ich mit meinem einen Bein eine fünfköbige Famlie ernehren mus! Dem mus abgeholfen werden! Bitte lasen Sie es mich umgehent wisen fals Sie dieses Schreiben nicht erhalten haben. Mit hofnungsvolen Krüsen!" 

 

Schmunzelpost 313 vom 26. 2. 22


Meine drei Reha-Wochen begannen mit einem Schock. Um 9.40 Uhr saß ich noch im Dorstener Krankenhaus-Foyer und wartete auf den leicht verspäteten Fahrdienst nach Bad Rothenfelde. Dann fuhr ein Auto vor, und ich griff nach meinen Gehhilfen. Erstarrte jedoch sofort in der Bewegung, weil ich erkannte, dass es sich um einen Transporter für auf ewig ausgediente Patienten handelte, den Leichenwagen eines Bestattungsunternehmens. Im selben Moment schallte es durchs Foyer: "Taxi für Herrn Krause!" Nur gut, dass meine letztjährige Herz-OP noch nachwirkt, sonst hätten sie mich tatsächlich gleich mitnehmen können. 
 
Der Taxifahrer hatte sein Gefährt um die Ecke abgestellt. Ein Gemütsmensch, wie sich schnell herausstellte. Und der lebende Beweis dafür, dass Männer doch multitastinktauglich sind, wie ich vorgeführt bekommen sollte. Denn es begann eine Fahrt, die ich so schnell nicht vergessen werde. Hier ein Kurzprotokoll, das auf dem Weg zu meiner Wohnung einsetzt, wo wir noch einen Koffer abholen mussten. 
 
Taxifahrer: "Gerade sind wir an unserem Firmensitz vorbei gefahren. Doch der ist inzwischen viel zu klein. Ich suche 1000 qm Gewerbefläche für mich, meine acht Fahrer und unsere Autos. Am besten auch mit Wohnung für meine Familie. Sie wissen nicht zufällig, wo ich mitten in Dorsten so ein Grundstück bekommen könnte?" 
 
kdk: "Nein, ich....."  Tüdülütt! 
 
Taxifahrer (greift zu einem von drei Handys, die neben ihm auf einer Konsole liegen): "Taxidienst Dorsten? Ja, das geht in Ordnung. In zehn MInuten sind wir da. Wo sollen wir sie abholen? Okay, alles klar." (Greift zum zweiten Handy: "Paul, eine Fahrt für Dich. Passagier wartet am Kiosk des Busbahnhofs." Tätä-tätä-tätä! Das dritte Handy läutet. 
 
Taxifahrer: "Yussuf, wo steckst Du gerade? Gut. Dann fahr bitte zur Uniklinik nach Münster. Aber vorher musst Du eben noch Frau X von der Dialyse abholen und an der Pliesterbecker Straße absetzen. Alles klar? (Wendet sich mir zu) "Wo genau soll ich halten?" 
 
kdk: "Da vorn an..."  Yallayallayalla 
 
Taxifahrer: "Rita, mein Herz. 10 Uhr, Wörthstraße 6... (wendet slch wieder mir zu) Wo genau?" 
 
kdk: "An dem Haus mit dem Efeu!" 
 
Taxifahrer: "Ja, Rita und danach gleich noch eine Anschlusstour nach Marl. Frau M. wartet am Krankenhaus-Eingang. Tschö!" (Blickt mich über den Rückspiegel fragend an) "Efeu? Was ist Efeu" 
 
kdk: "Die grünen Ranken, an denen wir gerade vorbeigefahren sind." 
 
Taxifahrer: "Kein Problem." (Setzt zurück und lädt den Koffer ein. Kaum sind wir wieder gestartet - tüdülütt. "Taxidienst Dorsten. Physiotherapie Lurbicki? Wir kommen sofort!" (An mich gewandt) "Das wird jetzt schwierig - Helmut, hallo, Helmut, hörst Du mich? Du warst doch schon zweimal bei Lurbicki, da wartet ein Patient. Lurbicki? Das ist diese Physiotherapie-Klinik, Kirchhellener Allee, gleich neben St. Anna. St. Anna? Kennst Du nicht? Das ist das Altenheim. Ja, richtig. A L T E N H E I M! Aber Du musst nebenan zur Klinik. Pass auf, es gibt zwei Zufahren, Du fährst Kirchhellener Allee, links einbiegen und dann, ja richtig, neben dem Altenheim." (Wendet sich wieder an mich) "Ja, ist nicht immer einfach. Wir waren zwei, als ich in Dorsten angefangen habe und jetzt sind wir acht, da muss ich gelegentlich von unterwegs die Zentrale spielen." 
 
Yallayallayalla! 
 
Rita: "Ich bin jetzt in der Wörthstraße, aber das Efeu ist nicht an der Nummer sechs, sondern an der Nummer zehn." 
 
Taxifahrer: "Efeu?  Was für Efeu? Nummer sechs ist richtig." - Tüdülütt - "Taxidienst Dorsten, wo soll es hingehen? 
 
Ältere Frau: "Heute soll es nirgends hingehen. Aber ein Wagen von Ihnen hat mich vorgestern vom Krankenhaus nach Hause gebracht. Hat zehn Euro gekostet. Und ich habe noch zehn Euro Trinkgeld gegeben. Aber jetzt brauche ich noch eine Quittung für die 10 Euro-Fahrt für die Krankenkasse." 
 
Taxifahrer: Kriegen Sie, kriegen Sie. Aber dafür müssen Sie in unserem Büro anrufen, ich gebe Ihnen mal die Nummer." 
 
Ältere Frau: "Moment, ich hole mir was zu schreiben. Ja, bitte..." 
 
Taxifahrer: "9 9 9 9 2 2 2 9 - haben Sie das?" 
 
Ältere Frau: "Neunhundertneunundneunzig..." 
 
Taxifahrer: "Nein, nicht Neunhundertneunundneunzig sondern Neuntausendneunhundertneunundneunzig - und dann dreimal die 2." 
 
Ältere Frau: "Dreimal zwei ist sechs." 
 
Taxifahrer: "Nein! Ich meine ja, aber... Ich wiederhole nochmal die ganze Nummer: 9999 222 9. Alles klar?"!! 
 
Ältere Frau: "Ich denke ja: 9992297? 
 
Taxifahrer: "Nein!!! (seufzt tief). Dann gehen wir noch einmal ganz langsam Zahl für Zahl vor: Neun ...." 
 
Endlich war es vollbracht. Umgehend meldete sich wieder ein Telefon: Yallayallayalla. 
 
Helmut: "Chef, ich war an der Rezeption vom Altenheim. Aber die wissen von keinem Fahrgast." 
 
Taxifahrer: "Helmut, Du musst nicht zum Altenheim, Du musst nebenan zur Klinik." 
 
Helmut: "Hier ist aber weit und breit keine Klinik." 
 
Taxifahrer: "Wie bist Du denn gefahren?" 
 
Helmut: "Über die Habichtstraße." 
 
Taxifahrer: "Dann bist Du an der falschen Seite. Du musst zurück auf die Kirchhellener Allee - Kirchhellener Allee, hörst Du? - und dann siehst Du schon direkt neben dem Alten..., dann siehst Du schon die Physiotherapie-Klinik Lurbicki. Und wenn nicht, dann fragst Du einen Fußgänger!" 
 
So ging das in einer Tour weiter bis nach Bad Rothenfelde. Ich muss zugeben, erst wurde ich ein paar Mal recht blass um die Nase, wenn er mitten im engagierten Gespräch auch noch überholte oder auf der Autobahn die Fahrspur wechselte. Nach und nach erkannte ich aber: Der Bursche hat einen inneren Autopiloten. Der fährt unglaublich sicher, selbst wenn er seine Fahrer umdirigiert, sich Hausnummern und Namen merkt oder knifflige Fragen löst. Nur einmal schwankte der Wagen bedenklich, als er mit seiner Tochter telefonierte und  sich über ihre Wünsche aufregte. Trotzdem kamen wir heil an der Klinik am Kurpark an. Und ich belohnte ihn, aus Erleichterung, die Fahrt überlebt zu haben, mit einem dicken Trinkgeld. 
 
Dennoch wurde ich kurz darauf nochmals leichenblass. Bestatter am Morgen bringen wohl Kummer und Sorgen. Denn gleich nach meiner Ankunft nahm ich erstmals an einer Art Bingo-Turnier teil. Wegen des Corona-Sicherheitsabstands müssen im Speisesaal, der morgens, mittags und abends aufgesucht wird, viele Stühle leer bleiben. Daher essen die Patienten in Schichten. Und ich habe das große Los gezogen: Gruppe 1. Abendessen 17.15 Uhr, Mittagessen 11.30 Uhr. Und Frühstück um 7 Uhr!!! Bingo! 
 
Glückauf 
kdk   
 

Schmunzelpost 312 vom 25. 2. 22 

Endlich kann ich mich rehabilitieren. Nach fast sieben Jahrzehnten gibt es allerlei geradezurücken und aufzuarbeiten. Fange ich also mal mit der Beweglichkeit an. Einige Tricks habe ich schon raus. Da ich mich nicht bücken darf, perfektioniere ich gerade meinen Umgang mit einer Greifzange. Leider werfe ich jedoch mit dem Gerät mindestens genauso viel Sachen auf den Boden wie ich zuvor aufgehoben habe. Immerhin beherrsche ich den Magic-Klaus-Spezialtrick: Ich bringe es fertig, die herunter gefallene Greifzange mit dem Schuhlöffel aufzuheben! Heute morgen geht es nun in die Klinik am Kurpark in Bad Rothenfelde zur dreiwöchigen Greifzangentechnik-Fortbildungsmaßnahme.

Laut Unterlagen hat man dort den Patienten noch viel mehr zu bieten. Ein Prospekt verheißt zusätzlich zum Therapie-Angebot kleine Hauskonzerte und interessante Vorträge. Mal sehen, vielleicht kann ich mir ja als Schuhlöffel-Akrobat etwas hinzuverdienen. Unbestrittener Höhepunkt aber sind offenbar die Bingo-Abende. Davon habe ich bisher nur eine verschwommene Vorstellung. Und ehrlich gesagt: Bongo-Abende wären mir lieber.

Ah, beim Blick aus dem Taxi-Fenster sehe ich, dass unser Ziel näher rückt. Schon aus der Ferne erkenne ich die Salinen, die angeblich die längsten Gradierwerke Westeuropas sind. Dort werde ich mir die Zeit mit Salzatmung versüßen. Gleich sind wir am Kurmittelhaus, das einem großen Bahnhofsgebäude aus der Kaiserzeit ähnelt und direkt mit der Klinik verbunden ist. Und das da scheint der Eingang zu sein. Sie haben sogar jemand zu meinem Empfang heraus geschickt. Der sieht aus wie, nein, das kann doch nicht sein, ich habe eine Erscheinung, aber doch, tatsächlich, er ist es - Otto Kowalski, wie er leibt und lebt.

"Hallo, Otto, so schnell sieht man sich wieder! Was machst Du denn hier in Rothenfelde? Hast Du in Dorsten ein paar Patienten auf dem Gewissen und musst Dich jetzt hier rehabilitieren?" Er verzieht indigniert sein Gesicht: "Kennen wir uns? Ich wüsste nicht, dass wir uns schon mal begegnet sind?" "Aber, Otto, ich bin's doch, Klaus, Dein Opfer aus Marler und Dorstener Kliniken. Erst letzte Woche haben wir in Dorsten miteinander gesprochen." 

Er schüttelt den Kopf. "Das kann nicht sein, ich war noch nie in diesem Nest, wie heißt es noch gleich, ah ja, Dorsten. Aber mir dämmert da was. Otto, sagten Sie? Sie meinen womöglich meinen Zwillingsbruder Ottmar, das schwarze Schaf der Familie. Den hat es ins Ruhrgebiet verschlagen, wo er sich seine Kohle lange Zeit unter Tage verdient hat. Was er heute treibt, weiß ich nicht. Unser Kontakt ist schon lange abgerissen. Mein Name ist übrigens Fritz Kowalski. Sie verstehen? Ottmar und Fritz, meine Eltern verehrten die beiden Fußballweltmeister, die Brüder Walter aus Kaiserslautern."

"Na, das ist ja ein Ding!  Und Sie haben Medizin studiert und kümmern sich hier als Arzt um die Gäste?" "Nicht direkt. Angefangen habe ich als Pferdepfleger und dann zum Tierdresseur umgeschult. Da lag der nächste Schritt nahe. Wer einen Pittbull Pfötchen geben lässt, der bringt auch bockigen Patienten bei, Männchen zu machen."

Er wieherte wie Fury über seinen Spruch und zeigte dabei sein Pferdegebiss. Meinen staunenden Blick muss er bemerkt haben. "Ja, sprechen Sie es ruhig aus. Meine Zähne sehen aus wie das Implantat von einem Gaul. Wir heißen nun mal Kowalski wie die berühmten Kowalski-Pferdchen, deshalb lassen wir uns auch immer einen Pony schneiden." Erneutes Gewieher.

"Ich merke schon, das können heitere drei Wochen werden. Haben wir ab und zu miteinander zu tun?" "Ab und zu? Sie Glückspilz! Ich bin hier Ihr Personaltrainer! Ich werde Sie von morgens bis abends so flottmachen, dass Sie danach beim Galopprennen antreten können." Nächster Heiterkeitsausbruch.

Ich ahne Schlimmes. "Wie sieht denn Ihr Therapieplan für mich im einzelnen aus?" "Zuerst lassen wir es langsam angehen. Ich nehme Sie an die Leine und Sie traben langsam im Kreis!" Ich muss so entsetzt geschaut haben, dass er sofort beschwichtigt: "War nur ein Spaß! Ich hab nämlich Humor. Sie werden sehen: Der Fritz, der hat Witz!" Er schüttelt sich so vor Llachen, dass seine Plautze den Hosengürtel zu sprengen droht. "Aber ganz im Ernst: Ich habe das Wissen dreier Berufsgruppen vereint, um ein optimales Trainingsprogramm zu entwickeln. Und die geschmeidigen Bewegungsabläufe der Pferde dienen dabei als Vorbild."

"Solange Sie mich nicht mit Heu füttern, kann ich das ja mal versuchen." "Oh, der Herr versucht zu scherzen. Das ist aber noch ausbaufähig, wir werden auch daran arbeiten. Doch in der ersten Woche beginnen wir mit Übungen, die vom Dressurreitsport inspiriert sind: Der Piaffe, der Traversale und der Galopppirouette."

"Und in der zweiten Woche?" "Da geht*s ins Gelände. Nichts ist besser für die Hüfte als der weiche Waldboden. Dazu lernen Sie, natürliche Hindernisse zu überwinden. Am meisten freue ich mich auf den Wassergraben: Sie werden nass und ich habe Spaß!" Erneutes wieherndes Gelächter. Langsam hoffe ich, dass die Tür aufgeht und ein Rossschlächter der Sache ein Ende bereitet.

"In der dritten Woche folgt dann das große Finale, der Aachener Parcours. Sie hüpfen über den Oxer, klettern über eine Mauer und enden in Pulvermanns Grab." Ich lasse meine Gehhilfen fallen und stopfe mir schnell Finger in die Ohren, bevor sein Prusten in tosendem Gelächter gipfelt. Er hat sich meinen Koffer gegriffen und wendet sich dem Eingang zu. Dann dreht er sich noch einmal um und streckt mir seine offene Handfläche entgegen: "Weil Sie so brav zugehört haben, hier als Belohnung ein leckeres Stückchen Zucker. Und danach bringe ich Sie in Ihren Stall."

Glückauf 
kdk  

PS. Unmögliches wird auch in der heutigen Zugabe verlangt. Der Polizeibeamte Paul Birkenfeld schrieb darüber am 27. Juli 1951 den folgenden Bericht: "Ich war so aufgeregt, als ich den Herrn Angeklagten und seine Gattin plötzlich nackt in den Wiesen am Fluss spazierengehen sah, daß ich garnicht auf die Idee kam, ich könnte im diskret geduldeten Nacktluftbad des Freikörperkulturbundes stehen und verlangte sofort die Vorzeigung der Ausweise, was die beiden aber nicht vermochten."  

Schmunzelpost 311 vom 24. 2. 22 

Lange nichts mehr von Herrn K. gehört, nicht wahr? Das liegt auch daran, dass mein Nachbar sich in der Jahreszeit, die bei uns aus nostalgischen Gründen immer noch Winter genannt wird, selten draußen sehen lässt. Aber jetzt haben ihn die ersten Sonnenstrahlen seit längerer Zeit auf den Balkon gelockt. Woher ich das weiß? Obwohl ich es gut zu verbergen verstehe: Ich bin ein Computer-Genie. So habe ich unsere Überwachungskamera auf der Terrasse schnell noch mit meinem Note-Book vernetzt und weiß daher, was in unserem Garten und dessen näherer Umgebung vor sich geht. Mal hören, was Herr K. diesmal zu maulen hat. 
 
"Aaaah! Endlich is dat Gelbe mal wieder im Blauen! Nach die graue Waschküche vonne letzten Tage is dat doch mal ein Grund, den Kolben innen Wind zu halten. Obwohl hier draußen ja nix los is. Nich mal der Kater von links unten geht mehr vor die Tür. Und sein Herrchen, dieses Weichei, is ja schon wieder inne Klinik. Als seine Perle getz telefonierte, hab ich gehört, dat et ihm abba ganz gut gehen soll. Und sein Rönchen-Bild vonne neue Hüfte wollen se getz sogar inne Körpa-Welten-Schau ausstellen tun. Weil dat sonne 1a-Oparation gewesen war. Is schon klar, da unten haust Mista Perfekt. Trotzdem: Sowat hätte et früha nich gegeben. Erst 68 un schon ne pikobello neue Hüfte! 50 Jahre zurück, da hätten se ihm erst als Greis ein paar Monate vorm Abnippeln son Ersatzteil eingebaut. Damit et sich schnell noch mal für die Geldgeier lohnen tut und die Grabräuber dat Edelmedall schnell wieda ausse Kiste in Umlauf bringen können. Rihzeickeln sachse heute dafür. 
 
Na, mal sehen, dat mit dem baldigen Abnippeln kann ja noch klappen. Die halten ja nix mehr aus, die jungen Bengels heutzutage. Die heulen ja schon, wenn se sich mal ein Scheibchen vonne Finger inne Suppe schneiden tun. Dat muss dann sofott wieda dran getackert wern. Wir dagegen ham früher gedacht: Oh, wat lecker, endlich mal *n Süppken mit Fleischeinlage. 
 
Übahaupt warn die Leute früher viel zäher. Datt se so früh die Radiesken von unten begucken mussten, dat lach daran, datt mitte Medizin damals nix los gewesen is. Getz is dat anders. Guck mich an! Dat is getz bald 40 Jahre her, dat se mich 1983 wegen die Staublunge vom Pütt inne Rente geschickt  haben. 40 Jahre davor hätt ich aba ganz schlechte Katten gehabt. Nach ein paar Monate hätt ich noch mal kurz geröchelt: "Ich wollt doch noch die zehnte Meisterschaft von Schalke erleben!" und wär ruckzuck inne gelb-schwatte Hölle gefahn. Un heute? Heute kann ich imma noch die Einfahrt teeren, wenn ich einmal kräftig husten tu, aba ich leb imma noch! Wahrscheinlich is dat Corona-Virus im Staub steckengeblieben. 
 
Bloß blöd, datt ich auf meine alten Tage nochmal erleben tu, dattse in Europa wieda Kriech spielen. Die Menschen sind so schusselich und dösig, dat se schon wieda vergessen haben, wat für eine Scheiße dat is, sich gegenseitich tot zu schießen. Aba vielleicht is dat ja die Schuld von unsern alten Herrn. Weisse noch, Karl, wat Papa ausse russische Gefangenschaft erzählt hat? Allze ihn un seine Kumpels in Sibirien dauernd angemacht haben: "Rabotti! Rabotti!" Da is unser Alter hin zum Lagerkommandanten und hat losgeledert: "Hömma, Russki, getz sperr Deine Lauscher auf und schreib dir hinter die Löffel, wat ich sagen tu. Diesmal habt ihr Glück gehabt und gewonnen, weil die Amis auf eure Seite waren. Unsa Adolf, der Größenwahnsinnige, hattse vergrätzt, obwohl in Amerika einige von die Ansichten und Methoden der Nazis ganz beliebt waren. 
 
Aba wenn ihr uns getz nich anständich behandeln tut, dann läuft dat nächstes Mal anners. Wir sind zwar weniger als ihr, aber wir haben die besseren Intschenöre und Waffenschmiede. Frach ma nach bei die alten Römer. Kannze nich, weil, die gibt et getz nich mehr! Und so wird euch dat auch ergehen, wenn wir mit den Amis gemeinsame Sachen machen tun. Die können dat auch, frach nach bei die Indiana! Also nehmt euch in acht!" 
 
Später hat Papa mitgekriecht, dat der Kommandant der Vatta von den ollen Putin war. Un dem hatter die Angst vor dem Westen so eingetrichtert, dat der nu glaubt, die Russen wern nur als Großmacht vor uns sicha. Und vor lauter Bammel macht er jetzt son Blödsinn. Na ja, Papa konnte nix dafür, der konnte auch nich ahnen, wat für'n Saftladen die neue Wehrmacht is. Also, Karl, wenne  mich frachs, können wir die Ukrainer statte olle Helme ruhich Waffen liefern. Der ganze Klumpatsch sieht vielleicht bedrohlich aus, der tut et aba nich. Der Satz "Frieden schaffen ohne Waffen" würde dann ne ganz neue Bedeutung kriegen. Un wenn alle Stricke reißen, dann schicken wir auch noch die Gorch Fock in die Schlacht. Dann lachen sich die Russen so schlapp, dat se viel zu fertich sin um zu kämpfen. Dann ham wir ihnen mit dem ollen Kahn den Wind aussen Segeln genommen. Genial, wat?" 
 
Jetzt muss ich leider die Wiedergabe abbrechen, um diese Strategie an unser Verteidigungsministerium weiter zu leiten. Vielleicht bringt es ja was: Im Osten schweigen die Waffen und Herr K. kriegt den Friedensnobelpreis. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur letzten Schmunzelpost-Folge hat Martin zwei Anmerkungen. Er bestätigt, dass Chili tatsächlich sehr gesund ist und beweist das mit klarer Logik: "Fakt ist, dass derjenige, der 100 Jahre lang täglich Chili isst, uralt wird! (Sonst könnte er das Zeug ja nicht 100 Jahre schlucken - Erklärung von kdk für die etwas begriffsstutzigeren SP-Leser). Und unter "reduzieren" verstand ich bisher, jemanden, mit dem man sich nach längerer Freundschaft verkracht hat, wieder mit "Sie" anzureden: Nachdem man sich geduzt hat, wird jetzt "reduziert"! Lag ich da falsch?" 


 Schmunzelpost 310 vom 23. 2. 22

Treppe hinauf, Treppe herab, Krücken-Klaus, der macht nicht schlapp. Tabletten machen Kranke munter, Pillen-Klaus schluckt alles runter. Note-Book an, Gehirn in Gang, Schmunzel-Klaus reimt heut' nicht lang. 
Soviel aus der poetisch-klinischen Abteilung, nur eine Randbemerkung noch: Am Montag versprach der Chefarzt auf mein Drängen hin, das Tabellenfrühstück zu reduzieren. Bislang musste ich morgens sieben Pillen schlucken.  Am Dienstag fand ich nun neun Tabletten im Becher. Jetzt frage ich mich allerdings, was ich bisher beim Wort "reduzieren" falsch verstanden habe. Ich muss nochmal im Duden nachschlagen. 
 
Kommen wir zu unserem gemeinsamen Projekt, einen Jahreskalender mit Aktionstagen zusammenzustellen. Dabei verwende ich meine alte Definition von "reduzieren". Künftig will ich nur noch einen Aufruf pro Aktionstag ins Rampenlicht stellen und zwar den aus meiner Sicht schrägsten, extremsten oder witzigsten. Grund der Beschränkung ist die Inflation sogenannten  Aktionstage, die eindeutig aus kommerziellen Interessen geschaffen wurden. Die meisten von ihnen, klar, in den USA. 
 
Am 24. Februar muss ich daher keine Kröten schlucken. Und erst recht keine Tortilla Chips wie in Amerika. Stattdessen Schwerter, denn der 24.2. ist der Tag des Schwertschluckers. Doch diese appetitliche Kunst habe ich ja bereits ausgiebig behandelt. Bevor ich durch Wiederholung noch einen Schluckauf kriege, was für diese Zunft fatal ist, lasse ich es lieber und wende mich dem 25. Februar zu. 
 
Es gab in Deutschland mal einen begnadeten Literaten, der nicht nur mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde und weltweit auch als moralische Instanz galt, obwohl er und einige weitere  Mitglieder seiner Familie auch ungewöhnlichen, ja sogar gesellschaftlich verpönten Leidenschaften frönten, die sich so gar nicht mit der mühsam aufrecht erhaltenen bürgerlichen Fassade vertrugen und gerade im Exilstaat USA sogar als kriminell galten, was sowohl für die sexuelle Orientierung wie für den Konsum von Drogen zutraf, aber der Ehrbarkeit keinerlei Kratzer hinzufügte, weil, wie das zumindest in intellektuellen Kreisen schon lange, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten üblich ist, Künstlern gern Freiräume außerhalb der moralischen Maßstäbe zugestanden werden, die neuerdings jedoch auch für Otto Normalverbraucher, Aphrodite Frauenfreundin und Karl-Maria Divers als selbstverständliches Menschenrecht gelten sollen, was zunehmend auch in einer den veränderten Normen angepassten Sprache, dem sogenannten Gendern, das vielen höchst überflüssig, anderen dringend nötig erscheint, zum Ausdruck kommt - äh, worum geht's hier eigentlich? Ach ja, um einen besonderen Tag. Und zwar nicht den Thomas Mann-Gedenktag, sondern den Tag der Schachtelsätze! Am 25.2. heißt es: Auf geht es, Ihr alten Schachteln und Schachtelinnen, schachtelt mal munter drauf los! 
 
Der 26. Februar erfreut dann die ganz Scharfen unter Euch. Es ist der Tag des Chilis. Für manchen Ernährungsexperten gehört das scharfe Zeug zu den gesündesten Lebensmitteln überhaupt. Weltweit sind an die 4000 Sorten bekannt, zu den schärfsten zählen das indische Naga und sein südamerikanischer Cousin, das Habanero. Entscheidend für die Schärfe ist der Anteil an Capsalcin. Dieser Wirkstoff, richtig dosiert, ist auch verantwortlich für die positiven gesundheitlichen Effekte. Wer regelmäßig Chili isst, lebt meist länger. Für Einsteiger empfohlen sind sechs Schoten pro Tag. Sie bekämpfen Schmerzen und Entzündungen, fördern Stoffwechsel und Verdauung, verbessern das Blut, schärfen die Augen und nützen den Schleimhäuten. Worauf wartet Ihr noch? Lasst uns den Chili-Tag feiern! 
 
Und falls es zu sehr brennt und auch Milch nicht hilft, dann kühlen wir die betroffenen Körperregionen am besten durch einen Besuch in der Heimat des bedrohten Wesens, das am 27. Februar im Mittelpunkt stehen soll. Das ist der "Welttag des Eisbären". Was sagen wir dazu? Geht Schmunzel-Klaus auf Beute aus, dann kommt er gern in Grönland raus.  
 
Glückauf 
kdk 
 
PS.  Als Zugabe ein Schachtelsatz aus dem Schreiben eines Kaiserlichen Oberpostdirektors aus Darmstadt vom Juni 1897. Der Mann kritisiert, dass sich immer mehr Postler am Radfahrsport beteiligen und begründet dies so: "So wenig ich gegen eine vernünftige Benutzung des Zweirads seitens der Beamten und Unterbeamten einzuwenden habe, wenn ihnen ihre wirtschaftlichen Verhältnisse eine solche Liebhaberei gestatten, ebenso muß ich es mißbilligen, wenn namentlich unangestellte Beamte und Unterbeamte, welche für ihren Unterhalt lediglich auf ihre Diensteinkommen angewiesen sind, sich zu ihrem Vergnügen Fahrräder anschaffen, denn die Betroffenen lassen die Tragweite solch leichtfertigen Handelns offenbar ganz außer Acht, da sie in der Regel nicht in der Lage sind, das gekaufte Rad sofort zu bezahlen, so entstehen ihnen durch die nicht geringen monatlichen Theilzahlungen mitunter recht erhebliche Schwierigkeiten." 

 

Schmunzelpost 309 vom 22. 2. 22

Vorstellen - links - rechts, vorstellen - links - rechts, vorstellen - links - rechts.... Das ist der "Krücken-Walk", den mir jetzt meine Physiotherapeutin eingebleut hat. Kann man fast singen, hilft beim Laufen mit Gehhilfen und könnte ein Hit werden. Der neu gewonnene Aktionsradius ist für mich jedenfalls viel wert. Ansonsten habe ich bei der Arztvisite darauf gedrängt, die Pillendosis zu reduzieren. Künftig sollen die Morphine wegfallen. 
 
Dass ich heute ziemlich matschig in der Birne bin, liegt jedoch auch daran, dass eine Nacht in Rückenlage und mit Sägewerk nebenan nicht allzu viel Schlaf zulässt. Daher beschränke ich mich in diesem Beitrag auf leichte Kost in Form von juristischen Stilblüten. 
 
Auch Betrunkene haben Anspruch darauf, für voll genommen zu werden.  (Ein Wortspiel, habt Ihr bemerkt?) Wenn man aber gleichzeitig Alkoholiker und Exhibitionist ist, sollte man vorsichtig sein, mit welchem Instrument man auf sein Recht pocht. Die Polizei berichtete über den Angeklagten, dass er "nach erheblichem Alkoholgenuss anlässlich des Schützenfestes im Schützenzelt zur Theke vorschritt. Dort öffnete er seinen Hosenstall, holte sein erregtes Glied heraus und klopfte damit mehrfach auf den Tresen, um ein Bier zu bestellen." 
 
Und dann wird der Polizeibericht fast lyrisch: "Ein Raunen ging durch die Festteilnehmer. Und insbesondere die beim Essen befindlichen Eheleute K. und M. erlitten starke Unlustgefühle." Womöglich hatten sie gerade heiße Würstchen mit Kartoffelsalat auf dem Teller. 
 
Von Unlust- zu fehlenden Liebesgefühlen. Nach gegenseitigen Beleidungen zwischen Hausbesitzer und Mieterin im Beisein von deren KIndern äußerte sich die Frau so: "Nachdem ich von X massiv provoziert, beschimpft, beleidigt und bedroht wurde, fielen schon Worte wie "Schwuler" und "alte Schwuchtel". Ich weiß ja nicht, wenn man von jemand beschimpft wird, indem der X zu mir sagte: 'Du fette, asoziale Kuh, nimm Deine Nachgeburten und verpiß Dich', dann denke ich mir, daß dieses eine normale Reaktion ist. Ich kenne keinen, der sagen würde: 'Ich liebe Dich!' Ich auch nicht. 
 
Wahre Perlen finden sich unter der Devise "Geschrieben wie gehört". So wollte sich ein Anwalt  elegant ausdrücken und sprach von "einem Zeugen und seinen Attitüden." Im gerichtlichen Schriftsatz aber fanden sich "der Zeuge und seine Aldi-Tüten." Ein anderes Protokoll hielt fest "der Angeklagte arbeitet bei den 7 Zwergen". Aber nur, wenn die Siemens-Werke eine neue Leitung bekommen haben. Und für Menschen aus dem Ausland, die kaum deutsch lesen und schreiben können, ist das Ausfüllen von Personalbögen voller Tücken. Da kann sich unter "Beruf" schon mal ein El Kawe Fahra finden. 
 
Auch bei der Betrachtung von Menschen hat jeder seine eigene Sichtweise. Vielleicht wollte ein Verteidiger aber auch nur bei seinem Mandanten punkten, als er über ein Blitzerfoto schrieb: "Während der abgebildete Mann ein gedunsenes verfettetes Gesicht mit Pausbacken und Doppelkinn sowie, allerdings nicht deutlich erkennbar, sehr schütteren Haarwuchs aufweist, der anscheinend mittels eines Mittelscheitels über erglatzte Kopfpartien gekämmt zu sein scheint, und dessen Augen durch Verfettung zu Schlitzen zusammen gewachsen scheinen, ist mein Mandant ein sportlich trainierter schlanker Mann mit schlankem Gesicht ohne Pausbacken und Doppelkinn, mit offenen großen runden Augen und von betont gepflegter Erscheinung. 
 
Auch der Verwandte meines Mandanten, der gelegentlich das zutreffend abgebildete Fahrzeug fährt, ist nicht die abgebildete Person mit den quabbeligen Gesichtszügen." Dumm nur, dass der Mandant sich bei einem Termin auf dem Frontfoto wieder erkannte und zugab, der Fahrer des Wagens gewesen zu sein. 
 
Da konnte sich der Richter nicht verkneifen, seinen schriftlichen Beschluss genüsslich auszuweiten: "Der Betroffene hat eingeräumt, der auf dem Foto abgebildete Fahrer zu sein, den sein Verteidiger als einen Mann mit gedunsenem, verfetteten Gesicht mit Pausbacken und quabbeligen Gesichtszügen beschreibt, dessen Augen durch Verfettung zu Schlitzen zugewachsen scheinen und der sein schütteres Haar über seine erglatzte Kopfpartie zu kämmen scheint." 
 
"Hmmm!", hmmmme ich nachdenklich und streiche mir über die erglatzte Kopfpartie. Ob so eine Beschreibung wohl ausreicht, um beleidigt ein Schmerzensgeld einzuklagen? Doch wenn das gelingen soll, dann nur mit einem besseren Anwalt als diesem Verteidiger. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 308 vom 21. 2. 22

Hat geklappt! Der Sonntag ist tatsächlich zum "kdk-geht-es-wieder-besser-Tag" geworden. Das ist in erster Linie den kompetenten und sehr netten Medizinern, Schwestern und Schwesterichen zu verdanken. Trotzdem will ich den Aufenthalt hier nutzen und Euch eine schonungslosen Live-Doku bieten, gegen die selbst die Reality-TV-Serie der Familie Schniedelkötter eine Idylle ist. 
 
Schwestern und Ärzte lästern schon mal über die Auswüchse der Bürokratie, die ihnen das Leben schwer machen. Die Folgen bekomme nun auch ich zu spüren. Ursprünglich sollte ich am 24. Februar die Reha in Bad Rothenfelde antreten. Das kam uns sehr gelegen, weil auch mein Zimmergefährte Benno an diesem Tag dorthin verlegt wird. So planten wir, gemeinsam auf die Reise zu gehen. Daraus wird wohl nichts. Ohne Angabe von Gründen heißt es jetzt, ich sei erst am 25. 2. dran. Logisch:  Warum nur einmal mit zwei Patienten fahren, wenn man auch zweimal einzeln abrechnen kann? 
 
Na ja, vielleicht hat es auch andere Gründe. Oder es ist mal wieder was schiefgelaufen. So hatte ich mich am Samstag auf mein erstes Frühstück mit Vollkornbrot und Obst gefreut. Bisher wurde ich mit lappigem Weißbrot versorgt. Und Ballaststoff-Moleküle konnte ich hier einzeln mit Handschlag begrüßen. Was Folgen für den Verdauungsprozess hat. Wenn es in Dorsten Mitte nächster Woche mal einen Donnerschlag gibt, dann war das keine Explosion, dann war ich das bloß und bin geplatzt. 
 
Mit Bewegung kann ich die Verdauung auch nicht beschleunigen. An meinem Bett lehnen zwar schon meine Krücken, pardon, Anne, meine Gehhilfen, aber ich darf sie noch nicht benutzen. Ich muss erst geschult werden. Doch am Wochenende haben die Physiotherapeuten frei. Die Schwestern könnten das zwar auch und würden mir gern helfen, dürfen aber nicht. Punkt! 
 
Zurück zum Samstagsfrühstück. Mein Kollege ließ es sich schon geraume Zeit schmecken, als auffiel, dass meine Sonderbestellung irgendwo verschütt gegangen war. Nur dem Einsatz eines Pflegers ist es zu verdanken, dass ich überhaupt noch was bekam, weil ein Patient geflüchtet ist. Ein Brötchen, Billig-Aufschnitt und Himbeer-Konfitüre! 
 
Weit mehr geht mir auf den Wecker, dass ich die ganze Zeit auf dem Rücken liegen muss. Ich habe jetzt viel Mitgefühl für Käfer in Rückenlage. Bis heute sind mir drei Haltungen erlaubt. Rücken - Gesicht links, Rücken - Gesicht geradeaus und Rücken - Gesicht rechts. Nur eine weitere Position wäre noch denkbar. Schädel mit Schallgeschwindigkeit rotieren lassen - Kopf ab! 
 
Wenn man hilflos herumstrampelt und dauernd auf andere angewiesen ist, merkt man, was älter werden in der Praxis bedeutet. Vielleicht bin ich auch so unbeweglich, weil ich teilweise einzementiert wurde. Zwar waren meine Ankerknochen durchaus in Ordnung, aber die Hüft-Prothese brauchte besonderen Halt. Und besser ein fürsorglicher Chirurg übernimmt dann die Betonarbeiten als die Mafia. 
 
Die fortschreitende Vergreisung äußert sich auch auf andere Weise. Der diskrete Umgang mit der Urinflasche ist eine sehr, sehr anspruchsvolle Fummelei. Vor allem, weil ein Organ, das für den Vorgang unverzichtbar ist, offenbar einem Schrumpfungsprozess unterzogen wurde. Und ich meine nicht mein Gehirn! Nun setze ich alle Hoffnung darauf, dass der umfangreiche Medikamenten-Cocktail vorübergehende Nebenwirkungen hat und nicht das zunehmende Alter als großer Minimierer unumkehrbar dahinter steckt. 
 
Gegenwärtig sind meine Nächte sowieso auf ganz andere Weise spannend. Denn tagsüber macht mir mein kluger und witziger Zimmerkollege viel Freude. Mittlerweile haben wir fast alle aktuellen großen und kleinen Fragen gründlich erörtert und sind übereinstimmend der Meinung, dass die Zukunft des Planeten gesichert wäre, wenn nur jemand unsere Gespräche mitgeschnitten hätte. Doch wo sind die Geheimdienste, wenn man sie mal braucht? 
 
Nachts wendet sich dann das Blatt. Da wird Benno zum Nachfahren von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Kaum hat er die Augen geschlossen, wird er zu einem anderen Wesen. Er versinkt in Trance und erzeugt Geräusche, die man gehört haben muss, weil man sonst nicht glaubt, dass Menschen dazu imstande sind. Eben hat er noch geröchelt wie ein sterbendes Walross, dann zirpt er durchdringend wie ein Pantoffeltier in der Brunft. Eine Dschungelnacht mitten in Dorsten. 
 
Wer das aushält, den bringt nichts um. Auch der Umstand nicht, dass jemand heimlich an der Gravitationsschraube gedreht haben muss. Jedenfalls habe ich den Eindruck, ich hätte mein Gewicht verdoppelt, wenn ich mal für kurze Zeit aufrecht stehe. Aber wahrscheinlich liegt das ja am Spezialzement... 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Na, war doch gar nicht so dramatisch, oder? Aber als alter Journalisten-Hase habe ich natürlich im Vorspann die Regel beherzigt, dass man heutzutage ordentlich auf die Kacke hauen muss, wenn man gelesen werden will. It's no business like show-business. 
 
PPS. Als Zugabe noch ein kurzer Auszug aus einem Schulaufsatz: "Ein Krankenhaus ist ein Ort wo man hin geht, um dort geboren zu werden." 
 

 Schmunzelpost 307 vom 20. 2. 22

Was das Aufzählen von Aktionstagen angeht, lasse ich mit mir reden, was das Mitmachen betrifft nicht. Für mich nehme ich heute (also aus Eurer Sicht gestern) einen individuellen Tag, den "Heut' bleib ich im Bett-Tag". Samstags passiert in Kliniken nicht viel, überdies habe ich leichtes Fieber und fühle mich nicht allzu gut. Daher erkläre ich vorsorglich den Sonntag schon zum individuellen "Heute geht's mir wieder besser-Tag". Und Ihr könnt mich mit Euren Aktivitäten würdevoll vertreten. 
 
Für die Tier- und vor allem für die Hundefreunde gibt es in nächster Zeit viel zu tun. Der 20. Februar ist der "Liebe Dein Haustier-Tag". Da soll unseren Mitbewohnern besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, mit Leckerlies darf man nicht geizen und selbst das eine oder andere neue Spielzeug sollte drin sein. Das gilt übrigens auch für Menschen mit speziellen Interessen: Der 20. 2. ist auch der "Tag der Handschellen". Ich wäre eher für die Aktionsalternative: Den Tag des Kirschbaums. Fragt mich aber nicht nach Einzelheiten. Ich wette, dass dieser Tag von der amerikanischen Backwerk-Industrie erfunden wurde. Und in meinem Zustand will ich mich nicht aufregen. 
 
Aus Neugier könnte ich dann am 21. 2. die Dienste eines Weissagers in Anspruch nehmen, denn das ist der Tag des Kartenlesers. Aber ich glaube nicht an solchen Hokuspokus. Dafür könnt Ihr Euch auch ohne Karten auf meine wahrsagerischen Fähigkeiten verlassen. Denn wer zum "Welttag des Fremdenführers" einen besonders guten, engagierten und witzigen Reiseführer sucht, der sollte sich unbedingt an Martin Velling wenden, im Netz zu finden unter "Velling-Reisen" in Hattingen.  
 
Der 21. 2. war die tierfreie Ausnahme, aber bereits am 22. Februar folgt der "Tag des Gassi-Gehens", an dem mindestens eine Ehrenrunde mit Eurem Hund angesagt ist. Warum für diese Aktion kein Frühlingstag, sondern einer im höchst unwirtlichen Februar ausgesucht wurde, ist mir ein Rätsel. Aber vielleicht ist der Tag ja eher für die südliche Erdhälfte geplant gewesen, da ist jetzt Spätsommer. Und irgendwann müssen die Schlittenhunde am Südpol ja auch mal ihren Spaß haben. 
 
Jetzt aber kommt unser Tag! Der 22. 2. steht unter dem Motto "Sei bescheiden!" und ich übertreibe sicher nicht, wenn ich behaupte, dass wir Schmunzelpostler die bescheidensten Menschen unter der Sonne sind. Daher gönnen wir uns zur Feier des Tages auch die preiswerteste Pizza, die Pizza Margarita. Ihr habt es erraten: Der 22. 2. ist auch der  "Tag der Margarita".  
 
Einen habe ich noch. Der 23. Februar ist der Tag des Hundekuchens. Ich traue Euch das intellektuelle Format zu, dass Ihr ganz von allein auf den Sinn und Zweck dieses Tages kommt. Und ich stelle eine wichtige Frage: Warum gibt es eigentlich keinen Katzenkuchen? Die Deutschen halten insgesamt 30 Millionen Haustiere. Doch hoch über den 8,6 Millionen Hunden rangieren an erster Stelle 13,4 Millionen Katzen. Und mit dem Gedanken an unseren Kater gönne ich mir jetzt ein Stück Klinikkuchen - auf Dein Wohl, Milly! 
 
 
Glückauf 
kdk 
 
Und wenn es schon so viele tierische Anlässe zu feiern gibt, soll auch die Zugabe davon handeln: Rinderzuchtverein Prächtig. Festprogramm. 10 Uhr: Ankunft der Rinder. 11 Uhr: Empfang der Ehrengäste. 12 Uhr: Gemeinsames Mittagessen. Der Vorstand. 
 

 Schmunzelpost 306 vom 19. 2. 22

Da liege ich also nun nach einem hektischen Vormittag in meinem Krankenhausbett und bin eigentlich mit der Welt zufrieden. Nach einem Frühstück mit der Rekordzahl von sieben Tabletten, zwei Spritzen und einer Infusion sowie einem erneuten Corona-Test bin ich immerhin schon vom Behälter mit dem Wundwasser befreit worden. Die Resultate der Untersuchungen waren durch die Bank ermutigend. Und ich konnte bereits mit einem großen Rollgestell (wahrscheinlich für Titanen konstruiert) mehrere Runden im Flur drehen. Außerdem habe ich einen schicken Thrombose-Strumpf bekommen in der schönsten aller Farben: Königsblau. 
 
Mit dem Einzelzimmer hat es natürlich erneut nicht geklappt. Zum Glück habe ich einen sehr netten Bettnachbarn, mit dem mich vielerlei Ansichten verbinden. Er ist einen Tag vor mir operiert worden, und wir sollen die Reha in Bad Rothenfelde gemeinsam antreten. Nur einen Fehler hat der Mann, aber selbst der unterstreicht unsere Gemeinsamkeiten. Doch davon später. 
 
Zunächst will ich von der ersten Nacht im Krankenhaus berichten. Nein, Otto Kowalski geisterte zum Glück nicht durch die Zimmer. Aber dennoch hatte ich eine Erscheinung. Ein Deja vu-Erlebnis der besonderen Art. Als ich im letzten Jahr fast einen ganzen Tag im Flur des Marler Marienkrankenhauses hockte - vielleicht erinnert Ihr Euch noch finster an meinen schockierenden Bericht - war eine geheimnisvolle Frauenstimme zu vernehmen, die in regelmäßigen Abständen "Hallo!" rief. Nicht einmal, nicht zehnmal, sondern drei Stunden lang fast ununterbrochen. 
 
Daher war ich völlig baff, dass am Abend und in der Nacht das gleiche "Hallo" im selben Tonfall auch auf der Station B des Dorstener Krankenhauses erschallte. Und zwar ebenso penetrant und noch ausdauernder. Da ich am Vorabend der Hüftoperation noch völlig fit und wach war, verbrachte ich die Zeit bis zur Geisterstunde einsam in einer Sitzecke des Flures. Und wartete darauf, dass ich um 24 Uhr endlich das Hallo-Gespenst zu Gesicht bekäme. Daraus wurde leider nichts. Stattdessen vernahm ich das Murren der Krankenschwestern und -schwesteriche sowie nach dem Schichtwechsel das Meckern der Nachtwache. 
 
Jede und jeder von ihnen versuchte nach kurzer Zeit sein Glück und bemühte sich, das Hallo abzustellen.  Dann vernahm ich den mit wachsendem Nachdruck vorgetragenen Wunsch, dass die Quelle der Störung, die ansonsten offenbar wunschlos glücklich war, doch Ruhe geben und sich aufs Ohr legen sollte. Das hielt jedoch maximal fünf Minuten vor. Dann tönte es wieder "Hallo.....hallo.....hallo.....hallo.....hallo.....hallo....hallo.....hallo.....hallo....hallo.....hallo.....hallo.....hallo....." 
 
Erst als gegen eins endlich Ruhe herrschte, begab ich mich auf mein Zimmer und legte mich ins Bett, um die Zeit bis zur OP kurz vor acht Uhr zu verschlafen. Kaum hatte ich mich zurecht gekuschelt, da drang ein neues Geräusch mit Urgewalt an mein Ohr. Offenbar hatte jemand meine Abwesenheit genutzt, um im Nachbarbett ein Sägewerk zu installieren. Selbst die vorsorglich mitgebrachten Ohrenstöpsel konnten mich davor nicht bewahren. 
 
Legte der Holzfäller mal eine Pause ein, erklang aus dem Flur ein durchdringendes Piepsen. Da für die gesamte Abteilung offenbar nur eine Nachtwache zuständig war, wurde der arme Kerl durch ein optisch-akustisches System auf den Gängen informiert, wo seine Dienste als nächstes verlangt wurden. Das enervierende Geräusch war schon den ganzen Tag zu hören gewesen, aber im allgemeinen Lärm untergegangen. 
 
Nun jedoch animierte das Piepsen eine andere Geräuschquelle zu neuen Aktivitäten. Eine knappe Stunde lang erklang ein Duett aus "Schrill......Hallo.....Schrill.....Hallo". Als dann endlich Ruhe war, traute ich dem plötzlichen Frieden nicht. Und richtig: Im Sägewerk hatte die Nachtschicht mit der Arbeit begonnen. Als dann auch noch draußen Hagelkörner an die Fensterscheiben prasselten und Sturmböen an allem rappelten, was sie zu fassen bekamen, setzte ich meine letzte Hoffnung, noch etwas Schlaf zu bekommen, auf die Vollnarkose vor der Operation. 
 
Ich muss aber trotzdem hin und wieder eingenickt sein. Denn als ich am Morgen meinen Zimmergenossen fragte, wie er denn geschlafen habe, sagte der: "Sehr schlecht! Dauernd das Piepsen und Rappeln und die nervigen Hallo-Rufe. Und wenn es mal still war, hast Du sämtliche Bäume im Barloer Busch gefällt!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Der eine hätte gern seine Ruhe, für andere kann es gar nicht genug Geräusche geben. Davon zeugt in der heutigen Zugabe dieser Brief an den Oberbürgermeister von Heidelberg, dort im Rathaus eingetroffen am 29. September 1929: "Gestern habe ich bei dem Besuch eines Konzert des Städtischen Orchesters festgestellt, daß zum Beispiel die Geiger nicht immer geigen, sondern sehr oft herumsitzen und nichts tun. Das muß anders werden, da wir das nicht mehr von unseren Steuergeldern dulden! Hans Höflinger, ein pünktlicher Steuerzahler!  

 

Schmunzelpost 305 vom 18. 2. 22

Es ist vollbracht! Ich bin zwar jetzt kein Kerl aus Eisen, aber einer mit Titan. Dazu brauche ich Euren Rat. Soll ich meinen Vornamen ändern lassen? In KlausTitan Krause? Na ja, Ihr habt schon recht. Dann würde das vertraute Kürzel kdk nicht mehr passen. Außerdem ist "Titan" bereits vergeben, an einen ehemaligen berserkerhaften Bayern-Torwart. 
 
Aber faszinierend ist der doppeldeutige Begriff schon. Einmal bezeichnet er ein Leichtmetall, zum anderen meist ein Schwergewicht. Denn Titanen bringen wegen ihrer Körpergröße oft reichlich Kilos auf die Waage. Mit meinen zusätzlichen Corona-Pfunden würde der Name vielleicht doch zu mir passen - aber lassen wir das. 
 
Da ich nicht sicher bin, ob Ihr Wikipedia auswendig gelernt habt, hier ein paar Stichworte zum chemischen Element Ti mit der Ordnungszahl 22. Erstaunlicherweise gehört Titan in der Erdkruste zu den zehn am häufigsten vorhandenen Elementen. Allerdings kommt es fast nie allein, sondern oft in mineralischen Verbindungen vor. 
 
Deshalb ist es auch aufwendig und kostspielig, Titan zur industriellen Verwertung zu gewinnen. Titan kostet mehr als 200mal soviel wie Stahl. Das meiste Titan wird in Australien gewonnen. Falls ich also nach der OP hüpfe wie ein Känguru, wisst Ihr, woher mein neues Hüftgelenk stammt. Einblicke in meinen Beutel gewähre ich jedoch nur engsten Freunden. 
 
So, nun vom Titan zu den Titanen. Jetzt wird's spannend. Denn die Geschichte der Titanen ist eine von Mord, Verstümmelung und Totschlag, die für die meisten Titanen übel endete. Am Anfang herrschte bekanntlich das Chaos. Einen letzten Überrest davon kann man heute noch in meinem Arbeitszimmer besichtigen. Doch ich schweife ab: Das Chaos gebar Uranos und Gaia, die Mutter der Erde. Da die beiden unsterblich waren, reichlich Zeit und daher Langeweile hatten, setzten sie viele Kinder in die Welt. 
 
Dabei experimentierte das Paar munter herum. Mit den ersten beiden Arten von Nachkommen, den Kyklopen und den Hekanthoncheiren (zu deutsch: Den Hundertarmigen) waren ihre Erzeuger so unzufrieden, dass sie sie tief in die Unterwelt verbannten. Die dritte Generation, die Titanen, lagen Mutter Gaia jedoch mehr am Herzen. Aber ihr Gatte wollte auch sie zur Hölle schicken. Als der Haussegen deshalb wieder einmal schief hing, verriet Gaia den Titanen den Plan ihres Vaters, worauf sie Uranos auflauerten und ihn brutal entmannten. 
 
Das sollte sich jedoch rächen. Die Titanen hatten inzwischen selbst Kinder gezeugt. Rhea und Kronos zum Beispiel Zeus & Co., die bald den Olymp der antiken Griechen bevölkern sollten. Und wieder war es Gaia, diese intrigante Schlange, die der Revolte des machtlüsternen Nachwuchses zum Erfolg verhalf. Sie gab Zeus und seiner Götterriege den Tipp, die Hundertarmigen aus dem Tartarus zu befreien, um mit ihrer Hilfe die Titanen in den Hades zu schicken. Mit ein paar Ausnahmen für die eigenen Eltern und Neutrale, gelang dies schließlich auch. Zumindest, wenn man Homer und seinen Kollegen trauen darf.
  
Da die Titanen nun seit Jahrtausenden in der Hölle schmoren, haben alle Giganten und Riesen ihren schlechten Ruf weg. Zudem haben sie eine Achillesferse in Form einer Steinschleuder-Allergie. Fragt nach bei Goliath. Ansonsten sind sie als brutale, einfältige Gimpel mit einer fatalen Neigung zum Menschenfressertum verschrien. 
 
Nun werden Sagen, Märchen und Horrorgeschichten meist von kleinen Menschen verfasst. Sie möchten ihresgleichen glänzen lassen, weil Zwerge in besonderem Licht erscheinen, wenn sie körperlich überlegene Typen aufs Kreuz legen. Nur, wenn es im realen Leben um Leistung geht, wie etwa beim Basketball, haben wir Großen eine Chance, nicht diskriminiert zu werden. Und nach meiner Veredlung mit Titan hoffe ich kleiner Großer (1,86 cm werden im Ausweis dokumentiert) in Eurer Wertschätzung endlich den angemessenen Rang einnehmen zu dürfen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Falls Ihr Euch jetzt fragt: "Was faselt der da? Haben sie ihm bei der OP auch das Hirn entfernt?", gibt es als Zugabe ein Dokument der Universitätsklinik Freiburg. Am 1. März 1907 schrieb Professor P. Wiedersheim diesen Befund: "Patient Franz Schlosser sieht auf Verlangen des Herrn Professors Wiedersheim weiße Mäuse." 

 

Schmunzelpost 304 vom 17. 2. 22

 

Ein Entrinnen ist schier unmöglich. Wer lief mir als Erster über den Weg, als ich mich gestern ins Dorstener Krankenhaus begab? Genau! Otto Kowalski, der frühere Bergmann, der nun nach der Umschulung sein Glück in der Krankenpflege sucht.  
 
"Hallo, Herr Kowalski, was machen Sie denn hier? Sie haben doch zuletzt im Marler Marienhospital gearbeitet?" "Kennen wir uns? Ach ja, Sie waren der Feinschmecker, der letzten Sommer dauernd was an der Verpflegung auszusetzen hatte. Aber Sie haben Glück! Ich habe in der Marler Klinikkantine viel gelernt und bin jetzt in Dorsten zum Küchenchef aufgestiegen. Der Klinikverbund macht es möglich." 
 
"Au backe - ich meine, ganz toll. Wie haben Sie das geschafft? In Marl sind Sie doch nur für Handlanger-Dienste wie Kartoffeln schälen und Salz in die Suppe streuen eingesetzt worden." "Ich habe den Köchen dort alles Notwendige abgeschaut. Und in Dorsten sagten sie: Schlimmer kann es sowieso nicht mehr werden. Versuchen wir es mal mit dem Neuen!" 
 
"Und wie funktioniert das?" "Ach, die Patienten maulen ja immer, die sind alle geschmacksgestört. Aber die Krankenhausleitung ist mit mir wohl sehr zufrieden. Ich hörte, dass ich befördert und bald in einem völlig neuen Tätigkeitsfeld eingesetzt werden soll. Ich bin schon sehr gespannt!" "Ich auch! Aber sagen Sie: Kann man hier auch den Pizzabringdienst kommen lassen?"
  
Kowalskis Miene verfinsterte sich und er zog wortlos ab. Hoffentlich habe ich da keinen Fehler gemacht. Aber vor der OP darf ich sowieso nichts essen und danach ist ja hoffentlich schon Ottos Nachfolger in der Küche am Werk. Mit diesem beruhigenden Gedanken lasse ich mich am nächsten Morgen in den OP-Saal schieben. 
 
Im Aufwachraum komme ich wieder zu mir. Eine Krankenschwester beugt sich über mich. "Na, da sind Sie ja wieder, Sie Glückspilz. Wir haben uns schon große Sorgen um Sie gemacht." "Warum das denn?" "Unser bester Chirurg ist erkrankt und deshalb musste kurzfristig ein Ersatzmann einspringen. Aber das ist eine echte Kapazität, besser hätte die Operation kein anderer hingekriegt. Doch vielleicht wollen Sie selbst mit ihm reden. Da kommt er ja schon." 
 
Ein massiger Typ baut sich vor mir auf. Entfernt kommt er mir bekannt vor. "Herr Doktor, vielen Dank für die gute Arbeit. Wann werde ich wohl wieder ohne Unterarmgehstütze laufen können?" "Wenn Sie bei der Therapie fleißig mithelfen, kann das schon in vier Wochen der Fall sein", sagt Otto Kowalski und nimmt grinsend seine Maske ab. "Aber ich habe mich schon gefragt, warum Sie unbedingt ein neues Knie wollten - das alte war doch noch ganz gut!" "AAAAAAAAAAAAH!!!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 303 vom 16. 2. 22 


Und schon geht es weiter mit dem bunten Reigen der Aktionstage. Heute, am 16. Februar, ist der "Internationale Tag der Mandel". Den haben, wie sollte es auch anders sein, die Amerikaner eingeführt. Das scheinen echte Mandel-Freaks zu sein. Am 29. Juni feiern sie auch noch den "Tag des Mandel-Buttercrunch", am 8. Juli folgt bereits der "Tag der Mandelschokolade" und, als Krönung des Ganzen, am 7. November der "Tag der Zartbitterschokolade mit Mandeln". Wenn Ihr mich fragt: Die haben keinen an der Mandel, die Amis, die haben einen an der Waffel! Immerhin habe ich so gelernt, dass nur dumme Nüsse Mandeln für Nüsse halten. Die Mandel ist ein Steinobst! 

 

Positiver stehe ich dem "Tu-einem-Griesgram-einen-Gefallen-Tag" gegenüber. Der kommt, Überraschung!, aus den USA und heißt im Original "Do a Grouch a Favour Day". Das lässt auf die Herkunft schließen. Oscar, the Grouch, ist eine Figur der Sesam-Straße und der Muppets. Der arme Kerl muss dort in einer Mülltonne hausen. Kein Wunder, dass er da griesgrämig geworden ist. 

 

Im Deutschen leitet sich das Wort übrigens von griesgramden ab, was so viel bedeutet wie knirschen. Wer vor Wut mit den Zähnen knirscht, ist danach ein Griesgram und sollte am 16. 2. mit Aufmerksamkeiten und netten Gesten aufgeheitert werden. Als Morgenmuffel bin ich hauptsächlich an den frühen Stunden des Tages griesgrämig. Mit Euren netten Gesten solltet Ihr daher bei mir warten, bis die frühen Stunden vorüber sind. Also bis gegen 13 Uhr. 

 

Morgen, am 17. Februar, müsst Ihr Eure Aufmerksamkeiten nicht auf Griesgrame beschränken. Das ist der "Tag der grundlosen Nettigkeiten". Außerdem ist der 17.2. der "Tag des menschlichen Geistes". Wenn man im Internet genaueres erfahren will, bekommt man nur den Hinweis, dass dieser Tag der Kreativität, Friedlichkeit und Spiritualität gewidmet ist. Gleich daneben könnt Ihr Euer Horoskop anklicken! Und in den Suchmaschinen folgen Angebote für Pullis und Hoodies, künstlerische Deko-Waren und Grußkarten. Da werde ich sofort griesgrämig! 

 

Zum Glück kann ich meinen Serotonin-Spiegel am 18. Februar wieder aufpäppeln. Das ist der "Tag der Minzschokolade". Ich hätte gewettet, dass den die Engländer erfunden haben. Irrtum! Das war 2003 die National Confectioners Association. Und das ist eine amerikanische Handelsorganisation, die jedes Jahr 37 Milliarden Dollar Umsatz macht. Der Griesgram wird zum Berserker! 

 

Doch am 18. Februar gibt es noch einen Grund zum Feiern. Ein italienischer Wissenschaftler hat Geburtstag. Happy Birthday, Allesandro Guiseppe Antonio Anastasio Graf von Volta! Volt, Watt, Ampere, Ohm, ohne ihn gäb's keinen Strom. Ein guter Einfall, daher den 18.2. zum "Tag der Batterie" zu machen. Das waren doch bestimmt die Italiener? Nein? Die Amerikaner? Mich trifft der Schlag! 

 

Aber jetzt! Jetzt kommen wir zum 19. Februar und damit zum "Internationalen Tag des Tauziehens". Tauziehen war von 1900 bis 1920 sogar olympische Disziplin. Bei der Premiere 1900 in Paris gewann ein gemischtes Team aus Schweden und Dänemark. Zwar holten danach auch Deutschland und die USA je einmal die Goldmedaille, aber erfolgreicher im Medaillenspiegel waren die Mannschaften aus Schweden und Großbritannien. Wahrscheinlich sind die Amerikaner deshalb bis heute noch so beleidigt, dass sie am 27. August ihren eigenen "Ehrentag des Tauziehens" eingeführt haben. 

 

Trotzdem bin ich griesgrämig gestimmt. Ich muss nämlich gleich ins Krankenhaus. Wegen der Hüfte. Aber ich werde mich bemühen, weiterhin täglich eine Schmunzelpost zu senden. Zu Risiken und Produktionsausfällen befragt meinen Arzt oder Bestatter. 

 

Glückauf 

kdk 

 

PS. Den Klinikaufenthalt und die Reha will ich auch nutzen, um etwas für meine Leber zu tun. Die Arme wird mindestens vier Wochen lang keinen Tropfen Alkohol bekommen! Zwar bedaure ich, solange auf Wein zu verzichten, aber Briefe wie den folgenden soll es über mich niemals geben: "Liebe Helma! Der Doktor sagte zu mir nach der Untersuchung, mein Karl leidet an Säuferwahn. Aber der Doktor liegt damit schief. Denn das ist kein Wahn, er säuft wirklich! Es grüßt Dich Deine Frederike." 

 

Schmunzelpost 302 vom 15. 2. 22

Einige Religionen, wie beispielsweise der Buddhismus, drohen uns mit einer Wiedergeburt. Ich habe mir mal die praktischen Konsequenzen ausgemalt und empfehle zum besseren Verständnis des folgenden Textes die erneute Lektüre der gestrigen Schmunzelpost. Darin ging es um den heutigen "Tag des Regenwurms". Und als solcher könnte ich ja im Falle eines Falles wieder zur Welt kommen. 
 
"Knusper, knusper, knäuschen, wer knabbert an meinem Kläuschen?", fragt entsetz meine Mutter im besten regenwurmischen Dialekt. In der Tat: Eine dreiste Amsel interessiert sich lebhaft für mein Hinterteil. Zum Glück habe ich mir meine Reaktionsschnelligkeit aus dem vorigen Leben bewahrt. Da ich mich als Wurm sehr gut regenerieren kann, überlasse ich dem blöden Vogel zehn meiner 120 Segmente und mache mich vom Acker. Oder besser gesagt: Ich bringe den intakten Rest von mir unter Tage in Sicherheit. 
 
"Was hast Du doofer Wurm auch da oben zu suchen?", schimpfe ich mit mir nachträglich über meinen Leichtsinn. Leider ließen mich rudimentäre Erinnerungsfetzen an mein Leben als Mensch gelegentlich ans Licht streben. "Damit ist jetzt ein für allemal Schluss!", lege ich mich fest, "was trauere ich einer Welt voller verrückter Zweibeiner hinterher - der Wurm ist die wahre Krone der Schöpfung." 
 
Um dies in voller Schönheit auszuleben, gilt es nun jedoch, schnell die verlorenen Körperteile nachzubilden. Und das geht nur auf eine Weise: Fressen, fressen, fressen! Leider hat der verstorbene Besitzer dieses Grundstücks die Gartenarbeit sträflich vernachlässigt. Ich vermute, dass der allmächtige Überwurm mich gerade deshalb hier zur Strafarbeit eingesetzt hat. Zack! Schon wieder ein Stein! Gut, dass ich zahnlos bin, sonst würde ich jetzt ein neues Gebiss brauchen. 
 
Mmmh, mal schnuppern, ob es in größerer Tiefe mehr zu holen gibt. Die faule Socke von Mensch hat doch niemals einen Spaten in den Boden gerammt oder eine Stahlmatte gegen Maulwürfe unter die Rasendecke verlegt, wie der Nachbar das getan hat. Ihr fragt, wo Regenwürmer ihre Nase haben? Wir riechen und atmen durch die Haut. Man muss sich nur zu helfen wissen. 
 
Hoppla, wo bin ich denn jetzt hineingeplumpst? Waren das einst die Bergleute von Zeche Fürst Leopold? Oder welcher Riesenwurm hat diesen gewaltigen Tunnel ins Erdreich getrieben? Na egal, wo der Schacht einmal da ist, kann ich ihn auch benutzen, um weiter nach unten vorzudringen. Was rufst Du da, Mutti? Ich kann Dich nicht hören, wir Würmer sind doch taub! Versuch's mal mit Gebärdensprache. Ach, richtig, zum Sehen ist es zu duster, und Augen habe ich ja auch nicht. Bleibt nur noch das gute alte Wurm-Morsealphabet: Mit dem Schwanz auf den Boden trommeln. Wir sind ja sehr sensibel für Erschütterungen. Mal fühlen: M.....a.....u......l.......w.... - meine Güte, Maulwurf, Großalarm!!!
  
Nichts wie weg! Wir Würmer sind die Leibspeise der Maulwürfe, und sie wittern uns einen Meter gegen den Wind! Also schnell wieder zurück nach oben, die Mörder-Wühler trauen sich meist nicht an die Oberfläche. Hilf Himmel, da kommt er schon! Teufel, ist der schnell! Und jetzt packt er mein Hinterteil. Was mache ich bloß? Nochmal 20 Segmente opfern? Erstmal raus dem Boden. Scheiße, da ist die Amsel wieder! Leb wohl, schöne Welt. Mal sehen, ob ich das nächste Mal als Eintagsfliege wenigstens ein paar gemütliche Stunden erlebe. 
 
Doch was ist das? Der riesige Schatten, den sogar meine schwachen Lichtreflektoren wahrnehmen? Das ist der Kater des ehemaligen Gartenbesitzers. Die Amsel hat ihn angelockt. Der Vogel ist zwar weggeflogen, aber der Kater interessiert sich jetzt für eine viel fettere Beute. Nein, keinen Regenwurm, der Maulwurf ist das Objekt seiner Begierde. So eine dicke Maus hat er ja noch nie gefangen. Und, zappzarapp, es ist vollbracht! Der Kater trollt sich mit dem Maulwurf im Maul. Ich bin gerettet! Ein dreifaches "Wurm-Hoch, Wurm-Hoch, Wurm-Hoch!" auf alle Menschen, die Katzenfreunde sind. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auf die Zugabe wollen wir auch hier unten im Erdreich nicht verzichten. Manche Frauen hätten es gern, wenn ihre Verehrer blind gegenüber den Reizen anderer wären und aufs Flirten verzichten würden. Bei solchen Damen ist ein Beschwichtigungsschreiben angebracht: "Liebes Fräulein Agnes! Ich mißbillige die konventionellen Lügen. Wenn Sie, verehrtes Fräulein Agnes, mich zu vielen Leuten sagen hören: 'Ich bin ganz entzückt, Sie zu sehen!', so entspricht diese Bemerkung in jedem Falle der Wahrheit. Ich möchte nämlich nicht blind sein! Ihr   getreuer Ottokar."   

 

Schmunzelpost 301 vom 14. 2. 22

Damit Ihr Vorbereitungen zur Feier des morgigen Aktionstages treffen könnt, beschäftigen wir uns heute ausführlich mit zwei weltbewegenden Anlässen, die am 15. Februar auf uns zukommen. 
 
Vernachlässigen werde ich, dass der 15.2. auch der internationale Angelman-Tag ist. Erst vermutete ich ein fehlendes "N" und glaubte, der Tag sei der Zunft der Angler gewidmet. Doch weit gefehlt. Der Angelman-Tag ist nach einem Wissenschaftler benannt, der sich mit Gendefekten befasste. Nun wird versucht, die Aufmerksamkeit der Welt darauf zu lenken. 
 
Zumindest bei einer Gruppe dürfte große Erleichterung ausgelöst haben, dass es nicht um das Ködern von Fischen geht. Vielleicht waren es die Freunde des lumbrizus terrestris aus der Ordnung der Wenigborster, die daher den 15. Februar zum "Tag des Regenwurms" gekürt haben. Denn auch ohne als Fischfutter zu dienen, hat der Gemeine Regenwurm und sein naher Verwandter, der Kompostwurm, schon Feinde genug: Maulwürfe, Vögel, Igel, Kröten und Frösche, um nur einige zu nennen. 
 
Doch wie heißt es so schön: Viel Feind, viel Ehr! Der Regenwurm hat eine Würdigung wirklich verdient. Als "Held des Bodens" sorgt er dafür, dass unsere Erde aufgewertet wird und fruchtbar bleibt. Je mehr Würmer im Gartenboden herumwuseln, desto besser! In nur einem Quadratmeter gesundem Boden stecken rund 100 Würmer! Und was wissen wir von unserem nützlichen Nachbarn? Fast nichts! Überdies: Was wir zu wissen meinen, ist manchmal auch noch falsch. 
 
Wenn man einen Regenwurm teilt, entstehen daraus nämlich keineswegs nach und nach zwei neue intakte Würmer. Zwar besitzt der emsige Geselle die Gabe der Regeneration, aber nur dann, wenn sein Kopf und möglichst 40 anschließende Segmente erhalten bleiben. Und ausgewachsene Regenwürmer haben sogar 160 Segmente. 
 
Clevere Maulwürfe machen sich das zunutze. Als Sofortimbiss verzehren sie oft nur den vorderen Teil des Regenwurms. Das Hinterteil, das auch ohne Kopf noch einige Zeit lebt, verstauen sie in ihrer Vorratskammer als Frischfleisch für späteren Bedarf. So ein Wurm hat es nicht leicht! 
 
Von der Natur sind Regenwürmer ohnehin nicht besonders gesegnet. Sie sind taub, fast blind (nur Helligkeit erspüren sie mit ihrer Haut) und können noch schlechter hüpfen als ein Elefant. Dafür gibt es aber 670 verschiedene Arten, von denen 46 hierzulande zuhause sind. Schauen wir ins Wurminnere: Am Kopf befindet sich das Maul, direkt dahinter das Oberschlundganglion, ihr Gehirn. Ans Maul schließen sich direkt die Speiseröhre und der Muskelmagen an, mit dem Würmer die Erde filtern und in Humus verwandeln. Dazu ist auch ein Mordsdarm nötig, der vom Magen bis zum After reicht. Der Gemeine Regenwurm kann zwischen neun und maximal 30 cm lang und bis zu acht Jahre alt werden. 
 
Warum aber heißt der Regenwurm Regenwurm? Eine Erklärung besagt, dass er besonders rege ist. Das stimmt! Unermüdlich ist er bis in 10 m Tiefe mit Kriechen, Fressen, Verdauen sowie Fressen, Kriechen und Verdauen beschäftigt. 
 
 Die zweite Namensdeutung leitet sich davon ab, dass wir Regenwürmer hauptsächlich bei Regen zu sehen bekommen. Dies liegt daran, dass zu viel Wasser im Boden gar nicht gut für sie ist, sie drohen dann zu ertrinken. Andererseits muss ihre Haut stets feucht sein, an Sonnenbrand können sie ebenfalls sterben. Wer also einen lebenden Wurm findet, sollte ihn auf unbefestigten Boden legen und mit einem Blatt vor der Sonne schützen, nicht nur am Tag des Regenwurms. 
 
Höre ich ein leises Grummeln? Was gibt es da zu maulen? Ich erzähle einen vom Pferd? Nein, vom Wurm! Und wenn Ihr nicht gleich Ruhe gebt, hänge ich noch ein Kapitel über den Bandwurm dran! Aber ich bin gnädig und leite jetzt elegant zum Tag des Singles über, der ebenfalls am 15. Februar gefeiert wird. 
 
Apropos: Regenwürmer sind übrigens auch Singles. Und, frohe Botschaft für alle Fans der Diversitäts-Kultur - sie sind auch Zwitter. Trotzdem benötigen sie zur Vermehrung Partner. Ihre männlichen Geschlechtsteile befinden sich nämlich im zwölften Segment, die weiblichen im 13. und 14. Segment. Um sich zu vermehren, legen sich zwei Regenwürmer nebeneinander... - was denn? Ihr meint, in meiner Single-Berichterstattung steckt der Wurm? Na gut, wechseln wir zu menschlichen Singles. Die legen sich zwar auch manchmal nebeneinander, aber eher selten zum Zwecke der Vermehrung. Oft sind sie auch ganz allein.
  
Das ist traurig? Ja, das kann sein. Deshalb heißt der "Tag des Singles" auf englisch auch "Singles Awareness Day", abgekürzt SAD. Damit Singles auch mal was zu lachen haben, wurde ihr Tag bewusst direkt hinter den Valentinstag, den Feiertag der Verliebten, gelegt. Singles sollen sich am 15.2. selbst feiern, statt sich zu bemitleiden. 
 
Ohnehin gibt es zwei Sorten Singles. Diejenigen, die es freiwillig sind und dies auch gerne. Und die anderen, denen ein passendes Gegenstück fehlt. Für die zweite Gruppe habe ich eine Buchempfehlung. Ein Sachbuch mit dem schönen Titel "Single? Warum eigentlich? Ist das Leben ein Arschloch oder bist du es?" 
 
Wie auch immer. Feierwillige Singles kleiden sich am 15. Februar ganz in grün und lassen die Sau raus. Und merken am Ende des Feiertages, wie gut es ist, Single zu sein - es meckert niemand, wenn sie ziemlich knülle viel zu spät nach Hause kommen. 
 
Glückauf 
kdk 
  
PS. Als Nachtrag zur vorhergegangenen fluchbeladenen Schmunzelpost hat Martin sich im Rheinland umgehört und dort einiges über geschicktes Schimpfen erfahren: " In Sachen Schimpfen sind doch die Kölner wahre Meister, denn sie schaffen es, jemandem so richtig zu sagen, was sie von ihm halten, ohne eine Beleidigungsklage zu riskieren! Wenn es dem Kölner zu bunt wird, sagt er: "Du Arsch.....hätt isch beinah jesaht!" Hat er aber nicht gesagt, er hat nur darüber informiert, was er BEINAHE gesagt HÄTTE, wenn er sich's nicht verkniffen HÄTTE.
Jemand hatte sich mal über eine Stadtratsentscheidung mit knapper Mehrheit geärgert und in der Zeitung inseriert: "Die Hälfte unseres Stadtrats sind Idioten!" Er wurde wegen Beleidigung dazu verdonnert, das zurückzunehmen. Daraufhin inserierte er: "Mit großem Bedauern nehme ich die Behauptung zurück, dass die Hälfte unseres Stadtrats Idioten sind und gebe hiermit zu, dass die Hälfte unseres Stadtrats keine Idioten sind!" 

 

Schmunzelpost 300 vom 13. 2. 22

Wieder was dazu gelernt! Durch die Lektüre der Süddeutschen Zeitung erfuhr ich gestern, was ein Malediktologe so treibt. Das ist ein Wissenschaftler, der sich der Erforschung der Schimpfkultur verschrieben hat. Begründet hat dieses Spezialgebiet der gebürtige Regensburger Reinhold Aman, der einst als Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität von Wisconsin lehrte. Er verstarb vor drei Jahren.
  
Sein trauriges Schicksal zeigt einmal mehr, dass zwischen Theorie und Praxis oft Welten liegen. Aman sandte seiner geschiedenen Ehefrau zwei Karten die Zeitungsmeldungen über Ex-Ehemänner enthielten, die ihre früheren Gattinnen getötet hatten. Der Malediktologe verstand das als schwarzen Humor, das US-Gericht verstand es als Morddrohung. Von der Haftstrafe erholte sich Aman nicht mehr. 
 
Trotzdem gehe ich das Risiko ein, mich heute mit Flüchen, Beschimpfungen und Beleidigungen zu befassen. Schließlich hat gerade auch das deutsche Verfassungsgericht gegen die Klage von Jan Böhmermann entschieden, der zwei Verse seines Schmähgedichts über Erdogan nicht mehr verbreiten darf. Auch einem Bosnier wurde in Landshut eine Geldstrafe von 1000 Euro aufgebrummt, weil er sich einem Ordnungshüter mit den Worten "Mich leckst am Arsch!" widersetzt hatte, als der ihn in der Fußgängerzone vom Fahrrad zerrte. Der Sünder verteidigte sich mit der Erklärung, dass er nur der Obrigkeit seinen Respekt zum Ausdruck bringen wollte. 
 
Das Amtsgericht erklärte dazu, dass nur ein Bayer das nötige Sprachgefühl besitze, um beim Gebrauch des Götz-Zitates die nötigen Nuancen zu beherrschen. Seit 1913 gilt der Ausdruck bei den Voralpen-Bazis auch als Ausdruck des Staunens. Schon Ludwig Thoma habe literarisch verdeutlicht, dass vermeintliche Beleidigungen in Bayern gelegentlich auch als Belobigung oder sogar als Bewunderung verstanden werden dürfen. Habt Ihr das kapiert, Ihr platterten Mistgabelbarone und luftgseichten, miserabligen Haderlumpen? 
 
Wenn nicht, dann solltet Ihr Euch die Liste des Deutschlandfunks besorgen, der vor kurzem einen Beleidigungs-Ratgeber veröffentlicht hat. Mit dem könnt Ihr vermeiden, bestimmte Gruppen zu diskriminieren. Zu den unproblematischen Vorschlägen zählen Hanswurst, Vollpfosten, Pissnelke und Eierschalensollbruchstellenverursacher. 
 
Und wie flucht man in anderen Ländern? Besagter Reinhold Aman hat 1973 ein Schimpfwörterbuch herausgegeben, das Ausdrücke aus Hunderten von Sprachen enthält und bis heute als Standardwerk gilt. Als moderne Fortschreibung ist inzwischen im Internet die Seite www.schimpfanse.de zu finden, die Flüche aus aller Frauen Länder katalogisiert. 
 
Falls Ihr jemand auf albanisch beleidigen wollt, bietet sich "Dallkauk" an, was sowohl Arschkriecher wie auch Schleimer bedeutet. Auf chinesisch biete ich Euch zwei geschlechtergerechte Varianten an: Für Männer "An Zog de Hunden" (Drecksack) und für Frauen "Ben Niu" (blöde Kuh). 
 
Alter Schwede, auch die Skandinavier können mächtig losledern. Auffällig, dass auch auf schwedisch das Gendern bei Begriffen für Frauen oft mehr Mühe macht. So heißt der Hurensohn schlicht "Jävel", die Hurentochter jedoch "Trelös anfällighet löpa Dotter". Und in der Schweiz klingen selbst Beleidigungen relativ niedlich. "Löli" bedeutet Trottel, "Glünggi" Schurke und mit "Läck mir am Tschöpli" schließt sich der Kreis zum Beginn der heutigen Ausführungen. 
 
Wenn wir schon wieder bei den Bajuwaren sind: Der Schriftsteller Günter Herburger schleuderte allen, die ihn bei seinen Laufrunden in München behinderten, seinen schlimmsten Fluch entgegen: "Du Bayer!" Vielleicht lautete die Antwort dann: "Himmiherrgottsakramentzefixkreizbirnbaumsacklzement!" 
 
Wie subtil belobigt oder beleidigt wird, zeigt die Zugabe mit der Inschrift eines Schildes, das die Holsteiner Gemeinde Eidelstadt 1932 an einer wilden Müllkippe aufstellte: "Wer sich nicht schämt, hier Unrat abzuladen, kann sich von der Gemeindevertretung eine Bescheinigung holen, daß er ein Schwein ist!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Für den Hobby-Elefantenforscher kdk war das natürlich keine Herausforderung. Aber ich gebe die Frage, die Martin nach der letzten Schmunzelpost stellte, gern an Euch weiter: "Welches Tier kann höher springen als der Eiffelturm?" (Anmerkung: Der Eiffelturm ist gut 330 m hoch!) Auflösung in der nächsten Folge. 

 

Schmunzelpost 299 vom 12. 2. 22

Zu meinen selbst erwählten regelmäßigen Pflichten gehört es, Ordnung in den Bücherschrank der Altstadt zu bringen. Hin und wieder profitiere ich davon auch selbst. Auch gestern. Da fiel mir ein Buch mit dem Titel "Warum können Elefanten nicht hüpfen?" ins Auge. Logisch, dass dieses Werk sofort für meine heimische Bibliothek des abseitigen Wissens gesichert wurde. 
 
Ein paar Fragen und Antworten reiche ich gern an Euch weiter. Und das mit gutem Gewissen, weil hinter dem Buch das britische wissenschaftliche Magazin "New Scientist" steckt und die Erklärungen deshalb wirklich fundiert sind. Die Fragen stammen von Lesern - und manche davon habe ich mir auch schon gestellt, ohne als old Non-Scientist auf eine Antwort zu kommen. 
 
Ein erstes Beispiel: Warum stehen manche Vögel nur auf einem Bein? Bei Menschen wird dies nur selten beobachtet. Nur bei Ian Anderson, wenn er für Jethro Tull die Flöte spielt. Oder bei einigen Piraten, denen ein Bein aus beruflichen Gründen abhanden gekommen ist. Wenn ich das jedoch teste, um mich auf die Zeit nach der Hüft-OP vorzubereiten, habe ich nicht nur Probleme mit dem Gleichgewicht, sondern spüre deutlich, dass mein gesamtes Körpergewicht nur noch auf einer Säule lastet. 
 
Die Redaktion des Buches schickt eine Anmerkung vorweg: "Vielen Dank allen, die die Antwort 'Weil sie umfallen würden, wenn sie auch das zweite Bein anheben' gaben. Die alten Witze sind doch die besten." Der erste Populationsbiologe des "British Trust of Ornithology" weiß es jedoch noch besser. Er nennt drei Gründe. Bei Kälte stecken z.B. Flamingos ein Bein unter die Federn, um Energie- und Wärmeverluste zu verringern. In heißen Gegenden ist es umgekehrt. Das Blut im Bein erhitzt sich ungeschützt vom Körper viel schneller. Und dann spielt bei langbeinigen Vögeln noch eine Rolle, dass es Kraft kostet, das Blut durch die engen Kapillaren zu pumpen. Je näher das Bein dem Herzen ist, desto leichter funktioniert der Kreislauf. 
 
Unter den Menschen soll es auch komische Vögel geben, die zwar nicht auf einem Bein stehen, aber gern in der Nase bohren und ihre Popel dann verzehren. Deshalb fragte ein gewisser Thomas Walker: "Schadet es mir, wenn ich meine Popel esse?" 
 
Die Antwort darauf: "Essen Sie lieber Kirschen! Auch wenn Popel Ihrer Verdauung nicht schaden, könnte das für Ihre Sozialbeziehungen durchaus der Fall sein." Rein physiologisch betrachtet dürfte es keine Probleme geben. Wäre der leckere Popel nicht getrocknet, dann wäre er sowieso in den Rachen getropft und verschluckt worden. Nur in relativ seltenen Fällen werden danach vorhandene Keime oder toxische Staubpartikel in den Eingeweiden nicht abgetötet. 
 
Nun, derartige kulinarische Vorlieben pflege ich nicht. Und nachdem ich jetzt die Antworten auf die Frage, wie Schwertschlucker ihr Kunststück fertig bringen, gelesen habe, werde ich mein Training sofort einstellen. Auch die Alternative als Feuerschlucker erscheint mir nun nicht mehr erstrebenswert. Denn ein gewisser Dan Mannix schreibt in seinen "Memoirs of a Sword Swallower": "Ich wäre wohl nie der beste Feuerschlucker Amerikas geworden, wenn Flamo, der Große, nicht an jenem Abend vor den Augen des Publikums explodiert wäre." Nun ja, jeder muss wissen, was ihn anspornt. 
 
Mich schreckt schon die Beitritts-Voraussetzung zur SSAI, das ist die Sword Swallower's Associtation International, gründlich ab. Potentielle Mitglieder müssen beweisen, dass sie eine nicht einziehbare, massive Stahlklinge, 
die mindestens 2 Zentimeter breit und 38 Zentimeter lang ist, durch ihre Speiseröhre bis tief in die Magengrube einführen können. 
 
Manche Schwertschlucker nehmen daher vorab eine üppige Mahlzeit zu sich, um den Magen etwas zu dehnen. Ob Butter hilft, ist umstritten. Hauptgleitmittel ist der Speichelfluss. Und entscheidend die erlernte Fähigkeit, den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen zu kontrollieren. Rekordhalter ist ein Artist mit einer beeindruckenden Körpergröße von 2,20 m. Ihm gelang es, eine 82,5 cm lange Klinge einzuführen und das zu überleben. 
 
Was man nicht von allen Schwertschluckern sagen kann. Einer streifte versehentlich sein Herz - Exitus. Und mehrere andere mussten sich einen anderen Job suchen, weil sie Rachen und Speiseröhre perforiert hatten. Trotzdem machte 2010 "The Space Cowboy" aus Australien Furore. Er schluckte gleichzeitig 18 (!!!) Schwerter mit einer Klingenlänge von 75 cm. Mahlzeit! 
 
Die Zugabe zeigt, dass man durch eine Klinge auch auf andere Weise ins Jenseits befördert werden kann, zum Beispiel, wenn sie am Schafott befestigt ist. Verwechslungen sind peinlich, selbst wenn man überlebt. Davon zeugt diese Tageblatt-Anzeige, einspaltig, 4 cm hoch, mit 2 mm fettem Rand, die August Schultze am 28. März 1930 aufgab: "Hierdurch erkläre ich, daß ich mit dem geköpften Raubmörder August Schultze nicht identisch bin. August Schultze, Berliner Straße 60, 5. Hof, Quergebäude, 4 Treppen." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ach ja, Ihr wollt noch wissen, ob es stimmt, dass Elefanten die einzigen Vierbeiner sind, die nicht hüpfen können. Richtig ist, dass Elefanten tatsächlich nicht aus dem Stand abheben können. Aber, wie John R. Hutchinson, Assistenzprofessor für Evolution der Biomechanik an der University of London, weiß: Schildkröten, Krokodile, Maulwürfe und Faultiere können das auch nicht.  Und J. H. Williams beschreibt in seinem Buch "Herr über zweitausend Elefanten" wie eine durchgehende indische Elefantendame mühelos über einen Graben springt, aber danach kurz auf beiden Vorderfüßen lahmt. 
 
Beinahe-Schwertschlucker und Hobby-Elefantenforscher Klaus-D. Krause fügt hinzu: Elefanten können sehr wohl hüpfen, werden dabei jedoch nicht gern gesehen, seit sie mal Menschen beim Tanzen beobachtet haben. Der Anblick war peinlich, und Elefanten haben ein gutes Gedächtnis. Deshalb treffen sich ihre besten Athleten jetzt alle vier Jahre heimlich an versteckten Orten, um dort Wettkämpfe im Twist, Hula Hoop und Seilchenspringen auszutragen. 
 

 Schmunzelpost 298 vom 11. 2. 22

Es ist interessant, an einem ansonsten gänzlich unspektakulären Tag innezuhalten und zu fragen: "Was ist eigentlich am 11. Februar früherer Jahre passiert?" Dabei kommen mitunter Personen und Ereignisse ans Licht, die es wert sind, sich an sie zu erinnern. Schauen wir also mal zurück. 
 
Zuerst richten wir den Scheinwerfer auf Frankreich. Da begann auf Befehl des französischen Königs Karl IX. am 11. Februar 1573 die Belagerung von La Rochelle. Das war damals die Hochburg der Hugenotten, also der evangelischen Christen, in Frankreich. Danach ließ die katholische Mehrheit nicht mehr locker und vertrieb nach und nach alle bekennenden Protestanten aus ihrem Land. 
 
Warum ist das spannend und betrifft auch uns? Ganz einfach: Vom Zustrom der Hugenotten und ihren Kenntnissen und Fähigkeiten profitierte später Preußen ganz erheblich. Die einstmals unbedeutende deutsche Provinz blühte auf, wurde zum Königreich und zur europäischen Großmacht. Ohne Hugenotten kein starkes Preußen, ohne starkes Preußen kein vereintes Deutschland und ohne Kaiserreich ein völlig anderer Geschichtsverlauf, womöglich ohne Weltkrieg. Wer weiß? Darüber könnt Ihr jetzt mal zehn Minuten nachdenken. Wenn Ihr damit fertig seid, gucken wir nach Japan. 
 
Auch im Fernen Osten ereignete sich am 11. Februar 1889 etwas Entscheidendes, das die Zukunft der Welt beeinflusste. Die Japaner, die sich jahrhundertelang China zum Vorbild genommen hatten, dachten seit längerem über den Vorsprung des Westens nach. Sie zogen daraus ihre Konsequenzen und passten Forschung, Wirtschaft und Politik dem westlichen Muster an. 
 
So gab Tenno Meiji freiwillig einen großen Teil seiner Macht ab. Am 11. 2. 1889 wurde Japan von einer absolutistischen zu einer konstitutionellen Monarchie nach europäischem Vorbild. Und ins Land der aufgehenden Sonne zog die Moderne ein. Dass dies kein Garant dafür ist, dass gleichzeitig auch die ethischen Ideale der Demokratie umgesetzt werden, zeigte leider die Geschichte. 
 
Nun stecken wir den Kopf unter Wasser. Am 11. 2. 1971 war der Meeresboden-Vertrag unterschriftsreif. Nicht auf dem Grund des Ozeans, sondern in den Regierungssitzen in Washington, London und Moskau. Dieser Vertrag untersagt bis heute die Lagerung von Atomwaffen auf dem Meeresgrund. Hurra! Delphine trugen mit Palmzweigen im Maul die Friedensbotschaft in alle Welt. 
 
Schade nur, dass die weiteren Friedensbemühungen im Meeresschlamm stecken blieben. Weder gelang es, Atomwaffen weltweit zu ächten, noch Lagerung und Transport in der Luft oder im Weltraum auszuschließen. Und selbst unter Wasser wurde das Abkommen alsbald unterlaufen. 
 
Dies zeigte ein Ereignis vom 11. 2. 1993, das Boris Jelzin vor Wut Feuerwasser spucken ließ. Da stieß nämlich ein russisches U-Boot nahe der russischen Küste mit einem amerikanischen Atom-U-Boot zusammen. Was aber nutzen Verbote der Stationierung von Atomwaffen auf dem Meeresgrund und in Nachbarländern, wenn die nukleare Bedrohung munter wie ein Fisch im Wasser durch die Weltmeere kreist? Es bleibt dabei: Nur das fragile Gleichgewicht des Schreckens hat uns davor bewahrt, dass seit 1945 keine Atombomben mehr zum Einsatz kamen. 
 
Das ist kein Stoff zum Schmunzeln, meint Ihr? Ihr habt recht. Wenden wir uns der Kultur und dem Sport zu. Am 11. Februar 1963 nahm eine bis dahin hauptsächlich Liverpoolern und Hamburgern bekannte Kapelle ihre erste Langspielplatte auf. Und danach ging die Post ab! Richtig, das waren die Beatles. Ihnen gelang das Kunststück, ihr komplettes Premierenalbum "Please Please me" von 10.30 Uhr bis 23 Uhr an nur einem einzigen Tag aufzunehmen. 
 
Das Album enthielt auch den ersten Single-Hit "Love me do" und das Isley-Brother-Cover "Twist and Shout". Da die gesamte Band erkältet war, entschied Produzent George Martin den Rock'n-Roll-Titel ganz zuletzt einzuspielen. Lead-Sänger John Lennon war derart erkältet, dass nur die allererste Fassung verwertbar war. Twist and Shout? Gesundheit! 
 
Nun kommen wir abschließend zu einem epochalen Ereignis, das jedem wahren Fußballfreund ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern muss. Am 11. Februar 2006 schlug Schalke 04 Bayer Leverkusen mit 7:4. Es war das torreichste Spiel der Fußball-Bundesliga seit Jahrzehnten. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. In Erinnerungen schwelgend hätte ich vor lauter blau-weißer Glückseligkeit fast die obligatorische Zugabe vergessen. An welchem Tag das nachfolgende Schreiben versandt wurde, kann ich leider nicht sagen. Aber am 11. Februar 2022 verleihe ich dem Ortspolizisten Luitpolt Böhme für seinen Brief an den Gemeinderat Löbenau nachträglich den Oscar für unbewusste Frauenverachtung: "Nachdem der Unterzeichnete durch seine demnächstige Verheiratung mit der Gütlerstochter Barbara Socker von hier ein schönes Stück Rindvich hereinbekommt, bittet derselbe um Erweiterung seines Ziegenstalles für die erheiratete Kuh."      
 

 Schmunzelpost 297 vom 10. 2. 22

Es ist mal wieder höchste Zeit, sich auf diverse Aktivitäten vorzubereiten. Hier kommt die Vorschau auf anstehende Aktionstage mit eher schrägem Hintergrund. 
 
Vorher aber eine kleine Rückschau. Wider Erwarten hatte der "Tag der Feuchtgebiete" am 2. Februar doch nichts mit Bestseller-Autorin Charlotte Roche zu tun. Dies geht aus einer Absichtserklärung der NRW-Landesregierung hervor. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser hat nämlich erkannt, dass "Feuchtgebiete und intakte Moore das Klima und die Artenvielfalt schützen. Sie sind Kohlenstoffspeicher und Lebensraum." Daher, so das Ministerium, sollen neue Konzepte die Wiederherstellung der Moore und Wiedervernässung der Feuchtgebiete ermöglichen. 
 
Das ist schön. Wenn nur nicht der Zweifel an mir nagen würde. Vor einigen Jahren, im Sommer 2014 hatte nämlich das NRW-Umweltministerium sich dazu bereits in einer fast inhaltsgleichen Stellungnahme geäußert und für die kommenden zwei Jahre entsprechende Maßnahmen angekündigt. Es ist wohl wie mit der Digitalisierung - gut, dass wir drüber gesprochen haben. Das muss dann aber erst mal reichen. 
 
Daher habe ich zum am 11. Februar bevorstehenden Aktionstag gleich zwei Vorschläge. Erstens: Mit Blick auf Feuchtgebiete und Digitalisierung ändern wir das Motto des "Was geschehen ist, ist geschehen-Tages" in "Was nicht geschehen ist, ist eben nicht geschehen. Sorry!-Tag". Falls ich damit bei den Urhebern nicht durchdringe, folgt hier mein zweiter Vorschlag. Ihr überweist mir am Freitag zum Zwecke der raschen Vermehrung eine bescheidene Summe. Sagen wir eine Million. Und wenn Ihr Euch danach meldet und fragt, wann Ihr das Geld samt Zinsen zurück bekommt, antworte ich: "Hat leider nicht geklappt, die Kohle ist futsch. War ja auch der 'Was geschehen ist, ist geschehen-Tag'." 
 
Der 12. Februar ist der Internationale Darwin-Tag und erinnert an den Geburtstag des britischen Evolutions-Forschers im Jahr 1809. Die US-amerikanische Stanford-Universität nutzt dieses Datum jedoch vor allem, um auf die Bedeutung der Wissenschaft und die Leugnung ihrer Erkenntnisse vor allem durch religiöse Fundamentalisten hinzuweisen. - Leider feiert man vielerorts in den USA lieber den "Tag des verlorenen Pennys". 
 
Kommen wir zum 13. Februar. Da ist richtig was los! Denn das ist der "Ändere-Deinen-Namen-Tag". Bevor Ihr Euch jetzt um einen Termin im Bürgerbüro bemüht, um künftig "Klaus-Dieter" oder "Krause" zu heißen, möchte ich Euch davon abraten. Eure Absicht ist zwar ehrenwert, führt aber nur zu Chaos und Verwechslungen. Schon die vielen Müllers und Fischers bei uns sind schwer auseinanderzuhalten. In anderen Ländern ist es jedoch noch viel schlimmer. Weil in Schweden mehr als ein Viertel aller Namen auf "-son" enden (auch von Frauen, die durch Heirat zum "Sohn" von Ole & Co. wurden), hat das dort eine Gegenbewegung ausgelöst. Ausgefallene Namen wie etwa Mondtroll oder Steuerbär stehen nun hoch im Kurs! 
 
In China kann man allein beim Blick in die Telefonbücher wegen der unzähligen Li und Xi durchdrehen. Deshalb, liebe betroffene Chinesen und Skandinavier, ändert Eure Namen. Falls Ihr zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollt, am besten in Tortellini. Denn der 13.2. ist auch der "Tag der Tortellini". 
 
Außerdem ist der 13. Februar noch der "Tag des Kusses". Liebe Leserin, wer diesen Tag mit mir auf angemessene Weise feiern will, sollte sich vorher in eine Warteliste eintragen, die bis zum 12.2. im Alten Rathaus ausliegt. Am 13. dann bitte nicht in die falsche Schlange einreihen: Die Wartenden in den Autos wollen zur Corona-Test-Station nahe unserer Wohnung. 
 
Wer den Tag des Kusses zu ausgiebig genossen und als Vorspiel betrachtet hat, sei vorsorglich darauf hingewiesen, dass der 14. Februar der "Tag des Kondoms" ist. Das kann auch damit zusammenhängen, dass gleichzeitig der Valentinstag gefeiert wird. Weil Blumen daher besonders teuer sind, sei daran erinnert, dass der 14. 2. auch der "Internationale-Verschenk-ein-Buch-Tag" ist. Valentinsbegeisterte könnten deshalb auch als Präsent einen Liebesroman favorisieren, die Befürworter des anderen Aktionsmottos bevorzugen das Sachbuch "Wie verhüte ich richtig?". 
 
Zurück zum Anfang und damit zum Thema leere Versprechungen. Darum dreht sich unsere heutige Zugabe. Firmeninhaber T. Beck aus Coblenz am Rhein schrieb mit vorzüglichster Hochachtung an einen unzufriedenen Kunden: "Sehr geehrter Herr! Auf unserem Flaschenetikett steht zwar, daß Sie bei Nichterfolg Ihr Geld zurück verlangen können. Nirgendwo aber steht geschrieben, daß Sie es auch bekommen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 296 vom 9. 2. 22

Amerika ist uns in vielem voraus, aber wir holen auf. Dauerte es früher oft zehn Jahre, bis Trends aus den USA auch hierzulande Fuß fassten, so geht das in Zeiten des Internets viel schneller. So war hier bereits mehrfach Thema, dass inzwischen auch bei uns ein heftiger Streit um angeblich oder tatsächlich rassistische oder sexistische Begriffe tobt. Zwar vertrete ich nach wie vor die Auffassung, dass andere Themen die große Aufregung mehr verdient hätten. Aber wenn nicht die Schmunzelpost als Leitmedium für nebensächliche, kuriose und abseitige Dinge, wer wäre sonst besser geeignet, sich damit zu befassen? 
 
Diesmal geht es um eine Problemwörterliste von Professorin Susan Arndt. Sie war bereits Harald Martenstein eine Glosse wert. Ach ja, Martenstein, der frauen- und genderfeindliche alte weiße Mann, werden jetzt vorurteilsbeladene Leserinnen vielleicht abwinken. Doch beschäftigen wir uns lieber mit Inhalten. 
 
Fakt ist, dass für Frau Arndt auch Bezeichnungen und Namen ersetzt werden sollten, die in meinem Sprachschatz ihren festen Platz behalten werden. Fühlt sich etwa der "Dschungel" diskriminiert, wenn ich ihn weiterhin so nenne? Muss ich mit Klagen von Papageien oder Schlangen rechnen? Erst, wenn ein Tiger bei mir persönlich vorbei schaut, werde ich womöglich meine Haltung ändern. 
 
So verhält es sich auch mit der Exotik. Kolonialistisch geprägt und deshalb belastet? Ich empfinde exotische Düfte und Landschaften eher als interessant. Und würde mich als unzivilisiert betrachten, wenn ich nicht gelegentlich die Vokabel "Zivilisation" gebrauchte. Entwicklungsland, Schwarzbuch, Sippe oder Stamm? Ich denke nicht daran, diese Worte zu streichen! 
 
Wie Martenstein finde ich zudem die Praxis ziemlich albern, verpönte Begriffe dadurch zu umschreiben, dass an ihrer Stelle vom N-Wort oder F-Wort geredet wird. Was löst das beim Hörer aus? Der gut Informierte übersetzt in Gedanken sofort automatisch. Der weniger gut Informierte wird sich erkundigen und je nach Ausdauer auch bis zum U-Wort (steht für Ursprungswort oder Unwort, das kann man sich je nach Anschauung aussuchen) vordringen.
  
Frau Arndt, die auch die Wörter Jude, Heide, Indianer und Häuptling, ablehnt, geht trotzdem noch weiter. Sie spricht auch vom I-Wort und vom Hä-Wort. Hä? Hä-Wort? Soll wohl Häuptling heißen. Martenstein legt einem Antirassisten aus Lüneburg den Satz in den Mund: "Das H-Wort hat kein Hä-Wort". Üble Rassisten wie wir verstehen: "Aha, in der Heide gibt's keinen Häuptling."     
 
Interessant ist auch, dass die meisten Juden sich seit einer Ewigkeit sträuben, sich umzubenennen. Daran wird auch eine deutsche Professorin nichts ändern. Und die Lobby-Organisation der nordamerikanischen Indianer besteht darauf, auch weiter "National Congress of American Indians" zu heißen. 
 
Einer, der mit absoluter Sicherheit kein Rassist war, bezeichnete sich übrigens selbst als "negro" - Friedensnobelpreisträger Martin Luther King. Martenstein: "Wenn Heutige das N-Wort aus einer historischen Rede Kings herausredigierten, wäre das wohl eher ein Zeichen von Anmaßung als von Antirassismus." 
 
So sehe ich das auch. Ich würde mir zwar eher die Zunge abbeißen, als einen Menschen mit dunkler Hautfarbe als Neger zu titulieren. Aber in alten Texten die zehn kleinen Negerlein umzuschreiben oder den historischen Gasthof "Zum fröhlichen Mohren" umzuwidmen, finde ich völlig daneben. Und habe damit hoffentlich ins Schwarze getroffen! 
 
Die heutige Zugabe stammt (kein Scherz) vom "Palasthotel Drei Mohren". Das Schreiben der Hoteldirektion zeigt, dass selbst das Führungspersonal in solch traditionsreichen Häusern keinen persönlichen Einsatz scheut: "Sehr geehrte Frau Schurig, wir geben Ihnen jetzt schon das feste Versprechen, Ihren Aufenthalt in unserem Hause zu einem freudigen Ereignis zu gestalten."
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 295 vom 8. 2. 22 

Zur Entspannung haben wir uns heute mal wieder eine Schmunzelpost verdient, die uns mit Geschehnissen aus aller Welt ein Grinsen (oder gern auch mehrere) ins Gesicht zaubert. Rund um den Globus passieren so viele Dinge, dass in den Nachrichtensendungen fast nur Platz für die Katastrophen und Krisen ist.
 
Kanada. Beim letzten strengen Lockdown sorgte eine Frau für Aufregung und gleichzeitig für Kopfzerbrechen bei den Ordnungsbehörden in Quebec. Spaziergänge waren nur Einzelpersonen erlaubt, zu den Ausnahmen gehörte das "Gassigehen." Die gewitzte Frau nahm darauf hin ihren Mann an die Leine und der Gatte begleitete sie auf allen Vieren ins Freie. Die Polizei ließ das nicht durchgehen. Vermutlich muss der Mann noch an seinem Bellen, Knurren und Beißen arbeiten.
 
Frankreich. "Computer sind ja so doof", stöhnte der Bürgermeister einer französischen Kommune, wobei im Originalzitat auch das Wort "merde" vorkam. Da solche Kraftwörter in Nachrichtentexten nichts zu suchen haben, werden wir künftig derartige Ausdrücke überbiepen. Was war geschehen? Wegen einer Verwechslung hatte ein Algorithmus die Facebook-Seite der Stadt gesperrt. Der Ort heißt Bitche. Die Ähnlichkeit mit dem amerikanischen Schimpfwort "biep" verstörte den Computer. Dass es ganze drei Wochen dauerte, bis die Facebook-Seite wieder zugänglich war, kommentierte der Bürgermeister mit "biep, biep, biep!!!"
 
Indien. Bei einem schweren Verkehrsunfall verstarb nach Angaben der Polizei der beteiligte Motorradfahrer noch am Unfallort. Sein lebloser Körper wurde aufgebahrt und ins Leichenschauhaus gebracht. Als dort der Gerichtsmediziner gerade das Messer ansetzte, um die Obduktion vorzunehmen, regte sich das Unfallopfer wieder und verbat sich den Eingriff. Noch ungeprüft ist das Gerücht, dass daraufhin der Pathologe einem Herzschlag erlag und anstelle des Motorradfahrers obduziert worden ist.
 
Südkorea. Das asiatische Land ist jetzt in den Wettbewerb um die Macho-Medaille als frauenfeindlichste Nation eingetreten und konkurriert unter anderem mit Afghanistan und Saudi-Arabien. Zur Bewerbungsbegründung legten die Südkoreaner ein Behördenschreiben bei, das schwangeren Frauen zugestellt wird. Die werdenden Mütter werden darin aufgefordert, rechtzeitig genügend gebügelte Hemden, saubere Socken und tiefgefrorene Mahlzeiten bereitzustellen, falls sie plötzlich wegen der anstehenden Entbindung das Haus verlassen müssen.
 
USA. Nach dem Ende der Amtszeit von Donald Trump kommen immer mehr Details über das menschenverachtende Verhalten seines Clans ans Licht. Präsidententochter Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner wurden rund um die Uhr von Geheimdienstmitarbeitern bewacht. Doch sie erlaubten den Beschützern nicht, die Toiletten in ihrem Haus zu benutzen. Die Leibwächter mussten deshalb das nahe gelegene Haus von Ex-Präsident Barack Obama aufsuchen. Wen wundert's? Die Trumps haben nie eine Gelegenheit ausgelassen, um Stunk gegen Obama zu machen.
 
Ich schätze aber, dass bei den Obamas das WC in tadellosem Zustand war. Anders als in der heutigen Zugabe. Mieter Otto Mayer schrieb hochachtungsvollst an den Hausbesitzer: "Sehr geehrter Herr Melp, der Abort in unserem Haus ist baufällig! Wenn ich mich auf ihn setze, bin ich mit Lebensgefahr verbunden!!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 294 vom 7. 2. 22 

Es regnet und regnet und regnet. Bin beim Musikhören auf dem Sofa eingedöst. Im Traum ist mir ein ehrfurchtgebietender weißbärtiger Mann mit einem dreieckigen Auge auf der Stirn erschienen. Er wandte sich mit donnernder Stimme und einem Angst einflößenden Appell an mich: "Klaus, altes Faultier, lieg' hier nicht tatenlos herum, sondern steh auf und handele! Ich höre, dass dieser Roland Emmerich schon wieder einen Katastrophenfilm inszeniert. Jetzt werde ich ihm mal zeigen, was eine Harke ist. Mach Dich bereit für die nächste Sintflut. Und frag nach bei Noah, was zu tun ist. Hopp, hopp, frisch ans Werk!"
  
Ich wache auf und reibe mir die Augen. Sintflut? Noah? Da war doch mal was? Schaue aus dem Fenster. Es regnet immer noch. Das Wasser hat fast den unteren Fensterrand erreicht. Im ersten Stock! Google hastig, wo man eine Arche bestellen kann. Fehlanzeige! Und die AIDA ist zu teuer! Bestelle bei Amazon (in der Not paktiert ein kleiner Beelzebub selbst mit dem Satan des Kapitalismus) per Express ein großes Gummiboot. 
 
Wird tatsächlich prompt per Hubschrauber geliefert. Sitze auf dem Dach und blase das Gummiboot auf. Wo kriege ich jetzt die ganzen Tiere her? Egal. Verfrachte als Ersatz Frau und Kater ins Boot und steche in See. Sehe, wie unter mir das Ruhrgebiet in den Fluten versinkt. 
 
Zehn Stunden später. Ein orkanartiger Sturm hat uns in Windeseile nach Süden getrieben. Bewundere die Spitze des Matterhorns, als wir die Alpen passieren. Überlege, ob wir zwei Gämsen mit an Bord nehmen. Habe aber keinen Anker dabei und kann nicht stoppen. Die wilde Fahrt geht weiter Richtung Afrika. 
 
30 Stunden später. Der Magen knurrt. Der Kater kaut an meinem großen Zeh. Immerhin hat es aufgehört zu schütten. Haben das Bootsinnere leer geschöpft und Trinkwasser-Reserven in einem großen Kanister gesammelt. Konnte mit den Händen zwei große Fische fangen, die aber partout nicht im Boot bleiben und sich retten lassen wollten. Dachte: "Sollen sie doch ertrinken, die undankbaren Biester." Doch da hatte der Kater sie schon gefressen. Wenigstens einer von uns ist jetzt satt. 
 
10 Stunden später. Land in Sicht! War es bei Noah nicht auch eine Taube, die die Rettung ankündigte? Bei uns ist es ein Pinguin. Egal, Hauptsache, wir erreichen festen Boden. 
 
Eine halbe Stunde später. Wir sitzen wahrhaftig auf dem Trockenen. Scheiße, es ist die Antarktis! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die heutige Zugabe habe ich mir ausnahmsweise selbst ausgedacht. Hier der Text eines Schildes, das wir unweit unserer Landestelle am Gletscherrand entdeckten: "Verordnung. Anträge auf Asyl werden nur dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr angenommen. Die Verwaltung der deutschen Polarstation (Sie finden uns ca. 300 km südlich)." 


Schmunzelpost 293 vom 6. 2. 22 

Jeder Tag ist ein besonderer Tag. Unabhängig von individuellen Erlebnissen gilt dies für die galoppierende Leidenschaft der Menschen, Aktionstage auszurufen und mangels ausreichender Daten im Jahreslauf dafür das gleiche Datum mehrfach zu benutzen. Damit Ihr die Übersicht behaltet, arbeite ich unermüdlich daran, Euch auf den neuesten Stand zu bringen. Heute geht es um den Zeitraum vom 7. bis zum 10. Februar. 
 
Montag, der 7. Februar, ist der "Schick einem Freund eine Karte-Tag". Abgesehen davon, dass wir jetzt keine neue Debatte über das Gendern beginnen wollen, weil von Freundinnen keine Rede ist, stellt uns dieser Tag heute vor besondere Herausforderungen. Denn heute ist Sonntag. Und Eure Karten werden somit erst am 8. Februar zugestellt. Doch der Absicht der Urheber tut das keinen Abbruch. Die Aktion zielt darauf, Menschen im Zeitalter der sozialen Medien eine Freude zu machen, weil sie außer Werbung endlich mal wieder eine handgeschriebene persönliche Nachricht in ihrem Briefkasten finden.  Vorausgesetzt, sie können Euer Gekrakel auch lesen. Und die Begeisterung über die Idee wird bei mir dadurch getrübt, dass der Tag ausgerechnet von amerikanischen Grußkartenherstellern im Kalender verankert worden ist. 
 
Dann beglückt Ihr Eure Freundinnen und Freunde vielleicht lieber mit einer Blume. Denn der 7. Februar ist auch der Tag der Rose. Narzissen, äh, Narzissten lesen an diesem Tag allein daheim den Bestseller von Umberto Eco, Masochisten stechen sich mit einer Nadel in den Finger und stellen sich vor, der Schmerz werde durch einen Rosendorn verursacht. Das ersparte Geld können sie dann für die Anschaffung von Instrumenten zur Selbstkasteiung zurücklegen. 
 
Nun zum kuriosesten der kuriosen Aktionstage am 7.2., dem "Winke Deinem Nachbarn mit allen Fingern-Tag". Diese Anweisung wirft Fragen auf. Warum nicht mit einem Finger? Nun, der Zeigefinger könnte belehrend wirken, der Mittelfinger - ja gut, sein Ausscheiden versteht sich von selbst. Und wenn ich nach einem erneuten Schalke-Sieg (hat ja Samstag wieder geklappt) mit zwei Fingern einem BVB-Fan  das "Victory-Zeichen" signalisiere, könnte das zu bösen Missverständnissen führen. 
 
Diesen Tag haben amerikanische (seufz) Zeitungen im Jahr 2007 eingeführt, um so "soziale Differenzen im Umfeld abzubauen". Rechtshänder sollen erst mit allen Fingern der linken Hand wackeln und dann diesen Gruß auch mit der rechten Hand wiederholen. Linkshänder machen es in umgekehrter Reihenfolge. Dabei soll man möglichst breit grinsen. Risiko: Der Nachbar ruft umgehend den medizinischen Notdienst an, um Dich in die Klapse einweisen zu lassen.  
 
Wenn es Euren Angehörigen gelungen ist, Euch aus der Gummizelle zu befreien, könnt Ihr Euch praktischen Aufgaben widmen. Der 8. Februar ist der "Reinige Deinen Computer-Tag". Denkt aber daran, dass Ihr danach keine schmutzigen Mails mehr versenden könnt. 
 
Oder schmutzige Irrtümer verbreiten, wie die Internet-Seite "Tages-Guru". Dort steht nämlich: "Der 'Rußige Freitag' wird immer am 9. Februar gefeiert." Wie? Was? Warum? Der 9. Februar 2022 ist ein Mittwoch! Der Ruß ist den Gurus wohl ins Gehirn gedrungen. Tatsächlich steht der "Rußige Freitag" erst am Freitag vor Aschermittwoch an. Wir kommen darauf zurück. 
 
Und der 9. Februar ist auch der "Tag des Zahnschmerzes". Aber nicht für, sondern gegen den Zahnschmerz. Denn er soll uns veranlassen, über die Ursachen der Schmerzen nachzudenken und dagegen vorzubeugen. Hinter diesem Tag stecken, Ihr ahnt es, amerikanische Zahnärzte. Und die gehen mir auf den Nerv! 
 
Der 10. Februar ist der "Tag des Regenschirms". Wer den ausgerufen hat, das hat niemand auf dem Schirm. Aber der "Umbrella-Day" kommt aus den USA. Der Verdacht auf einen kommerziellen Hintergrund liegt daher nah. Zumal die Begründung, der Verweis auf die Heilige Scholastika, zum Himmel stinkt. Denn diese Heilige soll vor Blitzschlag und Sturm schützen - versucht das mal mit einem Regenschirm! Wer also darauf hereinfällt und sich am 10.2. einen Schirm kauft, für den sei der Hinweis gestattet: Am 10.2. ist in den USA auch der "Tag der doofen Nuss"! 
 
Apropos doofe Nuss. Als Zugabe zitiere ich die Notiz eines Dr. Unleserlich, der unbedingt an seiner Handschrift arbeiten sollte, damit er am 7.2. Karten an Freunde verschicken kann: "Es ist wirklich traurig; heutzutage will alles auf die Universität und jeder fühlt sich berufen, Medizin zu studieren. Zu meiner Zeit war das ganz anders! Da studierte nicht jeder Schafskopf. In meiner Heimatstadt war ich der einzige." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Schalke hat schon wieder gewonnen. Also schauen wir in die Vereins-Chronik. Und weil der Sieg gegen Regensburg nach einem 0:1-Rückstand erst spät in der zweiten Hälfte gelang, heute in das Kapitel: "Das große Zittern." Als Deutscher Meister nahmen die Königsblauen 1958/59 am Europapokal der Landesmeister teil. In der 2. Runde trafen sie auf das damals beste britische Team, die Wolverhampton Wanderers. 
 
Nun war kurz zuvor ein Flieger mit dem Team von Manchester United abgestürzt, wobei acht Spieler und insgesamt 48 Menschen ums Leben kamen. Der gewitzte Schalker Trainer Edi Frühwirth verteilte deshalb seine Mannschaft in zwei Flugzeuge. Doch der Abflug der zweiten Maschine verzögerte sich wegen dichten Nebels. Und der Landeanflug in Düsseldorf wurde zur Mutprobe. "Plötzlich ging der Flieger heulend in den Sinkflug. Da haben selbst unsere Skatbrüder, die ansonsten nichts aus der Ruhe bringen konnte, ihre Karten beiseite gelegt. Mit Schweißperlen auf der Stirn." Nach glücklicher Landung gab es Jubel wie nach einem entscheidenden Tor. - Schalke erreichte übrigens nach einem 2:2-Auswärtsunentschieden und einem 2:1-Heimsieg die nächste Runde. 

 

Schmunzelpost 292 vom 5. 2. 22

Vor drei Tagen haben wir uns mit der Rechtschreibung beschäftigt. Das ist ein so fruchtbares Feld zum Ernten von Schmunzlern, dass ich darauf heute zurückkomme. Und zwar meist mit Hilfe des früheren Göttinger Oberstaatsanwaltes Wilfried Ahrens, der während seiner juristischen Laufbahn fleißig Stilblüten gepflückt hat. 
 
So hat Ahrens in einem Protokoll diesen pfundigen Verschreiber gefunden: "Der Vorschlagshammer kann als Pfundssache betrachtet werden." - Falls er exakt 500 Gramm wog, trifft das sogar zu! 
 
 In einer Anklageschrift hieß es: "... wobei er mit seinem PKW gegen die linke Fahrradtür stieß und dadurch Reparaturkosten in Höhe von 2310,96 DM verursachte." - Ich überlege schon lange, mein E-Bike mit einer Kabine zu umgeben. Was offensichtlich nicht nur Schutz vor Regen, sondern auch vor unvorsichtigen Autofahrern bietet. 
 
Oberstaatsanwalt wird OStA abgekürzt. Wobei dies offenbar nicht alle Protokollführer wissen und beim Schreiben das Gehörte frei interpretieren: "Oskar Bürmann meinte..." Verständlicherweise verzichtete ein Kollege von Bürmann und Ahrens darauf, Oberstaatsanwalt zu werden, womöglich weil er folgende Anrede befürchtete: "OStA Haase". 
 
Dolmetscher sind nicht immer leicht zu bekommen und dazu kostspielig. Bei kleineren Delikten wird deshalb auch mal auf ihre Dienste verzichtet, was zu unkonventionellen Lösungen führen kann. Hier ein juristisches Lehrstück in drei Akten. 
 
1. Akt: Ein aus Nahost stammender Mann wurde bei einem geringfügigen Ladendiebstahl ertappt und zur Polizeiwache gebracht. Er verstand kein Wort Deutsch, ein Dolmetscher war auf die Schnelle nicht verfügbar. Trotzdem unterschrieb der Tatverdächtige seine (?) polizeiliche Aussage. 
 
2. Akt: (Die Zigarettenmarken-Namen wurden vermutlich vom Verfasser geändert, um Schleichwerbung zu vermeiden) "Ich gebe die mir zur Last gelegte Tat zu; in meinem Fall entwendete ich in Diebstahlsabsicht 1 Packung Zigaretten der Marke Teerix, 1 Packung der Zigaretten der Marke Karzi, einen Rahm-Camenbert sowie einen normalen Camenbert im Einkaufszentrum. Vorgelesen, verstanden und unterschrieben". 
 
3. Akt: Dann folgte dieser Vermerk: "Aus Gründen der Verhältnismäßkeit wurde auf die Hinzuziehung eines Dolmetschers verzichtet. Durch das Wort 'Zappzarapp' und entsprechende Wegnahmegestik wurden dem Beschuldigten Diebstahlsvorhaltungen gemacht. Der Beschuldigte bestätigte diese Vorhaltungen durch Kopfnicken. Die Aussagebelehrung hat er ebenfalls verstanden." Was soll man dagegen sagen? Außer Zappzarapp? 
 
Bei einer ähnlichen Konstellation wurde hinterher zumindest eine Einlassung des Beschuldigten übersetzt: "Ich habe nicht gesagt, daß Frau Müller ein altes Dreckschwein ist. Sie lügt. Ich habe nur Schwein gesagt, ich kann doch gar nicht so gut deutsch sprechen." 
 
Als Zugabe nun die Einlassung von Ignaz Rohleder, die als Widerruf vom 12. bis 15. August 1929 in der Gemeinde Ostringen öffentlich ausgehängt worden ist: "Die über Herrn Möschl gemachte Äusserung, daß er jeden Abend betrunken nach Hause käme, nehme ich hierdurch bis auf die Sonn- und Feiertage reuevoll zurück." 
 
Zappzarapp 
kdk 

 Schmunzelpost 291 vom 4. 2. 22

Am Mittwoch ist die 2 ganz groß herausgekommen. Wenn das kein Grund ist, sich einmal etwas gründlicher mit dieser Zahl zu befassen, würde ich glatt verzweifeln. 
 
Ihr wendet ein, heute sei doch schon der Vierte? Das ist richtig! Aber der 4. 2. 22. Die Zwei ist also immer noch in der Überzahl, auch wenn ihr Jubeltag, der 2. 2. 22, bereits vorbei ist. Dafür steht mit dem 22. 2. 22 noch ein Palindrom kurz bevor. Und wenn wir die 4 genauer betrachten, was ist sie denn anderes als die Summe von 2 + 2 oder 2 x 2? Na, also! 
 
Der Glanz der 2 wird dadurch getrübt, dass sie auch eine dunkle Seite hat. Denn sie macht klar, dass es zu allem ein Gegenstück gibt: Materie und Antimaterie, Liebe und Hass, Leben und Tod, gut und schlecht. Zudem, so sagen Mathematiker, kam mit der 2 die Zählbarkeit in die Welt - und damit auch Zweifel, Zwist und Zwietracht. 
 
Das beginnt nach der Bibel in den frühesten Anfängen der Schöpfungsgeschichte. Als so ziemlich erste Maßnahme schied Gott Licht und Finsternis und machte so die Bahn frei für Kontraste und Konflikte. Wenn wir im Alten Testament weiterlesen, landen wir schnell bei der traurigen Geschichte von Kain und Abel. "Two means Trouble", sagen die Briten. 
 
Wobei ich mich frage, wo damals eigentlich Seth steckte, der dritte Sohn von Adam und Eva. Aber wahrscheinlich war das ein später Nachkömmling. Und irgendwo müssen nach Eva auch weitere Frauen in die Welt gekommen sein. Womöglich geschaffen aus den Rippen von Kain und Seth, doch darüber schweigt sich die Bibel aus. 
 
Ihre stärkste Symbolkraft entfaltet die 2 als Kreuz: Zwei Linien, die sich im rechten Winkel schneiden. Die "Achse des Erhabenen" und das wahrscheinlich beste Logo aller Zeiten. Und zum Glück verkörpert die 2 nicht nur das Gegensätzliche, sondern sie verheißt gleichzeitig auch Harmonie. Sie begründet unsere Vorstellung von Symmetrie, wobei Ihr mal darüber nachdenken solltet, dass die meisten Lebewesen spiegelbildlich aufgebaut sind und aus praktischen Gründen über eine linke und eine rechte Hälfte verfügen. 
 
Vielleicht gilt daher die Zweisamkeit auch für uns Menschen als Ideal des höchsten Glücks, die Fixierung auf nur einen Partner, bis dass der Tod uns scheidet, als bestmögliche soziale Lebensform. Auch wenn viele Menschen ganz andere Erfahrungen gemacht haben und ein Sultan oder ein Mormone heftig widersprechen würden. 
 
Dafür sind die meisten Asiaten eindeutig im Lager der 2 zu finden. Die unzertrennlichen Kumpel Yin und Yang bilden die Grundlage des Daoismus und werden bildlich dargestellt durch ein Symbol, in dem sich schwarz und weiß gegenseitig durchdringen. Wer jedoch Yin und Yang mit männlich und weiblich identifiziert, der greift entschieden zu kurz. Y & Y stehen genauso für aktiv und passiv, geben und nehmen. 
 
Trotzdem hat die 2 noch einen Haken. Denn "mit der Zwei beginnt die Rechnerei". So benannte schon der große Philosoph Kandidus Diethelm Krauskopf das Grundproblem aller Menschen, die mit der Mathematik auf Kriegsfuß stehen. Und stöhnt mit allen Leidensgenossen im Chor: "Es ist ein Kreuz mit der Zwei!" 
 
Zur Feier des Tages gibt es heute zwei Zugaben. Zunächst das mit dem Stempel "Eilt sehr!" versehene Schreiben der Schulbehörde an das Gymnasium St. Raphael, das die Frage aufwirft, warum man nur einmal etwas mitteilen sollte, wenn man es auch zweimal tun kann: "In Kürze erhalten Sie ein Rundschreiben, das den Tag des Schuljahrbeginns bekannt gibt, der endgültig auf den 22. September 1960 festgelegt worden ist." 
 
Und nun ein Polizeibericht aus Kassel, der dokumentiert, dass die Aufklärungsrate mitunter sogar um zwei Straftaten über dem Soll liegen kann: "Die Zahl von 25 bekanntgewordenen Sittlichkeitsdelikten ist wenig erfreulich, wird aber abgeschwächt durch die Arbeit der Polizei, die 27 Sittlichkeitsdelikte, also 108 Prozent der bekanntgewordenen Fälle, aufzuklären vermochte." Zweifellos eine wunderbare Leistung!
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 290 vom 3. 2. 22 

Eins, zwei, drei - und Action! Wer immer in Aktion bleiben will, hat die nächsten Tage viel zu tun. Vor allem heute!
 
Heute werde ich beispielsweise ein Wannenbad nehmen. Das tue ich nur einmal im Jahr, weil der 3. Februar der "Tag der männlichen Körperpflege" ist. Damit bin ich übrigens deutlich besser als der Sonnenkönig. Ludwig, der Vierzehnte, soll in seinem ganzen Leben nur ein einziges Bad genommen haben. Das war wahrscheinlich kurz nach seiner Geburt. Deshalb war Louis Quatorze der einzige Mensch, der unter einem Panzer von Puder, Parfüm und Schmutz bereits zu Lebzeiten zur Mumie reifte. Nebenbei: Dieses Schicksal möchte ich nicht erleiden - deshalb dusche ich regelmäßig.
 
Den Amerikanern, speziell einem sogenannten Food-Blogger, haben wir es zu verdanken, dass am 3.2. der "Tag des Karottenkuchens" gefeiert wird. Das hat John-Bryan Hopkins 2012 so eingeführt. Sich im Internet mit Speisen und Rezepten zu befassen scheint nahrhafter zu sein, als das Schmunzelpost-Schreiben. Jedenfalls hat sich dieser Tag in nur zehn Jahren einen festen Platz im Kuriositäten-Kalender erobert. Aber wer hat's wirklich erfunden? Die Schweizer! Die Rübli-Torte stammt nämlich ursprünglich aus dem Kanton Aargau, wo sie schon seit hunderten von Jahren geschätzt, gebacken und verzehrt wird.
 
Nun zum Tag, an dem die Musik starb. Er hat mir zunächst Kopfzerbrechen bereitet. Denn Tage mit traurigem oder ernsten Hintergrund eignen sich nicht zum Schmunzeln. Daher lasse ich sie meist aus, wie den Weltkrebstag oder den Tag der weiblichen Genitalverstümmelung, die auch demnächst begangen werden.
 
Weil ich die Musik jedoch als recht lebendig wahrnehme, hat mich der Hintergrund für "The Day the Music died" interessiert. Schon der Sänger Don McLean erzählte in seinem Song "American Pie" davon. Anlass des Gedenktages war ein Flugzeugabsturz am 3. Februar 1959. Dabei kamen neben dem überforderten Piloten die drei Rock'n Roller Buddy Holly, Ritchie Valens und The Big Bopper ums Leben. Die Umstände waren tragisch, doch wie Neil Young später sang: "Rock'n Roll will never die".
 
Nun zum 4. Februar. Das ist mal ein Aktionstag für eine Berufsgruppe, die es wirklich verdient hat: Der "Dank-Deinem-Briefträger-Tag". Denn während die Deutsche Post nach der Privatisierung meist durch Portoerhöhungen und Servicekürzungen auffällt, rackern sich die von Hunden verbellten Briefträger nach wie vor bei Sturm und Regen, Eiseskälte und Hitze ab. Dafür einen großen Schmatz! Aber ich glaube, ein kleines Trinkgeld wäre ihnen lieber...
 
Am 5. Februar hängen alle drei Aktionstage zumindest entfernt zusammen. Der "Hast-Du-gepupst?-Tag" wurde keineswegs von der Gilde der Kunstfurzer begründet, deren bedeutendster Vertreter der Flatulist Mr. Methan ist. Der Brite, mit bürgerlichem Namen Paul Oldfield, kann auf ungewöhnliche Weise vertraute Melodien zu Gehör bringen. Eigentlich ist der Tag aber der verschämt pupsenden Mehrheit gewidmet. All jenen, die sich genieren, weil ihnen mal ein Lüftchen entweicht. Dass dies ein völlig natürlicher Vorgang ist, soll heute durch eine  donnernde Symphonie zum Ausdruck gebracht werden.
 
Das jedoch lässt eine Zunft aufhorchen, die am 5. Februar, dem Tag der Meteorologen, ebenfalls im Mittelpunkt stehen sollte. Wirklich gute Wetterkundler werden die Auswirkungen des "Hast-Du-gepupst?-Tages" durch die Veränderungen der Atmosphäre feststellen können. Meteorologen waren es auch, die Florence Rappaport veranlassten, sich mit ihren sechs Kindern am 5. Februar 1966 zuhause einzuigeln. Denn an diesem Tag legte ein heftiger Schneesturm im US-Bundesstaat New York den gesamten Verkehr lahm. Und um ihre Kinder vom eisigen Wind draußen abzulenken und ihnen Freude zu machen, servierte Florence drinnen bereits am frühen Morgen leckere Eiscreme! Der "Eis-zum-Frühstück-Tag" war geboren!
 
Am 6. Februar folgt dann ein Tag, den ich gerade in diesem Jahr voller Inbrunst begehen werde. Ohnehin neige ich dazu, es bei häuslichen Arbeiten eher langsam angehen zu lassen. Und arthrosebedingt sind jetzt auch meine Bewegungsabläufe maßgeschneidert für den "Tag der lahmen Ente".
 
In der heutigen Zugabe komme ich zurück auf den Einstieg, den "Tag der männlichen Körperpflege". Besonders gut würde es passen, wenn die Sprösslinge von Anni Woltke allesamt Söhne waren. Denn am 23. Juni 1929 schickte die Hamburgerin den Sunlicht Seifenwerken folgendes Dankschreiben: "Ihre Seife kann ich bestens empfehlen. Meine Kinder sind nicht wiederzuerkennen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 289 vom 2. 2. 22 

Gute Güte! Die Pandemie stellt immer neue Rekorde auf, der Klimawandel schreitet ungebremst voran und in Osteuropa droht ein Krieg. Und worüber regen wir uns am meisten auf? Über die Sprache. Und deren Missbrauch durch Machos, wie die einen sagen oder deren Verhunzung, wie die anderen kritisieren. Wie aber stand unser vermutlich größtes Sprachgenie dazu? 
 
Der gute Geheimrat Goethe äußerte sich im Gespräch mit Karl von Holte ganz gelassen: "Mir, der ich selten selbst geschrieben, was ich zum Druck beförderte, und, weil ich diktierte, mich dazu verschiedener Hände bedienen musste, war die konsequente Rechtschreibung immer ziemlich gleichgültig. Wie dieses oder jenes Wort geschrieben wird, darauf kommt es doch eigentlich nicht an; sondern darauf, dass die Leser verstehen, was man damit sagen wollte. Und das haben die lieben Deutschen bei mir doch manchmal getan." 
 
Tja, vielleicht sollten wir alle etwas unaufgeregter über das Gendern diskutieren. Zumal es auch um die letzte Sprachreform großen Wirbel gab, der sich erst nach und nach legte. Ich wage mal einen Tipp: Es wird nicht mehr allzu lange dauern, dann steht die nächste Rechtschreibreform bevor. Weil dann ein neues Zuwanderungsgesetz und die höhere Kinderrate der türkischstämmigen Mitbürger spätestens in 20 Jahren eine Anpassung der Schrift- an die Alttagssprache erfordern werden. 
 
So heißt es dann vielleicht am 2. Februar 2042: Glückauf, Mütbürgür und Mütbürgerinnen, ab söfört schrüben wür dönerdütsch! "Sprüch, wü Dür der Schnöbel gewöchsen ist", wüsste berüts Martin Luther, "wür müssen dem Völk aufs Maul gücken." 
 
Dö vörgöbliche Pisö-Schlöcht hat lötzlich Früchte getrögen - nun darf jöder schrüben wü er wüll. Dö Dütschlöhrer atmen auf: "Öndlüch wiedör Diktate müt nühl Föhlern!" Heute rüft nümand möhr dön "Untergang des Abendlandes" aus. Dü Türken sünd dü dütsche Zükünft! Dö Türkei ist nach döm Stürz vön Erdogan und dem EU-Beitrütt 2030 dö Wachstüms-Mötör Euröpas! Türkische Tatkraft und dütsche Düszüplün sünd dös Erfölgsrezept. 
 
Dör letzte Nörglör üst beköhrt, seit dö dütsche Nationalülf ünter Führung von Übüngsleitür Gündogan dön Tütel holte. Dör einzüge Spüler ohne türkischen, syrischen oder afghanischen Hüntergrund üm deutschen Team war Rudi - dör Enkel von Gerald Asamoah. 
 
Wer jetzt fehlinterpretiert, ich wolle mich über die türkische Sprache lustig machen, der sollte darüber nachdenken, wie subjektiv das Sprachempfinden ist. In Lettland etwa hält man das Deutsche wegen des Mangels an Selbst- und Mitlauten für eine der übelstklingenden Sprachen der Welt. 
 
Wie schwierig es selbst für angeblich geschulte Fachkräfte ist, sich korrekt auszudrücken, zeigt als Zugabe der Bericht, den Reporter Otto Schäufele seiner Redaktion zur Veröffentlichung sandte: "Die Eheleute Christian Mohr feierten gestern Ihren siebzigsten Geburtstag. Mögen sie noch oft diesen Tag gemeinsam verleben. Herr Hauptlehrer Hiersel hielt die Festrede schneidig und markdurchdringend mit einem Blick rückwärts." 
 
Vorwärts in eine fühlerfreie Zükünft! 
kdk 

Schmunzelpost 288 vom 1. 2. 22

Nach längerer Pause rücken heute endlich mal wieder Fakten, Fakten, Fakten in den Fokus. Anders als beim Möchtegern-Spiegel-Konkurrenten ist bei der Schmunzelpost darauf auch Verlass. 
 
Nachdem Angela Merkel und Helmut Kohl jeweils eine halbe Ewigkeit das Land regierten, haben viele Jüngere vergessen, dass mit Konrad Adenauer schon einmal ein CDU-Kanzler etliche Jahre das Sagen hatte. Der frühere Kölner Oberbürgermeister besaß jedoch nicht nur politisches Talent. Die Blumenfreunde unter Euch wissen: Er war auch Rosenzüchter. Doch mehr noch: Konrad Adenauer war ein fleißiger Erfinder! 
 
Unglaublich, wie vielseitig er gewesen ist! Sein erstes Patent erhielt Adenauer für ein Schrotbrot, das dem rheinischen Schwarzbrot ähnelte und während des 1. Weltkriegs die Hungersnot eindämmen sollte. Danach folgten so praktische Dinge wie eine Gartenharke mit Hammerkopf, eine Elektrobürste zur Schädlingsbekämpfung, eine innenleuchtende Stopfhilfe und eine Teekanne mit Heizstab. War das alles? Abwarten und Teetrinken! 
 
Und dazu Adenauer-Wurst essen. Denn die Herstellung von Wurst hat er sich ebenso patentieren lassen wie Geschmacksverstärker für Pflanzenmehle. Sowohl Vegetarier wie Fleischfreunde profitierten also von ihm, ebenso Autofahrer und Fußgänger. Für die einen erfand er eine Abblendscheibe, für die anderen eine Blendschutzbrille. Warm- wie Kaltduscher erfreuten sich an seinem ortsfesten Brausekopf. Und auch für die Umwelt hatte er etwas im Köcher: Ein Verfahren, das die Verunreinigung der Luft durch Abgase und Ruß verhüten sollte. Tja, Olaf, da musst Du Dich mächtig anstrengen! 
 
Noch einer mit weithin unbekannten Verdiensten: Wenn wir heute diesen Namen hören, der noch klangvoller ist als Klaus-Dieter Heinz Krause (so steht es im Familienstammbuch), nämlich Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau, dann denken wir womöglich an einen sehr schönen Park. Oder an einen Besuch in der Eisdiele und den nach ihm benannten Vanille-Erdbeer-Schokoladen-Becher. 
 
Doch Fürst Pückler-Muskau hat unsere Sprache bereichert. Er führte das Wort "Sport" ein. Vor 1830 kannte man den Begriff nicht. Wohl gab es im Englischen den "sportsman", womit meist ein Jäger bezeichnet wurde. Oder solche, die großen Spaß an Fuchshetzen, Hahnenkämpfen und Entenschießen hatten. They have had a very big spleen, the old british gentlemen. 
 
Nachdem aber der Fürst, Architekt, Weltreisende und Reiseschriftsteller sich auch als Wortschöpfer betätigt hatte, bürgerte sich die Bezeichnung bei uns schnell ein. Pückler-Muskau ging mit gutem Bespiel voran: Als Wanderer und Bergsteiger, vor allem aber als Fechter, Schütze, Tänzer und Reiter. Und manchmal gingen ihm die Gäule durch. Aus Spaß an der Freude sprang er mit seinem Pferd von der Elbbrücke. He have had a very big spleen, the good old Hermann Ludwig Heinrich. 
 
Nun zum Zugabe-Doppel. Vielleicht war der Fürst auch in Ostafrika und ist dort dank seiner sportlichen Qualitäten den Leuten aus dem Kessel gesprungen, von denen ein Reisender im Jahre 1908 berichtete: "Lieber Hellmuth, gestern habe ich mich mit dem ehemaligen Menschenfresser Mauri unterhalten. Und meinte er, daraufhin angesprochen, entrüstet: 'Wir waren keine Menschenfresser! Wir haben doch nur die Köpfe gegessen!'"
  
Aber auch hierzulande gab es Kannibalismus. Dies beweist das Schreiben des Gastwirtes Reinhard Kröbel vom Hotel-Restaurant Rheingold an den Gesangverein Frohsinn-Eintracht: "Auf Ihrer Fahrt nach Bruchsal wollen Sie hier am Sonntag in meinem Gasthaus Rast machen. Eine Bezahlung für den Saal wird nicht verlangt, da ich durch das Verzehren der Gäste reichlich entschädigt werde."  
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 287 vom 31. 1. 22

Einmal mehr möchte ich Euch heute mit Selbstbespiegelung behelligen. Unlängst hatte ich berichtet, dass die Bemühungen meine Ahnenkette väterlicherseits zu erforschen, bereits bei meinem Urgroßvater stecken geblieben waren. Ich fasse noch einmal kurz zusammen. Ich war Journalist, mein Vater Metallarbeiter, mein Großvater Bergmann und mein Urgroßvater Kaufmann in Sachsen. 
 
Daran lässt sich erkennen, dass es bei uns karrieremäßig von Generation zu Generation bergab gegangen ist. Dies lässt den Umkehrschluss zu, dass die früheren Krauses höhere Positionen bekleidet haben. Und wahrhaftig! Mit diesem Ansatz bin ich fündig geworden und konnte meine Abstammung sogar bis zu den Ursprüngen zurück verfolgen. 
 
So fand ich heraus, dass der berühmte Sachsenkönig August der Starke einen Doppelgänger beschäftigte. August Krause sprang in die Bresche, wenn es brenzlig wurde. Außerdem vertrat er den König bei zahlreichen Liebschaften und verschaffte ihm so den Ruf sagenhafter Potenz. Ich verrate jetzt nicht, welche Fähigkeiten mir vererbt worden sind. 
 
Weiter zurück in die Vergangenheit. Der Königsberger Gelehrte Nikolaus Kopernikus entdeckte, dass die Erde um die Sonne kreist. Geholfen dabei hat ihm der geniale Mathematiker Christopherus Krause. Leider sind seine Gene nur sehr verdünnt bei mir angekommen. 
 
Der Römer Cicero ließ sich bei seiner Germanien-Reise von einem heimischen Schreiber namens Widukind Krause begleiten. Jetzt wisst Ihr, wer mir die Freude am Schreiben in die Wiege gelegt hat. 
 
In der frühen Steinzeit hat sich ein besonders heller Kopf das Rad ausgedacht. Der Mann hieß Albert Einstein-Krause und war außerdem Urheber der Doppelnamen. Noch Fragen, wo wohl mein Erfindungsreichtum herkommt? 
 
Über das dunkelste Kapitel meiner Familiengeschichte würde ich gern den Mantel des Schweigens breiten. Aber als Journalist von altem Schrot und Korn darf ich auch unbequeme Wahrheiten nicht vertuschen. Es war mein Urahn Adam Krause, der uns die Vertreibung aus dem Paradies und diesen ganzen Schlamassel eingebrockt hat! 
 
Zum Schluss sollte ich noch erwähnen, dass Ehrlichkeit zu den Säulen unseres Familiencharakters gehört. Als Zugabe und gleichzeitig als Beleg zitiere ich nun den Brief eines nahen Verwandten meines Urgroßvaters aus dem Mai 1901: "An die Beamten des Schatzamtes in New York. Ich habe einst die Vereinigten Staaten um Zoll auf goldene Uhren im Betrag von 50 Dollars gebracht. Da mein Gewissen nun schlägt, schicke ich 5 Dollars. Sobald es wieder schlägt, werden Sie weiter von mir hören. Mister X" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 286 vom 30. 1. 22

Gestern morgen kam mir per Mail ein erbaulicher Phönix ins Haus geflattert. Und eine kleine Korrektur: "Was Du Krücken nennst, sind Unterarmgehstützen. Krücken sind meistens die Nutzer;-)." Dafür und für die anderen guten Wünsche vielen Dank! Bis zum Vollzug der Wertanlage - das neue Hüftgelenk besteht zum Teil aus Titan, was meinen Materialwert beträchtlich erhöhen wird - gibt es jedoch noch viel zu tun, zu feiern und zu gedenken. Hier kommt die nächste Vorschau auf die anstehenden Aktionstage. 
 
Als Erstes führe ich selbst einen neuen Aktionstag ein. Der 30. Januar ist ab sofort auch der Tag des Nachfeierns von verpassten Aktionstagen! Ich habe leider solange gebraucht, das fehlende Teil zu finden, dass ich den Internationalen Puzzle-Tag am 29.1. glatt verpasste. Sorry! Doch nicht genug des Kuddelmuddels: Der 29. Januar war auch noch der Tag der Freidenker und des Blindenhunds. So ein Quatsch! Wer braucht denn sowas? Und welcher Idiot schreibt lange Elaborate über derart überflüssige Kuriositäten? Na, das wird wohl einer sein, dessen spezieller Ehrentag ebenfalls am 29.1. fällig war - der 29. Januar ist auch der Tag des Griesgrams.
  
Jetzt sind wir auf dem Laufenden. Und heute backen wir kleine Brötchen. Denn der 30. Januar ist der Tag des Croissants. Falls jedoch dauernd Euer Telefon läutet - geht nicht dran! Der 30. 1. ist auch der Tag der sinnlosen Anrufbeantworter-Nachrichten. Das kann dann etwa so klingen: "Hallo, bist Du das? Oder habe ich mich verwählt? Macht nichts! Ich wollte nur sagen, dass heute der Tag der sinnlosen Anrufbeantworter-Nachrichten ist." 
 
Nemmok riw muz netshcän gat. Sad tsi red gatsträwkcür. Tbah rhi tmmitseb tffaffeg. Doch der 31. Januar ist außerdem der Tag der Luftpolsterfolie. Warum der gefeiert wird? Wahrscheinlich, weil ein einziger Anlass mittlerweile für ein Datum zu wenig ist. Und schließlich war es etwas überaus Praktisches, was zwei amerikanische Ingenieure 1959 als Patent angemeldet haben. Ihre Luftpolsterfolienfirma beschäftigt heute 16 000 Mitarbeiter in 52 Ländern! Das liegt auch daran, dass die Folien aus einem anderen Grund äußerst beliebt sind. Die kleinen Bläschen zum Platzen zu bringen, soll die Verursacher des Knalls deutlich entspannen. Alle, die das aushalten müssen, sagen eher: Die Erfinder dieses Aktionstages haben einen Knall! 
 
Am 1. Februar gibt es Arbeit. Das ist der "Ändere Dein Passwort-Tag!" Damit ich es nicht vergesse, verwende ich häufig das Passwort "kdk". Dies werde ich jetzt ändern. Und weil vorher der Rückwärtstag war, schreibe ich künftig kdk von hinten nach vorn. Genial, oder? 
 
Alle Leckermäuler werden den 1.2. lieben. Denn das ist der "Dekoriere-mit-Süßigkeiten-Tag". Nicht von ungefähr heißt es "das Auge isst mit!" Wie wär's mit einem schönen Auge als Deko-Motiv? Dann heißt das Motto: "Das Auge iss mit!" Wesentlich schwerer zu realisieren ist der "Robinson-Crusoe-Tag". Gut, Schiffbruch kann man ständig erleiden. Aber wo kriegt man eine Insel mit Kannibalen her? Wir brauchen Hilfe! Vertagen wir das auf Freitag. 
 
Der 2. Februar ist dann der "Charlotte-Roche-Tag". Oh, pardon, ich habe mich vertan. Es ist der "Tag der Feuchtgebiete". Und selbst in eher trockenen Landstrichen auch der "Tag des Igels". Als Gegenstück zum amerikanischen "Tag des Murmeltieres", wenn der Igel aus dem Winterschlaf erwacht. Hä? Bei uns bekommt der Winter doch meist erst im Februar seine rauhe Reife? Tja, der "Tag des Igels" wurde bereits in der Antike von den Römern gefeiert. Und jenseits der Alpen war es da oft schon deutlich wärmer. 
 
Seit 2017 ist der 2.2. auch der Tag des arbeitslosen Duftbaums. Das finde ich sehr sympathisch. Denn wenn Duftbäume noch aktiv sind, ist sehr umstritten, was schlimmer ist: Der Geruch, den sie übertünchen sollen oder der Gestank, den sie selbst verströmen. Zum Glück haben sie schnell ihr Pulver verschossen. Und darum sollten wir sie uns zumindest an diesem Tag zum Vorbild nehmen: Nutzlos herumhängen und nichts tun! 
 
Dass man mal Ärger mit einem Hüftgelenk hat, ist normal. Großes Ungemach hingegen ist Fritz widerfahren, wie als heutige Zugabe ein Telegramm seiner Frau Agnes aus Bonn beweist: "Liebe Inge, grenzenloses Pech - Fritz hat sich nun in diesem Jahr das dritte Bein gebrochen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 285 vom 29. 1. 22

Am 17. Februar soll der Umbauprozess beginnen, der aus mir einen neuen Menschen macht. Bis die Komplettmaßnahme abgeschlossen ist, wird aber noch viel Zeit vergehen - ich habe mir den Berliner Flughafen als Vorbild genommen. Wenn mit dem Verankern der Edelstahl-Zehennägel das Gesamtkunstwerk fertig ist, möchte ich nicht mehr Klaus-Dieter, sondern Phönix genannt werden. 
 
Doch wie das bei Großbaustellen so ist, muss man zwischendurch mit längeren Auszeiten durch Vollsperrung rechnen. Am 16. Februar geht es ins örtliche Krankenhaus, am 24. Februar soll nahtlos die Reha beginnen. Nach sechs Wochen, also Anfang April, kann ich bei komplikationslosem Verlauf wieder ohne Krücken gehen, Rad- und Autofahren. Solange nimmt die Schmunzelpost eine Umleitung, alle anderen Aktivitäten stehen jedoch im Stau. Einen herzlichen Gruß an meine Kröten und Frösche in der Gälkenheide - dieses Jahr müssen sie ohne mich auskommen. 
 
Was für Lurche gilt, trifft nicht auf komische Vögel zu. Falls unsere drei Tintenhühner-Vorstellungen wie geplant Ende März über die Bühne gehen, bin ich dabei. Meinen Part als Moderator kann ich auch auf Krücken bestreiten. Falls ich nicht bei allen Proben bin, ist das nicht so tragisch. Wenn selbst der greise Gottschalk noch "Wetten, dass" über den Sender bringt, werde ich mir im Cornelia-Funkhaus doch keine Blöße geben! Topp, die Wette gilt! 
 
Wo wir schon bei der TV-Geschichte sind, der mit den Live-Übertragungen aus der Petrinum-Aula noch ein sensationelles neues Kapitel hinzugefügt wird: Wisst Ihr, welches das erste interaktive Fernsehquiz war? Sämtliche Frauen des SP-Empfängerinnen-Kreises sind für die Antwort selbstverständlich viel zu jung, aber die Männer, diese alten Knöpfe, müssten es wissen. 
 
Braucht Ihr Gedächtnishilfen? "Peter, den Bolzen!" und "Der Kandidat hat 100 Punkte!" sind markante Sätze aus der Samstagabend-Show, die von "Mr. Wunnebar" moderiert wurde. 1964 startete "Der goldene Schuß". Wenige Jahre später, nach dem Siegeszug des Heroins, hätte man den Titel wohl nicht mehr gewählt, aber wegen der Doppeldeutigkeit geändert wurde er nicht. Schließlich konnten die TV-Zuschauer von zuhause aus per Fernanweisung ein Band durchschießen, an dem ein Sack mit Gold hing. Treffsichere Gewinner durften die Beute behalten. 
 
Edelmetall können die Besucher unserer Kabarett-Abende zwar nicht abschleppen, dafür werden sie für ihr Kommen mit goldenem Humor belohnt. Und interaktiv wird die Lokalfunk-Schau auch! Zuschauer dürfen vor laufender Kamera ihre Meinung sagen und beim großen Quiz einer stadtbekannten Familie als Publikumsjoker aus der Patsche helfen. Falls sie denn wissen, wie die sechs Akteure mit Nachnamen heißen. Kleiner Tipp: Die Lösung fängt mit "Schniedel" an und hört mit "Kötter" auf. Das kann man schaffen, zumindest mit sehr viel Konzentration und Verzicht auf die gewohnte Galone Wodka. 
 
Nach dieser Vorgeschichte muss sich auch die Zugabe um "irgendwas mit Medien" drehen. Unser Albert behauptet ja, das Niveau der Zeitungen, selbst der "Süddeutschen", nehme immer weiter ab. Beruhigend zu lesen, dass Redakteure es auch in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht allen recht machen konnten. Dies dokumentiert ein Brief von Peter Mühlen: 
 
"Geehrte Schriftleitung! Erlaube mir nachträglich, die Mitteilung zu machen, dass ich schon öfter verunglückt bin aber bis jetzt in Ihrem Blatt noch nie nicht etwas darüber gelesen habe, wie es bei landfremden Leuten heute der Fall ist wenn einer mit seinem Stinkkasten-Auto aus Raserei verunglückt.  

So pasirte mir nähmlich erst am 27. 3. 1926 dass ich beim Langholzverladen verunglügte, wo es mir 6 Zähne herausschlug sowie alle anderen heute noch nicht fest sind. 
Zum zweiten ist am 16. 4. 1926 meine liebe Frau gestorben, welche Sonntag mittag 3 Uhr beerdigt wurde. Obwohl sie auch in der Stadt genug bekannt war. Heute gibt bei einem solchen Fall sich aber niemand zu erkennen. Sogar am 9. Juli 1925 hätten wir unsere silberne Hochzeit gefeiert wenn nicht Vater Staat unsere sauer verdienten Pfennige auch noch zu nichts gemacht hätte (traurig). 
 
Zum Andern besitzen wir, solange wir hier sind, Ihr geehrtes Blatt, und zwar schon mindestens 20 Jahre ununterbrochen! Aber von solchen Sachen habe ich noch nie etwas gelesen! Soviel zur Kenntnis: Werde meine Konsequenzen auch daraus ziehen. Sonst hat es ja Klatschweiber genug die alles zutragen aber nur nicht was angebracht wäre." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 284 vom 28. 1. 22

Jedesmal, wenn ich den Motor anlasse, mahnt mich die elektronische Anzeige, einen Werkstatt-Termin für die Inspektion und die TÜV-Prüfung zu vereinbaren. Da unser Caddy langsam in die Jahre kommt, kann es sein, dass auch der Einbau von Ersatzteilen erforderlich wird. 
 
Bevor aber unser Auto an der Reihe ist, bin ich selber dran. Orthopädische Untersuchungen haben ergeben, dass es sinnvoll wäre, links ein künstliches Hüftgelenk einzusetzen. Heute erfolgt das Vorgespräch mit dem Chirurgen, danach weiß ich, ob ich im Februar oder wegen Omikron erst im März oder April unters Messer komme. 
 
"Danach sind Sie wieder wie neu", ermunterte mich meine Orthopädin, "das neue Gelenk hält mindestens 20 Jahre. Damit können Sie noch mit 90 auf Wanderschaft gehen." Gegenwärtig würde es mir schon genügen, mich problemlos aufs Rad schwingen zu können und schmerzfrei zum Bäcker zu kommen, ohne mich zwischendurch auf eine Bank hocken zu müssen. 
 
Vielleicht sollte ich auch schon mal über weitere Ersatzteile nachdenken. Ein paar trage ich ja schon länger mit mir herum. Plomben und Kronen stärken die Kauwerkzeuge, damit die Kraftstoffaufnahme erleichtert wird. An meinem Motor wurde auch bereits herumgeschraubt, das Herz ist jetzt wieder im Takt. Und während den Caddy lediglich ein paar kleine Kratzer verunzieren, ist bei mir an der Fronthaube der Lack schon lange ab. 
 
Eine Perücke kommt nicht in Frage, meine modische Kurzhaarfrisur erfordert statt Autopolitur lediglich reichlich Sonnenschutzmittel. Oder Kappen und Mützen. Als ich jetzt beim Umtausch des alten Führerscheins ein Jugendfoto von mir sah, mit so vollem Haar, dass selbst Roberto Blanco erblasst wäre, kam ich kurz in Versuchung. Hat bei Jürgen Klopp die Transplantation nicht gut funktioniert? 
 
Stattdessen zog ich eine ökologische Lösung in Betracht. Rollrasen! Als persönlicher Beitrag zum Klimaschutz. Doch guter Rasen braucht fruchtbaren Untergrund mit Regenwürmern. Und bei mir ist unterhalb der Schädelplatte ohnehin schon der Wurm drin, wie Ihr Tag für Tag bestätigt bekommt. Wie würde das enden, wenn die Würmer im Oberstübchen auch noch Partys feiern? 
 
Da lasse ich mich lieber überraschen, was als nächstes erneuert werden muss. Die Medizin macht ja ständig Fortschritte. Vielleicht gibt es bald eine künstliche Leber zum Schleuderpreis? Mit zehn Jahren Garantie. Und hoch effektivem Schadstoff-Filter, der den problemlosen Konsum von drei Flaschen Wein am Tag ermöglicht. Bitte legt schon mal eine für mich zurück. Oder besser: Gleich drei. Ach ja: Für meine Schädeldecke nehme ich noch die blau-weißen Sonnenkollektoren zur Steigerung des logischen Denkvermögens. Ich fürchte, das ist nötig! 
 
Als heutige Zugabe hier ein Antwortschreiben der Gemeinde Berndorf, das beweist, welchen Stellenwert die Gesundheit bereits 1908 hatte: "Wohlgeborene Frau Direktor! Ihr gefl. Anfrage betreffend. Die Luft in unserem Dorf ist so gesund, daß Sie in kurzer Zeit 100 Jahre alt werden. Indem wir uns der Hoffnung hingeben, Euer Hochgeboren bald hier begrüßen zu können, zeichnen wir als Euer Hochgeboren gehorsamster Paul Lensing, Bürgermeister." 
 
Glückauf 
kdk    

 Schmunzelpost 283 vom 27. 1. 22

Aus gegebenem Anlass habe ich mich etwas mit Namensforschung befasst (Mehr über den Grund lest Ihr voraussichtlich im Sommer). Leider hat niemand in unserer Familie Aufzeichnungen hinterlassen. Und die Spur meines Urgroßvaters, eines Kaufmanns, verliert sich in Sachsen. Dort gab es früher jede Menge Krauses, fast so viele wie Nachkommen des potentesten Regenten der deutschen Geschichte, also von August dem Starken. 
 
In der aktuellen Rangliste der häufigsten Nachnamen rangieren wir immerhin noch auf Platz 28. Das tröstet mich. Denn meine Freude darüber, dass "Krause" auch ein amtlich zugelassener Jungen-Vorname ist, legte sich rasch, als ich erfuhr, dass es bei einer Beliebtheits-Umfrage gerade mal zu Platz 1478 gereicht hat, weit hinter Napoleon und Alarich.  
 
Zur Herkunft des Nachnamens gibt es zwei Theorien. Die eine leitet sich vom mittelhochdeutschen "krus" ab. Das bedeutet soviel wie kraus oder gelockt. Danach müssen sich die ersten Namensträger durch ihre Haarpracht ausgezeichnet haben. Weil ich nicht unbedingt ein Paradebeispiel dafür bin, tendiere ich zur zweiten Theorie. 
 
Die bezieht sich auf das Mittelniederdeutsche. Der Begriff "Kruse" stand danach für Krug, und die Hersteller solcher Trinkgefäße sollen ebenfalls als Kruse oder Krause bezeichnet worden sein. Da ich mit derartigen Gefäßen bereits Brüderschaft getrunken habe und ihre Nutzung Freude bereitet, ist mir diese Version lieber.    
 
Was mich etwas wurmt, ist der Umstand, dass es keiner aus unserer Sippe zu nennenswertem Ruhm gebracht hat. Na gut, in Gahlen gibt es eine General-Crause-Gedenktafel. Aber der Abtrünnige schrieb sich mit C und ist wohl eher eine regionale Größe. Gibt man "Krause" in eine Suchmaschine ein, finden sich unter den ersten Nennungen hauptsächlich Unbekannte. 
 
Oder solche, die besser unbekannt geblieben wären. Mickie Krause! Wer auf diese Ballermann-Größe und seine "Zehn nackten Friseusen" stolz ist, der hat vielleicht die Haare schön, aber ansonsten wenig Glühbirnen im Oberstübchen. Und "Hausmeister Krause", der angeblich kurz vor seinem Comeback steht, ist bloß eine TV-Kunstfigur und darüber hinaus noch ein Muster an Piefigkeit. 
 
Der "Zeit" ist zu danken, dass sie etwas zu unserer Ehrenrettung beigetragen hat. Es war Balsam für die geschundene Krause-Seele den Artikel "Viva el Krausismo" zu lesen. Ausführlich wurde darin der große, ach was, der weltgrößte Philosoph Karl Christian Friedrich Krause gewürdigt, der von 1781 bis 1832 lebte. Unbegreiflicherweise ist er in Deutschland in Vergessenheit geraten. 
 
Da lobe ich mir die Spanier. Krause hat die Geistesgeschichte des Landes verändert und ist bei den Iberern zum Leitbild für Liberale geworden. Jeder halbwegs gebildete Spanier kennt seinen Namen. Ich fordere: Bringt Krause zurück in die deutschen Schulbücher - wer, zum Teufel, sind Kant und Schopenhauer? 
 
Vielleicht ist mein Urgroßvater sogar ein Abkömmling des Meisters. Das würde einiges erklären. Zum Beispiel, dass Ihr manchmal bei der Schmunzelpost-Lektüre vermutet, ich hätte mich im Sprachlabyrinth verirrt und in meiner Beweisführung verheddert. Deshalb dürft Ihr jetzt mit Fug und Recht sagen: Das kommt mir spanisch vor! Viva el Krausismo! 
 
Da wir uns heute mit Namen beschäftigt haben, soll auch die Zugabe entsprechend enden. Auszug aus dem Schul-Aufsatz "Das Schwein", der auch als Erklärung des Begriffs "Effizienz" dienen könnte: "Beim Schwein kann man von vorn bis hinten alles verwenden. Sogar seinen Namen kann man noch als Schimpfwort gebrauchen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 282 vom 26. 1. 22 

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. So ist es an kalten, grauen Tagen eine willkommene Ablenkung, Urlaubspläne zu schmieden. Dieses Jahr soll es ausnahmsweise nicht an die Nordsee, sondern an einen See im Süden gehen. Genauer: An den Chiemsee, um endlich auch mal die bayerische Natur mit dem Rad zu erkunden. 
 
Ich bin sicher, dass ich dabei wieder einem Hobby frönen kann, das ich mit SP-Leser Martin teile: Wir sammeln außergewöhnliche Ortsnamen. Ein schneller Blick auf eine Landkarte verriet mir, dass ich in Bayern bestimmt fündig werde. Ich bin ganz bestimmt kein Sexist, doch mein Blick fiel zufällig sofort auf zwei Orte, die als besonders sehenswürdig gekennzeichnet waren: Tittmoning und Petting. Die Bayern mögen es offenbar deftig. 
 
Besonders reichhaltig war die Ausbeute in einer anderen deutschen Region, weshalb ich mich bis heute noch gut an die Reise durch Sachsen-Anhalt erinnere. Rund um Bad Schmiedeberg gab es eine ganze Reihe von Dörfern mit Namen, die nicht alltäglich sind. Wer hat sich bloß "Ogkeln" und "Splau" ausgedacht? Und es ist kein Scherz, dass es dort auch einen Ort namens "Sackwitz" gibt. 
 
Die Bezeichnung ist immerhin zungenfreundlicher als das nur sechs Kilometer entfernte "Mark Zschieschewitz". Die Zunge habe ich mir auch verstaucht, als ich meiner Co-Pilotin erklärte, dass unser Abstecher nach Merseburg über "Schkopau" führte. Leicht auszusprechen ist dagegen der Ort, den man nur einen Kilometer hinter "Rösa" findet: "Brösa". 
 
Erst gegen Ende des Urlaubs wurde meine Überzeugung, dass Sachsen-Anhalt über die lustigsten Ortsnamen verfügt, unverhofft erschüttert. Da gab mir ein Einheimischer, dessen engagierten Vortrag ich hier notdürftig ins Hochdeutsche übertragen habe, mit folgenden Worten zu denken: "Wo kommen Sie her? Nie gehört! Wo liegt das denn? Hat Ihr Heimatdorf mehr als 100 Einwohner? Wie war das noch gleich? Dorschten? Was es doch bei Euch im Westen für ulkige Ortsnamen gibt..." 
 
Ja, Reisen liefert Stoff zum Nachdenken. Und Reisen bildet, wie die heutige Zugabe beweist. Ein Schüler beschreibt in seinem Aufsatz die lehrreiche Fahrt mit seinem Vater: "Ein Erlebnis! Am Sonntag war ich mit meinem Vater zum ersten Mal in Augsburg. Wir kamen an einer großen Kirche vorbei, und ich fragte ihn: "Was ist das für eine Kirche?" Mein Vater sagte: "Ich weiß es nicht!" 
 
Dann kamen wir an einem hohen Turm vorbei, und ich fragte wieder: "Was ist das für ein Turm?" Mein Vater sagte: "Ich weiß es nicht!" An einem sehr großen Haus vorbeikommend, fragte ich wieder. Mein Vater wußte es nicht. Später blieb er stehen, stellte sich vor mich hin und sagte ernst: "Bub, frag mich immer tüchtig, damit du was lernst." 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 281 vom 25. 1. 22

Seit der gestrigen Schmunzelpost ist mir immer noch weihnachtlich zumute. Kennt Ihr eigentlich Dasher, Dancer und Prancer? Oder Comet, Cupid und Vixen? Spätestens bei den nächsten Namen müsste es bei Euch klingeln: Die sechs bilden mit Donner, Blitzer und Rudolph ein Team. Richtig, das ist das Rentiergespann, das der Legende nach dem Weihnachtsmann ermöglicht, in aller Welt Geschenke zu verteilen. 
 
Nun sind wir heute jedoch von Spinnereien auf den harten Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Der US-Wissenschaftler Rod Morgan hat ausgerechnet, wie ein himmlischer Lieferdienst ausgestattet sein müsste, der tatsächlich an nur einem einzigen Tag alle christlichen Haushalte mit Weihnachtspräsenten versorgt. Ergebnis: Es müssten nicht neun, sondern 214 000 Rentiere eingesetzt werden! 
 
Und nicht nur das. Sie müssten auch noch mit 3000-facher Schallgeschwindigkeit unterwegs sein. Also: Falls Ihr es in der Nacht zum 17. April knallen hört, dann war das einer von 255 671 Osterhasen, der gerade beim Verstecken von Eiern die Schallmauer durchbrochen hat. 
 
Von Geschwindigkeitsrekorden an Weihnachten und Ostern zu rasanten Abfahrten und Slaloms beim Wintersport. Große Augen machten die Zuschauer des Schweizer Fernsehsenders SFR 1 bei einer Sport-Übertragung. Denn auf der eisigen Piste ging es offenbar heiß zu. Darauf deuteten zumindest die Untertitel für Menschen mit Gehör-Problemen hin. 
 
Als ein Ski-Rennfahrer interviewt wurde, überbrachte er dabei den Zuschauern daheim die freudige Botschaft: "Ich habe dir eine Kiste Pornos mitgebracht, jetzt geht´s an die Nippel!" Und als sich zwei Wintersportler*innen miteinander unterhielten, gewährten sie folgende Einblicke: „Mit 14 hatte ich schon den Körper, den du hier siehst. Nicht zu fassen, oder? Die Männer interessieren sich sehr für mich. Vor allem unser guatemaltekischer Gärtner Javier!“ 
 
Leider wurde das Rätsel schnell gelöst. Die Schweizer Sender SFR 1 und SFR 2 hatten ihre Untertitel vertauscht. Nun wüsste ich gern, was beim Sexfilm im anderen Kanal zu lesen war. Vielleicht der Kommentar des Sportreporters? "Bisher hat er die Hügel gut im Griff, doch was macht er jetzt? Sapperlot, er fädelt ein - hoffentlich ist nichts weiter passiert!" 
 
Da der Dienstag nachweislich der produktivste Tag der Woche ist, schnell noch ein paar verblüffende Fakten. Wusstet Ihr schon, dass das HB-Männchen Bruno heißt? Und dass sowohl Monaco als auch Vatikanstadt kleiner sind als der Central-Park in New York? Jetzt wisst Ihr es! Außerdem hoffe ich, dass Ihr bei der Lektüre wenigstens einmal gelacht und somit etwas für Eure Fitness getan habt. Beim Lachen werden nämlich 100 Muskeln bewegt, davon nur 18 im Gesicht! Die Chancen zur Körperertüchtigung stehen gut, wenn Ihr Euch Euer kindliches Gemüt bewahrt habt: Erwachsene lachen im Schnitt 20mal am Tag, Kinder jedoch 400mal! 
 
Vielleicht kann Euch ja die heutige Zugabe ein Lachen entlocken. Zeitungen leisten manchmal Lebenshilfe, so wie das Heidelberger Tageblatt in seiner Briefkasten-Rubrik. Leserfrage vom 27. 11. 1972: "Ich interessiere mich lebhaft für zwei Damen und möchte eine von beiden gerne heiraten. Die eine Dame, die aus Sachsen stammt, ist sehr hübsch, die andere hingegen, aus der Schweiz, ist sehr reich. Welche soll ich heiraten?" 
 
Antwort der Redaktion: "Warten Sie doch ab, ob Sie nicht noch eine Dame aus der Sächsischen Schweiz kennenlernen." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 280 vom 24. 1. 22

Hilfe! 
 
Bloß noch elf Monate bis Weihnachten! Höchste Zeit, an den Geschenkekauf zu denken. Viel zu früh, meint Ihr? Nein, ganz im Gegenteil. Denn der Sparfuchs weiß: Wer antizyklisch kauft, der schont sein Konto. Nie sind Artikel der Wintersaison so günstig wie im 1. Quartal des neuen Jahres. Na gut, aus ermäßigten Kalendern müsst Ihr vor dem Verschenken die Jahreszahl ausradieren, und auch die Wochentage passen nicht mehr so ganz. Aber fällt das Eurer verschnarchten Verwandtschaft überhaupt auf? Besonders günstig ist auch das abgelaufene Weihnachtsgebäck. Das eignet sich besonders für Empfänger, denen Ihr ohnehin wünscht, dass sie sich mal richtig die Zähne ausbeißen. 
 
Habe ich Euch schon mal gesagt, wie sehr ich mich freue, dass ich Euch kenne? Nein? Dann will ich das jetzt nachholen: Ihr seid für mich die nettesten, klügsten, attraktivsten und überhaupt besten Menschen der Welt! Ach ja, vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass heute am 24. Januar der Tag der Komplimente begangen wird. So, so, Ihr habt geglaubt, ich hätte das ernst gemeint. Ihr solltet wissen, der 24.1. ist auch der Welttag des herzlichen Lachens. 
 
In Wahrheit seid Ihr für mich die dümmsten, hässlichsten und fiesesten Menschen der Welt! Das nehmt Ihr hoffentlich auch nicht ernst, denn ich sage es mit Blick auf den 25. Januar. Und das ist der "Tag des Gegenteils". Kommen wir zum 26. 1.. Das ist der Welttag der Eheleute. Und damit auch die logische Brücke zum Tag des Gegenteils. Sagt man nicht: "Gegensätze ziehen sich an"? Welch besseren Beweis gäbe es dafür als Menschen, die auch Jahrzehnte nach der Trauung immer noch zusammen sind. Wie viele Reibungspunkte sorgen denn bei Euch für Kontroversen? Zum Ausgleich hat man den Tag der Ehepaare geschaffen, an dem Paare sich ausnahmsweise gegenseitig verwöhnen und alle Widersprüche ausklammern sollen. Viel Erfolg! 
 
Ein wenig Mühe sollten wir uns auch am "Tag des Zöllners" geben. Diesem ehrenwerten Berufsstand wird oft viel Hass entgegengebracht. Und den Berufsalltag prägt die Langeweile. Warum dem Zöllner am 26.1. nicht mal eine Freude machen? Lasst Euch beim Versuch erwischen, teure Uhren über die Grenze zu schmuggeln. Am besten spannt Ihr dazu eine Rolex um die Stirn, damit es auch auffällt. Dagegen wäre das Opfer, mit einem Koffer voller Camenbert den Zöllner zu erfreuen, ein Eigentor. Weniger wegen des Strafzolls, sondern wegen des Gestanks.
 
Kommen wir nun zum 27. Januar. Ein Tag für alle Schleckermäuler, denn da wird der Schokoladenkuchen gewürdigt. Nichts für Leute wie mich, die dringend abnehmen müssten. Überhaupt nicht zum Schmunzeln, aber so wichtig, dass sie nicht vergessen werden sollten, sind am 27. 1. der Holocaust-Gedenktag und der Tag der Alphabetisierung. 
 
Dafür könnt Ihr ABC-Schützen am 28. Januar jubilieren. Vor allem, wenn Ihr schon Rentner seid. Denn erst vom sicheren Pensionärs-Ufer aus kann man andere am "Spaß-bei-der-Arbeit-Tag" aus vollem Herzen anfeuern. Außerdem ist der 28.1. auch der Tag des Blaubeerpfannkuchens. Warum die Erfinder, die spinnerten Amerikaner, diesen Tag ausgerechnet in den Januar gelegt haben, wo garantiert keine Blaubeeren zu ernten sind, bleibt ihr Geheimnis. Wahrscheinlich hat ein gewisser Donald (und ich meine nicht Donald Duck) an diesem Tag gesagt: "I love blueberry-pancakes! Lets eat together! And then we kick Sleepy Joe out of the White House." 
 
Zur Zugabe: Donald hätte auch unter dem Pseudonym "Feldhüter Bender" dieses Protokoll geschrieben haben können: "Als ich zur Namensfeststellung schritt sagte der Beschuldigte Ottmar Angern, ich sei ein Esel. Letzteres kann mir das ganze Dorf bestätigen." 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost 279 vom 23. 1. 22

Ein kleiner Tipp kann im Haushalt oft hilfreich sein. Allerdings brauchen spezielle Probleme auch besondere Lösungen. 
 
Unser Kater ist ungeheuer verfressen. Das kann mächtig nerven, sowohl beim Zubereiten wie beim Verzehren von Mahlzeiten. Kaum bist Du einen Moment abgelenkt, zack, schießt aus dem Nichts eine Pfote hervor und angelt sich eine Nudel. Gegen solche Attacken gibt es nur ein Mittel: Den Einsatz eines Wassersprühers, der eigentlich für das Benetzen von Zimmerpflanzen vorgesehen ist. 
 
Es gibt das Sprichwort: Wie der Herr, so's Gescherr! Da ist was dran. Ich benötige selbst jemand, der mich bei übertriebener Kalorienzufuhr kräftig einnebelt, damit es endlich etwas mit dem Abnehmen werden kann. Ich habe dem Kater bereits vorgeschlagen, sich auf diese Weise revanchieren zu dürfen. Doch er kommt leider mit der Technik der Sprühflasche nicht klar. Statt mit Fingern hat ihn die Natur mit Krallen ausgestattet. Die befähigen ihn zwar zum Nudelangeln, aber nicht zum Bedienen von Wasserschusswaffen. 
 
Daher suche ich nun eine Person, die den 24-Stunden-Job übernimmt. Es kann nämlich passieren, dass der knurrende Magen mich mitten in der Nacht zum Kühlschrank treibt. Da heißt es, wachsam sein. Und dann volle Lotte: Psssscht! Für die Entlohnung gilt der BEG-Tarif. BEG bedeutet: Bei Erfolg großzügig! In diesem Fall darf der Sprüher oder die Sprüherin jeden Happen, der mir so entgeht, selber essen. Führt dies zu Übergewicht, bin ich nach vier Wochen zum Rollentausch bereit. 
 
Nun zu meinem zweiten Tipp, der sich im Bedarfsfall als ebenso nützlich erweisen kann. Wie bereits beschrieben, leidet unsere Wohnung unter dem Problem: Zu wenig Regale, zu viele Bücher. Deshalb haben wir es uns in letzter Zeit angewöhnt, Bücher zu stapeln. Ist irgendwo ein Eckchen frei, wächst dort ein Bücherturm gen Himmel. Die Wissenschaft sagt dazu "stalagmitus literaris". 
 
Wir dürfen uns inzwischen mit dem nur selten vergebenen Titel "Bücherturm-Baumeister" schmücken. Denn der architektonisch durchaus anspruchsvolle Turmbau verlangt besondere Kenntnisse. Daher nun ein paar Hinweise für alle, die vor ähnlichen Problemen stehen: 
 
1. Niemals Bücher unterschiedlicher Sprachen aufeinander legen. Sonst entsteht ein Wirrwarr, das unweigerlich zum Einsturz des Bauwerkes führt, wie bereits die fatalen Folgen des Turmbaus zu Babel bewiesen haben. 
 
2. Unbedingt die Gesetze der Logik beachten. Das heißt: Die großen Bücher gehören nach unten, die kleinen nach oben. Wer aus ästhetischen Gründen umgekehrt vorgeht, braucht unendlich viel Fingerspitzengefühl, um das Kippen zu verhindern. Auch empfiehlt es sich, Bücher, die man häufig nutzt, wie Weinratgeber oder die Schalke-Bibel, weit oben zu platzieren. Andernfalls braucht man mehr Zeit zum unfallfreien Hervorholen und Zurücklegen des Buches als zum Lesen. Zudem sollten die Titel auf dem Buchrücken möglichst von einer Seite aus lesbar sein. Sonst bekommt man früher oder später einen Drehwurm. Die Arztpraxen wimmeln von Patienten, die unter permanentem Schwindel infolge des sogenannten Buchstapel-Kreislauf-Syndroms leiden. 
 
3. Der Höhe eines Bücherturms sind natürlich Grenzen gesetzt. Spätestens, wenn die Zimmerdecke erreicht ist, sollte besser mit einem neuen Turm begonnen werden. Versuche, sich durch Aufstemmen der Zimmerdecke mehr Platz zu verschaffen, haben sich wegen murrender Nachbarn im Obergeschoss nicht bewährt. Falls man es dennoch versucht, sollte man die Autoren-Auswahl vorher mit den Nachbarn abstimmen. 
 
So viel dazu. Als Zugabe nun aus den Sechziger Jahren der Brief eines gewissen Hans an einen Verlags-Chef, der sich leider weigerte, Hansis Werk zu veröffentlichen, so dass dieses Buch in unseren Stapeln fehlt. Aber vielleicht war Hans selbst ein Hochstapler: "In der Anlage sende ich Ihnen mein Manuskript 'Ein perfektes Verbrechen' oder auch: 'Die Verschwörung der Heuchler'. Die Prognosen sind günstig. Von Willy Brandt bis Willy Millowitsch prognostiziert man Bestseller-Erfolg und sogar den Nobelpreis. 50 VIPs verhießen den Nobelpreis. Dazu kamen 100 Non-VIPs. Wie verspricht man Ihnen denn den Nobelpreis und Bestseller-Erfolg? So werden Sie fragen. Nun, ganz einfach: Per Minisender im Ohr. Veröffentlichen Sie meine Backgroundstory. Geben Sie mir eine Chance und stehlen Sie mir nicht so viel Zeit, kostbare, unwiederbringliche Lebens- und Liebeszeit, wie die anderen 63 Verleger!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nachtrag zur gestrigen Schmunzelpost: Mitunter bietet das Gendern auch Vorteile. Jedenfalls wenn Leute so kreativ sind wie Lisas jüngste Tochter. Als ihr nach einer OP das Wort "Krankenpfleger" nicht einfiel, sagte sie: "Auf unserer Station gibt es auch einen Schwesterich!" 
 
PPS. Nach einem weiteren Sieg der Königsblauen wie üblich ein Blick in die Vereinschronik von Schalke 04. Diesmal nicht in die Geschichte, sondern in ein Kapitel, das erst noch geschrieben werden muss. Ich war nämlich beim Friseur, und der ist ausgewiesener Fußball-Experte. So wie er es vorher sagt, kommt es auch. Mit Freude hörte ich, dass Schalke spätestens im April einen neuen Trainer holt und dann den Wiederaufstieg in die erste Liga schafft. Mehr noch: In der folgenden Saison werden wir Deutscher Meister! 
 
Das glaubt Ihr nicht? Der Trainer heißt Otto Rehhagel. Und der holte nicht nur mit Werder Bremen den Titel, er machte auch Griechenland, ja, wirklich, G r i e c h e n l a n d zum Europameister. Sein größter Coup war jedoch, mit dem 1. FC Kaiserslautern in die Bundesliga aufzusteigen und sofort im ersten Jahr die Meisterschale zu erringen. Noch Fragen?  
 

Schmunzelpost 278 vom 22. 1. 22

Oft sind es banale Kleinigkeiten, die eine Beziehung vergiften können. Da hat frau endlich ihren Märchenprinzen gefunden und lebt mit ihm glücklich und zufrieden. Bis sie merkt, dass der Gute eine aus ihrer Sicht unentschuldbare Angewohnheit hat. Er leidet unter Schweißfüßen, trägt aber seine Socken gern mehrere Tage lang. Und verstreut sie dann mit Vorliebe überall im Schlafzimmer. So, wie Kater mit speziellen Duftstoffen ihr Quartier markieren. (Ich betone an dieser Stelle ausdrücklich, dass dieses Beispiel nicht autobiografisch ist!).
 
Schön zu lesen, dass auch Promis vor Unsitten nicht gefeit sind. So findet die Freundin von Orlando Bloom es zwar gut, dass der US-Schauspieler seine Zähne gründlich mit Zahnseide reinigt. Weniger schön ist jedoch, dass er die benutzte Seide an unterschiedlichsten Plätzen in der Wohnung einfach liegen lässt. Dem Kerl sollte frau mal gründlich die Zähne zeigen!
 
Wie der Zufall es will, habe ich gerade noch die Aufzeichnung des TV-"Gipfeltreffens" mit Johann König gesehen. Der antwortete auf die Frage, ob bei einer langen Beziehung plötzlich Gewohnheiten der Partnerin als so ekelhaft und störend empfunden werden könnten, dass sie sogar zum Bruch führen: "Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Mich hat auf einmal gestört, dass meine Frau dauernd an den Nägeln kaut. Das ginge ja noch - aber muss sie unbedingt meine dafür nehmen?"
 
Außerhalb von Zweierbeziehungen bieten genügend andere Themen Anlässe zum Aufregen. Neben Corona und Klimawandel auch immer wieder der Streit ums Gendern. Die Auswüchse bringen auch mich auf die Palme. Wenn Annalena Baerbock vom Steuer*innenzahler erzählt, Olaf Scholz die Krankenschwester*in entdeckt und Anne Will über die Mitglieder*innen talkt, kann ich darüber noch grinsen. Wenn aber das Berliner Justizministerium das Wort "Ausländer" durch "Einwohnende ohne deutsche Staatsbürgerschaft" ersetzt, friert mein Lächeln langsam ein. Vor allem, wenn von mir erwartet wird, ebenso verquast zu schwafeln.
 
Da ich gerade wieder zwei Überweisungen zur Bank gebracht habe, um Arztrechnungen zu begleichen, fiel mir die Auswahl der Zugabe heute leicht. Schon vor mehr als 50 Jahren schrieb ein gewisser Oskar Stübler seinem Hausarzt: "Sehr geehrter Herr Doktor! Sie sagten mir mehrfach während meiner Behandlung in den letzten Wochen, ich solle mich vor allen heftigen Gemütsbewegungen hüten - und dann schicken Sie mir solch eine Rechnung! In heftigster Gemütsbewegung   Oskar Stübler" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 277 vom 21. 1. 22

Was war ich froh, als der pandemiebedingte Zwang zu Videokonferenzen endlich wegfiel und wir uns zu Besprechungen wieder persönlich treffen konnten. Sofort habe ich meine Kamera irgendwo in der hintersten Ecke verstaut. Und nun das! Wegen des Inzidenzrekordes verlegt der NABU seine Treffen wieder ins Netz. Das bedeutet: Die Kamera hervorholen, an den PC anschließen und hoffen, dass eine halbwegs störungsfreie Verbindung zustande kommt. Dabei weiß ich jetzt schon, wie es laufen wird. 
 
Wenn es mir endlich mit zehn Minuten Verspätung gelungen ist, mich einzuloggen, wird der Vorsitzende gerade die Gesprächsrunde eröffnen. Denn auch andere hatten ähnliche Probleme wie ich. Dann hören wir mal rein - los geht's: 
 
Vorsitzender: Schön, dass sich trotz der ungünstigen Umstände sieben Teilnehmer gefunden haben. Könnt Ihr mich alle sehen und hören? 
Ich: Ja! 
A: Ja! 
B: Nein! 
C: -----! 
D: Ich sehe Dich, aber ich höre nix! 
E: Ich höre Euch, aber ich sehe sonst schwarz. 
Vorsitzender: Ihr müsst mit dem Cursor links oben die Reflux-Funktion einschalten und rechts unten die Kamera aktivieren. 
A: Hab ich doch gemacht! 
Ich: Was ist eine Reflux-Funktion? 
B: Ich höre nichts! 
C: ------! 
D: Kannst Du das bitte noch mal in Gebärdensprache wiederholen? 
E: Ich geh raus und logge mich noch mal neu ein! 
Vorsitzender: Bitte nicht alle durcheinander! 
Ich: Wer pfeift denn da so fürchterlich? 
A: Das ist bestimmt unser Vogelexperte B, der imitiert den Balzruf eines Wiedehopfs. 
B: Ich höre immer noch nichts, aber um zu testen, ob Ihr mich hört, werde ich gleich mal den Balzruf eines Wiedehopfs imitieren. 
C: ------! 
D: Von wegen Wiedehopf, das ist C. Der pfeift schon lange aus dem letzten Loch. 
Vorsitzender: So wird das nichts. Jeder, der was sagen will, meldet sich erst durch Handzeichen. Und die anderen schalten so lange auf stumm. Habt Ihr das verstanden? 
Ich: -----! 
A: -----! 
B: -----! 
C: -----! 
D:------! 
E: Ich bin wieder drin. Jetzt sehe ich Euch, aber ich höre nichts. 
Vorsitzender: Kein Wunder. Ich hatte gerade alle gebeten, auf stumm zu schalten, wenn sie nichts zu sagen haben. 
E: Na gut, mach ich. ----! 
Vorsitzender: Gut, gut. Aber wer will den ersten Redebeitrag leisten? Ich bitte um Handzeichen. Ah ja, C, Du hast das Wort. 
C: ------! 
Ich: Ich höre C nicht und kann A nicht mehr sehen. Dafür ist D jetzt links oben in der Ecke. 
E: Kann nicht sein. Links oben in der Ecke bin ich. Am besten, ich gehe raus und logge mich noch mal neu ein. 
Vorsitzender: Nee, nee, bleib drin!  Zu spät! Leute, so wird das nichts. Wir geben für heute auf und üben zunächst in Dreiergruppen. Vielleicht kriegen wir dann bei der siebten Welle eine vernünftige Videokonferenz hin. 
C: Jetzt hab ich's! Der Balzruf des Wiedehopfs klingt so: Tirili, tirili, tirili - schrilllllll! 
  
Dass Kommunikation aber auch auf altmodische Weise per Brief nicht immer reibungslos funktioniert, zeigen der folgende Brief der japanischen Firma Tanaka Shokunin Co.Ltd. vom 28. Juli 1972 und die beiden Bearbeitungsvermerke: 
"Firma Borg-Warner - Stieber. Sehr geehrte Herren, wir jetzt deutsch schreiben Weil wir jetzt haben einen Deutsch-Meister und bestehlen 50 Runde Sofas so umgehend wie geschwind. Mit freundlichen Grüßen M. Shokunin." 
 "Was will der?" "Vermutlich 50 Kugellager, geliefert 2.8. 72." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 276 vom 20. 1. 22

Weiter geht es mit dem Versuch, Euch trotz immer weiter steigender Inzidenzzahlen wenigstens Anlass für bescheidene Feiern zu bieten. Mal schauen, ob diese Woche für Euch noch etwas dabei ist. 
 
Wie steht Ihr zu Pinguinen? Die sind doch soooo süüüüß! Und anders als beim Wolf laufen gegen Pinguine auch keine Pressekampagnen. Vielleicht muss erst eine Bürgerinitiative die Redaktion darauf aufmerksam machen, dass die tückischen Pinguine einst alle Schafe in der Antarktis ausgerottet haben. Restlos weg gemäht! Oder habt Ihr am Südpol schon mal ein Schäfchen gesehen? Na also! 
 
Aber die Mehrzahl der Menschen ist über dieses Verbrechen nicht aufgeklärt worden. Nur so ist es zu erklären, dass der Pinguin gleich an zwei Tagen verherrlicht wird: Am Welttag des Pinguins am 25. April und am Ehrentag des Pinguins am 20. Januar, also heute. Die Begeisterung ist erklärlich. Denn der Pinguin hat große Ähnlichkeit mit mir, wenn ich Frack trage und darunter meinen weißen Bauch zeige. Zudem ist sein Watschelgang von meinem kaum zu unterscheiden, seit mich die Hüftarthrose plagt. Euch ist mein weißer Bauch völlig egal und Ihr schert Euch nicht um Pinguine? Dann nehmt deren Ehrentag wenigstens wohlwollend hin, denn der 20. Januar ist auch der Tag der Akzeptanz. 
 
Wahrscheinlich hat Euch der 21. Januar jedoch mehr zu bieten. Denn das ist der Internationale Tag der Jogginghose! Ich sehe Euch förmlich vor mir sitzen, im Home-Office am Computer oder bequem im Fernsehsessel. In welchem Kleidungsstück lümmelt es sich besser? Allerdings hat die Sache einen Haken. Denn der 21. Januar ist auch der Weltknuddeltag. Und mancher Partnerin vergeht die Lust am Knuddeln beim Anblick einer vollgekrümelten Jogginghose, die, was ihre erotische Ausstrahlung betrifft, am Ende der Skala nur knapp über den berühmten Liebestötern steht. 
 
Wenn Euch Eure Jogginghose schon um heiße Knuddelmomente gebracht hat, könnt Ihr Euch am 22. Januar trösten. Das ist der Tag der scharfen Saucen. Und wem herkömmliches Chili mit einem Extraschuss Tabasco zu langweilig ist, der sollte den Anlass mal mit Blair's Sudden Death Sauce oder CaJohns Vicious Viper Hot Sauce würzen. Wenn Ihr das überlebt, habt Ihr doppelten Grund den "Feiere-das-Leben-Tag" zu würdigen. Der ist nämlich ebenfalls am 22. 1. Ebenso wie der Deutsch-Französische Tag. Was sagen wir dazu? Vive la France! Et vive la Vie! 
 
Bleibt noch Sonntag, der 23. Januar, Tag der Handballer. Ob wir da etwas zu feiern haben, wird sich heute Abend entscheiden, wenn unsere coronadezimierte Nationalmannschaft gegen Spanien antritt. Nach weiteren positiven Tests hat der DHB kurzfristig den Busfahrer, den Zeugwart und die Masseure ins Team berufen. Das könnte dennoch gut gehen, weil nach neuesten Informationen bei den Spaniern nur noch der Torwart nicht infiziert ist. 
 
Trotz solch großer Not gibt es immer noch Impfgegner. Die waren auch vor 50 Jahren bereits unter uns, wie dieses Schreiben an Dr. Hefmeister vom 12. Dezember 1970 beweist: "An das Städtische Gesundheitsamt. Ich will meinen Georg niemals nicht impfen lassen. Ich glaube nicht an ihr. Meine Freundin Lotte hat ihr Kind auch impfen lassen, dann fiel es kurz danach aus dem Fenster raus und war sofort tot. Und deshalb nicht, sagt und schreibt Frau Olga Schättler." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 275 vom 19. 1. 22

Schön, wenn man solche Leser hat! Zweien ist es sogar die gelungen, die Aufgaben aus der letzten Schmunzelpost zu lösen. Dabei verteilt sich die Weisheit gerecht zwischen den Geschlechtern - je eine Frau und ein Mann haben die richtigen Schlüsse gezogen!
 
Leichen und Fliegenköpfe sind nicht nur in Bestattungshäusern, sondern auch in Druckereien und deren Erzeugnissen zu finden. Ich könnte Euch jetzt auch erklären, was es mit den Schusterjungen und den Hurenkindern, dem Zwiebelfisch und der Hochzeit auf sich hat. Doch dies ist eine gute Gelegenheit noch einmal auf die Suchmaschine "Ecosia" hinzuweisen, die genauso schlau ist wie Google, aber bei der für jede Anfrage nachweislich Bäume gepflanzt werden. Bitte beherzigen, auch wenn es schwierig ist, Gewohnheiten zu wechseln!

Ecosia weiß wahrscheinlich auch, welche einsilbigen deutschen Wörter auf -nf enden. Für Menschen, die gern ihren Senf dazugeben oder ihr Denkvermögen mit bewusstseinserweiternden Substanzen wie Hanf anregen, ist die Antwort wahrscheinlich kein Problem, wobei die Zahl fünf einerseits richtig, andererseits zu hoch gegriffen ist. Zusammen mit Genf bleibt es bei vier Lösungen. Wobei zusammengesetzte Begriffe ausscheiden, weil nach einsilbigen Wörtern gefragt war. 
 
Viel mehr Bezeichnungen gibt es für den Apfelleichnam und den Brotrest. Knust (nennt Marion) und Kitsche (nennt Martin) das Apfelkerngehäuse und Knäppchen (nennt Martin) das Endstück des Brotes. Das sind außer den gestern genannten noch weitere Varianten. Allerdings hat Martins Zuschrift bei mir auch Zweifel an meiner Bibelfestigkeit aufkommen lassen. Sein Hinweis klingt jedenfalls überzeugend: 
 
Was verbot laut Bibel Gott Adam und Eva, im Garten Eden zu essen (was sie dann doch taten, mit allen bekannten Konsequenzen)? ÜBLICHE ANTWORT: Äpfel. RICHTIGE ANTWORT: Sie durften alle Früchte essen, nur nicht die vom Baum in der Mitte des Gartens. Von Äpfeln ist in der Bibel keine Rede. Äpfel sind auch unwahrscheinlich, weil sie in Palästina unbekannt waren. Wahrscheinlicher sind Feigen, da Adam und Eva ja sofort nach dem Sündenfall ihre Blöße mit Feigenblättern bedeckten und dazu wohl das nahmen, was gerade erreichbar war. Aber von einer bestimmten verbotenen Obstsorte ist im Bibeltext keine Rede! 
 
Donnerwetter, da müssen weite Teile meiner verinnerlichten Religionsgeschichte wohl umgeschrieben werden! Und auch Martins zweiter Hinweis rüttelt an meinen im Konfirmandenunterricht erworbenen Überzeugungen: 
 
Wie viele Tiere von jeder Art nahm Noah laut Bibel mit in die Arche? ÜBLICHE ANTWORT: Zwei. RICHTIGE ANTWORT: Von jeder unreinen (= nicht essbaren) Tierart zwei, von jeder reinen (= essbaren) Tierart sieben! Klar, Noah und Familie konnten ja nicht die gesamte Flutzeit von Luft und Liebe leben und haben einen Teil ihrer Passagiere aufgegessen! 
 
So, jetzt mache ich mir für heute das Schmunzelpost-Schreiber-Leben endgültig leicht und hänge noch einen Witz von Martin dran, der aufgrund der Geschehnisse in der katholischen Kirche gar nicht abwegig scheint: Im Himmel schlägt jemand vor, einen Betriebsausflug zu machen. "Prima!" rufen alle, "aber wohin?" -"Bethlehem?" - "Nee!" sagt Josef, "davon kann ich nur abraten! Gaaanz schlechte Hotelsituation! Da findeste kaum Zimmer!" - "Und Jerusalem?" - "Och nööö!", meint Jesus, "da hab ich aber ganz schlechte Erinnerungen dran!" - "Was ist mit denn mit Rom?" - "Oh ja!" ruft der Heilige Geist, "da war ich noch nie!!!"
 
Und wenn wir schon kirchenfeindlich unterwegs sind, dann noch ein Hinweis, der weder von Marion noch von Martin, sondern von einem unbekannten Verfasser stammt: "Unser Heimatdorf. Außer der Hauptstraße, welche das Rathaus, die Apotheke sowie die Gasthöfe zum Adler, Ochsen und Lamm enthält, gibt es noch zwei Abwege, von denen der eine zur katholischen und der andere zur evangelischen Kirche führt." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 274 vom 18. 1. 22

Wenn mitten im Januar Novemberwetter herrscht und die Tage grau und trüb sind, wie kann man Eure Stimmung dann mit Wortknobeleien aufhellen? Was bei mir funktioniert, müsste auch bei Euch hinhauen: Wir verbinden Sprache mit Essbarem - dann habt Ihr daran zu knabbern!
 
Unser ganzes irdisches Elend hat ja nach dem biblischen Alten Testament mit einem Apfel angefangen. Daran haben wir heute noch zu kauen. Gleichzeitig ist der Apfel jedoch auch die beliebteste Frucht der Deutschen. Und selbst für seinen letzten Rest gibt es 50 verschiedene Bezeichnungen. Ich nenne das Ding "Apfelkippe". Damit weise ich mich als Ruhrgebietler aus, denn echte Westfalen sagen Hünkel, Apfelkrünkel oder Kröps.
 
Ich will Euch nicht veräppeln, aber gerne testen, wie gut Ihr Euch in Deutschland auskennt. Die folgenden Begriffe sind nach Regionen geordnet. Anschließend könnt Ihr nachschauen, ob Ihr richtig geraten habt. Kleiner Hinweis: Manchmal ist die Bezeichnung nicht in einem ganzen Bundesland, sondern nur in einem bestimmten Landstrich verbreitet.
 
1. Knust, 2. Schnirps, 3. Gnutze, 4. Meubbes, 5. Apfelkantsch, 6. Opflibutzn, 7. Krotze, 8. Apfelschnüssel, 9. Griebs oder Grubsch, 10. Knabbel, 11. Kitsche und 12. Aapelbaatz. Und hier kommt die Auflösung: 1. Hamburg, 2. Thüringen, 3. Saarland, 4. Rheinland, 5. Schleswig-Holstein, 6. Bayern, 7. Taunus, 8. Sauerland, 9. Mecklenburg-Vorpommern, 10. Sachsen-Anhalt, 11. Münsterland, 12. Eifel.
 
Falls Euch der Biss in den Apfel zu sauer war, könnt Ihr Euch jetzt mit einem Nahrungsmittel befassen, das es in dieser Vielfalt wohl nur hierzulande gibt: Dem Brot. Ungezählt sind unsere Brotsorten. Manchmal hat man das Gefühl, es kämen täglich neue hinzu. Aber, da schließt sich der Kreis zum Apfel: Wie heißt der letzte Rest des Brotlaibs? Regional verschieden zählten Sprachforscher sagenhafte 350 Formulierungen. Doch auf hochdeutsch gucken wir in die Backröhre - und die ist leer.
 
Als einzigen Begriff verzeichnet der Duden "Bänftchen", ein Wort, das mir noch nie untergekommen ist. Ich würde "Knäppchen" sagen oder "Brotkante". Doch das ist vorwiegend norddeutsch. Dabei gibt es wirklich nette Namen. Hier eine kleine Auswahl, falls Ihr mal für Verwirrung sorgen wollt: Aamündli, Bäätsch, Chnüssli, Fietze, Gnuscht, Gombel, Knabbel, Knörzje, Mäcksken, Sterzl, Tippchen, Utzelkäpp und Zipfeli.
 
Jetzt zu Euren Hausaufgaben. Wenn Ihr noch Lust zum Nachdenken habt, dann grübelt mal darüber nach, welche einsilbigen deutschen Wörter auf -nf enden. Es gibt bloß vier davon. Eins ist der Städtenamen Genf. Doch wie lauten die fehlenden drei? Auflösung in der nächsten Schmunzelpost.
 
Bis dahin könnt Ihr auch darüber nachdenken, welchem Metier sechs Fachbegriffe zuzuordnen sind. Ich habe sie in folgende Kurzgeschichte mit nur zwei Sätzen eingebaut: Auf einer Hochzeit trafen sich ein Hurenkind und ein Schusterjunge und verzehrten Zwiebelfisch. Der war wohl nicht gut, denn am nächsten Tag fand man eine Leiche mit Fliegenkopf
 
Dass man nicht nur dank Brot und Äpfeln überleben kann, sondern zwecks Ernährung manchmal auch Vögel und Holz herhalten müssen, vermittelt eine empirische Arbeit von Martin Bach, Schüler der 6. Klasse. Er schrieb in seinem Aufsatz Nr. 3, "Der Harz", vom 22. April 1904: "Als im Harz die Bergwerke kein Erz mehr lieferten, klammerten sich die Bewohner desselben an die Kanarienvögel und gebrauchten diese als Hebel zur Selbsterhaltung. Die Bewohner dort ernähren sich von Holzschnitzereien, daß sie davon nicht fett werden, ist selbstverständlich." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 273 vom 17. 1. 22

Genau genommen hätten wir noch einen Tag warten müssen. Aber wir haben gestern schon italienisch gegessen und vorgefeiert. Nein, nicht Alberts Geburtstag. Der ist zwar heute (Glückwunsch!), aber fast ebenso wichtig ist der Tag der italienischen Küche.
 
Dieser Gedenktag zur Wahrung authentischer Gerichte wurde 2008 von nicht weniger als 1900 kulinarischen Fachleuten aus 70 Ländern begründet. Mamma Mia! Die Wahl fiel auf den 17. Januar, weil dies auch der Ehrentag des Heiligen Antonius ist. Der ägyptische Mönch und Eremit gilt als Schutzpatron der Bauern und ihrer Nutztiere, sowie der Schweinehirten und der Metzger. Daher ist er in einschlägigen Kreisen auch als "Sautoni" oder "Swinnetünnes" bekannt.
 
Doch am 17. 1. ist noch weit mehr los. Echte Kunstfreunde feiern heute den Geburtstag der Kunst. Ich kann leider nicht belegen, dass es exakt 29 827 Jahre her ist, als in einer Steinzeithöhle der allererste Künstler aus Feuerstein seine Venus von Kilo schnitzte und sein Werk mit den Worten: "Heureka! Von dieser Art brauchen meine Nachkommen mit Sinn für Ästhetik noch viel mehr!", bevor ihn zum Abschluss des ersten Happenings der Geschichte ein Säbelzahntiger verzehrte. Daher akzeptiere ich eine andere Erklärung der Datumswahl.
 
Am 17. 1. 1926 kam ein gewisser Robert Filou zur Welt (ich vermute, das Schlitzohr trug einen Künstlernamen). Dieser französische Fluxuskünstler entschied 1963 an seinem Geburtstag, dass nun für alle Zeit an diesem Tag als "Art's Birthday" auch das Wiegenfest der Kunst gefeiert werden sollte. Ein gewisser Hang zum Größenwahn soll manchen Genies angeboren sein.
 
Damit nicht genug. Heute wird außerdem der Martin-Luther-King-Day begangen. Der dritte Montag im Januar wurde in den USA offiziell als Feiertag festgesetzt, um an den ermordeten Bürgerrechtler zu erinnern. Und zwar bewusst zwei Tage nach Kings Geburtstag am 15.1., damit jeweils ein langes Wochenende den Verfechter der Menschenrechte ehrt.
 
Der einzige Aktionstag am 17.1. den ich regelmäßig in die Tat umsetze, ist der "Wirf-Deine-Jahresvorsätze-über-Bord-Tag". Das fiel mir 2022 besonders leicht, weil ich erst gar keinen guten Vorsatz gefasst hatte.
 
Kommen wir zum 18. Januar und damit zum Welttag des Schneemanns. Um ihn angemessen zu begehen, müssten wir verreisen - zumindest ins Sauerland oder zur Skihalle Bottrop.
 
Der 19. Januar bietet wieder doppelten Grund für Aktionen. Zum einen wird vor allem in Amerika der "Tag des Popcorns" gefeiert. Warum und weshalb zu diesem Datum, ist völlig unklar. Doch das passt ja zum Wesen des süßen Nichts, dessen Ursprünge Archäologen nach Funden von Puffmaiskörnern 4000 Jahre zurück datieren.
 
 Zum zweiten ist der 19.1. auch der "Tag des Fetisch". Zumindest in einem Teil der Kuriositäten-Kalender. Die anderen setzen ihn auf den dritten Freitag des Januars, was in diesem Fall der 21.1. wäre. Wie auch immer: Die Briten bestätigen mit diesem Gedenktag ihren Ruf, dass manche von ihnen ein Spleen haben. Sie wollen so Akzeptanz für diejenigen einfordern, deren Lustgewinn aus Objekten resultiert: Latex, Leder oder den Füßen älterer Frauen. Mein Vorschlag, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Erklären wir doch den Maiskolben zum Fetisch des Jahres 2022!
 
Zur heutigen Zugabe: War Otto Altern ein Fetischist? Das lässt zumindest diese Personal-Auskunft vermuten, die das Heidelberger Detektiv-Büro Georg Nicolaus an seinen Auftraggeber schickte. "Wie schlecht die Verhältnisse des Altern, Otto, sind, ist schon daraus zu ersehen, daß ihm der Gerichtsvollzieher am 1. 12. 1965 das letzte schmutzige Hemd aus der Nase ziehen musste."
 
Glückauf
kdk 
 
PS. Zu den Wortungetümen der gestrigen Folge hat Schorsch eine Ergänzung:
 
Dazu passt der "richtige" Name von Bangkok, der 169 Buchstaben enthält: KrungThepMahaNakhonAmonRattanakosinMahintharaYutthayaMahadilokPhopNoppharatRatchathaniBuriromUdom 

 

 Schmunzelpost 272 vom 16. 1. 22

 

Höchstverehrte Schmunzelpost-Leserinnen und Leser!
 
Was wäre ein nichtsnutziger Wurm wie ich ohne die Hoffnung darauf, dass ein edles Publikum gelegentlich einen Blick auf das armselige Geschreibsel wirft, das Tag für Tag in der Hoffnung abgesandt wird, ein wenig Eurer kostbaren Aufmerksamkeit zu erhaschen und vielleicht sogar ein kleines Lächeln auf Eure Mienen zu zaubern, was die größte Belohnung wäre, die eine so tief unter Euch stehende Existenz in seinem Leben erwarten dürfte. In diesem Sinne wünsche ich allen hochwohlgeborenen Rezipienten auch heute eine vergnügliche Lektüre und bedanke mich untertänigst für Euer Interesse. (Wenn Ihr Euch nun fragt: "Was hat man dem denn heute ins Essen getan?", dann lest den letzten Absatz zuerst). 
 
Fangen wir aber zunächst mit etwas Schönem an. 2007 wurde das schönste vom Aussterben bedrohte Wort der deutschen Sprache gesucht. Unter den zahlreichen Einsendungen waren "Backfisch", "hanebüchen" und "Sommerfrische". Die zehn meistgenannten Worte präsentiere ich jedoch in der folgenden kleinen Erzählung in aufsteigender Reihenfolge, also beginnend mit Platz zehn.
 
Es ist schon sehr lang her, dass der Schlüpfer des Mädchens, das mir hold war, Hauptziel meines Forschungsdrangs gewesen ist. Bei einem Besuch im Lichtspielhaus, zu dem ich mich fernmündlich mit meinem Augenstern verabredet hatte, wollte ich auf Entdeckungsreise gehen. Ich musste sehr lange bauchpinseln, bis ich meiner Labsal näher kam. Am Ende wurde mir Dreikäsehoch jedoch blümerant zumute und ich gab auf, bevor ich das Kleinod erreichte. 
 
Gegensätze ziehen sich angeblich an. Daher jetzt zu den hässlichsten deutschen Wörtern, zu denen vor allem Ungetüme gerechnet werden, für die wir weltweit berüchtigt sind. Um solche Bandwürmer zu konstruieren, hält unsere Sprache einen kompletten Werkzeugkasten bereit. So setzte die "Tageszeitung" 1997 Maßstäbe, indem sie ein Wort mit 68 Buchstaben druckte: Steuerentlastungsberatungsvorgesprächskoalitionsrundenvereinbarungen. 
 
Nun wären Deutsche aber nicht deutsch, wenn sie nicht auch für solch einen Fall Regeln aufstellen würden. In die offizielle Top Ten der längsten deutschen Wörter werden nämlich nur Begriffe aufgenommen, die nachweislich in mindestens vier unterschiedlichen Texten vorkommen. Hier sind die drei Spitzenreiter: 
 
Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft (46 Buchstaben) 
Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz (63) 
und, ta-ta-ta-ta: 
Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung (68). 
 
Damit seid Ihr für heute schon erlöst. Als Zugabe nun eine Lebens- und Formulierungshilfe, wenn Ihr für Eure Altersversorgung mit der Obrigkeit korrespondieren wollt. "Allerdurchlauchtigster Großmächtigster Kaiser und König, Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Ich bin in tiefster Ehrfurcht geboren im Jahre 1856 und erscheine mit tiefer Huld vor Euerer Majestät. Ich habe 6 Kinder, das älteste ist 19 Jahre. Die anderen sind alle jünger. Diese 6 Kinder habe ich, nachdem ich meine Militärzeit abgebüßt habe, aufgezogen mit dem mir von seiner Majestät allergnädigst verliehenem Stelzfuß. Gestützt auf das edle Herz Euer Majestät wanke ich zum Thron und bitte, mein Altertum angemessen zu versorgen. 
Alleruntertänigst gehorsamster Markus Üllacker" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 271 vom 15. 1. 22

Wenn ich mich mal an einem Thema festgebissen habe, dann fällt mir das Wechseln oft schwer. Zur Freude der Deutschlehrer unter den SP-Lesern geht es daher heute erneut um die deutsche Sprache. Ich hoffe, das ist kein Fehler.
 
Denn Fehler machen wir oft genug. Selbst die echten Koniferen unter uns vertun sich gelegentlich. Deshalb beginne ich mal mit den häufigsten Schreibfehlern, die uns unterlaufen. Wenn ich mal subsumiere, liegen die Dilettanten, die subsummieren oder Dilletanten schreiben, noch knapp unter 50 Prozent der Bevölkerung. Mehr als die Hälfte schreiben jedoch die folgenden Worte falsch.

Für 52 Prozent ist das noch eher eine Lappalie. Ebenfalls 52 % gehen mit dem Gebrauch des Wortes aggressiv aus gutem Grund eher defensiv um. Und separat schreiben 56 % lieber mit zwei e. 57 % gönnen der Terrasse das zweite r nicht. Und für 58 % ist Standard Standart mit t zu schreiben. 60 Prozent haben mit der Schreibweise des Inbus-Schlüssels ihre liebe Müh' und Not, ein Werkzeug, das ich Handwerksbanause bis vor kurzem gar nicht kannte.

Sympathisch sind mir alle, die bei diesem Wort überlegen müssen. Fehlerquote 61 %. Das geht bei Obolus nochmal dramatisch nach oben auf 69 %. Und mit Abstand am schwierigsten ist für viele das Wort lizenzieren. 83 % benötigen da die Lizenz zum Durchblick, da sie, wie auch ich gerne, das zweite z durch ein s ersetzen. 
 
Ist es Euch auch schon so gegangen, dass Ihr etwas bestimmtes gemeint, aber etwas anderes gesagt habt? Das passiert wahrscheinlich uns allen gelegentlich. Oft bemerken wir den Lapsus und korrigieren uns sofort. Aber manchmal würden wir Stein und Bein schwören, uns korrekt ausgedrückt zu haben - bis eine Tonaufzeichnung das Gegenteil beweist. 
 
Bei einer normalen Sprechgeschwindigkeit von 120 bis 150 Wörtern in der Minute - Trude und Erika lachen über solch ein Schneckentempo - kommt es im Durchschnitt alle zehn Minuten zu einem Versprecher. Also etwa bei jedem 1000. Wort. Nur die Hälfte davon werden vom Sprecher selbst berichtigt. 
 
Womöglich am häufigsten wird ein Nadelbaum in Deutschland falsch geschrieben. Das liegt vielleicht auch daran, dass manche ihn mit einer Koryphäe, also einem Experten (oder einem Klugscheißer) verwechseln. Hier sind die laut Duden 16 häufigsten falschen Schreibweisen: Konnyphäre, Konifäre, Konniphäre, Konihäre, Konyfäre, Konnyfäre, Konnyphere, Konyephere, Konniphere, Konnyfere, Konyfere, Konyphäre, Konnifere, Koniphere und Konnifäre. 
 
Und bevor Ihr jetzt eine Affäre mit Conny beginnt, wechseln wir in die Zugaben-Sphäre. Soeben habe ich Post vom Finanzamt bekommen. Mit einer für den Rentner, der brav sein gesamtes Berufsleben lang Steuern gezahlt, empörend hohen Nachforderung. Deshalb teile ich den Schmerz, den Franz Klemm am 10. April 1951 schriftlich so formulierte: 
 
"An das hochverehrlichste Finanzamt. Ich bin zu hoch eingeschätzt. Ich habe ein Einkommen von 1200 Mark, eine Frau mit sechs Kindern & einen Hund mit 48 Mark Steuern. Unter solchen Familienverhältnissen ist das Leben sauer! Ich habe angefangen mit Schafen im mäßigen Umfang zu handeln, gleichfalls mit meinen Söhnen. Meine Schwiegermutter lebt noch. Immer bei mir, aber gegen Hagel bin ich versichert." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 270 vom 14. 1. 22

Durch die Presse ging gestern das Unwort des Jahres 2021. "Pushback", also das Zurückdrängen von Flüchtlingen hinter die Grenze, steht in der unguten Tradition von "ausländerfrei" (1991) und "Überfremdung" (1993). Doch es gibt noch viel mehr Wörter, die unschöne Sachverhalte verschleiern und die raue Realität beschönigen sollen. Leider werden sie allzu häufig benutzt, ohne in Frage gestellt zu werden. 
 
Beispiele gefällig? In unserer Zeitung ist häufig von "Entnahme" die Rede, die von interessierter Seite als einziges wirksames Mittel zum Schutz von Schafen und Ponys vor Wölfen gepriesen wird. De facto bedeutet das jedoch nichts anderes als "Abknallen", was aber die Leserschaft verstören könnte. 
 
Das gilt auch für den "Rückbau" von Gebäuden. Wäre bei historischen oder durchaus noch erhaltenswerten Bauwerken vom Abriss die Rede, dann täte der Baggerzahn auch beim Lesen weh. Der Euphemismus "Seniorenresidenz" soll Hochbetagten oft den Umzug in ein Altersheim erleichtern. Nur fällt geistig fit gebliebenen Betroffenen sehr schnell auf, wo sie gelandet sind. Worauf sie womöglich etwas früher "entschlafen", wobei ich diese Formulierung als Ersatz für verstorben noch akzeptabel finde. 
 
Dagegen sträuben sich mir bei "Friedensmission" statt "Kriegseinsatz" die Nackenhaare. Ebenso bei der Verwendung von "Entsorgungspark" für eine Mülldeponie oder "Preisanpassung" für ein Verteuerung. Seit langem verabscheue ich den Begriff "Freisetzung", wenn Menschen entlassen werden und mit dem Arbeitsplatz vielleicht auch ihre Existenzgrundlage verlieren. Und dass wir als Verbraucher mit dem Wort "naturidentisch" für künstlich veräppelt werden, ist leider vielen noch nicht aufgefallen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Doch dann käme ich vor Wut womöglich ins Transpirieren, und den schweißüberströmten SP-Schreiber vor Eurem inneren Auge will ich Euch nicht zumuten. 
 
Nicht immer steckt eine Verschleierungstaktik dahinter, wenn ein Wort durch ein scheinbar gleich bedeutendes ersetzt wird. Manchmal handelt es sich auch um den verzweifelten Versuch, die Invasion (pardon, den Einzug) von Fremdwörtern in den deutschen Sprachschatz zu stoppen. Schöne Exemplare fanden sich hier kürzlich in dem Brief des Trautholdesten an sein Trautholde aus den Nazi-Jahren (Zerknalltreiblingszweiradausflug statt Motorradtour, Ihr erinnert Euch?). Doch es gab noch andere Umschreibungen, die sich nicht durchsetzen konnten. 
 
Dabei finde ich "Dörrleiche" statt Mumie ganz witzig. Wobei mein Sinn für Humor etwas zum Makabren neigt und ich Parodien (Spottnachbildungen) und Ironie (Schalksernst) schätze. Warum sollte man einen Botaniker nicht Krautbeschreiber nennen? Und eine Pyramide nicht Spitzgebäude? 
 
Dagegen setzt mich "Blitzfeuererregung" anstelle von Elektrizität etwas unter Strom. Der Schwachstrom steigert sich zum Starkstrom, wenn jemand statt Fenster "Tageleuchter" sagt. Auch, wenn sie auf der Strecke blieben, versöhnen mich zwei andere Versuche. "Lotterbett" statt Sofa und "Meuchelpuffer" statt Pistole lassen mich schmunzeln. 
 
Die Wortwahl spielt auch eine Rolle bei der heutigen Zugabe, die Euch hoffentlich ebenfalls zum Schmunzeln bringt. Der "Verlag der Reform" schrieb einst an einen Autor in spe: "Wir können Ihnen die für Sie sicher sehr erfreuliche Nachricht machen, daß wir Ihr eingereichtes Manuskript in Kürze als Taschenbuch veröffentlichen wollen. Zur Vermeidung von Mißverständnissen müssen wir Sie jedoch bitten, einen anderen Titel als "Der Urinstinkt" zu wählen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 269 vom 13. 1. 22

Willkommen zu einer neuen Vorlesung an der Schmunzelpost-Fernuniversität des ungeahnten Wissens. Da wir uns gestern mit der Geschichte der Olympischen Spiele beschäftigt haben, nehmen wir diesen Faden gleich wieder auf. 
 
Vor ein paar Jahrzehnten gab es im Fernsehen mal das "Spiel ohne Grenzen". Das war ein Wettbewerb zwischen Teams aus verschiedenen Ländern, die sich meist über einen schwierigen Parcours bis zum Ziel quälen mussten. Schmierseife spielte dabei eine wichtige Rolle. Auch ohne Seife stellten 1904 die Veranstalter allen Teilnehmern des Hindernislaufes der Olympischen Spiele eine Aufgabe, die sich gewaschen hatte. 
 
 Was mussten die Athleten noch tun, außer die üblichen Hürden und Wassergräben zu bewältigen? Mussten sie kopfüber durch an Seilen aufgehängte Fässer springen? Mussten sie über einen fünf Meter langen Balken balancieren? Oder mussten sie bäuchlings unter Latten hindurch robben, ohne sie zu reißen? Na, Ihr Sportfreaks, erinnert Ihr Euch noch an Eure frühe Jugend? 
 
Vielleicht hilft Euch bei der Lösung der Hinweis, dass dies die ersten Olympischen Spiele in den USA waren, die auch als "Western-Spiele" in die Annalen eingingen. Die Ausrichter setzten auf Spektakel, einiges erinnerte europäische Beobachter an einen Kindergeburtstag. So mussten die Hindernisläufer tatsächlich alle 50 m durch Fässer springen. Die Amerikaner wollten sogar noch weitere Disziplinen einführen, bei denen 1904 probehalber schon einmal die Besten ermittelt wurden. Aber Sackhüpfen und Tabak-Weitspucken konnten sich nicht dauerhaft durchsetzen. Schade, oder? 
 
Jetzt drehen wir das Rad der Geschichte noch viel weiter zurück und beschäftigen uns mit der Frage, seit wann wir Menschen das F und das V sprechen können. Das war nämlich längst nicht immer so. In der Steinzeit konnte Wilma Feuerstein zwar Barney Geröllheimer einen Vogel zeigen, ihn aber nicht so nennen. Zumindest nicht auf deutsch. Und die ersten Amerikaner mussten auf ihr liebstes Schimpfwort verzichten. 
 
Woran lag das? Ganz einfach: Unsere Vorfahren waren lange Zeit Jäger und Sammler und brauchten ordentlich Biss, um zähe Wurzeln und Fleisch zu zerkleinern. Dazu passten Ober- und Unterkiefer genau aufeinander. Erst, als unsere Ahnen sesshaft wurden und der Urahn von Björn Freitag ihnen riet, Fleisch vor dem Verzehr über Feuer zu braten und die Nahrung mit Getreide und Gemüse anzureichern, änderte sich das. Die vorderen Schneidezähne konnten nun die untere Lippe berühren, was die Voraussetzung dafür ist, bestimmte Laute zu bilden. 
 
Eine steinalte Bauernregel besagt daher: Willst Du auf den Fingern pfeiffen, musst Du erst zum Pfluge greifen. Und eine zweite: Frisst Du Dein Fleisch ganz ohne Feuer, dann ehlt Dir etwas ungeheuer! 
 
Als Zugabe nun noch die Postkarte eines tief Gekränkten, dem auch die Worte fehlten. Othmar Vogel schrieb: "An die Polizei-Beschwerde in Mannheim. Als ich den Alois Zwengen wegen seinem renitenten Benehmen zur Rede stellen wollte, sagte er zu mir: Du kannst mich am ........   ...... ! Als dies geschehen war, fühlte ich mich beleidigt!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 268 vom 12. 1. 22 

Über das heutige Thema müsste ich mich eigentlich mal mit meinem meinungsfreudigen Nachbarn Herrn K. austauschen. Doch ich fürchte, dass der alte Herr sich zu sehr aufregen würde. Er hat eine ausgeprägte Neigung zum Halsen und ich bezweifle, dass so eine Debatte ihm gut täte. Ich rede von den Kapriolen, die der Sport und vor allem seine großen Organisationen sich in letzter Zeit erlauben.  
 
Augenblicklich macht ja ein Tennisspieler Weltpolitik. Gut, dass zwischen Serbien und Australien ein ganzer Ozean liegt. Und dazu noch ein stiller. Denn sonst würden die jeweiligen Machthaber wohl sogar zu den Waffen rufen - in Mittelamerika hat es im letzten Jahrhundert schon mal einen Krieg wegen eines Fußballspiels gegeben. Und das alles nur, weil so ein Querkopf mitten in der Omikron-Krise Sonderrechte beansprucht, da er sich für das größte Ass im Tennis hält. Hoppla, da hätte ich Ass doch beinahe mit Doppel-A und nur einem s geschrieben... 
 
Aber noch schlimmer finde ich, was sich diese Sportverbände alles leisten, seit sie das Geldscheffeln als Lieblingsdisziplin entdeckt haben. Ob nun UEFA, FIFA oder IOC, Menschenrechte und Vernunft werden monetären Interessen kackendreist untergeordnet. Ich bin kein Freund der Fäkalsprache, aber zu solch beschissenem Verhalten fällt mir nichts passenderes ein. 
 
Bald beginnen die olympischen Spiele im weltbekannten Wintersportort Peking. Eigentlich ist die chinesische Hauptstadt ja nur auf die Landkarte gekommen wegen ihrer weltbekannten Ski-Pisten, Sprungschanzen und des eisigen Klimas. Die Eishockey-Stars aus Kanada, Russland und Skandinavien kratzen sich ratlos am Kopf, wenn sie gegen die "China-Eisbären" (die neuentdeckten Bambus-Eisbären sind ihr Maskottchen, dafür sind Gerüchten zufolge alle Pandas vor Eröffnung der Spiele schnell noch weiß lackiert worden) antreten müssen: "Oh Boy, gegen die werden wir uns warm anziehen müssen - die haben noch nie ein Spiel gegen uns verloren!" 
 
Das ist auch kein Wunder. Die haben auch noch nie gegen Ernst zu nehmende Gegner gespielt, weil Eishockey sich schwer tut, Tischtennis als Volkssport Nummer eins abzulösen. Doch kopieren soll eine große Stärke Chinas sein. Darin haben sie Erfahrung. Auch ganze europäische Orte wurden schon eins zu eins nachgebaut, da ist so eine Wintersportlandschaft doch ein Klacks, wenn man mit Ökologie ohnehin nichts am Zopf hat. Vielleicht sollten wir auch schnell mal nachsehen, ob die Zugspitze noch dort steht, wo wir es in Erinnerung haben. 
 
Aber getrickst und geschummelt wurde bei Olympia eigentlich schon immer. Erinnert Ihr Euch an die Zeiten, als das IOC nicht nur den Amateurgedanken hochhalten, sondern auch Kultur und Kreativität fördern wollte? Als es noch, kein Witz, Wettbewerbe für Maler, Musiker, Bildhauer, Architekten und Dichter gab? So wurden von 1912 bis 1948 auch Medaillen für die Erstplazierten von Literaturwettbewerben vergeben. Und bereits die Vergabe der ersten Goldmedaille war ein großer Schwindel! 
 
Wenn es nicht wahr wäre, müssten sich Satiriker das ausdenken. Gold für das deutsche Kaiserreich gewann 1912 das Autorenduo Martin Eschbach und Georges Hohrod. Das gelang ihm mit seiner unvergesslichen "Ode an den Sport": "Oh, Sport! Du Göttergabe, du Lebenselixier, der fröhlichen Lichtstrahl wirft in eine arbeitsschwere Zeit..." 
 
Wie lang ist eigentlich ein Lichtjahr? Es brauchte jedenfalls viel Zeit, bis ein Lichtstrahl die Machenschaften des obersten Funktionärs erhellte, und der war darüber alles andere als fröhlich. Erst nach sieben Jahren kam heraus, dass IOC-Präsident Coubertin persönlich die göttlichen Reime verfasst hat. Und ganze 70 Jahre dauerte es, bis bekannt wurde, was hinter seinem Pseudonym steckte: Hohrod und Eschbach sind Nachbargemeinden des elsässischen Heimatortes von Coubertins Ehefrau. Und da Elsass-Lothringen 1912 noch zu Deutschland gehörte, gönnte Coubertin großherzig die Medaille dem europäischen Nachbarn. 
 
Aus gegebenem Anlass stammt die heutige Zugabe ebenfalls von einem keineswegs reuigen Sünder: "Wehrtes Amtsgericht!  Von Vorstrafen kann in meinem Fall keine Rede sein, weil meine damaligen Verurteilungen wegen Betrugs auf Irrtümer seitens des Gerichts zurückzuführen sind. Ich habe deshalb auch jedesmal Berufung dagegen erhoben, aber als geborener Pechvogel hatte ich damit ebensowenig Glück wie mit ehrlicher Arbeit, bei der man es heutzutage beim besten Willen zu nichts mehr bringen kann, was den Herren vom Gericht ja aus eigener Erfahrung bekannt ist. Dies unterschreibt eigenhändig: Martin Groh." 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 267 vom 11. 1. 22 

Der Schmunzel-Tagesbedarf ist immer noch groß. Wir haben längst noch nicht den gesamten Januar mit Aktionstagen abgedeckt. Dabei gibt es so viel zu tun. Beispielsweise am 14. Januar, auf den sich Ordnungswütige schon mal vorbereiten sollten. Denn das ist der "Schaff-Ordnung-in-Deiner-Wohnung-Tag"! 
 
Schon die Geschichte mit dem Tag des aufgeräumten Schreibtisches war für mich höchst fragwürdig. Wenn ich meinen Schreibtisch aufgeräumt habe, finde ich nichts mehr wieder. Ähnlich verhält es sich mit der Wohnung. Hinter dem Anschlag auf die Unordnung stecken unsere amerikanischen Freunde. Sie haben den "Organize your Home-Day" im Kalender installiert. 
 
 Und in ihrer Gebrauchsanweisung entdecken wir so überaus nützliche Hinweise wie "Bewahre Papiere und wichtige Dokumente an einem bestimmten Platz in Deiner Wohnung auf. Man kann sie in einem Ordner abheften und in ein Regal stellen." Donnerwetter! Wer hätte das gedacht? Was wären wir, ohne unsere Kumpels aus Übersee. Wenn sie doch nur ihre demokratische Ordnung genauso in Schuss halten und Donald Trump im Ordner für erledigte Fälle im Regal abstellen würden... 
 
Auch den "Zieh-Dein-Haustier-an-Tag" haben die Amis verbrochen. Das mag im Winter für Hunde, denen das wärmende Fell weggezüchtet wurde, noch sinnvoll sein. Aber unser Kater lässt ausrichten, dass er absolut nichts davon hält mit einem Wollmantel oder gar einem Hütchen ausgestattet zu werden. Er findet bereits ein Halsband mit Glöckchen total verfehlt. Denn das Teil, das eigentlich Vögel vor seiner Attacke warnen soll, erfüllt lediglich eine Funktion als Totenglocke. Also: Euren Kanarienvogel Schorschi möchte ich nie in Lederhosen sehen! 
 
Kommen wir zum 15. Januar. Und stimmen wir ein fröhliches Liedchen an. Wie wäre es mit "Ganz in Weiß" oder "Er gehört zu mir"? Denn der 15. 1. ist der Tag des Deutschen Schlagers. Und den haben sich ausnahmsweise nicht die Amerikaner ausgedacht. Diesen Feiertag haben wir Schlagerfreunden zu verdanken, die damit an die Erstausstrahlung der ZDF-Hitparade im Januar 1969 erinnern wollen. 
 
Als Freund des "Beatclubs" hatte ich damals nur ein verächtliches Schnauben dafür übrig. Mittlerweile bin ich milder gestimmt und billige einigen alten Ohrwürmern durchaus eine Existenzberechtigung zu. Obwohl mir die deutschen Schlagertexte der Zwanziger Jahre wegen ihres Witzes und ihrer pfiffigen Texte immer noch besser gefallen. 
 
Die Null ist die höchste Potenz jenseits von Gut und Böse! Das ist Euch bisher noch nicht aufgefallen? Darüber solltet Ihr spätestens am 16. Januar mal nachdenken, denn das ist der Tag des Nichts! Gleichzeitig auch der "Tag des Nichtstuns", des Dolcefarniente, womit ich weit mehr anfangen kann. Denn solche Tage zum Innehalten, zum Entspannen und zum Ausruhen will ich 2022 noch viel öfter einlegen. 
 
Doch noch ist es nichts mit dem Nichts, denn es folgt noch eine Zugabe. Wenn man krank ist, weiß man oder frau oft nicht mehr, wo der Kopf steht: "Sehr geehrter Herr Doktor! Bitte kommen Sie doch so bald wie möglich. Ich habe das Reißen! Ich kann meine Arme kaum über den Kopf bringen, und mit den Beinen ist es genauso. Ihre sehr kranke Babette Büddemann. 
 
Gute Besserung und 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 266 vom 10. 1. 22

Heute wurde ich unverhofft mit einer Frage konfrontiert, die mich überrascht hat: "Was hast Du mit dem Besen vor?" Bisher glaubte ich, dass allen klar sei, zu welchem Zweck das borstige Haushaltsgerät erfunden wurde. Höflichkeitshalber will ich es Euch nochmal erklären: Natürlich brauchte ich den Besen, um das Besenschlucken zu üben. Mit dieser unblutigen und daher veganen Variante des Schwertschluckens möchte ich mir später in Varietes etwas zu meiner kargen Rente hinzu verdienen. 
 
Nun aber erneut zum Thema Sprache. Nicht nur eine Zuschrift - Marion steuert bei, dass es auch keine Mehrzahl von Unbill gibt, da es sich bei Unbilden um etwas anderes handele - zeigt mir, dass es bei den Ungebildeten unter Euch (war nur ein Wortspiel, bitte nicht persönlich nehmen) noch Bedarf und erfreulich viel Interesse gibt. 
 
Zur Belohnung, meine Hasen, befassen wir uns zuerst mit Kosenamen. Nicht allzu überraschend stehen "Schatzi" und "Schatz" in Deutschland ganz obenan, dicht gefolgt von Hase, Liebling, Schnucki/Schnuckel und Mausi. Interessanter finde ich, was sich auf der Rangliste dahinter auf den Plätzen zwischen elf und fünfzig tummelt. 
 
 Das Tierreich ist dabei gut vertreten. Bärchen, Tiger und Schmusekater habe ich auch erwartet, aber Ameisenbär, Flusspferd und Igelschnäuzchen verwundern, ja, befremden mich etwas. Dann doch lieber Kombinationen wie Hasenpuschel oder Goldmäuschen. Hoch im Kurs stehen Bezeichnungen, die die Schönheit der Partnerin würdigen: Blümchen, Lotusblüte oder Zauberfee. Auch die Wesensart spielt eine Rolle: Sonnenschein und Goldstück finde ich okay, Marmeladenherz aber gewöhnungsbedürftig. 
 
Jetzt ein paar Sprachspielereien. Wusstet Ihr, dass Teigwaren Teigwaren heißen, weil Teigwaren Teig waren? Gut zu wissen, denn: Wissensdurst ist die flüssige Form von Bildungshunger. Und wie ist das mit Gegensätzen? Merkwürdig! Denn auf älteren Fotos sieht man oft viel jünger aus. 
 
 Vor einem Reisebüro verstand ich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dort stand: "Buchen Sie jetzt! Eichen können Sie später!" Und abschließend noch zwei unbestreitbare Tatsachen. Erstens: Wenn ein Meister vom Himmel fällt, war er mal einer. (Ja, Ihr Schlaumeier: Es sei denn, er hatte einen Fallschirm). Zweitens: Selten dumme Menschen sind nicht selten, aber dumm! 
 
Schnell noch die Zugabe, passend zum Schulbeginn nach Ferienende: "Sehr geehrtes Frollein Lehrerin! Meine Tochter Klara kommt immer jewaschen in Schule!! Aber wat ich energisch sagen will: Se sollen ihr nicht riechen, se sollen ihr lernen!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 265 vom 9. 1. 22 

Nehmt bitte Platz zur nächsten Lektion der SP-Fernuniversität für unnützes Wissen. Ach, Ihr sitzt schon? Dann spitzt die Ohren, putzt Eure Brillen und holt Griffel und Tafel hervor. Griffel und Tafel? Nur Hochbetagte wie ich wissen, dass früher die Schullaufbahn der ABC-Schützen so begonnen hat. 
 
Apropos ABC. Ihr kennt doch sicher das Alphabet in erweiterter Form, in der früher buchstabiert wurde? Anton, Ärger, Berta, Cäsar usw. Das soll ja, so ein Ärger, jetzt geändert werden, Städtenamen sind für die neue Fassung im Gespräch. Nicht geändert wird meines Wissens nach die internationale Buchstabier-Tabelle. Um Euch die einzelnen Worte näherzubringen, habe ich weder Zeit noch Mühe gescheut undsie zum Erlernen in einen einzigen Satz gepackt. Ihr müsst die Buchstaben nur noch in der richtigen Reihenfolge notieren. 
 
Ein Yankee und ein Zulu tranken im November nach dem Golf  Whiskey im Delta-Hotel, als Charlie zu Victor sagte: "Bravo, seit Papa und Mike damals in Quebec Foxtrott tanzten wie Romeo und Juliet einst Tango in der Sierra von Lima, sind Oscar und ich aus der Uniform nicht mehr herausgekommen, die uns in India vor dem Echo von X-Ray-Strahlen schützen sollte." 
 
Kleiner Tipp: Ihr müsst Euch auf die Substantive konzentrieren. Substantive, das weiß jeder Zuschauer der Sendung mit der Maus, sind Hauptworte. Hauptworte, liebe Kinder, gibt es meist in der Einzahl und in der Mehrzahl. Könnt Ihr Onkel Klaus aber auch einige nennen, die es nicht in der Mehrzahl oder, für die Klugscheißer unter uns, im Plural gibt? 
 
Auch dafür gebe ich Euch Hilfestellung. Denkt an Organisationen oder an Hauptworte, die aus Tu-Wörtern oder Eigenschaftswörtern gebildet wurden. Auch bei Gefühlen gibt es oft keine Mehrzahl, geschweige denn bei Gattungsbegriffen oder Abstraktem. Auch an Substanzen und Dingen, die man nicht zählen kann, beißen sich Pluralisten die Zähne aus. Oder kennt Ihr die Mehrzahl von Wärme und Lärm? 
 
Auch bei Heroin, Sauerstoff oder Benzin ist es schwierig. Und Schweigen ist Gold, wenn die Mehrzahl von Unglaublichem gefragt ist. Das schafft nicht mal der einmalige Verfassungsschutz. Und egal, ob Ihr mich mit Zorn, Spott oder Mitleid überhäuft: Auch dafür gibt es keine Mehrzahl, ebenso wenig für Zukunft, Schlaf, Sport, Heimkehr, Handel, Physik oder Rundfunk - und das gilt schon seit dem Mittelalter, ach, was sage ich, seit der Bronzezeit. 
 
Weil Ihr daran vermutlich etwas zu knabbern habt, mache ich heute frühzeitig Schluss, aber nicht ohne eine Zugabe. Sprache ist oft interpretationsbedürftig, wie dieses Beispiel belegt, das Oberlehrer Wilhelm Gärtner am 29. August 1901 zu Papier brachte: "Gestern war ich mit meiner Schulklasse in Meißenheim bei Lahr, die Grabstätte der Friederike Brion, der Jugendgeliebten Goethes, besuchend. Der Grabstein trägt die Inschrift: 'Ein Strahl der Dichtersonne fiel auf sie, so reich, daß er Unsterblichkeit ihr lieh.' 
 
Der Kirchendiener, der uns vor dem Stein stehend bemerkte, gab dann dazu folgende Erklärung: 'Schauen Sie, da ruhet die Friederike, das ist dem Goethe seine Bekanntschaft gewesen. Wie Sie auf dem Stein lesen können, hat sie ein Sonnenstich getroffen, an dem sie hat sterben müssen.'" 
 
Glückauf 
kdk  

  Schmunzelpost 264 vom 8. 1. 22

Nachdem Ihr gestern vermutlich den Grundstein für Euren neuen Steingarten gelegt und Euren Schreibtisch gründlich aufgeräumt habt, wenden wir uns nun den Herausforderungen weiterer Aktionstage zu. Während Ihr das Wasser für Euer Schaumbad einlasst, machen wir dort weiter, wo wir gestern aufgehört haben:  Am 9. Januar! 
 
Und da wartet eine besondere Herausforderung auf Euch. Das ist nämlich, zumindest in Amerika, der "Spiele-Gott-Tag". Ich gebe zu, ich würde sehr gerne mal den Allmächtigen spielen und ein paar besonderen Menschen zu einem Zwangsurlaub in einer Antarktisstation verhelfen. Ich denke da an so liebenswürdige Charaktere wie Herrn Erdogan, Herrn Bolsenaro und Herrn Lukaschenko. Die Liste lässt sich noch erheblich verlängern. 
 
Aber leider haben die Verfechter des Aktionstages anderes im Sinn. Ganz simpel: Wir sollen etwas Gutes tun. Zum Beispiel Bettlern oder Straßenmusikanten ein paar Münzen in den Hut werfen oder einen Kranken besuchen. Ich finde, dafür braucht es keinen Aktionstag. Wenn ich etwas Gutes tun wollte, würde ich mit Gottes Hilfe sämtliche Blockflöten verschwinden lassen - am 10. Januar droht uns nämlich der Blockflötentag. Doch damit tue ich einigen Virtuosen Unrecht: Falls Ihr noch nichts von der Gruppe "Wildes Holz" gehört habt, solltet Ihr das unbedingt nachholen. 
 
Der 10. 1. ist auch der "Tag der Zimmerpflanze". Das Datum ist kein Zufall. Wegen Weihnachten, dem Jahreswechsel und damit verbundenen Reisen werden Zimmerpflanzen oft vernachlässigt. Deshalb appellieren die Urheber des Aktionstages: Gießt Eure Zimmerpflanzen! Düngt Eure Zimmerpflanzen! Und falls Ihr keine besitzt: Kauft Zimmerpflanzen! Den guten Rat "sprecht mit Euren Zimmerpflanzen" verschieben wir auf den 27. Juli. Das ist nämlich der "Geh mit Deiner Zimmerpflanze spazieren-Tag"! 
 
Ich persönlich habe bereits als Kind eine Zimmerpflanze meiner Eltern verwöhnt. Den bitteren Hustentee, der mich wieder erblühen lassen sollte, habe ich stets unserem Gummibaum gegönnt. Das Ergebnis: Er ist eingegangen. Und ich habe gedacht: Besser er als ich! 
 
Dagegen kann ich mich am 11. Januar mit dem "Tag des deutschen Apfels" durchaus anfreunden. Der ist zwar 2010 von der Erzeugerorganisation Obst und Gemüse begründet und seither mit jährlichen Werbeaktionen propagiert worden, aber weil es darum geht, die Apfelvielfalt zu erhalten und regionale Sorten nach vorn zu bringen, werde ich am 11. 1. sogar zwei Äpfel essen und dabei in eine Pfütze springen. Warum das? Nun, der 11.1. ist gleichzeitig der "Tag des Pfützenspringens". Wobei die englische Variante noch mehr Spaß macht. Denn in Großbritannien und den USA heißt es übersetzt "Springe in Pfützen und spritze Deine Freunde nass!".  
 
Leckermäuler können sich schon mal auf den 12. Januar freuen. Das ist der "Tag des Marzipans". Und am 13. Januar folgt ein Tag für alle, die sich bis heute einen Rest ihrer Kindlichkeit erhalten haben: Der "Tag des Quietscheentchens". Er geht zurück auf das Jahr 1970, als das kleine gelbe Quietscheentchen erstmals in der Sesamstraße auftauchte. Und als dann bekannt wurde, das "Rubber Ducky" am 13. Januar Geburtstag hat, war der Fall klar. Zur Vorsicht ein kleiner Hinweis: Wenn Ihr mit Eurer Quietscheente am "Tag des Schaumbades" vorfeiern wollt, dann passt bitte auf, dass ein gewisser Herr Müller-Lüdenscheid nicht in der Nähe ist. 
 
Nun zur Zugabe. Für alle, die in letzter Zeit einen Unfall hatten, soll folgender Brief zeigen, dass alles noch viel schlimmer hätte kommen können: "Lieber Wolfgang! Gestern habe ich mich im Bastelkeller in die linke Hand geschnitten. Maria hat den Doktor angerufen und bis er kam hat sie mir mehrfach die Wunde mit Benzin ausgewaschen. Als der Arzt wieder weg war, ging ich auf die Toilette und habe mir - schön behaglich sitzend - eine Zigarette angesteckt und das brennende Streichholz hinter mich in die Kloschüssel geworfen. 
 
Aber Maria hatte vorher da hinein die benzingetränkte Watte geschmissen. Eine gewaltige Stichflamme schoss deshalb hoch, Porzellansplitter flogen umher und verletzten mir einige wichtige Körperteile. Der Doktor musste wieder her. Aber nach der Besichtigung meiner lädierten Körperteile veranlasste er, dass man mich ins Krankenhaus schaffte. 
 
Die Sanitäter kamen und luden mich auf die Tragbahre. Dabei erzählte ich ihnen, wie es zu meinen Verletzungen kam. Die beiden lachten schallend und da sie mich gerade die Treppe hinunter trugen, ließ der Hintermann den Griff los. Ich kippte von der Bahre und flog die Treppe hinunter, mir dabei auch noch den linken Arm brechend." 
 
Glückauf 
kdk 
 

 Schmunzelpost 263 vom 7. 1. 22

Diese Schmunzelpost gehört nicht zu den alltäglichen. Sie ist sozusagen aktionstäglich. Nachdem ich bereits im letzten Jahr gelegentlich den Kalender der Aktions- und Gedenktage durchforscht hatte, nahm ich mir vor, dies künftig systematischer zu betreiben. Zu Eurem Nutzen! Denn vielleicht wollt Ihr den einen oder anderen der vielen gutgemeinten, oft kuriosen oder scherzhaften Mottotage tatsächlich für Aktionen nutzen. 
 
Gestern wäre dafür ein guter Anlass gewesen. Nein, ich meine nicht, dass Ihr als Heiliger König verkleidet um den Block ziehen und Spenden sammeln solltet. Das hättet Ihr ohnedies einfacher haben können. Denn der 6. Januar ist auch der Afrikatag der katholischen Kirche, an dem um Gaben für notleidende Menschen des Kontinents gebeten wird. Ich meine den Tag des Kuschelns, der ebenfalls am 6.1. in speziellen Kalendern steht. Aber für alle, die das verpasst haben, gibt es Trost: Bereits am 21. Januar folgt der Weltkuschel- oder auch Weltknuddeltag. 
 
Unbekannt war mir bisher der Tag der Bohne, der ebenfalls am 6.1. und dann vor allem im anglo-amerikanischen Raum mit entsprechenden Gerichten gefeiert wird. Wusstet Ihr, dass es 40 000 verschiedene Bohnensorten gibt? Ich hatte keine Ahnung, nicht die Bohne, hö, hö. Über die Entstehung gibt es verschiedene Theorien. Eine davon reicht bis ins Spätmittelalter zurück. Damals war es Brauch, in den Drei-Königs-Kuchen eine Bohne einzubacken. Der Finder war einen Tag lang der "Bohnenkönig" der Familie. 
 
Heute haben wir den "Tag des alten Gesteins". Entgegen anderslautenden Gerüchten war das nicht der Geburtstag von Fred Feuerstein oder seinem Kumpel Barney Geröllheimer. Dieser Aktionstag wurde ersonnen, um altes Gestein zu würdigen und sich beispielsweise mit Fossilien zu beschäftigen. Außerdem wird angeregt, spazieren zu gehen und an geeigneter Stelle besonders schöne Steine zur Anlage eines Steingartens zu sammeln. Aber bitte keine Geröllwüste im Vorgarten! 
 
Morgen folgt dann übrigens der "Räume-Deinen-Schreibtisch-auf-Tag". Wie? Ihr meint, dafür braucht man doch keinen ganzen Tag? Ihr habt meinen Schreibtisch noch nicht gesehen. Weniger sinnlos und stattdessen viel entspannender ist es, den "Tag des Schaumbades" angemessen zu begehen. Er ist als "Bubble-Bath-Day" vor allem in Amerika populär. 
 
Gerade als Volk der Warmduscher sollten wir uns auch einmal wieder ein schönes Vollbad gönnen, so richtig zum Schaumschlagen. Warum nicht am 8. Januar? Aber bitte nicht länger als 15 Minuten, sonst schadet es der Haut. Das Schaumbad weckt bei mir Erinnerungen an die Kindheit. Nicht, dass damals ein Schaumbad möglich gewesen wäre. Im Gegenteil, bis zu meinem fünften Lebensjahr gab es kein richtiges Badezimmer, da musste ich mich jeden Samstag in eine Zinkwanne quetschen. Dafür habe ich mir ein paar Jahre später an den Kinoschaukästen die Nase plattgedrückt, wenn dort Fotos von Filmdiven beim Baden ausgehängt waren. Allerdings bedeckte der lästige Schaum damals die interessanteren Körperregionen. 
 
Die Vorausschau wird morgen fortgesetzt. Als Rausschmeißer noch ein Blick in den Reisebericht Nr. 112 des Vertreters H. Sauer vom 24. Juli 1972. Ich bin hin- und hergerissen. Soll ich den Mann als Verkaufsgenie bewundern oder als gewissenlosen Geschäftemacher verachten? Urteilt selbst: "Dem Bauer Andreas Kalgi, Neustadt, Winzerstraße 11, habe ich unsere Melkmaschine 'Zipf-Zapf 10' verkauft. Die einzige Kuh, die er besitzt, habe ich in Zahlung genommen." 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 262 vom 6. 1. 22

Einmal bitte kurz schütteln und dreimal auf Holz klopfen, falls Getrommel auf dem Schädel die grauen Zellen in Schwung bringt: Heute öffnet die SP-Fernuni für unnützes Wissen wieder ihre Tore und Eure Synapsen. Wollen wir doch mal sehen, wie es 2022 um Euer Denkvermögen bestellt ist!
 
Na ja, bei der ersten Frage geht es mehr ums Raten. Zum Aufwärmen am besten einmal den Begriff Humuhumunukunukuapua'a laut vorlesen, vielleicht kommt Ihr dann ja drauf. Ist das vielleicht ein grönländischer Inuit-Dialekt und bedeutet "Ja"? Ist das der offizielle Staatsfisch von Hawaii? Oder lautet so die förmliche Begrüßung unter Maori? 
 
Ich gebe zu, ich hätte eher das erstaunte Gebrabbel eines BVB-Abwehrspielers vermutet, wenn er wieder einmal schwindelig gespielt wurde. Es handelt sich aber tatsächlich um den Nationalfisch von Hawaii. Jeder US-Staat hat nicht nur eine eigene Flagge, sondern auch nationale Speisen und einen Nationalfisch. Hawaii hat sich den Diamant-Picasso-Drückerfisch ausgesucht, was auch nicht viel leichter aussprechen ist als sein Name in der Sprache der Einheimischen. 
 
Dieser farbenfrohe Meeresbewohner hat ein kunstvolles, kontrastreiches Muster, was ihm die Ehre einbrachte, nach dem spanischen Maler benannt zu werden. Die Hawaiianer haben ihm jedoch eine weit weniger schmeichelhafte Bezeichnung verpasst. Humu... Ihr wisst schon, bedeutet nämlich "Drückerfisch mit dem Maul wie ein Schwein". 
 
Nun schauen wir mal zum Himmel, wo sich derzeit (Stand 5. Januar, 16.26 Uhr) die Sonne hinter Wolken verbirgt. Das ist auch besser so, denn ohne Augenschutz würden wir sonst blind. Die Sonne ist also schon mal sehr hell. Aber was ist sonst noch mit ihr los? Verliert sie jede Sekunde über vier Millionen Tonnen ihrer Masse? Dreht sie sich 25mal schneller als die Erde? Oder ist es in ihrer äußeren Gashülle heißer als im Kern? 
 
Tja, ich wollte, ich bekäme das mit dem Gewichtsverlust nur halb so schnell hin wie unser Zentralgestirn. Tatsächlich gehen der Sonne sekündlich vier Millionen Tonnen Masse verloren. Aber wer hat, der hat! Ihr Gesamtgewicht beträgt ca. zwei Quadrilliarden Tonnen! (Also unwesentlich mehr als mein Körpergewicht). Doch das wirft Fragen auf: Wieviel, zum Teufel, ist eine Quadrilliarde? Und wie haben die Forscher unseren Fixstern auf die Waage gekriegt? Immerhin sind sich die Wissenschaftler einig, dass der Brennstoff unserer Sonne trotz ihrer Verschwendungssucht noch weitere 4,5 Milliarden Jahre ausreicht. Ich glaube das zwar nicht, aber eine Wette erscheint ziemlich sinnlos. 
 
Einen habe ich noch. Wie zu erwarten war, sind reichlich Stilblüten übrig geblieben. Ich werde sie einzeln in loser Folge einstreuen. Nicht nur der Jahresstart 2022 ist verregnet. 1958 schickte ein treusorgender Ehemann seiner Frau Käthe ein Telegramm ins Fremdenheim Schönblick nach Ungersheim: "Komme umgehend zurück! Regen hier billiger! Hans" 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 261 vom 5. 1. 22

Eigentlich sollte hier heute endlich wieder etwas Lehrreiches stehen. Doch wahrscheinlich ist mein Kichern bis zu Eurem Wohnort gedrungen - ich habe nochmal ins Buch der Stilblüten geschaut. Nun hat die Schmunzelpost-Fernuniversität für unnützes Wissen einen Tag länger Winterpause. 
 
Und von Franz Goggele lernt Ihr besser nichts. Er schrieb einst an die Grossh. Oberrealschul-Direktion Mannheim: "Sehr geehrter Herr Rektor! Falls mein Sohn weiter so faul sein sollte, möchte ich Sie bitten Ihn in meinem Namen gründlich zu verhauen. Zu Gegendiensten gerne bereit, zeichne ich ergebenst." 
 
Mütter sind da ganz anders. Zumindest Barbara Jung, die an die Lehrerin schrieb: "Wenn Sie noch einmal mein Friedchen schlagen, dann schicke ich Ihnen meinen Mann auf den Hals und dann sind Sie die längste Zeit Fräulein gewesen." 
 
Da behaupte noch einer, unsere Anwälte seien auf den Kopf gefallen. Hier ein Auszug aus der Kurzschilderung des beruflichen Werdegangs von Heinz Hähnel: "Bei Ausbruch des Krieges musste ich ins Feld. Eine Schädelverletzung ermöglichte mir dann das juristische Studium." 
 
Jetzt wird's tierisch. 1968 drohte in Heidelberg ein Schieferdecker vor die Hunde zu gehen: "An die Bezirkssparkasse. Sehr geehrte Herren! Mein Hund hat daß Sparbuch Nr. 100 6584 aufgefressen. Da ich den Hund nicht öffnen kann, möchte ich lieber ein neues Sparbuch. Mit der Bitte um geneigte Berücksichtigung meines Wünsches verharre ich mit ausgezeichneter Hochachtung als dankbarster Anton Helming." 
 
Um eine Sauerei, genau genommen einen Schweinediebstahl, ging es am 6. Juli 1962 im Schreiben von Karl Held an Polizei-Außenstelle Land II: "Das fragliche Schwein ist zweifellos mit dem mir gestohlenen identisch. Es hat dieselben schwarzen Flecken hinter den Ohren, dieselben Augen und Schlappohren, Kurzum sein ganzer Kopf hat eine so auffällige Ähnlichkeit mit dem meinigen, dass eine Täuschung ganz ausgeschlossen ist." Wahrscheinlich hat Herr Held auch Eisbeine. 
 
Zwei Einblicke in Schüler-Aufsätze: "Die Deutschen erhoben sich gegen Varus, weil er sie mit dem Beil hinrichten ließ und das waren sie nicht gewohnt." Klar, hierzulande bevorzugte man das Vierteilen. Aber wer will das schon wissen? Dieser aufgeweckte Aufsatzschreiber jedenfalls nicht: "In welchem Jahrhundert möchte ich leben? In der Regierungszeit von Karl dem Großen. Dann bräuchte ich alles nicht mehr lernen, was nachher passierte." 
 
Da die Weihnachtsferien bald enden, noch ein Aufsatzthema, dass durchaus aktuell sein könnte: "Hurra, wer machen einen Famielienausflug! Wenn man sich zu weit aus dem Zug hinaus beugt, wie es angeschrieben ist, kann einem leicht der Kopf abgerissen werden. Dann hätte man der ganzen Famielie die Reise schön verpatzt, und allein kann man sie auch nicht mer gut fortsetzen" Wahrscheinlich wegen der zwingenden Logik gab es eine 3 minus, aber eine geharnischte Anmerkung des Lehrers: "Die Arbeit ist wieder bodenlos schlecht ausgefallen! Das fängt schon damit an, daß am Ende der Punkt fehlt!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 260 vom 4. 1. 22

Und noch ein Indiz dafür, dass die Rätselmacher-Zunft aus alten weißen Männern besteht: Heute wurde nach dem Vornamen des US-Filmstars West gefragt. West? Für die jüngeren unter uns: Mae West war in der Vamp-Generation vor Marilyn Monroe eine der ersten emanzipierten Schauspielerinnen Hollywoods. Bei einem Empfang in den Dreißiger Jahren soll sie nach inniger Umarmung einen Mann mit den Worten begrüßt haben: "Ist das ein Schlüssel in ihrer Tasche? Oder freuen sie sich nur, mich zu sehen?" 
 
Nun aber ans Werk. Selten habe ich in einem so dünnen Buch so viele Stellen gefunden, die mich grinsen ließen. Deshalb will ich Euch heute ein paar Auszüge aus alten Briefen weiterreichen. 
 
Dürfen Affen Beleidigungsklagen einreichen? Diese Frage stellt sich einmal mehr, wenn man ein Schreiben betrachtet, das am 25. April 1968 beim Polizeirevier 3 in Heidelberg einging.: "An die Polizei Heidelberg. Ihr Anschreiben habe ich erhalten. Wenn ich Kaufmann xxxxxx einen Orang-Utan genannt habe, lag es mir fern, diesen zu beleidigen." Eine Affenschande! 
 
Noch ein Brief an die Hüter des Gesetzes, diesmal vom 29. Mai 1960: "Meldung an die Polizeistelle 2 in Wieblingen. Der andere Wagen fuhr auf meinen Wagen zu, hat mir aber seine Absicht vorher nicht im Geringsten angezeigt. Daraufhin machte ich dem anderen Idioten meine Meinung klar. Mit hochachtungsvollsten Grüßen,  Fritz König." Schmerzhafte Folgen für Unbeteiligte lässt die handschriftliche Anmerkung von Sachbearbeiter Müller vermuten: "Die Unfallzeugen sind der Meldung beigeheftet." 
 
Was ist eigentlich aus Charlie Brown geworden, als er erwachsen war? Ist er vielleicht nach Deutschland gezogen? Dieser mit Kinderhand verfasste Brief lässt es zumindest vermuten: "Herrn Charles Brown, Square Hollywood, Los Angeles. 
Lieber Onkel! Ich freue mich sehr, dass Du endlich wieder in die Heimat zurückkommst, denn Mutti sagt, ich sähe Dir Ungeheuer ähnlich. Bis bald! Dein Bubi" 
 
Frontal ging Dr. A. Moll den Briefempfänger an. Ob ihm später aufgefallen ist, dass er ein Eigentor geschossen hat? "Mein Herr! Ein ganz unverschämter Kerl sind Sie!! Ein Gauner, ein Lump, der stets vergißt, daß er alles, was er ist, durch mich geworden ist!!!" 
 
Mein Mitgefühl hat dieser Steuerzahler, dessen Unterschrift nicht zu entziffern ist. Er wandte sich mit einem Stundungsgesuch am 12. Juni 1932 an das Finanzamt München: "Nachdem ich meine Umsatz-, Stempel-, Einkommens-, Vermögen-, Hauszins-, Grund-, Gewerbekapital-, Bürger-, Gewerbeertrags-, Reichsflucht-, Lohnsummen-, Hunde-, Getränke- und Tabak-, Auto-, Kirchen-, Aufbringungs-, Einkommenszuschlag-, Kapitalertrag-, Börsenumsatz-, Wertzuwachs-, Erbschafts-, Geschenk-, Ausgleichs-, Versicherungs- und Erwerbslosensteuer neben Krankenkassenbeiträgen, Invaliden-, Angestellten-, Arbeitslosen-, Diebstahl-, Haftpflicht-, Berufsgenossenschaft-, Berufsschulgeld-, Handelskammerbeitrag- und Hypothekenzinsen bezahlt habe, bleibt mir nur noch das Porto für diese Zeilen, und ich bitte deshalb nochmals um weitere Stundung der Ledigen-, Grunderwerbs-, Gesellschafts-, Wertpapier-, Wechselsteuer-, Verwaltungsgebühren, Zündwaren-, Zucker-, Bier-, Schaumwein-, Salz-, Spielkartensteuer und der Reichshilfe für notleidende Aufsichtsräte." 
 
Da gibt es nur einen Ausweg! Dieses Schlupfloch werde ich vor meiner nächsten Einkommensteuererklärung nutzen. Schade, dass ich nicht früher drauf gekommen bin. Emil Ludwig Zwer zeigt mir den Weg: "An die Finanzkasse. Hier. Sehr geehrte Herren, ich teile Ihnen hierdurch mit, daß ich mich nach reiflicher Überlegung entschlossen habe, der Einkommenssteuer nicht beizutreten." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 259 vom 3. 1. 22

Beim Lösen des heutigen SZ-Online-Rätsels merkte ich erneut, dass der Austüftler ein alter weißer Mann ist. Gefragt war ein Spielzeug. Playstation? Viel zu modern. Ein Ball? Allzeit beliebt, aber nur vier Buchstaben, daher unpassend. Eine Puppe? Ganz abwegig, alte weiße Männer wollen wissen, mit was Jungs in ihrer Kindheit spielten. Na also: Mit einem Kreisel! Und anschließend versammelten sich alle ums Lagerfeuer und schnitzten weiter an ihrem Faustkeil.

Nun zum Fundstück des Tages, nach längerer Zeit mal wieder ein Streiflicht der Süddeutschen. Die anonymen Verfasser arbeiten dabei ebenfalls Kindheitserlebnisse auf. Lest selbst: "Nein, es war kein Honiglecken, als Schüler, der Besseres zu tun hat, Schillers 'Lied von der Glocke' auswendig zu lernen. Diese gestelzte Sprache, der belehrende Ton und überhaupt die Geschwätzigkeit, die dem Gedicht eine unmenschliche Länge verleiht - das war nichts für einen Jugendlichen, der gerade Mick Jagger als literarischen Hausgott entdeckt hatte. (...)

Leider bestand der Lehrer auf der grausamen Praxis, Schillers Verse auswendig vor der Klasse herunterzuleiern. So schrecklich das war, mittlerweile trägt die stupide Lernerei die schönsten Früchte. Kaum eine Konferenz, kaum ein Stehempfang vergeht, ohne dass man mit einem Zitat aus der Glocke Eindruck schindet.

Mal begibt man sich 'hinaus ins feindliche Leben', mal wartet die 'züchtige Hausfrau', und jeden, der seine Hochzeit ankündigt, erfreut man mit Schillers Diagnose: 'Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang.' Wer derart brilliert, gilt als intelligenter Mensch, und die Leute wispern: 'Wahnsinn! Der kann Goethes Glocke auswendig.'

Das ist mir voll und ganz aus der Seele geschrieben. Auch ich verehrte die Stones mehr als Schiller, auch ich hörte beim Auswendiglernen die Glocken läuten. Und auch mir entfleuchen bei allen unpassenden Gelegenheiten Zitate. Zum Beispiel, wenn ich eine Schmunzelpost ausbrüte: "Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß, soll das Werk der Meister loben. Doch der Segen kommt von oben."

So war es kein Zufall, dass ich vor Jahren in einem Sketch für die Männertage-Gala auch Schillers Ballade eingebaut habe. Dorstens langjähriger Bürgermeister empfing damals per Zeitmaschine einen Dichterfürsten:

Lambert: Darauf habe ich mich schon lange gefreut und weder Kosten noch Mühen gescheut. Der Dichterfürst ist heute zu Gast – er hat die nächste Kutsche verpasst. Willkommen, Herr Goethe, welch große Freude, dass Sie uns beehren in diesem Gebäude!

Johann Wolfgang Goethe: Was gibt es? Wo bin ich? Die Stadt ist mir fremd. Wer sind Sie? Und was ist das für ein komisches Hemd?

Lambert: Das Hemd ist von Mensing und Sie sind in Dorsten und ich bin der Lambert von Lütkenhorsten. Sie aber kennt bei uns jedes Kind, weil unsterbliche Reime von Ihnen sind.

JWG: Das schmeichelt mir sehr, doch möcht' ich gern hören, welche Verse Sie besonders betören.

Lambert: Fest gemauert in der Erden, steht die Form, aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden! Frisch, Gesellen, seid zur Hand! Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß, soll das Werk der Meister loben. Doch der Segen kommt von oben.

JWG: Da bin ich völlig von den Socken, der Kerl singt mir das Lied der Glocken! Ja, die Reime sind ein Knüller, doch es schrieb sie Friedrich Schiller!

LL: Nein, Ihr irrt Euch, Schillers Fritz ist für mich der größte Witz. Von dem stammt doch, mein Gott, mir graust, das lausige Theaterstück vom Faust!

JWG: Meine Faust sollt Ihr gleich schmecken, und, jetzt werdet ihr erschrecken, dann kommt es noch etwas härter, ihr leidet wie der junge Werther!

LL: Was fang' ich denn mit “Werther” an? Der hellste Kopf ist Thomas Mann. Der schrieb für uns den Zauberberg, dagegen sind Sie bloß ein Zwerg!
Drum gibt's in Dorsten, keine Frage, nicht Goethe- sondern Männertage!

JWG: Jetzt haben Sie es ganz verdorben, die Stadt ist nun für mich gestorben. Ich schreibe schon am Faust, Teil drei, Mephisto ist erneut dabei. Das Stück, es wird mir gut geraten, denn Faust, der alte Satansbraten, der köchelt nun im Fegefeuer, gequält von einem Ungeheuer, dem Teufel Lambert, voller Borsten - und diese Hölle, die heißt Dorsten! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Purer Zufall, dass das Schweiß-Zitat zweimal vorkam. Bei mir klingelt die Glocke auch ohne Wiederholung weit häufiger: "Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben..." 
 

 Schmunzelpost 258 vom 2. 1. 22

Sehr geehrtes Schmunzelpost-Kollegium!
 
Mein Sohn Klaus konnte heute leider seine Hausaufgaben nicht allein erledigen, weil er noch an den Folgen eines Experimentes litt. Er hat gestern an einem wissenschaftlichen Feldversuch teilgenommen. Es ging um die Langzeitfolgen von Alkohol bei der Kombination von zwei Feiertagen anhand des Silvesterfestes und eines Geburtstags. Als Ersatz hat er historische Texte angehängt, von denen er, äh, ich mich beim Formulieren dieses Entschuldigungsschreiben inspirieren ließ.
 
Voller Hochachtung
Dem Klaus seine Mutter
 
Entschuldigung: Unsere Tochter Elfriede durfte gestern nicht in die Schule gehen. Sie lag im Bett und schwitzte mit Hochachtung. Frau Andopitalski

Biologie-Lehrsatz: (aufgeschrieben am 1. 11. 1961) Wenn wir den Frosch in Hinsicht auf seinen Schwanz betrachten, so bemerken wir, daß er keinen hat. (Darunter folgt ein riesiger Tintenfleck mit einer entschuldigenden Anmerkung daneben: Sehr geehrtes Fräulein Lehrer, der Klecks in dem Heft meiner Tochter bin ich in höchsteigener Person selbst gewesen. Gerhard Meyer, Eltern)
 
Das folgende geniale Fälschungstalent wäre vermutlich auch mit den Hitler-Tagebüchern durchgekommen.
Entschuldigungszettel: Hierdurch wird bescheinigt, daß mein Sohn Richard den Dreißigjährigen Krieg verloren hat. Er wird aber sofort einen neuen beginnen, sobald als er aus der Schule daheim ist.  Richards Mutter
 
Dagegen vermute ich, dass dieser Text tatsächlich vom Vater stammt. Alles andere wäre eine Schweinerei:
Entschuldigung: Meine Tochter kann am Montag nicht zur Schule kommen, das Schwein wird geschlachtet. Alfred Fritzi
 
Dazu passt diese Frage aus einer Klassenarbeit samt einleuchtender Antwort.
Nr. 7: Welchen Nutzen hat eine Kuh? Sie wird gegessen und getrunken. Und dazu passt wiederum dieses Erdkunde-Dokument. Schüler: Dänemark. Aus Dänemark wird Butter eingeführt, weil die dänischen Kühe unternehmungslustiger und an technischer Durchbildung unseren Kühen überlegen sind. Lehrer: 4 minus! Unglaublich oberflächlich! Ich kenne niemand, bei dem die Oberflächlichkeit so tief sitzt wie bei Dir!
 
Zum Schluss jetzt noch ein paar kleine Stilblüten aus Aufsätzen. Dieses Kind ist offenbar in einer frauenfeindlichen Familie aufgewachsen: "Der Mut der Türken erklärt sich daraus, daß ein Mann, der mehrere Frauen hat, geneigter ist, dem Tod ins Auge zu schauen, als wenn er nur eine hätte."
 
Und hier wäre der/die politisch korrekte Lehrkörper*in wahrscheinlich aus dem Fenster gesprungen. Die Wüste Sahara: "Einen Beweis haben wir z.B. dafür, daß in Afrika, wo sich heute die Wüste Sahara befindet, früher Wasser gewesen ist, darin, daß die schwarzen Eingeborenen noch heute in der Badehose herumlaufen." 
 
Über ein liebevolles Zuhause: "Als ich einmal sehr krank war, hat mir mein Vater an meinem Bett aus einem schönen Buch vorgelesen. Dann konnte ich prima brechen." Ich hoffe, das werdet Ihr nach der Lektüre der Schmunzelpost nie schreiben. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 257 vom 1. 1. 22

Du krichs die Motten! Schon wieda 'n Jährken 'rum. Zeit, auffen Balkong zu gehn und 'n paar Wörter mit den einzigen Menschen zu wechseln, der mich zuhört: Mit mich selbs! Die Luft is ja so lau, da könnze glatt denken, et wär Frühlink. Dafür kannze inne kalifornische Wüste Schlitten fahn. Dat spinnt, dat Klima. 
 
Abba dat is ja nich neu. Neu is auch nich mehr die Pannen-Demi, bloß diese Enkel von dat Urvirus. Wie heißt dat jüngste noch gleich? Irgendwat von die alten Griechen. Ganz hinten vonnem griechischen Alfabet. Zaziki? Nee, ich komm' nich drauf. 
 
Dat liecht auch daran, dat ich mich so aufregen tu. Ich komm mich schon vor wie 'ne Kokosnuss. Dauernd bin ich auffe Palme! Weil ich dat Geschwafel von die Leute hör: Datt dat ganze nur 'ne Verschwörung is, von die Kapitel..., von die Kappel..., na, von die Reichen, die Juden und die Außerirdischen! Sonne Art Verschwörer-Ampel eben. Ich muss sagen, ein bisken bin ich nervös geworden, als ich inne Zeitung las, dat uns getz 'ne Ampel regieren tut. Abba ich hab schnell kapiert, datt dat 'ne andere Ampel is. Obwohl der Lindner ja wirklich vonnem andern Planeten kommen könnt. Abba wat diese Querdenker-Spinner sich da zusammenreimen - hömma, so blöd kannze doch nur sein, wenn se Dich schon zehn Mal auffer BVB-Südtribüne zusammengefaltet ham! 
 
Abba die andern Leute, die sogenannten Vernünftigen, gehn mich auch tüchtig auffen Sack. Mit ihr'n weinerlichem Gegreine: "So eine Katastrofe, so ein Leid, wat uns da wieda fährt! Zwei Jahre voll mit furchtbare Entbeerungen!" Hömma, da fliecht mich doch der Draht ausse Mütze! Ich erzähl Dich mal wat von Entbeerungen! 
 
Der Willi König, wat mein Vatta is, der is 1899 geborn, in die "gute alte Zeit". Acht Geschwista hatter gehabt und die ganze Familie hat in zwei Zimmer gewohnt. Klo auf'm Hoff, versteht sich. Mit 14 is Vatta dat erste Mal auffem Pütt eingefahrn. Dann fing der Krieg an und ab 1917 hatten se ausser Steckrüben kaum noch wat zu beissen. Als er grad 18 war, musste er als Soldat anne Front in den Schützengraben. Wenner später einen im Timpen hatte, dann hat er mir als Dötzken von seine Alpträume erzählt. 
 
Nachem Krieg hatter malocht und gespart. Dann kam die Inflation und die Kohle war wech. Dann hat er wieder malocht und gespart. Und geheiratet! Dann kam der schwatte Freitach. Erst war die Kohle wech, dann hammse auch noch den Pütt dichtgemacht. Als se dann vor lauter Kohldampf gedacht ham, wat Steckrüben für'n lecker Essen sind, kamen auch noch die Nazis an die Macht. Und mein Vatta als alter Sozi hatte nix zu lachen. Er hat dann als Zwangsarbeiter in Dorsten dat Bett für den Kanal mit ausgebuddelt. Und dann war auch schon wieda Kriech! 
 
1943 musste Vatta an die Ostfront. Ende 1944 is er im Lazarett gelandet und von da ham ihn die Russen abgeholt und zur Zwangsarbeit nach Sibirien geschickt. Diesmal kein Kanalbau, aber Dachziegel! Als bei uns dat Wirtschaftswunda losging, is Vatta schwer krank geworden. Nix zu fressen, Dachziegel und Staublunge, dat is keine gute Mischung. 1950 ham se ihn nach Hause geschickt. Da wog er 39 Kilo. Ein Jahr später war er tot. Und getz wollen mir son paar Heiopeis wat von Entbeerungen erzähln, weil se nich mehr nach Majorka in Urlaub konnten! 
 
Nee, nee, getz gieß ich mich orntlich einen auffe Lampe. Und wenn ich wieda wach werde, is 2022 und alles wird bessa! Der Drosten sacht, in ein paar Monaten is der Spuk vorbei und der Lauterbach nickt dazu. Ich nicke mit - auf dat endlich dat dussliche Gequatsche aufhört! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Euch allen ein gutes und hoffentlich gesundes Neues Jahr! 

 

 Schmunzelpost 256 vom 31. 12. 21

Auch heute veranlasst mich mein Kreuzworträtsel-Aufwärmtraining (habe ich eigentlich schon mal etwas über Wortungetüme geschrieben?) mit einer kleinen Denksportaufgabe zu starten. "Augenblick" mit zwei Buchstaben? Nanu, keine angehängte Lösung? Ich bin sicher, Ihr werdet im Nu selbst darauf kommen. 
 
Nun wie angedroht zu den Relikten aus dem Museum des unfreiwilligen Humors. Am 24. 1. 1932 schrieb die Witwe Eva Wanner aus Schönau folgenden Brief: 
"Sehr geehrter Rundfunk! Zu meinem 80. Geburtstag am gestrigen Tage gratulierte mir der Rundfunk und dann sang Caruso die Rigoletto-Arie. Ich selber hätte es vielleicht nicht gemerkt, aber mein Neffe studiert Musik, und er hat gesagt, es war gar nicht Caruso, der zu meinem achtzigsten Geburtstag gesungen hat. Es war - Sie sollten sich was schämen - eine Grammophonplatte!!" 
 
In einem undatierten Amtsbrief antwortet der Ratsschreiber Straeter der Gemeinde Merfeld, Kreis Coesfeld, einem Bürger, der sich bei der Verwaltung über Mängel der Rathausuhr beklagt hatte: "Sehr geehrter Herr Monsch! Auf Ihren Brief hin teilen wir Ihnen mit, daß unsere Rathausuhr  r e g e l m ä ß i g  geht. Es fehlen nur die Zeiger! Mit vorzüglicher Hochachtung!" Fazit: Diese Gemeinde war wirklich zeitlos. 
 
Obwohl die zuständige Postabteilung diese Aussage mit Stempel vom 7. August 1936 als "Sachlich richtig und festgestellt" bewertete, habe ich im Nachhinein erhebliche Zweifel an der Richtigkeit des Zitates. Vorarbeiter Friedrich Schulz hatte hochachtend an die Reichspost geschrieben: 
 
 Betreff: Angebliche unflätige und rohe Ausdrücke bei der Montage im Hause der Witwe Mina Rose. Ich war bei der fraglichen Montage damit beschäftigt, den Zuleitungsdraht an den Hausanschluss anzulöten, als dem unter mir arbeitenden JOHANN KÜPPERS etwas von der glühenden Lötmasse von dem Kolben zwischen Hals und Kragen tropfte. Darauf rief KÜPPERS mir zu: "Lieber Friedrich, Könntest Du Dich nicht etwas in Acht nehmen?" Klar, was ruft man auch sonst, wenn der Hals glüht... 
 
Beim folgenden Brief aus dem Jahre 1938 bin ich mir nicht sicher, ob sich da jemand über den Germanisierungswahn der Nazis im Sprachbereich lustig machte oder ob ein glühender Parteipatriot (vielleicht ist ihm Goebbels Speichel zwischen Hemd und Kragen gerutscht) es tatsächlich ernst meinte: 
 
"Meine Trautholde! Wie wäre es mit einem Zerknalltreiblingszweiradausflug am Sonntag, dem 28. Lenzing 1938? Hoffentlich gibt Dich Dein Pflanzherr frei und hält Dich wegen Sippenthings anläßlich des Wiegenfestes Deiner Urpflanzmutter nicht daheim fest. Es gibt keinen schöneren Genuß mit Dir, Krafradhintersassin, als jetzt im Lenz. Bitte, bringe Du Deine Strahlenfalle mit, dann besorge ich eine Kofferkrachwortmühle, damit wir bei der Freiluftmahlzeit die große Furtwänglertönerei und die Wiedergabe von dem Faustkämpferwettstreit hören können. Und ziehe bitte Deine zweigeteilte Lenztracht an, in der Dein Hüftengpaß so gut zum Ausdruck kommt. 
 
Vergiß auch nicht, am Zeitungsheim den Fußballspielerergebniswettrateschein zu holen. Und, bitte, rauche bis zum Sonntag nicht mehr so viele Langstäbchen und trinke keine so starke Schwarzbrühe, sonst wirst Du wieder so wirrselig. Auf bald! Dein Trautholdester!"  - Ist 1938 als das Genderjahr des Dritten Reichs in die Geschichte eingegangen?   
 
Zum Schluss ein handschriftlicher Eintrag auf einem Kalenderblatt vom 31. Dezember: "Mit dem abgelaufenen Jahr bin ich sehr zufrieden. Es sind wieder eine Menge Schulden von mir verjährt!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch ein Extra-Service zu Silvester: Weil erneut das Feuerwerk verboten ist, biete ich einen emissionsfreien Ersatz. Wendet Euch bitte um Mitternacht an alle Anwesenden und tragt möglichst laut, leidenschaftlich und engagiert den folgenden Text vor: Knall! Bumm!  Rattata-Zong! Zisch! Blitz! Explodier! Wumm! Sssssssssst-Peng! Dong, dong, dong! Piff! Paff! Puff! Rumms! Donner! Chrr-chrr-chrr-chrr! Sprüüüüh! Ka-Wumm!!! 
 
PPS. Allen Schmunzelpostlern und kdk-Freunden einen guten Rutsch! 
 

 Schmunzelpost 255 vom 30. 12. 21

Gestern war ich wieder in Lebensgefahr. Einmal im Jahr muss ich in unseren bis zum Bersten gefüllten Keller hinabsteigen, um mir eine Flasche Wein zu holen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Dabei nutzte ich die Gelegenheit, um in unserer Bibliothek der verborgenen Schätze, mit seit Urzeiten im Keller vergrabenen Büchern, nach einem Juwel zu suchen. Ich bin tatsächlich fündig geworden. Und weil es mir auch gelang, das Buch seeeehr, seeeehr vorsichtig aus der Stützsäule zu ziehen, ohne dass das Gewölbe einstürzte, profitiert Ihr nun auch davon. 
 
Das Buch trägt den schönen Titel "Es fängt damit an, daß am Ende der Punkt fehlt". Wie Ihr am ß erkennt, handelt es sich um eine ältere Ausgabe. Ich habe sie 1973 für 3,80 DM erstanden. Und das Buch ist sein Geld wert. Es enthält Faksimiles von überwiegend handschriftlichen Mitteilungen aus den Jahren 1892 bis 1972. Sehr viele davon sind unfreiwillig so komisch, dass die Wiedergabe auf mehrere SP-Folgen verteilt werden muss. 
 
Beginnen wir mit einem durch amtliche Stempel bestätigten Leumundszeugnis vom 26. 5. 1928. "Der Heinrich Linse ist seiner Bildung entsprechend ein dummer Mensch. Mütterlicherseits ist ihm nichts nachzusagen, väterlicherseits aber säuft er. Leumund hat er fast gar keinen mehr. Er macht zunächst einen ungünstigen Eindruck, verliert aber bei näherer Bekanntschaft." 
 
Auch in früheren Zeiten gab es schon "Onkel Max"-Rubriken, in denen Zeitungsleser sich die Welt erklären lassen konnten. Ludwig Braus, Hierselbst, Märzgasse 12, schrieb am 29. 1. 1908 an die "Neuesten Nachrichten, Abteilung Briefkasten": "Habe eine Wette gemacht. Frage an: Wie heißt unser Deutscher Kaiser mit Nachnamen, heißt er Rex? Hoffentlich habe ich die Wette gewonnen!" Die Antwort wird ihn enttäuscht haben: "Nein! Der volle Titel lautet Wilhelm II. (von Hohenzollern), Kaiser von Deutschland und König von Preußen. Die Bezeichnung rex bedeutet König (von Preußen), was im obigen Titel enthalten ist." Herr Braus konnte nach verlorener Wette wohl nicht in Saus und Braus leben.
  
Nicht Graf Dracula, sondern Ida Großmann schrieb am 16. 12. 1911 an den Wiesbadener Notar Karl-Heinz Boor: "Sehr geehrter Herr Notar! Bitte machen Sie folgenden Zusatz zu meinem Testament: Ich mag nichts wissen von der Neuheit der Leichenverbrennung. Ich will einmal begraben sein, wie ich's von Kindheit an gewohnt bin." 
 
Nun wird's knifflig. Wegen komplizierter Verwandschafts-Verhältnisse bat Markus Pfeiffer, Sandgasse 12, um geistlichen Beistand: 
 
"Sehr geehrter Herr Pfarrer! Wie Sie wissen, habe ich eine Witwe geheiratet, mit einer zwanzigjährigen Tochter. Die hat dann mein Vater geheiratet. Mein Vater wurde also mein Schwiegersohn, meine Stieftochter meine Mutter. Als meine Frau den Jungen kriegte, war das der Schwager meines Vaters und gleichzeitig  mein Enkel (als Bruder meiner Stiefmutter). Nun hat meine Stiefmutter, die ja zugleich meine Stieftochter ist, vorgestern ebenfalls einen Jungen bekommen, und der ist nun also sowohl mein Bruder als auch mein Enkel! 
 
Ich selbst aber bin der Mann meiner Frau und ihr Enkel (als Sohn ihres Schwiegersohnes). Meine Frau ist meine Großmutter (als die Mutter meiner Stiefmutter). Und da der Mann meiner Großmutter mein Großvater ist, bin ich nun mein eigener Großvater. Bitte, wann kann ich einmal bei Ihnen vorbeikommen? Postkarte genügt." 
 
Da kann man nur sagen: Augen auf bei der Partnerwahl! Ebenfalls zu diesem Thema schließe ich mit einem der schönsten Heiratsanträge, den ich je gelesen habe: "Hochzuverehrendes Fräulein, ich liebe Sie ganz ungeheuer! Sie sind meine Göttin! Würden Sie mir gestatten, den Buchstaben "ö" in ein "a" umzuwandeln? Ihr getreuer Sigismund" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 254 vom 29. 12. 21 

Willkommen, liebe Studierende, zur zweiten Vorlesung an der Schmunzelpost-Fernuniversität für zusätzliches Wissen. Wie wichtig ein geschärftes Denkvermögen ist, habe ich gerade am eigenen Leib beim Aufwärmtraining erfahren. Diesmal haben mich beim Kreuzworträtsel die Fragesteller reingelegt.
 
 Gesucht wurden "Rennende" mit vier Buchstaben. Läufer? Nee. Jogger? Sprinter? Passt alles nicht. Erst recht verwirrte mich, dass sich ein Z als erster Buchstabe ergab. Wisst Ihr die Lösung? Oder habt Ihr den Donnerhall gehört, als ich mir die flache Hand gegen die Denkerstirn geklatscht habe? Seht Euch das Fragewort noch einmal genau an. Jawohl, gemeint ist das "Renn-Ende", also das Ziel.
 
Damit Ihr nicht genauso vernagelt seid wie ich, ist es nun mein Ziel, Eure grauen Zellen auf Trab zu bringen. Habt Ihr Eure Hausaufgaben gemacht und die Bedeutung der DIN-Vorschriften 1 bis 68873 auswendig gelernt? Wollen wir doch mal sehen: Was regelt DIN-Vorschrift 33 871? Wie, da kommt Ihr nicht drauf? Das ist die Norm zur Aufbereitung von Tonermodulen für Laserdrucker. Na, ich sehe schon, Vorschriften sind nicht Euer Ding, dann beschäftigen wir uns heute mit etwas Leichterem
 
Wo wir schon beim Thema Laser sind: Wozu dient die Laserkanone, die der Norweger Ebsen Beck erfunden hat? Zum Entlausen von Lachsen? Zur Abschreckung von Haien? Oder zur Entsalzung von Meerwasser? Kleiner Tipp: Das erforderliche Gerät ist so groß wie ein Kühlschrank. Und das Patent wurde im Jahr 2010 angemeldet.
 
Auf diese praktische Erfindung hatte die Welt schon lange gewartet. Diese Laserkanone sollte in keiner Küche fehlen. Man kann damit Lachse entlausen. Und zwar mit unglaublicher Präzision. Der Unterwasser-Roboter schafft es innerhalb von nur sieben Millisekunden eine nur 15 Millimeter große Seelaus zu erkennen, die es sich auf dem Fisch gemütlich gemacht hat. Sofort berechnet der Computer den Weg des Lachses und richtet seine Spiegel so aus, dass ein starker grüner Laserstrahl die Laus todsicher eliminiert. Krieg der Sterne unter Wasser! Dem Lachs passiert übrigens nichts, weil seine Schuppen den Strahl reflektieren.
 
So etwas hat ein Autodidakt ganz allein entwickelt! Und welche Ausreden habt Ihr, dass Ihr Eure Jahre sinnlos vertrödelt und Euch nicht mit einer durchschlagenden Idee bei "Jugend forscht" beteiligt habt? Na ja, es ist löblich, dass Ihr zumindest im Alter etwas lernt. Deshalb schnell zur nächsten Lektion.
 
Das Thema Sex weckt garantiert Eure Wissensbegierde. Aber könnt Ihr mit Eurem umfassenden Fachwissen auch die Frage beantworten, was beim Liebesspiel von Glühwürmchen geschieht? Erlischt dabei ihr Licht? Bringen Männchen die Weibchen zum Leuchten? Oder entsteht kurzfristig eine Helligkeit von 500 Lumen?
 
Für alle männlichen Experten, die sich für die zweite Antwortmöglichkeit entschieden haben: Schämt Euch, Ihr eingebildeten Säcke! Richtig ist natürlich Antwort eins. In der Natur hat alles einen Sinn. Und vorrangig ist die Erhaltung der Art. Also sammeln bereits die Larven der Leuchtkäfer Energie für die Paarungszeit. Je heller die Weibchen dann mit ihrem Hinterteil leuchten, desto größer ist ihre Chance einen Partner zu ergattern. Nach geglückter Paarung stirbt das Männchen sofort. Das Weibchen löscht das Licht aus und hat noch ein paar Tage Zeit, die Eier abzulegen. Dann gibt auch sie endgültig den Löffel ab. Eine Liebesgeschichte mit traurigem Ende, fast so tragisch, wie die von Romeo und Julia.
 
Aber so geht es nun einmal zu in der Natur. Ein spektakuläres Erstrahlen als Zeichen des Todeskampfes gibt es auch ein paar Nummern größer. So wird unsere Sonne, nachdem sie Milliarden Jahre ihre Pflicht getan hat, sich zu einer Supernova aufblähen und ihr Licht in den Kosmos entsenden. Danach fällt sie in sich zusammen und glimmt bestenfalls als weißer Zwerg noch ein paar Millionen Jährchen weiter. So lange müsst Ihr nicht auf die nächste Schmunzelpost warten. Bis die Tage und
 
Glückauf
kdk
 
PS. Einen Nachtrag von Lisa gab es zum Hohelied auf den Esel. Ein Zitat von Papst Johannes XXIII: „Wo die Pferde versagen, schaffen es die Esel“. 

 

 Schmunzelpost 253 vom 28. 12. 21

Willkommen zwischen den Jahren! Weihnachten, diese Mischung aus Freude und Stress, liegt hinter uns, bis zum Start ins Neue Jahr fehlen noch ein paar Tage. Viele Geschäfte, Betriebe und Behörden haben geschlossen. Und wir Rentner können unsere Zeit ohnehin meist selbst gestalten. Daher wollen wir heute beginnen, die Wartezeit auf 2022 sinnvoll zu überbrücken. Willkommen in der Schmunzelpost-Fernuniversität für zusätzliches Wissen! 
 
Bei uns ist bekanntlich fast alles genormt und geregelt. So gibt es zum Beispiel mehr als 68 800 DIN-Vorschriften. Statt systematisch mit DIN 00 001 anzufangen, rollen wir das Feld lieber von hinten auf. Was wird durch DIN 68 871 geregelt? Sind 100 Jahre das Alter, in dem ein Möbelstück als antik gilt? Muss nach 100 Jahren Betrieb in einem Gebäude der Fahrstuhl ausgetauscht werden? Oder hat nach 100 Jahren ein Kastanienbaum im Garten Bestandschutz und darf nicht mehr gefällt werden? Na? 
 
Kommen wir nun zur DIN 68 872. Keine Angst, war nur Quatsch. Wechseln wir stattdessen zur Baugeschichte. Auch da dürft Ihr knobeln und aus drei Antworten die richtige heraussuchen. Es geht um die Lincoln-Kathedrale in England. War die der erste Kirchenbau, deren Orgel auch mit schwarzen Tasten ausgerüstet gewesen ist? Löste sie um 1300 die Cheopspyramide als höchstes Bauwerk der Welt ab? Oder wurde sie aus Versehen mit einem zusätzlichen Turm erbaut? Denkt mal drüber nach. 
 
Bevor ich die Kathedralen-Frage löse, zurück zur DIN 68 871. Antiquitäten-Händler versuchen ihren Kunden gern für viel Geld vermeintlich alte Möbel unterzujubeln. Daher ist als Deutsche Industrie-Norm festgesetzt, dass antike Möbel mindestens 100 Jahre auf dem Kerbholz haben müssen und durch nachträgliche Restauration nicht wesentlich verändert sein dürfen. Falls der Ausdruck "im antiken Stil" verwendet wird: Vorsicht, Falle! 
 
Dass die ca. 2600 Jahre vor Chr. errichtete Cheops-Pyramide mal 146 Meter und 59 Zentimeter hoch war, weiß natürlich jedes Kind. Aber als die Normannen 1067 England eroberten, hatten sie hochfliegende Pläne und begannen mit dem Bau der Lincoln-Kathedrale. Der dauerte nicht ganz so lang wie die Errichtung des Kölner Doms. Bereits 1311 war der Turmhelm fertig und übertraf mit 160 m Höhe alles bisher Dagewesene. Erst 1549 zerstörte ein Sturm den Helm, und damit war für die nächsten hundert Jahre die Marienkirche in Stralsund das höchste Bauwerk der Welt. 
 
So, bevor jetzt jemand mault, das sei langweilig: Wer sich ohne Stress und Aufregung mit derartigen Fragen beschäftigt, schont den Körper und schult den Geist. Damit wachsen Eure Chancen beträchtlich, 100 Jahre alt zu werden. Und nach DIN 68 873 dürft Ihr Euch dann antik nennen! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 252 vom 27. 12. 21

Gerade noch rechtzeitig sind die Weihnachtstage vorbei. Sonst hätte ich größeren geistigen Schaden genommen. Viel zu lange lief das schon so: Du gehst durch eine Einkaufsstraße oder in ein Kaufhaus - es ertönt "Süßer die Kassen nie klingen". Du öffnest einen Briefumschlag und klappst die Grußkarte auf - und "Jingle Bells" lassen Deine Ohren klingeln. Du stellst das Radio an - aber nix "Stille Nacht", viel zu laut erschallt "White Christmas".
 
Meine Weihnachtslied-Allergie hat auch viel damit zu tun, dass ich mir grundsätzlich kein Musikstück zweimal nacheinander anhöre. Akustische Wiederholungen sind für mich ätzend. Das hat etwas mit einem jugendlichen Trauma zu tun. Im zarten Alter von 17 Jahren arbeitete ich für die Sparkasse Lünen. Und deren Vorstand hatte zu Beginn der 70er Jahre eine Spitzenidee. Zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Personals und der Laune der Kunden wurde die Schalterhalle der Hauptstelle mit "Fumu" beschallt.
 
"Fumu" bedeutet nicht etwa furchtbare Musik, wie man mit Fug und Recht annehmen dürfte. "Fumu" steht für funktionale Musik. Das ist eine Klangsülze, in der Schlagzeug und Rhythmusinstrumente grundsätzlich weggelassen wurden, in der es keinen Gesang und keine Soli gab. Es blieb der Einheitssound aus Streichern und Orgeln. Das sollte sich positiv auf den Herzschlag auswirken. Bei mir trieb es den Puls regelmäßig nach oben.
 
Besonders erschwerend kam hinzu, dass man nur ein einziges Zweistunden-Endlos-Band erstanden hatte - es heißt nicht von ungefähr Sparkasse. Für Kunden mag das noch auszuhalten gewesen sein, für uns Angestellte, die genau wussten, welcher Tonbrei als Nächstes in unsere Gehörgänge kriechen und an unseren Nerven knabbern würde, war es die Hölle. Nur auf der Toilette herrschte Ruhe. Vermutlich wurde die Fumu wegen des Ansturms auf die WC-Anlagen nach einem Jahr wieder abgeschafft. Für mich leider zu spät - ich hatte meinen Knacks weg. 
 
Von da an hasste ich es, wenn meine Lieblingslieder als leises Hintergrund-Gedudel kastriert wurden. Automatische Rotationssysteme im Radio, nach denen populäre Hits rund um die Uhr immer wieder über den Sender gehen, verabscheue ich. Und von Parties, bei denen die Favoriten der Gastgeber Ringelreihen auf dem Plattenteller spielten, sah man mich schneller flüchten als ich gekommen war. 
 
Das liegt daran, dass ich Musik liebe. Vor allem Rockmusik, Folk und Blues, aber im Laufe der Jahre sind Klassik, Jazz und Stücke aus aller Frauen Länder gleichberechtigt hinzugekommen. Ich höre kaum noch Radio, sondern lieber selbst zusammen gestellte USB-Sticks, die nach dem Prinzip "Wundertüte" funktionieren. Auf die Doors kann Johann Sebastian Bach folgen, bevor Diana Krall eine Jazz-Ballade zu Gehör bringt, nach John Lee Hooker erklingt eine Degenhardt-Moritat. Mittlerweile habe ich Tonkonserven mit mehr als zehntausend Titeln, von denen ich mich gern überraschen lasse.
 
Im Lauf der Jahre habe ich dazugelernt. In den Jugendjahren konnte der Musikgeschmack entscheidend dafür sein, wer als Freund oder sympathischer Mensch akzeptiert wurde. Als sich mein musikalischer Horizont im Lauf der Zeit erweiterte, wuchs auch meine Toleranz für Leute, die andere Musik als ich bevorzugten. Nur Musikanten-Stadl, besonders dumpfe Schlager und Techno-Gedröhn blieben auf meiner schwarzen Liste.  
 
Habe ich ein Lieblingsstück? So eines, bei dessen ersten Takten sich sofort die Nackenhaare aufstellen? Vielleicht "Paint it black" von den Stones. Aber die Anzahl meiner Favoriten ist so groß und die Vorlieben wechseln so oft je nach Stimmung, dass ich mich nicht zwischen "All along the Watchtower" in der Version von Jimi Hendrix und der akustischen Fassung von Werner Lämmerhirt entscheiden kann. 
 
Als ungläubiger Geselle bezweifle ich, dass die Hölle tatsächlich existiert. Sollte ich mich irren, dann werden die armen Seelen dort bestimmt mit "Fumu" zur Weißglut getrieben. Falls es mich eines Tages erwischt und Satan mich zu sich holt, dann hoffe ich, dass er mir wenigstens meinen letzten Wunsch erfüllt: Bevor ich mich grillen lasse, möchte ich gern noch einmal "Sympathie for the devil" hören.  
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 251 vom 26. 12. 21

Heute, da erzähle ich Euch vermutlich nichts Neues, ist der zweite Weihnachtstag. Das ist ein Datum, das mich zu meiner aktiven Zeit als Journalist meist mit Grauen erfüllte. Zumindest, wenn ich Redaktionsdienst hatte. Denn über Weihnachten passiert, außer ein paar Christbaumbränden, kaum etwas, über das ein Lokaljournalist berichten könnte. Ohne vorbereitete Geschichten war man aufgeschmissen. Und höchst dankbar für jede aktuelle Nachricht. 
 
Im Ruhestand kam ich jetzt auf eine Idee, die meine Themensuche erleichtert hätte. Glaubte ich zumindest. Jeder Tag des Jahres ist gleichzeitig als Aktions- oder Gedenktag ausgewiesen, meist doppelt, dreifach oder sogar fünffach. Aber über Weihnachten: Nichts! Null! Nada! 
 
Der letzte Aktionstag war der Weltorgasmus-Tag am 22. Dezember. Von dem hatte ich vorher noch nie etwas gehört und habe mir gleich einen Eintrag in meinem neuen Kalender für das nächste Jahr gemacht, um ihn angemessen zu begehen. Doch der nächste offizielle Aktions- und Gedenktag ist erst am 29. Dezember. Und das bedarf einiger Erklärungen. 
 
Der 29. Dezember ist, ohne Scheiß, der Welt-Scheißtag. Das hat mich erstaunt. Bisher war ein Scheißtag für mich einer, an dem alles schief geht. So eine Art Freitag, der 13., für Nichtabergläubische. Doch den "Scheißtag" gibt es wirklich schon länger. Und das hat Gründe. 
 
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten Knechte und Mägde ihren Dienstherren 24 Stunden am Tag zur Verfügung zu stehen. Jedenfalls bis zum Ablauf des Dienstjahres. Ärger gab es regelmäßig wegen der Zeit, die Bedienstete auf dem stillen Örtchen zubrachten. Womöglich nicht ganz zu Unrecht vermuteten die Dienstherren, dass mancheiner sich dort gern eine längere Pause gönnte. 
 
Also nahmen jene, die das Sagen hatten, für sich das Recht in Anspruch, einen Ausgleich einzufordern. Wenn jeder Bedienstete am Tag zur Entleerung seines Darms knapp vier Minuten braucht, so die Rechnung, kam dafür im Jahr ein ganzer Tag zusammen. Und der musste nach Ablauf des Dienstjahres nachgearbeitet werden. Am 29. Dezember. Für die Betroffenen also wortwörtlich ein Scheißtag! 
 
Übrigens hat uns diese Rechnung noch einen weiteren Begriff besteht. Wer zur Darmentleerung nur vier Minuten zur Verfügung hat, der benötigt reichlich Zunder. So entstand die Bezeichnung "Donnerbalken". Gebt zu, so etwas erfahrt Ihr nur durch die Schmunzelpost! 
 
Ich wünsche Euch abgesehen vom 29. Dezember für 2022 ein komplettes Jahr ganz ohne Scheißtage. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 250 vom 25. 12. 21 

Wenden wir uns zur Feier des Tages einem Protagonisten zu, der hauptsächlich in der Weihnachtszeit ins Scheinwerferlicht rückt. Nein, ich meine nicht das Jesuskind, auch nicht Maria und Josef. Ich meine den Esel, der gemeinsam mit seinem Kumpel, dem Ochsen, in keiner anständigen Krippe fehlen darf. 
 
Wie Ihr seit der Schmunzelpost über das Schaf wisst, haben sträflich unterschätzte, übel beleumdete Kreaturen meine volle Sympathie. Der dumme Esel, der störrische Stehenbleiber taugt für viele nur als Schimpfwort. Schon der Maler Carl Gustav Carus sah in den großen Ohren mancher Tiere, neben dem Esel ist auch der Hase betroffen, ein "Zeichen geringer geistiger Energie." Theodor Lessing, Kulturkritiker in der Weimarer Republik, unterstellte Kaninchen und Eseln gleichermaßen wegen ihrer langen Ohren eine "blumige Doofheit". Entschiedenster Langohrverächter war Friedrich Nietzsche. Aber der hat öfter Unsinn geredet ("wenn Du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht"). 
 
Gerade die Eselsohren (natürlich nicht die umgeknickten Buchseiten) sind ein Wunder der Natur. Sie sind dreh- und schwenkbar und können auch einzeln rotieren. Sein sehr gutes Gehör ermöglicht dem Esel, die Umgebung sorgfältig nach Anzeichen für Feind und Freund zu sondieren. Er ist aber auch in der Lage,  mit ihnen seine Stimmung anzuzeigen. Er vermag sie nach Belieben spielen oder hängen zu lassen, er kann sie abknicken, drehen oder stellen. Esel im übertragenen Sinne sind eher wir, falls wir das nicht richtig interpretieren. 
 
 Überhaupt sind wir ohrmäßig den Eseln deutlich überlegen. Wir können allenfalls mit unseren Löffeln ein wenig wackeln. Mehr ist nicht drin. So haben wir Menschen niemals fliegen gelernt. Der Esel tut das allerdings auch nicht, er hat begriffen, dass er kein Vogel ist. Denn er ist ja nicht blöd. 
 
Feige ist er auch nicht. Während das Pferd in Stress- oder Gefahrenmomenten sofort türmt, bleibt der Esel starr stehen. Und nicht nur das. Bereits zoologische Schriften aus der Antike berichten darüber, dass Esel mit Huftritten und Bissen Wölfe und sogar Bären in die Flucht geschlagen haben. 
 
Leider waren die Esel zu leichtgläubig. Vor etwa 5000 Jahren, nach Hund, Schaf und Rind, aber vor Pferd und Kamel, ließen sie sich vom Menschen domestizieren. Undank war ihr Lohn. Sie wurden fortan zu den stupidesten und härtesten Arbeiten verdammt. Da half es nichts, dass der Legende nach Jesus auf dem Rücken eines Esels in Jerusalem einritt. 
 
Was können wir nun an praktischen Ratschlägen aus dem SP-Eselkapitel mitnehmen? Zunächst einmal etwas für vergessliche Kreuzworträtselfreunde. Wenn Ihr bei der Frage nach der Lautäußerung eines Esels "IAH" einsetzt, seid Ihr auf der sicheren Seite. Zum zweiten ein Ratschlag für alle, die in einer Sackgasse des Lebens stecken und überlegen, ob sie 2022 etwas Neues wagen sollen. Ihnen sei der weise Spruch des Esels aus den Bremer Stadtmusikanten ans Herz gelegt: "Etwas Besseres als den Tod finden wir überall." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 249 vom 24. 12. 21 

Starten wir mal mit einer auf den ersten Blick leicht zu beantwortenden Frage: Welchen Tag feierten hierzulande vor 1000 Jahren die Christen, indem sie am 24. 12. einen grünen Baum ins Haus holten? Falsch! Der 24. Dezember galt früher nach dem Heiligenkalender als der Tag von Adam und Eva! Und mit der Aufstellung eines Paradiesbaumes sollte an die Vertreibung aus dem Garten Eden erinnert werden. 
 
Warum ausgerechnet ein grüner Baum? Damit griffen die Christen einen Brauch der alten Ägypter auf, für die immergrüne Bäume ein Symbol des ewigen Lebens waren, weshalb die Pharaonen sich gern mit Kränzen und Girlanden schmückten. Die Römer zierten ihre Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeerzweigen. Und auch weiter nördlich standen Tannenzweige am Haus im Winter hoch im Kurs. Sie sollten böse Geister fernhalten und gleichzeitig durch ihr Grün die Hoffnung auf den Frühling ausdrücken. 
 
Im deutschsprachigen Raum setzte sich erst vor rund 500 Jahren zögernd der Brauch durch, den Heiligen Abend vor Weihnachten besonders zu begehen. So ging das Jahr 1492 in die Geschichte ein. Kolumbus entdeckte Amerika? Mag sein. Vor allem aber wird der Kauf von Tannen für die Kirchen der Stadt Straßburg erstmals urkundlich erwähnt. Diese Sitte verbreitete sich allmählich erst im Südwesten und dann nach und nach in den anderen deutschen Regionen. 
 
1605 begann man damit, die Bäume mit Zierwerk, Zucker und Äpfeln zu dekorieren, 1611 war es die Herzogin Dorothea Sybille von Schlesien, die erstmals einen Weihnachtsbaum mit Kerzenlicht erleuchtete. Manche Feuerwehrleute sind ihr deshalb noch heute böse. 
 
Denn im 18. Jahrhundert zogen Weihnachtsbäume nach Kirchen und Palästen auch in die Wohnstuben der Bürger ein. Wer hat das wohl als erster literarisch verarbeitet? Richtig! Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1774. E.T.A. Hoffmann rückte dann den geschmückten Baum 1816 ins Zentrum seiner Erzählung "Nussknacker und Mausekönig". 
 
Von nun an war der weltweite Siegeszug des Weihnachtsbaumes nicht mehr aufzuhalten. Wo Christen leben, blitzt es jetzt allüberall von den Tannenspitzen und mitunter selbst dort, wo andere Religionen dominieren, wie etwa in Japan. So steht heute der größte deutsche Nadelwald mit rund 30 Millionen Bäumchen in unseren Wohnzimmern. 
 
Eigentlich ist seine Zeit vom 24. Dezember bis zum 6. Januar (evangelische Kirche) oder Mariä Lichtmess (katholische Kirche) exakt begrenzt, doch die meisten halten sich nicht mehr daran. Immer häufiger schimmert es bereits in der Adventszeit verdächtig aus den Wohnstuben. Und eine gewisse Familie Böll soll selbst im Sommer noch "Oh Tannenbaum" anstimmen. 
 
Noch ein paar Superlative: Der höchste "lebende" Weihnachtsbaum Deutschlands stand 2018 im Dorf Eichsel, das im Badischen zu finden ist. Der Mammutbaum war fast 37 m hoch und wurde mit 13 000 LED-Lämpchen geschmückt. Die Amerikaner können das natürlich besser. Ihr größter weihnachtlich dekorierter Nadelbaum war eine Douglasie in Seattle, die es auf stolze 67,4 m brachte. 
 
 Doch dann klauten die Australier den Rekord. Sie richteten 1999 auf Tasmanien einen 80 m hohen Eukalyptus-Riesen als "größten Weihnachtsbaum aller Zeiten" her. Es würde mich sehr interessieren, ob der Baum auch einen Beutel hatte. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. "Früher war mehr Lametta". Der Loriot-Spruch gilt im Hause Fischer/Krause. Wir verzichten komplett auf einen Weihnachtsbaum. Dafür hängt an unserem Fenster ein Lichter-Stern. Er leuchtet voller Hoffnung, dass Ihr alle schöne und unbeschwerte Weihnachtstage erlebt!   

 

 Schmunzelpost 248 vom 23. 12. 21

Ein morgendlicher Blick aus dem Fenster verrät: Die Nacht war frostig. Bis auf minus fünf Grad ist die Quecksilbersäule unseres Thermometers abgerutscht. Der Winter beginnt tatsächlich pünktlich, selbst Weihnachten soll wie geplant am 25. und 26. Dezember über die Bühne gehen. 
 
In Sachen Pünktlichkeit könnte sich die Deutsche Bahn daran mal ein Beispiel nehmen. Hieß es früher großspurig: "Alle reden vom Wetter. Wir nicht!", so hat sich das inzwischen gewaltig geändert. Manchmal habe ich das Gefühl, es genügt, wenn ein Streckenwärter in der DB-Zentrale anruft und mitteilt: "Ich glaube, ich habe gerade eine Schneeflocke gesichtet." Prompt geht die Weisung an alle Zuständigen heraus, eine vorbereitete Lautsprecherdurchsage zu starten: "Wegen des unverhofften Wintereinbruchs können sich alle nachfolgenden Züge verspäten!" 
 
Doch einen richtig strengen Winter sollten selbst Fußgänger nicht unterschätzen. Überall können dann Gefahren lauern. Man kann mit der Zunge an Laternenmasten festfrieren, wenn man sie auf dem Heimweg von der Kneipe küsst, weil man sie mit seiner Frau verwechselt hat. Man kann auch auf dem Rückweg erfrieren, falls man sich nach dem Genuss von reichlich Glühwein zu sehr auf dessen Frostschutzanteil verlässt. Oder man kann von herabstürzenden Eiszapfen erschlagen werden. 
 
Die Dinger sind nämlich wirklich gefährlich. Sie können mehrere Kilo wiegen, und je nachdem, aus welcher Höhe sie sich auf ihr Opfer stürzen, erzielen sie durchschlagende Wirkung. In Russland sterben jedes Jahr mehr als 100 Menschen durch herabfallende Eiszapfen. Mitunter erreichen sie auch bei uns eine enorme Länge. "TV Oberfranken" stellte seinen Zuschauern die hoch originelle Frage "Wer hat den Längsten?". Der Rekordhalter unter den oberfränkischen Eiszapfen kam auf vier Meter. Übertroffen wurde er noch durch einen Monster-Eiszapfen in der Kläranlage im niedersächsischen Dissen, der es auf 4,50 m brachte. Mag sein, dass es im Himalaya, in der Antarktis oder auf den Jupitermonden noch längere gibt, im Netz ist mir jedoch nichts Größeres untergekommen.
 
Wo wir schon bei Rekorden sind: Die höchste Schneedecke in Deutschland wurde am 2. April 1944 auf der Zugspitze gemessen - stolze 8,30 m. Und die kälteste Nacht seit Beginn der Messungen registrierte man hierzulande mit minus 37,8 Grad am 12. Februar 1929 im oberbayerischen Hüll. Das ist gar nichts gegen die 89,2 Grad, die in der Antarktis verzeichnet wurden. Den kältesten deutschen Winter mit Mittelwerten von minus 5,5 Grad gab es 1962/63, den mildesten mit plus 4,4 Grad 2006/07. 
 
Egal, ob eiskalt und schneereich oder nass und trübe, die dunkle Jahreszeit ist meine unbeliebteste. Lange habe ich davon geträumt, dem Beispiel von Bären, Igeln und Fledermäusen zu folgen und mich zu einem ausgedehnten Winterschlaf zurückzuziehen, bis es wieder heller und freundlicher wird. Siebenschläfer bringen es auf bis zu sieben Monate, daher ihr Name. Es gibt aber noch Steigerungspotenzial: Mit zusätzlichen Fettreserven schafften Haselmäuse unter Laborbedingungen sogar 14 Monate. 
 
Trotzdem habe ich von Schlafexperimenten Abstand genommen. Bei Forschungen mit Zieseln hat man nämlich festgestellt, dass alles zuvor Erlernte durch die lange Schlafphase ausradiert wurde. Zum einen möchte ich nicht so viel Lebenszeit verpennen. Zum anderen will ich Euch nicht zumuten, erst sieben Monate lang auf die Schmunzelpost verzichten zu müssen, bevor sie mit den Aufzeichnungen eines ABC-Schützen neu startet: Klaus ist noch gans schlaffrich und mus schrei ben  lehrnen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 247 vom 22. 12. 21

Ein Blick auf den Kalender verrät: Weihnachten rückt immer näher! Höchste Zeit, Vorbereitungen zu treffen, wenn mal von der üblichen Christfest-Routine abgewichen werden soll. Wie wäre es mit einem internationalen Weihnachtsfest? Ich habe mich dazu nach besonderen Bräuchen umgeschaut, die in anderen Ländern gepflegt werden.
 
So haben die Iren zum Christfest eine Angewohnheit, die bei uns von einigen wenigen Abgehärteten am Neujahrstag praktiziert wird: Sie gehen draußen schwimmen und zwar in Seen oder im Meer. Süßer die Zähne nie klappern!
 
Wen schon der Gedanke ans Weihnachtsschwimmen erschaudern lässt, der sollte über eine schwedische Sitte nachdenken. Zum Christfest gönnen es die Schweden nämlich ihrem Nationaltier, dem Elch, ganz in Ruhe mit seiner Familie im Wald zu feiern. Sie befassen sich dann mit einem anderen Tier: Dem Ziegenbock! Der wird in überbockiger Größe aus Stroh nachgebaut und auf öffentlichen Plätzen ausgestellt. Und den Weihnachtsbaum schmücken lauter niedliche kleine Ziegenböckchen.
 
Auch das schwedische Fernsehen pflegt eine Tradition. Während bei uns "Drei Aschenbrödel kriegen was auf die Nuss" gezeigt wird, läuft weiter nördlich zu Weihnachten regelmäßig Donald Duck. Glückliche Schweden!
 
Bei ihren skandinavischen Nachbarn, den Finnen, geht Weihnachten durch den Magen. Hierzulande lassen sich viele Heiligabend Kartoffelsalat mit Bockwurst schmecken (so erfüllen nach einem Jahr noch die letzten schwedischen Ziegenböcke einen nahrhaften Zweck), die Finnen dagegen bevorzugen süßen Reis-Porridge mit reichlich Zimt und Rosinen. Freunde herzhafter Kost sollten sich eher die Brasilianer zum Vorbild nehmen. Wer es sich leisten kann, bringt dort zum Fest Truthahnbraten auf den Tisch.
 
Die Phillippinen stehen mehr auf Augenschmaus. Dort hat Weihnachten das "Giant Lantern Festival" eine lange Tradition. Bis zu sieben Meter große kunstvolle Weihnachtslaternen erwärmen dabei die Herzen der Betrachter. In Venezuelas Hauptstadt Caracas hat dagegen das Weihnachtsfest eine sportliche Note. Dort fährt man nicht mit dem Auto zur Weihnachtsmesse. Es werden eigens Straßen gesperrt, damit (kein Quatsch!) Tausende von Inlineskatern zum Gottesdienst rollen können.  
 
Blicken wir nun nach Spanien. Nein, falsch, es muss heißen nach Katalonien. Sonst kriegen wir eine Menge Ärger. Katalonische Kinder bemalen vor Weihnachten einen Baumstamm, bedecken ihn Heiligabend mit einem Tuch und klopfen auf Holz. Das soll die Verdauung des Baumstamms anregen. Und es funktioniert. Zu Weihnachten finden die Kleinen dann unter dem Tuch Süßigkeiten und Geschenke.
 
Zum Schluss geht die Reise nach Russland. Dort wird das orthodoxe Weihnachtsfest ja auch erst später gefeiert, am 6. und 7. Januar. Und dazu gibt es einen ganz besonderen Brauch, von dem Single-Frauen profitieren sollen. Ab dem 6. Januar können sie 14 Tage lang am Telefon angeblich nach dem Zufallsprinzip irgendwelche Zahlen eintippen. Hebt am anderen Ende ein Mann den Hörer ab, gilt er als zukünftiger Ehegatte. 
 
Also, Obacht! Wenn ab dem 6. Januar das Telefon klingelt und die ersten fünf Ziffern im Display sind 81049, dann sollte man(n) gründlich nachdenken, ob er den Anruf entgegennimmt. Sonst fängt das Neue Jahr gut an!
 
Pojechali!
kdk
 
PS. Ihr erinnert Euch an den zum Tode verurteilten Duke, der sich in der letzten Schmunzelpost die Art der Hinrichtung selbst aussuchen durfte? Martin hatte für ihn nachträglich den rettenden Einfall. Auf die Frage, wie er sterben wolle, hätte der Deliquent antworten sollen: "An Altersschwäche!" Bleibt nur die Frage, ob seine Henker die erforderliche Geduld aufgebracht hätten. 

Schmunzelpost 246 vom 21. 12. 21

Schadenfreude ist die schönste Freude! So heißt es zumindest. Und bevor wir uns zu Weihnachten auf Drängen der Geistlichen in der Kirche zu Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Herzensgüte verpflichten, nutze ich heute noch einmal die Gelegenheit, damit sich unsere niederen Instinkte austoben dürfen. Diesmal geht es um Unfälle, die tödlich endeten. Makaber? Nein, historisch verbürgt! 
 
Blicken wir zurück ins Jahr 620 vor Christi Geburt. Damals lebte in Athen ein gewisser Drakon, der sich durch eine Gesetzesreform auszeichnete. Wahrscheinlich sind die "drakonischen Strafen" davon abgeleitet worden. Jedenfalls hätte Drakon besser bei juristischen Texten bleiben sollen. Er schrieb aber auch Dramen. Und entzückte damit das Theaterpublikum in Ägina so sehr, dass die begeisterten Zuschauer völlig aus dem Häuschen waren. Heutzutage fliegen Blumen oder Teddybären auf die Bühne, aber manchmal auch Höschen und BHs. Damals waren es andere Textilien: Mäntel und Hüte! Und zwar ein so großer Berg, dass der arme Drakon darunter erstickte! 
 
Der Philosoph Chrysippos von Soloi war eine Frohnatur. 206 vor Chr. kam er durch übermäßige Heiterkeit zu Tode. Er hatte mit angesehen, wie seine Feigen von einem dreisten Esel gefressen wurden. Darauf wies Chrysippos einen Sklaven an, dem Schleckermaul Wein einzuflößen, damit die Feigen besser rutschten. Über den betrunkenen Esel amüsierte sich der Grieche anschließend so sehr, dass er sich wortwörtlich totlachte. 
 
Tja, Alkohol kann ein Teufelszeug sein, nicht nur für Esel und Philosophen. Nach einem Saufgelage im Jahre 762 war der chinesische Dichter und Höfling Blau-Wien-Veil-Chen, ach nee, Li Bai, derart hackenstramm, dass er versuchte, den Mond zu umarmen. Er bekam jedoch nur dessen Spiegelbild in einem Teich zu fassen und ertrank. 
 
Ein noch beschisseneres Ende fanden 1184 in Erfurt 60 Gäste eines Empfangs von König Heinrich VI. Die illustere Gesellschaft, unter ihnen viele Grafen und andere Adelige, hatte sich im Obergeschoss der Domprobstei versammelt, als unter ihnen der Fußboden nachgab. Dieser Belastung war auch der Boden der nächsten Etage nicht gewachsen und die Unglücksraben landeten in der darunterliegenden Latrinengrube. Wer nicht ertrank oder erstickte, wurde von nachfallenden Steinen oder Balken erschlagen! 
 
Dann lieber so: 1478 wurde George Plantagenet, der Duke von Clarence, zum Tode verurteilt. Als letzte Gnade gewährte man dem Deliquenten, sich die Art seiner Hinrichtung selbst aussuchen zu dürfen. Er bat darum, in einem Fass Wein ertränkt zu werden. Seinem Wunsch wurde entsprochen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 245 vom 20. 12. 21

Gefahren lauern überall. Auch im eigenen Haus. Zwei aus dem SP-Empfängerkreis haben damit in diesem Jahr besonders schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Gestern bin auch ich diesem Club beigetreten: Ich bin ebenfalls die Treppe hinuntergefallen. 
 
Als ich in der ersten Etage am PC saß, sah ich durchs Gartenfenster, dass unser Kater angeprescht kam, als sei der Teufel hinter ihm her. Also bin ich sofort los gesprintet, um ihm die verschlossene Terrassentür zu öffnen. Eine Stufe erwischte ich nicht sauber, glitt aus und nahm alle restlichen auf einen Rutsch. Dank des reflexartigen Griffs zum Handlauf konnte ich aber verhindern, kopfüber die Reise anzutreten und malträtierte so nur Po, Oberschenkel und Unterarme. Es gab reichlich blaue Flecken, im Gegensatz zu den anderen Stufenopfern blieben jedoch Sehnen und Knochen heil. Geflucht habe ich trotzdem, vor allem, als der Kater es vorzog, doch lieber draußen zu bleiben.   
 
Das war der Anlass, mich im Netz nach kuriosen Unfällen umzusehen. Als erstes blieb ich bei einem Gerichtsurteil hängen. Es ging um einen Mann, der sich um seine Katze sorgte! Der arme Kerl hatte seinen Home-Office-PC kurz verlassen, um im Garten nach der Katze zu suchen. Dabei rutschte er auf dem nassen Rasen aus und brach sich den Arm. Der Richter war kein Katzenfreund und erkannte das Unglück nicht als Arbeitsunfall an. 
 
Ein Versicherungsvertreter wollte morgens das Haus verlassen und pfiff auf dem Weg zum Auto kurz nach seinem Hund, um sich wie üblich von ihm zu verabschieden. Der Hund, ich vermute, es war kein Mops oder Dackel, sprang ihn voller Enthusiasmus an und warf sein Herrchen um. Die Folge: Eine üble Knieverletzung. Der Richter war ein Hundefreund und erkannte das Unglück als Arbeitsunfall an. 
 
Ein Verwaltungsbeamter schlief in seinem Dienstzimmer ein, fiel vom Stuhl und brach sich dabei die Nase. Der Richter war selber Beamter, vermutete als Ursache Übermüdung und erkannte das Unglück als Arbeitsunfall an. 
 
Nun zu einem Freizeitunfall. Und wieder traf es einen Katzenbesitzer. Der Mann hatte spontan entschieden, vor dem Duschen schnell ein paar Minuten auf dem Crosstrainer zu absolvieren. Sein Kater Hugo beobachtete das Treiben des Nackten interessiert. Dann entschied er spontan, mitzuspielen, und biss herzhaft in das schlackernde Ding vor seiner Nase. Ein Notarzt musste sich um die delikate Verletzung kümmern. 
 
In Wuppertal blieb einer Frau beim Essen ein Teil des Schnitzels im Halse stecken. Alle Versuche ihres Mannes ihr zu helfen, waren erfolglos. Die Frau drohte zu ersticken. Also bugsierte der Mann sie eilig ins Auto, um zum Arzt zu fahren. Er kam nicht weit. An der Ausfahrt rammte er ein vorfahrtberechtigtes Fahrzeug. Glück im Unglück: Beim Zusammenprall hüpfte der störrische Bissen aus der Luftröhre! 
 
Zum Schluss lässt uns ein Unfall aus Brasilien aufhorchen. Dort schwätzten an einer verkehrsreichen Straße in Sao Paulo mehrere Mütter miteinander. Plötzlich riss sich ein kleines Kind los und sprang auf die Fahrbahn. Ein Lkw-Fahrer konnte gerade noch ausweichen. Er riss das Steuer herum und krachte mit seinem Fahrzeug gegen die Hauswand eines Friseursalons. Durch die Wucht des Aufpralls fiel drinnen ein Hängeschrank herunter. Und Friseurmeister Olavo Mora genau auf den rechten Arm. Sekunden später hielt Mora das Ohr seines Kunden in der Hand. Aua! Da rutsche ich doch lieber nochmal unsere Treppe hinunter... 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 244 vom 19. 12. 21


 

Boah, glaubse! 
 
Getz hab ich mich ewich eisern beherrscht und mit niemand gequatscht. Nich mal mit mich selbs. Abba wat zu viel is, is zuviel! Mich is zwar kein Floh über die Leba gelaufen, abba 'n ganzer Trupp schwatte Schäfkes is mittend drüber getrampelt. Dat warn dann die letzte Dröppkes, weswegen dat Fass am Brunnen zerbrochen is, wie man so treffend sacht. Und deswegen muss der Ärger getz anne frische Luft, bevor ich platz! Da kannze einen drauf lassen, wie mein Vetter Herbert aus Essen-Vogelheim sagen tät. 
 
Worüber ich mich so aufregen tu? Na, lest Ihr keine Zeitung? Ich hab ja gedacht, ddd wär endlich inne Mülltonne vonne Geschichte gelandet. Wer dat ist, ddd? Der doofe Donald, is doch klar. Nein, nich Donald Duck! Wollse Dich auch für die Doofen-Liga bewerben? Ich sprech von dem ollen Trump, der kräftich an sein Kommbäck am Basteln is. Und dat Allerschlimmste: Dat wird klappen! 
 
78 Prozent von die Repa..., die Repuh..., die Rechten in Amerika glauben, dat er bei der letzten Wahl beschissen worden is. 78 Prozent! Die glauben einem Kerl, der so oft lügt, dat Knecht Ruprecht getz mit Bandscheiben-Vorfall inne Klinik liecht. Der Arme sollte zur Bescherung aus dem dicken, schweren Buch vorlesen, in dem alle Trump-Lügen drin stehen. Dat liegt imma noch in Washington, und die Leute wundern sich: Is dat ein Festzelt neben dat Weiße Haus? Und Trump antwortet: "No, that's my book! I have written the greatest book in history of earth! I am the greatest!" 
 
Jau, et gibt auch Amis, die dat ganz anders sehen. Abba diese Demokraten, dat is so ein zerstrittener Haufen, die machen sich selbs fettich! Kein Wunder. Oder habt Ihr mal versucht, die Laberalen und die Linken in eine gemeinsame Zelle zu sperren? Außerdem rümpfen die Demokraten über ddd-Wähler so höhnisch die Nase, dass sie als arrogante Ärsche verschrien sind. 
 
Ich sach ma so: Es fällt selbs mich schwer, Leute für vernunftbegabte Wesen zu halten, von denen mehr als die Hälfte meint, dat es ihr gutes Recht is, eine eigene Flak im Vorgarten zu haben. Obwohl nirgendwo anders schwer bewaffnete Knalltüten so viele Menschen umbringen wie in den USA, werden dort schon Kinder mit Waffen beschenkt. Dat find ich so schockierend, dat ich hochdeutsch rede! Wenn also zu Weihnachten noch wat fehlen tut, dann legen sie ein paar Eierhandgranaten untern Christbaum. Die kann man ja bis Ostern aufheben, falls Oppa dat mit einer Maschinenpistole übertrumpfen tut. 
 
Abba ich werd sargastisch. Dat liecht daran, dat ich bisher dachte, zwischen mich und diese Spinner liecht ein ganzer Ozean. Getz abba veranstalten solche Dumpfbirnen auch hier bei uns Hupkonzerte. Vor die Haustür! In Dorsten! Und diese Verschwörungsfritzen glauben einen Quatsch, der glatt von ddd stammen könnte! Und sie werden immer kiebiger. Als die Bullen, pardon, meine Freunde und Helfer, getz bei einem die Hütte durchsucht haben, fanden sie Mordpläne und Waffen. Na gut, dat war'n bloß Armbrüste. Abba bis Ostern bis zum Care-Paket von Onkel Sam mit die Eierhandgranaten is es nich mehr lang hin. 
 
Siesse! Deshalb sach ich Euch: Corona is gegen dat ddd-Blödheits-Virus nur ein Klacks! Ich geh nich mehr ausset Haus, bevor es kein Schutz geben tut. Der Drosten und der Lauterbach und die Beionteck-Schlauköppe müssen sofort loslegen und eine Puster-Impfung herstellen. Vielleicht können wir noch rechtzeitig 400 Millionen an die Amis liefern, bevor die uns 2024 um Kopf und Kragen wählen. . . 

 
Glückauf 
K.  
 

Schmunzelpost 243 vom 18. 12. 21 

Zu Beginn noch eine Erkenntnis über die alten weißen Männer, die Kreuzworträtsel zusammenbasteln. Sie mögen alt sein, aber sie haben sich eine kindliche Ader bewahrt. Denn sie fragen nicht nur nach dem zweithöchsten Berg von Kirgisistan, sondern auch: Signalton einer Hupe? (Antwort: TUT). Lautäußerung des Esels? (IAH). Kindl. Bez. für Schlaf? (HEIA). kdk-Ärger über solche Fragen? (AUWEIA). 
 
Da beschäftigen wir uns doch lieber mit ernsthaften Themen. Ich ärgere mich nämlich nicht nur über dösige Rätselfragen, sondern auch über Verschwörungstheoretiker, die in größerer Zahl viel Sprit vergeuden und mit ihrem TUT machenden Corso die abendliche Ruhe von Menschen stören, die schon früh HEIA machen möchten. Und wie kann man die Rechtfertigung dieser Esel kurz und bündig zusammen fassen? Kleiner Tipp: Drei Buchstaben, waagerecht. 
 
Solche Leute sind für mich "Zustandsstörer". Dank einer Quizsendung weiß ich, dass diese Menschen polizeilich verfolgt werden können. Als Zustandsstörer werden nämlich Personen bezeichnet, "die durch ihr Handeln oder durch eine Unterlassung von Handeln für Beeinträchtigungen im öffentlichen Raum verantwortlich sind". Die Gesetzgeber hatten da eigentlich an Leute gedacht, die z. B. den Wasserhahn ihrer Badewanne nicht zudrehen und dadurch auch Nachbarwohnungen überschwemmen. In Dorsten werden Zustandsstörer aber leider von der Polizei nicht festgenommen, sondern nur begleitet und sogar über rote Ampeln geleitet - zum Verdruss derjenigen, die im Stau stehen und diesen Zustand störend finden! 
 
Dagegen funktioniert anderswo deutsches Recht sehr gut. Und vor allem lange! So gab es in Bayern einst den Ort Schönstheim. Er umfasste immerhin 300 Hektar, es gab eine Burg und rundherum eine Wohnsiedlung überwiegend aus Bauernhöfen. Doch vor 500 Jahren verließen sämtliche Bewohner wegen kriegerischer Auseinandersetzungen die Ortschaft und kehrten nie mehr zurück. Trotzdem aber wird in Schönstheim regelmäßig ein Bürgermeister gewählt. Es muss ja alles seine Ordnung haben! 
 
Wie kann das klappen? Ganz einfach: Schönstheim besteht heute fast komplett aus Wald. Und es gibt ca. 170 Waldbesitzer, die für ihren Ort sogar einen eigenen Aktenschrank im Rathaus der Nachbarstadt haben. Jedes Jahr im Mai bestimmen nun die Vertreter der Waldbesitzer, wer als Bürgermeister zwölf Monate lang ihre Angelegenheiten (Jagdpacht, Pflegemaßnahmen, Neupflanzungen) regelt. Meine Frage: Müsste es nicht besser "Waldmeister" heißen?
  
Und noch ein konstruktiver Vorschlag. Als Strafe für die verschwörerischen Zustandsstörer schlage ich vor, sie aus Dorsten nach Schönstheim zu verbannen. Dort dürfen sie dann mitten im Wald nach Herzenslust TUTEN! 
 
Glückauf 
Klaus 

 Schmunzelpost 242 vom 17. 12. 21

Hollo! 
 
Wo sonst lost Ohr sowos? Frogo: Folmstor mot zwo Bochstobon? Ontwort: B.? Hoor wor woodor oon wooßor oltor Monn om Work.Wie, das ist olborn? Na gut, dann schreibe ich heute mal wieder über knallharte wissenschaftliche Fakten. 
 
Doch wie Journalisten haben auch Wissenschaftler manchmal einen Schlag schräg. So wie einst die Donaldisten bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die sich einen Sport daraus machten, Neuigkeiten aus Entenhausen in hochseriöse Zeitungstexte zu schmuggeln, haben fünf Forscher eines schwedischen Institutes eine Wette abgeschlossen. Sie lautete: Wer bis zur Pensionierung die meisten Bob-Dylan-Zitate in seinen Arbeiten unterbringt, gewinnt ein Mittagessen. 
 
Inspiriert hatte die Fünf eine Forschungs-Arbeit aus dem Jahr 1997. Sie trug den Titel: "Stickstoffoxyd und Entflammbarkeit: The answer is blowin' in the wind." Daraufhin streuten weitere Wissenschaftler der renommierten Stockholmer Universität Dylan-Zitate in ihre Studien ein. Als die Publikumspresse das Thema aufgriff, nahm man die größte Datenbank für medizinische Schriften gezielt unter die Lupe. Erstaunliches Ergebnis: In 213 Studien wurde das Hohe Lied auf Bob Dylan gesungen. Rekordhalter mit 135 Erwähnungen ist der Song "The Times they are a-changin'". Eines der schönsten Beispiele findet sich in einer Untersuchung über Kreuzblütengewächse. Sie trägt den Titel: "Knockin' on pollen's door". 
 
Fantasie und Realität kommen sich immer näher. Das wissen wir nicht erst, seit die chinesischen Machthaber versuchen, Lehren aus Orwells 1984 zu ziehen und sie erfolgreich umzusetzen. Auch Filme wie "Matrix" könnten Wirklichkeit werden. Zumindest hat Mark Zuckerberg angekündigt, verstärkt daran zu arbeiten, dass sich bald jeder in virtuelle Welten zurückziehen kann. 
 
Dieses Schicksal droht nicht nur uns Menschen, die Tiere hat es bereits ereilt. So haben russische Forscher mit Rindviechern experimentiert, um deren Milchquoten zu steigern. In einer groß angelegten Studie setzten sie den Kühen eines großen landwirtschaftlichen Betriebes in Moskau VR-Brillen auf. Diese Brillen gaukelten den Kühen vor, dass sie sich nicht im Stall befinden, sondern auf einer wunderbaren grünen Wiese. Und siehe da: Die Milchproduktion konnte deutlich gesteigert werden. 
 
Was ergibt sich daraus? Dass die glücklichen Kühe aus Moskau jetzt allesamt milkafarben sind? Nein, das nicht. Aber unbestätigten Gerüchten zu Folge soll Wladimir Putin seine Wissenschaftler beauftragt haben, solche Brillen auch für Menschen zu entwickeln. Mit rund 300 Millionen Exemplaren könnte er dann die Bevölkerung davon überzeugen, dass Russland das Paradies auf Erden ist - keine Potemkinschen Dörfer, aber Putinsche Landschaften... 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 241 vom 16. 12. 21

Nachdem wir uns zuletzt mit kuriosen Namen und Leuten befasst haben, die 2021 von sich reden machten, wird es höchste Zeit für eine Sprachspielerei. Angeregt dazu hat mich die Kolumne von Axel Hacke, der seinerseits durch das Boostern daran erinnert wurde, dass das kleine o von jeher einer seiner liebsten Buchstaben ist. Originalton Hacke: "Alle Begriffe mit o sind doch von echtem Schrot und Korn - Tot, Lob, Brot, Ross, Tod, Kopf, Rost, Post, Kohl, Volk, Rot, Zorn - o Gott, voll toll!" 
 
Diese Begeisterung teilte bekanntlich bereits der Dichter Ernst Jandl, der mit seinem epochalen Werk "Ottos Mops" Literaturgeschichte geschrieben hat, in dem er in seinem Gedicht an Selbstlauten ausschließlich das o verwendete. Was sage ich neudeutsch dazu? Cool! 
 
Nun haben jedoch in der deutschen Sprache die Vokale e und a, ein wenig auch das i, ihre Kollegen o und u ziemlich an den Rand gedrängt. Mit dem Kunststück, einen zusammenhängenden Text, der auch noch halbwegs Sinn ergibt, komplett mit Worten zu verfassen, die allein mit dem Selbstlaut o auskommen, bin ich oborfordort. Doch wozu gibt es das schöne Lied: Drei Chinesen mit dem Kontrabass. Ohr oronnort ooch? Dri Chinisin mit dim Kintribiss...? Mit dem einfachen Kniff, einfach alle Vokale durch einen einzigen zu ersetzen, verwandeln wir Sauerstoff in Ozon ond brongon don Toxt zom Otmon. 
 
Hoor kommt doo Goschochto dor "O", doo ollo for oonon Pornostoff holton. So oon Onsonn! Doo O, mot vollom Nomon Olgo, wor oono ohrboro Froo oos Boston. Dort lornto soo Yoko Ono konnon. Yoko mochto O ond mochto soo mot John Lonnon bokonnt. So stog O ons Mosok-Bosonoss oon ond schroob Hot oof Hot. Ohr orstor Orfolg wor "Droo Chonoson mot dom Kontroboss". 
 
Wogon Corono zog O ons Homo Offoco ond konzontroorto soch oof Hontorgrond-Klongo. Ohr mosst nor gonoo honhoron, O ost on fost jodom Song doboo. Horcht:  "Oooooooooh, oooooooooooh, doooobodooooo!" 
 
Glockoof 
kdk 

 Schmunzelpost 240 vom 15. 12. 21

Bevor es gleich mit dem zweiten Teil meines personalisierten Jahresrückblicks weiter geht, habe ich meine grauen Zellen schnell mit dem Lösen des Online-Kreuzworträtsels der Süddeutschen Zeitung aufgewärmt. Dabei hat sich einmal mehr eine lang gehegte Vermutung bestätigt. Diese Rätsel werden allesamt von alten weißen Männern konstruiert. Wer sonst käme auf die Idee, nach dem zweibuchstabigen Vornamen eines Filmstars zu fragen und als richtige Antwort (Bo) Derek einzubauen? Den endgültigen Beweis lieferte heute die Lösung der Frage, wie man ein schönes Mädchen nennt. Maid!

Doch schauen wir zurück darauf, wer sich 2021 hervor getan hat.

Wollen Demokraten meiden, mit Biden Schiffbruch zu erleiden,
ist Kandidaten-Suche für die Wahl gut durchdacht gar keine Qual.
Als Kandidatin auf die Schnelle, hilft nur Obama, die Michelle.

Wer ist zur Zeit der mächtigste Despot?
Lukaschenko, Pinochet, Pol Pot?
Nein, letzterer ist zum Glück schon tot!
Autokraten, wie sie heute heißen,
weil sie auf die Verfassung scheißen,
sind skrupellos, gerissen und gemein -
das kann doch nur der Putin sein!

Das Q stürzt Bilanzierer in die Krise,
Reime gibt es schon, aber nur miese!
Denn es fehlt eindeutig an brauchbaren Namen,
die für Quallen und Querdenker in Frage kamen.
Drum kümmern wir uns nun um Menschen mit Noten
und streichen mit Freddy Quinn zunächst einen Toten.
Suzie Quatro tönt heut' bloß von der Rille,
sie lebt zwar noch, aber jetzt ist sie stille.
Bleibt letztlich klassisch Thomas Quasthoff.
Na bitte! Irgendwann macht's fast "Poff"! (siehe zweite Zeile)

Dirk Roßmann kam ganz groß heraus
und schaut aus der Drogerie in die Welt hinaus.
Samt Klopapier und Taschentücher
verkauft er nun auch tüchtig Bücher!

Auf diesen Reim, da bin ich stolz!
Der neue Kanzler, der heißt Scholz.

Noch ist Schalke nicht verloren,
Teroddes Rekord glänzt mit Toren.
Doch werden wir noch mindestens fünfzig brauchen,
sonst kann man den Aufstieg in der Pfeife rauchen!

Beim "U" herrscht ziemlich tote Hose.
Auf Beate Uhses Grab blüht die letzte Rose.
Albert Uderzos Grab kann das nicht sein -
dort steht ein großer Hinkelstein.
Und was ist mit Carl Wolmar Jakob von Uexküll?
Also ehrlich, Leute, der bringt nicht vüel!

Tausende schauen begeistert die Formel eins.
Ich muss Euch sagen, das ist nicht meins.
Trotzdem aber freu' ich mich mit Verstappen,
dass es ihm glückte, den Titel zu schnappen.

Mit allen, die auf Wolken an der Harfe zupfen,
wird Charlie Watts ein Hühnchen rupfen.
Es ist für mich nur noch eine Frage der Zeit,
dann ist der Himmel für die "Rolling Angels" bereit.

Als wir vorhin über Wladimir Putin sprachen,
wollte ich Euch kein X für ein U vormachen.
Dem größten Marionettenspieler von allen
wird meine Kritik vielleicht nicht gefallen.
Drum pfeife ich fröhlich: "Hei-dudel-di,
gütig und weise ist Genosse Xi!"

Ich weiß nur über Yamasuki, Kamabata,
er ist mit Bestimmtheit nicht mein Vater.
Dafür wird es mir auch künftig viel Freude machen,
lässt Neil Young seine Gitarre richtig krachen!

Über seinen Becker-Hecht
staunte alle Welt nicht schlecht.
Als aber Boris von der Bühne schlich,
kriegten uns're Jungs nicht einen Stich.
Doch nun, bis mich der Affe laust,
zeigt Zwerev allen die Becker-Faust! 
 
Glückauf 
kdk 
 

 Schmunzelpost 239 vom 14. 12. 21

Wenn sich regelmäßig schon Anfang Dezember, ob im Spiegel oder einem anderen Stern die Jahresrückblicke häufen, ärgert mich das jedes Mal. Bekanntermaßen endet ein Jahr erst am 31. Dezember. Bis dahin kann noch viel passieren. Was, wenn am 30. 12. ein Komet die Erde zerstört? Nachfolgende Generationen, die zufällig einen verfrühten Rückblick in die Finger bekommen, wissen dann gar nichts davon! Nein, solch einen Quatsch lehne ich ab.
 
Dagegen befürworte ich es, Personen, die sich auf irgendeine Weise 2021 besonders hervorgetan haben, bereits jetzt zu würdigen. Kommen noch weitere hinzu, lässt sich das problemlos ergänzen. Also fange ich bereits heute an mit meiner personifizierten alphabetischen Rückschau.
 
Was leuchtet am Himmel? Des Todessterns Schweif?
Nein, das ist Asterix, der jagt den Greif!

Und was blinkt da hinten, so ganz weit draußen?
Das ist die Baerbock, die ministert jetzt außen!

Wer hat dieses Jahr am Thron von James Bond gerüttelt?
Das war Daniel Craig. Connery-Fans, die hat's geschüttelt!

Wer leuchtet als Star am Hollywood-Himmel für alle Zeiten?
Kirk Douglas sah man mit 103 stolz von der Bühne schreiten.

Doch wer macht weiter und zwar bis 110?
Clint Eastwood will jährlich neue Filme dreh'n!

Wer zeigte uns diesen Sommer den besten Fußball-Trick?
Von Bayern zum Bundes-Jogi - das gelang Hansi Flick!

Was aber hat die Herzen der Fußball-Fans entschieden beschwert?
Der Abschied von Horst Eckel und von Müllers Gerd.

Was aber wird die Herzen der Fans bald entschieden erfreuen?
Der Wechsel von Haaland zu Schalke - den wird er niemals bereuen!

Ob ihm ein Bestseller wie Homers Ilias jemals gelingt?
Florian Ilies jedenfalls jährlich in die Hitliste springt!

Er lügt, betrügt und intrigiert wie sein Vorbild aus Amerika,
aber anders als Trump ist Boris Johnson immer noch da!

Doch England ist nun mal nicht gleich wie ein Ländchen namens Österreich,
dort war der Kurz ein großer Schreck, aber nur kurz - dann war er weg!

In London wie in Wien liegt man nachts wach
und denkt: "Wir hätten gern den Lauterbach!"

In Wien und London, diese Ferkel,
buhlen sogar um Angie Merkel!

Doch sagen wir den dreisten Raben:
"Den Xavier Naidoo könnt ihr haben!" 
 
(Fortsetzung folgt) 
 
Glückauf 
kdk 
 

 Schmunzelpost 238 vom 13. 12. 21

Reisen bildet. Heißt es zumindest. Und der Gebrauch von Redensarten verbindet Europa. Weil vieles, was bei uns sprichwörtlich ist, auch in anderen Ländern die gleiche oder eine ähnliche Bedeutung hat. Dabei sind Fremdsprachen doch eigentlich eine Barriere: Nicht von ungefähr sagen wir, wenn wir wieder einmal Bahnhof verstanden haben, "das kommt mir spanisch vor." 
 
Darin steckt auch noch etwas von der Überheblichkeit, mit der man fast überall auf andere Völker herabschaut. Das fing mit den alten Griechen an. Für sie waren alle Menschen, die nicht ihre Sprache beherrschten, Barbaren. Das Wort entstand als Spott über das unverständliche Gestammel von Fremden. 
 
Dieses Modell ist weit verbreitet. Wenn wir etwas "auf gut Deutsch sagen", drücken wir damit auch aus, dass die eigene Sprache schön und wahr ist, andere Idiome jedoch oft lächerlich und vor allem unverständlich. Das zahlen uns beispielsweise die Slawen mit gleicher Münze heim. Für Tschechen etwa sind Deutsche "nemec". Das geht auf das Adjektiv von stumm zurück: Wir sind schlicht sprechunfähig! 
 
Doch was will man von Menschen erwarten, die aus "Europa" kommen. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutete so etwas wie "die Breitgesichtigen". Warum sich Göttervater Zeus, der alte Hallodri, der seine Göttergattin Hera nicht nur als Schwan mit Leda betrog, sich ausgerechnet in eine phönizische Königstochter namens Europa verliebte, ist nicht überliefert. Vielleicht galten auf dem Olymp andere Schönheitsideale. Jedenfalls verwandelte er sich in einen Stier und setzte Hera erneut Hörner auf - daher kommt das! 
 
Weil Zeus und Europa es auf Kreta trieben, benutzten griechische Geografen den Namen bald für die gesamte zivilisierte Welt, also die Peleponnes. Weil sie ihrerseits die Römer beeinflussten und die schließlich fast ganz Europa beherrschten und mit ihrer Kultur prägten, wurde der Begriff auf das Abendland übertragen. 
 
Während sich unsere europäischen Vorfahren für die Krone der Schöpfung hielten, existierte in China bereits seit mehr als tausend Jahren eine echte Hochkultur. Durch den Fernhandel des Mittelalters entstand der Kontakt zu einer Sprache, die auch durch ihre in unseren Augen merkwürdigen Schriftzeichen erst recht fremd, exotisch und geheimnisvoll war - ein Buch mit sieben Siegeln. Wir Deutsche kapitulieren, wenn uns eine Erklärung überfordert, mit der Behauptung, das sei "fachchinesisch". 
 
Auch die gereizte Nachfrage "spreche ich Chinesisch?" zeigt, dass damit etwas offenbar völlig Unverständliches gemeint ist. Der Engländer sagt: "That sounds chinese!" Und von Albanien über Frankreich bis Russland gibt es ähnliche Redewendungen. Für die Finnen, Isländer und Portugiesen ist hingegen das Hebräische das schwarze Loch der Sprachen. Wirklich im Recht sind die Dänen: Sie rätseln über die Kunstsprache Volapük. 
 
Erstaunlich ist, was die chinesische Schriftsprache leisten kann. Sie fasst mit lediglich acht Schriftzeichen ein Sprichwort zusammen, das in der Übersetzung wie eine Kurzgeschichte anmutet: "War es nicht ein Glück, dass dem alten Mann das Pferd davon lief?" Dieser alte Mann hatte nur ein Pferd und einen Sohn. Eines Tages war das Pferd verschwunden. Und ein Nachbar meinte: "Das Pferd ist fort! Welch ein Unglück!" Der weise Alte antwortete: "Wer weiß, ob es nicht ein Glück ist." 
 
 Und tatsächlich: Das Pferd kam zurück und brachte eine herrenlose Stute mit. Der Nachbar sagte: "Welch ein Glück!" Der weise Alte darauf: "Wer weiß, ob es nicht ein Unglück ist." Und tatsächlich: Sein Sohn versuchte, das neue Pferd zu reiten, fiel herunter und brach sich das Bein. Der Nachbar sagt: "Was für ein Unglück!" Der weise Alte wiegt den Kopf und antwortet: "Wer weiß, ob es nicht ein Segen ist." Kurz darauf müssen alle jungen Männer in den Krieg ziehen. Alle? Nein, der mit dem gebrochenen Bein darf zuhause bleiben! 
 
In diesem Sinne wünsche ich allen, denen Pferde davon gelaufen sind oder die sich nach gesundheitlichen Rückschlägen wieder aufrappeln müssen 
 
Hals- und Beinbruch! 
Klaus 

 

Schmunzelpost 237 vom 12. 12. 21

Liegt es am Training im Fitness-Studio, dass ich relativ schachmatt bin, bevor ich mit dem Schreiben überhaupt begonnen habe?. Oder war es etwa ein Fehler, gestern Abend jeden Schalker Treffer mit dem Genuss einer neuen Flasche Wein zu feiern? 
 
 Wie dem auch sei, bei den Sprichworten ist der Schachsport jedenfalls weit vorn. Nicht erst, seit ihm Corona und die Serie "Damengambit" neue Interessenten zugespielt haben. Ein "Bauernopfer" haben Schach-Analphabeten gelegentlich schon vorher dargebracht, auch Pattsituationen und Rochaden waren den meisten geläufig und schachmatt war wohl jeder von uns hin und wieder. 
 
Vom Denksport zum Rustikalen: Den Nagel auf den Kopf treffen nicht die Baumarktbesucher, die glauben, dass dies etwas mit handwerklichen Fähigkeiten zu tun habe. Die Redensart entstand durch Wettbewerbe mit paramilitärischem Charakter. Denn viele Sportarten resultieren aus dem Üben für kriegerische Zwecke, etwa Fechten, Speerwerfen und Bogenschießen. Bei letzterem wurde die Zielscheibe früher mit einem Pflock oder einem Holznagel befestigt. Wer jetzt eins und eins zusammen zählt, hat nicht nur den Nagel auf den Kopf, sondern sogar ins Schwarze getroffen! 
 
Ohne Hilfsmittel ging es schon sehr früh zur Sache. Die antiken Faustkämpfer kannten keine Boxhandschuhe, sie benutzten lediglich Lederriemen. Daher stammt der Ausdruck "mit harten Bandagen" kämpfen. Nachdem Boxkämpfe stundenlang dauern konnten und es sogar erlaubt war, auf Leute einzuschlagen, die bereits am Boden lagen, entstand 1743 ein neues Regelwerk. Von da an waren Hiebe unter die Gürtellinie untersagt, obwohl solche Schläge verbal und im täglichen Leben bis heute vorkommen. 
 
Der Boxsport bescherte uns noch weitere Redewendungen: "Du musst Dich im Beruf durchboxen und darfst keinesfalls k.o. gehen!" Auch das Warten auf den rettenden Gong kommt häufig vor, für Schüler darf es in vielen Fällen die Pausenglocke sein. Und wenn es um Posten und Ämter geht, werfen auch in der Gegenwart noch viele Leute ihren Hut in den Ring. 
 
Dass man auf der Zielgeraden nochmal die letzten Kräfte mobilisieren sollte, hielt ebenfalls aus dem Sport Einzug in die Alltagssprache. Dort bemüht sich auch eine Wendung aus dem Pferderennen bzw. dem Motorsport, einen vorderen Platz einzunehmen und "die Poleposition" zu behaupten. Doch man kann auch aufs falsche Pferd setzen oder über das Ziel hinausschießen. Und wenn man einen Fehlstart hingelegt hat, sollte man am besten noch einen Trumpf im Ärmel haben: Entschieden wird manchmal erst im Fotofinish! 
 
Kommen wir nun zur Sportart Nummer eins, dem Fußball. Er liefert uns immer wieder neue Redensarten. Das weiß jeder, der im Alltag schon mal im Abseits stand oder ein Eigentor geschossen hat. Auch für witzige Bemerkungen werden häufig Steilvorlagen geliefert oder zwei Gesprächspartner spielen Doppelpass, um Dich zu düpieren. Und gelbe wie rote Karten werden fast täglich auch im Berufs- oder Privatleben gezeigt. Bevor Ihr welche zückt, weil Ihr glaubt, ich hätte den Pfiff nicht gehört, mache ich lieber für heute Schluss. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 236 vom 11. 12. 21

Sein oder Nichtsein, das ist hier nicht die Frage. Doch was sich "hinter den Kulissen" von Theater und Film so alles abspielt, hat unseren Schatz an Redewendungen und Sprichwörtern enorm bereichert. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Spruch von der Bühne oder der Leinwand haften geblieben ist, eine "große Rolle" spielen für uns im realen Leben manche Menschen, aber auch Dinge oder Ideale.
 
Hättet Ihr gedacht, dass "der eiserne Vorhang" kein Begriff aus Politik und Geschichte, sondern aus dem Bühnenwesen ist? Weil früher viele Theater Gaslicht oder Kerzen zur Beleuchtung verwenden mussten, waren sie ständig der Gefahr ausgesetzt, in Brand zu geraten. Daher wurde bereits zum Ende des 18. Jahrhunderts der eiserne Vorhang eingeführt, der durch eine feuerfeste Schutzwand die Bühne vom Zuschauerraum trennte. Und es war nicht, wie oft behauptet, Winston Churchill der die Redewendung in die Politik übertrug, sondern schon Anfang des 20. Jahrhunderts die britische Politikerin Ethel Snowden. Frauen werden eben häufig zu wenig gewürdigt.
 
Dafür ist aber eine Frau das Sinnbild von "La dolce Vita". Anita Ekbergs Tanz im Trevi-Brunnen verkörperte das süße Leben. Das war nach der durchschrittenen Talsohle der Nachkriegsjahre bezeichnend für den Aufschwung der 60er Jahre, später auch für das Treiben der Reichen und Superreichen. Diesmal steckte ein Mann dahinter: Regisseur Federico Fellino hatte den Begriff cineastisch in Szene gesetzt. Ihm haben wir übrigens auch die Bezeichnung "Papparazi" für schamlose Schnappschuss-Jäger zu verdanken. Das süße Leben aber fand Eingang in rund 30 europäische Sprachen.
 
Noch relativ neu ist ein weiterer Spruch mit weiblichem Bezug. Der spanische Regisseur Pedro Almodovar dreht 1988 den Film "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs". Daraus entstand ein meist ironisch gemeinter Appell an die Frauensolidarität angesichts des modernen alltäglichen Wahnsinns. Da die Redensart noch jung ist, ist sie noch nicht endgültig festgelegt: Sie wird sowohl sympathieheischend wie kritisch, frauenfeindlich wie frauenfreundlich eingesetzt. Und zwar auf deutsch, dänisch, russisch, spanisch, italienisch, schwedisch, slowakisch und ungarisch. Britische Frauen sind anscheinend nervenstärker - sie müssen ja auch Boris Johnson aushalten.
 
Beim nächsten Begriff streiten die Gelehrten, ob sie ihn den Militärs oder der Presse und dem Showbusiness zuordnen sollten. "Blockbuster" gab es ab 1942 im 2. Weltkrieg. Das waren alliierte Luftminen, die eine gewaltige Druckwirkung entfalteten und ideale Voraussetzungen für Brandbomben schufen. Da aber schon lange vorher der "Bombenerfolg" oder die "Bombenrolle" in Theaterkritiken verwandt wurden, gelten Blockbuster heute als Bühnenstücke und Filme, die eine enorme Anziehungskraft aufs Publikum ausüben.
 
Im Rampenlicht stehen gegenwärtig mit mehr oder weniger Lampenfieber auch im Alltag Diven und Dramaqueens. Auch wenn sie nicht die Lizenz zum Töten haben, sind wir manchmal von ihren Auftritten gerührt, meist jedoch geschüttelt. Und für heute sage ich: Der letzte Vorhang fällt, und das Spiel ist aus!
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nach dem Abpfiff war es mal wieder soweit. Schalke 04 hat gewonnen, 4:1 gegen den 1. FC Nürnberg. Verabredungsgemäß ein Blick in die Geschichte. 1933 verpflichteten die Knappen Hans "Bumbas" Schmidt, einen früheren Nürnberger Spieler, als neuen Trainer. Der Franke schulte Rechtsfuß "Ala" Urban zum besten deutschen Linksaußen seiner Zeit um und baute Ernst Poentgen und Ernst Kalwitzki in die Mannschaft ein. Prompt wurden die Königsblauen 1934 zum ersten Mal Deutscher Meister. Und zwar gegen Nürnberg! Die Schalker Tore beim 2:1-Finalsieg erzielten Kuzorra und Szepan. 
 

 Schmunzelpost 235 vom 10. 12. 21

Wenn es mir glücken sollte, zur lebenden Legende zu werden, müsste ich mich auf der Zielgerade meines Lebens mächtig anstrengen. Das liegt einem faulen Sack, der sich nicht schämt, wie heute bis 11.30 Uhr an den Federn zu horchen, mehr als fern. Dafür wurde aber verdientermaßen Florence Nightingale zur ersten lebenden Legende. Eine Mathematikerin, die zusätzlich durch einen dreijährigen aufopfernden Pflegedienst als "Engel der Verwundeten" in Lazaretten von sich reden machte. Wobei ihre Erkenntnisse in Sachen Hygiene noch viel höher zu bewerten sind. 
 
Jedenfalls haben viele Redewendungen wie im Falle Nightingale (da war es von 1853 bis 1856 der Krimkrieg) einen historischen Ursprung. Wie etwa der Spruch "Nach uns die Sintflut!" Der stammt nicht etwa von Noah, sondern von Madame Pompadour. Ihr entfleuchte der Stoßseufzer, nachdem der Alte Preußen-Fritz mit seiner Armee 1757 eine doppelt so starke Streitmacht der Franzosen besiegt hatte. Quel Scandal! Nicht nur wegen der großen Verluste an Menschenleben, Material und Geld, sondern vor allem, weil ein Protestant den einzig rechtgläubigen französischen Generälen gezeigt hatte, was strategisches Genie bedeutet. 
 
Auch ein anderer Franzose hatte am Ende seiner Laufbahn kein Schlachtenglück. Denn Waterloo ist nicht in erster Linie ein Hit von Abba, sondern der Ort in Belgien, an dem Napoleons Siegeszug 1815 ein für allemal beendet wurde. Dafür ist uns der Begriff bis heute erhalten geblieben - auch wenn niemand sein persönliches Waterloo erleben möchte. 
 
Das gilt natürlich auch für den berühmten Gang nach Canossa, den Kaiser Heinrich IV. im Jahre 1077 teils auf Knien vollziehen musste. Tja, um sich mit den Päpstlichen erfolgreich anzulegen, muss man schon Martin Luther, Gustav Adolf oder Friedrich der Große heißen. Immerhin haben wir nun ein schönes Synonym, wenn wir nicht direkt zugeben wollen, dass wir zu Kreuze kriechen. 
 
Gehen wir noch ein wenig weiter zurück in der Geschichte. Und zwar ins Jahr 280 vor Christi Geburt. Da verzweifelte ein griechischer König, obwohl sein Heer eine Schlacht gegen die Römer gewonnen hatte. Doch sie war derart verlustreich, dass der Begriff Pyrrhussieg auch heute noch selbst für wenig historisch bewanderte Menschen geläufig ist, wenn sie einen Erfolg errungen haben, der genau betrachtet eine Niederlage war. 
 
Weiß jemand, wer Charles Cunningham B. ist? Das war ein englischer Gutsverwalter in Irland, der 1880 seine sämtlichen Pächter durch hohe Abgabeforderungen bis aufs Blut reizte, so dass sie mit großem Erfolg dazu aufriefen, keine Geschäfte mehr mit ihm zu machen, ihm nichts zu verkaufen und ihn gesellschaftlich zu ächten. Die Herkunft des Begriffs ist heute weitgehend vergessen. Doch Charles Cunningham Boycott hat uns einen Ausdruck geliefert, der immer noch gang und gäbe ist. Und es gibt keine Sprache in Europa, die den Begriff "boykottieren" boykottiert. 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 234 vom 9. 12. 21

Auf einem Bein kann man nicht stehen. Deshalb ist auch heute noch einmal die Rede von Redensarten und Sprichwörtern. Nachdem die Antike und Bibel bereits als Quellen genannt wurden, wenden wir uns heute der Literatur zu. Und zwar der Literatur im weiteren Sinne: Fabeln und Märchen inbegriffen. 
 
Einst gab es einen besonders kalten Winter, und ein Mann musste sein ganzes Hab und Gut hergeben, um nicht zu erfrieren oder zu verhungern. Nur seinen schönen Mantel behielt er. Dann aber wurde es endlich wärmer, und er sah am blauen Himmel die erste Schwalbe. Prompt verhökerte er seinen Mantel, um sich endlich einmal wieder den Bauch vollschlagen zu können. Doch über Nacht wurde es erneut bitter kalt. Und was fand er am Morgen im Schnee? Genau! Die tote Schwalbe. Seitdem weiß die Welt: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und die schlauen Schweden fügen hinzu: ...aber die Lerche tut es! 
 
Das ist längst nicht das einzige Sprichwort mit Wurzeln im Reich der Fabel. Katz und Maus spielen, sich in die Höhle des Löwen wagen, jemandem einen Bärendienst erweisen, eine Milchmädchenrechnung aufstellen oder für andere die Kastanien aus dem Feuer holen - viele Redewendungen haben einen fabelhaften Ursprung. 
 
Oder einen märchenhaften. Denn mit Siebenmeilenstiefeln geht es weiter. Und wenn man schon einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen soll, so gucken wir zumindest Rotkäppchen in den Korb. Dort entdecken wir unter anderem den Wolf im Schafspelz und das hässliche Entlein, das sich in einen hübschen Schwan verwandelt. 
 
"Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht" hat übrigens einen erotischen Hintergrund. Dazu muss man wissen, dass die Bezeichnung der Vagina sich von vas  mulieris, also "Gefäß der Frau" ableitet. Es waren meist junge Mädchen und Frauen, die Jahrhunderte lang zum Kochen, Putzen, Waschen oder Trinken in Krügen und Eimern Wasser nach Hause holen mussten. Allerdings waren sie an den Wasserstellen nicht allein: Dort tränkten auch die Hirten ihr Vieh. Da konnte im Eifer des Gefechts nicht nur der Krug zerbrechen, sondern auch die Jungfräulichkeit verloren gehen.  
 
Dagegen ist es ein Missverständnis, dass man durch Küssen von Fröschen einen Prinzen erobern kann. Auch keine Prinzessin. Ich habe es zur Wanderzeit der Lurche ausprobiert und hundert Frösche abgeschmatzt - keine Prinzessin weit und breit. Kröten schlucken habe ich gar nicht erst probiert. Schließlich heißt es im Märchen "Froschkönig" ja auch, man muss die Frösche an die Wand klatschen. Doch da hätte ich Ärger mit dem NABU bekommen. 
 
Das Kuss-Motiv haben erst in den 60er-Jahren amerikanische Feministinnen ins Spiel gebracht. Ihre Devise war: "You have to kiss a lot of frogs before you find your handsome prince." Das hat sich in den Folgejahren weltweit verbreitet und ist auch heute noch eine bewährte Methode zur Partnerwahl. 
 
Kommen wir zur "Hochliteratur". Seit der sprichwörtlichen Odyssee von Homer (ich erinnere an die Achillesferse und das Trojanische Pferd aus seiner Ilias) hat sie sich als verlässlicher Lieferant von Sprichwörtern und Redewendungen etabliert. "Der letzte Mohikaner" (J.F. Cooper) kämpft zwar nicht gegen Windmühlen (Cervantes), aber beide Begriffe sind uns heute noch geläufig. 
 
 Die meisten hat William Shakespeare ("Ein Königreich für ein Pferd") zu verantworten. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge (Shakespeare) kann man vielleicht "den Wald vor lauter Bäumen" nicht sehen (Christoph Martin Wieland). Trotzdem sollte man kein russisches Roulett riskieren. Doch das stammt nicht etwa von Tolstoi oder Dostojewski, sondern von George Surdez, der 1937 den Begriff erstmals verwendete.  
 
So, für heute war das der Anfang vom Ende. Bevor der Zahn der Zeit mich komplett zernagt und nur über meine Leiche dieses Kapitel fortgesetzt werden kann, glänze ich lieber durch Abwesenheit, obwohl die in diesem Absatz vorkommenden literarischen Redewendungen nur die Spitze des Eisbergs sind. 
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 233 vom 8. 12. 21

Mal wieder bin ich im öffentlichen Bücherschrank fündig geworden. "Phönix aus der Asche" heißt das Buch aus dem Duden-Verlag, das ich mit nach Hause nahm. Untertitel: "Redensarten, die Europa verbinden". Hört sich spannend an, dachte ich. Und die Lektüre kann nicht schaden in einer Zeit, in der immer häufiger Sprichwörter falsch wiedergegeben oder sogar wild gekreuzt werden. 
 
Manchmal ergibt das sogar Sinn. "Ewig währt am längsten" zum Beispiel. Oder "Selbsterkenntnis ist der erste Weg zum Selbstmord". Auch an "Wer anderen eine Grube gräbt, ist ein Totengräber" ist durchaus was dran. "Wie man sich füttert, so wiegt man" - wer will das bestreiten? Bloß auf einem Hörfehler basiert dagegen wahrscheinlich: "Die Ratten verlassen das stinkende Schiff". 
 
Erstaunt war ich, wie verbreitet manche Redensarten sind. "Die zwei sind wie Hund und Katze" nutzt man in 68 europäischen Sprachen. In 64 Sprachen "spielt man mit dem Feuer". Und in 62 Sprachen "rauft man sich die Haare". Die Klaus-Dieter-Sprache ist leider nicht dabei. 
 
Wer aber verbreitete die meisten Redewendungen? Adam? Homer? Sokrates? Martin Luther? Johann Wolfgang von Goethe? Die Gebrüder Grimm? Helmut Kohl? Nein, nein, es stimmt zwar: Entscheidend ist, was hinten rauskommt, doch die meisten Sprüche setzte Erasmus von Rotterdam in die Welt und mit ihm die Humanisten, die um 1500 im Zeichen der Renaissance (Wiedergeburt) ungezählten Weisheiten zur dauerhaften Auferstehung verhalfen. 
 
So verspotteten bereits vor mehr als 2000 Jahren die alten Griechen Leute mit einem Hang zum Dramatisieren mit dem Urteil, sie würden eine Fliege zum Elefanten machen. Die Römer übernahmen die Redensart. Und Erasmus und Co. erweckten sie zu neuem Leben, nur dass die Fliege zur Mücke wurde. Diesen Spruch gibt es im Albanischen ebenso wie im Isländischen, auf Rumänisch wie auf Westfriesisch. 
 
Antike Mythen sind generell eine ergiebige Quelle. Von der Achillesferse bis zum Trojanischen Pferd weiß auch heute noch fast jeder, was damit gemeint ist. Aber wusstet Ihr, dass auch der Satz "die Gelegenheit beim Schopfe fassen" aus dem Altertum stammt? Die alten Griechen waren offenbar Schnäppchenjäger. Wie nach ihnen auch die Römer hatten sie eigene Gottheiten für günstige Gelegenheiten. Die zeichneten sich durch einen fast kahlen Schädel aus. Aber nur fast: An der Stirn hatten sie eine Stelle, aus der lange, kräftige Haare sprossen. Wollte man sie erwischen, musste man dort fest zupacken. Wäre das nicht die Idee für eine neue Trendfrisur im Salon "Hairliche News"?
  
Doch auch David und Goliath haben Perlen vor die Säue gestreut. Die Bibel ist ebenfalls sehr beliebt als Fundgrube für Redewendungen. Da wären der Tanz um das goldene Kalb oder das salomonische Urteil, aber auch, was manche erstaunen wird, "im Dunkeln tappen" (Altes Testament, fünftes Buch Moses). Auch die berühmte Feuertaufe, das zweischneidige Schwert oder der Ausdruck, etwas auf Sand gebaut zu haben, entstammen der Bibel. Und selbst die Redensart, dass jemand etwas "wie Schuppen von den Augen fällt" kommt aus dem Neuen Testament. Und zwar an der Stelle, wo sich "Saulus zum Paulus" wandelt. 
 
"Alles hat seine Zeit" (altes Testament). Und bevor Ihr "mit Zähneknirschen" (Neues Testament) weiter lest, weil Ihr "zu allem Ja und Amen sagt" (Neues Testament), wasche ich "meine Hände in Unschuld" (Neues Testament) und unterbreche diese Folge. Denn "es geschehen Zeichen und Wunder" (Neues Testament. Schließlich liegt "in der Kürze die Würze" (Anke-Evangelium). 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zum Eingangsscherz der letzten SP: Auch Martin hat einen Verwandten zu beklagen, der auf tragische Weise ums Leben kam. "Habt Ihr schon gehört, dass Onkel Hermann in ein Whiskyfass gefallen und ertrunken ist? Wir wollten ihn retten, aber er hat sich verzweifelt gewehrt. Wir haben ihn einäschern lassen - es hat drei Tage gedauert, bis er gelöscht war!"
 

  Schmunzelpost 232 vom 7. 12. 21

Kennt Ihr den schon? Bei der Familie Schniedelkötter klingelt es an der Tür. Draußen steht ein Polizeibeamter. "Guten Tag! Ist es richtig, dass ein Herr Klaus-Dieter Krause ein nahestehender Verwandter von Ihnen ist?" "Ja, das kann man so sagen." "Dann muss ich Ihnen eine traurige Mitteilung machen. Herr Krause lebt nicht mehr. Er ist in einem Weinfass ertrunken." "Das ist ja furchtbar! Hatte er wenigstens einen schnellen Tod?" "Leider nicht. Er ist zum Pinkeln noch zweimal aus dem Fass geklettert." 
 
Trotzdem wäre das insgesamt betrachtet ein schöner Abgang. Und wo ich schon beim Alkohol bin, möchte ich dieses Thema in Zeiten von Glühwein, Grog und Feuerzangenbowle noch vertiefen. Aber was passt zu Weihnachten besser als Rentier-Whiskey? 
 
Ja, den gibt es wirklich. Aber nicht in Schottland, Nordamerika oder Skandinavien, sondern in Asien. Dort wird das Rentier-Geweih gemahlen, mit Kräutern und Gewürzen angereichert und mit Whiskey verrührt. Das Getränk soll angeblich eine aphrodisierende und heilende Wirkung haben. Außerdem gilt es in Südostasien als der passende Drink für Menschen mit hohem sozialen Status. 
 
Möwenwein ist dagegen nahe des Polarkreises verbreitet. Da weder Wein noch Hopfen in Eiswüsten gedeihen wollen, haben sich die Einheimischen etwas anderes einfallen lassen. Sie stopfen tote Möwen in eine Flasche - ob die Behälter einen besonders großen Hals haben oder die Vögel vorher zerkleinert werden, ist mir nicht bekannt - gießen dann Wasser darüber und lassen das Ganze solange in der Sonne stehen, bis die Fermentierung ihr Werk getan hat. Das ist natürlich nur im kurzen Sommer möglich, damit in der langen Polarnacht genügend Stoff zur Verfügung steht. 
 
Ekliger geht's nicht? Doch! In Asien gibt es drei Sorten Peniswein. Dort verspricht man sich von den eingelegten Liebeslanzen der Seehunde, Rehböcke oder Hunde eine Steigerung der Männlichkeit. Von Spirituosen mit eingelegten Skorpionen, Schlangen oder Mäusebabys schweige ich besser still. 
 
Doch nicht nur in Asien kriegt man ungewöhnliche Getränke hin. Wem Jägermeister zu zahm ist, der probiere den Würgeengel. Das ist ein Kräuterbitter aus Westfalen mit 40 % Alkoholanteil. Den entscheidenden Kick verleihen dem Zaubertrank jedoch chinesische Kräuter, die für den, so der Hersteller, "scharfen und intensiven Geschmack" sorgen. So scharf und intensiv, dass es nach dem Genuss angeblich auch den größten Plappermäuler für mindestens zwei Minuten die Sprache verschlägt. 
 
Aber Alkohol kann noch schlimmere Folgen haben. Wer wüsste das besser als jemand, der fast in einem Weinfass ertrunken wäre? Da Hinweise auf die gesundheitlichen Auswirkungen meist überhört werden, hier ein paar abschreckende Beispiele von Leuten, die nach Alkoholgenuss völlig die Kontrolle verloren haben. 
 
In Bremen kassierte die Polizei eine volltrunkene Frau, die eine Rangierlokomotive kapern wollte, um damit nach Hause zu fahren. Sie begründete das auf der Wache durchaus nüchtern: "Mit dem Auto konnte ich nicht mehr fahren, aber die Bahn soll ja ein besonders sicheres Verkehrsmittel sein." 
 
Ebenfalls in Bremen wollte ein betrunkener 21-Jähriger die Beamten foppen. Er zeigte zwei Polizistinnen seinen blanken Hintern, stolperte dann aber beim Versuch davon zu laufen über seine heruntergelassene Hose und fiel voll auf die Nase. In der Ausnüchterungszelle durfte er seine Tat bereuen. 
 
In Coburg stoppte die Polizei einen Autofahrer, der energisch bestritt, betrunken zu sein. Allerdings verwechselte er das Alkohol-Testgerät mit einem Handy und versuchte vergeblich, damit seinen Anwalt anzurufen. Anschließend war er nicht einmal in der Lage, in das vermeintliche Handy hineinzublasen. 
 
Weihnachten ist das Fest der Liebe? Nein! Weihnachten ist das Fest des Alkohols! Jedenfalls gaben bei Umfragen satte 33 Prozent der Briten an, sich über die Feiertage regelmäßig zu betrinken. In Dänemark waren es 30 % der Befragten. Und in Deutschland? Wir kommen auf läppische 17 %. Wahrscheinlich wird nach dem Festmahl zu oft Würgeengel gereicht. 
 
Prost! 
kdk 

 Schmunzelpost 231 vom 6. 12. 21

Ausgerechnet am Nikolaustag rufe ich das Ende der SP-Namenstage aus! Es passieren noch andere Dinge auf der Welt, außer dass manche Leute komisch heißen. 
 
Gestern hatte ich mich zu Beginn der Schmunzelpost über Verschwörungstheorien lustig gemacht. Und zu meinem großen Vergnügen las ich danach in der Süddeutschen Zeitung, dass in Wien unter den 40 000 Demonstranten gegen die Corona-Schutzvorschriften der österreichischen Regierung viele Protestler hohe Stiefel trugen. Das lag daran, dass ein Witzbold auf einschlägigen Verschwörungsforen im Netz behauptet hatte, die Regierenden hätten eine große Zahl von Verwaltungskräften in den Wiener Untergrund entsandt. Dort müssten sie im Kanalnetz lauern, um im geeigneten Moment aus dem Gully aufzutauchen und einem Impfgegner die Spritze verpassen. Schöner Gedanke! Aber noch schöner, dass offensichtlich viele daran glaubten und sich mit Stiefeln davor zu schützen versuchten. 
 
Den Stiefelträgern und allen anderen Verschwörungstheoretikern sei der Online-Dienst www.rituals.de empfohlen. Wie im "Hohlspiegel" zu lesen war, inserierte der kürzlich "Speziell für Sie: Gratis Verstand ab 30 Euro". Für Intelligenzbestien war womöglich auch der Hinweis in einem Cafe im schwäbischen Dettenhausen bestimmt: "Bitte kein Verzehr von Pappbechern an den Tischen." An frischer Luft können sie dann ohne Maske und Impfung gern daran knabbern. 
 
Jahreshauptversammlungen sind oft eine trockene, um nicht zu sagen öde Angelegenheit. Beim NABU Dorsten war das anders. Dazu trugen Tondokumente bei, die der alte und neue Vorsitzende Michael Drescher präsentierte. Auf seinem Anrufbeantworter sammelte sich nämlich ein erstaunliches Spektrum dessen, was Dorstener Bürger mit tausend verschiedenen Anliegen dem Naturschutzbund zutrauen: "Ich habe eine verletzte Amsel im Garten gesehen. Jetzt ist sie weg. Können Sie sie retten?" "Mein Nachbar will bauen und ihn stört ein Baum auf meinem Grundstück. Er will ihn fällen. Was soll ich tun?" 
 
Mein Favorit hauste im Topf mit einer Petersilien-Pflanze. Eine Bürgerin hatte sich das nachwachsende Gewürz im Gartencenter zugelegt und zuhause entdeckt, dass ihre Neuerwerbung bewohnt war. "Auf der Pflanze befindet sich eine Schmetterlings-Larve. Was mache ich jetzt bloß?" 
 
 Für die Käuferin spricht, dass sie sich die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht hat. Die Larve entfernen und dann nach und nach Petersilie in der Küche verwenden - das ließ ihr Gewissen nicht zu. Die Pflanze nach draußen auf die Terrasse stellen, fiel ihr aus zwei Gründen schwer. Was, wenn die Larve den klimatischen Verhältnissen zum Opfer fallen würde? Und was, wenn es sich um einen auswärtigen Schädling handelt, der, einmal erfolgreich nach Deutschland eingewandert, wie der Buchsbaum-Zünsler über die heimische Vegetation herfällt? 
 
Die Frau hat sich letztlich entschieden, die Larve in der Wohnung zu behalten und zu schauen, ob am Ende ein farbenprächtiger Falter ausschlüpft. Da sie sich nicht mehr gemeldet hat, bin ich nun sehr gespannt, ob nicht eher eine unscheinbare Motte ihren Kaschmir-Pullover aufgefressen hat. Des Rätsels Lösung gibt es hoffentlich in der JHV 2022. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 230 vom 5. 12. 21 

Höchste Zeit, mal wieder zum Friseur zu gehen. Zwar trage ich meine Haare noch nicht schulterlang, aber ihre Länge hat sich inzwischen verdoppelt. 6 Millimeter statt 3 Millimeter! 
 
Doch es gibt noch einen weiteren Grund für den Termin beim Figaro. Wir haben heute nämlich unsere Booster-Impfung bekommen. Nun kursiert im Netz gerade eine brandneue Verschwörungstheorie. Bill Gates, der milliardenschwere US-Gorilla soll sämtliche Booster-Spritzen mit einem Zusatzstoff versehen haben, der alle Impflinge wieder in Affen verwandelt! Glücklicherweise weiß man dank unserer querdenkenden Freunde schon länger, dass man auf Experten nichts geben soll und dass Wissenschaftler ziemlich blöd sind. So haben sie auch diese Sache vermasselt. 
 
Statt aus uns Affen zu machen, so klärt das Internet auf, sprießen nicht nur auf dem Kopf die Haare nach der Impfung wie verrückt. Das nennt man den Rapunzel-Effekt. Schon nach drei Tagen dringen Haare aus allen Knopflöchern, nach nur einer Woche sehen wir aus wie diese überdimensionalen Staubteufel, die durch die amerikanische Wüste kugeln. 
 
Nun bin ich zum Glück ein rational denkender Mensch und lasse mich von Verschwörungstheorien und ihren Urhebern nicht ins Bockshorn jagen. Aber was, wenn doch ein Körnchen Wahrheit dran ist? Oder anders formuliert: Ein Haar in der Impf-Suppe? Sicher ist sicher. Zumal die Meister der Scheren Kundschaft brauchen können - in Dorstens Zentrum gibt es inzwischen mehr Friseurläden als Telefonshops! 
 
Vielleicht ist der knallharte Konkurrenzkampf auch der Grund, weshalb gerade diese Branche sich weit mehr originelle Namen für ihre Salons einfallen lässt als alle anderen Zünfte. Bereits vor vielen Jahren hatte Harry Rowohlt, des häufigen Friseurbesuches unverdächtig, dies bemerkt und bei seinen Lese-Reisen durch die Republik eine umfangreiche Sammlung angelegt. Jetzt dürft Ihr frohlocken, denn ich habe ein paar besonders schöne Beispiele herausgesucht und mit Neuentdeckungen angereichert. 
 
Als die Bezeichnungen einschlägiger Läden noch eine langweilige Salonwüste aus schlichten Namen waren, allenfalls durch Stylisten und Coiffeure aufgepeppt, gehörte die "Sahaara" zu den Pionieren. Auch den "Pony-Hof" gibt es schon länger. Und dann öffneten sich die Schleusen, die berufsmäßigen Lockenwickler entdeckten ihre Kreativität und ulkige Namen wurden zur Dauerwelle. 
 
Vor allem Kombinationen mit dem Englischen waren sehr beliebt. Zum Beispiel "SpektaCOOLhair". Für Krimifreunde und Clint-Eastwood-Fans empfiehlt sich "Dirty Hairy". Fluggäste bevorzugen "British Hairways", Festivalbesucher "Open Hair". Auch "Kammbäck", "Kamm-In" und vor allem "Vorhair/Nachhair" finde ich very clever ausgewählt. 
 
Doch auch mit der deutschen Sprache lässt sich einiges anstellen. Ob sich Mütter aber wirklich königlich über "Kaiserschnitt" amüsieren? Besser gefällt mir "Haar? Genau!" Oder wegen meiner üppigen Haarpracht der Salon "Zottelbude". Kurz, bündig und gut sind "Fortschnitt", "Kopfsache" und "Salon Fähig". 
 
Schließlich noch ein paar Spezialitäten. Daniel Craig geht wie vor ihm bereits Roger Moore und Sean Connery zum Herrenfriseur "James Blond". Die Nachfahren der Perückenmacher des Komponisten Vivaldi sind mit ihrem Salon "Vier Haareszeiten" Anlaufstelle für Liebhaber klassischer Musik. Und "Ali Barber" wird gern von mehr als 40 Räubern und anderen zwielichtigen Gesellen beehrt. 
 
Zum Schluss mein Favorit. Der "Friseur ohne Namen", abgekürzt FON, erwies sich als trickreich. Durch zwei wohlplazierte Glühbirnen prangt über seiner Ladentür die Aufschrift "FÖN". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 229 vom 4. 12. 21

Aber sonst geht es mir gut" heißt ein Buch von Markus Orths, in dem er seine besten Humoresken versammelt hat. Sehr amüsant! Und wie der Zufall es will, bin ich über eine Passage gestolpert, die exakt zu unserem Dauerthema passt.
 
Dazu sollte man voran schicken, dass Orths liebenswerte Mutter quasselt wie ein Wasserfall. Ich zitiere heute nur einen einzigen Satz von ihr. Nur einen Satz? Ist das nicht zu kurz für eine anständige Schmunzelpost? Nicht, wenn Mutter Orths Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, dem Meister der Langsatz-Schreiber, Konkurrenz macht.
 
"Das mit den Namen ist so ne Sache, da hinten an der Schöng, da wohnt ja das Brigittchen, die kennst du nicht, und die hat sich vor Jahren schon scheiden lassen von ihrem Mann, und der Mann hieß Nagel, aber den Namen hat die beibehalten, Brigitte Nagel, und dann hat die jemanden kennengelernt, der hieß Peter Nägele, der kommt aus dem Schwäbischen, der hat die Finger krumm stehen, so hält der das Geld zusammen, und den hat die geheiratet, und jetzt heißt die also Brigitte Nagel-Nägeli, und die ist ja auch noch geborene Hammer, von hinten an der Hohlstraße, um die Ecke von der Kreuzung, wenn man an der Ampel hochgeht und an dem komischen Haus vorbei, wo die lange dran gebaut haben, dass die noch mal neu anfangen mussten, weil da der Schimmel drin saß, und dann links rum, wenn du durch die Unterführung mit dem Tunnel gehst, der immer so dunkel ist, und dann an den Bäumen vorbei bei Hennerkes, die haben so blaue Vorhänge vor den Fenstern, aber die Fenster, die sind so was von speckig, da bin ich fies vor, jedenfalls, was wollte ich sagen, ach so, jetzt heißt das Brigittchen also Brigitte Nagel-Nägele, geborene Hammer."
 
Es ist Reiner Zufall, dass ich einige Namen gefunden habe, die noch ein bisschen origineller sind. Klara Fall, dass Martha Pfahl dazu gehört. Das gilt genauso für Eva Adam. Für Freunde alkoholischer Getränke erwähne ich noch Maria Kron und Paul Ahner.

Manche Namen sollten bei der Vorstellung umgedreht werden, damit ihre Bedeutung ins Auge fällt. Beispiele sind Strammer, Max sowie Voller, Ernst. Genau hinschauen sollte man bei Georg Asmus und Roman Tisch. Und vielleicht auch bei Karl Auer
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 228 vom 3. 12. 21 

Im gestrigen tierischen Beitrag fehlte eine ganze Sparte. Die Märchen hatte ich bewusst herausgehalten. Nicht etwa wegen dem gestiefelten Kater, sondern wegen dem namenlosen Wolf, der angeblich den drei kleinen Schweinchen, Rotkäppchen, ihrer Oma und den sieben Geißlein das Leben schwer machte. Schon die Brüder Grimm begannen also mit dem gezielten Rufmord. 
 
Obwohl er als Menschenfresser kaum in Erscheinung trat, wurde der Wolf in Deutschland systematisch schlecht gemacht und im 19. Jahrhundert sogar ausgerottet, weil er hin und wieder auch Weidetiere nicht verschmähte und die den Jägern vorbehaltenen Rotwildbestände dezimierte. 
 
Heutzutage übernimmt die Presse gern den Job des Märchenerzählers. Das spricht die Urängste der Leserschaft an und sorgt für Klicks auf der Online-Skala.  Zu zwei ausführlichen Artikeln über Wolf-Sichtungen auf der Hardt und dem darauf folgenden Ruf nach Konsequenzen stand mir die Wölfin Gloria Rede und Antwort. 
 
Frage: Werte Gloria, was hat Sie aus dem beschaulichen Hünxer Wald nach Dorsten auf die Hardt getrieben? 
 
Antwort: Es ist zum Heulen! Keiner glaubt mir, aber ich beteuere: Ich war das nicht! Weil ich weiß, dass mit den Zweibeinern nicht gut Kirschen essen ist, halte ich mich von deren Behausungen fern und nutze allenfalls nachts Nahrungsangebote auf dem Präsentierteller, wenn sich im Wald nicht genug Beute machen lässt. 
 
Frage: Aber Sie sind mit zwei Begleitern gleich zweimal auf der Hardt in der Nähe der Fährstraße gesehen worden, einmal morgens, ein anderes Mal abends. 
 
Antwort: Nochmal: Ich war das nicht! Und auch für mein Rudel lege ich meine Pfote ins Feuer. Wir sind doch nicht bekloppt! Das können allenfalls durchreisende Kollegen gewesen sein, die ein eigenes Revier suchen. Oder man hat uns mit Hunden verwechselt. Oder mit Goldschakalen. Die sind neuerdings auch in Deutschland unterwegs. 
 
Frage: Soll ich das wirklich glauben? Schließlich sind ganz in der Nähe ein paar Nutztiere untergebracht. 
 
Antwort: Na, hören Sie mal! Viel mehr zu holen gibt es doch in den ausgedehnten Wäldern rund um Hünxe, im Scherbecker Dämmerwald oder in der Kirchheller Heide. Wir sind doch nicht blöd und verlassen ohne Not unsere Deckung. Um nach Dorsten zu gelangen, müssten wir zig gefährliche Straßen überqueren, dazu noch die tödliche Autobahn. Größere Ansammlungen von Wohnhöhlen der Schießmichtot-Sippschaft meiden wir sowieso wie die Pest, das hat sich tief in unsere Gene eingebrannt. Und dann auch noch morgens und abends, wenn viele Zweibeiner mit ihren Kläffern unterwegs sind? Die würden doch ausrasten, wenn sie uns wittern. Von Hünxe bis Dorsten gäbe das eine einzige Bell-Orgie! 
 
Frage: Nun, es ist tatsächlich merkwürdig, dass es keine Fotos oder Filmaufnahmen gibt, wo sonst doch stets jemand ein Handy parat hat. Aber Sie werden doch nicht ernsthaft behaupten wollen, dass da nur ein Vorwand gesucht wird, um endlich eine Abschuss-, pardon, Entnahmegenehmigung zu erwirken? 
 
Antwort: (Seufz) Es hat doch alles keinen Zweck. Na gut, ich gestehe! Wir wollten mal einen Blick auf das in Wolfskreisen berühmte Dorsten werfen, wo die Presse seit langem gegen uns Stimmung macht. Zurück nach Hünxe sind wir dann mit dem Bus gefahren, hochgeschlagene Mantelkragen und Masken machten es möglich. Und der Fahrer war noch knurriger als wir! Außerdem überlegen wir jetzt, außer Schafen und Ponys gelegentlich einen Zweibeiner als Zwischenmahlzeit einzufügen, damit wir endlich unserem Ruf als Bedrohung Nummer eins noch vor Coronaviren und Killerautos gerecht werden. 
 
Zudem haben unsere Verwandten ordentlich Reklame für Dorsten bei den sibirischen Tigern gemacht, die dort von der Ausrottung bedroht sind. Lukaschenko hat die ersten Asylbewerber, für die Grenzzäune kein echtes Hindernis sind, bereits einfliegen lassen. So, jetzt bin ich gespannt auf das Presseecho. Bei Bedarf stehe ich für einen Fototermin zur Verfügung, wenn ich dafür den Ponyfotografen in den Hintern beißen darf! 
 
Glückauf 
Gloria + kdk  

Schmunzelpost 227 vom 2. 12. 21 

Wir Menschen neigen dazu, Tieren, die uns nahestehen, Namen zu geben. Damit meine ich nicht das Brathendl Karl-Heinz auf meinem Teller und auch nicht das lebensfrohe Schwein Kunigunde, dessen Schinken ich mir gestern einverleibt habe. Ich meine natürlich die unzähligen Hansis, Bellos und Tiger, die mit uns unsere Wohnungen teilen. 
 
Einige von ihnen sind durch das Fernsehen weltberühmt geworden. Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt an den Collie Lassie, der stets im letzten Moment für lebensrettende Hilfe sorgte. Auch "Fury, wie wär's mit einem Ausritt?", ist ein Klassiker, wie Rin Tin Tin bellend bestätigen wird. Micky Maus, Donald Duck, Fix und Foxi sowie Tom und Jerry lassen wir jetzt einmal außen vor. 
 
Dafür ist Flipper der Freund aller Kinder. Denn "jeder kennt ihn, den klugen Delphin". Er zeigt, dass auch aushäusige Tiere Herzen und Namen erobern können. Von Flipper ist jedenfalls nicht bekannt, dass er keckernd in großen Aquarien oder Swimmingpools seine Freunde begrüßte. Goldfischen ging dieses Talent leider ab, weshalb sie meistens namenlos blieben. 
 
Andere Tiere nahmen einiges auf sich, um durch Benennung unsterblich zu werden. King Kong kletterte dafür sogar aufs Empire State Building, wurde dort aber leider von der Luftwaffe erlegt. Besser erging es einem Schweinchen namens Babe, dass sich zum Hüteschwein für Schafe fortbildete und daher nicht als Schnitzel endete. 
 
Meine ersten, bis heute unvergessenen tierischen Freunde standen auf dem Papier. Das waren Petzi, Pelle und Pingo im Zeitungs-Comic sowie Mecki, der schlaue Igel, in der Fernsehzeitschrift. Und Pony, das Seepferdchen, aus der Bibliothek schaffte einen Rekord. Es ist mit 16 Ausleihen mein meistgelesenes Buch! Die Kindheitserinnerungen komplettieren Kater Mikesch aus der Augsburger Puppenkiste, Balu, der Bär und Kaa, die Schlange aus dem Dschungelbuch sowie Nessie. An deren Existenz glaubte ich weit länger als an den namenlosen Osterhasen. 
 
Kommen wir zu weiteren Berühmheiten, von denen Ihr fast alle kennen werdet. Wetten? Da ist zum Beispiel Bruno, der arme Problembär, der sich trotz seines kurzen Lebens in unser Gedächtnis brannte. Genau wie Dolly, das erste Klon-Schaf. Oder Paul, der Krake, der den Ausgang von WM-Spielen prophezeite. Unvergessen sind bestimmt auch Clarence, der schielende Löwe und Judy, die Schimpansen-Dame aus der TV-Serie Daktari. 
 
Sagt Euch der Name "Blondi" noch etwas? Nein, nicht die Ehefrau von Dankwart aus dem Comic-Strip, sondern der Schäferhund von Adolf Hitler. Positiver ist uns das prustende Walross aus dem NDR-Spot im Gedächtnis geblieben. Wie hieß es noch gleich? Ach ja: Antje! Und das Wunderpferd Halla, das den angeschlagenen Hans-Günter Winkler zum Olympia-Sieg trug, ist bis heute ebenso geläufig wie Knut, der knuddelige kleine Eisbär. 
 
Und dann gibt es ja noch die vielen tierischen Freunde aus der Literatur. Zum Beispiel den Herrn Nilsson, der den Fans von Pippi Langstrumpf ein Begriff ist. Karl May-Leser können mehr anfangen mit Rih, Kara Ben Nemsis Begleiter durch den Orient und Hatatitla, den feurigen Rappen, der Old Shatterhand durch den Wilden Westen trug. Nicht zu vergessen Iltschi, das Pferd des Blutbruders Winnetou. Ganz ohne Sattel pflügte Moby Dick, der weiße Wal, durch die Weltmeere. Aber für ihn zeichnet ja auch Hermann Melville verantwortlich. 
 
Jetzt noch zu zwei besonderen Tieren, die ich erst durch die Recherche für die Schmunzelpost kennen lernte. Da ist zum Einen "Comanche", ein Pferd, das einstmals im Dienst des US-Militärs stand. Es erlangte vor vielen Jahren Berühmtheit, weil es das einzige Lebewesen im Regiment von General Custer war, das die Schlacht am Little Big Horn gegen die Sioux überlebt haben soll. 
 
Und "überlebt" ist auch ein gutes Stichwort für den letzten tierischen Prominenten. Adwiata hieß die männliche Riesenschildkröte, die 1750 in einem indischen Zoo aus dem Ei schlüpfte. Adwiata starb erst 2006 und ist mit stolzen 256 Lebensjahren (!) das älteste bekannte Tier der Welt. Strengt Euch an, wenn Ihr da mithalten wollt! 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 226 vom 1. 12. 21 

Ausdauer, Durchhaltevermögen und Beständigkeit, das sind Eigenschaft, die Männer gern für sich in Anspruch nehmen. Obwohl Frauen genauso darüber verfügen. Trotzdem halte ich heute mannhaft an meinem Dauerthema fest und beschäftige mich diesmal ausschließlich mit männlichen Vornamen. 
 
Zunächst ein Blick auf diejenigen, die zum Glück den irregeleiteten Eltern von Standesämtern untersagt wurden. Es gab in Deutschland tatsächlich Menschen, die ihre Sprösslinge Fanta, Superman oder Satan taufen wollten. Das hat nicht geklappt. Und was zum Teufel hat diejenigen geritten, die ihren Sohn mit dem Namen Nelkenheini in die Welt schicken wollten? Das frage ich mich auch beim Namenswunsch "Yoghurt". Als Asterix-Freund halbwegs nachvollziehen kann ich gerade noch, dass auch der Vorname "Verleihnix" zur Debatte stand. 
 
Meine Verwunderung ist allerdings noch größer bei einigen Vornamen, die von den Standesämtern gebilligt wurden. Wie ist es zu erklären, dass ein Junge namens November sämtliche zwölf Monate seiner Lebensjahre bestreiten muss? Und wie kam es zu "Nussi"? Waren da Nutella-Fans am Werk? Und wer sein Kind "Popo" tauft, muss meiner Ansicht nach ein Arschloch sein. 
 
Dabei gibt es so klangvolle Alternativen. Nicht jeder Knabe muss Elias, Paul oder Felix heißen. Es gibt auch ausgefallenere Möglichkeiten. Wie wäre es beispielsweise mit "Luan"? Das bedeutet auf dem Balkan "der Löwe" und lateinisch "Das Licht". (Ich habe zwar nur das Asterix-Latinum, doch Verleihnix sagt, dass es stimmt). Auch "Silvan" stammt aus dem Lateinischen und eignet sich vor allem für Naturfreunde und solche, die es werden wollten: "Der aus dem Wald kommt".
  
Wer nicht gerade den Nachnamen Nazi trägt, könnte "Neo" in Betracht ziehen. Das Wort kommt aus dem Griechischen, bedeutet "neu", hat aber mit "das Geschenk" noch eine zweite Bedeutung. Pino hat hebräische Wurzeln und erinnert an köstlichen Wein, Tamino ist etwas für Opernliebhaber und Leute, die das Besondere zu schätzen wissen. 
 
Arjan ist die friesische Form von Adrian und hat damit sowohl einen hebräischen, indischen, persischen und kurdischen Hintergrund. Ist damit also wirklich international. Und zudem eine Verheißung: Arjan heißt "goldenes Leben". Recht ungewöhnlich, aber dennoch einprägsam ist der altirische Vorname Flynn. Was so viel bedeutet wie "der frisch und rosig Aussehende". 
 
Freunde des Althochdeutschen könnten sich für Elric entscheiden, was sich übersetzen lässt mit "Mann des Herzens". Melvin kam aus Frankreich über Schottland zu uns und heißt im Altdeutschen "gerechter Freund". Wer seine Familie in Gender-Zeiten eher divers aufstellen will, kann seinen Sohn auch Marion nennen. Denn der Name darf als keltische Abwandlung von "kleiner Falke" auch Jungs schmücken. 
 
Na, immer noch unschlüssig? Dann habe ich noch einen letzten, wahrlich ultimativen und bis heute unübertroffenen Tipp: Wie wäre es denn mit Klaus-Dieter? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 225 vom 30. 11. 21 

Ich sehe schwarz! Da nervte uns der Kommerz ausgiebig mit dem Black Friday. Dann wurde der Black Friday, Logik hin oder her, auf eine ganze Woche ausgedehnt. Und nachdem die endlich überstanden ist, haben sie jetzt auch noch den Montag dran gehängt! Ist das schwarzer Humor? 
 
Für den bin ja eigentlich ich zuständig. Deshalb gehen auch heute meine Namenstage weiter. Allerdings in abgewandelter Form. Viel tiefgründiger als sonst. Wir steigen nämlich hinab in unseren Keller. Doch die Einzahl ist in diesem Fall nicht angebracht. Wir haben nämlich mehrere davon. Und um sie auseinanderhalten zu können, habe ich sie mit Namen (!) versehen. So schließt sich der thematische Kreis. 
 
Steigen wir zunächst die Treppe herunter. Dort landen wir im Flurkeller. Der heißt so, weil er in erster Linie den Zugang zu anderen Kellerräumen gewährt. Gleichzeitig könnte er auch Schuh- oder Gartenliegen-Lagerkeller heißen, weil eine Nische unter der Treppe für diese Zwecke genutzt wird. 
 
Geradeaus geht es in den Heizungskeller. Er trägt diese Bezeichnung, weil dort die Röhrensysteme und Regler für die Heizungsanlage zusammen laufen. Gleichzeitig könnte er auch Getränkelager- oder Schallplattendepot-Keller heißen, weil er für diese Zwecke genutzt wird. 
 
Nebenan befindet sich der Waschkeller. Er bietet nicht nur der Waschmaschine Unterschlupf, sondern wird auch als Sammelstelle für schmutzige Wäsche und als Trockenraum genutzt. Gleichzeitig könnte er auch Reinigungszentral- und Gartendepot-Keller heißen, weil die entsprechenden Gerätschaften dort gelagert werden. 
 
Kommen wir endlich zum Hauptkeller. Befände er sich unter dem Dachstuhl, würde er zurecht als Rumpelkammer bezeichnet. Dort finden sich sehr viele Dinge, die mit dem Argument "Nicht wegwerfen! Uns könntet ihr irgendwann noch brauchen!" mit Erfolg Asyl beantragt haben. Jedes Jahr werden es mehr. Gleichzeitig könnte dieser Keller auch Weinkeller, Landkarten- und Buchkeller, Altkleiderkeller, Elektroschrott-Keller, Umzugskisten-Keller, ausrangierte-Möbel-Keller oder Krims-Krams-Keller heißen. Selbst uralte Arbeitsutensilien und Dokumente aus prähistorischen Schulzeiten haben dort ein ruhiges Plätzchen gefunden. 
 
Das blieb nicht ohne Folgen. Selbst unser sonst so neugieriger und abenteuerlustiger Kater traut sich nicht ohne Begleitung in diesen Keller hinein. Das hat nicht etwa was mit der Sorge zu tun, er könne dort mutierten kaninchengroßen Ratten begegnen, sondern viel mehr mit der Erkenntnis, dass wegen des ausgefeilten Raumnutzungskonzepts die durch den Keller führenden schmalen Stollen extrem einsturzgefährdet sind. Nicht von ungefähr hängt am Eingang das Schild: "Sie betreten diesen Raum auf eigene Gefahr. Die Wohnungseigentümer haften nicht für eventuelle Verletzungen!" 
 
Da fällt mir glatt ein weiterer Name ein: Es handelt sich um unseren Hochrisikokeller! Höhlenforscher können aufsehenerregende Entdeckungen machen. Dort krabbeln inzwischen Spinnen herum, die es nirgendwo anders auf unserem Planeten gibt. Und wenn Archäologen die Aufzeichnungen auswerten, die ich einst als Schriftgelehrter im Lager von Hermann, dem Cherusker, notiert habe, müssen große Teile der germanischen Geschichte neu geschrieben werden. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 224 vom 29. 11. 21 

 

Germany, Allemagne, Tyskland. Das sind - nicht schwer zu erraten - Namen, mit denen Deutschland im Ausland bezeichnet wird. Das können aber auch Namen sein, mit denen Kinder im Ausland benannt werden - anders als bei uns geht man in vielen Staaten recht locker mit der Vergabe von Vornamen um. Ich habe mich mal im Netz umgeschaut, welcher Unfug sonst noch rund um den Globus mit Namen getrieben wird. 
 
Die beklopptesten Beispiele stammen nicht völlig unerwartet aus dem Land, in dem Donald Trump Präsident werden konnte. Fangen wir mit etwas Harmlosen an. Für das Football-Team der Baylor-University tritt Hunter H. Hunter an. H. steht übrigens für Hunter. Man stelle sich vor, bei einer Polizeikontrolle hierzulande würde sein deutsches Pendant die Frage nach seinem Namen mit "Jäger Jäger Jäger" beantworten! 
 
Auch nicht schlecht staunten US-Polizisten, als sie bei einer Alkoholkontrolle in Allegheny Township Mister Nicholas G. Sober sternhagelvoll am Steuer ertappten. Sober heißt zu deutsch nüchtern. Und welchen Namen trug der geisteskranke Patient, der im Mai 2000 aus dem Montana State Hospital in Warm Springs entkam? Ja, klar: Terry Crazy! Witzig finde ich auch, dass Richard Slipery dreimal aus demselben Gefängnis ausbrach. Slipery bedeutet schlüpfrig. Und der Typ war offenbar in den Händen der Justiz glitschig wie nasse Seife. 
 
Auch Joshua Pees nahm seinen Namen zu wörtlich. Er wurde schließlich in Bowling Green (Ohio) wegen Urinieren in der Öffentlichkeit festgenommen. Kommen wir nun zu den richtig schweren Jungs. Keith F. Firstintrouble wurde in Denver von der Polizei angeschossen, nachdem er zuvor mit dem Messer auf einen Officer eingestochen hatte. Sein Name lässt sich übersetzen mit: Als Allererster in Schwierigkeiten! 
 
Manchmal bleibt das Lachen im Halse stecken. William Freelove wurde in Denver wegen Vergewaltigung verurteilt. Und einen Kenneth Barbee Daul (K. Barbie Puppe) verhaftete man 1994 im kalifornischen San Mateo wegen Kindesmissbrauchs. 
 
Wechseln wir nach Großbritannien. Eine Untat aus dem Jahre 1911 wirft heute noch viele Fragen auf. Die Täter können sie nicht mehr beantworten: Die drei Mörder namens Green, Berry und Hill wurden hingerichtet. Sie waren schuldig gesprochen worden, Sir Edmund Berry zu Greenbury Hill umgebracht zu haben. Suchten damals die Killer ihre Opfer aus dem Telefonbuch aus? 
 
Zum Schluss noch ein kleiner Fisch aus Italien. In Bologna wurde Fabrizio Spaghetti bei einem Einbruch auf frischer Tat ertappt. Er war in ein Nudel-Fachgeschäft eingestiegen! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 223 vom 28. 11. 21

Namen sind bekanntlich Schall und Rauch. Oder etwa Luft? Darauf deutet zumindest der Zingster Fahrradbetrieb Luft hin, auf den Lisa hinweist. Dort kann dann ja wohl jeder Plattfuß versorgt werden - egal, ob es sich um Frau oder Herrn Plattfuß handelt.
 
Wanderungen, zu Fuß oder mit dem Rad, sind das Spezialgebiet von Martin Velling. Falls Ihr Euren Urlaub 2022 nicht bereits komplett verplant habt, guckt mal unter www.velling-reisen.de, ob im neuen Programm für Euch etwas Passendes dabei ist. Martin hat sich jetzt auch erneut zum Thema Namen geäußert: 
 
"Als ich in den 1980ern in Bonn wohnte, gab es in der Innenstadt das Blumenhaus "Kranzspende" (Spezialität: Beerdigungsschmuck?) und den Zahnarzt "Dr. Auweh". Mit einer Gruppe bin ich später mal vom ehemaligen Regierungsviertel zur City gewandert und kam an einem Arztpraxisschild vorbei mit sage und schreibe fünf Fachgebieten: Dr. Velling, Gynäkologie/HNO/Fußorthopädie/Lungenkrankheiten/Urologie (so ähnlich, ungelogen!). Im Hinblick auf meinen Nachnamen meinte ich dann: "Seht ihr, das ist typisch Velling: alles können wollen, aber nix richtig!" 
 
Für mich war das Anlass, mich einmal unter den Medizinern umzuschauen. Das hatte ich schon mal für die Zeitungs-Rubrik "Guten Morgen" getan. Und auch bei unserer Baumhaus-Ärzte-Lesung entkrampfte das die Lachmuskulatur. Doch die bisherigen Zitate waren nur die Spitze des Namensberges. 
 
Rollen wir das Feld von hinten auf und beginnen mit Z wie Zahnärzte. Dr. Waltraud Backe praktiziert in Dresden und sollte vielleicht über eine Gemeinschaftspraxis mit Dr. Dünnebacke aus Osnabrück nachdenken. (Der wäre womöglich auch was für Deine nächste dicke Backe, liebe Christa!). 
 
Dr. Best behandelt in Neckargemünd. Aber wahrscheinlich nur, wenn er nicht gerade auf Werbetour für Zahnbürsten unterwegs ist. Zahnarzt Uwe Bohrer geht dem Übel in Pförring auf den Grund und Dr. Fingerlos aus St. Michael in Österreich war wohl bei einem schmerzempfindlichen Patienten zu unvorsichtig. Das wäre seinem Emdener Kollegen Dr. Beisser vermutlich nicht passiert. 
 
Dr. Zange aus Lübeck und Dr. Stein-Ziehfreund bilden ein gutes Team. Ihnen vertraut sich der Hamburger Kollege Dr. Wimmer als Patient an. Der Weg zu Dr. Marterer nach Österreich ist ihm zu weit. Der Schweigepflicht unterliegen die Patienten von Dr. Knebel aus Bad Berleburg. Und nach einem Termin bei Dr. Wolfgang Killmann in Hameln können sie sowieso nichts mehr sagen. Ich aber beende diesen Abschnitt nun mit einem Zahnarzt aus Kempten: Dr. Hörauf. 
 
Bei den Frauenärzten verkneife ich mir eine ganze Anzahl von obszönen Adressen. Und ob sich behandlungsbedürftige Frauen lieber einen Besuch bei Dr. Scharf (Hoyerswerda), Dr. Gerhart Puhl (Lübeck) oder den beiden Wienern Dr. Macho und Professor Dr. Nagele verkneifen, lasse ich mal dahin gestellt. Unbedenklich erscheinen dagegen Dr. Heiliger (Aachen) und Dr. Unverdorben (Erding). Ebenso natürlich der Schweizer Frauenarzt Dr. Hans Schwanzlos. Dr. Keusch aus Tirol ist leider schon verstorben. 
 
Dann gehen wir mal die Sparten durch. Als Allgemeinmediziner habe ich Dr. med. Sorgenfrei aus Berlin erkoren. Zur Augenärztin geht die Reise an den Chiemsee, wo Dr. Cornelia Schiele praktiziert. So weit muss ich zum Urologen nicht fahren. Dr. Rüssel hat seine Praxis in Borken. In meinem Geburtsort Lünen finde ich den Orthopäden Dr. Wilhelm Kuhfuß. Falls ich vollends durchdrehe, informiert bitte Dr. Spinner in Berlin. Der leitet dort eine Nervenklinik. 
 
Wenn jedoch eine Operation erforderlich wird, lehne ich Dr. Grausam, den Chefarzt der Chirurgie in Gifhorn, entschieden ab. Ebenso wie den Kölner Chirurgen Dr. Claus Metzler. Falls alle ärztliche Kunst versagt hat, bringt mich zu Dr. Frankenstein nach Wolfen. Und wenn selbst der mich nicht revitalisieren kann, wähle ich als Pathologen Professor Dr. Gernot von Hinueber in Kempten.  
 
Außerhalb der Fachrichtungen kämen noch in Frage: Dr. med. Kreideweiß, Dr. med. Kehrwieder (wahrscheinlich spezialisiert auf chronisch Kranke) und Dr. med. Gudrun Warwas. Ist es nicht am besten, wenn geheilte Patienten nach kurzer Zeit fragen können: "War was?" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wieder einmal hat Schalke 04 drei Punkte geholt. Wie versprochen blicken wir daher in die Vereinsgeschichte, diesmal ins Kapitel verpasste Gelegenheiten - wie Lothar Matthäus sagen würde: Wäre, wäre, Fahrradkette. Dass Ralf Rangnick im Jahr vor dem Abstieg beinahe das Ruder übernommen hätte, ist allgemein bekannt. Wegen Indiskretionen während der Verhandlungen und möglicherweise allzu dürftiger Finanzmittel wurde daraus leider nichts. 
 
Zuvor hatte Schalke bereits Thomas Tuchel an der Angel. Aber sein damaliger Verein Mainz 05 ließ ihn nicht ziehen, worauf Tuchel ein Sabbatjahr einlegte und danach mit Borussia Dortmund auf Titeljagd ging. Heute trainiert er den Champions League-Sieger Chelsea. 
 
Und vor etwa drei Wochen kam heraus, dass Schalke-Manager Horst Heldt vor ein paar Jahren auch mit meinem Lieblingstrainer Christian Streich in Freiburg Gespräche führte. Streich verrät darüber nichts. Aber ich ärgere mich noch im Nachhinein, dass diese Chance vertan wurde! 

  

 Schmunzelpost 222 vom 27. 11. 21

Inzwischen seid Ihr gut genug geschult für einen kleinen Test. Hier kommt die erste Frage: Wie viele Nachnamen stecken in diesem Text? 
 
Ein Schneemann geht auf einem Feldweg barfuß durch den Wald. Der Aufschneider ist kein Bärenfänger, wie er behauptet, aber ein Fleischfresser. Was sieht er da? Blöd! Bloß eine Gurke, kein Hühnerbein oder Bratfisch. Nicht mal ein Krautwurm, ein Einhorn oder ein Rudel Katz. Da - ein Regenbogen! "Jetzt auch noch Naßwetter", murmelt er nimmerfroh. "Trinkaus!" Aus Frischbier wird Schluckebier. Dann reduziert er mit linker Hand unter Busch die Mäusezahl und rülpst: "Das war oberbillig, sogar gratis. Hoffentlich ohne Kotzer!" 
 
Zweiter Test: Mit Vornamen ist das in Deutschland so eine Sache. Exotische wie "Klaus-Dieter" sind erlaubt, alltäglich wie Schröder verboten. Deshalb frage ich Euch: Welche der folgenden Vornamen sind zulässig und welche wurden untersagt? 
 
a) Max Amos Soma Xam 
 
b) Birkenfeld 
 
c) Pfefferminze 
 
d) Moewe 
 
e) Windsbraut 
 
f) Dior 
 
g) Galaxina 
 
Da dürft Ihr jetzt mal eine Weile drüber nachdenken. Die Auflösungen findet Ihr dann weiter unten unter PS. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Im Schneemann-Text sind insgesamt 26 Nachnamen verborgen. Kleiner Tipp: Manche werden im Original zusammen geschrieben, wie z. B. Durchdenwald. 
 
PPS. 
 
a) Diese Vornamen sind erlaubt, weil es zulässig ist, benutzte Namen spiegelverkehrt anzuhängen. 
 
b) Auch dieser Vorname ist erlaubt, weil die Entscheider offenbar Baumfreunde waren. 
 
c) Pippi Langstrumpf hatte dagegen schlechte Karten: Pfefferminze wurde nicht genehmigt. 
 
d) Selbst an der Küste dürfen Kinder nicht den schönen Namen Moewe tragen - manche Standesbeamte haben einen Vogel! 
 
e) Dagegen gab es für Windsbraut grünes Licht: Vielleicht haben sich beim Antrag alle ein paar Gläschen genehmigt. 
 
f) Und auch Dior ist erlaubt. Ein schöpferischer Name, der Modetrends setzen könnte. 
 
g) Und vor der Taufe von Galaxina waren den Zuständigen die Sterne nicht schnuppe: Der Name durfte vergeben werden. 
 

Schmunzelpost 221 vom 26. 11. 21

Dass Namen oft aus Berufsbezeichnungen entstanden sind, hatten wir bereits erörtert. Thematisiert habe ich auch schon, dass manche Namen ihre Inhaber bei der Berufswahl inspirieren durchaus könnten. Wie oft dies jedoch wohl tatsächlich der Fall war, belegen die deutschen Branchen-Telefonbücher. Die riesige Fülle böte Stoff für mehrere SP-Folgen. Ich werde mich aber auf eine Auswahl der schönsten Blüten beschränken.
 
Apropos Blüten: Im Blumenhaus Blum in Wachtberg, da blüht Euch was! Und auch im Blumenhaus Ernst Strauß in Esslingen ist der Kunde an der richtigen Adresse. Woran er in Ingolstadt bei "Floristik und Blumen Unkraut" womöglich einen Moment lang zweifelt. 
 
Skepsis muss auch überwunden werden vor dem Besuch der Fahrschule Beule in Geilenkirchen. Was ebenso in Donauwörth für die Fahrschule Günther Schrott gilt. Und ob die Fahrschule Rudolf Heß in Burgdorf bei Hannover nur etwas für Rechtsabbieger ist, habe ich nicht herausfinden können. 
 
Gerade fällt mir ein: Meine Steuererklärung ist immer noch nicht fertig. Vielleicht sollte ich mich an das Steuerberatungsbüro Albrecht Reich und Albert Schenk in Tübingen wenden? Bevor das Finanzamt mir Saures gibt, schnell noch eine Gurke: Natürlich bestellt bei Gartenbau Alfred Gurke in Chemnitz. Bevor das Finanzamt mir den Kopf wäscht, fahre ich lieber freiwillig zum Friseurbetrieb Karl-Heinz Kahl nach Künzelsau. Und bevor mir das Finanzamt auch noch die letzten Haare vom Schädel rupft, komme ich ihm im Herrensalon Winfried Glatz in Cottbus zuvor. 
 
 Oder ich fordere den Maestro der Schere in Michelstadt auf: "Rode mich!" Gelernt ist gelernt: Er betreibt schließlich den Salon Rodemich. Bevorzugen würde ich ja Dieter Kraushaar in Ludwigsburg. Aber der führt einen Damensalon. Für Frauen hätte ich jedoch eine andere gute Adresse: Den Salon Dorothee Schönheit in Riethnordhausen. 
 
Kettensägen kaufe ich ausschließlich bei Geräte Köpf in Augsburg, Lampen in der Leuchtengroßhandlung Adam Dunkel in Koblenz. Beim Hausbau vertraue ich voll und ganz der Bauplanung Albert Fusch in Breitenworbis. Und die Weinagentur Suffa in Höchberg ist eine gute Adresse. Die Tischlerei Ralf Morsch im hessischen Wabern meide ich, stattdessen vertraue ich der Schreinerei Max Handlos in Eggenfelden. Die arbeitet mit vollem Körpereinsatz, zumindest ihre Produkte aber haben, äh, Hand und Fuß. 
 
 Naturkost beziehe ich von Rudolf Regenwurm in Vlotho, und Früchte kaufe ich beim Obst- und Gemüsehandel Alfons Wurm im Biggetal. Die kennen sich vor allem mit Äpfeln aus. Noch ein Tipp für den Erwerb von Stühlen und Sesseln: POPO Sitzmöbel in Bremen. 
 
Nicht nur diese Glosse, auch das Leben hat einmal ein Ende. Also geht es abschließend zum Bestatter. Und da ist die Auswahl riesig. Nicht weit weg in Dinslaken findet sich "Bestattungen W. Dunkelmann". Ich neige eher zum Bestattungsinstitut Kiste in Garmisch-Partenkirchen. Oder doch lieber der Plauener Bestattungsdienst Marion Todt? Bestattungshaus Wurm in Lindau? Oder das Duisburger Bestattungsunternehmen Karl Kummer? Am besten, ich warte noch ein Weilchen mit dem Sterben. Dann können meine Erben den Bestatter auswählen. Wahrscheinlich "Pietät Freudensprung" in Bamberg. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 220 vom 25. 11. 21

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob er nicht noch was bess'res findet! Ein Kriterium bei der Partnerwahl könnte auch der Name sein. Und ein Herr Faust passt nicht gut zu Frau Auge, die eine gewaltfreie Beziehung anstrebt. Obwohl sich beide eher selten gemeinsam ins Telefonbuch eintragen lassen und wegen des neuen Namensrechtes auch nicht mehr erkennen, ob es sich um Ehepaare oder Unverheiratete handelt, sind deutschlandweit doch ein paar bemerkenswerte Kombinationen zu finden. 
 
Es heißt ja, Gegensätze zögen sich an. Das dürfte bei Michael Gottlieb und Sigrid Unglaub der Fall gewesen sein. Um meinem frischen Zoten-Image gerecht zu werden: Vielleicht bevorzugt der gute Michael ja die Missionarsstellung. . . 
Und wenn wir schon beim Thema Sex sind, darf es auch ein bisschen ausgefallener sein. In der Abteilung Sado-Maso haben sich wahrscheinlich die Paare Andrea Pein und Andreas Seeliger sowie Franz Zahnbrecher und Monika Wimmer gefunden. Wobei es sich bei Letzteren auch um einen Kieferchirurgen und seine Lieblingspatientin handeln könnte. 
 
Unbedingt ein Bestattungsunternehmen gründen sollten Ingeborg Grab und Peter Gräber. Und Ernst Frühstück, liiert mit Renate Schluck, könnten über einen Partnertausch nachdenken, für den sich Claus Trunk und Heike Saueressig anbieten würden. 
 
Tierisch geht es zu bei Artur Schaaf und Susanne Gockel. Aber ob das zusammenpasst? Was für Kinder würden daraus entspringen? Kevin Hammelküken? Oder Annabella Bockhuhn? Da kommen Markus Vögele und Martina Gayer der Sache schon näher. 
 
Und dann gibt es noch einige Partnerschaften, wo sich drohende Beziehungskrisen bereits auf den ersten Blick abzeichnen. Roland Liebe und Susanne Hader - kann das wirklich gut gehen? Und Andrea Kracht wird wahrscheinlich selbst Thomas Sorgenfrei ein paar Sorgenfalten bescheren. Besondere Turbulenzen sind zu erwarten bei Zweien, die sich wirklich gesucht und gefunden haben: Martin Tausendteufel und Eva Mießlinger. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 219 vom 24. 11. 21

Damit alle, die mit einem eher simplen Nachnamen wie beispielsweise Klein, Pabst, Schrief, Schwan oder Karl gesegnet sind, merken, wie gut sie es eigentlich haben, hier ein realer Name mit Migrationshintergrund: Saminathasarma Kanesharajakkurukkal. Jetzt stellt Euch vor, Ihr müsstet diesen Namen dauernd buchstabieren... 
 
Auch andere Menschen hätten sich einen schlichteren Namen gewünscht. Beispielsweise Bäcker. Das denken zumindest die Damen und Herren Butterbrodt, Mürbe und Fettback. Und Menschen, die den Beruf des Fahrlehrers anstreben, würden liebend gern ihren Nachnamen entsprechend ändern. Vor allem in den Familien Bleifuß, Habenschaden und Plattfuß. 
 
Leider habe ich in deutschen Telefonbüchern auch keine Friseure namens Zitterbart, Breitschopf und Haarlos gefunden. Und auch die Fleischerinnung hat wohl noch keine Metzgermeister mit Namen Kalbskopf, Wurstmacher und Würstlein in ihren Reihen. 
 
 Die Würstlein dieser Welt müssen sich in anderen Branchen bewähren. Doch irgendwann hat alles ein Ende, auch der Ärger über einen unpassenden Namen. Wobei es leider auch in der ehrenwerten Bestatterzunft keine Vertreter der Familien Rappelkiste und Trauernicht gibt. 
 
Namen können auch zu Missverständnissen führen. Vor allem am Telefon. So meldete sich Herr Piff, der Mitarbeiter eines Ordnungsamtes, so wie es üblich ist, meist mit: "Guten Tag,  Piff!" Am anderen Ende der Leitung war Herr Paff sekundenlang baff. Bevor er ordnungsgemäß antwortete: "Guten Tag, Paff!" Was dazu führte, dass dreimal der Hörer auf die Gabel geknallt wurde, bevor sich die Verwirrung beseitigen ließ. 
 
Ähnlich erging es einem neuen Auszubildenden. Er hatte sich gerade mit den Worten: "Gaul, ich möchte..." vorstellen wollen, als das Gespräch schon wieder beendet war. Sein Kollege am anderen Ende der Leitung hieß Rennpferdt und fühlte sich veräppelt. 
 
 Vor Jahren begegnete ein Herr Stein auf der Messe in Hannover einer jungen Ausstellerin, für deren Firmen-Produkte er sich interessierte. Als er sie um eine Visitenkarte bat, zierte sie sich ein wenig. Und als Herr Stein den Namen las, war ihm alles klar: Die Frau hieß Steinbeisser. 
 
Im oberbayerischen Erding gab es ebenfalls Kommunikations-Probleme. Der für den Ort zuständige CSU-Landrat hört auf den hierzulande gar nicht so seltenen Namen Bauer. Allerdings trägt der Erdinger SPD-Bürgermeister den Namen Bauernfeind. . . 
 
Zum Schluss noch ein Beispiel, wie jemand sich aus seinem Namen auch einen Spaß machen kann. Das ist jedenfalls für Frau Hirschbricht jedes Mal eine Freude. Wenn sie angerufen wird, meldet sie sich mit: "Hier spricht Hirschbricht!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 218 vom 23. 11. 21

Kennt Ihr noch Oda-Gebbine Holze-Stäblein? Dann habt Ihr mal das "Wort zum Sonntag" im Fernsehen geschaut, wo die Pastorin gelegentlich zu sehen und zu hören war. ("Evangelisch oder Katholisch?" Diese Frage hat sich jetzt hoffentlich niemand gestellt). Weniger Kirchenfunk-Interessierten ist aber bestimmt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ein Begriff. Die FDP-Politikerin stammt aus der Zeit, als Doppelnamen sehr verbreitet waren. 
 
Dank neuer Gesetze hat sich das geändert. Weshalb die Familien Große-Flasche, Langer-Hammel oder Pomm-Fritz inzwischen vom Aussterben bedroht sind. Auch Sylvia Schwarz-Weiß, Frau Froh-Böse oder Frau Wein-Keller würden sich heute vielleicht für andere Namenslösungen entscheiden. Wobei letztere in jungen Jahren für mich eine echte Versuchung gewesen wäre, falls Nomen tatsächlich Omen ist. 
 
Doch noch sind einige kuriose Doppelnamen im Umlauf. Auch wenn ich Gefahr laufe, als Zotenfreund abgestempelt zu werden: Mal ehrlich, wer kann sich bei Kerstin Schlapper-Rammelmann oder Renate Anders-Poppen ein verstohlenes Grinsen verkneifen? Und die Professorin Dr. Christiane Nüsslein-Volhard wurde oftmals als Nobelpreisträgerin ganz ohne Feixen interviewt. 
 
Babette Hohl-Kopp ist mittlerweile verstorben, aber Clemens Große-Macke ist meines Wissens am Leben. Er trägt seinen Namen mit Fassung, ebenso wie Helmut Popel-Gärtner. Fast poetisch klingt Ursula Wilde-Rose. Vermutlich tritt Karoline Blume-Riechmann bei einem Treffen ganz nah an sie heran. Und in Schermbeck würden viele sich freuen, Anneliese Wolf-Jaeger als Neubürgerin begrüßen zu dürfen. 
 
Ein ideales Paar wären augenscheinlich Matthias Vogel-Schwarm und Anke Vogel-Freund. Gemeinsam könnten sie sich auf die Suche nach Jutta Rother-Geier begeben. Und sich mit Karin Essen von Hahn zu einer Mahlzeit verabreden. Das Küchenpersonal steht schon bereit: Roswitha Scharf-Koch, Carmen Peter-Silie und Sigrid Topf-Kratzer. Dagegen haben Liselotte Schimmel-Koch und Brigitte Speck-Weckesser Hausverbot bekommen.
  
Und wie steht es mit den Getränken? Neben der uns bereits bekannten Anne Wein-Keller sowie Edith Schwarz-Bier sind als Ehrengäste Kathrin Sauf-Lang und Barbara Fröhlich-Rausch geladen. 
 
Na dann, Prost! 
kdk 

 Schmunzelpost 217 vom 22. 11. 21

Du dumme Sau! Du hast schon ewig nicht mehr das Streiflicht gelobt!" Ja, das stimmt, das muss sich ändern. Zumal mir das Streiflicht vom Wochenende in die Karten spielt. Da ging es nämlich um Schimpfworte. Was mehr oder weniger im Zusammenhang mit der Namensthematik steht. 
 
Die eingangs zitierte "dumme Sau" hat sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt, nachdem Klaus Kinski vor vielen Jahren bei seiner Jesus-Tournee von einem Zuschauer kritisiert wurde, auf der Bühne ausgerastet ist und recht rüde reagiert hat. Aber tatsächlich sind schweinische Namen in deutschen Telefonbüchern gar nicht so selten. Es gibt wirklich Leute, die den Familiennamen "Sau" tragen oder auch Schwein oder Schweinle. Letztere vermutlich in Schwaben. Darüber hinaus gibt es Herrn Schweinefuß und Frau Schweinebraten. Oder umgekehrt. Und eine Person namens Grunz. 
 
Besagtes Streiflicht wies darauf hin, dass in der Liste der Ordnungsrufe im Deutschen Bundestag mit 77 Rügen wegen unzulässiger Schmährufe Herbert Wehner eindeutiger Rekordhalter ist. Um den roten Faden nochmals aufzunehmen, hier Originalton Wehner: "Sie sind ein Schwein, wissen Sie das?" Auch schön war: "Waschen Sie sich mal. Sie haben es nötig!" 
 
 Am besten mit Kernseife, denn Herbert Wehner neigte zu markanten und kernigen Schimpfworten: "Übelkrähe!", "Quatschkopf!", "Lümmel!" Als er vom Vize-Bundestagspräsidenten mal gefragt wurde: "Herr Wehner, haben Sie den Herrn Abgeordneten Dr. Barzel gerade wirklich Pappkamerad genannt?", antwortete der SPD-Fraktionschef: "Ja, das habe ich. Aber das nehme ich zurück - Schleimer trifft es besser!" Und mein Allzeit-Favorit bleibt: "Sie Düffeldoffel!" 
 
Nun noch zu den Namen, die Menschen von Geburt an tragen müssen oder die ihnen bei der Taufe als Vorname angehängt wurden und die gern von Übelkrähen als Schimpfwörter ausgenutzt werden. Bei den Vornamen sollten Eltern "Heini" vermeiden. Und als betroffenes Kind würde ich noch nachträglich darüber nachdenken, ob ich meine Erzeuger nicht wegen Beleidigung verklage, wenn sie mir (und das ist wirklich geschehen) den originellen Namen "Hein Blöd" verpasst haben. 
 
Auch Rainer Müll ist nicht viel besser dran. Und wenn man mich mit Fug und Recht "Du Gurke!" nennen dürfte, würde ich mich grün verfärben. Auch der Nachname "Aufschneider" ist nicht förderlich für einen spottfreien Lebensverlauf. Immerhin erlaubt das Namensrecht, dass sich besonders üble Namen inzwischen ohne große Schwierigkeiten ändern lassen. Herrn oder Frau Arschloch findet man also nicht mehr, dafür gibt es aber immer noch Leute, 
die "Niedergesäß" heißen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Namensforscher Martin hat eine Anmerkung: "Bei uns im Ort hieß jemand JOHANN PUFF, der über seinen Namen nicht sehr glücklich war, ihn aber nicht ändern lassen konnte. Nun gibt es seit kurzem in der EU das Recht, seinen Namen in einer anderen anerkannten EU-Amtssprache auszudrücken (aus Peter Müller wird z. B. - französisiert und damit vornehmer - Pierre Mulière). Johann Puff hat seinen Namen italienisiert und nennt sich nun GIOVANNI BORDELLO!!!" 
 
PPS. Namensforscher kdk hat auch eine Anmerkung: Das sollte jemand mal Marion Puff aus Erlangen oder dem Kölner Weihbischoff Ansgar Puff mitteilen. 

 

 Schmunzelpost 216 vom 21. 11. 21

Jetzt haben wir schon so viele Leute mit häufigen oder seltsamen Namen kennengelernt, da werden wir doch heute noch nicht damit aufhören. Bei einigen der merkwürdigen Nach- und Vornamen drängte sich die Frage auf: Dürfen die das wirklich? Können Eltern ihre Kinder mit ausgefallenen Namen bedenken, ohne dass die Standesämter einschreiten? Darüber hat es schon rechtliche Auseinandersetzungen gegeben. Und es ist erstaunlich, was deutsche Eltern ihren Kindern zumuten dürfen. 
 
So haben die Vornamen Pumuckl, Rapunzel und Gneisenaurette den Zulässigkeits-Stempel bekommen. Auch gegen Winnetou, Pepsi-Carola, Waterloo und sogar Winzbraut hatten die zuständigen Behörden nichts einzuwenden. Dagegen waren den verantwortlichen Beamten Lenin, Störenfried, Sputnik und Schnucki ein Dorn im Auge. Auch McDonald, Omo und Bierstübl wurden abgelehnt. 
 
In Düsseldorf wollte eine Mutter ein ganzes Dutzend Vornamen juristisch durchsetzen. Sie scheiterte schließlich vor dem Oberlandesgericht. Allerdings blieben fünf Vornamen übrig, die jetzt ihren Sohn Chenekwahow Migiskau Kioma Ernesto Tecumseh schmücken. 
 
 Interessant auch der Blick in andere Länder. In Bulgarien darf ein Junge jetzt endlich mit Fug und Recht "Manchester United" heißen - der Rechtsstreit um die Benennung nach dem Lieblingsverein hatte Jahre gedauert. In Honduras konnte man sich hingegen trotz intensiver Beratungen nicht dazu durchringen, dass autoaffine Eltern ihre Kinder "Zündkerze" oder "Wunderreifen" taufen dürfen. 
 
Und in Italien durften tausende Betroffene nach jahrelangem gerichtlichen Tauziehen ihre Namen ändern. Aus Signor Sederino, übersetzt "Herr kleiner Hintern", wurde Signor Denaccis. Frau Vacca, was so viel bedeutet wie Kuh oder fettes Weib, darf sich nun Vallas nennen. Aus "Mamma Trottel", sprich Tontodimamma, wurde Frau Diman. Und Signor Fallitis (Versager) heißt nun Lellis. 
 
Für die Universität Leipzig arbeitet übrigens die Namensberaterin Gabriele Rodriguez. Auf ihre meist gerichtsfesten Expertisen stützen sich hierzulande viele Standesämter. Was zur Folge hat, das Jesus lebt, aber Judas tabu ist. Auch der Markenname Porsche wurde als Vorname von ihr ausgebremst, Mercedes hingegen nicht - den Namen gab es schon vor dem Auto. Ähnliches hat wohl auch dazu geführt, dass Lenor untersagt wurde, aber Sunil und Persil zulässig sind. Grundsätzlich ist Gabriele Rodriguez bestimmt eine weise Frau: Gegen den Vornamen Borussia hat sie ihr Veto eingelegt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 215 vom 20. 11. 21

Morgenschweiß und Jungverdorben: Mit diesen Namen sein ganzes Leben zu verbringen, kann ein schweres Schicksal sein. Beim dritten Namen, den SP-Leserin Ursula beigesteuert hat, frage ich mich dagegen, ob auch er bei der Währungsumstellung berücksichtigt wurde: Vielleicht ist aus "Hundertmark" ja "Hunderteuro" geworden. Ein beträchtlicher Wertzuwachs! 
 
Weit schlimmer hat es dagegen andere Menschen getroffen, die in deutschen Telefonbüchern zu finden sind. Beginnen wir knallhart, damit wir dieses Geschäft hinter uns gebracht haben, mit den Beispielen für Fäkalienfreunde: Die Familien Kackebart, Powischer und Klohocker existieren wirklich. Und auch Willy Würgt und Berta Haufen werden nicht allzu glücklich über ihre Namen sein. Was wahrscheinlich auch für Alois Pinkl, A. Köttel, A. Popel und F. Sabbert gilt, von Lincoln-Abraham Pipi ganz zu schweigen. 
 
Überlassen wir die Betroffenen ihrem Schicksal, schnell raus aus der Ekelzone. Sonst sind sie uns noch böse. Und zumindest dem Namen nach böse Menschen gibt es sowieso schon reichlich: Möchtet Ihr im Dunkeln J. Hauzu, A. Schlitzer oder F. Folter begegnen? Oder ihren Kumpanen A. Böse jr., W. Prügel und G. Beinbrech? 
 
 Das muss eine ganze Bande sein, denn in den Telefonbüchern lauern auch Achmet Satan, Rigobert Teufel, Miroslaw Machalle, Eitel Mörder und Johnny Leichenberg. Ihr Boss ist vermutlich Dr. Tod. Doch vielleicht kann man ihnen helfen. Wir sollten sie mit Anneliese Besserdich bekannt machen. Jemand, den ich aus Dorsten persönlich kenne, ist aber harmlos. R. Zuschlag tut allenfalls der Sprache Gewalt an. 
 
In der Sparte Bekleidung gibt es wenig Spektakuläres. Vielleicht ist F. Schlotterhose ja einem der bösen Jungs begegnet. Und bei B. Beha möchte ich gern wissen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. 
 
Kommen wir zur Tierwelt. Die ist so überaus reichlich vertreten, dass ich meine Auswahl auf diejenigen beschränke, die auch einen originellen Vornamen tragen. Da wären zum Beispiel Malwine Geier und Aferdita Schneegans, Nana Kuckuck und Bartholomäus Fink. Als Tintenhahn würde ich gern Danuta Henne und Gloria Gans kennenlernen. 
 
Besonders viel Mühe bei der Vornamenswahl haben sich offenbar die Eltern von Bernhardine Hund gegeben. Ebenso wie die Namengeber von Maja Biene. Und Frieda Fettköter sollte auf ihr Gewicht achten, um gehässigen Spöttern keine weitere Vorlage zu liefern. 
 
Jetzt ein kleiner Rundgang durch den Zoo. Peter Panther war nicht nur ein Pseudonym von Kurt Tucholsky, den gibt es tatsächlich! Dagegen finde ich nirgendwo Tuchos Alter-Ego Theobald Tiger, dafür jedoch Leo Löwe und Ruth Leopard. Ob ich gern Karl-Heinz Pavian heißen würde, weiß ich nicht so genau, dann lieber Pirmin Büffel. Oder Teddy Baer, aber das ist ein Schweizer. 
 
Nun zum Kleinvieh. Klaus-Ulrich Zecke ist bestimmt ein Dortmunder, und Walter de la Motte geht wahrscheinlich nur nachts aus dem Haus. Willibert Schnecke gehört wohl eher zu den Phlegmatikern. Armin Wuermli ist natürlich auch ein Schweizer.  Ebenso wie Marco Mauesli. Und Andrea van der Made sowie Meta Raupenstrauch tragen Namen, die man so schnell nicht vergisst. 
 
Bevor ich für heute endgültig abtauche, noch ein Besuch in der Wasserwelt. Dort treffen wir Andy Auster, Bernd Karpfen und Dorothea Krake. Aber auch Hadwiga Fischlein und Chlotilde Forelle. Nicht zu verwechseln mit Prudence Forel-Lee. Aber die ist wie Delphine Petite Schweizerin. Und, wer hätte das gedacht, auch Erich Fischli. 
 
Glückauf 
kdkräusli 
 
PS. Sehr zu denken gab mir, dass ich gestern gleich drei Menschen im Besitz von Karten für den Samstag traf, die nicht wussten, dass die Tintenhühner-Vorstellungen auf unbestimmte Zeit verschoben sind. Gut, eine Nachbarin informiert sich nur durch den Stadtspiegel. Aber zwei Abonnenten der Dorstener Zeitung, die am Abend bei der NABU-Hauptversammlung waren, haben es auch nicht mitgekriegt. Offenbar sind auch Leute nicht gefeit, bei denen man überhaupt nicht damit rechnet. Also, liebe Tintenhühner, heute Abend nicht an der Tür der Petrinum-Aula rappeln! 
 

 Schmunzelpost 214 vom 19. 11. 21

Unter meinen Kommilitonen an der Uni war einer, dessen Familie meldete sich am Telefon grundsätzlich mit "Ja?" Die ganze Sippe litt unter der schweren Bürde ihrer Vorfahren: Sie trugen den Namen "Fickermann". Was in den Siebzigern offenbar zahlreiche Mitbürger zu diversen "Scherzen" inspirierte. 
 
Bevor mir die Wölfe dazwischen kamen, hatten wir uns mit häufig vorkommenden deutschen Nachnamen beschäftigt. Nun hat hierzulande nicht jeder das Glück mit einem so wohlklingenden, einprägsamen und unkompliziertem Namen wie "Krause" bedacht zu sein. Es gibt in Deutschland auch, na, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftige Familiennamen. 
 
Damit hat sich auch Schmunzelpost-Leser Martin befasst: 
Klar, dass Berufsbezeichnungen ganz vorne rangieren. Es gibt aber auch das genaue Gegenteil, nämlich lustige oder augenzwinkernde Berufsbezeichnungen als Nachnamen, die auf Gegenstände, Arbeitsweisen oder sogar berufstypische Geräusche zurückgehen. Wir hatten mal im Verein eine Schatzmeisterin namens "Pinkepank", was den Schmied bezeichnet und auf das Hammer-Amboss-Geräusch zurückgeht (aber auch "Glüheisen", "Zerreisen", "Schmelzeisen", "Flamm", "Funke", "Gareis(en)", "Raiffeisen" u.v.m. für Schmiede). 
 
 Weitere Vertreter sind: für den Böttcher "Treffenreif", für den Wirt "Rupfengast"/"Schluckebier"/"Dünnebier", für den Bogenschützen "Schnurrpfeil", für den Koch "Lickefett", "Leckentwirl" (leck den Quirl), "Rührlöffel"/"Pfankuch", für den Viehhändler "Böseferkel", für den Priester "Weyrauch", für den Metzger "Rindfleisch"/"Anefleisch"/"Flaischlen", für den Schuster "Zerrleder", für den fahrenden Kaufmann "Durchdenbusch"/"Stürzenwagen", für den fahrenden Sänger "Singuf"/"Klingsohr", für den Bäcker "Knüllemehl"/"Klunkerteig", für den Reiter "Klebsattel", für den Landwirt "Plogversworn" (= dem Pflug verschworen)/"Flegel"/"Rübenstrunk"/"Roggenbauch"/"Bohnenstengel", für den Landsknecht "Hauenschild"/"Schlagdenhaufen"/"Herforth" (= Heerfahrt) usw. 
 
Einst waren durchaus auch anrüchige/erotische Nachnamen üblich; deren Träger haben sich wohl frühzeitig um eine Namensänderung bemüht, denn wer möchte heutzutage wohl noch "Greifirdran", "Tusdermaid" oder "Rutschufdekäthe" heißen? Allerdings kommt "Wackernagel" noch häufig vor; sind deren Träger sich wohl bewusst, dass man so einst maskuline Vertreter nannte, die nicht gerne etwas anbrennen ließen .....? 
 
So weit Martin. Was mich natürlich neugierig machte. Ich habe mal im Internet recherchiert, welche seltsamen Namen in deutschen Telefonbüchern zu finden sind. Dabei fällt auf, wie viele Namen aus der Abteilung "Pfui!" vertreten sind, mit denen wir uns vermutlich auch mit "Hallo?" am Telefon melden würden. 
 
Dabei zählen G. Punkt, Gundhard Triebfürst, Rudi Rammler und Willy Wollust noch zu den eher harmlosen. Bei vielen anderen fragt man sich, warum die Betroffenen nicht von der Möglichkeit einer Umbenennung Gebrauch machen. Eine weitere Frage ist, was Eltern sich denken, wenn sie ihren Sprösslingen auch noch einen "passenden" Vornamen aufdrücken. Wilma Ficken etwa musste in ihrer Jugend bestimmt einiges aushalten. Das gilt auch für Rosa Löchle. 
 
Aber auch in der Zeit, bevor durch die Möglichkeit zum Austoben im Internet jede Scham abhanden kam, haben sich Eltern nicht geniert, ihre politische Gesinnung dem Nachwuchs aufzuhalsen. Adolf Heil, Adolf Lager und Adolf Hittler - das kann kein Zufall sein. Ebenso wenig wie Josef Göbbels. Und wo waren früher die Verfechter der Political Correctness in unseren zuständigen Ämtern? Wunnibald Neger, Hildegard Judenfeind und Attila Bimbo hätten vor ihrem Schicksal bewahrt werden müssen. 
 
Eher aushalten lässt sich die kuriose Delegation aus der Abteilung Essen und Trinken. Wobei mich wundert, dass Menschen mit ausgefallenen Nachnamen offenbar auch gern merkwürdige Vornamen für ihre Kinder auswählen. Davon zeugen Ehrenfried Butterfaß, Kunibert Käseberg, Gangwolf Eierschmalz und Winniefred Eierkuchen. Die Eltern mit alkoholischen Nachnamen neigen dagegen mehr zu Alliterationen. Jedenfalls im Fall von Siegurt Saufhaus und Theobald Trunkenbold. 
 
Ach, Namen sind ein fast unerschöpfliches Feld. Ich werde wohl mit anderen Bereichen fortfahren. Aus dem tierischen Sektor soll ein Beispiel als Vorgeschmack und auch als Überleitung zum PS. dienen: Dr. Wolf Wolf! 
 
Glückauf 
kdk    
 
PS. Nach dem Argumente-Austausch vorgestern Abend mit einem anderen Tintenhahn hatte ich mich anschließend spontan zu dem Wolfstext hinreißen lassen, den vor allem die Schniedelkötters und ihre Anverwandten verstanden haben dürften. Tintenhuhn Lisa hat prompt einen neuen Schluss geliefert: 
…und dann kommt Schorsch und schlägt vor: „Gloria kann doch in das romantische, von Wäldern umgebene Deuten umgesiedelt werden.“ Plötzlich vernehmen sie alle ein herzzerreißendes Heulen. Ohne Frage, das ist Gloria!  Und wenn sich die Schniedelkötters und der erfahrene Jäger Jochen nicht verhört haben, wolfsheulte Gloria: „Ich weiß nicht, was soll ich in Deuten?“ 

 

Schmunzelpost 213 vom 18. 11. 21 

Hat mich der Wolf ins Hirn gebissen oder das Pony? Egal! Jedenfalls ist die Mail mit falschem Titel (Namhafte Schmunzelpost...) versehentlich herausgegangen, als ich sie unter "Entwürfe" abspeichern wollte. Sowas passiert in turbulenten Zeiten. 
   
Da hat dieses lausige Corona-Virus schon zum zweiten Mal unsere Planung torpediert: Wir mussten die Tintenhuhn-Vorstellungen im November absagen. Allerdings wollen wir Versäumtes so bald es geht im nächsten Jahr nachholen. 
 
Oma und Opa Schniedelkötter hat die Enttäuschung in die Natur getrieben. Begleiten wir die beiden bei ihrem Spaziergang durch den Schermbecker Dämmerwald. 
 
"Du, Lisa, warum muss ich diese dämliche rote Kappe tragen? Und warum haben wir ein Pony dabei? Bist Du schlecht zu Fuß und willst zurück reiten? Und was wird dann aus mir?" "Ach, Du Dummerchen, ich versuche doch nur, Kontakt zur Wölfin Gloria zu bekommen. Die tut mir so leid, weil die Anti-Wolf-Initiative dauernd Stimmung gegen sie und ihre Familie macht. Jeden Tag erscheint ein fetter Zeitungs-Artikel." 
 
"Findest Du es denn nicht schlimm, dass die Wölfe wehrlose Schafe und süße Ponys umbringen? Und überhaupt - willst Du mich etwa als Rotkäppchen zum Fraß vorwerfen?" "Quatsch, das Rotkäppchen nimmt Dir höchstens ein fast blindes Nashorn ab. Und die gibt es hier noch nicht. Ich will Gloria und ihr Rudel bloß neugierig machen, damit sie ihre Scheu überwindet." 
 
 "Und dann? Willst Du ihr ins Gewissen reden, damit sie künftig Schafe in Frieden lässt? Ich sehe das schon vor mir: Oma Schniedelkötter kriegt den Friedensnobelpreis, weil sie mit ihrer Diplomatie für paradiesischen Frieden sorgte: Die Wölfin und ihre Freunde - die sieben Geißlein." "Man muss es ja wenigstens versuchen. Aber still, da bewegt sich was im Unterholz." 
 
 "Das ist doch bloß Jochen, der Jäger. Von Tarnung versteht der genauso viel wie ein Chamäleon mit Blinklicht-Defekt. Jochen, komm raus, was schleichst Du hier herum?" "Ich habe Euch mit dem Pony gesehen und dachte, ihr braucht vielleicht Schutz. Hier treiben sich nämlich blutgierige Wölfe herum." 
 
"Ach was! Aber Du weißt auch, dass es verboten ist, Wölfe abzuschießen. Das kostet Dich fünftausend Euro und Deine Jagdlizenz!" "Aber nicht, wenn ich quasi in Notwehr handele, um Euer Leben zu retten." "Wir verzichten dankend! Oma Schniedelkötters Parföng ist so streng, da kriegt jeder Wolf das Heulen. Und überhaupt: Bisher dachten wir, Dir ist vor allem an toten Tieren gelegen. Wieso hast Du denn jetzt Dein Herz für Ponys entdeckt?" "Weil es eine Sauerei ist, dass diese kleinen, süßen, niedlichen, harmlosen Pferdchen jetzt zu Hunderten von Bestien massakriert werden und die Besitzer Unsummen für Schutzzäune aufbringen sollen!" 
 
"Wölfe waren hier doch bis vor 200 Jahren zuhause und sorgten für ein ökologisches Gleichgewicht in den Wäldern. Von Ponys habe ich das noch nie gehört. Oder hat Bauer Ewald seine Ponys vor den Pflug gespannt? Und Preußenkönig Wilhelm seine gefürchtete Pony-Kavallerie gegen Napoleon eingesetzt? Unterstützt vom dritten Wellensittich-Geschwader?" 
 
"Ach, Ihr könnt mich doch gern haben! Aber eins sage ich Euch: Ich bin nicht der Förster, der am Ende der Geschichte den Wolf aufschneidet und Euch rettet! Da schaue ich doch lieber bei den drei kleinen Schweinchen vorbei und berate sie über sturmfesten Hausbau!" 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 212 vom 17. 11. 21  

Wenn man sich in Statistiken vertieft, birgt das ein gewisses Risiko. So bin ich bei der Suche nach Auflistungen über die lautesten Städte auch in eine Liste der häufigsten deutschen Namen geraten. Und, ping!, schon hatte ich mich festgelesen. 
 
Klar, zuerst schaut man nach der Nummer eins. Dass dies "Müller" ist, war keine Überraschung. Als nächstes, zumindest falls man nicht Schwabbeltoff oder Armer-Schlucker heißt, schaut man, wo der eigene Nachname im Ranking auftaucht. Und "Krause" liegt auf Platz 37. Empörend! Vor allem, wenn man sieht, wer sich da alles vor einem tummelt: König (Rang 36), Hofmann (Rang 22) oder Richter (14). So viele Richter, die ihren Nachnamen vererben könnten, hat es doch überhaupt nicht gegeben! Schiebung! 
 
Aber was rege ich mich auf. Mehr Grund zum Ärgern hätten alle, die Schmidt heißen (Rang 2). Denn wenn sich die Sippen Schmitt (Rang 24) und Schmid (Rang 26) mit den Schmidts auf eine gemeinsame Schreibweise geeinigt hätten, würden die Müllers dumm aus der Wäsche gucken. Wobei auch noch Meyer (Rang 7), Meier (Rang 31) und Maier (Rang 34) ein Wörtchen mitreden würden. Was ein wenig auch für Schulz (Rang 12), Schulze (Rang 38) und Schulte (Rang 76) gilt. Dagegen hätten wir Krauses uns auch dann nicht unter die ersten Drei katapultieren können, wenn wir die Familie Kraus (Rang 73) adoptieren würden.  
 
Auffällig ist, welch große Rolle die Berufe bei der Namensgebung spielten. Sie belegen die Plätze eins bis sechs: Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Weber und Schäfer. Irritierend nur, wie viele Könige (Rang 36) und Kaiser (Rang 43) es gegeben hat. Vielleicht muss die deutsche Geschichte neu geschrieben werden. Oder aber die Monarchen haben unzählige außereheliche Nachkommen in die Welt gesetzt. . . 
 
Vielleicht haben aber nicht alle Namen etwas mit dem Berufsstand zu tun. Immerhin ist auch die Tierwelt reichlich vertreten. Zunächst mit dem Wolf (Rang 16) und dem Fuchs (Rang 44). Überraschend taucht der Hahn (Rang 58) noch vor dem Vogel (Rang 61) auf. 
 
Was Farben betrifft, so sehe ich Schwarz (Rang 21). Das liegt deutlich vor Weiß (Rang 27), wie auch Braun (Rang 19) Roth (Rang 59) keine Chance lässt - wir sind halt in Deutschland. Und dass der Winter (Rang 79) vor dem Sommer (Rang 83) kommt, weiß doch jedes Kind. 
 
Säuerlich wird wohl eine Sippschaft auf die Statistik reagieren: Die Familie Sauer schaffte es mit Ach und Krach auf Rang 100. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 211 vom 16. 11. 21 

Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden. Das wusste bereits Wilhelm Busch. Doch nicht alle Töne, die uns stören, sind melodisch. Und auch nicht immer allzu laut. Während die einen das Rattern von Presslufthämmern oder das dauernde Gebell von Hunden nervt, rasten andere schon bei leisen, aber regelmäßigen Geräuschen aus. 
 
So kann mich das stete Tropfen aus dem Wasserhahn zur Weißglut treiben. Noch schlimmer ist das Sirren von Mücken, zumal die Blutsauger aus strategischen Gründen zwischendurch oft längere Pausen einlegen. Das kann man von anderen Quälgeistern nicht behaupten: Das kaum vernehmliche Ticken von Uhren und Weckern zwingt mich, mit Hilfe von Ohrenstöpseln ins Reich der Träume zu wechseln. 
 
Nachgewiesen ist, dass vor allem ein anhaltend hoher Geräuschpegel unsere Gesundheit schädigt. Selbst im Schlaf reagiert unser Körper negativ auf die Lärmbelastung, obwohl wir sie bewusst gar nicht wahrnehmen. Dieser Klangbrei aus Verkehrslärm, Industriegeräuschen und dem sonstigen Großstadtmix macht auf die Dauer krank. Wobei die Landflucht nicht immer Rettung bringt: Es gibt auch Leute, die berichten, dass sie vom Vogelkonzert am frühen Morgen, von Eulenrufen in der Nacht und besonders von den Begleiterscheinungen der Landwirtschaft wieder in die Stadt getrieben wurden. Aber nach denen kräht kein Hahn. 
 
Wissenschaftlich erwiesen ist dagegen, welche Großstädte sich bei uns eher durch Stille auszeichnen und welche uns permanent was auf die Ohren geben. Nicht ganz überraschend schneidet Münster mit nur 16,7 dB beim Ranking der 27 deutschen Städte mit mehr als 250 000 Einwohnern am besten ab. 
 
In den Top-Ten tauchen auf den Plätzen 10 bis 8 gleich drei Revierstädte auf. Platz 10 hält Bochum, das mit seinen Krakelern im Bermuda-Dreieck (vor allem aber Verkehr und Industrie) 46,9 dB aufweist. Auf Rang 9 folgen die großmäuligen Dortmunder mit 48,7 dB. Durch ihre Ruhestörer auf der Südtribüne hätte ich sie weiter vorn erwartet. 
 
Immerhin ist das mal eine Tabelle, wo Schalke vor der Borussia steht. Mit 49,6 dB landet Gelsenkirchen auf Platz acht, wie so oft nur ganz knapp hinter München mit 49,7 dB. Überraschend haben es Berlin (Platz 6 mit 50,9 dB) und die Kölner Karnevalisten (Platz 5 mit 55 dB) nicht ganz nach oben geschafft. 
 
Dafür liegt auf Rang vier mit 57,7 dB eine Stadt, mit der ich dort nicht gerechnet habe. Vielleicht hat Bonn so schon vor 200 Jahren seinen großen Sohn Beethoven in die Taubheit getrieben. Platz drei belegt Nürnberg mit 61,4 dB, deutlich übertroffen von Frankfurt mit 65,6 dB. Und auf Platz eins folgt nun der Knaller, ein Ort, den ich dort nie erwartet hätte. Die Hannoveraner behaupten von sich, sie sprächen das beste Deutsch. Aber offenbar posaunen sie es in alle Welt hinaus und kommen damit auf 69,4 dB. 
 
 Die lauteste Stadt Deutschlands findet man also in Niedersachsen. Ach ja, dort wohnt ja auch ein Altkanzler, der bis heute gern große Töne spuckt. Und eine große Klappe zeichnet auch den Herrn Maschmeyer aus. Und schließlich hat man dort noch die Scorpions von der Leine gelassen, eine Band, die nicht nur auf veränderliche Luftströmungen gepfiffen hat, sondern auch lautstarken Heavy Rock spielte. Alles klar! 
 
Weltweit gesehen sind wir aber eher Leisetreter. New York kommt auf 70 dB und gilt so als siebtlauteste Metropole der Erde. Tokio, Kairo und Karachi erreichen locker 90 dB. Und den Vogel schießen (wahrscheinlich mit Ultraschall) drei indische Großstädte ab: In Kalkutta, Mumbai (früher Bombay) und Delhi vibrieren Tag und Nacht mehr als 100 dB in der Luft. Da ist mir mein tickender Wecker doch deutlich lieber. 
 
Geruhsame Nacht 
kdk    

Schmunzelpost 210 vom 15. 11. 21

 

Gestern hat unsere Fußball-Nationalmannschaft ihr letztes Spiel zur WM-Qualifikation gewonnen. Den Platz bei der Weltmeisterschaft in Katar hatte das Team bereits sicher. Also dürfen wir wieder hoffen, nach 2014 erneut Fußball-Weltmeister zu werden. 
 
Wir? Warum schmerzt es die meisten von uns, wenn die Nationalmannschaft wie zuletzt schon in der Vorrunde ausscheidet? Und warum identifizieren wir uns doppelt und dreifach mit unseren Siegern? Selbst, wenn sie in ungewöhnlichen Disziplinen erfolgreich sind? Ich erinnere an die Bild-Schlagzeile: Wir sind Papst! 
Na, immerhin habe ich so einen erfolgversprechenden Weg gefunden, Euch eine Freude zu machen. Denn wir halten eine ganze Reihe von ungewöhnlichen Weltrekorden.  
 
So waren es Deutsche, also wir, die 1992 einen wirklich beeindruckenden Weltrekord aufstellten. Wir haben nämlich die Amerikaner geschlagen und die längste Sandburg der Welt errichtet. Das Ding durfte lediglich aus Sand und Wasser bestehen und musste durchgehend mindestens 90 Zentimeter hoch sein. Mit Hilfe von 10 000 Freiwilligen schafften die Amis 26 376 Meter. Pah, was ist das schon! Unsere Sandburg auf Rügen war 27,3 Kilometer lang! Hurra, wir sind die größten Burgherren der Welt! 
 
Zugegeben: Beim Jodeln müssen wir keine große Konkurrenz aus China, den USA oder Russland fürchten. Aber Österreicher und Schweizer sind nicht zu unterschätzen. Trotzdem sind wir die schnellsten Jodler, genau genommen Thomas Scholl aus München, der in nur einer Sekunde 22 Jodeltöne erzeugte! Respekt! Das ist doch einen Erzherzog-Johann-Jodler wert! 
 
Es wird beharrlich darüber gestritten, ob Frauen tatsächlich schlechter einparken können als Männer. Fakt ist: Der beste Einparker der Welt ist ein Mann aus Deutschland. Ronnie Wechselberger gelang es mit einer 180-Grad-Drehung seinen VW Polo exakt in eine Lücke zu schleudern, die lediglich 26 Zentimeter länger war als sein Auto. Falls ich so etwas versuchen würde, wäre hinterher mein Auto mindestens 26 Zentimeter kürzer. 
 
In Leichtathletik-Stadien läuft unseren Startern auf Kurzstrecken die Konkurrenz aus anderen Staaten meist davon. Doch einer hält mit seinem Weltrekord die deutsche Flagge hoch. Beim 100-m-Hürdenlauf mit Schwimmflossen stellte Christopher Irmscher aus Dormagen mit nur 14,82 Sekunden die Bestzeit auf! Wenn Ihr ihm nacheifern wollt, trainiert zunächst besser mit Badelatschen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 209 vom 14. 11. 21 

Der Robert-Gernhardt-Abend wirkt immer noch nach. Auf der Suche nach einigen der vorgetragenen Gedichte war ich in den gesammelten Werken kleben geblieben. Zu viel hat Gernhardt zu gut gereimt, als dass ich es einfach wegblättern könnte. Allein im "Wörtersee" kann man ertrinken, oder, passender: versinken.
 
 Neben Heiterem über Katzen, anderen Tieren und Menschen hat Gernhardt vor allem in seinen letzten Jahren viel über Alter und Krankheit geschrieben. Wie Ihr bemerkt habt, sind das zwei Themen, die auch mich zunehmend beschäftigen. Gegenwärtig bin ich allerdings glücklicherweise in einer Phase, wo ich zu den meisten Zipperlein eine passende Lösung finde.
 
Beispiel: Weil es links in der Hüfte und im Oberschenkel zwickt, kann ich mich derzeit nur kurze Strecken humpelnd fortbewegen. Doch wer muss denn laufen, wenn er radfahren kann? Und sitzen ist sowieso bequemer als stehen!
 
Lange habe ich mich darüber geärgert, dass ich immer mehr zunahm, obwohl ich nicht mehr esse als früher. Liegt das am Alter oder an den Tabletten, die ich schlucken muss? Das führte so weit, dass meine Waage jeden Morgen nur noch ächzend ihre Pflicht erfüllte. Eines Tages hörte ich vor dem Aufstehen sogar ein leises Trippeln - sie hatte versucht, in den Keller zu flüchten. Und als mir dann auch noch nach allzu kräftigem Ausatmen mit einem "Plong" die Metallschnalle vom Gürtel sprang, war es soweit. So ging es nicht weiter, Lösungen mussten her.
 
Zum Glück musste ich nicht lang danach suchen. Die Hose hält mittlerweile auch ohne Gürtel. Und wer braucht eine Waage, wenn er sich über die jeweilige Datenanzeige nur ärgert? Sie darf nun im Keller bleiben. Wenn ich wieder schlank bin, gebe ich ihr Bescheid.
 
Über andere Dinge rege ich mich schon lange nicht mehr auf. Mein Vater Karl hat mir seine Leidenschaft für modische Kurzhaarfrisuren vererbt. Wenn ich einem alten Bekannten begegnete, der mich länger nicht gesehen hatte, entfuhr diesem schon mal: "Mein Gott, bist Du kahl!" Darauf antwortete ich schlagfertig: "Nein, ich bin Klaus, Karl ist mein Vater." Das nennt man wohl einen Kahlauer.
 
Robert Gernhardt formuliert natürlich eleganter.
 
Er kalauert

Als der Dichter erfuhr,

er werde sein Leben lang
Aspirin essen müssen,
da bat er, man möge
den allfälligen Nachruf
auf den Satz reduzieren:
"Er aß Pirin."

Gespräch des Geschöpfs mit dem Schöpfer

"Schier sechzig Jahr auf Deiner Welt -

bekomme ich jetzt Schmerzensgeld?"

"Mein Kind, mir geht Dein Wunsch zu Herzen.
Geld hab ich keins. Doch kriegst Du Schmerzen!"


Ach

Ach, noch in der letzten Stunde

werde ich verbindlich sein.
Klopft der Tod an meine Tür,
ruf ich geschwind: Herein!

Woran soll es gehen? Ans Sterben?
Hab ich zwar noch nie gemacht,
doch wir werd'n das Kind schon schaukeln,
na, das wäre ja gelacht!

Interessant, so eine Sanduhr!
Ja, die halt ich gern mal fest.
Ach - und das ist Ihre Sense?
Und die gibt mir dann den Rest?

Wohin soll ich mich jetzt wenden?
Links? Von Ihnen aus gesehen?
Ach, von mir aus! Bis zur Grube?
Und wie soll es weitergehn?

Ja, die Uhr ist abgelaufen.
Wollen Sie die jetzt zurück?
Gibt's die irgendwo zu kaufen?
Ein so ausgefall'nes Stück

findet man nicht alle Tage,
womit ich nur sagen will
- ach! Ich soll hier nichts mehr sagen!
Geht in Ordnung! Bin schon

Dichterlos 
 
Es hat der Tod 
einen Stachel für jeden 
und einen speziell 
für jene, die schreiben. 
Zu wissen, man wird 
was erleben und kann 
ums Verrecken nicht mehr darüber berichten. 
 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur Schmunzelpost über amerikanische und britische Musiker, die sich auf ihren Singles mit der deutschen Sprache abquälten, erinnert Lisa an den "King". Elvis Presley landete hierzulande mit "Muß i denn zum Städele hinaus" einen Hit, der vielen bis heute im Ohr blieb. Und die Übersetzung kam als "Wooden Heart" sogar in die US-Charts.  Das Kunststück glückte seinen Rock'n-Roll-Kollegen, den Everly Brothers, mit ihrem Titel "Am Abend auf der Heide" nicht. 
 
Dafür konnte Cliff Richard seinen englischen Hit "Red Lips" mit großem Erfolg eindeutschen: "Rote Lippen soll man küssen" wird bis heute im Radio gespielt. Bei dieser kleinen Auswahl belasse ich es jetzt, es gibt noch viel mehr Beispiele, bei denen oft die deutschen Fassungen von ungewollter Komik leben. 
 

 Schmunzelpost 208 vom 13. 11. 21

Inspiriert durch eine Lesung, die ich gerade besucht habe, enthält die heutige Schmunzelpost deutliche Spuren von Robert. Wobei Corona auch vor bereits verstorbenen Dichtern nicht halt macht: Im Alten Rathaus in Dorsten, wo sich sonst meist mindestens 50 Veranstaltungsbesucher einfinden, waren es diesmal nur 15. Dabei weiß doch eigentlich jeder:
 Wer heitere Gedichte gern hat, der schwört auch auf Robert Gernhardt,
 weil der mit seinen Reimen zeigt, dass Lyrik zur Satire neigt.
 
Nun habe ich zwar fast alle Gernhardt-Gedichte gelesen, aber in einem Zeitraum von fast fünf Jahrzehnten. Deshalb habe ich die Begegnung mit alten Bekannten sehr genossen. Zumal ich feststellen durfte, dass ich mit Robert Gernhardt nicht nur allerlei Ansichten, sondern auch viele Vorlieben gemeinsam habe. Zum Beispiel in Sachen Wein:
 
Alter Wein

Warm preist ihr mir den alten Wein.
Wie meinen? frag ich kalt.
Was soll das sein: Ein alter Wein?
Bei mir wird Wein nicht alt.

Bei mir wird manches alt und kalt.
Kopf, Rücken, Herz und Bein.
Es schwanden Schönheit und Gestalt.
Beim Wein muss das nicht sein.

Gefallen hat mir auch der philosophische Vortrag

Theke - Antitheke - Syntheke

Beim ersten Glas sprach Husserl:

"Nach diesem Glas ist Schlusserl."

Ihm antwortete Hegel:
"Zwei Gläser sind die Regel."

"Das kann nicht sein", sprach Wittgenstein,
"Bei mir geht noch ein drittes rein."

Worauf Herr Kant befand:
"Ich seh ab vier erst Land."

"Ach was", sprach da Marcuse,
"Trink ich nicht fünf, trinkst du se."

"Trinkt zu", sprach Schopenhauer,
"Sonst wird das sechste sauer."

"Das nehm ich", sagte Bloch.
"Das siebte möpselt noch."

Am Tisch erscholl Gequitsche,
still trank das achte Nietzsche.

"Das neunte erst schmeckt lecker!"
"Du hast ja recht, Heidegger",

rief nach zehn Glas Adorno:
"Prost Euch! Und nun von vorno!"

Und letztlich gibt es zwischen einem großen Frankfurter und einem kleinen Dorstener auch bei den Prinzipien Übereinstimmung:

Mein Stil 
 
Es ist nicht mein Stil zu hassen
 
und anderen böse zu sein. 
Mein Stil ist vielmehr, Hass zu lassen, 
zu lieben und zu verzeihn. 
 
Es ist nicht mein Stil, zu nehmen. 
Schon gar nicht, was andern bestimmt. 
Mein Stil ist vielmehr, mich zu schämen 
für den, der sich so etwas nimmt. 
 
Es ist nicht mein Stil, zu lügen 
und die Wahrheit zu verdrehn. 
Mein Stil ist vielmehr, sanft zu rügen 
die den Weg zur Wahrheit nicht gehn. 
 
Es ist nicht mein Stil, zu quälen, 
und Menschen Leides zu tun. 
Mein Stil ist vielmehr zu trösten, heilen 
und manchmal auch beides zu tun. 
 
Es ist nicht mein Stil, zu klagen, 
das käme mir nie in den Sinn. 
Mein Stil ist vielmehr, still zu tragen, 
dass ich vollkommen bin. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 207 vom 12. 11. 21 

Nach unserem Ausflug zu den Sternen kehren wir heute wieder auf den Erdboden zurück. Und was kann einen besser erden als Musik, womöglich auch noch mit der Muttersprache verbunden? 
 
Das stellte ich bei den Proben für das neue Programm der Tintenhühner fest. Denn dort verraten wir nicht nur unsere Lieblingslieder und besingen das Münsterland, wir haben auch einen Klassiker der Beach Boys in deutscher Fassung im Repertoire! 
 
Ein anderes Stück haben die Kalifornier 1964 selbst auf deutsch eingesungen. Ihr Song "In My Room" konnte als "Ganz allein" jedoch nicht die deutsche Hitparade stürmen. Vielleicht hätten die Beach Boys Roy Black oder Peter Alexander mit an Bord holen sollen. 
 
Dennoch versuchten es auch andere angesagte Musiker mit eingedeutschten Versionen. Denn Mitte der 60er Jahren glaubte man in den Chefetagen der Plattenfirmen, dass das heimische Idiom noch mehr Single-Käufer in die Läden locken würden. Schließlich hatte Conny Francis hier 1961 mit "Schöner, fremder Mann" einen Tophit gelandet. 
 
Selbst die Beatles mochten sich dem Trend nicht verschließen. Doch obwohl sie einige Zeit in Hamburg verbracht hatten, mussten auch ihnen die deutschen Texte in Lautschrift aufgemalt werden. Immerhin kamen die Liverpooler bei "Komm gib mir Deine Hand" und "Sie liebt Dich" wesentlich besser mit der Aussprache klar als die Beach Boys. 
 
Ausdauernder als diese Starbands war zuvor Chubby Checker. "Der Twist beginnt" hieß 1962 seine erste deutsche Single. Danach folgten noch "Twist doch mal mit mir", "Autobahn-Baby" und die unvergesslichen Titel "Holla Hi Holla Ho" sowie "Troola Troola Troola la". Nicht zum Kasper machte sich dagegen der "Eloise"-Schmetterer Barry Ryan. Sein "Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt" schaffte es in der BRD 1972 sogar in die Top Ten. Und Barry Ryan war der einzige internationale Star, dem ein Auftritt in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck vergönnt war. 
 
Auch britische Sängerinnen versuchten auf deutsch ihr Glück. Neben Petula Clark und Sandie Shaw tat dies Dusty Springfield. Die Übersetzung ihres Welterfolgs "I Only Want To Be With You" klang mit "Auf Dich nur wart ich immerzu" zwar ganz gut gereimt, konnte jedoch die deutschen Musikfans nicht begeistern. 
 
Dieses Schicksal teilte auch Country-Legende Johnny Cash. Bereits 1959 ließ er zwei Songs ins Deutsche übertragen und nahm im Studio die Mörder-Ballade "Viel zu spät" und "Wo ist zu Hause, Mama?" auf. Auf den Markt kamen die Titel jedoch erst 1978. Vorher war bereits sein Hit "I Walk the Line" in der deutschen Version ein ziemlicher Fehlschlag. Die Fassung "Wer kennt den Weg?" gilt nicht zu Unrecht als Vergewaltigung der deutschen Sprache. 
 
Schließlich witterten selbst die Motown-Chefs ein Geschäft und ließen ihre Soul-Stars Titel gleich in mehreren europäischen Sprachen einspielen. So entstand "Baby, baby, wo ist unsere Liebe?" von Diana Ross und den Supremes und "Mein Girl" von den Temptations. 
 
So, wer nun schmunzeln will, der sollte sich einige der genannten Versionen anhören - das Internet macht es möglich. Das kann aber auch schnell ins Gruseln umschlagen. Gruselgarantie gibt es für einen umgekehrten Fall: Das Schlager-Duo Cindy & Bert hat einst den Black Sabbath-Hit "Paranoid" als "Der Hund von Baskerville" ins Deutsche übertragen... 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 206 vom 11. 11. 21

Heute wollen wir uns mal die Sterne etwas genauer anschauen. Was den Närrinnen und Narrhalesen unter uns am 11.11. nach dem Genuss diverser Getränke bestimmt etwas leichter fällt als dem Rest der Leserschaft. 
 
Oder auch nicht. Zur Erkundung des Nachthimmels braucht man nämlich klare Sicht, ein scharfes Auge (es dürfen auch zwei sein) und ein gutes Teleskop. Allerdings kann man den ersten Wandelstern (so nannte man früher die Planeten, wie Ihr bestimmt seit unserem Rundgang über den Wortfriedhof wisst) auch meist mit bloßem Auge erkennen. Es ist der Abendstern, der sich bei Einbruch der Dämmerung als erster zeigt und korrekt als Venus bezeichnet wird. 
 
Da sieht man wieder die Geschlechter-Ungerechtigkeit. Die Planetin der Liebe verkörpert eine weibliche Göttin. Der Raufbold Mars ist ein Mann. Von den dicken alten Kerlen Jupiter und Saturn mal ganz zu schweigen. Der Knirps vom Dienst, Merkur, ist als Gott der Diebe und der Kaufleute natürlich auch ein Männchen. Und "der" Pluto wurde sogar zum Zwergplaneten degradiert, ein trostloses Häufchen Gestein, das fernab von Licht und Wärme seine traurigen Kreise zieht.
  
Verschwörungstheoretiker werden außerdem folgern, dass die Milchstraße ihren Namen dem Umstand zu verdanken hat, dass nur weibliche Wesen in der Lage sind, Milch zu geben. Wer so argumentiert, verweist womöglich auch darauf, dass unsere nächstgelegene Nachbargalaxis Andromeda ebenfalls einen Frauennamen trägt. Dass unsere Lebensspenderin, die Sonne, feminin daher kommt, kann danach kein Zufall sein. 
 
Das ist natürlich alles Blödsinn. Die Namensgebung war fast ausschließlich Männersache. Das ist bis heute so, weil die Mehrzahl der Astronomen Männer sind. Doch gibt es heute überhaupt noch namenlose Himmelskörper? Aber ja!  2012 zählten Forscher allein in unserem Sonnensystem mehr als 600 000 Kleinplaneten, sogenannte Asteroiden. Sie erhalten zunächst eine Nummer. Die Entdecker haben jedoch zehn Jahre Zeit, sich einen Namen einfallen zu lassen. 
 
So umkreisen auch zahlreiche deutsche Miniplaneten die Sonne. Oberammergau ist ebenso darunter wie Jena. Und einige Taufpaten mochten es sich nicht verkneifen, durch ein angehängtes A Städte zu verweiblichen. Hamburga und Heidelberga zeugen davon. Aber auch Inseln und Regionen befinden sich über unseren Köpfen. So ziehen am Himmel Helgoland und Rügen, das Saarland und Sachsen ihre Bahnen. 
 
Den dicksten Fang machte der Düsseldorfer Robert Luther bereits am 12. September 1884. Er entdeckte "Germania", einen sehr großen Asteroiden, der zum Hauptgürtel zählt. Dessen Nummer 241 lässt vermuten, dass dies geschah, als die Kleinplaneten-Suche noch in den Kinderschuhe steckte. 
 
Doch es gibt noch Hoffnung. Wenn ich mir ein besonders leistungsfähiges Teleskop zulege und das Glück mir hold ist, erspähe ich vielleicht einen bisher unbekannten Weltraum-Vagabunden. Und der hat dann das Glück, dass er nicht Siebenhundertundvierundachtzigtausendneunhunderteinunddreißig, sondern Dorsten heißt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 205 vom 10. 11. 21

Diese Sprüche habe ich als Schüler mehr als einmal zu hören bekommen. "Die Klassen, die ich vorher unterrichtet habe, waren alle viel besser als ihr!" "Mit der Jugend von heute ist nichts mehr los!" "Ihr seid der Untergang des Abendlandes!" 
 
Nicht, dass uns solche Tadel sonderlich beeindruckt hätten. Im Gegenteil. Wir, die wir uns dauernd von den Lehrern gepiesackt fühlten, freuten uns sogar, dass sie sich über uns ärgerten. Trotzdem nagte in den hinteren Hirnwinkel der Zweifel: "Ist unsere Generation wirklich blöder als alle ihre Vorgänger?" 
 
Zum Glück bekamen wir im Laufe unseres Lebens bestätigt, dass solche Redensarten genauso beständig wiederkehren wie die Jahreszeiten. Falls es noch eines letzten Beweises bedurft hätte, so habe ich ihn jetzt erhalten. In der Quizsendung "Wer weiß denn sowas?" wurde gefragt, was die Sumerer bereits vor 5000 Jahren in den Stein gemeißelt haben. Es waren die Worte: "Die Jugend achtet das Alter nicht mehr. Sie zeigt ein ungepflegtes Äußeres und keinerlei Lernbereitschaft!" 
 
Doch der Untergang des Morgenlandes verzögerte sich. So war ca. 1000 Jahre in Keilschrift zu lesen: "Unsere Jugend ist herunter gekommen! Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe!" Nun ist die babylonische Hochkultur für uns tatsächlich nur noch antike Geschichte, recht behalten haben die Nörgler dennoch nicht. Es waren nicht die kritisierten Jugendlichen, die den sumerischen Streitwagen vor den Kaktus gefahren haben. 
 
Für mich war das Anlass, einmal zu recherchieren, wie oft "die Jugend" in der Vergangenheit geschmäht wurde. Und das setzte sich bei den alten Griechen fort, sogar bei ihren weisen Philosophen. Sokrates befand ca. 400 Jahre v. Christus Geburt: "Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer!" 50 Jahre später setzte Aristoteles noch einen drauf: "Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen!"
  
Doch dann setzte sich in Europa das Christentum durch und fortan herrschten Zucht und Ordnung. Oder? Mönch Peter sah das 1274 etwas anders: "Die jungen Leute von heute denken an nichts anderes als sich selbst. Und was die Mädchen betrifft, sie sind unbescheiden und unweiblich in ihrer Ausdrucksweise, ihrem Benehmen und ihrer Kleidung!" 
 
Es war also höchste Zeit, dass Martin Luther mit dem katholischen Klüngel aufräumte. Hat aber offenbar auch nicht ganz geklappt. Denn sein Kumpel Melanchthon prophezeite 1530: "Der grenzenlose Mutwille der Jugend ist ein Zeichen, dass der Weltuntergang bevorsteht." 
 
Und heute? Es hat sich anscheinend etwas geändert. Denn unsere Generation Ü 60 benimmt sich, als wäre sie nie aus der Pubertät herausgekommen. Und es sind diesmal die Jugendlichen, die uns anklagen: "Die Alten haben total versagt! Die Klimakatastrophe kommt! Das Ende ist nah!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 204 vom 9. 11. 21

Der Friedhof ist tot, es lebe das Wort!
Und wo tut es das? An diesem Ort!
Es geht ihm recht gut, ganz ohne Rost!
Hier lebt es auf - in der Schmunzelpost.
 
PS. Erst mausetot, dann wieder heiter,
entsteigt dem Sarg der Hauptschriftleiter! (Alte Bezeichnung für Chefredakteur)
 
Neues aus dem Nachrichtenticker:
 
8. November, 20 Uhr.
 
Dorsten. Zu einem konspirativen Treffen kamen am Montagabend im Baumhaus die Brachial-Humoristen Anke K., Hans-G. K., Manfred L. und Klaus-D. K. zusammen. Sie verabredeten für den 30. November einen Anschlag auf die Lachmuskeln. Tarnname: Lasst uns froh und heiter sein.
 
8. November, 21 Uhr.
 
Düsseldorf. Beim Auswerten der Abhöraufzeichnungen wurden die zuständigen Beamten des Verfassungsschutzes hellhörig. Vokabeln wie "Bombe", "explosiv" und "todsicher" hatten zuvor im Computersystem die Alarmstufe "rot" ausgelöst. Die Bundeszentrale des Nachrichtendienstes wurde umgehend um Unterstützung gebeten.

8. November, 22 Uhr.

Berlin. Der BND signalisierte sofortigen Handlungsbedarf. Bei der Überprüfung der Personalien hat sich herausgestellt, dass es sich bei den vier Akteuren um höchst verdächtige "Schläfer" handelt, die bisher zu raffiniert waren, um sich überführen zu lassen. Anke K. hält über ihre vorgebliche Tätigkeit für die städtische Migrantenbetreuung Kontakte zu führenden Islamisten wie dem gefürchteten Ali B. und seinen 40 Gefährten. H. G. K. experimentiert seit längerem mit Giftmischungen, die er als Knödel verharmlost und Manfred L. konnte bisher seine Verbindung zu linksradikalen Kräften im Umfeld von Universitäten erfolgreich verschleiern. Bei K. D. K. ist besonders verdächtig, dass bisher überhaupt nichts Verdächtiges vorliegt. Der BND will nun befreundete Nachrichtendienste um Hilfe bitten.

9. November, 2 Uhr

Tel Aviv. Gewohnt schnell und gründlich hat der Mossad das vorliegende Material untersucht und ist dabei auf eine besorgniserregende Spur gestoßen. Danach haben die vier mutmaßlichen Dorstener Terroristen über die Einreise eines gewissen Balthazar gesprochen. Hinter diesem Decknamen verbirgt sich ein weltweit gesuchter Top-Agent aus dem Iran.
 
9. November, 4 Uhr MEZ
 
Washington.  Weil die Spur zum Iran führt, drängen CIA und NSA auf schnelle Reaktionen. Dem Vernehmen nach wird ein führender Vertreter des US-Außenministeriums mit der deutschen Bundesregierung und den hiesigen Geheimdiensten über das weitere Vorgehen beraten.

9. November, 6 Uhr

München. Innenminister Horst Seehofer hat die Durchsuchung des Dorstener Baumhauses veranlasst. Seehofer: "Weil spaltbares Material im Spiel sein könnte, ist unser sofortiges Eingreifen zwingend erforderlich. Das verdächtige Quartett wird vorläufig festgenommen und einer Befragung unterzogen."

9. November, 8 Uhr

Dorsten. Vor dem Abtransport per Helikopter an einen noch unbekannten Ort, hat der 68jährige Klaus-D. K. bei einer flüchtigen Begegnung den drei anderen dringend Tatverdächtigen zugerufen: "Macht Euch keine Sorgen, es wird sich schnell herausstellen, dass alles ein großer Irrtum ist. Und dann wird unsere Lesung am 30. November nicht nur ein Knaller, sondern ein Bombenerfolg."

9. November, 8.05 Uhr

Düsseldorf. Mit der Auslösung der Alarmstufe "dunkelrot" hat das Computersystem des NRW-Verfassungsschutzes auf die Verwendung der Worte "Knaller" und "Bombe" reagiert. NRW-Innenminister Herbert Reuel kommentierte: "Noch ist das ganz Ausmaß dieses Falls nicht absehbar. Beruhigend ist jedoch, dass unsere Sicherheitsspezialisten wieder einmal ihre Zuverlässigkeit eindrucksvoll bewiesen haben."
 
 
Alluha akbar 
kdk 

Schmunzelpost 203 vom 8. 11. 21

 

Ganz schön lebendig, dieser Wort-Friedhof. Ich darf frohlockend feststellen, dass gleich zwei Ergänzungen eingetroffen sind. Lisa freute sich beim Yoga-Seminar über die Aufforderung der Kursleiterin: "Lasst Euren Atem frohlocken!" Wir sollten den Atem auch nutzen, um mit ihm den schönen Ausdruck mit Rückenwind wieder in den täglichen Gebrauch zu pusten.

Und Martin beweist, dass er als Hobby-Ethymologe durchaus auch Vorlesungen in der Trauerhalle des Wortfriedhofs halten kann: "Das Wort Hagestolz löst ja meist die Assoziation aus, dass so jemand zu stolz war, um zu heiraten und eine Familie zu gründen.

Tatsächlich aber steckt in dem Wort 'Hagestolz' Armut und bescheidenes Leben: wenn (in der Regel) der älteste Sohn den Hof übernommen hatte, blieb manchem jüngeren Bruder, der kein Handwerk erlernt hatte, nicht zum Lehrer taugte oder nicht Mönch werden wollte, nur übrig, sich bei seinem ältesten Bruder als Knecht zu verdingen. Er bewohnte dann eine winzige Kate in einem kleinen Garten (zur Selbstversorgung), umgeben von einer Hecke (=Hag). So einen ärmlichen Wicht, der nicht genug verdiente, um eine Familie ernähren zu können, und deshalb zwangsweise ledig blieb, nannte man damals HAGGESTALT, woraus sich mit der Zeit HAGESTOLZ entwickelte."

Schockschwerenot, bei so viel Fachwissen und Interesse kann ich nicht nach zwei Folgen aufhören, mich als Weigand (Kämpfer) für ausrangierte Wörter einzusetzen, um den Totengräbern der Sprache noch ein, zwei Maulschellen zu versetzen. Als Partikülier (Rentner) habe ich ja genug Zeit, ein paar Vokabeln auszubuddeln.

Ziemlich tief muss ich graben, um die Putzwaren vom Staub des Vergessen zu befreien. Denn gemeint sind keine Reinigungsmittel, sondern ehedem modische Accessoires wie Borten, Spitzen, Paspeln oder Quasten, mit denen sich die Reichen und die Schönen, vor allem aber die schön reichen, einst herausputzen konnten. Und die hatten zudem für Accessoires noch einen anderen Ausdruck: Galanteriewaren.

Dass Gemach eine kaum noch gebräuchliche Bezeichnung für Zimmer ist, wisst Ihr vermutlich. Und wenn meine weiblichen Leserinnen mich ins Schlafgemach begleiten, erkecke ich mich gerne, ihnen zu erklären, was man unter Gemächte versteht. Aber gemach, gemach (langsam), nicht alle auf einmal! Und vielleicht sollte ich vorher noch schnell in den Quickborn (Jungbrunnen) springen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 202 vom 7. 11. 21 

Vor dem Beginn unseres zweiten Rundgangs über den Wortfriedhof noch eine Anmerkung: Von Beileidsbekundungen bitte ich Abstand zu nehmen. Statt Grabschmuck-Spenden sind aber finanzielle Zuweisungen an das Cornelia-Funke-Baumhaus, das sich stets bemüht, auch kränkelnden Worten wieder auf die Buchstaben zu helfen, jederzeit willkommen.
 
Diesmal beginnen wir in der Gräberreihe mit dem Buchstaben A. Wer, außer Karl Marx und Kevin Künast, erinnert sich heute noch an die "Arbeiterklasse"? Na gut, ein paar mehr kriegen das noch auf die Reihe. Dafür sind jedoch "Arbeitersekt" für Mineralwasser und "Arbeiterforelle" für Hering längst in der Grube verschwunden.

Habt Ihr Lust zu einem Test? Wenn Ihr ein verständnisloses Gesicht sehen wollt, dann bezeichnet ein junges Mädchen mal als Backfisch. Doch wenn sich nicht längst der Schleier des Vergessens über dem Wort ausgebreitet hätte, dann würde die Correctness-Bewegung den Begriff tilgen. Backfische sind nämlich kleine Fischchen, die sich ausschließlich zum Backen eignen...

Ähnlich auf verlorenem Posten steht im Tinder-Zeitalter des Wort "Damenbekanntschaften". Vielleicht haben sportliche Kavaliere vom alten Schlag auch zu oft Bekanntschaft mit der "Eiermühle" geschlossen. Das ist eine Welle am Reck, bei der die Oberschenkel fest ans Turngerät gepresst werden. Wer dabei eine Hodenquetschung erlitt, hat womöglich das Interesse an Damenbekanntschaften verloren.

Auch einen weiteren alten Begriff können wir in der Pfeife rauchen. Mit dem drastischen Rückgang dieser Form von Luftverschmutzung kam auch der Fidibus außer Mode. Das war ein gefalteter Papierstreifen, mit dem die Tabakpfeife entzündet wurde. Wundert Euch nicht: Es ist keine Zauberei, wenn per Hokuspokus der Fidibus ein Comeback feiert.

Für Euch Spätgeborene: Die Gazette ist keine männliche Gazelle. So lautete der Name einer Münze, für die im 16. Jahrhundert Nachrichtenblätter verkauft wurden. Die nennt man heute Zeitung. Ein Begriff, der womöglich in 50 Jahren auch nur noch den Frühgeborenen geläufig ist.

Nun kommen wir zum Hagestolz. Den gibt es noch, er weiß meist nur nicht, dass er einer ist. Hagestolz nannte man einen eingefleischten Junggesellen mit dem Hang zur Verschrobenheit. Der Begriff wurde durch den Junggesellen verdrängt, der inzwischen selbst dem Single weichen muss.

Schon lange ausgestorben ist der Jahrweiser. Das war ein anderes Wort für Kalender. Der Jahrweiser kannte noch Bezeichnungen wie Hartung für Februar, Sommermond für Juni und Nebelung für November, die allesamt sein Schicksal teilen.

Kommen wir zum Kannegießer. Das sind keineswegs Kaffee- oder Tee-Süchtige. Der dänische Dichter Ludwig von Holberg hat im 18. Jahrhundert mit seiner Komödie "Der politische Kannengießer" dem palavernden Zinngießer zum Einzug in die deutsche Sprache verholfen. So bezeichnete man früher Stammtischpolitiker und Schwätzer. Inzwischen ergießen sich die modernen Nachfolger bevorzugt bei Facebook, Instagram und Telegram.

Allmählich wird es Zeit, sich vom Computer zu entfernen, das Smartphone beiseite zu legen und ein wenig zu lustwandeln. So nannte man damals gemächliche Spaziergänge, vorzugsweise in Parks und vorzugsweise zu zweit. Doch beim Gedanken daran reagiert Ihr eher mit Mokerie (Spottlust). Das wäre für Euch höchstens mit der Erb-Muhme (Tante) vorstellbar und auch dann seid Ihr Murrköpfe (mürrische Menschen) ziemlich muckisch (verdrießlich) unterwegs. 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 201 vom 6. 11. 21

Der November ist der Monat, in dem viele Menschen traditionell Grabstätten schmücken und dazu Friedhöfe besuchen. Wessenthalben ich mich zu einem virtuellen Rundgang über den Wortfriedhof entschlossen habe. Dort sind Begriffe zu finden, die im Wortschatz der meisten Leute heute keinen Platz mehr haben. Was ich schade finde, denn viele dieser Vokabeln haben Charme und würden unsere Sprache mehr bereichern als manche Neuschöpfung. So klingt wessenthalben doch viel bedeutungsvoller als ein schnödes "weshalb", oder? 
 
Wo wir gerade auf einem Friedhof sind: Dort trifft man gelegentlich einen Witmann. Wen? Einen Witmann - das ist eine männliche Witwe. Falls der Friedhof sehr groß ist, sollten Besucher Zehrung dabei haben. Was nichts anderes ist, als Proviant und sich als Wegzehrung noch zäh ans Leben klammert. Was eine Silbe so ausmachen kann...  
 
Beim Begriff "verkamisolen" verhält es sich umgekehrt. Lässt man zwei mittlere Silben weg, kommt man der Bedeutung auf die Schliche: Versohlen bzw. verprügeln. Wie das Wort Verdeutschungswörterbuch (für Fremdwörterbuch) eine Vokabel, die ich nicht vermisse. 
 
Doch jetzt machen wir mal einen Punkt hinter unsympathischen Worten. Um die "Tüttel" ist es schade, vor allem, wenn sie über dem i fehlen. Und auch die Sommerfrische ist ein richtig schönes Wort, das Urlaub, Sonnenschein und Lebensfreude vereint und eine Wiederbelebung verdient hätte. 
 
Auf eine völlig falsche Fährte führt die meisten von uns dagegen der Begriff "Robinsonade". Das ist keineswegs der Zeitvertreib von Abenteurern, die eine unbewohnte Insel nach der anderen heimsuchen. Vielmehr handelt es sich um eine Bezeichnung aus der Fußballsprache, nach deren Ursache man bevorzugt ältere sportbegeisterte Briten und ausgewiesene Fußballfachleute, also Schalke-Anhänger, befragen sollte. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts war nämlich der englische Torwart John Robinson eine Berühmtheit. Ihm zu Ehren wurde als Robinsonade eine gekonnte Abwehraktion benannt: Das erfolgreiche Hechten nach dem Ball. Na, BVB- und Bayern-Fans, wieder was dazu gelernt? 
 
Nun zu einem Begriff, den ich leider (oder besser: glücklicherweise) nicht mehr bildlich darstellen kann. Der Pomadenhengst war ein Mann, der glaubte, dass durch reichlich Pomade in seinem Haar die Frauen an ihm kleben bleiben würden. 
 
Laubbläser kennen wir. Aber auch Ohrenbläser? Besser nicht. Das sind nämlich Leute, die versuchen, anderen etwas einzuflüstern und gern Menschen heimlich verleumden. Sie tummeln sich heutzutage massenweise im Internet. Wo, wie man mir eingeflüstert hat, kurze Mails mehr gelesen werden als ausufernde. Deshalb unterbreche ich unseren Rundgang jetzt mit einem klangvollen russischen Wort, das sich leider bei uns nicht durchsetzen konnte: Nitschewo! Das besagt nichts anderes als: Macht nichts, hat nichts zu bedeuten. Stimmt! Morgen geht es weiter!  
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 200 vom 5. 11. 21

Auf die Anti-Wolf-Liga ist Verlass. Passend zum Thema der gestrigen Schmunzelpost wurde die Schermbeck-Seite der Dorstener Zeitung am Donnerstag mit dem Foto eines Ponys mit durchgebissener Kehle verziert. Schönen Dank auch für das Beste am guten Morgen! 
 
Da lobe ich mir die Tier-Bilder, die regelmäßig von einem US-Fachmagazin veröffentlicht werden. Die "Veterinary Practice News" loben alljährlich einen mit 1500 Dollar dotierten Preis für das skurillste Röntgenbild aus. Überschrift der Aktion: "They Ate WHAT?" 
 
Der Mageninhalt mancher Tiere kann tatsächlich Verwunderung auslösen. So wurde auf diesem Weg endlich das Geheimnis der verschwundenen Socke geklärt. Bisher standen ja die Waschmaschinen unter Generalverdacht. Haustierbesitzer sollten aber ihre Lieblinge gut im Auge behalten. Denn im Magen einer amerikanischen Dogge fanden sich sagenhafte 43,5 Socken. Der Verbleib der fehlenden halben Socke blieb ungeklärt. 
 
Noch bemerkenswerter sind die fotografisch dokumentieren Schluck-Erfolge zweier anderer Preisträger. Einem Lurch gelang, sich vom Boden seines Aquariums 30 Kieselsteine einzuverleiben. Zum Steinerweichen! Solche Neigungen waren bisher nur von Krokodilen bekannt, die dadurch besser abtauchen können. 
 
Besondere Kost bevorzugte dagegen ein Schlange. Ihr gelang es, zwei völlig intakte Glühbirnen zu verschlucken, ohne sie zu beschädigen. Was soll ich dazu sagen? Ein leuchtendes Beispiel für künftige Preisträger. 
 
Nun noch ein aktueller Fall vom 3. November. Als Journalist lernt man, dass Schlagzeilen vom Umkehreffekt leben. Nicht "Hund beisst Mann" interessiert den Leser, sondern die Überschrift "Mann beisst Hund." Vergleichbares ist jetzt tatsächlich in Brasilien geschehen. "Angler verzehrt Fische" würde die Leute zum Gähnen bringen, aber die Schlagzeile "Fische verzehren Angler" erregt automatisch Aufmerksamkeit. 
 
In Brasilien hatten sich drei Freunde zu einer Angeltour verabredet. Als sie im Boot saßen, um zu fischen, sind sie vermutlich einer Bienenwabe am Ufer zu nahe gekommen. Jedenfalls attackierten die zornigen Bienen das Anglertrio derart massiv, dass sich die drei nicht anders zu helfen wussten, als ins Wasser zu springen. 
 
Nur zwei von ihnen haben das überlebt. Nach dem dritten wurde lange gesucht, bis man seinen zur Hälfte abgenagten Leichnam nach ein paar Tagen bergen konnte. Die drei hatten in einem Gewässer gefischt, das von Piranhas nur so wimmelte. Wie bei Haiattacken wird die Angriffslust der Raubfische zwar meist stark übertrieben, aber in diesem Fall hatten sie wirklich Hunger. Und seien wir ehrlich: Dass es ausgerechnet einen Angler erwischte, hat auch etwas von ausgleichender Gerechtigkeit. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 299 vom 4. 11. 21

Als Zeitungsleser war ich verwundert. Am Mittwoch war gar kein totes Schaf im Blatt. Und auch Abbildungen von toten Ponys fehlten. Was war los? Macht die Wolfskiller-Fraktion schlapp? Oder holt sie bloß Luft vor dem entscheidenden Schlag? 
 
In der Diskussion, ob Wölfe bei uns wieder heimisch werden sollten, haben beide Seiten gute Argumente. Man kann das so oder so sehen. Die gezielte Kampagne von organisierten Wolfsgegnern aber und der Einsatz von Fotos in Zeitungsredaktionen geht auf keinen Schafspelz. 
 
Dass die Bildzeitung mit dem fast ganzseitigen Porträt eines blutrünstigen Wolfs Stimmung machte, hatte ich nicht anders erwartet. Das Tier sah aus, als hätte es nicht nur Rotkäppchen und die Großmutter, sondern auch noch sämtliche Revierförster gefressen. Dass aber in einer Regionalzeitung fast jeder Beitrag zum Thema, und sei es eine Behördenstellungnahme, mit dem Bild eines Schafskadavers oder eines angefressenen Ponys dekoriert wird, geht mir nicht nur auf die Nerven, das schlägt mir beim Frühstück sogar auf den Magen. 
 
Warum werden zur Illustration von schweren Unfällen durch überhöhte Geschwindigkeit keine Fotos von blutüberströmten Unfallopfern veröffentlicht? Was? Datenschutz? Rücksicht auf die Angehörigen? Es dürften zur Illustration von Statistiken auch gern Beispielbilder mit unkenntlichen Gesichtern sein. Bei der Debatte um die Zustände auf Schlachthöfen oder bei Tiertransporten habe ich Bilder von Kreaturen in Todesangst oder Detailaufnahmen vom Ausnehmen ihrer Leiber vermisst, wie sie ähnlich grausam zur Abschreckung von Rauchern Zigaretten-Packungen zieren. Dafür stehen niedliche Tierkinder bei Zeitungen jedoch hoch im Kurs. Warum dann nicht öfter mal das Foto einer Wolfsmutter, die sich liebevoll um ihren tapsigen Nachwuchs kümmert? 
 
Etwas mehr Neutralität wäre angebracht. Sonst gründe ich die Initiative wider "Wölfe am Steuer". Solche mit "Freie Fahrt für freie Bürger"-Aufklebern, die gern mit 200 km/h über die Autobahn heizen. Die ein Tempolimit von 130 km/h als Todsünde ansehen und die bei der Einführung eines Führerscheinentzugs bei Geschwindigkeitsüberschreitungen derart aufheulen, dass Gloria und ihr Rudel das Schaudern kriegen. 
 
Um solche Raser zu stoppen, helfen bei drastischen Regelverletzungen auch nur drastische Maßnahmen. Zum Schutze aller Verkehrsteilnehmer fordere ich bei Verstößen wie zu schnellem Fahren innerorts ab 20 km/h Überschreitung und außerorts 30 km/h über dem Limit die Verschrottung der potenziellen Mordwaffen, ob es nun ein Porsche, BMW, Mercedes oder ein aufgerüsteter Käfer ist.  
 
Zu jeder Meldung über derartige Vergehen werde ich dann künftig Leserbriefe schreiben und verlangen, dass sie mit entsprechendem Bildmaterial von hinter den Steuern eingeklemmten Müttern, aus dem Wagen geschleuderten Kindern oder vom zerquetschten Hund im Fahrzeugheck untermauert werden. Aber ich habe nichts dagegen, wenn die Beiträge der Gegeninitiative "Schleicher auf die Kriechspur!" auch mit Bildern abgedruckt werden, auf denen die stolzen Eigentümer zärtlich ihren Jaguar polieren. So viel Fairness muss sein! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 198 vom 3. 11. 21

Ihr gehört noch zur werktätigen Bevölkerung, aber Euer Job ödet Euch an? Oder ist das Rentnerdasein zu langweilig und Ihr sehnt Euch nach einem höchst ungewöhnlichen Beruf? Bitte sehr, Euch kann geholfen werden: Bewerbt Euch in Japan als Heul-Boy! (Ich nehme an, im Zuge der Gleichberechtigung werden inzwischen auch Heul-Girls gesucht). 
 
Was sich lustig anhört, hat einen ernsten Hintergrund. Japaner tun sich schwer damit, Gefühle zu zeigen. Aber Schmerz und Trauer dauernd in sich hinein schlucken, ist ungesund. In Japan liegt die Suizid-Rate um 60 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt. Und der Wirtschaft gehen als Folge von Depressionen jedes Jahr Milliardenerträge verloren. 
 
Daher bieten seit 2013 ausgebildete "Heul-Boys", in Japan heißen sie Ikimeso-Danshi, in Tokio spezielle Workshops für Firmenmitarbeiter an. Hat nicht während des Corona-Lockdowns angesichts Eurer auf dem Sofa dahin gelümmelten Gestalt mit den Covid-Zusatz-Pfunden und dem attraktiven "Hier-drin-sieht-mich-ja-sonst-keiner-Look" die Partnerin oder der Partner gestöhnt: "Wenn ich Dich so anschaue, könnte ich heulen!" Worauf wartet Ihr noch? Auf nach Fernost! 
 
Wer sich für ungewöhnliche Berufe interessiert, ist bestimmt auch für ungewöhnliche Kleidung zu begeistern. Ihr sucht für die nächste Party etwas noch nie dagewesenes? Bitte sehr: In den Niederlanden werdet Ihr fündig. Wissenschaftler und Designer haben Textilien aus Pilzen entwickelt. Nein, sie haben sie nicht geraucht. Sie haben sie verarbeitet. Und zwar die Pilzwurzeln. Daraus lassen sich Texturen gewinnen, die sich wie Leder, Holz oder Stoff anfühlen. 
 
So wurde 2009 als Prototyp ein enganliegender Minirock gefertigt. Er soll sich anfühlen wie Latex. Einen Haken hat die Sache. Das rein pflanzliche Kleid lässt sich nicht waschen und sollte nach einmaligem Tragen aussortiert werden. Doch das ist kein Problem: Es ist zu hundert Prozent recyclebar! Da werden Frauenträume wahr: Jeden Tag ein neues Kleid! 
 
Darauf sollten wir erst mal einen trinken. Womit ich elegant von ungewöhnlicher Kleidung zu ungewöhnlichen Schluckmethoden übergeleitet hätte. Denn nicht für alle Lebewesen ist das Schlucken so leicht wie für uns Menschen. Warum schließt beispielsweise ein Frosch beim Schlucken stets seine Augen? Weil er den Geschmack der Fliege so besonders intensiv genießen kann? Falsch! 
 
Ein Frosch besitzt keine Muskeln, die ihm das Schlucken ermöglichen würden. Doch er weiß sich zu helfen. Er drückt seine Augen so weit nach innen, dass sie die Nahrung aus dem Maul in den Magen schieben. Jetzt wisst Ihr endlich, woher der alte Spruch kommt: "Das Auge isst mit!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 197 vom 2. 11. 21

Nach den Abstechern in ganz verschiedene Gefielde ist es höchste Zeit, Euch mal wieder wissenschaftlich auf die Sprünge zu helfen. Und da knüpfe ich an, wo ich gestern aufgehört habe: In Bayern, beim Weißwurst-Frühstück. 
 
Ihr habt Euch doch bestimmt schon gewundert, warum es dort Brauch war, die Weißwürste bereits vor zwölf Uhr mittags zu verzehren. Das hatte einen ganz einfachen Grund: Die Weißwürste waren früher nicht länger haltbar. Auch heute heißt es ja noch "Hau weg, das Zeug!", wenn etwas nicht schlecht werden soll. Und so war es wohl auch mit den Weißwürsten. 
 
Angeblich sind sie 1857 in der Münchener Wirtschaft "Zum ewigen Licht" erfunden worden. Damals nahm ein Wirt, dem es an Schafsdärmen fehlte, Schweinedärme für seine Bratwürste zum Frühschoppen. Und weil das Brät nicht gepökelt, sondern nur mit Kochsalz gewürzt war, behielt es seine grau-weiße Farbe. Hurra, die Weißwurst war entstanden! 
 
Kühlschränke gab es 1857 noch nicht. Und weil die Weißwurst roh verkauft, statt gebrüht wurde, war sie nicht allzu lange haltbar. Es galt der Spruch "die Weißwurst darf das Zwölf-Uhr-Läuten nicht hören", der das Frühstücksritual begründete. Andere behaupten zwar, die Wirte hätten sie bewusst als Essen für arme Besucher genutzt, damit die Tische mittags für betuchte Gäste wieder frei waren, aber das wollen wir den bayerischen Gastronomen doch nicht unterstellen. 
 
Für diejenigen, bei denen der Gedanke an Wurstverzehr jetzt den Appetit geweckt hat, habe ich noch eine weitere Information. Warum macht Hunger aggressiv? Jeder von uns hat bestimmt schon die Erfahrung gemacht, dass Magenknurren die Laune in den Keller sinken lässt. 
 
Der große Gelehrte Georg Christoph Lichtenberg (und nicht Christian Lichtenberg, wie ich bei der Aphorismen-SP fälschlich schrieb - da hat meine Vornamensschwäche wieder zugeschlagen, wie Gustav Lauffs zum Glück aufgefallen ist) wusste bereits im 18. Jahrhundert, dass Speisen sich auf das Wohlbefinden des Menschen auswirken: "Der Wein äußert seinen Einfluss mehr sichtbar, die Speisen tun es langsamer, aber ebenso gewiss." 
 
Wird uns Nahrung vorenthalten, signalisiert Serotonin, ein Botenstoff des Gehirns, dem Körper, ein wachsendes Hungergefühl. Hält dies länger an, wächst die schlechte Laune. 
 
Zum Glück gibt es Gegenmittel. Wie wäre es mit Weißwürsten? Aber bitte ordnungsgemäß zuzeln! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 196 vom 1. 11. 21

Na, freut Ihr Euch auf ein leckeres Frühstück? Oder aufs Mittagsmahl? Oder lest Ihr die Schmunzelpost erst später und das Abendessen steht noch bevor? Dann kann ich etwas für Euch tun: Es geht heute um unappetitliche Gerichte. 
 
Wir lästern ja gern darüber, was für einen Fraß man mitunter im Ausland vorgesetzt bekommt. Wer beruflich in den Orient muss, schaudert beim Gedanken daran, dass beim Geschäftsessen möglicherweise Hammelaugen aufgetischt werden. Aber auch französische Froschschenkel sind nicht jedermanns Sache. Und nicht jede Frau weiß das berühmte schottische Gericht "Haggis" zu schätzen. 
 
Doch auch Ausländer sind nicht immer glücklich, wenn sie bei ihrer Deutschlandtour mit heimischen Köstlichkeiten konfrontiert werden. Von den Franzosen, diesen verwöhnten Feinschmeckern, wissen wir das ja, denen verzeihen wir, dass sie den pfälzischen Saumagen nicht zu schätzen wissen. Aber es sind ausgerechnet die Fish-and-Chips-Briten und die Fast-Food-Amis, die sich am meisten mokieren: "Have you ever heard of head cheese?" Die meinen unsere gute Sülze! 
 
Das war für mich Anlass, mal zu recherchieren, was Genießer aus dem englischsprachigen Kulturkreis am meisten abschreckt. An der Spitze der Ekelparade standen Zungenwurst, Griebenschmalz und Heringssalat. Allesamt Speisen, die bei sorgsamer Zubereitung durchaus schmecken können - man muss die Namen ja nicht dazu sagen. 
 
Ich kann allerdings gut nachvollziehen, dass bestimmte regionale Spezialitäten keine Liebe auf den ersten Blick auslösen. Von Eisbein und Labskaus halte auch ich mich lieber fern, und für Handkäs mit Musik sollte man mich vorher mit reichlich Äppelwoi abfüllen. Das desinfiziert den Magen. 
 
Grünkohl hingegen schmeckt viel besser als er aussieht. Und ein zünftiger Mettigel verliert seine Stacheln, wenn er frisch ist und mit ordentlich Zwiebeln auf knackigen Brötchen verteilt wird. Was gegen Pommes mit Mayo oder Pommes Schranke zu sagen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Entscheidend ist die Qualität der Kartoffelstäbchen und der Geschmack der Curry-Sauce bzw. der Mayonaise. 
 
Mitunter liegen offenbar auch Missverständnisse vor. So muss irgendjemand unseren Gästen erzählt haben, dass man zu Wiener Würstchen auch das Wurstwasser aus dem Glas trinken sollte. Der Tester aus den USA klagt: "I mean it tastes like Poseidons salt water piss." Und auch der Appetit von britischen Touristen schwindet, wenn sie nach dem Besuch von Neuschwanstein folgendes über ein bayerisches Weißwurstfrühstück lesen: "The only true way of eating the sausage is to suck it out. Yes, serouisly! It's called 'zutzeln'!"   
 
Glückauf 
kdk    

 Schmunzelpost 195 vom 31. 10. 21

Böse Zungen behaupten: Wer eine Botschaft an andere hauptsächlich aus Zitaten zusammen setzt, der hat selbst nichts zu sagen. Dem möchte ich widersprechen. Denn, wie bereits Gabriel Laub erkannt hat, Zitate sind besser als Argumente. Mit Zitaten kann man einen Meinungsstreit gewinnen, ohne den Gegner zu überzeugen. Weil, so sieht es Walter Benjamin, Zitate wie Räuber sind, die bewaffnet am Wege hervorbrechen und Müßiggängern die Überzeugung abnehmen. So ist es nun mal, sagt Pater Leppich, die meisten von uns sind Plakatsäulen. Wer zuletzt etwas draufklebt, hat recht. 
 
Was hilft uns das? Dazu meint Oscar Wilde: Mit einem guten Rat lässt sich nichts anderes tun, als ihn weiter zu geben. Selber gebrauchen kann man ihn nicht. Denn schon Henry Ford wusste, dass die meisten Menschen mehr Kraft aufwenden, um Probleme herumzureden, statt sie zu lösen. Das gilt auch für Politiker. Denn ein Politiker, so Dr. Dresbach, ist ein Mensch, der das in Ordnung zu bringen sucht, was ohne ihn gar nicht in Unordnung geraten wäre. Und Francois Poncet ergänzt: Die Politiker arbeiten alle nach der gleichen Methode. Zuerst sagen sie voraus, wie alles kommen wird und dann erklären sie, warum alles anders kam. 
 
Aber das kratzt sie nicht. Denn, das meint Harold Pinter, Zukunftsforschung heißt die Kunst sich zu kratzen, bevor es einen juckt. Doch wie Luis Bunuel weiß, wird dies oft sabotiert: Mancher lehnt ein gute Idee bloß deshalb ab, weil sie nicht von ihm ist. So geschieht, was Jonathan Swift so skizziert: Fast jedes Genie verursacht augenblicklich eine Allianz der Mittelmäßigen. Was nach Wolfgang Reichmann bedeutet, dass man ein Genie daran erkennt, dass es die Dummköpfe gegen sich hat. 
 
Wer nun verzweifelt auf der Suche nach dem Genialen in der heutigen SP-Botschaft und ihrem Nutzen ist, dem sei mit Sophokles gesagt: Und manchen stürzt schon die Hoffnung auf Gewinn in sein Verderben! Und wer vergeblich auf eine Schlusspointe hofft, den verweise ich an Peter Wehle: Eine Pointe ist das, was einem nicht einfällt, wenn man es am dringendsten braucht. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 194 vom 30. 10. 21 

Meine Nachtlektüre ist zur Zeit eine rund 1000 Seiten umfassende Karl-Kraus-Biographie. Beim Lesen seiner Aphorismen kam mir der Gedanke, mal eine Schmunzelpost mit Aphorismen und Zitaten auf den Weg zu bringen. Und vom Wiener Großmeister der geschliffenen Sprache stammt passend zum Thema  "Gedanken" der Spruch: "Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken." 
 
Quell von Gedanken sollte der Geist sein. Über den hat Winston Churchill gesagt: "Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen, man sollte ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann." Und weil gestern bereits die künstliche Intelligenz Thema war und dieser Beitrag am PC geschrieben wird, zwei Zitate zum Computer: 

"Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Moral", meint John Osborne. Und Hal Boyle spekuliert: "Man hat nachgerechnet, dass 100 Angestellte arbeiten müssten, um einen so gewaltigen Fehler zu machen, wie ihn ein Computer in einer Tausendstel Sekunde hinkriegt." 
 
Einige der besten Aphorismen stammen von Christian Lichtenberg: "Ein Buch ist ein Spiegel. Wenn ein Affe hinein sieht, so kann kein Apostel herausschauen." Und zu den miesesten Sprücheklopfern zählt der frühere Berliner Innensenator Heinrich Lummer: "Wer von den Amerikanern den totalen Rückzug aus Vietnam verlangt, der kritisiert auch nachträglich ihren Krieg gegen Hitler." 
 
Apropos Amerikaner. Über die sagt W. Berry, selbst in den USA zuhause: "Der typische amerikanische Durchschnittsbürger fährt einen deutschen Wagen, raucht aus einer englischen Pfeife und schreibt auf kanadischem Büttenpapier mit einem französischen Kugelschreiber einen Beschwerdebrief, weil so viel ausländischer Schund in die USA importiert wird." 
 
Wie Karl Valentin bereits wusste: "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen." Deshalb habe ich stets Sorge, dass auch mein Lieblingsspruch bereits von anderen in Umlauf gebracht wurde: "Das ganze Leben ist ein Abenteuer, das meistens tödlich endet." Mit Sicherheit nicht völlig neu ist das Lieblingszitat von Anke Klapsing, dass ich heute ausnahmsweise beherzige: "In der Kürze liegt die Würze!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 193 vom 29. 10. 21

Spätestens, wenn mal wieder eine Doppelkopfrunde ansteht, denke ich an meinen alten, viel zu früh verstorbenen Freund Rainer. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihn dieser Tage besonders vermisse: Denn Rainer, selbständiger Steuerberater, hat von Anfang an gut 40 Jahre lang sämtliche Steuererklärungen für mich erledigt. Im Gegenzug habe ich hin und wieder etwas für ihn geschrieben, wenn er im Handball-Vereinsvorstand eine Rede halten musste oder die Vereinschronik auf den neuesten Stand zu bringen war. 
 
Nun sitze ich vor einem Berg von Belegen und müsste endlich meinen Steuerkram allein regeln. Wie fast alle Journalisten habe ich jedoch für Mathematik nicht viel übrig. In der Schule kam ich zwar ganz gut über die Runden, aber ich habe die Rechnerei nie gemocht. Und jetzt wird es höchste Zeit. Ende Oktober läuft die Frist aus, bis zu der die Unterlagen beim Finanzamt sein sollen. Immerhin weiß ich, dass es zwei Schmunzelpost-Empfängern, Gruß an R. S. aus D.-R. und K.-C. E. aus L., nicht besser geht. Doch das ist ein schwacher Trost, wenn man sich endlich aufraffen sollte.
  
Freunde haben mir geraten, dass "Elster-Programm" zu benutzen. Hört sich eigentlich gut an, wenn künstliche Intelligenz mir die Arbeit abnehmen könnte. Aber KI wird maßlos überschätzt. Stellt einem Computer doch mal folgende Frage: Der Ameisenbär hat eine echt lange... 
 
a) ...Zunge 
b) Reise von Afrika nach Europa überstanden 
c) Drogenabhängigkeit hinter sich. 
 
Kein Computer auf der Welt ist fähig, Antwort c auszuschließen. Nun kommen in meiner Steuererklärung leider keine Ameisenbären vor, die vielleicht auch Finanzbeamte verwirren könnten. Und Computer können immerhin schnell und richtig rechnen. Doch was haben sie davon?, fragt Physiker Vince Ebert. Wieviel ist 173 mal 26? Gar nicht so leicht, so aus dem Stegreif. Ein Computer hat das in Nullkommanix gelöst. Dafür können wir aus 60 m Entfernung einen guten Freund von hinten erkennen. Ein Computer kann das nicht. Der hat keinen guten Freund. (Ein Mensch, der auf Anhieb die Lösung weiß, vermutlich auch nicht.) 
 
Es hilft also nichts, mit dem Schreiben einer Schmunzelpost die Arbeit an der Steuererklärung noch länger aufzuschieben. Immerhin habe ich für diesen Beitrag einiges über Zahlen gelesen. So weiß ich, dass 150 die wissenschaftlich nachgewiesene Zahl von Freundschaften ist, die ein Mensch haben kann. Selbst wenn jemand bei Facebook 1500 Freunde hat - die Daten weisen eindeutig nach, dass nur zu 150 Personen ernsthaft der Kontakt gepflegt wird. 
 
Was hilft mir diese Erkenntnis? Nun, ich werde dem Finanzamt vorschlagen: "Ich zahle Euch für das Jahr 2020 volle 150 Öcken, dann bleiben wir weiter Freunde!" Warum nur plagt mich das ungute Gefühl, dass sie sich darauf nicht einlassen? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 192 vom 28. 10. 21

Wer eine Reise tut, hat bekanntlich viel zu erzählen. Manche haben aber auch viel zu meckern. Nach dem Ende der Herbstferien hier ein paar nette Reklamationen von Fluggästen und Kreuzfahrtpassagieren. 
 
Ein Fluggast wandte sich unterwegs mit einer verständlichen Bitte an die  Stewardess: "Könnte der Kapitän die Güte haben, die Turbulenzen auszuschalten?" Ich fürchte, das hat nicht sofort geklappt. 
 
Familien mit Kindern sind auf Reisen oft entnervt. So werden folgende Fragen verständlich: "Gibt es einen McDonalds an Bord?" Und wer so etwas sagt, ist zu oft bei Ikea gewesen: "Bitte bringen Sie meine Kinder in das Spielzimmer." 
 
Auch auf Kreuzfahrten kann es Probleme geben, über die sich die Reisenden vorher keine Gedanken gemacht haben. Davon zeugen die folgenden Reklamationen bei den Veranstaltern. 
 
"Ihr Service war so hervorragend, dass wir viel mehr Trinkgeld gegeben haben als vorher eingeplant war. Bitte erstatten Sie uns die Mehrkosten!" 
 Sauer über den unhöflichen Kapitän waren diese Kreuzfahrtteilnehmer. Sie beklagten: "Wir hatten ihm vorher eine Nachricht hinterlassen, dass wir mehr Zeit für die Sehenswürdigkeiten brauchen. Aber der Kapitän hat einfach abgelegt!" 
 
Unerhört! Auch dieser Passagier war mit seiner Kreuzfahrt erkennbar nicht zufrieden. "Ich musste mir wärmere Kleidung kaufen. Außerdem gelang es nicht, mir die erhoffte eindrucksvolle Bräune zuzulegen. Und im Pool konnte ich auch nicht jeden Tag schwimmen." Vielleicht hätte irgendjemand dem Mann vorher sagen sollen, dass Alaska nicht in der Karibik liegt... 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 191 vom 27. 10. 21 

Wie der Zufall es will, gab es in den Medien in den letzten Tagen Nachrichten und Berichte zu Themen, die im Oktober in der Schmunzelpost aufgegriffen wurden. Deshalb gibt es heute ein tierisches Kuddelmuddel. 
 
Sind Tiere bloß "Sachen" oder Wesen, die Anspruch darauf haben, dass ihre Rechte eingeklagt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt ein Gericht in den USA, das Kolumbien untersagte, Flusspferde zu töten. Vier Nilpferde hatte einst der Drogenboss Escobar in seinem Privatzoo in Südamerika gehegt. Nach seinem Tod hatte sich niemand um die Tiere gekümmert. Und siehe da: Sie gediehen in Kolumbien prächtig! Mittlerweile bevölkern rund hundert Tiere die Flüsse des Landes. 
 
Das gefällt längst nicht allen Einwohnern. Schließlich ist mit Flusspferden nicht gut Kirschen essen. In Afrika haben sie jedes Jahr mehr Menschen auf dem Gewissen als Löwen. Also wurde mit der Begründung, es handle sich um Einwanderer, die nicht in die heimische Fauna und Flora gehören, der Abschuss gefordert. Das Urteil stellt sich dem entgegen - mal sehen, ob es in Kolumbien respektiert wird. 
 
Was aber bedeutet das für Deutschland? Hier ist schon die Rückkehr der Wölfe hoch umstritten. Und Bruno, der "Problembär", wurde in Bayern erschossen. Da sich jetzt die Rechtslage geändert hat, wäre ein Comeback von Braunbären auch in NRW vorstellbar. Bären haben hier bereits in Höhlen gehaust, als den verweichlichten Neandertalern die Eiszeit zu eisig war. Ich höre die Anti-Wolf-Initiative schon aufjaulen: Nein, bitte, jetzt nicht auch noch Bären! Vielleicht ändern die Wolfsgegner ihre Meinung, wenn sie hören, dass Bären in ihren Revieren keine Wölfe dulden und selten Ponys und Schafe fressen. Und mit vegetarischen Gerichten wie Brombeeren und Himbeeren kann man Wölfe jagen! 
 
Na gut, ich verspreche: Kälter werden die Kalauer heute nicht. Wenden wir uns lieber der Intelligenz von Tieren zu, die auch anhand der Kommunikationsfähigkeit bemessen wird. Dazu laufen gegenwärtig Studien mit Delfinen. Dabei hat sich bereits herausgestellt, dass die Meeressäuger über ein großes Spektrum verfügen, um sich mit ihren Artgenossen auszutauschen. Problem bei der Verständigung mit Menschen ist, dass Delfine sich mit einer Mischung aus Geräuschen und Körpersprache verständigen. Insofern sind unsere Waldorfschulen auf einem guten Weg. Wer seinen Namen tanzen kann, wird bestimmt bald auch mit Flipper quatschen können. 
 
Eine der letzten Bastionen der menschlichen Überlegenheit ist lange der Humor gewesen. Nur wir Menschen, so hieß es, machen Scherze und lachen darüber. Stimmt nicht! Wie die Wissenschaft herausfand, sind selbst Rabenvögel dazu in der Lage, ihren Artgenossen Streiche zu spielen. Und vor allem junge Affen lachen sich halbtot, wenn sie einen Kumpanen erfolgreich geärgert haben. 
 
Zu allem Überfluss haben jetzt Untersuchungen mit der Gorilla-Dame "Koki" gezeigt, dass Primaten nicht nur in der Lage sind zu verstehen, was Menschen von ihnen wollen und darüber mit ihnen zu kommunizieren. Sondern auch, dass sie das Erlernte ausnutzen, um sich ein Späßchen mit den Forschern zu erlauben. So behauptete Koki hartnäckig, ein ihr gezeigtes Tuch sei nicht weiß, sondern rot. Als der Wissenschaftler sich, enttäuscht über den vermeintlichen Rückschlag, verabschieden wollte, lief Koki zu dem Tuch und zeigte auf einen winzigen roten Fusel. Dabei fletschte sie so ihre Zähne, dass Beobachter annehmen, es müsse sich um ein triumphierendes Lachen gehandelt haben. 
 
Glückauf 
kdk    

 Schmunzelpost 190 vom 26. 10. 21

Ein alter Mann wird älter. Das könnte zwar die Beschreibung dessen sein, was ich so täglich treibe, ist aber der Titel des "merkwürdigen Tagebuchs" von Günther Rühle. Ich habe gerade erst mit dem Lesen begonnen, weiß aber schon nach wenigen Seiten, dass ich dieses Buch weiter empfehlen kann. 
 
Das liegt auch daran, dass ich mich immer mehr mit dem Alterungsprozess beschäftige, seit er für mich fast täglich spürbar geworden ist. Als Kind begannen die mit großen Erwartungen verknüpften Fragen mit den Worten: Wann kann ich endlich..." und setzten sich fort mit "... bis zehn Uhr aufbleiben" oder " die Filme im Kino sehen und die Bücher lesen, die mich wirklich interessieren." Oder wählen gehen, Autofahren und über mein Geld selbst bestimmen. 
 
Mit zunehmendem Alter lautet die bange Frage "Wie lange kann ich noch...?" Autofahren, Wasserkästen aus dem Keller holen und 100 m in der Zeit unter einer Minute zurücklegen? Oder, viel existenzieller, halbwegs schmerzfrei über die Runden kommen, ohne fremde Hilfe aus dem Bett aufstehen und Nachrichten nicht nur lesen, sondern auch verstehen? 
 
Die letzten drei Jahre haben den Traum vom rüstigen Rentnerleben bis Ende 70 arg zerrupft. Der körperliche Verfall hat sich plötzlich massiv beschleunigt, in schneller Folge gab es Probleme mit der Psyche, den Augen, dem Herz, dem Rücken, mit Kondition und Beweglichkeit. Zum Glück bin ich bisher wenigstens geistig noch einigermaßen fit geblieben, abgesehen von kleineren Gedächtnisschwächen und größeren Problemen beim Merken von Namen. Immerhin weiß ich ziemlich sicher, dass ich Klaus-Peter Krause heiße. 
 
All das hat mich veranlasst, häufiger meine Nase in Bücher zu stecken, die sich mit dem Altern beschäftigen. Sehr empfehlen kann ich die dreibändige Reihe über die geheimen Tagebücher des Hendrik Groen, die das Leben eines Seniors in niederländischen Altenheimen beschreiben (u.a. "Eierlikörtage" und "Tanztee"). Und nun also Günther Rühle. Wobei der Journalistenkollege kein fiktives, sondern sein reales Tagebuch veröffentlicht hat. 
 
Schon vor dem Aufschlagen hatte das Werk eine aufbauende Wirkung. Günther Rühle ist hoch betagt und geistig voll auf der Höhe. Bis vor kurzem antwortete er auf die Feststellung: "Sie sind ja ganz schön fit" mit "Na ja, ich bin ja auch erst 96." Sein Selbstvertrauen hat aber kürzlich einen Knacks bekommen, als ein heftiges "Rumms!" ihm klar machte, dass es nach 66 Jahren am Steuer besser war, das Autofahren aufzugeben. Als ich kurz darauf las, dass Rühle infolge einer trockenen Makula fast blind ist, dachte ich unwillkürlich: Da haben die Verkehrsteilnehmer im Taunusstädtchen Bad Soden aber Glück gehabt! 
 
Auch ein weiterer Satz des Veteranen ist ermutigend. Rühle schreibt: "Als Journalist muss man nicht in den Ruhestand, solang einem noch was einfällt und man noch schreiben kann, sogar noch Lust dazu hat und merkt, dass man gar nicht aufhören will und kann mit dem Schreiben." 
 
Das geht mir ganz genauso. Und da ich meinem Vorbild Rühle nacheifern will, heißt das für Euch: Beginnt am besten schon heute mit einem Fitnessprogramm, das Euch körperlich geschmeidig und geistig hellwach hält. Denn ich mache weiter und brauche Euch als Leser. Vorzeitig abnippeln ist nicht erlaubt! Doch keine Sorge: Bis ich Rühles Alter erreicht habe, sind es nur noch 28 Jahre... 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 189 vom 25. 10. 21

Wie darf ich Euch heute die Schmunzelpost servieren? Rührend oder zum Schütteln? Sehr gerne! 
 
Mit Bestätigungsfloskeln hat sich Axel Hacke jetzt in seiner Kolumne "Das Beste aus aller Welt" beschäftigt. Ihm war aufgefallen, dass eine TV-Kollegin im Heute-Journal auf die Ankündigung "Sport ist auch dabei mit Katja Streso" mit "sehr, sehr gerne" reagierte. Früher, so Hacke, hätte ein schlichtes "gerne" genügt. 
 
Aber irgendwas hat sich geändert. "Radiomoderatorinnen wünschen heute mindestens einen 'wunderschönen guten Morgen'. Jeder Buchautor signiert seine Bücher mit einem saftigen 'Herzlichst'. Und jeder Backwarenverkäufer nimmt das Geld nicht mehr mit einem 'Danke' entgegen, sondern sagt 'Lieben Dank'. Manche sind bereits beim 'liebsten Dank' angekommen." 
 
Das ist nicht nur in der bayerischen Provinz München so, das geschieht auch in Weltstädten wie Dorsten, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. So sagt die junge Kellnerin in einem sizilianischen Restaurant nicht nur voller Inbrunst "gerne" oder "sehr gerne", sondern sie belohnt jede Aktion des Gastes auch noch mit einem "Perfekt!" Und das nicht mit der antrainierten Lustlosigkeit des festgefrorenen Lächelns von Sparkassenangestellten, sondern so strahlend und überzeugend, dass man wirklich glaubt: Die meint das ernst! 
 
Ist Bill Gates mit seinen Corona-Impf-Chips nicht mehr ausgelastet und bestrahlt uns jetzt mit ultrakurzen Freundlichkeits-Wellen? Oder hat Angela Merkel etwas in unser Trinkwasser gemischt? Ich muss bei Gelegenheit dazu mal die Querdenker befragen. Fakt ist, dass sich offenbar tatsächlich deutschlandweit eine Inflation der Freundlichkeit ausbreitet, wie Hacke feststellt. 
 
Sein alter Freund Bruno habe bereits eine Mail bekommen, die mit "viele liebe herzliche und schöne Grüße" schloss. Axel Hacke selbst ist mehr für das Persönliche: "Herzliche Grüße ins sicher graue und verregnete Hamburg". Toll! Das baut zwar nicht auf, schafft aber eine schöne herbstlich-melancholische Grundstimmung. Wenn ich dagegen an all die besten schönen lieben herzlichen freundlichen und zusätzlich mit Emojis angereicherten Grüße denke, kriege ich allein vom Lesen Diabetes! Apropos Diabetes: Den Schlusssatz "Bleiben Sie gesund" findet Hacke auch nicht gut, vor allem, wenn der gebrechliche Empfänger daheim auf dem Sofa liegt. 
 
Trotzdem muss man nicht auf Emotionen verzichten. Axel Hacke (und auch ich) findet eine Grußformel gut, die einst ein gewisser B. an seine Geliebte sandte: "Issest Du genug? Rauch nicht zu viel und heiz gut. Und behalt' mich in Erinnerung (und schreib mir 'Deine' unter die Briefe). Ich küsse Dich!" 
 
Na, Ihr Literaturkenner, wer war der Absender? Richtig, kein geringerer als Bertold Brecht in einem Brief an Helene Weigel. Von Brecht hätte auch niemand befürchten müssen, nach der Aufforderung "reichen Sie mir bitte den Zucker rüber" hören zu müssen "aber sehr, sehr, sehr gerne!" 
 
Gigagern 
kdk 

Schmunzelpost 188 vom 24. 10. 21

Nach unserer "Tour de Buur" ging es bei einer nicht ganz ernsthaften Debatte auch um die Frage, ob es so etwas wie "vegane Metzger" gibt. Kerstin und Wolfgang haben dazu ihre eigene Meinung. Ein veganer Metzger ist für sie jemand, der nur Reißwölfe, Papiertiger und Tontauben verarbeitet. Und Tintenhühner. Dagegen habe ich als praktizierender Tintenhahn sofort Einspruch eingelegt, weil so eine Praxis sogar kannibalistisch wäre. Stattdessen habe ich diesem speziellen Metzger Schäfchenwolken ans Herz gelegt.
 
Aber nicht alle Vegetarier sind vegan orientiert. Es gibt sogar welche, die zwar auf Fleisch verzichten, sich jedoch Meeresfrüchte gern schmecken lassen. Solche Menschen nennt man Pescetarier. Für sie und alle, die gern gewitzte Gedichte lesen, empfehle ich ein Büchlein von Arezu Weitholz: "Ein Fisch wird kommen". Das Vorwort lautet:
 
Gehen Ihnen Fische auf den Geist,
hätten Sie sie längst verspeist.
Gingen sie auf Ihre Nerven,
würden Sie mit welchen werfen.
Legen Sie hingegen Wert auf diese Wesen
bleiben Sie zugegen...
und fangen an zu lesen.
 
Genau das habe ich getan. Und stellte fest, dass die Reime in der Minderzahl waren. Stattdessen gab es ein Fischalphabet mit überwiegend ausgedachten Arten. Ein Beispiel:
 
Aal Capone - Aal Capone ist ein Gauner und gilt als Erfinder des organisierten Verbrechens im Meer. Aufgrund seiner verschlagenen Glipschigkeit gelang es ihm schon als Jungaal, Schutzgelder von Bärschen, Hechten und Haien zu erpressen. Später betrieb er Wattbüros im nördlichen Atlantik. Aufgrund einer schweren Aalergie gegen Talerfische zog er sich 1991 aus allen Hochseegewässern zurück. Er schreibt heute Krimis.

Dazu gibt es Reime, deren Pointen am Ende leider nicht immer so krachen, dass es langt zu lautem Lachen. Doch auch, wenn sie öfter schwächeln, reicht es meist noch für ein Lächeln. Das gilt auch für die Karikaturen. Selbst wenn manche grenzwertig sind: Was macht der Fisch mit dem Messer? Er sticht in See! Gut fand ich dagegen: Wie der Chinese Ling einmal zögerte, einen Fisch zu töten (als er Aug in Aug mit seinem Opfer aufgefordert wurde: "Stich, Ling!")

Und es gibt auch einige Perlen.

Sagt der...

Die Zingel sagten zu den Brassen:
Ihr sollt im Teich kein Wasser lassen.
Die Brassen riefen: Was ein Stuss!
Und machten nun in einen Fluss.

Sagt der Waller zur Forelle:
Bleib doch mal an einer Stele.
Die Forelle sagt um Waller:
Bist du eigentlich ballaballa?

Der Meermönch sagt zum Seebischof:
Kirchensteuer find ich doof.
Der Seebischof davon erschreckte
und türmte dann mit der Kollekte.

Zum Nachdenken anregen sollte folgender Vers:

Schwere See

Es war einmal ein Fisch am Fluchen:
Was hab ich im Meer zu suchen?
Mörderhaie, DDT?
Stürme, Müll und schwere See!
Und er kam bald zu dem Schluss,
besser wärs an Land zu Fuß.
Und er schob und paddelte,
zog sich hoch und krabbelte
durch den Schlick ans trockne Land,
wo er bald die Menschen fand.
Oh, die Luft schien so viel dünner,
doch der Rest, er war wie immer.
Mörderhaie, DDT.
Stürme, Müll und schwere See.

Hier kommt ein Klassiker:

Weimar

Wo die Altstadt gelb erleuchtet
und ein Denkmal schweigend wacht,
wo die Ilm so zart und feucht ist,
ruft der Uhu jede Nacht.

Leute, wisst ihr. wer hier lebte,
nackend sprang in diesen Bach?
Welcher Dichter leise bebte,
als der Goethe ihm versprach:

Komm ans Wasser, es ist kühl
und das tut dem Denken gut.
Gibt Dir noch mehr Taktgefühl,
nur berühr sie nicht, die Flut!

Doch der Dichter tauchte ab,
nichts blieb an dem Manne trocken.
Warn die Haare vorher glatt,
hatte Schiller plötzlich Locken.

Und zum Schluss schließt sich der Kreis zum heutigen Schmunzelpost-Beginn:

Widersacher

Die größten Feinde der Sardellen
sind die mörderischen Wellen.

Die Widersacher aller Thunen
warn von jeher die Harpunen.

Das größte Elend der Karauschen
ist die Donau und ihr Rauschen.    (kdk: Na ja, der Reim ist nicht berauschend)

Das schlimmste Unheil der Makrelen
ist, wenn wieder welche fehlen.

Doch der Freund von jedem Fisch
isst - na was? Ve-ge-ta-risch!

Glückauf
kdk

PS. Ein winziger Nachtrag noch:

Flundern wandern
zum Wundern
nach Flandern.

PPS. Und die "Weissagung der Sardinen" sollte auch nicht fehlen: "Erst wenn das letzte Riff zertrampelt, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet Ihr feststellen, dass Plankton Scheisse schmeckt!" 
 
PPPS. Diese Schalker Spätspiele bedeuten Nachsitzen. Schon wieder gewonnen! Verabredungsgemäß ein Blick in die Vereinsgeschichte. Wusstet Ihr, dass die entscheidende Minute, in der aus blauweißen Fußballmeistern die "Meister der Herzen" wurden, gar nicht die 95. in Hamburg war? Als HSV-Torwart Schober den Rückpass nicht über die Tribüne pöhlte, sondern den Ball aufnahm. Und der fällige Freistoß irgendwie durch die vielbeinige Mauer den Weg ins Netz fand. Und die Bayern jubelten. Und die Schalker heulten. 
Nein, das Titelrennen wurde einen Spieltag zuvor entschieden. Schalke war Tabellenführer. Und spielte in Stuttgart. Verfolger Bayern trat in Kaiserslautern an. Bis zur 90. Minuten standen beide Partien unentschieden. Und dann traf Balakov für Stuttgart und Zickler für die Bayern. 0 Punkte für Schalke, 3 für Bayern. Hätten die Schiedsrichter eine Minute früher abgepfiffen, wäre die Meisterschale nach Gelsenkirchen gegangen. 
Was meinen die Fische dazu? "Das war fatal", sagt der Aal. "Das war kein Wunder", schimpft die Flunder. Und was sagt der Barsch? Das ist mir viel zu harsch... 
 

 Schmunzelpost 187 vom 23. 10. 21

Bücher lesen bildet! Ich kann meine Hand zwar nicht für Rosamunde Pilcher ins Feuer legen, weil ich noch nie etwas von ihr gelesen habe, aber für die Mehrzahl der Bücher trifft dies zu. Selbst in sogenannter Unterhaltungsliteratur kann man nützliche Dinge erfahren. Etwa, wenn Sam Hawkins in "Winnetou I" Old Shatterhand erzählt, wie er einst skalpiert wurde. Allein der Gedanke, die Technik mal bei fiesen Nachbarn oder cholerischen Vorgesetzten anzuwenden, kann geknechteten Menschen erhebliche Erleichterung verschaffen. 
 
Mehr noch erfährt man jedoch meist aus sogenannten Sachbüchern. Ich lese gerade "how to - Wie man's hinkriegt' von Randall Munroe. Der Autor erklärt durch eine bunte Mixtur von Spaß und seriöser Information Fragen, die die Welt bewegen. Das Spektrum reicht von "Wie man's hinkriegt, ein Loch zu graben" oder "Wie man's hinkriegt, Fangen zu spielen" bis zu Themen "Wie man's hinkriegt, ein Haus mit Energie zu versorgen (auf dem Mars) und "Wie man's hinkriegt ein Haus mit Energie zu versorgen (auf der Erde)". Behandelt werden aber auch existenzielle Fragen: "Wie man's hinkriegt, pünktlich zu sein". Ich kenne eine Menge Leute, die dieses Kapitel aufmerksam lesen sollten. 
 
Angesichts des überraschenden Ausgangs der Bundestags-Wahl befassen wir uns heute jedoch kurz mit der Problematik: "Wie kriegt man's hin, eine Wahl zu gewinnen?" Wer jetzt glaubt, Armin Laschet (wahlweise auch Annalena Baerbock) hätte sich dieses Kapitel im Sommer durchlesen sollen, der sei darauf hingewiesen, dass dieses Buch folgendermaßen konzipiert ist: "Für jede Aufgabe gibt es einen richtigen Weg, einen falschen und einen, der so offensichtlich absurd ist, dass man ihn niemals in Betracht ziehen würde. 'How to' ist eine Anleitung zu diesem dritten Ansatz." 
 
Randall Munroe geht von zwei erfolgversprechenden Methoden aus. Kandidaten sollten möglichst viele Wähler davon überzeugen, sie zu unterstützen (was wenig überrascht). Erstaunlicher ist der zweite Weg: "Sie sollten möglichst viele Wähler durch Täuschung davon überzeugen, Ihren Namen auf dem Stimmzettel anzukreuzen." 
 
System Nummer eins ist beschwerlich. Dafür erfordere es (man beachte die Reihenfolge des US-amerikanischen Autors) Charme, Charisma, Kompetenz und eine überzeugende Botschaft. Der zweite Weg kann nicht nur weniger mühsam, sondern auch kostengünstiger sein. So nutzte ein gewisser Bob Casey die Namensgleichheit mit dem erfolgreichen Amtsvorgänger Bob Casey um die Wahl gegen die eigentlich von seiner Partei unterstützte Kandidatin zu gewinnen. Die hatte mehr als 100 000 Dollar in ihre Kampagne investiert, Bob Casey gerade mal 865 Dollar. 
 
Falls der Name nicht helfe, gelte die Faustregel, grundsätzlich für alles zu sein, was die Wähler mögen und alles abzulehnen, was unpopulär ist. Auf die USA bezogen heißt das: Vergesst Mindestlohn, Klimawandel und Renteneintrittsalter. 97 % der Wähler denken, dass das Schreiben von Textnachrichten beim Autofahren gesetzlich verboten werden sollte. 98 % meinen, dass Badewärter eher die Badenden beaufsichtigen sollten statt zu telefonieren oder zu lesen. Und 99 % finden es gar nicht gut, wenn Angestellte an ihrem Arbeitsplatz teure Ausrüstung stehlen. 
 
Das sind die Themen, die Amerika wirklich bewegen. Noch Fragen, warum Donald Trump Präsident werden konnte? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 186 vom 22. 10. 21

Da ist der Monat bereits zu zwei Dritteln vorbei, und es ist mir fast durch die Lappen gegangen, auf die Gedenk- und Aktionstage zu schauen. Dabei bietet der Oktober gerade den Freunden des Absurden reichlich Grund zum Feiern. Denn in diesem Monat ist Musik drin! 
 
Das beginnt schon am 1. 10. mit dem Weltmusiktag. In den USA wird gleichzeitig auch der "CD-Player-Tag" begangen. CD-Player? Ihr erinnert Euch, das waren Abspielgeräte für diese silbernen Scheiben, die in den Achtziger Jahren den Plattenspieler abgelöst haben. Plattenspieler? Habt Ihr auch längst vergessen? Dann geht mal wieder ins Museum für prähistorische Geräusch-Wiedergabe, das könnte Euer Gedächtnis auffrischen. 
 
Nun betrachten wir den 9. Oktober ein wenig näher. Den haben Leute zum Feiertag erklärt, denen unsere Welt für Musik viel zu klein ist: Am 9. 10. feiert selbst das Mondkalb den Universal-Music-Day. Schon lange vor dem Brexit haben sich außerdem die Briten eine musikalische Extrawurst gebraten. Für sie ist der 9. Oktober auch der Tag der Musik-Alben. Wenn Ihr schon mal im prähistorischen Museum seid, schaut Ihr dazu bitte in den Abteilungen für "Langspielplatten" oder "Konzeptalben" nach. 
 
Und im Nebenraum geht es am 9. 10. bestimmt auch hoch her. Denn dort wird zusätzlich der "Internationale Tag der Tape-Händler" gefeiert. Ja, ja, ich weiß, diese Begriffe von vorgestern nerven, aber einige der Älteren unter Euch können sich womöglich sogar noch an Kassetten und Tonbänder erinnern. 
 
Am 10. Oktober wird's ganz verrückt. Das ist der "Umarme einen Schlagzeuger-Tag". Doch wo soll man einen hernehmen, wenn man mal einen braucht? Charlie Watts ist leider vor kurzem verstorben und Ringo Starr hängt vermutlich wieder in einem britischen Pub ab. Überhaupt ist die Sterblichkeits-Rate genialer Drummer hoch: Keith Moon hat bereits vor einer gefühlten Ewigkeit die Trommelstöcke beiseite gelegt und Ginger Baker sowie John Bonham weilen ebenfalls schon lange nicht mehr unter den Lebenden. 
 
Nur entfernt etwas mit Musik zu tun hat der "Tag der Frustrationsschreie" am 2. 10., den man vielleicht noch mit Free Jazz in Verbindung bringen könnte. Ähnliches gilt für den "Tag des Wodkas" am 4. 10., weil nach erhöhtem Trinkkonsum selbst unmusikalische Menschen mitunter zum Singen neigen. Dazu gibt es auch im Badezimmer immer wieder Gelegenheit. Und um den Evergreen "In meiner Badewanne bin ich Kapitän" zu schmettern, gibt es keinen besseren Tag als den 7. Oktober. Das war, Ihr ahnt es, der "Tag der Badewanne". 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 185 vom 21. 10. 21

 

Wegen des großen Stoff-Angebotes folgt heute bereits die zweite FoIge der neuen Nachrichten-Sendung "Verrückte Welt".
 
Moskau.  In der russischen Hauptstadt gibt es im ÖPNV ein Modell, das eigentlich weltweit nachgeahmt werden müsste. Vor allem in Ländern, wo sich die Menschen zu wenig bewegen und Übergewicht ein Problem ist. Wer in Moskau U-Bahn fahren möchte und keine 30 Rubel (etwa 70 Cent) zur Hand hat, kann sein Ticket mit einer ganz anderen Währung bezahlen: Mit vollem Körpereinsatz. In der Metro-Station Wystawotschnaja steht ein Automat mit Sensoren. Der Fahrgast muss nun vor diesem Automaten dreißig Kniebeugen innerhalb von zwei Minuten machen. Schafft er das, bekommt er ein Freiticket spendiert.
Die Resonanz ist groß. Das erste freie Ticket verdiente sich übrigens die Turnerin Jelena Samolodtschikowa, die bei den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 zweifach Gold gewonnen hat.
Nun gibt es in Dorsten leider keine U-Bahn. Und an Bushaltestellen könnten vergebliche Versuche zu langen Wartezeiten beim Einsteigen führen. Daher überlegt die Stadt, stattdessen bei Sport- und Kultur-Veranstaltungen das russische Modell zu testen. Anwärter müssen allerdings 20 Minuten vor der regulären Öffnung vorturnen.

Helsinki. Menschen, die sich vor Spinnen fürchten, sollten einen großen
Bogen um das naturhistorische Museum der finnischen Hauptstadt machen. Dort ist seit den 70er Jahren die hochgiftige südamerikanische Webspinne zu Hause.  Die achtbeinigen Krabbeltiere finden sich nicht etwa aufgespießt in Glasvitrinen, sondern leben in unzähligen Winkeln und Ecken des Ausstellungsgebäudes.  Der Exot mit dem wissenschaftlichen Namen Loxosceles laeta ist nicht nur für Menschen mit Arachnophobie ein Schreckgespenst. Die Art gilt als eine der giftigsten Spinnen weltweit. Vier Prozent der Bissopfer sterben, weil bisher kein Gegengift existiert. Zum Glück sind diese Spinnen nicht aggressiv und meistens nur nachts aktiv. Bisher wurde in Helsinki nur ein Bauarbeiter gebissen, der sich nicht an die Sicherheitsbestimmungen gehalten hat. Er überstand die Attacke ohne schwerwiegende Folgen.

Versuche, die Spinne im Museum auszurotten, blieben bisher ohne Erfolg. Das hängt auch mit der hohen Überlebensfähigkeit und Reproduktionsrate der Spinnenweibchen zusammen. Ohne Nahrung und Wasser lebt ein Tier im Durchschnitt noch 453 Tage. Und die Weibchen legen im Laufe ihres Lebens bis zu 15 Eiersäcke ab, aus denen ca. 150 Nachkommen schlüpfen. Ein Bewohner der Stadt Dorsten erklärte nun seinen Verzicht auf Finnlandreisen: "Ich werde Helsinki nicht ins Museumsnetz gehen!"

Mettauertal. Häufig vermissen Zeitungsleser gute Nachrichten. Im "Südkurier" des Schweizer Kantons Aargau sind sie fündig geworden. In dem kleinen Ort Mettauertal am Hochrhein hatte der Gemeinderat einen Ideenwettbewerb für eine "Schulterklopf-Maschine" ausgeschrieben und für die Realisierung 20 000 Franken an Spendengeldern gesammelt. Und jetzt gibt es dort eine "Gut-gemacht-Maschine"!
 
Sie funktioniert so: Wer die ausgediente Telefonzelle betritt, muss zunächst über ein Computermenü mitteilen, was er Positives vollbracht hat. Dann brandet lauter Beifall auf und es ertönt eine Lobeshymne. Und als Zugabe gibt es eventuell noch den Gutschein für einen Kaffee. Na, wer hat's erfunden? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 184 vom 20. 10. 21

Ich begrüße Euch heute erstmals zu meiner neuen Nachrichten-Sendung "Verrückte Welt", in der ich künftig gelegentlich von seltsamen Dingen berichten werde, die rund um den Globus tatsächlich geschehen sind. Zuerst schalten wir in die Hauptstadt der USA:
 
Washington. Nahe des "Weißen Hauses" flogen die Federn! Und zwar in so großer Zahl, dass sich zeitweise eine regelrechte Wolke bildete. Aufkeimende Gerüchte, Donald Trump habe US-Präsident Joe Biden aufgelauert, um ihn wenigstens bei einer Kissenschlacht zu besiegen, entbehrten jedoch jeder Grundlage. Die Ursache war viel profaner: Der Anhänger des einer Geflügelfarm gehörenden Traktors war umgekippt, und 18 Tonnen Federn hatten sich daran erinnert, dass sie früher auch zum Fliegen verwendet wurden.

Seoul. Im Müll zu wühlen kann sich lohnen. Nicht immer nur durch die Bergung von Pfandflaschen. So hat jetzt ein Hausmeister in einem Müllcontainer am Flughafen der koreanischen Hauptstadt Goldbarren im Wert von rund 244 Millionen Dollar entdeckt. Meldet sich der rechtmäßige Eigentümer nicht oder stammt das Gold aus kriminellen Machenschaften, darf der Mann es behalten. Aber selbst, falls jemand berechtigte Ansprüche anmeldet, hat der Finder ausgesorgt: Ihm stehen mindestens fünf Prozent Finderlohn zu. Gerüchten nach müssen jetzt weltweit an Flughäfen Müllcontainer vor Plünderungen durch gierige Schatzsucher bewahrt werden.

Wörth. Ein Ehestreit mit ungewöhnlichem Ausgang hat sich in der kleinen Stadt am Rhein ereignet. Wie die Polizei mitteilte, brachte sich der 47-jährige Gatte vor seiner wütenden Frau in Sicherheit, indem er 15 Meter hoch auf einen Baum kletterte. Auch gutes Zureden der Beamten und die Versicherung, die Luft sei rein, seine Frau habe das Weite gesucht, vermochten den Verängstigten nicht zum Herunterklettern zu bewegen. Er musste schließlich von der Feuerwehr mit Hilfe einer Drehleiter geborgen werden. Das Dorstener Baumhaus hat ihm inzwischen Asyl angeboten.
 
Vereinigte Staaten von Amerika. Ein US-Gericht hat entschieden, dass einem britischen Fotografen das Copyright an Aufnahmen zusteht, die ein Affe geschossen hatte. Der Affe entwendete in einem Zoo die Kamera des Fotografen und machte anschließend eine Reihe von Selfies, die rund um die Welt gingen. Die Tierschutzorganisation PETA wollte ihm die Rechte an den Bildern verschaffen, scheiterte aber an der Justiz. Das Gericht verkündete: Ein Affe kann nicht klagen. Schade, dass die mittelalterlichen Tiergerichte vor mehr als 200 Jahren abgeschafft wurden (siehe Schmunzelpost vom 15. Oktober). Hier hätten sie einmal etwas Positives bewirken können. Zurück zur Geflügelredaktion.
 
Rocky River. In dem kleinen Ort im US-Bundesstaat Ohio leben Briefträger gefährlich. Nachdem mehrere Postboten von freilebenden Truthähnen massiv attackiert wurden, weigerten sie sich, in den betroffenen Straßen weiterhin Sendungen auszuliefern. Das Vertreiben oder Töten der Tiere war untersagt worden. Die Bewohner müssen Briefe und Pakete jetzt selbst am Postamt abholen. Und die Zusteller kündigen an: Am Thanksgiving Day wird zurück gebissen!

Arkansas. Kampfhähne gehören in den Knast. Das gilt jetzt nicht nur im übertragenen Sinne. Nachdem die Polizei eine große illegale Hahnenkampf-Veranstaltung abgebrochen und 137 Menschen verhaftet hatte, mussten mangels anderer Unterbringungsmöglichkeiten auch 200 Hähne ins Gefängnis. Wegen mangelnder Geselligkeit befinden sie sich in Einzelhaft. Was hinterher mit ihnen geschieht, danach kräht vermutlich kein Hahn. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 183 vom 19. 10. 21 

Wieder einmal habe ich es heute versucht. Wieder einmal stand ich ganz kurz vor dem Durchbruch, wollte Überfälliges endlich wahrmachen. Und wieder einmal bin ich kläglich gescheitert. Das Aussortieren von Kleidungsstücken fällt mir wahnsinnig schwer. Irgendein kleiner Textilfetischist in meinem Hinterkopf flüstert im entscheidenden Moment hypnotisch: "Das ist doch noch gut! Das kann man noch tragen! Das ist doch viel zu schade zum Ausrangieren!"
 
Eine Zeitlang plagte mich der Verdacht, der Messi in mir stehe kurz vor der Übernahme des Kommandozentrums. Denn bei Büchern ist es noch extremer. Bei uns quellen die Regale über. In allen Räumen stapeln sich Bücher. Auf dem Wohnzimmertisch, in ungenutzten Ecken, sogar im Keller in ausgedienten Kleiderschränken.
 
Dabei bin ich mir voll und ganz darüber im Klaren, dass ich ein Großteil meiner Sammlung kein zweites Mal lesen werde. Schlimmer noch: Viele der angehäuften Bücher warten noch darauf, zum ersten Mal gelesen zu werden. Kommt ein neues Buch heraus, das mich sehr interessiert, dann lautet der innere Befehl: Haben, haben, haben! Und nicht: Sofort lesen! Das wäre ohnehin unmöglich, wenn man drei Stück auf einmal erwirbt.
 
Ich betrachte Bücher als eine Art Altersversicherung. Früher plagte mich die Sorge, dass mir irgendwann der Lesestoff ausgehen könnte. Deshalb sicherte ich mir nach Möglichkeit spannende Neuerscheinungen, bevor sie möglicherweise ausverkauft waren und nicht mehr neu aufgelegt wurden. Im Alter, so glaubte ich, wenn ich erst mal Rentner bin, würde ich mich über Langeweile nie beklagen können und lesen wie ein Weltmeister.
 
Der erste Teil der Prognose stimmt tatsächlich. Aber es gibt auch noch andere schöne Dinge zu tun als zu lesen. Zum Beispiel schreiben. Oder Musik hören. Oder Radfahren. Oder, oder, oder. Außerdem plagt mich ein Phänomen, mit dem ich früher nie zu kämpfen hatte. Entspannt im Sessel oder auf der Gartenliege fallen mir selbst beim aufregendsten Thriller spätestens nach 30 minütiger Lektüre die Augen zu.
 
Doch das sollte mich nicht daran hindern, zumindest die Bücher auszumisten, die mir aus welchem Grund auch immer nicht gefallen haben. Oder die ich bereits nach 30 Sekunden zuklappte mit der Gewissheit, dass es sich nicht lohnen wird, noch jemals einen Blick hineinzuwerfen. Aber selbst bei solch hoffnungslosen Fällen ist es mir nur ganz selten unter Aufbietung aller Kräfte gelungen, sie aus der Wohnung zu verbannen und in den öffentlichen Bücherschrank zu stellen. Da plagt mich nämlich ein schlechtes Gewissen: Warum soll ich solch ein Machwerk noch einem anderen Bücherfreund antun?
 
Wegwerfen geht aber gar nicht. Das steht bei mir auf einer Ebene mit Verbrennen. Und Bücherverbrennen ist für mich die achte Todsünde. Bin ich also doch bereits zum Messi mutiert? Nein, glücklicherweise habe ich ein untrügliches Indiz gefunden, dass dies nicht so ist. Mit Weinflaschen habe ich nämlich keinerlei Probleme. Ich trinke sie einfach aus und werfe die leeren Flaschen in den Glascontainer. Ach, wenn das Leben doch in allen Bereichen so einfach wäre!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Vorhin bin ich im Keller leider über den Gegenbeweis gestolpert. Da stehen nämlich noch uralte, volle Weinflaschen herum, die mir einst Pizzadienste schenkten, wenn sie die Lieferung für unsere Doppelkopfrunde brachten. Den Fusel konnte ich zwar niemand anbieten, aber deshalb gleich wegwerfen? Vielleicht kann man ja mal Glühwein daraus machen, redete ich mir ein.
 
PPS. Als neuer Antimessi-Test muss jetzt die Schmunzelpost herhalten. Die Beiträge werden allesamt mit Herzblut geschrieben. Eigentlich sind sie mir viel zu wertvoll, um sie wegzugeben. Aber was mache ich? Ich drücke die Sendetaste. Husch, sind sie weg. Einfach so, aus dem Entwurfregister für immer verschwunden. Schafft das ein Messi?
 
PPPS. Leider fällt mir ein, dass ich die Texte ja doch aufbewahre. Sie sind allesamt unter www.schmunzelpost.de zu finden. Nur als kleiner Hinweis, falls Ihr das Sakrileg begangen und die eine oder andere Schmunzelpost gelöscht habt. Im Internet könnt Ihr sie wiederfinden. Vielleicht treffen wir uns dort eines Tages im Chatroom und gründen einen Messi-Club. 

   

PPPPS. (vom 19. 6. 25) Kleine nachträgliche Korrektur: Durch eine Hacker-Attacke ist meine Schmunzelpost-Website dauerhaft blockiert. Stattdessen könnt Ihr alle Folgen nun auf www.krauseszeug.de nachlesen.   
 

 Schmunzelpost 182 vom 18. 10. 21

Die Sondierungsgespräche sind bereits abgeschlossen. Sonderbar, dass das so schnell ging. Schließlich lagen SPD, FDP und Grüne in wesentlichen Fragen vorher  meilenweit auseinander. Doch Demokratie lebt vom Kompromiss, auch wenn alle dann, was NABU-Mitgliedern besonders weh tut, reichlich Kröten schlucken müssen. Aber der Teufel steckt im Detail. Deshalb können die Koalitionsgespräche noch viele Überraschungen bringen. Schauen wir die Zukunft. 
 
Erste Verhandlungswoche: Alles läuft bestens. Die Einigung und damit die Regierungsbildung der Ampelkoalition ist greifbar nahe. Nur das Thema "Finanzierung der erforderlichen Maßnahmen" bereitet noch Kopfzerbrechen. 
 
Zweite Verhandlungswoche: Eine baldige Einigung ist immer noch möglich. Allerdings lehnt Christian Lindner die Berufung von Robert Habeck zum Finanzminister ab: "Damit würde einer bodenlosen Verschuldung Tür und Tor geöffnet. Lieber gar nicht regieren als falsch regieren." 
 
Dritte Verhandlungswoche: Eine Einigung ist nicht undenkbar. Allerdings lehnt Robert Habeck die Berufung von Christian Lindner zum Finanzminister ab: "Damit wären die notwendigen Maßnahmen zum Kampf gegen den Klimawandel nicht zu realisieren. Lieber gar nicht regieren als falsch regieren." 
 
Vierte Verhandlungswoche: Eine Einigung ist zumindest nicht ausgeschlossen. Allerdings lehnt Olaf Scholz die Berufung von Olaf Scholz zum Finanzminister ab: "Ich muss Kanzler werden. Als Finanzminister müsste ich zu viele unpopuläre Maßnahmen verantworten. Lieber gar nicht regieren als falsch regieren." 
 
Fünfte Verhandlungswoche: Überraschend schnell wurden nach Abbruch der Ampelgespräche die Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer neuen großen Koalition zwischen SPD und CDU/CSU einvernehmlich abgeschlossen. Kanzler wird Olaf Scholz, Vizekanzler Markus Söder und Finanzminister Andreas Scheuer. Olaf Scholz: "Lieber mit dem falschen Partner regieren als gar nicht regieren."    
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 181 vom 17. 10. 21 

Gestern habe ich an der Tour de Buur teilgenommen. Nein, das ist kein Radrennen für Landwirte, schließlich bin ich weder Bauer noch Radsportler. Die "Tour de Buur" ist ein Angebot von Landwirten aus dem Dorstener Norden, ihre Höfe bei einer kleinen Radtour kennenzulernen und mit ihnen über die Situation, Probleme und Perspektiven ihres Betriebes zu sprechen. Kaffee und Kuchen gibt's außerdem - und in unserem Fall auch Kostproben von leckerem Ziegenkäse. Wir haben uns nämlich außer über die Milchkuhhaltung auf dem Hof Heiming auch über Sondermanns Ziegenkäserei informiert. Das Ganze ist sehr zu empfehlen. 
 
Als Tierfreund nutzte ich die Gelegenheit um Kühe und Kälber zu kraulen, desgleichen Labradore, Kätzchen sowie kleine und große Ziegen. Nur den Ziegenbock bekam ich nicht zu fassen. Der hatte anderweitig viel zu tun: Im Herbst ist bei Ziegen Brunftzeit. Und nach fünf Monaten und zehn Tagen kommen dann die kleinen Zicklein zur Welt. 
 
Das ist nur eine meiner neugewonnenen Erkenntnisse. Eine andere: Fünf Zwergziegen stinken weit mehr als hundert Milchziegen. Auch über den Geschmack von Ziegenkäse sind viele Vorurteile im Umlauf. Dessen spezielle Note hängt nämlich entscheidend davon ab, was die Milchspender vorher gefressen haben. Ziegen sind Allesfresser. Wer also das Produkt einer Ziege kostet, die vorher Disteln, Tannennadeln und Kernseife gefressen hat - wohl bekomm's. Die Erzeugnisse der Käserei Sondermann weisen neben dem eher neutralen Geschmack von Kraftfutter und Stroh höchstens noch Spuren der Kräuter aus, mit denen manche Sorten nachträglich verfeinert wurden. Lecker! 
 
Allerdings sind Ziegen extrem neugierig. Würde daher die Milch der Jungziege verarbeitet, die ausgiebig mit mir geschmust hat, dann könnte der Käse nach meinen Jeans schmecken, die das Tier von mir unbemerkt anknabberte. Die Kühe und Kälber auf dem Hof Heiming begnügten sich dagegen damit, mit ihren Schlabberzungen Spuren auf meinen Ärmeln zu hinterlassen. Dort erfuhr ich, dass Kühe andere Vorstellungen von einer Idealtemperatur haben als ich. Während ich bei 4 Grad eher fröstele, fühlen sie sich sauwohl. Hitze mögen sie dagegen gar nicht und reduzieren dann auch die Milchproduktion. 
 
Nochmal zurück zu den Ziegen. Zwei Fakten: Eine männliche Ziege ist ein Bock, wird er kastriert, nennt man ihn Mönch. Ein Schicksal, das ich nicht teilen möchte. Aber Ziegen können sich nicht überfressen. Sie verfügen über einen angeborenen Sinn dafür, wann sie genügend Kalorien zu sich genommen haben.  Das ist eine Fähigkeit, um die ich alle Ziegen beneide! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wer mehr über die "Tour de Buur" wissen will, sollte dieses Stichwort mit dem Zusatz "Dorsten" in seine Ecosia-Suchmaschine am PC eingeben. 
 

Schmunzelpost 180 vom 16. 10. 21 

Nach dem Abstecher ins Reich der Tiere wenden wir uns heute wieder dem menschlichen Irrsinn zu. Aber wir bleiben im Gericht und schauen uns dort mal ein paar Schriftstücke an.
 
Häufig wird beklagt, dass von Justizbehörden eine gestelzte Amtssprache benutzt wird, die einfache Menschen kaum verstehen. Daher hat Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Heribert Ostendorf bereits vor mehr als 20 Jahren in der Richterzeitung gefordert, dass eine volkstümliche Sprache vorgezogen werden soll. Entsprechende Versuche blieben jedoch äußerst selten. Hier ist einer davon: 
 
"... indem der Angeschuldigte mit dem Zeugen einen Kaufvertrag über einen PKW Diesel für 6000 Euro abschloss, das Fahrzeug abholte, der Aufforderung, Bares auf den Tisch zu legen, nicht nachkam, darauf hinwies, dass die Banken bereits geschlossen hätten, den Zeugen auf Montag vertröstete, ihm noch ein Warndreieck und einen Verbandskasten abluchste, mit dem Fahrzeug munter vom Hof fuhr und den Zeugen bis heute mit Sprüchen und Ausflüchten vertröstete, obwohl ihm von Anfang an klar war, dass er von der Bank wegen Kreditunwürdigkeit keinen einzigen Taler zu erwarten hatte." Mal abgesehen davon, dass der Verfasser der Anklageschrift volkstümliche Sprache offenbar mit den Endlos-Sätzen von Thomas Mann gleichsetzt - was heißt hier Taler? Ich wüsste zu gern, ob das Auto noch auf Heller und Pfennig bezahlt wurde. 
 
Bei einem anderen Betrugsversuch zeigte sich, dass der federführende Protokollant offenbar nicht die hellste Kerze auf der Torte war. Der auf englisch verfasste Brief endete mit einer klassischen Grußformel. So lautete die Aktennotiz: 
Wohnort des Beschuldigten: Lagos/Nigeria 
Name: Faithfully 
Vorname: Yours 
 
Aber auch auf der Anklagebank glimmt das Licht der Intelligenz mitunter auf Sparflamme: 
"Die klinisch-neurologische Untersuchung ergab Hinweise auf einen Hirnstammdefekt. Eine gebotene weiterführende Diagnostik verweigerte der Angeklagte mit dem Hinweis, dass er zunächst die Beurteilung der FDP abwarten wolle, deren nichtzahlendes Mitglied er sei." 
 
Der eingangs geforderten klaren Sprache befleißigte sich ein Staatsanwalt, als der Verteidiger forderte, einen Graphologen hinzuzuziehen, um aus dem Schriftbild eines Zeugen Aufschlüsse über dessen Charaktereigenschaften zu bekommen: "Zu diesem Beweisantrag sei die Anmerkung gestattet, dass ein Voodoo-Knochenleser zur Frage der Glaubwürdigkeit mindestens ebenso treffliche Anmerkungen machten könnte." 
 
So kann es schon mal passieren, dass sich Mandant und Anwalt überwerfen: "Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt, wo und wie Sie aus meinem Schreiben eine 'schwerwiegende' Beleidigung herauspopeln wollen, sei Ihnen überlassen. Meine Problematik ist Ihnen dabei scheißegal. Motto: Fassade statt Inhalt. Wie Sie dabei die satte Überheblichkeit Ihrer windigen Firmenpolitik mit Ihrem frommen Christendasein in Einklang bringen, wird für mich immer ein unverständlicher Spagat bleiben. Ich muss mich Ihrer eindeutigen Physiognomie erinnern, um ansatzweise zu verstehen." 
 
Yours Faithfully 
kdk 
 
PS. Und wieder einmal gilt es zu später Stunde ein Versprechen einzuhalten. Schalke hat das Freitagsabendspiel in der 95. Minute auswärts in Hannover mit 1:0 gewonnen, also blättern wir erneut in der Vereins-Chronik. Eigentlich böten sich an dieser Stelle die beiden Endspiele um die Fußballmeisterschaft im Jahre 1938 an, in denen der Gegner ebenfalls Hannover 96 hieß. Nachdem das erste Spiel auch nach Verlängerung 3:3 unentschieden ausging, konnte Hannover die Wiederholungspartie ebenfalls nach Verlängerung durch ein Tor in der 117. Minute mit 4:3 für sich entscheiden. Darüber (und über die Begleitumstände) habe ich jedoch bereits geschrieben. 
Deshalb will ich hier die Schalker Meisterschaft aus dem Jahr 1939 feiern, das einseitige, aber vielleicht glanzvollste Finale in der Geschichte der Titelkämpfe. Nachdem Österreich von Hitler eingemeindet worden war, spielten diesmal auch die Wiener Vereine mit. Dazu muss man wissen, dass deren Fußball in ganz Europa hohes Ansehen genoss. Denn die Spitzenclubs setzten ganz auf Profis, was deutschen Vereinen offiziell verboten war. 
Und nachdem Admira Wien das Halbfinale gegen den Hamburger SV 4:1 gewonnen hatte, während die Schalker gegen Dresden ein Wiederholungsspiel brauchten, galten die Österreicher sogar als Favorit. Und dann wurden sie 9:0 entzaubert! Fünffacher Torschütze war Ernst Kalwitzki, je einmal trafen Adolf Urban, Otto Tibulsky, Ernst Kuzorra und Fritz Szepan. 

 

Schmunzelpost 179 vom 15. 10. 21

Mit was kann ich Euch heute amüsieren und gleichzeitig ein wenig weiterbilden? Sex und Crime geht immer. Das weiß ich als alter Zeitungsmann sehr gut. Und auch Gerichtstexte werden gern gelesen. Wohlan! Wusstet Ihr, dass vom 13. bis 17. Jahrhundert auch Tieren der Prozess gemacht wurde und Schreiber die ordentlich geführten Verhandlungen in Gerichtsakten dokumentierten? Gebt zu: Das wusstet Ihr nicht. Ist aber wirklich wahr. 
 
Vor allem kriminelle Schweine hatten darunter zu leiden. Das lag daran, dass sie als eine Art Müllabfuhr frei in den Gassen herumliefen, mit den Menschen unter einem Dach lebten und in kalten Winternächten sogar die Schlafräume teilten. Das hält kein Schwein aus, ohne hin und wieder in Versuchung geführt zu werden. So knabberte 1386 im französischen Falaise eine arme Sau einen Säugling an, was der nicht überlebte. Die Sau auch nicht! Sie wurde zum Tod am Galgen verurteilt. Doch nicht nur das: Alle Schweine der Stadt mussten die Hinrichtung anschauen, das sollte sie abschrecken. 
 
1457 wurden eine Sau und ihre sechs Ferkel in Savigny angeklagt, einen fünfjährigen Knaben auf dem Gewissen zu haben. Auch für dieses Schwein gab es kein Erbarmen, sondern das Todesurteil. Hingegen wurden ihre Ferkel freigesprochen. Die Begründung des Richters hört sich recht modern an: Aufgrund ihrer Jugend seien die Kleinen hilflos dem schlechten Einfluss ihrer Mutter ausgesetzt gewesen! 
 
Eine Sauerei ist die gesetzliche Regelung, die 1220 im "Sachsenspiegel" verankert wurde, immerhin einem der bedeutendsten Rechtsbücher des Mittelalters. Danach war es für Tiere, egal, ob Schwein oder Schaf, Katze oder Hund, fatal, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Wurde in ihrem Beisein eine Frau oder ein Mädchen vergewaltigt, dann wurden die tierischen Augenzeugen mitsamt dem Täter hingerichtet. Viele hundert Jahre später fragte sich Jakob Grimm, ob dies wohl wegen unterlassener Hilfeleistung erfolgte. 
 
Nicht nur das weltliche, auch das Kirchenrecht sah Strafen für Tiere vor. So wurde tatsächlich Heuschrecken, Schnecken und Mäusen die Exkommunikation angedroht, falls sie nicht von ihrem schädigenden Verhalten abließen. 
 
Ein mildes Urteil fällte 1522 ein Kirchengericht in Frankreich. Dort hatten Holzwürmer ein Gotteshaus befallen und den Bischofsstuhl so zernagt, dass er unter dem Gewicht des Würdenträgers zusammenbrach. Daraufhin wurden die Holzwürmer - in Abwesenheit - aus der Kirche verbannt und angewiesen, in einen nahen Baum umzuziehen. Dazu muss gesagt werden, dass die Würmer einen glänzenden Strafverteidiger hatten. Bartholomie de Chessenee (hier fehlen ein paar accents) zeichnete sich auch als Rechtsanwalt von Ratten aus. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 178 vom 14. 10. 21 

Am 20. November wird sich die Welt verändern. Zumindest in Dorsten. Denn dann geht um 19 Uhr eine neue Funk-Station auf Sendung: Das "Cornelia-Funkhaus" präsentiert ein Live-Programm, das sich gewaschen hat - die Tintenhühner sind mit ihrem neuen Programm auf Sendung. Allerdings erreicht die drahtlose Übertragung dann nur die 200 Besucher der Petrinum-Aula. Deshalb wird am Sonntag, 21. November, um 17 Uhr, nochmal gefunkt. Und wer mit den Dorstener Kabarettisten auf einer Wellenlänge liegt, kann am 23. November um 19 Uhr eine weitere Wiederholung anschauen. 
 
Fest steht: Solch ein Programm hat die Welt noch nicht gesehen! Vom Verkehrshinweis bis hin zu Nachrichten, die ganz Deutschland erschüttern, ist alles enthalten, was eine aktuelle Sendung ausmacht. Eine Talkshow ist ebenso dabei wie ein Quiz und das Exklusiv-Format "Zaster für Alabaster." Der Herr Wölki und seine schwarzberockten Vertuscher-Kumpanen kriegen ihr Fett weg. Und die Musik öffnet neue Horizonte. Oder kennt Ihr schon das Lieblingslied der Friseurzunft? 
 
Bevor die Rundfunkgeschichte neu geschrieben wird (nebenbei: Rundfunk bezeichnet sowohl Hörfunk wie Fernsehen und leitet sich ab von drahtloser Telegrafie), kurz ein Blick auf die Anfänge. Schließlich hat auch die Schmunzelpost einen Bildungsauftrag. Die erste Hörfunksendung war eine Weihnachtsüberraschung. Sie wurde von Reginald Aubrey Fender am 24. 12. 1906 in Kanada ausgestrahlt und hatte eine Reichweite von gerade mal 18 Kilometern. In Deutschland zog Rundfunk-Pionier Hans Bredow erst am 29. Oktober 1923 nach. 
 
Und wie heißt das bis heute im Radio weltweit meistgespielte Stück? Es stammt nicht von den Beatles, nicht von Beethoven und erst recht nicht von einem in Europa unbekannten Chinesen. Nein, der Sänger heißt Bing Crosby. Und er hatte eine clevere Idee. Sein Hit "White Christmas" tönt Jahr für Jahr aufs Neue aus den Lautsprechern. 
 
Wer anderen Tönen lauschen will, dem sei ein tschechischer Hörfunksender empfohlen. Der hat sich als Alternative zum Lärm der Zivilisation entschieden, täglich eine Direktübertragung aus dem Wald anzubieten. Vögel zwitschern, Frösche quaken und Igeln rascheln im Herbstlaub. Nur, so frage ich mich, was übertragen die im Winter? Ach ja: Leise rieselt der Schnee... 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 177 vom 13. 10. 21

Die Herbstferien nutzen viele zum Verreisen. Für diejenigen, die nur Zeit für einen Kurztrip haben, gutes Wetter abwarten wollen und das besondere Übernachtungserlebnis suchen, habe ich ein paar Tipps zusammen gestellt. Nicht nur für den Herbst.
  
Schon einmal in einem Klärwerk geschlafen? Igitt, abartige Idee? Nichts da, das ist bei Radwanderern sehr beliebt. Allerdings handelt es sich auch um ein ehemaliges Klärwerk, das man in Bottrop zum "Berne-Park" umgestaltet hat. Park ist zwar ein großes Wort für die paar Blümchen, doch dafür können die Besucher in einer Tonne übernachten. Und gleich nebenan steht ein Restaurant. Eine Fass-Alternative findet man in Lübbenau. Dort nächtigen Gäste im größten Gurkenfass des Spreewalds. Bisher soll niemand über Nacht sauer geworden sein...
  
Wer es aufregender liebt, der kann inmitten wilder Tiere schlafen. Ja, das geht. Und zwar im Schweriner Zoo. Dort hat man originalgetreu ein Baumhaus Alexander von Humboldts nachgebaut. Mit seinen 40 qm Wohnfläche ist es für bis zu sechs Personen geeignet und wird von März bis Oktober als Ferienwohnung vermietet. Die unmittelbaren Nachbarn sind Pekaris und Nasenbären. Mieter müssen jedoch damit rechnen, dass sich tagsüber unten die Zoobesucher fragen: "Was sind denn das für seltsame Affen da oben im Baum? Seit wann tragen Gorillas Jeans?" 
 
Das kann im Bubble-Hotel in Mauth nicht passieren. Bei einer Nacht im Doppelbett mögen schon manche Träume wie Seifenblasen geplatzt sein, diese Seifenblase aus Kunststoff platzt jedoch nicht. Stattdessen wird drinnen die Luft mehrmals stündlich erneuert. Und mitten auf einer Bergwiese im Bayerischen Wald bietet die transparente Kuppel in sternenklaren Nächten himmlische Ausblicke. Falls draußen Kühe oder Wanderer zu neugierig werden, gibt es aber auch einen Blickschutz. 
 
Mit dem Blick in den Sternenhimmel locken auch die Schlafstrandkörbe an der Ostsee. In Grömitz, Scharbeutz, am Timmendorfer Strand und auf Fehmarn kann man sich für die Nacht direkt am Meeresufer einquartieren und je nach Witterung den Schlafkorb auch wetterfest abdichten. 
 
Nicht ungewöhnlich genug? Wie wär's dann mit einer Iglu-Hütte auf dem Nebelhorn? In 2000 m Höhe im Allgäu sind heiße Nächte eher eisig. Denn drei Monate lang im Winter entstehen dort aus 3000 Kubikmetern Eis recht komfortable Domizile mit Ausblick auf 200 umliegende Berggipfel. Dass die Nutzer nicht zu sehr frösteln, dafür sorgen Rentierfelle und Expeditions-Schlafsäcke, wie sie sonst für Mount-Everest-Touren genutzt werden. 
 
Einen Tipp hab ich noch: Wer auf einer Party Verwandte und Freunde mit der durchaus wahren Mitteilung schockieren will: "Die letzte Woche habe ich im Knast verbracht", der muss nach Amberg fahren. Dort wurde eine 300 Jahre alte Haftanstalt in ein Hotel verwandelt. Wer hinter Gittern seine Nächte verbringen will, hat die Wahl zwischen Zellen mit Namen wie Schiebehaft, Hochsicherheitstrakt oder offener Schlafvollzug. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 176 vom 12. 10. 21

Wie Ihr als hoffentlich regelmäßige Leser der Schmunzelpost wisst, bin ich ständig auf der Suche nach kuriosen, absurden, grotesken Geschichten, die sich irgendwo auf der Welt abspielen. Dazu bin ich länger im Internet unterwegs, als eigentlich gut für mich ist. Dort entdeckte ich jetzt einen Text samt zugehörigem You-Tube-Video, der sofort mein Interesse weckte. Schließlich bin ich als Kabarettist ein praktizierendes Tintenhuhn und daher für Überschriften wie: "Autorenlesung im Hühnerstall - und 3000 Hühner gehen begeistert mit" besonders empfänglich. 
 
Die Story ließ sich auch vielversprechend an. Als Klaus Hansen alias "hansenhansen" bei der Familie Gosch in Isernhagen erstmals anfragte, ob er deren Hühnern Geschichten vortragen dürfe, hätten sich die Familienmitglieder betroffen angeschaut, als ginge ihnen durch den Kopf "Jagen wir ihn mit dem Hund vom Hof? Oder rufen wir besser die Polizei?". 
 
Schließlich haben sich die Hausherren doch darauf eingelassen. Vermutlich, weil ihnen versprochen wurde, dass mit dem Hinweis auf die Freiluft-Haltung ihrer Legehennen womöglich auch der Eierverkauf gesteigert werden könnte. 
 
So kam es, dass Klaus Hansen inmitten von Hühnern aus dem Buch "Bauer Hansen und sein Viehzeug" die Geschichte von "Fridolin, der Chef vom Hühnerhof" vorlas. Nach seinen Worten ein Riesenerfolg beim Federvieh. Die Tiere hätten aufmerksam gelauscht. Und als der Autor einmal mir und mich verwechselt habe, habe eisiges Schweigen geherrscht. Mehr noch: Der Verlag schrieb anschließend, die Hühner hätten so konzentriert zugehört, dass in der gesamten Zeit kein einziges Ei gelegt worden sei. 
 
Möglicherweise hat man bloß keins gefunden. Denn die Hühner haben wahrscheinlich die Eier irgendwo gebunkert, um zum Schluss der Lesung damit zu werfen. Spätestens bei Sätzen wie "(dem Hahn) Fridolin fiel die Kinnlade herunter", sträubt sich bei jedem Gockel der Kamm. 
 
Man soll nichts ungeprüft glauben, was irgendwo im Internet verbreitet wird. Denn wenn man sich das Video anschaut, wird deutlich, dass das Ganze nur ein Werbegag von Autor und Verlag war, um von emsigen Tiervideo-Betrachtern wahrgenommen zu werden. Von wegen: 3000 Hühner lauschten gebannt. Eine handvoll Hennen tummelte sich rund um die Bank des Lesers, vermutlich, weil dort vorher ordentlich Körner verstreut worden waren. Die große Mehrzahl der Hühner ging derweil ungerührt ihren Geschäften nach. 
 
Fazit: Nach Klaus Hansen krähte kein Hahn. Und wer tatsächlich mit Hühnern kommunizieren will, sollte vorher korrekt Gackern lernen. 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 175 vom 11. 10. 21

Man soll die Dinge beim Namen nennen. Das ist hier schon häufiger geschehen, etwa mit ungewöhnlichen Ortsbezeichnungen. Manchmal sind die "Dinge" auch Lebewesen, zum Beispiel vorher unbekannte Tierarten. Dann ist die Wissenschaft gefordert. Und da können Akademiker sehr fantasievoll sein. 
 
So tauften Spencer Baird und Charles Girard eine spezielle Klapperschlange auf den Namen crotalus atrox. Das bedeutet "Furchterregender Krachmacher". Und ein Frankfurter Zoologe, offenbar ein Bram-Stoker-Fan, nannte einen winzigen Tiefseetintenfisch vampyrotheutis infernalis - "Vampirtintenfisch aus der Hölle". Das Gegenteil von Horror macht jedoch auch nicht alle glücklich. Ob R&B-Star Beyonce froh darüber war, dass ausgerechnet eine Pferdebremse nach ihr scaptia beyonceae benannt wurde, ist nicht überliefert. 
 
 Korrekt finde ich dagegen die in Neuseeland getroffene Entscheidung, dass die Ureinwohner der Inseln künftig auch Tierarten taufen dürfen. Als erstes profitiert das Manaia-Zwerg-Nadelpferdchen davon. Das ist kein Pony, sondern ein Seepferdchen. Und weil die Maori es so wollten, trägt die Gattung nun den wohlklingenden Namen cylix tupareomaniaia. 
 
Schon ein paar Tage her ist eine vermeintliche Umbenennung, auf die Nachrichtenredakteure des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Ungarn hereingefallen sind. In der ungarischen Tagesschau wurde 2018 verkündet, dass die Ruhrgebietsmetropole Essen künftig "Fasten" heißen würde. Der durch den Ramadan motivierte Wechsel sei ein ultimativer Beweis, welches Ausmaß die Islamisierung Deutschlands erreicht hätte. 
 
Wer die Angst vor Einwanderern auf jede Weise schüren will, sollte bei der Wahl seiner Quellen vorsichtig sein. Denn die Ungarn waren einem Satiremagazin auf den Leim gegangen. Mit dem hat ein Schmunzelpost-Empfänger aus Essen, der demnächst wieder eine Fastenwanderung antritt, nichts zu tun. Obwohl schon der Gedanke, ein Anhänger von Rot-Weiß Fasten zu sein, ihm gründlich den Appetit verderben dürfte. 
 
Nun noch vom Namen- zum Notenwechsel. Der indische Verkehrsminister Nitin Gadkari hatte jetzt eine melodiöse Idee. Dass Dauerhupkonzert in den indischen Millionenstädten nervt ihn und die Einwohner so sehr, dass er daran unbedingt etwas ändern will. Fahrzeughupen müssen künftig klingen wie indische Musikinstrumente. Und die schrillen Sirenen von Krankenwagen und Polizei sollen durch wesentlich beruhigendere Melodien ersetzt werden. 
 
Ob bei uns die Tatortmelodie besser wäre als das vertraute Tatütata, daran habe ich Zweifel. Und was Musikinstrumente statt Hupen betrifft: Falls es gelingt, dass alle gemeinsam Harekrishna musizieren, würde ich dazu Hallelujah singen. Ich fürchte aber, dass es ein Tohuwabohu gibt wie beim Instrumentenstimmen vor einem Konzert. Herr Gadkari sollte sich einmal in den Flur einer Musikschule setzen. Wenn links das Flötenspiel geübt und rechts die Violine gequält wird und dazu noch im Keller die Schlagzeuger auf die Pauke hauen, sehnt jeder Musikfreund sich nach klassischen Hupentönen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Hier ist noch das Ergebnis vom kanadischen "Fetter-Bär-Wettbewerb" (SP vom 30.9.) . Sieger 2021 ist "Otis" mit geschätzt 450 kg. Der alte Brummbär hat zwar nur noch wenig Zähne im Maul, aber Lachse schlucken kann er noch ganz gut. Er sagt dazu Fischsuppe.  
 

 Schmunzelpost 174 vom 10. 10. 21

Bisher habe ich mich in der Schmunzelpost noch nie mit Beziehungsproblemen befasst. Höchste Zeit, dass sich das ändert. Und zwar in der Form von konkreter Lebenshilfe. 
 
Manche Probleme lassen sich nämlich vergleichsweise leicht lösen. Der Start in den Tag wurde uns mitunter durch den Zustand der Butter verhagelt. Sie liebt die Butter eiskalt, direkt aus dem Kühlschrank. Er hasst es, mit dem Messer daran herumzukratzen und dann trotzdem nur eine winzige Menge Butter auf dem Brot zu verteilen. Die Lösung: Bei uns gibt es jetzt zwei verschiedene Sorten, eine gut gekühlte und eine streichzarte. Jetzt ist soweit alles in Butter. Das war ein Vorschlag zur Konfliktvermeidung. 
 
Gravierender ist der Streit um die Auswahl des abendlichen Fernsehprogramms. Sie bevorzugt anspruchsvolle Filmkunst, er schätzt kunstvollen Fußball. Die Lösung: Zwei Fernsehgeräte in verschiedenen Räumen. Das war ein Vorschlag zur Konfliktverminderung. 
 
Und wenn er an einem goldenen Oktobertag vor dem PC sitzt und sie ungeduldig ruft: "Wie lange willst Du noch vor dem Bildschirm hocken, lass uns endlich raus an die frische Luft gehen", dann heißt die Lösung: Der Klügere gibt nach. In dem Fall: Vergesst besser die Suche nach Konfliktentschärfungs-Kompromissen. 
 
Es gibt jedoch auch sehr schwierige Fälle von unterschiedlichen Interessenlagen. Ich meine jetzt nicht die unwahrscheinliche Situation, dass sich ein Schalke-Fan in eine BVB-Anhängerin verguckt. Sondern den Fall, dass zwei Menschen zueinander finden, die gegensätzliche tierische Vorlieben haben. 
 
Wie SZ-Redakteur Titus Arnu weiß, gibt es Katzenmenschen und Hundemenschen. "Zweifelhaften Psychotests zufolge sind Katzenmenschen kreativer, intelligenter und individualistischer als Hundemenschen. Die wiederum sind gesellig, warmherzig und regelkonform." 
 
Was soll ich dazu sagen? Ich mag sowohl Katzen wie Hunde. Was mich laut Wissenschaft als rundum perfekten, diversen Tierfreund ausweist. Somit kann die Frau des Hauses entscheiden, welche Spezies heißgeliebtes Familienmitglied wird. Das richtet sich dann vor allem auch nach praktischen Gesichtspunkten: Hunde leiden, wenn sie lange ohne ihren Rudelführer ausharren müssen. Dafür kann man sie an die Leine nehmen und mit ihnen verreisen. Katzen hingegen sind äußerst unglücklich, wenn sie ihr angestammtes Revier verlassen müssen. Falls sie daheim aber in guten Händen sind, kann man unbesorgt den Urlaub antreten. 
 
Es gibt jedoch auch Menschen, die sich bei der Auswahl von völlig anderen Kriterien leiten lassen. Zu ihnen gehört der Komponist Andrew Lloyd Webber. Der war von der Verfilmung seines Erfolgsmusicals "Cats" derart enttäuscht, dass er sich spontan einen Hund zulegte. Titus Arnu: "Der Katzenmusik-Komponist meldete das kniehohe Wuschelknäuel als Therapiehund an." 
 
Dies verursachte Schwierigkeiten, als er mit seinem tierischen Begleiter verreisen wollte. "Die Fluggesellschaft schrieb zurück und meinte: 'Können Sie beweisen, dass Sie ihn wirklich brauchen?' Und ich sagte: 'Ja, schauen Sie sich an, was Hollywood meinem Musical Cats angetan hat.' Daraufhin sei ihm ohne weitere Bescheinigung erlaubt worden, das Tier mit ins Flugzeug zu nehmen. Hunde sind also ein perfektes Heilmittel bei Katzen-Menschen-Allergie." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 173 vom 9. 10. 21

Was war das für ein fürchterliches Schreckgespenst, das der Schriftsteller Orwell da an die Wand gemalt hatte. 1984 sollte der "Große Bruder", der totalitäre Start, uns jederzeit im Blick haben und keinerlei persönlichen Freiraum mehr gewähren. 1984 ging vorbei, und auch in den Folgejahren blieb die Vision lediglich eine Dystopie. Aber unmerklich schlichen sich mit Google, Alexa, Facebook und Co. immer mehr Späher in unser Privatleben ein. 
 
Und nun das! Im Streiflicht der Süddeutschen Zeitung vom 8. 10. lese ich über Singapur, dass dort die Überwachung auf Schritt und Tritt im öffentlichen Raum bereits alltäglich ist. "Durch die dortigen Straßen patrouilliert jetzt der Roboter "Xavier", ein hochintelligenter Bursche, der im Dienst des Ordnungsamts steht. Xavier hat die Aufgabe, die Einhaltung der staatlichen Regeln zu überwachen und einzuschreiten, wenn beispielsweise jemand in der Verbotszone raucht. Dann setzt es eine Ermahnung, die so unerbittlich klingt, dass jeder Raucher seine Zigarette sogleich verschluckt - sie auf den Boden werfen darf er ja nicht. 
 
Überhaupt sieht Xavier nicht so aus, als könnte man mit ihm verhandeln. Er hat vier Räder und einen kastenförmigen Leib, aus dem eine Art Periskop ragt. Sieben Kameras spähen in die Welt. Und diese registrieren alles, auch unerlaubte Zusammenrottungen. 'Bitte beschränken sie sich auf fünf Personen in einer Gruppe', krächzt er dann. Da hilft es nichts, forsch zurück zu blöken: 'Hey, mach dich mal locker!'" 
 
Das wirft drei Fragen auf. Wieso, um alles in der Welt, taufen Asiaten ihre Roboter "Xavier"? Wie kriegen sie es hin, dass sogar städtische Bedienstete aus Blech höflich sind? Und vor allem: Was soll ich davon halten? 
 
Ich gebe zu, da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits finde ich gut, dass Schmutzfinken auf die Finger geschaut wird und sie auf frischer Tat ertappt werden. Das würde ich mir auch für die Vandalen und Grafiti-Sprayer bei uns wünschen. Andererseits sehe ich die Möglichkeiten, die solche Systeme totalitären Staaten bieten. In China ist man ja anscheindend bereits zwei Schritte weiter. Und dass der große Bruder dort Li heißt, macht die Sache nicht besser. Mein Kompromiss: Solange Xavier sich auf wenige Zonen beschränkt, die sonst ständig vermüllt werden, kriegt er von mir die Lizenz zum Löten, äh, mahnen. 
 
Kurz noch eine weitere SZ-Fundsache. Redakteur Titus Arnu verbrachte mit seiner Frau Urlaubstage in den Bergen und genoss vor allem die himmlische Ruhe. Bis sie jäh unterbrochen wurde: "Gegen zwei Uhr nachts geht plötzlich die Post ab. Eine Kuh muht rhythmisch und so laut, dass wir kaum noch schlafen können. Hat sie sich vielleicht verletzt? 
 
'Sollen wir jemand anrufen?', frage ich meine Frau. 'Wen willst du denn jetzt anrufen?', antwortet sie, 'und was willst du sagen: Da muht eine Kuh?' Ich will vorschlagen, bei FAQ anzurufen, so heißt ein lokales Kulturfestival. Ausgesprochen: Eff-Ah-Kuh! Aber da schläft die Frau schon wieder." 
 
Am nächsten Morgen liegt des Rätsels Lösung direkt am Zaun: Ein neugeborenes Kälbchen. Wenn der Klapperstorch vorbeischaut, können selbst Kühe ihr Maul nicht halten. . . 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 172 vom 8. 10. 21

Dass manche Tiere viel intelligenter sind, als wir annehmen, wurde an dieser Stelle schon mehrmals thematisiert. Aber sind sie sogar klüger als Menschen? Sogar als Experten? Darauf scheint jetzt ein wissenschaftliches Experiment hinzuweisen. 
 
Hauptperson dieses Experimentes ist Mister Goxx. Er bekommt regelmäßig Kapital zur Verfügung gestellt, damit er mit Kryptowährungen spekulieren kann. Das ist auf dem Finanzmarkt der neue "heiße Scheiß", wie wir Insider sagen. Bitcoins gehören dazu. Es gibt jedoch inzwischen sogar 30 verschiedene Kryptowährungen. Mit elf davon befasst sich Mr. Goxx. 
 
Mr. Goxx arbeitet nur nachts. Dann geht er in sein Büro, die sogenannte Goxx-Box und begibt sich zu seinem Schreibtisch. Für alles weitere sollte man wissen: Obwohl Mr. Goxx das Tageslicht scheut, ist er kein Vampir. Mr. Goxx ist ein Hamster. Seit Juni 2021 stellen die Wissenschaftler ihm für jedes seiner dunklen Geschäfte 20 Euro zur Verfügung. Und das hat sich ausgezahlt. Bisher hat Mr. Goxx kräftig dazu verdient. In Spitzenzeiten erzielte er eine Rekordrendite von 47 Prozent. Zuletzt waren es nur 16 Prozent. Aber was heißt hier "nur"? Versucht mal, mit Euren Spareinlagen oder Eurem Tagesgeld solche Gewinnspannen zu erzielen. Da bekommt Euer Bankberater einen Lachkrampf. 
 
Wie macht Mr. Goxx das bloß? Können wir ihm etwas abschauen? Nun, zunächst müsstest Ihr Euch auf das Hamsterrad begeben. Mit einigen flotten Runden wird die Kryptowährung ausgesucht. Danach führen zwei verschiedene Tunnel zum Nachtmahl. Über einem steht "Kaufen", über dem anderen steht "Verkaufen". Mr. Goxx wählt seinen Weg so sorgfältig aus, dass das Experiment noch lange fortgesetzt werden soll. 
 
Inzwischen ist Mr. Goxx im Netz zu einer Berühmtheit geworden. Man kann ihm auf Twitter per Live-Übertragung beim Geldvermehren zuschauen. Jeweils ab 21 Uhr auf Twitch, was immer das ist. 
 
Was wollen die Initiatoren der Studie uns eigentlich beweisen? Dass der Intelligenzquotient von Hamstern höher ist als der von ausgebufften Börsenfachleuten? Oder dass animalische Instinkte Mr. Goxx den richtigen Weg weisen? Nichts davon. Tatsächlich soll gezeigt werden, dass das ganze Expertengeschwafel vom Zufallsfaktor ad absurdum geführt wird. 
 
Nun hat es bereits in der Vergangenheit erfolgreiche tierische Propheten gegeben. Ich erinnere an den Kraken Paul, der bei der Fußball-WM 2006 einschließlich der Niederlage gegen Italien alle Spielausgänge der deutschen Nationalmannschaft korrekt vorher gesagt hat. Ich erinnere aber auch daran, dass danach fast alle weiteren Versuche mit tierischen Orakeln fehlgeschlagen sind. 
 
Selbst die Geschichte vom Affen, der auf dem Aktienmarkt alle Experten in den Schatten gestellt hat, soll laut Spiegel Online nur eine Legende sein. Also wartet jetzt alles darauf, dass Mr. Goxx endlich Miese macht. Dennoch bin ich sicher: Wenn man Mr. Goxx die Lottozahlen vorher sagen ließe, würden abergläubische Tipper viel Geld dafür bieten, exklusiv an die Daten zu kommen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Einen sicheren Tipp habe ich noch. Der bringt zwar kein Geld, nützt aber der Umwelt. Wechselt bitte Eure Suchmaschine und nutzt statt Google besser Ecosia.org. Für jede Eurer Anfragen wird dann, und das ist überprüft worden, ein neues Bäumchen gepflanzt. Leichter kann man nicht dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft gut durchatmen können. 

 

 Schmunzelpost 171 vom 7. 10. 21

Als die Bundestagswahl bevorstand, ist mir lange durch den Kopf gegangen, dass es von Kurt Tucholsky einen Text gibt, der sich auf Berlinerisch mit Wahlen und Parteien befasst und bis heute unübertroffen ist. Leider fiel mir der Titel nicht mehr ein. Doch als ich Anfang der Woche nach Hause kam, fand ich im Postberg der vergangenen zwei Wochen ein Schreiben der "Büchergilde". Mit der Beilage: Keine Wahlwerbung! Für den Inhalt des Textes ist ausschließlich der Autor verantwortlich.
 
Und da ich derzeit vielbeschäftigt bin, sende ich Euch heute den Einstieg von Kurt Tucholskys Glosse "Ein älterer, aber leicht besoffener Herr". Es empfiehlt sich, den Text laut zu lesen, damit Ihr Lust bekommt, Euch auch noch auf die Suche nach der kompletten Fassung zu begeben. Die Satire hier vollständig wiederzugeben, verbietet leider mein eiserner Grundsatz "In der Kürze liegt die Würze".
 
Ein älterer, aber leicht besoffener Herr

- Wie Sie mich hier sehn, bin ick nämlich aust  Fensta jefalln. Wir wohn Hochpachterr, da kann sowat vorkomm. Es ist wejn den Jleichjewicht. Bleihm Se ruchich stehn, lieber Herr, ick tu Sie nichst - wenn Se mir wolln mah aufhehm  ... so ... hoppla ... na, nu jeht et ja schon. Ich wees jahnich, wat mir is: ich muß wat jejessen ham  ... ! 
 
Jetrunken? Ja, det auch ... aber mit Maßen, immer mit Maßen. Es wah - ham Sie'n Auhrenblick Sseit? - es handelt sich nämlich bessüchlich der Wahlen. Hips ... ick bin sosusahnrn ein Opfer von unse Parteisserrissenheit. Deutschland kann nicht untajehn; solange es einich is, wird es nie bebesiecht! Ach, diß wah ausn vorjn Kriech ... is aber auch janz schön! Wenn ick Sie'n Sticksken bejleiten dürf ... stützen Sie Ihnen ruhig auf mir, denn jehn Sie sicherer!  
 
Jestern morjen sach ick zu Elfriede, wat meine Jattin is, ick sahre: "Elfriede!" sahr ick, "heute is Sonntach, ick wer man bißken rumhörn, wat die Leite so wählen dhun, man muß sich auf den laufenden halten", sahr ick - "es is eine patt ... patriotische Flicht!" sahr ick. Ick ha nämlich'n selbsändjen Jemieselandn. Jut. Sie packt ma'n paar Stulln in, und ick ßottel los. 
 
Es wücht ein ja viel jebotn, ssur Sseit ... so ville Vesammlungen! Erscht war ich bei die Nazzenahlsosjalisten. Feine Leute, Mensch, die sind valleicht uffn Kien! Die janze Straße wah schwarz ... un jrien ... von de Schupo ... un denn hatten da manche vabotene Hemden an ... dies dürfen die doch nich! "Runta mit det braune Hemde!" sachte der Wachtmeister zu ein. "Diß iss ein weißes Hemde! sachte der. "Det is braun!" sachte der Jriene. Der Mann hat ja um sich jejampelt mit Hände und Fieße; er sacht, seine weißen Hemden sehn imma so aus, saubrer kann a nich, sacht a. Da ham sen denn laufen lassen. 
 
Na, nu ick rin in den Saal. Da jabs Brauselimmenade mit Schnaps. Da ham se erscht jeübt: Aufstehn! Hinsetzn! Aufstehn! Hinsetzn! weil sie denn nämlich Märsche jespielt ham, und die Führers sind rinjekomm - un der Jöbbels ooch. 
 
Kenn Sie Jöbbels? Sie! Son Mann is det! Knorke. Da ham die jerufen: "Juden raus!" un da habe ick jerufen: "Den Anwesenden nadhierlich ausjenomm!" un denn jing det los: Freiheit un Brot! ham die jesacht. Die Freiheit konnte man jleich mitnehm - det Brot hatten se noch nich da, det kommt erscht, wenn die ihr drittes Reich uffjemacht ham. ...
 -- 
 Der gute Anton war danach noch bei den Katholiken, den Demokraten, den Sozis und bei kleinen Parteien. Nur zu den Kommunisten hat er es nicht mehr geschafft. Wen er letztlich wählen wird? Das solltet Ihr selbst nachlesen: Der Text erschien am 9. 9. 1930 in der "Weltbühne" und ist heute zu finden in Kurt Tucholskys gesammelten Werken, Band 1930.
 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 170 vom 6. 10. 21

Mist! Soll ich oder soll ich nicht? Dass man sich wegen so einem Scheiß aber auch so viel Gedanken macht? Doch wenn man auf einer Internetseite mit solch hohem literarischen Anspruch wie der Schmunzelpost plötzlich in Fäkalsprache verfällt, dann ist die Kacke am Dampfen. Ach was, ich mach's - dann wird der heutige Beitrag eben etwas anrüchig. 
 
Ich bin im Netz nämlich über eine Geschichte gestolpert, die mich aus unerklärlichen Gründen in ihren Bann gezogen hat. In Heuchelheim (der Ort heißt wirklich so und ist ein 8000-Einwohner-Städtchen in der Nähe von Gießen) geht nämlich seit 2016 ein Phantom um: Der Kotleger von Heuchelheim! Es war kein Hund mit seinen Tretminen, sondern ein Mensch, der mit den Endprodukten seines Verdauungsapparates den Gang über örtliche Gehwege zum Ärgernis für die Passanten machte. 
 
Mit schöner Regelmäßigkeit verzierte der unheimliche Wurstlieferant Nacht für Nacht unterschiedliche Bereiche des Ortes mit seinen Haufen. Das stank den Bürgern mächtig. Als die Suche jahrelang vergeblich blieb, versuchte man sogar, dem Täter mit DNA-Proben auf die Spur zu kommen. 
 
Jetzt endlich scheint es, dass man fündig geworden ist. Ein Mann Ende 50 wurde mehrfach beim Wildkacken erwischt. Auf eine Anzeige hat die Stadt jedoch bisher verzichtet. Stattdessen soll ein "ernstes Gespräch mit dem Gemeindevorstand" den mutmaßlichen Schmutzfinken zur Besinnung bringen. Wenn das man gut geht! Falls er Reue zeigt und Besserung gelobt, ist Vorsicht geboten. Wie heißt noch gleich der Ort? Heuchelheim? 
 
Zumal das Phantom womöglich eine Latrine, pardon, Lawine ausgelöst hat. Denn in den letzten Tagen wurden noch zwei weitere Männer erwischt. War das bloß Zufall, weil die beiden ganz plötzlich ganz dringend mussten? Handelt es sich um Trittbrettkacker? Oder ist das ein Hinweis auf organisierte Bandenkriminalität? 
 
Wir bleiben dem Fall auf der Spur und werden das bisherige Geschehen beim nächsten Gang zur Toilette erst mal sacken lassen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Beim nächsten Mal gibt's wieder eine Schmunzelpost, bei der niemand die Nase rümpfen muss. 

 

Schmunzelpost 169 vom 5. 10. 21

Zeitung lesen ist fast immer eine Bereicherung. Zumindest, wenn man sich auch mal den "Tagesspiegel" gönnt. Darin fand ich letzte Woche die Kolumne einer Französin, deren Lektüre sich gleich doppelt lohnte. Den zum einen teilt Pascale Hugues mein Faible für besondere Worte, die allmählich aus unserem Sprachgebrauch verschwinden. Zum zweiten hat die Journalistin und Schriftstellerin durch ihre Außenperspektive einen anderen Blick auf deutsche Verhältnisse als wir. 
 
Kevin Kühnert, dem Ex-Juso-Wüterich, ist zu verdanken, dass ein lang nicht mehr gehörtes Wort mal wieder aus der Versenkung auftauchte. "Luftikus" hatte der Sozialdemokrat den FDP-Chef Christian Lindner genannt. "Ausgerechnet Kevin Kühnert, dieser bleiche, junge Mann, der nie lächelt, lässt dieses Wort fahren wie einen unangebrachten Furz in einer ehrwürdigen Veranstaltung. Ein paar Tage später entschuldigt er sich zerknirscht, bereut seine harmlosen Worte", schreibt die Französin. 
 
Luftikus, so Pascale Hugues, erinnert ein wenig an Hallodri oder Spekulatius. Wohlklingende Begriffe, von denen der eine in gebackener Form auch noch gut schmeckt. Zwar finde ich das französische Gegenstück des Luftikus, "Hurluberlu", phonetisch noch ein wenig schöner, teile jedoch die Ansicht von Madame Hugues, dass das deutsche Wort eigentlich keine Beleidigung ist. "Luftikus..., so könnte man auch jemanden nennen, den man mag, ihm dabei liebevoll durchs Haar wuscheln oder ihn wie ein Kind in die Wange zwicken: Na du Luftikus, du." Gut, bei Kevin Kühnert und Christian Lindner möchte ich mir das lieber nicht vorstellen. 
 
Aber die Französin hat recht, dass so eine Vokabel einen Wahlkampf, der so schicksalsträchtig daher kommt, als wären Politik und Humor unvereinbar, nur beleben kann. Doch nicht in Deutschland: "Je langweiliger man ist, desto glaubwürdiger. Diese Gleichung scheint im deutschen Wahlkampf Gesetz zu sein", meint Pascale Hugues. 
 
Luftikus, das sei so unschuldig, verglichen mit den Beleidigungen, die sich Politiker schon 200 Tage vor den französischen Präsidentschaftswahlen an den Kopf werfen. Hugues: "Ich möchte die Deutschen, diese Meister der Selbstverachtung, daran erinnern, wie sehr das Niveau und der respektvolle Umgang in den politischen Debatten von ihren Nachbarn bewundert werden. Drei Trielle, ohne nur einen verbalen Ausrutscher. Undenkbar bei uns." 
 
Drei Tage vor den Wahlen besuchte die Journalisten das letzte Wahl-Meeting in Berlin mit dem FDP-Vorsitzenden: "Luftikus stand auf den Stufen der renommierten Königlichen Porzellanmanufaktur. Marineblauer Anzug, weißes Hemd mit offenem Kragen, ohne Krawatte, eine Hand in der Hosentasche - Christian Lindner wirkte betont entspannt. Ich könnte mir ohne Probleme vorstellen, dass er gleich abheben und in die Nacht davonfliegen würde. Die Mary Poppins der FDP. Fehlten nur noch Schirm und Schnürstiefel." 
 
Nur in Berlin-Zehlendorf schien das jemand anders zu sehen. "In der Straße 'Unter den Eichen' ist die deutsche Demokratie seltsamerweise kurz ins Schlingern geraten. Nur zu gern würde ich wissen, wer Christian Lindner den Aufkleber 'Fils de pute' auf die Stirn geklebt hat - auf Französisch! Hurensohn ist ein ganz anderes Register als Luftikus. Wer mag wohl mitten in der Nacht mit einem Packen Aufkleber in der Tasche diese lange Straße entlang gegangen sein? Das Rätsel von Zehlendorf bleibt wohl auf ewig ungelöst." 
 
Glückauf, Ihr Luftikusse! 
kdk 

Schmunzelpost 168 vom 4. 10. 21

Gestern stand für uns die Rückreise an. Aus diesem Anlass lade ich Euch zu einer kleinen Rundreise über die Halbinsel Eiderstedt ein, damit Ihr auch weniger bekannte Flecken im Hinterland des Nordseebadeorts St. Peter-Ording kennenlernt.
 
Zunächst brauchen wir eine Lupe. Denn unsere Radtour führt uns zuerst nach Grothusenkoog. Das ist die kleinste Ortschaft auf Eiderstedt mit gerade mal 24 Einwohnern. Dafür gibt es dort hundert Mal mehr Schafe. Wohl zur Belohnung für besonders tüchtige Wolllieferanten und Deichpfleger hat man eigens für die Schafe einen Sportboothafen angelegt. Die Seeleute heißen daher Mähtrosen.

Falls der eine oder die andere den letzten Scherz übel aufgenommen hat, fahren wir weiter nach Kotzenbüll. Der kleine Ort besteht aus ein paar Häusern und einer Kirche. Außerdem gibt es dort den Mais-Skipper-Hof, auf dem man seine Seele pflegen kann. Gründer Hugo Kükelhaus hat für die Gäste die Devise ausgegeben: Nicht kotzen, sondern kükeln.

Der nächste kleine Ort besteht aus ein paar Häusern und einer Kirche. Er trägt den Namen Poppenbüll. Was man dort besonders gut kann, ist mir nach meinem Besuch bei Hugo Kükelhaus leider entfallen. Ich weiß aber noch, dass Poppenbüll bereits im Jahr 960 von einem gewissen Poppo gegründet wurde. Da ich in der Schmunzelpost keine billigen Namenswitze mache, bleibt Euch weiteres dazu erspart.

Apropos Witz: Nun fahren wir nach Witzwort, das aus einer Kirche und ein paar Häusern besteht. Etwas außerhalb finden wir den "Roten Haubarg", den schönsten und größten ehemaligen Bauernhof von Eiderstedt. Haubargs sind große Gebäude, in denen früher Menschen und Vieh unter einem Dach untergebracht  waren. Heute findet sich das Vieh nur noch auf dem Teller, der rote Haubarg, der übrigens weiß angestrichen ist, dient jetzt als Restaurant.

Der Legende nach hatte der Bauherr einst dem Teufel seine Seele versprochen, wenn dieser ihm vor dem ersten Hahnenschrei ein stattliches Gebäude mit 100 Fenstern errichten würde. Als der emsige Satan mit seiner Arbeit fast fertig war, zwickte der Auftraggeber einen Hahn so kräftig, bis der lange vor Sonnenaufgang zu krähen begann. So blieb es im Roten Haubarg bis heute bei 99 Fenstern.

Zum Abschluss unserer kleinen Rundfahrt geht es noch in die Welt. Die Welt besteht aus einer Kirche und ein paar Häusern. Die Kirche heißt St. Michael, der Ort Welt hat nicht nur Weltgeltung, sondern auch 208 Einwohner. 
 
Schade, dass uns keine Zeit für Eiderstedt mehr bleibt. Stattdessen fahren wir nun mit dem Auto zurück in eine Weltstadt an der Lippe, die mindestens eine Kirche und ein paar Häuser zu bieten hat. Außerdem ein Baumhaus, in dem die Tintenhühner heute Abend ihr neues Kabarettprogramm proben. Die Tintenhühner pflegen gute Kontakte zu örtlichen Hähnen, so dass sichergestellt ist, dass sich bei den drei Vorstellungen im November kein Corona-Teufel ins Publikum schleicht. Außerdem gelten hinterher die drei G-Hühner-Regeln: Gegackert, geklatscht oder gerupft! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Wie nach jedem Schalker Sieg versprochen, jetzt noch eine Prise Neues und Altes aus der Vereins-Chronik. Die Schalker Ruhmeshalle nimmt nun einen neuen Rekordhalter auf. Mit insgesamt 153 Toren in der Zweiten Liga hat unser Torjäger Simon Terodde jetzt die bisherige Bestleistung von Dieter Schatzschneider  eingestellt. Und auch der trug (zeitweise) das blau-weiße Trikot!   
 

 Schmunzelpost 167 vom 3. 10. 21

Immer mehr zeichnet sich ab,  dass die Corona-Pandemie allmählich in der Versenkung der überstandenen großen Krisen verschwindet. In gewisser Weise ist das sogar schade. Denn der Kampf gegen Covid hatte auch Begleiterscheinungen, die ich vermissen werde, wenn sie dem Virus auf seinem Rückzug folgen. 
 
Ist Euch auch aufgefallen, dass im letzten Jahr vergleichsweise wenige Leute über grippale Infekte und Magen-Darm-Erkrankungen klagten? Das häufige Händewaschen, Maskentragen, Abstand halten und lüften hat also auch auf andere Weise Früchte getragen. Auf das dauernde Pfötchengeben könnte ich auch in coronalosen Zeiten gut verzichten. Als abschreckendes Beispiel ist mir immer noch ein WDR-Studioleiter in Erinnerung, der in den Achtziger Jahren amtierte. Er war berühmt-berüchtigt dafür, dass er sich leidenschaftlich gern ausgiebig mit dem Finger in der Nase bohrte. Den Spitznamen Popel-....... hatte er sich redlich verdient. Das allein wäre noch nicht so schlimm gewesen. Doch der Mann hatte auch die Angewohnheit, nach getaner Tat freudestrahlend auf seine Opfer zuzugehen und ihnen ausgiebig die Hände zu schütteln. 
 
Überhaupt ist ein Händedruck, zumindest so inflationär wie er hierzulande üblich war, durchaus entbehrlich. Bei manchen Personen hat man das Gefühl, einen nassen, schlaffen Lappen zu schütteln, bei anderen artet das Ritual zu einer Kraftprobe in Schraubstock-Manier aus. 
 
Auch das Abstand halten hatte segensreiche Seiten. Oft war man dankbar, dass einem so im Supermarkt, bei Veranstaltungen, in Bus und Bahn der Körperkontakt zu müffelnden Gestalten erspart blieb. Zumal bei einem gewissen Prozentsatz das jährliche Bad erst wieder unmittelbar bevorzustehen schien. 
 
Dann scheint sich dank Corona endlich, endlich die Einsicht durchgesetzt zu haben, dass eine schnellere Fortentwicklung der Digitalisierung bei uns dringend nötig ist. Nicht nur für den Schulunterricht und das Home-Office. Die Arbeit zuhause hatte noch einen weiteren positiven Nebeneffekt. Die Zahl der Minuten, die Autofahrer im Stau verbringen mussten, ging in den letzten zwei Jahren deutlich zurück. Und das lag nicht daran, dass weniger Baustellen als sonst den Verkehr hemmten. Gebuddelt wurde immer noch genauso viel. Nein, es waren im Berufsverkehr einfach weniger Pkw unterwegs. Weniger Autos, weniger Staus, weniger Schadstoff-Ausstoß. Sind noch schlimmere Seuchen nötig, um auch den Klimawandel zu stoppen? 
 
Für die Zukunft haben die Verantwortlichen noch ein paar Pfeile im Köcher. Die Gleichstellungsbeauftragte des Bundes konnte sich mit ihrem Vorschlag bisher nicht durchsetzen, weil die Länder sich sperrten. Sie war der Natur auf der Spur. Bei den Kröten müssen die Weibchen ihr Männchen oft zum Laichgewässer schleppen, weil die pfiffigen Burschen sich schon bei der Wanderung gern auf dem Rücken des Weibchens festklammern, um bei der Partnersuche bloß nicht leer auszugehen. "Allein aus Gründen der Gerechtigkeit ist es überfällig, dieses Prinzip zu übernehmen, aber umzukehren, weil auch bei uns ja meist die Frauen die Lasten des Lebens zu tragen haben. Ich sage nur: Kinder!" 
 
 Ihr konkreter Vorschlag: In Geschäften, wo sonst der Zutritt nur einzeln oder bei Haushalten für zwei zusammen gehörende Personen zulässig ist, müssen die Männer ihre Frauen künftig Huckepack nehmen. Das hätte die Nebeneffekte, dass jeder unnötige Weg zwischen den Verkaufsregalen vermieden werde und die Männer, die nicht in Form sind, endlich gezwungen wären, etwas für ihre Fitness zu tun. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 166 vom 2. 10. 21


Bei durchwachsenem Wetter lohnt sich mitunter ein Ausflug. Zum Beispiel zum Museumsberg nach Flensburg. Dort ist gegenwärtig im Kunstmuseum die Ausstellung "True Colours" zu sehen. Und die ist einen Besuch wert. Vor allem das ungewöhnliche Ausstellungskonzept, das keinen Künstler, sondern Farben in den Mittelpunkt stellt. Und zwar Blau, Grün, Gelb, Rot, Orange und den Regenbogen. 
 
Das regt auch dazu an, sich mal etwas mehr mit den Farben zu beschäftigen. Wisst Ihr, wie der Begriff des "blauen Montags" entstanden ist? Zur Erklärung muss ich etwas ausholen. Die klassischen "Blue Jeans" waren zunächst braun. Erst als die Färbewirkung von Indigo erkannt wurde, bekamen die Hosen ihre bis heute beliebteste Farbgebung. Und für die Färber-Handwerker bedeutete das, dass sie sich am Montag ausruhen durften. Denn Tuche und Kleidungsstücke wurden am Sonntag mit Indigo eingefärbt und mussten dann einen Tag lang in frischer Luft ausdünsten. Daraus resultiert übrigens auch die Redewendung "blau machen". Und warum haben Adelige "blaues Blut"? Ganz einfach: Sie hielten sich vom Sonnenlicht fern. Und auf ihrer dadurch besonders weißen Haut waren die blauen Venen besonders gut erkennbar.  
    
Ansonsten gilt "Blau" als die in Europa und Amerika beliebteste Farbe. Das steht im Widerspruch dazu, dass aus dem Ausdruck "blue Devil" für Depressionen und Niedergeschlagenheit der musikalische Begriff des Blues geprägt wurde. "Feeling blue" steht für eine melancholische Stimmung. Wie es jedoch zur Zustandsbeschreibung "blau" für alkoholisierte Menschen kam, ist nicht bekannt. Im übrigen ist das auch eine speziell deutsche Bezeichnung. Für die Franzosen sind Betrunkene "grau" und Volltrunkene "schwarz". < 
 
Immerhin verstehen wir jetzt, warum der weltweit wichtigste Fußballverein auch als "die Königsblauen" tituliert wird. In dieser Saison lässt sich die Begeisterung am besten aufrecht erhalten, in dem Anhänger ihrem Club am freudigsten zujubeln, wenn auch sie blau sind. 
 
Der letzte Satz war vielleicht nicht das Gelbe vom Ei, ermöglicht mir aber die Überleitung zu einer Farbe, die jahrhundertelang für Falschheit und das Symbol des Satans stand. Prostituierte wurden zeitweise gezwungen, gelbe Kleidung zu tragen. Und ebensolche Klamotten lehnten vor ein paar hundert Jahren Schauspieler strikt ab, nachdem mehrere von ihnen darin verstorben waren. Das lag an giftigen Substanzen, die zur Färbung verwendet wurden. Dazu gibt es auch ein aktuelles Beispiel: Die FDP hat das Blau zu ihrer Farbe erkoren und gleichzeitig mit Gelb gekoppelt. Da konnten ja nur giftige Inhalte herauskommen... 
 
Genau das Gegenteil verkörperte lange die Sekundärfarbe Orange. Sie symbolisierte Jugend, Lebensfreude und Fröhlichkeit. Das trifft für weite Teile Asiens bis heute zu. Bei uns hat sich ihr Image verändert. Nur die Holländer halten eisern am Oranje fest. Vielleicht ist das der Grund, warum Orange in Deutschland die bevorzugte Warnfarbe ist. 
 
Grün ist die Hoffnung? Ja, vor allem für Muslime, Iren, Chinesen, Esoteriker, Osterhasen und Wartende vor der roten Ampel. Aber es gibt auch noch "giftgrün". Schon mal gehört? Das ist die Gesichtsfarbe, die jemand aufweist, wenn er zu lange blau gewesen ist. Oder schwarz, wie die Franzosen sagen. 
 
Wenn ich noch allzu viel hinzufüge, sehen einige von Euch womöglich rot. Deshalb nur noch ganz kurz: Rot ist die Farbe der Freude, der Leidenschaft und der Erotik. Aber auch die Farbe für Aggression und Zorn, weshalb sie bei uns häufig als Warnfarbe dienen muss (rote Ampel). Früher waren die Scharfrichter allesamt rot gekleidet. Und heute? Rote Karte, Rotlichtviertel, Bayern München - muss ich noch mehr sagen? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 165 vom 1. 10. 21

Zuhause habe ich ein Wochenend-Abo der Süddeutschen Zeitung. Im Urlaub lese ich sie täglich. Und habe den Eindruck, dass mir daheim in Dorsten manches entgeht. Als Freund von skurrilen, schrägen und witzigen Nachrichten stelle ich erfreut fest, dass die SZ ihre Leser fast täglich neben dem politischen Tagesgeschäft auch mit eher abseitigen Meldungen und Berichten versorgt, die meine Mundwinkel nach oben schnellen lassen. Allein in der Donnerstagsausgabe habe ich drei Beiträge gefunden, die ich Euch nicht vorenthalten will. 
 
Es geht wieder einmal gleich mit dem Streiflicht los. Wisst Ihr, was eine Persönlichkeitsveränderungsmaschine ist? Ihr habt vermutlich eine in der Tasche. Ein Handy bzw. Smartphone. Damit kann man bekanntlich Selfies machen. Und ein Selfie, so die SZ, ist heute das, was in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Stahlhelm und in der zweiten Hälfte das Auto war: Ein Symbol der vorherrschenden Geisteshaltung 
 
Der Stahlhelm stand für: "Wir gegen die!", das Auto für "unser beweglicher Wohlstand". Das Selfie steht für Ich. Ich und mein Essen, ich und mein Hund, ich und meine Koalitionssondierungsgespräche. Es wäre eine große Überraschung, würde die neue Regierung nicht mit einem Selfie beginnen. SZ-Text: "Alles ist so schwierig, also machen der Christian, die Annalena (top Selfie-Name), der Robert und der Volker (gar kein Selfie-Name, sieht auf dem Foto auch aus wie der Hausmeister) und verbreiten es über die Große Wolke. Sieh nur, das sind wir, wir vier Ichs, wir treffen uns, sieh nur. Zwar heißt es in der Bibel, am Anfang stehe das Wort. Bei dieser rot-grün-gelben Vielleichtkoalition aber steht am Anfang das Bild, bevor es auch nur ein Wort gibt." 
 
Aber was soll's. Im weiteren Verlauf des Streiflichts wird auch darüber spekuliert, ob das Selfie der erste Schritt zur Ablösung der Schriftsprache ist und einer neuen Form der Hieroglyphen den Weg ebnen wird. Zum Glück steht bei uns laut SZ zumindest in der Ampelkoalition einer dieser Vision im Weg: Olaf Scholz. "O-L-A-F klingt, obwohl nur vierbuchstabig wie: Nein, mache ich nicht, weg mit dem Telefon, grrr! Olaf ist absolut kein Selfie-Name, ungefähr so wenig wie Hiltrud oder Armin. Olaf weckt andere Assoziationen: Telefonhörer, Fischsemmel, Rolodex." 
 
Falls Olaf Scholz dem Handy tatsächlich ablehnend gegenüber steht, so hat die Digitalisierung wenigstens mit Lora und ihren Papageienverwandten neue Freunde gefunden. Wie man auf einer hinteren SZ-Seite erfährt, sind Papageien nämlich nicht nur pfiffige Kerlchen, die die Titelmelodie von "Star Wars" pfeifen und ganze Telefonate nachplappern können. Sie können sogar zählen, weiß SZ-Redakteur Titus Arnu. Wie sie das mit ihren walnussgroßen Hirnen schaffen, wollen Ornithologen mit Experimenten heraus finden. Fast beschleiche einen nämlich schon das Gefühl, die Vögel könnten uns Menschen bald gänzlich überflügeln. 
 
Jetzt haben federführende Vogelforscher sechs Keas sogar beigebracht, mit ihren Zungen Touchscreen zu bedienen. Titus Arnu: "Müssen Mensch und Papagei in Zukunft also nicht mehr lauthals kreischen, um zu kommunizieren? Tauschen sich Vogelfans und Vogel bald gepflegt per Textnachricht über die wichtigsten Themen (Sonnenblumenkerne, Sinn des Lebens, Sommerhits) aus?" Nein, die Forscher weisen darauf hin, dass Keas, die am Touchscreen trainieren, besser für die Freilassung in die Wildnis geeignet sind. Arnu: "Oberflächliches Blabla in Whatsapp-Gruppen? Pfui, danke. Da kann ein Kea echt drauf pfeifen." 
 
Und noch ein pfiffiges Kerlchen taucht in einem SZ-Bericht von Kai Strittmatter auf. Der Kopenhagener Künstler Jens Haaning scheint ein Bruder im Geiste von Joseph Beuys zu sein, allerdings schlitzohriger und noch geschäftstüchtiger als der Hutträger vom Niederrhein. 2007 hat Haaning zwei Kunstwerke geschaffen, die ganz plastisch das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Österreichers und eines Dänen gegenüber stellten. Dazu klebte er echtes Geld in einen Gemälderahmen: 51 nagelneue 500-Euro-Scheine, eine 200 Euro-Banknote und zwei Euro-Münzen. 
 
Nun plante das Kunstmuseum in Aalborg eine Ausstellung zum Verhältnis von Arbeit und Geld und hielt es für eine gute Idee, Jens Haaning mit einer Rekonstruktion der Bilder zu beauftragen. Dafür benötigte der Künstler eine Menge echter Banknoten. Das Museum überwies ihm brav insgesamt 74 000 Euro. Natürlich in der Erwartung, die zur Kunst veredelte Kohle zum Ausstellungsbeginn zurück zu erhalten. Man freute sich auf "cooles Cash und coole Ästhetik". 
 
Es kam anders. Haanings Paket enthielt zwei leere Bilderrahmen und eine E-Mail mit dem Inhalt, dass er sich entschlossen habe, eine neue, wesentlich sinnstiftendere Arbeit zu schaffen. Die trage nun den Titel "Take the money and run." Mit freundlichen Grüßen: Jens Haaning. Der Künstler hatte das Geld genommen und sich aus dem Staub gemacht. 
 
Fußnote: Der Museumsdirektor hat die leeren Rahmen plus ausgedruckter E-Mail ausgestellt. Das Werk habe "viele interessante Schichten." Sein Geld möchte er trotzdem wieder haben und hat, ganz kunstlos, die Gerichte eingeschaltet. Nun bin ich gespannt, wer sich am Ende durchsetzt: Das Museum in Aalborg oder der dänische Till Eulenspiegel. 
 
Glückauf 
kdk 

   Schmunzelpost 164 vom 30. 9. 21

Es war mal wieder an der Zeit zu schauen, was sich in der Welt an kuriosen Dingen zugetragen hat. Dazu habe ich sowohl Zeitungen wie das Netz durchforstet. Und ich bin fündig geworden. 
 
Kann "Jumbo Jet" seinen Titel verteidigen? Diese Frage stellt sich in Alaska. Denn dort wird jedes Jahr im Katmai-Nationalpark der fetteste Braunbär gekürt. (Dieses Konzept sollten die TV-Programmgestalter mal als Alternative zur Hungerhaken-Kür bei "Germanys next Top-Modell" erwägen.) Gute Aussichten hat auch eine Bärenfrau. "Holly" war bereits 2019 zur stattlichsten Bärin gekürt worden. Doch es gibt noch einen Geheimfavoriten. Auch "Chunk", zu deutsch: "Klotz", steht gut im Futter. Mit rund 40 Lachsen täglich füllen sich die Titelanwärter täglich den runden Bauch, das sind ordentlich Kalorien. 
 
Die Wahl wird durch eine Abstimmung im Internet entschieden. Daher gibt es auch keine exakten Zahlen, wieviel die Sieger wiegen. Wer möchte schon solch einen Koloss auf eine Waage locken? Experten schätzen jedoch, dass Jumbo Jet es 2020 auf etwa 640 Kilo gebracht hat. Bei solchen Werten kommt man sich selbst endlich mal wieder schlank vor... 
 
Wenn wir schon in der Schwergewichts-Klasse sind: Befassen wir uns als nächstes mit Elefanten. Sie werden von Wilderern und Trophäensammlern gnadenlos gejagt, als Nahrungskonkurrenten in manchen afrikanischen Staaten dezimiert, in Asien seit Jahrhunderten als Arbeitssklaven missbraucht und für Fünf-Minuten-Auftritte in der Manege in viel zu engen Gefängnissen durchs Land kutschiert. Dennoch haben die Dickhäuter uns Menschen in ihr großes Herz geschlossen. Wie kommt das? Wissenschaftler fanden jetzt die Antwort. Im Elefantenhirn genießen wir Welpenstatus. Das heißt, die Riesen finden uns einfach süss! 
 
Achtung: Das kann sich ändern. Denn auch das sprichwörtliche Elefantengedächtnis gibt es wirklich. Gequälte Kreaturen können äußerst nachtragend sein. So sind Fälle bekannt, bei denen brutale Wärter nach 20 Jahren wiedererkannt und von sonst lammfrommen Elefanten zur Rechenschaft gezogen wurden. Und das ging nicht immer mit einer Dusche aus dem mit Wasser gefüllten Rüssel ab... 
 
Wenn wir eben Tieren große geistige Leistungsfähigkeit bescheinigt haben, so müssen wir am Verstand mancher Insekten zweifeln. Studien zeigten, dass sich männliche Marienkäfer bis zu fünf Stunden mit toten Marienkäferweibchen paarten, bis sie endlich zu grübeln begannen: Da stimmt doch etwas nicht? Doch vielleicht sorgte die Macht der Hormone für Blindheit. Auch manchen Menschen-Männchen wird nachgesagt, dass sie mitunter recht lange brauchen, bis sie die Teilnahmslosigkeit ihrer Sexualpartnerin registrieren. 
 
Einer, der weiß, wie man Frauen begeistern kann, verbüsst derzeit in den USA eine Haftstrafe im Gefängnis von Baltimore. Das muss der George Clooney des Knasts sein. Denn offenbar kann ihm keine Frau widerstehen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass innerhalb von nur neun Monaten gleich vier Gefängniswärterinnen vom gleichen Häftling geschwängert wurden? Da weiß man nicht, ob man sich wünschen soll, dass der Typ noch eine lange Strafe absitzen muss. Denn wenn er auf freien Fuß kommt, ist es sehr wahrscheinlich, dass er bald wieder zu krummen Touren neigt. Wie sollte er auf legale Weise den Unterhaltsforderungen nachkommen? Andererseits: Bleibt er weiter hinter Gittern, ist bald das gesamte weibliche Personal in Baltimore in Mutterschaftsurlaub. 
 
Man sagt ja, Leidenschaft macht blind. Nun habe ich gelernt, dass sie auch taub machen kann. Nein, ich meine nicht die vergeblichen Warnungen des Gefängnisdirektors von Baltimore an seine Mitarbeiterinnen. Ich spreche von Fischen der Südsee, die in Ekstase völlig außer sich geraten. Wissenschaftliche Studien haben jetzt belegt, dass diese Flossenferkel beim Sex so laut sind, dass andere Fische davon taub werden. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 163 vom 29. 9. 21

Die Schmunzelpost ist heute eine Katzenpost. Ihr habt lange nichts mehr von Herrn K. gehört, unserem nörgeligen Nachbarn mit der Neigung, auf dem Balkon Selbstgespräche zu führen. Um das zu ändern, haben wir unseren intelligenten Kater gebeten, während unseres Urlaubs die Ohren zu spitzen. Hier sein Protokoll: 
 
Hömma, altes Haus! Getz is der Rummel endlich vorbei. Wat war dat für'n Gebrabbel und Theater. Tach für Tach Trieller, Talg-Schoos und schlaue Sprüchskes, wer, warum und mit wem die Wahl verliert. Und dauernd Getöse um die neueste Umfrage. Dazu überall die Köppe von die Pappkameraden auf Pappplakaten. - Kennze dat noch? Den alten Zungenbrecher? "Der Kaplan klebt Papp-Plakate". Haben wir uns früher schnell vorgesacht und dann kaputtgelacht. Aba ich schweife ab. 
 
Wat wollt ich eigentlich sagen? Ach ja, die Wahlen sind endlich gelaufen. Bloss, dat dat Kuddelmuddel getz von neuem losgeht. Wer regiert mit wem und warum nich? Wer wird der neue Merkel? Und wer sacht nach dat ewige Palava diesmal: "Et is besser, sich rauszuhalten, als vonne Wähler nächstes Mal eins vor die Mappe zu kriegen? Denn wegen dat Klima und die Schulden musse die Leute dauernd auffe Quanten treten und, noch viel schlimmer,  inne Tasche greifen. Dat gibt jede Menge Ärger. 
 
Nich, dat dat früher besser gewesen wär. Aba da hasse gewusst, woran Du bist. Wechselwähler? Was is dat denn? Früher hasse immer bei den gleichen dein Kreuzken gemacht. Dat war wie beim Fußball. Einmal Schalke, immer Schalke. Du bis doch schon mitten blau-weißen Fähnkenn inne Pfote auffe Welt gekommen. Und so war datt auch bei der Partei. Nur, dat dat Fähnken dann rot, na, sagen wir, rosa gewesen is. Und die CDU-Baby zogen anner Nabelschnur dat Kruzifix hinter sich her. Die FDP-Bälger wollten sofort über den Windelpreis verhandeln. Wenn dat Blag mittem Schnurbart zur Welt kam, wusstest Du: Dat wird später mal NPD oder danach die neuen Nazis, die AFD wählen. 
 
Nur grüne Säuglinge gab's damals nich. Wenn dat Neugeborene grün im Gesicht war, hasse den Notarzt gerufen, weil et keine Luft gekriecht hat. Kein Wunder, dat die grünen Kinder heute son Bammel wegen die Luftverschmutzung haben. So wat kannten wir ja damals gar nich. Wenn wir einen von Sohle sieben rausgerotzt hatten und die Spucke war nich schwatt, dann haben wir gesacht: "Kuck ma, wat ein windiger und sonniger Tach heute!" Aba ich schweife ab. 
 
Mit die Politik ist es wie mit den Fußball: Die Wahrheit is auffem Platz. Wenne gewinnen wills, dann brauchse ein Knipser, der die Dinger reinmacht. Bei den Laschet ham die Leute gedacht, der is so verpeilt, der haut die Pocke eher in den eigenen Kasten. Die Baerbock hatte irgendwo die falschen Regeln abgeschrieben und wollte den grünen Rasen lieber kämmen als ihn umzupflügen. Und beim Scholz ham die Wähler gedacht: Dat ist zwar auch keine Granate, aba einer, der wenigstens weiß, wo die Bude steht. Un außerdem isser ein Sozi. 
 
Ich gib et ja zu, ich bin auch einer. Aba einer von alten Schlach. Willy wählen und so. Mein Fritz Walter der Politik war dann Helmut Schmidt. Der wusste, wo et lang geht und sachte dat auch. Und hinterher fand ich die Genossin Angela richtich gut. Was keiner ahnte: Die war dat U-Boot der SPD inne Union. Die ham wir den Schwatten untergejubelt, und et hat geklappt. Die Merkel war die Rache für den fiesen Gerd, den die Wirtschaftsunion bei uns eingeschmuggelt hatte. Doch mit der Angela ham wir unsere Ziele durchgeboxt: Energiewende, Flüchtlinge, Homo-Ehe - alles, wat die Schwatten gefürchtet hatten wie der Teufel das Weihwasser. Die Angela war so prachmathisch, da hat selbst unser Helmut in seine Rauchergruft noch Beifall geklatscht. 
 
Nu isse leider wech. Getz hatse ja Zeit. Vielleicht sollte sie dat Ruder bei Schalke 04 übernehmen, dann spielen wir in zwei, drei Jahren wieder mitte Champignons. Doch dat sind Träume. Inne harte Realität merk ich, dat mich der Kater von unten schon die ganze Zeit anstarrt. So, wie er sonst lauert, bevor er eine Maus fängt. Die Nachbarn von unten hab ich ja schon lange nich gesehen. Vielleicht hat das Untier seine Ernährung von Mäusen auf Menschen umgestellt? Ich glaub, ich geh besser rein, bevor ich dat nächste Opfer bin. Und wenn ich Weihnachten wieder raus komm und dat mitt die nächste Regierung inne Hose gegangen is, dann ruf ich: Siehsse! Hab ich doch gleich gesacht! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 162 vom 28. 9. 21

"Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß, soll das Werk der Meister loben. Doch der Segen kommt von oben." Das ist ein Auszug aus Schillers "Glocke" und gleichzeitig ein gereimter Kommentar zur gestrigen abendlichen Schlüsselaktion inklusive Gewaltmarsch (siehe ganz matte Schmunzelpost vom 27.9.). Lyrik und Nachrichten, passt das überhaupt zusammen? Ja klar, meinen Elke Heidenreich und die Süddeutsche Zeitung. Und weil ich immer noch halbtot bin, bediene ich mich im heutigen SP-Beitrag kräftig bei den beiden Genannten. 
 
Schriftstellerin und Literaturkritikerin Elke Heidenreich hat angeregt, bei ARD und ZDF jeweils drei Minuten vor und nach den abendlichen Nachrichten für den Vortrag von Gedichten zu nutzen. So könne die Poesie wieder den Stellenwert bekommen, der ihr gebühre. Die Süddeutsche Zeitung geht im Streiflich sogar noch einen Schritt weiter. Auch einzelne Nachrichten, so die SZ, könnten durch lyrische Zeilen ergänzt werden. 
 
Beispiele gefällig?  Nachrichten, die sich mit den Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels befassen, böten sich dafür an, mit einem Zitat aus dem "Weltende" von Jakob von Hoddis unterstrichen zu werden: "Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut. Und an den Küsten - liest man - steigt die Flut."  Und wenn wieder einmal ein Milliardär mit seiner Privat-Rakete in den Orbit steigt, käme Klopstock zu Wort: "Der Weltraum fernt mich weit von Dir." 
 
Es gibt ja Leute, die sich darüber ärgern, dass Schüler den Unterricht schwänzen, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Deren "stumpfe Kritik", so die SZ, ließe sich mit "Fontane for Future" formulieren: "So klagten die Kinder. Es war nicht recht." Theodor Fontane stünde auch bereit, falls der künftige Regierungschef nach den Milliardenpaketen der letzten Monate zur Politik der schwarzen Null zurückkehren will: "Der neue freilich, der knausert und spart."    
 
Auch für den Wetterbericht öffneten sich ungeahnte Möglichkeiten: "Die Luft geht durch die Felder, die Ähren wogen sacht, es rauschen leis' die Wälder, so sternklar wird die Nacht." Und selbst Spartenbereiche wie der Landfunk könnten von der Poesie nur profitieren: "Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt, er setzt seine Felder und Wiesen in Stand." 
 
Einen Fehler, dies betonen die Streiflicht-Autoren ausdrücklich, dürften die Redaktionen jedoch nicht machen, obwohl die Versuchung groß wäre. Sie sollten nicht jede Nachrichtensendung mit Christian Morgenstern einläuten: "Die 'Weltgeschichte' tritt voll Pein von einem Bein aufs andre Bein." 
 
Dem kann ich mich nur anschließen. Und nachdem ich mich trotz meiner Erschöpfung heute Nachmittag wieder aufs Rad schwang, um nach längerer Fahrt im schönen Hafenstädtchen Tönning so lange herumzutrödeln, bis die Dämmerung die ebenso lange Rückfahrt überschattete, lasse ich dazu den Hinkelsteinpoeten Obelix kommentierend unseren Reim-Klassiker Nummer eins verhunzen: "Wer radelt so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Krause, ich sag Euch: Der spinnt!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 161 vom 27. 9. 21

Junge, Junge, was bin ich fertig! So ein Wahltag, der kann einen auch wirklich schlauchen. Da bin ich seit Wochen, ach was, seit Monaten, was rede ich, seit Jahren gespannt auf die erste Prognose zum Wahlergebnis. Und dann verpasse ich sie! Die Schuld trägt Corona. Und, na ja, meine Schussligkeit. 
 
Aber von Anfang an. Die Arthrose nagt schon seit längerem von der Hüfte angefangen an meinem linken Bein. Seit ich Ende Oktober 2020 mein Rückentraining wegen der Schließung der Fitness-Studios einstellen musste, wurde es nach und nach immer schlimmer. Und als die Mucki-Buden endlich wieder öffnen durften, spielte mein Herz verrückt. "Keinerlei körperliche Anstrengung", lautete die Devise der Mediziner. So kam es, dass ich in nur zwölf Monaten einen Alterungssprung von zehn Jahren geschafft habe. Denn obwohl das Herz nach dem letzten Eingriff wieder im Takt ist, sind meine Schritte immer kürzer geworden. 
 
Im Urlaub macht mir mächtig zu schaffen, dass ich unter Schmerzen nur noch kurze Strecken in einem Tempo humpeln kann, bei dem die Schnecken links und rechts an mir vorbei zischen. Und bei der erstbesten Sitzgelegenheit heißt es erstmal: Verschnaufpause. So hatte ich mir eigentlich die Zeit ab 90 vorgestellt. Zum Glück gibt es das Fahrrad mit elektrischem Rückenwind, das mir ordentlich Reichweite  Exkursionen an frischer Luft ermöglicht. 
 
Deshalb ist mein E-Bike mir lieb und teuer. Und wird besonders geschützt. Außer dem normalen Schloss kette ich meine rollende Gehhilfe stets noch mit einer stabilen Kette an Zäune, Geländer und Metallständer, um Fahrraddieben den Job zu verleiden. So auch gestern, an einem sonnigen Tag am Strand von St. Peter-Ording. Doch als ich um 17.45 Uhr das Kettenschloss aufschließen wollte, stellte ich zu meinem Entsetzen fest: Der Schlüssel war weg! 
 
Dabei wollte ich doch unbedingt pünktlich um 18 Uhr die Verkündung der ersten Wahlprognose vor dem Bildschirm miterleben. Also durchsuchte ich sämtliche Fahrrad-, Hosen-, Jacken- und sonstigen Taschen. Vergeblich. Der Schlüssel war nicht zu finden. Was nun? Mich zur Suche zurück zum Strand begeben, von dem ich mich gerade über 1500 Meter zum Fahrrad weggeschleppt hatte? Ich pfiff doch jetzt schon aus dem letzten Loch. Also zu Fuß zur Bushaltestelle. Doch die nächste Fahrt in meine Richtung wurde erst für 18.35 Uhr angekündigt. Was bedeutete, dass mein Motto lautete: So weit die Füße tragen! 
 
Mit Trippelschritten machte ich mich auf den Weg zur Ferienwohnung. Unterwegs wurde ich von rüstigen Rentnern, mindestens zehn Jahre älter als ich, überholt, die mitleidig fragten, ob sie ein Stück meine Fahrradtasche tragen sollten. Das lehnte ich dankend ab. Man hat ja auch seinen Stolz. Außerdem war die Ferienwohnung nur noch 50 m entfernt. 
 
Mit letzter Kraft schleppte ich mich vor den Fernseher, nahm die Wahlprognose zur Kenntnis und überlegte, wie es weitergehen sollte. In St. Peter-Ording, nicht in Berlin. Trotz der Kette war mir nicht wohl bei dem Gedanken, mein E-Bike über Nacht räuberischen Elementen, die bestimmt über Bolzenschneider und andere Gerätschaften verfügten, auf dem Silbertablett zu servieren. Also folgte ich dem Rat einer klugen Frau, lieh mir ihr Rad und begab mich zum Ort des Grauens zurück, um nach dem goldenen Schlüssel zu suchen. Strandkorb : Fehlanzeige. Pfahlbau des Strandkorb-Verleihs: Fehlanzeige. Pfahlbaurestaurant: Fehlanzeige. Doch dann kam die Erlösung in Gestalt eines aufmerksamen Kellners: "Schlüssel? Da habe ich vorhin einen gefunden und in die Schublade gelegt." Volltreffer! Und der Mann weigerte sich sogar, ein Trinkgeld anzunehmen. 
 
So stand ich glücklich wieder vor meinem an einem Geländer festgeketteten Rad. Und stellte fest, dass ich den zweiten Schlüssel in der Fahrradtasche gelassen hatte. Und die stand inzwischen in der Ferienwohnung. Also nochmal zurück, den Schlüssel holen. Dann mit dem Auto zurück zur Seebrücke. Dann einen Parkplatz suchen. Dann fluchen, weil frühere Parkmöglichkeiten inzwischen mit Schranken versperrt und alle anderen besetzt waren. Dann fernab vom Rad parken und murrend einen längeren Fußmarsch antreten. Dann mit dem Rad zum Auto, das Rad verladen, zur Ferienwohnung fahren, das Rad ausladen. Und halbtot in den Fernsehsessel fallen. Und feststellen, dass nach den letzten Hochrechnungen alles auf langwierige Verhandlungen zur Regierungsbildung hindeutet. 
 
Mein Angebot: Falls es hilft, bringe ich meinen goldenen Schlüssel in Berlin vorbei. Denn ich habe gelernt: Auch wenn es wehtut und äußerst mühsam ist - Beharrlichkeit zahlt sich am Ende aus. Und mit den richtigen Schlüsseln kommt die Sache ins Rollen. 
 
Glückauf 
kdk    

 Schmunzelpost 160 vom 26. 9. 21

Na, wo geiht hör dat? Hebt hör de Less lehrt? Denn könn wi hüüt en bietje Plattdüütsch snacken. Umdat hör in't Weertshuus wat anners to eten kriegt as een Ackermantjewippsteert.
 
Wo smackt hör Pantjefisk? Of Päddernäckbroden? Wat? Dat verstahn hör neet? Hör Döösbaddels! Denn heet dat alls keen Sinn. Dann kann ich ja auch gleich hochdeutsch mit Euch reden. Beziehungsweise schreiben. Also, ein Päddernäckbroden ist ein Regenwurmbraten. Den gibt es natürlich nicht überall in Friesland, sondern nur noch in wenigen Orten, wo man an alten Traditionen aus kargen Zeiten festhält. Dort werden Regenwürmer nicht den Fischen zum Fraß vorgeworfen, sondern mit guter Butter in der Pfanne gebraten, dann in Schnaps eingelegt, anschließend in ein Salatblatt gerollt und mindestens 24 Stunden in Moorboden eingegraben. Wer sie dann ausgräbt, aufwärmt und mit Genuss verzehrt, spricht nicht nur automatisch perfekt plattdeutsch, sondern kann auch die hundert besten Ostfriesenwitze komplett auswendig!
 
Döösbaddels sind übrigens Dummköpfe, die u.a. glauben, was man ihnen über Päddernäckbroden erzählt. Aber auf plattdeutsch kommt sogar manche Beleidigung abgemildert herüber, in diesem Fall etwa "Ihr lieben, kleinen Dummerchen!" Und deshalb will ich Euch wenigstens noch ein paar nette Schimpfwörter mit auf den Weg geben, in der Hoffnung, dass Ihr die besser behaltet als andere plattdeutsche Vokabeln.
 
Fangen wir an mit dem Bullerballer. Darunter versteht man einen jähzornigen Grobian, meistens einen Mann.

Eine Ziepeltriene hingegen ist eine ausgesprochen zimperliche Person, meistens eine Frau.
Unter einer Traanfunzel versteht man einen Lahmarsch. Das kann sowohl ein Mann, eine Frau oder etwas diverses sein.

Ein Fröstkötel ist jemand, der dauernd friert, dem es nie warm genug ist. Und einen Tüdelbüdel erkennt man daran, dass er ziemlich viel dumm Tüch, pardon, dummes Zeug redet. Einen Puttfarken riecht man womöglich schon, bevor man ihn sieht. Das ist ein Stinker, der mit Hygiene nichts am Hut hat. Einer, der total unzuverlässig ist, sich rüpelhaft benimmt oder sogar als Kleinkrimineller erweist, wird Bagaluut genannt.

Zu einem Geizhals sagt man Kluntjeknieper. Aber nur, wenn man kein Glattsnacker ist. Das ist nämlich jemand, der sich mit übertriebener Freundlichkeit einschmeicheln will. Dagegen bezeichnet man als Gnadderkopp eine Person, die dauernd nörgelt und zudem ein unausstehlicher Besserwisser ist. Und eine Klöterbüx ist ein Zappelphilipp, der keine Sekunde stillhalten kann und alle anderen verrückt macht. 
 
Glückauf 
kdk 

PS. Ihr wisst ja, was es heißt, wenn wir die Schalker Vereinschronik aufschlagen. Freude über Freude, Terodde hat schon wieder zweimal getroffen! Auch wenn die unterlegenen Rostocker eigentlich besser waren. Aber nun zur Vergangenheit: Wenn man nach dem Schalker Präsidenten mit der kürzesten Amtszeit fragt, denken viele an Helmut Kremers. Der war bloß 85 Tage, vom 12. 9. bis zum 6. 12. 1994 an der Vereinsspitze. Aber es gab jemand, der war nur 3 Tage im Amt: Michael Zylka, wer kennt ihn nicht. Vom 21. bis 24. November 1988 lenkte er die Geschicke des wichtigsten Fußballvereins der Welt. 

 

 Schmunzelpost 159 vom 25. 9. 21

William Shakespeare gilt heute für viele als größter Dramatiker aller Zeiten. Doch der englische Autor und Schöpfer unsterblicher Klassiker wie Romeo und Julia, Hamlet oder des Sommernachtstraums hat auch die Entwicklung der Sprache beeinflusst. Literaturhistoriker sagen, dass Shakespeare der Erste gewesen ist, der statt "You" das große "U" verwendete. Wer hätte gedacht, dass sich vor ein paar Jahrhunderten schon jemand mit der heutigen Jugendsprache auskannte? 
 
Dadurch inspiriert, U will see, habe ich mich heute auf die große Literatur unserer Kinderzeit konzentriert. Hier kommt ein kleines Quiz, das sich um die bevorzugte vorpubertäre Lektüre meiner Generation dreht. Die Lösungen findet Ihr unter PS am Ende dieser Schmunzelpost - falls Ihr nicht selbst darauf kommt. 
 
Zum Auftakt etwas leichtes. Der Cowboy Lucky Luke besaß mit Jolly Jumper nicht nur das klügste Pferd der Comic-Geschichte - selbst Fury konnte nicht mithalten - , er war auch mit seinem Colt so schnell, dass er als einziger einen Widersacher übertrumpfte, den niemand anders beim Ziehen der Waffe übertreffen konnte. Wer war das? 
 
Nun wechseln wir nach Entenhausen. Dort lebt der weltweit berühmteste Donald, dem selbst eine aktuelle Witzfigur nicht den Rang ablaufen konnte. Aber so bekannt Donald Duck auch ist, wer weiß schon, wie er mit zweitem Vornamen heißt? 
 
Wo wir gerade bei Namen sind: In einer anderen weltbekannten Comicserie bemüht sich ein junger Schnösel namens Grautvornix, den Normannen das Fürchten zu lehren. In welchem verwandtschaftlichen Verhältnis steht er zu einer wichtigen Figur aus dem kleinen, unbeugsamen gallischen Dorf? Kleiner Tipp: Idefix ist es nicht! 
 
Gemüse ist gesund! Diese Theorie kennen wir alle, in der Praxis überprüfen wir sie viel zu selten. Anders ein Seemann, dem nach Genuss von Spinat regelmäßig die Muskeln schwellen. Nein, nein, ich werde jetzt nicht fragen, wie er heißt, so leicht will ich es Euch nicht machen. Doch wie heißen Popeyes vier Neffen? 
 
Drei Comic-Helden begeistern seit Jahrzehnten den Nachwuchs in Skandinavien. In Norwegen tragen sie die Namen Ole, Dole und Doffen, in Schweden Knatte, Fratte und Tjatte und auf den Faröer-Inseln Dimmi, Dami und Dumi. Doch wie heißen sie in Deutschland? 
 
Hierzulande versuchte in den 60er und 70er Jahren eine Comicserie aus Germany Mickey Maus und ihren Kumpanen den Rang abzulaufen. Wer erinnert sich nicht an Fix und Foxi, an Lupo, Tante Eusebia und Lupinchen? Doch wie bei Disney verzichtete auch Rolf Kauka auf Eltern und setze auf "Veronkelung". Wie heißt der Onkel, der die beiden Zwillingsfüchse in die Serie einführte? Und als Zusatzfrage für echte Kenner: An welchem Tag haben Fix und Foxi Geburtstag? 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. 1. Lucky Luke schießt schneller als sein eigener Schatten! 
2. Donald Duck heißt mit zweitem Vornamen Fauntleroy. 
3. Grautvornix ist ein Neffe von Majestix. 
4. Popeyes Neffen tragen die Namen Pupey, Pipeye, Peeeye und Poopeye. 
5. Das sind natürlich die Schützlinge von Onkel Donald, die bei uns die Namen Tick, Trick und Track tragen. 
6. Bevor er sich bei uns um die Telekommunikation verdient machte, kümmerte sich Onkel Fax um Fix und Foxi. Und die beiden feiern am 1. Mai Geburtstag. 
 

 Schmunzelpost 158 vom 24. 9. 21

Heute sind wir vor dem Sturm zu Storm geflüchtet. Zuversichtlich, dass in der Storm-Stadt Husum auch heute noch Schimmelreiter dafür sorgen, dass die Deiche halten. Es hat geklappt: Die Deiche sind nur bei mir gebrochen, weil ich nicht widerstehen konnte, auf dem platten nordfriesischen Land platte Wortspiele zu machen. Doch es kommt noch schlimmer. Wo anders als hier könnte ich mich trauen, Euch mit einer kleinen Lektion von der Schönheit der plattdeutschen Sprache zu überzeugen. Ich werde mich also als Gattenpietscher versuchen - so nennt man auf plattdeutsch die Lehrer.
 
Hör auf zu lamentieren, das funktioniert so, wie ich gesagt habe! Wie drückt man das kurz und bündig auf Platt aus? Sabbel nich, dot geiht! Ein Sabbelbüddel ist übrigens ein Schwätzer, die Sabbelkist das Fernsehgerät. Für den Sabbelknoken gibt es noch einen zweiten, wohlklingenderen Ausdruck: Ackerschnacker nennt man hier Handys und Smartphones.
 
Nun ein paar Vokabeln, die Ihr verwenden könnt, wenn Ihr jemand entlarven oder beschimpfen wollt, ohne dass die Betroffenen es merken. Wir sind ja häufig umzingelt von Dummköpfen, würden uns jedoch das Leben mitunter erschweren und Folgen zu befürchten haben, wenn wir sie das wissen lassen. Trotzdem können wir unserem Unmut Luft machen, wenn wir einen Dussel Schambumklüten nennen. Aber Vorsicht! Falls derjenige wissen will, was das bedeutet, solltet Ihr nicht korrekt übersetzen. 
 
Auch ein Schnackefatt, also jemand, der dummes Zeug verkündet, ist selten begeistert, wenn er gesagt bekommt, dass er einen Haufen Scheiß erzählt. Auch für eine Frau, die sich unmöglich benimmt, gibt es eine passende plattdeutsche Bezeichnung. Allerdings klingt "Schkrapsel!" ziemlich garstig. Der Drache könnte durchaus ahnen, was Ihr von ihm haltet. Vielleicht sagt Ihr besser "Ackermannchewipperstert" zu Ihr, obwohl die Bachstelze den Missbrauch ihres Namens nicht schätzen würde.
 
Zum Schluss noch zwei praktische Tipps, für deren Wirksamkeit die plattdeutschen Urheber ihre Hand ins Feuer legen. Wer von Schluckauf geplagt wird, kann sich selbst sofort davon befreien, wenn er laut die magischen Worte spricht: "Schluckup un ick günn over't Meer, Schluckup bleev dor un ick keem weer." Hochseesegler wissen schon, warum sie einen großen Bogen um die friesische Küste machen. Nicht wegen dem Watt und den Untiefen, sondern weil sich dort tausende von Schluckaufs auf dem Meer herumtreiben.
 
Den zweiten Rat kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Er lautet: "Geihst te innen Kräug, werste kläug." Was bedeutet: Gehst Du in ein geselliges Gasthaus, kommst Du klüger wieder heraus als Du hinein gegangen bist. Schön, dat dat dat gift!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Gut, dass ich aufmerksame Leser habe. Gattenpietscher Manni ist aufgefallen, dass ich mich bei zwei Namen vertippt habe: Liesl Karlstadt und Hans Albers.

  

 Schmunzelpost 157 vom 23. 9. 21

Sagen wir, der Mann wäre erst morgen gekommen und hätte die gestrige Zeitung wollen, dann wäre die heutige Zeitung die gestrige gewesen, und die gestrige die vorgestrige. In Wirklichkeit aber wäre die vorgestrige die gestrige gewesen; hast du das verstanden?
 
Nein, diese Eingangssätze sind nicht von mir. Wohl aber ähneln sie meinem gestrigen Schmunzelpostbeginn, den ich vorgestern geschrieben habe, damit das "heute", das noch gestern galt, als Ihr meinen Text von vorgestern hoffentlich gelesen habt, so sehr, dass ich heute sehr überrascht war, unverhofft über eine vergleichbare Aussage zu stolpern. Verfasst hat sie Valentin Ludwig Fey, besser bekannt als Karl Valentin. Er hatte sich darauf spezialisiert, seine Zuhörer und Leser mit Wortspielen gleichermaßen zu belustigen und zu irritieren. Was das irritieren betrifft, so ist ihm das heute, also eigentlich morgen, denn wenn ihr dies lest, ist der Text ja bereits von gestern, vermutlich bei Euch gelungen.
 
Wie Ihr merkt, schlage ich gerade wieder zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn diesmal bereite ich einen Beitrag für die "Auslese"-Veranstaltung des Wulfener LIteraturclubs vor, der sich am 7. Oktober im Barkenberger Gemeinschaftshaus mit den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigt. Und ich werde etwas über den Münchener Komiker erzählen, der gemeinsam mit Liesl Karstadt damals auf den Brettln, die die Welt bedeuten, also den Kleinkunstbühnen, zu den ganz Großen gehörte. 
 
Allerdings machen Valentins pure Texte allein nur ein Drittel der Wirkung aus, die sie erzielten, wenn sie von dem Sprachkämpfer mit der traurigen Gestalt auf seine ganz eigene Art und Weise vorgetragen wurden. Gestus und Sprache, Bewegungs- und Gehirnakrobatik, Körper und Wortwahl bildeten eine perfekte Symbiose.  Valentin und Karstadt waren zudem auch Meister der Improvisation. Ging etwas schief, entspannen sich Dialoge, die das Original an Komik oft noch weit übertrafen.
 
Bei den folgenden Kostproben müsst Ihr auf all dies leider verzichten. Stellt Euch dazu also am besten einen spindeldürren, spitznasigen Erzähler mit übergroßen Schuhen und merkwürdigem Hütchen vor. Nein, nicht mich! Karl Valentin!
 
 Weil ich rein zufällig den "Zeitpunkt"-Text erst gefunden und dann an den Anfang gestellt habe, hätte ich gern mit dem Wortstich, wie Valentin sagt, "Zufall" weiter gemacht. Doch der witzige Text ist zufällig zu lang. Als Ersatz der Wortstich "Zukunft" in Form eines bekannten Zitates: "Die Zukunft war früher auch besser." Die Vergangenheit wäre vielleicht besser gewesen, wenn Valentins Vorschlag zur Namensänderung befolgt worden wäre:
 
"Du hoast ja aa damals an Blödsinn dahergeredt, wiast gesagt hast, da Hitler hat a Glück g'habt, dass er net Adolf Kräuter g'hoaßn hat, sonst hätt'n ma schrein müassn 'Heil Kräuter!' "
 
Wie alles anfing: "Was hatten Sie gleich nach Ihrer Geburt für einen Eindruck von der Welt?" - "Als ich die Hebamme sah, die mich empfing, war ich sprachlos. - Ich habe diese Frau in meinem ganzen Leben noch nie gesehen!"
 
Wie es weiterging: "Was? Mei Frau is' tot? ...ja, dass die mir nie was g'sagt hat davon? Drum hab i de schon so lang immer g'sehn!!!" 
 
Und wie es begann, zu Ende zu gehn: "Aber lieber Herr Valentin, schlechte Augen können niemals Kreuzschmerzen erzeugen." "Dös kann scho sein. Aber d' Augen und d' Kreuz müssen doch eine heimliche Verbindung haben, weil man doch oft die alten Leute jammern hört, wenn's sagen: 'Es ist schon ein rechtes Kreuz, wenn man nimmer gut sieht.'" 
 
Als hätte Karl Valentin vor 100 Jahren geahnt, dass es mal richtig Krach um die deutsche Grammatik geben würde: "Die deutsche Grammatik lässt manchmal viel zu wünschen übrig, gerade in dieser Hinsicht: Der Koch kocht - das stimmt! Die Köche köchen? Die Köchinnen ...??? Der Bäcker bäckt, der Bagger baggt, der Arzt arztelt. Aber erst der Dienstmann? Der dienstmandelt!" 
 
Und zum Schluss noch ein Klassiker zum Wortstich "Courage": "Mögen hätt' ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut!"    
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 156 vom 22. 9. 21 

Heute beschäftige ich mich mit morgen, denn wenn Ihr Euch morgen mit  meinem gestern verfassten Text befasst, ist für Euch ja heute. 
 
Kurzum: Wir sind beim 22. September. Und das ist tatsächlich ein besonderer Tag. Tag und Nacht sind heute gleich lang - von nun an wird es langsam duster! Außerdem sind es nur noch 100 Tage bis Weihnachten. Höchste Zeit also, über Geschenke nachzudenken. 
 
Aber erst einmal heißt es gedenken, feiern und/oder handeln. Denn der 22. September ist in weiten Teilen der Welt auch ein Datum für Gedenk- und Aktionstage. So lautet die Parole in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit den 80er Jahren und seit 2002 auch in Kommunen vieler anderer europäischer Länder: "Sei schlau, vermeide den Stau". Das Auto soll heute den ganzen Tag in der Garage (oder auf seinem Stellplatz) bleiben. Eigentlich auch rund um den Globus, doch die Idee des World-Car-Free-Days wollte sich bisher  nicht so recht durchsetzen. 
 
Stattdessen wird weltweit der Tag der Hobbits gefeiert. Angeblich hatte Bilbo Beutlin am 22.9. Geburtstag und Gandalf hat es zu seinen Ehren richtig krachen lassen. Am gleichen Tag begann Frodo Beutlin eine unverhoffte Reise - aber wenn ich jetzt die Handlung der Trilogie "Herr der Ringe" erzähle, sind wir morgen früh mit der Schmunzelpost noch nicht durch. 
 
Dabei gibt es heute noch viel mehr zu feiern: Den Welttag des Nashorns beispielsweise und auch den Tag des Kaninchens. Zur Unterscheidung: Die eine Tierart hat Hörner auf der Nase, ist fast blind und taucht nur ganz selten in Eurem Garten auf. 
 
Außerdem ist auch noch europäischer Pilztag und weltweiter "Walk and Bike to School-Day". Womit die Amerikaner zumindest ein paar Trippelschritte in Richtung unseres autofreien Tages machen. Schließlich haben wir auch noch den Tag der Studienzweifler/rin. Den haben sich die Handwerkskammern ausgedacht, um frustrierte Studierende von den Universitäten loszueisen und sie für handfeste Berufe zu gewinnen. 
 
Und was passierte an herausragenden Dingen am 22. September? Zu aller erst ist da die Emanzipationserklärung von Abraham Lincoln zu nennen. 1862, mitten im amerikanischen Bürgerkrieg, wurde dadurch die Sklaverei in den USA formell abgeschafft. Nicht weniger wichtig für die Etablierung der Demokratie: Am 22. 9. 1792, einen Tag nach der Absetzung des Königs, wurde in Paris die erste französische Republik ausgerufen. 
 
In Deutschland war der Tag im Jahr 1838 ein verkehrspolitisches Ereignis. Da nahm zwischen Berlin und Potsdam die erste preußische Eisenbahn ihren Betrieb auf. Böse Zungen behaupten, sie habe wegen unverhoffter Gleisbauarbeiten beim Start zwei Stunden Verspätung gehabt. 
 
An Geburtstagen hat der 22. September vergleichsweise wenig 1a-Prominenz zu bieten. Das zeigt sich schon daran, das sogar Christian Wurm in die Liste aufgenommen wurde. Er kam 1771 zur Welt und schaffte es auf dem Gipfel seiner Karriere, bayerischer Polizeikommissar in der Stadt Nürnberg zu werden. Bekannter ist da schon ein Geburtstagskind aus dem Jahre 1891. Hans Albert soll man bereits als Wiegenlied "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" ins Ohr gesummt haben. 
 
Und zum guten Schluss gilt es noch einen Jubilar aus dem Pott zu beglückwünschen. 1954 wurde Uwe Lyko geboren. Nachdem er jahrzehntelang auf der Bühne einen rüstigen Rentner spielte, ist er jetzt endlich selbst so alt wie Herbert Knebel. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 155 vom 21. 9. 21

Dieser Urlaub steht ganz im Zeichen der Erholung. Erst erhole ich mich an der Nordsee vom anstrengenden Rentnerdasein. Dann erhole ich mich in der Ferienwohnung vom anstrengenden Erholungsprogramm. Und schließlich erhole ich mich durch die Vorbereitung von Oktober-Veranstaltungen vom Erholen.
 
Heute ging es darum, Texte für den Bücherherbst im Baumhaus auszuwählen. Ein heiterer Beitrag wird sich mit der hinterhältigen Lyrik von Klaus Pentinghaus befassen, der seine Gedichte im Büchlein "Wurmstichiges für Feinschmecker" herausgegeben hat. Eine erste kleine Kostprobe gab es bereits vor Monaten in der Schmunzelpost. Hier kommt Schmunzelnachschub.
 
Die Pleite

"Ich mach", schrie der Chinese Tung
die Menschen ohne Mühe jung.
Er rief's in Münster, rief's in Ahlen,
und gierig nahten die Westfalen,
denn hier wie auch am Niederrhein
bevorzugt man das Jüngersein.
"Jönghongwanggong!" schrie jetzt Herr Tung
und schwenkte einen Stab mit Schwung.
Erst schrie er hoch, dann schrie er tief,
doch irgendetwas lief da schief.
Ja, seine Kunst, die so begehrt,
schien plötzlich wesentlich gestört.
Aus Münster blieben ganze Scharen
so alt, wie sie gekommen waren.
Die hundertvierzig Mann aus Haltern
sah man mit einem Schlage altern.
Ein Kleinkind gar aus Lavesum
fiel gleich vor Altersschwäche um.
Nur Oma Koch aus Meinerzhagen
lag hocherfreut im Kinderwagen.

Zum Thema "Alter" und dem Wunsch nach einem langen Leben passt auch die folgende Grabinschrift, die in der Nähe von Husum zu finden sein soll. Dort liegt Björn Zumkotte begraben, geboren 1900, gestorben 1998. Die Inschrift lautet: "Bist viel jünger, Björn, als wir, trotzdem liegst Du jetzt schon hier.  In Liebe Deine drei Brüder Bill und Marcel."

Zweierlei lernen wir daraus. Erstens scheint die nordfriesische Nordseeluft alte Knaben lange frisch zu halten. Aber, zweitens, bauen sie beim Zählen spätestens mit 100 rapide ab.

Jetzt noch ein Beispiel, wie sich Schmunzelpoeten langsam an ihre Idealvorstellungen herantasten. Blumenfreunde und alpine Senner kommen dabei auf ihre Kosten.

Schlechte Fassung

Wenn abends in den Alpen
die Sennerhütten qualpen,
dann möchte man mit Nelken
den Sennern Freude schelken.

Verbesserte Fassung

Wenn abends auf den Almen
die Sennerhütten qualmen,
dann möchte man mit Begonien
das Sennervolk belohnigen.

Gelungenere Fassung

Wenn abends auf den Almen
die Sennerhütten qualmen,
dann geh mit roten Rosen
die Sennerin liebkosten!
Den Sennern, die da melken,
schenk außerdem noch Nelken,
sonst sind die Jungs dir gram,
auch sie woll'n Blumen ham!

Ideale Fassung 
 
Mag das Sennervolk da droben 
noch so fluchen oder toben, 
kauf 'nen Blumenstrauß, 'nen bunten, 
nur für dich und bleibe unten. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 154 vom 20. 9. 21

Habe ich an dieser Stelle schon mal behauptet: "Die spinnen, die Amis!"? Dann will ich das auch nachhaltig beweisen. Was wäre dazu besser geeignet, als ein Blick in die Gesetzbücher der US-Bundesstaaten und -Kommunen? 
 
Diese Vorschrift sagt einiges über die Männer aus, die sie erlassen haben: In Carizoro, im Staat New Mexico dürfen sich Frauen nicht unrasiert in der Öffentlichkeit blicken lassen - das gilt für Gesicht und Beine. Eine solche Regel gibt es für das andere Geschlecht natürlich nicht. 
 
Sonntags nie! In Ohio dürfen an einem Sonntag keine Wale gefischt werden. Das wirft Fragen auf. Stehen Wale nicht auch von Montag bis Samstag unter Naturschutz? Und ist Ohio nicht ein Binnenstaat, ohne direkte Anbindung ans Meer? Wo werden die Wale dann geangelt? Im Swimmingpool? Da ist es schon schwieriger, in Cleveland, ebenfalls in Ohio, auf Großwildjagd zu gehen. Ohne gültige Jagderlaubnis ist das Fangen von Mäusen dort verboten! Und in Tennessee darf man mit dem Lasso keine Fische fangen. Jippiheije! 
 
Alkoholiker aus aller Welt, vereinigt euch. Und reist nach Kansas. Wer noch aufrecht stehen kann, gilt dort als nüchtern! 
 
Kakteenhasser aus aller Welt, macht bloß einen großen Bogen um Arizona. Dort drohen jedem, der einen Kaktus fällt, 25 Jahre Haft. Könnte man darüber nicht hierzulande für den Baumschutz nachdenken? 
 
Manchmal bringt es doch etwas, sich zu beschweren. Doch nicht jeder erfolgreiche Protest führt zu Verbesserungen. Auf Hawaii wurde die Längenbegrenzung für Namen in Ausweisen nach einer Beschwerde geändert. Endlich steht der volle Name der Beschwerdeführerin in ihren Papieren. Sie heißt Janice Keihanaikukauakahihuliheekahaunaele. Hoffentlich muss sie zur Strafe ihren Namen recht häufig am Telefon buchstabieren. 

Mal anders herum: Dieses Gesetz gibt es in den USA nicht, aber die Amerikaner sollten unbedingt darüber nachdenken, es schnellstens zu verankern. US-Mediziner sollten zwingend verpflichtet werden, ihre Rezepte und Anweisungen für Patienten nur noch maschinell abzufassen. Die schlecht lesbare Handschrift von Ärzten führt jährlich zu etwa 7000 Todesfällen! 
 
Offenbar ist es sinnvoll, alles ganz genau aufzuschreiben. Das dachten sich jedenfalls einige amerikanische Hersteller von Kinderwagen und schrieben "Please remove your child before folding" in die Bedienungsanleitung. Man möge also das Kind doch bitte vor dem Zusammenklappen des Wagens herausnehmen. Ein nützlicher Tipp. Aber ist der auch idiotensicher? Denn wir wissen doch: Die spinnen, die Amis! 
 
Nein? Tun sie nicht? Und dieser Widerspruch kommt ausgerechnet von Dir, Obelix? Ach so, Du hast gelesen, dass die meisten dicken und viel zu übergewichtigen Amerikaner in Houston, Texas, leben. Was sagst Du? "Die sind doch nicht dick, bloß kräftig gebaut. Und durchaus normal, wie alle Amerikaner!" 
 
Glückauf 
kdk    

 Schmunzelpost 153 vom 19. 9. 21

Mit Menschen haben wir uns zuletzt ausgiebig beschäftigt. Ein unerschöpfliches Thema. Es gibt inzwischen fast zehn Milliarden von uns. Viel zu viele für unseren Planeten. Und für meinen Geschmack, weil manche mächtig nerven. Viel größer ist allerdings die Zahl an Tieren, die unsere Erde bevölkern. Allein Hühner gibt es hier weit mehr als Menschen. Also ein wahrlich unerschöpfliches Thema. 
 
Heute will ich mich jedoch einer ganz anderen Kategorie zuwenden. Es gibt nämlich auch noch, äh, Sachen, Dinge, Krims-Krams oder wie immer Ihr das restliche Zeug nennen wollt. Ein absolut unerschöpfliches Thema. Beginnen wir damit zu schöpfen. 
 
Auch im Spätsommer kann es noch Gewitter geben. Hütet Euch vor Hagelschauern! Das bisher schwerste bekannte Hagelkorn wog 1,02 Kilo. Es fiel am 14. April 1986 in Bangladesh vom Himmel. (Ich frage mich aber, wie das so exakt ermittelt werden konnte. Hatte ein Reisbauer zufällig seine Waage dabei?) 
 
Wenn wir ernsthaft etwas gegen den Klimawandel tun und deshalb Energie sparen wollen, sollten wir Las Vegas abschalten. Im gesamten Staat Peru wird jährlich weniger Strom verbraucht als in der US-Glückspiel-Metropole. Allerdings würde es ohne Las Vegas das Unternehmen FedEx nicht mehr geben. Der Gründer hat seine Firma in den Anfängen dadurch gerettet, dass er seine letzten 5000 Dollar dort am Spieltisch einsetzte und daraus 32 000 Dollar machte. 
 
Welches ist das sicherste Transportmittel? Das Auto? Nein. Das Flugzeug, das Fahrrad, das Schiff, die Eisenbahn? Alles falsch. Was gibt es noch? Der Roller, die Gondel, der Zeppelin, das Segelboot, die Rakete? Auch nicht. Da kommt Ihr von allein nie drauf. Deshalb verrate ich es Euch: Es ist der Fahrstuhl! Nur alle 160 Millionen Kilometer kommt es zu einem Unfall. 
 
Und welches ist in der Geschichte des Films der gefährlichste Gegenstand? Es gibt einen Streifen über einen mordenden Autoreifen namens Robert, der im gesamten Film durch die Gegend rollt, Menschen tötet und Dinge zum Explodieren bringt. Ich habe den Film leider nie gesehen. War bestimmt ein Knaller. 
 
Wir fahren zur Nordsee. Also ist Kofferpacken angesagt. Bei mir sollen solche Routinetätigkeiten immer möglichst schnell gehen (damit ich mehr Zeit für die Schmunzelpost habe), also will ich versuchen, die bestehende Rekordzeit im Kofferpacken einzustellen. Ein ehrgeiziges Ziel: Sie liegt bei 5,43 Sekunden. 
 
Welches ist der höchste bekannte Berg unter der Sonne? Der Kahle Asten? Falsch. Der Mount Everest? Bei weitem nicht. Der Berg, den ich meine, ist keine lumpigen 8 800 sondern 26 400 Meter hoch. Es handelt sich um den Olympus Mons. Und wenn Ihr den erklimmen wollt, müsst Ihr Euch für die Marsexpedition anmelden - der Berg befindet sich auf unserem Nachbarplaneten. 
 
Glückauf 
kdk    

 Schmunzelpost 152 vom 18. 9. 21

Was für Tiere gilt, gilt auch für Menschen. Es gibt so viele erstaunliche Fakten, dass eine zweite Folge gerechtfertigt ist. Auf geht's: 
 
Wir Menschen sind Bewegungswesen. Selbst wenn man es wegen der vielen Couchpotatoes nicht vermuten sollte. Doch es ist nachgewiesen worden: Im Laufe eines Lebens läuft man etwa viermal um die Welt! Donnerwetter! Deshalb also braucht man mehr als zwei Paar Schuhe im Leben. Wobei, liebe Schuhfreundinnen, 20 000 Paar doch etwas hoch gegriffen ist. 
 
Was Menschen heilt, gilt als Medizin. In Tschechien und Polen dürfen Ärzte ihren Patienten Bier verschreiben. Aber was ist mit Rotwein? 
 
Wo wir uns gerade so gut über Alkohol unterhalten: Dass da Getreide, Kartoffeln, Weintrauben oder Äpfel eine wichtige Rolle spielen können, weiß fast jeder. Aber Bananen? Fakt ist: Nachdem man 20 Bananen verzehrt hat, weist man eine Blutalkoholkonzentration von mehr als 0,5 Promille aus und darf somit kein Auto mehr fahren. Aber 20 Bananen? Bin ich ein Schimpanse? Trotzdem kann erhöhter Verzehr von Bananen ratsam sein: Alkoholisierte Menschen überleben schwere Verletzungen mit höherer Wahrscheinlichkeit als nüchterne. 
 
Es gibt sie doch, die Liebe auf den ersten Blick. Jetzt ist wissenschaftlich erwiesen: Man braucht durchschnittlich 0,2 Sekunden, um sich zu verlieben. Und falls das beidseitig eintritt, kommt es zu einem weiteren erstaunlichen Phänomen. Der Herzschlag von Verliebten synchronisiert sich, wenn sie sich gegenseitig in die Augen schauen. 
 
Was können wir und was nicht? Es ist nicht möglich, sich die Nase zuzuhalten und länger als drei Sekunden "mmmmmmmmmmmmmm" zu brummen. Dafür ist das menschliche Auge im Normalfall in der Lage, bei völliger Dunkelheit in drei Kilometer Entfernung ein brennendes Streichholz zu erkennen. Doch was nutzt uns das? Wir sind nicht einmal fähig, eine gesunde Kuh umzustoßen. Dazu braucht es je nach Konstitution (der Menschen und der Kuh) drei bis zehn Erwachsene. 
 
Heute habe ich noch gar nichts Unrühmliches über Männer geschrieben. Das muss sich ändern: Männer entschuldigen sich seltener als Frauen. Und Männer sind nachtragender. So ließ sich ein 99 Jahre alter Mann von seiner drei Jahre jüngeren Frau scheiden, als er herausfand, dass sie vor 77 Jahren eine Affäre hatte. 
 
Welches ist die gefährlichste Tageszeit? Vergesst Mitternacht! Die meisten Menschen sterben nachts um drei Uhr. Für Ausgleich ist aber gesorgt. Die meisten Babys kommen ebenfalls nachts um drei Uhr zur Welt! 
 
Herzschrittmacher kenne ich, aber dass es auch sowas gibt? Hirnschrittmacher wurden bisher bei rund 75 000 Menschen eingesetzt. Ich wüsste noch ein paar Kandidaten..... 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 151 vom 17. 9. 21 

Mit einem frauenfreundlichen Beitrag habe ich die letzte Schmunzelpost beendet, mit einem frauenfreundlichen Beitrag will ich auch die neue Schmunzelpost beginnen: Frauen fallen seltener aus dem Bett als Männer! Was beweist das? Dass Frauen uns selbst im Schlaf überlegen sind! 
 
Das liegt vielleicht auch daran, dass weibliche Herzen höher (sprich: schneller) schlagen als männliche. Und auch, dass Frauen häufiger unter Einschlafstörungen bzw. Schlaflosigkeit leiden als Männer, spricht Bände: Die Wissenschaft hat nachgewiesen, dass intelligente Menschen schlechter einschlafen, weil ihre Gehirne so aktiv sind. Und selbst im Tierreich setzt sich der Trend zur weiblichen Überlegenheit durch. Der Delfin, der in der TV-Serie "Flipper" meist die Hauptrolle spielte, war eine Frau: Sie hieß Susi. 
 
Nun aber Schluss mit dem Männer-Bashing. Kommen wir zu allgemeinen Aussagen über den Menschen. Wusstet Ihr, dass beim Niesen alle anderen Körperfunktionen aussetzen? Sogar der Herzschlag? Jetzt wisst Ihr's. Schockierender finde ich, dass Forscher herausgefunden haben, dass tatsächlich viele Menschen zu allem bereit sind, wenn nur der Preis stimmt: Für zehn Millionen wäre einer von vierzehn Menschen bereit, einen anderen umzubringen! 
 
Nun etwas für abergläubische Leser. An einem Freitag, den 13., wurde ein 13-jähriger Junge von einem Blitz getroffen. Und die Uhr zeigte 13.13 h! Ob der Knabe überlebt hat, ist mir nicht bekannt. Aber die Statistik spricht dafür: Neun von zehn Menschen, die ein Blitzschlag erwischt hat, kommen mit dem Schrecken und mehr oder weniger anhaltenden gesundheitlichen Folgen davon. Ich gehöre übrigens auch dazu. Auf einem Weinberg bei Heppenheim - aber das ist eine längere Geschichte... 
 
Kommen wir zurück zu den Eigenschaften, die uns Menschen mitunter als wunderlich erscheinen lassen. Dazu gehören eindeutig diejenigen, die unter Anatidaephobie leiden. Das sind Leute, die Angst davor haben, von Enten beobachtet zu werden. 
 
Wir Menschen neigen dazu, einen Großteil unserer Lebenszeit zu vergeuden. So ist der Stuhlgang auch eine Art Müßiggang. Neun Monate seines Lebens sitzt der Mensch durchschnittlich auf dem Klo! Wesentlich mehr nervt uns eine andere Wartezeit: Sechs Monate verbringen wir vor roten Ampeln! 
 
Nochmal zurück zu den Anfängen dieses Textes. Niesen ist eine gefährliche Geschichte. Dabei können die Augen herausfallen, falls man sie nicht automatisch schließt. Also: Beim Niesen stets beide Augen zudrücken. Und nochmal zurück nun ganz zum Anfang. Der Mensch lügt im Schnitt rund 200 mal am Tag. Allerdings Männer zwanzig Prozent öfter als Frauen. Ungelogen! 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 150 vom 16. 9. 21

In der Welt der Tiere gibt es so viel Erstaunliches und Skurriles, dass ich gestern mit dem Platz nicht ausgekommen bin. Deshalb gibt es heute eine Fortsetzung. 
 
Zunächst etwas auf den ersten Blick Erschreckendes. Ahnt Ihr, wie viele Milben sich in der Matratze Eures Bettes tummeln? Rund eine Million! Da reden wir von einer übervölkerten Welt, von einer übermilbten Welt spricht niemand. Dabei käme bei der Addition eine beeindruckende Zahl zustande. Nehmen wir einmal an, durchschnittlich hätte die Hälfte aller Erdenbürger eine Matratze. Bei vier Milliarden Menschen kämen wir auf - das Ausrechnen der Milbenzahl überlasse ich Euch. Allerdings sind Milben winzig. Und friedlich. Kein weiterer Grund, um sich Sorgen zu machen - außer für Allergiker. 
 
Während ich mit Milben jede Nacht konfrontiert werde, versuche ich, Begegnungen mit Nilpferden möglichst zu vermeiden. Nicht nur, weil die Dickhäuter bei ihren Landausflügen unberechenbar sind und ihnen jedes Jahr mehr Menschen zum Opfer fallen als etwa Löwen. Sondern auch, weil ich bei der Recherche für diese Schmunzelpost etwas Neues über Nilpferde erfahren habe: Sie furzen durch das Maul! 
 
Da lobe ich mir die Pinguine. Sie überraschen mit sportlichen Höchstleistungen. Manche Arten können bis zu 2 Meter hoch springen. Das schafft nicht einmal Christina Honsel, die Dorstener Leichtathletik-Hoffnung. Auf Wettkämpfe mit Tieren würde ich mich sowieso nur ungern einlassen. Es gibt aber Ausnahmen. Einer Galapagos-Schildkröte würde ich mich zum Sprint-Duell stellen. Sie schafft nur eine Höchstgeschwindigkeit von 0,32 km in der Stunde. (Allerdings möchte ich auch keinen schweren Panzer mit mir herum schleppen). 
 
Und noch eins habe ich bestimmten Tieren voraus: Kängurus können nicht rückwärts laufen! Dafür machen sie größere Sprünge als unsereiner. Während ich immer noch nach Lösungen suche, um schnell abzunehmen, hält das Blauwalbaby den Rekord beim schnellen Zunehmen: Bis zu 90 Kilo legt ein Walkalb täglich zu! Stichwort blau: Wusstet Ihr, dass Eisbären blaue Zungen haben? Und schwarze Haut? Jetzt wisst Ihr's. 
 
Kaum hat der Mensch seine Finger im Spiel, da sind die tierischen Populationen ungleich geregelt. In einer Tüte Gummibärchen sind ein Drittel rot, aber jeweils nur ein Sechstel weiß, grün, gelb oder orange. 
 
 Männer, aufgeatmet: Im Vergleich zum größten Säugetier seid Ihr gut dran. Die Hoden des Wals können bis zu einer Tonne wiegen. 
 
Bei dem Getöse, dass bei uns um Wölfe veranstaltet wird, relativiert vielleicht ein Blick nach Indien die Gefahr. Dort wurden zwischen 1911 und 1994 insgesamt 16 152 Menschen von Tigern getötet. Es soll jedoch helfen, dem Tiger genau in die Augen zu blicken. Das hemmt seine Angriffslust - nutzt aber nichts, wenn er schon im Sprung ist. 
 
Zum Schluss noch das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, das Frauen schon immer geahnt haben: Entfernt man weiblichen Borstenwürmern das Gehirn, werden sie männlich. 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 149 vom 15. 9. 21

Diesmal werdet Ihr wieder einiges über Tiere erfahren. Ich bin hoffnungsfroh, dass Ihr fast alles noch nie gehört habt. 
 
Gerade habe ich zu Abend gegessen. Nur gut, dass ich kein Faultier bin (obwohl böse Zungen... - aber lassen wir das). Bis ein Faultier eine Mahlzeit verdaut hat, vergeht nämlich ein ganzer Monat. Wie der Herr, so's Gedärm. 
 
Obwohl ich auch manchmal kopflos bin, könnte ich nie so lange durchhalten wie eine Kakerlake. Die lebt nämlich auch ohne Kopf noch bis zu neun Tage lang weiter. Und dann stirbt sie nicht mangels Hirn, sondern mangels Nahrung - ohne Kopf kann sie nichts mehr zu sich nehmen und muss verhungern. 
 
Jetzt etwas für die Hardliner in der katholischen Kirche und in osteuropäischen Ländern, die behaupten, Homosexualität sei unnatürlich. Dem widersprechen allein schon zwei Forschungsergebnisse: Giraffen sind prinzipiell bisexuell. Und zehn Prozent der Hamster sind schwul. 
 
Wo wir schon beim Thema Sexualität sind: Hat ein weiblicher Marder ein Jahr lang keinen Sex, ist das gleichbedeutend mit dem Todesurteil - das arme Tier stirbt. Und männliche Seeadler besitzen keinen Penis. Der arme Vogel wird also niemals in einem speziellen Museum auf Island ausgestellt werden. Dort sind im Phallus-Museum die Penisse von 200 Tierarten zu sehen. 
 
Kommen wir zum appetitlichen Teil: Durchschnittlich verschluckt ein Mensch im Laufe seines Lebens acht Spinnen. Pfui Spinne! Kraftvoll zubeissen, obwohl er nie im Leben einen Apfel gekostet hat, kann der Seeigel: Seine Zähne sind härter als Stein. Von manchen Menschen sagt man, sie seien herzlos. Über Kraken würde man so etwas nie behaupten: Sie haben gleich drei Herzen! 
 
Noch ein paar überraschende Fakten. Die Gedächtnisleistung von Bienen lässt sich mit Koffein steigern. Also, Imker, wo bleibt der "Coffee to fly" an der Wabe? Vergiftete Ameisen kippen nach rechts um. Noch mehr, als zu wissen, warum das so ist, würde mich interessieren, wer das herausgefunden hat. Und vor allem: Aus welchem Grund? 
 
Habe ich schon mal mit Obelix behauptet, dass die Amis spinnen? Hier noch ein paar Beweise. In Florida landet im Gefängnis, wer einen Hund anbellt. In Marshalltown, Iowa, ist Pferden das Fressen von Hydranten gesetzlich verboten. Und nicht einmal vor Sprichwörtern haben in den USA Regulierungswütige Respekt: In Florida (schon wieder!) ist es Ratten gesetzlich untersagt, das Schiff zu verlassen. 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 148 vom 14. 9. 21

Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln! Woher der Spruch stammt, weiß ich nicht und will es ausnahmsweise auch gar nicht ergründen. Doch nachdem sowohl in den Ruhr Nachrichten den Kartoffeln eine ganze Seite und im Buch "Draußen nur Kännchen" sogar ein Kapitel gewidmet wurde, befasse ich mich heute mit den Erdäpfeln. 
 
Ursprünglich wurden Kartoffeln in den Andenstaaten Südamerikas angebaut und kamen erst mit den Spaniern im 17. Jahrhundert nach Europa. Hier dauerte es aber, bis sie sich als Nahrungsmittel durchgesetzt hatten. Während es in Irland vergleichsweise schnell ging - die Iren hatten unter der Fuchtel der Briten jahrhundertelang wenig zu kauen - wollten die Deutschen die exotische Frucht erst gar nicht akzeptieren. Der "alte Fritz" musste sich im 18. Jahrhundert einiges einfallen lassen, um den Preußen die Kartoffel schmackhaft zu machen. 
 
Im Volksmund hatte sich die Bezeichnung "Teufelsfrucht" festgesetzt. Da half es nichts, dass Friedrich der Große bei seinen Reisen durch die Lande selbst öffentlich Kartoffeln verzehrte. Und auch, dass ein angesehener Berliner Kaufmann auf das Geheiß des Königs vergoldete Kartoffeln als Weihnachtsschmuck an seinen Christbaum hing, konnte dem Nahrungsmittel nicht zum Durchbruch verhelfen. Da jedoch hatte Friedrich II. eine geniale Idee. Er ließ die Kartoffelfelder durch Soldaten bewachen. Was so wertvoll ist, dass es derartigen Schutz braucht, das musste einfach gut sein! Die Kartoffel trat in Preußen ihren Siegeszug an und sorgte dafür, dass große Hungersnöte fortan der Vergangenheit angehörten. 
 
Inzwischen ist sie nicht nur zu meiner, sondern auch zur Leibspeise der Deutschen geworden. Ob als Kartoffelsuppe, als Gratin, als Püree, gepellt oder gebraten sowie als Salat, gut zubereitet ist sie stets lecker. So wundert es nicht, dass sie sich von der Nordsee bis zu den Alpen auf den Tellern einen Stammplatz erkämpft hat. 
 
Allerdings trägt sie in den verschiedenen Regionen ganz unterschiedliche Namen. Die "Tüffel" sind in Mecklenburg-Vorpommern zuhause, die "Knolle" kommt in Berlin auf den Tisch. In Sachsen spricht man von "Arbern", in der Uckermark von der "Nudel" (abgeleitet vom lateinischen nodulus). Die Oberbayern reden von "Easchtöpfel", die Franken, warum auch immer, vom "Bumser". Am Bodensee kennt man die "Bodabira" und im Saarland die "Grumbeere". Am Main kann man auf dem Markt "Erdirnen" erstehen und in der Pfalz "Kromper". Im Sauerland ist die "Doffel" zuhause, doch im Heimatland von Friedrich Merz ist ohnehin manches anders. Auf Plattdeutsch heißt sie mitunter "Pipper" und in Niedersachsen "Ärpel". 
 
Was uns nicht hindern sollte, auf das Wohl der Erdäpfel einen Kartoffelschnaps zu trinken! 
 
Glückauf 
kdk      

 Schmunzelpost 147 vom 13. 9. 21

War etwa schon wieder Sonntag? Tatsächlich! Höchste Zeit, ein paar Fundsachen aus den letzten SZ-Ausgaben zu präsentieren. 
 
Befassen wir uns zunächst mit Tintenfischen. Über die wissen wir bereits, dass sie trotz ihrer sehr geringen Lebenserwartung von maximal vier Jahren äußerst schlau sind. Und nicht nur das. Sie sind auch noch geschickt und zielsicher - zumindest die Weibchen. 
 
Während Menschen-Weibchen paarungswillige Männchen früher oft mit der Ausrede: "Heute nicht, mein Schatz, ich habe Migräne" abblitzen ließen, gehen Tintenfisch-Weibchen wesentlich rabiater vor: Sie bewerfen die lüsternen Männchen mit Steinen, Muscheln und Schlamm. Manche Männchen ahnen zwar, was da auf sie zukommt und ducken sich weg, aber häufig werden sie getroffen. Und das schmerzt. Während Weibchen weit weniger Kraft aufwenden, um Steine von ihrem Höhlenaufgang zu entfernen, suchen sie sich zur Abwehr vor Avancen sogar möglichst harte Objekte aus und schleudern sie dann mit voller Kraft gegen den liebestrunkenen Verehrer. 
 
Dass wir Männer nicht nur das leidensfähigere, sondern auch das weniger rachsüchtige Geschlecht sind, beweist die Reaktion der Tintenfisch-Männchen. Sie verfärben sich kurz, aber werfen nicht zurück. Stattdessen schleudern sie aus Frust das Wurfobjekt irgendwo in die Gegend, weshalb flanierende Fische tintenfischreiche Gewässer meiden sollten. 
 
Ob das Verhalten der schlauen Tintenfisch-Weibchen etwas damit zu tun hat, dass eine erfolgreiche Paarung gleichzeitig der Anfang vom Ende wäre, hat die Wissenschaft bisher nicht herausgefunden. Jedenfalls ist es so, dass nach der Befruchtung und Eiablage die Tage beider Partner des Geschlechtsverkehrs gezählt sind. Ihnen bleiben danach nur noch wenige Tage, bis sie das Zeitliche segnen. 
 
SZ-Reporterinnen sind auch schlau, aber manchmal auch auf der falschen Fährte. So wunderte sich Stefanie Schwetz, dass sie in einem Cafe in Oldenburg, wo der Cappucino 2,50 Euro und der Kaffee 2 Euro kostete, für ihr Mandelhörnchen den "krummen" Betrag von 2,02 Euro bezahlen musste. "Liegt das am höheren Mehrwertsteuersatz für den Verzehr am Tisch?" Antwort der pikierten Kellnerin: "Da sind schließlich echte Mandeln drin!" 
 
Unsere heutige Gender-Stilblüte stammt aus dem Leserbrief eines SZ-Lesers. Der hatte auf der Speisekarte eines Hamburger Restaurants einen Eintrag entdeckt, der besonders Tintenhennen und Tintenhähne interessieren dürfte: Da wurde ein "Hähncheninnenfilet" empfohlen. 
 
Und mittlerweile kann die Genderitis schon zu Missverständnissen führen. So klagte SZ-Reporter Titus Arnu gegenüber einem mitfühlenden Beobachter, der die geschwollenen Knie des Bergwanderers registriert hatte, über den Abstieg vom Gipfel: "Und die Querung der Schotterrinnen blieb nicht ohne Folgen." Darauf brach der Gesprächspartner nach kurzer Bedenkzeit in Gelächter aus: "Schotter-Rinne! Jetzt hab ich echt kurz gedacht, Du genderst Schotter!"
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch ein Hinweis in eigener Sache an alle besonders lernfähigen Frauen, die sich gern an Strategien feministischer Tintenfisch-Weibchen orientieren: Falls sich Euch der Autor dieser Zeilen nähert, bitte nicht mit Steinen werfen - der tut nichts, der will nur spielen. 
 
PPS. Da Schalke 04 schon wieder gewonnen hat, was allmählich zur Gewohnheit wird, ein weiterer Blick in die glorreiche Vereinsgeschichte. Am 3. Mai 1925 kam es beim Wettbewerb um die westdeutsche Fußballmeisterschaft zum ersten Derby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Die Schalker - ich erinnere mich noch gut - gewannen verdient mit 4:2. Dieses Resultat würde ich beim nächsten Aufeinandertreffen auch akzeptieren. 

 

 Schmunzelpost 146 vom 12. 9. 21

Wer am Samstag die Ruhr Nachrichten gelesen hat, erfuhr dort, dass auch in diesem Jahr alternative Nobelpreise verliehen wurden. Unter den im Artikel aufgezählten Gewinnern war eine Studie, die den Zusammenhang zwischen dem Übergewicht von Politikern und der Korruption in ihrem Land nachweisen wollte. Ich wusste gar nicht, wie käuflich die Regierung der Bundesrepublik von 1982 bis 1998 gewesen ist. 
 
Aber solche Preise wecken meine Neugier. Zuerst lernte ich bei der Recherche, dass es zwei Arten von alternativen Nobelpreisen gibt. Seit 1980 wird der Right Livelihood Award verliehen, eine seriöse Würdigung, die die Entwicklung zu einer besseren, nachhaltigeren Welt beflügeln soll. Dieser Preis wird in den Kategorien Ökologie und Armutsbekämpfung vergeben, Petra Kelly gehört zu den Preisträgerinnen. 
 
Dann gibt es noch den Ig-Nobelpreis, auf den der aktuelle Zeitungsartikel Bezug nahm. Ig ist abgeleitet von ignoble, übersetzt: unwürdig, schmachvoll, schändlich. Dabei handelt es sich um eine satirische Auszeichnung, die seit 1991 an der Harvard-Universität vergeben wird. Im Gründungsjahr ging der Preis für Literatur an den US-Vizepräsidenten Dan Quayle, einen offenbar begnadeten Rhetoriker, für seine Verdienste um die englische Sprache. Außerdem wurde in der Sparte Biologie der ernstgemeinte Vorschlag belohnt, eine Samenbank einzurichten, die ausschließlich Spermien von Nobelpreisträgern und Olympia-Teilnehmern enthalten sollte. 
 
1993 erhielt dann Robert W. Faid die Trophäe. Der Mathematiker hatte auf statistischer Grundlage eine Kalkulation vorgelegt, die mit exakter Wahrscheinlichkeit nachwies, dass Michail Gorbatschow der Antichrist ist. War also die deutsche Wiedervereinigung ein Werk des Satans? 
 
Im Sektor Medizin wurden 1994 gleich zwei Geistesgrößen geehrt. Der eine hatte eine Studie über das Misslingen einer Elektroschock-Therapie im Fall eines Klapperschlangenbisses veröffentlicht, der zweite hatte diese Studie ermöglicht. Der Mann hatte sich absichtlich von einer Klapperschlange beißen lassen, sich ein Zündkabel an die Lippe geheftet und anschließend seinen Automotor mit 3000 Umdrehungen fünf Minuten laufen lassen. Er konnte den Preis leider nicht selbst entgegen nehmen, weil er kurz nach dem Experiment verschieden war. 
 
2013 ging der Friedenspreis an einen Stinkstiefel, der in diesem Jahr wieder besonders unrühmlich von sich reden machte. Seinerzeit hatte die weißrussische Regierung auf Anweisung von Lukaschenko per Gesetz das Applaudieren in der Öffentlichkeit verboten. Zynische Pointe war, dass die weißrussische Polizei daraufhin einen Einarmigen festnahm, weil er öffentlich applaudiert haben sollte. Ich klatsche Beifall: So dumm und unverfroren muss man erst mal sein! 
 
Im Lauf der Jahre gingen die Auszeichnungen dann immer öfter an Wissenschaftler, die ihre Forschungen von Anfang an mit einem Grinsen im Gesicht betrieben hatten. So gab es in der Sparte "Mathematik" eine Untersuchung, die rechnerisch prüfen sollte, ob Moubai Ismael, der Blutdürstige, Kaiser von Marokko in den Jahren 1697 bis 1727, tatsächlich 888 Kinder gezeugt hat. Ich frage mich nun, wie das mathematisch nachgewiesen werden kann. Werden jetzt meine 889 Sprösslinge eines Tages auch noch ans Licht kommen? 
 
2016 fand ich dann in der langen Liste ausgezeichneter, kurioser Studien eine Arbeit, die tatsächlich Hand und Fuß und vor allem praktischen Nutzen hat. Ein deutsches Medizinerteam fand heraus, dass es bei Juckreiz helfen kann, sich vor einen Spiegel zu stellen. Wenn wegen eines Mückenstichs oder durch Wundschorf der linke Arm juckt, kratzt der Betrachter sich am rechten Arm. Und das bringt tatsächlich Linderung, ohne die wunde Stelle zu beeinträchtigen! 
 
Wir sollten uns nicht zum Affen machen. 2018 wurde eine anthropologische Untersuchung ausgezeichnet, die bewies, dass Schimpansen im Zoo genauso gut und genauso oft Besucher imitieren, wie diese unsere tierischen Verwandten nachäffen. Speiübel muss es den Probanden bei einer preisgekrönten medizinischen Studie geworden sein: Die Verfasser wollten prüfen, ob Nierensteine sich durch Fahrten mit der Achterbahn entfernen lassen. 
 
Höchst interessant finde ich die Verleihung des Friedenspreises im Jahr 2020. Er ging an Diplomaten der verfeindeten Atombomben-Mächte Pakistan und Indien, die sich mitten in der Nacht mit gegenseitigen Klingelstreichen gefoppt hatten. Also wirklich: Spätestens in der dritten Nacht wäre ich explodiert! 
 
Zum Schluss noch zwei widersprüchliche Preisvergaben von 2021, die leider bisher von den Medien ignoriert wurden. Der Physik-Preis ging an die Autoren einer Studie, die nachwiesen, warum Fußgänger nicht ständig zusammen stoßen. Hingegen ging der Kinetik-Preis an Wissenschaftler, die erklärten, warum Fußgänger manchmal zusammen stoßen. Autsch! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 145 vom 11. 9. 21

Endlich wieder verreisen! Nachdem der Nordsee-Urlaub im Mai noch verschoben werden musste, ist es am nächsten Wochenende soweit - es geht nach St.-Peter-Ording. Und weil man Freuden ja teilen soll, lade ich heute schon zu einer kleinen Schmunzelpost-Reise ein. 
 
Los geht es in einem kleinen Land, in dem am Mittwoch noch unsere Fußball-Nationalmannschaft zu Besuch war und von freundlichen Gastgebern drei Punkte geschenkt bekam. Allerdings können Isländer auch unerbittlich sein. Bei ihnen ist es in Schwimmbädern strengstens verboten, in Badebekleidung zu duschen. Duschkabinen und Duschvorhänge sucht der prüde Mitteleuropäer vergeblich. Außerdem wacht in Glaskabinen auch noch Aufsichtspersonal darüber, dass grundsätzlich nackt geduscht wird.
  
Dafür bestehen die Isländer jedoch nicht auf eiskaltem Gletscherwasser. Sie haben genügend heiße Quellen. Und lediglich Spurenelemente von Chlor im Wasser. Daher verlangt die Hygiene eine textilfreie Dusche. Vor dem Sprung ins Schwimmbecken sollte man den Badeanzug dann nicht vergessen. 
 
Wer es sich nicht leisten kann, eine Ordnungsstrafe zu riskieren, dem ist auch wegen der stolzen Preise von einer Islandreise abzuraten. Stattdessen sollten klamme Bundesbürger über Österreich als Reiseziel nachdenken. Das geht notfalls auch per Anhalter! 
 
In der Salzburger Innenstadt wartet nämlich in einem Container mit dem Transparent "FAIR TEILEN" Max Luger seit 16 Jahren auf Menschen, die in Not sind. Für die hat er, je nach Spendenlage, meist Geld zu verschenken. Luger legt für die Empfänger ein Datenblatt an und rückt ganz nach Begründung Bares heraus. Insgesamt hat er bereits 200 000 Euro verteilt. 
 
In New York gibt es bekanntlich dauernd etwas Neues. Manchmal auch Dinge, bei denen sich der Tourist fragt: "Hat die Welt wirklich darauf gewartet?" Was glaubt Ihr? Welche dieser Neuerungen gibt es tatsächlich? Masseure, die ihre betuchte Kundschaft beim Joggen nicht nur im Central-Park begleiten und bei Bedarf sofort in Form kneten? Ein großes Parkhaus nicht für Autos, sondern für Hunde? Oder aber Obstbäume mit integrierter Saftpresse, die für einen akzeptablen Preis einen frischen Vitamindrink anbieten? 
 
Denkbar ist alles. Es gibt jedoch ein High-Tech-Parkhaus für Hunde. Wer seinen Vierbeiner dort unterbringt, weil er ihm das Gewusel auf dem Broadway nicht zumuten will oder Restaurants und Museen aufsuchen möchte, die keine Kläffer dulden, findet in Manhattan ein komfortables Angebot - ein Fünf-Sterne-Asyl für Hunde. Die Hütten für jeweils ein Tier enthalten zwar weder Billard-Tisch noch echten Rembrandt wie in Snoopy Unterkunft. Dafür verfügen die Parkhaus-Kabinen jedoch über Klimaanlagen mit Frischluftzufuhr und antibakterielles UV-Licht, das neben Bakterien auch Viren und Schimmel abtöten soll. Was sagt Bello dazu? "Wow, that's great!" 
 
Landen wir auf dem Rückflug nach Europa noch einmal auf Island. Was hat es wohl zu bedeuten, wenn Isländer in der Nähe eines Geysirs einen hellen Stein auf etwas aufgeschüttete Erde legen? Wollen sie diesen Bereich zum Nacktbaden reservieren? Oder ist damit zu rechnen, dass an dieser Stelle bald eine Fontäne aus dem Boden schießt?
  
Weder, noch. Sie backen dort gerade ein Brot! Aromatisch, saftig, süß, so wird das "Rügbrauö" beschrieben, ein kastenförmiges Roggenbrot. Eigentlich ist es nicht gebacken, sondern gedünstet worden. Neben dem Geysir ist die Erde extrem heiß. Nach 12 bis 24 Stunden in einem Holz- oder Tontopf ist das Brot gar. Noch ein kleiner Hinweis: Isländisches Roggenbrot enthält keinen Sauerteig und ist sehr, sehr schwer verdaulich. Man nennt es deshalb auch "Donnerer". 
 
Und was sagen wir dazu? Hu! Hu! Hu! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 144 vom 10. 9. 21

Alle Welt redet bereits über den 11. September und was sich an diesem Tag 2003 ereignet hat. Doch auch an den anderen Tagen war auf dem Erdball eine Menge los. Ich habe mal eine kleine Auswahl vom 9. September zusammen gestellt. 
 
Kennt Ihr Sven Gabelbart und Olof Skitonung? Nein? Aber die beiden sind doch am 9. September des Jahres 1000 ganz groß heraus gekommen. Die Anführer der Wikingerflotte siegten bei der Seeschlacht von Svold. Und der Verlierer, der norwegische König Olaf Tygvason, nahm ihnen das übel. Er sprang ins Meer und ertrank. Das war jedoch womöglich ein gnädigerer Tod, als den Wikingern in die Hände zu fallen. 
 
Am 9. September 1499 wurde dagegen in Lissabon ein riesiges Fest gefeiert. Nachdem Christoph Kolumbus sieben Jahre zuvor bei der Suche nach dem Seeweg nach Indien sein Ziel nur unwesentlich verfehlte, hatte Vasco da Gama mehr Erfolg und bewies damit die führende Rolle der Portugiesen als Seefahrt-Nation. Dafür bereiteten ihm seine Landsleute einen triumphalen Empfang. 
 
Auch etwas zu feiern gab es am 9. September 1543. Von diesem Tag an wurde majestätisch in die Windeln geschissen: Maria Stuart war im Alter von nur neuen Monaten zur Königin von Schottland gekrönt worden! 
 
Der 9.9. 1835 war ein trauriger Tag für Journalisten, speziell für die französischen. Da traten in Frankreich die Septembergesetze in Kraft, die eine scharfe Zensur einführten, verbunden mit drakonischen Strafen. Traurig, dass die Welt fast 200 Jahre später immer noch nicht weiter ist. Ich sage nur: China, Russland, Ungarn, Fakenewstrumpistan und, und, und. 
 
Wo wir schon über Amerika sprechen: Dort schloss sich Kalifornien am 9. 9. 1850 als 31. Staat den USA an. Was ein paar Kalifornier 165 Jahre später heftig bereut haben sollen. 
 
Was war sonst noch los? Am 9. September 1913 gelang dem Militärpiloten Pjotr Nikolajewitsch der erste Looping der Fluggeschichte. Angesichts solcher Kapriolen standen auch seine Vorgesetzten Kopf und verpassten ihm eine Disziplinarstrafe. 
 
Am 9.9. 1948 proklamierte ein gewisser Kim Il Sung die Demokratische Volksrepublik Nordkorea und etablierte einen Familienclan an der Staatsspitze. Aktuelle Frage: In welcher Versenkung ist eigentlich inzwischen das gegenwärtig regierende unsympathische Dickerchen verschwunden? Schon ewig keine großkotzigen Erklärungen mehr gehört... 
 
Am 9. September 1970 schließlich beendete "uns Uwe" Seeler seine Länderspiel-Karriere. Mit seinem 72. und letzten Länderspiel wurde der Hamburger gleichzeitig Rekord-Nationalspieler und übertraf Paul Janes, der es, logisch, auf 71 Länderspiele gebracht hat. Seelers Abschied endete übrigens in Nürnberg mit einem 3:1-Erfolg über Ungarn.  
 
Dann noch zum 9. September 1976. Da summte zum ersten Mal ein Insekt über die deutschen TV-Bildschirme. Das ZDF strahlte die erste Episode über eine Heldin aus, die sich jahrzehntelang im Fernsehen behauptete. Karel Gott besang sie so: "Und diese Biene, die ich meine, die heißt Maja..." 
 
Doch am 9. September haben noch viele andere Persönlichkeiten Geburtstag. Zum Beispiel Clemens Wenzelhaus Brentano de la Roche, der danach als Clemens Brentano zum Hauptvertreter der Heidelberger Romantik avancierte. Deutlich berühmter jedoch war Schriftstellerkollege Leo Tolstoi, der am 9.9.1828 zur Welt kam. 
 
Das Geburtstagskind vom 9. September 1817 kennen aufmerksame Leser der Schmunzelpost spätestens seit gestern: Johann Gottfried Piefke tat seinen ersten Schrei, lange bevor er als Komponist und preußischer General vor allem in Österreich berühmt wurde. 
 
Und schließlich gilt es noch, das Wiegenfest eines erfolgreichen Kolumnisten festzuhalten. Am 9.9. 1953 erblickte Harald Martenstein das Licht der Welt, die er später glossierte. Leider weilt Karel Gott nicht mehr unter den Lebenden. Das Geburtstagsständchen "Und dieser Spötter, den ich meine, der heißt Harald", wird daher leider ungehört bleiben. 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 143 vom 9. 9. 21

 

Was sich liebt, das neckt sich. Dies wissen alle Freunde von Redensarten. Doch ist das wirklich so? Froschfresser, Inselaffen, Käsköppe und Spaghettifresser - das sind nur einige der Kosenamen, mit denen wir unsere Nachbarn bedenken. Ob die wohl allesamt darüber amüsiert sind? 
 
Zumindest zahlen sie es uns mit gleicher Münze heim. "Boche" heißen uns die Franzosen, als "Moffen" sind wir in den Niederlanden bekannt, in Österreich redet man hinter vorgehaltener Hand (zumindest, wenn Deutsche in der Nähe sind) von den Piefkes und die Engländer haben für uns den schmeichelhaften historischen Begriff "die Hunnen" reserviert. Wenn sie nicht, im Verein mit den Amerikanern, von den "Krauts" sprechen - eine Bezeichnung, die sich mittlerweile die Franzosen ehrlich verdient hätten, weil sie heutzutage viel mehr Sauerkraut verspeisen als wir. 
 
Haben wir uns all diese Schimpfnamen nach zwei Weltkriegen nicht redlich verdient? Oder sind sie womöglich schon älter? Und was war ihr Ursprung? Darüber erfahrt Ihr mehr im Buch "Draußen nur Kännchen" von Asfa-Wossen Asserate, das ich damit schon zum zweiten Mal zur Lektüre empfehle. 
 
La boche ist übrigens eine Holzkugel. Es deutet manches darauf hin, dass uns die Franzosen damit eine gewisse Holzköpfigkeit attestieren wollen. Und die Bezeichnung "Mof" gibt es bereits seit dem 17. Jahrhundert. Die Niederländer hatten sie einst für Ostfriesen und Emsländer reserviert. Das Wort haben sie sogar aus dem Deutschen übernommen. Es leitet sich von "muffig" ab, wurde aber auch gern verwendet, um einen Nörgler oder Griesgram zu charakterisieren. Als vor vielen Jahren zahlreiche deutsche Handwerker als Gastarbeiter nach Holland kamen - ja, so war das, lange vor den Italienern, Portugiesen und Türken bei uns - da hatte man für sie den Namen Hans Mof parat. 
 
Auch die Polen verfügten über allerlei Spitznamen für ihre westlichen Nachbarn. Die Bezeichnung "Szwab" (polnisch für Schwabe) ist noch recht harmlos, jedenfalls im Vergleich zu der Abfälligkeit mit der Urberliner heute über die zugezogenen Schwaben sprechen. Dagegen ist das polnische "Szkop" schon einen Zacken derber: Man kann es u.a. mit "Schafsbock" übersetzen. 
 
Unser österreichischer Nickname, wie man heute gern sagt, um seine Weltläufigkeit unter Beweis zu stellen, hat eine reale Person als Ursprung. Der preußische General Johann Gottfried Piefke hatte 1866 seinen Anteil am Sieg über die Österreicher in der Schlacht bei Königsgrätz. Gleichzeitig war der Mann aber auch musisch begabt. Von der flüchtenden k.u.k-Armee inspiriert komponierte er seinen Königsgrätzer Marsch. Und genau der wurde gespielt, als die siegreiche preußische Armee in Wien einmarschierte, mit General Piefke und seinem Bruder an der Spitze. Wer will es den Wienern verdenken, dass sie diesen Anblick mit dem Ausruf "Die Piefkes kommen!" quittiert haben? Und der Ausdruck ist bis heute kleben geblieben. 
 
Auch Winston Churchill war sprachprägend erfolgreich. Von ihm stammt die Aussage, dass man nie wisse, woran man mit "den Hunnen" sei: "Wenn sie einem nicht an die Kehle wollen, dann liegen sie einem zu Füßen." Während des Ersten Weltkriegs wurde der Begriff "huns" dann in ganz Großbritannien populär. Doch wer hat ihn erstmals eingeführt? Unser Kaiser Wilhelm II., durch die Verwandschaftsverhältnisse ohnehin ein halber Brite. Als er im Jahr 1900 Truppen zur Niederschlagung des sogenannten Boxeraufstands entsandte, schickte Wilhelm die Soldaten auf die Reise mit den Worten: "Wie vor tausend Jahren die Hunnen sich unter ihrem König Etzel einen Namen gemacht haben, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bestätigt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen."  
 
Er war halt ein Szkop, unser Wilhelm. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 142 vom 8. 9. 21

Wenn ich ab und zu das Gewusel auf einem Ameisenhaufen beobachte, frage ich mich, was wohl in den Köpfen der kleinen Krabbler vorgeht. Und es interessiert mich brennend, was sie wohl über mich und die Welt außerhalb ihres begrenzten Territoriums denken mögen. Falls sie dazu mit der Struktur ihres Hirns überhaupt in der Lage sind. 
 
Manchmal stehe ich auch nachts draußen im Dunkeln und betrachte den Sternenhimmel. Kann es wirklich sein, dass bei Milliarden Sonnen nur unser System intelligentes Leben hervorgebracht hat? Oder wollten außerirdische Besucher vielleicht schon Duzfreundschaft mit Dinosauriern schließen? Haben Zivilisationen generell im Verhältnis zur Ewigkeit des Universums nur die Brenndauer einer Wunderkerze, also maximal läppische hunderttausend Jahre? Setzen Gesetzmäßigkeiten des Kosmos auch technisch überlegenen Wesen Grenzen, die eine Kontaktaufnahme verhindern? Oder wollen die anderen womöglich gar nichts mit uns zu tun haben? 
 
Seit letzter Nacht herrscht Klarheit. Da manifestierte sich neben meinem Bett ein flirrendes Etwas. Nein, ich hatte als Schlummertrunk nicht mehr als die üblichen fünf Flaschen Rotwein konsumiert. Aber das Wesen war real. Es übermittelte seine Botschaften völlig geräuschlos direkt in mein Gehirn. Unter seinesgleichen sei es üblich, sich durch mehrdimensionale unsichtbare Wellen zu verständigen, was eine weit intensivere Kommunikation ermögliche als unsere vorsintflutliche Babbelei. Um sich mit mir unterhalten zu können, habe er (oder sie oder es) sich eine besonders primitive Form der Datenübermittlung aneignen müssen, vergleichbar mit der "Watte-hatte-Du-denn-da"-Sprache, die menschliche Eltern gegenüber Kleinkindern verwenden. 
 
Dass er (oder sie oder es) sich überhaupt an mich gewandt habe, sei ein purer Glücksfall. Er (oder sie oder es) gelte nämlich in den eigenen Reihen als extremer Tierfreund. Kein anderer (oder andere oder anderes) bringe es über sich, mit Halbintelligenzen Kontakt aufzunehmen. Denn unter allen intelligenten Wesen unserer Galaxis gelte die Absprache, minderbemittelten Kreaturen im Larvenstadium zumindest die Chance einzuräumen, selbstständig echte Intelligenz zu entwickeln. 
 
Die Menschen seien nun doppelt gefährdet. Sie töten nicht nur andere Halbintelligenzen, sondern auch Exemplare ihrer eigenen Spezies. Und zwar nicht zu knapp. Außerdem seien sie dabei, binnen sehr kurzer Zeit ihre eigene Lebensgrundlage, ihren Heimatplaneten, zu ruinieren. Sollte in Kürze deutlich werden, dass wir keinesfalls mehr die Kurve kriegen, könnten wir zum Abschuss freigegeben werden. Denn manche hochintelligenten Milchstraßenbewohner pflegen nach wie vor die Traditionen ihrer räuberischen Vergangenheit. Wenn irgendwo ein sterbender Planet mit komplett missratenen Bewohnern nur noch eine kurze Restlaufzeit habe, werde er als Jagdgrund freigegeben. Und die Beute verleihe der Molekularküche oft einen besonderen exotischen Reiz. 
 
Nach dieser eindringlichen Warnung machte er (oder sie oder es) sich sofort aus dem Sternenstaub. Ihr aber habt jetzt die Wahl. Entweder Ihr glaubt, "der hat bloß schlecht geträumt" und macht munter so weiter wie bisher. Oder Ihr verbreitet die Kunde in aller Welt und sorgt dafür, dass erst Millionen und dann Milliarden von Menschen den richtigen Weg einschlagen. Vermasselt es nicht! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 141 vom 7. 9. 21

Lesen bildet. Falls noch jemand daran zweifelt, werde ich heute einen zwingenden Beweis vorlegen. Ich lese nämlich gerade ein Buch, dass mir einst die Buchhändlerin meines Vertrauens empfohlen hat: "Draußen nur Kännchen - Meine deutschen Fundstücke". 
 
Dieses Buch ist nicht mehr taufrisch. Ich habe es bereits 2011 erworben. Seitdem lag es im Dornröschenschlaf, mitten auf dem immer größer werdenden Stapel der noch zu lesenden Bücher - meiner zweiten Altersvorsorge. Jetzt habe ich es endlich hervorgekramt und bin von der Lektüre sehr angetan. 
 
Der Autor ist deutscher Staatsbürger und wurde während seiner Kindheit von zahlreichen Bediensteten wie Köchinnen, Kinderfrauen, Kammerdienern und sogar einem Zeremonienmeister umsorgt. Obwohl er einen typisch deutschen Namen trägt - nein, nicht Müller, Meier oder Krause, sondern Asfa-Wossen Asserate - , ist er ein echter Prinz. Seine Familie gehört nämlich zum äthiopischen Kaiserhaus und musste das Land nach der Revolution von 1974 verlassen. 
 
Asserate verschlug es nach Deutschland, wo er sein Abi machte, studierte und sich in sein neues Heimatland so verliebte, dass er sich einbürgern ließ. Heute ist er mit weit größerer Begeisterung Deutscher als die meisten von uns. Dennoch hat er sich als Zugereister seinen Blick für gewisse Merkwürdigkeiten bewahrt. Und seine Beobachtungen sind nicht nur amüsant, sondern mitunter auch lehrreich. 
 
Denn Feierabend habe ich stets sehr geschätzt. Und jetzt weiß ich endlich, wem wir diesen Begriff zu verdanken haben! Und Ihr bald auch, wenn Ihr diese Schmunzelpost weiter lest. 
 
Ursprünglich bezeichnete der Feierabend nichts anderes als den Vorabend eines Feiertages. Dann aber verschob sich der Akzent auf das Ende des Arbeitstages. In vielen katholischen Gegenden erklingt selbst heute noch das abendliche Angelusläuten. Es ruft die Gläubigen zum Abendgebet auf, das auch in Zeiten der Stechuhr noch den Übergang zum gemütlichen Teil des Tages segnen soll. Und über die Einhaltung der Feierabende wacht die heilige Notburga von Rattenburg, der wir den Feierabend zu verdanken haben. 
 
Das kam so: Im ausgehenden 13. Jahrhundert musste sich Notburga bei einer adeligen Familie in Tirol als Dienstmagd verdingen. Weil sie jedoch die Speisereste von der herrschaftlichen Tafel an Arme und Kranke verteilte, wurde sie von der hartherzigen Burgherrin Ottilie vom Hofe gejagt. Daraufhin trat die Vertriebene in die Dienste eines wohlhabenden Bauern. 
 
Als Magd versorgte sie nun das Vieh und half bei der Feldarbeit. Sie hatte sich jedoch bei ihrem Dienstherren ausbedungen, beim abendlichen Angelusläuten die Arbeit niederlegen zu dürfen, um zu beten. Als der Bauer sie eines Abends nicht gehen lassen wollte, warf Notburga ihre Sichel gen Himmel. Und, oh Wunder, die blieb an einem Sonnenstrahl hängen! Der Bauer erschrak so sehr, dass fortan nichts und niemand mehr Notburga den Feierabend streitig machen durfte. Das sprach sich schnell herum, und heute profitieren wir alle davon. 
 
Ich habe das übrigens auch versucht. Doch die Dorstener Sonnenstrahlen sind einfach nicht stabil genug. Die Sichel fiel immer wieder herunter und ich lief Gefahr, mich selbst zu verstümmeln. Mein wundes Haupt zeugt davon. 
 
Doch einmal hat es in der Geschichte der Menschheit tatsächlich ein weiteres Mal geklappt. Als Karl Marx endlich "Das Kapital" fertiggestellt hatte, schleuderte er spontan eine Sichel als Zeichen der Fron von sich gen Himmel. Und dort blieb die Sichel an einem Hammer hängen. So entstand ein Symbol, das in weiten Teilen der Welt große Beachtung fand. 
 
So, jetzt ist für heute Feierabend. Sonst kriege ich Ärger mit Notburga. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 140 vom 6. 9. 21

Der Ton macht die Musik! Falls Ihr glaubt, das sei bloß eine abgedroschene Redensart, müsst Ihr Euch von klugen Köpfen in Bad Nauheim eines Besseren belehren lassen. Denn in der 27 000-Einwohnerstadt hat man einen Feldversuch gestartet, um die Covid-19-Impfquote zu erhöhen. 
 
Wie in weiten Teilen unseres Landes üblich, waren dort Bürger mit Schreiben  eingeladen worden, in denen von Impfterminen und vom Schutz durch die Impfung die Rede war. Beim Test gingen diese Schreiben an die Hälfte der ausgewählten Haushalte. Die anderen 50 Prozent der Versuchsbürger bekamen an sich gleichlautende Briefe, die jedoch mit "Ihrer Covid-19-Impfung" und "Ihrem persönlichen Impftermin" eine personenbezogene Anrede enthielten. 
 
Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich! Schon wieder eine abgenudelte Redensart mit Existenzberechtigung. Denn wer hätte gedacht, dass von der ersten Gruppe nur 7,3 Prozent zum Impftermin kamen, von der zweiten jedoch 10 Prozent? Also fast ein Drittel mehr. Das kommentierte Kolumnist Axel Hacke so: "Ist der Mensch nicht ein überaus seltsames Wesen? Ein kleines Possessivpronomen kann seine Entscheidung beeinflussen. Man hat die Bad Nauheimer Aktion auf ganz Deutschland hochgerechnet und festgestellt, dass so 2,8 Millionen Menschen zusätzlich für eine Impfung hätten gewonnen werden können. Fünf Buchstaben können eine Bratwurst ersetzen." 
 
Menschen sind leichter für eine Sache zu gewinnen, wenn sie diese als ihre eigene ansehen, meinen Wissenschaftler und sprechen bei diesem Effekt deshalb von psychologischer Eigentümerschaft. Axel Hacke glaubt aber, dass es Grenzen gibt: "Ob die Lokführer beliebter würden, wenn sie als Motto wählen: 'Wir streiken auch für Sie! Ihre Lokführer'?" 
 
Wo wir schon beim Thema Sprache sind, noch zwei Lektionen von Hermann Unterstöger, dem Großmeister der korrekten Wortwahl. Ein SZ-Leser meinte, es gebe zwar Unwetter, aber keine Unkosten. Bloß Kosten! Unterstöger weiß es besser. Schon in der Grimmschen Sprachlehre werde ein Un- vorangestellt, wenn von überflüssigen, statt sachlich gerechtfertigten Kosten die Rede sei. Und wenn jemand seinen Gästen steinalte Kekse anbietet, darf er durchaus ironisch getadelt werden: "Mann, da hast Du Dich aber in Unkosten gestürzt!" 
 
Wieder einmal sorgt das Gendern für Diskussionen. Eine SZ-Leserin ärgerte sich über die Schlagzeile "Rettet die Bäuer*innen. Sie fragte, ob der Plural von Bauer nun "Bäuer" laute und warum die Süddeutsche Zeitung diesen Schwachsinn mitmache. "Tut sie gar nicht", antwortet Unterstöger. Die "Bäuer*innen" stammten aus dem Wahlprogramm der Grünen und waren ein Zitat. "Allerdings eines, gegen das der Journalistinnenbund nichts einzuwenden hat." Kein Wunder, wenn man als regelkonformen Ersatz folgende Alternative nennt: "Bauern, Bäuerinnen und andere Personen, die in diesem Bereich der Landwirtschaft tätig sind." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 139 vom 5. 9. 21

So, der Bart ist ab. Natürlich nur im übertragenen Sinn. Will meinen: Der Welttag des Bartes ist vorüber. Na, Ihr Vollbärtigen, habt Ihr gestern brav menschliche Pyramiden gebaut? Oder mit Wodka gegurgelt? Alle, die sich am Samstag trotz meiner Vorwarnung rasiert haben, müssen mit Konsequenzen rechnen. Wahrscheinlich komme ich am Montag mit der Anton-Hofreiter-Perücke vorbei. Und Porträtfotos der bestraften Sünder werden dann auch noch ins Netz gestellt! 
 
An dieser Stelle kehrt nun wieder der Alltag ein. Und weil dieser Alltag ein Sonntag und kein Werktag ist, ist er gleichzeitig ein Fundstücke-Tag. Die erste Fundsache entdeckte ich, wo auch sonst, in der Süddeutschen Zeitung. Und wie der Zufall es will, hat der Text auch etwas mit einem Bartträger zu tun. 
 
Da berichtet die SZ-Italien-Korrespondentin von einem Badeausflug. Jedes Land hat seine eigenen Hygiene-Vorstellungen. "Und Italien ist leider auch das Land der Bademützen. Über deren Einhaltung wacht eine Armada von Bademeisterinnen und Bademeistern." Und selbst an einem Campingplatz-Pool werde jeder herausgerutschte Zopf sofort mit einem Trillerpfiff geahndet, damit die Haare subito wieder unter der Kappe verschwinden. 
 
Nadescha Scharfenberg weiter: "Nun aber kommt ein italienischer Hipster daher stolziert, ein Prachtexemplar. Ganzkörpertätowierung, Ringe in den Ohren, beachtlicher Rauschebart. Was sagt die Bademeisterin? Niente. Die Bademütze sitzt vorschriftsmäßig und für Bärte gibt es keine Regeln. Der Hipster darf also nach Lust und Laune im Wasser herumfusseln. Nach dem Baden wringt er einen Riesenschwall Wasser aus seinem Bart. Dann zieht er die Kappe ab. Darunter: Eine spiegelblanke Glatze." 
 
Ebenfalls in der SZ befasst sich Moritz Geier mit neuartigen Formen der Energiegewinnung. Selbst Fußballer und sogar Toiletten würden bei den Experimenten nicht ausgenommen. "Und vor Jahren testeten Forscher einen Bio-Akku in Form eines Aufklebetattoos, das Strom aus Schweiß gewinnen sollte. Hier zahlte sich sogar Unsportlichkeit aus. Denn weil sie mehr schwitzten, produzierten dem Sport von Grund auf eher abgeneigte Personen in der Studie mehr Strom als jene, die körperliche Bewegung gewohnheitsmäßig praktizieren." 
 
Nun gibt es einen weiteren Versuch, den bewegungsscheuesten menschlichen Daseinsformen einen gesellschaftlichen Nutzen abzuringen. Und wer hat's erfunden? Genau! Schweizer Forscher von der TU Zürich haben eine Technologie für Parkettböden entwickelt, der Schritte in Elektrizität umwandelt. "So wird auch der Gang vom Sofa zum Kühlschrank zur Megawatt-Leistung." 
 
Noch effektiver dürfte ein neuartiger Boden sei, der Elektroden zwischen zwei Holzstücken enthält und innen mit Silikon beschichtet ist, um Reibungskräfte nutzbar zu machen. Damit kämen menschliche Kraftwerke groß heraus, die zuvor als "Trampel" diskreditiert wurden. Moritz Geier: "Auch Wut und Ärger ließen sich hier im Grunde hervorragend ausstampfen. Vielleicht steht dann ja die Welt ein bisschen weniger unter Strom." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 138 vom 4. 9. 21

Karl Marx, Bertold Hanck, Willi Wichtel, Wolfgang Thierse, Rasputin, Billy J. Gibbons, Yussuf Taliban und der Weihnachtsmann - weshalb haben all diese gestandenen Mannsbilder heute Grund zum Feiern? Nein, Franzl, heut' ist noch nicht Weihnachten. Aber Dir fehlt auch der passende Gesichtsschmuck, deshalb hast Du die richtige Antwort knapp verfehlt: Heute, am 4. 9., ist der "Tag des Bartes", der jeweils am ersten Samstag im September gefeiert wird. Und vor allem die Träger von prächtigen Vollbärten sind aufgefordert, dies angemessen zu zelebrieren. 
 
Der "World Beard Day" wurde erstmals per Twitter 2010 rund um den Globus bekannt und damit amtlich. Es gibt ihn jedoch schon viel, viel länger. Vollbärtige Historiker fanden heraus, dass bereits gut ausgestattete Wikinger im 8. und 9. Jahrhundert dieses Fest begingen und zur Feier des Tages eine Plünderung oder einen schönen Raubzug unternahmen. 
 
 Dafür spricht, dass sich die Tradition in abgemilderter Form in Schweden bis heute gehalten hat. Im Dorf Dönksborg müssen an diesem Tag alle bartlosen Männer den Ort verlassen und 24 Stunden im Wald verbringen. Und nach ihrer Heimkehr werden ihre Fotos auch noch von den Bartträgern verbrannt. 
 
Die Süddeutsche Zeitung geht bei der Suche nach dem Urheber des Brauchtums noch viel weiter zurück. Nach ihren Recherchen hat bereits der Gletscherzausel Ötzi die Feierlichkeiten mit der Verbrennung eines Rasierpinsels eingeleitet. Damit legte er den Grundstein für eine Regel, die heute noch gültig ist: Am Tag des Bartes darf sich niemand rasieren! Wer bei einem Verstoß erwischt wird, so die SZ, muss eine Woche lang eine Anton-Hofreiter-Perücke tragen.
  
Die zweite Regel ist sehr angenehm für alle Bartträger. Sie sind heute von sämtlichen Hausarbeiten entbunden. Diese Tätigkeiten müssen allesamt ohne Murren und Knurren von den bartlosen Mitgliedern der Hausgemeinschaft ausgeführt werden. Bedenklich ist nur, dass unter den Vollbartträgern viele Männer sind, die Hausarbeiten an sämtlichen Tagen ablehnend gegenüber stehen: Besagte Taliban und andere strenggläubige Muslime, sowie orthodoxe Juden und Christen. Womöglich hoffen sie auch noch, dass Eulen ihre wuchernde Gesichtsbehaarung zum Nestbau nutzen und die sprichwörtliche Weisheit an die Bartträger weitergeben. 
 
Im südlichen Spanien werden übrigens am Tag des Bartes inszenierte Boxkämpfe ausgetragen. Dabei steigen bärtige Erwachsene in den Ring und vertrimmen einen bartlosen Jüngling nach Strich und Faden. Wesentlich humaner finde ich, was die Webseite "World Beard Day" empfiehlt, um den Tag würdevoll zu begehen. Man soll einen plattgemachten Autoreifen wechseln, mit bärtigen Freunden eine menschliche Pyramide bilden und jede Menge Wodka trinken. Die SZ dazu: "Allein die Raffinesse dieser Rituale zeigt, dass der Bartträger die kulturelle Spitze der menschlichen Spezies verkörpert." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. "Puh, was hat der einen Bart!" So urteilt man über Kalauer, die alt und schlecht sind. Nun hatten wir am Dienstag eine erfolgreiche Lesung mit Humor aus der Welt der Medizin. Dieser Witz war nicht im Programm. Dafür erfüllt er alle anderen Voraussetzungen. Es kommen vor: Ein Arzt,  ein Bart und eine altersschwache Pointe: "Mann, Mann, Mann, Herr Meier, Sie haben sich vielleicht verändert", begrüßt der alte Arzt seinen Patienten. Einen Bart haben Sie sich stehen lassen, Ihr Haarschnitt ist unmöglich und Sie sind viel zu dick!" "Aber ich bin ich der Herr Meier", entgegnet der Patient befremdet. "Was? Meier heißen Sie jetzt auch nicht mehr?" 

 

 Schmunzelpost 137 vom 3. 9. 21

Beim gestrigen Blick in die wässrige Zukunft unserer Region war am Rande von den Nachkommen der Wölfin Gloria die Rede. Gloria? Ihr wisst schon, dass ist die Wölfin, die vor ein paar Jahren ihr Jagdrevier im Großraum Hünxe/Kirchhellen/Schermbeck eingerichtet hat. 
 
Nun aber wurde Gloria seit geraumer Zeit nicht mehr gesichtet. Es sind auch keine Schafsrisse mehr beklagt worden. Wolfsfreunde fürchten, dass Gloria etwas zugestoßen ist. Wolfsgegner fürchten, dass Gloria nichts mehr zustoßen wird, wenn sie sich weiter von Schafskoppeln fernhält. Ein investigativer Schmunzelpost-Reporter ist den Spuren der Wölfin gefolgt. Hier kommt sein Bericht: 
 
In der Unterwelt im Grenzbereich Gahlen/Hünxe tut sich etwas. In einer Höhle, keine zehn Meter unter der Oberfläche, zischt, brodelt und dampft es wie in einer Hexenküche. Dort trifft das Regenwasser mit seiner vielfältigen Fracht ausgewaschener Substanzen aus der Mülldeponie auf Grundwasser. Nun wissen alle nicht erst seit dem Skandal um die nicht genehmigten Abkippungen, dass in dem riesigen Müllberg allerlei giftige Abfälle stecken, die dort nicht hingehören. Nur die wenigstens wissen aber, dass dort heimlich auch radioaktive Substanzen gelagert wurden. So entstand per Zufall ein seltsames Gebräu, das es in sich hat. 
 
Ein paar Kilometer entfernt, dort, wo der Hünxer Forst am dichtesten und dunkelsten ist, tritt die Flüssigkeit zutage und hat allmählich einen kleinen Teich gebildet. Aber keine Sorge. Wider Erwarten ist der Mix nicht giftig, sondern entfaltet eine Wirkung, die man fast mit dem Zaubertrank von Miraculix vergleichen kann. Allerdings macht ein ordentlicher Schluck nicht stark, sondern schlau. 
 
Erster Schluckspecht war ein durstiger Sperling. Der kleine Vogel wusste nicht, wie ihm geschah. Plötzlich sah er die Welt mit ganz anderen Augen. Und als sich ein hungriger Habicht auf ihn stürzte, legte er den Räuber lässig mit einem Judogriff derart aufs Kreuz, dass der verdutzte Jäger verdattert davon humpelte. Am Versuch, mal eben Einsteins Relativitätstheorie zu widerlegen, scheiterte der kluge Vogel. Dafür war sein Spatzenhirn doch zu klein. 
 
Dann stillte Gloria dort ihren Durst. Sofort durchzuckten sie tausend neue Erkenntnisse, ihr Denkapparat mutierte zum Superhirn. Fortan schlich sie bei Dunkelheit zur Wolfshochschule. So nannte sie das Forsthaus, wo sie durchs Fenster aufmerksam das Fernsehprogramm verfolgte. Schnell begriff sie, das Tick, Trick und Track keine realen Personen sind und lernte, Fiktion und Fakten zu trennen. Vor allem konzentrierte Gloria sich auf Nachrichtensendungen, Dokumentationen und Politmagazine. Spaßeshalber schaute sie auch Günter Jauch und schaffte es bald, selbst die Millionenfrage zu knacken. 
 
Mittlerweile hatte sie auch ihre Jungen das Teichwasser kosten lassen. Schnell entwickelte das Wolfsrudel eine neue Art der Kommunikation und konnte sich akustisch austauschen. Eines schönen Tages im Mai rief Gloria die ihren zusammen und verkündete: "Um Schafe, Ziegen, Ponys und Rotkäppchen haben wir zwar länger schon einen Bogen gemacht, aber dennoch besteht hier die Gefahr, dass uns so ein hasserfüllter Schieß-mich-tot aufs Korn nimmt. Wir werden deshalb in die Eifel umziehen. Die liegt viel höher als diese Region und wird von der großen Überschwemmung verschont bleiben." 
 
Denn, so hatte Gloria hochgerechnet, die Klimakatastrophe werde viel früher eintreten, als die dösigen Menschen das erwarten. "Aber in der Eifel sind wir in Sicherheit. Dort beschäftigen wir uns mit Fragen der Philosophie und lassen das Essen vom Pizzabringdienst liefern. Den Pizzaboten verzehren wir als Zugabe - das sind meist schwarzarbeitende Asylbewerber und die vermisst in der Eifel kein Mensch. Ist die Sintflut erst eingetreten, übernehmen wir das Kommando. Das Problem Mensch erledigt sich von selbst: Fast alle sind ohne Strom und Werkzeug hilflos. Die können nicht mal ein Kaninchen fangen, geschweige denn fressen. 
 
Gesagt, getan. Gloria und ihr Rudel zogen um und warten jetzt auf den Klimakollaps, der die Ära des Wolfs einläuten wird. Wenn es in Vollmondnächten ganz, ganz still ist und ein starker Südwestwind weht, könnt Ihr vielleicht ihr Heulen hören. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Was heißt hier "abwegig"? Habt Ihr schon bemerkt, wer die Bundesliga-Tabelle anführt? Wolfsburg! Wenn das kein Vorzeichen ist ... 

 

Schmunzelpost 136 vom 2. 9. 21

Die Berichte über die Gedenkfeiern für die Opfer der Überschwemmungen an Ahr und Erft haben bei mir Fragen aufgeworfen. Was, wenn alle Bemühungen, die Klimaerwärmung zu stoppen, kläglich scheitern? Was, wenn die Regenwälder weiter abgeholzt werden und nur noch unbedeutende Reste übrig bleiben? Und was. wenn alles noch viel schlimmer kommt, weil in Sibirien und Kanada Unmengen Methan freigesetzt werden und nach der Arktis auch die Eismassen der Antarktis schmelzen? Dann wird es irgendwann zu einer weltweiten Katastrophe kommen, vielleicht ratenweise, vielleicht auf einen Schlag. Und unsere heutige Weltordnung wird sich grundlegend verändern. 
 
Das glaubt Ihr nicht? Fragt nach bei den Dinosauriern. Die haben sich auch nicht träumen lassen, dass dieser merkwürdige neue Stern am Himmel nach vielen Millionen Jahren ihre Welt total auf den Kopf stellen würde. Nein, nein, das wird so kommen. Bereitet am besten schon mal Eure Kinder und Enkel schonend darauf vor. Um Euch das zu erleichtern, werfen wir jetzt gemeinsam einen Blick in die Zukunft, sagen wir in 300 Jahren. 
 
An einem schönen Spätsommertag, der Dauerregen hat bereits seit vier Stunden ausgesetzt und die Temperatur ist auf erträgliche 38 Grad gesunken, kreuzt ein Ausflugsboot über den Ruhrsee und erreicht den Lippegraben. Hölen wil mal zu, was del Flemdenfühlel zu sagen hat: "Liebe Fahlgäste aus dem Leich del Mitte. Ich beglüsse Sie und die Leisegluppe aus Neu-Hongkong, dem flühelen Fleibulg. Als elstes: Schauen Sie mal auf ihlen Geigelzählel. Lichtig! Keine Anzeige! Wil befinden uns mitten in Gelmany, einem del welnigen Ländel in Eulopa, das lechtzeitig auf Kelnklaft velzichtet hat. Als bei den gloßen Stulmfluten weltweit die Leaktolen hochgingen, blieb Gelmany dahel velschont. Auch ein Glund, walum sich nach dem globalen Umstulz so viele Landsleute hiel angesiedelt haben. 
 
Wel sich dafül nachtläglich bedanken will, kann am Ende del Fahlt unselem Antliebspelsonal ein kleines Tlinkgeld geben. Nachfahlen del Uleinwohnel sitzen untel Deck an den Ludeln unselel Kleuzfahltgaleele. Sie sind floh und dankbal, dass wil Chinesen hiel wie übelall auf del Welt die Hellschaft übelnommen haben, um ihl Übelleben zu sicheln. Ehllich gesagt, wal das kein Ploblem. Wil hatten den Himalaya als Zuflucht vol del Haustül. Und von unselen 1,5 Millialden sind viel mehl üblig geblieben als Menschen auf dem ganzen Lest del Elde. 
 
Abel jetzt zul Gegenwalt. In del Felne sehen Sie eine kleine Insel aus dem Wassel lagen. Das ist die Spitze del Hülfeldhalde. Die Einwohnel des Luhlleviels haben am Ende velzweifelt velsucht, Halden zu elhöhen, um sich zu letten. Hat leidel nicht funktionielt. 
 
Untel uns befinden sich die Leste del Stadt Dolsten. Man elzählt, die Bülgel sollen sauel auf ihlen Legenten, Lambelt del Vieltelvolzwölfte, gewesen sein, weil el velsäumte, lechtzeitig gloße Deiche um Dolsten zu ellichten. Stattdessen velpulvelte el die Leichtümel del Stadt, um einen Limes zu bauen, als Schutz vol del Nachbalstadt Halteln, wo noch die Lömel legielten. 
 
Nun fahlen wil weitel nach Schelmbeck. Diesel Olt wulde belühmt, weil die Übellebenden del letzten Übelschwemmung von Wolfsludeln geflessen wulden. Das walen Nachfahlen del belüchtigten Wölfin Glolia, die füchtellich Lache fül die Velfolgung nahmen. 
 
Danach machen wil kehlt zu unselem Hafen Alnsbelg, dem schönen Kulolt. Nilgendwo blanden die Wellen del Noldsee so wundelbal an den Stland wie an den Hügeln des Sauellands. Dalauf ein dleifaches Maoam!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Falls Ihr Euch jetzt fragt, warum ein chinesischer Reiseleiter mit seinen Landsleuten deutsch spricht: Nur für Euch! Ihr Bildungsbanausen habt doch bestimmt Euren Chinesisch-Unterricht geschwänzt, oder?    
 

Schmunzelpost 135 vom 1. 9. 21

In der vorletzten SP-Folge wurde eine Tierart rehabilitiert, die viel intelligenter ist als manche menschliche Schafsnase annimmt. Wie der Zufall es will, hat die Süddeutsche Zeitung in ihrer Wochenendausgabe noch eine andere Gattung unter die Lupe genommen. Hier die wesentlichen Auszüge des Streiflichts: 
 
Wenden wir unseren Blick heute jenen Unterprivilegierten zu, die noch niemand als solche gewürdigt hat. (...) Die Rede soll von den Fledermäusen sein, den großen Unterprivilegierten der Tierwelt. Denn es ist ja so: Keiner kann die Fledermäuse leiden. 
 
Und das nur deshalb, weil sie geschäftlich öfter auf der Burg des Grafen Dracula in den Karpaten zu tun haben, weil sie mit ihren spitzen Eckzähnen - wie selbst Freunde des Fledermauswesens eingestehen - nicht die Hübschesten sind und weil sie, wie die Menschen behaupten, die Schuld an den Pandemien tragen. Dass einige wenige ernährungstechnisch anders orientierte Fledermäuse hier und da ein wenig Blut abzapfen, löst bei den Menschen bereits mikrochiroptearaphobe Vorurteile aus. 
 
Zur Strafe baut man Luxuslofts in die Dachböden, auf denen sie viele Jahre gemütlich abhingen, und verhöhnt sie durch alberne Filme, in denen grobe Kerle den Batman geben. Auch Alfred Brehm tat den Fledermäusen keinen wirklichen Gefallen, als er schrieb: "Aus allen Ritzen, Höhlen und Löchern hervor kriecht eine düstere, nächtige Schar..." (...) 
 
Naturschützer verleihen Plaketten für das "fledermausfreundliche Haus". Dazu ist es nicht nötig, Nosferatu ein Gästezimmer einzurichten. Man muss lediglich Neubauten vermeiden oder wenigstens mit Einflugschneisen ins Innere versehen. Die Tiere finden schon selbst einen Platz. Vielleicht im Schlafzimmer, sie mögen es gern dunkel. Besser ist es, morsche Dächer und Wände zu belassen und draußen Tonnen voller abgestandenem Wasser aufzustellen, um das Nahrungsangebot zu erhöhen. Denn Fledermäuse fressen für ihr Leben gern Stechmücken. 
 
Wir wissen nicht, wie Joachim Ringelnatz es damit hielt, doch hat sein Name bei den Fledermäusen einen guten Klang: "Ich wollte, ich wär eine Fledermaus,/Eine ganz verlutschte, verlauste,/Dann hing ich mich früh in ein Warenhaus/Und flederte nachts und mauste." 
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Ein Fundstück aus dem "Hohlspiegel" zeigt, dass das Gendern jetzt auch die Tierwelt erfasst hat. So hieß es in einem Facebook-Post von "Funk": "Braunbären sind zu zu (Anm. des SP-Autors: Die Dopplung steht so im Originaltext) 75 % Veganer:innen." 
 
Und auf "Bild.de" ist nachzulesen, dass manche Politiker wirklich nicht bis drei zählen können: "Der Abgeordnete Axel Müller (58, CDU) pflichtete bei: 'Mit einem Wort: Es ist beschissen!'" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nachdem heute Fledermäuse die schwarzen Schafe waren (ist so eine Redewendung überhaupt noch korrekt oder bereits diskriminierend?), weist Gregor rückblickend für alle Freunde der sanften Vegetarier:innen darauf hin, dass im Zeitmagazin der letzten Woche ein lesenswerter Artikel über Kamerunschafe enthalten ist. 

 

   Schmunzelpost 134 vom 31. 8. 21

Gerade in Wahlkampfzeiten sondern Politiker viele Worthülsen und leere Versprechungen ab. Manchmal kommen aber auch Sprüche aus ihrem Mund, die es verdienen, dass sie nicht vergessen werden. Damit meine ich nicht nur originelle Beschimpfungen ("Sie Düffeldoffel!" von Herbert Wehner ist mein Favorit). Nein, mir geht es um Zitate, die treudoof daherkommen, aber bei Licht betrachtet manchmal fast weise sind.
 
Unbestrittener Großmeister dieser Zunft wird in Deutschland wohl ewig Heinrich Lübke bleiben. Doch nach 16 Jahren Merkel und einem mehrjährigen Intermezzo von Gerhard Schröder haben wir glatt die Kanzlerschaft von Helmut Kohl vergessen, dem zweiten Großmeister der missglückten Metapher. Immerhin, den Satz "Am wichtigsten ist, was hinten rauskommt", hat fast jeder im Gedächtnis. Aber wer erinnert sich noch an die schwierige Mitte?
 
Das Ganze ist sehr schwierig, und wir sind mittendrin.

Geht das nicht etwas präziser, Herr Kohl?

Wenn mich mein Gefühl, meine ganze Sensibilität nicht trügt, leben wir in einem besonderen Abschnitt der Geschichte.

Obwohl Sie so sensibel sind, haben Sie keine Angst vor der Zukunft. Wieso?

Die jungen Leute in Deutschland sind prima. Sie stammen ja auch von uns ab.

Und was halten Sie nach den Wahlen im September von einer Ampelkoalition?

Bei Rot bleiben wir stehen, bei Grün fahren wir weiter, und Schwarz ist sowieso besser.

Was sollte Herr Laschet denn inhaltlich als zentrale Botschaft dem Wahlvolk vermitteln?

Das blanke Ich muss wieder in dem Wir des Volkes aufgehen.

Wäre Markus Söder für Sie der bessere Kandidat gewesen?

Wenn der bayerische Löwe brüllt, verbreitet er nur noch Mundgeruch.

Themenwechsel. Sie waren oft Gast bei großen Sportereignissen. Was haben Sie gedacht, wenn deutsche Athleten mit der Konkurrenz nicht Schritt halten konnten?

Die Leistungssportler sollen mit kräftiger Schrift im Buch der Geschichte Werke des Friedens schreiben.

Verstehe, die Verlierer sollten also umschulen. Haben Sie denn Ahnung vom beliebtesten deutschen Sport, dem Fußball?

Ich verstehe durchaus etwas vom Fußball, ich kenne sehr wohl den Unterschied zwischen einem Strafstoß und einem Elfmeter.

Sie meinen bestimmt einen Freistoß, ein Elfmeter ist ja ein Strafstoß. Doch vielleicht kennen Sie sich in Geographie besser aus?

Amerika ist, wenn Sie so wollen, ein Kontinent.

Das war doch schon ganz gut. Und wie bereiten Sie sich auf einen Besuch in Nairobi vor?

In mir kommt die ganze arabische Geschichte wieder hoch.

Und was erzählen Sie ausländischen Gastgebern über ihre deutsche Heimat?

Wir sind Spitze, meid in Tschermani ist Spitze, die Zahl der grauen Zellen ist bei uns genauso zahlreich wie woanders.

Was das Denken betrifft: Können Sie sich in andere hinein versetzen?

Ich weiß zwar nicht, was Staatspräsident Francois Mitterrand denkt, aber ich denke genauso wie er.

Donnerwetter! Wie haben Sie denn dieses Einfühlungsvermögen erworben?

Ich als 1,93 m großer Mann habe oft mit Leuten zu tun, die nur 1,55 m groß sind - ich kann ja nichts dafür. Aber da lernt man, mit kleineren Partnern umzugehen.

Dann können unerwartete Neuigkeiten Sie wohl kaum überraschen?

Viele waren von der schnellen Entscheidung für Herrn Ost überrascht. Ich nicht, denn ich habe sie ja selbst getroffen.

Das leuchtet ein. Dafür waren Sie mit der Auswahl der Frauen für Ihr Kabinett nicht immer glücklich. Von Angela Merkel waren Sie sogar schwer enttäuscht.

Wer ja sagt zur Familie, muss auch ja sagen zur Frau.

Warum?

Die Frauen sind ungeheuer im Kommen.

Das ist doppeldeutig. Wie meinen Sie das?

Die Befruchtung ist keine Einbahnstraße.

Ich stelle fest, Sie spielen gern mit Worten. Welche Bedeutung hat die Sprache für Sie?

Sprache ist eines der ganz entscheidenden Elemente unserer Identität.

Vor allem das Plural. Herr Kohl, ich bedanke mich für das erste Interview nach langer Zeit.

Wenn wir dieses Interview vor 25 Jahren gemacht hätten, dann hätten Sie es mit Sicherheit nicht mit mir gemacht, aber mit einem meiner Vorgänger.
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 133 vom 30. 8. 21

Nachträglich fand ich Erklärungen für die Tristesse, die meine gestrige Schmunzelpost inspirierte, im Streiflicht der Süddeutschen Zeitung vom Freitag (das ich erst am Sonntag las). Hier folgt der Einstieg: 
 
Es ist oft die Rede vom Jammern auf höchstem Niveau. Kann man auf höherem Niveau jammern als Hölderlin es tat: "Weh mir, wo nehm' ich, wenn es Winter ist, die Blumen, und wo den Sonnenschein?" Und ist die Klage nicht berechtigt gerade jetzt, da sich schon der August so anfühlt wie ein mittelprächtiger Oktober, und dann kommen ja auch noch die Inzidenz dazu, die Holzknappheit und die drei lustigen Vögel, die Kanzler werden wollen. Von all dem anderen Jammer in der Welt gar nicht zu reden. 
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Zum Schluss kommen die wie immer anonymen Streiflicht-Autoren jedoch zu dem Fazit, dass auch das Gegenteil eines Jammerers schwer auf die Nerven geht: 
 
Nichts kann trauriger und deprimierender sein als jemand, der immer fröhlich ist, das Regenwetter gut findet, die Bullenhitze zauberhaft, die Inzidenz interessant, den Holzmangel gut fürs Holz und womöglich noch alle drei Kanzlerkandidaten für spitze hält. 
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Als Tierfreund habe ich danach in der gleichen Ausgabe mit großer Freude den Artikel zur Ehrenrettung von sanftmütigen Wesen gelesen: 
 
Kaum ein Tier wird so grob unterschätzt wie das Schaf. Die Vertreter der Gattung werden gemeinhin als strohdumme Herdentiere dargestellt, als Witzfiguren und für Schimpfwörter missbraucht. Der berühmte Zoologe Alfred Brehm urteilte in seinem Standardwerk "Brehms Tierleben" ziemlich abfällig über das Schaf: "Es begreift und lernt nichts. (...) Seine Furchtsamkeit ist lächerlich, seine Feigheit erbärmlich." Bäääh! Aus heutiger Sicht muss man laut gegen solche Vorurteile anblöken. 
 
Systematische Untersuchungen an der Universität Cambridge haben ergeben, dass die wuscheligen Vegetarier verkappte Genies sind. Sie können sich mindesten 50 Gesichter ihrer Artgenossen und zehn von Menschen merken, länger als zwei Jahre. Außerdem sind Schafe in der Lage, sich hervorragend räumlich zu orientieren, Formen und Farben zu unterscheiden und aus Labyrinthen herauszufinden. Übrigens können Schafe mit den Füßen riechen, weil sie Geruchsdrüsen zwischen den Hufen haben. 
 
Im Schafskopf steckt ein Gehirn, das so groß und ähnlich strukturiert ist wie das von Primaten.Die Paarhufer schaffen damit Erstaunliches: Schafe überwinden Hindernisse durch kreative Taktiken, etwa indem sie über im Boden eingelassene Metallgitter robben - Kühe und sogar Hunde verweigern oft an solchen Stellen. Und Schafe knüpfen jahrelange Freundschaften mit Artgenossen. Weitaus friedlicher und emphatischer als viele Menschen sind sie sowieso. Studien haben gezeigt, dass Schafe Emotionen wie Angst, Wut, Verzweiflung, Langeweile, Ekel und Glück empfinden können. Und wenn ein Artgenosse stirbt, zeigen sie Trauer. 
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Erstaunlich, was? Ich kenne Menschen, die sich bis ins hohe Alter im Labyrinth des Lebens nicht zurecht finden. Und ist es Euch etwa schon mal gelungen, mit den Füßen zu riechen? Ich meine jetzt den Wahrnehmungs-, nicht den Aussonderungsprozess. 
 
Damit habe ich elegant zum letzten Thema übergeleitet, der Bedeutung, die winzige Nuancen für unsere Sprache haben können. Dazu hat Christa eine schöne Fundsache im Internet entdeckt. Zunächst geht es um Groß- und Kleinschreibung: 
 
Die Spinnen - die spinnen. Er hat liebe Genossen - er hat Liebe genossen. Wäre er doch nur Dichter - wäre er doch nur dichter. Die nackte Sucht - die Nackte sucht. Der gefangene Floh - der Gefangene floh. Helft den armen Vögeln - helft den Armen ... ach egal. ;-) Und noch ein Brief des Schwiegersohnes an die Schwiegermutter: Deine Tochter sieht Dir ungeheuer ähnlich. Deine Tochter sieht Dir Ungeheuer ähnlich. 
 
Satzzeichen können sogar Leben retten: Komm wir essen, Opa! Komm, wir essen Opa! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 132 vom 29. 8. 21

Erst lösen Unruhen im Hühnerstall ernste Sorgen um die Zukunft des deutschen Kabaretts aus, dann schickt sich der Sommer 2021 an, sich bereits im August zu verabschieden und kurz vor 21 Uhr erdreistet sich auch noch Fortuna Düsseldorf in der Arena gegen Schalke in Führung zu gehen - da droht man doch in Melancholie zu versinken. Vielleicht habe ich mich deshalb zu einer kleinen Presseschau rund um das Thema Tod entschieden.
 
Ein Klassiker stand einst in der "Welt":
 
Sie hat kurz vor ihrem Tod noch gelebt.

Nein, wer hätte das gedacht? Gibt es das also wirklich, ein Leben vor dem Tode?
Darauf lässt zumindest schließen, was das Darmstädter Echo berichtete. Allerdings ist das präletale Dasein wohl recht freudlos:

Für viele Bewohner der Insel ist das Begräbnis das wichtigste Ereignis in ihrem Leben.

Unter solchen Umständen wird auch klar, was die "Praline" vermeldete:

Opa sollte auch etwas von seiner Beerdigung haben.

Sehr seltsam, dass sich ausgerechnet die "Praline" mit solchen Themen befasst hat. Für die Jüngeren unter uns: Die "Praline" war eine drittklassige Illustrierte, ein Schmuddelkind der Regenbogenpresse, das seine höchsten Auflagen lange vor der Ära des Internets erreichte. Und zwar mit anrüchigem Klatsch und schlechten Fotos von halbnackten Frauen, sozusagen die Papierversion von epochalen Filmen wie "Unterm Dirndl wird gejodelt".

Wo wir schon bei unterirdischem Niveau sind, darf "Bild" bei dieser Zitatparade nicht fehlen:

Während er tot am Kippfenster lehnte und winkte, rief der Pilot um Hilfe.

Womöglich hat er ja bei seinen vielen Reisen durch himmlische Gefilde überirdische Fähigkeiten erworben. Und vielleicht hat er anschließend noch ein Umschulung zum Musiker gemacht. Denn TV Hören und Sehen schrieb:

Ein Toter singt für deutsche Rock'n Roll-Clubs.

Wahrscheinlich wurden Beat und Rock'n Roll deshalb so oft totgesagt.

Manche würden in den abschließenden Zeilen von "frau aktuell" einen Druckfehler vermuten. Es kann aber gut sein, dass das Fachblatt für die Frau von heute schon ins Übermorgen vorausgeschaut hat. Und zwar in das postdemokratische Zeitalter, wenn endlich wieder Monarchen regieren und Zombies die Erde bevölkern:

Immer wieder sprach sie auf ihren Sohn ein: "Sie ist eine Bürgerleiche. Und du als künftiger König musst dir eine standesgemäße Frau suchen." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Übrigens hat Schalke das Blatt noch gewendet und 3:1 gewonnen. Daher wie versprochen ein weiterer Blick in die Schalker Geschichte. Gestern, am 28. August, jährte sich ein rabenschwarzer Tag. Vor 91 Jahren beging Wilhelm Nier Selbstmord im Kanal. Der Finanzobmann, noch keine 40 Jahre alt, versuchte so, Schaden von seinem Verein abzuwenden. Es gab damals den Rechtsgrundsatz, dass dann, wenn jemand stirbt, alle juristischen Verfahren gegen ihn eingestellt werden. Doch wie sich herausstellte, hatte sich Nier gar nichts zu schulden kommen lassen. 
Deshalb bleibt das Urteil vom 25. August 1930 bestehen. Schalke wird wegen Verstößen gegen den Amateur-Status bestraft, weil regelmäßig Spesen gezahlt worden seien und mehrere Spieler darüber hinaus weitere Zuwendungen in Form von Geschenken, Darlehen oder in ihrem Berufsleben erhalten hätten. Schalke muss eine hohe Geldstrafe entrichten. Acht Funktionäre werden ihrer Ämter enthoben. Viel schlimmer jedoch ist, das 14 der besten Spieler gesperrt werden. 
Nun könnte man sagen: Gesetz ist Gesetz. Aber viele offenkundige Verstöße anderer Vereine bleiben ungeahndet. Der Dresdener Sportclub zahlte regelrechte Siegprämien, Eintracht Frankfurt sogar Monatslöhne von 250 Reichsmark, damals ein Haufen Geld. 
Erst nach 9 Monaten werden die Schalker Spieler begnadigt. Und vor 90 Jahren zum ersten Spiel in Bestbesetzung nach langer Zeit kommen 70 000 Zuschauer, obwohl die Glückauf-Kampfbahn gerade mal 40 000 fasst. 30 000 drängen sich auf der Straße. Die Partie gegen Fortuna Düsseldorf, hier schließt sich der Kreis, wird mit 1:0 gewonnen. 
 

 Schmunzelpost 131 vom 28. 8. 21

Heute blicken wir in amtliche Publikationen und schauen, ob wir dabei etwas fürs Leben lernen können. Die Identitätspolitik wird derzeit ja heiß diskutiert, länger schon die gesellschaftliche Stellung von Frauen und speziell Müttern. Dabei wurde alles Wesentliche bereits vom Chefredakteur der "Sozialen Ordnung" zusammengefasst. Hier dazu der Auszug aus dem Monatsblatt der Sozialausschüsse des Deutschen Bundestags:
 
So lässt sich die Programmgeschichte der CDU auch schreiben als der unaufhaltsame Abstieg der Mutter. Ohnehin nur noch ein ärmliches Wesen, verschwindet sie am Bildrand. Aber die neue Eva des Dr. Heiner Geißler ist nur der alte Adam. Im Röntgenlicht der Befreiung verliert sich ihr besonderes Wesen, an dem Milliarden Evolution gearbeitet haben. So enthüllt sich endlich in der Identität der Gerippe die Gleichheit von Mann und Frau.

Bleibt nur die Frage offen: Was schenken sie eigentlich in der Betriebskantine des Bundestages für geistige Getränke aus? Doch was heißt hier Gleichheit zwischen Mann und Frau? Es gibt noch Unterschiede, wie der Schrift "Informationen zur politischen Bildung, Nr. 206" zu entnehmen ist:

Der Geschlechtsunterschied zwischen den Eltern ist Voraussetzung für die Zeugung des Nachwuchses.

Einmalige Treffsicherheit bei der eindeutigen Beschreibung eines Begriffs beweist das Gesetz zur Anpassung von Dienst- und Versorgungsbezügen:

Die einmalige Zahlung wird für jeden Berechtigten nur einmal gewährt.

Bereits Insterburg & Co. wussten, dass die ländliche Bevölkerung manchmal Schwierigkeiten mit neuen Begriffen und Namen hat, was zu Missverständnissen führen kann. Als die Studenten Bauern von den Vorzügen der maoistischen Landwirtschaftspolitik überzeugen wollten, lautete die Antwort: "Was soll Mao Tse Dung? Ich bleib bei Pferdemist!" Deshalb gab sich das Landwirtschaftsministerium in einem Runderlass besondere Mühe zu erklären, was es mit einer neuen Regelung auf sich hatte:

Dungeinheit ist die von einer bestimmten Anzahl von Tieren einer Tierart während eines Jahres erzeugte Dungmenge. Tierzahl einer Tierart je Dungeinheit: 1,5 Rinder, 7 Schweine, 9 Kälber, 100 Legehennen, 200 Junghennen, 300 Masthähnchen.

Wird wohl kein Landwirt verstanden haben - Pferdedung war nicht dabei.
So, einen hab' ich noch:

Es ist nicht möglich, den Tod eines Steuerpflichtigen als 'dauernde Berufsunfähigkeit' im Sinne von § 16, Absatz 1, Satz 3, EStG zu werten. 
 
Liebe Autoren des Bundessteuerblattes: Ich kann nicht beurteilen, ob es im Jenseits jemand kratzt, wenn er einen Bescheid zur Steuernachzahlung bekommt. Ich bin jedoch sicher, dass Betroffene in Sarg oder Urne ziemlich unfähig sind, ihrem Beruf weiter nachzugehen. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 130 vom 27. 8. 21

Was erinnert Dich daran, dass Du immer älter wirst? Die Mitglieder der Lieblingsbands sterben nach und nach aus. 
 
Jetzt hat es Charlie Watts erwischt, den Schlagzeuger der Rolling Stones. Immerhin hat er mit 80 ein beachtliches Alter erreicht, nicht selbstverständlich in einem Metier, in dem Alkohol und andere Drogen an der Substanz zehrten. Brian Jones, Charlies Weggefährte aus den Anfangsjahren der Stones, hat es bloß auf 27 Jahre gebracht. 
 
27 war damals ein gefährliches Alter. Mit 27 traten eine ganze Reihe meiner Lieblingsmusiker viel zu früh von der Bühne ab: Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin, um nur einige zu nennen. Nur im goldenen Zeitalter des Rock'n Roll war die Sterberate junger Stars ähnlich hoch. Bei Flugzeugabstürzen mussten u.a.. Eddie Cochran, Gene Vincent und Buddy Holly daran glauben. Und Anfang der 60er wurde Sam Cooke erschossen, ein begnadeter Sänger, Komponist und Songschreiber. Was da noch hätte alles kommen können! 
 
Generell sind für mich die zehn Jahre von 1963 bis 1972 die goldene Zeit der populären Musik. Niemals zuvor und danach kamen Woche für Woche so viele Titel heraus, die zu Klassikern geworden sind. Nie wieder nahmen Texte, Klangfarben und Spielarten der Musik so eine rasante Entwicklung. Kein Wunder, dass meine Generation bis heute an den Helden von damals klebt und jeden schmerzlich vermisst, der sich für immer verabschiedet. 
 
Dabei waren fast alle Größen in den letzten Jahrzehnten damit beschäftigt, als Denkmalpfleger in eigener Sache ihr Frühwerk zu verwalten. Viel aufregend Neues kam da nicht mehr, wurde von den Fans aber auch gar nicht verlangt. Ausnahmen sind Musiker wie Bob Dylan, Neil Young oder David Bowie. Zum Glück tauchten auch nach 1972 immer wieder vereinzelte Könner auf - Bob Marley, J. J. Cale, Billy Gibbons mit ZZ Top, Mark Knopfler mit den Dire Straits - , die dafür sorgten, dass es hörbaren Nachschub gab. Leider waren die meisten von ihnen auch bereits ältere Semester. 
 
Nur gut, dass es mit offenen Ohren noch vieles zu entdecken gab. Wer bereit war, gewohntes Terrain zu verlassen, fand im Blues und in der Weltmusik, im Jazz und im weiten Feld der Klassik reichlich Stoff, um sich akustisch verwöhnen zu lassen. Dennoch ist es jammerschade um jeden Rockveteranen, der einst zu unserem musikalischen Erwachen beigetragen hat. 
 
Warum können sich meine Rockgrößen kein Beispiel an Joopie Heesters nehmen? Nun ruhen alle Hoffnungen auf Keith Richards. Der Gitarrist der Stones hat bisher ungezählte Rauschgift- und Alkoholexzesse und sogar einen Sturz von der Leiter in seiner Bibliothek unbeschadet überstanden. In den USA sagt man über ihn: "Einen Atomkrieg überstehen nur zwei Spezies: Die Kakerlaken und Keith Richards."  
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch ein schneller Blick in das Tagebuch von Keith Moon, dem durchgeknallten Drummer von "The Who". Moon konnte sich lange nicht entscheiden, ob er sich mit Rauschgift, Alkohol oder Pillen zugrunde richten wollte. Im Oktober 1978 war es dann eine Überdosis Pillen zur Bekämpfung seiner Alkoholsucht, die ihn das Leben kostete. Zu seinem 32. Geburtstag im August 1978 hatte Moon meines Wissens in sein Tagebuch geschrieben: "Sie nennen mich jetzt 'Moon the Loon' (dt. Moon, der Irre). Das betrachte ich als Anerkennung meines Rekords: Kein anderer hat auch nur annähernd so viele Hotelzimmer zerlegt wie ich!" So hätte es Moon auch gefreut, dass er 2004 von einem englischen Musikmagazin posthum als "größter Rowdy der Rockgeschichte" ausgezeichnet wurde. 
 
PPS. Sir Michael Philip Jagger schrieb meines Wissens anlässlich seines 78. Geburtstages am 26. Juli in sein Poesiealbum: "Mein Herz ist groß, Du Liebste mein, soll niemand drin wohnen als meine zwei Ex-Frauen und die fünf Mütter meiner acht Kinder und meine 79 Geliebten und meine 1400, oder waren es 1450?, verdammt, ich hätte doch Buchführung betreiben sollen, äh, allein!"   

 

 Schmunzelpost 129 vom 26. 8. 21

Aller schlechten Dinge sind bekanntlich drei. Beim Herumstöbern in kuriosen Meldungen und Berichten fiel mir auf, dass unsere Ordnungshüter überdurchschnittlich häufig in meiner Sammlung vertreten sind. Damit kein falscher Eindruck entsteht, will ich vorab jedoch klarstellen: Es gibt hierzulande auch intelligente Polizeibeamte (nicht wahr, Beate?).
 
Trotzdem ist erstaunlich, was aus den Dienststuben trotz Vieraugenprinzip (Verfasser plus Pressestelle bzw. Vorgesetzter) nach draußen dringt, so dass wir uns daran ergötzen können:
 
"Die Leiche war nicht tot, sondern nur besoffen. Sie war vorher mehrere Stunden beim Anstich des Maibocks."

"Der Beschuldigte fuhr mit hoher Geschwindigkeit über die nächtliche Landstraße, ohne sein Hinterteil beleuchtet zu haben."

Der Verteidiger plädierte auf Freispruch: "Mein Mandant schwört: Er ist kein Glühwürmchen!"

"Am Samstag schlugen ein 16- und ein 17-jähriger Jugendlicher die Eingangstür einer Gaststätte ein. Leider wurden sie von Polizeibeamten beobachtet, die sie festnahmen."

Liebe Münchner Polizei, was heißt hier "leider"? War vielleicht der Sohn des Verfassers dabei? Oder hat der Autor noch einen Deckel in der Kneipe offen, der mit der Kasse hätte verschwinden können?

"Menschenleben waren nicht in Gefahr, ein Tatverdacht besteht nicht. Der Brandort wurde zur Durchführung weiterer Ermittlungen beschlagnahmt."

Er füllt seither weite Teile der Berliner Asservatenkammer.

Die folgende Gerichtsaussage gewährt Einblicke in das sprachliche Niveau von Polizeibeamten (oder des Angeklagten):

Der Herr Polizist hat gesagt: Sie müssen mitkommen! Wir kriegen Ihnen sowieso."
 
Als ich Mitte der Achtziger Jahre bei der Halterner Zeitung arbeitete, war Franz Eck mein Lokalchef, eine Seele von Mensch. Zuvor war er Polizeireporter der Ruhr Nachrichten in Dortmund gewesen. Über ihn wurde erzählt, er wäre zum Redaktionsleiter in Haltern befördert worden, um ihn aus der Schusslinie zu nehmen. Er habe mehr über das ungesetzliche Treiben in Dortmund gewusst, als Polizei und Unterwelt gut fanden.
  
In Haltern ließ Franz Eck es sich nicht nehmen, jeden Nachmittag der Polizeiwache persönlich einen Besuch abzustatten. Oft kam er danach freudestrahlend in die Redaktion: "Ich hab' 'ne Bombe!" Auch wenn sich die Bombe manchmal als Knallerbse entpuppte, nahmen wir ihm das nicht übel. 
 
Franz Eck schaffte es auch, selbst von der Polizei festgenommen zu werden. Gemeinsam mit unserem Fotografen Bruno Lücke war er nach meiner Erinnerung schon vor dem Eintreffen der Beamten am Tatort eines Mordfalls auf Spurensuche gegangen. 
 
 Ein anderes Mal bewies er seine Geistesgegenwart. Bei einem feuchtfröhlichen Termin hatte er selbst ein paar hochprozentige Gläschen nicht verschmäht. Auf der Rückfahrt zur Redaktion geriet er unversehens in eine Polizeikontrolle. Und was tat der listige Fuchs? Er hielt zehn Meter vorher an, sprang mit Schreibblock und Kuli bewaffnet aus dem Auto und fragte die Polizisten: "Na? Wie viel Schnapsdrosseln haben Sie schon erwischt?" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 128 vom 25. 8. 21 

Gestern habe ich im Eingangszitat unterstellt, dass manche Journalisten Schwierigkeiten beim Umgang mit der Sprache haben. Wahrscheinlich sind sie tatsächlich in Mathe besser. Es gibt genügend Beispiele, die das beweisen. 
 
So schrieb der Südkurier aus Konstanz: "Dr. Holl - deutscher Spielfilm von 1951. Mit Dieter Borsche, der vor kurzem starb und damit einen seiner größten Publikumserfolge erzielte." Der Südkurier hatte auch ein großes Herz für die Besucher von Kulturveranstaltungen: "Des weiteren geht das Orchester mit dem Publikum auf eine Spanien-Tournee." 
 
Erinnert Ihr Euch noch an den verwirrenden Spruch, durch den Zweifler an einem mathematischen Beweis in die Irre geführt werden? Daran erinnert mich dieses Zitat aus der "Zeit": "Der Denk-Gestus des aktiven Wartens im Sinn-Vakuum der Moderne - zur Kommunikation und Tragweite des Realitätskonzeptes Siegfried Kracauers in spezieller Rücksicht auf Walter Benjamin." 
 
Alles verstanden? Ich auch nicht. Der Denkfehler beim "Stern" ist offensichtlicher: "Im Gegensatz zu Romeo und Julia geht diese Liebesgeschichte böse aus: Die beiden kriegen sich." War da ein Zyniker am Werk? Oder ein Kulturbanause? Jedenfalls wird der frühe Tod eines Liebespaars sonst eher selten als "Happy End" bezeichnet. 
 
Selbst der Spiegel ist vor fäkalen Stilblüten nicht gefeit: "In Mozarts Briefen steht bekanntlich haufenweise Scheiße. Die hatte 'Amadeus'-Autor Peter Shaffer seinem Bühnenhelden einfach in den Mund gelegt - eine Art O-Ton vorne und hinten." Apropos Mozart. Der begnadete Komponist hat nicht nur viel unflätiges Zeug geschrieben, sondern auch das Geheimnis der Zeitdehnung entdeckt. Jedenfalls, wenn wir dem Reutlinger Generalanzeiger Glauben schenken: "Mozart komponierte in den zwölf Jahren, die er als 13jähriger am Hofe in Salzburg verbrachte, fünf Violinkonzerte." Respekt! 
 
Zum Wiehern ist manchmal auch, was Redaktions-Kollegen aus Polizeiberichten machen: "Gegenüber der Polizei verweigerte das Pferd jede Angabe zum Unfall", schrieb der Wiesbadener Kurier. Vielleicht war es der gleiche Gaul, der kurz darauf in Niedersachsen sein Unwesen trieb. Denn in der Verdener Abendzeitung stand: "Ein Reifen ihres Fahrzeugs platzte. Das Pferd entfernte sich unerlaubt von der Unfallstelle." 
 
Zum Schluss noch zwei Belege dafür, dass außer Journalisten auch mitunter Polizisten Schwierigkeiten mit der Mathematik haben: "Die zehn Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht. Elf wurden inzwischen wieder entlassen", meldete die "Rheinpfalz". Wer weiß? Vielleicht dauerte der Klinik-Aufenthalt ja länger als neun Monate. Selbst ein Neugeborenes würde jedoch merken, dass es wahrscheinlich der Verfasser war, der beim Schreiben dieser Polizeimeldung schwankte: "Die Schadensschätzungen schwanken zwischen 500 000 Euro und einer halben Million." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 127 vom 24. 8. 21

Was war in der Schule das Lieblingsfach jedes Journalisten? Richtig! Natürlich Mathematik! Das werden sämtliche Kolleginnen und Kollegen gern bestätigen: "Beim Schreiben hapert es bei mir. Doch handwerklich bin ich topfit. Und über meine Leistungen in Mathematik waren meine Lehrer stets verblüfft!" 
 
Nun ja, vielleicht trifft das nicht so ganz zu. Oder auch überhaupt nicht. Man spricht schließlich von der schreibenden Zunft und nicht von der rechnenden. Aber ein paar Kenntnisse können nicht schaden, wenn wir uns im Labyrinth der Zahlen zurecht finden wollen. Deshalb schauen wir heute gemeinsam in "Professor Stewarts mathematische Schätze". 
 
Womit wollen wir beginnen? Mit seltsamen Tatsachen über ägyptische Brüche? Ich möchte Euch nicht überfordern. Fangen wir lieber mit der Vier-Münzen-Frage an. Da habe ich wenigstens die Lösung kapiert. Also: Ihr habt vier identische Münzen. Wie könnt Ihr sie so anordnen, dass sie äquidistant sind? Und schon habt Ihr ein neues Wort gelernt! Gemeint ist, dass die kürzeste Entfernung zwischen zwei beliebigen Münzen dieselbe sein muss wie zwischen zwei beliebigen anderen Münzen. 
 
 Das haut nicht hin? Doch, das geht. Ich habe nicht gesagt, dass die vier Münzen alle auf einer Ebene liegen müssen. Ihr legt einfach drei Münzen zusammen, so dass sie ein Dreieck bilden. Dann legt Ihr die vierte Münze obendrauf. Jetzt berühren sich alle Münzen, das heißt, sämtliche Abstände sind null und damit gleich! 
 
Na, ich merke schon: Kopfzerbrechen ist nicht so Euer Ding. Schon Nikolaus Kopernikus wusste: "Mathematik wird für Mathematiker geschrieben." Und da wir Journalisten es zu einer gewissen Meisterschaft gebracht haben, verständig zu tun und Unwissenheit zu kaschieren, hier ein paar Tipps, wie ihr bluffen könnt und Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmt, wenn sie Euch nach Beweisen fragen. 
 
Nehmen wir mal an, Ihr habt locker die These in den Raum geworfen, dass die quaternionische Pseudo-Mandelbrotmenge lokal unzusammenhängend ist. Und dann wagt ein Querkopf zu fragen: "Können Sie das auch beweisen?" In Seminaren oder bei Vorträgen hilft meist schon der Hinweis: "Das ist doch selbsterklärend!" Oder aber die Strategie "Angriff ist die beste Verteidigung": "Wie jeder Schwachkopf einsieht, ist das Problem offensichtlich trivial!" 
 
Wirkungsvoller ist wohl eine gelehrt klingende Anspielung: "Der lokale Nichtzusammenhang der quaternionischen Pseudo-Mandelbrotmenge ergibt sich aus der Anwendung der Methoden von Pythagoras und Newton auf nicht-kompakte Mannigfaltigkeiten über Schiefkörpern der Charakteristik." 
 
Wer glaubt, dass Mathematiker so kluge Köpfe sind, dass man ihnen vertrauensvoll unser Geschick in die Hände legen könnte, der irrt. Die meisten gehören in die Rubrik "Fachidioten". Dies unterstreicht eine verbürgte Episode aus dem Leben von Norbert Wiener. Der brillante Mathematiker war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch ein Pionier auf dem neuen Gebiet der Kybernetik. Das half ihm jedoch nicht, sich im Alltagsleben zurecht zu finden. 
 
Als Wieners Familie ein neues Haus bezog, schrieb ihm seine Frau vorsichtshalber die neue Adresse auf ein Stück Papier. "Sei nicht albern, ich werde doch so etwas Wichtiges nicht vergessen", maulte der Professor, steckte den Zettel jedoch trotzdem in seine Tasche. Später am Tag brauchte er zur Lösung eines mathematischen Problems ein Stück Papier, zog den Zettel aus der Tasche und bedeckte ihn mit Gleichungen. Nach Abschluss seiner Berechnungen knüllte er den Zettel zusammen und warf ihn weg. 
 
Am Abend erinnerte er sich dunkel, dass da irgendetwas mit einem neuen Haus war. Da er den Zettel mit der Adresse jedoch nicht finden konnte, begab er sich zu seinem alten Haus. Dort saß ein kleines Mädchen auf der Treppe. "Entschuldigung, meine Liebe, aber weißt Du vielleicht, wohin die Wieners umgezogen sind?" "Alles in Ordnung, Papa. Mama hat mich geschickt, um Dich zu holen." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Robert A. Henlein hatte keine gute Meinung von Menschen, die nicht rechnen können: "Jeder, der nicht mit Mathematik umgehen kann, ist kein ganzer Mensch. Er ist bestenfalls ein tolerables subhumanes Wesen, das gelernt hat, Schuhe zu tragen, zu baden und keine grobe Unordnung im Haus anzurichten." 
 
PPS. Martin Luther war da toleranter: "Die Medizin macht die Menschen krank, die Mathematik macht sie traurig und die Theologie macht sie zu Sündern." 
 
PPPS. Trost gibt es von Albert Einstein: "Mach Dir keine Sorgen wegen Deiner Schwierigkeit mit der Mathematik. Ich kann Dir versichern, dass meine noch größer sind."  

 

 Schmunzelpost 126 vom 23. 8. 21

Für den Samstag hatten die Meteorologen einen sonnigen, warmen Tag angekündigt. Also fuhren wir mittags mit den Rädern los und kamen erst am Abend zurück. In der Sportschau musste ich die Schalker Schlappe in Regensburg zur Kenntnis nehmen. Um das zu verdauen, blieb ich am Bildschirm kleben und lenkte mich mit Wein, Nachrichten und Krimis ab. Danach wechselte ich nahtlos an den PC-Bildschirm und sah mir Musik-Videos an. Der Blick auf die Uhr zeigte, dass inzwischen ein neuer Tag angebrochen war. Mittlerweile war ich jedoch zu müde, um mir eine Schmunzelpost einfallen zu lassen. Also beschloss ich, den Text am Morgen zu schreiben und stellte heroisch den Wecker auf 8 Uhr. Danach legte ich mich ins Bett, las noch ein paar Minuten und nickte dann ein. 
 
Irgendwann begann ich intensiv zu träumen. Ich träumte, dass ich an einem warmen Tag mit dem Rad unterwegs gewesen war und nach der Rückkehr erst vor dem Fernsehbildschirm und dann vor dem Computerbildschirm hockte. Erst spät fiel mir im Traum ein, dass ich noch keine Schmunzelpost geschrieben hatte. Ich beschloss, den Text am Morgen zu schreiben. Danach, so träumte ich, legte ich mich ins Bett und las noch ein paar Minuten. Dann nickte ich ein und begann zu träumen. 
 
Ich träumte, dass ich an einem warmen Tag mit dem Rad unterwegs gewesen war und nach der Rückkehr erst vor dem Fernsehbildschirm und dann vor dem Computerbildschirm hockte. Erst spät fiel mir im Traum ein, dass ich noch keine Schmunzelpost geschrieben hatte. Ich beschloss, den Text am Morgen zu schreiben. Danach, so träumte ich, legte ich mich ins Bett und las noch ein paar Minuten. Dann nickte ich ein und begann zu träumen. 
 
Ich träumte, dass ich an einem warmen Tag mit dem Rad unterwegs gewesen war und nach der Rückkehr erst vor dem Fernsehbildschirm und dann vor dem Computerbildschirm hockte. Erst spät fiel mir im Traum ein, dass ich noch keine Schmunzelpost geschrieben hatte. Ich beschloss, den Text am Morgen zu schreiben. Danach, so träumte ich, legte ich mich ins Bett und las noch ein paar Minuten. Dann nickte ich ein und begann zu träumen. 
 
Ich träumte, dass ich an einem warmen Tag mit dem Rad unterwegs gewesen war und nach der Rückkehr erst vor dem Fernsehbildschirm und dann vor dem Computerbildschirm hockte. Erst spät fiel mir im Traum ein, dass ich noch keine Schmunzelpost geschrieben hatte. Ich beschloss, den Text am Morgen zu schreiben. Danach, so träumte ich, legte ich mich ins Bett und las noch ein paar Minuten. Dann nickte ich ein und begann zu träumen. 
 
Ich träumte, dass ich an einem warmen Tag mit dem Rad unterwegs gewesen war und nach der Rückkehr erst vor dem Fernsehbildschirm und dann vor dem Computerbildschirm hockte. Erst spät fiel mir im Traum ein, dass ich noch keine Schmunzelpost geschrieben hatte. Ich beschloss, den Text am Morgen zu schreiben. Danach, so träumte ich, legte ich mich ins Bett und las noch ein paar Minuten. Dann nickte ich ein und begann zu träumen. 
 
Das Weckerklingeln riss mich aus dem Schlaf. Ich setzte mich an den PC und hämmerte diesen traumhaften Text in die Tasten. Dann noch: "Senden" und ab dafür! 
 
Guten Morgen! 
kdk 

 Schmunzelpost 125 vom 22. 8. 21

Gestern habe ich im Eingangszitat unterstellt, dass manche Journalisten Schwierigkeiten beim Umgang mit der Sprache haben. Wahrscheinlich sind sie tatsächlich in Mathe besser. Es gibt genügend Beispiele, die das beweisen. 
 
So schrieb der Südkurier aus Konstanz: "Dr. Holl - deutscher Spielfilm von 1951. Mit Dieter Borsche, der vor kurzem starb und damit einen seiner größten Publikumserfolge erzielte." Der Südkurier hatte auch ein großes Herz für die Besucher von Kulturveranstaltungen: "Des weiteren geht das Orchester mit dem Publikum auf eine Spanien-Tournee." 
 
Erinnert Ihr Euch noch an den verwirrenden Spruch, durch den Zweifler an einem mathematischen Beweis in die Irre geführt werden? Daran erinnert mich dieses Zitat aus der "Zeit": "Der Denk-Gestus des aktiven Wartens im Sinn-Vakuum der Moderne - zur Kommunikation und Tragweite des Realitätskonzeptes Siegfried Kracauers in spezieller Rücksicht auf Walter Benjamin." 
 
Alles verstanden? Ich auch nicht. Der Denkfehler beim "Stern" ist offensichtlicher: "Im Gegensatz zu Romeo und Julia geht diese Liebesgeschichte böse aus: Die beiden kriegen sich." War da ein Zyniker am Werk? Oder ein Kulturbanause? Jedenfalls wird der frühe Tod eines Liebespaars sonst eher selten als "Happy End" bezeichnet. 
 
Selbst der Spiegel ist vor fäkalen Stilblüten nicht gefeit: "In Mozarts Briefen steht bekanntlich haufenweise Scheiße. Die hatte 'Amadeus'-Autor Peter Shaffer seinem Bühnenhelden einfach in den Mund gelegt - eine Art O-Ton vorne und hinten." Apropos Mozart. Der begnadete Komponist hat nicht nur viel unflätiges Zeug geschrieben, sondern auch das Geheimnis der Zeitdehnung entdeckt. Jedenfalls, wenn wir dem Reutlinger Generalanzeiger Glauben schenken: "Mozart komponierte in den zwölf Jahren, die er als 13jähriger am Hofe in Salzburg verbrachte, fünf Violinkonzerte." Respekt! 
 
Zum Wiehern ist manchmal auch, was Redaktions-Kollegen aus Polizeiberichten machen: "Gegenüber der Polizei verweigerte das Pferd jede Angabe zum Unfall", schrieb der Wiesbadener Kurier. Vielleicht war es der gleiche Gaul, der kurz darauf in Niedersachsen sein Unwesen trieb. Denn in der Verdener Abendzeitung stand: "Ein Reifen ihres Fahrzeugs platzte. Das Pferd entfernte sich unerlaubt von der Unfallstelle." 
 
Zum Schluss noch zwei Belege dafür, dass außer Journalisten auch mitunter Polizisten Schwierigkeiten mit der Mathematik haben: "Die zehn Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht. Elf wurden inzwischen wieder entlassen", meldete die "Rheinpfalz". Wer weiß? Vielleicht dauerte der Klinik-Aufenthalt ja länger als neun Monate. Selbst ein Neugeborenes würde jedoch merken, dass es wahrscheinlich der Verfasser war, der beim Schreiben dieser Polizeimeldung schwankte: "Die Schadensschätzungen schwanken zwischen 500 000 Euro und einer halben Million." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 124 vom 21. 8. 21 

Statt der Wunder des Alltags (Krause tanzt!) beschäftigen wir uns heute mit den Wundern der Wissenschaft. Zu Beginn dürft Ihr Euch gleich über  fünf Gegenden wundern, die etwas Besonderes verbindet und die daher von den Verfassern einer US-Studie "Blue Zones" getauft wurden. 
 
Eins vorweg: Die Einwohner sind keineswegs durchweg angetüddert, mit intensivem Alkoholgenuss hat die "Blaue Zone" nichts zu tun. Es geht um so unterschiedliche Regionen wie Okinawa in Japan, Loma Linda in Kalifornien, die griechische Insel Ikaria, Sardinien und die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica. Was sie verbindet: Nirgendwo sonst auf der Erde gibt es so viele Hundertjährige. Nicht nur das. Hochbetagte Einwohner leiden auch weniger als üblich unter altersbedingten Krankheiten. 
 
Dafür gibt es vielerlei Gründe. Die Haupt-Geheimnisse sind jedoch gar keine: Viel Bewegung und gesunde Ernährung sind Empfehlungen, die auch unsere Hausärzte erteilten. Wenig tierische Fette, viel Obst und Gemüse, eher Fisch als Fleisch. Wir wissen es alle - aber wir halten uns nicht daran. Vielleicht, weil wir ahnen, dass eine weitere Komponente hinzu kommt: Wir brauchen auch besondere Gene! 
 
Obwohl wir fast alle nicht hell genug in der Birne sind, um schlichte Verhaltensregeln konsequent einzuhalten, schauen wir auf unsere tierische Verwandtschaft herab. Die dumme Kuh und der alte Esel sind Synonyme für Blödheit. Dabei wissen wir längst, zu welch erstaunlichen geistigen Leistungen Affen, Delphine, Kraken, Rabenvögel und Papageien fähig sind. Womöglich liegt es nur daran, dass diesen Spezies Sprache und manuelles Geschick fehlen, dass sie uns nicht den Rang ablaufen. 
 
Dabei können selbst Geschöpfe mit sehr kleinen Gehirnen schwierige Aufgaben lösen. Clint Perry, Forscher an einer Universität in London, brachte Hummeln bei, Golf zu spielen. Wer einen kleinen gelben Ball schon beim ersten Versuch im Loch versenkte, wurde mit Zucker belohnt. Die Tiere erlernten das allein durch Beobachtung. Bei einem Golfduell zwischen Donald Trump und der besten Hummel setze ich auf die Hummel! 
 
Dass die Holländer eine andere Einstellung zu bestimmten bewusstseinsverändernden Substanzen haben, ist bekannt. So experimentiert man an der Universität Utrecht bereits seit 2009 mit Pilzen. Mit Erfolg! Das Resultat könnt Ihr jedoch nicht rauchen, sondern auf dem Körper tragen. Als Prototyp wurde aus Pilzwurzeln ein eng anliegender Minirock geschneidert, der Traum alle Veganerinnen. Das Kleid soll sich anfühlen wie Latex. Es hat allerdings einen Haken: Man kann es nicht waschen. Aber das sei kein Problem. Es ist zu hundert Prozent recyclebar. 
 
Frage: Wenn ich künftig in einem Dress aus grünen Knollenblätterpilzen giftige Glossen verfasse, bin ich dann der Champignon der Schmunzelpost? 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 123 vom 20. 8. 21

Als ich in dem Alter war, in dem Jugendliche gemeinhin die Tanzschule besuchen, also zwischen 14 und 17 Jahren, hatte ich für meine opportunistischen Freunde, die sich ohne Skrupel anmeldeten, nur Verachtung übrig. Zu unseren musikalischen Vorlieben zählten Walzer und Foxtrott ebenso wenig wie Märsche oder Opernarien. Auch das Getue um die "Darf-ich-bitten"-Anstandsregeln stieß mich ab. Viel zu spät kapierte ich, dass meine Kumpels ganz andere Ziele im Visier hatten. 
 
Dennoch: Beim Disco-Gehampel musste ich feststellen, dass ich ohnehin über wenig Taktgefühl verfügte. Immerhin, Klammerblues beherrschte ich. Das musste reichen. Leider nicht für Großveranstaltungen wie Betriebsfeste und Hochzeitsfeiern, die für mich deshalb zu einer quälenden Angelegenheit wurden. Damals war ich sogar den Gefahren des Alkoholismus ausgesetzt, weil ich erkannte, dass die Behauptung "Der schönste Platz ist immer an der Theke" hin und wieder durchaus ihre Berechtigung hat. Aus dieser Zeit resultiert auch, dass der Ruf "Damenwahl!" bei mir den gleichen Fluchtreflex auslöst wie ein Feueralarm. 
 
Aus all diesen Gründen war ich überrascht, als ich heute morgen in der Küche bemerkte, dass die Zubereitung meines Frühstücks mir Bewegungsabläufe eingeprägt hat, die einer gewissen tänzerischen Choreographie entsprechen. Nun schwebe ich schon lange nicht mehr graziös Treppenstufen hinauf wie noch in jungen Jahren. Doch für eine elegante Schrittfolge zwischen Kühlschrank, Arbeitsplatte, Küchenschrank, Waschbecken und Kaffeemaschine reicht die verbliebene Puste allemal. 
 
Würden Bienen mich dabei beobachten, wie ich in einer festgelegten Reihenfolge unter anmutigem Körpereinsatz den Obstteller bestücke, mir ein Butterbrot mit Käse belege, ein Wasserglas fülle und zwischendurch dafür sorge, dass exakt zum Abschluss der Vorbereitungen die Tasse gefüllt mit dampfendem Kaffee bereitsteht, dann müsste ich glatt mit einer Invasion der Honigsammler rechnen. Denn Bienen verraten bekanntlich ihren Artgenossen durch sogenannte Schwänzeltänze, wo es reichlich Nektar zu holen gibt. Liebe Bienen, bleibt bitte bei Euren Blüten! In unserem Kühlschrank wachsen allenfalls Eisblumen. 
 
Aber was soll ich mit meiner neu gewonnenen Erkenntnis anfangen? Soll ich auf meine alten Tage doch noch das Tanzen erlernen? Damit ich später beim Seniorenschwof im Altenheim ganz groß auftrumpfen kann? Wissenschaftler behaupten ja, dass das Erwerben neuer Fertigkeiten, wie etwa Sprachen lernen oder Instrumente spielen, vor Demenz schützt. Und beim Tanzen käme auch noch die Bewegung hinzu, die mit fortschreitendem Alter zwar schwerer fällt, jedoch immer wichtiger wird. Also los: Eins, zwei, cha, cha, cha? 
 
Nur nichts überstürzen. Ich denke mal drüber nach. Derweil höre ich weiter die Rolling Stones, zucke dabei rhythmisch mit dem Fuß und lege das Tanzprojekt für zehn Jahre auf Wiedervorlage. Ein tägliches gutes Frühstück muss so lange reichen. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 122 vom 19. 8. 21

 

Stuttgart, Cottbus, Hannover, Mainz, Unna, Neuss, Zweibrücken, Essen, Lüneburg, Passau, Oldenburg, Siegen, Tübingen. Nein, das ist nicht der Tourneeplan der Tintenhühner. Geduldet Euch noch ein wenig, dann verrate ich, was die Aufzählung zu bedeuten hat. 
 
Namen sind Nachrichten. Das weiß jeder Journalist. Doch manchmal sind Namen leider schwer zu verstehen. Vor allem, wenn sie nicht so wunderbar wohlklingend sind wie zum Beispiel "Krause". Erschwert dann noch eine schlechte Telefonverbindung das akustische Verständnis, dann hilft nur eins: Buchstabieren! Weil ich weiß, wie empfindlich Menschen darauf reagieren können, wenn ihr Name in der Zeitung durch Fehler verunstaltet wird, habe ich sie zur Kontrolle oft noch einmal wiederholt. Und zwar Buchstabe für Buchstabe. 
 
Eine große Hilfe war mir dabei eine Liste mit Begriffen und Vornamen, auf deren Anfangsbuchstaben es jeweils ankam. Also nicht Alpha, Beta, Gamma, Delta, sondern Anton, Berta, Cäsar, Dora usw. Meine Lieblingsbuchstaben waren Nordpol und Kaufmann, vor allem aber Ökonom, Xanthippe und Zacharias. Die drei Letztgenannten kamen leider nur selten vor. 
 
Und nun muss ich zu meinem Entsetzen lesen, dass man die seit vielen Jahren bewährte Buchstabenhilfe ändern und neue Begriffe einführen will. Was soll das? Es hat doch prima funktioniert! Keinen einzigen der auf diese Weise verifizierten Namen habe ich in 35 Berufsjahren falsch geschrieben! 
 
Jetzt will man auf Städtenamen umstellen. Wenn die wenigstens noch kurz und knapp wären oder an bedeutende Orte erinnern würden! Stattdessen sind, wie zu lesen war, Wuppertal, Tübingen und Unna in der engeren Wahl. Unna! Xanten sehe ich ja noch ein. Das ist eine schöne alte Stadt, und mit diesem Buchstaben beginnen nicht allzu viele Ortsnamen in Deutschland. Aber Unna? 
 
Wenn es denn unbedingt sein muss, schlage ich "Dorsten" für das D vor. Wie? Was sagst Du? Stattdessen lieber die Landeshauptstadt Düsseldorf? Das ist mit drei Silben doch viel zu lang, Du Dussel! Was hat nur zwei Silben? Dortmund? Das fängt aber nicht mit D an, sondern mit N: Nord-Lüdenscheid! 
 
Ich vermute ja, dass die Marketing-Chefs der vorgeschlagenen Kommunen hinter dem Änderungsbegehren stecken. Darauf lassen zumindest die am 17. August in der Dorstener Zeitung veröffentlichten Aussagen der Bürgermeister schließen. Man erhofft sich von der häufigen Nennung einen deutlichen Besucherzuwachs. 
 
In Unna? Träumt weiter! Um Euch alle Illusionen zu rauben: Jahrzehntelang stand  in den Unterlagen zur theoretischen Führerscheinprüfung "Dorsten" in den Ortseingangsschildern. Und ist deswegen etwa ein Tourist nach Dorsten gekommen? Nix! Niente! Kein einziger! Wahrscheinlich waren die alle in Unna. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zurück zum Anfang. Wenn Ihr mit Eurem frisch erworbenen Wissen die Aufzählung im ersten Satz entschlüsselt, bekommt Ihr den Hinweis auf eine lesenswerte Lektüre. 

 

 Schmunzelpost 121 vom 18. 8. 21

Es gibt Leute, die behaupten, in Tageszeitungen stünde kaum noch etwas Lesenswertes drin. Ich widerspreche energisch: Selbst eine schlechte Zeitung ist besser als keine Zeitung! Wohin es führt, wenn wie in weiten Teilen eines Staates die Zeitungen wegsterben und die Menschen ihre Informationen nur noch von ihrem verfoxten Lieblings-TV-Sender und aus dem Internet beziehen, haben wir in den USA erlebt. Und auch bei uns gibt es viel zu viel Leute, die der "Lügenpresse" abgeschworen haben und die AfD wählen. 
 
Na gut, ich räume ein, auch in unserer Zeitungslandschaften gibt es Ausnahmen, die immer wieder unrühmlich aus der Rolle fallen. Beim Einkaufen stach uns heute an der Kasse die Bild-Zeitung ins Auge. Und das tat weh! Auf der Titelseite lautete sinngemäß die Dachzeile: "Wir bangen mit sieben Deutschen in Afghanistan um ihr Leben". Und darunter stand in Riesenlettern die Schlagzeile: "Und Merkel lacht im Kino". 
 
Sach mal, Bild, geht's noch? Wir sind von Euch ja schon einiges gewohnt, aber das hier hätte die faulige Himbeere für die übelste Überschrift des Jahres verdient! Das fängt mit der Dachzeile an. Ihr bangt also in Afghanistan um sieben Deutsche. Sind Euch Tausende andere Menschen, die für Ausländer gearbeitet haben und jetzt davor zittern, den Taliban in die Hände zu fallen, etwa scheißegal? Und was ist mit den Millionen Frauen und den Leuten, für die ein Leben nach den Regeln der Gotteskrieger der Hölle auf Erden gleichkommt? 
 
Nun zur Hauptzeile. Irgendwie ist es an mir vorbeigegangen, dass der Bild Moral-Kodex "Nach dem Laschet-Ausrutscher im Katastrophengebiet ist führenden Politikern das Lachen jetzt generell verboten" hierzulande Gesetz wurde. Außerdem gibt es keinen einzigen Tag im Jahr, an dem nicht Deutsche oder andere Menschen zweiter Bild-Klasse um ihr Leben fürchten. Dazu kommt die Frage des Ortes, an dem die Straftat begangen wurde. Bei einer Beerdigung würde vermutlich selbst Euer Chefredakteur nicht grinsen. Aber im Kino? 
 
Mich nervt bereits, dass drei Kanzlerkandidaten gezwungen sind, bis zum Ende des Wahlkampfs eine Leichenbittermiene aufzusetzen. Wenn wir das jetzt auf die amtierende Regierung ausweiten, dann Gute Nacht, lieber Humor! Apropos gute Nacht: Ich meine mich zu erinnern, dass es bei Filmvorführungen meist dunkel im Saal ist. Wie habt Ihr die Kanzlerin entlarvt? Mit Nachtsichtgeräten? Oder mit akustischen Aufzeichnungen? "Das war nicht die Nachtigall - das war die Merkel. So kichert man nur in der Uckermark!" 
 
Nun zum Einwand, "Prominente stehen im öffentlichen Raum ständig unter Beobachtung". Ich rechne damit, bald in "Bild" die Überschrift zu lesen: "Sauer macht lustig". Denn der Kanzlerinnen-Gatte erzählte mir, dass er seine Frau abends in einem Anflug von Übermut unter der Fußsohle gekitzelt hat. Um dann erschrocken innezuhalten: "Pardon, Angela, bitte lach' nicht! Ich glaube, da liegt ein Bild-Reporter unter dem Bett." 
 
Nur gut, dass ich nicht prominent bin. Sonst hätte Bild mich heute bei der Zeitungslektüre gleich zweimal beim Schmunzeln erwischt. Denn im überregionalen Teil bot die Dorstener Zeitung reichlich Stoff für Satiriker. Ebenso erstaunt wie belustigt las ich, dass ernsthaft darüber diskutiert wird, ob das Wort "Curry" weiterhin benutzt werden darf. Oder ob man dann in Teufels Küche kommt, weil man den Kolonialismus verherrlicht. Äh, wo kam noch gleich unsere Kartoffel her? Ich glaube, ich gewöhne mich schon mal daran, künftig "Erdapfel" zu sagen. 
 
Gleichermaßen überzogen fände ich es, bald auf die Bezeichnung "Hawaii" verzichten zu müssen. Ja, das Insel-Archipel ist seinerzeit von den US-Amerikanern annektiert worden, die bei der Namensfindung die Ureinwohner nicht nach ihrer Meinung gefragt hatten. Doch wie war das mit Amerika? Haben uns die Historiker verheimlicht, dass die Vorfahren von Sitting Bull und Tecumseh gut Freund mit Amerigo Vespucci waren? 
 
Überhaupt: Wo fängt man an, wo hört man auf? Werden nun die US-Bundesstaaten umbenannt nach den Indianerstämmen, die dort früher zuhause waren? Also Athabaskia statt Alaska, Kitanunok statt Kalifornien und Nünü Tümpisattsi statt Nevada? Echt gewöhnungsbedürftig. Für das Umtaufen von Manhattan schlage ich deshalb vor: "Die-Insel-in-der-Mündung-des-großen-Flusses-auf-der-Manitus-Kinder-ihren-Wigwam-aufstellten". Das geht doch flüssig über die Lippen, oder? 
 
Doch wenn wir uns in der Ferne bei den Namen an den früheren Eigentümern orientieren, sind auch die Tage von "Deutschland" gezählt. Aber wo wollen wir ansetzen? Vor dem Deutschen Reich und dem Deutschen Bund gab es ein Konglomerat von Fürstentümer, Königreichen und freien Hansestädten. 
 
 Noch weiter zurück? Alemannia und Teutonia sind Wortschöpfungen nach einzelnen Germanenstämmen. "Germania" wäre aber auch falsch, weil noch vor den Germanen und Slawen die Kelten unser Territorium besiedelten. Und vor den Nachfahren der Steinzeitmenschen und der Eiszeit sind hier bereits die Neandertaler zuhause gewesen. Ich schlage daher vor, noch weiter zurückzugehen und zu überlegen, wie die ersten heimatbewussten Wesen als Bindeglied der Menschwerdung zwischen Affen und Homo sapiens wohl über ihre Jagdgründe kommunizierten. Deshalb plädiere ich für "Grunzland". 
 
Grunzauf 
kdk 
 
PS. Aufmerksame Leser werden registriert haben, dass von zwei Zeitungsartikeln die Rede war, jedoch nur auf einen eingegangen wurde. Den anderen hebe ich mir für morgen auf!  
  

 Schmunzelpost 120 vom 17. 8. 21

Im Dezember 1937 kam Robert Gernhardt in Talinn zur Welt. Also vor fast genau 82 Jahren und 71/2 Monaten, was, äh, sich nicht nach einem runden Jubiläum anhört. Gestorben ist er am 30. Juni 2006. Das ist traurig, aber eigentlich auch kein Anlass für einen Gedenktag. Aber nun, ich hab's: 1971 gab Gernhardt sein Pseudonym Lützel Jeman auf und begann vor 50 Jahren unter seinem eigenem Namen in der Satirezeitschrift "Pardon" zu publizieren!
 
Na gut, ich gebe zu, der wirkliche Grund, die heutige Schmunzelpost Robert Gernhardt zu widmen und mir einen faulen Tag zu machen ist, dass ich im öffentlichen Bücherschrank eine neuwertige Buchausgabe mit seinen sämtlichen Gedichten gefunden und mich umgehend darin festgelesen habe. Nun sollt auch Ihr davon profitieren.
 
Ich über mich

Ich sprach nachts: Es werde Licht!
Aber heller wurd' es nicht.

Ich sprach: Wasser werde Wein!
Doch das Wasser ließ dies sein.

Ich sprach: Lahmer, du kannst gehn!
Doch er blieb auf Krücken stehn.

Da ward auch dem Dümmsten klar,
daß ich nicht der Heiland war. 

Gedicht über den Menschen (mit Trompetenbegleitung)

Man hört so oft
"Der Mensch ist gut"
(Tuut)

Jedoch, wenn ich
die Menschen seh'
(Tätää)

dann scheint mir das,
was ich da sah
(Traraa)

das reine Gegenteil
von "gut"!
(Tätää...äh...Tuut!)

Wie tun es die Anderen? Heute: Die Inselbewohner  
 
Man tuts auf den Komoren
mit angelegten Ohren
Man tuts auf den Lofoten
mit schräggestellten Pfoten
Man tuts auf den Kykladen
mit abgespreizten Waden
Man tuts auf den Molukken
genauso, nur im Ducken
Man tuts auf den Seychellen
an höchst versteckten Stellen
Man tuts auf den Kurilen
nach stundenlangem Zielen
Man tuts auf den Antillen,
in Trance, wie wider Willen
Man tut es auf der Insel Juist
indem man durch den Schniepel niest.
 
Das nächste Gedicht (bilde ich mir gern ein) hat Robert Gernhardt eigens für mich geschrieben:
 
Wer bin ich

Ich weiß nicht, wie ich wirklich heiß',
ich kenn' nur meinen Namen.
Und diesen trug bereits ein Greis,
einer meiner Ahnen.
Ein Mann, der Abel hieß, nein Kain,
nein Noah, nein Hans-Peter,
nein Leberecht, nein Franz, nein Hein,
nein Werner, doch da steht er
ja zufällig am Wegesrand -
Tag, Ahn, wie schön, daß ich dich fand!
Wie heißt du denn, mein Guter?
"Klaus-Duter".
Ach ja? Dann heiß ich auch so. 

Der Reim "In der Kürze liegt die Würze" stammt nicht von Robert Gernhardt, sondern von einer gewissen Anke K. Trotzdem will ich mich heute mal daran halten. Aber nicht, ohne darauf hinzuweisen, dass Gernhardt im letzten Lebensdrittel außer Nonsensreimen und Parodien auch ernste Gedichte geschrieben hat. Vor allem, als er Herzprobleme bekam (Lichte Gedichte) und als er mehrere Jahre vergeblich gegen den zu spät erkannten Darmkrebs kämpfte (Die K-Gedichte).

Und dennoch: Selbst im Angesicht des Todes ließ sich Robert Gernhardt das Schmunzeln nicht austreiben. Und sein Sprachgefühl erst recht nicht.

Lagebeurteilung

Wollte immer schnell
abtreten.
Bin wohl bestimmt zum
Weilen.
Wie soll denn den,
der langsam vergeht
jemals das Ende
ereilen?

Zum guten Schluss
ein wirklich guter Rat 
 
Ungutes ist zu berichten:
 
Dickdarmkrebs trifft alle Schichten. 
Fünfzigtausend fällt er an, 
und das jährlich, 
dreißigtausend sterben dran, 
sein wir ehrlich: 
Totsein hilft nicht wirklich weiter. 
Überleben wär gescheiter. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nach der Gender-Fundsache befasste sich auch Wolfgang mit der Geschlechtszuordnung: 
Warum heißt es "der Magnet" und nicht "die Magnet"? Weil er sonst nicht wüsste, was er anziehen soll!
 
PPS. Weil der, die, das Schmunzelpost komplett ausgewogen ist, noch eine Frage, die Frauen stellen: 
Warum heißt es "der Depp", "der Blödmann" und "der Volltrottel"? Allein schon, dass fast jeder Mann angestrengt über die Frage nachdenkt, erklärt alles! 
 

Schmunzelpost 119 vom 16. 8. 21

Mit Gerhard Schröder habe ich wahrscheinlich nur ein einziges Mal voll übereingestimmt: Als er sich damals entschieden gegen eine deutsche Beteiligung am Irakkrieg wandte. In der Folgezeit verlor der Mann bei mir immer mehr an Glanz. Jetzt aber musste ich feststellen, dass Schröder und ich neue Gemeinsamkeiten haben. Wir stellen beide Texte ins Internet. Und wir beschäftigen uns dabei meist mit Nebensächlichkeiten. Wobei ich neidlos anerkenne, dass Schröder womöglich mehr Leser hat.
 
Wenn Altkanzler Helmut Schmidt sich räusperte, dann fand das stets große Beachtung. Durch die Rauchwolken drangen aber auch staatstragende Gedanken zur Rolle der Nato oder zur Weltwirtschaftslage. Gerhard Schröder hingegen beschäftigt sich mit Gartenpflanzen oder der Currywurst. Wobei man erst mal darauf kommen muss, das Ding "Kraftriegel" zu taufen. 
 
Vielleicht steckt hinter der Themenauswahl jedoch durchaus Kalkül. Wenn Schröder sich über die Situation der SPD auslässt, dann erregt das weit weniger mediale Aufmerksamkeit als wenn er seine kulinarischen Vorlieben verwurstet. Kaum eine Zeitung, kaum ein Nachrichtenmagazin, das nicht mehr oder weniger ausführlich und mehr oder weniger satirisch über die Geschichte berichtet hat. Nicht nur die Currywurst, auch Gerhard Schröder ist wieder in aller Munde! Im übertragenen Sinn, versteht sich. 
 
Damit wäre ich bei den Fundsachen der letzten Tage. Zunächst mal ein Hinweis, der ausnahmsweise überhaupt nicht zum Schmunzeln gedacht ist. In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung ist die komplette Seite drei dem Umgang Chinas mit den Uiguren gewidmet. Ich hatte ja bereits vorher einiges davon gehört, das Ausmaß der menschenverachtenden Zwangsmaßnahmen ist jedoch erschütternd. Aus dem wirklich lesenswerten Bericht gewinnt man den Eindruck, die chinesische Führung hätte eingehend Orwells "1984" studiert. Und dann entschieden: "Tolles Konzept! Das machen wir so!" 
 
Heiter stimmte mich dagegen einmal mehr die Axel Hacke Kolumne "Das Beste aus aller Welt. Schon beim Einstieg fand ich mich wieder: "Auf der Titelseite ihrer aktuellen Ausgabe vermerkt die Redaktion der Zeitschrift 'brand eins', das Magazin sei dem 'Schwerpunkt Körper' gewidmet. Das ist nicht leicht zur Kenntnis zu nehmen, wenn man seinen persönlichen Körper gerade morgens nackt auf die Waage gewuchtet hatte und diese seufzend wieder verließ, mit einem Wissen, das unter der Rubrik 'Schwerpunkt Körper' treffender zusammengefasst ist, als man es sich gewünscht hätte." 
 
Im weiteren Verlauf zitiert Hacke zweimal meinen Lieblingsdichter Robert Gernhardt mit kurzen Zeilen, deren Inhalt ich ebenfalls teile: "Mein Körper ist so unsozial. Ich rede, er bleibt stumm. Ich leb' ein Leben lang für ihn. Er bringt mich langsam um." Und den zweiten Auszug aus dem Gedichtband "Körper in Cafes" werde ich umgehend beherzigen, sobald die Schmunzelpost fertig ist: "Mein Körper rät mir: Ruh Dich aus! Ich sage: Mach' ich, altes Haus!" 
 
Doch vor der Ruhepause noch eine letzte Fundsache zu den Auswüchsen der Genderitis. Der Hohlspiegel entlarvt, dass die FAZ-Werbung: "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" zwar für die Leser gelten mag, aber nicht immer für die Schreiber. Wie könnte sonst solch ein Satz zustande kommen: "Im Übrigen zieht es bei den Witwern und Witwerinnen eher die Männer vor den Traualtar." 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 118 vom 15. 8. 21

 

Rats! Mist, da ist es schon wieder passiert. Ich habe einen "Kraftausdruck", so nannte man das früher, benutzt, den ich mir eigentlich verkneifen wollte. Die allzu häufige Lektüre der "Peanuts", zum Teil im US-amerikanischen Original, hat dazu geführt, dass ich bei Fehlschlägen oder kleinen Missgeschicken statt "Mist" häufig "Rats" denke. Dabei war die Verwendung jeglicher Form von Flüchen in meinem Elternhaus verpönt. Selbst "Ach du grüne Neune" wurde mit einem bösen Blick geahndet.
 
So hat es sehr lange gedauert, bis mir das Wort "Scheiße" einmal über die Lippen kam. Diese Zurückhaltung hat sich mittlerweile gelegt. Inzwischen weiß ich die befreiende Wirkung eines herzhaften Fluches durchaus zu schätzen. Woran ich mich in meinem biblischen Alter jedoch nicht gewöhnen kann, ist, dass inzwischen "Fuck" droht, "Scheiße" den Rang abzulaufen. Zumindest bei den Jüngeren.
 
Es ist so weit gekommen, dass ich mir wünsche, die Unsitte des amerikanischen Fernsehen jedes "Fuck" mit einem "Beep" zu überblenden, würde auch in unserem Alltag funktionieren. Was natürlich eine Spinnerei ist. Man stelle sich nur mal vor, im deutschen Fernsehen würde "Scheiße" auf diese Weise ausgemerzt. Zum Beispiel bei einer "Tatort"-Wiederholung mit Götz George als Schimanski. Junge Zuschauer würden doch glatt glauben, der Kommissar könne nicht sprechen, der würde nur morsen! Es bleibt wohl nichts anderes übrig, als mich mit "Fuck" abzufinden. Rats!
 
Nicht abfinden werde ich mich dagegen mit dem falschen Gebrauch der deutschen Sprache in unseren Medien. Wann trichtert endlich mal jemand den Nachwuchsjournalisten ein, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen scheinbar und anscheinend gibt. Scheinbar beherrschen alle Kollegen solche Sprachregeln. Das scheint aber nur so, ist also falsch. Wenn ich jedoch sage, dass anscheinend immer mehr Medienschaffenden eine korrekte Ausdrucksweise nicht mehr so wichtig ist, dann meine ich damit: Einiges spricht dafür, dass diese Annahme zutreffen könnte!
 
Nach dieser eleganten Hinführung zum heutigen Thema, kann ich nun daran erinnern, dass diese Woche in NRW der Schulunterricht wieder beginnt. Was uns nicht davon befreit, im eigenen Umfeld (und bei uns selbst) am Abbau von Fehlern zu arbeiten. Irgendein kluger Mensch hat einmal festgestellt: Wie man spricht und schreibt, so denkt man! Ich reiche deshalb die Ausführungen des treuen Schmunzelpost-Lesers Manni Lauffs (einmal Deutschlehrer, immer Deutschlehrer) an Euch weiter: 
 
 Scheinbar richtig?

Über einige typische Sprachfehler 
Keiner von uns ist fehlerfrei. Flüchtigkeitsfehler sind fast immer verzeihlich. Es gibt aber eine Reihe von ärgerlichen Sprachfehlern, die sich in den letzten Jahren hartnäckig verbreitet und festgesetzt haben, nicht nur im privaten Gespräch, sondern in öffentlicher Rede, in Presse, Fernsehen, Politik. Und dort sollte man doch eigentlich korrektes Deutsch erwarten! In den folgenden „idealtypischen“ Sätzen sind die häufigsten zusammengefasst: 'Zu Beginn diesen Jahres war ich in China (gesprochen „Kina“ oder „Schina“), weil ich dachte mir, ich bräuchte mal Urlaub, scheinbar hatten viele andere dieselbe Idee! Das Flugzeug war aussen weiss. Ich war insofern überrascht, als dass man am Flughafen wider besseren Wissens ein Schild aufgehangen hatte: „Herzlich Willkommen!“ Das war schon heftig (gesprochen: „heftick“)! Im Flugzeug las ich ein Buch des berühmten Autoren X.' 
 
Also: Es muss natürlich richtig heißen „dieses Jahres“ (wie „dieses Kindes“). „China“ spricht man mit „Ch“ am Anfang, wie in „Kirche“. Nach „weil“ (Nebensatz!) muss der Satz umgebaut werden: „weil ich mir dachte“. „Bräuchte“ - ein Problemfall! Der Duden gestattet es inzwischen, nachdem er jahrelang als falsch bezeichnet hat. Für den Publizisten Wolf Schneider ist es falsches Deutsch, man sage ja auch nicht: „Ich räuchte gern eine Zigarette“.) Empfehlung: Wenn es keine Verwechslung mit dem Präteritum (Vergangenheit) geben kann, ist „brauchte“ vorzuziehen.
 
„Scheinbar“ bedeutet „zum Schein“, also etwa: „Der Zauberer ließ das Kaninchen scheinbar verschwinden“. Im obigen Satz mit dem Urlaub müsste man „anscheinend“ nehmen. Nach Zwielauten („ei“, „au“, „äu“, „eu“) steht – nicht erst seit der Rechtschreibreform, sondern immer schon! – ein „ß“, also: „außen weiß“. Die Hersteller von Malerfarben wissen das scheinbar, nein: anscheinend nicht, sie schreiben auf die Farbeimer „Polarweiss“ - oder machen sie das wider besseres Wissen? Die falsche Form: „wider besseren Wissens“ - oder schlimmer: wider besseren Wissen“ (neulich in der Zeitung) ist ganz weit verbreitet, im „Tatort“ gebrauchte sie z.B. Professor Boerne.
 
„Insofern, als man...“ ist richtig, nicht: „insofern, als dass man...“ Ein Schild wurde „aufgehängt“, nicht „aufgehangen“. (Danach hat es vielleicht lange da „gehangen“!) Die Schilderaufschrift muss lauten: „Herzlich willkommen!“ Denn „willkommen“ ist hier ein Eigenschaftswort. Es gibt natürlich „ein herzliches Willkommen“ (Hauptwort)! Die Aussprache von „heftig“ ist „heftich“, „-ig“ am Wortende wird immer „-ich“ gesprochen, z.B. in „König“, „fertig“ usw. Und der berühmte Autor? Der 2. Fall heißt „des Autors“, der 3. „dem Autor“ und der 4. „den Autor“. Man sagt ja auch nicht: Die Praxis des Doktoren! Aber „des Autoren“ schreiben selbst Kulturjournalisten. Vielleicht sollte so eine Liste mit zu vermeidenden Fehlern in allen Redaktionen aufgehangen, nein: aufgehängt werden! Aber ob das was nützt?
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 117 vom 14. 8. 21

Das kennen wir alle. Wir stehen in einem Hochhaus und sind zu faul zum Treppensteigen. Also entscheiden wir uns für den Fahrstuhl. Und nehmen dafür sogar längere Wartezeiten in Kauf, weil vor allem zu Zeiten von Corona die Benutzerzahlen begrenzt sind. Oder weil wir fürchten, dass durch unser Hüftgold beim Einstieg das zulässige Gesamtgewicht überschritten werden könnte. Dann setzt sich der Fahrstuhl langsam in Bewegung. Ächzend und, wie es uns erscheint, recht ruckelig. Ist das ein altersschwaches Modell? Oder wurde bei der Wartung geschlampt? 
 
Es gehört offenbar zu den Urängsten der Menschheit, dass wir Fahrstühlen grundsätzlich misstrauen und jedes Mal den freien Fall fürchten, wenn wir sie trotzdem benutzen. Selbst die Steinzeitmenschen sollen beim Verlassen ihrer Hochgebirgshöhle Aufzüge prinzipiell gemieden haben. Doch würden wir im Falle eines Falles, wörtlich genommen, wirklich zu Tode kommen? Und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt? 
 
In dem von Cody Cassidy und Paul Doherty verfassten Standardwerk über ungewöhnliche Todesarten heißt es dazu: "In der 150-jährigen Geschichte des Fahrstuhls, bei mehr als 800 Milliarden Fahrten, hat sich wahrscheinlich die Mehrheit der 1,3 Billionen Fahrgäste irgendwann einmal Sorgen gemacht, dass  das Kabel reißen und sie eines schrecklichen Todes sterben könnten. Und sie haben allen Grund dazu. Denn das ist passiert. Einmal." 
 
1945 war ein verirrter Bomber-Pilot mit seiner Maschine im Nebel gegen das 79. Stockwerk des Empire State Buildings gekracht. Dabei hatte er die Winde und die Kabel beider Fahrstühle durchtrennt. Damals saßen in den Aufzügen besonderer Gebäude noch Fahrstuhlführerinnen, die Gäste in die gewünschte Etage brachten. Eines der beiden Lift-Girls hatte gerade eine Zigarettenpause eingelegt. "Sicher eine der am günstigsten getimten Frühstückspausen der Menschheitsgeschichte", meinen die Autoren. Weniger Glück hatte leider die Kollegin Betty Lou Oliver. Sie plumpste 75 Etagen tief in den Fahrstuhlschacht. 
 
Die weiteste Strecke, die man heute theoretisch (dank Mister Elisha Graves Otis gibt es überall eine auf seinem Patent beruhende perfekte Sicherheitsbremse) mit dem Fahrstuhl abstürzen kann, beträgt 520 m. Das ist die Grenze, bis zu der Förderseile das Gewicht bewältigen können. Bei höheren Gebäuden heißt es danach: Umsteigen! 
 
Dennoch: 520 m reichen völlig aus, wenn Du den Passagieren Hals- und Beinbruch gewünscht und dann für den Absturz gesorgt hast. Wer im Lift im freien Fall 170 Stockwerke nach unten rauscht, erreicht am Boden 300 Stundenkilometer. Und das genügt in der Regel, um sich das Genick zu brechen. 
 
Wir erinnern uns? Bei Miss Oliver waren es bloß 75 Stockwerke. Und sie hat tatsächlich überlebt! Dazu trug entscheidend bei, dass der Aufzug eng im Schacht befestigt war. Dadurch bildete sich eine Art Luftkissen, dass die Fallgeschwindigkeit verminderte. Doch das Lift-Girl hatte sogar doppeltes Glück: Es wählte die falsche, in ihrem Einzelfall jedoch die richtige Körperhaltung. 
 
Normalerweise sollte der Aufpralldruck gleichmäßig auf den ganzen Körper verteilt werden. Das heißt, man legt sich am besten flach auf den Kabinenboden. Stehen ist dagegen schlecht. Und selbst, im letzten Moment in die Luft zu springen, bringt rein gar nichts. Trotz der ein, zwei Stundenkilometer weniger reißen sich beim Knall auf den Boden die inneren Organe aus ihren Aufhängungen und streben im Körper nach unten. Was uns überhaupt nicht bekommt. 
 
Miss Oliver saß dagegen in einer Kabinen-Ecke. Das hilft nicht so viel wie flaches Liegen, bewahrte sie aber immerhin davor, durch aus dem Kabinenboden ragende Trümmerteile aufgespießt zu werden. So kam die Dame mit einem Riesenschock, ein paar gebrochenen Rippen und diversen Rückenblessuren davon. 
 
Falls Ihr Statistiken gelesen habt, in denen von zwei, drei Fahrstuhl-Toten jährlich die Rede ist: Die Betroffenen kamen auf andere Weise um. Entweder hatten sie versucht, aus einem stecken gebliebenen Fahrstuhl zu klettern oder sie waren in allerletzter Sekunde in die sich schließende Kabinentür gesprungen. 
 
Daher bleibt für mich eine Chance bestehen, quasi unsterblich zu werden. Wenn mich mal das Grübeln über die eigene Bedeutungslosigkeit zu sehr plagen sollte, muss ich bloß dafür sorgen, dass ich mich allein in ein Hochhaus schleichen kann. Dann noch die Technik komplett sabotieren und aus dem obersten Geschoss in der Fahrstuhlkabine stehend ins Jenseits rauschen. Vom Schmunzelpost-Verfasser kdk wird nach meinem Ableben kaum noch jemand reden, aber an den Typen, der im Aufzug zu Tode kam, wird man noch ewig denken. Jedesmal, wenn sich die Fahrstuhltür öffnet. . . 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 116 vom 13. 8. 21

Na, woran wollen wir heute sterben? Da einige Naschkatzen unter uns sind, habe ich mich für eine anfangs sehr angenehme Methode des Ablebens entschieden. Also nicht, wie beim Film "Das große Fressen" alles bis zum Exitus in sich hineinstopfen, sondern sich mit Süßigkeiten ins Jenseits befördern: Mit Schoko-Keksen! 
 
Champion im Verzehr solcher Kekse ist bekanntlich das Krümelmonster aus der Sesamstraße. Es haben sich tatsächlich Leute gefunden, die nachzählten, wie viele Kekse das Krümelmonster im Laufe seiner TV-Karriere verputzt hat: Genau 13 145! Die verteilen sich jedoch auf insgesamt 45 Jahre. 
 
Was aber, wenn die Keks-Liebhaber unter Euch mit dem Gedanken spielen, einen persönlichen Rekord aufzustellen? Immerhin gibt es in den USA Wettbewerbe im Burger-Verschlingen, die ich mir genauso appetitlich vorstelle wie das Dschungelcamp und deshalb niemals anschauen würde. Doch wenn Ihr Zeugen für Euren Keks-Rekordversuch braucht, stehe ich gern zur Verfügung. Schon, um Erste Hilfe zu leisten und rechtzeitig den Notarzt zu bestellen. 
 
Zunächst solltet Ihr wissen, dass unser Magen etwa die Größe einer Faust hat. Zum Glück vermag er sich zu dehnen, so dass er maximal vier Liter Nahrung aufnehmen kann.  Und dann hat der Magen noch die nützliche Angewohnheit zu signalisieren, dass er es satt hat, noch mehr von dem Zeug zu verdauen, das Ihr in ihn hinein stopft. Der Haken: Anders als bei Proteinen und Ballaststoffen reagiert der Magen auf Kohlenhydrate und Fette erst leicht verzögert nach etwa 20 Minuten. Ausreichend Zeit für Schleckermäuler, weit mehr einzuwerfen als ihnen gut tut. 
 
Wer ziemlich dünn ist oder seinem Magen durch ein gezieltes Aufwärmtraining (z.B. Weintrauben am Vorabend) größere Dehnbarkeit verliehen hat, der schafft sogar 60 Schoko-Kekse. Aber sie (oder er) wird es bereuen. Denn nun setzen Würgereflexe ein, die dazu führen, dass die Kekse den Magen auf dem gleichen Weg wieder verlassen wollen, den sie gekommen sind. 
 
Wem es  gelingt, diese Reflexe zu unterdrücken und noch weitere 30 Kekse zu vertilgen, der kriegt erst recht Probleme. Entweder drückt der vergrößerte Magen gegen die Lunge und bei seinem erheblich vergrößerten Volumen ist die Folge recht unangenehm: Du erstickst! Oder aber der Magen-Koloss drückt die Vene ab, die das Blut aus dem Darm zurück befördern soll. Auch das wird kaum jemand überleben. 
 
Selbst, wenn es der Magen irgendwie schafft, Kekse vorzeitig mit freundlichen Grüßen an den Darm weiterzuleiten, hilft das nicht weiter. Auf den Keksen befinden sich Bakterien. Werden diese nicht im Magen per Verdauung eliminiert, dann feiern sie im Darm fröhliche Feste. Mit Knalleffekt: Die Eingeweide explodieren! Diagnose: Tod durch Rülpsen!
 
Wenn Ihr den letztgenannten Fall anstrebt, stehe ich als Zeuge doch nicht zur Verfügung. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 115 vom 12. 8. 21

Na, ist Euch das Schmunzeln schon vergangen? Nicht? Das ist gut. Morbid und makaber, das sind Zutaten, die meine Art von Humor speisen. Daher habe ich auch am Thema "Methoden des Ablebens" so viel Gefallen gefunden, dass ich die Reihe noch ein wenig fortsetzen möchte. 
 
Immerhin könnt Ihr daraus auch praktischen Nutzen ziehen. Ihr wisst jetzt, warum Ihr Euch nicht als blinde Passagiere in Mondraketen schleichen solltet. Und auch, warum das Schwimmen in Hai-Gewässer nicht unbedingt zu empfehlen ist. Schwieriger wäre es schon, sich lebendig begraben zu lassen. Doch es gibt auch oberirdisch genügend tückische Fallen. Und eine halsbrecherische Gefahr, vor der ich heute warne. 
 
Da ist diese Slapstick-Nummer, über die sich unsere Großeltern (und natürlich auch Kinder jedes Zeitalters) vor Lachen ausschütten konnten - zumindest, wenn es andere erwischte. Neben dem Klatschen von Torten in Gesichter war früher das Ausrutschen auf Bananenschalen stets ein Brüller. Solange es uns nicht selbst passierte. Dabei kann es jeden von uns treffen. Wer Kinder und Enkel zum Obstverzehr animiert, sollte damit rechnen, dass nicht nur in Comics Bananenschalen auf dem Boden liegen. 
 
Wissenschaftliche Studien beweisen, dass Bananen sich am gefährlichsten in Schale werfen. Vergleichswerte gefällig? Gummisohlen auf Zementplatten haben einen Reibungskoeffizienten (RK) von 1,04 und sind damit völlig rutschfest. Mit Socken über Holzböden schlittern, drückt  den RK auf 0,23. Und ein Gang über Eisflächen ist mit 0,15 RK eine riskante Angelegenheit. Doch Professoren der japanischen Universität Kitasato fanden heraus, dass selbst Gummisohlen beim Tritt auf eine Bananenschale nicht helfen: Die glitschige Falle hat auf Holzböden einen RK von nur 0,07! Ursache ist ein Gel, das bei Belastung aus der Bananenschale austritt. Gefährlicher sind lediglich eingefettete Oberflächen (die berühmte Schmierseife). Den niedrigsten Reibungswert weist übrigens eine körpereigene Flüssigkeit auf, die unsere Gelenke schmiert: Sie hat einen Faktor von 0,0003! 
 
Nun hat jeder von uns Sturzerfahrung. Meist wird der Fall  durch Abfangmanöver verhindert. Oft wird die Aufprallgeschwindigkeit auch vermindert, weil wir uns mit den Händen aufstützen. So bleibt es meist bei Blessuren an Armen, Beinen oder dem Po. Das gilt vor allem, wenn wir uns des rutschigen Untergrunds bewusst sind und uns entsprechend vorsichtig bewegen. Mit Bananenschalen rechnen wir jedoch in den seltensten Fällen. Daher ist das Risiko besonders hoch, dass wir mit dem Kopf aufschlagen. Das ist in meinem Fall nicht so schlimm, aber Eurem empfindlichen Gehirn würde es schlecht bekommen. 
 
Entscheidend ist die Fallhöhe. Wären wir Zwerge, könnten wir sogar auf Bananenschalen tanzen, ohne größeren Schaden zu nehmen. Noch besser ginge es uns als Einwohner von Liliput. Jedenfalls hat die Welt noch nie von einem Käfer gehört, der durch Sturz zu Tode gekommen ist. Doch der Unterschied zwischen 50 cm und 1,80 m Größe entscheidet über Beule oder Schädelbruch! 
 
Bekanntestes Opfer war übrigens ein englischer Stuntman. Er war weltberühmt, weil er in ein Stahlfass kletterte und sich damit die Niagarafälle hinunter stürzte.  Zwar bescherte ihm die tollkühne Nummer zwei gebrochene Kniescheiben und ein halbes Jahr im Krankenhaus, aber er überlebte und ging nach der Genesung mit seinem Fass auf Welttournee, um Survival-Vorträge zu halten. Bis er 1926 in Neuseeland auf einer Schale ausrutschte. . . 
 
Jeden Tag, so sagt die Statistik, haben wir ein Unfallrisiko von eins zu einer Million. Wäre es also besser, im Bett liegen zu bleiben, damit uns die böse Welt da draußen nichts anhaben kann? Keine gute Idee. Allein, wenn wir fast rund um die Uhr vor dem Fernseher hocken, verringern wir unsere Lebenserwartung um 25 Prozent. Strenge Bettruhe ist erst recht extrem gefährlich. Muskel- und Knochenschwund setzen ein, die Körperflüssigkeiten verändern sich. Das Blut verdickt, Herzinfarkt und Schlaganfall drohen. Falls das noch nicht ausreicht, geben uns die üblen Folgen des Wundliegens den Rest. 
 
Also aufstehen und hinaus ins feindliche Leben. Für Männer gibt es übrigens ein gutes Rezept, um es zu verlängern. Wer heiratet, lebt im Schnitt zwei Jahre länger (wobei das "feindliche Leben" je nach Qualität der Ehe eine neue Bedeutung bekommen kann). Für Frauen gilt dies leider nicht. Unverheiratete Frauen leben sogar rund anderthalb Jahre länger. Wer also ohnehin bereits mit dem Gedanken spielt, sich scheiden zu lassen. . . 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. Dazu passt eine "bitterböse" Anmerkung Martins zur Episode "Lebendig begraben": Fragt die Freundin bei der Beerdigung eines Mannes die Witwe: "Warum hast Du ihn den auf dem Bauch liegend in den Sarg legen lassen?" Die Antwort: "Falls er nur scheintot ist, gräbt er sich so nach unten!" 
 

 Schmunzelpost 114 vom 11. 8. 21

Nach unserem Ausflug zum Mond sind wir wieder zurück auf der Erde. Doch auch auf dem Boden der Tatsachen gibt es Menschen, die für ein besonderes Erlebnis kein Risiko scheuen - selbst wenn das Erlebnis tödlich enden kann. 
 
Vielleicht fühlt sich manch Hobbytaucher ermutigt, sich in die Nähe der Giganten der Meere zu trauen, weil kürzlich ein Wal einen Fischer fast unbeschadet wieder ausgespuckt hat. Das lag jedoch vor allem daran, dass dieser Wal sich von Plankton ernährt und ein Mensch gar nicht durch seinen Schlund passt. Bei einem Orca wäre die Sache anders ausgegangen. Der entwickelt den drittgrößten Beißdruck aller irdischen Lebewesen. Je nach dem Orca-Appetit auf Menschenfleisch hätte der Fischer vielleicht auch sein Maul wieder verlassen - aber garantiert nicht in einem Stück! 
 
Was kann dann erst passieren, falls beim Surfen zufällig der Schrecken der Meere, der weiße Hai, vorbei kommt? Zunächst einmal: Die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering. Zehnmal größer ist das Risiko, zuhause die Treppe herunter zu fallen und sich das Genick zu brechen. Dazu kommt, dass Menschen zwar theoretisch zur Lieblingsbeute dieser Profijäger gehören müssten, weil sie wehrlose Opfer sind, langsam, schwach und im Wasser absolut dilettantisch. Doch zum Glück schmecken wir nicht gut. Wir sind für Haie die Eichhörnchen der Meere - zu viele Knochen und nicht genug Fett. 
 
Leider sind Haie neugierig. So kann es geschehen, dass sie aus purem Interesse schon mal knabbern. Mit fatalen Folgen: Das messerscharfe Gebiss eines weißen Hais kann uns problemlos in zwei Hälften teilen. Zum Glück greifen die Räuber gern von hinten an. Dabei begnügen sie sich oft damit, nur ein Bein abzubeißen. Sofort stellen sie fest: Bäh, pfui Teufel, das schmeckt ja überhaupt nicht! Offenbar sind wir für Haie so unappetitlich, dass es fast beleidigend ist. Wenn der Gourmet sich dann trollt, um nach einer saftigen Robbe Ausschau zu halten, haben wir die Chance, uns retten zu lassen. Und mit einem Holzbein haben schon viele Piraten Karriere gemacht. 
 
Allerdings gilt das Gesagte nur für die bis zu sieben Meter langen weißen Haie, die sich hauptsächlich an Küstenregionen herumtreiben. Auf dem offenen Meer sieht die Sache anders aus. Dort ist der Weißspitzen-Hochseehai unterwegs, ein Vielfraß, der fast nichts verschmäht. Vermutlich hätte er sich sogar samstags über die Graupensuppe meiner Mutter hergemacht. 
 
Zum Glück baden draußen im Ozean selten Menschen. Es sei denn, es sind Schiffbrüchige. Sie sollten möglichst wenig Aufsehen erregen. Denn als die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg ein japanisches Schiff versenkt hatten, lockte das Getöse die Hochseehaie an. Fatale Folge: Von den 900 Schiffbrüchigen wurden 150 aufgefressen. 
 
Nun noch zu einem Alptraum, den fast jeder insgeheim befürchtet, der schon Geschichten über Kratzspuren in ausgegrabenen Särgen gehört hat. Wie furchtbar muss es sein, als Scheintoter lebendig begraben zu werden? Folgendes Szenario: Der diensthabende Arzt wird von einem Polterabend herbei gerufen, hat schon einen in der Krone und stellt rasch den Totenschein aus, um die Braut noch küssen zu können. Auch der Bestatter sieht zu, den vermeintlichen Kadaver möglichst schnell in die Kiste zu kriegen. Und schon geht es abwärts, zwei, drei Meter tief. Erde drauf und noch ein paar Kränze - und jetzt sieh zu, wie Du klarkommst. 
 
Gut dran ist derjenige, der ein Handy als Sargbeigabe verfügt hat. Noch besser derjenige, dessen Handyakku aufgeladen ist. Und am besten, falls dann nicht, wie so oft in Deutschland, die Anzeige aufleuchtet: "Kein Netz!" Doch seien wir realistisch. Die raffgierigen Erben kämen niemals auf die Idee, ein funktionsfähiges Smartphone zu verbuddeln. Du wirst also wach und findest Dich ohne Handy, Schaufel und Standleitung zur Feuerwehr in einem luftdichten Sarg wieder. Schreien und Klopfen ist nutzlos, außer Würmern und Maulwürfen hört Dich niemand. Außerdem ist es besser, Sauerstoff zu sparen. Vielleicht plagen den verkaterten Arzt bohrende Zweifel und er veranlasst eine Exhumierung. Oder Dein Enkel, der gierige Gerd, glaubt tatsächlich, dass die Verwandtschaft Deiner Handy-Verfügung entsprochen hat und gräbt den Sarg aus, um sich das Teil zu sichern. 
 
Dafür bleibt nicht allzu viel Zeit. Ein Sarg enthält ca. 900 Liter Luft. Davon wird ein Teil jedoch durch die Körpermasse verdrängt (ein asketisches Leben kann sich also auch nach dem Tod lohnen!). Deine Lunge nimmt pro Atemzug einen halben Liter auf, verbraucht werden aber nur 20 Prozent des Sauerstoffs. Rein rechnerisch würde das für sechs Stunden reichen, bis Du beginnst, gemütlich zu ersticken. (Bei nur zehn Prozent Sauerstoff-Gehalt verlierst Du das Bewusstsein, fällst ins Koma und gibst bei sechs bis acht Prozent endgültig den Löffel ab.) 
 
Doch die Sache hat einen Haken. Wir atmen nicht nur Sauerstoff ein, wir atmen auch CO² aus. Das überschüssige CO² verbindet sich mit unserem Blut und vergiftet das zentrale Nervensystem, was Verwirrtheit und Wahnvorstellungen zur Folge hat. Und spätestens nach vier Stunden steigt der CO²-Gehalt im Sarg auf die tödliche Dosis - zwei Stunden, bevor der fehlende Sauerstoff Dir den Garaus machen würde. 
 
Du siehst, CO² ist ein Teufelszeug. Wir sollten nicht warten, bis wir im Sarg liegen, bevor wir beginnen, etwas gegen die Schadstoffbelastung der Erdatmosphäre zu tun. 
 
Glückauf 
kdk        

 Schmunzelpost 113 vom 10. 8. 21

Der Mond ist ein extrem unwirtlicher Ort. Ohne Atmosphäre, ohne Wein, ohne Fußball. Auch die Planeten unseres Sonnensystems können damit nicht dienen. Und andere Sonnensysteme sind viel zu weit entfernt, als dass wir sie in einem Lebensalter erreichen könnten. Ganz zu schweigen davon, dass wir nicht wissen, wo wir Planeten finden, die für menschliche Besucher geeignet wären. Die außerirdischen Intelligenzen halten mit Informationen hinter dem Berg, nachdem sie beobachtet haben, wie wir mit unseresgleichen und unserem Planeten umgehen. 

Trotzdem hat mich die Raumfahrt von Kindesbeinen an fasziniert. Schließlich war es ein Deutscher, der 1929 den 5-4-3-2-1 Countdown erfunden hat. Regisseur Fritz Lang tat dies zwar für einen Film, aber dennoch haben die Amerikaner und alle anderen Nationen mit Weltraumambitionen das Zählsystem für ihre Raketenstarts übernommen. Mich hat das Runterzählen im Vorspann der deutschen TV-Serie "Raumschiff Orion" derart infiziert, dass ich in den Folgejahren für die Hochliteratur verloren war. Was ist schon Pony, das Seepferdchen, im Vergleich zu einer Supernova im Milchstraßen-Sektor Alpha-Centauri?

Dennoch habe ich niemals Lust verspürt, mich selbst an Bord einer Rakete zu begeben. Dazu ist mein Realitätssinn und mein Riecher für Risiken zu sehr intakt. Man müsste mich schon mit einer Summe locken, die andere für einen Kurztrip ins Weltall zahlen, damit ich überhaupt darüber nachdenken würde.

Trotzdem beschäftigt mich das Thema so sehr, dass ich nun bereits zum dritten Mal eine Schmunzelpost damit fülle. Vielleicht ist es ja Euer großer Traum, dem Mann im Mond oder Frau Luna einen Besuch abzustatten? Selbst ein Maikäfer soll schon mal dort gewesen sein, wie in "Peterchens Mondfahrt" berichtet wird.

Aber wie wollt Ihr auf den Mond gelangen? Die Amerikaner fokussieren sich auf ihre Marsmission. Die nächsten, die eine Mondlandung planen, sind die Chinesen. Doch die betreiben ein so hochkompliziertes Auswahlverfahren, dass es Euch fachchinesisch vorkommen wird. Und selbst, wenn es Euch glückt, perfekt Mandarin zu sprechen, dürfte das nicht genügen. Bleibt als einzige Chance, Euch als blinder Passagier an Bord zu schmuggeln.

Vorher taucht bereits das nächste Problem auf. Eigentlich braucht Ihr unbedingt einen Raumanzug. Der kostet jedoch ca. 12 Millionen Dollar. Und die habt Ihr wahrscheinlich gerade für den Kauf eines Gebrauchtwagens ausgegeben. Doch wer Visionen hat, der lässt sich nicht abschrecken. Vielleicht schafft Ihr es tatsächlich an Bord - die Chinesen rechnen womöglich nicht mit selbstmörderischen Spinnern. 

Und dann wird es ungemütlich. Bei dem Wort "wu" (fünf) zündet das Haupttriebwerk. Es beschleunigt das Raumschiff in den nächsten acht Minuten nach dem Start auf 40 000 Stundenkilometer. Das entspricht einer Belastung mit dem Vierfachen des Körpergewichts, etwa so viel wie in der verwegensten Achterbahn. Nur nicht für Sekunden, sondern viel länger. Und Euch fehlt sowohl der Raumanzug wie der gepolsterte Sitz.

Wenn Ihr aus der Ohnmacht wieder erwacht, wird es nicht besser. Mittlerweile seid Ihr schwerelos. Ca. drei Tage lang. Vielleicht habt Ihr daran gedacht, ein paar Butterbrote einzustecken. Doch das hilft Euch nicht weiter. Denn Euch ist speiübel. Das liegt an der Verbindung zwischen Hirn und Innenohr, die unter solchen Bedingungen permanenten Brechreiz erzeugt. Astronauten trainieren daher lange in einem speziellen Flugzeug, das den schönen Namen "Kotzkomet" trägt. 

Die gute Nachricht ist, dass Euch die Landung auf dem Mond sofort von der Raumkrankheit befreit. Die schlechte Nachricht: Ihr habt immer noch keinen Raumanzug. Solltet Ihr dennoch an der verwegenen Idee zu einem Mondspaziergang festhalten, bleiben Euch zehn unvergessliche Sekunden. Denn der Mond hat keine Atmosphäre. Und in einem Vakuum kann es ein Mensch zwar bis zu zwei Minuten aushalten, doch nach zehn Sekunden verliert er bereits das Bewusstsein.

Doch das ist nicht das einzige Problem. Auf der sonnigen Vorderseite des Mondes beträgt die Temperatur 122 Grad. Dagegen ist es auf der schattigen Rückseite mit minus 152 Grad recht kühl. Das Vakuum bewirkt jedoch, das zwar Euer Schweiß sofort verdampft, Ihr aber lediglich fröstelt. Nützt bloß nichts, weil die Chinesen bestimmt etwas sehen wollen und auf der hellen Seite landen. Auch dort wirkt sich das Vakuum aus. Euch ist nur ein bisschen wärmer als an einem sonnigen Tag im Death Valley. Allerdings müsst Ihr aufpassen, wo Ihr hintretet. Mondstaub ist okay, aber latscht Ihr auf Mondgestein, fängt Euer Fuß sofort an zu schmoren.

Wahrscheinlich kriegt Ihr das jedoch nicht mehr mit. Denn wenn das Wasser außerhalb Eures Körper, also der Schweiß, lediglich verdampft, reagiert das Wasser in Eurem Körper ganz anders: Das Blut beginnt zu kochen! Wie gesagt, nach zehn Sekunden ist der Ofen aus, das Blut verwandelt sich in Gas und Ihr seid tot. Das ist auch gut so, denn durch den Aufblähprozess platzt jetzt auch noch Eure Haut. Wer bis dahin durchgehalten hat, wird belohnt. Für viele, viele Jahre wird sich Euer verschrumpelter, ausgedörrter Körper halten und Eure Nachfahren können sagen: "Da oben kreist unser Uropa." (Die Uroma schließe ich aus, weil Frauen zuviel Verstand für so ein unsinniges Abenteuer haben.)

Glückauf
kdk

Schmunzelpost 112 vom 9. 8. 21

Was soll der Quatsch? Das denke ich jedes Mal, wenn ich vom Duell zweier US-Milliardäre lese, die sich ein Wettrennen um die touristische Erschließung des Weltalls liefern. Eigentlich ist es mir piepegal, wenn Millionäre ihre Kohle für ein paar Minuten Schwerelosigkeit verplempern. Andererseits werden für das kurze Vergnügen mehr Schadstoffe in die Atmosphäre geblasen als es einem hart arbeitenden alten Kohlekraftwerk in einem Jahr gelingt. 
 
Auf der Suche nach aktuellen Fundsachen habe ich nun im SZ-Magazin festgestellt, dass sich auch Kolumnist Axel Hacke darüber Gedanken macht. Und weil es ihm dabei gelungen ist, mit dem Behörden-Papierkrieg und Astronauten gleich zwei Schmunzelpost-Themen der letzten Wochen unterzubringen, greife ich seine Vorlage gern auf. 
 
In deutsche Amtsstuben fühlte ich mich versetzt, als ich las, dass Astronaut Buzz Aldrin, immerhin der zweite Mensch, der den Mond betreten hat, mit seiner Spesenabrechnung nicht sonderlich erfolgreich war. Dafür hatte Aldrin seine Reisestationen aufgelistet: Houston, Cape Kennedy, Mond, Pazifik, Hawaii, Houston. Der bei der NASA zuständige Authorized Certifying Officer gestand ihm jedoch nur 33,31 Dollar zu. Ansonsten habe die US-Regierung für Essen und Unterkunft gesorgt. 
 
Wenn Arbeitgeber derart knippig sind, dürfen sie sich nicht wundern, dass Arbeitnehmer auf krumme Gedanken kommen. So hat 1965 der Raumfahrer John Young ein Corned-Beef-Sandwich mit an Bord der Gemini 3 geschmuggelt. Nicht aus Eigennutz, sondern weil er dem Kommandanten Virgil Grissom eine Freude machen wollte. Die Aktion war leider ein doppelter Fehlschlag. Grissom beschwerte sich, dass der Senf fehlte. Und die NASA hätte Young fast gefeuert, weil die Krümel sich in der Schwerelosigkeit überall in der Kapsel verteilten. 
 
Generell bezahlte die US-Raumfahrtbehörde ihre Astronauten nicht eben üppig. Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, bezog 27 401 Dollar als Jahresgehalt. Axel Hacke: "Er hätte lange sparen müssen, bis er bei Jeff Bezos oder diesem anderen Milliardär für zehn Minuten bis an den Rand des Weltalls hätte mitfliegen dürfen." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auf der Suche nach weiteren Fundsachen habe ich auch ein Interview mit Detlev Buck gelesen. Der Regisseur und Schauspieler hat noch ein berufliches Standbein: Er ist Nebenerwerbslandwirt. Als solcher pflegt er zu seinen 30 Kühen ein persönliches Verhältnis und ist mit allen per Du. Bei der Namensgebung schlug Bucks eigenwilliger Humor durch, den ich sehr schätze: Ein Rindvieh hieß Bakuhnin. Das inspiriert mich zu folgendem Vorschlag: Wer vier Legehennen auf die Namen Christa, Lisa, Beate und Anne tauft, dem spendiere ich eine Freikarte für die Tintenhühner! 
 
PPS. Schalke 04 hat schon wieder gewonnen. Das wird langsam zur Gewohnheit. Weil es jedoch im DFB-Pokal gegen einen Amateurverein ging, gibt es diesmal nur ein Kurz-Info aus der Schalker Geschichte, das ohnehin zum Allgemeinwissen gehören sollte: Das erste Mal gewann Schalke 04 den Pokal 1937 mit einem 2:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf. 


Schmunzelpost 111 vom 8. 8. 21

Ich kann noch gar nicht in Worte fassen, was es für mich bedeutet, dass Ihr diese Schmunzelpost lest. So richtig werde ich das erst in Wochen oder Monaten begreifen.
 
Nein, ich bin nicht völlig übergeschnappt. Mir ist bloß aufgefallen, dass in Tokio eine neue Variante Karriere gemacht hat. Denn es ist nicht neu, dass nach einer gewaltigen Strapaze Reporter den Medaillen-Gewinnern das Mikro vor die Nase halten und die hochintelligente Frage stellen: "Was fühlen Sie gerade?" Die naheliegende Antwort: "Ich bin noch viel zu kaputt. Fragen Sie mich in einer Stunde nochmal", traut sich niemand zu geben. Und die schlichte Version: "Ich freue mich sehr", ist in der heutigen Medienlandschaft zu mager, um daheim Sympathiepunkte zu gewinnen. Wenn schon, dann muss das Ganze zumindest mit Tränen garniert werden, dann schafft man es auch in die Tagesschau. Und besonders Clevere kombinieren das noch mit einem Heiratsantrag an die Freundin, wie der Fußballer Max Kruse. Das treibt die Internet-Clicks nach oben. Doch Vorsicht: Sie hat den Antrag angenommen.
 
Beliebt ist es auch, den Freunden daheim für ihre Unterstützung zu danken, ohne die der Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Ich warte immer noch darauf, dass mal jemand sagt: "Tante Hedwig, vielen Dank für Deine Mühe. Aber denk daran, dass die Pflanzen am Fenster besonders viel Wasser brauchen."
 
Stattdessen haben sich viele den Spruch mit den "Wochen und Monaten" abgeguckt. Ich weiß nicht, wer damit angefangen hat, doch mittlerweile sagt das jeder zweite Medaillengewinner. Eine vergleichbare Entwicklung gab es zuvor im Bundesliga-Fußball. Nachdem einer damit angefangen hatte, antworteten rasend schnell alle Trainer und Spieler auf die nach einem gewonnenen Spiel geäußerte Frage, ob man jetzt Titelambitionen habe: "Wir müssen von Spiel zu Spiel denken."
 
Ebenso auf den Keks gehen mir die Floskeln der Politiker nach verlorenen Wahlen. "Woran hat es gelegen, dass Sie deutlich unter dem erhofften Ergebnis geblieben sind?" "Zunächst einmal möchte ich allen unseren treuen Wählerinnen und Wählern danken. Und vor allem auch unseren Helfern vor Ort für ihr großartiges Engagement und ihrem enormen Einsatz im Wahlkampf. Alles anderen werden wir in den nächsten Wochen und Monaten sorgfältig analysieren." - Entschuldigung, gerade meldet sich ein ARD-Online-Reporter mit aktuellen Fragen.
 
"Herr Krause, was empfinden Sie bei dem Gedanken, dass Ihnen gerade zum wiederholten Mal eine sensationell gute Schmunzelpost gelungen ist?"
"Nun, ich muss ehrlich sagen, ich bin sprachlos. Ich werde noch Wochen und Monate brauchen, um das zu begreifen."
"Erwarten Sie, dass Ihnen das auch in der nächsten Woche glücken wird?"
"Dies ist eine Momentaufnahme. Ich muss von Tag zu Tag denken."
"Doch was sagen Sie dazu, dass Ihre Leserquote seit Monaten stagniert?"
"Zunächst einmal danke ich herzlich meinen treuen Stammlesern. Ohne ihr Zutun wäre diese grandiose Erfolg nicht möglich gewesen. Aber wenn Ihr nicht endlich mehr Reklame für die Online-Seite macht, muss ich mal ein ernstes Wort mit Euch reden!"
 
Glückauf
kdk
 
PS. Kerstin hat auf der Elbinsel Hahnöfersand im Alten Land, einem der größten Obstanbaugebiete Deutschlands, kernige Erfahrungen gesammelt und ergänzt die Apfel-Post: "Jetzt werden dort sogar Herzäpfel geerntet, siehe Link.
Die sind sehr lecker. Wir haben sie probiert in York bei Buxtehude."
https://www.herzapfelhof.de/LOGO-OBST/Herzaepfel/ 
 
PPS. Und Willi T. schreibt dazu: "Wichtig ist nicht, dass ein Apfel schmeckt. Wichtig ist, dass man ihn trifft!" 

Schmunzelpost 110 vom 7. 8. 21

Gestern haben wir uns eine Streuobstwiese angeschaut und uns vom Eigentümer Wissenswertes über seine Apfelbäume erzählen lassen. Wusstet Ihr, dass man an einem einzigen Apfelbaum durch aufgepfropfte Zweige fünf verschiedene Sorten ernten kann? Mir war das neu. 
 
Klar, von Äpfeln hatte ich vorher schon einiges gehört und gelesen. Schließlich hat unsere ganze Misere mit dem Biss in einen Apfel angefangen. Schade, dass es im Paradies noch keine deutschen Schlager gab. (Andererseits auch nicht verwunderlich, die meisten Schlager - ich sage nur: Hölle, Hölle, Hölle - klingen in meinen Ohren überhaupt nicht himmlisch.) Vielleicht hätte Adam trotzdem statt auf Eva auf Wencke Myhre hören sollen ("Beiß nicht gleich in jeden Apfel") und das irdische Jammertal wäre uns erspart geblieben. 
 
Womöglich als Wiedergutmachung sollen uns Äpfel helfen, gesund über die Runden zu kommen. Ein englisches Sprichwort beteuert: "An Apple a day keeps the Doctor away." Deutsche Sprichwörter dagegen dämpfen die Erwartungen, sich allzu sehr vom Elternhaus lösen zu können: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm." Dennoch muss der Apfel eine besondere Frucht sein. Warum sonst hätten die Beatles einst ihre Plattenfirma "Apple" getauft? Und warum haben Steve Jobs & Co. diesen Namen 1976 für ihre Garagenfirma gewählt, die 2020 einen Jahresumsatz von 275 Milliarden Dollar verzeichnete? 
 
So, jetzt müsst Ihr in den sauren Apfel beißen. Obwohl ich kein Pomologe (Apfelkundler) bin, kommt jetzt der Infoblock. Äpfel zählen zur Gruppe der Kernobstgewächse aus der Familie der Rosengewächse. Generell unterscheidet man zwischen Kultur- und Zieräpfeln. Kulturäpfel sind zum Verzehr geeignet und gingen aus Kreuzungen zwischen Holz- und Zwergäpfeln hervor. In Supermärkten finden Kunden selten mehr als zehn, zwölf Sorten, mein Favorit heißt Pink Lady. Bekannt sind jedoch rund 1500 Arten, davon werden ca. 1000 auch heute noch angebaut. 
 
Darunter sind der rote Eisenapfel, die Herbstparmäne und der Königliche Krummstiel (der Bürgerliche Stielschwengel ist etwas völlig anderes, darüber mehr in der Schmunzelpost-Folge über Blüten und Bienen). In Südtirol kümmern sich die Obstbauern besonders um den Erhalt alter Arten, dort findet man beispielsweise den Gelben Fritz, die Schafsnase und als besondere Kostbarkeit den Weißen Winter-Calvill. Granatäpfel gehören übrigens nicht zur großen Apfelfamilie, lasst Euch nicht veräppeln, falls jemand anderes behauptet. 
 
Für Leichtgläubige nun noch die Lektion für Dummies: 
 
Erdäpfel wachsen nicht an Bäumen oder Sträuchern, sie gedeihen im Erdboden. Das liegt im Wesentlichen daran, dass sie gar keine Äpfel sind - man kennt sie stattdessen als Kartoffeln. 
 
Pferdeäpfel unterscheiden sich schon durch Form und Farbe von echten Äpfeln. Wer's nicht glaubt, darf gerne auch den Geschmack vergleichen. 
 
An Reichsäpfeln, die es als Symbol der Macht seit 1014 gibt, haben sich bereits manche Könige, Kaiser und andere Herrscher die Zähne ausgebissen. Für Normalsterbliche unverdaulich! 
 
Die riesigen Äpfel, die in leuchtenden Farben im Herbst scheinbar aus dem Boden wachsen, heißen Kürbisse. Nur ein dusslige Boskopp wird sie mit echten Äpfeln verwechseln. 
 
Äpfel kann man nicht nur essen, gepresst oder gekeltert kann man ihr Extrakt auch trinken. Wer beim Cidre aus Nordfrankreich nicht den Discounter-Billigfusel wählt, sondern sich anständige Ware besorgt, kann durchaus Freude daran haben. Das soll auch für Äppelwoi gelten. Doch um den genießen zu können, muss man wahrscheinlich Hesse sein. Ansonsten randaliert nach ein paar Bembeln im Schädel der blaue Bock. 
 
Aber es geht auch ohne Alkohol. Ich empfehle den naturtrüben van-Nahmen-Apfelsaft. Den gibt es, da schließt sich der Kreis, auch von der Streuobstwiese. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 109 vom 6. 8. 21

Machen wir noch ein bisschen tierisch weiter. "Schweine im Weltall" sind mir seit der TV-Muppet-Show vertraut. Dass lange vor Miss Piggies außerirdischen Abenteuern bereits die Russen die arme Hündin Laika ins All geschossen hatten,  war mir ebenfalls bekannt. Doch Laika war keineswegs die erste tierische Raumfahrerin. Ratet mal, welche Tiere als erste mittels einer Rakete den Erdball verließen und sogar heil zurückkehrten. 
 
Ihr seid nicht drauf gekommen? Ist aber auch schwer. Schon 1947 nutzten die US-Amerikaner eine deutsche V2-Rakete, um damit Fruchtfliegen einen 109 Kilometer weiten Trip ins Weltall zu ermöglichen. Die ersten Tiere, die eine weit bescheidenere Höhe erreichten, hoben übrigens fast 200 Jahre früher ab. Die Brüder Montgolfiere hatten bei ihrer ersten Heißluftballonfahrt die Ente Coin-Coin, den Hahn Cocorico und das Schaf Montauciel, zu deutsch: Himmelssteiger, dabei. 
 
Später versuchten es die Amerikaner mit Affen. Da Albert I. nicht über 60 km Höhe hinaus kam, gilt Albert II. als erster Primat, der am 14. Juni 1949 die Atmosphäre hinter sich ließ. Kurz darauf folgten noch zwei weitere Affen. Alle nahmen ein tragisches Ende. Albert I. erstickte während des Fluges, die Rakete von Albert III. explodierte kurz nach dem Start und Albert II. sowie Albert IV. kamen zu Tode, weil auf der Rückreise ihre Fallschirme versagten. 
 
Albert V. war dann kein Affe, sondern ein Mäuserich. Doch auch ihm erging es am 31. August 1950 nicht besser als seinen Vorgängern. Wegen einer Fehlfunktion des Fallschirmsystems explodierte seine Rakete. Womöglich liegt auf dem Namen "Albert" ja ein Fluch. Noch lebende Namensvetter, egal, ob Affe, Maus oder Mann, sollten sich jedenfalls davor hüten, ins All zu fliegen. 
 
Die Russen zeigten der NASA, wie es besser geht. Am 22. Juli 1951 flogen die Hündinnen Dezik und Tsygan mehr als 110 Kilometer in den Weltraum und kamen lebend zurück. Zwar starb Dezik bei einem späteren Raketenexperiment, aber Toygan wurde von einem Astrophysiker adoptiert und genoss danach ihr Leben als Kosmonautin-Veteranin. 
 
Am 3. November 1957 erreichte dann die berühmte schwarz-weiße Hündin Laika, zu deutsch: Kleiner Kläffer, mit dem Satelliten Sputnik 2 erstmals die Erdumlaufbahn. Eine Rückkehr für sie war nie vorgesehen. Die Sowjets erklärten zwar, dass Laika noch vier Tage in der Erdumlaufbahn gelebt habe, bevor sie friedlich an dem als Sterbehilfe unter ihr Futter gemischtes Gift verstorben sei, doch 2002 kam die Wahrheit heraus. Laika starb nach fünf Stunden am Stress und der Überhitzung ihrer Raumkapsel. 
 
Mittlerweile hatten die Amerikaner dazu gelernt. Die beiden Affenweibchen Miss Able und Miss Baker kamen am 28. Mai 1959 heil von ihrem Weltraumausflug zurück. Unglücklicherweise starb Miss Able vier Tage später an einem misslungenen chirurgischen Eingriff, als man ihr Elektroden entfernen wollte. Miss Baker dagegen wurde in den USA berühmt und lebte noch bis 1984 auf einer NASA-Basis in Alabama. 
 
In den Folgejahren kamen auch andere Tierarten zum Zuge. Marfuscha, die "kleine Martha" war 1959 das erste Kaninchen im All. Auch sie kam wohlbehalten zurück. Ihre Begleitung war die Hündin Otwajnaia, "die Mutige". Sie ist das Tier mit den meisten Weltraumflügen: Fünf Mal schickten die Russen sie ins All, jedes Mal kam sie heil zurück. 
 
1962 wurden die Franzosen aktiv. Sie schickten die Ratten Hector, Castor und Pollux ins All. 1963 sollte Kater Felix folgen, doch dem Glücklichen gelang es, kurz vor dem Abflug auszubüxen. An seiner Stelle ließ Felicette als bislang einzige Katze die Stratosphäre hinter sich und kehrte gesund zurück. Schweine schafften es in der Realität bisher überhaupt noch nicht ins All, aber immerhin zwei Schweinsaffen. Sie waren 1967 die letzten tierischen Spationauten Frankreichs. Doch wir sollten Arabella und Anita nicht vergessen. Die beiden Spinnen an Bord von Apollo 16 brachten 1972 die ersten im Weltraum gewebten Spinnennetze auf die Erde. Ob sie damit Nachkommen der Fruchtfliegen von 1947 erbeuten konnten, ist nicht überliefert.
  
Ich weiß ja nicht, wieso ich darauf komme, doch beim Satz "Schweine im Weltall" fällt mir ein häufig gehegter Wunschtraum ein. Ich würde die Marsmission gern so bald wie möglich ausführen und sie mit drei Astronauten besetzen, die ohnehin zu Höhenflügen neigen: Erdogan, Bolsonaro und Lukaschenko. Die drei hätten es verdient, als Triumvirat ihren eigenen Planeten zu regieren. Für die Mondstation besteht meine Traumbesatzung aus Frau Weidel und den Herren Höcke und Gauland. Allerdings bestünde dann das Risiko, dass sich auf dem Erdtrabanten ein schwarzes Loch bildet. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 108 vom 5. 8. 21

Zu den vielen Dingen, die dazu beitragen, dass tatendurstige Rentner bei weitem nicht alles im Tagesprogramm unterbringen können, was sie sich wünschen, gehören auch die Olympischen Spiele. Erhöhter TV-Konsum! Allerdings hilft das auch bei der Themenauswahl für die Schmunzelpost.  Keine Angst, nicht schon wieder Sport - Schalke durfte ja leider nie bei Olympia antreten. Doch aus irgendeinem Grunde geisterte heute beim Leichtathletik-Schauen eine Redensart in meinem Kopf herum: Den letzten beißen die Hunde. 
 
Dabei bin ich bisher nur zweimal von Hunden gebissen, bzw. gekniffen worden. Einmal von einem harmlosen, großen Tier, das wirklich nur spielen wollte und dabei nach meiner Jogginghose schnappte. Die hatte danach ein großes Loch, mein Bein aber war unversehrt. Blut sehen wollte dagegen ein giftiger Knirps, der mir regelmäßig auflauerte, wenn meine Laufrunde an einem Reiterhof vorbei führte. Die Wurst, wie ich ihn nannte, weil der übergewichtige kleine Kerl fast seine Pelle sprengte, beeindruckte mich wenig. Ich hatte sogar mehr Angst, ihn beim Laufen versehentlich zu treten und nahm seine wütenden Attacken nicht ernst. Bis er mich doch einmal erwischte und triumphierend abzog. Allerdings hatte er nur den oberen Kunststoffrand meines Laufschuhs erbeutet. 
 
Mehr Bammel hatte ich bei einer nächtlichen Begegnung. Als ich in der Halterner Redaktion arbeitete, war im Winterhalbjahr Mitternacht nicht nur die Stunde der Vampire, sondern sie gehörte auch einem einsamen Jogger. Morgens vor der Arbeit war ich zum Laufen zu faul, abends musste ich nach Feierabend zunächst meinen knurrenden Magen füllen und dann abwarten, bis das Essen gerutscht war. Da ich im Winter statt durch Feld und Wald ohnehin durch beleuchtete Stadtstraßen trabte, war die späte Zeit vorteilhaft. Die Hundebesitzer hatten um Mitternacht den Gassi-Gang schon hinter sich. 
 
Das glaubte ich zumindest. Bis ich um eine mannshohe Hecke bog und plötzlich Auge an Auge und Nase an Nase einem Riesenvieh gegenüberstand. T-Rex, wie ich ihn später taufte, war ebenso überrascht wie ich. Wir machten beide aus dem Stand einen enormen Satz in die Luft. Was das zeternde Männlein fast umriss, das T-Rex an einer Leine spazieren führte (oder umgekehrt). Der Wicht schimpfte anschließend wie ein Rohrspatz. Was mir eigentlich einfiele, seinen armen Hund so zu erschrecken! Ich war noch dabei, mich von meiner Herzattacke zu erholen und fand nicht die richtigen Worte. Stattdessen knurrte ich so grimmig, dass er vorzog, gemeinsam mit T-Rex schnell die Flucht zu ergreifen. Wahrscheinlich war er es, der in Haltern die Legende vom joggenden Werwolf in die Welt gesetzt hat. 
 
Falls wir mal Gift und Bakterien außen vor lassen, haben andere Tierarten wesentlich mehr Biss als Hunde. Grundlage des Vergleichs ist der Druck, den der Kiefer pro Quadratzentimeter ausübt. Da kommen wir Menschen gerade mal auf 60 kg/cm²  und landen in der Rangfolge abgeschlagen unter ferner liefen. Rekordhalter unter den Hunden ist der Pitbull. Seine 160 kg/cm² reichen jedoch nur für Rang 10. Deutlich mehr zu bieten hat der Weiße Hai (300 kg/cm²). Doch er wird, wer hätte das gedacht, von einem Vogel übertroffen: Der Steinadler packt mit 320 kg/cm² zu! Darüber wird ein Löwe bloß seine Mähne schütteln - mit 560 kg/cm² liegt er auf Platz 7. Aber da laust mich doch der Affe: Ein Gorilla bringt es sogar auf 590 kg/cm²! Noch verblüffender die Platzierung eines eher gemütlich wirkenden Tieres. Das Walross auf Rang 5 kann 800 kg/cm² Beißkraft entwickeln. Übertroffen wird das Walross vom bisskräftigsten Raubtier unter den Säugern. Und das ist weder der Tiger noch der Grizzlybär: Die Hyäne läuft mit 900 kg/cm² den imposanteren Gestalten den Rang ab. 
 
Nun zu den Topp-Drei. Mit 1 Tonne/cm² liegen gleich drei Tierarten auf dem Bronzeplatz: Der Schwertwal, das Flusspferd und der Alligator. Erstaunlich, dass das Krokodil auf Platz 2 sogar die doppelte Beißkraft ausweist: 2 Tonnen/cm². Damit ist es auch die führende derzeit lebende Tierart. Denn die Nummer eins ist seit 60 Millionen Jahren ausgestorben: Der Tyrannosaurus Rex hatte mit 3,5 Tonnen/cm² einen wirklich ungeheuren Biss. Gut, dass ich ihm nachts in Haltern nie begegnet bin. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Tiere können nicht nur beißen, sie sind auch fotogen. Ich habe mir im Internet schon mal die neuen Tierkalender für 2022 angeschaut. Und war platt: Bestseller Nr. 1 sind die beiden Kalender "Kackende Tiere". Einmal ziert ein geschäftiger Eisbär das Titelblatt, einmal lässt ein Schakal etwas fallen. Wer hängt sich denn solche Kalender an die Wand? Leichter ist die Frage zu beantworten, wo sie ihren Platz finden: Vermutlich über dem WC. 

Schmunzelpost 107 vom 4. 8. 21 

Da sitze ich wieder am Computer und denke angestrengt nach. Worüber? Den nächsten Text für die Schmunzelpost? Noch nicht. Zuerst grübele ich, ob ich mein Passwort ändern soll. Denn ich habe gerade eine wissenschaftliche Studie von IT-Experten gelesen, was man bei der Auswahl von Passwörtern beachten beziehungsweise vermeiden sollte. 
 
Man glaubt es kaum. Doch das weltweit am häufigsten verwendete Passwort ist immer noch 1-2-3-4-5-6. Ebenfalls wenig einfallsreich die Nummer zwei: qwerty. Das sind, von links nach rechts, die ersten Buchstaben auf der englischen Computer-Tastastur. Geistreich und kaum zu entschlüsseln sind auch die Codes auf den folgenden Plätzen: "password" und "abc123". 
 
So weit unser Ausflug in die Tresorologie. Das ist die Fachbezeichnung für die Wissenschaft der Passwörter (ohne Gewähr). Solche Begriffe haben sich bei mir im Laufe des Lebens eingeprägt. Das ging nach langjährigen quälenden Erfahrungen mit einer Trigeminus-Neuralgie los, mit der Algesiologie, der Wissenschaft vom Schmerz. In letzter Zeit neu dazu gekommen sind die Kardiologie, die Wissenschaft vom Herzen und die Rhythmologie, die Wissenschaft vom Herzrhythmus. 
 
Wegen der Pillen, die ich schlucken muss, lernte ich, dass die Psychopharmakologie (Überraschung) die Wissenschaft von den Psychopharmaka und die Pharmakologie (die ich zuerst dafür gehalten hatte) die Wissenschaft von der Dosis ist, in der Medikamente eingenommen werden. Interessant finde ich die Ätiologie. Das ist die Wissenschaft von der Ursache der Erkrankungen. In diesem Zusammenhang kamen durch Corona die Infektiologie, die Wissenschaft von den Infektionskrankheiten und die Epidemiologie (Grüße an die Herren Drosten und Lauterbach), die Wissenschaft von den Epidemien hinzu. Nicht zu vergessen die Virologie (muss ich wohl nicht übersetzen). 
 
Nun hoffe ich sehr, dass ich nicht zu schnell am eigenen Leibe erfahre, welche Wissenschaft sich hinter der Bezeichnung Abnippellogie verbirgt. Dagegen freut es mich, dass seit heute der Begriff Schmunzelpostologie für die Wissenschaft vom Lächeln in den akademischen Katalog eingegangen ist. 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 106 vom 3. 8. 21

Die ersten Limericks sind eingetroffen! Kleine Gedichte im aabba-Reimschema, zu deren Schreiben alle kreativen Verseschmiede eingeladen sind. Von Martin kam dieser Limerick, der sich an die klassische Form mit einem Ortsnamen am Ende der ersten Zeile hält. (Anmerkung für Freunde nützlichen Wissens: Lunden findet Ihr in Schleswig-Holstein, im Landkreis Dithmarschen. Wichtigste Sehenswürdigkeit ist ein uralter Friesen-Friedhof an der Kirche, direkt gegenüber vom gastronomischen Glanzlicht des Ortes - einer Eisdiele.) 
  
Es dacht' ein Erfinder in Lunden,
er hätt' was ganz Tolles erfunden:
'nen Sprengstoffbrief,
der nicht explosiv -
jetzt besieht er die Radieschen von unten. 
 
Martin verweist auch auf die "Ruhrericks" von Jürgen Meyer (Journalist aus Essen). Kostprobe: 
 
Kommse als Fremder nach Resse,
krisse leicht ma ein'n auffe Fresse!
Obet geht um ne Pärle
aus Buer oder Erle
is in Resse dann nich von Interesse.
  
Auch Manni lässt sich nicht lumpen und hat gleich vier Limericks beigesteuert: 
 
Ein Rechtsextremist aus Tirol, 
der war mal besonders frivol, 
Er legte - wie nett! - 
sich Sprengstoff ins Bett 
und rief dann: „Tirol, lebe wohl!” 
 
Ein Staatsanwalt aus Ostfriesland 
den Sex an der Nordsee sehr fies fand: 
„Die Liebe am Watt 
macht die Leute zu matt, 
ich plädiere für Liebe am Fließband!“ 
 
Ein Studienrat aus Gladbeck, 
der fuhr morgens gern mit dem Rad weg. 
Doch hatt‘ er kein Glück, 
denn kam er zurück, 
da sah er: Sein Rad, das war glatt weg! 
 
Ein Tierpräparator aus Münster, 
der guckte bisher immer finster. 
Einmal kriegt‘ er ’ne Eule, 
die hatte ’ne Beule, 
die stopft er mit aus, und jetzt grinst er! 
 
Und hier kommen noch zwei Klassiker von Schobert & Black: 
 
Es lagen zwei Greise auf Rügen 
des Nachts in den letzten Zügen. 
In den ersten Zügen 
da konnt' keiner liegen - 
die halten gar nicht auf Rügen! 
 
Hier ist mein Lieblingslimerick von den beiden, der auch Deutschlehrern und Grammatikfreunden gefallen müsste: 
 
Es saßen am Ufer des Indus 
drei philosophierende Hindus. 
Ihr Problem war fatal, 
denn sie fragten voll Qual: 
"Bist ich es, sind er's oder bin du's?" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 105 vom 2. 8. 21

Der erste August 2021 wird als historischer Tag in die Ruhmesbücher des Sports eingehen. Nein, nicht wegen der Goldmedaille von Alexander Zverev im olympischen Tennisherren-Einzel. Auch nicht, weil in Tokio erstmals seit ewigen Zeiten wieder ein Europäer beim 100-Meter-Sprint der Männer der Schnellste war. Es geht um den ersten Zweitliga-Sieg von Schalke 04, wobei auswärts in Kiel ein Team 3:0 bezwungen wurde, das in der letzten Saison beinahe in die erste Liga aufgestiegen wäre. Dies war bestimmt - zumindest bis zur nächsten Schalker Niederlage - die Wende zum Besseren. 
 
Versprechen soll man halten. Und ich hatte ja angekündigt, bei jedem blau-weißen Erfolg kurz auf interessante Fakten oder Kuriositäten aus der langen Schalker Vereinsgeschichte einzugehen. Dabei muss ich nicht weiter erwähnen, dass Schalke 04 sieben Mal Deutscher Fußballmeister war, fünf Mal den DFB-Pokal gewonnen hat und einmal UEFA-Cup-Sieger wurde. Solche elementaren Kenntnisse werden ja wohl als Grundwissen bei der Einschulung vorausgesetzt. 
 
Vielmehr möchte ich daran erinnern, dass es gut noch mehr Meistertitel hätten sein können. Nein, ich meine nicht die Geschichte mit den "Meistern der Herzen", als der dusslige Schober im HSV-Tor in der 94. Spielminute den Rückpass eines Mannschaftskollegen mit den Händen aufnahm, statt den Ball auf die Tribüne zu pöhlen. Ich meine eine der vielen Gräueltaten von Adolf Hitler. Denn durch die Eingliederung von Österreich ins Deutsche Reich 1938 mussten sich die Schalker, die damals dauernd das Endspiel erreichten, dreimal mit Wiener Clubs auseinandersetzen. Admira und Vienna Wien wurden bezwungen, gegen Rapid gab es jedoch für die Knappen eine 3:4-Niederlage (nach 3:0-Führung) . Dazu muss gesagt werden, dass zu jener Zeit der österreichische Kombinations-Fußball neben dem englischen und dem ungarischen in Europa Maßstäbe setzte. Vielleicht haben aber auch die Rapidler mit ihrem Wiener Schmäh die braven Schalker so zugetextet, dass denen ganz schwindelig wurde. War da nicht mal was mit dem Schalker Kreisel? 
 
Apropos 3:4! Da gilt es noch den Skandal um einen gestohlenen Titel aufzudecken. 1938 bestritt Schalke das Endspiel gegen Hannover 96. Bis eine Minute vor Schluss führten die Blau-Weißen mit 3:2, dann kassierten sie den Ausgleich. Die Verlängerung blieb torlos, Elfmeterschießen gab es noch nicht.
  
Also musste das Finale wiederholt werden. Erneut lag Schalke 3:2 vorn, bis plötzlich drei Minuten vor Schluss zum Erstaunen der Augenzeugen ein Handelfmeter für Hannover gepfiffen wurde. 3:3, erneut Verlängerung. Dann spielten sich die Schalker durch, selbst der Schlussmann der 96er war machtlos - doch an seiner Stelle hechtete ein Verteidiger und faustete den Ball von der Linie. Alle hatten es gesehen, nur der Schiedsrichter nicht. Die Schalker waren empört, Ernst Kuzorra beschimpfte den "Unparteiiischen", doch der drehte einfach ab. Schalke war von der Rolle, und kurz darauf machte Erich Meng für Hannover den Siegtreffer. Ohrenzeugen beteuern, dass danach der Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten gesagt habe: "Es musste mal eine andere Mannschaft Deutscher Meister werden, sonst wäre die Fußballmeisterschaft langweilig geworden. Immer Schalke!" 
 
Jetzt nähern wir uns für heute dem Abpfiff. Aber vorher, so würde ein Rapidler sagen, gibt's scho' no' a kloanes Schmankerl. Giovanni Trapattoni ist bei uns vor allem wegen seines Wutausbruchs bei einer Pressekonferenz in Erinnerung geblieben. Doch auch anderswo hat er bemerkenswerte Reden gehalten. Hier Auszüge aus der Ansprache zu seinem Amtsantritt als Manager des irischen Nationalteams 2008: 
 
"We have trust, we work together, we work with friendly for Nationalteam. We have to friend be for our work, I am trust today. (...) Many players play in England. England is very important. In European is England, Frances, Italien, Spanien, Deutschland - the stark, the heart! And I think with this jung is a good Mannschaft. Jung und eine ... oder ... with experience. I have trust. With, äh, When, äh. The teams! Understand? No quickly. Is very dangerous change al lot. I have experience. Is impossible change in one game, two games, so. I have to only change a little little little situation. I think with the good performance, the good players and with organisation. I think we have that great, big possibility. I, äh, I trust the situation. Ok?" 
 
Ach, es ist doch herrlich, wenn man Fremdsprachen beherrscht. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 104 vom 1. 8. 21

Heute ist Sonntag und Ihr habt womöglich Zeit, Euch kreativ zu betätigen. Wie das Erlernen des Musizierens durch das Spielen eines neuen Instruments soll auch das Reimen gegen vorzeitige Demenz helfen. Manni regte an, dass wir uns mit Limericks befassen. Ihr wisst schon: Fünfzeiler, bei denen die erste, zweite und fünfte Zeile durch ihr Schlusswort poetisch zueinander finden, während die dritte und vierte Zeile ein Eigenleben führen. Als Beispiel hat Manni einen Limerick von Schobert und Black beigefügt. Wobei mich überrascht hat, dass die in den 60er und 70er Jahren erfolgreichen Blödelbarden sogar Dorsten kannten.

 
 
"Es war eine Dame in Dorsten, 
die hatte am Leib lauter Borsten. 
Nach der Schonzeit im Mai 
gab ihr Gatte sie frei 
zur Jagd in den städtischen Forsten." 
 
Das hat mich natürlich nicht ruhen lassen. Ich habe schnell mal drei weitere Dorstener Limericks aus dem Ärmel geschüttelt. 
 
Es lebte ein Mann in Lembeck, 
dem liefen andauernd die Frauen weg. 
Doch urplötzlich, welch Glück 
kamen sie alle zurück. 
Und er starb durch den Riesenschreck. 
 
Es wohnen drei Mädels schon lang auf der Hardt, 
die fanden früher den Alltag so fad. 
Drum feiern sie närrisch mit Helau, 
immer fröhlich und manchmal auch blau. 
Der Aschermittwoch ist nun für sie hart. 
 
Das Netz macht es möglich, von West bis Ost, 
erwischt Euch täglich die Schmunzelpost. 
Drum reimt frisch drauf los, 
der Vers wird famos. 
Frisches Blut bewahrt uns vor Rost. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 103 vom 31. 7. 21

Hallo, Ihr alten Mottenkugeln!
 
Verwundert wegen der unfreundlichen Anrede? Die entstand so: Wie ich von Kerstin erfuhr, ist der 30. Juli der "Tag der Postkarte". Der Begriff schließt Ansichtskarten mit ein und umfasst alle frankierten, handgeschriebenen Grußkarten, die ohne Couvert per Post auf die Reise geschickt wurden.  Ein erklärter Anhänger der Postkartenkultur war der Manfred-Krug-Kumpel, Buch- und Drehbuchautor Jurek Becker, der die persönlichen Botschaften an seine Frau (er schrieb ihr täglich, selbst, wenn sie ihn auf seinen Reisen begleitete) gern mit besonderen Anreden wie "mein kleines Eisbein" oder eben "meine alte Mottenkugel" einleitete.

Kerstin empfiehlt allen Interessenten das im Suhrkamp-Verlag erschienene Buch "Am Strand von Bochum ist allerhand los". Der Band enthält die Texte der 950 Postkarten, die Becker bis zu seinem Tod 1997 versandte. Erklärtes Ziel war es weniger, über seine Befindlichkeiten zu informieren. Viel mehr wollte Becker die Empfänger für Minuten unterhalten. Im Laufe der Zeit verfeinerte er dabei seine Sprachspielereien. Mit dem großen Grantler Thomas Bernhard hat Jurek Becker gemein, dass viele Städte bei ihm nicht allzu gut wegkommen: "Heidelberg ist ein seltsamer Ort. Zuerst habe ich ihn nicht gefunden, dann habe ich mein Hotel nicht gefunden. Dann haben die mich zu einem Parkhaus geschickt, das ich nicht gefunden habe, und aus Rache habe ich danach den Hotelschlüssel verloren.“
 
Damit solche Nachrichten verschickt werden konnten, mussten zunächst Postkarten gefunden, präziser: erfunden werden. Und wer hat's erfunden? Irrtum, nicht die Schweizer. Nach diversen Vorläufern brachten die Amerikaner 1861 die ersten regulären Postkarten auf den Weg. Bis zu 1500 Meilen für einen Cent, darüber für zwei Cent.
 
Jenseits des Ozeans unternahm der Preußische Geheime Postrat Heinrich Stephan 1865 einen ersten Anlauf zur offiziellen Einführung. Sein Ansinnen wurde jedoch abgeschmettert. Angeblich wegen sittlicher Bedenken wegen der offenen Lesbarkeit. Vermutlich war jedoch der eigentliche Grund die Befürchtung, wegen des geringeren Portos könnten die Einnahmen sinken.
 
Dies schreckte Dr. Emanuel Hermann nicht. Er setzte sich 1869 in Österreich-Ungarn durch, und innerhalb von nur zehn Jahren waren Postkarten fast überall gebräuchlich. 1896 begann dann der Siegeszug der Ansichtskarte, der das Goldene Zeitalter der Postkarte einleiten sollte. Bis 1918 wurden weit mehr Karten verschickt als in den Jahren danach, man erreichte fast die Grenze von einer Milliarde pro anno.
 
Nur einmal, 1954, kam man in Deutschland mit 900 Millionen diesem Rekord noch einmal nahe. Ich erinnere mich, wie ich im zarten Alter von einem Jahr schreiben lernen wollte und so die Versandquote in die Höhe trieb. Weil dies meine Eltern jedoch fast ruiniert hätte, stellte ich das Schreiben dann bis zur Einschulung ein und trug so zum allmählichen Niedergang der Postkarte bei. 2006 wurden noch 225 Millionen verschickt, danach hat die Post wegen der erdrückenden Konkurrenz des Internets offenbar resigniert das Zählen aufgegeben.
 
Zwischendurch gab es gelegentlich Sonderformen wie Karten mit Leporello, einem aufklappbaren Bilderbogen oder Motive die teilweise aufleuchteten, wenn ein helles Licht hinter die Karte gehalten wurde. Und auf einem Feld hat die Postkarte Wandtafeln, Kissen, T-Shirts und Fußabtretern den Rang abgelaufen. Sie ist dauerhaft beliebt bei der Verbreitung von scherzhaften Sinnsprüchen. Zwei nette Beispiele:
 
Nehmen Sie die Menschen so wie sie sind. Es gibt keine anderen!

Kluge Menschen machen nicht alle Fehler selbst. Sie geben auch anderen eine Chance.

Zum Schluss noch der Spruch auf einer amerikanischen Karte, den wir uns nicht nur am Tag der Postkarte zu Herzen nehmen sollten:

A Postcard a Day and the Day is ok 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 102vom 30. 7. 21

Da wiederhole ich mich gerne: Ein Besuch beim Bücherschrank kann bereichernde Beute bringen. Heute brachte ich das Büchlein "Der Geschädigte liegt dem Vorgang bei" mit nach Hause. Es stammt von Wilfried Ahrens, einem promovierten Juristen, der lange als Oberstaatsanwalt in Göttingen tätig war. Ahrens hat Stilblüten aus juristischen Schriftsätzen, Urteilen und Bürger-Eingaben gesammelt. Hier ein paar Kostproben:
 
Nicht leicht hat es ein Polizeiobermeister, der den Familiennamen Fritz trägt. In den Gerichtsakten taucht er regelmäßig als POM Fritz auf.

Staatsanwälte mögen sich in der Juristerei auskennen, aber nicht zwangsläufig in der Medizin. So hieß es in einer Anklageschrift: "... indem der Angeschuldigte den Zeugen vorn an der Jacke packte und gegen die Kante eines Containers stieß, so daß der Geschädigte eine klopfschmerzartige Wirbelsäule davontrug."

Was kaum einer weiß: Manche Verkehrsmittel sind miteinander auf Du und Du. Aus einem Polizeibericht: "Die Fahrräder sind untereinander bekannt."

Wenn man schon etwas stiehlt, dann kann man sich auch ein passendes Beuteobjekt aussuchen. Aus einem Strafbefehl: "Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie, eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht weggenommen zu haben, dieselbe sich rechtswidrig zuzueignen, indem Sie bei der Firma Karstadt eine CD 'Alles nur geklaut' entwendeten." Die "Prinzen" werden gegrinst haben.

Hier wurde ein besonders schwerer Junge nachträglich von der Einsicht in seine Schuld überwältigt:

"Liebe Polizei! Ich gebe meine Entgleisung von 1,79 DM zu. Ich muß den Verstand nicht beisammen gehabt haben. Ich schäme mich und bereue es sehr."

Vor Gericht wird zwischen Diebstahl und strafloser Gebrauchsanmaßung differenziert. Daher konnte dieser Mann womöglich nicht belangt werden.

"Ich beobachtete als Hausdetektiv, wie der Beschuldigte aus einer Schachtel eine Zahnseide entnahm. Anschließend reinigte er damit seine Zähne. Nach Beendigung dieser Tätigkeit legte er die gebrauchte Zahnseide zurück."

Igitt! Nie wieder Zahnseide!

Apropos Ladendetektiv. Bei deren Einsatz sollte man die Tarnung nicht übertreiben.

"Ich bin Detektivin. Nachdem der Verdacht bestand, daß die Kassiererinnen im Supermarkt Waren unbezahlt durch den Kassengang passieren ließen, wurde ich dort zur Aufklärung eingesetzt. Ich hatte aber mit dem Einbongen der Waren so viel zu tun, daß ich zu Straftaten keine Feststellungen treffen kann."

Wer trägt die Schuld am Anstieg der Jugendkriminalität? Die Religionslehrer!

"Ich habe 2 Packungen Batterien und ein Antennenkabel unter den Pullover gesteckt. Es kam einfach so. Wir haben so lange über Diebstahl im Religionsunterricht gesprochen, heute habe ich es einfach ausprobiert." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 101 vom 29. 7. 21

Mitunter sind es die Randerscheinungen des Alterns, die einen auf die richtige Fährte setzen. So plagt mich schon seit Tagen die Folgen einer Behandlung, mit der ich weißem Hautkrebs vorbeugen soll. Dazu muss ich morgens und abends drei Monate lang eine spezielle Salbe auf meinen Schädel auftragen. Leider hat dies zur Folge, dass die Kopfhaut höllisch juckt und ich mich trotz aller Vorsätze immer wieder dabei erwische, dass ich mich kratze. Was in Verbindung mit dem Blutverdünner die unschöne Nebenwirkung hat, dass Schädel, Stirn und Nase von roten Flecken übersät sind. So weit, so unschön. 
 
Eingebrockt hat mir diese Geschichte die Freude daran, mich im Winter, Frühjahr, Spätsommer und Herbst gerne zu sonnen. Das hat nichts damit zu tun, braun werden zu wollen. Ich bin in nullkommanix gebräunt, da reichen ein paar Sonnenstrahlen. Wie ich jetzt gelesen habe, hängt es womöglich mit Tanorexie zusammen, einer Art Sucht-Störung. Die UV-Strahlen der Sonne setzen nämlich auch Endorphine frei, die berühmten Hormone des Glücksgefühls. Und wie bei anderen Drogen verlangt der Körper bei einer Tanorexie nach einer steten Erhöhung der Dosis. Na ja, genauso könnte ich dann unter Anorexie leiden, dem ständigen Gefühl, zu dick zu sein. Doch magersüchtig bin ich nun wirklich nicht. 
 
Unmerklich habe ich Euch jetzt in die Spur gesetzt: Die beiden Begriffe haben Eure wissenschaftlichen Kenntnisse erweitert, was wir im Folgenden noch ein wenig fortsetzen wollen. Es heißt, was uns nicht umbringt, macht uns stark. Das gilt aber auch umgekehrt. Was uns stark macht respektive schmeckt, kann uns auch umbringen. Irgendwann, mitunter überraschend früh, ist die tödliche Dosis erreicht. 
 
Denn wenn 1000 Wespenstiche nötig wären, um einen erwachsenen, 70 kg schweren Menschen um die Ecke zu bringen, reichen dazu bereits zwei Kirschkerne. Sie enthalten nämlich Cyanid. Werden die Kerne komplett heruntergeschluckt, sind sie unschädlich. Sorgfältig zerkaut jedoch reichen die freigesetzten 0,5 g Cyanid: Exitus! 
 
Wie schädlich rauchen ist, sollte bekannt sein. Wer jedoch 100 Zigaretten verspeist, führt sich damit ein Gramm Nikotin zu. Und das ist die tödliche Dosis! Auch Kaffee ist nicht immer wohltuend. Ein viertel Paket gemahlener Kaffee, ganz ohne Zubereitung verschluckt, also 120 g, stillen jeden weiteren Kaffeedurst für immer. Auch Tafelsalz ist nicht unbegrenzt zu empfehlen. Die tödliche Grenze liegt bei 225 Gramm. Doch wer schafft schon 48 Kaffeelöffel Salz? 
 
Anders sieht dies bei Alkohol aus. Von einer 90 %-Mischung genügen 24 schnell gekippte Schnapsgläser und die Erben können singen: "Schnaps, das war sein letztes Wort". Doch auch mit völlig alkoholfreien Getränken kann man sich das Licht ausknipsen. Dazu genügen bereits 8,3 Liter Wasser. Von Rekordversuchen in heißen Sommern ist also abzuraten. 
 
Und nun kommt ein Gift, bei dessen Nennung ich zusammen gezuckt bin: Dunkle Schokolade! Doch die Entwarnung folgt sofort. Um auf die tödliche Menge zu kommen, müsste ich 116 Tafeln verputzen. Das sind 11,6 kg - und das ist auch für mich zu viel! (Vielleicht sollte ich mal über den Zusammenhang von Schokoladenkonsum und dem Gefühl, zu dick zu sein, nachdenken.) 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 100 vom 28. 7. 21 

An Tagen, wo manches nicht so laufen will, wie es laufen sollte, da kann es hilfreich sein zu schauen, was anderswo in der Welt für Mist gebaut wird. Heute ist so ein Tag. Zwecks Aufheiterung wühle ich deshalb ein wenig in einer speziellen Sammlung. Sie enthält gedruckte Fehlschläge und Formulierungen, die womöglich etwas daneben gegangen sind, jedoch den Unterhaltungswert eines Satzes deutlich erhöhen.
 
Starten wir mit einem Klassiker aus dem "Stern":
 
"Uwe B. hat am 25. Mai 1974 seinen Vater zerhackt. Er beteuert: "Das war eine einmalige Tat. Das kommt bestimmt nicht wieder vor."

Aber auch die "Bunte" hatte es drauf:

"Arm in Gips. Das ist kein Beinbruch."

Es geht doch nichts über eine kurze, knackige Einleitung, die das Interesse für einen Sport weckt. Hier die Einführung zum Start der Biathlon-Weltmeisterschaft in Ruhpolding:

"In den Jurten der Chanten, wie die einstigen Ostjaken hinter dem Ural, am Unterlauf des Ob, heute heißen, mag noch mancher Alte an Sagen denken. Wenn am nächtlichen Himmel die Milchstraße in Miriaden an glitzenden Lichtern erstrahlt, so ist das die Spur des großen Jägers, des Ostjaken Tuah-Poh. Als Kutcha, der oberste Gott, den sechsbeinigen, den besonders flinken Hirsch zu den Menschen schickte, jagte ihn Tuah-Poh. Mit seinen gleitenden Hölzern an den Füßen war er auf dem Schnee schneller als der Gottes-Hirsch - Tuah-Poh erlegte ihn nach langer Hatz. Sein Ruhm, die in uralten Überlieferungen besungene Tat, auf Skijagd Großes geleistet zu haben, steht in den Sternen geschrieben. Die Milchstraße gilt als die Spur des Skijägers aus dem Volke der Ostjaken, der heutigen Chanten, die noch etwa 20 000 Seelen zählen. Die meisten sind, wie vor Jahrtausenden ihre Ahnen, immer noch Jäger und Renzüchter und Fischer. Immer noch jagen sie zur Winterzeit mit Ski dem flüchtigen Wild, dem verlaufenen Ren, hinterher..."  (An dieser Stelle unterbrechen wir die einleitenden Worte und wenden uns dem ersten Starter zu, der inzwischen den Schießstand erreicht hat.)

Die Bildzeitung war schon immer für schlechte Schlagzeilen gut. Hier eine kleine Auswahl:

Herzpatient las Rechnung - tot! (Oh Gott, meine Rechnung nach der OP kommt noch!)

Motorrad gegen Bulle - beide tot

Unfruchtbar? Zum Zahnarzt!

Auch mit Fakten kann Bild zynisch sein:

2,6 Millionen arbeitslos/Aufschwung nicht in Gefahr

Aber selbst der Frankfurter Allgemeinen Zeitung passierten Missgeschicke:

Der neue hessische Hochschulminister ist eine Frau. Davon überzeugt den Zweifler schon ein einziger Blick.

Zum Schluss noch ein Beitrag aus der Abteilung: Schön formuliert, aber ich kapier es nicht. Dazu sagte bereits Schriftsteller Ernst Jünger: "Ein Kennzeichen höchsten Stiles ist geschliffene Dunkelheit. Man gleitet über die Rätsel der Tiefe dahin wie auf Schlittschuhen über einen gefrorenen See."

Ich wollte immer schon mitten im Sommer auf einem gefrorenen See Schlittschuh fahren. Dank des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht habe ich das jetzt getan und landete in geschliffener Dunkelheit.
Albrecht erklärte einst in einem Interview dem Zeit-Journalisten:

"Was ist, wenn Sinn und Ton vergehen? Der ungeschiedene, nicht in einzelne Sinngehalte geordnete Sinn. Sinn schlechthin. Der tonlose Ton. Der Ton vor allen einzelnen Tönen. Tonhaftigkeit schlechthin. Das, was vor Sein und Nichts ist und dennoch Sinn hat." 
 
(Boooah!) 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 99 vom 27. 7. 21

Zieh' mich zurück aufs Altenteil,
nehm' nur an Treffs mit Alten teil. 
 
 Das wäre sehr schade, Manni. Denn wie Du mit Deinem Zweizeiler bewiesen hast, bist Du noch voll auf der Höhe Deiner Schaffenskraft. Bisher, Stand 26. 7., 15 Uhr, bist Du der einzige, der sich einen Reim auf einen der drei vorgegebenen Begriffe Altenteil, Examen und Chumdenschl gemacht hat. Hier die drei Originalbeiträge zur Aufforderung Robert Gernhardts "Bilden Sie mal einen Satz mit..." 
 
Ich hätte zwar eigentlich eine Frau als Verfasserin vermutet, doch es war Burghard Heim, der zum Altenteil reimte: 
 
Das Hackebeilchen schleif ich, weil 
ich morgen früh den Altenteil. 
 
Robert Kühn war es, dem folgendes zu "Examen" einfiel: 
 
Wer rief so gräßlich meinen Namen? 
Gevatter Tod? Na gut. Ex. Amen. 
 
Und zu Chumdenschl dichtete Thomas Gsella frei nach Heinrich Heine: 
 
Denk ich an Deutschland in der Nacht, 
dann bin i Chumdenschl af gebracht. 
 
Gelungen finde ich auch diese trickreiche Blauwal-Verarbeitung von Jakob Nacken: 
 
Der Meeresforscher Tseng Jau Ching 
erklärte nach dem Whalewatching: 
"Das Tiel velhielt sich nicht nolmal, 
ich glaube, dass del Glauwal blau wal!" 
 
Mit meiner frisch erworbenen Krankenhaus-Erfahrung kann ich die Einsicht von Klaus Cäsar Zehrer zu "imponieren" nur bestätigen: 
 
Hast Du imponieren, 
lass' Dich operieren. 
 
Und falls Ihr diese Reime laut gelesen habt, dann dürft Ihr hinterher mit Fug und Recht sagen, was Rüdiger Simon zum Wasservogel dichtete: 
 
Der Dichter prüft, schon etwas matt, 
Wasservogel esen hat. 

Glückauf 
kdk 
 
PS. Nachdem die Schmunzelpost bereits fertig war, hat Manni am frühen Abend auch noch sein Examen abgelegt:
 
Er betet dich noch an nach Tagen? 
Dann musst du zum Ex „Amen“ sagen! 

 

 Schmunzelpost 98 vom 26. 7. 21

Wenn ich die Wörter "Männer" und "Gras" lese, denke ich sofort an Fußball. Lisa reagierte auf ihre Fundsache in der Kirchenzeitung ganz anders: Sie musste schallend lachen, als in einem Zitat aus dem Johannes-Evangelium Jesus seiner männlichen Gefolgschaft neben fünf Gerstenbroten und zwei Fischen noch jede Menge Gras zuteil werden ließ. Worauf lässt diese Assoziation schließen? a) Auf Lisas wilde Vergangenheit? b) Auf Lisas wilde Gegenwart? oder c) auf einen bekifften Verfasser des Bibeltextes?
 
Zur Abrundung, und um zu zeigen, wie gewisse Begriffe falsch verstanden werden können, hier nun Bernd Eilerts Definitionen von Suchtmitteln.
 
Koffein
Dem Song kann sich kein Mensch entzieh'n:
Ich hab' noch einen Koffein Berlin.

Cannabis
Wenn Vater glaubt, ich helf' im Garten,
dann Cannabis er schwarz wird warten

Opium

Erst mach ich Omama zur Schnecke,
dann bring ich Opium die Ecke

Heroin

Wenn's klopft, dann sag' ich ungeniert:
's offen! Heroinspaziert!

Das waren Reime nach der beliebten Aufforderung "Bilden Sie mal einen Satz mit..."  Hier sind noch ein paar weitere schöne Beispiele.

Kurz und schmutzig: Blumenvase

Gern wollt ich auf Gertrude liegen,
mit Blumenvase rumzukriegen.

Es geht auch mit zwei Wörtern, wenn man berlinert: Semantik, Seminar

Oh weh, jetzt will sie mich verlassen!
Semantik würd' nich' zu ihr passen.
Na denn halt nicht. Ik troll mich stumm
und Seminar 'ner andern um.

Und mit leichtem Dialekt schafft man auch vier Wörter: schwach, schwer, Schweiß, Schweineschwarte

'schwach auf und fühl mich so alleine.

'schwär so froh, wärst Du die Meine.
'schweiß genau: Du oder keine!
Tausend Tränen sind's, die 'schweine -
'schwarte nur auf Dich, Du Kleine.

Wenigstens einen Dorstener Zweizeiler möchte ich anfügen:

Baumhaus 
 
Der Treppenschmuck für unser Baumhaus 
brachte für einen Stamm das Baum(h)aus. 
 
Falls Euch die Langeweile plagt oder ein Anfall von Kreativität Euer Kleinhirn küsst, dann bildet doch Reime zu folgenden Worten: Altenteil, Examen und Chumdenschl. Wie? Angesichts des letzten Begriffs meint Ihr, das geht nicht? Das geht! Ich zeige es beim nächsten Mal. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 97 vom 25. 7. 21

Klaus Fischer, 11. Minute, Erwin Kremers, 44. Min., Klaus Fischer, 46. Min., Manni Dubski, 64. Min., Klaus Fischer, 67. Min., Rüdiger Abramczik, 74. Min., Klaus Fischer, 82. Min. Wer kann damit etwas anfangen? Ja, richtig, es geht um Schalke 04. Und zugleich für mich und ein paar Hunderttausend andere um den schönsten Feiertag der Fußballgeschichte. Am 9. Oktober 1976 gewannen die Schalker als Außenseiter im Münchener Olympiastadion ihr Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern München mit 7:0! Die Bayern hatten zuvor in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister gewonnen, den Vorläufer der Champions League. Bei Schalke fehlten mit Helmut Kremers und Branco Oblak zwei wichtige Stammspieler, für die Bayern spielten u.a. Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Gerd Müller. Es war mit Abstand die schlimmste Klatsche, die Bayern bis heute zugefügt wurde.
 
Warum schreibe ich das heute? Nun, an irgendetwas müssen sich blau-weiße Fußballfreunde wieder aufrichten. Schließlich gab es zum Beginn der Zweiliga-Saison schon wieder eine Niederlage. Allerdings werden alle, die das Spiel gesehen haben, bestätigen, dass da eine ganz andere Schalker Mannschaft (sowohl, was die Spieler betrifft, aber auch, was Einstellung und Spielweise angeht) auf dem Platz stand, als die Gurkentruppe, die in der letzten Saison über den Rasen stolperte. Deshalb besteht trotz des Fehlstarts Hoffnung auf die Wende in bessere Zeiten.
 
Bis es soweit ist, möchte ich Euch ein paar Dinge über längst vergangene,  auch nicht immer glorreiche Tage erzählen. Wusstet Ihr, das der FC Schalke 04 eigentlich in drei verschiedenen Jahren Geburtstag feiern kann? 1877 gründete sich als einer der Vorläufer der Schalker Turnverein 1877. Am 4. Mai 1904 bildeten junge Burschen, die allesamt aus Bergarbeiter-Familien stammten, Westfalia Schalke mit den Vereinsfarben Rot-Gelb. In den Anfangsjahren wollten sie sich vor allem vom bereits erfolgreichen Ortsrivalen Spiel und Sport Schalke 1896 abgrenzen. Dieser "Lackschuh-Club" setzte sich aus Gymnasiasten zusammen, den Kindern aus den Villen an der Kaiserstraße, in denen viele Fabrik- und Bergbaubonzen wohnten.
 
Anders als Spiel und Sport Schalke war Westfalia finanziell nicht auf Rosen gebettet und musste sich zweimal als Unterabteilung dem Turnverein anschließen. Das hatte erst am 5. Januar 1924 endgültig ein Ende. Da entstand der FC Schalke 04 und wählte als neue Vereinsfarben blau-weiß. So, das soll für heute reichen. Bei jedem Schalker Zweitliga-Sieg werde ich ein weiteres kleines Kapitel aus der ereinsgeschichte folgen lassen. Hoffentlich richtig viele!
 
Zum Schluss gibt's heute noch Kurioses aus der wunderbaren Welt des Fußballs. Vor allem die Frauen interessiert doch bestimmt, was David Beckham so an Tätowierungen auf seinem durchtrainierten Körper zu bieten hat. Der Mann ist ein wandelndes Zitate-Lexikon. Man muss jedoch viele Fremdsprachen beherrschen, um alles lesen zu können. Auf Beckhams Brustkorb steht auf chinesisch "Tod und Leben haben festgelegte Bestimmungen, Reichtum und Ehre hängen vom Himmel ab". Auf seinem Oberarm findet sich ein hebräischer Schriftzug aus Salomons Lied der Lieder "Meinem Geliebten gehöre ich und mir gehört der Geliebte". Wer die geliebte Frau an seiner Seite ist, erfährt man auf dem linken Unterarm. Dort sollte auf Hindi "Victoria" stehen, auf Grund eines Schreibfehlers heißt es jedoch "Vihctoria". Linker Unterarm: "Ut Amem et Foveam" (Um zu lieben und zu ehren).
 
Auf dem rechten Trizeps hält ein Michelangelo-Engel die Inschrift "In the face of adversity" (Trotz allem Ungemach), auf dem rechten Unterarm "Perfectio in Spiritu" (Perfektion im Geist). Wer glaubt, dass auf der wandelnden Beckham-Litfaßsäule noch Platz für Werbesprüche wie "Niemand ist in Dorsten kühner als die frechen Tintenhühner" wäre, der täuscht sich. Die Restfläche geht für die reich verzierten Namen von Beckhams Söhnen und seine Lieblingszahl (VII) drauf. Wobei ich nicht weiß, ob der erste Sohn namens Brooklyn mit seiner Platzierung auf dem Steißbein glücklich ist.
 
Und als Letztes noch ein paar Fußball-Fach-Vokabeln aus Österreich. Ein Eiergoalie ist ein schlechter Torwart, ein Golatschn eine Blutgrätsche, ein Gurkerl ein Beinschuss, eine Insultierung eine Schiedsrichterbeleidigung, ein Knödelreiter (horch, Schorsch!) ein Pferdekuss, ein Nupperl ein unnötiger Gegentreffer (also alle Tore gegen Schalke),ein Reiberl ein Ellbogenstoß und ein Wuchtel ein guter Schuss. Und damit: Abpfiff! Österreichisch: Pfeiferl (das war bloß ausgedacht).
 
Glückauf
kdk
 
PS.  Zur wortlastigen SP merkt Martin an:
Wenn man zusammengesetzte Wörter nimmt (und Treueeid ist ja eines), dann gibt es tatsächlich Wörter mit mehr als 5 Vokalen:  Wie heißen Flussuferwiesen, wo Mammutbäume wachsen? SEQUOIAAUEN (7 Vokale).

Worein ließ sich ein frz. Schriftsteller und Philosoph, Begründer der Soziologie, nicht gerne treten (weil's fies weh tut)? In die MONTESQUIEUEIER (7 Vokale)

Die Spezialität einer US-Inselgruppe könnten HAWAIIEIER (6 V.) sein, die dann genüsslich in den HAWAIIAUEN (6 V.) verspeist werden.

(Anm.: Schön, aber die Worte zählen nicht, weil sie nicht im Duden stehen. kdk)

Auch interessant sind Wörter mit möglichst vielen Konsonanten hintereinander. Vor Jahren habe ich gelesen, dass das grammatisch korrekte deutsche Wort mit den meisten aufeinanderfolgenden Konsonanten BORSCHTSCHGSCHNAAS ist (13 Konsonanten). "Gschnaas" ist in Süddeutschland ein wirres, unnützes Geschwätz oder Tun ("Was der nur wieder für ein Gschnaas von sich gibt!"). Und wenn jemand Blödsinn über russische Rote-Bete-Suppen redet, dann ist das eben ein "Borschtschgschnaas"!

PPS. Und noch eine Ergänzung zur Fundsachen-SP, ebenfalls von Martin: 
Zum Thema "Navi" etwas Negatives und etwas Positives. 
NEGATIV: "Ein Navi ist der erste Schritt zum betreuten Wohnen!" 
POSITIV: "Es gibt jetzt moderne Seniorennavis, die sagen dir nicht nur Strecke und Ziel an, sondern auch, was du am Ziel eigentlich wolltest!"
 

 Schmunzelpost 96 vom 24. 7. 21

Heute Mittag sprachen wir in kleiner Runde über technische Geräte, die helfen, ein Ziel anzusteuern. Dabei stellte ich fest, dass ich zu den letzten Neandertalern gehöre, die weder über ein Navi verfügen noch ein GPS-System benutzen. Ich behaupte gern, dass ich so etwas nicht brauche, weil ich den Orientierungssinn einer Brieftaube besitze. In Wahrheit schaue ich mir vorher gern und gründlich auf Landkarten und Stadtplänen an, wohin die Reise gehen soll. 
 
Nach dem Streiflicht der Süddeutschen Zeitung vom 23. 7. gehöre ich damit ins Lager der Tollpatsche. Denn dort wird die Menschheit in zwei Lager eingeteilt: Diejenigen, die mit Computern und selbstfahrenden Telefonen hervorragend klarkommen, dafür aber im analogen Leben mitunter verpeilt sind und die anderen, die sich von der modernen Technik oft überfordert fühlen. Also die Nerds und die Tollpatsche. 
 
Dabei hat die Technik ihre Tücken. Das Streiflicht dazu: "Das Navigationsgerät zum Beispiel ist von Natur aus böse. Es ist so programmiert, dass seine Nutzer einerseits süchtig werden nach dem Navi. Andererseits haben keckernde Gates-Dämonen das Navi mit Weg-Algorithmen gefüllt, deren Hauptziel darin besteht, Orientierungssuchenden zunächst jede Orientierung zu rauben, um sie anschließend auf unmarkierte Feldwege sowie über seit Heinrich VI. nicht mehr bereiste Dörfer in die Irre zu führen. 
 
Die Zahl der schrecklichen Navi-Geschichten ist sehr groß. Jüngst berichtete die Landespolizeidirektion Salzburg, dass ein 30-jähriger Bayer im Tauerntunnel gewendet habe, weil sein Navi ihm das empfahl. Dass er danach der Einzige war, der in der Röhre in seine Richtung fuhr, habe der Navi-Gläubige auf plötzliches Gegenverkehrsaufkommen zurückgeführt." 
 
Die Bergwacht im Harz müsse immer wieder Wanderer retten, die ohne Karte unterwegs waren und sich ganz auf die Anweisungen ihres Navis verließen. Ob ein stromloser Navi oder allgemeine Blödheit Grund für das Verirren war, darüber hülle die Bergwacht sich in vornehmes Schweigen. Dagegen stellten die Retter  fest, dass viele Wanderer überhaupt keine Karte mehr lesen können. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich die Bezeichnung "Tollpatsch" mal als ehrenvoll betrachten könnte. 
 
Wenig ehrenhaftes berichtet die Süddeutsche Zeitung über eine große Anzahl US-Amerikaner. Unsereiner kauft nichts bei Firmen, die sich als Spender für NPD oder AfD hervorgetan haben. Um Starbucks-Filialen habe ich bisher aus anderen Gründen einen Bogen gemacht. Diese Firma, einst von linken Hippies im ultraliberalen Seattle gegründet, wird nun in den USA boykottiert. Und zwar von Trump-Anhängern, die Waffen lieben und den Sturm auf das Kapitol für ein Komplott der Antifa halten, so die SZ. Bisher konnten diese Menschen ihren Kaffee bei der Kette "Black Rifle Coffee" schlürfen, die Kriegsveteran Evan Hafer 2014 "als Pro-Militär-, Pro-Polizei und Anti-Hipster-Marke" gegründet hat. Er bot Sorten wie "Freiheit", aber auch "Sanfter Schalldämpfer" oder "Kanonenboot" an. 
 
Doch dann machte Hafer aus der Sicht von Liebhabern brauner Brühe einen Fehler. Er distanzierte sich von zwei Rabauken und einem Mörder, die T-Shirts seiner Kaffee-Kette trugen. Was Online-Ultras mit einem Shit-Storm im Netz quittierten. Und als Hafer sich auch noch ausgerechnet in der New York Times von Teilen der Trump-Fans abgrenzte: "Eine abstoßende Gruppe", die zum "Schlimmsten in der amerikanischen Gesellschaft gehört", hatten die Hardcore-Rechten endgültig den Kaffee auf - sie suchten sich einen neuen Kaffeelieferanten. 
 
Und sie wurden schnell fündig. 2017 war die Rösterei "Right Wing Brew" gegründet worden. Die wirbt für ihren Kaffee mit den Worten: "Dieser Kaffee kann Sie dazu verleiten, Waffen zu lieben, Adler zu reiten, Steaks zu essen, Republikaner zu wählen, für die Nationalhymne aufzustehen und sich weniger um Europa zu kümmern." Dazu sage ich nur "God bless Amerika" und sattle meine Tauben. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 95 vom 23. 7. 21

Aus dem Leben eines Taugenichts
 
Es liegt Schnee. Bei Tau und Samen 
leuchtet es im Sand. Sieben Augen 
saugen Seide, Nebel, Tinte, Schaum. 
Es entlaubt sich eine muede Gans. 
 
Was ist das besondere an diesem Gedicht von Unica Zürn? Schorsch liegt mit seiner Lösung - der gesamte Text enthält kein "r" - zwar richtig, der Dichterin ist jedoch noch etwas viel Raffinierteres gelungen. Jede einzelne der vier Zeilen des Gedichts setzt sich ausschließlich aus den Buchstaben des Titels zusammen - wenn man so will, ein Anagramm im Quadrat. 
 
Tolle Leistung! Unica Zürn hat 123 solcher Gedichte verfasst. Außerdem war die gebürtige Berlinerin auch eine hochbegabte Zeichnerin. Mich treibt bereits die Vorstellung fast in den Wahnsinn, ich wäre beim Versuch eines derartigen Reims bei Zeile vier angelangt und würde regelmäßig scheitern, wenn es darum geht, alle Buchstaben aus der Vorgabe - und keinen mehr oder weniger - halbwegs sinnvoll unterzubringen. 
 
Nun ist Unica Zürn tatsächlich 1961 an paranoider Schizophrenie erkrankt. Am 18. Oktober 1970, just als es ihr endlich wieder besser ging, nahm sie sich im Alter von 54 Jahren dann mit einem Sprung aus dem Fenster das Leben. So hatte sie es bereits in ihrem autobiografischen Roman "Dunkler Frühling" vorweggenommen. 
 
Genug Finsternis! Kehren wir in die spannende Welt der Wörter und Buchstaben zurück. Die Leistung, ohne ein "e" einen kompletten Roman zu verfassen, ist umso höher zu bewerten, weil dieser Vokal der meist verwendete Buchstabe der deutschen Sprache ist. Es folgen das "n" und auf Platz drei, Achtung, Schorsch, das "r". Diesen Buchstaben würden wir niemals verbannen, allein schon, weil Schosch als Anrede ziemlich dösig klingt. Der nächste Vokal, das i, folgt auf Platz vier, das a auf Platz sieben. 
 
Schafft Ihr es aus dem Stand, ein deutsches Wort mit möglichst vielen nicht durch Konsonanten getrennten Vokalen zu bilden? Gaaaaanz einfach zählt nicht, es muss schon so etwas wie Treueeid sein. Ich geben einen aus, wenn es Euch gelingt, sechs Vokale ununterbrochen auf die Reihe zu bekommen. Denn meines Wissens klappt das nur mit fünf Buchstaben. Vielleicht könnt Ihr für einen Niveauausgleich sorgen. 
 
Wo wir so schön beim Rätseln sind, dürft Ihr Euch noch den Kopf zerbrechen, aus welcher Sprache bestimmte Begriffe stammen, die eigentlich als alltäglich und deutsch empfunden werden. Fangen wir am Frühstückstisch an und zwar mit Marmelade, Tee und Yoghurt. Na gut, Yoghurt gehört zu den leichteren Übungen, Ihr dürft ein Stück Schokolade naschen, wenn Ihr ohne nachzuschlagen (pardon, ich bin altmodisch: Ohne zu googeln) darauf gekommen seid. Aber woher stammt das Wort Schokolade? Auch bei der Pampelmuse, einer Ananas oder einer Zigarre hätte ich keine ausländische Herkunft vermutet. Schon eher beim Shampoo und beim Anorak - wobei der letzte Begriff sich sogar logisch erschließen lässt. 
 
Bevor wir zur Auflösung schreiten, etwas anderes. Mein Vertrauen in die Zuverlässigkeit meines Wortschatzes wurde heftig erschüttert, als ich vor kurzem las, dass es für Hauptwörter, die mit einem weiblichen Artikel geschmückt sind, auch maskuline Formen geben soll. Die Rache der Gender-Verächter? So ist das Gegenstück zu "die Würze" "der Wurz". Oder zu "die Strähne" "der Strahn". Und wer nicht "die Gräte" schlucken will, kann es ja mit "der Grat" versuchen. Endgültig stutzig wurde ich beim Pendant zu "die Öde". "Der Od"? Und vor allem zu "die Möhre". "Der Mohr" wäre doppelt verwerflich! Na ja, man soll Artikel erst zu Ende lesen. In diesem Fall hatte einmal mehr der Sprachakrobat Ernst Jandl seine Finger im Spiel. Eine Kröte bzw. ein Krot weniger, den wir schlucken müssen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Hier kommt die Auflösung. Der Yoghurt stammt aus dem Türkischen, die Marmelade aus dem Portugiesischen und der Tee aus China, genauer: Aus dem Kantonesischen. Und die Schokolade haben wir sprachlich den alten Azteken zu verdanken. Die Holländer können nicht nur Käse, auch die Pampelmuse stammt als Relikt ihrer Seefahrer-Tradition von den Niederländern. Bei der Ananas wird's kompliziert. Das Wort gehört zum Guarani-Sprachstamm, einem Teil der Amtssprache in Paraguay, die wie in Argentinien und Brasilien von einer indigenen Volksgruppe gesprochen wird. Und die Zigarre könnt Ihr mit einem Maya paffen - falls Ihr heute noch einen findet. Shampoo ist Hindi und der Anorak Aleutisch. Die Gelehrten streiten, ob das die Sprache der Eskimos oder der Inuit ist. 
 

 Schmunzelpost 94 vom 22. 7. 21

Es ist ein Vergnügen, solch einen Text zu schreiben. Doch mit Besonderheit! Welche? Wer weiß es jetzt schon? Noch mehr Lesestoff? Bitte sehr! Ich will Euch mit Wörtern verwöhnen, bis Ihr die richtige Eingebung kriegt. Nun, klingelt es endlich? Immer noch nicht? Wie viel Wörter muss ich noch hinzufügen? Jetzt gebt Euch ein bisschen mehr Mühe. So schwer ist es wirklich nicht. Kleiner Tipp: Fehlt vielleicht ein üblicher Teil des sonstigen Geredes? Eine heiße Spur! Seid Ihr jetzt soweit mit der Lösung? Immer noch nicht? Mensch, Mensch, Mensch! Jetzt gebe ich mir schon solche Mühe und berücksichtige die Devise: In der Kürze liegt die Würze, und Ihr merkt immer noch nichts. Ruft Euch doch ins Hirn, woraus Wörter bestehen! Solch ein dicker Fingerzeig muss doch reichen! Juhu, einer weiß es: Richtig, der Text ist völlig ohne jedes .... geschrieben!
 
Ah, ja, da hat's geklappt! War alles andere als anspruchslos. Das Verfassen, nicht das Raten! Auf die Idee kam ich heute bei der Lektüre von "Die Schlange im Wolfspelz". Autor Michael Maar erzählt darin auch vom Schriftsteller Georges Perec, der mir bislang nicht bekannt war, aber eine beeindruckende Leistung vollbrachte: Er schrieb einen kompletten Roman, in dem kein einziges e vorkam. Titel: La Disparition. Das leitet sich ab von disparu und bedeutet "verschwunden". Doch nicht alle kapierten den Wink mit dem Zaunpfahl. Ein früher Rezensent bemerkte, irgendetwas sei sehr sonderbar an dem Buch, man wisse nur nicht genau, was.
 
Vielleicht habt Ihr ja aus diesen Erfahrungen gelernt. Hier kommt Eure Hausaufgabe: Ein kurzes Gedicht von Unica Zürn mit dem bei Eichendorff entlehnten Titel
 
Aus dem Leben eines Taugenichts
 
Es liegt Schnee. Bei Tau und Samen 
leuchtet es im Sand. Sieben Augen 
saugen Seide, Nebel, Tinte, Schaum. 
Es entlaubt sich eine muede Gans. 
 
Na, Ihr Spürnasen, was ist hier das Besondere? Die Antwort findet Ihr in der nächsten Schmunzelpost. Oder kommt Ihr sogar selber drauf?
  
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 93 vom 21. 7. 21

Wer jetzt unseren Politikern zuhört, der könnte sich verleiten lassen, in Sachen Klimawandel Entwarnung zu geben. Okay, sagen die Mandatsträger, wir haben die Warnung verstanden! Wir werden in Zukunft alles tun, damit sich solche Überschwemmungen nicht wiederholen und der Klimawandel gestoppt wird. Tja, schön wär's. Doch mir fehlt der Glaube. Ende September sind die Wahlen Geschichte und spätestens nach den Jahresrückblicken werden andere Ereignisse den Einsatz unserer gesamten Finanzkraft erfordern. 
 
Hatten wir nicht bereits mehrere Weltklimaschutz-Konferenzen, bei denen die teilnehmenden Staaten hoch und heilig wirksame Maßnahmen angekündigt und konkrete Ziele vereinbart hatten? Ziele, die anschließend nach und nach wieder einkassiert wurden, weil man sich über Details nicht einigen konnte - und überhaupt, was kümmert uns unser Geschwätz von gestern...
  
Ich biete daher eine Wette an. Zwölf Flaschen des besten Rieslings von der Südküste Grönlands, wenn 2121 Dorsten noch auf den Landkarten zu finden ist! Nach meinen Prognosen befindet sich unsere Stadt dann am Grunde des Lippesees, der in 100 Jahren kurz davor ist, sich mit der Nordsee zu vereinen. Zwar hat die holländische Deichbaukunst dies lange verhindert, doch durch die enormen Niederschlagsmengen kamen die Fluten von hinten und schluckten zuerst die berggesenkten Areale des Ruhrgebiets. Vielleicht gibt es auch noch andere Ursachen, wenn etwa die Magmamassen auf eingedrungenes Grundwasser reagieren und die erloschenen Vulkane der Eifel wieder munter werden. 
 
Im Mittelmeer zeugen gleich zwei versunkene Städte davon, wie fix so etwas gehen kann. Da ist beispielsweise Helike, einst die Hauptstadt des Achäischen Bundes in Griechenland. Sie versank im Jahre 373 vor Christus samt dem Nachbarort Boura über Nacht im Meer. Und das, obwohl sie mehr als zwei Kilometer von der Küste entfernt war. Ein gewaltiges Erdbeben leistete die Vorarbeit, eine gigantische Flutwelle gab Helike den Rest. Die Suche nach den Ruinen im Golf von Korinth blieb trotz des Einsatzes modernster Technik bis heute erfolglos. 
 
Dagegen hat man die Überreste von Heraklion, der lange Zeit bedeutendsten Handelsmetropole im Nildelta, im Jahr 2001 wieder entdeckt. Die Stadt versank nach mehreren Naturkatastrophen im 7. Jahrhundert ebenfalls infolge eines Erdbebens. 
 
Doch nicht immer sind die Tektonik oder die Reibung von Kontinentalplatten Ursachen solcher Geschehnisse. Die Nachfahren von Küstenbewohnern warnen eindringlich davor, die himmlischen Mächte zu reizen. Denn der Zorn der Götter habe die mächtige Sturmflut heraufbeschworen, die für den Untergang des reichen Handelsortes Vineta an der Ostsee verantwortlich war. 
 
Und christliche Quellen beschreiben, warum feiernde Bauern die Nordseestadt Rungholt auf dem Gewissen haben. Die Männer hatten ein Schwein betrunken gemacht und wollten anschließend den Pfarrer zwingen, der armen Sau die Sterbesakramente zu geben. Die Strafe Gottes ließ nicht lange auf sich warten! 
 
So etwas kann heute nicht mehr passieren, glaubt Ihr? Da kennt Ihr aber die wüsten Feiern unserer Landfrauen-Vereinigungen schlecht! Und falls 2022 die berüchtigten Narrelesinnen auf der Hardt wieder zum Frauenkarneval einladen, fürchte ich das Schlimmste! 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 92 vom 20. 7. 21

Stets auf der Suche nach neuen Klängen, bin ich im Internet fündig geworden. Na ja, eigentlich waren es alte Klänge. Die Band, die mich in ihren Bann zog, heißt Huun-Huur-Tu. Ihre Videos werden von Millionen Menschen angeschaut. Während Huun-Huur-Tu eher traditionelle Musik macht, vereinen Hu Yuve Yuve Yu, kurz: The Hu, ihre kulturellen musikalischen Wurzeln mit hartem Rock. Ihre Einspieler erreichen locker 80 Millionen Zuschauer. 
 
Wer? The Hu? Nicht verwechseln mit The Who: Von den britischen Rock-Giganten leben nur noch Pete Townshend und Roger Daltrey. The Hu jedoch ist vergleichsweise jung und topfit. Die Gruppe zeigt, dass es sich lohnt, über den Tellerrand zu schauen. In ihren Videos gibt es auch höchst beeindruckende Landschaftsaufnahmen aus ihrem Heimatland, der Mongolei. Dabei hatte ich diesen Staat bisher für ein graues, staubiges Wüstenland, verbunden mit einer endlosen Grassteppe, gehalten. Vielleicht sollte man beim Reisen auch mal den Sprung in abgelegene Ecken des Globus wagen. 
 
Überhaupt darf man sich nicht von Namen täuschen lassen. Schauen wir doch mal in den unerschöpflichen Vorrat an Ortsbezeichnungen, den Martin Velling zusammen getragen hat. Denn vielleicht sollten wir vor unserem Mongolei-Trip trainieren und einmal quer durch Russland und Sibirien wandern. Das schaffe ich jeweils an nur einem Tag. Glaubt Ihr nicht? Doch, doch! "Russland" liegt bei Aurich in Ostfriesland und "Sibirien" bei Elmshorn. Warnen möchte ich dagegen vor einem Spaziergang durch Kuhsdorf bei Pritzwalk. Wenn Ihr dort in den Ortsteil "Bullendorf" geratet, kann es nur heißen: "Kehrum"! (bei Kalkar)
  
Oder steht Euch der Sinn nach einer Beförderungs-Reise? Dann müsst Ihr folgende Rundfahrt unternehmen, um eine dörfliche Karriere mitzuerleben. Von Unterdorf (nahe Salzburg) geht es nach Dorf (bei Augsburg), dann weiter nach Oberdorf am Bodensee. Und der Ritterschlag erfolgt im Allgäu in Oberstdorf. 
 
Und wenn ich erst die "Hu"-Songs einstudiert habe, brauche ich noch geeignete Orte, wo ich die Lieder vortragen kann. Im Tal wird es nicht richtig klingen - Inden (bei Düren) Bergen (auf Rügen) Willich (Viersen) Singen! (Südwürttemberg) Noch eine wertvolle Information: Echte (Northeim) Löwen (Rügen) Lieben (Ostallgäu) Kuchen (Göppingen). Manche aber auch eine Große Kuh (Hattingen). 
 
Zum Schluss wird's gaaaaanz lang. Dies ist mit 168 Buchstaben der wahrscheinlich längste Ortsname der Welt: 
Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanaakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit. 
Er wird heute allerdings nur noch selten verwendet. Kein Wunder, für die thailändische Hauptstadt ist die Bezeichnung "Bangkok" entschieden praktischer. 
 
Dagegen sind deutsche Ortsnamen geradezu mickrig. Schmedeswurtherwesterdeich (bei Dithmarschen) kommt auf 26 Buchstaben und  mit Hilfe von zwei Bindestrichen erreicht Hellschen-Heringsand-Unterschaar mühsam derer 30. Der Ort liegt übrigens auch bei Dithmarschen - und da sagen die Menschen immer, in Norddeutschland sei man eher einsilbig... 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 91 vom 19. 7. 21

Nach einem erfüllten langen Tag (Tour zum Niederrhein und der Hortensien-Blüten im Park von Schloss Moyland) hilft es beim mitternächtlichen Schreiben der Schmunzelpost sehr, sich aus fremden Quellen zu bedienen. Auch, wenn dies nun schon die zweite Fundsachen-Folge wird. Doch die Wochenend-Ausgabe der Süddeutschen lieferte wieder genügend Material. 
 
Zuerst zu den öffentlich-rechtlichen Medien. Ein sperriger Begriff, mit dem offenbar manche nicht viel anfangen können und die "Zwangsgebühren" zu seiner Finanzierung abschaffen wollen. Dazu heißt es im SZ-Streiflicht: "Erst neulich hat (daher) der WDR für den Schnäppchenpreis von nur 80 000 Euro - denn nichts ist wichtiger als ein verantwortungsvoller Umgang mit den Gebühren - bei einer Framing-Expertin ein Gutachten bestellt, das sensationelle Wege wies, solche Begriffe den linguistischen Anforderungen der Achtsamkeit anzupassen. Künftig sei daher von "unserem gemeinsamen, freien Rundfunk ARD" zu sprechen. 
 
Um dies zu untermauern, hat der gemeinsame, freie Rundfunk das Auslandsmagazin "Weltspiegel" in die tiefe Montagnacht verbannt. Streiflicht-Kommentar: "Die Menschen haben nämlich ganz andere Sorgen als das Gezänk im Weißen Haus oder hässliche Kriege irgendwo da draußen. Das sind Themen für alte weiße Männer. Und da die ohnehin von der senilen Bettflucht befallen sind, können sie solches Zeug genauso gut zur Geisterstunde angucken." 
 
Wie gut, dass sich wenigsten "Deutschlandfunk Kultur" tagsüber mit den wirklich relevanten Themen beschäftigt. Dort hat man entdeckt, wieviel Neokolonialismus sich in den Asterix-Comics verbirgt. Autor Florian Weber hat Asterix "neu gelesen" und dabei eine "ethnozentrische Logik" erkannt. Hä? Hier folgt eine beeindruckende Beweisführung: Zwar kämpfen Römer gegen Gallier, also Weiße gegen Weiße, wobei die Gallier (bis auf ein kleines unbeugsames Dorf) jedoch Opfer des römischen Kolonialismus sind. Und nun kommt's: "Man muss sich fragen, ob dieses Narrativ nicht die Täterseite der französischen Kolonialverbrechen verschleiern will." Was würde Obelix sagen? Die spinnen, diese Sprachverdrehungs-Hardliner. 
 
Aber auch Piktogramme können die Gemüter in Wallung bringen. "Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn." SZ-Autorin Veronika Wulf meint Clippy, eine Büroklammer mit Glubschaugen, die mir bisher völlig unbekannt war. Doch vielen Microsoft-Nutzern offenbar nicht. Denen bot der Wicht auf dem PC-Bildschirm ungefragt seine Hilfe an: "Sieht aus, als würdest du einen Brief schreiben, ich helfe dir dabei." "Nein, tust du nicht, halt deine ... äh, Sprechblase". Ganze Familien, so Veronika Wulf, verzweifelten daran, das Augenbrauen-Monster auszuschalten. "Der deutsche Name Karl Klammer machte es nicht besser." Erst nach sieben Jahren schickte Microsoft Clippy wegen dauernder Beschwerden in Rente. 
 
Dann aber sang Passenger über die Büroklammer (oder auch über eine Frau, wer weiß das schon): "Erst, wenn Du sie gehen lässt, weißt Du, dass Du sie liebst". Wegen zahlreicher Fans im Netz gewährte Microsoft ein kurzes Comeback: Einen Tag lang war es möglich, Clippy als Sticker zu importieren, dann verschwand er wieder in der Versenkung. 
 
Bis zur nächsten triumphalen Auferstehung. Ein Tweet von Microsoft mit Clippy-Bild verhieß jetzt, dass man bei mehr als 20 000 Likes Clippy zurückbringen werde. Bis zum letzten Freitag waren es 163 000 Likes! Hurra, Clippy kommt zurück! 
 
Wenn demnächst ein hupender Auto-Korso durch Eure Stadt kreuzt: Das sind bestimmt Clippy-Fans! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 90 vom 18. 7. 21

Auf der Suche nach lesenswerten Fundstücken bin ich diesmal im Magazin der Süddeutschen Zeitung fündig geworden. Dort veröffentlicht Axel Hacke regelmäßig seine Kolumnen. Mit dem Honorar für seinen Beitrag zur neuesten Ausgabe will er sich nach eigenem Bekunden einen Rolls Royce russischer Bauart zulegen. Bisher waren diese Automobile unter dem Markennamen "Lada" bekannt. Falls Ihr Euch jetzt wundert - hier kommt die Aufklärung: 
 
Axel Hackes "Lieblingsdiktator" Wladimir Putin machte jetzt von sich reden, weil er gesetzlich verfügte, dass in Russland nur noch russischer Sekt als "Champagner" bezeichnet werden darf. Der Champagner aus der Champagne darf in Russland jetzt nur noch mit dem Etikett "Schaumwein" angeboten werden.  Hacke meint dazu: "Wäre Präsident Macron genauso verrückt, würde er als Gegenschlag verfügen, dass nur noch französischer Wodka (gibt es den?) diesen Namen tragen darf. Russischer müsste die Bezeichnung "Destillat" tragen." 
 
Nun sind die Russen in Sachen Alkohol seit langem erfinderisch. Mag es an der russischen Seele liegen oder an zu knappen Mitteln, um sich mit regulärem Schnaps zu versorgen, sie brennen und panschen im Eigenbetrieb seit Jahrhunderten, was das Zeug hält. So glänzt der Autor und bekennende Alkoholiker Wenedikt Jerofejew mit selbsterfundenen Cocktails, die er sich in Ermangelung anderer Alkoholika auch selber mixt. Herausgekommen sind beispielsweise der "Geist von Genf" und "Konsomolzenträne". Hier nun das Rezept für den Cocktail "Schweinegekröse", vor dessen Konsum die Schmunzelpost ausdrücklich warnt. Dieser Cocktail besteht nämlich aus 100 g Shiguli-Bier, 30 g Haarshampoo der Sorte "Nacht auf dem kahlen Berge", 70 g Anti-Schuppenmittel, 30 g 13-F-Kleber sowie 20 g Bremsflüssigkeit. Wohl bekomm's. Vielleicht hat Putin ja ein Glas getrunken, bevor er sein Champagner-Gesetz auf den Weg brachte. 
 
Ich weiß nicht, was Erdogan heimlich trinkt. Aber dafür scheint er aus der Geschichte zu lernen. In der Türkei hat nämlich der strenge Sultan Abdulhamid II. einst den Zeitungen die Verwendung der obszönen Begriffe "Gerechtigkeit" und "Freiheit" verboten. Aber mehr noch: Weil besagter Sultan einen sehr großen Riechkolben hatte, stellte er auch noch den Druck des Wortes "Nase" unter Strafe. So wollte er verhindern, dass Journalisten auf ihn anspielten, ohne seinen Namen zu nennen. 
 
Ganz schön trickreich! Erdogan ließ sich jetzt davon inspirieren. Aus den Reserven der türkischen Zentralbank sind nämlich 128 Milliarden Dollar spurlos verschwunden. Böse Menschen, also Erdogan-Gegner,  vermuten, dass dies etwas mit der desaströsen Wirtschaftspolitik zu tun hat. Und die Opposition war so unverschämt eine Plakataktion zu starten, in der gefragt wurde: "Wo sind die 128 Milliarden Dollar?" Das fand auch in den sozialen Medien großen Widerhall. 
 
Erdogan ließ daraufhin die Nennung der Zahl 128 faktisch verbieten. Und jeder, der danach fragt, hat Polizei und Justiz am Hals. Die Opposition schlug zurück und fragte: "Wo ist die Hälfte von 256 abgeblieben?" Auch das wurde prompt verboten. Und acht Abgeordnete der Partei CHP sollen nun ihre Immunität verlieren, damit sie angeklagt werden können. Ein wunderbares Eigentor! Die Zahl der CHP-Vertreter im Parlament sinkt dadurch von 136 auf, bravo!, nur noch 128! Darauf einen Schluck Schweinegekröse. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 89 vom 17. 7. 21

Die letzte Schmunzelpost habe ich mit einem Witz beendet, den zumindest die Tintenhühner schon kannten. "Na und?", dachte ich, "im Fernsehen laufen doch derzeit auch fast nur Wiederholungen, insbesondere alte Tatorte." Und als ich dann noch in der Brigitte, dem Frauen-Fachmagazin für alte, weiße Männer, erfuhr, dass es wieder angesagt ist, Tagebuch zu führen, hatte ich eine zündende Idee. Denn die Tagebuchform habe ich 2009 für eine Glosse genutzt. Warum also nicht alte Glossen, an die sich außer mir keiner mehr erinnert, recyceln, aufmöbeln und aktualisieren? Hier kommt das Ergebnis:
 
 Wie 14 Friseure einen guten Schnitt machen
 
(und trotz Corona-Auflagen die Kulturkrise gemeistert wurde) 
 
1. Juni 2020: Liebes Tagebuch! Habe heute gezählt, wie viele Friseur-Salons es allein in der Dorstener Innenstadt gibt. Fühle mich nun als Bürger in der Pflicht. Mein soziales Gewissen zwingt mich, künftig nicht nur alle vier Wochen das Schalke-Fachgespräch mit dem Friseur meines Vertrauens zu führen. Ab sofort lasse ich mir jede Woche die Haare schneiden!
 
3. Juli 2020: Liebes Tagebuch! Bei 14 Salons greift der Wochen-Rhythmus zu kurz. Werde jetzt täglich meinen Bart entfernen lassen. Ein gelernter Barbier ist schließlich viel gründlicher als ein Elektro-Rasierer. 
 
15. Juli 2020: Liebes Tagebuch! Der Bart ist ab, doch das reicht nicht für so viele Salons. Will nun auch täglich meine Haare schneiden lassen. Da gibt es aber ein kleines Problem. Muss erst etwas für die Wiederaufforstung und zum raschen Nachwachsen tun. 
 
16. Juli 2020: Liebes Tagebuch! Habe bei der Suche nach einem geeigneten Haarwuchsmittel bemerkt, wie viele Apotheken es in Dorsten gibt. Eine neue Aufgabe! Werde die Friseur-Besuche künftig mit Pillenkäufen verbinden. 
 
20. Juli 2020: Liebes Tagebuch! Das viele Laufen zum Apotheker und zum Friseur macht hungrig! Habe unterwegs festgestellt, dass es in Dorsten mehr Bäckerei-Filialen als Apotheker und Friseure zusammen genommen gibt. 
 
21. Juli 2020: Liebes Tagebuch! Neuer Stundenplan: Brötchen kaufen und verzehren, Rasur beim Friseur, Apotheken-Umschau und Vitamin C besorgen, Haare färben lassen, zweites Frühstück beim Bäcker, frisch gefärbte Haare frisieren lassen, drittes Frühstück beim Bäcker, Tabletten gegen Völlegefühl in der Apotheke besorgen. 
 
24. Oktober 2020: Liebes Tagebuch! Der Corona-Lockdown hat mich gerettet! Der Stress wurde mörderisch. Friseursalons sind nun aber geschlossen, Wiedereröffnung noch nicht absehbar. Bäckerei-Besuche ersatzlos gestrichen, da mein Gewicht in nur drei Monaten verdoppelt! Apothekenbesuche gestrichen, weil ich inzwischen schon Medikamente gegen die Nebenwirkungen der Anti-Nebenwirkungen-Arznei schlucken musste. Werde den Vorrat an Abführmitteln für eine Diät nutzen. 
 
2. November 2020: Liebes Tagebuch! Von 100 auf 0 ist auch keine Lösung. Habe einen neuen Plan geschmiedet, um der darbenden Kulturbranche und den unter Entzug leidenden Kulturliebhaberinnen zu helfen. Da selbst die Tintenhühner nicht auftreten, biete ich ein Tintenhahn-Solo-Programm für jeweils eine Zuschauerin an. So wird die Zwei-Haushalte-Regel eingehalten! 
 
30. November 2020: Liebes Tagebuch! Der Plan funktioniert. Habe jedoch bemerkt, dass es andere Kulturschaffende gibt, die gern meinem Vorbild folgen möchten. Gebe jetzt vormittags drei Vorstellungen und schaue mir nachmittags drei Darbietungen an. 
 
1. März 2021: Liebes Tagebuch! Bin am Ende meiner Kräfte. Der Besuch von drei Liebhaberinnen am Vormittag verzehrt meine letzten Energiereserven und sorgt dafür, dass ich nachmittags bei den Vorstellungen anderer Kulturschaffender einschlafe. So kann das nicht weitergehen! 
 
1. April 2021: Liebes Tagebuch! Habe die perfekte Lösung gefunden. Gebe mir jetzt selbst Vorstellungen. Stelle mich auf den Wohnzimmertisch und improvisiere Stand-up-Kabarett. Wechsle am Ende aufs Sofa, spende mir ausgiebig Beifall und rufe nach einer Zugabe. Je nachdem, wie sehr das Publikum rast, gewähre ich sie auch. Unschätzbarer Vorteil: Endlich habe ich Zuschauer, denen keine Anspielung entgeht und die jede Pointe kapieren! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 88 vom 16. 7. 21

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und als Dorstener hat man dieser Tage einmal mehr Grund, sich verstohlen ins Fäustchen zu lachen. Denn trotz erneuter Unwetterwarnungen: Die Wassermassen, die gestern vom Himmel fielen, haben unsere Stadt weitgehend links lassen. 
 
Damit wiederholte sich, was wir bei Stürmen, schweren Gewittern und Unwettern aller Art erlebt haben. Dorsten ist anscheinend kein Ort für Katastrophen. Links und rechts von uns kann es toben wie es will, wir kriegen allenfalls ein paar Kratzer ab. Nur Dürre und Hitze machten in den letzten beiden Jahren keinen Bogen um die Stadt. Das ist auch der Grund, weshalb ich inzwischen Regen in moderaten Mengen schätzen gelernt habe. Als Naturfreund und Gartenbesitzer freue ich mich jetzt sogar über jeden Regentropfen. Doch was zu viel ist, ist zu viel. Was da auf NRW niederprasselte, ist extrem und nach Expertenmeinung nicht wegzuleugnendes Symptom der Klimakatastrophe. 
 
Eine Katastrophe anderer Art war für einen altgedienten Journalisten wie mich am Donnerstag der überregionale Teil der Ruhr Nachrichten. Dort hatte man lediglich zwei Spalten auf der NRW-Seite zur aktuellen Unwetterlage übrig. Der Aufmacher auf Seite 1 beschäftigte sich dagegen hauptsächlich mit der Frage, ob und wie sich unser Kanalisationssystem umbauen lässt, um solchen Belastungen künftig gewachsen zu sein. Ergebnis: Kann man machen nix! Solche Hintergrund-Berichterstattung gehört dorthin, wo es die Bezeichnung schon ankündigt - weit nach hinten. 
 
Und während landesweit etwa der Deutschlandfunk fast rund um die Uhr über eine Starkregen-Katastrophe berichtet, die halb NRW und Rheinland-Pfalz überschwemmte, während im Fernsehen in Sondersendungen beeindruckende Bilder gezeigt werden, findet sich in meiner Print-Ausgabe der Dorstener Zeitung kaum ein Foto. Stattdessen eine Panorama-Seite mit Aufnahmen von leckerem Quarkkuchen. Mit Verlaub: Das ist Quark! 
 
Falls das Bestandteil einer Strategie sein soll, Leser von der traditionell gedruckten Zeitung zum Online-Angebot umzuleiten: Die Taktik geht nicht auf! Im Internet finde ich ein Überangebot an derartigen Berichten und Nachrichten, meist aktueller und besser gemacht, als eine vergleichsweise Zeitung das leisten kann. Und auch die Methode, allgemeine Texte mit der Ortsmarke "Dorsten" zu versehen, vielleicht noch mit ein, zwei, Sätzen zu "regionalisieren" und damit große Teile des Lokalteils zu füllen, wird von den Lesern als Etikettenschwindel durchschaut. 
 
Als langjähriger Redakteur werde ich permanent darauf angesprochen, dass die Zeitung ihrem eigenen Anspruch immer weniger gerecht wird: Hauptsächlich über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen in Stadt und Land zu berichten und außerdem Partner der Bürger durch umfassende Informationen über die ganze Bandbreite des lokalen Alltags zu sein. So schaufelt der Verlag sein eigenes Grab. Denn die Anzahl der Tage, wo ich das Fehlen der Zeitung beim Frühstück als mittlere Katastrophe empfinden würde, nimmt stetig ab. 
 
Nun noch kurz zu einer personifizierten Katastrophe nach Amerika. Die wohnt mittlerweile in einer Art Palast in Mar-a-Lago und ist völlig durchgeknallt. "Er ist wahnsinnig und lebt in einer ganz anderen Realität", so ist der dreiseitige Bericht im Spiegel überschrieben, in dem ein Gespräch mit dem Buch-Autor Michael Wolff zusammen gefasst wird. Es geht, und wer hätte das nach den drei einleitenden Sätzen nicht bemerkt, um Donald Trump. 
 
Der hat Wolff zu sich eingeladen, obwohl ihn dessen bisherige Bücher mächtig geärgert haben. Aber Trump, so Wolff, braucht nichts mehr als mediale Aufmerksamkeit und ein Publikum für seine endlosen Monologe. Trump und sein Anwalt Giuliani lebten mittlerweile auf einem ganz eigenen Planeten. Zur Rolle Giulianis sagt Wolff: "Er trinkt stark und dauernd. Er ist enorm dick geworden. Selbst Trumpf weiß das. Trump lästert: Rudy ist verrückt. Rudy ist besoffen. Rudy ist das und das. Aber Trump braucht jemanden, der ihm sagt, was er hören will. Und weil ihm das niemand sagt, außer Rudy, ist Rudy toll." 
 
Nach dem Ende seiner Präsidentschaft ist für mich Trump nicht mehr die eigentliche Katastrophe. Ein Spinner, der Blödsinn brabbelt, an den nur er selbst glaubt, ist nicht die Bedrohung, sondern der Umstand, dass er immer noch Einfluss hat. Dass die Zahl der gewissenlosen Schmeichler, die das ausnutzen wollen, derart groß ist und eine große Partei wie die Republikaner sich jemand ausliefern, der erkennbar nicht zurechnungsfähig ist. Und das mehr als ein Drittel der wahlberechtigten Amerikaner ihn heute immer noch zum Präsidenten machen wollen. 
 
Kurz noch zu Trumps Deutschland-Bild. Das wird für ihn durch Angela Merkel verkörpert. Und die hat er plötzlich in sein Herz geschlossen. Das kam so: Als Trump nach der US-Wahl endlich einmal wieder gute Nachrichten hören wollte, sagten ihm Leute aus seinem Umfeld, sie hätten über "inoffizielle Kontakte" gehört, dass Merkel, Macron und Boris Johnson seine Anfechtung der Wahlniederlage unterstützten. Und das glaubt Trump bis heute: "Angela, die ist wirklich ein großer Fan!" 
 
So, es gibt in meinem Umfeld Leute, die glauben, eine Schmunzelpost ohne Witz sei eine Katastrophe. Deshalb hier nochmal der Trump-Witz, den wir bereits in einem Tintenhuhn-Video veröffentlicht haben. 
 
"Hast Du schon gehört? Im Weißen Haus ist ein Feuer ausgebrochen. Und hat die gesamte Bibliothek von Donald Trump vernichtet." "Das ist ja furchtbar, eine echte Katastrophe!" "Ja, um die beiden Bücher ist es wirklich schade. Und er hatte sie noch nicht einmal ausgemalt." 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 87 vom 15. 7. 21

In ein paar Minuten ist Mitternacht. Da freut es mich besonders, folgendes zu erfahren: "Menschen, die spät schlafen gehen, sind statistisch betrachtet intelligenter als Menschen, die früh zu Bett gehen." 
 
Wie Ihr merkt, habe ich mich auf die Suche nach verblüffenden Fakten begeben, die ich, allerdings meistenteils ungeprüft, an Euch weiter geben werde. Gleich mein zweiter Fund wundert mich sehr. Angeblich atmet der Mensch immer nur durch ein Nasenloch! Alle paar Stunden soll dann ein Wechsel stattfinden. Im Selbstversuch konnte ich das nicht verifizieren. Doch die Behauptung steht nicht im Internet, sondern in einem schlauen Buch, also will ich das mal glauben. Denn im gleichen Buch lese ich auch: "Es ist eagl, in wliecr Rhienelfoge die Bcuhstbean im Wrot sethen. Nur der estre und ltzete Bcuhstae msüesn an rchigtier Seltle seehtn, dimat wir es lseen knenön." Das stimmt! 
 
Vielleicht versuchen das ja auch die ungezählten Köche der Buchstabensuppen auf Twitter, Whats App und im Internet, haben aber irgendetwas nicht richtig verstanden. Übrigens: Wer sich jetzt fragt, warum bei den Wörtern mit drei Buchstaben nichts verdreht ist, kriegt von mir einen Klaps auf den Hinterkopf. 
 
Nun etwas Buntes aus der Tierwelt. Eisbären haben schwarze Haut und eine blaue Zunge. Das ist aber nichts gegen den Farbenreichtum eines sehr nervösen Chamäleons: Wenn es an Stress stirbt, bleibt es nach dem Tod knallbunt! Und vor der nächsten gründlich geprüften Erkenntnis können wir nicht den Kopf in den Sand stecken: Bei einer wissenschaftlichen Untersuchung wurden 200 000 Strauße acht Jahre lang beobachtet. Ergebnis: Ein Strauß steckt seinen Kopf nie in den Sand! (Ich gebe zu: Dies ist der seltene Fall, dass ein erklärter Freund unnützen Wissens sich fragt, ob das Resultat der Studie den Aufwand wert war). 
 
Amerika ist ja das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. So hat 1967 eine Frau in den USA einen 25 kg schweren Stein geheiratet. (Beim Ringtausch wäre ich gern dabei gewesen.) Und für den Disney-Film "101 Dalmatiner" wurden Hunde mit exakt 6 469 952 Flecken bemalt (Wer die wohl zählen musste? Donald Duck?) 
 
Zum Schluss noch was zum Thema Wahrnehmung: Wusstet Ihr, dass das das Gehirn überflüssige Dinge ausblendet, wie zum Beispiel das zweite "das" in diesem Satz? 
 
Gaculükf 
kdk  

 Schmunzelpost 86 vom 14. 7. 21

Aufgepasst! Der Tod lauert überall! Gerade jetzt, wo es uns in Wald und Wildnis zieht. Im Wald, da sind zwar nicht die Räuber, aber da lauert der Wolf. Und über den berichten zwar keine aktuellen Statistiken, dafür jedoch zwei grimmige Brüder, dass er neben Geißlein auch gern Menschen frisst. Bevorzugt Großmütter. 
 
Doch der Wolf ist in unserem heimischen Forst nicht allein. Im hohen Gras verbirgt sich die Zecke, die beim Blutsaugen tödliche Krankheiten übertragen kann. Ganz zu schweigen vom heimtückischen Fuchsbandwurm. Und vielleicht hat sich auch irgendwo ein tollwütiges Eichhörnchen vor der Impfkampagne gedrückt. 
 
Wem es in Deutschland zu gefährlich ist: Anderswo wird es nicht besser. Eher im Gegenteil. Ich liste hier mal auf, welche Lebewesen im Jahr 2015 die meisten Menschen erlegt haben. Mit zehn Opfern ist die Erfolgsbilanz der Haifische eher kläglich. Da kann man mal sehen, wie ein Hollywood-Film das Image prägt! Dass Löwe und Elefant 100 Menschen auf dem Gewissen hatten, lässt uns kalt. Afrika ist schließlich weit weg. Und wer diesen Tieren zu nahe kommt, trägt meist selbst die Schuld. Nilpferd und Krokodil tauchen jedoch gern mal unter, und ihre 500 (Nilpferd) und tausend (Krokodil) Opfer haben sie vielleicht zu spät gesehen. 
 
Bei weitem nicht so groß und auf den ersten Blick weniger schreckerregend ist eine Tierart, die jährlich doppelt so viele Menschen umbringt: Die Bandwürmer. Und sechs Mal so viele, also 12 000, schaffen die Raubwanzen, indem sie Krankheiten übertragen. Nun kommen wir zum besten Freund des Menschen: Hunde töten jedes Jahr 40 000 ihrer potenziellen Frauchen oder Herrchen. Nur mit Mühe können die Schlangen das überbieten (50 000 Todesfälle). Übertroffen werden sie noch von Tieren, die Parasiten übertragen: Den Spulwürmern (60 000 Tote) und den Süßwasserschnecken (100 000 Tote). 
 
Der schlimmste Feind des Menschen ist jedoch der Mensch. Durch entdeckte Morde kamen 1915 rund 475 000 Menschen ums Leben, dabei sind Kriegsopfer nicht berücksichtigt. Ganz vorn in der Killerstatistik steht die Mücke, die Jahr für Jahr durch die Verbreitung von Malaria und Gelbfieber und mehr als 720 000 Tote dafür sorgt, dass der Mensch aus ihr gern mal einen Elefanten macht. 
 
Kommen wir abschließend noch zu ein paar extrem giftigen Gesellen. Meine Antipathie gegen Spinnen ist nicht unbegründet. Die männliche Vogelspinne Atrax robustus gilt als gefährlichste Spinne der Welt, weil sie über ein Nervengift verfügt, das einen erwachsenen Mann in weniger als einer Stunde töten kann. Zum Glück krabbelt sie nur in Australien herum. 
 
Dort lebt auch der Inlandtaipan, eine Schlange, deren Gift 25mal stärker ist als das der Kobra. Die Menge eines einzigen Bisses würde ausreichen, um 100 erwachsene Männer zu töten. Zum Glück greift das äußerst scheue Tier von sich aus keine Menschen an. 
 
Das ist anders bei der schwarzen Mamba. Die besitzt nicht nur ein ungemein starkes Gift, das Menschen in 20 Minuten tötet, sondern ist auch noch ausgesprochen aggressiv. Und flott! Sie gilt als die schnellste Schlange der Welt, was sie uns nicht unbedingt sympathischer macht. Glücklicherweise flitzt sie nur südlich der Sahara durch Afrika. 
 
Nun zu Euch, Ihr Schwimmer und Taucher. Hütet Euch vor der Landkartenkegelschnecke! Dieses Tier mit dem merkwürdigen Namen treibt sich vorwiegend im Pazifik herum und besitzt einen Giftzahn, mit dem es Menschen binnen zwei Stunden zu töten vermag. Bis heute ist kein Gegengift bekannt. 
 
Das gilt auch für den Kugelfisch, der in Japan "Fugu" heißt und dort als Delikatesse gilt. Doch wenn der Koch ungeschickt oder leichtsinnig war - oder Euch schlicht nicht mochte - ist das Fugu-Gift in nur vier Stunden tödlich. 
 
Dann hätten wir da noch die Würfelquallen, zu denen die Seewespe gehört. Die leben zwar hauptsächlich entlang asiatischer Küsten, tauchen jedoch immer öfter auch im Mittelmeer auf. Jeder Tentakel ist mit Hunderttausenden von giftigen Nesseln besetzt. Und wer nach einer Berührung nicht unverzüglich behandelt wird, beißt schnell ins Seegras! 
 
Strandspaziergänger, die in südlichen Gefilden gerne durchs Wasser tippeln, sollten sich vor dem Steinfisch hüten, dem giftigsten Fisch der Welt. Er tarnt sich gern als Stein oder Koralle. Und seine 13 harten Rückenstacheln, die mit Giftdrüsen ausgestattet sind, bohren sich mühelos durch jede Schuhsohle! 
 
So, wer beim Anblick von Wespen oder Hornissen in Panik gerät und allein beim wölfischen Klang des Namens "Gloria" ins Zittern gerät, weiß jetzt, wovor er sich wirklich fürchten sollte. Schönen Urlaub und 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 85 vom 13. 7. 21

Booah, glaubse! Dat würde mein Couseng Herbert aus Essen sagen, wenna getz die dämlichen Kommentare zur Fußball-EM hört. Erst ham die sogenannten Experten einen erzählt von die hohe Qualität im Kada von den Löw. Und vorm England-Spiel ham se erzählt, dat die Inselaffen kein Problem sind. Die haun wer wech und dann putzen wir Holland und die Ukraine und sind schon im Finale, ham der Effenberg und der Basler bei Sport 1 einen auf dicke Hose gemacht. Dabei hat der olle Mario vom vielen Paffen nur noch Qualm inne Birne! 
 
Und kaum warn wir 'raus, da warn die Spieler alle Versager und der Löw hat noch nie von nix 'ne Ahnung gehabt. Dabei hätte dat Ding von den Müller kurz vor Schluss bloß ein paar Zentimeter weiter rechts einschlagen müssen. Dat wär dann dat 1:1 gewesen. Und dann? Verlängerung und Elfmeterschießen! Und dat dat die Engländer nich können, hasse getz wieder gegen Italien gesehen. 
 
Und getz? Jetzt sind die Spaghettis Europameister. Und schon hörsse die Experten singen: Die beste Mannschaft! Die beste Taktik! Der beste Fußball! Schöner könnte selbst mein Hamster nich jodeln. Aber auch nich blöder! Den besten Fußball ham immer noch die Spanier gespielt. Dat die die Italiener nich rausgekegelt ham, lach nur daran, dat die kein Knipser ham. Un Elfmeter können se auch nich. Un vorher wär'n die Italiener fast gegen die Ösis rausgeflogen. Wenn der Astronautovitch nich fünf Zentimeter im Abseits gewesen wär! 
 
Da kannze mal sehen. Weisse, Taktik, Technik, 5-4-3-2-1-System, allet gut un schön, aba vor allem brauchse Glück. Eine einzige Situation anders, un dat ganze Spiel steht auffem Kopp. Jedenfalls bei die enge Partien. Abba davon gab et ja viele. Selbst die Alpen-Ötzis ausse Schweiz und die Ösis ham ordentlich gekickt. Da war allet drin, inne EM-Lostrommel. Sogar wir hätten et packen können, hasse ja gegen Portugal gesehen. Un weisse noch, die WM 2014? Vor dem 7:1 gegen Brasilien wär'n wir doch beinahe gegen Algerien rausgeflogen, wenn der Manuel Neuer nich für zwei gespielt hätte - Torwart und Libero! 
 
Also Ball flach halten und nicht hinterher so schlaue Sprüchskens loslassen. Und ihr beide, Effe und Basler, spendet mal Eure Gage für'n guten Zweck und geht inne Ecke, zum Schämen. Und vor die nächste WM häng' ich Euch 'nen Maulkorb um! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur Hyänen-Schmunzelpost vom Vortag schreibt Martin Velling: 
 
Zur "Hijene", wie man ja in unseren Breiten kurz und knapp (und vor allem leichter aussprechbar) sagt (ähnlich wie im Rheinland "Züscholore", "Hauposamb" oder, wie ein Kölner Domschweizer einst Seine Exzellenz Erzbischof Josef Kardinal Frings ankündigte: "Singe Sack Zement Erzjosef Kanal Frings!"), fällt mir eine kleine Geschichte aus dem alten Ostpreußen ein: 
 
Ein Bauer fuhr jedes Jahr einmal für ein paar Tage zum Pferdemarkt nach Königsberg. Seine Frau packte ihm dann einen Koffer und sagte: "Wenn du in Königsberg im Hotel bist, dann badest du auch mal!" Der Bauer fuhr los und hatte eine tolle, teure bestickte Weste an, die ihm seine Frau zu Weihnachten geschenkt hatte. Als er zurück kam, war die Weste weg - und der Haussegen hing schief. "Die teure Weste, so gehst du mit meinen Geschenken um! Du warst bestimmt bei einer anderen Frau und hast sie da vergessen!" keifte seine Frau.
Ein Jahr später fuhr der Bauer wieder zum Pferdemarkt nach Königsberg, seine Frau hatte den Koffer gepackt und ermahnte ihn wie üblich: "Wenn du in Königsberg im Hotel bist, dann badest du auch mal!"
Als der Bauer zurück kam, hatte er die Weste an! "Da ist ja die Weste, wo war sie denn?" rief seine Frau. Darauf er: "Also, da wirst du niiie drauf kommen, wo die war! UNTERM HEMD WAR SE!!!" 
 

 Schmunzelpost 84 vom 12. 7. 21

Corona verändert die Welt. Das ist nicht neu. Neu war mir aber, dass davon auch die Hygiene betroffen ist. Zwar sind die Maßstäbe der körperlichen Reinheit grundsätzlich einem steten Wandel unterworfen, doch selten vollzieht er sich so schnell - und auch noch global - wie in den letzten Monaten. 
 
Mitunter ist die Reinigung des Körpers nicht so sehr eine Sache der Gewohnheit, sondern gehorcht den Möglichkeiten. In meiner Kindheit war an sechs Tagen der Woche nur die sogenannte Katzenwäsche üblich. Etwas Wasser und Seife ins Gesicht getupft, kurz mit dem Handtuch drüber, fertig. Nur wenn die Verschmutzung auch mit der Nase wahrgenommen wurde, kamen härtere Maßnahmen in Frage: "Auch bei manchen Füßen. würde man's begrüßen". Ansonsten war Samstagabend Badezeit - zunächst noch in einer Zinkwanne, weil es kein richtiges Badezimmer gab. Der Quantensprung kam mit der ersten eigenen Wohnung - die tägliche Dusche war eine Wohltat. 
 
In der Geschichte der Menschheit änderten sich die Bräuche mit dem Fortschreiten der Zivilisation. Die alten Ägypter rümpften noch über die Griechen die Nase, weil diese sich nicht wie die Ägypter in fließendem sauberen Wasser, in Quellen und Flüssen reinigten. Die Griechen erfanden das Bad als Gemeinschaftseinrichtung. Wie oft das Wasser von Sklaven ausgetauscht wurde, unterschied sich von Fall zu Fall. Und außer den Spartanern bevorzugten die meisten Hellenen wohlig-warmes Wasser. 
 
Dies übernahmen bereitwillig auch die Römer, deren Bäder viel mehr waren als nur ein Ort der Säuberung. Die römischen Bäder dienten der Geselligkeit und wurden nicht nur zum Saunieren, sondern auch zu mehrtägigen Gelagen und Orgien genutzt. 
 
Später prägte oft die Religion das Verhältnis der Menschen zur Säuberung mit Wasser. Sowohl für Muslime wie für Juden hatten regelmäßige Waschungen rituellen Charakter, auch Hindus und Buddhisten legten Wert auf Sauberkeit. Anders die Einstellung der frühen Christen: "Ein sauberer Körper und ein sauberes Kleid bedeuten eine unreine Seele." Entsprechend verdreckt und verlaust machten sich sendungsbewusste Missionare auf den Weg, mit reiner Seele und stinkendem Leib die Botschaft Christi zu verbreiten. Mit Erfolg, wie wir wissen. 
 
Bei Moslems, die zur Jahrtausendwende nicht nur in Sachen Kultur, Medizin und Wissenschaft, sondern auch bei der Hygiene die Nase vorn hatten, sorgte das christliche Verhalten für Kopfschütteln - und für Naserümpfen: "Sie (die Christen) waschen sich nie, weil ihnen bei ihrer Geburt hässliche Männer in schwarzen Gewändern Wasser über den Schopf schütten." Das sollte sich ausgerechnet durch die Kreuzzüge ändern. Denn da entdeckten die Europäer die Vorzüge des "Hamam". So traten die Badehäuser landauf, landab ihren Siegeszug an, wohl auch, weil darin bestimmte römische Traditionen wieder auflebten. Es wurde nicht nur ausgiebig gebadet, sondern auch gesoffen, gefeiert und gehurt, was das Zeug hielt. 
 
Die Pest sorgte für die nächste Wende. Man vermutete, dass die Krankheitserreger durch die Haut von außen den Weg in den Körper fanden. Also schien es ratsam, die Poren mit Staub und Schmutz zu verstopfen. Das half zwar nicht gegen die Seuche, hielt sich in Europa aber über mehrere Jahrhunderte. Der Sonnenkönig, Ludwig, der Vierzehnte, soll im ganzen Leben nur ein einziges Mal gebadet haben! Da war ihm Queen Elizabeth um Längen voraus: "Ich wasche mich einmal im Monat. Und es hat mir nicht geschadet." Ansonsten glaubten vor allem Adlige und Vermögende, dass ein Leinenhemd alle Unreinheiten aufsaugen würde. Folglich trugen sie es unter der Kleidung, mitunter das gleiche Hemd bis zum Sterbebett. Um den Mief zu übertünchen, wurden Unmengen von Parfüms und Duftwässern verwendet. 
 
Auch die hohe Kindersterblichkeit war eine Folge mangelnder Hygiene. Ärzte und Hebammen machten sich nämlich mit ungewaschenen Händen ans Werk und trugen so maßgeblich zum tödlichen Kindbettfieber bei. Erst die allmählichen Fortschritte von Wissenschaft und Medizin bereiteten dem ein Ende und sorgten auch dafür, dass Körperpflege und Hygiene immer mehr an Bedeutung gewannen. Die Bezeichnung "Soap-Opera" für Herz-Schmerz-TV-Serien rührt übrigens daher, dass in den USA in den Werbepausen hauptsächlich entsprechende Spots gezeigt wurden - Waschmittel-Werbung inbegriffen. 
 
In Amerika hat man nun jedoch durch Corona gemerkt, dass übertriebene Sauberkeit und das Streben nach absoluter Keimfreiheit es auch nicht bringen. Der Schlabberlook im Home-Office sowie wachsende Bequemlichkeit haben sowohl in den USA wie in Großbritannien und weiten Teilen der Welt dazu geführt, dass weit weniger geduscht wurde, was das Wohlbefinden nicht beeinträchtigte. Und auch in Deutschland gingen die Verkaufszahlen von Shampoos, Bade-Lotion und Lippenstiften deutlich zurück. In NRW wurde seinerzeit noch NRW-Minister Matthiesen für seine Aussage fast gesteinigt, dass eine tägliche Dusche der Haut eher schade. Mittlerweile ist diese Einstellung wieder salonfähig geworden. 
 
Wie ich dazu stehe? Das werdet Ihr riechen, wenn wir uns das nächste Mal treffen. In einer Sache könnt Ihr jedoch sicher sein: Auf Lippenstift verzichte ich auch weiterhin! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 83 vom 11. 7. 21

Gestern hatte ich angedroht, Euch im Falle ungebührlicher Äußerungen die Zunge zu verknoten. Da ich gern halte, was ich verspreche, habe ich mich auf die Suche nach geeigneten Zungenbrechern gemacht und dabei staunend festgestellt, wie viele Möglichkeiten es gibt, wenn man sich auch in anderen Ländern umsieht. 
 
Schauen wir zuerst nach Tschechien. Über die für uns lästige Angewohnheit der Tschechen, hin und wieder auf Vokale zu verzichten, hat sich schon Georg Kreisler Gedanken gemacht. In seiner "Telefonbuchpolka" heißt es: 
 
Mein Name g'fällt mir nimmer, 
ich heiße nämlich Brscht. 
Mein Freund sein' Nam' ist schlimmer: 
Der arme Kerl heißt Skrscht. 
 
So, nun wird es ernst. Im folgenden Satz geht es um einen Wolf, der erfriert, nachdem er Getreidekörner gefressen hat. Sprecht mir bitte nach: 
 
Vlk zmrzl, zhltl hrst zrn. 
 
Zur Belohnung für Eure Mühe ziehen wir nun nach Rumänien um, wo sie auch Zungenbrecher haben, die unter Konsonantenmangel leiden, also nur aus Vokalen bestehen. Vom Wolf zum Schaf. Die folgende Aussage bedeutet: "Das Schaf gehört mir, ich nehme es." 
 
Oaia aia e a ei, eu i-o iau. 
 
Jau! Schön klingt auch der Hinweis, dass eine ältere blonde Dame eine große Banane verspeist: 
 
O baba balana manaca o banana babana. 
 
Ah, ja. Zum Schluss der heutigen Lektion wenden wir uns Griechenland zu. Das hat den Vorteil, dass Ihr die Zungenbrecher bei Angelos oder einem anderen griechischen Restaurant Eurer Wahl testen könnt (Schreibt mir bitte, was sie Euch danach servieren). 
 
Zum Einstieg etwas leichtes: 
 
Tu to pa tu papu mu. 
 
Das heißt: "Ich hatte es meinem Großvater gesagt." - In Eurem griechischen Lokal solltet Ihr unbedingt pfleglich mit den Möbeln umgehen. Denn wenn Ihr sagen wollt: "Das Stuhlbein ist kaputtgegangen", dann klingt das so: 
 
Tis karekla to podari xekareklopodarothike. 
 
Ich muss zugeben, dass ich am letzten Wort auch im dritten Versuch gescheitert bin. Das gilt erst recht für den sinnfreien Spruch: "Drei Tiger und drei Tigerbabys laufen, drei Tiger und drei Tigerbabys fressen." Hier ist er: 
 
Treis tigreis ke tria tigrakia trehoun, tria tigrakiake treis tigreis trone. 
 
Das war's. Jetzt dürft Ihr mit Löwenmut und Bärenhunger Euer Tigersteak bestellen. Das Warten soll Euch Robert Gernhardt mit zwei Sprüchen aus seinem Werk "Bilden Sie mal einen Satz mit..." verkürzen. Bitte laut lesen!
  
Mit Knoblauch kochen gern die Griechen. 
Du glaubst es nicht? Dann geh, Mariechen!" 
 

 
Herr Wirt, ich möchte Sie nicht stressen. 
Doch griechisch heut' noch was zu essen? 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 82 vom 10. 7. 21

So! Da bin ich wieder. Zuhause am PC. Und bereit, nachdem mein Herz im richtigen Takt schlägt, nun auch die Schmunzelpost wieder in den üblichen Rhythmus zu bringen. Also abends zu schreiben und morgens zu senden. 
 
Was mache ich kurz vor Mitternacht am liebsten? Andere Menschen belehren. Je später der Abend, desto besser schafft es mein innerer Klugscheißer sich von der Leine zu befreien. Wenn Ihr mich jetzt sehen könntet, würdet Ihr beobachten, dass auch meine Zungenspitze unbedingt ans Licht will. Diese Angewohnheit habe ich mir seit meiner Kindheit bewahrt. Aber warum machen Kinder das, wenn sie sich auf eine Aufgabe konzentrieren? Und mit mir sicher auch noch andere Erwachsene? Wird das Gehirn so besser durchblutet? Oder wirkt die Zunge wie eine Antenne und ermöglicht den Empfang von Eingebungen? 
 
Das ist natürlich alles Quatsch. Irgendwo in unserer linken Gehirnhälfte ist ein Überbleibsel aus ferner Vergangenheit verankert, sozusagen ein Erbe der menschlichen Frühgeschichte. Bevor unsere Vorfahren auf die Idee mit dem Sprechen kamen, verständigten sie sich mit Gestik und Mimik. Und so spielte die Zunge bei der Kommunikation schon eine Rolle, bevor sie zur Bildung von Tönen genutzt wurde. Wer es jetzt jedoch wagt, mich einen Prä-Neandertaler zu nennen, der riskiert, dass ich ihm bei Gelegenheit die Zunge verknote! 
 
Da ich Nachholbedarf an Schlaf habe, würde ich am liebsten jedoch vorher den Vögeln in unserem Garten die Schnäbel verknoten. Wisst Ihr eigentlich, wovon es abhängt, wie früh ein Vogel morgens anfängt zu brüllen? Manche sagen dazu auch "singen". Das wisst Ihr noch nicht? Aber gleich: Das kann man am Durchmesser der Vogelaugen erkennen. Ja, wirklich! Denn je größer die Augen im Verhältnis zum Körper sind, desto besser können Vögel auch bei spärlichem Licht erkennen, ob irgendwo ein Fressfeind auf sie lauert. Dann wäre die Gefahr groß, durch das Geschmetter jemand auf sich aufmerksam zu machen, der dafür sorgt, dass das Wort "Morgengrauen" eine andere Bedeutung kriegt. 
 
Bei uns sind es übrigens die Rotkehlchen, die mit dem Lärm beginnen, während Blaumeise und Buchfink noch in den Federn liegen. Falls die Augen verschiedener Arten in der genannten Relation gleich groß sind, legen kleine Vögel eher los als große. Das hat vor allem damit zu tun, dass Winzlinge weniger Energie speichern können und nach dem Geträller sofort mit der Nahrungssuche beginnen. 
 
 Als  Zugabe noch eine kleine Warnung: Kommt bitte nicht auf die Idee, am nächsten Morgen kurz vor vier Uhr Eure Bettgenossen wachzurütteln, um mit Eurem neuerworbenen Wissen zu glänzen: "Hör mal, wer da zwitschert! Das ist bestimmt ein Rotkehlchen! Und weißt Du auch, warum? Ich werde es Dir erklären..." Seit froh, wenn dann die einzige Reaktion der Kommentar ist: "Bei Dir piept's wohl! Halt den Schnabel!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Eins muss ich noch loswerden: Die US-Basketball-Legende Michael "Air" Jordan dribbelte gern zum Korb mit herausgestreckter Zunge. Ob er frühmorgens auch gesungen hat, ist sowohl bei Sportfreunden wie bei Vogelbeobachtern unbekannt. 
 

 Schmunzelpost 81 vom 9. 7. 21

An den Routine-Terminen bei Ärzten merken wir, dass wir langsam älter werden. Bis vor kurzem lief das bei mir so: Nachschauen beim Zahnarzt - alles in Ordnung. Check beim Allgemeinmediziner - keine Probleme. Vorsorgeuntersuchung bei Fachärzten: Alles ist gut! 
 
Jetzt jedoch bröckeln die Plompen, die Kopfhaut muss täglich zweimal gesalbt werden, das Frühstück besteht aus mittlerweile acht Tabletten und beim Herzrhythmus muss ich hoffen, dass ich nicht in drei Monaten erneut operiert werde. Für den Fall denke ich über einen Reißverschluss nach. 
 
In der Nacht auf der Intensivstation habe ich einen neuen Körperteil auf meine Trainingsliste gesetzt, von dem ich das vorher nie vermutet hätte. Ich war ja total verkabelt. Und ein Messgerät hatten die Mediziner mit einer Art Mini-Wäscheklammer an meinem Ohrläppchen angebracht. Mit Folgen. Denn immer, wenn ich doch einmal wegnickte und mich ein wenig drehte, rutschte die Klammer ab. Dann ertönte alle 30 Sekunden ein lauter Gong, um auf den unterbundenen Kontakt hinzuweisen. Dieser Gong weckt Tote auf und frisch Eingeschlummerte erst recht! 
 
Was tun? Sobald ich wieder ins Fitnessstudio darf, werde ich meinen Ohrläppchen Muskeln antrainieren, damit sie solchen Anforderungen künftig gewachsen sind. Und ich habe noch ganz andere Pläne geschmiedet. Bei der Dorstener VHS oder im Haus der Familie will ich im nächsten Semester einen Kursus belegen: Do it yourself - wie konserviere ich mich als Mumie? In der Zwischenzeit lasse ich im Garten eine kleine Pyramide errichten, um mich dann dort für 100 Jahre zurückzuziehen. Das müsste reichen, damit die Medizin alles Notwendige entwickeln kann, um mich für eine gesunde Zukunft fit zu machen. Und wenn ich wie Phönix aus der Asche auferstehe, habe ich auch noch Grund zur Freude: Bis dahin ist Schalke04 mindestens einmal Deutscher Meister geworden! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 80 vom 8. 7. 21 

So einen markerschütternden Schrei hatte ich noch nie gehört. Dass ein Mensch überhaupt solche Töne hervorbringen kann! Oder wurde jenseits des Sichtschutzes vielleicht ein Tier geschlachtet? Wo war ich überhaupt? Ich zwang mich, die Augen offen zu halten und schaute mich um. Das war nicht der OP-Raum. in dem ich eingeschläfert worden bin. Und erst recht nicht das Einzelzimmer, dass mir diesmal fest versprochen worden war. Rundherum blinkte es in einer Tour, technische Geräte verursachten ganz verschiedene Geräusche und erneut ertönte ein Schrei, dass mir fast das Blut in den Adern gefror. Denn langsam wurde mir klar: Ich bin auf der Intensivstation wieder zu mir gekommen! 
 
Darauf deutete auch der verrutschte Kopfhörer hin, der statt in meinen Ohren in meinen Nasenlöchern steckte. Aufklärung kam von einem Arzt: "Ah, Sie sind wieder bei uns. Wir haben Ihnen eine Sauerstoffmaske angelegt. Aber keine Panik, das ist kein Grund zur Sorge." Wie sich herausstellte, war die Operation durchaus erfolgreich verlaufen. "Ob das Herz auf Dauer im Takt bleibt, werden wir aber erst in drei Monaten wissen." "Und warum bin ich dann hier statt auf meinem Zimmer?" "Nun ja", er wand sich ein wenig,  "wir haben den Eingriff von der Leiste aus vorgenommen und da hat es später noch eine Nachblutung gegeben. Ich habe daraufhin die Ader abgepresst und meine Kolleginnen haben schnell einen Druckverband angelegt. Damit nichts passiert, wollen wir Sie vorsichtshalber über Nacht im Auge behalten." 
 
Erst jetzt bemerkte ich, dass das Bettzeug über und über mit Blut versaut war. Aber ich spürte weder Schwindel noch Übelkeit. Etwas anderes machte mir größere Sorgen. "Und was waren das eben für Schreie?" "Das war Ihr Zimmernachbar. Der arme Kerl hatte vor einer Woche einen Herzinfarkt und wir mussten ihm Stents setzen. Leider kann er derzeit auch kein Wasser mehr lassen, daher hat er nun einen neuen, größeren Katheter bekommen. Und weil das Gewebe entzündet ist, hat er offenbar große Schmerzen. Aber die Mittel werden gleich wirken." 
 
Das taten sie leider nur eingeschränkt. Voller Mitleid bekam ich mit, wie der Mann jeden Arzt, jede Schwester, jeden Pfleger um weitere Schmerzmittel anbettelte. Nach einer zweiten Dosis gab es jedoch nichts mehr. "Am besten entspannen Sie sich und versuchen etwas zu schlafen", riet ein Ärztin. "Ich weiß jetzt schon, dass ich die ganze Nacht kein Auge zutun werde", prophezeite der Schmerzpatient. Doch schon nach zehn Minuten war sein Stöhnen und Grunzen in ein lautes Schnarchen übergegangen. "Der Glückliche", dachte ich voller Neid und sicher zu Unrecht, "dafür werde ich nun die ganze Nacht kein Auge mehr zutun." 
 
Kurz darauf schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Stand da wirklich eine junge Frau neben mir, lüftete meine Bettdecke und beleuchtete mit einer Taschenlampe meinen Genitalbereich? "Ich bin Sarah und habe Dienst als Nachtschwester", "rechtfertigte sie ihr Tun. "Ich muss ab und zu nachsehen, ob die Wunde wieder zu bluten begonnen hat." Wo ist nur Otto Kowalski, wenn man ihn mal braucht? Eine junge Ärztin hat mir vor der OP bereits auf der rechten Seite die Schamhaare abrasiert und in der Folgezeit sollten es ausschließlich junge Frauen sein, die das Elend in Augenschein nahmen. Zum Glück war mir bei der Rasur offenbar auch mein Schamgefühl abhanden gekommen - es machte mir nichts aus. 
 
Dafür gab mir in der weitgehend schlaflosen Nacht - zum Wachbleiben tat auch ein Dauermessgerät für den Blutdruck noch sein Teil dazu - der Besuch einer Ärztin Stoff zum Grübeln. Hatte ich mich zunächst mit dem Gedanken getröstet, dass ich vielleicht nur auf der Intensivstation gelandet war, weil die Organisationsgenies wieder kein Einzelzimmer für mich frei hatten, so wurde es mir danach etwas mulmig. Die Ärztin hatte nämlich ein fahrbares Ultraschallgerät dabei und suchte damit ein ums andere Mal meinen Brustkorb ab. "Was tun Sie da?" "Ich kontrolliere nur, ob sich beim Eingriff vielleicht Gerinnsel gelöst haben und sich jetzt in den Herzkammern herumtreiben. Aber keine Sorge, das ist sehr unwahrscheinlich." Allerdings klagte sie permanent über schlechte Sicht und holte schließlich noch einen weiteren Arzt hinzu. Auch der ließ sich viel Zeit und drückte mir fast die Rippen ein. Dann waren die beiden sich jedoch einig: "Die kleinen Störungen auf dem Bildschirm haben höchstwahrscheinlich andere Ursachen, da kann nichts Bedrohliches sein." Ob ich es als gutes Zeichen werten sollte, dass sie kurzerhand meine Dosis an Blutverdünner verdoppelten und ich sofort noch eine Tablette schlucken musste, beschäftigte mich noch länger. 
 
Heute Vormittag nahmen dann Oberarzt und Chefarzt noch einmal mein Herz unter die Lupe. Ihr Urteil war zum Teil ermutigend, zum Teil wenig erfreulich. Von Gerinnseln war zum Glück nichts zu sehen und ich soll schon Freitagnachmittag entlassen werden. Aber es kann gut sein, dass die ganze Prozedur in drei, vier Monaten wiederholt werden muss. Ach ja: Ein Einzelzimmer war natürlich auch heute nicht frei. Aber mein Bettnachbar leidet diesmal weder unter Harnverhalt noch muss er morgen eine Darmspiegelung über sich ergehen lassen - es spricht manches für eine ruhige Nacht. Und vielleicht kann ich zum Abschied auf die Klinikleitung einwirken, dass sie für meine Rückkehr im Herbst endlich Otto Kowalski einstellen. . . 
  
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 79 vom 7. 7. 21

Habe ich ein Deja-vu-Erlebnis? Da ist er wieder, Otto Kowalski, wie er leibt und lebt. Er steht am Eingang der Marler Klinik und winkt mir mit einem erwartungsvollen Grinsen freundlich zu, der frühere Bergmann und jetzige Krankenpfleger. 
 
"Herr Kowalski, das ist aber schön, Sie zu sehen", ringe ich mir ein bemühtes Lächeln ab, "wollen Sie etwas frische Luft schnappen oder haben Sie auf Pförtner umgeschult?" "Weder - noch." Kowalski grinst noch breiter. "Ich habe eine Fortbildung absolviert und darf jetzt auch operieren. Sie sind mein erstes Opfer. Und da dachte ich, ich nehme Sie persönlich in Empfang. Wer weiß, ob wir hinterher noch Gelegenheit haben, miteinander zu sprechen." "Sehr witzig", erinnere ich mich an den goldigen Humor des Krankenhauspersonals. 
 
 "Nein, nein, das ist kein Scherz." Kowalskis Grinsen verwandelt sich in ein triumphierendes Lachen. "Wir beteiligen uns hier seit Jahren an einem Modellprojekt des Bundes. Warum sollen Leute, die sehr gut in Latein sind, besser schnippeln können als unsereiner?" Er zeigt mir seine Pranken. "Mit diese Hände hab ich jahrelang den Bohrer in Kohleflöze getrieben, da werd' ich doch son' ollen Nerv veröden können, ohne zu zittern. Nur keine Angst, wird schon werden. Bei uns schaben mittlerweile ehemalige Pförtner den Blinddarm mit dem Löffel 'raus." 
 
An der Stelle bin ich schweißgebadet aufgewacht. Gott sei Dank, nur ein Alptraum. Schließlich habe ich mir Otto Kowalski selbst ausgedacht. Obwohl, so völlig abwegig ist diese Vision nicht. Denn am Montag hatte ich tatsächlich ein Deja-vu-Erlebnis. Da fand ich mich, nachdem ich den Corona-Test und zwei bürokratische Aufnahmehürden überstanden hatte, erneut auf einem vertrauten Stuhl im Klinik-Flur wieder: "Sie werden gleich aufgerufen." 
 
"Diesmal ist es nur ein Vorgespräch. Ich habe um 12 Uhr einen Termin, das Warten wird nicht nochmal so lange dauern wie im Mai," beruhigte ich mich im Selbstgespräch. Trotzdem spürte ich ein leises Bedauern, dass ich nicht vorsichtshalber etwas zu essen und zu trinken eingesteckt hatte. Na ja, das vorbestellte Mittagessen wollte ich ja gleich anschließend in Kirchhellen abholen. 
 
"Herr Krause?" Um 12.15 wurde ich schon hereingerufen. Blutabnahme und EKG. Das ging fix. "Jetzt müssen Sie noch einmal im Flur Platz nehmen, der Arzt spricht gleich mit Ihnen. Aber ein paar Minuten müssen Sie wohl noch warten." 
Die paar Minuten zogen sich. Aus Minuten wurden Stunden. Gerade wollte ich aufstehen und nachfragen, da kam mir mein Sitznachbar zuvor und klopfte an die Tür des Schwesternzimmers: "Haben Sie mich vergessen? Ich warte seit 11 Uhr auf mein Vorgespräch." "Und ich bin schon seit 9.30 Uhr", schaltete sich eine Frau ein, die im Flur wie ein rastloses Raubtier auf und ab gelaufen war. "Ich muss alle Kardiologie-Patienten um etwas Geduld bitten", wandte sich uns die Schwester zu, "wir hatten eine Notoperation, alle Ärzte waren im Einsatz. Doch bald soll es hier weiter gehen." 
 
Da ich um neun Uhr gefrühstückt hatte, schwoll das Grummeln in meinem Magen mittlerweile auf Sirenenlautstärke an. Das muss sich jedoch auf einer speziellen Frequenz abgespielt haben, weil nur ich in der Lage war, den Gesang zur Knurr-Melodie zu hören: "Hunger, Hunger, Hunger", klang es dumpf aus des Leibes Tiefen. 
 
Kurz vor 16 Uhr hielt ich es nicht mehr aus. "Hören Sie", sprach ich zu den Schwestern, "ich habe heute noch andere wichtige Termine. Muss das Vorgespräch überhaupt sein? Eine Voruntersuchung hat es doch schon Ende Mai gegeben und seither hat sich nichts Wesentliches geändert." "Doch, die Ärzte legen Wert darauf. Es sind noch zwei Patienten vor Ihnen dran, aber es wird jetzt wohl ganz schnell gehen." 
 
 In der Tat: Um 16.15 Uhr wurde die Frau hereingerufen und in mir stieg Hoffnung auf. Um 16.25 Uhr war der Mann an der Reihe und ich verstaute erwartungsvoll mein Buch in der Tasche. Danach blieb die Tür jedoch verschlossen, bis ich um 17 Uhr energisch dagegen bollerte. "Also, wenn jetzt nicht gleich etwas passiert, dann gehe ich." "Nein, bleiben Sie noch. Die Ärztin hat gerade noch ein letztes Gespräch, bevor sie zu Ihnen kommt. Das wird nur fünf Minuten dauern." Kurze Pause. "Vielleicht auch zehn Minuten". Kurze Pause. "Vielleicht auch noch ein bisschen länger, ich bin ja nicht dabei." "Ihnen mache ich auch keinen Vorwurf. Ich warte noch eine Viertelstunde. Wenn dann nichts passiert, bin ich weg." "Na gut, aber sagen Sie dann bitte Bescheid." 
 
Ich wartete noch eine volle halbe Stunde, selbstverständlich vergebens. Wenigstens erreichte ich das Geschäft mit unserem Essen gerade noch, bevor die Ladentür abgeschlossen wurde. Sonst hätte ich die Klinke abgenagt. Und wäre mit Magenproblemen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Aber nicht nach Marl! Dort laufe ich erst heute wieder auf. Mit Verpflegungspaket, Getränkekasten, Bücherkiste und Luftmatratze. Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass meine Aufnahme etwas länger dauert. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Otto, ich komme gleich!  

 

Schmunzelpost 78 vom 6. 7. 21 

Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Warum existieren wir überhaupt? Und warum verschenken wir immer eine ungerade Zahl von Blumen? Das sind die großen Fragen, die die Menschheit beschäftigen. 
 
Zumindest, was die Blumen betrifft, hat noch niemand eine vollends überzeugende Antwort gefunden. Wahrscheinlich waren es Gefolgsleute des Freiherrn von Knigge, die diese Regel im Manierenkatalog verankert haben. Seitdem gilt nicht nur für Floristen und ihre traditionsbewusste Kundschaft: Wer relativ große Blumen zu Sträußen mit nur einer oder zwei Sorten zusammenstellt, soll eine ungerade Anzahl wählen. Ausgenommen ist die 13, doch das ist eine andere Geschichte. 
 
Immerhin gibt es Vermutungen. Die plausibelste lautet: Eine ungerade Zahl von Blumen lässt sich besser in der Vase arrangieren. Im DDR-Standardwerk "Florales Gestalten" von Dr. Karl-Heinz Deutschmann und Horst Hempel klang die Begründung etwas blumig: "Der im Strauß erkennbare Charakter einer Blumengemeinschaft muss in der Vasenfüllung erhalten bleiben." Mag sein, bringt uns aber nicht weiter. Danach wird es präziser: "Man beginnt am Rand mit den Außenblüten, die einen offenen Trichter in der Vase bilden. In die sich im Gefäß kreuzenden Stiele lassen sich vorsichtig die inneren Blumen einführen. Eine besonders schöne Blume schließt die Füllung in der Mitte ab." Und das soll mit einer ungeraden Menge besser hinzukriegen sein, was mir bei einer zweistelligen Anzahl nicht unbedingt einleuchtet. Aber ich bin ja auch nicht Florian, der Blumenfreund, sondern Klaus-Dieter, der Schmunzelpostbote. 
 
Angestiftet zu dieser Frage haben mich die vorangegangenen mathematischen Knobeleien. Zahlen können durchaus faszinierend sein. So begeistern sich hierzulande Millionen von Mathe-Verächtern für die Suche nach der richtigen Lösung der Gleichung "6 aus 49", wenn möglich mit Zusatzzahl. Rausgeworfenes Geld, rufe ich Euch zu. Eher fällt Euch Satellitenschrott aus dem Weltall auf den Schädel, als dass Ihr beim Lotto den Jackpot abräumt! 
 
Doch wenn Ihr es schon nicht lassen könnt, will ich Euch wenigstens ein bisschen Hilfestellung geben. Ausgerechnet die 13 war 1955 die erste in der Bundesrepublik gezogene Lottozahl. Und ausgerechnet die 13 wurde danach am seltensten gezogen! Das beflügelt vielleicht Euren Aberglauben, hat jedoch mit der Wahrscheinlichkeit für künftige Ziehungen nichts zu tun. Es ist ebenfalls ein Irrglaube, beim Roulette anzunehmen, nach fünf Mal rot wäre jetzt mal wieder schwarz an der Reihe. Bei jedem neuen Durchgang stehen die Chancen exakt bei 50:50, die Vorgeschichte spielt keine Rolle. 
 
Dennoch: Wenn man schon Lotto spielt, sollte man bestimmte Zahlen trotzdem meiden. Denn je mehr Leute dasselbe tippen, umso geringer wird die Quote für die Gewinner. 1984 kreuzten insgesamt 69 Spieler die Zahlen 1, 3, 5, 9, 12 und 25 an. Nachdem die Sektkorken geknallt hatten, kam schnell die Ernüchterung. Statt der erhofften 500 000 Mark gab es für jeden Gewinner mit sechs Richtigen lediglich 16 907 DM. 
 
Deshalb sollte die 19 am besten gemieden werden. Sie ist die meist getippte Zahl, gefolgt von der 9, der 7, der 17, der 10 und der 11. "Abzuraten ist von Zahlen, die in Geburtstagen vorkommen", sagt der Statistiker und Mathematikprofessor Karl Bosch, "wird die 19 gezogen und ist dann noch eine Monatszahl von 1 bis 12 dabei, sind die Quoten grundsätzlich im Keller." Die selten getippten Zahlen befänden sich am rechten und linken Rand der Lottokästchen sowie in der letzten Reihe. Und bloß keine geometrischen Muster ankreuzen, die stehen bei den Mitspielern hoch im Kurs. 
 
Zum Schluss noch ein todsicherer Tipp. In Kürze erscheint mein mit Spannung erwartetes Buch "Im Handumdrehen Lottomillionär". Mit dem Kauf könnt Ihr nichts falsch, aber einen Rentner reich machen... 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Leute, also wirklich! Wer gewinnbringende Systeme kennt oder aus irgendeinem mysteriösen Grunde weiß, welche Lottozahlen am Tag X gezogen werden, der wird den Teufel tun und das anderen verraten. Der füllt lieber stillvergnügt selbst einen oder mehrere Lottoscheine aus. Traut solchen Leuten nicht! 
 
PPS. Für den nun wirklich gewinnbringenden Tipp unter PS, der Euch vor unnützen Ausgaben bewahrt, könnt Ihr gern eine kleine Spende auf mein Volksbankkonto überweisen. 

Schmunzelpost 77 vom 5. 7. 21

 Ta, ta, ta, taaaa! Bei diesen Takten weiß jeder sofort, worum es geht. Aha, Beethoven! Mindestens ebenso vertraut, weil weit öfter gehört, sollte eigentlich diese Tonfolge sein: Ta taa - ta ta ta taaaa! Na, klingelt's? Obwohl im Laufe der Jahrzehnte mehrfach leicht abgewandelt, ist dies das Motiv der Tagesschau-Fanfare. Über die älteste und immer noch meist geschaute Nachrichtensendung des Deutschen Fernsehen habe ich für das nächste Tintenhühner-Programm recherchiert und bin dabei auf einige überraschende Fakten gestoßen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. 

 
Zunächst ein wenig TV-Geschichte. Denn die Tagesschau, die heute bis zu 16 Million Zuschauer vor den Bildschirm lockt und es inzwischen täglich manchmal auf 20 Ausgaben bringt, hat einst ganz klein angefangen. 1951 wurde zwecks Beschaffung von Filmmaterial ein Vertrag mit der Deutschen Wochenschau geschlossen, die sonst ihre Beiträge als Vorprogramm im Kino zeigte. Nach einer längeren Versuchsphase ging am zweiten Weihnachtstag 1952 die erste Tagesschau über den Sender. Ausgestrahlt vom NWDR erreichte sie gerade mal 1000 Zuschauer. 
 
In der ersten Folge wurde über die Koreareise des US-Präsidenten Eisenhower berichtet, es ging um das Richtfest eines Hamburger Fernsehstudios, eine Eisrevue und das Fußball-Länderspiel Deutschland - Jugoslawien. An diesem Mix aus Sport und bunten Nachrichten, gewürzt mit Katastrophen, sollte sich lange nichts ändern. Politik kam nur am Rande vor. Zunächst war die Tagesschau auch nur an drei Wochentagen, montags, mittwochs und freitags, zu sehen, jeweils um 20 Uhr. Um 22 Uhr folgte die Wiederholung. Erst ab dem 1. Oktober wurde die Tagesschau dann täglich von montags bis samstags gesendet, am Sonntag war Pause. Zu sehen gab es nach wie vor nur kommentierte Filmbeiträge und Standbilder. 
 
Das änderte sich am 2. März 1959. Die Nachrichten wurden nun um einen fünfminütigen Wortblock ergänzt. Sprecher war Karl-Heinz Köpcke, der als "Mr. Tagesschau" in die Geschichte einging. 1960 bemerkten die Verantwortlichen endlich, dass auch die Witterung die Menschen interessierte. So fügte am 1. März der Hessische Rundfunk die erste Wettervorhersage an, die zum festen Bestandteil der Sendung wurde. Im September 1961 schloss man dann die Sonntagslücke und informierte nun 7 Tage die Woche und 365 (bzw. 366) Tage im Jahr. 1962 war es bereits selbstverständlich, dass sich um 20 Uhr Millionen von Zuschauern am Bildschirm versammelten, keine andere Sendung erreichte beständig eine solche Quote. 
 
Richtig Ärger gab es erstmals, als irgendwann in den Sechzigern die Wettervorhersage nicht mehr für Deutschland in den Grenzen von 1937 gezeigt wurde. Dagegen liefen die Vertriebenenverbände Sturm, allerdings vergeblich. Dies sollte nicht der einzige Aufreger  bleiben. 1974 gab es jede Menge Zuschauerproteste, heute würde man von einem Shitstorm sprechen. Warum? Karl-Heinz Köpcke hatte sich einen Bart wachsen lassen, um eine bei einem Bootsunfall erworbene Narbe zu verdecken. Der Kunde war König und der Bart schnell wieder ab. 
 
Vergeblich dagegen blieb 1978 der Köpcke-Protest, als er in der ersten Tagesthemen-Sendung listig seinen Unmut darüber kundtat, dass er sich gegenüber dem Moderator degradiert fühlte - er raschelte aus Protest vernehmlich mit seinem Manuskript und räusperte sich mehrfach. 
 
Heute unterstützen mehrere Kolleginnen und Kollegen Chefsprecher Jens Riewa, was bei den vielen Ausgaben auch nötig ist. Allein durch die 20-Uhr-Nachrichten kann niemand reich werden: Das Honorar für eine Sendung beträgt 260 Euro. 
 
Am 25. Juli 1988 wäre das Unvorstellbare fast wahr geworden. Wegen eines Warnstreiks der Gewerkschaft sollte die Tagesschau ausfallen. Doch der Bayerische Rundfunk verhinderte als Streikbrecher die Katastrophe und produzierte eine Notausgabe. Ansonsten waren die Bayern gar nicht so tagesschaufreundlich. Während alle anderen 3. Programm der ARD die 20-Uhr-Ausgabe zeitgleich übernahmen, taten die Bayern dies auf Druck der Zuschauer erst ab dem 11. April 2016. Allerdings produzierten sie als einzige weiter einen eigenen Wetterbericht - mia san mia! 
 
Zurück zum Anfang. In den ersten Jahren wurde die Tagesschau akustisch mit einem Gongschlag eingeläutet. Erst 1956 erklang dann als Ouvertüre die "Hammond-Fantasie" von Hans Corte. Nach späteren Abwandlungen ist seit 2014 diese Fanfare wieder in erneuerter Version mit der alten Tonfolge zu hören. Die damit verbundenen Einleitungsworte ("Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau") spricht übrigens jetzt Claudia Urschat-Mingues, die Synchron-Stimme von Angelina Jolie. Jetzt weiß ich endlich, woher es kommt, dass ich immer damit rechne, dass danach Brad Pitt die Nachrichten verkündet... 
 
Glückauf 
kdk  
 
PS. Martin reicht hier noch die Lösung für seine Denksportaufgabe nach: 
 
 "Zeichne ein Viereck mit drei Strichen". Das geht so:

o ||| (der Kreis soll ein Quadrat sein, ich habe die Taste dafür leider nicht gefunden)

Zu "Haushalt & Männer": Wenn es Aufsitzstaubsauger gäbe, würden viel mehr Männer im Haushalt helfen! 
 

 Schmunzelpost 76 vom 4. 7. 21

Auf meiner Liste der unbeliebtesten Tätigkeiten liegt das Putzen weit vorne, nur hauchdünn hinter der Vorbereitung auf eine Darmspiegelung. Statt eine Schmunzelpost zu schreiben, muss man völlig unnütz viel Zeit und Energie verschwenden. Jawohl, unnütz! Denn ein paar Tage später sieht es wieder so aus wie zuvor. 
 
Doch wir leben in einer häuslichen Demokratie. Der Kater hat leider nichts zu sagen und gelegentlich setzt sich die in dieser Sache überhaupt nicht schweigende fünfzigprozentige Mehrheit durch. Wie heißt es noch gleich? Der Klügere gibt nach und greift zum Besen. 
 
Gestern war es mal wieder so weit. Zugegeben, an mir bleibt nicht die meiste Arbeit hängen. Ich bin in Haus und Garten eher fürs Grobe zuständig: Hecke scheren, Rasen mähen, Möbel rücken, Steinboden fegen etc. Dennoch nervt mich die für meine Faulpelz-Ansprüche immer noch zu hohe Frequenz des Reinigungsstrebens. Ginge es nach mir, müsste man nicht auf dem Fußboden essen können, dafür gibt es schließlich Tische und Teller. Und wenn sich auf den Buchreihen in den Regalen der Staub anhäuft, empfinde ich das als nützlichen Fingerzeig. Dort, wo der Staub am höchsten liegt, wartet ein Meisterwerk in meinem großen Vorrat noch ungelesener Bücher am längsten darauf, endlich aufgeschlagen zu werden. 
 
Mit den Spinnen schließlich habe ich bereits vor langer Zeit einen Nichtangriffspakt und ein Kooperationsabkommen geschlossen: Sie dürfen in abgelegenen Ecken ihre Netze weben und lassen mich dafür in Ruhe, ich freue mich, dass ihnen Mücken zum Opfer fallen und lasse die Spinnen in Ruhe. Die Welt kann so friedlich sein, wenn man sich gegenseitig respektiert. 
 
Nun soll es ja Menschen geben, denen bereitet kaum etwas größeres Vergnügen, als jeden einzelnen Gegenstand auf Hochglanz zu polieren und jedes Staubkorn als persönlichen Feind zu betrachten. Langeweile haben Putzteufel nie, weil sie von morgens bis abends mit Schrubber, Staubtuch und Reinigungsmitteln hantieren wollen, bis man in der eigenen Wohnung eine Sonnenbrille tragen muss, weil alles strahlt und glitzert. Deshalb sage ich warnend: Augen auf bei der Partnerwahl! 
 
 Einerseits kann solch ein Sauberkeitsfanatiker zwar von lästigen Aufgaben entlasten, andererseits bleibt den Betroffenen wenig Zeit für andere Interessen. Und wer ein wenig zur Unordnung neigt, der wird nichts mehr wiederfinden, wenn plötzlich alles an seinem festen Platz liegt. Zudem neigen Putzteufel dazu, ihre Umwelt zu missionieren. Sie entdecken jeden winzigen Fleck, zupfen dauernd an Dir herum und halten Predigten, die sich im Laufe der Zeit vom behutsamen Appell zur Standpauke steigern. Dabei ist die Wissenschaft auf meiner Seite, wenn ich sage: Kaum etwas ist schädlicher als Keimfreiheit. Nur, wer sich auch mal Schmutz und Dreck aussetzt, wer Küche und Toilette nicht dauernd desinfiziert, entwickelt genügend Abwehrkräfte gegen Allergien und diverse Krankheiten. Nieder mit dem Reinlichkeitswahn - es lebe der gesunde Mittelweg! 
 
Trotzdem gestehe ich gern, dass ich ein paar Stunden in einer blitzblanken Wohnung ganz gut aushalten werde. Zumindest, dass jetzt keine Einsturzgefahr in den Stollen zwischen Büchern- und Zeitungsbergen mehr besteht, ist ein echter Gewinn. Und ansonsten werden der Kater und ich schon dafür sorgen, dass in kurzer Zeit alles wieder so aussieht, wie vor dem Tag, als der Schrubber kam.     
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur Schmunzelpost vom 3. 7. schreibt Martin Velling: Dazu passt die Aufgabe: "Zeichne ein Quadrat mit drei Strichen!" Wohlgemerkt, drei gerade, gleichlange Striche! Oder ganz genau: ein stinknormales Quadrat mit 1 cm Seitenlänge, aber mit 3 Strichen, die jeweils 1 cm lang sind. Kein Trick, keine Linien mit Knick, eine höchst simpel lösbare Aufgabe. 
Lösung verrate ich später! 
Und zu unerwarteten Antworten: In einem Fernsehquiz winkte zum Schluss eine große Fernreise, falls die letzte Frage richtig beantwortet würde. Der Quizmaster fragte den Kandidaten: "Können Sie mir sagen, welches die Hauptstadt von Kenia ist!" Der Kandidat antwortete wahrheitsgemäß "Nein!" Und er bekam den Preis! Danach wurden allerdings die Endfragen anders formuliert!
 

 Schmunzelpost 75 vom 3. 7. 21

Diese Woche las ich, dass bei den Querdenkern in letzter Zeit einiges schief geht. Man könnte auch sagen, es läuft für sie quer. Wer hätte das gedacht? Grund dafür, dass sich kaum noch jemand bei ihren Kundgebungen einfindet, ist das gegenwärtige (hoffentlich nicht nur zeitweilige) Abklingen der Pandemie und damit die schrittweise Rücknahme von Auflagen und Verboten. Es scheint, alles hätte sich gegen die Verschwörungs-Gläubigen verschworen. Immer schwieriger wird es, die Menschen davon zu überzeugen, dass wir in einer Corona-Diktatur leben. 
 
Aber keine Bange! Die Seelenverwandten von den Wirres-Zeug-Denkern, auch bekannt unter dem Kürzel AfD (Alternative für Dumpfdeppen), haben bereits eine neue Strategie entwickelt. Coronaleugnen bringt nichts mehr, Flüchtlinge kommen kaum noch und Merkel ist bald wirklich weg, wenn auch anders, als die Schreihälse sich das gewünscht haben. Macht alles nichts, wenn man einen Chef-Wirrologen wie Alexander Gauland an Bord hat: "Uns droht jetzt die Klimadiktatur!" Und das, obwohl führende Köpfe wie Donald Trump längst nachgewiesen haben: Den Klimawandel gibt es gar nicht. 
 
Den Querdenker hingegen schon. Und den brauchen wir unbedingt. Ich meine allerdings den echten Querdenker. Es hat mich von Anfang an geärgert, dass unter diesem Etikett Leute mit der falschen Flagge segeln. Querköpfe hätte ich für sie als Bezeichnung gerade noch gelten lassen. 
 
Der Physiker und Kabarettist Vince Ebert hat bereits 2016 aufgezeigt, wie wichtig Menschen sind, die sich Konventionen verweigern, um die Ecke denken und auch vermeintlich Offensichtliches näher untersuchen. Echte Querdenker sind laut Ebert der Motor für Fortschritt und Innovation, weil sie trotz aller Logik auf Kreativität und Fantasie setzen. 
 
Leider fördert unser Schulsystem diese Eigenschaften nicht. Ebert: "Wir bekommen eine Eins, wenn wir keine Fehler machen." Wer eingetrichtertes Wissen korrekt wiederholen kann, wird belohnt, wer Neuland betritt und im Zickzackkurs denkt, wird abgestraft. "Doch was heute richtig ist, kann sich schon morgen als komplett falsch erweisen", sagt Ebert. 
 
Dafür gibt es in der Geschichte viele Beispiele. Ende des 19. Jahrhunderts befand Kaiser Wilhelm II.: "Das Auto wird sich niemals gegen die Pferdekutsche durchsetzen." Filmriese Warner Brothers tönte 1927: "Wer zum Teufel will Schauspieler sprechen hören?" Und selbst Menschen, die von ihnen eingeschätzte Personen von Geburt an kennen, können sich irren: "Ich werde niemals heiraten", glaubte George Clooney noch 1993. 
 
Nicht immer sind es die richtigen Antworten, die zu einer Lösung führen. Manchmal sind es auch kluge Fragen. So wurde Golf-Profi Jack Nicklaus damit beauftragt, auf einer kleinen Insel einen 18-Loch-Golfplatz zu konzipieren. "Unmöglich!" hatten angesichts der geringen Landmasse zuvor sämtliche Planer abgewinkt. Nicklaus drehte den Spieß um: "Was muss ich verändern, um hier einen fairen Wettkampf auf einer 18-Loch-Anlage zu spielen?" Er entwickelte einen speziellen Golfball, der bei gleicher Schlagkraft nur halb so weit fliegt. Eine Hole-in-one-Lösung war gefunden! 
 
Kreativforscher nutzten einen von der NASA entwickelten Test, der ursprünglich mit dazu diente, Erfinder und Ingenieure ausfindig zu machen, für verschiedene Altersgruppen. Das Ergebnis war verblüffend. Die Aufgabe: "Finde möglichst viele Verwendungsarten für einen Ziegelstein" bewältigten 98 Prozent der Fünfjährigen großartig. Sie schafften es in die Kategorie: "Hochgradig kreativ." Bei den Zehnjährigen lag die Quote nur noch bei 30 Prozent. Und Erwachsene über 25 Jahre erreichten bloß schlappe 2 Prozent. Fazit: Das von unserem Bildungssystem vermittelte logisch-lineare Denken rottet die unorthodoxe Lösungssuche aus. 
 
Deshalb werden auch zwei Prüflinge ihre sachlich, korrekten aber originellen Antworten bereut haben. Wie bezeichnet man einen Menschen, der für seinen Glauben stirbt? Antwort: Als tot. Nenne fünf Tiere, die in Afrika leben. Antwort: Drei Löwen und zwei Giraffen. 
 
Zum Schluss ein kleiner Test für Euch (keine Angst, Ihr müsst nicht gegen Fünfjährige antreten, die Blamage will ich Euch ersparen). Betrachtet die folgende Zahlenreihe und überlegt, nach welchen Regeln sie aufgebaut ist und wie Ihr die fehlende Zahl ergänzen würdet. 
 
2  4  6  8  ? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur Lösung: Eigentlich müsstet Ihr ja vorgewarnt sein. Falls Eure Antwort "zehn" war: Das ist richtig, aber gleichzeitig auch falsch. Denn die Regel könnte lauten: Die Folgezahl muss immer um zwei höher sein als die vorgenannte. Sie kann aber genauso lauten: Die nächste Zahl muss stets größer sein! Damit wären auch "neun" oder "elf" richtig. Und falls Euch langweilig ist, könnt Ihr jetzt ein Stündchen darüber nachdenken, welche Zahlen noch in Frage kämen... 

Schmunzelpost 74 vom 2. 7. 21

Gestern morgen war ich beim Arzt. Im Wartezimmer betrachtete mich ein anderer Patient minutenlang mit forschendem Blick. Dann sprach er mich an: "Wir kennen uns doch, Herr, äh, Herr Dingens?" Ich forschte zurück, was durch seine Maske erschwert wurde. Es stellte sich heraus, dass Herr Dingens mehrmals unsere Kabarett-Veranstaltungen besucht hat und offenbar glaubt, dass ich das gesamte Publikum in meinem fotografischen Gedächtnis speichern würde.
 
Nun ist es oberstes Gebot, Tintenhuhn-Fans freundlich zu behandeln. Also fragte ich: "Wie geht's?" Darauf gibt es meist nur zwei Antworten. Entweder: "Gut! Und selbst?" oder "Muss." Da wir in einem Wartezimmer saßen, tippte ich auf die "oder"-Version. Herr Dingens wählte jedoch eine seltene Variante: "Beschissen is' noch gestrunzt." Wer das sagt, ist entweder todkrank oder ein Hypochonder. In diesem Fall war Herr Strunz noch sehr lebendig. Und äußerst gesprächig. Was mir, da ich nichts zu lesen dabei hatte, die Wartezeit verkürzen sollte.
 
So erfuhr ich alles über eine seltene Form der Hautveränderung, was ich jedoch wieder schnell vergessen habe und alles über seinen Fußpilz, was ich schnell wieder vergessen wollte. Interessanter war da schon die Reise durch seine Innereien. Wobei ich staunte, welche mir bis dato völlig fremden Gebrechen an Herz, Nieren und Lunge nagen können.
 
Jede Menge Stoff für spannende Berichte lieferten auch die Besuche beim Zahnarzt und beim Kieferchirurgen. Und völlig neu war mir, dass es auch beim Podologen um Leben und Tod gehen kann. Zumindest wenn sich ein eingewachsener Zehennagel entzündet und beim fälligen operativen Eingriff die örtliche Betäubung falsch dosiert wird.
 
Schließlich hatten wir sämtliche Krankheiten durch. Nun kam Herr Dingens auf bislang unbekannte Leiden zu sprechen, die er mit fundierten Vermutungen erläuterte. Sein umfassendes Wissen hat er durch ungezählte Aufenthalte in Arztpraxen und Kliniken gewonnen. Er hofft, gemeinsam mit Horst Evers als Pionier in die Medizingeschichte einzugehen, weil eine neuartige Krankheit nach ihm benannt wird. Vielleicht das Dingens-Phänomen? "Sie werden staunen, was sich da alles abzeichnet, wenn ich vor Ihnen die Details meiner letzten Darmspiegelung ausbreite." Davor bewahrte mich im letzten Moment die Sprechstundenhilfe mit dem Ruf ins Untersuchungszimmer.
 
Was soll ich sagen? Der Arztbesuch hat mir richtig gut getan. Eine Stunde mit Herrn Dingens ist wie eine Frischzellenkur. Man sieht die Welt mit anderen Augen - ich weiß jetzt, was mir alles erspart geblieben ist!
 
Glückauf
kdk
 
PS. Eine Ergänzung zur stinkigen Schmunzelpost traf aus Oberfranken ein:
"Zum norwegischen Stockfisch gibt es die isländische Variante, auf die ich bei der Lektüre des Buches „Kalmann“ von Joachim B. Schmidt gestoßen bin. Hier kommt die für uns Nicht-Isländer wohl grausam stinkende und schmeckende Spezialität als Link
https://www.islandreisen.info/de/island-infos/island-lexikon/gammelhai

Se‘ puh aftur (Auf Wiedersehen auf Isländisch)"
Kerstin
 

Schmunzelpost 73 vom 1. 7. 21

 

Als Journalist bin ich der Ausgewogenheit verpflichtet. Nachdem wir uns gestern mit einer schönen Seite des Daseins beschäftigt haben, wenden wir uns heute der Kehrseite zu. Auf den Duft folgt der Gestank. 
 
Doch wie will man üble Gerüche fair bewerten? Was dem einen stinkt, kann den anderen freuen. Und ein Zentimetermaß anlegen oder die Zahl von Stunkbakterien zählen, das geht auch nicht, oder? Unterschätzen wir nicht unsere Bürokratie. Es gibt für alles eine Norm: Fürs Stinken gilt EN 13 725, wo die Europäische Geruchseinheit festgelegt wird. Was das ist? Dafür zitiere ich Wikipedia: 
 
"Eine Geruchseinheit je Kubikmeter (1 GE/m³) stellt per Definition die Geruchsstoffkonzentration an der Geruchsschwelle dar, die bei 50 % der Bevölkerung zu einem Geruchseindruck führt. Der Bezug der Geruchseinheit [GE/m³] auf die Hälfte der Bevölkerung lehnt sich an die Definition der letalen Dosis an, die auch auf eine Wirkung bei 50 % einer Grundgesamtheit abstellt. Zur Herstellung der Reproduzierbarkeit wird als Bezugseinheit die europäische Referenzgeruchsmasse (European Reference Odour Mass - EROM) definiert. Ein EROM entspricht 123 µg n-Butanol. Darauf basierend wird als Europäische Geruchseinheit die Menge an Geruchsstoffen verstanden, die nach Verdampfen in 1 m3 Neutralluft unter Normbedingungen die gleiche physiologische Reaktion in einer Gruppe von Prüfpersonen hervorruft wie 123 µg n-Butanol, wenn dieses in 1 m3 Neutralluft unter Normbedingungen verdampft wird. Bereits in der aus dem Jahr 1986 stammenden VDI 3881 Blatt 1, die im Jahr 2003 durch die DIN EN 13725 abgelöst wurde, wurde die Geruchseinheit in vergleichbarer Weise definiert, allerdings ohne einen Referenzstoff zu benennen: 1 GE/m3 entsprach der Geruchsschwelle."
  
Alles verstanden? Ich auch nicht. Einigen wir uns darauf: Uns stinkt besonders, was den größten Ekel bis hin zum Brechreiz auslöst. Das können Verdauungsgase sein, aber auch bakterielle Zersetzungsprozesse und Fäulnis von Lebensmitteln wie Obst, Fleisch oder Butter. Übelkeit löst der Geruch von Toten aus, doch auch lebende Wesen können uns damit in die Flucht schlagen. Frag nach beim Stinktier oder der Grünen Stinkwanze! 
 
Auch im Pflanzenbereich gibt es ein paar Spezialisten, die mit fauligen Gerüchen aasfressende Insekten anlocken, um sie zu fressen oder sich mit ihrer Hilfe zu vermehren. Zu den größten Stinkern gehört der Titanwurz, eine Regenwaldpflanze aus Sumatra, die in England und Indonesien bezeichnenderweise auch Leichenblume genannt wird. Nach ewig langer Reifezeit öffnet sich eine dicke, schwere Knolle (im botanischen Garten Bonn wog sie 117 kg) und ein, zwei Tage lang verströmt die schöne Blüte einen schier mörderischen Gestank. Aber das ist Geschmackssache: Die Käfer sind hin und weg. Auch menschliche Feinschmecker stellen sich mitunter olfaktorisch taub und genießen gewisse Käsespezialitäten oder in Norwegen sogar den Stockfisch. 
 
Trotzdem wäre wohl niemand von uns 1858 in London gern dabei gewesen. Der Sommer jenes Jahres ging als "The Big Stunk" in die Geschichte ein. Die britische Hauptstadt verfügte damals noch nicht über eine Kanalisation. Abwässer aller Art wurden in die Themse geleitet und dadurch ins Meer gespült. Im besagten Sommer war es jedoch so heiß und regenarm, dass die Themse austrocknete. Ein bestialischer Gestank legte sich daraufhin über die Stadt, was bei allen, die es sich leisten konnte, eine Massenflucht aufs Land auslöste. 
 
Mitunter kann Gestank jedoch auch anziehend wirken. Wir haben noch nicht über Körpergeruch gesprochen. Während viele Schweiß abstoßend finden, übt er auf andere eine magnetische Anziehungskraft aus. Napoleon Bonaparte gehörte zu dieser Gruppe. Wenn er von einem längeren Feldzug zurückkehrte, gab er bereits Wochen vor seiner Ankunft seiner Gattin Josephine entsprechende briefliche Weisungen: "Wasche Dich nicht mehr! Ich komme!" Die kluge Josephine soll ihren Duft noch zusätzlich durch ein paar Tropfen Moschus verstärkt haben. 
 
Bei anderen Gelegenheiten bevorzugte Napoleon jedoch ein spezielles Duftwasser: Eau de Cologne 4711. Er sprühte nicht nur sich selbst damit ein, sondern auch sein Zimmer und selbst sein Pferd. Monatlich, so heißt es, habe er mehr als 60 Liter davon gebraucht. 
 
60 Liter 4711? Also, mir würde das stinken... 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 72 vom 30. 6. 21

Der Liegestuhl auf unserer Terrasse zählt im Sommer zu meinen absoluten Lieblingsplätzen. Auch, weil es dort im Juni und Juli vor allem abends wunderbar duftet. Nein, ich meine nicht den Geruch der Grillwurst, der sich an Wochenenden aus Nachbargärten verbreitet. Ich meine den Hauch von Lindenblüte, der von einer angrenzenden Baumgruppe herüberweht. Und vor allem den betörenden Duft, den unser Waldgeißblatt, das sich um eine Holzpalisade rankt, besonders abends und nachts verströmt. Das war für mich auch der Auslöser, mich heute mit einer der unter Deutschen beliebtesten Duftnote zu beschäftigen.
 
Die wissenschaftliche Grundlage dafür lieferte Hanns Hatt. Der Professor für Zellbiologie an der Ruhr-Universität Bochum gilt hierzulande als "Duftpapst". Er hat herausgefunden, dass nicht Channel No. 5, sondern ein völlig anderer Geruch für die Menschen an Rhein und Ruhr einfach unwiderstehlich ist: Der Neuwagenduft!
 
Dabei ist viel Psychologie im Spiel. Denn lässt man menschlichen Versuchskaninchen den Neuwagengeruch völlig losgelöst vom Urheber in die Nase steigen, dann sagen die meisten: Es stinkt! Kein Wunder. Bei der Produktion von Autos werden vielerlei Produkte verwendet, die keinen attraktiven Eigengeruch haben. Da gibt es immer mehr Kunststoffteile, aber auch Stoffe, Gummi und Leder. Deren Ausdünstungen vereinen sich zu einem Aroma, das vom Automobil-Hersteller äußerst penibel daraufhin geprüft wird, dass es potenzielle Kunden nicht vertreibt. Um unangenehme Effekte bei Sonneneinstrahlung und großer Hitze auszuschließen, werden sogar Duft-Spezialisten mit Supernasen eingesetzt, die sonst für die Parfüm-Branche tätig sind.
 
Das eigentliche Ziel, einen geruchsneutralen Wagen herzustellen, wird jedoch durch Gerbstoffe und Lösungsmittel, Weichmacher und UV-Absorber, Lack, Kleb- und Schaumstoffe durchkreuzt. Dennoch: Der Käufer des glänzenden, kratzer-, beulen- und schokofleckfreien Gefährts, für das er womöglich lange gespart oder sich hoch verschuldet hat, ist so euphorisiert, dass er den Neuwagenduft möglichst für alle Zeiten konservieren möchte. Nicht von ungefähr gehört der Wunderbaum "New Car" zu den meistverkauften Papptannen, die mit ihren penetranten Ausdünstungen noch schlimmere Gerüche überlagern sollen. Experten nennen das "maskieren". Hilft aber nicht viel: Das Auto stinkt noch immer nach Zigaretten, feuchten Fußmatten und Hundekotze, aber der Wunderbaum stinkt intensiver. Was sogar zu Kopfschmerzen führen kann, weil der Warnnerv "Trigeminus" aktiviert wird. 
 
Der Geruch im Autoinnenraum ist also nicht zu unterschätzen. So wurde in britischen Studien herausgefunden, dass Gerüche sogar gefährlich sein können. Duftet es nach frischem Brot, werden Autofahrer hungrig und treten aufs Gaspedal, um schneller nach Hause zu kommen. Jasmin, Kamille und Lavendel wird dagegen eine einschläfernde Wirkung nachgesagt. Frisches Gras und Blumen verleiten zum Träumen und After Shave und Parfüms wecken erotische Gelüste und verlagern die Aufmerksamkeit vom Straßen- zu einer anderen Art von Verkehr.
 
Einem einzigen Duft gelang es beim Test, die Fahrer zur Vorsicht und einer umsichtigen Fahrweise zu bewegen. Und jetzt dürft Ihr dreimal raten, welcher Duft das wohl sein könnte.
 
Als Dank an alle treuen Leser, die bis hierhin durchgehalten haben, gibt es jetzt eine sensationelle Zugabe: Eine einzigartige Duftnote, die erstmals durchs Internet übertragen werden kann. Um in den Genuss zu kommen, sind jedoch ein paar Vorkehrungen notwendig. Zuerst geht Ihr jetzt ins Bad und gurgelt gründlich mit einem Mundwasser Eurer Wahl. Danach veredelt Ihr Euren Atem mit einem kräftigen Schluck edlen Weines. Ob Rotwein, Weißwein oder Rose ist egal, er sollte jedoch gut temperiert sein.
 
Danach umarmt Ihr Euren Computer- oder Laptop-Bildschirm und haucht ihn sorgfältig an, Quadratzentimenter für Quadratzentimeter. Vorher schließt Ihr am besten die Tür, weil die zufällige Beobachtung durch Ehepartner, Kinder oder Gäste einen erhöhten Erklärungsbedarf zur Folge haben könnte. Nun den Bildschirm gründlich mit dem erst einmal getragenen Lieblings-T-Shirt abreiben und mit dem Föhn auf exakt 80 Grad erhitzen. Zehn Sekunden abkühlen lassen, mit der Nase möglichst dicht herangehen und tief einatmen - ich garantiere Euch ein Dufterlebnis, wie Ihr es nie zuvor hattet! Kleiner Hinweis zu Risiken und Nebenwirkungen: Sollte bei den Vorbereitungen etwas nicht exakt ausgeführt worden sein, riechen 95 Prozent der Teilnehmer anschließend überhaupt nichts. Und 100 Prozent von ihnen neigen zu unkontrollierten Wutausbrüchen.
 
Glückauf
kdk      

  Schmunzelpost 71 vom 29. 6. 21

 

Neulich bin ich auf einem besonderen Friedhof herum scharwenzelt. Daselbst liegen zahlreiche Begleiter begraben, die uns, vor allem jedoch unseren Eltern und Großeltern, einst treue Dienste leisteten. Mich dünkt, ich bin nicht der einzige, der diese Freunde von anno dunnemals vermisst. Deshalb ist ein Stelldichein mit den vermeintlich Verblichenen vielleicht auch für Euch reizvoll - fünf von ihnen habt Ihr gerade wieder getroffen.
 
Auf dem Wortfriedhof gibt es auch Überraschungen. Wisst Ihr, dass heute Aftermontag ist? Vor allem in Schwaben hieß das so, anstelle von Dienstag. Und vielleicht habt Ihr auch am Freitag eine Arbeiterforelle gegessen? Das ist eine geläufige Bezeichnung für den Hering gewesen, wie auch das Mineralwasser als Arbeitersekt daher prickelte.
 
Manche Worte spiegeln die gesellschaftliche Entwicklung. Zum Beispiel das Fräulein. Jahrhundertelang wurden so ledige Frauen angesprochen. Zunächst nur adlige Damen, seit dem späten 18. Jahrhundert auch bürgerliche. Und sie waren auch noch stolz darauf. Das änderte sich erst mit den Erfolgen der Frauenbewegung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts durften endlich auch vermehrt Frauen studieren. Doch es dauerte noch bis 1958, dass Ehefrauen ohne Zustimmung ihres Mannes eine bezahlte Arbeit annehmen und ein eigenes Konto eröffnen durften.

Erst 1972 jedoch wurde die Anrede offiziell aus dem Sprachschatz von Behörden verbannt. Allerdings bestanden einige Frauen weiterhin darauf - Gruß an Fräulein Scharsewinkel von der Sparkasse Lünen, die auch mit Mitte 60 auf der Bezeichnung bestand. Und es soll Dienststellen gegeben haben, hallo, liebe Telekom, denen bis in 90er Jahre in ihren Schreiben ab und zu ein "Fräulein" herausrutschte. Heute noch ertönt der Ruf "Fräulein, bitte zahlen!" gelegentlich in Gaststätten. Meist steckt der inzwischen gefürchtete alte weiße Mann dahinter. Apropos alter weißer Mann: Ich freue mich durchaus, wenn ich im Lokal von jüngeren Kellnerinnen mit den Worten "Junger Mann, was kann ich für Sie tun?" angesprochen werde. Vielleicht wollen sie ja mit mir scharmutzieren (mausetotes Wort für flirten)?
 
Wo wir gerade dabei sind, alte Worte neu zu lernen: Der "Schnatz" ist eigentlich überhaupt kein Spielgerät aus der Harry-Potter-Welt, sondern ein Kopfputz mit Haarkrönchen, der von Bräuten oder Taufpatinnen getragen wurde. Kopfputz? Da kommt Ihr selber drauf! Ich erkläre Euch lieber, was ein Schnappsack ist. Ein Rucksack bzw. eine Provianttasche, aus der man sich etwas zu essen schnappt. Also eine Errungenschaft, die unbedingt neu belebt werden sollte!
 
Tandaradei (d.h., ich freue mich), ich weiß jetzt, woher Lokalitäten namens Tingeltangel ihren ulkigen Namen haben! Diese "Singhallen niedrigster Art mit burlesken Gesangsvorträgen und -vorstellungen" (Meyers Konversationlexikon von 1905), die als vermeintliche Stätten der Sittenlosigkeit oft unter polizeilicher Beobachtung standen, verdanken ihre Bezeichnung womöglich einem Berliner Gesangskomiker. Der Unterhaltungskünstler mit Namen Tange begeisterte sein Publikum nämlich mit Triangelliedern. Und wer jetzt den Komiker und sein Instrument in einen Cocktailbecher gibt, kräftig schüttelt und die Buchstaben umrührt, erhält eine plausible Lösung.
 
Zum Schluss zur Kontrolle: Was bedeutet noch gleich "scharmutzieren"? Schon vergessen? Ab zur Strafe auf die Eselsbank! (Das war die Sitzbank für die schlechtesten Schüler einer Klasse.)
 
Glückauf
kdk
 
PS. Ergänzung zur streiflichternden Schmunzelpost vom 27.6.: Kerstin und Wolfgang Schäfer haben am Sonntag das unter bayerische Aufsicht gestellte Oberfranken erreicht. Auf der Fahrt dorthin nahmen sie ein kleines Video mit Vogelstimmen auf, um die Ureinwohner zu testen. Den gastronomischen Test hat dann Thuisbrunn bestanden: Dort werden Elchbräu und Elchwhiskey vom selbsternannten Torftrottel gebrannt - dem Vernehmen nach sehr zu empfehlen.
 
PPS. Und zu den lyrischen Fundsachen vom 28.6. schrieb Martin Velling: Hab ich meinen vor Jahren verbrochenen Dreizeiler schon mal kundgetan? Wo der besonders prägnante Name des hessischen Kleinstädtchens und Eisenbahnknotenpunktes Bebra bei Kassel verewigt wurde? Wenn ja, mach es wie die Bayern: "Gor net injurieren!" Es war einmal ein Zebra, das fuhr zur Kur nach Bebra wegen seiner Säuferlebra. Reim you oder I fress you. Gruß, Martin

PPPS. Dazu passt auch ein Vierzeiler von Klaus Pentinghaus:
Enttäuscht
Im Zoo sind Löwen ausgebrochen.
Sie hatten Zebrafleisch gerochen.
Nun steh'n sie, ohne zu begreifen,
enttäuscht vor einem Zebrastreifen.

 

 Schmunzelpost 70 vom 28. 6. 21

Die heutigen Fundsachen sind gleichzeitig Rundsachen: Runde Reime, die mir in den letzten Tagen ins Auge sprangen.
 
Im SZ-Streiflicht vom 25. Juni ging es zwar überwiegend prosaisch um die Fichte, jedoch mit lyrischem Beiwerk: "Der Dichter Theodor Däubler, der sowohl körperlich wie poetisch eine Art Fichte des frühen Expressionismus war, schrieb die eigentümlichen Zeilen: 'Der Fichte nächtlich sanftes Tagbetragen/Belebt Geschickeswürde kühn im Wald'. Im Ruhrgebiet würde man jetzt sagen: Nee, is klar. (...) Das Tagbetragen der Fichte ist heute viel mehr ein Tagesertragen, denn was muss die Fichte alles aushalten: den Borkenkäfer, den Klimawandel, die Rotfäule und jetzt auch noch Peter Altmaier."
 
Und was sagen wir zu den rätselhaften Däubler-Zeilen: Nee, is klar! Da halten wir es mehr mit Heinrich Heine, dessen Fichte mitten im kalten Tagbetragen heißen Tagträumen nachhing:
 
Ein Fichtenbaum seht, einsam
im Norden auf kahler Höh'.
Ihn schläfert; mit weißer Decke
umhüllen ihn Eis und Schnee.
 
Er träumt von einer Palme,
die, fern im Morgenland,
einsam und schweigend trauert,
auf brennender Felsenwand.
 
Schwierig bis aussichtslos selbst für einen großen Dichter, die Sache noch zu einem Happy End zu bringen. Deshalb wenden wir uns, dem obersten Ziel der Schmunzelpost verpflichtet, der Alltagslyrik zu. Verseschmied Klaus Pentinghaus, Jahrgang 1937, heute in Recklinghausen zuhause, verbrachte seine Jugend in Gelsenkirchen, wo er auch sein Abitur machte. Danach studierte Französisch, Geschichte und Philosophie, bevor ihn, wie auch einige SP-Empfänger, ein grausiges Schicksal ereilte: Er wurde Lehrer.
 
Seine Leidenschaft galt jedoch dem Reimen, wobei ihm der Sinn nicht nach komplizierten Satzkaskaden und raffinierten Vers-Konstruktionen stand, sondern mehr nach handfesten Wortspielen und mitunter auch makaberem Witz. Beste Voraussetzung für eine große Karriere. Wie sagt Pentinghaus über sich selbst: "Schon im zarten Alter war er weit über die Heimat hinaus unbekannt." Das wollen wir jetzt ändern. Ein paar Kostproben aus dem Band "Wurmstichiges für Feinschmecker - Hinterhältige Lyrik" folgen.
 
Omas Rache

Ein Komiker aus Oklahoma
verlachte gerne seine Oma,
was diese Dame so verdross,
dass sie auf ihren Enkel schoss.
Jetzt liegt im fernen Oklahoma
der freche Komiker im Koma.

Preisfrage

Das Schnabeltier fragt an der Kasse:
"Was kostet eine Schnabeltasse?"

Begeistert

Begeistert sprach das Buckelrind
 zu seinem Buckelrinderkind:
"Derweil die andern Kinder nuckeln,
fängst Du, mein Kind, schon an zu buckeln."

Zungenlöser

Im Schottenrock vor einer Grotte
 saß heiter eine Schottenrotte.
Da kam ein Geist im Schottenrock.
Das Resultat: Ein Rottenschock!

Der Jogger im Moor
 
Vom Weg geriet, wie jetzt bekannt,
ein Jogger, der durchs Moor gerannt.

Er wurde dadurch stark behindert,
sein Tempo sogar so vermindert,
dass er im Nu zum Stehen kam
und eine neue Richtung nahm.
Besonders lästig, wie er fand,
war, dass er dabei ganz verschwand.

Bevor auch ich für heute ganz verschwinde noch ein bekanntes Vorwort in einer eher unbekannten Übersetzung. Damit Ihr nicht sofort darauf kommt, um wen es geht, habe ich zwei Namen durch Punkte ersetzt. Wie bereits das Fichte-Gedicht von Heinrich Heine sind diese Zeilen einem Buch aus der Reihe "Die andere Bibliothek" entnommen. Es trägt den Titel: "Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen. In hundertvierundsechzig Spielarten vorgestellt von Andreas Thalmayer."


E Wöödche vürher 
 
Enä, wat muss mr üvver freche
Puute off schänge oder spreche! 
Wie zu Beispill hee vun denne, 
die sich ... un ...... nenne; 
die, anstatt dat se jet liehre 
un op äldere Lück zo hüüre, 
nor em Stelle drüvver lache 
un de Aap met denne mache. 
Bei jeder Lotterbooverei, 
jo, do si se flöck dobei! 
Große Lück zu schekaneere 
un zo ärjere Minsch un Deere, 
Äppel, Birre, Prumme kläue 
un sich noch do drüvver freue, 
dat se frech sin un stibizze 
statt dat se brav sin un still sitze 
en dr Schull un passen op - 
enä, do kummen die nit drop. 
Ävver wei, owei, owei! 
Wie jingk am Engk et denne zwei! 
O jömmich nä, dat muss mr saage, 
die komen noch um Kopp un Kraage, 
dröm es hee, wat se gedrivve, 
avjemolt un opjeschrivve. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 69 vom 27. 6. 21

An dieser Stelle habe ich schon mehrfach ein Loblied auf das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung gesungen. Die einspaltige Glosse auf der SZ-Titelseite, stets gleichlang, doch verfasst von wechselnden Autoren, gibt es bereits seit 70 Jahren. Und ihre Verfasser sorgen dafür, dass das Streiflicht meist auch ein Glanzlicht ist. Am Freitag war ich daher gewillt, die aktuelle Vorlage, es ging um die Fichte, für diese Schmunzelpost zu nutzen. Dann kam der Samstag und ein noch besseres Streiflicht. Lest selbst: 
 
"Alle Welt weiß, dass die Bayern zu den letzten echten Naturvölkern zählen. (...) Schon am Morgen, nach dem ersten Hahnenschrei, wenn Bayer und Bayerin im Bergwald, ihrem natürlichen Habitat, erwachen, lauschen sie bei einer Tasse Wurzelsud dem Gezwitscher von Zaunkönig und Singdrossel, das sie zum Entzücken der gefiederten Freunde mit einem Jodler beantworten. 
 
Bei seinen täglichen Kräuterwanderungen beobachtet der Bayer gern das muntere Treiben von Auerhahn und dessen Henne, die er manchmal per Handschlag begrüßt, und wenn der Abend dämmert, sagt er Fuchs und Has gute Nacht. Bayern - wer wüsste es nicht? - ist das Paradies, weshalb der bayerische Mensch auch niemals Tiere essen würde, sondern ausschließlich pflanzliche Produkte wie Semmelknödel und Leberkäs verzehrt. Selbstverständlich kennen solche Naturmenschen jedes Geschöpf bei seinem wissenschaftlichen Namen. Manche Bayern sind sogar in der Lage, ein Wildschwein von einem Hirsch zu unterscheiden."  
 
Daher sei es äußerst befremdlich, dass jetzt eine Hochschulstudie zu einem schockierenden Ergebnis kam. Bei ihren heimischen Singvögeln kennen sich die Bayern kaum noch aus. "Selbst Buchfink und Haussperling, die im Lande fast so verbreitet sind wie das Grillhendl, waren den meisten Befragten gänzlich fremde Wesen. Fünfzehn Gartenvogelarten standen auf der Liste, im Durchschnitt haben die Teilnehmer sechs davon gekannt. Den Erlenzeisig konnte so gut wie niemand identifizieren, er ist im Freistaat etwa so bekannt wie der bayerische SPD-Vorsitzende." Wieso die naturbelassenen Bayern ihre Vögel nicht mehr kennen, das wisse nur der Geier. 
 
"Eine Erklärung wäre, dass man nicht die richtigen Bayern befragt hat, sondern Franken, Schwaben und andere Völker, die unter bayerischer Aufsicht stehen. Möglicherweise sind aber auch die richtigen Bayern nicht mehr die Naturburschen, für die sie sich halten. Überraschend wäre das schon, denn tatsächlich fährt der Bayer jede freie Minute mit seinem SUV in die Natur, die er als Skipiste, Mountainbike-Hang und Partyzone nachhaltig zu nutzen weiß. 

Auch der bayerische Bauer liebt die Natur so sehr, dass er Schädlinge, also alles, was krabbelt und flattert, mit gesunder Chemie bekämpft. Trotzdem sterben viele Arten aus. Wozu also noch ihre Namen lernen?" 
 
An dieser Logik ist was dran. Nur gut, dass wir im Ruhrgebiet ein ganz anderer Menschenschlag sind. Schon der Bochumer Frank Goosen hat versucht, dies dem Rest der Welt in seinem Buch "Radio Heimat" klarzumachen. Damit auch die Bayern es verstehen, hier meine kurze Zusammenfassung der Lebensumstände zwischen Ruhr und Lippe. 
 
Der Pottbewohner wird nach wie vor stark durch die Tradition geprägt. Obwohl die letzte Zeche vor langer Zeit geschlossen wurde, ist ihm der Strukturwandel verhasst. So hat er seine Häuschen mit Streben unterkellert, damit er die meiste Zeit seines Lebens unter Tage verbringen kann. Muss er doch einmal das Haus verlassen, lutscht er vorher fünf Minuten lang an einem Brocken Steinkohle oder einem Brikett, damit er keine Entzugserscheinungen bekommt. 
 
Werktags sucht er über Tage meist zwecks Ernährung die nächstgelegene Bude auf, wo er die wichtigsten Lebensmittel einkauft (Bier, Bier und Bier). Es sei denn, es handelt sich beim Pottbewohner um ein Kind (Mäusespeck und Klümpken). Die Bude ist außerdem ein Haupt-Umschlagplatz für Informationen. "Wie isset?" "Muss". "Und wat macht der alte Zielinski?" "Tot." "Weisse, wat getz mit seine Dauerkarte auf Schalke wird?" 
 
Sonntags treffen sich die männlichen Pottbewohner nämlich auffem, nein, ummen Platz. Einmal die Woche genießen sie dort auch ein wichtiges Nahrungsergänzungs-Mittel: Die Bratwurst. Die weiblichen Pottbewohner haben einen anderen Tempel: Den Frisier-Salon. Er dient nicht nur zur Lektüre der Weltpresse ("Frau im Spiegel", "Gala", "Mein Schrebergarten"), sondern auch dem Austausch von Neuigkeiten. "Wie isset?" "Muss." "Wat macht die Leni?" "Die heiratet." "Den Yves-Raoul?" "Jau." "Nee!" "Doch!" "Und wat is mit Omma Margot?" "Is tot." "Na, dann hatt'ses wenichstenz besser als wie die Leni." 
 
Jeden Abend vor dem Zu-Bett-gehen versammelt sich die ganze Familie schließlich noch einmal im Wohnkeller, um mit dem Absingen der Hymne "Glückauf, der Steiger kommt", den Tag gemeinsam zu beenden. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Falls die Uni Bochum eine Studie plant, um herauszufinden, ob wir die Tiere in unserer unmittelbaren Umgebung kennen, mache ich mir keinerlei Sorgen. Über Maulwürfe, Regenwürmer und Kanalratten wissen wir bestens Bescheid.  
 

 Schmunzelpost 68 vom 26. 6. 21

Ich lese gerade ein Buch. Das kommt jetzt nicht völlig überraschend, das tue ich öfter. Spannend wird es, wenn ich auf den Inhalt eingehe. Es geht um ein großes internationales Fußball-Turnier, an dem sich auch die deutsche Nationalmannschaft beteiligt. Sie hat ihr Spiel gegen Frankreich verloren, dafür aber einen der großen Favoriten in einer begeisternden Partie mit zwei Toren Vorsprung geschlagen. Die Vorrunde überstand das deutsche Team dennoch nur mit Ach und Krach. Das letzte Spiel endete 2:2, die Deutschen konnten den Rückstand erst kurz vor Schluss ausgleichen. 
 
Alles klar? Genau! Es geht um die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 in Schweden. Ähnlichkeiten mit der EM-Gegenwart sind rein zufällig. Zu den Turnierfavoriten gehörte damals Argentinien. Die Deutschen, denen die Fachwelt als amtierender Weltmeister wegen schlechten Leistungen und zahlreichen Niederlagen im Vorfeld kaum etwas zugetraut hatte, gewannen jedoch gegen die Südamerikaner mit 3:1-Toren. Im letzten Vorrundenspiel reichte ein 2:2 gegen Nordirland zum Einzug in die nächste Runde. Das Ausgleichstor in der 80. Minute (!) erzielte Uwe Seeler, der als Jungspund neben dem 37-jährigen Fritz Walter und Helmut Rahn zu den besten deutschen Spielern gehörte. Seeler fehlte später wie der verletzte Fritz Walter im Spiel um Platz vier, das gegen Frankreich 3:6 verloren ging. 
 
 Im Tor stand dabei ein bedauernswerter Borusse. Heinrich Kwiatkowski hält somit bis heute einen erstaunlichen Rekord. Bei seinen beiden einzigen WM-Einsätzen kassierte der arme Kerl 14 Gegentore, denn 1954 im Vorrundenspiel gegen Ungarn hatte es gleich acht Mal hinter ihm eingeschlagen (Endstand 3:8). 
 
In der Weltpresse hatten die Deutschen 1958 einen schweren Stand. Das lag zum einen am 2. Weltkrieg, der gerade mal seit 13 Jahren beendet war. Heftig kritisiert wurde außerdem das harte, körperbetonte Spiel der Herberger-Elf. Nicht nur schwedische Zeitungen bezeichneten die deutschen Kicker als "Treter" und "Knochenbrecher". Ein übriges richteten die deutschen Schlachtenbummler an. Sie traten meist in Rudeln auf und benahmen sich so sehr daneben, dass sich der Chefkorrespondent der Süddeutschen Zeitung vor dem Halbfinale in einem offenen Brief an sie wandte: "Besoffen, arrogant, laut, fanatisch, Transparente schwingend mit größenwahnsinnigen Sprüchen, sich als Kraftfahrer durch souveräne Missachtung der auch in Schweden geltenden 50-km/h-Grenze auszeichnend - das ungefähr ist das Bild zu dem die schwedischen Gastgeber von 'den Deutschen' binnen weniger Tage gelangen mussten." 
 
Nach der 1:3-Niederlage gegen die Schweden, die den erneuten Einzug der Deutschen ins WM-Finale verhinderten, eskalierte die Lage. Die Schweden hatten bereits eine Stunde vor Spielbeginn Einpeitscher mit Megaphonen durchs Stadion geschickt und mit den 60 000 Fans solange Sprechchöre trainiert, dass die deutsche Elf leichenblass in den Hexenkessel eingelaufen sein soll. Möglicherweise spielentscheidend war der Platzverweis des deutschen Abwehrspielers Erich Juskowiak, der beim Stande von 1:1 gegen den schwedischen Stürmer Hamrin nachgetreten hatte. Als sich dann auch noch Spielmacher Fritz Walter verletzte und - Auswechslungen gab es damals nicht - als Linksaußen nutzlos über den Platz humpelte, besiegelte das die deutsche Niederlage. 
 
Und nun war in Deutschland die Hölle los! Eine Welle nationaler Hysterie erfasste das Land. Es gab Verschwörungstheorien: Der ungarische Schiedsrichter Istvan Zsolt sollte, von finsterem Kommunismus beseelt, mit dem Dolch unter dem schwarzen Kittel das im Felde unbesiegte deutsche Fußballkommando aus dem Hinterhalt gemeuchelt haben. Und auf den Parkplätzen von Autobahn-Raststätten wurden bei Kraftfahrzeugen mit Sverige-Kennzeichen die Reifen zerstochen. Schwedischen Touristen wurde an Tankstellen der Sprit verweigert, Prostituierte auf der Reeperbahn bemalten Pappschilder mit dem Hinweis "Schweden unerwünscht" und, kulinarischer Höhepunkt des Rachefeldzugs, in vielen Restaurants wurde die Schwedenplatte von der Speisekarte genommen! 
 
Weit weniger harmlos waren die Kommentare mancher deutschen Zeitungen. So geiferte die Saar-Zeitung, aus den Sprechchören habe man abgrundtiefe Gehässigkeit, sogar einen Grundton des Hasses gegen die Deutschen schlechthin herausgehört: "Das offizielle Schweden hat hämisch genießend zugelassen, das rund 40 000 Repräsentanten eines Volkes, das sich nie über nationale oder völkische Durchschnittsleistungen erhoben hat, den Hass über uns auskübelt, der nur aus Minderwertigkeitskomplexen kommt. (...) Es ist der Hass eines Volkes, dem man das Schnapstrinken verbieten muss, weil es sonst zu einem Volk von maßlosen Säufern würde." 
 
Rühmliche Ausnahmen waren dagegen deutsche Spieler wie Helmut Rahn, die den Schweden fair gratulierten. Das galt auch für Bundestrainer Sepp Herberger. Dennoch ist es an der Zeit, ein wenig an der Trainer-Legende zu rütteln. Denn abgesehen von seiner zeitbedingten patriarchalischen Art und besonderer Empfindlichkeit im Umgang mit einzelnen Spielern war er längst nicht immer der "schlaue Fuchs" und gewiefte Taktiker, als der er in die Geschichtsbücher einging. Nur zwei Beispiele: Herberger verlangte von seinen Spielern, möglichst wenig zu trinken (wohlgemerkt: Es geht nicht um Alkohol), weil jeder Tropfen Flüssigkeit die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen würde. Und gegen Argentinien ordnete er an, dass alle Ecken scharf und flach hereingegeben werden sollten, obwohl Fritz Walters angeschnittene und zielgenaue Kopfball-Vorlagen stets eine echte Waffe des Teams gewesen waren. Die Spieler ignorierten übrigens die Anweisung. 
 
Unvergessen und ewig wahr bleiben dagegen Herberger-Erkenntnisse wie: "Ein Spiel hat zwei Halbzeiten", "der Ball ist rund" und "das nächste Spiel ist immer das schwerste." Übertroffen wird dies nur von der Weisheit des englischen Fußball-Experten Gary Lineker: "Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Leute rennen 90 Minuten lang dem Ball hinterher und am Ende gewinnt immer Schalke 04." Oder so ähnlich. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur bäuerlichen Schmunzelpost hat Jochen Rudolph zwei Ergänzungen aus seiner Studentenzeit: „Gewitter im Mai – April vorbei“„Ist Silvester kühl und klar, folgt am nächsten Tag Neujahr“ 
 
PPS. Und Werner Boschmanns Spruchweisheit gebe ich ebenfalls gerne weiter: "Haste keine Freud’ zu Hause, dann abonier’ den KD Krause." 

Schmunzelpost 67 vom 25. 6. 21 

In der gestrigen Schmunzelpost habe ich den Landwirt August Regel zitiert. Danach fiel mir bei der Bücherschrank-Pflege ein immerwährender Kalender mit 365 Bauernweisheiten in die Hände. Wenn das kein Wink des Schicksals ist! Schauen wir uns also mal ein paar Agrar-Merksätze an. Ich habe mir erlaubt, einige Sprüche hinzuzufügen - mal sehen, ob Ihr bauernschlau genug seid, sie herauszufinden. 
 
Gestern lautete der Eintrag: "Vor Johannes bet' um Regen, nachher kommt er ungelegen." Da die Zeit des Ausflippens vorbei ist, gehen wir jetzt das Jahr systematisch Monat für Monat durch. 
 
 "Tanzen im Januar die Mucken, muss der Bauer nach dem Futter gucken." 
 
 "Macht die Bäuerin bei der Arbeit Zicken, dann muss der Bauer sich selber bücken." 
 
"Timotheus bricht's Eis, hat er keins, dann macht er eins." 
 
"Vorm Februar sei keinem bange, denn dauern tut er ja nicht lange." 
 
"Februar mit Sonnenschein und Vogelsang, macht dem Bauern Angst und Bang'." 
 
"Wochenend' und Sonnenschein? Das glaubt im Februar kein Schwein." 
 
"Stellt sich ein Huhn früh gackernd ein, gibt's Regen oder Sonnenschein." 
 
 "Geborgt wird einmal nur im Jahr, und zwar am 30. Februar." 
 
"Der März soll wie ein Wolf kommen und wie ein Lamm gehen." 
 
"Besser im März mit 'nem Mädel scherzen, 
als im Mai 'ne Ziege herzen." 
 
"Auf März folgt stets April, 
das ist des Kalender's Will'." 
 
"Verschmähst Du im April die Schmunzelpost, 
frisst Dich schon im Mai der Rost." 
 
"Aprilwetter und Weibertreu, 
das ist immer einerlei!" 
 
"Der April passt wunderbar, 
zwischen März und Mai ins Jahr." 
 
"Stellt sich im April nur Regen ein, 
so hat man keinen Sonnenschein." 
 
"Pankrazi, Servazi, Bonifazi sind drei frostige Bazi 
und am Schluss fehlt nie die kalte Sophie." 
 
"Der Mai ist gekommen, die Wolken laufen aus, 
da geht manch Klaus-Dieter wie ein Pudel nach Haus." 
 
"Bleibt der Juni kühl, wird dem Bauern schwül." 
 
"Menschensinn und Juniwind ändern sich oft sehr geschwind." 
 
"Wenn's Ende Juni im Heu oft rattert, 
kommt im März der Storch geflattert." 
 
"Einer Reb' und einer Geiß ist's im Juli nie zu heiß." 
 
"Wenn die Kühe Bikini tragen, musst Du den Pfarrer vom Acker jagen." 
 
"Auf Juli folgt August. Hand auf's Herz, wer hätt's gewusst?" 
 
"Schnee im August, das ist bekannt, 
bringt Bauern glatt um den Verstand." 
 
"Wenn es in die Suppe hagelt, 
ist das Dach wohl schlecht genagelt." 
 
"Was der Sommer nicht kocht, 
wird der Herbst nicht braten." 
 
"Schaffst Du im September nichts in den Keller, 
blickst Du im Winter auf leere Teller." 
 
"Nichts kann mehr vor Raupen schützen 
als Oktobereis in Pfützen." 
 
"Friert der Bauer im Oktober braucht er einen Strickpullover." 
 
"Wenn sich das Jahr dem Ende neigt, der Bauer in die Wanne steigt." 
 
"Was stinkt, das düngt." 
 
"Wenn Bauern in die Jauche segeln, helfen keine Bauernregeln." 
 
"Steht im Winter noch das Korn, ist es wohl vergessen wor'n." 
 
"Ist es grün zur Weihnachtsfeier, fällt der Schnee auf Ostereier." 
 
"Liegt der Bauer tot im Zimmer, lebt er nimmer." 
 
"Kräht das Huhn im Tintenwahn, 
dann ist's kein Huhn, dann ist's ein Hahn." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 66 vom 24. 6. 21

Heute zeigt sich die Schmunzelpost mal wieder von ihrer lehrreichen Seite. Es geht um Teufelstrauben. Wie, die kennt ihr nicht? Doch, kennt ihr, so heißt doch der, dings, der Hosendall! Was, Ihr steht immer noch auf dem Schlauch? Korallenkraut? Schwammwurz? Gotteskraut? Na gut, das alles sind regionale Bezeichnungen. Es geht um Spargel. (Und zwar um den Gemeinen sprich den Gemüsespargel - es gibt nämlich weltweit fast 300 Sorten. Und längst nicht alle sind essbar).
  
Bekanntlich endet bei uns jedes Jahr die Spargelsaison am Johannistag, also dem 24. Juni. Der weithin bekannte Landwirt August Regel, Erfinder der berühmten Bauernregeln, sagte dazu: "Kirschen rot, Spargel tot!" Eigentlicher Grund für das Ende der im April/Mai begonnenen Erntezeit ist, dass man der mittlerweile wichtigsten Freiluftgemüseart Deutschlands ausreichend Regenerationszeit geben will. Wisst Ihr, wo bei uns der meiste Spargel angebaut wird? Als Info zum Klugscheißen beim letzten Spargelessen zum Saisonende: Das größte Anbaugebiet ist Niedersachsen, gefolgt von NRW und Brandenburg. 
 
Und gleich noch ein paar Fakten. Erstmals in der Menschheitsgeschichte tauchte der Spargel in chinesischen Dokumenten auf. Dort galt er als Heilmittel gegen Erschöpfungshusten, Schlaflosigkeit oder Verstopfung. In Europa entdeckten ihn, wie könnte es anders sein, die Genießer vom Dienst, also die Römer. Sie brachten den Spargel auch auf hiesige Speisepläne. Im Mittelalter geriet die Delikatesse jedoch schnell in Vergessenheit und tauchte erst im 16. Jahrhundert auf fürstlichen Tafeln wieder auf. 
 
Exklusiv verrät die Schmunzelpost zum Schluss noch eine Neuheit. Der "Spargeltarzan" hat nämlich eine neue Aufgabe bekommen. Bisher bezeichnete man so klapperdürre Männer, die deutlich mehr in die Höhe schossen als dass sie in die Breite gingen. Auch als Bohnenstange mussten sie sich necken lassen. Bekanntester Spargeltarzan der Republik war Fußball-Nationalspieler Hannes Bongartz, der für weltberühmte Vereine wie Wattenscheid 09 und Schalke 04 antrat. Auch als Fußballtrainer und Traberzüchter war er später erfolgreich. 
 
Doch das ist lange her. Prototyp für den neuen Spargeltarzan ist jetzt das Helferlein von Daniel Düsentrieb. Der Mini-Roboter mit dem Glühbirnen-Schädel soll nächstes Jahr in Massenproduktion hergestellt und dann bei der Spargelernte eingesetzt werden. Erntehelfer aus Osteuropa sind wegen der schlechten Entlohnung, der oft miserablen Unterkünfte und der harten Arbeit kaum noch zu bekommen. Die Alternativlösung von Dr. Karl Lauterbach hat bei deutschen Spargelfreunden leider keinen Anklang gefunden: "Um Euch mit leck'ren Stangen zu beglücken und Freunde wie Familie zu entzücken, sollt Ihr Euch künftig selber bücken!" "Das geht nicht! Ich hab' Rücken!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 65 vom 23. 6. 21

Liegt es am kalendarischen Sommer? Heute ist mir danach, einmal richtig auszuflippen und aus der Reihe zu tanzen. Und, verrückter Hund, der ich bin, in dieser Schmunzelpost werde ich das auch wirklich tun! Ich werde die Reihenfolge im Tier-ABC auf den Kopf stellen und heute den Buchstaben "Z" behandeln! 
 
Falls Ihr jetzt sorgenvoll denkt: "Ist er plötzlich Anarchist geworden?" kann ich Euch beruhigen. Denn für die Umstellung gibt es einen guten Grund. Der Osten der USA erlebt nämlich gerade eine spektakuläre Invasion. Milliarden von Zikaden überschwemmen des Land, rund 3,5 Millionen pro Hektar. Sie zirpen, was das Zeug hält und paaren sich wie die Teufel. Das tun sie regelmäßig nur alle 17 Jahre. Und kein Schwein weiß, warum. Die Zikaden haben sich bis heute nicht in die Karten schauen lassen. Für die Wissenschaft ist es ein Rätsel, wieso die Zikadenlarven nach all der Zeit, in der sie sich im Wurzelbereich des Erdbodens durchschlagen, wissen, dass 17 Jahre vorbei sind und sie an die Oberfläche zu streben, sich dort in Baumkronen ein letztes Mal zu häuten und anschließend eine der größten Orgien des Planeten zu veranstalten haben. 
 
Eine Theorie besagt, dass sie durch diesen angeborenen Rhythmus den Arterhalt sichern. Denn wenn sich auch Fressfeinde wie Vögel, Eichhörnchen und Igel die Bäuche so vollschlagen, dass es den Weight Watchers ein Gräuel ist, bei diesem Überangebot an Nahrung bleiben stets ungezählte Zikaden übrig. Nur 44 Prozent von ihnen (faszinierend, wie die Wissenschaft zu solch genauen Ergebnissen kommt) werden zerstampft oder gefressen. Die restlichen warten ab, bis die neue Haut ausgehärtet ist. Und dann geht es los: Die Insekten paaren sich, was das Zeug hält. Jede erfolgreiche Befruchtung führt zur Ablage von ca. 500 Eiern. Der Kreislauf ist gesichert. 
 
Allerdings beschweren sich die menschlichen Anwohner über einige nervenaufreibende Wochen. Denn im Osten der USA verwandeln sich Baumgruppen in ländlichen Gegenden zu Quellen ohrenbetäubenden Lärms. Zwar werden die Insekten nur 3 cm groß. Aber allein ein Männchen kann enorm Radau machen, in einer für Menschen unangenehmen Frequenz. Und ein Männchen kommt wahrlich selten allein! Es gibt US-Regionen, das ist der gesamte Boden von toten und lebenden Zikaden bedeckt. 
 
Der Ekelfaktor und die roten Augen, die Kinder erschrecken können, sind weitere Gründe, die Zikaden unbeliebt machen. Dafür stechen sie nicht. Und anders als Heuschrecken verursachen sie keinen Kahlschlag. Im Gegenteil: Inzwischen sind auch die Menschen auf den Geschmack gekommen. In den USA werden mittlerweile Zikaden-Barbecues veranstaltet. Die gegrillten Insekten sind schön knusprig und haben einen Nährwert wie Hühnchenfleisch. 
 
 Zudem interessiert sich nun auch eine neue Zielgruppe für sie. In Junkie-Kreisen hat sich herumgesprochen, dass sich unter männlichen Zikaden ein psychedelischer Pilz breitmacht. Auf perfide Weise. Der Schmarotzer bewirkt, dass die fast hirnlosen Tierchen komplett durchdrehen. Bei den Männchen sterben die Geschlechtsorgane ab, mit denen sie sich vermehren können. Hirn- und hodenlos gleichzeitig halten sie sich dann für Weibchen auf Partnersuche und schlagen wie diese mit den Flügeln. Mit ihrer anhaltenden Sexsucht stürzen sie so weitere Männchen ins Verderben und der Pilz kann sich ausbreiten. 
 
Rund fünf Prozent aller Zikaden sind befallen und enthalten Halluzigene und Amphetamine wie Cathinon, ein natürliches Aufputschmittel. Während die betroffenen Zikaden also wohl durchaus zufrieden und high als Sexzombies eine schöne Zeit bis zu ihrem Ableben verbringen, soll ihr Genuss für Menschen weniger angenehm sein. Die Mischung ist giftig und kann zu Erbrechen führen. Gegrillt ist der Zikadenverzehr jedoch unbedenklich, es sei denn, man ist gegen Meeresfrüchte allergisch. Und alle 17 Jahre darf man sich ja mal etwas Ungewöhnliches gönnen. Aber Ihr müsst Euch beeilen: Nach vier bis sechs Wochen hat es sich ausgezirpt! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 64 vom 22. 6. 21

Wie sangen einst die Beatles? "Eight Days a week!" For me, its mean: Eight days on one day! Ob die Liverpooler schon den 21. Juni im Sinn hatten? Eher nicht. Die Mode, einzelne Tage des Jahres mit Bedeutung zu überhäufen, entfaltete sich erst später zur vollen Blüte. Und den 21. Juni traf es besonders hart: Mit diesem Tag sollte man achtsam umgehen, den kein anderer Tag des Monats vereint so viele verschiedenen Anlässe, unser Verhalten zu ändern, uns mit neuen Dingen zu beschäftigen oder uns Gedanken machen. Ach ja, feiern dürfen wir auch: Vor allem in Skandinavien wird dies zur Sommersonnenwende am längsten Tag des Jahres zelebriert.

Da lag es nahe, den offiziellen Sommeranfang auch zum Sonnenschutztag zu deklarieren. Eine löchrige Ozonschicht und steigende Hautkrebszahlen, da ist Vorsicht geboten. Ein wenig länger gilt es nachzudenken, warum am 21. Juni auch der Tag der Archäoastronomie begangen wird. Ich gebe zu, bis vor kurzem wusste ich nicht einmal, was das ist. Doch Schmunzelpost-Beiträge schreiben, das bildet: Unter dieser Fahne versammeln sich Forscher und Hobby-Archäologen, die hauptsächlich an Bodendenkmälern und Relikten interessiert sind, die einen Bezug zu Himmelskörpern haben. Klassisches Beispiel sind die markanten Steine von Stonehenge, wo nur zu ganz bestimmten Zeiten das Licht so einfiel, dass sie vermutlich zur Bühne kultischer Rituale wurden. 

So! Blitzbirnen, bitte aufzeigen! Wer mir ohne vorher nachzuschauen sagen kann, warum der 21. Juni auch der Weltrohkosttag ist, kriegt eine Möhre geschenkt. Ich schätze jedoch, ich muss alle Möhren selber essen. Den Weltrohkosttag hat die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau verbrochen. Dort hat man sich 2010 gesagt: "Ach? Am 21. Juni ist der längste Tag? Da fordern wir die Welt auf, an Radieschen, Kohlrabi oder Mairübchen zu knabbern." Und damit die Aktion auch einen offiziellen Anstrich bekommt, wird seit 2016 am 21. Juni auch noch eine weltweite Online-Konferenz zum Thema veranstaltet. Die vermittelt so bahnbrechende Erkenntnisse wie die, dass man derzeit gut Brockelerbsen naschen kann: Im Gegensatz zu Bohnen auch ungekocht. Brockelerbsen? Da ist mein Wissen etwas brockelig.

Das traf auch auf den Welthumanistentag zu. Immerhin ist die Begründung halbwegs schlüssig. Die Mitglieder der IHEU, also der Internationalen Humanisten- und Ethik-Union, dachten sich nämlich, dass es ungerecht ist, wenn  Religionsmitglieder eine erkleckliche Zahl von Feiertagen haben, die Menschen aber, die sich ausschließlich humanistischen Zielen verpflichtet fühlen, keinen einzigen. Also suchte die IHEU 1986 einen Termin und entschied sich als Feiertag für den 21. Juni, weil es sich da wohl meist länger und angenehmer feiern lässt als im Winter.

Relativ einleuchtend ist die Begründung der Wissenschaftler, die 1999 den 21. Juni zum "Tag des Schlafes" in Deutschland erklärten. Schließlich ist dies der Tag mit der kürzesten Nacht. Da aber ausreichender Schlaf sehr wichtig für Wohlbefinden und Gesundheit ist, erscheint die Terminwahl logisch, wenn man sich mit Schlafstörungen auseinander setzen möchte. Ausgerechnet zum Thema "Immer Kummer mit dem Schlummer" sprangen jedoch 2005 die meisten Sponsoren ab, so dass der Tag des Schlafes hierzulande oft verschlafen wird.

Gibt es die Yoga-Übung der untergehenden Sonne, die doch noch die Kurve kriegt und sofort wieder aufgeht? Man weiß es nicht. Genauso wenig, warum ausgerechnet der 21. Juni der Welttag des Yoga ist. Eigentlich hätte es auch jeder andere Tag des Jahres sein können. Denn auf Antrag Indiens beschloss die UN-Generalversammlung schon 1981, einen Yoga-Tag im Kalender zu etablieren. 177 Nationen schlossen sich an, weil es viele gute Gründe gibt etwas gegen den Stress und für Körper und Geist zu tun. Wer also den 21. 6. verpasst hat, ist herzlich eingeladen, an einem anderen Tag damit zu beginnen.

Dies gilt auch für den Tag der selbstgemachten Musik. Er passt eigentlich optimal zur Corona-Zeit, wo Profi-Konzerte in großem Rahmen immer noch schwierig sind. "Do it yourself" war das Motto, das der französische Kultusminister (natürlich nicht mit anglizistischem Slogan) am 21. Juni 1982 zum ersten Mal ausrief und dem in Paris viele Hobby- und Straßenmusiker folgten. 1985 schloss sich München an, 1996 Berlin. Und seither werden es Jahr für Jahr weltweit mehr Städte. 
 
Und was ist mit uns? Wir stimmen mit einem Tag Verspätung in den großen Chor ein: "Eight Days a week...." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 63 vom 21. 6. 21

Im Tier-ABC sind wir inzwischen beim Buchstaben "E" angelangt. Dazu möchte ich heute jedoch keine Tierart unter die Lupe nehmen, sondern unter "Erstaunliches" kuriose Fakten zusammentragen. 
 
Wenden wir uns zunächst der Laubheuschrecke zu. Falls Ihr von dem possierlichen Tierchen noch nichts gehört habt, kann dies zwei verschiedene Gründe haben. Erster Grund: Sie lebt in Südamerika. Zweiter Grund: Der resultiert aus ihrem besonderen Talent. Die Laubheuschrecke hält nämlich einen Rekord - sie stößt den höchsten Paarungsruf im gesamten Tierreich aus! Damit schlägt die Heuschrecke, sie möge den geschmacklosen Vergleich verzeihen, zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits finden die Männchen Gehör bei ihren Angebeteten, andererseits sind Fressfeinde offensichtlich so sehr damit beschäftigt, sich die Ohren zuzuhalten, dass sie vom Verzehr der Heuschrecke absehen. Wenn die Heuschrecke ihre Flügel aneinander reibt, erzeugt sie einen Ton, der bis zu 150 Kilohertz erreicht! Dieses Geräusch liegt im Ultraschallbereich und ist somit für Menschen unhörbar - womit, Ihr erinnert Euch, die Voraussetzungen für den zweiten Grund erfüllt sind. 
 
Über eine völlig andere Gabe verfügt die auch in Deutschland heimische Beutelmeise. Wäre ich ein Macho, würde ich es so beschreiben: Ganz wie beim Menschen kriegen die Weibchen es hin, die Männchen nach allen Regeln der Kunst auszunutzen. Sie machen ihnen erst schöne Augen, lassen sie für sich arbeiten und geben ihnen dann den Laufpass. Da ich jedoch kein Macho bin, streichen wir diese Bemerkung und wenden uns den Fakten zu. 

Nach dem ersten Date beginnen die Meisen-Männchen, an exponierter Stelle ein Heim für die Familie zu errichten. Sie basteln kunstvolle Beutelnester, die in einer Höhe von einem bis fünfzehn Metern über Wasserläufen hängen. Ist der bis zu 17 cm lange Henkelkorb fast fertig, vertreibt das Weibchen den Bauherrn, fügt selbst das letzte Zweiglein hinzu und beginnt mit der Brut. Der Mann lässt sich jedoch nicht entmutigen, flattert erneut auf Freiersflügeln und beginnt umgehend mit einem Neubau für eine andere Partnerin. Obelix würde sagen: Die haben eine Meise, die Meisenmännchen. 
 
Dass auch die Amerikaner mitunter spinnen, wissen wir nicht erst seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Doch sie haben auch ungefährlichere Angewohnheiten. So kürten eine Reihe von US-Bundesstaaten einen Fisch zum offiziellen Wahrzeichen. In Florida, Mississippi, Georgia und Alabama ist dies der Forellenbarsch, in Alaska und Oregon der Königslachs und in Massachusetts der Kabeljau. In einem anderen amerikanischen Staat traf man die Auswahl jedoch eher nach optischen Kriterien: Welcher Fisch hat in seinem Namen neun Mal den Buchstaben "u" und drei Mal das "a" versammelt? Richtig, auf Euch ist Verlass: Natürlich der Humuhumunukunukuapua'a, seit 2006 Staatsfisch von Hawaii. Außenstehende haben ihn wegen seines kontrastreichen Musters auch Diamant-Picasso-Drückerfisch getauft. Die einheimische Namensvariante bedeutet übersetzt "Drückerfisch mit einem Maul wie ein Schwein". 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ins Tier-ABC passt auch der Rabe. Doch weil das "R" erst viel später an der Reihe ist, gebe ich hier nur den Hinweis von Wolfgang weiter, damit sich Tier- und Humorfreunde rechtzeitig aufs kommende Jahr vorbereiten können. 

Schmunzel- und Ordnungsspender: Wir begrüßen den neuen Raben-Kalender! 
„Geradezu süchtig macht er alle Jahre wieder“ (Westfälischer Anzeiger). Bereits seit 1986 macht der Rabe täglich, ja Tag für Tag den Tag erträglich. Nach eisigen Zeiten kommt nun das Tauwetter: Mit dem neuen Raben-Kalender injizieren Sie 2022 die angemessene Dosis Witz und Anarchie. 

Schmunzelpost 62 vom 20. 6. 21

Als ich Euch letzte Woche beim Tier-ABC gleich mehrere Bären aufgebunden habe, ist mir einer durch die Lappen gegangen. Glücklicherweise hat die Süddeutsche Zeitung aufgepasst und beobachtet, dass derzeit überall im Land der Gute-Laune-Bär positive Stimmung verbreitet. Selbst Saskia Eskens habe für Sekundenbruchteile den Anflug eines Lächelns gezeigt! 
 
Bei stetig sinkenden Inzidenzwerten hat der Gute-Laune-Bär augenblicklich leichtes Spiel, auch wenn aus London und Lissabon die Delta-Variante des Virus bereits gierig herüber schielt. (Nebenbei: Was soll eigentlich der Zauber mit den griechischen Buchstaben, wenn jeder, aber auch wirklich jeder im zweiten Satz erklärt, dass dieser Corona-Mutant aus Indien stammt?) Die "Süddeutsche" hat jedenfalls festgestellt, dass uns ein toller Sommer bevorstehen könnte. "Das ganze Land macht sich locker, denn alles ist da: Hitze, Bier, Grillfleisch und jede Menge Impfstoff vom bewährten Lieferservice Spahn." Und der mindestens ebenso bewährte Sarkasmus-Lieferservice des SZ-Streiflichts. 
 
Dort werden denn auch prompt die Schattenseiten des Sommers hervorgehoben. Schließlich leben wir im Land der langen Gesichter und da darf man schon daran erinnern, dass sich in dieser Jahreszeit Quälgeister zu regen beginnen, die an kühleren Tagen im Kälteschlaf verharren - unsere lieben Nachbarn! "Kaum prophezeit der Wetterbericht tropische Nächte, da fällt ihnen ein, dass sie einen Balkon haben. Also einen Resonanzraum, der dazu dient, anderen den Schlaf zu rauben." Und sie verfügen über noch schwerere Geschütze: "Gänzlich zur Hölle wird der Sommer, wenn die Rauchschwaden von 50 000 Holzkohlegrills durch die Stadt ziehen." 

Irgendwann erwischt es dann auch uns. "Warte nur, bald bist du selbst gezwungen, verkohlte Bratwüste zu schlucken, Tofuschnitzel zu kosten und Sommerhits mitzugrölen. Das einzig Gute daran: Die Nachbarn bringt es um den Schlaf." 
 
Themenwechsel. Habe ich mich kürzlich über deutsche und europäische Regulierungswut mokiert? Die Japaner treiben es anscheinend noch viel doller. Dort setzen nicht Behörden, sondern Schulen die Regeln fest, an die sich die Schülerschaft verbindlich halten muss. Das reicht von der Farbe der Unterwäsche bis zum Verbot von Sonnencreme und Strickjacken. Und 44 Prozent aller Gymnasien in Tokio verlangen Haar-Zertifikate, mit denen die Schüler nachweisen müssen, dass sie sich nicht von Färbemitteln und Lockenwicklern verderben lassen. Was würde Obelix dazu sagen? Richtig: Die spinnen, die Japaner! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 61 vom 19. 6. 21

Ja, is' denn heut' scho' Weihnachten? Heute noch nicht, Franzl, aber bald! Immer, wenn sich das Sommerhalbjahr seinem Zenit nähert und nach dem längsten Tag die Nächte allmählich wieder länger werden, überkommt mich eine leise Wehmut. Die guten Stunden sind gezählt, die dunklen und kalten gewinnen bald wieder die Oberhand. Selbst drückende Hitze und strahlender Sonnenschein vermögen dieses Gefühl nicht zu vertreiben.

Doch ich bin wohl nicht der einzige, dem es so geht. Wie anders ist es zu erklären, dass am Freitag die folgende Überschrift samt passendem Foto die Titelseite der "Dorstener Zeitung" schmückte: "Weihnachtsbäume wachsen gut". Das ist mal eine positive und zugleich beruhigende Nachricht inmitten all der hässlichen Dinge, die derzeit auf unserem Erdball geschehen. Wenn auch der Regenwald weiter schrumpft und der Klimawandel fortschreitet, können wir wenigstens schon mal unsere Christbaumkugeln aus dem Keller holen und polieren. Und spätestens ab Ende August dürfen wir dazu auch wieder am Lebkuchen knabbern, der pünktlich zur Vor-vor-vor-Adventszeit in unsere Supermärkte Einzug hält.

Doch vielleicht liegen die Marktstrategen gar nicht so falsch. Der wirkliche Geburtstag von Jesus Christus ist nämlich völlig unbekannt. Die Kirche, die unter dem römischen Kaiser Konstantin Staatsreligion wurde, hat das Datum bereits in der Antike willkürlich festgelegt. Dabei traf es sich gut, dass für die Römer von jeher der 25. Dezember Feiertag zur Wintersonnenwende gewesen ist. Auch andere Religionen nutzten diesen Zeitraum für ihre Feste. Nicht auszudenken, man hätte damals schon geahnt, dass just in diesen Tagen auch noch der Weihnachtsmann am Nordpol seinen Coca-Cola-Truck startklar macht. . .

Liest man jedoch aufmerksam die Bibel, dann keimt ein anderer Verdacht. In Bethlehem war es damals ab Oktober so unwirtlich, dass die Hirten im Dezember längst ihr Vieh von den Weiden geholt hatten. Es spricht also einiges dafür, dass September oder August als wahrer Geburtsmonats-Termin für den Heiligen Abend eher in Frage kommen. Und jetzt wage noch jemand ein böses Wort über die Heiligen Drei Könige der freien Marktwirtschaft!

Mit einem Beckenbauer-Zitat habe ich diese Schmunzelpost begonnen, mit einem weiteren will ich sie mit Blick auf das heutige Portugalspiel beschließen: "Ja gut, es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage."

Glückauf
kdk

Schmunzelpost 60 vom 18. 6. 21 

Uijuijui, ist das heiß! Das ist ein Wetter, bei dem ich am liebsten im schattigen Garten in einer Hängematte baumeln und mich nur dann bewegen möchte, wenn es an der Zeit ist, mir ein kühles Getränk zuzuführen. Zum Beispiel einen grauen Burgunder. Und die Gedanken könnten auf die Reise gehen, etwa nach Burgund oder nach Rheinhessen, wo mein Wein seine Jugendzeit verbracht hat. Oder auch zum Südpol, wo gerade tiefster Winter ist und selbst an Sommertagen ein Kontrastprogramm zum aktuellen Klima anzutreffen wäre. 
 
Falls Ihr mal zufällig beim Spaziergang an diesem erfrischenden Ort vorbeikommt: Was würdet Ihr exakt 870 km nordöstlich des Südpols mitten in der Eiswüste entdecken? Nein, keine Glühweinbude und auch keinen Souvenir-Shop. Sondern stattdessen eine steinerne Lenin-Büste. Drängt sich die naheliegende Frage auf: Was macht die dort? Soll sie die Besitzansprüche der Russen auf eventuell unter der Eisdecke ruhende Bodenschätze dokumentieren? 
 
Nein, sie ist ein im Westen vergessenes Relikt aus einer Zeit, als Wissenschaftler aller Herren Länder ausschwärmten, um auch die abgelegensten Winkel unseres Planeten zu erforschen. 1958 hatte man dazu eigens das "Jahr der Geophysik" ausgerufen. Und sowjetische Polarforscher nutzten dies zu einem Campinglager der besonderen Art. Vom 14. bis 26. Dezember schlugen sie ihre Zelte nahe des Südpols auf und platzierten zur Erinnerung daran die Lenin-Skulptur, die sie von zuhause aus mitgeschleppt hatten. 1969 revanchierten sich die Amerikaner mit der US-Flagge auf dem Mond. 
 
Falls Ihr auch mal hin wollt: Zieht Euch bitte warm an, am besten mit drei Lagen 
Angora-Unterwäsche! Denn dem Genossen Lenin weht bei durchschnittlich minus 58,2 Grad auch noch fast immer ein eisiger Wind um die Nase. 
 
Bleibt die Frage: Dürfen die das eigentlich, die russischen Lenin-Fans? Aber ja, wir leben doch in einer Welt, die von Bürokraten und Dumpfbeutlern geordnet ist. Der Antarktisvertrag genehmigt die Büste als "historische Stätte Nummer 4". Sie steht an einem "Pol der Unzugänglichkeit". Das sind geografisch ermittelte Punkte zu Wasser und zu Lande, die eine maximale Entfernung zur nächstgelegenen Küste aufweisen. 
 
So, wieder was gelernt. Damit Ihr aber auch noch etwas über eine nicht ganz so abgelegene Region im Gedächtnis behaltet, prägt Euch bitte folgenden Merksatz ein: "Bis bald, Sabrina -  reite herum, trostloser sandiger Sachse - nörgle niemals, brandiger Berliner - bringe Hamburger mit, Schatz!" Wie Ihr wahrscheinlich bereits messerscharf aus der Anzahl von 16 Worten geschlossen habt, dient diese Eselsbrücke mit ihren Anfangsbuchstaben angeblich zum Aufsagen der deutschen Bundesländer. Wobei ich, der schon mit dem Planeten-Merksatz Mühe hat, die Bundesländer besser ohne diese Gedächtnishilfe auf die Reihe kriegt. Für den Merksatz brauchte ich dagegen eine eigene Eselsbrücke! Ich kann es ja mal mit den deutschen Bundesländern versuchen. . . 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 59 vom 17. 6. 21

Hömma, Karl! 
 
Sach ma 'n Satz mit "x". Genau: Wa wol nix! Woher weisst Du dat? Ach ja, wir zwei beiden ham ja zusamm am Dienstach dat Spiel der Deutschen angekuckt. Aba ich will mal so sagen: So ganz übel wa dat auch nich. Wer sich vorher vonne Spanier sechs Stück einschenken lässt und sogar gegen das berühmte Nordmazedonien verliert, der kann doch mittem 0:1 gegen die Weltmeister ganz zufrieden sein. Abgesehen davon, dass unsere noch bis nach Mitternacht hätten weiterkicken können, ohne auch nur einen zu versenken. Un auch abgesehen davon, dat in dieselbe Zeit die Franzosen zwei bis zwölf Buden gemacht hätten - die war'n ja mit einmal Pfosten und zweimal hauchzaat Abseits schon vorher ganz knapp dran. 

Die ham ja auch wirklich 'n paa feine Fußballer. Empappe und Pockbar oder wie se alle heißen tun. Mitte Namen könnten se einem dat Leben aba auch einfacha machen. Ich denk noch imma an die alten Brasilianer: Pele, Didi, Vava, Tirili un Tirila un Josefine Baker - ach nee, dat wa die mitti Bananen. Aba auch die deutschen Namen sin früher die Reporters aus alle Welt flüssich über die Lippen gesprungen: Jupp Posipal, Kwiatkowski, Beckenbauer, Rummenigge, Schweinsteiger! Un vor allem die allererste Garde: Fritz Szepan und Ernst Kuzorra, Manni Kreuz und Berni Klodt, Stan Libuda, Rüdiger Abramczik und Klaus Fischer, Helmut und Erwin Kremers, Norbert Nigbur und Manuel Neuer. Ach, geh mich wech, wenn ich an die guten alten Zeiten denke, dann fang ich noch an zu flennen. 
 
Vielleicht rech ich mich ja deshalb getz nich mehr so auf wie noch bei de WM in Russland wegen die deutsche Pleite. Eingetütet von Mexiko und Südkorea! Inne Vorrunde raus! Aba selbs, falls dat getz nomal passiert, sind wir Kumma gewöhnt, wat, Karl? Wer so viel Schalker Elend gesehen hat, wie wir in dat letzte Jahr, der is gestählt für's Leben. Da kannze einen drauf lassen! 
 
Überhaupt: Wat da abgeht, mitten Fußball, dat is doch nich mehr nomaal. Wenn son Messi in einem Monat so viel auf'm Konto hat, wie 'ne ganze Firmenbelegschaft bis zur Rente, dann stimmt doch wat nich. Un wenn diese Milliardäre sich allet einkaufen un mitten paa Clubs den ganzen Kuchen unta sich aufteilen tun, dann geht dat auf keine Kuhhaut nich. Wat is dat fürne Fußballwelt, wo die Spielvereinigung Gelsenkirchen-Hassel nich mehr den UEFA-Cup gewinnen kann! 

 Und der Gipfel der Unverschämtheit war diese Superliga! Wer sich sowatt ausdenkt, der brauch lebenslang Stadionverbot! Ich mein, Madrid, Mailand, Manchester - wennse wenigstens Schalke angesprochen hätten, dann hätten wir zumindest 'ne Sekunde drübber nachdenken können. Um dann aba sofort energisch abzulehnen. Mit Schalkern kannze sowatt nich machen, wir sind grundehrlich, da gib ich Dich jeden Eid drauf! 
 
Un getz? Ach Karl, wir beide ham dat Interesse am Bundesliga-Fußball total verlorn. Wat läuft denn da nächste Saison? Die Bratwurst-Bayern spieln den Titel im Duell mit ihre Reservemannschaft aus. Um Platz zwei kloppen sich Leipzig Bullerbü, Borussia Zecke und die Autoschwindler Wolfsburg. Und die wirklich sympathischen Teams, wie Freiburg und Union Berlin, verlieren wieder ihre besten Spieler und kämpfen gegen den Abstieg. Nee, nee, dat is so wat von uninteressant. Wir sollten uns mal für annere Sportarten interessieren, Karl. Wie wär's denn mit Synchronschwimmen und Rhythmische Sportgümnastik? 
 
Hömma, Karl, aba eine Frage hätt ich noch: Wann fängt den endlich die Zweite Liga an? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 58 vom 16. 6. 21

Weiter geht es mit unserem Arten-ABC. Bei mir lernt Ihr auch Gattungen kennen, die weder bei Wikipedia noch in Grzimeks Tierleben auftauchen. So auch der Dumpfbeutler, ein entfernter Verwandter des Chamäleons. Auch Dumpfbeutler verstehen es hervorragend sich zu tarnen, in dem sie etwa die Gestalt eines Bürohengstes oder eines Amtsschimmels annehmen. 
 
Ansonsten weist der Dumpfbeutler Merkmale ganz verschiedener Tierarten auf, deren jeweilige Nutzung er im Laufe der Evolution perfektioniert hat. Er zählt zu den wenigen Beuteltieren, die sich auch außerhalb Australiens verbreiten. Gleichzeitig betrachten ihn Zoologen als typischen Parasiten, da der Zivilisationsfolger die Nähe von Menschen sucht und gern in größeren, weit verzweigten Gebäudetrakten brütet. Dabei heraus kommen faule Eier, die eigentlich zum Himmel stinken. Wie ist es also möglich, dass die Dumpfbeutler-Produkte dennoch nicht in der Abfalltonne landen oder als Problemmüll entsorgt werden? 
 
Nun, das liegt ganz einfach daran, dass der Dumpfbeutler in seinem Beutel vorwiegend heiße Luft erzeugt und so verbrämt, dass die Absonderungen von den meisten Menschen nicht verstanden und daher als besonders wichtig und unverzichtbar angesehen werden. Der Dumpfbeutler ernährt sich nämlich hauptsächlich von Staub und uralten Behörden-Ablagen. Beim Verdauungsprozess scheidet er dann einen Teil der ungenießbaren Worthülsen, Ziffern und Buchstaben in scheinbar geordneter Form aus, die prompt für die Erstellung weiterer Akten genutzt und archiviert werden. So produziert der Dumpfbeutler neue Nahrung für nachfolgende Generationen. 
 
Zu seinen Konstruktionen, über deren Sinn Sprachforscher lange gerätselt haben, zählen beispielsweise der "konisch geformte Schüttgutbehälter mit Zentralauslauf" oder auch das "raumübergreifende Großgrün". Da die Menschheit  jedoch seit ihren Anfängen von rätselhaften Artefakten fasziniert ist und sogar zu deren Anbetung neigt, entstand die Geheimreligion des Heiligen St. Bürokratius. Diese verschworene Gemeinde vermengte Produkte des Dumpfbeutlers mit scheinbar notwendigen Vorschriften und Richtlinien und schuf so ein gigantisches Regelwerk, das niemand mehr zu durchschauen vermag und dessen Umsetzung und Pflege eine Unmenge an Personal erfordert. Ideal also für Bürokratius-Anhänger, um sich zu verstecken und weiter zu vermehren.  Durch die gegenseitige Abhängigkeit ist mittlerweile eine enge Symbiose zwischen Paragrafen-Gläubigen und Dumpfbeutlern entstanden. 
 
Doch es gibt auch eine Gegenbewegung. Dumpfbeutler haben keine natürlichen Feinde. Aber weil die Auswirkungen ihres Treibens nicht unbemerkt blieben und von den Papierbergen und unsinnigen Auflagen genervte Menschen die zügellose Regulierungswut eindämmen wollten, wurde in Europa eine neue Form der Großwildjagd geschaffen und einem Spezialisten übertragen, dem Obersten Bürokratenschreck. 
 
Leider machte man einen fatalen Fehler und übertrug die Aufgabe dem Stammel-Stoiber. Dieser formulierte bei Amtsantritt seine Zielsetzung als Herzensangelegenheit so: "Dann hätte man für Deutschland eine Regelung, hätte keine regellose Regelung, und die Länder, die, die das nicht regeln wollen, die haben dann eine Bundesregelung, und die Länder, die das regeln wollen, könnten das dann für sich regeln." 
 
Erschwerend kam hinzu, dass sich in Brüssel und Straßburg bereits große Bürokraten-Kolonien mit ihren Haustieren, den Dummbeutlern, angesiedelt hatten und nun das Vorhaben mit ausgeklügelten Methoden torpedierten. Daher wurde zur Abschaffung von überflüssigen Expertengruppen zunächst eine neue Expertengruppe geschaffen: Die "High Level Expert Group". Doch Stoiber durfte sich nur drei Mitglieder selbst aussuchen. Die anderen wurden von Verbänden und Organisationen aus 27 EU-Mitgliedsstaaten gestellt.
 
Eigene Ideen darf die High Level Expert Group zudem nur dann vorbringen, wenn sie von der EU-Kommission ausdrücklich dazu ermächtigt wird. Ansonsten geht es ausschließlich um die Bewertung von Vorschlägen, die direkt von der EU-Kommission kommen. Und zwar nur um bestehende Gesetze, nicht um neue Vorschriften. 
 
So fühlte ich plötzlich eine völlig unerwartete neue Regung tief in meiner Brust: Mitgefühl mit Edmund Stoiber! Denn einige Monate nach Amtsantritt musste der Bayer kleinlaut gestehen: "Der Abbau von Bürokratie ist außerordentlich kompliziert, mühsam und sehr schwer." Im Klartext: Keine einzige Verordnung oder Vorschrift wurde abgeschafft. Doch das ist kein Wunder. Selbst wenn sich das 15-köpfige Expertengremium darauf einigen könnte, eine Vorschrift zu streichen, müssten auch noch das EU-Parlament und die Parlamente und Regierungen aller EU-Mitgliedsstaaten zustimmen..... 
 
Wo sind die Querdenker, wenn man sie einmal brauchen könnte? So haben die vereinten Bürokraten und Dumpfbeutler leichtes Spiel. Man spricht inzwischen schon Mutationen: Den Bremsklotzkraten und den Dumpfklötzen. Doch das ist ein anderes Thema. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 57 vom 15. 6. 21

Beim ABC der Tiere sind wir mittlerweile beim C angelangt. C wie Chamäleon. Da freut es mich sehr, Euch exklusiv eine Entdeckung präsentieren zu können. Im deutschen Bergland wurde erstmals eine Mutation beobachtet. Nein, zum Glück kein Corona-Virus, obwohl das ebenfalls mit C beginnt. Die Rede ist von einem bemerkenswerten Wesen, das es binnen Sekundenbruchteilen schafft, seinen vorherrschenden Farbton so zu ändern, dass es jeweils der Mehrheits-Mode angepasst ist. Die Rede ist von "das Söder". 
 
Grundsätzlich gibt es auf unserem Planeten 200 Chamäleon-Varianten aus der Familie der Leguanartigen. Ihr Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet Erdlöwe. Man unterscheidet grob die "Echten Chamäleons" von den Stummelschwanz-Chamäleons. Wobei bisher nicht geklärt ist, zu welcher Gattung "das Söder" zählt. Die neue bayerische Art erkennen Experten zum einen an der Lederhose, zum anderen an seiner Vorliebe für bajuwarisches Bier. Außerdem gelingt es keinem anderen Chamäleon auf der Welt selbst bei der deftigsten Lüge so treuherzig zu gucken wie der Markus-Variante. 
 
Dabei hat auch das Söder-Chamäleon klein angefangen. Es war schwarz wie die Nacht als es sich in seiner Lehrzeit als Generalsekretär-Rauhbautz stets im dunklen Schatten des Stotter-Stoibers verbarg und sich nur kurz zu Beiss-Attacken gegen politische Gegner hervor traute. Doch das Söder-Chamäleon lernte schnell dazu und begriff, dass es nur dann Rudelführer werden konnte, wenn es sich noch brauner präsentierte als der große Seehofer-Drachen. Dazu verwendete es eine neue Technik, die bei seinen Artgenossen vorher noch nie festgestellt wurde - es versprühte seine jeweilige Färbung mittels einer akustischen Wolke. 
 
Als das Söder beispielsweise im Juni 2018 den AfD-Raubameisen den Wählerkäfer wegschnappen wollte, posaunte es: "Wir müssen den Asyltourismus stoppen!" durch Wald und Flur. Doch unser Markus-Chamäleon ist nicht auf den Kopf gefallen. Da das Manöver schief ging, spitzte es schon im November 2018 die lange Zunge und säuselte: "Ich bin für das Grundrecht auf Asyl." So versuchte es sich reinzuwaschen und den nächsten Farbwechsel vorzubereiten. Dazu scheute das Söder selbst innige Umarmungen mit Bäumen nicht und gaukelte der Welt nun grün gefärbt ein völlig anderes Klima vor. 
 
Doch das war nur das Vorspiel. In den nächsten Monaten glänzte unser Chamäleon mit der gesamten Farbenpalette des Corona-Regenbogens. Sah es irgendwo eine Kamera, dann plusterte es sich auf, prüfte kurz, woher der Wind gerade wehte und versprühte seine Farbwolken, die unauffällig mit den Slogans "Ich bin der Größte!", "Ich bin der Fähigste!" und "Ich verspeise jeden Tag drei Laschets zum Frühstück" gespickt waren. Was unser cleveres Chamäleon jedoch nicht hinderte, gerade noch rechtzeitig auf "Ich bin der Loyalste!" und "In Bayern ist es sowieso am schönsten" umzuschalten. 
 
Die Wissenschaft ist heute schon gespannt, welche Färbung "das Söder" Ende September annehmen wird. Führende Experten rechnen damit, dass im Falle eines CDU/CSU-Wahlsiegs unser Erdlöwe schwarz-rot-gold erstrahlt, damit alle Welt seinen Anteil am Erfolg ja nicht übersieht. Geht die Sache schief, vermuten die Fachleute eine blau-weiße Tarnfarbe, damit "das Söder" zunächst "das Laschet" schlucken und dann in vier Jahren selbst auf Beutezug gehen kann. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur bärigen Schmunzelpost merkte Bertold an: 
"Der Bärenpost war kurz und gut, 
 doch was man noch vermissen tut, 
 ist Trauriges zu Eisbär Knut." 
 
PPS. Dazu merkt kdk an: 
"Beim Knuddelknut kam schnell die Wende, 
der Eisbär fand ein frühes Ende. 
Doch alle Fans traf es noch härter, 
kurz darauf starb auch sein Wärter." 
 

Schmunzelpost 56 vom 14. 6. 21

 

Heute geht es weiter mit dem ABC der Tiere. Ursprünglich hatte ich ja den Bonobo angekündigt. Aber mit Blick auf das durchschnittliche Alter meiner Leserschaft verzichte ich lieber darauf. Ich will Euch schließlich angesichts des Sexuallebens dieses Affen nicht die Röte ins Gesicht treiben. 

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es gibt keine Minderjährigen in unserer Runde. Doch gerade das ist ja das Problem. Wir entstammen zumeist einer Generation, die bis zur Lektüre von Dr. Sommer vermutete, dass Kinder durch Zungenküsse gezeugt würden. Bis dieser Info-Rückstand aufgeholt war, verging mitunter viel Zeit. Einige Menschen sollen sogar heute noch an die Jungfrauengeburt glauben! 
 
Daher habe ich mir ein unverfängliches Tier ausgesucht. Ich werde streng wissenschaftlich den Bären durchleuchten. Beginnen wir mit der durch den Klimawandel besonders bedrohten Art: Dem Eisbären. Da unterscheidet man den Vanille-Eisbären vom Schoko-Eisbären, den Sauerkirsch-Eisbären vom Milcheis-Bären. Wissenschaftler entdecken in jedem Sommer neue Arten. 
 
 Eines ist allen gemein: Ihnen droht ein schneller Tod. Durch Studien konnte zweifelsfrei belegt werden, dass die durchschnittliche Schmelzdauer des Eisbären pro Kilo-Kugel-Körpergewicht seit Beginn der Messungen von 380 Sekunden auf 224 Sekunden zurückgegangen ist. Das bedeutet, dass immer mehr Eisbären der rettende Sprung von der Waffel in den Kühlschrank nicht mehr gelingt, bevor sie sich völlig aufgelöst haben. 
 
Da ist der Brummbär deutlich besser dran. In seiner Minivariante als Teddy erleidet er zwar häufig diverse Lädierungen, wird bekleckert, begossen und abgeschabt. Doch selbst einäugig behält er seinen Menschen häufig weiterhin im Blick, wenn auch diskret und für Außenstehende verborgen. Sogar ein Herr Sauer musste sich damit abfinden, das Ehebett außer mit seiner Frau Angela auch mit Teddy Bodo zu teilen. 
 
Ganz anders geht es sogenannten Problembären. Weil es sie allzu sehr zu Menschen hinzieht, werden ihre Absichten häufig fehlgedeutet. Was dazu führt, dass man Killer auf sie ansetzt. Zuletzt fiel Problembär Bruno in Bayern solch einem Auftragsmord zum Opfer. 
 
Noch härter trifft es die Gummibären. Massenweise erleiden sie ein grauenvolles Schicksal, werden in stinkende Mäuler geworfen, zerkaut und zusammen mit Pommes und Chips verdaut. Dafür rächen sie sich mit besonders ätzender Karies. 
 
An dieser Stelle will ich einen weit verbreiteten Irrtum aufklären. Der Ameisenbär gehört nämlich weder zu den Ameisen noch zu den Bären. Das beweist schon sein langer Rüssel. Der Ameisenbär zählt eindeutig zu den nahen Verwandten des Elefanten. 
 
Und was ist mit Schwarz- und Braunbären, mit Grizzlys und Pandas? Diese sogenannten Tierarten werden gern von sogenannten Experten in sogenannten Dokumentationen in sogenannten Medien dem staunenden Publikum präsentiert, weil sie so putzig sind. Weniger die Grizzlys, mehr die Pandas. Allein durch deren angebliche Ernährungsgewohnheiten entlarven sie sich jedoch als plumpe Fälschungen, die wie der Yeti ins Reich der Legende gehören. Welcher Bär, der auf sich hält, würde sich ausschließlich von Bambus ernähren? Da sagt selbst Pu, der Bär: "Puh!" 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 55 vom 13. 6. 21 

Zeitunglesen bildet. So hat diese Woche ein kleiner Nebensatz in der Dorstener Zeitung endlich eine Wissenslücke geschlossen, die mich schon lange quälte. Warum, so fragte ich mich, lassen es die Verantwortlichen zu, dass sich die Löcher in den Fahrbahndecken nicht nur mehren, sondern auch vergrößern. Dabei weiß doch jeder Laie, dass es ungleich teurer ist, ein großes Loch zu stopfen als zügig ein kleines zu schließen. 
 
Deshalb hatte ich zwei Theorien entwickelt, die mir beide halbwegs plausibel erschienen. Weil man, wie Tempolimit-Umfragen zeigen, den deutschen Autofahrer offenbar nicht zum freiwilligen Verzicht auf schnelles Fahren bewegen kann, muss der Verkehrsplaner zu verdeckten Strategien greifen. Da viele Pkw-Besitzer nichts mehr fürchten als Schäden an ihrem geliebten fahrbaren Untersatz, reduzieren sie schlagartig das Tempo, sobald ihr Auto holpert und stolpert.
 
Theorie Nummer zwei: Kommunalpolitiker haben oft Probleme, größere Ausgaben bewilligt zu bekommen, weil sie in der Regel durch neue Schulden finanziert werden müssen. Ist jedoch Gefahr im Verzug, kann sich die Aufsichtsbehörde nicht sperren. Wenn eine Straße also erst komplett marode ist, steht einem Millionenauftrag an die Bauwirtschaft nichts im Wege - und davon profitiert nicht nur die regionale Wirtschaft sondern auch der Arbeitsmarkt. 
 
Nun aber herrscht endlich Gewissheit. Zu den neuen Verfahren, die bei Starkregen Überschwemmungen verhindern sollen, zählen löchrige Verkehrsflächen. So war es schwarz auf weiß zu lesen, und so erklären sich auch die langjährigen Testversuche! 
 
Wie ebenfalls in der Dorstener Zeitung zu lesen war, wird es auch in diesem Jahr keine Bierbörse in unserer Stadt geben. Ich gehöre zu denen, die das Säufer-Festival nicht vermissen werden. Und ich teile auch die Einschätzung der Süddeutschen Zeitung, die im Streiflicht vom 11. Juni zum Ausdruck kommt: "Köln hat das laschetste, Verzeihung, lascheste Bier des Universums, das Kölsch, welches nicht ohne begleitendes Solei konsumierbar ist. Glücklicherweise wird das Bier nur in fingerhutgroßen Gläsern gereicht." (...) Zum Gedenken an den Kölner Sieg 1288 in der Schlacht von Worringen wurden ausgerechnet den Düsseldorfer das Stadtrecht verliehen. "Die verbindet mit den Kölnern zumindest das eine, dass ihr Bier, das Alt, eigentlich ungenießbar ist. Zum Gedenken an die Schlacht hat eine Brauerei nun ein Mixgetränk aus Kölsch und Alt zusammengerührt, das 'Költ 1288'. Vielleicht schicken sie dem Kardinal Woelki ja ein Probierpaket. Der Herr weiß die Seinen zu strafen." 
 
In der gleichen SZ-Ausgabe berichtet USA-Korrespondent Jürgen Schmieder über seine Erfahrungen in Kalifornien. In Los Angeles Country gebe es im Jahr zehnmal so viele Beben- tage wie Regentage. Deshalb regte sich auch kaum jemand auf, als es jetzt gleich zweimal rumpelte: Erst mit einem Wert von 3,5 auf der Richter-Skala, acht Stunden später erneut mit Stärke 3,0. Zugereiste dürfen bis zu einem Jahr ihre Angst öffentlich zeigen. Dann sollten sie so abgebrüht sein wie die Einheimischen. Schmieders Nachbar erzählte ihm, er sei beim jüngsten Beben gerade auf der Toilette gewesen: "Sein erster Gedanke war: Ich werde künftig weniger Bohnen essen."
  
"Du Esel!" "Selber Esel, Du Hornochse!" Mit solchen Beleidungen zeigen wir, dass wir nicht mehr die Jüngsten sind. Denn wenn Jugendliche sich nicht grün sind, werfen sie sich jetzt verbal Grünzeug an den Kopf, weiß SZ-Autor Titus Arnu. "'Du Lauch!', das ist kein Kompliment. Auch 'Kartoffel' und 'Gurke' sind nicht wertschätzend gemeint. Vegetarische Beleidigungen sind derzeit populär. Bestimmte Gemüsesorten haben für bestimmte Menschensorten einen so hohen Bäh-Faktor, dass sie nicht nur für Blähungen, sondern auch für Schmähungen sorgen." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 54 vom 12. 6. 21

Heute morgen fand ich auf meinem Nachttisch eine ausgedruckte Botschaft, die mit einem Pfotenabdruck unterschrieben war. "Entweder Du setzt endlich die Äsop-Kurzgeschichte in die Schmunzelpost oder ich fresse alle Deine Schafe!" Gez. Gloria

Nun besitze ich gar keine Schafe. Es sei denn, man rechnet die dazu, die ich vor dem Einschlafen zähle. Das sind immerhin Einemillionzweihundertvierundachtzigtausendsiebenhundertunddrei. Und nächtlich werden es mehr. Um Gloria die Arbeit und eine langwierige Diät zu ersparen, komme ich jedoch gern ihrer Forderung nach. Zumal der alte Grieche sowieso an der Reihe war.
 
Der Wolf und die Hirten 
 
Als der Wolf im Zelt Hirten ein Schaf verzehren sah, ging er hin und sagte: "Was würdet Ihr für einen Lärm machen, wenn ich das täte!"
 
Nach so einem tierischen Auftakt kann es nur animalisch weiter gehen. Ich habe schon einmal ein Tier-ABC verfasst (erschienen in "Wo Schweine pfeifen, Ziegen moppern und Tauben an das Gute glauben - Tiergeschichten aus dem Ruhrgebiet". Übrigens gut geeignet als kleines Geschenk und nettes Mitbringsel! Affengeil, bärenstark und chihuahuacool!).  Das versuche ich nun ein zweites Mal. Da ich mir selbst mehr Platz einräume, kann ich noch faktenreicher zur Sache gehen und Euch so mit spannenden Informationen versorgen aus dem Bereich: "Was ich nie wusste und auch nie wissen wollte, aber wenn ich es schon einmal weiß, am besten sofort wieder vergessen werde". Los geht es mit A wie Ameise! 
 
Gibt es mehr Menschen oder mehr Ameisen auf der Erde? Und welche Spezies wiegt schwerer? Welche hat den Planeten nachhaltig geprägt? Diesen Fragen - und ein paar weiteren - will ich angehen. 
 
Gleich bei Frage eins haben die Ameisen die Fühler vorn. Während wir Menschen es auf ein paar mickrige Milliarden bringen, leben mit uns, um uns herum und unter uns Billionen von Winzlingen. Allein die Zahl der Ameisenarten wird derzeit auf 13.900 geschätzt. 
Und die Masse macht's. Auch wenn Menschen etliche Kilos mehr auf die Waage bringen, vermuten Wissenschaftler, dass wir alle zusammen gegen sämtliche Ameisen der Welt vom Gewicht her mit Ach und Krach ein Unentschieden hinbekämen. 

Bei der dritten Frage triumphieren ganz klar die Ameisen. Im Vergleich zu ihnen sind wir Menschen Eintagsfliegen. Ameisen verrichten schon seit Abermillionen Jahren zu Zeiten der Dinosaurier ihr Tagewerk. Sie belüften den Boden, beseitigen schädliche Insekten, die sonst alles kahlfressen würden und befreien vor allem die Welt von verderblichen, toten Resten. Kurzum: Während wir uns alle Mühe geben, unseren Planeten in möglichst kurzer Zeit auszubeuten und zu ruinieren, setzen Ameisen seit Ewigkeiten auf Nachhaltigkeit und sind so für die Erde viel nützlicher als Menschen. Das sollte man auch bei der Bewertung sogenannter Intelligenz miteinbeziehen. 

Ein wichtiges Merkmal der Intelligenz ist die Kommunikation? So, so! Punktabzug für uns gibt's allein schon wegen des Handy-Gequassels. Und wer behauptet, dass Ameisen nicht kommunizieren könnten? Sie beherrschen sogar zwei Methoden. Die eine funktioniert mittels Gerüchen. Ameisen haben Drüsen am Körper, mit denen sie Gerüche erzeugen, ihre chemischen Vokabeln. Damit können sie Fragen stellen ("Wo, bitte, geht's zur Königin?"), Alarm auslösen ("Wir werden angegriffen!") oder Informationen weitergeben ("Dahinten ist dem Michael schon wieder die halbe Currywurst von der Gabel gefallen!").

Bei Menschen, hört man, wird die Info-Übermittlung durch Gerüche auch schon seit langem versucht, ist aber über das Anfangsstadium noch nicht hinausgekommen. Ob schwere Parfüms oder ungewaschene Socken - ich würde ohnehin sagen: Mir stinkt's! 

Auch die zweite Verständigungsmethode der Ameisen ist für Menschen nur eingeschränkt empfehlenswert. Ameisen benutzen dazu ihre Fühler und geben wie mit einem Morsealphabet Nachrichten weiter. Aber ehrlich: Möchtet Ihr, dass ich Euch auf dem Kopf herum trommele, um mitzuteilen, ich habe etwas richtig Leckeres zu essen entdeckt? Und dann eine Kostprobe hervorwürge, damit Ihr mal probieren könnt? 

Ja, Ameisen haben viele verschiedene Begabungen, oft von einzelnen Arten für spezielle Umgebungen entwickelt. So rennt die Wüstenameise mit ihren dünnen Beinen so schnell (1 Meter pro Sekunde), dass ihr die Hitze nichts ausmacht und sie die Leichen der in der Sonne verdorrten Käfer einsammeln und verzehren kann. Und die Honigtopf-Ameise kann ihren Hinterleib auf die Maße eines großen Ballons vergrößern und darin Zucker aufbewahren, um ihr Volk in kargen Zeiten zu ernähren. Darauf sind die Bienen bis heute nicht gekommen! 
 
Doch das Ameisenleben hat auch Schattenseiten. Die Ameisen sind die Lutheraner unter den Insekten. Ständig malochen, aber im Grunde freudlos dahin vegetieren. Denn Sex haben 99,9 Prozent der Ameisen, die Arbeiter und Krieger, überhaupt nicht. Und die Männchen gehen zwar auf Hochzeitsflug und können sich, wenn sie viel Glück haben, einmal mit einer Königin paaren. Doch nach ein paar Tagen geben sie bereits den Löffel ab. 
Die Königin hat es kaum besser. Nach der Hochzeit hat sie genug Spermien für bis zu 150 Millionen Geburten gesammelt und kann im Idealfall noch 30 Jahre leben. Aber in Einzelhaft und der steten Sorge, irgendwann durch eine jüngere, gebärfreudigere Nachfolgerin ersetzt zu werden.

Nee, nee, da wünsche ich mir eher eine Wiedergeburt als Bonobo. Doch dazu mehr im Kapitel B! 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 53 vom 11. 6. 21

"Hömma, Karl, da issa wieda, der Frührentner von unten! Kumma, der holt seinen Rasenmäher. Ich glaub, der will wat im Gatten tun. Ach, et gibt nix Schöneres für uns Rentner wie annere Leute beie Abeit zuzukucken! Kann ma prima sein Senf beigeben, strengse Dich nich an un siehs, wie annere malochen müssen. Kumma, getz geht dat los: Er räumt schon die olle Liege wech. Doch wat is dat? Getz lecht er sich da rein! Wat is dat denn fürne Abeitsmoral? 
 
Hömma, Karl, getz tut sich endlich wat. Ich hab schon gedacht, der Kerl is abgenippelt. Liecht er da glatt 'ne volle Stunde 'rum! Abba getz hat er sein Rasenmäher angeworfen. Und er mäht auch 'ne Bahn! Abba wat is getz schon wieda? Der lecht sich schon wieda hin! Is dat überhaupt erlaubt, nache Gattenordnung oder so? Seine Olle sacht ihm auch ein paar Takte. Abba dat kratzt den gahnich. Hömma, Junge, so wird dat nix! Bald is Dein Gras ein Meter hoch, ich hör es schon hier oben wachsen! 
 
Hömma, Karl, is schon wieda ne Stunde rum? Jedenfalls schnippelt er getz mit sonne Gattenschere am Rand 'rum. Nee, nee, Junge, so wird dat nix. Da kannze au glei 'ne Nagelschere nehm. Ja, bravo, da lecht er dat Ding auch schon wieder wech. Und ich glaub, ich kuck nich richtich: Getz macht er auch noch 'ne Pulle Rotwein auf. Dat ham wir gerne: Saufen bei die Abeit. Is eigentlich noch Bier im Kühlschrank? 
 
Getz habbich schon drei Pülleken intus und der süppelt imma noch an sein Rotwein rum. Da, getz ist die Flasche leer. Und er nimmt sein Rasenmäher in die Hand. Dat ich dat noch erleben daaf! Wie, dat Ding is schon wieda aus? Nee, nee, der is nich kaputt, Du bis bloß an dat Stromkabel gekommen un hass mittem Fuss den Stecker gezogen. Mann, wie blöd kann man sein! Oder war dat Absicht? 
 
Und wat is getz? Nach dem Palaver mit die Olle? Getz nimmt er tatsächlich wieda die Nagel-, äh, die Gattenschere un schneidet 'n paar Hälmkes ab. Och, kuck ma! Getz hat er 'n Blümken erlecht! Wie, zu dunkel, die Sonne geht unter? Dat dämmert doch höchstens bei Dich inne Birne! Is doch bloß 'ne Wolke, dat is noch zwei Stündkes hell. Nix, getz geht er rein. Sonne faule Socke! 
 
Hömma, Karl, wat soll bloß aus unsere Rente werden, wenn die junge Leute alle sonne Abbeitsmoral ham. Pass auf, in zwölf Jahre, mit hundert, da muss ich wieda selba ran! Abba einz schwör ich Dich nackend auffe Hand: Dem sein Gatten mäh ich nich!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 52 vom 10. 6. 21

 

Zunächst noch eine Kelle aus dem Topf mit besonders kurzen Kurzgeschichten. Der Dialog zwischen Frau und Mann mit himmlischer Einmischung stammt von David Lodge:
 
"Apfel?"
"Nein."
"Probier ein Stück!"
"ADAM?"
O Gott.
 
Nicht ganz so alt sind Kalauer, von denen man sagt, sie hätten "so einen Bart". Nur, weil sie gut abgehangen sind. Die personifizierten Bärte der Rockgeschichte sind für mich jedoch bei ZZ Top. Die Blues-Band aus Texas hat einige grandiose Songs abgeliefert und gehört zu meinen Favoriten, wenn mir nach lautstarker Musik zumute ist. Dabei ist das Trio eigentlich, wie Max Fellmann in der SZ feststellt, ein Riesenwitz: "Zwei Typen mit absurd langen Bärten  - und der dritte Mann heißt Frank Beard." Und auch sonst sind sie etwas eigen: "Bassist Dusty Hill hat sich mal in den Bauch geschossen, weil ihm sein Revolver aus dem Stiefel gefallen ist (fragen Sie nicht)."
 
Gut, dass in Westfalen nur normale Menschen zuhause sind. Davon berichtet das folgende Gedicht:
 
Die Ballade von der harten Gartenarbeit - und warum sie sich etwas hinziehen kann 
 
"Dieser Rasen macht mich rasend!"
"Hol Dir doch ein Schäfchen - grasend, 
ich hör' es schon im Garten mäh-en." 
"Nix! Für Dich heißt's Rasen mähen." 
 
"Sie müssen jegliche Belastung meiden!", 
sprach mein Arzt - ich mag ihn leiden. 
Gartenarbeit ist hochriskant, 
geh's langsam an, mit Sinn und Verstand. 
 
Total im Weg steht die Gartenliege, 
schau, wenn ich sie zu fassen kriege, 
beginne ich sofort zu schnaufen. 
Du musst Dir nicht die Haare raufen, 
ich will mich nur ganz kurz erholen, 
um dann den Rasen zu versohlen. 
 
Der Rasenmäher macht brumm, brumm 
und da - der erste Halm fällt um! 
 
Doch plötzlich sind da diese Schmerzen, 
ich glaube fast, die sind von Herzen. 
Kein Zweifel, ich brauch' nun 'ne Pause. 
Ein Stündchen nur - ich schwör's: Klaus Krause. 
 
Die Rasenschere macht schnipp-schnapp. 
Hurra! Der zweite Halm fällt ab! 
 
Komm, Schatz, lass Dich nicht verdrießen, 
wir wollen den Erfolg begießen 
mit einer Flasche roten Weines. 
Das Tröpfchen ist was wirklich Feines! 
 
Nanu? Was ist das? Flasche leer? 
Wo kommt der Trappatoni her? 
Na gut, für Dich gibt's frohe Kunde, 
ich glaub', ich mäh' die nächste Runde. 
 
Ritsch, ratsch, der dritte Halm muss weichen. 
Der Mäher streikt, das ist ein Zeichen 
an dieser Stelle kurz zu rasten. 
Gute Arbeit braucht kein Hasten. 
 
Schon gut! Komm runter von der Palme. 
Schau her! Ich kappe gleich drei Halme! 
Doch was ist das? Beginnt's zu dämmern? 
Kein Grund, den Kopf vor die Wand zu hämmern. 
 
Liebe Halme, macht Euch keine Sorgen, 
fallt Ihr nicht heute, fallt Ihr morgen! 
(Vom Monat hab' ich nichts gesagt) 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 51 vom 9. 6. 21

Ob noch Suppe da ist, weiß ich nicht. Aber es sind noch kurze, sogar ganz kurze Geschichten da. So wie diese von Anna Stothard, die nicht nur Tintenhühner interessieren dürfte. 
 
"Nach Zigaretten hatte sie kein Verlangen mehr, bemerkte Emma, aber das dringende Bedürfnis, sich unter ihren Schreibtisch zu hocken und ein Ei zu legen. Leise vor sich hin gackernd fragte sie sich, ob es vielleicht etwas unbesonnen gewesen war, einem Mann zu vertrauen, auf dessen Visitenkarte die Worte 'Hypnotiseur' und 'Komiker' standen." 
 
Ob diese Geschichte eine Chance bei den Olympischen Spielen gehabt hätte? Nein, Corona ist mir nicht auf's Hirn geschlagen. Es gab tatsächlich eine Zeit, in der die sportlichen Disziplinen durch Medaillen für Dichter und Denker ergänzt wurden. Weil Pierre de Coubertin, der Gründer des Internationalen Olympischen Komitees, als Präsident des Gremiums von 1912 bis 1948 neben Sackhüpfen auch Literaturwettbewerbe ins Programm hob. Ihm ging es dabei um einen ganzheitlichen Ansatz, die Einheit von Körper und Geist. Nur schade, dass auch in dieser Einheit bereits Raum für schmutzige Tricks gewesen ist. 
 
Wie das funktioniert, so ein literarisches Foulspiel? Etwa unfaire Vorteile erzielen durch gekonntes Abschreiben? Oder Bestechung von Preisrichtern? Nein, es geht auch subtiler. Das zeigt der Fall der ersten Goldmedaillen-Gewinner. 1912 war für das deutsche Kaiserreich das Autorenduo Georges Hohrod und Martin Eschbach angetreten. Und mit dem Gedicht "Ode an den Sport" gelang ihm der Sprung nach ganz oben aufs Siegerpodest. Die ersten Zeilen des Meisterwerkes lauteten: "Oh, Sport! Du Göttergabe, Du Lebenselixier, der fröhlichen Lichtstrahl wirft in die arbeitsschwere Zeit..." 
 
Der fröhliche Lichtstrahl verglimmte nach sieben Jahren in dunkler Gewissheit: Das Autorenduo gab es gar nicht! IOC-Präsident Coubertin hatte höchstpersönlich zur Feder gegriffen, um die Konkurrenz in den arbeitsschweren Zeiten von den Mühen der Siegesfeiern zu entlasten. Weitere 70 Jahre dauerte es übrigens, bis Coubertins Pseudonym entschlüsselt werden konnte. Hohrod und Eschbach-au-Val sind Nachbargemeinden des elsässischen Heimatortes von Coubertins Ehefrau. 
 
Und ist der Ruf erst ruiniert: Es besteht kaum Aussicht, dass auch in Japan Medaillen für Literatur vergeben werden. Wahrscheinlich würde sowieso ein Haiku gewinnen. Mit einem Schmunzelpost-Text könnte ich ohnehin nicht antreten. Auf der Liste der leistungsfördernden und daher verbotenen Substanzen steht leider auch Rotwein. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Die Sache mit der Kürze zieht sich in die Länge. Auch Manni hat dazu noch Ergänzungen: Ich habe noch einen kurzen Witz, kürzer als die sich treffenden Jäger: "Tünnes, dinge Frau betrüüscht ons!" (fünf Wörter). Der kürzeste Satz der Welt besteht nur aus einem Buchstaben. A sagt: "Eo!" (lateinisch für "Ich gehe!") B antwortet mit dem Imperativ: "I!" ( " Geh! "). 
 

Schmunzelpost 50 vom 8. 6. 21

Mich kann offenbar nichts so schnell schocken. Was einerseits gut ist, andererseits aber auch Nachteile hat. Zum Beispiel, wenn sich mein Herz über die Elektroschock-Behandlung kaputt lacht und beim Kontrolltermin schon wieder außer Rand und Band ist. Deshalb muss ich erneut ins Krankenhaus, damit der Nerv, der die falschen Impulse gibt, verödet wird. Ich hoffe, Ihr seid nicht zu sehr geschockt, aber deshalb fällt die heutige Schmunzelpost etwas kürzer aus. Ich musste mit Telefonaten und Mails diverse Arzt- und Impftermine neu ordnen. Am Ende kam heraus, dass erst die zweite Astra-Seneca-Spritze wirken soll, bevor ich ab dem 7. Juli stationär behandelt werde. 
 
Heute mache ich aus der Not eine Tugend. Was ergeben zwei nachgereichte Fundstücke und drei Leserreaktionen? Genau, eine Bruchstücke-Schmunzelpost. Insofern war es gut, dass der "Spiegel" wieder erst am Montag eintraf. (Habe ich schon mal über die Post gemeckert? Ja, wirklich? Egal. Auch über die "rote Welle" in Dorsten kann man gar nicht oft genug schimpfen.) 
Denn der "Hohlspiegel" enthält wieder mehrere Perlen unfreiwilligen Humors. So schrieb ein Literaturexperte im Bautzener "Mitteilungsblatt": "Zu seinen bekanntesten Werke gehören Nathan D. Weise und Emilja Gallott." Ich vermute, es ging um Lessing. 
 Und alle Gender-Fans sind entzückt vom Aufdruck auf einem Eierkarton: "Mit dem Kauf dieser Eier unterstützen Sie eine Initiative zur Aufzucht männlicher Legehennen." 
 
Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom 5./6. Juni gab es eine Breitseite gegen Dennis Scheck, den viel beschäftigten TV-Literaturkritiker, der mich schon seit geraumer Zeit ärgert. Scheck hat die Angewohnheit, sich an Autoren und -törinnen die er schätzt, in der Anschleimphase derart 'ranzuwerfen, dass ich jede Sekunde damit rechne zu sehen, dass er aus einem Ohr oder Nasenloch der Person wieder hervorkommt. Außerdem finde ich die herablassende Art, mit der er Bestseller in den Müll wirft, wenn sie ihm nicht gefallen, völlig fehl am Platze. Ja, es ist manchmal Schrott darunter. Aber viele Bücher, die den individuellen Geschmack eines Kritikers nicht treffen, sind dennoch mit Mühe recherchiert, geschrieben und lektoriert worden. Verfasser und Team verdienen zumindest Respekt. 
 
Das sieht auch Johanna Adorjan so, die Dennis Scheck in der "Süddeutschen" aufs Korn nimmt. Zudem kritisiert sie eine weitere Unart. Seit Jahren reist Scheck kreuz und quer durch die Welt, um an ungewöhnlichen Orten, etwa auf einem Stuhl in der Brandung des pazifischen Ozeans zwei Minuten lang über ein Buch oder einen Schriftsteller zu sprechen. Sein neuestes Hobby: Er reitet. Zum Beispiel mit Judith Zeh. Johanna Adorian: "Dabei unterhalten sich die beiden über Literatur. Von Pferd zu Pferd. Warum? Was kommt als Nächstes? Frage an alle Verlage: Haben Sie Schriftsteller mit Outdoor-Können im Programm? Beim Windsurfing mit Dennis Scheck über Literatur reden? Beim Klettern? Bungee-Jumping?" 
 
Rudern mit Daniel Kehlmann gab es tatsächlich schon. Und mit Frank Schätzing ging es in den Kölner Zoo. Mit anderen in ein Palais oder ein "penetrant modernes Hotel-Penthouse. (...) Warum muss um Denis Schecks Literaturgespräche immer so ein Ausstattungs-Brimborium gemacht werden?", fragt die genervte Johanna Adorjan. "Wann immer ich eine Literatursendung mit Denis Scheck sehe, sehne ich mich nach Menschen, die in einem weitgehend undekorierten Fernsehstudio im Lichtkegel von Scheinwerfern sitzen, während sie miteinander sehr konzentriert reden, von mir aus auch zwei Stunden lang über ein einziges Buch." 
 
Jetzt zu Reaktionen und Anmerkungen. Zur besonders kurzgefassten Schmunzelpost ergänzte Raimund: Erinnert mich an einen der kürzesten Thriller/Witze: Treffen sich zwei Jäger - beide tot!
  
Von Martin gibt es einen weiteren Nachtrag:  

Nicht nur kurze Geschichten und Briefe erfordern viel Überlegung, auch kurze Gedichte, die alles sagen. Und ein Thema, zu dem es bestimmt -zig -zig -zig riesenlange Balladen gibt, ist die Liebe. Dazu gibt es aber zwei Beispiele, die in sehr kurzer Form kaum überbietbare Liebeserklärungen darstellen: 
 
1. Aus dem Menschenfeind von Molière: 
So der König mir böt'
seine Hauptstadt Paris,
wenn entsagen ich tät',
meine Liebste verließ,
spräch zum König ich gleich:
"Bester Sire, o vergib!
Für Paris, für dein Reich
ist mein Lieb mir zu lieb!" 
 
2. Verfasser unbekannt (Ende 12. Jhdt.): 
Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist das sluzzelîn:
dû muost ouch immêr darinne sîn. 
 
Auch Witze können ultrakurz und doch treffend hoch 10 sein. So gibt es einen kurzen DDR-Flüsterwitz, der in knappster Form die Misere der 40jährigen DDR-Wirtschaft beschreibt und zudem noch ein Witz-Grundmuster nutzt, nämlich das des zerstreuten Professors: 
Ein Professor steht vor der DDR-Kaufhalle, guckt in seine leere Einkaufstasche und sagt: "War ich nun schon drin oder nicht?"
  
Und zu den Fundstücken schrieb Andreas: "Immer wieder sonntags … kam für mich als Kind damals – weil Cindy und Bert wohl etwas undeutlich sangen oder unser Plattenspieler rauschte – nicht die Erinnerung, sondern die Erindero. Es war die Zeit, als auf jeder Poststelle die Fahndungsplakate der Baader-Meinhoff-Bande hingen. Deshalb fragte ich mich, ob Erindero und R.A.F. irgendetwas miteinander zu tun hatten. Ob die R.A.F. damals immer sonntags zuschlug, weiß ich nicht. Aber für meine Ohren waren Cindy und Bert auf jeden Fall auch eine Bedrohung." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 49 vom 7. 6. 21

Immer wieder Sonntags... - nein, da höre ich keine Schlager, da schaue ich nach Schlagzeilen und kuriosen Zeitungstexten. Auch diesmal habe ich wieder zwei gefunden. 
 
Wisst Ihr, wo nach eigener Aussage die gesetzestreusten Bürger zu finden sind? Im Knast! Das ist jedenfalls das Ergebnis zweier Studien, mit denen sich die Süddeutsche Zeitung in ihrer letzten Wochenendausgabe beschäftigte. Danach gaben die befragten Gewalttäter, Einbrecher und Sexualstraftäter zu Protokoll, dass sie moralischer, netter, kontrollierter, großzügiger, ehrlicher und vertrauenswürdiger seien als der Bevölkerungs-Durchschnitt. 
 
Tja, mag sein. Schließlich neigen wir alle dazu, gnädig über unsere Mängel hinweg zu schauen, die Fehler unserer Mitmenschen jedoch aufmerksam zu registrieren. Und, Hand aufs Herz, warum sollte jemand, der hinter Gittern sitzt und möglichst frühzeitig als gut resozialisiert aus der Haft entlassen werden möchte, den Interviewern erzählen, dass er im Grunde seiner Seele ein Schuft ist und in Wahrheit ganz andere Dinge im Sinn hat? 
 
Wie gesagt, ob Knastschwester oder Gebrauchtwagenverkäufer, wir belügen nicht nur andere gern, sondern auch uns selbst. Wie könnte es sonst sein, dass fast alle Autofahrer (oder gendergerecht: motorisierte Fahrzeuge Lenkende) glauben, sie könnten dies besser als die meisten, die unverfroren unsere Straßen nutzen? Selbst Journalisten neigen bekanntermaßen zur Selbstüberschätzung. Alle? Nein, ich bin eine Ausnahme. Ich bin wirklich so gut! 
 
Mein zweites herausragendes Fundstück entdeckte ich einmal mehr in der SZ-Streiflicht-Kolumne von 5. Juni. Zwar sei die vermaledeite Corona-Zeit immer noch nicht ganz vorüber, hieß es da, aber es gebe untrügliche Zeichen, dass die Normalität immer näher rückt. Ein ganz wesentliches Indiz sei das Auftauchen der Sommerfauna auf deutschen Zeitungsseiten: "Es ist ermutigend, wenn in das nervtötende Einerlei von Inzidenzwerten, Virusvarianten und Querdenker-Quatsch endlich wieder Nachrichten von ausgebüxten Kängurus einfließen. Zusammen mit Ungeheuern wie dem 1994 untergetauchten Kaiman Sammy ("Die Bestie vom Baggersee") oder der grauenhaften Monsterschildkröte Lotti aus dem Oggenrieder Weiher gehören Kängurus zu jener Spezies von Tieren, die mit ihrem Freiheitsdrang und ihrem anarchischen, die Grenzen der Achtsamkeit und des friedlichen Zusammenlebens gelegentlich überschreitenden Wesen uns Menschen über die langweiligen Sommermonate hinweghelfen. (...) 
 
Ausreisserkönig ist zweifellos das Känguru, das sich auch leichter tut, über einen Zaun zu springen, als beispielsweise ein Hängebauchschwein. Angeblich ist Australien die Heimat der Beuteltiere. Die immense Zahl der Känguru-Sichtungen hierzulande legt aber den Schluss nahe, dass mittlerweile mehr von ihnen in Deutschland leben. Natürliche Feinde haben die Pflanzenfresser hier keine - außer Sammy und Lotti." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Hier noch ein Nachtrag von Martin zur kurzgefassten Schmunzelpost vom 5. Juni:  Genauso schwierig, wie eine kurze treffende Geschichte zu schreiben, ist das Verfassen eines kurzen guten Briefes. Eine berühmte Briefeschreiberin hat einmal an jemanden geschrieben: 
"Verehrter Herr X., bitte verzeihen Sie, dass ich Ihnen einen so langen Brief schreibe; ich hatte keine Zeit, einen kurzen zu schreiben." 
 

Schmunzelpost 48 vom 6. 6. 21

Als am Samstag dunkle Wolken aufzogen, führte mein Nachbar, der alte Herr K., erneut auf seinem Balkon ein Selbstgespräch.
 
Herr K. blickt in die Welt (4) 
 
"Hömma, Karl, glaubse, dass et gleich richtich schüttet? Aba ich mein, dat is gahnichs dagegen, wie morgen die Genossen im Regen stehn! Bei de Wahl in Sachsen-Anhalt. Wie begossene Bernardiener! Oder war'n dat Pudel? Is' egal, sie heulen dann doch imma dat selbe inne Mikros: 'Zunächst möchten wir uns bei alle unsere sieben Wähler für ihr Vertrauen bedanken. Und bei unsere Mitglieder und Kandidaten, die einen tollen Wahlkampf geführt haben. Leider ist das große Angagement vom Wähler schon wieder nicht honoriert worden. Getz ma ährlich: Wir wissen doch auch nich, woran dat liecht! Immerhin konnten wir nach den letzten Umfragen noch zulegen und sind nich' im Promille-Bereich, sondern bei den Prozenten gelandet. Es geht also aufwärts! Daraus sollten wir Mut für die Zukunft schöpfen! Und unser Abgeordneter Heinz Fürchtegott Implinski-Rödelbach wird kraftvolle Oppositionspolitik machen!'
 
Oh, Mann, Karl, wat warn dat noch Zeiten, als wir in die 60ziger und 70ziger Wahlkampf gemacht haben: "Willy wählen!" Schon unser Oppa und unser Vatta war'n ja Sozis. Für Malocher auf'n Pütt gab's ja früher nix anneres, dat Parteibuch wurde Dir mit dem Mitgliederausweis von Schalke 04 in die Wiege gelecht. Und wir hatten echte Karakta-Köppe anne Spitze: Den Willy, den Herbert und den Helmut! 
 
War'n ja allet kernige Kerls, damals. Weisse noch, wie unser Nachbar, der Dietmar, seine Hühner genannt hat? 'Put, put, put, Annemarie, put, put, put, hier is Dein Abendessen. Put, put, put, Lieselotte, hier krisse auch noch 'n paar Körnkes.' Und sein Hahn hatter Helmut Schmidt getauft. Hömma, wenn heute die Malu Dreyer spitzkriechte, datt einer die Annemarie Renger und die Lieselotte Funcke als doofe Hennen behandelt hat, da würden dem Dietmar seine Federn aba ordentlich fliegen!
 
Hahn Helmut war gahnich so verkehrt. Nachdem, wat hinterher so allet ans Licht kam, hat er seine Loki nich immer die Treue gehalten. Vielleicht hat er deshalb so viel gequarzt, um dat zu vernebeln. Aba der Willy war auch kein Heiliger. Vonne Konkurrenz ganz zu schweigen. Ich versteh ja nich, warum se heute den Franz-Josef so verherrlichen tun. Die Frauengeschichten sind mir egal, solange einer nich' selbs eiserne Treue predicht wie seine Scheinheiligkeit Helmut Kohl. Aba mit die ganzen Affären und die Korruption von dem Strauß, da müssten heute ganze Kabinette zurücktreten! Jetzt dagegen prallt nur an einem alles ab: Manchmal denk ich, der Andreas Scheuer is die Wiedergeburt vom Franz-Josef. Aba nur, wat die Taubheit gegen Rücktrittsforderungen betrifft. Wat die Schlitzohrigkeit angeht, is dat der Söder. Der hat sich auch noch die Untugend vom alten Adenauer geklaut: Wat kümmert mich mein Geschwätz von gestern! 
 
Auffe andere Seite, Karl, mal ganz ährlich: Dat ist doch kein Wunder, dass heute niemand, derse noch alle auffe Latte hat, Politiker werden will. Du sollst nicht nur ein Heiliger sein, sondern auch ein Allwissender. Du darfst Dir keinen Fehler erlauben und kein falsches Wort sagen. Und Du sollst es allen recht machen, sonst rauschen Dir die Shit-Storms um die Ohren, datte Dich gahnich so schnell reinwaschen kannst, wie der Dreck an Dir hängen bleibt. Nee, nee, wir sind selber schuld, dat die Auswahl an gute Leute inne SPD imma dünner wird. 
 
Getz liefern wir uns sogar ein Wettrennen mit die katholische Kirche: Wer am schnellsten seine Mitglieder vergrault! Wenn dat so weiter geht,  dat immer mehr ihr Parteibuch abgeben, dann kommen wir bald ganz groß raus. Ich seh schon die Schlachzeilen: Karl König, der letzte Sozialdemokrat feiert sein hundersten Geburtstag. Und dann trete ich zur Kanzlerwahl an: Endlich mal ein SPD-Kandidat, der meine Interessen zu 100 Prozent vertritt!" 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 47 vom 5. 6. 21

 

Stammleser der Schmunzelpost wissen, dass es mir mitunter schwer fällt, mich kurz zu fassen. Um bei anderen abzugucken, wie man das besser hinkriegt, habe ich mich in der Literatur umgesehen. Hier folgen einige der angeblich knappst formulierten Geschichten der Welt.
 
Lesebuchgeschichte

Als der Krieg aus war, kam der Soldat nach Hause. Aber er hatte kein Brot. Da sah er einen, der hatte Brot. Den schlug er tot. "Du darfst doch keinen totschlagen," sagte der Richter. "Warum nicht?", fragte der Soldat.  Wolfgang Borchert

Diese Geschichte zerstört sich in sieben Sekunden selbst

Sagt der Anfang zum Ende der Geschicht: Du gefällst mir nicht. Sagt das Ende zu dem Start: Wer mit sowas anfängt, hat's auch hart. Sagt die Mitte zu den beiden: Ich kann keinen von Euch leiden, lasst mich raus. Damit ist die Geschichte aus.   Christoph Poschenrieder
 
 
Karl Kasimir Karnickel geht fischen. Er hat keine Erlaubnis. Wen kümmert's? Im See sind keine Fische.   Tomi Ungerer
 
 
Er hatte so ein schlechtes Gedächtnis, dass er vergaß, dass er ein schlechtes Gedächtnis hatte, und anfing, alles zu behalten.  Ramon Gomez de la Serra


Ein Telefonanruf

Als das Telefon nicht klingelte, wusste ich, dass Du es warst.     Dorothy Parker


Sommer in Schweden. Im vorigen Jahr war es ein Montag.     Kurt Tucholsky
 
 
Wir haben heuer mal eine Weltreise gemacht. Aber ich sag's Ihnen gleich, wie es ist: Da fahren wir nimmer hin!   Gerhard Polt


Seine Methode war immer dieselbe. Er strangulierte seine Opfer von hinten, wenn sie am Compu-            Joey Goebel       
           
 
Gelernt ist gelernt

Klaus-D. Krause beschloss, sich kürzer zu fassen. Um das zu hinzubekommen, las er kurze Geschichten. Danach sagte er: "Ich habe die Lektion gelernt und schreibe nur noch kurze Texte." Dann las er wieder Märchenbücher.   kdk
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ergänzung von Lisa zur feiertäglichen Schmunzelpost: 
 "Karfreitag ist doch ein Feiertag und er ist ja auch in Tunerkreisen als Car-Freitag bekannt. Viel besser finde ich noch die Antwort einer Passantin in der Kölner Fußgängerzone auf die Frage: ,Wissen Sie, was an Karfreitag passiert ist?' Antwort: ,Ich glaube, da wurde Jesus erschossen.' “
 

Schmunzelpost 46 vom 4. 6. 21 

Schon wieder ein Feiertag! Langsam verlieren wir Rentner die Übersicht. Vor allem auch, weil wegen Corona ohnehin die Unterschiede zwischen den Tagen verwischen. 
 
Fronleichnam gehört für mich nicht unbedingt zu den selbst erklärenden Feiertagen. "Heilige Drei Könige" oder "Tag der Arbeit", da weiß jeder sofort, woran er ist. Aber Fronleichnam? Auch die respektlose Verballhornung gibt keinen Aufschluss. Generell ist jedoch selbst religiöses Grundwissen auf dem Rückzug. Bei Straßenumfragen, was denn zu Ostern gefeiert wird, kam mehrfach die Antwort: "Da ist doch Jesus geboren, oder?" 
 
Immerhin ist Fronleichnam ein Feiertag, von dem auch wir Westfalen profitieren. Ansonsten schauen wir mitunter neiderfüllt nach Bayern oder Sachsen-Anhalt, wo mehr arbeitsfreie Tage im Kalender stehen. Und ich habe darüber hinaus mal nachgesehen, was in nächster Zeit in anderen Ländern ansteht. Da dürfen sich als nächste die Iren freuen: Am 7. 6. begehen sie den June Bank Holiday. Was das mit einer Bank zu tun hat, bleibt schleierhaft. Bis 1973 hieß der gesetzliche Feiertag am ersten Juni-Montag "White Monday", er soll der Bevölkerung ermöglichen, den Frühlingstag für Sport und Kultur zu nutzen. 
 
Klar ist dagegen der Hintergrund des Feiertags in Libyen am 11. Juni. Trotzdem gibt der "Tag der Vertreibung der US-Army" Rätsel auf. Sind die Libyer heute etwa gar nicht Partner der USA und der NATO? Oder haben sie den Sturz von Machthaber Saddam Hussein zwar akzeptiert, seinen Feiertag aber dankend behalten? Dann plädiere ich dafür, in NRW den französischen Nationalfeiertag in die Liste unserer Feiertage aufzunehmen. Schließlich war Napoleons Bruder um 1810 König von Westfalen! 

 Noch zwei weitere Gründe zum Feiern: In Island steht am 17. Juni der "Islenski Pjoölatiöordongarin" an. Weiß der Teufel, was das bedeutet. Wohl nicht "Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953". Und auch, was die Algerier uns mit der merkwürdigen Formulierung ihres Feiertags am 19. 6. sagen wollen, überlasse ich Eurer Interpretation: "Tag der Revolutionären Aufrichtung". Vielleicht haben sie ja einen Übersetzungscomputer ans Werk gelassen. 
 
Zum Schluss noch ein Blick nach Andorra. Ist der Zwergstaat in den Pyrenäen von Rheinländern unterwandert? Oder haben sogar Beate, Anne und Christa ihre Hände im Spiel? Jedenfalls ist der Rosenmontag dort offizieller Feiertag! Was heißt eigentlich Helau auf Katalanisch? Aber da kann mich ja bei Beate, Anne oder Christa erkundigen. Nur noch eine letzte Frage an die gesamte Runde: Wisst Ihr, dass der Rosenmontag überhaupt nichts mit Blumen zu tun hat? Der Begriff leitet sich ab von "rasen" im Sinne von toben und passt daher auch viel besser zum Karneval. 
 
So, allmählich nähert sich der Feiertag dem Ende. Doch was kümmert das uns? Für uns Rentner ist schließlich jeder Tag ein Feiertag! 
Hoch die Tassen! 
kdk  

Schmunzelpost 45 vom 3. 6. 21

War das nicht schön? Ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch! Und in Dorsten darf die Außengastronomie seit gestern wieder ohne Testnachweis genutzt werden. Da blühen nicht nur Renter auf!
 
Sie werden aber auch faul. Lieber im Garten abhängen und dem Gezwitscher der Vöglein und dem Summen der Bienen lauschen, als drinnen in Büchern für die Schmunzelpost recherchieren. Aber auch tierische Geräusche bescheren Ideen. Da wäre zum einen die Neigung der Schweizer, Tiere mit ulkigen Bezeichnungen auszustatten. Ihr erinnert Euch an den Donnergugi? Damit kennt Ihr bereits den Hirschkäfer. Doch was ist ein Flickflauder? Oder ein Fudi? Oder eine Färlisou? Bevor Euch Schmetterlinge (Flickflauder) durchs Hirn flattern und den letzten die Fudi beißen, sage ich Euch lieber gleich, dass eine Färlisou ein Mutterschwein ist. Weiter verarbeitet kann sie Dir auf dem Teller auch als, phonetisch besonders gelungen, Gnagi (Eisbein) begegnen.
 
Weit weniger wohlklingend wird es, wenn sich Behörden mit der Tierwelt und ihren Begleitprodukten befassen. Es klingt zwar ohnehin abwegig, doch vom fremden Hundekot sollte man besser die Pfoten lassen. Denn: "Nach dem Abkoten bleibt der Kothaufen grundsätzlich eine selbstständige bewegliche Masse, er wird nicht durch Verbinden oder Vermischen untrennbar Bestandteil des Wiesengrundstücks, der Eigentümer des Wiesengrundstücks erwirbt also nicht automatisch Eigentum am Hundekot." Gut zu wissen. Ich wäre sonst in Versuchung geraten, mit fremder Hundescheiße ein Vermögen zu machen.
 
Manchmal haben Amtsschimmel und Bürohengste schlicht einen Stich. So forderte der Landkreis Gießen vor einigen Jahren von einem 80-jährigen, der in seinem Garten einen Freistand für fünf Bienenvölker errichten wollte, eine Baugenehmigung. Mehr noch: Zusammen mit dem ausgefüllten Antrag sollte der Freizeit-Imker noch eine Architektenzeichnung und einen Lageplan vom Katasteramt vorlegen. Die Behörde scheiterte vor Gericht. Unglaublich, aber wahr: Bienen brauchen hierzulande zum Wohnen keine Genehmigung.
 
Viele, die dem Vaterland gedient haben (und andere, die dies verweigerten) kennen den Spruch: "Er ist kein Mensch, er ist kein Tier, er ist ein Panzergrenadier!" Wie wir seit längerem wissen, arbeitet aber auch eine ganz besondere Sorte Mäuse im Materialbeschaffungsamt und dem Verwaltungsapparat der Bundeswehr. Unbekannt ist, wer sich um die deutsche Sprache mit der folgenden korrekten Bezeichnung für Schulterstücke der Soldaten verdient gemacht hat: Die Dinger heißen Truppengattungszugehörigkeitsfarberkennungs-Aufschiebschlaufen. 
 
Und die folgenden fünf Klassiker entsprangen ebenfalls den Bundeswehr-Schreibstuben:
"Stirbt ein Bediensteter während einer Dienstreise, so ist die Dienstreise damit beendet." (Denn:) "Der Tod stellt aus versorgungsrechtlicher Sicht die stärkste Form der Dienstunabhängigkeit dar."

Unbedingt beherzigt werden sollte auch folgende Regel: "Bei Erreichen des Baumwipfels hat der Soldat selbstständig die Kletterbewegungen einzustellen." Das gilt ebenso für diese Anweisung: "Ab einer Wassertiefe von 1,40 m hat der Soldat selbstständig mit Schwimmbewegungen zu beginnen. Ein ausdrücklicher Befehl des Vorgesetzten ist dazu nicht nötig."
 
Lässt folgender Hinweis nun Schlüsse auf die von der Verwaltung vermutete Intelligenz der Soldaten oder auf die der Verfasser zu? "Bei Einbruch der Dämmerung ist mit Dunkelheit zu rechnen."
 
Glückauf
kdk
 
PS. Aus Hattingen kam folgende Ergänzung zur Gender-Schmunzelpost:
 
Es gibt auch grammatisch weibliche Bezeichnungen für männliche Wesen!
Beispiele?

1. DIE PERSON (Schau mal die Person da hinten; ist das nicht Herr Müller?)

2. DIE GEISEL (Anton wurde gestern Nachmittag entführt. Wie man hört, ist die Geisel wohlauf.)

3. DIE WAISE (Christian war schon in jungen Jahren eine Waise. Seine Eltern kamen bei einem Unfall ums Leben, als er (der Christian) oder sie (die Waise) gerade fünf war.)

Aus Gründen der Gleichberechtigung fordere ich neue Wörter: der Personerich, Personler oder Personus, der Geiseler oder Geiselrich, der Waiser, Waismann oder Waiserich!!!!!

Gruß, Martin (z.Z. schmunzelnd) 

 

 Schmunzelpost 44 vom 2. 6. 21

Das Gendern nimmt kein Ende. Und die Diskussion darüber auch nicht. Hermann Unterstöger von der Süddeutschen Zeitung verwies jetzt auf einen Versuch, den die Kommunikationsforscherin Sigi Lieb gestartet hat. Sie erfand kurzerhand ein paar Nonsensbegriffe und bat Menschen beiderlei Geschlechts,  passende Pronomen voran zu stellen. Erstaunlich am Ergebnis war, dass die Probanden oft mit großer Einmütigkeit zu Werke gingen.
 
Den Schnond empfanden 90 Prozent der Befragten als männlich, während die Gralle zu 100 Prozent als weiblich eingestuft wurde. Bei der Gralle konnte ich das noch nachvollziehen, weil die klangliche Verwandtschaft zur Qualle und zur Kralle nach dem Pronomen "die" lechzten. Beim Schnond frage ich mich jedoch vergeblich, was ihn so maskulin macht. Der Mond oder der Schnauzer sind meines Erachtens ziemlich weit entfernt. 
 
Das reizt dazu, selbst neue Worte zu konstruieren. Während es mir schnurzpiepegal ist, dass ein Schnurz vermutlich männlich daher kommen würde, vermute ich, dass zwei Pünktchen alles ändern könnten. Die Schnürz wäre wohl wegen ihrer Anlehnung an Schürze und Kürze als weiblich deklariert worden - was vor allem der-die-das Anke freuen dürfte. 
 
Für alle Schnonde und Grallen noch eine schnürze Zugabe: Sigi Lieb hat außerdem herausgefunden, dass manche Wörter ihr Geschlecht der Tageszeit anpassen. Das glaubt Ihr nicht? Doch, das stimmt. Hier ein gutes Beispiel für wechselfreudige Wörter: Morgens heißt es noch "der Weizen" und "das Korn". Nach Feierabend am Tresen klingt das ganz anders: "Reich mir mal das Weizen!" "Und dazu passt am besten der Korn!" 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 43 vom 1. 6. 21 

Hurra, endlich Sommer! Da gilt es, die Vorteile des Rentner-Daseins auf der Terrasse zu nutzen. Also schnell die Liege in die Sonne rücken, ein Buch zur Hand nehmen und leicht bekleidet  die Wärme genießen. Und jetzt betritt auch noch Herr K. seinen Balkon und sorgt für das Sahnehäubchen.
 
Herr K. blickt in die Welt (3) 
 
"Hömma, Karl, das ist ein Wetterchen! Da wird das Kanalufer ganz schnell zum Badestrand. Gut, dass mein Fernglas parat liegt. Siesse, da sind schon die ersten Bikini-Nixen! Wat sachse für mich? Alten Spanner? Du spinnst wohl! Du müsstest dat doch besser wissen. Schließlich hasse mich inne Jugend jeden Tach begleitet. Nee, dat is bloß Nachholbedarf. Damals war alles so furchbar prüde. Weisse noch, mitte Else in die Tanzstunde? Darf ich et wagen, schönet Frollein, Deine Schulter zu küssen? Und dann isse rot geworden und hat gekichert! Und später im Bett musste imma dat Licht ausbleiben. Watt 'n Wunda, dat wir trotzdem Kinder gekricht haben! 
 
Abba unsere Blagen is zu verdanken, datt wir nich mehr so verklemmt sind und sogar richtich tollerand wurden. Weisse noch, wie wir uns gefreut ham, als Karl-Heinz sachte, er stellt uns getz sein Augenstern vor? Endlich Enkel, ham wir gedacht. Und dann sacht Kalle: Dat is der Günna, dat Glück meines Lebens. Man, war dat en Schock. Damals gab dat ja noch diesen Paragraf, den doofen 175er. Abba der Günna, dat war ganz ein Toften. 
Und wir hatten ja noch ein Eisen im Feuer, unsere Susi. Die hat jede Woche mit 'nem andern Verehrer poussiert. Konnt ja keiner ahnen, dat die dann auch zum andern Ufer gewechselt is. Und mitte Karin hattse dat große Los gezogen. 
 
War nur schade, weil: Et war schon wieder nix mitti Enkel. Weisse noch, wie sauer alle waren, als ich die geniale Idee hatte? Et könnten doch alle die Äugsken zukneifen und ausnahmsweise... Also, der Kalle mitte Karin....  und die Susi mittem Günna... Nur für kurz, alles inne Familje. Und wir hätten süße Enkelchen....  Man, da war abba Leben inne Bude! Wollten se leider überhaupt nix von wissen. 
 
Na, wir hatten ja sowieso keine Vorurteile. Ich wusste et ja schon ewich von unner Tage. Ob Dein Kumpel aus Holsterhausen oder Anatolien stammt, is ganz egal. Hauptsache, Du kannst Dich auf den verlassen und er is von de Guten einer. Ganz genauso is dat mittem Sex. Ob jemand inne Frau, 'nen Mann oder 'nen Teddybär verknallt is, is doch ganz egal - Hauptsache, der Mensch is in Ordnung! Weisse noch, wie wir nach Elses Tod alle fünf beim Christoff-sein-Straßentach in Köln war'n? Is' viel schöner gewesen als Rosenmontach! Und aussa die Schalke-Fahne hab' ich die Regenbogen-Flagge aufgezogen. Die flattert da immer noch ganz oben, die von Schalke is ja getz auf halbmast. 
 
Ja, ja, manchmal überlech ich sogar, selbst mal wat Neues auszuprobiern. Seit Else nich' mehr is, wa ja Ruhe inne Buxe. Doch et is nie zu spät, solange Du noch nich' dat letzte Mal geröchelt hass. Und man liest doch überall: Mit neue Hobbies lebse länger! Da unten räkelt sich doch son Kerl auffe Terrasse. Is' zwar leicht adipös, würde mein Aazt sagen, aba wenna noch ein bisken inne Sonne bleibt, isser schön knusprig..." 
 
An dieser Stelle habe ich mein Buch zugeklappt und fluchtartig die Terrasse verlassen. 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 42 vom 31. 5. 21

Wer oder was ist ein Donnergugi? Die exakte Aufklärung dieser Frage folgt ganz am Ende. Doch Ihr werdet schon vorher zumindest die Grobfassung der Lösung ahnen, wenn ich verrate, dass diesmal Käfer einen Schwerpunkt  der Schmunzelpost bilden. Ausschlaggebend dafür war einmal mehr die Lektüre der Süddeutschen Zeitung, in deren Samstagsausgabe mir besagter Donnergugi in einer Überschrift sofort ins Auge sprang, natürlich nur bildlich gesprochen. 
 
Käfer sind in unserem und speziell in meinem Leben fast allgegenwärtig. Wenn ich allein daran denke, mit wie vielen flotten Käfern ich früher und heute zu tun hatte, dann wird mir ganz anders. Von den Käfern mit Pferdestärken ganz zu schweigen. Mein erstes und mein drittes Auto waren VW-Käfer! Den ersten, einen himmelblauen, zerlegte ich 1978 bei einem Unfall auf dem Bungsberg, der höchsten Erhebung von Schleswig-Holstein (die Bezeichnung "Berg" halte ich nach wie vor für geschmeichelt). 
 
Mit einem gelben Käfer widerfuhren mir später fast alle erdenklichen Pannen. Er ließ mich gleich beim ersten Holland-Urlaub im Stich und musste von Harlem zurück nach Deutschland geschleppt werden. Dann blieb er mit gerissenem Gaszug auf der Autobahn liegen, gerade an einem Tag, als ich den Anpfiff eines Europameisterschaftspiels keineswegs verpassen wollte. 
 
 Höhepunkt war ein komplettes Bremsversagen. Mitten in Dortmund fuhr ich auf eine Kreuzung zu, als die Ampel auf "rot" sprang und ich das Bremspedal wirkungslos bis vorne durchtreten konnte. Bis ich mich erinnerte, dass es auch eine Handbremse gibt, war ich schon durch lauter hupende, von links und rechts knapp an mir vorbei schießende Fahrzeuge hindurch gerauscht. Stilecht hauchte dieser Käfer später auf der Autobahn mit einem Kolbenfresser sein Leben aus. 
 
Wenden wir uns daher lieber den echten Käfern aus Fleisch und Blut zu. Obwohl? Bestehen Käfer wirklich aus Fleisch und Blut? Oder eher aus mineralischen Panzern, undefinierbaren Substanzen und Schmieröl? Wer weiß das schon genau? Wer sich dafür interessiert, wird in dem Büchlein "Käfer" von Bernhard Kegel, erschienen in der stets lesenswerten Naturkunden-Reihe von Judith Schalansky, viel Wissenswertes über die Krabbeltierchen erfahren. Zum Beispiel, dass bisher weltweit mehr als 380 000 Arten bekannt sind. Die Dunkelziffer liegt weit höher, immer wieder werden neue Käfer entdeckt und benannt. 
 
Und manchmal trägt der Name dazu bei, dass sie schnell wieder vom Erdball verschwinden. So taufte 1937 ein Forscher eine bis dahin unbekannte Art, die es nur in slowenischen Höhlen gibt, auf den Namen "Hitlerkäfer". Damit tat der Nazi-Verehrer dem Tierchen keinen Gefallen. Bis heute sind Exemplare bei den unzähligen Sammlern so begehrt, dass der Hitlerkäfer fast ausgerottet ist. (Wenn man das von der Nazi-Ideologie nur auch sagen könnte...) 
 
Ansonsten steht der Mensch den Käfern wie auch vielen anderen Tieren sehr ambivalent gegenüber. Die ersten Maikäfer der Saison werden in Ehren gehalten und in die nächstgelegene Zeitungsredaktion geschleppt. Treten Maikäfer aber in Massen auf, gelten sie als Plage - frag nach bei Wilhelm Busch. Marienkäfer werden in der Regel- nicht hauptsächlich, weil sie Blattläuse vertilgen, sondern weil sie so niedlich sind und angeblich Glück bringen - sehr geschätzt und pfleglich behandelt. Andere Krabbler, wie Schaben oder Kakerlaken, gelten als eklig und werden schneller zertreten, als sie: "Ich ergebe mich!" sagen können. 
 
Ich gebe zu: Manchmal ist das verständlich. Wie zu meinen Todfeinden die Mücke gehört, haben Generationen von Menschen unter Fressfeinden gelitten. Früher wurden Jugendliche und Arbeitslose auf die Felder geschickt mit der Parole: "Sei ein Kämpfer und kein Schläfer, gib acht auf den Kartoffelkäfer!" Ein einziges Weibchen kann bis zu 3000 Eier legen. Gegen Insektizide sind viele dieser Schädlinge bereits resistent. Und neben den Kartoffeln haben sie jetzt auch Tomaten und Auberginen als weitere Leibspeisen entdeckt. 
 
Ähnlich "beliebt" ist bei Forstbesitzern der Borkenkäfer. Dagegen stiegen andere Käfer sogar in göttliche Gefilde auf. So wurde eine Art, die sich von Dung ernährt und hierzulande als "Pillendreher" bekannt ist, von den alten Ägyptern als heiliger Skarabäus verehrt. Was wohl Obelix dazu sagen würde? Obwohl auch bei uns viele Menschen Mist machen, käme niemand auf die Idee, sich einen Mistkäfer als Haustier zu halten: "Komm, komm, komm, mein süßer Anton, es gibt Happi-Happi!" 
 
Trotzdem sollten wir Käfer niemals unterschätzen. Nicht von ungefähr heißt es, dass nur zwei Lebewesen einen Atomkrieg überstehen könnten: Keith Richards und die Kakerlake. Gut möglich, dass nach den Sauriern und Säugetieren die Welt von übermorgen den Käfern gehört. 
 
Glückauf 
kdk    
 
PS. Ein Donnergugi ist ein Hirschkäfer. So bezeichnen ihn jedenfalls die Schweizer. Und das ist keineswegs nett gemeint. 
 
PPS. Warum etwas klar und deutlich sagen, wenn es auch kompliziert und unverständlich geht? Ein weiteres Beispiel dazu liefert Kerstin, ihres Zeichens nicht nur ein flotter, sondern auch ein aufgeweckter Käfer: „Förderung der ökologischen Bildung durch das Anpflanzen von Microgreens im Elementarpädagogischen Handlungfeld“. Das ist der Titel einer Hospitation in der Kita im Rahmen der Praxisintegrierten Ausbildung zur Erzieher*in. Übersetzt bedeutet es: Das Einsäen von Kressesamen. 🌱🌱🌱

 Schmunzelpost 41 vom 30. 5. 21

Gerade ist er wieder auf seinen Balkon gekommen, mein Nachbar, der alte Herr K. Von dem habe ich Euch ja schon gestern erzählt. Mal hören, was er sich heute zu sagen hat. Psst, jetzt legt er los! 
 
"Hömma, Karl, hasse dat auch bemerkt? Kaum kuckt die Sonne mal 'n bisken hinta de Wolken vor, da rennen die Leute 'rum, als wär'n wir nich' auf Maria Lindenhoff, sondern auf Majorka. Zehn Grad, und die meisten ham nix mehr anne Füße. Ja, ja, Schuhe tragense schon noch. Abba keine Socken mehr! Da bisse vonne Socken, wa? Is' son neuen Modetrend, hab' ich gelesen. 'N alten Hut is dagegen, dat die jungen Mädkens und Bengels alle mit so Jeans unterwegs sind, von denen Du glaubs, die ham 'se aussem Kleiderkontäna geklaut. Lauter Schlitze un Löcha drin!

Abba wat heißt hier: 'die jungen'? Die Tage hab' ich die Omma Gertrud aussem Altenheim in son Teil gesehen. "Ja, Herr König, Du muss mit die Zeit gehen, wenn'ze nich zum alten Eisen gehörn willst", hattse gesacht. Getz wart ich auf den Tach, an dem 'se bauchfrei unterwechs is und die ganze Welt ihr'n ollen Nabel zeicht. Dat ist nämlich bei 17 Grad anne Reihe. Vorher haben abba schon bei 15 Grad die Kerls ihre kurzen Hosen aussem Schrank geholt. Wie heißen die gleich? Richtich, Schortz! Ob et schüttet oder stürmt, Hauptsache, is Frühling. 
 
Ich muss ja zugeben, im Somma hab' ich da auch Lust zu. Imma diese falsche Scham. Scheiß auf die Krampfadern! Überhaupt is Ästhetik doch Geschmacksache. Wat dat is, Ästhetik? Dat is die Lehre vonne Schönheit. Du weiß aba auch nix mehr, Karl, seit Du nich mehr in die Kneipe gehst. Die Else, Gott hab se selich, die hat Dich imma ne Standpauke gehalten, wenne mittem dicken Fettfleck zum Stammtisch wolltest. Und auch dat grün getupfte Hemd zur rosa Hose hat ihr überhaupt nich' gefallen, als Du einmal AbDuDiät sein wolltest. 
 
Weisse wat? Ab heute is Schluss mit alle Modezwänge!  Auf meine Glubschaugen nimmt ja auch keiner mehr Rücksicht. Wenn die alle mit ihrm Trainingszeuch inne Stadt marschiern, dann kann ich auch ab getz im Schlafanzuch zu die Müllkontäner gehn. Muss ich dat Teil eben öfter waschen. Also künftich zweimal im Jahr. Un auffem Balkon trag ich dat grün getupfte Hemd und die rosa Hose, sind ja so gut wie neu. Vielleicht kann ich damit sogar einen neuen Modetrend setzen. 
 
Wat sachse? Warum ich auf einmal so kariert daherrede und nich' so, wie ich mit Dir und die Kumpels unter Tage sprechen tu? Ganz einfach. Erstens bin ich zivilsiliiert und rede mit mir so, wie dat für gebildete Leute üblich ist. Elaborierten Kot, nennt man dat. Und wenn ich dat Gefühl hab, dat andere mithörn, dann sprech ich so, dat die auch verstehen können, wat ich sach. Weisse, ich hab schon länger dat Gefühl, dat meine Nachbarn die Ohrn spitzen tun, wenn ich hier draußen wat verzähl. Iss ja nich' schlimm, können se wat lernen. Und so werd' ich auf meine alte Tage noch zum Influenza. 
 
Influenza? Kenn'ze nich? Influenza, dat sin Leute, die auf Dich einreden tun, bisse mach's, wasse sagen. Dat weiß ich von mein Aazt. So'n ollen Influenza, der quasselt solange auffe Leute ein, bisse im Winta bauchfrei un ohne Socken rumrennen. Und dann kriegen se Husten, Schnuppen und Fieber. Siesse, deshalb heißt dat Influenza. 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 40 vom 29. 5. 21

Heute führe ich eine neue Rubrik ein. Sie trägt den Titel "Herr K. blickt in die Welt". Deshalb stelle ich Herrn K. erst einmal vor. 
 
Herr K. ist einer meiner Nachbarn und heißt mit komplettem Namen Karl König. 1933 kam er in Dorsten zur Welt und arbeitete später wie sein Vater das ganze Berufsleben lang im Bergbau. Wegen seiner Staublunge ging er bereits mit 50 Jahren in Rente. Seine Frau verstarb 1998. Zu seinem Leidwesen hat Herr K. zwar einen Sohn und eine Tochter, aber keine Enkelkinder.
 
Herr K. lebt heute in einer kleinen Einlieger-Wohnung auf Maria Lindenhof. Dort ist es sein liebstes und zugleich auch einziges Hobby, auf dem Balkon zu sitzen und in die Welt zu schauen. Dabei philosophiert Herr K. gern vor sich hin. Seine Selbstgespräche sind recht laut, weil er schwerhörig ist und sonst nicht verstehen würde, was er denkt. So bekomme ich viele seiner Monologe mit. 

Dabei stellte ich fest, dass Herr K. in mancherlei Hinsicht ein Seelenverwandter von mir ist. Kein Wunder, schließlich habe ich ihn mir ja ausgedacht. In vielen Fragen stimmen wir aber auch nicht überein. Herr K. ist immerhin 20 Jahre älter als ich und seine Meinung entsteht im Dreieck klarsichtig, altersstarrsinnig und leicht verwirrt. 

Aber jetzt: Ruhe bitte! Hört mal genau hin. Gerade sitzt Herr K. wieder auf seinem Balkon und ledert los: "Hömma, Karl, ist das nicht eine Schande? Seit die Else starb, also seit bald 25 Jahren, wohne ich jetzt hier und guckte ins Grüne. Schön ruhig und friedlich war es im Freizeitpark Maria Lindenhof. Ab und zu wurde mal im Kanuheim gefeiert, hin und wieder gab es ein Rockkonzert. Im Sommer wurde der Park zur Liegewiese und im Winter haben Kinder dort sogar gerodelt - an den paar Tagen, an denen bei uns Schnee lag. 

Und getz? Seit mehr als einem Jahr sind sie werktags am Rödeln, lassen keinen Stein auf dem anderen und tauschen jeden Grashalm aus. Nur, weil jemand die glorreiche Idee hatte, dort den Bürgerpark Maria Lindenhof zu schaffen! Wat war dat denn vorher? Ein Friedhof? Eine Karnickel-Zucht-Anlage? Wer wollte, der konnte dort schon immer Fußball spielen, Frisbee-Scheiben werfen, seine Hunde toben lassen oder auf einer Decke in der Sonne liegen. Zuletzt kamen dort ganze Familien zum Grillen hin. Alles funktionierte von allein, ganz ohne Regeln und Aufpasser. 

 Na gut, in den beiden heißen Sommern gab es zwei Ärgernisse: Die Leute ließen Berge von Müll zurück. Und die Bässe von die modernen Wumms-Maschinen zauberten Zacken in die Messkurven der Erdbebenwarte. Vor allem der erste Mai wurde zum Großkampftag. 
Aber jetzt? Jetzt ist jeden Tag Randale. Wenn ich mittags draußen Siesta halte und mir gerade der DFB-Präsident die Meisterschale für Schalke 04 überreicht - Rumms!, beißt der Bagger in den Asphalt und macht den schönen Traum kaputt. Da stecken bestimmt die Schwarzgelben hinter! 
 
Vor Jahren gab es ja schon mal Pläne, den Park aufzumöbeln.  Damals sollten die regionalen Pflanzencenter Gelegenheit bekommen, sich zu präsentieren und je nach Jahreszeit Spaziergängern was Buntes aufs Auge zu geben. Und das Planungsbüro Kemper hatte sogar kostenlos der Stadt Pläne erstellt. Doch damals fehlte die Kohle. Gute Idee, hieß es, aber als Schuldenkommune können wir uns das nicht leisten. 

Und getz? Jetzt werden sie so mit Kohle zugeschissen, dass sie kaum noch aus dem Haufen gucken können! Da kann dann schomma wat schief gehn. Wie sorgt man für mehr Grün? Indem man erst mal jede Menge Grün herausrupft! Mit Stumpf und Stiel! Alte Bäume, dichte Sträucher, alles wech! Platz für Neues schaffen, heißt dat. Und: Sichtachsen bilden! Hat jemand nach der Ansicht von Käfern, Bienen und die anderen Insekten gefracht? Und wat is mit die Piepmätze? 
 
Und wenn sie sonst im Rathaus das hohe Lied vom Entsiegeln singen, damit Regenwasser wieder versickern kann, dann ist es doch bestimmt eine Spitzenidee in einem Öko-Park bisher wasserdurchlässige Wege  zu teeren und  überall breite Asphaltboulevards zu schaffen. Schließlich muss es wegen der Rollstuhlfahrer mindestens drei Überholspuren geben, damit Rollator-Nutzer zügig vorbei zischen können. 

Und auch die Visionen für die verstärkte sportliche Nutzung sind sicherlich vorbildlich. Die Fläche des Fußballfeldes um die Hälfte zu reduzieren, das wird diejenigen anlocken, die schon nach drei Schritten zu japsen beginnen. Richtig konsequent wäre es gewesen, das Kickerareal gleich durch überdachte Tischfußballplätze zu ersetzen. Dann noch ein Bierausschank dazu und Bildschirme für Sky- und DIZZ&DAZZ-Übertragungen installieren - irgendwo müssen die zwei Millionen schließlich bleiben - und der Bürgerpark ist auch ein echter Sportpark geworden! Tja, hätte man drauf kommen können - aber uns Durchblicker fragt ja keiner." 
 
An dieser Stelle unterbrechen wir für heute die Live-Übertragung und wünschen noch einen schönen Tag. Und ruhig öfter mal nach draußen schauen - da kommt man auf Ideen! 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost 39 vom 28. 5. 21 

Worauf habt Ihr heute Lust? Ihr seid noch unschlüssig? Na gut, dann tun wir was für Eure Bildung. Hier kommen zehn verblüffende Fakten, von denen Ihr bisher bestimmt noch nichts gehört oder gelesen habt.
 
1. Ihr habt die Tür Eures Arbeitszimmers verschlossen, kein Ehepartner, Kollege, Kind oder Haustier weit und breit. Ihr glaubt, Ihr sitzt allein am PC? Irrtum! Auf einem Schreibtisch befinden sich etwa zehn Millionen Bakterien! (Ich möchte mal wissen, wer die gezählt hat.)
 
2. Es gibt unterschiedliche Methoden, anderen Menschen zu zeigen, wie sehr man sie mag. Als Zeichen der Zuneigung bewerfen Frauen in Sibirien Männer mit Schnecken. (Nun ist in Sibirien die Zahl der warmen Tage, in denen Schnecken von jedem Grashalm gepflückt werden können, deutlich begrenzt. Was machen sibirische Frauen im Winter? Dürfen sie auch gefrorene Schnecken benutzen? Oder gegrillte? Wenn ja, dürfen sie die Schnecken vorher in Knoblauchsoße tunken?)
 
3. Wenn man ein Stück Sellerie isst, verbraucht man mehr Kalorien, als man zu sich nimmt. (Heißt das, ich kann künftig auf Diäten und Fitness-Training verzichten? Nehme ich ein Kilo ab, wenn ich zwei Kilo Sellerie verspeise?) 

4. Entfernt man weiblichen Borstenwürmern das Gehirn, werden sie Männchen. (Und was geschieht, wenn man hirnlosen Menschen-Männchen ein weibliches Gehirn einpflanzt? Sie kaufen wie verrückt Schuhe! Tschuldigung...)

5. In Florida ist es Ratten gesetzlich untersagt, Schiffe zu verlassen. (Werden die Gesetzesbrecher vor Gericht gestellt? Dann sind die Richter bestimmt nebenberuflich Köche in China-Restaurants.)

6. Selbstmord war bis in die 50er Jahre in Großbritannien verboten. Gelang der Selbstmord nicht, stand darauf die Todesstrafe. (Obelix würde sagen: Die spinnen, die Briten!)

7. Menschen, die unter einer Anatidaephobie leiden, haben Angst davor, von einer Ente beobachtet zu werden. (Und wie nennt man Gänse, die Angst davor haben, von Menschen beobachtet zu werden? St.-Martin-Phobiker?)
 
8. In London dürfen Ehefrauen nach 21 Uhr nicht geschlagen werden. (Was sagte Obelix so treffend?)

9. Schäfchen zählen gilt immer noch als bewährtes Mittel zum Einschlafen. Doch Vorsicht vor zu großen Herden! Wenn ein Mensch von eins bis zu einer Milliarde zählt und für jede Zahl eine Sekunde braucht, dann wäre er 32 Jahre und 24 Stunden ununterbrochen beschäftigt!

10. Ohne Kommentar zum Schluss noch ein paar recht unbekannte Fakten für Comic-Freunde: Gustav Gans ist eine Ente! Die Eltern von Fix und Foxi heißen Paxi und Fixi. Donald Duck heißt mit zweitem Vornamen Fauntleroy. 
 
Jetzt werdet Ihr vielleicht sagen: Ist ja ganz amüsant, aber was soll ich mit all dem unnützen Wissen? Es gibt kein unnützes Wissen! Jedes Wissen kann nützlich sein, irgendwann, in einer bestimmten Situation, oft ganz unverhofft. 
Stellt Euch nur einmal vor, Euer Partner oder Eure Partnerin liegt an einem Regentag auf dem Bett. Hellwach, gelangweilt, aber tatendurstig. Dann gehst Du hin, lächelst und sagst: "Wozu hast Du heute Lust? Du bist noch unschlüssig? Dann tun wir was für Deine Bildung. Hier kommen zehn verblüffende Fakten..." 
 
Die Wirkung dieser goldenen Worte wird Dich vielleicht ebenfalls verblüffen. 
 
Glückauf 
kdk  

Schmunzelpost 38 vom 27. 5. 21 

Früher war ganz bestimmt nicht alles besser, aber manches. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen ich mich wunderte, wenn die Bahn fünf Minuten verspätet eintraf. Müllabfuhr, Telefon, Briefzustellung, alles funktionierte. Doch dann hieß das Zauberwort plötzlich "Privatisierung". Alles sollte viel besser und billiger werden. Selten ist ein Schuss so durchschlagend nach hinten losgegangen! 
 
Zum Beweis genügt ein Blick ins Fernsehprogramm. Mit der Zulassung der privaten Sender sollte die Meinungsvielfalt der mündigen Bürger erweitert werten, faselten die Befürworter und malten das Bild vom gut informierten, aufgeklärten und bestens unterhaltenen TV-Konsumenten an die Wand. Tja, die Aufklärungsquote ist durch RTL II und Sport 1 (vor allem nach Mitternacht) wohl beträchtlich in die Höhe geschnellt, was jedoch nicht für den politischen Durchblick gilt.
 
Und auch die Qualität ist derart gestiegen, dass viele Ex-Fernsehzuschauer jetzt bei Netflix fremdgehen. Denn durch den Druck, die Schäfchen an den eigenen Kanal zu fesseln zu müssen, haben sich die öffentlich-rechtlichen Sender vielfach ans Niveau der Privaten angepasst. Zur Strafe fordern immer mehr Politiker, die "Zwangsgebühren" abzuschaffen. Ja klar, ein hochwertiges, aktuelles und halbwegs objektives Informationsangebot, ein Kulturprogramm, bei dem Intellektuelle mit der Zunge schnalzen und ein Unterhaltungsspektakel, das die Massen und insbesondere die Jüngeren magnetisch anzieht, produziert man am besten zum Nulltarif. Es geht nichts über die meditativ-entspannende Wirkung eines 24-Stunden-Testbilds. 
 
Wie komme ich jetzt eigentlich darauf? Ach ja, die Post. Die hat ihre Aufgaben auch schon mal verlässlicher gelöst. Zum wiederholten Mal lag jetzt bei uns der "Spiegel" zu spät im Briefkasten, diesmal wegen der Pfingstfeiertage erst am Dienstag. Und was ich da zu lesen bekam, brachte mich fast noch mehr auf die Palme als die unselige Privatisierung. 
 
Ich suche ja immer noch nach einem Sündenbock, dem ich die Verantwortung für meine aktuellen Herzprobleme anhängen kann. Schalke 04 ist dafür ungeeignet. Erstens haben die Blau-Weißen mir reichlich Zeit gelassen, mich an den Niedergang zu gewöhnen. Und zweitens würde so ein guter und edler Club niemals vorsätzlich meiner Pumpe schaden. 
 
Nein, die bösartigen Aufreger sind weiter südlich zu finden. Seit Franz-Josef Strauß gibt es stets Akteure in der CSU, die mit ihren Worten und Taten einen friedfertigen, ausgeglichenen Westfalen in ein Rumpelstilzchen verwandeln. Vor allem die CSU-Generalsekretäre entfalten da ihr Talent. Ganz in der Tradition seiner glorreichen Vorgänger (Söder, Scheuer, Dobrindt etc.) hat gerade Markus Blume den Rücktritt von SPD-Ministerin Franziska Giffey wegen des drohenden Verlustes ihres Doktor-Titels als "zwingend und konsequent" eingestuft, ihr aber im gleichen Atemzug vorgehalten, dass es notwendig sei, nun auch auf die Spitzenkandidatur in Berlin zu verzichten. 
 
Angesichts solcher Scheinheiligkeit könnte ich glatt mit dem HB-Männchen an die Decke gehen. Denn im Bundeskabinett sitzt ein CDU-Minister, der trotz tausend zwingender Gründe überhaupt nicht an Rücktritt denkt. Jetzt hat mich Markus Feldenkirchen im Spiegel auch noch daran erinnert, was ich glatt vergessen hatte: Andreas Scheuer "führt seit Jahren seinen an der Prager Karls-Universität erworbenen Doktortitel wegen erwiesener Abkupferei nicht mehr", obwohl er "trotzdem seit Jahren das Bundesverkehrsministerium, nun ja, leitet." 
 
Die "Welt" hatte damals über Scheuers Arbeit genüsslich geurteilt: "Ein Sammelsurium aus stets wiederkehrender Parteipropaganda, umständlich formulierten Banalitäten, abseitigen Besinnungsaufsätzen und orthografischer Originalität - kurzum, ein wissenschaftlicher Witz." Warum wundert mich das nicht? Und nun, HB-Mann, reich mir bitte eine Zigarette rüber, ich muss dringend Dampf ablassen. 
 
Glückauf 
kdk    
 
PS. Als Ergänzung zur Regen-Post sandte Manni eine weitere Variante des Münster-Spruchs: "Entweder die Glocken läuten oder es regnet - oder eine neue Kneipe öffnet." Da spricht wohl jemand aus Erfahrung... 

Schmunzelpost 37 vom 26. 5. 21

Sitze am Fenster und schaue nach draußen. Es regnet. Mehr noch: Es schüttet! Solch einen verregneten Mai hatten wir lange nicht mehr. Grund genug, sich mal mit dem Thema Regen zu befassen. 
 
Früher verbuchte ich Regentage als verlorene Tage. Vor allem im Urlaub. Zwei heiße, trockene Sommer haben meine Einstellung nachhaltig geändert. Inzwischen freue ich mich über jeden Regentag. Gießkannen schleppen, weil der Gartenbrunnen trocken gefallen ist, das ist nicht so prickelnd. Vor allem aber leide ich mit den Bäumen. Die haben es bei uns sowieso schon schwer: Schadstoffe, Borkenkäfer und nun auch noch viel zu wenig Wasser im Erdreich. 
 
Das konnte nicht so weiter gehen. An dieser Stelle vielen Dank an die Dozentin des Regentanz-Kurses im Haus der Familie. Dieser Lehrgang hat sich wirklich gelohnt. Vielleicht lerne ich im Winterhalbjahr auch noch, meinen Namen zu tanzen, obwohl die Klaus-Dieter-Schrittfolge höllisch kompliziert ist. Dagegen ist die Niederschlags-Beschwörung hauptsächlich wegen der Länge ein Problem: "Regen, Regen, geh nicht fort, bleib recht lang an diesem Ort. Regen, Regen, tu Deine Pflicht und vergiss die Wälder nicht. Regen, Regen, noch viel Spaß, mach' die Ulla richtig nass! (Und die Anke, Anne, Beate, Christa, Claudia, Elisabeth, Karin, Kerstin, Lisa, Maja, Marie, Marion, Mecky, Petra, Regina, Silvia, Susanna und Ursula)." Ihr glaubt gar nicht, wie anstrengend es ist, diesen Tanz fehlerfrei aufs Parkett zu kriegen. Warum keine Männer genannt werden? An uns wetterfesten Kerlen perlt der Regen sowieso ab! 
 
Nun aber mal ernsthaft. Wasserknappheit hat auf Dauer furchtbare Folgen, aber auch zu viel Regen kann katastrophal sein. Neben Kriegen und Hungersnöten, Erdbeben und Stürmen gehören Überschwemmungen zu den größten Killern. Dadurch kamen beispielsweise 1931 in China rund 3,7 Millionen Menschen ums Leben. In Deutschland liegen die schlimmsten Flutkatastrophen schon lange zurück. Die 2. Marcellus-Flut an der Nordseeküste forderte am 15. Januar 1362 ca. 100 000 Menschenleben. 
 
Dabei nennen wir es schon eine mittlere Katastrophe, wenn bei uns der Keller vollläuft. Das geschieht immer öfter, wenn Starkregen fällt und nicht den Ort wechselt. Als Starkregen zählen Wassermengen von 5 Liter pro Quadratmeter, die in nur fünf Minuten fallen. Oder auch 17 l pro qm pro Stunde. Wer gern Bier trinkt, weiß, zehn Halbe in nur fünf Minuten, das ist eine sportliche Herausforderung! Und bei der doppelten Menge ist man ohnehin tot, so viel Flüssigkeit kann unser Körper nicht so schnell verarbeiten. Wegschlucken ist also keine Lösung. Das mussten auch die Münsteraner am 28. Juni 2014 erfahren: Da fielen 292 l pro Quadratmeter innerhalb von sieben Stunden und setzten ein ganzes Viertel unter Wasser. 
 
Nun sagt man über Münster: "Entweder es regnet oder die Glocken läuten. Passiert beides zeitgleich, ist Sonntag." Doch es gibt andere Städte in Deutschland, in denen durchschnittlich weit mehr Regen fällt. 2020 lag ein Ort vorn, den ich eher in der Schnee-Statistik erwartet hätte: In Oberstdorf kamen 1667,5 Liter pro Quadratmeter in zwölf Monaten zusammen. Auf Platz zwei folgt mit großem Abstand München (962 l/qm), dann Saarbrücken (841 l/qm). Und auf Rang vier ist der Westen dabei. Allerdings nicht Münster, sondern Köln/Bonn (749 l/qm). 
 
Das waren die Wassermengen. Bei der Anzahl der Regentage sieht es anders aus. Hier hat der Osten den Schirm vorn: In Halle hat es an 266 Tagen des Jahres geregnet! Doch Köln gibt sich mit 263 Tagen nur knapp geschlagen. Mit einigem Abstand folgen Freiburg (218 Tage), Essen (208) und mein Favorit Wuppertal (206). Regensburg, nomen est omen, landete übrigens auf Rang zehn (201 Regentage). 
 
Mit Namen wird oft Schabernack getrieben. Das bekommen die Bewohner von Regen oft zu spüren, die mit der bayerischen Nachbarstadt Zwiesel im Clinch liegen. Doch sie wissen sich zu wehren:  „In Zwiesel konns reign, aba in Reign konns nit zwieseln.“ 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Martin hat noch eine Ergänzung zum zu Tode gegrillten Märtyrer: 
  
Im Zusammenhang mit St. Laurentius gibt es noch eine (wahrscheinlich ungewollt) seeehr makabre Sache: Der heilige Laurentius ist der Stadtpatron von Wuppertal. Im Wuppertaler Wappen sieht man den bergischen Löwen, der den laurentinischen Bratrost in den Pfoten hält. Somit ist auch die katholische Hauptkirche der Stadt dem heiligen Laurentius geweiht. Vor vielen Jahren machte gegenüber der Kirche eine Imbissstube auf, für die der Besitzer einen zugkräftigen Namen erdachte. Auf Grund der "hochheiligen Nachbarschaft" hieß die Pommesbude fortan "Laurentius-Grill"!!!   
 

Schmunzelpost 36 vom 25. 5. 21 

Zu behaupten, ich wäre letzte Woche dem Tod nochmal von der Schüppe gesprungen, ist stark übertrieben. Doch so ein Krankenhaus-Aufenthalt regt unwillkürlich dazu an, sich über die Vergänglichkeit des Menschen Gedanken zu machen, gerade dann, wenn die Pumpe nicht so will, wie sie soll. Erst recht, wenn im Bekannten- und engen Freundeskreis im ersten Halbjahr bereits der zweite Todesfall zu verzeichnen ist. 
 
Aus Gründen der Pietät konnte ich es mir letzte Woche noch verkneifen, mich in einer Schmunzelpost um das Thema zu kümmern. Aber jetzt ist meine Neigung zum Makabren und zum schwarzen Humor übermächtig geworden. Heute wird gestorben! 
 
Aber nicht auf banale Weise, an den gängigen Krankheiten, Altersschwäche oder durch Autounfälle. Das kann ja jeder. Die Menschen, von denen ich Euch erzählen will, haben für ihr Ableben ganz besondere Methoden, nun ja, gewählt, ist wohl der falsche Ausdruck - sie sind auf ungewöhnliche Weise umgekommen. 
 
Wenn es zu regnen aufhört und allmählich wärmer wird, beginnt unausweichlich die Grillsaison. Zur Einstimmung eine Geschichte, die wirklich stimmen soll. Das behauptet zumindest die katholische Kirche. Und wann hätte ein katholischer Würdenträger schon mal die Unwahrheit gesagt? 
 
Im dritten Jahrhundert war Laurentius, der später heiliggesprochen wurde, Diakon in Rom. Weil er sich hartnäckig weigerte, seinen Besitz den Behörden zu übereignen, erzürnte er den römischen Präfekten derart, dass dieser auf rabiate Weise versuchte, den Widerstand zu brechen. Er ließ Laurentius auf ein Bratrost binden und langsam rösten. Auf die Frage seiner Peiniger, ob er genug gelitten habe, antwortete der Gemarterte: "Wendet mich, ich bin längst gar!" Das kostete ihn zwar das Leben, trug ihm jedoch eine außergewöhnliche Ehre ein.  Laurentius ist heute Schutzheiliger der Köche und Komödianten. 
 
Die Gefahr, von einem Hai ins Jenseits befördert zu werden, ist weit geringer als Ihr vielleicht vermutet. Aller Wahrscheinlichkeit nach stirbt man eher durch einen Kugelschreiber, eine Kuh oder einen Sektkorken. Also: Lieber einen Hai fischen als einen Sekt zischen! 
 
Auch aufs Krötenschlucken solltet Ihr besser verzichten. Denn wie Laien schon mal Pilze verwechseln, kann das auch bei Lurchen geschehen. Ein 57-jähriger Koreaner hatte Ochsenfrösche gesammelt, die in seiner Heimat als Delikatesse gelten. Unglücklicherweise hat so ein Ochsenfrosch jedoch fatale Ähnlichkeit mit der hochgiftigen koreanischen Wasserkröte. Wie die Geschichte ausging, ahnt Ihr wahrscheinlich... 
 
Die womöglich seltsamste Todesart, die je dokumentiert wurde, ist vor mehr als 2000 Jahren verzeichnet worden. Historiker glauben trotzdem, dass die Geschichte nicht ins Reich der Sagen gehört, sondern den Tatsachen entsprechen könnte. Dem gefeierten Athener Dramatiker Aischylos war prophezeit worden, dass er durch ein "fallendes Haus" umkommen werde. Um sich vor einstürzenden Mauern zu schützen, verbrachte Aischylos daher die meiste Zeit im Freien. Bei einem Spaziergang passierte es dann, dass der Dramatiker von einem Adler überflogen wurde. Der Raubvogel hatte eine Schildkröte gefangen und wollte trickreich deren Panzer knacken - er ließ sie aus großer Höhe fallen. Doch nicht der Panzer wurde zertrümmert, sondern ein Schädel. Das Schildkröten-Gehäuse landete punktgenau auf dem Kopf von Aischylos. Doppelt tragisch: Was hätte der Dramatiker aus diesem Stoff machen können.... 
 
Futter für die Sportjournalisten lieferte ein Hindernis-Rennen in New York State am 4. Juni 1923. An diesem Tag saß der Aushilfsjockey Frank Hayes auf dem Rücken eines wenig chancenreichen Pferdes namens "Sweet Kiss". Beide übertrafen sich selbst und hielten an der Spitze mit, bis kurz vor dem Ziel ein Herzinfarkt Hayer ereilte und er im Sattel zusammen sank. Trotzdem gelang es ihm, sich auf dem Pferd zu halten. Und Sweet Kiss nahm unbeirrt die letzten Hindernisse und gewann das Rennen um Kopfeslänge - mit einem Toten im Sattel. Es war der allererste (und natürlich auch letzte) Sieg von Frank Hayes und gleichzeitig das einzige Pferderennen, das je von einem toten Jockey gewonnen wurde. 
 
Im Galopp kam 1567 auch Hans Steininger ums Leben. Der Bürgermeister von Braunau (Klingelt's? Aus diesem Ort kam entsprang ein paar Jahrhunderte später noch ein weit bekannterer Österreicher) war mächtig stolz auf seinen prächtigen, einen Meter achtzig langen Bart. Zur Vorsicht rollte er ihn tagsüber meist ein. Als jedoch ein Feuer ausbrach, versäumte er dies, lief eilig los, verhedderte sich in seine Gesichtsbehaarung und brach sich das Genick. Sein mörderischer Bart wird heute noch ausgestellt. 
 
Zum Schluss noch zu Recht berühmte letzte Worte. Zunächst zwei aus der Kategorie "Großer Irrtum". Als der Schauspieler Douglas Fairbanks eine Herzattacke erlitt, antwortete er auf besorgte Fragen: "Ich habe mich nie besser gefühlt." Wenige Augenblicke später erlag er seinem Herzinfarkt. 

Wer andere unterschätzt, muss das gelegentlich büßen. Der Südstaatengeneral John Segdwick meinte im amerikanischen Bürgerkrieg: "Auf die Entfernung treffen die nicht mal einen Elefanten." Das stimmte. Die Verlustliste der Konförderierten enthielt danach wirklich keinen Dickhäuter. Aber einen von Scharfschützen erlegten General. 
 
Manche werden sagen: Er hatte einen schönen Tod. Immerhin musste er nicht lallen, sondern konnte zusammenhängend sprechen. Mit den Worten: "Ich hatte achtzehn Glas Whiskey. Ich glaube, das ist Rekord", verschied 1953 der Dichter Dylan Thomas. 
 
Kein Aufruf zur Revolution und keine pathetische Ansprache waren angeblich auf dem Sterbebett von Karl Marx zu hören. Als seine Haushälterin den Philosophen fragte, ob er noch letzte Worte hätte, schimpfte dieser: "Hinaus! Letzte Worte sind für Narren, die noch nicht genug gesagt haben!" 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 35 vom 24. 5. 21

Am langen Feiertagswochenende sind mir bei der Zeitungslektüre mehrere Fundstücke ins Auge gefallen. Als erstes ein Gerichtsurteil zum derzeit tobenden Geschlechterkrieg. Danach darf aus einem Knabenchor kein Knäbinnenchor werden. 
 
Die Mutter eines elfjährigen Mädchens hatte auf die Aufnahme ihres Kindes in den Domchor Berlin gedrängt, bisher ein reiner Knabenchor. Der zuständige Dekan der Universität der Künste lehnte dies ab. Begründung: Eine Klarinette könne ja auch nicht in einem Streichquartett mitspielen. 

Dies sah die Mutter völlig anders und klagte vor dem Berliner Verwaltungsgericht. Das wies die Klage jedoch ab. Immerhin sei das Mädchen zu einem Vorsingen eingeladen worden und dort als "nicht qualifiziert" eingestuft wurden. Und es gehöre zur Kunstfreiheit, dass Chöre sich ihre Mitglieder selbst aussuchen dürfen. 

Die Mutter aber ließ nicht locker und verwies in der zweiten Instanz auf die bessere Ausbildung, die ihrem Kind so vorenthalten würde. Doch das Oberverwaltungsgericht wies jetzt die Berufung endgültig zurück. Das Mädchen habe einfach nicht die geforderte musikalische Reife gehabt. Mein Tipp: Mit der erneuten Bewerbung bitte warten, bis das Mädchen in den Stimmbruch kommt. 
 
Den schönsten Vergleich der Woche habe ich im Streiflicht der Süddeutschen Zeitung vom 21. Mai gefunden. "Dass Andreas Scheuer noch immer als Bundesverkehrsminister arbeiten darf, steht in einer Reihe mit dem Phänomen, dass Aale in einem Gewässer, das so groß wie der Bodensee ist, zwei Tropfen einer beliebigen Substanz riechen können." 
 
Nun, dass Andreas Scheuer längst gefeuert gehört, ist für mich klar. Aber woher weiß man das mit den Aalen? Gibt es eine repräsentative Umfrage? Hat man den Bodensee hermetisch abgeriegelt, um eine entsprechende Versuchsreihe durchzuführen? Oder wurden sämtliche Substanzen einem Aaltest unterzogen, indem man ihnen einen Fisch in die Atome gebohrt und dann im Labor untersucht hat? Vor allem aber: Wozu das Theater? 
 
Die Sinnfrage lässt sich auch stellen, wenn man die aufwändige Recherche der Süddeutschen Zeitung in einer Namensangelegenheit betrachtet. Die Redaktion ist nämlich einer existenziellen Frage nachgegangen: Wer ist Oma Krawuttke? Zum Hintergrund: Der Fraktionschef der Berliner SPD hatte erklärt, Oma Krawuttke störe es nicht, dass Franziska Giffey auf ihren Doktortitel verzichtet hat. Gut und schön. Nur kommt Oma Krawuttke in keinem Telefonbuch der Republik vor. Und nach aufwändigen Recherchen des Schmunzelpost-Reporters fehlt sie ebenfalls in sämtlichen deutschen Namenslisten im Internet. 

Doch in der Vergangenheit wurde die SZ fündig: Im Februar 1949 berichtete das DDR-Zentralorgan "Neues Deutschland" über eine Frau Krawuttke, die in Berlin-Weißensee zuhause war. Die resolute Dame, damals vermutlich noch nicht im Oma-Alter, hatte einen Einbrecher auf frischer Tat erwischt und ihn derart vermöbelt, dass der Mann dankbar gewesen sein soll, als endlich die Polizei eintraf. 
 
An diesem Wochenende endete die Saison 2020/21 der Deutschen Fußball-Bundesliga. Und wie heißt der erfolgreichste deutsche Verein im laufenden Jahr? Nein, nicht Schalke 04, Ihr üblen Nachtreter. Die Blau-Weißen kamen zwar auf vier Pflichtspielsiege (bitte den DFB-Pokal mitzählen), verfehlten jedoch den erwähnten inoffiziellen Titel knapp. Und es war auch nicht Mainz 05, obwohl dieser Club sich mit einer herausragenden Rückrunde den Klassenerhalt sicherte. Streng genommen war es aber auch nicht der FC Bayern. Sondern ein Spitzenteam, das gegen hochkarätige Gegner wie den FC Diabetologie, den Bund Deutscher Baumschulen oder die Pfarrermannschaft Hattingen antritt. Es geht um den FC Bundestag, der sich aus Abgeordneten zusammen setzt. 

Trotz einer eigenen Damenkabine haben Frauen bisher noch nicht mitgespielt. Und die AfD ist allenfalls durch einen Rechtsaußen vertreten. Kapitän Güntzler: "Wenn, dann nur, falls der Jörn König vorbei kommt - oder heißt er Jörg?" Hauptsache, es ist nicht Björn Höcke - oder heißt der Bernd? Jedenfalls kann Güntzler über den FC Bundestag stolz verkünden: "Dieses Jahr haben wir noch kein Spiel verloren." Vielleicht sollte man jedoch ergänzen: Wegen Corona hat auch noch keines stattgefunden. 
 
Glückauf 
kdk 

 

Schmunzelpost 34 vom 23. 5. 21

 


Verdammt, warum funktioniert das nicht? Da schlucke ich täglich mehrere Verdünner, aber es klappt nicht - ich nehme einfach nicht ab! Dabei steht doch auf den Packungen, dass diese Pillen einen über das Blut verdünnen. Oder habe ich da was falsch verstanden und wir müssen demnächst noch ein paar Medizin-Lektionen dranhängen? 
 
Als Student habe ich mal 68 Kilo gewogen. In den letzten Jahren führe ich eine verzweifelte Abwehrschlacht, um die 90-Kilo-Marke nicht zu überschreiten. Und nun steht in meinem Klinikbericht: Allgemeinzustand gut, aber leicht adipös! Das kann doch wohl nicht am guten Essen und am Wein liegen? 
 
Jedenfalls genügt es als Ansporn, um mich mehr zu bewegen. Doch warum allein? Euch wird das auch gut tun. Fangen wir mit einem schlappen Körperteil an: Der Zunge! Nachdem Ihr gestern bereits beim Aufsagen von Vornamen trainiert habt, wollen wir uns nun Übungen zuwenden, die ordentlich Kalorien abbauen werden. Vor allem, wenn Ihr aus Verzweiflung über Euer Versagen aufspringt, im Zimmer hin und her rennt und Eure Möbel zertrümmert. 
 
Mit Amateur-Aufgaben wie "Fischers Fritze" geben wir uns natürlich nicht ab. Wir beginnen sofort eine Stufe anspruchsvoller. Bitte sprecht mir nach, aber zügig: "Mischwasserfischer heißen Mischwasserfischer, weil Mischwasserfischer im Mischwasser Mischwasserfische fischen." 
 
Wenn Ihr Eure Zungen entknotet habt, können wir uns den Merseburger Zaubersprüchen zuwenden. Der erste beschäftigt sich mit Frauen, die sich nieder setzten, mal hier, mal da. Doch bitte lest selbst. Und schön laut und schnell: Eiris sazun idisi sazun hera duoder suma hapt heptidun suma herin ledzidun suma clu bodun umbi couondo uindi inprinc hapt handun inuar ulgandun. 
 
War doch gar nicht so schwer, oder? Dann können wir ja vom Althochdeutschen ins Plattdeutsche wechseln: 
"Harr'ck ne Hark hat, harr'ck harkt hat. 
Harr'ck ne Hack hat, harr'ck hackt hat." 
Sinnloses Gestammel? Von wegen. So sagt der norddeutsche Kleingärtner: "Hätte ich eine Harke gehabt, hätte ich harken können. Hätte ich eine Hacke gehabt, hätte ich hacken können." 
Und was sagt ein Friese, der durch den Vordereingang hereinkommt? "Dör de Vordördöör dör!" Bahnhof würde der Friese verstehen, wenn ihn ein Pfälzer darauf hinweist, dass der Kaktus besser versorgt werden muss: "Wenn de deun Kakdus nit gieschd, donn verderrd der der." Die Verwirrung wird komplett, wenn sich ein Niederbayer mit dem Hinweis einschaltet, dass der Kaktus auch anderswo vertrocknen kann: "Do dadada aa dadiirn!" Und wenn der Lockdown vorbei ist und Ihr wieder shoppen geht, solltet Ihr wissen, dass es in der Pfalz in manchen Läden zwar Hemden, aber keine Hämmer gibt. Und umgekehrt. "Hemmer hem mer, awwer Hemmer hem mer kee." Warum im Ausland Urlaub machen, wenn man schon in Deutschland nix versteht? 
 
Deshalb zum Schluss noch ein kleiner Abstecher nach Hessen. Zungen bitte anschnallen: 
"Sitzt e Wermsche uff 'm Termsche mit em Schermsche unnerm Ermsche. Kimmt e Stermsche, wirft des Wermsche mit 'm Schermsche unnerm Ermsche vom Termsche." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Jetzt habt Ihr Euch ein Bier verdient. Denkt beim Trinken bitte über den Palindrom-Nachtrag von Andreas nach: Was passiert, wenn man das F von Freibier ans Wort-Ende setzt? Das kann kein Zufall sein! 
    

Schmunzelpost 33 vom 22. 5. 21

Habt Ihr Lust, Euch mal wieder mit Sprache zu beschäftigen? Ja? Danke! Bitte setzen und schon mal die Hirnwindungen auf Touren bringen!
 
Pleonasmen hatten wir ja bereits. Aber wat is eijentlisch än Dampfmaschin? Nee, nee, Fremdsprachen wie rheinisch kann ich nicht, befassen wir uns lieber auf gut deutsch mit Palindromen. Das sind Worte, die sich vorwärts wie rückwärts lesen lassen und dabei ihre Bedeutung nicht verändern. Zum Start eine Eule mit drei Buchstaben. Genau! Ein Uhu! Jetzt besorgen wir uns vom Bauern eine Egge, die sonst stets von den Neffen benutzt wird. Noch lieber sind die Racker jedoch mit dem Reittier unterwegs, um Marktkram aus dem Regallager zu holen. Wegen ihrer Jugend kriegen sie jedoch keinen Retsinakanister. Der liegt übrigens im Lagertonnennotregal.

Was mit einzelnen Worten klappt, funktioniert auch mit Sätzen. Beginnen wir mit der schlichten Frage: Lesen Esel? Die Antwort lautet: Ein Esel lese nie! Und nun eine Aufforderung:  Rettender Retter, red' netter! Zur Strafe esse ich zehn Mohrenköpfe, aber diesen Verstoß gegen die neue Korrektheit erlaube ich mir:  Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie! Geht es noch länger? Ja, es geht. Und zwar mit einem Blick in die Geschichte. Ein römischer Imperator war mit dem Abfackeln seiner antiken Metropole so ausgelastet, dass ich als Zweitfach-Historiker behaupte: Nie, Knabe, nie, grub Nero neben Orenburg eine Bank ein!

Zum Schluss noch ein englisches Palindrom,  that makes sense, really! Und zwar: A man, a plan, a canal. Panama! 
 
Als Zugabe ein bisschen Namensforschung. Wirklich nicht ausgedacht, sondern amtlich: Ein englisches Mädchen wurde von ihren Eltern mit 26 Vornamen beglückt. Vielleicht entdeckt Ihr den tieferen Sinn. Mit Nachnamen heißt das Kind Pepper, seine Vornamen lauten Anna Bertha Cecilia Diana Emily Fanny Gertrude Hypatia Inez Jane Kate Louise Maud Nora Ophelia Prudence Quince Rebecca Sarah Teresa Ulysis Venus Winfred Xenophon Yetty Zeno. Na, diese Nuss ist leicht zu knacken. Ahnt Ihr aber auch, wie das Mädchen gerufen wird? Alphabet Pepper! 
 
Ein amerikanisches Kind, das 2007 zur Welt kam, wurde ebenfalls mit 26 Vornamen gestraft. Allerdings mit einem anderen Hintergedanken. Etwa in der Mitte werdet Ihr von einer ersten Ahnung gestreift, am Ende ist die Auswahl sonnenklar. Der Spross der Familie Brown hört auf die Vornamen Autumn Sullivan Corbett Fitzsimmuns Jeffries Hart Burns Johnson Willard Dempsey Tunney Schmeling Sharkey Carnera Baer Braddock Louis Charles Walcott Marciano Patterson Johansson Liston Clay Frazier Foreman. Und alle, die ihn rufen, sind hinterher k.o. 
 
Das Ehepaar Williams gab 1984 seinem neugeborenen Mädchen nur zwei Vornamen. Aber die haben es in sich. Das Kind heißt: Rhoshandiatellyneshiaunnevehenk Koyaanisqatsiuth. Obelix würde sagen: Die spinnen, die Amis. Und Krause sagt: Dann doch lieber Klaus-Dieter! 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 32 vom 21. 5. 21

Heute habe ich mein 68. Lebensjahr vollendet! 68! Für einen, der mit 17 glaubte, mit 30 wäre man jenseits von gut und böse, ein geradezu sensationelles Alter.
 
Und ein ganz besonderes dazu. Ich bin jetzt ein echter 68er! Das heißt, für mich gelten nun die Regeln der antiautoritären Erziehung. Wenn sich also der Anbieter meiner heißersehnten Apple-Watch nicht auf den von mir beim Feilschen angestrebten Preis von 10 Euro einlässt, lege ich mich rücklings auf den Boden, strample mit den Beinen und schreie solange: "Ich will das aber!", bis er klein beigibt. Und endlich freie Liebe! An alle Frauen in Reichweite: Schnürt Eure Petticoats fest und klebt Eure Korsetts mit Sekundenkleber an - jetzt kommt der scharfe Klaus, Typ 68, der Casanova der Moderne!

Außerdem kann ich nun den Marsch durch die Institutionen antreten. Morgen gründe ich den Dorstener Ortsverein der "Grauen Panther". Und mit 100 kandidiere ich dann als Bundeskanzlerin. Spätestens dann hat die Generation Ü60 ohnehin das Sagen. 
Wenn da nur die Schattenseiten des Alterns nicht wären! Davon erzählt mein schonungslos offenherziges Gedicht.

Altern ist was für Masochisten 
 
Wie geht‘s? Danke, und selbst? 
 
Hört her, ich sag, wie‘s wirklich ist: 
 
das böse Alter nagt und frisst. 
 
Tagtäglich zwickt der krumme Rücken, 
 
beim Gehen, beim Steh‘n und auch beim Bücken. 
 
Und machst Du einen kleinen Schritt, 
 
dann kommt der Schmerz und macht ihn mit. 
 
Versuchst Du es mit großen Schritten, 
 
dann wird noch dreimal mehr gelitten. 
 
Wagst Du gar einen langen Marsch 
 
- Du ahnst es schon, der ist für‘n Arsch. 
 
Für‘n Arsch? Das hätt‘ ich gern gemieden. 
 
Wen juckt das? Bloß die Hämorrhoiden. 
 
 
 
Auch der Kopf wird kahl und kahler 
 
und um die Nase fahl und fahler. 
 
Und traust Du Dich, schaust in mein Maul, 
 
dann merkst Du schnell: Da ist was faul. 
 
Tief unten in dem dunklen Schlund, 
 
da geht es manchmal richtig rund. 
 
Ein Männlein singt von sieben Brücken. 
 
Doch ehrlich: Dort sind lauter Lücken. 
 
So kann ich „La Paloma“ pfeifen. 
 
Wann wird der Maffay das begreifen? 
 
 
Das reicht doch wohl. Was kommt denn noch? 
 
Mein Herz pfeift aus dem letzten Loch. 
 
Diese allerneueste Plage, 
 
bringt mich derzeit so in Rage, 
 
dass dieser Rhythmus 
 
bei dem jeder mit muss, 
 
kommt ganz aus dem Takt - 
 
es droht mir der finale Akt. 
 
 
Drum schluck' ich jetzt, ganz gegen meinen Willen, 
 
bereits zum Frühstück tausend Pillen. 
 
Wenn‘s hilft, dann bleib ich noch ein Jährchen. 
 
Vielleicht sprießen sogar neue Härchen. 
 
Arznei wirkt manchmal wahre Wunder, 
 
mit jedem Tag werd‘ ich gesunder. 
 
 
Doch klappt es nicht, geht alles schiefer, 
 
dann lieg‘ ich 'ne Etage tiefer, 
 
dreh‘ mich im Sarg gemütlich auf den Bauch. 
 
Und denke still: Bald kommt Ihr auch! 
 
 
Glückauf 
kdk 

 

Schmunzelpost 31 vom 20. 5. 21

Mein Herz ist wieder im Takt. Und ich bin wieder zuhause. Das bedeutet aber keine Entwarnung. Es lässt sich nicht ermitteln, wie lange der Rhythmus bereits gestört war und ob schon Gerinnsel im Blutkreislauf sind. Um das Schlaganfall-Risiko zu minimieren, muss ich täglich mehrere Blutverdünner schlucken. Außerdem Beta-Blocker gegen zu hohen Blutdruck. Und ich soll permanent kontrollieren lassen, ob das Vorhofflimmern wieder auftaucht, was nach drei Wochen, zwei Jahren oder, wenn ich Glück habe, nie der Fall sein könnte. Zudem wurde noch ein Herzklappenfehler entdeckt. 
 
Trotzdem ist mit dem Verlassen des Krankenhauses meine gute Laune zurück gekehrt. Die wäre für die heutige SP-Folge gar nicht nötig gewesen: Den Text habe ich schon am Sonntag vorproduziert: 
  
Die beste Unterhaltung gibt es manchmal nicht im Fernsehen, im Radio, im Internet oder bei Netflix. Die beste Unterhaltung gibt es zum Nulltarif. Man begegnet ihr mitten im prallen Leben, wenn man den Unterhaltungen anderer Leute zuhört. Ein schlechtes Gewissen muss man deshalb nicht haben. Die Lautstärke beweist, dass kein Wert auf Diskretion gelegt wird. 
 
So erregte in Hameln ein Mann Aufsehen, der minutenlang vor einem Dekogeschäft hin und her tigerte, in dem seine Frau nach Schnäppchen Ausschau hielt. Schließlich hielt er es nicht mehr aus und stürmte scheinbar total aufgeregt in den Laden und auf seine Gattin zu. Dabei brüllte er freudig: "Schatz, Schatz, komm schnell her, ich habe was gefunden!" Sie kam erwartungsvoll auf ihn zu: "Ja, was denn?" Er: "Den Ausgang!" 
 
Weil ihre Zahl wächst, wird es für Obdachlose und Bettler immer schwieriger, an Geld zu gelangen. Der alte Spruch: "Hasse ma 'nen Euro?" zieht nicht mehr. Es braucht neue Geschäftsideen. In Berlin wurde jetzt ein Altpunker beobachtet, der vor Passanten plötzlich aufspringt und ruft: "Ey! Gebt mir Geld für Kondome, damit wir nicht noch mehr werden!" 
 
Den folgenden, etwas längeren Wortwechsel habe ich nicht  im Marler Krankenhaus belauscht. Er soll sich  in einer Hamburger Klinik genauso abgespielt haben. Ort der Handlung ist ein Krankenzimmer, in dem zwei schwangere Frauen liegen. Eine davon fällt dadurch auf, dass sie dauernd nach der Schwester klingelt, obwohl sie durchaus selbst aufstehen könnte. Es ist wieder so weit. Sie klingelt, die Schwester kommt rein. 
 
Schwester: Ja, bitte? 
Frau: Ich hätte gern einen Apfel. 
Schwester: Okay, ich schaue in der Küche nach, ob wir einen haben. 
Frau: Nicht nötig, ich habe ja welche hier. 
Schwester: Hä? 
Frau: In der Tüte auf der Fensterbank. Bringen Sie mir doch einfach einen rüber. 
Die Krankenschwester rollt mit den Augen, geht zum Fenster, holt einen Apfel aus der Tüte und reicht ihn mit großer Geste der Patientin. Die nimmt ihn aber nicht. 
Frau: Können Sie mir den nicht waschen und schälen? 
 Die Krankenschwester gibt ein Geräusch von sich, das verdächtig nach einem Knurren klingt, dreht sich auf dem Absatz um und verlässt mit dem Apfel den Raum. Nach einigen Minuten geht die Tür auf und die Schwester tritt ein. Auf einem Teller liegt der Apfel, säuberlich geschält, in Spalten geschnitten und sternförmig angeordnet. Die Schwester präsentiert ihr Werk mit der Grazie einer professionellen Kellnerin. 
Doch die Frau plärrt: Sie sollten ihn nur waschen und schälen, nicht SCHNEIDEN! 
Schwester: Ich musste ihn aufschneiden, sonst hätte ich das Strychnin nicht hineinbekommen. 
Spricht's und rauscht aus dem Zimmer. 
Die Frau wendet sich ihrer Zimmergenossin zu: Du? Ist Strychnin was Unanständiges? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Aus bekannten Gründen habe ich es mir diesmal leicht gemacht und die Episoden zwei Standard-Werken entnommen: "Entschuldigung, sind Sie die Wurst?" sowie "Entschuldigung, wo geht's hier geradeaus?"

 

 Schmunzelpost 30 vom 19. 5. 21

Heute wenden wir uns den Gaumenfreuden zu. Ich habe, wie Ihr wisst, weder Umstände noch Mühen gescheut, um als Undercover-Agent für einen Klinik-Gourmet-Führer ins Marler Marienhospital eingeliefert zu werden. Denn wo spielt die Essensqualität eine größere Rolle als in einem Krankenhaus? Den einen soll die dargereichte Kost durch Vitamine und Nährwerte wieder gesund machen, für den anderen ist sie die Henkersmahlzeit. Und manchen ausdauernden Patienten beflügelt sie, sein Bett endlich zu räumen, weil ihm sogar der häusliche Dosenfraß besser schmeckt. Dem Vernehmen nach gibt es riesige Unterschiede. In manchen Häusern muss enorm gespart werden, bei anderen haben sogar Spitzenköche angeheuert, weil die Arbeit in Kliniken weit weniger stressig ist und die Arbeitszeiten viel menschenfreundlicher sind als in Sternerestaurants. 
 
Und da kommt schon der erste Gang, charmant serviert von Pfleger Otto Kowalski, zuvor lange Zeit Bergmann auf Zeche Auguste Victoria. Was für ein beeindruckendes Spiel seines tatoogeschmückten Bizeps, als er mir mein Tablett punktgenau über den langen Seitenarm meines Beistelltischchens herüber schießt! Und bloß ein Viertel der Suppe ist dabei über den Tellerrand geschwappt. 
 
Die Suppe starrt mich an. Kommt sie aus der Abteilung für Augenkrankheiten? Iwo, alles Fettaugen! Denn in der lauwarmen Flüssigkeit - ich notiere: "Erster Pluspunkt: An dieser Suppe kann sich kein Patient den Mund verbrennen" - schwimmen undefinierbare Schwabbelbrocken. Ich probiere vorsichtig: "Hmmm, köstlich! Ist das Fisch oder Fleisch?" frage ich Otto, der grinsend den Kraftakt beobachtet hat. "Weder, noch", antwortet der Pfleger. "Einmal in der Woche wird der Boden im OP-Saal ausgekehrt. Und im Zeichen der ökologischen Wiederverwertung soll ja nichts weggeschmissen werden." Ja, sie haben einen goldenen Humor, die Beschäftigten dieser Klinik. 
 
Das beweist auch der Hauptgang. "Was ist das denn?" Otto hilft mir auf die Sprünge: "Vuallah! Kottlett a la Marlandie mit Pomm de Teer." Aus einer zähen braunen Tunke, vermutlich einer Mischung aus Torf und den Kräutertee-Resten vom Vortag, ragen dicke Knochen heraus, an denen reichlich gelblich-weißes Fett klebt. Darum herum, durchaus künstlerisch angeordnet, gruppieren sich große gläserne Kuppeln, die entfernt an Kartoffeln erinnern. Den farblichen Kontrast bilden blass-orangene Karottenscheiben, die wunderbar transparent geschnitzt sind. Optischer Eindruck: Hui!, geschmacklicher Eindruck: Urgh! 
 
Vorsichtig hebe ich den Deckel vom dritten Teller. Ottos Grinsen wird noch breiter. "Fruchtsalat nach Art des Hauses, guten Appetit!" Wenn ich genau hinschaue sehe ich eine halbe Erdbeere, sorgfältig in vier Teile zerlegt, in der Mitte eine komplette (!) schwarze Johannisbeere, das Ganze umgeben von sechs dünn geschnittenen Apfelscheiben. "Können Sie mir bitte das passende Werkzeug reichen?" Ottos Grinsen schwindet. "Wieso? Dessertgabel und Löffel liegen doch daneben." "Ja, das stimmt. Aber die Lupe fehlt." Es ist ein schönes Gefühl, bei so einem Wortwechsel auch mal die Oberhand zu behalten. 
 
Doch die Freude hält nicht lange vor. "Eine Zugabe habe ich noch in petto", erklärt Otto und grinst bereits wieder. "Nach der Premiere schaut unser Küchenmeister stets persönlich vorbei, um sich zu erkundigen, ob Wünsche offen geblieben sind." Kaum hat er das letzte Wort gesprochen, da fliegt die Tür auf und ein zwei Meter großes Muskelpaket schießt herein, dessen Funktion ein ehemals weißes Gebilde auf seinem Quadratschädel ausweist. "Na, wie hat es uns denn geschmeckt?" "Uns?", frage ich zurück. "Ich weiß ja nicht, was Sie gegessen haben." Er krempelt seine Ärmel hoch und beugt sich vor. "Was mich betrifft", schiebe ich schnell hinterher, "ich habe nichts zu meckern." Er nickt zufrieden. "Schönen Tach noch", sagt er und verlässt zusammen mit Otto mein Zimmer. "Und morgen dann bitte richtiges Essen", rufe ich mutig hinterher, als die Tür ins Schloss gefallen ist. 
 
Nun zu meiner abschließenden objektiven Gesamtbewertung. "Die Komposition zeichnete sich durch ihr alle drei Gänge umfassendes gleichmäßiges Niveau aus. Das Essen war schmackhaft und durch die Bank sehr gut zubereitet. An der Qualität gab es nicht das Geringste auszusetzen. Und dass alle Zutaten den hohen gesundheitlichen Ansprüchen des Hauses vollauf genügten, wird Ihnen der Chefkoch gern bestätigen, der neben meinem Bett steht." So, guter Mann, und jetzt nehmen Sie bitte endlich das Messer von meiner Kehle. . . 
 
Glückauf 
kdk     
 
PS. War nur Spaß! Das Mittagessen war, tja, sagen wir, essbar. Kantinenniveau, der Hunger treibts `rein. Und jetzt, Otto, leg endlich die Axt beiseite und verschwinde. 
 
PSS. Was sonst noch geschah: Heute morgen gab es um 7 Uhr nur einen Haufen Tabletten. Das Frühstück fiel aus, weil ich vor der Untersuchung nüchtern bleiben musste.  Danach ging es im Rollbett quer durch die Klinik zum EKG, das, diesmal nach nur 10-minütiger Wartezeit im Flur, auch prompt erstellt wurde. Von einer sehr freundlichen Krankenschwester, wie überhaupt das gesamte Pflegepersonal nett ist. Dann wurde ins Herz geguckt, um zu prüfen, ob sich dort schon erste Klumpen gebildet haben. "Wir fangen extra schon um 9 Uhr mit Ihnen an, damit Sie gleich danach frühstücken können", verhieß der Arzt. Und die Krankenschwester ergänzte: "Sie kriegen aber schon jetzt was zu schlucken. Der Weg zum Herzen führt nämlich durch die Speiseröhre. Dazu eine gute und eine schlechte Nachricht. Erst die gute: Wir schläfern Sie bei der Untersuchung ein. Und die schlechte: Zu Beginn sind Sie noch halbwach, weil Sie uns beim Einführen in die Kehle helfen müssen - das Teil ist etwa so groß wie eine kleine Kartoffel!" 
 
Zum Glück fiel ich daraufhin sofort in Ohnmacht, so dass ich von allem weiteren nichts mitbekam. Als ich wieder erwachte, war es Viertel vor Zehn. Danach lag ich im Rollbett und wartete. 30 Minuten, 60 Minuten, 90 Minuten. Dann ging es wieder auf mein Zimmer und eine überaus freundliche Dame befragte mich nach meinen Wünschen fürs Frühstück, fürs Mittagessen und fürs Abendbrot. "Das Frühstück bitte nicht so reichlich, sonst habe ich gleich zu Mittag ja keinen Hunger." Sie schaute mich mit großen Augen an: "Das ist die Speisefolge für Mittwoch, heute fällt das Frühstück aus, denn in 30 Minuten kommt ja schon das Mittagessen." 
 
Damit endete auch der aktive Teil des Tages. Seitdem hänge ich herum wie eine Ferdinand-Sauerbruch-Gedächtnis-Tanne, denn an mir baumeln eine Vielzahl von Akkus und Geräten. Vor allem das 24-Stunden-EKG durch eine Manschette, die sich immer wieder aufbläst und meinen linken Oberarm quetscht, macht mich rammdösig. Das wird wieder eine schöne Nacht! 
 
Wenigstens habe ich es mit meinem Bettennachbar gut getroffen. Er hat zwar einen schweren Makel - er ist BVB-Fan - aber ansonsten ist der pensionierte Sonderschullehrer ganz in Ordnung. Gerade packt er seine Sachen, so dass ich heute Abend das Zimmer ganz für mich allein habe. 
 
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Gerade ging die Tür auf und ich hielt erwartungsvoll nach meinem Abendessen Ausschau. Es war aber der Chefarzt. Und der sorgte für ein überraschendes Happy-End. Ohne mir etwas zu sagen, hatten sie die Elektroschock-Geschichte gleich mitgemacht. Und es hat im ersten Anlauf geklappt. Wenn dies morgen früh auch noch mein Langzeit-EKG bestätigt, kann ich um 11 Uhr das Krankenhaus verlassen. Ich soll aber in den nächsten Wochen den Herzrhythmus häufiger kontrollieren, weil solche Beschwerden die Neigung haben, wiederzukehren. Ich habe mich beim Arzt erkundigt, was er von der (von Silvia und Hubert empfohlenen) Apple-Watch hält. Er sagt, dass er zwar nicht gern Werbung macht, aber dieses Gerät sei das einzige, das bisher wirklich verlässliche EKGs am Armgelenk erstellt. "Ich weiß nicht, wie, aber es funktioniert!" Es lebe die Technik!  


Schmunzelpost 29 vom 18. 5. 21

Hier kommt der erste Lagebericht vom Chaos-Clinik-Computer-Club. (Ja, ich weiß, Klinik schreibt sich korrekt mit K, aber was tun Journalisten nicht alles für eine Alliteration.) 
 
Am frühen Vormittag betrat ich heute das Marienhospital in Marl. Und musste mich in eine Schlange an der Zentralen Aufnahme einreihen, gegen die deren Verwandte vor Käse Steinkopf allenfalls ein Würmchen war. Gleichzeitig bekam ich mit, wie fast pausenlos die Telefone schrillten und die Damen hinter dem Empfangsschalter von der eigentlichen Arbeit abhielten. "Nein, wir können keine weiteren Patienten mehr annehmen, ich habe bereits 18 Leuten abgesagt." 

Den Spruch beherrschte ich in nullkommanix auswendig, weil er im Minutentakt wiederholt wurde. Wobei sich merkwürdigerweise an der Zahl 18 nichts änderte. Als ich Platz nehmen durfte, musste die Verwaltungskraft schnell mal für kleine Mädchen, so dass ich in arge Versuchung geriet, selbst den Hörer der unverdrossenen Lärmquelle abzunehmen und die Zauberworte zu sprechen. Ich konnte mir das jedoch verkneifen, zumal ich mir mittlerweile Sorgen machte, trotz vorheriger telefonischer Zusage abgewiesen zu werden. 

Diese Angst war unbegründet. "Ich entnehme meinen Unterlagen, dass Sie ein Notfall sind. Dann hätten Sie sich hier gar nicht anstellen brauchen. Gehen Sie bitte rüber zum Notfall-Schalter. Und seien Sie froh! Hier hätten Sie drei, vier Stunden warten müssen." 
Sofort kam mir die Krankenhaus-Geschichte von Horst Evers in den Sinn, in der er frohlockend: "Notfall! Ich bin ein Notfall!" rufend an den anderen Wartenden vorbei schreitet. 

Der Notfall Krause wurde gebeten, sich ein paar Minuten zu gedulden und so lange in einem langen Schlauch-Korridor Platz zu nehmen. Also saß ich da und wartete. 30 Minuten. Ich saß da und wartete. 60 Minuten. Ich saß da und wartete. 90 MInuten. Ich saß da und wartete. 120 Minuten. Immerhin war ich nicht allein. Im Flur saßen mit mir noch mindestens 20 weitere Patienten. Waren das auch alles Notfälle? 

Hin und wieder öffnete sich die Tür eines der zehn Untersuchungszimmer und jemand rief: "Herr Hutziputzli?" und nochmal: "Herr Hutzliputzli!" Nach dem dritten Aufruf schleppte sich dann entweder ein Patient vom anderen Ende des Ganges heran oder Herr Hutzliputzli (oder Frau Wasweißdennich usw.) hatte inzwischen etwas Besseres zu tun und wurden von der Liste gestrichen. Daher widerstand ich tapfer den dringenden Appellen meiner Blase, meinen Platz zu verlassen und die Toilette aufzusuchen. 

Und tatsächlich: Jetzt öffnete sich auf der anderen Seite der Milchstraße eine Tür und ein zartes Stimmchen wisperte: "Herr Krause?" "Ich komme!", rief ich zurück, raffte meine Sachen zusammen und machte mich auf den weiten Weg zum vermeintlichen Behandlungszimmer. Dort musste ich ausführlich über den Grund meines Hierseins berichten, Formulare unterschreiben und eine Tragetasche mit Unterlagen und Duschset in Empfang nehmen. Dann hieß es: "Nehmen Sie bitte nochmal draußen Platz, es geht gleich weiter." 

Ernüchtert kehrte ich in den Flur zurück, in dem inzwischen dreißig Notfälle warteten. Allmählich meldete sich mit vernehmlichen Knurren mein Magen. Denn ich hatte bereits um 8 Uhr gefrühstückt und inzwischen war Mittagszeit. Nicht nur das. Köstliche Essensgerüche waberten durch den Gang, in dem ich saß und wartete. Diesmal jedoch nur 30 Minuten. Dann begannen endlich die Untersuchungen.

 "Eigentlich müssten wir einen gründlichen Corona-Test mit Ihnen machen und Sie dann 24 Stunden auf der Isolierstation unterbringen", hieß es. "Aber Sie haben Glück. Dort sind sämtliche Zimmer belegt. Wir belassen es bei Ihnen bei einem Schnelltest, zumal Sie ja sowieso ein Einzelzimmer bekommen." "Das ist mir recht", antwortete ich, "aber sagen Sie: Gibt es hier irgendwo was zu essen? Ich habe seit heute früh nichts mehr in den Magen gekriegt." "Tut mir Leid, da ist nichts zu machen, ich habe auch um 6 Uhr das letzte Mal gegessen. Sie könnten höchstens ins Erdgeschoss laufen, da steht ein Süßigkeitenautomat." Wir beschlossen beide, bis zum Abendbrot durchzuhalten und lenkten uns mit einem EKG und der Blutabnahme ab. 

Danach fand ich mich im Flur wieder. Dort saß ich und wartete. 30 Minuten.  60 Minuten. Diesmal gab es immerhin ein Unterhaltungsprogramm. Alle paar Minuten brüllte jemand vom Parallelflur "Hallo!" durch das Haus, dass die Wände wackelten. Zunächst überlegte ich, ob Hallo der Bruder von Herrn Hutzliputzli sein könnte, verwarf den Gedanken aber schnell wieder.

Als die Rufe nicht verstummen wollten, löste das schließlich Diskussionen aus. "Sollten wir nicht mal nachschauen? Vielleicht ist ja jemand auf der Toilette eingeschlossen?" "Oder eine hilflose Person ist aus dem Rollstuhl gefallen." "Ach was, darum hätten sich die Schwestern und Krankenpfleger längst gekümmert." "Vielleicht ist das ein Verwirrter, der geglaubt hat, er wäre schon nach 30 Minuten an der Reihe?"

 Nach 20 Minuten kehrte Ruhe ein. Und ich wurde zum Röntgen gebeten. Die Schwester entschuldigte sich vorher vielmals für die lange Wartezeit und die Widrigkeiten. "In letzter Zeit ist immer viel zu tun, aber so chaotisch wie heute war es noch nie. Doch jetzt dauert es nicht mehr lange. Wenn Ihr Einzelzimmer bezugsfertig ist, sage ich Ihnen sofort Bescheid." 
Halbwegs versöhnt kehrte ich zu meinem vertrauten Stuhl zurück. Und saß da und wartete. Und saß da und wartete. Und saß da und wartete.

Zwischendurch schaute ich aus dem Fenster, um Ausschau zu halten, ob sie vielleicht ein Grab für den zähen Patienten schaufelten, der sich weigerte, mein Einzelzimmer zu räumen. Endlich, inzwischen war es 17 Uhr, ertönten die erlösenden Worte: "Herr Krause, Ihr Zimmer ist jetzt frei." Ich atmete auf. "Allerdings ist es kein Einzelzimmer, sondern ein Zweibettzimmer, da ließ sich leider nichts machen. Und Ihr Mitbewohner muss morgen früh zur Darmspiegelung, es könnte also für Sie beide eine unruhige Nacht werden." 
 
Das üppige Abendessen bestand übrigens aus zwei trockenen Brotscheiben, zwei dünn geschnittenen Scheiben Käse und einer zweigeteilten Wurstscheibe. Dazu gab es einen Fingerhut voll Yoghurt. 
 
(Fortsetzung folgt) 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich bin Euch noch die Drafi-Deutscher-Auflösung schuldig. Der Freistaat Bayern untersagte seinerzeit die Ausstrahlung des Schlagers "Marmor, Stein und Eisen bricht" im Bayerischen Rundfunk wegen der falschen Grammatik.  Es müsste eigentlich "Marmor, Stein und Eisen brechen" heißen. . . 
 

 Schmunzelpost 28 vom 17. 5. 21

Nach dem Lektüre-Sonntag möchte ich heute wieder auf ein paar Fundsachen hinweisen und sie mit eigenen Überlegungen verknüpfen.  Im Spiegel gab es ein Interview mit Michael Maar, einem Literaturkritiker und Schriftsteller, dessen Neuerscheinung "Die Schlange im Wolfspelz" für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert ist. Maar ärgert sich über Platitüden und Worthülsen, die häufig in geschriebene wie gesprochene Texte eingestreut werden, mitunter, ohne dass die Leute es selbst registrieren. Die Spiegelredakteure verwiesen auf eine New Yorker Bar, aus der Gäste rausfliegen, wenn sie das offenbar dort inflationär gebrauchte Wort "literally" (zu dt.: buchstäblich) verwenden. 
 
Mir ist vor dreißig Jahren aufgefallen, dass ich ständig "irgendwie" in meine wörtliche Rede eingebaut habe, ohne es zu merken. Mit ein wenig Mühe konnte ich die Unart abstellen. Inzwischen ärgert mich, wenn ich Leuten zuhören muss, die in jedem zweiten Satz "sozusagen" als Füllwort benutzen. Das greift leider immer mehr um sich und ich erwische mich dabei, mitzuzählen, statt mich auf den eigentlichen Sinn ihrer Rede zu konzentrieren. Ähnlich ging es mir schon mit der Floskel "ein Stück weit", die aber nicht ganz so oft mein Trommelfell belästigte. 
 
Und für welche Floskeln würde Maar gern ein Hausverbot aussprechen? Da gibt es ein paar Kandidaten: "Total spannend" zählt dazu, aber auch "alles gut". Auch "über den Tellerrand gucken", "auf Augenhöhe" und "sich neu erfinden" stehen auf seiner schwarzen Liste. Als Füllwörter hat er "genau" und "zeitnah" ausgemacht. 
 
Ist der Kampf gegen solche Begriffe nun ein weiterer Glaubenskrieg wie die Ablehnung der Gendersprache? Oder vertritt Maar ein berechtigtes Anliegen? Das muss jeder je nach Vokabel für sich entscheiden. Maar sagt: "Viele Metaphern oder Adjektive waren gut. Aber nach millionenfacher Benutzung sind sie eben abgeschliffen." Und er führt Nietzsche ins Feld: "Den Stil verbessern heiße, den Gedanken zu verbessern. Das ist eine ganz schlichte Grundwahrheit. Die Klarheit des Gedankens, die Genauigkeit des Gedankens und der Stil sind Geschwister." Zeige mir, wie Du sprichst und ich sage Dir, ob Du denkst? Genau! Ich glaube, das kann man ein Stück weit so formulieren, damit wir, sozusagen, zeitnah auf Augenhöhe sind. 
 
Wem das jetzt für eine Schmunzelpost zu unkomisch war, der darf sich den Morgen mit zwei Bonbons aus dem Querspiegel versüßen. Die Rheinische Post hat ein neues Hobby entdeckt. Oder ist es ein Beruf mit Zukunft? Die Überschrift lautete jedenfalls: "Schweinwerfer: Einige sind nur bedingt erlaubt". 
 
Und unser Bundesgesundheitsminister offenbarte in einem Videointerview der "Welt" eine gewisse mathematische Schwäche. Jens Spahn wörtlich: "Aber schauen Sie, wir haben jetzt jeden vierten Deutschen geimpft. Diese Woche wird es noch jeder fünfte werden." 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 27 vom 16. 5. 21 

Vielen Dank für all die guten Wünsche, die mich per Mail, Whatsapp oder Anruf erreicht haben. Und einen besonderen Dank an Martin Velling, der mir die Arbeit für die heutige Folge komplett abgenommen hat. 
 
Glückauf 
kdk 
 
Wollt'st uns aus der Reserve locken?
Laut tönen des Alarmes Glocken (.....)!
Da war doch was! Lang, lang ist's her!
So 50 Jahre - oder mehr?
Das ist doch aus . . .? Was war's noch gleich?
Das Hirn, das wird wohl langsam weich!
Das Alter sich bemerkbar macht,
statt Erinn'rung rabenschwarze Nacht!
Ein Geistesblitz? Nee, weit entfernt!
Dabei haben alle wir's gelernt!
Doch plötzlich "schillert" ein leichter Schein -
dringt peu à peu in's Kleinhirn ein:
es fällt wie Schuppen aus den Haaren,
woraus all die Zitate waren:
Wort 3, Zeile 11 & Wort 5, Zeile 2 -
schon fliegt die Lösung flugs herbei:
Es war ein Arzt aus Württemberg
mit Hobby "dichterisches Werk" -
er hat die Glocke einst verbruchen (sorry, dichterische Freiheit!),
weshalb ihn Schüler meist verfluchen!

S t i m m t ' s ?

Es gibt für faule Schüler übrigens eine Kurzversion vom "Lied von der Glocke":

Loch in Boden, Bronze rin,
Glocke fertig, bim-bim-bim.

Was ist übrigens paradox?
Wenn ein Goethedenkmal durch die Bäume schillert.

Wer ist (zu guter Letzt) der Schutzpatron der Glockengießer und Glöckner?
Der heilige Bimbam!

Und (zu guter Allerletzt) ein Schillerwitz:

Herr und Frau Neureich geben eine Abendgesellschaft,
man parliert über große deutsche Dichter, zum Schluss geht es um Schiller.
Da plötzlich platzt Frau Neureich heraus: "Ach ja, der große Schiller!
Neulich hab ich ihn noch in der Linie 6 zum Bahnhof fahren sehen!"
Betretenes Schweigen, Herr Neureich wird puterrot, leitet mühsam zu einem anderen Thema über, die Gäste verabschieden sich nach und nach. Als Neureichs alleine sind,
poltert er los: "Sag mal, wie konntest du uns vor all den Leuten nur so furchtbar blamieren???"
Sie: "Wieso???" Er: "Die Linie 6 fährt doch gar nicht zum Bahnhof!!!!!"

Gruß, Martin 

 

 Schmunzelpost 26 vom 15. 5. 21

Na, habt Ihr sofort erkannt, woher die 15 Gedicht-Zitate stammten? Na klar, wer kennt nicht die berühmte Ballade von Friedrich Theodor Rübezahl: "Der Birnbaum des Zauberlehrlings"? Bevor ich mich völlig in Albernheiten verliere: "Das Lied von der Glocke" ist natürlich von Friedrich Schiller. Ich musste es als Schüler auswendig lernen, was mir Klassiker damals verhasst machte. 
 
Heute habe ich immer noch ein paar Textstellen im Kopf, konnte mich an manches jedoch nicht mehr erinnern. Vor allem, dass das "Auge des Gesetzes" von Schiller eingeführt wurde, hat mich überrascht. 
 
Lassen wir uns nun überraschen, womit ich Euch heute überraschen kann. Wo wir uns gerade an den Deutschunterricht erinnern - für zwei von Euch bedeutete der sogar die Höchststrafe "berufslebenslänglich" - können wir vielleicht mit Pleonasmen beginnen. (Den Fachausdruck habe mir gerade erst angelesen, für mich heißt das doppelt gemoppelt). Jedenfalls rutschen uns immer wieder solche Ausdrücke heraus, obwohl wir den "weißen Schimmel" doch eigentlich vermeiden wollen. 
 
Herum gesprochen hat sich mittlerweile, dass der Begriff "vorprogrammiert" eigentlich Quatsch ist, weil die Programmierung das "vor" bereits beinhaltet. Häufig gebraucht wird auch die "überwiegende Mehrheit". Doch habt Ihr schon einmal eine Mehrheit gesehen, die im übertragenen Sinne nicht überwiegt? Die gibt es vermutlich nur bei manipulierten Wahlen. Wenn man das Wort seziert, ist auch "Rückerstattung" Blödsinn. Oder wollt Ihr die Erstattung wieder zurück überweisen? 
 
Überfordert war ich bei fremdsprachlich geprägten Begriffen. Dass Guerillakrieg eine Dopplung ist, habe ich nicht gewusst. Doch "Guerilla" bedeutet kleiner Krieg.  Ähnliches gilt für die Glasvitrine (Vitrine gleich durchsichtiger Schaukasten). Und wie ist das mit dem kleinen Obolus? Obolus ist griechisch und bedeutet, Überraschung, kleine Geldspende. Baff war ich beim Wort Pulsschlag. Ich bin kein Lateiner. Dass ich damit "Schlagschlag" sage, war mir nicht bekannt. 

 Keine Gedanken hatte ich mir auch über die PIN-Nummer gemacht. Wer weiß denn schon, dass PIN als Abkürzung für Personal Identification Number steht? Nebenbei: Unsere Volontäre habe ich ab und zu darauf hingewiesen, dass die Mehrzahlbildung Pkws und Lkws Unsinn ist. Kraftwagen bleibt Kraftwagen, sowohl in der Einzahl wie in der Mehrzahl, auch ohne angehängtes s. Apropos Zahlen: Jetzt könnt Ihr zusammenaddieren (hi, hi), wie viele Pleonasmen das waren.  
 
Zum Schluss mache ich mich anheischig, 23 vom Aussterben bedrohte Wörter zu retten. Denn wir müssen höllisch auf dem Quivive sein, dass wir dem Chaiselounge nicht den Laufpass geben. Sonst könnte es passieren, dass es, eins, zwei, Fidibus, mit dem Rollschuh in der Sommerfrische verschwindet. Dort hält sich vielleicht schon der Oheim auf, der nach kurzem Poussieren dem Eidam seinen Backfisch ausgespannt und ihn so zum Hahnrei gemacht hat. Da soll man sich nicht inkommodieren! Ich habe sofort mit einer Depesche und einem Telex mein Gesinde informiert, damit solch ein Zwist kujoniert werden kann. Nach getaner Tat kleidete ich mich in mein Jugend-Wams und warf die Jukebox an. Es ertönte: "Marmor, Stein und Eisen bricht, nur die deutsche Sprache nicht!"

Abschlussfrage: Warum durfte dieser Schlager von Drafi Deutscher vom Bayerischen Rundfunk nicht gesendet werden? 
 
Glückauf 
Klaus  
 
PS. Manchmal kommt es anders und zweitens, als man denkt. Deshalb folgt dieser Schmunzelpost noch eine zweite Mail in eigener Sache. 

 

Schmunzelpost 25 vom 14. 5. 21

Eigentlich ist die für den 14. Mai bestimmte Folge versandbereit. Doch sie muss warten, mir ist das Schmunzeln vergangen. Heute bekam ich die Nachricht, dass mein guter Freund Rainer, seit Beginn auf der Empfängerliste dieser Mailreihe, im Krankenhaus gestorben ist. Ich kannte und schätzte ihn seit der gemeinsamen Schulzeit vor mehr als 50 Jahren. 
 
Zum Tode führte wahrscheinlich ein Blutgerinnsel, dass zunächst eine Herzklappe verstopfte, bevor abbröckelnde Teile Schlaganfälle auslösten. Rainer hat schon als Jugendlicher geraucht und kam von den Zigaretten niemals los. Deshalb meine erste Bitte an Euch: Falls Ihr selbst raucht, lasst es sein! Jeder fünfte Raucher bekommt Lungenkrebs. Und die Gefahr anderer Gesundheitsschäden, vor allem für Herz und Kreislauf, ist ebenfalls groß. Daher sollten wir nicht nachlassen, qualmende Freunde und Bekannte darauf hinzuweisen, auch wenn sie das nervt! 
 
Und nun zur zweiten Bitte: Für alle, die den Ü-50-Äquator überschritten haben, gilt: Lasst uns jeden Tag und die Zeit, in der es uns gut geht, intensiv genießen - wir wissen nicht, wie lange das möglich ist. 
 
Alles Gute 
Klaus 

 Schmunzelpost 24 vom 13. 5. 21

Nach dem gestrigen Prosatext komme ich Euch heute lyrisch. Erwartet bitte keine feinsinnige Poesie. Ich schätze, es wird eher ein Machwerk entstehen. Denn in diesen Reimen stecken insgesamt 15 Redensarten und Sprichwörter, die allesamt aus einem einzigen Gedicht stammen, aber mittlerweile in der deutschen Sprache auch auf eine erfolgreiche Solokarriere zurückblicken können. Preisfrage: Wie heißt das Original-Gedicht und wer hat es geschrieben? Kleine Hilfe: Johann Wolfgang Krause war es nicht.
 
Freud und Leid sind Geschwister
 
Der Wecker klingelt, die Nacht ist vorbei. 
Er möchte noch schlafen, so gern hätt' er frei. 
Doch der Mann muss hinaus ins feindliche Leben, 
schaut kurz auf sein Bett, was würd' er drum geben, 
noch ein Stündchen zu bleiben, doch sein Glück ist zerronnen, 
er hat schon wieder nicht im Lotto gewonnen. 
Dabei glaubte er fest an den Einfluss der Sterne. 
Wie sagte doch seine Mutter so gerne? 
"Drei, vier, zehn, elf, zwölf und zum Schluss dreiunddreißig, 
das sind die Zahlen zum Glück, mein Sohn, ja, das weiß ich. 
Dafür wirst Du Deine Mutter loben, 
doch der Segen kommt von oben." 
 
Jau, hat er gedacht, das werd' ich mal versuchen, 
um nach der Ziehung dann zu fluchen: "Pustekuchen!" 
Denn mit des Geschickes Mächten 
ist kein ewiger Bund zu flechten. 
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang, 
jetzt ist ihm vor dem Alltag bang, 
weil er selbst am besten weiß, nun droht ihm der alte Scheiß, 
von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß. 
Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn, 
wär er doch nur zu Haus geblieben, sie fällt schon wieder aus, die Bahn! 
 
Er macht sich schimpfend auf die Socken, nun geht's auch noch zu Fuß zur Schicht. 
"Hoffentlich bleibt's heute trocken!" Doch Petrus, der erhört ihn nicht. 
Alles rennet, rettet, flüchtet, um sich zu schützen vor dem Guss. 
Denn alle haben es gesichtet, das Wartehaus vom Omnibus. 
Er schiebt sich in die Menschenmenge, steht mit den andern dicht an dicht, 
und mitten in der Leiber Enge schaut er dem Schicksal ins Gesicht. 
Als hätt' ihn grad der Blitz getroffen, durchzuckt ihn heiß ein schöner Schmerz, 
er ist vor Liebe glatt besoffen: "Dieser Frau gehört mein Herz." 
 
Errötend folgt er ihren Spuren, geht willenlos zu ihr nach Haus. 
Bestaunt dort glücklich die Konturen, denn seine Traumfrau zieht sich aus. 
Trotz Regen scheint für ihn die Sonne, sie geben sich der Freude hin. 
Doch nach Minuten voller Wonne, da zeigt sich erst der tief're Sinn. 
Sie lächelt ihn zärtlich an und spricht: 
"Macht 100 Euro. Karten nehm' ich nicht!" 
Wie? Was? Oh, nein - er fällt aus allen Wolken, 
die große Liebe hat ihn nur gemolken. 
"Ich dachte," stottert er, "dies Tete-a-Tete wär' frei. 
Und überhaupt - ich hab' kein Geld dabei!" 
 
Gefährlich ist's, den Leu zu wecken, bedrohlich ist des Tigers Zahn, 
doch ist der größte aller Schrecken, 'ne böse Frau in ihrem Wahn. 
Denn fühl'n sie sich ums Geld betrogen, dann werden Weiber zu Hyänen. 
Und was nun folgt, ungelogen, das rührt Euch sicherlich zu Tränen. 
"Chantal, Louis, Cherie und Funny, helft mir, ein Kerl will mich betuppen!" 
"Mach Dir keine Sorgen, Honey, den werden wir gleich kräftig schruppen!" 
Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich auch kein Märchen halten. 
Sein Geld ist letztlich komplett fort, als er dann flieht den dunklen Ort. 
Doch nun hat ihm das Glück gelacht, das Auge des Gesetzes wacht, 
ist alarmiert von dem Gezeter: Die Polizei stellt alle Täter. 
 
Trotz Beulen, Kratzern, blauen Flecken, kann er danach sein Geld einstecken. 
Er zählt die Häupter seiner Lieben, kein Schein ist Honey mehr geblieben. 
Er denkt: "Sie war umsonst, die Stunde - dann zahl' ich jetzt die zweite Runde. Denn prüfe, wer sich ewig bindet, ob er nicht noch was Bess'res findet!"
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Auflösung (falls erforderlich) in der nächsten Folge 
 

 Schmunzelpost 23 vom 12. 5. 21

Eine ganz neue Erkenntnis: Nicht alle Einschränkungen und Verbote der Corona-Notbremse sind nachvollziehbar und notwendig. Nein, ich bin nicht zu den Querdenkern übergelaufen. Aber warum in Schleswig-Holstein sogar in Regionen, deren Inzidenzwert seit längerer Zeit unter 50 liegt, Ferienwohnungen nur mit einem Berg von Auflagen, die private Vermieter abschrecken, an gesunde Feriengäste vergeben werden dürfen, erschließt sich mir absolut nicht. So geht er dahin, der Maiurlaub an der Nordsee, der am 16. 5. beginnen sollte.
  
Im Paragraphen-Gestrüpp kann gut abgerichteten Behördenmitarbeitern schon mal der Sinn fürs Sinnvolle und Machbare abhanden kommen. Viel wichtiger ist es ja auch, alle Formalien, Vorschriften und Regeln einzuhalten, die allein schon das Formulieren praktikabler Rechtsvorgaben zu einer Monsteraufgabe machen. Dass dies nachteilig sein kann, haben selbst die europäischen Gesetzgeber gemerkt. Deshalb gab es 1993 eine Entschließung des Europarates zur redaktionellen Qualität von Rechtsvorschriften. Darin standen die goldenen Worte: "Der Rechtsakt sollte klar, einfach, kurz und unzweideutig abgefasst sein. Der übermäßige Gebrauch von Abkürzungen, des Gemeinschaftsjargons oder extrem langer Sätze sollte vermieden werden." 
 
So, so, sollte er das. Hier nun ein Beispiel aus der Praxis. Holt Euch am besten etwas zu trinken und ein Käsebrot, bevor Ihr mit der Lektüre beginnt. Denn auch um schlichte Entscheidungen kann man viel Worte machen. 
 
Entschließung des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedsstaaten betreffend das Anbringen geeigneter Schilder in den Außen- und Binnengrenzen der Gemeinschaft. Der Rat und die im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedsstaaten - (Hinweis des SP-Autors: Dies war ein Gedankenstrich, der den Beginn eines erklärenden, klaren, einfachen, kurzen und unzweideutigen Einschubes kennzeichnen soll. Achtet bitte darauf, wann dieser Einschub mit dem zweiten Gedankenstrich beendet wird.) in dem Bewusstsein, dass die Gemeinschaft den Erwartungen der Bürger Europas entsprechen und Maßnahmen treffen muss, die geeignet sind, die Identität und das Erscheinungsbild der Gemeinschaft im Bewusstsein der Bürger und gegenüber Drittländern zu bekräftigen und zu fördern und nach Kenntnisnahme von den Schlussfolgerungen, die der Europäische Rat auf den Tagungen vom 28. und 29. Juni 1985 in Mailand und vom 25. und 26. Juni 1986 in Den Haag zum Bericht des Ausschusses für das Europa der Bürger verabschiedet hat, in der Erwägung, dass nach diesem Bericht Grenzschilder mit einheitlicher Gestaltung entworfen werden sollten, die den Fortschritt korrekt widerspiegeln, der auf dem Wege zu einem echten einheitlichen Markt und zur Einheit der Europäischen Gemeinschaft gemacht worden ist, unter Hinweis auf die Entschließung vom 23. Juni 1981 (1) über den nach einheitlichem Muster gestalteten Pass und die Entschließung vom 7. Juni 1984 (2) über die Erleichterung der Grenzkontrollen in der Erwägung, dass die Zugehörigkeit der Mitgliedstaaten zur Gemeinschaft hervorzuheben ist und bestimmte verwaltungstechnische Kennzeichen, die ein Symbol der Trennung dieser Staaten sind, beseitigt werden sollen (Hinweis des SP-Autors: Achtung! Aufwachen! Hier kommt er endlich, der Gedankenstrich) - nehmen folgende Entschließung an: Die Straßenverkehrsschilder mit der Aufschrift "Zoll" an oder nahe den Binnengrenzen der Gemeinschaft werden abgeschafft. 
 
Bravo! Selbst der Meister des Schachtelsatzes, Thomas Mann, wäre grün vor Neid geworden!  
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Gesetze sind wie Würste. Man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden. 

 

Schmunzelpost 22 vom 11. 5. 21

Das Thema Medizin haben wir gestern bereits abgehakt. Deshalb ist der heutige Beitrag als fiktives psychologisches Protokoll zu betrachten. 
 
1. Tag 
 
Er: Ich spüre da so ein merkwürdiges Kratzen im Hals. Meinst Du nicht, ich sollte mich besser schonen und das Haus nicht verlassen? Das bisschen Müll kannst diesmal Du doch in den Abfallcontainern entsorgen. 
Sie: So eine faule Ausrede habe ich noch nie gehört! 
 
2. Tag 
 
Er: Da hast Du's! Es war ein großer Fehler, sich gestern der kalten Luft auszusetzen. Das Halskratzen ist deutlich stärker geworden, ich habe jetzt sogar Schluckbeschwerden! Meinst Du, dass meine Corona-Impfung versagt hat und es mich auf den letzten Metern doch noch erwischt? 
Sie: Das hat Dich aber nicht gehindert, Dein Rotwein-Glas zügig zu leeren. Und wenn Du Corona hast, müsste ich mit meinem chronischen Husten mich schon lange gegen Tuberkulose behandeln lassen. 
 
3. Tag 
 
Er: Das haben wir jetzt davon, dass Du dazu neigst, alles zu verharmlosen. Jetzt habe ich auch noch als Zugabe Husten und Schnupfen gekriegt. Falls das nicht Corona ist, könnte es ja ein gefährlicher Grippe-Virus sein. Die Hongkong-Grippe, die Vogelgrippe oder eine neue, besonders bedrohliche Variante: Die Krause-Grippe! 
Sie: Ich tippe eher auf Vogelgrippe. Du hast nämlich einen Vogel und redest Dir das nur ein. 
 
4. Tag 
 
Er: Da liege ich hier in meinem Elend und die Frau an meiner Seite weigert sich einzugestehen, dass mein Leben in akuter Gefahr ist. Ich bin nicht mehr in der Lage, mich vom Sofa zu erheben. Und ich bin so schwach, dass ich nicht einmal zum Weinglas greifen kann. Wärst Du so gütig, mir einen guten Schluck Rotwein einzuflößen. Das ist ein Lebenselixier. 
Sie: Nein!!! Stattdessen mache ich Dir einen ordentlichen Kräutertee nach dem Rezept meiner Großmutter. Der hat meinen Großvater stets schnell wieder auf die Beine gebracht. 
 
5. Tag 
 
Er: Jetzt ist mir auch noch speiübel von Deinem merkwürdigen Gebräu. Wahrscheinlich war Dein Großvater immer so schnell auf den Beinen, damit er fluchtartig die Giftmischerin verlassen konnte. Bring mir doch bitte Kuli und Papier, damit ich mein Testament ändern und Dich enterben kann! 
Sie: Wer sein Weinglas nicht mehr allein heben kann, der kriegt auch keinen Kuli hoch. 
 
6. Tag 
 
Er: Nun ist die Katastrophe komplett. 37,9 Fieber! Übermittle bitte an den Katastrophenschutz: Evakuiert die Stadt! Desinfiziert weiträumig das Haus mit meinem Sterbebett! Am besten brennt Ihr alles bis auf den Grund ab. Und nun zu Dir, solange ich noch sprechen kann: Trotz allem, ich verzeihe Dir! 
Sie: Das ist sehr großmütig von Dir. Ich werde auf Deinen Grabstein meißeln lassen: Im Grunde seines Herzens war er ein friedfertiger Mensch. Aber jetzt kriegst Du erstmal eine warme Decke und Wadenwickel, dann ist der Spuk schon morgen vorbei. 
 
7. Tag 
 
Er: Ich fühle mich wie neugeboren! Das war doch alles halb so wild - dass Ihr Frauen aber auch immer um jede Kleinigkeit so ein Gewese machen müsst.... 
Sie: ????? 
 
Glückauf 
kdk   

Schmunzelpost 21 vom 10. 5. 21 

Dies wird die siebte und gleichzeitig die letzte medizinische Folge der Schmunzelpost. Mittlerweile habe ich mir so viel Fachwissen angeeignet, dass ich mit dem Thema Schluss machen muss, bevor mir eine Professur an der medizinischen Fakultät der Universität Klein-Kleckersdorf aufgedrängt wird. Außerdem stelle ich mit der siebten Folge eine ehrwürdige, weise Frau zufrieden, die nun ihr Morgenmotto ändern wird. Nix mehr Würze und Kürze. Künftig sollte es heißen: "Hat der Text 'ne gute Länge, kommst Du erst richtig in die Gänge!" 
 
Womit sollen wir anfangen? Mit einem Zitat? Na gut. Die Worte von Sebastian Kneipp sind alles andere als ungereimt: "Gesundheit bekommt man nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel." 
 
Und weiter geht es mit beliebten Bausteinen. Wie wär's mit einem Medizinerwitz? An diesem werden vor allem Hypochonder ihre Freude haben. "Herr Doktor, seien Sie ehrlich. Was fehlt mir?" "Nichts, wirklich überhaupt nichts. Sie haben so gut wie alles!" 
 
Der Papierkrieg in Kliniken gewinnt wie in anderen Behörden Oberhand. Da ist es kein Wunder, dass sich beim Diktieren oder Abtippen Fehler einschleichen. Manchmal sind sie entlarvend: "Der Patient hatte am Nachmittag Besuch von seiner Ehefrau. Ansonsten keine Beschwerden." Nun ein Protokoll, an das ich mich gern halte: "Wir haben Herrn K. über die strikte Notwendigkeit des Alkoholkonsums aufgeklärt." Hier sollte die Schreibkraft ihr Hörvermögen überprüfen lassen: "Frau R. ist 55 und hat seit einigen Tagen Männerpause." Aber vielleicht ist die Textverfasserin erst 18 und weiß noch nichts von der Menopause. 
 
Bei Impfgegnern hapert es mitunter an klarem Verstand. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mutter, die zu ihrem Kinderarzt sagte: "Ich will mein Kind nicht impfen lassen. Meine Freundin hat ihr Kind impfen lassen. Und dann fiel es kurz danach aus dem Fenster." 
 
Liebe Hypochonder! Selbst, wenn Ihr glaubt, Ihr habt bereits alles, es gibt noch Krankheiten zum Entdecken, die Euren Ärzten zu knabbern geben werden. Wie wär's mit dem Alice-im-Wunderland-Syndrom? Das sind Wahrnehmungsstörungen, bei denen Betroffenen alles zu groß oder zu klein erscheint. Das Mann-zu-Hause-Stress-Syndrom (tatsächlich eine anerkannte Krankheit!) befällt Frauen, deren vorher viel beschäftigte Männer ins Rentenalter kommen. Unappetitlich ist das Rapunzel-Syndrom. Wer unter dieser psychischen Störung leidet, verspeist so lange Haare, bis diese als Knäuel den Magen verstopfen. Schließlich noch das Dorian-Gray-Syndrom. Das ist eine krankhafte Abneigung vor dem Altern. Aber leiden wir darunter nicht alle? 
 
Zur Ablenkung noch ein Arztwitz. Kommt ein Mann zum Arzt: "Ich habe ein echtes Problem. Ich habe Augen wie Alain Delon und Muskeln wie Arnold Schwarzenegger, aber einen Pimmel wie ein Baby!" "Da kann ich leider nichts machen", erklärt der Arzt, "Sie müssen halt lernen, mit diesem Makel klarzukommen. Dabei kann Ihnen aber ein Psychologe helfen." Der will jedoch das Problem zuerst in Augenschein nehmen und bittet den Mann, seine Hose herunter zu lassen. Was dieser auch tut. Und der Psychologe fällt mit einem Schreckensschrei in Ohnmacht. Als er wieder zu sich kommt, meint der Mann: "Ich habe Sie doch gewarnt! Ich habe nun mal einen Penis wie ein Baby: 51 Zentimeter lang und sieben Pfund schwer!" 
 
Wenn das Baby ein bisschen gewachsen ist und die Schule besucht (ein echtes, nicht der Babypenis), ist es medizinisch zu mancher Stilblüte fähig: "Wenn man in die Sonne schaut, tun einem die Augen weh. Deshalb darf man nicht so nah rangehen." Stimmt. 
Und auch an dieser Feststellung ist was dran: "Bei guter Pflege kann das Herz der meisten Menschen durchaus ein ganzes Leben lang durchhalten." Noch einmal durchdenken sollte das Kind noch einmal diese Aussage: "Meine Oma, welche auf einem Ohr schon lange blind war, starb nach einem kurzweiligen Krankenlager." Nachvollziehbar ist dagegen die folgende Beobachtung: "Meine Schwester ist sehr krank. Sie nimmt jeden Tag eine Pille. Aber sie tut das heimlich, damit sich meine Eltern keine Sorgen machen." 
 
Noch ein letzter Arztwitz, dann ist das diesjährige SP-Medizin-Semester beendet. Kommt eine Frau zum Psychiater. "Herr Doktor, ich glaube wirklich, mein Mann ist verrückt. Jeden Morgen isst er beim Frühstück die Kaffeetasse auf und lässt nur den Henkel übrig." Psychiater: "Ja, ihr Mann scheint wirklich nicht richtig im Kopf zu sein. Weiß doch jeder, dass der Henkel das Beste ist!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Und noch ein allerletztes Zitat, diesmal von einem Kind. Ich hoffe, es erweist Euch nützliche Dienste: "Wenn man sich den Puls fühlt und kein Klopfen spürt, ist man tot!"     

 Schmunzelpost 20 vom 9. 5. 21

Heute wollen wir uns mal mit dem Thema Medizin beschäftigen. Wie? Das hatten wir schon? Sogar mehrfach? Na ja, aller guten Dinge sind bekanntlich sechs. Und im hohen Alter kann das Kurzzeitgedächtnis schon mal ein wenig schwächeln. Genau wie die Steuerung der motorischen Fähigkeiten, wodurch die Gefahr eines falschen Tastendrucks am PC steigt. Aber mit Demenz oder Alzheimer hat das (hoffentlich!) noch nichts zu tun. Leute, die mich länger kennen, behaupten, ich sei schon von kleinauf ein wenig gaga gewesen. 
 
Nach dieser eleganten Hinführung zum Thema wollen wir mit einer Neuheit beginnen: Einem Einstiegszitat. Wie, das hatten wir schon? Na ja, im hohen Alter kann das Kurzzeitgedächtnis..... schon gut, schon gut, es geht ja jetzt los. Und zwar mit einer medizinischen Erkenntnis von Hans Eichel in der Talkshow von Sabine Christiansen (die Älteren erinnern sich). Der ehemalige Finanzminister verkündete: "Alle zehn Jahre werden die Menschen ein Jahr älter." Und schon vor Markus Lantz beim ZDF übte sich ARD-Talker Jürgen Fliege im hartnäckigen Nachfragen: "Sie sagen, der Schlangenbiss sei tödlich. - Wie tödlich?" 
 
Nun zu einem meiner Hobbies, dass ich seit langem pflege. Ich sammle kuriose Namen. Alle echt, keiner ausgedacht. Einige Mediziner aus der Sparte "nomen est omen" sorgten bereits vor Jahren im Baumhaus (mein Langzeitgedächtnis funktioniert tadellos) für Erheiterung. Ob die Augenärzte Dr. Blind und Dr. Schiele wirklich prädestiniert für ihren Job sind? Das kann man mit Sicherheit von den Urologen Dr. Rüssel (praktizierte in Borken) und Dr. Sackmann sagen. Bei den Kinderärzten sind Dr. Lieb und Dr. Neugeboren klar im Vorteil, vor einem Besuch von Dr. Böse werden Eltern womöglich zurück schrecken. 
Als meine Orthopäden kann ich mir Dr. Fuß und selbst Dr. Krummbein gut vorstellen, bei Dr. Kleinholz und Dr. Kuhfuß weiß ich nicht so recht. 

Letzterer hätte vielleicht besser Tierarzt werden sollen. Aber das sind bereits Dr. Hammel und Dr. Huhn (behandelt der auch Tintenhennen?). Niemals käme für uns und unseren Kater jedoch Dr. Katzenbeißer in Frage. Bei den Psychiatern neigt sich die Waage klar zu Dr. Sorgenfrei. Dr. Fasl und Dr. Spinner müssten erst Vorbehalte ausräumen. Bei der Auswahl an Hautärzten bricht mir der Angstschweiß aus: Dr. Kratzig, Dr. Wundt und Dr. Schweiß. Damit ich nicht ins Zotenhafte abgleite, erspare ich Euch die Namen von Frauenärzten. Bis auf einen: Dr. Liebe. 

Nun wird's ungemütlich. Falls Ihr Euch mal unverhofft auf dem OP-Tisch wiederfindet, könnte es je nach Ort und Zeit sein, dass Euer Chirurg Dr. Aufschnaiter, Dr. Fleischer, Dr. Grausam oder Dr. Ungeheuer ist. Ähnlich derb klingen auch die Namen mancher Allgemeinmediziner. Dr. Arzt und Dr. Pille, okay, Dr. Fieber, meinetwegen, aber Dr. Knochenbrecher, Dr. Kotzmann, Dr. Pein und Dr. Schlachter? Die sollten mal darüber nachdenken, sich umtaufen zu lassen. Das gilt auch für die Internisten Dr. von Hinüber und Dr. Todt. 
 
Kommen wir nun zur abschließenden Goldkrone dieser Liste, den Zahnärzten. Wir hatten ja einst in Dorsten Dr. Zahn als Stadtdirektor und als Bürgermeister, sein Namensvetter war bei der Berufswahl jedoch konsequenter. Und besser dran als einige seiner Kollegen. Fangen wir harmlos an: Dr. Karius, Dr. Lochmann, Dr. Maul und Dr. Mund, da zuckt der Nerv noch nicht bei der Namensnennung. Anders jedoch bei dieser Riege: Dr. Beißer, Dr. Brüll, Dr. Quäling, Dr. Zange, Dr. Schrei und Dr. Wimmer. Bleibt nur zu hoffen, dass der Name nie zum Programm wird. 
 
Nun tun wir etwas für Eure Allgemeinbildung. Mit medizinischem Wissen, das Eindruck schindet, wenn Ihr es locker ins Gespräch einfließen lasst. Wusstet Ihr, dass unsere Haare, würde man sie zu einem Strang flechten, bis zu zwölf Tonnen Gewicht tragen könnten? Jetzt wisst Ihr es! (Bei meinen Haaren würde ich gern den Flechtprozess sehen). Noch was Spannendes, selbst wenn es Euch sauer aufstößt: Unser Magensaft ist so ätzend, dass sich darin eine Rasierklinge binnen kurzer Zeit auflöst. (Und wenn ich zusätzlich extra scharfes Chili nachkippe, kann ich dann als Schwertschlucker arbeiten?) 

Fakt ist auch, dass die beim Husten ausgestoßene Luft bis zu 300 km schnell sein kann. (Da wird klar, warum es bei maskenlosen Hustern vor Corona kaum ein Entrinnen gibt). Erstaunlich ist auch, dass die Blutgefäße eines einzigen Menschen aneinander gefügt mehr als zwei Mal um den Äquator reichen. (Ich finde, sie hätten mir von ihrer Weltumrundung wenigstens eine Kokosnuss oder auch eine Blutwurst als Souvenir mitbringen können.)  Nie aufgefallen ist mir, dass wir bei geschlossenem Mund immer nur durch ein Nasenloch atmen - regelmäßig abwechselnd. (Aber ich kann ja meine Klappe sowieso nicht halten.) 
 
Zum Schluss noch ein Arztwitz gefällig? (Ist aber nichts für Puritaner*innen). 
Kommt ein Mann zum Arzt: "Ich habe einen Tennisarm. Können Sie mir helfen?" Arzt: "Ich denke schon. Bringen Sie mal eine Urinprobe vorbei." Mann: "Ich fürchte, Sie haben mich missverstanden. Ich habe einen Tennisarm!" Arzt: "Ja, ja, das sagten Sie schon. Bringen Sie bitte ein bisschen Urin mit." Der Mann verlässt kopfschüttelnd die Praxis: "So ein Quatsch! Dem werd' ich's zeigen!" Zuhause lässt er seine Frau, seine Mutter und seinen Hund in einen Topf pinkeln, bevor er seinen eigenen Urin hinzugibt. Das Gefäß liefert er beim Arzt ab und erhält eine Woche später seinen Befund. Der Arzt legt die Stirn in Falten und spricht: "Das war alles andere als einfach. Aber hier haben wir das Ergebnis. Ihre Mutter hat eine Nierenbeckenentzündung, Ihre Frau geht fremd, der Hund hat die Staupe. Und wenn Sie nicht schnellstens mit dem Masturbieren aufhören, werden Sie den Tennisarm nie los!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ohne Zitat soll auch diese Schmunzelpost nicht enden. Es stammt von TV-Moderator Robert Lembke. Das war der mit der legendären Standard-Frage: "Welches Schweinder'l hätten's denn gern?" Aber hier geht es um unser Thema: "Die Medizin ist eine Wissenschaft, die verhindern will, dass die Menschen eines natürlichen Todes sterben." 
 

Schmunzelpost 19a vom 8. 5. 21

Ratet mal, womit sich die heutige Folge beschäftigt. Richtig! Das zeigt nicht nur, dass Ihr gut spekulieren, sondern außerdem, dass Ihr auch noch lesen könnt. Doch Ihr habt nicht nur aus dem Betreffvermerk die korrekten Schlüsse gezogen, sondern zudem bewiesen, dass Ihr Euch mit Redensarten auskennt. Oder heißt es gar nicht: Alle guten Dinge sind vier? Na gut, eine ehrwürdige weise Frau würde behaupten, die Antwort laute sieben, aber die glaubt auch daran, dass in der Kürze die Würze liegt. 
 
In bewährter Manier beginnen wir mit einem Zitat. Heinrich von Kleist sagte: "Die zahllosen Krankheiten wundern Dich? Zähle die Ärzte!" Ja, Ärzte sind tolle Kerle. Und Ärztinnen tolle Kerlinnen. War es nicht ein(e) Mediziner*in, der/die einst klug bemerkte: "Sie glauben, Sie sind kerngesund? Warten Sie ab, bis ich Sie richtig gründlich untersucht habe!" 
 
Toll ist auch, was Forscher*innen so alles herausgefunden haben. Um zu beweisen, was wir Männer für tolle Kerle sind. Wusstet Ihr, dass alle roten Blutkörperchen eines Mannes eine Fläche von 3000 Quadratmetern bedecken würden, wenn man sie nebeneinander auslegte? Toll, was? Doch es kommt noch besser. Aufeinandergestapelt würden alle roten Blutkörperchen eines Mannes einen 60 000 km hohen Turm ergeben. Und wenn man alle roten Blutkörperchen eines Mannes hintereinander aufreiht, käme man auf eine Fläche  von 192 000 km! Da seid Ihr baff, nicht wahr? Ich habe mich allerdings gefragt, was mit den roten Blutkörperchen der Frau los ist. Sind das alles Schlappschwänze? Mein Verdacht geht in eine andere Richtung. Frauen brauchen ihre roten Blutkörperchen für nützlichere Zwecke als zur Aufstellung von Statistiken. Dafür geben sich bloß tolle Kerle her, die sind entbehrlich! 
 
Immerhin verhindern solche Untersuchungen, dass Ärzte sich vorschnell zu gewagten Prognosen hinreißen lassen. So warnten im 19. Jahrhundert namhafte Wissenschaftler eindringlich vor dem Bau der ersten englischen Eisenbahnlinie. Die Nutzung des neuen Verkehrsmittels beschwöre ungeheuerliche Gefahren herauf. Zum Beispiel Schwindel, hartnäckigen Husten und Krampfanfälle. Professor Aragos, Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften, ging noch weiter: "Die schnelle Beförderung der Reisenden kann eine Gehirnkrankheit, das 'Delirium furiosum', auslösen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand dieser grauenhaften Gefahr aussetzt!" Und der Brite Dionysius Larder warnte seine Landsleute: "Zugfahrten mit hoher Geschwindigkeit sind unmöglich! Die Passagiere können bei diesem hohen Tempo nicht mehr atmen und müssen qualvoll ersticken." 

Gut, dass es solche Propheten heute nicht mehr gibt. Sonst könnten ja glatt irgendwelche titelgeschmückten Quacksalber behaupten, Covid 19 sei im Grunde harmlos und man müsse als Querdenker Gegenmaßnahmen und Impfkampagnen ablehnen. 
Auch im Kampf gegen Corona aber quält uns Normalsterbliche eine Last, die im Umgang mit Behörden, Versicherungen und Krankenkassen bereits seit langem zu einer Plage geworden ist, die Betroffene krank machen kann: Der Umgang mit bürokratischen Zumutungen. Kein Wunder, dass so mancher bei seiner Schadensmeldung versagt.
 
So seufzt eine Witwe: "Ich habe so viele Formulare ausfüllen müssen, dass es mir bald lieber wäre, mein geliebter Mann wäre gar nicht gestorben." Und in der ersten Aufregung nach einem Unfall kann schon mal was schiefgehen: "Zunächst sagte ich der Polizei, ich sei nicht verletzt. Aber als ich den Hut abnahm, bemerkte ich den Schädelbruch." Manche Erkenntnis sickert eben im Schädel erst durch, wenn es klirrt: "Ich dachte, das Fenster sei offen. Es war jedoch geschlossen, wie sich herausstellte, als ich meinen Kopf hindurch streckte." 

Mitunter ist auch der Spaß an der Freude so groß, dass sich im Partykeller physikalische Wunder ereignen: "Während des bekannten Tanzes Holladihia-Hoppsassa sprang ich übermütig nach oben, wobei mich mein Tanzpartner kräftig unterstützte. Dabei kam mir die Kellerdecke schneller als erwartet entgegen." Überhaupt werden viele gesundheitlichen Beeinträchtigungen dadurch verursacht, dass kurzzeitig die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt sind: "Als ich an die Kreuzung kam, erhob sich ein Zaun, um meine Sicht zu behindern." 

Hier ist ein Freund bildhafter Sprache bei mir in die Lehre gegangen: "Man soll den kranken Blinddarm nicht auf die leichte Schulter nehmen, sonst schneit der Tod wie ein Blitzschlag herein!" Manchmal ist die Versicherung selbst schuld, dass sie zahlen muss: "Dann brannte plötzlich der Weihnachtsbaum. Die Flammen griffen auf den Vorhang über. Mein Mann konnte aber nicht löschen, weil er wie ein Verrückter nach der Hausrat-Police suchte." 
Als Journalist weiß ich: Kommunikation ist alles.

Oder auch nicht: "Ich trat auf die Straße. Eine Auto fuhr von links direkt auf mich zu. Ich dachte, es wollte noch vor mir vorbei und trat einen Schritt zurück. Es wollte aber hinter mir vorbei. Als ich das merkte, ging ich schnell zwei Schritte vor. Der Autofahrer hatte aber auch reagiert und wollte nun wohl doch vor mir vorbei. Er hielt an und kurbelte die Scheibe herunter. Wütend rief er: 'Nun bleiben Sie doch endlich stehen, Sie!' Das tat ich auch - und dann hat er mich überfahren." 
 
Sollten im Falle eines Falles alle Eure guten Argumente der Krankenkasse oder der Versicherung nicht einleuchten, dann empfehle ich für das ultimative Protestschreiben das Abkupfern des folgenden Zitats: "Ihre Argumente sind wirklich schwach. Für solche faulen Ausreden müssen Sie sich einen Dümmeren suchen, aber den werden Sie kaum finden." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zum Schluss noch eine Hoffnung weckende Prognose von Hanns-Hermann Kersten: "Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer. Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher." 
 

 Schmunzelpost 19 b vom 8. 5. 21

AAAAAAH! 
Pardon, ich habe gestern Nachmittag die Taste zum Speichern von Entwürfen mit der Sendetaste verwechselt. Das musste ja mal so kommen, wenn man fleißig vorarbeitet. (Passenderweise bei einer Folge, die sich mit dem Thema Hirn beschäftigt: Ihr könnt die Statistik über das Hirn-Gewicht jetzt ergänzen. K. D. Krause: 50 Gramm.) 
 Ihr habt also den Beitrag von morgen bereits gestern bekommen, dafür kommt der Beitrag von heute dann morgen. Alles klar?
 
Glückauf 
Klaus

 Schmunzelpost 18 vom 7. 5. 21

Wie isset? Muss? Na ja, da seht es Ihr wieder: Außer übers Wetter kann man über kein anderes Thema so angeregt plauschen wie über die Gesundheit. Oder ihre Abwesenheit. Daher dürft Ihr Euch auch heute wieder auf ein informatives, wenn auch einseitiges medizinisches Fachgespräch freuen. 
 
Starten will ich diesmal mit einem Zitat von Alec Guiness. Der britische Schauspieler kannte ein ultimatives Heilmittel: "Nichts beschleunigt die Genesung so sehr wie regelmäßige Arztrechnungen." 
 
Sind Linkshänder unter Euch? Wenn ja, dann seid Ihr nach wissenschaftlichen Studien gegenüber der dumpfen Rechtshänder-Mehrheit klar im Vorteil. Linkshänder sind nicht nur musikalischer, auch unter den Hochbegabten ist ihr Anteil größer. Auffällig viele Linkshänder sind Architekt, Künstler oder Rechtsanwalt (klingt paradox, aber als Linksanwalt bekämen sie Ärger mit Juristen). Und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ernähren sich überdurchschnittlich viele Linkshänder vegetarisch. Dass sie auf Schreibmaschinen- und Computertastaturen schneller sind, hat aber ausnahmsweise einen nachvollziehbaren Grund: Die am häufigsten benutzten Buchstaben A, E, R, S und T sind allesamt links zu finden. Unerklärlich ist jedoch, wieso Linkshänder im allgemeinen unter Wasser besser sehen können als Rechtshänder. Also einfach mal abtauchen und auf dem Grund des Pools Klavier spielen, um alle Vorteile auszukosten! 
 
Nur die höchstbegabten Linkshänder wären aber der folgenden Aufgabe gewachsen. Wer es schafft, folgenden Mediziner-Dialog zügig und unfallfrei auszusprechen, dem spendiere ich ein Gläschen Rizinus, Jahrgang 1899, Hanglage. 
 1. Arzt: "Erst dachte ich, es handele sich um eine Abetalipoporteinämie. Doch wir sollten eine Choledochojejunostomie herstellen, um die Cholangiophytisasis in den Griff zu kriegen." 2. Arzt: "Wenn Du meinst. Ich interessierte mich eher für Pseudohypoparathyreoidismus und Globoidzellenleukodystrophie."  
Damit Ihr wisst, wovon Ihr versucht habt zu reden: 1. Arzt: Erst dachte ich, es handele sich um das Fehlen bestimmter Eiweißstoffe im Blut. Doch wir sollen eine operative Verbindung zwischen dem Gallengang und dem Dünndarm herstellen, um die Ansammlung pflanzlicher Bestandteile im Gallengang in den Griff zu kriegen." 2. Arzt: "Wenn Du meinst. Ich interessiere mich eher für das fehlenden Ansprechen auf das Hormon der Nebenschilddrüsen und Erbkrankheiten mit Zerfall bestimmter Strukturen des Zentralen Nervensystems." 
 
Wo ich Euer Denkvermögen schon so strapaziere, können wir auch gleich aufs Hirn zu sprechen kommen. Dazu ist festzuhalten, dass das Gehirn des Mannes durchschnittlich 1400 Gramm wiegt. Das Denkorgan einer Frau ist im Schnitt 130 Gramm leichter. Sind Männer also das klügere Geschlecht? Frauen wissen es längst: Mitnichten! Größe und Gewicht eines Gehirns sagen nämlich nichts über die Intelligenz eines Menschen aus. (Nicht, dass ich diese Aussage verwässern will. Aber als Trost für alle Frauen: Sie bestehen nur zu 50 Prozent aus Wasser, die Männer jedoch aus 60 Prozent!) 

Beim Gewicht des Gehirns spielt auch das Lebensalter eine Rolle. Logisch: Ein Lebendiger hätte sich gegen eine Hirnentnahme zur Gewichtsermittlung vermutlich gesträubt. Dennoch finde ich es interessant, was verstorbene Prominenz hirnmäßig auf die Waage brachte. 
So war das Gehirn des deutschen Chemikers Justus von Liebig mit 1350 Gramm eher ein Leichtgewicht. Der berühmte italienische Dicher Dante Alighierie brachte es auf 1430 Gramm, wurde aber vom Philosophen Immanuel Kant mit 1650 Gramm locker übertroffen. Trotz seiner 83 Jahre brachte Otto von Bismarck nach seinem Ableben stolze 1810 Gramm auf die Waage, falls niemand geschummelt hat. Er muss sich aber dem englischen Politiker Oliver Cromwell (2000 g) und dem britischen Dichter Lord Byron (2230 g) geschlagen geben. 
 
Zum Schluss noch zwei Anmerkungen des SP-Empfängers Martin zum Thema Lepra (Achtung, makaber, nichts für sensible Gemüter). Die Ruhr Nachrichten berichteten über ein Dortmunder Aussätzigen-Hilfsgruppe, die nach dem jahrelangen Sammeln von Spenden aus Altersgründen gezwungen war, ihre segensreiche Tätigkeit einzustellen. Die Überschrift war nicht ganz so glücklich gewählt: Lepra-Gruppe löst sich auf! Martin hat auch noch einen tiefschwarzen Kurzwitz dazu: "Was macht man, wenn einem ein Lepra-Kranker die Hand gibt? Man gibt sie ihm zurück!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Doch ich will Euch nicht in den Tag entlassen, ohne ein tröstendes Zitat des deutschen Arztes Rudolf Virchow: "Ein bisschen Kranksein ist manchmal ganz gesund." 

   

Schmunzelpost 17 vom 6. 5. 21

Alle, die Abwechslung lieben, müssen eine bittere Pille schlucken. Das Thema Medizin erwies sich als derart reichhaltig, dass ich es noch einmal sezieren werde. 
 
Starten wir erneut mit einem Zitat. Martin Luther wusste: "Wer trinkt ohne Durst, wer isst ohne Hunger, der stirbt umso junger." 
Da ist was dran. Doch es gibt Ausnahmen. Drei Menschen weltweit litten 2012 unter dem "Neonatal Progerie Syndrom". Diese Krankheit beschleunigt vor allem den Fettabbau enorm. Die amerikanische Studentin Lisa Velasquez ist zwar nur 1,57 m groß, mit einem Gewicht von bloß 27 Kilo jedoch spindeldürr. Sie isst sozusagen um ihr Leben! Vier mal pro Stunde braucht sie Nachschub, hauptsächlich Schokoladen, Eiscreme, Pizzas und dicke Torten. Heilen lässt sich die Krankheit nicht. So ungerecht ist die Welt. Unsereins muss den gedeckten Tisch mit einem Nudelgericht und einem guten Rotwein nur anschauen und hat schon wieder zugenommen! 
 
Nun ein wenig praktische Lebenshilfe. Natürlich kann man einem verhassten Menschen Schimpfwörter ins Gesicht schleudern, riskiert dabei jedoch womöglich ein blaues Auge. Eleganter lässt sich dies lösen, wenn Ihr den medizinischen Fachausdruck zur Hand habt: Armleuchter heißt Bachioluminator. Statt Lahmarsch sagt Ihr Glutaealparalytiker. Und der Fettsack muss zumindest darüber nachdenken, was "Adipöses Scrotum" wohl bedeuten könnte. Das gilt erst recht für den Quatschkopf, pardon, den Oralinkontilenzler. Und mit dem Paritalvomitus (Kotzbrocken), Mukodefäkator (Schleimscheißer) sowie Analforamen (Arschloch) seid Ihr hinreichend für die nächste verbale Auseinandersetzung gerüstet. 
 
Als Journalist schaut man genau hin, was die Kollegen so verbocken. Da schrieb das Gesundheitsmagazin "Vital": "Bei asiatischen Männern schlug das Testosteron besser an. Es verhütete bei ihnen zu 100 Prozent eine Schwangerschaft." Na sowas! Jetzt weiß ich endlich, warum ich nie ein Kind gebären konnte - mein Testosteron-Spiegel war zu hoch! 
Der Südkurier befand: "Die Obduktion ist rechtens, wenn der Patient nicht ausdrücklich widerspricht." Mir scheint, das wird wohl nur selten passieren. Die Calwer Nachrichten schrieben: "Nach der Obduktion steht fest: Willi Bosch ist tot." Börne & Co. haben ihm den Rest gegeben. 

Peinlich, peinlich. Ausgerechnet die Ärztezeitung musste gestehen: "Im Bericht 'Vakzine gegen multibazillär ausgelöste Lepra' ist uns zu unserem Bedauern ein Fehler unterlaufen. Auf dem dazugehörigen Foto ist ein Leprakranker abgebildet und nicht, wie irrtümlich angegeben, der Referent." 

Als beruhigend empfand ich die Meldung der Waiblinger Kreiszeitung: "Bei der Geburt ist künftig auch die Mutter dabei." 

Ein menschlicher Wackeldackel? So stand es in der Bunten: "Dann saß sie da wie erstarrt. Nur ihr Kopf wackelte. So verging eine Woche." 

Und selbst die Süddeutsche Zeitung ist vor Binsenweisheiten nicht gefeit: "Nach dem Tod eines Patienten ist die Arbeit der Ärzte und Pfleger erledigt." Obwohl mir nach der Lektüre des Düsseldorfer Express Zweifel kamen: "Er schnitt fröhliche Grimassen, als hätte er nicht zwei Tage zuvor einen Selbstmord verübt." 
 
Feministinnen, weggeschaut! Obwohl Ihr eigentlich die Erkenntnisse der Medizin akzeptieren und fördern müsstet. Nach einer Studie des Fachblatts "New English Journal of Medicine" ist es belegt: Zehn Minuten täglich nackte Frauenbrüste zu betrachten, ist für einen Mann genauso gesund wie eine halbe Stunde Sport. Demnach beschleunigt die sexuelle Erregung den Herzschlag und regt den Blutkreislauf an, wodurch sich das Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfakt glatt halbiert. Die Forscher stellten fest, dass ein Mann, der regelmäßig Frauenbrüste betrachtet, vier bis fünf Jahre länger lebt als seine Geschlechtsgenossen, denen dies verwehrt bleibt. 
 
Schließen möchte ich heute mit einem tröstlichen Zitat des Philosophen Immanuel Kant: "Dem, welcher ein Bein gebrochen hat, kann man sein Unglück erträglicher machen, wenn man ihm zeigt, dass es leicht hätte das Genick treffen können." 
 
Glückauf 
kdk 
 

Schmunzelpost 16 vom 5. 5. 21 

Weit draußen im Wald, noch hinter den sieben Bergen, haust als Nachbarin von sieben Zwergen in einem Baumhaus eine ehrwürdige weise Frau mit einer dicken Warze auf der Nase. Und wenn ein ratsuchender Gast zu ihr kommt, dann holt sie vom siebten Regal das siebte Buch herunter, schlägt die siebte Seite auf und kräht: "Hier in Paragraph sieben, Absatz sieben steht: Ein guter Text sollte nicht mehr als 777 Wörtern haben. In der Kürze liegt die Würze!" Und der Ratsuchende tritt nachdenklich den Heimweg an und nimmt sich vor, seine Texte künftig zu teilen - falls möglich, sogar sieben Mal. So kommt es, dass es heute schon wieder um Medizin geht. 
 
Doch das kann nur gut für Euch sein. Wie sagte bereits Aldous Huxley? "Die medizinische Forschung hat solche Fortschritte gemacht, dass es überhaupt keine gesunden Menschen mehr gibt." 
 
Jetzt knüpfen wir an unseren Zukunftsausblick an und hören in die psychiatrische Hotline hinein, die sich Satiriker Samek Oswalek ausgedacht hat: 
"Über Ihr Tastentelefon können Sie Ihr Problem eingeben. Falls Sie unter einer Zwangsneurose leiden, drücken Sie bitte die 1. Immer und immer wieder! Falls Sie co-abhängig sind, bitten Sie jemand, für Sie die 2 zu drücken. Falls Sie eine multiple Persönlichkeit sind, drücken Sie nacheinander die 3, 4, 5 und 6. Falls Sie paranoid sind, wissen wir, wer Sie sind. Bleiben Sie am Apparat. Ihr Anruf wird zurück verfolgt. Falls Sie depressiv sind, spielt es keine Rolle, welche Taste Sie drücken. Es wird sowieso niemand antworten. Falls Sie unter einer Phobie leiden, drücken Sie keine weiteren Tasten - sonst passiert etwas Schreckliches! Falls Sie narzistisch sind, beachten Sie die Tasten nicht weiter und berühren sich selbst. Falls Sie unter kurzfristigem Gedächtnisverlust leiden, rufen Sie bitte später wieder an. Und falls Ihnen jegliches Selbstvertrauen fehlt, legen Sie einfach auf. Unsere Berater sind sowieso viel zu beschäftigt, um sich ausgerechnet mit Ihrem Problem zu befassen." 
 
Kommen wir nun zur skurrilen Forschung. Für die gibt es sogar eine spezielle Auszeichnung. Den igNobelpreis. Das ist ein Wortspiel aus dem Englischen, weil ignobel so etwas wie schmachvoll oder unwürdig ausdrückt. Die Initiatoren von der amerikanischen Harvard-Universität küren die Projekte von Forschern, die sich mit besonders merkwürdigen Themen befasst haben. Die ausgezeichneten Arbeiten sollen die Menschen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen. 1991 wurde der ig-Nobelpreis zum ersten Mal in der Sparte Medizin vergeben.

 Hier eine kleine Auswahl aus den Folgejahren: 
1992 wurde eine längst überfällige Studie mit dem Preis belohnt. Sie versuchte, chemische Verbindungen zu erklären, die für Fußgeruch verantwortlich sind. Die beiden Haupterkenntnisse waren, dass Menschen, die überzeugt sind, dass ihre Füße stinken, tatsächlich Fußgeruch haben. Andere jedoch, die das nicht von sich denken, nicht! 
1993 rüttelte der preisgekrönte Report die Männerwelt auf: "Akutes Management von in Reißverschlüssen eingeklemmten Penissen." 

1996 ging der ig-Nobelpreis an die Verfasser einer Studie, die sie sogar dem amerikanischen Kongress präsentierten: "Warum Nikotin nicht süchtig macht!" 
1998 wurde ein fesselnder Bericht ausgezeichnet. Sein Titel: "Ein Mann, der sich in den Finger stach und fünf Jahre lang faulig stank." 
Auch 2006 hatte ein schlimmes Schicksal seine Hände im Spiel. Titel des preisgekrönten medizinischen Fallberichts: "Beendigung von unbehandelbarem Schluckauf durch rektale Fingermassage." 
Und 2012 wurde der Preisträger für seine konkreten Anweisungen belohnt, eine Darmspiegelung so durchzuführen, dass der Patient mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht platzt. 
 
Zu einem anderen Thema. Doch einen Moment Geduld! Ich empfange gerade mentale Signale, dass eine ehrwürdige weise Frau starke nervöse Zuckungen bekommt, weil sie glaubt, dass dieser Text sich der 777-Worte-Marke nähert. "Ehrwürdige weise Frau! Greifen Sie bitte zum psychiatrischen Telefon und wählen Sie die Sieben. Die ist für Menschen bestimmt, deren mathematisches Denkvermögen völlig unberechenbar geworden ist. Und lassen Sie bitte auch die Warze auf Ihrer Nase entfernen!" 
 
Na ja, bevor die Gute komplett ausrastet, komme ich tatsächlich zum Schluss und erzähle vorher schnell einen Mediziner-Witz.  Kommt ein Mann zum Arzt: "Herr Doktor, es ist mir schrecklich unangenehm, aber ich muss Sie um Hilfe bitten. Ich habe immerzu Blähungen und lasse dauernd einen nach dem anderen fahren. Tag und Nacht, ohne Pause! Zum Glück geht das ganz leise. Und stinken tun die Fürze auch nicht. Seit ich hier im Sprechzimmer sitze, habe ich schon wieder dreimal gepupst. Gott sei Dank merken Sie nichts davon." 
Der Arzt verschreibt dem Patienten Tabletten und bittet ihn, in der nächsten Woche wiederzukommen. Sieben Tage später klagt der Mann: "Mit meiner Pupserei ist es kein bisschen besser geworden. Im Gegenteil: Jetzt knattern die Fürze wie verrückt!" Der Arzt nickt zufrieden: "Sehr schön. Jetzt, wo Ihre Ohren funktionieren, können wir uns auch um Ihren Geruchsinn kümmern!"  
 
Glückauf 
kdk  
    
PS. Noch ein Zitat, diesmal von Karl Kraus: "Gesund ist man erst, wenn man wieder alles tun kann, was einem schadet!" 
 

 Schmunzelpost 15 vom 4. 5. 21

Was soll man dazu sagen, dass eine Praxis für Allgemeinmedizin nach mehreren  Terminen bei der Diagnose "Magenschleimhaut-Entzündung" bleibt, obwohl auch nach vier Wochen Medikamenteneinnahme keine Besserung auftritt? Was soll man dazu sagen, wenn sich dann der Zustand der Patientin erheblich verschlechtert, massive Beschwerden auftreten und der Arzt daraufhin nur zwei weitere symptomdämmende Arzneien verschreibt und es bei einer Infusion belässt? Was soll man dazu sagen, dass er nicht mit einem Wort rät, einen Spezialisten zu konsultieren? Und wenn sich dann im Krankenhaus herausstellt, dass Ursache des Elends eine eitrige Gallenblasenentzündung ist, die möglichst schnell eine Operation erfordert? Nicht nur der betroffenen Patientin, auch mir kommt da die Galle hoch! 
 
Immerhin steckt auch im Schlimmen ein Körnchen Gutes: Ich sah mich veranlasst, mal in den Büchern der medizinischen Abteilung meiner häuslichen Bibliothek zu blättern. Und dabei entdeckte mein geschultes Auge allerlei Kuriositäten, die ich Euch nicht vorenthalten will. Auch, um Euch ein wenig Ablenkung zu bieten. Wie sagte Winston Churchill: Es gibt drei Arten zu Tode zu kommen. Menschen, die sich zu Tode arbeiten. Menschen, die sich zu Tode sorgen. Und Menschen, die sich zu Tode langweilen. Dieses Schicksal möchte ich Euch ersparen. 
 
Fangen wir mit Todesursachen an. In Deutschland stirbt im Durchschnitt jährlich 
ein Mensch 
...... von einer Billion an den Folgen eines Meteoriteneinschlages. 
...... von 20 Millionen durch einen Blitzschlag. 
...... von 1,3 Millionen durch den Sturz von einem Baum. 
...... von 100 000 als Opfer eines Mordes. 
...... von 26 000 nach einem häuslichen Unfall. 
...... von 4000 bei einem Verkehrsunfall. 
...... von 2700 durch ärztliche Behandlungsfehler!!! 
...... von 180 als Folge des Rauchens. 
 
Und noch ein paar passende Worte für Berufstätige, die den Löffel abgeben: Der Gelehrte hat den Geist aufgegeben. Der Bauer sieht die Kartoffeln von unten. Der Gärtner hat ins Gras gebissen. Der Pfarrer hat das Zeitliche gesegnet. Und der Atheist hat daran glauben müssen. 
 
Nun ein paar verblüffende medizinische Fakten. Merkt sie Euch gut! Denn sich später daran zu erinnern, hält Euer Gehirn in Schwung. An jedem Erinnerungsvorgang sind bis zu 100 Millionen Nervenzellen beteiligt! Und falls Ihr jetzt nachdenklich die Stirn runzelt, betreibt Ihr gewissermaßen Fitness-Training: Bei jedem Stirnrunzeln werden 43 Muskeln beansprucht! Wer in Corona-Zeiten eine besondere Furcht vor Keimen, Bakterien und Viren entwickelt hat, sollte besser das Küssen einstellen. Bei jedem Kuss werden ca. 40 000 Bakterien von 280 verschiedenen Arten mit dem Partner ausgetauscht. Wer mir jetzt eine lange Nase zeigt, wird womöglich überrascht sein: Ich weiß genau, wie lang Deine Nase ist! Genauso lang wie Dein Daumen. (Behauptet jedenfalls die Fachliteratur). 
 
Wenn wir schon mit der Galle begonnen haben, dann hören wir mit Gallensteinen auf. Wusstet Ihr, dass es in Dachau ein Gallenstein-Museum gibt? Dort könnt Ihr ein paar prächtige, hübsch bunte und wohlgeformte Exponate bewundern. Es gibt kleine, die aussehen wie Kiesel und größere, die Ähnlichkeit mit Bernstein haben. Die meisten sind gelblich, andere orange oder braun. Der größte ist eiförmig, grau und gelb gemasert und hat einen Durchmesser von vier Zentimetern. Ich überlege nun, ob ich nach der gelungenen Operation Ullas Gallenblase dem Krankenhaus abschwatzen, mumifizieren und zuhause in einer Vitrine ausstellen kann. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe noch ein Arztwitz. Die "Ärzte" sangen einst "Männer sind Schweine". Gilt das auch für Männer, die Ärzte sind? Vielleicht. Zumindest diesem Witz zufolge: Mutter und Tochter gehen gemeinsam zum Arzt. Der Arzt fordert die junge Frau sofort nach der Begrüßung auf, sich freizumachen. Die Mutter protestiert: "Aber ich bin es doch, die krank ist." Darauf der Arzt: "Ach so. Zeigen Sie mir bitte Ihre Zunge!" 
 

Schmunzelpost 14 vom 3. 5. 21

Wegen ihrer Länge gibt es als Lese-Ausbeute des Wochenendes diesmal nur zwei Fundstücke.
 
Das erste stammt aus dem SZ-Streiflicht vom 30.4. und ist Pflichtlektüre für alle
Tintenhühner und Tintenhähne. Warum? Da kommt Ihr beim Lesen selber drauf.
 
"Früher lebte das Federvieh auf sogenannten Bauernhöfen, deren wichtigstes und stets mit einer individuellen Duftmarke ausgestattetes Inventar der Misthaufen war. Auf diesem Misthaufen thronte der Chef der gefiederten Belegschaft, der in einem italienischen Designer-Beinkleid posierende Gockel, der schon in der frühesten Morgendämmerung Mensch und Tier aus den Federn krähte, damit keine Arbeitsstunde durch überflüssigen Müßiggang verloren gehe.
 
Seine Untergebenen, also die im staubigen Grund scharrenden Hennen, die der Chef allesamt für inkompetent hielt - ein höchst ungerechtes Urteil, tat er doch alles, was einen guten Chef bis heute auszeichnet: Nicht zuhören, die immer gleichen Anweisungen erteilen, sich aufplustern und alles besser wissen sowie immer schön herabschauen von der luftigen Höh' des Misthaufens auf die Low Performer da unten. Kurz gesagt: Der gute Chef ist arrogant vom Schnabel bis zur Schwanzfeder." (...)

Unternehmensberater Peter Modler bietet jetzt sogar ein "Arroganz-Training" an. "Ein vorbildlicher Ansatz, der nur einen Fehler hat: Er richtet sich an weibliche Führungskräfte. Salopp gesagt sollen Frauen dieselben fiesen Tricks anwenden, die die gockelartige Konkurrenz schon seit der Steinzeit drauf hat.
 
Ach, es ist immer dieselbe Geschichte: Männer sind auf dem absteigenden Ast. Nicht mal mehr die Rolle des Gockels traut man ihnen noch zu, auch das müssen Frauen übernehmen. Dabei läuft der Mann doch zur Höchstform auf, wenn er sich als Gockel fühlt. In solchen Momenten regelt er Meinungsverschiedenheiten elegant mit der Faust, lässt mit zotigen Sprüchen Frauenherzen höher schlagen oder wird Bundesverkehrsminister."
 
Beim nächsten Fundstück geht es mal wieder um das Thema Gendersprache. Zeit-Kolumnist Harald Martenstein arbeitet sich ja schon jahrelang daran ab, sein Kollege Axel Hacke sieht die Sache nicht ganz so verbissen. Hier ein Auszug aus "Das Beste aus aller Welt" vom 29. 4. 21.:
 
Hacke spricht seit geraumer Zeit sein Publikum mit "Liebe Leserinnen und Leser" an. "Nun schickt mir aber das Residenztheater regelmäßig einen Newsletter, der mit der Anrede 'Liebe*r Newsletterleser*in" beginnt. Das ist kein großes Problem, können sie machen wie sie wollen. Aber schön finde ich es nicht. Es stört mich, weil es nicht sprechbar, sondern bürokratisch ist. Und an einem Theater sollte man auf eine sprechbare Sprache achten.(...)
 
In den Nachrichten des ZDF sprechen sie die Gender-Pause seit einiger Zeit auch, das funktioniert. Fachleute nennen das einen Glottisschlag, was in der Phonetik praktisch eine Art stimmloser demzufolge auch nicht hörbarer Konsonant ist. Sagen wir mal so: Wer Theater sprechen kann statt Thehata zu sagen, der schafft auch Newsletterleser*in. Bloß Liebe*r Newsletterleser*in, das geht echt nicht! (...)
Die meisten Menschen sind ja konservativ, was ihre Sprache angeht. Sie hängen am Vertrauten. Geht mir auch so. Andererseits bin ich der Meinung, dass Sprache lebendig sein sollte, dass sie sich jeden Tag verändert, dass ihr Gebrauch auch das Bewusstsein für die Probleme der Welt schärft. Die Zauberworte heißen Neugier und Ausprobieren. Sechzehnjährige reden heute manchmal so, dass jedes vierte Wort englisch ist. Vielleicht ist das in dreißig Jahren normal. 'The Times They Are a-Changin'.
Aber man lässt sich natürlich ungern was vorschreiben, das ist vielleicht das größte Problem an der Sache: Dass manche so im Gestus des Besserwissers auftreten, selbstgerecht manchmal auch. Man (nein, frau schreibe ich nicht) muss die Leute schon überzeugen, finde ich.
Friedrich Merz möchte zum Beispiel nicht Hähnch*Innen-Filet sagen müssen. Dann wollen wir mal nicht so sein, was? So wichtig ist er eh nicht. Bundeskanzlerin wird er nicht mehr. Er ist bloß noch Direktkandidatin für das Hochsauerland."
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost 13 vom 2. 5. 21

Vor 50 Jahren wunderte sich mein Religionslehrer: "Gestern war doch der Tag der Arbeit. Aber kein Schwein hat gearbeitet!" In Wahrheit ist er sehr erfreut über einen der wenigen Feiertage gewesen, an dem auch ein Pfarrer sich ausruhen darf. Ich dagegen habe nicht geruht, sondern mir über Berufe Gedanken gemacht und überlegt, wie ich dieses Thema elegant mit den beiden letzten SP-Schwerpunkten - Kalauer und die Welt der Zukunft aus Sicht der Vergangenheit - verbinden könnte. Hier kommt das Resultat.
 
Zunächst eine Denksportaufgabe. Wie heißt der Beruf, bei dem jemand den ganzen lieben langen Arbeitstag Südfrüchte in einen geordneten Zustand bringt? Falls Ihr nicht drauf kommt, schaut nach unter PS.
 
Dann schlagen wir den "Report 1998" auf und stellen fest, dass wir seit dessen Veröffentlichung 1968 wohl irgendwo falsch abgebogen sind. Denn längst nicht alle "mit hoher Wahrscheinlichkeit" getroffenen Vorhersagen haben sich tatsächlich erfüllt. Leider! Denn sonst wären einige Berufe heute überflüssig.
 
Zum Beispiel der Job der Hausfrau. (An einen Hausmann zu denken war den Autoren wohl zu utopisch). Denn deren Arbeit sollten eigentlich die "nach der Gordon-Helmer-Studie zwischen 1980 und 1996 auf den Markt kommenden Roboter-Dienstmädchen komplett übernehmen". Und Ihr, liebe Lehrer, seid gerade nochmal davon gekommen. "Etwa zwischen 1978 und 1990 beginnt die Automation den Lehrer abzulösen. Einfache Lernmaschinen und Unterrichtsprogramme werden im immer stärkeren Maße verbreitet." Den finalen Stoß über die Klippe erhalten die Pädagogen dann vom Lerncomputer, "denn die Elektronik denkt ja weit schneller und daher auch weit mehr als der Lehrer. Und sie hat ein Unterrichtsprogramm in ihrem 'Gedächtnis', das von den besten Kräften zusammengestellt worden ist." Was man nicht von jedem Lehrer behaupten kann.
 
Auch dem Finanzbeamten geht der Computer an den Kragen. Und selbst die Freunde und Helfer wären gefährdet: "Hurra, es wird keine Polizisten mehr geben! Der Elektronenrechner tritt an ihre Stelle - aufmerksamer als der schärfste Polizist. Wer irgendwo auf weiter Flur mit seinem Wagen ein wenig schneller fährt als vorgeschrieben, wird erleben, dass bei seiner Rückkehr zuhause schon ein Strafmandat auf dem Tisch liegt." Immerhin sind wir auf Autobahnen davor gefeit: Bereits beim Einfädeln übernimmt die Fahrzeugautomatik das Kommando.
 
Schöne Neue Welt? Von wegen. Spätestens in dem Kapitel, in dem Strafgerichte automatisiert sind, auf das Wegsperren von Verbrechern verzichtet und dies durch eine verhältnismäßig kurze 'Kur' ersetzt wird, wird es gruselig. Sobald ein Gewalttäter danach noch einmal die Faust erhebt, bekommt er einen Elektroschock. Bisher, so die Autoren, seien die nicht angenehmen Experimente mit Freiwilligen durchgeführt worden. Spätestens 1990 sollten solche Behandlungen jedoch die Regel werden. "Der Erfolg ist oft überraschend. Kleptomanen verlieren die Lust am Stehlen, Homosexuelle werden gegen alle Versuchungen gefeit."
 
Was ein Glück, dass viele Prognosen daneben gehen. Schauen wir lieber auf Berufe, die es 2021 wirklich gibt. So ist beispielsweise der "Drahtzieher" kein Dunkelmann hinter Intrigen und kriminellen Machenschaften, sondern das ist ein anerkannter Ausbildungsberuf zur Herstellung von Kabeln und Drähten. Einen netter Job hat der Erschrecker. Er jagt in Vergnügungsparks und Geisterbahnen Besuchern Angst ein. Buh!
 
Interessiert wäre ich durchaus an einer Stelle als Glückskeksautor. Marktführer ist die Firma Wonton Food, aber auch weitere Unternehmen rund um den Globus suchen solche kreativen Schreiber. Ganz nebenbei: Der Glückskeks kommt gar nicht aus China, die Tradition wurde in Japan begründet!
Noch eine reizvolle und ganz gut bezahlte Aufgabe: Die Lebende Vogelscheuche. Sie verhindert, dass auf Flughäfen Vogelschwärme in Turbinen der Jets geraten. Korrekte Berufsbezeichnung: "Fachkraft für biologische Flugsicherheit".

Genügend Stehvermögen müssen Menschen mitbringen, die sich als Professionelle Ansteher verdingen. Sie reihen sich für andere in ellenlange Schlangen an Ticketschaltern, Vorverkaufsagenturen oder bei der Eröffnung von Fachmärkten mit Schnäppchenangeboten ein.
Zum Schluss sei noch der Schlussmacher erwähnt. Er ist eine Art Anti-Eheberater, weil er die Aufgabe übernimmt, ungeliebten Partnerinnen oder Partnern klarzumachen, dass sie wieder Singles sind. Immerhin besser als eine SMS und außerdem eine Lebensversicherung, weil den Auftraggebern nicht spontan eine Vase über die Rübe gezogen werden kann.

Ganz am Ende bin ich doch noch nicht. Denn über Deutschland hinaus richtet sich mein Blick jetzt in die Südsee. Dort gibt es Palmenschüttler. Sie müssen Bäume erklettern und verhindern, dass reife Kokosnüsse den Touristen auf die Schädel donnern. Damit es nicht heißt: Volle Nuss knackt hohle Nuss.
In Djakarta sind Leute hauptberuflich als Mitfahrer unterwegs. In der 10-Millionen-Metropole sind die Straßen chronisch verstopft. Daher dürfen dort nur private Autos mit mindesten drei Insassen fahren.
Ordentlich Muckis benötigen Zugdrücker. Sie werden in Tokio angestellt, um die Aufnahme-Kapazität der proppenvollen U-Bahn-Waggons noch zu erhöhen. Bis zu 30 Fahrgäste zusätzlich schieben sie hinein! 
 
Einen seltenen Job werdet Ihr vielleicht bei der Aufzählung vermisst haben. Aber Schmunzelpost-Schreiber ist kein Beruf, sondern eine Berufung. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Der gesuchte Beruf ist natürlich der Zitronenfalter. 

 

 Schmunzelpost 12 vom 1. 5. 21

Warum geht Krause ab heute nur noch mit Helm in den Wald? Ist doch klar: Der Mai ist gekommen und die Bäume schlagen aus! 
Da ich meine Pappenheimer kenne und vermute, dass Ihr trotz Corona per Online-Party beim Tanz in den Mai bis in die Puppen geschwooft und (oder aus Trauer über die fehlenden persönlichen Kontakte) reichlich fröhlich stimmende Getränke genossen habt, will ich Euch heute Morgen keine tiefsinnigen Gedanken zumuten. Im Gegenteil: Ich versuche Euch mit Kalauern aufzuheitern, die einen noch längeren Bart haben, als ihr Lieferant. So besteht eine Chance, dass Ihr die Pointen trotz Kater kapiert. ;-)
  
Los geht es mit Fragen aus dem umfassenden Martin-Archiv. Zunächst ein paar von der ganz kalten Sorte: 
 
Wusstet Ihr schon, dass der Begriff "S-Bahn" irreführend ist? Es gibt dort gar nichts zu essen! 
Wusstet Ihr schon, dass ein Holzfäller ein Sägen für die Menschheit ist? 
Wusstet Ihr schon, warum das Gürteltier froh ist, dass es einen Gürtel trägt? Weil es sonst Hosenträgertier heißen würde! 
 
Noch einen tierischen Witz hinterher: 
Wusstet Ihr schon, warum jeder Eber sauertöpfisch guckt? Weil seine Frau eine Sau ist und seine Kinder allesamt Ferkel! 
 
Jetzt wird es ein wenig anspruchsvoller: 
Wusstet Ihr, was das Steak unter dem Sofa macht? Es versteakt sich! 
Wusstet Ihr, dass die Autoindustrie lediglich Zwei- und Viertürer hinkriegt, aber das Christentum tatsächlich auch Märtyrer? 
Wusstet Ihr schon, dass dicke Seiltänzer alle schwer auf Draht sind? 
Wusstet Ihr schon, dass ein Regionalligator kein Treffer beim Amateurfußball ist, sondern eine Panzerechse aus der Umgebung? 
 
Und gerade nach einer durchzechten Nacht sind diese Hinweis wichtig: 
Wusstet Ihr schon, dass Aftershave eigentlich fürs Gesicht gedacht ist? 
Wusstet Ihr schon, dass morgendliche Antriebsschwäche gegen kalte Duschen hilft? 
 
Nun noch in die medizinische Abteilung. Wie verabschieden sich Fachärzte voneinander? Zwei Augenärzte: Auf Wiedersehen! Zwei Ohrenärzte: Auf Wiederhören! Zwei Badeärzte: Bleib sauber! Zwei Urologen: Verpiss Dich! Zwei Gynäkologen: Schau mal wieder rein! 
Und wie nennen Kannibalen die Mediziner: Hot Docs! 
  
Zum Schluss noch ein Spruch, den schon mein seliger Vater zu hören bekam. Und da es sich um einen historischen Text handelt, verzichte ich auf politische Korrektheit: Warum hat Krause eine Glatze? WEIL DIE NEGER KRAUSES HAAR HABEN! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 11 vom 30. 4. 21

Bereit zu einer Zeitreise? Dann geht es jetzt in die Zukunft. Aber eigentlich in die Vergangenheit. Und dann in die Zukunft, aber aus Sicht der Vergangenheit. 
 
Nix capito? Dann ganz langsam: Im Keller fand ich das Buch "Report 1998 - so leben wir in 30 Jahren". Das interessierte mich 1968 als 15jähriger so sehr, dass ich dafür 4,80 DM von meinem knappen Taschengeld investierte. Eine lohnende Ausgabe. So erfuhr ich, dass zwischen 1972 und 1978 die ersten atomgetriebenen Raumschiffe herkömmliche Raketen ersetzen würden und bereits 1975 mit der ersten bemannten Mondstation zu rechnen sei. Und bis 1990 dürfe man fest vom ersten Besuch auf dem Mars ausgehen. 
 
Eigentlich wollte ich hier noch mehrere andere treffende Prognosen des wissenschaftlichen Standardwerkes folgen lassen. Vielleicht ein andermal. Denn mir fiel noch weit spannendere Lektüre in die Hände. Ein Bestseller aus dem Jahre 1910 mit dem Titel "Die Welt in 100 Jahren". 
 
Zum Einstieg drehe ich die Uhr noch etwas weiter zurück. Schon um die Jahrhundertwende zitterten Männer vor der Emanzipationsbewegung. Ihr Schreckgespenst war die "Mulierokratie" - die "Weiberherrschaft"! Im Jahre 1900 wusste bereits die Zeitschrift "Das neue Jahrhundert" zu berichten, dass der Verlust eines wesentlichen Alleinstellungsmerkmals dem Manne drohe: "Je mehr die Frau auf das Tätigkeitgebiet des Mannes übergreift, je vielseitiger sie sich im öffentlichen Leben betätigt, desto rascher wird die Frau dem Manne nachkommen und aus gleichen Gründen auch stärkeren Bartwuchses teilhaftig werden. Heute sollen schon 10 % der Frauen stärkeren Bartwuchs zeigen, dieser Prozentsatz wird sich konsequent steigern und in freilich noch ferner Zukunft wird der Bart nicht mehr das Attribut des Mannes sein." (Interessant! Liebe Tintenhühnerinnen, rasiert Ihr nass oder elektrisch?) 
 
Wenden wir uns seriösen wissenschaftlichen Prognosen angesehener Autoren aus dem Jahre 1910 zu. Ach, schade, ich soll mich ja kurz fassen. Dann muss ich jetzt leider Schluss...., nein, doch nicht? Danke!  
 
"Die Welt in 100 Jahren" bündelt die Aufsätze von 22 damals prominenten Experten. Und ein Hellseher war darunter! Was Robert Stoss in seinem Beitrag "das drahtlose Jahrhundert" über das "Telephon in der Westentasche" schrieb, ist verblüffend. Woher hatte er bloß damals schon ein Smartphone? "Die Bürger werden überall mit ihrem Empfänger herumgehen, der auf eine von Myriaden Vibrationen eingestellt sein wird. Er muss nur die betreffende Nummer einstellen und der Gerufene wird sofort sein Gerät vibrieren fühlen oder ein Signal hören. Wobei es in seinem Belieben steht, ob er hören oder die Verbindung abbrechen will." (...) 

"Auf seinem Weg von und ins Geschäft wird er seine Augen nicht mehr durch Zeitung lesen anzustrengen brauchen, denn er wird sich in der Untergrundbahn oder wo er grad fährt, und wenn er geht, auch auf der Straße, nur mit der gesprochenen Zeitung in Verbindung zu setzen brauchen, und er wird alle Tagesneuigkeiten, alle Ereignisse und alle Kurse erfahren, nach denen er verlangt." Erstaunlich, nicht wahr? Dabei wäre es mir lieber gewesen, wenn sich ein paar andere Prognosen erfüllt hätten. 

"Als Julius Cäsar über das Lager der Germanen herfiel, während die Friedensverhandlungen noch schwebten und er sie überraschte und in ein paar Stunden zweihundertundfünfzigtausend Männer, Weiber und Kinder erschlug, da hielt man das für ein Meisterstück echt römischer Politik", schreibt Hudson Maxim 1910. "Heutzutage würde man das nicht nur als eine Grausamkeit, sondern geradezu als eine unverantwortliche Verschwendung an Menschenleben ansehen, wenn jemand über ein benachbartes Volk herfallen und es niedermetzeln wollte." Vier Jahre vor dem 1. und knapp 30 Jahre vor dem 2. Weltkrieg war das leider ein großer Irrtum... 
 
Genauso traurig ist, dass sich auch Maxims zweite Vision 100 bzw. 110 Jahre später nicht realisieren will: "Es ist glücklicherweise ein wachsendes Verständnis dafür da, daß die Welt, die wir bewohnen, nur ein einziges, großes, einheitliches Vaterland ist. Ein zunehmender Geist internationaler Verbrüderung ist vorhanden, und eine immer allgemeiner werdende Erkenntnis bricht sich Bahn, daß ja doch im Grunde alle Menschen an einer gemeinsamen Tafel essen und an einem gemeinschaftlichen Herdfeuer sitzen. Und sagen wir's uns doch selbst: Erfreut man sich der Wärme eines Feuers nicht mehr, wenn man auch andere sich mal daran wärmen läßt, und wenn man sie nicht auf Kosten jener anderen, die in der Kälte stehen und frieren müssen, für sich monopolisiert und mit Beschlag belegt? Die Hälfte eines Bissens, von dem man anderen abgibt, schmeckt tausendmal besser als der ganze Bissen, den man ungeteilt allein genießt. Nur die volle Gegenseitigkeit im Genuß des Besitzes gibt diesem seinen Wert." 
 
Jawoll! Und dies ist leider schon ein Schlusswort, weil ich mit Hilfe einer vor 110 Jahren entworfenen Maschine die Gedanken derjenigen lesen kann, für die Textkürze ein Qualitätsmerkmal ist. So werdet Ihr leider nie erfahren, warum Luftautomobile eigentlich schon seit Jahren unseren Straßenverkehr hätten ersetzen müssen, wie wir beinahe durch Radioaktivität unsterblich geworden wären und wieso Bertha von Suttner bereit 1909 vorhergesagt hat, dass der drohende Druck auf den Knopf zum großen Friedensstifter werden könnte: "Wir sind 2009 im Besitz von so gewaltigen Vernichtungswaffen, dass jeder von zwei Gegner geführte Kampf nur Doppelselbstmord wäre."  
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 10 vom 29. 4. 21 

Manchmal kommt es anders als man denkt und plant. Die für heute geplante Schmunzelpost-Folge sitzt jetzt auf der Wartebank. Denn die Reaktionen zur Ruhrgebietssprache haben mich überrollt. Jetzt schaltete sich sogar WDR-Moderatorin Steffi Neu ein. Wie SP-Leserin und Radiohörerin Ursula mitteilte, befasste sich Steffi zeitgleich mit dem Liebkosetext auch mit Schmusenamen und fügte unserer Liste das "Schnittchen" hinzu.
 
Martin steuert aus seinem unerschöpflichen Repertoire eigenohrig belauschte Gespräche hinzu. In der Essener Straßenbahn unterhielt sich ein Fahrgast mit seinem Bekannten: "Warsse bein Aatz? Wat hasse denn?" "Rheuma hat den Aasch für mich gesacht!"
Aus der Vor-Korona-Zeit im Lokal. Kellner: "Sind Sie dat Schnitzel?" Gast: "Nee, ich bin die Pommes mit Mayo - dat Schnitzel is meine Frau!"
Und dann hat Martin noch eine Aufgabe für Euch: Bildet einen Satz mit "Wammama" und "Hattata". Euch fällt nichts ein? Wie wär's mit: "Wammama im Sauerland - hattata geregnet!"
 
Und wie der Zufall es will, fiel mir heute nach Werner Boschmanns "Lexikon der Ruhrgebietssprache" ein neues Standardwerk in die Hände. Zunächst jedoch Auszüge aus Boschmanns Karriereliste der Trunkenheits-Grade:
 
sich leicht betrinken         -     sich ein ankrämmeln
leicht betrunken sein        -     ein inne Latüchte ham
sich leicht mittelmäßig betrinken - sich ein zwitschern
leicht mittelmäßig betrunken sein   -  schicker sein
sich mittelmäßig betrinken    -    sich ein picheln
mittelmäßig betrunken sein   -    duhne sein
sich schwer mittelmäßig betrinken -  sich ein pitschen
schwer mittelmäßig betrunken sein -  knülle sein
sich leicht stark betrinken    -   sich ein schnasseln
leicht stark betrunken sein   -   abgefüllt sein
sich stark betrinken              -   sich ein plästern
stark betrunken sein             -   vollsteif sein
sich sehr stark betrinken       -   sich ein ballern
sehr stark betrunken sein      -   hickehacke voll sein!
 
Zum Schluss eine kurze (titelgebende) Textprobe aus Kai Magnus Stings Buch "Hömma, so isset", dessen Anschaffung ich ebenfalls sehr empfehle.
 
Hömma, so isset
 
"Hömma, is wat?" "Wat soll sein?" "Frach ja bloß." "Wat frachse?" "Wie et is!" "Wie soll et sein?" "Ja, weiß ich donnich. Sach doch, wie et is." 
"Ich sach dir, wie et is. Et is, wie et is. Wenn et so wär, wie et sein soll, dann wär et wat. Aber da et so is, wie et is, un nich so is, wie et wär, wennet wat wär, dat et wat wär, isset, wat et is. Wat et wär, wennet wat wär, is nich klar, da et nich is, wie et sein könnt. Aber klar is, dat et wat wär, wennet wat wär, wenn et dat wär, wat et sein könnt." "Un wat wäret dann?" "Anders." "Und wie wäret, wenn wat wie wär, dat et war wär, wie et war wär, wenn et wat wär? "Sach ich ja: Dann wäret wat." Un wie isset getz?" "Et is nich einfach." "Un getz?" "Et is, wie et is." "Hömma, so isset!"   
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 9 vom 28. 4. 21

Nachdem ich kürzlich ermahnt worden bin, mich kurz zu fassen ("In der Kürze liegt die Würze"), damit Berufstätige eine Chance haben, die Schmunzelpost noch vor der Arbeit zu lesen, mache ich heute kurzen Prozess. 
 
Zunächst ein kurzer Blick auf eine Deutschlandkarte der "Zeit": Orte, die wie Tiere heißen. Als Tintenhuhn freut mich, dass die Ortsbezeichnung "Hahn" am häufigsten vorkommt. Elf Mal, meist in Rheinland-Pfalz. Dagegen sind "Falke" und "Lerche", je dreimal, eindeutig zu kurz gekommen. Und warum zwei deutsche Orte "Geier" heißen, das weiß der Kuckuck (2). 
 
Die Namensliste der Säugetiere führt seltsamer Weise der "Spitz" an (4), gefolgt von Wolf (3) und Fuchs (3). Warum die Bayern ein Dorf "Maus" genannt haben, weiß keine Sau (1) - außer vielleicht den Saueinwohnern in Sachsen. An Insekten sind außer der Biene auch Motte und Mücke je einmal in die Namensgebung eingeflossen. Und was der Hering in Baden-Württemberg zu suchen hat, verSTÖRt (Schleswig-Holstein) mich tief. Immerhin habe ich gelernt, dass der Krebs nicht nur zu den sächsischen Orten, sondern auch in die Kategorie Spinnentiere gehört. Und als NABU-Mitglied freut es mich, dass die Kröte nicht nur in der Dorstener Gälkenheide, sondern auch auf der Landkarte in Niedersachsen zu finden ist. 
 
Nun kurz zu etwas anderem. Von Martin erfuhr ich, dass die Deutschen nach der von manchen beklagten Überflutung ihrer Sprache mit fremden Begriffen erfolgreich zurückgeschlagen haben: "10 000 deutsche Wörter schwimmen in aller Welt herum." Ins Englische eingemeindet wurden z.B. Rucksack, Kaffeeklatsch, Blitzkrieg, Wanderlust, Kindergarten und, natürlich, die Bratwurst. 
 
Klangvoller ist dagegen der Begriff, der den Australiern in den Ohren klingt: Oom-pah-pah-music für Blasmusik. Auch sehr schön, wie die Südafrikaner ihre U-Boote nennen: Kannitseeboote - Kunststück, die tauchen ja auch unter! Mit "Butterbrot" bezeichnen russische Soldaten ihre Feldverpflegung, die jedoch aus allem Möglichen, hoffentlich Essbarem, besteht. Und für Schweden ist das Wort "Besserwisser" genau wie "gefundenes Fressen" ein gefundenes Fressen. 

Apropos Essen: Was der Japaner meint, wenn er "Baumukuhen" verlangt, können wir erahnen. Was auch für "Kirushawassee" gilt. Aber, lieber Martin, der japanische Wunsch nach einem "Orogasumusu" ist kein Höhepunkt Deiner Sammlung - das Wort "Orgasmus" ist auch bei uns ein Import und stand lange auf der Liste der Begriffe, nach deren Aussprechen man sich den Mund mit Seife ausspülen musste. Aber nur ganz kurz! 
 
Glückauf 
kdk  

 Schmunzelpost 8 vom 27. 4. 21

Hömma, Schätzkens,
  
da bin ich schon wieder. Keine Angst, dies wird kein neuer Fortsetzungsroman. 
Doch nachdem ich Euch vorgestern lauter Beleidigungen um die Ohren gehauen habe, dachte ich, dass es nicht schaden kann, auch noch die "lieblichen Bezeichnungen" aus Werner Boschmanns Lexikon der Ruhrgebietssprache hinterher zu schieben. Vielleicht könnt Ihr sie nach zu häufiger Verwendung der Schimpf-Anreden brauchen, um den häuslichen Frieden wieder herzustellen. Oder die Spöckskes helfen, damit aus einem Krösken wat Festes wird. 
 
Diesmal gehen wir in umgekehrter Reihenfolge vor und starten mit der höchsten, nämlich der dritten Stufe. Betroffene erkennsse an die Sternkes inne Augen. Singles, die solche Wörter benutzen, sollten schon mal den Wohnungsmarkt sichten, Kindergartenplätze reservieren, eine Geschenkeliste für die Hochzeit aufstellen und Bo-Frost abbestellen. Das gilt, wenn er zu ihr sagt: "Mein Schnübbelsken, mein Häppken, meine Mäusi, meine Püppi" oder "mein Föttken." 
Frauen sind da natürlich einfallsreicher. Sie nennen ihr Herzblatt Bullebäuseken, Fürzepüppel, Möppelken, Böcksken, Schlönzken, Hasimänneken, Schnuppel oder Schnüffi. Wem da nicht das Herz aufgeht... 
 
Vor dem Austausch solcher verbalen Zärtlichkeiten liegt ein offener Schwebezustand. Aus der Stufe 2 ist sowohl ein Aufstieg in die dritte Stufe denkbar, aber auch das Abrutschen in die erste Stufe möglich. Im zweiten Stadium benutzt er die Liebkosungen Hutzelputzel, Knübbelken, Schnuckel, Perle oder Hümmelken und sie sagt zu ihrem Ollen Möppes, Schlönzken, Ömmes oder Schnuffel. 
 
Wer hingegen in unverbindlichen Anfängen verbleiben möchte, den eigenen Gefühlspegel auf Sparflamme köcheln lassen will oder verstärkt Ausschau nach anderen Lieblichkeiten hält, für den gibt es auch einen passenden Anrede-Wortschatz. Für ihn ist sie dann ein Feger, eine Keule, eine Torte oder auch eine Schnalle, Trulla, Tussi oder Hippe. Und sie hat so wohlklingende Bezeichnungen wie Macker, Lappes, Schluffi, Strulli, Ömmel oder Schmachtlappen für ihn. 
 
Zum Abschluss noch ein paar Vokabeln, damit Ihr die Eingeborenen endlich versteht. Zwei Kinder finden ein Taschentuch. Erstes Kind: "Wem is' die Rotzfahne?" Zweites Kind: "Ich!" 
 Und wenn die Omma über'n Oppa sacht, wat Ambach is, dann heißt das nicht: "Ihm fehlt ein Bein!", sondern "Er hat en appen Quanten!" Und nun noch sechs treffende Beispiele dafür, dass die Sprache an Lippe und Ruhr präziser und knapper ist als das Hochdeutsche. 
 
Bitte, höre mir zu!..............Hömma! 
Sag es mir, bitte!................Samma! 
Tritt bitte heran!..................Komma! 
Schau mal, bitte!................Kumma! 
Bitte, nimm das!.................Nimma! 
Mach das, bitte!..................Tuma! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Zur Beleidigungsorgie im ersten Teil sandte Lisa eine Ergänzung über ihr Enkelkind, mit dem sich die Großeltern normalerweise prächtig verstehen. Obwohl in Mainz geboren und aufgewachsen, attackierte Nike (8) dennoch in einem temperamentvollen Wutanfall den Opa: "Du außerirdischer Furzteufel!" Womit bewiesen ist, dass ein Umzug an den Rhein nichts an den Ruhrgebiets-Genen ändert. 

Schmunzelpost 7 vom 26. 4. 21 

Die letzte Schmunzelpost befasste sich mit Schimpfnamen und enthielt ein paar Ausdrücke, die bei zartbesaiteten Menschen womöglich einen leichten Kotzreiz auslösen konnten. Aus gegebenem Anlass möchte ich da am Ball bleiben. Bevor wir uns mit den Presse-Fundstücken dieses Wochenendes beschäftigen, deshalb zunächst ein Witz zum Aufwärmen (und zur thematischen Eingewöhnung). 
 
Während des Lockdowns ist den Zootieren mangels Besuchern stinklangweilig. Deshalb führen sie über Zaun- und Artengrenzen hinweg tiefsinnige Gespräche. Zum Beispiel dürfen sie den anderen ihre speziellen Vorzüge preisen. Der Löwe berichtet stolz über seine prächtige Mähne, die Gepardin erzählt von ihrem handgestoppten Geschwindigkeitsrekord und die Affenbande beschreibt überaus lebhaft, wie sie damals die Kokosnuss geklaut hat. 
 
Dann ist die Giraffe an der Reihe. Und sie nervt die anderen damit, dass sie nicht  aufhören kann, die Vorzüge ihres langen Halses zu preisen. "Ich sehe schon aus weiter Ferne, wenn meine Schwiegermutter zu Besuch kommt und kann mich rechtzeitig verkrümeln. Außerdem schaue ich über die Zoomauern hinaus und kann dank meiner scharfen Augen sogar die Fernsehprogramme der Menschen verfolgen. Meine Lieblingssendungen sind "Daktari" und "Serengeti darf nicht sterben". 

Am besten aber sind die Darbietungen der Sterneköche. Ich bin nämlich ein ausgewiesener Gourmet. Das liegt an meinen körperlichen Vorzügen. Wenn ich beispielsweise als Vorspeise eine paar frische Blätter von den Bäumen abgeknabbert habe, zerkaue ich sie sehr gründlich und lasse den Brei auf der Zunge zergehen. Anschließend schlucke ich das Mus nicht etwa mit einem Haps herunter, sondern lasse es ganz langsam die gewundenen Pfade meiner Speiseröhre hinunter wandern. Dabei koste ich sämtlich Aromen mindestens eine halbe Stunde lang aus, bis die Nahrung im Magen angekommen ist. Danach setze ich das Menü mit dem Heuballen fort. Und während die köstliche Fracht ganz langsam meinen Hals herunter rinnt, schmecke ich alle Stadien heraus, die das Gras bei seinem Reifeprozess durchlaufen hat. Vom zarten Sprießen des frischen Grüns im Frühling, vom Besuch der nektarbeladenen Insekten, über das Wiegen der duftenden Wiese im abendlichen Sommerwind bis zu...." 

"He, Giraffe", unterbricht sie rüde ein Pavian, "erlaubst Du eine Zwischenfrage?" "Wenn es unbedingt sein muss, bitte sehr." 
 "Schon mal gekotzt?" 
 
Der Witz fiel mir wieder ein, als ich jetzt in der Süddeutschen Zeitung einen Beitrag von Titus Arnu las. "Krakenteile, Fischmatsch, Schmodder - der Magen eines Pottwals ist bestimmt kein angenehmer Ort", begann der Autor seinen Text, "man muss wohl Jonas heißen und sehr viel beten, um es dort drinnen auszuhalten." 
 
Nun waren Jonas Flucht-Aussichten gar nicht so schlecht. Denn weil die Leibspeise der riesigen Meeressäuger, Tintenfische und Kraken, scharfkantige, schwer verdauliche Kiefer enthält, erbrechen Pottwale riesige graue Klumpen, die dann im Meer dümpeln. Mit und ohne Jonas. "Klingt eklig, ist es auch," urteilt der SZ-Redakteur. 
 
Aber alles hat seine zwei Seiten. Seit der Antike ist der Wahlauswurf als Ambra bekannt und begehrt. Das Schwabbelzeug wird zur Herstellung teurer Parfums verwendet und ist deshalb im getrockneten Zustand extrem wertvoll. Daher war es Fischern im armen, bürgerkriegsgebeutelten Jemen sehr zu gönnen, dass sie mehr durch Zufall im Bauch eines verendeten Wales 127 Kilogramm Ambra fanden. Das bescherte ihnen einen Verkaufserlös von 1,5 Millionen Dollar! Ein paar Familien konnten dadurch Häuser und Schiffe erstehen, der Rest des Geldes wurde an die Bedürftigen des Dorfes verteilt. 
 
Mein Fazit: Dass man aus Scheiße Geld machen kann, hatte ich schon gehört, aber dass Kotze zu Parfüm wird, das stinkt zum Himmel! 
 
Damit ist der unappetitliche Teil dieser Schmunzelpost abgeschlossen, großes Indianer-Ehrenwort. Kommen wir jetzt zum Umgang mit der Sprache, ein Thema, das mich stets aufs Neue fasziniert. SZ-Redakteur Martin Zipp hat sich mit Vergleichen über die Risiken des Lebens auseinander gesetzt. Auslöser war ein Hamburger Nachrichtenportal: "Einmal impfen ist weniger riskant als eine Woche Skiurlaub", hieß es da. Und in der "Welt" stand, dass es wesentlich wahrscheinlicher ist vom Blitz erschlagen zu werden, als einen Volltreffer im Lotto zu landen. 
 
Solche Vergleiche spornten Zips zu Gedankenspielen an. Für den plötzlichen Tod im Strandurlaub durch eine herabfallende Kokosnuss bestehe ein Risiko von 1 zu 1,6 Millionen. Die Wahrscheinlichkeit einem tödlichen Haiangriff zum Opfer zu fallen, so hat die University of Florida errechnet, liege dagegen nur bei 1 zu 3,7 Millionen. Na gut, wenn ich bedenke, wie viele Schwimmer in Lippe und Kanal durch Haie ums Leben kamen, mag der Durchschnittswert hinkommen. Das gilt aber mehr noch für Skiurlaub in Dorsten! 
 
In Kanada hingegen, so schrieb das Manager-Magazin, soll es Ski-Gebiete geben, die größer sind als das Saarland. Doch wie groß ist unser Vergleichs-Bundesland-Nummer-eins eigentlich? So groß wie 350 000 Fußballplätze. Oder, wie es nun der Tagesspiegel ausrechnete, so groß wie 90 000 aneinander gereihte Containerschiffe. Wobei das Containerschiff, das tagelang den Suezkanal versperrte, laut FAZ "mehr als doppelt so lang war wie der größte Kirchturm der Welt". 
 
Abschließend holt Zips zum Rundumschlag aus. Es sei bedenklich, dass das Saarland nur so groß ist wie 90 000 Containerschiffe. "Hoffentlich verschluckt sich in dieser Enge niemand an einem Kugelschreiber. Denn an einem verschluckten Kugelschreiberteil sterben laut der 'Zeit' bis zu 300 Deutsche im Jahr." Und dann kommt Zips zum Finale Furioso: "Damit dürften Kugelschreiber noch gefährlicher sein als ein Haiangriff vor dem größten Kirchturm der Welt." 
 
Zum Schluss noch einmal Titus Arnu. Der Bedauernswerte verbrachte vor kurzem mit knurrendem Magen seine Mittagspause im Schweizer Städtchen Thun. Restaurants und Cafes waren geschlossen. Und dann passierte dem Kollegen etwas, was mir vermutlich auch widerfahren wäre. Zur Ablenkung produzierte sein Sprachzentrum ein "Tunwort" nach dem anderen, vom Tunichtgut bis zum Tunken. "Im Thuner See baden? Sollte man tunlichst vermeiden. Und wenn man hier einen Fisch angelt, ist es bestimmt ein Thunfisch." Eine geöffnete Bäckerei verhinderte glücklicherweise den kompletten Sprachkollaps. Titus Arnu erwarb ein Mandelhörnli to go. "Es ist seltsam geformt und nennt sich Thunfischli. Gegen Thunwortwitze kann man nichts tun in Thun." 
 
Glückauf 
kdk  
   
PS. Jetzt wäre es mir beinahe zum zweiten Mal unterlaufen, einen Meister der Sprachspielzunft nicht zu erwähnen. Letzte Woche hat sich Harald Martenstein im Zeitmagazin vom 15.4. mit den Deutschlehrern angelegt. Und seinen Lektoren, die, wie sie es von ihrem Deutschlehrer gelernt haben, seine gewollten Wiederholungen mitunter durch Synonyme ersetzen. Was Martenstein gar nicht gut findet. 
 
Das Übel beginnt für ihn im Schulunterricht. "Wenn Kinder schreiben: 'Meine Mama ist Physikerin, und meine Mama ist meine Mama', dann unterkringeln Deutschlehrende das zweite und dritte 'Mama' rot und malen ein rotes W für Wiederholung an den Rand. Vielleicht noch ergänzt durch passende Synonyme: 'Meine Mama ist Physikerin und als Erziehungsberechtigte meine weibliche Bezugsperson.' Ist das etwa besser?" Martenstein will damit aber nichts Pauschales gegen Deutschlehrende sagen. "Oder 'Menschen, die das Fach Deutsch unterrichten', oder 'Unterrichtende im Fach Deutsch' - halt, stopp, gleich wird mir synonübel." 
 
Im Zeitmagazin vom 22. 4. geht es dann um neue Lockdown-Arten, vom Brücken-Lockdown bis zum Jo-Jo-Lockdown. Zur Klarstellung betont Martenstein: "Das Verb 'downlocken' habe ich übrigens nicht erfunden, es wird verwendet. Aber der Satz: 'Alle, die zu lautstark rocken, müssen wir sofort downlocken' ist von mir." 

 

Schmunzelpost 6 vom 25. 4. 21

 

Nach der Denglish-Lektion vom Vortag, die jedes member im audience-team einer heimischen Tageszeitung besonders gut nachvollziehen konnte, wenden wir uns heute einer Sprache zu, von der manche Leute außerhalb eines Radius von 100 km um die Lippe-Ruhr-Region meinen, sie sei eine Zumutung. 
 Früher haben die Menschen hier das auch geglaubt. Wenn es als Kind zur Klassenfahrt an die Nordsee ging, dann sagte die Mutter: "Mach uns keine Schande. Versprich mich, dat Du hochdeutsch reden tust!" 
 
Vielleicht lag es ja an Tegtmeier, Herbert Knebel, Fritz Eckenga, Frank Goosen, Kai Magnus Sting und Torsten Sträter, dass sich etwas geändert hat. Heute reden wir Ruhries (ich fühle mich ja mehr als Lippie), wie uns der Schnabel gewachsen ist. Und sind auch noch stolz darauf! Genauso, wie man uns erfolgreich eingeredet hat, wir lebten in einer ganz tollen Gegend. Zumindest gilt der Klassiker von Frank Goosen: "Woanders is auch Scheiße!" 
 
Beruflich hatte ich das erste Mal 1981 mit dem Thema zu tun. Da war ich als freier Mitarbeiter für den WDR unterwegs. Für eine von Manni Breuckmann moderierte Radio-Sendung "WDR 2 zu 1: Ist die Sprache des Ruhrgebiets ein Dialekt oder nur schlechtes Deutsch?" sollte ich Originaltöne aus Dortmunder Kneipen besorgen. Ein hartes Brot. Die meisten Schluckspechte wollten unter sich bleiben und nicht gestört werden: "Hau ab, Du Heiopei!" "Mach Dich vom Acker!" "Vonnem Rundfunk kommse wech? Dann pass ma auf, dat wir Dir nich dat Mikro in Arsch stecken, dat dat jeder gleich weiß!" 
 
Doch ich war jung und brauchte das Geld. An einem Stammtisch wurde meine Ausdauer belohnt. Ausgerechnet mitten in Dortmund-Huckarde, wirklich wahr, trafen sich Schalke-Fans abends auf ein bis zehn Pilsken. Und als ich die Mannschaftsaufstellung fehlerfrei hersagen konnte, war die Sache gebongt. Ich bekam Material für mehr als drei Sendungen! 
 
Leider habe ich die Aufzeichnung nicht mehr. Dafür bin ich jedoch stolzer Besitzer des Standardwerkes "Lexikon der Ruhrgebietssprache" von Werner Boschmann. Dessen Einverständnis setze ich frech voraus und bediene mich aus seinem Buch für diesen Text. Dabei wird es, worauf Euch mein Dortmunder Kneipenbesuch bereits eingestimmt hat, um regionaltypische Beleidigungen gehen. Bemerkenswert übrigens, dass Boschmann sie in sieben Beleidigungsstufen listet. Für Kosenamen gibt es bloß drei Stufen! Und die Zahl der Anpflaumereien übertrifft diejenige der Liebesbekundungen um ein Vielfaches.  
 
 Legen wir los. Die Anreden der Stufe eins, so der Autor, seien eher harmlos und kumpelhaft. Es bestehe kaum Konfliktgefahr. Sinnvolle Reaktion des so herzhaft Begrüßten solle die Einladung zu einem Glas Bier sein. Na ja. Wenn mich jemand als Möppes, Flautsche, Seger, Dulli oder Lorbass anspricht, würde ich vielleicht noch drüber nachdenken, einen auszugeben. Bei Flitzpiepe, Knalltüte, Schlickefänger oder sogar Kackohr und Pissbudenlui wäre ich jedoch eher in Versuchung, dass Bier über das Haupt meines neuen Kumpels zu schütten. 
 
In Stufe zwei enthält "die noch recht herzlich gemeinte Anrede mit allerdings leicht abwertendem Unterton noch keine eigentliche Beleidigung". Rauh, aber herzlich? Na ja. "Ommaseinkleinschätzken", "Stuffpumpen", "Rübennase" oder "Fuzzi" würde ich noch hinnehmen, aber "Blödmannsgehilfe" und "Köttel" gingen mir eindeutig zu weit. 
 
Stufe drei legt weiter an Schärfe zu. Mit 43 Ausdrücken, von denen ich mindestens die Hälfte noch nicht kannte. Und auch nie, auf mich gemünzt, hören möchte. Da hilft die Interpretation der Aussage "nicht immer eine eigentliche Beleidigung; kann der inneren Unsicherheit im Umgang mit der angesprochenen Person oder der getrübten exakten Verwendung der Revier-Beleidigungstufen entstammen" auch nicht weiter. Kostproben: "Doofmunder, paniertes Dreckschippengesicht, Muffenkopp, Mistbiene, Schwachmat, Trantüte." 
 
Was kann da noch kommen? Zum Beispiel 40 Anreden der Stufe 4, die Dich zum vorzeitigen Abbruch des Gesprächs und einer gezielten Beschau der Lokalitäten veranlassen sollten, damit Du notfalls sofort einen schnellen Ortswechsel vollziehen kannst. Kleine Auswahl gefällig? "Blödbirne, Döskopp, Dummdödel, Fettarsch, Gesichtsgrätsche, Misthacken, Saftsocke, Saukopp, Winseltitte." 
 
Bei Beleidigungsstufe 5 ist ein sofortiger Abbruch des Gesprächs und der Vollzug des schnellen Ortswechsels anzuraten. Obacht bei: "Frettchenfresse, Kackstelze, Mistbolzen, Pannekopp, Quasselkasper, Schmierlapp, Trockenfurzer."
  
Stufe sechs könnte sogar als Ankündigung einer handgreiflichen Auseinandersetzung gelten. Beim Ortswechsel sind daher rechtliche Konsequenzen zu überdenken. Das gilt u.a. für die Anreden: "Arschnase, Breitarschantilope, Hirnamputierter, Kanalratte, Nappsülze, Paselacke, Pommesfresse, Sausack." 
 
Stufe sieben schließlich ist die glasklare Ankündigung einer handgreiflichen Auseinandersetzung. Hier solltest Du, wenn Du dazu wieder in der Lage bist, die Namen von Zeugen notieren und einen Rechtsanwalt einschalten. Gerichtsrelevant sind u.a.: "Arsch mit Ohrn, Drecksau,  Dreckschüppengesicht, Hühnerwämmser, Misthakensaurückenschwein, Tortenarsch und Ungelernter Blödmannsgehilfenanwärter." 
 
Genügend Anregungen für den nächsten Ehekrach dabei? Dann viel Vergnügen und einen guten Scheidungsanwalt! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost 5 vom 24. 4. 21

In der letzten Woche gab es nach längerer Pause mal wieder einen kleinen Schlagabtausch in der Leserbriefspalte des Lokalteils. Ein Hüter des deutschen Sprachguts setzte dort seinen Kampf gegen englische Windmühlenflügel fort und rügte den vermehrten Gebrauch solcher Vokabeln in den Medien und der Öffentlichkeit. In der Gegenrede wurde er höflich darauf hingewiesen, dass er selbst in seinem Schreiben Fremdwörter benutzt hatte, für die es gleichwertige deutsche Begriffe gab. Und dass Sprachen ständig im Wandel sind und für einen heutigen Deutschen ein mittelhochdeutsch verfasster Text aus dem 14. Jahrhundert ein Buch mit sieben Siegeln wäre. 
 
Ich selbst finde Begriffe englischen Ursprungs dann angebracht, wenn sie deutschen Bezeichnungen durch ihre Aussagekraft überlegen sind. Und ich habe es aufgegeben, mich gegen Modewörter zu wehren, die durch amerikanische Filme und TV-Serien, durch die Musik oder den coolen Sprachgebrauch der Jugend längst heimisch geworden sind. Ist das für Dich okay, Baby? 
 
Dagegen finde ich die Flut von Titeln und vermeintlichen Fachbegriffen nervig, mit denen viele Werbetreibende, Unternehmen und Zeitungshäuser beweisen wollen, wie gut sie international aufgestellt und auf der Höhe der Zeit sind. Wenn ich solche Vokabeln im Dictionary (hier passender als "Englisch-Wörterbuch) nachschlagen muss oder wenn es dafür bessere deutsche Ausdrücke gibt, fällt das auf den User zurück (um ein Wort zu benutzen, das der Denglish-Fan auch versteht). 
 
Ich persönlich wurde schon als Sechsjähriger sprachlich herausgefordert. "Bist Du endlich fertig, Darling?", fragte mein zukünftiger Schwager, Bassist in einer Rock'n Roll-Band, meine Schwester. Und ich fragte meine Mutter, wieso Lotte plötzlich Darling hieß. Durch miserablen Englisch-Unterricht in der Schule (und meine Faulheit beim Vokabel-Pauken)  is my English not the Yellow of the Egg. But it goes. Das Notwendigste wie die Titelaussagen von Beat-Songs ("I can get no satisfaction" und "My baby balla balla") konnte ich verstehen. 
 
Später begann die Sache sogar Spaß zu machen, etwa als der Blödelbarde Ulrich Roski (ein Vorgänger von Otto, allerdings längst nicht so populär) in einem Lied reimte: "Die Cow is über'n Fence gejumpt und hat dann Deinen Benz gerammt". 
 
Mittlerweile habe ich sogar gelernt, dass wir englische Begriffe in einer Weise verwenden, die kein Brite versteht. Sir John hat zwar womöglich ein mobil phone stets handy, also griffbereit, aber er würde sein tragbares Telefon niemals Handy nennen. Und wenn Du ihm versicherst, Du hättest eine Nachricht auf seiner Mailbox hinterlassen, wird er Dich mit großen Augen anschauen und sich vorstellen, wie Du auf seinen Postbriefkasten einredest. 
 
Auch die Mitteilung, dass im Büro Dein Bodybag mit dem Frühstück steht, müsste ihn verwundern, falls er Dich nicht für einen Kannibalen hält. Ein Bodybag ist für ihn keine Umhängetasche, sondern ein Leichensack. Apropos Leiche: Public Viewing zum gemeinsamen Anschauen von Fußballspielen ist dem Engländer fremd, dagegen kann sein Public Viewing durchaus die Aufbahrung eines Leichnams bedeuten. Tödlich enden kann für ihn auch ein Shooting. Denn das ist eine Schießerei und keine Foto-Session. Wenn Du aber versprichst, ihm einen Beamer zu schenken, wird er Dich vermutlich herzen: Das ist auf der Insel kein Projektor, sondern ein BMW! 
 
So, das war's für heute: Out the Mouse! 
 
Happyup! 
kdk  

Schmunzelpost 4 vom 23. 4. 21 

Man kann die Vergänglichkeit der Erde sehen - einen Stern im Morgengrauen, eine Blase im Fluss, einen Blitz in einer Sommerwolke, eine flackernde Lampe, einen Geist und einen Traum."
 
Was will er uns denn damit sagen, denkt Ihr jetzt womöglich, ist er nun endgültig durchgeknallt? Das mag sein. Aber die Eingangszeilen sind dennoch korrekt zitiert. Es handelt sich um einen ins Deutsche übertragenen Satz aus dem "Diamant-Sutra". Und das ist nach Ansicht vieler Experten das älteste erhaltene Buch der Geschichte!
 
Damit habe ich endlich die Kurve gekriegt. Denn heute am 23. April ist der "Welttag des Buches". Grund genug, dem Thema eine Schmunzelpost zu widmen, auch wenn dem Schreiber angesichts der Gelehrtenstreitigkeiten mitunter das Schmunzeln fast verging. Da hilft, ausnahmsweise auf Wein zu verzichten und den zweiten Feiergrund angemessen zu würdigen: Der 23. April ist nämlich auch der Tag des deutschen Bieres, weil an diesem Tag 1516 das Reinheitsgebot gesetzlich verankert wurde. Prost!
 
Schaum abputzen und zurück zum Buch. Die Altersfrage ist auch eine Frage der Definition: Aus der Zeit 2000 Jahre vor Christus stammen die Tontafeln, in die Keilschrift geritzt wurde. Diese Tafeln der Assyrer und Babylonier enthalten Gesetze und Verträge oder dienten zur, bitte sehr, Buchhaltung. 1800 v. Chr. zogen die Ägypter mit ihren Hyroglyphen nach. Sie führten auch die Papyrusrollen ein, die über Jahrtausende als Vorläufer der heutigen Bücher genutzt wurden. 
 
Die Bildschrift wurde dann allmählich von Zeichen verdrängt, die Töne verkörperten, aus denen sich Wörter bilden ließen. Das griechische Alphabet beflügelte nicht nur Homer und Dramatiker wie Aristophanes, es ermöglichte auch einen frühen, schwunghaften Buchhandel. Um 400 vor Christus soll es in Athen sogar ein "Bouquinistenviertel" gegeben haben. Und eine der größten Bibliotheken der Antike unterhielt bereits um 630 v. Chr. der assyrische König Assurbanipalin in Ninive. 
 
Schluss mit der Geschichtsstunde! Kommen wir zurück zum unnützen Wissen in Kurzform, das gerade am Tag des Buches jedoch durchaus mal nützlich sein kann, um Gesprächspartner zu beeindrucken. "Wissen Sie eigentlich, dass.....?" 
 
Weitere Kandidaten für das älteste Buch der Menschheit sind der auf Tontafeln erzählte Gilgamesch-Epos der Babylonier und die auf Pergamentrollen festgehaltenen Totenbücher der Ägypter. Vor ein paar Jahren kam noch ein Anwärter dazu: Ein in Bulgarien gefundenes, 2500 Jahre altes Buch der Etrusker, das komplett aus Gold besteht! Erstes gebundenes Buch, das auch im Format der im 16. Jahrhundert gedruckten Gutenberg-Bibel ähnelt, ist eine Bibelübersetzung des Missionars Wulfila ins Gotische aus dem Jahr 350. 
 
Als größtes Buch der Welt gilt nach meinem Kenntnisstand ein Werk aus der Zeit, als das Verkehrsministerium sich noch nicht mit bescheuerten Mautgebühren befasste. Der damalige Minister Ramsauer startete 2010 gemeinsam mit der "Stiftung Lesen" einen Wettbewerb, an dem sich 40 000 Schüler mit Texten zur Verkehrssicherheit beteiligten. Das Resultat wurde 2011 auf der Frankfurter Buchmesser präsentiert: Mehr als 4 m dick, 220 kg schwer und 50 506 Seiten stark. 
 
Das dünnste Buch der Welt ist dagegen nicht zu ermitteln. Die UNESCO hat festgelegt, dass ein Buch mindestens 49 Seiten haben muss. Und davon gibt es eine ganze Menge. Der US-Komiker Groucho Marx behauptete dennoch, den Titel des dünnsten Buches zu kennen. "Ganz klar: Tausend Jahre deutscher Humor!" 
 
Das größte lieferbare Buch der Welt erschien 2003 beim Friendly Photo Verlag. Der Fotoband "Bhutan" misst 2,13 m x 1,52 m, wiegt 65 kg und kostet schlappe 15 000 Dollar. 
 
Wo wir beim Thema Geld sind: Das womöglich kostbarste Buch in Deutschland ist im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu finden. Der Evangelienband "Codex Aureus" ist mit Edelsteinen, Gold, Elfenbein und Perlen verziert und wird von Experten auf einen Wert von rund 80 Millionen Euro geschätzt. Dagegen wirken die 23 Millionen Euro, die Bill Gates für den "Codex Leicester" ausgab, geradezu mickrig. Allerdings gibt es beim Rennen um das wertvollste Buch noch einen Geheimfavoriten. Für die Heidelberger Liederhandschrift in Mittelhochdeutscher Sprache wurde bei einer Ausstellung ein Versicherungswert von 50 Millionen Euro zugrunde gelegt. 
 
Das wertloseste Buch ist dagegen schnell gefunden. Es handelt es sich um das meist verschenkte, aber wahrscheinlich am wenigsten gelesene Werk "Mein Kampf" von Adolf Hitler. In der Nazi-Zeit bekam jedes deutsche Hochzeitspaar ein Gratis-Exemplar. 
 
Zum Schluss noch zum am längsten verliehenen Buch der bisherigen Geschichte. 1916 interessierte sich ein Leser für "Sunshine Sketches of a Little Town" und nahm den Band aus einer kanadischen Leihbücherei mit nach Hause. 82 Jahre später fand eine Frau das Buch auf ihrem Dachboden und brachte es ordnungsgemäß zurück. Die aufgelaufene Strafgebühr von 7200 kanadischen Dollar wurden ihr großzügig erlassen. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Buch-Newcomer des Jahres 2021 wird übrigens hoch gehandelt: "Am Tage der Panzerknacker" von Daniel Düsentrieb und Kater Carlo. 

   

Schmunzelpost 3 vom 22. 4. 21

Hier kommt es nun, das Finale des Panzerknacker-Dramas. Allen, die wegen der Pausen, des häufigen Schauplatzwechsels und der Vielzahl der handelnden Personen den Überblick verloren haben, rate ich, alle Folgen in der richtigen Reihenfolge noch einmal am Stück zu lesen. www.schmunzelpost.de.
Was soll das Knurren? Ich habe mir Winnetou I auch sechsmal vorgenommen!

Am Tage der Panzerknacker (8)
 
"Chef, bitte kommen! Chef, Chef, bitte kommen!" Polizeianwärter Kevin Kalb hat auf seiner Beobachtungsstation das Fernglas zur Hilfe genommen und ist seitdem völlig aufgelöst. "Ja, Kevin, ich höre. Mit welchen neuen Katastrophen muss ich fertig werden?"
"Chef, ich bitte um sofortige Ablösung. Ich sehe plötzlich alles doppelt. Kann es sein, dass heute Morgen in der Kantine jemand etwas in den Kaffee geschüttet hat?" "Ja, Milch und Zucker! Aber sagen Sie mir doch, was Sie so aufregt."

"Vor der Kundgebungs-Tribüne kommt von rechts Olaf Scholz auf die Treppe zu!" "Ja, klar, irgendwie muss er ja hinauf kommen. Was ist daran so beunruhigend?" "Na, von links kommt ebenfalls Olaf Scholz auf die Treppe zu!" "Vielleicht gibt es, einen Spiegel und das ist eine optische Täuschung. War das alles?" "Nein, nein. In der Ursulagasse kommt von links Angela Merkel...., na, Angela Merkel kommt auf Angela Merkel zu. Man könnte also auch sagen von rechts kommt Angela Merkel auf Angela Merkel zu." "Ganz ruhig, Kalb, ganz ruhig. Das ist Ihre erste wichtige Mission, vielleicht sind Sie einfach überfordert und leiden unter Sinnestäuschungen."

"Das ist gut möglich. Denn in der Ursulagasse kommen außerdem die Panzerknacker auf die Panzerknacker zu!" "Das ist nun wirklich interessant. Womöglich sind Sie der erste bekannte Fall von exportierter Schizophrenie. Kommen Sie doch ganz langsam die Treppe herunter und begeben Sie sich ins St.-Elisabeth-Krankenhaus." "Wird gemacht, Chef!" Markus Vorlaut legt das Funkgerät beiseite. "Wenn sich nur alle Probleme so leicht lösen ließen."
 
Fünf Minuten zuvor. Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat sich im Tintenhuhn-Transporter aufgerappelt. "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps! Olaf, Du hast schon ganz andere Probleme gemeistert, da wirst Du doch wohl allein den Weg zu dieser Kundgebung finden! Immer dem Lärm entgegen!" Er öffnet die Autotür und marschiert los. Die ersten Schritte sind etwas wackelig, dann wird sein Gang immer forscher. Scholz richtet seine Krawatte und strebt staatsmännisch korrekt seinem Ziel entgegen.
 
Den Krawattenmörder hat prickelnde Vorfreude erfasst. Da kommt tatsächlich sein Opfer direkt auf ihn zu. Und weit und breit ist kein Leibwächter zu sehen, von Polizei ganz zu schweigen. Blitzschnell knoten seine Hände den mitgebrachten Schlips zur Würgeschlinge. "Nur noch ein paar Schritte, dann..."
 
"Olaf, alte Hamsterbacke, komm an meine Brust! Wir haben uns ja schon ewig nicht gesehen", schallt es plötzlich hinter seinem Rücken von der anderen Seite der Tribüne. Irritiert dreht sich der Krawattenmörder um. "Das is doch...? Isser das wirklich? Jau, das ist Gerhard Schröder." Doch viel mehr erschüttert ihn, was er sonst noch sieht: Olaf Scholz, begleitet von zwei Leibwächtern. Er dreht sich erneut um. Ja, da steht Olaf Scholz. Der Killer wendet sich zur anderen Seite. Da steht ebenfalls Olaf Scholz. Das ist zu viel für sein krankes Hirn. Die zuständigen Synapsen ziehen die Sicherung aus dem Hypothalamus und der Krawattenmörder sackt zusammen.
 
Dagegen ist der zweite Ausbrecher so geschmeidig und energiegeladen, dass ihn nichts und niemand aufhalten kann. Jeden, der sich ihm in den Weg stellt, stößt er beiseite und knöpft sich sein Opfer vor. "Du hast meine Familie auf dem Gewissen, Du Schuft!", zischt er und stößt mit dem Messer zu. "Dies ist für Hartz IV, dies für Hartz III, die für Hartz II und dies für Hartz I, Du Null!" Gerhard Schröder sinkt röchelnd zu Boden. Endlich haben seine Leibwächter reagiert. Sie nehmen dem Attentäter das Messer ab und legen ihm Handschellen an. Schorsch beugt sich über den blutüberströmten Mann: "Herr Schröder, halten Sie durch, der Rettungsarzt ist sofort bei uns." Der Schwerverletzte öffnet noch einmal die Augen: "Nix, Schröder, ich bin Rasputin, der tödliche Arm des Zaren." Dann rinnt Blut aus seinem Mund und er verstummt.
 
Auch in der Seitenstraße nebenan spitzt sich die Lage zu. Auge in Auge stehen sie sich gegenüber und gehen langsam aufeinander zu, Angela I und Angela II. Total perplex sind die Leibwächter zu Salzsäulen erstarrt. Nur Tintenhuhn Beate filmt emsig alles mit. Vorschriftsmäßig einen Meter fünfzig voneinander entfernt bleiben die Frauen stehen. Und Angela I öffnet den Mund: "Schicker Hosenanzug, wo haben Sie den her?" Angela II alias Tintenhuhn Anne antwortet: "Topp-Frisur, wo lassen Sie arbeiten?" Die beiden lächeln sich an und die Kanzlerin greift ihr Double unter'm Arm: "Kommen Sie, wir müssen uns mal in Ruhe unterhalten." Und das Gespann verschwindet im Alten Rathaus.
 
Just in diesem Moment stürmen sieben Panzerknacker hinzu und stürzen sich auf die Tintenhühner. "Ham' wir Euch, Ihr Gangster! Wo ist unsere Kohle?" Doch zu ihrer großen Verwunderung finden sich die Angreifer entwaffnet und gefesselt auf dem Boden wieder, bevor sie "Piep" sagen können. Die Elite-Polizisten der Merkel-Garde verstehen ihr Handwerk. "Wie vermutet, die Maschinenpistolen und Revolver sind nur plumpe Imitate", stellt einer der Personenschützer fest und wendet sich an "the Brain": "Bist Du der Anführer?" "Nein, nein, das ist eine Verwechslung - ich gehöre zu den Tortenhühnern." "Tortenhuhn? Dass ich nicht gackere!", schnaubt Ede 1. "Und so ein Feigling wollte unser Boss sein! Von wegen "the Brain", ab heute heißt Du Kleinhirn!"
 
Epilog 
 
Als der Krawattenmörder im Krankenwagen wieder aufwachte, war er wie verwandelt. Er forderte seine beiden Bewacher auf, mit ihm "ich-sehe-was, was-Du-nicht-siehst" zu spielen. Spätere Diagnosen der Psychiater ergaben, dass der Schock sein Gedächtnis komplett gelöscht hat. Sollten keine Veränderungen auftreten, stehe einem Wechsel aus der Forensik in eine betreute Wohngruppe nichts entgegen. 
 
Auch Rasputin hat wider Erwarten den Anschlag überlebt. Zwar sind beide Lungenflügel größtenteils zerstört und nur noch eingeschränkt leistungsfähig, aber der Killer verfügt über eine durchtrainierte Physis und wird mit dem Handikap leben können. Die Verhörspezialisten von BND und CIA hoffen sehr auf seine Aussagebereitschaft. Die Amerikaner plädieren dafür, Rasputin "aus Sicherheitsgründen" nach Guantanamo zu verlegen. Seine Schröder-Maske war derart perfekt, dass Tintenhuhn Lisa meinte: "Die könnte glatt von unserer Petrinum-Schülerin gefertigt sein." Es wird vermutet, dass Rasputin schon länger als Ex-Bundeskanzler unterwegs war. Was aus dem echten Gerhard Schröder wurde, darüber gibt es nur Spekulationen. Manche glauben, dass der Hannoveraner nach der Scheidung von seiner vierten Frau ein Luxusleben am Traumstrand der Krim führt. Andere sehen ihn in der Nachbarzelle von Nawalny und wieder andere nehmen an, dass Schröders Leichnam an ein Pipeline-Rohr in der Ostsee gekettet ist. 
 
Der Schröder-Hasser ist in dumpfes Brüten versunken, nachdem er erfuhr,  dass er den falschen erwischt hat. Gelegentlich murmelt er vor sich hin: "Ich kriege Dich! Selbst, wenn ich Dir in die Hölle folgen muss!" 
 
Markus Kleinlaut, Leiter der Dorstener Polizeihauptwache, ist wegen der hervorragenden Einsatz-Koordinierung als Vater des Erfolges zum Polizeipräsidenten des Kreises Recklinghausen befördert worden. Sein bisheriger Stellvertreter Markus Vorlaut übernimmt den Chefposten in Dorsten. Als neuen Stellvertreter hat er Kevin Kalb vorgeschlagen. 
 
Die Panzerknacker-Bande muss sich in Kürze vor Gericht verantworten. Ihr Verteidiger will auf "Schuldunfähigkeit infolge nachgewiesener Dösigkeit" plädieren. 
 
Die Dorstener Kabarettgruppe "Die Tintenhühner" profitierte vom Medienrummel und absolvierte nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen eine beifallumrauschte Deutschland-Tournee. 
 
Die Pariser Haute Couture ließ sich von den Ereignissen inspirieren und startete mit ihren Frühjahrskollektionen einen weltweit erfolgreichen Modetrend: Den Sträflings-Look. Nur in Deutschland konnte sich die neuen Modelle nicht recht durchsetzen und kamen hauptsächlich im Karneval zum Einsatz. 
 
Angela Merkel gelang es, Tintenhuhn Anne zu überreden, in den letzten Monaten der Kanzlerinnen-Amtszeit als Doppelgängerin zu fungieren. Bis heute wird gerätselt, welche von beiden sich nach einer Gauland-Rede im Bundestag ihr schallendes Gelächter nicht verkneifen mochte. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 2 vom 21. 4. 21

 

Die Tage werden länger. Dem Kalender nach ist es Frühling, aber noch immer ist kein Ende des Lockdowns abzusehen. Zeit, mal wieder vom Reisen zu träumen. Doch nicht von der Ostsee oder Mallorca: Heute geht es zu ganz speziellen Zielen, von deren Besuch noch Eure Ur-, Ur-, Urenkel erzählen werden. "Damals, noch vor dem Klimawandel, lebten meine verrückten Urahnen. Und die sind mit 'Schmunzelpost-Adventure-Travel' zu drei extrem seltsamen Orten gefahren."
 
Zur ersten Reise empfehle ich, möglichst wenig Bargeld mitzunehmen. Nützlich könnten dagegen ein Holzbein, eine Augenklappe und ein fremdsprachenkundiger Papagei sein. Es geht nach Hobyo, 5° 20' 59" nördlicher Breite; 48° 31' 36" östlicher Länge. Hobyo ist eine Piratenstadt, die von der übrigen Welt gemieden wird. Vor allem nachts ist der Ort nicht leicht zu finden, denn niemand hat dort auch nur einen Cent in einen Stromgenerator investiert. So ist die Stadt dann in völlige Dunkelheit getaucht. Dabei sind dort Kapitäne ansässig, die mit einem einzigen gekaperten Schiff gut zehn Millionen Dollar Lösegeld verdienen.
 
Vor hundert Jahren war die antike Stadt an der Westküste des Horns von Afrika die Hauptstadt eines kleinen Sultanats und ein lebendiges Handelszentrum. Doch zu Beginn des 21. Jahrhunderts siedelten sich dort immer mehr Briganten an, die im Süden von Islamisten und im Norden von der Marinepolizei zurückgedrängt wurden. Sie haben in Hobyo seit 10 Jahren das Regiment übernommen. Denn das durch einen Bürgerkrieg zerrüttete Somalia hat keine durchsetzungsfähige Zentralregierung und ist weder interessiert noch militärisch in der Lage, für Ordnung zu sorgen. So ankern eine Meile vor der Küste die "Piratenschätze", entführte Containerschiffe oder gekaperte Supertanker. Rund 200 Millionen Dollar betragen die jährlichen Lösegeld-Einnahmen.
 
Doch das Geld bleibt nicht in der staubigen, zerbröckelnden Stadt. Die hat außer Armut noch ein ganz anderes Problem. Zusätzlich zu Holzbein und Papagei sollten Touristen auch einen Spaten, besser noch einen Schaufelbagger, im Gepäck haben. Denn alteingessene Bürger klagen: "Die Stadt verschwindet allmählich unter dem Sand. Wir werden bei lebendigem Leib von der Wüste begraben und können nichts dagegen tun."
 
Daher verlassen wir lieber den ungastlichen Ort - und wechseln in eine Gegend, die sogar noch öder ist. Wir fahren nach Bir Tawil, 21° 52' nördlicher Breite; 33°41' östlicher Länge. Es klingt unglaublich, aber dieser Ort gilt als so übel, dass keiner ihn haben will. Bir Tawil ist wahrscheinlich der einzige Ort auf Erden, der bewohnbar ist und auf den trotzdem niemand Anspruch erhebt.
 
Die rund 2000 Quadratkilometer große Felsenwüste liegt zwischen Sudan und Ägypten. Und die beiden Staaten liefern sich einen weltgeschichtlich wohl einzigartigen Streit darüber, ein Gebiet nicht besitzen zu wollen. Dafür gibt es Gründe. Bir Tawil hat keinen Zugang zum Roten Meer, der letzte Brunnen ist ausgetrocknet. Nur ganz vereinzelt finden sich leerstehende Gebäude. Und auch die Wüstenpfade sind menschenleer, nachdem der früher dort regelmäßig durchziehende Nomadenstamm irgendwann jegliches Interesse an dem Niemandsland verlor.
 
Der Konflikt zwischen Sudan und Ägypten hat noch einen anderen Grund. Die Nachbarländer beanspruchen nämlich eine Region für sich, die durch zwei unterschiedliche Grenzziehungen der früheren britischen Kolonialherren umstritten ist. Und im Halaib-Dreieck wird seit 1990 Öl gefördert! Deshalb heißt es: "Gebt uns Halaib, dafür kriegt ihr Bir Tawil." Für Menschen, die Einsamkeit lieben und sich gern selbst zum König krönen möchten, ist Bir Tawil somit ein Geheimtipp und wahrscheinlich ein echtes Schnäppchen. Vielleicht könnt Ihr ja ein paar Reichsbürger an die stolze Kolonialtradition unter Kaiser Wilhelm erinnern und zum Auswandern anstiften...
 
Unser drittes Reiseziel führt uns als Kontrastprogramm an einen recht belebten Ort, rund 3500 Kilometer östlich von Moskau. Selenogorsk, 56° 15' 00" nördlicher Breite; 93° 32'00" östlicher Länge, hat etwa 90 000 Einwohner. Die Stadt wurde 1950 aus dem Boden gestampft. Wer sich für Architektur interessiert, erfreut sich daher am rasterförmigen Aufbau und den breiten Boulevards. Mehr noch: Der ruhige und gepflegte Charakter des Ortes, der riesige Stadtpark und die Lage an einem See inmitten von Wäldern und Hügeln trug Selenogorks auf seiner inoffiziellen Website den stolzen Titel "Das letzte Paradies auf Erden" ein.
 
Ein Paradies mit einem kleinen Haken. Lange hatte die Stadt nicht mal einen eigenen Namen, sondern bloß eine Postfachnummer. Auf sowjetischen Landkarten war die Stadt nie zu finden, auf vielen russischen bis heute nicht. Und das, obwohl Boris Jelzin 1992 ihre Existenz offiziell bestätigte.
 
Ursache der Geheimniskrämerei ist ein Atomreaktor, in dem 47 Jahre lang waffenfähiges Plutonium erzeugt wurde. Dafür brauchte man fähige Techniker und Wissenschaftler, die für russische Verhältnisse sehr gut bezahlt wurden. Entsprechend ist die Stilllegung des Reaktors im April 2010 betrauert worden: Zwei Wissenschaftler legten Blumen auf die Steuerstäbe. Und die Bewohner bleiben weiter gerne unter sich. Zwar steppt im Vergleich zu Bir Tawil im Zentrum von Selenogorsk der Bär - es gibt ein Kino und sogar ein Restaurant - aber wer sich einen schönen Abend machen will, muss 60 Kilometer weiter nach Krasnojarsk fahren.
 
Dafür gibt es jedoch weiterhin qualifizierte Arbeitsplätze in High-Tech-Betrieben. Drei Viertel aller russischen Satelliten werden in Selenogorsk hergestellt. Und ein  weiteres lukratives Geschäft ist die Lagerung von Atommüll in den umliegenden Bergen. Bei den Bürgern offenbar hochwillkommen - gerade mal 50 von 90 000 wollten etwas über die Details erfahren. Somit ist der abschließende Besuch in Selenogorsk die Gewähr, dass alle Teilnehmer strahlend von der Adventure-Travel-Tour zurückkehren.
 
Da ich aber verstehen kann, dass es Menschen gibt, die mehr an konventionellen Reisen interessiert sind, nochmal der Tipp: Vor allem für Leute, die gern Wandern oder Radfahren, bietet Martin jedes Jahr ein lohnendes Programm an: www.velling-reisen.de 
 
Vielleicht lässt sich Martin auch überreden, mal eine Deutschland-Rundreise zu  Orten mit kuriosen Namen zu starten. Davon hat er eine umfangreiche Sammlung zusammen getragen. 
 
Wer Bir Tawil ausgehalten hat, dem wird es auch in EINÖD (bei Zweibrücken) gefallen. Danach geht es zu so exotischen Orten wie PITZENSCHEN-PICKEL (bei Heideblick), FAULEBUTTER (bei Freudenberg) und BRÖMSENKNÖLL (bei Drage). Weiter nach DEPPENHAUSEN (Ehringen). Wer glaubt DÜMMER (bei Schwerin) geht's nicht, der irrt: Danach folgt DUMMERSDORF (Rostock). ALT EKELS (Süderbrookland), die nun meinen, sie müssten mir einen ANSCHIESSING (Tittling) verpassen, die verschleppe ich nach AUA (Bad Hersfeld). Dort gibt's eine BEULE (Oberreutte) und viel Ge-HUMPL (Neufahrn). Falls Ihr Pech habt, endet Ihr jedoch auch womöglich als HEILIGENLEICHNAM (Saare) IN DER HÖLLE (Fuldakreis). 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Noch ein letzter Tipp: Wer stattdessen gern einmal in seine frühe Kindheit zurückreisen möchte, sollte sich ein Buch besorgen, das derzeit im Schaufenster der Altstadt-Spielwarenhandlung zwischen Puppen und Plüschtieren ausliegt: "Furzipups, der Knatterdrache (Pups-Button liegt bei)"  
 

 Schmunzelpost 1 vom 20. 4. 21

In der heutigen Folge rückt der Dorstener Marktplatz in den Fokus. Dort tummeln sich Spitzenpolitiker, Spitzenkabarettisten, Eliteverbrecher und Stümperverbrecher, gemeinsam mit Polizei und viel Volk.
 
Am Tage der Panzerknacker (7)
  
"Na, Schorsch, langsam wieder alles klar im Oberstübchen?" Lisa tätschelt Olaf Scholz die Glatze. "Wir sehen uns draußen das Spektakel auf dem Marktplatz genauer an." "Schorsch? Was für ein Schorsch?", murmelt der Vizekanzler mit schwerer Zunge. Lisa kichert: "Ein bisschen Zeit brauchst Du wohl noch, bis Du wieder ganz bei Dir bist. Erhol' Dich erstmal und pass gut auf das Auto auf. Ist sowieso besser, wenn Du hier bleibst, sonst begegnest Du womöglich noch Deinem Spiegelbild." 
 
"Geht es Ihnen wieder besser, Herr Minister?" Schorsch versucht bestätigend zu nicken, lässt es aber wegen der sofort aufkeimenden Kopfschmerzen bleiben. "Ihr Arzt meint, er habe keine medizinischen Bedenken", fährt der Personenschützer fort. "Kommen Sie, wir stützen Sie, die frische Luft und die große Zuschauermenge werden Ihnen gut tun. Und Sie haben sowieso noch eine gute Stunde Zeit, bis Sie mit Ihrer Rede an der Reihe sind." "Rede? Was für eine Rede?", krächzt Schorsch. Aber seine beiden Leibwächter haben ihn schon aufgerichtet, aus dem Auto geschoben und bugsieren ihn nun behutsam in Richtung Marktplatz-Tribüne. 
 
Auf deren Bühne steht Markus Vorlaut, stellvertretender Leiter der Dorstener Polizeiwache und versucht verzweifelt, aber vergebens, die Menschenmassen auf dem Markt zu dirigieren. "Es ist ja vorbildlich, dass Sie alle Masken tragen", schreit er ins Mikrofon, "aber beherzigen Sie bitte auch die Einhaltung des Mindestabstands. Das Ordnungsamt und die Polizei müssen sonst eingreifen und empfindliche Bußgelder einfordern." Genauso gut hätte er die Leute auffordern können, Ostereier zu legen. Von hinten drängen immer mehr Neugierige nach und schieben die Menschen auf dem Marktplatz noch mehr zusammen. 
 
"Es hat keinen Zweck", sieht Vorlaut ein und fragt seinen Nebenmann: "Habt Ihr inzwischen unseren Chef in der Wache erreicht?" "Nö, da ist kein Durchkommen. Anscheinend ist das Telefonnetz zusammen gebrochen, selbst die Mobiltelefone tun es nicht mehr." "Dann reich' mir mal das Funkgerät. Ja, danke. Kevin Kalb, bitte kommen, Kevin Kalb, bitte kommen!" "Hier ist Polizeianwärter Kalb", meldet sich der Pozubi (Fachbegriff für Polizist*innen-Auszubildender*in) "ich habe wie befohlen Stellung am Fenster im Obergeschoss des C&A-Gebäudes bezogen und verfüge über einen guten Überblick." "Dann blicken Sie mal gut über und sagen mir, ob Sie etwas Beunruhigendes bemerken." "Aus der Lippestraße nähert sich eine verdächtige Gruppe in Sträflingskleidung dem Markt." "Ach, Kalb, Sie müssen noch viel lernen. Das sind die Kabarettisten der Tintenhühner, die Werbung für ihr neues Programm machen wollen. Hätten Sie aber auch so drauf kommen können: Welcher ernstzunehmende Kriminelle läuft sonst am helllichten Tag in Sträflingsmontur herum?" "Aber die Kerle sind schwer bewaffnet und bahnen sich mit Maschinenpistolen und Revolvern ihren Weg durch die Menge!" "Regen Sie sich ab, Kalb, das gehört alles zur Show." 
 
Vorlaut schaut auf seinen Nebenmann, der gestenreich versucht, seine Aufmerksamkeit zu erlangen. "Was hampeln Sie denn so herum?" "Chef, die Bankräuber, die heute Morgen erst die Sparkasse und dann die Volksbank überfallen haben, waren allesamt mit Sträflingskostümen verkleidet!" "Mann, warum sagen Sie das denn nicht gleich! Kommando an alle, nehmt sofort alle Sträflinge fest! "Chef, entschuldigen Sie, wenn ich mich nochmal einmische, aber über Funk hört Sie nur Polizeianwärter Kalb. Und der sitzt am Fenster im dritten Stock." "Dann informieren Sie unverzüglich alle anderen Kräfte!" "Wie denn? Die Telefone tun es nicht und unsere Leute sind über den ganzen Marktplatz verteilt und hängen im Gedränge fest." 
 
Unbehelligt haben sich die beiden Forensik-Ausbrecher der Tribüne genähert. "Da ist er!" Der Krawattenmörder zeigt auf Olaf Scholz, der sich, von zwei Personen gestützt, langsam auf den Bühnenaufgang zubewegt. "Ich komme von links und Du pirscht Dich von rechts an." "Wenn's denn sein muss", brummt sein Gefährte und greift nach dem Messer in seiner Tasche. Plötzlich kommt auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes Unruhe auf. Dort ist anscheinend ein weiterer Promi aufgetaucht. "Kann das sein? Isser das wirklich? Jau, das isser!" Grimmige Entschlossenheit erfasst den Forensik-Flüchtling. Und er schaufelt sich den Weg durch die Menge frei wie ein Schneepflug durch einen frisch gefallenen Flockenteppich. 
 
"Ist er das wirklich? Jawohl, das ist er!" schallt es aus dem WDR-Übertragungswagen direkt neben der Bühne. Der Reporter kann es kaum fassen: "Das ist ja eine Überraschung! Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist ohne Voranmeldung ebenfalls nach Dorsten gekommen. Wahrscheinlich will er seinen SPD-Parteifreund unterstützen. Aber ob Olaf Scholz sich darüber wirklich freut?" 
 
Weitere unangekündigte Unterstützung für den Vizekanzler ist auf der Recklinghäuser Straße im Anmarsch. Dort bemüht sich ein Großaufgebot von Personenschützern, eine Gasse für Regierungschefin Angela Merkel zu schaffen. Doch ist das wirklich Angela Merkel? Die Kanzlerin wird doch soeben in der Ursulastraße bejubelt, wo sie an der Spitze von Panzerknackern dem Marktplatz zustrebt. . . 
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Oh, oh, wie wird das nur enden? Das hochdramatische Finale erwartet Euch in der nächsten Folge. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost 0 vom 19. 4. 21 

Das letzte Wochenende habe ich nicht nur zum Lesen und zum Zusammentragen von Fundstücken genutzt, sondern auch zum Bügeln. Dazu sah ich mich leider gezwungen. Denn:
 
Zwanglos? 
 
Zum Tarnen meiner Leibesfülle
trag ich jetzt gern die Kleiderhülle, 
also das Hemd, ganz frei von Zwängen, 
erlöst über des Gürtels Engen. 
 
Doch blieb nicht ungetrübt das Glück. 
Sofort ertönte laut Kritik: 
"Trägst Du Dein Hemd so ungezügelt, 
dann geht das gar nicht ungebügelt!" 
 
Solch freudlose Abschnitte des Daseins konnte ich jedoch ausbügeln durch ausgiebige Zeitungslektüre. Da las ich im Schermbecker Lokalteil, dass dort die CDU Charlotte Quik als Kandidatin nominiert hat. So weit, so gut. Doch womöglich durch eine Bügelfalte begann es im Hirn zu rattern. Im Schmunzelpost-Empfängerkreis ist auch eine kluge Frau, die mit Fug und Recht behaupten kann, dass sie einst reich geheiratet hat. Ein Vermögen, das sie im Anhang ihres Namens bunkerte. 
 
Der Gedanke an Doppelnamen ist inspirierend. Wie wäre es, wenn Frau Quik Professor Dr. Quack ehelichen würde? Nein, ich meine nicht Professor Primus von Quack, die schlaue Ente aus dem Micky-Maus-Kosmos, die behauptet, als Wiener Akademiker 116 Doktorhüte und 92 Staatsexamen zu besitzen. Frau Quik hätte die Wahl zwischen Prof. Dr. Dr. Hans Quack aus Dresden, Prof. Heinz-Dieter Quack aus Salzgitter und Prof. Friedrich Quack aus Heidelberg. Und falls sie Frauen anziehender findet: Professorin Sigrid Quack lehrt an der Uni Duisburg/Essen Soziologie. Ein kluges Völkchen, diese Quacks! 
 
Nur so als Gedankenspiel, ich will hier ja keine Scheidungsgerüchte in die Welt setzen: Wenn Anne Pitz einen Anton Ringel ehelichen würde, ergäbe das zumindest namentlich eine harmonische Verbindung. Was man von Frau Engel und Herrn Erz auch behaupten könnte. Oder von Frau Schwarz und Herrn Weiß. Bevor Ihr Euch jetzt einen Vermählungs-Reim auf Krause bildet, mache ich damit lieber Pause. 
 
Bleiben wir trotzdem beim Thema Namen. In der Dorstener Zeitung ging es am 14. April um Weinbezeichnungen aus aller Welt. Dass der "Kröver Nacktarsch" aus Tradition in Deutschland Freunde hat, ist nachvollziehbar, aber ob sich bei uns auch ein "Scheisswein" gut verkaufen würde? In Frankreich ist der "Vin de Merde" durchaus erfolgreich - und Franzosen gelten als Kenner. Als NABU-Krötensammler registrierte ich erstaunt, dass in Argentinien "Sapo de Otro Pozo" angeboten wird, zu deutsch: "Kröte aus einem anderen Teich." Den würde ich vermutlich lieber trinken als "Mosquita Muerta" (Tote Fliege). 
 
Auch in Neuseeland liebt es der Weintrinker tierisch: Die "Einsame Ziege" (Lone Goat) steht neben der "Kreischenden Elster" (Squaking Magpie) und dem "Fetten Vogel" (Fat Bird) im Regal. Und aus dem Hause "Quiekendes Schwein" (Squealing Pig Winery) soll es gleich drei hervorragende Sorten geben. Ich persönlich trinke ganz gern einen Rotwein, der auch im örtlichen Supermarkt erhältlich ist: "Lesestoff". Damit schließt sich der Kreis: Ich gebe dem Winzer zwei, drei Gläschen aus, der "Schmunzelpost" auf den Weinmarkt bringt! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Als Zugabe wieder ein Blick in den "Hohlspiegel". Im Anschreiben einer Bank hieß es "Sehr geehrter Herr Kundin/Kunde". Und die Südostbayerische Rundschau urteilte über Lothar Matthäus: "So richtig durchsetzen konnte er sich nie, obwohl ihm keiner absprechen mag, dass er nicht viel Ahnung hat." 
 

Schmunzelpost -1 vom 18. 4. 21

Letzte Woche wollte ich nach meiner morgendlichen Lurchpatrouille zwei Kröten, pardon, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ich hatte noch nicht gefrühstückt und meine Käsereserven daheim waren ziemlich dezimiert. Also machte ich auf dem Rückweg mit knurrendem Magen noch einen Abstecher zum Holsterhausener Markt. 
 
Leider hatte sich vor dem Stand von "Käse Steinkopf" wieder einmal eine Schlange gebildet. Da ich jedoch sah, dass Steinkopf senior als Verstärkung seinen Sohn mit an Bord hatte, reihte ich mich als Siebter ein. Als es trotzdem eine Weile nicht voran ging, giftete mein Vordermann: "Mein Gott, das ist ja wie früher in der DDR!" Eine Frau vor ihm drehte sich um: "Wenn Sie keine Zeit haben, dann hauen Sie doch ab und lutschen Sie eine Banane!" "Meine Güte, dicke Luft am frühen Morgen", dachte ich, "nun bleibt mal alle etwas entspannter." 
 
Nun lauschte ich der Frau, die gerade an der Reihe war: "Dann hätte ich gern noch zwei Scheiben von dem Gruyere", bestellte sie bei Steinkopf junior, "oder nein, warten Sie, wie hieß denn der Schweizer Bergkäse, den Sie vor zwei Wochen zum ersten Mal im Angebot hatten?" Steinkopf junior wandte sich hilfesuchend an Steinkopf senior. "Da hatte ich den Langenwieler dabei und einen leckeren Comte", drehte der sich von dem Kunden weg, den er selbst gerade bediente. "Darf ich die beiden Sorten mal probieren?" "Ja, klar!" Junior und Senior hobelten Kostproben von den Käselaiben ab und reichten sie auch an die Nummern drei bis sechs in der Schlange durch. "Ja, ganz appetitlich. Aber ich bleibe doch lieber beim Gruyere. Oder haben Sie noch etwas von dem tollen Stilfser? Davon dürften es sogar vier Scheiben sein." "Habe ich zwar nicht mehr hier, doch es müsste noch ein Laib im Wagen sein - ich hol' den mal eben", verschwand Steinkopf senior. 
 
"Nein, bitte nicht," dachte ich bei mir und spürte, dass ausgehend von meinem Magen eine nervöse Unruhe in mir aufstieg. Dann war Steinkopf senior zurück und ich atmete auf: "Nun mach hinne!" "Dann brauche ich noch ein Stück Brie. Aber welchen können Sie mir da empfehlen?" kam die unersättliche Kundin Steinkopf senior zuvor, der gerade darauf hinweisen wollte, dass er fünf Sorten im Repertoire hatte. 
 
 "Also mir persönlich schmeckt der mit Wein angereicherte am besten. Aber auch die Sahnevariante ist sehr lecker und der Brie de Meaux hat gerade den richtigen Reifegrad." "Sag es nicht", flehte ich innerlich, doch vergebens. "Könnte ich die mal probieren?" Erneut gingen Kostproben auch an die Wartenden Nummer drei bis sechs. Ich bemerkte, wie sich meine Gelassenheit allmählich in Ärger verwandelte. 
 
"Hmmm, die schmecken alle sehr gut. Was machen wir denn da? Ach, geben Sie mir von allen Sorten ein kleines Stück. Aber nicht so groß, lieber klitzeklein!" Und als Steinkopf senior seinen Kunden weiter bedienen wollte, stoppte ihn der Zuruf: "Ach, was ich Sie noch fragen wollte: Wie haben Sie denn am Wochenende beim Mountain-Bike-Rennen abgeschnitten?" Da Steinkopf senior nun zu einer ausführlichen Beschreibung des Rennverlaufs ansetzte, hätte ich der Frau am liebsten den Hals umgedreht. Doch ich zügelte mich: "In der Ruhe liegt die Kraft, es wird schon gleich weiter gehen." 
 
"War es das?", fragte nun Steinkopf junior, der ebenfalls zunehmend unruhiger geworden war. "Jaaa, eigentlich ja. Aber warten Sie, von dem Serrano-Schinken, den Sie da in der Schraubzwinge haben, könnten Sie mir noch 50 Gramm abschneiden - oder, nein, lassen Sie das bitte Ihren Vater machen, der hat das bessere Händchen dafür." 
 
Inzwischen hatte sich ein neues Gefühl meiner inneren Gemengelage zugeschaltet. War das etwa Hass? Das konnte doch nicht sein, bei so einer Kleinigkeit. Aus meinen Überlegungen gerissen wurde ich, als bei dem Wartenden Nummer vier das Handy bimmelte. Er ging dran: "Nein, ich stehe noch vor dem Stand bei Steinkopf. Ja klar, ich habe mir aufgeschrieben, was Du alles für das Käse-Buffet heute Abend brauchst. Ach, Deine Mutter möchte, dass wir ihr ein paar Sorten für zuhause mitgeben? Kein Problem, ich schreibe mir das eben auf." Und er wandte sich um: "Hat jemand von Ihnen zufällig einen Kugelschreiber dabei?" 
 
Da bin ich gegangen. Lieber einen Tag auf Käse verzichten, als ein paar Jahre wegen Totschlags hinter Gittern verbringen. 
 
Glückauf 
kdk      

Schmunzelpost -2 vom 17. 4. 21

Die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu. Ich hoffe, Ihr habt den Überblick noch nicht verloren. Falls doch, könnt Ihr unter www.schmunzelpost.de Euer Gedächtnis jederzeit auffrischen.

Am Tage der Panzerknacker (6)
 
Die Tintenhuhn-Kabarettisten blickten sich ratlos an. Sie fühlten sich wie in einem Stück aus dem Tollhaus: Die Hauptwache der Polizei war fast menschenleer, alle Telefone schrillten, auf Monitoren blinkten Warnzeichen, die Heizung lief trotz des milden Spätsommer-Wetters auf Hochtouren, so dass der Schweiß die Masken tränkte. Und vor ihnen saß ein Häuflein heulenden Elends: Wachleiter Markus Kleinlaut. 
 
"Nun beruhigen Sie sich mal, Mann", versuchte Lambert, den Polizeichef wieder aufzurichten. "Wir wollen Ihnen nichts wegnehmen, im Gegenteil, wir wollen Ihnen etwas bringen. Hier ist ein großer Teil der Beute vom Überfall auf die Sparkasse!" "Sie, Sie, äh, Sie bereuen Ihre Tat und wollen sich stellen?", schaute Kleinlaut ungläubig zwischen dem Geldsack und den Panzerknackern hin und her." "Nein, nein, Moment mal, das ist alles ein großer Irrtum...", setzte Lambert an, als er von einem gewaltigen Knall unterbrochen wurde. Die anschließende Druckwelle wirbelte den Staub von zahllosen Akten auf. 
 
"Die Russen kommen!", hustete Tintenhahn Jochen, der sich an Ereignisse aus seiner Kindheit erinnert fühlte. "Nee, das war bloß eine Gefahrenabwehrmaßnahme vor dem Rathaus", erläuterte immer noch recht geistesabwesend der Polizeichef. "Vor dem Gebäude war ein höchst verdächtiger Koffer abgestellt, es bestand der dringende Verdacht eines Bombenanschlags. Entweder in dem Ding war ordentlich Dynamit oder unser Zündmeister Karl Knallkopf hat die Dosis für die vorsorgliche Sprengung zu hoch dotiert. Ich vermute das Zweite", schloss er düster. Tintenhuhn Beate stieß Klaus den Ellenbogen in die Rippen und flüsterte: "Mensch, die haben unseren Requisitenkoffer in die Luft gejagt, den Schorsch neben das Auto stellte. Waren wohl doch allerhand explosive Gags im Manuskript."
  
In diesem Moment drang das Dröhnen von Hubschrauber-Rotoren durch die Wache. "Die Amis kommen!", folgerte Tintenhahn Manni, der in den 80er Jahren gegen die Nachrüstung demonstriert hatte. "Nee, das wird bloß der Helikopter der Regierungschefin sein", seufzte Kleinlaut, "nach Olaf Scholz hat Angela Merkel sich jetzt noch kurzfristiger entschieden, auch zur Marktplatz-Kundgebung zu kommen." Dann sackte er in sich zusammen - ein klarer Fall von völliger Überforderung. Die Tintenhühner sahen sich an. "Die Regierenden kommen! Was jetzt?" fragte Tintenhahn Klaus. "Ist doch klar! Nichts wie hin zum Rathaus", frohlockte Beate, "das liefert uns Stoff für drei Programme!" 
 
Nicht allzu weit entfernt rieb sich Gangsterboss "The Brain" die Hände. "Das hat ja diesmal wie am Schnürchen geklappt. Ich schätze, wir haben mindestens eine Million abgeräumt! Wo sind denn die Geldsäcke?" Ede 5 zuckte mit den Schultern. "Den vollen ersten Sack wollte Ede 4 zum Auto bringen. Wir haben danach versucht, noch mehr Kohle rauszuholen, aber wegen eines technischen Defekts bekamen die Sparkassenfuzzies ihren Tresor nicht mehr auf." Ede 4 schaute seinen Boss an:  "Ich habe den Sack an Ede 6 weiter gegeben. Dann bin ich wieder zurück zum Tresor, um vor Ort das Personal unter Kontrolle zu halten." "Wie? Was? Mir den Sack gegeben? Du spinnst wohl? Ich war Einsatzreserve und habe mit Ede 7 'Ich-sehe-was-was-Du-nicht-siehst' gespielt, "entrüstete sich Ede 6. 
 
"Das darf doch alles nicht wahr sein." "The Brain" war fassungslos. "Was ist denn nun wieder schief gegangen?" Für Minuten versank er in dumpfes Brüten. Dann dämmerte ihm allmählich etwas. "Das können doch nur diese vermaledeiten Tintenhühner gewesen sein. Außer uns sind sie die einzigen in Dorsten, die in Panzerknacker-Montur herumrennen." "Vielleicht hätten wir doch lieber als sieben Zwerge...", hob Ede 2 an, brach aber verschüchtert ab, als er den todverheißenden Blick seines Bosses bemerkte. 
 
"Wo ihr gerade von Panzerknackern redet", mischte sich Ede 7 ein, der während des Disputs aus dem Fenster geschaut hatte. "Da ist gerade ein Kleintransporter an uns vorbei gefahren, in dem Leute saßen, die genauso aussahen wie wir. Die sind unterwegs in Richtung Markt." "Die Tintenhühner-Gang!", schrie "The Brain" und sprang auf. "Worauf wartet Ihr noch? Nix wie hinterher!" 
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Wie wird das enden? Gemetzel, Blut und Tränen? Oder siegt wieder mal das Gute? Mehr in der nächsten Folge. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost -3 vom 16. 4. 21 

Schlaf ist lebenswichtig! Geist und Körper brauchen Schlaf, um zu regenerieren. Und Menschen, die permanent am Schlafen gehindert werden, halten das nicht lange durch - egal, ob alt oder jung, erst werden sie wahnsinnig, dann sinken sie in ewigen Schlaf.
 
Ewig ist ein bisschen lang. Aber morgens ausschlafen, ohne dass ein Wecker schrillt oder eine Wachrüttlerin riskiert, mit einem Wecker beworfen zu werden, das tue ich gern. Wäre ich Buddhist, würde ich mir wünschen, als Bär oder Murmeltier wiedergeboren zu werden. 
 
Nun gibt es leider Lebewesen, die ganz anders programmiert sind. Vögel können mit all ihrem putzigen Gezirpe nicht darüber hinweg täuschen, dass sich unter ihrem Federkleid Uhrwerke verbergen, die im Frühjahr mitten in der Nacht, so empfinden es zumindest wir Langschläfer, eine Kakophonie des Grauens in Gang setzen. Da stemmt der glückliche Matratzenhorcher im Schalker Trikot gerade die Meisterschale gen Himmel, als ihn das Gebrüll einer Amsel rüde aus dem Traum reißt. Und prompt stimmt der komplette Vogelchor ein, um das erneute Einduseln und das Aufheben der Schale zu verhindern - nur so ist es zu erklären, dass nach 1958 die Meistertrophäe nicht mehr nach Gelsenkirchen kam. 
 
Dann sind da noch die Tauben. Weil sie so heißen, glauben sie wohl, alle anderen Lebewesen wären ebenfalls taub. Jedenfalls haben sie nahezu ganzjährig Balzsaison. Noch vor dem ersten Sonnenstrahl geht es los und endet erst, wenn die benachbarte Eule schon dreimal "gute Nacht" gerufen hat. Nicht allein das andauernde Gegurre bringt den Schlummerfreund um den Verstand. Dazu ist die lautstarke Turtelei auch noch mit viel Getöse durch Flügelschlagen und Kamasutra-Gymnastik im Kirschbaum vor dem Schlafzimmerfenster verbunden. Menschen spielen Liebeslieder auf der Gitarre, Tauben trommeln auf Blattwerk und Zweige ein. Und das mit einer Ausdauer, die absurde Gedankengänge auslöst: Müsste die Vokabel "vögeln" im Ordinär-Duden nicht durch das Verb "täubeln" ersetzt werden? 
 
Zum Glück gibt es Ohrenstöpsel. Die sind nach dem Feuer und dem Rad unbestritten die drittwichtigste Erfindung des Menschen. So ist es dem Langschläfer möglich, doch noch ein wenig Ruhe zu finden, um dann gegen Mittag frohgelaunt das Frühstück einzunehmen. 
 
So, jetzt noch ein paar mehr oder weniger kuriose Fakten über den Schlaf. 
 
* Zwölf Prozent der Menschen träumen ausschließlich in Schwarz-Weiß. Das trifft vor allem auf ältere Menschen zu, die mit Schwarz-Weiß-Medien aufgewachsen sind. 
 
* Der Kampf gegen die Schlaflosigkeit ist zu einem riesigen Geschäft geworden. 2017 soll mit Schlafmitteln ein Umsatz von mehr als 30 Milliarden Euro erzielt worden sein. (Tauben sind wohl weltweit tätig) 
 
* Warum fallen Menschen nachts nicht aus dem Bett? In Tiefschlaf- und Traumphasen leitet das Hirn keine Bewegungsimpulse zu den Muskeln weiter. Im Leichtschlaf jedoch reagiert der Mensch unbewusst auf seine Umgebung. 
 
* Am 24. Mai 1987 stieg ein seinerzeit 23-jähriger Kanadier schlafwandelnd in sein Auto. Anschließend fuhr er 23 Kilometer weit und erstach seine Schwiegermutter. Ein schlafmedizinisches Gutachten besagte, dass er unzurechnungsfähig war, weil er schlafwandelte. Er wurde frei gesprochen! (Nein, es gibt keine Kurse zum Erlernen des Schlafwandelns) 
 
* Das lauteste gemessene Schnarchen der Welt ist im Guiness-Buch der Rekorde eingetragen. Der Schnarcher erreichte einen Wert von 93 Dezibel. Das entspricht dem Lärm einer Holzfräse. 
 
* Das Wort "schlafen" stammt ursprünglich von "schlapp werden" ab und ist mit dem Eigenschaftswort "schlaff" verwandt. 
 
* Die größten Langschläfer unter den Säugetieren sind Koala-Bären. Sie schlafen rund 20 Stunden am Tag. (Trotzdem möchte ich kein Koala sein - ich mag keinen Bambus) 
 
* Gegen Einschlafschwierigkeiten habe ich einen Traum von Rezept: Diese Faktenliste ausdrucken, auswendig lernen und dann im Geiste 100 mal wiederholen. 
 
 Gute Nacht! 
kdk    
 
PS. Noch ein Tipp: "Das langweiligste Buch der Welt" (Klappentext: Nie wieder schlaflose Nächte - Garantiert wirksam und am besten im Liegen zu genießen) hat reichlich Schlummerhilfen zu bieten. 
Zum Beispiel Hinweise, die schon schläfrig machen, wenn man nur an sie denkt. Etwa: Zusehen, wie Farbe trocknet, sich ein Schneckenwettrennen vorstellen oder auch die Anlage zur Einkommenssteuererklärung zur Angabe der abzugsfähigen Ausgaben. 
Auch die Übersicht der Nähstiche erfüllt ihren Zweck. Kleine Auswahl gefällig? Anfangsriegelstich, Doppelsteppstich, Doppelstretchstich, Doppelter Überwendlingsstich, Dreifachstretchstich, Dreifachüberwendlingsstich, Flachriegelstich, Gerad- oder Geradeausstich, Hohlsaumstich (gähn), Mehrfacher Zickzackstich, Nahtrillenstich, Overlockstich, Überwendlicher Stich, Überwendlingsstich, Verriegelungsstich..... (schnarch) 

 

 Schmunzelpost -4 vom 15. 4. 21

ch weiß, ich weiß, nach zweitägiger Pause brennt Ihr darauf, sofort zu erfahren, wie es weitergeht. Also ohne weitere Vorrede:
 
Am Tage der Panzerknacker (5)
 
Angela Merkel war verschnupft. Sie hatte die Nase voll von einer CDU-Spitze, die in den letzten Monaten immer mehr von ihr abgerückt war. Als wäre sie es gewesen, die bei der Pandemie-Bekämpfung die Vielzahl von Pannen zu verantworten hatte. Ja, gut, als Regierungschefin musste sie stets für alles den Kopf hinhalten. Aber hatte nicht gerade sie auf Anraten der Virologen frühzeitig die richtigen Maßnahmen empfohlen und war dauernd bei den Landesfürsten aufgelaufen? Die jetzt versuchten, ausgerechnet sie als Sündenböckin - kurzer Eintrag im Merkbuch der Kanzlerin: Die gendergerechte weibliche Form von "Bock" nachschlagen - an den Pranger zu stellen. Nicht zu einer einzigen Wahlkampfveranstaltung der Christdemokraten war die amtierende Regierungschefin eingeladen worden. "Na, wartet, Bürschchen, Euch werde ich es zeigen!" Und zu ihrem Büroleiter gewandt: "Wo treibt sich denn gerade mein Vizekanzler herum? Ach, in Dorsten? Wo ist das denn? Egal, macht meinen Helikopter startklar - da fliegen wir hin!" 
 
Tintenhuhn Lisa war verschnupft. Erst hatte der Drucker im Vorraum der Sparkasse Ewigkeiten gebraucht, um alle Kontoauszüge auszuspucken, dann stellte sie beim Überfliegen der Buchungsposten fest, dass ihr Göttergatte erneut Unsummen für den Kauf germanischer Zahnstocher und altrömischer Scherben ausgegeben hatte. Und dann waren auch noch sämtliche Geldautomaten defekt. Knurrig reihte sie sich in die lange Warteschlange vor den Kassen der Schalterhalle ein und verfluchte ihr schweißtreibendes Panzerknacker-Kostüm. Was hatte Bertold gesagt? "Habe ich mich nicht sogar im letzten Programm als singende Wurst präsentiert? Also stellt Euch nicht so an. Dagegen ist doch so ein Sträflings-Strampler Kinderkram!" 
 
Und jetzt ging und ging es nicht voran. Was war denn das für ein Tumult ganz vorn an der Kasse? Plötzlich rannte ein schwer bewaffneter Panzerknacker in Richtung Ausgang. Dann sah er sie, stutzte und kam direkt auf Lisa zu: "Nanu, ich dachte, wir wären nur zu dritt? Hat der Boss Dich auch noch geschickt, Ede 6? Das ist gut! Hier, nimm Du schon mal den ersten Geldsack und lauf zum Auto. Ich geh' nochmal zurück - da ist noch mehr zu holen. Na los, worauf wartest Du? Lauf!" 
 
Das ließ sich Lisa nicht zweimal sagen. Sie rannte, was Beine und Lunge hergaben: "Manchmal ist es doch ganz gut, mit einem Sportlehrer verheiratet zu sein." Nach Atem ringend sprang sie in den Tintenhühner-Transporter und berichtete dem wachen Teil der Besatzung, was ihr gerade widerfahren war. "Das stinkt zum Himmel!" urteilte Lambert. "Recklinghausen muss warten, wir fahren zur Polizeiwache." 
 
Wachleiter Markus Kleinlaut wusste nicht mehr ein noch aus. Erst mussten seine Leute monatelang hauptsächlich Corona-Streife schieben und jetzt war auf einmal die Hölle los. Ohne jede Vorwarnung hieß es, er müsse die Hälfte seiner verfügbaren Kräfte für Sonderschutz-Maßnahmen auf dem Marktplatz abstellen. Kurzfristige Stippvisite von Kanzlerkandidatin Olaf Scholz! "Wenn dem auch nur ein Härchen gekrümmt wird, dann reiße ich Ihnen den Kopf ab", hatte der Landrat am Telefon versprochen. 
 
Dann ein Überfall auf die Volksbank-Hauptstelle! Danach ein Bombenanschlag auf das Rathaus! Und jetzt auch noch ein weiterer Raubüberfall auf die Sparkassen-Zentrale!!! Kleinlaut hatte sogar seine Putztruppe in Uniformen gesteckt und hinaus geschickt. Er hielt jetzt ganz allein in der Polizei-Hauptwache die Stellung. "Fehlt nur noch, dass  auch noch ein Forensik-Ausbrecher in Dorsten auftaucht", seufzte der schwer gestresste Mann. 
 
Wie von der Tarantel gestochen fuhr er herum, als ihm unvermittelt jemand auf die Schulter tippte. Und wurde blass. Vor ihm stand ein wüst aussehender, maskierter, bärtiger Mann, um den sich im Halbkreis vier weitere, übel nach Schweiß riechende Gestalten in Sträflingsmontur formiert hatten. "Wir können über alles reden", stammelte Kleinlaut kleinlaut, "was wollen Sie: Hubschrauber, Lösegeld oder meine Sammlung mit den Original-Autogrammen der Schalker UEFA-Cup-Sieger von 1997?" (Fortsetzung folgt)
  
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -5 vom 14. 4. 21

Kaum hatte ich mit der Veröffentlichung des Panzerknacker-Krimis begonnen, da ging bei mir schon eine Anfrage ein. Eine bisher unentdeckte Nachwuchs-Autorin wollte wissen, ob ich ihr bei der Veröffentlichung des Krimi-Erstlings behilflich sein könne: "Als Pseudonym möchte ich Ilse Noll benutzen. Sie haben doch bereits Geschichten in einem führenden westdeutschen Verlag veröffentlicht. Vielleicht können Sie beim Verleger ein gutes Wort für mich einlegen." 
 
Nein, kann ich nicht. Wenn ich Einfluss hätte, würden zuerst drei meiner Werke erscheinen, die unbegreiflicher Weise noch auf Halde liegen: Mein Psycho-Thriller "Der Herr der Klinge" über einen Serienmörder aus Solingen, das Sachbuch "Im Namen der Dose" über die Erfolgsgeschichte des Büchsen-Bieres und der skandalträchtige Liebesroman "Lady Schwartevieh", in der es um das amoralische Verhältnis eines ostwestfälischen Wurstproduzenten zu seiner Zuchtsau Mathilde geht. 
 
Aber an solchen heißen Eisen wollen sich Verleger lieber nicht die Finger verbrennen. Auch sonst haben sie ja bereits alle Hände voll zu tun, sich der Anfragen von Möchtegern-Autoren zu erwehren. Einige Beispiele: 
 
Manche Bewerber arbeiten mit unverhohlenen Drohungen: "Werden Sie willig sein und mein Buch herausbringen oder stattdessen die kommende Ruinierung vorziehen?" 
 
Vielleicht ist es taktisch unklug, zu sehr auf eine schnelle Antwort zu drängen: "... und stehlen Sie mir nicht so viel Zeit, kostbare, unwiederbringliche Lebenszeit, wie die anderen 55 Verleger!" 
 
Da ist es aussichtsreicher, sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen (obwohl die vorherige Anschaffung eines Dudens noch vorteilhafter gewesen wäre): "Ich bin zur Zeit an einem Manuskript am arbeiten das voraussichtlich am 25.4. fertig ist. Das Manuskript, was ich Ihnen anbieten will, bin ich selbst am schreiben und ist jetzt schon ein Meisterwerk." 
 
Es ist nie ein Fehler, die Vorzüge seines Werkes herauszustreichen. Dagegen ist es ein Fehler, Satiren zu schreiben, wenn man nicht weiß, wie man "Satire" schreibt: "250 Seiten, spannend geschrieben in 4 Kapiteln, beginnend mit einer äußerst harten Sartire, die den dreckigen Charakter sämtlicher Parteien aufdeckt. Es ist eine Sartire, die einem unter die Haut geht! (...) Das Buch hat ein Vorwort und ein Nachwort und ist zweizeilig geschrieben, wie dieser Brief, damit Sie sich beim Lesen nicht die Augen verderben." 
 
Einer geht noch - aus der Abteilung Größenwahn: "Mit dieser Offerte wird Ihnen die Chance geboten, in den Besitz eines Werkes zu gelangen, das ohnesgleichen ist. In diesem Buch stellt sich der Autor als neuer Weltenlehrer und Tabubrecher vor. Oder besser - als die Inkarnation Gottes." 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Verlegene Verleger verlegen solche Anschreiben auch schon mal irgendwo. Mitunter im Papierkorb. 
 

 Schmunzelpost -6vom 13. 4. 21

Dass mich eine verbale Entgleisung aus der Fassung bringt, kommt inzwischen ziemlich selten vor. Das geschieht nur dann, wenn es mich gänzlich unerwartet trifft. Heute morgen war es mal wieder soweit. 
 
Als ich mit dem Rad von der Krötenzaun-Patrouille nach Hause fuhr, beobachtete ich ein Mädchen im Kindergarten-Alter beim Spielen. Die Kleine fuhr mit ihrem Tretmobil emsig eine Garageneinfahrt auf und ab und kam dabei der Fahrbahn bedrohlich nahe. Also fühlte ich mich zu einer Belehrung verpflichtet: "Hallo, Du da! Du musst aufpassen, dass Du nicht auf die Straße kommst, da sind viele Autos unterwegs." Das Kind schaute zu mir auf und erwiderte gelassen: "Hau bloß ab, Du alter Wichser!" 
 
Das verschlug mir glatt die Sprache. Also haute ich ab und dachte darüber nach, wie uns damals als Kindern eingeimpft worden war, wie wir mit Erwachsenen zu reden hatten. Und vor allem: Wie nicht! Da im Alter das Langzeitgedächtnis besser wird, wurde mir auch klar, dass ich unter zehn diese Pfui-Vokabel überhaupt nicht gekannt hätte. Und auch später habe ich mich häufiger durch Unwissenheit blamiert. 
 
So schaute sich im zarten Alter von 12 Jahren ein Kumpel erst nach links und rechts um, bevor er mich zu einem Brückengeländer heranwinkte und kichernd auf ein eingeritztes Wort wies. Dort stand "fiecken". Ich schaute ihn verständnislos an. Worauf er bloß abwinkte und auf das bevorstehende Spiel des Lüner SV zu sprechen kam. Warum alle so verschwörerisch grinsten, als von einem Besuch im Freudenhaus geflüstert wurde, blieb mir ebenfalls ein Geheimnis. Und als mich jemand anblaffte: "Lecko mio de la quasta!" reagierte ich zwar entrüstet, aber nur, weil ich mir nach dem Einstieg "lecko mio" zusammen reimte, dass es sich um etwas Unanständiges handeln musste. 
 
Den Höhepunkt der Demütigung erlebte ich, als uns in einer Biologiestunde ein Film über das Leben im Tümpel gezeigt wurde. "Hat noch jemand Fragen?", wollte hinterher unsere Lehrerin wissen. Ja, hatte ich: "Was hat es denn damit auf sich, dass die Frösche so aufeinander herum geritten sind?." Die gesamte Klasse brach in grölendes Gelächter aus. Die Lehrerin verbarg ihr Grinsen und antwortete mit einer Gegenfrage: "Tja, Klaus, wie soll ich Dir das erklären?" Die Pausenglocke rettete sie aus der Verlegenheit. 
 
Beim Gang auf den Schulhof kam mein Freund Kurt prustend auf mich zu: "Mensch, hast Du noch nie was von Liebe gehört?" "Hab ich wohl!", reagierte ich trotzig, "aber was hat das Gehampel denn mit Liebe zu tun?" Da verschwand das Lachen aus seinem Gesicht und die Stirn legte sich in Grübelfalten: "Das weiß ich auch nicht." 
 
Es war höchste Zeit, dass ich aufgeklärt wurde. Aber meine Eltern drückten sich lange davor. Schließlich löste meine Mutter das Problem auf diskrete Weise, als mein 14. Geburtstag kurz bevor stand. Wohl wissend, dass ich auch die aus dem Buchclub bestellten Bände für Erwachsene genau unter die Lupe nahm, orderte sie einen dicken Wälzer: "Das große Buch der Gesundheit." Wie ich sofort entdeckte, beschäftigte sich ein Kapitel mit Sexualität. Dort erfuhr ich endlich etwas über den Vorgang, bei dem Kinder gezeugt werden. Aber auch, dass die Sache nur Spaß macht, wenn sich ein Mann und eine Frau im Bett tummeln, die sowohl über beide Ohren ineinander verliebt und zudem selbstverständlich verheiratet sind. 
 
Inzwischen hatte ich jedoch gelernt, an solchen Weisheiten zu zweifeln. Daher wunderte sich mein Vater, warum ich beim Frisör immer anderen Wartenden den Vortritt lassen wollte. Ich war intensiv mit dem Studium von Aufklärungslektüre wie der Illustrierten "Stern" beschäftigt. 
 
Hätte ich auf dem Stand frühjugendlicher Erkenntnisse meine Spielkameradinnen und -kameraden aufklären müssen, wäre lange folgendes dabei heraus gekommen: "Vergesst ganz schnell diese albernen Geschichten von Blumen und Bienen und vom Klapperstorch. Kinder werden beim Küssen gezeugt! Daher ist es ganz wichtig, dass Jungs sich rechtzeitig vor einem Zungenkuss einen Pariser über die Zunge ziehen!" 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Im Nachhinein ist mir eine schlagfertige Antwort für die freche Tretmobilistin eingefallen: "Halt's Maul, Du unverschämte Göre! Und achte auf Autos: Sonst ist Dein Leben vorbei, bevor Du als alte Jungfer enden kannst!" Aber wahrscheinlich hätte sie mich nur fragend angesehen, weil auf der Tik-Tok-App ihres Smartphones und beim Austausch mit ihrer Kindergartengruppe weder das Wort "Göre" noch der Begriff "Jungfer" vorkommen. 

 

Schmunzelpost -7 vom 12. 4. 21

Zunächst zwei Ergänzungen zu Schmunzelpost-Folgen der letzten Tage. Manni Lauffs hat einen guten Tipp in Sachen Grabinschriften für Leute, die vom Verkauf von Werbung leben: "Hier könnte auch Ihr Name stehen!" Und Martin Velling meint zu einem philosophischen Leitsatz:  "Ob Geld allein glücklich macht oder nicht - darüber lässt sich lange diskutieren. Eines aber steht fest:
GELD ALLEIN MACHT NICHT GLÜCKLICH, ABER ES IST SCHÖNER, IN EINEM TAXI ZU WEINEN ALS IN EINER STRASSENBAHN!"
 
Doch hier kommt sie nun endlich, die sehnlichst erwartete vierte Folge.
 
Am Tag der Panzerknacker (4) 
 
"Hallo, Olaf", grüßt Schorsch, als er sich auf der Herrentoilette im Rathaus die Hände wäscht und dabei in den Spiegel schaut. Es ist schon frappierend, was Maskenbildner heutzutage alles zaubern können. Der Kabarettist rückt noch schnell seine Krawatte gerade und tritt in den Rathausflur. Irritiert stellt er fest, dass sich sofort zwei Männer an seine Fersen geheftet haben und ihm zur Ausgangstür folgen. 
 
"Hören Sie mal", setzt Schorsch an, wird aber abrupt von einem Verwaltungsmitarbeiter unterbrochen: "Herr Scholz, Herr Scholz, wären Sie so nett, mir schnell ein Autogramm zu geben?" Schorsch stutzt. Dann schaut er auf das Schriftstück, das ihm hingehalten wird und grinst: "Da könnten wir drüber reden, aber nicht auf einem Antrag zur Kreditaufnahme für die Stadt Dorsten." "Oh, pardon", stottert der Autogrammjäger. Weiter kommt er nicht. "Herr Scholz, wir haben doch keine Zeit. Wir müssen weiter zum Briefing für den Marktplatz-Auftritt." Schorsch schaut das Muskelpaket an seiner Seite verwundert an. "Wer sind Sie denn?" "Erinnern Sie sich nicht? Mein Kollege und ich haben die BKA-Personenschützer, die Sie letzte Woche begleitet haben, heute Morgen abgelöst. Können wir jetzt weiter?" 
 
"Stopp, stopp, da steht ein verdächtiger Koffer direkt vor dem Ausgang!", ruft der zweite Leibwächter dazwischen. "Ihr tickt doch nicht...", setzt Schorsch an, wird aber im gleichen Moment zu Boden gerissen. "Es tickt! Ein Zeitzünder!" schreit sein Personenschützer. Und sein Kollege fährt den erstarrten Verwaltungsmitarbeiter an: "Stehen Sie hier nicht 'rum wie eine Salzsäule! Sorgen Sie dafür, dass das Rathaus evakuiert wird. Dies ist ein Anschlag!" Schorsch wird schwarz vor Augen. Sein Schädel ist beim Sturz vor die Wand geknallt. 
 
Fünf Minuten später tritt der echte Olaf Scholz in den leergefegten Rathausflur. Er hat etwas länger gebraucht, weil er wegen des Dauerstresses der letzten Tage noch schnell ein paar Hallo-wach-Tabletten eingeworfen hat. Was er noch nicht ahnt, ist, dass er die Schachteln verwechselte. Diese  Pillen waren Schlafmittel, die er in fremden Städten nachts braucht, um wenigstens ein paar Stunden Ruhe zu finden. "Nanu, wo sind denn meine Schutzengel?" wundert er sich, "und warum ist mir plötzlich so schwummrig, als hätte ich gerade eine Nachtsitzung mit Angela und ihren Lockdown-Fürsten hinter mir? Na, vielleicht haben die beiden Aufpasser die Gelegenheit genutzt, um draußen eine zu rauchen. Etwas frische Luft könnte ich ja auch vertragen." 
 
Kaum hat Scholz das Rathaus verlassen, greifen ihn sich zwei Männer in Sträflingskleidung. "Mensch, Schorsch, wo bleibst Du denn solange", giftet Jochen, "wir müssen weiter! Und Lisa hat gerade gemerkt, dass sie dringend Geld für heute Abend braucht. Jetzt müssen wir noch einen Zwischenstopp bei der Volksbank einlegen." "Schorsch, was für ein Schorsch?", lallt der Finanzminister, bei dem langsam das Licht ausgeht. Seine Begleiter zerren ihn ins Auto. "Da bist Du ja endlich! Wieso hat das denn solange gedauert?" meckert Manni. "Na ja, Männer in seinem Alter, da muss die Prostata schon mal  mit dem Ladekabel gezündet werden", grinst Beate. "Die schwarze Null steht!", murmelt Scholz, bevor ihm die Augen zufallen. "Der hat sich gestern Abend wohl ordentlich einen zur Brust genommen", urteilt Lambert fachmännisch, "lasst ihn ein Stündchen pennen, das wirkt Wunder. Und wir fahren jetzt zur Volksbank!" 
 
Etwa zur gleichen Zeit tun sich auf dem Gelände der Forensik Dortmund-Applerbeck außergewöhnliche Dinge. Ein Profi-Team dunkel gekleideter Gestalten hat unbemerkt die Absperrungen überwunden und das Wachpersonal überwältigt. Einer der Eindringlinge nimmt sich den Anstaltsleiter vor. "Sag mal, Freundchen, welche von Deinen Schützlingen in lebenslanger Sicherheitsverwahrung sind denn die gefährlichsten? Ich brauche echte Killer! Rück' schnell mit der Sprache raus, sonst wird es richtig wehtun." "Ich sag ja alles! Und bitte tun Sie mir nichts. Ich habe Kind und Frauen! Also, richtig unberechenbare Psychopathen gibt es hier eigentlich nur zwei. Da ist der Jan, der große Freude daran hat, Männer mit ihren eigenen Krawatten zu erwürgen. Und dann noch der Philipp. Der ist eigentlich lammfromm. Aber wenn jemand nur ein wenig Ähnlichkeit mit Gerhard Schröder hat, rastet der komplett aus. Er glaubt, dass seine Familie durch die Hartz-IV-Gesetze ins Verderben gestürzt ist." "Na bitte, geht doch. Damit können wir arbeiten. Und für Dich habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Wir tun Dir nicht weh. Die schlechte: Du darfst uns nicht verpetzen, deshalb müssen wir Dir leider dauerhaft das Licht ausknipsen." 
 
Kurz danach schallt es über den Hof: "Jan und Philipp, kommt mal her zu uns. Heute ist euer Glückstag. Wir machen jetzt einen Ausflug nach Dorsten. Und da dürft ihr euch richtig austoben. Für alle anderen gilt: Die Tore sind auf, macht euch vom Acker und lasst euch nicht so schnell erwischen!" 
 
Eilmeldung um 9.45 Uhr: "Dortmund. Massenausbruch aus der Forensik Applerbeck. Offenbar mit Hilfe von außen konnten heute Morgen sämtliche Straftäter aus der Sicherheitsverwahrung entkommen. Die Polizei bittet alle Anwohner, vorerst das Haus nicht zu verlassen und keinem Fremden die Tür zu öffnen. Sobald es Neues gibt, melden wir uns wieder." 
 
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Was kommt da auf Dorsten zu? Und was treiben unsere Bankräuber? Versäumt auf keinen Fall die nächste Panzerknacker-Folge auf unserem fixnett-Kanal oder in der SP-Mediathek. 
 
Glückauf 
kdk

Schmunzelpost -8 vom 11. 4. 21

Bevor wir zu den Fundstücken der letzten Woche aus der Presse kommen, zunächst ein kleiner Blick auf die Fundstücke aus der Natur. Oder auch nicht! In der Woche nach Ostern verirrte sich keine einzige Kröte in die NABU-Eimer der Gälkenheide. Das lag an den viel zu kalten, trockenen Nächten. Dennoch musste kontrolliert werden, auch, weil manche durch die Schneelasten niedergedrückten Zaunabschnitte wieder aufzurichten waren.
 
Bei der vergeblichen Suche bleibt dann viel Zeit, um sich Gedanken zu machen. So habe ich erkannt, dass ich die Tiere immer mehr vermenschliche. Eine Kröte ist schließlich auch nur ein Mensch wie Du und ich. Wenn ich nach dem Tagesergebnis meiner Sammelaktion gefragt werde, sage ich: "Bei so einem Wetter setzt keine vernünftige Kröte einen Fuß vor die Haustür." Warum ich dann trotzdem nachschaue? "Es könnte ja ein hartgesottener Einzelgänger unterwegs gewesen sein - den will ich dann für die Tapferkeitsmedaille am Bande vorschlagen." Ich ertappe mich außerdem dabei, wie ich die Tiere direkt anspreche. Etwa, wenn ich sie ins Laichgewässer setze: "So, Esmaralda, es ist Zeit für Dein Bad."
 
Am Freitag war ich eine halbe Stunde später dran als üblich. Auf eine kritische Nachfrage - nein, nicht von der Kröte, sondern von Ulla - antwortete ich: "Das macht nichts. Bei der Zeitumstellung hat keine einzige Kröte ihre Uhr auf Sommerzeit umgeschaltet." Bei solch fundamentalen Erkenntnissen wäre es jedoch spätestens im Winter an der Zeit, weite Teile der Kröten-Zoologie neu zu schreiben.
 
Sollten auch Leitsätze der Philosophie überdacht werden? Im Streiflicht der Süddeutschen vom 10. April wird die These in Frage gestellt, dass Geld nicht glücklich macht. Das hat zumindest einst der weise Grieche Diogenes festgestellt, dem es genügte, in einem Fass zu hausen, sich von veganen Spezialitäten zu ernähren und nur handgeschöpftes Wasser zu trinken.
 
 "Nun aber präsentiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft eine Studie, die Unerhörtes behauptet und damit an den Eckpfeilern der abendländischen Kultur rüttelt: Geld macht doch glücklich. Forscher haben dazu Menschen der Altersklasse 60plus befragt. Und was dabei herauskam, ist unglaublich: Senioren, die über viel Geld verfügen, sind zufriedener als jene, die wenig haben."
 
Wer hätte das gedacht? Aber Binsenweisheiten stehen hoch im Kurs. So meldete ntv.de: "Die beste Gitarristin aller Zeiten ist (ta,ta) eine Frau!" (Eine gewagte Mutmaßung)
 
Und nun für alle Deutschlehrer, Journalisten und sonstigen Wortklauber noch ein Blick ins SZ-Sprachlabor. Darin gab Hermann Unterstöger einer Leserin recht, die bemängelte, dass in der Süddeutschen in Zusammenhang mit Thrombosen von Blutblättchen die Rede war. Obwohl selbst die Uniklinik des Saarlandes die Milz als "Reservoir von Blutblättchen bezeichnet, muss es richtig Blutplättchen heißen. Der Entdecker der Thrombozyten hatte sie allerdings 1842 für Blutkügelchen gehalten.
 
Auf dem Holzweg war ein SZ-Leser, der mit dem Hinweis auf die Regel "minus mal minus ergibt plus" die Formulierung kritisierte "war kein gutes Jahr, für niemanden". Durch die doppelte Verneinung entstehe ein "gutes Jahr für alle". Nichts da, sagt Unterstöger. Dies sei keine mathematische Formel, sondern ein verstärkendes Sprachspiel zur doppelten Verneinung. Es bedeute: Es war kein gutes Jahr, für niemanden war es ein gutes Jahr.
 
Selbst wenn Ihr mich jetzt Korinthenkacker nennt: In Krauses Sprachlabor hatte auch ich heute etwas zu benörgeln. Bei der Sky-Konferenz ärgerte mich, dass wieder einmal ein Fußballkommentator erklärte, der "Torwart brauche nicht über Beschäftigung zu klagen". Tatsächlich ist jedoch fehlende Beschäftigung gemeint. Also, dass dem Keeper langweilig werden könnte, weil Mangel an Beschäftigung gibt. Genau genommen hängt es wahrscheinlich davon ab, ob der Torwart sich mit guten Paraden auszeichnen kann. Dann freut er sich. Wenn aber seine einzige Beschäftigung darin besteht, dauernd Bälle aus dem Netz zu holen darf er seine Vorderleute anklagen, dass sie zu viel Beschäftigung zulassen. Warum bloß muss ich jetzt wieder an meine Schalker denken? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Und heute keine sprachlichen Fehlpässe spielen, sonst verklumpen Eure Blutplättchen. Das wäre kein guter Vorgang, für niemanden. 

 

 Schmunzelpost -9 vom 10. 4. 21

Na, vor Spannung schon die Fingernägel abgeknabbert? Heute geht es endlich weiter mit der heiß ersehnten Fortsetzung unseres Panzerknacker-Krimis.
 
Am Tag der Panzerknacker (Teil 3)
 
Die Uhr tickt. Doch keines der Tintenhühner, die im Kleintransporter am Baumhaus warten, ahnt, dass gleich eine Kette von Ereignissen in Gang kommt, die die Welt verändern werden. Augenblicklich drücken eher alltägliche Probleme. "Alle an Bord? Kann ich jetzt endlich abfahren?" "Einen Moment noch, Lambert. Vor wichtigen Auftritten kriege ich immer so ein Rumoren im Bauch. Ich müsste dringend nochmal zur Toilette." "Wenn's denn sein muss, Schorsch. Dann geh eben schnell ins Rathaus. Aber pass auf, dass Dich mit Deiner Olaf-Maske niemand sieht. Und hol bitte vorher rasch den Requisitenkoffer aus dem Baumhaus. Der müsste unten im Flur stehen." "Mach ich, mach ich - bin gleich wieder da."
 
Nebenan im Rathaus hat gerade SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz vor seinem Wahlkampfauftritt auf dem Dorstener Marktplatz dem Bürgermeister einen Höflichkeitsbesuch abgestattet. "Ich danke Ihnen für den freundlichen Empfang, Herr Stockhoff. Und wenn Sie als Pragmatiker mal wie Ihre Kanzlerin inhaltlich die Seiten wechseln wollen: Bei uns Sozialdemokraten steht immer ein Türchen offen. Apropos Türchen: Wo kann ich denn eben mal für kleine Jungs?" Kurz darauf postieren sich die beiden Leibwächter neben der Tür zur Herrentoilette auf dem Rathausflur. 
 
Drei Kilometer entfernt am Busbahnhof. Zwei schwer beladene Männer klettern in einen VW-Bus, der mit laufendem Motor auf dem McDonalds-Parkplatz steht. "Das scheint sich ja gelohnt zu haben", freut sich ihr Kumpan, der die Tür ins Wageninnere aufhält. "Aber wieso höre ich keinen Alarm? Und wo bleibt die Polizei, die Hauptwache ist doch nicht weit weg?" "Das liegt an Deinem optimalen Plan, Boss", schnauft Ede 1. "Wir mussten nicht mal mit den Waffen drohen." "Wieso? Hat die Sparkasse heute Tag des offenen Tresors?" "Nee, das nicht. Aber bevor ich an der Kasse etwas sagen konnte, quasselte der Kerl dahinter schon los: 'Ich hab Sie sofort erkannt, Herr Lütkenhorst. Wir haben alle die Ankündigung über die Panzerknacker im neuen Tintenhühner-Programm in der Zeitung gelesen. Und ich bin ein großer Fan von Opa Schniedelkötter. Sie sind's, da hilft auch keine Maske.'
 
Ede 2 ergänzt: 'Danach flüsterte sein Kollege in der zweiten Kasse: 'Na klar, dies ist ein Ba-ba-Banküberfall. Doch wo ist denn die versteckte Kamera? Aber egal: Sie können mitnehmen, so viel Sie wollen.' Dann schoben die beiden einen Geldsack nach dem anderen über den Tresen. Und kicherten noch: 'Überheben Sie sich nicht. Oder sollen wir eine Schubkarre besorgen?' Das haben wir wortlos abgelehnt und sind schnell zurück zum Auto."
 
"Gut gemacht", lobt der Anführer, "alles super. Nun wisst ihr, warum ich 'the Brain' bin: Was ich mir ausdenke, das funktioniert." Er wühlt in den Säcken und wird immer nervöser: "Was ist das für eine Scheiße! Das sind ja alles Rollen mit Ein-Cent und Zwei-Cent-Münzen, ihr Idioten!" Er denkt kurz nach. "Doch wir müssen das Eisen schmieden, solange es heiß ist! Ede 3, 4 und 5, Abmarsch zur Volksbank gleich nebenan. Und diesmal besteht ihr auf Scheinen!"
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Wie wird der zweite Überfall ausgehen? Und welche finsteren Machenschaften haben die russischen Agenten ausgeheckt? Mehr darüber erfahrt Ihr, wenn die Spannung sich ins Unerträgliche gesteigert hat.
 
Glückauf
kdk

Schmunzelpost -10 vom 9. 4. 21 

Nach den kriminellen Plänen, die in den Räuberpistolen der letzten beiden Tage geschmiedet wurden, ist es an der Zeit, zu Anstand und Sitte zurück zu finden.
 
Ich kam im Jahre 1953 zur Welt. Das ist lange her. Ich schreibe das nicht, um Mitleid zu erheischen, sondern um eine historische Einordnung zu erleichtern. 1953 kam nämlich auch die dritte Auflage des "Anstandsbüchleins für junge Damen und solche, die es werden wollen - Bitte so!" heraus, ein im Paulus-Verlag erschienenes Werk von Rosemarie Harbert, das ich aus dem Bücherschrank gefischt habe. Und da ich alter Sack relativ viele junge Frauen kenne, die täglich die Schmunzelpost beziehen, dachte ich, dass ein paar Empfehlungen nicht schaden können.

Legen wir mit einigen goldenen Regeln los: "Übrigens muss man mit Frauenzimmern wie mit Leuten reden, die unter den Männerpersonen, aber über den Kinder sind. Sprichst Du ihnen zu tiefsinnig, so machst Du sie nur verwirrt, sprichst Du ihnen zu tändelhaft, so entrüsten sie sich."

Nützlich ist auch: "Ein heikles Thema für Damen sind frivole Witze. Vielfach verstehen sie die Witze nicht und lachen, in der Furcht, für dumm gehalten zu werden. Diese hilflose Schüchternheit ist nicht am Platze. Man soll ruhig sagen: Diesen Witz verstehe ich nicht, erklären Sie ihn mir."

Als Tanzmuffel kann ich dies nur unterstreichen: "Was ich von Frauen halte, die im Tanze wackeln wie die Enten, wenn sie zum Gewässer wollen, mag ich aus Artigkeit nicht zu sagen!"

Besonders diese Ratschläge sollten selbst Männer beherzigen: "Enthalte Dich, so gut es geht, zu schlafen, wenn andere reden. Und töte nie keine Flöhe in Gegenwart anderer Leute!"

Na ja, beim letzten Tipp ist Euch vielleicht schon ein Licht aufgegangen: Diese Empfehlungen stammen aus dem Kapitel "Anstand unserer Urgroßmütter - eine kleine Blütenlese aus Anstandsvorschriften früherer Jahrhunderte." Für die Fünfziger Jahre ist Autorin Rosemarie Harbert mitunter weit vorn. So beim Umgang mit den Medien. Denn 1953 gab es kaum Fernsehgeräte, das Radio war Informations- wie Unterhaltungsquelle.

Deshalb würde ich die folgende Belehrung gern der heutigen Jugend auf den PC-Bildschirm wie aufs Smartphone ritzen: "Die Kunst liegt in der Auswahl. Und die große Kunst ist das Ausschalten! Wage dich auch an politische Sendungen heran. Man muß sich hineinfuttern, und erst schmeckt diese Kost nicht. Aber dann wird es interessant, man versteht die Zusammenhänge. Man hat Fragen und seine Gedanken dazu, man braucht in einer Unterhaltung kein dummes Gesicht zu machen. Es ist ein schlimmer Irrtum, dass die Frauen nur zum Kochen und Deckchenhäkeln da seien, während die Männer sich um die Politik kümmern. Du lebst heute. Du weißt, was von der Politik abhängt. Lerne sie kennen. Schalte nicht ab, wenn die Nachrichten kommen."

Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass die Emanzipation nicht in allen Kapiteln ihre Knospen treibt. Auszüge aus: Der Herr. "Ein junger Mann überraschte seine Braut im Garten dabei, dass sie hingebungsvoll in der Nase bohrte. Er löste die Verlobung." (...) Ein Mann interessiert sich für viele Dinge, die eine Frau langweilen. Wenn er am Radiogeschäft oder vor einem Briefmarkenschaufenster stehen bleibt, ziehe ihn nicht weiter. Warte geduldig. Noch besser: Interessiere dich auch dafür. Frage, ob er die kanadische Luftpostmarke neulich bekommen hat, erkundige dich nach Anoden und Ultrakurzwelle."

Bevor Ihr Euch nun nach der Langwelle erkundigt, noch ein Blick ins letzte Kapitel: Ein paar Tips zum Schluß. (Das Buch erschien vor der Rechtschreibreform)
  
Sei sparsam mit Parfum, verschwenderisch mit Seife. Du riechst am besten, wenn du nicht riechst. (Jawohl. Das gilt auch für uns, Jungs!) 
 
Die meisten Bilder hängen zu hoch. Nicht die Spinnen sollen sie anschauen, sondern die Menschen. (Falls die Spinnen so von mir abgelenkt werden, können die Bilder nicht hoch genug hängen.) 
 
Vergiß nicht, bis zehn zu zählen, ehe du eine freche Antwort gibst. (Hörst Du, Ulla?) 
 
Biete deinen Gästen nicht die vertrockneten Kekse vom letzten Weihnachtsfest an. (Vor allem nicht im Advent.) 
 
Bücher sind zum Lesen da, nicht zum Abstauben. Schone sie, aber lies darin. (!!!)  
 
Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen. Das hat Goethe gesagt. (Wenn es möglich zu machen wäre, dürfen es ruhig noch ein paar vernünftige Worte mehr sein. Das hat Krause gesagt.) 
 
Den Rektor einer Universität spricht man mit Magnifizenz, den Bundespräsidenten mit Exzellenz an. Zum Bundeskanzler sagt man Herr Bundeskanzler. (Wenn ich nächste Woche die drei mal wieder treffe, werde ich das beherzigen. Probleme habe ich nur mit "Guten Tag, Herr Bundeskanzler Merkel") 
 
Eine Frau kam zum Arzt: "Herr Doktor, helfen Sie mir. Ich habe solche Konfektionen am Magen." - "Liebe Frau, dann gehen Sie in die Hypotheke und kaufen sich Rhinozerosöl." Fremdwörter sind halt Glücksache. (Diese Einstellung imprägniert mir) 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -11 vom 8. 4. 21

Da es gilt, am Anfang unserer fixnett-Serie eine solide Basis für alle Leser zu schaffen, folgt heute gleich der zweite Teil der kriminellen Schmunzelpost.
 
Am Tag der Panzerknacker (2) 
 
Nicht nur an der Lippe gab es am 3. September kontroverse Diskussionen. Auch in der Berliner Wahlkampfzentrale der SPD ging es rund. "Jetzt brechen die entscheidenden Tage an. Wir müssen in unserem früheren Stammwähler-Land angreifen. Armin Lusche ist angeschlagen, das müssen wir ausnutzen." "Darin sind wir uns alle einig. Trotzdem müssen wir den geplanten Auftritt von Olaf in Dortmund absagen - die Stadt liegt zum dritten Mal hintereinander über dem Inzidenzwert. Wir brauchen aber einen Live-Auftritt vor jubelndem Wählervolk." "Und wie soll das gehen?" "Wir müssen unbedingt nach NRW. Und es gibt dort einen Ort, wo die Inzidenz die 100 noch nicht überschritten hat - Dorsten an der Lippe!" 
 
Olaf Scholz: "Dorsten? Ich dachte immer, das liegt in Ostfriesland." Wahlkampfmanager: "Nein, nein, das liegt am Rand des Ruhrgebiets und ist sogar ehemalige Bergbaustadt." "Na, dann. Was hält uns auf?" "Nun ja, die SPD spielt dort nicht unbedingt eine führende Rolle." "Na ja, wir haben zuletzt einige Rathäuser verloren. Dann empfängt mich eben der stellvertretende Bürgermeister." "Das ist eine Bürgermeisterin. Und die ist in der CDU." "Mist! Na, dann eben der unterlegene SPD-Bürgermeisterkandidat." "Es gab keinen. Die SPD hat nach Querelen niemand aufgestellt." "Das darf doch nicht wahr sein! Dann fragt nach, ob sie sich wieder gefangen haben und in der Lage sind, kurzfristig 1000 jubelnde Dorstener zu mobilisieren." "Haben wir schon gemacht. Der Fraktionsvorsitzende sagt: 'Keine Frage, Mann'." 
"Ich hoffe, Ihr habt Euch nicht verhört. Also auf nach Dorsten." 
 
Kurz darauf, 1000 Kilometer weiter östlich. In einem komfortabel, aber zweckdienlich ausgestatteten Büroraum mit vielen Bildschirmen und Monitoren schrillt das rote Telefon. "Ja?" "Ist dort Ivan Michalowitsch?" "Am Apparat." "Chef, wir müssen unsere Pläne kurzfristig umstellen. Unsere Zielperson hat ihre Fahrtroute geändert. Es geht heute nicht nach Dortmund." "Verdammt! Kennen wir das neue Ziel?" "Jawohl, geplant ist jetzt eine Großkundgebung in Dorsten. Das liegt ca. 50 km entfernt, ganz in der Nähe unserer Gazprom-Filiale Gelsenkirchen." "Bekommen Sie es trotzdem hin, dass alles so läuft wie abgesprochen?" "Sie können sich auf mich verlassen, Chef, das schaffen wir." 
 
"Nur noch mal zur Vorsicht, Agent Rasputin. Ich weiß, Sie sind unser bester Mann. Aber diesmal darf es keine Stümpereien mit Gift geben. Alles muss so aussehen, als hätten wir damit nichts zu tun." "Ich weiß, ich weiß, Towarisch Michalowitsch. Doch warum ausgerechnet Olaf Scholz? Der hat doch sowieso kaum Chancen, die Wahlen zu gewinnen." "Sagen Sie nicht Towarisch zu mir! Das ist seit Jahren verpönt! Und zu ihrer Frage: Die Deutschen sind unberechenbar. Die haben immer noch nicht gelernt, Wahlen so zu lenken, wie das in überlegenen Zivilisationen üblich ist. Und Scholz hat ein paar Mal zu oft gesagt, dass er das Pipeline-Projekt durch die Ostsee stoppen will." "Aber, Towa..., äh, Ivan Michalowitsch, das ist im Westen üblich, dass die Kandidaten vor den Wahlen irgendwas versprechen und nicht im Traum daran denken, es hinterher auch einzuhalten." "Mag sein, Agent Rasputin, doch ich habe Weisung von höchster Stelle, dass wir so verfahren sollen wie besprochen." "Verstanden. Dann machen wir uns unverzüglich ans Werk. Olaf Scholz ist so gut wie tot." 
 
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Solch ein Ende nennt man Cliffhanger. Nun warte ich ab, bis die Spannung bei Euch bis ins Unerträgliche steigt und dann gibt es die nächste Folge. 
 
Glückauf 
kdk      

 Schmunzelpost -12 vom 7. 4. 21 

Heute wenden wir uns der Wiederbelebung einer fast verschwundenen Literatur-Spielart zu: Dem Fortsetzungsroman. Früher war es in jeder Zeitung, die etwas auf sich hielt, guter Brauch, in bis zu 100 Folgen ein meist etwas gekürztes Buch abzudrucken. Wie für Kreuzworträtsel, Comic und Wetterbericht gab es dafür einen gar nicht so kleinen Kreis von Stammlesern. Vor 150 Jahren wurden die Romane sogar eigens für Zeitungen und Zeitschriften verfasst. Karl May hat so seine Schriftsteller-Karriere gestartet.
 
Heute sind die Menschen zwar immer noch serienverliebt, haben sich aber fast alle dem Bildschirm zugewandt. Nach dem Kommissar, dem Tatort und der Lindenstraße ist nun besonders Netflix in aller Munde. Ich drehe ab heute den Spieß um: Unter dem Markenzeichen "Fixnett" starte ich das Comeback des Serienkrimis für Leser. In unregelmäßigen Abständen könnt Ihr ab heute das dramatische Geschehen "Am Tag der Panzerknacker" verfolgen. Und da wir ja vor kurzem gelernt haben, wie wichtig der erste Satz ist, hebt sich jetzt der Vorhang für einen hoffentlich süchtig machenden Einstieg:
 
Am Tag der Panzerknacker
 
Als am Morgen die aufgehende Sonne über der Lippe die letzten Nebelschwaden verscheuchte, ahnte in Dorsten noch niemand, dass der 3. September ein Tag werden sollte, den keiner jemals vergessen würde. (Gut, nee?) 
 
Im Baumhaus hatte sich schon zu früher Stunde das Kabarett-Ensemble der Tintenhühner eingefunden. Fast vollständig, denn Christa weilte, offiziell zur beruflichen Fortbildung, in den USA. Eine gute Tarnung, denn ihre eigentliche, geheime Mission war es, eine erneute Präsidentschafts-Kandidatur von Donald Trump zu verhindern. Um die Darsteller-Lücke zu schließen, wechselte für das neue Programm Musikus Jochen auf die Bühne. 
 
"Die Sketche sind zwar ganz gut", murrte Beate, als sie sich in ihr Panzerknacker-Kostüm zwängte, "aber musste Klaus sich ausgerechnet diese bescheuerte Verkleidung ausdenken?" "Sei froh, dass Du nicht als Daisy Duck oder Minnie Maus auf die Bühne musst", raunzte Klaus zurück. Bertold und Manni hatten nämlich dafür gesorgt, dass nicht das komplette Programm zur Disney-Parade wurde. Um dem Publikum aktuelles Kabarett zu bieten, verkörperten als Hauptpersonen der zweiten Hälfte Angela Merkel und Olaf Scholz den kritischen Geist der Tintenhühner. 
 
"Damit haben wir uns doch von unseren lokalen Wurzeln verabschiedet." Auch Anne hatte etwas zu nörgeln: "Und außerdem: Als Angela bin ich viel zu dick." "Das macht die viele Kartoffelsuppe", erläuterte Bertold, "und der Hosenanzug steht Dir wirklich gut, den solltest Du auch mal zuhause tragen." "Ja,genau", feixte Manni, "die versteckten Polster verleihen Dir üppige Formen und könnten nach Jahrzehnten Dein Liebesleben neu beflügeln." Das trug ihm einen vernichtenden Blick und eine Hass-Raute ein. "Kinder, hört auf zu streiten", ging Lambert dazwischen, "macht Euch lieber fertig. In einer Stunde fahre ich Euch zur Generalprobe für unser erstes Auswärtsspiel heute Abend zum Festspielhaus nach Recklinghausen. Was ja auch der Hauptgrund ist, warum wir diesmal national und international sortiert sind - die Berliner Riege und die Disney-Truppe kennt schließlich jeder." "Und Merkel und Scholz kann man glatt mit den Originalen verwechseln." Lisa war immer noch total begeistert darüber, was eine Ex-Petrinum-Schülerin als Maskenbildnerin geleistet hatte.
  
Masken wurden auch wenige Straßen entfernt im Keller eines Mehrfamilienhauses angelegt. "Der Plan klingt gut, Boss", murrte Ede I, als er sich in sein Panzerknacker-Kostüm zwängte, "aber warum muss es ausgerechnet diese bescheuerte Verkleidung sein?" "Das habe ich Euch doch schon dreimal erklärt", raunzte der Mann zurück, den alle nur "Boss" oder "the Brain" nannten. "Ich habe beim Kostümverleih mitbekommen, wie der Altbürgermeister für seine Bühnentruppe die Panzerknacker-Verkleidung mitgenommen hat. Danach habe ich die restlichen Kostüme unauffällig mitgehen lassen, als das Personal damit beschäftigt war, für uns die Garderobe für Schneewittchen und die sieben Zwerge zusammen zu suchen. So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: In diesen Kostümen erkennt uns niemand, zumal wir ja auch noch die Korona-Gesichtsschlüpfer tragen. Und der Verdacht fällt erst mal auf die Tintenhühner. Nach den Skandalen der letzten Monate traut man korrupten Politikern wie dem Ex-Bürgermeister und seinen Spießgesellen doch alle Schandtaten zu. Genial, was? Wenn Euch das lieber ist, könnt ihr aber auch gern als Schneewittchen und die sieben Zwerge die Banken überfallen." "Nein, nein, is' ja schon gut, Chef", murmelten betreten Ede I bis Ede VII im Chor. 
 
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Wie wird es weitergehen? Ist das schon alles oder mischen noch weitere zwielichtige Gestalten mit? Verpassen Sie nicht die nächste Folge unserer Erfolgsserie "Am Tag der Panzerknacker".  
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -13 vom 6. 4. 21

Wer gestern aus dem Fenster schaute, dem wurde kalt und manchem graute: "Begehen wir das Osterfest oder ist's Christkind, das es schneien lässt?" Da schauen wir lieber nach, was über die Feiertage von Schmunzelpostleserinnen und -lesern per Mail hereingeschneit ist. 
 
 Aus Sythen erreicht uns eine Ergänzung zu Coronas sprachschöpferischen Auswirkungen: Dort trägt Silvia, zumindest, wenn es sich nicht vermeiden lässt, einen "Schnutenpulli". Apropos Schnute: Der Träger der bekanntesten Beagle-Schnute namens "Snoopy" hat sich ebenfalls gemeldet und energisch darauf hingewiesen, dass er in etlichen Peanuts-Strips die Einleitung des berühmtesten unvollendeten Romans der Comic-Geschichte in die Tasten seiner Schreibmaschine gehämmert hat: "Es war eine kalte, stürmische Nacht."
  
 Schmunzelpost-Freund und Reiseführer Martin ist auch literarisch bewandert. Er schätzt vor allem Schüttelreime. Martins derzeitiger Favorit ist gleich vierfach geschüttelt, eine sehr seltene Reimgattung : 
 
Heinz Maus heißt er,
ist Hausmeister.
Im Keller meist haust er,
wie es heißt, maust er! 
 
Besonders gelungen findet Martin auch ganz knapp gehaltene Zweiteiler vom Typ "kurz und schmerzlos": "Sie sind nicht sehr häufig und machen kaum ein Prozent meiner Sammlung aus." Beispiele:

Macht preist
Pracht meist.
... 
Nie dudeln
die Nudeln.
... 
Pressen hinten
Hessen Printen?
... 
Teesüchtige
Seetüchtige. (Nämlich die Engländer)
...
Wo bist‘,
Bovist?
...
So kacken
Kosaken.
...
Weh diesen
Devisen!
...
Du bist
Buddhist.
...
Ik war
Vikar.
...
Grauenvoll:
Frauengroll!
... 
O du,
Udo!
... 
Latente
Talente.
...
A bad hobby
had Bobby.
...
Mamas baby.
Papas? May be!
  
Auch zum Thema "Aberglauben" liefert Martin Nachschub. So hörte er am Gründonnerstag dazu einen Hörerbericht im WDR: "Ein Mann in den 40ern rief an und sagte, er würde immer die Enden der Bratwürste abschneiden - nur weil seine Mutter das auch immer so gemacht hatte. Irgendwann fragte er sie nach dem Grund und erfuhr, dass sie das Zeit ihres Lebens nur getan hatte, weil ihre Mutter das immer so gemacht hatte. Neugierig, einen geheimnisvollen, jahrhundertealten Ritus vermutend, wurde dann die Oma befragt, warum nur in aller Welt sie immer die Bratwurstenden abgeschnitten hätte? Antwort der Oma: "Ach wisst ihr, ich hatte immer eine zu kleine Bratpfanne! Wenn die Enden heraushingen, wurden die nicht gar!!!" 
 
Mir fällt auch meine Oma ein, die fest davon überzeugt war, dass man Getränke nicht mit dem Messer umrühren dürfe, da das sonst "schneidendes Wasser gäbe"; sie war sich sicher, von klein auf so eingebleut, dass die Schneidekraft ins Getränk übergehen und einem die Nieren zerschneiden würde. Wahrscheinlich hatte man Kindern zu Kaisers Zeiten die Unsitte des Umrührens mit dem Messer abgewöhnen wollen. Klar, dass wir Kinder nun extra vor Großmutters Augen mit dem Messer umrührten und uns feixend amüsierten, wenn sie erschreckt uns davor warnte, Kinder können fies sein!" 
 
Soweit Martin. Ich denke, Ihr seid wie ich gerührt und nicht geschüttelt! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost -14 vom 5. 4. 21 

Ilsebill salzte nach." Mit diesen drei Worten hat Günter Grass eine Fachjury so beeindruckt, dass sie den Eingangssatz aus dem "Butt" 2007 zum schönsten Romananfang der deutschsprachigen Literatur kürte. Und der Angelhaken scheint zu funktionieren: Ihr habt zumindest bis hierhin weiter gelesen!
  
Damit ist einmal mehr belegt, was William Faulkner allen Autoren riet: "Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will." Peter-Andre Alt formulierte das etwas ausführlicher: "Am Beginn jeder Erzählung steht ein Verführungsversuch. Scheinbar aus dem Nichts kommt ein Satz, der seine Leser gewinnen und verstricken soll. Er möchte sie festhalten und jenen Bann erzeugen, der zur Lektüre zwingt; er will Leser bezaubern, damit sie dem, was folgt, ihre Zeit opfern. Der erste Satz ist der wichtigste des ganzen literarischen Textes." 
 
Das habe ich mir zu Herzen genommen und suche daher heute nach dem idealen Schmunzelpost-Einstieg. Deshalb habe ich mich in der Weltliteratur umgeschaut. Warum sich selbst etwas ausdenken, wenn andere es längst gefunden haben? Damit Eure grauen Zellen auch etwas zu tun kriegen, dürft Ihr raten, wie die Verfasser heißen. Die Auflösung findet Ihr ganz am Ende dieses Textes. Und Ihr könnt dann ja entscheiden, ob der erste Satz so vielversprechend ist, dass Ihr auch das gesamte Buch lesen wollt.
  
1. Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes. 
2. Eine große Zeit erfordert große Menschen. 
3. Also, es fängt damit an, dass ich bei Fisch-Gosch auf Sylt stehe und ein Jever aus der Flasche trinke. 
4. Was ich von der Geschichte des armen Werther nur habe auffinden können, habe ich mit Fleiß gesammelt und lege es euch hier vor und weiß, dass ihr mir's danken werdet. 
5. Am Rande der kleinen, kleinen Stadt lag ein alter, verwahrloster Garten. 
6. Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichste Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten reihen Epoche gehörte.
7. Nennt mich Ismael. 
8. Wollüstige jeden Alters und jedes Geschlechts, euch allein widme ich dieses Werk; nehmt seine Grundsätze in euch auf, denn sie nähren eure Leidenschaften, von denen kalte und platte Moralisten euch abschrecken wollen und die doch nur die Mittel sind, welche die Natur anwendet, um den Menschen ihr Ziel erreichen zu lassen; gehorcht nur diesen köstlichen Leidenschaften; ihr Ursprung darf und kann euch zum Glück führen. 
9. Immer fällt mir, wenn ich an den Indianer denke, der Türke ein; dies hat, so sonderbar es erscheinen mag, doch seine Berechtigung. 
10. "Um wiedergeboren zu werden", sang Gibril Farishta, während er vom Himmel stürzte, "mußt du erst sterben." 
11, Heute vor dreihundertachtundvierzig Jahren sechs Monaten und neunzehn Tagen erwachten die Pariser unter dem Geläute aller Glocken, welche innerhalb des dreifachen Bereichs der Altstadt, Südstadt oder des Universitätsviertels und der Nordstadt mit lautem Schalle ertönten. 
12. Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. 
 
Na, habt Ihr das eine oder andere erkannt? Doch Ihr werdet mir hoffentlich beipflichten: Alles gut und schön, aber nichts davon geeignet für die Schmunzelpost. Dafür braucht es einen kurzen, pointierten Einstieg. Am besten ein Wort, das den Leser freundlich begrüßt und gleichzeitig verheißt, dass sich ein lesenswerter, relativ kurzer Text anschließt. Was könnte dies besser ausdrücken als: "Hallo!"? 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Nach solch einem Text sollte auch ein angemessener Schlusspunkt gesetzt werden. Und was wäre dazu im Land des Bergbaus und nur 20 Kilometer entfernt von der Heimat des Spitzenfußballs (spätestens an dieser Stelle merkt der aufmerksame Leser, dass es sich um einen satirischen Beitrag handelt) besser geeignet als die traditionelle Grußformel "Glückauf"? 
 
PPS. 
 
1. Homer: Odyssee 
2. Jaroslav Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk 
3. Christoph Kracht: Faserland 
4. Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther 
5. Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf 
6. Patrick Süßkind: Das Parfüm 
7. Hermann Melville: Moby Dick 
8. Marquis de Sade: Philosophie im Boudoire 
9. Karl May: Winnetou 
10. Salman Rushdie: Die satanischen Verse 
11. Victor Hugo: Der Glöckner von Notre Dame 
12. Gebrüder Grimm: Frau Holle 
 

 Schmunzelpost -14 vom 4. 4. 21

Immer wieder sonntags bin ich als Trüffelschwein des Humors tätig, um in Zeitungen und Zeitschriften Kurioses und Erheiterndes auszugraben und an Euch weiter zu reichen. Die ersten beiden Fundstücke sind der Süddeutschen Zeitung vom 1. April entnommen. 
 
Ich weiß zwar nicht, ob Ihr Euch mit Traumschiff-Kapitän Florian Silbereisen den TV-Abend vergoldet, aber einen Hinweis auf die Dreharbeiten will ich Euch nicht vorenthalten. Parts auf dem ZDF-Traumschiff sind bei Schauspielern sehr beliebt, weil in der kalten Jahreszeit paradiesische Reiseziele mit Traumwetter angesteuert werden. Diesmal waren die Malediven das Ziel. 
 
Ich möchte gern dabei gewesen sein, als den Akteuren erklärt wurde, dass jetzt vermutlich aus Kostengründen alle Schiffsszenen nicht in den Malediven, sondern in Emden gedreht werden. Im Dezember! Auch auf den Außendecks! Statt 30 Grad herrschten dort knackige Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Also musste der Sommer mit Wärmepacks unter dem kurzärmligen Hemd herbei gezaubert werden. Besonders trickreich vermied die Aufnahmeleitung, dass bei Dialogen Kältewolken aus den Mündern der Mimen die Zuschauer verwirrten. Der Atem wurde schockgefrostet: Die Darsteller mussten ein paar Eisstücke lutschen und konnten so dampffrei ihren Text aufsagen. Wir können also sagen: "Wirklich cool gespielt!" 
 
Eine echte Fundgrube war in der gleichen SZ-Ausgabe ein Artikel von Martin Zips. Der setzte sich aus gegebenem Anlass damit auseinander, wie Viren auch die Sprache befallen können. Erkenntnisreich war bereits der historische Einstieg. Als "Haderlumpen" wurden im Mittelalter nämlich keine Charakterschweine bezeichnet, sondern die Fetzen, in die erst Pesttote eingewickelt waren und die dann anschließend zur Papierherstellung verwendet wurden. Tolles Recycling-Prinzip. Heute läuft es anders herum. Erst wird das Papier produziert, dann wird von Boulevard-Schreiberlingen drauflos gepestet. 
 
Und das schöne Wort Fisimatenten entstammt der Zeit, als französische Soldaten liebenswürdig in ihr Zelt einluden: "Visitez ma tente!" "Besuchen Sie mein Zelt" - wer so höflich aufgefordert wurde, zierte sich nicht lange mit Fisimatenten. Die gab es womöglich hinterher... 
 
Doch nun zu Corona. 1300 neue Virus-Wörter hat das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache schon in Deutschland gezählt. "Knuffelkontakt" und "Covidioten" gehören zu den kreativsten. Dialekte treiben die schönsten Blüten: Die Sachsen sprechen vom "Guschenduch", die Franken rund um Nürnberg vom "Söderlabbn". Und beim schwäbischen "Maultäschle" bekomme ich sogar Hunger. Auch die Österreicher lassen sich beim Mund-Nasen-Schutz nicht haderlumpen: "Pappnwindel" ist genauso originell wie "Ausgehvuahangl". Synchronisiert bedeutet das: "Ausgehvorhang". 
 
Die Kölner haben sich aus Rache für den ausgefallenen Karneval allerhand einfallen lassen: "Schnüsstüüt", "Jesichtsschlüppi" und "Bützjekondom" erklären sich von selbst. Dagegen wäre ich nicht darauf gekommen, wie die Schweizer ihr Smartphone-Warnsystem getauft haben: "Spuräsuechäp". 
 
Im "Hohlspiegel" vom 3. April hat mir diesmal besonders eine Anzeige aus der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" gefallen. Dort wurde ein "Urgroßvatersessel ohne Urgroßvater" zum Kauf angeboten. Für läppische 280 Euro. Schade. Inklusive Urgroßvater hätte ich zugegriffen. 
 
Aus ersichtlichem Grund würde eine Aufschrift gut in den Hohlspiegel passen, die ich letzte Woche auf dem Parkplatz eines Dorstener Restaurants entdeckte. Auf einer Tafel stand geschrieben: "Abhohlservice am Fenster." Konsequenterweise am Fenster: "Hier abhohlen!" Das bestätigt meine seit langem gehegte Vermutung: Wo in manchen Köpfen das Rechtschreibzentrum sein sollte, befindet sich stattdessen ein Hohlraum. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost -15 vom 3. 4. 21

Da wird doch das Ei in der Pfanne verrückt! Es gibt tatsächlich Menschen, die behaupten, die unzähligen Eier, die am morgigen Sonntag frei Haus geliefert werden, würden vom Osterhuhn zugestellt. Als Tintenhahn weiß ich es besser: Meine entfernten Verwandten sind so mit der Produktion von stinknormalen Alltags-Eiern beschäftigt, dass ihnen für Sonderschichten die Zeit fehlt. Es weiß doch jedes Kind: Ostereier werden vom Osterhasen gefärbt und dann überall auf der Welt verteilt. Nur nicht auf den Osterinseln - Osterhasen werden schnell seekrank. 
 
Von rechts wegen müssten Osterhasen genau wie andere Saisonarbeiter, also Christkind, Weihnachtsmann und Nikolaus, schon lange Tarifverträge ausgehandelt haben. Nicht des schnöden Geldes wegen. Sondern wegen der übermäßigen physischen und psychischen Belastung. Nach Monaten der Vorbereitung geht es am Ostersonntag drunter und drüber. Wie DHL-Paketenboten kurz vor Weihnachten, wissen Osterhasen dann oft nicht mehr, wie sie das Riesenpensum schaffen sollen und sind kurz davor, die Löffel abzugeben. 
 
Es ist aber auch eine Zumutung. Schokoladeneier, Überraschungseier, Eierlikör für Trude und Erika - das Lieferspektrum wird immer breiter. Die Mehrzahl der Kundschaft folgt zwar der Tradition und verlangt klassische Hühnereier. Doch auch dafür sind die Ansprüche gestiegen: "Bitte nur Bio-Eier aus Freilandhaltung, bemalt mit natürlichen Farben ohne chemische Zusätze!" 
 
 Und dann gibt es noch die Ostersnobs mit ihren Sonderwünschen. Die einen lieben es exotisch und bestellen die kleinsten Eier der Welt. Die wiegen maximal ein halbes Gramm und sind nur 6 Millimeter groß. Und ihr Produzent, die Bienenelfe, lässt sich das Gewicht in Gold aufwiegen. 
 
Nein, nein, die Bienenelfe ist keine Erfindung und kein Fabelwesen wie der "Tönnies", der angeblich in Ostwestfalen Schnitzel zu Dumpingpreisen ausbrütet oder der "Scheuer-Andi", ein Gruselwesen aus Bayern, das uns ein Windei nach dem anderen ins Nest legt. Die Bienenelfe gibt es wirklich: Das ist ein winziger Kolibri, der auf Kuba zuhause ist und sich statt mit Nektar vermutlich von kubanischem Rum ernährt. 
 
Als Kontrast zu den Liebhabern von Mini-Eiern gibt es Vielfraße, die auf dicken Eiern bestehen. Ein typischer Vertreter ist ein Titan aus München, der 2004 wutschnaubend forderte: "Eier, wir brauchen Eier! Sie wissen, was das heißt." Leider hat der Reporter nicht nachgefragt, so dass Millionen von Fußballfreunden seither einem fatalen Irrtum aufsaßen. In Wahrheit meinte Oliver Kahn die dicksten Eier, die weltweit zu kaufen sind. Bei Bayern München gab es schon immer einen Hang zur Gigantomanie. Das gilt auch für Frühstücks- und Ostereier. 
 
So kommen in München zu Ostern Straußeneier ins Nest und beim FCB ganzjährig morgens auf den Tisch. Lange Zeit wurde vermutet, das hinge mit der Sympathie von Uli Hoeneß für Franz-Josef Strauß zusammen. Das stimmt jedoch nicht. Wenn es nach Hoeneß ginge, würden in ganz Bayern Bratwurst-Eier serviert. Dazu hängen die Voralpen-Bazis aber zu sehr an Traditionen. Als Kompromiss hat man sich auf die kolossalen Laufvogel-Produkte geeinigt, die immerhin 15 cm lang sind und anderthalb Kilo wiegen. Robert Lewandowski soll jeden Morgen gleich drei Stück verdrücken. 
 
Kein Wunder, dass die Osterhasen ächzen und über Rückenprobleme klagen. Vielleicht wird es dem Vogel Strauß daher ergehen, wie seinem stolzen Verwandten, dem Elefantenvogel. Der 3 m große und 500 Kilo schwere Riesenstrauß lebte einst auf Madagaskar und soll im 17. Jahrhundert ausgestorben sein. Seine Eier wurden 30 cm lang und wogen fast 200-mal so viel wie ein Hühnerei. Da wussten sich die Osterhasen nicht anders zu helfen. In einer Zeit, als es keinerlei technische Hilfsmittel für den Transport gab,  blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Brut des Elefantenvogels systematisch zu zerstören. 
 
Falls jetzt auch noch die Strauße aussterben, wisst Ihr, wer die Schuld trägt: Die Münchner Bayern und vor allem Olli Kahn! 
 
Glückauf 
Klaus 

Schmunzelpost -16 vom 2. 4. 21

Heute ist Karfreitag. Der einzige Tag im Jahr, an dem in meinem Elternhaus der Verzehr von Fleisch und Wurst strikt verboten war. "Wer heute Fleisch isst, den plagen das ganze Jahr die Mücken", begründete dies meine Mutter. Diese Weisheit hatte sie jedoch nicht aus der Bibel, sondern aus dem altpommerschen Handbuch für abergläubische Christen. Dennoch stimmt der Spruch. Mich zumindest stechen jedes Jahr die Mücken. 
 
Karfreitag ist auch ein Tag, an dem man sich Gedanken macht über die Vergänglichkeit und den Tod. Vielleicht hat ja Golgatha damit zu tun, dass mir ausgerechnet heute wieder der Spruch in den Sinn kam, den ich mir vor ein paar Tagen nach der Begegnung mit einem dreisten Autofahrer in den Grabstein meißeln lassen wollte. Ihr erinnert Euch? Falls mich auf dem Rad ein Auto erlegt, sollte über meiner Asche geschrieben stehen: "Ich hatte doch Vorfahrt!" 
 
 Nun sind mir noch ein paar Varianten eingefallen. Sollte ich nach einem Alleinunfall mit dem Rad unter die Erde kommen, könnte die Inschrift lauten: "Er trug keinen Helm, der Schelm!" Falls es mich aus heiterem Himmel beim Verfassen einer Schmunzelpost trifft: "Ein letzter Scherz, dann versagte sein Herz." Und falls ich am heutigen Tag den Löffel abgebe, möchte ich auf meinem Grabstein lesen: "Wer am Karfreitag stirbt, dem ist nicht bang - er nutzt bereits Ostern den Notausgang!" 
 
Glückauf 
kdk 

 


 Schmunzelpost -17 vom 1. 4. 21

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten, äh, Ostern? Die Zeit vergeht so rasend schnell, da kommt man leicht mit den Feiertagen durcheinander. Vor allem im Zeichen des großen Gleichmachers und Spielverderbers namens Corona. 
 
Jedenfalls warf nach Zeitungsmeldungen das Osterfest bereits vorgestern seine Eier voraus. Eines traf die Windschutzscheibe eines Autofahrers in Lüdenscheid und ließ die Polizei tätig werden. Sie fahndete im Umfeld des Tatorts, einer Tunnelzufahrt, nach Osterhasen und menschlichen Eier-Attentätern und wurde tatsächlich fündig. Allerdings gab es große Schwierigkeiten beim Versuch, der dringend Tatverdächtigen Handschellen anzulegen. Und auch der Aufforderung, Namen und Wohnsitz mitzuteilen, kam die mutmaßliche Täterin nicht nach: Bei der Taube stieß die Polizei auf taube Ohren. Später soll der aus dringenden Brutgeschäften gerissene Vogel seinerseits Anzeige erstattet haben. Wegen Kindesentführung und fahrlässiger Tötung. 
 
Wenn ich Euch nun auffordern würde, heute um 16 Uhr der spektakulären Prozesseröffnung im Amtsgericht Wolkenkuckucksheim beizuwohnen, wäre das ein klassischer Versuch, Euch in den April zu schicken. Denn das war am 1.4. hierzulande jahrzehntelang Brauch: Jemand mit einer ausgedachten Geschichte zu bewegen, einen Auftrag auszuführen und einen anderen Ort aufzusuchen. Fiel das Opfer darauf herein, dann freute man sich und feixte: "April, April!" Im Dorstener Rathaus war es beispielsweise üblich, neue Lehrlinge in die Kämmerei zu schicken. Sie sollten dort den Zinsfuß abholen.
 
Auch Zeitungsredaktionen haben diese Tradition lange gepflegt. Ich habe noch gut in Erinnerung, wie vor 25 (?) Jahren Hobbyangler bei der Dorstener Zeitung aufliefen. Sie wollten von uns wissen, wo man sich für das bei uns groß angekündigte Wettangeln im neu angelegten Wallgraben am Rand der Innenstadt anmelden könne. Als ein vorlauter Kollege mitteilte, der Wettbewerb müsse leider entfallen, weil ein Bösewicht Piranhas im Wallgraben ausgesetzt habe, die alle anderen Fische verzehrt hätten, hatte er Glück, dass er nicht als Köder am Angelhaken endete. 
 
Wo und wann aber entstand dieser Brauch? Die Schmunzelpost nimmt ihren Bildungsauftrag ernst. Es gibt zwei Theorien: 1564 nahm Karl IX in Frankreich eine Kalenderreform vor. Bis dahin begann das neue Jahr am 1. April, nun wurde der 1. Januar offizieller Neujahrstag. Wer danach noch am 1.4. feierte, wurde als unwissender Spätzünder verspottet. Die zweite These zielt auf einen angeblichen Münztag in Bayern. Danach sollten am 1. April 1618 alle unterschiedlichen Münzen vereinheitlicht werden. Wer im Vorfeld darauf spekulierte und munter Münzen tauschte, fiel auf die Nase. Es tat sich nichts, statt eines Gewinns gab es Spott und Häme. 
 
Tatsächlich nistete sich der Aprilscherz-Brauch vor allem in Deutschland und Frankreich ein. Später folgten auch England, die USA und Kanada. Dort ging es jedoch hauptsächlich darum, anderen einen Streich zu spielen, "April Fools" fielen auf einen "Prank" herein. Abgekupferte Tipps dazu finden sich heute im Internet: "Schickt Euren Freunden und Verwandten, nicht aber Eurem Chef, eine WhatsApp mit dem Text: 'Ich bitte Dich um Deine Meinung als Unbeteiligter. Was sagst Du zum Thema Intelligenz?'" 
 
Außerdem gibt es konkrete Angaben für Schabernack der handfesten Art: "Überklebt den Sensor einer Computermaus mit Papier und habt Spaß daran, wie Euer Opfer vergeblich versucht, seinen Cursor auf Trab zu bringen." Wesentlich anrüchiger: "Überklebt den Toilettensitz mit Klarsichtfolie." 
 
Pfui Teufel! Da schicken wir lieber jemand zum Angeln. Übrigens ist in islamischen Staaten der Aprilscherz verpönt. Spätestens seit ein saudi-arabischer Mufti ihn 2001 allen gläubigen Muslimen verboten hat. Apropos 2001: War es nicht in jenem Jahr, als die Chefredaktion es den Lokalredaktionen des Zeitungshauses Lensing untersagte, am 1. April Scherze im Blatt zu platzieren? Angeblich, weil es eine regelrechte Inflation gegeben habe und auf fast jeder Seite - mit Ausnahme der Todesanzeigen - mehr oder weniger lustige ausgedachte Geschichten zu finden waren. 
 
Wer den Schleier dieses Geheimnisses lüften will, sollte heute nach Dortmund fahren und am Westenhellweg Einlass in die Zelträume des Kalifen Lambert begehren. Spätestens, wenn ihm ein Eunuch den Weg in den Harem des Verlegers verstellt, besteht Gewissheit. 
 
April, April! 
kdk 

 Schmunzelpost -18 vom 31. 3. 21

Da bin ich wieder, zurück vom Abstecher in religiöse Gefilde. Zu sagen, das hätte mir einen Heidenspaß gemacht, wäre etwas übertrieben. Doch ab und zu unerwartet Schmunzelpost-Neuland zu betreten, tut ganz gut. 
 
Heute geht es jedoch wieder in eine Region der Welt, in die wir zuletzt schon mehrfach geschaut haben. In Australien verschwindet das Hochwasser allmählich. Doch die Frage bleibt offen, ob auf die ersten vier Plagen - Feuer, Wasser, Spinnen, Mäuse - noch weitere folgen. Mit ein wenig zeitlicher Verzögerung könnte eine Mückenplage dazu gehören. Denn die riesigen gut durchfeuchteten Landflächen sind jetzt ideale Brutgebiete für die nächste Mückengeneration.
  
Wer zu den Milliarden von Menschen zählt, die bereits nächtliche Duelle mit Mücken ausgetragen haben, der weiß, wie lästig und unangenehm diese Insekten sein können. Nur die Finnen juckt das anscheinend nicht. Aber die sind ja auch sowas von glücklich. 
 
Dabei können Mückenstiche nicht nur nervend, sondern sogar tödlich sein. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern (ich habe aber nicht nachgezählt) ist seit Beginn der Steinzeit knapp die Hälfte der Menschen an den Folgen von Mückenstichen gestorben! Genau genommen war der Übeltäter die weibliche Anopheles-Stechmücke. Sie ist heute nach wie vor aktiv: Jedes Jahr sterben rund eine Million Menschen an der Malaria, die von besagter Mückenart übertragen wird. Zum Glück ist der Klimawandel noch nicht so weit fortgeschritten, dass diese Killer bei uns heimisch geworden sind. 
 
 Bleibt aber die Frage: Was ist mit unserer normalen Haus-, Wald- und Wiesenmücke? Gibt es den Tod der 1000 Stiche, wenn wir auf dem Zeltplatz beim Duschen nackt von einem Schwarm überfallen werden? Zur Beruhigung: Das Risiko ist sehr, sehr gering. 
 
Es gab Forscher, die sich nach einer Wette, betäubt mit reichlich Wodka, eine Minute mit blankem Oberkörper einer gierigen Moskitowolke ausgesetzt haben. Jeder von ihnen zählte nach nur 60 Sekunden 9000 Stiche. Das juckt wie der Teufel, ist aber nicht lebensgefährlich. Eine Mücke saugt bei einem Stich nur fünf Mikroliter Blut. Bis wir jedoch zwei Liter Blut verloren haben, wonach unser Kreislauf kollabiert und wir den Löffel abgeben, müssen wir den Mücken viel mehr Zeit lassen. Falls Ihr also im Guiness-Buch der Rekorde unsterblich werden wollt, dann verabredet Euch im Sommer mit Abertausenden von Mücken und lasst sie ungestört eine dreiviertel Stunde lang zapfen. Nach mehr als 400 000 Stichen seid Ihr dann mausetot, aber dafür weltberühmt! 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS: Von was Armin Laschet gestochen wurde, kann ich nicht sagen. Aber irgendetwas muss zu einer kurzzeitigen Hirntrübung geführt haben. Denn eine Parteikampagne mit dem Motto "Zusammenmachen" zu einem Zeitpunkt vorzustellen, an dem man gerade etwas ganz anderes macht, als die Parteifreundin und Kanzlerin verlangt, ist schon etwas, sagen wir, gewagt. Und dann noch den Slogan ganz allein präsentieren und nicht zusammen mit Unterstützern vorstellen, das ist widersinnig. Das könnte bei den Hoffnungen auf Wählerstimmen zu einem anderen Effekt führen. Das Wort klingt aber ähnlich: Zusammenkrachen! 


Schmunzelpost -19 vom 30. 3. 21

Es gibt Themen, da vergeht selbst mir das Schmunzeln. Dazu gehören die Reformverweigerung und Vertuschungspolitik der katholischen Kirche. Vor lauter Kopfschütteln ist mir zuletzt fast der Schädel abgefallen. Und jetzt muss ich lesen, man denke im Vatikan darüber nach, die Glaubwürdigkeit wieder zu verbessern. Ernsthaft? Mit dem Verbot des Segens für homosexuelle Paare?
 
Überhaupt: Welche Glaubwürdigkeit? Für mich hat die reaktionäre Altherrenriege in Rom und anderswo die schon längst verspielt. Bedeutet doch das Wort, der Glaube sei würdig, dass man ihm vertrauen dürfe. Einer Kirche, deren Oberhaupt ein Greis ist, der als Stellvertreter Gottes auf Erden Unfehlbarkeit für sich in Anspruch nimmt? Einer Kirche, die seit Jahrhunderten auf die Verehrung von Heiligen, Reliquien und Heuchlern setzt? Die Homosexualität als Teufelswerk bezeichnet, obwohl viele ihrer Repräsentanten sich selbst zu Männern hingezogen fühlen - und manche leider auch zu Kindern. Und die Frauen nicht für Wert hält, führende Ämter zu bekleiden!Es gibt Themen, da vergeht selbst mir das Schmunzeln. Dazu gehören die Reformverweigerung und Vertuschungspolitik der katholischen Kirche. Vor lauter Kopfschütteln ist mir zuletzt fast der Schädel abgefallen. Und jetzt muss ich lesen, man denke im Vatikan darüber nach, die Glaubwürdigkeit wieder zu verbessern. Ernsthaft? Mit Verboten des Segens für homosexuelle Paare?
 
So, wenn ich bis hierhin riskiert habe, meinen ersten Shit-Storm zu erleben, dann kann ich mich nach den gläubigen Katholiken, wenn schon, denn schon, auch gleich noch mit allen gläubigen Christen anlegen. Zwar respektiere ich natürlich andere Meinungen und Denkweisen. Das hindert mich aber nicht, manche der Behauptungen, Argumente und Leitsätze in Zweifel zu ziehen.
 
Glauben heißt nicht wissen. Dabei gibt es recht unterschiedliche Stufen. Ich glaube, dass Schalke 04 am Ende dieser vermaledeiten Bundesliga-Saison absteigen wird. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr hoch. Ich glaube (und hoffe), dass ich mir auch noch in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren meinen Rotwein schmecken lassen kann. Dafür stehen die Chancen, sagen wir, fifty-fifty. Aber Du glaubst womöglich, im Himmel wache ein gütiger, gerechter Gott über Dich, an dessen Seite Jesus Christus thront und dem Deine Seele früher oder später Gesellschaft leisten wird? Mit Verlaub: Da wartet höchstwahrscheinlich eine böse Überraschung auf Dich.
 
1 plus 1 ist 2, darauf können wir uns vermutlich einigen. Aber der Rechnung, 2 plus 2 ergibt 257, mag ich bei aller klerikalen Überredungskunst und einem bereits als kleines Kind erlebten Trommelfeuer von Anweisungen, Behauptungen und "unanfechtbaren Wahrheiten" nicht folgen. Der biblische Gott zumindest des Neuen Testaments ist allmächtig, gütig und gerecht. Wie lässt sich das mit einer Welt vereinbaren, in der Unschuldige, auch Kinder oder Tiere, mit Leid und Schmerz traktiert werden, dass es zum Verzweifeln ist? Wenn es, was ich weder ausschließen kann noch will, uns unendlich überlegene höhere Wesen gibt, warum sollten sie sich verpflichtet fühlen, Deine Gebete wahrzunehmen und darauf zu reagieren? Hat da ein kosmisches Vormundschaftsamt Deiner Vaterschafts-Klage stattgegeben?
 
Kommen wir zu Jesus, Gottes Sohn. Ich würde mich zu gern mit Josef darüber unterhalten, ob bei der Zeugung nicht ein gewisser David Heiliggeist eine maßgebliche Rolle gespielt hat. Und was ist mit den Wundern, die dem Heiland zugeschrieben werden? Über Wasser gehen kann ich auch, zumindest, wenn es dick genug zugefroren ist. Blinde wieder sehen zu lassen oder Wasser in Wein zu verwandeln (eine Gabe, über die ich liebend gern verfügen würde), scheint mir da schon schwieriger zu sein. Merkwürdig nur, dass auch in anderen Religionen die Heilsbringer mit derartigen Talenten ausgestattet sind. Und dann ist da auch noch die Sache mit der Auferstehung und der Himmelfahrt, an der wir ungläubigen Ketzer schwer zu kauen haben.
 
Aber es steht ja alles so in der Bibel, dann muss es ja stimmen. Genau wie die Affäre von Eva mit der Schlange, die Schöpfungsgeschichte, die Kreuzfahrt von Noah und die Teilung des Meeres durch Moses. Sagen wir mal so: Kaum einer, der das aufgeschrieben hat, ist tatsächlich dabei gewesen. Viele haben sogar erst lange später gelebt und mündliche Überlieferungen und Legenden auf Papyrus verewigt. Das haben im 19. Jahrhundert auch zwei deutsche Brüder getan. Doch die Brüder Grimm waren so ehrlich, ihre Geschichten gleich als Volksmärchen zu deklarieren.
 
Ja, ich höre schon den Einwand: Die Bibel-Schreiber sind von Gott erleuchtet gewesen. Vermutlich auch die historischen Verleger, die darüber zu entscheiden hatten, welche Texte Aufnahme in die Heilige Schrift finden sollten. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Solche Diener Gottes haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder das Recht herausgenommen, über gut und böse zu entscheiden. Fragt nach bei Abertausenden von Hexen, die in Scheiterhaufen verbrannten. Paradox wurde es, wenn, wie im 1. Weltkrieg, die Soldaten beider Seiten mit der Gewissheit zur Schlachtbank zogen, Gott sei mit ihnen. So hatten es ihre Geistlichen versprochen.
 
Doch wenn sie schon als Kanonenfutter sterben mussten, so konnten ihre unsterblichen Seelen wenigstens ins Paradies einziehen. Falls die Absender sich zu Lebzeiten nicht so daneben benommen hatten, dass sie erst im Fegefeuer und dann in der Hölle schmoren müssen. Leider spricht nicht allzu viel dafür, dass nach unserem Ableben mehr von uns übrig bleibt, als ein Häufchen Asche. Unser Wesen, unsere Persönlichkeit ist nun mal abhängig von dem komplizierten Zellhaufen, den wir Gehirn nennen. Werden die grauen Zellen beschädigt, beeinflusst oder reduziert, sei es durch Verletzung, Pharmazie, Krankheiten, Alkohol oder Alter, dann kann sich der Charakter des Menschen ändern. Es besteht also Hoffnung, dass ich auch mal wieder etwas Lustiges schreibe.
 
Wir rümpfen unsere Nase über Islamisten, die als Selbstmordattentäter Unheil verbreiten, nur weil sie im Jenseits 72 Jungfrauen Gesellschaft leisten möchten. Dafür glauben wir aber gerne, dass unsere immaterielle Essenz auf Wolke sieben sitzen und Harfe zupfen darf. Wie geht das zusammen? Hand aufs Herz: Wenn man Glaubenssätze und Fakten ebenso nüchtern wie unvoreingenommen abwägt, was erhebt Christen dann über Gottesleugner und die Anbeter des fliegenden Spaghetti-Monsters?
 
So, diese Post bot schwere Kost. Falls mich kein Shitstorm wegweht, folgt morgen wieder Unverfängliches. Das könnt Ihr mir ruhig glauben ;-)
 
Glückauf
Klaus       
 
 PS. Hipp, hipp, Hurra, der erste SP-Kommentar ist da! Zu finden unter "Beiträge" auf www.schmunzelpost.de . Der Text sei besonders allen ans Herz gelegt, die ein niedliches Haustier adoptieren möchten. . . 
 

  Schmunzelpost -20 vom 29. 3. 21 

Endlich bin ich wieder auf der Höhe der Zeit. Zumindest, was Zeitungen und Zeitschriften betrifft. Dabei kam mir die Zeitumstellung sehr gelegen. Denn, wie Ihr sicherlich mitbekommen habt, haben Bundesregierung und Ministerpräsidenten letzte Nacht zwischen 2 und 3 Uhr beschlossen, den Sonntag um drei Stunden zu verlängern. Damit sollen die Corona-Viren komplett verwirrt werden. Natürlich kommt nur in den Genuss der Bonuszeit, wer mit einem Schnelltest nachweist, dass er (schon gut, Genderfans: oder sie) des Lesens mächtig ist und bei der Lektüre Maske trägt, um die Buchstaben nicht anzustecken. 
 
Auf diese Weise erfuhr ich in der neuesten Wochenendausgabe der SZ, dass es den im Vorjahr abgeschafften IKEA-Katalog wieder gibt. Hurra! Die Freude wird ein wenig getrübt, weil der Möbelschinken nur als Hörbuch erschienen ist, drei Stunden und vierzig Minuten lang. Und vorgetragen, so SZ-Autorin Vivien Timmler, "von einer völlig übermotivierten Frauenstimme auf Englisch". Das Organ gehört Jasmin Richardson, die laut IKEA wegen ihrer Fähigkeit ausgewählt wurde, auf "kluge, aber schrullige und leicht abwegige Art und Weise" Spaß zu vermitteln. 
 
Ins Deutsche übertragen hört sich das beispielsweise so an: "Auf dieser Seite sehen Sie ein glückliches blondes Kind, das auf einem weißen Kinderstuhl sitzt, 14,90 Dollar. Es hält ein Kinderbuch hoch, aber nicht um es zu lesen, sondern als Hut. Uh, ich liebe diesen Look, Süße, so Avantgarde." 
 
Blättern wir weiter in der "Süddeutschen". Und lesen auf Seite 14 in Hermann Unterstögers Sprachlabor vergnügt folgenden Absatz: "Verdrehte Redensarten zählen zu den Hauptlustbarkeiten der Sprache: ein zweigleisiges Schwert; du gehst mir auf die Palme; einem aus der Bretagne helfen. Ob Leser G. über die Aussage, 'junge Anleger würden auf das falsche Gleis' gesetzt, amüsiert war oder erbost, bleibt offen. Jedenfalls wies er auf den Unterschied zwischen 'Einen Zug aufs Gleis setzen' und 'Aufs richtige Pferd setzen' hin. Das ist richtig, um nicht zu sagen: Da reißt die Maus keinen Faden ab. Man kann unsere Formulierung allenfalls so erklären, dass besagte Junganleger in einem Zug saßen und dieser aufs falsche Gleis gesetzt wurde. Das Pferd stand seitab und hatte wieder einmal nichts zu tun." 
 
Als Fortsetzung der "Fährenpreise" nochmal der "Hohlspiegel" vom 27.3.. Da zeigt uns die Tageszeitung "Die Harke", was rechtschreibmäßig eine Harke ist. Oder verwechsle ich etwa die Redensarten "Ich zeig Dir, wo die Harke hängt" und "jemandem zeigen, was ein Hammer ist"? Jedenfalls stand dort: "Kämpferfamilie sucht Wohnmobol oder Wohnwagen". Ich vermute jedoch, dahinter steckt ein Hörfehler der Anzeigenannahme. Schade, ich hätte den Campern zu gern mein Wohnmobol angedreht.
  
Und wer jetzt bemängelt, ich bediente mich nur aus SZ und Spiegel, der täuscht sich. Ich lese auch anspruchsvolle Zeitschriften zu wesentlichen Lebensfragen wie das Fachmagazin "Elf Freunde". Dort stehen nicht wie im "Kicker" aktuelle Spielberichte oder Gerüchte um Trainerwechsel im Mittelpunkt, sondern fundierte Reportagen und Analysen. Und der Humor kommt nicht zu kurz, wie am Ende jedes Heftes die bissige Kolumne von "Günter Hetzer" unterstreicht. 
 
In der jüngsten Ausgabe haben mich neben der Titelgeschichte ("S04 - Wir ruinieren dich.") vor allem die Landkarten mit den "Vornamen" der deutschen Fußballvereine interessiert. Blenden wir "FC" und "VfB" (für alle Banausen: Verein für Bewegungsspiele) einmal aus, so herrscht erfreulicherweise bei uns "Eintracht". Nicht nur Frankfurter und Braunschweiger Kicker schmücken sich damit, sondern ungezählte Clubs quer durch die Republik - von Schleswig-Holstein bis Bayern, von Mecklenburg-Vorpommern bis zum Saarland. 
 
 "Glück" schätzen nicht nur die Finnen, sondern auch viele Fortuna-Fußballer. Dagegen ist der Vereinsname "Borussia" in Bayern verpönt. Was nichts mit Dortmund zu tun hat, sondern mit der historischen Abstammung des Begriffs. Er steht für Preußen!  Auf altbayrisch: Saupreißn! (Über den FC Schalke 04 breiten wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens aus. Mein Verein hätte sich in dieser Saison, statt auf den kläglichen Versuch, Fußball zu spielen, lieber auf Hallenhalma konzentrieren sollen). 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Ich muss alle Leser um Verzeihung bitten. Mir ist ein Fehler unterlaufen, für den ich die volle Verantwortung übernehme und den ich zutiefst bereue. Um 2.59 Uhr hat die Krisenkonferenz des Bundes und der Länder entschieden, den Zeitbonus rückgängig zu machen. 

 

 Schmunzelpost -21 vom 28. 3. 21

Ich bin etwas zurückgeblieben. Okay, werdet Ihr denken, das wissen wir schon länger. Doch ich meine nicht meine geistige Verfassung, sondern meinen Stand bei der Bewältigung des aktuellen Lesestoffs. Am Samstag steckte bereits der neue "Spiegel" im Briefkasten und ich hatte den der Vorwoche gerade erst aufgeschlagen. So zehre ich heute wie angekündigt von der überaus ergiebigen Wochenend-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 20./21. März. 
 
Wer wie ich den Rebensaft liebt, der kennt die schwelgerischen Lobgesänge der Weinpäpste. Darin tauchen mitunter Vokabeln auf, die unsereinem nie und nimmer bei Verkostungen eingefallen wären. Kein Wunder, beschränke ich mich doch bei der Weinbewertung auf fünf Noten: 1. Mmmmmmh! 2. Schmeckt gut! 3. Geht so. 4. Kann man trinken (falls nichts anderes da ist). 5. Pfui Teufel! 
 
Obwohl ich also eher ein Banause bin, stimme ich Robert Louis Stevenson zu: "Wein ist die Poesie in Flaschen." Daher staune ich über die Formulierungen, die ein Händler für seinen "südfranzösischen Traumstoff mit unglaublicher Konzentration" fand. Dazu die SZ: "Es 'betören komplex dunkle Früchte die Nase'. Und dann, Tusch, Fanfaren, 'flirrt floral ein Windstößchen Lavendel und Lakritz heran', bevor 'unergründliche Dichte' auftauche, "leicht herb die Zunge hinten rockend'. Amen." 
 
Um sprachliche Angelegenheiten, die Zunge eher vorne rockend, geht es auch in der SZ-Rubrik "Bester Dinge". Die glücklichen Finnen waren ja auch bei uns schon Thema. Aber wir haben uns leider nicht die Worte auf der Zunge zergehen lassen wie bei einer Weinverkostung. Veronika Wulf schreibt: "Allein das finnische Wort für Glück, 'onni', klingt halt so schön zufrieden. Wie eine schnurrende Katze auf der Heizung oder ein sattes, dösendes Baby . Das deutsche Wort 'Glück' hingegen hört sich an wie ein Schluckauf, der von einem Rülpser eingeholt wurde." Generell gebe die finnische Sprache einige Hinweise, warum das Volk so glücklich sei. Veronika Wulf: "Was könnte schließlich passender und lautmalerischer die Mischung aus Kaffee und Alkohol beschreiben als das Wörtchen 'plörö'?" Auch die finnische Zimtschnecke verbreite gute Laune: "korvapuusti". 
 
Abschließend geht's dann um einen Begriff, den ich vor Jahren schon mal in der Dorstener Zeitung aufgespießt habe: "kalsarikänni". Einzig die Finnen haben diese Entspannungstechnik so gut auf einen Punkt gebracht: Die selig machende Prozedur, sich allein zuhause nur mit Unterwäsche bekleidet zu betrinken! Kalsarikänni soll während des ewig langen Lockdowns jetzt übrigens auch von immer mehr Deutschen praktiziert werden. Glückauf! 
 
Noch ein Schmunzelpost-Thema der letzten Woche fand sich auch in der Süddeutschen wieder. Der Gesundheitsfragebogen einer Klinikkette zu Corona-Folgebeschwerden hat nämlich die Italienerinnen empört. Die Fragen wurden leider alle von zwei renommierten US-Altersforschern übernommen - allerdings war auch deren Studie schon etwas älter. Um herauszufinden, ob die von Corvid 19 Genesenen wieder problemlos ihren Alltag meistern können, wurden ihre Talente bei der Telefonbenutzung und beim Einkaufen abgefragt. Und dann folgten drei weitere Kategorien, bei denen ausschließlich Frauen bewertet werden sollten: Kochen, Wäsche waschen, Putzen! Vergessen wurde dabei eine Kategorie, die italienische Frauen inzwischen sehr gut beherrschen: Protestieren! 
 
Bei Facebook, Instagramm und Twitter sucht man mich vergebens. Was ich nur selten bedaure. Am 19. März war so ein Tag. Da setzte um 18.29 Uhr Ministerpräsident Reiner Haseloff einen aussagekräftigen Tweet ab, der ihm binnen kürzester Zeit 14 000 Likes eintrug. Der Tweet bestand nur aus einem Buchstaben: "Ä". 
 
 Auch der allererste Tweet der Geschichte im März 2006 soll vergleichsweise kurz gewesen sein. Er stammte von Software-Entwickler Jack Dorsey und lautete: "Just setting up my twttr". Zu deutsch: "Ich richte nur mein twttr ein". Ä? Das erinnert mich an den Satz, der im 19. Jahrhundert als allererster per Telefon übermittelt wurde. "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat", sagte Johann Philipp Reis am 26. Oktober 1861 und begründete damit die bis heute emsig gepflegte Tradition völlig sinnfreier Telekommunikation.
  
Glückauf 
kdk 
 
PS. Einen aktuellen Beitrag aus dem Spiegel vom 27.3. will ich doch noch anfügen. Im "Hohlspiegel" ist ein Werbeplakat aus Erlenbach abgebildet. Mit dem Text: "Traumbäder zu Fährenpreisen." Wat sach' ich imma? Von die Rechtschraibrehform geht die ganze Ornithologie im Arsch! 

 

Schmunzelpost  -22 vom 27. 3. 21 

Heute schauen wir noch einmal auf das australische Drama. Zuerst kam das Hochwasser, dann die Spinnen und nun auch noch Heerscharen von Mäusen. Wie wird es weiter gehen? Sind das die sieben biblischen Plagen? Als nächstes also Heuschrecken? Na ja, die mochten Wasser bisher nicht so sehr. Seepferdchen? Vermutlich eher Schlangen. Davon gibt es in Australien jede Menge, auch sehr giftige Arten. Und ich habe noch einen weiteren heißen Tipp für die kommende Plage. Unbestätigten Gerüchten zufolge ist der Enkel von Alfred Hitchcock mit einem Filmteam unterwegs nach Down under, um dort eine Dokumentation zu drehen. Arbeitstitel: "Die Vögel II". 
 
Beeindruckende Bilder gab es jüngst bereits zu sehen in einer niedersächsischen Nachrichtensendung, dem Pendant zur Aktuellen Stunde des WDR. Ein LKW war voll in die Hofeinfahrt eines Wohnblocks gebrettert und steckte dort fest wie ein Korken in der Weinflasche. Der Fahrer hatte wohl die Höhe des Torbogens falsch eingeschätzt. Mit Blick auf den Schauplatz erklärte ein Feuerwehrmann dem TV-Reporter, er und seine Kollegen hätten die Lage voll im Griff. Im gleichen Moment lösten sich große Teile der Fassade und donnerten herab. Was sagte der Feuerwehrmann? Nix! Er sah in aller Ruh zu, wandte sich dem Reporter zu  - und grinste. 
 
Vielleicht hat er da schon geahnt, dass dieser Einsatz ungeahnte Früchte tragen würde. Feuerwehrleute waren nämlich im ganzen Wohnkomplex ausgeschwärmt, um zu prüfen, ob Teilbereiche einsturzgefährdet sein könnten. Dabei erschnupperten sie einen markanten Geruch. Und siehe da: In dieser Wohnung verbarg sich eine komplette Haschisch-Plantage! Merke: Selbst das einträglichste Geschäft kann plötzlich enden, wenn es von einem unaufmerksamen LKW-Fahrer durchkreuzt wird. War der Mann etwa bekifft. . .? 
 
Zum krönenden Abschluss nun ein paar Perlen aus dem reichhaltigen Fundus von Martin Velling. Martin habe ich Euch vor ein paar Tagen vorgestellt. Der Reiseführer mit Leib und Seele ist wie ich ein Freund von skurrilen Dingen und schrägen Pointen. Nun hat er mir Teile seiner umfassenden Sammlung "Schwarzer Humor & Co." zugesandt. Hier vier Kostproben: 
 
Zwei Freunde in der Kneipe: "Ich hab auch nur Pech! Ich wollte mich vor 'nen Zug werfen - Eisenbahnerstreik! Ich wollte mich aufhängen - Strick gerissen! Dann hab ich mir Gift ins Bier getan - und jetzt trinkst du das!" 
 
"Geht‘s dir gut?" - "Nein, aber wieder besser!" - "Das ist ja gut, dass es dir besser geht!" - "Nee, besser wär‘s, wenn‘s mir gut ginge!" 
 
"Den Wohnzimmerschrank hat mein Mann mit in die Ehe gebracht, ein grottenaltes, hässliches Monstrum!" - "Stimmt, aber wenigstens ist der Schrank ganz nett." 
 
Egal, welches Auto man am liebsten gefahren hat: Der letzte Wagen ist immer ein Kombi! 
  
Glückauf (und dass die Sache mit dem letzten Wagen noch viel Zeit hat) 
kdk 
 
PS. Aus aktuellem Anlass noch einmal zurück nach Australien. Gestern war der Presse zu entnehmen, dass man dort ein neues "Schätzchen" hat, auf gut australisch "Honey Bun". Als Gegenstück zu unserem leider schon verstorbenen Knuddel-Eisbären Knut steht ein kleiner goldfarbener Haarnasenwombat ganz hoch im Kurs. Also so eine Art schwarzes Eisbärenbaby. Denn während normale Haarnasenwombats ein dunkles Fell haben, zeichnet sich dieser durch seinen hellen Pelz aus. Teddy lässt grüßen! 
 
Haarnasenwombat? Bisher wusste ich nicht, dass es so ein Tier gibt. Doch da ergeben sich plötzlich unerwartet Möglichkeiten für Männer meiner Altersgruppe. Normalerweise sprießt es bei uns auf der Schädelplatte nur noch spärlich, dafür ranken jedoch immer mehr Härchen aus Nase und Ohren. Meine grandiose Idee: Wenn wir unsere Nasenhaare zu Zöpfen flechten und unseren ganzen Körper golden färben (natürlich nicht wie im James-Bond-Film "Goldfinger", da war die Beschichtung luftundurchlässig und deshalb tödlich), eröffnen sich für uns goldige Haarnasen-Opas endlich wieder Kuschel-Perspektiven! Und falls das in Deutschland nicht funktioniert, kann man ja immer noch nach Australien auswandern. (Nur ich nicht, wegen der Spinnen).
  
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -23 vom 26. 3. 21

 

Heute mache ich es mir leicht. Ich zitiere hauptsächlich aus zwei Büchern. Da ich Pate des Bücherschranks in der örtlichen Fußgängerzone bin und dort regelmäßig für Ordnung sorge, profitiere ich mitunter davon, dass Mitbürger Werke in den Schrank stellen, die im Handel längst nicht mehr erhältlich sind. So wohl auch "Sein ist das Weib, Denken der Mann", einst erschienen bei Kiepenheuer & Witsch und zusammengestellt von Renate Fryl. 
 
Martin Luther hat die Bibel ins Deutsche übersetzt und üble Praktiken der päpstlichen Kirche angeprangert. Er hat aber auch viel Unsinn verzapft. Über Bauern, Juden - und Frauen: "Es ist kein Rock noch Kleid, das einer Frauen besser anstehe, als wenn sie klug wil sein." Oder: "Weibern mangelt es an Stärke und Kräften des Leibes und am Verstande." 
 
Ein einsamer schriller Missklang in der deutschen Geistesgeschichte? Irrtum. Renate Fryl urteilt: "Über Jahrhunderte hinweg haben die hervorragendsten Dichter und Denker ihren Scharfsinn darauf verwandt, Luthers Meinung zu kultivieren." Da macht selbst ein Philosoph wie Immanuel Kant keine Ausnahme. Die Frau habe zwar einen "schönen Verstand", der Mann aber einen "tiefen Verstand". Schön, schön! Und tiefsinnig schlägt Arthur Schopenhauer in dieselbe Kerbe: "Das Weib ist seiner Natur nach zum Gehorchen bestimmt" und habe "die Schuld des Lebens nicht nur durch Tun, sondern durch Leiden abzutragen." 
 
Ganz klassisch kommt Friedrich Schiller daher: "Die Frau ist zwar ein wirklicher, aber ein wenig gehaltvoller Mensch."Und sein Kumpel Johann-Wolfgang unterstützt ihn mit gereimtem Ungereimten: "Was die Weiber lieben und hassen, das wollen wir ihnen gelten lasen; wenn sie aber urteilen und meinen, da will's oft wunderlich erscheinen."
 
Besonders übel fiel Professor Dr. Paul Julius Möbius auf (1855 - 1907). Der Mediziner und Nervenarzt hatte sich zunächst Meriten auf dem Felde der Psychiatrie verdient und wurde deshalb später von Sigmund Freud als einer der Väter der Psychotherapie gerühmt. Im Jahre 1900 befasste Möbius sich jedoch mit dem "physiologischen Schwachsinn des Weibes". Was in der Aussage gipfelte: "Ich finde nicht selten bei mittelgroßen Weibern einen Kopfumfang von 51 cm. So etwas kommt bei Männern nicht vor, die geistig normal sind, nur bei krankhaft Schwachsinnigen und Idioten." 
 
In seine Fußstapfen trat Max Finke (1844 - 1943), der heute hauptsächlich als Antifeminist bekannt ist. Für ihn war der geringere Schädelumfang von Frauen der Beweis dafür, dass sie das "missing link" sind: Das Bindeglied in der Evolution zwischen Menschenaffe und Mensch. Wobei Mensch, klar, gleichgesetzt wird mit Mann. 
 
Zur Ehrenrettung des männlichen Geschlechts soll aber auch angeführt werden, was Johann Gottfried Seume bereits im 18. Jahrhundert sagte: "Ob die Weiber soviel Vernunft haben als die Männer, mag ich nicht entscheiden. Aber sie haben ganz gewiss nicht soviel Unvernunft!" 
 
Von der Vergangenheit in die Neuzeit. Bei einer NABU-Weihnachtsfeier in einem vormaligen Lesecafe fiel mir ein Kinderbuch in die Hände, das mich staunen ließ: "Mein erstes Shopping-Buch - ein Buch zum Lesen, Vorlesen, Lernen und Einkaufen. Für alle kleinen Einkäufer ab drei Jahren." Ziel dieses epochalen Werkes: "Alle Erwachsenen shoppen, aber niemand erklärt unseren Kindern: Wie shoppe ich richtig? Was ist eine Marke? Wer macht die Werbung? Was ist Geld?" 
 
Berechtigte Fragen. Auch die Antwort zur Geldfrage klingt plausibel: "Es gibt zwei Sorten von Geld: Münzen und Scheine. Am besten ist es, viele Scheine zu haben - Scheine sind mehr wert als Münzen. Scheine sind auch leichter zu tragen, weil sie aus Papier sind." Dann aber wird es spannend: "Willst Du mehr shoppen, müssen deine Eltern dein Taschengeld erhöhen. Dafür brauchst Du gute Argumente: Shopping ist wichtig für deine Persönlichkeitsentwicklung. Deine Wünsche sind genauso wichtig wie die deiner Eltern. Wenn du nicht mehr Taschengeld bekommst, dann wärst du gezwungen zu stehlen. Mehr Taschengeld = mehr Kaufkraft = mehr Arbeit und gesicherte Arbeitsplätze auch für deine Eltern!" Und dann folgt der Zusatz: "Wenn deine Eltern dir nicht zuhören, dann spreche mit Oma und Opa oder anderen Verwandten." 
 
Zum Schluss noch ein paar "goldene Regeln": Trage nichts Gebrauchtes! Kaufe selbst! Lehne gebastelte Geschenke ab! Kaufe das, was deine Freunde sich nicht leisten können!" 
 
Wegen Aussagen wie der letzten war ich lange unschlüssig, ob es sich bei diesem Buch vielleicht um eine verkappte Satire handelt. Im Internet lässt sich dies jedoch nicht klären. Und die Aufmachung und die Einordnung des Buches im Kindersegment lassen Schlimmes befürchten. Welche Acht- bis Elfjährigen haben bereits eine Antenne für Ironie? Merke: "Es ist besser, viel Geld zu haben. Denn: Viel Geld, viel Einkaufen, viel Spass!" 
 
Glückauf allen mehr oder weniger gehaltvollen Leserinnen und Lesern
kdk 

Schmunzelpost -24 vom 25. 3. 21

Heute wird's mal wieder tierisch. Erinnert Ihr Euch noch an die achtbeinige Schmunzelpost der letzten Woche? Dann wisst Ihr, dass mich eine Arachnophobie plagt und Spinnen bei mir Panik auslösen können. Fast hätte ich daher meinen Frühstückskaffee verschüttet, als ich in der Zeitung von den Folgen einer Überschwemmungs-Katastrophe in Australien las. Abertausende von Spinnen, auch viele giftige, hätten auf Zäunen und Hecken Zuflucht gesucht und die Häuser der Australier förmlich umzingelt. Sofort lief in meinem Kopf ein Film ab, Breitwand und in Farbe. Als ich mich eine halbe Stunde später wieder aus meinem Versteck im Schrank heraus traute, beschäftigten mich mehrere wichtige Fragen. Wie weit ist es von Australien nach Dorsten? Können Spinnen auf einem Floß übers Meer und Rhein und Lippe hierher gelangen? Oder müssen auch Spinnen an der EU-Grenze erst Asyl beantragen? 
 
Gelassener, aber sehr verwundert nahm ich einen weiteren Zeitungsartikel über andere Krabbler zur Kenntnis. Danach soll es in Deutschland immer mehr Ameisensammler geben. Ameisen? Briefmarken, Münzen, Streichholzschachteln, ja, aber Ameisen? Es muss was dran sein. Zumindest gibt es im Internet ein Ameisenforum. Dort wird ein reger Austausch gepflegt. Ein Artikel über die Ameisen-Art Camponatus ligniperda verzeichnete allein 11 009 Zugriffe! Und die waren womöglich nur von den Camponatus ligniperda-Sammlern! 
 
Dabei gibt es noch viel, viel mehr Arten. Unsereins kennt ja gerade mal die Rote Waldameise. Von Dollcoderus quandtpunctatus habe ich vorher noch nie etwas gehört. Geschweige denn von Crementoparter rogerhofel oder Pogonamyrmex rugasus. Da lerne ich ja lieber die Liste isländischer Vulkane auswendig! 
 
Meine Erfahrungen mit Ameisen beschränken sich auf eine Invasion, die vom Bau unterhalb der Treppenstufe unter den Haus- und Wohnzimmertüren hindurch direkt in unsere Küche führte. Damals haben wir gelernt: Falls man nicht rigoros die ersten Kundschafter stoppt, wird es schwierig. Dann hat man schnell eine belebte Straße namenloser Krabbler in der Bude, die sehr schwer wieder loszuwerden sind. Als Tierfreunde haben wir es zunächst mit einem Pulver versucht, das Ameisen angeblich nicht riechen können, was sie zur Umkehr zwingen sollte. Von wegen! Ich habe beobachtet, wie die Biester sich die Nase zuhielten und den Weg freischaufelten. Letztlich mussten wir zu härteren Mitteln greifen, die uns wegen des Einsatzes verbotener chemischer Kampfstoffe und Völkermord einen Termin beim OIG eintrug. Also beim Obersten Insektengericht. Doch das Problem war gelöst. 
 
Seitdem gibt es unter unserem Dach lediglich eine Königin. Die erteilt einem einsamen Arbeiter so viele Weisungen, dass er sich wünscht, wie die anderen Ameisen das Vielfache seines Körpergewichts tragen zu können. Vielleicht werde ich beim Ameisenforum nachfragen, ob sie mir ein paar Blattschneideameisen leihen können. Dann ist wenigstens der Job mit dem Rasenmähen erledigt. Und ich überlege, eine Garde der Gigantiop destructor als Leibwächter anzuheuern. Allein von dem Namen wären potenzielle Angreifer derart beeindruckt, dass ich für den Rest meines Lebens keine Attacken zu fürchten hätte. 
 
Glückauf 
kdk    

Schmunzelpost -25 vom 24. 3. 21

 

Bevor ich starte, gibt es heute zuerst einen Werbeblock. Natürlich unbezahlt, aber dafür aus voller Überzeugung. Als Neuen im illustren Kreis der Schmunzelpost-Empfänger begrüße ich Martin Velling. Für alle, die ihn nicht kennen: Martin hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er organisiert und betreut kleine Reisegruppen sowohl in Deutschland und Europa wie gelegentlich sogar in Amerika ("Mit dem Fahrrad New York entdecken"). Wer gern wandert, radelt oder sich für besonders reizvolle Landschaften und Städte interessiert, ist bei ihm in besten Händen. Nebenbei: Martin kennt mehr Witze und Anekdoten als der unselige Fips Asmussen. Aber Martin kann sie besser erzählen! www.velling-reisen.de
 
Hinweis Nummer zwei gilt dem Internet-Auftritt www.schmunzelpost.de. Manche von Euch haben in den letzten Wochen bemerkt, dass die Online-Seite ohne Passwort noch nicht zugänglich war. Dank Raimund hat sich das jetzt geändert. Die Rohbauphase ist abgeschlossen, bei der Inneneinrichtung fehlt noch einiges, aber Eintreten ist nun ohne Schwelle möglich. Das Schönste: Die Besichtigung ist kostenfrei. Mehr noch: Jeder millionste Besucher bekommt gratis eine individuell gestaltete Schmunzelpost hinzu!   

Nun zum heutigen Thema. In der Schmunzelpost vom 21. März ging es u.a. um ein paar reife Leistungen von St. Bürokratius. Dabei fiel mir ein, dass ich vor zwölf Jahren recherchiert hatte, ob es sich nur um ein rein deutsches Phänomen handelt. Mitnichten! Der Amtsschimmel ist in Behörden rund um den Globus heimisch. Ich war in vielen Ländern fündig geworden.

Nun ist eines meiner Prinzipien: Wer Ordnung hält, ist zu faul zum Suchen. Einen PC besaß ich damals noch nicht. Doch es geht nichts über eine reichhaltige Zettelwirtschaft. Deshalb folgen gleich ein paar Beispiele. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass es sich um den Stand von 2009 handelt. In den USA sind in den letzten Jahren bestimmt einige Vorschriften noch verschärft oder ergänzt worden. Immerhin wird deutlich, wo ein Großteil der Verrückten steckte, die Donald Trump zum Präsidenten gewählt haben.

Zuerst ein paar Dinge, die Ihr wissen solltet, wenn Ihr in den USA Euer Haustier spazieren führt.
In New Orleans, Lousiana, ist es gesetzlich untersagt, seinen Alligator an einen Hydranten zu binden. Die Vorschriften von Little Rock, Arkansas, verbieten es Hunden, nach 18 Uhr zu bellen. Und Tauben ist es strengstens untersagt, in Alabama Kieselsteine von Flachdächer zu picken.

Freunde von Dickhäutern sind besonders arm dran: Wer in Los Angeles ein Flusspferd hält, macht sich strafbar (Tut mir Leid, Ferdi, Du kannst doch nicht mit nach LA). Und im Städtchen Schulter, Oklahoma, darf man nicht mal seinen Elefanten mit in die Innenstadt nehmen! Nicht, dass ich Euch einen Bären aufbinden will: Doch im legendären Woodstock kriegt jeder Ärger mit der Polizei, der seinen Bären auf der Straße spazieren führt, ohne ihn anzuleinen.

Finger weg! Wer in Texas die Hand an den Euter einer Kuh legt, wird bestraft. (Ich nenne das heute die "Muh-too-Verordnung"). Und Im texanischen Temple ist es erlaubt, Viehdiebe auf der Stelle zu hängen! Dafür darf dort aber jeder mit seinem Pferd in den Salon reiten - per Verordnung genehmigt! (Der Wilde Westen lebt.)

Nichts für echte Kerle ist jedoch das Land der Quäker. In Pennsylvania muss jeder Mann, der eine Flasche Bier oder einen Schnaps kaufen will, vorher seine Frau anrufen und um Erlaubnis bitten. Das wird manchem sauer aufstoßen. Er sollte nach New Hampshire reisen. Dort ist es sonntags verboten, Essiggurken zu essen. (Falls das keine Meldung aus der Saure-Gurken-Zeit war, möchte ich zu gerne wissen, was dahinter steckt.) Eine Schreckensnachricht für Journalisten: In New Mexico kann jede Zeitung, die den Namen einer Person falsch schreibt, mit einer Geldstrafe belegt werden. (Jetzt bricht  bei der Dorstener Zeitung das große Zittern aus). Doch nicht jede Regel ist schlecht. Musikalische Menschen mit empfindlichem Gehör werden jauchzen: In North Carolina ist es verboten, falsch zu singen! Hallelujah!

So, bevor diese Schmunzelpost überfrachtet wird, unterbreche ich an dieser Stelle und lasse den Amtsschimmel irgendwann erneut wiehern. Da mir vor kurzem bescheinigt wurde, dass ich ein Frauenversteher bin, abschließend nur noch ein rascher Blick nach Hongkong in eine Zeit, als Peking sich dort nicht in die Gesetzgebung einmischte. In Hongkong durften noch in diesem Jahrhundert betrogene Ehefrauen ihren untreuen Ehemann töten - solange dies mit bloßen Händen geschah! (Vermutlich ist deshalb in Hongkongs Mucki-Buden der Frauenanteil recht hoch). 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost -26 vom 23. 3. 21 

Kennt Ihr das? Der Wecker schrillt, man wacht auf - und ist sofort mies gelaunt! Sei es, man hat zuvor schlecht geträumt, sei es, dass mit dem Erwachen klar wurde, dass der erste der beiden turnusmäßigen rotweinfreien Tage bevorsteht. Zudem ist man spät dran und muss das Frühstück bis zur Rückkehr nach der Expedition zum Krötenzaun verschieben. Und als dann noch der getrocknete Schlamm, der sich am Vortag an meine Schuhsohlen geklammert hatte, abbröckelt und eine Fährte des Grauens quer durch die Wohnung legt, schimpfe ich ausdauernd vor mich hin. 
 
An der Baldurstraße kommt es fast zu einer folgenschweren Begegnung. Zum ersten Mal seit Urzeiten ist dort ein Autofahrer unterwegs, der missachtet, dass an dieser Kreuzung Fahrräder Vorfahrt haben. Was durch Schilder und Fahrbahnmarkierungen ausgiebig signalisiert wird. Ob dieser Typ am Steuer nun blind ist oder bloß die Hupe mit der Bremse verwechselt hat - er verpasst mich nur ganz knapp und drückt durch ein Hupkonzert und obszöne Gesten den Unmut über seinen Misserfolg aus. 
 
Ich hätte gern zurückgefuchtelt, verzichte darauf aber, um die Gewalt über mein Rad zu behalten. Und meinen originellen Zuruf: "Den Führerschein wohl in der Lotterie gewonnen, was?" hört der davon gebrauste Rüpel bestimmt nicht mehr. An dieser Stelle verfüge ich hiermit: Falls mich an besagter Kreuzung eines Tages das Schicksal ereilt, dann möchte ich, dass meine letzten, dem Rettungssanitäter zugeröchelten Worte auch in meinen Grabstein gemeißelt werden: "Aber ich hatte doch Vorfahrt!" 
 
Am Krötenzaun angekommen, wird meine Laune nicht besser. Wegen der kalten trockenen Nacht bleibt die Suche zunächst erfolglos. Stattdessen hat ein Witzbold jedoch einen Eimer mit Erde gefüllt, die nun mit bloßen Händen heraus zu schaufeln ist. Ein Stück weiter sind gut 10 m des Zaunes umgewalzt worden und müssen mühsam wieder aufgestellt werden. Und am Feldweg hat der Landwirt am Vortag seinen Rübenacker umgepflügt. In diesem Abschnitt werden sich in nächster Zeit höchstens Krötenzombies blicken lassen. 
 
Als ich endlich am 21. und letzten Eimer angekommen bin, freue ich mich schon auf mein Frühstück. Doch es kommt, wie es an so einem Tag kommen muss: Auf dem Grund des Eimers mustert mich misstrauisch eine offenbar übellaunige Kröte. Das bedeutet: Nochmal zurück zum Laichgewässer. Einen Moment lang überlege ich, welch einen Nährwert wohl Kröten haben. Aber weil ich sowohl Tierfreund wie Flexitarier bin, verzichte ich auf die Zwischenmahlzeit. 
 
Auf der Rückfahrt bremst ein verdutzter Autofahrer vorbildlich an der Keuzung Baldurstraße. Wahrscheinlich wundert er sich, warum ich ihn dennoch mit bösen Blicken bedenke. Endlich zuhause angekommen, wird eine weitere Schmutzfährte in die Küche gelegt. Und in der Brottrommel warten bloß ein paar Krümel auf mich. Mist! Jetzt weiß ich, was ich gestern vergessen habe! 
 
Sollte ich Euch an einem solchen Tag über den Weg laufen, dann denkt bitte daran: Der will gar nicht spielen, der beißt nur! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -27 vom 22. 3. 21

Frühlingserwachen 
 
Hör mal, wer da draußen singt!
Vogel's Lied an's Öhrchen dringt. 
 
Meisen zwitschern schon, 
wollen balde brüten. 
Horch! Von fern ein neuer Ton 
ist die Wucht in Tüten. 
 
Erst setzt forsch die Amsel ein, 
der Fink lässt sich nicht bitten. 
Horch, das muss die Drossel sein. 
Ham' wir schon den Dritten! 
 
Doch es bleibt nicht bei drei Sängern, 
vielstimmig wird der Vogel-Chor. 
Um die Liste zu verlängern, 
kommt's ganze Flügelvolk hervor. 
Tauben turteln, Krähen krächzen, 
Lerchen schmettern, Eulen ächzen. 
 
All dies hört der Mensch entzückt 
und er ruft, total beglückt: 
 
VERDAMMT NOCH MAL! ES IST FÜNF UHR FRÜH! 
GEBT GEFÄLLIGST RUHE UND BRÜLLT ANDERSWO 'RUM! 
 
Glückauf 
kdk 
 

 Schmunzelpost - 28 vom 21. 3. 21

Sonntag. Fundstücke-Tag. Schauen wir mal, was letzte Woche in der Presse zu finden war. 
 
In der Dorstener Zeitung gab es am 16. März einen  Brief an das Corona-Virus. Darin wurde mit zwei Hinweisen deutlich gemacht, wie vorbildlich deutsche Behörden sich um unser Wohlergehen bemühen. 
 
Fast legendär ist eine Verfügung aus Niedersachsen. Danach war es zwar erlaubt, sich ein Eis zu kaufen. Es durfte jedoch nicht vor der Eisdiele verzehrt werden. Ein Mindestabstand von 50 m war strikt einzuhalten! Doch wo ist der tiefere Sinn, wenn alle, die vorher Schlange gestanden haben, sich anschließend in 50 Meter Entfernung erneut versammeln, um ihr Eis zu verzehren? Immerhin: Die Niedersachsen haben ein Herz für Schleckermäuler. Schon vor dem Erreichen der 50-m-Grenze war es erlaubt, einmal (aber wirklich nur einmal!) zu lecken, um zu verhindern, sich mit schmelzendem Eis zu bekleckern. Danke, liebe Rechtsgelehrte, das war sehr großzügig von Euch. 
 
Ich hätte bloß gern gewusst, wie die Einhaltung dieser Vorschrift überprüft wurde, um bei Missachtung Ordnungsstrafen zu verhängen. Muss ich in Hannover damit rechnen, dass ein Aufpasser mir mit einem 50-m-Maßband zu Leibe rückt? "Ha, das sind nur 47,80 m! Das macht 50 Euro!" Und was, wenn ich sage: "Ich habe mein Eis nicht links im Salon Venedig, sondern rechts im Eiscafe Napoli gekauft. Und das ist exakt 53 m von meinem Standort entfernt!" 
 
Noch fürsorglicher ist jedoch die Anordnung des Berliner Bezirks Neukölln: "Es ist verboten, in der U-Bahn an Haltegriffen zu lecken." Tja, liebe Neuköllner, bei mir kommt ihr leider zu spät. Nachdem meine Zunge nach einer Frostnacht im Winter beim Lutschen an einem Haltestellen-Schild festgefroren war, habe ich dieses Hobby aufgegeben. 
 
Sehr sinnig fand ich außerdem das "Verweilverbot" aus Düsseldorf. Dort war es Tausenden von Sonnenanbetern in bestimmten Abschnitten des Rheinufers verboten, stehen zu bleiben oder sich zu setzen. Das Schlendern durch diese Bereiche blieb aber erlaubt. Wolltet ihr Düsseldorfer etwas für die Gesundheit eurer Bürger tun? Bewegung macht ja schlank und Altbierschlucker haben oft Übergewicht. Ansonsten habt ihr euren Ordnungskräften nur das Leben unnötig schwer gemacht. Denn der Nachweis, dass Mindestabstände nicht eingehalten werden, ist bei beweglichen Objekten erheblich schwieriger als bei unbeweglichen. Ihr solltet euer Personal schon mal an einem Ameisenhaufen üben lassen. Und zum Zweiten: Dass die Spaziergänger sich hinter beiden Enden der verbotenen Zone von der Anstrengung erholen mussten und sich dort große Sitzgruppen bildeten, war wohl auch kaum vorhersehbar. . .
 
Vom Amtsschimmel zu einem realen Tier. Ihr habt bestimmt vor einigen Wochen das Foto von "Baarack" gesehen, einem riesigen Wollknäuel aus Australien. Seine Fänger hatten wohl zuerst vermutet, dass es sich um ein Känguruh im verlotterten Wintermantel handeln könnte. Die Wahrheit kam ans Licht, nachdem 35 kg Schmuddelwolle entfernt worden waren. Darunter verbarg sich ein Schaf, das ganz allein einige Jahre Abenteuerurlaub im australischen Busch verbracht hatte. 
 
In der "Süddeutschen Zeitung" war nun von "Maggie" zu lesen. Mit diesem Namen verband ich bisher eine "eiserne Lady", die Großbritannien schon vor dem Brexit einiges angetan hat. Und natürlich die erste Solo-Single von Rod Stewart, der einst eine gewisse "Maggie May" besang. Diese Dame war aber nicht Premierministerin, sondern Prostituierte. 
 
Die dritte Maggie nun hat mit dem Rotlicht-Milieu überhaupt nichts zu tun. Ihr ahnt es bereits: Maggie ist das Gegenstück zum australischen Baarack. Nur offenbar viel gewitzter: Maggie versteckt sich im idyllischen Jonastal in Thüringen, lässt sich hin und wieder fotografieren, schlägt aber ansonsten ihren Verfolgern bisher stets ein Schnippchen. Zwischen uns beiden Schafsnasen gibt es zwei große Unterschiede. Maggie hat eine Face-Book-Seite mit mehr als 1000 begeisterten Fans. Dafür hatte ich aber bereits einen Friseurtermin und konnte mir mit großem Erfolg die Haare scheren lassen! 
 
Im jüngsten Zeitmagazin arbeitet sich Harald Martenstein, der unermüdliche Streiter gegen Auswüchse des Genderns, an der Tierschutzorganisation Peta ab. Die möchte jetzt Redewendungen, die angeblich die Gewalt an Tieren verherrlichen, durch andere Formulierungen ersetzen. So solle die brutale Ankündigung, "mit jemandem ein Hühnchen rupfen", der gewaltfreien Variante "mit jemandem Weinblätter rollen" weichen. Und statt den Stier bei den Hörnern zu packen soll es heißen: "Ich gehe das so furchtlos wie eine Kuhmutter an." 
 
Eigentlich geht das ja schon auf keine Kuhhaut, sprich: es war mehr als genug für heute. Doch dann habe ich soeben begonnen, die aktuelle Wochendausgabe der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Mein dringender Rat: Wer kann, sollte sich ganz schnell noch eine Ausgabe besorgen. Allein das wunderbare Streiflicht ist die Mühe wert. Und auf den Seiten 1 und 10 gibt es derart viel Schmunzelstoff, dass ich für den nächsten Sonntag schon jetzt ausreichend versorgt bin. Eine wahre Fundgrube für Fundstücke! 
 
Womöglich sind auch viele SZ-Schreiber mit dem kdk-Gen ausgestattet: Der Freude am Fabulieren, dem Spaß am Kuriosen und der Lust, den schrägen Blick auf die Dinge des Lebens in Worte zu fassen. War das jetzt Selbstbeweihräucherung? Wahrscheinlich hat kdk eher etwas vom SZ-Gen abgekriegt. 
 
Zum Schluss ein kleiner Appetithappen aus dem Streiflicht. In Taiwan hatte eine Sushi-Restaurantkette eine geniale Marketing-Idee. Sie versprach allen Kunden, die das Wort "Lachs" bzw. Gui Yu im Namen führen, ein kostenloses All-you-can-eat-Menü. Für Frau oder Herrn Lachs und weitere fünf Begleiter! 
 
Der Schuss ging nach hinten los. In Taiwan dürfen Menschen bis zu drei Mal ihren Namen wechseln. So war auf einmal in zahlreichen Ausweisen überwiegend junger Leute zu lesen, dass die Besitzer nun klangvolle Namen wie "Lachsprinz", "Frittierter Reis mit Lachs" oder "Explosiv gut aussehender Lachs" tragen. Die Werbeaktion wurde inzwischen eingestellt. Denn, so vermutet der Streiflicht-Autor: "Bei längerer Dauer hätte jeder Taiwaner einen Lachs im Namen geführt, so wie jeder Schotte ein Mac vor dem Familiennamen hat, weil er sich Gratis-Hamburger erhofft." 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -29 vom 20. 3. 21

Weil das Reisen in Corona-Zeiten immer noch riskant ist, lade ich heute zu einer ungefährlichen Dreiländerrundtour ein. Der Weg führt uns zunächst nach Japan, wo im Sommer die Olympischen Spiele ausgetragen werden sollen. Aber ohne ausländische Zuschauer, wie gerade beschlossen wurde. 
 
Vielleicht ist es vor allem für Frauen ganz gut, das Land der aufgehenden Sonne zu meiden. Denn wenn bisher besonders alte weiße Männer unter dem Verdacht standen, ein verqueres Frauenbild zu haben (Gevatter Brüderle und Donald Trump lassen grüßen), so rücken jetzt auch ältere Herren aus dem Fernen Osten in den Blickpunkt. 
 
Bereits zurückgetreten ist Yoshiro Mori, der Präsident des Organisationskomitees der Olympischen Spiele. Der  83-jährige hatte sich in den Augen der Öffentlichkeit als Sexist entlarvt, als er aus voller Überzeugung im Entscheidungsgremien ausschließlich Männer zulassen wollte. Seine Begründung: "Mit Frauen dauern Sitzungen immer so lange." 
 
Obwohl ihn dies hätte warnen können, tapste auch der Kreativchef des Komitees in die Falle. Hiroshi Sasaki versuchte seine tolle Idee umzusetzen, nach der bei der Eröffnungsfeier die in Japan sehr populäre Schauspielerin Naomi Watanabe aus der Luft ins Olympiastadion gleiten sollte. Als "Olympig"! In Schweinchenrosa! Man stelle sich vor, in Deutschland hätte dies jemand Helene Fischer angetragen. Schwein gehabt, dass wohl vorerst im Ruhrgebiet keine olympischen Spiele stattfinden werden. 
 
Vielleicht sollte man solche sportlichen Großereignisse nach Finnland vergeben. Denn, wie jetzt zu lesen war: Die Finnen sind das glücklichste Volk der Welt. Da bleibt offenbar wenig Raum für Frauenfeindlichkeit. Wobei mich die Frage beschäftigt, wieso gleich vier Nationen aus dem Norden in der Glücksparade weit oben stehen. Außer Finnland auch Schweden, Island und Norwegen. Und das trotz Kälte, einem ewig langen dunklen Winterhalbjahr und Myriaden von Mücken im Sommer. Vielleicht liegt es ja an den Frauen. Oder dem Alkohol. Oder der Sauna, die bekanntlich bei Finnen ganz hoch im Kurs steht. 
 
Zu heiß gebadet wurden dagegen offenbar zahlreiche Amtsträger der katholischen Kirche. Doch egal, was ihr Handeln begünstigt hat: Auch als ungläubiger Evangele ist man angesichts des Ausmaßes an Fehlverhalten und Vertuschung fassungslos. So endet die heutige Rundreise in Köln, wo der schonungslose Aufklärer Kardinal Wölki jetzt auf mehrere seiner Schützlinge verzichten muss. 
 
 Nun soll man eigentlich über Namen keine Witze machen. Wer wüsste das besser als ich, der schon bei der Taufe schreiend dagegen protestierte, dass er Klaus-Dieter heißen sollte. Wohl in der Vorahnung, dass wenige Jahre später nichtsnutzige Synchronsprecher in der TV-Serie "Rauchende Colts" den Maulesel von Festus Haggan "Klaus-Dieter" nannten. Trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen. Nomen est omen:  Unter den betroffenen Würdenträgern in Köln sind Herr Schwaderlapp und Herr Puff! 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -30 vom 19. 3. 21

Heute am 19. März schreibe ich den Schmunzelpost-Beitrag ausnahmsweise schon in der Mittagszeit. Den Grund erläutere ich am Schluss des Textes. Es hat damit zu tun, dass es heute etwas zu feiern gibt. Früher boten dafür ja nur Geburtstage, eventuell Namenstage und Weihnachten einen Anlass. Und natürlich die weiteren kirchlichen und weltlichen Feiertage. Inzwischen jedoch quillt der Kalender über vor Aktions-, Gedenk- und Feiertagen aller Art. 
 
Mit nur zwei Einträgen kommt der 19. März noch gut davon. Dafür begehen wir heute jedoch für Murmeltier-Verehrer wie mich eines der wichtigsten Feste des Jahres: Den Tag des Schlafes! Er soll darauf aufmerksam machen, wie bedeutend ausreichender Schlaf für unsere Gesundheit ist. Nicht von ungefähr träume ich seit meinem sechsten Lebensjahr von einer Welt ohne Wecker! Und damit Ihr alle heute besonders früh schlafen gehen könnt und morgen bis in die Puppen schlummern dürft, wird die Schmunzelpost diesmal ausnahmsweise besonders früh geliefert.
  
Außerdem ist heute auch noch Josefstag. Eher etwas für gläubige Christen und benachteiligte Männer. Denn eigentlich ist Josef ein Fall für die Gleichstellungsbeauftragte. Selbst wenn er nicht der leibliche Vater von Jesus war, so kommt er in der kirchlichen Wahrnehmung im Vergleich mit Maria doch viel zu kurz. 
 
Richten wir den Blick aufs kommende Wochenende. Da ist schwer was los, wir können ohne Pause die Sektkorken knallen lassen. Denn der 20. März ist der internationale Tag des Glücks. Und gleichzeitig der Weltgeschichten-Tag. Das passt doch gut: Da können wir den Kindern die Geschichte von "Hans im Glück" erzählen. Und wenn wir uns den Mund fusselig geredet haben, kommt uns ein weiterer Anlass sehr gelegen: Der 20. März ist auch der Welt-Mundgesundheits-Tag! 
 
Nun bitte anschnallen! Wir kommen zum Sonntag, 21. März. Das ist traditionell das Datum des Frühlingsanfang, so dass wir vom Glücksgefühl des Vortages noch eine gute Portion mitbringen sollten. Außerdem ist der 21.3. der Internationale Tag des Puppenspiels, der Welttag der Hauswirtschaft und der Welt-Downsyndrom-Tag. Damit nicht genug: Am Welttag gegen Rassismus soll zum Nachdenken angeregt und zu Aktionen aufgerufen werden. Das darf auch in gereimter Form geschehen. Denn der 21. März ist auch noch Welttag der Poesie. Merke: Am Sonntag ist das Reimen Pflicht, für den Samstag gilt das nicht. Und wem das alles noch nicht reicht: In der arabischen Welt ist am 21. März Muttertag. 
 
Salem aleikum 
kdk 
 
PS. Ich bin noch die Auflösung schuldig: Um den Tag des Schlafes würdig zu begehen, lege ich mich jetzt zu einer ausgiebigen Siesta nieder. 
 
PPS. Vorschau auf die nächste Woche: Da ist der 23. März der wichtigste Jubeltag - dann feiern sowohl Anke wie auch Manni Geburtstag! 

 

 Schmunzelpost -31 vom 18. 3. 21

Zunächst einmal die Entwarnung: Ich bin zwar immer noch so grün im Gesicht wie nach dem letzten Besuch einer Abordnung der Noro-Viren, ansonsten sind aber alle Verwandlungssymptome abgeklungen. Ich sehe fast wieder aus wie früher ("Leider!" seufzen Betrachter mit böswilligem Charakter). Nun folgt die Warnung: Von der Regierung total unterschätzt, droht uns allen eine tödliche Gefahr - und die hat acht Beine.
  
Heute fürchten wir Corona, morgen wird Phoneutria boliviensis Panik verbreiten. Die Pharmaforscher sollten sofort mit der Suche nach einem Impfstoff beginnen, sonst sind wir verloren! 
 
Nein, ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Und ich neige nicht zu Übertreibungen. Na ja, vielleicht ein wenig. Doch diese Bedrohung kann man gar nicht ernst genug nehmen. Ich muss vorausschicken, dass ich auf alle Arten von Spinnen sehr sensibel reagiere und deshalb auch höchst interessiert verfolge, was in den Medien über sie berichtet wird. Da entgeht mir nichts. 
 
 Schuld daran sind meine Schwestern. Die beiden waren 13 bzw. 14 Jahre alt, als ich zur Welt kam. Anfangs rissen sie sich darum, sich um das niedliche Baby kümmern zu dürfen. Das änderte sich, als ich vier Jahre alt wurde und beide begannen, mir ältere Männer vorzuziehen. Da war es plötzlich höchst lästig, auf den kleinen Klaus aufpassen zu müssen. "Wenn Du nicht artig bist, kommst Du in den Keller zu den Spinnen. Und die fressen Dich auf!", war ihre Lieblingsdrohung. Und die wirkte. Ich war auf der Stelle brav und mucksmäuschenstill. 
 
Denn als kleiner Junge war für mich unser Keller der Horrorort schlechthin. Es roch dort muffig und, wenn die Kartoffeln keimten, sogar faulig. Es war dort unten feuchtkalt und die einsame funzlige Glühbirne brachte kaum Licht ins Dunkel. Vor allem aber: Weil das Kellerfenster dauernd offen stand, wimmelte es von Spinnen. Weberknechten mit endlos langen dünnen Beinen, aber auch großen, schwarzbehaarten Monstern, denen eine empfindsame Kinderseele alles zutraute. So kommt es, dass ich auch heute noch aus dem Stand 2 m in die Luft springe, wenn sich eine Spinne auf meine Schulter abseilt. 
 
Doch alles hat auch seine positiven Seiten. Wie gesagt lese ich alles,  was die Wissenschaft über Spinnen herausfindet. Und ich zähle 1 + 1 solange zusammen, bis ich auf 8 komme. Und das ist auch in anderem Zusammenhang eine böse Zahl. 
 
Natürlich weiß ich, dass die Mehrzahl der Achtbeiner harmlos und sogar überaus nützlich ist. Denn Spinnen vertilgen Mücken und andere ungebetenen Gäste, die in unseren Wohnungen nicht gern gesehen sind. Leider gibt es jedoch auch Arten, die nicht nur gefährlich aussehen, sondern die tatsächlich höchst gefährlich sind.
  
Dazu zählt Phoneutria boliviensis, in Deutschland "Bananenspinne" genannt. Phoneutria bedeutet auf griechisch "Mörderin". Das sagt doch schon alles! In Brasilien wurde diese Spinne Armadeira getauft, die "Bewaffnete". Denn sie besitzt ein Gift, das um das Dreizehnfache tödlicher ist, als das der Schwarzen Witwe, der die Bananenspinne in Fachkreisen längst den Rang als gefährlichste Spinne der Welt abgelaufen hat. 
 
Die neun Phonetria-Arten sind in Südamerika bis hin nach Mittelamerika zuhause. Anders als die meisten Artgenossen spinnen sie keine Netze, sondern gehen nachts auf die Jagd. Manche springen sogar ihre Opfer an. Und das sind nicht nur Schaben und andere Insekten, sondern sogar Mäuse oder Amphibien. Dabei ist die Phonetria maximal 4 cm groß, hat mit ihren überproportional langen Beinen jedoch eine Spannweite von bis zu 13 cm. Vor allem: Sie fürchtet sich nicht, ist besonders aggressiv und nimmt es mit jedem Gegner auf. Fühlt sie sich gestört, richtet sie sich auf und hebt die Vorderbeine wie ein Pistoleiro. Und dann heißt es: Attacke! (Ach, hätte der Schalker Sturm nur etwas von ihrem Biss - ohne Gift, versteht sich). 
 
In Brasilien werden jedes Jahr ca. 4000 Menschen gebissen. Dass im Laufe der Jahre bisher "nur" zehn Todesopfer zu beklagen waren, lag daran, dass die Mediziner ein Gegengift entwickelt haben. Dennoch bleibt eine Phonetria-Wunde höchst unangenehm. Der Biss tut lange Zeit sehr weh und kann, Männer, hergehört, eine schmerzhafte Erektion auslösen, die mehrere Stunden anhält. Bevor Lustgreise jetzt sagen "Was soll ich mit Viagra, ich steh' auf Bio: Her mit dem Spinnengift!", seien sie gewarnt. Wird die Erektion nicht sofort mit Gegenmitteln zu Fall gebracht, droht lebenslange Impotenz! 
 
Das ist natürlich nicht der Grund, warum Phonetria mir Angst einjagt. Ich habe andere Bedenken. Erstens ist die Killer-Spinne ausgesprochen fortpflanzungsfreudig - ein Weibchen kann mit einer Eiablage bis zu 2500 Jungtiere in die Welt setzen - und breitet sich in Amerika in immer neue Gebiete aus. Zweitens sind wir auch in Europa nicht vor ihr sicher. Immer häufiger gelangt sie in Bananentransporten über den großen Teich und landet in unseren Supermärkten. Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Phonetria ("Scheißladen! Die haben nicht mal Schaben-Ragout! Ich such mir draußen was Frisches") entwischt und sich in die lange Liste der invasiven Arten einreiht. Und drittens wissen wir nicht erst seit Corona, dass sich üble Mutanten entwickeln können, wenn eine Spezies sich an die Gegebenheiten anpasst. 
 
Kurzum: Ich betrete die Obstabteilung von Supermärkten nur noch im Schutzanzug. Oder ich schicke meine Frau vor. Die greift sich daheim Spinnen mit der Hand und setzt sie vor der Tür, während ich bibbernd in Deckung gehe. Äußerst vorsichtig bin ich auch geworden, wenn ich zum Frühstück eine Banane verzehre. Weiß ich denn, ob sich eine besonders clevere Spinne als Jungtier nicht unter die Schale gebohrt hat und jetzt auf Beute lauert? Deshalb zum Schluss ein kleiner Tipp: Wenn man eine Banane vorher gründlich mit dem Hammer breit klopft und dann erst die Schale entfernt, schmeckt auch der Bananenmus ganz vorzüglich! 
 
Guten Appetit! 
kdk 

Schmunzelpost -32 vom 17. 3. 21

Eine Bewohnerin der Goethestraße  fühlte sich nach der gestrigen Schmunzelpost verpflichtet, meinem Aufruf zu folgen und nach dem Vorbild des Dichterfürsten Verse zu schmieden:
  
Täglich ein Stück Heiterkeit 
mindert Ärger, Frust und Leid. 
Danke, Klaus, für deine Post, 
die uns keinen Pfennig kost. 
Und dein Einsatz für die Kröte, 
würdigt sicher auch Herr Goethe. 
 
Danke, Anke. Und nun zum tragischen Anlass der heutigen Schmunzelpost: 
 
Nach dem Urteil einer fachkundigen Jury hat Franz Kafka den zweitschönsten ersten Satz der deutschen Literaturgeschichte geschrieben: "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt." 
 
 Nur ein surrealer Roman? Reine Fiktion? Von wegen: Als Klaus Krause an diesem Morgen aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett am Anfang eines ungeheueren Verwandlungsprozesses. Sofort bereute er, was er sich gestern sehnlichst gewünscht hatte, als bei der Fahrradfahrt zum Krötenzaun ein heftiger Schauer auf ihn niederprasselte: "Ach, wäre ich doch eine Amphibie! Dann machte mir der Regen nichts aus." 
 
 Offenbar gibt es dort oben in den Weiten des Weltalls doch ein einflussreiches Wesen, das ein offenes Ohr für die Anliegen der Erdbewohner hat. Vielleicht will es ihnen aber nur beweisen, wie wenig durchdacht manche Wünsche sind. Jedenfalls hatte ich beim Erwachen das Gefühl, mein ganzer Körper sei plötzlich mit Warzen übersät. Ein Blick in den Spiegel bestätigte das. Mehr noch: Ich konnte mit der Zunge meine Stirn berühren. Das war mir vorher noch nie gelungen! 
 
Beim Frühstück überkam mich Heißhunger auf Raupen und Maden. Und ein unstillbarer Drang wuchs von Minute zu Minute. Ich fühlte ein starkes Verlangen, mich kopfüber in den Tümpel an der Gälkenheide zu stürzen. "Was quakst Du da 'rum?", wurde ich gefragt, als ich meine Sorgen und Nöte artikulieren wollte. Das stimmte. Ich hatte selbst den Eindruck, dass meine Phonetik ganz anders klang als gewohnt. 
 
Schnell eilte ich zum PC, um schriftlich Hilfe zu erbitten. Vielleicht ist es noch nicht zu spät und der Umwandlungsprozess kann gestoppt werden. Doch das Schreiben fällt mir sehr schwer. Das liegt an den Schwimmhäuten, die sich zwischen meinen Fingern bilden. Daher wird die heutige Schmunzelpost wohl kürzer w  e r den als ÜBL I C 
 
Quak!!! 
 

 Schmunzelpost -33 vom 16. 3. 21

Die Baumguerillas sind los! Das entnahm ich heute dem Lokalteil der Dorstener Zeitung. Baumguerillas? Sind das Umweltaktivisten, die sich in Südamerika an Urwaldriesen ketten, um die Rodung des Regenwaldes zu verhindern? Oder sitzen sie in ihren Baumhäusern im Hambacher Forst und bewerfen jeden, der sie vertreiben will, mit Braunkohle? Nichts von alledem: Das sind friedliche Bürger, die dort, wo die Stadt ganze Baumreihen gefällt hat, aber nicht, wie schon seit zehn Jahren versprochen, für Ersatz sorgt, auf eigene Kosten Bäume gepflanzt haben. 
 
Sehr lobenswert! Allerdings sind ihre Bäumchen erst zwei, bzw. fünf Meter groß. Deshalb wäre es schön, wenn sich Miraculix der Dorstener Initiative anschließen würde. Sie erinnern sich? Der Druide aus den Asterix-Bänden verfügt über Zaubereicheln. Kurzerhand in ein Loch geworfen und - plopp - steht dort ein voll ausgewachsener gesunder Baum. 
 
Ach, was wäre es schön, wenn die Schalker Elf über diese Geheimwaffe verfügen würde. Lewandowski steht völlig frei vor der Kiste, doch dann wirft ihm Torwart Fährmann eine Eichel vor die Füße. Zack! Und schon verhindert ein Mammutbaum, dass der Torrekord von Gerd Müller gebrochen wird. Auch eine ausgewachsene Wallhecke auf der Torlinie könnte in den letzten zehn Spielen der Saison nicht schaden. Doch das sind leider nur Träume. Folgen wir in der Realität lieber dem Beispiel unserer Guerillas, selbst wenn die Pflanzungen ein paar Jährchen brauchen, bis sie ihre positive Wirkung für Stadt und Umwelt voll entfalten können. 
 
Ein weiterer Aspekt des Zeitungsartikel ist jedoch ebenfalls bedenkenswert. Gerade die Alleestraße, so hieß es, sei doch ein Ort, wo Bäume hingehören. Spinnen wir den Pfaden mal weiter. In der Goethestraße sollte es fester Brauch werden, dass die Bewohner ihre Gäste mit einem kleinen Gedicht begrüßen. Etwa so: "Wer radelt so spät, mit Briefgut und Säckchen? Das ist der Postbote, er bringt mir mein Päckchen!" 
 
In der Sperlingstraße müssten die Hausgemeinschaften in jedem Frühjahr etwas ausbrüten. Allerdings sind sie nicht verpflichtet, ihren Nachwuchs nur mit Käfern und Würmern zu füttern. Scharen von Vogelfreunden wird die Bussardstraße anlocken. Sie wollen die Anwohner in deren Gärten beim Nestbau beobachten. Und dass in der Händelstraße ein Spinett in jedes Haus gehört, versteht sich von selbst. Im Philosophenweg siedeln wir alle ratlosen Mitbürger an, die wissen, dass sie nichts wissen. Der Grüne Weg wird farbgetreu lackiert. Und im Cheruskerweg haben alle, die Hermann heißen, lebenslang freies Wohnrecht. 
 
Mich persönlich zieht es ja in den Burgunderweg. Am besten in die kleine Seitenstraße mit "Spät" als Vornamen. Nur eins ist klar: Völlig vom Tisch ist jetzt, obwohl idyllisch in waldreicher Umgebung gelegen, ein Umzug nach Dinslaken zur Adresse "Schwarzer Drecksweg". 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -34 vom 15. 3. 21

Vorbemerkung: Heute erfuhr ich etwas, was für mich Smartphone-Neandertaler völlig unbekannt war. Aus gutem Grund gibt es Menschen, die ihre Geräte nicht stumm schalten und nachts von eingehenden Mails geweckt werden können, weil sie stets für Verwandte erreichbar sein wollen. Ich sende meine am Vortag verfasste Schmunzelpost daher künftig erst am folgenden Morgen. Auf der Internetseite tauchen die Beiträge wie bisher bereits vor Mitternacht auf. Und nun zum aktuellen Eintrag: 
  
Seit heute Morgen bin ich Spediteur. Ich bin nämlich ins Krötentransportwesen eingestiegen. Eigentlich wäre das schon vor Wochen fällig gewesen. Aber glücklicherweise hatte ein NABU-Kollege, der näher am Krötenzaun wohnt, bisher einen Dienstplan, der es ihm ermöglichte, die Aufgabe zu übernehmen. Jetzt wurde sein Schichtplan umgestellt und ich bin, zumindest werktags, an der Reihe. 
 
Im Prinzip ist das kein großer Aufwand. Mit dem Rad geht's zur Gälkenheide, dort werden ca. 18 Eimer kontrolliert und die Lurche, die über Nacht hinein geplumpst sind, zum Laichgewässer gebracht. Heute waren es vier Kröten und ein Frosch. Was für mich die Sache erschwert, sind zwei Faktoren. Ich bin überzeugter Langschläfer. Jetzt klingelt in aller Herrgottsfrühe der Wecker. Und zwar um - sensible Gemüter sollten besser nicht auf die furchtbare Zahl schauen - 8 Uhr! Dazu kommt in diesem Jahr: Mich zwickt der Rücken, ich kann mich kaum bücken. 
 
Deshalb habe ich mir etwas einfallen lassen. Ich lege vor dem Eimer erst ein Kunststoffpolster auf die Erde und knie dann nieder, um nach Kröten zu suchen. Die verstecken sich gern unter dem Laub auf dem Eimerboden. Was dazu führt, dass die Suche gründlich sein muss und etwas dauern kann. 
 
Mag sein, dass ich dabei einen seltsamen Anblick biete. Deshalb sei hier ein für allemal klar gestellt: Ich bin kein Krötenanbeter! Zwar freue ich mich, wenn sich mal ein paar Kröten auf meinem Konto sammeln, aber deshalb gründe ich noch lange keine Sekte. 
 
Als mein morgendlicher Einsatz beendet war, ahnte ich nicht, dass noch ein zweiter Tiertransport auf mich warten sollte. Unser Kater leidet unter einer hartnäckigen Mandelentzündung. Und da der verfressene Geselle am Morgen sogar sein sonst heißgeliebtes Frühstück verschmähte, musste er zum Tierarzt. Nun war das vor zwei Wochen schon einmal erforderlich. Deshalb ging der durch Erfahrung gewitzte Patient auf Tauchstation, als er den Transportkorb sah. Und so wurde ein erfahrener Tierspediteur gebraucht, um den Kater einzufangen und ausbruchssicher zu verstauen. Nach diesem Kraftakt wäre neben dem Tierarztbesuch fast auch noch ein Arzttermin fällig gewesen. Zum Glück sind wir Spediteure hart im Nehmen. 
 
"Das waren jetzt lediglich zwei Tierarten", dachte ich hinterher. "Wie hat es Noah damals bloß fertig gekriegt, gleich zwei Exemplare aller Spezies auf seinem Hausboot unterzubringen?" Zumal ich seit der Lektüre des Schneckenartikels (siehe gestrige Schmunzelpost) weiß, dass es allein von den schleimigen Schleichern mehr als 100 000 Arten gibt! Danach ist das Kreuzfahrtschiff Aida im Vergleich zur Arche wohl bloß eine Nussschale. Respekt, Käpt'n Noah!
  
Damit bestätigt sich die Erfahrung, dass der Mensch durch das Studium der Bibel Trost finden kann. Ich werde mich jedenfalls morgen früh fröhlich auf den Weg machen. Mit der Gewissheit, dass bei meinem Rettungseinsatz außer Kröten allenfalls noch Frösche und Molche auf mich warten, aber keine Krokodile, tasmanische Teufel und Malariamücken. Geschweige denn ein kampferprobter Kater! 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost -35 vom 14. 3. 21 

Der Sonntag ist mein Lesetag. Und damit auch der Wochentag, an dem ich mir das Verfassen der Schmunzelpost leicht mache, in dem ich mich auf Fremdtexte konzentriereund Euch Fundstücke präsentiere.
 
Beliebte Quelle ist dabei der "Hohlspiegel". Auf der letzten Seite versammelt das Nachrichtenmagazin Woche für Woche in einer Spalte Anzeigentexte oder Schlagzeilen, die durch Tipp- oder Denkfehler, sehr zum Ergötzen des Lesers, einen ganz anderen Sinn als geplant ergeben. So schrieb die Backnanger Kreiszeitung: "Seit 2019 sitzt Julia Papadopoulos für die Tierschutzpartei im Waiblinger Gemeinderat. Sie warf als letzte Bewerberin (...) ihren Ring in den Hut." Vielleicht sollte ich mal in Schwaben meine Kopfbedeckung mit der Bitte um Schmuckspenden an Rathäusern auslegen. Doch ob das mit Mützen auch funktioniert?
 
Auch in Dorsten wird Sprache verballhornt. "Ich murkse Dich ab!" soll ein Altendorfer seiner Nachbarin gedroht haben. So ein Murks! Weil er wohl sagen wollte, "ich bringe Dich um!", muss er sich jetzt auch noch in einem zweiten Prozess vor Gericht verantworten. Wo kommen wir nur hin, wenn sich jetzt schon Straftäter nicht mehr eindeutig ausdrücken?
 
Im "Sprachlabor" der Süddeutschen Zeitung, wo sich Hermann Unterstöger jeden Samstag ebenso witzig wie geistreich mit umstrittenem Sprachgebrauch auf den Seiten Blattes befasst, war letzte Woche zu lesen, dass ein Leser vermutete, die SZ-Vokabel "lahmhintrig" stamme womöglich aus dem Mittelalter. Nichts da, klärte Unterstöger auf: "Die zarte Seele eines Kollegen wollte wohl nicht 'lahmarschig' schreiben."
 
Wesentlich dezenter formulierte laut der Süddeutschen vom 12.3. der argentinische Parlamentspräsident seine Kritik. "Ihr Verhalten hat mit dem üblichen Ablauf der Beratungen nichts zu tun", rügte er einen Abgeordneten. Der hatte während der Videokonferenz die Brust einer Frau geküsst.
 
Da die AfD auch diese Woche wieder unrühmlich von sich reden machte, kann ich es mir nicht verkneifen, ein kurzes Gedicht von Fritz Eckenga (Buchbesprechung in Kürze auf der Homepage des Cornelia-Funke-Baumhauses) zu zitieren:
 
Grenzfrage der Kunst

Sollte man nicht
dem Daseinsverdüsternden,
dem Unausstehlichen,
dem Hässlichen,
zusammengefasst:
dem Kotzreizerzeugenden,
also zum Beispiel Björn Höcke,
mit den Mitteln der schönen Kunst,
sprachlich gewandt,
elegant, nonchalant,
sozusagen mit leichter Hand
volles Pfund was in die Fresse hauen?

Also zum Beispiel: ein Gedicht?
O nö.
Das merkt er ja nicht.

Glückauf
kdk

PS. Ich hoffe, ich habe es nicht vermurkst - sonst bringt Ihr mich noch um! 

PPS. Ein weiteres Fundstück als Zugabe. Wolfgang Schäfer sandte mir den Link zu einem lesenswerten Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung. Falls er sich nur im Schneckentempo hochlädt, gibt es dafür Gründe. https://nzzas.nzz.ch/magazin/schnecken-im-garten-wie-sie-die-tiere-schaetzen-lernen-ld.1605110?mktcid=smsh&mktcval=E-mail
https://nzzas.nzz.ch
 

 Schmunzelpost -36 vom 13. 3. 21

Schauen wir mal, was der Schmunzelpost-Nachrichtenticker in den letzten 48 Stunden ausgespuckt hat: 
 
12.3., 12 h: Nach Zeitungsberichten soll Ralf Rangnick kurz davor sein, einen fünf-Jahresvertrag als Sportdirektor von Schalke 04 zu unterzeichnen, um den Verein wieder in die Spur und langfristig an die Bundesligaspitze zu bringen. Spontane Freudenkundgebungen in Gelsenkirchen! Begeistertes Hupkonzertsolo in einer Dorstener Tiefgarage! 
 
12.3., 15 h: Der Dorstener Schmunzelpost-Verlag hat Klaus-D. Krause als neuen Geschäftsführer engagiert. Krause, der über Erfahrungen beim Hörfunk und im Zeitungswesen verfügt, soll die Schmunzelpost binnen fünf Jahren als führende Schmunzelquelle weit über Dorstens Grenzen hinaus etablieren - also auch in Schermbeck und Raesfeld-Erle. 
 
12.3., 16 h: Schmunzelpost-Redakteur kdk führte ein erstes Interview mit seinem neuen Verlagschef. Auszüge daraus: 
kdk: "Die Schmunzelpost galt bisher als Ein-Mann-Unternehmen. Sind deshalb Ihre Expansions-Ziele nicht völlig vermessen?" 
Krause: "Was heißt hier 'Ein-Mann-Unternehmen'? Da haben wir Sie als Ideengeber, Autor und Schreiber der meisten Beiträge. Dann ist da, verborgen im Hintergrund, unser Klaus-Dieter, der als Lektor die Texte gegenliest und dann für ihre Verbreitung sorgt. Und dann ist da noch Kläuschen, der im Kinderzimmer seit 67 Jahren das Schreiben übt und eines Tages ganz groß rauskommen wird. Jetzt bin auch noch ich an der Spitze, um mit wohlüberlegtem Marketing das Projekt ganz nach vorne zu bringen. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich mein Personal bereits von Kindesbeinen an beobachtet und behutsam gefördert habe." 
kdk: "Mit Verlaub, das klingt für mich regelrecht schizophren. Und wie ein Versuch, im Land der Kartoffelköppe Kartoffelsuppe als neues Produkt zu verkaufen." 
Krause: "Wenn Sie weiter unsinnige Behauptungen aufstellen statt gescheite Fragen zu stellen, mache ich eine Stampfkartoffel aus Ihnen! Und jetzt gehen Sie an die Arbeit. Die nächste Schmunzelpost muss pünktlich vor Mitternacht erscheinen." 
 
12.3., 18 h: Der Sender Sky hat seinen Sportkommentator Jörg Dahlmann gefeuert. Dahlmann hatte bei der TV-Übertragung eines Zweitligaspiels gesagt, ein japanischer Fußballer käme aus dem "Land der Sushis". Daraufhin wurde Dahlmann vorgeworfen, die Äußerung sei rassistisch gewesen. 
 
13.3., 8 h: Der Schmunzelpost-Verlagschef Klaus-D. Krause hat seinen Redakteur kdk gefeuert. Dieser habe mit seiner Äußerung über das "Land der Kartoffelköppe" die Deutschen rassistisch verunglimpft. 
 
13.3., 10 h: Im Schalker Aufsichtsrat stemmt sich eine Mehrheit gegen die Verpflichtung von Ralf Rangnick. Als Trainer war Rangnick auf Schalke bereits einmal vorzeitig wegen der verletzten Eitelkeit des damaligen Managers entlassen worden. Nun droht seine Einstellung bereits im Vorfeld zu scheitern. 
 
13.3., 11 h: Nach der Absage von Jürgen Klopp ist jetzt als Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw beim DFB auch Lothar Matthäus im Gespräch. (Ernsthaft? Dann sollte man auch über Peter Neururer nachdenken.) 
 
13.3. 12 h: Wie das Robert-Koch-Institut bekannt gibt, breitet sich rasend schnell eine neue Corona-Mutation in Deutschland aus. Die Variante Covid-51, im Volksmund "Plem-plem-Virus" genannt, verursacht bei Betroffenen unmittelbar nach der Infektion den Drang zu völlig unsinnigen, hirnrissigen Entscheidungen. Die Folgeschäden sind noch nicht absehbar. 
 
Glückauf 
Kläuschen  
 

Schmunzelpost -37 vom 12. 3. 21 

Guten Morgen!
 
Wir Zeitungsleser sind daran gewöhnt, dass sich in letzter Zeit in unserem vertrauten Blatt häufig etwas ändert. Leider meist nicht zum Besseren. Nun hat es in der Dorstener Zeitung und wohl auch in allen anderen Ausgaben der Ruhr Nachrichten eine gute, alte Rubrik erwischt, die jahrzehntelang an prominenter Stelle auf der ersten Lokalseite zu finden war. Das Gumo, mit bürgerlichem Namen "Guten Morgen", ist tot!
 
Ich bedaure das auch deshalb sehr, weil die Rubrik gewissermaßen die Keimzelle der Schmunzelpost gewesen ist. Mein erstes Gumo schrieb ich Mitte der Achtziger Jahre, damals noch in Haltern. In Dorsten gehörte ich dann mit meiner Kollegin Anke Klapsing zu den emsigsten Lieferanten. Das führte schließlich dazu, dass 2012 eine Sammlung mit 120 unserer Schmunzel-Geschichten unter dem Titel "Guten Morgen, Dorsten" in gebundener Form erschien. Leider verhinderte die Verlagsentscheidung, das Buch nicht mit einer ISBN-Nummer zu versehen und nicht über die Buchhandlungen zu vertreiben, die Eroberung der Spiegel-Bestseller-Liste.
 
Ende 2014 verabschiedete ich mich von der Redaktion. Und als dann auch noch 2019 Anke die Stelle wechselte, schaffte es leider nicht mehr jedes Gumo, den Einstieg in den Tag mit einem Lächeln zu versüßen. Immerhin war die Trefferquote noch so hoch, dass im Lokalteil zuerst die Schmunzelrubrik gelesen wurde. Ob das auch für die neuen Meinungsspalten gilt, wird sich zeigen. Meine Meinung zur "Meinung": Man kann das Eine tun, ohne das Andere zu lassen.
 
Zum Gedenken an das Gumo folgt nun ein Guten Morgen, das bereits 18 Jahre auf dem Buckel hat. Aber auch im Fernsehen häufen sich die Wiederholungen. Und guter Wein wird bekanntlich mit den Jahren immer besser.
 
Der Partylöwe 
 
Der größte Partymuffel zwischen Lippe und Wolga war zu einem Fest eingeladen. Weil ein guter alter Freund seinen 50. Geburtstag feierte, konnte selbst jemand, der sonst feuchtfröhliche Veranstaltungen mit mehr als zehn Teilnehmern als Terror-Attacken des Brachial-Frohsinns empfindet, diesmal nicht kneifen. 
Es kam, wie es kommen musste. Als das Tanzparkett freigegeben wurde, wuchsen plötzlich Saugnäpfe aus den Schuhen und hielten den Partygast eisern an seinem Platz fest. Sie lösten sich nur vorübergehend. Dann nämlich, wenn es galt, bei der Damenwahl hektisch die Herrentoilette anzusteuern. Als der Alleinunterhalter Mitmachspiele ankündigte, half nur noch eine Barrikade aus Stühlen. Dann aber war der Abend endgültig gelaufen: Als auch noch die pfundigen Damen einer Bauchtanzgruppe ausschwärmten, um sich im Saal männliche Partner zu suchen, wickelte sich unser Partylöwe in eine Tischdecke und konnte erst spät nach Mitternacht mit Rettungsscheren befreit werden. 
Warum können wir Erz-Westfalen nicht das Feiern den Rheinländern überlassen und uns auf so ausgelassene Veranstaltungen wie Fachtagungen des Bestatter-Verbandes beschränken? (kdk) 
 
Lang lebe das Gumo! 
 

 Schmunzelpost -38 vom 11. 3. 21

Vorab ein Hinweis. Ihr findet jetzt dank Raimund meine Glossen und Beiträge dauerhaft unter www.schmunzelpost.de im Internet. Die Seite ist zwar noch im Rohbau-Stadium, wird aber regelmäßig mit Inhalten bestückt. Ihr kennt die Texte zwar schon, aber wenn auch andere Leute etwas zu schmunzeln haben sollen, könnt Ihr sie ja auf das neue Angebot hinweisen. Und weiterhin gilt: Alle Beiträge dürfen gerne mit Quellenangabe zu nichtkommerziellen Zwecken verbreitet werden. Nur wenn jemand Kohle damit machen will, muss er vorher mit dem Autor ein saftiges Honorar aushandeln. Nun aber zur heutigen Folge: 
 
Neben dem Cornelia-Funke-Baumhaus-Verein und dem Dorstener NABU verdient auch der örtliche Hospizverein Unterstützung. (Ja, Regina und Raimund, auch der Heimatverein Rhade ist wichtig, und ja, Lambert, die Rumänienhilfe sowieso, und, Danke für den Hinweis, Gregor, unser Tierschutzverein, ja, ja, Ulla, selbst der Katzenschutzverein Dortmund - aber JETZT IST RUHE!) 
 
Hospizverein? Sterbebegleitung? Als Thema der Schmunzelpost? Unbedingt! Schließlich möchte ich gern eines Tages mit einem Lächeln abtreten. Und dieser Tag kommt unausweichlich. Das ganze Leben ist ein Abenteuer, das meistens tödlich endet, hat ein kluger Mensch mal gesagt. Und auf den Einwand "meistens?" habe ich dann entgegnet: "Es soll vor ca. 2000 Jahren eine Ausnahme gegeben haben. Doch da waren enge verwandtschaftliche Verhältnisse im Spiel." 
 
Wie komme ich auf unsere Vergänglichkeit? Seit einiger Zeit bemerke ich bei mir Anzeichen des geistigen Verfalls. Fortschreitende Vergesslichkeit, medizinisch ausgedrückt, beginnende Demenz soll darauf hindeuten, dass der Alterungsprozess vom Trab in den Galopp wechselt. Schon länger plagt mich das Problem, dass ich Vornamen verwechsle, wovon Anne und Lisa ein Lied singen können. Jetzt fallen mir manchmal auch die Nachnamen nicht ein. Gestern quälte mich die Frage, wie der "Hunter", das Phantom auf der Schalker Ersatzbank, eigentlich richtig heißt. Stunden später machte es "ping" und Klaas-Jan Huntelaar war mir wieder ein Begriff. 
 
Vor kurzem war ich auf dem Marktplatz unterwegs, als mich ein freundlicher Herr mit den Worten "Na, Herr Krause, wie geht's?" begrüßte. Ich kam mir vor wie der zerstreute Opa in der TV-Werbung für das Dragee "Vergissmeinnicht". Den kenn' ich, verdammt nochmal, wie heißt der bloß? Nun ist es ganz normal, dass viel mehr Leute mich namentlich kennen als umgekehrt. Das rührt von meiner Arbeit als Zeitungsredakteur her, als mein Porträtfoto Glossen und Kommentare zierte. Und ist außerdem Folge einiger Bühnenauftritte. 
 
Aber diesen Mann musste ich kennen. Schließlich hatte ich den langjährigen FDP-Ratsherren als Journalist immer wieder in Ausschüssen und im Rat erlebt und wiederholt zitiert. Doch es war nichts zu machen, der Name fiel mir nicht ein. Also rettete ich mich mit: "Gut. Und selbst?" über die Runden. Zuhause erzählte ich meiner Frau von dem Vorfall. "Du bist aber auch ein Stoffel!", schüttelte sie mitleidig den Kopf. Rumms! Da war plötzlich alles klar: Der Mann heißt Ingo Stoffel! Was ich nun so schnell nicht mehr vergessen werde. 
 
Mit einem herzlichen Glückauf verabschiedet sich für heute 
 
Euer..., äh, der Dings...., na, Ihr wisst schon! 
 

Schmunzelpost - 39 vom 10. 3. 21 

Die Schmunzelpost hat aufmerksame Leserinnen. Eine mit Namen Regina machte mich gestern darauf aufmerksam, dass ich ungewollt Verwirrung gestiftet habe. Das kam so: Aus unerfindlichen Gründen heißt die Wölfin, die seit geraumer Zeit die Wälder des Kreises Wesel durchstreift, für mich Diana. Obwohl ich weiß, dass sie mehr oder weniger offiziell Gloria getauft wurde. Auch in der märchenhaften Glosse ist mir wieder "Diana" durchgerutscht. Das habe ich zwar noch rechtzeitig vor dem Absenden bemerkt und korrigiert, aber nur einmal. Behaupte noch jemand, Journalisten könnten mindestens bis drei zählen - manche sind schon bei der zweiten Namensnennung mit ihrer Mathematik am Ende. 
 
Vielleicht liegt es daran, dass ich mit sprechenden Tieren ungute Erfahrungen gemacht habe. Als ich im letzten Jahr Kröten zu ihrem Laichgewässer brachte, wurde ich stutzig, weil aus dem mit Lurchen gefüllten Eimer vertraute Laute klangen. Ich traute erst meinen Ohren nicht, aber tatsächlich: "Rette mich!" schallte es aus dem Behälter. 
 
Urheberin war eine besonders dicke Kröte. Ich nahm sie auf die Hand und betrachtete sie staunend. Da begann sie mit mir zu flirten. "Ich bin eine verwunschene Prinzessin", säuselte sie und machte mir schöne Augen. "Küss mich, dann bin ich erlöst und werde Dich reich belohnen." "Das kannst Du meiner Großmutter erzählen", antwortete ich. "Wieso? Du bist doch nicht Rotkäppchen. Nun mach schon!" Guck an, sie war nicht nur sprachgewandt, sondern auch noch literarisch gebildet. Und wenn sie entgegen allen Gesetzen der Natur sprechen konnte, warum sollte ihre Geschichte dann nicht komplett stimmen? 
 
Also schaute ich vorsichtig nach links und rechts, ob wir unbeobachtet waren. Und dann - schmatz - gab ich ihr einen dicken Kuss. Und? Setzte die Verwandlung ein? Von wegen! Sie grinste breit, erklärte: "Jetzt bin ich in der richtigen Stimmung zum Laichen" und verschwand mit einem großen Sprung im Wasser des Teiches. Ich hätte es wissen müssen: Bei den Kröten quaken nur die Männchen. 
 
In diesem Jahr werde ich Ausschau halten und die Ohren spitzen, damit ich sie wieder in die Finger bekomme. Dann werde ich sie an die Wand klatschen - vielleicht stammte meine Befreiungsmethode ja aus dem falschen Märchen! 
 
Zum Ausgleich für den Ausflug ins Reich der Fantasie nun eine wahre Geschichte, die sich vor Jahren auf dem Dorstener Lippedeich wirklich so zugetragen hat. Ich sollte vorausschicken, dass Frauen einige merkwürdige Angewohnheiten und Fähigkeiten haben. Die Frau an meiner Seite hat zum Beispiel einen mikroskopischen Blick. Obwohl sie ohne Brille keine Zeitung lesen kann, erkennt sie mit bloßen Augen auf fünf Meter Entfernung auch den winzigsten Fleck, der von mir getragene Hemden ziert. 
 
Was sie außerdem umtreibt, sind Normen und Vorgaben, die den vernünftigen Teil der Menschheit, also uns Männer, völlig kalt lassen. Sprich: Das Diktat der Mode. Als wir also an einem sonnigen, aber kühlen Frühlingstag auf besagtem Lippedeich spazieren gingen, blieb sie ein Stückchen hinter mir, um mich von hinten zu beäugen. "Hochwasser!" ertönte dann ihr mit lauter Stimme vorgetragenes vernichtendes Urteil. "Wieso? Es hat doch kaum geregnet", entgegnete ich arglos, "ich würde sagen, die Lippe hat Normalpegel." "Ich meine nicht den Fluss, ich meine Dich", grollte sie. "Deine neue Hose ist viel zu kurz." "Ist sie nicht!", widersprach ich, aber sie begann bereits an mir herum zu zupfen und an meinem Beinkleid zu zerren. Etwas, was ich, zumindest im öffentlichen Raum, genauso schätze wie Rotwein mit Kakao. 
 
Doch ihre Bemühungen waren nicht von Erfolg gekrönt. Der straff gespannte Gürtel verhinderte, dass sich die Jeans auch nur einen Zentimeter nach unten bewegte. "Siehst Du," triumphierte ich, "sitzt wie angegossen!" Zehn Schritte weiter spürte ich plötzlich einen gewaltigen Ruck. Und meine Hose hing in den Kniekehlen. Spaziergänger, die das Schauspiel vom Uferweg auf der anderen Seite beobachtet hatten, winkten mir fröhlich zu. Und ich wäre fast gestrauchelt und brauchte geraume Zeit, um mich vom Schock zu erholen und die Ordnung wieder herzustellen. 
 
Fazit: Wahrscheinlich war es Mundpropaganda, die dazu führte, dass die Fußgänger-Frequenz auf den Deichwegen in der Folgezeit bisher ungeahnte Höhen erreichte: "Ihr müsst mal an der Lippe spazieren gehen - da gibt es viel zu sehen!" 
 
Glückauf 
kdk      

 Schmunzelpost -40 vom 9. 3. 21

Die gestrige Musiktour hatte ein Nachspiel. Denn in der Nacht quälte mich ein Alptraum. Ich stand als Sänger der Prolo-Punkband "Imma auffe Fresse" auf der Bühne und röhrte wirres Zeug in den Saal. Als dann die Pogo hüpfenden Zuschauer begannen, statt standesgemäß mit Bier zu spritzen, Rotwein zu verschütten, bin ich empört erwacht. Das ging zu weit! Alles hat seine Grenzen, selbst für Anarchos! 
 
Wechseln wir also lieber den Schauplatz. Vom lärmigen Konzertsaal geht es in den stillen Dämmerwald. Dort hat die Wölfin Gloria mit ihrer Familie einen verlassenen Fuchsbau bezogen. Und jeden Abend erzählt Diana ihren lieben Kleinen vor dem Einschlafen ein Märchen. Diesmal die uralte Geschichte vom Rotkäppchen getreu der Canis-Lupus-Überlieferung. 
 
"Es war einmal ein junger, unvorsichtiger Wolf, der sich mit einem jungen Mädchen angefreundet hatte. Jeden Tag ging Rotkäppchen, so wurde der Teenager während seiner Vorliebe für bestimmte modische Accesoires genannt, mit einem Korb voller Leckereien in den dunklen Forst, um ihrem Wölfi eine Freude zu machen. Das war ihrer bösen Großmutter ein Dorn im Auge. Also schmiedete sie gemeinsam mit einem Jäger einen hinterlistigen Plan. 
 
Als Rotkäppchen verkleidet legte sich Großmutter mitten im Wald auf eine Wiese und breitete wohlriechende Leckereien um sich aus. Im Dikkicht lauerte derweil der Jäger, die Flinte im Anschlag. Nichtsahnend betrat Wölfi die Lichtung. Doch irgendetwas machte ihn stutzig. "Rotkäppchen, warum trägst Du denn im Schatten eine dunkle Brille?" "Damit ich Dich besser sehen kann." "Und warum trägst Du Handschuhe?" "Damit ich Dich besser greifen - äh - streicheln kann." "Und warum hast Du plötzlich so ein seltsames Gebiss?" "Damit ich Dich besser schnappen kann!" 
 
Bei diesem Stichwort sprang der Jäger aus dem Gebüsch und verschoss die volle Ladung Schrot. Doch er hatte Pech: Wölfi lebt, die Oma war tot. Da gab der Tunichtgut entsetzt Fersengeld und erzählte überall in der Stadt, ein Wolf hätte die bedauernswerte Großmutter umgebracht. Inzwischen war jedoch Rotkäppchen zum vereinbarten Treffpunkt gekommen, hatte das Drama aus der Ferne mitansehen müssen und berichtete den Menschen die Wahrheit. Mehr noch: Sie gründete die Bewegung "Friday for Viecher". die sich auf der ganzen Welt für die Entnahme schießwütiger Mörder aus den Jagdgründen der Wölfe einsetzte. Rotkäppchen und Wölfi aber verbrachten noch viele gemeinsame Jahre im Schermbecker Dämmerwald. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie dort immer noch. 
 
Jetzt schlaft schön. Wenn Ihr brav seid, erzähle ich Euch morgen Abend eine andere Geschichte: Der Wolf und die fiesen Geißlein." 
 
Glückauf 
kdk    

 Schmunzelpost -41 vom 8. 3. 21

Da reales Reisen zur Zeit nicht möglich ist, wollte ich gestern wenigstens eine akustische Reise in meine musikalische Vergangenheit starten. Eigentlich hätte es dazu rund um den Globus gehen müssen. Denn in jungen Jahren habe ich Schlager geliebt, bevor mit zwölf der Beat Roy Black und Freddy Quinn aus meinem Kinderzimmer (und meinem Hirn) prügelte. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr musikalische Richtungen dazu: Vom Blues und Soul über Rock und Folk ging es schließlich zum Jazz und zur Klassik. Aber auch die sogenannte Weltmusik hat es mir angetan. Heute konkurrieren zahlreiche Vorlieben, je nach Lust und Laune auch spezielle Unterabteilungen. 
 
So hat mir Ende der Siebziger auch Punk-Rock gefallen. Weniger die Sex Pistols, als vielmehr die Ramones, Stranglers und the Clash. Deshalb stöberte ich zunächst im Internet nach einigen Titeln, die in meiner Sammlung noch fehlen. Und dann tat sich bei Amazon plötzlich Neuland auf: Mit dem Vermerk "das könnte Ihnen auch gefallen" tauchten auf meinem Bildschirm Alben und Gruppen auf, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. 
 
Zwischenbemerkung: Normalerweise vermeide ich es, bei Amazon zu kaufen. Wenn es Alternativen wie Buchhandlungen und Fachgeschäfte gibt, ziehe ich sie stets vor. Doch der Dorstener Popshop hat schon lange geschlossen. Und weil ich zudem dazu übergegangen bin, meine Musik-Ausgaben zu begrenzen, in dem ich keine kompletten CDs mehr erstehe, sondern nur die ein, zwei, drei Titel bezahle, die mir wirklich gefallen, habe ich in dem Fall keine andere Wahl. 
 
Immerhin kann ich Euch daher jetzt in eine dunkle Gasse voller Abseitigkeiten mitnehmen, für deren Betreten ich mich zunächst mit einem Glas Rotwein stärken musste. Gleich zu Beginn schrie mir die Gruppe Wizo "Uuaargh!" entgegen und "Feine Sahne Fischfilet" war "Komplett im Arsch". 
 
Ihr merkt bereits: Deutsche Anarcho-Punks der zweiten und dritten Generation befleißigen sich nicht unbedingt der gediegenen Sprache von Lessing und Goethe. Vor dem Anhören der Texte betäubte ich mein Zentrum für ästhetische Formulierungen deshalb vorsorglich mit einem zweiten Glas Rotwein. Was sich als unnötig herausstellte. Denn da mehr geschrien als gesungen wurde, verstand ich nicht das Allermeiste. Das stört mich jedoch nicht. Das ist bei Rock'n Roll genauso. Und erst recht bei Sufi-Musik aus Hinterindien. (Sufi, nicht Suff, das hat nix mit dem Rotwein zu tun.) 
 
Aus Erfahrung weiß ich, dass bestimmte Musik wesentlich von der Lautstärke lebt. Also setzte ich  Kopfhörer auf und gab mir die volle Dröhnung. Das kann ich ab. Wer Heavy Metal und sogar Death Metal überlebt hat, den wirft so leicht nichts um. Und der Tinnitus im linken Ohr freut sich, dass er endlich auf der rechten Seite Gesellschaft bekommt. 
 
So begann die wilde Fahrt mit den "Dödelhaien" und ihrer "Sinfonie des Wahnsinns." Bei deren "Holzfällerlied" stellte ich fest, dass Punk, Karneval und Musikantenstadl manchmal gar nicht so weit auseinander liegen. Das galt auch für die "Abstürzenden Brieftauben", die weniger eine Erklärung für den Taubenschlag-Schwund in Dorsten als Aufklärung über den Musikgeschmack von Möchtegern-Punks boten. 
 
Dann aber kamen die härteren Sachen, für deren Verarbeitung ich mir ein drittes Glas genehmigte. Die Gruppen "Kotzreiz" und "Spacko Forum" gingen inhaltlich in die Vollen - die Refrains konnte ich spätestens nach der dritten Wiederholung verstehen. Dann forderte "Hass"  s mit dem Album "Kacktus" auf: "Lasst die Glatzen platzen"  - nachdem der Sänger zuvor versichert hatte, dass er Gewalt eigentlich ablehnt. 
 
Nun war es Zeit für ein weiteres Glas Wein, und ich begab mich mit der Band "4 Promille" auf die Suche nach der Freiheit. Die allerdings nicht den entsprechenden Alkoholpegel zum Ziel hatte. Danach wurde es "Heiter bis wolkig", eine Gruppe, die sich sogar an eine Coverversion des musikalischen Meisterwerkes "Moskau" von "Dschingis Khan" herantraute. Ob es am Wein lag oder ob mich der Punkvirus infiziert hatte: Bei den Klängen der Band "Der dicke Polizist" schunkelte ich sogar mit. Und "Die Skeptiker" versöhnten mich in ihrem Lied "1918" mit einem Text, der den Wahnsinn des Krieges anprangerte. 
 
Da die Uhr soeben anzeigt, dass der Weltfrauentag vorüber ist, traue ich mich, nun zum abschließenden Höhepunkt der Punkrocktour zu kommen: Der Duisburger Gruppe "Eisenpimmel". Die Musiker bezeichnen ihren Stil selbst als Asi-Punk. Konsequent heißt eins ihrer Alben "Füße hoch, Fernsehen an, Arschlecken". Bei Wikipedia ist jedoch zu lesen, "Eisenpimmel" nähme satirisch den Deutsch-Punk aufs Korn und zeichne sich durch subtile Texte aus. Um das nach dem Anhören der Titel "Komm mal lecker unten bei mich bei" und dem neuesten Hit "Haka-Tschaka-Töff-Töff" zu glauben, brauchte es noch zwei weitere Gläser Rotwein. 
 
Damit endet unsere Stippvisite in die musikalischen Abgründen der Neuzeit. Vielleicht beschäftigen wir uns nächstes Mal besser mit volkstümlichem Liedgut. Ich melde mich morgen wieder. Zumindest, wenn bis dahin die Holzhacker aus dem Dödelhai-Lied meinen Brummschädel verlassen haben.    
 
Glückauf 
Klaus 

 Schmunzelpost -42 vom 7. 3. 21

Rentner haben kein leichtes Leben. Seit ich Rentner bin, fehlt es mir an Zeit. Das ist kein Wunder. Als Journalist musste ich acht Stunden, mitunter auch zehn oder elf Stunden arbeiten, aber dann war Feierabend. Als Rentner habe ich einen 24-Stunden-Tag! Selbst wenn wir für den Schlaf sieben bis neun Stunden abziehen, bleiben immer noch rund 16 Stunden Rentner-Fron übrig. Täglich! 
 
Zum Glück gibt es die Bibel. Und die sieht vor, dass der siebte Tag der Woche der Ruhe und Erholung gewidmet ist. Also lehne ich mich am Sonntag entspannt zurück und lese endlich mal in Ruhe Zeitungen und Zeitschriften. Davon könnt Ihr heute profitieren. Denn meine Sonntagsgedanken haben diesmal meist Kollegen formuliert. 
 
So hat der "Spiegel" diese Woche seine Titelgeschichte der "gendergerechten Sprache" gewidmet. Ich steht diesem Phänomen immer noch ziemlich fassungslos gegenüber. Gibt es bei dem Jahrhunderte währenden Kampf um die Gleichberechtigung der Frau nicht wichtigere Themen? Die Unterdrückung der Frauen in vielen Teilen der Welt? Die Gewalt gegen Frauen? Die schlechtere Bezahlung bei gleicher Arbeit? Die Sprachdiskussion ist für mich mehr ein Nebenschauplatz, der die Aufregung, die Energie und, ja, die mitunter bitteren Konsequenzen, wenn Leute wegen einer missliebigen Äußerung ihren Job verlieren, nicht wert ist. Oder rührt der Eifer daher, dass sich die anderen angesprochenen Probleme nicht per Twitter lösen lassen? 
 
Dennoch fand ich die für mich neue Information interessant, wie man/frau das Gendersternchen zwischen dem Begriff Mitglieder*innen auch akkustisch rüberbringen. Die kurze Sternchen-Pause heißt "Glottisschlag". Ein Begriff, mit dem Linguisten früher die sprachliche Trennung von Spiegel-Ei bezeichneten. Und das geht so: "Die Stimmritze, wissenschaftlich Glottis, schließt sich kurz und lässt dann schlagartig die Luft entweichen." 
 
Wieder was gelernt! Sage niemand, die Schmunzelpost sei zu nichts nütze. Doch ihr Hauptanliegen, nomen est omen, ist das Schmunzeln. Und daher zitiere ich jetzt den Einstieg in das "Streiflicht" der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende. Das Streiflicht ist eine Glosse auf Seite eins, mit der die Süddeutsche seit vielen Jahrzehnte Maßstäbe setzt. Nicht immer, aber sehr oft. 
 
Diesmal klang das so: "Ach, die Zukunftshoffnung. Wer in der Vergangenheit schon lange genug gelebt hat, um damals der heutigen Gegenwart als vielversprechenden Zukunft entgegenzusehen, kennt spätestens seit Corona den Unterschied zwischen Traum und Albtraum. (Ja, das ist ein komplizierter Satz, aber es schadet nicht, auch am Wochenende nachzudenken.) Menschen können nicht nur Zukunftshoffnungen haben, sondern einzelne können sogar selbst als Zukunftshoffnung gelten. 
 
Leute, die zu Tode gerittene Sprachbilder für originell halten, reden auch heute noch gerne von "Hoffnungsträgern", wenn sie Menschen meinen, mit denen manche die Erwartung verbinden, aus ihnen könne noch mehr werden, als sie schon sind. Jens Spahn zum Beispiel galt als ein solcher Mensch, wahrscheinlich weil er die Hoffnung mit sich herumtrug, gescheiter als Markus Söder und lustiger als Armin Laschet zu sein. Jetzt aber stellt sich heraus, dass Spahn, der Nicht-Impf-Jens, nur gescheiter als Alexander Dobrindt und nur lustiger als Karl Lauterbach ist." 
 
Soweit der Einstieg in das Streiflicht, das auch danach noch äußerst lesenswert bleibt. Seufz! So möchte ich auch schreiben können! Diese Meisterschaft, diese sprachliche Perfektion, die nie in plumpe "Hau-drauf-Satire" ausartet. Aber ich habe ja noch ein wenig Zeit zum Üben. Wenn das nur mein aufreibender Ganztags-Job als Rentner zuließe..... 
 
Glückauf 
Klaus 

 Schmunzelpost -43 vom 6. 3. 21

Wie mindestens zehn von Euch bereits wissen, wird das nächste Kabarettprogramm der Tintenhühner live aus dem Cornelia-Funk-Haus übertragen - falls Corona und seine Mutanten-Armee dies im November 2021 zulassen. Zu Testzwecken hat die Nachrichtenredaktion des lokalen Hörfunk- und TV-Senders bereits ihre Arbeit aufgenommen. Und dank des wissenschaftlichen Förderers Professor Dr. Albert Zweistein können die Redakteure sogar in die Zukunft schauen. Hier also ein Blick auf die Nachrichtenlage des 1. 4. 21.
 
April, April! 
 
Nachrichtensprecher: "Es ist 9.30 Uhr. Guten Morgen, meine Damen und Herren! Wir beginnen unsere Nachrichten mit einer Neuigkeit, auf die wir alle sehnsüchtig gewartet haben. Da der Inzidenzwert unserer Stadt mit 49,7 erstmals seit Monaten unter 50 Punkten liegt, dürfen die Einzelhandelsgeschäfte in Dorsten endlich wieder öffnen. Derzeit spielen sich chaotische Szenen ab, weil anstürmende Kunden sich mit dem erst vor 15 Minuten informierten Personal in den Eingängen verkeilt haben. Unsere Außenreporterin Beate R. hat sich mitten ins Getümmel gestürzt." 
 
Beate R.: "Kann ich Ihnen helfen? Sie waren in der ersten Welle ganz vorn mit dabei und sind dann am Witwenblock abgeprallt und schwer gestürzt." 
 
Kunde: "Danke, danke, es geht schon wieder. Ich hätte aber auch wissen müssen, wie gewieft diese alten Schachteln mit ihrer Sommerschlussverkaufs-Taktik sind." 
 
Beate R.: "Aber Sie bluten! Und Ihre Hose ist zerrissen." 
 
Kunde: "Das macht nix! Dann kauf ich mir eben eine neue. Auf geht's! Shooooppppen!" 
 
Beate R: "Geschickt umdribbelt der Mann drei Konkurrenten und krabbelt dann sogar über Schultern und Köpfe der vor ihm Stehenden. Geschafft! Unglaublich, er ist drin. Ich melde mich wieder, sobald es Neues gibt. Zurück ins Funkhaus." 
 
Einspieler: "Wenn Du nicht mehr weiter weißt, nimm Klosterfrau Melissengeist." 
 
Nachrichtensprecher: "Kaum zu glauben, aber wahr. 15 Minuten sind die Geschäfte erst geöffnet, da gab es schon den ersten Raubüberfall. Zwei mit Niespulver bewaffnete Täter entwendeten die komplette Kasse des Pennymarktes. Frage an Polizeisprecher Wilfried Weiß-Vonnix: Konnten die Täter schon identifiziert werden?" 
 
Weiß-Vonnix: "Wo denken Sie hin? Die trugen doch Masken!" 
 
Nachrichtensprecher: "Ah ja. Und was können Sie uns über die Höhe der Beute sagen?" 
 
Weiß-Vonnix: "Nichts. Also ich meine: Die erbeuteten nichts, die Kassen waren noch leer. Weil das Wechselgeld fehlte, da die Banken überlaufen waren. Hä, hä, die Diebe kriegten keinen Penny. Verstehen Sie: Keinen Penny bei Penny! Bruhahaha." 
 
Nachrichtensprecher: "Sehr lustig. Doch leider, liebe Hörerinnen und Hörer, gibt es auch eine überhaupt nicht witzige Nachricht. Soeben teilt das Gesundheitsamt mit, dass nach dem akuten Hustenanfall eines Querdenkers im Cafe Morgenrot bei sieben Kunden und zwei Verkaufskräften Coronainfektionen mit dem neuartigen Mutanten 123Z-fix festgestellt wurden. Dadurch steigt der Dorstener Inzidenzwert auf 50,2. Deshalb mussten alle Geschäfte, die keine Lebensmittel verkaufen, sofort wieder schließen." 
 
Einspieler: "Und wird es Dir schon wieder flau, hilft Klostergeist Melissenfrau." 
 
Nachrichtensprecher: "Hallo, Beate R, hören Sie mich? Wie reagiert die Dorstener Bevölkerung auf die neue Entwicklung." 
 
Beate R: "In der Fußgängerzone spielen sich tumultartige Szenen ab. Soeben wird sogar ein Mann aus dem Fenster des Textilhauses Au & W geworfen. Das ist ja - tatsächlich, unser Freund von vorhin. Was ist Ihnen denn passiert? Und warum tragen Sie jetzt nur noch eine Unterhose?" 
 
Kunde: "Ich hatte gerade meine neue Hose anprobiert und sie saß wie angegossen. Und dann sollte ich auf der Stelle den Laden verlassen! Da hab ich mich geweigert. Und sie haben mich aus der Umkleidekabine gezerrt, mir die Hose vom Leib gerissen, mich komplett desinfiziert und vor die Tür gesetzt." 
 
Beate R.: "Wollen Sie jetzt Klage einreichen?" 
 
Kunde: "Nee, das bringt doch nichts. Aber ich setze nie wieder einen Fuß in diesen Laden." 
 
Nachrichtensprecher: "Ich muss kurz unterbrechen - ich habe sensationelle Breaking-News. Im örtlichen Krankenhaus sind heute Morgen zwölf Corona-Patienten verstorben. Damit sinkt der Inzidenzwert der aktuell Infizierten auf 49,5. Ab sofort sind die Geschäfte wieder geöffnet." 
 
Kunde: "Dann kriege ich meine neue Hose doch noch! Auf ein Neues: Shoooooppppen!"l 
 
Einspieler: "So läuft's noch weiter bis nach Ostern, geistreich geht Frau Melisse klostern!" 

 

Schmunzelpost -44 vom 5. 3. 21

Getreu dem Vorbild meines Haarschnitts werde ich die heutige SP kurz halten. Ich bleibe beim Thema Friseurbesuch, weil mir gestern beim Schreiben eine kleine Episode aus dem Jahr 1985 einfiel. Im Alter soll das Langzeitgedächtnis ja zu großer Form auflaufen. 
 
Damals war ich gerade von Nord-Lüdenscheid nach Haltern umgezogen. Meinen freien Tag hatte ich zu einem Friseurbesuch in der verbotenen Stadt genutzt. Tags darauf wurde ich gefragt, was ich unternommen habe. Wahrheitsgetreu sagte ich: "Ich war in Dortmund beim Friseur." Worauf mir schallendes Gelächter entgegen brandete. 
 
Ich war höchst irritiert. Hatte mein sonst so fähiger Figaro diesmal den kunstfertigen Schnitt versaubeutelt, mit dem er mittels eines Mittelscheitels meine expansionswütigen Geheimratsecken kaschiert? Oder erinnerte man sich hier im Schalke-Land bei der Nennung des verpönten Städtenamens an die letzte Derbyniederlage der Borussen? 
 
Keins von beiden. Wie mir erzählt wurde, war ich versehentlich in die Sprachstapfen von um ihren guten Ruf besorgten Halteranern getreten. Die hatten früher mit den Worten, "ich war in Dortmund beim Friseur" zu verschleiern versucht, dass ihr Abstecher in den großstädtischen Südenpfuhl dem Genuss ganz anderer Dienstleistungen galt, bei denen hauptsächlich käufliche Damen und deren Zuhälter ihren Schnitt machten. Als ich später meinem Frisör davon erzählte, quittierte der das gelassen: "Ach, weisse, ich bin sowieso am Nachdenken, ob ich meinen Salong nich' besser 'Herberts Freudenhaus' nennen tu. Die Leute auffe Straße wundern sich schon lange über die verzückten Schreie, wenn meine Kundinnen sich das erste Mal mit ihrer neuen Dauerwelle auffem Kopp im Spiegel sehen."   
 
Glückauf 
Klaus 
 
PS. Jetzt habe ich mein Ziel doch um Haaresbreite verfehlt - der Text ist unwesentlich länger als drei Millimeter geworden. 

Schmunzelpost -45 vom 4. 3. 21

Jetzt werden einige von Euch vor Neid erblassen: Ich hatte heute Mittag einen Friseurtermin! Einige von Euch mögen granteln: Warum schnappt der Kahlkopf uns die knappen Termine weg? Es ist schon richtig. Auf meinem Schädel sprießt es nicht gerade üppig, die Restbestände könnte ich auch mit meinem Barttrimmer im Zaum halten. 
 
Nun ist aber mein Coiffeur ein ausgesprochen kluger Kopf, ein netter Mensch und ein hochgradiger Fußballexperte. Kurz: Ein Schalke-Fan. Und da war ein Fachgespräch dringend nötig. Schließlich galt es, eine üble Krise zu erörtern. 
 
Außerdem erfordert auch meine verbliebene Haarpracht einen echten Könner. Links, rechts und hinten sind zwar nur noch Restbestände der früheren Herrlichkeit verblieben. Aber zwei Haare halten sich hartnäckig mitten auf meinem Schädel. Ich habe die beiden Überlebenden Adam und Eva getauft. In der Hoffnung, dass sie verschiedenen Geschlechts sind, sich paaren und so das ursprüngliche Paradies auf meinem Kopf mit ihrem Nachwuchs wieder herstellen. Bisher halfen jedoch weder Apfelshampoo noch Schlangengift. 
 
Dafür berate ich jedes Mal mit meinem Figaro, wie wir das zähe Paar besser zur Geltung bringen können. Eine Ernst Huberty-Gedächtnisfrisur (quer über die Ödnis gekämmt) würde jedoch nur funktionieren, wenn ich mir die dünnen Haare mehrfach um den Kopf wickle. Dafür müssten sie zuerst auf eine Länge von 100 Meter heranwachsen. Das dauert mindestens 1000 Jahre und so viel Geduld habe ich nicht. Auch meine Bitte um einen Irokesenschnitt wurde vom Fachmann abschlägig beschieden: "Dafür reicht das Volumen nicht." 
 
Doch heute hatte mein Friseur eine gute Idee. Wir werden die beiden Haare färben, das eine blau, das andere weiß. Dann muss ich auf meinem Kopf noch eine Stange implantieren. Damit ich meine organische Schalke-Flagge auf halbmast setzen kann. 
 
Glückauf 
Klaus 

Schmunzelpost -46 vom 3. 3. 21

Zuerst bin ich zwei Auflösungen schuldig. Zur gestrigen Frage, welche historische Person es nicht gibt, lautet die richtige Antwort: Rudolf der Rotschopf. Karl der Kahle war ein karolingischer Kaiser im 9. Jahrhundert, Wilfried der Haarige war der Gründer von Katalonien. Der Graf von Barcelona starb 897. 
 
Und wie viele Finger bzw. Zehen haben Kröten? Richtige Antwort: Vier vorne, fünf hinten. Verrückt, was? 
 
Meinen rechten Zeigefinger habe ich mir heute am PC wund getippt. Als Krimi-Freund klickte ich mich nämlich durch die Liste der Neuerscheinungen im Monat März. Und das sind 275!  Auffällig dabei ist der hohe Anteil von Regionalkrimis. Vor allem das Wasser der Nordsee müsste danach inzwischen blutrot gefärbt sein. Und Ostfriesland wäre angesichts der dortigen Mordquote inzwischen nahezu entvölkert. 
 
Es ist daher schwierig, auf dem überlaufenen Krimiautoren-Markt noch eine Lücke zu finden. Doch genau das ist mir gelungen. Mit einer zweigleisigen Strategie. Zum einen mit der Beschränkung auf ein "Mikro-Areal": Den Bereich von Maria Lindenhof zwischen Kanal und Lippe am Rand des Dorstener Zentrums. Zum anderen durch eine fulminante Mischung aus Hardcore-Krimi, Mystik und Horror nach dem Vorbild von Stephen King. Über die siebenstellige Höhe des Buch-Honorars ziehen sich die Verhandlungen mit Verleger Werner Boschmann noch hin. Doch das neuartige Konzept erregte bereits im Vorfeld so viel Aufmerksamkeit, dass die Filmrechte schon vergeben sind.  Obwohl Steven Spielberg und George Lucas mitboten, bekam schließlich Willi Krause, das schwarze Loch im Universum der Hoolywood-Sterne, den Zuschlag. Die Arbeitstitel lauten: "Das Tor zur Hölle am grausamen Fluss" sowie "An der Unterlippe klebt der Tod". 
 
Das Meisterwerk soll nach dem Lockdown die Kinosäle füllen. Hier schon mal der Trailer, diesmal nach dem guten alten journalistischen Grundsatz: Namen sind Nachrichten. 
 
Den Anstoß zum Geschehen liefert ein scheinbar harmloses Schäfer-Ehepaar. Als ihre Herde am Lippeufer grast, entdecken Kerstin und Wolfgang dort die Spuren eines fürchterlichen Massakers. Oder wollten die beiden in dem Massengrab ihren aufsässigen Nachbarn verschwinden lassen? Dies ist jedenfalls der größte Fall seiner Laufbahn: Wird der Dorstener Kriminalist Markus R., vom LKA Düsseldorf in seiner Heimatstadt eingesetzt, dieses Verbrechen aufklären können? Kann ihm FBI-Agentin 006 (Claudia E.), in den Lippeauen als alte Eule getarnt, dabei helfen? Und bringen sich die investigativen Journalistinnen Elisabeth S. und Silvia W. aus der Nachbarstadt Haltern bei ihren Recherchen selbst in tödliche Gefahr? 
 
Ihnen widerfährt der größte Schock ihres Lebens: Die friedlichen Anwohner Karin und Gerd. S. entdecken bei Bauarbeiten in ihrem Haus unter dem Fußboden plötzlich einen Friedhof voller Skelette. Der Mediziner und Wanderfreund Frank S. macht bei seiner Tour an der Lippe eine grausige Entdeckung: Sein treuer Hund erschnuppert am Ufer einen uralten Sarg, aus dem beim Öffnen eine schwarze Wolke entweicht - das Unterbewusstsein von Sigmund F.! Und die schwarzgelben Touristen Ursula S., Wolfgang F. und Rüdiger F., die auf der Suche nach den verlorenen Punkten ihrer Borussia am Kanal im Trüben fischen, ziehen stattdessen in ihren Netzen zerstückelte Leichen an Land. (Typisch Dortmund in dieser Saison: Immer nur halbe Sachen machen, statt Punkteteilungen nun Hackfleisch!) 
 
Weitere unheimliche Fremde treiben sich auf der Halbinsel herum. Die Künstlerin Elisabeth K. aus Werne und ihr Leibwächter Hubert, der schon viele Gegner mattgesetzt hat, sind in der Dämmerung unterwegs, vorgeblich um Motive für Landschaftsmalerei zu finden. Dabei treffen sie auf naive Landpommeranzen, die sich am Lippeufer verirrt haben: Susanna S. aus Lembeck, Lisa aus Ulfkotte und Mecky N. und Anne B aus den Weiten des Münsterlandes. Diese vier erfüllen eine in jedem echten Thriller unverzichtbaren Part. Sie verkörpern die attraktiven Schönheiten, die zu dumm sind, geradeaus zu laufen (bevor ich mit vier Messern im Rücken ende: Das gilt nur für ihre Rollen, im richtigen Leben sind alle durchaus clever), von einer gefährlichen Situation in die nächste stolpern, um dann Trommelfell zerfetzend zu kreischen. 
 
Natürlich gibt's noch haufenweise zwielichtige Gestalten. Allen voran Christa M. und ihre sieben Zombies: Atze Schröder, Norbert Heisterkamp, Manni Leisetreter., Jochen Ruchlos, Bertold Henker, Killer-Schorsch und Klaus der Kopflose. Im Baumhaus tarnt die dubiose Anke K. ihre Schrumpfkopf-Sammlung als Marionetten. Und die berüchtigten Dealerinnen Trude und Erika betreiben an der Lippetor-Bushaltestelle ihren Crack-Handel. Verborgen in Eierlikör-Flaschen mit doppeltem Boden. 
 
Böses im Schilde führt auch die Piratenbraut Marie H, die mit ihrer Lummerland-Crew über den Kanal schippert. An Bord die gefürchtete Wilde 13:  Kurt-Christian E., Rainer M., Jochen und Gerd G. Wie, das sind bloß vier? Wer je mit diesen Rabauken Doppelkopf spielte, der weiß, dass sie nicht bis drei zählen können, geschweige denn bis 13! Am Amphitheater treibt sich derweil der undurchsichtige Mike K. herum. Ist er nun ein Klein-Krimineller oder eine große Nummer? Keine Frage ist dies bei Albert S. Verschanzt in seiner Gladbecker Villa zieht der Pate die Fäden, um die Weltherrschaft zu erringen und endlich die Gesellschaft zu ändern. 
 
Damit nicht genug. Dick im Geschäft sind auch die beiden Buchmacherinnen Regina S. und Marion P., die mit ihrer Poker-Variante Rubbel-Romme halb Dorsten in die Spielsucht trieben. Ihr Gorilla Gregor G. treibt für sie die Kohle ein. Wie eine Spinne im Netz hockt derweil im fernen Rhade Computer-Nerd Raimund, der im stillen Kämmerlein schmutzige Finanztransaktionen aushackt. Und im Zentrum des Geschehens treibt es Ursula F. auf die Spitze: Sie hat ihren Kater als perfekte Mordmaschine ausgebildet! 
 
In weiteren Rollen: Klaus Kinski (erstmals auf der Leinwand: sein Klon-Duplikat) als das mörderische Frosch-Monster und Georg Clooney als Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst. Dessen Wunsch für die Besetzung seines Amtsnachfolgers wurde leider kurzfristig wegen des unerwarteten Ablebens von Karl Dall durchkreuzt. 
 
Glückauf 
kdk 

Schmunzelpost -47 vom 2. 3. 21 

Heute Nachmittag habe ich ein Quiz im "Ersten" gesehen, bei dem sich zwei Angehörige (Tochter und Ehemann) des Tintenhuhns Anne so gut geschlagen haben, dass sie in die Finalrunde eingezogen sind und das nächste Mal um mindestens 30 000 Euro spielen. Ich wäre schon bei der 2000-Euro-Frage raus gewesen - dass "Ghee" geklärte Butter ist, hatte ich vorher nie gehört. 
 
Dabei bin ich ein großer Freund von abseitigem Wissen und verpasse daher selten eine Folge von "Wer weiß denn sowas?" Das ging so weit, dass ich dafür selbst schon Fragen vorgeschlagen habe. Aus aktuellem Anlass - die Krötenwanderung ist derzeit wieder in Gang, der NABU sorgt dafür, dass die Amphibien sicher über die Straße kommen - stelle ich Euch eine davon aus der Rubrik "Tierisch, tierisch"": 
 
Wie viele Finger bzw. Zehen haben Kröten? 
 
a) Vier an den Vorder- und vier an den Hinterbeinen. 
 
b) Vier an den Vorder- und fünf an den Hinterbeinen. 
 
c) Fünf an den Vorder- und fünf an den Hinterbeinen. 
 
Na? Das kann man wissen, wenn man dauernd seine Kröten zählt. Oder vorher auf die Füße guckt, bevor man eine Kröte schluckt. Lösung in der nächsten Schmunzelpost. 
 
Vielleicht kennt Ihr Euch ja in Geschichte besser aus. Schauen wir in die Rubrik "Damals": 
 
Welchen dieser drei Adligen gab es nicht? 
 
a) Rudolf der Rotschopf 
 
b) Karl der Kahle 
 
c) Wilfried der Haarige 
 
Ihr könnt auch Euren Frisör nach der Lösung fragen, ab heute dürft Ihr ihn ja wieder besuchen. 
 
Doch wir quizzen noch ein wenig weiter. Beim Spaziergang um den Barkenberger See wurden wir am Sonntag unvermittelt von einem ebenso vergnügten wie kontaktfreudigen Wanderfreund aus Lembeck angesprochen. Er meinte, wir sähen schlau aus (so kann die Optik täuschen). Doch bereits bei seiner ersten Frage haben wir versagt. Sie lautete: "welcher fluss ist der längste? main oder mosel?" 
 
Ich bin ihm auf den Leim gegangen und habe die Mosel genannt. Tatsächlich jedoch ist es die Oder (um den Unterschied zur verbalen Frage zu kompensieren, musste ich zur Kleinschrift greifen). 
 

Immerhin war ich bei der nächsten Frage schon gewitzter: "Welche Vögel legen keine Eier?" Mit "Spaßvögel" lag ich zwar nicht falsch, aber er meinte echte Vögel mit Gefieder und Schnäbeln. Hmmm, gibt es lebendgebärende Vogelarten? Oder kommen auch Vögel in die Wechseljahre? Nah dran. Die Antwort ist simpel: Die Vogelmännchen! Hätte ich als Tintenhahn eigentlich wissen müssen. 

 
Kikeriki 
kdk 

 Schmunzelpost -48 vom 1. 3. 21 

Die gestrigen und heutigen Geschehnisse auf Schalke beschäftigen mich immer noch, das Thema Fußball weicht nicht mehr aus dem Kopf. Daher habe ich mit großem Interesse in der Süddeutschen Zeitung gelesen, wie der Nürnberger Trainer Robert Klauß die Strategie seiner Mannschaft erläuterte. Sein Team, so Klauß, habe die Pressing-Linie eins angelaufen, um nach Ballgewinn über den ballfernen Zehner umzuschalten, bei gleichzeitigem Abkippen in eine Dreierkette mit einem asymmetrischen Linksverteidiger. Hä?
  
Liebe Beate (Robert), wenn sich ein asymmetrischer Klauß (mit ?) mit einem in Fußballer-Kreisen als "falsche Neun" bekannten Robert zusammen tut, kann dabei leider nur Kauderwelsch herauskommen. Klaus mit s und Doppelpass-Partner Dieter halten sich dagegen lieber an Strategien altbewährter Trainer, wie sie bereits mit den Fußball-Legenden Eisenfuß Schorsch und Kopfball-Ungeheuer Manni einem staunenden Publikum im Baumhaus vorgetragen wurden.  Hier eine zusätzliche kleine Auswahl: 
 
Mit Blick auf das 1-5-Debakel vom Samstag noch mal die goldenen Worte von Trainer Bernd Krauss, die Schalke tatsächlich beherzigt hat: "Wir wollten unbedingt einen frühen Rückstand vermeiden. Das ist uns auch gelungen. Der VfB Stuttgart hat in den ersten zweieinhalb Minuten kein Tor geschossen." 
 
Doch nicht einmal den Rat ihres früheren Mannschaftskollegen Rolf Rüssmann haben die Blau-Weißen beherzigt: "Wenn wir hier nicht gewinnen, treten wir wenigstens den Rasen kaputt!" 
 
Und Ralf Rangnick hätte vielleicht eine Strategie früherer Tage wiederholt: "Wenn schon vier Leute so viele Fehler machen, dann ist es vielleicht richtig, dass man auf eine Dreierkette umstellen sollte." 
 
Bloß Karl-Heinz Rummenigge hatte damals bereits das Klauß-Gen, aber in schlicht: "Wenn man über rechts kommt, muss die hintere Mitte links wandern, da es sonst vorn Einbrüche gibt." 
 
Nur einer kennt die Taktik, die Schalke noch den Klassenerhalt sichern kann - Peter Neururer: "Wir fahren hin, hauen die weg und fahren wieder zurück." 
 
Realistischer erscheint jedoch das Konzept, das seinerzeit Axel Kruse für Hertha BSC auf die Frage, wie seine Mannschaft noch gewinnen könne, ausgebrütet hatte: "Die Gegner spielen mit fünf Mann und wir mit elf." 
 
Glückauf 
Klaus 
 
PS. Da wir auch über Stuttgart sprachen, noch eine Zugabe. Als er ins Schwabenland wechselte, verriet Thorsten Legat der Presse: "Spätzle habe ich zwar noch nie gegessen, aber im Allgemeinen mag ich Geflügel." 
  
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -49 vom 28. 2. 21

Nach der gestrigen intellektuellen Herausforderung geht's heute ganz tief ins Reich der Gefühle.
 
Lodernde Leidenschaft
 
Es ist mal wieder an der Zeit, zu zweit das Leben zu verschönen 
und ungeniert zwei Stunden lang der Leidenschaft zu frönen. 
Beim Vorspiel hilft recht viel Gefühl beim anfänglichen Abtasten. 
Denn es ist das erklärte Ziel, gemeinsam auszurasten. 
 
Dann steigt der Puls, das Tempo wächst, es rinnt der Schweiß, 
und langsam wird‘s, so kommt's uns vor, fast unerträglich heiß. 
Der Atem stockt, das Stöhnen steigert sich zum Schrei - 
und siehe da, ruck-zuck, schon ist der erste Höhepunkt vorbei. 
 
Wenn‘s so gut läuft, gilt‘s, keine Chance zu vergeuden, 
denn immerhin, es winken jetzt sogar multiple Freuden. 
Wer das genießen darf, ist ohne Frage 
glücklich beseelt noch viele Tage. 
 
Wer aber versagt, ohne erlösenden Schuss, 
dem bleibt am Ende nur Verdruss. 
Jedesmal tief frustriert, das ist gemein: 
 
„Scheiße! 1:5! Schon wieder verloren! Da fällt mir glatt kein Reim drauf ein!“ 

 
Merke: Die Leidenschaft, das ist die Kraft, 
die Schalke-Freunden Leiden schafft. 
  
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -50 vom 27. 2. 21 

Durch gutes Zureden schwindet allmählich meine Abneigung gegen das Bloggen. Vor allem, nachdem Raimund Sichmann versprochen hat, die technischen Belange zu regeln und außerdem noch entdeckte, dass der Titel "schmunzelpost.de" bisher noch frei ist. Vielleicht würde sich auch Anke Klapsing beteiligen. Und falls noch weitere Schmunzel-Blogger Interesse haben...
 
Wegen des Urheberrechts bin ich gefragt worden, ob es erlaubt sei, Schmunzelpost-Texte weiter zu verbreiten. Nur zu, solange dies nicht kommerziellen Zwecken dient! Für meine Inhalte gilt: Seid furchtbar und mehret euch!
 
Wo ich schon mit der Verballhornung begonnen habe, kann ich auch gleich mit dem heutigen Nonsens-Beitrag weitermachen.
 
Rub a dub dub 
 
A: Hör mal! "Reggae-Spielart mit Hall", fängt an mit D und U. Hast Du  'ne  Ahnung? 
 
B: Guck doch in die Düdin! 
 
A: Was ist das denn? 
 
B: Die haben den Duden doch jetzt geschlechtsumgewandelt. Die heißt jetzt Düdin. Für die Zukunft, die Wörter, die Frage, die Rechtschreibung, die Antwort...
 
A: Nee, von die Reggae, die Hall oder die Echo steht nix drin. Aber bei Duden klingelt bei mir was. Meinst Du, das heißt dudeln?
 
B: Nein, dudeln hat doch mit Musik nichts zu tun. Darüber hat doch Professor von Bülow sein berühmtes Sachbuch geschrieben: "Du dudel die, du dödel jöh - das Balzverhalten der Alpenvölker." 
 
A: Und was ist mit die Hit von die neue deutsche Welle? 
 
B: Was meinst Du jetzt? 
 
A: "Du Du Du". Von Trio. 
 
B: Nee, das hieß früher "Da Da Da". Und nach der Düdin-Reform jetzt "Die Die Die". 
 
A: Dann noch'n paar Jährchen zurück. Da lief im Fernsehen der Beat-Club. Erinnerst Du Dich noch an die Equals? 
 
B: Ja, klar. Baby come back! 
 
A: Die hatten noch einen anderen Hit: "Rub a Dub Dub". 
 
B: Das isses! Dub! So heißt die Musik. 
 
A: Nee, das war doch kein Reggae. Dup, das ist doch 'ne Art Salatsoße zum Eintunken. 
 
B: Du hast recht. Ich gebe auf. Lass uns stattdessen doch mal "Rub a dub dub" hören. 
 
A: Jau! Und ich lass von Duugle den Text übersetzen:     
 
 
Sitzend in meiner Wanne,
reibe ein Dub Dub.
 
Sitzend in meiner Wanne,
reibe ein Dub Dub.
Sitzend in meiner Wanne,
schrubbe ein Scrub-Peeling. 

Samstagabend und ich sitze in meiner Wanne.
Ich muss mein Baby sehen.
Rieche ein Dub Dub.
Ich brauche heißes Wasser.
 
Sitzend in meiner Wanne,
schrubbe ein Scrub-Peeling.
Ich warte bis spät, um mein Baby zu sehen.
 
Heute Nacht ist die Nacht das - das...
Ich werde sie fragen.
Ich muss süß wie eine Rose riechen.
 
Sitzend in meiner Wanne
schrubbe ein Scrub-Peeling. 

"Komm in meine Wanne",
sagte die Spinne zur Fliege.
"Nein, danke",
antwortete die Fliege.
 
Nicht wirklich denken.
Ich brauche eine Reibung. 
 
PS. Der heutige Beitrag war nur etwas für intellektuelle Leser. Beim nächsten Mal wird's allgemeinverständlicher, da schraube ich das Niveau wieder etwas herunter. 
 
Glückauf 
kdk 

  Schmunzelpost -51 vom 26. 2. 21

Für eine Buchbesprechung auf der Baumhausseite habe ich mich gerade mit dem neuen Gedichtband von Fritz Eckenga beschäftigt. Der beherrscht sein Handwerk und würde gut zum Ruhrgebiets-Verlag Henselowsky und Boschmann passen. Aber das geht leider nicht. Denn Eckenga hat einen schweren Defekt: Er ist durch und durch schwarzgelb.
 
Zum Glück färbt das nicht ab. Ansteckend sind nur die Reime. Deshalb schmunzeln wir heute lyrisch.
 
 
Willi K. -  ein neuer Stern am Poeten-Himmel 
 
Heute hör ich auf zu schleimen, 
versuch stattdessen mal zu reimen. 
Und schon bin ich in großen Nöten - 
aus einem Krause wird kein Goethen. 
 
Da helfen vielleicht die Mutanten, 
die sonst keine Verwandten kannten 
und sich und uns komplett verwandeln. 
Nix! Kein Dichter-Gen will anbandeln. 
 
Nee, nee, nee, diese Verse sind kein Knüller, 
kein bisschen klassisch wie von Fritze Schiller. 
Na gut, viel lieber wär ich 
im Reimerausch wie Kästners Erich. 
 
Doch schließlich - und dafür einen Tusch - 
lehn' ich mich an an Wilhelm Busch. 
Das muss noch reifen. So gönnt sich Willi Krause 
erst mal 'ne schöpferische Pause. 
 
Glückauf 
kdk 

  Schmunzelpost -52 vom 25. 2. 21

Eigentlich wollte ich ja Fernsehen. Doch jetzt erhole ich mich lieber beim Schreiben. Warum? Das kam so. 
 
Das schöne Wetter haben wir heute zu einer längeren Radtour genutzt. Von der Lippe an den Rhein und zurück. Am Abend war ich daher ziemlich geschafft und wollte mich durch die Flimmerkiste von meinen Wehwehchen ablenken lassen. Das ist nun mal so im Alter: Erst zwickt es hier, dann zwickt es da und schließlich überall. So griff ich zwecks Wahl einer Sendung zum "Prima", nee, "Primus"?, na egal, also zum Fernsehmagazin meiner Tageszeitung. 
 
Doch statt Infos zum aktuellen Programm erfuhr ich zuerst, dass die feine "Luvos Heilerde 1" prisma, nee, primus, auch nicht, na dann prima gegen Sodbrennen hilft. Das wollte ich aber gar nicht wissen. Also blätterte ich um. Und was stand da? Schmerz lass nach! Wundertropfen gegen Gelenkschmerzen! Habe ich versehentlich zur Rentnerbravo gegriffen, der allseits beliebten Apothekenumschau? Ich will doch nur schnell eine geeignete TV-Sendung suchen. Langsam steigt mir die Zornesröte ins Gesicht,und ich schaue auf die nächste Seite: "Schluss mit Gesichtsrötungen! Unkontrollierte Gesichtsrötung kann für Betroffene schnell zur seelischen Belastung werden. Hilfe kommt aus der Apotheke: Die Gesichts-Creme Deruba."
  
Das ist doch für'n Arsch! Also zur nächsten Seite: "Lindaven - der Geheimtipp bei Hämorrhoiden. Jucken, Brennen, Nässen - bekämpfen Sie das Problem unkompliziert und wirksam von innen." Ganz schnell weiterblättern. Endlich ein Filmtipp. Für den Liebesfilm mit dem Titel: "Das Sexleben wieder genießen", in der Hauptrolle "Deseo". Verdammt noch mal, schon wieder ein Arzneimittel. 
 
Aber Sexleben? Und Schwellkörper? Da war doch mal was? Ich kann mich nur noch schwach erinnern. Da kommt der nächste Hinweis wie gerufen: "Vergesslichkeit im Alter: Was kann wirklich helfen? So, so, Scirocalman reinigt meine verkalkten Hirngefäße. Den schwierigen Namen kann ich mir leider nicht merken. Mal eben einen Zettel zum Aufschreiben holen - Au - mein Kreuz, ich komm nicht hoch. Weshalb wollte ich überhaupt aufstehen? Egal, weiterblättern: "RÜCKENSCHMERZEN? Dorisol lindert Nervenschmerzen im Rücken und schenkt wieder neue Hoffnung!" 
 
Wer's glaubt! Da kann ich mir ja gleich einen Treppenlift zulegen. Moment, jetzt stellt sich ein entsetzlicher Verdacht ein. Schaue ich im Internet mal kurz nach einem neuen Gartenstuhl, dann poppt beim nächsten Eintritt ins weltweite Netz sofort ein komplette Gartenmöbel-Legion auf. Haben sie das jetzt auch für Zeitschriften aus Papier erfunden? Gleich fünf Treppenlift-Anzeigen hintereinander - da sage noch jemand, Printausgaben wären rückständig! 
 
Nach Abstechern in den Darmbereich (Blähbauch? Verstopfung? Magenschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit) und überaus glaubhaften Hinweisen zur Bekämpfung meines Übergewichts (Mit formoline L112 extra drei Kleidergrößen schlanker - klinisch belegt) werde ich langsam kribbelig. Zum Glück gibt's jedoch die grüne Kapsel Lioran zur Entspannung bei nervöser Unruhe. Hilft mir aber auch nicht, wenn dann zwei weitere Treppenlift-Anzeigen folgen. Gerade noch rechtzeitig bin ich beim öffentlich-rechtlichen TV-Programm angelangt. Sie zeigen: "Die Ernährungs-Docs - Krankhaftes Übergewicht", "Visite: Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung". Und als Alternative: "In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte." 
 
Da habe ich das Programmheft zugeschlagen und wollte es im Papierkorb versenken, als mein Blick auf die letzte Seite fiel. Wie? Kein Medizin-Tipp, keine Arznei-Reklame, nicht mal ein Mini-Treppenlift? 
 
Nein, da stand: "Es wird Zeit, wieder ans Reisen zu denken." Sie bieten bis Ende Februar einen Frühbucher-Rabatt von 150 Euro! Und einzigartige Erlebnisse im Fünf-Sterne-Luxus-Class-Reisebus! Und das Beste: "Bewährte kostenlose Haustürabholung"! Auch die Ziele sind verlockend: "Vom Nordkap bis Marrakech". Wo mag das wohl liegen? In Kechikistan? 
 
Im letzten Moment habe ich es mir doch noch anders überlegt. Mit meinem Rückenproblemen komme ich bestimmt nicht in den Bus. Sie haben keinen Treppenlift. 
  
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost - 53 vom 24. 2. 21 

Da bin ich schon wieder mit der nächsten Schmunzelpost. Vorab ein Wort (oder auch mehrere) dazu. Hin und wieder juckt es in den Fingern, und ich muss mal wieder eine Glosse schreiben. Kurz hatte ich überlegt, einen Blog einzurichten. Aber es sprach zu viel dagegen. Z.B. Mein Bronzezeit-Kenntnisstand, was Internettechnik angeht. 
 
 Außerdem gibt es schon sehr viele Blogger. Da ist die Gefahr groß, unbeachtet vor sich hin zu werkeln. Und für einen Journalisten ist Schreiben ohne Publikum so unergiebig wie für einen großen, in die Wüste verbannten Philosophen, seine Weisheit nur mit den Kakteen zu teilen. 
 
Also habe ich mir gedacht, ich schreibe an nette Menschen, die nicht nur in Zeiten der Pandemie eine Aufmunterung brauchen können. An Leute, die erwiesenermaßen auch Sinn für Humor haben. So ist die Chance, dass die Texte wahrgenommen werden, erheblich größer. 
 
Natürlich könnt Ihr meine Mail auch ungelesen löschen. Oder mir kurz schreiben, dass Ihr von der Adressenliste gestrichen werden möchtet. Ich kann das ab. Ich bin nicht so schnell beleidigt. Und ich nehme das nicht krumm. Allenfalls sende ich Euch als Bestätigung eine Abschiedsmail mit meinem Killervirus. 
 
Außerdem müsst Ihr keine Angst haben, dass es täglich so weiter geht. Es ist purer Zufall, dass heute schon das zweite Ei ausgebrütet wurde. Genauso gut kann monatelang Funkstelle herrschen. 
 
Jetzt seid Ihr bestimmt so erleichtert, dass Ihr den heutigen Text lesen könnt. Es ist eine Geschichte, die das Leben schrieb. 
  
Lockdown, Stille, Sonnenschein. Entspannt sitzt der Mann im Sessel und sinnt darüber nach, ob er erst etwas Leckeres essen und dann etwas trinken sollte. Oder ob er erst etwas Leckeres trinkt und danach etwas isst. Oder ob beides sogar kombiniert werden könnte? Aus diesem Moment des Friedens und der Behaglichkeit schreckt ihn plötzlich lautes Gezeter auf. Dabei ist die Frau des Hauses doch unterwegs, um einzukaufen. 
 
Ein Blick zur Terrassentür zeigt die Quelle des Lärms. Mit stolz geschwellter Brust betritt der Kater die Wohnung, im Maul eine Amsel, die das offensichtlich gar nicht gut findet. Nun heißt es schnell zu handeln, um ein Leben zu retten. Die wilde Jagd geht über Tisch und Bänke quer durchs Zimmer. Dann hat der Mann den Kater im Griff. Die Amsel zetert, der Kater zetert, der Mann zetert. Doch das bringt sie nicht weiter. 
 
Eiligen Schrittes versucht der Mann, auf die Terrasse zu gelangen, um draußen den panischen Vogel aus dem Schlund des Todes zu befreien. Die Amsel zetert, der Kater zetert, der Mann zetert. Vor der Schwelle zum Garten windet sich der Kater mit geballter Kraftanstrengung fast aus dem stählernen Griff. Dabei lässt er den Vogel fallen, der rückwärts auf den Wohnungsboden plumpst. Der Kater zetert, der Mann zetert, die Amsel schweigt. Was nun? Den Kater wegsperren! Am besten in den Flur. 
 
Doch zum Türöffnen ist eine freie Hand nötig. Dies nutzt der Kater geschickt aus und springt zu Boden. Nun startet ein Wettlauf über die Distanz von acht Metern. Hin zum Vogel, der starr auf dem Rücken liegt. Fast hat der Kater das Rennen gewonnen, da sieht die Amsel ein, dass tot stellen keine gute Option ist. Im letzten Moment schwingt sie sich in die Luft, stimmt ein letztes Mal in den Klagegesang ein - die Amsel zetert, der Kater zetert, der Mann zetert - und fliegt davon. 
 
Ermattet sinkt der Mann in den Sessel. Sein Blick schweift durchs Zimmer. Der Raum sieht aus wie ein Schlachtfeld. Zum Glück zwar nirgendwo Blut, aber überall Federn, kleine schwarze Federn. Als wäre hier gerade ein ganzer Schwarm Amseln gerupft worden. 
 
Da öffnet sich die Tür und die Katzenbesitzerin kehrt zurück. "Ich bin wieder dahaa! Was sitzt Du faul herum, Du könntest Dich auch mal nützlich... - mein Gott, wie sieht das denn hier aus!" Die Frau zetert, der Mann zetert, der Kater schweigt. 
 
Nachtrag: Wenn Ihr in Dorsten einer Amsel begegnet, die vergleichsweise wenig Unterwäsche trägt, dann wisst Ihr nun, woran das liegt. 
Nachtrag zwei: Ob es wohl wie für Gänsedaunen auch einen Markt für Amseldaunen gibt? 
 
Glückauf 
kdk 

 Schmunzelpost -54 vom 23. 2. 21

Bisher glaubte ich, in unseren Friseursalons hausten die Deutschen Meister im Erfinden hairlicher Namen wie "Ponyhof" oder "Abschnitt". Jetzt scheint es, als hätten sie Konkurrenz bekommen. Ein neuer Geschäftszweig, der im Zeichen des Klimawandels dazu beitragen will, den Plastikmüll zu verringern, entwickelt zunehmend Ehrgeiz bei der Namensgebung. "Unverpacktladen" war gestern, heute gönnt sich der "Weltfairbesserer" gern ein sprachliches Schleifchen im Firmenschild, wenn schon die eigentliche Ware gänzlich schmucklos bleiben muss. 
 
Ich gebe zu, dass ich hinter der Eingangstür von "nixdrumrum" in Bad Segeberg ebenso wie beim Handel "Ganz Ohne" zunächst ganz andere Dienstleistungen vermutet hätte. Auch die Mundart-Bezeichnung "Naggisch" könnte beim falschen Kundenkreis Interesse erregen. Dagegen bringt das vertraute Wortpaar "Mitohne" eine pommestrainierte Spürnase aus dem Ruhrgebiet schon eher auf die richtige Fährte. Wobei die gleiche Nase angesichts mysteriöser Versuche wie "sOHNEnschein" oder einem Bandwurm wie "Frau Ernas loser LebensMittelPunkt" kräftig gerümpft wird. Dafür entschädigen meine drei Favoriten. Platz drei: Theo Tütenlos. Platz zwei: ZeroHero. Und Nummer eins: "Füllosophie". 
 
Also, strengt Euch an, Ihr Lockenwickler und Sprachrasierer, sonst kaufen Euch bald "Emmas Erben" mit ihrer "Kernidee" "Ohne Wenn & Aber" "Der Sache wegen"  den Schneid ab. "Mitohne" Pokal. 
 
Glückauf 
kdk 
 
PS. Für die Namenssuche bin ich wegen Corona nicht kreuz und quer durchs Land gefahren, sondern habe mich aus der "Deutschlandkarte" im Zeitmagazin vom 11.2. bedient.